Ilr. 210. 34» Jahrg. A bonnemen ts- Btdlngunafa s Ebonnement«- Stet» trftmnnetim»#' Sietteljäficl 8.90 Ml, monaU. LSO Ml, Wochen llt» 80 Sig. ftei m» Hau». Einzelne Nummer ö Sig. Eonnlag»- nunimet mil tllusttierier Konnlag»» Vellage ,Die Neue Weif lO Big. Soli» libonnement: 1,30 Mark Sio Monat. «illgerragen in die Soii-Zeitung»- Sreisliile. Unter Kreuzband cht Teuilchland und Oesierreich. Ungarn ZiO Marl, für da» übrige iw-Iand 4 Marl vro Monat. Sostabonnemem» nehmen an Belgien. Dänemarü Holland. Italien. Luxemburg. Porrugal. Munanien, Schweden und die Schweiz Vicht»! ligllch. Verlinev VolKsblcrtk. ( 5 Pfennig) Der Bnzflgcnprcls betrügt f. die siebengespaltenc Kolonel. »eile 60 Pfg.„kleine Sn-cigen", das sciigedruckte Wort 20 Pfg.(zu- lässig 2 settgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengejuclie und Schlafslellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort ä Pfg. Worte über 16 Buchjlabcn zählen jhr zwei Worte. TcuerungSzuschlag 20«/» Politische u. gewerkfchastliche Vereins- anzeigen die siebengespalleneKolonel- zeile-tO Pfg. Fainilicnanzeigen 60 Pf. Anzeigen jür die nächste Nmmner lllülsen bis S Uhr üachmiUags in der Saubl-Sxvebilion abgegeben werden. eöffnet V.LUhrjrüh bis' Uhr abends. lelegraimn- Adresser „S»rlilliieln»lir»l Kcrstll". Zcntra\organ der rozialdcmokrati fchen Parte» Deutfchlands. Redaktion: EW. 68, Liaüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morippla«. Skr. 1S1 SV— 151 97. Freitag, den 3. August 1317. Expedition: Ew. 68» tltnüenstraße 3. Nernsprechrr: Amt MoritzplaS, Str. IS» 90— IS» 97. Zn Flandem Feuerkamps, im Osten Kampsersolge Von Langemarck bis zur Lys alle An- griffe abgeschlagen— Französische Vorstöße bei Filain, Cerny und westlich der Maas— Vorrücken zur russischen Grenze auch südlich des Tnjestr— Die deutschen Truppen vor Mmpolung. Amtlich. Großes Hauptquartier, den Z.August 1917.(W. T. B.j Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Auf dem Schlachtfeld in Flandern kam es erst nachmittags wieder zu heftigen Artillcriekämpfen. Bo» Langemarck bis zur Lys lag mehrstündiges Trommel- feuer auf unseren Linien, ehe der Feind gegen Abend zu neuen starken Angriffen auf dieser Front ansetzte. Gs enspannen fich wieder schwere Kämpfe, in denen die vom Gegner ins Feuer geführte» Divisionen überall zurückgeschlagen, mehrfach auch unsere Kampflinien bei erfolgreichen Gegeustößcn vorgelegt wurden. An keiner Stelle gewann der Frinb Borteile; dagegen büßte er in unserem ungefchwächtcn Abwehrfeuer viel Blut, durch unsere Gegenangriffe au Einbruchsstellen auch mehrere Hundert Gefangene ein. Nach�unruhiger Nacht frühmorgens östlich von Whtschaete erneat vorbrechende englische Angriffe sind gleichfalls verlustreich gescheitert. Heeresgruppe Deutscher K r o n p r i« z.. ,..uj Am Ehemin-des-Damcs wiederholte» die Franzosen ihre er-. f-lgloseu Anläufe gegen die von uns südlich von Filaiu und süd- östlich von Ecrnh gewonnenen Höhenstcllungen. Während des Tages und in der Nacht stießen sie bis zu fünfmal gegen unsere Linien vor; stets wurden sie von uuscrrn bewährten Kampftruppen abgewiesen. Auch auf dem Wcstufer der Maas führte der Feind abends einen vergeblichen Gegenstoß zur Wiedcreroberung der ihm en«. riffenen Stellungen.— Die Gefaugencitzahl aus de» gestrigen erfolgreichen Kämpfen, an denen außer badische» auch hannoversche und oldenburgische Truppen rühmliche» Anteil haben, hat sich auf über 750 Mann erhöht. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bauern. Heeresgruppe des Generaloberst v. Boehm- E r m o l l i. Im Winkel zwischen Zbrucz und Dnjestr wurden russische Nachhuten bei Wygoda an der Straße nach Chotin geworfen. Nördlich von Czernowitz nähern sich»nsere Divisionen avch südlich des Dnjestr der russischen Grenze. Front de? Generaloberst Erzsierzog Joseph. Die russische Karpathenfroot ist jetzt zwischen Pruth uud den Südosthängen des Kclemcn-Gebirgcs im Weichen. Deutsche und österrcichisch.uugarische Divisionen drängen de« Feinde, der vielfach hartnäckigen Widerstand leistet, nach. Wir stehen vor Kimpoluug. Zwischen Ojtoz- und Casinu-Tal setzte der Feind auch gester« starke Kräfte ein, um de» Mgr. Cafinului zu gewinnen. Mehrere nach heftigem Feuer erfolgende Angriffe scheiterten an der Standhaftigkeit der Berteidiger. Der Erste Generalquartiermeister. Ludcndorff. � Abendbericht. Amtlich. Berlin, 2. August 1917, abends. In Flandern bei Regen wechselnd heftiger Fcacr- kämpf. Zm Lsten Kampfcrfolge am Pruth und S e r e t h sowie im Suczawa-,Moldawa- uud B i st r i tz- Tal.__ Ter österreichische Bericht. jk i e u, 2. August 1917.(W. T. L.> Amtlich wird verlautdart: Oestlicher Kriegsschauplatz. H e e reSgruppe des Generalfeldmarf Halle ■»-♦. von Mackense«. Keine besonderen Ereignisse. Heeresfront des Generaloberst Erzherzog Joseph. Der Feind griff beiderseits des C a s i n u- Tales zu wieder- Hollen Malen heftig an— unsere tapfere» Truppen blieben im Gegenstoß und in stundenlangem andauernden Nahkampf Sieger—, die rusfisch-rumönischrn Divisionen mußten unter schweren Ber- lustcn in ihre Stellungen zurückweichen. Die Armee des General- oberst von Köveß gewinnt unter Kämpfen Raum. Tie Höhen äst- lich»oa Tragoieffa in der Dreiläuderecke und die Gegend nördlich von Kimpoluug sind in unserer Hand. HrereSfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Die Streitkräfte des Generaloberst von Boehm-Ermolli dringen unmittelbar südlich des Dnjestr gegen die russische Grenze vor. Der MündungSwinkel des Zbrucz wnrdr zum größten Teil vom Feinde gesäubert. Italienischer Kriegsschauplatz und Balkan. Nichts zu melden. Der Chef des GencralstabcS. Der Zeitpunkt üer Stockholmer Konferenz. Stockholm, 1. August. schickt werden sollen. Dieser Beschluh wurde in einer Versammlung der Parteileitung gefatzt, in der von 17 Mitgliedern nur 9 anwesend waren. Die 8 Arbeiterführer, die der Versammlung nicht beiwohnten, sind entschieden dagegen, datz britische Arbeiter mit beut- schen Sozialdemokraten verhandeln, solange der Krieg dauert. Sie sind der Ansicht, datz die ganze Frage auf der K o n f e r e n z in M a n ch e st e r inr Januar dieses Jahres endgültig entschieden worden ist. Henderson wird heute aus Paris zurückkehren und nähere Aufklärung geben. Die„TimeS" teilt ferner mit, datz die anderen Minister der Arbeiterpartei von Henderson über die von ihm eingeschlagene neue Politik nkcht verständigt worden seien. „Daily Telegraph" erfährt aus den Kreisen der Arbeiter- Partei, man sei der Ansicht, daß die Gefahr, die durch die Konferenz in Stockholm für die Sache der Alliierten entstehen könnte, vermindert tvürde, wenn auch Vertreter der britischen und französischen Arbeiter hin- gingen und den etwas impulsiven Idealismus der Russen, der über einen Frieden ohne Annexionen und ohne Kriegs- entschädigung verhandeln»volle, dämpften. Der Verlauf der Dinge bestätigt also zunächst, was wir beim ersten Auftauchen der Meldung von der englisch-franzö- fischen Sonderkonferenz sagten: sie werde zu einer Stockholmer Lorkonferenz werden und werde zeigen, datz es weder für die Engländer noch für die Franzosen Politisch angängig ist. sich gegen den Wunsch der russischen Sozialisten, der die öffent- liche Meinung Rußlands verkörpert, zu kehren. Schädlinge der ßrieöensarbeit. Haafe in London. Am 28. Juli beantragten Ramsay Macdonald und Trevelyan im Unterhaus, dieses möge seine Ueb er ei»stimm ung mit dem Friede ii sprogramm des Reichstags erklären. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, was die Annahme diese« Antrags für die Welt bedeutet hätte! Er wurde aber abgelehnt mit der winzigen Mnderheit von 19 gegen 148 Stimmen. Von der Pretzhetze, die dieser Abstimmung vorausging, gibt die setzt hier eingetroffene Nummer der„Times" vom 26. Juli eine Vor- stellung. Am interessantesten ist uns aber das Material, dos zu dieser Hetze verwendet wurde. Die„Times" bringt einen langen Auszug aus Haases Rede, in der das Friedensprogramm de� Reichstags heruntergerissen wurde, und sie verhöhnt in einem Leitartikel Macdonald, der in diesem Programm die Grundsätze der englische Politik erkennen wollte, die doch lauteten:„Wiederhcr- stellungen, Wiedergutmachungen und Garantien." Als Haupttrumps gegen die englische Friedenspropaganda wird wieder die Haase-Rede ausgespielt. Der Artikel sagt nämlich zum Schlutz: Wir empfehlen Mr. Macdonald, die Bemerkungen des H errn Haaie über die Mehrheit des Reichstags zu lesen. Es ist die Entschlietzung dieser Mehrheit, deren Annahme durch das englische Parlament Mr. Macdonald wünscht. Herr Haas« aber sagt von ihr, datz sie sich in der Denkweise fremder Völker nicht zurecht finden könne und datz sie darum ihr Ziel verfehlen müsse. Die Entschlietzung des Reichstags ist ein wundervoller Beleg sür die Richtigkeit dieser Bemerkung. Wenn die Deutschen die Alliierten verstehen würden, würden sie nicht an solche Dinge ihre Zeit verschwenden. Haase hat also der„Times" die Munition geliefert, mit der sie die ganze englische Friedenspropaganda torpedierte. Die Haaie- gruppe hat nicht nur mit den Annexionisten Arm in Arm dos Friedensprogramm des Reichstags abgelehnt, sie hat zugleich auch dem Genossen Macdonald einen Possen gespielt und das klägliche Abstimmungsergebiiis im Unterhaus mit herbeiführen geholfen. Hüben wie drüben hat sie sachlich und faltisch die Annexionisten und KriegSverlängerer unterstützt, hüben durch ihre Stimmen, drüben durch ihre Reden! � Gute Menschen werden sage«!:„Ja, sie haben «S doch nicht absichtlich getan!" Gewiß nicht, aber da? ist Vielleicht das Schlimmste! Leute, die die Wirkung ihrer Handlungs- weise so gar nicht übersehen spnnen, sollen von der Politik die Finger lassen! deutschlanü unü Mazedonien. Die neubegründete„Bulgarische Gesellschaft zur Pflege kul- tureller und wirtschaftlicher Beziehungen zu Deutschland" ver- anstaltelc am letzten Juli in Sofia ein Abendessen. Aus einem Trinkspruch, den bei dieser Gelegenheit der Vertreter Deutschlands, Graf Oberndorfs, hielt, ist folgende Stelle bemerkenswert: „Als kürzlich gewisse halt- und wertlose Phantasie- r c i e n an Mazedonien zu rühren wagten, da hallte ein R u f d c r E n t r ü st u n g d u r ch das deutsch« Land.„H ä n d c w e g!" so tönte es.„Eine mazedonische Frage kennen w i r nicht. Riazedonien ist uraltes, nun glücklich be- freites B u lga r e n I a nd!" Das Lanüausteilen in Rußland. Petersburg, 2. August.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Der neue Minister des Jnnprn Tseretelli richtete an alle Re- gierungskommissarc i» der Provinz ein Rundtelegramm, in dem er sie auffordert, sich bis zur Einberufung der Verfassunggebenden Versammlung seder teilweisen Lösung der Agrarfrage durch die Bauern kraftvoll zu widersetzen. Nach dem Rundschreiben ist also zu schließen, daß die Säuern sich von all den wiederholten dringticken gleichen Aufforderungen, die bisher schon ergingen, nicht belehren ließen. Sie teilen immer noch aus eigener Machtvollkommenheit Land auf. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, I.August. Neue U-Bo»ts-Erfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplan: 24 DDD Hr.-R.-To. Unter den vcrscnktcn Schiffen befanden sich die englischen Dampfer Valetta(ö871 To.j vollbeladcn auf dem Wege»ach Eng- land. Lcang Choon(->807 Toi mit Stückgut von Australien für englische Regierung, Eastleton i239b To.) mit Eisenerz von Frankreich »ach England und ei» großer vollbeladcner durch Zerstörer gesicherter Dampfer auf dem Wege nach England. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Der zweite Tag öer Zlanöern- fchlacht. B e r l i n, 2. August.(W. T. B.) Am zweiten Tage des großen 'landrischen Angriffes vermochten die Engländer an keiner Stelle vorzudringen, sie büßten im Gegenteil sogar verschiedentlich Gelände. gewinne des ersten Tages wieder ein. Ter L August begann mit itrömendem Regen und einer auffallenden Ruhe der englisch-fran- zösischen Angriffsartillerie auf der ganzen Front. Diese Er- fchöpfungspause der franzöfisch-britischen Artillerie war weniger durch die schlechte Sicht verursacht, als vielmehr eine Folge der tatkräftigen Abwehrwirkung der deutschen Batterien. Ton ganzen Vormittag über rafften sich die Engländer nur zu schwächlichen An- griffshandlungen auf, zu Patrouillenvorstößen südlich des N i e u- port-Kanals und Teilangriffen östlich Oftaverme, die glatt abgeschlagen wurden. In Gegend Hollebeke wurden englische Bereitstellungen rechtzeitig erkannt und ein hier beabsichtigter An- griff durch Bernichtungsfeuei: unterbunden. Erst gegen Mittag nahmen die Engländer das Artillcriefeucr gegen den Angriffsab- Ainitt des Boetagrs wieder auf. Nm 2 Uhr setzte starkes Zer- störungsfcuer von Bixschoote bis an die LYs ein, das sich von 4 Uhr an gegen den Abschnitt Langcmarck- Hollebeke zum Trommelfeuer steigerte. An den um 8 Uhr 39 abends einsetzenden starken und tief ge- gliederten Angriffen beteiligten sich die Franzosen nicht, ckic sich am 31. Juli dazu hergegeben hatten, neben Australiern, Neusee- ländern und anderen englischen Hilfsvölkern für ein rein englische« Ziel, die Eroberung der flandrischen Küste, zu kämpfen. Besonders heftig waren die englischen Angriffe gegen Langcmarck. Durch Einsetzen von Flammenwerfern beiderseits der Bahn ver- suchten sie vorzukommen. In erbitterten Nahkämpfen wurden sie jedoch abgewiesen und über den Stecnbach zurückge- w o r f e n. Auch an alle» anderen Stellen waren die englischen Angriffe gleich ergebnislos und verlustreich. Bei St. Julien wurde das Herankommen der Engländer bereits durch das kräftige Abwehrfeuer verhindert. Bei Frcezcnbcrg und W e st h o o k wurde erbittert gekämpft, mit dem Ergebnis, daß die Engländer überall im Gegenstoß geworfen wurden und an zahlreichen Stellen die deutschen Linien weiter vorgeschoben werden konnte«. Dasselbe Täncksal erlitte« die britlsche« Angriffe zwifchcn Hollge und H o l l e b e k e, wo die vorgehende« Reihen der Engländer durch das flankierende Feuer der deutschen Batterien südlich des Lhs schwerste Berluste erlitten. Tie englischen Angriffe liehen überall die Entschlossenheit des ersten Angrisfstages vermissen. Mühsam und schwerfällig