Ar TN. 34. Jahrg. ildonnementz-kecklngunge«: Kboimetnents• Preis pttaumctmbo EicrteljöötL S.90 Ml. monatL L30 Ml. wöchenMch 80 Pfg. trei tnS feaui, Einzelne Numrner ö Pfg konnlagS- Nummer mil illultrierier KonmaqS- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pia. Post. ilbonnement: 1,30 Marl pro Munal, Eingetragen in die Post.ZerningS. Preisliste, Unter Kreuzband für Dcuiichland und Oesterreich- Ungarn 2.Ö0 Marl, für das übrige Uusland t Marl pro Monat. Postabonnemenl» nehmen an Belgien, Dänemarl. fcolland, Italien. Luxemburg, Ponugal. Nuniänien. Schweden und die Schweis krlldeillt Qg»*. Verlinev VolksblÄtt. ( 5 Pfennig) i Der ünzclgcnprcis tetrigt f. die flcbengespaltcne kolonel. eile 60 Psg.„Uleine Znreigen", 'O» fettgedruckte Wort 20 Pfg rufungderDuma vor. Rodzianko war der gleichen Ansicht, fand aber, datz der psychologische Augenblick für eine solche Einberufung noch nicht gekommen sei. Nlinifterrücktritt in Frankreich. Genf, 3. August. Nach einer Havasmeldung ist der Marine- minister, Admiral L a c a z e, zurückgetreten. Auch der Unterstaats- sekrelär Den Ys Cochin hat sein Amt niedergelegt. die Einnahme von Czernowih. Ueber die st r a t c g i s ch c Bedeutung der Eroberung von Ezernvwitz schreibt in Ergänzung des jüngsten Berichts der Obersten Heeresleitung der militärische Npr.-M'tarbciter: Wenn auch die „Nowoje Wremja" vom 2. August behauptet, dast dieser Stadt nicht eine derartig große Bedeutung als Frontbasis zuzumessen ist wie Tarnopol, so wird diese Ansicht am besten widerlegt durch die zähe Erbitterung, mit der die russische Heeresleitung Ezernowitz halten wollte. Nnfer überaus schnelles Vorgehen im Norden und Süden der Stadt zwang die Zlusse», sie fluchtartig zu verlassen. Ihre Ab- ficht, die dort aufgestapelten riesigen Matcrialmenacn noch im aller- lebten Augenblick zu retten, wurde durch das schncidiae Vorgehen unserer Truppen vereitelt. Neben der uns in die Hände gefallenen riesigen Beute an Kriegsmaterial ist selbstverständlich von größter Wichtigkeit der damit verbundene strategische Erfolg. Czcrnowib hat als Eisenbahnknotenpunkt für eine geregelte Verpflegung und den Munitionsnachschub an unsere Fronten eine überragende Be- dcutung. Gleichzeitig bietet uns die Stadt ein Kamvfzentrum für unser weiteres Vorgehen. Unsere Nachschübe an Truppen und Munition werden hier einen Sammelpunkt haben, von dem aus eine schnelle Verteilung auf die benachbarten Teile der Front er- möglicht wird. ES wird uns dadurch leichter, unsere Erfolge in östlicher und südöstlicher Richtung weiter auszubauen und dem Feinde in ruhelosem Nachdrängen aus den Fersen zu bleiben. Ebenso wird durch diesen Erfolg ein neuer starker Druck auf die russische Karpathenfront ausgeübt und die Möalichkcit einer Front- Verkürzung nähcrgerückt. Unsere Erfolge am südlichen Scrcth sind gleichsam als ein Ausbau unseres Sieges bei Ezernowib zu be- trachten. Wenn es uns gelingt, östlich Kimpolung vorstoßend un« in den Besitz der südwärts führenden Bahnstrecke zu fetzen und diese an allen Stellen z» überschreite«, so werden uns damit Truppen- Verschiebungen nach Norden und Süden gewaltig erleichtert. Ter Russe, der sich der Wichtigkeit dieser Bahnstrecke vollauf bewußt ist, versucht hier auch den härtesten Widerstand. Ten lebten Meldungen nach sind unsere Truppen aber bereits erbittert kämpfend in Kim- polung eingedrungen. Die Befreiung des lebten Stückes galizischer Erde, das die Russen noch besetzt halten, macht damit gewaltige und unaufhaltsame Fortschritte. der dritte flandrische Kampftag. Berlin, 3. August.(W. T. B.) Dar dritte Kampftag in Flan- dorn bestätigt den völligen Zusammenbruch der englisch-französischcn großen Offensive. Trotz dem ungeheuren Einsatz eines tief gc- staffelten Batteriegürtels, dichter Fliegerschwärme, Tankgeschwader und einer großen Anzahl frischer Divisionen sind die Engländer über ihren minimalen Geländegewinn des ersten Vorstoßes nicht hinailsgekomme». Ten Kampfgeist unserer, in den Trichter- stcllungen ausharrenden Infanterie vermochte auch das furchtbarste Feuer der letzten vierzehn Tage nicht zu erschüttern, während unsere Reserven sich mit ungeheuerster Wucht den Engländern entgcgenwarfen. Mitkämpfer schildern die Verluste der Engländer als unerhört hoch! Auf einen gefallenen Deutschen kommen min- destens zehn gefallene Engländer. Vielfach wurden die englischen Sturmkolonnen auch vom englischen Sperrfeuer gefaßt und nieder»' geschossen. Unsere Flieger griffen die gegnerischen Stotzdivisionen mit Bomben und Maschinengewehren an und fügten ihnen ebenfalls schwere Verluste zu. In der Nacht zum 2. August blieb das feindliche Feuer bis in die frühen Morgenstunden lebhaft, um nach vorübergehendem Ab- flauen sich besonders an der Küste wieder zu steigern. Von der Küste bis südlich des Nieuport-Kanals setzte 13 Uhr vor- mittags heftiges Trommelfeuer ein, dem der gemeldete Vorstoß an und dicht westlich der Straße Nicuport-Westcnde folgte. Er wurde teils im Nahkampf, teils schon durch unser Feuer abge- wiesen. Nördlich der Straße Freezenberg-Zonnebeke wurde 1 Uhr vormittags«ine starke feindliche Patrouille verjagt. Am Nachmittag war das feindliche Feuer zwischen Merckein und Westhoek von 2 Uhr an äußerst heftig, besonders von Draaibank-Lange» m a r ck, sowie beiderseits der Straße p e r n- H o u l e r s. Ein an dieser Stelle in etwa 2 Kilometer Frontbreite einsetzender feind- licher Angriff wurde im Feuer blutig abgewiesen. Auch am Abend bis Mitternacht heftiger Feuerkampf. Feindliche Vorstöße ö st l i ch Bixschoote und südlich L a ng e m a r ck wurden zurückgc- wiesen. Westlich St. Julien nahmen wir feindliche Truppen- ansammlungen unter Vernichtungsfeuer und erstickten den bcab- sichtigten Angriff. Unsere Truppen sehen weiteren Kämpfen mit größter Zuversicht entgegen. Französischer Heeresbericht vom 2. August nachmittags. In Belgien dauert das schlechte Wetter an. Starke Artillerietätixp- keit von östlich von Bray-en-Laonnais bis westlich von E r a o n n c. In der Gegend von Allemant haben wir bei einem Teilunternehmen 24 Gefangene und ein Maschinengewehr eingc- bracht. Oestlich und südöstlich von Reims versuchte der F�ind er- aebnislos zwei Handstreiche. Auf dem linken Maasufer heftiger Artilleriekampf, gegen 9 Uhr abends erneuerten die Deut. schen vergeblich ihre Angriffe im Abschnitt des Waldes von Ava- court. Feindliche'Handstreiche in derselben Gegend, ebenso wie im Walde von Apremont und südöstlich von St. Mihiel scheiterten völlig. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Vom 2. August abends. In Belgien hinderte das Artillerie- feuer, das die Artillerie der Deutschen niederhielt, deren Tätigkeit sich östlich und nördlich von Bixschoote stärker zeigte, jeden feindlichen Angrifssversuch. Zwei deutsche Angriffe östlich von C e r n y wurden von unserem Feuer zum Stehen gebracht. In der Champagne Patrouillengefechtc. Wir machten Gefangene. Auf dem linken Maasufer gegenseitiger Artilleriekampf. Flugbericht: Vom 21. bis 31. Juli führten unsere Ge° schtvader zahlreiche Flüge aus und beschossen besonders die Bahnhöfe Roulers, Metz, Diedenhofen, Montmedy, Be- thenhvrllc. Fabriken von Hagendingen sowie Truppen- körper und Feldwachen in den Forts Houthoulct und Spincourt im Tal der Suippe, Munitionslager in der Gegend von Laon usw. Ungefähr 41 000 Kilogramm Geschosse sind im Laufe dieser Unter- nehmungen abgeworfen worden und haben an militärischen Ein- richtungen beträchtlichen Schaden verursacht. Englischer Heeresbericht vom 2. August nachmittags. In den letzten 48 Stunden ist unaufhörlich starker Regen gefallen. An der Eisenbahn Aper n— R o u l e r s, wo es dem Feinde gestern nach- mittag unter großen Opfern gelungen war. in unseren vorge- schobenen Stellungen Fuß zu fassen, trieb unser Geaenangriff am Abend die deutsche Infanterie an allen Punkten vollständig zurück uild stellte unsere frühere Linie wieder her. An der übrigen Schlachtfront von Apcrn keine Veränderung. Südöstlich von * a r g i c o u r t griffen wir die feindlichen Stellungen erfolgcich l und brachten Gefangene ein. Vom 2. August abends. Im Laufe des Vor» und Nachmittags achte der Feind eine Reihe heftiger erfolgloser Versuche, das ver- rene Gelände nordöstlich von Ipern zurückzunehmen. I Ohne Rücksicht auf die zunehmende Schwere ihrer Verluste grlffeti starke feindliche Truppenkörper wiederholt unsere Stellungen von der Eisenbahn Apern— Roulers bis St. Julien an. Jedesmal wurden die feindlichen Linien aufgerollt und durch unser Artillerie- sperrfeuer und Jnfanteriefeuer zerstreut. Unsere Truppen griffen gestern abend feindliche Gräben nordöstlich von Gouzcaucourt au und fügten dem Feinde viele Verluste zu. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 2. August. Im Atlantischen OzeKn und i n der Nordsee wurden durch unsere U-Boote wiederum vier Dampfer und sechs Segler versenkt, darunter befand sich der englisch« be- waffncte Dampfer Ramillics(2935 To.) mit 4500 To. Kohle»; der Kapitän des Dampfers wurde gefangen genommen. Bon den übrigen versenkten Schiffen hatten drei Stückgut geladen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Zliegerangriff auf Thasos. Berlin, 3. August. Amtlich. Am 2. und 3. August haben deutsche Seeflugzeuge die englische Flugstation auf der Insel Thasos im Acgäischen Meer erfolgreich mit Bomben angegriffen. Es konnten starke Brandwirkung und zahlreiche Explosionen festgestellt werde». Der Chef des Admiralstabes der Marine. Noch immer: üer Kronrat vom 5. Juli. London, 2. August. Unterhaus. Auf eine Anfrage über die jüngsten Enthüllungen der„Times" über den Kronrat in Potsdam vom 5. Juli 1914 sagte Lord Robert Cecil. er könne keine Mitteilung darüber machen außer der Tat- fache, daß eine im Besitz der britischen Regierung befindliche Information besage, die Mittelmächte hätten sich im Juli für eine Politik entschieden, die nach ihrer Meinung fast sicher zum Kriege gegen Rußland und demnach auch gegen, Frankreich führen müßte.