Nr. 130. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage ,, Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Desterreichs Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Bow mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Freitag, den 8. Juni 1894. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier! Der spanisch- deutsche Zollkrieg. 31068 000, 1892: 40 748 000 M. Der weitaus größte Theil hoher blieb. So wurden die Verbraucher geprellt. aug Spanien betrug 1885: 15 623 000, 1888: 24 912 000, 1890: I finkenden Preise der wichtigsten Artikel stets ein übertrieben. Zwischen Deutschland und Spanien ist der Bollfrieg ent-| dieser Einfuhrwerthe besteht aus den stetig wachsenden Mengen Das möge genügen, um die Entstehung des Zollkrieges zu brannt. Die deutsche Regierung hat der spanischen Regierung der für die deutsche Industrie sehr wichtigen, ja unentbehrlichen erklären. Die spanischen Maschinenfabrikanten, Hüttenherren und mitgetheilt, daß sie sich nach Verlauf der gegenwärtigen Tagung Eisenerze, Schwefeltiese und Korkhölzer, sowie aus Südfrüchten. Textiljunker können sich mit unsern Schußzöllnern messen. Die des spanischen Parlaments, der Kortes, an den Handelsvertrag Die spanischen Rohstoffe sind zumeist für unseren Gewerbfleiß ostelbischen Agrarier und die Katalanen sind einander werth. nicht mehr gebunden erachte und wenn er bis dahin nicht geneh nothwendig. Die Menge der Jndustrieerzeugnisse, die wir nach migt sei, den Versuch einer handelspolitischen Verständigung mit Spanien ausführen, wächst beständig. Spanien für gescheitert ansehen werde. Politische Lebersicht. Berlin, ben 7. Juni. Die Kreuz Zeitung" Konservative Konsequenz. Die spanischen Eisenbarone und die spanischen BaumwollDer deutsch- spanische Handelsvertrag hat, als einer der drei herren sind es, die den Sturz des Vertrages herbeisogenannten fleinen Berträge, gemeinsam mit dem serbischen und geführt haben. Die junge spanische Gisenindustrie, unter dem rumänischen den Reichstag im November 1893 beschäftigt. Er Schuhe hoher 3ölle freibhausmäßig herangereift, hat die Rohwurde rechtzeitig angenommen, Deutschland ist derjenige Ver- stoffe, Kohle und die besten Erze in unbegrenzten Mengen zur tragschließende, der seine Verbindlichkeiten vorschriftsmäßig er- Verfügung. Noch 1876 mußte, wie Gwinner nachweist, Spanien fanzelt heute den konservativen Reichstags- Abgeordneten füllt hat. Aber Spanien ließ eine der vom deutschen Reichstag fein Robeisen zumeist vom Auslande beziehen; 1890 überstieg Freiherrn v. Langen ab wegen seiner Theilnahme an Abnach der anderen bereitwillig gewährten Friften, ein Provisorium die Ausfuhr die Einfuhr, und 1892 kam spanisches Roheisen machungen des deutsch- sozialen Landesverbandes für nach dem anderen verstreichen, ohne durch das Parlament nach England. 1882 wurden in Spanien die ersten Schienen, Pommern mit der antisemitischen Vereinigung für Nords dem Vertrag gesetzliches Leben zu verleihen. Die Schuld an dem 1886 der erste Bessemerstahl erzeugt. Die Großkapitalisten von deutschland, der Ahlwardt und Förster angehören. Kons handelspolitischen Wirrniß, das jetzt eingetreten ist, trifft einzig Bilbao, dem Brennpunkt des spanischen Eisenmarktes, suchen sequenz ist nicht die Stärke der Konservativen, denn während nnd allein die spanischen Kortes, die sich im Dienste mächtiger durch die Sperrzollpolitik den fremden Wettbewerb fernzuhalten, die„ Kreuz- Zeitung" sich gegen Herrn v. Langen wendet, Sonderinteressen die Verschleppung des Handelsvertrages als um den spanischen Verbrauchern die Preise diktiren zu können. agitirt Herr Liebermann von Sonnenberg im Wahlkreise Ziel gesetzt haben. Wie die Herren arbeiten, dafür ein Beleg: Gine einzige Binneberg- Elmshorn für den deutsch- sozialen Kandidaten Denn statt die Uebereinkunft rechtzeitig zu genehmigen, be- Maschinenfabrik, die Maquinaria Terrestrey Maritima schloß der spanische Senat die Posse einer Erhebung über die Barcelona, hat es 1890 durch ihre mächtigen Freunde fertig ge- v. Raab, zu dessen Gunsten die Konservativen auf die Aufwirthschaftliche Bedeutung des Vertrages. Diejenigen großen bracht, daß die Zölle auf Maschinen, entgegen den Interessen stellung eines eigenen Kandidaten verzichtet haben. Unternehmer, deren Agenten und Wortführer die spanische der Landwirthschaft und der Industrie, auf das Neun- bis Vierdie Handelspolitit nach ihrem Belieben lenken, find Gegner zehnfache des früheren Eages erhöht wurden. Der Ausfuhrzoll des Vertrages, weil er in ihre schutzölnerischen Vorrechte auf Silberblei kommt nur der einzigen spanischen EntfilberungsBresche legt. Die Regierung verfügt über feine sichere Mehr- anstalt eines Senators in Cartagena zu gute, der die Politik zu heit, die den Vertrag annähme, und so trat nach Ablauf des Nutzen und Frommen seines Unternehmens ausbeutet. Letzten Provisoriums der alte Tarif und zwar uns gegenüber der Maximaltarif wieder in Kraft. Folgerichtig mußte die deutsche Regierung gleichfalls den autonomen Tarif sammt den Kampfzoll Buschlägen anwenden, fie war zum Bollfrieg gezwungen worden, nachdem sie alle loyalen Mittel der friedlichen Verhandlung erschöpft hatte. Die Leiter der Hochzöllnerei aber sind die Katalanen, die in der Provinz Barcelona, dem Zentrum Rataloniens, Zehntausende von Baumwollarbeitern ausp/ wern. In der Baumwollindustrie ist die Hälfte aller in der Makufafturwaarenbranche beschäftigten Hände thätig. Es wurden in der spanischen Baumwollindustrie 1865-1869: 834 000, 1885-1889: 2 152 000 Spindeln betrieben; 1885-1889 betrug der Verbrauch von Rohbaumwolle 49,5 Mill. Kilogramm, die Einfuhr baumwollener Gewebe 1681 469, die Ausfuhr aber 2 628 163 Kilogramm. So werden die Interessen der spanischen und der deutschen Bevölkerung auf das ärgste beeinträchtigt, deshalb, weil eine fleine Gruppe großkapitalistischer Drahtzieher ihren Ausnahmeprofit, wie ihn die spanischen Hochzölle gewähren, nicht preis- In Barcelona, wo die sozialistische Bewegung am tiefsten geben will und ihre Beute mit eiserner Faust festhält. Der Wurzeln geschlagen hat, in Barcelona, das berühmt ist durch die Werth unserer Sendungen nach Spanien in den vier Jahren 3ahl seiner Barrikadenkämpfe, ist zugleich der Heerd der groß1889 bis 1892 war nach den Angaben, die der Staatssekretär fapitalistischen Verschwörung gegen die Handelsvertrags- Politik. des Auswärtigen in der VI.( Handelsvertrags-) Kommission Die Baumwollenlords haben als Wahlmacher, als Virtuosen des machte, weit höher als in den Jahren 1885 bis 1889; der Werth Panamismus, die die feilen Bourgeoisparlamentarier, Abgeordnete, der deutschen Einfuhr ist, wenn man den vom spanischen Markt Minister, Journalisten zu kaufen verstehen, alle Zeit ihre durch die französisch- spanische Gesetzgebung verdrängten Branntwein fchofle Plusmacherei durchzusehen verstanden. Defretirte z. B. abrechnet, doppelt so hoch, wie der in den Jahren 1885 bis 1889. Die ein Minister die Herabsehung gewisser Zölle von 25 auf 20 pCt., Einfuhr betrug 1885: 19 463 000, 1886: 19 539 000, 1887: o wußten die Katalanen durch ihre Werkzeuge es zu erreichen, 18 085 000, 1888: 21 477 000, 1889: 29 850 000, 1890: 45 092 000 daß die Werthbemessung der Waaren, nach der der Gewichtszoll 1891: 45 741 000, 1892: 40 362 000 M. Der Werth der Einfuhr dann berechnet und in den Tarif aufgenommen wurde, trotz Feuilleton. Der Jude. Deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Von C. Spindler. war Vollständig ergebnislos Silber. enquete, die gestern geschlossen wurde. Dies wurde in dem Schlußworte des Reichs- Schazsekretärs selbst zugestanden. Derselbe sagte in seinem Schlußworte: Ich glaube, daß Uebereinstimmung in dreierlei Beziehung in dieser Versammlung erzielt ist: daß in der That mit dem schwankenden und niedrigen Silberpreise gewisse Schädigungen für unseren Außenhandel und auch für unser inneres Erwerbsleben vera knüpft sind, daß Deutschland allein nicht in der Lage ist, wirksame Maßregeln zur Hebung des Silbers werthes zu ergreifen, daß eine Hebung des Silberpreises im Wege der Monopolisirung, Kartellirung oder Regalisirung der Silberproduktion jedenfalls nicht ausführbar sein möchte. Streitig ist die Frage geblieben: ob überhaupt und eventuell auf welchem Wege die Steigerung des Silberpreises gegenüber der freien Pros duktion erreichbar erscheint, welches Schwergewicht den durch den Silbersturz ges schädigten wirthschaftlichen Interessen gegenüber ben Interessen unseres gesammten Wirthschaftslebens beizumessen ist, außer Gefahr sind. Hänge Deinen Arm in den meinigen. Stüße Dich auf mich. Nun ich weiß, wer Du bist, muß ich nach Deinen Kräften mich fügen." ungünstigen Konjunktur zum Raube lassen? Oder soll ich, sie zu retten, für mich selbst die Zeit versäumen? Wer bürgt mir dafür, daß nicht in der nächsten Stunde den 58 Wachen an allen Thoren die Kunde ward, auf mich ein" Guter Mann!" seufzte Esther, und lehnte fich vers wachsam Auge zu haben? Wäre ich nicht alsdann verloren trauend auf des Helfers Arm, der sie, obgleich die innere Um und das Mädchen schußlos wie zuvor? Und dennoch muß geduld mit Nesseln peitschte, langsam durch die noch ziemlich bes ich meine Busage halten... und dennoch muß ich wenig lebten Gassen dem Thore zuführte. Die Hüter desselben ftens versuchen, ob ich sie noch retten kann, für die mein spotteten des Paars und machten sich weidlich über die bes Herz und Friedrichs Gebot das Wort führt."- Herr, meines zechten Schüler lustig, die nach dem Gelage mit schwerem Lebens," seufzte hier eine schwache Stimme neben ihm, und Kopfe den Weg zur Heimath suchten. Dagobert ließ die er gewahrte mit Erstaunen seinen Begleiter neben fich, der rohen Gemüther gerne bei dem Glauben, der ihm und seiner die Hände in die Seiten gestützt, verschnaufend an einer Ecke Schußbefohlenen so förderlich ward, und geleitete besonnen die Entkräftete zu einer Bank, die am Rande der Heerstraße " Schnell verließ er das Zimmer; Fiorilla eilte mit dem Lichte voraus. Auf der düstern Treppe schloß sich der Günſtling der Italienerin, ein feiner Junge, aber wunderlich vermummt in einen der Kleiderkammer des Prälaten lehnte. entliehenen weiten Rock, und eine, Stirn und Wange ver- Was giebt's," fragte Dagobert unmuthig:" Junger stand. hüllende Kappe, an die beiden an. Dagobert, mit seinem Faut, was soll das Wehleidigthun? Wer sich in den Einen Augenblick darfst Du hier ruhen," sprach er eignen Geschick beschäftigt, schenkte ihm nur einen flüchtigen Dienst der Frau Venus will begeben, muß füssen, drein zu Efther: sprich jetzt, Mädchen wie erkläre ich Blick, und schritt rüstig zu der Pforte, deren Schloß Fio- schlagen und laufen können, wann es eben sein muß; mir,..?"" Fiorilla war meine Freundin geworden, rilla's Schlüssel nur zu langsam für des Jünglings Un- denn vom Abenteuer lebt die Minne."-" Ich verstehe wie ihr bereits wißt, edler Herr;" antwortete das geduld öffnete. Thränenden Blicks reichte die Schöne von Eure Worte nicht," lispelte des jungen Knaben zarte Mädchen, sie nahm mich zu sich am gestrigen Tage, und Cesena dem letztern die Hand, heftig schluchzend fiel sie dem Stimme, aber ich weiß, daß ich des Todes bin vor Angst ich ließ mich lieber ihre Bofe nennen, als daß ich noch Bermummten um den Hals, und Dagobert war schon ziem- und Gram, wenn Ihr von meiner Seite weicht, und nicht länger in dem Hause geblieben wäre, wo Nachstellungen lich voraus, che sein Begleiter, dessen Schritt von dem Mitleid habt mit meiner Schwäche." Dagobert fuhr zu aller Art die Vaterlose verfolgten, die selbst zu den Füßen langen Gewande gehindert wurde, ihn erreichte. Spute sammen bei dem Klange dieser Stimme.„ Nein!" rief er, des Herzogs nur ein Versprechen freien Geleits gen FrankDich, Du verliebter Früh- ins- Holz!" raunte Dagobert dem mit seinen Augen des Begleiters Gestalt messend, also furt erhalten hatte. Euer Ohm ahnte nichts von dem Keuchenden zu. Weit ist noch der Weg bis vor die Stadt, spricht kein Mann, das ist Frauensprache, und, wenn mich wahren Zusammenhange meiner Verhältnisse,( und er schien wenn Du außerhalb derselben wohnst?" Der zur Seite nicht ein böser Zauber bethört, eine Sprache, die mir nicht viel Gefallen an der neuen Dienerin zu finden. Ehe jes Laufende nickte stumm, und Dagobert setzte sich wieder in unbekannt geblieben." Könnt Ihr verzeihen?" stam doch Fiorilla mit der Bestimmung meines weiteren Geschicks den alten Schritt, bis er in die Straße gelangte, welche melte der Knabe und wollte zu Dagoberts Füßen sinken, im Reinen war, tamt Ihr. O, ich hörte Euch kommen, er einst, dem Kloster flüchtig enteilend, nicht minder schnell als dieser plötzlich Esthers Züge unter der entstellenden ich hörte Euch sprechen, und die Vergangenheit lag wieder gemessen. Wie ein Blizstrahl fuhr ihm aber hier mit Kappe entdeckte, und die furchtsame Dirne kräftig in die vor mir wie ein Paradiesesgarten. Ich hoffte wieder, ich einem mal die Erinnerung an Esther, an des Herzogs Worte, Höhe hielt.-" Unglückliche!" sprach er leise zu ihr: Wie war beruhigt, ohne mir genau bewußt zu sein, warum. an seine Liebe durch's Gehirn, und unschlüssig blieb er fömmst Du hieher? Doch gleichviel. Die Erläuterung raubt Fiorilla bestärkte mich in dieser seligen Beruhigung, als sic stehen. Wie ist's?" überlegte er: soll ich das Mädchen, Beit, und wir bedürfen der letztern. Der Mondstrahl hat plöglich bei mir eintrat. Esther!"" sprach sie: Tein das ich liebe, wenn ich's gleich nicht gestehen will, einer Dich mir genannt. Deinen Mund laß schweigen, bis wir Retter und Geleiter ist gefunden. Man spinut Verrath gegen " ## welche Relation Mischen dem Gold- und Silberpreise für eine internationale Regelung vorzuschlagen ivcire, und ob nicht die von verschiedenen Seiten vorgeschlagenen Heilmittel vielleicht gefährlicher wären wie die Silber� . trankheit selbst. AIT dies wußten wir schon vor dem Zusammentritte der Währungsenquete. So bleibt trotz des Vorbehaltes weiterer Erwägungen der Reichsregierung alles beim Alten. Wir haben in diesem Falle keinen Anlaß, dies zu bedauern. Es mag voni Staudpunkte der Reichsregierung taktisch nothwendig gewesen sein, die Silberkomniission tagen zu lassen, damit den Agrariern für einige Zeit der Mund gesperrt werde. Der naiven Hoffnung, daß man die bimetallistischen Interessenten durch die Vorträge einiger Professoren überzeugen könne, hat sich wohl niemand hin- gegeben. Statt derartiger fruchtloser Enqueten wären genaue Untersuchungen über die Lage der Arbeiter viel nützlicher, fruchtbringender und dringender. Daran denkt man aber nicht im Reichskanzleramte. DaS himmelschreiende Elend der Arbeiterklasse läßt die Herrschenden kalt, die Krokodils- thräilen der Agrarier setzen dagegen sofort den ganzen Re gierungsapparat in Thätigkeit.— Zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs wird gegenwärtig im Reichsamt des Innern ein Gesetz- cntwurf ausgearbeitet. In demselben ist freilich keine Rede von der u n l a u t e r st e n Art des Wettbewerbes, die in der unbeschränkten Ausbeutung der Arbeiter besteht. Wo Staat oder Gemeinde als Unternehmer dastehen, gehen sie fast ganz in dem Geleise der Privatunternehmer, und bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten an diefe wird alles eher in Betracht gezogen, als das Verhältniß der Unter- nehmer zu den Arbeitern. Dem Verlangen der Sozial- demokratle an Staat und Geinemden, wenigstens auf diesem Gebiete Normativbestimmungeu zu erlassen, die ein Höchst- maß der Arbeitszeit und ein Mindestmaß des Lohnes, das auch nur einigermaßen zu einer annähernd menschlichen Lebenshaltung hinreicht, festsetzen, stößt auf den hart- näckigsten Widerstand der Regierungen und Behörden, die in demselben von allen bürgerlichen Parteien gleichmäßig unterstützt werden. Was von dem Gesetzentwurf der Reichs regierung verlautbart, ist weiter nichts, als kleinliche Be- stimmnngen im Bereiche des Verkehrs oder zum Schutze der Unterilehmer selbst.— Schlaf- und Heucheltante Boß,„vosstsche Zeitung, königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen" über die„Unabhängigkeit der Richter"! Der Haupteigenthümer der„Vossischen Zeitung" ist be- kanntlich der Landgerichts- Direktor a. D. und Millionär L e s s i n g. Dem Mann hatte Niemand bei seiner Pem siomrung eine Tbräne nachgeweint. Nach seiner Peusionirung spielte Herr Lessing in dem Prozeß Marx wider„Frei- finnige Zeitung", in der Eugen Richter für Herrn Lessing eine vergiftete Lanze zu brechen versucht hatte, eine insofern auffallende Rolle, als drei gelehrte Richter Herrn Lessing urkundlich attestirten, daß seine zeugeneidliche Bekundung die objektive Wahrheit nicht widerspiegele. Besagtes Organ des Herrn Lessing hielt es für richtig, vor wenigen Tagen einen einer offiziösen Zeitung würdigen Artikel zu bringen, in der es die angebliche „Unabhängigkeit der Richter" glorifizirte und ivenig liebenswürdige, hämische Bemerkungen darüber seinen Lesern vorsetzte, daß Herr Landgerichts-Direktor Schmidt Ende 1893 um seine Peusionirung eingekommen war. Insbesondere imputirte es dem Herrn Schmidt, daß er aus„Ueberfluß an Empfindlichkeit und Privatvermögen" seine Stellimg niedergelegt habe. Herr Landgerichtsdirektor Schmidt gehört zu jener im Aus- sterben begriffenen Gattung von Richtern, die mit sittlichstem Ernst unabhängig eine Verhandlmig leiten und deshalb selbstverständlich insbesondere den Herren Wadelstrümpflern in der Seele zuwider sind. Herr Schmidt sendet der „Vossischen" auf ihre plumpe Anzapfung folgende Berichti- gung zu: „Meine Enthebung vom Vorsitz einer Strafkammer durch Versetzung an eine Zivilkammer ist im Schooße des Land- gerichts- Präsidii angeregt, von diesem letzteren aber durch Beschluß vom 9. Dezember 1898 abgelehnt worden. Demnächst habe ich mich außerhalb jener Sitzung freiwillig zur Uebernahme des Vorfitzes einer Zivilkammer erboten. Dies 'hah aus Gründen, die ganz und gar außerhalb meiner Person lagen, und die sich deshalb der öffentlichen Mittheilung entziehen. Zu meinem Abschied, den ich zehn Tage später erbat, bestimmten mich die Motive jener Anregung, meine un- freiwillige Versetzung an eine Zivilkammer herbeizuführen, die rch unter anderen Umständen als einen Vorzug angesehen haben würde. Ob ich dadurch einen„Ueberfluß an Em- pfindlichkeit" verrathen, ist Sache des subjektiven Enifindens. ,P r i v a t v e r m ö g e n" besitze ich in so bescheidenem Umfange, daß die Penstonirung in Verbindung den Junker. Ich werde ihn warnen; er muß fliehen, und Dich mit sich nehmen, ohne zu wissen, wer Du seist, denn der Erklärungen und Einwendungen wäre dann kein Ende, und dennoch ist die Zeit nur allzugemessen. Muth, meine Freundin! Dagobert ist ein edler Mann; er wird Dich nicht verlassen."" Vermummt folgte ich Euch, und über- lasse es Eurem Edelmuthe, ob Ihr Fiorillens Zusage er- füllen wollt." „Ob ich will, ist keinem Zweifel unterworfen," ant- wortcte Dagobert kurz und gemessen, denn er suchte hinter dieser Kürze den wahren unruhigen Zustand seines Herzens zu verbergen.—„Aber", setzte er bei:„armes Mädchen! Wohin soll ich Dich führen? Gen Frankfurt, wo Dein Vater im Kerker liegt?"—„Mein Vater ist unschuldig an jedem Fehl— o gewiß! glaubt es mir!" versetzte Esther mit Zuversicht:„Gewiß kömmt er mir ohne Fesseln bereits entgegen, und— wäre es nicht,— so bin ich in des alten Jochais Armen aufgehoben wie im Schooße der Mutter!" —„Wohlan denn!" sprach Dagobert:„So reiten mir noch diese Nacht. Jenes Dach beherbergt meine Rosse und meinen Knecht. Folge mir bis dahin, und wir wollen überlegen, wie Dn am schnellsten fortzubringen bist."— Er unter- stützte sie während des kurzen Gangs.—„Hast Tu auch alles überlegt?" fragte er an der Herbergspsorte noch das Mädchen:„Ich bin ein junger wilder Geselle, dessen Arm Dich schon einmal umfing, dessen Lippen schon einmal aus den Deinen ruhten. Hast Du jeuer Zeit vergessen, oder meinst Du, ich hätte es gethan? Hegst Du Vertrauen zu mir, und übergiebst Dich mir auf der weiten Fahrt ohne Sche», ohne Mißtrauen?"—„Ob ich jeuer Zeit ver- gcssen?" fragte Esther entgegen mit leuchtendem Blicke: „Ihr scherzt wohl, edler guter Herr. Aber so wahr als mit anderen sehr herben Schicksalsschlägen, die meine Familie neuerdingS betroffen, mich in eine recht wenig günstige malerielle Lebenslage versetzt hat. Berlin, 6. Juni 1894. Alexander Schmidt, Landgerichts-Direktor a. D." Anläßlich des PlanS, Herrn Schmidt aus der Straf- kanimer-Abtheilung zu drängen, hatten wir(am 18. Dezember 1893) geschrieben: „Der langjährige Vorsitzende der erste» Strafkammer am Landgericht Berlin I, Landgerichts-Direktor Schmidt, soll mit Ablauf dieses Jahres in die Zivilabtheilung des Landgerichts I übertreten und die Kammer für Ehesachen übernehmen. Mit ihm würde der unstreitig geistig und juristisch bedeutendste Vorsitzende der hiesigen Strafkammer zu Zivilsachen übergehen. Seine umsichtige Leitung der Verhandliingen und Klarheit bei der Urtheilsverkündigung trat besonders in lange Tage andauernden Prozessen gegen Gauner, Betrüger, Wucherer und dergleichen hervor. Offenbar war ge- gerade Schmidt auch in politischen Prozessen bestrebt, unparteiisch die Wahrheit herauszufinden und ohne politische Voreingenommenheit zu erkennen. Wenngleich von unseren Genossen manche auch unter seiner Leitung eine harte Strafe erlitten haben, so ging doch die allgemeine Ansicht dahin, daß Schmidt selbst ungern politische Ansichten in Strafgesetz- Paragraphen zu stark einklemmen wollte. Ob die Heber zeugung, daß auf die Dauer kein Richterkollegium dem An drängen politischer Gewalten widerstehen kann, ihm die strafrechtliche Thätigkeit verleidet hat, ist uns unbekannt.". Seine jetzige der„Voß" übermittelte Berichtigung zeigt, daß wir damals nicht falsch kombinirteu. Selbst- verständlich hatte Ende Dezember 1893 fast die gcsammte gegnerische Presse den Fall Schmidt todtzuschw eigen gesucht.— Unterricht in der Technik des Zeitungswesens sollte allen Richtern und Staatsanwälten ertheilt werden, damit nicht so häufig die Urtheile über Preßsündcr so uu- verständlich für jeden Kenner des Zeitungswesens ausfallen. Wir werden zu diesem Rathe durch eine Bemerkung in einem vom Wittlager Schöffengerichte gefällten Urtheile, das von zwei höheren Instanzen bestätigt wurde, veranlaßt. In demselben wird„festgestellt", daß unter allen Umständen vorauszusetzen ist, daß der Verleger von dem Inhalt der Zeitung vor ihrem Erscheinen Kenntniß genommen haben muß! In dem Urtheil heißt es: Es sei erwogen, daß nach s 21 des Preßgesetzes für den strafbaren Inhalt einer Zeitung der Verleger haftbar ist. Daraus ergebe sich, daß der Ver- leger nach dem Gesetz von dem Inhalt der von ihm ver- legten Zeitung Kenntniß nehmen soll, und hieraus folge weiter, daß der Verleger keinen Grund zur Beschwerde hat, wenn jemand in der Annahme, daß er seiner gesetzlichen Verpflichtung nachgekommen, bei ihm eine Kenntniß des In- Halts der von ihm verlegten Zeitung annimmt. Wer nur etwas von der Technik des ZeitungSwesens versteht, weiß, daß bei einem Tageblatte mit mehreren Redakteuren, und andere giebt es ja nur in verschwindender Anzahl, selbst die Redakteure über den In- halt der von ihnen nicht bearbeiteten Ressorts erst gleich- zeitig mit den anderen Lesern des Blattes Kenntniß erhalten; dies ist umsomehr der Fall beim Verleger, der mit geschäft- lichcn Arbeiten belastet, weder Zeit noch Gelegenheit den Inhalt des Blattes vor der Drucklegung zu prüfen, was ja auch nur in seltenen Fällen von den Redakteuren ge- duldet würde. Wozu hat übrigens das Preßgesetz die Zeich- nung durch einen verantwortlichen Redakteur den Zeitungen zur Pflicht gemacht, wenn auch der Verleger haftbar ge- macht werden kann. Die Vernehmung von Sachverständigen bei Preßprozessen müßte in jedem einzelnen Falle durch- gesetzt werden, um unseren Richtern und Staatsanwälten wenigstens etwas Verständniß von der Technik des Zeitungs- wesens beizubringen.