stapften ihre Sturmwellen durch den ausgeweichten Boden vor. Immer wieder gerieten sie in flankierendes Feuer, so daß ihre Kraft und ihr Angriffsgeist gebrochen war, ehe der deutsche Gegenstoß sie mit unwiderstehlicher Wucht traf. Bei der Wiedereroberung der am Bormittage des 31. Juli teilweise aufgegebenen deutschen Stellungen konnte ein Ueberblick über die erschreckend hohen Berluste gewonnen werden, mit denen die Engländer ihre geringen und so bald wieder verlognen Geländegewinnc bezahlt hatten. DaS Zlbwehrfeld der Trichterzone ist mit englischen Gefallenen übersät, die oft in dichten Reihen niedergemäht wurden. Französischer Heeresbericht vom l. August nachmittags. In B e I g i en öefestigten unsere Truppen nach ihrem gestrigen prächtigen Erfolge unter strömendem Regen die eroberten Stellungen. Der Artilleriekampf hielt an der ganzen Aisnefront an. Oesrlich von Cerny ermöglichte uns ein kräftiger Gegenangriff, an mehreren Punkten vorwärts zu kommen und etwa 30 Gefangene zu machen. Auf dem linken Maasufer in der Gegend zwischen Avocourt und der Höhe 30t griffen die Deutschen nach mehrtägiger Artillerievor- bereitung heule morgen die Stellungen an, die wir ihnen am 17. Juli entrissen hatten. Der Feind konnte nur an einige vor- geschobene Grabenstücke unserer ersten Linie herankommen, wo er durch Feuer angehalten wurde. Von der übrigen Front � ist nichts zu melden. Hauptmann Guynemer schoß das öt). deutsche Flug- zeug ab. Vom 1. August abends. In Belgien setzen unsere Truppen bei dauerndem Regen die Befestigung der eroberte» Stellungen fort. Nördlich der A i s n e Tätigkeit der beiderseitigen Artillerie, vor allem im Abschnitt von Craonne— Hurtebise. Westlich von Cerny haben die Deutschen verschiedene Male angeriffen. Wir haben sie aber überall zurückgeschlagen und abermals dreißig Ge- fangene gemacht. Auf dem linken Ufer der Maas hat der Feind in der Gegend des Waldes von Avocourt und der H ö h e 30 4 feine Angriffe nicht erneuert. Ans dem rechten Ufer Artilleriekampf ohne Jnsanteriegefechl. Ausführlicher englischer Heeresbericht vom l. August. Es regnete den ganzen Tag über. Durch eine erfolgreiche örtliche Unter- nebmung an unserer neuen Cchlochtfront ist unsere Linie an der Straß« von Zillebeke nach Zandvoorde ein wenig vor- geschoben worden. Am linsen Flügel unseres Angriffes gewannen unsere Alliierten auf dem Ostufer des Dsertanals weiter Gelände. Nachts wurden gegen unsere neue Stellung östlich und nordöstlich von Dpern zwischen W e st y o e k und St. Julien von starken feindlichen Kräften heftige Gegenangriffe unternommen. Unsere Truppen widerstanden erfolgmch den wiederholtsn feindlichen Versuchen, uns von einer wichtigen Stellung auf dem hoch- gelegenen Gelände, das ivir gestern in dieser Gegend genommen hatten, zu vertreiben. Aber unter dem Druck der feindlichen An- gviffe und nach hartnäckigem Kampf wurden wir gezwungen, unsere vorgeschobenen Truppen aus dem Dorfe St. Julien zurnckzu- ziehen. Besonders erbittert wurde um den Besitz des Dorfes West- voek gekämpft, dessen westlichen Rand unsere Truppen jetzt halten. Heute nachmittag griff der Feind wieder bei der Eisenbahn Aper« Roulers an. Bei einem zweiten AngriffSverfuch gelang es iliin, in unsere vorgeschobene Stellung auf schmaler Front eiinzu- dringen. Ter Kampf ist noch im Gange. Die Zahl der gestern von den britischen Truppen gemachten Gefangenen übertrifft, soweit bis jetzt bekannt, S000. darunter l'5 Ossiziere. Außerdem wurden ein Paar Kanonen und eine An- zahl Maschinengewehre und Grabenmörser erbeutet, aber die ge- nauen Zahlen können nicht festgestellt werden. Gestern blieteti, obgleich das Wetter das Fliegen fast unntöglicb machie. unsere Flugzeuge dem ganzen Tag über in Fühlung mit unserer vorgehenden Infanterie. Auch wurden feindliche Flug- Plätze. Transporte und Infanterie mit Bomben und Maschinen- ' äewehrfeuer erfolgreich angegriffen. Die wenigen feindhchcn Flug- •euge, die zu fliegen versuchten, wurden angegriffen und sechs ab- geschossen. Drei unserer Apparate werden vermißt. Tie Zahl der im Juli gemachten deutschen Gefangenen ist 4030, darunter 33 Ossiziere. Diese Zahl schließt die Gefangenen ein. die bei den gestrigen Unternctmungen gemacht wurden und die Sammelstationen um 6 llhr abends erreicht hatten. Das erbeutete Gerät schloß 3 Feldgeschütze, b3 Maschinengewehre und 32 Graben- mörscr ein. Die Lehre üer Schlacht von Tarnopol. Von unserm Kriegsberichterstatter Hugo Schulz. Ende Juli 1917. Tas bisherige Ergebnis der für die verbündeten Waffen so sjiZsiöslchen Schlacht bei Tarnopol ist dieses: Die elfte russische Armee in voller Auslösung; die siebente russische Armee(General Biekkowicz) im Rückzug, um der von der Bahnlinie Kozowa— Tarno- pol her drohenden Umfassung zu entrinnen; die südlich des Dnjestr operierende achte russische Armee, die bis vor einigen Tagen von General Kornilow befehligt wurde, in Gefahr, ihren Anschluß an den rechten Nachbar zu verlieren. Man wird staunen, wenn man einmal erfahren wird, mit welch geringen— seither allerdings erheblich verstärkten— Kräften der eigentliche Angrisfsstoß durch- geführt wurde, der ja auch zunächst nichts anderes bezweckte, als den Wiedergewinn verlorener günstiger Stellungen— eine sogenannte Korrektur. Ein Musterbeispiel hierfür bot der erfolgreiche Gegcnfchlag unserer Karsttruppen, der den Schlußakt der zehnten Jsonzoschlacht bildete und die ganze italienische Offensive nicht nur um ihren kärglichen Ertrag brachte, sondern völlig ad absurdum führte. Er erwies nämlich in nachdrücklichster Weis«, wie bedeu- tungslos für den weiteren Verlauf die seit den Sommekämpfcn so typischen Anfangserfolge der lediglich auf die gesteigerte Aus- nützung mechanischer Kampfmittel und ihres Druckes gegründeten Durchbruchsangriffe sind und wie st« obendrein augenblicklich vcr- loten gehen, wenn sich der Verteidiger in die Lage bringt, den «Pietz umzudrehen. Der Scheinerfolg des Angreifers hat nämlich von Haus aus die Kehrseite, daß er in die gegnerische Front einge- brechen« Truppen aus guten Deckungen in offenes Gelände über- setzt, in dem sie sich zunächst nur Nötdürftig eingraben können und — wehe ihnen, wenn dann das grausame Trommelfeuer zur Ab- wechslung einmal auf ihre Häupter niederprasselt! Es galt offenbar auch diesmal zunächst nur, die russisch« Offensive ad absurdum zu führen; die Beweisführung ist aber weit über sich hinausgediehen. Die ganze, in sich so widerspruchsvolle Kriegspolitik des revolutionären Rußland ist zusammengebrochen und mit ihr-die ganze Kriegspolitik der Entente, deren eigensinniges und erkckintnisloses Festhalten an Erwartungen, die sich offen- lundig nie erfüllen könne»;, heute allein noch die Fortdauer des Hebels verschuldet. Es ist ein tragisches Verhängnis, daß die Männer der russischen Revolution, indem sie einen Ausweg aus dem verstrickenden Dickicht des Weltkrieges suchten, just den Kriegs- psad betraten und die Offensive ergriffen wider einen Gegner, der mit offenkundiger Absicht Gewehr bei Fuß gestanden hatte zu einer Zeit, wo ihm mühelos Erfolge winkten. War es den Bestegcrn des zaxischen Imperialismus wirklich so unmöglich, sich aus den Vec- schlingungen des englischen Jmpecialismus zu lösen, daß ihnen nichts anderes mehr übrig blieb, als sich mit ihren Taten in schreienden Gegensatz zum Geiste ihrer Revolution zu setzen? Daß der Friedenswille dem russischen Volte zwar nicht die einzige, aber doch die stärkste und am unmittelbarsten wirkende Triebfeder, der großen Bewegung war, ist doch nicht zu bezweifeln. Das russische Volk ist so stark und kriegstüchtig wie nur irgend' eines, wenn es sich gezwungen fühlt, Krieg zu führen. Was soll es aber von diesem Kriege noch wollen, den eS nur als einen bitteren Rückstand der zarischen Regierung, gewissermaßen als lästiges Erbe emp- findet, und der, weil er nicht einmal mehr als Verteidigungskrieg gedeutet werden kann, jeden Sinn verloren hat! Auch anderwärts regt sich die Frtedenssehnsudit des Volkes mächtig, aber sie ist ge- Kunden durch den VerteidigungsMang, während der russische Sol- dat in den letzten Monaten deutlich vernahm, daß er ouS seinem Herzen keine Mördergrube zu machen brauche, weil niemand sein Land und auch niemand seine eben errungene Bürgerfveiheit ernst- lich bedroht. So hat sich denn der Friedenswille der russischen Armeen zeitweilig in den erstaunlichsten Formen kundgeben dürfen, und es mag dann eine furchtbar saure Sophistenarbeit gewesen sein, die Armee, die es laut ausgesprochen hatte, daß sie»uch kein« Gefangene des englischen Imperialismus sein wolle, wieder zum Krieg, und sogar zum Angriffskrieg zu bekehren. Dte Bekehrung ist denn auch danach ausgefallen, und das Sophisma, auf das sich Äcrenskis Offensivgedanke gründete, hat sich nur tragfähig ec- wiesen für ein paar kurze Stunden der Erfolgsekstase, um sofort zusammenzubrechen, als die Prüfung des Gegenangriffs und damit die Ernüchterung heraufzog. Die russische Revolution hat bei Tarnopol die Lehre empfangen, daß jede Volksbewegung das Gesetz ihres Handelns aus dem Geiste empfangen mutz, aus dem sie ge- boren ist. Aber auch für Rußlans Bundesgenossen und Vormünder sind die Vorgänge von Tarnopol ein Lehrkursus, der ihnen, wenn sie nicht allzu verstockt sind, Erkenntnis einpauken muß. Si« sehen nun förmlich wie durch ein Vergrößerungsglas dte Struktur ihrer eigenen, auf rein mechanischem Wege erzeugten und dabei dock ihre eigenen Reiben verbeerenden Offensiverfolge. Was können solche Siege wie die bei Arras und am Chemin-des-Dames wert sein und für die Entscheidung bedeuten, wenn auch eine Armee, wie die beutige russiscke, bei gleicher Dynamik ihrer Angriffs- mittel sie in gleicher Weise zu erzielen vermag? Eine Armee, die dann, wenn es gilt, die in der gegenwärtigen Kriegsphasc ent- schieden schwieriger« und härtere Rolle des Verteidiger« zu über- nehmen, so völlig versagt! Es gibt keine wirksamere Ergänzung der Kviegszielformel des Deutschen Reichstags wie diese Schlacht bei Tarnopol, nichts mahnt so eindringlich zum raschen Berständi- gungsfrieden wie sie, weil nichts so drastisch beweist, wie Vernunft- los es ist, noch länger die Entscheidung mit Waffengewalt zu suchen. Kleine Kriegsnachrichten. Die österreichischen RegierungSschwierigkeite«. Die Christlich- soziale Vereinigung des Abgeordnetenhauses hat einen Beschluß gefaßt, in dem erklärt wird, die Partei sei gerne bereit, die Rc- gierung zu unterstützen doch seien gegenwärtig die Grundlagen für den Beitritt der Partei zum Kabinett nicht gegeben. Tie französische Kammer hat einen Gesetzentwurf angenommen, der die Regierung ermächtigt, nach Verständigung mit den ver- bündeten Regierungen'in Frankreich ansässige Militär- Pflichtige Staatsangehörige der verbündeten Länder, die ihrer Militärpflicht noch nicht genügt haben, ins Heer e i n z u st e l l e n. Auf der Jrenkonferenz ist bekannt geworden, daß trotz des Zu- rcdens Lloyd Georges der bekannte Jrenführer O' B r i e n sich ge- weigert hat. an der Versammlung teilzunehmen, weil dort die N a t i o n a l i st c n f ü h r c r, die nicht die Interessen des Volkes vertreten, die Hauptrolle spielten und die Regierung seinen Vorschlag, eine Volksabstimmung zu veranstalten, abgewiesen habe. Michaelis gegen Nervosität. Der Reichskanzler hat in Dresden einem Vertreter der dortigen„Neuesten Nachrichten" eine Unterredung gewährt und in dieser folgendes ausgeführt: „Der größte Fehler, der gemacht worden ist. heißt Nervo- s i t ä t. Die innerpolitischen Kämpfe in der letzten Amtszeit deS Herrn v. Bethmann Hollweg sind von den verschiedensten Seiten leider mit einer Nervosität geführt worden, hinter der unsere Feinde, ja auch Neutrale, nichts anderes vermuteten als Schwäche. Zugleich ist die F r i e d e n s s e h n su ch t, die in Wirklichkeit tvoht bei allen Kulturmenschen und Kultur- Völkern gleich groß ist, wiederholt in einer Weise bekundet worden, die jedenfalls, wenn auch durchaus irrtümlich, von Feinden und Neutralen als ein Symptom unserer Schwäche ausgelegt wird. Wir sind, gottlob, stark, was wir in drei Jahren, glaube ich, hinreichend bewiesen, und werden, das halte ich für meine, für unser aller, auch der Presse, nächste Ausgabe, den über- zeugenden Beweis zu führen haben, daß wir zwar leider vor- übergehend nervös, aber nie geschwächt waren, wir sind nach innen und außen so kräftig und gesund wie je. wir werden fortfahren in unseren Bestrebungen, zum Frieden zu gelangen, aber die früheren Fehler nicht wiederholen. Ich bin herzlich bereit, jede Gelegenheit zu einem ehrenvollen Frieden zu ergreifen. Darauf hat unser Volk, das in drei Jahren Unerhörtes gelitten und ertragen hat, unbedingten Anspruch. Unerwartet können jeden Tag neue Ereignisse unseren auf Stärke gegriindeten Willen zu ehrenvollem Frieden in Tatsachen umsetzen, aber es gilt auch hier wie stets:„Die Verhältnisse sind stärker als die Menschen und ihre Absichten." Den Ereignissen müssen wir unsere Politik anpassen. Jetzt gilt es unter Vermeidung jeder Nervosität� die Gegner von der ungeminderten Kraft Deutschlands zu überzeugen, daß die Spekulation auf unsere vermeintliche Schwäche aus ihrer Berechnung ausscheidet. Die gesamte Presse muß in deutschen Lebensfragen mit der Regierung gehen. Im einzelnen mag der politische und Parteistand- punkt noch weil vom anderen entfernt sein. Das Ziel dieses Krieges, einen baldigen ehrenvollen Frieden, fördert jeder, der sich in seinem Wirken in der Oeffentlichkeit tagtäglich sagt: Im Großen einig und ohne Nervosität!" Dazu gibt die„Kreuzztg." folgenden Kommentar: In Dresden hat der Kanzler sich zu dem Hauptschriftleiter der dortigen„Neuesten Nachrichten' in einer Weise ausgesprochen, die auf eine scharfe Kritik a» dem Verhalten der Reichstags- Mehrheit hinausläuft... Zwar hat der Kanzler nach dem uus vorliegenden Bericht die ReichStagsmehrheit als solche nicht genannt und vermieden, seinen Vorwürfen eine bestimmte Spitze zu geben. Dennoch ist nicht zweifelhaft, wer durch sie getroffen wird. Ganz in demselben Sinne meint Graf Reventlow in der „Deutschen Tagesztg.": Die neuliche Unterwürfigkeitsresolution der sogenannten Mehr- heit des Reichstages ist, abgesehen von der zielbewußte» Sozial- dcmokratic, lediglich eine Ausgeburt der Nervosität und sicher in jeder Hinsicht als ein„größter Fehler" zu betrachten. Die zielbeivutzte Sozialdemokratie ist dem Grafen Re- vcntlotv dafür dankbar, daß er ihr ihre guten Nerven attestiert. lieber den Vorwurf, kopflos gehandelt zu haben, mögen sich nun die übrigen Mehrheitsparteien mit der konservativen Presse auseinandersetzen. Ebenso mutz es dem Reichskanzler überlassen bleiben, ob er sich dauernd gegen die Reichstags- Mehrheit ausspielen lassen will, wie das in der Presse der Rechten jetzt täglich geschieht. die Kosten öer Zleisthzulage. Die Aufwendungen des. Reichs für die Fleischsonderzulage be« laufen sich bisher bereits auf etwa 600 Millionen Mark, so daß monatlich ein ungefährer Betrag von mehr als 100 Millionen Mark in Betracht kommt.