zlr.TV4. 34. Itchrg. iIdonnemcnl;-lZe Politische u. gewerllchaflliche Bcreins» anzeigen die siebengespalteneKolonel. zeile SO Psg. Familienanzcigen bo Pt. ktnzeigen sllr die nächste Nummer müssen bis i» Uhr nachmittags in der Hauvt-Expedition abgegeben werden. Gcöffnel b.S Uhr jrüh bis 7 Uhr abends, Telegramm. Adresie: „S»lll<»llems>lläl killlli". Zcntralorgzn der fozi aldemokrati fehen Partei Deutfcblanda. Neöaktion: EW. bS» Linüenstraße Z. Kernivrecher: Amt Morittpia«, Rr. 151 Äv— 15197. Sonnabend, de«£8. Juli I91T. Expedition: EW. öS, �inöenstraße Z. fteruiprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 151 SV— 151 97. Der Vormarsch im Südosten bleibt In sluss. Fortschritte am Sereth bei Tarnopol und Trembowla— Einnahme von Kolomea — Französische Angrisse bei Ailles, Hurtebise und am Höchberg— Deutscher Ueberfall bei Suippes. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 27. Juli 1317. sW. T. ö.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. . Die Artillcrieschlacht in Flandern ließ unter dem Einfluß ungüllstigcr Sicht gestern vorübergehend nach. Abends steigerte sie sich wieder zu äußerster Heftigkeit. Erneute gewaltsame Er- kundungcn der Engländer scheiterten überall in unserer Abwehr- zone. Im ArtoiS lebte nachmittags die Feucrtätigkcit durchweg be- trächtlich aus. Nachts wurden an der ganzen Front Borstöße feindlicher Auftlärungsabtcilungen abgewiesen. Bei Honnccourt, nördlich von St. Quentin, brachten württem- bergischc Stoßtrupps eine große Zahl von Engländern von einem Einbruch in die feindliche Stellung zurück. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Am Chcmin-deS-Tamrs südlich von AilleS und beim GeHöst Hurtebise, ebenso am Hochberg in der West-Ehawpagne führten dir Franzosen verlustreiche, erfolglose Gegenangriffe. Gefangenen- zahl ond Beute haben sich sehr vermehrt: im Abschnitt von AilleS stieg sie auf über 14.V) Mann, 16 Maschinen- und 70 Schnellape- gewehre. restlich der Snippeö fielen bei einem Ueberfall gegen feind- liche Grabenstücke zahlreiche Franzosen gefangen in unsere Hand. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des GeneralfcldmarschallL Prinz Leopold von Bayern. Heeresgruppe des Generaloberst v. Boehm- Er m olli. In erbittertem Ringen, dem Seine Majestät der Kaiser auf dem Schlachtfeldc beiwohnte, erweiterten unsere Divisionen bei Tarnopol durch kraftvollen Angriff den schon kürzlich erstrittenen Brückenkopf auf dem Ostufer des Screth. Weiter südlich wurde tro« hartnäckigen Widerstandes der Russen, die ohne jede Rücksicht Tausende um Tausende in dichten Haufen in unser vernichtendes Feuer trieben, der Guiezna- und Sereth-Urbergang von Trembowla bis Skomoroczc erkämpft. Beiderseits des Dnjestr sind wir im schnellen Bordringen. Kolomea wurde von bayerischen und östcrreichisch-ungarischcn Truppen genommen. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Im Nordosttcil der Waldkarpathen drängen unsere Armee- korps dem gegen dem Pruth zurückgehenden Feinde nach. In den Bergen östlich des Beckens von Kczdivasarhely entspannen sich gestern neue Kämpfe, wir überließen dem Gegner das Tal von Soveja bis zum Lberlauf der Putna. Heeresgruppe deS Generalfeldmarfchalls v 0�11 Mackensen Die Gefechtstätigkeit am untere» Screth war geringer als in den Bortagen. Mazedonische �ront. Nichts NeueS. Der Erste Gcneralquartier meist er. Ludendorsf. Abendbericht. Amtlich. B e r l i n, 27. Juli 1917, abends. In Flandern dauert die Artillcrieschlacht fort. In Ostgalizien und den Waldkarpatheu ist der Feind im Weichen, unser Vormorsch in Fluß geblieben. Ter österreichische Bericht. Wien, 27. Juli 1917.(W.T.B.) A m t l i ch- wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des G e n e r a l s c l d m a r s ch a l l S von Mackensen. Unverändert. Heeresfront des Generalober st Erzherzog Joseph. Bei den neuerlichen Kämpfen an der oberen Susita gr- langten die Orte Soveja und Ncgrilcsci in Feiudcshand. In den Waldkarpatheu ist die russische Front»uu schon— vom Tartarenpaß herüber— bis in die Gegend von K i r l i b a b a ins Wanken gekommen. Honvcdregimenter haben de» Gegner über den Caput zurückgeworfen. Die österrcichisch-ungarischen und deutschen Streitkräfte des(heueralob ersten von Koevcß| dringen, dem Oberlauf der Gcbirgsflüsse folgend, in nordöstlicher Richtung vor. HeereSfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Die Angriffsbewcgung der Heeresgruppe deS Generalobersten Böhm-Ermolli schreitet erfolgreich vorwärts. Teile der Armee des Generalobersten Kritek, das wcstgalizische Jnfanteric-Regimcnt Jung Starhcmberg Nr. 13 und bayrische Truppen haben sich im Laufe der Nacht in erbitterten Kämpfen mit russischen Nachhuten der Stadt Kolomea bemächtigt. Am Nordufer des Dnjestr näher» sich die Berdündeten der S t r y p a- M ü n d n n g. Cz ort- kow und Trembowla sind in deutscher Hand. Nördlich von Trembowla rafften sich die Russen vergeblich zu schärfsten Massen- flöße» auf. Die Gegenangriffe brachen durchweg unter schweren Berlusten zusammen. Orstlich von Tarnopol wurde der Feind abermals weiter zurückgcdrückt. Italienischer Kriegsschauplatz. Beiderseits mehrfach erhöhte Geschüytätigkeit. Sonst keine besonderen Kampshandlungen. Balkan-KriegSschauPlatz. Nicht? Neues. Der Chef deS GcneralstabeS. Der Moskauer ttationaltongreß. Die russische Diktotur-Regierung holt zu einer Sammlung«- aktion aus, die offenbar den Zweck hat, den Stützen, die sie an der Arbeiter- und Bauernorganäsation hat, noch die bürgerliche Mit» Hilfe deizugewinnen. die bisher hinter den kadettischeii Elementen der Regierung stand.-.Dir Petersburger Telegraphen-Agentur meldet: Tie Borläufige Regierung hat nach Erörterung der immer ernster werdenden inneren Lage des Landes und in dar Er- kenntnis, daß das Wohl des Vaterlandes die entscheidendsten Maß- nahmen erfordert, beschlossen, ihre schwere Aufgabe in vollkommen- ster llebereinstimmnng und Clcmeinsamkeit mit allen ehrenhaften dem Lande ergebenen Kreisen zu erfüllen. Tic Regierung hat en- solgedesscn beschlossen, demnächst eine Konferenz von Bcr- tretern der bauptsöchlichstcn sozialen Verbände nach Moskau einzuberufen, um sie über die gegenwärtige Lage des Landes und die in nächster Zeit zu lösenden Fragen zu unter- richten. Die Petersburger Telegraphcir-Agentur meldet dazu: Es wird berichtet, daß der große Natioualkongreß der Vertreter der ver- schieden«! öffentlichen und sozialen Organisationen und Einrich- tmrgen unter Teilnahme aller Dumaabgeordneten, dessen Einberufurig nach Moskau gestern von der Regierung be- schlössen worden ist, am 31. Juli in der großen Oper der alten Hauptstadt stattfinden wird. Heute nachmittag stellte sich der Ministerpräsident Kcrenski in der gemeinsamen Sitzung der Zcntralmisschüsse des Arbeiter- und Soldatenrats und der Bauernvertreter ein und lud sie ein, in diesem Kongreß teilzunehmen. Kerenski hielt bei dieser Ge- legenheit eine Rede. Er sagte: Tic Schläge, die gegen uns an der Front und im Hintcrlande geführt würden, sind so heftig, daß wir olle.unsere Kräfte sammeln müssen, um sie abzuwehren, uns zu verteidigen und die mit so viel Mühe errungene Freiheit zu be- wahren. Auf dem in Rede stehenden Kongreß wird die Regierung vor allem die Bitte an das Land richten, ihr bei dieser schweren Aufgabe zu helfen und wird zu diesem Zweck in aller Offenheit den Kongreßteilnehmern die wahre Lage des Staates darlegen. Die Durchbrechung der Front, fuhr der Minister fort, hat einen fruchtbaren Boden für die Gegenrevolution geschaffen, aber die Regierung ist fest entschlossen, die Anarchie mit aller Kraft zu be- kämpfen und wird nicht dulden, daß das Land in die alte Regie- rungsform zurückgeworfen wird. Kcrenski schloß mit der Bitte an den Vollziehungsausschuß, mit den Elementen zu brechen, deren Tätigkeit dazu angetan sei, die Gegenrevolution anzustiften und zu beleben. Der Vorsitzende des Arbeiter- und Soldatenrais. T s ch e i d s e, antwortete, die Regierung könne sicher sein, in dem Ausschuß einen Halt und eine mächtige Stütze zu finden, um die Revolution und Rußland zu retten,_ Der Kriegszuftanö mit Slam. London, 26. Juli. Das Reutcrsche Bureau meldet aus Bangkok, daß die Maschinen der dort liegenden d e u t- schcn und österreichisch-ungarischen Schiffe durch Sprengung beschädigt sind. Alle männlichen U ntertancn feindlich er. Länder wurden für die Dauer des Krieges interniert, die feind- lichen Geschäftshäuser geschlossen. Spiel mit öer preußischen Wahlresorm. Der Reichskanzler bat dieser Tage mit den Führern der preußischen Landtagssraktioncn Besprech-ungen gehabt, über deren Verlauf strengstes Stillschweigen beobachtet wird. Der ..Berliner Lokalanzeiger", der aber auch iibcr die vertraulich- sten Verhandlungen zu berichten weist, erzählt, daß der Reichs- kanzler mit den Vertretern der beiden konservativen Frak- tionen, der Nationallibcralen und des Zentrums über die Frage der P a r I a m e n t a r i s i e r u n g gesprochen habe. Dabei habe er seine Neigung zu erkennen gegeben, preußische Ministcrstellen mit geeigneten und mit dem Vertrauen ibrer Fraktionen ausgestatteten Parlamentariern zu besetzen. Die z i e l b c w n ß t e, ausrechte Haltung des Kanzlers, so ver- sichert das Blatt weiter, habe auf alle Teilnehmer den b est on Eindruck gemacht. Zugleich beschäftigt sich die„Kreuzzeitung" mit der vor- gestrigen Rede des Genossen Scheidemann in einer Weise, die einen gewissen Einblick in das Spiel gewährt, das die Kon- servativen mit dein königlichen Versprechen des gleichen W o h l r e cht s zu treiben geioillt sind. Die„Krenzzeitung" greift aus dieser Rede den Satz heraus, die Sozialdemokratie verlange eine preußische Staatsrogierung im Sinne der WoHlrechtSbokschaft vom 11. Juli und bemerkt dazu: Der Sinn dieser Forderung ist klar, auch wenn sie die demo- kratische Presse nicht schon im voraus erläutert hätte. Mit den Ministern, die gegen die Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen gewesen sind, kann'die neue WcchlJchtsvÖrlage nicht durchgekämpft werden. Sie müssen deshalb beseitigt werden. Nun hat ja der..Tag" gestern mitgeteilt, daß der Landwirtschafts- minister Frhr. v. Schorlcmcr zurücktrete, weil er da? gleiche Wahlrecht für Preußen für ungeeignet halte. Aber wir haben schon seinerzeit mitgeteilt, daß nicht olle Gegner des gleichen Wahlrechts im preußischen Staatsministcrinm den gleichen Standpunkt eingenommen haben, sondern ihre RücktrittSgesuche zum Teil nur für den Fall des Verbleibens des Herrn v. Bethmann im Amte eingereicht babcn. Sic waren also bereit, auf den Boden des Wahlrcchtserlasses zu treten und trotz desselben ihr Amt weiterführen. Das erklärt Herr Scheidemann nun, indem er die gleiche Forde- rung der demokratischen Presse aufnimmt, für unzulässig. Er verlangt eine Staatsregiorung, der er den nötissen RadikalismnS und Fanatismus bei Durchsetzung des gleichen Wahlrechts zutraut. Wird der Ministerpräsident sich dem beugen? Der Fall liegt also ungeheuer einfach. Scheidemann ver- langt eine preußische Regierung, der er den Willen zur Durch- setzung des königlichen Wahlrechtsversprechens zutraut. Und das Hauptorgan der Konservativen will eine solche Regierung gerade nicht. Das geht schon daraus hervor, daß es den Willen zur Durchführung der Werhlrechtsbotschaft verächtlich als„Radikalismus und Fanatismus" bezeichnet. Wer es mit der Er- süllung eines königlichen Versprechens e r n st nimmt, der ist in den Augen der„Kreuzzeitung" ein radikaler Fanatiker. Solche radikale Fanatiker will die„Kreuzzeitung" na- turgemäß in der Regierung nicht haben. Sondern sie will eine Regierung nicht nach dem Willen des Königs, sondern nach dem Herzen ihrer eigenen wahlrechtsfcindlichcn Partei. Sie will eine Regierung, die nicht mit dem festen Entschluß vor den Landtag tritt, die Wahlreform so rasch als möglich durchzusetzen, sondern eine, die die Reform zunächst ans die lange Bank schiebt, dann sie mit halbem oder viertel Herzen einbringt und nach ihrer Ablehnung durch den Landtag in dem Bewußtsein, ihre Pflicht erfüllt zu haben, mit einem negativen Entschluß sich bescheidet. Genau so war es nach der Thronrede von 1908. Damals hatte der König von Preußen die Wahlreform als„eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart" bezeichnet. Aber die kümmerliche Vorlage, die daraufhin im Landtag eingebracht wurde, fiel. Als nun die Anhänger der Wahlreform wahrheitsgemäß erklärten, das königliche Versprechen sei nicht eingelöst, antwortete die konservative Presse sehr entrüstet, diese Einlösung sei tatsächlich erfolgt, denn eine Reformvor- läge sei ja eingebracht worden, für ihr Scheitern aber sei der König und. seine Regierung nicht verantwortlich. Die„Kreuzzeitung" verrät vorzeitig, daß es diesmal wieder genau so gemacht werden soll. Die Vorlage wird ein- gebracht, und damit ist das königliche Versprechen erfüllt. Kein Mensch hat ein Recht mehr, sich zu beschweren. Ter Landtag nimmt dann diese Vorlage und wirft sie der Regie- rung ins Gesicht, oder er verändert sie bis zur Unkenntlich- keit, ettva wie man Spiritus denaturiert oder Margarine färbt— die Herren kennen ja die Methoden— und dann heißt es für das preußische Volk hübsch stille sein und sich zu bescheiden. Es ist alles in �aller Ordnung zugegangen, die Regierung hat das Versprechen des Königs eingelöst, der
Aanötag bat von seinem verfassungsmäßicien Reckte Gebrauch gemocht, indem er die Vorlage ablehnte oder verstümmelte— und nun, nachdem der König diese innere Bataille verloren hat, ist wieder Ruhe die erste Bürgerpflicht. So denkt sich die„Kreiizzeihmg", würde es auch diesmal wieder kommen. Aber wir können ihr garantieren, daß eS diesmal nicht wieder so kommen wird. Denn wenn der Frieden wiederkehrt, dann kehren auch Millionen Männer heim, viele mit dem Eisernen Kreuz an der Brust, viele auf Krücken und mit einem Arm als Zeichen dafür, was sie für das Land ge- opfert haben. Und diese Männer werden dann vor den König wm Preußen treten und chn fragen, was aus seinem Ver- sprechen werden soll. Und das werden keine scheu geduckten Untertanen sein, sondern Männer, die in det Hölle von hun- dort Schlachten ibren Mut erprobt, ihr Selbstbewußtsein gc- stählt haben. Sie werden nach dem Rechten sehen und, wenn es dann noch notrvendig sein sollte, dafür sorgen, daß es dies' mal nicht wieder so kommt, wie es schon manchmal ge- kommen ist. Hier wirkt ein eiserner Schraubstock der Entwicklung! Und wie sie sich auch drehen und wenden, die preußischen Kon- iervativen können sich seinem Gewinde nickt mehr entziehen. Werden wir aber in Preußen eine Autorität haben, die ihnen die Notwendigkeit, die sich aus der Lage der Dinge von selbst ergibt, begreiflich macht? Dann, aber auck nur dann werden wir die Gewißheit haben, daß sich das, was ohnehin kommen muß, ohne gefährliche Reibungen und Störungen vollziehen wird... Auf die Masse der Bevölkerung muß die Offenheit der „Kreuzzeitung" beunruhigend wirken. Das konser- vative Blatt scheint es sich ja überhaupt zu seiner Hauptauf- gäbe gemacht zu hoben, die beruhigenden Wirkungen, die die leitenden Stellen von ihren Acußerungen erwarten, nach allen Regeln der Kunst zu sabotieren. Es hat die Erklärung des Reichskanzlers zum Friedensprogramm des Rcichstags�wie ein Ei ausgeblasen und dann triumphierend erklärt:„Seht, es ist leer!" Mit derselben Fingerfertigkeit beginnt es jetzt auch die Wahlrechtsbotschaft des Königs zu behandeln. Welches Unheil damit augerichtet wird, läßt sich gar nicht übersehen. Wir haben die Wahlrechtsbotschaft vom 11. Juli begrüßt und in ihr ein Mittel gesehen, im deutschen Volk die Zuversicht zu stärken, deren es in dieser furchtbar schweren Zeit mehr denn je bedarf. Stimmen, wie die der„Kreuz- zeitung", drücken diese Zuversicht herab und töten das Ver- trauen, wo es zu keimen beginnt. Trotzdem kann man es begrüßen, wenn Klarheit geschaffen wird, nur muß diese Klarheit v o l l st ä n d i g sein. Daß die konservativen Stützen der Krone alles tun werden, um die Erfüllung des königlichen Versprechens zu verhindern, wissen wir. Daß die königlich preußische Regierung alles, aber auch alles tun wird, um dem Volk sein Recht werden zu lassen und zugleich die Autorität der Krone vor der schwersten Erschütte- rung durch die Junkerdiktatur zu schützen, das wissen wir bis- her noch nicht. Danach ermesse man, ob die Forderung des Genossen Scheidemann nach einer Regierung im Sinne der Wahlrechts- botschaft wirklich nur. wie die„Krcuzzeitung" schreibt, aus dem Verlangen der Demokratie nach Machterweiterung ge- boren ist, oder ob es sich hier nicht um eine L e b e n s n o t- w e n d i g k e i t des preußischen Staats und des