— Ein juristischer Pinsel phantasirt in der„Kölnischen Zeitung", die durch den Boykott geschädigten Brauer könnten auf dem Wege der Zivilklage Entschädigung von den Ver- anstaltern des Boykotts erlangen. Kein Zweifel, sie können es, wenn die Richter Umstürzler find, lind die Sozialdemokraten und anderen bösen Menschen aufstacheln wollen, die u n g e z ä h l t e n M i l l i o n e n, um die sie durch das Sozialistengesetz, durch alle möglichen sonstigen Maßregelimgen, durch Militärboykott u. s. w. geschädigt worden sind, auf dem Zivilwege von den Urhebern einzu- klagen— was beiläufig vielleicht einmal geschehen dürfte. Jedenfalls kämen wir bei solchen Klagen und Gegenklagen 'ehr gut weg. Für jeden Pfennig, den man von uns 'ordert, würden wir eme Krone zn fordern berechtigt sein. Also nur zu!— Politische Heuchelei schlimmster Sorte ist eS, wenn bürgerliche Blätter jetzt vom Brausewetter-Fieber ergriffen, die Behauptung aufstellen, der Ruf der deutschen Justiz, der bisher makellos gewesen, fange seit Kurzem an, sich tark zu trüben. Wir wüßten nicht, daß der Ruf. der zeutschen Justiz jemals ein makelloser gewesen sei.„Die diese Hecken um uns her den Frühling künden durch ihre Knospen, so wahr ist das Vertrauen zu Euch, das in mir lebt. Aus der weiten Well lebt keiner, dem ich so zn- versichtlich mein Leben anvertraue und meine Ehre. Ihr werdet mich führen zum Vater, Ihr werdet durch Eure 'romme Hilfe meinen Pfad ebnen, und den Frieden in mein Herz zurückbringen, wie die scheidende Sonne den Thau auf die lechzende Wüste. Denn auch Ihr werdet dann scheiden von mir, und nur die Erinnerung in meiner Seele lassen und die Dankbarkeit, die nimmer verlöschende. Mein Gebet für Euch sei Friede, und der hochgelobte Gott verwirkliche hundertfältig den Segen, den schon jetzt mein Mund vom hohen Himmel herab auf Euch lenken möchte!" „Genug Z genug!" fiel hier Dagobert rasch und ab- stoßend ein:„Laß uns erst ans Ziel gelangen, und möge es für Dich ein erwünschtes sein. Die Vergangenheit werde nie zwischen uns berührt, und Deine Gesinnung über diesen Punkt giebt mir erst den Muth, Dein Gefährte zu bleiben, bis an Frankfurts Thore. Von da aus findest Du den Weg ips Vaterhans allein, und unter uns sei.es, als hätten wir uns nie gekannt." „So sei es!" flüsterte Esther zögernd und kleinlaut, während Thränen ihre Wangen benetzten. Der junge Mann hingegen, der jetzt erst einen großen Sieg über sein eigen Herz davon getragen, und nun den Talisman ge- ünden zn haben vermeinte, jeder Versuchung zu wider- stehen, ging sorglosen Muthes hin, die Rosse zu rüsten, und alles zu der Reise vorzubereiten, die auch mit dem ersten Frühstrahl angetreten wurde. (Fortsetzung folgt.) Richter in Berlin" des Potsdamer WindmÜllers sind be« kanntlich ein Stückchen„Friedericianischer" Mythe, die überall da, wo die Kritik ansetzt, in blauen Dunst zerfließt, und von Franz Mehrina in seiner trefflichen„Lessing- Legende" meisterhaft aufgelöst worden ist. Die deutsche Jnquisitions- und Kabinets-Justiz von 1848 war in aller Welt berüchtigt und auch seit 1843 hat unsere Justiz, mit sehr vereinzelten Ausnahmen, keine Lorbeeren geerntet. Fälle, wo unsere Justiz sich von der herrschenden Reaktionsströmung freigehalten hätte, sind sehr dünn gesäet, und um uns blos auf die„glorreiche Aera Bismarck" zu beschränken, so sei hier nur hingewiesen auf die unzähligen Soziali st en Prozesse vom Leipziger Hochverrathsprozeß an bis zum Elberfelder Prozeß, auf die D i ä t e n p r o z e s s e und auf die Hoch- verraths- und Aufruhrsprozesse mit ihren Verurtheilungen zu Zuchthaus— Justizthaten, neben denen die neueste Brausewctterei wie eine Mücke neben einem Elephanten erscheint. Der wohlerzogene, in Gottesfurcht, frommer Sitte und Unterthanentreue aufgewachsene Deutsche hat gar nicht die Fähigkeit, zu verstehen, woher die Empörung der Engländer über die„ S t e r n k a m m e r" kommt— an Sternkammern, wenigstens an Sternkammer-Urtheile, sind wir Deutsche gewöhnt seit Jahrhunderten.— Nachwahl zum Landtage. Wie die„Breslauer Zei- tung" meldet, ist bei der Landtags-Ersatzwahl in Oppeln Major Szmula(Zentrum) mit 229 Stimmen gegen den Domänenpächter Reymann(kons.), welcher 178 Stimmen erhielt, gewählt worden.— Tie Kulturaufgaben leiden nicht. Der„Frank- furter Oder-Zcitung" entnimmt die„Volks-Zeitung" die folgende Meldung aus dem Dorfe E s ch b r u ch: „Nachdem schon mindestens zehn Jahre hindurch über den Neubau eines Schulhauses mit zwei Klaffen und zwei Lehrer- Wohnungen(der jetzige Lehrer unterrichtet bereits seit zwölf Jahren etwa 140 Kinder) verhandelt wird, ist jetzr gelegentlich einer Reparatur der eine Dachgiebel herabgestürzt. Ein weiteres Unglück ist glücklicherweise nicht zu verzeichnen, denn der eine milheruntergefallene Zimmergeselle kam mit einigen Ver- stauchungen davon. Die Decke in der Oberstube der Lehrer- wohnung droht schon seit langer Zeit einzustürzen und ist jetzt mit einer Versicherung versehen worden. Da jedoch der ein- gefallene Giebel mit Bretterschalen verschlagen ist, so sind die Räume unbewohnbar geworden und dem Lehrer mußte das Schulzimmer, dessen Decke ebenfalls dem Einsturz nahe war, und die deshalb neuerdings mit Steisstützen versehen werden mußte, als Wohnzimmer überlassen werden. Ter Schulunter- richt wird vorläupg in der Kirche fortgesetzt, bis mielhsweise ein anderes Lokal m der Kolonie beschafft werden kann. Der nicht eingestürzte Giebel des Hauses steht ebenfalls schon ge- räume Zeit schief, ebenso der Schornstein. Da durch den drohenden Einsturz des letzteren Lebensgefahr vorhanden ist, so will schon lange kein Schornsteinfeger in ihn steigen und ihn reinigen." Tie Hertzka'sche Fsreiland» Expedition scheint noch rascher, als wir erwarteten, dem unvermeidlichen Schicksal verfallen zu sein. Wie aus anscheinend durchaus sicherer Quelle verlautet, ist unter den„Pionieren", die sich Ende März 30 Mann stark unter Führung eines gewissen Dr. Wilhelm in Hamburg einschifften, noch vor Erreichung des gelobten Lands Streit ausgebrochen, so daß die Expe- dition wahrscheinlich vor Erreichung des Ziels wieder um- kehren wird. Und daS iväre das Gescheiteste; denn wenn die„Pioniere" wirklich bis in das ungastliche„Kenialand" vordringen sollten, so würden sie allem Vermuthen nach schwerlich je wieder zurückkommen. Denn ein tolleres, sinn- losere? Unternehmen— das wiederholen wir jetzt, mit ver- stärkter Wucht uns stützend auf die seitdem gemachten Er- fahrungen— ist niemals geplant worden; und es bleibt uns ein psychologisches Räthsel, wie ein-Mann gleich Dr. Hertzka, der zwar ein schlechter Nationalökonom, aber unzweifelhaft ein guter Rechner ist, eine so verrückte Idee fassen konnte.— Zur Volksabstimmung über daS Recht auf Arbeit schreibt man uns ans Zürich: Wie vorauszusehen war, ist in der Volksabstimmung vom Sonntag die sozialdemokratische Initiative für daS Recht auf Arbeit mit großer Mehrheit abgelehnt worden; den 72 813 Ja stehen 291 890 Nein gegenüber. Zu den ö2 000 Antragnnterzeichnern der Initiative haben sich also 20 000 Anhänger hinzugefnnden. Die sozialdemokratische Partei ist von diesem AbstimmungSresultat nicht überrascht. Ob« schon sie in den letzten Wochen eine fleißige Agitation in Wort und Schrift entfaltete, gab sie sich über den schließ- lichen Ausgang der Kampagne keinerlei Täuschung hin. Darum haben aber auch die bürgerlichen Parteien nicht besonderen Anlaß zu triumphiren, abgesehen davon, daß 72 000 Bürger. welche sich für die Initiative erklärten,«ine keineswegs zu ver- achtende Zahl sind. Immerhin muß die große Schaar der Verwerfenden wieder einmal lehren, welche Riesenarbeit an Aufklärung noch verrichtet werden muß, bis die Anhänger der sozialdemokratischen Ideen in der Schweiz zu einer emfluß- reichen Stellung in der Gesetzgebung gelangen werden. Im Einzelnen ist noch bemerkenswerth das Verhältniß der annehmenden zu den verwerfenden Stimmen in einer Anzahl von Gemeinden und Kantonen. Im III. Kreise der Stadl Zürich erhielt die Initiative 2840 Ja(1492 Nein), im IV. Kreise 778 Ja(777), Winterlhur 1499 Ja(IöI8), Beltheim 274 Ja (152), Oberwinterlhur 372 Ja(342). Neuhausen bei Schaff- Hausen 224 Ja(152). Stadl Basel 2384 Ja(3996), Bern 2157 Ja(2881), Stadt Zürich 5848 Ja(7700), Cheaux-de- Fonds 1579 Ja(1870); von den Kantonen weisen günstigere Verbältniffe auf: Tesstn 1554 Ja(2292). Genf 3485 Ja (5770), Solothurn 2618 Ja(5338), Glarus 1504 Ja(2753), Basel-Stadt 2802 Ja(4225) u. s. w. Mit Sicherheit darf angenommen werden, daß die 72 000 Bürger, welche sich für das Recht auf Arbeit erklärten, Sozialdemokraten sind, und damit zugleich deren Stärke ans» gedrückt ist. In einigen Jahren sollte eine neuerliche Heer- schau 100 000 ergeben! Die ständeräthliche Kommission, welche s. Z. das Recht auf Arbeit vorberalhen, hat mit Mehrheit bcschloffen, das bundesrälhliche Postulat, betreffend Arbeitsnachweis und Arbeitslosen- Versicherung dem Ständerath zur Annahme zu empfehlen.— Das Ziindhölzchen-Monopol i» der Schweiz. Unser schweizer Korrespondent schreibt uns: In der eben begonuenen Session der Bundesversammlung wird wieder über das Zündhölzchen-Monopol, das der National- rath in der Märzsesston mit 61 gegen 80 Stimmen abgelehnt hat, verhandelt werden. Dasselbe war vorher vom Stänveralh angenommen worden, dessen Kommission beschlossen hat. aus das- selbe zurückzukommen. Man will nun auf Umwegen zum Monopol kommen. Es soll nämlich ein Gesetz zum Schutze der Zündholz- arveiter geschaffen werden, in welches das Verbot des Verbrauchs von gelbem Phosphor und das Recht zum Schließe» der hierzu dieueuden Betriebe gegen eine entsprechende Ent- schädigung aufgenommen wird. Unter gewissen Bedingungen' würde die Konzession zur Fabrikation phospborfreier Zünd- Hölzer an bereits bestehende oder neu zu gründende Fabriken ertheilt werden. Der Ständerath hat offenbar den guten Willen, in Sachen etwaS Eingreifende? zu thun und darf man daher auf die Lösung der seit vielen Jahren offenen Zünd- holzfrage gespannt sein.— Der Gallifet-Tkandal ist noch nicht zu Ende. Paschal Gronsset, ein Mitglied der Kommune hat den„Schlächter der Kommune* fest gepackt— er verlangt, daß entweder ihm dem Ankläger oder dem Angeklagten Gallifet der Prozeß gemacht werde. Und Herr Gallifet wird kaum ausweichen können. Diesem Verbrecher gegenüber hat die Revanche der Kommune begonnen.— Ter internationale Bombenanarchist und Lockspitzel „Baron* Sternberg ist noch nicht verhaftet. Natürlich nicht. Als es vor 48 Stunden hieß, ein Tölpel von holländischem Polizeimann habe den Burschen in Amsterdam gefangen, zitterte das ganze internationale Spitzelthum— und die Aktien des Ministeriums Dupuy hatten einen Kurssturz.— Die belgische Wahlreform ist nun endgiltig fertig, nachdem die Kammer das betreffende Gesetz im Ganzen mit 70 gegen 44 Stimmen angenommen hat. Die„Reform" taugt bekanntlich sehr wenig, denn sie enthält die Ungeheuer- lichkeit des„gehäuften" Votums, das heißt, daß der Reiche und gesellschaftlich Höherstehende mehrere Stimmen zu gleicher Zeit hat, und ferner bevorzugt sie die, leider zum großen Theil noch unter psäsfischem Einfluß stehende Land- bevölkerung auf Kosten der städtischen Bevölkerung. Jndeß — der Sozialismus kommt auch in die Dörfer und bringt Licht in die annoch"antikollektivistischen* Bauernschädel.— Das Gachis*)— wir finden in unserer Sprache kein gleich passendes Wort— das wüste W i rr s a l in Italien wird immer wüster und wirrer. Crispi hat seinen Finanzplan mit sammt seinem Finanzminister über Bord geworfen, und kämpft verzweifelt mit den feindlichen Elementen, um sich über Wasser zu halten. Sein Neben- buhler Giolitti wird von den Schlammwogen des Panama- sumpfes verschlungen, aber los ist er ihn nicht. Denn die Faust des Ertrinkenden hat den Panama-Bruder gepackt und hält fest wie ein Schraubstock.-- Hier das Zuchthaus,— dort das grollende Volk. Wie wird das enden?— Die bulgarische Regierung wird demnächst die Kammer auflösen und sofort Neuwahlen vornehmen lasten.— In Bulgarien geht die Entfernung des Hausmeiers Stambulow nicht so glatt von statten, als von den Anhängern des Fürsten behauptet wurde. Stambulow, der sich nicht lebendig begraben lassen will, wie andere Leute. hat der neuen Regierung offen die Fehde angesagt, und will ihr in der Kammer— Sobranje— entgegentreten. Der bulgarische Bismarck hat wenigstens Kourage.— In China ist wieder eine größere Rebellion ausge- krochen, aus welche die russische Regierung Hoffnungen zu fetzen scheint, der sie also nicht ganz fremd sein dürfte.— Aus dem amerikanischen Klassenkampsplatz, in den pennsylvanischen Streikgebietcn, geht's wilv zu.� Es ist der Bürgerkrieg in schönster Form. Mit der Ueber- schrist:„Infanterie, Kavallerie und Ar- t i l I e r i e' schreibt unser Philadelphiaer Partei- Organ unterm 25. Mai d. I.: Für fünf Tollars pro Tag und Mann kann ein pennsyl- vanischer Schlotjunker soviel Schnapphähne anwerben, als ihm beliebt, und diese Kerls aus der Hefe der Bevölkerung können Arbeiter zusammen schießen, ohne daß ein Hahn danach kräht. Die Sheriffs in der Kokeregion, Kreaturen der Fa- brikanten, schwören solche Individuen als„Deputies" ein, soviel die„Operatoren" haben wollen und bezahlen und zur Zeit sind nicht weniger als 900 derselben bis an die Zähne bewaffnet in der Region angestellt. Run aber begnügt man sich nicht mehr mit Infanterie; die hiesige„Preß", das Fabrikantcn-Organ, läßt sich nämlich folgendes aus Scottdale telegraphiren: „In Erwartung eine? Ausbruchs(infolge der Jmportation neuer„Hände") treffen alle Fabrikanten Vorbereitungen. Für W. I., Raiuey kamen heute 25 Pferde an und morgen wird er um soviel Leute mehr im Sattel haben, bewaffnet mit Karabinern und Revolvern. Er hat ferner eine Maschinen- Kanone, welche über lvoo Schüsse per Minute abgeben kann und von der Kavallerie mitgeführt wird. Er kann mit seiner berittenen Polizei jedes seiner Werke von Moyer aus rn weniger als einer Stunde erreichen. Gestern Abend empfing er eine Wagenladung kräftiger Männer in Moyer..." Die pennsylvanischen Schlotjunker haben also jetzt reguläre Armeen, aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie bestehend. Die Pinkertoner der alten Sorte sind ein überwundener Standpunkt. Dem Antipinkcrton-Gesetz, welches die letzte Legislatur passirt hatte und worüber unsere„konservativen" Gewerkschaftler als einen großen Erfolg aus Freude Purzel- bäume schlugen, haben die Fabrikanten em schönes Schnippchen geschlagen. Sie brauchen blos über den Sheriff zu verfügen und es auf einige Tausend Dollars nicht ankommen zu lassen, (welche sie doch nachher wieder ans den Arbeitern heraus- schinden), um gleich ganze Armeen auf die Beine zu bringen. Werden die Arbeiter nun nicht bald einsehen, was es heißt, über die politisch« Gewalt zu verfügen und daß alle ihre furcht- baren Leiden in dem Kampfe ausschließlich auf ökonomischem Boden nutzlos sind, wenn der Gegner die öffentliche Macht auf seiner Seite hat? Das Vorstehende war bereits geschrieben, als die Depesche von der letzten Metzelei unter den Arbeitern in der Coke- regivn eintraf. Daß die mörderischen Halunken ohne jede Provokation auf Leute schössen, welche auf der öffentlichen Landstraße standen und auf solche, welche davon liefen, wird in der Depesche selbst zugestanden. Das vergossene Blut dieser Proletarier schreit zum Himmel. Wie lange noch werden die Arbeiter diese Mordwirthschaft theilnahmslos dulden? Der vorstehend erwähnten Metzelei sind seitdem einige weitere gefolgt. Unsere Kapitalistenblätter, die so fürchterlich über die E orderung der„Anarchisten* auf Aushebung des t a a t s zetern, wollen wir bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen, daß in den Vereinigten Staaten, dem kapitalischsten aller bestehenden Staatswesen, jene„an- archistischc" Forderung nahezu erfüllt ist. Der„Staat" ist dort nicht blos, wie in anderen Klassenstaatcn, die Re- gierungsmaschinerie der herrschenden Klasse, sondern er hat dieser auch eine Menge von Funktionen direkt übertragen, die er bei uns für sich monopolisirt. Zum Beispiel die allerwichtigste von allen: die A u f st e l l u n g einer bewaffneten Macht. Die amerikanische Bourgeoisie hält sich zum Privatgebrauch ihr eigenes *) Sprich: gaschih— Durcheinander, wüstes Wirrsal. stehendes Heer? sie kann also durch den „Staat* nicht vergewaltigt werden. Wohl aber kann sie den„Staat" vergewaltigen, wenn er sich mausig macht. Kurz in puncto der Aufhebung oder Vernichtung der Staats ist in Amerika das a n a r ch i st isch e Ideal nahezu verwirklicht durch die k a p i t a l i st i s ch e Gesellschaft, deren Verwandtschaft, ja innerliche Einerleiheit mit dem Anarchismus, ihrem eigenen Reflex und Ausfluß, nicht oft genug enthüllt und betont werden kann.— Ueber die Betrügereien Carnegie's, des ameri- konischen„Patrioten" und Musterbourgeois schreibt ein amerikanisches Blatt, die„Wahrheit*: Unser großer Wohlthäter und Schutzzöllner Carnegie, hat, obwohl er ein Republikaner mit dem Patriotismus, der ihn immer ausgezeichnet hat, seine Dacht dem Präsidenten Cleveland, obwohl dieser ein Demokrat, zu Spazierfahrten auf dem Atlantischen Ozean zur Verfügung gestellt. Eine Spazierfahrt auf unseren Kriegsschiffen ist nämlich nicht ganz geheuer. Aeltere Zeitungsleser werden sich vielleicht noch daran erinnern, daß unsere Flotte in den 70er Jahren so viele Panzerschisse im Hafen svon Neiv-Dork verlor,— weil dieselben das Unglück hatten, mit Kohlen-Barges, Sand- booten und anderen schrecklichen Fahrzeugen zusammen zu stoßen. Es hat zwar niemals verlautet, daß den kleinen flotten Kohlen- oder Sand-Zubern jemals etwas dabei passirte; unsere stolzen Panzersregatten dagegen pflegten sich nach einem solchen Zusammenstoße prompt auf eine Seite zu legen und zu„verenden". Die New-Torker Presse hat damals höhnisch ein gänzliches Verbot aller Kohlen-, Häring- und Sand-Schiffe zu gunsten von Onkel Sam's') Eisen-Kolossen befürwortet, und der damalige(republikanische) Marinesekretär Chandler sowie sein Schiffskontraktor Roach wurden in Wort. Schrift und Bild vielfach verhöhnt. Seither wurde eine neue Flotte gebaut, und da unsere Presse seit den 70« Jahren noch viel monopolistischer geworden, wie früher, wurde dem Publikum die Idee eingepflanzt, daß unsere herrliche Flotte jetzt all riAbb sei. Wie es sich nun herausstellt, ist diese Idee irrig. Daß in jüngster Zeit weniger Unfälle vorgefallen, ist nur dem guten Glück und dem Umstände zuzuschreiben, daß unsere Seehelden, durch die Erfahrung klug gemacht, jetzt auch dem kleinsten Ge- müsekahn in weitem Bogen aus dem Wege gehen. In den 13zölligen Stahlplatten des Panzers„Monterey" z. B. finden sich handgroße Löcher, welche nothdürftig„ge- pflastert" wurden, um sie den Augen des Regierungs- Inspektors zu verbergen. Die Platten befand-n sich überhaupt oftmals in einem schwammigen,„faulen* Zu- st a n d e. wurden aber stets„gedoktert",— denn jede derselben repräsentirte ein-n Werth von 15 000 Dollars für die Homestead-Gesellschaft. Kurzum, der große Patriot Carnegie wußte sehr wohl, was er that, als er unserem Könige im Frack, Grover Cleveland dem Dicken, seine Vergrügunzs-Dacht zur Verfügung stellte. Denn, wir setzen den Fall:— Grover befände sich zum Vergnügen am Bord des„Monterey", und dieser würde einer Härings-Smacke nicht schnell �enug ausweichen,— welch' schreck- fich Unglück könnte da unser Vaterland betreffen, obwohl Grover, den Gesetzen der Natur nach, im Wasser schwimmen sollte, wie eine Ente... Die Untersuchung ist nun eröffnet und hat die schlimm- sten Vermuthungen und Anklagen bestätigt. Erstaunlich ist das nicht. Warum sollte Amerika nicht seine Panzerflicker haben so gut, wie wir unsere Schienenflicker? Und wir wetten, der Panzerflicker Carnegie kommt ebensowenig ins Zuchthaus wie der Schienenflicker Baare. Eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus.— Vkrrkeurnrlmdjken. Wie der Boykott in Dresden wirkt, darüber belehrt uns der„Ebthal- Bote", ein gegnerisches Blatt. Dasselbe schreibt:„Infolge des Boykotts hat die Wald- schlößchen-Brauerei in dem letztvergangenen Monat, außer dem Tonnenbier, 1900 Hekto- Itter Flaschenbier weniger verkauft. Das macht also täglich 12258 halbe Liter- f l a s ch e n. welche außer dem Tonnenbier weniger verkauft wurden. Bei dieser Sachlage ist's ganz selbstverständlich, daß auch die Aktien fallen. Am 17. April, dem Tage vor Erklärung des Boykotts, standen die Aktien der Waldschlößchen-Brauerei auf 314, und im Börsenbericht vom Montag, den 4. Juni, flnd sie mit 280 verzeichnet, das bedeutet ein Fallen des Kurses um reich- lich 9,23 pCt. Der Boykott wirkt gut! Zur Freude der in ihrem Rechte beeinträchtigten Arbeiterschaft konstatiren wir das, mag die Presse der Ordnungsmeute im Austrage des Brauereiprotzenthums heulen, so viel sie will. » Saalabtreiberei, das alte, beliebte schmutzige Mittel unserer Gegner wird jetzt wieder allerwärts mit großer Vorliebe angewendet; freilich der Erfolg— bleibt in der Regel aus. Kürzlich berichteten wir, daß auch unsere Z e i tz e r Partei- genossen sich genöthigt sahen, einige Lokale zu sperren, weil ihnen die Säle verweigert wurden. Einen Sieg haben die Zeitz er Genossen nun bereits in D r o y ß i g bei Z e i tz errungen. Der betreffende Wirth war von den„Gutgesinnten" dazu ver- anlaßt worden, den Soziaidemokraten den Saal zu verweigern; dafür hatte man ihm reichen Besuch des„andersdenkenden" Publikums in Aussicht gestellt. Die Arbeiter mieden daraufhin natürlich das Lokal, die„G e s i n n u n g s l ü ch t i g e n" blieben aber ebenfalls aus, und so mußte der Wirth bald nach- geben, sintemalen die Arbeiter überhaupt die besten Gäste sind. Das ungefähr dürste auch das Schicksal der Berliner G a st w i r t h e sein, falls es ihnen gelüsten sollte, mit in das Horn der Brauereibesitzer zu tuten. Soviel Naivität trauen wir aber den Berliner Lokalinhabern nicht zu; hat doch schon ein großer Theil derselben durch ihr Fernbleiben von der famosen Versammlung vom Dienstag bewiesen, daß sie nicht gewillt sind, den Brauereiprotzen die Kastanien aus dem Feuer zu holen. «» » Vom Brauufchweiger Bierboykott. Die Braun- schweizer Flaschenbier-Händler scheinen es besser als die Berliner zu verstehen, ihre Interessen den Brauerei- protzen gegenüber wahrzunehmen. Sie erklärten sich in einer Versammlung mit den Arbeitern solidarisch und nahmen folgende unzweideutige Resolution an:„Die heute am 5. Juni in„Stadt Wolfenbüttel" tagende stark besuchte Versammlung der Flaschen- bier-Händler Braunschweigs erklärt sich mit den Brauerei- Arbeitern solidarisch und fordert von den Brauereien die Auf- Hebung der Aussperrung des Personals, widrigenfalls die Händler Braunschweigs sich auswärtigen Brauereien gegenüber kontraktlich verpflichten, ihre Biere von diesen zu beziehen." 