Ar. SIS. St. A-Hrz. ilvonnementz-keckingunze«: AdonnemeMS- Viel? vränumerando kieileliahrl. S 9v Ml. monatl. UZ0 Ml. wöchentticd S0«ig. irei mS Haui. Einzelne Nummei ö«ig konnlagg. nunimer mit illulmerlei KoniungZ, veüage.Die Neue Well' 10«ig«oil- tlbonnement: 1,30 Marl vro Monat, Emgeiragen in die«oil- Zeitung»- «msime, llnlel Kreuzband iüt Deutiiiiland und O eilerreich. Ungarn 2�0 Marl, üit da» übrige Kurland t Marl vro Monat«oitabonnement» nehmen an Belgien, Dänemark Holland, Italien. Luxemburg,«onugal, Nutnünien. Schweden und die Schweis tilcheliil lllgllch. Verlinev Volllsblcrkk. s 5 pksnnig) ver Nnzelgenpieiz EelrKg! i, die siebengeivaltene Kolonel- »eile SO«ig,„Kleine Znoeizen", da» fettgedruckte Wort 20«fg.(zu- läfflg 2 fettgcbruckie Worte), jede» weitere Wort 10«fg. Etellengejuche und Schlaistellenanzeigen da» erste Wort 10«fg., jedes weitere WortSPfg, Worte über IS Buchstaben zählen siir zwei Worte, Teuerungszuschlag 20«/» Politische u, gewerlschastliche Bcrcin»- anzeigen die siebengespaltcneKolonel- zeile tO Pfg. Famiuenanzeigen SO«f, Knzeigen für die nächsle Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Hauvt-Expedllion abgegeben werden. »efiffnet V.SUhr früh bis 7 Uhr abend». Telegramm- Adreffe: Kell!»". Zcntralorgan äer roztaldemokratirchen Partei Dcutfchlands. Reöaktion: EW. 6$, Linüenftraße 3. Fernsprecher: Amt Morivplav- Str. ISl S0— 1S1 S7. Mittwoch, den 8. August 1917. Expedition: EW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz- Sir. ISl 90-151 97. Die neue ruffifche Regierung. Vereinzelte Kämpfe im Westen— Vorwärts im Sereth- und Suczawatal— Wiederum rumänische Angriffe am Cafinn- lui undamPutnatal— Russische Stellungen nördlich Focsani erstürmt« Amtlich. Großes Hauptquartier, den 7. August 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern war die Kampftäligkeit der Artillerien nur vor- übergehend in einigen Abschnitten lebhaft, im Trichterfeld kam eS mehrfach zu Zusammenstößen von Erkundungsabteilnngen, Im Artois lag starkes Feuer auf den Stellungen zwischen Hulluch und der Scarpe. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Borstöße oldcnburgischcr und württembergischcr Sturmtrupps in die Schlucht von Beflq snördlich der Straße Laon— Soissons) und bei Brrry-au-Bac an der Aisne brachten uns Gewinn an Gefangenen und Beute. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e l d m a r f ch a l l I Prinz Leopold von Bayern. Die Lage ist unverändert. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph Im Sereth- und Suczawatal wurde kämpfend Boden gc- Wonnen; auch im Gebirge ging es trotz zähen feindlichen Wider- standes vorwärts. Erneute rumänische Angriffe am Mgr, Casinului und bei Kloster Lcgsa iom Putnatal) brachen verlustreich zusammen. Heeresgruppe de? GeneralfeldmarfchallS von Mackensen. In örtlichem Angriff stürmten preußische und bayerische Re- gimenter die russischen Stellungen nördlich von Focsani. 1300 Gefangene, 13 Geschütze und zahlreiche Grabenwaffen wurden eingebracht. Mazedonische s?ront. Keine größeren Kampfhandlungen. Der Erste Geueralquartiermeistrr. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin, 7. August 1917, abends. Im Westen und Osten bisher nichts von Bedeutung. Der österreichische Bericht. Wien, 7. August 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Lei der Heeresgruppe des G e n er a l f e ld m ar f cha ll» von Mackensen erstürmten deutsche Truppen nördlich von F o e s a» i starke russische Verteidigungsanlagen; es wurden 1300 Gefangene und 13 Geschütze eingebracht. An der»bereu Putua scheiterten schwächere gegnerische Borstöße. Auf dem Casluului- Berg erschöpfte sich der Feind aber- «als in heftigen opferreichen Angriffen. Unsere tapferen Ber- teidiger warfen