Deutschen Reiches selbst handelt. Wenn sich Herr Michaelis mit Mit- arbeitern umgeben will, die das Vertrauen der preußischen Landtagsfraktionen genießen, so ist damit gar nichts gewonnen. Er müßte sich vielmehr seine Mitarbeiter unter den gecig- neten Persönlichkeiten suchen, zu denen das Volk das Ver- trauen hat, daß sie ihm das versprochene gleiche Recht bringen werden, und wäre es mit Ketten an den Himmel geschlossen! Oder, wäre es etwa ein Gewinn für die„StaatSauto- rität". wenn sich herausstellte, daß die Regierung, um die Er- füllung eines königlichen Versprechens zu erwirken, einer nochmaligen Nachhilfe von unten bedarf? Ein Vorstoß der englischen Zrieöenspartei. Der Kriegswillen der Mehrheit. Im Unterhause hatten Ramsay Macdonald von der U n- abhängigen Arbeiterpartei und der frühere radikale Minister Trevelyan folgenden Antrag eingebracht: „Dir jüngste FrudrnSrntschließung drs Deutschen Reichstags bringt Grundsäbe zum Ausdruck, f ü r die unser Land eintritt. Das HauS verlangt von der Regierung, daß sie gemeinsam mit den Alliierten ihre Friedensbedingungen von neuem feststellt." Am Donnerstag wurde dieser Antrag bei schlechter Bc- setzung des Hauses verhandelt, worüber Reuter folgendes be- richtet: ASquith erklärte, sem«r Meinung nach legten Macdonald und Trevelyan der Entschließung des deutschen Reichstages mehr Wichtigkeit bei als sie verdrene. Ta« höchste Interesse der Mansch- heit zielt auf de» Friede», aber unter einer alle« beherrschenden Bedingung, nämlich der, daß cS ein Frieden ist, der nicht den Zweck zunichte macht, für den die große» Nationen in de» Krieg cingc- treten sind, und für den sie ihn fortgesetzt haben, und daß die maß- losen Leiden und Verluste, die uns in gleicher Weise betroffen haben, nickt umsonst gewesen seien. Ich bin erfreut, daß zeitig im Herbst auf Einladung Rußlands eine Konferenz abgehalten werden wird. Nur Gutes kann au» ihr entspringen. Eine neue Erklärung über unsere Kriegszicle wird gut sein, weil seit Beginn de» lausenden Fahre» zwei neue Tatsachen aufgetaucht sind, erstens, daß Rußland für olle Zeiten ausgehört hat, eine autotratische Macht zu sein, und zweitens, daß die Vereinigten Staaten mit all ihren moralischen und materiellen Hilfsquellen auf den Plan getreten sind. Diese beiden Tatsachen haben auf die Mei- riung der Well über die Aufrichtigkeit unserer Ziele eine direkt praktische Wirkung, und sie bedeuten, daß dir alliierten Mächte aus einer überwältigenden Mehrheit der freien Biilker der Welt be- stehen. Bei jeder Neugestaltung der Landkarte muß der leitende Grundsatz auf den Interessen und Wünschen der durch die Aende- rung berührten Bevölkerung beruhen. Ist Teutschland bereit, nicht nur Belgien zu räumen, sondern auch das gewaltige Unrecht und den Schaden voll wieder gut zu machen, von dem sein« verwüstende Besetzung des Lande» und die Versklavung eines großen Teils der Bevölkerung begleitet war? Ist Deutschland bereit. Belgien nicht nur einen Schein von Freiheit zurückzugeben, sondern vvllsiändige, unbeschränkte und unbedingte Unabhängigkeit? lBeifall.) Ich möchte Teutschland» Antwort auf dies« Frage hören. Ich kann in irit ungenauen, unbestimmten Formel de» Reichstag» keine Ant« Wort fwden. Ich möchte nicht sagen, daß der Fried« unmöglich ist, aber auö dem, was kürzlich in Berlin vorgegangen ist, kann ich keine wirkliche Annäherung wesentlicher Art an die Ziele und Zwecke der Alliierten ersehen. W a r d l c, der Vorsitzende der Arbeiterpartei, erklärte sein« Ucbercinstimmung mit Asquith» Worten, wobei er sagte: Im ganzen Lande herrscht ein wirklich« Wunsch nach Frieden, aber dieser Wunsch stützt sich nicht auf die Entschließung des Reichs- tags, sondern auf die Erreichung der Ziele, für die wir in den Krieg«ingetreten sind. T'« Entschließung, welche die franzö- fische Kammer im vergangenen Monat angenommen hat, gibt eine endgültige und klare Antwort auf die Entschließung des Reichstags, und wenn das deutsche Volk in Wirklichkeit den Frieden wünscht, wie vorgegeben wird, dann kann es ihn haben, wenn cS seiner Regierung das auferlegt,»aS die frwnzösisch« Kammer ver- langt hat.(!) Wir haben kein Recht, den Ursprung des Krieges zu vergessen. Ich sehe denselben Wunsch und dieselbe Achtung für die moralischen Fragen und kein Zeichen der Reue auf Sei- ten der deutschen sozialistischen Mehrheit, noch einen Wnusch, zu einer solchen Verständigung zu gelangen, wie sie die Befürworter der Entschließung angeregt hoben. Die Arbeiter des Landes sind unbeugsam zum Siege entschloffen. Bonar Law erklärte, die Antragsteller lebten nicht in der Welt der Wirklichkeit und hätten kein Verständnis für die wirk- liche Frage, die in der Welt ausgekämpft werde. ES ist ein Krieg, fuhr der Redner fort, der entscheiden soll, ob moralische Stärke oder Schlechtigkeit die Welt beherrschen soll; wenn der deutsche Militarismus triumphiert, werden die Mittelmächte das alte System in der Welt wiederherstellen. Wir kämpfen ebenso, wie die Russen selbst, für deren Freiheit, und ich zweifle nicht an dem Anteil, den Rußland an diesem Kriege nehmen wird. Bonar Law bemerkte sodann, daß die Entschließung Mac- donalds zwar vorgebe, die Reichstagsentschließung wiederzugeben, jedoch die auf die Freiheit der Meere bezügliche Stelle gar nicht erwähne. Was sei mit der Freiheit der Meere gemeint? Was nützt es, die Entschließung einer Körperschaft, die nicht die geringste Macht habe, zur Grundlage für irgend etma» zu nehmen! Was in Rußland vorging, hat die Lage sehr verändert. Die Lage war gefahrvoll, aber cS soll kftin Irrtum darüber bestehen, daß die Hilfsquellen Großbritanniens und feiner Alliierten ausreichen, um es ganz sicher zu machen, daß wir, wenn wir nicht den Mut der- lieren, die Ergebnisse erreichen werden, für die wir in den Krieg eingetreten sind. Wir kämpfen, um Wiederherstellung zu erlangen, soweit für die grausamen und unverdienten Missetaten, welche die Deutschen am belgischen Hofe(?) begingen, noch Wiederherstellung möglich ist. Es ist das Gleich« mit Nordfrankreich. Bonar Law forderte die Pazifisten auf zu sagen, ob ihre Formel„Keine Eni- schädigung" bedeute, daß man von Frankreich verlangen solle, einen Frieden anzunehmen ohne Ersatz für da? unerträgliche Unrecht, das ihm so lange Zeit auferlegt worden sei, und ob„keine An- nexionen" bedeute, daß das mit Gewalt Frankreich entrissene Elsaß-Lothringen auch weiterhin mit Gewalt als ein Teil des Deutschen Reiches gehalten werden solle. Habe eS einen Friedensvorschlag im Reichstag gegeben, solange der Krieg zu Gunsten Deutschlands verlaufen zu sein scheine? Dies sei erst geschehen, als es zutage getreten sei. daß Deutschland geschlagen werden würde. Der einzige Weg, ein wirkliches Friedens- gefühl mit Deutschland zu schaffen, sei der, ihm zu zeigen, daß man weiter kämpfen werde, bis das Ziel, die Vernichtung deS deutschen Militarismus, erreicht sei. Im Falle eines zusammenge- flickten Friedens, der die deutfche Militärmaschine ungebrochen und in den Händen derselben Leute lassen würde, hätten wir dann irgendwie das Ziel erreicht, daß dieselbe Gefahr, welche unsere Generation vernichtete, nicht auch unsere Kinder vernichten könnte? Zwischen der deutschen Regierung und dem deutschen Volke besteht ein großer Unterschied, aber beide, die deutsche Regierung und das deutsche Volk sind dazu gekommen, den Krieg als einen erfolg- reichen zu betrachten und als eins der schnellsten Mittel über da« Wachstum und die Größe ihres Volke». Wir werden auch in Zu- kunft keinen Frieden haben, wenn da» deutsche Volk nicht überzeugt wird, daß der Krieg sich nicht bezahlt macht, und daß seine Größe und seine Entwicklung auf anderem Wege gesunden werden mutz, als dadurch, daß die Welt in einen Krieg gestürzt wird. In einem Kriege, wie diesem, müssen sich die Ziele ändern, aber unker« Ziel« sind in der Hatlptsach« heute dieselben, wie damals als Asquith seine Rede in der Guildhall hielt. Die Entkchliehung Macdonalds wurde daraufhin mit 118 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Zurück hinter den Rhein? Im Unterhaus« fragte King, ob Carson kürzlich in Dublin erklärt habe, daß irgend welchen Verhandlungen mit Deutschland die Zurückziehung der deutschen Truppen über den Rhein vorausgehen müsse, und ob die Rede Earfon» den politischen Standpunkt der Alliierten in hieser Frage wiedergebe. Bonar Law erwidert«, Earson habe in der Tat erklärt, wenn Deutschland Frieden wünsche, müsse eS sich vor allem bereit erklären, die besetzten Gebiet« zu räumen. Diese Erklä- rung werde von der englischen Regierung vollkommen gebilligt. (Beifall., Ki n g fragte darauf: Wissen Bonar Law und Earson nichi, daß die beiden Rheinufer Deutschland aus eine beträchtliche Dtrecke gehären, und daß Teutschland, wenn e» sie besetzt hält, keineswegs feindliches Gebiet in Besitz nimmt? Bonar Law erwiderte: Sowohl Carson wie ich wissen die». •* * In der Mitte zwischen der unbedingten ehrlichen Frie- densliebe Macdonalds und dem unbedingten Kriegswillen des konservativen Ministers Bonar Law sieht der bedingte Kriegswille des früheren liberalen Ministerpräsidenten Asquith. Dieser wäre, wie es scheint, zum Frieden bereit, wenn Deutschland die Unabhängigkeit Belgiens herstellt, und über die belgische Entschädigungsfrage ließe er wahrscheinlich mit sich reden. Bonar Law aber, Mitglied der gegenwärtigen Regierung Lloyd Georges, redet wie bei uns Dietrich Schäfer oder der Vorsitzende der Alldeutschen, Rechtsanwalt Elast. M i t e i n e r Regierung, die vom Geiste der Bonar Law und Carson beherrscht wird, wäre kein an- derer Frieden möglich, als ein Frieden f ch in ä h Ii ch st c r Unterwerfung. Der Vorsitzende der Arbeiterpartei, Wardle, beruft sich zwar auf Asquitb, spricht aber wie Bonar Law. Er verlangt vom deutschen Volk, es solle seine Regierung zur Annahme von Friedensbedingungen zwingen, die ihr ein e r o b e- rungslustiger Feind auferlegen will. Diesen Zwang auszüben, must da« deutsche Volk ober schon den Armeen der Alliierten überlassen, und es wird sich gegen ihn weiter zur Wehr setzen wie bisher. Wenn Wardle weiter meint, er bemerke bei den deutschen Mehrheitssozialisten„keine Reue" (merkt er sie bei den Minderbertssozialisten?). so ist darauf zu erwidern: Reue zu empfinden hätten die deutschen Arbeiter erst dann Grund, wenn sie ihr Land im Kampfe gegen eine zehnfache Uebermacht im Stich gelassen hätten. Das haben sie nicht getan, und das werden sie nicht tun! Das Ergebnis üer pariser Konferenz. Paris, 2«. Juli.(Meldung der Agence Hovas., Die zur Prü- fung der Lage auf dem Balkan zusammengetretene Konferenz hat heut« ihre letzte Sitzung abgehalten, zu der die Vertreter aller alliierten Länder berufen worden waren. Sie hat einstimmig die in den vorhergehenden Sitzungen beschlossenen Entschlüsse ange- nommen. Eine Vereinigung der in Betracht kommenden Ressort- minister wird in London stattfinden, um die Maßnahmen zur Aus- führung festzusetzen. Bor ihrem Auseinandergehen haben die Mitglieder der Kon- serenz Wert darauf gelegt, einstimmig die folgende Erklärung ab- zugeben: Dir enger denn je zur Verteidigung des Völkerrechtes, besonders auf der Balkanhalbinsel, vereinigten, alliierten Mächte sind entschlossen, die Waffen erst niederzulegen, wenn sie das Ziel er- reicht haben, da» in ihren Augen alle andere beherrscht, nämlich die Wiederkehr eine» verbrecherischen Angriffe» un- möglich zu machen, wie derjenige, für den der Imperialismus der Mittelmächte die Verantwortung trägt. Die Antwort Gefterreicbs an Englanü. Lord Robert Cecil hat dieser Tage im englischen Unterhause Deutschland als Hauptfeind Englands erklärt, Oesterreich-Ungarn aber recht glimpflich behandelt. Das„Wiener Fremdenblatt" stellt jetzt mit Befriedigung fest, daß die Red« Cecils frei von jeder Art aggressiver Animosität gewesen sei und sich darauf beschränke, den Standpunkt Großbritanniens nüchtern und sachgemäß darzulegen. Wenn die englischen Staatsmänner den Weg zu einem ehrenvollen Frieden über Wien al» gangbar erachten, so glaube das„Fremdenblatt", einem solchen Willen kein scharfes Nein entgegensetzen zu sollen. Das„Fremdenblatt", da« offiziöse Organ der österreichischen Regierung lehnt aber mit Bestimmtheit jedes Abrücken von dem Bündnisse mit Deutschland ab:„Cecil weiß genau, daß die Rück- gäbe Elsaß-Lothringen« nur von einem vollständig besiegten Deutsch. land erzwungen werden könnte, und daß unsere Monarchie bis zum letzten Atemzuge an der Seite ihrer treuen Verbündeten kämpfen wird." Die österreichische Regierung hat nach dem„Fremdenblatt" durch Ausstellung ihres allgemeinen FriedenSgrundsatze« auch hin- länglich ihren Standpunkt in der Gestaltung Serbien» nach dem Kriege klargelegt. In keinem Falle dürfe aber Serbien e i n Herd der Agitation gegen die Monarchie sein. Ta sich die österreichische Regierung zu einem Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen bereit erklärt hat, so darf daraus gefolgert werden, daß sie— in Uebereinstimmung mit ihren Erklärungen nach Absendung des Ultimatums— auch keine Verletzung der territorialen Integrität Serbien» beabsichtigt. In bezug auf die„sogenannte" südslawische Frage behauptet das„Fremdenblatt", daß die österreichischen Südslawen keine Hindernisse zu ihrer freien kulturellen EntWickelung gefunden haben. Di« Lösung dieses Problems sei e i n e a u S s ch l i e ß l i ch österreichisch- ungarische Angelegenheit, die keinen Feind angehe und nicht Gegenstand internationaler Diskussionen sein könne. In diesem Punkte stehen die Meinungen schroff gegen- einander: die österreichische Regierung, die eine Einmischung des Auslandes in die„sogenannte" südslawisch« Frage unter Berufung auf ihre Souveränitätsrechte nicht dulden will, und das feindliche Ausland, das da» südslawische Problem schon deswegen als inter- national erklärt, weil die kolossalste internationale Auseinandersetzung, der Krieg, von ihm seinen Ausganggenommenhat. Die österreichische Regierung wird ihren Standpunkt mit Erfolg aufrechterhalten können, wenn sie den Südslawen in Oesterreich wie in Ungarn sofort die umfassendste Möglichkeit zu freier kultureller und nationaler EntWickelung schafft, wozu die erste Voraussetzung ist, daß die Bedeutung der historischen Grenzen sehr gemindert wird, welche heute die national im wesentlichen einheitlichen Südslowen in vier V«rwaltungSgebietc scheiden: in da» österreichische, ungarische, kroatisch-slawische und bosnisch- herzegowinischc. Die südslawische Frage wird nicht nur„so ge- nannt", wie das«Fremdenblatt" schreibt, sondern sie besteht, und ihre erfolgreiche und sofortige Lösung ist der beste Schutz gegen eine Einmischung des Auslandes in die innerösterrcichischen Angelegenheiten, die niemand wünschen kann, weil er den Keim neuer Verwickelungen in sich trägt. DaS„Fremdenblatt" schließt mit der Versicherung: „Wir streben aufrichtig und ohne Hinterhalt einen ehrenvollen Frieden an, aber einen Frieden, der, ohne den Gegner zu vergewaltigen, uns auf einer Front mit unseren Verbündeten zeigt, einen Frieden, der uns vor neuen verbrecherischen Anschlägen schützt, einen Frieden, der uns als Herren im eigenen Hause beläßt." diktatur-Maßnahmea. Wiedereinführung der Todesstrafe an der russischen Z?ront. Petersburg, 26. Juli.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Nach- dem die Oberbefehlshaber an der Front und die Armeeführer in ihren Berichten darauf bestandrn hatten, daß zur Wiederherstellung der Manneszucht an der Front unumgänglich die Einführung der Todesstrafe an der Front notwendig sei, ist diese eingeführt worden. Diese Maßnahme ist eine zeitweilige und dauert bis zur Beendigung der militärischen Operationen. Außer der Wiederein- führung der Todesstrafe verfügte die Vorläufige Regierung auch die Schaffung von revolutionSre» Kriegsgerichten an der ganzen Front, die auS drei Offizieren und drei Soldaten bestehen sollen. Auch diese Verfügungen sind ein Zeichen, daß der Widersland gegen die Fortführung des Kriege» bi« zur Zerrüttung aller Kampf« disziplin gediehen ist. Wa» die Regierung ankündigte, macht sie wahr: durch Anwendung der äußersten Gewaltmittel meint sie das Heer wieder brauchbar machen zu können. » Petersburg, 2S. Juli.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) In Abänderung des Erlasses vom 10. Mai über die Pvesse hat die einstweilige Regierung den Kriegsminister und den Verweser des Ministerium« des Innern ermächtigt, periodische Druckschriften, die zur Insubordination gegen militärische Vor- gesetzte, zur Verletzung der militärischen Pflicht und zu Gewalttaten auffordern, zu unterdrücken und die verantwortlichen Schriftleiter vor Gericht zu ziehen.