9« * Die Parteigenosse» von Saargen, und haben beschlossen, vorläufig den„Offendurger Volkssrennd" als ihr Partei-Organ zu betrachten und zu verbreite».— Alle Zuschriften in Partei- Angelegenheiten sind lant Beschluß an den keinem der bestehen- ') Name für: Die Vereinigten Staaten. R. d. V. den Klubs angehörenden Vertrauensmann Genoffen L. E m m e l Saargemünd, Nikolausstraße 3, zu richten. ** 9 Bei den GewerbegerichtS-Wahle» in Gevelsberg hat dort unsere Partei den ersten Sieg errungen. Außer der Arbeiterpartei konnte kein« andere geeignete Kandidaten finden. 9 ♦ « Die österreichische Sozialdemokratie. Gleichen Schritt mit der wirthschaftlichen Entwickelung in O e st e rr e i ch hat auch die dortige proletarische Bewegung gehalten. Die Wiener„Volks- tribüne" weist dies in einer ihrer letzten Nummern recht an- schaulich nach durch folgende übersichtliche Zahlen: Organi- Mitglieder Arbeiter- Parteitag von �ionen in denselben blätt« Hainseld 1888... 104 15 498 9 Wien 1891... 219 17160 26 Wien 1892... 331?? Wien 1894... 796 120530 62 Unter der Rubrik„Arbeiterblätter" sind politische und ge- werkschaftliche zusammengefaßt, die Auflage dieser Blätter ist von 21 500 im Jahre 1883 aus 206 500 im Jahre 1394 gestiegen; die Stärke der Partei hat sich seit 1833 ver» sieben facht. Bon der politischen Regsamkeit der Partei gibt die Thatsache Zeugniß, daß sie im letzten Jahre, 1893, nicht weniger(im Gegentheil mehr, weil nicht alle bekannt wurden) als 5155 Volksversammlungen mit politischer Tagesordnung ab- gehalten hat. Auch die Thatsache, daß im letzten Jahre Ver- urtheilunge» von zusammen 27 Jahren 11 Monaten 8 Tagen und 1061 fl. 50 kr. Geldstrafe stattfanden, blos in der deutschen Organisation und ungezählt viele Tausende von Massen- abstrafungen von geringer Einzeldauer wegen§ 23, Streiks ist ein lebendiges Zeugniß für die starke politische Thätigkeit der Partei. 0•■ 9 Polizeiliches, Gerichtliches ec. — Der Reichstags- Abgeordnete Genosse H o f m a n n in Chemnitz war vom dortigen Landgericht am 14. Oktober wegen Beleidigung zu 1 Monat Gefängniß ver- urtheilt worden. Die Beleidigung wurde darin gesunden, daß er auf einem sozialdemokratischen Volksfest dem Gendarmen Fritsche, der ihm mehrmals erklärte, daß das Singen verboten sei. zu- rief:„Machen Sie keine Ruhestörung! Ich lasse mich in meinen bürgerlichen Rechten nicht beeinträchtigen!" Und serner darin, daß, als der Gendarm ihn anfaßte und sagte:„Merken Sie sich Ihre Worte," er laut rief: „Kinder, Ihr habt gesehen, daß er mich angerempelt hat!"— In der Revision rügte der Angeklagte Verkennung deS Begriffs der Ehrverletzung. In den Urtheilsgründen sei weder objektiv noch subjektiv eine Beleidigung erwiesen.— Das Reichsgericht war ebenfalls der Ansicht, daß die Absicht des Angeklagten, den Schutzmann zu beleidigen, im Urtheil überhaupt nicht festgestellt sei, auch die objektive Feststellung der Beleidung fei bedenklich. Es hob darum das Urtheil vom 14. Oktober aus und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück. — Anklagen wegen Beamtenbeleidigungen regnet es gegenwärtig förmlich herab und namentlich ist es natürlich die sozialdemokratische Presse, die damit bedacht wird. Gegen die„Thüringer Tribüne" und zwar gegen den Redakteur Güldenberg wurde am 6. Juni vor der Erfurter Strafkammer wiederum wegen zwei Beamtenbeleidigungen ver» handelt. Im ersten Falle sollte die Armendirektton beleidigt sein und im anderen Falle handelte es sich um den durch den Schaffnerprozeß bekannt gewordenen Berliner Kriminal- komimffar Zillmann, von dem gesagt war, er habe versucht. die Schaffner zu bestechen. Wegen dieser Verbrechen* erhielt Güldenberg insgesammt 4»/- Monate Gefängniß.— Die „Nordd. Allg. Ztg.* plädirte dieser Tage für drakonische Strafen gegen alle Beamtenbeleidigungen. Der Gerichtshof scheint der gleichen Anschauung gehuldigt zu haben. — Genosse S ch m i d, Redakteur der„Münch. Post", wurde in zweiter Instanz zu drei Monaten Gefängniß vernrtheilt. Es handelte sich, wie immer, um einen Artikel, durch den sich irgend jemand beleidigt fühlte. —„Sächsisches." Das ehemals Friesensche„Vaterland" hatte den„christlichen" Wunsch ausgesprochen, der verantwortliche Redakteur der„Sächsischen Arbeiter-Zeitnng", der die 600 Ver- schleißer des boykottirten Waldschlößchen-Bieres namhaft gemacht hatte, möge wegen dieser Strafthat mit einer sechshundertfachen Strafe belegt werden. Ein Korrespondent der /„Frankfurter- Zeitung" hat nun der letzteren seine Meinung mitgetheilt, die dahin ging, daß es undenkbar sei, daß ein sächsisches Gericht diese Auffassung theilen werde. Die Redaktion des genannten Blattes bemerkt aber dazu:„In Sachsen giebt e8 nichts Undenkbares in solchen Ding en." -_ Vertnisrsztes. Ueber Wien und Umgebung ging am Donnerstag, Morgen? vor 7 Uhr, ein Wolkenbruch mit Hagelschlag nieder. wie er, nach einem Bericht deS„Berliner Tageblatt", feit Menschengedenken nicht beobachtet wurde. Die Hagelkörner er- reichten die Größe von Taubeneiern und zertrümmerten in allen Straßen auf der Wetterseite sämmtliche Fensterscheiben. Viele Häuser sehen aus wie nach einem Bombardement. Die Straßen sind mit Hagel breit bedeckt und bieten einen Wintcranblick. Viele Wohnungen sind von Wasser und Hagelmassen überschwemmt. Vögel wurden nach Tausenden actödtet. Zahlreiche Unglücksfälle sind zu beklagen. Auf dem Schwarzenbergplatze wurde ein Kutscher getödtel; in Simmering scheuten die Pferde einer Artillerie-Abtheilung; zwei Personen wurden schwer, 13 Soldaten und ein Offizier leichter verwundet. In der Landes-Jrrenanstalt und im allgemeinen Krankenhause überfluthete der Hagel und die Waffermenge die Krankenzimmer, so daß unter den Kranken eine Panik ausbrach. Kranke, die sich nicht bewegen konnten, stießen Hilferufe ans; an vielen Kliniken mußten wegen der Ueberschwemmung die Vorlesungen eingestellt werden. Beim Exerziren wurde ein Hauptmann und ein Lieutenant schwer verivundet; im Prater ein Mann von einem stürzenden Baum erschlagen. Der Prater und der Stadtpark wurden vollständig verwüstet. Explosion. Die„Kölnische Zeitung' meldet aus Essen an der Ruhr, daß auf dem Schachte„Prosper" zwei Hauer durch Explosion einer Pulverkammer schwer verletzt wurden und spät« den Verletzungen erlagen. Außerdem wurde ein Hau« durch herabfallendes Gestein schwer verletzt. Die Cholera. Amtlich« Meldung zufolge kamen in den letzten vier Tagen in Warschau 20 Erkrankungen und 9 Todes- fälle an Ostotm-s. asiatica vor. Im Gouvernement Warschau wurden 23 Erkrankungen und 12 Todesfälle konstatirt. Das Gouvernement ist amtlich für verseucht erklärt worden. Das Burea» Herold meldet vom Donnerstag Abend üb« die Katastrophe:„Heute früh ging über Wien ein furchtbares Hagelwetter nieder, welches von schrecklichen Folgen begleitet war. Mehrere Personen wurden getödtet, viele schwer verletzt. Das Ge» witter gestaltete sich zu einer förmlichen Katastrophe. Fast in allen Straßen der Stadt wurden die Bäume, die Anlagen und alle Gärten vollständig vernichtet. Unzählige Fensterscheiben wurden zer- trünrmert. Auf der Simmeringer Haide, wo die Artillerie- Regimenter Nr. 14 und 42 Uebungen abhielten, gingen die durch den niedersauseuden Hagel scheu gewordenen Pferde mit den Geschützen durch. Viele Artilleristen geriethen unter die Kanone» und wurden überfahren. Mehrere trugen schwere Verwundungen davon und mußten ins Garnisonhospital geschafft werden. Für den Inhalt der Injerate über Reichshallen DönhoffsPlatz. 2942 Am 6. Juni verschied unsere liebe nimmt die Redaktion dem Publikum Jm prachtvollen Garten, bei ungünstiger Tochter und Schwester gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den 8. Juni. Opernhaus. Lohengrin. Schauspielhaus. Der Tugendwächter. Deutsches Theater. König Lear. Berliner Theater. Aus eigenem Recht. Witterung im Saal. Täglich Lina Nathan Humoristische nach ihrem langen, schweren KrankenSoirée der lager. Im Namen der Hinterbliebenen: Fanny Nathan, geb. Bernstein. Achtung! 6. Wahlkreis. Achtung! Montag, den 11. Juni, Abends 8 Uhr, in Ahrens Brauerei, Thurmstraße 26-27: Gr. öffentl. Partei- Versammlung. Zages Ordnung: = 1. Vortrag des Reichstags Abgeordneten Auer über: Die Thätigkeit Die Beerdigung findet heute Freitag des deutschen Reichstages und die Sozialdemokratie. 2. Diskussion. 3. Die 11/2 Uhr von der Leichenhalle in Verbreitung unserer Presse. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ersuchen um zahlreiches Erscheinen Die Vertrauenspersonen. Nord- deutschen Sänger. Beißensee aus statt. Zum Schluß: Leffing- Theater. Madame Sans- Italien in Berlin. Enſemble Gêne. Residenz Theater. Jugend. Bellealliance- Theater. Die Zauberflöte. Adolph Ernst- Theater. Charley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Alexanderplat Theater. Demimonde. • National Theater. Italien in Berlin. Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. Apollo Theater. Die verkehrte Welt. fzene. Anf. Wochentags 8 Uhr. Entree 30 Pf., refervirt 50 Pf. Sonntags Anf. 7 Uhr. Entree durchweg 50 Pf., nach 9 Uhr 30 Pf. Castan's Panoptikum. Der 13 jährige Riese. Neu: Saufmann's Variété. Spezialitäten. Christliche Märtyrerin. Vorstellung. Parodie Theater. SpezialitätenVorstellung. Nene freie Volksbühne im Wallner Theater 22 Uhr: Die Journalisten. Von Gust. Freytag. Sonntag, 10. Juni 1. und 3. Abtheil. Sonntag, 17. Juni 2. Abtheilung. Wegen der großen Kosten der Darstellung ist der Beitrag für diesen Monat auf 60 Pf. erhöht worden. Die Nachzahlung ist im Theater zu Leisten. 80/5 assage- Panopticum. Eint DahomeyDorf mit 51 wilden Weibern. Tägl. 8 Vorführungen. Um 11, 12, 4, 5, 6, 7, 8, 9 Uhr. Weißbier! Für Fabriken und Werkstätten sowie für Wiederverkäufer liefere ich mein Versand- Weißbier in unübertrefflicher Güte zum Preise von 3 Mt. für 40 halbe oder 45 4/10 oder 25 8/10 oder 20 ganze Flaſchen, frei verschluß, ohne Pfandberechnung. in's Haus, in Flaschen mit Patent354/14 Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag, den 10. Juni: Besichtigung der Kunst- Ausstellung( Moabit) unter Führung eines Fachmannes. Sammelpunkt im Park vor dem Ausstellungsgebäude, Vormittags präzise 10 Uhr. Billets zum ermäßigten Preise von 30 Pf.( welche auch täglich Giltigkeit Fernsprecher Amt Schöneberg No. 92. haben) für Mitglieder sind in den Schulen und Zahlstellen zu haben. 455/20 A. Seidler, Schöneberg, 214L* 73-75 Sedandraße Nr. 78% and 82. Berliner Weissbier- Brauerei. Evora- Brän in vorzügl. Qualität empfiehlt in Gebinden v. 20-100 Str. 30 FI. 3 M. = Otto Linke, Lagerhof 3. Telephon Amt III Nr. 404. Kein boykottirtes Bier! Der Vorstand. Verband der Sattler und Lapezirer. Versammlung mit Frauen am Sonnabend, 9. Juni, Abends 81/2 Uhr, im Lokal des Herrn Wieneke, Alte Jakobstr. 83. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Fel. Baader über: Die Wirs fungen der technischen Fortschritte der Neuzeit auf die Arbeiter. 2. Discussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Den Vorstand. NB. In der Versammlung wird kein Boykottbier ausgeschänkt. 294/20 Achtung! Maurer. Achtung! Alleiniges Lokal in der ganzen Umgegend. Sonntag, den 10. Juni, Vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Joël, Andreasßraße 21: National- Theater. Gräzuweit's Feldschlößchen. Gasthof Wilhelmshöhe Gr. öffentliche Versammlung der Maurer Große Frankfurterstraße 132. Novität! Treptow. Novität! Italien in Berlin. Große Ausstattungs- Posse mit Gesang und Tanz in 4 Atten von Carl Peters. Musik von A. Wiedecke. Dekorationen aus dem Atelier von Müller und Schäfer. Maschinerien vom Theatermeister Otto Weise. Elektrische Beleuchtungseffekte von Sakowsky. Kostüme Dom Obergarderobier Paul Hildebrandt. Regie: May Sam ft. Rassenöffnung 51/2 Uhr. Anfang der Vorstellung 7/2 Uhr. Im Garten: Großes Konzert. Auf der Sommerbühne Aufführung von Lustspielen, Possen sowie Spezialitäten ersten Ranges. 198 Kaffenöffnung 5/2 Uhr. Anfang 61/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Lehte 9. Aufführungen: Charley's Tante. Vorher: Täglich: Platz für 2000 Personen. Bahnstation Erkner, 15 Min. v. Bahnhof, 10 Min. Tagesordnung: 1. Berichterstattung der Gewerbegerichts- Beisitzer Gr. Konzert- u. Spezialitäten- von der Dampferstation, a. d. Chauffee( Maurer). 2. Diskussion. 3. Das Verhalten der Kollegen auf den Bauten Vorstellung von nur guten Künstlern. Entree frei. 11186 Der Vorwärts" liegt aus. Große Familien- Kaffeeküche. NB. Meinen werthen Gästen zur Kenntniß, den Weg rechts von der Verbindungsbahn zu wählen, da die Parkstraße während der Zeit der Ausstellung gesperrt ist. Eine alte deutsche Feuer- Vers.- Gesellschaft sucht für Berlin u. die Provinz thätige Haupt- u. Spezial- Agenten. Hohe fortlaufende Bezüge event. auch festes Gehalt werden zugesichert. Offerten unter 0. P. 2 nimmt die Expedition entgegen. 219L* Herren j. Standes w. als Vertreter Um zahlreiches Erscheinen bittet n. Kaltberge- Rüdersdorf( nicht Wolters- dem Bier- Boykott gegenüber. dorfer Schleuse). Saal z.Versammlungen. Vorwärts". Vereine bitte um Aumelbung.[ 249L*) C. Gillmann. Kein Boykott- Bier!! 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Parodistische Posse mit Gesang in 1 Aft von Ed. Jacobson u. Benno Jacobson. Musit von Franz Roth. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. Schluss der Saisen: Freitag, den 15. Juni. Victoria- Brauerei, Lühowstraße 111-112. Garten resp. Saal. Täglich( außer Sonnabends); Gr. Gesangs- Matinee zum Besten der ausgesperrten Brauereiarbeiter 72/6 ausgeführt von den Gesangvereinen Freiheitsklänge I, Frühlingslust, Allegro und Gerstenähre ( M. d. A.-S.-B.) unter Leitung der Herren Exiner und Puhlmann. Deklamatorische Vorträge der Genossen Röhn und Winkler. Festvortrag, gehalten vom Genossen Ledebour. Die Freie Vereinigung der Zivil- Berufsmusiker hat ihre Mitwirkung zugefagt. Sonntag, den 10. Juni: Familien- Ausflug nach Wilhelminenhof ( Station Johannisthal). Treffpunkt in Wilhelminenhof von 8 Uhr Vormittags an. Für Nachzügler Mitgliedsbuches freien Eintritt. NB. Kein Ringbier. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Vorstand. Bagler 3 1hr Nachmittags, Mitglieder haben gegen Borzeigung des Verband der Saffler und Tapezirer. Sonnabend, den 23. Juni 1894: Billets à 20 Pf. find bei den mit Plakaten belegten Stellen zu haben. Groke Dampfer- Partie Um zahlreichen Besuch bittet Das Comité. verbunden mit darauf folgendem Sommernachts- Felf Stettiner Ausstellung Italien in Berlin. in dem größten Etablissement der Oberspree. Sänger Herren: Meysel, Häckel, Pietro, Britton, Eberius, Steidl, Bliemchen und Blank. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Billets im Vorverkauf à 40 Pf. und Familien- Billets( à 1 M.) für 3 Personen giltig.( Siehe Blatate.) Jeden Abend wechselndes hochamüsantes Programm! Noack's Sommer- Theater. Brunnenstrasse 16. Täglich: Großes Konzert, Theater- und SpezialitätenVorstellung. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der VorTie stellung 7 Uhr. affechliche ist geöffnet. ( Stadtbahn- Station: Zoologischer Garten.) Schlosspark Wilhelminenhof. Ball in 2 Sälen, sowie Großes Concert, ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Civil- Berufsmusiker. Täglich geöffnet von Morgens 10 Uhr bis Abends 12 Uhr. Massen- Konzerte sämmtl. italien. Musikkorps, ierauf: Brillant Land- u. Waſſerfeuerwerk. Alles Nähere die Programme. darunter des Gr. italienischen Opern- Orchesters des Maestro Cav. Gialdino Gialdini, der Bersaglieri- Kapelle des Maestro Giacomo Gatti, des Venezian. Serenaden Orchesters des Mobile de Malipiero, des Mandolinen- Korps des Prof. Frouth. Ferner: Mailänder Marionetten- Theater u. Venezian. Variété etc. Entree 50 Pi. Donnerstag, Sonnabend und Sonntag: Auftreten des Cav. Prof. Eugenio Pini, Fechtmeister der königl. italienischen Marine. In der großen Arena um 9 Uhr: Floret, Degen- und Säbel- Mensuren, an welchen sich Fechter gegen vorherige Meldung im Bureau der Ausstellung betheiligen können. Sonntag, den 10. Juni: Früh- Konzert sämmtl. Musikkorps und Sänger- Chöre. Anfang 52 Uhr früh. Entree bis 10 Uhr 30 Pf. Jägerhaus, Schönhauser Allee Nr. 103. Inhaber: Wilhelm Schmidt. Jeden Sonntag und Mittwoch: Frei- Konzert und Ball. Großer schattiger Garten. 4 Regelbahnen. Kaffeeküche von 1 Uhr ab geöffnet. 175L Metzner's Korbwaaren- Fabrik, Berlin, 2. Gesch.: Brunnenstr. 35, gegenüb. Humboldtshain 1. Gesch.: Andreasstr. 23, H. pt., gegenüb. Andreaspl Kinderwagen, cher gratis. Theilzahlung gegrößtes Lager Berlins. Musterstattet. 500 Mark zahle ich Jedem, der mir nachweist, daß .ch nicht das größte Kinderwagen- Lager Berlins habe. 12 Uhr: Gr. Fackelpolonaise durch den 20 Morgen großen Part. Abfahrt Jannowigbrücke Abends 81/2 Uhr. Rückfahrt Morgens 8 Uhr ca. Preis: Hin- u. Rückfahrt incl. Tanz 80 Pf. ( Fackeln zur Polonaise gratis.) Billets sind zu haben in den Restaurants von Stramm, Ritterstr. 123. Wienecke, Alte Jakobstr. 83, Pätschte, Französischestr. 6, Heller, Petri- Play, sowie bei Böttger, Solmsstr. 17, S. I., Matschulat, Schlegeljtr. 5, v. IV., Blum, Demminerstr. 18, v. 11., G. Schulze, Eisenbahnstr. 35, H. II., G. Schultze. Königsbergerstr. 11, v. IV. Achtung! Angabe der verkauften Billets am Mittwoch, 20. Juni, Abends von 8-10 Uhr, bei Wienecke, Alte Jakobstr. 83. Kein Boykott-, kein Ringbier. T Gäste willkommen. O Das Comité. 000000-0-00000 Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Am Königsthor. Täglich: Theater- u. Spezialitäten- Vorstellung. Im neu Volksbelustigungen aller Art. parquettirten Saale: Täglich: Gr. Ball. } Von 5-7 Uhr: Freier Damentanz. Die Kaffeeküche ist geöffnet. Entree 30 Pf., Billets vorher 25 Pf. 44/1 00000-0-0000000 Berantwortlicher Redakteur: Hugo Pötsch in Berlin. Druck und Verlag von Maz Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Oterzu zwei Beilagen 1. Beilage zum„Bomiirts" Berliner Volksblatt. Nr. 130. Freitag, den 8. Juni 1894. 11. Jahrg. Noizlroklirk flnv: i. 8cImttKei88- Brauerei, Aktien-Gesellschaft, Berlin(und Tivoli). 2. Brauerei F. Happoldt. 3. Böhmisches Brauhaus, Kommemdit-Gesell- fchaft auf Aktien, A. Knoblauch. 4. Brauerei Bar! vregery, Berlin(Adler- Brauerei). 5. Vereius-Brauerei BixSori. 6. Spandauer Berg-Brauerei, vorm. C. Vech- mann, Westend bei Charlottenbnrg. 7. �htieu- vesellschalt Schloss- Brauerei Schöneberg. Nottttttnnales. Stadtverordileten-Versammlnng. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag. 7. Juni. Nachmittags S Uhr. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anträge des Petitionsausschusses. Eine am 1. September m I. im Bnggenhagen'schen Saale stattgehabte Versammlung von Handelsgehilsen und-Gehilfinnen hat an den Magistrat die Bitte gerichtet, gemäß Z 10öb der Gewerbe-Ordnung die Sonntagsruhe im Handels- g e>v e r b e durch Ortsstatut wie folgt zu regeln: „In Engros-. Fabrik- und Bankgeschäften dürfen Handlungsgehilsen, Gehilfinnen, Lehrlinge und Haus- diener am Sonntag überhaupt nicht beschäftigt werden. In Verkaufsstellen aller Art dürfen Handlungsgehilfen, Gehilfinnen und Lehrlinge am Sonntag nur drei Stunden beschäsligt werten und muß diese Beschäftigung um 10 Uhr Vormittags beendet sein." Ter Magistrat hat am 9. Januar die Petition abschläglich beschiede», und die Petenten sind nunmehr bei der Versammlung vorstellig geworden. Bekanntlich hatte die Versammlung am 3. März 1892 die Beschlußfassung über einen analogen Antrag Singer ausgesetzt und einen Antrag angenommen, wonach der Magistrat zunächst versuchen sollte, bei den kirchlichen Behörden die Verlegung des Beginns des Haupt-Gottesdienstes auf 11 Uhr zu erlangen. Obwohl nun diese Versuche erfolglos geblieben sind. lehnt der Ausschuß es ab, die Petition zur Berücksichtigung zu empfehlen. da er mangels genügender Erfahrungen nicht für opportun hält, schon jetzt zu einer Aenderung der betr. Be- pimmungen zu schreiten. Nach seinem Vorschlags soll über die Petition zur Tagesordnung übergegangen werden. Auch die Petition von Vereinen hiesiger Gemüse-, Milch- und Kohlenhändler, sowie selbständiger Geschäftsleute wegen Einschränkung bezw. Beseitigung des Hausir- Handels auf bezw. von den Straßen und Plätzen Berlins soll nach dem Vorschlag des Ausschusses zur Tagesordnung über- gegangen werden. Der Ausschuß hat eine gewisse Schädigung der seßhaften Geschäftsleute durch den Straßenhandel zwar als thatsüchlich zugegeben, dem Petitum aber doch nicht entsprochen, „da ja dann z. B. auch die kleinen Geschäfte gegen die großen Bazare u. s. w. in Schutz genommen werden müßten." Auch will der Ausschuß nicht bestreiten, daß ent- sprechend der Behauptung der Petenten durch die Hausirer minderwertbige und zweifelhafte Waaren auf der Straße ver- trieben werden, doch hält er dafür, daß eine Kontrolle derselben durch die Sanitätspolizei doch wohl in demselben Maße möglich sei und auch stattfinde, wie in den Markthallen und in den stehenden Geschäften. Gegen den Uebergang zur Tagesordnung wird Einspruch nicht erhoben. Der zur Prüfung der Skizze zum Neubau der XI. Real- schule(höhere Bürgerschule) an der B o e ck h st r. 9/19 nieder- gesetzte Ausschuß hat sich auch mit einem Antrage auf baldigste Errichtung einer V o l l a n st a l t im Stadttheil vor dem Halle- schen Thore zu beschäftigen gehabt, desgl. mit einem Schreiben des„Vereins für Schulreform", worin die Versammlung gebeten wird,„die Einrichtung einer Resormschule mit gemeinsamem Unterbau als eine zeitgemäße und nunmehr auch höchst dring- liche Aufgabe zu betreiben". In letzterer Beziehung hat der eine der beiden Stadschulräthe im Ausschuß angeführt, daß eine der- artige Einrichtung eine neue fundamentale Schöpfung im Schulwesen bedeute und ihre prinzipielle Erörterung nicht wohl Sache dieses Ausschusses sein könne; eine Reformschule nach Frankfurter oder Altonaer Muster bedeute aber jedenfalls gegen die Berliner Realschulen eine Rückschrittsschule insofern, als in den letzteren der fremdsprachliche Unterricht etwa vom 13. Lebensjahre der Schüler ab beginne, während er in jenen bereits vom 9. Jahre ab gelehrt würde, womit den Gemeinde- schülern der Ucbertritt in die Reformschule nahezu unmöglich gemacht sei. Auch hätten sich die Ansichten über derartige Schulen noch keineswegs genugsam geklärt. Der Ausschuß hat die Resolution wegen der Vollanstalt mit 7 gegen S Stimmen abgelehnt, die Vorlage mit einigen unter- geordneten Modifikationen angenommen, auch den mit 400 009 M. abschließenden Kosteuüberschlag genehmigt und schlägt vor, das Schreiben des Vereins für Schulreform durch die Beschlußfassung über die Vorlage für erledigt zu erklären. Die Versammlung tritt diesen Vorschlägen ohne Debatte bei. Wegen Errichtung eines Realgymnasiums in Moabit hatte der dortige konservative Bürgerverein petitio- nirt. Der Petitionsausschuß hat Uebergang zur Tagesordnung empfohlen und ist bei diesem Beschlüsse geblieben, auch nachdem die Petition in der Sitzung vom 2. Mai an den Ausschuß zurückverwiesen worden. Ueber die Petition berichtet Stadlv. Müller. Der Ausschuß bestreitet die Nothwendigkeit einer weiteren höheren Lehranstalt in dem 125 000 Einwohner zählenden,, zur Zeit auf ein einziges Gymnasium angewiesene» Stadttheil keineswegs, weist aber die Erfüllung dieser Ausgabe in erster Linie dem Staate zu. Bon den Stadtvv. G e r i ck e und Genossen ist eine Resolution beantragt, welche den Magistrat auffordert, bei den Staats- behörden für die Errichtung einer zweiten höheren Lehr- austalt in Moabit zu wirken. Diese Resolution befürwortet Stadtv. S p i n o l a. Für die Petition tritt lebhaft Stadtv. Heutig «in, der zugleich der Meinung ist, daß die ganze Versammlung den Fall des Volksschulgesetzes bedauere(Heiterkeit und Unruhe), denn dieses hätte Klarheit über die Frage ge- schassen, wer Schulen zu errichten verpflichtet sei. Die Stadt dürfe nicht Moabit dafür strasen, daß dort so viel Beamte wohnen. Die Schulnoth in Moabit schrie zum Himmel. An dem einzigen Gymnasium dort hätten sich zum Ausnahmetermin die Väter mit ihren Kindern schon um 3 Uhr Morgens an der Schulthür aufgestellt(Hu, hu! und Heiterkeit), um bei der An- Meldung die ersten zu sein. Stadtv. Sachs! erklärt es für eine Pflicht des Magistrats, den Staat an seine Verpflichtung zum Bau höherer Lehranstalten mit allem Nachdruck zu erinnern.