Nr.Z14. 34. Jahrg. Ndonnemmü-Veckingungen: Abonnements- LretS bränumsrnnb,»' vieileliahrl. 3.90 MI, monoiL t30 ÜÄt, wöchcnili» 30 Sfg. frei mS HauS> Einzelne Kummet 5 Plg Sonntags. nummet mit illuINncrret Sonntags- Beilage.Die Neue Lell' 10 Big. Poil. Abonnement: 1,30 Mail Bto Monat. Eingettagen in die Pos!. Zeitung». BxeiSIiiie, llnlct Kreuzband iüt Denlichland uns Oesterreich. Ungarn ZöO Marl,, für. da» übrige AuSIand t War! bto Monat, Voitavonnemenl» nebrncn an Belgien. Dänemark Holland, Italien. Luxemburg, Ponugat, Rumänien, Schweden und die Schweis tflchtlnl Utgllck. Verlinev Volksblclkk. � s pksnnig) ver Unzelgenpreiz betrüg« i, die siebengespallene Kolonel- zeUe 60 Psg.„liteine Snaeigen", das setigedruckte Wort SO Pfg,(zu- lässig 2 settgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen da- ersle Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. TeuerungSzuschlag 20°/» Politische u, gewerlfchastliche BereinS- anzeigen die siebengespalteneKolonel- geile 10 Psg, Familienanzeigen 50 Pi, ktnzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Haupt-Expedition abgegeben werden. Bepffnel d.LUhrsrüh bis7Uhr abends. Telegramm- Adresse: „SozialdciiigllraJ Rsrlia" Zcntralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblanda. Neüaktion: SW. öS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amr Morinpla«, Rr. 1S1 3V— 151 37. Expedition: EW. öS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplats, Rr. 1S130— 1S137. Ttoekbolm: 9. September. die neue Negierung und die Parteien. Von den neuernanntcn Staatssekretären, Ministern und Ilnterstaatssekrerären sind nur drei als Mitglieder politischer Parteien bekannt, nur einer ist Reichstagsabgeordneter, einer Landtagsabgeordneter. Das sind der Staatssekretär des Reichsjustizamts v. Ä r a u s e(natl.), der Justizminister Spahn (Zentr.). Der Unterstaarssekretär im Reichsernährungsamt Dr. August Müller(Soz.) hat kein Mandat. Die Ernennung keiner dieser drei Persönlichkeiten bedeutet, daß damit ihre Partei in die Regierung eingetreten wäre. siä bedeutet nur, daß drei Männer von bestimmter politischer Färbung sür ihre Person hohe Reichs- und Staats- ämter übernommen haben. Von einer Annäherung an das parlamentarische System ist keine Rede. Alle drei stehen an Stellen, die ihnen keinen erheblichen Einfluß aus die allgemeine Rcgierungspolitik gestatten dürften. Herr v, Krause hat als Staatssekretär den Reichskanzler als seinen Vorgesetzten zu betrachten, dürfte aber auf dem Gebiet des Reichsjustizwesens in der Lage sein, selbständige Arbeit verrichten zu können. Herr Spahn ist Mitglied des preußi- schen Staatsministeriums, in dem der Ministerpräsident nur erster unter Gleichen ist, sonst ist auch er auf das juristische Gebiet beschränkt, er kann außerdem, wenn er will, bei � seiner Partei unter der Hand für die glatte Erledigung der -angekündigten Wahlreform wirken. Die Stellung Tr, Müllers schließlich als Unterslaatssekretär im Reichsernährungsamt ist als eine reine'Veümtcnstellun g aufzufassen.� Eine Schwalbe macht keincn Sommer, und ein sozialdemokratischer Unterstaats- sckretär, der ohnedies dem aktiven' politischen Leben schon längere Zeit fern steht, bedeutet weder den Eintritt der Sozialdemokratie in die Regierung, noch eine Annäherung der Reichspolitik an sozialistische Grundsätze. Der Wandel, der in dieser Ernennung zutage tritt, beschränkt sich auf eine Aenderung der maßgebenden Auf- fassung über die Eignung der Sozialdemo- kraten zum Staatsdienst. Vor dem Krieg wäre jeder Beamter, der sich als Sozialdemokrat zu erkennen ge- geben hätte, unbarmherzig gemaßregelt worden. Wenn heute ein Sozialdemokrat in ein höheres Reichsamt berufen wird, so ist das ein Bruch mit der bisherigen Praxis. Man wird keinen Beamten oder Angestellten des Reichs oder des Staates mehr daran hindern können, sich als Sozialdemokrat zu bekennen. Mit dem ekelhaften System der Gesinnungs- schnüffelei und Ketzerrichterei muß es jetzt ein Ende haben. Die„Tägliche Rundschau" erinnert daran, daß der neue Unterstaatssekretär seinerzeit als Redakteur der sozialdemo- kratischen Magdeburger„Volksstimme" wegen Majestäts- beleidigung verurteilt wurde. Das ist richtig. Im Jahre 1899 hatte die„Volksstimme" eine harmlose Anekdote erzählt, in der geschildert wurde, wie ein Monarch seinem Sohne den Gebrauch eines derben Wortes abgewöhnen will. Im Aerger darüber, daß dieses Erziehungswcrk dauernd mißlingt, wendet dann der gekrönte Vater das verpönte Wort auf den Sohn selbst an. Die Geschichte wurde als eine Anspielung auf den Kaiser aufgefaßt und Müller, der die betreffende Nummer als verantwortlicher Redakteur gezeichnet hatte, wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Später meldete sich ein anderer Redakteur, der frühere Reichstags- abgeordnete Albert Schmidt als der eigentliche„Schuldige", der in Abwesenheit des Müller das wirklich ganz harnilose Geschichtchen in das Blatt gebracht hatte, tschmidt erhielt drei Jahre Gefängnis, die er verbüßte, um bald darauf den freiwilligen Tod unter den Rädern der Eisenbahn zu suchen. Müller wurde nach L'/z Monaten aus dem Gc- fängnis befreit. Der Magdeburger Majestätsbeleidigungsprozeß gehört zu grauenhaftesten Blättern aus der Geschichte der deutschen Sozialiftenverfolgung. Damals, obgleich das Sozialistengesetz schon aufgehoben war, stand noch jeder aktive Sozialdemokrat unter einem tatsächlichen Ausnahmezustand und mit einem Fuß im Gefängnis. Trotzdem nun die Ernennung eines „vorbestraften" sozialdemokratischen Redakteurs zum Unterstaatssekretär erfolgt ist, bleibt noch viel zu tun, um Deutschland zu einem Land wirklicher Gesinnungsfreiheit zu machen. Das Ergebnis des Regierungswechsels ist im ganzen, daß keine Partei als solche in die Regierung eintritt und daß alle ihr gegenüber vollkommen freie Hand behalten. Das gilt insbesondere auch von der Sozialdemokratie. Die meisten der Neuernannten gehören überhaupt keiner politischen Partei an. D r e w s, der neue Minister des Innern, Schmidt, der neue Kultusminister, R ü d l i n, der neue Reichspostsekretär, sind einfach Beamte. Herr v. W a l d o w, der Chef des Reichsernährungsamts, und v. Eisenhart» Rothe, der Landwirtschaftsminister, gelten als konservativ, und das gleiche gilt vom neuen Chef der Reichskanzlei, Herrn v. Grävenitz. Die beiden Bürger- meister,.die sich in"das Reichsamt des Innern teilen sollen, W a l l r a f und Schwander, sind wohl beide als Liberale anzusehen, wobei der zweitgenaunte vielleicht als etwas weiter linksstehend betrachtet werden kann. Herr v. K ü h l m a n n. bisher Botschafter in Kon- stantiuopel, jetzt Nachfolger Zimmermanns im Ausivärtigen Amt, steht als Diplomat außerhalb der politischen Parteien, gilt aber den Alldeutsch-Konservativen als äußerst verdächtig. Sie haben seine Ernennung mit verzweifelter Erbitterung, vergebens, bekämpft, weil sie von ihm befürchten, daß er eine Politik im Sinne des Reichstagsprogramms vom 19. Juli treiben würde,«sollte sich dieses Mißtrauen als berechtigt erweisen, dann wird das Verhältnis zwischen der Rechten und der Regierung, das in der ersten Zeit recht freundlich schien, bald gespannter werden als unter dem Regime des Herrn v. Be'thmann Hollweg. Ob die Regierung für die drohende Feindschaft von rechts die Freundschaft der Mittelpartcicn und der Linken eintauschen wird, steht dahin. Was vor allem die Sozialdemokratie be- trifft, so ist eine grundsätzliche Gegnerschaft schon dadurch gegeben, daß sich die neue Regierung abermals als eine Beamten- und Obrigkeitsregicrung ausiveist. Die Sozial- demokratic bckänipft daS System, dem diese Regierung ihre Entstehung verdankt und verlangt seine Ersetzung durch das System der Volksrcgierung. Für sie sieht es fest, daß die neue Regierung,- so lange- oder so'kurz sie im Amte bleiflew mag, die letzte deutsche Beamtcnrcgicrung gewesen sein muß. Diese grundsätzliche Gegnerschaft wird die Sozialdemo- kratie aber"so wenig wie bisher daran hindern, die Taten der Regierung objettiv zu würdigen, sie in dem zu bestärken, was ihr nützlich erscheint, um sie in schädlichem Tun desto entschiedener zu bekämpfen. Es kann festgestellt werden, daß auch die bürgerliche Preffe die neue Regierung mit bemerkens- werter Zurückhaltung aufnimmt. Man ist mit Vorschuß- lorbeeren im allgemeinen recht sparsam geworden. Wir lassen eine Reihe von Preßstimmen folgen. „Berliner Tageblatt.-': ..DaS aber zeigt auch die jetzige, für die innere Entwicklung des Reichs gänzlich belanglose llmformung des RegierungSperfo- nals, daß Herr Michaelis der wirklichen Demokratisie- r u n g oder Parlamcntarisierung, der unvermeidlichen Neuteilung von Macht und Verantwortung, einstweilen fremd, wie einem exotischen Meecungeheuer, gegenübersteht. Weltgeschichte zu machen, ist bei unS das alleinige Vorrecht der Armee." „Bossische Zeitung": „Der Charakter der neuen Regierung wird dadurch nicht ver- ändert, daß inzwischen in aller Eile noch ein paar Portefeuilles anders vergeben worden sind. Will die Regierung, wie sie selbst bestätigt hat, der neuen Zeit ihren Tribut zollen, so muß sie selb st beim Amtsantritt vor dem Reichstage die Vertrauensfrage stellen. Tut sie es nicht, dann hat der Reichstag die Pflicht, diese Frage aus eigener Kraft zu beantworten. In jedem Falle trägt der Reichstag für die Durchführung seines Programms die volle Verantwortung." „Germania": „Leute, die immer noch so töricht waren, an eine große Um- wälzung in Richtung auf das parlamentarische Regime zu glaube«, werden uaiürlich heute unzufrieden sein. Sie werden vielleicht gar sagen wollen, daß derartige Berufungen von Parlamentariern früher, wenn auch äußerst selten, schon zu verzeichnen gewesen wären, in Wirklichkeit also ein Fortschritt überhaupt nicht vorliege. Demgegenüber möchten wir unseren Glauben an die grund- sätzliche Bedeutung der diesmaligen- Berufung eines Na- tionalliberalen und eines Zentrumsabgeordneten dekennen. Dieser Glaube rechtfertigt sich vor allem daraus, daß im Gegensatz zu früher eine größere Wcitherzigkeit bei der Berufung in bezug auf die Parieistellung bewiesen wurde; der erste Zentrums- mann auf einem preußischen Ministersessel ist ohne Frage ein Aus- fluß grundsätzlicher Abkehrung von dem alten Axiom, daß man in Preußen, um Minister zu werden, konservativ gerichtet fein müsse, und weiter links höchstens ein Natio- nalliberaler einmal Gnade finden könne." „Berliner Neueste Nachrichten": „Auch von einer„Parla meutarisierung" der RcgierungenistnichtdieRede. Die persönliche Eignung allein war bestimmend, wobei natürlich noch fraglich bleibt, ob der Kanzler bei allen eine glückliche Hand bewiesen hat. Uns macht dieses„Beamtenkabinett"nurdenEindrnckcines Uebergangskabinctts... Dem Ausland gegenüber ist es richtig, daß kein militärischer Posten neubesetzt worden ist, sich der ganze Personenwechsel also deutlich darstellt als natürliche Folge des Kanzlerwechsels, unbeeinflußt durch irgendwelche Rück- sichten auf das Ausland. Richterfolge oder grundsätzliche Svstem- änderung. Durch Unwillen wurde die Willensschwäche Vertrieben, und ein starker Wille schafft sich mit neuen Mitarbeitern die Vorraussetzungen erfolgreicher Betätigung. Das ist alles." „Soft": „Der Kanzler hat hier eine erste Probe auf seine Aeußerung abgelegt, daß ec nicht willens sei, sich die Führung aus der Hand nehmen zu lassen. Er hat seine Wahl getroffen, ohne den Drän- gern von links so weit nachzugeben, daß man von einem völlig neuen Kurs sprechen könnte, der lang erprobte Pfade verläßt und ins Ungewisse hinauslenkt." „Tägliche Rundschau": „Die viel beschricnc„P a r l a m e n t a r i s i e r u n g", an der Zentrum und Fveisinn bei längerem Nachdenken große Bündel gänzlich unverdaulicher Haare gesunden haben, ist n i ch t e r f o l g t. Was geschaffen worden ist. ist ein B e a m t e n m i n i st e r i u m in alter Weise und der Zutritt von zwei Parlamentariern. Eine Anzahl von Ministern ist zurückgetreten, zum Teil aus nickt recht begreifbaren Gründen, und durch andere hohe Beamte ersetzt worden,, die sich in ihren Stellungen bewährt und Ausgezeichuetc- geleistet haben.' Stockholm. Der neue Termin öer Konferenz. Kopenhagen, 6. August.(Eig. Truhtstericht des „Vorwärts".) Tie Friedcnskonsercnz ist jetzt nach Vcrhand- lungcn zwischen dein holländisch-skandinavischcn Komitee und den englische» und frauzösischcu Sozialisten auf den 9. S ep» t e m b c r festgesetzt. Tic Franzosen und Engländer wünschten diesen Zeitpunkt, weil die Konferenz der Alliierten in London am.28./2A. August, der Kongreß der englischen Arbeiterpartei am 3.� September stattfindet. Bemerkenswert ist, daß das Telegramm der Franzosen abgesandt wurde nach der Ätunmcr- dcbattc am 4. August und Hendersons Telegramm gleichfalls. Auch die Amerikaucr werden jetzt in Stockholm erwartet. Stockholm, 6. August. Meldung von Svenska Tele- grammbyran. Tie internationale Sozialistcnkonfcrcnz ist endgültig auf den 9. September festgesetzt worden. Die amerikanische Abordnung. Bern, 6. August.„Daily News" meldet aus Washington vom 31. Juli: Der Vorstand des amerikanischen Ar- beiterverbandes nahm die Einladung des holländisch-flandi- navischen Ausschusses zur Entsendung von Mitgliedern nach Stock- Holm zwecks Darlegung der Stellungnahme der amerikanischen Ar- beit-erschaff zum Kriege an. E? wird diesen Abgeordneten nicht gestattet sein, an den Augustkonferenzen teilzunehmen, da sie nicht Sozialisten sind, aber sie werden in der Vorversammlung berichten, was ihre zweieinhalb Millionen Mitglieder als Amerikas Kriegs- ziel ansehen. Die sozialistischen Abgeordneten, die ausgeschlossen sind, würden nur einige tausend Arbeiter vertreten. Es würde sich bei dieser Abordnung also nur um die Richtung der Kriegswilligen, die in Gompers ihren Hauptvertreter hat, handeln. Werden den sozialistischen Abordnungen auch weiterhin die Pässe verweigert werden? Wie Gompers selbst zu Stockholm steht, wird durch ein aller- neuestes Reutertelegramm aus New Uork.kräftig in Erinnerung gebracht. Es lautet: Der Präsident des amerikanischen Arbeiter- Verbandes, Gompers, hat eine Erklärung veröffentlicht, daß noch seiner Meinung eine internationale Konferenz von Arbeitervertretern aller Länder untunlich und sogar schädlich wäre. Kommen GompcrS Anhänger nach Stockholm, um dieses Pro- gramm zu vertreten? » TasSowjät-Organ gegen Jutpcrialismus undKonfereuz- Verschiebung. Das Stockholmer Svwjät-Bulletin verbreitet folgenden Artikel der Petersburger„Jsvestija", des offiziellen Legans des Arbeiter- und Soldatenrats:- „Für die innere Lage Deutschlands ist der ffiedlichc, sansie Ton der-Kanzlerreden recht bezeichnend. Unter dem Drucke immer wachsender Unzusriedenheit der Polksmassen muß man schon den Wolfsrachen des. Imperialismus hinter dem Schaffell verstecken. Wie mir aber die Stellung der deutschen Regierung auch beurteilen mögen, so hat doch der deutsche Reichskanzler eine Eni- hüll» n g gemacht, die von den in Betracht kommenden Regierun- gen nicht ohne öffentliche Antwort gelassen werden darf. Wurde im Jahre 1916 ein Bertrag über die Unterstützung der sranzösischcn Ervberungspläne durch die zarische Regierung geschlossen, von denen der Reichskanzler gesprochen hat? Ja oder Nein? Hat Brian gesagt, es sei Frankreich gleichgültig, was die unteren Be- Völkerungsklassen Rußlands dazu sagen? Ja oder Nein? Wenn ja. dann besinden sich Frankreichs Regierungen in dem größten Wahn. In dem revolutionären Rußland hängt alles davon ab, was die unteren Bevölkcrungsklassen sagen. Denn diese Klassen des russischen Vielmillionenvolks baden nicht dazu ein« Revolution gc- macht, um eine stumme Herde zu bleiben, die die Regierenden Frankreichs und Rußlands' nach Belieben lenken können. Die revo- lutionäre Demokrat« Rußlands stellt mit Befriedigung fest, daß nach Mitteilung bcS Reichskanzlers der Minister des Ueu�eren Tcrcstschcnko, unmittelbar nach seinem Tienstantbilt, einen Protest gegen olle Erobcrungspläne eingelegt hat. Die russische Tema- kratic ist überzeugt, dah auch weiter die revolutionäre Regierung scst auf ihrem Posten stehen unv das ihr anvertraute Werk der Er- reichung des allgemeinen se r> c d c n s auf den demokrati- jchen Grundlagen erfüllen wird. Denn dieses Wert bleibt die wich- tigste Aufgabe des demokratischen Rußlands. Die Lösung dieser Aufgabe ist der Schlüssel zur llebcrlvindung aller Schwierigkeiten, die auf der Revolution lasten. Tic Stockbolmcr Internationale Konferenz der sozialistischen Parlcien, deren Tag schon nahe ist, ivird der Wendepunkt sein, nicht nur in der Geschichte des zeitgenössischen Sozialismus, sondern vielleicht auch in der Weltgeschichte. Die Konsercnz muß zeigen, ov der einmütige und vereinigte Kampf der Avbeitermaffen aller Länder für den allgemeinen demokratischen Frieden möglich ist, oder aber: es ist keine Vereinigung möglich, und die Parteien jedes einzelnen Landes werden zum größten Nachteil für die Menschheit fre« Hände bekommen, damit sie selbständig und ohne Verbindung mit den anderen Parteien die Rettung aus dem Brande des Welt- kricgs suchen. Aber, augenscheinlich findet man nicht bei allen europäischen Genossen genügend H a r e s V c r- st ä n d i u i s dcrganzcn Wichtigkeit der Stockholmer Konferenz und der Unmöglichkeit, sie weiter zu vertagen, wenn auch nur u in einen einzigen Tag. Es bestehen sogar Pläne, die Konferenz auf die Mitte oder sogar Ende September zu verschieben. Bis zur Stunde ist die Frage unentschieden, ob die französische» und englischen Sozialisten, Mehr- deitcn wie Minderheiten, die Möglichkeit haben iverdcn, an der Konferenz teilzunehmen, llnd wir sehen auch nicht, daß die f ra