___ die Erhöhung üer Personentarife. Am 1. Januar 1918 sollte bei den deutschen Eisenbahn- Verwaltungen die Erhöhung der Personentarise einschließlich der neuen Gepäck- und Schnellzugsgebllhren eingeführt werden. Mit Rücksicht auf das haushälterische Umgehen mit Material ist diese Er- höhung auf den 1. April 1918 verschoben worden. öunüesratsarbeit. In der gestrigen Bundesratssitzung gelangten zur Annah««: der Entwurf einer Bekanntmachung über den Bedürfnis- Nachweis für Schauspielunternehmungen, der Eni-. Wurf einer Bekanntmachung über Fristen im Sinne des§ 49 Absatz 3 der Gewerbeordnung, der Entwurf einer Bekanntmachung über Angestellten Versicherung während des Krieges, der Entwurf einer Verordnung über den Verkehr mit Stroh und Häcksel, der Entwurf einer Bekanntmachung über den privaten ge- werblichen und kaufmännischen Fachunterricht und der Entwurf einer Bekanntmachung über die Veranstaltung von Licht- spielen.'_ Nibot-Krise. Renaudel interpelliert. Bern, 2. August. Die französische Kammer zeigte gestern, wie Lyoner Blätter berichten, große Unruhe. Ribot wurde hiervon benachrichtigt und traf mit Painl�ve im Parlament ein. Sosort nach der Ankunft Ribots erklärte R e n a u d c l, er wünsche die Regierung über ihre allsiemeinc Politik so schnell als möglich zu interpellieren. R'bot er- widerte, er sei bereit, die Interpellation auf heute ansetzen zu lassen. Anläßlich der Erörterungen über die Interpellation Buisson wegen der Schiffahrtspolitik der Regierung, wobei die einfache Tagesordnung mit 200 gegen 157 Stimmen angenommen wurde, schreiben„H n m a n i tö." und„I o u r n o l du Peuple": Die Regierung besitze eine Kammermehrheit nicht mehr. Renaudel schreibt, er wisse nicht, wie sich die Abstimmenden verteilten, aber man sehe, daß frühere Minister und Ministerpräsidenten bei den Zwischenrufen der Sozia. listen ostentativ Beifall spendeten. Auf jeden Fall seien die Stimmenthaltungen so zahlreich, daß sie auf eine Ver>v irrte und unsichere Lage und auf parlainen- tarisches Unbehagen schließen ließen, das Tag für Tag zu- nehme.„Journal du Peuple" schreibt: Die Zahl der Stimm- enthaltungen ist ungeheuer; sie dürfte 200 betragen. Un- sereRegierungist sehrkrank. Lette Nachrichten. Um die Einheit der norwegischen Sozialdemokratie. Stockholm, 2. August.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Arbeitertagung, die am 23. und 29. Juli in Trondjem abge- halten wurde, hat in der Militärfrage eine Entschließung zugunsten der direkten Aktion, d. h. der Dienstverweigerung gefaßt. Die norwegisch« Parteileitung hat nun zur Erhaltung der Partei- einheit eine gemeinsame Beratung mit den Gewerkschaften einberufen. Tie Opposition gegen Henderson. Rotterdom, 2. August. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Henderson teilte in seiner Reo« im Unter- hause noch mit, daß die Versammlung in Paris, der er beiwohnte. das Datum ftir die internationale Konferenz in Stockholm abgt- ändert habe, um den amerikanischen Arbeitervertretern den Besuch der Konferenz zu ermöglichen.„Daily Telegraph" bleibt bei seiner Opposition gegen die Reise Hendersons nach Paris und gegen die Konferenz in Stockholm.„Morningpost" schweigt.„TimeS" bemerkt, daß Henderson seine Haltung aus Rücksicht für Ruyrand geändert habe, und fügt sich, wenn auch mit Widerstreben in die neue Lage.„Daily Chroniele" und„Daily News" treten rx;rf gegen die Personen auf, die mit ihrer Opposition die englisch- ruffischen Beziehungen erschwerten. Romsahrt der Sovjetvertreter. Bern, 2. August.„Secolo" erfährt aus Rom, daß dte Vertreter des Arbeiter- und Soldatenrats Donnersteg von Paris in Italien eintreffen. Sie werden mit Vertretern der Reform- sozialisten und der offiziellen Sozialisten Besprechungen haben. Russische Erklärung gegen Michaelis. Petersburg, 3l. Juli,(Petersburger Tel.-Ag.) Im Hinblick auf die heute von den Blättern veröffentlichte Erklärung, die der deutsche Reichskanzler Vertretern der deutschen Presse gegenüber abgegeben hat, und in der unter anderem Erklärungen er. wähnt sind, die der Minister des Acußeren T« r c st s ch e n k o getan haben soll, hält es der Minister des Aeutzern für unerläßlich, aufs allerentschi ebenste die von Michaelis dem russischen Minister des Acußeren zugeschriebenen Erklärungen über die Ziele, die Frankreich angeblich in diesem Kriege verfolgt, in Abrede zu stelle n. Der russische Minister de» Aeußeren hat k c i n« P r o- teste formuliert und hat der französischen Regierung keine besonderen Erklärungen abgegeben, außer der allgemeinen Er- klärung der Vorläufigen Russischen Regierung über die Kriegsziele, die am 18. Mai allgemein zur Kenntnis gebracht worden ist. Diese Erklärung, dte freundliche Aufnahme fand, wird Gegenstand einer gründlichen Prüfung auf der interalliierten Konferenz sei«, die demnächst stattfinden soll. Kornilow Oberbefehlshaber. Petersburg, 1. August.(Reuter.) B r u s s i l o w hat der provisorischen Regierung seine Entlassung angeboten. Kornilow wurde zum Oberbefehlshaber über die russische Armee er- nannt. Tscheremisow, der bisher die 8. Armee befehligte, wird Oberbefehlshaber an der Südwestfront. Dienstpflicht der Ententc-Bürgcr in Amerika. Washington, 2. August.(Reuter.) Der Senat hat einen Antrag angenommen, der dahin geht, den Präsidenten zu Unterhandlungen mit den Alliierten über die Anwendung des Dienstpflichtgesetzes auf die in Amerika ansässigen Untertanen aus den alliierten Ländern aufzufordern. Arbeitslosenkundgebung in Helsingfors. Stockholm, 2. August.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Vor dem Landtag in Helsingfors fand gestern eine Kundgebung von Arbeitslosen statt. Man schätzt die Zahl der Teilnehmer auf 6000. Ter Landtag beschloß die Vornahme von Notstandsarbcitcn. SelverWchsbewWng Serlin und Umgegend. Die Berliner Zimmerer und die Lohnfrage. Bekanntlich ist es ini Mai dieses JahreS unter Leitung des Kriegsamts im Berliner Baugelverbe gu einer neuen Lohnverein barung gekommen. Hiernach beträgt der Stundenlohn für Maurer vom 7. Juli ab 1,40 M. An dem neuen Vertrage sind der Verband der Baugeschäfte von Grosi-Berlin aus der einen, der Bauarbeiterverband, Iweigverein Berlin, und der christliche Bauhandwerkerverband auf der anderen Seile beteiligt. Der Zentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin, hat in Anbetracht der mastlos gestiegenen Preise siir alle Bedürfnisse der notwendigsten Lebenshaltung und weil die Berliner Zimmerer �vr Zeit des Vertragsabschlusses im allgemeinen schon einen weit höheren Lohnsatz erreicht hatten, sich der Vereinbarung n ilbt angeschlossen, sondern sie einstimmig abgelehnt. Auch die nachträglichen Bemühungen des Reichsamts des Innern, Mischen dem Verband der Baugeschäite von Grost-Berlin und dem Zentralverband der Zimmerer eine Verständigung herbeiMfübren, sind gescheitert, da der Verband der Baugeschäste es ablehnte, über den mit den Bauarbeiterverbänden vereinbarten Höchstsatz von 1,40 Mark für die Stunde hinauszugehen. Mithin ist die Organisation der Berliner Zimme- rer zurzeit an I e i n e r L o h n v e r e i n b a r u n g gebun- den, und haben die Angehörigen dieses Gewerbes jetzt vollständig freie Hand. Um nun einen Ueberblick über die gezahlten Lohnsätze zu be kommen, hat die Organisation der Berliner Zimmerer am 11. Juli d, I. eine Erhebung veranstaltet. An dieser schriftlichen Umfrage beteiligten sich 868 Verbandsmitglieder. Hierbei wurden insgesamt 192 Unternehmer und 1963 Zimmerer ermiitelt. Diese verteilen sich wie folgt: Im Berliner Tarifgebiet waren 1823 Zimmerer beschäftigt, und zwar: In 143 Zimmerei- und Baubetrieben 1204, in 37 Fabrik betrieben 269, in 9 Flugzeugbctriebcn 34S und in 3 anderen Be trieben 5 Zimmerer. Austerhalb des Berliner Tarifgebietes waren 96 Zimmerer be� schäftigt; nicht im Zimmererberuf beschäftigt waren 22, arbeitslos waren 8 und 14 waren krank oder invalide, Die Lohnsätze der 1823 im Berliner Tarifgebiete beschäftigten Zimmerer find folgende: Es zahlten 6 Arbeitgeber mit 13 Zimmerern 0,99 bis 1,29 M. 11. 29 1.2S. 1,30. 19. 106, 1,39. 1,36. 1»» 39„ 1,35, 1,49„ 40. 239 1,49 29.. 281. 1,49. 1.45, 41,, 395, 1,59, 16„ 242, 1,59, 1,55, 12. 77 1,60 13.. 419, 1,65 9 66 1,70. 1,80, 2. 19 1,89. 1,99. 1..6,2,— 1 1 2,10 Allgemeiner Durchschnittslohn 1,51 M, pro Stunde. Da zur Zeit der Erhebung, also am 11. Juli d. I., der Lohn- satz für die Berliner Zimmerer laut Ergebnis der Tarisverhand- lungen 1,35 M. betragen und erstmalig am 14. Juli d. I. mit 1,49 M. zur Auszahlung kommen sollte, ist hiermit festgestellt, dast die gezahlten Lohnsätze diese Höchstgrenze durchschnittlich' um 16 Pf. pro Stunde überschreiten» ganz abgesehen von den erreichten Lohn- nufbesserungen, die feit diesen! Zeitpunkt— trotz aller Gegenarbeit des Verbandes der Baugeschäfte von Grost-Berlin � erfreulicher- weise schön wieder mehrfach zu konstatieren sind. Aus der Schlichtungskourmission für Militärschneider. Ein sehnlichst Erwarteter! In der letzten Sitzung erschien der Zwischenmeister P i e t s ch sim eigentlichen Beruf Barbier), den die Kommission mit Hilfe der Militärbehörde hatte herbeizitieren lassen, als Soldat in Uniform. So lange er nämlich noch in Zivil war, halte er sich in der letzten Zeit nicht mehr bewegen lassen, zu erscheinen, und die Frauen kamen von Termin zu Termin vergebens, während ihr Schuld- ner nicht zu sehen war, nunmehr, da er im bunten Rock steckte, war es leicht, seiner habhast zu werden/ Bezüglich des geforderten Restlohnes erklärte der Beklagte einer- seits, dast seine Auftraggeberin. die Finna Eisenberg u. Ma- nuel. ihn auch nicht zu Recht ausgezahlt habe, andererseits, dast die Klägerinnen schlechte Arbeit geliefert hätten, weshalb er ihnen den Restlohn einbehalten habe. Als er auigefordert wurde, Belege für die Behauptungen zu bringen, durchsuchte er sämtliche Taschen und förderte einige Papier- schnitzel zu tage. Das war seine.Buchführung", aus der übrigens auch nichts zu ersehen war. Der Beklagte hat sicb aber auch einen Sozius zugelegt, der jetzt das Geschäft weiterführt, trotzdem will er nicht anerkennen. obgleich, wie gesagt, die Firma P i e t s ch weiterbesteht, dast dann auch die Lieferungen, die sein Sozius übernimmt, bei der Gesamt- lieferung miteinzurechnen sind. Zur Charakreristik des Beklagten teilte Kunze vom Schneider- verband als Vertreter der Klägerinnen noch folgendes mit: Der Beklagte sage, die Frauen hätten schlechte Arbeit geliefert. Er hat ihnen aber zuerst einige Stücke bezahlt, sei dann im Rückstände ge- blieben, und als die Frauen ihr Geld holen wollten, habe er ihnen Prügel angeböten, Die Kommission beschloß in der Sache: Sofern die Firma E i s e n b e r g u, Manuel wirklich noch etwas zu zahlen haben sollte, wird das Geld deponiert und erst die Klägerinnen ausgezahlt werden. Im übrigen würde zwecks Beweiserhebung Vertagung be- schlössen.___ parteinachrichten. Radaupolitik. Die„Unabhängige" Sozialdeinokratie ist am 29. Juli in Köln zum ersten Male an die Oeffmtlichkeit getreten. Vorausgegangen , waren mehrere starkbcsuchte Versammlungen unserer. Partei, die sich mit der äußeren und inneren Politik beschäftigten, ohne daß auch nur der zarteste Angriff auf die andere so- z i a l i st i f ch e Partei erfolgt wäre. Abg. Dr. Herz- feld sollte nun vor der mäßig besuchten Versammlung über den neuen Reichskanzler und die Parteien sprechen. Er sagte über das Thema fast kern Wort, unterließ auch jede Kritik der Regierung und der bürgerlichen Parteien, hielt aber dafür eine ebenso wüste wie phrasenreiche Rede aus- schließlich gegen die Sozialdemokratie. Dankbar erkannte er an, daß die Kölner Polizei auch den„Unabhängigen" volle Versammlungsfreiheit gewährte. Um so auffälliger, daß er die Gelegenheit so ganz vorübergehen ließ, den Kölner Arbeitern endlich einmal zu sagen, was die„Unabhängigen" eigentlich wollen. Ihr Ziel kann doch nicht ausschließlich in der Verunglimpfung der deutscheu Sozialdemokratie bestehen. Reichstagsavgeordneter M e e r f c l d, Redakteur Sollmann und Gauleiter'' M u t h traten dem Abg. Herzfeld entgegen und sagten ihm, der die Ber- sammlung außerordentlich tief eingeschätzt hatte/ bittere Wahrheiten. Während' Herzfeld ruhig angehört worden war, vollführten die „Unabhängigen" bei unseren Rednern stundenlang einen Höllen- spektakel. So viele und so gemeine Schimpfworte, wie sie an diesem Nachmittag auf die sozialdemokratischen Redner niederhagelten, sind in Köln jedenfalls noch in keiner Versammlung gehört worden. � Mt Recht fragte«ner unser« Redner, ob sich dem, die neue Partei etwa auch von jeglichen Anstandsregeln„unabhängig" ge- macht habe,— Unser Kölner Parteiblatt zollt der Militärbehörde volle Anerkennung, daß sie die Versammlung der„Unabhängigen" nicht unterdrück! halw. und ersucht dringend, daß man in Köln bei dieser politisch klugen Taktik bleibe.