(Zustimmung.) Stadtv. Meyer II: Das Volksschul-Gesetz hat mit den höheren Lehranstalten absolut nichts zu thun; auch besteht gar kein Zweifel darüber, daß die Stadt zur Errichtung höherer Schulen nicht verpflichtet ist. Unter lebhafter Billigung des Kultusministers hat die Stadt eine Reihe Realschulen errichter, daneben noch Gymnasien und Realgymnasien zu errichten, wird ihr niemand zumuthen. Stadv. H e n t i g: Jedenfalls wäre doch bei der Berathung des Volksschulgesetzes Klärung über die von mir erwähnte Frage geschaffen worden. Stadtv. Hermes weiß nicht, ob Herr Heutig aus eigener Erfahrung behaupten kann, daß die Eltern schon um 3 Uhr Morgens an den Schulthoren gestanden hätten; er glaubt, daß Serr Hentig sich einen Bären hat aufbinden lassen.(Stadtv. e n t i g: Nein!) Auch dieser Redner spricht für die An- nähme der Resolution und für den Uebergang zur Tagesoranung über die Petition. Es wird demgemäß mit großer Mehrheit beschlossen. Zu den Kosten der Vorarbeiten für den R h e i n- W e s e r- Elbe-Kanal soll dem Ausschuß zur Förderung dieses Kanals in Hannover, z. H. des Landesdirektors Freiherrn v. Hammer- stein- Loxten, ein nochmaliger Beitrag von 500 M. gewährt werden. Die Sieger in dem großen kapitalistischen Jnteressenkampfe um die Plat frage für die Berliner 1896 er Ausstelung, Stadtvv. Sachs II, Rosenow, Lüben, Matterne und Schulz I haben, um T r e p t o w leichter zugänglich zu machen, den gemeinsam mit der Kellerfraktion den Antrag einge- bracht: „Den Magistrat zu ersuchen, in die Liste der im nächsten Jahre mit Asphallpflaster zu versehenden Straßen die Köpenicker- und die Schlesische Straße, soweit dieselben noch nicht mit definitivem Pflaster ver- sehen sind, aufzunehmen und der Versammlung wegen des in der Schlesifchcn Straße zu erwerbenden Slraßcnlandes eine Vorlage zu nnichen." Antragsteller Stadtv. Sachs II: Die Ausstellung in Treptow ist jetzt gesichert. Dieser Ausgang des Kampfes in der Platzfrage erfreut sich der Sympathie des gesammten Berlins. Der Magistrat hat ja bereits beschlossen, auch dem neuen Komitee die städtische Subvention von 300 000 M. zur Verfügung zu stellen und eine Kommission eingesetzt, welche über die Einzel- heiten der Ausstellung, soweit die Städteverwaltung in Betracht kommt, berathen soll. Dieser Kommission wird auch unser Antrag ein wichtiges Berathungsmaterial bieten. Die Zufahrtstraßen zum Treptower Park müssen in einen möglichst vollkommenen Zustand versetzt werden. Dazu bedarf es der Asphaltiriing der Köpnicker- straße, soweit sie noch nicht mit definitivem Pflaster versehen ist, auch der Verbreiterung der Schlesischenstraße, welche schon jetzt zur Bewältigung des Verkehrs nicht ausreicht. Die Versammlung wird ihre Sympathie für die Ausstellung am besten durch An- nähme meines Antrages zum Ausdruck bringen. Ohne weitere Debatte wird der Antrag einein Ausschüsse von 15 Personen überwiesen. Auch in diesem Jahre soll ein Theil der für 1895/36 er- forderlichen Pflastersteine bis zum Kostenbetrage von 800 000 M. schon jetzt in Bestellung gegeben und der Betrag aus dem Ueberschusse des Jahres 1833/84 entnommen werden. Die Vorlage wird nach kurzer Debatte genehmigt. Zur Kenntnißnahme übersendet der Magistrat eine Arbeit des Stadtbauraths Hobrecht über die Verhältnisse der st ä d t i s ch e n Brunnen. Das Elaborat ist eine Antwort aus die am 17. November 1892 in der Versammlung aus- gesprochene Behauptung,„daß die große Mehrzahl der hiesigen Brunnen nicht trinkbares Wasser liefert", und „daß 43 pEt. des sämmtlichen Wasserverbrauchs nicht unserer städtischen Wasserleitung, sondern solchen Brunnen entnommen wird", ferner, daß es sich hier nicht blos um die Straßen- brunnen, sondern auch um die Hausbrunnen handle. Nach den Untersuchungen der Baudeputativn haben von 1271 Brunnen 1053 oder fast 83 pEt. gutes. 8'/2 pEt. verdächtiges und ebenfalls nur 8Vs pEt. direkt gesundheitsschädliches Trink- wasser geliefert. Ter Bericht zählt die Maßnahmen auf, welche zur Beseitigung eventuell drohender Gefahren getroffen sind (Allmälige Umwandlung der Kesselbrunnen in Rohr- brunnen' u. s. w.) und bemerkt dann, daß die Hausbrunnen der städtischen Verwaltung nicht unterstehen und die privaten Wasserwerke zwar thatsächlich ein Förderungsvermögen von 43 pEt. des gesammten Wasserverbrauchs der Stadt besitzen, aber fast ausschließlich Wasser zum Fabrikbetriebe liefern. Ohne Debatte wird die Vorlage zur Kenntniß genommen. Die Berlin- Charlottenburger Pferdebahn- Gesellschaft beabsichtigt eine neue Pferdebahnlinie vom Kriminalgericht durch die Paulstraße, Bellevuestraße, Königgrätzer-, Prinz Albrecht« und Zimmerstraße bis zur Ecke der Linbenstraße zu bauen. In Gemäßheit des Gesetzes über die Kleinbahnen wird die Ver- sammlung um ihre Zustimmung ersucht. Die Vorlage geht aus Antrag D i n s e an einen Ausschuß von 10 Personen. Die Vorlage betr. die Regulirung der Petersburgcrstraße und der Straßen westlich derselben bis zur Tilstterstraße wird gemäß einem Antrag Schönflies einem Ausschusse von 15 Mit- gliedern überwiesen. Am Schluß der Sitzung theilt der Vorsteher mit, daß be- zllglich der Petition der Handlungsgehilfen wegen der Sonntags- ruhe von den Stadtvv. Herzfeldt, Schulz II, Tolksdors und Gen. Berichterstattung beantragt ist. Schluß 7 Uhr. Hoftales. Zum Bierbohkott. Der Boykottkommission ist von der Brauerei Karlsberg, Charlottenburg, nachstehende Erklärung zu- gegangen: Charlottenburg, 30. Mai 1894, Herrn I. Auer, Katzbachstr. 9. Hierdurch erlaube ich mir Ihnen mitzutheilen, daß ich aus dem Verein der Berliner Brauereien ausgeschieden bin und erkläre ich mich bereit, nach Aufhebung des Boykotts, in der Voraussetzung, daß der größere Theil, der mir jetzt zugeführteil Kundschaft alsdann noch mein Abnehmer bleibt, den Achtstundentag einzuführen. Mit den Forderungen ider Brauer und Brauereihilss- arbeiler erkläre ich mich einverstanden. Indem ich um gefällige Bestätigung des Empfanges dieses Schreibens bitte, zeichne Hochachtungsvoll Friedrich Reichenkron, Brauerei Carlsberg. Die Kaiserbranerei hat in einer in Charlottenburg statt- gehabten Arbeiterversammlung nachstehenden Brief zur Verlesung gelangen lassen: Charlottenburg, 20. Mai 1894. Wir Unterzeichneten erklären hiermit, im Falle in den Verhandlungen der heutigen Charlottenburger Arbeiter Ver- sammlung eine Berichtigung benöthigt fein sollte, daß wir 1. Niemand von unserem Personal entlasseil haben, 2. dem Verein der Brauereien Berlins und Umgegend nicht angehören, und auch 3. am 1. Mai unsere Böttcher— wir beschäftigen deren nur zwei— gearbeitet und ein Ruhen der Arbeit mn 1. Mai bei uns gar nicht beantragt haben. Ergebenst K a i s e r- B r a u e r e i Dummer n. Kahl. Nntisemitischer TalmudiSmuS. Gar häßlich klingt das Wort„Boykott" in den Ohren der Ordnungshelden. Häßlich. weil es bei ihnen das eigene böse Gewissen aus der durch elende Seuchelphrasen erkauften Ruhe unsanft aufrüttelt. Seitdem der oykott auch von allen Angehörigen oer herrschenden Klassen als legales Kampfmittel benutzt wird, seitdem Militär- behörden und Unternehmer, Antisemiten und Philosemiten einander überbieten in der Anwen- dung des Boykotts, wenn ihnen diese Waffe für ihre Zwecke dienlich scheint, seitdem schimpft und räsonnirt man in allen Lagern der Ordnungsbrüder über die Sozialdemokratie, die den B i e r b o y k o t t in durchaus der- selben Weise handhabt, wie die Militärbehörden den Saal- boykott, wie König Stumm den Zeitungsboykott und wie die bürgerlichen Jnlcressengruppen unter Umständen die Verrufserklärung ihnen nicht genehmer Geschäftsleute. Gar selten begegnet man in der bürgerlichen Presse einer Selbsterkenntniß, wie sie von den„Grenzboten" bei einer Be> trachtung des zur Zeit sich abspielenden Kampfes offen und frei ausgesprochen wird: „So tief wir die Einführung des terroristischen Kamps- mittels in die große wirlhschaftliche und geistige Bewegung be- klagen", meint diese antisemitisch- konservative Wochenschrist, „so haben wir doch nicht das Herz zu einem überzeugten Ver- dammungsnrtheil. Wie leider so oft gegenüber der Sozialdemo- kratie, möchte man auch diesmal rufen:„W er unter Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie!" Man vergleiche mit diesem ehrlichen Urtheil die feige, t a l m u d i s ch e Spitzfindigkeit, mit der sich hiesige Antisemiten von ihrer eigenen„Boykottschuld" zu befreien suchen. In einem Vortrage, den der Redakteur der„Staatsbürger- Zeitung", Dr. B a ch l e r, am Dienstag in einer Antisemiten- Versammlung hielt, leistete dieser Herr sich nach einem in seinein Blatte befindlichen Bericht die folgende Talmudschnurre:.... „Auf den gegen die Antisemiten von jüdisch-freisinniger Seite ge- richteten Vorwurf, sie boykottirten auch, erwidere er:„Kauft nicht bei Juden!" sei noch kein Boykott, sondern nur ein guter Rath und eine Warnung in sittlicher und kommerzieller Beziehung. Und die deutschen Stammesbrüder zu warnen und zu berathen. sei unser gutes Recht. Der sozialdemokratische Boykott sei eine Verrusserklärung, um etwas zu erlangen, während das„Kaust nicht bei Juden!" nur eine N o t h w e h r sei." Die auch in der Staatsbürger- Zeitung" gesperrt gedruckten Worte wurden von der Versammlung mit einem«Sehr richtig" und einem„Bravo" in Empfang genommen. Die Anhänger einer in der bürgerlichen Gesellschaft durchaus nicht bedeutungslosen Partei, ja man kann behaupten, die bürger- liche Gesellschaft in ihrer großen Mehrheit selber, läßt sich mit der elende st en, haltlosesten Verlege nheits- phrase das Hirn umkleistern. weil es ihr einmal in fühlbaren Schlägen zu Gemüthe geführt wird, daß auch die Sozialdemokratie im Boykott„eine gute Wehr und Waffen" besitzt. Für dieselbe„Warnung in sittlicher und kommerzieller Be- ziehung", um im Bachler'schen Jargon zu reden, die, wenn sie von den Antisemiten ausgesprochen wird, ein„Bravo" und „Sehr richtig" einbringt, hetzt und fleht man, wenn sie von der Sozialdemokratie verkündet ist, den Staatsanwalt an, auf daß er dock, endlich, endlich mit dem groben Unfugs-Paragraphen herausrücke! Und diese schuftige, feige Denunziantenpolitik beliebt man in bürgerlichen Kreisen„offene, ehrliche Kampfesweise gegenüber dem Terrorismus des gemeinschaftlichen Feindes" zu nennen. Pfui, Teufel! Die Ordnungshelden scheinen sich immer noch nicht darüber klar zu sein, daß gerade ihre erbärmlichen Rücken und Tücken es sind, welche immer wieder die Feuersgluth schüren und in der kämpfenden Arbeiterschaft das Bewußtsein von der Erbärmlich- keit ihrer Feinde stärken. Möge der sehnsüchtigste Herzenswunsch der Feinde immerhin herrlichste Erfüllung finden; die Arbeiterschaft übt Manneszucht genug, um auf jeden Fall, auch ohne daß es lauter An- regungen bedarf, das durchzuführen, was sie für gut hält. Tausendfach stärker als die möglichen Wirkungen der talmudischen Verlegenheitsphrasen ihrer Gegner ist die Schulung und die Disziplin, mit der die sozialdemokratische Arbeiterschaft in länger als dreißigjährigem Kampfe ihre Gegner Schritt um Schritt zurückgedrängt hat! Ei» großes Wehklagen erscholl nach den Berichten bürger- licher Blätter vorgestern in dem von Herrn Kuckenburg geleiteten Verein der Berliner Weißbierwirthe. Der erhobene Lärm halte nun nicht, wie der Unkundige etwa glauben möchte, seinen Grund in dem gegenwärtigen starken Konsum des schönen Getränks. nach dem der wehklagende Verein seinen Namen führt, sondern vielmehr in dem„Terrorismus der Sozialdemokratie", dem auch die„Weißbierwirthe" verfallen sein wollen. Denn man täusche sich nicht, wenn irgendwo, so ist im Weißbierwirthe-Verein der Name Schall und Rauch; ihm ge- hören sowohl Spender des Schultheiß- wie des Landree'schen Bieres, als auch sonstiger Ringbiere in überwiegender An- zahl an. Seinen Namen führt der Verein nur in so weit mit Recht, als er sich auch von den Brauereibesitzern zur Zeit gar manche sonderbare Dinge weiß machen läßt. So konnte es denn kommen, daß in der Versammlung die An- flicht bekundet wurde, die Sozialdemokratie und nicht der Riesen- kapitalist Herr Rösicke sei„Zerstörer des Mittelstandes". In ihrer Blindheit und Beschränktheit ließen sich daher die Leutchen, die von den Arbeitern und nicht von den Gründern der Bierpaläste ihre Groschen einnehmen, um vor- übergehende Unbequemlichkeiten soweit bringen, daß sie mit Hurrah und Hussa einer Resolution zustimmten, in der sie sich mit dem Brauereiring solidarisch erklärten. Ist die gestrige spirituose Gluth eines Theils der Budiker auch nur mit einem Strohfeuer zu vergleichen, so wird sich dieser Theil doch nicht darüber beklagen können, wenn die Arbeiter auch für spätere Zeiten die von Herzen unkluge Stelliiiignahme im Ge- dächtniß behalten werden. DaS letzthin erfolgte polizeiliche Verbot der Versamm- lung der Gast- und Schankwirthe im Lokale des Herrn Schnegels- berg(Hasenhaide) hat den vollsten Beifall des„osfiziellen Organs / der Gast- und Schankwirthe für Derlin und Umgegend", der „Deutschen Gastwirthe-�eitung". gefunden. In einem äugen- scheinlich von einer spintuösen Verbandsgröße inspirirten Leit- artikel laßt sich nämlich das„ofsizielle Organ" also vernehmen: „Die Schuld daran(an dem Verbot der Versammlung) fällt den Berliner Sozialdemokraten zu. Es war bei uns bisher nicht üblich, derartige Versammlungen, welche sich ausschließlich mit unseren wirthschaftlichen Interessen beschäftigen, anzumelden. Den Herren Sozialistenführern aber gelüstete es nach einer poli- tischen Aktion, indem sie glaubten, unsere Versammlung dazu be- nutzen zu können, ihr sozialistisches Schäfchen zu scheeren. Sie hatten im„Vorwärts" Inserate erlassen, in welchen zum zahlreichen Besuch unserer Versammlung aufgefordert wurde, und so traten denn die„Genossen" in hellen Haufen beim Kollegen Schnegels- berg an. Das Polizeipräsidium erklärte nun unter solchen Um- ständen,� nach unserem Dafürhalten mit Recht, daß unter dieser Voraussetzung von einer nichtpolitischen Versammlung nicht mehr die Rede sein kann. Zwar wäre es der Energie des Verbands- Präsidenten auch ohne diese Beschränkung des Polizeipräsidiums gelungen, die Herren Sozialdemokraten im Zaume zu halten. Aber immerhin hat die Polizeibehörde von ihrem Standpunkte aus Recht, wenn sie eine derartige Ueberrnmpelung zu politischen Parteizwecken der Sozialdemokraten nicht gestattet, und in diesem Sinne können wir uns nicht enthalten, unsere Genugthuung dem Polizeipräsidium für seine energische Haltung demgegenüber aus- zilsprechen." Von dieser Sympathiebezeugung wird das Palizet- Präsidium sicherlich höchst erbaut sein. Ein eigenthümlicher Standpunkt ist es aber, den die„Deutsche Gastwirthe- Zeitung" einnimmt, indem sie sich die Sozialdemokraten zu Prügelknaben ausersieht. Die Inserate im„Vorwärts" haben nur die sozial- demokratischen Schankwirlhe an ihre Pflicht, in dieser all- gemeinen Wirtheversammlung zu erscheinen, da in derselben wirthschaftliche Jnteressenfragen, die auch sie berühren, erörtert werden sollten, erinnert. Aehnlichen vom Verbände einberufenen allgemeinen Wirtheversammlungen haben bei früheren Gelegen- heilen jederzeit sozialdemokratische Schankwirtbe unbeanstandet und unbeschadet der Erörterung der wirthschaftlichen Fragen bei- gewohnt. Nun mit einem Male hieraus eine politische Ueber- rumpelung horauszutüfteln, vermag nur in Einfalt ein kindlich Gemüth. Wenn es darauf abgesehen gewesen wäre, hätte man sich wahrlich die mehrmalige öffentliche Ankündigung ersparen können! Wenn dann in dem Artikel weiter gesagt wird: „Der Verband d�. Gast- und Schankwicthe für Berlin und Umgegend hat nun einmal mit der Sozialdemokratie nichts zu schaffen," so meinen wir, daß der Verband sich hierauf nichts einzubilden braucht. Besteht doch der Verband zum größten Theile aus kleinen Schankwirthen, die auf Arbeiterpublikum an- gewiesen sind, mithin zum großen Theile von sozialdemokratischen Groschen leben. Schrieb doch das offizielle Organ in einem früheren Artikel:„der Gast- und Schankwirth, welcher aul Arbeiterkundschaft angewiesen ist, kann, wenn er nun bei einer der boykoltirteu Brauereien„hängt", einfach die Bude zumachen;" und weitem:„Getroffen wird von dem Boykott nur der Gast- und Schankwirthestand, der leider durchgängig auch zum Proletariat zählt." Unter solchen Umständen ist die antisozialistische Kundgebung des Verbandes noch be- merkenswerther. Wenn jene Herren Gast- und Schankwirthe von den Sozialdemokraten absolut nichts wissen wollen, dann können sie sich nicht wundern, wenn schließlich auch diese in dem jetzigen Kampfe der sozialistischen Arbeiterschaft auf sie keine Rücksicht nehmen. Sehr richtig wird bemerkt, daß die Gast- und Schankwirthe in dieser Frage des Zusammenstoßes zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Pufferstellung einnehmen. Wenn aber weiter gesagt wird, daß jenen der Ring der Brauereien ebenso unangenehm ist. wie der Ring der Ar- beiter, sie also gesonnen sind, den Kampf ihrerseits gegen zwei Fronten zu führen, so werden ja die Herren Schankwirthe bald sehen, wohin sie mit dieser Taktik kommen. Und wenn sodann das offizielle Organ weiter schreibt:„Wir nehmen keinen Anstand, zu erklären, daß ein großer Theil der beim Kollegen Schnegelsberg erschienenen Personen nicht dem Gast- und Schankwirthestande angehörte, sondern zu den sozio- listischen Lärmmachern gehörte, und wir müssen diesen Versuch, die Gast- und Schankwirthe Berlins als Vorspann der sozialistische» Machtbestrebungen zu benutzen, nachdrücklich zurück- weisen", so kann dieses Bekenutniß einer schönen Seele wohl kaum dazu beitragen, bei der Berliner Arbeiterschaft Sympathie für jene Herren zu eriveckeu. Sie Lümmel, Sie! Auf die Qualität der Fürsorge, mit der die Großindustriellen im lieblichen Zeitalter der Sozial- reform zum Theil die Arbeiter überschütten, wirft ein Vorgang ein bezeichnendes Licht, der sich vor kurzem im Arbeitsnachweise- Bureau des Verbandes Berliner Melallindustrieller abgespielt hat. Einem Arbeiter war Gelegenheit geboten, in eine größere Fabrik einzutreten. Zu diesem Zweck mußte er. wie durch Unter- nehmer-Ukas bekanntlich festgesetzt worden, sich vom Arbeits- Nachweis die übliche Bescheinigung darüber holen, daß er gegen die heiligen Gebote des Kapitals bisher nicht gefehlt habe. Als der Arbeiter im Bureau seinen Wunsch vortrug, fragte ihn der Beamte, ob er schon früher einmal eine Arbeitsbescheinigung erhalten habe; in diesem Falle müsse er dieselbe vorzeigen. Der Arbeiter entgegnete, daß ihm der bei einem früheren Arbeitswechsel auf dem Bureau verabfolgte Schein leider abhanden gekommen sei; man möge ihm daher, ohne diesen einzufordern, einen neuen ausstellen. Auf diese Er- klärung erfolgte seitens des Beamten die Antwort:„Sie Lümmel Sie, wie können Sie den Schein ver- l i e r e n? Sie bekommen keinen neuen Schein!" Alle Wider- rede des Arbeiters prallte an dem strengen Rechtlichkeitssinn der Beamten ab und auch die entschieden ausgesprochene Bitte, sich vor Beleidigungen zu hüten, übte auf den Mann am Bureau- tisch keine andere Wirkung aus, als daß er zu leicht errathbarem Zweck einen Gummischlauch hervorzog. Ein anderer Arbeiter. der zufällig Zeuge des Vorfalls war, wurde entfernt und der Beamte ver- schloß das Zimmer. Auf einen Anruf durchs Telephon trat bald ein Herr, der angeblich Vorsteher des Bureaus war. ein, dem der vorerwähnte Beamte eine in seinem Sinn gehaltene Darstellung des Zwischenfalls gab. Das Resultat kann man sich nach dem Voraufgegangenen denken, der„Vorsteher" forderte ebenfalls den Gummischlauch als ultimo ratio und der Arbeiter wurde in einer Form, die nicht in Knigge's Umgang mit Menschen zu finden, zur Thür hinausbefördert. Einige Tage später folgte noch ein kleines Nachspiel. Der Arbeiter fand nämlich beim Nachsuchen im Hause den alten Schein wieder und ging damit, so schwer es ihm ankam, wieder zum Nachweisbureau. Unter ähnlichen Komplimenten, wie er sie bei der geschilderten Begegnung über sich ergehen lassen mußte, wurde dem Arbeiter alsdann endlich der neue Schein verabfolgt. So bezeichnend dieser Vorgang für vas gegenwärtige Ver- hältniß zwischen Arbeiterschaft und Unternehmerthum ist, so wenig ist den Leuten, welche ihre ökonomische Uebermacht benutzt haben, um ein Institut, wie den„Arbeitsnachweis" zu gründen, wie auch denen, welchen die Leitung dieses Instituts obliegt, gegenüber eine besondere Entrüstung angebracht. Ten Machtverhält- nissen entspricht in der heutigen Gesellschaft auch der äußerliche Umgangston, und dementsprechend wäre es ein Wunder, wenn der Verkehr zwischen den Beamten und den auf sie angewiesenen Arbeitern in besonders liebenswürdigen Formen zur Geltung käme. Wenn ein Vorwurf zu erheben ist, so kann er nur die Arbeiterschaft in ihrer Masse treffen, die es bisher noch zum großen Theil versäumt hat, auf die Bedeutung einer festgeschlossenen Gewerkschaftsbewegung das gebührende Gewicht zu legen. Bisher war es immer nur die oft sehr geringe Minderheit einer Arbeiterkategorie, die sich auf die Pflicht zur Gewerkschastsorganisqtion besonnen hatte. Erst wenn es dem Arbeiter gelungen ist, seine heutigen Berufsverbände zu dem zu machen, was sie sein sollen, kann er darauf rechnen, daß sich auch die Arbeitsvermittlung in den Formen vollzieht, die ihm genehm sind. Ein Vergnügen eigener Art ist und bleibt'ne Wasser- fahrt.... in den Wagen der Linie Weddingplatz- S p i t t e l m a r k t. Sobald der Himmel sich bezieht, rücken die Passagiere unruhig von einer Stelle auf die andere, denn sie wissen mit peinlicher Sicherheit, daß sie von dem Regen ihr ge- messencs Theil abbekommen. Diese Wagen— von den Kundigen treffend mit dem Namen Wasserwagen belegt— lassen an ver- schiedenen Stellen das himmlische Naß durch; gestern Vormittag wurden in einem Wagen dieser Linie nicht weniger als acht Stellen gezählt, wo das Waffer heruntertropste. Es bedarf keiner Erläuterung, in welcher Weise das schmutzige Wasser auf helle Kleider ec. einwirkt. Tie Kondukteure, an denen die Passagiere zum Theil ihren Unmnth auslassen, versuchen vergeblich mit ihren Wischtüchern die Spuren des Wassers zu vertilgen. Im Interesse des fahrenden'Pnblikums ist denn doch die Einstellung weniger durchlöcherter Wagen dringend zu wünschen. Andernfalls empfehlen wir der Direktion der Großen Berliner Omnibus-Ge- sellschaft Regenschirme in genügender Anzahl zur Benutzung dieser Wagen bereit zu hallen--- Steuern in der Haseuhaide. Eine unangenehme Ueber- raschung ist vorgestern den Schaustellern und Budenbesitzern in der Hasenhaide zutheil geworden. Sie erhielten ein Schreiben des Tempelhofer Gemeindevorstandes, in welchem ihnen eröffnet wurde, daß nach dem Regulativ vom S. Mai 1S93 eine Lust- barkeits-Abgabe von SO Pf. bis 5 M. aufwärts pro Tag erhoben werden soll. Verhaftet wurde am Donnerstag Morgen der Parteigenosse Schuhmacher Johann Nauer iu seiner Höchstestr. 