|tt. 208. 34. 3nt|rg. an a. s-;— s ----—■ f 5 Pfennig 1 flbonnementS'ßedtngungen; � frSB»<. In/ V- BbonnemettM.«teil pcänumttmbo � WB|\. A v Hf«,,„„..i..�...,. CietteljätjtL 8,90 KU monatl L30 KL.—| HH|,/ M» f»Ms MM �-äS�s���JSm I vei' nnzeigenpsei! »öchenttich 30 Ptg. ke> m- Hau». WÄ Wl �OL!!■■/ HB 7/ Ws BH 08 Hgj Wt � I � � IfWgt f Wf fiofienaffbaltcnc floTonrt- Binjelne Nummer b P,g. SonnmgS. IW» WU WS«W f/|H KS— UW H>U ▼>' ,-iIe 60 Pfg.„Kleine Hnzetgen", Nummer mil illuitrierler Eonm-ki». 4W» �MW IW WS WJ W> VW WA«W BW f/>> HW> ��*7/ das fettgedruckte Wort 2v Pfg.(zu. Beilage.Die Neue Welt- ,0 Pig«osl. mUW ILW» W>> VW HR|H WM W H H �N H WM 7/ lässig S fettgedruckte Worte,, fedes Nbonnementi l.Z0 Mart pro Monat. MMR rr�B■ H H MB HB H MB HB»~J H UM // wettere Wort 10 Psg. Stelleugesuckte Emgerragen in die Vau. Zeitung». WDMU I WW Mg W> WM W> WZI MW WA WM WW SM I und Echlasstellcnanzeigen das ersie Breisliite. Unter Kreuzband ,ür �rW» I I IW■■ MM>— l BM BW W> H W Wart 40 Pfg.. jedes weitere WortSPig. Deutichtand und Oetierreich. Ungarn UN WM I H WW flüj IH\ H ��K�AW/ Worte über tö Buchstuben zähle» siir DSV Marl, für das übrige ktusland WW I taSn«WM? �"TjhO" Mlftil'' �flW_ WM �j/ MW zwei Worte. Teueruiigszuschlag 20°/» « Mar! dro Monat. Poslabonnememi WW«At"W-/ yy H Politische u. gewerkschaftliche Vereins- nehmen an Belgien. Dänemarl, ISpL� s ���WV A. WA anzeigen die siebengesPalteneKoloncl- bolland, Italien, Luxemburg, Ponugat.------,__ � 1/\ zeile 46 Psg. Familienanzeigen S0 Pf. «imiaiilen. Schweden und die Schwei«. 4tWWVP� � r&A C_____ 5�. ▼/ Anzeigen für die nächste Nummer - �\»ck � A> � müssen bis 5 Uhr nachmittags in der kslchewt lüg sich.■" y�"---'C J. J Haurt-Expediiion abgegeben werden. - �_«eöffnct d.LUhrfiühbis? Uhr abends. Vvvllnev Volltsltlctkk. Tentualorgan äer fosialäemokratifcken Partei OeuttcklanÄs. Keöaktion: Ew. HS, Linüenstraße 3. Mittwock. de« 1. Auautt 1917. ExpeSktton: Sw.»S, Linüenftraße 3. Kem>svreche��m�lorthvlati�»r�S1S��ä�7."> flerusprecher: Amt Moritzplat,, Nr. 1S1 S0-1äl, S7. ver erste Mturm in Flandern abgeschlagen. Französischer Angriff bei Filain.— Der Zbruez von Husiatyn bis Skala über- schritten.— Sniatyn halbwegs Kolomca- Czernowitz genommen.— Die Czeremosz- Linie von den Rnffen geränmt.— Kämpse an der Moldau-Grenze. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 31. Juli 1917.(SB. T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern steigerte sich der Artilleriekampf abends wieder zu äußerster Heftigkeit, hielt während der Nacht unvermindert an und ging heute morgen in stärkstes Trommelfeuer über. Dann sehten auf breiter Front von der User bis zur Lys starke feindliche Angriffe ein. Die Jnfanterieschlacht hat damit begonnen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. ?lm Chcmin-des-Dames griffen die Franzosen südöstlich von Filain in 3 Kilometer Breite an. Der Stoß brach an den meisten Stellen in unserer Abwchrwirkung zusammen? zwei begrenzte Eiubruchstcllcn find noch in der Hand des FeindeS. Ocstlicher Kriegsschauplatz. Front deS GenitralfelbmarschallS PrinzLeopold von Bayern. Heeresgruppe deS Generaloberst«, Boehm. E r m o l l i. AngriffSfreudigcr Drang nach vorwärts brachte unseren«ud den verbündeteu Truppe» in Ostgalizien und der Bukowina neue Erfolge! Ter Grenzfluß Zbrucz wurde von oberhalb Husiatyn bis südlich von Skala in einer Breite von 50 Kilometer trotz erbitterten Widerstandes an vielen Stellen von deutschen und österreichisch, ungarischen Divisionen überschritten. Auch die oSmanischcn Truppen haben ihre alte Tüchtigkeit erneut bewiesen. Wie sie Anfang Juli in zäher Standhaftigkcit dem Maffcnangriff der Russen unerschüttcrt trotzten und dann in raschem Siegeslauf den Feind von der Zlota Lipo bis über den nördlichen Screth zurückwarfen, wo er sich stellte, so nahmen sie gestern in kampfcSfrohcm Draufgrhcn die hartnäckig verteidigten Stellungen bei Niwra am Zbrucz. Zwischen Dnjestr und Pruth erkämpften sich die verbündeten Truppen iu Richtung auf Czernowitz dir Orte Werruczanka und Sniatyn. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. In kraftvollem Zlnsturm durchbrachen deutsche Jäger die russischen Nachhutstellungen bei Wiznitz. Der Feind wurde dadurch zum Räumen der Czcrcmosz-Linic gezwungen und ging nach Osten zurück. Auch in den Waldkarpathcn am Oberlauf des südlichen Sereth sowie beiderseits von Moldawa und Suczawa gewannen wir im Angriff ostwärts Gelände. Unter dem Druck dieser Erfolge gaben die Russen im lvicstecancsci-Abschnitt ihre vorderen Stellungen auf. Am Bereczkcr Gebirge setzte der Gegner seine Zlngriffe fort. Fünfmal griff er im Laufe des Tages am Mgr. Casinului an, ohne einen Erfolg zu erzielen: weiter südlich wurde eins unserer Regimenter durch starken feindliche» Stoß in eine weiter westlich gelegene Höhrnstellung zuriickgcdrückt. Bei der Heeresgruppe deS GeneralfeldmarschallS von Mackensen. und an der Mazedonischen Front ist die Lage unverändert. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorss. Abendbericht. Amtlich. B e r l i n, 31. Juli 1917, abends. Der heute in F l a n d e r n auf 25 Kilometer breiter Front beiderseits von Aper« vorbrechende erste Ansturm des englischen Heeres ist abgeschlagen.— Nach wechselvollen, erbitterten Grostkämpfeu hat der mit überlegeneu Kräften ticfgegliedcrt angreifende Feind sich mit dem Besitz von Trichterstellnngeu in unserer Abwehrzone be- goügen müssen. Am Chemiu-des-DameS brachte uns kraft- voller Angriff wichtige Höhenstellunge« bei Cerny und über 1599 Franzosen als Eeianaeve. Im Osten weitere Kampferfolge ans beiden Ufern des Dnjestr vnd Pruth sowie iu den Wald- karpathen. Ter österreichische Bericht« Wie», 31. Juli 1917.(W. T. v.) Amtlich wird vcrlautbart: Ocstlicher Kriegsschauplatz. Beiderseits des Casinu-Tales griff der Feind zu wiederholten Malen mit starken Kräften an. Nördlich des Tales wurde er restlos abgeschlagen. Auf den südlichen Höhen bemächtigte er sich unserer vorderen Gräben. In der B u k o w i n a leisteten die Russen auch gestern mehrfach erheblichen Widerstand. Die vcr- bündeten Truppen dringen kämpfend östlich der Linie Jakobeny Fundul Moldov i— S ch i p o t h vor. Die über K u t y hin- ausrückenden Divisionen gewannen den obersten Sereth. Zwischen dem Pruth und dem Dnjestr wurde der Feind in heftigen Kämpfen aus seinen Stellungen östlich von Sniatyn und südöstlich von Zaloszczyki geworfen. Bei K r z y w c z e nördlich des Dnjestr stürmten osmanischc Regimenter in bewährter Tapferkeit die feind- lichen Linien. Am Zbrucz erzwangen sich österreichisch-unga- rische und deutsche Truppen auf 59 Kilometer Frontbreite an zahl- reichen Punkte» den Ilcbergang aus das Ostusrr. In Wolhynien erfolgreiche Stoßtruppsunternehmcn. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Chef de? GeneralstabeS. Der»Kronrat vom 5. �uli". Ein amtliches Dementi. B e r Ii n, 31. Juli.(W.T. B.) Amtlich wird gemeldet: Tie„Times" und ihr folgend die feindlichen Korrespondenz. buremis verbreiten Mitteilungen über einen K r o n r a t, der in Potsdam am 5. Juli 1911 bei dem Kaiser unter Teilnahme der führenden politischen und militärischen Persönlichkeiten Teutschlands und Oestcrreich-Ungarns stattgefunden hätte und von wo der P l a n z u r E n t f c s s c l u n g des Welt- k r i c g c s entworfen wäre. Wir sind zu der Feststellung er- mächtigt, dasi die Mitteilungen der„Times" mit allen Einzel- heitcn frei erfunden sind. Es hat weder an dem gc- nannten noch an einem andern Tage des Juli eine solche gc- meinsame Beratung weder mit noch ohne Teilnahme des Kaisers stattgefunden. Wir stellen weiter gegenüber den Be- Häuptlingen der„Times" erneut fest, dast die deutsche Regierung sich jeder Einwirkung auf die Fassnngdes österreichischen Nltimatumsan Serbien enthalten hat, und daß der Inhalt des Ulti- matums vor seinem Abgange der deutschen Regierung völlig unbekannt geblieben ist. Tic„Times" will ihre falschen Behauptungen auch auf Angaben stützen, die der Ab- geordnete Cohn im Hauptausschus; des Reichstags gemacht hätte. Tie Angaben des genannten Abgeordneten sind im Ausschusi von feiten der Regierung sofort als unrichtig zurückgewiesen worden. ** * Für die Geschichte des Weltkrieges bleibt die Tatsache wichtig, daß der entscheidende Schritt Oesterreichs, der seinerzeit in der sozialdemokratischen Presse eine zutreffende Kennzeichnung erfuhr, ohne Wissen und Zu- stimmung der deutschen Regierung erfolgt ist!» Daß über ihn zwischen Bundesgenossen, die auf Leben und Tod miteinander verbunden sind, nicht einmal ge- sprachen worden ist, gehört sicher zu den bemerke ns- wertesten Tatsachen aus der Vorgeschichte dieses Kriegesl Die flanörifthe Infanteriesihlacht. B c r l i n, 31. Juli.(W.T.B.) An der flandrischen Front ist am 31. früh die Jnfanterieschlacht entbrannt. Tie starke deutsche Gegenwirkung, die zahlreiche englische Batterien ausser Gefecht setzte und den Engländern schon in der Lorbcrcitungsphase der flandri- schcn Schlacht schwere Verluste zufügte, suchte die britische Heeres- leitung durch äusscrstcn Einsatz ihrer Geschütz- und Kriegsmaterial- reservcn auszugleichen. Immer neue Batterien wurden in den Kampf geworfen, während die englischen Fluggeschwadcr das Aeusserste daran setzte«, durch Aufklärungs- und Bombenfliige die beginnende Offensive vorzubereiten. Rachden» das englische Artilleriefcucr die ganze Zlacht vom 30. zum 31. Juli mit äusserster Heftigkeit angehalten hatte, ging es um 5 Uhr vormittags zwischen Steenstraete und der Lys zum stärksten Trommelfeuer über. Um 6 Uhr 30 Minuten brach die englische Infanterie auf der ganzen Front in starken Massen vor. Die Schlacht ist voll entbrannt. Im A r t o i s hielt das Artilleriefeuer in der bisherigen Stärke an. Englische Angriffsvcrsuchc wurden durch Vernichtungsfeuer niedergeholten. An der Aisncsront führten neue Angriffe am 39. zu weiteren vergeblichen schweren Opfern der dezimierten sran- zöstschen Infanterie. der Kamps um öas preußische Wahlrecht. Von Pauk Hirsch. Nichts wäre verhängnisvoller, als zu glauben, botz mit der Osterbotschaft und dem Erlaß vom 11. Juli der Ersatz des preußischen Dreiklassenwahlsystems durch ein allgemeines, gleiches, direktes und gckheimes Wahlrocht bereits voll- zogene Tatsache wäre. Im Gegenteil. Wer auch nur einigermaßen in der parlamentarischen Geschichte Preußens bewandert ist, wer insbesondere die Geschichte des Wahlrechts kennt, der wird sich angesichts der Zusammensetzung des Ab- geordnetenhauses nicht der Erivartung hingeben können, daß es ohne schwere Kämpfe abgehen wird. Für die Konservativen handelt es sich um mehr als um das Wahlrecht, es handelt sich für sie um den Anfang vom Ende ihrer Herr- schaft im größten deut'chen Bundesstaat, von wo ans sie nicht nur die preußische, sondern auch die Neichsregierung zu beeiu- flussen verstanden'haben, und es ist gar nicht daran zu denken, daß sie sreiwillig das Feld rännren werden. Eine Partei, die sich noch bis in die letzte Zeit hinein jeder, auch der geringsten Aendernng des Dreiklassenwahl- systems abgeneigt gezeigt hat, eine Partei, deren Führer unter dein jubelnden Beifall seiner Freunde noch vor kurzem der Re- gierung UnVerantwortlichkeit vorwarf, weil sie es gewagt hatte, in der Thronrede auch nur in der denkbar be- scheidensten Form eine Aendernng des. Wahlrechts für die Zeit nach dem Kriege in Aussicht zu stellen, eine Partei, deren Führer vor kaum Jahresfrist die Gestalt der preußischen Volksvertretung eine den Bedürfnissen des Landes fast ideal entsprechende genannt hat, eine solche Partei wird mit d�-- äußersten Energie ihre Stellung zu behaupten suchen, sie wird alles aufbieten, den Untergang des alten Preußens aufzu- halten, und sie wird, wenn es sein muß, auch vor dem Kon- flikt mit der Krone nicht zurückschrecken. Erleichtert wird den Konservativen ihr Vorgehen dadurch, daß im Grunde genommen auch nicht ein einziges Mitglied des preußischen St o a t s m i n i st e- riums im Innersten seine s Herzens die Ucbertrogung des Reichstagswahlrechts auf Preußen wünscht. Gewiß, als gellorsmne Tiener werden die Minister dem Willen ihres königlichen Herrn Folge leisten, sie werden die Wahlrechtsvorlage einbringen und ver- treten, aber es ist doch ein gewaltiger Unterschied, ob jemand mit dem Herzen bei der Sache ist oder ob er nur einem äußeren Zwang gehorchend sich zum Vollstrecker des Willens eines anderen macht. Speziell Herr v. Loebell, der Minister des Innern, der während des Krieges wiederholt gewisse frei- heitliche Anschauungen geäußert und der sich auch bemüht hat, mit einigen besonders unangenehmen Verwaltungspraktiken zu brechen, hat doch darüber nicht den geringsten Zweifel gelassen, daß er für seine Person von einer Wahlrechtsreform nichts wissen will. Noch einige Monate vor Ausbruch des Krieges hat er dankbar auf den Titel eines Ministers für Wahlreform verzichtet, und auch während des Krieges ist er ängstlich jedem Bekenntnis zu den Zielen der geplanten Reform ausgewickien. Jetzt ist sein Abschiedsgesuch einge- reicht, aber noch nicht genehmigt. Auf der einen Seite ein Kampf der preußischen Junker, um die Aufrechterhaltung ihrer Klassenherrschaft, auf der anderen Seite ein nur laues Eintreten für das allgmeine gleiche, direkte und geheime Wahlrecht seitens der Regierung! Das wird voraussichtlich das Zeichen sein, unter dem die Wahlrcchtsdcbatten iin preußischen Landtage stehen werden. Wenn nicht in allernächster Zeit die unbedingt not- wendigen Aenderungen in der Zusammensetzung des Staatsministeriunis vor sich gehen, wenn nicht die Minister, die im Grunde ihres Herzens Gegner der Uebertragnng des Reichstagswahlrechts auf Preußen sind, durch unbedingt zu- verlässige Anhänger ihrer Forderung ersetzt werden, dann können wir in Preußen wieder das erbauliche Schauspiel er- leben, daß die Regierung sich die Führung aus den Händen nehmen läßt und Schritt für Schritt zurückiveicht vor den offenen und versteckten Wahlrechtsfeinden, die nun einmal die Mehrheit in der sogenannten Volksvertretung Preußens bilden. Mit einer rein formalen Einlösung de? kaiserlichen Per- sprechens kann und wird sich das preußische Volk nicht be- gnügen, und wenn wir jetzt schon sehen, wie man die Botschaft zu deuteln bemüht ist. wie man mit talmudistischcr Spitz- findigkeit herausgerechnet hat, daß mit einem gleichen Wahl- recht Zusatzstimmen für Alter und Kinderzahl durchaus vereinbar sind, daß gleiches Wahlrecht und Mehrstinimenwahl- recht sich keineswegs ausschließen, wenn wir sehen, wie man die Möglichkeit erwägt, auf Grund eines Zensus einen Teil der in wahlfähigem Älter stehenden Bevölkerung vom Walch- recht auszuschließen, so hat man einen klemen Vorgeschmack von dem was kommt. Das Volk hat ein Recht zu fordern, daß die preußische Regierung die Wadlrechtsvorlage nicht nur einbringt, und zwar unmittelbar nach Wiederzusammen.. tritt des Landtages, sondern daß sie auch alles daran- setzt, die Worte der Ostcrbotschaft und des Erlasses vom ll. �tuli zur Tat werden zu lassen. Tut sie es nicht, so ist es um ibr Ansehen geschehen, ganz zu schweigen von der dadurch bedingten T ch m ä l e r u n g d e s A n s e h c n s d c r K r o n c. Tie Taktik des schrittweisen Znrückweichens vor den Wünschen der Konservativen, wie die Regierung sie bei der Wahlrechts- Vorlage von 1910 eingeschlagen hat, oder gar die Taktik des völligen Aufgebens ihres eigenen Willens gegenüber dem Willen des preußischen Kleinadels, wie wir es bei der Kanal- Vorlage erlebt haben, diese Taktik würde unter den heutigen Verhältnissen ein höchst gefährliches Sviel mit dem Feuer bedeuten. Zu der Erkenntnis sollte sich endlich auch die preußische