— Obwohl in der Versammlung nur eine Minderheit von organisierten Sozialdemokraten vortreten war, beherrschten unsere Redner offensichtlich die Lage. Besonders lebhafte Zustimmung fand ein Diskussionsredner, der sagte, die rheinischen Arbeiter lehnten es ab, das Material zu einer belgischen Provinz oder zu einem Pufferstaat zwischen Deutschland und England-Frankreich abzu- geben. Aus den Organisationen. Die Parteigenossen in Frankfurt a. M. nahmen in zwei Ber- sammlungen zum Parteitag Stellung. DaS einleitende Referat hielt Genosse W i t t r i s ch, der besonders die letzten politischen Ereignisse und die Stellung der Fraktion dazu behandelte. Die Erklärungen des neuen Reichskanzlers bezeichnete er als ungenügend. Nach den letzten Beschlüsien des Parteiausschusses zur Krcditbcwilligungs frage hätte man eigentlich annehmen können, daß die Fraklion bei der unklaren Rede des Reichskanzlers die Kredite abgelehnt hätte, es sei denn, daß ihr weitere Zugeständnisse gemacht worden wären. Der Reichstag habe die Macht, die er habe, ausnutzen müsien. Der Eintritt der Genossen in die Regierung könne nur bei Erfüllung be stimmter Bedingungen erfolgen. Die Aussprache war sehr ausgedehnt. Ein Teil der Diskussions redner trat den Ausführungen Wittrifchs im wesentlichen bei. die Mehrzahl stimmte jedoch der Taktik der Fraktion in der Kriegskreditsrage zu. Die Ablehnung der Kredite hätte die Annahme der Friedenserklärung des Reichstages vereitelt. Das Ergebnis der Beratung war die fast einstimmige Annahme folgender, vom Genossen Sinzheimer gestellten Anträge, zu deren Gunsten Genosse Wittrisch eine von ihm eingereichte Resolution zu- rückgezogen hatte: Der Parteitag kann nur dann einem Eintritt von Parteimit« gliedern in die Regierung zustimmen, wenn eine Friedenspolitik im Sinne der Reichstagsentschließung, das parlamentarische Regiernngs- system, Reichsministerium und bestimmte, deutlich ausgesprochene Programmpunkte eines dcinokratischen und sozialen Fortschritts sichergestellt find. Der Parteitag erwartet von dem Parteivorstand, daß er alle Bestrebungen unterstützt, die darauf gerichtet und geeignet sind, die Einigung unter den heute getrennt marschierenden Teilen der Arbeiter- bewegnng wieder herbeizuführen. Der Parteitag beschließt: Parteivorstand und ReichStagsfraftion sollen von der Reichsregierung eine völlige Amnestie und sofortige Freilassung aller wegen politischer und militärischer Ber- gehen verurteilten und inhaftierten Personen verlangen. Ter Parteitag ersucht ferner den Parteivorstand, auch auf eine solche Amnestie hinzuwirken, die alle diejenigen umfasien soll, die in einer durch die Kriegsverhältnisie hervorgerufenen Notlage strafbare Handlungen begangen haben. In Lüneburg tagte eine Konferenz dcS 16. bannoverschen Wahlkreises. Einige Ortsgruppen haben sich aufgelöst. Es Jini 149 männliche und 84 werbliche Mitglieder vorhanden. Die Tätig- keit der Fraktion wird gebilligt, das Perhalten der Minderheit vor- urteilt. In Bapreuth tagte am Sonntag die Kreisgeneralversammlung für den Wahlkreis Bayrcuth-Berncck-Wunstcdcl. Nach Referaten des Rcichstagsabgeordneten Hügel und des Genossen Dr. Braun- Nürnberg wurde folgende Resolution gegen eine Stimme angenommen: „In der Erkenntnis, daß die Spaltung des Proletariats inner- halb seiner als Schutz und Trutz gegen die Einwirkung kapitalisti- scher und imperialisttscher Ktäste bestehenden Orgärtisätidnen für das Proletariat'vcrhängwsbollc Folgen zeitigen muß, ii, der weiteren Erkenntnis, daß' die Förderungen der Gegenwart und Zukunft im Interesse ihrer vollen und schleunigen Durchführung von einer geschlossenen Masse ausgestellt werden müssen zur Her- beiführung eines dauernden Friedens und seiner positiven Wir- kungen im Interesse besserer wirtschaftlicher und politischer Per- Hältnisse des arbeitenden Volkes, ist sich die Generalversammlung des Wahlkreises Bapreuth-Berneck-Wunsiedel in Verfolgung der Haltung und der Tradition der Wählkreisorganisation einig in dem Antrag: daß der kommende Parteitag wirken muß für eine Eini- gung der sozialistischen Gruppen. Diese Einigung ist die Vorbe- dingnng für das Wohl und den machtvollen Aufstieg der schaffenden Stände gegenüber dem aus dem Kriege gestärkt hervorgehenden, dem Imperialismus dienenden Kapitalismus und der Geheim- diplomatie." Zun! Delegierten für den Würzburger Parteitag wurde Panzer- Bayreuth gewählt. Tozialdcmokratischc Fraueukonsepenz für den Bezirk Schleswig-Holstein. Im Kieler Getverkschaftshaus tagte am Sonntag eine vom sozialdcmotratischen Bezirksvorstand einberufene Fraucnkonferenz. Die Konferenz war von 37 Teilnehmern besucht, darunter 26 Ge- nossinnen, die von neun Wahlkreisen des Bezirks delegiert waren, ein Kreis war nicht vertreten. Als Vertreterin des Parteivor- tandes war Genossin Juchacz erschienen. Wie aus der Be- grützungsrede des Bezirksvorsitzendcn Genossen Kürbis bervor- ging, hat der unselige Krieg leider auch störend aus die Teilnahme der Frauen in der Parteiorganisation eingewirkt. Während die Zahl der weiblichen Parteimitglieder im Jahre 1914 nach der Agitation in der Lohnwochc bis auf 11 944 gebracht war. ist sie jetzt auf 7945 zurückgegangen. Zur Mutlosigkeit liege jedoch keine Veran- lassung vor. Ueber„Die Frau in der Kriegswirtschaft" und „Die soziale Mitarbeit" sprach Genossin Schröder- Ottense, über„U n s e r e A g i t a t i o n i nr Bezirk" und ,.D i e politiscken Rechte der Frauen" Genossin An d r a t s ch k e- Kiel. Die Ausführungen der beiden Rednerinnen gipfelten in einer Resolution, in der die wachsende Bedeutung der Frau im Wirt- chastsleben und bei der sozialen Hilfsarbeit anerkannt, die Forde- rung der vollkommen politischen Gleichberechtigung der Frau in Gemeinde, Staat und Reich unterstehen und die Arbeit in Partei und Fraktion in den drei Kriegsjahren in jeder Richtung gebilligt wird. Dann fordert die Resolution eine lebhaftere Heranziehung der Frauen zur Kriegsfürsorge, zur sozialen Hilfsarbeit und zur Parteitätigkcit. Als Weg zu diesem Ziel betrachtet sie: 1. Größere Beteiligung der politischen Frauen an der sozialen Hilfsarbeit der Kricgszeit, vor allein bei der Kriegshilfe, den Arbeitsnachweisen, Kinderfürsorgc, Kriegskiidtom u. a. 2. Engere Verbindung der in der sozialen Hilsetätigkeit wirken- den Genossinnen mit den politischen Frauen durch regelmäßige Berichterstattung und Auskunsterteilung in kleineren und größeren Kreisen. 3. Eine lebhaftere Berücksichtigung alles dessen, was die Frauen in ivirtschastlicher sozialer Hinsicht interessieren kann im lokalen und provinziellen Teile unserer Parteiblätter. 4. Planmäßige Arbeit für die Verbreitiliig der jetzt volkstümlich geschriebenen und aus ernste Ziele gerichteten Frauenzeitung die Gleichheit". 5. Lebhaftcrc Werbearbeit bei allen proletarischen Frauen, welche noch nickt die„Gleichheit" halten, durch Hausagitation. Werk- 'tattagitatiön, Broschüren, Flugblätter Und Frauenversammlungen. 6. Agitation für die Parteizeitungen und den Beitritt zur Or- ganisation. 7. Die Veranstaltung eines agttatorischen„Frauenmonats" im Oktober 1917. ■8. Die Arbeitervertreter in den Geineinden und Städten wer- den ersucht, sich mit aller Kraft für die Durchführung der hier fest-- gelegten Maßnahmen, soweit sie in den Gemeindebertreftingen ge- fordert werden können, einzusetzen. Ten beiden Vorträgen folgte eine sebr lebhaste Aussprache, an der sich hauptsächlich Genossinnen beteiligen. Tie Resolution'wurde schließlich einstimmig angenommen. Beschlossen wurde noch, paß die Beitragsbefreiuna für die e r'- werbstätigcn Fronen, deren Männer im Felde stehen, wieder aufgehoben wird, um durch die Einziehung der Beiträge wieder regere Fühlung mit diesen Genossinnen zu gewinnen. Die Konferenz beschäftigte sich auch mit der Ernährungs- frage und beschloß nach kurzer Begründung durch den Genossen Adler-Kiel eine Resolution, die nach einer Kritik der jetzigen Nahrungsmittelpolitik eine möglichste Demokratisierung des' Kon- sums forderte, an der die Frauen des Proletariats mitarbeiten können und die sie zu kontrollieren berufen sind. Besonders wird in der Resolution noch verlangt die Verbesserung der Versorgung mit Hausbrandkohle. Tie Leistungen der sozialdemokratischen Ver- treter im Reich, Staat und Gemeinde, Nahrunasmiftelbehörden und-beträten werden anerkannt und wird eine wesentliche Förde- rung dieser Arbeiten durch vermehrte Beteiligung der Arbeiter- frauen erwartet. Zum Schluß erklärte die Konferenz einstimmig, sich in der Kriegs- und Friedensfrage auf den Boden der von der Reicks- frauenkonferenz beschlossenen Resolution zu stellen. Die Verhand- lungen der Konferenz rechtfertigen die Erwartung, wie auch be- sonders die Genossin Juchacz zum Ausdruck brachte, daß die Be- wegung unter den sozialdemokratischen Frauen in Schleswig-Hol- stein wieder in lebendigen Fluß kommt und Erfolge zertigen wird. Industrie und Handel. Tie neue amerikanische Handelsflotte. In der„Technischen Rundschau" schreibt Ingenieur Heinrich Baclesse über den geplanten Bau einer amerikanrschen Handels« flotte aus Holzschiffen zur Ausgleichung der durch den U-Boot-Krieg bewirkten Schäden: Es wird angenommen, daß die erste Einheit dieser Schiffe, von denen jedes rund 2599 Tonnen Ladevermögen ausweisen soll, innerhalb fünf Monaten betriebsbereit ist. Vom Oktober 1917 ab soll die erste Einheit in See stechen, und von diesem Zeitpunkt an würden die amerikanischen Werften 299 999 Tonnen monatlich abliefern können, was ungefähr einer Tagesleistung von zwei bis drei fertigen Schiffen entsprechen würde. An die Spitze der gesamten Schiffbauorganisatwn wurde der bekannte Oberst Goethals, der Verwaltungsdirektor der Panamakanalbau-Gescll- schaft, berufen. Der Kostenvoranschlag beläuft sich für den Staat auf 399 999 Dollar. Dieser Preis jedoch ist kein feststehender, son- der» den Werften werden die gesamten Kosten für Rohmaterialien, siir allgemeine Unkosten, für Löhne usw. zurückvergütet. Auf diese Summe wird als Reingewinn ein Zuschlag von 19 Proz. den Werf- ten gezahlt. Die Frage der Rohmaterialbeschassung dürfte keine allzu großen Schwierrgkeiten bieten, da die cm der Ostküste gelegc- neu Wersten sich unmittelbar in einer äußerst holzreichen Gegend befinden. Die Wersten der Atlantischen Küste können ebenfalls leicht durch die verschiedenen Eisenbahnnetze mit der benötigten .yjolzmcnge versehen werden. Etwas schwieriger dürfte sich die Frage der erforderlichen Arbeitskräfte gestalten, da bis jetzt die Öolzbearbcitiingsiirdustrie noch nie in solchem Maße ausgebaut lvnr. Hier dürfte den Amerikanern ibre reiche Erfabrung auf dem Ge- biete der rationellen Arbeitsfabrikation und der Mechanisierung wertvolle Dienste leisten. Diese neue Handelsflotte wird aus Scgcl- schiffen bestehen, die mit Hilfsmotoren. Dampfturbinen von 1599 Pferdekräften, ausgerüstet sind. Ingenieur Baclesse glaubt, daß es wobl möglich sei, daß das Bauprogramm in dem vor- gesehenen Umfang auch tatsächlich ausgeführt lv i rd- Die kleineren Werften können sich ebenfalls daran beteili- gen, da keine kostspaelisißn Wftö idmMMrkm ÄSerfteinrichtunyen"er- sordtzriub sind. Das bsnötryte Baumaterial wird bereits in den erforderlichen Endadmessungen fertig zugeschnitten angeliefert, uftd im großen ganzen wird, wenigstens bei den kleineren Wersten, her ganze Bau auf eine Montagcarbcit hinauslaufen. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Große Berliner Straßenbahn bat im Juli d. I. porläufig 6 989 179 M., im Juli 1916 endgültig 5 939 991 M., somit für 1917 um 1 959 973 M. mehr eingenommen. Vom 1. Januar bis 31. Juli d. I. betrugen die Einnahmen 38 475 251 M.(L B. 32 853 518 M), das sind 5 621 733 M. mehr. Der Tagesdurchschnitt für 1917 stellt sich auf 181487 M.(i. V. 154 241 M.) Bei der Großen Berliner Slraßenbabn allein betrugen die Einnahmen im Juli d. I. vor« läufig 4 843 874 M.. im Juli 1916 endgültig 4 937 945 M.. das sind für 1917 895 928 M. mehr. Vom 1. Januar bis 31. Juli 1917 betrugen die Einnahmen 39 743119 M.(i. V. 26 397 574 M.). somit um 4 347 536 M. mehr. Der Tagesdurchschnitt in 1917 stellt sich auf 145 924 M. ft. L. 123 932 M.). Tie neue rumänische Ernte. Wie die„Voss. Ztg." erfährt, finden Besprechungen zwischen Deutschland und Oestcrreich-Ungarn über die Teilung der neuen rumänischen Ernte am 4. und 5. August in Wien statt. Das bis- hcrigc Abkommen erstreckte sich nur aus das jetzt beendete Ernte- jähr. DaS Ergebnis der rumänischen Ernte ist günstig. Kriegsgewinnc im Lichte der Kriegssteuer. Die jetzt an vielen Orten zum Abschlüsse kommenden Ein- schätzungen zur Kriegs st euer lassen Schlüsse auf die Höhe dec zu verzeichnenden Kriegsgewtnne zu. Die Kriegssteuer wird he- kanntlich als eine einmalige Steuer erhoben von den Vermögen von 19 999 M. an, die sich in der Zeit des Krieges um mehr als 3999 M. vermehrt haben. In dem Stadt- und Landkreise Solingen, der viel für den Heeresbcdars arbeitete, hat naturgemäß die Kriegsindustciö einen gewaltigen Umfang angenommen. Und doch hätte wohl kaum je- mand ein solches Riesenergebnis der Veranlagung zur Kriegssteuer erwartet, wie es jetzt' vorliegt. Dieser etwa 189 999 Einwohner zählende Kceis hat nach der jetzt beendeten Einschätzung 23>- Mil- lioncn Kricgsstcucr zu zahlen(genau: 23 699 722.55 M.l. Davon ent- fallen auf den heute eftvas über 59 999 Eimvohner zählenden Stadt- kreis Solingen 8 719 516,89 M., auf den etwa 139 999 Einwohner umfassenden Landkreis 14 971 296,75 M. Weniger überraschend. aber auch sehr hoch ist die Veranlagung zur Besitzsteuer aus- gefallen. Sie betrug im Stadtkreise Solingen 412919,89 M., im Landkreise 625 484,89 M. In Breslau bat sich eine starke Erhöhung der Einnahmen aus den städtischen Steuern ergeben; das Gesamteinkommen der Breslauer Steuerzahler ist um 49 bis 59 Millionen Mari gestiegen. Allein die Zahl der Millionäre hat sich, nach Breslauer Blättern, um 169 vermehrt.— Dieser Zusammenballung des Reichtums in relativ wenigen Händen ftehen auch in Breslau eine Menge infolge des Krieges vernichteter Existenzen gegenüber. Dabei dürfte nicht wenig dem neugierigen und habgierigen Fiskus verheimlicht worden sein.__.___* Rußlands Jndustriepolitik. Eine Denkschrift der allrussischen Exportkaimner stellt folgende Leitsätze auf: Die Ausfuhr von Ware,!, die teuer sind und sich in boarbeitetem Zustande befinden, müsse gefördert werden. Getreide sei möglichst als Mehl, Holz in Form von Brettern/Zellulose und Papiererzeugnissen auszuführen. Erhöht müsse ferner die Ausfuhr von Fleisch und Milchprodukten werden. Zu erleichtern sei die Ein- fuhr von Werkzeugmaschinen. Verantwortl. f. Politik! Dr. Franz Diedrrich, Berlm-FriedrnaU: tür d. übrigen Teil des Plattes: Alired Scholz. Neukölln: für Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Berloz: Borwärts Buchdruckerei n. Berlaosanitalt Paul Singer&.