n- z ö s i sch c n und englischen Genossen in dieser Frage(Pässe! Anm. d. Red.) einen entschlossenen Kampf führen, wie wir über- Haupt keine tatkräftige Vorbereitung der Lösung der Friedcnstragc. die eine Weltbedeutung besitzt, ersehen könne n. Zeitweise gewinnt man den Eindruck, als ob die Hand des WeltimperialiSmuS im Geheimen das ganze Werk sabotiert, das Werk der Annäherung der Arbeitermassen aller Länder für den Kampf für den Frieden, und als ob diese S a b o- tage nicht auf einen genügend entschiedenen Widerstand stößt. Mit der allergrößten Entschlossenheit erklären wir, daß die revolutionäre Demokratie Rußlands, die auf ihr Banner den Kampf für den all- gemeinen Frieden geschrieben hat, es nicht bei dieser Sachlage blei- ben lassen kann, ll n t c r keinen B o r w ä n d en, wie plausibel iic auch klingen mögen, darf die Konferenz um längere Zeit verschoben werden. Sic muß in denselben Tagen des August zustandekommen, auf die sie festgesetzt ist. Wenn dieses Wert des Friedens, das alle Völker sehnsüchtig erwarten, unter- graben wird, dann soll alle Welt die an dem Mißerfolg Schuldigen kennen lernen, dann sollen die Schuldigen offen vor den Ar- beitermassen der ganzen Welt die Verantwortung für jene schädlichen Folgen tragen, die in solchem Falle unausbleiblich sind. An der S ch iv c l l e des vierten KricgSjahrcs muß die Fricdensparolc lauter tönen wie jemals. Es ist die' höchste Zeit, den Massen die frohe Kunde zu bringen. Es ist die höchste Zeit, daß man an den Ausgang aus diesem Reiche des blutigen Wahnsinns denkt, der von der Erdoberfläche die Jahr- hundertclange menschliche Kultur vertilgt und die zivilisierten Länder der Verwüstung und der Verwilderung zum Opfer fallen läßt. Wer das nicht versteht, mit d c ni kann die russische Revolution k ei n e n gemeinsamen Weg geh en. Hierzu bemerkt unser Stockholmer Vertreter: Ter Artikel der „Jsvcstija" ist natürlich noch vor dem Bekanntwerden der von de» Russen, Franzosen und Engländern in Paris beschlossenen Verschie- bung erschienen. Wenn der Artikel die Meinung des Arbeiter- und Soldatenrats wiedergibt, dann haben ihr seine Vertreter in Paris in schärfster Weise entgegegcngebandelt; ja, sie hatten sich dann mitschuldig gemacht an der„geheimen imperialistischen Sa- Kotierung der Friedenpaktion". Wir fürchten, die �Jsvestija" hat in traurigster Meise recht. » Bern, S. August. Tie Delegierten dcS russischen Arbeiter- und Soldatcncats sind gestern in Turin eingetroffen und am Nachmittag nach Rom weitergcrcist. Ein Wiener Dementi. Wien, g. August. In verschiedenen Blättern deS neutralen Aus- landes taucht in letzter Zeit die meist aus Washington kommende Meldung auf, Oe st erreich- Ungarn habe dieVermitt- luug der Bereinigten Staaten von Amerika an- gerufen oder siebe im Begriffe, dies zu tun, um von feinen Feinden einen W a f s e 11 st i l l st a ii d zu erlangen oder den gegnerischen kriegführenden Staaten ein Friedensangebot zu mache n. Das Wiener K. K. Telegraphen-Korrespondenz- Burcau ist demgegenüber zu der Erklärung ermächtigt, daß alle diese Nachrichten voll st än big aus der Luft gegriffen sind. kerenskis Diktatur. Petersburg, 5, August.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) Ministerpräsident Kerenski hat folgende E r k I ä- r u n g veröffentlicht: Angesichts der offenbaren Unmöglichkeit, durch gegenseitigeVerständigung zwischen den verschiedenen politischen Strömungen, sowohl den sozialistischen wie den nicht- sozialistischen. eine kraftvolle revolutionäre Macht zu schaffen, wie sie der gegenwärtige drohende Augenblick erfordert, sah ich mich gezwungen zurückz», treten. Die Konferenz von Vertretern der hauptfächlichsten sozialistischen. dcmolratischcn und liberalen Parteien am 3. August hatte »acb langen Erörterungen das Ergebnis, daß die in dieser Konferenz vertretenen Parteien beschlossen haben, mir die Aufgabe der Umbildung des Kabinetts zu über« tragen. Da ich es für»nmöglich Halle, unter den gegen- wärligcn Umständen, wo eine äußere Niederlage und ein innerer Zerfall das Land bedrohen, mich der mir anvertrauten schweren Pflickit z» entziehe», betrachte ich diese Pflicht als ausdrücklichen Vcjchl des Laiides, in möglichst kurzer Frist und allen etwa sich erhebenden Hindcrniffen zum Trotz eine kraftvolle revolutionäre Macht zu schaffen. Ich gedenke die Lösung dieser Aufgabe aus meine unabänderliche Ueberzeugung zu stützen, daß das Wohl des Vaterlandes und der Republik den Verzicht auf die Partcistreiligkeiten und die volle Selbstverleugnung aller russischen Bürger verlangt, unter Bedingungen und Verhältnissen, die durch die harte Notwendigkeit, den Krieg zu führen, die Kampffähigkeit des Heeres zu erhalten und die wirtschaftlicheStärke desStaates wiederherzustellen, gebieterisch vorgeschrieben sind. Da ich zur Regierung gehöre von der ersten Stunde an, wo die Fülle der Macht in die Hände des Volkes überging, so halte ich es für unerläßlich, bei Uinbildung der Regierung mich aus die nach und nach von ihr ausgearbeiteten und in ihren Erklärungen ausgesprochenen Grundsätze zu stützen. Gleichzeitig halte ich es in meiner Elgenichait als Regierungsoberhaupt für unvermeidlich, eine Aciiderung in der Ordnung und in der Verteilung der Regierung»- arbeit einzuführen, da ich es nicht für am Platze glaube, mich durch die Erwägung behindern zu lassen, daß diese Aende- rungen meine Verantwortlichkeit hinsichtlich der höchsten Ausgaben des Staates erhöhen werden. efnnabim 1 Englische starke Teilangriffe abgewiesen — Russischer Widerstand zwischen Dnjestr und Pruth— Radautz kämpfend genommen — Rumänenangriffe am Casinnlui und nördlich des Putnatalcs. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 6. August 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht. Ju Flandern blieb die Feuertätigkrit bei Tage meist xr- ring; abends nahm der Artillcrickanipf in einigen Abschnitte» große Heftigkeit an. Englische starke Tcilangriffc, die»achtS und heute morgen gegen unsere Stellungen ziviichcn der Straße Apern— McnincS und der LYS vordrachcn, sind überall abge- wiesen worden. In dem uns wohlbekannten Trichtcrfeldc führten unsere Sturmtrupps erfolgreiche Unternehmen durch. Zahlreiche Ge- sangcne wurden eingebracht: aus einigen der 25 vor unserer Front zerschossen liegenden Panzerwagen wurden mehrere Ma- schinengcwchre geborgen. Bei den anderen Armren beschränkte sich die GcfcchtStätig- keit tagsüber auf Streufeuer: abends steigerte sie sich zwischen La Bassöe-Kanal und Scarpc sowie am Chrmin-dcS-TamcS. Bor- scldgefechte verliefen für uns günstig. Im Luftkampf schoß Leutnant Gontcrmann seinen 25. Gcg- »er ab. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e ld m a rs ch a l l b Prinz Leopold von Bayern. Heeresgruppe des Generaloberst v. Boehm- E r m o l l i. Längst des Zbrucz örtliche Gefechte. Zwischen Dnjcstr und Pruth habe» sich die Russen erneut zum Kampf gestellt. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Südöstlich von Ezcrnowitz leistet der Feind an der rumäni- schcn Grenze Widerstand: unser Angriff ist im Gange. Wir stehen vor Sercth(Ort) und haben»ach heftigen Kämpfe» Radautz genommen. Beiderseits der Moldawa und auf dem Ostufer der Bistritz wurden russischen Nachhuten mehrere Höhcnftcllungcn entrissen. Wiederholte Angriffe der Rumänen am Mgr. Easinului und am Kloster Lepsa nördlich dcS Putnatalcs find verlustreich gc- scheitert. Wie die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet, schlug in der Sitzung der Vorläufigen Regierung und der Vertreter der Parteien und Ausführenden Ausschüsse M i l j u k o w vor, die volle Gewalt auf Kerenski zu übertragen. Entweder müsse Kerenski und die Vorläufige Regierung volle Diktatur- gewalt unabhängig vom Arbeiter- und Soldatenrat erhalten. oder die volle Geivalt müsse auf diesen übertragen werden. Er fragte Tscheidse, ob er die Gewalt übernehmen wolle, »voraus Tscheidse im kRamen des Arbeiter- und Soldaten rats crlviderte, daß dieser die Uebernahme der Gewalt entschieden ablehne. Ter V o r l ä u f i g e A u s s ch u ß der R e i ch L d u in a erachtete es, nachdem er den Bericht Rodziankos über die Debatten in der Sitzung im Winterpalais in der Nacht zum -1. August angehört hatte, für unerläßlich, daß Kerenski die Bildung des Kabinetts anvertraut»verde, in das Persönlichkeiten berufen»vcrden sollten, denen vor allem der große Gc- danke des Heiles Rußlands am Herzen liege. Eine gemeinsame Versammlung der Voll- zugsausschüssc des Arbeiter-»rnd Soldaten- r a t e S und des Bauernverbandes nahm, nachdem sie von den Debatten in der Konferenz im Winterpalais Kenntnis genommen hatte, trotz des Einspruchs der Marimalistcn m i t 147 gegen 46 Stimmen bei 42 Enthaltungen eine Entschließung für die Betrauung Kercnskis mit der Bildung des Kabinetts an. Gleichzeitig lud sie dazu die Vertreter aller Parteien ein. die sich auf den Boden des am 21. Juli veröffentlichten Programms der Erklärung der Vorläufigen Regierung stellen. Kerenski zog dann sein Rücktrittsangebot zurück, nachdem er die Ergebnisse der Nachtsitzung erfahren hatte. Die oben mitgeteilte Erklärung steckt die Grundlinien für die Führung der ihm anvertrauten Diktatur ab. Die Summe der Beschlüsse und Erklärungen der letzten Tage kann nur eine Bekräftigung des Kurses, den die vorläufige Regierung bisher einhielt, bedeuten. Sie enthält vorläufig kein Zeichen, daß eine Aenderung eintreten wird. Trotz aller Zersetzung in Heer und Land, trotz aller schtverstcn Erschütterungen auf dem Schlachtfelde hat also die Stunde immer noch nicht geschlagen, Ivo die Sache der Revo- lution, die nur im Frieden gedeihen kann, ohne Gefährdung von der Sache des Krieges geschieden»verdcu kann. Die Notlvendigkcit, zur Sicherung des Ertrages der Revolution der Partei der Kadetten aufs neue einen Einfluß einzuräumen. der nicht gering erscheint, bezeugt, daß die Zeiger dieser Stunde immer noch nicht entscheidend und erlösend vor- »värts können. Michaelis' Enthüllungen im englischen Unterhaus. Bern, 6. August. Ter Abgeordnete LeeS Smith befragte im linterhause am 1. August den Staatssekretär des Aeußeren, ob das Ministerium amtlich oder nicht amtlich von einer zwischen Frankreich und Rußland bestehenden Abmachung oder Verständigung Kenntnis habe, wonach Deutschland im Fall des Sieges der Ententemächte abgesehen von Etsaß-Lothringen irgendwelcher Ge- bietSteil auf dem Westufer des Rheins beraubt werden sollte. B a l f o n r antwortete: Ich habe keine Nachricht, abgesehen von dem, was in der Presse erschienen ist. Lees Smith fragte dann weiter: Die Richtigkeit der von R i b o t gestern in der Deputiertenkammer abgegebenen Erklärung angenommen, würde das nicht bedeuten, daß die Absicht besteht, Gebietsteile zu nehmen, die Generationen hindurch bewohnt wurden, welche— Der Redner wurde hier von dem Borsitzenden mit der Be- merkung unterbrochen, daß das SaKe der französischen Kammer sei. >n Radautz. HecrrSsruppc des GeneralfeldmarschallS von Mackensen. Zwischen Gebirge und Donau ist an einigen Stellen die Gc- fcchtstätigkeit aufgelebt. Mazedonische Front. Tie Lage ist unverändert. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Zlbendbericht. Amtlich. B e r l i n, 6. August 1917, abends. Im Westen keine größeren Kampfhandlungen. In der Bukowina Fortschritte. Ter österreichische Bericht. Wien, 6. August 1917.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: Bei der Heeresgruppe des GeneralfeldmarschallS von Mackensen stellenweise lebhafter Artillcrickanipf. Ter Ersolg der von der Entcntcprcssc falsch begrüßten rumänisch-russischc» Offensive gegen die Hceresfront des Generalobersten Erzherzog Joseph bleibt offenbar beträchtlich hinter de» Erwartungen zurück. Tic Angriffe der Gegner im Casinugcbicte verliefen auch gestern, von den große» Fcindvcrlustcn abgesehen, völlig er- gebniSlos. In der D r e i l ä n d e r e ck e und in der Richtung auf Gurahumora erzielten wir weitere Fortschritte. Honv.» und ungarischer Landsturm warfen den Feind aus seinen Stellungen nordwestlich von Radautz und rückten nach tapferer Abwehr starker russischer Gegenstöße in die Stadl ein. Beiderseits dcS S e r e t h- Flusses nähern wir uns der Grenze. Südöstlich und nordöstlich von Ezcrnowitz setzt der Feind dem Lordringen der Bcrbnndctcn heftigen Widerstand entgegen. Am Zbrucz russische Tcilangriffc. Italienischer Kriegsschauplatz Die feindliche Artillerie dehnte gestern ihr Feuer in wechseln» der Stärke auf die ganze Jsonzo-Front von Tot- mein bis zum Meere aus. Balkan-Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Chef des Gcneralstabes. Llopü George unü �enüerson. Ter politische Korrespondent der„Mormng Post" erklärt, daß in Parlamentskreisen wegen Nichterledigung der Interpellation Dun- caninois im Falle Hcndcrson Unzufriedenheit herrsche. Die Fragen: Wußte da§ Kabinett von HendersonS Reise? und: Wer gab Mac- donald die Pässe? seien unbeantwortet geblieben. Die Regierung habe dadurch ihre Stellung nicht befestigt. Lloyd George und Henderion hätten nicht gut abgeschnitten. Eine beträchtliche Anzahl ihrer Hörer sei in dem Eindruck bestärkt worden, daß das Kabineir von der ganzen Sache von Anfang bis Ende gewußt habe. Das Letzte in dieser Frage sei noch nicht gehört worden. Llopö George unü die englische Volksstimmung. Die neueste Rede Lloyd Georges erweckt den Eindruck— und soll ihn erivecken—, als ob England von diesem Kriege gar nicht genug haben könne und daß es ihm nur ein Vergnügen sei, wenn er noch recht lange dauere. Da zeigt sich das England, wie wir es sehen sollen. Von dem England, wie eS wirklich ist, gibt nun aber Ramsay Macdonald einen kleinen Ausschnitt im„Leicestcr Pioneer", in dem er schreibt:» „Ich habe mich soeben mit einem Einwohner von Glasgow unterhalten. Er schilderte mir die Szenen, die sich in den Straßen jener Stadt abspielten, als der Ministerpräsident Lloyd George zum Stadtrat fuyr, um das Ehrenbürgerrecht zu empfangen. Selbstredend hat die Presse nichts darüber berichtet. Man fragt in Glasgow: wieviel wurde aus öffentlichen Mitteln ausgegeben. um die Straßenaufmachung herzustellen? Die Munitionsarbeite- rinnen erhielten neue Kleider und Flaggen, und sie erhielten auch Extralöhnc für ihre Paradedienste. Wieviel erhielt die mit aufgepflanzten Bajonetten versehene Leibgarde, die aufgeboten war, um das Auto Lloyd George» gegen die entrüsteten Massen zu schützen? Sobald ein Dutzend berüchtigter Personen eine sozialistische Friedensversammlung von 5000 Menschen stören, dann schreiben unsere Zeitungen, daß sehr ernste Kundgebungen gegen uns statt- gefunden hätten. Wenn aber ein Ministerpräsident eine b e- »v äff nctcLeib wache haben muß, um ihn gegen eine enorme Masse ernster, intelligenter, aber entrüsteter Bürger zu schützen, oder wenn mmi falsche Fahrpläne veröffentlichen m u ß, um das Publikum über den Zeitpunkt des Eintreffens zu täuschen, oder Ivcnn man Lloyd George durch die Straßen hin- durchschmuggeln muß, um seine Abreise zu v e r b e i m- lichcn— ja. Ivenn derartige Ereignisse vor sich gehen, dann finden sie kaum einen leisen Widerhall in unserer Presse. Und der Zeitungslescr glaubt am nächsten Morgen, daß er über die Anwesenheit und die Ehrung Lloyd Georges in Glasgow alles wisse!" Ja, könnten die Völker einander sehen, wie sie tvirklich sind, und miteinander sprechen, wie e» ihnen ums Herz ist, dann flögen die Kriegshetzer aller Länder in den Orkus, und morgen würde Frieden geschlossen! Kein Koalitionsminifterium in Oesterreich. Tie„Frankfurter Zeitung" meldet aus Wien: In den Be- sprcchungen dcS Ministerpräsidenten Dr. von Seidler mit den Partei- sührern zwecks Umbildung des Kabinetts ist augenblicklich mit Rücksicht auf die»och ausstehenden Beschlüsse dcS PolenllubS und der Südslaivcn wieder eine Pause eingetreten. Der Gedanke eines Koalilion-kabiiietls ist als gescheitert zu betrachten. Die Schlacht in Zlanöern. Berlin. 