__ Der Einfluß öer Sozialdemokratie auf die Zrieöensentschließung. In einer öffentlichen Versammlung in F r e i b u r g i. B. legte der Zentrumsabgeordnete Fehrenbach, welcher be- kanntlich die Zustimmung seiner Fraktion zur Friedens- resolution in der Reichstagssitzung vom 19. Juli verkündete, dar, einen ivie großen Einfluß die Drohung der sozialdemo- kratischen Fraktion, sie würde eventuell die Kriegskredite ab- lehnen, Ivenn der Reichstag in der Friedensangelegenheit nicht Farbe bekennen würde, ausgeübt hat. Die Freiburger Zey- trumspresse berichtet darüber(und es ist im Hinblick auf die Vorwürfe der„Unabhängigen" angebracht, sie wörtlich zu zitieren): „Uebergehend zu den E n t sch e i d u n g sg r ü u d e n für die Schaffung der Resolution betonte Herr Reichstagsabgeordneter Fehrenbach, daß dieselbe gefaßt werden mutzte, pornehmllch aus Rücksicht auf die Stellungnahme der Sozialdemokratie zu der Kreditvorlage S'e hatte nicht ausdrücklich gesagt, aber doch deut- lich zu erkennen gegeben, datz sie nur dann für die geforderten Kredite zu haben sei, wenn die preußische Wahlrechts- Vorlage bald vorgelegt und vom Reichstag eine Friedenskund- gebung erlassen werde. Es erhebt sich die Frage, was geworden wäre, wenn die' Sozialdemokratie gegen die Kriegskreoitc gestimmt hätte. Was für Folgen hätte das in der Armee und in der Heimat haben köniiesi? War es sichet, daß dic'Streiks in Schlefic» und an anderen Orten vereinzelt bleiben würden und daß der Betrieb der Munitionsfabriken ungestört aufrechterhalten geblieben wäre,- wenn die parlamentarischen Vertreter der sozialdemokratischen Ar- beiter ihre bisherige Haltung geändert und gegen die Kredite ge- stimmt hätten? ES genügt, diese Fragen zu stellen, jeder vernünf- tige Mann kann sich die Antwort selber geben. Und dann noch etwas anderes. Es steht fest, datz die M e- s o l u t i o n unter allen Umständen von den Sozialdemo- k r a t c n eingebracht worden wäre. Außer den Sozialdemokraten und Fortschritlern hätten wohl auch noch andere für sie gestimmt. Das hätte ein Schauspiel gegeben, wenn das deutsche Volk in einer solchen Zeit vor dem hohnlachenden Ausland in zwei Hälften aus- einandergefallen wäre. Schon dieser eine Gesichtspunkt hätte auch die eines besseren belehren sollen, welchen die Opporwnität des Vorgehens zweifel- Haft dünkte. Es ist der Vorwurf laut geworden, es fei auf den Reichstag eine Art„Erprefferpolitik" seitens der Sozialdemokraten geuvt worden. Ich kann diesem Wort keinen Geschmack abgewinnen. Man darf nicht verkennen, daß die Sozialdemokratie in der Mehr- heit während der drei Jahre unentwegt beim übrigen Volke--- standen ist. Man mutz auch die Erwägungen, von denen die Sozialdemokraten leiten ließen, zu verstehen trachten, dann wird man ihrem Verlangen nach dem neuen Wahlrecht in Preußen und nach der Friedenskundgebung nicht ohne Verständnis gegenüber- stehen. Der überlegende Politiker muß sich auch in die Erwägunaen anderer Politiker hineinzudenken und danach seine eigenen Be- schlüsse zu fassen und einzurichten suchen, wenn er etwas erreichen will. Es war ein« gute Tat. datz die Sozialdemokratie bei der Sache geblieben ist, dank des Entgegenkommen«, das der Reichstag gezeigt hat." Herr Fchrenbach k>at die tatsächlichen Vorgänge in der Hauptsache ganz richtig geschildert. Hätte sich die sozialdemo- kratische Fraktion zur Taktik der Unabhängigen bekehrt, die Kredite bedingungslos und unter allen Umständen abzulehnen, so wäre für die Demokratie und für den Frieden gar nichts gewonnen, aber desto mehr verloren gewesen. Nllüeutsche Arbeit. Die Dresdner Alldeutschen benutzten die Anwesenheit des Reichs- kanzlers zu einer Demonstration. Sie schrien in den Wagen, in dem der Reichskanzler saß, hinein:„Wir wollen einen deutschen Frieden! Einen Hindenburg-Jrieden! Keinen Erzberger-Fricden!" Einer der Alldeutschen hielt eine Ansprache, worauf der Kanzler, der mittlerweile am Fenster erschienen war, für diese eigenartige Bc- grüßung dankte. Die Alldeutschen in Elberfeld leisteten sich eine Resolution, in der sie in dem sattsam bekannten Stil gegen einen VerständigungS- frieden Einspruch erhoben. Zreizügigkeitsvertrag im Knappschafls- verbanüe. St. Goar, 2. August.(W. T. B.) Heute fand unter Vorsitz des Geheimen Bergrats Dr. Weidimann unter Beteiligung von Vertretern der verschiedenen Bundesstaaten eine Sitzung des ständigen Aus- schusscs des Allgemeinen Knappschaftsverband es statt. Es wurde u. a. der Entwurf eines FreizügigkeitSver- träges und die Einrichtung einer Abrechnungsstelle der Wander- reuten beraten. Der Freizügigkeitsvertrag wird mehr als einer Million Bergleute zugute kommen und einen wichtigen sozialpoli. tischen Fortschritt für die Mitglieder der Knappschaftsvercine dar- stellen, da er abweichend vom bisherigen Gegenseitigkeitsvertrag den Mitgliedern Rechte und Ansprüche gibt. Gewerkschaflsbeumung Verlin und Umgegend. .uentngsznlageforderungen der Berliner Holzarbeiter. Die foriffesehtcn Prcisstei�eru-Nflen für Lebensmittel unt> Ge- aucksgeffenstände zwang auch in diesem Frühjahr dw Berliner zlzarbeiler von den vereinigten Arveitgebcr-Verbänden des Ber- ncr Holzgcwcrbes erneut Lohnaufbesserungen zu fordern und (eich ihnen forderten die Holzarbeiter im Reich wegen der wieder ingetretenen Verschlechterung ihrer Lebenshaltung Teuerungs. Zulagen. Die örtlichen Ärbeitgelber�Verbändc erkannten zwar die Berechtigung der Forderungen an, erklärten aber, daß die Neu> cegelung der Teuerungszulagen durch zentrale Verhandlungen ge� schehen müsse. Ueber die Einleitung wird den Verlauf dieser zentralen Ver� Handlungen, die auf Verlangen der Unternehmer vor dem Kriegs- amt geführt wurden und die dann scheiterten, weil sich die Unier- nehmer weigerten, den Teuerungsverhältnissen angemessene Zu- lagen zu bewilligen, ist an dieser Stelle schon berichtet. worden. Bevor diese Verhandlungen vor sich gingen, hatte die örtliche Leitung.der Berliner Arbeitgebcr-Verbände dem Drängen der Holzarbeitcrvertreter nach örtlichen Verhandlungen am 27. Juni nachgegeben. Hier bewilligten sie vom 1. Juli an für diejenigen Betrieb«, in denen Forderungen auf Lohnerhöhungen gestellt waren, 10 Pfennig die Stunde unter der ausdrücklichen Voraussetzung, daß diese inzwischen gezahlte Vergütung auf die Abmachungen vor dem.Kriegsamt angerechnet wird. Nachdem die Verhandlungen vor dem Kriegsamt gescheitert waren, ersuchte die Ortsverwaltung des Holzarbeiter-Verbandes die Vorstände der vereinigten Berliner Arbeitgcber-Verbände nun- mehr die örtlichen Verhandlungen umgehend fortzusetzen, wobei unter Hinweis darauf, daß der Wunsch nach örtlichen Verhandlungen bereits im Mai d. I. schriftlich überreicht worden ist, um Vermeidung jeder weiteren Verzögerung gebeten wurde. Nach einer Mitteilung durch die Unternehmer soll Montag, den 6. August, Über die Teuerungszulage verhandelt werden. Donnerstag, den 2. Juli gab der Bevollmächtigte Glocke in einer außerordentllchcn Generalversammlung der'Verwaltungs- stelle. Berlin einen U'eberblick über die Bemühungen der Holz- arbeiter, üch des Druckes der wachsenden Teuerung zu erwehren durch Erlangung angemessener Löhne.' Er berichtete über die «städtekobferenz am lt. und l2. Juli in Berlin sowie über die zentralen Verband hingen vor dem Kriegsamt und erörterte die weiteren Maß nahmen der Ortsverwaltung nach dem Scheitern der zentralen Verhandlungen. Tie Ortsvcrwaliung werde nunmehr nachdrücklich auf die Fortsetzung der örtlichen Verhandlungen dringen. Eine weitere Belastungsprobe auf die Geduld der Ber- lrner Holzarbeiter dürste für die Unternehmer Folgen zeitigen. für welche der Verband die Verantwortung nicht zu übernebmen vermag. In der äußerst regen Diskussion gaben die Redner ihrer Erbitterung Ausdruck über die Verschleppung der Verhandlungen durch die Unternehmer und empfahlen unverzüglich die Arbeit ein- zustellen. Durch Annahme einer Resolution wurde die Ortsver- waltung beaustragt, mit allem Nachdruck die für die'Berliner Ver- bältnisse notwendige Forderung einer Teuerungszulage von 30 Pfennig für die Stunde in den örtlichen Verhandlungen zu ver- treten. Das Resultat der Verhandlung soll in einer demnächst ein- zuberufendcn allgemeinen Mitgliederversammlung vorgelegt werden. parteinachrichten. Um die stinheit der Partcibetvegung. .-Die�..Hränkische Tagespost" stellt mit Befriedigung fest, daß der Bruderzwist in den Organisationen und in der Arbeiterbewegung an Int eres! e verliere und immer mehr„zum Streite der Führer" werde.. Tann'werden, den Absoluten, den mit dem Urteil' schnell Fertigen kräftig die Leviten gelesen: „Jeder bat in der Politik sofort sein Urteil fertig, jeder schwört auf seine Autorität und niemand empfindet die Pflicht, die Denkgründc des anderen zu überprüfen und sich selbst damit zu fragen, ob er völlig recht hatte, stolz zu sein: ..Wie wir's dann zuletzt so herrlich weit gebracht." Dabei ist aber alles im Fluß. Trotzdem möchten so viele in unserer Partei das letzte Wort in dem Kampf der Meinungen, in dem Gang der EntWickelung heute schon gesagt wissen. Was ihre Meinung von heut« ist, soll für Gegenwart, nahe und ferne Zukunft die Meinung aller«ein. die nicht von ihnen verurteilt sein wollen. Wer nicht der Meinung der einen ist, wird oft als schlecht und unwürdig bezeichnet, er wird verdächtigt und be- schimpft, und er wird zum Siichblatt einer im Interesse der Ar- beitervcwegung, ihres Ansehens in Gegenwart und Zukunft aus das tiefste zu betlagcnden Polemik. Von der Dreckschleuder bis ' zur Stecknadel ist manchem iebe Wafie gut genug." Tie..Fränkische Tagespost" freut sich, daß zahlreiche Organi- saiioaen für Zurückdrängnng des Bruderzwistes cmf dem Parteitag sind, daß andere sich sogar für eine Verständigung ausgesprochen haben und nur wenige von dem Streit ganz oder vorwiegend beherrscht seien. Tie Arbeiterbewegimg müsse einheitlich sein und dürfe sich nicht den Luxus einer Kraftprobe bei den ReichStagswablen leisten: „Bis zu den Rcichstagswahlen mit der Erledigung des Parteistrefts whrten. zu wollen, wäre ein Unglück. Vor ihm sind die Parteigenossen ganz besonders zu warnen. Immer mehr sollten sich alle vom Ver- antwortlichteitsgesübl erfüllten Genossen und alle in verantwortlicher Stelle wirkenden Genossen bewußt sein, daß nicht die Verschärfung des Parlcizwistes, sondern ein Abbau die wichtigste Aufgabe für jeden Sozialdemokraten ist." Derselhen-Meinung war eine gemeinsame Sitzung von Partei- und Geworkschaftsmnttionären in Köln, die folgenden Antrag an den Würzburger Parteitag beschloß: „In Anbetracht der schweren wirtschaftlichen und politischen Kämvse, die nach dem Kriege der Arbeiterklasse bevorstehen, ist dw Einigkeit des gesamten Proletariats notwendiger denn je. Der Parteitag wolle deshalb beschließen, daß die Parteioraanisationen in allen Wahlkreisen den Versuch unternehmen, die Einigkeit der Pgrtei wiederherzustellen. Zur Einleitung und Fortführung dieser Bemühungen wäbli der Parteitag einen Ausschuß, der überwiegend aus Kriegsteilnehmern und aus Genossen im Arbeitsverhältnis bestehen soll." Die Unabhängigen sind für eine solche Rücksicht auf die größten Zukunft sinteressen des Proletariats aber nichi zu haben. In ibnen lebt e-n schrankenloser ParteiegoismuS. Vor einiger Zeit ver- höhnte die„Bergische Arbeiterstimmc" den vom Genossen Braun in Nürnberg so warm empfohlenen Vcrständigungsfrieden in der Partei. Das Berliner„Mitteilungsblatt" haut kräftig in dieselbe Kerbe:„Die guten Leutchen brauchen sich keine Mühe zu geben,. eine Bc.r- kleisterung herbeizuführen. Uns sind unsere sozialen Grund- sätzc in erster Linie für unsere Bewegung maßgebend... Nur mit Sozigldenwkraicn. nicht aber mit Tozialpairioten kann man sich einigen." Dieser beschränkte Parieigcist hat— man verzeihe das harte Wort!