ihn durch Gegenstoß und in erbittertem Hand- gemenge immer wieder zurück. Nördlich vonGyergyo-TölgyeS bemächtigten wir nnS mehrerer russischer Berschanzungen jenseits der Grenze. Unser Vordringen bei Gurahumora gewann bei Nebcr- Windung zähen feindlichen Widerstandes weitere» Raum. Sonst nichts von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf dem Fassaner Kamm südöstlich vou Cavalese brach ei» italienischer Borfioß in unserem Feuer zusammen; das feind- liche Bataillon flüchtete in voller Auflösung. Am I s o n z o ließ gestern der Gcschützkampf wieder nach. Balkan-Kriegsschanplatz. Unverändert. Der Chef deS Generalstabe». kerenskis Regierung. Petersburg,?. August.(Petersburger Tel.-Agentur.) Das Ministmum setzt sich solgcndcrmastcn zusammen: Mir- nistcrpräsident, Äricgs- und Marinicminister: K e r e n s k i; Geschäftsführer im Kricgsministcrium; Sawinkow, Gr- schäftssührer im Marincministcrium: L c b c d c w; Finanzen: N e k r a s o w, der beauftragt ist, den Ministerpräsidenten im Falle der Abwesenheit zu vertreten; Geschäftsführer im Fi- nanzministerium: Professor Bcrnatzki; Inneres: Äwk- se n tie w; Außeres: T c r c st s ch e n k o; Handel und In- dustrie: Prokopowitsch; Ackerbau: T s ch e r n o w; Är- beitsministerium Tkobelcw; Ernährung: Pesch echo- » o w; Post und Telegraph: N iki t in; Ocffentlicher Unter- richt: der Akademiker Oldenburg; Justiz: Zarondnh; Ocfscntliche Hilfeleistung: E f r c m o w; Staatskontrolleur: Ä o k o s ch i n; Ocffcntlichc Arbeiten: J u r e n e w; Prokura- tor des Heiligen Synod: Äartaschew. Stockholm, 7. August.(Eig. Trahtber. d.„Volluärts".) Tic neue russische Regierung dürfte, wie man hier annimmt, die ,5triegSpoIitik der letzten Zeit weiterführen und auch die Maßnahmen gegen die Bolschewih fortsetzen. Der Gehilfe des Kriegsministers Sawinkow ist ein berühmter politischer Romanschriftsteller, der unter dem Namen Ropschin schreibt. Er ist ein alter Sozial- revolutionär und gehörte zur Zeit des Zarismus zu den Terra- risten. Zuletzt war er Armeekommissar und ließ gegen die Aus- reitzer die Kanonen richten. Der Innenminister Awksentiew ist Mitglied der Exekutive der Bauernräte. Das Ausscheiden Tseretellis gilt-hier als ein hervorragendes Kennzeichen des Regierungswechsels, zugleich als Symptom dafür, daß e» sich nur um ein Uebergangsministerium handelt. * .Times" wird aus Petersburg vom 5. August berilbtet, daß Kerenski befohlen hat, T r o tz k i und LunalscharSki wegen Mitilbuld an den letzten Unruhen zu verhaften. Admiral Werderewski, der vor einiger Zeit verhastet wurde, wird wegen Veröffentlichung militärischer Geheimnis! e verfolgt werden. General G u r k o steht unter der Anklage, mit dem ehemaligen Zaren eiatu Briefwechsel unterhalten zu haben......... Explosivmaterial in Englanü. Ein nnterdrückter Satz aus Lloyd Georges Rede. Aus Bern meldet Wolffs Bureau: Die hier eingetroffenen eng- tischen Blätter lassen erkennen, daß die im Ausland verbreiteten Berichte über die Rede Lloyd Georges im Unterhause vom 1. August folgenden bedeutsamen Satz unterdrückt haben: „Lassen Sie mich zum Schlüsse sagen: Ich möchte wohl wissen, ob jedes Mitglied dieses Hauses das E x p l o s i v m a t e r i a l gc- wahrt, das um uns her ist." Dieser mit Hört! hört I• aufgenommene Satz leitet den letzten Teil der Rede ein, in der Lloyd George das Haus förmlich be- schwört, nicht den Rücktritt HendersonS zu verlangen, und be- zeichnend ausruft„wenn wir anfangen uns aufzulösen, einen wert- vollen Kollegen nach dem andern in die Arme derer werfen, die für pazifistische Ziele kämpfen, dann verzweifle ich wirklich an unserem Siege." Um zu deuten, welche? Explosivmaterial Lloyd George gemeint habe, weist das Berner Telegramm darauf hin, in dem kürzlich ver- öffentlichten Bericht der acht Ausschüsse zur Feststellung der Gründe der Unzufriedenheit der Arbeiter- s ch a f t heiße eS: „Die Regierung muß sofort nachdrücklich heilende Maßnahmen ergreifen, wenn die wachsenden Gefahren, welche die für eine sieg- reiche Beendigung des Krieges arbeitenden Industrien jetzt bedrohen, abgewendet werden sollen." Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Bern gemeldet: Eine Konferenz deS Bergarbeiter-BundeS von Südwales lehnte es ab. die Dienste der Organisation für die Auslese von 4573 Relrulen zur Verfügung zu stellen, da es nicht Sache der Ge- werkschaften sei, mit den Militärbehörden zusammenzuarbeiten. Die Ablehnung erfolgte mit 336 gegen 25 Stimmen. Die Konferenz erklärte u. a. in einer Entschließung folgendes: Der Bund der Bergarbeiter von Südwales ergreift Maß- nahmen, um die Ansichten der organisierten Arbeiterschaft unseres Landes in der FricdenSsrage festzustellen, mit dem Zwecke, den organisierten Arbeitern der kriegführenden Länder Gelegenheit zu gebe», um die Ansichten der britischen Arbeiterklasse über die Friedens- regclung kenuen zu leeueu und anzufrageu, ob sie bereit fiad, die Politik der britischen Arbeiterklasse anzunehmen und Schritte zu tun, um ihre Regierungen zur Annahme zu zwingen. Die Erörterungen sind jedoch noch nicht obgeschlosien und die Konferenz vertagte sich auf den folgenden Tag. Für Reform der Arbeiter- Versicherung. Wenn von zukünftigen Reformen die Rede ist, richten sich unwillkürlich die Blicke der Arbeiter auf die Arbeiterversiche- rung. Es ist zwar erst vor einigen Jahren das„graste Reformwerk", die Reichsversicherungsordnung, unter Dach und Fach gebracht worden, aber wer sich erinnert, wie dieses Gesetz zustande gekommen ist, der wird ohne iveiteres verstehen, dast die Arbeiter noch immer an der ablehnenden Haltung, die sie dagegen eingenommen haben, festhalten und wirkliche Reformen auch auf diesem Gebiete fordern. Da- mals war es der Regierung und der Reichstagsmehrheit um eine zugkräftige Wahlparole zu tun. Eine solche glaubte sie in der Reichsversicherungsordnung gefunden zu haben, zumal alles darauf angelegt war, dast die Sozialdemokratie gegen die Reichsversicherungsordnung stimmen mustte und somit den Urteilslosen gegenüber wieder ein Beweis dafür beigebracht war, dast sich die Sozialdemokraten gegen alles sträuben, was die Lage der Arbeiter verbessert. Wie sehr sich die Regierung und die Macher der Reichs- Versicherungsordnung verrechneten, haben die Wahlen vom Jahre 1912 gezeigt. Hatte die Reichsversichcrungsordnung doch im Grunde nichts von dem gebracht, was die Arbeiter erwarteten. Sie hatte nicht einmal das Versprechen erfüllt, das seinerzeit im Zollgesetz im Jahre 19l)2 gegeben war. Ein Teil der Erträge dieses Gesetzes sollte aufgespeichert werden, um den Grundstock für eine Witwen- und Waisen- Versicherung zu schaffen. Die Reichsversichcrungsordnung hat eine allgemeine Witwenversicherung nicht gebracht. Dadurch, dast sie die Bezugsberechtigung auf invalide Witwen beschränkte, hat sie weit hinter sich ge- lasten, was die Arbeiter zu verlangen berechtigt waren. Daneben hat sich noch so manch' andere Hoffnung der Arbeiter nicht erfüllt. An die Stelle eines einheitlichen Versicherungs- gesetzes trat ein fast mechanisches Aneinanderreihen der früheren Gesetze. Aus geschichtlichen Gründen sollten die alten Versicherungsträger erhalten bleiben. Den Arbeitern ist jedoch nicht mit geschichtlichen Gründen, sondern nur mit einer wirklichen Reform gedient, und zu einer solchen gehört unausbleiblich auch die Vereinheitlichung der VersichernngS- 'gesetzgebung, die früher die Regierung auch durch den Grafen Posadowsky ankündigen liest. Nicht einmal die