Regierung aufgerafft haben. Tie Regierung muß fest entschlossen sein, den Kampf mit den reaktionären Mächten in Preußen anszu- fechten, sie darf ihnen auch nickt um Haaresbreite nachgeben und sie muß auch wissen, was sie zu tun hat. wenn sie in dem Kampfe zunächst eine parlamentarische Niederlage erreicht, das heißt wenn der Landtag ihre Vorlage ablehnen oder in entscheidenden Punkten abschwächen sollte. Jede Nachgiebig- keit. jede Schwäche wäre ein nicht wieder gutzumachender Fehler. Sollte der Landtag sich nicht unbedingt auf den Boden des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts stellen— nicht weil der kaiserliche Erlaß dies wünscht, sondern weil es sich uin ein selbstverständliches Recht des Volkes handelt—, dann bleiben einer sich ihres Zieles bewußten Regierung nur zwei Möglichkeiten: entweder sie schlage den Weg über den Reichstag ein und schaffe durch Reicksgesetz für jeden Bundesstaat eine aus allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlen hervorgehende Volks- Vertretung, oder aber sie bebe die Verordnung vom 39. Mai 1849 auf und mache auf diese Weise zugleich das Unrecht der damaligen Regierung gut. Wenn mau hierin eine Aufforderung zum Staats- st r e i ch erblicken sollte— im Landtag ist mir das im Jahre 1998 von konservativer Seite einmal entgegengehalten worden, so kann uns ein solcher Einwand völlig kühl lassen. Wer er- trägt es. wenn sich die Graecken über Aufruhr beschwerten? Haben die, die den Staatsstreich von 1849 verherrlichen, haben die. die ihre Machtstellung einzig und allein einem Gewaltakt einer reaktionären Regierung verdanken, ein Recht, d e m einen Vorwurf zu machen, der nichts weiter als die Wieder- Herstellung des früheren Zustandes verlangt? Tie konstituierende Nationalversammlung vom Jahre 1848 war aus allgemeinen, gleichen und geheimen, wenn auch indirekten Wahlen hervorgegangen. Die Regierung von 1849 hat dieses Wahlrecht auf Grund des sogenannten Not- standsartikels. der ihr das Recht zusprach, in Abwesenheit der Kammern Gesetze zu oktroyieren, kurzerhand aufgehoben, nach- dem sie zunächst die auf Grund des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts gewählten Abgeordneten nach Hause ge- schickt hatte, und keine spätere Regierung hat bisher den Gewaltakt vom 39. Mai 1849 wieder gut gemacht. Tic heutige Regierung hat es in der Hand, wenn kein anderes Mittel zum Ziel führt, diesen Schritt zu tun. Ob es dahin kommen soll, oder ob sich auf anderem Wege ein freies Wahl- reckt für Preußen schaffen läßt, darüber hat zunächst die Mehrheit des Treiklasscnparlaments zu entscheiden. Hoffen wir. daß sie politisch klug genug ist, sich nicht mit Gewalt einer Entwicklung zu widersetzen, der Einhalt zu gebieten auf die Tauer unmöglich ist. selbst dann, wenn die Regierung es an dem erforderlichen Mut und an der nötigen Entschlossen- hcit fehlen lassen sollte. Gesterreich will örücke sein. Teutschland will über die Brücke gehe«. Ter Berliner Vertreter des Wiener„FrcmdenblattS" läßt sirfi, wie die„«öl». Ztg." meldet, ime Anlriß einer Polemik der „Teutschc» Tilgcdzcitung", die die Einleitung von Friedens- crörtcnmge» durch Vermittlung Oesterreich-UngarnS zwischen Deutsch. lnnd und Englnud schroff ablehnt, an maßgebender Stelle bestätigen, daß Berlin niit den, Wege über Öc st erreich- llugarn zu Teutschland nicht nur zufrieden, sondern darüber erfreut wäre. Stockholm. Die Teilnahme üer Engländer und Franzosen. Paris, 31. Juli.(Meldung der Agence Havad.) Der Unter- ausschust, der den Tag und die Tagesordnung der Stockholmer Kon- fercnz fcstzuscnen ha», hat gestern zwei Sitzungen abgehalten und abend» der Vollversammlung der russischen, englischen und fran- zösischrn Sozialisten eine Entschließung unterbreitet. Es kam zu einer lange» Erörterung. Die englischen Vertreter pro- trst trtcn gegen die Forderung der Vertreter de» russischen Arbeiter- vnd Soldatciiratcs, daß die in den Konferenzen ge- troffcne» Entscheidungen obligatorischen Eharaktcr haben sollten. Tic englischen Vertreter verlangten, daß sie n i ch t d e n Eharakter eines Zwanges haben dürften, sobald sie nicht einstimmig gefaßt worden seien. Schließlich wurde der von Rcnaudcl ausgearbeitete Text angenommen. Zu der vom russischen Arbeiter- und Soldatenrat vorgeschla- gencn Tagesordnung, nämlich erstens Ter Weltkrieg und die Jnter- nationale, zweitens Das Fricdensprogramm und die Internationale, drittens Mittel und Wege, um das Programm zu verwirklichen und den Krieg schnell zu beenden, erklärten Albert Thomas und Renaudel mit Nachdruck, daß die Probleme der Verantwortlich- leiten aus der internationalen Konserenz aufgeworfen werden sollten, lholdrnbrrg antwortete, der erste Paragraph der Tages- ordnung„Weltkrieg und Internationale" gestatte in ausreichendem Maße die Stellung eines solchen Problem«. Tie Frage wurde als durch die Erklärungen gelöst betrachtet. Die füöflawische Zrage. Ein Mcmornndum der bosnischen Sozialdemokratie. Ta» holländisch-skandinavischc Komitee in Stockholm verösfent- ilcht eine Erklärung der Abordnung der sozialdemokratischen Partei Bosniens und der Herzegowina, in der es heißt: Wenn die Sozialdemokratie aus verschiedenen Ursachen den Weltkrieg zu verhindern nicht imstande war, ist jetzt die Zeit ge- kommen, das Ende dcs Krieges, wenn auch spät, aber doch nicht zu spät, mit gemeinsamer Kraft vorzubereiten. Um dieses große Ziel zu erreichen, betrachten wir folgende Vorbedingungen als not- werrdig: Tie Delegierten der einzelnen Parteien müssen unbedingt den jetzigen oder zulünjtigen ÄricgSersvlg ihrer Ktagtcn nicht ib Rechnung ziehen. Ebenso dürfen sie ihre Rechnung nicht auf die jetzigen oder zukünftigen finanziellen oder wirtschaftlichen Verhält- nisse ihrer Staaten stellen. Als Grundlage für die Verhandlungen über die internationale Lage müssen die Delegierten unbedingt die Völker(Nationen) betrachten und nicht die Staaten. Tann heißt cS zu dem Punkte SelbstbestimmungSrccht der Völker: Sclbstverständ- lich ist die Errichtung eines unabhängigen südsla- wischen Staates der Wunsch unseres ganzen Volkes. Kann dieser Wunsch nicht verwirklicht werden, so fordert unser Volk min- bestens eine breite Autonomie für die gceinigten Südslawen Oesterreich-Ungarns. Um den kleinen und wirtschaftlich unentwickelten Staaten die Entwicklung und wahre Selbständigkeit zu ermöglichen, wird vor- geschlagen: Föderation aller derjenigen Staaten, die nebeneinander leben und die keine Möglichkeit haben, sich allein zu entwickeln Für S ü d s l a w e n ist in dieser Richtung das minimale Ziel die föderative Balkanrepublik, basiert auf ökono- mischem, finanziellem, diplomatischem und mili- tärischcm Zusammenschluß. Die schweizerische Delegation für Stockholm. Die verschiedenen Vertreter der Schweizerischen Partei: Vogel, Grimm, Platten und andere, die sich bisher an den Stockholmer Konferenzen beteiligt hatten, haben kein offizielles Parteimandat gehabt. Zur offiziellen Vertretung sind nunmehr vom Parteivor- stand Nationalrat Greulich und die Vertreterin der Arbeite- rinnenvereine Frau Bloch gewählt worden. Die bewährte Arbeitskraft des alten Greulich, der keine Scheu vor der Uebernahme einer Verantwortung kennt, wird also von der Parteileitung doch gerne für schwierige Aufgaben herangezogen, trotzdem es den tonangebenden Kreisen der Partei in den letzten Jahren beliebte, den Standpunkt des alten Greulich als den über- wundenen hinzustellen. Greulich stand bekanntlich der Zimmer- Waldkonferenz sehr fremd gegenüber und auch in der die Partei tiefaufwühlenden Militärfrage erklärtermaßen durchaus nicht aus dem Standpunkt der Parteileitung. Die Lage in Nußlanö. Tie Gefahr der Gegenrevolution— Saltykow als Bizeminister des Innern— Finnland— Tie Militär- diktatur— Die Einberufung der Konstituante. Wie wir dem Stockholmer„Sowjät- Bulletin" entnehmen, schreibt die„Rabotslbaja Gazeta", das Menschewiki-Organ, über die Gefahr der Gegenrevolution: „Eine Konterrevolution iu Rußland wäre die größte Gefahr für den Kampf für den allgemeinen Frieden. Darum dient der Kampf mit der erstarkende» Konterrevolution auch der Sache dcS Kampfes für den Frieden. Das müsse» die russische» Arbeiter verstehen. Sie dürfen ihre Kräfte nicht zerbröckeln, sie sollen sie nicht im Bürger- kriege vergeude», der den Weg für die Militärdiktatur freimacht, um später die Monarchie wieder herzustellen. Aber das müssen auch »nscrc ausländische» Genossen verstehen. Die größten Gefahren für die russische Revolution kommen von der Verschleppung dcS Krieges und der wirtschaftlichen Verwirrung. Ter baldige Abschluß cineS demokratischen Friedens ist für die russische Revolution eine Frage von Leben und Tod. Unsere anSländischen Genossen müssen uns hören! Sie müssen sich beeilen, uuscrcr Revolution zu helfen, die doch die Hoffnung aller Böller ist. Sie müssen erkennen, daß die Niederlage unserer Revolution eine Niederlage dcs internationale» Proletariats sein würde. Wisset, daß, wenn die russische Konter- rcvolution triumphiert, die einzige Fackel ausgelöscht wird, die grell durch den blutige» Nebel leuchtet, der all die Totcnscldcr von ganz Europa bedeckt. Das russische Proletariat hat seine Pflicht erfüllt und ist auf der ganzen Front der nahenden Gefahr der Konter- revolution entgegengetreten. Proletarier aller Länder, erfüllt Eure Pflicht!" Wozu wir uns nur die Frage erlauben müssen, ob es ein Schlag gegen die Konterrevoluiion war, jene rraurige Offensive an- zufangcn, die nun WS furchtbarste Gegenteil umgeschlagen ist. Den Posten des russischen Vizeministers des Innern bat das Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion der zweiten Reichsduma S. Saltykow übernommen. Zu dieser bemerkens- werten Berufung teilt das Slockholmer Bulletin mit. was das offi- zielle Organ deS Arbeiter- und Soldatenrats, die. I s w e st i j a" Sovieta Rabotschich i SoldatSkich Deputatow" schreibt: Auf dem allrussischen Kongretz der Arbeiter- und Soldatenräte ist daraus hingewiesen worden, daß im Ministerium des Innern am meisten die alten Traditionen im Gebrauch geblieben sind. Nur daß Ministerium der Bolksaufklärung kann in dieser Hinsicht mit dem Ministerium de» Innern konkurrieren oder es sogar schlagen. WaS die ganze Arbeit des Ministerium? deS Innern verdirbt, ist der Geist der Bevormundung und des bureau- kratischen Formalismus, der, wie es scheint, fest in dem Beamten- personal, zumal deS Ministeriums, sitzt. DaS Personal kann man nicht so leicht wechseln, besonders in der Zeit, wo so viel kostbare Kräfte von der Armee ausgesaugt werden. Wie der Allrussische Kongreß betont bat, war hier ein schneller und entschiedener Eingriff nötig. Man muß in kürzester Zeit ein zweckdienliches Personal schaffen und es auch dazu bringe», daß eS die nötigen Funktionen ausübt. Daraus ergibt sich klar der Sinn deS Eintritts SaltykowS in da? Ministerium dcs Innern als dessen Bizeminister. Er muß große Arbeit leisten; seine Vergangenheit bürgt dafür, daß er sie ehrlich vollenden wird. Ten Ereignissen in Finnland widmet.Rabotschaja Gazeta" folgende Kritik: Wir können das Borgehen deS finnischen Landtages nicht als richtig anerkennen. Aber wir wollen nicht Fehler durch Fehler beantworten. Tatsächlich geht der finnische Landtag nicht über de» Bereich der breiten Autonomie hinaus, die Finnland zu gewähren der Kongreß der revolutionären Demokratie, der Allrussische Kongreß der Arbeiter« und Soldatcnräle, sür notwendig erachtet hat. Darum wollen wir die Mittel, durch die jetzt Finnland seine Rechte verwirklichen will, unerörtert lasse». Seine Rechte sind unbestreitbar. Der Landtag rechnet mit der Kriegslage, in der wir uns bc- finden, und erstrebt nicht eine Erweiterung seiner Rechte in bezug auf auswärtige Politik und KriegSangelegenheiten an. Die Provisorische Regierung hat darum keinen Grund, einen Streit mit dem finnischen Volk anzufangen und sich der Verwirklichung seiner Wünsche zu widersetzen. Gewiß, die neue Form der Ver» bindung zwischen Finnland und Rußland, die jetzt durch bloße Anzeige deS Landtags an die Regierung eingeführt wird, kann nicht als definitiv angesehen werden. solange sie nicht die Genehmigung der Konstituieren- den Versammlung erlangt, aber als vorläufige Form der Bc- ztchungcn ist sie im großen ganzen annehmbar. Zur„Militärdiktatur" in Rußland äußert der Kristianier „Socialdemokraten" in einem Leitartikel vom 26. Juli: Zwar werde die Militärdiktatur in Rußland sicher von vielen dort wie anderswo mit großer Befriedigung begrüßt werden: es sei aber eine große Frage, ob eS KerenSkr gelingen werde, mir Ersen und Blur die Ruhe und Disziplin wieder herzustellen und damit die Revolution zu retten. Im Gegenteil deutet vielerlei daraus hin. daß dies«»gute Absicht" nicht erreicht werden würde. Denn eine Eisen- und Blnidiktatur sei hierfür nicht daS richtige Mittel. Vielmehr sei zu bcsürchlen, daß dadurch die von den Maximalisten angestrebte Gegenrevolution geradezu provoziert werde, oder aber, daß die reaktionären Mächte dadurch Wind in die Segel bekämen und schließlich alles Gute, das bisher erreicht fei. vernichten würden. Deshalb verfolgten die Sozialdemokraten der ganzen Welt die jetzigen Ereignisse in Rußland mit größter Bekümmerung. N u r ein rascher allge in einer Friede könnte jetzt die russische Revolution davor retten, in neuer unfreier Aulokralie zu enden. Hoffentlich komme dieser Friede bald, und hoffentlich würde die Sozialdemokratie der ganzen Welt sich ver- einigen, um diesen Frieden herbeizuführen. Wie der Stockholmer Gewährsmann der.Bossischen Zeitung' aus sicherer Petersburger Quelle wissen will, soll bei der Vor- läufigen Regierung die Absicht bestehen, die auf den 13� Oktober an- beraunue Eröffnung der koustituicreilden Versammlung zu ver- schieben. Womit diese Verschiebung zusammenhängr, weiß die Mu- teilung nicht zu sagen. Sehr glaubbasl erscheint sie uns nicht. Die Vorläufige Regierung hat allen Anlaß, sich zu bülen, Lel ins Feuer zu gießen. So aber müßte eine solche Verschiebung wirken, da alle großen Entscheidungen, die Rußlands ZukunftSform be- treffen, der Konstituante zugeschoben worden sind. Sie noch weiter hinauszögern, bedeutet neue Zumutungen an die Geduld dcs aus« gewühlten russischen Volkes._ Der Vormarsch am Zbrucz, Dnjeftr unöpruth. Berlin, 31. Juli.