— zu einer sittlichen Verwilderung geführt, die einfach eine Schande ist. In Magdeburg hatte der Polizei- Präsident jede Aussprache im Anschluß an einen Vortrag des Ge- nassen Landsbcrg verboten. Ter„Gothacr Generalanzeiger", den wir schon vor wenigen Tagen wegen der Behauptung, die Sozialdcmo- kra.tie stimme, zur Freude und zur Bereicherung der Börsenjobber für das. Schiffahrtssubven ti onsgesetz an den Pranger gestellt haben. erlaubt �ich zu dem Erlag des Magdeburger Polizeipräsidenten zu bemerken:„Tie gehorsamen Regierungs- und Blocksozialisten waren sehr stolz auf diesen Beistand." MZszntiie Abfuhr her Hallenser RadaupoNtrker. Am Donnerstagabend tagte in den Thaliasälen in Halle a- S. eine gutbesuchte Volksversammlung, in der Abg. S ch ö p f l i n über den Frieden sprach. Unter der Führung des Abg. A I h r e ch t und des Redakteurs Hennig waren auch die„Unabhängigen" erschienen, dtc sofort durch radaumätzige Meldungen„zur Geschäftsordnung" die Versammlung ebenso zu sprengen trachteten. wie vor einigen Tagen eine Versammlung, in der Abg. Landsberg sprechen sollte. Aber diesmal mißlang die wohlvorbereiiete„unabhängige" Aktion, ebenso auch der Versuch, den Redner nieder- zuschreien. Dem Abg. Thiele als Vorsitzenden und dem Redner gelang es, die Radaumacher niederzukämpfen. Die große Mehrheit der Bersammelten spendete dann den Darlegungen über die Friedenspolitik und Friedenstätigkeit der Sozialdemokratie lebhaften Beifall. Auf Antrag der„Unabhängigen" wurde dem Abg. A l b r e ch t eine halbstündige Redezeit bewilligt, die er ausschließlich zu Verdächtigungen und Beschimpfungen der Partei mißbrauchte, und zwar derart, daß Schöpflin dann unter stürmischer Zustimmung der großen Mehrheit der Versammlung erklären kannte, es sei„ebenso beschämend wie tteftraurig, daß in- mitten dieser furchtbaren Zeit ein Mann, der sich Sozialist nennt und Mitglied des Reichstags ist, in einer politischen Versammlung nichts als grobe Beschimpfungen und Tingeltangelwitze zu bieten üabe". Albrccht brachte es nämlich fertig, zu seinen Vergleichen Karpfen, Kaninchen, Kakadus und Stachel- s ch w eine heranzuziehen, ferner den Ausdruck„dreckige Sozialdemokraten" zu gebrauchen. Er empfahl der Ver- scnnmlung die Annahme der von den„Unabhängigen" im Reichs- tag eingebrachten sogenannten Friedensresolution. Und mit wel- chem Resultat? Die Versammlung lehnte, wenn auch gegen eine starke Minderheit, aber mit unbestreitbarer Mehrheit, die Resolution der.Unabhängigen" ob und nahm eine Entschließung an, die sich- mit der Haltung der Partei und mit der Friedensresolution der Reichstagsmebrheit e i n v e r st a n d c n erklärt. Das ist ein großer Erfolg für uns, da sowohl die Hollesche ehemalige Parteiorganisation, wie auch das„Volksblatt" zur U. S. P. gehören und seit Jahr un-d Tag.dic Arbeiter im Sinne der Opposition bearbeitet haben. Aus de« Organisationen. Am Sonntag, den 29. Juli, fand in Drosselt die Generalversammlung des Kreises Ost- und Westsiernberg statt. Ten Jahresbericht gab der Vorsitzende Genosse Jahn(Zielenzig), aus dem her- vorgebt, daß die Bewegung durch die immerwährende Einberufung der Genossen zum Heeresdienst ganz besonders gelitten hat. Das Referat über den Parteitag in Würzhurg und die Lage in der Partei hielt der Genosse Richard Schmidt. In einer Entschließung wurde die Haltung des Parteivorstandes in der Frage der Landes- Verteidigung gebilligt. Die Generalversammlung erklärt daher jede Störung der Einigkeit der Arbeiterbewegung für eine Förderung der Reaktion. Sie erwartet daher, daß die Genossen in Ost- und Weststcrnberg allen auf die Zerrüttung und Spaltung der Partei gerichteten Bestrebungen scharf entgegentreten und die Einheit und Geschlossenheit der alten kampferprobten sozialdemokratischen Partei hochhalten werden. Im Parteiverein Stettin hielt der Vorsitzende Genosse Wil- beim Schmidt einen Vortrag über den nächsten Parteitag. Als der Krieg ausbrach, war die Presse einmütig der Meinung, daß man da? Vaterland verteidigen müsse. Auch der„Volksbotc", unter der damaligen Redaktion des Genossen Schumann, trat für die Ver- teidigung ein. Wir nehmen heute die gleiche Stellung ein wie unsere alten Vorkämpfer. Der Partei lag in Würzhurg bttt die Aufgabe, praktisch« Arbeit zu leisten. In der Diskussion«unichte Genosse Herbert, der Parteitag möge- sich- nicht mit den Disse- renzen in der Aroeiterbewegnng beschäftigen. Wir brauchen uns nicht mehr zu rechtfertigen, unsere Taktik ist durch die Zcitereig- niste bereits gerechtfertigt. Die Unabhängigen befolgen eine selbst- mörderische Taktik, sie graben sich selbst den Boden ab und werden nicht viele Anhänger im Volke finden. Als Delegierter zum Par- teitage in Würzburg wurde Genosse Kuntze gewavlt. Für den Reichstagöwahlkreis Rothenburg-HoverSwerda fand am Sonntag in Weitzwasser eine Kreiskonferenz statt. Bon 17 bei Ausbruch des Krieges bestebenden Ortsgruppen bestehen jetzt noch 19. In 6 Ortsgrutwen sind alle Mitglieder zum Heere ein- gezogen. Gegenwärtig zählt-die Kreisorganisation noch 305 Mitglieder. davon 183 weibliche, lieber„Die politische Situation im Reiche" hielt der ReichstagSkandldat des Wahlkreises, Genosse Gi r b i g- Berlin, einen Vortrag. In einer einstimmig angenom- menen Resolution sprach die Konferenz erneut ibr Einverständnis mit der Taktik und der Tätigkeit de? Parteivorstandes und der ReichstagSfräktion aus und begrüßt besonders die Bemühungen der Parteiinstanzen für Herbeiführung eines Friedens durch Verständigung und eine dauernde Versöhuung der Völker. Die Ver- tretung auf dem Parteitage wurde dem Reichstagskandidaten Ge- Nossen Girbig übertragen. Eine Bezirkskonserenz für da? Sstliche Westfalen und die lippischeu Fürstentümer tagte Sonntag, 29. Juli, in Bielefeld. Tie Konferenz befaßte sich mit folgender Tagesordnung.: 1. Die sozialistische Bewegung während deS Krieges. 2. Unser Wirken für Frieden und Freiheil. Ueber den 1. Punkt sprach Bezirkssekretär Genosse Schreck. Aus dessen Vortrag ging hervor, daß unsere Organisation zwar durch den Krieg erst geschwächt worden sei, daß sie aber schon bald wieder bewiesen habe, daß sic auf dem Posten und auch imstande sei. stck zur Geltung zu bringen. Von 12 500 männlichen Mitgliedern vor dem Kriege seien beute noch 3000 zahlende Mitglieder vorhanden. 8500 seien einberufen. Tie übrigen seien durch Verzug und auS den bekannten Ur sackten ab- gegangen. Außerdem find 1283 weiblicbc Mitglieder vorbanden. Die Abonnentenzabl der„Bolkswacht" ist wieder aus über 12 000 gestiegen, die Zahl der Gemcindevertreter auf 186. Zum 2. Punkt sprach Redakteur Genosse Severing. Folgende Entschließung wurde einstimmig.gefaßt:„Unter schärfster Abweisunck aller Bestrebnn- gen. die auf gewaltsame Gebietserweiterung und wirtschaftliche Knebelung gerichtet sind, begrüßt die BezirkStonferenz die Kund- gebung deS Reichstags für einen Verständigungsfric- den. Sie verlangt von der Regierung, daß sie eindeutig sich zu diesem Entschluß bekennt und daß die freiheitliche Ausgc- staltung d'cs Deutschen Reiches sotort in Angriff genommen wird. Tic Teilnehmer der Konserenz vervslichtcn sich, die Macht der Sozialdemokratie so steigern zu helfen, daß diese für jede Schicksalsstunde ausreicht, um F r i e- den und Freiheit zu sichern." Vorher fand eine ge- m einsame Generalversammlung der WahlkreiSver- eine Minden-Lübbcckr, Herford-Halle, Schaumlmrg-Lipve und Lippe statt, in der Genosse Schreck über den Parteitag in Würzburg refe- rierte. Dann wählten die einzelnen Vereine ihre Delegierten. ES wurden gewählt für Minden- Lii b b c ck c Genosse L i tz i n g« r, Herford- Halle Genosse Schlüter, S ch a u in b u r g- Lippe und Lippe Genosse Pieper. Für den Wahlkreis Biclcfeld-Wiedcn brück waren schon früher die Genossen Severing und Schreck gewählt, so daß der Bezirk durch fünf Delegierte vertreten sein wird. Industrie und Handel. Tie Weichsel als Schiffahrtsweg. Am'30.' Juli 1917 ist in Tanzig unter Teilnahme von 200 Vertretern der Behörden, Städte. Handelskammern, des Handels. der Industrie und der. Landwirtschait des Ostens der Weichsel- schiff ahrtsverein gegründet worden. Tie Bedeutung des Problem- der Binnenschiffahrtsstraße für die künftige Entwicklung des Ostens war zuvor ftr einer Denkschrift und einem Vorfraa d>? HerrrT Geheimrai Professor Ehlers von der Technischen Hochichuw zu Danzig eingebend erörtert. Vornehmlichstc Ausgabe de- neuen Vereins ist es. mit allen Kräften dafür einzutreten, daß ai die Weichsel in dem deutschen wie in dem polnischen Zeil zu einer dem modernen Berkehrsbedürfnis entiprecheirden Wasser- straße für einen SchiffSverkebr.mit Kähnen von mindestens 1000 Tonnen Tragfähigkeit ausgebaut wird einschließlich der Verbindung nach Tanzig, Elving und BromNerg: dl daß zwischen den Stromgebieten der Weichsel und L dcr aine NordsüdNerbindnng zur wesentlichen Verkürzung des bis- berigen Wasserweges über Küstrin und den Netze-Bromberger KaNal erfolgt. ES wird besonders der Plan einer Kanallinie zu prüfen sein, welche von Königshuld an der Malapane nordwärts zur Prosna, dann der Prosna folgend, zur Warthe und von Konin wiederum nordwärts zur Weichsel führt. Dieie Nnrdsüd- verbindung würde als Forlsetzung des von Oesterreich geplanten Donau-Oderkanals die Donau—„die Wasserstraße Mitteleuropas"— in nächste Verbindung mit der Ostsee bringen. So würde Danzig bei einer Entfernung Wien— Danzig von 969 Kilometer der nächst erreichbare Ostseehafen für das Donau- Stromgebiet werden. Tnrch ÄnSbau eines Przeinsa-Malapane-KanalS würde das oberichlesische Industriegebiet Anschluß an diese Nordm.d"'rni"üiiig erhalten und damit die Möglichkeit unmittelbarer Wasicrversrach- tung— ohne Eisenbahnumladuna— nach und von Danzig und allen anderen Hafcnorten des WcichselgcbieteS. Soziales. Die soziale Krise der russischen Industrie. Stockholm, Ende Juli 1917. Wie bekannt, ist in Moskau ein großer Metallarbeiterstreik ausgebrocben. Tie menschewikische „Rabotslbaja Gazeta" sArbeiterzeitung) macht aus diesem Anlaß folgende sehr bemerkenswerten Ausführungen: AuS Moskau sind beunruhigende Nachrichten gekommen. Es gebt um nichts Geringeres als um die ganze metallurgische Industrie des Moskauer Bezirks. In Moskau, wie auch in ganz Rußland spielt sich jetzt ein Wut- lich dramatischer Kampf zwischen der Arbeiterklasse und der Kapita- listenklasse ab. Ter Kampf ist dramatisch, denn auf dem Spiele steht die Grundlage, auf der das Leben wie der Arbeiter so aucd der Kapitalisten ruht, selbst— die Industrie. Die Arbeiter gehen tastend wie im Dunkel vor. Sie wollen mehr Geld ftir ihre Arbeit haben, da das Geld immer wertloser wird. Sie wissen auch, welche ungeheuren Gewinne die Kapilalisten einstecken. Tie Kapitalisten müssen davon zugunsten der Arbeiter Abstand nehmen. Das ist klar. Aber in welchem Maße und wie groß die Profite der Kapitalisten sind und wieviel sie den Arbeitern abtreten können, das wissen dw Arbeiter nicht. Darum ist„die Kontrolle" über die Produktion so populär in ihren Augen. Weiler können die Arbeiter, die die Re- Volution gemacht haben, sich nicht mit der alten Fabriksklaverei ab- finden. Sic erbeben sich gegen die Fabrikbeamlen, die sie unier- drücken, sie werfen sie herunter, sie wollen ihren Einfluß auf die innere Ordnung der Fabrik erzwingen. Allen diesen Forderungen setzen die Fabrik- und Werkbesitzer den entschiedensten Widerstand entgegen. Ibr letztes Argument ist die Schließung der Werke. Und bis dabin geht ein stummer Kamps: die passive Resistenz der Industriellen, die Verminderung der Ar- beitslcislung durch die Arbeiter. Aber in Moskau kommt es zum letzten Argument. Die Bromich- und Dynamowerke beieiten die Schließung vor. Die Firma Glijon hat bekannt gegeben, daß sie am l./li. Juli schließt. Alles das ivird begründet mit den Ardeiterfordcrungen. Dabei ist Gujon das Zentrum, der Konzentrationspunlt des Kampfes. Das Gujon-Werk liefert das Metäll- für den ganzen-Moskauer Bezirk. Gujon iV gleichzeitig der Führer der Fabrik« lind Werkbesitzer. Daß cS-.itmeit unmöglich wäre, die Produkliön fortzusetzen, davon kann keine Rede sein. Die Werke Gujons haben den ersten Rang. Kredit wird Gujon immer finden, wenn er nur will. Gujon eröffnet einfach den Kampf, von deffen Ausgang es abhängen wird, ob auch andere Fabriken und Werke in den Kampf eintreten. Die Arbeiter werden die Schließung der Werke nicht zulasten. die Ingenieure stehen aber auf der Seile der Unternehmer und die Fachleute behaupten, daß. falls die Arbeiter ohne die Ingenieure arbeften würden, dem Werke solcher Schaden zugefügt werden kann. daß die Wiedergutmachung mehrere Monate in Anspruch nehmen würde. ES ist klar, daß die Staatsgewalt die Verwaltung der Werke unverzüglich in ihre Hände nehmen muß. Man greife doch ordentlich in das Leben der Industrie ein. Man muß mit Gewalt die wichtigsten Zweige der Industrie unter der Führung deS Staates vereinigen. Man muß in die Pro- duktionsbedingungen eingreifen, muß die Preise, den Unternehmer- gewinn und die Höhe der Arbeiterlöhne festsetzen. Die Existenz der Industrie ist in A4. Jahrgang Heilage öes vorwärts Sonnabenü, 4. Mgust1417 Grofcberlln Tie„Findigkeit" der Post. In einer Zeit, wo man vom Krieg und all seinen Schrecken noch nichts wuszle, im April des Jahres 19«?, sandte ein junger L'kann aus Neukölln— damals noch bescheiden Rixdors genanlt — an eine junge Dame in Sonnenburg bei Küstrin herzliche Oster- piutze. Jahre vergingen— der junge Mann ging nach Südafrika — der Krieg zog beraus und erfaßte die gesamte sogenannte Kultur- well— und jetzt, wo man sich fast nicht mehr der Zeit erinnern kann, da noch kein Kriegsgeschrei die Welt erfüllte, landet die Karte als unbestellbar bei dem Vater des Absenders. Neun Jahre und drei Monate hat der bescheidene Ostergruß gebrsucht, um, nicht einmal bestellt, zurückzukehren. Wo mag sich der Vagabund in dieser Zeil herumgetrieben haben? Die Post kann jedenfalls stolz sein! Wenn sre eS auch mit ihrem geiioren Friedenspersonal nicht erreichte, den deutlich angegebenen und zu den Honoratioren Sonnenburgs zählenden Empfänger zu ermitteln, so war doch der oir geschmähte.Kriegsersatz" so findig, den inzwischen längst ver- zogenen Vater des Absenders auszuspüren. Und da rede einer noch über die Findigkeit(lies nicht etwa Fixigkeit) der Postl Ter Treptower Bebauungsplan. ? er Verbandsausschuß Groß-Berlin wird sich in seiner Sitzung am Montag mit dem Bebauungsplan für den Berliner Grundbesitz in Treptow beschäftigen. Es ist dies eine der wichtlgsten städtebaulichen und wohnuugspolitischen Fragen, die gegenwärtig in Groß-Berlin schwebt. Tic Bedeutung dieses Bebauungsplanes beruht zunächst darin, daß es sich um den größten Urbesitz handelt, den die Reichshauptstadt in einem Vorort besitzt, der— kaufmännisch gerechnet— fast mit Nichts zu Buche steht, lieber den Treptower Bebauungsplan ist bereits viel geschrieben und geredet worden, ohne daß er selbst bisher das lchcht der Oeffentlichkeit erblickt hat; er wird geheim behandelt. Auch die Berliner Stadtvcr- o r d n e t e n v e r sa m m l u n g hat bisher keine Kenntnis von diesem wichtigen Unternehmen erhalten. Sie beschäftigte sich zu- letzt in der isitzung vom 22. Juni 1916 auf Grund des Antrages der sozialdemokratischen Fraktion mit dieser Frage und beschloß da- mals mih sehr großer Mehrheit, den Magistrat zu ersuchen, ihr baldigst in einer Vorlage den Bebauungsplan mitzuteilen und ferner mit ihr in gemischter Deputation über die Herstellung ge° sundcr, kleiner und preiswerter Wohnungen zu berateit. Von einer Tätigkeit dieser Deputation hat man bisher in der Oeffentlichkeit nichts gehört. Und doch versprach in jener Stadt- verordnetensitzung Oberbürgermeister Mermuth im Namen des Magistrats, sobald als irgend möglich den Plan in der gemischten Deputation zur Beratung zu stellen, und zwar sollte dies der Fall sein, sobald der Plan dem Ztveckoerband zur Begutachtung zugehe. Dieser Augenblick ist jetzt gekommen. Auch der Bebauungsplan selbst gibt nach all dem. was aus den zeigen, daß sie gewillt ist, den Zeltverhältnissen Rechnung zu tragen und im Hinblick auf die nach dem Kriege zu erwartende Klein- lvohnungsiwt— man denke auch an die Kriegsbeschädigten— eine iiiusterhafte Wohnungspolitik zu befolgen. Aber in dem Berlin- Treptower Bebauungsplan überwiegt der Hochbau! Dort, wo bellte sich ausgedehnte blühende Laubensicdluugcn hinziehen, soll es und vier Stockwerken hingewirkt und es ist über» aus bedauerlich, daß auch die Regierung die Gc- meindc in dieser Hinsicht gegenüber den städte» baulichen und wohnungspolitischen Bestrebuu- gen unterstützt hat. Ilm so mehr mirß man dringend wünschen, daß wenigstens der Verbandsausschuß Groß-Berlin als die berufene Stelle zur Wahrung Grotz-Berlincr Lebensfragen sich bei der jetzt bcvorftehendeil Prüfung und Entschließung über den Plan ausschließlich von höheren wohnuugspolitischen und gesund- heitlichen Gesichtspunkten möge leiten lassen, daß er an Stelle des durch fein übermäßiges Straßenland teuren Treptower Planes einen billigeren und gesünderen Plan setzt, der nicht die Miets- kaierncn zu neuer Herrschast bringt, sondern auch dem Kleinhaus zu seinem Recht verhilft! Denn das ist die Forderung des Tages! Ucber fadenzichendes Brot wird uns von der Versuchsanstalt für Getreideverarbcitung folgen- des geschrieben' Unter dem Einfluß der hohen Temperatur und der schwülen Luft bat sich an verschiedenen Stellen eine cigentümlichc Brotkrankhcit bemerkbar gemacht, die dem Fachmann wohl bekannt ist. da sie fast alljährlich in besonders heißen Frühsommertagen und im Hochsommer auszutreten pflegt, das sogenannte„Fgdcuzieheu des Brotes". Das fragliche Brot verbreitet beim Anschneiden einen cigeutümlichcn Geruch, der anfangs nicht gerade unangenehm, bei- nahe obstarlig ist, später aber schärfer wird, um schließlich durch- dringend und widerlich zu wirken. Die Krume solcher Brote ist zu- nächst etwas feucht, wird dann schmierig, mehr oder weniger gelb bis gelbbraun verfärbt und hängt beim Schneiden oder Brechen des Brotes in langen, klebrig zähen Fäden zusammen, eine Erscheinung, die der Brotkrankheit den Namen gegeben hat. Solches Brot ist, als ekelerregend und nicht ungefährlich, von dem Genuß auszu- schließen und sofort durch Feuer zu vernichten. Tie Ursachen dieser Krankheit sind die sogenannten Heu- oder Kartoffel- bastenen, welche fast in allen Mehlen, besonders in den dunklen Mehlen vorkommen. Tie Keime dieser Bakterien sind sehr wider- standssähig gegen Hitze und icherstchen den Backprozetz ohne Schwächung. Daß die Krankheit verhältnismäßig selten auftritt, ist' darauf zurückzuführen, daß für die Entlvicklung dieser Bakterien eben sehr hohe Temperaturen notwendig sind. Die Bakterien selbst und ihre Keime sind ungefährlich. Man hat daher nur zu ver- hindern, daß sie zur Entwicklung kommen und das Brot verderben. Den Bäcker trifft an dem Austreten der Brotkrankhcit um so weniger Schuld, als das Verderben des Brotes erst bei dessen Aufbcivahreii, also einige Tage nach dem Backen, eintritt. Erfährt der Bäcker, daß sadenziehendes Brot aus seinem Betrieb hervorgeht, so kann er durch scharfe Sgucrung der Teige, gutes Ausbacken des Brotes und Reinigung seiner Arbeitsgeräte mit sauren Flüssigkeiten dem Uebel steuern. Die Bevölkerung hat aber die Pflicht, diesem Verderben des Brotes entgegenzuarbeiten und das kann geschehen durch kühles und luftiges Ausheben des Brotes. Die Brotkapsel ist für das an und für sich feuchte Kricgsbrot überhaupt nicht das richtige Aufbewahrungsmittell In diesem ahgeschlossenen Raum ist bei der gegenwärtigen Temperatur und dem hohen Feuch- tigkeitsgehglt des Brotes ein ausgesprochener Enttvicklungsboden für die Bakterien geschasten. Man hebe das Brot entweder unter eincin Drahtgazeiorn auf oder hänge es, ähnlich wie den Schinken(seeligen Angedenkens), in Leinewaiid- oder Gazesäckchen luftig in der Speise- kammcr aus.'Beim Auftreten der Krankheit ver- säume man nicht, seinen Bäckcrzubcnachrichtigcn. Bevorstehende Ermästigun«, der Kleinhandelspreise für Rindfleisch. Wir berickitetcn vor kurzer Zeit, daß beabsichtigt sei. die Klein- Handelspreise für Rindfleisch herabzusetzen. Bisher konnte dies nicht geschehen, da im Monat Juli die bis 1. Juli rechtzeitig angebotenen Schlachtrinder noch zu den früheren hohen Preisen abgenommen und bezahlt werden mußten. Dieses Fleisch soll erst zur Verteilung zu dem noch bestehenden höheren Preist gebracht werden, da es zu höherem Preise erworben wurde. Die Verteilung wird