1l belegenen Wohnung. Ueber die Gründe, welche die Behörde zu diesem Schritt veranlassen, ist uns zur Zeit nichts bekannt. Feuer in der italienischen Ausstellung. Heute Morgen kurz nach 6 Uhr bemerkten Angestellte der Ausstellung, wie ans dem Hauptrestaurant dicker Qualm hervordrang. Zunächst wurde die Charlottenburger Feuerwehr gerufen, die des Brandes in kurzer Zeit Herr wurde. Ein undichtes Heizungsrohr der Koch- Maschine hatte eine Bretterwand und einen Theil der Decke ent- zündet. Gleichzeitig mit der Charlottenburger war durch den Fernsprecher die Berliner Feuerwehr gerufen worden, die mit den Zügen 9. 12, 13 und 18(Dampfspritzenzug) und dem Per- sonenwagen El(Hauptfenerwache) auf der Brandstelle eintraf. Zugegen ivaren der Branddirektor Giersberg. Brandinspektor Reinhardt und Brandmeister(Adjutant) von Moltke. Die Berliner Wache trat nicht mehr in Thätigkeit. Daß die hiesige Feuerwache in so großer Stärke ausrückte, ist dem Umstände zu- »»schreiben, daß die Ausstellungsgebäude aus Holz und geölter Leinwand bestehen. Der Bau Kochstraße 73 ist inzwischen nochmals durch den Baurath Hacker besichtigt worden. Dieser Sachverständige hat nunmehr die Erlaubniß ertheilt, daß der große Schutt- Haufen, der sich durch den Zusammensturz im Erdgeschoß gebildet hat, fortgeräumt werden darf. Dabei soll aber mit der größten Vorsicht zu Werke gegangen werden. Ein Schutzmanns- Posten steht übrigens noch Tag und Nacht vor dem Bau. Zur PcrsönlichkeitS-Feststellung des Mannes, der sich im Franziskaner erschoß, ist inzwischen noch festgestellt worden, daß der Unbekannte Pfandscheine über in Leipzig verpfände!.' Gegenstände bei sich trug. Ferner hatte er vor wenigen Tagen bei der Packetfahrt-Gesellschaft einen Korb nach Triebes in Renß aufgegeben. Danach scheint es sich um eine Persönlichkeit zu handeln, die bald hier, bald dort ausgetaucht ist. Vermißt wurde seit dem l. d. M. der Musiklehrer Gustav Saackel aus der Lübbenerstr. LI. Er hatte die Wohnung sehr aufgeregt verlassen, sodaß man annahm, er werde sich ein Leides anthun. Dies hat sich bestätigt; denn gestern Abend gegen 6 Uhr trieb im Fluthgraben am Schlesischen Thore die Leiche eines Mannes an, die von Zivilpersonen gelandet wurde. Ein zufällig vorübergehender Musiklehrer aus der Manteuffelstrasii erkannte in dem Leichnam seinen verschwundenen Kollegen. DaS Gerichtsverfahren gegen den Gastwirth August S tag e aus Charlottenburg, der am 27. März d. I den Arbeiter Ernst Strahl bei Gelegenheit der Lokaleinweihung durch einen Messerstich in die Gurgel getödtet haben sollte, ist jetzs eingestellt worden. Dies Ergebniß ist dem Zengniß zweier taub- stummer Männer zuzuschreiben, die als Augenzeugen bekundet haben, daß Strahl an der tödtlichen Verletzung selbst die Schuld getragen hat. Er soll nämlich bei einem Angriff auf den Wirtb in das Messer selbst hineingerannt sein. Die Sammelliste 34 für die ausgesperrte» Schuh- macher in Burg ist verloren gegangen. Der Finder dieser Liste wird gebeten, sie an A. Fletsch er, Höchstestraße 11, ab- zuliefern. Polizeibericht. Am ö. d. M. VoimittagS wurden im Fluthgraben und in der Spree, bei dem Grundstücke Fruchtstr. 1 die Leichen von Männern angeschwemmt.— Vormittags wurden ein Arbeiter auf dem Boden eines Stallgebäudes, in der Kolonie- straße, und ein Mann in seiner Wohnung, am Elisabeth-Ufer, erhängt vorgefunden.— Abends fand im Hause Königsberger- straße 4 ein kleiner Brand statt. WitteruugSiibersicht vom 7. Jnui. Witterung in Deutschland am 7. Juni, 8 Uhr Morgeus. Unter dem Einflüsse eines in Nordwest-Deutschland befind- lichen barometrischen Minimums herrscht heute fast allgemein trübe Witterung. Zwischen Weser und Oder finden ergiebige Regenfälle statt. Die südwestlichen Winde haben sich in Süd- und Mittel-Dentschland verstärkt, während längs der Küste nur ichwache Ostwinde wehen. Die Temperatur, welche gestern Nach- mittag zu München 24 Grad C. überschritt, ist heute früh meistens ein wenig niedriger als vor 24 Stunden; die höchste Morgentemperatur meldet Mülhausen i. E. mit 18, die niedrigste Memel mit 11 GradICelsius.! Wetter-Prognose für Freitag, den 8. Juni 1894. Zunächst ziemlich trübes, etwas regnerisches, nachher auf- klärendes Wetter mit mäßigen nordöstlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetterbureau. GevWtfSrBeitung. Ein fideler Gefaugeuen-TranSport beschäftigte gestern die erste Straskammer am Landgericht II. Wegen fahrlässigen Entweicheiilassens eines Gefangenen war der Gemeindediener Reinhold Gustav Ritter ans Plötzensee angeklagt, während der Fuhrgeschäfts-Kassirer Karl Rettenbach und der Arbeiter Albert Heinrich Wilhelm Döling der vorsätzlichen Gefangenen- Befreiung beschuldigt waren. Im Zentralgefängnisse am Plötzensee hatte der Handelsmann Karl Jäger aus Ripdorf im vorigen Jahre eine längere Freiheitsstrafe zu verbüßen. Gegen denselben schwebte aber noch eine weitere Anklage, in welcher Termin zur Hauptverhandlung am 24. Oktober vor dem Amtsgericht in Ripdorf anstand. Der Angeklagte Ritter erhielt den amtlichen Auftrag, den Jäger zu diesem Termine nach Ripdorf zu transportiren. Als beide im Gerichtsgebäude ankamen, wurde Jäger von seinen Freunden stürmisch empfangen und da noch viel Zeit bis zum Termine war, ließ sich der Transporteur bewegen, mit seinem Transportaten und dessen Freunden nach einer Kneipe zu gehen, wo sehr bald eine urfidele Zecherei im Gange war. Endlich schlug die Stunde des Termins, Jäger erhielt eine Zusatzstrafe von anderthalb Jahren Gefängniß. Statt nun sofort die Rückfahrt anzutreten, begleitete der Transporteur den Gefangenen nach dessen Wohnung, wo beide zusamnien Kaffee tranken. Alsdann ging es mit den Ereunden wieder in eine Kneipe, wo die Stimmung schließ- ch dermaßen bierselig wurde, daß Transporteur, Gefangener und Freunde miteinander Brüderschaft tranken. Das ganze Ver» gnügen sollte indessen in einer schrillen Dissonanz ausklingen. Es war schon spät am Nachmittag, als der Transport auf dem Rixdorfer Bahnhofe anlangte. Hier sah sich der Beamte plötzlich von den Freunden des Gefangenen umringt und ehe er noch wußte, wie ihm geschah, war der Gefangene verschwunden. Nach stundenlangem nutzlosem Umherirren in Ripdorf mußte der Transporteur die Heimfahrt allein antreten. Jäger wurde nach vier Tagen wieder cingefangen. weil sein Freund Döling seinen Schlupfwinkel einem Gendarmen verrathen hatte. Dafür suchte sich der zur heutigen Hauptverhandlung vorgeführte Jäger zu rächen, indem er die Behauptung des Ritter unterstützte, daß Rettenbach und Döling ein förmliches Komplott zu seiner Be» freiung geschmiedet hätten, dessen Seele Döling gewesen sei. Das Urtheil des Gerichtshofes lautete für Ritter auf S0 Mark Geldstrafe, für Rettenbach aus 14 Tage und für Döling aus 1 Monat Gefängniß. Der Herr Polizeilieutenant. Wegen Unterschlagung im Amte und wegen Betrugs hatte sich am Mittwoch der noch nicht 26 jährige Polizeilieutenant a.D. Stimniel vor dem Leipziger Landgericht zu verantworten. Derselbe ist der Sohn eines im Jahre 1886 zu Plauen i. V. verstorbenen Rechtsanwalts und Notars, dessen Wittwe in zweiter Ehe mit einem Ober-Bürger- meister verheirarhet ist. Bis Ende 1891 war der Angeklagte Sekondeiieutenant in Straßburg. Von dort wurde er als Invalide mit einer Jahrespenston von 1937 M. entlassen und nun nahm er eine Jnspektorstelle bei der Lebens» versicherungs- Gesellschaft„Nordstern" an, die er jedoch im September 1892 mit der eines Polizeilieutenants beim Leipziger Polizei- Amte vertauschte. Als solcher erhielt er neben feiner Offizierspension noch 2500 M. Gehalt. Damit kam aber Stimme!, dem 1836 ein väterliches Erbtheil in Höhe von 12 000 M. zugefallen war, nicht aus. der Herr Polizeilieutenant wurde vielmehr wegen zum Theil hoher Schuldbeträge wiederholt ausgepfändet. Im September 1893 hatte er von ihm einkassirle Gelderjiir Verlängerung der Polizei- stnnde unterschlagen und einen hiesigen Kaufmann hat er unter Vorspiegelung falscher Thatsachen um 500 M. betrogen. Ferner wurde ihm zur Last gelegt, daß er im August v. I. im Kryftall- palast eine Abcndzeche von 39,S0 M. gemacht, aber den Ober- kellner trotz wiederholten Mahnens nicht bezahlt hat. Auch ein Kellnerlehrliug im Theaterrestaurant, bei welchem der Herr Polizei- lieuteuant einen Pump in Höhe von 18,SS M. anlegte, ist um diese Summe betrogen worden. Ebenso sind ein Reisender und ein Hofschneider in Dresden um nicht unbedeutende Geldbeträge gebracht worden. Ter Angeklagte, der dies alles mit Vergeßlichkeit zu entschuldigen versuchte, wnrde, unter Freisprechung in den letzterwähnten Fällen, wegen Unterschlagung im Amte und wegen Betrugs zu sieben Monaten Gefängniß und zwei Jahren Ehr- verlust verurtheilt. In der Mehrzahl der unter Anklage gestellten Betrugsfälle konnte der Gerichtshof nicht der Ueber- zeugung gewinnen, daß Stimmel von vornherein in betrügerischer Absicht gehandelt habe. In einer mehr als fiebeustiindigen Sitzung hat die lV. Strafkammer des Landgerichts I gestern die schon mehrfach abgebrochenen Verhandlungen in der Strafsache gegen den Ein- brecher Schuhmacher Klein und den Tanzmeister Rieft zu Ende geführt. Die Sache hatte durch den Umstand größeres Interesse erregt, als der Angeklagte Rieft der Sohn eines be- kannten Saalbesitzcrs ist. Nach dem letzten Termin war Niest gegen eine Bürgschaft von 12 000 M. aus der Untersuchungshast entlassen worden.— Dem Angeklagten Klein wurde von der Anklagebehörde zur Last gelegt, zahlreiche Einbruchsdiebstähle, denen viele hiesige Pserdebesitzer zum Opfer gefallen sind. ausgeführt zu haben. In den verschiedensten Gegenden der Stadt wurden nächtlich-r Weile aus den Pferdeställen Geschirre und andere Utensilien gestohlen. Dem Kriminal- kommissar Grützmacher gelang es, den Angekl. Klein als den Dieb und gleichzeitig die Thatsache festzustellen, daß ein großer Theil der gestohlenen Geschirre den Weg zu Rieft genommen hat. Letzterer betrieb neben seinem Amt als Tanzmeister im Lokale seines Vaters noch einen umfangreichen Handel mit Pferdegeschirren. Er behauptete, von einem unredlichen Erwerb keine Kenntniß gehabt zu haben. Da eS darauf ankam, die Identität der gestohlenen Geschirre mit den bei Rieft beschlag- »ahmten festzustellen, so war ein ganzes Geschwrlager an Gerichtsstelle gebracht worden und die Verhandlung mußte des- halb im kleinen Schwurgerichtssaale stattfinden.— Nach den Er- gebnissen der Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt das schuldig gegen beide Angeklagte und gegen Klein 11 Jahre, gegen Rieft 3 Jahre Zuchthaus. Der Gerichtshof ver- urlheilte Klein zu S Jahren. Rieft zu 2 Jahren Zuchthaus. Der Maurer Gustav Baum, welcher gestern der zweiten Straskammer des Landgerichts I vorgeführt wurde, sollte seine Ehefrau in einer das Leben gefährdenden Weise mißhandelt haben. Die Frau wurde am 13. Februar d. I. ins Krankenhaus gebracht, sie hatte eine schwere Verletzung am Hinterkopfe. Ein alter chronisches Leiden gelangte dadurch zum Ausbruch, sie erlag demselben zwei Tage später. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist die Kopfwunde die mittelbare Ursache des Todes gewesen. Die Verhandlung führte ein Eheleben der traurigsten Art vor Augen. Baum's Ehefrau war Wittwe als er sie heirathete. Er behauptete, daß sie einen bösen, zänkischen Charakter gehabt habe, ihren ersten Mann habe sie so zugesetzt, daß derselbe sich erhängt habe. Auch der Angeklagte will viel gelitten haben. Er behauptete, daß seine Ehefrau ihm das Vorhandensein eines er- wachsenen Sohnes verschwiegen habe, der letztere habe sich erst nach der zweiten Heirath seiner Mutter eingestellt und der An» geklagte habe alle ernähren müssen. Am Abend des 13. Februar labe seine Ehefrau ihm bei Gelegenheit eines ganz geringfügigen Wortstreites den Inhalt riner gefüllten Kaffeekanne ins Gesicht gegossen, er habe sie zurückstoßen wollen, seine Frau sei schnell zurückgetreten, habe sich mit den Füßen in ein Stück Teppich verwickelt, sei rückwärts gefallen und habe sich dabei den Kops legen eine spitze Ecke der Kommode zerschlagen. Die 10jährige Stieftochter gab eine andere Schilderung des Vorfalles. Der Angeklagr« fei der Angreifer gewesen. Er habe die Mutter gepackt und sie mit voller Gewalt rückwärts zu Boden geschleudert. Ihre Mutter sei bewußtlos und aus einer tiefen Kopfwunde blutend liegen geblieben. Es wurde ferner erwiesen, daß der Angeklagte seine Ehefrau vielfach gemißhandelt hatte. Diese Umstände, sowie die Thatsache, daß der Angeklagte ein wegen Gewaltthätigkeiten vielfach, einmal sogar mit 4 Jahren Gefängnis vorbestrafter Mann ist, überzeugten den Gerichtshof, daß die Darstellung des Kindes die richtige sei. Das Urtheil lautete auf ein Jahr E e f ä n g n i ß. wovon 3 Monate durch die erlittene Unter- suchungshaft für verbüßt erachtet wurden. Ei» dunkler Sachverhalt lag einer Anklage wegen ge- fährlicher Körperverletzung zu Grunde, die gestern den Schuh- macher Max V e t t e r vor die neunte Strafkammer des Land- gerichts I führte. Er wurde beschuldigt, den Schlossermeister Schoppan durch den Schuß eines Revolvers am Halse verletzt zu haben. Der Angeklagte bestritt diese Beschuldigung, wollte von einem solchen Schuß absolut nichts wissen und gab der Meinung Ausdruck, daß ein solcher vielleicht nur in der Phantasie des Zeugen bestehe. Letzterer behauptete, daß, als er am 27. Mai, Abends kurz nach 10 Uhr, nach Hause gekommen sei, er den in demselben Hause wohnen- den Angeklagten Vetter mit einem anderen jungen Manne vor der dunklen Hausthür angetroffen habe. Vetter habe ihm seinen Begleiter als den jungen Mann vorgestellt, über dessen Einstellung in seiner Schlosserwerkstatt er mit ihm bereits ge- sprachen habe. Während des Gesprächs habe er in der Hand des Vetter plötzlich etwas„knipsen" gehört, er habe einen Feuer- schein bemerkt und einen geringen Schmerz am Halse gefühlt. Mit dem Bemerken„Das war nicht meine Absicht!" hätten sich Vetter und sein? Begleiter schleunigst entfernt. Der Meister ist dann nach drei Tagen, als er bemerkte, daß er eine eiternde Wunde am Halse hatte, die ihn schmerzte, zum Dr. Schöps gegangen und ist von diesem kurze Zeit behandelt worden. Der Arzt hat nicht feststellen können, ob die Wunde von einem Schuß oder einen Stich herrührte. Der als Sachverständiger vernommene Hof-Büchsenmacher Barella erklärt es als sehr unwahrscheinlich, daß bei einem aus so unmittelbarer Nähe abgegebenen Revolver- schuß das Geschoß an einem Knochen des Halses abgeprallt sein könne und daß nicht ein lauter Knall gehört sein sollte. Der Angeklagte, sein Begleiter und noch mehrere andere Zeugen be- stritten, daß das von dem Zeugen geschilderte Gespräch vor der Haus- thür nach IVUHr Abends stattgefunden habe. DerAngeklagte will um diese Zeit überhaupt nicht mit dem Zeugen zusammengetroffen sein, jenes Gespräch vielmehr schon um 7 Uhr geführt haben. Von einem Schuß ist weder ihm noch seinem Begleiter das Ge- ringste bekannt, letzterer mußte aber zugeben, daß Vetter früher einen Revolver besessen habe. Der Zeuge blieb trotz alledem fest bei seiner Schilderung, legte das durchlöcherte Hemde vor und zeigte dem Gerichtshofe die Narbe an seinem Halse. Nachdem ein Zeuge noch bekundet hatte, daß der Zeuge an jenem Abend etwas angetrunken gewesen, erachtete der Gerichtshof mit dem Staatsanwalt die Sache in subjektiver Beziehung für nicht ge- nügend aufgeklärt und erkannte auf Freisprechung. Soziale Achtung, Parteigeifossen! An alle Inhaber von Sammellisten für die ausgesperrten Kuhnhcim'schen Arbeiter richtet das unterzeichnete Komitee die dringende Bitte, recht eifrig zu sammeln und den Betrag schleunigst an H e i» r i ch B ö k e r t, Adlershof, Bismarck st raße 37, abzuliefern. Ebenso wird um schleunige Ablieferung der bewilligten Gelder aus den verschiedenen Volksversammlungen gebeten. Unbegreiflich ist es uns, wie man derartige Gelder so lange zurückhalten kann. Treffen sie bis Sonnabend nicht ein. so kann an ca. 30 Familien- väter keine Unterstützung gezahlt werden. Das Unter st ützungs-Komitee. Achtung, Schuhmacher! In der Fabrik von Rosen- thal und Groß, Grünstraße(Amerikanische Schuhfabrik), sind 50 Arbeiter in Streik getreten. Die Ursache des Streiks ist die Aussperrung der Zuschneider, Lohnabzüge und die Forderung der Streikenden auf Abschaffung der Fabrikordnung und humane Behandlung. Wir bitten die Kollegen, den Zuzug streng fernzuhalten. DieKom Mission. Der Streik der Stettiner Steinsetzer dauert nun bereits 10 Wochen(seit 1. April); von keiner Seite ist bis jetzt die ge- ringste Nachgiebigkeit gezeigt worden. Die Jnnungsmeister er- klären, überhaupt von den Streikenden keinen Mann mehr be- schäftigen zu wollen, und die Streikenden haben bis jetzt noch jeden Einzelnen der wenigen Zuzügler weggefischt und wieder abgeschickt! Die Streikenden sind fester als je entschlossen, den aufgedrungenen Kamps bis aufs äußerste zu führen. Die Hälfte der Streikenden hat Stettin bereits verlassen, um fern von Frau und Kind ihre Existenz zu suchen, die ihnen daheim so schwer gemacht werden soll(20prozentige Lohnherabsetzung). Wir bitten wiederholt sämmtliche Genossen des Baufaches, Steinsetzer vor Zuzug nach Stettin zu warnen, da die Unter- nehmer Woche für Woche durch bürgerliche Blätter Arbeitskräfte heranzuziehen suchen. Wenn möglich, wird auch um materielle Unterstützung gebeten. Adresse: C. Ortmann, Stettin, Deutschestr. 36. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ge- beten. Das Ende des SchuhmacherstreikS in Burg steht nicht, wie wir gestern fälschlich mitgetheilt, in baldiger Aussicht, sondern dauert, einem Privattelegramm des Streikkomitees zufolge, un- verändert fort. Zu unserer gestrigen Notiz glaubten wir uns um so mehr berechtigt, als die in derselben enthaltenen thatsächlichen Angaben der Magdeburger„Volksstimme" ent- nommen waren, eines Arbeiterblattes, das sich innner über den Streik als gut unterrichtet gezeigt hat. Allem Anschein nach sind zwischen der Streikkommission einerseits und dem Ver- trauensmann der deulschen Schuhmacher, W. Bock aus Gotha, tiefgehende Meinungsverschiedenheiten in bezug auf die zu stellenden Friedcnsbedingungen ausgebrochen. Indem uns sichere Nachrichten noch von keiner Seite vorliegen, be- schränken wir uns auf das oben Gesagte und rathen den Be- theiligten, allen gegen die Betheiligten sprechenden Gerüchte vor- läufig mit Vorsicht zu begegnen. Der Streik der Kniipferiuneu in Hannover ist beendet. Gestern Morgen nahmen die Streikenden, nachdem ihnen seitens der Firma Dehmann. Spoerer und Friedrich sämmtliche Forderungen bewilligt waren, die Arbeit wieder auf. Neber die Lohnbewegung in der Schweiz schreibt man uns von dort: Die für die diesjährige Lohnbewegung von der schweizerischen Arbeiterschaft aufgebrachte Summe be- trägt bereits S0 000 Franken. Der Streik der Schreiner und Schmiede und Wagner in Zürich dauert fort. Der Streik der K ü f e r in R h e i n f e l d e n hat mit dem Siege der Arbeiter geendet, während die Schmiede und Wagner in Winter- t h n r den Streik für beendet erklärten, nachdem immerhin einige Zugeständnifle seitens der Meister gemacht wurden. Verloren für die Arbeiter ist der Streik der Schuhmacher in Ölten. Die schweizerische StreiNampagne ist für dieses Jahr noch nicht ganz beendet, doch darf man jetzt schon sagen, daß sie mit wenigen Ausnahmen auf der ganzen Linie einen unglücklichen Verlauf genommen und die Unternehmer im selben Maße zusammengeführt hat, als die Arbeiterorganisationen durch Maßregelungen und Abreise der Mitglieder zerriffen worden sind. Das zweischneidige Schwert des Streiks hat offenbar die Arbeiter mehr geschädigt als die Unternehmer. Die Zentral- Krankenkasse der Frauen und Mädchen Deutschlands ist, wie aus der Generalversammlung in Mainz mitgetheilt wurde, in ihrer Mitgliederzahl von 10 450 am Schlüsse des Jahres 1892 auf 9010 am Schluffe des Jahres 1893 gesunken. Zwischen den streikenden Kutschern Londons und den Wagenbesitzern hat sich der Minister des Innern erboten, zu ver- Mitteln. Eine frohe Botschaft konnten am 31. v. M. die Aktionäre der„Vereinigten Köln- Rottweiler Pulverfabriken" bei ihrer Generalversammlung entgegen nehmen. Der Auserwählten sind nicht sehr viele; 28 Aktionäre waren erschienen, alles Leute, die weder das Pulver erfunden haben, noch die Fabrikation des- selben betreiben, sondern das ruhig ihren Arbeitern überlassen. Der Generaldirektor machte der Versammlung Mittheilung über die seit Fertigstellung des Berichts eingegangenen größeren Auf- träge auf Militärpulver, und schilderte die Aussichten des Ge- schäfts als erfreulich und denen des vergangenen Geschäftsjahres nicht nachstehend. Haißt'n Geschäft! Der Militarismus ver- pulvert ja ungeheure Summen und die armen Pulveraktionäre verdienen dann doch wenigstens so viel, daß auch sie ihre Geld- minen springen lassen können. Ein industrielles Kartell- Projekt. Aus C h e m n itz wird geschrieben:„Da die sehr schlechten Verhältnisse in der sächsischen Strumpf waaren- Fabrikation noch immer andauern, so giebt man sich jetzt hier von ver- schiedenen Seiten Mühe, diese Industrie zu k a r t e l l i r e n. Dieser Gedanke erscheint jedoch gänzlich undurchführbar. In der Strumpfwaaren-Fabrikation ist die Zahl der kleinen und kleinsten Fabrikanten Legion, ihre Verhältnisse sind vielfach derartige, daß sie sich den ausländischen Bestellern fast bedingungslos fügen müffen. Eine Vereinigung der bessergestellten Fabrikanten zur Erzielung höherer Preise-c. würde die ohnehin mit jedem kleinen Faktor bereits direkt verkehrenden Einkäufer nur den geschäftlich skrupellosen Fabrikanten noch mehr zutreiben. An eine an- nähernd vollständige Kartellirung der sehr verschiedenartigen Elemente in der Strumpfwaaren-Fabrikation ist durchaus nicht zu denken. Das ist auch den großen Firmen dieser Industrie sehr wohl bekannt und deshalb werden sie dem Gedanken nicht näher treten."