Ar. SOS. 34« Jahrg. flfionnementS'Bedlngongen: Kbonnemcnt?• Ctciä pränumerando' BietteljnptL S,90 Mr. monoJL 1,30 MI. wöchenilich 30 Sfg. frei in? Hau?. Einzelne Nummer ö Pfg. Konniag?- Nummer mu illuitrierier Sonmag?- Beilage.Die Neue Welt' 10 Big. Vosl« Abonnemenl: I.ZV Marl pro Mona? Gingerragen m die Posl- Zeitung?- Lreizliile. Unter Kreuzband sür Deulichland und Oelierreich- Ungarn 2LV Marl, für das übrige Ausland i Marl pro Monat. Poiläbonnemem? nebmen an Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Poriugal, Ntimänien. Schweden und die Schwei? eridKint tägflik. Vevlinev Volksblcrkk« ( 5 Pfennig") Der Bnzel genpreis betrügt f. die stebengespaltene Kolonelzeile 60 Pfg.„Meine Snreigen". und Schlasstellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte Über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag'JO0/� Politische u. gewerkschaftliche Vereins- anzeigen die siebengespalteneKolonel- zcile 40 Pfg. Familienanzcigen 50 Pf. 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Ueber die Notwendigkeiten einer fortschreitenden Demokratisierung und einer internationalen Rechtssicherung des kommenden Friedens ist man in London und Wien derselben Meinung. Das wird man in Berlin nicht übersehen können. � Auffällig ist überhaupt die zarte Schonung, die der englische Minister Oesterreich angedeihen lätzt. Von einer Zerstückelung dieses Staates ist nicht mehr die Rede. Man hat in der letzten Zeit wiederholt mit� einem gewissen über- treibenden Optimismus Oesterreich eine Brücke genannt, die von England zu Deutschland führe. Bleibt man im Bilde, so kann man sagen, datz Balfour durchaus keine Neigung ge- zeigt hat, diese Brücke in die Luft zu sprengen. Die Rede Balfours lätzt einen unüberbrückbaren Gegen- satz zwischen England und Deutschland nicht erkennen. Der unüberbrückbare Gegensatz, der sich dennoch in ihr offenbart, ist kein deutsch-cnglischer, sondern ein dentsch-französischer. Und hier ist auch der Punkt, an dem Balfours Rede sene diplomatische Vorsicht vermissen lätzt, die sie sonst auszeichnet. Den Kommentar dazu, sofern er noch erforderlich war, hat die Erklärung Ribots geliefert, die die Leser weiter unten abgedruckt finden. Die Ziele des französisch- russischen Geheimvertrages, die Michaelis jüngst enthüllt hat, verschwimmen hier in Nebel, desto schärfer tritt das eine ent- scheidende Kriegsziel Frankreichs in den Vordergrund: E l s a tz- L o t h r i n g e n. Der englische Minister des Aeutzern will sich in seiner Stellung zu den Kriegszielen nicht binden lassen hier aber i st er gebunden, und was er über Elsatz- Lothringen sagte, mutzte er sagen, wenn er nicht den Keim des Zwiespalts in die Koalition tragen wollte, an deren Spitze England steht. Hat er es leichten Herzens getan? Das Nachspiel der kurzen Debatte. die sich seiner Rede anschloh, lätzt daran zweifeln. Denn auf den Vorwurf Ponsonbys, er habe auf die elsatz-lothringische Frage grotzen und ungebühr- lichen Nachdruck gelegt, antwortete Balfour, nian dürfe nicht sagen, datz er auf einen besonderen Gegenstand un- gebührlichen Nachdruck gelegt habe. Ist nun die Erwerbung Elsatz-Lothringens durch Frankreich die Bedingung, ohne deren Erfüllung England überhaupt keinen Frieden schließen will, oder ist sie es nicht? Frankreich aber hält mit zähem Eigensinn an seiner Forderung fest und bietet so das Bild eines Landes, das dem Spielteufel des Annexionismus scheinbar rettungslos zum Opfer gefallen ist. So tief hat sich der Wahnsinn ein- gefressen, datz auch die Sozialisten ihm keinerlei Widerstand leisten. Und doch mutz sich Frankreich sagen, datz es jetzt drei Jahre lang vergeblich um Elsatz-Lothringen gekämpft hat, datz es dieses Land nicht nehmen kann, solange Deutschland nicht geschlagen ist, und Deutschland ist— das wissen die Franzosen ganz gut— nicht geschlagen. Kein Zeichen spricht dafür, datz der angekündigte Endsieg nahe ist, vielmehr sprechen zahlreiche Zeichen dafür, datz der Weg. der zu ihm führt, noch immer ebenso endlos Wie unsicher ist. Bleibt Elsatz-Lothringen deutsch, so wird es nach dem Kriege freier Bundesstaat in einem demokratischen Deutsch- land sein. Das ist eine Tatsache, die wir im Kampf um Elsatz-Lothringen garnicht weit genug in den Vordergrund stellen können. Das Schicksal, das dieses deutsche Land im Rahmen des Deutschen Reiches zu erwarten hat, ist nicht so grausam, datz sich zu seiner Befreiung die Welt verbluten müßte. Wir verteidigen Elsatz-Lothringen politisch um so besser, je mehr wir uns beeilen, seine freie Zukunft sicherzustellen. Auf der andern Seite ist es überaus fraglich, ob die zwei Millionen elsässischer„Boches" sehr angenehme Er- fahrungen macheu würden, wenn der erste Tag des Friedens sie als französische— aber zuni größten Teil gar nicht fran- zösisch verstehende— Republikaner wiederfände. Herr Ribot hat in seiner Erklärung auch die Angelegen- heit des sogenannten Potsdamer Kronrats vom 5. Juli 1914 berührt. Es ist vielleicht ganz gut, datz auch diese Sache einmal zur Sprache gebracht worden ist, wenn auch das amtliche Dementi, das wir gestern veröffentlichten, Der englische Mafsensturm zwischen Noord- schoote und Warneton gescheitert.— Bix- schoote nicht dauernd gehalten.— Kampse bei Filain, La Bovelle und an der Straße Malancourt- Esnes.— Fortschritte am Dnjestr, in der Bukowina, in den Wald- karpathen. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 1. August 1917. jW. T. B.s Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die große Schlacht in Flandern hat begonnen: eine der ge- waltigsten des heute rrfolgvcrheißend zu Ende gehenden dritten Kriegsjahres. Mit Massen» wie sie bisher an keiner Stelle dieses Krieges, auch nicht im Osten von Brussilow, eingesetzt wurden, griff der Engländer und in seinem Gciolge der Franzose gestern auf 25 Kilometer breiter Front zwischen Noordschoote und Warneton an. Ihr Ziel war ein hohes: es galt eine» vernichtenden Schlag zu führen gegen die„U-Boot-Pcst", die von der flandrischen Küste aus Englands Scehrrrfchaft untergräbt. Eng geballte Angriffswellen dicht aufgeschlossener Divisionen folgten einander, zahlreiche Panzerkraftwagen und Kavallerie- verbände griffen ein. Mit ungeheurer Wucht drang der Feind nach dem 14tägigen Artillcrickampf, der sich am frühesten Morgen des 31. Juli zum Trommelfeuer gesteigert hatte, in unsere Ab- wehrzone ein. Er überraunte in einigen Abschnitten unsere in Trichterstcllungcn liegenden Linien und gewann au einzelnen Stellen vorübergehend beträchtlich an Boden. In ungestümem Gegenangriff warfen sich unsere Reserve» dem Feinde entgegen und drängten ihn in tagsüber währenden, erbitterten Nahkämpfcn aus unserer Kampfzone wieder hinaus oder in das vorderste Trichterfeld zurück. Nördlich und nordöst- lich von Dpern liegt das vom Gegner behauptete Trichterfeld tiefer; hier konnte Bixschoote nicht dauernd gehalten werden. Abends ans breiter Front von neuem vorbrechende Angriffe brachten keine Wendung zu des FeindeS Gunsten; sie scheiterten vor unserer neu gegliederten Kampflinic. Unsere Truppen melden hohe blutige Verluste der kein Opfer scheuenden Gegner. Die glänzende Tapferkeit und Stoßkraft unserer Infanterie und Pioniere, das todesmutige Ausharren und die vortreffliche Wirkung der Artillerie, Maschinengewehre und Mincnwerfcr, die Kühnheit der Flieger und treueftc Pflichterfüllung der Nachrichten- truppcn und anderen Hilfswaffcn, in Sonderheit auch die ziel- bewußte, ruhige Führung boten für den uns günstigen Abschluß des Schlachttagcs sichere Gewähr. Voll Stolz auf die eigene Leistung und den großen Erfolg, an dem jeder Staat und Stamm des Deutschen Reiches Anteil hat, sehen Führer und Truppcn den zu erwartenden weiteren Kämpfen zuversichtlich entgegen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Am Chemin-des-Dames erschöpften die Franzosen erneut ihre Kräfte in viermaligem, vergeblichen Ansturm gegen unsere voll behaupteten Stellungen südlich von Filain. Weiter östlich brachte die kampfbcwährtc westfälische 13. In- fantcrie-Division dem Feinde wieder eine erhebliche Schlappe bei. In frischem Draufgehcn entrissen die Regimenter nach kurzer vcr- hccrcndcr Feucrvorbcreitung den Franzosen das Grabengewirr auf der Hochfläche südlich des Gehöfts La Novelle, lieber 1500 auf deutsche Gemüter einigermaßen erschütternd wirkt. Also, dieser berühnite Kronrat hat nicht stattgefunden, und die leitenden Stellen Deutschlands haben auch nicht gewußt, was in dem österreichischen Ultimatum stand. Sie überließen sich vertrauensvoll der ungarischen Führung.— Wir haben nicht den geringsten Anlaß, an der R i ch t i g k e i t der amtlichen Erklärung zu zweifeln, möchten sie sogar nach unserer Kenntnis der Dinge bestätigen, und behalten unZ vor, daraus weitere Schlüsse zu ziehen, die gerade nicht für die Vortreff- lichkeit Hes Regierungsfystems sprechen, unter dem das U n- wahrscheinlichste Ereignis werden konnte. Da die Welt dies Unwahrscheinlichste nicht glauben wollte, hat sie sich die Legende von dem 5trieg um die Weltherrschaft konstruiert, in den Teutschland in bewußter Absicht und mit offenen Augen hineingegangen sei, und in dieser Legende hat der Potsdamer Kronrat, in dem alles beschlossen worden sein soll, eine große Rolle gespielt. Aber dies alles ist Erfindung. Von einem Krieg um die Weltherrschaft kann keine Rede sein, von bewußter Absicht auch nicht, und von offenen Augen erst recht nicht. Gefanznie, von denen eine große Zahl durch Sturmtrupps aus der Schlucht nordöstlich von Troyon geholt wurden, fielen in unsere Hand. Erst abends setzten feindliche Gegenangriffe ein, dir in den erreichten Linien abgewiesen wurden. Auf dem westlichen Maas-Ufer stürmten tapfere badffchc Bataillone die kürzlich an den Feind verlorene Stellung beider- feits der Straße Malancourt— Esnes wieder. I» mehr als 2 Kilometer Breite und 700 Meter Tiefe wurden die Franzosen dort zurückgeworfen. Ueber 500 Gefangene konnten eingebracht werden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Heeresgruppe des Generaloberst v. Boehm- E r m» lli. Unsere nördlich des Dnjestr nach Südosten vordringenden Truppen drängten den Feind, der sich hinter dem Billi-Bach zum Kampf gestellt hatte, in den Flußwinkel von Chotin zurück. Zwischen Dnjestr und Pruth durchbrach eine Stoßgruppe russische Stellungen an der Bahn Horodenka— Ccrnowitz, während ihr Südfliigel starke Entlaswngsaugriffe bei Jwanko-M! abwehrte. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Au den nördöstlichen Bordergen und im mittleren Teil der Waldkarpathcu gewannen deutsche und österreichisch-ungarische Divisionen in Angriffsgefechten zähe verteidigte Talsperren. Am Mgr. Casinuini wiesen Gebirgstruppen mehrere Angriffe des Feindes ab.,-,. Der Erste Genera l q u a x t i e r m e ist e r. Ludendorfs. Abendbericht. Berlin. Amtlich. 