in den näckisten Tagen beendet sein, zugleich hört ja aucki die verbilligte Zuiatzfleischration bekanntlich Miitte August auf. Es wäre unseres Erachtens richtig, wenn von dicstm Zeitpunkt an die Verbilligung der Kleinhandelspreise für Rindfleisch eintreten würde. Wie wir hören, bat das Kriegsernährungsamt auch Weisungen erlassen, daß die Verbilligung deS Rindfleisches im Kleinberkauf möglichst zu diesem Zeitpunkt einsetzen soll. Vorläufig kein Handel mit 1S17er Obstwein. Die zuständige Kriegsgesellschaft für Weinobit-Einkauf und Verteilung macht bekannt, daß der Handel mit 1917er Obst- und Beerenweinen aller Att solange verboten ist, bis sie Höchstvreise für den Hersteller. Großhandel. Kleinhandel und den AuSickiank festgesetzt hat. Früher abgeschlossene Verkänse in 19l7er Obst- und Beerenweinen aller Art werden für ungültig erklärt. Bei Festsetzung der Höchstpreise wird bestimmt werden, daß Beeren-, Kirschen- und Rbabarberweine früherer Jahrgänge nur zu wesentlich niedrigeren Preisen abgesetzt werden dürfen. Berliner Lebensmittel. Der Umtausch von Fleischkarten gegen Bezugscheine auf andere Nahrungsmittel findet in Berlin für die neue am 6. August be- ginnende Fleijchkartenperiode in der Zeit vom 6. bis 8. August durch die zuständigen Brotkommissionen statt. Als Ersatz für Fleisch werden diesmal Teigwaren, Graupen, Gerstengrütze oder Hafersabrikate aus- gegeben, und zwar auf die Vollkarte 239 Gramm, aus die Kinder- karte 125 Gramm wöchentlich. Umgetauscht werden wie immer nur die Reichs fleischkarten und sind Aenderungen in der bisherigen Umtauschberechtigung nicht-eingetreten. Neuanmeldungen können nicht mehr zugelassen werden, da die Vorräte hierzu nicht ausreichen. Der Warenbezug erfolgt weiter aus den bekannten, besonders kenntlich gemachten Geschäften. - Kriegsgeschäfte in Kaffee. 39 Pfennig Unkosten, 14 616 Mark„Verdienst"! Der Kaufmann Otto B o e n i i ch, Lichtenberg, Krosiener Str. 22, der Kaufmann Paul Bartneck, Berlin, Frankfurter Allee 341. der Kaufmann Karl L ü d o r f aus Barmen, der Kaufmann Oswald Zimmer, Berlin, Wallner-Theater-Straße 43, und der Kauf- mann Walter L i e s n e r, Berlin, Greifswalder Straße 139, sind vom KriegSwucheramt als Keltenhändler und Preis- steigerer ermittelt worden. Sie haben große Mengen Kaffee-Ersatz in wlichcrii'cher Weise verschoben. Boenisch, der Inhaber der Fiima Otto Bocniscb, Berlin, Chaussee- straße 8, einer Großhandlung in Kaffeesurrogaten und Schokoladen, ist. bezog den Kaffee-Ersatz waggonweise aus Heilbronn. Er zahlte iür den Waggon von 299 Zentnern einschließlich Verpackung und Fracht bis Berlin 29 384,49 M. und verkaufte den Waggon sofort an Bartncck weiter für 35 299 M. Die ganze Leistung, für die Boenisch diesen Verdienst einstrich, bestand darin, daß er an die Fabrik in Heilbronn, die ihm den Kaffee angeboten hatte, einen Brief schrieb und einen zweiten an Barlneck. Für 39 Pf. Porto- auslagen— 14 616 M. Verdienst!— Bartneck verschob die Waggonladung sofort an Lüdorf, dieser an Zimmer, Zimmer an Liesner, welcher den Kaffee-Ersatz mit 3,39 M. daS Pfund weiter verkauften wollte. So war also der Kaffee-Ersatz, ohne den Waggon, der auf dem Anhalter Bahnhof stand, überhaupt verlassen zu haben, von 1,— M. das Pfund auf 3.59 M. gestiegen ydee die ganze Ladung von 29 384.49 M. auf 79990 M.'■' Als die Herren Schieber auf dem Nnhalier Bahnhof ein- trafen, um die Ware zu übernehmen, wurden sie von Beamten des KriegSwucheramteS schon erwartet und festgenommen. Boenisch. Liesner und Zimmer wurden in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Boenisch behauptete, nicht zu wiffen, daß er mit Schiebern zu tun gehabt hätte, und berief sich darauf, daß er Inhaber einer anständigen Handelsfirma sei. Er mußte aber zugeben, daß er öfters mit Bartneck solche Geschäfte gemacht habe. Daß ihm diese Geschäfte anrüchig gewesen sind, beweist seine Buchführung. Sein Buchhalter gestand, daß siäi in den Büchern fingierte Konten für solche Geschäfte befinden.— Bemerkenswert ist, daß auch der in dem gestrigen Bericht über die Zucker- schiebungen genannte Kaufmann Max Winter sich bei der Vernehmung auf den anständigen Kaufmann hinausspielen wollte. Er berief silb auf seine Mitgliedschaft bei einer angesehenen kauf- männischen Vereinigung und glaubte, hiermit irgend welchen Ein- druck auf das KriegSwucheramt zu machen. Dieses ist aber der Ansicht, daß angesehene Firmen sich peinlich vor solchen Geschäften hüten._ Wo das Obst bleibt! Wie die„Potsdamer Tageszeitung" berichtet, bat sich in Pots- dam das Obsthamstern und der Obstwucher im größten Matze ver- breitet. Berliner und Charlottenburger fahren im Wagen mit ihrer Dienerschaft vor den Gärtnereien und Privatgärten in Potsdam vor und holen zentnerweise daS Obst zu ungehcnren Preisen ab. Der Zentner Pflaumen soll z. B. mit 159 M. bezahlt worden fem. Die Behörden werden sofort die strengsten Maßregeln dagegen er- greifen. Hauptsächlich beteiligen sich an diesem Obstwucher Haus« besitzer mit Gartenland und die russische Kolonie gehört auch dazu. Viclleicbt verlegt das Kriegswucheramt einen Teil seiner ver- dienstvollen Tätigkeit nach Potsdam, um diesem Unfug zu steuern. Potsdamer Kartoffel» in— Württemberg. Im Beirat der Württembergischen Landes-Kartoffelstelle wurde die Mitteilung gemacht, daß die Kartoffellieserung nacb Württemberg aus Bayern und Hessen versogt hätte, während die lieferungspflich- ligen preußischen Provinzen— neben Brandenburg noch Sachsen, Posen und Schlesien— in den Monaten März bis Mai recht er- hebliche Mengen nach Württemberg verfrachteten. Besonders habe eS die Provinziale Kartoffelstelle in Potsdam fertig gebracht, auch in der Zeit, da in dem von ihr in erster Linie zu versorgenden Groß-Berlin die Kartoffel ein kaum auszutreibender Leckerbissen ivar, wöchentlich etwa 19 999 Zentner nach Württemberg zu versenden.— Man wird abwarten müssen, ob diese Mitteilungen den Tatsachen entipreche». Eine Aufklärung durch die Potsdamer Kartostelstelle wäre sehr erwünscht._ Die Einschränkung des Elektrizität- und Ensverbrauchs. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Die zunehmende Kohlen- kuappheit macht es erforderlich, daß auch in den Wohnungen der Verbrauch von Elektrizität und Gas nach Möglichkeit eingeschränkt wird. Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskommissar für Elektrizität und Gas ersuche ich dringend, alle irgendwie entbehr- lichcn Hampcn außer Gebrauch zu setzen und die unentbehrlichen jedesmal nur so lange brennen zu lassen, wie es unumgänglich notwendig ist. Insbesondere muß jede Beleuchtung, die nur der Annehmlichkeit oder der Bequemlichkeit dient, unterbleiben. Im allgemeinen wird für jede Beschäftigung eine Flam m.c als ausreichend zu bezeichnen sein. Ich wende mich mit dieser Mghilun'g an den vaterlgiidischeniSiu» aller Einwohner' von Ber- lin, Charlottenburg, Berliu-Schöneberg, Berlin-Wilmersdorf, Neu- kölln, Berlin-Lichtenberg und Berliu-Stralau. Ich hoffe und er- warte,'daß diese Mahnung von jedermann befolgt wird, und daß dadurch Vorschriften, deren Nichtbcfolgung Strafe nach sich zieht, vermieden werden können. Tie Jnnenbelcuchtung der Gastwirtschaften. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Zur Ausführung der Bundes. ratsverordnung vom 11. Dezember 1916(R. G. Bl. S. 1333) hat der'Herr Polizeipräsident durch Anordnung vom 24. Juli 1917 (veröfsentlicht im Regicruugsamtsblatt Potsdam und Berlin) unter anderem die Beschränkung der'Jnnenbelenckitung der Gastwirtschas- teu geregelt. Er bestimmt bierdnrch, daß diese Regelung auch auf' die Fremdenzimmer sieser Wirtschaften Anwendung zu finden hat.' Somit darf die Beleuchtung der Fremdenzimmer der Gastwirt-'. schasten nur ein Fünftel des in der Mitte des Monats Dezember. 1916 aufgewendeten Maßes betraget., so daß nur eine'Notdürftige Beleuchtung erzielt wird, zu deren Herstellung jedenfalls eine Flamme genügt. Ausnahmer. können durch das Polizeipräsidium bewilligt werden. Die von der Benutzung ausgeschlossenen elek< irischen-Ltinpen sind abzunehmen und vom Geschäftsinhaber'zu 'verwahren.' Zusätzlich bestimmt er, daß die Tisch- und Bettlampen � unveräudert bleiben dürfen.— Zuwiderhandlungen gegen die Vor- genannten Bestimmungen unterliegen der in der BundesratSver- ordnung vorgesehenen Strafe.- Tie Bestimmungen treten am 13. August 1917 in Kraft. Billigere Schuhpreisr. Tie Gutachterkommiffion für Schuh- Preise. Berlin, hat beschlossen, daß der Zuschlag zu den Gestehung's- kosten des Herstellers für alle vom 1. September 1917 ab vom Her- steller versandten Schuhwaren im Kleinhandel höchstens 43 Prpz. (bisher für Lackstiefel und Stiefel ans feinfarbigem Leder 53 Prozent) betragen darf. Bei Schuhwaren, die aus dem Ausland ein geführt werden, betrugen die Züschläge, die der Kleinhändler zu. berechnen berechtigt ist, je nach der Art der'Waren bisher 26 bzw. 36 bzw. 46 Proz. Die Kommission hat beschlossen, daß dies« Zu- schlage von jetzt ab 18 bzw. 2b Proz. betragen dürfen.■ Die Nachprüfung der Hebamme. Einer Hebamme kann bei hartnäckiger und unbelehrbarer Verweigerung der Ablegung einer Nachprüfung wegen mangelnder Zuverlässigkeit das Prüfungs- zeugnis entzogen werden. Diese Entscheidung hat das-Oberver- waltungsgericht getroffen. Die Frau hatte weder einen angehotc- nen Wiederholuugskurftis in- der Hebammenlehranstalt gemacht. noch auch sich der angeordneten Nachprüfung unterzogen. Sie bö- hauptetc, das Prüfungszeugnis könne ihr deshalb nicht entzogen- werden, weil sie das Gewerbe gar nicht mehr ausübe.und nur in. Notfällen ihrer Pflicht gemäß einspringe. In der Begründung der Entscheidung, die jetzt dem Bereich der Gesundheitsverwaltung mit- geteilt wird, wird ausgeführt, daß die Frau bis zur endgültigen Einstellung des Gewerbes den geltenden Vorschriften unterworfen ist. Sie bleibt verpflichtet,„sich den Nachprüfungen und außer- ordentlichen Revisionen des Kreisarztes oder eines anderen von der Behörde ktmit beauftragten Arztes willig zu unterziehen". Auch kann gefW sie, wenn sie sich unzuverlässig erweist, das Verfahren aus Zurücknahme des PrüfungszeuMisses eingeleitet und durchge- führt werden. Es wurde als festgestellt oitgenomincn, daß die Frau sich ohne Gruiid und absichtlich der Nachprüfung zu entziehen sucht. Wenn sie in früheren Jahren sich als zuverlässig erwiesen habe, so sei dies unerheblich. Erlaubnispflicht für Kinos. Der Bundesrat bat in seiner Sitzung vom 2. August eine Verordnung erlassen, derzusolge der- jenige einer Erlaubnis bedarf, der gewerbsmäßig Lichtspiele öffsnt- lich veranstalten will. Die Erlaubnis ist unter bestimmten Grün- den, insbesondere wegen mangelnden Bedürfnisses, zu untersagen. Die Landeszentrale bestimmt diejenige Behörde, durch die die Er- .laubnis erteilt, versagt oder zurückgenommen, oder der Gewerbe- betrieb orntcrsagt wird und regelt das Verfahren. Vcraulassung'lzu hicier Veroronuna gaben— wie amiltch mitgeteilt wird— � abgesehen.'von polizeilichen Gosichlspunkten. die.