(W. T. B.) Nach dem katastrophalen Zu- sammenbruch der ostgalizischen Front setzten die Russen in den letzten Tagen alles daran, die Höhenstellungen östlich des Grenz- flusses Z b r u c z zu halten und von dem Städtchen Skala am Zbrucz einen Riegel in südwestlicher Richtung bis in die Gegend von K i r l i b a b a zu ziehen, um ein weiteres Abbröckeln der Karpathenfront zu verhüten. Jetzt ist dieser Widerstand, der eine Zeit lang den Vormarsch der Verbündeten zu verzögern schien, in der Hauptsache gebrochen. Deutsche und österreichisch-ungarische Korps haben den Zbrucz in breiter Front überschritten und rücken nach Osten vor. In dem Flußwinkel zwischen Zbrucz und D n j e st r haben Osmanen die Russen geworfen. Was hier noch an russischen Kräften steht, muß eiligst den Uebcrgang über einen der beiden Flüsse suchen, um nicht in dem sich verengenden Winkel zwischen Zbrucz und Dnjestr abgeschnitten zu werden. Zwischen Dnjestr und Pruth suchten die Russen sich noch zu halten, um den Abzug aus der Stadt Czernowitz zu decken. Trotz der von ihnen hier rücksichtslos«ingesetzten Massen mußten sie jedoch die Orte Kerenczanka und Sniatyn aufgeben. Sie wurden in die Linie Germakowka-Filipkowce zurückgedrängt. Der russische Widerstand nördlich des Pruth ist aber auch durch den Zusammenbruch der Czeremosz-Linie gefährdet. Hier erreichten die verbündeten Truppen die Linie Lukawotz-Czar- toria. Das breite Flußtal mit den steilen Höhen auf seinem Ost- ufer und den dichten Wäldern dahinter bot den Russen eine ideale Vcrtcidigungsfront. Sie setzten alles daran, diese starke Flußlinic zu halte», denn östlich der Czeremosz-Höhen fließen alle Flußläufc nach Südosten und öffnen in ihren Tälern den nachdrängenden Verbündeten breite Wege. Hierdurch wird die südöstliche Flanke von Czernowitz immer stärker bedroht, um so mehr als auch weiter südlich in den Karpathentälern der Vormarsch unaufhaltsam weiter geht. Im Sereth-.Suczawa- und M o I d o w a- Tale sind die Kolonnen der Verbündeten im Vorschreiten, ob- wohl in den engen Tälern zwischen den steilen Waldbergen jedcr Vormarsch bei den wenigen rückwärtigen Verbindungen vor allem für daö Vorschaffen der Artillerie sich außerordentlich schwierig ge- staltet. Russischer Heeresbericht vom 36. Juli. Westfront: In der Gegend von Z b o r o w Geschützfeuer. Ter Feind beschoß die Stadt. Südlich von tzusiatvn versuchte feindliche Infanterie den Fluß Z b r u z zu überschreiten, wurde aber zurückgeschlagen. Am Dnjestr griff der Feind unseren Brückenkopf bei Z a l e s z p ck i an. aber nach hartnäckigem Kampf wurde er abgewiesen. Südwestlich von Za- Icszycki in der Gegend von Zoimatche. Kisielin und Stetzofs gelang es dem Feinde nach einer Reihe hartnäckiger Kämpfe unsere Truppen ein wenig zurückzudrängen. In den Karpathen östlich Tomnatik und Kapul zogen sich unsere Truppen unter dem Druck des Feindes auf Schipoth und Kamerol Moldova zurück. Auf der übrigen Front Gcwehrfeuer. Rumänische Front: Am 28. Juli machte der Feind einige Angriffe in der Gegend nördlich der Straße Jakobeny— Kimpolung. die während des Tages abgewiesen wurden, bei Nacht aber drängte der Gegner unsere Truppen auf die Höhen westlich von F u n d u n i— Moldova zurück. Diese Angriffe wurden in gleicher Weise aus beiden Seiten der Eisenbahn Focsani— Ajomd zurückgeschlagen. In der Ostsee ijberflog am 27. Juli ein feindlicher Zeppelin die Insel Aalank» und warf 26 schwere Bomben auf den Flecken Tornby bei Mariehamm ab. Der Zeppelin wurde durch unsere Marinegeschütze und Küstenbatterien beschossen. » Bern, 36. Juli.„Temps" meldet aus Petersburg, die Russen richteten nun hinter dem Zbrucz eine neue Front ein. Ter Rück- zug der elften Armee bedeute eine große Gefahr für die siebente und achte Armee, deren Rückzug außer- ordentlich schwierig sei. Hindenburg habe in Erwartung einer großen Schlacht aus dem Südteil der russischen Front elf neue Divisionen herangeführt. Kerenski habe die Umbildung des General- stabes und dcs Militärbezirks Petersburg beschlossen. Er wolle tat- kräftige junge Offiziere berufen, die sich sowohl an der Front wie durch die demokratische Organisation des Heeres ausgezeichnet haben. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 36. Juli. Neue Nntersecbootserfolge im Eng- tischen Kanal und Atlantischen Ozean: 22500 Sr.-R..-T. Unter den versenkten Schiffen befanden sich der durch zwei Fischdampfcr gesicherte bewasfnrtr englische Tankdampfcr Cadahoga «4386 To.), englischer Dampfer Tamcle(3924 To.« mit KokoS- und Palmöl von Westafrika nach England, ein tiefgcladencr großer Dampfer, anscheinend mit Sprengstoffladung. Der Chef dcs Admiralstabes der Marine. Haag, 36. Juli. Das Marine-Departement teilt mit: Am 27. Juli wurden in der Nähe von Texel außerhalb der territorialen Gewässer ber Dampfer Batavicr II und das Motorschiff Zeemeeuw. das von ihm unter deutscher Flagge nach Hamburg geschleppt wer- den sollte, durch das britische Unterseeboot O 55 beschossen. Nachdem beide Schisse in die niederländischen Hoheits- gewässer geflüchtet waren, wurden sie von der deuffchen Bedienung verlassen. Daraufhin ist nach Beobachtung der militärischen Küstenwache das englische Unterseeboot in das niederländische Rcchtsgebict gekommen und bat eine Prisenbemannung auf den Batavier II gesetzt, die den Dampfer auS dem Kolländischen Gebiete herausführte und beabsichtigte, ihn auszu- bringen. Als zwei ni«derländisck>e Torvedoboote ankamen, befanden sich sowohl dos Unterseeboot als der Baiavier II wieder außerhalh der territorialen Gewässer, aber der B a t a v i« r, der viel Wasser machte, trieb infolge der Ostströmung wieder in die territorialen Sewgsser hiBein, Da» ischiff wurde daraufhin von dcr Prisenbemannung verlassen. Tas Unterseeboot entfernte sich, nachdem eines der Torpedoboote signalisiert hatte. daß die Neutralität geachtet werden müsse. Darauf hat der Kam- Mandant des niederländischen Torpedobootes das Schiff innerhalb dcr territorialen Gewässer geschleppt. Die Zeemeeuw ist nach Nieuwediep geschleppt. Der Batavier II ist infolge des er- littenen Schadens gesunken und soll von Regierungs wegen ge- borgen werden. Neue kriegszielöebatte im Unterhaus. Vorsichtige Erklärung BalfourS. London, 30. Juli. B r h c e und Noel B u x t o n forderten eine deutlichere Erklärung über die Politik der Regierung hinsichtlich der Annexionen. B a l f o u r erwiderte, er hielte eine ausführliche Erklärung für nicht am Platze. Der allgemeine Grundsatz, der die englische Politik leite, sei durch den früheren und jetzigen Premierminister und den früheren Staatssekretär des Auswärtigen ausgesprochen worden, und über die a l l g e m e i n e n G r u n d s ä tz e, die die Minister seit dem August 1911 geleitet hätten, könnten wohl nicht viele Zweifel bestehen. Wie man diese Grundsätze anzuwenden habe, hänge von Umständen verwickelter Natur ab, von den Vorgängen in den Ländern der Verbündeten und den Maßnahmen der Gegner, von dem Kriegsglück und den Veränderungen in den militärischen und maritimen Verhältnissen der Welt. Wie könne man daher Einzelheiten geben und das Werk der künftigen Friedenskonferenz vorweg nehmen? Jede Er- klärung eines verantwortlichen Ministers sei eine Art Bürgschaft über den bis in» einzelne bestimmten Kurs, den die Regierung innehalten müsse, bis die Zeit für«inen endgültigen Abschluß käme. Es sei sehr gefährlich, eine solche Erklärung in dieser Weise zu behandeln. Man könne politische Probleme nicht m dieser Weise anfassen. Niemand könne voraussehen, in welchem Zustande die Welt sich befinden werde, wenn diese Probleme zur Entschei- dung kommen würden. Balsour erinnerte daran, daß die Debatte damit begonnen habe, nach welchen Methoden Oesterreich-Ungarn zu be- handeln sei, und fuhr dann fort: Wir wünschen, daß die Nationen, aus denen dieser heterogene Staat zusammengesetzt ist, in die Lage kommen, auf eigenen Füßen ihre eigene Zivili- sation zu entwickeln und die Bahn zu bestimmen, in der ihre Entwicklung stattfinden soll. Das sei das allgemeine Prinzip. Die Zeit sei nicht danach angetan, daß ein Mi- «ist er des Auswärtigen sich mit Friedenserörte- rungen beschäftige. Wie jedermann weiß, fuhr Balsour fort, dachten wir, als wir in den Krieg eintraten, hauptsächlich nur an die Notwendigkeit, Belgien zu verteidigen und zu verhindern, daß Frankreich vor unseren Augen zerschmettert würde. Diese beiden Motive führten uns in den Krieg, und wir hatten damals nicht den geringsten Gedanken an die großen Probleme, die der Verlauf des Krieges vor unseren Blicken eröffnet hat. Nur das war klar, daß wir nicht aus selbstsüchtigen Gründen in den Krieg gingen. Wir hören wieder und wieder die Phrase:»Keine imperialistische Politik, keine Kriegsentschädigung!" Wir sind gtwitz nicht für imperialistische Ziele oder um Kriegsentschädigung zu bekommen in den Krieg gegangen. Wir taten es und sind dabei geblieben, um Ziele zu erreichen, an deren Selbstlosigkeit niemand, der die öffentliche Meinung Englaads kennt, zweifeln wird und deshalb brauchen wir von diesem Gesichtspwnkt aus nichts aufzugeben. Wir befinden uns notwendig in einer anderen Lage als viel« unserer Verbünde- ten. keinesfalls deshalb, weil keinem britischen Staatsmann, zu welche Partei er auch gehören möchte, jemals der Gedanke kommen konnte, in diesen Krieg zu gehen, um die britischen Besitzungen auf dem europäischen Festland zu vermehren. Das gibt uns zu Amerika eine Stellung, die schwerlich eines der anderen kämpfenden Völker für sich in Anspruch nehmen könnte. Es wäre unweise, die Zukunft vorher sagen zu wollen. B a l f�o u r erklärte weiter, Elsaß-Lothringcn sei gewaltsam von Frankreich losgerissen worden. Seit 1871 habe auf beiden Seiten der leidenschaftliche Wunsch nach Wiedcrvereini- g u ng keinen Augenblick aufgehört. Wenn wir nach diesem Kriege die europäische Karte verbessern wollen, so wünschen wir«ine Karte von längerer Dauer, als sie ein Kongreß je geschaffen hatte. Denn könnte jemand zweifeln, daß die Rückgabe des Gebietes, das Frank. reich vor 40 Jahren gewaltsam geraubt wurde, eine notwendige Ge- bietsveränderung sei? Diese Frage gehört zu einer anderen Kate- gorie als die interessanten, bedeutenden und sogar vitalen Spekula- lwnen über die östlichen Teile des europäischen Festlandes. Die Lösung dieser Frage scheint mir ganz selbswerständlich und es ist jedenfalls meine persönliche Ueberzeugung, daß, da Frank- reich für Elsaß-Lothringcn kämpft, wir es unterstützen sollen. Frankreich kämpft natürlich nicht für Elsaß-Lothringen allein, son- dern geradezu um seine Existenz. Aber dieser Kampf, der ihm auf. gezwungen ist, schließt dicses andere Problem ein. Ich sage also, daß, wenn wir entschlossen sind zu verhindern, daß Frankreich zer- schmettert wird, dies darin eine Ergänzung findet. Niemand kann zweifeln, daß die heute erörterten Fragen alle Staatsmänner Europas und Amerikas beschäftigen. Es ist dcr Gedanke, der die ganze zivilisierte Welt so beschäftigt, daß er alle anderen Interessen vendrängt und ich halte es daher für Torheit, daß eine Versammlung wie die unsrige eine Entscheidung über dieses große Problem fälle» soll. Man muß seine Hoffnungen und Meinungen über diese höchst wichtigen Fragen mit dcr nötigen Vorsicht und Zurückhaltung äußern. Wie das Gleichgewicht der Kräfte sein wird, wenn es zu ernsten Erörterungen über den Frieden kommt, wird nicht allein von den Spekulationen oder Wünschen einzelner, son- dern von den speziellen Wünschen dieser oder jener Nation ab- hängen. Von der Regierung zu vetlangen, bestimmt festzulegen, was wir fordern werden und müssen, oder was wir wünschen würden, oder was uns gleichgültig sein würde, die Ziele zu klassifizieren und die Anstrengungen bestimmt zu bezeichnen, die wir zur Erreichung icdes einzelnen dieser Ziel« aufwenden sollen, heißt, von der Re- g:erung verlangen, einen Weg einzuschlagen, den keine Re- gierung mit Erfolg einschlagen kann. Wir haben mit viel zu großen und viel zu verwickelten Verhältnissen zu tun, als daß wir das könnten. Dagegen haben wir der Welt klarzumachen, daß wir n:cht um des Kampfes willen kämpfen. Wir wünschen den Frieden ebenso ernstlich wie irgendeines der Staatswesen, die jetzt unter den Berlusten, den Lasten und den Tragödien deS Krieges leiden. Aber dieser Frieden müsse eine solche Reß.'lung der Gemeinwesen Euro- pas bringen, die es den Friedensstörern bedeutend schwerer machen wird, einen Boden zu finden, wo sie ihre bittere verhäng- nissolle Saat säen können. Wie kann nun dieses Ziel erreicht werden? Wie wollen wir mit den großen alt-m Monarchien wie Oesterreich verfahren? Wie werden Oesterreich und Teutschland ihre Inneren Probleme kann dies in diesem Hause und im gegenwärtigen Stadium des kan dies in diesem Hause und im gegenwärtigen Stadium des Krieges wirksam erörtern. Ein Wort über die Demokratisierung Teutschlands. Wir alle hoffen, daß die Autokratie in Teutschland eine freie Re- gierung verstehen und parlamentarische Institutionen, loie wir parlamentarisch verstehen, flott machen wird. Es ist von maß- gebender Seite erklärt worden, daß es schwer sei, über einen dauernden Frieden zu verhandeln, wenn man nicht mit einem Gemeinwesen zu tun hat das auf dem Volk willen beruht und das nicht durch die finsteren Pläne einer Weltherrschaft kor- rumpiert ist. Aber das bedeutet nicht, daß jemand so töricht sei, anzunehmen, daß man Deutschland von außen her eine Verfassung auferlegen könne. Deutschland muß sein Heil selbst suchen. Die Nationen müssen ihre Freiheitsplän« selbst suchen gemäß ihren eigenen Ideen, ihrer Geschichte, ihrem Charakter und ihren Hoffnungen für die Zukunft. Aber wenn es wahr ist, daß die große Macht des deutschen Imperialismus auf dem Glauben beruhe, daß Deutschland nur unter dem imperialistischen System groß, mächtig und reich sein kann, dann können leicht, wenn die Erfahrung lehrt, daß das imperialistische System nicht nur zu einer Zeit zum Triumph führen kann, sondern zu einer anderen, unvermeidlich zu einem ebenso großen Unheil führen muß, die Ideen, die im Jahre 1848 einen so mächtigen Ausdruck gefunden haben, und die alle deutschen Denker länger als eine Generation bis zur Herrschaft Bismarcks beseelt haben, mit neuem Glanz und neuer Kraft wieder aufleben, und dann wird Deutschland mit seiner ganzen Macht dcr Organisation und seiner ganzen ererbten Bildung an der Seite der Nationen stehen, die vor dem Kriege sich kaum vorstellen konnten, wie ein Weltkrieg dieser Art absichtlich provoziert werden konnte, um konzcssionelle und politische Jnter- essen eines Staatswesens zu fördern. Wenn Deutschland in dieser Hinsicht das Niveau dcr Vereinigten Staaten und Großbritanniens erreicht hat, so darf man hoffen, daß jedenfalls einer der großen Friedensstörer der europäischen Geschichte ausgeschaltet ist. Ich weiß nicht, wer es wagen will, zu sagen, daß, wenn man auf die innere Lage Deutschlands blickt, soweit das augenblicklich möglich ist, die Ideen, von denen ich gesprochen habe, sich tatsächlich in der Weise abspielen werden, daß sie zu der Hoffnung berechtigen, daß wir es selbst erleben werden. Ich bin sicher, daß, wenn es nicht dazu kommt, es auch keine Sicherheit für Europa geben wird. Ich glaube nicht, daß der europäische Friede gesichert werden kann, che Teutschland nicht los oder frei gemacht ist. Nichts ist mir deutlicher, daß, wenn wir jene Politik ausführen wollen, unsere unmittelbar« Pflicht ist, nicht zu erörtern, welche Fcicdensbedingungen wir im einzelnen wünschen werden, wenn der Krieg zu Ende ist, sondern den Kamps mit aller der- fügbaren Energie fortzusetzen. Wenn dieftr Krieg mit einem deutschen Frieden end«t, so wird der deutsche Frieden nur das Vorspiel zu einem neuen Kriege sein. Wenn der Krieg nicht mit einem deutschen Frieden endet, sondern mit einem Frieden, der sich dem Gewissen Amerikas und Großbritanniens empfiehlt, so würde es ein Frieden sein, dcr schließlich wahrschein- lich Deutschland ebenso zum Segen gereichen wird wie der übrigen Welt. Aber jedenfalls würde es ein Frieden sein, der nicht nur für die Lebenszeit derjenigen Generation vorhält, die diesen furchtbaren Krieg begonnen hat, sondern der dauernd wirkt, bis wir das Stadium einer internationalen Entwickslung erreicht haben, die eine Wiederholung dieser Schrecken für' Ünsere Kinder undenkbar macht. Nachdem Balsour seine Rede beendet hatte, fragte der Liberale Holt, ob die Regierung im Einvernehmen mit den Alliierten nicht durch die in Betracht kommenden diplomatischen Kanäle an Deutsch- land in aller Form die Frage stellen könnte, ob es bereit sei, Bel. gien, Frankreich und die anderen besetzten Länder zu räumen und zu entschädigen. Ponsonbh sagte: Balsour habe, anstatt sich auf Allgemeinheiten zu beschränken, großen und ungebührlichen Nachdruck auf die elsaß-lothringischc Frage gelegt. Balsour antwörtete: Er habe nicht eine wohlüberlegte Erklärung darüber abgegeben, was für Maßnahmen bezüglich Europas getroffen iver- den würden und seine Rede dürfe nickt in diesem Sinne aufgefaßt