die Verwirrung in Rußland. Wie wirr die Lag? Rußlands ist, bezeugen wiederum zwei engliscke Rußlandreijende der letzten Wochen. T'er Fabier I. W e st bezeichnet in„T'aily Chronicle" als den Schlüssel zur Gesamtlage den drohenden wirtschaktlichen Zuiammenbruch. Tie Hauptursache der Schwierigkeiten Rußlands sei wirtschaftlichen und finanziellen und nicht politischen Lhurakters. Tic politischen Schwierigkeiten seien in sehr hohem Grade nur eine Rückwirkung der Wirtschaft- lichcn Zustände. Bares Geld ist nicht mehr im Umlauf. Ta in Rußland das Bankivesen unentwickelt ist. und Mißtrauen gegen die Banken herrscht, so würde die unbeschränkte Ausgabe von Pa- geld sehr leicht zum Staatsbankerott führen. Die Anzahl der Lo- komotiven, die reparaturbedürftig sind, bildet eine fünfstellige Ziffer, aber die Zahl der Lokomotiven, die wirtlich repariert wer- den, ist mikroskopisch klein. Eine große Zahl von Lebensbedürf- nissen wird überhaupt nicht mehr hergestellt. All dies beweist die wirtschaftliche Desorganisation in Rußland, im Vergleich zu der die politischen Schwierigkeiten unbedeutend sink». Aber diese politischen Nöte spotten, wie die Welt weiß, jeder Beschreibung. Minister Henderson, der sechs Wochen lang in Rußland war, sagte nach einer Londoner Meldung der norwegischen Zeitung„Tidens Tegn": Di« Schwierigkeiten der Vorläufigen Re- gierung seien ungeheuer. Die radikalen Sozialisten beherrschten die Lage und demoralisierten Heer und Flotte. Sie behaupteten, daß die Offensive nur den russischen, amerikanischen, französischen und englischen Kapitalisten nützen würde. Er bezweifle, daß da« ruf- fische Heer mit größerer Kraft kämpfen werde, ehe die alliier- ten Regierungen die Kricgsziele festgestellt hätten und die Stockholmer Konferenz gesichert sei. Soll das heißen, daß Henderson glaubt oder hofft, die Stock- bolmer Konferenz lasse sich ausnützen, um die zerschellte Kriegs- kraft Rußlands aus dem Scherbenzustand wieder in ein heiles Ganzes zurückzuverwandeln? Mag er das Experiment versuchen. Inzwischen werden, die galizischen Vorgänge seiner Rechnung in einem wichtigen Punkte berichtigend nachgeholfen haben. Die Spartakus e gegen Stockholm. Stockholm, 27. Juli. iEig. Drahtbericht des.Vorwärts".) „Politiken" veröffentlicht einen langen Ausruf, gezeichnet von den Parteileitungen der Bolschewiki, der Sozialdemokratie Polens und Litauens, der bulgarischen engherzigen Partei, der schwedischen Linken und der Jungsozialisten über die Stockholmer Konferenz und die revolutionäre Internationale Soziale. Darin wird festgestellt, daß die Entente annexionistische Pläne hegt; Deutschland und der Donaumonarchie wird vorgeworfen, daß sie nicht klar auf alle An- nexionen verzichtet haben. Weiter wird darauf hingewiesen, daß die Streiks und die Unruhen in allen Ländern den Kampf der Volksmassen gegen den Krieg bedeuten. Die erneute Kreditbewill!» gung der deutschen Sozialdemokraten wird scharf angegriffen, ebenso heftig aber die sogenannten Sozialpatrioten aller Länder. Die Re- pierungsagenten Scheidemann und Adler und die Sozialpatrioten Troelstra und Stauning strebten mit ihrer Konferenz einen Schacherfrieden an ohne Völkerbefreiung. Mit diesen Leuten, die mit ihren Regierungen so verbunden sind, könnten sich die oppositio- nellen Minderheiten nicht zu einer Konferenz zusammenfinden. Eine solche Konferenz wäre eine lediglich nicht offizielle Diplomaten- kon'erenz, deren Gefangene die teilnehmenden wirklichen Sozialisten sein Würden. Darum werden letztere aufgefotdert, den Arbeitern den sozialpatriotischcn Konferenzcharakter darzulegen, diejenigen Parteileitungen zu desavouieren, die trotz ihrer Zugehörigkeit zu Zimmerwald an dem Schacherfrieden mitwirken wollen und Dele- gierte zu einer wahrhaft sozialistischen Konfe- renz für den Friedenskampf zu senden, dafür Pässe zu fordern und im Falle, daß diese verweigert werden, an die Oes- fentlichkeit zu appellieren. Wieder einmal raffen also die Spartakusse sich zu dem Bekenntnis auf, daß die Stockholmer Friedensaktion ihnen in der Seele zuwider ist. Sie sagen nichts neues! nur die Anstrengung ihrer Worte ist diesmal erheblicher noch als sonst. Nimmt man die Sache, um die es sich in Stockholm handelt, in ihrem ganzen furcht- baren Ernste, so erscheint die„wahrhast sozialistische Konfernz", die von den Spartakussen berufen wird, als ein wahrhaft fades Spiel Die zerbrochene slawische Einigkeit. Wie gemeldet, hatten die tschechischen Abgeordneten im öfter- reichischen Reichsrat mit ihrem Nationalausschuß eine gemeinsame Sitzung in Prag über die Beschickung der VerständigungSkonfe- rcnzen und des Verfassungsausschusses. Dazu waren auch Ukrainer und Slowenen eingeladen. Die Vertreter der Slowenen, Korosez und Krek, wurden aber von dem Organ der national- intransigenten Agrarier mit einem wüsten Aviikel begrüßt, der die beiden Herren veranlaßte, sofort wieder dem ungastlichen Prag den Rücken zu kehren. Die tschechischen Chauvinisten werden ihre Abgeordneten im Parlament noch glänzend isolieren. wenn die Gemäßigten und doch wahrhaft Radikalen nicht herzhaft mit dem Wordgeflunker brechen. Eine Verbannung der Tschechen in den Schmollwinkel ist aber auch kein deutsches Hochziel, wenn auch die deutschradikalen Chauvinisten dadurch eine Zeitlang mehr Bewegungsfreiheit bekämen. Das Ziel einer weitsichtigen deut- schon Politik ist die Befreiung der im nationalen Streit gebunde- nen Kräfte für staatliche und soziale Zukunstsaufgaben. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 27. Juli. Amtlich. Auf dem nördlichen Kriegsschau- platz wurden durch dir Tätigkeit unserer U-Boote wiederum 2Z5VV Dr.-Reg.-To. vernichtet. Unter den versenkten Fahrzeugen befanden sich daS eng- lifche Borpostenfahrzeug Arawa, daS nach emslündigem Artillcricgcfrcht versenkt wurde, die englische» Dampfer Gidel Aedid fiitf) To.) mit Kohlen nach Gibraltar, Exford{ib03 To.) mit Hafer und Lokomotiven nach England. Die Ladungen der übrigen vcr- senken Schiffe tonnten nicht festgestellt«erden. Der Chef des AdmiralstadeS der Marine. Amerikas Mittel gegen üie U-Soot-Eefahr. Amsterdam, 27. Juli. Ein« Washingtoner Meldung der„Daily Mail" vom 2l. d. MiS. behandelt eine Denkschrift der Marine- behörden an Präsident Wilson. Darin wird eine große Offen. sive zur See zusammen mit gewaltigen Luft- angriffen als notwendig erklärt, um die U-Boot-Gefahr zu beenden. Die Denkschrift sagt den schließlichen Sieg Deutschlands voraus, wenn die Verbündelen an der Defensive festhalten, dagegen im Monat eine Million Schiffsraum vernichtet wird, während nur der dritte Teil davon durch Neubauten ersetzt werden kann. Das Ergebnis üer Schlacht am Stagerrak. Eine englische SldmiralitätSkritik. Der englische Admiral Henderson schreibt in der„Daily Mail": „Nachdem die Negierung einmal angefangen hatte, zu versuchen, alles geheimzuhalten, um ihre eigenen Handlungen zu bemänteln, kommt sie von selbst dazu, alles und jedes in das beste Licht zu setzen, selbst unseren mißglückten Versuch in der Schlacht bei Jütland, die deutsche Flotte zu vernichten! Das Wochenblatt„World" schreibt dazu: Es ist sehr bemerkenS- wert, daß hier zum ersten Male schwarz auf weiß erklärt wind, daß das Ergebnis der Schlacht dei Jütland so unbefriedi- g e n d war, daß man sich genötigt sah, eine falsche Vorstellung da» von zu verbreiten. DerDormarsch in Gftgnlizien~ Zusammenbruch üer rutschen Karpathenfront. Berlin, 28. Juli. fW. T. B.) Auch am 2ß. Juli machte unser Vormarsch in Ostgalizien bedeutende Fortschritte. Wie an den Vor- tagen eilten unsere ausdauernden, siegesbegeisterten Truppen im Verein mit den tapferen österreichisch-ungarischen Kameraden von Erfolg zu Erfolg. Die Russen wurden überall, wo sie sich den vor- wärtsdrängenden Reihen der llnserigen enigegenwarfen, mit raschen und vernichtenden Schlägen zerschmettert. Nördlich und östlich T a r n o p o l stießen wir unier erbitterten Kämpfen zum H n i z- deczna- und Gnicza-Abschnitt vor. Die Russen erlitten hier allcrschwerste Verluste. Unsere Batterien feuerten auf SOO Meter Entfernung in die dichten Massen der vorgejagten russischen Sturm- kolonnen und mutzten ein furchtbares Blutbad unter ihnen anrichten, daß Siegern und Besiegten unauslöschlich in der Erinnerung bleiben wird. Gleich schwer waren die russischen Verluste in den Kämpfen südlich vonTrembowla.wowirdenUebergangüberden S e r e> h erstritten. Zwischen dem 10 Kilometer südlich Trembowla gelegenen Ort Janow und der Höhe Dolhe griff der Russe zweimal außerordentlich heftig an, wobei er seine Siurmkolonnen biS zu 14 Wellen tief staffelte. Beide Angriffe wurden blutig zurück- gewiesen. Zwischen Sereth und Tnjestr blieb unser Borstoß lebendig. Mit der Stadt K o l o m e a, die nach zähem Kampfe erobert wurde, ist einer der bedeutendsten Knotenpunkte im Pruth- tale, wo wichtige Straßen und Eisenbahnlinien südlich des Dnjestr und aus den Karpathen zusammenlaufen, in unsere Hände gefallen. Weiter südlich macht sich die Erschütterung der russischen Front unter dem mächtigen von Norden wirkenden Stoß bis dicht an die rumänische Grenze geltend. Die russische Kar- pathenfront bis zum Kirlibaba-Abschnitt stürzt zusammen. Damit hat sich der russische Rückzug auf die unge- heure Fronistrecke von 350 Kilometer ausgedehnt. Der Widerstand, den die Russen bei Baba Ludowa und Z a b i e leisteten, konnte die Lage an diesem Frontabschnitt nicht mehr retten. In dem Orte Mtkuliczyn, dicht � nördlich der Jablonika- Paßhöhe, haben die Russen Greueltaten verübt, die alles bisher Ge- wohnte übertreffen. Kleine Kriegsnachrichten. Bon den Parlamentssitzungen ausgeschlossen. AuS London wird gemeldet: Im Unterhause ist der Abgeordnete der rnfchen Sinnfein er-Partei G i n n c l mit sämtlichen Stimmen wegen der andauernden Uebertretungen der Anordnungen de« Vor- sitzenden von den Sitmngrir nuSgeschlaffen worden, ir.-,. v,,•> Tee Oberdrfthl vr, russischen Ostfreflottr wurde dem kürzlich zum Kuntreadmiral beförderten Kapitän R aS w v s o w übertragen. Die rumänisch« Minfterkrise, die mehrere Wochen lang ge- dauert hat, ist beendet. Hnvas meldet: Tie Zusammenarbeit mit den Konservativen wird fortgesetzt. Es wurden ernannt: Take Jonesku zum stellvertretenden Mini sterpräsi- deuten. Vintila Bratianu zum Minister der neuen Munttions- abteilung und zum einstweiligen Kriegsmintster, TituleScu zum Finanzminister. De La Vrancos zum Minister für Handel und In- dustrie. Die anderen Minister behalten ihr Portefeuille. Der Aushungerungskrieg gegen die europäischen Neutrale«. „Matin" meldet aus New Uork: Der Ausfuhrrat hat die Fett- ausfuhr nach Deutschland benachbarten neutralen Ländern vollkommen untersagt. Gpfersinn in großer Zeit. Die nachfolgende, recht charakteristische amtliche Bekannt- machung finden wir im„Düsseldorfer General-Anzeiger" vom 26. Juli(Nr. 376): Eine große Anzahl von Steuerpflichtigen im Stadtkreis Düsseldorf hat eine unrich tige Kriegs» und Besitzfteuer- rrklärnng, sowie Einkommensteuererklärung abgegeben, diese immer noch nicht berichtigt und dadurch ein« zu niedrige Einschätzung herbeigeführt. Da die Steuerhinterziehungen sich neuerding» in bedenklicher Weise gemehrt haben, sehe ich mich gezwungen, eine Frist bis zum 15. August zu setzen, innerhalb deren, soweit nicht schon ein gerichtliches Strafverkabren schwebt, Berichtigungen straffrei abgegeben werden können. Nach Ablauf der Frist werde ich nacheinander Verfolgung der Betreffenden durch die Königl. Staatsanwaltschaft und gegebenenfalls Verhaftungen beantragen, indem ich hiermit darauf hinweise, daß die Gerichte auf Gefängnis st rafe, Aberkennung der bürger- l i ch e n Ehrenrechte und Bekanntmachung des Urteil« er- kennen können. Weitere Warnungen werden nicht erfolgen. Bück." Zum besseren Verständnis dieser öffentlichen Kennzeich- nung der Steuerdrückebcrger sei darauf hingewiesen, daß Düsseldorf zu den Großstädten mit relativ st ä r k st e r Kriegsindustrie gehört. Alle Gesellschaften und Privat- Unternehmer, die dort für Hceresbedarf arbeiten, haben in den drei KriegSjahren außerordentlich hohe Gewinne erzielt. Daß sich trotzdem eine amtliche Stelle gezwungen sieht, den vorstehenden Notschrei zu veröffentlichen, wirft ein bezeich- nendes Licht auf den Opfersinn gewiffer Kreise. Die Not üer unteren Staatsbeamten. Da« Reichskartcll der StaatSangestellten-Verbände hat sich in einer Eingab« an Reichs- und StaalSregierung gewandt. Sie enthält die Bitte, den unteren Slaaisbeamien, nachdem die gesamt« Lebenshaltung nach der in der Eingabe beigefügten Berechnung seit Kriegsbeginn um mindestens 185 Prozent gestiegen ist, bis zur kommenden endgültigen Regelung des Besoldungswesens, rückwirkend vom I.April d. I. eine feste KriegSgehaltS- zulag« im Betrage von 40 Prozent neben den bestehen- den. nach Kinderzahl abgestuften Kriegsbeihilfen zu gewahren. AuS dem der Eingab« beigefügten Tatsachenmaterial geht hervor, daß ich die in Frage kommenden Beamiengruppea in außerordentlicher wirtschaftlicher Notloge befinden, so daß der ausgesprochenen Bitte die Lerechligung zuerkannt und Berücksichtigung dringend zu wünschen ist. Nach der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" werden den im Reichs, und Staatsdienst ständig beschäftigten Lohnangestellten & und Ardeitern auch in diesem Jahre zum Einkauf von Winter- Vorräten Vorschüsse gewährt, deren Rückzahlung den Wirt- schaftlichen Verhältnissen der Vorschußnehmer angepaßt und so be- messen wird, daß die Tilgung in dem Zeitraum erfolgt, für den die Vorräte beschafft sind. Die mecklenburgische verfaß ungsfrage. Vor einiger Zeit haben in Schwerin Besprechungen über eine Verfassungsänderung für beide Mecklenburg stattgefunden. Ob man dort zu einem positiven Resultat gekommen ist, steht nicht fest. Der liberale Verein für beide Mecklenburg hat sich nun neuerdings mit dem Stand der VerfassungSfragc bcschäf- tigt und sagt in einer Entschließung: „Der Berein gibt seinem Befremden darüber Ausdruck, daß die mecklenburgischen Regierungen zu dieien Beratungen weder einen fortschrittlichen mecklenburgischen Reichslagsabgeordnelen, noch einen Vertreter de« liberalen Wahlvereins beider Mecklen-' bürg eingeladen haben, obwohl von den sieben mecklenburgischen Reichsiagswablkreisen drei im Besitz der Fortschrittlichen Volks- värtei sind. In der Ueberzeugung. oaß die neue Verfassung dein mecklenburgischen Volke das allgemeine, gleiche, uiiniitlelbare und geheim« Wahlrecht nicht mehr vorenthalten darf, erwartet er. daß die von den mecklenburgischen Regierungen in Aussicht gestcllle Versassungsvorlage diese Forderung ersülll." Wenn daS nicht eintritt, dann will der Verein nicht ruhen, als bis dieses Ziel, wenn nötig auf dem Wege der Reichs- gesetzgebung, erreicht ist.___ Die Mißßanüe auf üem Gute ües Grafen tzaefeler. Der alte Feldmarschall Graf Haeseler ließ auf seinem Gute a r n e c o p bekanntlich kein Vieh schlachten und kein Wild schießen/ i durch dieses Verfahren große Mengen des jetzt notwendig go- brauchten Fleisches dem Verbrauch entzogen wurden, so-war. dich Angelegenheit schon wiederholt in der Oeffenilichkeit und auch im Reichstage zur Sprache gebracht worden. Jetzt hat nun, wie'die, „Allgemeine Fleischerzeitung" mitteilt, der zuständige Landrat auf Veranlassung de« Brandenburg-Berliner Viehhandelsverbandes die Enteignung der schlachtreifen Viehbestände auf dem Gute vorgenommen. Mit der Ausführung wurde ein Vieh- Händler aus Alt-Trebbin beauftragt. Graf Haeseler muhte wohl davon Kenntnis bekommen haben, denn ereilte sofort nach.Harnecop und trat in eigener Person dem Beauftragten des Viehhandels- Verbandes, der in Begleitung eines Gendarmen erschienen war, entgegen. Nur mit äußerstem Widerstreben ließ er sich in Verlmnd- lungen ein und stellte zunächst 170 Schafe zur Verfügung, die sich aber in einem derartig schlechten Ernährungszustand befanden, daß von dem Beauftragten des ViehhandelsverbandcS die Uebernahme abgelehnt werden mutzte. Es gelangten dann nur 40 Tiere, dar- unter 10 Mutterschafe, zur Abnahme. Auffallend ist die geringe Zahl der jetzt vorhanden gewesenen Schafe, da bis vor kurzer Zeit ein Bestand von 1000 Stück vorhanden war. Allerdings sind auf Harnecop 200 Schafe gestorben; aus welchen Ur- fachen, ist nicht bekannt geworden. Ferner wurden 25 Rinder ent- eignet, von denen 10 Stück an einen Schlächtermeister m Wriezcn abgeliefert wurden, ein anderer Teil kam nach Strausberg. Nach Ansicht aller Sachverständigen müßte der Ertrag an landwirtschaft- lichen Nahrungsmitteln des Gutes Harnecop unter verstandiger Be- wirtschaftung ein vierfacher von dem sein, was jetzt ab- geliefert wird._ Der Krieg unü üie Gemeinüesteuern. Wenn auch die voll« Einwirkung de« Krieges auf die Genwinde« steuern bis jetzt noch nicht in die Erscheinung getreten ist, da-, ein Teil der gemachten Ausgaben durch ichwebende Schulden verdeckt ist, so geben die vom Statistischen Amt der Siadl Elberfeld srn einer Reihe von Jahren gemachten Zusammenstellungen über die prozentuale Höhe der Gemeindesteuern in 110 preußischen Städten immerhin«in Bild der hiSher eingetretenen Veränderungen. Von den in die Erhebung einbezogenen Gemeinden hatten einen Zuschlag zur StaatSsteuer: Zuschiag in Proz. 19u 1915 ISIS der StaatSsteuer überhaupt in Proz. 100' 7 6,6 4 8,6 0— 0— 101—150 18 12,3 19 17,8 21 19,1 11 10,0 151-175 18 17,0 19 17J3 14 12,7 18 16.3 176-200 83 31,1 32 29,1 25 22,8 10 17.3 201—225 22 20,8 33 20,9 24 21,8 22 20,0 226—250 10 9,4 11 10,0, 23 20,9 29 23,4 261—300 3 2,3 2 1.8 3 2,7 11 10.0 108 100 110 100 110 100 110 100 Einen Zuschlag von nur 100 Proz., den im Jahre 1914 nur noch die Groß-Berliner Stadtgemeiude» aufwiesen, hatte in den beiden letzten Jahren überhaupt keine Siadtgemeinde mehr. Den niedrigsten Satz mit 110 Proz. verlangte im Jahre 1916 die Stadt Potsdam. Umgekehrt war der höchste Zuichlag, der 1910 275 Proz.. 1918 260 Proz. und 1915 280 Proz. betragen hatte, 1916 aus 300 Proz.(Saarbrücken) gestiegen. Bis zu 200 Proz. verlangten 1912 37 Proz. aller Gemeinden. 1916 aber nur noch 43,6 Proz. Lette Nachrichten. Eine Erklärung Goldcnbergs. Bern, 27. Juli.„Journal" veröffentlicht eine neue Erklärung de« Vertreters dcS Arbeiter- und SoldatcnratS Oioldcnberg» die besagt, Rußland wolle zwar den Kampf fortsetzen, doch denke ein Teil der Bevölkerung anders. Immer- hin sei an einen Bonderfrieden nicht zu denken. Ais Finnland die Unabhängigkeit erklärte, hätten die Sozialisten nichts gesagt, sie würden auch bezüglich Kurlands nichts einwenden, falls rS autonom würde und nicht unter die Vorherrschaft Deutschlands käme. Die Ereignisse änderten sich gegenwärtig mit so erstaun- licher Geschwindigkeit, daß alle Dinge möglich seien. Der Fortschritt durch den Regimewechsel sei jedoch für Rußland unge- heuer und endgültig. In diesem Sinne hoffe er, daß e ö g c I i n.- gen werde die französischen und englischen Sozia- liste« nach Stockholm zu bringen. Lenins Verhaftung. Basel, 27. Juki. HavaS berichtet aus London: Petersburger Blätter melden, Lenin sei in Lsvrki in Finnland verhaftet worden. Griechenland und die Entente. Pari», 27. Juli.(HavaS.) Die Konferenz der Alliierten hat bezüglich der gegenwärtig militärisch besetzten griechischen Gebiete beschlossen: Frankreich, Großbritannien und Italien wenden gleichzeitig in kürzester Frist die militärische nBc- setzungen aufheben, die sie gezwungenermaßen auf dem Gebiet de« alten Griechenlands, in Thessalien und Epirus vorgc- nommen haben. Die Besetzung des Dreiecks, das von der Straße nach Samti Quaranta und der Grenze des Epiros gebildet wird, wird vorläufig im Interesse der Sicherheit vorbehaltlich eines italienisch-griechischen Abkommen» über die Wiederherstellung der bürgerlichen Verwaltung unter der Autorität eines griechischen Korn- mrssarS aufrechterhalten. Frankreich. Großbritannien. Italien be- halten während des Krieges die militärische und Flotten- basiS auf Korfu, die unter der Souveränität Griechenlands verbleibt,. y",•