£o„ Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Unterhalt»«gsblatt. Nr. 21S ❖ A4. Jahrgang Seilage öes vorwärts Freitag, 3. August 1 417 GroßGerlw Kinöer. Auf dem Spielplätze. Mitten im Hasten der Großstadt eine grüne Insel der Ruhe. Da setzt du dich mude von der Arbeit auf eine Bank und spürst die klopfende Erschöpfung im Blute. Dann wacht gelinde ein inneres Lauschen in dir aus: du fühlst dich plötzlich— herausgetreten aus einem kreisenden Chaos— als ein ienzelner, der verwundert die Untertöne des Lebens vernimmt. Gedanken, sonst von den schlagenden Akkorden der Gegenwart übertönt, sprechen auf einmal still und mächtig zu dir. Das sind die einfachen und reinen Gedanken deiner Kindheit. 4- Eine runde fußhohe Bretterverschalung trennt eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten und der Phantasie von dem grausam nüchternen unerbittlich realen Dasein. Die Kinder spielen.,.. Unter ihren allmächtigen Händchen türmen sich Zinnen und Söller, bahnen sich Straßen zu Zweck und Ziel. tiefen sich Brunnen, Schluchten und Tunnel— wie es das M enschenkind denkt und will I Und wenn Morsches stürzt und Falsches hemmt, dann fegt ein tolles Lachen das erst mühselig Gebaute hinweg und richtet von neuem. Mit eifrigen, leuchtenden Augen; das Alte ist ja längst vergessen, aber das Neue... ja, das wird so wunderschön, wie sie sichs denken' Du meinst, es wird auch nur aus Sand sein. Willst es ihnen vielleicht sagen? Sie werden es dir nicht glauben— und das ist das Göttliche in ihnen! 4» Liegt da ein Junge glatt auf dem Bauche. Er hat einen Hügel aufgeworfen und schön festgeklopft. Dann drückt er vorsichtig und berechnend mit dem Zeigefinger eine spirall förmig von der Spitze nach unten laufende Bahn in den feuchten«and ein. Setzt nachher eine Tonkugel auf die Spitze, die sofort zu rollen beginnt, zuweilen wie zögernd und überlegend kleine Widerstände überwindet, um zuletzt mit entschiedenem Schwünge in einer Grube zum Stillstand zu kommen. Wieder und wieder setzt er die Kugel auf, läßt sein ernstes Auge nicht von ihr. Das gleiche Spiel— aber er hat sicher seine Gedanken dabei. Uns steht es nicht zu, darüber zu lächeln; denn unsere tiefsten Denker wissen nicht mehr und ahnen vielleicht noch weniger vom innersten Wesen jener Kraft, die die Dinge nach unten treibt, als jener Junge. * Zwei Stöpsel kauern auf der Kante. „Wenn ick jroß bin.. „Wat?" ..„Wenn ick. jroß bin, jeh ick uff Montage, det is uff Kon — Konstruxion I Irückenbaua nennt ma det!" „Nee," meint der zweite sinnend,„ick wer'n Schiffer. Denn fahr ick mit'n Könfirmandenschein nach Hamburj un haste nich gesehn— nach Amerika— mit'n jroßen Dampfer." „Päh," der andere lacht unbändig,„denn laß dir man nich von die Engländer kriegen!" Der erste schürzt überlegen die Lippen: „Mann, da is längst keen Kriech mehr!"— Du gehst nach Hause. In dir schwingen die Worte der Kinder: Brückenbauer... Fremdlandfahrer... �.55. Gemüseversorgung. Der Neuköllner Magistrat schreibt uns: Wie nach den von der Reichsstelle für Gemüse und Obst getroffenen Matznahmen nicht anders zu erwarten war, mutzten in der Versorgung der Bevölke- rung mit diesen wichtigen Lebensmitteln Zustände eintreten, die der BolkSernährung direkt zuwider laufen. Die Kommunalverbände waren durch die Reichsgemüsestelle angewiesen worden, das für die Bevölkerung erforderliche Gemüse durch Lieferungsverträge zu be- schaffen. Diejenigen Gemeinden, welche für die Vermittlung der Verträge recht hohe Provisionen zahlten, gelangten auf diesem Wege in erster Linie in den Besitz von Gemüse, weil es den Händlern mit Hilfe der hohen Provisionen möglich war, auch den Erzeugern gewisse Zugeständnisse zu machen. Die anderen Ge- meinden, welche nach den Anweisungen der Reichsgemüsestelle ver- fahren haben und in die Zahlung der erhöhten Provisionen nicht willigten, mutzten die Erfahrung machen, datz ihnen in der ersten Zeit überhaupt lein Gemüse zuflotz. Jetzt bat sich das Bild wieder vollkommen geändert, weil durch die Preiskommission der Staat- lichen VerteilüngSstelle mit Wirkung vom 3. bezw. ö. d. Mls. ab die Gemüsepreise wieder herabgesetzt worden sind. Diese Matz- nähme hat zur Folge gehabt, datz sämtliche Erzeuger bemüht find, ihr Gemüse noch unter Herrschast der erhöhten Preise an die Bedarfsverbände zur Ablieferung zu bringen. Dadurch sind so ungeheure Mengen an Frühgemüse nach Grotz-Berlin gelangt, datz es von allen Stellen Wahl- und ziellos angeboten wird ohne Ab- nehmer zu finden. Von einer Versorgung der einzelnen Gemeinden durch ihre Vertragsabschlüsse kann hiernach nicht mehr die Rede sein, vielmehr sucht jede Gemeinde ihre Ware da abzusetzen, wo sie sie ohne größere Verluste loswerden kann. Deshalb zeigt es sich auch, datz der Stratzenhandel im großen Umfange mit allen Frühgemüse- sorten versorgt ist. Der Magistrat hat nun weiter festgestellt, datz der größte Teil der Neuköllner Kleinhändler nicht das für sie bestimmte Gemüse der Stadt Neukölln abnimmt, sondern sich mit Gemüse aus dem Groß- Handel in Berlin versorgt. Es sind das dieselben Kreise der Kleinhändler, die gegen die Schaffung städtischer Verkaufsstellen für die Versorgung der Be- völkerung Sturm gelaufen haben. Behält der Magistrat das von ihm beschaffte Gemüse im Besitz und kann eS nicht an die Bevölkerung absetzen, weil der Handel aus Grotz-Berlin dort nicht absetzbare Gcmüie heranholt, so besteht die Gefahr, datz das Gemüse verdirbt. Um diesen unverantwortlichen Zustand nicht eintreten zu lassen, hat sich die städtische Verwaltung genötigt gesehen, die städtischen Geschäfte wieder mit Gemüse zum Verkauf an die Bevölkerung zu versorgen. Wir halten eS für unverantwortlich, wenn die Händler ihr Gemüse von anderen Stellen beziehen, weil sie durch ihre Handlung der Stadt auch finanzielle Nachteile bereuen. D a die Stadl sich gezwungen sieht, gegen dieses Verfahren der Händler einzuschreiten, ivird sie von ihrem Recht Gebrauch machen und den Großhändlern, welche aus Grotz-Berlin ihr Gemüse bezogen haben, die Handelserlaubni» entziehen und gegen die Kleinhändler in der Weise vor- gehen, datz ihnen in Zukunft nicht nur die Kausber«chtigu»g eutzogen wird, sonder» datz sie auch von der K a r t o f f e lb e l i e f e- rung ausgeschlossen werden. Wir warnen daher die Groß- und Kleinhändler dringend davor, bei dem großen Angebot von Gemüse fernerhin bei anderen Stellen Gemüse zu beziehen, da mit rücksichtsloser Strenge gegen dieselben vorgegangen werden soll. An unsere Bevölkerung richten wir aber die Bitte, von dem großen Gemüseangebot recht reichlich für Einmachezwecke Gebrauch zu machen, da nach dem Eintreten der niedrigeren Preise zu erwarten steht, datz das Gemüse wieder von dem Markte verschwindet. Die Stadt ist nach den geltenden Vorschriften gegenüber diesen Vor- kommniffen machtlos, und ob die Reichsgemüsestelle Matznahmen treffen wird, welche dem Uebelstande Abhilfe verschafft, ist schwerlich zu erwarten! Dazu wird uns geschrieben: Hiermit gibt also der Magistrat zu, datz er die städtischen Verkaufsstellen nicht mit Gemüse versorgt hat, weil die Grünkramhändler dagegen Einspruch erhoben. Das ist um so bedauerlicher, als ein großer Teil der Einwohner init ihren Kartoffelkarten in diesen Verkaufsstellen eingetragen ist und infolgedessen nur wenig Aussicht, von ihren Grünkram- bändlern mit Gemüse versorgt zu werden. Im übrigen ist die Handlungsweise der Händler nicht neu. Im Frühjabr 1915. als durch die plötzliche Wärme große Mengen alter Kartoffeln auf den Markt kamen, übten sie dasselbe Verfahren und schädigten dadurch die Stadtgemeinde um ungeheure Summen. Fallobst zur Obstmusherstellung. Die Geschäftsabteilung der ReiÄsstelle für Gemüse und Obst ist bemüht, das Fallobst möglichst restlos zur Herstellung von Obst muS durch die Marmeladefabriken zu erlassen und hat zu diesem Zweck an die Leiter der von ihr eingerichteten Obstsammelstellen in Deutschland ein Rundschreiben gerichtet, worin ihnen die Erfassung und Verwendung des Fallobstes zur dringenden Pflicht gemacku wird. Sie sollen alles nur erreichbare Fallobst sammeln und die Ware unmittelbar an die Marmeladefabriken senden. Es mutz ver mieden werden, datz das Obst dem Verderben anheimfällt oder auf andere Weise der Allgemeinheit entzogen wird, denn die notwen- digen Brotaufstrichmittcl zur Versorgung des Heeres und der Be- völkerung sind unter allen Umständen sicherzustellen. Es sind Erzcugerhöchstpreise festgesetzt und für die Bemühungen besondere Vergütungen vorgesehen, die durch die Landes-, Bezirks- oder Pro- vinzialstellen bekanntgegeben werden. Speise- und Getränkekarten in Gastwirtschaften schreibt die Preisprüfungsstelle Grotz-Berlin in einer neuen Ver- ordnung für die Stadtkreise Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Neukölln und Lichtenberg und die Landkreise Teltow und Niederbarnim vor. Nach dieser Verordnung, die mit ihrer Ver- öffentlichung in den einzelnen Stadt- und Landkreisen in Kraft tritt, ist in Gastwirtschaften aller Art mit Ausnahme der gemeindlichen Speiseanstalten an sichtbarer Stelle ein deutlich lesbarer Aushang über die Preise der zum Verkauf gelangenden Speisen und Getränke anzubringen und ferner auch mindestens eine Preiskartc hierüber in jedem Gastraum auszulegen. Die Preisankündigung gilt als Preisforderung im Sinne des§ 5 Absatz 1 Nr. 1 der Bekanntmachung gegen übermäßige Preissteige- rung vom 23. Juni 1915. Sobald eine Warenart ausverkauft ist, ist diese in dem Aushang und in der Karre zu sireichen. Die an- gekündigten Preise dürfen nicht überschritten werden. Die Abgabe der üblichen Mengen an Verbraucher zu den angekündigten Preisen gegen Barzahlung darf nicht verweigert, die Entnahme von Speisen und.Gelränken. nicht von. der gleichzeitigen Erunahme anderer Gegenstände abhängig gemacht ivatdea.------ Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 159 M. und im Unvermögenssalle mit Haft bis zu vier Wochen bestraft._ Verhaftung von Zuckerschiebern. Der Kaufmann Max Winter, Grnnetvald, Königsallee 56, Inhaber der Firma A. Max Winter, Berlin, Alexanderplatz 2, die sich in der Hauptsache mit dem Handel von Lebensmitteln befaßt� und der Apotheker Samuel P r o s k a u e r, Charlottenburg, Momm- senstratze 6, wurden vom Kriegswuchcraint als Kcttcnhändler er- mittelt Verwickelt in die Angelegenheit ist auch die Firma I a n tz u. Hansen, Berlin, Alexandcrstr. 39/49. Der Zucker wurde twaggonwetsc geschoben. So tot Winter der Firma Jantz u. Hansen 299 Zentner Zucker für 2,59 M. das Pfund an und wollte alle vierzehn Tage einen Waggon liefern, Jantz u. Hansen boten die Ladung im ganzen mit 2,65 M. das Pfund dem Apotheker Poos- teuer an, dieser machte dann Angebote an andere Firmen für 3,25 und 3,40 M. Ter Zucker wäre also, ohne überhaupt den Waggon verlassen zu haben, von Wuttec bis zuin letzten Groß- abnehmer um 18 000 M. teurer geworden und dann an das zah- lungsfähige Publikum zu noch unverfthämteven Wucherpreisen ver- hökert worden. Proskauer und Winter wurden verhastet und in das UntecsuchungsgefängniS nach Moabit eingeliefert. Der ahnungsvolle Herr Kannenbcrg. Bor einigen Tagen teilte Herr Oster Kannen borg, In- Haber des Restemra-nts„«tadt Berlin", Torothecnstr. 79, durch Rundschreiben den Zeitungen mit, datz er fein Lokal selbst schließe. Wie wir erfahren, war dieses eine Vorsichtsmaßregel von Kannen- borg, um der zwangsweisen Schließung seines Lokals zu ent- gehen. Auch ihm ist vom Kriegswucheramt nachgewiesen worden, oatz er Lebensmittel aller Art ini Wege des Schleichhandels und unter Ueberschreitung der Höchstpreise von, wie er behauptet, unbe- kannten Personen gekauft hat. Mehrere Zentner wurden b e- schlagnahmt. Es gibt keine handelsfreien Speiseöle mehr. Immer noch sind große Bestände an Speiseöl im Verlehr und werden zu ungewöhnlich hohen, oft zu Wucherpreisen in den Handel gebracht.' Es wird deshalb ausdrücklich darauf hingewiesen, datz eS handelsfreies Speiseöl (Mohn-, Rüb- und Olivenöl usw.) nicht mehr gibt. Laut Bundes- ratsverordnung ist Speiseöl dem Kriegsausschutz für pflanzliche und tierische Oele und Felle, Berlin, Unter Linden 68a, anzumelden und auf Verlangen abzuliefern. Ausländische Ware unterliegt ebenfalls der Anmelde- und Ablieferungspflicht und ist nicht, wie irrtümlich oft angenommen wird, verkehrsfrei. Die Werdcrschcn Obstdampfer werden auf Beschlutz der Werder- schen Obstzüchter-Genossenichaft vom nächsten Montag ab nur noch dreimal wöchentlich verkehren. Mehr Brot für Reisende. Vom 16. August ab werden die bis dahin auf Reichsreisebrolmarken für den Kopf und Tag gegebenen 299 Gramm Gebäckmengen auf eine Höchstmenge von 259 Gramm erhöht werden. Es dürfen daher vom genannten Zeitpunkt ab für jeden Reisetag an eine Person statt der bisherigen vier fortan fünf Reichsreisebrotmarken, die je einen auf 59 Gramm und einen auf zehn Gramm Gebäck lautenden Abschnitt enthalten, ausgehändigt werden. An der neuen Brandenburgischen Hebammenlehranstalt in Neukölln beginnt der erste Äusbildungslehrgang am 2. Oktober 1917. Bewerbungen müssen bis zum 15. August d. I. bei dem Landesdirektor der Provinz Brandenburg in Berlin, W. 19, Matthäi- kirchstratze 29/21, eingereicht werden. Der Lehrgang dauert neun Monate bis Ende Juni nächsten Jahres. Für die Zulassung zu dem Jahrgang sind die erforderlichen Papiere und amtlichen Be- scheinigungen über Alter, Führung usw. beizubringen. Bewerbe- rinnen, die sich als freitätige Hebammen niederlassen wollen, haben kasse zu zahlendes Ausbildungs- und Untcrhaltsgeld von 429 M. bei Perpflegung drittewKIaffe und 720 M. bei Verpflegung zweiter Klasse zu zahlen. Für Nichtprovinzialangehörige erhöhen sich diese Sätze um ein Drittel. Der Vcrsorgungsbereich der neuen Anstalt erstreckt sich auf die ganze Provinz Brandenburg, so datz von. der Provinzialverwaltung eine Zuweisung von Schülerinnen an die Königliche Charite in Berlin und die ständische