Zersplitterung auf dem Gebiete der Krankenversicherung wurde'beseitigt. Es blieb fast alles beim alten. An die Stelle der Gemeindekranken- kasscn traten gewissermasten die Landkrankenkassen, mit all ihren die Versicherten entmündigenden Vorschriften. Wie unglücklich sind auch die Bestimmungen über die Versicherung der unständigen Arbeiter und der Hausgewerbetreibenden! Gewist, es sind damals auf dem Gebiete der K rankenversichcrung auch einige Verbesserungen eingeführt worden, die aber mehr als weit gemacht wurden durch die gleichzeitige Einschränkung der Selbstverwaltung, die allein schon Grund genug war, die ganze Reichsversichcrungsordnung in Bausch und Bogen abzulehnen. Auf deni Gebiete der Unfallversicherung sind damals einige Fortschritte erzielt worden. Der Kreis der Versicherten wurde— allerdings wieder anders als bei der Krankenversicherung— etwas erweitert, der anrechnungsfähige Jahresarbeitsvcrdienst wurde höher usw. Dagegen blieb der Gesetzgeber auf halbem Wege stehen bei den Ge- werbekrankheiten. Der Bundesrat hat bis heute, obgleich gerade die jetzigen Verhältnisse ihn dazu nötigen müstten, noch keine Zeit gefunden, sie den Unfällen gleichzustellen. Viel- entschiedener machte aber die Lkriegsversicherungsordnung rückschrittliche Bewegungen. Als solche haben die Arbeiter insbesondere die Verschlechterung des Rechtsweges angesehen. Der Rekurs blieb nur noch in bestimmten Fällen zulässig, und die Oberversicherungsämter, deren un- zulängliche Arbeit hinreichend bekannt ist, sind zur letzten In- stanz in den allermeisten Streitfällen gemacht worden. Zu dieser Verschlechterung des Rechtsweges gesellte sich die un- glückselige Formulierung der in Betracht kommenden Para- graphen, wie auch überhaupt die ganze Reichsversichcrungs- ordnung unter der Galopparbeit leidet, durch die sie her- gestellt wurde. Wie unsicher die Rechtslage auf dem Gebiete des Rekurses heute ist, wurde kürzlich von einem der ständigen Beisitzer des Reichsvcrsicherungsamts in einem Artikel da- durch charakterisiert, dast er sagte, die Frage, wann der Rekurs zulässig sei, sei geradezu zu einer Wissenschaft, und zwar zu einer Geheimwissenschaft, geworden. Ein Ge- setz, das sich lediglich mit Arbeiterfragen beschäftigt, soll aber in jedem Punkte so klar und so durchsichtig sein, dast sich auch der einfachste Arbeiter hindurch finden kann. AeHnlich wie Lei der Unfallversicherung ist es auch bei der Invalidenversicherung gewesein Auch hier wurde der Rechtsweg verschlechtert während andererseits die Hoff- nungen der Arbeiter unerfüllt geblieben sind. Es wurde zwar der Kreis der Versicherten ctlvas ausgedehnt. Es kam auch das, was sich Witwen- und Waisenversicherung nennt, hinzu. In besonderen Fällen, nämlich wenn Kinder unter 15 Jahren vorhanden sind, ist auch die Rente ctlvas erhöht worden. Aber im übrigen hat die Reichs- Versicherungsordnung so gut wie alles beim alten gelassen. Die Renten sind im allgemeinen so niedrig geblieben, wie sie früher waren, und die Gewährung des Heilverfahrens blieb nach wie vor ins Belieben der Versicherungsträger gestellt. Von der so unglücklichen Zusatzvcrsicherung wird so gut wie gar kein Gebrauch gemacht und es kann auch den Arbeitern gar nicht einmal geraten werden, sie zu benützen. Und wie leicht wäre es gewesen, hier den Arbeitern entgegenzu- koinnien. Aber da stand der Wunsch im Wege, für die An- gestellten etwas Besonderes zu schaffen, die man loslösen wollte von der großen Masse der„gewöhnlichen Arbeiter". Ein Verlangen, das törichterweise von gewissen Angestellten- kreisen oamals sogar gestellt worden ist. Die Folge war, daß an die Stelle der Vereinheitlichung sogar noch eine weitere Zersplitterung der Versicherung trat, indem ein neues