Gewerkschajisbeweglmg Die Verhandlungen in der Holzindustrie— gescheitert! . Am �critag, den 27. Juli, wurde in dftr Zivung der Orts- vcrwaltung berichtet, daß die Verhandlungen vor dem Kriegeamt geicheitert sind. Die Verwaltung beschloß nunmehr, sofort die örtlichen Verhandlungen anzubahnen. Sie kann jedoch den Mitglie- dern gegenüber ein löngereb Warten nicht vertreten, und ist nunmehr zu erwarten, daßdieKollcgcnindcnWerkstättcn die Forderungen der Berliner Mitgliedschaft vo»3l> P f. pro Stunde an ihre Arbeitgeber stellen. Verlin und Umgegend. Aus der Zchlichtungskominission für Militärschneidcr. Arbeiten Sic allein! Diese Antwort ist schon vielen Zwischenmeistern erteilt worden, wenn sie auf Nachzahlung verklagt wurden und ganz erstaunt frag- ten:..Und wo bleibe ich?" Auch in �dcr letzten Sitzung ereignete sich dieses amüsante Zwischenspiel. (tm Unternehmer halte von der Werkgenogenschaft Uniform� röcke zur Reparatur übernommen. Für diese hat das Amt 1 Stunde ArbettSzeit geschätzt zu 60 P?., die dem letzten Arbeiter zustehen. Der Beklagte üiahm.nun seinerseits nochmals eine Schätzung im einzelnen vor. indem er Teilarbeit machen liest und hat dabei eine Zeit. berechnet,� bei der die Frauen auf die abgeschätzte Stunde keine 60 Pf.�Lohn bekamen. Dem Beklagten wurde vorgehalten, dost er die Arbeit gar. nicht mehr hätte weitergehen.dürfen, da der Lohnsatz für die Genossen� schaft 88 Pf. betrug, für ihn als letzten.Arbeiter also nur 60 Ps. Ter Beklagte wandte ein, seine Austraggeber seien davon, untere richtet gewesen, dast er Frauen beschäftige, und er habe vom Oberkommando Erlaubnis gehabt. v. Schulz:„Hier gelten die Bestimmungen. des BeklcidunzZ- «rmtes, da ist nichts, zu machen, Sie müssen nachgahlen." Beklagter:„Und wo bleibe ich?" Arbeitgeberbeisitzcr:„Das ist nicht unsere Sache. Sie hätten die Arbeit gar nicht mehr weitergeben, sondern selbst machen sollen. Perklagcu.Sic die Genossenschaft.".. v. Schulz: Wie sWS gezeigt, haben Sie auch keinerlei Lohn- bücher geführt. Warum. tun Sie denn, das nicht? Es liegt doch schliestlich m Ihrem Interesse. Jedenfalls haben Sie die festgelegten Lohnsätze- nicht emgehaltcn. Es ist das beste, wenn Sic die Sache gütlich aus der Welt schaffen." Der Beklagte entschliestt sich zuletzt, diesem Rat zu. folgen und ist-de reit, 6S M. nachzuzahlen. Ter Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter sFiliale Grost-Berlin) hielt am Donnerstag eine G e n e r a l v e r s a m m l u ng ab. in der der Geschäfts- und Kassenbericht vom zweiten Quartal er- stattet wurde. Tie Hauptkasse rechnete im 2. Quartal in Ein- nähme und. Ausgabe mit 23(350,70 M.— Tie L. o k a l k a s s c hatte eine QuarialSeinnahme von l l 792,15 M,. wozu der Bestand vom I. Quartal mit 53159,69 M. kommt, so daß die Gesamteinnahme einschliestlich dieses Bestandes 67 Si. üevmg. Ausgegeben wurden insgesamt 15589,51 M. Deiranch v ritzlieb am schlust des L. Quartals«in Bestand von 52 362,33 M.— Beim Beginn des neuwi Quottals warm 4828 Mitglieder vorhanden. Es waren 3812 männliche, 976 weibliche, und iO jugendliche. Der Kassierer Hoffman n gab zu' dem Kassenbericht noch einige Erläuterungen und ermähnte zu lebhafter Agitation'unter den noch der Organisation Fernstehenden. Munt n e r gab dann eine ins einzelne gebende Uebersicht über die Gestaltung der Teuerungszulagen der städtischen Arbeiter Ber- lins. Es besteht hier keine einheitliche Regelung. Tie Tcuerungs- zulagen setzen sich zusammen auS einer allgemeinen Zulage und aus den speziellen,'für die einzelnen Betriebsgriippen nach und nach er- reichten Zulagen. So.haben sich nach der gegebenen Uebersicht die Teuerungszulagen in der Höbe recht verschieden gestaltet. So ver- schjeden die Teuerungszulagen in den einzelnen Betrieben über- Haupt sind, so verschieden sind sie auch zeitlich eingeführt worden. Wo der stärkste Truck war, wo die Organisation guten Fuß gefaßt hatte, konnte man am ehesten aus Erfolg rechnen.~ Da die Teue- rungSbewegung nach oben keine.Grenze keiiiit, sondern die Teuc- rung. aller Lebensmittel und Bedarfsartikel ständig steigt, so sich man sich veranlaßt, die Forderungen auf Teuerungszulagen fort- während zu erneuern urid zu wiederholen. In erneuten Verband- lungen befindet man sich mit der Kanalisationsverwaltung und der Bauverwaltung. Tie Kanalisationsverwaltung hat bereits Zuge- ständnisse in Aussicht gestellt. Dt- Angelegenheit ist aber noch nicht abgeschlossen. Auch in andern städtischen Betrieben sind neue For- derungen gestellt, so in den städtischen Gaswerken. Tic Direktion bat erst Erhebungen angestellt. In den nächsten Tagen wird die Verhandlung unter Zuziehung des Vertreters der Organisation statt- finden.— Auch in Lichtenberg sind Erhöbiingen der Teuerungs- zulagen erfolgt.— In N.e ü k ö l l n, das die schlechtesten Tcuerungs- zulagen in Groß-Berlin habe, wurde ebenfalls wieder verhandelt. Jetzt ist die Nachricht über einige Zugeständnisse eingelaufen. Tiefe lassen aber noch vieles zu wünschen übrig. Sie reichen noch nicht an das heran,>nas.in Berlin seit Jahresfrist besteht. De Kollegen und Kolleginnen Neuköllns werden sich in kurzer Zeit wieder damit beschäftigen müssen. Tie Verkürzung der Arbeitszeit in den kommunalen Betrieben ist jetzt, wie Redner weiter-ausftihrte, eine wichtige, schon in Angriff genommene Aufgabe der Organisation und wird in der nächsten Zukunft eine Hauptaufgabe bleiben. Wegen der Einsüh- rung. des Achtstundentages in der R e v i e r i n s p e k t i o n d c r Berliner Gaswerke ist bereits verhandelt worden. Es ging nun ein bösliches Schreiben ein, daß die Einführung dieser ver- kürzten Arbeitszeit zurzeit wegen Personalmangel nicht möglich sei. Tie Arbeiterschaft der Revierinspektion bat sich erneu! mit der Frage besaßt und in einer Resolution die Forderung aiisrcchierhaltcn. Bei den bevorstebeirden Verhandlungen mit der Gasdirektion wird die Frage von neuem ,ur Sprache gebracht weren.— Ferner wurde für die Berliner Wasserwerke, wo die Arbeitszeit der ein- zelnen Gruppen verschieden ist, der Achtstundentag ftir die im un- unterbrochenen Betriebe Beschäftigten und der Neunstundentag ftir die übrigen Arbeiter beantragt. Der Direktor der städtischen. Wasser- werke ist übrigens der einzige Betriebsleiter in den Groß-Berliner Verwaltungen, der nicht mit dem Vertreter des Verbandes ver- bandeln will. Ans einer Erklärung des Herrn geht hervor, daß er die Angelegenheit der städtischen Deputation in ihrer nächsten Sitzung, die Ivabrscheinlich erst im September stattfindet, vorlege» will.— Es wird versucht werden, die Forderung der Verkürzung der Arbeitszeit in allen Betrieben zur Durchführung zu bringen. K a m r o w s k i gab dann in Ergänzung der Ausführungen des Vorredners unter anderem eine Uebersicht über den derzeitigen Stand' der Teucrungszulagen in den Gemeindebetrieben von Schöneberg, Charlottenburg und Tegel.— Daräuf befaßte er sich eingebender nrit den Vorgängen bei. der Englischen Gasge- scllschaft. Um hier die Löhne aus die gleiche Stufe wie in den städtischen Gaswerken Berlins dringen zu können, hatte man die Ge- sellscbast vor den Kriegsausschüß zitiert. Trotz einer hier gegebenen Zulage des Vertreters der Englischen Gasgesellschaft vergingen 6 Wochen und eine Nachzahlung, die von einem bestimmten Tage ab zu erfolgen hatte, war immer noch nicht erfolgt, was zu einem energischen- Schritt der Arbefter in Mariendorf führte. Nur ein- zelnen Arbeitergruppen waren Kleinigkeiten zugelegt worden. Sine neue Verhandlung vor dem KriegsauSschuß wurde notwendig. Zu dieter nahm man, um allen Weiterungen vorzubeugen, eine von ber städtischen. Gasdirektion in Berlin bestätigte Liste der auf den städtischen Gaswerken geltenden Löhne mit, die ja der Neuregelung der Verhältnisse in der Englischen Gasgesellschaft zugrun de gelegt wer- den sollten. Nun erklärte der Direktor der Englischen Gasgesell- .schäft, wenn er die. Lifte schon vorher gehabt hätte, würde er die Beträge schon voicher ausgezahlt haben. Ter Kriegsausschutz gab der Gesellschaft auf, bis zum 10. Juli die Angelegenheit zu erledigen. Wen» sie bis dahin.. keine ordnungsmäßige Regelung Platz greifen ließe, sollten die Arbeiter das Recht haben, den Kriegsschein lAbkehr- schein) zu verlangen. Gleichwohl blieben auch dann immer noch eine Anzahl Arbeiter unberücksichtigt. Zu bemerken wäre, meinte Redner, daß es an den Leuten selber läge, wenn einzelne Arbeiter nickst zu ihrem Rechte gekommen seien. Hätten sie von.dem ihnen zugestandenen Rechte, eventuell den Abkehrschein zu verlangen, Ge- brauch gemacht, so hätte.man ihnen sicher Rechnung getragen, In der Diskussion wurde mitgeteilt, daß das Betricbspersonal des Rudolf-Virchow-Krankenhaiises Gehaltserhöhuiigeii gefordert hat. Die Angelegenheit schwebt noch. Parteinachrichten. Für harmlose Seelen. Der Gothaer„Generalanzeiger".macht die„Scheidemänner" für die jüngste Börsenhausse in Schisfährtswerten verantwortlich: „Während die Negicrungssozialislen' geneigt waren, die Bor- läge mit'Hcißa und Hussa zu genehmigen, die Hände einer Handvoll Kapitalisten auf Kosten des arbeiten- äcn Volke# zu vergolden, erhoben die Vertreter der II. S. P.- so entschiedenen Protest gegen.die.Liebesgabenlvirtschaft, daß auch einem Txil der bürgerlichen Vertreter Bedenken aus- stießen.und. daher die Verabschiedung, der Vorlage im Ausschuß noch zurückgestellt.wurde: sie soll..nun wenigstens erst.noch besser durchberaten und begründet werden. Man denke: sozusagen gegen den.Willen, der Regicrungssozialisten wird die Gewährung eines Milliardciigeschenks an die Schisfsgesellschaften ausgesetzt!..: Die Scheidemänner könne n�zu ihren übrigen Ruhmestaten nun auch die verzeichnen,- daß sie der Bärfe.gute.Tage machen, den Spekulanten die Ta scheu füllen: alles zum Wohl und Heil d�er d e u t s ch e n—— A r.b ei t e r s cb a f t! Bon den Vertretern des Ersatzsozialismus.'.darf man. nach den bisherigen Leistungen 'noch allerhand Angrifte gegen das Interesse des arbeitenden Volkes erwarten; sie sind auf dem besten Wege- dahin, die her- v o r r a g e n d st c n Stützen der k a p t t a I i st i s ch c n G e° felis ch af t�u werden." Das ganze Lügengebäude brickst an der einen Tatsache zu- -sammen.-. daß— ausgere-bnet Ebert den Antrag aus'Vertagung der Regiernngsvorlage stellte. Die sozialdemokratische Partei wird gegen kabitalistische Profitmachcrei stets aus dem Posten sein, aber mit Eifer alle, produktiven Kräfte der Nation heben, zu denen die für die Uebergmigswirtschast.und den Außenhandel unentbehrliche Seeschiffahrt in erster Linie' zählt. Aus den Lrganisationen. Der Parteivcrein in Leipzig wählte als Delegierte zum Partei- tag die Genossen Granz und Mvlau. In einer Resolution wird die Haltung des Parteivoritandes, des Parteiausschusses und der Frak- tion gebilligt. Bon der Fraktion wird gefordert, daß sie mit allem Nachdruck ftir eine sofortige Aenderuug der Verfassung eintritt, durch welche das ReichstagSwahlrccht auf die Bundesstaaten über- tragen wird. Vom Parteitag erwartet die Versammlung eine maß- volle Beschränkung in der Aussprache über die erfolgte. leider nicht mehr zu bin deritde Spaltung der Partev'da Geschehenes a»ch durch noch so, lange Auseincnidersctzungen nickt ungeschehen gemacht werden kann. � Es-soll ssdoch'kcme Gelegenheit üngenützt bleibend die eine Einigung der gesamten Arbeiterschaft herbeizuführen gc- eignet ist. Dagegen wünschen die Versammelten, daß. der Parteitag den großen bevorstehenden Aufgaben aus politischem, Wirtschaft- lichem und sozialem Gebiete seine ganze Kraft widmet. Ter Jahresversammluiig des Sozialdcmokratisckcn Vereins der Kreise Köln-Stadt und Köln-Land konnte ein im allgemeinen günstiger Stand der Organisation berichtet werden; besonders in den letzten Monaten hat sick die Mitgliederzunahmc erfreulich ge- steigert. Mit besonderer Genugtuung begrüßte man den Abon- nentengewinn der„Rhetnischen Zeitung", der freilich. unjerm Parteiblatt-' infolge dei_ Papierkontingentierung vor mancherlei Schwierigkeiten stellt. S o l l m a n n berichtete über den Würz- burger Parteitag. Die..Friedens frage und die Fragen der Demokratisierung werden im Vordergrund der Erörterungen stehen. Em, Ilederbr'ücken der bekannten Gegensätze werde kaum eintreten wabrscheinbick würden es später beide Richtungen auf eine Kraftprobe über ihren Anhang im Volke ankommen-lassen. Mit der Kricgspotitik der Reickstagsfraktion sei die Mchrbeit der Kölner Genossen.grundsätzlich einverstanden, wenn man vielleicht auch manchmal kräftigere Initiative gewünscht hätte. Rückhalt- lose A n c r k c n n u n g. v e r d ie n e dt« Fraktion für ihre Taktik in den kritischen I uli- W och c n. Ein« Politik nach der Art der„Unabhängigen" würde die schwankenden Mittelparteien � auf die �--eitc der Rechten gedrängt und eine gc- fährlichc Kriegszielkundgebung veranlaßt haben.— Debattelos wird Sollmann zum Delegierten für Würzburg gewählt; Er- satzmann ist Funk. Wie in der Versammlung mitgeteilt wurde, hat die Regierung in Köln auf den Antrag des Jugendausschusses als Beihilfe für die Erhaltung und den Ausbau des Kölner A.rbeitcr Jugendheims e i n« n-.j äh r Ii che» Betrag von 750 M. dewillrgt. Diese„Neuorientierung", wohl die erste dieser Art in Teutschland, entspricht alten Forderungen der Partei und der Gewerkschaften, die bisher vergeblich erhoben würden. Für den Wahlkreis Zeiß-Wcißenfels-Naumburg wurde am 22. Juli ein Kreistag von denjenigen Organisationen abgehalten, die unserer Partei treu geblieben sind. Vertreten waren sämtliche Städte und zehn ländliche Ortschaften durch 25 Delegierte. Die durck den U ehertritt zu den Ilnabhängigeii entstandenen Lücken in der Kreisleitung wurden mühelos ausgefüllt. Zum Kreisver- traueusmann wurde einstimmig der Bezirksleiter des Berg- arbeiterverbandes Genosse Herm. M e i ck a r d t- Zeitz gewählt; die Geschäfte des Parteisekretärs wurden dem Genossen Aug. Ger- bardt Zeitz übertragen. Auf die an Stelle des Zcitzer„Volks- boten" als Parteiblatt im Kreise einzuführende Hallesche„Volks- stimme" wurden sofort über t000 Bestellungen aufgegeben. Es konnte aus einer ganzen Anzahl von Ortschaften berichtet werden. daß sich in ihnen zahlreiche Genossen für das Verbleiben bei unserer Partei erklärt haben, obwohl deren Vertreter für den Uebertritt zu den Unabhängigen gestimmt hatten.— Die Tagung wirr vom besten.Geiste beseelt und von der Hoffnung getragen, daß fleißige Arbeit den Austrittsbeschlutz bald wettmachen wird. Als Abgeordneter des Kreises nahm Genosse Ad. Thiele- Halle an den Bcratilliigen teill_ Industrie und Handel. Ihne bahcrische Wasserkraft-Arbeitsgemeinschaft. Da Bayern infolge seines Mangels an Kohle und Eisen in den letzten �Jahren in seinem industriellen und wirtschaftlichen Leben nicht einen gleich. bedeutsamen Aufschwung wie die anderen Bundes- staatcn-genommen hatte,.so>konnte naturgemäß das Land auch zu der. Lieferung von Kriegsbedarf nicht in solchem Umfange heran» gezogen werden, wie andere Teile des Reiches. Die drohende Ge- fahr, daß dadurch namentlich auch in.der zukünftigen Entwicklung eine gewisse Verarmung des Landes eintreten könnte, gab den An- laß, die heimische Industrie-»ach Kräften zu fördern und zu ver» mehren..Nach dieser Richtung soll einmal die GroßschifsaHrtsstraße vom Nbeiu zur Donau und weiter ein zielbewußter Ausbau der reichen Wasserkräfte wirken. Um die Lösung der letztgenannten Aus- gäbe vorzubereiten, hat sick nun vor kurzem-ein Studienausschuß unter dem Namen„Gesellschaft zur wirtschaftlichen Förderung Bayerns(Bayerische Wasserkraft-Arbeilsgemeinschaft)' gebildet, bei der bayerische Banken und industrielle Großunterneymungen: die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, die Bayerische Vereins- -baut, die Bayerische Handelsbank-in München, die Bayerische Tis- konto- und Wechsel-Bank A.