— Nun, was vorläufig noch nicht möglich, mit der Zeit wird es doch eintreten. Sind erst einige groß geworden, dann wird der Aufsangungsprozeß beginnen. Ein deutsches Zuckershndikat. In Oesterreich besteht schon seit einer Reihe von Jahren ein Kartell der Zuckerraffinerien. Dadurch ist es den vereinigten raffinirten Raifinerien möglich gemacht worden, dem Volke jährlich rund 20 Millionen Mark mehr aus der Tasche zu holen. Die Riesenprofite der öfter- reichischen Zuckersieder scheinen es den Deutschen angethan zu haben, sie wollen auch so was ähnliches zu Stande bringen. Auf der letzten Versammlung der Zuckerindustriellen Deutschlands wurde ein Flugblatt vertheilt, welches den Vorschlag macht, sämmtliche deutsche Zuckerfabriken und Raffinerien in ein Syndikat zusammenzufassen. Wer nicht milthun will, soll niederkonkurrirt werden dadurch, daß man ihm entweder den Rohzucker vor- enthält oder sein Rübengebiet entwindet. Anch der nächste Zweck des Syndikats ist in dem Flugblatte gleich angegeben. Von jedem im Jnlande verkauften Zentner Zucker erhält die vom Syndikat eingerichtete Verkansszentrale 4 M. Mit diesem Gelde wird die bisherige, an einem bestimmten Tage wegfallende staatliche Exportprämie den Ex- porteuren weiter gewährt, der Rest wird an die Syndikats- Mitglieder aufgetheilt. Der Effekt für die Konsumenten in Deutsch- land würde sein, daß sie jährlich 40 Millionen Mark mehr zu zahlen hätten als bisher.— Der Plan des Flugblattmachers wird zwar nicht so schnell seine Verwirklichung finden, als es sein Schöpfer denkt und hofft. Aber so aussichtslos ist er nicht. Die Regierung kann und wird nichts dagegen lhun. Die Land- wirthschaft befindet sich ja in einem Nothstand und die Zucker- siederei gehört zur Landwirthschaft, srgo geht es auch ihr schlecht. Wie folgendes Beispiel zeigt. Vor zwei Jahren verdiente die Zuckerfabrik, zu deren Hauptaktionären Herr Bennigsen gehört, Herr Bennigsen für den jetzt auf den westfälischen Schächten die Arbeiter-Nickel und Arbeitergroschen zusammengetrommelt werden— in einer Campagne mehr als ihr ganzes Aktienkapital betrug. Das ist doch Nothstand genug. Dann noch eins. Bis jetzt mußten die Rllbenschnitzel frisch verarbeitet werden, die Thätigkeit der Zuckerfabriken drängte sich auf einen ganz kurzen Zeitraum zusammen, eine Thatsache, die für die Unternehmer eine ganze Menge Uebelstände im Gefolge hatte. Nun lag der technischen 5tommission der Syndikatskammer der französischen Zuckerfabrikanten bei ihrer letzten Zusammenkunft eine Denkschrift über ein Verfahren I vor, durch welches der Er- finder glaubt, im rationellen Fabrikbetriebe den Zucker der Rücken gewinnen zu können, indem die geschnitzelten Rüben ge- trocknet werden, bevor man sie aus kaltem Wege der Diffusion oder Maceration unterwirst. Das Verfahren scheint noch nicht einwandssrei zu sein. Man wird es verbessern. Aber das kostet Geld. Die armen Zuckerbarone können das doch nicht aus ihrer Tasche zahlen. Also wird wohl das arbeitende Volk wieder her- halten müssen. Ob als Versuchsobjekt eines Syndikats, ob da- durch, daß es die Exportprämie für Zucker geduldig weiter zahlt, blechen muß es auf alle Fälle. Die Landwirthschaft ist das Rück- grat, die Hauptsäule, das Fundament des Staates, dessen Zweck nach Bismarck darin besteht, Millionäre zu züchten. DaS Petrolenm-Weltmonopol, dessen Jnaussichtstehen wir schon Ende des vorigen Jahres unseren Lesern anzeigten, ist nun thatsächlich zu stände gekommen. Wie eine Nachricht aus ?Zaris besagt, ist zwischen Rothschild, d. h. dem Kartell der aukasischen Naphta-Jndustriellen, und der amerikanischen Standard Oil Company eine völlige Einigung erzielt worden, der Pakt ist geschloffen, gefertigt und gesiegelt, die Generalaus- beutung auf Volkes Kosten kann losgehen. Aber nicht blos der Petroleum-Großhandel ist den Monopolisten verfallen, auch der Zwischenhandel ist schon zum größten Theil in ihre Fänge ae- rathen, wenigstens in Deutschland. Der deutsche Ab- leger der Standard Oil Company, die deutsch. amerikanische Petroleum-Gesellschaft, zerbricht im Sturmschritt jedwede Konkurrenz. In Stettin war vor einigen Jahren eine Petroleum- Import- Gesellschaft gegründet worden, die den Monopolgelüsten des Herrn Rockefeller und seiner Leute ein Paroli biegen sollte, die Standard Oil Company hat sie auf- gefressen; in Bremen bestand eine Petroleumrasfinerie, die sich sehr rentirte, die Standard Oil Company hat sie sich an- gegliedert. Wie weit die Entwickelung bereits fortgeschritten, geht aus dem Rechenschaftsbericht der Berliner Aktiengesellschaft Petroleum- Lagerhof hervor, der soeben veröffentlicht wird. In diesem Bericht heißt es:„Die Einnahmen sind deshalb zurückgegangen, weil das Petroleum- Verkaussgeschäft sich zu einem Monopol der amerikanischen Petroleum- Jmportgesellschast seit Jahresfrist herausgebildet hat. Es sei kaum noch möglich, Petroleum von anderer Seite zu importiren." Diese Sätze wurden geschrieben, ehe noch die Folgen des Uebereinkommens zwischen Rothschild und Rockefeller sich zeigen konnten. Nach Jahressrist werden die Thatsachen noch eine ganz andere Sprache sprechen. Bergarbeiter-Bewegnng. Die Mincrs Federation beschloß laut„KRnischer Volks-Zeitung", die schottischen Kohlenarbeiter sollten die zugestandene Lohnreduktion rückgängig zu machen suchen, der Verband werde sie bei einem etwaigen Ausstande mit Geld unterstützen. Nun erfolgt eine Abstiinmung der schottischen Arbeiter durch Stimmzettel. Das Ergebniß wird am 8. Juni in einer zu Glasgow abzuhaltenden Bersaminlung vorgelegt werden. VevsÄmmlungen. Eine öffentliche Versammln«» der Maurer und Puffer tagte am 6. Juni in den„Arminhallen". Die Tagesordnung lautete:„Der Bierboykott und welche Lehre haben die Gewerk- schaften daraus zu ziehen?" Der Referent Reichstags- Ab- geordneter Auer nahm aus Anlaß des schwachen Besuches der Versammlung zunächst Gelegenheit, die sich einander befehdenden Organisationen der Maurer zur Einigkeit zu ermahnen und gab ihnen den Rath, allen Streit über diese oder jene Form der Organisation vollständig bei seite zu lassen und die Fehler der Vergangenheit in Zukunft zu vermeiden. Zum Thema übergehend, bemerkte der Redner, daß der„Boykott" wohl dem Namen nach, nicht aber in seiner An- wendung etwas Neues ist. Schon in grauer Vorzeit wurde er in Anwendung gebracht und tritt in der Geschichte überall da, wo sich Gegensätze zwischen verschiedenen Nationen oder Gesellschaftsschichten derselben Nation geltend machen, augenfällig in Erscheinung. Der Name Boykott tauchte zuerst auf im Kampfe der irischen Pächter gegenüber ihren englischen Grnndherren, wo im Herbst 1880 ein Kapitän dieses Namens, der sich der irischen „Landliga", einer Verbindung, welche auf Aenderung der Land- speziell der Pachtverhältnisse und-Gesetze in Irland abzielt, besonders mißliebig machte und von den Jrländern derart in die gesellschaftliche und wirthschaftliche„Acht" gethan wurde, daß Niemand für ihn arbeiten. Keiner von ihm kaufen oder mit ihm verkehren durfte. Das Mittel bewährte sich und das Wort Boykott oder boykotten ging in die englische Sprache über. Bei uns in Deutschland ist dies Verfahren auch nichts Neues. In der bürgerlichen Presse aller Schattirungen wird gerade jetzt ge» legentlich des Bierboykotts ein fürchterliches Geschrei erhoben über den„Terrorismus der Arbeiter" und gerade diejenigen, welche am meisten schreien, haben den Boykott— allerdings gegen Arbeiter— zuerst angewendet. Redner verwies auf die Monate Juli, August u. s. w. des Attentatsjahres(1878), wo tagtäglich auf der ersten Seite vieler bürgerlicher Zeitungen, wie„Post". „Berliner Tageblatt" ee. ec., solche Firmen in fetter Schrift glänzten, welche in überschwänglichem Patriotismus und Byzantinismus erklärten resp. sich verpflichteten, keinen Arbeiter. der einer gewerkschaftlichen Organisation oder einem sozialdemo» kratischen Verein angehört, zu beschäftigen bezw. einzustellen. So war es nicht nur in Berlin, sonder» auch in Sachsen, Rheinland und Westfalen. Später ist dasselbe Verfahren wiederholt worden. Der verstorbene Abgeordnete Max Kaiser habe im Reichstage eine Liste vorgelegt, welche Namen von vielen Dutzenden von Großindustriellen enthielt, die sich zur Nichtbeschäftigung einer großen Anzahl,„im Geruch der Sozialdemokratie stehender", be- stimniter Arbeiter verpflichteten. Der Fall habe damals viel Aufsehen erregt, doch habe es nicht lange gedauert, so mußten selbst die königl. Fabrikinspekloren in ihren Berichten konstatiren, daß seitens vieler Fabrikanten die„löbliche" Praxis geübt werde, die Entlassungsscheine der Arbeiter zu„kennzeichnen". Be- kannt sei za auch das„Hand in Hand gehen" des Kriegsministers v. Verdy mit den Privatbetrieben aus Anlaß der Aussperrungen der Arbeiter durch die„Kühnemänner" gelegentlich der Mai- fcier im Jahre 1390. Ebenso betheiligten sich damals und noch heute die königl. Eisenbahnverwaltungen am Boykott gegen„miß- liebige" Arbeiter; weiterer Beweis in neuerer Zeit sei die „schwarze Liste" des Hauptmanns a. D. Strack, des Direktors auf Grube„Ilse" bei Guben, aus der zur Evidenz hervorgeht, daß nicht selten mit Unterstützung der Staatsbehörden der Boykott — gegen Arbeiter geübt wird. Nun, wo ihn die Arbeiter zur Verthcidigung ihrer Rechte gegenüber ihren Unterdrückern in Anwendung bringen, schreien alle bürgerlichen Parteien, vom Slöcker bis zum großen Eugen nach dem Staats- anmalt, Aenderung der Strafgesetze und allem Möglichen. Nachdem Redner an markanten Beispielen nachgewiesen, daß auch Militärbehörden, Landräthe und auch städtische Polizeiorgane sehr gut das edle Handwerk der Saalabtreiberei— jedenfalls doch auch eine Art Boykott— verstehen und betreiben, konstatirte er, daß seitens der sozialdemokratischen Partei der Boykott nur in sehr seltenen Fällen und nur dann in Anwendung gebracht werde. wenn„Sein oder Nichtsein" derselben ernstlich in Frage komme. Redner erklärte im Namen des Parteivorstandes und glaubte hierbei auch der Zustimmung der gcsammten Fraktion sicher zu sein, daß auch die Arbeiter der Nahrungsmittel-Jndnstrie ihren Streit und ihre Lohnkämpfe mit dem Unternehmerthum in der- selben Weise auszufcchten haben wie jede andere Gewerkschaft, und daß sie hierbei nur auf moralische und finanzielle Unterstützung der organisirten Arbeiterschützung rechnen können. Deshalb haben auch der Boykott des Klingel- Bolle, der Löser u. Wolff und einzelner Brauereien in früheren Jahren nicht die Sympathie der Gesammtheit der Parteigenossen gefunden. Auch die Böttcher haben sich getäuscht, wenn sie glaubten, bei ihrem Vorgehen a m und.n a ch dem 1. Mai auf Unterstützung durch den Boykott rechnen zu können; sie seien auch von maßgebender Stelle gewarnt Wörden und hatte somit das Risiko auf sich und ihre Organisation selbst zu nehmen. Der Redner gah hierauf ein Bild über die Ursachen, die Ent- stehung und den bekannllichen Verlans des Bierboykotts. Wenn auf der gegnerischen Seite, ebenso wie bei uns, der Wunsch, den Kamps zu vermeiden, vorhanden gewesen wäre, dann wäre es nie dazu gekommen. Der„Bierkönig" wollte aber den Kampf und„schlug los". Die allezeit kämpf- bereite Sozialdemokratie, durch die Provokation des„Ringes" alarmirt, aber nicht überrascht, mußte den hingeworfenen Fehde- Handschuh aufnehmen, die Ehre der Partei stand auf dem Spiele. Der Kampf dürfte noch lange und schars geführt werden und Jeder müsse sich befleißigen, über die Situation klar zu werden. Der Ausgang kann kaum zweifelhaft sein. Durch weitere Maßregelungen ihrer Arbeiter würden die Brauereidirektoren die Flamme wieder zu Hellem Feuer anfachen und wäre es von unserm Standpunkt aus nicht zu bedauern, wenn sie in der vermeintlichen Wahrnehmung ihrer Interessen so blind darauf losgehen würden. Verhindern können wir es nicht und denjenigen, die dem Boykott bisher wenig sympathisch gegenüberstehen, würden endlich die Augen geöffnet über die angebliche Menschen- und Arbeitersreundlichkeit der Rösicke und Konsorten. Käme dann noch die„Lokalfrage" hinzu. hei! das gebe ein lustiges Jagen und uns spränge der allzu- schars gespannte Bogen sicherlich nicht in die Augen. Unsere Friedensbedingung ist:„Herstellung des Zustandes vor der Aussperrung der Vrauerei-Arbeiter". Unsere Positionen können nur dann verloren gehen, wenn die Berliner Arbeiter so charakterlos wären, zu Happoldt und Rösicke zu gehen und zu sagen:„Bisher habt ihr uns nur mit Ruthen gepeitscht, bitte, züchtet uns jetzt und in Zukunft mit Skorpionen". An den häusig durch lebhaften Beifall unterbrochenen Vor- trag schloß sich eine kurze Diskussion, in der N e u m a n n und Silberschmidt aufforderten, die Frauen dahin zu unter- richten, auf den Handel mit boykottirtem Flaschenbier zu achten. Folgende Resolution fand Annahme:„Die ec. Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen der Berliner Arbeiterschaft betreffs des Bierboykotts solidarisch und verpflichtet sich, soweit ihr Ein- fluß reicht, auf den Baustellen, in Familien, sowie in Lokalen. wo Bauarbeiter verkehren, mit aller Kraft für strikte Durch- führung des Boykotts einzutreten."— Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß am nächsten Sonntag Vormittag im Lokal von Richter(früher Gründer) Schwerinstraße 13 eine öffent- liche Versammlung für die Maurer des Potsdamer Viertels, Schönebergs und Ilmgegend stattfindet. Arb»it«r.KUdnns«kch»>t». Freitag, Abend» vcm alj— 10); Uhr: Nord- Schule, Mullerslrabe n»a und Eudost-Schule, Waldemarstr. 14, Deutsch(Cogil und Rethortt). Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Thcilnehmer, Tamen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. Sef«- niw£li«hutirliluli«. Freitag. Karl Marx, Abend» B'i Uhr. bei«ruber, Mariendvrferstr. s.- W e st e n. bei H. Werner. Bülowstr.«». • 0 Alte Jalobftr. 128( Logenhaus). 10 B. Ter Vortrag räumt dieses Recht dem Wirth ein. M. F. und. B. 100. Leider nein: Bei drohender Zwangsvollstreckung die Sachen der Frau verschreiben ist strafbar und ungiltig. S. 200. 1. Ja. 2. Nein. Arbeiter Fängerbund Berlins und Umgegend. Borsigender turnt Freitag und Dienslag Abend von 8-10% Uhr in der Turnhalle des Ad. Neumann, Brunnenstraße 130, 2 Tr. Alle Aenderungen im Vereins- Lessing- Gymnasiums Pantsir. 9-10. Zurnverein Gesundbrunnen talender sind zu richten an Fried. Kortum, Manteuffelstr. 49, v. 2 Tr. Freitag. die 1. Männer- Abtheilung turnt heute Abend von 8%-10% Uhr in der TurnNebungsstunde Abends 9 Uhr. Aufnahme von Mitgliedern. Kaiser= halle des Lessing- Gymnasiums, Pantstr. 9-10. Kraft und Artisten fcher Männerchor, Schönhauser Allee 28, bei Kuhlmey.- Nord, Berg- flub Berolina jeden Dienstag und Freitag Uebungsstunde bei Grüßner, ftraße 68, bei Keller. Vorwärts 1, S.D. Adalbertitr. 21, bei Roll. Waldemarstr. 42. Turnverein Germania( Mitglied des deutschen ArKummer'scher Gesangverein, Rangestraße 65, bei Tempel. Buch beiter- Turnerbundes) turnt Dienstags und Freitags Abends von 8-10% Uhr binder Männerchor Berlins, Holzmarktstraße 3, bei Deter. Mai Ackerstr. 67. Turnverein Fichte( Mitglied des Arbeiter- Turnerbundes H. T. 66. Wenn gegen einen Zahlungsbefehl Widerspruch glöckchen, Hochstr. 32a, bei Wilte. Gemüthlichkeit Buyer, Deutschlands.) Die zweite Männer- Abtheilung turnt jeden Dienstag und erhoben ist, muß der Gläubiger zur Verhandlung über den Rechts. Seydelstr. 30. Balme, in Velten, bei Schröder. Morgenroth 4, Freitag Abends von 8-10 Uhr in der Staligerstr. 65/56. Röpenick, Müggelheimerstr. 8 bei Held. Karthaus'scher Gesang= Abends Vergnügungsverein Veilchen, 9 Uhr, bei Brauns, streit laden, wenn er der Sache weiteren Fortgang geben will. verein, Krautsir. Nr. 6 bei Rudolf. Gesangverein Morgenroth 2, Dranienftr. 183 p.- Gefelliger Arbeiterverein Graphia, Abends 8 Uhr F. S. Ghebruch ist mit 1 Tag bis 6 Monaten Gefängniß Charlottenburg, Bismarckstr. 75. Typographia, Gesangverein Berliner Unterhaltungsflub Schiller, Abendsstrafbar, wenn wegen Ehebruchs die Ehe geschieden ist und des Buchdrucker und Schriftgießer, Alte Jafobstr. 75.- Gesangv. Nord wacht, 8 Uhr im Restaurant Holzbächer, Dreyfeftraße 3. Lepidopt. Bereinigung beleidigte Gatte Strafantrag gestellt hat. Müllerstr. 7, bei Reichert. Gesangv. Freie Sänger in Schmargendorf. Orion, Abends 9 Uhr Sigung Charlottenstr. 95, Restaurant Effenberg. Wirthshaus Friedrichs. Butunft 1, Stegliz, Ahornstr., im Gambrinus, Musikverein Hoffnung, Abends von 9-11 Uhr lebungsstunde Prostauer, M. K. 100. Nein, vom 6. Jahre ab. Gesangverein Collegia 1, Manteuffelstr. 9 bei Nowack. Vereinte straße 35-37 bei Schneider. Vergnügungsverein Berolina= 23. M. 100. Die Herrschaft muß die Kurkosten veraus. Gangesbrüder Moabit, Stromstraße 28 bet Lange. Abends 9 Uhr im Restaurant Zur Gleichheit", Andreasstraße Nr. 26, lagen, wenn Verwandte nicht in der Nähe find. Sängerverein Sorgenfrei, Melchiorfstr. 15 bet Stehmann.- Nord- West- Sigung. Nach derselben Tanz. Tanzlehrer- Verein Solidarität, Stern, Altonaerstraße 27 bet ipfe. Vineta, Veteranenstraße 19 Abends 8 Uhr im Lotale von Ehrenberg, Annenstraße Nr. 16,.. 16. 1. Der von Ihnen angegebene Grund ist ein bei Schulz. Freie Liedertafel, Neue Königstraße 73 bei Hahn. Sizung. Rauchklub Rothe Fahne, Freitag Abends 9 Uhr. Grund zur Aufhebung des Vertrages. 2. Nein, aber ParteiBrandenburger Männer Gesangverein in Brandenburg a. H., Cuvryjir. 48 bei richeldorff. Ruderverein Borwärts, Sigung genossen von ihm bei 1884 und 1887. Mengert's Boltsgarten.- Gängerchor der Töpfer, Neue Friedrichstr. 44 bei Abends 8 Uhr, in der Spreeterrasse, Jannowigbrücke. Gefangverein Röllig. Brauer- Gefangverein ersten ähre, Alte Jakobstr. 83 b. Wienece.- Freya( gemischter Chor) Nixdori, Abends 9 Uhr, bei Barta, Bergstr. 120. Johanni, Am Ostbahnhof 7 bei W. Güblow.- Einigteit 3, Gr.- Lichterfelde Bergnügungsverein Im Brand, Sigung Abends 9 Uhr, bei Fr. Germer, bei Gries, Giesensdorf.- Geselligteit, Hennigsdorf, Böhmert's Gasthaus Landsbergerstr. 105. Maiengruß, Köpenick, Grünstraße 53 bei Gaul. Arion, Wittenberge, Thurmstraße 23, Bentralhalle. Oberon, Raifer Franz Grenadier Play 7. Fris, Naunynstr. 86 bei Frig Zubeil. ( gem. Chor), Rirdorf, Bergstraße 133, Soffmann's Fefifale( Inhaber Runge): 1 Freya 2 -Loreley, Grünthalerstr. 4 bei Hemmerling. Gesangverein der lemper und Berufsgenossen, Siemensstraße Nr. 17 bei Vict. Lustige Sänger, Potsdam, Brandenburger Kommunikation 16 bei Glaser. Deutsche Liedertafel, Grüner Weg 29, Restaur. Saeger.- SängerNr. 18-19, Bum Pofthorn", Schulze's Restaurant. Rheingold( vorm. Mohr'sches Doppel- Quartett), Büschingstr. 7 bet Jatob. Sängertette, Rottbuser Damin 74 bei Silte.- Spandau in Spandau, Neumeiſterfit; 5. Radtke. Lorbeerzweig, Swinemünderstr. 35 bei Queitsch. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Alle Buschriften find zu senden an P. Gent, Adalbertstr. 95. Freitag: Bergnügungsverein Frisch auf, Abends 9 Uhr, Ohmgasse 2 bei Krebs. Staitlub airo, Abends s uhr bei Flick, Simeonstr. 23. treis( Weißensee). Königschauffee 46 bei Dorn. Apollo, Beuthstraße English Conversational Club Shakespeare. Meeting every Eriday at 9 p. m. at Beherns Restaurant Königstr. 62. Lecturer Mr. J. Bloch. Guests are welcome. Briefkaffen der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( Zwei Buchstaben oder etne Bahl anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. 112. 2. Lassen Sie die Gesundheitsgefährlichkeit der Wohnung ärztlich und polizeilich untersuchen. Wird sie bestätigt, dann können Sie ausziehen. A. W. Ihr Verschen mag hier zum Abdruck gelangen: Spandau, Schön'berg, Tivoli, Happoldt, Adler, Gregory, Böhmisch, Rigdorf undo je! Schultheiß von Herrn Rösicke. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine. Freitag. Männer- Gejangverein Union, Abends 9 Uhr, Berliner Bockbrauerei. Quartettverein Wedding, Abends 8% Uhr, bei Schäfer, Rene Hochstr. 49. Männerchor Waldesrauschen, Abends 9 Uhr, bei Weigt, Martgrafenftr. 87. PrivatTheaterverein Crescendo, Abends 9 Uhr, bei Schulz, Puubuserstr. 35. G. H. in A. b. H. Abwarten: ein nach Freisprechung abTheaterverein Bultania, 9 Uhr, Jäger's Gesellschaftshaus, Garten- gelegtes Geständniß kann allerdings eine neue Anklage erwachsen ftraße 18-14. Theaterverein Freier Wille, jeden Freitag Abend lassen. In Ihrem Fall scheint jedoch kein Geständniß, sondern Berliner Turngenossenschaft. Die erste Männerabtheilung allerdings recht wenig vorsichtige Renommage vorzuliegen. 8 Uhr bei Sauermann, Adalbertstr. 8. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Vertrauensmänner- Versammlungen Moabit: Sonntag, den 10. Juni, Vorm. 9½ Uhr, in Ahrens Brauerei, Thurmtr. 26-27. Often: Sontag, den 10. Juni 1894, Vormittags 9½ Uhr, in den Konkordia- Festsälen, Andreasstraße 64. Norden: Mittwoch, den 13. Juni, Abends 8½ Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstraße 23. Tagesordnung in allen 3 Versammlungen: Besprechung über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Montag, den 11. Juni, Abends S½ Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstraße 23: In RohTabaken und Utensilien für Cigarren- Fabrikanten !! billigster Einkauf!! Branchen- Berjammlung der Küchenmöbel- Eisler. W. Hermann Müller Zages Ordnung: 1. Wie ist es möglich unsere Lage zu verbessern?( Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nichtmitglieder haben Zutritt. Um zahlreichen Besuch bittet 45/1 Die Ortsverwaltung. Achtung! Schuhmacher. Achtung! Freitag, 8. Juni, Ab. 81/2 Uhr, bei Herrn Habrecht, Gr. Frankfurterstr. 30: Große öffentliche Versammlung aller in der Schuhindustrie aller Branchen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Zages Ordnung: Berlin Neue Friedrich- Strasse 9. Streng reelle Bedienung. Creditgewährung! nach Uebereinkunft! Ein Jeder mache den Versuch. Der billigste und zuverlässigste UhrenEinkauf sowie Reparatur ist unzweifelhaft bei 254L* 1. Stellungnahme zu der Aussperrung der Kollegen und Kolleginnen Albin Grüger, Uhrmacher, 465/7 Dranienstr. 1, Berlin SO. in der Fabrik bei Rosenthal u. Groß, Neue Grünstr. 30. 2. Distussion. 3. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen Nickel- Cylind.- Remont. von 5 M. an. und jeder Kollegin in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einberufer: J. Pfeifer. Achtung! Stralan. Achtung! Silberne 12 " " "" Goldene Damen- Remont. 22 Goldene Herren- Remont. 36 " Getr. filb. Cylinderuhren Regulateure m. Schlagw. 16 " " " " " " 3 " " " " " Sonnabend, 9. Jnni, Ab. 8% Uhr, bei Herrn Gursch, Wanduhren, Nickel- Wecker, Ketten 2c. Dorfstraße 5: Große öffentliche Volksversammlung. Zages Ordnung: Sophastoff Reste in Rips, Damant, Crêpe, Fantasie, Gobelin, Plüsch und bunten Mocquets poftbillig! 5150L* Proben franko! 484/14 Berlin S., 1. Der Bierboykott. Referent Genosse Mattutat. 2. Diskussion. 3. Bericht der Lokalkommission. Die Herren Gastwirthe und Flaschenbierhändler sind hiermit besonders Emil Lefèvre, Oranienfroße eingeladen. Um zahreiches Erscheinen ersucht Die Vertrauensperson. 158. Spezial- Versand. 5825L* Agtung! Maurer Schönebergs. Atung! Mohr'sche Margarine Große öffentliche Versammlung empfiehlt täglich frisch à Pfund 60, 70 und 80 Pfennige Bothe, Markthalle Dresdnerstr. Std. 200 u. 201. am Sonntag, den 10. Juni, Vormittags 10% Uhr, in Richter's Lokal, Markthalle Dorotheenstraße Stand 250. Schwerinstr. 13. Gegründet 1884. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Silberschmidt über: Was lehrt uns die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe. 2. Diskussion. Kollegen vom Westen Berlins und Schönebergs, es ist Eure Pflicht, Mann in dieser Versammlung zu erscheinen. J. A.: Herrmann Fischer, Golgstr. 