Versichcrungsgesetz, das für die Angestellten, hinzu- gekommen ist. Gerade über die UnHaltbarkeit dieses Zustandcs ist in der letzten Zeit sehr viel geschrieben worden. Eine ganze Reihe namhafter Fachleute auf dein Gebiete des Versicherungs- Wesens hat sich gegen die Aufrechterhaltung der Angestelltenversicherung und für deren An- gliederung an die Invalidenversicherung in der Reichs- vcrsicherungsorduung ausgesprochen. In der Tat haben die Erfahrungen der Kriegszeit auch gezeigt, lvie verfehlt damals dieses Vorgehen gelvescn ist. Wären die Angestellten der Reichsversicherungsordnung angegliedert worden, dann würden die im Kriege verwundeten Angestellten nicht ohne Rente sein und ihre Hinterbliebenen würden ebenfalls An- spräche auf Rente haben. Derartige Erwägungen sind nun allerdings damals, als das Angestelltenversicherungsgesetz gc- schaffe» worden ist, von niemand in Betracht gezogen worden. Aber es gibt auch sonst der Gründe noch ganz außerordentlich viele, die für die Beseitigung dieses besonderen Versicherungs- zweiges sprechen. Schon aus Gründen der Sparsamkeit empfiehlt sich die Anglicderung. Ebenso aus Gründen der Vereinfachung der Versicherung überhaupt. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß es Invaliden der verschiedensten Art auf Grund derVer- sicherungsgesetzgebung heute gibt. Die eine Kategorie ist bezugsberechtigt, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit um 50 Proz. verloren hat. die andere erst, wenn sie um 06�/z Proz. er- wcrbsbcschrünkt geworden ist. Die Zweiteilung besteht weiter bei der Witwenrente und Waisenrente und bei der Heil- hchandlung, so daß tatsächlich die Versicherten heute in eine I. und II. Klasse eingeteilt worden sind. Auch die Instanzen bei der Angestelltenversicherung sind ganz andere, als die in der Reichsversicherungsordnung, wofür ein Grund sich beim besten Willen nicht entdecken läßt. DaS au sich berechtigte Bestreben, den Kreis der Versicherten auf Grund des Angcslclltenversichcrungsgesetzcs soweit iv i c möglich auszudehnen, hat gleichfalls Zustände ge- schaffen, die als unhaltbar bezeichnet werden müssen. In außer- ordentlich vielen Fällen wird von Arbeitern in besseren Stellungen gefordert, daß sie Beiträge für die Angestellten- Versicherung leisten sollen. Sie können sich dem nicht ent- ziehen, obgleich es sich sehr häufig nur um vorübergehende Bcrsjchcrungspflicht handeln kann. Wenn den betreffenden Arbeitern auch die Möglichkeit offen steht, später bei einem Wechsel des Arbeitsverhältnisses, in dem sie nicht als An- gestellte angesehen werden können, die Versicherung fortzu- setzen, so stehen dem doch die hohen Beiträge im Wege, und so° läuft im Grunde dann die Sache, wenn auch unbeabsichtigt, auf Bcutelschnciderei hinaus. Die betreffenden Arbeiter sind die Beiträge losgeworden, ohne daß sie jemals in Gestalt einer Rente eine Gegenleistung dafür erhalten. Haben sie dann während dieser Zeit ihre Invalidenversicherung auf Grund der Reichsoersicherungsordnuug nicht freiwillig fort- gesetzt, dann sind sie unter Umständen sogar die Anwartschaft, die sie früher dort erworben hatten, losgeworden, sodaß der Schaden ein doppelter ist. So darf eS nicht bleiben. Die Angestellten- Versicherung ni u tz verschwinden, sie muß der soningen Arbeiterversicherung angegliedert werden. Damit geht dann auch ganz von selbst der Wunsch der Arbeiter in Erfüllung, daß höhere Versicherungsklassen geschaffen und da- durch die Renten erhöht werden. Neben diesen Reformen, die in der Vereinheitlichung der Versicherung und des von ihr erfaßten Personenkreises und paritätischer Selbstverwaltung gipfeln, ist natürlich auf Ver- wirkkichung vieler Sonderwünsche zu dringen, von denen einige, z. B. die Einführung einer