Hebammenlehr- anstalt in Lübben nicht mehr stattfindet. Die Hebammenlehranstalt zu Frankfurt a. O. wird am 1. Oktober d. I. geschlossen. Rasierlehrgänge für Barbierfrauen. Der Polizeipräsident� hat wie wir erfahren, neuerdings bei dem Vorstand der Berliner Hand- werkskammer angefragt, ob solche Lehrgänge bereits eingerichtet worden sind und was weiter in der Angelegenheit erfolgen werde. Von den durch die Handwerkskammer befragten Barbier- und Friseurinnungen ballen sich zwei gegen die Veranstaltung, eine dafür ausgesprochen. Ter Vorstand der Berliner Handwerkskammer er« klärte sich seinerseits mit Rücksicht auf den großen Gehilfenmangel im Barbiergewerbe für die Veranstaltung der Lehrgänge und auf den hiergegen gerichteten Einspruch der Barbier-, Friseur- und Perückenmacherinnung ist der Vorstand der Handwerkskammer in seiner letzten Sitzung zur Tagesordnung übergegangen. Em Zwang soll auf die Barbierfrauen nicht ausgeübt werden; es hänge auch von den einzelnen Innungen ab, ob sie solche Lehrgänge veranstalten wollen oder nicht. Ein sonderbarer Mieterverein. Die Versorgung mit Kohlen und anderem Brennstoff bewegt die Allgemeinheit in hohem Matze. Hinsichtlich der Warmwasserberiorgung ist setzt den Mietern der Häuser des Westens mit dem Ersuchen um Zustimmung von feiten der Vermieter ein„Ausruf an sämtliche Hausbesitzer und Mieter Grotz-Berlins" zugegangen, der von dem Mieterverein des Grotz- Berliner Westens(gez. Böhm, Fritzlen) und dem Hausbesitzerverband zur Regelung des ZentralheizungSwesens(gez. Leibholz. Krautz) gemeinsani erlassen ist. Darin werden alle Haus- und Pillen- bcsitzer und alle Mieter Grotz-Berlins dringend aufgefordert, vom 16. Juli au die Warmwasserversorgung auf zwei Tage in der Woche zu beschränken. Es soll nur von Freitag mittag 12 llhr bis Sonntag nachmiltag 3 Uhr warmes Wasser geben. Um Mitzhelligkeiten zu vermeiden, soll bei mehr als zehn Mietparteien in einem Hause ein Teil der Mieter die Badeemrichtung von Freitag mittag 12 Uhr bis Sonnabend mittag 12 Uhr und der andere Teil von Sonnabend mittag 12 Uhr bis Sonntag mittag 12 Uhr benutzen. Als Gegen- leistung soll den Mietern 1>/z Proz.(!) der Jahresmiete, für die Zeit der Einschränkung berechnet, zurückvergütet werden. Daß der Mieterverein des Grotz-Berliner Westens diesem Aufruf zugestimmt und ihn gar milunterzeichnet hat, erregt in den weitesten Kreisen der Mitglieder Unwillen. Eine Höchstleistung bedeutet der Fremdenverkehr Ber- I i ns im abgelaufenen Monat Juli. Mit zusammen 121 565 Fremden zeigt er gegen den Juni ein Mehc von 14 463. Auch in Frie- denszeitcu hat der Fremdenverkehr Berlins solche Ziffern nicht er- reicht. Im Pol'izeitez,iri Berlin allein waren, wie die Zentralstelle für den Fremdenverkehr Grotz-Berlims auf Grund amtlicher Fest- stcllnng mitteilt, im Juli 115 512 Fremde abgestiegen, davon 94 852 in Gasthöfen, der Rest in Pensionen und sonstigen Fremdenheimen. Charlottenburg hatte 5449 Fremde zu verzeichnen, Schöneberg- Wilmersdorf 513. Der Kriegszeit gemäß war der Frenidenvcrkeyr, vom m i li täri ich-pol i ti fcken Einschlag abgesehen, ein reiner Handels- und Eewcrbsvcrtebr, und zwar wesentlich ein reichsdeutscher. Das Ausland war verhältnismätztg schwach vertreten; am stärksten nattirgepiätz Oesterreich-Ungarn mit zusammen 1217 Fremden, dichn Hollaite mit 297. die Türkei mit 217, Schweden mit 324. Däne- prit 466, Pylen mit 179, die Balten- staaten mil 119, Norwegen mit 189. Das feindliche Ausland fehlt felbstverständtich, immerhin Ivanen ans England und Italien je 3 Fremde gemeldet, aus Rußland sogar 95, aber vorwiegend aus besetztem Gebiet. Das heutige Bolkskonzert des Philharmonische» Orchesters findet in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Eintrittspreis 39 Pf. Kasseneröffnung 7' Uhr. Ringkämpfe in Berlin. Seit Jahren zum ersten Male wieder finden zurzeit in Berlin öffentliche Ringkämpfe von Berufsringern statt. Daß dieses Schauspiel, das früher oftmals unter der allzu- regen„Teilnahme" des Publikums gelitten hatte, auch setzt während der Kriegssorgen auf viele seine Anziehungskraft ausübt, bewies bei den Eröffuungskämpfcn am Mtliwochabend der gut besetzte Saal des Vtktoria-Tbeaters in der Koltbuser Straße 6. Wegen früherer un- liebsamer Vorkommnisse sind für die Ringkämpfe, von'denen nur drei an jedem Abend ausgefochten werden, rechr strenge Vorschriften erlassen worden. Am Eröffnungsabend siegte Luppa über Heide nach 17 Minuten, Schneider über Naujokat nach 12 Minuten. Der Welt- meister Georg Strenge fertigte seinen Gegner, den Polen Mugni, bereits nach 6 Minuten ab. Mit einem gewissen Ncid blickt der von Massenspeisung und sonstiger Krastnahrung Lebende auf die athletischen Gestalten, denen die Kriegsnöle scheinbar nichts an- taten und noch so viel überschüssige Kraft Hetzen, um in heißem Ringen ihren auch nicht sehr zart gebauten Gegner nieder- zuzwingen. Ein Geldbeutel mit Inhalt ist von einem Angestellten der Firma „Hoffnung", Brunnenstr. 185, gefunden worden. Derselbe ist im Geschäft daselbst zu reklamieren. Lebendig verbrannt ist in der Nacht zum Donnerstag in einer Wohnung in der Angermünder«tratze 19 die 57 Jahre alte Frau Hedwig Lisette geb. Hoffmann. Hausbewohner bemerkten die Ge- fahr erst morgens gegen 5 Uhr. Als dann die Feuerwehr aus der Odeiberger Straße erschien, stand die Wohnung schon in Flammen und war total verqualmt. Beim Eindringen fand die Wehr die Frau vollständig verbrannt bor. Der Brand konnte auf die Woh- nung beschränkt werden. Andere Personen sind nicht verletzt worden. Feuer in der Konservenfabrik Wertheim. Die Feuerwehr wurde am Mittwoch abend nach der Konservensabrik des Warenhauses von A. Wertheim in der Lehrter Str. 27/39 gerufen. Dort hatte der Brand schon eine solche Ausdehnung erlangt, datz die Feuerwehr mit mehreren Schlauchleitungen längere Zeit zu tun haue. Es gelang, den Brand auf die Konservenfabrik zu beschränken. Die Entstehungsursache war noch nicht zu ermitteln. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. Personen sind nicht zu Schaden ge- kommen. Einbruch in eine Brotkommission. Wiederum ist eine Brot« kommission von Einbrechern heimgesucht worden. In der letzten Nachl drangen Diebe in die dritte Brotkommission in der Linden« allee in Weitzensee ein. Diesmal wurde ihre Hoffnung auf reiche Beute aber enttäuscht. Obwohl die Verbrecher fämlliche Behälter gewaltsam öffneten und genau durchsuchten, fiel ihnen auch nicht eine Karte in die Hände. Die Beamten hatten die gesamten Karten in sicheren Gewahrsam gebracht. Diese Vorsicht sollte für alle Brotkommissionen selbstverständliche Pflicht sein, dann würden nicht so groß/ Mengen Lebensmittelkarten gestohlen und zum Schaden der Allgemeinheit in den Verkehr gebracht werden können. Berbrccherjagd zu Wasser. Eine aufregende Berbrecherjagd auf dem Wasser hatten zwei Treptower Polizeibeamte zu bestehen. Sie überraschten in den späten Abendstunden auf einem Slreifgange am Kiehn»erder eine Anzahl junger Burschen und Mädchen, die an ver- botener Stelle in der Spree badeten. Die Beamten stellten di« Personalien der Badenden fest und brachten einige, die sich nicht auS- zuweisen vermochten, zur Wache. Einer der Burschen halte sich durch ein vierteljährlich im voraus an die Brandenburgische Laudeshaupt- 1 Schwimmen der Feststellung entzöge» und dadurch deu bespuderea der Beamten erregt, die in ihmeinen von den Behördenge- tuchi en Verbrecher vermutetem Sie nahmen daher noch in der Nacht die Nachforschulmen nach dem Flückitigen, der seine Äleidnng hatte im Stich lassen müssen, auf und entdeckten ihn gegen 3 Uhr morgensaus einem der vielen bei Stralau liegenden ilähne. Bei Annäherung der Beaniten sprang der Verfolgte wieder ins Wasser und schwamm nach dem Stralauer Uter. Dort kletterte er über einen vier Meter hohen Zaun und lief über den Bahnkörper nach dem Rummelsburger Arbeitshaus, dessen Mauer er überkletterte. Bon dort flüchtete er in den Garten des Waisenhauses und verbarg sich in einem Gebüsch. Mit Hilfe ihrer Polizeihunde vermochten die Beamten, wenn auch erst nach vieler Mühe, doch die Spur des Flüchligen aufzufinden und diesen selbst zu ermitteln. Nock einmal versuchte der Verbrecher zu entfliehen, indem er sich losriß und in den Nunimelsburger See sprang. Die Beamten setzte» ihin jedoch in Rähneir nach, Hollen ihn em und überwältigten ihn. Der Verhaftet« ist tatsächlich ein gesuchter Verbrecher. In seiner beschlagnahmten Kleidung wurde eine Anzahl modernster Einbrecherwerkzeuge gefunden. Der Inhaber von HillerS Weinstuben, Alfred Walterspiel, ist gepe» Hinterlegung einer Kaution von 100 000 M. aus der Haft entlassen worden. Der Schwiwmvercin„Vorwärts", Lbcrschöiicwcidc, veranstaltete am Sonntag, den 29. Juli, sein diesjähriges Kriegs-Schauschwimme», welches bei schönem Wetter und vollbesetzter Badeanstalt abgehalten werden konnte. 2. Internes Jugend-Seiieschwiminen:„VorivärlS*, Oberichöneweide. 1. Rothe 1,55, 2. Droese 1,56� Sek.— 3. Internes Schülerschwimmen: s> Knaben: 1. Keske 1.154/s. 2. Körper l,162/s Sekunden, b) Mädchen: 1. Wilzoch 1,16, 2. Körper l,182/5 Sek.— 4. Lokaler Knaben-Zweikampf: I.Blau, Neukölln: 223ls. 2. Schluricke, .Vorwärts", Oberschöneweide 22, 8. Jäck, Neptun« Lichtenberg 2v'4/,z Punkte.— 6. Internes Domenschwimmen:.Vorwärts", Ober- schöneweide, 1. Böer 1,3V., 2. Müntz J,?1/# Sek.— 6. Lokaler Jugend-Zweikampf: 1. Vorwärts, Oberschöneweide. II. Mannschaft 228/3, 2. Vorwärts, Oberschöneweide, I. Mannschaft ld-'z, 3. Berlin, II. Mannschaft 11% Punkte.— 7. Lokales Jugend- Rückenschwimmen: 1. Laube, Berlin 2,19% 2. Walz, Borw. Oberschöneweide 2,21, 3. Krupski. Berlin 2,58 Sek. — 8. Lokales Männerspringen: 1. Müntz, Vorw. Lberschöneweide 14, 2. Michaelis, Vorw. Oberichöneweide 13, 3. Zunder. Potsdam 1 2V, Punkte.— 9. Lokale Stafetten:-0 Schüler« Bruststafelte: 1. Neptun Lichtenberg 8,34, 2. Vorw. Oberichöneweide 3.36 Sek., b> Jugend- Lagenstafette: 1. Vorw. Oberichöneweide 3,30% Sek., c) zdomenstafelte: 1. Charlottenburg. I. Mannich. 3,19%. 2. Vorw. Oberichöneweide 3,20% 3. Cbarlotlenburg. II. Mannich. 3,31%. 4. Cöpenick 3,31% Sek., d) Männer-Lagenstafelte: 1. Charlottenburg 8,46 Sek.— 10. Lokales Jugendipringen: 1. Droese. Vorw. Oberichöneweide 10% Punkte.— 11. Lokales Männerichwimmen: 1. Jäniich, Lichtenberg 3,—, 2. Wend», Charloitenburg 3,33, 3. Gold- dach, Vorw. Oberschöneweide 3.38% Min.— 13. Vcreinsmehr- kampf iür Männer: 1. Potsdam 34%, 2. Berlin 31%, 3. Vorw. Lberschöneweide 19% Punkte. Cöpenick. Einstellung der Straßenbeleuchtung. Die Stadt- Verwaltung hat infolge der jüngsten Maßnahmen zur Einschränkung des Gasverbrauchs bereits Anordnung getroffen, daß die dortige Siraßenbeleuchtung aus Gas vollständig eingestellt wird. Die so ersparten Gasmengen stehen zum Kochen und zur Beleuchtung in den Haushaltungen zur Verfügung. Spandau. Lebensmittel. Freitag, den 3. August, beginnt der Verkauf der städtischen Butter auf Butterabschnilt I der Speisefett« karte. Auf jeden Abschnitt werden 80 Gramm zum Preise von 44 Pf. verausgabt. Mit Ablauf von Donnerstag, den 9. August, ver- liert Feld I selne Gültigkeit._ Reinickendarf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 19 der Eierkarte wird ein Ei verabfolgt. Der Verkauf des holländischen KäseS hat begonnen. Auf jeden der von den Brotkommissionen verausgabten Käsescheine werden 100 Gramm verabsolgt zum Preise von 3,20 M. pro Pfund. Auf Abschnitt 91 der Lebensmittelkarte werden 125 Gramm Hafermehl und auf Abschnitt 92 50 Gramm Grieß aus» gegeben Endlich sind auch die ersten Kartoffeln eingetroffen. Es wird möglich sein, jeden Einwohner mit 2 Pfund zu beliefern. Um«ine gletchmäßige Verteilung herbeizuführen, wird zunächst je- doch nur ein Pfund abgegeben und das zweite Pfund, nachdem alle Bezugsberechtigten mit dem ersten Pfund versorgt sind. FricdrlchSfelde. Mehlzulagc für landwirtschaftliche Arbeiter. Auf Anordnung deS LandeS-GeireideamteS erhalten all« landwirtschaft« lichen Arbeiter, die nicht Selbstversorger sind, vom 1. August ab bis auf weiteres eine Mehlzulage. Jeder in Frage kommende Ar- beiter erhält für die Woche vom 30. Juli bis 5. August 2 Zusatz- brotkarten über 350 Gramm. Vom 6. August ab außerdem eine dritte Zusatzkarte über 200 Gramm. Die Arbeitgeber werden hierdurch aufgefordert, die betreffenden Karlen für ihre sämtlichen in Frage kommenden Arbeiter im Ein- wohner-Meldeamt, Dönhoffstr. 