werden. Balsour sagte: Ick habe lediglich im Laufe der Debatte aus frühere Reden geantwortet. Ponsonbh darf nicht sagen, daß ich auf irgendeinen besonderen Gegenstand ungcbürlichen Nachdruck ge- legt habe. Die Rede war nicht als Ueberblick über die ganze Lage gedacht. »Der Krieg geht weiter, er bleibt uns aufgezwungen/ Kaiser-Erlasse. Berlin, 31. Juli. Aus dem Felde richtet der Kaiser unter dem Datum des 1. August an das deutsche Heer, die Marine und die Schutztruppen folgende Kundgebung: Das dritte Kriegsjahr ist zu Ende, die Zahl unserer Gegner ist gestiegen, nicht aber ihre Aussicht auf den Enderfolg. Rumänien habt Ihr im Vorjahre nieder- geworfen. Das russische Reich erbebt jetzt von neuem unter Eueren Schlägen. Beide Staaten haben ihre Haut für fremde Interessen zu Markte getragen und sind am Verbluten. In Mazedonien habt Ihr den feindlichen Anstürmen machtvoll getrotzt. In gewaltigen Schlachten im Westen seid Ihr die Herren der Lage geblieben. Fest stehen Euere Linien, die die teure Heimat vor den Schrecken und den Verwüstungen des Krieges bewahren. Auch Meine Marine hat große Erfolge errungen; sie hat den Feinden die Herrschaft zur See streitig gemacht und bedroht ihren Lebensnerv. Fern der Heimat hält eine kleine deutsche Truppe deutsches Äolonialland gegen viel- fache Uebermacht. Auf Euerer und unserer treuen Bundesgenossen Seite werden auch iiü nächsten Kriegsjahr die Erfolge sein. Unser wird der Endsieg bleiben. Bewegten Herzens danke Ich Euch in Meinem und des Vaterlandes Namen für das, was Ihr auch in dem letzten Kriegsjahr geleistet habt. In Ehrfurcht gedenken wir dabei der tapferen Gefallenen und Verstorbenen, die für des Vater- landes Größe und Sicherheit dahingegangen sind. Der Krieg geht weiter, er bleibt uns aufgezwungen. Wir kämpfen für unser Da- sein und unsere Zukunft mit stahlharter Entschlossenheit und nie wankendem Mut. Mit wachsender Aufgabe wächst unsere Kraft. Wir sind nicht zu besiegen; wir wollen siegen! Gott der Herr wird mit uns sein. Ferner hat der Kaiser„an das d e u t s ch e V o l k" folgende Worte gerichtet: Drei Jahre harten Kampfes liegen hinter uns. Mit Leid gedenken wir unsere Toten, mit Stolz unserer Kämpfer, mit Freude aller Schaffenden, schweren Herzens derer, die in Ge» fangenschaft schmachten. Uebcr allen Gedanken aber steht der feste Wille, daß dieser Kampf gerechter Verteidigung zu gutem Ende ge- führt wird. Unsere Feinde strecken die Hand nach deutschem Lande aus. Sie werden es niemals erlangen. Sie treiben immer neue Völker in den Krieg gegen uns. Das schreckt uns nicht. Wir kennen unsere Kraft und sind entschlossen, sie. zu gebrauchen. Sie wollen uns schwach und machtlos zu ihren Füßen sehen, aber sie zwingen uns nicht. Unser» Friedensworten sind sie mit Hohn begegnet, So haben sie wieder erfahren, wie Deutschland zu schlagen und zu siegen weiß. Sie verleumden überall in der Welt den deutschen Namen. Aber sie können den Ruhm der deutschen Taten nicht ver- tilgen. So stehen wir unerschüttert, sieghaft und furchtlos am Ausgang dieses Jahres. Schwere Prüfungen können uns noch beschieden sein. Mit Ernst und Zuversicht gehen wir ihnen entgegen. In drei Jahren gewaltigen Vollbringens ist das deutsche Volk fest geworden gegen alles, was Feindesmacht ersinnen kann. Wollen die Feinde die Leiden des Krieges verlängern, so werden sie auf ihnen schwerer liegen als auf uns. Was draußen die Front vollbringt, die Heimat dankt dafür durch unermüdliche Arbeit. Noch gilt es, weiter zu kämpfen und Waffen zu schmieden. Aber unser Volk sei gewiß: Nicht für den Schatten hohlen Ehrgeizes wird deutsches Blut und deutscher Fleiß eingesetzt, nicht für Pläne der Eroberung und Knechtung, sondern für ein starkes und freies Reich, in dem unsere Kinder sicher wohnen sollen. Diesem Kampfe sei all unser Handeln und Sinnen geweiht. Das sei das Gelöbnis dieses Tages!" Eine dritte Kundgebung des Kaisers ist an den Kom- mandeur der Schutztruppen für Deutsch-Ostafrika, Oberst von Lettow-Vorbeck gerichtet, dessen ausharrende Leistungen mit Dankesworten anerkannt werden. Die Enthüllungen des Reichskanzlers. Havas schämt sich. Die Erklärungen des Reichskanzlers Dr. Michaelis werden von Havas— dem französischen W. T. B.— folgendermaßen zusammengefaßt: In Nachahmung des Grafen Czernin hat Dr. Michaelis zahl- reiche deuticke Journalisten empfangen, unier dem V o r w a n d. auf die Rede Lloyd Georges zu antworten. In Wirklichkeit hat sich Dr. Michaelis darauf beschränkt, seinen Hörern angebliche Enthüllungen über die Geheimsitzung der französischen Kammer am 1. und 2. Juni zu machen. Das ist alles! Nichts als ein neuer Beweis dafür, wie Zensur und osfiziöse Berichterstattung arbeiten. Loebell geht! Wolffs Bureau meldet: Gegenüber verschiedenen Pressemeldungen, daß der Mini st e r des Innern sick entschlossen habe, im Amte zu bleiben, sind wir in der Lage festzustellen, daß Herr v. Loebell am 11. Juli sein Abschiedsgesuch eingereicht und dasselbe nicht zurückgezogen hat. Lette Nachrichten. Die Resolution der Pariser Sozialistenkonfcrenz. Paris, 31. Juli.(Meldung der Agence Havas.) Gegen Ende der Sozinlistrnkonferenz wurde bekanntgegeben: Die folgenden Ent- schließungen sind von dem dauernden Verwaltungsausschutz und den russischen und englischen Vertretern zur internationalen Konferenz angenommen: Die gegenwärtige Konferenz spricht ihre herzliche Zu st im- mung zu der von dem holländisch-skandinavischen Ausschutz unter- stützten Anregung des russischen Arbeiter- und Soldatcnrates aus, die zu der gemeinsamen Ausforderung der beiden Organisationen zur Zusammenberufting des Proletariats aller Völker zu einer inter- nationalen sozialistischen Arbeiterkonferenz geführt hat. Das aus der russischen Vertretung und dem holländisch-skandinavischen Ausschuß mit technischer Unterstützung des Sekretariats des Internationalen Sozialistischen Bureaus zusammengesetzte Organis ations- b u r e a u ist allein mit dem Verkehr mit den nationalen Sektionen hinsichtlich der Konferenz beauftragt. Alle angeschlossenen Verbände der Internationale werden auf- gefordert, an dieser Konferenz teilzunehmen. Falls sich diese Ver- bände seit Kriegsausbruch geteilt haben, sollen sowohl die Minder- heiten wie die Mehrheiten aufgefordert werden. Ueberall, wo die Minderheiten sich in genau unterschiedene Parteien oder shndika- listische Verbände gruppiert haben, die nicht dem Internationalen Sozialistischen Bureau angeschlossen sind, sondern dem Jnternatio- nalen Syndikalistischen Bureau, sollen sie eingeladen werden, so- fern sie nicht schon durch aivdere, dem Internationalen Sozialisti- schen Bureau angeschlossene Verbände vertreten werden. Die Ein- ladungen an jede Fraktion der nationalen Sektion sollen von dem vermittelnden Organisationsbureau an die nationalen Sektionen der Internationale ergehen. Jeder Einspruch gegen die Beschlüsse dieser Sektionen wind vor das von jeder nationalen Sektion der gegenwärtigen Kcmferenz gewählte Bureau gebracht werden. Jede nationale Sektion wird dabei durch zwei Abgeordnete für Mehrheit und Minderheit vertreten sein. Da das Schicksal des Vorgehens der Internationale von der Aufrichtigkeit abhängt, mit der die ge- troffenen Entschlüsse befolgt werden, so verpflichten sich die an der Konferenz teilnehmenden internatio- nalen Sektionen, sobald die allgemeinen Ent- schließungen formuliert sein werden, feierlich vor der vereinigten Internationale bekanntzugeben. wie sie diese Beschlüsse auszuführen gedenken. Die gegenwärtige Versammlung ersucht die Ver- anstalter der Konferenz, diese vom 9. bis 16. August in Stockholm stattfinden zu lassen. Falls icgendeine praktische Schvierigkcit vor- liegt, so werden die Veranstalter gebeten, die Konferenz um die an- gegebene Zeit in Kristiania oder anderswo einzuberufen. Der dauernde Verwaltungsausschuß der russischen und eng- lischen Vertreter hat auf Vorschlag der englischen Vertreter be» schlössen, eine Konferenz dcr Alliierten unter sich abzuhalten.� Diese Konferenz ist auf den 28. und 29. August festgesetzt worden. Die Konferenz endete mit der Erklärung Goldenbergs, daß der russische Arbeiter- und Soldatenrat beschlossen hatte, die russischen Sozialisten sollen an der Konferenz der alliierten Sozialisten in London nur zur Information teilnehmen. Deutsches U-Boot von Spanien interniert. Madrid, 31. Juli. Havas. Der Ministerpräsident teilt mit, daß ein deuffches Unterseeboot bei C o r u n a vor Anker gegangen sei. Es sei nach El Ferro! gebracht worden.— Die Regierung werde aufs genaueste die jüngsten Anordnungen über die Inter- nierungen von Unterseebooten der Kriegführenden, die in spanische Häfen einlaufen, befolgen. Teuerungszulagen für die Reichs- und Staatsbeamten. Berlin, 31. Juli.(W. T. B.) Zwischen den Finanzver- waltungen des Reichs und Preußens schweben seit einiger Zeit Verhandlungen wegen einer Erhöhung der seit dem 1. April d. I. gezahlten Teuerungszulagen für die Beamten. Die Ver- Hanölungen stehen jetzt dicht vor dem Abschluß. Es darf er- wartet werden, daß die Erhöhung noch im lausenden Viertel- jähr in Wirksamkett tritt. SewerkschaflsbewEUNg Jubiläum im SteinfetzerverbanÜe. Am 1. und 2. August 1892 fand in Stettin der 8. Verbands- tag des„Zentralverbandes der vereinigten Steinsetzergesellen in Deutschland" statt, einer Organisation, deren Aufgabe die„Pflege eines geregelten Gesellenwesens', das heißt Zunftwesens swar, dos im Steinsetzgewerbe im voranaegangenen Jahrzehnt, be- sonders aber in Berlin eine förmliche Wiedergeburt ge- feiert hatte. Als im Jahre 1882 die Berliner Steinsetzer-Jnnung ihr löO jähriges Bestehen feierte, war das für die Berliner Steinsetzergescllen der Anlaß, sich �u den schon vorhandenen Gewerkssahnen noch eine neue zuzulegen und zu deren Weihe, an der auch die Innung vollzählig teilnahm— einen großen festlichen Umzug durch die Straßen Berlins zu veranstalten. In der Eingabe an das Berliner Polizeipräsidium um die Genehmigung zu diesem ftestzuge konnte der Altgeselle sich mit Recht darauf be- ruien, daß die Berliner Steinsetzergesellen sich„bisher von allen sozialen Bestrebungen ferngehalten" haben. Der Festzug wurde angesichts einer so einwandfreien Gesinnung denn auch ge- uehmigt, was die Veranstalter selbst nicht gehofft hatten und zwar in yiücksicht auf das Sozialistengesetz, das damals ja in voller Schärse gehandhobt wurde. Nur ganz schüchtern wagten es um, diese Zeil einzelne wenige Berliner Steinsetzer mit gewerkschaftlichen Ansichten hervorzutreten. Anfangs nahm man sie nicht ernst, und später suchte man sie zu überschreien und zu unter- drücken, wobei natürlich das Unternehmertum durch Maßregelungen verständnisvoll Hilfe leistete. Das hat aber nicht zu hindern ver- mocht, daß im Jahre 1892 die freigewerkschaftliche Strömung doch schon so stark geworden war, daß sie endlich auf dem erwähnten Verbandstage in Stettin sick durchsetzen konnte. So wurde dieser Vcrbandstag zugleich der erste des heutigen Verbandes der Stein« setzer, Pflasterer und Berufsgenossen Deutschlands. Mit dem VorbandStage waren selbstverständlich die inneren Widerstände noch lange nicht überwunden, wenn sie auch nirgends so stark hervortraten, wie in Berlin. Nahezu ein ganzes Jahrzehnt dauerte es noch, ehe die Zünftlerei auch innerlich als überwunden angesehen werden konnte. Hierzu kam eine beispiellos schlechte Geschäftslage, die dem jungen Verbände die Erfüllung seiner gewerkschaftlichen Aufgaben recht schwer machte. Dann aber ging es mit Riesenschritten vorwärts und aufwärts. Ab- gesehen von den Buchdruckern und einzelnen anderen Berufs- gruppen war der Verband der Steiusetzer einer der ersten, der das Tarifwesen auf eine ziemlich hohe Stuf« der Eni- Wicklung gebracht hat, so daß man sich vor dem Kriege schon lebhaft mit der Frage deS Rcichstarifes beschäftigte. Daß sie noch nicht gelöst wurde, liegt lediglich an der Zersplitterung der Unternchmerorganisation. Die Löhne haben in dieser Zeit eine Erhöbung um 1- In der außerordentlichen Generaldersammlung der Mir u. Genest. A.-G., die die angekündigte Kapitalserhöbung beschloß, wurde versichert, daß diese nicht aus spekulativen'Beweggründen, sondern wegen der Rohstoffteuerung erfolgt und auch von der Reichsbank gebilligt fei. In der Höhe der Umsätze sei kein« Ver- auderung eingetreten. Börsenpraktiken. Der Börsenvorstand versickert anläßlich öffentlicher Klagen. daß sich das Börsenehrengericht in Wirksamkeit befinde. Diese Klagen betreffen den Kursschnitt durch Angestellte, die'in Kenntnis vorliegender Aufträge auf dem Rücken der Auftraggeber in der Weise spekulieren, daß sie z. B. erst für sich kaufen, dann die Kundenorder, womöglich zu erhöhtem Preis, ausführen und die so angeregte Stimmung zum Verkauf ihrer eigenen Papiere benutzen. Die Erklärung des Börsenvorstandes ist ein Schlag ins Wasser und wird nur die Vorsicht dieser gcwinnlustigen Angestellten er. höhen, nicht ihre Enthaltsamkeit vom Börsenspicl erreichen. Hauptschuldige an den durch und durch ungesunden Zuständen sind überdies nicht die Angestellten, sondern die Bankiers, die nicht'als Kommissionäre, sondern als Eigenhändler auftreten und diese Eigenschaft oft recht zum Schaden ihres Kunden ausnützen. Gelegentlich wird die Hoffnung ausgesprochen, daß nach der nächsten, jetzt schon vorbereiteten Kriegsanleihe die Börse er- öffnet werden wird, was die Haussemanöver der öffentlichen Krittk unterwerfen wird. Veranlwortl. f. Politik! Dr. gratiz Titderich, Ncrlin-Friedenai-.- für d, übrigen Peil des SPIattcs: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: T1>. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstall Paul Singer& Eo, Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und UnterhaltungsSkatt. Machen Augengläser alt? von der ehrwürdigen Brille könnte man dies behaupten, von dem flotten Kneifer aber ebensowenig wie von gutgefertigten künstlichen Zähnen. Wir haben für jede Nase elegante, gutsitzende Kneifer ohne Rand, die sicher niemand alter erscheinen lassen. Doch behaupten wir allen' Ernstes, baß Augengläser sogar jung erhalten. Denn wer nicht gut sehen kann, kneift, um besser erkennen zu können, die Augen zusammen, dadurch entstehen an der Stirn, neben und unter den Augen, Falten und Runreln. die sich mit der Zeit tief einprägen und vorzeitig alt machen.— Solche Ueberanslrengungen der Augen können abgespannt, gereizt und nervös machen. Luch davon bleiben im Antlitz Spuren zurück, die wahrlich niemand jünger erscheinen lassen. Aostenlos prüfen wir Augen und Sehkraft mit Sorgfalt und garantieren für passende Gläser sowie für Haltbarkeit oller Fassungen von 4,60 M. an. Dafür erhalten Sie schon einen guten Kneifer(ohne Gläser) bei uns und dazu noch ein Jahr Garantie, d. h.„solange alle Re- paraturen umsonst", selbst wenn die Fassung durch Ihre Schuld zer- brachen wurde, nur für Hornteile, Schildpatt und für zerbrochene Gläser haben Sie noch zu zahlen. Ein Paar stark gewölbte, punktuell abbildende Punktorik-Gläser kosten bei uns nur 4.— M., das Paar aus Sanoskop-Glas 0— M. 5 Sin(Ts die Augen, Geh' zu Rahnke/ Optiker Ruknke C.«k.«!!?.'!' W.«SSJRfS» NW.'ffi'ÄÄ,. Heu: Friedrich-Str. J06 Ecke Ziegel- Str. Splffetmorft,«e»«H.5it. Orauica-Str. 44. OVwr« nahe Oxailien-Platz» Wilmersdorf» . ur«., D-aenhiea-Str. 15, Berliner Str. 132-3 a d. uhiondstr. Sthönebeta: £illI-Str. 1, C P-Mmer Sk. � lhauffee-Str. 72, Ecke Mariurg««tr. Friedenau: Haupt- Straß. 