1. August 1917 abends. Auf dem Schlachtfeld iu F I a n d e r n hat sich nach ruhigem Marge» der Fcucrkampf nachmittags wieder ge- steigert. Im Osten wichtige Fortschritte in Richtung aus Czcrnowitz._ Der österreichische Bericht. Wien, 1. August 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Nördlich des Casinu-Tales brachen abermals heftige Angriffe des Feindes zusammen. Das Szckler Infanterie- Regiment Nr. 32 kämpft hier mit bewährter Kraft. Im Gebiet der Dreiländer-Eckc gingen unsere Truppe» überraschend gegen die von de» Russen besetzte» Höhen vor. Der Gegner wurde geworfen. ■ In der südlichen Bukowina sind wir im Vordringen auf Kimpolung. Südwestlich und nordwestlich von Czernowitz wurde erneuter, durch Gegenstöße gestützter Widerstand des Feindes, in heftigen Kämpfen gebrochen; die Russen weichen. Auch im Mündungswinkcl des Zzdrucz erzielten die Verbündete» weitere Fortschritte. Italienischer und Balkan-Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Chef des GeneralstabcS. Ribot über Sie Enthüllungen öes Reichskanzlers. Um Elsast-Lothringeu! Paris, 31. Juli.(Havas.) Tic Erklärungen, die Mi- nisterpräsident Ribot iwder Kammer abgab, hatten folgenden Wortlaut: Der deutsche Reichskanzler hat sich erlaubt, öffentlich an die französische Regierung die Aufforderung zu richten, zu erklären, ob sie in der Gcheimsitzung am 1. Juli der Kammer nicht von einem Geheim vertrage Kenntnis gegeben habe, der am Vorabend der russischen Revolution abgeschlossen wurde und durch den sich der Zar verpflichtete, unsere Ansprüche auf die deutscheu Gebiete links vom Rhein zu unterstützen. Die Erklärung des Kanzlers enthält indessen große Ungenauigkeitcn und wirkliche Lügen, besonders bezüglich der Rolle, die er Poincare zuteilt, daß dieser Befehl gegeben habe, den Vertrag ohne Wissen Briands zu unterzeichnen. Die Kammern wissen, wie die Ereignisse sich abgespielt haben. Infolge seiner Unterhaltung mit dem Zaren crbnf und erhielt Toumcrgue von Lriand die Ermächtigung, Akt Hu nehmen, von den Versprechen deS Zaren, unsere Zurückforderung in bezug auf Elsatz-Lothringen, das uns gewaltsam entrissen ist, zu unterstützen und uns freie Hand zu lassen in der Aufsuchung von Garantien gegen jeden neue« Angriff. Nicht durch Annexion der linksrheinischen Gebiete für Frankreich, sondern dadurch, dag wir im Notfalle aus diesen Gc- bieten einen selbständigen Staat machen, der uns so wie Belgien gegen Einfälle von der anderen Rheinseite schützen sollte. Wir haben niemals daran gedacht, das zu tun, was Bismarck im Jahre l87l getan hat. Wir haben daher das Recht, der Behauptung des deutschen Kanzlers ein förmliches Dementi entgegenzusetzen. Ter Kanzler kennt offensichtlich den Text der Briefe, die wir im Februar 1917 mit Petersburg gewechselt haben und hat sich erlaubt, deren Sinn zu fälschen, ivie es der berühmteste seiner Vorgänger mit der E m s e r Depesche getan hat. Wir werden an dem Tage, an dem es die russische Regierung für gut halten wird, diese Briese zu veröffentlichen, keinerlei Einwendung da- gegen machen. Andererseits hat sich der deutsche Kanzler natürlich wohl ge- hütet, etwas von den Erklärungen zu sagen, die ich am 21. März abgegeben habe und durch die ich im Namen Frankreichs jede Politik der Eroberungen und gewaltsamen Annexionen verschmäht habe. Der deutsche Kanzler hat absichtlich die Rede vergessen, die ich am 22. Mai in der Kammer gehalten habe und in der ich erklärte. das; wir bereit lvären, in eine Unterhaltung mit Rußland über die Kriegsziele einzutreten, und daß, wenn das deutsche Volk, dem wir N'cht das Recht zu leben und sich zu entwickeln bestreiten, begreifen würde, daß wir einen auf die Rechte der Völker gegründeten Frie- den wollen, ein Friedensschluß dadurch bedeutsam erleichtert würde. Er bat mit Stillschweigen die Tagesordnung übergangen, die nach der Geheimsitznng vom 1. bis zum 5. Juni einstimmig angenommen wurde. Als ich diese Tagesordnung unterstützte, sagte ich, daß wir nicht eine Politik der Eroberung oder Unter- werfung verfolgen. Das liegt nicht in der französischen Politik. Aber das konnte die Politik sein, deren gesamte Anfälle und kren verderblichen Schlag wir auszuhalten hatten. Ja, wir haben unter dem Druck dieser Politik 2a Jahre geseufzt und die Ver- geltung, die wir heute üben sollten, ist nicht eine Vergeltung der Unterdrückung ist eine Vergeltung, die darin besteht, die Ideen von Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichgewicht, wie Frankreich sie bat, ins Völkerrecht umzusetzen. Lassen wir uns nicht täuschen durch Formeln. Wir kenndn ibrc Absichten gut. sie möchten die Demokratie der Welt vertvirren, sie glauben machen, daß wir Leute sind, die Eroberungen suchen. Nein, wir suchen Recht und Gerechtigkeit. Wir wollen diese Provinzen wiedernehme«, die niemals ausgehört haben, französisch zu sein. Sie waren es durch ihren Willen, denn sie haben sich Frankreich gegeben. Im Verlauf der großen Revolution von 1790 sind sie zum Föderations- fest gekommen und haben Frankreich ihren Beitritt erklärt. Seit- dem haben sie ein französisches Leben gelebt, sind sie ein Teil Frankreichs gewesen und als sie unS entrissen worden sind, haben wir alle gefühlt, daß diesem edlen Frankreich ctivas fehlte. Sie müssen zu Frankreich zurückkommen, weil sie zu ihm gehören, weil sie nicht zu denen gehören, die sie nicht, wie wir eS getan haben, durch Ucberredung genommen haben, sondern durch Gewalt, durch das harte Recht des Krieges, das wir verschmähen. Wir wollen nicht diese gewaltsamen Annexxionen, wir wollen einfach Zurückerstattung dessen, was uns gehört. Ribot erinnerte dann an d>e Worte der Tagesordnung, welche die Kammer als Folge der Geheimsitzung vom 1. bis 5. Juni an- genommen hat und sagte weiter: Man wagt jetzt der Welt zu sagen, daß wir Annexionen wollen. Das ist ein zu plumpes Ma- növer, als daß jemand sich dadurch täuschen ließe und besonders die demokratischen Massen des russischen Volkes, die man ver- gebens von ihren Verbündeten zu trennen sucht, indem man sie über die wahren Gefühle der französischen Demokratie täuscht. Was will der Kanzler? Er sucht die Schwierigkeiten zu verbergen, die er empfindet, um die Kriegszicle Teutschlands festzusetzen und die Bedingungen, unter denen er Frieden machen würde. Er sucht besonders die Aufmerksamkeit von der schrecklichen Verantwortung abzulenken, die auf dem Gewissen des deutschen Kaisers und seiner Ratgeber lastet. Am Tage nach der Veröffentlichung der Beschlüsse, die am 5. Juli in der in Potsdam abgehaltenen Beratung gefaßt wurden, wo alle Konsequenzen des au Serbien abzusendenden Ultimatums ins Auge gefaßt wurden, des Ultimatums, aus dem der Krieg entstehen mußte, am Tage nach der Veröffentlichung versucht der Kanzler diese Ablenkung. Es ist eine gewisse Unver- s ch ä m t h e i t, wenn man derartige Verantwortung hat, Rechen- schaff über unsere Absichten zu verlangen. Ohnehin wenden wir uns nicht an Deutschland, sondern an alle diejenigen, die als Zeugen oder Mittvirkende dieses Kampfes, den wir seit drei Jahren aushalten, wissen, daß im Grunde der Seele des französischen Volkes eine tiefe Anhänglichkeit an die Grundsätze der Gerechtigkeit, an die Achtung vor dem Völkerrecht und, ich kann es sagen auf die Gefahr hin, von unseren Feinden nicht verstanden zu werde», an wahre Großmut lebt. Die Erklärung wurde mit großer Aufmerksamkeit ongc- hört und fand zu wiederholten Malen den einmütigen Beiwll der Kammer. Ter Erklärung folgte keine Er- ö r t e r u n g. Dazu erläßt W. T. 3?. folgende Veröffentlichung: Ter französische Ministerpräsident hat sich nunmehr doch dazu entschließen müssen, sich über die geheimen Abmachungen zu äußern, die zwischen der Poincaristischen und der zarischen Re- gierung über deutsches Land abgeschlossen worden sind. Herr Ribot geht um die Aktenstücke, deren baldige Veröffentlichung er bereits vor einigen Monaten versprochen hatte, noch immer vor- sichtig herum. Aber er kann nicht umhin, zuzugeben, daß die ge- Keimen Abmachungen Frankreich die Unterstützung seiner Begierden aus Elsaß-Lothringen und die übrigen links- rheinischen Gebiete Deutschlands zugesichert haben. Daß unser rheinisches Land nicht gänzlich annektiert werden, son- der», soweit dies Frankreich paßt, nur zu einem französischen Pufferstaat werde soll, nehmen wir zur Kenntnis. Zum ersten Male wird also von der Tribüne der französischen Kammer amtlich eingestanden, wie weit die französischen in Verträgen formulierten Wünsche reichen. Mit keinem Wort ist Herr Ribot von diesen Plänen der Zerstückelung und Beraubung Deutschlands abgerückt. Und doch wagt er. den Mitteilungen des Reichskanzlers ein„förm- liche» Dementi" entgegenzusetzen! Danach mag man ermessen, was Worte eines französischen Ministerpräsidenten wert sind. Herr Ribot kommt in seiner Rede auch auf die falschen Be» hauptungen über einen Aronrat am S. Juli zurück. Wir haben diese Legende bereits gestern zerstört. Es ist nichts Wahres an dieser Geschichte, mit der Herr Ribot ver- gebcnS von dem geheimen Ranbvertrag abzulenken sucht. deutschlanü unü Gefterreich-Ungarn. Uebereinstimmung in der Friedenspolitik. Wien, 1. August.(Wiener Tclegr.-Korr.-Bur.) Ter deutsche Reickiskanzier Tr. Michaelis hat den heutigen Vor- mittag in Besprechungen mit dem Minister des Aeußern Grafen Czernin zugebracht, welche am Nachnnttag fort- gesetzt wurden und bis in die Abendstunden dauerten.— An diesen Besprechungen nahmen auch der deutsche Botschafter in Wien Graf Wedel, der Unterstaatssekretär des Auswärtigen v. Stumm und der österreichisch-ungarifche Botschafter in Berlin Prinz Hohenlohe teil. Daß Dr. Michaelis und Graf Czernin in den großen, grundlegenden politischen Fragen eines Sinnes sind, erhellt aus ihren sich grundsätzlich deckenden Reden, welche sie am 28. Juli unab- hängig voneinander vor Pressevertretern gehalten haben. Mit Rücksicht hierauf konnte Tr. Michaelis seine Anwesenheit in Wien dazu benutzen, um sich über die Gesamtheit der son- stigen politischen und wirtschaftlichen Fragen im einzelnen zu unterrichten, welche im Verhältnis zwischen Deutschland und Oesterreich. Ungarn während des gegenwärtigen Krieges bestehen. Tie Unterredungen der beiden Leiter der aus- wärtigen Politik der verbündeten Mittelmächte baben auch auf diesem Gebiet zur erneuten Festlegung der gemein» sam zu verfolgenden Richtlinien geführt. „die Pforte für einen wirklichen ver- ftänüigungsfrieüen/ Macdonald über die Resolution des Reichstags. Bern, 1. August. Macdonald führte bei Begründung seiner Entschließung im Unterhause am 26. Juti aus, wiewohl der Reichs- tag leider keine Kontrolle über Ministeranstellungen und keine direkte Verantwortlichkeit für die Politik des Landes habe, sei er dennoch die Vertretung des deutschen Volkes. Von einer großen Mehrheit der deutschen Volksvertreter angenommene Entschlietzun- gen, wie die in Frage stehende, seien der Ausdruck der Meinung des deutschen Volkes. Sonderbarerweise habe die englische Presse Gewicht auf die Kanzlerrede gelegt, während die deutsche Presse den Nachdruck aus die Entschließung legte. Ter Premierminister aber habe sie in seiner neulichen Rede in der Oueenshall nicht einmal erwähnt. Ter Redner betonte, solche inoffizielle, ohne Mitwirkung der amtlichen Stellen abgegebene Er- klärungcn des Volkes seien die Pforte für einen wirklichen Bcr- ständigungsfrirden, den wohl fraglos die britische Regierung eben- falls lieber wolle als einen diplomatischen Notbehelf oder einen militärischen Waffenstillstand. Die Deutschen hegten offenbar die Ueberzeugung, daß sie einen Verteidigungskrieg führten, glaubten, daß wirtschaftliche Eifersucht der Grund des Krieges sei, und hätten Grund für ihr Mißtrauen angesichts der Teilnahme Englands an den Beschlüssen der Pariser Konferenz, die ganz offen zeigten, daß Deutschland nach dem Kriege erdrückt werden solle. Derartige Miß- Verständnisse müßten beseitigt werden, wenn der Frieden ein wirk- licher Frieden werden solle. Ferner müsse England infolge der russischen Revolution seine Kriegsziele ändern, denn Rußland sei nicht mehr der Genosse der Kriegsziele von ehe- dem. Die britische Regierung habe seit Kriegsausbruch Ab- kommen mit Italien und Rumänien geschlossen, von denen das Land nichts wisse, wiewohl sie außerhalb des Landes offen besprochen würden. Die Regierung solle Tatsachen angebe« und beweisen, daß zwischen den moralischen Erklärungen und den während des Kriegsverlaufs a b g e- schlossenen Verträgen kein Widerspruch bestehe. Stockholm. Der Beschluß üer Engländer. Stockholm, 31. Juli..Socialdemokraten" berichtet: Auf den Vorschlag der russischen Abordnung und im Einverständnis mit dem Ausführenden Ausschuß des Labour Party hat der Ausschuß aller englischen Sozialisten- und Arb eiter- gruppen beschlossen: 1. Am 10. August, dem Tage nach der Zusammenkunst der Ententesozialisten, einen engtischen Kongreß einzuberufen, der die Teilnahme an der Stockholmer Konferenz beschließen und Vertreter dafür wählen soll, 2. nach Annahme dieses Beschlusses am 1ö. August nach Stock- Holm zu fahren, 3. einen Aufschub der Konferenz auf den 2 2. A u g u st vorzuschlagen. Damit scheint die Teilnahme der Engländer gesichert. « London, 1. August.