16. Erudit- Bäfte 446/2 alle Himbeer-, Kirsch, Johannisbeersaft, vorzüglich, Literflasche 1,30 z. Eugen Neumann& Co., 781 6a Belle- Allianceplat 6a. 81 Neue Friedrichstr. 81. 8 Dranienftr. 8 !!! 1000 Damen!!! Staub- u. Regenmäntel v. 4-20 M., Sammet-, Seiden-, Spitzen- Kragen 26is 15 M., Jaquets mit Seidenfutter 4 bis 10 M., Rester- u. Partie waaren- Handlung Landsbergerstr. 48, I. Königlichen AmtsRechtsbureau.ichtersa. D. Atte Jaros Briefkaffen der Expedition. Für die Brauerei Arbeiter gingen ein: Gesammelt im Verein Deutscher Männersang bei einer Geburtstagsfeier durch Frau Hoppe 4,50. Von 8 gemüthlichen Ortsverein der Buchdrucker in Dessau Pfeifenbrüdern 3,-. durch Jödecke 11,75. Von 2 organ. Gastwirthsgehilfen aus der Behrenstraße 3,-. Tischlerwerkst. Sievert, Rüdersdorferstr. 26 4,50. Schneider unter den Linden 3,50. Geburtstag Tegel 2,35. Biel 1,-. G. beim Einzug des neuen Wirthes Paul, Adlerstraße 7 5,-. Typographia, Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, 50,-. 3. Kreis, Versaminl. 20,-. A. S. 2. 16, CharTottenburg 4,80. Von A. Engel ges. von seinen Stammgästen u. d. Kreuter'schen Männerquartett 4,55. Rothe Brüder in den Neuen Berliner Messingwerken 1,-. A. Zech vom Rauchklub R. 3, 3entralisirte Lederarbeiter Berlins 50,-. 1. Kreis, Feen= palast- Versammlung 26,06. Summa 198,01 M. Bereits quittirt 648,16 M., in Summa 846,17 M. 550 M. als 12. Rate find heute fan 2. Schappach, den Ve auftragten der Brauereiarbeiter- Kommission abgeführt. Bitte ausschneiden und aufbewahren!! Junge Staare, Elstern, Drosseln, 1 M., junge Dohlen 2 M., Sprechen lernend, Wachteln, entzückende Paradiesfinten, Zigerfinten, Bandfinken, Muskatfinken, Reisfinken, Weberfinfen à 1,50, Paar 3 M., rothe, grüne, gelbe Kreuzschnäbel, schön singend 1,50 M., graue 1 M., Reitzugfinken 1,50 M., Ortolane, Stieglige, Blut bänflinge, schön singend, 3 M., Antwerpener echte französische Brieftauben, blau und schwarz, à 2 M., weiß 3 M., Kanarienvorschläger, hochfein, 8 bis 10 M. Lasse teine Vögel prämiiren, um den Käufer nicht zu täuschen. Schlagende rumänische Sprosser, Nachtigallen, Drosseln, Amseln, Grasmücken, Tyroler laute Rothfehlchen, weiße Mäuse, Tanzmäuse, Ratten, Kaninchen, Eulen, Raben, Lachtauben, Schlagneze, Vogelleim, Goldfische, Schildkröten, Smaragdeidechsen, Schlangen, Angelwürmer, Laubfrösche, Vogelfutter für inund ausländische Vögel stets frisch. 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Waldemarstr. 18. Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pötzsch in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW. Beuthitraße 2. SO., 10. Lübbenerstraße 10. Junger, lediger Mann, Handwerker, vertilgt( unter Garantie) Rönsch, 127Sfaliberstraße 127. 1116b Harmonifamacher. Ein tüchtiger Klaviaturmacher für Harmonikas zu dauernder Beschäftt. gung fofort gesucht. Ch. F. Pietschmann, Berlin, Brunnenstr. 25. 2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. r. 130. Freitag, den 8. Juni 1894. 11. Jahrg. Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier! Das Schandurtheil von Palermo. tende Kreiſen Italiens über das Schicksal der verurtheilten Mitglieder Üürich und Fürſtenau nach der Grklärung des Crispi's neueste That. Ein Schrei des Staunens und des Echreckens geht durch alle freiheitlich gesinnten Gemüther Italiens, ein Gefüh! der Verbitterung, aber auch des Abscheus, der Empörung und des Etels hat sich aller sozialistischen Herzen bemächtigt. " Die Bewegung in den Gemüthern aller sozialistisch den- Ischuß von 22,60 M. Der Vorfißende theilte noch mit, daß die Genossen, deren aufopfernde edelste Uneigennüßigkeit mit Be- Boykotts nur das in ihren Kellnern noch befindliche boykottirte Bier geisterung für die große Sache sich im Verlaufe des ganzen ausgeschänkt, aber kein neues mehr bezogen haben; die entgegenProzesses aufs glänzendste offenbart hat, ist, ich wiederhole das stehenden, in der vorigen Sitzung gemachten Angaben beruhten bier, eine überaus tiefgehende und wird lange nach also auf Irrthum. wirken. Die eben erscheinende" Critica sociale" in Mailand bringt einen Artikel mit schwarzem Rande und mit der UeberDer sozialdemokratische Wahlverein für den sechsten Das ist die Wirkung des Echandurtheilsspruches in dem schrift Consummatum est"(„ Es ist vollbracht!") und einen Wahlkreis hielt am 5. Juni cr. eine recht gut besuchte VerProzesse De Felice und Genossen in Palermo. Man muß die ergreifenden Artikel enthält die heute erschienene, Lotta di Claffe" mit sammlung im Feldschlößchen, Müllerstraße, ab. Referent für das nichtsozialistischen, nur bürgerlich freiheitlichen oder republikani- der Ueberschrift„ Unsere Märtyrer". Dieser Prozeß hat das Selbst- fizzende Kiesel, der in eingehender Weise die Ursachen und den Thema: Die Chartistenbewegung in England", war der Vorschen Blätter Italiens lesen, um von der Stärke und Tiefe dieser bewußtsein der noch so jungen aufstrebenden sozialdemokratischen Verlauf dieser Volksbewegung, sowie die Schlüsse, welche die fiende Kiesel, der in eingehender Weise die Ursachen und den Empfindung den wahren Eindruck zu erhalten. Partei Italiens mächtig gestärkt. Wir erklären uns solidarisch, ruft Sozialdemokratie unserer Tage aus der Entwicklung und dem Von allen Schandthaten Crispi's in dieser fluch- und jammer- Turati in dem genannten Artikel aus, mit allen Handlungen, Ende des Chartismus zu ziehen hat, den Hörern vorführte. beladenen sechsmonatlichen Zeit seiner bisherigen Diktaturherr- wegen deren unsere wackeren Genossen so schwer verurtheilt schaft über Italien ist dies die ungeheuerlichste That. Denn wurden, wir sind stolz auf ihr Verhalten, das für uns ein Vor- Ohne Diskussion des beifällig aufgenommen Bortrages schritt man zur Erörterung des überall im Vordergrunde Crispi's persönlicher Haß, seine persönliche Nachsucht gegen bild sein soll für die Fortsetzung unseres Kampfes. Unsere De Felice, diesen reinen, edlen Charakter, vor dem die Jämmer- heroischen Genossen von Sizilien haben uns den Weg gezeigt des Interesses stehenden Bierboykotts. Genoffe Giebell ers lichkeit Crispi's in politischen und Wahlkämpfen schon zweimal zum Sieg. Fortan wird ein neues und stärkeres Feuer der Be- wähnte, daß die Arbeiter der Spielhagen'schen Seifenfabrik in schimpflich Schiffbruch leiden mußte, hat dieses Urtheil aus- geisterung für die große Sache der sozialen Befreiung unsere der Arndtstraße infolge der Intervention des Direktors von der Rigdorfer Vereinsbrauerei genöthigt wurden, bei Strafe der gewirkt, hat es durch Gebot an seinen Hausknecht Morra hervor- Herzen durchglühen. Dafür danken wir den verurtheilten Ge- Entlassung das Bier der genannten Brauerei weiter zu tongerufen. Das wird heute ganz klar und offen in einem Leit- noffen De Felice, Verro, Bosco und Barbato in Liebe. Zur sumiren.( Piuirufe.) Eine Reihe weiterer Redner gab eine Liste artifel des bürgerlichen Blattes Il Secolo" flargelegt und festmöglichen Abwendung ihres gräßlichen Geschickes, es zu ändern, der Wirthe des Wedding Stadttheils bekannt, die, weil sie gestellt. Aber das Blatt sieht es auch ein und beklagt es tief, daß zu mildern, wollen wir alle unsere Kräfte einsetzen. boykottirtes Bier führen, nicht auf die Kundschaft der Arbeiter durch diese Schandjustiz Crispi's eine Saat des Hasses und der rechnen dürften. Es wurde scharf gerügt, daß in ganz leichtRache zwischen der herrschenden Klasse und der Klasse des Prole= fertiger Weise schädigende Gerüchte über bekannte Parteigenossen, tariats ausgefäet worden ist, die in nicht langer Zeit furchtbar so z. B. über Engel und Gleinert, verbreitet werden, die in und fruchtbar aufgehen muß. Schon jetzt erregt dieses Schandteiner Weise ihre Pflicht bezüglich Durchführung des Boykotts urtheil nicht nur das Proletariat, sondern deutlich erkennbar vernachlässigt haben. Der Inhaber des Volks- Kaffeehauses am Hunderte und Tausende aus den gebildeten Kreisen, die bisher Weddingplay( Ausschank Schultheiß und Union) ist den vom Sozialismus nie etwas wissen wollten. Zeuge dessen sind recherirenden Parteigenossen in wenig zuvorkommender Weise die Studentenunruhen über das Schandurtheil in Neapel, in entgegen getreten. Mehrere Redner traten mit Wärme dafür Genua, Pisa und Bologna. Die Auftritte des Unwillens und ein, daß die Wirthe und Handelsleute, welche Boykottbier führen der Empörung in vielen radikalen politischen Klubs, die heute durch Flugblätter der Arbeiterschaft bekannt gegeben gemeldet werden. würden. Man beauftragte den Vorstand, mit Hinzuziehung anderer Personen genaue Kontrolle nach dieser Richtung hin auszuüben und das Material der Boykottlommission zu übermitteln. Mit dreifachem Hoch auf die Solidarität der Arbeiter schloß die Versammlung. Dersammlungen. : M " Der sozialdemokratische Wahlverein für den vierten Berliner Reichstags Wahlkreis hielt am 5. Junt cr. eine Sigung ab, die gut besucht war. Der Vorsitzende machte die Mittheilung, daß das Mitglied des Wahlvereins, Genosse Felix Specht, gestorben ist; die Versammlung ehrt in der üblichen Weise das Andenken des Verstorbenen. Stadtv. Dr. 3 adet referirte sodann über die Leistungen der Berliner StadtverordMan bedenke, was hier geschehen ist. Seit dem 7. April neten auf dem Gebiete der Gesundheitspflege". Die Bourgeoisie dauerte dieser Prozeß. In all' diesen Tagen bis heute wurde Berlins pflegt der Arbeiterschaft wie auch jedem Fremden gegen nicht eine einzige greifbare Handlung irgend eines der Angeklagten über mit den großartigen" sanitären Einrichtungen unserer aufgefunden, die unter das Strafgesetz fällt. Alle von der Schaar Stadt zu prahlen. So hob noch vor einiger Zeit der Moniteur der Polizei- Agenten und Lockspiel vorgebrachten Anklage Atten unserer städtischen Verwaltung, die Bossische Zeitung", in einem erwiesen sich als Lug und Trug, als die gemeinsten Fälschungen. Leitartikel hervor, daß die Sterblichkeit in Berlin von Jahr zu bei Hensel( Invalidenstraße) einberufen war, erfreute sich gleichDie zweite Versammlung, die an demselben Abend Eine der allerersten und Hauptanklagefchriften mußte Crispi Jahr zurückgehe. Das stimmt nun freilich; aber daraus falls eines sehr regen Besuches. Ehe in die Tagesordnung eins felbst im Parlament als Fälschung zugestehen. Wie Zunder zer- schließen zu wollen, daß die Gesundheitspflege in Berlin sich getreten wurde, ehrte man zunächst das Andenken an die ver fielen vor den ergreifenden Vertheidigungsreden von De Felice, stetig bessere, wäre voreilig. Das Zurückgehen der Sterb- storbenen Vereinagenossen Schmidt, Georg Müller und Bosco und Barbato die blödsinnigen Beschuldigungen der Ein- lichkeit hat vielmehr dariv seinen Grund, daß die Geburten: Karl Griep durch einmüthiges Grheben von den Plätzen. räumung von vier Festungen Siziliens an die Franzosen, ziffer in den letzten beiden Jahrzehnten herabgesunken ist, weil Der Vortrag über das Thema:" Die Volksschule wie sie ist und an die Engländer; die Anklage vom Antauf von ein großer Theil der finderreichen Familien, der Arbeiter in die wie sie sein sollte?" mußte wegen Krankheit des Referenten, GeGewehren und Munitionsmaterial mit französischem Gelde. Vororte hinauszog, da die Miethspreise in der Stadt von Jahr noffen Meyner, leider ausfallen. Laut gefaßtem Beschlusse Nicht ein einziges Gewehr konnte in den angeblichen geheimen zu Jahr theurer wurden. Gerade unsere Wohnungsverhältnisse wird indessen in der nächsten Versammlung über dieses Thema Schlupfwinkel der zur Losreißung Siziliens Verschworenen" auf- find nicht geeignet, dem Gesundheitszustand der Bevölkerung Genosse Haupt referiren. Un Stelle Mehners sprach nun Augustin gefunden werden. Nichts, wirklich nichts konnte sämmtlichen förderlich zu sein. Un hier Besserung zu schaffen, beantragte und zwar über die Frage: Wird die Sozialdemokratie fiegen?" Angeklagten vorgehalten und nachgewiesen werden, als die offen die sozialdemokratische Fraktion die Errichtung eines Wohnungs- Der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag, in welchem der vor aller Welt feit Jahresfrist geförderte Gründung der Fasci amtes, das z. B. über die Einhaltung gewisser Mindestgrößen Referent zu einem die gestellte Frage bejahenden Schlusse gein Sizilien, der ersten Organisation der bis aufs Blut aus bei Wohnräumen zu wachen hätte, sowie die Einsetzung eines langte, leitete eine interessante Diskussion ein, in welcher Neugesogenen Land- und Stadtarbeiter Siziliens, der Organisation städtischen Gesundheitsamtes; aber die Hausbesizerimajorität der mann, 3achau und H. Faber das Wort nahmen und die aber nur zur Verbesserung ihrer Lage, um höheren Sohn, um ein Stadtverordneten- Versammlung ging über diese Anträge zur den Wunsch laut werden ließ, in ähnlicher Weise über aufmenschenwürdiges Arbeitsverhältniß mit den Landherren zu er Tagesordnung über. Die so sehr gepriesene Trinkwasserversorgung geworfene Fragen und Themata des Defteren zu diskutiren. halten und freilich zugleich die Erfüllung dieses Prole- liegt gleichfalls noch zum guten Theile fehr im Argen. Wie sodann mitgetheilt wurde, hat sich der Vorstand genöthigt tariats mit der erlösenden Idee des Sozialismus. So und so viele öffentliche Brunnen liefern gesundheits- gesehen, zwei Vereinsmitglieder, den Klempner Christian Oswald Das letztere gab den Ausschlag und rief die Wuth der Henker schädliches Wasser, gleichwohl werden sie noch benutzt. und hervor, die sie zu dem Schandurtheil aufstachelte. Wir haben ferner eine gut funktionirende Desinfektions- zuschließen. Wie Kaiser hervorhob, lasse speziell die Rosenden Schlosser Georg Thiele aus dem Verein ausDer Wortlaut des Urtheils mit seiner Begründung ist noch anstalt und einen Desinfektionszwang; aber ist in einem thaler Vorstadt in bezug auf Organisation noch vieles zu nicht mitgetheilt, nur so viel steht fest und ist heute bekannt, daß Hause zum Schutze der Nachbarschaft und der Gesammt wünschen die fürchterlichen Strafen erkannt worden sind nicht wegen un heit die Desinfektion zwangsweise erfolgt, so wird von dein- die dringende Mahnung zur Organisation gerichtet. übrig und wurde an die dortigen Genossen mittelbarer Hervorrufung des Aufruhrs und der revolutionären jenigen, der die Scherereien davon gehabt hat, noch obenein BeErhebung Siziliens, sondern wegen mittelbarer Vorzahlung verlangt. Kein Richter wird der Stadt die Berechtigung, verein zu dem bevorstehenden Sängerfeste des Arbeiter- SängerLöwenstein warf noch die Frage auf, wie fich der Wahlbereitung zu einer solchen revolutionären Erhebung. fich das bezahlen zu lassen, zuerkennen, aber gleichwohl ist vor bundes stelle? Er glaubte in Rücksicht darauf, daß kaum die Es wurden verurtheilt: De Felice Giuffrida, zwei Jahren ein Antrag unserer Fraktion auf Unentgeltlichkeit Hälfte der Sänger gewerkschaftlich oder politisch organisirt sei, der Parlaments- Abgeordnete, zu 16 Jahren Einterferung der Desinfektion durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt fowie daß der Sängerbund nur gegen Entgelt bei Arbeiters und außerdem zu 6 Jahren Polizeiaufsicht und zur Aberkennung worden. Wie die Desinfektion, so müßte auch der Transfesten mitzuwirken gewillt sei, den Genossen empfehlen zu sollen, feines Mandats als Abgeordneter. port von Leuten, die an ansteckenden Krankheiten leiden, dem Sängerfeste fern zu bleiben. Dem Genossen Löwenstein Garibaldi Bosco, Buchhalter in Palerma, zu zwölf nach dem Krankenhause obligatorisch fein. Aber unsere wurde nachgewiesen, daß er sich bezüglich seiner Anschauungen Jahren Kerker, Nicolo Barbato, Arzt in Piana dei Greci, Krankenhäuser genügen bei weitem nicht dem Bedürfniß; über den Sängerbund im Frrthum befinde, auch wurde ihm bezu 12 Jahren Kerker, Bernardino Werro zu 12 Jahren viele Kranke müssen abgewiesen werden, andere, die Aufnahme deutet, daß der Wahlverein als solcher und noch weniger der gefunden hatten, müssen entlassen werden, ehe fie gesund sind. Vorstand desselben irgend wie Stellung nehmen könne zum Giacomo Montalto, Advokat in Trapani zu zehn Die Qualität unserer Krankenhäuser läßt nicht weniger zu Arbeiter- Sängerbunde. Die Sache war damit erledigt. Ebenso Jahren Kerker. Antonino Pico, Student in Francofonte, wünschen übrig. Da wird über mangelhafte Ernährung geklagt, wurde der Wunsch des Genossen Löwenstein, das Laffalle zu 5 Jahren Rerker und 2 Jahren Polizeiaufsicht. über mangelhafte Behandlung seitens des Wärterpersonals und Fest diesmal in vier Lokalen stattfinden zu lassen, durch den Nicolo Petrina und Gaetano Benzi zu 8 und seitens der Werzte. Nirgend im Auslande herrschen Verhältnisse Hinweis darauf gegenstandslos, daß die Lassalle Feier diesmal 2 Jahren Kerker. wie hier, daß ein Oberarzt 2-300 Krante bat. Als einen voraussichtlich des Bierboykotts wegen gänzlich ausfallen werde. Die Namen der Richter aus dem Stande der von Crispi Fortschritt können wir es bezeichnen, daß wir Nekonvaleszentenausgewählten Soldatesta, die dieses Schandurtheil gefällt haben, Stationen haben, wenn dieselben auch auf den Rieselfeldern Der allgemeine deutsche Tapezirer- Verein( Filiale verdienen es, der Nachwelt aufbewahrt zu werden. Der Vor- stehen, wo sie von dem Duft der Rieselung umlagert find; bei Berlin) hielt am Montag, den 28. Miai, eine Mitgliederver sitzende des von General Morra aus verschiedenen Garni- Anfangsstadien von Schwindsucht sind dort gute Erfolge erzielt sammlung ab, in der Genoffe Saffenbach in einem sehr intersonen berufenen Kriegsgerichtes ist der Oberst Giussani. worden. Die Sozialdemokraten im Rothen Hause haben gefordert, essanten Vortrag über„ Die Bestrebungen der Innungen" sprach. Als Richter fungirten der Oberfilieutenant der Bersaglieri die so nothwendige Sanatorien- Behandlung auch den Besitzlosen Leider war die Versammlung nur schwach besucht. In der DisBorgan, der Oberstlieutenant der Infanterie Bianchi, der Artillerie- zukommen zu lassen. Wir haben auch Legate für derartige tussion sprach Kollege Wels im Sinne des Referenten. Unter hauptmann Boien ,, il boia" heißt der Henker und so spricht Sanatorien, aber wir warten schon Jahre darauf, daß man sie Verschiedenes" machte der Vorsitzende bekannt, daß für die das Volk von Sizilien diesen Namen aus. Ergänzungsrichter baut. Jedoch ein Wöchnerinnen- Heim, in das die gefunde Frau Bibliothek Schlosser's Weltgeschichte" angekauft sei und fordert waren die Infanteriehauptleute Buntiglione und Costella. 14 Tage nach der Geburt zu drei- oder vierwöchentlicher Er- die Mitglieder zur regen Benutzung der Bibliothek auf. Mit dem Ein höchst bezeichnender Zwischenfall in dem Prozeß ist holung fommen sollte, ist gegründet worden natürlich auf Ersuchen, für den Besuch der nächsten Versammlung recht fleißig folgender: Der zuerst in dem Prozeß als öffentlicher Antläger einem Nieselfeld. Aber die Wöchnerinnen blieben aus. Es zu agitiren, schließt der Vorsitzende die Versammlung. fungirende Staatsanwalt Sodu- Milo war, nachdem die Haupt- wurden infolge deffen lungenschwindsüchtige Frauen dort zu- Der Zentralverband deutscher Maurer( Filiale Berlin 1) Aftenstücke der Antlage sich als Fälschung herausgestellt hatten, gelassen; auch die blieben aus. Denn die Frau kann aus dem hielt am 3. Juni im Bittoria- Salon, Berlebergerstraße, eine Wanders von General Morra zu einem Bankett eingeladen worden. Hause nicht weg, weil sie ja in der Familie gebraucht wird. versammlung ab. Nach Erledigung einiger geschäftlicher AnAuf diesem fragte ihn Morra beim Weine über den mög- Unsere Parteigenoffen im rothen Hause beantragten, das Heim gelegenheiten referirte Rollege Groppler über das Thema: lichen Ausgang des Prozesses. Sodu Milo g erwiderte, dann wenigstens unehelichen Geburten zu öffnen und so ein noch unter dem Eindruck der heutigen Verhandlung: Für die Säuglings- Asyl, wie es z. B. in Breslau besteht, zu schaffen, in fehr eingehend den Werth einer guten Organisation und forderte Die wirthschaftliche Lage der Maurer." Redner erörterte Hauptangeflagten scheinen mir die Elemente der Anklage zu welchem es der Mutter ermöglicht wird, ihrem Kinde bie Brust lebhaft zum Beitritt in den Verband auf. In der Diskussion fehlen, für die anderen bleibt vielleicht etwas bestehen,( ,, c' è forse qu geben. Der Antrag wurde aber abgelehnt.-sprachen die Kollegen Golisch, Fritsch, Matoll und Hausherr im qualche cosa"). Sofort telegraphirte Morra diese Antwort Bum Schluß ein Blick auf die Gesundheitspflege Sinne des Referats. nach Rom an Crispi und Tags darauf überwies er Eodu- Milo an unferen Schulen. Jedermann weiß, wie die sogenannten Borfall wiedergegeben: Auf dem Bau in der Göthestraße, Bom Kollegen Hasse wurde folgender einen Brief des Kriegsministers, der ihn von seinem Amte ab- Kinderkrankheiten ihre wesentliche Verbreitung aus der Schule Charlottenburg, wird ein alter Kollege beschäftigt, der 25 Big. rief und als Staatsanwalt den Ritter und Baron Biesti einnehmen. Das wissen die Aerzte auch und die Lehrer gleichfalls. Stundenlohn erhält. Vor kurzem stellte dieser das Verlangen, ihm setzte, der das Schandurtheil von zweiundzwanzig Jahren gegen Aber bisher ist von der Stadt nichts gethan, um hierin etwas 10 Pfg. Bulage zu gewähren, die ihm auch trotz der liebenswürdigen De Felice beantragte, dasgetreu dem Befehle Crispi's- von zu bessern, weder haben wir eine genügende Schulreinigung, noch Empfehlung des Poliers- der zu dem Arbeitgeber äußerte: Jagen sie den Richtern ausgesprochen wurde. eine Musterung der Kinder bei ihrer Aufnahme, um auf ihre den Arbeiter lieber zum Teufel, er verdient nicht einmal 25 Pf.- be= Die Verkündigung des Urtheils im Lande hat auch im Entwickelung Rücksicht nehmen zu können. Zweimal im Jahre Parlament selbst in dieser forrupten Voltsvertretung Aus- nur findet eine gründliche Reinigung der Schulräume statt, brüche des Unwillens und der Empörung hervorgerufen, zu nämlich Reinigung der Fenster, Austlopfen der Vorhänge 2c. deren Beschwichtigung ganz pünktlich zur rechten Beit Unsere Anträge, hierin ein Mehr zu leisten, wurden abgelehnt. zwei Bomben vor dem Palast des Justizministers geplaßt sind. Auch einer so einfachen Forderung, wie Baubuden zu errichten, Alle Welt in Rom, wie die neuesten Beitungsberichte fundthun, ist nicht Folge gegeben worden. Die grundbesigende Vereinigung hält diese Bomben- Explosionen, die im Uebrigen ganz unschäd. im Rathhause thut nichts für die Arbeiterschaft, da sie für deren lich waren, für Erzeugnisse desselben Ursprungs und Charakters Interessen kein Verständniß hat.