121 5riedrich.Slr. ISO. llnvalldeu-Slr. 164, Zoachims'hal« Sfr. 2, Bhein-Str. 18,«tfe»iech-kw,(am ffatf-roitfi.Pias). Eck» Saufcen-Stt.Ecke Brunnea-Stn am Bahnhof Za». gegenüber der Kaijer-Eiw». flc. 20S» Z4.?ahrgakg Beilage öes vorwärts Mittwoch, 1. August 1�1 7 Staatliche Lohnfeftfetzung. Das, was eine fürsorgliche Obrigkeit in längst vergangenen Zeiten im staatlichen Interesse für geboten hielt, die ssestsetzung von Lohntaren, kehrt in der neuen Zeit wieder, natürlich in einer etwas abgewandelten Form und aus anderen Gründen. War es früher die Fürsorge für die Konsumenten, die zu einer festen Begrenzung der Löhne führte, so ist es heute die Fürsorge für die Arbester. Zwar haben wir auch heute noch derartige, die Vergütung für bestimmte Arbeitsleistungen regelnde Vorschriften zugunsten der Konsumenten: Dienstmanntaxen, Fahrtaxen, Fährtarife usw. Aber es handelt sich bei ihnen immer um bestimmte konzessionierte Gewerbe, die den damit Betrauten auch Pflichten der Allgemeinheit gegenüber auf- erlegen. Aus der Konzession soll kein Monopolgewinn gezogen werden. Früher handelte es sich um die Festsetzung von Höchstlöhnen, beute um die von Mindestlöhnen. Die staatliche Autorität greift dort ein, wo sich herausstellt, daß die in abhängigen Diensten anderer Stehende» allein nicht imstande sind. Einfluß auf eine angemessene Vergütung für die von ihnen geleistete Arbeit zu gewinnen. Bisher ist ein solcher Eingriff zugunsten der wirtschaftlich Schwachen nur erst m ganz vereinzelten Fällen zu verzeichnen Aber die ersten Schritte auf dem Wege sind doch getan, den z. B der Deutsche Heiuiarbeitertag vom Januar 1911 zugunsten der Heim- arbeiter gefordert hat: Hebung der oft unwürdig geringen, zu lleberarbeit und gesundheitsschädlicher Arbeitswerse zwingenden Löhne. Gerade auf dem Gebiet der Heimarbeit haben wir bei uns derartige Eingriffe zugunsten der Arbeiter während der Kriegszcit erlebt. Verschiedentlich haben die Heeresverwaltungen bestimmte Mindestlöhne bei der Vergebung ihrer Aufträge vorgeschrieben. Die Tatsache ist so bekannt, daß wir sie hier nicht besonders zu betonen brauchen. In dieses Gebiet schlägt die beim Hilfsdienstgesetz � geschehene Regelung der sozialpolitischen Fragen ein. Arbeitsbindung auf der einen«eite. Auf der anderen Einrichtungen, die eine den Zeitver hältnissen entsprechende Gestaltung der Lohn- und Arbeitsverhäli nisse gewährleisten sollen. In O e st e r r e i ch, wo durch das Zfriegs� leistungsgesetz eine noch größere Burdung der Arbeiter erfolgt ist, ist besonders vorgeschrieben, daß ein durch die jeweiligen Lebens- und Arbeitsverhältnisse bedingter Lohn zu gewahren sei. Es sind auch besondere Kommissionen zur Sicherung dieser Vorschriften ein- gesetzt. Sie können in Anspruch genommen werden, wenn es sich bandelt um Streitfragen über die Arbeitszeit, die Arbeitspausen, die Sonn- und Feiertagsruhe, die Art der zugewiesenen Arbeit, Vorschriften zum Schutze der Gesundheit und Sittlichkeit, sowie zur Sicherheit der Beschäftigten, ihre Unterbringung und Beköstigung. Vor diesen Beschwerdekommissionen können sich die Parteien durch Berufsgenossen oder Berufsvereinigungen, Geschäftsführer oder Angestellte vertreten lassen. Unternehmer oder die von ihnen be- stellten Beamten oder Aufsichtspersonen, die die von den Be- fchwerdekommissionen festgesetzten Löhne oder Arbeitsbedingungen nicht innehalten, können mit Arrest'bis zu drei Monaten oder mit einer Geldstrafe vis zu 20 000 Kronen destraft werden. Für die gegen Beamte oder Aufsichtspersonen verhängte Geldstrafe Haftel der Unternehmer. Auch in der Schweiz ist seit kurzem eine Verordnung auf Grund eines Bundesratsbeschlusses in Kraft getreten, die Mindest- stichpreise und Mindestlöhne in der Schweizerischen Stickereiindustrie festsetzt. Tie schweizerische Stickereiindustrie ist durch den Krier in erheblicher Weise in Mitleidenschaft gezogen worden. Schon durch.Bundesratsbeschluß vom Dezember 1910 wurde für eine Reihe von Kantonen ein Aotstandsfonds der Stickereiindustrie geschaffen aus dem. notleidende Arbeiter, Angestellte und Einzelsticker bei Stickereiindustrie unterstützt werden sollten. Seine Quellen waren eine einmalige Umsatzabgabe und freiwillige Zuwendungen. Die einmalige Umsatzabgabe betrug% Proz. des durchschnittlichen jähr- licken Warenumsatzes der Jahre 1913 bis 191S. Zur Entrichtung der Abgabe waren d,e Betriebsinhaber bestimmter Art verpflichtet. Mrl Rücksicht auf den durch die Notlage der Industrie ein- getretenen Lohndruck sind nun Mindeststundenlöhne und die Min- deststichpreise festgesetzt worden. Die Mindeftstichpreise betragen 3.� brs 37 Rappen pro 100 Stich, die Durchschnitts stun denlöhn e 22 mS60 Rnppen. Vereinbarungen, dur chtrelche andere als Mindest- stichpreiie festgesetzt sind, sind ungültig und es muß die Tifferene nachgezahlt werden. Auch hier wird die Uebertretung der Stich- preis- und Mindestlohnfestsetzungen mit einer Gefängnisstrafe bis zu drel Monaten oder mit einer Geldstrafe bis zu 10 000 Frs. oder berl_ben Strafen bedroht. Für die Uebertretungen der stichpreisbesttmmungen sind beide Parteien, für solche der Mindest- stund-nlohne nur der Betriebsinhaber strafrechtlich verantwortlich. W �3�-�°uch hier ein staatliches Eingreifen zugunsten der wirftchastlich schwachen, wie es vor der Kriegszeit kaum je in die Er,cheinung getreten ist. Der Krieg hat auch auf diesem Gebiet euie Aenderung der Anschauungen bewirkt und wir wollen hoffen f,0! �Ptzt gemachten Erfahrungen auch in der Friedenszeit nicht unberücksichtigt bleiben mögen. Wenn, wie zu erwarten sein wird, ein Anwachsen der Heimarbeit eintritt, dann wich es doppelt not- wendig sein, hier Vorsorge zu treffen, daß nicht die Ueberfüllung i er Helmlndustne zu einer Verschärfung des so wie so ja schon ae- gebenen-�ohndrucks bei dieser Betriebsform eintritt. GeoMerün Einschränkung des Gasverbrauchs. Der Reichskommiflar für Elektrizität und Gas, Prof. Küb- J er' hat, um den ungestörten Betrieb der Gasanstalten sicherzu- stellen, eine Verordnung erlassen, aus der wir hervorheben: Für jede Gasanstalt werden ein oder mehrere Vertrauensmänner, vor- wiegend die Leiter der Gaswerke, verpflichtet. N e u e H a u s a n s ch l ü s s e. N e u b e r o h r u n g e n, die A u f- stellung� von Gasbadeöfen und die von Gas- z i m meröfen sind verboten. In außergewöhnlich dring- lieben� Fällen und bei Anlagen bis zu einer Gasmessergrötze von 100 Flammen ist der Vertrauensmann befugt, Ausnahmen zuzu- lassen, solange dadurch die Leistungsfähigkeit der Gasanstalt nicht unzulässig beansprucht wird. Der Gasverbrauch wird eingeschränkt. Die Höhe der Einschränkung der Gesamtgasabgabe wird der Reichskommissar iewe:lS festsetzen. Die Berechnung für die einzelnen Werke erfolgt auf olcichmäßiger technischer Grundlage. Die öffentliche Bcleuch- tung ist wcitgchendst einzuschränken. Die Verbrauensmänner sind berechtigt, den Gebrauch von Gaszimmeröfen zu verbieten. Das Brennen von Leuktflammen Und Kocheinrichtungen zu Raum- Heizungszwecken ist verboten. In gasverbrauchenden industriellen Anlagen sind �ür die Ein- Haltung- der von den VertrauensinSiinern aufgestellten Ortsbestim- mnngen die Betriebsleiter, Werkmeister, Fach- und Hilfsarbeiter jeder ,in seinem Arbeitsbereich mit verantwortlich. Den indu- striellen und gewerblichen Abnehmern ist verboten, Aufträge ohne weiteres anzunehmen, durch deren llebornahme sie zu einer Ver- größerung des ihnen zugebilligten Gasverbrauchs veranlaßt oder genötigt werden. Zu dieser Verordnung sind noch Ausführungsbestim- mungen ergangen, wonach der Absatz des gegen Entgelt ab- gegebenen Gases bis qzif weiteres so geregelt werden soll, daß die Verbraucher, die schon im Vorjahre Gas bezogen haben, jetzt von Monat zu Monat oder ui anderen für die Ablesung der Gasmesser üblichen Zeiträumen insgesamt nicht mehr als 80 Proz. ihres vorjährigen Bezuges erhalten. Hat sich seit dem Vorjahre der Heizwert des Gases nachgewiesenermaßen ge- ändert, so vermindert oder erhöht sich die 80prozentige Einschrän- tung im gleichen Verhältnis. Diese Einschränkung gilt auch für die kriegswichtigen Betriebe.. Neu hinzugetretene Abnehmer sind bei der GaSzuteilung so zu behandeln wie die schon vorhandenen gleichartigen Abnehmer. Tie llcberschreitung des den Abnehmern für den einzelnen Monat zugestandenen Gasverbrauchs ist nachdrücklichst zu verhindern. Der Reichskommissar hat bestimmt, daß bei trotzdem eingetretenem Mehrverbrauch seitens des Abnehmers an die Gasanstalt je Kubik meter ein Aufgeld von b0 Pf. zu bezahlen ist. Soweit die Bestimmungen des Reichskommissars. Wir bo dauern außerordentlich, daß man bei der Festsetzung dieser Be stimmungen wieder allzu schematisch vorgegangen ist und die Ein schränkung für Einzelzimmer sowie für große herrschaftliche Woh nungen gl-eichmgßig auf 20 Proz. festgesetzt hat. Wir hätten ge- wünscht, daß die Einschränkung unter besonderer Berücksichtigung der kleineren Wohnungen eine progressive Steigerung bei größeren Wohnungen erfahren hätte. Von den Gemeinden erwarten wir, daß alle etwa noch be- stehenden Bestimmungen über einen Mindestverbrauch und beson- dere Besteuerungen bei Richtabnahme des Mindestquantums sofort beseitigt werden._ Pfundweiser Brotkartenverkauf in Zehlendorf. Der fiebzehnjährige Schuldienersohn F i r ch o w,> dessen Eltern in Steglitz in einem Hause, in dem sich die Brotkommission befindet. wohnen, entwendete seit langer Zeit jede Woche etwa IS Pfund B-ro t k a.r t e n ab sch n i t t e aus den Räumen der Steglitzer Brot- kommission und verkaufte sie an den- Bäckermeister H e n e k e in Zehlendorf, Flensburger Str. 7. Dieser ergänzte damit seinen eigenen Kartenbestand und erlangte auf solche Weise von der Verteilungs stelle � größere Posten Mehl als ihm rechtmäßig zustanden. Die so erschwindelten vielen Zentner verkaufte Heneke zu Wucherpreisen an Privatleute, an andere Bäckermeister und immer blieb ihm noch so viel übrig, daß er einen großen Kuchenverkauf veranstalten konnte. Bor kurzem wurde Heneke zum Militär eingezogen und nun betrieb seine Ehefrau das Geschäft in derselben Weise weiter. Die Schiebungen sind sehr umfangreich gewesen, denn die Beamten des Kriegswucheramts fanden, als sie nach sorgfältigen Ermitte lungen zupackten, in der Henekeschen Wohnung 42 000 M. bares Geld im Kleiderschrank verborgen und beschlagnahmten es. Als Hauptabnehmer des erschwindelten Mehls wurde der Händler Abraham Goldschmidt, Berlin, Landwehrstr. S/S, ermittelt. Er wurde verhastet und mit ihm die Muffer. des jungen Firchow und die Bäckermeistersftau Heneke. Das Kriegswucheramt wird feststellen, wer von diesem Mehl bezogen hat. Wer solches Mehl ohne Karten kauft, macht sich nicht nur des.Kartenvergehens, fondern auch der Hehlerei schuldig, denn er muß wissen, daß"„markenloses Mehl" aus strafbaren Handlungen herstammen muß. Auf Hehlerei gibt es aber nur eine Strafe— das Gefängnis. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt Nr. 96 der Lebensmittelkarte entfallen 200 Gramm Graupen. Die Abschnitte sind von heute bis zum Freitag, den 3. August, in den durch besondere-Verkaufsschilder gekennzeichneten Kleinhandelsgeschäftcn gegen Empfangsbescheinigung abzugeben. Die Ware wird dann nach Ablauf der üblichen Frist zur Verfügung stehen._ Kein Kaffee-Ersatz ohne Bezugschein! Der Berliner Magistrat schreibt unS: Wie festgestellt worden ist, werden in einer Reihe von Groß- Berliner Geschäften immer noch Kaffee-Ersatzmiffel ohne Karte oder Bezugschein verkauft. Er- neut mutz darauf hingewiesen werden, daß ein derartiger Berkauf unzuläsfig und strafbar ist. Der in Groß-Berlin bestehende Karten- und Bezugscheinzwang erstreckt sich auf jedwede Art von Kaffee- Ersatz. Insbesondere unterliegt ihm auch diejenige Ware, die neuerdings ziemlich häufig im Handel auftaucht, meistens von recht zweifethafter Beschaffenheit, dafür aber besonders teuer ist, und zu deren Herstellung sog..Verkebrfreie", d. h. in diesem Falle andere als vom ,Kriegsaussck>uß für Kaffee. Tee und deren Ersatzmittel' zur Verfügung gestellte Rohstoffe Verwendung gefunden haben. Auch Mischungen von Kaffeeersatz und Bohnenkaffee, des- gleichen Auslandswaren(die übrigens oft nur als solche ausgegeben werden, in Wirklichkeit aber nicht aus dem Auslande kommen) unterliegen innerhalb des GellungsgebieteS der Grotz-Berliner Kaffceersatzkarte den Rationierungsvorschriften. Bei Zuwiderhand lungen gegen letztere wird fortan unnachsichtlich Eingeschritten werden._ Die zum Kriegsdienst eingezogenen Rechtsanwalts- Bnreanangestellte«. Der Borstand der Berliner Anwaltskammer empfiehlt den Ber littet Rechtsanwälten wegen der zum Kriegsdienst eingezogenen Bureauangestellten die tunlichste Berücksichtigung folgender Leitsätze: 1. Den zum Kriegsdienst eingezogenen Bureauangestellten werden, wenn irgend möglich, ihre früheren Stellen offengehalten; sind sie infolge von Kriegsbeschädigungen zur Verwendung in ihren früheren Stellen nicht mehr tauglich, so ist ihnen, wo möglich, eine andere ihren Fähigkeiten und Kenntnisien entsprechende Stellung zu über- tragen. 2. Diejenigen der aus dem Kriege zurückkehrenden Bureau- angestellten, denen ihre früheren Posten nicht offengehalten werden konnten, sind, wo möglich, bei Einstellung neuer Angestellter zu be- Vorzügen. 3. Die Gebälter der kriegsbeschädigten Bureauangestellten sind grundsätzlich nach ihrer Leistungsfähigkeit— ohne Rücksicht auf ihre militärischen Rentenbezüge— zu bemessen. Der Arbeilsnach- weis der Berliner Rechtsanwaltschaft im Anwaltszimmer des Land- gerilbts Berlin I, Grunerftraße, und der Arbeitsnachweis für Bureau- angestellte, Dircksenstr. 4, sind bereit, den Anwälten, die geneigt sind, neben den gesund und unverletzt aus dem Kriege heimkehrenden Bureauangestellten auch Kriegsbeschädigte einzustellen, geeignete Ar- beitskräfte nachzuweisen._ . Keine Beschlagnahme von Gemüse- und Obstkonserven. Einige Zeitungen brachten gestern die Nachricht, daß das in den Haus- Haltungen eingemachte Gemüse und Obst beschlagnahmt werden solle. Wie wir von der zuständigen Stelle erfahren, ist eine solche Maßregel in keiner Weise geplant. In den Arbeitsnachweisen für das Schneidergewerbe sind die VermirtelungSstundm vom 1. August ab wie folgt festgesetzt: I. Gerichlstraße: 8—1 Uhr, H. Tresckowstraße: 8—12 Uhr, Hl. Junkerstratze: 8—12 Uhr, IV. Rückerstraße: 3—6 Uhr. Fahrpreisermäßigung. Minderbemittelten Angehörigen deutscher Soldaten, die im neutralen Ausland zurückgeblieben sind, wird zur Erleichterung des Besuchs deutscher Miliiärpersonen aus den Staats- eiscnbahnen Deutschlands, mit Ausnahme des rechtsrheinischen bayerischen Netzes, eine Fahrpreisermäßigung in demselben Umfang und unter den gleichen Boraussetzungen gewährt, wie den Auge- hörigen erkrankter oder verwundeter deutscher Kriegsteilnehmer. Zur Erlangung der Ermäßigung ist die Bescheinigung eines deul« scheu Konsulats über den Zweck der Reise, die Bedürftigkeit des Antragstellers und sein verwandtschaslliches Verhältnis zu dem zu Besuchenden beizubringen. J Notwendige Angaben auf dem Gepäck. Die Angabe von Name, Wohnort und Wohnung auf den Gepäckstücken, die der Reisende der Bahn übergibt, wird seit langen Jahren empfohlen und von manchen Reisenden wobl auch ausgeübt. Vom 15. August an wird sie zur allgemeinen Pflicht gemacht. Das Reichs-Eisenbahnamt hat in die Eisenbahn-Verkehrsordnung eine entsprechende Bestimmung auf- genommen. Jedes Gepäckstück, beißt es darin, mutz die genaue und dauerhaft befestigte Adresse des Reisenden, also Name, Wohnort und Wohnung, tragen. Ebenso muß der Name der Aufgabe- und Be- stimmungsstation angegeben sein. Nicht derartig gekennzeichnetes Gepäck kann zurückgewiesen werden. Aeltere Bezeichnungen müssen wie bisher entfernt werden. Die Aenderung tritt am IS. August in Kraft. Sie gilt bis auf weiteres, ist also nicht für immer be- absichtigt. . Die nächsten Bolkskonzerte des Philharmonischen Orchesters finden am Mittwoch, den 1., 8., 15.. 