(Reutermeldung.)„Daily Telegraph" be- richtet aus Blackpool, daß in einer Versammlung des Textil- arbeitcrverbandes beschlossen wurde, für die Teil- nähme an der internationalen Konferenz in Stockholm zu stimmen. Es werden infolgedessen auf der Londoner Konferenz, die nächste Woche abgehalten werden soll, die Stimmen einer Viertelmillion Textilarbeiter zugunsten der Beschickung der Stock- holmer Konferenz abgegeben werden. Rosanoff über Kanzler unü Reichstag. Das Stockholmer Bulletin des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Petersburger Arbeiter- und Soldaten- rats veröffentlicht folgenden Artikel Wladimir Rosanosfs: „Wir Sozialdemotraben waren immer der Ansicht, daß der Krieg seine Entscheidung auf der inneren Front des politischen Kampfes haben wird, im Innern des Landes also, und nicht an dessen Grenzen. Von diesem Standpunkt? aus betrachten wir die letzten Ereignisse in Deutschland als einen großen Schritt zum Frieden. Der Reichstag hat in namentlicher Abstimmung eine Friedens- forme! angenommen, die freilich nicht vollständig mit der unsrigen zusammenfällt. Die Polen scheinen in ihr das Selbstbestimmungs- recht der Nation zu vermissen. Wir wollen die Formel nicht kribi- sieren. Eine mehr oder weniger kunstvolle Formel herauszufinden, ist die unnütze Beschäftigung der Diplomaten, die entweder nichts zu sagen haben oder sich nicht entschließen lönnen, Worte durch Taten zu ersetzen. Für uns sind nicht Worte wichtig, sondern der Wunsch noch dem Frieden. Abg. v. P a y e r hat gesagt:„Ein Friedensangebot soll die Resolution nicht sein." Was soll sie denn sein? Scheidemann sagte, sie soll eine Richtlinie für den neuen Kanzler werden.„Es kann keinen Reichskanzler geben, der nicht im Sinne unserer Eni- schließungen handelt. Mit aller Zweideutigkeit ist es zu Ende." Das ist sehr gut gesagt, leider aber hat es der Kanzler unterlassen, sich zu dieser Resolution expressis verbis(in ausdrücklichen Worten) zu bekennen. Der Kanzler hat vom Frieden in anderen Ausdrücken gesprochen. Die Frag« bleibt also offen: was müssen wir als Deutschlands Willen ansehen? Tie Rede des Kanzlers oder die Resolution des Reichstages? Gewiß ist es der Reichstag und nicht der Kanzler, der di« Meinung ausspricht. Tie Macht aber ist ni den Händen des Kanzlers und nicht in denen des Reichstags. Scheide mann hat ausdrücklich die Verantwortlichkeit des Mi- nisteriumS verlangt. Der Abg. F ehren b ach begnügt sich mit der Klage über die geringe Füblung zwischen Regierung und Parlament. Und nieint. diesen U ebelstand durch die Berufung bewährter Kräfte auS dem Parlament zu überwinden. Abg. v. Payer, Vertreter der Partei, welche die Rolle eines weichen Zements zwischen dem Zentrum und der sozialdemokratischen Partei spielt, hat eine Mittel- linie gefunden, indem er sagte-„Wir müssen eine solche Parla- mcntarisierung schaffen." Was ist aber eigentlich die deutsche „Parlamentarisierung"? Wir haben früher viel von einem„deut- scheu Frieden", der eigentlich kein Friede war, sondern Krieg, ge- hört. Soll die deutsche Paclamcntarisierung auch keine Paria- mentarisierung, sondern ein unverantwortliches Ministerium sein? Diese Erfindung des Abg. v. Payer tönnen wir schiverlich zu den glücklichsten rechnen. Im Gegenteil, wir denken über die deutsche Paria mei, t a ri stc r u ng dasselbe, was Heine über die jüdische Religion meinte, als er sagte, daß es eigentlich keine Religion, sondern ein Unglück sei. Wir sind Iveit davon entfernt, die innere Krise in Deutschland zu verhöhnen. Tie Sache ist für den Frieden viel zu ernst und viel zu wichtig. Ter Friede wird um so näher sein, je mehr die Völker auf die äußere Politik mehr Einfluß gewinnen werden. Wir stimmen vollständig der Meinung des Abg. v. Payer bei, wenn er sagte, daß„den Frieden weniger die Regierung als die Völker abzu- schließen haben", wir lehnen nur die zweite Halste deS Absatzes ab, nämlich die Worte:„vorbehaltlich aller Kompetenzen der Regie- rungen". Im allgemeinen sagt uns die Roichstagssitzung viel eher, daß die Krise in Deulschland ausgebrochen, als daß sie zu Ende ist. Denn alle Fragen waren gestellt, aler keine einzige nmrde gelöst. Wir sind an der Demokratisierung in Teutschlands aufs lebhafteste interessiert, als Nachbarn, als Europäer, als Sozialisten und Revo- lutionäre und endlich als ein Volk, das ausrichtig einen baldigen Frieden wünscht. Aber eben deshalb, weil wir dafür ein so aus- richtiges Interesse haben, teilen wir die Befürchtungen des Herrn Vorst im„Berliner Tageblatt" darüber, daß der progressive Block im Reichstag die Febler des progressiven Blocks der Reichsduma wiederbolt. Tie Zeit der Reden ist vorüber, jetzt heißt es handeln. Herr Vorst bat bei all seinen sehr passenden Analogien noch die eine vergessen. In der vierten Duma war eine kleine Gruppe, die außerhalb des progressiven Blocks stand und darum als Luantite negligeable von den Mehrheitsparleicn betrachtet wurde. Diese Gruppe zählte unter ihren Mitgliedern solche Namen wie K e- r c n s k i und T s ck e i d s e. Wird nicht«ine ähnliche Ungerechtigkeit der Unabhängigen Sozialdemokratische» Partei gegenüber aus- geübt? Ganz kameradschaftlich möchten wir den„Vorwärts" daran erinnern." * Diese Schlußbemcrkung Rosanosfs ist uns vollkommen unklar. Niemand hat versucht, die Unabhängige Sozialdemo- kratische Partei von der Mitarbeit an der Reichstagsresolntion und an der LosuiM der Kri'e fernzuhalten, wie ja auch— ganz nebenbei bemerkt— die Stockholmer Delegation der Deutschen Sozialdemokratie sich für die Zulassung aller sozialistischen Parteien zur Konferenz ausgesprochen hat, während nun der französische Pärteivorstand dieAusschließung der Zimmernxilder verlangt und dadurch wieder einmal der Konferenz einen Stein auf den Weg wälzt. Aber es ist doch so, daß die Unabhängigen sich selbst ausschalten und beiseite- gehen— selbst wenn es sich um eine Aktion für den an- nektionslosen Frieden handelt, wie bei dem Reichstagsbeschluß. Und merkwürdig, wo sie hingehen, da treffen sich die Unab- hängigen dann mit den Konservativen und Nationalliberalen.. den annektionistischen Imperialisten. Parlamentarisierung in(Desierreich. Wien, 31. Juli. Tie„Wiener Allgemeine Zeitung" meldet: Tr. v. S e i d l e r teilte am Nackmittag im Paria- ment den Parteiführern mit, daß er mit der Bildung eines endgültigenKabinetts betraut worden sei. * Wiener Blätter bringen bereits ausführliche Minister- listen, die aber auf Gültigkeit noch keinen Anspruch erheben können. Das„endgültige Kabinett", das an die Stelle der Beamtenregierung tritt, soll aus Parlamentariern gebildet werden._ Der Ausbau ües polnischen Staates. Warschau, 31. Juli. Amtlich wird hier mitgeteilt: Wie be- kannt, haben in den letzten Tagen zwischen den deutschen und den österreichisch-ungarischen Delegierten hier Verhandlungen über den vom Vorläufigen Staatsrat gemachten Vorschlag betreffend die vorläufige Organisation der polnischen obersten Staatsbehörden stattgefunden. Die Verhandlungen haben zu einer vollen Uebereinstimmung der Ansichten unter den Tele- gierten geführt. Die vereinbarten Entwürfe sind den beiderseitigen Regierungen mitgeteilt worden. Hiernach steht zu erwarten, daß i n nächster Zeit ein bedeutsamer Schritt zum weiteren Ausbau des polnischen Staates erfolgen wird. Zur üen Irieüen im Unterhaus. Bern, 31. Juli. In der Unterhausdebatte am 26. Juli führte S n o w d e n aus, nach der Rede Bonar Laws habe es den An- schein, als ob die britische Regierung mehr als jede andere einem baldigen Friedensschlüsse im Wege stehe. Die Regierung behaupte, daß er und seine pazifistischen Freunde in einer Welt der Unwirklichkeit lebten, aber das treffe auf die Regierung zu. Sie wisse nichts von den Ansichten Tausender von Briten und nichts von dem Wechsel in den Ansichten der Sol- daten. Wenn die Regierung irgend etwas über die französische Armee wüßte, so würde ihr bekannt sein, daß die Soldaten praktisch die Heeresleitung in die Hand ge- n o m m e n hätten. Sie lehnten es ad, den Befehlen zu gehorchen. Jeder einsichtsvolle Franzose werde ihr sagen, daß. wenn der Krieg noch viel länger dauere, Frantreich dasselbe haben werde wie Rußland, nämlich die Revolution. Es bestehe keine Hoffnung, daß in zwölf Monaten die militärische Lage besser sein werde als jetzt. Nur werde eine weitere Million Manschenleben dahingeopfert und die Staatsschuld um weitere zwei oder drei Milliarden Pfund Sterling vergrößert sein. Im Namen der Menschheit fordere er, daß der Krieg jetzt beendet werde. Der Liberale Lecs Smith drückte sein Bedauern darüber aus, daß Asquith keine der vom Reichstag gestellten Fragen beant- wortct habe. Redner fragte, ob der Leiter der liberalen Partei den Grundsatz„Keine Annexionen" auf die deutschen Kolonien anzu« wenden bereit sei, und betonte, es würde eine Schande sein, wenn das Land, das angab, um der Gerechtigkeit willen in den Krieg einzutreten, mit einer Gebiets» erweiterung von einer Million Quadratmeilen aus dem Krieg herauskomme. Nichts habe das deutsche Volk so geeint und den deutschen Militarismus so gestärkt, wie die Ankündigung de? Handelsboykotts und des Wirtschaftskrieges. Wenn die Re» gierung bei dieser Politik beharre, so treibe sie direkt in einen neuen Krieg 5inet n. Kein Volk Gerde den Handelsboykott über sich ergehen lassen. Wenn es wünschens- wert sei, daß in Deutschland die Demokratie ausge- richtet werde, so könne es nur durch einen Frieden ge- schehen, der dem deutschen Volke zeige, daß der Militarismus für seine Sicherheit und seine unantastbaren Rechte unnötig sei. Die flanörische Insanterieschlacht Berlin, 1. August.. übrigen Teil des Blattes: Alfred ENiolz, Zteulölln:, für Inserate: Th, Molke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hirrzn 1 Beilage und Unterhalt-ngdtlatt. Nr. 209 ❖ 54. Iahrgaftg Heilage öes vorwärts Vontterstag, 2. August 191 7 Groß-�erlln DaS Krtegswucheramt setzt seine energische Tätigkeit fort. Die Cafs- und HotelbetriebZ-Gesellschaft m. H., Berlin, Friedrichstr. 