wirklichen Witwenversiche- rung. die Einbeziehung der Gcwerbekrankheitcn in den Be» reich der Unfälle, schon genannt wurden. Andere nicht weniger wichtige gesellen sich hinzu: Die Herabsetzung der Altersgrenze auf 60 Jahre, die Dreiteilung der Beiträge auf Reich. Unternehmer und Versichertc und andere, deren An- sührung zu weit führen würde. Zu dem Ausbau würde auch gehören, daß verschiedene der Errungenschaften der Kriegszeit in die Friedenszeit hin- über gerettet würden. Hier haben wir die Wöchnerinnen- u nterstützung und die Arbeitsloscnunter- st ü tz u n g im Auge. Die Wöchnerinnenunterstützung liegt so sehr aus dem Gebiete der Krankenversicherung, daß es ganz selbstverständlich ist, daß sie bei einer Vereinheitlichung der Arbeitcrvcrsicherung eingegliedert wird. Anders dürfte es bei der Arbeitslosenversicherung liegen. Diese wird sich, da sie aus ganz anderen Voraussetzungen be- ruht, mit den jetzigen Versicherungszweigen nicht verbinden lassen. Sie beruht auf einer besonderen Organisation, zumal die Geiverkschaften als Organe dieses Versicherungsztvciges herangezogen iverdcn müssen. Die Zrieöensresolution in Englanö. Späte Skrupel. Auch in England wird empfunden, daß die mächtig an- schwellende Friedensbewegung nicht bagatellisiert und erst recht nicht mehr mit den Schlagworten der Gasse überschrien werden kann. Leider fornit sich das Urteil des Ausländers über England und englische Volksströmungen fast nur nach den großen konservativen Zeitungen wie„Times"„Daily Mail".„Daily Telegraph",„Morning Post", die jenseits des Kanals eine ähnliche Stellung in der Bildung der öffentlichen Meinung einnehmen, wie hier„Berliner Tageblatt".„Vor- wärts".„Frankfurter'' und„Kölnische Zeitung". Aber diese Organe des englischen Chauvinismus reprä- sentieren nicht das politische England und hatten durch drei Wahlperioden die Minderheit zu vertreten, während Gedankengänge und Argumente der Mehrheit dem nicht besonders interessierten Leser verborgen blieben oder entstellt überliefert wurden, da eben die li beralen Zeitungen in einem gewissen Sinn unter Ausschluß der ausländischen Oeffentlich- keit erscheinen. Unter sotanen Uniständen darf ein Zitat aus dem„Man- chester Guardian" einiges Interesse finden: Der Kanzler ist jetzt in der Lage, vor die deutsche Oeffent- lichkeit zu treten und sie von seiner Sache vollkommen zu über- zeugen. Ueber seine Anklagen, die sich auf Spionage über die geheimen Sitzungen der französischen Kammer gründen, werden sich dieFranzoien ohne Zweifel selbst auseinanderzusetzen haben. Was uns betrifft, so wurde der Neichstagsbeschlutz hier so behandelt, daß alle Vorteile, die uns aus ihm erwuchsen, ver- nichtet und siedafnr in dieHände derDeutschen ge- spielt wurden. Die deutsche Regierung, von dem Adsall Oesterreichs und von schwerem Zwiespalt im eigenen Volle be- droht, war genöUgl, den RcichStagsbeschluß anzunehmen, der Annexionen verpönte und einen Verständigungsfrieden verlangte. Der Ministerpräsident sLloyd George) sah über den Reichstag trotz seiner Wünsche, das dcniokralische Element zu stärlen, hinweg, nannte die Erklärung des Reichskanzlers eine Schande und zeigie, daß er nichts dazu zu sagen halle. Das Ergebnis ist nicht allein. daß Dr. Michaelis alle Deutschen um� die Regierung scharen kann. sondern daß, was noch schlimmer ist, Oesterreich an Deutschland gekettet wird. Graf Czernin hac eine Erklärung mit fast denselben Ausdrücken wie Dr. Michaelis abgegeben und im be- sonderen den Ton darauf gelegt, daß für Zwecke der Verteidigung die Einheit der Mittelmächte vollkommen und ihr Entschluß un- beugsam sei. Das bedeutet, daß die Möglichkeit jetzt gesperrt ist, Oesterreich aus dem Spiel zu ziehen, was offenbar die diploma- tische Methode des