-durch den- Krieg brx-.. beigesührien- wirljchaftlichen.- Verhältnisse. Es- muß- vermieden werden, daß neue llnternehmungen entstehen, für die ein Bedürfnis. nicht nachgewiesen ist, damit alle verfügbaren Kräfte für die Kriegs- Wirtschaft ftcigemacht werden können. Ter rätselhafte Knabenleichcnfund im Güterwagen auf dem Bahnhof Stralau hat nunmehr seine Aufklärung gefunden. Unter den vielen auf die Mitteflimgen in der Presse an die Lichtenberger Kriminalpolizei eingelaufenen Anfragen befand sich auch«ine solche auS Frankfurt a. M. Tie Kriminalpolizei ließ sich daraufhin Stoffproben aus Frankfurt a. M. schicken, die bei einem eingehenden Vergleich als genau mit den bei den Leichen vorgefundenen Klei- dungSresten übereinstimmend befunden wurden. Auf Grund dieser Feststellung ist. die Ermittelung der Identität der Knaben gelungen. Es handelt sich um die 7 und 19 Jahre alten Adam K r e ß und Walter R c i h c n g a n s auS Frankfurt a. M. Tie beiden Knaben, deren Eltern in demselben Hause wohnen, waren unzertrennliche Spielgefährten und wohl ein wettig aben- teuerlicki veranlagt. Sic waren seit mehreren Wochen aus Frankfurt a. M. verschwunden und alle Nachforschungen der Angehörigen nach ihrem Verbleib waren erfolglos geblieben. Die beiden Knaben hatten sich, wie nachträglich festgestellt werden konnte, am Tage ihres Verschlvindens nach dem Bahnhof Süd in Frankfurt a. M, begeben, wo gerade Soldaten ausgeladen wurden. Hier müsien nun die beiden Jungen den Güterwagen, in dem sie den Tod finden sollten, bestiegen haben. Es ist inzwischen auch festgestellt worden, daß der fragliche Güterwagen zu jener Zeit sich in Frankfurt a. M. befand. Ob die Knaben nur aus Neugier den Wagen erklettert haben oder ob sie als blinde Passagiere eine Reise zumachen beabsichtigten, wird wohl nicht mehr festzustellen sein. Die Väter beider stehen im Felde. Nachdem jetzt die Identität der Leichen eintvandfrei feststeht, hat die Staatsanwaltschaft die Er- laubnis zur Bestattung erteilt. Ein großes Hchlcrncst hat die Kriminalpolizei in der Frei e n- walder Straße ausgehoben. Auf einem Grundstück dort fiel ein ungelvöhnlich reger Verkehr auf. Leute mit' Paketen und Taschen gingen aus und ein. Ein Kriminalbeamter folgte heimlich einer Frau, die mit einer schweren Tasöbe nach dem Stettiner Bahnhofe zu ging. Dort hielt er sie an. als sie die Tasche einem 'Kleinhändler übergab. Sie enthielt Maggiwürfcl und es ergab sich daß diese zu einer Menge von 39 Zentnern gehörten, die kürz- lich einem Spediteur vom Wagen gestohlen worden waren. Tie Frau hatte sie in der Frcienwaldcr straße erhalten, um sie dem Händler zu überbringen. Weiter wußte sie nichts. Auf dem ver- dächtigen Grundstück aber fand man noch 49 Zentner von diesen Würfeln, außerdem auch andere gestohlene Rollgüter, so 29 Kisten Blitzblank und 23 Kisten Oelsardinen, die leider zum größten Teil schon verdorben sind. Mieter des Schuppens war ein Masseur F r i c d r ich R e i ch. Er wurde wegen gewerbsmäßiger Hehlerei verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Reich, der w der Prinzen-Allee wohnte, hatte wegen Ueberfiillung dieses ersten in der Eulcrstraße bereits einen zweiten Lagerraum gemietet. Er will alles von einem Unbekannten gekauft haben. In Wirklichkeit stand er mit Kutschern in Verbindung, die ihm ganze Ladungen zuführten. Durch kleine Unterhändler brachte er die Beute an die Verbraucher. Im einzelnen toird der Herkunft der Güter von der Kriminalpolizei noch weiter nachgegangen._. Eharlottcnlmrg- Lcl-eiismittrl. Die Zufuhren an neuen Kar- toffeln haben sich so gebessert, daß bereits in dieser Wocbe ein. viertes Pfund K a r t o f f e l n auf die beiden Abschnitte 662 der grünen Charlottenburger Kartoffelkarte abgegeben werden kann. Der Magistrat von Chariottenluirg weist daher diejenigen Kleinhändler, die infolge Abwesenheit eines Teiles ihrer Kündschaft noch über Kartoffeln betfüqtiT, an, auk die oücus'ezcickineicil Abschnitte der Kartosfelkarte zusammen 1 Pfund Kartoffeln aujziineben. Anherdem wird eine wichtige Nenordniiiig fnr die Versorcfnnfl rnit Kartoffeln am Anfang der neuen Wölbe betroffen: Die Händler sind berechtigt»nd verpflichtet, bereits von heute ab auf die Ab- schnitte 67a nnd b der neu aiisgegebencir Kartoffelkarte je'/a Pfund Kartoffeln, zusammen alio 2 Pfund Kartoffeln vorweg abzugeben. Diese Anordnung bat ihren Grund darin, daff die Händler mit Kar« toffeln reichlich versehe» sind, vci der Abgabe der I Pfund Kar. söffe lir auf die neue Kartoffelkarte ist es jedoch den Händlern aus» drücklich verboten, den an der neuen Karte befindliche» Annreldc. abschnitt zur Knndenliste zu entfernen. Aom Donnerstag, den V.August bis Sonnabend, den 18. August findet eine allgemeine Verteilung von Teigwaren und Suppen statt. ES lvcrdcn verabfolgt: 100 Gramm Teigwaren II. Sorte sür 51 Pf. oder X. Sorte für 72 Pf. pro Pfund auf Ab- schnitt 118 der roten?!ahrungs»itttelkarte nnd 106 Gramm Suvpen, lote, zum Preise von 26 Pf. oder 2 Würfel bezw. Beutel zum Preise von 10 Pf. oder 15 Pf. auf Abschnitt 11V. Neukölln. Lebcnsniittel. Die in diesen Tagen zur Ausgabe gelangenden ftleischkartcn sind am Dienstag, den 7. August, in der 5leit von 8—12 Uhr vormittags und 4—8 Uhr uachniittags in der bisherigen fsleischverkaufsltelle zwecks Stempelung vorzulegen. HariS- Haltungen, welche� am 7. August ihre sslcischkarten nicht vorlegen, werden bei dem nächsten �leischverkauf nicht mehr berücksichtigt und in der Kundenliste gestrichen. Mit dem frortfall der verbilligten �leikchzulage verlieren die städtischen ssleischkarten ihre Gültigkeit. Hierüber ergeht noch eine besondere Bekanntmachung. Sch-nrberg. Lebensmittel. Bon heute bis Dienstag, den 7. findet ausnahmsweise nur i» 150 durch besonderen Anschlag kenntlich gemachten Geschäften Voranmeldung statt für eine Dose Dauermilch, eine sslasch« dänische Sahne oder 1 Kilogramm Gemüsekonserven auf Abschnitt 53 der roten Lebensmittelkarte und 1 Pfund Kunst- Honig auf Abschnitt 53 der grünen Lebensmittelkarte. Ausgegeben werden in der nächsten Woche'/e Pfund Weizengries; oder% Pfund Haferfabrikate auf Abschnitt 51 und 2 Suppenwürfel auf Abschnitt 52 der Nährmiltelkarle, eine Erbswurst auf Abschnitt 13 der Nährmittel- karte für Jugendliche. Auf die st ä d l i s ch e Fleischkarte wird bis zum Donnerstag der nächsten Woche Fleisch in der bisherigen Wochenmenge nur gegen Nückgabe der gaitzen neuen Fleischkarte(Hauplstück mit sämtlichen Abschnitten) verabfolgt. Wilmersdorf. Abgabe koiidciisicltcr Milch an Siebzigjährige. An alle Personen im Alter von 70 Jahren und darüber kommen demnächst je zwei Dosen kondensierter Vollmilch zum Preise von 1,70 M. je Dose zur Ausgabe. Die zur Eninahine nötigen Bezug- scheine werden vom 7. bis 11. August im Lcbcnsmittelamt. Wilhelms- aue 114/115, Eingang 1 ausgegeben. Es werden abgefertigl Personen. deren Zuname beginnt mit Buchstabe tOcuStag; G— K: Mittwoch; L— P: Donnerstag; Q— S: Freitag, und T— Z: Sonnabend von 9 bis 2 Uhr. Die Bczugsberechtigung ist durch Vorlegung entsprechender Urkunden nachzuivciscn. Spandau. KricgSfürsorge. Die H a f e r f a b r i k a t e dürfen die Geschäfte von heute ab verkaufen lje 500 Gramm gegen Abtrennung von Feld 2 der Lebensmittelkarte). Die VerpflegungSgelder für die vom Garnisonbataillon im Juni eiuguartiericn Mannschaften sind am Montag von 8 bis 12 Uhr in der Stadthauptkafse zu empfangen. Panflow. Verlegung einer KriegSknche. Der Betrieb der vierten Kriegslüche in der Wollanlstr. 33 wird Sonntag, den 5. August, mittags 1 Uhr. geschlossen und Monigg 1,1 V» Ubr in den neuen Räumen Nordbahnstrafie gegenüber dem Bahnhof Pankow-Nordbahn neu eröffnet. Niederschönhausen. Lebensmittel. Von heute ab kommen im Gemeindeladen verschiedene Sorten Geniüsekonserven sowie gekochter Reis in Tomaten zum Verlauf. Es ivcrden abgegeben auf rote Lebensmittelkarte eine Pfunddose, äuf schivarzc Lebensmittelkarte alle anderen Gewichte unter zivei Pfund. Beides einmalig. Ein Anspruch auf eine bestimmte Sorte besteht nicht.— Ebendort ge- langt Von heute ab Sardelleu-Grützivurst in Dosen zum Preise von 1,85 M. sowie Essig-Sardinen,>/< Pfund zu 60 Pf., auf Lebens- mittelkorten zur Abgabe.— Die Bestimmung, das; Heringe in Brühe in 2 Pfunddosen nur«ine Büchse pro Woche abgegeben werden dürfen, wird aufgehoben, EL findet jetzt unbeschränkte Abgabe statt. — Neu gelangen zum Verkauf Heringe in Brühe in 1 Pfundbüchsen zum Preise von 2.50 M. sowie Kipperer Heringe in Büchsen von zirka 1 Pfund zum Preise von 2,60 M. Alle diese Waren nur gegen Vorlegung der örtlichen Lebensmittelkarten.— Kartoffeln können mir 1 Pfund abgegeben werden. Für den Rest des Kartoffelkarte Gebäck in der üblichen Weife. Friedrich Sfclde. Die AnSgabe der Brotzusatzkarten für die Zeit vom 6. bis 12. August findet nochmals und zwar zum letzten Mole wie in der bisherigen Weit'e in F r i e d r i ch S f e l d e für die Buchstaben X Montag, sür die Buchstaben D— Z Dienstag, im Park-WirtShauS, Schloststr. 2, statt. In Karls hör st für die Buchstaben.A— X Donnerstag, und für die Buchstaben I.