31, selbst oder durch einen Beaus- lragten unter Vorlegung der AuSweiSkarle in Empfang zu nehmen. Friedrichshagen. Lebensmittel. Von heute ah gelangen auf Abschnitt 38 der Lebensmittelkarte auf den Kopf ein Pfund Kar- toffeln zur Ausgabe und zwar in den Geschäften: Fant«, Helm, Kummer, Schulz, Scharnweberstratze und Konsumgenossenschaft. Soziales. Einmalige Beihilfen für Kriegshinterbliebene. Vielfach mutzte die Nichtbewilligung des ElterngeldcS als be- sondere Härte empfunden werden, wenn die Eltern für die Berufs- auSbildung des gefallenen Kriegsteilnehmers, in der Annahme, an ihm später eine Stütze zu finden, besondere Aufwendungen gemacht halten. Nach neueren Bestimmungen kann in solchen Fällen nun- mehr eine einmalige Zuwendung, auf welche aber ei» klagbarer Anspruch nicht besteht, gewährt werden. Die Höhe der Zuwendung bcmißt sich nach den für den Ver- storbenen;alsächlich aufgewendeten BerussausbildungSkosten sowie nach dem vorhandenen Bedürfnis. Als AuShildungSkosten gelten nur die Kosten für die Ausbildung zu einem bestimmten Beruf(Be- such von Fachschulen, Handels- und Hochschuleii). Die Kosten für den Besuch einer Lehranstalt sGymnasium usw.) werden nur insoweit berücksichtigt, als sie durch den über die Erlangung deS Berech- ligungscheines zum einjährig-freiwilligen Militärdienst hinaus fort- gesetzten Besuch einer solchen Anstalt entstanden sind. Die Bei- bilfe wird der Person gewährt, die die Kosten der Berufsausbildung destritten hat; sie ist in einer Summe zahlbar und beträgt höchstens 500 M. Die Anträge auf Bewilligung find, zweckmäßig unter Vorlage der Nachweise über die aufgewendeten Kosten und einer Bescheinigung über die Bedürftigkeit, bei den nunmehr in fast allen Städten und Gemeinden bestehenden Fürsorgestellen, sonst bei der OrlSbehörde, anzubringen. Die Entscheidung trifft die Stellvertretende Inten- dantur, zu deren Geschäftsbereich der Truppenteil gehört, bei dem der Verstorbene zuletzt gestanden hat. Eine Berliner Lohnftatistit. Interessanten Aufschluß über verschiedene wirtschaftliche Vor- gänge gibt der Beitragsmarkenverkauf in der jJnvalidenvcrsicherung. Dieser läßt wichtige Rückschlüsse zu sowohl aus die Bewegungen aus dem Arbeilsmarkl als auch auf die Lohnverhältnisse der Versicherten. Zum erstgedachten Zwecke bringt das Reichsarbeitsblatt a«ch in regelmäßigen Zwischenräumen Mitteilungen über die Beitrags- einnahmen bei den einzelnen Landesversicherungsanstalten. Die auf Grund dieser Unterlagen gewonnene» statistischen Ergeb- nisse sind um so wertvoller, als der Invalidenversicherung»- Pflicht alle gegen Gehalt oder Lohn beschäftigten Personen ohne Rücksicht aus ihren Beruf unterliegen,„Angestellte" indes nur mit einem Johrcsarbeitsverdienst bis zu 2000 M. Nimmt man die Ge« schäflSberichle der LaiideSversicherungSanstalt Berlin zur Hand und nimmt man an, daß jeder Versicherte durchschnittlich jährlich 50 Wochenbeiträge entrichtet, was nach allen Beobachtungen den tat- sächlichen Verhältnissen entspricht, so ergibt sich folgendes Bild der Besetzung der einzelnen Lohnklassen: Hiernach stieg die Zahl der Versicherten von 533 334 im Jahre 1902 aus 741 799 im Jabre 1913. Unter den Einwirkungen deS Krieges fiel dauu die Ziffer auf 604 804 im Jahre 1915, sie hob sich dnim wieder auf 605 931 im Jahre 1916. Besonders bemerkenS- wert ist die Verschiebung in den einzelnen Lohnklassen. Bis zum Kriegsausbruch finde! eine fortgesetzte Verschiebung nach oben, be- sonders nach der böchsten Lohnklasie statt. Das ist eine Folge der immer gewissenhafter werdenden Durchführnng deS Gesetzes, be- sonders der Beitragskontrolle und der allgemeinen Steigerung der Löhne und Gehälter. Wenn mit dem Kriege wieder eine Ver- tchiebung nach unten eintritt, so ist das auf die zahlreiche Beschäftigung gering entlohnter jugendlicher und weiblicher Personen zurückzuführen. Im Jabre 1916 macht sich auch hier eine Wendung zum Besseren bemerkbar— eine Folge der Teuerungszulagen. Jedenfalls zeigen die Ziffern, daß die vielgerühmten Lohnsteigerungen während des Krieges nur auf Ausnahmen be- ruhen. Zum Vergleiche iei erwähnt, daß im Jahre 1916 der höchsten Lohnklasse angehörten bei den Versicherungsanstalten Kgr. Sachsen 28.4 und Posen 9,1 Proz. der Versicherten. Bemerkenswert ist, daß nach der Statistik rund die Hälfte der gegen Gehalt oder Lohn beschäftigten Personen sich noch mit einem Ein- kommen bis zu 1150 Mark begnügen mutz. Daß bei der Zuteilung der Versicherten zu den einzelnen Lohnklassen kleinere Abweichungen von den wirklichen Löhnen zu beachten sinds Sonnabend mittag. Etwa« kühler, vielfach wolkig, leichte Regenfälle, strichweise Gewitter, später neue Ausheiterung. veuttchei' MetZllZsdeltes- verdsnä. Verwaltungittelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- rlcht, daß unser Kollege, der Schlosser Villielm Kappel Bremer Straße 43, am 29. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 3. August, nachmittag« 4 Uhr, von der Leichenhalle de« neuen Sankt Johannis- Kirchhofes in Plötzenjes aus statt. Ten Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Otto Klopscb Lübbener Straße 2, am 31 Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchhofes in Neukölln, Her- mannstraße, aus statt. «hre ihrem glndeneen k Rege Beteiligung wird er- wartet. 179/17 Tie Lrtsverwaltung. veuttcher RuAblnder- Verband. (Zahlitelle Berlin.) Am 30. Juli 1917 verstarb unser Mitglied Paul krieclliiix. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. August, nach- mittags 5 Uhr, aut dem Kirchhof in Mariendorf. Friedenftraße, statt. 26/15 Zahlreiche Beteiligung er- »artet via Orterornaltung. Gestern, Mittwoch, nach- mittags um 4 Uhr, enttchlies ianst meine liebe gute Frau, Mutter, Schwester, Schwä- gerin und Tante, Frau öerta Neiwel geb. KretBchmcr im 47. Lebensjahre. Dies zeigt im tiejften Schmerze an «tte» Fenn«! im Namen der Hinter- bliebenen. Die Beerdigung sindet am Sonnabend, nachm. äll, Uhr, Bon der Halle beä Peiri- Kirchhose», gciedenslraßc. aus statt. fi21 Verband der Schneider. Schneiderinnen u. VZIche- arbelter Deutschlands. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Herrenmaßschneidcr Joh. Bodora geb. 3. 6. 66 am 30. Juli verstorben ist. Ehre seine» Andenke» k Die Beerdigung findet am Freitag, d. 3. August, nach- mittags 5 Uhr, aus dem HedwigS-Kirchhof in Hohen- schönhäusen statt. 165)7 Die Ort$»«rwaltung. (Zuschußkanse). Sonntag, den 5. August. vormittags 10 tthr: Außerordentliche Gkneral-Versaululllmg bei Wllbe, Sebastianstr. 39. Tagesordnung: 1. Abänderung des§ 7 und Zusatz zum§11 der Satzung. 2. Innere Kassenangelegen- Helten. Mitgliedsbuch legitimiert. PünltlicheS und zahlreiche« Er- scheinen enpariet 39/1* Der Vepelaii'l. I. A. H. M e tz t e. Singer Zähci uverass Wie gründe ich mir eine guie Existenz während deS Kriege« und nach dem Kriege? 2,60, Porto extra! Geprüft, geneh- migt, als gut und praktisch an- erlannt. 52312* O. A. Grambs küonneberg 24. Spezial-Arzt Dr. med. Uaaehe. Frie(jrictistr.90 ÄZs. Bedandi. von ZhphtliS, Haut-, tarn-, Frauenleiden, spez. ran. Fälle. Ehrlich-Halo-Ku- ren, schmerzlose, kürzeste Be- Handlung ohne BerusSslörung. Bluluntersuchunz. Mäß. Preist. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5— 8, SoNNt. 11—1. Spezialarzt Dr. med. Colemann für Haut-, Harn-, Frauenleiden nerv. Sopw&che, Beinkranke, £hrllch- Huts. 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Eines morgens um 9 Uhr erschienen Plakate, daß im Konzertmeeiing der Justizminister KerenSIi(der To» liegt auf der ersten Silbe mit leichtem g-Aorklang, also: Kjerenskij) sprechen werde. Um halb zehn war bereits kein Billett mehr für das kaiser- liche Theater zu haben, in dein die Veranstaltung vor sich gehen sollte. Da aber, so erzählt die Dame weiter, in den kaiserlichen Theatern noch von alterSher die Besucher der Logengäste nicht sireng auf die Billetts kontrolliert werden, gelang es mir, nach vielen Bitten von den Insassen einer nicht gar zu überfüllten Loge die Erlaubnis zu Bleiben zu erhalten. Es sprach zunächst der französische MunitionSminister Albert Thomas, und er sprach recht müßig, und ohne besonderen Erfolg. Dann hörte man Soldaten, die von der Front gekommen waren. Aber plötzlich schwoll ein Brausen zum Donner an— und man sah Kerenski in der Zarenloge. Man jubelte ihm zu, er dankte und folgte der Aufforderung, sich auf die Bühne zu begeben, damit ihn olle sehen könnten. Zunächst begrüßte er dort mit Händeschütteln den Kapellmeister und die nächsten Musikanten, und dann trat er vor. Seitdem er vom einfachen Dumaabgeordneten zum Revolutions- , minister geworden war, halle er den gewöhnlichen Bürgcrrock mit einer hochgeschlossenen russischen Jacke vertauscht, die oben nur einen ganz schmalen Streifen des Kragens sehen ließ. Und nun begann er— und ich war etwas enttäuscht. Eine ganz trockene Stimme ließ sich vernehmen, und sie sprach in kurzen, abgehackten, freilich energischen Sätzen. Er sagte ungefähr, daß er die allgemeine Aufregung begreife, daß aber die Lösung der Krise ganz nahe sei. und daß es dann gelte, alle Kräfte in den Dienst Rußlands zu stellen, das den Frieden wolle, aber dazu seine Stärke erweisen müsse. DaS war der Inhalt seiner Worte, und es war der Charakter der Persönlichkeit, die so blendend ausgestiegen war, es ivaren aber nicht äußerliche, rednerische Vorzüge, waS diesen kurzen Worten un» sagbare Beifallsstürme folgen ließ. Einige Zeit darauf, als ich von Petrograd nach Stockholm ab- reiste, sab ich KerenSIi, der inzwischen KricgSminister geworden war, aus dem Bahnhof wieder, wohin er Albert Thomas begleitet hatte. KerenSki trug Uniform und ging zwischen zwei Osfizieren. Er ging aber ziemlich schnell, lief beinahe, und da er es nicht liebt, erkannt und begrüßt zu werden, schritt er mit tiefgesenktem Kopf. Ob ich ihn jemals wieder sehen werden— schloß die Erzählung; er ist ja so krank und außerdem ist er nun Ministerpräsident und Diktator, und daS in Rußland I worum betragt öie Spurweite unserer Eisenbahn 1435 Millimeter!' Die Spurweite, d. h. die Entfernung von einer Schiene zur anderen, beträgt bei unseren Eisenbahnen 1435 Millimeter. Es ist dies eine sehr sonderbar erscheinende Zahl, und jedermann wird sich beim Anblick derselben gewiß fragen, wieso denn die Eisenbahn- techniker dazu gekommen sind, für die Spurweite gerade diese Zahl zu wählen, die doch auf den ersten Blick durch nichts begründet erscheint. Die Ursache, weshalb untere Eisenbahnen diese Spurweite haben, reicht zurück bis in die ersten Tage des EisenbahnbaueS überhaupt. Als im Jahre 1825 George Stephenson seine erste Lokomotive baute, nachdem er eS nach langen Mühen durchgesetzt hatte, daß ihm die Erlaubnis zur Ausführung einer Eisenbahnstrecke erteilt wurde, dachte er zunächst daran, mit der Bahn ausschließlich Personen zu befördern. In der Tat dienten bei seinem ersten Eiscnbahnzuge zur Personen» besörderung einigesalte Postkutschen, die er an seine Lokomotive angehängt hatte. Auf den Gedanken, als Eisenbahnwagen Postkutschen zu nehmen, war er dadurch gekommen, daß man ihm bei der Konzession zum Bau seiner Eisenbahn engherzigerweise die Vorschrift gemacht halte, daß die Spurweite derselben nicht mehr betragen dürfe, als die für die damaligen englischen Postkutschen vorgeschriebene Breite zwischen beiden Rädern, nämlich fünf englische Fuß. Stephenson versuchte zunächst, seine Lokomotiven nach' dieser Vorschrift zu konstruieren. Möers hi'armsteö� Von Jakob Knudfen. Er wurde ganz verlegen, als er das sah und wandte— wie es ihm manchmal in diesem Zustand passierte— ein fremdes Wort an, das aufs Geratewohl gewählt war: „Das— daS sind wahrhaftig zwei sonderbare Repräsentanten", sagte er. „Ja, obs nun gerade Tanten von denen da sind", sagte der Mann von Skröstrup.„Glaubst Du nicht eher, daß es ihre eigenen sind, Äresten?"-- Pastor Steffensen ging mit den andern zusammen um- her— und sagte:„hä, hä", wenn es ihm notwendig oder passend erschien. Aber so oft er an einer Tür oder Luke vorbeikam, sah er auf den Hof hinaus. Drüben ans der Grenze zwischen dem Wagenhof und dem Hofplatz des Hauptgebäudes gingen die Braut und ihre jüngere Schwester, Jungfer Gsatrid, hin und her. Sie hatten einander um den Leib gefaßt und gingen mit gesenkten Köpfen. Sie schienen sich viel zu sagen zu haben und beachteten die anderen gewiß gar nicht. Die Braut trug ein schwarzseidenes Kleid— die entschieden angesehenste Tracht in der alten Familie und ivohl auch in der ganzen Gegend. Und dann dieser iveiße Schleier!— Der Wind er- faßte ihn einmal von hinten und führte ihn ganz über ihren Kopf empor; er hielt sich ein paar Sekunden lang in�der Lust, sank dann aber wieder herab.— Warum sollte er, Steffensen, sich noch länger hier auf Erden quälen! Und ivarum war sie nicht einer von Gottes Engeln, der von hier wegfliegen könnte.— ja, weg. weg. in den Himmel!-- Aber sie kümmerte sich ja gar nicht um ihn. Sie hatte ihm sicher niemals auf die Art einen Gedanken geschenkt.— Es war doch ein Glück, daß er noch nicht geschn hatte, wie die beiden einander küßten, auch in der Kirche nicht. Und war es denn nicht eigentlich wunderlich, wie fern sie jetzt auf dem Fest einander blieben. Dort ging sie mit ihrer Schwester zusammen, und er— ja, er war gewiß noch drüben im Stall.— Nun kamen die Knaben Worten und Jens Faurholt zur Hsupttür heraus, offenbar mit gewichtigem Auftrag. Ueber Während aber bei unseren deutschen Lokomolivcn die beiden Zylinder außerhalb dcr Räder liegen. lagen sie bei der Stephensonsckien Lo» koinotive innerhalb der Räder, wie dies bei den englischen Lokomo» tiven beutzulage noch immer der Fall ist. In den engen Rahmen der vorgeschriebenen fünf englischen Fnß vermochle aber«lephenson zwei Zylinder nicht unlerznbringen. Es wurde ihm schließlich gestaiiei, die Spannweite so weit zu vergrößern, daß er innerhalb des Räder- gesiellS seiner Lokomotive zwei Zylinder anordnen konnte. Stephenson kam hierbei auf eine Spuriveile von fünf englischen Fuß und acht- einhalb Zoll, und deshalb fetzte er auch die als Personenwagen dienenden Postkutschen auf ein Rädergestell, da§ diese Spurweite hatte. Die erste englische Eisenbahn wurde also aus den er- wähnten Gründen mir einer Spurweite von 5 Fuß 8'/» Zoll ans- geführt, und die gleiche Spurweile hatten selbstverständlich alle weiteren Lokomotiven, die aus der Stephenionscben Fabrik hervor- gingen. AIS nun die ersten Eisenbahnen ans dem Kontinent gebaut wurden, halte man noch keinerlei Erfahrung im Lokomotivenbau, und man bezog damals jahrelang alle Lokomotiven aus England, wie auch das zu ihrrr Wartung und Bedienung nolivendige Personal ans England kam. Die von dort gelieferten Lokomotiven aber hatten alle die Spnrweile von 5 Fuß und 8Vz Zoll, WaS nach unserem heutigen Maß 1435 Millimeter ergibt. Als man auf dem Kontinent endlich begann, selbständig Lokomotiven zu bauen, waren schon einige Sirecken von englischen Ingenieuren hergestellt, mir englischen Loko- moiiven befahren und mit dieser Spurweile versehen worden, und es blieb somit nichts anderes übrig, als die an dieselben sich an- gliedernden Anschlußstrecken inil derselben Entfernung der Schienen voneinander weiter zu bauen, um einen Verkehr zu ermöglichen. So hat sich bis auf den heutigen Tag für Spurweile aller euro- päischen Eisenbahnen die sonderbare Breite von 1435 Millimeter erhalten, mit Ausnahme der russischen Eisenbahnen, die eine größere Spurweite haben._ August öoeckh. Einer der leuchtendsten Sterne dcr Berliner Universität, der Philologe Philipp August Boeckh. starb vor einem halben Jahr- hundert. Er war am 24. November 1784 in Karlsruhe geboren und ist am 3. August 1867 in Berlin, Ivo er seil 1811 gewirkt, dahingegangen. Schon vor seiner Promovierung hatte er sich literarisch durch eine Abhandlung über Plaio in der wissenschaftlichen Welt bemerkbar gemacht. Als er dann in Halle 1807 den Doktorhut erwarb, bemerkte einer der