22. und 29. August und am Freilag. den 3.. 10.. 17., 24. und 31. August in der Philharmonie, Bern- burger Straße- 22/23, statt. Beginn der Konzerte 8 Uhr, Kassen- eröffnung 7 Uhr. EintriltSpreis 30 Pf. Zwei Schleichhändlerbörsen geschlossen! In den Schankwirt- schaften von Gustav Tümmler, Berlin, Panoramastr. 2, und Albert I e h s e, Berlin, Gontardstr. 1, hatten die Schleichhändler, welche den Bahnhof Alexanderplatz und die Gegend um die Zentral- Markthalle bevorzugten, regelrechte Börsen abgehalten. Es war ein lebhaftes Gehen und Kommen, und die Wirte begünstigten das Treiben, denn sie verdienten an dieser Kundschaft, die mit dem Gelde nicht zu sparen brauchte, mehr als gut. Als die Beamten des Kriegswucheramtes die Ermittelungen einleiteten, wurden die Schleichhändler durch Tümmel und seine Frau gewarnt. Man schickte jedesmal Boten aus den Bahnhof, welche die Schleichhändler von der Annäherung der Beamten unterrichteten. Trotzdem gelang es, fest- zustellen, daß in dem Lokal ein bedeutender Schleichhandel mit Lebensutitteln aller Art, besonders mit Fleisch und Eiern, betrieben und von den Wirten geduldet und begünstigt wurde. Das Kriegs- Wucheramt hat die beiden Lokale geschlossen. 200 Zentner Reis beschlagnahmt. Der Ortspoli zei von Marien- selbe ist es gelungen, einem umfangreichen Ketten- und Schleich- Handel in Reis auf die Spur zu kommen. Sie ermittelte, daß bei zwei Aufkäufern, von denen einer in Marienfelde wohnt. 200 Ztr. Reis unter falscher Bezeichnung eintreffen sollten. Die Händler beabsichtigten, den Reis mit 6 M. für das Pfund abzusetzen. Eine/n Polizeiwachtmeister in Marienfelde gelang es, den Reis abzusaffen und beide Aufkäufer zu verhaften. Woher diese den großen Posten Reis bezogen haben, steht noch nicht fest. Die 200 Zentner Reis wurden vorläufig bei der Martenfelder Gemeindeverwaltung unter- gebracht, bis die zuständige Stelle über ihre Verwendung entscheidet. Heber die Feuerleiter gingen Einbrecher, die in der vergangenen Nacht ein großes Geschäftshaus heimsuchten. Von der Leiter aus drückten sie im ersten Stock die Fensterscheiben ein und verschafften sich so Zugang zu den Räumen. Sie stahlen für 20 000 M. Seiden- stofie und ferrige Sachen.— Für 6000 M. Damenwäsche und der- gleichen erbeuteten.Luftklappeneinbrecher' in einer Wäschefabrik in der Potsdamer Straße. Sie stiegen durch die Lustklappe über der Tür ein. Verschleppt? Aus der Rückreise nach Berlin ist die 16jährige Anna Gram oll aus der Hobrecht st r. 20 m Neukölln verschwunden. Das junge Mädchen, das hier in Stellung sich be- fand, war nach Kolberg zu dort wohnenden Verwandten gefahren und hatte am Vormittag des 14. Juli die Rückreise angeffeten. In seiner Wohnung ist das Mädchen jedoch nicht eingetroffen und alle Näichsorjchungcn nach seinem Verbleib sind � bisher vergeblich geblieben. Es wird befürchtet, daß die Gramoll, die sich auch Mick nennt, in schlechte Hände geraten ist und verborgen gehalten wird. Die Vermißte ist etwa 1,65 Meter groß, von kräftiger gut ent- wickeltet Gestalt, hat dunkelblondes Haar, blaue Augen, volles, frisches Gesicht. Ei» größerer Fabrikbrand beschäftigte gestern vormittag die Feuerwehr längere Zeit auf dem ausgedehnten mit zahlreichen Be- trieben besetzten Grundstück Köpenicker Straße SS, das bis zur Spree reicht. Dort war in einer Metallwarenfabrik Feuer aus- gekommen, das schnell um sich gegriffen hatte. Es gelang nach mehrstündiger Tätigkeit, die Flammen auf einen Betrieb zu be- schränken. Mittags konnte die Wehr wieder abrücken. Der Betrieb soll fortgesetzt werden. Der Spandauer Mädchenmord. Der Mord an der Prostituierten Anna Swreiber aus Lichtenberg, die, wie wir meldeten in der Nacht zum 30. April am Lindenufer in Spandau erstochen aufgefunden wurde, ist noch immer nicht aufgeklärt. Nachdem die Vermutung, daß ein in Berlin verhafteter Arbeiter der Täter sei, sich nicht be- stätigt hatte, sind die weiteren Nachforschungen nach dem Mörder bisher ohne jeden Erfolg geblieben. Um die Ermittelungen zu fördern, hat jetzt der Regierungspräsident zu Potsdam eine Be- lohnung in Höhe von 1000 M. ausgesetzt. Der Täter ist wahr- scheinlich in den Kreisen der Zuhälter zu suchen; er hat seinem Opfer vermutlich 40 M. geraubt. Neukölln. Lebensmittel. Vom Freitag den 3. bis Donnerstag. den 9. August, dürfen in denjenigen Geschäften, in welchen Neu- anmeldungen zum Bezüge von Kolonialwaren(Grieß, Graupen usw.) erfolgt ist, aus Abschnitt 41 der Lebensmittelkarte 375 Gramm Graupen, aus Abschnitt 42 125 Gramm Weizengrieß entnommen werden. Der Verkaufspreis beträgt für das Pfund Graupen 30 Pf. und für Weizengrieß 28 Pf. Bei Bruchteilen darf der Betrag auf volle Pfennige abgerundet werden. — Vorn Donnerstag, den 2. bis Mittwoch, den 8. August, dürfen in denselben Geschäften aus Abschnitt 40 375 Gramm Suppen zum Preise von 69 Pfennig entnommen werden. WilmcrSdoef. Lebensmittel. Auf die„BezugSkarte für Einzel- Personen'(3. Ausgabe, rosa) gelangt bis einschl. Sonntag, den 5. August aus Abschnitt<2 175 Gramm Weizengrieß zum Preise von 10 Pf. zum Verkauf. Die Entnahme der Waren hat in den- jenigen Geschäften zu erfolgen, wo der Inhaber der rosa.Bezugs- karte für Einzelpersonen' in die«Kundenliste zum Bezüge von Grieß, Graupen, Grütze, Teigwaren usw.' eingetragen ist. Dem« nächst gelangen Hafergrütze und Hafermehl zur Abgabe. KrciS Nicderbarnim. Mangelnde Kartoffelversorgung. Aus Ober schöne weide wird uns geschrieben: Nach den Ausständen des 16. April wurden der Bevölkerung fünf Pfund Kattoffeln pro Kopf und Woche versprochen. Wo die Belieferung nicht möglich sei» sollte, konnte Mehl oder Gebäck verabfolgt werden. Dieses wurde zur Regel. Nunmebr sind aber schon 5 bis 7 Wochen verflossen, seit es die letzten Kartoffeln in unserem Ort gab. Man tröstete sich damit, daß es sa bald Frischgemüse und auch neue Kartoffeln geben würde. Leider war dies ein unerfüllt gebliebener Trost. Ersteres gab es zum Beginn nur in den geringsten Mengen und zu Preise», die es nur wenigen Glücklichen gestartete, sie bö- zahlen zu können, und Kartoffeln gibt es bis beute noch nicht in der Gemeinde, trotzdem die umliegenden Nachbargemeinden tchpn seit 8 bis 14 Tagen in der glücklichen Lage sind, die begehrleir neuen Kartoffeln, wenn auch nur in bescheidener Menge an die Ein- wohner abgeben zu können. Versagten die Äreisrnstanzen schon ber der Versorgung mit Gemüse und überließen es ausschließlich den Gemeinden, mit mehr oder weniger Glück dafür zu sorgen. so tsl die Belieferung mit Kartoffeln, wo die Gemeinden nicht selbständig vorgehen können. sondern ausschließlich aus die Liejerung der Kreisvelteilungsstelle angewiese» smd, ge- rabeju miserabel zu nennen. Dies ist flerabe kein anzienehmer Zustand und das Uiibchaaeu. welches sich über diele Nücksichlslosigkeil in nicht nntzzuverstchendeu Bemerkungen Lust machl, wähl zu ver- stehen. Nicht anzunehmen ist. dad unser Ort vielleicht gar nicht aus der illreiskarle verzeichnet ist. Rechl bedenklich'erscheint es, daß in den verschiedenen Abteilungen des LandralsamteS. welche sich mit Lebensmittelverteilung beschästiqen, leine Ber- traueusleute der Arbeiterschaft zur Mitarbest herangezogen werden. Zurzeit rufen wir der Kartoffelverteilungsstelle deS KreiscS Niederbarnim zu:.Nehmt den Hausfrauen eine Sorge ab und liefert so schnell wie möglich Kartoffeln in hinreichender Menge." Den Gemeindevorständcn wäre anzuraten, ihre Anträge auf Deliefernng mit Kartoffeln»nd anderen Lebensmitteln etwas dringender an das Landratsamt zu richten. Steglitz. Di« Brotkommissioncu sind von jetzt ab von 8— l2 und von 4— VjC Ubr geöffnet. Lebensmittel in dieser Woche: 3 Pfund Kartoffeln, l'/, Pfund Gemüse. V, Pfund Obst, 3 Eier, 50 Gramm Speiseöl. 250 Gramm Maggiiuppeu, 200 Gramm Kriegs- muS, 150 Gramm Weizengrieß. Fricdrichshagcu. Lebensmittel. Heute nachmittag von v Uhr ab gelangt in der Durchfahrt des NalhanfeS Brühwurst zum Verkauf. Fleischkarten sind mitzubringen.— In der KriegSküche findet der Verkauf von Mohrrüben stall. Auch Gurken sind neu eingetroffen und stehen mit 30 Pf. pro Pfund zum Verkauf. — Neiimcldung zum Kartosfclbcziig. Heute und morgen werden die Knndenlisten neu aufgelegt. Bei der Anmeldung sind die Lebens- mitielkarten vorzulegen. Abschnitt 37 berechtigt zum Bezüge bei dem Händler, wo der Betreffende angemeldet ist. Gerichtszeitung. AuS Furcht vor dem Galgen oder Sibirien hat der Arbeiter R z n e ck i. der in Russisch-Polen geboren ist, die Straftat be- gangen, die ihn vor die Ferienstrafkammer des Landgerichts I führte. Ter Angeklagte hat in Rußland als Soldat gedient, wurde aber wegen seiner Nationalität fürchterlich mißhandelt und verprügelt, so daß er es nicht mehr aushalten konnte. Er desertierte und ging stach Deutschland, wo er unter dem Namen Wiczoret seit dem Jahre 1913 lebte. Dann hatte er sich in Kattowitz und später in Berlin wegen geringer Eigentumsvergehen zu verantworten und wurde beide Male unter dem Namen Wiczorek verurteilt. Wie er vor Gericht erklärte, hatte er Angst, daß, wenn er seinen richtigen Namen nennen würde, bei dem damaligen noch freundschaftlichen Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland man ihn als lästigen Ausländer an Ruß- land ausliefern würde, wo er dann wegen Desertiercns schwer be- straff, nämlich nach Sibirien geschickt, wenn nicht aufgehängt werden würde. In dieser Angst hat er die sogenannte intellektuelle Ur- kundenfälschung, wegen best er später zur Verantwortung gezogen wurde, begangen. Seine Strafverfolgung hat er selbst verschuldet. Als der Krieg ausgebrochen war, meldete sich der Angeklagte, der nun die Furcht vor einer Auslieferung an Rußland verloren hatte, eines Tages auf der Polizei und gab feinen richtigen Namen und den Grund seiner bisherigen Namensänderung an. Die Folge war die Einleitung des Verfahrens gegen ihn. Das Schöffengericht hatte ihn zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Auf die von ihm ein- gelegte Berufung ermäßigte die Strafkammer die Strafe auf 100 M. Geldstrafe event. 20 Tage Gefängnis, indem sie mit dem Ange- klagten der Meinung war, daß unter den obwaltenden Umständen ihm Milderungsgründe zuzubilligen seien. „Irrtümer vor Gericht." Wie verschieden selbst bei Gerichten in Kriegswirtschaftssachen die Auslegung von Strafvorschriften ist, zeigte eine vor der Ferienstrafkammcr des Landgerichts II ver- handelte Anklag« gegen eine Frau Franke und deren geschiede- n«n Ehemann. Durch die Verordnung zur Regelung der Preise für S ch l a ch t s ch w e i u e vom 14. Februar 1916 und das Höchst- Preisgesetz ist der Verkausspreis für lebende Schweine auf etwa 1 M. nebst Zuschlag pro Pfund festgesetzt. Frau Franke hält sich in ihrem kleinen Anwesen in Schöneberg einige Schweine, von denen sie eins im Gewicht von 287 Pfund an einen Bekannten für mehr als 2 M. pro Pfund abließ. Da dieser es noch etwa 6 Wochen weiter füttern wollte, nahm die F. und ihr geschiedener Ehemann, der ihr jetzt in der Wirtschaft hilft, an, daß sie das Schwein als „Futterschwein" veräußern dürfen, während zum Schlachten dies verboten ist. Ferner glaubte die Angeklagte, daß die Verordnung überhaupt nicht Anwendung finde, da ihr Bekannter weder Händler noch Schlächter war und sie mehr aus Gefälligkeit ihm dieses Schwein abgelassen habe. Das Schöffengericht Berlin-Schöneberg hielt dies aber für irrtümlich und verurteilte beide Angeklagt« zu je 30 M. Geldstrafe— die Frau, weil sie das zum Schlachten reife Schwein überhaupt nicht, jedenfalls aber nicht über de» Höchstpreis hätte verkaufen dürfen, den Angeklagten, weil er durch Ausstellung der Quittung über die Anzahlung lSchwanzgeldj und demnächst Annahme des Kaufpreises mitschuldig sei.— In der hiergegen ein- gelegten Berufung führte Rechtsanwalt Dr. Werthauer aus, daß die Anficht der Angeklagten in den beteiligten Kreisen, sogar im Briefkasten einer Zeitung bei einer Auskunftserteilung geteilt worden sei; selbst die damalige Ausführungsanweisung des Mi- n i st e r s spreche nur vom Verkauf an Händler und Schlächter, und erst später sei diese Anweisung vom Kammergericht in einem Urteil mißbilligt worden. Bei dieser Sachlage könne doch höchstens von einem Falle gutgläubigen Irrtums über eine Be- stimmung der jetzt so zahlreichen Verordnungen die Rede sein. Demgegenüber beantragte der Staatsanwalt die Erhöhung der Strafe um das Fünffache, weil die Angeklagten sich nicht im Irrtum befunden, sondern sich um die Verordnung nicht gekümmert hätten, anderseits aber das Schöffengericht wieder bei Anwendung der Verordnung einen Irrtum begangen habe, da die zulässige Mindeststrasc höher als die erkannte Strafe sei.— Das Gericht unter Vorsitz des Landgerichtsdircktors P u s ch ver- warf die Berufung des Staatsanwalts und sprach beide Angeklagte frei. Das«chioein sei zwar als Scksiachtschwein zu betrachten, die Veräußerung aber sei in gutem Glauben erfolgt, indem sich die Angeklagten im entschuldbaren Irrtum befunden und ihnen deshalb die Wohltat der Verordnung vom 18. Januar 1917 zugute komme._____ Bus aller Welt. Sinclair als Kriegshetzer. Der auch in Deutschland bekannte amerikamichs Nomanickmmteller und Sozialist Upton Sinclair schreibt im„Popolo d'Jtalia" aus Paris:.Da die deulfckie Re- gierung ein wildes Tier ist, ist es klar, daß die übrige Welt ver« suchen muß. es zu bändigen und an die Kelle zu legen, um den deutschen Sozialisten und der ganzen Welt die Freiheit zu geben. Das ist das Ziel des heutigen Krieges. Da die amerikanische so- zialistiiche Partei siw gegen ihn ansgespro.üen hat, befinde ich mich in einem so liefen Gegensatz zu ihr, daß ich es vorziehe, mich von ihr mit jener Freude zu trennen, die das gute Gewissen verleiht, das Vaterland nicht zu verraten." Das appetitliche Wickelkind. Aus Mecklenburg wird diese er- götzliche Geschichte berichtet:„Im Zuge von Büchen nach Mölln saß eine Frau mit einem gehamsterten I2pfündigen Schinken. Plötzlich hörte man in e:ncm Nebenabteil von der Tätigkeit eines Kontrolleurs des Reisegepäcks. Der Schinkenbesitzcrin kam ein Rcttungsgedanke. Von einer mitfahrenden Frau mit einem Kinde erbat sie sich Mantel, Mü�e und Saugflasche. Als der Kontrolleur das Abteil betrat, fand er eine sorgende Mutter vor, die sich abmühte, ihr Kind zu beruhigen. Unter dieser Verkleidung hat die Frau ihre wertvolle Habe gerettet." Sriefkasten üer Neüoktion. — P. W. 8t!. Der Einspruch gegen die Staatseinkommensteuer genügt.— Königerode 180. 7. 17. Ja.— H. B. 4. Die Kinder können zur Teilnahme am Neligionsuntcrrtcht in der Schule gezwungen werden.— O. 17. Sie müssen jetzt die Steuern zahlen. Hat Ihre Reklamation Er- folg, so werden Ihnen die zuviel erhobenen Steuern zurückerstattet.— H G. 82. Erst nach Jahresfrist soll Urlaub gewährt werden. Eine Ein- gäbe ist zwecklos.— Bahrte 151. 1. Das Generalkommando entscheidet darüber. 2. Sie können dagegen mit Eriolg nichts unternehmen.— Drude III. Nein.— H. 21. Chlonilches Nierenleiden, dienstuntauglich; Herzleiden, landsturmpflichtig.—(£. H. 187 1. Ja. 2. Diensttauglich. Farbenblindheit. Ter Selresiende kann zur Operation gezwungen werden, wenn diese nach Ansicht des Arztes nicht mit LebenSgesahr verbunden ist. «.»rteerauSiichten kür va* mittlere Siorddrntsckiland diS Donnerstag»itttag. Zunächst noch warm und schwül, vorherrschend wolkig, mit verbreiteten, im Norden meist geringen, im Süden starten Negensällen, strichweise Gewitter, später etwas vorschrcitende Abkühlung. Verdanck der Schneider, Schneiderinnen u. klSlche- arbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachrichl. daß der Militärschncidcr, Kollege Franz Berg am 28. Juli im Alter von 60 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Miilwoch, l. August, nachm. 