-Z Freitag, im Etnwohner-Meldeamt, Dönhoff strajje 31, statt. Alt-Glienicke. Erhöhung der Preise für Elektrizität. Für die Abgabe von Elektrizität tritt am 1. Oktober ein neuer Abgaben tarif in Kraft, der einen Tcuerungszuschlag von 25 Proz. vorsieht. Für die Elektrizitätszähler gelangen Staffelpreise zur Einführung eine Gebühr für die Ausstellung wird nicht mehr erhoben. Ebenso fällt die Gewährleistung eines Mindestverbrauches fort, KönigS-Wusterhausen, Die GnSprcise erhöben sich aus 25 Pf. sür das Kubikmeter Leucht-, Koch« und Heizgas und 30 Pf. iür Automatengas. Der Preis für Koks beträgt 2,40 M. für den Hello- liter ab Werk._ Gerichtszeitung. Eine zweite Zentrale für verbrecherischen Brotkartenhandel hat sich seit längerer Zeit in der Nähe des Schlesischen Bahnhofes auf- getau, wo der Beirieb ein ebenso umfangreicher ist wie an der Hauprstätte dieses Schmuggelhandels in der Neuen Schönhauser Strasze und in der Nähe des.Cafb Dalles". Zwei Händler an dieser zweiten Zentrale, der Schneider Emil W e g n e r und der Händler Otto B o e s e standen unter der Anklage der Hehlerei vor der 4. Strafkammer de» Landgerichts I. Wegner wurde eines Tage» vor dem Schlesischen Bahnhof von einem als Arbeiter verkleideten Kriminalschutzmann anqesprochen und gefragt, ob er Brotkarten zu verkaufen habe. Die Frage wurde bejaht nnd ein Preis von 3,50 M. für die Karte gefordert. Der Anfrager erklärte den Prais für zu hoch. tvoranf Wegncr eine Ermäfiignng auf 3,25 M. bei Abnahnie von 10 Stück zusagte und den Kauflustigen aufforderte, ihm zum Ab- schlus; de« Geschäfts auf einen Hausflur der Koppenstratze zu folgen. Dorr nahm ihn der Kriminalbeamte fest. Wegner war Vermittler für Boese und hatte die 15 Brotkarten, die er bei sich führte, von diesem erhalten. Als Boese verbasteh wurde, wurden bei ihm 150 Brotkarten vorgefunden. Der Staatsanwalt beantragte je z w e i Jahre Z u ch t b a u». DaS Gericht hielt nur einfache Hehlerei für vorliegend und verurteilte Boese zu 1'/, Jahren, Wegner zu 6 Monaten Gefängnis. Die»nsittliche Strafbestimmung im Bertrage. In bemerkenS- wert scharfer Weise geihelte das Reichsgericht die Aufnahme von Strafklauseln in Verträgen, die geeignet sind, aus dem An« stellungS- ein Hörigenvcrbältnis zu machen. Zu dem Urteil gab Anlast die Klage eines Fabrikanten M. gegen den Filialleiter LS. auf Anerkennung der zu Recht einbehaltencn Kaution von 10 000 M. W. bezog kein Gehalt, sondern war nur am Reingewinn beteiligt. Diesen erhielt er auch nur bis zu einer bestimmten Höhe ausbezahlt, der Rest sollte gegen Verzinsung im Unternehmen stehen bleiben. Die gleich beini Antritt eingezahlte Kaulton von 10 000 M. sollte als Strafe dem Prinzipal verfallen, sofern der Filial- lciter auch nur gegen eine der zahlreichen Vertragsbestimmungen verstieste.— Das Reichsgericht hat die Gültigkeit dieser Strafbestim- mnng verneint, indem es sie als sittenwidrig ansah. In der Begründung zu diesem Erkenntnis betstt es: Die Bestimmung sei nicht nur eine Härte, sondern sie verstoste auch gegsn den Anstand, den nach gesunder BerkebrSauffassung jeder bei Regelung seiner ge- schäftlichen Beziehungen Angestellten gegenüber beachten müsse. Die Möglichkeit, bei dem geringsten Ungehorsam die Ersparnisse der vielleicht mehrjährigen Tätigkeit aufs Spiel zu setzen und alle Zu- kunftShoffnungen zu zerstören, können einen ständigen Druck auS- üben und die Entschliestungen in ungebührlicher Weise hemmen. Der Gehilfe würde dadurch zu einem willfährigen Werkzeug in der Hand deS Chefs. Darum verletze die Klausel nicht nur da» BtlligkeitSgefühl ehrbarer HandolSkreisc. sondern überhaupt aller, welche redlich und anständig zu denken und zu handeln ge- wohnt sind. Der verweigerte Protokollvermcrk. Vor kurzem erregte eS an- gcsichls der herrlchendeu Papicriuappheit unliebsames Aussehen, dast in der GerichiSschrcibeiei deS Berliner Landgerichts 1 ei» dort tätiger Beamter sich weigerte, von eincm Prozetzinbrcnden den Wunsch um Zusendung von erledigten Urkunden zu Protokoll zu nehmen, und den betreffenden Herrn um Einreichung eincS schrittlichen Antrage» ersuchte. Der im Beschwerdewege davon in Kenntnis geictzie Erste Staatsanwalt hielt das Vorgehen dcs Gerichlsschreibers für gerecht- fertigt, auf eine beim I u st i z m i» i st e r eingereichte Beschwerde hin mistbilliate jedoch jetzt der Oberstaatsanwalt beim Kammer- gerickt das Verbalicn de? betreffenden Beamten und verantahte, dast in Zukunft derartige kurze, persönlich vorgebrachte Wünsche der Prozestparteien sofort zu Protokoll genommen werden. Da e» sich hier, so heistt es in der Antwort des Oberstaatsanwalts, um«inen kurze» Vermerk bandeile, so hätte der Beamte dem Ersuchen um sofortige Prolokollicrung wohl entsprechen können. Mus aller weit. -iL Todesopfer auf der Zeche Präsident. Bochum, 2. August. DaS Grubenunglück bat 23 Todesopfer gefordert. 17 davon sind tot zutage gefördert. 6 sind in den Kranken- Häusern ihren furchtbaren Brandwunden erlegen. Teils schwer, teil» leicht verletzt befinden sich in den Krankenhäusern noch 12 Knappen. Im ganzen sind wohl an 45 Personen in Mitleidenschaft gezogen worden. � Mord in Gleiwitz. Ein jugendlicher Hüttenarbeiter wurde in Gleiwitz im Klodnitzkanal tot aufgefunden; er war durch Erwürgen ermordet worden. Der Täter entkam. Jugenüveranstaltungen. Schöneberg. A rbeiler-Jugend Morgen findet keine Fadrt statt, landein ern am dai ausfolgenden Sonnlag. Mittwoch den 8, Spielen aus dem Platz mit aujchttejjcndcn Volkstänzen. vriefkaften üer Redaktion. Et. 100. I. Berltn, Wilhelntstr. 65. 2. SS genügt die Benennung deS Gerichts und die Angabe dcs Aktenzeichens.— A. F. 88. Weitere Beschwerde ist zwecklos; die Unterslützmig kann tu diesem Fall verweigert werden.— 50 E. An das Gcneratkominando.— Liesbeth 100. Nein. — St. E. 1. Die Strafe ist durch Amnestieerlajj getSicht. Jbrem Auf- enthalt wird jetzt nichts in den Weg gelegt werden, nehmen Sie deshalb Arbeit.— S. H. 45. Sie müssen an das Amtsgericht Verlin-Mttte An- trag auf Austritt au» der Landeskirche stctlcn. Nähere Anweisung erhalten Sie in der Sprechstunde.— O. H. 5. 1. Ja. 2. Sie werden in Strase genommen.». DaS geschieht tm allgemeinen nicht. Wenn es aber ein- treten sollte, können Sie sich mit einer Beschwerde an die Schutdcputation wenden.— Sl.«Ö. 100. DaS erhaltene Darlehn wird Ihnen aus da« Erbteil angerechnet.— Sch. I. Es ist nur der Preis von 16 Pf. ,u fordern.— Gertrud Bl. Das Ehrenzeichen kann drin Betreffenden ge- nonimen werden.— Holland 8. ii. Nein.— Ff. Ci. ÄOO. Zu dem von Jbncn angctührten Bruchteil ist weder die LandcSvcrsicherungSanstalt noch die Krankenkasse abfolut verpflichtet, die Kosten sür Zahnertatz zu leisten. Da Sic aber durch ärztliches Attest den Nachweis erbringen tonnen, dast wegen der fehlenden Zübne ErwerbSunsübtgksil bei Jbncn eintreten kann, so müstte die Krankenkafse zum Schadenersatz verpflichtet werden. Legen Sie eventuell Bcfchwerde beim Bersichcrungsamr ein.— Ech. Adolfstr. und E.«. Der Anspruch aus die Zufatzkarte must von der Firma erhoben werden.— Bü. E. 18. 1. und 2. Ja. — W. 16. Schreiben oder telegraphieren Sie an daS Landrats amt de« Streites, in dem sich da« Kind aushält, es möge Erkundtgungen einziehen, warum dgS Kind nicht schreibt.—<£. 50. Es kann aus Geldstrase oder Hast erkannt werden.— iS. R. 16. Sie werden sich schon noch etwa» gedlitden müssen. Einen absoluten Anspruch aus Urlaub haben Sic nicht. — P. H. 3k. 30. 1. Ja. 2. Versuchen Sic eine Versöhnung. 3. und 4. DaS gehört dem Eheman». 5. Ja. 6. Ja. 7. Die Kosten müssen Sie tragen. 8. DaS tönnen wir im voraus nicht angeben.— R. F. 9. ES wäre zwecklos, das Kind tctzl tortzunebmen. von der Fürsorge würde es doch gesucht.— A. R. 100. 1. In Berlin nicht, wohl aber im Zusammen- hang mit den Schlachthösen in Potsdam und Franflurt a. O. 2. Die Pro- visia» müsitc Jbncn zustelicii. Sie müssen Ihre Forderung an den stellen. mit dem Sie die Abmachungen getroffen haben, also doch an den Vorstand. aveneraiiSslcheen für do» mittlere Ulorbbrutfrtilniio bi» Sonntag miting. Zeitweise bciter, jedoch überwiegend bewölkt, mit weit- verbreiteten, im östlichen Küslciigebict ziemlich starken, l>» den meisten anderen(Legenden geringen Rcgensällcn. Temperaturen sind verändert. I»vat»cli«« Tnuatcr. Heute und folp. Tage 8 Uhr: Max Pallenberg in Der kleine Kapoleon. (ipnimcrnplele. Heute u. folg. Tage l'j, Uhr: Hana Waaimann u. Ida WUat in Goldfische(Lustapiel). Volksbühne. Theater am BQIowplatz. Untergrundb. SchBnh. Tor. Heute u. folg. Tage Tl, Uhr; Fahrende Jlnslkanten (Singspiel), Musik von RobertSohumann. I-esBlngt-Tbeater. Heute und folgende Tage 7',. Uhr: Die Königin der l>UIdII Schnit/.eljagd. Sonntag 3'/, u.» Uhr Nachm. 1 Kind frei sowie Oratis.-Ponny-Reit. f. Kd, Voigt-Theater Badstr. 56. Badstr. 96. Täglich grolle Extmorsteliung. Die ötel(Btajira. Vorher:«rftklalfige» Spezialttäteu-Progranim. Slnf. wochent. 4'/,. Sonnt. 4 Uhr. Dentnelief* Opernhana -■/. tJKr; Die Fledermaus. Frledrich-Wilhelmst. Theater ''/« uhr; Das Dreimäderlhaus. Gebr. Herrntold-Th. Operotton-Gaatspiel 7v. uhr; Die ledige Eheiran. Klein ea Theater Jvr Die Hausdame. Komische Oper Uhr ' Die Dose Sr. Majestät Lustspielhaus trv Die blonden Mädels ''« u,,r: vom Lindenhof. Morgen 3'!4 Uhr: Heimat. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kas5ent.Nd.281 vv-uhnDerSolrialderMarie. URANIA Sonnabend, 4. August, 8 Uhr; Daa Oberenieadln nnd der KplUgen. Rose-Theater. Tl, Uhr: Die Stunde deS UertvauenS.— Eartcnbühne: Berlin wie es liebt und hallt. Reaidcnx-Theater 8 uir: Die Verliüllte. Schlller-Thcatcr O 7 uhr; Loheugrin. Mchiller-Th. fhnrl. p/.uhr; Alt-Heidelberg. Thalia-Theater Heute gesohloasan. Morgen 3 u. 7'/. Uhr; Charleys Tante. Theater am Nollendorfplatz Tl,.Uhr: M HWlMU. Theater des Weatena 7-,. uhr; stolze Thea. Morg. 3'/,: Das Glück Im Winkel. Trianon-Thcator a... Die sittliche Forderung. 8 Ubr: Die Lore, Walhalla-Theater. übt; Zigeuner. Gartcnbühne: Vorstellung. Berliner Prater-Theater. Kastanienallee 7—9. Zum 69. Male: AHa— famos! - den chemischen Vorgängen im Jynern de» Körper» begründet, in den al» Stoffwechsel bezeichneten Veränderungen, die im wesent- lichen auf einen OxydationSprozeß hinauslaufen; in erster Linie sind es Muskeln und Drüsen, die bei der Erzeugung der Eigenwärme beteiligt sind. Im gesunden Zustand schwankt die Temperatur des menschlichen Körpers, die 36,5 bis 36,8 Grad 0 beträgt, nur innerhalb geringer Grenzen und wird mit großer Zähigkeit festgehalten, so daß im Sommer bei-j- 80 und im Winter bei— 20 Grad 0 Lufttemperatur unser Blut dennoch gieicb- mäßig seine angegebene Wärme bewahrt. Im Lause des TagcS ändert sie stch je nach der Beschäftigung, der der Mensch ob- liegt, oder der Muße, der er sich hingibt, jedoch übersteigt unter gewöhnlichen Verhältnissen die gesamte SibwankungSbreite nickt mehr al« 1 bi» 1,5 Grad. Von morgens 7 Uhr an»imint sie im allgemeinen zu. bi« zwischen 5 und 7 Uhr nachmittag« der Höhe- Punkt erreicht ist. Von da an fällt die Temperatnrkurve, sie sinkt während der Nacht immer mehr und gelangt zwischen 4 und 7 Ubr morgen? auf ihren niedrigsten Punkt. Ein ameri- konischer Arzt. Dr. Lnmbard in New Dork, bat in neuerer Zeit einen Apparat hergestellt, der das bekannte Fieberthermometer weitaus in den Schatten stellt und eS ermöglicht, die feinsten Wärmeunterschiede zu messen. Mit seiner Hilfe war e» möglich, die für die Physiologie wie für die Medizin gleich wichtige Tatsache festzustellen, daß der weibliche Körper durchschnitt- lick'/s bi«'/« Grad wärmer ist als der männliche. Nur in wenigen Fällen war der Unterschied noch geringer; niemals aber wurde ein männlicher