87, ist wegen grober Verstöße gegen die Vorsckriften zur Sicherung unserer Kriegsernährung vom Kriegs- Wucheramt aus dem Handel ausgeschlossen worden. Ebenso wurde dem Gescbästssührer der Gesellselmit, E. A. Tonndorf, Kursürsten- damm 185, wegen Unzuverlässigkeit aus periönlicken Gründen die� Handelserlaubnis entzogen, ihm auch die Annahme einer Be- ichäfligung in ähnlichen Betrieben untersagt. Damit werden sol- gende f ü n f B e t r i e b e d e r Gesellschaft geschlossen: Viktoria-Cafv, Linden-Restaurant, Viktoria- Diele, Weingroß Handlung Viktoria und Richards Diele, die sämtlich am 9. August zumachen müssen. Diese achttägige Frist wurde lediglich zum Ausverkauf der vor- bandenen Bestände bewilligt. Es dürfen also neue Waren nicht mehr eingekauft werden. Von der Schließung nicht betroffen wurden die der Gesellschaft gehörigen Hotels Stadl Weimar und Hotel Viktoria, welche aber auch nur ein erstes Frühstück bis 11 Uhr an die Hotelgäste abgeben dürfen. Ferner hat das Kriegswucheramt den Bäckermeister Karl Stargard, Berlin, Brandenburgstr, 67, und den Händler Her- mann B e her, Berlin, Kaiierstr. 6/7, aus dem Handel ausge- schloffen. Beide hatten die Nahrungsmitlelvorschriflen übertreten. Vor Gericht erhielt Stargard 1(KX> M. Geldstrafe und Beyer eine solche von 290 M. Unrichtige Angaben bei der Kohlenbestandserhebung. Von unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Bei der zur Regelung der Kohlenverteilung für den Haus- und Küchenbrand vorgenommenen Erhebung sind seitens der Mieter und Vermieter vielfach unrichtige Angaben über die vorhandenen Kohlenbestände gemacht worden, da natürlich jeder das Bestreben hatte, bei der Anrechnung der vorhandenen Bestände auf die künftig, zu gewähren- den Mengen möglichst günstig abzuschneiden. Den Groß-Berliner Behörden gehen täglich anonyme Anzeigen in beträchtlicher Anzahl zu, außerdem finden sich Reuige ein, die ihre Angaben einer Be- richtigung zu unterziehen wünschen. Jedenfalls haben die Groß- Berliner Gemeinden— und anderwärts werden die Dinge ähnlich liegen— die Notwendigkeit der Einsetzung eines genau arbeitenden Kontrollapparatcs erkannt und werden die diesbezüglichen Beschlüsse wegen sorgfältiger Nachprüfung der in den einzelnen Grundstücken vorhandenen Kohlenbestände schon in allernächster Zeit zur Durch- fiihrung bringen. Bei dieser Sachlage kann Mietern und Ver- mietern, die bewußt oder nachlässig unrichtige Angaben gemacht baden, nur der ernstliche Rar zur Vornehmung einer Berichtigung an der. zuständigen Amtsstelle gegeben werden. Straffreiheit dürfte zu gewärtigen sein, wenn die Berichtigung vor Einsetzen der Kon- trolle stattfindet, andernfalls ist strengste Bestrafung gemäß§ 36 der Kohlenordnung zu erwarten. Berfrühte Aberntung. Di« Reichsstelle für Gemüse und Obst schreibt uns: Wie wir erfahren, werden in einigen Gegenden Kohlrüben, Mohrrüben, Zwiebeln und andere Herbstgemüse vorzeitig ausgerissen, um sie schon jetzt als scheinbare„Frühgemüse" auf den Markt zu bringen und auf diese Weise unberechtigt hohe Preise zu erzielen. Die Ware ist jetzt natürlich noch unreif; sie würde wenn man sie wie alle Jahre gehörig ausreifen ließe, einen ganz anderen Wdrt für die Volksernährung haben, als dies jetzt bei der verfrühten Aberntung der Fall ist. Es handelt sich hier somit Ulli eine Vergeudung wert- voller Volksnahrung. Würde der Unfug weiter um sich greifen, so würde im Herbst und Winter ein erheblicher Teil des Herbst- gemüses fehlen, auf das wir dann in so hohem Maße angetviesen sein werden. In den Kreisen Calbe a. S. und Wanzleben haben die Land- räte die vorzeitige Aberntung der Herbstgemüse bereits verboten. Man darf mit Sicherheit erwortfn, daß die Kreisbehörden überall, wo es erforderlich ist, in gleicher Weise vorgehen werden. Außerdem ist darauf hinzuweisen, daß ffir Kohlrüben der in der Verordnung des Bundesrats vom 19. März d. I. festgesetzte Höchstpreis von 1,75 M, je Zentner schon jetzt Geltung hat. Statt dessen sollen in einigen Anbaugebieten vorzeitig geerntete Kohlrüben gegenwärtig zum Preise von 12 bis 15 M. je Zentner augeboten und gekauft werden. Es steht außer Zweifel, daß sich durch derartige Käufe beide Teile einer strafbaren Handlung schuldig machen. Die strenge Ueberwachung seitens der zuständigen Behörden ist dringend geboten, da andernfalls aus dem gerügten Mißbrauch geradezu eine natioilalc Gefahr erwachsen könnte. Berliner Lebensmittel. Soweit die auf Abschnitt Nr. 92 der Lebensmittelkarte ent- fallende Marmelade Sorte II nicht ausreicht, kann Marmelade Sorte I abgegeben werden. Die Marmelade Sorte I unterscheidet sich von der Marmelade Sorte II dadurch, daß sie nur aus einer Fruchtart hergestellt ist, während Marmelade Sorte II eine Zwei« fruchlmarmelade ist. Der Kleinverkaufspreis für Marmelade Sorte I beträgt für Vi Kilogramm ausgewogen oder brutto für neno einschließlich Verpackung für Erdbeer-, Himbeer- und Aprikosenmarmelade M. 1,10, für Johannisbeer- und Kirschmarmelade M. 1,08, für Heidelbeer- M. 1,02, Stachelbeer» M. 0,93, Pflaumen- M. 0,61 und für Süd- fruchlmarmelade M. 0.90. Eine Ueberschreitung der Höchstpreise ist strafbar. Höchstpreis- für Einlegegurken und Tomate«. Die Reichs st ekle für Gemüse undObst hat folgende Erzeuger-Großhandels- und Kleinhandelshöchstpreiie für das Gebiet der Staatlichen Verteilungsstelle Groß-Berlin für Einlegegurken und inländische Tomaten festgesetzt. Für prima handelsübliche Einlegegurken, von denen 60 Stück etwa 16 Pfund wiegen, Erzeugerpreis pro Slück 6 Pf., Großhandels- 7� Pf., und ÄleinhandelSböchstpreis 11 Pf. Wird die Ware nach Gewicht gehandelt, beträgt der Erzeugerhöchst- preis 25 Pf. je Pfund, der Großhandels- 30 Pf. und der Klein- Handelshöchstpreis 10 Pf. Für inländische Tomaten betragen die Höchstpreise für den Erzeuger 65 Pf. je Pfund, für den Großhandel 85 Pf. und für den Kleinhandel 110 Pf. Ueberschreilungen der festgesetzten Höchstpreise werden mit Ge- fängaisstrafe bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 M. bestraft. Die Großhändler fetzen sich außerdem der Gefahr der sofortigen Konzejsionsentziehung, die Kleinhändler der Entziehung ihrer Kaufberechligungskarte auS. Die Preise treten Sonnabend, den 4. August, in Kraft. Rindfleisch wird billiger. Mit Wirkung vom 1. August ab find vom Branden bürg- Berliner V i ehhand ei s verband neue Stallhöchstpreise für Rinder festgesetzt worden, die gegenüber den bisherigen Preisen eine nicht unerhebliche Ermäßigung bedeuten. Der Arbeitsausschuß der Groß- Berliner Gemeinden hat infolgedessen auch eine Herabsetzung der Kleinhandelspreise für Rindfleisch beschlossen, deren Veröffentlichung nach Genehmigung durch die Staatliche Verteilungsstelle für Groß- Berlin in den nächsten Tagen zu ettvarten ist. Acnderung der Lieferungsbedingungen für Elektrizität. Die Städtischem Elektrizitätswerke Berlin geben im Anzeigenteil unserer, heutigen Ausgabe die von den Gemeindebehörden bescklossene Aenderung der Lieferungsbedingungen bekannt. Die neuen Bestim mungen treten erstmals mit den für Oktober d. I. auszustellenden Rechnungen in Kraft. Die neuen Säuglingsfürsorgestellen deS Berliner Magistrats, die ihren Wirkungskreis auch auf Kinder von 1—6 Jahren ausgedehnt babcn. halten für solche Kleinkinder an jedem Freitag besondere Sprechstunden ab, und zwar in den SZuglingSfllrsorgestelien Blumen- stratze 27 von Vzö Uhr. Eliasser Straße 27 von l/32— VaS Uhr, Bugenhagenstraße 7 von 1— 2 Uhr, Reickenberger Straße 180 von 1/22—iIS Uhr, Turiner Straße 7 von'/z2— ff33 Uh� Tempelhofer User 13 von 2—3 Uhr, Wörther Straße 15" von VW— V-l Uhr, Badstraße 10 von 2—3 Uhr und Mirbachstraße 10 von VzZ—'/gl Uhr. Müller und Pflegemütter können sich dort für die Kinder unentgelt tichen Rat holen. Es kommen insbesondere alle Fälle in Betracht, in denen Kinder mit englischer Krankheit behafter sind, an Wuche- rungen des Nasen-Rachenraumes leiden oder durch Tuberkulose be droht erscheinen. Lichtspiele Tauentzien-Palast. Paul Rosenhayn hat sich durch die von ihm. geschaffene Deleklivgeslalt des Joe Jenkins einen Namen gemacht. Er hal in dem Film.Die Harvard-Prämie" den Versuch unternommen, dieser Figur Leben einzuhauchen und sie auf die weiße Wand zu bannen. Professor Leon Rains vom Dresdener Hoflheater borgt dem Detektiv seine Züge. In dem Werk wirken außerdem mir: Leopold von Ledebuhr, Willi Kaiser, Heinz Sarnow und Kläre Praetz.— Aus der Anna Müller-Lincke-Folge ergänzt ein reizendes dreiakliges Lustspiel von Georg Kaiser den Spielplan. Es führt den Titel:.Die verflixte Liebe". Zwei Einbrecherinnen wurden von der Kriminalpolizer un- schädlich gemacht. Eine Arbeiterin Maria Weiß aus Weißensee und eine Berta Stein, die bei ihr Unterkunft gefunden hatte, arbeiteten eine Zeitlang rn einer Fabrik und lernten so die Arbeits- zeiten und die Gepflogenheiten vieler Mitarbeiterinnen kennen. Sie gaben nun ihre Beschäftigung auf und nutzten ihre Kenntnisse zu Einbrüchen aus, die sie nach Art der Klingelfahrer betrieben, nur mit dein Unterschiede, daß. sie nicht selbst klingelten, sondern Kinder dazu benutzten. Zu geeigneter Zeit schickten sie mit einem erdichte ten Auftrage ein Kind nach der Wohnung ihrer früheren Arbeits- genossin. Kam das Kind mit der Meldung zurück, daß niemand aufmache, so eilten sie selbst hinauf,„kantelten" rasch die Wohnung aus und stahlen, was sie bekommen konnten. So räumten sie in der Wörther Stratze eine ganze Wohnung aus. Gestern wurden beide überrascht. Sie batten nicht mit dem Schichtweebiel in der Fabrik gerechnet. Eine Arbeiterin, die wegen dieses Wechsels früher heim- kehrte, als sie geglaubt hatten, sah die beiden Mädchen, die sie von früher her kannte, gerade noch mit Bündeln beladen weggehen. Als sie nun ihre Wohnung und ihre Behältnisse erbrochen und leer fand, lenkte sie den Verdacht gleich auf sie. Die Kriminalpolizei durchsuchte-die Wohnimg m Weißensee, in der beide Mädchen an- wesend waren, sand dort noch einen Teil der gestoblenen Sachen, nahm die Einbrecherinnen fest und führte sie dem Untersuchungs- richter vor. Sachen aus anderen(Anbrüchen wurden in der Be- hausung auch gefunden und beschlagnahmt. Der Leichenfund im Packwagen steht allem Anschein nach un- mittelbar vor der Aufklärung. Die Lichtenberger Kriminalpolizei hat auf ihre Nachforschungen Mitteilungen erhalten, die vermutlich schon heute die Feststellung der verunglückten Knaben ermöglichen werden. Die Ermittelungen sind zwar noch nicht ganz abgc schlösse::, werden aber aller Voraussicht nach zum Ziel führen. Die Knaben stammen� wahrscheinlich aus Frankfurt a. M. Neukölln. Städtischer Berkauf von Schaflämmern. Dem Magistrat Neukölln bietet sich zurzeit Gelegenheit, preiswerte Schaflämmer zur Auszucht mit einem Durlbschnittsgewichl von etwa 30 Pfund zu kaufen. Bevor der Magistrat von diesem Angebot Gebrauch macht, bittet er die Neuköllner Einwohnerschaft um Einreichung von Be stellungen nach den: Rachaus, Zimmer 116. Der Verkaufspreis dürfte sich auf 1,60 bis 1,70 M. je Pfund Lebendgewicht stellen. — Lebensmittel. Bis Sonntag, den 12. August, darf auf Ab- schnitt 31 der Eierkarte ein Ei entnommen werden. Spandau. Lebensmittel. Den Apotheken ist Halbmilchpulver überwiesen, welches zum Preise von 2,50 M. per Pfund abgegeben wird. Die Aerzte werden gebeten, neben der kondensierten Voll- und Magermilch auch dieses Halbmilchpulver und zwar in Mengen von mindestens Va Pfund zu verordnen. Köpenick. Lebensmittel. Von heute ab bis zum 19. August ge langt in den Lebensmittelhandlungen auf Abschnitt 21 der Lebens- mittelkarte Himbeersaft zur Verteilung. Die Ausgabe ersolgt in der städtischen Verkaufsstelle Schloßstr. 