6. August.»W. T. B.) Die erste Schlacht um die flandrische II- B o o t- B a s i s ist geschlagen und für die Engländer verloren. Auch der 5. August, der sechste AngriffStag, brachte noch keine Wiederholung des fehlgeschlagenen ersten Durch- bruchsveriucheS. Die Engländer zersplittern ihre artilleristischen und infanleristischen Krätte in Teilaktionen. Das englische Feuer nahm in der Gegend Driegrachten, Draaibank und südlich Langemarck zeit- weise grosse Heftigkeit an. Mehrfach scheiterten AngrifsSversuche, so in der Gegend von Hollebeke. Bei Freczenburg wurden zum Slurm bereit gestellte starke englische Anianimlungen in den Gräben unter Vernichtungsfeuer genommen und der hier Scabsichtigte Angriff im Keime erstickt. Deutsche Stosz- t rupps stießen in der Nacht zum ö. August an zahlreichen Stellen in englischen Gräben vor und kamen mit Beute und Maschinen- gewehren zurück. Beiderseits des Kanals bei Hollebeke wurden vier Offiziere, 50 Mann und i Maschinengewehre eingebracht, bei Bix- schoote 14 Mann und 10 Maschinengewehre. Die ganze Nacht zum 6. August hindurch unternahmen die Engländer eine Reihe von Teil- angriffen im Nvernbogen. Eine englische Abteilung nach der anderen brach im deutschen Abwehrfeuer zusammen. Auch im Wylschaete- bbschnilt war am Abend des 5. August das Feuer lebhaft. Ebenso an der Küste, wo seit Tagen die englische Feuerlätigkeit eine Steige- rung zeigt. » Französischer Heeresbericht vom 5. August nachmittags. In Belgien Artillerietätigkeit mit Unterbrechungen. Nördlich der A i s n e war die Nacht gekennzeichnet durch deutsche Angriffs- versuche an verschiedenen Punkten der Front. Zwei Angriffe mit schwachen Streitkräften auf der Hochfläche von Les Cafemates wurden leicht abgeschlagen. Weiter östlich machte der Feind gegen lüslh Uhr nachts einen ernsten Angriff südlich von Juvincourt. Der Kampf war sehr lebhaft. Tic Anstürmenden wurden aus dem Stück Schützengraben vertrieben, in das sie eingedrungen waren. Unsere Linie ist vollständig wiederhergestellt. Das Artilleriefeuer steigerte sich zu einer gewissen Heftigkeit auf beiden Ufern der Maas, vor allem in der Gegend des T o t e n Mannes und des Waldes von Cauriercs. Ueberall sonst war die Nacht ruhig. Vom 5. August abends. In Belgien keine Jnfanterieunter- nehmung. Unsere Patrouillen haben sich weiterhin vor unseren Linien tätig erwiesen; sie brachten zwei Maschinengewehre ein. An der übrigen Front zeitweilig aussetzender Artillerickampf, der ziemlich heftig war in der Richtung auf das Gehöft La Rohere, im Abschnitt von Craonne und in der Champagne in der Gebirgs- gegend. Englischer Bericht vom 3. August abends. Heute haben sich unsere Truppen wieder im Dorfe St. Julien festgesetzt. Nördlich der Bahn Dpern— Roulers wurden deutsche Jnfanterieansammlun- gen für einen neuen Gegenangriff durch unser Artilleriefeuer zer- streut. Der Feind konnten seinen Angriff nicht zur Entwicklung bringen. Nachts gewannen wir südlich von Hollebeke und östlich von Monchv le Preux Gelände. Der Feind ist jetzt von fast dem ganzen von ihm bei dem Angriff in der letzten Nacht gewonnenen Gelände vertrieben. Vom 4. August nachmittags. In der Nacht nahmen wir den übrigen Teil des Schützengrabens östlich von Monchy lePreux, in den der Feind am 2. August nachts eingedrungen war, wieder. Unsere Stellungen in dieser Gegend, die in der Nacht vom 2. August von feindlichen, auf ein Bataillon geschätzten Kräften angegriffen wurden, sind wieder ganz in unserer Hand. An der Front von s!) p e r n drangen die Franzosen östlich der Schänke von Körte- k a e r t weiter vor. In der Nacht fiel starker Regen. Vom 4. August abends. Das Wetter ist andauernd naß und stürmisch. Wir gewannen weiter Boden nordwestlich von S t. Julien. Vom 5. August nachmittags. Die französischen Truppen sind mordwestlich von Bihschootc weiter vorgerückt. Ein deutscher Streiftrupp wurde südlich von Arleux zurückgeschlagen. Unsere Truppen machten eine erfolgreiche Streife östlich von Ver- mclles. Ein feindlicher Angriff auf einen porhigiesischen Posten wurde unter Verlusten für den Feind abgeschlagen. Vom 5. August abends. Nach schwerem Granatenfeuer auf unsere Stellungen südlich und nördlich vom Aper n— C o m i n e s- Kanal machte der Feind heute in aller Frühe beiderseits des Kanals einen Angriff. Es gelang ihm, für einen Augenblick in Hollebeke Fuß zu faffen, er wurde aber sofort durch einen Gegenangriff wieder hinausgeworfen, wobei wir einige Gefangene machten. Sonst schlugen die feindlichen Angriffe fehl. Eine feiitd- liche Streifabteilung wurde in letzter Nacht südlich von Q u e a n t durch unser Feuer abgewiesen. Die Wieöereroberung öer Bukowina. Berlin, 6. August. sW. T. B.) Im Osten wurde östlich von Czernowitz die Linie erreicht und überschritten, aus der die Bruisilowsche Offensive 1916 vorbrach. In Ostgalizien liegt sie be- reils bis zu 69 Kilometer hinter der neuen Front. Die Russen haben sich zwischen D n j e st r und P r u t h sowie südlich des Pruth an der rumänischen Grenze zu neuem, starkein Widerstand gestellt. Im Radantzer Becken konnte als Frucht der erfolgreichen Gebirgskämpfe der letzten Tage die Stadt R a d a u tz besetzt worden. Heftiger Widerstand, den die Russen noch vor der Sladt versuchten, wurde von den mit großer Tapfer- keit kämpfenden österreichisch-ungarischen Truppen geworfen. Weiter östlich sind die Ortschaften Tereslestie und Hadikfalva erreicht. Damit ist ein großes Stück der vvn Czernowitz nach Suczawa füh- renden Bahn in den Händen der Verbündeten. Auf den Höhen östlich der Moldawitza und B i st r i c a dauert der Vormarsch an. Russische Gegenangriffe bei Lungeny im Bistricatal scheiterten. Auch südlich der Bistrica weichen die Russen. Der Flußlauf der Neagra ist überschritten und die Höhen von Vfr. Gainoi bis zum V. Sacatal erreicht. Am Mgr. Käsinului häufen sich die rumänischen Verluste. Alle Angriffe gegen den zähe verteidigten Berg sowie gegen die Höhen nördlich des Klosters Lepsa wurden abgeschlagen. « Russischer Heeresbericht vom 4. August. W e st f r o n t: Nördlich von Gonsiatyn überschritt ein russi- scher Aufklärungstrupp unter dem Schutz des Artillcriefeucrs den Z b r u c z durch eine Furt, umging die feindliche Stellung auf dem Ostufer und griff die Deutschen, nachdem er sie mit Hand- granaten beworfen hatte, mit dem Bajonett an. Die Deutschen schrien:„Da kommen die Kosaken!" und flohen nach dem Zbrucz zu.'Schließlich haben wir den Feind vollkommen vom Ostufer des Zbrucz vertrieben, 43 Gefangene gemacht und sieben Maschinen- gewchre erbeutet. Am Zbrucz und am Skole vertrieb unsere Infanterie den Feind aus den Dörfern Schustowka und Tschar- nokozintze. Zwischen D n j e st r und Pruth zogen sich unsere Truppen weiter in östlicher Richtung zurück. In der Nacht des 3. August räumten sie C z e r n o>v i tz und ivrengten die Brücke in die Lust. Der Feind besetzte die Dörfer Raschow, Polow und Rgrancze sowie die Stadt Czernowitz. In den Karpathen ziehen sich unsere Truppen in östlicher Richtung zurück. Ter Feind verfolgt sie stellenweise, ohne daß gewisse russische Trupenteilc ihm aus Gründen moralischer Zucht- losigkeit den notwendigen Widerstand leisteten. Rumänische Front. Nordöstlich von K i m p o l u n g liefern unsere Truppen dem sie bedrängenden Feinde ein Gefecht. Der Feind besetzte V a l r a— M o ld a w i c a. Petersburg, 5. August. lPetersburger Telegraphen-Agentur.) Tie feindlichen Truppen haben den Flecken Kndintry, 29 Werst westlich von Kamenctz-Podolsk, besetzt. Russischer Bericht vom 5. August. W e st fr o n t. Am Stochod überschritt eine russisch« Aufklärungsabteilung in der Gegend von K o w« l an der Bahn nack> Saona unter dem Befehl des Leutnants Tukanow einen Arm des Stochod, indem sie, bis an den Hals im Wasser, eine Furt durchwatete, zerschnitt ein Traktverhau und griff cinen österreichischen Vorposten an. Sie tötete einen Teil der Bc- iatzung und nahm den anderen geianaen. In der Richtung auf Kowcl griff seindliche Infanterie in Stärke von ungcsähc sieben Kompagnien in der Gegend der Dörfer Velitzk und Konkianh unsere Stellungen an. Unser Artilleriespcrrfeuer schlug den Feind zurück, der sich in seine Gräben zurückzog. Am Zbrucz führten sieben Aufklärer unter dem Befehl des Leutnants Dennise eine glückliche Streife aus und griffen unvermutet einen gegnerischen, dreißig Mann starken Vorposten an. Von diesen wurden einige getötet, zwei zu Gefangenen gemacht, während die übrigen sich zer- streuten. Oestlich von TicheniowitzH wurde nach einem Kampfe in der Gegend von Bojan das Toljcckgchölz befetzt. Das 163. Infanterieregiment brachte nach einem glänzenden Angriff 29 Offiziers und über 599 Mann als Gefangene und 3 Maschinen- gewebre ein. Der Gegner hat die Dörfer Modelia und Koloril- banski besetzt. Westlich des Sercth besetzte der Gegner nach Kampf R a d a u tz an der Suczawa. Rumänische Front: In der Richtung K i M p o l u n g zogen sich unser Truppen unter dem Druck des Feindes ein wenig nach Osten zurück. Der Feind besetzte Wannia. Oer Krieg auf öen Meeren. Berlin, 6. August. Amtlich. Im Atlantische» Ozean und in der Nordsee wurde» durch unsere U-Boote wiederum sechs Dampfer und zwei Segler vcrscntl. Darunter befinden sich der englische bewaffnete Dampfer Paddington mit 8999 Tonnen Eisenerz von Cnrtngena nach Glasgow, der nach zweistündigem Artillcricgcfccht zum Sinken gebracht wurde, ein englischer Blaschiiiist gefannengenoinpicii, fcrilcrrinbrwaffnctcrTank- dampscr. Die übrigen vier Dampfer wurde» aus starker Sichcriing herausgeschossen. Bon den bcidcn Seglern hatte einer Kohlen geladen. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. -» Aus London wird laut«Franks. Ztg." nach Bern gemeldet: Das englische Handels- und Schiffahnsministernim macht bekannt, daß trotz der hohen Verluste des U-Boot-Krieges immer noch 15 Millioaen Tonnen englisckier Schiffe auf See sind. sHier gibt der englische Handels- und Schiffahrlsminister zum eisten Male die schweren Verluste der britischen Käuffahrleiflotte zu.) Unterredung mit Mseele. Gent, Mitte Juli. Auf der Rückkehr aus dem Gelände der Dünenschlacht an der belgischen Küste halle ich in Gent mit dem Parteigenossen Anseele, dem Führer der Genier Arbeiterbewegung, eine kurze Unterredung. Ich traf ihn �im Ons Huts', dem stattlichen Zentralbau der organisierten Arbeiterichaft Gents. Anseele steht als Schöffe an der Spitze der Finanzverwaltung von Gent. Als solcher hat er seit Beginn der Okkupation mit den deutschen Eiappenbehörden über die der Stadl auferlegten Requisitionen und Kontributionen zahlreiche Verhandlungen geführt. Daneben hat er sich auch während des Krieges mit staunenswertem Eifer und Erfolg dem Ausbau der G e n t e r A r b e r r e r b e w e g u n g ge- widmet. Ganz ini Gegensatz nämlich zu Brüssel und Antwerpen, wo die offizielle Parteibewegung seit dem September 1914 stilliegt, haben die Genler Arbeiter im Nahmen des zurzeit Möglichen ihr Organisationsleben ausrecht erhalten. Mit berechtigtem Stolze konnte derselbe berichten, daß die Zahl der Partei- und Gewerkschaftsmitglieder während des Krieges gewaltig zugenommen hat. DaS Blatt„Vooruil" bat seine Auflage verdoppelt. Die Genoffenschaftseinrichtungeii, die sich gerade zur Zeit der Lebens- mitlelknappheit bewährt haben, sind großzügig erweitert. Die völlige Abschließung der Sladt nach außen(Gent gehört ver- waltuiigSlechnisch bekanntlich nicht mehr zum Generalgouvernement Belgien, sondern schon zum Elappengebiet dickt hinter der Front) hat zwar die Pflege der Beziehungen zum übrigen Belgien un- möglich gemacht. Dafür ist die Genker Bewegung innerlich gewachsen. Wir haben jetzt Zeit und Mühe— meinte Anseele— wir haben eine Art Hochschule für die Arbeiterbewegung gegründet, in der führend« Vertreter unserer verschiedenen Arbcitergebiete theoretischen und praktischen Unterricht geben. Wenn der Friede kommt, wird er unsere Arbeiterschaft hier in Gent äußerlich und innerlich gewachsen finden." Deutsch-belgische Kontroversen wurden in unserer Unterredung nicht berührt. Tagegen äußerte sich Anseele ausführlich über Stockholm. Er ist nickt abgeneigt, auf die Konferenz zu gehen, jedoch nur auf Grund eines regelrechten Mandats der belgi- scheu, nicht nur der Gcnter Arbeiterschaft. In Brüssel, Lüttich und in Hennegau verhielt man sich gegenüber einer Teilnahme an der Konferenz zunächst ziemlich kühl. iNicht etwa aus mangelnder Friedenssehnsucht, sondern weil man das Ganze für eine deutsche Intrige hielt.) Mit dem Moment der russischen Einladung hin- gegen schlug die Stimmung auch dort um. Anseele hatte ein paar- mal Gelegenheit nach Brüssel zu fahren und wirkte dort im Sinne einer nunmehrigen Beteiligung an der Konferenz. Bei der Sckwic- rigkeit einer regelmäßigen gegenseitigen Verständigung ist bisher noch kein bestimmter Entschluß gefaßt. Doch scheint mir nach An- sceles Worten wahrscheinlich, daß er selber, nicht unmöglich, daß neben ihm noch ein Vertreter der wallonischen Arbeiterschaft dem- nächst in Stockholm eintrifft. Nach einer langen Debatte über die flämische Frage wandte sich das Gespräch der augenblicklichen politischen Lage in Deutsch- land zu. Anseele meinte, daß überall der Krieg zu einem gewaltigen Hebel der Demokratie geworden wäre. In Belgien hätte demolratisches Bewußtsein alle Schichten bis in die Großbourgeoisie hinauf ergriffen. Anseele liest unter anderen deutschen Zeitungen, die in Gent zu haben sind, auch den„V o r- wärt s". Ep hält die Ankündigung des gleichen Wahl- rechts in Preußen für einen tüchtigen Schritt nach vorwärts. Die schwierige Lage der deutschen Sozialdemokratie durchschaut er. Er äußerte kein polemisches Wort gegen unsere Haltung. Nach wie vor bewundert er unsere organisatorischen Leistungen. Aber er meint, daß unsere politischen Erfolge weit hinter ihnen zurück blieben. Anseele ist ein glühender und zugleich doktrinärer Bewundever des westlichen Parlamentarismus. Meine Kritik an ihm hält er für deutschen Hochmut. Seine geistvollen Ausführungen fesselten auch da, wo sie schief und gegen Deutschland ungerecht wurden. Im ganzen waren sie getragen von dem Bewußtsein, uns und unsere Lage zu verstehen. Wenn die Welt nach dem Kriege aus ihrem anttdeutscheu Fieber erwachen, wenn die leidenschaftslos überblicken wird, was die Massen des deutschen Volkes in'diesen drei Jahren gelitten, geleistet und gewollt haben, braucht uns um das Urteil der Welt über Deutschland nicht bange zu sein— vorausgesetzt, daß unsere Gegner aus lauter Anseeles bestünden. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. Kleine Kriegsnachrichten. Der schweizerische Bundesrat hat den Entwurf des Bundes- teschlusses betreffend die Revision des Artikels 95 der Bundesver- fassung im Sinne der Erhöhung der Mitgliederzahl des Bundes- rats von 7 auf 9 angenommen. Der Bundesbeschlutz unterliegt nun noch der Abstimmung des Volkes in den Kantonen. Die militärftche Dienstpflicht in Kanada.„Nieuwe Rotter- damsche Courant" meldet aus London, daß auck der kanadische Senat die Gesetzesvorlage über die militärische Dienstpflicht an- genommen hat. � j � Justizminifter Spahn als Reichstags- kanöiöat. Das Organ des rheinischen Zentrums, die„Köln. Volkszeitung". schreibt: „Was das Neichstagsmandat Spahns anlangt, so kommt zu- nächst Artikel 21 der Reichsverfassung in Betracht, welcher sagt: „Wenn ein Mitglied des Reichstages ein besoldetes ReichSamt oder in einem Bundesstaat ein besoldetes Staalsamt annimmt, oder im Reichs- oder Staatsdienste in ein Amt eintritt, mir welchem ein höherer Rang und ein höheres Gehalt verbunden ist, so verliert er Sitz und Stimme in dem Reichstag und kann seine Stelle in dem- selben nur durch neue Wahl wiedererlangen." Demnach ist das Mandat Dr. Spahns zum Reichstag zunächst erloschen. Es ist aber selbstverständlich, daß er sich für die Neuwahl seinen Wählern wieder zur Verfügung stellen wird, und ebenso selbstverständlich wird es sein, daß diest ihn wieder wählen." Der Fall, daß ein aktiver Staatsminister gleichzeitig Mitglied des Reichstages ist, steht iir der parlamentarischen Geschichte Deutsch- lands, falls sich Herr Spahn wieder wählen läßt, einzig da. Herr Spahn kann dann aber nicht Mitglied des Bundesrats sein, denn Artikel 9 der Reichsverfassung sagt:„Niemand kann zu- gleich Mitglied des Bundesrats und des Reichstags sein." Wollen aber Reichstag und Verbündete Regierungen dem preußischen Justiz- minister und Reickstagsadgeordnelen Spahn den Zutritt zum Bundesrat öffnen, dann muß Artikel 9 aufgehoben werden. Eine Lex Spahn ist fällig I_ Staatssekretär wallraf. Aus Köln wird uns geschrieben: Die Nachricht, daß Herr Max Wallraf, der seit 19 Jahren Oberbürgermeister von Köln ist, zur Leitung des Reichsamts des Innern berufen wurde, wirkt hier als eine große Ueberraschung. Schon um dessentwillen, weil sich Wallraf weder allgemeinpolitisch noch sozialpoli- tisch jemals nennenswert betätigt hat. Beide Jntcr- essengebiete lagen ihm. soweit sich beobachten ließ, ziemlich fern. ©eine politische Tätigkeit beschränkte sich auf die Wahrnehmung seines Sitzes im Herrenhause, wo er aber ebenfalls politisch oder sozialpolitisch nie hervorgetreten ist. Er begnügte sich damit, im. Herrenhause und an andern Stellen die Interessen der Großstädte zu vertreten, was er allerdings mit Geschick und Nachdruck tat. IHaa darf Herrn Wallraf keinesfalls irgend einer bestimmten Partei zuzählen: Er ist Katholik aus Erziehung und Ueberzeugung, aber kein ausgesprochener Zenttumsmann und wurde von den Liberalen zum Kölner Oberbürgermeister gewählt, damit die W»hl eines klerikalen Parteigänger? vermieden wurde. Wallraf hat kon- servative Grundanschauungen, ist aber von der Notwendigkeit weitgehender demokratischer Reformen in Preußen und im Reiche durchdrungen, andererseits ist er sicher ein Anhänger einer starken Regierungsmacht. Seine große Befähigung liegt im Vermitteln und im Ausgleichen von Gegensätzen. Dabei kommt ihm eine glänzende formvollendete Rednergabe sehr zur Hilfe. Der Sozial- demokratie stand er vor dem Kriege und auch noch im ersten Kriegsjahre schroff ablehnend gegenüber. Er hat sich aber in seiner Einschätzung unserer Partei inzwischen stark gewandelt und sich in Köln um ihre Mitarbeit in der Kommunalpolitik stark bemüht. Weitgehendes Verständnis hat Herr Wallraf für die Aufgaben der Presse, und er weiß sich ihrer gut zu bedienen. Wallraf ist im Jahre 1859 zu Köln geboren. Sein Vater, der Advokatanmalt Wallraf, war Verteidiger im Kölner Kommunistenprozetz, zu deren Angeklagten der„rote Becker" ge- hörte. Eine Teufelei gegen öie Wahlreform. In der„Post" schreibt zum Ministerwechsel die bekannte „parlamentarische Seite"(Frhr. v. Zedlitz): Dr. Drcws und mit ihm fämttiche neuen Minister stehen selbstverständlich fest auf dem Boden des W a b l- erlasses vom ll. Juli und werden ibre volle Kraft für die Einlösung der landesberrlichen Zusage einsetzen. Aber man darf auch vertrauen, daß die neuen Männer an der Spitze die schweren Bedenken, welche der Uebertragnng des Reichstags- Wahlrechts auf Preußen mit Rücksicht auf dessen historische Entwicklung, Eigenart und Ausgaben entgegenstehen, nickt ver- kennen und sorgsam daraus Bedacht nebmen werden, diese Bedenken soweit auszuräumen, als dies im Rahmen des Wahlcrlasscs vom 11. Juli nur irgend angängig ist. Damit wird auf folgenden Plan angespielt: Versprochen ist das gleiche Wahlrecht, nicht aber das all gemeine, dieses offenbar deshalb nicht, weil man es für zu selbstverständ- lich hielt, um es überhaupt zu erwähnen. Also bleibt die Möglichkeit offen, besitzlose oder fluktuierende Elemente vom Wahlrecht auszuschließen. Man kann die Gewährung des Wahlrechts von der Steucrlcistung oder von der Dauer der Ansässigkeit abhängig machen und damit noch einmal eine Korrektur des Glückes für die Konservativen versuchen. Das Wahlrecht ist in Preußen allgemein und un- gleich. Jetzt möchte man es durch das gleiche, aber be- schränkte Wablrccht ersetzen. Das bedeutet für Hundert- tausende den Verlust des politischen Rechts, den Wahl- rechtsraub! Das ist ein Spiel mit dem Feuer, vor dem recht- zeitig gewarnt werden muß. Kohlenarbeiterstreik in Sachsen. Die„Frankfurter Zeitung" meldet: In verschiedenen Kohlen- gruben im O e l s n i tz e r und Lugauer Bezirk ist trotz ge- währter Teuerungszulage dieser Tage der Streik ausgebrochen. Er konnte vorläufig beigelegt werden. Die Bergleute verlangten eine1 fernere Erhöhung der Zulage. Das Leipziger Kriegsamt wurde um Regelung bis Mitte des Monats ersucht. Letzte Nachrichten. Zugentgleisung. Rathenow, 6. August. Auf der Brandenburgischen Städtebahn ist gestern der Abendzug entgleist. Sechs Personen sind verletzt worden, darunter zwei schwer. Eine geheime Schlächterei ausgehoben. Wernigerode. Wie die„Wernigeroder Zeitung" meldet, hat die Aufdeckung einer geheimen Schlächterei in Wernigerode, die in der Hauptsache eine Reihe größerer Hotels im Harz mir Fett versorgte, nunmehr zur weiteren Folge, daß vom 15. August ab die Hotels„Fürst Stollberg" in Schierke,„Becker", Drei-Annen-Hohnc, und„Fücstenhof" in Schierke von feiten des Landrats in Wernigerode geschloffen worden sind. Die großen Hotels haben seit langer Zeit große Mengen von Fleisch aus ver- botenem Fleischhandel bezogen und für ihre Betriebe verarbeitet. Weitere Schließungen von Hotels stehen in Aussicht. Auch einer Reihe von Händlecn, ferner einigen Fleischermeistern in der Um- gebung von Wernigerode ist die Ausführung ihres Gewerbes unter- jagt worden.. � �-.