( Beifall.) wie die Fauftschläge auf den Regierungstisch im Parlament, mit denen Grispi das gefälschte Altenstück der Antlage gegen De Felice bekräftigte. Rerfer. " willigt wurde. Ein Beweis dafür, welche Rücksichtslosigkeit in diesen Kreisen den Kollegen gegenüber zu finden ist. Die Vorwürfe wegen der Maifeier gegen die Kollegen, die seiner Zeit auf dem Bau in Halensee gearbeitet haben, sollen von einem fünfgliedrigen Komitee geprüft und untersucht werden. Der Verband der in Holzbearbeitungs- Fabriken und auf Holzplägen beschäftigten Arbeiter und Eine Diskussion schloß sich an den Vortrag nicht an. Genosse Arbeiterinnen Deutschlands( Filiale I) hielt am 4. Juni Mengel rechnete vom Stiftungsfest ab. Die Einnahmen betrugen eine Versammlung ab. Dr. 3 adet referirte unter Beifall der 156,70 m., die Ausgaben 184,10., es blieb also ein Ueber. Anwesenden über das Thema: Die Fürsorge für die arbeits findenden " " Die GeDer Gemeindevorsteher Eingelaufene Druckschriften. Unter dieser Rubrik zeigen wir sämmtliche der Redaktion zugehende Neuigkeiten an. Wir bitten unsere Leser die Nennung der unfähigen und kranken Arbeiter". An der Diskussion betheiligten wickelung bis in die heutige vorgeschrittene Zeit, wo das Segel- muthungen vollständig aus der Luft gegriffen sind und dieselbe sich im Sinne des Referenten die Kollegen Wolf, Hofmann und Stein. schiff fast bereits ein überwundener Standpunkt sei und der außerdem ungebührlich abgefaßt ist. Sie, K. Mähl, haben am Ein Antrag, den Sommernachtsball wegen des Bierboykotts auf Dampfbetrieb seine Herrschaft ausübe. Die Übnahme der Segel- allerwenigsten Ursache und Berechtigung, einen solchen Ton anzuheben, wurde dem Vorstand überwiesen. Der Vorsitzende gab schiffe und das Wachsthum der Dampfschiffe veranschaulichte Redner zuschlagen. Der Gemeindevorsteher. hierauf die Abrechnung der Hauptkasse zur Kenntniß, worüber durch verschiedene statistische Angaben. Bemerkenswerth hierbei sei, Giner bald darauf ihm zugehenden Vorladung zu einem fich eine kleine Debatte entſpann. Kollege Hofmann forderte zum daß, je größer die Dampfschiffe und deren Ladungsfähigkeit werde, doch Sühnetermine beim Schiedsmanne schenkte der Gemeindevorsteher Schluß angesichts des Vorgehens der Unternehmer zu einer regen die Zahl der Bemannung in steigendem Verhältnisse gesunken sei. feine Beachtung. Er erhielt alsdann eine Beleidigungsklage des Agitation für die Organisation auf. Die nächste Versammlung In dem Handelsverkehr spiele die Binnenschifffahrt eine große R. Maehl zugestellt, zugleich mit einer Ladung vor das Schöffenfindet am 2. Juli statt. Rolle, da verschiedene Artikel durch die Binnenschifffahrt, nament gericht. Der Klage war eine beglaubigte Abschrift des Schreibens In der Freien Vereinigung der Graveure und lich Artikel, die in Massen verbraucht werden, billiger trans- des Gemeindevorstehens an den Kläger beigefügt, worin es zum Eifeleure hielt am 4. Juni der Genosse Meyner einen bei- portirt werden können, als auf der Eisenbahn. Hierin liege der Schluß hieß:" Sie Kameel haben am allerwenigsten Ursache fällig aufgenommenen Vortrag über: Das gleiche Recht für Lebensquell der Binnenschifffahrt. In engem Zusammenhange und Berechtigung, einen solchen Ton anzuschlagen. Der GeDas gleiche Recht für hiermit stehen die verschiedenen Kanalbauten und Wasserstraßen. meindevorsteher." Hierdurch fühlte sich Maehl beleidigt. Es Alle!" In der Diskussion wurde der Vortrag durch Gegen: Die meisten derselben entsprächen indessen den heutigen Bedürf- stellte sich vor dem Schöffengericht heraus, daß der Schreiber des überstellung verschiedener gerichtlicher Urtheile ergänzt und die Kollegen aufgefordert, auf den Vorwärts" und die Leipziger nissen nicht mehr. Frankreich allein sei auf diesem Gebiete mit Gemeindevorstehers beim Abfaffen der ihm vom GemeindeFachzeitung zu abonniren. Unter Vereinsangelegenheiten machte Binnenschifffahrt habe eingewirkt der gewaltig gesteigerte Bedarf und in seiner Zerstreuung statt des K. Maehl, den beleidigenden Fachzeitung zu abonniren. Unter" Vereinsangelegenheiten machte mustergiltigem Beispiele vorangegangen. Böllig umgestaltend auf die vorsteher diktirten Antwort an R. Maehl das Unheil angerichtet der Vorsitzende bekannt, daß Anträge zu der am 2. Juli ſtatt- nach Lebensmitteln und Waaren aller Art infolge des gewaltigen Wüstenschiffsnamen auf das Papier gefrigelt batte 18. Juni, beim Vorstande eingereicht sein müssen. Der Arbeits- Wachsthums der Bevölkerung im Allgemeinen und des Wachs- schichte endete mit einem Vergleich. nachweis befindet sich beim Kollegen C. Wunderlich, Neue Grün- thums der Städte im Besonderen. Die Technik schreite immer zahlte die Hälfte der erwachsenen Kosten und K. Maehl zog seine. straße 20, und ist derselbe im Monat April von 16 Gehilfen und Vortheil hätten diejenigen, welche sich diese Erfindungen dienstbar weiter vorwärts, eine Erfindung jage die andere; den größten Klage zurück. 32 Meistern, im Mai von 34 Gehilfen und 10 Meistern in Anspruch genommen werden. Zu dem in Nr. 119 des Vorwärts" machen können. Die großartig entwickelte Technik ermögliche es, gebrachten Berichte von der Versammlung am 21. Mai ist noch Lasten. Wer dies nicht vermöge, der bleibe zurück, werde durch folossale Lasten rascher und billiger zu befördern, als vordem kleinere nachzutragen, daß Meister, die von ihren Gehilfen eine längere die Konkurrenz erdrückt. Die Schiffer hätten das größte Inter- Schriften nicht als Empfehlung der Redaktion, sondern lediglich als in der betreffenden Branche übliche Arbeitszeit verlangen, esse daran, daß gesetzliche Einrichtungen geschaffen werden, welche als Empfangsbestätigung aufzufassen. unserer Organisation nicht angehören. einen umfangreichen Verkehr ermöglichen. Um folche herbeizu- Blo über diejenigen Erscheinungen, welche im Jntereffe unserer Leser Die Bildhauer hielten am 5. Juni im Lokal von Ehren- führen, mögen sich die Schiffer politisch bethätigen. Ein Frrthum oder aus politischen Gründen besprochen werden müssen, veröffentlichen wir, berg, Annenstr. 16, eine öffentliche Versammlung ab. Zunächst sei es, daß die Politik nur die„ großen Herren" angehe. Sie soweit dies der Raum unseres Blattes zuläßt, Kritiken. Genügt einer Berlagsbuchhandlung die Anführung der übersandten Rezensionseremplare in dieser verlas Roßberg die Abrechnung vom Streit der Steinbild- bätten sich nicht nur als Stimmvieh gebrauchen zu lassen, sondern Rubrit nicht, so bitten wir von der Zusendung der Neuerscheinungen des Verhauer des Hof- Steinmetz- und Innungs- Obermeisters Start wohl zu überlegen, wer in den Reichstag geschickt werden solle, lages abfehen zu wollen. Schilling. Die Einnahmen betrugen auf Sammellisten 2284,38 M., denn von der gesetzgeberischen Thätigkeit hänge das Wohl Heinrich Heine im Lichte unserer Zeit. Von Hans R. Fischer. und mit sonstigen Beiträgen insgesammit 3379,97 m.; die Aus- und Wehe des gesammten Volkes ab. Hierbei kam Redner München. Verlag von Dr. E. Albert u. Co. gaben im Betrage von 3288,10. ab, verblieb ein Ueberschuß auf die Handelsverträge und den russischen Handelsvertrag im Riesling's Reisebücher. Die Ostseeküste von Kolberg bis Heiligendamin und Rügen. Mit 23 farbigen Karten. Be von 91,87 M., welcher nach Bestätigung der Richtigkeit der Ab- speziellen zu sprechen, die grundlegenden Verhältnisse eingehend arbeitet von Dr. B. Graupe. Berlin. Verlag von Alexius rechnung durch die Revisoren der Agitationskommission über erläuternd und dessen fördernden Einfluß auf Handel und VerKießling. Preis 2 M. Stettin und die Ostseebäder wiesen wurde. Aus der Ersatzwahl zur Agitationstommiifion febr veranschaulichend. Die Aufhebung der Staffeltarife komme auf Wollin und Usedom. Mit 10 farbigen Karten. gingen Walter, Donath und Götz hervor. Hierauf er gleichfalls der Binnenschifffahrt in hohem Maße zu gute, da nun stattete Wintler seinen Bericht als Delegirter zur Gewerk die Eisenbahn- Frachtfäße sich bedeutend erhöhen. Dieses Beispiel Bearbeitet von Dr. B. Graupe. Berlin. Verlag von Alerius Kießling. Preis 1 M. Greifswald, Stralsund schaftskommission und wurde beschlossen, lettere zu ersuchen, die erhelle, daß die Schiffer ein eminentes Interesse an derartigen und Rügen. Mit 10 farbigen Karten. Bearbeitet von Kosten für die Annoncen zu den Versammlungen am 1. Mai von politischen Aktionen haben. Wohl zu beachten sei aber, daß alle Dr. B. Graupe. Berlin. Verlag von Alexius Kießling. den einzelnen Gewerkschaften prozentual zu erheben. Die Bons sich ergebenden Vortheile das Großkapital an sich reißen werde Preis 1 M. der Gewerkschaftskommission sollen zwecks einer Kontrolle ein- vermöge seiner größeren Kraft und Konkurrenzfähigkeit, wowenig Kuno Fischer's kritische Methode. gezogen werden. Nachdem noch Buda zur gewissenhaften Aus- gegen auch die Dampfergenossenschaft oder gar Von Hermann Türk. auszurichten füllung der statistischen Fragebogen ermahnt und einige Kollegen nichts vermöge. Die Schiffer brauchen Jena. Verlag von Fr. Maute( A. Schenk). zur strikten Durchführung der Volksversammlungsbeschlüsse in eine demokratische Organisation. Sie mögen weiter Die wahre Natur des Menschen und der soziale Fort schritt. Von Oswald Köhler. Leipzig, Verlag bei Emil Sachen des Bierboyfotts aufgefordert hatten, erfolgte Schluß der sich der Sozialdemokratie anschließen und mit allen in gleicher gutbesuchten Versammlung. Grude.( Erscheint in 6 Lieferungen à 60 Pf.) Lage sich befindenden Unterdrückten und Ausgebeuteten zusammenIn einer öffentlichen Lederarbeiter- Versammlung, die scheinen, wo sie als Menschen unter Menschen leben können. stehen und gemeinsam handeln, dann würde auch der Tag er- Was Sueton von Caligula erzählt. Ein Sittenbild aus der römischen Kaiserzeit von Benedictus. Berlin W. Verlag am 5. Juni in Uhlig' Ealon, Badstr. 19, tagte, referirte Genosse( Stürmischer Beifall.) In der nun folgenden Diskussion nahmen Reisehandbuch für wandernde Arbeiter. Von Scherm.( Mit von Cassirer u. Danziger. Millarg unter reger Aufmerksamkeit der Versammelten über mehrfach Schiffer das Wort, welche die schwierige Lage der das Thema„ Unternehmergewinn und Arbeitslöhne". An der Kleinschiffer erörterten. Lebhafte Klagen wurden darüber geeiner Eisenbahnkarte und zwei Drientirungskarten.) NürnHand reichen Zahlenmaterials bewies der Redner die krassen führt, daß sie von den Kapitalisten auf alle mögliche Art und berg. Verlag von J. Scherm. fortschreitende Organisation des Großkapitals. Bon einer Dis wurde darauf hingewiesen, daß es Pflicht der Schiffer sei, sich Deutsche Worte. Monatshefte von Engelbert Pernerstorfer. Gegenfäße zwischen Kapital und Arbeit und beleuchtete die stetig Weise ausgebeutet, ihnen alle Lasten aufgebürdet werden. Auch Charakteristiken. Von Ludwig Bamberger. Berlin. Verlag von Rosenbaum u. Hart. fussion wurde allseitig Abstand genommen. Es folgte nunmehr der zielbewußten Arbeiterschaft Arbeiterschaft anzuschließen und fich die Wahl von 4 Revisoren der halbjährlichen Abrechnung. Ge- gleich dieser zu organisiren. Genosse Wagner beleuchtete 14. Jahrgang. 5. und 6. Heft. Leipzig. Verlag von wählt wurden die Kollegen Adler, Malfort, Hoffmann und Rummler. Sie geradezu erbärmliche Lage der Schiffer, die C. F. W. Fest. Aus der sich hieranschließenden Neuwahl des Vertrauens menschliche Ausbeutung der Schiffer durch die Kapitalisten. Der Zug vom Lande und die soziale Revolution. Von mannes ging der Kollege M. Arndt hervor; derselbe sungirt Die bisherigen Organisationen haben den Schiffern nur Schaden, Mein schußsicherer Panzer. Von Heinrich Dowe. Berlin Heinr. Schuren. Leipzig. Verlag von Reinh. Werther. zugleich als Delegirter in der Gewerkschafts- Kommission. aber keinen Nutzen gebracht. Der bestehende Zentralverband, Mein schußsicherer Panzer. Von Heinrich Dowe. Berlin Als stellvertretender Delegirter in der Gewerkschafts- Kommission mit dem bekannten Herrn Generaldirektor" Gunow an der und Leipzig. Verlag Alfred G. Fried u. Ko. wurde Kollege Hoffmann gewählt. Zum Schluß brachte Kollege Spize, fand durch den Redner eine erbauliche Illustrirung. Auch Trapp folgenden Antrag ein:" Jeder Werkstellen Vertrauens dieser Redner zeigte den Schiffern, daß sie auf Seite des werkmann zählt bei Abstimmungen so viel Stimmen, wie er Beitrag thätigen Voltes stehen müßten, sowie einen auf dem Boden der zahlende Kollegen zu vertreten hat." In eingehender, recht sach- modernen Arbeiterbewegung stehenden Schifferverband zu gründen licher Diskussion hierüber erklärten sich fast sämmtliche Redner hätten.( Lebhaftester Beifall.) für diesen Antrag, derselbe wurde einstimmig angenommen. In seinem Schlußworte erkannte Bebel Die Ebenfalls stimmte man einmüthig drei weiteren Anträgen zu, Klagen über die Abgaben und Zölle in den Kanälen den streifenden Schuhmachern in Burg, den im Ausstand befind- und Die ungleiche Belastung der großen und fleinen lichen Tischlern Wiens und den ausgesperrten Brauern hier je Echiffer als berechtigt an und war der Meinung, daß der schau. Aus Elsaß Lothringen.- Zentrum und Sozialdemos Nr. 19 vom 7. Juni hat folgenden Inhalt: Wochen50 M. zu überweisen. Staat auch für Benutzung der Kanäle wie für Ströme und fratie in Bayern. Das Recht auf Arbeit in der Schweiz. Eine öffentliche Versammlung der in der Schuh- Chausseen teine Abgaben zu erheben hätte. Die diesbezügliche Sozialistische Moral von Dr. Conrad Schmidt. Partei industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeite: Gesetzgebung sei aber Sache des preußischen Staates. Hieraus erhelle nachrichten. rinnen behandelte in einer am Mittwoch abgehaltenen Ver- die Nothwendigkeit einer Vertretung der Arbeiter auch im Die Arbeiter in England vor den Wahlen. Die Vers fammlung die Angelegenheit der Streitbrecher, die nach dem preußischen Landtage. Berechtigt seien auch die Klagen über das haftungen in Rußland.- Die Lage der Fleischhauer. legten Streit Aufnahme in die Organisation des Verbandes Maklerwesen. Dieses Zwischenmeisterthum tönne nur durch eine Soziales aus Gerhart Hauptmann. II.- Gewertschaftliches. deutscher Schuhmacher gefunden hatten. Die Vorwürfe, welche zweckmäßige Organisation beseitigt werden. Ganz unerhört sei Industrie. – Agrarisches.- Sozialstatistisches. Arbeiterden Leitern des Verbandes dieserhalb gemacht wurden, parirten diese die Stellung des Herrn Gunow und ungeheuerlich, daß die Schiffer schuß. Wie man uns behandelt.- Todtenliste.- Vermischtes. mit dem Hinweis, daß die Streitkommission trotz ihres Versprechens sich dessen Absolutismus gefallen lassen, dessen maßlose Unverfeine Liste der Streitbrecher der Organisation zugänglich gemacht frorenheit ruhig ertragen. Aus dem Verbande müsse dieser habe und im anderen Falle auch die bedingungslose Ausschließung Generaldirektor" mit einem Jahreseinkommen von 25 000 M. Heft 7 des Volks Lexikon, herausgegeben von Emanuel! dieser Personen von der Organisation insoweit nur schädigend heraus, eher werde es nicht besser werden. Der Zentralverband wirken könne, weil dieselben dann regelmäßig in jedem Lohn- fei feine Arbeiterorganisation. Redner übte weiter eine vertampfe die gefügigsten Werkzeuge der Unternehmer darstellen nichtende Kritik an der Thätigkeit des Herrn Cunow und verwies würden. Zweckmäßig sei es daher, solche Personen, die aus Un- die Schiffer nochmals auf den Weg einer demokratischen Organitenntniß der Verhältnisse oder aus sonstigen zwingenden fation. Sodann wurde von einem Schiffer der Antrag ge= Gründen die Arbeit vor Beendigung des Streits wieder auf- ftelit, eine Kommission aus Schifferkreisen zu wählen, welche die genommen, in der Organisation zu schulen und zu überzeugten Mittel und Wege zur Beseitigung der herrschenden MißwirthRämpfern für die Arbeitersache heranzubilden. Ausgeschlossen schaft im Schiffergewerbe zu berathen bestimmt sein sollen. sollten nur solche bleiben, die gewissermaßen aus Bosheit Merkwürdigerweise fand Herr Cunow in der Versammlung einen ihren fämpfenden Kollegen in den Rücken gefallen sind. In der Vertheidiger. Der Antrag wurde bis zum Winter vertagt, da in Diskussion, welche sich sehr lange hinzog und in welcher Rott, der Versammlung nicht genügend ansässige Schiffer anwesend Krause, Hildebrandt, Temmler, Fleischer und waren. Das Bureau der Versammlung wurde beauftragt, von Rönig wiederholt das Wort nahmen, traten auch einige Streit- Beit zu Zeit Agitationsversammlungen für Schiffer einzuberufen brecher mit der Behauptung auf, daß sie vom Streit vorher nicht und zu gelegener Zeit die Gründung einer neuen Organisation genügend informirt feien, was jedoch lebhaft bestritten wurde. in die Wege zu leiten. Das Bureau erbot sich, den Schiffern Man einigte fich endlich auf den Beschluß, eine Kommission von hierbei mit Nath zur Seite zu stehen. 8 Personen zu beauftragen, die Namen der Streifbrecher festzustellen und einer späteren Versammlung darüber zu berichten. Gleichzeitig wurde dieser Kommission der Auftrag er theilt, die Angabe des Kollegen Menzel, der Kollege A. Fleischer " " Vermischtes. un der Sozialdemokrat", Wochenblatt der sozialdemokratischen Partei Deutschlands( Expedition in Berlin SW., Beuthstraße 2). Zu beziehen durch alle Zeitungsspediteure. Das Abonnement beträgt durch die Post oder in Berlin durch die Beitungsspediteure pro Quartal 1,20 M., unter Kreuzband 1,80 m. Literatur. Wurm; Verlag von Wörlein u. Komp., Nürnberg, ist soeben erschienen und enthält folgende größere Artikel: Arbeit der Mechanik; Arbeit in nationalökonomischem Sinne( unter ausführlicher Bezugnahme auf Mary Kapital); Arbeiter, Zahl derselben; Arbeiterausschüsse; Arbeiterinnenbewegung ( Ueberblick über die Arbeiterinnenorganisationen aller Länder); Arbeiterschuh( Geschichte desselben; Beschlüsse aller Arbeitertongreffe; Achtstundentag); Arbeiterschutz- Gesetzgebung in Australien; A. in Belgien; A. in Dänemark; A. im Deutschen Reich( Geschichte derselben); Arbeiterschutz- Gesetz, Deutsches ( Wortlaut der Gefehes- Novelle vom 1. Juni 1891, nebst den hierauf bezüglichen Anträgen der sozialdemokratischen Reichstags- Fraktion und Erläuterungen zum Gesetz). Alle 14 Tage erscheint ein Heft. Briefhaffen der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( 8wet Buchstaben oder eine Baht) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. 2. 20. Nein. schuldigen Alimente nicht pfändbar. 2. Sonntags darf ein K. K. 1. Arbeitslohn ist wegen der dem un ehelichen Kinde Gerichtsvollzieher nur auf besondere gerichtliche Anordnung hin pfänden. 3. Die unentbehrlichen Kleidungsstücke sind unpfändbar. O. 6. 43 a. Der Ausgang des Rechtsstreits hängt von dem diesseits nicht zu bestimmenden Gutachten des Sachverständigen über die Preisangemessenheit ab. F. R. 1874. Herzkrant. K. 100. Berjährt ist Ihre Forderung noch nicht. Sie müssen bei dem Schöffengericht einen Antrag auf Feststellung der Ihnen zu ersetzenden Kosten stellen. W. H. 24. Weder der Lehrherr noch Ihr Sohn ist der Tischler- Innung beizutreten verpflichtet. G. 100. Wenn Sie den Abschluß des Vergleichs beweisen können, so würde eine neue Klage Ihrerseits von Erfolg bea gleitet sein. O. 6. 12. 1. 3um Ersten. 2. Nein. Rezension über das Buch zum Ausdruck gebracht wurden, können A. B. 12. Mit den Einschränkungen, die in der letzten wir das Buch warm empfehlen. habe hinter dem Rücken der Streikenden mit der Firma Simon- farte". Es ist wenig bekannt, daß Nachnahme mittels Postkarte Eine neue Pofteinrichtung„ Nachnahme mittels PostSohn und Stern verhandelt, auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. feit einiger Zeit zulässig ist. Die Nachnahme mittels Postkarte Allgemein überraschte der Bericht, den der Kollege Nauer ist vielfach den sog. Postaufträgen vorzuziehen, weil erstere nicht vom Burger Streit gab. Auf grund einer Depesche, die er von dort erhalten, war Redner am Mittwoch, den 6. d. nach allein viel weniger Arbeit und Papier erfordert, sondern auch Der Postauftrag muß Burg gefahren und hatte dort erfahren, daß die Kollegen keines nur die Hälfte Portokosten verursacht. wegs gewillt sind, die Arbeit zu den Bedingungen, wie sie der Kollege nämlich stets mit 30 Pf. Porto beklebt werden, die Postkarte nur Bock aus Gotha, mit den Fabrikanten gegen den Willen mit 15 Pf. Von den durch Postauftrag eingezogenen Beträgen werden immer mindestens 20 Pf. Porto für Ueberder Kommission vereinbart habe, wieder aufzunehmen. Die des eingezogenen Geldes Don der Post in Kollegen in Burg feien aufs Tiefste entrüftet über das Vorgehen sendung dahingegen von den durch PostkartenBocks und ersuchten die Arbeiter allerorts, sie weiter in dem Abzug gebracht, Nachnahme eingezogenen Beträgen bis 5 Mark nur Die Ausihnen aufgezwungenen Kampfe zu unterstützen. gesperrten, zirka 300 an der Bahl, hätten sich durch geheime Ab- 10 Pf., über 5-100 M. 20 Pf., über 100-200 M. 30 Bf., über stimmung für Fortsetzung des Streits entschlossen.( Lebhafter 200-400. 40 Bi. Man braucht auch nicht Anstoß daran zu Beifall.) Die Versammlung wurde bei der weiteren Besprechung nehmen, daß die Nachnahmen auf" offener Karte irgendwie als über die Maßnahmen des Kollegen Bock sehr erregt. Alle Redner Beleidigung, Rücksichtslosigkeit oder dergleichen ausgelegt werden ohne Ausnahme verdammten das Gebahren desselben in den müßten, weil ja auch den Postaufträgen eine offene Quittung schärfsten Ausdrücken und sicherten den Kollegen in Burg ihre ebenso genau ersichtlich ist und sein muß, wie auf der offenen beizufügen und von den Postboten vorzuzeigen ist, auf der alles Unterstüßung zu. Kollege Fleischer wurde beauftragt, alle vorhandenen Gelder nach Burg abzusenden, ebenso den Vorstand Karte". Des Weiteren fei noch erwähnt, daß die Postkarten des Verbandes zur weitgehendsten Unterstützung aufzufordern. Betrage( in Buchstaben und Ziffern) auch unmittelbar darunter Nachnahmen auf der Vorderseite außer dem nachzunehmenden Die Verfammlung nahm eine Resolution an, in welcher sie mit Namen und Wohnort des Absenders tragen müssen. Bock scharf ins Gericht geht und[ beauftragte das Bureau, geeignete Schritte zu thun, um eine Volksversammlung einzuberufen, Der Gastwirth Karl Mähl in M. in Dithmarschen stand mit dem Wie man zu einer Beleidigungsklage kommen kann. in welcher der Streit in Burg und das Verhalten des Vertrauens- Gemeindevorsteher auf recht gespanntem Fuße und glaubte desmannes Bock behandelt werden soll. halb, daß verschiedene Belästigungen, die ihm seitens des Orts- das In der öffentlichen Volksversammlung, die am 6. d. M. polizeidieners zu theil wurden, auf dieses gespannte Berhältniß in den Germania- Sälen abgehalten wurde und besonders von zurückzuführen seien. Er wandte sich mit einer geharnischten Angehörigen des Schifferverbandes zahlreich besucht war, sprach Beschwerde an den Gemeindevorsteher. Dieser war über den Reichstags- Abgeordneter Bebel über den russischen Handels- Ton der Beschwerde sehr erregt und beschloß, eine kurze und vertrag, mit besonderer Berücksichtigung des Schifffahrtsgewerbes. bündige Antwort zu ertheilen. Er ging in fein Bureau und Redner gab einen interessanten historischen Rückblick auf die diktirte feinem Schreiber also:" Ihre Beschwerde fann feine Schifffahrtsverhältnisse der früheren Zeiten und deren Ent- Berücksichtigung finden, da die darin ausgesprochenen Ver- Sie uns den ganzen Sachverhalt. Berantwortlicher Redakteur: Hugo Pötzsch in Berlin. Druck und Verlag von Maz Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2. Eckert 1000. Nein. Klage Nr. 2. 1. Nein. 2. Ja mit Vollmacht. Lehner, Steinstraße. Wir würden zur Klage vor dem Gewerbegericht rathen, 799. Die falsche Bezeichnung ist ohne Bedeutung. G. G., Brugelles. Es giebt jetzt gegen Strafurtheile, die Landgericht als erste Justanz fält, nur die Revision, die das Reichsgericht entscheidet. R. G. 11. Wenn sie eine etatsmäßige Rommandostelle 2. 10. Sie brauchen nicht zu bezahlen. O. Sch. 100. Nur die Frau haftet. haben, ja. W. M. 16. Der Fall ist so nicht verständlich. Schreiben