-G., die' Elektrizitäts-A.-G. vormals Schlickert u. Co. und die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A.-G- in Nürnberg vertreten sind. Die Gesellschaft will die Möglichkeit einer Erschließung der bayerischen Wasserkräfte nach ihrer technischen und wirtschaftlichen Seite hin untersuchen und darüber hinaus auch andere Unternehmungen in den Bereich ihrer Tätigkeit ziehen. Mit den Arbeiten hierfür soll sofort begonnen werden. Der neue Stahleiscnverband soll nach der„Köln. Bolksztg." als Vertrag zwischen den den Wer- band bildenden Werken und dem Stahlwerks verbau diu Düsseldorf abgeschlossen werden. Als Zweck des Verbandes ist die Regelung der Erzeugung und des Absatzes von Stabeisen, B a n d.e i s e n und Univers aleisen angegeben. Ausgenommen sind brcilflanschige Träger mir inindeslens 300 Millimeter breiterFlansche und 500 Millimeier größter Höhe. Walzdrah! gehört insoweit nicht in den Verbandsvertrag, als er imter den Begriff der Erzeugnisse des früheren Walzdrabtverbandes fiel. Ferner wird in den Vertrag ein« bezogen der zum Einschmelzen nachweislich verwende!? Stabeisenschrot, des weiteren Schweißeisen, Bessemerstahl. Elektrosiahl, Tiegelsrohl, sowie auch alle Sorten von legiertem Srabl. AIS Beleiltgung gilt der Abiatz von drei aufeinanderfolgenden Monaten, mit der höchsten Vcrsandzahl innerbalb der Zeit vom 1. Januar 1916 bis zum 31. Mai 1917, auf ein Jahr umgerechnet. Der Verkauf verbleibr den ein, zelnen Werken, unterliegt aber der Zustimmung der Gescllschafterversgmmlmig.' Deshalb soll bei den Abschlüssen ein entiprecheiider Vorbebalt getroffen werden. Der Verbandsvertrag endigt vier Monate nach Äutbören des Kriegszustandes. Die Bin« dung deS neuen Verbandes ist also noch recht loie, sein Charakter als Kriegsorganisation ist augenscheinlich, und es bleibt ganz der Jvkunft überlassen, ob er auch im Frieden zusammengehalten und ausgebaut wird. Soziales. Nochmals: Tie Kohlenfteuer der Armen. Wir müssen nochmals auf die von uns in der. gestrigen Nummer des„Vorwärts" erwähnte, geradezu unglaubliche Tatsache- zurück- kommen, daß. der deutsche Städtetag heschtosscn bat, bis aus weiteres von Einrichtungen abzusehen, die- den Inhabern von kleinen Woh- nungcn den Bezug von Hausbrandkohle verbilligen. Während der Äriegszett haben die Städte hinsichtlich der Or» ganlsation der Versorgung der Einwohner in recht vielen Fällen versagt. Tos. was die Einwobner glaubten, verlangen zu können, ist auch nicht im entferntesten gewährt worden. Bisher tonnte man der Meinung sein, daß das vielfach auf Verhältnisse zurückzuführen sei. die außerhalb der Einwirkung der einzelnen Etadtgemctndc liegen. Nack diesem neueren Beschluß des Städtetages müssen wir jedoch auch die sonstigen Vorkommnisse in einem ganz anderen Licht ansehen. Offenbar fehlt das e I e m? n t a r st e' s o z i a l e Ver- ständnis für die in dieser schweren Zeit von den Stadtverwal- t im gen zu erfüllenden Aufgäben. II m den zwölften Teil hätte die minderliemittelte Bevölkerung die Haiisbrondkohl« billiger haben können. Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit dazu schaffen wollen. Tie Grundsätze, nach denen es geschehen kann, sind vom Bundesrat festgelegt worden, und nun veschließen die Vertreter der Städte-� wie wir erfahren, einstimmig—. irgendwelche Vorkehrun- gen für den Bezug der weniger tcoeren Koblen. n i ch t zu treffen. Glatt wird damit den Einwohnern, xinc Mehrbejastung auferlegt, die bei den an sich schon heben Ko hlenpretsc niganz erheblich ins■ G e-. wicht fällt. Uns scheinen die Grundsätze, die der Bundesrat für die .Gewährung der Preisermäßigung aufgestellt hat.-den Interessen der Gemeinden durchaus gerecht zu werden. Tic Gemeinden sollten selbst bestinimen, welche Wohnungen in- ihrem Bereich als kleine Wohnungen zu gelten haben, und welche Mengen von Hausbrand- kohle der verschiedenen Sorten den Inhabern dieser kleinen Wob- nungen als'Jahresbedarf zugebilligt werden sollen. Nur zwei Bedingungen botton die Gemeindeli zu-erfüllen. Den Minder- bemittelten sollte die Hausbrandkoble auch wirklich um den vollen Betrag der Steuerermäßigung billiger� geliefert werden als den übrigen Kohlebeziebcrn in der gleichen Stadt, die Gemeinden sollten auch die Garantie übernehmen, daß die Kohle wirklich den Minder- bemittetten zugute kommen und sie mußten endlich einen Weiter- verkauf der ermäßigt besteuerten Kohle verbieten. Welche. Gründe ftir diesen Beschluß de? StädtetageS im ein-' zelnen maßgebend gewesen sind, entzieht sich natürlich unserer Kenntnis. Aber ehe man derartige Beschlüsse faßt, ist es in einer so schwerwiegenden Frage notwendig, die Oeffentlichkeit zu infor- micren, damit vielleicht durch den Druck dieser irgendwelche, einer zweckentsprechenden Regelung der Angelegenheit sich- entgegen- stellende Himmnisse beseitigt werden können. Nichts von alledem! Tie Verteilung selbst hätte sich, wie cS sich ja in Hamburg so wundervoll bewährt hat, durch die Jnan- sprücbnahme dcr Gewcrkschaftskartelle leicht bewirken lassen und überall auch hätten sich die Konsumvereine, die stet# unermdülich dabei sind, für die wirtschaftlichen Interessen dcr minderbemittelten Bevölkerung zu sorgen, in den Dienst der Äohlenverteilung gestellt. Zum Glück ist eS mit diesem Beschluß deS Etädtetages nicht getan. Die Gemeindevertretungen werden jetzt mit aller Eni- schiedenbeit auf den Plan zu treten baben. um die Stadwerwal- tungen nun nachträglich.zu veranlassen, die soziale Ausgabe der billigeren Koblenbeschafsung sofort in die Händ'zu nehmen und sie werden auch dafür Vorsorge treffen müssen, daß die erforderlichen Einrichtungen auch in seder Hinsicht funktionieren und nicht etwa infolge des passiven Widerstandes irgendwelcher Personen, die nicht ganz mit dem Herzen bei dcr Sache sind, versagen. Heranführen von Arbeitnehmern zum Stcllenvcrmittlcr. Ter Stelleiivermittler Kl. batte nach vorheriger Abrede mit Frau K. in Gron in solchen Zeitungen, die in Gron gelesen wur- den. Anzeigen veröffentlicht, in denen er Arbeiterinnen für die Landwirtschaft suchte, mit dem Hinzufügen: Meldung bei K. in Gron. Darauf meldeten sich auch Mädchen aus der Gegend bei Frau K.. denen sie das von Kl. enbaltcne Fahrgeld gab, und die sie nach dem. Bahnhof brachte.— Das Landgericht in Hannover ver- urteilte auf Grund dieses Tatbestandes Kl. wegen llcbertretung des Stellenvermittlergesetzes zu einer Geldstrafe von 100 M., weil er die. Miniitcrialvorschriften, die zum Stellenvermittlergefetz er- gangen sind, nicht beacktet habe. Danach ist es den gewerbsmäßigen Stcllenvermittlern verboten, Dritte mit dem unmittelbaren Her- anführen von Arbeitnehmern zu beauftragen und solche herangc- führten Arbeitnehmer zu vermitteln. Ter Angeklagte legte Revision ein und machte geltend, daß hier ein verbotenes unmittelbares Heranführen von Arbeitnehmern gar nicht vorläge. Die Mädchen seien ja auf Grund seiner Annonce zu Frau K. gekommen und hätten erklärt, daß sie.durch ibn vermittelt sein wollten. Frau.K. habe sie nur zur Bahn gc- bracht.und ihnen das Fährgeld gegeben. Das Kamm e.rge r i ch t verwarf.jedoch die Revision des Angeklagten und führte auS:.Tas Landgericht habe unter. den ob- waltenden Umständen mit Recht ein un mittelbares Heranführen von Arbeitnehmern angenommen. Ter Begriff des„u-nmitiel- baren Heranfübrens" sei nicht gleichbedeutend mit einem pe'rsön- lichcn Jnverkehrtrcten. Verantwortl. f. Votitit: Tr. granz Tirdcrich, Berlin-Friedenau; für!\ üLriaen Teil des VlaileS: Äisred Scholz, Neukölln: für Inserate' Td. Glocke, Berlin. Truck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagScmttalt Paul Singer& Co„ Berlin SW. Hierzu 1 Betlage«ad UntrrhaltungSilatt.
Nr. 204 ♦ Z4.?ahrgang öes vorwärts Sonnabend, 2S.?uli7H77 GroßSerün Treffe! muh zumachen! Wegen schwerwiegender Verstöße gegen die gesetzlichen Ver- ordnungen zur Sicherung unserer Ernährung Hai das Kriegswuchcr- amt den Hoflieferanten Heinrich Fuchs, Inhaber des Wcinrestau- ronts Rudolf Dressel, Berlin, Unter den Linden SO, und seine Ehe- frau Berta �fuchs geb. Feldt aus dem Handel ausgeschlossen, ins- besondere ihnen die Wgabe von Speisen und Getränken in Gast- wirtschaften untersagt. Verbunden wurde damit die sofortige zwangsweise Schließung des Lokals. Die vom Kriegs- wucheramt angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß die Ehe- leute Fuchs wahllos und ohne jede Rücksicht auf den Preis ratio- vierte Lebensmittel in erheblicher Menge im Schleichhandel aufgekauft und unter Umgehung der Verbrauchs- und Vcrteilungsvorschristcn an bevorzugte Gäste abgegeben haben. Als Lieferant für solche strafbaren Fleischverkäufe wurde u. a. der Scbläckitermeister Hermann Stetndeckcr in Grok-Apenburg ermittelt. Da die Geschäftsbücher in dem Dresselschen Be- triebe o r d n u n g s wä d r i g geführt wurden, lo konnten bisher noch nicht alle Lieferanten ermittelt werden. Die vorhandenen Lebensmittelvorräte wurden jedenfalls von dem Kriegswucheramt beschlagnabmt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die bis jetzt fest- gestellten Verfehlungen nur einen geringen Teil der tatsächlich ver- übten Zuwiderhandlungen darstellen, so daß in Wirklichkeit die von den Behörden erlassenen Vorschriften im Dresselschen Betriebe in gröblichster W e i s e � umgangen wurden. Die Fuchsschen Eheleute werden sich deswegen vor dem Strafrichtcr zu verant- Worten haben. Ferner bat das Kriegswucheramt dem Besitzer des..W i e n e r Schloßrestaurant s", Berlin, Dorotheenstraße 77/78, dem Hausbesitzer Alfred Locwh und seiner Ehefrau Martha Loewh gev. Abel wegew derselben Vergehen die Abgabe von Speisen und Ge- tränken verboten. Auch das„Wiener Schloßrestaurant" wird durch das Kriegswucheramt zwangsweise geschlossen werden. Wie wir hören, sollen übrigens noch gegen eine Anzahl anderer„erstklassiger" Berliner Restaurants ähnliche Maßregeln unmittelbar bevorstehen. Es wäre in der Tat dringend zu wünschen, daß es dem Kriegswucher- amt gelänge, durch rücksichtsloses Eingreifen nickt nur den S' rbh- vändlern. sondern auch den vornehmen Schleich f res s er n das Handwerk zu legen._ Gegen die Getreideschiebungeu! Die erheblichen gericktlicken Bestrafungen, welche die Urheber von Getreideschiebungeu im Osten und Westen der Monarchie ge trösten haben und die verschiedentlich Gegenstand der Erörlerung in der Presse gewesen sind, geben dem Kriegswuckcramt jetzt bei Beginn der diesjährigen Ernte und nach Inkrafttreten der Reichsgetreide- ordnung vom 21. Juni 1917 erneut Veranlassung, die beteiligten Händler- und Erzeugerkreise auf gewissenhafte Besolgung der be- stehenden und der neu erlassenen Bestimmungen bezüglich der Be- wirtschaftung und Verwertung der Getreideernte hinzuweisen. Das Kriegswucheramt wird dem Verkehr mit den Erzeugnissen unserer neuen Ernte seine besondere Aufmerksamkeit widmen. Anläßlich der jetzt in Kraft tretenden neuen Getreidepreise wird besonders daraus hingewiesen, daß für Roggen und Weizen aus der früheren' Ernte die alten niedrigeren Höchstpreise inaßgebend' sind. Wer alle. Bestände als solche neuer Ernte abliefert, macht sich strafbar. Verboten ist es ouck, Getreide als„Gemenge" oder„Futter- miickung" oder unter ähnlicher Deckbezeichnung der staatlichen Be- wirtschaftung zu entziehen._ Weitere Einschränkung der Beleuchtung. Der Polizeipräsident ordnet an: 1. Die Jnnenbeleuchtung der Läden und Schaufenster sowie, der Gast-, Speise-, Schankwirtschaf- tcn, Konditoreien und Kaffeehäuser darf nur ein Fünftel des in der Mitte des Monats' Dezemder 1916 aufgewendeten Maßes betra- gen. so daß eine nur notdürftige-Beleuchtung erzielt wird. Wo cS nach den Verhältnissen unumgänglich notwendig ist. mehr als das Fünftel aufzuwenden, kann durch Entscheidung des Pollzeipräsi- diums eine Ausnahm« bewilligt werden. Di« abweichende Rege- lung in der Bekanntmachung vom 23. Januar 1917 wird hierdurch aufgehoben. 2. Tie Bestimmungen der Ziffer 1 gelten gleicher- maßen für Gärten, Vorgärten, Höfe, Veranden, Terrassen und andere Außenräume, die den gleichen Betrieben dienen. 3. Lam- penbeleuchtuing bei Tage in den zu Ziffer 1 und 2 genannten Räu- wen ist untersagt. �Nur wo es zur Verricktung wirtschaftlicher Ar- heiten oder aus Sicherheitsgründen erforderlich ist, darf eine schwache Lampenbeleuchtung auch bei Tage stattfinden. Auch bleibt die Bestimmung, wonach Sckaufensterbeleuchtung bei Tage an ein- zelnen trüben Tagen seitens der Polizeireviere genehmigt werden kann, bestehen. 4. Diejenigen elektrischen Lampen, welche von der Benutzung ausgeschlossen sind, müssen abgenommen und von dem Inhaber in strenge Verwahrung genommen werden, um ihrer un- erlaubten Benutzung vorzubeugen. 5. Diese Bestimmungen treten am Ist. August in Kraft. Zuwiderhandlungen imtsrliegen der in der Bundesratsvcrordnung vorgesehenen Strafe. Versorgung mit Honig. Anläßlich der Veröffemlichung des Ministerialerlasses über die Errichtung einer Ho nig-Bermittelungsstelle bei dem Preußischen Landes amt für Gemüse und Ob st sind bei der Vermittelungsstelle zahlreiche Aufträge von Privat- Verbrauchern auf Nachweisung von Veräußerern von Bienenhonig eingegangen. Da eine Beantwortung dieser Anträge im einzelnen nicht möglich ist, so wird von der Reichsstelle für Gemüse und Obst darauf hingewiesen, daß bei der geringen Höhe der zur Verfügung stehenden Honigmengen zunächst allein Zuweisungen an Kommunal- verbände zur Deckung des Bedarfs von Krankenanstalten. Heil- statten usw. neben einer nötigenfalls in Aussicht genommenen Ver- sorgung von Lazaretten in Frage kommen. Erzeuger von Honig können ihre verfügbaren Mengen zur Vermiltelung des Absatzes für die erwähnten gemeinnützigen Zwecke bei den der Vereinigung der Deutschen Jmkerverbände angeschlossenen Imker- vereinen, wenn sie solchen angehören, oder bei der HonigvermittelungS« stelle in Berlin, Potsdamer Straße 75, anmelden. Berliner Lebensmittel. Der Siebenerausschuß der Brotkartengemeinschaft Grost Berlin hat in seiner gestrigen Sitzung, wie bereits in Aussicht ge nommen, für die Zeit vom 13. August ab die Portion der Haupt- b r o t kar te auf 1929 Gramm und die der Zusatzkarte auf 429 Gramm festgesetzt. Da die über die bisherige Portion lau- tenden Karten bereits für die Zeit nach dem 13. August ausgegeben sind, so wird rechtzeitig bekanntgegeben werden, in welcher Weise die Bevölkerung in den Besitz der Mehrportion gelangen wird. Die Zufuhren an Frühkartoffe l n nach Berlin haben sich in letzter Zeit so gesteigert, daß in der kommenden Woche die R a tion auf 3 Pfund heraufgesetzt werden kann. Für die restlichen 2 Pfund ist wiederum Ersatz in der üblichen Weise durch Brot gewährleistet. Für den Fall, daß die Zufuhren sich wei- ter so beben, wie dies in der letzten Zeit der Fall war, ist vorbebal- ten. aus 2 weitere Abschnitte der Kartofselkarte vom Freitag, den 3. August. ab, evtl. noch ein viertes Pfund Kartoffeln abzugeben. Das Nähere ergeben die Anschläge an den Säulen. In Anbetracht der in der jetzigen Jahreszeit geringen Lege- tätigieit der Hühner und infolge verringerter Zufuhr nach Berlin kann nach ein« Bekanntmachung des Magistrats auf Abschnitt 28 de Eierkarte vom 39. Juli bis 2. August n u r 1 E i abgegeben und entnommen werden. Es ist zu hoffen, daß von Mitte August ab wieder«ine bessere Versorgung mit Eiern möglich sein wird. Nach einer Bekanntmachung der Zuckerversorgungsstelle des Magistrats wird für den August wieder ein Päckchen Süßstoff H-Packung zuir Ausgabe gelangen. Der Süßstoff ist in den Drogenhandlnngen und in einigen. Apotheken, welche sich zum Ver- kauf von Süßstoff bereit erklärt haben, zu erhalten. Die Milchkarten für Neugeborene. Die Fettstelle Groß-Berlin bat die bisher nicht geklärte Frage entschieden, ob die Milchkarten für Neugeborene von der Gemeinde auszuhändigen sind, in deren Bezirk das Neugeborene zur Welt kommt, oder ob die Gemeinde zur Aushändigung der Säuglingskarlen verpflichtet ist, in der die Mutler des Kindes wohnt. Die Fettstelle hat sich für die an zweiter Stelle genannte Möglichkeit ausgesprochen; demgemäß hat die Ans- gäbe der Säuglingskarten nur von der Dienststelle zu erfolgen, in deren Bezirk die Mutter des Neugeborenen ihre Wohnung hat. Reicher Gurkcnscgcn. Nach den Tagen der Gemüsenot herrscht jetzt wenigstens bei einem Gemüse ein erfreulicher Ueberfluß: bei den Gurken! Die Gurkenzufuhren auf dem gestrigen Berliner Gemüsegroßmarkt waren so groß, daß der Verkauf deswegen sogar stöckle. Auch die Zufuhren von anderem Gemüse waren ziemlich reichlich, doch konnte dieser Bedarf noch nicht vollständig gedeckt werden. Die Nachfrage nach Frischgemüse bält noch an. Mehrere Eisenbahnwagen mit frühen Pfirsichen, Pflaumen, Aepfeln und Birnen fanden gute Aufnahme. Zwangsuberwcisuugen zu einer bestimmten Arbeit können nach den Bestimmungen des Hilfsdienstgesetzes nur vom Einberufungs- ansschutz erfolgen, nicht vom Vorsitzenden. Es bat deshalb jedeh Zwangsüberwiefene das Recht nach Erteilung des Vorbescheides gegen eine Ueberweisung Einspruch zu erheben, wenn er wichtige Gründe dazu vorzubringen hat, die dann im Vechandlungsver- fahren vor dem Ausschuß zu erledigen sind. „Der ganze Wcdding handelt mit Brotkarten." So bchcrnptcn zwei Brotkartendiebe, die von der Neuköllner Kriminalpolizei unschädlich gemacht wurden. Bei den Ermittlungen zur. Auf- klärung des großen Neuköllner Brotkartelldiebstahls, bei dem den Tätern, wie wir mitteilten, 18 999 Kartell in die Hände fielen, stießen die Beamten auch auf eine Spur, die nach dem Wedding und seiner Umgebung zeigte. Sie wies endlich auf einen 23' Jahrs alten Arbeiter Alfred Kanitz, der bei seiner Schivester in der Schul- straßc 21 einen Unterschlupf gefunden hatte, und auf einen 32jähri- gen Arbeiter Max Hoffmann, der, ebenfalls ohne feste Wohnung, von seiner Geliebten, einer Alwine Krause, in der Ruppiner Straße 26 beherbe.rgt wurde. Als die Neuköllner Beamten in der Sckulstraße erschienen, trafen sie dort zwar nickt den Kanitz. wohl aber Hoffmann, der seinen Freund bcsuckt hatte. Sobald er ihrer onsicktig wurde, versuchte Hoffmann sich durch einen Sprung aus dem Fenster der Verbaftung zu entziehen. Als ihm jedoch einer der Beamten seine. Dienstvistole zeigte, nahm er davon Ab- stand und gab sick gefangen. In der Behausung fand man 299 Brotkarten und 1899 M. bares Geld aus den vcrkanfteil Karten. Kanitz befand sich unterdessen in der Wobnung. der Krause Aind wurde dort überrascht und verhaftet. Auch hier fand man eine große Menge Brot- und andere Karten und 1299 M., die im'Sofa versteckt waren. Könitz behauptet, daß er. die Karten van cinein Max..Fischer zum Verkauf bekommen habe. Ticsex Max Fischer ist aber von ihm epfvwden...Tie. Kartckl stamme» cchs-winem Ein- bruch bei einer Brotkartenkommission.in CKgälöltenburg, bef der 6999 Brot- und 3999. Brotzusatzkarten gestohlen inürden.