•_. GelverkschoflsbewEMg Eine Konferenz von Vertretern öer Verbands- vorstände tagte in der Zeit vom 2� vis 26. Juli in Berlin. Einige der wich-- tigsten Beschlüsse haben wir im Lause der vorigen Woche bereils veröffentlicht. Wir bringen heute noch von der reichhaltigen Tages- ordnung nachstehende allgemein interessierende Verhandlungen. ?!ack der Ehrung des verstorbenen Vorsitzenden des Dachdecker- Verbandes Genossen Diebl in üblicher Weise, wurde in drei Refc- feraten der Geschäftsbericht der Generalkommt ssion gegeben. L e g i e n berichtete über den gewerkschaftlichen Teil, Bauer über die H i l f s d i e n st s r a g c n und N. Schmidt über die Ernährungsfrägen. Der Bericht Legiens erstreckte sich aus die Unter st ü yung der Arbeiter sekretariate, insbesondere des Brauuschwcigcr Beffrkssekretariats, das von dem örtlichen Sekretariat abgetrennt wurde, über die Rüstung s- a r b e i t er sc r e i k S und die Stellungnahme der Generalkommission dazu, über den Beitritt der letzteren zum„Roten Kreuz", über die Knegsbeschädigtenmrsorge und die Sammlungen für Kriegsbeschädigte sowie über einige Fragen der Kriegs- und Ucbergangswirtschaft, wobei besonders die Ein- schränkung � des Papierverbrauchs das Interesse der GewerlschastS- presse berührt. Einen vom Vorstand des HandlungSgehilfenverbandes gegen die Hallung der Generalkommission gerichteten Antrag, der verlangt, dast die Generalkommission nicht blost mit der sozialdemo- Iralischen ÄeichstagSfraktion, sondern auch nrit der Vertretung der unabhängigen Sozialdemokratie zusammenwirken soll, wies er mit der Begründung zurück, dost das von den Gcwerkschaslen getroffene Mannheimer Abkommen mit der Partei nur die eine Partei und die eine-ReichSlagSsraklion kenne. In der Debatte wurde die Uebergangswirtschaft. die Stellung- nähme zur Friedenskundgebung des Reichstags, das Zusammen- wirken, mit der Partei und mit anderen Gewerkschafts- und An- gestclltenverbänden, die politische Slreikpropaganda und die Druck- iegung der Konferenzprotokolle besprochen. Der Antrag deS Vorstandes des HandlungSgehilfenverbandes wurde gegen eine Stimme abgelehnt. Der Bericht Bauers über Hilfsdien st fragen behandelte die Befreiungen vom Hilfsdienst, die Ausschustwahlen und die Be- strebungen der Gelben, in die Ausschüsse Hineinzugelangen. sowie die seitherigen Erfahrungen aus der Wirksamkeit des Hilfsdienst- pesetzes sLohmragen. Beschäftigung und Organisierung der Aus- länder. Arbeilsvermittelung. Versammlungsrecht und Beschwerden). Es wurde gegen einen Erlaß des KriegSamts, der die Hilss- dienstpflichtigcn am Arbeitswechsel wegen Erstrebung höherer Löhne behindert, Einspruch erhoben und die Generalkommission beauftragt, mit dem Kriegsamt über die Zurückziehung dieses Erlasses zu ver- handeln. Der Bericht von R. S ch m i d t über Ernährungsfrägen behandelte die seit der Herabsetzung der Brotration eingetretenen Phasen in der Volksernährung, wobei er der Ueberzeugung Ausdruck gab. daß der Brotgetreide- und Kartoffelmangel zu einem guten Teil auf die Verfüllerung der zu menschlicher Ernährung bestimmten Vorräte an das Vieh verursacht sei. Er erörterte dann die Miß- stände bei der Gemüse- und Obstdersorgung und die Bewirtschaftung der neuen Ernte sowie die Regelung der Kohlenversorgung. Ein Beschluß wurde zu diesem Teil des Geschäftsberichts nicht gefaßt. Danach erstattete Bauer den Bericht von derJnter- nationalen soziale st i scheu Konferenz in Stock- bolin, die die Verständigung der Arbeiterparteien aller Länder herbeiführen sollte. Die Generallommisstyn hat zu diesen Beratungen drei Vertreter delegiert. Wenn die Konserenz auch das für sie vorgesehene Ziel nicht errcichl hat, so hat sie dvch wensgstens bei den ausländischen Albestdrporlcicn Aufklärung und Verständnis für die wirkliche Haltung und die Friedensziele der deutschen Sozialdemokratie und Gewerkschaften gebracht. Ganz besonders ist zu begrüßen, daß der russische Arbeiter- und Soldatcurat darüber informiert werden konnte und dadurch der inlernationalen Verständigung ein einflußreicher Förderer erweckt wurde. In der Aussprache über die Friedensbestrebungen wurde von einer Seite das Zusammenwirken der Gcneralkommisston mit der Partei sachlich angegriffen. Bon einigen Rednern wurde der Auffassung Ausdruck gegeben, daß die Generalkommission die Delegation zu solchen Konferenzen der Vor- ständekonferenz zur Beschlußfasiung unterbreiten möge. Mit der Haltung der Gewerlschaftsvertreter erklärte sich die Konserenz ein- verstanden. Die Generalkommission wurde ermächtigt, auch weitere Friedenskonferenzen dieser Art mit Gewerkschaftsvertretern zu deschickc». Daran schloß sich die Stellungnahme der Konferenz z u der bevorstehenden Jliter nationalen G e w e r k- fchaftskonferenz in Bern, die die schweizerische Landes- zentrale der Gewerkschaften im Auftrag der Stockholmer Konferenz vom.8. Juni d. I. einberufen hat. Legten berichtete über diese Konferenz in Stockholm und über die Vorgänge, die zur Einberufung einer neuen Konferenz in Bern führten. Die Vorständekonferenz beschloß, die Berncr Konferenz durch zehit Vertreter zu beschicken. Dieser. Konferenz soll eine Reihe gewerkschaftlicher Forderungen unterbreitet werden, die im Fnedensvertrag bei Abschluß des Kriege» Aufnahme ffnden sollen. Um die Arbeiterinnen iit stärkerem Maße zur geWerk- schastlicheii O r g a n i s a t i o n heranzuziehen, wurde das Arbeitet inneniekretariat mit der Herausgabe einer geeigneten Agitations- schrjst beauftragt. Im weiteren stimmte die Konferenz dem Anschluß des Deutschen Eisenbahnerverbandes und des All- gemeinen deutschen EhorsängerverbandeS an die Generalkommission zu. Ferner stimmte die Kon- fercnz dent Beitritt der Generalkommission zum Verband zur Förde- rung deutscher Theaterkultur zu. Auf Antrag des Votsitzenden de§ Deutschen Bauarbeiter- Verbandes wurde die Generalkommission beaustragt, dre Wirkungen des Uebertrittsverbots sMitgliederübernahme aus anderen Gewerk- schallen) während des Kriege» zu prüfen und die Frage der Auf- Hebung jenes Verbots auf die Tagesordnung der nächsten Vorstände- konferenz zu setzen._ Serlin und Umgegenö. Schwarze Ästen beim Berliner Magistat? Mehrsach berichteten wir über die außerordentlich niedrigen Löhire, die die Stodiverwaltung Berlin ihren Burealiangestellten zahlt Es ist bei der heutigen Teuerung erklärlich, daß infolgedessen ein starker Personalwechsel stattfindet, indem alle brauchbaren Arbeitskräfte zu anderen Betrieben übergehen, wo sie an- gemessen bezahlt werden. Besonders trifft das auf die Weib- lichen Angestellten zu. Die Stadtverwaltung versucht jetzt, sich in recht eigenartiger Weise zu helfen. Es ist sämtlichen weiblichen Burcauaiigestellteu und Hiltsarbeiterinnen mitgeteilt worden, daß diejenigen, die jetzt ihre Stellung beim Magistrat aufgeben, um sich anderweitig zu verbessern, niemals wieder in einem städtischen Bureau eingestellt werden. Zur Durchführung dieser Maß- regel werden alle jetzt ausscheidenden Angestellten in eine Liste ein- getragen, die bei späteren Einstellungen zur Kontrolle herangezogen wird. Wie kläglich die Gehaltsverbältnisie und die ganze Gehalts- Politik des Magistrats sind, ergibt sich au» folgendem Beispiel. Die städtischen Gaswerke zahlen Kontoristinnen zurzeit ein Anfangs- gehalt von 80 M.. dazu 22 M. Teuerungszulage und lv M. Kon- junkturzulage. Für diese Bezahlung sind natürlich in der heutigen Zeit brauchbare Arbeitskräfte uicht zu erhalten. Die durch den Verband der Bureauangestellten dem Magistrat eingereichten Ansbesferungswünsche haben lediglich zur Erhöhung der TeuerungS- zutage um 2 M. und zur Bewilligung der Konjunkturzulage geführt. Daß dadurch der gerade bei den Gaswerken außerordentlich starke Abgang an Bnreauarbeitslrästeu nicht wesent» lich gemindert wird, ist klar. Jetzt hat die Direktion die Revier- infpektionen angewiesen, s ch r e i b g e w a n d t e Arbeiterinnen in die Bureaus. einzustellen. Diese Arbeiterinnen erhalten' einen Anfangslohn von über 130 M. monatlich, also> 18 M. mehr als die Kontoristinnen. Um als Kontoristin einen halbwegs ausreichenden Lohn zu erhalten, müßten die weiblichen An- gestellten demnach als Arbeilerinnen bei den Gaswerken ein- treten. Wie will die städtische Verwaltung es unter diesen Umständen rechtfertigen, daß sie die Angestellten unter An- drohung der späteren Aussperrung daran hindert, sich jetzt einen ausreichenden und angemessenen Verdienst zu verschaffen? Ent- spricht diese Maßnahme einem Beschluß de» Magistrais? Und was sagt die Stadtverordnetenversaminlung dazu'{ Parteinachrichten. Um die Einheit der Arbeiterbewegung. In Anknüpfung an eine Nürnberger Anregung, für die wohl Genosse Adolf Broun verantwortlich zeichnet, haben zahlreiche' Or- ganisalionen an den Würzburger Parteitag einen Antrag gestellt, für die Einheit der Arbeiterbewegung zu wirken. Die Antragsteller haben sich von der Ueberzeugung leiten lassen, daß auch die größten augenblicklichen Gegensätze hinter den Problemen und Gefahren zurückstehen/die nach dem Kriege die kulturelle und soziale Existenz de» Proletariats überhaupt bedrohen. Die Antwort, die den wohl- meinenden Vermittlern wurde, lvar nichts weniger als ermutigend: die..Bergische Arbeiterstimmc" und das„Berliner Mitteilungs- blatt" setzten sich mit der schon üblichen Schnoddrigkeit über dieses Zeugnis eines guten Willens hinweg. Jetzt antwortet die„Ber- gische Arbeiterstimme". ausführlicher: „Dic� Politik der Regierungssozialisten hat sich in ihrer ganzen Stumpfheit offenbart, und die Arbeiter, die der Mcbr- heitssahne folgten, fühlen, daß die Sozialdemokratie ihren organisatorischen Ausdruck bei uns und nicht bei der Mchrheitsrichtung findet...,. Aus Selbsterhaltungstrieb dürften also die besonneneren Teile der Regierungssozialisten nach diesen Ersahrungen einer Wiedervereinigung sympathisch- gegenüberstehen. Die Auf- fassungen auf unserer Seite sind jedoch zunächst einer Vcrschmel- zung durchaus abgeneigt, und zwar aus sachlichen und per- sönlichen Gründen.... Wir haben in den drei Krirgsjahrcn nicht die ungeheuren Opfer für unsere sozialdemokratische Gc- sinnung gebracht, um sie vor ihrem Triumph abzustreifen. Schon aus diesen versönlichen Gründen sind die Anttäac in dieser Rich- tung völlig zwecklos. Auch sachlich stehen wir noch in unver- kleisterbarcm Widerspruch zueinander. Ehe der Zer- setzungsprozeß im Lager der Regier ugssozia- listen zu greifbaren Resultaten geführt hat, würde ein Zusammengehen zu einem unerträ'g- lichen Verhältnis führen,... Wenn die„Mehrheit" von ihrer Auffassung so überzeugt ist, wie sie sich den Anschein gibt, so mag sie uns Unbelehrbare doch lausen lassen, wir werden dgnn von selbst untergeben: zumal uns alle Wege verbaut wer- den auf denen wir„schaden" könnten. Tie Zeit nach dem Krieg bat keinen Raum für die Politik und Taktik der„Mehrheit", des- wegen müssen wir- die Zersetzung des Mehrheitsslügels abwarten, ehe Raum für Einigungsverhandlungen ist. Wenn der Partei- tag den Berlinern folgt, wird er Frontstellung gegen uns nehmen, Auch bei wesentlich nüchternerer Einschätzung dessen, was der Parlamentarismus uns als Waffe im Besreiungskamps de» Pro- lctariats bedeuten kann, werden wir doch in-einem Wablkamps alle Kräfte anspannen, ürn eine möglichst Hobe Zahl von Par- lainen-tsmandaten zu erreichen, bei itsrer Ueberschätzung des Par» lamentanSunis werden die Mgiernngssozialisten das gleiche tun;' stehen wir dann aber g p g e irestn a n d e r, dann werden die Regierungssozialisten eine grandiose- Götterdämmerung erleben. Unsere persönliche Auffassung ist, daß auf diesem Gebiete eine Verständigung gesucht werden sollte." Nach dem Kriege wird das Proletariat vermutlich weniger fragen, wessen sozialistische Grundsätze Triumphe seiern, wessen Ausfassung vom Sozialismus die. richtigere ist; es wird danach fragen, wer die drohenden wirtschaftlichen Katastrophen am energischsten und-hingebungsvollsten in ihren grausamen Wir- kungen abschwächt. Aber in Wahrheit handelt es sich gar nicht um sozialistische Grundsätze. Wer es noch nicht wüßte, der mutz bei der Lektüre des angeführten Artikels erkennen, daß die Unab- hängsgcn nur sozialistische Grundsätze vorschützen und es ihnen in Wahrheit um ihren Parteiorganismus geht, daß sie auf die Zer- setzung der Arbeiterbewegung spekulieren, die das größte Unglück für die Arbeiterschaft ist.- Klipp und klar heißt es:„Ehe der Zer- setzungsprozeß im Lager-der Regierungssozialisten zu greifbaren Resultaten geführt hat, würde ein Zusammengehen zu einem un- erträglichen Verhältnis führen." Da» ist das Glaubensbekenntnis eines Mannes, dem seine Partei oder gar sein eigenes liebes Ich über die fundamentalsten Interessen der Arbeiterschaft steht. Unter diesen Umständen verdient es nur verzeichnet zu werden, daß der Verfasser des angeführten Artikels der Sozialdemokratie ein Wahlbündnis anbietet und für den Fall einer Ablehnung mit einer„grandiosen Götterdämmerung" drabt. Offenbar ist dem Herrn der Beschluß einer Organisation mächtig in die Glieder ge- fahren, daß die Sozialdemokratie mit jenen Parteien Stichwahl- abkommen-treffen solle, mit denen sie gemeinsam und erfolgreich auf den Frieden und die Demokratisierung Deutschlands hrna-rbeitc, Zu diesen Parteien gehören die Unabhängigen nicht, die durch die heimtückische Spekulatton auf die Zersetzung der deutschen Arbeiter- bewegung die Demokrattsierung Teutschlands verhindern und den ärgsten Scharfmachern Vorschub leisten, die ferner gegen die Friedenskundgebung de» Reichstags Hand in Hand mit dem Grafen Westarp aufmarschlert sind und der singoisiischen„Times" die Munition, geliefert haben, die englische Friedensbewegung zu- sammenzukartätschen. Für Freiheit und Frieden? In Hanau sprach Genosse Hoch, vorzüglich mit Wirtschaft- lichen Gründen argumentierend, vor einer sehr gut besuchten Per- sammlung für einen Verständigungsfrieden. Einige in der Debatte erhobenen Vorwürfe gegen die sozial dem otrarnche Partei wurden vom Genoffen Hock unter starkem Beifall zurückgewiesen. Ebenso fand Genosse Da u b a-de l lebhaftesten Beifall mit einer in Görlitz gehaltenen Rede, in der er sich mit Swlz zu denen bekannte, die für den Verständigungsfrieden gestimmt haben, und die soziale und Ernährungspolltik der Regierung einer berechtigten Kritik unterzog. Industrie und Handel. Rußlands Brotvorrat. Au» S t o ck h o l m wird uns geschrieben: Im hiesigen Bureau des Arbeiter- und Soldatenrats erfahr« ich, daß laut Nachrichten de» russiicheu Ministeriums für Volkernährung der Brotvorrat Ende Juli aus 343 864 000 Pud bestebt. Darin sind nicht eingerechnet worden die Brotvorräte der Gouverne- ments Saratow, Ekaterinoslaw. Wjatka, Perm und des Dongebiets, aus denen noch keine Nachrichten vorliegen. Die Borräte dieser Gebiete würden wohl die oben angegebene Summe um 25 Proz. erhöhen. Nach den Nachrichten des Mini- fteriums für Volksernährung. erreichen die Getreidebestände aus den Eisenbahnen 9 Millionen Pud. Die auf der Bugulmina-Eisenbahn lagernden bedeutende» Borräte konnte man dank der außerordent- lichen Maßnahmen heranziehen, wobei von der Drohung, daß die Verwaltung der Bahn abgesetzt werden würde, Gebrauch gemacht werden mußte. Außerdem sind im Bereiche der Eisenbahnen Perm und Ural Brotvorräte vorhanden, die nahe au 2,/.2 Millionen Pud sein Pud etwas über'16 Kilogramm) reichen. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Infolge großer Erweiterungsbauten fühlt sich die Fabrik isolierte� D r ä b t e- v»o r m. Vogel zu einer neuen Aktien- ausgäbe veranlaßt. Obwohl die„neuen" jungen Aktien zu einem höheren Kurse aufgelegt werden sollen, als die„alten" jungen Aktien— die Gesellschaft hat schon vor kurzer Zeit eine Kapitals- erhöhung durchgeführt—, ist der Kurs der Aktien in den letzten Wochen natürlich sehr stark gestiegen. Es wird beabsichtigt, das Kapital von ungefähr 5,25 aus 7 Millionen Mark zu erhöben. Ob- gleich da» Kapilal— wie gesagt— schon einmal inzwischen ver- größert worden ist, wird auch für dieses Jahr mit einer Dividende in Höhe von 16 Proz. wie im Vorjahre gerechnet. „Ersatz". In Dresden wurde, wie die„Franks. Ztg." berichtet, unter der Firma Jata-Werk ein neues Unternehmen gegründet, das die Ver- Wendung un-d Verwertung der neuen brauchbaren Faserersatz lic- sernden Rohrkolbenpflanze bezweckt. Bei der Ausnutzung dieser Pflanzenfaser handelt es sich zunächst um die Herstellung von Watte, doch werden- augenblicklich unter Heranziehung von Fach- leuten umfassende Versuche angestellt, dem neuentdeckten Faser- Material weitere Verwendungsmöglichkeiten zu erschließen. Die deutsche Valutaanleihe in der Schweiz. Nach dem„Berliner Tageblatt" wird gemäß dem. deutsch- schweizerischen Wirtschaftsabkommen ein Betrag von 20 Millionen Frank verfügbar. Die monatlichen Raten werden bis zum Höchstbetrag von 180 Millionen Frank gewährt. Soziales. Nur Tatsachen. Ein Bergmann erlitt durch Steinsall am 17. November 1914 Kon- tnsionswunden des Kopfes, der rechten Hand, des rechten Ober- schenkels und der rechten Hüftgegend. Am 30. November konnte er seine Arbeit wieder ausnehmen, klagte aber über Schwindelerscheinungen, namentlich nach schwerer Arbeit und beim Bücken. Der behandelnde Arzt hielt den Ver- letzten für voll arbeitsfähig. Dementsprechend wurde auch sein Anspruch von der Berufsgenossenschaft zurückgewiesen. Der Kläger brachte das Gutachten eines zweiten Arzte» bei, der out dem rechten Schädeldach unter einer Narbe in der weichen Kopfbedeckung eine knochenharte Verdickung, die dem Knochen angehörte, im Durch- messer von 2 Zentimeter und daneben eine Empfindlichkeit be'm Beklopfen feststellte. Er führte die Knochenvcrdickiing am Schädeldach aus einen vom Kläger beim Unfall höchstwahrscheinlich er- littenen Schädelbruch zurück. Das Oberversicherungsamt holte ein Obergutachten ein. Dieses ließ sich über die Hände, den Bauch, über die Brust, über die Gesichtsmuskeln aus. Aber über die Feststellungen de» zweiten Arztes ging es vollständig hinweg, mit keinem Wort wurde dieses auch nur erwähnt. Auch der Obergutachter hielt eine ErwerbZbeeiitträchliguug durch Unfallsolgeu nicht mehr für gegeben. Das Oberversicherungsamt merkte offenbar das lleberseben der vom zweiten Gulachter festgestellten, so wesentlichen Tatsache nicht. und wieS den Anspruch des Bergmanus zurück. Der Verletzte legte Rekurs ein. Ein weiterer Arzt wurde von ihm in Anspruch gc- nommen. Auch dieser Ivar der Meinung, daß die vom Kläger ge- klagten Schwindelanfälle auf den Unfall zurückzuführen. seien. Mit- arbeiter bescheinigten, daß der Kläger häufig über Schwindelansälle klage und da-s. Reichsverficherungsami vernahm diese Zeugen eidlich. Aus den Zeugenaussagen seien nur folgende Stelleu angegeben:' „Der Kläger klagte wiederholt über Kopfschmerzen, besonder» klagte er darüber, wenn er Arbeiten im Bücken verrichten mußte. Ich habe auch mehrfach beobachtet, wie der Kläger, wenn er sich bücken mußte, plötzlich in die Höbe fuhr und sich sestballcn mußte. Er klagte dann über beftige Kopfschmerzen.?älch solchen Anfällen ist der Kläger mehrfach vor Beendigung der Schicht ausgefahren." Ei» zweiter Zeuge bekundet folgende»: Der Kläger stand und beugte sich etwas vornüber,» während er die Ouittung sdie er dem Zeugen zu geben hatte) schrieb. Plötzlich wankte er mit dem Kopf vornüber. Die Augen wurden ihm groß und er sank ineinander. Mit der Frau habe ich den Kläger zu Bett gebracht. Ich bin eine Stunde ungefähr dageblieben. Der Kläger lag wäbrend dieser Zeit völlig bewußtlos im Bett und gab auf meine Zurufe keine Antwort. Der Kläger hatte Nachtschicht gehabt und war, als ich zu ihm hin kam, erst kurz vorber aufgestanden. Irgendwelche Anzeichen von AlkoHolgemiß habe ich nicht an ihm wahrgenommen." Dann wurden noch über vom Kläger vor und nach dem Unfall geleistete Feierschichten Feststellungen gemacht, die annähernd ein gleiches Bild ergaben. Bei dieser Sachlage hätte man annehmen müssen, daß das Reichsversicherungsamt nun erst einmal den Punkr mit der Ver- änderung am knöchernen Schädeldach durch ein weitere» Gutachten klären würde. Der 14. Senat, der die Sache zu entscheiden hatte, bat das nicht getan und den Rekurs des Verletzten zurückgewiesen. Eine Wahrscheinlichkeit, daß ein Schädelbruch vorgelegen habe, sei nicht gegeben. Bewußtlosigkeit oder Schwindelerscheinungen seien in den Akten nicht vermerkt. Die Zeugenaussagen könnten nicht em- scheidend sein. Sie ständen mit dem Akteninhalt auch in gewissem Widerspruch. Wenn die Zeugeil vor dem Unfall nichts von Schwindelerscheinungen beim Kläger festgestellt hätten, so sei das erklärlich. da der Kläger, der sich schon im 55. Lebensjahr befände. vor dem Unfall allen?ln- laß gehabt habe, sich voll leistungsfähig hinzustellen, weil er sonst eventuell mit seiner Jnvalidisieruna oder mit der weniger gut ge- zahlten Hofarbeit hätte rechnen müssen. Nach dem Unfall habe er dann alle Ursache gehabt, recht viel zu zeigen. Derber sie Arzt babe bei ihm Arteriosklerose festgestellt. Darauf müßten die cschwindelanfälle bezogen werden. Nebenbei gesagt, das letztere ist in der Tat zutreffend. Der vom Kläger zuerst gehörte Arzt konstatierte dagegen, daß objektive Zeichen der'Arterienverkalkung nicht vorhanden seien, es sei anzunehmen, daß Arterienverkalkung entweder gar nicht oder nur in geringem Grade bestände. Der zweite Arzt hatte von einem gewissen Grade von Arteriosklerose gesprochen; der dritte und der vierte, daß von einer ausgesprochenen Arteriosklerose nicht die Rede sein köime. Wir können uns eine Kritik dieses Urteils sparen. Diese nüchternen aktenmäßigen Tatsachen und die bei der Verkündung des Urteils des ReichSverjicherungsamteS gegebene mündliche Begründung der Ent- scheidung sprechen sür sich selbst. Irauenveranftaltungen. Verein für grauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 8. Auguit:' Dampserpartic nach Woltersdorser Schleuse. ?ll>s. früh 8 Uhr von Jannowitzbrücke, Ecke Brückenstraße(Schultheiß). Iugenüveranstaltungen. Weiffenice. Arbeiterjugend. Heute abend findet im Jugend- heim, Charlottenburger(Ecke Tasso») Straße, ein Disiussionsabend statt. Domierstag, den S., veranstaltet der Jugendausschuß einen Brentano- Abend im Heim, Aerantwortl. f. Politik: Dr. Frau» Ticdcrich, Berlin-Friedenau; sür d. übrige» Teil de» Blattes: Alfred Scholz, Zleukölln; sür Inserate: Tb.«locke, Berlin. Druck u. Pcrlaa: Lorwärts Buchdruckern u. Verlags anstatt Paul Singer& Co„ Berlin SW. Hierzu 1 Beilagk und Uuterhaltungsblatt. Nr. 21 4 ❖ 54. Jahrgang Seilage öes vorwärts Dienstag, 7. August 141 7 Großiberün „Potsdamer Kartoffeln in Württemberg". Auf die in der Nummer vom 4. August unter obiger Neber schritt gebrachte Noliz erhallen wir von der Provinzialkarloffelstelle der Provinz Brandenburg folgende Zuschrift: Die Provinziab lartoffelstellen erhalten von der Reichskartoffelstelle Anweisungen in welchen Mengen sie Kartoffeln an die ihnen von der Reichs- tartoffelsielle zur Belieferung genannten Bedarfsstellen zu liefern haben. Die Provinzialkartoffelstelle der Provinz Brandenburg sollte nach Anweisung der Reichskartoffelstellc für die Zeit vom I.März bis 20. Juli d. I. insgesamt über 5 Millionen Zentner Kartoffeln aus der Provinz Brandenburg liefern, und zwar davon über drei Millionen an märkische Bedarisstellen und die Stadt Berlin, den Rest an militärische Bedarfsslellen, an das Königreich Württemberg nach Schleswig-Holstein, Hamburg und Westfalen. Daß also Kar- löffeln aus der-Provinz Brandenburg nach Württemberg gesandt werden mutzten, beruhte aus Anordnung der Reichskarloffelstelle. Nach der in der dortigen Notiz erwähnten Mitteilung im Beirat der Württembergischen Landeskarioffelstelle gewinnt es den Anschein. als se> Württemberg von der Provinzialkartoffelstelle der Provinz Brandenburg gegenüber anderen BedarfSsiellen, insbesondere Grotz- Berlin, bevorzugt worden.- Dies, ist irrig. Die Provinzialkartoffelstelle hat stets und nachdrücklichst darauf gehalten, datz die Lieferungskreise keine Bevorzugungen einer bestimmten Bedarfs stelle eintreten lassen. vielmehr alle Bedarssstellen gleichmätzig vrozentual nach der Höhe der ihnen zustehenden Liefermengen bc liefern: Dieser Grundsatz ist allerdings in einer der kritischsten Perioden. nämlich Ansang April, durchbrochen, aber nicht zugunsten, sondern zuungunsten Württembergs, indem auf Anordnung des Präsidenten des KriegsernährungsamlS alle Kartoffellieferungen aus der Pro vinz Brandenburg an fremde Bedarfsstellen für die erste Hälfte des Monats April zugunsten der Lieferungen nach Grotz-Berlin und einigen brandenburgischcn Provinzialsiädteii gesperrt wurden. An die Grotz-Berliner Koinmunalverbände(die sechs Stadtkreise und die Landkreise Teltow und Niederbarniml sollten nach Anweisung der Rentiskarloffelstelle in der Zeit vom 1. März bis 20. Juli 2 124 880 Zentner geliefert werden, nach Württemberg in der gleichen Periode 832 689 Zentner. Wie bekannt, reichte die in der Provinz Branden bürg vorhandene Kartoffelinenge zur vollen Tätignng dieser Liefe rungen nicbi aus. In den in der dortigen Notiz erwähnten Monaten März bis Mai sind von den genannten Mengen an Grotz- Berlin 57,15 Proz., an Württemberg 45,96 Proz. geliefert worden. Württein berg ist somit, und zivar infolge der Sperrung in der ersten Hälfte des April, nicht unerheblich geringer aus der Provinz Brandenburg beliefert worden wie Grotz-Berlin. So weil die aintliibe Tarstellung. In der Sitzung der Württem- bergischen Landes-Kartoffelstelle war aber mitgeteilt worden, datz es besonders die Provinzial-Kartoffelstelle in Potsdam fertig gebracht habe, a u ch in derZeit, da in dem von ihr in er st er Linie zu versorgenden Grotz-Berlin die K a r toffel ein kaum auszutreibender Lecker- bissen toar, wöchentlich e t w a 1 0 000 Z e n t n e r nach Württemberg zu versenden. Darauf geht die damer Stelle leider nicht ein. Höchstpreise für Acpfcl, Birnen und Pflaumen. 'Tie von' der ReichSstelle'für Gemüse'und'Ovst mit Wirkung für das Deutsche Reich festgesetzten Erzeugerhöchstprcise für Aepsel, Birnen, Pflaumen und Zivetschen sowie die von der zuständigen Preiskoinmission sür das Gebiet der Staatlichen Berteilungsstelle Grotz-Berlin festgesetzten Giotz- und. Kleinhandelspreise werden im folgenden mit dem Bemerken bekannt gemocht, datz die GrotzhandelS- bowstpreise für Aepfel I— III und Birnen 11 und III von der Reichsslelle angeordnet worden sind. Für Aepfel: Gruppe I. Höchstpreise für Erzeuger 0,40 M.. für Grotzhandel 0,48 M., für Kleinhandel 0,65 M. Hierzu gehören: Meitzer Winter« kaovill, Clx- Orangen. Gravensteincr, Kanadarenelte. AderSleber Kalvill, gelber Richard, Signe, Tilliich von ZuccalmaglioS Renelte, Ananasrcnelle, gelber Belleflcur. Schöner voii Bosköop, Landsberger Renelte, Goldrenette von Blenheim, CoulolSrenette, Weitzec Klarer Apfel, Wintergoldparmänen. Apfel aus CroncolS. Diese Früchte müssen aber, wenn sie zu Gruppe I gerechnet werden sollen, die Beschaffenheit von Edelobst haben, mithin sür ihre Sorte über mittelgrotz und ohne nennenswerte Fehler sein. Als Fehler sind tnsbesondere anzusehen: Unvollständige Reife, starke Fusikladium stecke, starke Druckflecke, Wurmstich, Stippflecke, Berkrüppelung oder mitzgestallele Formen. Gruppe II. Höchstpreise für Erzeuger 0,25 M, für Grotzhandel 0,30, für Kleinhandel 0,40 M. Diese Gruppe umfatzt sämtliche Aepfel, soweit sie nicht unter Gruppe I genannt oder infolge ibrer Beschaffenheit nicht zur Gruppe I gehören. Die Aepfel müssen aber gepflückt, gut sortiert und mittlerer Art und Güte sein. Gruppe III Höchstpreise für Erzeuger 0,10 M., für Grotz Handel 0,12 M., für Kleinhandel 0,18 M. Zu dieser Gruppe ge hören: Alles Schüttelobst, Ausschutz- und Fallobst, sowie Mostäpfel.' Gruppe IV. Höchstpreise sür Erzeuger 0,20 M., sür Grotzhandel 0,25 M., für Kleinhandel 0,32 M. Hierzu gehören gepflückte Aepsel, unsortiert, sowie sie der Baum gegeben hat, aber ohne Fallobst. Für Birnen: Gruppe I. Höchstpreise für Erzeuger 0,35 M., für Grotzhandel 0.46 M., für Kleinhandel 0,60 M. Diese Gruppe bilden: Gute Luise von Avranches, Köstliche von Charneu, Birne von Tongre, Bosc's Flaschenbirne, Dr. Jules Guynt, Williams Christbirne, HandenponlS Butlerbirne, GellertS Butterbirne, l�lapps Liebling. DielS Butterbirne, BereinS-DechantSbirne. Forellenbirne. Winter Dechantsbirne. Josephine von Mecheln. Auch für diese Früchte trifft das bei Aepfeln der I. Gruppe Erwähnte zu. Gruppe II Höchstpreise für Erzeuger 0.20 M., für Grotzhandel <126 M., für Kleinhandel 0,85 M. Diese Gruppe umfatzt sämtliche Sorten Birnen, soweit sie nicht unter Gruppe I genannt sind oder infolge ihrer Beschaffenheit nicht zur Gruppe! gehören. Die Birnen müssen gepflückt, gut sortiert und mittlerer Art und Güte sein. Gruppe HI. Höchstpreise sür Erzeuger 0,08 M., für Grotzhandel 0,10 M., für Kleinhandel 0,16 M. Hierher gehören: Alles Schütte!- obst, Ausschutz« und Fallbirnen sowie Mostbirnen. Für Pflaumen: Edelpflaumen Höchstpreise für Erzeuger 0,30 M., für Grotzhandel 0.40 M., sür Kleinhandel 0.50 M. Zwelschen, Hauspflaumen, Haus« zwelschen, Muspflaumen, Bauernpflaumen, Thüringerpflaumen, mit Ausnahme der Brennzwetschen. Zwelschen: Höchstpreise für Er- zeuger 0,20 M., für Grotzhandel 0,28 M., für Kleinhandel 0.35 M. Brennzwetschen: Höchstpreise für Erzeuger 0,10 M, für Grotzhandel 0,13 M. Ter Erzeuger darf beim Verkauf vom 1. November ab einen Zuschlag von 10 Proz., 16. Dezember ab von 15 Proz., 15. Januar 1913 ab 25 Proz., 1. März ab 35 Proz., 1. April ab 50 Prozent für Lagerung auf die in Z 1 festgesetzten Höchstpreise berechnen. Die sich daraus ergebenden Grotz- und Kleinhandelspreise werden später rechtzeitig bekannt gemacht. Sämtliche Preise verstehen sich je Pfund. Die obigen Höchstpreise treten sofort in Kraft. Bebauungspläne im Bcrbandsausschuff. Der VerbandSausschutz des Zweckverbandes Grotz-Berlin beschäftigte sich in seiner gestrigen-Sitzung mit dem BebauungS- plan für Treptow, auf dessen Mängel vor einigen Tagen im .Vorwärts" hingewiesen wurde. Der AuSschutz bat. wie wir er- fahren, den Plan für den nördlichen und den südwestlichen Teil des Gebietes angenonimen, dagegen sür den östlichen Teil an eine Kom- Mission überwiesen. Möge sie in ihren Beratungen sich von den Grundsätzen einer die Volksgesundheit fördernden WohnnngSpolitik leiten lassen und dafür- sorgen, datz bei der Festlegung des Bebauungsplanes für Treptow das KleinhauS über die Mielskaserne siegt. In derselben Sitzung wurde ein Bebauungsplan für FriedrichSbagen vorgelegt. Beabsichtigt ist. nördlich der Bahn eine Kleinhaussiedlung zu schaffen. Auch hier wurde Kommissions- beratnng beschlossen. Für das Gebiet der Domäne Dahlem hatte die Verbands- Versammlung eine Abänderung des Bebauungsplanes und die Her- gäbe von Epielplatzflächen gefordert, aber beim Landwirtschafis- Ministerium ist bisher nichts zu erreichen gewesen. Man setzt jetzt die Hoffnung auf den neuen Landwirtschastsminister. erkrankt und habe sie beauftragt, ihr allerhand Sachen aus der Wohnung zu holen. Das ahnungslose Klnd packte nach rhrer Weisung sür 300 M. zusammen und gab ihr alles mit: einen Mantel, Wäsche, Stiefel, Nahrungsmiltelkarten usw. Bei der Heimkehr der Frau er- fuhr das Mädchen, datz es betrogen worden war. Die Bäckerfräu sah später die Schwindlerin aus der Stratze und lietz sie festnehmen. In ihrer Behausung fand die Kriminalpolizei auch noch allerhand Sachen auS Einbrüchen, die die Verhaftete bei früheren Arbeits- genossinnen verübt hatte, während diese auf der Arbeitsstelle waren. Immer wieder Einbrüche in Brotkommissionen! Bei der 19. Brotkommiision in der G r o tz b e e r e n str a tz e 56 ck er- beuteten unbekannte Täter einen schwarzen Lederkoffer mit Reichs- und städtischen Fleischkarten für Erwachsene und Kinder. Brot- und Brotzusatzkarlen der 128. Woche, Eier« und Vollmilchkarten und den Stempel der Kommission. Einsam gestorben ist die 22 Jahre alte Arbeiterin Klara Bürger, die sür sich allein in der Stephanstr. 56 wohnte. Ihre Schwester, die sie gestern besuchen wollte, fand sie tot im Bett liegen. Die Leiche war schoir stark verwest. Wahrscheinlich ist das Mädchen vom Schlag gerührt worden. Schöneberg. Lebensmittel. Der Magistrat ist in der Lage, die auf Abschnitt Nr. 51 der Nährmittel karte entfallende Menge an Grietz oder Haferfabrikate von Pfund auf V, Pfund z u erhöhen. Die Händler sind verpflichtet, jedem Bezugsberechtigten Ys Pfund der Ware auszuhändigen. Sonderbare Handelssitten. Der Kaufmann Th. Lehmann, Berlin Friedrichstratze 76, handelte mit Texdilstoffen. Er erzielte im Frieden einen Umsatz von etwa 50 000 M. jährlich. Während des.Krieges schnellten aber seine Geschäfte um das 15fache in die Höhe. So betrug sein Jahresumsatz sür 1916 dreiviertel Millionen Mark. Trotzdem führte Leh mann keine ordentlichen Bücher. Seine Rechnungen, Lieferscheine usw. hatte er vernichtet. Gleichwohl konnten dem Lehmann grobe Verstötzc gegen die KettenhandelSordnung nachgewiesen werden.