Professoren, daß„solckie Kandidaten nicht alle Tage kämen". In Heidelberg begann er 1807 seine Lehrtätigkeit als außerordentlicher Professor. Bei Gelegenheit seines dOjährigen Doktorjubiläums stell lc er selbst diese frühzeitige Berufung bescheiden folgendermaßen dar:„Iii einer Zeit, Ivo man bei Be- setzung akademischer Lehrämter noch nicht die Auswahl wie beute hatte, bin ich 22 Jahre alt zur Professur an einer jugendlich ausstrebenden Uiiiversilät, der zu Heidelberg, gelangt." Berühmt wurde Boeckh zuerst durch seine wisienichaftliche Fehde mit dem Philologen Gott- fried Hermann<1772—1848), die viele Jahre hindurch danerie, und welche zu einem Kampf auSariele, wie ihn die klassischen Studien seit der Renaissance nicht mehr erlebt halten. Boeckh war eine große Aufgabe von der Akademie gestellt ivorde». er sollte die Sammlung aller griechischen Inschriften leiten. Nach langen Vor- bereitungen ivar 1825 das erste Heft erschienen. Hermann rezen- sierte das Hesr in dcr.Leipziger Literatur-Zeitung" ungünstig; er hatte die Art der Kritik, wie sie in der Jnschrifiensainni- lung zur Geltung gekommen war, lebhaft bekämpft, ja sogar „mit Bedauern bekennen müssen, daß er bei dem Verfasser die not- wendigen Eigenschaften eines epigraphifchen Kritikers.fast überall vermisse", Diese. Rezension nun Halle das Signal gegeben, daß sich im Schöße der philologischen Wissenschaften zwei Richtungeii bildeten, von denen Boeckh und seine Anhänger einer höheren Auf- fassung der Philologie Geltung zu verschaffen suchten und dcr for- malen. Hermannscheii Schule gegenüben die materielle Seite der Wissenschasl betonten. Das Hauplwerk Boeckhs jedoch, das ihn fast das ganze Leben hindurch beschästigle, war„Die StaatShauZ- Haltung der Athener", das bereits 1317 erschien, aber später erweitert und zum Teil umgearbeitet wurde. Eine Reihe der be- deutendsten Philologen bis in unsere Zeit hinein gehörlcn zu seinen persönlichen Schülern, so Bernhardy, A. W. Zumpl, Bonitz, die beiden CurliuS und Otfried Müller. Volksbühne:„Zohrenüe Musikanten*. ES gab einst eine lilerar-modische Periode dändcreicher biographischer Dichter- und Künstlerromane. Ihre besondere auf- klärerische Wirkung auf das zeitgenössische Lesepubliknm möchte ich bezweifeln; aber sie wurden geradezu„verschlungen". Seil ivenigcn Jahren nun begegnen wir einer Verpflanzung von Musikcrbiographien auf die Thcalerbühne. und zwar ,n Form von„Singspielen". Es ließe sich dagegen gewiß wenig einwenden. Ja. man könnte das llntersangen sogar gutheißen, weil eS dem— zumal.mit der Musik- ihren Bewegunqcn lag etwas sehr Bestimmtes. Sic begaben sich sofort zur Scheune hinüber, um die Gäste an den Hoch- zcitötisch zu rufen. Kurz darauf kamen sieben, acht weißgekleidete Brautjungfern und gingen zur Braut hin. Die jungen Mädcheit blieben stehen und warteten. Und nun kam die Gesellschaft aus Stall und Scheune heraus. Leutnant Fischer bot seiner Braut den Arm und ging mit ihr an dcr Spitze; ihnen zu- nächst folgten die Brautjungfern. „Ich bin so hungrig geworden voni Ansehn der armen mageren Kühe," sagte dcr alte Junggescll Erik Skindtoft— gewöhnlich„alter Erik"*) genannt—„daß mir die Gedärme ini Leibe wehtun." „Dann mußt Du zu Haus auf dem Bjerrchof ja immer hungrig sein," erwiderte dcr Wirt, „Nein,— jetzt geh ich fallit," sagte Erik,„aber meinen Kühen gehtS wahrhaftig nicht schlecht," „Dann sind die es vielleicht, die Dich vom Hof fort- gefressen haben," „Ja. ja, Kresten— paß Du nur auf. daß wir Dich nicht von Stavn fortfrefsen, wenn wir erst zu Tisch kommen."-- Bei dem langsamen Drängen in den Stuben, während man zu Tische ging, kam Proprietär Faurholt neben Pastor Steffeiisen, nahm ihn unter den Arm und sagte:„Sehn Sie, jetzt werd ich Sic gleich an Ihren Platz führen, Herr Pastor. Sic sollen dem Brautpaar gerade gegenüber sitzen, und dann halten Sie gewiß eine kleine Rede." „Ja- hä-" „Doch, das dürfen Sie uns nicht abschlagen." Steffensen wußte eigentlich wohl, daß er reden sollte: doch er hatte gehofft, am Ende des Tisches bei einer der Terrinen untergebracht zu werden, wie es bei� Bauernhochzeiten hier in der Gegend ziemlich allgemein Sitte war.— O, er konnte ja nichts zu ihr sagen, konnte sie nicht an- sehen,— und nun sollte er sie gerade vor sich haben!— Als alle am Tisch saßen und dcr Pfarrer, wie jeder von den andern, auf feinem Platz ein gemauert saß, als der Küster das Tischgebet gesprochcw hatte, die Löffel in Bewegung ge- *) Scherzende jütische Bezeichnung für den Teufel. ��1,9 Freitag, 3. Mgusi qeschichle mangelhaft oder gar nicht vertraiitcn— Publikum eine Art Leitfaden durck die Sckiöpfliiigen eincS bedeillenden Komponifte» gibt, vorausgesetzt natürlich, daß mit sü n st leriickicr Pietät und literarischem Urteil Perfohren ivird. Hierin hapert cS aber. Entweder wird dcr Musik oder dcr historischen Wahrheit, oder beidcm zugleicki, Gewalt angeimi. Auch Hans Gaus, der Verfasser des tcxtlichen Teiles dcr „Fahrenden Musikanten", ist von diesem Vorwurf nickn freiziispreckicn, wenigstens insofern, als mancherlei Gemciiiplätzigkeiicn ziigimstcn einer vlilglire» Hiliiertreppeiikomödie mid billigen Wirkung niis die große Masse allzusehr bevorzugt ivurde. Die„SerciliisimuS"- Figur nebst Anhang bildet daiiir nur ein abschreckeildes Beispiel. Doch soll andererseilS das Bestreben»qch Elslellnng eines Roben Schumann als Mensch wie als Musiker in lünstlerisch-symboliiche. Beziehung setzenden Handlimg gern anerkaiinl werden. Man siebt jenen im Glorienschein schaffenskräfliger wie lebenS- lind kampt- frober Jugend. Die„Davivsbündlcr", ein Vereiii� ousstrebcndcr Musiker, dessen Begründer, Haupt und Seele, eben Schumann ivar, treten ans. Und der Kampf»in Klara Wieck, seine nachmalige Gatlin, die große Pianistin, bildet im weitere» Verlan; den eigcnl- lichsn Kernpunkt des Ganzen. Hübsch poetisch ist die Bekehrung des alten Wieck, in die das Singspiel auSkliiigt, ersonnen und gegeben. Hier werden nämlich einige Szenen aus„Das Paradies und die Peri" im Bübnenkostüm vorgeführt. Wäre das delvra« tive uiid charalterisiische Beiwerk weniger provinzhasl auSgcfalle», so könnte von einem iiitercssanten Experiment die Rede fem.. Manches wirkle jetzt dramatischer, als auf dem Konzertsaalpodimn. Von zahlreichen Solo- und Zwiegesängen, Oiiarlctten, gemischten Chören. Tanz- und Kinderszenen Schnmainis, die JohamicS D ö b b e r als musikalischer Bearbeiter— auch er begeht Geschmack- losigkeilen— meist mit feinem Geschick, sei eS im Haupt- oder Neben? werk, verwertet hat, gilt ähnliches. Für die hiesige Aufführung bat Direktor Sladck ein flott zu- samniengestimmles Ensemble von überwiegend Kasseler Kräilcii, mit Döbbcr als Dirigenten, und das B l ü t h n e r« O r ch c st c r ge- Wonnen. Fritz W i n d g ai s e n lSchilinaiin), Tania Ollniirosf sKlara), Lotte Bake lBerta), Bruno B e r g M a n n lPfarrcr), Berta Top ke»(Peri), Roia Shopp leisten gesanglich gnleS; während Friedrich Kühne den Valer Wieck vorirefflich verkörperte und Fritz Berend als Papierfabrikant mid Schloßbesitzer Schmehling eine ivaschecht sächselnde Possenfigur erbrachle. ES kann ein starker Erfolg verbucht werden. Einzelnes, wie die— w a l z c r in n ß> g zu- rechtgemachte, übrigens leitmolivifch verwobeiie, köstliche„Träume- rei", Kinderszeneu niw,, wurde stürmisch wiederverlniigt, Mit den Siiigspiel-Urhebern mid Haiipirollenveriretcrn wurden auch die Regisseure Beyer und Sladek vielmals gerufen. eic. Kammerspiele:„Goldfische." Lustspiel von F, p, S ch ö n l h a» und G n st a v K' a d e l b u r g. Die Dürftigkeit der heutigen Blühnciiprodiiklion auch ans dem Gebiet des bloßen lUllerhaUlliigSgeiireS wird durch das Hervorholen von abgelegter Ware, Ivie diese Saloukomödie dcr einst beiühmten Firma, die vor Jahrzehnten, als sie auf den Markt geworfen ivurde, schon antiquiert erschie», charakleristüch illustriert. Jmmerbi», lo dünn da die Ouellen der Elfindung fließen, er füllen solche Anleihen bei dcr Vergangenheit, ioscrn die gewählten Siücke mir bühnenkundig fabriziert sind, den Zlvcck des Zeitvertreibs noch iiiniier bester als das meiste, was die Konkurrenz des Tages in dein Fache hervorbringt, mid was bei allem Bemühen,. starker Pfefferung lwie ollva KenipnerS eben erst gespielte„Hauö-. dame)" durch Uiigejchick die Stuii den dcS Theaterabends, siair ste z» kürzen, endlos in die Länge zieht.— Von irgendwelchcn Aniätzen zu einer gesellschaftlichen Satire, ivoranf dcr Titel Goldfische zu deulcn scheint, ist nicht die Rede. Die Mitgiiljägerei gibt nur das Tbeina für einige Possenscherze. in die ein ausgedienter blanblüliger Don Juan verwickelt wird. Im übrigen bewähren die vorgcjiihrte» Herrschaften die edelsten Familienblatt- Gesinnungen, Daß die Damen, auf welche ihre Liebe fällt, auch einen Sack voll Geld besitze», kommt für sie gar nicht erst in Frage, ist in dcr besten aller Welten einfach selbstverständlich. Dem typischen Musterleuinaiit, der Schtperenöterei mit jeder nur gewünschten Noblesse und Tiefe des Gemüts pereinigt, gab Herr Gebühr liebenswürdige Frische und Natürlichkeit, trotz seiner norddeutsch herberen Art in solchen Rollen ebenso gewandt wie Eugen Burg in österreichischen Soldalemtiargen ähnlicher Für- bling. Hermann T h i m i g gcivaiin dcr mehr nlö imwarichein- lichen Naivität des jimgeii auf FreierSfüßcn gehenden Malers ichr mimtor lustige Wirkung ab. W a ß in a n n skizzierte den herab- gekommenen Don Jnan und Schuldenmacher mit reichem naturalistischen Detail, L e b i n S als agrarischer Verwandter miS Ostpreußen erfreute durch alle Reize heimischen DialeklS. Auch die Damenrollen kamen im Spiele bon Ida W ü st, K a r o l a � o e l l e und L u c> e E u l e r glücklich zur Geltung.>lr. kommen waren und alles seinen Gang itaym,— da legte Faurholt seine Hand ans den Arm des Pfarrers, mit vertrau lrchcm Nicken. Und Steffensen stand ans— und redete ganz ini allgemeinen,— so Ivie drüben in der Kirche,— indem er selbst das Gefühl hatte, zur Menschheit zu sprechen. Er sah beim Reden über die Köpfe der Brautleute.hinweg; doch als er schloß, streifte sie sein Blick,— und da fügte er hinzu, che er sich besinnen konnte, und gewiß beinahe gegen seinen Willen:„Möchtet ihr nun gut zu'cinander sein!" Das wurde so ganz ohne Zusammenhang mit dein Stit dcr Trauredc gesagt,— daß es in die Versammlung einschlug und viel Heiterkeit weckte. Proprietär Faurholt niachte dein Pfarrer Kompliincnte:„Ja, meiner Scel, daS war gut. daß Sie davon auch gesprochen höben, Pastor Steffensen, daß sie gut zu einander sein sollen. Denn das istS ja eben, worum das Ganze sich dreht." Dcr Pfarrer konnte nur„hä, hä, hä" sagen. „Du bist nie gut zu mir gewesen, Kathrine, nie," hörte man eiiikn Ehemann weiter unten am Tische rufen.„Aber das sollst Du sein. lNmr kannst Tus selber hören." „Willst Du gut zu mir sei», Cecilic?" fragte der Bräu- tigam lächelnd und sich gleichsam herablassend, von einem ctwaS zu armseligen Witz Gebrauch zu machen. „Bleibt niir denn etwas anderes übrig, als es zu tun?" antwortete sie.-- Jetzt kam Madam Faurholt in den Saal und setzte sich an das Tischende, daS der Küche am nächsten lag. Sie war eine mittelgroße, fcstgebante Frau mit etwas so Ruhig- Gebietendem und Unangefochtenem in ihrem Gesicht iiiis Wesen, daß es sich beinahe unfreundlich ausnahm gegenüber all dem ehrerbietigen, interessierten Fragen nnd Sichansie- wenden seitens der Frauen unten an ihrem Tischende, Während die zu ihr schwatzten, beugte sie sich zu ihren beiden Söhnen Jens und Worten hinüber, die auch in der? Nachbarschaft saßen,— und ans der Stelle erhoben sich beides und eilten zum Saal hinaus. „Sollen sie jetzt fort rief ihr Vater.„Sic haben doch alles in Ordnung?" „Sie sagen es wenigstens," erwiderte seine Frau. (Fortj. folgt.) Dentsctaea Theater. Heute und folg-. Tage 8 Ulir; Max Pallenberg in Der kleine A'apolcon. r KainmerHplele. Heute u. folg. Tage 71/2 XThr: Hans Wassmann u. Ida WBst in Goldfische(Hustspiel). Volksbühne. Theater am Bülowplatz. Untergrumlb. Schönh. Tor. Heute u. folg. Tage 7>/z Uhr: Fahrende TInsikanten (Singspiel), Musik von KobertScliumann. Fiessing-Xheater. Heute und folgende Tage VI, Hhr: Die Künigin der I.nft. (Gesangsposse.) Ttiealer i. Königgratzerstr. 8 Uhr: Künstlerische Tänze. Abschiedssouper. Komödienhaus 8: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7MU.: Die tolle Komteß. Theater für Freitag, den 3. August, 1 1 D A M I A entaehea OpernhMM W I#1 Dentachea Opernhaaa T'/jühr: NaüOll. Frledrich-Wilhclmst. Theater 7'/, mr: Das OreimäilerlliaDs: Gebr. Herrnfcld-Xh. Operetten-Gastspiel f'/.Uhr: eretten-Gastspiel f.- Die ledige Ehefrao. Kleine» Theater 7'/, Uhr 7 /3 Die Bausdame. Komische Oper ' Die Dose Sr. Majestät. Uhr: Bahnhof Friedrichstraße. Anfang 8 Uhr. Rauchengest. Kühl. Aufenth. .°YJlrlns-Varltli-.Sm Neu! Max u. Moritz, Neu! die her. radfahr. Affen. Neu!(Sums, Neu! d.urk. sprech. Pangkünstl. Luisu Sohn.dieUnübertrffl. Der Wettstreit zu Pferde 8 Grazien am Draht. Parforce- Schnitzel- jagd. Halali Lustspielhaus ... ,,, Die blonden Mädels ' Z. Unr: vam ��denhot Theater des Westens Neues Operettenhaus~ 7'/itr» Programm. Ans, wochent. 4'/,, Sonnt. 4 Uhr. � Admirals-Palast. Abrakadabra gr. phantastisches Ballett anf dem Else. Angenehm, kühl. Aufenthalt. Rose-Theater. vi, Uhr: Die Stunde des Pertroneus.—("artenbuhne: Berlin wie es liebt und haBt. Walhalla-Theater. uhr' Zigeuner. Gartenbuhne: Borftcllung. Berliner Prater-Theater, Kastanienallce 7—9. Zum 68. Male: Aha— famos! Gr. Ausstottungs-Operettenposs e in 3 Aften mit Gesang u. Tanz. Vorher d. gr. Varieteprogramm. Ansang 4'/, Uhr. Reichshallen-Garten u. Saal GroBes Bluthgen-Konzert. Tägl. VI, Sonnt. 31/, u. VI, R. Steidl, A. Müller-Lincke, in„Oer Herr ohne Wohnung".' Nen! Die DäfloDioode. Afra— Perzina— Manli. tflnöstonDW. Haus, Scheune, Stall, Garten, 4 Morgen Acker und 4 Morgen Wiese, mit voller Ernte sowie eine gute Atilchfnh und zwei Schweine sosart zu verlausen. Preis 7600 M. bei 3800 M. Anz. Herrn Maiz, lalznicki.Pom. Kr. Ueckcrmündc. 52282* Uhren- Goldwaren. Plitz& Co., 2indenstr. 100. GewerMcbaftsbaus. Sonntag, den 5. 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