- Für den Neuköllner Einbruch kommen die beiden- nicht in Betracht- Mit ihnen wurden auch die Schwester des Kcmitz und Alwine Krause dem Untersuchungsrichter- vorgeführt. Eine Bande von Fuhrwcrksdieben, die ihre Spezialität schon seit längerer Zeit gewerbsmäßig betrieb, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. An ihrer Spitze stand ein Schmied Otto Pietz» er. Uinerführer war ein gewisser Ernst von Kar k o w s k y. Zu den eifrigsten„Arbeitern" gehörten u. a. die Arbeiter Max F a h l b u s ch und Paul und ein Zinkarbeiter Karl Richter. Die Häuptlinge der Bande gingen, in guter Kleidung mit dem Eisernen Kreuz geschmückt, das sie unberechtigt trugen, beobachteten wo ein Fuhrwerk ohne Aufsicht stand, und gaben dann ihren Helfershelfern, die immer unauffällig in der Nähe waren, einen Wink. So erbeutete die Bande in Schöneberg einen Wagen, der für 7999 Mark Wäsche geladen hatte, an einer anderen Stelle ein Fuhrwerk mit einer großen Ladung Seifenpulver, ferner einen Blumenwägen mit Ladung. Die Diebe hatten es in der Hauptsache auf die Pferde ab' gesehen, die sie Roßschläcktern zum Kauf anboten. Daneben ver fchmähien sie es aber auch nicht, die Ladungen zu Geld zu machen. Für diese Sachen fanden sie einen willigen Abnehmer in einem Tischler Karl S i ep ke, einem bekannten alten Hehler, der nament- lich für die Wäsche Verwendung hatte. Auch dieser wurde hinter Schloß und Riegel gesetzt, nachdem fortgesetzte Beobachlungen der Krimmalpolizei zur Aufdeckung des ganzen Treibens geführt hatten. Die Verhafteten betrieben neben ihrer Spezialität auch Handel mit Brotkarten, gefälschten Bezugscheinen usw. Für 30 000 Mark Seide erbeuteten Einbrecher in der Nacht zu Freitag in der Blusenfabrik von B o y u. C o.- in der Wall stra ß e 27. Dieses Grundstück steht bis 7 Uhr morgens unter der Obhut eines Wächters. Dann erscheint der Pförtner, der zunächst einige Reinigungsarbeiten zu verrichten hat. Während er damit beschäftigt war, sah er, wie zwei oder drei Männer mit Paketen die Treppe herunterkamen, sie vor der Tür auf einen Handwagen luden und davonfuhren. Er hielt sie für Angestellte eines Betriebes und ließ sie ruhig gewähren. Bald darauf ergab sich, daß'es Einbrecher waren, die die Blusenfabrik heimgesucht hatten. Zur vorgestrigen Versammlung im LehrervercinshauS, in der Genosse Scheidcmann fpr-ach, wird uns noch berichtet, daß nickt nur der Saal bis an die Grenzen des Möglichen gefüllt war, sondern daß auch viele Tau sende, die Einlaß gesucht hatten unverrichteter Dinge wieder umkehren mußten. Tos zeigt, daß trotz aller Bemühungen der„Unabbängigen" die Partei in Groß Berlin festen Baden unter den Füßen hat und täglich neuen ge gewinnt. Die Bczirksorganisation Groß-Berlin wird sich bemühen, in absehbarer Zeit eine äbnliche Veranstaltung zu bewerkstelligen, um auch denen gerecht zu werden, die diesmal zu kurz gekommen sind. Steglitz. Obst und Gemüse auf Kundcnliste. Vom heutigen Sonnabend ab wird das von der Gemeinde beschaffte Obst' und Gemüse auf Grund der Kundenliste verkauft. Der Anspruch des Kaufberechtiglen bleibt 24 Stunden nach Aushang der Nummer» bestehen, dann wird die nicht abgebolle Ware freihändig verkauft, Heute gibt es Vi Pfund Obst und l'/o Pfund Gemüse pro Kopf. Wilmersdorf. Zur Regelung der Koh?cuvcrtcilu»g schreibt uns der Magistrat: Die gemäß§ 18 der Verordnung des Ober- kommandos betreffend die Regelung der� Kohlenverteilung unter Mitwirkung der Hausbesitzer(Hausbesitzer-Stellvertreter) angeordnete Erhebung mittels Fragebogen sollte für Berlin-Wilmersdorf durch die Rückgabe der ausgefüllten und unterschriebenen Fragebogen an die zuständige Brotkommission bis spätestens'Sonnabend, de» 21. Juli, abends 7 Uhr, ihren vorläufigen Abschluß finden. Be- dauerlicherweise haben eine ganze Anzahl von Hausbesitzern lHaus- sbesitzer-Stellvertretern) den genannten Termin nicht eingehalten und sind nock heute mit der Ablieferung der Fragebogen im Rück- stand. Die Säumigen entschuldigten sich meistens damit, daß- die. Mieler sich zurzeit auf Reisen befänden. Es wird- jedoch bemerkt, daß die den Wilmersdorfer Hausbesitzern zugleich mit den Frage- bogen zugestellie Anweisung auf rosa' Papier ausdrücklich besagt:.„Für Mieter, die zurzeit abwesend sind, hat die Ausfüllung der Spalten 2 bis 19 beziehungsweise 14 bis 18 durch den. V e r m i e t e r(Hauseigentümer oder dessen Vertreter) zu er- folgen.".'Es bedarf keines ausdrücklichen. Hinweises darauf, daß die verspätete Ablieferung der Fragebogen zur Verzögerung in der Aus« gäbe der Kohlenkarten an die Mieter führen kann. Diese werden für die ihnen ciilitehe.nden Unannehmlichkeiten jedenfalls unmöglich die für. die Köhleiiversocgung in Frage kommende Stelle des Magistrats verantwortlich machen können. UebrigenS verfallen Hausbesitzer, die die im 8 18 der Kohlenverordnung ihnen auf- erlegten Verpflichtungen nicht ersüllen, den durch den§ 36 ange- drohten Strafen. Neukölln. Ferienwanderungen für die Gemciudeschüler. Zur Ferienerboluug der Gemeindeschulkinder hat der Magistrat eine be« sondere Einrichtung geschaffen, die weiteren Kreisen der Bevölkerung noch nicht hinlänglick bekannt zu sein scheint. Zweimal in der Woche ziehen' die Kinder unter Führung von Lehrern und Lehre- rinnen hinaus in die nähere oder weitere Umgebung Neuköllns, um' in Feld und Wald Erholung zu suchen. Zeit und Ziel der Wände- rungen sind bei den Schuldicnern zu erfahren. Verpflegung und Fahrgeld haben die Kinder selbst mitzubringen. Oopenick. Mehl- und Margarincbczugsscheine für Gastwitt« schastc». Die vom 6. August ab gülligeir Mehl- und Margarine- bezugsscheine für Gastwirtschasten und Kantinen sind. von den �Empfangsberechtigten in der Zeit vom 27. bis 31. d. M. in der Kärrenausgabestelle; Grünstr. 17, Laden, abzuholen. Fricdrichshagcn. Heute gelangt auf Abschnitt Leb in alle». LebenSmiltelgcsckäflen S ch w e i z e r k ä s e zur Verteilung; auf jede Karte entfallen 99 Gramm zum Preise von 69 Pf. Spandau. Die Haushaltungen der Altstadt, Neustadt. Haken- felde, Stresow und Siemensstadl können die Bezugscheine für Ein- machez ucker jetzt einlösen, da die Geschäfte sämtlich mit Zucker beliefert find.___ SchSneberg. In der Zeit vom Sonnabend, den 28., bis DienS- tag, den 31. Juli, find anzumelden: V« Pfund Weizengrieß oder V« Pfund Haferfabrikate auf Abschnitt Str. 21 der Nähr- mittelkarte; 2 Suppenwürfel auf Abscknitt Nr. 22 der Nähr- mitteilkarte, 1 Erbswurst auf Abschnitt Nr. 13 der Nährmittel« karte für Jugendliche.— Ausgegeben werden in der nächsten Woche: 299 Gramm Teigwaren auf Abscknitt Nr. 44 der Nährmittelkarte, 2 Suppenwürfel auf Abschnitt Nr. 42 der Nährmittelkarte. 'Aj Pfund Südfrucht ma r m e l a d e auf Abschnitt Nr. 46 der Nährmittelkarte, 299 Gramm Graupen auf Abschnitt. Nr. 47„der Nährmittelkarte, und 209 Gramm Suppen auf Abschnitt Nr. 48 der Nährmittelkarte. Wcißcnsce. ElcktrizitätSfiörungcn. DaS wiederholte Versagen de? hiesigen Elektrizitätswerkes mit der Stromlieferung an die Konsumenten führt zu kolossalen Schädigungen nicht nur der Unker- nehmer, sondern auch der bei ihnen beschäftigten Arbeiter. Seitdem die Gemeinde- das Werk an. die.Märkischen Elektrizitätswerke.-per« kauft'- hat.- habeniHie Beschiverde»--.über'vernitchlässigte.Str-sm.tfes«- rupg nicht aufgebört, trotzdem die beteiligten. Dftektoren und Iach« 'kcnN'c'r'bei"drA Ver-läufSverhandlnngen aufs-üestimmteste versprochen haben,' die Emrichtungew so zu treffen, daß jede gewünschte Sflwm- menge von ihnen ohne weiteres zu beschaffen sei. Als die Gemeinde noch Besitzerin des Werkes war, waren keine oder doch, nur ganz geringe Störungen vorbanden, die meist in kürzester Frist auch beseitigt wurden. Da die Märkischen Elektrizitätswerke zum Teil als Besitztum der Provinz gelten, wurden bei den Ver« kaufsverhandlungen auch Wünsche der Provinzialverwaltung berück- sichtigt und die Berliner Konkurrenz auf besonderen Wunsch zum Teil ausgeschaltet. ES scheint jedoch der Einfluß der Provinzialverwaltung auf die Direktion der Märkischen Elektrizitätswerke sehr gering zu sein, denn sonst würden diese schon längst die an sie gerichteten be- rcchligten Beschwerden so behandelt haben, wie sie behandelt werden müssen. Die Steuerzahler und Gewerbetreibenden am hiesigen Ott leiden durch die Spartheorie des leitenden Direktors großen Schaden, und hat die Provinz hierbei wirklich etwas mitzubestimmen, so sollte- mit einer Abhilfe nicht lange gewartet werden. Pankow. Diejenigen Personen, welche auf den Bezugs- und Ouitlungsabschnitt 63 der alten Lebensmittellarte Kriegsmus bisher nicht erhalten haben und hierfür Sirup wünschen, tonnen, soweit der Vorrat reicht, �auf diesen Abschnitt tn den nochbenannten Ge- schäften 1 Pfund Sirup entnehmen: Gerhardt, Schönholzer Str. 9, Löchel, Berliner Str. 89, Löchel, Prenzlauer Promenade 189, Schwabe. Berliner Str. 53, Zühlke, Mühlenstr. 39. Der Preis beträgt für'299 Gramm 35 Pf. Es wird hiermit besonders darauf hingewiesen, daß die Kaufleute und Händler nur gegen Abtrennung des Bezugs- und Ouittüngsabschnitls 63 von der- alten Lebens» mitteilarte die Ware an die Verbraucher abgeben dürfen. — Die Liste derjenigen Personen, welche für das RechnungS- jähr 1917 nach einem Jahreseinkommen von mehr'als 429 Mark bis einschließlich 999 Mark veranlagt sind, liegt in der Zeit vom 27. Juli bis 9. August d. I. im hiesigen Sleucrburcau, Wollanlstraße 131, während der Dienststunden zur Einsicht öffentlich aus. Gegen die Veranlagung steht jedem Steuer« Pflichtigen vorbezeichnetcr Art binnen einer Ausschlußfrist von Vier Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist der Einlpruch bei der Veranlagungskommission des Kreises Niederbarnim-West zu Berlin- Pankow, Breitestraße 37, zu. Später bei dieser Behörde oder bei dem Gemeindevorstand eingebende Anträge auf Ermäßigung bezw. Befreiung von der Steuer müssen zurückgewiesen werden. � — Die hiesige öffentliche Rechtsauskunftsstelle befindet sich vom 39. d. Mls. ab bis zum 22. August iin hiesigen Rathaus, Zimmer 49, zwei Treppen und ist geöffnet Montags, Mittwochs und Freitags. von 7—8 Uhr nachmittags. Groß-Serlmer parteinachrichten. Spandau. In der am 26. Juli stattgefundenen Mitgliederversammlung des Wahlvcreins gab der Orts- kassierer Genosse M. Jahnke den Kassenbericht, aus dem z» entnehmen war, daß der Umsatz der Mitgliederbeiträge gegenüber dem vorigen Quartal erheblich zugenommen hat und-der Verein,. trotz der Gegenagitaticm der„Spartakusse", gute Fortschritte macht. — Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung:„Stellung- nähme zur Kreisgeneralvcrsammlung"«nt- spinnt sich eine recht lebhafte Debatte. Genosse W. Jahnke ist mit dem.Kaiserbefuch nicht einverstanden und glaubt, daß die Re- gierung nicht alles tue, um ctne Demokratisierung Deutschlands durchzuführen. Genosse Stahl schildert in. längeren Ansführun- gen die politische Situation und die Haltung der Reichstagsfrakticm während der politischen Krise. Deutschland befind« sich heute mehr wje je im einem Verteidigungskriege und sei auch auf dem besten Wege, endlich die notwendigen inneren Reformen durchzuführen. Da durfte unsere Fraktion nicht auf halbem Wege stehen, bleiben, sondern mußte alles unternebmen. damit dem Volke endlich sein Recht werde. Jetzt sich eigensinnig in die' Ecke stellen,� wäre un--c ftmtig und die.Fraktftm habe recht geAaudeft» daß ße ibre Le»
Jteluttß zu Fer Besprechung entsandt kabc.— Genosse Bock ist ebenfalls mit der Haltung der Fraktion einverstanden, glrNlbt jedoch, dast schärfstes Mißtrauen qc�en die Regierung am Platze sei. Die..Hofgäiigem" nehme er nicht tragisch, dieser Schritt sei im Interesse des Voltes notwendig gcivcsen.— In gleicher Weise sprechen sich die Genossen Pieper und M. I a h n k e aus. Unter Punkt 3 der Tagesordnung:„Bericht von der Sitzung der städtischen KriegSkommissio n" gibt der Vorsitzende das Antwortschreiben des Magistrats auf die in der letzten Vcrsamm- lung angenommene Resolution bekannt. Stadtberordn. Pieper berichtet über die Besprechung unserer Resolution, die zwei Eitz»«- gen in Anspruch genommen habe. GS soll alles versucht werden. um die Srnährung dep Einwohnerschaft sicherzustellen und zu bessern. In der Kohlcnfrage sei dislier nichts unversucht gelassen worden, eventuell soll städtisches Waidgebict abgeholzt werden und der Einwohnerschaft zu billigen Preisen abgegeben werden. Gegen die Mietsdeigerungen ließe sich nach Ansicht des Magistrats nicht viel tun, jedoch soll mtt denjenigen Hausbesitzern, die Krieger- svauen mit Mielsteigerungen liedachte», seitens des Magistrats Rückspradie genommen werde», damit dieselben rückgängig gemacht werden. Der Magistrat wünsche, daß sich diese Krieaerfraucn per- sönlich oder schriftlich melden.— Genosse Stahl teilt mit, daß er aus Einladung des Magistrats sich an Ort und Stelle über die Art der Gewährung der Unterstützung an Kriegerfrauen tnfor- mie-rt habe. Bedauerlich sei, daß die organisierte Arbeiterschaft. insbesondere das Spandauer Gewert lchaftskartell, sich um die Durchführung der Kricgssürsorge, der Lebensmittelversorgung und anderer mit dem Kriege und der Ernährung zuiainmcnhängender Fragen bisher wenig geküinnierl und auch der Magistrat der Ar- beiterschast nickt den nötigen Einfluß zugestanden bzw. die Per- treter der Arbeiterschaft nicht zu derartigen Besprechungen und praktischer Mitarbeit herangezogen habe. Dadurch sei viel Miß- trauen entstanden,— Räch Erledigung einiger geschäftlichen An» getegenycitcn erfolgte Schluß der gut verlaufenen Versammlung, Frirdrichshagcn. Das Mitteilungsblatt der„Unabhängigen" vom 22. Juli bringt in einer SS Zeilen umfassenden„Notiz", die von Unrichtigkeiten wimmelt, unter anderem eine» Satz, der eine handgreifliche Unwahrheit darstellt. Es wird darin gesagt:„Nach einem Antrage des Genossen Jansson sollte die Seite, auf welcher sich die Mehrheit bcsinbct, der alte Wahlverein bleiben und alles Eigentum dessetbc» i» die Hände der Majorität übergehen." Der Antrag des Genosse» Jansson lautet« aber: „Es- soll durch Abstimmung festgestellt werdest, wer zur sozialdemokratischen Partei und wer zur Arbeitsgemeinschaft gehört." Weiter nichts. Alles andere sollte nach der Abstimmung erledigt werden. Der Lärm der„Unabhängigen" machte aber jede wettere Ver- Handlung unmöglich und so mutzte die Versammlung geschlossen werden. Gerichtszeitung. Eine unbesonnrne Antwort auf eine delikate Frage bat für die verehelichte Rosine Et. recht üble Folgen gehabt. Sir war in einer BeletdigungSsackc als Zeugin vor das Schöffengericht H a rn m geladen worden. Da sie keinen günstigen Eindruck machte, fragte der Vorsitzende sie, ob sie etwa mit Männern in unerlaubtem Verkehr gestanden habe. Diese �rage, deren Beantwortung sie hätte ablehnen können, wodurch sie sie allerdings iivdtrckt bejaht haben wurde, hat sie der Wahrheit zuwider glatt verneint. Das Schwurgericht Dortmund hat sie deshalb am 17. April des Meineides für schuldig befunden. Mit Rücksicht darauf, daß die Angabe der Wahrheit gegen sie eine Verfolgung wegen eine» Ver- gehen? zur Folge habe» konnte, hat der Gerichtshof eine Gefängnis- strafe von sechs Monaten festgesetzt. Die Revisto» der An- geklagten wurde vom ilietchsgericht verworfen. Der deutschfreundliche Russe. Ein eigenartiger Tatbestand lag der Anklage wegen Urkundeufälschung und Betruges zugrunde. die gegen den Hausdiener Albert Kubitzki vor der 4. Ferien- strafkammer des Landgerichts l verhandelt wurde. Kubitzki ist geborener Pole, also russischer Untertan, und wurde hier nach Kriegs- ausbrach im August 1S14 als solcher in das Gefangenenlager z» Havelberg gebracht,»ach kurzer Zeit jedoch daraus wieder als un- verdächtigt entlassen. Seit seinem 14. Lebensjahr lebt er schon als Arbeiter in Deutschland und fühlt sich so vollkommen als Deutscher, daß er de» Wunsch hegte, dem Deutsche» Reiche im Kriege z» helfen und in seinen Reihen zu kämpfen. Dieser Absicht stand jedoch seine Geburt als Ausländer entgegen, und so griff rr schließlich zu ihrer Erfüllung zu einem Militärpaß. den er seiner- zeit in Memel gefunden hatte und der auf den Namen eines Schlossers Slesan Sypniowsdi lautete. Unter Vorlegung dieses Passes meldete er sich als Sypuiewski als Freiwilliger zum Heeres- dienst, kam jedoch auch jetzt noch nicht zum Ziele, da der in Be- trachi kommend« Jahrgang landsturmpflichtig war und landsturm- Pflichtige Freiwillig« damals im August noch nicht eingestellt wurden. Da er nun befürchtete, vielleicht abermals interniert zu werden, meldete er sich jetzt mit dem Paß als'sypnieivski als Armierungsarbeiter und wurde auch als solcher angenommen, UM im November lgI4 bei den Fortisikationsarbeitr» einen so scknvcrcn Unfall zu erleiden, daß er bis August Istld tm Lazarett liegen und schließlich mit einer monatlichen Rente von 20.25 M. entlassen werden mußte. Während der ganzen Zeit aalt er als Sypuiewski und unterschrieb auch als solcher dt« monatlichen Outtlungen. Wer weiß, wie lange er noch ShpntöwSki geblieben wäre, wenn er nicht eines Tages sonderbares Unglück gehabt hätte. Spvmewski, richtig Kubitzki, mußte im Mai illln wieder einmal zur Musterung gehen. Kaum war rr erledigt und diesmal zum Pionier angesetzt worden. da meldet« sich nocki ein SypniewSki mit den gleichen Personalien. und als man nnn nachforschte, kam heraus, daß der eine von den beiden der Russe Kubitzki und der andere der richtige war, der den Patz verloren, es aber doch endlich vorgezogen hatte, sich auf die öffentliche Aufforderung hin zu melden. Die Rente wurde nun sofort gesperrt und gegen Kubitzki die Anklage erhoben. Der Staatsauwalt beautragte gegen ihn 0 Monate Gefängnis. 