— Genau so unzuverlässig hat sich der Kaufmann S. W i ld in a n n Berlin, Prenzlauer Stratze 41, erwiesen. Sein Umsatz in Textil- stoffen betrug monatlich bis zu 80 000 M. Eine Nachprüfung der Gescktäfte war nicht möglich, weil Wildinann überhaupt keine Bücher führte. Autzerdem hat auch er die Kettenhandelsverordnung über treten. Lehmann und Wildmann wurden von dem Kriegs- w u ch e r a m t aus dem Handel ausgeschlossen. Die Gemüsehändlerin Marie Schröder, Berlin, Ruheplatz- stratze 24. verlangte von einer Käuferin für Zwiebeln 70 Pf. das Pfund. Als die Käuferin sie daraus hinwies, datz der Höchstpreis dock nur 35 Pf. für das Pfund sei, nahm die Schröder ihr die Zwiebeln wieder fort, drohte, sie ihr ,.in die Fresse zu werfen" und nötigte unter weiteren schtveren Beleidigungen die Kundin zur Tür hinaus, das Geld aber behielt die tüchtige Geschäftsfrau. Das Kriegs Wucheramt ließ.ihr daraufhin den Laden, schließen. Die Genannten werden sich vo r. dem Stra frichtc r zli verantworten haben. Die gewerbliche Betriebszählung. lieber die auf Anordnung des zdriegSministeriumS auszuführende gewerbliche Betriebszählung werden folgende Bestim mungen amtlich mitgeteilt: Die Zählung soll den Stand des deutschen Gewerbes um die Zeit des 15. August 1917, in einigen Punkten verglichen mit dem Stande vor Kriegsausbruch, erfaffen. Jeder Inhaber loder Leiter) eines gewerblichen Betriebes ist anzeigepflichtig. Die Erhebung umfatzt: a.) Handwerk; b) In dustrie(auch Hausgewerbe und Heimarbeit): ch Baugewerbe; d) Handel jeder Art; ch Bergbau, Hütten, Salinen; k) Gast- und Schankwirtschasten. Hotels, Pensionen u. dergl., ebenso Sanatorien und ähnliche Einrichtungen, soweit sie vorwiegend Erwerbszwecken des Inhabers dienen, nicht aber Krankenhäuser, Lazarette und ähnliche, ganz oder überwiegend Wohlfabrtszwecken dienende Ein« richtungen: BersicherungSgewerbe; Verkehrs- und TranSport- unternehmungen, ausschlietzlich der Eisenbahn-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechbetriebe(doch sind die Werkstättenbetriebe dieser Verkehrsanstalten anzeigepflichtig); Theater-, Musik- und Schau stellungsgewerbe: Fischerei Gärtnerei, soweit sie gewerblich, nicht ackermätzig, betrieben wird. Die Erhebung erfolgt in der Weise, datz für jeden gewerblichen Betrieb am Sitz des Betriebe? vom Inhaber oder Leiter des Betriebes ein Fragebogen auszufüllen ist. Jeder Filialbetrieb ist dabei als besonderer Betrieb zu zählen, erhäll daher einen eigenen Fragebogen. Die Fragebogen für die Gewerbetriebe eines jeden Hauses werden� den Hausbesitzern oder deren Stellvertretern durch Beamte der Schutzmannschast rechtzeitig zugestellt werden. Die Hausbesitzer oder ihre Stellvertreter haben jedem im Hause vor- handenen Gewerbebetriebe einen Fragebogen zur Ausfüllung zu übergeben, die ausgefüllten Fragebogen bis zum 29. d. M. einzu sammeln und bis zum 30. d. M. bei dem zuständigen Polizeirevier vollzählig abzugeben. Gewerbebettiebe. denen ein Fragebogen nicht zugegangen ist, haben einen solchen vom zuständigen Polizeirevier abzuholen, den ausgefüllten Fragebogen aber auch in diesem Falle beim Hausbesitzer oder dessen Stellvertreter abzugeben. Wer die verlangte Auskunft innerhalb der festgesetzten Frist nicht erteilt oder bei der Auskunfterteilung wissentlich unwahre oder unvollständige Angaben macht, wird nach Z 18 des Hilfsdienstgesetzes mit Gesäng- nis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 10 000 M. oder mit einer dieser Strafen oder mit Haft bestraft. Das rätselhafte Berschwinden eines Knaben beschäftigt seit längerer Zeit die Polizeibehörden Grotz-Berlins. Seit dem 26. April wird der 10 Jahre alte Herbert Weckmann aus der F u I d a- stratze 14/15 in Neukölln vermißt. Am Nachmittage des ge- nanMen Tages wurde der Knabe, wie Ermittlungen nachträglich ergeben haben, in der Kaiser-Friedrich-Stratze in der Nähe des Hertzbergplatzes in Neukölln in Begleitung eines Mannes gesehen, der einen braunen Ulster trug. Nach einer anderen Mitteilung soll Weckmann einen Kutscher der Firma.Kohlensäure- Industrie" in Niederschöneweide auf der Fahrt von Neu- köll» nach dort begleitet haben. Dieser Kutscher ist er- mittelt worden, bestreitet aber entschieden, den Weckmann über- Haupt zu kennen. Die Kriminalpolizei vermutet, datz der Knabe einem Wüstling zum Opfer gefallen ist. Er ist etwa 1,40 Meter grotz, kräftig, hat blondes, kurzgeschoreneS Haar, blaue Augen, blasses Gesicht, vollständiges Gebitz, in dem zwei Vorderzähne etwas vor- tehen, und stottert ein wenig. Bekleidet war der Vermißte mit brauner Manchesterhose, dunkelblauem Sweater, Trikotunterkleidung, weißem Hemd, schwarzen Strümpfen, neuen Holzpantoffeln und grün- gestreifter Pudelmütze...... .Mutter ist krank geworden." Als Einbrecherin und Schwindlerin wurde eine Arbeiterin aus der Pulbuser Stratze entlarvt und fest« genommen. Sie hatte früher eine zeitlang bei einer Bäckerfrau in der Äösliner Stratze gekauft und kannte daher deren Gepflogen- heilen. In Abwesenheit der Geschäftsfrau suchte sie nun die neun- jährige Tochter auf und schwindelt« ihr vor, ihr« Mutter sei plötzlich Wilmersdorf. Lebensmittel. Infolge eines Druckfehlers-.bc- richteten wir in der Sonntagnuinmer, datz auf die Nährmittel- Zusatzkarte für Jugendliche ein halbes Pfund Nährmittel ver- absolgt wird. Es mutz aber heißen ein viertel Pfund. Auf die.Bezugskarle für Einzelpersonen"(3. Ausgabe, rosa) gelangt in der Zeit bis einschließlich Sonntag auf Abschnitt P 1 Pfd. Kriegsmus zum Preise von 60 Pf. zum Verkauf. Die Entnahme hat in den Geschäften zu erfolgen, wo der Inhaber in die.Kunden- l'ste zum Bezüge von Grietz, Graupen, Grütze, Teigwaren usw." eingetragen ist. Lichtenberg. Lebensmittelsürsorge. Der Nahrungsmittelausschuß der Stadt hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine städtische Gemüse-Dörranlage zu errichten und diese in der neuen, mit Gleis- anschlutz versehenen Gemüsehalle anr Güterbahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde unterzubringen. Ferner beschloß der Ausschutz, die städtische Fischhalle in der Frankfurter Allee zu vergrötzern, und zwar durch Hinzumietung des neben derLebensmittelhallc belegenen Seifenladenö in der Kronprinzenslratze. In den neuen Räumen soll die Fischverteilungsstelle sür die Kleinhändler untergebracht werden. Lichtenberg. Lebensmittel. In dieser Woche dürfen auf die acht Abschnitte 67 a. b, o und d der Kartoffelkarte zusammen 4 Pfund Kartoffeln entnommen werden, und zwar mit der Matzgabe, datz zunächst nur 2 Pfund abzugeben sind und erst, nachdem sämtliche Kunden diese Menge erhalten haben, die letzten 2 Pfund verabfolgt werden dürfen. Als Ersatz für das restliche 1 Pfund Kartoffeln darf auf die zwei weitzen Abschnitte 67s vom Freitag ab je 100 Gramm Gebäck entnommen werden. Ohne Marken werden abgegeben: Frühgemüie und Obst zu Tagespreisen.(Dabei ist auch die Vorlegung der Lebensmittelkarte nicht erforderlich.) Auf Abschnitt 73 II, J, K, E gibt es je Y« Pfund Gerstengrütze oder Graupen zum Preise von 0,08 M., auf Abschnitt 74 S 1 Pfund Haferflocken zum Presse von 0,56 M., auf Abschnitt 74 E 1 Pfund Südfruchtmarmclade zum Preise von 0,90 M, auf Abschnitt 76 E gegen Abtrennung der drei gleichlautenden Abschnitte 1 Kasteirkuchen zum Preise von 1,35 M., welcher innerhalb der. drei nächsten Wochen in der siädtischen Verkaufshalle zur Ausgabe ge- langt, auf Abschnitt 74 K ein Paket Honigkuchen zum Preise von 1 M, der in allen Lebensmittelgeschäslcn erhältlich ist. Ohne Marken werden ab- gegeben: Frische Flutz- und Seefische. Für den Kauf von Fischen und Fischivarcn erfolgt eine Voranmeldung in den Geschäften nicht. Die Bezugsabschnitte sind in den RleinhandelSgeschästen bis Mittwoch abends 7 Uhr abzugeben. Neben den von vornherein als E-Karlen gedruckten Lebensuiillelkarten gelten auch die berichtigten, mit Magistratssiegel versehenen I-Äarten als Karte E. Spandau. Lebensmittel. Feld 7 der Eierkarte hat mit Ablauf des gestrigen Tages seine Gültigkeit verloren. Von heute ab wird auf Feld 8 der Eierkarte ein Ei zum Preise von 34 Pf. abgegeben. Die Eier sind mit einem Ausgabestempcl versehen und müssen, wenn sie schlecht sind, spätestens innerhalb 8 Tagen nach der Ausgabe bei den Eierhändlern umgetauscht werden. Hühnerfutter kann, da die Vorräte erschöpft sind, bis auf weiteres nicht ausgegeben werden. Kreis Teltow. Neuregelung des Milchverkehrs. Für den nicht zum Bezirk der Fetistelle Grotz-Berlin gehörenden südlichen und ländlichen Teil des Kreises Teliow hat der Kreisausschuß eine neue Verordnung über den Verkehr mit Milch erlassen, die an Stelle der jetzigen Verordnung am 1. September in Kraft tritt. Mit der neuen Anordnung wird eine schärfere Erfassung und Ueberwachung der Milch beim Erzeuger bezweckt und der Milchverbrauch der Selbst- versorger neu geregelt. Danach dürfen Selbstversorger für ihren Hau?- Haltsbedarf an frischer Vollmilch nicht mehr als durchschnittlich I/3 Liter auf den Kops und Tag verbrauchen. An die anderen ver- sorgungSberechtigten Personen darf Vollmilch nur gegen Vorlegung der vom KreiSauSschuß vorgeschriebenen, von den Ortsbehörden zu verteilenden Vollmilchkarten abgegeben werden. In den Städten Mittenwalde, Teltow, Trebbin, Zossen und in den Gemeinden Bohnsdorf. Buckow, Drewitz. Eichwalde, Großbeeren, Hoherlehme, Klein-Glienicke. Königs-Wusterhausen, Lichtenrade, Nowawes, Rudow, Schmöckwitz, Stahnsdorf und Zeuthen darf autzerdem die Abgabe von Vollmilch durch die Milchhändler und alle sonstigen Milch unmittelbar an Verbraucher abgebenden Betriebe nur nach vorheriger Anmeldung zum Bezüge und Eintragung in eine besondere Äundenliste des Händlers oder Betriebes geschehen; jeder Versorgungsberechligte darf Milch nur da beziehen, wo er in diese Kundenliste eingetragen ist. Die Abgabe an nicht in die Kundenliste eingetragene Personen ist allen Betrieben untersagt. Für den Ver- kehr mit Magermilch werden die einzelnen Gemeinden ermächtigt, besondere Bestimmungen und Einschränkungen zu treffen. Riederschöiihausen. Lebensmittel. Auf die Kopfstücke der Brot- karte werden in dieser Woche 200 Gramm Graupen verabfolgt. Der Preis bsträgt für das Pfund 30 Pf. 1 Pfund Kartoffeln wird zu- nächst auf Abschnitt b(grün schraffiert) ausgegeben Auf die vier unschraffierten Abschnitte a und c werden je 100 Gramm Gebäck gegeben. Die Bestimmung über die Verwendung der grün- 'chrasfierten Abschniile bleibt noch vorbehalten. Auf die Kartoffel- zusatzkarte werden 2 Pfund Kartoffeln verabfolgt und sind diese vorzugsweise zu berücksichtigen.— Im Laufe der Woche findet eine- Ausgabe von Marmelade statt, und zwar bei den Händlern, bei welchen der Zucker entnommen ist. Es werden abgegeben auf rote Lebensmittelkarte 2 Pfund, auf schwarze 1 Pfund.— Die Wochenmenge an Butter beträgt 50 Gramm, an Margarine 30 Gramm. Gerichtszeitung. Die zweistündige Probe. Allzuknapp wollte der Kaufmann Paul B. die Probezeit bei einer Kontoristen bemessen, die deshalb das Berliner Kauf«- mannsgericht anrief. B. hatte das junge Mädchen sür den- Monat Mai zur Probe angestellt, es trat auch pünktlich am 1. Mai an, wurde aber schon nach 2 Stunden vo» dem Beklagten»it taSe Bewerfen nach Hause geschickt er„sehe schon, es werde doch nicht-. Sie sollte nur ruhig nach Hause gehen." In der Verhandlung führte der Kaufmann zu seiner Rechtfenigung an, er Bade e- gleich in den ersten beiden Stunden erkannt, das; Frl. P. für den betreffen- den Posten ganz unbrauchbar sei. Er habe es aus Anfländigkcil der Dame gleich gesagt, um sie vor Enttäuschung bei Ablauf des Monats zu schützen. Das junge Mädchen machte demgegenüber geltend, sie habe erklärlicherweise in den ersten Stunden nicht gleich die Eigenart de§ Betriebes gekannt und dabei Versehen begangen, die ihr nach einer kleinen Einaibcitung sicherlich nicht mehr passiert wären.— Den Anspruch auf Gehalt sür die Zeit der Probe, während welcher die Klägerin keine andere Stellung hatte, hielt das Kaufmannsgericht sür gerechtfertigt und kam daher zur antragsgemäßen Verurteilung des Beklagten. Es sei schlechter- ding? unmöglich, daß ein Angestellter, der in den ihm gänzlich fremden Betrieb sozusagen erst„hineingerochen" babe, nun gleich fehlerlos und, ohne zu irgendwelchen Belehrungen Anlaß zu geben, arbeile. Der Beklagte Härle es nicht gleich nach zivei Stunde» ausgeben sollen, die Klägerin zu beschäf- rigen. Gar mancher, der sich im ersten Augenblick recht ungeschickt anstellt, ivcrde ein tüchtiger und fleißiger Arbeiter. Auf alle Fälle hätte Beklagter die von ihm selbst gewählte Probezeit von einem Monat durchhalten sollen. Die Probezeit sei ja gerade in ihrer ganzen Ausdehnung dazu da, die Fähigkeit des ncuniigcstcllien Ge- htlsen zu erproben._ Wer aufhört, bekommt keine Teuerungszulage. Ein Buchbinder, der IS Jahre bei der Kur- und Neuniärkischen rltterschastlichcn Darlebnskasse mit Aktenheficn und dergleichen be- ichäftigt war, halte seine Stellung zum 1. Juli gekündigt, um sich im Lohn zu verbessern. Bisher hatte er außer seinem MonaiSlohn von 166 M. und 15 M. Kriegsbeihilfe noch eine halbjährliche Teuerungszulage von 200 erhalten. Diese wurde ihm, weil er ge- kündigt halte, für das abgelaufene Halbjahr nicht gezahlt. Er forderte die Zahlung nun durch eine Klage beim Gewerbe- gericht. Hier machte der Vertreter der Beklagten gellend, daß das, was der Kläger als Teuerungszulage bezeichnet, eine freiwillige und ohne Nechtsanspruch gewährte außerordentliche Zuwendung sei, die in jedem Falle von der Direktion beschlossen werde in der Form, daß eine gewisse Summe bewilligt und auf die Angestellten verteilt werde. Wer gekündigt habe, sei von der Zuwendung ausgeschlossen. Int vorliegende» Falle habe die Direktion den Beschluß am 7. Juni gefaßt, während der Kläger bereits am 1. Juni gekündigt hatte. Mille Juni habe der Kläger die Kündigung rückgängig machen wollen. als schon ein anderer an seiner Stelle angenommen gewesen sei. Das Gericht bezeichnete die Klage als aussichtslos; der Kläger nahm sie darauf zurück._ Ms aller Welt. Strafanzeige ist erstattet. Die.Bayerische Nundschau" denunziert:.Während aus fran- zvsiichcm Boden lausende Deutsche, brave Männer, bluten, während »nmelfort die bewiesenen Klagen über schanivolles Behandeln der deutschen Gefangenen in Frankreich einlaufen, feiern die französischen Gefangenen mit Hilfe vaterlandsloser Personen nationale Feste. Der Mühlenbcsitzcr Joseph Plank in Bersting stellte 14 Franzosen zu deren französischem N a t i o n a l f e st ein Zimmer zur Verfügung, gab ihnen aus seiner eigenen Jagd den nötigen Reh- braten und seine Tochter briet diesen den Herren Franzosen mit Liebe und Sorgfalt. Strafanzeige ist erstattet." Ob für diese Missetäler die einfache Todesstrafe ohne Ler- schärfung genügt, darüber äußert sich die„Bayer. Rundschau" nicht. Smfkasten der Redaktion. ®. H. 25. 1. Diele Bestrminuug besteht seit 1. 8. 15. 2. Für die Dauer de- mobilen MilltärverhältnisseS sind 2.50 tägliche Zulage zu gc- wahren.— A. I. 1. M. Sie müssen zunächst die Erlaubnis Sihrcs Vorgesetzten haben.— C. 1. L. Von der Miele dürfen Sie deswegen nichts in Abzug bringen, jäie tönnten höchstens klagen, ivaS sich aber bei der Ecringsügigkeit der Sache nicht empfiehlt.— G. H. 57. Weitere Klage ist zwecklos. Sie sind selbst an der Sache nicht schuldlos, da Sic sich in den zehn Iahren um die Zahlung der Vcrsicherungsbeilräge kümmern mußten.— P. F. 1887. 1. Wenn Sic schon längere Zeit die Wobnung innehaben, kann der Hauswirt dazu mcht verpflichtet werden. 2. Sehen Sie das Adreßbuch nach. 8. Das können Sie natürlich mündlich und lchristlich machen. 4. Das erfahren Sie von dem Kammerjäger.— Steuern Iiis. Ja.— B. 777. Ja.- I. M. 59. Sie können dort nur Anspruch aus die staatliche Unterstützung erheben.— U. S. A. 47. Sic können mit Erfolg nichts dagegen unternehmen, Ihre Einberufung ist zulässig.— 91. 68. 1. Unseres Wissens bedarf er ein polizeiliches Führungsallest. 2. Sie müßten die Genehmigung der Postüberwachungs- stelle beim Postamt Berlin 0 17 einholen. 3. Nein.— K. K. 24. Nein. P. K. 114. Das richtet sich nach den Bestimmungen des Statuts der Krankenkasse.— Existenz 1917. Die Unterstützung wird in solchen Fällen bis zu drei Monaten weitergezahlt.—£■©. Z. Nein. ?t.>r»trranSstchte» tiir das mittlere Siorddentictiland l»s Mittwoch uiittag. Im Küstengebiet ziemlich heiter, im Binnenlande vorwiegend wolkig bei wenig veränderten Temperaturen; strichweise Gewitterregen. dlaelr kurzem Krankenlager starb am 2. August unser lieber Mitarbeiter, der Rotations-Hilfsarbeiter Rudolf Jercbov im Alter von 42 Jahren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet heute nachmittag flzb Uhr von der Leichenhalle des Thomas-Kirchhofes, Neukölln. Heimannstralle, aus statt. Vorwärts Buchdruckerei Paul Singer& Co. Statt bcttoiiderur Anzeige. Am 4, August verstarb nach kurzem Leiden im 67. Lebensjahre der Schlosser Hugo Polchow. Den Kollegen zur Nachricht, daß die Einäsche- jung am Donnerstag, den 9. August, nachm. 6 Uhr. im Krematorium Geriohtstr. 37 stattfindet. 71/3 Als Obser des Welt- krieges starb im steld- lazarctt durch Lungenschuß am 2l. Juli 1917 unser innig geliebter, jüngslerSohn und Bruder, der Stukkateur Zmil Ksionski im Alter von 20 Jahren. Er folgte seinem älteren Bruder nach zwei Jahre» und zehn Tagen. 124A Dies zeigen tiesbetrübten Herzens an Die Eltern u. Geschwister Du starbst so jung, Du starbst so früh, Für wen Du starbst, Das wußtest nie. Univcrsal-Briessteller 8, SO Mark, Buchhandlung Vorwärts, Liiidenstraße 3 lLadenl._ Deulftlier Ifletallarbelter- Oerband. Verwaltungsstelle Berlin. Ten Mitgliedern zur Nach» richt, daß unser Kollege, der Schleiscr Paul Sommer Prenzlauer Promenade 16, am 3. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. August, nachmittags b Uhr, von der Leichenhalle des Ge- meinde-Friedhoss in Weißen- see. Falkenberger Straße. aus statt. 