Körper für wärmer befunden al» ein weiblicher. Auch sind Kinder entschieden ivärmer als Erwachsene, und zwar ungefähr um 1 Grad; der Unterschied erweist sich um so deutlicher und größer, je kleiner da» Kind ist. Endlich sei noch ermähnt, daß Dr. Lumbard in keinem einzigen Falle die Temperatur auf beiden Seiten gleich fand; regelmäßig zeigte sich die linke Seite de« Kopfe« bis gegen den Nackenansatz hin wesentlich wärmer als die rechte._ Notizen. — Ueber da» Frauen st udium sprach gestern in einer Festsitzung der Berliner Universität der gegenwärtige Rektor Geb. Medtzinalrat Bumm. Der berühmte Gynäkologe stellte fest, dnß die weibliche Intelligenz, trotz de« geringeren Gewichts des Frauen- gehirn», der männlichen durchaus ebenbürtig ist. Die Schwierig- ketten und Bedenken, die dem Frauenstudium entgegenstehen, liegen nach Ansicht Brumm» nicht in mangelnden VerstandSkräften. sondern in der Pcrwendung deS Gelernten, im Berufe. Das Studium sei der Ehe nicht günstig und die Ehe behindere die Berufsausübung. Namentlich dürfe die Frauenheilkunde und die Geburtshilfe durchaus nicht al« ein der Frau von der Natur angewiesenes Arbeitsfeld angesehen werden; denn es mangeln dem weiblichen Chnrakter die rasche Entschlußsähiqkeir und die von momentanen Stimmungen unabhängige Kaltblütigteir. Aerztinnen seien den Anforderungen einer Tätigkeit, bei der es in einer Viertelstunde um Leben und Tod zweier Mensche» geht, uichr gewocksen. Den Frauen, die studieren wollen, müßten natürlich die Pforten der Universität offen stehen. Den höchsten Dienst aber leiste die Frau sowohl stch wie ihrer Familie und dem Staate, wenn sie über ein ausgeruhtes Gehirn verfüge»nd die nötige Zeit zur Aufzucht einer zahlreichen Nachkommenschaft habe. — Treptow- Sternwarte. Der Marinefilm.Graf Dohna und seine Möwe" mit erläuterndem Vortrag von Direktor Archenhold wird noch während dieser Woche Sonntag 3. 5 und 7 Uhr und Montag, Mittwoch und Sonnabend um 5 und 8 Udr vorgeführt. DienStaa. 7. August, abends 7 Uhr, spricht Direlior Arckenhold über:»Unser Planetensystem", Mittwoch, den 8. August. 8 Uhr:»Mit den Haubitzen durch Kurland"(Vortrag mit zahlretchen Lichtbildern von Dr. Hau« Hennig.) Mit dem großen Fernrohr werden am Tage gewaltige Sonnenfleckengruppen, die sich neu gc- bildet haben und abends Doppclsterne, der berühmte Ringnebel in der Leier u. a. gezeigt. Dav Institut ist von 2 bis 11 Uhr abends geöffnet. — Wundenbehandlung mit Sonnenlicht. In der Pariser Akademie für Medizin berichtete Dr. Maurice Cazin über zahlreiche Beobachtungen atonischcr Wunden, komplizierter Brücke und schwieriger Fisteln, die durch Behandlung mit Sonnenlicht in überraschend rascher Weise der Heilung zugeführt worden sind. Dr. Cazin verwendet nicht die ganz ungenügende lokale Bestrahlung, sondern da? vollständige, aber mit Vorsicht anzuwendende Sonnen- bad. Bei den unteren Gliedmaßen kann die Anwendung in sehr rascher Stufenfolge geschehen, während beim Rumpf und den oberen Gliedmaßen langsamer verfahren werden muß. Die auf diese Weise behandelten Verwundeten sind unerwartet schnell wieder gc- sund geworden.»Die Sonne als Mikrobcntöterin", so schloß Dr. Cazin seinen Bericht,»erweist stch noch immer als die beste Heilkrajt der Welt." 19] /lnöers hjarmsteö. Von Jakob K n u d sen, Die Braut blickte ihnen nach.— Und ihre Gedanken folgten ihnen— fort von der Stelle, wo sie hier bei Tische saß, fort aus der mcnschenschwülen Stube,— hinunter durch den Haselnußgang im obern Garten,— o ja,— wo jetzt die Stare und Drosseln sangen, und wo die Hofhühner im Sonnenschein mit den Flügeln schlugen und das eine Bein von sich streckten. Da blieb dann Jens wohl stehen, um das Küchcnfenster im Auge zu behalten und Morien das Signal zu geben, wenn der Augenblick gekommen war, wo er des Bratens wegen„schießen" sollte.—— Morien aber lief weiter den Gang hinab, in den unteren Garten die Grasböschung hinunter, wo das lange, tvelkc, gelbweiße Gras vom Schnee her noch nicderlag. Hinunter zu der alten Kanone auf dem nördlichen Dcich, ganz unten bei den Fjordwiesen. wo man nicht Star, noch Drossel hörte, aber das Pfeifen und Kreischen und Flöten der Scevögcl und den trommelnden Flügellaut deS Kiebitzes, der ähnlich wie der Schlag des Raddampfers klang, wenn das Schiff sehr iveit weg war, ganz unten östlich von Fjordby. Ach ja,— nun kam im Augenblick der Kanonenschutz,— genau wie damals, als ihr ältester Bruder Hochzeit gehabt hatte,— und sie meinte, das sei schon so lange her. und es war doch erst vor zwei Jahren gewesen. An dem Tag war sie im Garten herumgegangen und hatte gedacht, wie seltsam eS doch wäre, daß er die Witwe haben sollte, aus der er sich gar nichts machte;— und nun sollte sie selber auch heiraten.— Auch mit Bater und Mutter war eS wunderlich. Denn wie würde es gegangen sein, wenn die einander nicht gern gehabt hätte». DaS war doch der einzige Grund dafür, daß alles so schön hier war auf Stavn. Man mußte gewiß so sagen: daß sie einander liebten,— oder vielleicht nicht liebten, aber Vater könnte doch sicherlich gar nicht leben, .wenn Mutter stürbe.— Es mochte ja sein, daß sie sich nicht weiter um einander gekümmert hatten, ehe sie heirateten. Und da glaubten sie vielleicht, es könne ihren Kindern eben- sogut genau so gehen.— Aber sie waren sich gewiß nicht fremd gewesen— nein, nein, ihre Mutter war deS Liebsten nie überdrüssig geworden— des Bräutigams!-- Sie hatte ein Gefühl von Schwindel oder Uebelkest i und bat, ob sie nicht ciu GlaL kaltes Wasser bekommen könne.-- So!— Da fiel der Schuh!— Allgemein wurde man lustig am Tische. „Da haben sie ihn wirklich niesen lassen, den Alten, dieses Mal auch!" wurde gerufen.«Wenn sie Nur gut davon- gekommen sind, ehe er losschlug." Gleichzeitig mit dem Schusse ging die Küchentüre auf. und eine Reihe von Bratenträgerinncn kam herein, die Schüsseln wegen de» engen Platzes unten in den Händen hoch erhoben.— Ein GlaS kaltes Wasser war über den Tisch zwischen die Gäste gereicht und war nun dem Pastor Steffensen gegeben worden, der eS der Braut hinhielt. Indem sie es nahm, sah sie ihm zufällig gerade in die Augen. Seine Brillengläser erlaubten das selten, so daß es sie überraschte; eS war gegen ihren Willen geschehen, und sie wurde rot. Beim Trinken dachte sie: nein, i h m wollte sie nicht nachweinen; sie empfand zuviel Scham darüber, daß er sie ja doch— in dem Gespräch mit ihrer Mutter— verschmäht hatte;— es mochte so schön sein, wie eS wollte, daß er eS auS Pflicht getan hatte;— wenn er sich so wenig auS ihr machte, daß er Mapam Böllings und der zwei Kinder wegen — nein, dann»hattc er sie ja aar nicht lieb. Und es war doch auch so gleichgültig, besonders jetzt! Run passierte der Braten. Und gleichzeitig mit ihm rollte eine Gesprächswelle zu den Ehrenplätzen herauf, unten von der Tischgegcnd her, Ivo Erik Ski ndtoft saß. „Was war's denn?" hörte Cccilie ihren Vater nach jener Seite hinunter fragen, indem er die Hand hinters Ohr legte. „Ja, Jerrik*) sagt, es wären Leute von der Nordseite des Fjords drüben gewesen, um sich den B'errchof anzusehen," rief Paul Vinding mit einer Stimme, die über alles lachte, was sie sagte. „So!— Wann wpr das? Fangen sie jetzt auch an, auS der Gegend zu kommen?" sagte Kren Faurholt. „Sie sind zweimal dagewesen. Jetzt zuletzt am Freitag. Per Hjarmsted vom Tanghof ist es," sagte Guddik Broholm. „Kennst Du ihn nicht?" „Rein, wo sollt ich ihn gesehen haben?" erwiderte Faurholt. ') Erik. „O, er kommt zu all den großen Märkten da nördlich. Nach Hsallerup und Aabybro und Skräm und Bjcrgct und Thisted." „Ja. gesehen habe ich ihn nicht. Ist so besonders Ivos an ihm? Mir scheint. Du grinsest so arg, Paul Vinding?" „Ja— wenn der Bjerrehof in seine Hände kommt, so wechselt meiner Treu die Verwaltung. ES wird gewiß so was, was sie'uen Gegensatz nennen." „O, daS wäre vielleicht das Schlimmste nicht," sagte Guddik. „Nein, wenn eS bloß nicht zu plötzlich kommt. Jetzt ist er doch viele Jahre vom alten Jcrrik bewirtschaftet worden, und nun soll denn unser Herrgott selber ihn ver- Walten." Donnerndes Gelächter ertönte. Nur bei einzelnen Gc- legenhcitcn fand Erik Skindtoft stch darein, der alte Jerrik genannt zu werden; dadurch kam etwas Spannendes in die Situation, das die Heiterkeit vermehrte; außerdem waren es nur wenige, die den Sinn recht verstanden, und viele riefen nach einer Erklärung. Unter ihnen war Faurholt. Paul Vinding rief in der Schriftsprache und in etwas verdrehtem Predigerton:„Per Hjarmsted hat allzeit seinen Hof nach himmlischen Eingebungen und Träumen bewirtschaftet. Er sät um Sankt Johanni, beginnt Michaeli zu ernten und hält daö Erntefest.so, daß sie die MartinLgans gleich mitvcrzehrcn können." Diese Aeußerung und die darauf folgende Diskussion trieb die Feststimmung zu ganz ungewöhnlicher Höhe empor. Proprietär Faurholt rief durch den Lärm zu Erik Skindtoft hinüber:„Wollte er denn selber den Hof haben?" „Nein, für seinen Sohn wollt er ihn kaufen,— einen jungen Burschen von etwa zwanzig Jahren. Ja, der ivar bei ihm." „Dann wollen wir ihn, der Teufel soll mich holen, so wenig auf den Bjerrehof haben wie einen andern Fremden!" rief Faurholt.— Es kam so selten vor, daß er fluchte, daß alle anfmerksam wurden.„DaS Beste wird sein, wir reden nach Tisch darüber miteinander lind nnt dem Adjunkten Fischer." „Ah ja— nun sind wir ja hier beisammen, fast alles, was Faurholt und Skindtoft und Vinding und Broholm heißt," sagte einer.(Forts, folgt.) Tic Nachliag'-Tesannlmcilbung dcZ Oberkommando?!n den Norken zu dei" Veiannlmnchunei vom kl). November IStK, be- Iieftcnd Brfchwgnabmc, PeiwcliiZDNc, und Veriiuxerung von Flachs- und. Hanlftroh. Bailialern lvlute. FIachs, Raniie.«uro. päikcher und äu(jereuropuiichcr Hans) und von Erzeugnissen aus KosWern, liitt'am i. Augusk kL17 in Kraft. Tic vollständige amIUche Bekanntmachung erfolgt an den Aiischlagläulen und in der„Norddeutschen Allgeiiicinen Zeitung". Berlin, den i. August 1917. 478 1. Mit. 17. Ter Polizeipräsident. Möbtl jciicr Art to!vie ganze �Nachlässe tanil böchitzahlend Frosch, Neukölln, Acinmetzstr: 4.* Möbel, Nachlässe, gme llirttchastr« kaust Lt ö h m«, klouleolln, Anzengrubcrstr. 2. Bezugsqueiien-Uerzeiclinig Berlin-Horden ü Drogen« Farben zs Inah.Schiilzendorfst, 2 (f* Fleisch- u. Wurstw. � jGßlsctunaQDsCenlr.s.��i £? Kolonialwaren k St�relitzar Str. 57 1 <7 MSbelmagazIne IlMtlLÄS�Ö Bezugsqoeilen-uerzelchnls Berlin-Osten 9z Butter, Eier, Kisa zs P.H.IIdierniann. 8 Filialen B pzz Mehlhandlun«_ iJoyielsdi SsbaeJf7er Photograph. 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