22, im Hof. Seitengebäude. Es sollen erhalten Hausstände mit 1 Mitglied 0.2 Liter, mit 2 Mit- gliedern 0,1 Liter usw. Der Preis beträgt pro 1I10 Liter 40 Pf. Die Ausgabe erfolgt nach Stadtteilen, daher ist die amtliche Be kanntmachung des Magistrats zu beachten. Potsdamer Stabtverordnetenbeschlüsse. Zu Anfang der Sitzung teilte Stadtrat Wolters der Versammlung mit. daß eine weitere Einschränkung im Straßenbahnbetriebe bevorstehe. Wie er anführte, werden vorläufig die B» und O- Linie eingestellt, während die anderen Strecken aufrechlerhalten bleiben. Eine lebhafte Aussprache entwickelte sich über die Erhöhung der Gas preise. Der Referent, Sladlv. Friedrichs, was darauf hin, daß eine große An- zahl von Städten bereits die Erhöhung der GaSpreise durchgesetzt habe. Er ersuchte, die Erhöhung zu bewilligen. Stadtv. Schulz entgegnete, daß die Gasbelieferung eine derartig schlechte sei. daß man einer Verteuerung des Gases vorläufig nicht zustimmen könne. Nach längerer Aussprache wurde die Erhöhung des GaSpreiseS um 1 Pf. mit großer Mehrheit beschlossen. Britz. Lebensmittel. Durch die Kleinhändler gelangt hol- ländi scher Käse zur Verteilung. Es entfallen auf jede Person 100 Gramm. Die Abgabe erfolgt gegen Abtrennung des Abschnittes 69 der Lebensmittelausweise. Von beute ab gelangt bei den Kleinhändlern KriegSmuS zur Verteilung. Es entfallen auf jede Person a/i Pfund. Die Abgabe erfolgt auf Abschnitt 68._ Friedrichsfelde. Regelung der Kohleverteilung. Die Geschäfts- räume der Kohlenverteilung befinden sich in den Diensträumen des Einwohner-Meldeamts. Zu der Kohlenverteilung hat der Gemeinde- vorstand ergänzend angeordnet, daß die Abgabe von Kohlen in größeren Mengen durch Kohlenhändler an die Verbraucher fortab zu unterbleiben hat. Die den Händlern etwa zugehenden Mengen an Kohlen sind auf Lager zu nehmen. Zulässig ist nur die Ver- abfolgung gegen Abgabe der Mittelftücke der gegenwärtig gültigen Reichsfleischkarlen._ Fiedrichshageu. Lebensmittel. Heute kommt auf Abschnitt j der Eierkarte je ein Ei zum Preise von- 34 Pf. zur Ver- teilung.— Ferner werden auf Abschnitt II der Lebensmittelkarte und einen Abschnitt der Kartoffelkarte vom 30. Juli bis 1. August je Va Pfund Kartoffeln verabfolgt. — Kohlenbestandsaufnahme. Die Fragebogen betr. Kohlen- Verteilung für den HauS- und Küchenbrand gelangen jetzt zur Aus- gäbe und müssen von den Hausballungen oder Geschäftsinhabern bis 1. August ausgefüllt werden. Die Eintragungen müssen genau vorgenommen werden. Die neuerrichtete Orlskohleuftelle befindet sich Friedrichstraße 97. Soziales. Uuglaubliches vom Reichsversicherungsamt. Wieder einmal müssen wir uns gegen eine reckt bedenkliche Ent- scheidung des Reichsversickerungsamls wenden. Bekanntlich regelt die Reicksversicherungsordnung das Zustellungsversahren anders, als es sonst der Fall ist. Sie läßt die Zustellung von Bescheiden usw. durch eingeschriebenen Brief zu. Darauf gestützt hal das Reichsversicherungsamt entschieden, daß Bescheide an im Heeres- dien st best n d l i ch e V e r l e tz l e als ordnungsmäßig zugestellt gelten, wenn die Zustellung des eingeschriebenen Briefes in der Heimatwobnung an ein erwachsenes Familienmitglied erfolgt. (Ist 4523/16, HB..) Es hat damit die Grundsätze, die es früher während des Friedens aufgestellt hat, auch ans Streitfälle aus- gedehnt, die solche Verletzte betreffen, die von ihrer Wohnung sich dauernd entfernt halten müssen, weil sie zum Heere eingezogen find, gleichviel ob sie sich in einem inländischen Garnisonort oder im Schützengräben befinden. Obgleich diese Entscheidung Recktsboden unter sich bat, ist sie doch ganz ungeheuerlich und man muß sagen, daß das Reichsversicherungsamt sich geradezu bemüht, sich um allen Kredit zu bringen. Daß die mfolge des Krieges an der Wahrnehmung ihrer Rechte behinderten Personen besonders geschützt werden müssen, ist sonst allgemein anerkannt. Der Bundesrat hat mehrere Verordnungen erlassen, die diesen Schutz regeln. Sie betreffen allerdings nur bürgerliche Rechtsstreitigkeiten, erstrecken sich also nicht auf das Ver« fahren nach der Reichsversicherungsordnung. Wahrscheinlich hat der Bundesrat angenommen, daß.hier das Reichsversicherungsamt als soziale Behörde schon selbst das Erforderliche tun werde. Das ist seinerzeit auch dadurch versucht worden, daß den Versicherungs- träger« nahe gelegt wurde, während des Krieges keine Renten- berabsetzungen vorzunehmen. Jenes Rundschreiben, das wirklich die Situation erfaßte, halte jedoch keine bindende Kraft und eS ist durch die lange Dauer des Krieges vollständig gegen« standslos geworden. Verstehen läßt sich, daß die Versicherungs- träger in besonderen Fällen den Wunsch haben, die Renten zu ändern, verstehen läßt sick aber andererseits erst recht, daß die Ein- gezogenen soweit als möglich davor geschützt werden müssen, daß aus ihrer Abwesenheit von den Berufsgenossenschasten oder anderen Versicherungsträgern kein Kapital geschlagen werden kann. Die Streitigkeiten in der Arbeiterversicherung sind ganz be- sonderer Art. Hier ist die eine Partei, der Versicherte, gewisser- maßen die Sache, um die sich der Streit dreht, da der teilweise oder völlige Verlust einer bestimmten Eigenschaft, der Erwerbs- sähigkeit, zu beurteilen ist. Die Mitwirkung, das persönliche Ein« greifen des Versicherten, ist in dem Slreitverfahren also von größter Wichtigkeit und unumgänglich notwendig. Es muß also Vorsorge getroffen weiden, daß der Versicherte auf jeden Fall davon Kenntnis erhält, daß gegen ihn etwas unternommen werden soll, da nur er wirksam gegen Herabsetznngs- bescheide Stellung nehmen kann. Es liegt also nicht nur im Interesse des Verletzten, sondern des ganzen Verfahrens, daß darauf geachtet wird, daß Bescheide dem Verletzten zugestellt werden müssen. Das Reichsversicherungsamt aber sagt: Nein, das ist nicht nötig, Bescheide gelten als zugestellt, wenn sie in der Wohnung des zum Heere Eingezogenen von einem erwachsenen Familienmitglied in Empfang genommen werden. Daß dieses Familienmitglied unter Umständen ein vierzehnjähriges Kind sein kann, ist früher auch schon entschieden worden. Wie leicht kann dadurch der Fall eintreten, daß wichtige Bescheide liegen bleiben und dann die Wirkung eines rechtskräftigen Urteils haben? Die Zivilprozeßordnung sieht im H 172 vor, daß die Zustellung für einen Unteroffizier oder einen Gemeinen des aktiven Heeres oder der aktiven Marine an den Chef der zutiäcksl vorgesetzten Kommandobehörde � erfolgt. Auch gegen diese Vorschrift bestehen Bedenken. Hätte aber nicht nahegelegen, daß das Reichsversicherungsamt, von ihr ausgehend. versucht hätte, den � Verletzten gerecht zu werden? Aber es ist leider in vielen Fällen berufs« genossenschaftlicher als die Berufsgenossenschaften. Jetzt ist der widersinnige Fall geschaffen, daß ein Bescheid, der von einem minderjährigen Familienmitglied für den verletzten Vater in Empfang genommen wird, Rechtskraft erlangt, während ein den Minderjährigen selbst betreffender Bescheid, der an diesen adressiert wird, nicht rechtskräftig wird, weil er dem gesetzlichen Vertreter zuzustellen ist. Es kann nur gesagt werden: Bundesrat helfe; helfe den Wer- letzten gegen das Reichsversicherungsamt. Erst Arbeitsbindung, dann Familicnuntcrstützung. Unter Bezugnahme auf unsere Mitteilung in Nr. 196 des„Vor- wärts" sendet uns die Firma„Rotophot" eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Die Firma will zu Abmachungen der von uns kritisierten Art genötigt sein,„weil Angestellte, die jähre- lang hohe Kriegsunterstützungen angenommen Halen, nicht daran dachten, bei ihrer Entlassung aus dem Heere zu den der heu- tigen Zeit angepaßten Arbeitsbedingungen ihre Tätigkeit im... Betriebe wieder aufzunehmen". Wir wollen nicht anstehen, eine moralische Pflicht der An- gestellten zur Wiederaufnahme der Arbeit anzuerkennen, wenn wirklich der heutigen Zeit entsprechende Arbeitsbedingungen ge- boten werden und dem Angestellten die Möglichkeit eines Aufstiegs- dadurch nicht verschlossen wird. Entweder werden sich den An- gestellten anderwärts noch bessere Arbeitsbedingungen geboten haben oder sie werden nicht haben anerkennen können, daß wirklich der heutigen Zeit entsprechende Arbeitsbedingungen angeboten sind. In diesen Fällen hat der Angestellte die Interessen seiner eigenen Fa- milie voranzustellen; dann können Rücksichten auf den ftüheren Arbeitgeber nicht maßgebend sein. Die Firma hat es ja in der Hand, ihre Arbeitsbedingungen als die günstigeren zu gestalten. Dann auch betont die Firma, daß sie nicht für zwei Jahre eventuelle Erstattung fordere, sondern nur für die Zeit seit Beginn dieses Jahres. Endlich auch hebt die Firma hervor, daß sie Er- stattung nicht fordere, wenn aus gefundhcitlichcn Gründen die Fortsetzung des Dienstverhältnisses unmöglich wird. Sie meint. das ergebe sich klar aus dem 4. Absatz ihres Schreibens an die im Felde stehenden Angestellten. Wir wollen dieses feststellen, be- dauern jedoch sagen zu müssen, daß sich das aus dem angezogenen Absatz nicht ergibt. Wir drucken ihn noch einmal ab: „Sollten Sie Ihre Dienste dereinst nicht unserer Gesellschaft widmen oder sollte sich Ihre Tätigkeit bei uns aus anderen Gründen als gesundheitlichen nicht über zwei volle Jahre erstrecken, so sind Sie uns im ersten Falle für den ganzen Betrag und im zweiten Fall für den nickt gestrickeuen Teilbetrag des Ge- samtbetrages der Unterstützungszahlungen haftbar." Wenn ein Kriegsbeschädigter aus gesundheitlichen Gründen den Dienst bei der Firma nicht wieder antreten kann, dann ist nach dem obigen Wortlaut der Ecftattungsanspruch gegeben. Und wenn er nach Wioderantritt des Dienstes aus gesundheitlichen Gründen den Dienst aufgeben muß. dann ist wieder für den noch nicht gestrichenen Teil des Gesamtbetrages der Unterstützungszg-Hlungen der Er- stattungsanspruch gegeben. Die Firma bestreitet es; gut, wir wollen das gelten lassen. Nicht, weil es sich aus dem Wortlaut ergibt, son- dorn weil es die Firma jetzt ausdrücklich sagt. Aber zu wünschen wäre, daß dieser Wille der Firma nun auch klar in den Verträge« mit den Angestellten zum Ausdruck gebracht wird. Im übrigen wollen wir zum Schluß besonders betonen, daß es uns nur darauf ankam, in einem Einzelfalle— dem wir viele, andere bei anderen Firmen anschließen könnten— die Notwendigkeit eines gesetzlichen Eingreifens nachzuweisen. Gerichtszeitung. Wie der Kettenhandel die Preise in die Höhe treibt, zeigte wieder einmal eine vor der t. Sirofkamnier des LandgericbtS I verbandclle Anklasie ciecicn die Koufleute Karl R o s e n t h a l, Leopold Fi Icker und Julius SBetfifle. Rosenthal hatte als Vermittler 20 000 Dosen