180/3 Rege Beteiligung erwartet Tie Ortsvcrwaltuug. Uhren Pitts& - Goldwaren. Co.. Lindenstr. 109. Verband der IFabrlRarbelter Deutschlands. Verwaltung GroB-Berlln. Am Sonnabend, den 4. August, verstarb unser Mitglied Paul Hazse. Ehre{einem Andenken! Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 8. August, nachmittags ö Uhr, im Krematorium, Gcrichtstraße, statt. Um rege Beteiligung er- sucht via Ortsverwaiiung. Spezial-irzl I>i-. med. Hasche. Friedrichstr.90 ÄZö. Bebandt. von Thvhilis, Haut-, Harn-, Franenleiden, svez. chron. Fällei Ehrlich-Hata-Ku- teil, schmerzlose, lürzesle Be- Handlung ohne Berussstörung. Blutuntcrsuchung. Mäß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und ö— 8, Sonnt. 11—1. Trauer-Magazin gegründet 1896 Brunnenstr. 56/57. GroBe Auswahl in schwarzer Konfektion. Aus Wunsch Maßanfcrti- gung in 8 Stunden. Acndcrungen sofort und gratis. Auswahisendgn. bereitwilligst. rernsp. Amt Norden 8640. 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VII. and VIII Abtellans: Fried- richstadt und Süden, Lindenslraßc 3, II. Hos IhiM III. Vortrag und Bericht. V. nnd VI. Abteiinns: btüdweaten bei tobet, Bergmauiiftr. 5/6. VorNag und Bericht. esereni Genosse Wilhelm Psannkuch. Sojinidenloksatisiher Verein fürSerlinttl. Mitgliederversammlung im Gewerkschaftsbaus, Engelnser 15. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Ernst Heil mann über„Kriegswirtschast und Nachkricgswlrlschasl". 2. Vereinsangelegcnheiten. Zoslnidemlikrntlschtr Verein fürSerlin IV. Mitgliederversammlungen: Fetei-sbni-s:«»' Viertel im Lokal von Karl Kühne, Schreincrstr. 58. Tagesordnung: Organi- satorischcs. PünlllicheS Erscheinen nötig, da bereits um 10 lthr Polizeistunde. Landabcreer Viertel im Elhsini», Landsberger Allee 40. Tagesordnung: Vortrag und Bercinsangelegenheitcii. Franbfnrter Viertel bei Boeker, Weberstr. 17. Fortsetzung der Diskussion des Rcserats:„Uebcr die politische Krise." Wahl und Verschiedenes. Straianer Viertel bei E. Rast, Warschauer Straße 57. Mitteilungen, Vortrag und Ver- schiedcnes. <>!üriitaer und Cttpenicker Vierlei bei Fröhlich, Muskauer Str. 1. Gemeinsame Ver- sammlung. 1. Vortrag. 2. Diskusston. 3. Partei- angelegenheitcn. Sozialdemokratischer Veltln für Serlin V. Mitgliederversammlung in den Unions-Festsälen. Greisswaider Str. 222. Tagesordnung: 1.„Politische Umwälzungen." Reserent: Reichs- lagsabgeordneler Heinrich Schulz. 2. Wabl des ersten Kassierers. 3. Organlsalionsangclegenheilen. Sozinidtmokratischer Verein für Serlin VI. Mitgliederversammlungen: 1. u. 2. Abt. bei Dobrohlaw, Swlnemünder Sir. 11. 3. u. 4. Abt. bei Burg, Prenzlauer Allee 189. 5. u. 7. Abt. im Genossenfchaftshaus, Slargarder Straße 3. 6. Abt. bei Goldschmidt, Stolpische Straße 36. 8. Abt. bei Hoffmann, Swinemünder Straße 47. 9. Abt. bei Obiglo, Stralsunder Straße 11. 10. Abt. bei Earus. Voltastr. 37. 11. Abt. bei Spiegel, Ackerstr. 1. 12. U.15. Abt. bei Renter, Birtenstr. 29a. IS.u.ll. Abt. bei Kleinert, Jagowstr. 2l, Ecke Levetzoio- slraße. 16. u.l7. Abt. bei Tachse- Lindower TIraße 26. 18. u.l9. Abt. im„Scywedenzelt", Schweden- und Exerzierstraße Ecke. 20. Abt. bei FuchS, Weddingstr. 5. 21.U.22. Abt. bei Lewandowski, Scestr. 10t. Sozialdemokratischer Vtrein für Teltow- Seeskow-Storkow-Charlottenburg. Mitgliederversammlungen: t.'bari«ttenbnrs:. VoltShauS(Kleiner Saal). Vortrag des Genossen Heilmann. Bericht von der Generalversammlung. Wichtige Bcrelnsangelegcn- heilen.— Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erforderlich. Gäste, besonders ,VorwärtS"-Leser, willkommen. OOpenieb. Nächste Veranstaltung am Mittwoch, den 15. August. Weiteres durch Handzettel. Harienfelde. Zusammenkunst im Restaurant Staffelt, Berliner Str. 133. VenbüIIn. Abteilungsversammlungen: 1. bis 4. Bezirk bei Schulz, Reuterstr. 47, Ecke Lenau- straße: 5. u. 6. Bezirk bei H. Schittler, Weichsel« straße 5. Ecke Donauslraße; 7. bis 9. Bezirk bei Rod. Iben, Boddinstraße 58, Ecke Jsarstraße; 10, 11. u. 12. Bezirk im Surnerheim, Böhmische Straße 13; 13. bis 17. Bezirk bei Joh. Cenkel, Hcrmannslraße 178. Ecke TbomaSslranc: 18. bis 20. Bezirk bei Ed. Siichnow, Prinz-Handjerti- Straße 69; 21. bis 24. Bezirk bei Herl». Heutschct, Herrsurthftr. 27. In allen Versammlungen Vortrag über daS Thema: Innere Krise und FriedenSbeslrebuiige». Die Mitgliedsbücher sind zum Zweck der Um- Numerierung mitzubringen. bteKÜta. Bei Clement, Düppelstr. 7. TageS- ordnung: t. Vortrag des Genossen K r ü g e r: „Die Sozialdemokratie für Deutschlands Freiheit". 2. Bericht über die Generalversammlung. Treptow• Banniachnlcnsves. Der August- Zahlabend fällt aus. Die Beiträge werden durch die HauSkassicrcr eingeholt. Sozialdemokratislher Vertiu für Nirderbarmm.- Mitgliederversammlungen: L-iebtenbers;. Gemeinsame Zahlvcrsamm- I u n g abends 8 Uhr im Lokal zum„Prälaten", Ecke Eitel- und Sophienslraßc in Nculichlcnberg. ttberaebüneweide. Abends 8 Uhr im Restan- rant Ladewig, Laufener Str. 5. Wer oerhindert ist. dorthin zu kommen, kann seine Beiträge auch bei Emil Gierth, Wilpelminenhositr. 54, oder bei Rein- Haid Krüger. Helmholtzstr. 20, entrichten. Der „Vorwärts" kann bei der Genossin Freidank, Bis- marckilr. 25 v. I, abonniert werden; auch die Bibliothek fleht den Mitgliedern dort zur Verfügung. Viedcrschttnhanaen, Pankow, Bachholz bei Scttekorn, Lindenstr. I(am Bismarckplatz). Beiniekendort-Bat. Im Lokal von Dolchner, Rcsidenzstr. 50(Ecke Marlstr.). IVeillenaee. Im Lokal von Stärke, Charlolten- burger Str. 3. Tagesordnung: Vortrag des Ge> nossen Schlemminger über„Mieterschutz, die neue Bundesvatsoerordnung". Gäste, auch Krieger- srauen, sind willkommen. In allen Aersammlunge» und Zusammen- künftcn werden Beiträge kassiert und neue Mit- glieder ausgenommen. Alle auf dem Boden der Mehrheit stehenden Anhänger find ein- geladen. Anmeldungen zur Jugendweihe werden in den Versammlungen entgegengenommen. Die Anmeldung zur Jugendweihe kann außerdem geschehen in den ,Vorwäits"-Speditionen und bei folgende» Genossen: Glaue. Kommandantenstr. 88(am Dönhostsvlatz). Schrfider, Hqgelbergerstr. 54. Dlttmer, Grimmitr. 13. Radtke, Neue Jakobür. 1 Schwanharz, Naugarder Str. 3. Frau Wollstein, Lietzmannstr. 5. Otto Lilek. Föhrer Str. 9, Hos II. BezirkSsekretariat, Lindenstr. 5, Hos 5 Tr. Die Kreisvorstände. nc. 214— 1�17 Unterhaltungsblatt öes vorwärts Dienstag, 7. August Silöer aus Ruglsth-Poöolien. Unsere Truppen haben in breiter Front den Zbrucz überschritten und sind damit in Nussisch-Podolien einpedrunpen, eine der Korn« kammern RuhlandS. Unter Podolien stellt der Westeuropäer sich ge- wöhnlich eine eintönipe Sieppenlandichast vor, allein das ist, wenig« stens für West« und Nordpodolien, nicht richtig, vielmehr handelt es sich um eine blühende Landschait mit lachenden Feldern, tief- eingeschnittenen Strömen, vielen Seen und Keinen Teichen und reichen Beständen an Laubwald, soweit dieser Teil Rutz- landS noch zu den Ausläufern der Karpathen gehört. Mit dem benachbarten Galizien bildet dieses Grenzgebiet eine völlig einheitliche Landschaft: der Wanderer trifft eine leicht gewellte, mit üppigem wogenden Getreide bestandene Fläcbe: am Horizont entdeckt er kleine, au« Buchen und Eichen bestehende Wäldchen, und die weitgedehnte Hochebene scheint unbesiedelt zu sein; plötzlich aber steht'er unvermutet an einem tiefen Einschnitte in den gelben Löstboden, auf dessen Grunde ein Fluß dahinströmt: fast in allen Fällen streicht die Schlucht nach Süden, und an dem Fluhlaufe liegen, wie Perlen auf eine Schnur gereiht, die Ortschaften. Alle linken Nebenflüsse des Dnjestr, in Podolien wie in Galizien, fliesten in tiefetngcschnittcnen Erosions- lälern, in Kanons dahin, bis sie sich mit den grünlicheu Fluten des Dnjestr vermischen, der in einem ebenso gebildeten Tale dahinströmt und bei seinem vielgewundenen Laufe terrassen- förmig« Halbinseln umschlingt. Der Grenzort, der an der Mündung des Zbrucz in den Dnjistr liegt, eine kleine, aus wenigen Häusern bestehende Ortschaft, krönt malerisch die Wipfel einer kleinen Halb- insel zwischen den tiefen Kanons der beiden Flüsse und bezeichnet die Stelle, an der einst eine kleine Feldbefestigung stand. Die Sied- lungen Podolien«, namentlich die großen Dörfer, liegen häufig an kleinen Seen und machen, da in ihrer Nähe meistens Waldbestände anzutreffen sind, einen malerischen Eindruck. Der Berkehr im Lande wird durch diese verstreuten Gewässer erschwert und vollzieht sich seir langer Zeit auf den kleinen, schmalen Dämmen, die für die Wassermühlen angelegt sind. Die Hauplstadt Russisch-PodolienS, Kamenez�PodolSkij, liegt auf einer Halbinsel, die ein Flühchen, der Smotritsch, bildet; ihre Lage ist anmulig, zugleich aber merkwürdig; wer sich der Stadt von weilem nähert, wird gewöhnlich recht überrascht. Man sieht näm- lich aus der Ferne Türme und allerhand Gebäude, die anscheinend ziemlich niedrig sind, und scheinbar eine endlose Ebene, auf der die Hauplstadt liegt. Beim Näherkommen hebt sie sich immer mehr und man erblickt zuletzt einen steilen hoben Felsen, der ring« von einer tiefen Schlucht umgeben ist. Dl« ganze Stadt ist auf Fels gebaut; von verschiedenen Punkten der Hauplstadt aus hat man auf das wasserreiche Tal und auf die gegenüber- stehenden Felsenzacken hübsche Blicke, am schönsten aber ist die Aussicht von den ehemaligen Festungswerken aus, an deren Stelle ein Park geschaffen ist. Ehemals war Kamenez-PodolSkij eine der starken Festungen Polens; 1021 belagerten die Türken die Feste vergeblich, dann schlössen Türken und Polen hier miteinander Frieden, von 1671 an gehörte die Stadt den Türken, und die Polen belagerten sie mehrmals erfolglos, so unter Sobieski; seit 1735 ist der Ort im Besitze der Russen. Unter seinen Sehenswürdigkeiten— dem Schlosse, der Kathedrale und mehreren Kirchen— erinnert die aus dem XIV. Jahrhundert stammende Peter-Pauls-Kirche noch heute an die Türkenzeit. denn sie bat noch immer ein Minaret. Im Süden und Osten Podoliens trifft man die Steppe an, die sich von hier durch Bestarabien, Cherion und ein volles Dutzend weilerer Gouvernement« bis au den Ural dehnt, die endlose Steppe, auf' der man am Horizonte vergeblich nach dem Grün der Wälder späht, in der der Wanderer keine Wiesen im westeuropäischen Sinne, keine rieselnden Bäche mit grünen Wiesen an den Ufern, findet, wo der Boden weilaus den gröberen Teil des Jahres hindurch eine graue, versengte Fläche darstellt, soweit man ihm nicht korntragende Felder abgerungen hat. Der Boden dieser Steppe ist zum großen Teil die russische Schwarzerde lTschernasom); eS ist hnmushaltiger Löst; im Untergrunde findet sich meistens metertiefer reiner, gelber Lötz; stellen- weise ,st die Löstichicht austerordentlich dick; so Hot Holdefleist in Podolien mächtige senkrechle Wände von mehr als 20 Metern Höhe mit den bezeichnenden senkrechten Spaltflächen und den wunderbaren charatte- ristischen„Löstkindeln" in beträchtlicher Anzahl vorgefugden. Der Löstboden gilt als fruchtbar, ist es aber nur bedingt; der vorhandene Humus ist nämlich roher HumuS, der wenig zur Zersetzung neigt, und dies zeigt sich auch im Pflanzenbestande der Steppe, in dem die Quecke vorherrscht, die nur einen kümmerlichen Heuschnitt gibt. Nur ganz allmählich, im Laufe von Generationen, läßt sich dies Steppen- gelände in Kultur nehmen. Auch für die Viehzucht ist die Steppe wenig günstig. Wohl halten die Steppenbewohner Rinder, doch sind es nieistens die grauen Steppenrinder. die fast nur zur Arbeits- leistung dienen, während die roten Milchkühe viel seltener sind. Die Wirkung öes Papiers auf üas /luge. An der Beschaffenheit von Waren zu mäkeln, ist jetzt wenig zeitgemäß, da man sich fast mit jedem Bedarfs- und Gebrauchs- gegenständ so gut einrichten muß, wie eS eben gehen will. Von allen Rücksichten dürfen aber erst an letzter Stelle die der Gesund- heit und Gesundheitspflege schweigen. Deshalb mag es zwar als verhältnismäßig gleichgültig betrachtet werden, ob man zum Schreiben oder zum Lesen heute ein schlich- teres Papier vorfindet als in den üppigen Friedenszeiten, aber es sollte doch stets ein solches sein, das unser Auge nicht beleidigt. Durch eine Beleidigung des Auges soll hier wiederum nicht eine Verletzung des Schönheitssinnes etwa durch eine weniger ansehnliche Farbe aus- gedrückt werden, sondern eine wirkliche Schädigung unserer Augen- nerven, die namentlich bei vielem Leien leicht hervorgerufen werden kann. Dafür ist in nicht geringem Maße allerdings auch die Farbe des Papiers bedeutsam, noch mehr aber sein Glanz. Die Forde- rungen der Gesundheitspflege sind hinreichend in unser gewerbliches Getriebe eingedrungen, um nicht auch in diesem Punkt einen Fortschritt herbeigeführt zu haben. Bei der Auswahl des Papiers, insbesondere für den Druck, wird heute auf die Vermeidung stark blendender Sorten wohl Bedacht genommen. Bei den Tageszeitungen findet sich solches Papier überhaupt nicht mehr, dagegen oft noch bei Schreibpapieren, und mancher, der in dieser Hinsicht unbelehrt oder»achlässig ist, mag vielleicht sogar ein recht glänzen- des Papier höher schätzen, zumal seine Glätte beim Schreiben einen gewissen Vorzug besitzt, da sie über manche Unzulänglichkeit der Feder hinweghilft. Der Glanz de» Papiers wird durch das sogenannte Kalandern bewirkt, da« zur GlSttung unentbehrlich ist, übrigens ebenso bei Geweben vorgenommen wird. Auch die gewöhnliche Mangel oder Rolle, die zur Behandlung der nassen Wäsche früher in keiner Haushaltung fehlte, ist zu den Kalandern zu rechnen und gleichsam als Vorbild der Maschinen zu betrachten, die in mehr oder weniger großartigem Ausbau in den Papierfabriken arbeiten. Sie bewirken zunächst selbst« verständlich das Herauspressen der Flüssigkeit, dann aber auch die Glätte und den Glanz, und der Grad ihrer Wirkung kann durch die Geschwindigkeit der Walzen nach Belieben geregelt werden. Wie ein stark glänzende» Papier auf das Auge wirkt, kann immerhin auch heute noch jeder täglich erproben, und man wird stets die Er- fahrung machen, daß e« je nach Art und Stärke der Beleuchtung nicht nur das Lesen erschwert, sondern das Auge auch unmittelbar angreift. Bei Tageslicht wird man sich dann wenigstens so setzen, daß das Papier eine möglichst geringe Spiegelung hervorruft, bei künstlicher Beleuchtung, wenn es geht, die Lampe entsprechend ver> schieben. Die Talsache, daß man zu einer solchen Abhilfe oft ganz unwillkürlich und unbewußt greift, zeigt ohne weiteres an, daß ein zwingende« Bedürfnis dazu empfunden wird. In Er- kenntnis diese« Nachteils hat sich auch die Wissenschaft mit dieser Angelegenheit beschäftigt und bemüht, der Industrie ein bestimmtes Mittel an die Hand zu geben, das ein zu starkes Kalandern de-Z Papiers unter bestimmte Aufsicht zu stellen vermag. Dazu ist es zunächst nötig, ein Maßversahren für die Blendwtrkung einzelner Papiersorten zu schaffen. Diese Aufgabe ist durch gemeinsame Arbeit mehrerer Physiker gelöst worden. Die Vermutung, daß man die Glätte des Papiers als Maßstab auch für die Blendwirkung der- werten könnte, hat sich al« irrtümlich herausgestellt. Man mußte daher andere Wege einschlagen. Es zeigte sich, daß die Sache ziem- lich verwickelt war, indem das Papier drei verschiedenartige Spiegelungen zu bewirken vermag. Die Physiker unterscheiden sie als die eigentlich spiegelnde Reflexion, wie sie auch an polierten Flächen von Metgv oder Glas auftritt, dann die diffuse Reflexion. die auf matten Flächen zu beobachten ist und sich nach allen Richtungen hin verbreitet, und schließ- lich eine Bereinigung beider, die man künstlich hervor- rufen und untersuchen kann, wenn man eine Glasplatte auf eine matte Fläche legt. Die diffuse Reflextion läßt sich nicht be- seitigen und ist auch nicht weiter schädlich, während die spiegelnde für die schädliche Wirkung auf das Auge verantwortlich zu machen ist. ES sind nun feine Apparate erdacht worden, um diese Eigen- schaft de» Papiers genau zu meffen und danach zu regeln. Die Opfer öes ölihes. Ueber die Zahl der Personen, die alljährlich dem Blitz zum Opfer fallen, gibt die Statistik genaue Auskunft. So wurden im Königreich Preußen in den Jahren 1871 bis 191« insgesamt 6521 Menschen oder im Jahresdurchschnitt 148 Personen, in Frankreich während der drei Jahrzehnte 1871 bis 1900 zusammen 3782 Per- sonen oder jährlich rund 124 Personen vom Blitz erschlagen. Für die Gegenwart glaubte man bisher ziemlich allgemein eine Zunahme der Blitzgefahr feststellen zu können. Diese Ver- mutung hat sich jedoch, wie neuerdings die Untersuchungen von Prof. Hellmann und anderen Meteorologen gezeigt haben, als durch- aus unhaltbar erwiesen. Eine derartige andauernde Steigerung der Blitzgefahr ist nicht eingetreten, wohl aber weist die letztere in den einzelnen Jahren je nach der Stärke der Gewittertäligkeit beträchtliche Schwankungen auf. Die Zahl der vom Blitz' gc- töteten Personen ist in gewitterreichen Jahren doppelt, ja dreimal so groß wie in gewitterarmen Jahren. Die größten Opfer forderte der Blitz in Preußen in den Jahren 1906 und 1905 mit 256 Ibe- ziehungsweise 241 Todesfällen, während die niedrigsten Verluste in den Jahren 1904 und 1309 mit nur 82 bzw. 84 Todesfällen zu verzeichnen waren. Auf je 1 Million Einwohner entfielen im Durch- schnitt der 44 Jahre 1871 bis 1314 jährlich 4,7 Blitztötungen. Ihren Höchstbetrag erreichte diese Ziffer im Jahre 1884 mit 7,7, den niedrigsten im Jahre 1903 mit nur 2,1 Blitzivlungen auf je 1 Million Einwohner. In den beiden Jahrzehnten 1871 bis 1380 und 1301 bis 1310 war die Blitzgefährdung nahezu gleich, ein vor- übergehendes Ansteigen zeigte sie in den 188Vec und 1890er Jahren. Für die städlische Bevölkerung ist die Blitzgesahr wesentlich ge- ringer als für die Bewohner deS platten Landes. Die meisten Opfer fordert der Blitz unter den auf dem Felde arbeilenden Menschen, und zwar ist die Mehrzahl der von, Blitz getöteten Per- sonen— in Preußen 66 Proz., in Frankreich 73 Proz.