8 Ubr, von der Leichenhalle des Kirchboss der Pbiiippnsl Apostclzcmeinde aus statt. 165/ t 6 Die Ortsrerwallung. r Deutscher Buchbinder-Verbaml. Knhlstcllo nerlln. Den Heldentod sürS Vaterland starb am 14 7. durch Granatsplitlcrverlctzungcn mein heißgeliebter Mann und treusorgendec Vater seines einzigen Söhnchens, deb Obergejrcite Paul Staack in einem Fuß- Artilleric- Bat. im Alter von einupd- vierzig Jahren. f124A Dies zeigt an in tiescm Schmerz tau Berta Staack und Sfihnchen Kurt Chailoltcnburg, Suarczftraßc 56. Ruh« sonst in Feindesland. Beerdlsungsverein der Zimmerleute Groß-Berlins Am Sonnabend, 28. Juli, abends B/, Uhr, verschied nach schwerem Leiden in- soige Leberkrebs, im tzliter von 70 Jahren, der Zimmerer und Kamerad 60b Wilhelm Rilhrmund Graetzstraße 59. Der Verstorbene war ein alles, treues Mitglied und Milbegründcr des Vereins. Wir werden sein Andenlcn stets in Ehren halten. Die Beerdigung stndet am Donnersiag, den 2. August. nachmillagS 4 Ubr, von der Leichenhalle des neuen Trep- iower Friedhoses in Baum- schulenwcg, Kiesholzslraßc, aus statt. vSl- Voi-Htand. Wer zerrissenes Schuhwk, Geschirre Leder, Zeltstoffe, Kabrradmüntel. Filz usw. ausbessern will, vei wendet unverzüglich die* aNhT. Steppering 5: Solide, bosta Kon- strukt. Näht Stappstich wie Maschine. Leicht z. handhaben Garantie f. Brauchbarkeit. Viele Anerkennungen Preis 3,50 51. mjt Nadelsortierar. und Leinenzwim, verpackt u. portofrei. In Lederhandlungen käudioh oder direkt durch Joh. Zucker, Als weitere Opfer des Weltkrieges nachstehende Kollegen: verloren wir Lederarbeiter, geb. 5. 1. 72 zu Berlin. Karl Bödner, Bernhard Frankel, Mav �rhäfp«- Lederarbeiter, /nax dUldier, Be6 7 7 72 zu Berlin. Heinrich Walter,®"�2t".b4C'73 Görlitz. Ernst Fabrizius, Königsberg. Richard Schilling, �a. Richard Conrad, � Hermann Heyer, ,u Pewe. Mred Nicolai, fÄt«»«»««». Walter Stachurski,®Änb9er6o äU 8etIin. Karl Salzmann, B?Ä%u,�riot.e„6ur0 Wir werben allen ein ehrendes Andenken bewahren! 26/14 Die OrtaverwBltnng. Bekanntmachung. Wir bitten unsere verehrten Kunden, davon Kenntnis zu nehme». daß wir in Anbetracht des herrschenden Personal- mangels und des geringen Gasverbrauchs im Monat Juli in den Lrtschasten i Schlachtensee Berlin-Schmargendorf Schönefeld Schönow Selchow Stahnsdorf Berlin-Steglitz Bcrlin-Südende Teltow Berlin-Tempelhof Waßmannsdorf Zrhlcndorf Buckow Bcrlin-Dahkem Bcrliu-Fricdcnau Groß-Zicthen Bcrlin-Griincwald Klein-Machnow Bcrlin-Lankwitz Lichtenrade Bcrliu-Lichterfclde Bcrlin-Mariendorf Bcrlin-Maricnfclde Berlin-NikolaSfee Rudow die Rechnungen über den Gasverbrauch in den Monaten Juni— Juli und Jüli— August zu einer Rechnung zuiammen- fassen und im Lause deS Monats September einziehen lassen werden. 5242 Berlin, den 31. Juli 1917. Imperial Conliuenlal Gas ÄssocialiOD Stadtrat Max Catsirer __ Liquidator.__ ■■■■HflHBBn Krömcrs■■■■■HBBBHEa Erfrischnngs-Oeträuke Himbeer-Exlrakl Zitronen-, Waldmeister-Extrakt lilter 2, Ott 51. Mit Wasser verdünnt ergeben die Extrakte eine herrliche iutzc Limonade. Kein Zucker ist erforderlich Ein Glas Limonade stell! sich aus lanm 2 Ps. Da« lägliche Getränk in jedem Haushalt.— Es wird höfl. gebeten, möglichst Flafchen oder Gefäße zum Abstillen mitzubringen.— Nach außerhalb: Varsavd in Korbflaschen von 6, 10 u. 25 Ltr. H. Krömer,*%"* 2. Verkaufsstelle: Andreassir. 78. Die Bekanntmachung deS Obertommandos in den Marken betreffend BestandSerbebung von Papierrobstoffen(Holzschliff, Sulsitzellstoff. Strohzellslvff und Allpapier) trilt am 1. August 1917 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anfchlagläulen und in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeltung'. Berlin, den 1. August 1917. 470 1. Mil. 17. Der Polizeipräsident. Bekanntmachung. Gemäß§ 5 der Verordnung über Lebensmittelkarten vom 18. Oltober 1916 wird für den Semeindcbezirt der Stadt Berlin bestimmt: I. Auf Abfchnilt 96 der Lebensmittelkarte entfallen 200 Gramm Graupen. II. Die Mschnitte Nr. 96 sind In den durch ein Aushänge- schild »Berkauf von Graupen auf Lebensmittelkarten der Stadt Berlin-- gekennzeichneten Geichästen gegen Emvfangsbescheini. gungen abzugeben, und zwar in der Zeit vom Mit»- woch, den 1. bis zum Freitag, den 3. Zluguft 1017. Nachträgliche Zluuahme findet nicht statt. III. Die Kleinhandclsgcichäftc haben die von ihnen an- genommenen Karlenabschnitie in der bisher vorge- fchriebcncn Weise an ihren Großhändler abzulfesern. und zwar am Sonnabend, den 4. Sluguft 1017. Tie Ware wird dann in der üblichen Frist bei den Kleinbandelsgefchästen gegen Rückgabe der Empfang«- bescheinigungcn zur Verfügung stehen. Es ist unzulässig, die Karlenabschniite in Geschäften ab- zugeben, in denen nicht das vom Magistrat ausgegebene Aushängeschild(stehe zu II) angebracht ist. Geschästen, die nicht im Besitze deS AnShüngeschiideS find, ist die Annahme der Kartellabschnitte untersagt. verlin. den 31. Juli 1917. Magistrat der Königl. Hanpi- und Restdratstadt. Tageb. Nr. 96 Br. 5. Abteilung für Brotversorgung._ IV. V. Zähne mit u. ohne Platte, mit eoliloin Friedenskautschuk. Goldkronen, Brücken. Plomben. Umarbeitung schlechtsitzendcr Gebisse."MHZ leparaturen sofort. Xatinzlchen in örtlicher Betäubung. Billige Preise, auch Teilzahlung. Toleph. Amt Nord. 10438. l>. ü. löser r.,rÄ teeiialerstr. tS T.Sitf Um eich vorVerwechslunp zu schützen,� OXnoH zu bitte Kcnisn auf meine i'irma 4/« ys««süJSÖl achten! Spezial-Arzt Dr. med. Hasche. Friedrichstr. 90 ÄXh. Bedankt. von SpPhlliS, Haut-. Harn-, Frauenleiden, ive». chron. Fälle. Ehrlich-Hata-Ku- rcn. schmerzlose, lürzefte Be- bandlung ohne Berussstörung. Biulunieriüchnng. Mäß. Preii«. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5— 8, Sonnt. 11—1. Gutes Obst- n.Kartosielland Parzelle»00 Mark. Waldparzelle 350 M. an Bahnstation. Ehausiee, Flieg. Off. 0. 919 Gerelmanne Ann- Bur., Arexanderplae. 234/6* Gelegenheitskauf! Ferdinand Lassalles gesammelte Reden und Schriften. New Zjorker Aus- gäbe. 3 Bände. 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Schladitz, Berlin, Caprivistr. 24. Bon Gesichtslupus in I Monat vollständig geheilt. Vorher 6 Wochen mit Radium in einer Berliner Kltnik ohne Erfolg behandelt.— Frau E. Popp, Lichtenberg, Gärtnerstr. 10. Von chron. Frauenleiden, Herzschwäche und verstopsung geheilt.— Sohn des Gärtner» H. König, Pankow. In 6 Wochen von vcralteier Bcinlähmung geheilt. Vorher anderweitig jeder Erfolg abgelprochen.— Bon Nervenschwäche in vier Wochen geheilt. Erklärt sich selbst für ganz gesund.— Herr Milchhändler Eckert, Berlin, Greifen- agencr Str. 26. Von gichtisch-rheumat. Schmerzen in Bein u. Fußgelenk geheilt. Sehr zufrieden.— Herr A. Brose, Bcrlin-Mariendorf, Strelitzer Str. 11. Von chronischer Rückenmarkentzllndung und Lähmung gebeilt. Vorher für unheilbar erklärt.— Herr R. Zöllner. Reinickendors-Ost. Provinzstraße 117. Von Lungenbluten und Katarrh geheilt.— Frau I. Herold, Berlin, Ramler- str. 23. Von Vronchialkatarrh geheilt.— Zwei Kinder des Kohlenhändlers Herrn Linke, Berlin, Strelitzer Straße 6. Vor 9 Jahren von Lunaenleiden geheilt, heute noch gesund.— Herr G. Köppe, Bln.-Rummclsbura, Alt- Byxbagcn 8. Bon doppelseitigem Lungenspitzenkatarrh geheilt.— Herr C. Reumann, Lichtenberg, Blumenthal- str. 13. Von Neuraitheizl« und nervöser Magenschwäche geheilt.— Frau E. Grosse, Berlin, Zwinglistr. 26. Von Lcbcrleideu geheilt.— Frau Restaurateur Hering, Berlin, Schönhauser Allee 87. Bon Basedowscher Krankheit ge- heilt.— Herr Erich Bock, Berlin, Stendaler Str. 17, IV. Von Nieren- u. Vlasenleiden, Wassersucht, allgemeiner großer Schwäche geheilt. Vorher im Krankenhause erfolg- los behandelt. Jetzt Fliegersoldat. Getrennte Behandlungsräume für Damen und Herreu! Sprech- und Bcbandlungszeit 9—1, 4— 7V4 Uhr. Sonntags und Feiertags 9—1 Uhr. KerlinMIK. Sriickenstraße M Reine Wanze mehr für Mk. 1,50 Nur mit Nicodail I und II zu erzieten! Ges. gesch. Erfolg verblüffend. 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Vor einigen Jahren madöte ein Forscher die Entdeckung, dah, wenn man Tropfen von metalllichen Salzlösungen in eine Gelatine- lösung bringt, vielgestaltige und komplizierte Zeichnungen entstehen. die merlwihdigerweise die gröstte Aehnlichkeit mit den Zeichnungen der«chnletlerlnigsflügel, besonders der Augenfleckcn aufweisen. Ein anderer Forswer beobachtete, dah man durch feinste Zerstäubung von Metallen— Gold. Silber und Kupfer— winzige Körnchen erhält, die im reflektierenden Lichte rote, violette und grüne Farben zeigen. Ihnen entsprechen die zahlreichen Körnchen, die in regelmäßiger An- ordnung auf den Schmetterlingsichuppen sitzen, so daß die Färbung der Flügel also vermutlich durch die optische Resonanz dieser Körnchen zustande kommt. Beide Versuche schienen eine vollständig neue ErllärungSweise über die Entstehung der Schmeiterlingsfarben in sich zu schließen, sind indcS noch nicht endgültig zum Abschluß gelangt. Tatsache ist jedoch, daß die Farben vieler Schmetterlinge ganz und gar willkürlich zu beeinflussen sind. Im Sommer 1312 wiesen z. B. viele der im Frühjahr aus den Puppen— die überwintert hatten— ausgeschlüpften Falter eine Neigung zur Schwarzfärbung aui. waS in erster Linie auf daS durch die große Hitze des Sommers lllll verdorrte Futter der Raupen zurückzuführen war. Auch hoch- alpine Schmetterlinge, deren Futterverhältnisie oft knapp sind, findet man häufig viel dunkler gefärbt als ihre Genossen der Ebene. Füttert man die Raupen des Schwammipinners lOoueria dispar), die in freier Natur Lbslbaum- oder Eichenblätter frefien, mit Esparsette, so werden die Farben der Schmetterlinge satt und dunkel, und die Behaarung wird grau statt gelb. Frefien die Raupen dagegen Nußbaumblätter, so werden die Flügelfarben bleich und unscheinbar, und solcher Be- weise gibt es noch eine ganze Menge. Ein zweiter wichtiger Faktor bei der Forbenbestimmung des Schmetterlings ist die Einwirkung der Temperatur. Setzt man die Puppen des NefielfalterS fVansssa Urticas) Frostiemperaturen auS, so erhält man Falter, deren Farbe viel düsterer ist und viel mehr Schwarz aufweist, als die normalen Falter. Auch der Falter in der freien Natur zeigt diese Temperaturempfindlichkeit insofern, als die Nessel- faller südlicher Länder in schönen, feurigen Farben prangen, während die gleiche Form im Norden düster und dunkelfarbig aussieht. Säion das Hamburger Klima vermochte— offenbar auch durch die Raucheinwirkung— wie Versuche der jüngsten Zeit ergeben haben. die miltelhellen Farben eines kleinen Nachtschmetterlings fast ganz zu verdunkeln und die normalerweise gut ausgeprägte Zeichnung zu verwischen, ja ein Tier sogar völlig zu schwärzen. Nicht minder wichtig als Futterwechsel und Temperatur- schwankungen ist endlich auch die Einwirkung des Lichts, vor allem aber die verschiedener Farben, auf die Färbung der Schmetter- linge, Raupen und Puppen. Starke Sonnenbestrahlung der Puppen vermag die Farben der ausschlüpfenden Falter kräftiger zum Ausdruck zu bringen; sehr oft wirkt zedoch weniger das Licht als die Farbe— wahrscheinlich aber auch die Lichthelligkeit der Farben— der nächsten Unigebung der Puppe» beeinflussend auf ihre Färbung. Schon im Puppcnzustande passen sich viele Schmetterlinge, z. B. Vanessa-Arten, der Farbe ihrer Umgebung an und werden ihr entsprechend grün, grau oder schwarz. Manche Puppen spinnen in dunkler Umgebung dunkle Kokons, in Heller Umgebung Heller gefärbte Gespinste. Man stellt« ferner fest, daß Puppen, wenn in der Umgebung die Farben Gelb, Grün und Weiß vorherrschen, helle Farben zeigen und umgekehrt solche, die in mehr brauner oder schwärzlicher Umgebung leben, dunkel werden. Auch die Puppen vonRaupen und zwar Kohlweißlingraupen, die man in mit farbigem Papier ausgekleidetenKästen zog, erhielten nur im grauen Kasten die normale Färbung; in den braun, rot, blau oder violett ausgeklebten Kästen wurden die Puppen dunkel, in den Kästen mit Hellem Papier dagegen hell. Die Einwirkung von blau, gelb, grün und orange ließ die Puppen grün werden mit etwas schwarz gemischt. Da alle Beobachtungen ergaben, daß bei diesen Farbenvariationen die Augen der Tiere bezw. der Raupen nicht in Betracht kommen, so handelt es sich in allen Fällen wahrscheinlich um eine besondere Empfindlichkeit der Hqut, durch deren Vermittlung der veränderte Einfluß auf die Farbzellen der Tiere hervor- gerufen wird. Ob und in welchem Grade die Farbenvariationen erblich sind, konnte bisher noch nicht endgültig festgestellt werden. Teresa �arrenos Erinnerungen an Liszt* und Rubinstein. Teresa Earreüo, die unlängst dahingegangene große Klavier- tiiustlerin, ist in ihrer Laufbahn mit vielen anderen bedeutenden? Musikern zusammengetroffen, und in ihren Erinnerungen, die das nächste Heft von„Heber Land und Meer"(Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart) veröffentlicht, erzählt sie besonders ausführlich und fesselnd von Liszt und Rubinstein: Liszt traf ich zum erstenmal in jungen Jahren in Paris. Madame Erard von der berühmten Klavierfirma vermittelte das. Die Zusammenkunft fand in den Räumen jenes Hauses statt. Außer Liszt waren dort noch der berühmte französische Pianist Plante, der deutsche Klaviervirtuose Jacrr und Saint Saens. Die letzteren drei waren fast von gleicher Gestalt. Ich mußte sie, als sie zuerst eintraten, unwillkürlich vergleichen, und zwar, wie ich betone, zu ihrem Nachteil mit der schlanken und imponierenden Figur Liszts. Dieser war die Liebenswürdigkeit selbst. Vermutlich bemerkte er, daß ich durch den für mich sehr feierlichen Moment etwas einge- schüchtert war, und sagte mit dem liebenswürdigsten Lächeln:„Zu- nächst will ich etwas für Sie ganz allein spielen", worauf er ein Andante von Beethoven intonierte. Als er damit fertig war, fuhr er fort:„Und nun, mein liebes, kleine? American Girl, nun lassen Sie hören, was Sie zu sagen haben." Ich setzte mich etwas bangend nieder und spielte das berühmte Salonstück meines amerikanischen Lehrers Gottfchvlk:„Die letzte Hoffnung". Während des Spiels stand er von seinem Stuhle auf, kam heran und stellte sich hinter mich, und nachdem ich fertig war, legte er seine Hand auf meinen Kopf— ich fühl« sie noch— und höre seine Stimme, als er sagte: „Es wird nicht mehr lange dauern. Kleine, bis Sie eine der Unsri- gen sind. Ahmen Sie niemals jemanden nach, bewahren Sie immer ihre Persönlichkeit, niemals lasten Sie sie außer acht! Bleiben Sie sich selbst treu, meiri« Kleine, was auch geschehen mag." Und indem er sich an meinen Vater war. die. sagte er:„Ich will selbst auf dies Kind achten, wenn Sie es mir nach Rom bringen wollen." Leider war es für uns damals unmöglich, nach Italien zu gehen, so daß ich niemals das Glück hatte, seine Schülerin zu werden. Trotzdem habe ich noch ein zweite? Mal vor ihm spielen dürfen, und zwar geschah das l8SS, in demselben Jahr, als ich mein erstes großes Konzert in London gab. Mein größter Lehrer war R u b i n st e i n, den ich zum ersten- mal in London traf. Ich hatte dort und ebenso in Paris Stunden bei ihm. Rubir.stein liebte cS, während der Stunden auf und ab zu gehen,«ine Zigarette nach der andern zu rauchen. Uiid wenn eine Stelle, die ich spielt«, ihm nicht gefiel, so hotte er eine wenig freund- lich« Art, mich zu unterbrechen und die Stelle selbst vorzuspielen. Die Fingerübungen, die er mir beibrachte, habe ich niemals der- gessen und möchte sie auch niemals vergessen. Ein paar Jahre später trafen wir uns ganz zufällig dadurch, daß wir in demselben Hotel abgestiegen waren. Ich wußte nicht, daß er sich in der Stadt be- fand, noch hatte er