600 M. Geldstrafe und sofortige Verhaftung. RcchtSanivalt Dr. Davidsohn dagegen plädierte in der Hauptsache auf Freisprechung. Da er nun einmal als ÄypnietvSn eingestellt war und als dieser ent- lassen wurde, so sei er gezwungen gewesen, unter diesem Namen zu quittieren. Er habe nicht die Absicht und das Bewußtsein einer Fälschung gehabt, auch sich keinen folschen Namen beigelegt, um eine» Vrrinögeusvorleil zu erzielen, da er jg garnickt vorher wissen konnte, daß er beschädigt und eine Rcii-te erhalten würde. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an und erkannt« auf Freisprechung, da auch eine Fälschung zum Zwecke deS besseren Fortkommens, die rtioa vorläge, verjährt sei. Jugenüveranstaltungen. Arbeiterjugend Wrißensee. Arn Sonniaa, den SS. Juli,»er- anstalltt der IugrndSuSIibnh ein« Wondertour noch tiiesentee. zrcstvuntt morgen» Uhr am Antonpiatz.— Am DlrnStag. den ijt. Iult, findet im Heim, Eborlöttenburgrr Strotze(Ecke Tassoslrotze), ein DtSkusstonSe abend statt. �__ rvettrranSNedten f»t da* mimm wnrddriiiirtiinn» ms Sonntag mm»«. Vorm.«tum« fchivlll. zeitweise heller: jedoch vor» wiegend wolkig, strichweise Gewitterregen. OoiU»«»!«, Trtearcr Heut# und folg. Tage 8 Uhr: Max Pallenherg in Der kleine Kapoleon. Kamniernplcle. Heute u, klg. Tg.TotxteWoche Bj, Uhr-. Die Täln«opln mit Leopoldine Konstantin. Mittwoch 71/, Uhr zum I.Male Oolüdlncflc(Lustspiel). VolksdMihne. Theater am BUlowplalt. Untorgrundb. Schönh. Tor. Heute und folg. Tage, letzte Woche, T'/jUhr: Die Kffiiizrln der I.nft. Mittwoch 7'/, Uhr zum 1. Male Fahrende nrndk auten (Singspiel), Musik von RobertSchumann. I.ewisliigf-Theater. Heute u. folg. Tage, letzte Woche, 7'I, Uhr: Marie Ottmann u. H. Waßmann in Htnlia Oper. v.O. Biumenthal. niDUC Musik v. Olk. Straus. Ab Mittwoch: Die Königin der I,nfi. Theater für Sonnabend, den 28. Juli. Dentjeeheo Opernhan. MetfOpOl-THeater Uhr Joffmns Erziliiip. hricdrlch-Wil heimst. Theater ■■/.Uhr: ßas Dreiiiilerlte. Gebr. Hcrrnfeld-Tta. Operettcn-Oaetspiol Die ledige Eliefrau. Kleine. Theater si'hr: im Bafiowartertiaus, Komische Oper Bie Bose Sr. Majestät. /.» Uhr: Lustspielhaus ....... Die blenden MSdele '(.Uhr. vom Llndenhof. Morgen 3'), Uhr: Heimat. Theater i. d. KSniggrätzcrstr. 8 Uhr: KUnitlerllChe Tünze. „Frage an das Schicksal". „Abschledseoupor". Komödienhaus 8; Wie fesile Ich meinen Mann? BerllnerTheater 7MU.: Die tolle Komteß. Walhalla-Theater. iitjt; Zigeuner. (Samttbähuc t Vorstellung. Rose-Theater. 7'/, Uhr:®lc Stunde drS BerirauenS.— Martendllhnc: Seril». wie es lieht und hellt. Pafosii TBSSWaKKmSm ckrlt Neues Operettenhaus Schifibd. 4a. Kassent, Nd. 281 f/.uhr: Der Soldat öerMarie, wr: Die Czardasflipstin. Ke.ldena Theater s ubr: Die Verhüllte. Hchlller-l'hettter Ö uh'r: Der fliegende Holländer Schlllcr-Th. 4 hart. Tv.uhr: üit-Heidelljerg. Thalia-Theater 7'/. uhr: Sonnwendzander. Theater am NollendörlplaU ti. uhr: Die Gulasctikanone. Theater de. Westen. kv. Uhr: stolze Thea. Morg. 3'),: Wauh d Sthlnerlnn. Triaiion-Theater 0 ,,, Die sittlich« Forderung. 8 ühr: Die Lore. IV A MONA!(-THEATER. CGpenlcker StraSe 88. Nur noch 3 Tage, V,8 Uhr. Die Lieder des Musikanten. tsroßor Erfolg! Ab I. August bleibt das Theater wegen Vorbereitmig der neuen, großen Ausstattungsposse kurze Zeit geachloseen. Musik von Walter Bromme. Heederei Kaimt& Hertzer Jede» Sonntag eb Waiscnbrücke �nach" I«up!tzssosuo«8 ll!/ll)%u- 3,00 M. � s's;;;.i/UnKranipenl)urg 1,50 M. Tägl. 1*1, Sonnt. 3% u. I'l, R. Steidl. fl. MUller-Lincke, Gertr. Qräbnir, B Lehnhoff in„Der Herr ohne Wohnung". Dazu: Afra, äi» Seltsame usw. Berliner Prater-Theater, Knltanlenallee 7—9. Zum 60. Male: Aha— famos! Gr. AuSstatlungSiOperelleiipolse in 8 Alten mit Gelang u. lonj. Vorher b, gr. VarietOprogramm. Anfang 41/, Uhr. Voigt-Theater Badstr. 58. Badstr. 5t. läglhh groBe ExtraTorsteltung. Ute Oi(i SM». Vcnher: Vrstklalstgrs Spezlalithtrii'Progrnmin. Ans. mochent. i'/,, Oonnl. 4 Uhr. jr. Anf. f'/jU 8. Wiederbeginn d. Vor- llln Am t Stellungen der Stet Singer Bahnhof Kriedrichstralio. Anfang H Uhr. Rauchen gest. Kühl. Aufenth. jattte-hiWtJSL u.aLuisu Sohn.BertaStelnorl Peppot phhnom Dreeiur-Akl E. Kegelpartie zu Pferde. DirSohumanns Meistordrete. Li_ 1„ I! Parforce- nalaii 8cg|ei- äonntag tf�/i und S ulir. Kachm. 1 Kind frei sowie Grutis-Pony-Reit. f. Kind. Admlrals-Palast, Jlbrakadabra gr. phantastlsclios Ballett auf dem Ki.c. Angenehm, kühl. Aulenthalt. VI, U. Vorzilgl. KUoha.� pezial-Arzt Dr. med. Hu. ehe. FrleddtHtOOSXÄ,. SedandL vonSNNhtlts..Haut-, Harn«, jhranrnletde». svez. chron. Ehrlich-Hata-Ku« rcn. schmerzlose, lürzeite Be- Handlung ohne Äerusssiöruna. Btulunleriuchnng. Mätz. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 16 dl« I und 5—8. SoNNl. 1t— t. S'ttr O.lprotiBeu such« BettsteUcit, Kletder- schritnte, VertikaS, Sofas, ' ktzcderbettcn. Wolaatook. Noukdlln.Knesebeok- Slraße 36. Tclcf.-Anschlutz 2126. Arbeiter-Bangfinossensclialt „Paradies" zo Berlin mEb0H Bureau und Hauptkasse: Bohnsdorf bei Grünau. Montag, den ZO. Juli er., abends 8 Uhr, im»GriverkschaktShousch ffitigdufev 16: 15. Ordentliche Genkral-Versümmtung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechming.— 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz sowie Bcschllitz- sassung über die Verteilung de« Gewinne« oder Verliiste«.— 3. Bericht über die gerichtliche Rcvlston.— 4. Neuwahlen> a) des Vorstandes; b) Ersatzwahlen zum Ausstchlsrat.— B. Verschiedenes. 106/ä Nur Mitglieder hoben Zu- lrilt. Ohne Mltnlledibnch teln Eintritt. Die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung sind tu unserer GeschästSslellc in Bahn«- dort in den Kassenstunden von D— U, Danncrslags van B bis 8 Uhr nachmittags einzulchcn. Der Vorstand. G. Dorner. P.Sehiffke. F. Hopp«. »>»» a Liter 2 Mark. Nchtung, Kollegen! Wegen Mangel an Bier und Katiee empsthle Ich meine gesützlen Limonaden u. Gltihpunsch- Extrakte. Berlin ii.(167« Reinlekendorfer StraBe 109. Jetit ausgesht, zum Teil in > Wochen wieder tri, ehe« GemtUe I Verbindlich bis 8. August, soweit die Be- stände es noch hergeben. Speleerllben, Herhitrflben, Stoppelrüben, Btlel- IC. rnu» V.Piund Samen 43 p'- Spinat— Behnittsalat•— Oemüsepotersilie— Radios— Hettiph— Gartenkresse— Kopfsalat— Dill- Ehdlvlcn- Krauskohl- Rapunzel-Bonnenblumen— Tabak, um selbst Tabak zu ziebefl— Mairüben— Rhabarber— Schwarzwurzel— Weißkraut— Kerbel—!?ichö- riensalat— Pastinaken— I.andgurken— Sellerie— Wirsing— Rosenkohl— Kohlrabi— Blumenkohl — Rote Rüben— Speiee- kürbls— Kohlrüben— Gurkenkraut— Bohnenkraut- Petersilien wursel — Tomateit— Kümmel— Kuckerrüben zum Saft- kochen. Von einer Berte 1 Paket lalat£ j PI 100 Pakete M. 28,— 1666 Pakete M. 310,— Horn- spähne Paket EO Pf.— Wetzsteine SB Pf.— Champignonbrut. Blumen- Däninereien Pelerseim- Erfurt. Lieferanten für Be. Maj. den Deutlehen Kalter. Hauptkatalog umsonst. Spezialarzt " Dr. med. Colomrtrtii" F.QesshltDhtikrankh., Haut-, Harn-. Frauenleiden, ner»5». Schwäche, Beinkrank«.' ithrllch- Hat»- Kuren (Dauer 12Tage). 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August 1917 ddrstn auf die 6 schraffierten Stbichirittc liiia bis 66« der Kartastel- karte je V« PsuNd Kartaffeln, zusammen alia stSchstrnS B Pfund Kartoffeln abgegeben und cnlnammcn werden. N. Als Ersatz sllr die restlichen 2 Pfund Kariaffeln soll oul die 4 weiften Abschnitte ißfld und OBe in der gleichen Wache bei einem Berliner Bilckcr ader bei einer lailstlgeN Bral- Verkaufsstelle in Berlin unter nleichzelilger Darlegung einer Berliner Lkbensmitirltartt Gebäck entnanunen werden dlirtcn. und zwar 166 Gramm Gebäck aus leden Abschnltt, zusammen also ftöchstenö 4i»v Gramm Gedäck. Es bleibt jedoch varbehalien,»et reichlicheren Zufuhren auch aus die Ablchnlil««v d je«In weitere« Salbe» Pfund Kar. »assrln, also ein viertes Pfund Kartoffeln anstatt de» Gr- blick« van Freitag, den 3. August 1917, ab zur Bertetlung zu dringen und dies dann vesandrrs belannl zu geben. IN. Aus dl« Karioffeizniatztarten dllrfen i> Pfund Kartoffeln adgegeben und entnommen werden. Sine Abgabe VON Gebäck ans Grund der Karioffelzusatztarlen findel Nicht statt. tL. VItlltärurlauder find berechiigt, aus jeden Abschnitt lhrtr Karloffrlkarte'/, PsUnd Kartoffeln, nicht aber Gebäck zu entnehmen. TL Zuwiderhandlungen gegen diele Bestimmungen find nach Matzgabe der angezogenen Verordnung strasdar. Berlin, den 27. guli 1617. MagiSrat der König!. Haupt- und Kefideutkadt. L-Nr. 9B4 Kart. 17. svermuth. Lertiner Tsollpsedt- 0evos8evse!t»tt eingetragene Genossenschaft w. heschrltnkier Haftpkllcht. iillane illr das Geschästsjahr»ow i, Janekr die tl. Dsumber HIB Aktiv« i Kautionen.... Inventar..... Restanien d. Kolonien Darlehne..... Schuldner »317— 689.— 4088. BB 1519.46 ■ 6766.41 Gulhb. d d. Dresv. Bf. 26843.82 Kaffenbestand... 91.78 Verlust...... 862- ästÖBl.Öl Paaulvn: Pachlguth. d. Kolonien 6624.37 Sparionto.... 222>6.24 BIock-Konlo.... 1628.66 Antellt...... 6666.— . vorausdezablie. noch nicht gimeibeie.. 146.— KflegsunlcrNatzUngs'K. 82— SleiervesoNd»... 1561.86 aßuöl.ut nitfllcder-BeVrcarnrtpr' Mllgllederdestand am 3l. De,. 1616 411 Genossen Neu elngelrelen....... 167. 678 Genoffen Ausgetllndlgte u. ausgezahlte Anteile 10..._ 10» MtgllederbestaNh am 3t. Dezeniber 1916... 668. Das GeschäslSguIH. d. Gen. betrug am 3t. Dez. 1915 4336 Dl. am 81. Dez. 1916 6636, (illr 568 Genaffen mit je 1 Anteil 6686.- well er« Anlell« bis 81. De». 1915 226— ». neu hinzugekommen 3:io.— nusfiin mehr t606 U'f I.Dez Die Hflsisumme der Genoffen betrug am 31. Dez. 1915 8566 M. am 31. Dez. 191« 11866. Nillhl« mehr: 3266 M. Zum Bestand per 31. Dezcmder 1915 5936.� M. kommen hinzu: aulgekilndtale, aber noch nicht ausgezahlte Anteile 13= 130.— M. 2?B Bestand: öobu.— M. Berliner l-nndpncht-Genoaaennehaft eingetragene Oenossensohaft m. beschrBnktef HaftpfHi'ht. Oer Vorstand: Wilhelm Both. Britz Wils. BazugsquellanUerzeictinii Barilfi-sadeB IFIelaoh- u. Wurantae. K Paol Miller, MezmUli luTc h I h~dl■..Vo lonl a~l w~ 8. r enske.Kottbaz.Daaim SS 8treng re�l��»rl"nnt blll. Ileulcfliln |C. Dittmann] Berliners, r. 4t nvVUd- Oeflüget- rUche.Q Bazugsquelien-uerzslcnnis _ Barlln-Weetan Hawawea t\. Kicpcr yriedriehslf. 28 ! V»m»u. Klalgrl Vbhi und _ Hsloniilw Breitetlr. 17, 8(jh8n««ldef tri18l4l.Pich»1..4[.rt«r«tr.l1. Hzez- and KDctaengerite Hermann Ftnck Blseawsr., B«heti*aldefst.»7 I.BfOderet.ri S< jOr.rtgratcknlderet.T, BAI CT&aMa): OlilOW Msr's.l�,F�f;r.'ift4S Deutscher Metallarbeiter• Verband. Verwaltungsstelle Berlin Den Mitgliedern zur Asch. rlcht, datz unser Kollege der Gllrtler Sermuan lejsky Matinnnenstratze 40 am 25. Juli gestorbe» ist. Di« Beerdigung findet am Sonnadehd, den 28.(luli, nachmlliag« i'l, Uhr. von der llelcheiiballe des städtl» schen Zrledhafes in Buch au« statt. Rege Beteiligung wirb er» itmrttL_ 179/11 Nachruf. Den Mitgliedern lerne, Äur Nachricht, datz unier ollegt, der Maschinen- arbeitet Richard Schenk Weininessterstratze 4 am 28. Juli gestorden Ist Ehre ihrem Andenke«! Die QrtSvcrwaltung. In Ireutster Pstichlrrtai. lung sür unier Vaterland sttl am 16 I u lt, vorm 16 Uhr, unler lieber guier Sahn und Bruder, der Unieralstzler 118A Vllhelm Rrllserl JnH. d. Eis. Kreuze« u. Kl.. >N noch nicht vollendetem St. Lebensjahr«. Di« Bestaliung ersolgi« am 17. Juli am 17. Qu II auf dem Eoldalen-gtlrdhos in Sauredres. Unsere Freude, unter Stolz warst Du, Nun deckt Dich scemde Erde zu. Ruhe sanft I Du dletbst un« unvergetzlich. Familie prükert, Reukölln, L'enauftvagc 27/38. Deutscher Dauarbeitcrverband. Zwelgverein Berlin. Den Äillgliedern zur Nachricht, datz unser Kolleg«. der Alaum Friedrich FOrch am Mlllwoch, den 26. Juli, im Zllier von 4? Jadre» an ssleckihpbu« gestorben Ist. Ehte seinem«ndenien: Die Beeidigung findet am Monlafi, den»6. Juli,»ach- Mittags 3 Uhr, auf dein Städiischen Fricdhas in Marzahn stall. 145/7 Um teae Beteiligung ersucht Der Vorstand. VVtlllM'! IkllUeklllilZlUlil Lriillt« t m»i Anawakl. BUltfate I'L ihrenilral« Kotonntdeni Prabe. •7* ran klarier 8lf. II8| (nzh* Andreasstr.l teswihleendunien solert Amt Z.wmirt, MV. htaaUl 18—1 Uhr|«(Hn«t
nc. 204— 1917 Unterhaltungsblatt ües vorwärts Gottnabenö, 2S.Mi Natürliche Uhren. Wer die erste mechntiisS betriebene Uhr erfand und wann dieZ geschah, weif; man nicht. Die erste Räderubr, von der wir wisten, erhielt Kaiser Friedrich 17. vom Sultan Saladin zum Geschenk! infolgedessen hält man die Sarazenen für die Erfinder. Schon seit dem 11. Jahrhundert sollen auch verschiedene Klöster Uhren mit Gewichten und Räderwerk besessen haben; im übrigen war man auf die Beobachtung natürlicher Zeichen angewiesen. Wer die genauere feit wissen wollte,� sah wohl einmal nach den Ufiren, deren es in er Hauptsache zweierlei gab, die beide mehr„natürlich" als Kunst- werk waren. Außen an der Kirche gab es eine Sonnenuhr, und in der Kirche hatte der Pfarrer zwei, drei Sanduhren auf der Kanzel, nach denen er sich mit der Länge seiner Predigt, seiner Gebete und Liturgie richtete. Beide Uhren waren unbedingt zu» verlässig; die Sonnenuhr gibt mit untrüglicher Sicherheit die Zeit, die Sanduhr in erster Linie ein bestimmtes Zeitmaß genau an; Voraussetzung dabei ist natürlich, daß man sie von vornherein richtig einstellt. Freilich haben alle Sonnenuhren den Mangel, daß man die Zeit nur dann von ihnen ablesen kann, wenn die Sonne scheint, also vor allem nicht bei Rächt. Anfangs zählte man daher in einigen Ländern nur die Stunden von Sonnenuufgang bis Sonnen- Untergang. Weil nun die Sonne im Sommer viel mehr Stunden scheint, als im Winter, müssen die Japaner, die immer noch an ihren Gewohnheiten aus dem Zeitalter der Sonnenuhren festhalten, ihre Uhren alljährlich mehrere Mole entsprechend der Jahreszeit umstellen, wie wir neuerdings am Anfang und Ende der „Sommerzeil". Gewissermaßen als Ergänzung der Sonnenuhren tüftelte vor einiger Zeit ein Astronom eine eigenartige Mond uhr aus. Er stellte sein Fernrohr so ein, daß der Mond durch dasselbe in dem Zeitpunkt, der für seine Beobachtung am günstigsten war. auf eine Selenzelle schien. Mit der Selenzelle waren eine elektrische Batterie und ein» elektrische Alarmglocke verbunden, und Nacht- Wächter Mond rief denn auch wirtlich den Gelehrte» pünktlich zu dem erwarleten Stelldichein. Ein Gegenstück zu den Sanduhren bildeten die früher ebenfalls häufig benutzten Wasseruhren. Eine besonders kunstvolle Wasseruhr wurde schon Karl dem Großen von Harun al Raschid zum Geschenk gemacht. Die Wasseruhren spielten besonders im rönnichen Gerichtswesen ein« Rolle. Ein Drittel der Zeit war dem Kläger, das zweite dem Beklagten, das letzte dem Richter zugebilligt; ein Beamter mußte nun immer den Ablauf des Wassers überwachen und, wenn einer dieser Zeitabschnitte vorüber war, kündete er eS mit einem kurzen Schlage an. Im ge- wohnlichen Leben rechnete man früher natürlich längst nicht so genau mit der Minute wie jetzt. Da genügte es auch, daß der Bauer einen„Morgen" nannte, was er an einem Morgen, von früh bis Mittag, mit einem Joch Ochsen umpflügte oder daß er die Länge ieiner Ackerfurchen danach beniaß,„wie lange ein Rabe auf dem Galgen oder Rad eine Nuß essen möge." Häufig machte man auch geil angaben in der Weis«, wie viele Pfeifen mäit inzwischen tauchte oder wie lange man mit einem Brote reichte... Neuere Naturforscher haben sich ihre Erfahrungen in eigenartiger Weise zu- nutz« gemacht. Linne halle eine