— männlichen Geschlechts. Besonders verheerend wirken elektrische Entladungen, die größere Menschenansammlungen treffen. Blitzschläge in mar- schierende Truppen u. dgl. können leicht eine größere Zahl von Menschenleben vernichte». Andererseits trägt auch unrichligcs Ver- halten im Gewitter, namentlich das Aufsuchen einzeln stehender Bäume zum Schutze gegen das Unwetter, die Schuld an dem Tode manches Unvorsichtigen._ Der Kalauer. Da? achtzehnte Jahrhundert in Frankreich, das die Witze so liebte, stempelt auch den Fachausdruck Calembourg. Man hat alle möglichen Erklärungen für das Wort aufgebracht. Ein loitziger Apotheker sollte so geheißen haben. Der Ort Calembourg bei Die- denhofen, damals so geheißen, sollte schuld sein— weshalb, wußte kein Mensch. Und solcherlei an den Haaren herbeigezogener Bc- gründungen gibt es noch mehr. Aber alle diese Erklärungen haben wenig Wert. DaS Wort Calembourg hat freilich einen Ursprung, der sich aber nicht durch Vermuten aus der Luft greifen läßt. Ter Ursprung ist: ein paar Kilometer von Wien erhebt sich der Kahlen- berg, ein Stück Ausläufer der Alpen, gegen die Donau. Dort, in dem hübschen Weinort Kahlenberger Dorf, am Ufer der Donau, war um das Jahr 1340 ein wegen seiner Schnurren und Spaße be- kannter Pfarrer namens Wiegand. Auf diesen„Pfaffen vom Kahlenberge" sind, als er längst nicht mehr lebte, zu seinen eigenen Scherzen alle möglichen Anekdoten zusammengetragen worden, ähnlich, wie sie sich auch sonst gern auf bekannte Namen häufen. So erschien auch um 1400, von einem Wiener Verfasser zusammenge- stellt, eine Erzählung der Schwänke vom Pfaffen von Kahlenberg. Sie war im 14. und 15. Jahrhundert ein vielgelesenes und viel- gedrucktes Buch und kam auch nach Frankreich. Auf diese Weise ist dort Calembourg der Ausdruck für einen mehr burlesken, passen- reißerischen Witz geworden und endlich für die verbrcitetste Witzart. kür den Wortwitz. Aus dem auch bei uns in Deutschland verwen- deten Fachausdruck„Calembourg" ist dann der volkstümliche Aus- druck„Kalauer" geworden._ Notizen. — Der Nachfolger MetschnikowS. Der Verwaltung«- rat des Pasteurfchen Institutes in Paris wählte dieser Tage an Stelle des während des Krieges verstorbenen berühmten Zoologen. Bakteriologen und Anthropologen Elias Metschnikow Dr. Albert Calmette, Leiter des Pasteurfchen Jnstitüts in Lille, zum Leiter einer Abteilung in der Pariser Hauptanstalt. Albert Calmette, ein Bruder de« vor Kriegsausbruch von der Frau des ehemaligen französischen Ministers Caillaux erschossenen„Figaro"-Redakteurs, hat seit der Kriegserklärung die Stadt Lille, die sich jetzt ja in deutschen Händen befindet, nicht verlassen. — Englische Bodenkultur in der Zeit der Not Ein Bericht aus England enthält einige Mitteilungen über die Art wie die englischen Behörden die Verwertung und restlose Ausnutzung aller kultursähigen Ländereien ins Werk setzen wollen. Jede Graf- schaft wurde in Bezirke geteilt und in jedem Bezirk lvurde ein Bürger, der Grundbesitzer ist und sich der allgemeinen Achtung er- freut, mit dem Auftrage betraut, über da« brachliegende Land ge- naue Angaben z» machen. Der Staat will den Landbesitzern gegen mäßigen ZinS alle Mittel, die ihnen zur ordnungsmäßigen Bc« bauung des Landes fehlen könnten, liefern, und zwar Dungmittel, Pferde und Maschinen; er ist aber auch bereit, brachliegende Felder in Pacht zu nehmen und selbst bebauen zu lassen. Unproduktiv soll daS Land fortan unter keinen Umständen bleiben dürfen. Als bc- sonderS bemerkenswert verdient hervorgehoben zu werden, daß die Landschätzungen und die Verträge mit dem Staate innerhalb zwei Wochen erledigt sein müssen, da man angesichts der wachsenden Nöte keine Zeit zu verlieren habe. 2i]f Inders hjarmsteö. Von Jakob Knudsen. „Da hätten wir nun Schwester Cecilic versorgt," sagte Jungfer Gjatrid. „Ja— hä, hä." „Ja, Sie können sich doch darüber freuen, Pastor Steffcnsen." „Das hoffe ich auch zu können.— Aber— äh— was meinen Sie damit?" „O, denn dann sind Sie doch ohne Verantwortung."— Jungfer Gjatrid sah mit leichtem Lächeln zu ihrer Schwester hinüber,— doch die schien gar nicht darauf zu achten. Sie schaute ganz ernst, aber gleichsam geistesabwesend auf Pastor Steffensen,— bis sie sich plötzlich dabei ertappte, die Augen niederschlug und rot wurde. Jungfer Gjatrid wurde etwas unsicher,-- aber das konnte es ja unmöglich sein,— Cecilie hatte ihn nur so flüchtig erwähnt,-- es war doch des Bräuttgams Wesen, das ihr so entsetzlich zuwider war.-- Die beiden standen, als getrauten sie sich nicht, sich zu bewegen,— geschah es, weil sie sie ansah? weil sie zugegen war?— warum wandten sie sich denn nicht ab? warum gingen sie nicht?— sie weinten ja beide, ohne ein Wort zu sagen,-- aber mehr und mehr bekam es Gewalt über sie,--- dann schlang sie ihren Arm um die Schwester, und Cecilie schluchzte an ihrer Brust. „Das kann doch nichts ausmachen, es jetzt zu sagen, wo eS zu spät ist," sagte Jungfer Gjatrid.„O, mir scheint, ihr solltet sagen, wie es ist,— ich habe ja gar nicht gewußt, daß ihr euch gern hättet." „Nein, nein, nein, Ihre Schwester macht sich nichts auS mir.— Sie mißverstehen," sagte Steffensen und wich ein paar Schritte zurück. „O, Steffensen. aber das können Sie doch sehen, gerade so gut wie ich!-- Warum habt ihr« denn einander nicht gesagt?" Pastor Steffensen näherte sich plötzlich in einer Weise, die ganz außerhalb seines Wesens lag. so wie Jungfer Gjatrid es kannte,— und er sprach, als wäre sie nicht anwesend: „Ich bin zu gering für Sie, Cecilie,— es ist gut, daß wir einander nicht bekommen.— aber trotzdem sollen Sie mir sagen, ob es wahr ist, daß Sie mich geliebt haben." ..Ja.' „Daß Sie mich geliebt haben?" „Ja. Und ich tu es noch. „Aber— nicht wie früher?" „Gewiß,— denn ich Hab ja nicht gewußt, daß Sie mich lieb hätten, bis jetzt." „O. wie beseligend ist eS für mich, da» zu wissen! Wie beseligend ist es.-- Ich will an nichts anderes denken— als daran, daß es beseligend ist!" „Können Sie von dem Gedanken ablaffen, daß ich un- glücklich werde?" „Nein, � dem»verde ich wohl nie für lange entgehen. Doch soviel»vir können.— lassen Sic unS beide daran denken, daß das Glück uns nun gewiß ist,— und daS Unglück kann doch vielleicht— man»veiß ja nie.»vas die Zu- kunft bringen kann— ob es denn Glück brächte, wenn wir einander bekämen. Doch wir wissen, was wir haben.— lassen Sie unS unser Glück nicht vergeuden. Nun will ich gehen.——" „Nein, Steffensen,— Sie sollen mir sagen-- ich weiß, daß Mutter Sie gefragt hat, ob Sie mich haben wollten,— sie hat es mir erzäht,— und Sie sagten doch, daß Sie Ihre Haushälterin nicht wegschicken könnten.-- Steffensen faßte sich an den Kopf:„Nein, Sic dürfen mich nicht daran erinnern,»vie es gekommen ist, denn es ist ja wie ein Zufall— und es ist nicht zu ertragen. Ich war ja überzeugt, daß Sie sich nichts aus mir machten —— und da sagte ich so.—— Ach, lassen Sie mich jetzt gehen.-- liebe Cecilie!"— Er stand einen Augen- blick da und starrte sie an.„Ich würde mein Leben dafür geben. Deinen Mund zu küssen. Cecilie. aber ich»vill nicht das geringste von unserm Glücke hingeben!"-- Er sprach ein kaum hörbares Lebewohl und ging schnell den Gang hinab, auf den Wiesendeich zu.— Einen Augenblick hielt er inne,— dachte, daß es ja besser wäre, wenn er sich jetzt von den Leuten oben auf dem Hof verabschiedete,— aber er konnte das jetzt nicht,— er sprang über den Deich und lief mehr, als er ging, nach draußen— über die Wiesen hin, wo er in sichere Einsamkeit kam bei jeden hundert Schritt.— Der Sonnenschein streifte die Erde jetzt ganz schräg: nur>vas aufrecht stand, wurde voll beleuchtet: die»vcstliche Seite aller Grashügel der westliche Abhang eines niedrigen Heiderückens, der sich ins Wiesenland vorschob; die Wachholdersträucher und ein paar kleine Haine von Bergfichten da oben sahen aus, als wenn sie glühten. Doch große Stücke der ganz flachen Wiese lagen bereits im Schatten und begannen dämmrig auszusehen. Und dann war die Luft voll von dem Kreischen und Pfeifen der Seevögel und von der Frösche andauernden, unaufhörlichen, steigenden und fallenden Lautlvcllen. Steffensen dachte an Brorsons Gesang: Und der Himmel steht im Sang.——— Und er iv o l l t e im Himmel bleiben!— Diesem Himmel, der ihre Liebe»var und die ganze wunder- bare Schöpfung Gottes,— er»v o l l t e nicht hinabsinken und seine Seele von den Zufälligkeiten zerreißen lassen, von dem Gedanken daran,»vie eS hätte gehen können -- nein, nein, nein,— die Wirklichkeit, die war ja doch hier in diesen Wiesen, diesem Abendhimmel, dieser Sonne und in ihrer Liebe I— Und diese Wirklichkeit»vürde er nie ver- lieren, die würde immer zurückkehren-- o, Gott I— Das »var die Wirklichkeit, die nun einmal nicht verändert Ivcrdeu konnte! Diese Wiesen, dieser Himmel, diese Sonne und ihre Liebe l--„O. Gott 1" betete er.„befreie mich von mir selber, wenn ich dies Leid nennen will: daß Deine Liebe und ihre Liebe sich nie verändern können!"--- Es war für ihn. als schlvebe er auf der Grenze zwischen zivei Welten: einer unsicht- baren, einer inneren Finsternis, die in ihm aufstand und ihn verschlingen»volltc: dem Gedanken an das verscherzte Glück. den grausamen Zufall, das unerbittliche Schicksal, und dann dieser sichtbaren Welt, Gottes Welt, die ja doch die wirkliche sein mußte,»veil sie es»var,--— aber zugleich meinte er. es hinge von seinem Gebet ab,»velche dieser beiden Welten für ihn die»virklichc»Verden sollte. Und darum betete er: Dein Wille geschehe! D e i n R c i ch k o m m e! (Forts, folgt.) ncnfsches Theater. Heuto und folg. Tage S Uhr; l�ax Pallenberg in Der kleine Napoleon. Kamm erspiele Heute u. folg. Tage.?8/, Uhr: ische(Lustspielj. Volksbühne. Theater am Bülowptatz. T'nfergrundb. Schönh. Tor. Heyte u. folg-Tage T�'j'ühr: Fahrende Musikanten Musik von EobertSehumann. T essinx Theater. Heuto und folgende Tage f3/, Uhr; Die Königin der Lnft. (Gesangsposse.) Theater i. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Künstlerische Tänze. Frage an das Schicksal. Abschiedssouper. Komödienhaus S; Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7»° U.: Die tolle Komteli. Voigt-Iheater Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich große Extravorstellung. Die drei Orazicn. Vorher:(vritflatügcs Zpczialttnte» Programiit. SUnf. wuchclit. 43/,. sonnt. 4 Uhr. Arcilag, dc» 10. August: Bezikfizfür�berspiell. K.Friedau Schulzens vom Lesundbrunnen. Theater für Dienstage den 7. August. Deutsches Opernhaas 7'/, Uhr: NailOö. Friedrich-Wilhelmst. Theater t'/.uhr: Das Dreimäilerltiaus. (■ehr. Herrnfel«t-Th. Operetten-Gastspiel Die ledige Eheiraa. Kleines Theater Die Hausdame. Uhr: Komische Oper u'ä* Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus „ Die blonden Mädels i /.Lhr: vom Ljndeiltl0f, Neues Operettenhaus Schifibd, 4a. Hassent. Nd. 281 7�: Der Soldat derMarie. Metropol-Tfaeater 7)/,ljhr: 016 EMli-MStill. Hesidenz-Theater s unr: Die Verlmlile. Schiller-Theater O 7-/2 Uhr: Fra Diayolo. Sehliier Th Charl. 7-/2 Ubr: Thalia-Theater Heute geschlossen. Sonntag 3 u. 71/2 Öhr: Charleys Tante. Theater am Nollendorfplatz 7-/. Uhr.- Die GulasebkaDOöe. Theater des Westens 7»/. uhr: stolze Thea. Trianon-Thcater 0 Die sittliche Forderung. 8Dhr: Die lere. Berliner Prater-Theater. Kastamenallee 7— 9. Zum 72. Male: AHa— famos! Gr. AusftattungS-Opereltenvosse in 3 Atten mit Gesang u. Tanz. Vorher d. gr. Varieteprogramm. Ansang d'/j Uhr. Admirals-Palast. Abrakadabra gr. phantastisches Ballett auf dem Eise. Angenehm, kühl. Aufenthalt. 73l4 U. Vorzügl. Küche. Rose-Theater. 71/, Uhr: Die Stunde des Bertrauens.— Gartenbilhue: Berlin, wie es lieht und haßt. Walhalla-Theater. uhr'- Zigeuner. Gortenbubile: Borftellung. Reichshallen-Garten u. Saal Großes Bluthgen-Konzert. Tägl. 73lt Sonnt. S'h u. 73/4 R. Steidl, A. Müller-Lincke in„Oer Herr ohne Wohnung44. Neu? Die Bartußuiode. „Afra44. Perzina— Mantl. 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Sa- bcrski, Zimmerstraßc 35 s109b Näherin für Feston-Maschine, in: Hause, suchen Franken u. Ehreilstein, Lindenstraßc 69. ___ 1112b Näherinnen für Damenwäsche, auch Knaben- und Herrenhemden, suchen Leonhard Tietz A.-G., Stralauerstraßc 44/45, 2. Aufgang 2 Treppen. ______________[108b Zeitungsträgerin sofort verlangt Spedition Lichtenberg, Wartenbcrgsttaße 1. Laden.* Zeitungsausträgerin verlangt „Borwörts"-Spedltion Schöne- berg, Meiningerstraße 9.* Botenfrauen werden eingc- stellt..Vorwärts", Charlotten- bürg, Sesenheimerstr. 1 �__* Zeitungsbotiu verlangt„Vor- Wärts"-Ausgabestellc Berlin- Niederschöneweide, Brücken- straße 10 n 1, Unruh.* Zeitungsfrau verlangt„Bor- wärts"- Spedition Neukölln, Siegfricdstraßc 28/29.* Botenfrau. Tour Tegel und Neinickendorf-West. stellt ein Kienast, Borsigwalde, Rausch- straße fO,„BorwärtS"--Spedi- tion.* Zeitungsausträgerin verlangt Bernsce, Steglitz, Mommsen- str. 53. � �* Zeitungsausträgerin sofort einzustellen. Borwärtsspedition Moabit, Wilhelmshavenerstraße 48, von 11— 1% und 41-— 7 Uhr.___ �* Botenfrauen verlangt sofort Ausgabestelle Grcisenhagener- flroßeJ!2._________* Frauen zum ZcitungsauS- tragen sucht„Vorwärts"-Aus- gabestelle Alt-Boxhagen 56. Laden.____* ZertnngsaustrSgcrinne« ner- kangt Feyerstein, Bismarck- straße 82.* ZeitungSausirägerinnen wer- deli sofort eingestellt„Vor- nlärts"-Tpedition, Markus- straße 36._* Botenfrau stellt ein„Vor- wärts"-Tpcdition Tempclbof, Ueckermann, Kaiser-Wilhclm- straße 74. Ecke Werderstr. /* Zeitungsausirägerinnen kön- neu sich melden.„Vorwärts"- Ausgabestelle.Lansiyerplatz 14/15. Frau zum Zeitungsaustragcn verlangt Klein, Grünau, Frie- drichstraßc 10.* Zeitungsfrau sofort Svedi- tion Jmmanualkirchstraßc 12.* Ukusrdeiter u. trbejterilliiell werden eingestellt. Zu meiden am Eingang 1 Flugplatz Johanilisthal morgens 3 Uhr beim Polier der ll6b* Hold& Francke Aktiengesellschaft. Schlosser sofort verlangt[2972* Alex. Herman 6. m. b. H., Beplin-Tempclhof, Kaiier- Wilhelm- Straße 10—11. aurburschen Ä Wolffensteinfi Co.. I Werkzeu«rfabrik.+ Prenzlauer Str. 14/15. Im iür Eharloltenbulg und Vororte stuhl Nnchtwnch Gesollschast Chartottcubg., Mommsenst.15. Kutscher ällcrc. gute Pserdepslegcr. sür Straßenkehrichtobsuhru. anderes Fuhrwerk stellt sofort ein Carl Nauck, Fuhrwesen, 10731* Mullerstraße 128. Werkzeug- dreher verlangt R, Frister A.-G., Berlin-Oberschöneweiile. 52551-* Fahrpersonal, Flaschenspüler. Sirästige, des Fahrens kundige Leute sowie Flaschenspüler wer- den eingestellt. Meldungen im Kontor der Schultheis?' Branerei A.-G.. Lichter- selber Slratze 11— 17. 70/18 Metalldreher Arbeiterinnen , verlangt.Munitionsfabrik 170L* F. Gaebert, Berlin C 54, Sophienftr. 22/22a. «s Gelerntes und ungelerntes weibliches Personal für dauernde Arbeit sucht in allen Abteilunge.n ZiZsrettenfAbrik(iarbäty, BerHn=Pankow. Meldungen im Vetriebs-Bureau, Eingang Hadlichstraße, wochentags' von 8— 5 Uhr, Sonntags von 10—12 Uhr. � 1292* Heizer für stehenden Flammrohrkessel verlangt 248/12 Handeisgcseiischakt Deutscher Apotheker, Dortmunder Str. 12. Ammerleute, Erdarbeiter für sofortige Ausreise sucht Bauunterehmung Leonh Moll, Kanzlei Bernburger Str. 32, v. I (Anhalter Bahnhos). 204/8 Dngelernte Arbeiterinoeo sucht sosort 71/1 Karton Fabrik Beck. Wassertorstraße 46/47. Wlige. M. SWsskl M SM sofort verlangt SChlllZ& HoldSflGlSS, Scnnftraste�S. w Helfer-WU für Hciznngsmontagen für sotort gesucht. Gebr. Körting Akt.-Ges., XW TO. Alt-Moabit 3. Facharbeiter Schlosser Monteure, welche nachweislich bereits im Flugzeugbau gearbeitet haben. zu sofortigem Eintritt verlangt. 234/11 Hanseatische Flugzeugwerke Karl Caspar Akt.-Ges., Bureau: Berlin, Potsdamer Str. 4. Meldungen von 9—5. Bauarbeiter u. Arbeiterinnen werden eingestellt. Zu melden am Ciugaug SD Flugplatz Adlershos morgens 8 Ubr beim Polier der 115b* Bold<£ Francke Aktiengesellschaft. Jugendliche Arbeiterinnen unter 16 Jahren, für leichte Arbeit, verlangt 71/1 . I-oewentlial, Cöpemcker Str. 74. werden sofort eingestellt. 5180L* Loeb& Co. G. m. b. H., Berlin-Cbarlottenburg, Friischestraße 27/28. Tüclitige Automobil- Motoren- Schlosser osort gesucht. 1 52452* Loeb& Co. G m. b. H. Berlin-Tharlottenburg, Fritschestraste 27 88. IV ir suchen für dauernde Beschäftigung f. unseren Betrieb ungelernte trhelter u plstisrdeilek'-o�Fl'auell la größerer Zahl; ferner Heizer, Sehiosser, Dreher, Masehinen- arbeiter, Maurer, Zimmerer, Böttcher und Elektromonteure. Arbeitsuchende wollen sich schriftl, od. mündl. wenden an Arbeiter-Annahmestelle Pulverfabrik Premnitz, Rathenow, Bahnhofstraße ÄÄ. nmt Cflfletiftinnen sofort gesucht. Meldungen 1— 2 Uhr mittags oder-6bis 7 Uhr abends. 298L* II. MOlU Gß Belle-Alliance-Str. 1/2. •» Mehrere kräftige Frauen zum Aus- und Abladen von Kohlen und sür andere schwere Transport- und Erdarbeiten verlangt. Meldungen von 8 bis 9 Uhr vormittags. 297L* Mi, Herman 6. m. b. H., Berlin N. 20, Pankstr. 29 und Berlin-Tempelhof, Kalser-Wilhelm-Straße 10,11. Mehrere jüngere Arbeiterinnen snicht unter 16 Jahren) für Bohr- und Schleisarbeiten ver> langt. Meldungen von 8 bis 9 Uhr vormittags. 2972* Alex. Herman 6. m. b. H., Berlin N. 20, Pankstr. 29 und Berlin- Tempethof, Kaiser-Wilnelm-Straße 10/11. kräftige, auch Arbeiter oder Kriegsbeschädigte, auch einige Vorarbeiter werden sos. eingestellt. Maschinenfabrik DbcrschöncweidoA.G. Wllhclminenhosstr.83