Lebcrwurst-Konserve», die aus Dänemark stammten, an die Gemeinde Treptow zum Preise von 1,2t M. verkauft»nd bei diesem Geschäft etwa 3200 M, verdient. Treptow hatte diese Konserven als Lebensmittel verkaufen ivollen, sie pincien aber pickt reckt, und die Gemeinde verkaufte das Quantum, von dem etwa 3000 Doien abaeaangen waren, zu dem Preise von 1,2ä M. an Noten- tbal zurück. Dieser verkansle die Wnrstkonserven zum Preise von 1.4!Vä � an den Auaekl. Fischer weiter, der die Ware auf Lager riahni. Von dielen, ging sie weiter an deir Kaufmann Eberleiu zum Ppeise von 1.30 M.. von dort wurde sie zu 1,00 M., dann zu 2,25 M., ferner zu 2,60 M., schließlich an den Kleinhändler Bethge, der 200 Dosen kaufte und davon zu 3,50 M. verkaufte. Staatsanwalt Schindler beaniragte aegen Rosen thal, der zweimal bei diesem Geschäft hat 5000+ 0000= 10 000 M., gegen Fischer 5000 M.. gegen V e l h g e 50 M. Geldstrafe. Das Gericht sah bei diesem Zlngeklagien die Sache als sehr milde liegend an und ver- urteilte ihn demgemäß nur zu 30 Mark Geldstrafe. Gegen Rosenthal erkannte es auf 4000 Mark und gegen Fischer auf 3000 Mark Geldstrafe. Mus aller Welt. Zusammenstoß zweier Tampfer. AuS Stockholm wird vom 31. Juli gemeldet: Der deutsche Dampfer Ingrid Horn ist heute nackt außerhalb von Dalaro von dem schwedischen Dampfer Bergvik übersegelt worden. Die ganze Besatzung des deutschen Dampfers, wahrscheinlich 2 0 bis 30 Mann, ist mit Ausnahme eiueS MauneZ umgekommen, wie auch zwei schwedische Lotsen. Grubenunglück. Essen, l. August. Auf der fiskalischen Zeche Bergmanns- gltick brach ein Brand aus. Sechs Bergleute ver- V r a n n t iz n. Schwere Bluttat einer Geisteskranke«. Giinzcuhauscn, 1. August. Die seit längerer Zeit Spuren von Geisteskrankheit zeigende 47jährige Ehefrau des im Felde stehenden SchuhmachermeisterS Friedrich Danner erschoß in der Nacht ihren 78jährigen Schwiegervater, zwei Söhne im Alter von 15 und 16 Jahren und ihre 14jährige Tochter Frida. Ein Versuch, sich selbst durch Rcvolverschüsse zu töten, mißlang. Außerdem hatte sie da» Haus in Brand gesteckt. Das Feuer wurde durch die rasch herbeieilende Feuerwehr gelöscht. Die Frau ist in die Kreisinen« anstalt Ansbach übergeführt worden. Ei« heftiges Erdbeben in Brasilien melden die Blätter. Die Verbindungen mit Mendoza sollen vollständig unterbrochen sein. Das Gebüiide der H.-A.-Linie in London verkauft. London, 1. August. Reuter meldet: Die Gebäude und das Inventar der Hamburg-Amerika-Linie in London-Westenv sind beule für 602 000 Pfund Sterling an die Peninsular and Oriental Linie verkaust worden._ In den. Budapester Tuchlicfrrantenprozcsi wurden die Angeklagten zu Freiheitsslrafen von fünf bis zehn Jabren verurteilt. Die Ver- teidigung will eine Revision des Prozesses durchführen.. Russische Millionenwerte vernichtet. Zürich, l. August. Aus Moskau wird gemeldet: Durch Feuer wurden für zwei Millionen Tabak und drei Millionen Baumwolle, der Handelsindnstricbank und der sibirischen Handclsbahn gehörig, zerstört. Jugenüveranstaltungen. Cliarlottenburg. Das durch die Kriegfwlrren und insolge der be- bäuerlichen Spallun,, der Arbeite, bewegung ftir mehrere Monate geichloise,, aeweicne. tz u g e n d b e i m" wird Dienstag, den 7. August, abends 6 Uhr, wieder c r ö s s n e t und wird bis auf weiteres zunächst jeden Dienstag und Freiiag, abends von 8—>/,10 Uhr, offengehalten werden. Das.Juflendhcün" befindet sich im Volkshaufe, Rosinenstr. 4 I. Die schönen Räume des Heims sollen der Arbeiterjugend beiderlei De- lchlcchts im Alter von 14—18 Jabren, als gefelliger Aufenthalts, und UnterhaltungSraum dienen. Rclchhalllge Bücher-„nd ZeiilchrifienanSwabl, Spiele, leichtverständliche Vorträge, allgemein bildende und iilnstlerilche Veranstaltungen jollen neben Ausflügen, Wanderungen und fporlltchen Uebungcn dazu beitragen, die Arbeiterjugend gesund an Körper und Gellt erhallen. Unter AuSschakkrmz seh« DlZkussion Li« Rellglon«nd Politik, soweit solche nicht lediglich kulturellen Tharakter trägt, solle» Be- lebrungen aus pädagogischer Grundlage beitragen, sie zu freien, auf- rechten, selbständigen Menschen heranzubilden, die gerüstet sind, den schweren Kamps ums Dasein aufzunehmen. Eltern und sonstige An- gehörige der Jugend bittet der Verein„Arbeiterjugendhcim" um möglichst zahlreiche Zuführung der Jugendlichen. Sriefkasten der Neöaktkon. R. St. 100. 1. Sie müssen, da Sie dem Hilfsdienstgesetz unterstehen, bei Ausgabe Ihrer Stellung der Behörde davon Mitteilung machen. 2. Wenn nichts Besondere» vereinbart ist, müssen Sie die gesetzliche Kündi- pungSsriit von 14 Tagen einhalten, dürfen aber ohne Erlangung de» Kriegsscheins die Arbeit nicht einstellen. 3. Nein, Sie könnten Ihre Sache aber eventuell der SchlichtlNigSkommiffion zur Entscheidung vorlegen.— F. B. 28. Eine Gegenklage erscheint unS zwecklos; es empfiehlt sich aber, ii, einer Klagebcantwortung Ihre Gründe darzulegen.—(£. 2. 15. C6 ein Einspruch gegen den Strasbesehl Aussicht aus Verminderung der Strafe hat, erscheint uns sehr zwelselbast.— E. St. 35. Teuerung«. zulagen gehören zum steuervslichtigen Einkommen. Für Ihre sonstigen interessanten Mitteilungen besten Dan!: wir werden Sie paffend verwerten.— O. 9. Da sie wahrscheinlich in beiden Gemeinden die Ueberlretung begangen haben, wird auch die Strase von beiden erhoben. — Kulisch 07. Nein.— M. Sch. 57. 1. Wochengeld wird aus die Dauer von 8 Wochen gezahlt, von denen mindestens sechs in die Zeit nach der Nicdcrkunst sallen müffen. 2. Gewünschte Broschüre erhalten Sie in der Vorwärls-Buchhandlung.— Güstin»»,. 1. 10 Monate. Ein Altest vom Arzt oder Hebamme muß dem Antrag aus Befreiung beigefügt werden. 2. An das Amtsgericht dcS Bezirks, zu dem der Wohnort gehört. — F. H. 1900. Die Entscheidung ist endgültig.— H. N. 53. 1. An den Borsitzenden der SIlitommcnst-ucr-VeranIaguiigskommil'ion. 2. Die Ansicht hallen wir für irrig, da« Dienstverhältnis ist laisächlich zur Lösung gc- kommen. S. Die Gemeindesteuer kommt aber nicht ohne weiteres in Fori» fall: in dem Fall kann sie weiter erhoben werden. 4. Nein. 3. Ja. Sie können sich auf die vom Minister gegebene Anwrisuilg zur Berücksichli- gung Hcercsaiigebörlgcr bei der Steuererhebung stützen.— U. Z. Nein. — St. St. 81. Etwa 280 Mark jäbrlich.- Dtsstdent IX. Nein, auf leinen Fall gibt es eine gcletzliche VelholSbestimmiing darüber.— F. B. 62. Sie sind nicht crbbcrcchligt.— Rente. Ueber die Renten- crhöbung ist noch nichi enllchiedcn.— A. P. 100. Da werden Sie selbst nicht« tun können. Ein solches Gesuch könnte böchstens von einer Firma eingereicht werden.— Z. 41. 1. Ja. 2. Beschwerde ist zwecklos; da» Urlaubsgeluch kann nur erneuert werden.— Fcldaran 833. Der Frau steht die Rcichswochenhilse zu. Der Antrag ist an die Krankenkasse, der der Ehemann vor seiner Einbernsung al» Mitglied angehörte, zu stellen.— Bsetterauvstchten fftt das mittlere Rorddeuttckiland dt» Freitag mittag. Wann. trocken und vielsach heiter, strichweise Gc- wiiterrcgen. l>e«r»ev«.-a'ktiverteze-. Heute und folg. Tage 8 Uhr: Max Pallenberg in Der kleine Napoleon. Kam in erspiele. Heute und folgende Tage "'/» Uhr; GoldflHche(Lustspiel). Volksbühne. Theater am BUlowplatr. TTntorgrundb. Schönh. Tor. Heute und folgende Tage 7'/, Uhr: Fahrende JInslkanten (Singspiel,, Jlusik von RobertSchumann. I.easlntf-Themer. Heute und folgende Tage 7'l4 Uhr: Die Königin der L.nft. _(Gesangsposse.)_ Theater i. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: KUnstieriiche Tänze. Abschiedssouper. Komödienhafis 8: Wie(essle Ich meinen Mann? Berliner Theater 7.MÜ.; Die tolle Kointeü. URANIA Donnerstag. 2. August, 8 Uhr: Dun Oboreiigadln und der 8pliiffca. Victoria-Tlieater (früher Sanssouci) Kottbnser Straffe 6/7. Täglich abends 71/, Uhr: Vorher: 8iie!i»Ii!iiteii-Vlii'ZteI!lliig. Theater lür Donnerstag, den 2. August. Metropol-Theater vd.MiWlkMW. nij �aniidijrstiD. Frledrlch-Wilhelmst. Theater 7'/, Uhr: Gebr. Herrnfeld-Tii. Operetten-Gesteniel 7'/, Uhr: üe letze Ehefrau. Kleines Theater i;7�: Die Hausdame. Komische Oper v'if: Die Dose Sr. MajestKt. Lustspielhaus Tii rn.. bia blonden Mädels ' vom Lindenhof Neues Operettenhaus Schifibd. 4a, Kassent.Nd, 281 7'/,ühr:DerSolilatilepMai1e. Resldenss-Theater 8 uhr: Die Verhüllle. Schiller-Theater O 7'/, Uhr: Der fliegenile flollhniler Schillec-Th. Charl. 7,/jUhr: Thalia-Theater Heute geschlossen. Sonntag 3 u. T'/j Uhr: Charleys Tante. Tbeater am Nollendorfplatz tu uhr. Die Gulaschkanone, Theater den Westen« 7./. uhr: stolze Thea. Trlanon-Thcater a T,,. Die sittliche Forderung. 8 Uhr:[}|e Lore Bahnhof Friedrichstraßo, Anfang 8 Uhr. Rauchengest. KUhl. Aufenth. .'■.•.aite-lirldt-.a-. Neul Max u. Moritz, Neu! die her. rndfahr. Affen. Neu! Snintt, Neu! d.urk. sprech.Fangkünstl. Luiau Sohn.dieUnübertrffl. Der Weitsirelt zu Pferde. MIT' 3 Grazien am Draht, »» t|• Parforco- Halali s Voigt-Theater Btdsir. 53. Badttr. 58. T&gil:b große Extravorstellung. M Oiti Sraiien, Vorher: Erstklassiges SPezialttitten-Programi». Ans. wechent. i'lt, Sonnt. 4 Uhr. Admlrals-Palast. Abrakadabra phantastisches Ballet, auf dem Fl»«-. Angenehm, kühl. Aufenthalt. 7'!, U. Vorzügl. Küche. Rose-Theater. 7'(, Uhr; Die Stunde be» Berirauciiö.— Gartenbühne: Berlin wie es liebt und haBt. Walhalla-Theater. iU- Zigeuner. Garteiibiihiie: Vorstellung. Anf. 71/, ü. Reichshallen-Garten u. Saal G r oBesB I üthge n- K o n z e r t. Tägl. 7'/. Sonnt. 3'/, u. 7's. R. Steldl, A. MUller-Lineke, in„Der Herr ohne Wohnung". Keu! Die BariuBinoiie. Afra— Perzina— Mantl. Stäütisthe Elektrizitätswerke Serlin. veröffentlichen hierunter die von den Gemeindebehörden befchloffenen Aenderungen der Lieferungsbedingungen für Elektrizität. Die Äestiminungen treten mit den für den Monat Oktober 1917 auszustellenden Rechnungen in Kraft. 1. Für die Elektrizitätszähler wird in Zukunft in unserem gesamten StromversorgungSgebiet eine Gebühr erhoben, die monatlich für einen Zähler bis zu 0,75 Ltilowalt...... Mk. 0,60 2„....... 0.75 4........ 1,96 6........ 1,75 8........ 2,25 12........ 8,00 20........ 4,00 über 20........ 6,00 beträgt. 2. Die Verpflichtung der Abnehmer, für jede dem Normaltarif unterliegende Anlage einen Mindcstverbrauch von Mk. 40,— für das Geschäftsjahr zu gewährleisten, kommt in Fortfall, daS gleiche gilt hinsichtlich der Ver- pflichtung der Abnehmer, für jede dem Tarif„Betriebskraft und gewerb- liche Zwecke" unterliegende Anlage einen Mindcstverbrauch von Mk. 48,— für das Geschäftsjahr zu gewährleisten. 8. Die Erhebung einer Grundtaxc für Elektromotore zum Betriebe von Fahr- stühlen komnit in Fortfall. 4. Eine Gebühr für die Ausstellung der ElcktrizitätSzähler wird.nicht mehr erhoben. 5. Auf alle Rechnungsbeträge nach dem Normaltarif, Doppcltarif, Reklame- tarif, HauStarif, Tarif für BetricbSkraft und gewerbliche Zwecke wird bis auf weiteres ein Teuerungszuschlag von 25 Prozent erhoben. Die auf Grund des Pauschaltarifs ausgestellten Rechnungen bleiben unverändert. Die Rechnungen auf Grund des Einheitstarifes für Wohnungen und Werk- stätten werden derart geändert, daß die Bodenflächcngebühr von 3 Pf. auf 2,5 Pf. monatlich für jedes Quadratmeter Bodenstäche herabgesetzt und auf den Preis für die Kilowattstunde mit 16 Pf. ein Teucrungszuschlag von 25 v. H. erhoben wird. Berlin, den 1. August 1917. 