A lumenuhr. andere haben Vogeluhren zusammengestellt, je nachdem wie die Vogelwelt und die Blumen nacheinander erwacken oder schlas«» gehen; eine Blumenuhr in Gestalt eines riesigen Teppichbeeles war noch zuletzt auf der Welt- ausstellung in St. Louis zu sehen; das kreisrunde Blumenbeet, das als Zifierblatt diente, Halle einen Durchmesser von 36 Metern, darüber drehte sich smlt mechanischem Antricbl ein 18 Meter langer Zeiger. Zu den zuverlässigsten Uhren, über die wir verfügen, könnie man einige besondere Naiurcrscheinungett zählen, die Jahr für Jahr durch Jahrhunderte pnd Jahrtausende mit unbeirrbarer Pünkilichkeit wiedekieh'ren. In einigen Alpentälern kann man z. B. zni! Hoch- sommerzeil die Sonne mehrere Male an demselben Abend unter- gehen sehen; nachdem sie hinter dem einen Berggipfel untergetaucht ist, erscheint sie nicht weit davon entfernt wieder und geht dann auch noch hinter einem zweiten und wohl gar dritten unter. Wir im Früh- ling oder Herbst in Neapel weilt, kann an einigen März- und Oktoberabcnden die Sonne sogar durch einen Berg hindurch, in der Richtung der drei schnurgeraden Tunnel, die den Monte Postlip durchziehen, untergehen sehen, ein Schauspiel, das immer eine außerordentlich zahlreiche schaulustige Menge von nah und fern an- lockt. Und ebenso wird es kein Leipziger versäumen, wenigstens einmal im August nach der Höhe,� auf der vor 100 Jahren die Völkerschlacht tobte, hinauszugehen, um die Sonne hinter dem Brocken untergehen zu sehen; das ist der einzige Tag, an dem man von Leipzig aus diesen fernen Gipfel überhaupt wahrnehmen kann. Der Salkan als Zischerelparaöle». Fast jede? Land der Balkanhalbinfel birgt in seinen Flußläufen und Seen eine erstannliche Mannigfaltigkeit von Fischen, die zu den erlesensten Arten gehören. Sogar in bezug auf Kaviar könnte sich Mitteleuropa von Rußland unabhängig machen, wenn es den Fisch- fang der Donaumündung in Rumänien für sich ausnutzte. Außerdem gibt es der Aale und Welse im Ueberfluß, worauf schon früber eine ansehnliche Ausfuhr begründet worden ist. In einer Uebersicht der„Allgemeinen Fischerei- Zeitung" werden auch die Donaukärpfen besonders hervorgehoben, die sich auch weiter oberhalb finden, wo der Strom die Grenze zwischen Bul- garien und Rumänien bildet. Die übrigen Flüsse Bulgariens sind besonder? ergiebig an Welsen, die GebirgSwässer auch an Forellen. Ebenso günstig sind die Berhällnisse für die Fischerei in Serbien und Monienearo. Der große Skuiarisiee hat noch einen besonderen kleinen Fisch, der dem Hering gleicht und in unerschöpflichem Maße vorhanden zu sein scheint, Griechenland Ist dagegen in seinen Binnengewässern fischarm. Um so wichtiger wird für dieses Land die Seefischeret, die selbstverständlich auch an den anderen Küsten der Balkanhalbinsel große Erträge zu bringen vermag. Eine besondere Hervorhebung verdienen ferner noch die Gewässer Kleinasiens; die noch weniger als die der Balkan- länder annähernd ihrer Bedeutung entsprechend ausgenutzt werden, zumal die Türken überhaupt nicht gern Fische essen oder allenfalls einen Seefisch wählen. Die Küsten Kleinasiens könnten außerdem reichlich Sardellen, auch Thun» und Schwertfische auf den millcl- europäischen Markt bringen._ Ein vergessener Süßstoff. In einer Zeit, in der das Sacharin in alle Haushaltungen und in viele Jndustriezwetge Eingang gefunden hal, mag auch von einem anderen, viel älteren Süßstoff die Rede sein, der ln mancher Hin- ficht mehr Beachtung verdiente, als ihm im Allgemeinen gezollt wird. Schott fett Allers her kennt ma» den auffallend süße» Ge- schmack der Eühholzwurzel. Kein Geringerer als der weltbekannte Pharmaiognost der Bcrner Ilntversiiät Prof, Tsckirsch hat darauf verwiesen, daß das Süßholz gerade ln der Kriegszeit besser ausgenutzt werden sollte und der Rostocker Gelehrte Geheimrat Kobbert bat sich eingehend in der Deutschen Pharmazeutischen Ge- sellichaft damit beschäftigt. Danach finden sich in den Berichien Mitteilungen der Gesellschaft über die, Laktitz»"iea>. Unter den Bestandteilen der Wurzel treten vier süßschmeckende hervor, nämlich Rohrzucker, Traubenzucker, Mannit und be« sonders das Glyzyrrhizin, das 5 bis 7 Prozent der Droge ausmacht. Es ist nicht abzustreiten, daß bisher die russischen Marmeladen vollmundiger und nackhaliiger schmecken als die besten dcul'chrn Nachahmungen. Nun ist eS eine, allerdings »ichl öffentlich bekanntgegebene, Talsache, daß von den größeren Fabrikanten eine kleine Menge Süßholzauszug zugesetzt wird. In mehreren Gouverneinents kochen auch die Hausfrnueu ihre luir für den eigenen Gebrauch bestimmten Fruchtsäfte mit diesem Zu- iatz ein. Es ist sehr wohl denkbar, daß der sehr nachhaltige füge Geschmack der Glycyrrhiziniänre und ihrer Salze den Geschmack der Marmeladen und Fruchtsäfte vollmundiger macht. Auch das Geheimnis des englische» Porters weiß Kobbert uufzu- klären. Ii, Astrackan gibt eS zwei große englische Fabriken, die das dortige Süßholz in«ine ausschließlich als Porlerzusatz dienende Herstellung nach geheimgehailenem Rezept umwandeln. Dies Ge- heimnts dürft« hanptsächltch darin bestehen, daß man die den unangenehmen bitteren Geschmack bedingende Rinde nicht vollständig irnl verarbeitet. Amerikanischer Kautabak wird von den Matrosen, der die Weltmeere besahrenden Schiffe allen andern Kautabaksorten vorgezogen, weil elne anglo-amerikaniiche Firma jährlich aus der Türkei, besonder» aus Shrien und Mesopotamien, ganz außer- ordentliche Mzngen von Glycyrrhiza glabra nach den Unionstaaten einführt. Die über Aleppo dorthin gehenden Mengen betrugen bisher jährlich im Durchschnitt 8000 Tonnen, die über Bagdad 6000 Tonnen, die über Antiochien 4O0O Tonnen und die über Damaskus 600 Tonnen. Die Hauptmenae dieses Süßholzes wird in den Bereinigten Staaten zu Kautabak verarbeitet. Unter bem Namen Coco versteht man in Frankreich«in auch tm kleinsten Dorfe käufliches Pulver, da« in kleinen Mengen unter gewöhnliches oder auch kohlcnsanres Waffer gerührt, allen dem Alkohol abboldeu Personen ein wohlschmeckendes, durstlöschendes Getränk liefert. Dieses Cocoptilver besteht nun zum größten Teil an» mit Anisöl par- fümierten Lakritz. Also auch für Brauselimonade und Speiseeis wäre Süßholz brauchbar._ Alkoholisierte Meerschweinchen. Zur Erforschung der schädlichen Folgen des Alkoholgenuffes wurden vielfach Tierversuche gemacht, so suchte bereits im Jahre 1910 der amerikanische Embryologe Eh, R. Stockard abnorme junge Fische durch Zusatz von 3—9 Proz. Alkohol zu dem Seewasser zu erzielen, in welchem sich die Eier entwickelten. Tatsächlich zeigten in einigen Fällen fast alle Embryonen Mängel an Nervensystem und Sinnes- organen, die bei den Augen oft bis zu völliger Blindheit gediehen waren. Die neuesten Forschungsergebnisse aber wurden, wie bcn „Naturwissenschaften" zu entnehmen ist, dnrch fortgesetzie Gaben von Alkohol an Meerschweinchen erzielt, indem man die Folgen bei den Nachkommen dieser Meerschweinchen genau beobachten lonnic, Es wurden nur kräftige, gesunde Meerschweinchen benützt, n»d zwar aus zwei verschiedenen Zuchten, die stets normale Junge geliefert hatten. Die Alkoholisierung nahm man vor, indem man die Meerschweinchen zu vier oder fünf in einem geschlossenen Behälter auf ein Drahtnetz brachte, unter dem sich die mit Alkohol beseuchtele Walte befand. Sechsmal in der Woche wurden die Tiere jedesmal eine Stunde lang dem Alkoholdunst ausgesetzt, was anfangs die Schleimhaut der Atemorgane stark reizte, doch schließlich gewöhnten sich die Meer- schweinchen daran. An den Augen aber wurde» Hornhaut und Linse erst trübe, dann in einigen Fällen wieder klar, während in anderen dauernde Blindheit einlrat. Andere Schädigungen zeigten sich nicht, die Tiere fraßen gut und wurden sogar fett. Erst wenn man die Versuchstiere sich mit normalen oder alkoholisierten Tieren paaren ließ, zeigte, sich an den Nachkommen, in welchem Maße die Keimzellen der Eltern gelilten halten. Es wurden 90 Paarungen von normalen Wetbchcn mit alloholisiericn Männchen vorgenommen. Man erzielte nur 48 Proz. lebende Junge im Gegensatz zu 73 Proz. bei nicht alkoholisiericn Ellern. tt Peoz, Totgeborene gegen 2 Proz. bei normalen Eltern, und von den lebenden Jungen starben bereits nach kurzer Zeit 43 Proz. gegen 14 Proz. bei gewöhnlichen Vorbedingungen. Wenn bei den Ellern beide Partner alkoholisiert waren, kanien nur 41 Proz. der Jungen lebend zur Welt, von denen die Hälfte nach kurzer Zeil starb. Es wurden dann weitere Paarungen in der zweiten und dritten Generatio» veronlaßt, und e? stellte sich heraus, daß die Schäden immer größer wurden, die jüngste Generation scheint Uber- Haupt unfruchtbar zu sein. Wie bei' den Fischen, schädigte der Alkohol hanplflichlich das Nervensystem und die Sinnesorgane, de- sondcrS die Augen entarteten bis zum völligen Schwund des einen oder beider. Auch Entartungen der Beine werden oft durch den Alkohol hervorgerufen.__ Notizen. — Die Stadt ohne Ranch, Die Forschungen der letzten Jahre haben so eindringlich bor Augen geführt, wie vielsoche Schäden Rauch und Staub bewirken, daß man immer nachvnick- lieber darauf hinarbeitet, die Rauch- und Rutzentwicklung zu ver- mindern nud nach Möglichkeit ganz zu vermeiden. AIS Ideal- zustand in dieser Beziehung muß die Verwendung clekirischer Energie an Stelle von Kohle, Holz und Gas gelten, deren all- gemeine Einsühruug vorderhand allerdings noch an der Kostensrage scheitert. Immerhin gibr es bereits ein Städtchen, das dieses Ideal verwirklicht hat, die Gartenstadt Dumbrock in der Nähe von Glasgow iScholiland). Schon rein äußerlich tut sich die Besonder- heil des Ortes durch das völlige Fehlen von Schornsteinen auf den Hausdächern kund. Und eine nähere Untersuchung zeigt, daß jedes der Häuser— eS handelt sich um Einfamilienhäuser mit durch- schnitllich sechs Zimmern— nicht nur elektrische Beleuchluiig und elektrische Küche, sondern auch elektrische Heizung besitzt, Dieie Elektrifizierung des ganzen Städtchen« bedingt ziemliche Ersparnisse In den Haushaltungen wie in der Verwaltung, da alle Reinigung«- arbeiten wesenilich leichter zu leisten sind»nd viele Verrichtungen niit Hilfe der Elelirizitüt von den Familienmitgliedern selbst erledigt werden können. — Das älteste Kriegsbrot. Das„Journal de? DebatS" will festgestellt haben, daß die Idee de« Kriegsbrotes böchstwahr- scheinlich bis in die Zeit des Propheten Ezechiel zurückreicht. Im Kapitel 4. VcrS 1 vertündet der Prophet den Untergang Jerusalems, und, um das Elend zu schildern, das dann über den Einwohnern der Siadt lasten würde, führt er folgende» aus:„Ihr werdet Welzen, Gerste, Bohnen und Hafer nehmen. Ihr werdet all die« zusammentun, vermengen und daraus Euer Brot backen." Zu Be- ginn des 13. Jahrhunderts erklärte der gelehrte Komnientator und Grammatiker David Kimchi diese Stelle mit den Worten:„Der Prophet macht damit die ungehorsamen Kinder Israels darauf auf- merkfam, daß sie während der Belagerung Jerusalems ihr Brot nicht mehr lvie üblich aus reinem Getreidemehl würden backen können, sondern daß sie allerlei Körner und Gemüse, die nicht zur Herstellung von Mehl gebraucht werden, würden beimengen müssen, um der äußersten Not zu entgehen," Wenn diese Erklärung der Wahrheit entspricht, wäre tatsächlich, so meint„Journal des Döbots", der Prophet Ezechiel olö der Elfinder des heute so volkstümlichen KriegSbrotes zu betrachlen, andernfalls wäre die Erfindung dem Kommentator zuzuschreiben, wobei sie noch immer das ehrwürdige Alter von 700 Jahren hätte. /lnöers Hjarmfteö. Bon Jakob Knudsen. In denk Ton, worin diese Worte gesagt wurden, war etwas, das Anders fiihlcn ließ, daß er gewiß trotz alledem gesiegt habe.— Der Alte stand auf der Treppe einen Augenblick still und sah seinen Sohn an. Indem er dann zur Tür hineinging, wendete er sich halb um und sagte:„Ich will Dich nicht zu Hause haben. Du lannst wegkommen, wann Du Lust hast."— Anders brachte die Pferde in den Stall. Dann ging er hinein zum Abendessen. Der Vater saß am Ende drS TischeS und sagte nichts während der Mahlzeit.' Auch die Mutter und Kirstme waren da. verhielten sich aber gleichfalls stumm. Trotzdem konnte Anders ihnen wohl ansehen, daß der Vater ihnen von dem Geschehenen nichts mitgeteilt hatte. Anders war sehr bedrückt. Kein Inneres war in solchem Grade gewaffnct und kampfbereit, daß es beinahe unerträg- lich war, in dieser Rüstung friedlich dazusitzen und Milch und Grütze zu verzehren.— Und dann konnte er sich auch nicht gegen ein gewisses Gefühl von Scham wehren. indem er feinen Vater überwunden sah; denn obwohl seine Gedanken ihm beständig einen künftigen Kampf vorgaukelten, war für sein Gefühl der Sieg endgültig gewonnen. Nach Tisch machte Per Hjarmsted einen Gang in seine Kammer, wie rr'S gewöhnlich tat.— „Ach, was jst denn nur fragte die Mutter sofort. '„Ich will nicht länger daheim bleiben. Das Hab ich Vater gesagt," „Aber er will Dich reisen lassen?" ..Ja." „Es ist auch wirklich so das Beste. Das war nicht schön, so wie eS ging." „Ich bin gar nicht froh darüber, daß Du reist, Anders!" sagte seine Schwester mit verhaltenen! Schluchzen. Sie stand am Tische und schaute nieder. Tie schivarzen Pupillen be- wcgtcn sich so unruhig unter dem Rande der Augenlider, und ihre Oberlippe kräuselte sich mehr als gewöhnlich. „Ja. eS ist auch sehr schade für Dich, liebe Kirstinc," sagte die Mutter-*■ und klopfte ihr die Wange,— gewisser- maßen plump und doch so anmutig, so rührend natürlich. „Ich kann euch ja nicht vor ihm schützen, wenn ich auch wohl seh, daß er zu hart gegen euch ist." ES herrschte längeres Schweigen. Dann kam der Alte aus der Kammer herein. Er trug eine gelbe Lederjacke, gelbe Lederunterhosen und Socken. Er passierte die Wohnstube bloß auf dem Wege zur Schlaf- kammer. „Ja, Du kannst reisen, wann Du willst, Anders. Aber Geld bekommst Du kcinS.— Wir wollen jetzt zu Bett geh«. Margrethe," sagte er mit einem Blick auf seine Frau hin. „Ja. eö ist wohl an der Zeit," sagte sie und ging aus der Stube, ohne Gutenacht zu sagen, doch daS sagten die Mitglieder der Familie einander rne hier auf dem Hof. Die beiden Geschwister saßen noch eine Weile beisammen und schwatzten. Kirstine meinte, er solle erst zum Onkel HanS hinüber und dann seine Zeit in des Königs Diensten ab- machen.— Ja, und wenn er dann einen Hof bekommen könnte, sagte Anders, so solle Kirstine zu ihm hinübcrztehn und ihm die Wirtschaft führen. „Ich kann doch unsere Mutter nicht allein zu Hause bei Vater lassen," war ihre Antwort.„Das wär doch zu seltsam," „Ja, daS wär es wohl auch," räumte Anders ein.— Am nächsten Morgen stand Anders in Reisekletdung in der Tür zu seines Vaters Kammer. „Ich geh zur Aushebung um» Jahr, und in der Zwischenzeit wcrd ich in Dienst treten." sagte er. genau so. wie wenn er sonst Rapport über die Arbeit auf dem Hofe ablegte. „Kommst Du, um Dir Geld zu holen?" sagte der Alte, der am Tische saß und dem Sohn den Rücken zukehrte. „Nein." „Du kannst Dich ja doch wohl nicht ohne daS durch- finden?" „Ich kann mich gewiß jetzt ebenso gut ohne Eure Hilfe zurechtfinden, lvie Ihr in ein paar Jahreil ohne die meine fertig werden könnt." „Hm.— Tu kannst ja schreiben, wenn Du in Not bist." „Ich dank auch I" sagte Ander«, und im Klang seiner Stimme war ein Beben.— Dann vergingen ein paar Minuten, während Anders so dastand......... „Ja, dann will ich Euch Lebewohl sagen!" sagte er endlich. „Lebewohl. AnderSl" Der Alte drehte sich halb im Stuhle um, doch nicht soweit, daß sein Blick dem des Sohnes begegnet wäre. Anders öffnete die Tür— und schloß sie hinter sich ganz leise. Sodann ging er hinein, um von Mutter und Schwester Abschied zu nehmen. Als Anders ein paar Tage bei seinem Onkel Hans gewesen war, kam ein Brief von Per Hjarmsted an diesen mit einer Anweisung über 500 Reichstaler. Er bat HanS, deni Anders zu sagen, daß sein Vater meine, es sei besser, Handel zu tlcibc», bis er Soldat würde, als geradezu Knecht zu sein. Dabei lerne er mehr. Anders befolgte die Auf- forderung und verdiente in dem nächsten Jahr durch Vieh- Handel an die 400 Reichstaler netto, was für einen Anfänger nicht eben schlecht zu nennen war. Aber die Beschäftigung sagte ihm nicht recht zu. Im Herbst ging er dann zur Aus- Musterung. Dank de? alten Per Hjarmsted Beschreibung von Welt und Menschen, die Anders als Kind empfangen hatte, war es kaum möglich, daß ihm eine Ungerechtigkeit oder Nichtswürdig- keit draußen unter Fremden noch überraschte. Was die Offiziere in Aalborg anging, so hegte er nicht den genrigstcn Zweifel, daß sie Verbrecher seien, einer wie der andere. Doch es war sein fester Entschluß, ihre Bosheit ohne Murren zu ertragen,— und im übrigen seine Pflicht zn tun. Sein Vater hatte ihm näinlich— gerade im Hinblick auf den Militärdienst— vor ein paar Jahren ausführlich auseinander- gesetzt, daß das militärische Gericht womöglich noch ungerechter wäre als das Obergericht und der Höchste Gerichtshof. Und während man nie im voraus wissen könne, von welcher der Parteien diese höheren bürgerlichen Instanzen sich bestechen lassen würden, könne man dagegen stets sicher sein, daß daS Militärgericht die Offiziere freisprechen werde. Sich selbst Recht zu verschaffen, ging auch nicht an in des Königs Diensten: so wie es sich doch zuweilen im bürgerlichen Leben machen ließ. Denn die Offiziere waren untereinander zu einig, Das Militär hing zusammen wie Erbsenstroh: da war das. was Disziplin hieß, und davor war man gezwungen, sich zu beugen. (Forts, folgt.)
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