eine Ahnung davon� daß ich in Amerika war. Unser Zusammentreffen war sehr lustig. Bei der Table d'hote nämlich eines Abends war ich gerade sehr eifrig im Gespräch mit meinem Freund zu meiner Rechten und hatte deshalb einigen späteren Ankömmlingen, die meine Nachbarn zur Linken waren, wenig Beachtung geschenkt. Plötzlich sehe ich eine Männerhand, die neben mir auf dem Tisch ruht. Das muß Rubinstein sein, sagte ich gleich zu mir, schaue meinem Nachbar ins Gesicht und finde ihn also in der Tat neben mir sitzen. Wir fahren beide auf wie der Blitz, und er umarmt mich herzlich, wie ich glaube, zur größten Verwunderung sämtlicher Gäste der Table d'hote. Rubinstein be- klagte sich bei mir, daß sein Zimmer nicht komfortabel genug sei, und wollte wissen, ob ich ein Klavier in dem meinen hätte, auf dem er etwas üben dürfe, wenn ich ausgegangen fei. Natürlich gab ich ihm freudig die Erlaubnis dazu, und täglich während seines ganzen Aufenthalts in New Aork übt« Rubinstein nu-n bei mir von zwei bis vier Uhr, während welcher Zeit er mich auf dem Nachmittags» spazieroang im Garten vermutete. Statt dessen aber blieb ich heimlich im Nebenzimmer, das einen separaten Eingang zum Korridor hatte. Uno was ich durch diese Stunden lernte, war miv von unschätzbarem Wert. Kurz bevor er aufhörte, nahm ich meinen Hut, verließ das Zimmer dnrch die Korridortür und kehrte außer- ordentlich erfrischt von dem„langen Spaziergang im Garten" zu- rück. Rubinstein hat herzlich gelacht, als ich ihm später einmal von meiner List erzählte. Seuchenbekämpfung im Kriege. Unser sehr gut ausgebildetes Sanitätswesen hat verhindert, daß in diesem Kriege die Seuchen eine so furchtbare Rolle gespielt haben wie in manchen Kriegen der früheren Zeit, in denen durch sie mehr Menschen zum Tode befördert wurden als durch die Gc- walt der Waffen. Vor allem bat die Schutzimpfung wahre Triumphe gefeiert, so daß über ihren Wert künflig leine Diskussion mehr ent- stehen kann. Die„Nalurwisienschaften" geben dafür recht intcr- essante Zahlen. Als zu Beginn des Krieges von den Russen die Cholera in die Kriegsgebiete eingeschleppt wurde, kamen dort 22 000 Choleraer krankungen vor, die tu der Hülste aller Fälle löd- lich verliefen. ES wurden sofort Gegenmaßregeln ergriffen und die Impfung im deutschen und österreichischen Heere durch- geführt. Von den im deutschen Heere einmal Geimpften erkrantlen infolgedessen nur 4,3 Proz. und vo» den Erkrankteii starben 12,2 Proz. Der größere Teil der Soldaten war zweimal geimpst worden. Hier betrug die Erkrankungsziffer nur 0,7 Proz. und die Sterbeziffer 10.2 Proz. Dagegen erkrankten von den ivenigcn Nichl- geimpsten 9,3 Proz. mit einer Mortalität von 27,5 Proz. Die gesamte Sterblichleit des deulschen Heeres an Cholera betrug bis zum Beginn dieses Jahre? O.OOä Proz., d. h. eS starb unter je 1500 Soldaten einer an Cholera. An Typhus ertränkten im ersten Kriegsjahre 0,50 Proz. der Mannschaficn. Nachdem die Impfung durchgeführt worden war, erkrankten im zweiten Jahre nur noch 0,14 Proz. Die Sterblickkeil unter den Nichtgeimpften betrug 9,0 Proz., unter den Geimpften 2,0 Proz. In den Gefangenenlagern war die Sterblichteil der geimpften Typhuskranken 4,7 Proz., die der Nichlgeimpslen 15,1 Prozent. Eine genaue Statistik über die Ruhrerkrankungen ist nicht mög- lich wegen der nicht einheitlichen Abgrenzung des Begriffes der Krankheit. Doch wird behauptet, daß dje Ruhr in diesem Kriege wesentlich milder aufgetreten sei, als in früheren. Eine neue JnfetlionSkrantheit haben wir in dem durch Läuse- stich übertragbaren F l e ck f i e b e r kennen gelernt. Seine Be- kämpsung geschiebt vor allen Dingen durch die Sanierungsanstallen. deren jetzt 18 Stück an der Ost- und Südgrenzc bestehen, die täglich 100000 Mann mit ihren Sachen entlausen. Die Sterblichkeil an dieser Krankheit beträgt 0—10 Prozent. Notizen. — Bilder für Blinde. Da Blinde durch den Tastsinn die Kunst, die sich des Wortes als Ausdrucksmiliel bedienk. ausnehmen können, müssen sie auch Kunstwerke genießen können, die sich an die Sinne zunächst wenden— dieser Gedanke hat sich, wie die Blindenzeitschrift.Sympathia' nach„DagenS Nyheter" mitteilt, per- wirklicht, und so ist man daran gegangen, den Blinden die Malerei zugänglich zu machen. Dies wurde dadurch zu erreichen versucht, daß man berühmte Gemälde in Form von Reliefs nachbildete; das Relief nach MilletS„Angeliis" bildete die schwedische Zeitung als abschreckende? Beispiel ab. Unter den Blinden, denen diese„Bilder- Nachbildungen" versuchsweise vorgelegt worden, sind die Meinungen über deren Wirkung geteilt; einige behaupten wirklich, zu einer ge- wissen Anschauung des dargestellten BildeS zu gelangen, oder sprechen gar von reichen Eindrücken, die sie daraus gewinnen; die meisten aber verwerfen den ungereimten Gedanken und geben mit Rech» an. für einen Blinden sei eS unsinnig. Kunstwerke genießen zu wollen, die für das Auge geschaffen sind; sie hätten ja in reicher Menge Kunstwerke der Dichtung zur Versügung, die sie restlos' auf- fassen und genießen könnten. — Hoch st preise im alten Rom. Der römische Kaiser DiocletianuS, bekannt durch blutige Christenverfolgungen>303) und der Grundlegung des später durch Konstantin d. Gr. völlig aus- gebildeten Byzantinertums, befestigte seinen Ruhm u. a. auch durch eine vorher nie versuchte Krastäußerung von Absolutismus. Als lvährend seiner Regierung>284—305) insolge der andauerndcii Kriegszüge Teuerung entstand und der Lebensmittelwnchcr über- Hand nahm, erließ er«ine Verordnung, die die Preise für Lebens- mittel und andere Bedürfnisse des täglichen Lebens regelte. Er ließ besonder» für Getreide, Oel, Früchte, Butter, Käse, Fleisch usw. Höchstpreise festsetzen, deren Ucberschreitung mit der ganzen Strenge des Gesetzes geahndet wurde. Diese Maßnahmen riefen viel Er- bitterung hervor, namentlich bei den Händlern, die sich die großen Gewinne nicht entgehen lasten wollte». 16) /toöers hjarmfteö. Von Jakob K n u d se n. „?iein, aber Madam Bölling, Sie selbst sagten es doch--" „Was habe ich gesagt?" „Ja, aber es ist doch so sinnlos, daß ich gar nichts darauf erwidern kann." „Wären Sie ehrlich gewesen, Pastor Stessensen, o, wären Sie ehrlich gewesen, und hätten Sie es mir vor zwei Jahren deutlich und klar gesagt, daß Sie das wollten, daß die Jungfer Cecilie es wäre, die Sie haben wollten,— o, so wäre ich längst, längst hunderttausend Meilen von hier!— Glauben Sie, ich wollte hier im Hause sein, bloß weil mein Mann ein gläubiger Schuhmacher Ivar und Sie ihm auf dem Totenbett versprachen, sich meiner anzunehmen?--" „Sie dürfen dergleichen nicht sagen, Madam Bölling, eS ist ja gar nichts, eS ist ja--" „Ja, aber warum weinen Sie denn, WaS?-- Pastor Steffensen, warum weinen Sie?" fragte sie mit tränenerstickter Stimme. „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich weine doch auch nicht. Ich bin fröhlich.--" „Wie soll ich darüber wegkommen, daS Ganze mein Leben lang tragen zu müssen, daß ich das alles veranlaßt Hab.--" „O, das ist leicht,— es ist nichts,--* sagte er, während er sie behutsam zur Tür zu führen suchte. „Ja, ich. werde schon gehen!" „Ja. denn ich muß mich ja etwas umkleiden.' „Und dann gehen Sie hin und setzen sich an den Hoch- zeitstisch. Das werd ich auch ertragen. Glauben Sie nun auch, Pastor Steffensen. daß Sie in der rechten Hochzeits- tracht sind „Gewiß, wenn ich den schönen schwarzen Rock anziehe, so-- Aber könnten Sie nicht so gut sein, hereinzukommen, wenn ich gegangen bin, und das Geld zu zählen." „Glauben Sie, daß ich so erpicht auf das elende Geld bin?— Weil Sie selbst gehn und es Verläppern.—" „Nein, nein— nein, wenn ich Sie nicht hätte, um Orb- nung zu halten--" •• « Es tat gut. auf die hohen Heidekrauthügel südlich von Stavn hinauszukommen, wo ein frischer Wind aus Nordwesten wehte. Der Pfarrer setzte sich nieder, sobald er den Hügel- kartim passiert hatte, so daß er von Harreby aus nicht länger sichtbar war, und sah nach Norden.— Alles lag im Früh- jahrsnebel da, flüchtig und hinfließend in Weiß und Blau- weiß. Das einzige wirklich Feste und Dunkle in der Farbe waren diese Heidekrauthügcl, an deren Fuß der Hof lag.— Gleich vor diesen: begannen die großen Stavner und Harre- byer Wiesen, die ganz bis an den Fjord hinreichten; doch die Wiesen sowohl wie der Fjord lagen wie in Irühlingsträumen da; erst drüben auf dem Vorland, jenseits des Fjords, war wieder wache Wirklichkeit zu sehen: eine ganze Anzahl kleiner Häuser und Höfe, in deren Scheiben die Sonne leuchtete. Für das Auge bildete ein Ganzes mit dieser Sammlung von Ge- bäuden der Bjerrehof, obwohl er doch auf der Südseite lag. Aber der Fjord war so schmal da draußen.— Nicht zum erstenmal saß der Pastor an dieser Stelle und schaute ins Land, und es brauchte ja auch nicht das letztemal zu sein. Aber er hatte ganz das Gefühl, wie wenn es daS letzte Mal wäre.— So vieles hatte jetzt ein Ende.— Er hörte jemanden unten auf Stavn rufen. Frauenstimmen waren es.— Und sein Blick schweifte wieder über die Wiesen hin und verweilte ganz draußen auf dem Bjerrehof. Da sollte in ein paar Tagen die Zwangsauktion stattfinden. Ja. ja. dann kam der Hof also auö der Familie weg. ES war,' als vertrüge sein Blick es besser, dort zu ruhen. alS an anderen Stellen.— Er erhob sich und ging den Weg hinab, der nach Stavn führt. Das Hauptgebäude besteht auS zwei Flügeln, die im Winkel zusammengebaut sind. Schwere, weißgekalkte, ein- stöckige Häuser mit Ziegeldächern. Im Westflügel wohnt die Familie, das nördliche ist nur Wirtschaftsgebäude. Man ge- langt von Süden auf den Hof; und da nach der Seite kein Flügel ist und auch kein Hoftor, so breitet sich die Einfahrt in einer Unzahl von Radspuren über den Hofplatz aus. die alle gleich unpassierbar sind. Bei schlechtem Zustand des Erdbodens wurden hier selbst die blankesten Stiefel ver- darben. Aber wie schlecht der Wegzustand auch oft gewesen war, wenn Pastor Steffensen hergekommen war, hatte er doch immer dafür gesorgt, fein geputztes Schuhwerk zu haben, denn Jungfer Gjcrtrud(oder Gjatrid, wie sie immer genannt wurde, nach der Namensaussprache der Gegend) behauptete, dem Schmtz ansehen zu können, ob er von Stavn oder anderswoher stamme. — Heute war es nicht schwer, sauber davonzukommen. Alles war trocken! man lief nur Gefahr, in den tiefen, harten Rad- spuren ein Bein zu brechen. Der Wagenhof liegt östlich vom Hauptgebäude. Der Pfarrer sah hinüber; er war voller Wagen.— Und er dachte daran, wie sie hier auf Stavn Feste zu feiern verstanden, so daß man wirklich so lange die Zeit vergessen konnte— und nun sollte hier dieses Fest gefeiert werden I Ehe der Pfarrer auf ebenem Terrain im Hofe anlangte. schmetterte eine Horn-Fanfare drüben unter den Fenstern des Nordflügels los. Hier waren die Musikanten untergebracht, die heute abend zum Tanz aufspielen sollten.— Gleich darauf kam Proprietär Kristen Faurholt zur Haupttür heraus und empfing den Pfarrer mit freundlichem Schulterklopfen und mit freundlichen Worten, die freilich der Musik wegen nicht zu verstehen waren.— Welch mildes, warmes, menschen- freundliches Familiengesicht doch dieser Mann hatte, dachte der Pfarrer bei sich selber, mit seinen buschigen, dunkeln Augenbrauen, seinem königstreuen Backenbart,— ein Gesicht, das, so oft es auch Männer zum besten gehabt, niemals eine Frau betrogen hatte; ein Gesicht von dem Schlage, der einen denken ließ: was nicht eine Tochter aus den Zügen herausbringen müßte,— und er konnte seine Tochter verkaufen wollen I �.. Geführt von dem Proprietär ging der Pfarrer durch die Sfflben hinein, wo die Gäste summten. Fast alle diese Gäste waren näher oder weiter verwandt mit deu Leuten auf Stavn. Sie gehörten beinah alle zu der sogenannten„kolossalen Familie" dort in der Gegend; manche nannten sie auch„die alte Familie".— Der Pfarrer kannte diese Menschen so gut; doch er konnte nicht umhin, sie heute zu beobachten— gleichwie Leute, die man zu verlassen im Begriff steht, woran er doch gar nicht dachte. Wie natürlich doch die Lebhaftigkeit war, die hier entfaltet wurde; von jener spontanen Art ivar sie, wie sie nur bei Menschen zu finden ist, die für gewöhn- lich ordentlich Hand anlegen. Etwas so Regelrechtes, Ver- ständiges lag in ihrer Höflichkeit, wie es sich bei Menschen findet, die dank harter, praktischer Erfahrung wissen, wie unangenehme. lebenverbttterude Dinge UnHöflichkeit und Rücksichtslosigkeit sind. Aber da gab es keine willkürlichen, selbstgemachten Moderegeln für die Geselligkeit. Der Pfarrer hatte, sich hier immer so sicher gefühlt, denn man war frei von allen sinnlosen Finessen. Ob man mit dem Messer oder der Gabel aß, blieb eines jeden eigne Sache; dagegen sah man es hier nicht für vornehm an— so wie, dein: Propste— dazusitzen und die Nachbarn mit den Ellbogen zu belästigen, ivcnn man aß.— Gerade als der Pastor und der Proprietär die vorderste Stube paEierteu, kam ein weiblicher Aufzug daher mit Dmgcn für dei? Mittagstisch, den man im Begriff war im Saal zu decken. An der Art. wie die fremden Damen beiseite wichen und Platz machten, sah man. wie gut sie selber die Mühe und Spannung bei der Bereitung eines großen Festessens kannten.— und zugleich legten ihre munteren Augen Zeugnis davon ab, welchen Appetit sie zum Schmause mitbrachten; welches Vergnügen es ihnen machte, von Hause weg und von all den Schivierigkeiten befreit zu sein und hier das fremde Essen verzehren zu sollen.— Die nieisten hier drinnen sprachen reinen Dialekt; und auch die Sprache der Faurholts auf Stavn war beinahe die der Gegend. (Forts. folgtJ PentacheB Theater. Heute und folg'. Tage STJlir: Max Pallenberg in Per kleine Kapoleon. IvuninierHpiele. Heute zum I.Male 7�/, IThr; C>olIU8teiBg. ÄlröräöiBSS Verkäufe d)cl jgatnitu ten! StuntdfiolaS! Skunksmuffen! Fuchsgarni- turen! Kaningarnituren! Aller» billigste Preise! Neue Herren- Uhrenverkauf! garberobc! Schmiuksachcns ■;■ Uzep! Wandbilder! Leihhaus! War- schauer Straße 7. 16M* Grotjahn, Die hygienische syordcrnng. Ein Buch über gesundhritsmäßlge Lebensfüh- rung.(Blaue. Bücher.) Preis 1,80 Mk. Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 3, Laden. Teppich-ThomaS, Oranien- strags 44, spottbillig, farbsehler- haste Teppiche, Gardinen. sLSSK* Lieferwagen, Klappsport- wogen, Holträder, alle Repara- inren an Kinderwagen, Korb- wacher Weidlich, Brmmen- strafte 06. L80K* Handbuch der Dreherei. Uni- persal-„Wechsclräder- Berech- nnngs-Skala". 455 Abbildun- gen. �56 Tabellen, 1500 Bc- rechimngen und Formeln: 6,25 Mark. Buchhandlung Vorwärts, Lwdenstrafte 3.* ties«l>iikiieve?I«Äuke Tchleudergeschäft. 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Borwärtsspedilion Moabit, Wilhelmshavenerstroße 48, von 11— 1H und 49-— 7 Uhr.• Botensrane« verlangt sofort Ausgabestelle Greifenhagener- straße 22._• Frauen zum Zeitunasaus- iragen sucht„Vorwärts-Aus- aabcstclle M-Boxhagen 56, Laden.» Zeitungsausirägeriunen kön- neu sich melden.„Vorwärts"- Ausgabestelle.Lausitzerpiatzl 4/ 1 5. Zeitungsträgeriu sofort ver- langt Spedition Lichtenberg, Wartenbergstraße 1, Laden.» Zeitungsausträgerin verlangt „Vorwärts"-Spcdition Schöne- berg, Meiningcrsttafte 9.» Botenfrauen werden eingestellt„Vorwärts", Charlotten- bürg. Scscnhcinierstr. 1.» Zeitungsbotjn verlangt„Vor- Wärts"-Ausgabestclle Berlin- Niederfchöneweide, Brücken- strafte 10 n l.. Unruh.? Zeitungsfrau verlaugt„Vor- wärts"- Spedition Neukölln, Siegsriedstraftc 28/29.'» Botenfrau, Tour Tegel und Reinickendors-Wcst, stellt ein Kienast, Borsigwalde, Rausch- strafte 10,„Vorwärtz"-Spedt- tion.» AZP Tüchtiger Vorarbeiter für allgem Äaschinenban gesucht. Ltto HiUlg. 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