63/20» Städtische Elektrizitätswerke Herlin. Eoninx. Passavant. ööllinar Pfalal-'Msl. Kastanienalle« 7—9. Zum 67. Male: Aha— famos! Gr. Ausstatlung«-Operettenpoffe in 3 Akten mit Gesang u. Tanz. Vorher d. gr. Varintsprogramm. An lang 4'/, Uhr. Westnunn'i Trauermosozln GrSBt« Auswahl. Billigste Preis«| t. Uohranstr«»« 37« (Kolonnaden) |/, Uhr, von der Leichenhalle des Aus- erstchuiig«- KirchhoseS In Weigenie«. Llchlenberger Str. 110/23. aus stall. Xuehruk. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Metallarbeiler Karl Zehlke Tegel, Heidtstr. 5 am 26. Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«; Die Drtsmwaltnng. Am 29. Juli verschied nach kurzem, doch schwerem Kranfenlager an Leberkrebs unser lieber Vater, Schwi,. nervater und Großvater, der Zimmerpolier Herr Wilhelm Rohrmund im begonnenen 80. Lebensjahre.— Ein gewiffenhaster, treuer und freier Mann ist mit ihm dahingegangen. dessen Andenken jeder, der ibn kannte, schätzen und in Ebren palten wird. 64b In tiefer Trauer Agnes Kitzler geb. Rührmund, Georg- Eugen Kitzler, Erna Kitzler, Bruno Kitzlsr, z.Z. im Felde. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittag« i Uhr, von der Leichenballe des Trevlower Friedhofes, Kies- holzltratze. aus statt. OrIxknsIxemlUde, reizende Landschaslen, gediegener Zimmcilchmuck. Probeolgcmälde: 14 Mark. Äncrlennung:«Ori- ginalgcmälde allgemein Anklang meiner Bekannten gesunden. Erbitte weitere Zebnerkollektion Mark 126.—. Umtausch vorbe- halten.- Fuss», Kunstverlag. Berlin 59. 52522 Hämorrhoiden Verlang. Sic Gratisprospekt. Dr.(rfehhard& Cie., Berlin 117, Hallesche Str.23d. UnterhaltungsbSatt des vorwärts �Sportgrimassen". Artur Luerssen schreibt rm ersten Juriheftc des „Deutschen Willens": Äenn icniand von Sportübertreibunqen redet, dann pflegt er auch daraus hinzuweisen, mit wie hählichen, verzerrten Gesichtern die Sportwetilämpser ans Ziel konimen.— Gewih, auf dem qrünen Nasen sehen wir aanz andere Gesichter, als wir sie im IirkuS oder auf der Buhne gewohnt sind— aber sind sie denn wirklich HSfslich? Das kann man nicht nach der„Gewohnheit" entscheiden, Wie kommt die Verzerrung des Gesichts zustande? Auf verschiedene Weise: wenn wir irgendeine Bewegung ausführen, so benutzen wir dazu nie nur einen MiiSkel, sondern stets mehrere, die sich gegenseitig teils unterstützen, teils Widerstand leisten. Aus ihrem Zusaninren- und Gegenspiel slietzt jene gweckmäbigkeit und Abrundung der Bewegung, die ihr die Schönheil verleiht. Bei starken Bewegungen werden nun aber nicht nur die un- bedingt dazu noiwendigen Muskeln und Glieder betätigt, sondern auch andere. Wir machen Hilfsbewegungen— um so mehr, je mehr wir ermüden. Wenn wir zum Beispiel schnell und andauernd laufen, bewegen wir die Arme mit, heben— zur Erleichterung der Atmung— den Brustkorb, strecken den Hals und blähen die Nasen- flügel. Dazu kommt noch, daß die Nervenerregung bei stärkerer Be- wegung leicht hinüberslutet auf andere Nervengebiete. DaS können wir namentlich bei Ungeübte», die sich weniger in der Gewalt haben, beobachte». Sie hanipeln und zappeln in der Erregung, die eine größere Enlschliesiuiig und Anstrengung mit sich bringt. Ungeübte machen leicht auch die gewollte Bewegung zu groß und zu stark, so daß das bewegte Glied über das Ziel hinaus- schießt und durch andere Bewegungen zurückgeholt werden muß. Weiter wirkt auch der Afsell mit. Wille, Erwartung, Berech- nung, Zfreude, Schmerz, Zweifel, Betcübung, Acrgcr, alle die können mit der Bewegung— eiiva mit einem Weltlauf— verbunden sein und� spiegeln sich in bestimmten Bewegungen, Spannungen und Entspanilungeil des Körpers und im beionderen des Gesicktes wider. Schließlich macht sich auch die Erscböpsung durch Form- und AuSdruckSverändcrungen bemerkbar. Die Muskeln unseres Körpers befinden sich gewöhnlich— selbst in der Ruhe dcS Wachenden— in einer gewissen, sozusagen erwartenden Spannung. Wird der Körper nun stark bewegt, so ergreift die Erschöpfung nicht nur die am meisten bewegten Muskeln, sondern auch andere mehr oder minder, und ihre Erschlaffung gibt dem Körper und Gesicht auch noch einen anderen Ausdruck. Diese verswiedencn Wnkungcn treten in ganz verschiedenem Grade und Wechsel bei starken uiid crschöpscndcn Anstrengungen auf, oft_ alle zusammen. Sie sind nicht alle natürlich, zum Beispiel nicht die durch mangelnde liebung verursachten, aber im übrigen gehören sie untrennbar zur heftigen An- strengung. Das fühlt auch der Sportgegner, wenn man ihm das Bild eines galoppierenden Pierdcs zur Beurteilung vorlegt. Hier hält er schäumendes Maul, geblähte Nüstern, aufgerissene Augen- lider, geschwollene Adern sür natürlich, selbstverständlich, schön. Warum? Weil er es gewohnt ist und kein Maler ein galoppieren- des Pferd mit einem ruhigen Gesicht malt. Die ungeschickten Bewegungen wirken störend, komisch und da- durch häßlich, die anderen„Verzerrungen", durch Ueberfluten der Nervenerregung, durch Herbeiziehung der HilfSmuSkeln, durch Affekt, durch Erschöpfung, die bis zu einem gewissen Grad« zur An- strengung gehören, sind natürlich und wirken in ihrer Art auch schön. Wer selbst an der Stählung und Beherrschung seines Körpers gearbeitet bat, der kamr sich gar nicht denken, daß ein Läufer bei schwerem Wettbewerb mit dem heiter lächelnden Gesicht, da» er beim Mahle zeigt, oder mit den ruhigen Zügen, die er beim Lesen eines Buches annimmt, durchs Ziel rasen tömile. Eine andere Fkage ist eö allerdings, ob diese erschöpfenden An- strengungen nicht übertrieben sind und als solche unschön, abstoßend. Aber warum sollten wir uns immer nur an leichter, spielender Be« tätigung erfreuen und nicht i»r Vollgefühl unserer Kraft gelegentlich unsere Befriedigung darin suchen, sie bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit auszudehnen? Das Bestreben, alle Nebenbcwegnngen bei der Seibesübung zu beherrschen und zu unierdrücken, führt sogar zu Häßlichkeiten. Die Rekrutendriller und manche Borturlier erzielen danrit ja manches Gute, aber auch rnanckes Unschöne: ruckartigc. krampfartig« Be- Wegung, steife Haltung, hölzernen GcsichtsauSdruck, und die passe» gar nicht zu dem frischen, frohen, freien Geist des Jabnschen Turnens. Roch Schlimmeres erzeugt das Bestreben, auf die Unterdrückung der Anstrengung noch einen Ausdruck der Leichtigkeit, des Vergnügens hiltaufzusetzen, wie es vielfach die Zirkuskünstler mit ihrein festgeleimten Lächeln und ihrem wohlabgcwickelten Zuwinken versuchen. Daß das Rrchlige hier wirklich einmal in der Mitte liegt, wird 17, Inders hjarmsted. Von Jakob Knndsen. Pastor Steffenscn wurde vom Hausherrn in das Garten- zimmer geführt, lvo den Gästen die erste, vorläufige Be- mirtung zuteil wurde; ein Glas Branntwein— oder für die Damen„alter französischer Wein" oder Met.— Pastor Gteffensen war so geistesabwesend, dafi er den Proprietär sein Glas mit Branntwein füllen liest; er mußte es nun nach Brauch und Herkommen auch leeren. „Ja, ja," sagte der Proprietär,„nun danken wir Ihnen auch sür Ihre schöne Traurede, Pastor Steffensen. Sie haben da eine ausgezeichnete Traurede gehalten. Ich glaub auch, Sie haben Jesu Namen achtmal genannt. Das Hab ich wirk- Itch gern in einer Rede." Steffensen konnte nur sagen:„Hä, hä, hä,"— obwohl das seiner Stimmung durchaus keinen Ausdruck verlieh. Drinnen in der anstoßenden Stube sah er einen Schimmer von einem Brautschleier und ein Bewegen Heller Kleider,— es waren wohl die Brautjungfern. „Guten Tag. Herr Pastor," sagte eine schnarrende Stimme. „Ich danke Ihnen für— ihre schönen Worte. Es freut mich, Ihnen die Hand zu drücken!" „Hä. hä, hä," stammelte der Pfarrer, indem er und der Bräutigam einen Händedruck tauschten.— Dieser gehörte augenscheinlich nicht zu der alten Familie, wie sonst viele der eingehcirateten Schwiegersöhne und Schwiegertöchter.— Sein äußeres Wesen schien ganz Maskerade. Eine Mischung von Provinz-KommiS, Offizier und Agrarier. Gleich nach ihm kam sein Bruder, der Hardcsadjunkt Fischer, Proprietär Faurholts juridische Rechtghand. Aclter und wohlbeleibter alS der Bruder, der Kleidung nach jedoch noch ganz junger, flotter, dem Gesicht nach vielleicht auch aus- schweifender Kavalier. Doch nicht davon empfing man den stärksten Eindruck; etwaS anderes lag in seinem Gesicht und Wesen, etwas, das so hervortrat, daß man sich unwillkürlich darüber wunderte, daß er sich damit in Gesellschaft blicken lassen konnte: die völlig nackte Gleichgültigkeit seinen Mitmenschen gegenüber. Es war ein Egoismus, so brutal, so frcch-offen- kundig, daß seine Höflichkeit geradezu peinlich, ja, unver- schämt wirkte.— Hellblaue Augen, so ausdruckslos und so von den sortschnttlichen Sportkreisen allmählich erkannt. Man hält jetzt mehr auf„guten Stil", wo man früher dem Grundsatz huldigte. mehr auf die Leistung als auf die Art der Durchführung zu geben. Natürlich mutz es stets und überall unser Streben sein, die Nebenbewegungen— auch die durch Affekte bewirkten— möglichst im Zaum zu halte» und die Anstrengung mehr„spielend" beherrschen zu lerne». Das können wir auch in den meisten Sportarten, selbst im Kampssport wie Fechten und Boxen sSpoitboxen. nicht Preis- boxen), und unsere Sporileute haben da noch manches zu lernen. Wir müssen uns aber auch stets vor Augen halten, daß wir bei einem Sport, der die höchste, allseitig« Anspannung bis zur Er- schöpsung erfordert— wie zum Beispiet Wettlaufen und Ningen— keinen anderen Ausdruck erwarten dürfen, als eben den der höchsten Anspannung und auch der Erschöpfung. Dann werden wir auch Schönes finde», Ivo wir früher auS Kurzstchligkeil und Unüberlegt- heil nur Häßlichkeil sahen. 5rancesco Sorromkni Zu seinem 950. Todestage, 2. August. Erst die neuesten Fortschritte im Verständnisse des Wesens und der Entwicklung des Barocks haben auch der Würdigung Borrominis den Weg gebahnt, nachdem dieser Meister lange Zeit die Nolle einer Art von Prügelknabe in der Geschichte der Baukunst hat spielen müssen. Heute wird es kaum mehr auf Widerstand stoßen, wenn man den Erbauer der Sapienza-Kirche als einen zwar aus- schweifenden, aber zugleich doch wahrhaft originellen, kühnen und bedeutenden Baukünstler bezeichnet, dessen Wirkiamkeit sich der Kunst- geschichte dauernd eingezeichnet hak. Borrommi stammte aus Bisione im Mailändischen und war zuerst Bildhauer. Wie allen Bildhauer- Baumeistern des Barocks inerkt man auch ihm einen künst« lerischen Ursprung an der Ungebundenheit an, mit der er später den Baustoff behandelt hat, gleich als ob er die plastische Masse des Bildhauers wäre. Borromini arbeitete zuerst in der Werkstatt des Bernini. und als er diese» Meister verließ, steckte er sich das Ziel, ihn u»ter allen Umstände» zu übertnimpfen und auszustechen. In dieser Absicht suchte er nach außerordentlichen Wirkungen, und so steigerte er die sür die Baukunst deS Barocks so bezeichnende Betvegung der Baumassen bis zum Acußersten. Borromini ist es gewesen, der die starke Vorziehung und Zurllckschiebnng der einzelnen Bauteile, wenn nicht zuerst gewagt, so jedenfalls zuerst grundsätzlich, allgemein und im stärksten Maße durchgeführt und der die gebrochene und geschwungene Linie in der Fassaden- bildung zum Siege geführt hat. Er hat damit die Baukunst weiter als irgend ein anderer Meister von der Formel der antiken Archilekmr enifernt und dem eigenwilligen Selbstgefühle deS Barocks den höchsten Ausdruck gegeben. Seine bahnbrechende Schöpfung ist die 1664 vollendete Kirche von S. Carlo alle quatlro Fontane zn Rom. Welchen Anklang seine Neuerungen gefunden haben, bezeugt der Umstand, i» wie weitem Maße der Borromini- Stil alsbald Mode ivurde. Er kam der Neigung der Zeit für das Malerische, Ueberraschende, Dramatlsch-bewegte ans das willkommenste entgegen; durch Borrominis Schöpfungen scheint eine Art Taumel, ein Rausch zu gehen, der sich bis auf die ktzlen Bauteile erstreckt. Die Unruhe und Maßlosigkeit diese« Stiles sind oft und gebührend bervorgehobcn worden, n»d eS sind diese Eigenichasten gewesen, denen Borromini seinen schlechten Nnf in der Kunstgeschichte verdankt' Aber schon der ihm»ichlS weniger als wohlgesinnte Jakob Bmckhardt erkannte doch, daß Borromini zugleich ein Meister schöner und großartiger Hauptverhältnisse war, und später hat Cornelius Gurlut mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß an dem erwähnten Kirchenbau die Fülle der Bau- und Schmuckmotive den Raum nickt erstickt, sondern vielmehr über die Kleinheit deS Grundrisses überaus glücklich hinwegtäuscht. In der Tal ist in S. Carlo einem engen Bauplatze mit überragender Genialität eine erstaunliche LebcnSsülle abgerniigen Ivorden,»nd auch die Kirche S. Ivo der Sapienza lUniversität) zn Rom bekundet Borrominis Sinn für echt räumliche Anordnung und Zusamnienstimmiing. Ein echter Barockinensch, über- schwenglich, leidenschaftlich und maßlo-Z, ist Borrommi sedemalls gewesen. Da cS ihm schließlich doch nicht gelang. Bernini den Rang abzulaufen, so soll er sich aus gekränktem Ehrgeize deswegen den Tod gegeben haben._ Kleines Theater:»Die Hausdame.' Lustspiel von Max Kempner-Hochstaedt. DaS beliebte, oft recht lustig variierte Komödienthema minn- sicher Schwäche, die durch keinen Schaden klug zu machen ist, wird von dem Autor hier in drei langen, bei aller rücksichtslosen Ver- gewalligung von Logik und Psychologie doch kaum die spärlichsten Lachcffelte erzielenden Aufzügen abgehandelt. Bei einem reich gewordenen Erfinder, der nach glücklich erreichter Ehescheidung be- inedigt seiner Arbeit lebt, meldet sich auf die Annonce, in der er geblendet gegen Eindrücke wie geweißtc Fensterscheiben in einem unbeivohnten Hause; dichte, vorspringende, hellgraue Augenbrauen; große, harte Nase; schmale Lippeil und großes, kantiges Kinn.— Sein helles, dünnes Haar war an der Stirne gescheitelt, er trug einen farbigen Schlips, und seine Kleider ivaren gespannt angefüllt von seinem muskulösen, viereckigen Körper. „Tag, Herr Pastor," sagte er.--„Hören Sie. Faur- holt, sagen Sis mir doch mal-- diese Zwangsversteigerung auf deni Bjerrchof— er machte ein Zeichen, und der Pro- prietär ging zu ihm hin. „WaS ist, lieber Fischer", sagte Faurholt und klopfte den Adjunkten auf die Schulter, indem sie sich beide cnt- fcrntcn. Daß er daS konnte, dachte der Pfarrer. Welcher Uebcr- fluß an gesunder Menschenwärme, daß er fit der Nähe eines solchen EiSblockS nicht erfror I Der Pfarrer erhob sich. Er konnte cS nicht aushalten, in dieser Stube zu sein. Leutnant Fischer stand drüben in der Tür. Der Schnaps, den er getrunken hatte, verursachte ihm Unbehagen. Als er in die Wohnstube trat, herrschte großer Andrang der Leute zur Hoftüre hin.— ES würde noch eine kleine Weile dauern, bis das Mittagessen fertig wäre, hatte Madam Faurholt ihrem Manne mitgeteilt; und da wäre es wohl am besten, hatte sie gesagt, wenn die Gäste jetzt hinausgingen und sich das Gut und feinen Bestand an- sähen, um sich nicht in den Stuben zu drängen. Der BetvillkomMnimgsschnaps hatte gute Wirkung in den leeren Mägen getan, und man>var in froher Mittags- erwartung, so daß es eine muntere Gesellschaft war, die nun in Stall und Scheune zog. um zu inspizieren. Die Mitglieder der„alten Familie" genossen ausgedehnte Freiheit zu gegen- seitiger Kritik, und es gab auch genug Anlaß, sie anzu- wenden. Fast alle die größeren Höfe, die in den Händen dieser Familie waren,"waren in der Umgegend bekannt wegen der Unordnung, die auf ihnen herrschte, aber ganz be- sonders berühmt war die Schweinerei in dem WirtschastS- gebäude auf Stavn. „Gott sei Lob und Dank," rief Paul Vinding von Skrö- strup drinnen im Schwarme, daß er uns heut son schönes Wetterchcn geliefert hat,— sonst hätten wir doch unfern eine neue Hausdame für seine Junggesellenwirtschaft sucht, die hold- selige Geschiedene selbst zur Uebernahme der Stellung. Vertrauend ans den Zauber ihres hübschen Lärvchens hält sie'S auch jetzt für überflüssig, ihre herrisch-eigensinnigen Launen und ihre Flatterhaftig- keit, womit sie einst das Leben ihm zur Hölle machte, im mindesten zu verbergen. Je arroganter und je törichter sie sich benimmt. destomehr— so kalkuliert sie offenbar— wird der entlaufene Herr der Schöpfung sich wieder nach dem früheren Joche sehnen. Und der alte Esel tanzt, wie es das Programm verlangt. Die ganzeHauSordnung wird, ohne daß er nur zu mucken wagte, von ihr umgestülpt. Einen semmelblonden jugendlich-idiotischen Verehrer schleppt sie mit sich und setzt dem Freunde ihres Gatten a. D. mit einer Offensive ihrer Koketterien derart zu, daß dieser ihr gleichfalls einen Antrag macht. Sie und der Autor häufen jede überhauvt nur ersinnbare Demllti- gung auf das Haupt deS einst so spröden Eheinvaliden, bis der, ganz mürb geworden, nach einem Schwüre unbedingten ewigen Ge- horsamS von neuem Einlaß in das verlorene Paradies erhält. Die Breite, zu der die Szenen ausgesponnen sind, ließ die Ueder- treibung noch verdrießlicher erscheinen. Hermann Pfanz be- lebte die Darstellung deS Opfers durch drollige Züge eines well- fremd hilflosen GelehrtentumS. Fanny Wenaldy war eine pikante Repräsentantin deS weiblichen Eroberertemperamenls. DaS Publikum applaudierte mit Eifer. ät. Heuschrecken- und Libellenschwärme. Man schreibt unS: In einigen mitteldeutschen Ortschaften wurden während der ersten heißen Julihällte in Obst- und Gemüsegärten große Schwärme von Insekten gesehen, die man als Wander- Heuschrecken sehr gefürchtet hatte. Wie jetzt nachgeprüft werden konnte, waren die angeblichen Heuschrecken nichts andere« als Libellen, die in großen Schwärmen auflraten, sich ans Aeckern und Bäumen niederließen und hier die Schädlinge der Pflanzen, Käser und Kohlweißlinge gründlich vertilgten. Sie hatten mithin genützt, während man von ihnen Schaden befürchtet hatte. Die Libellen werden mit ihren buntzarten Leibern und den farbenschönen Flügeln vielfach mit den Heuschrecken verwechselt. Da sie eben- falls in großen Scharen austreten, mit einem eigentümlichen Surren und Zirpen durch die Lüfte sausen, wie die Heu- schrecken, ist eine Verwechslung leicht denkbar. Aber während die Libellen mehr nützlich und harmlos als swädlich sind, ist der Heu- schreck der mit Recht vom Landmann und Obstzüchter böS gefürchtete Räubergeselle. In früheren Jahrhunderten ist unser Vaterland durch Heuschreckenschwärme oft grausam geschädigt worden. Die Heinial der Heuschrecken sind die Steppenländer am Schwarzen Meer und am Kaspischen Meere. Die unberührten Bodenflächen boten ihnen in bestimmten Jahren zu wenig Nahrung, deshalb zogen sie ans Reisen. So fielen die reisenden Flurränber in Polen und Schlesien ein und hinterließen überall kahle Felder, leere Bäume und Slräucher. Rußland, Italien, Franl- reich und Schottland haben im achtzehnten Jahrhundert schwer gelitten unter den Heuschreckenschivärmen. In Italien wurden in drei Jahren 2.6 Millionen Mark ausgegeben für ihre Vertilgung. In Rußland konnte in den Landstädten kein Brot gebacken werden, da die Backösen von den furchtbaren Plagegeistern überfallen waren. Hungersnöte waren die Folge ihrer Heimsuchung. Im achtzehnten Jahrhundert traten sie in Preußen und Branden- bürg auf. Gotha und Jena waren gänzlich laub- und halmleec ge- ressen. Sie kamen wie eine schwarzgrüne Wplke daher, surrten, o meldet ein Chronist, daß es sich anhörte, als stürze ein Fluß in die Tiefe, und unter ihrer Last brachen Baum- aste zusammen. Gegen ihre Vertreibung wurde mit allen Mitteln gekämpft. Man läutete die Glocken drei Tage lang, schoß mit Kanoiien und Flinten, ließ ganze Wasserläufe auf sie nieder und erreichte, daß sie nach drei Tagen die Stadt verließen. Der verursachte Schaden war so groß, daß keine Krume im nächsten Jahre gebacken Iverden konnte, und die Stadtväter ließen Münzen prägen, die an die Heuschreckenplage erinnern sollten. Heute haben wir eine Heuschreckenplage, wie sie gegenwärtig Amerika wieder heimgesucht hat, nicht zu fürchten. IleberdieS würde auch unsere vorgeschrittene moderne Technik bald Mittel und Wege finden, um ihrer endgültig Herr zu werden. Notizen. — Ein neues Pompeji. In nächster Nähe von Eupatoria, einer Hasenstadt der Halbinsel Krim, wurden die Trümmer einer antiken Stadt entdeckt, die schon seit langen Jahrhunderten im Schöße der Erde begraben lag. Professor Moissejeff, Mitglied der archäologischen Kommission, erstattete sogleich nach Petersburg Be- richt über diese bedeutsame Entdeckung; der Gelehrte erklärte, bei den AuSgrabiinge» eines Teiles der Stadt sei man auf kolosiale Türme und äußerst solide Mauern gestoßen, die vom architektoni- schen Standpunkte von allergrößtem Interesse seien. Mittagsfrast in Strümpfen verzehren müssen— nach der Spaztertour hier." »Ja," sagte der Wirt,„eS ist besser, wenn ein wenig Schmiere auf dem Hof ist, als wenn der Dunghausen so mager ist wie auf Skröstrup."-- „Sich, sieh,— hier ist wahrhaftig Beleuchtung!" rief ein andrer von den Gästen, als man in den Stall gekommen wär; daS Westende war geradezu nicdergeweht worden tvährcnd cineS allgemein bekannten Sturmes, der im Februar in der Gegend gelvütct hatte, man hatte noch nicht mit der Reparatur begonnen. „Ja, das ist nun auS Anlast von CecilienS Hochzeit geschehen, dost wir daS niedergelegt haben, damit unsrc Gäste doch hier drinnen sehen können," erwiderte Faurholt.—„auch die, die eine Brille tragen." „Das ist ganz vortrefflich. Kren Faurhalt. Ich brauche nicht mal meine Brille aufzuhaben, um alle Rippen an deinen Kühen zählen zu können, jede einzige," wurde darauf geantwortet. So ging die Unterhaltung während der ganzen Zeit wclttr, so lange die Herumführung dauerte. Aber als eine Art Bast zu diesem Diskant wurde gleichzeitig manch ver- nünfttges und interessiertes Gespräch geführt über Handel und Märkte und über den Wert dieses VieheS,— ja, Kren Faurholt verkaufte sogar zwei Stück davon an den Mann von Skröstrup, während man sich da brausten im Stalle aufhielt. Plötzlich erscholl Geschrei drüben aus der Scheune her, wohin die Frauen sich begeben hatten. Ein solches Gelächter und Lärmen herrschte dort, dast die Männer geradezu liefen, um hinzukommen und zn sehen. „WaS ist denn da, was ist denn da?" sagte Kren Faur- holt, der sich etwas mehr Zeit liest. Eine Frau rief lachend auS einer Schcunenluke heraus: „Da laufen zwei grosto Zuchtschweine auf der Dreschtenne mit ihren Ferkeln herum!" Kren Faurholt ging hinein. Ja. eö war allerdings so. Und daS Aergste war. dast die Schweine in einem mächtigen Stapel gedroschnen Roggens wühlten, der drinnen auf der Tenne lag und gereinigt werden sollte. 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