Krieges gewesen wäre, den Krieg mit einem entscheidenden Siege zu beenden. Die Hoffnungen des„Manchester Guardian" auf einen Abfall Oestcrrcich-Ungarns haben nur Kuriositätswert. Was er aber über die Behandlung der Fricdensresolution durch die Entente und über die Aufdeckung der französischen Raub- Pläne sagt, bestätigt die Worte Moutcts: Wir haben eine Schlacht verloren! Moutct und„Manchester Guardian" würden der Wahrheit noch näher kommen, wenn sie sagten: Wir haben mehr als eine Schlacht verloren! An anderer Stelle berichtete der Londoner Parlaments- korrespondent des„Manchester Guardian": „Es ist sehr interessant und bezeichnend, daß überzeugte Freunde des Krieges und des Kriegskabinetts ihr Bedauern aus- drückten, daß die Minderheit zugunsten des Antrages von Ramsay Mncdonald und Trevelyan, welcher den ReichstagSbeschluß über die Friedensbedingungen billigle, so gering gewesen ist. Man sagt, der Antrag hätte niemals zur Abstimmung kommen sollen. Die Kleinheit der Minderheit gäbe ein ganz falsches Bild von dem Gefühl des Hauies. Mit anderen Worten: die Freunde der Regierung, zum min- besten die liberalen Freunde der Regierung, bedauern, daß der Eindruck entstanden ist, das Unterhaus habe bloß den Reichstagsbeschluß niedergestimmt." Die tintcrhausmitglicder sind wirklich schlecht beraten gewesen, als sie der Meinung der sonderbaren Brüder Hugo Haase und Lord Northcliffe folgten und die Friedensrcsotution des Reichstags mit einer überheblichen Geste abtaten. Ein Wort zu Michaelis' Enthüllungen. Ter„Avanti" an die Regierungen der Entente. Wie aus einem Leitartikel des„Avanti" vom b. August hervor- gebt, wurde die Enthüllung des Reichskanzlers Michaelis über den Geheimvertrag Poincares mit dem Zaren, der Frankreich Gebiets- ansprüche aus das linke Rheinufer zusicherte, von der Zensur in den Entcnteländern unterdrückt. Ter„Avanti" schreibt, er wolle nicht im Hinblick auf das sogenannte Völkerrecht über den franzö- fischen Vertrag diskutieren, kraft dessen deutsche Volksstämme, deren deutsche Abstammung niemand bezweifeln kann, vom Mutterlande losgerissen werden sollten, um gegen ihren Willen einen so- genannten Pufferstaat zu bilden, und schließt wörtlich: „Wir müssen feststellen, daß die Regierungen der Entente nicht nur in schriftlichen Verträgen, sondern auch in mündliche» Kundgebungen über die Kriegsziele der deutschen Re- gierung glänzendeBc weise lieferten, umdem deutschen Volk zu zeigen, daß es für nichts anderes als die nationale Verteidigung kämpft." Ribot in Lonüon. London, 7. August.(Reutermeldung.) Ribot ist in London an- gekommen. Er hat mit den Mitgliedern deS Kriegs kabinetls verhandelt und wird heute der Konferenz der Alliierten beiwohnen. » „Journal du Peuple" wendet sich sehr scharf gegen Ribot, der weder Talkrast noch Entschlußfähigkeit besitzt und die Sozialisten verraten habe, und fordert von Thomas, der be- dauerlicherweise Minister bleibe, die Pässe für Stockholm, eine neue Mililärpolitik, eine neue diplomaiische Politik und völlige Preß- 'reiheit. Wenn Thomas in 1t Tagen diese Forderungen nicht durchgesetzt habe, so werde die völlige Trennung der Sozialisten von der Regierung erfolgen. Es gebe heute zu schwere Veraniwortlichkeiten, die geradezu an Verrat grenzen. In seinem Blatt richtet Clemenceau sehr scharfe Angriffe gegen Poincare und das Ministerium Ribot. Clemenceau stellt fest, daß das Ministerium Ribot eigentlich be- reits gestürzt sei und sich nur durch eine künstliche Auslegung des Abstimmungsergebnisses aufrecht erhalle. Clemenceau fordert Poincarö aus, Frankreich ein konstitutionelles Ministerium zu geben, es sei geradezu ein Verbrechen gegen den Staat, während der Par- lamentsferien eine latenie Ministerkrise bestehen zu lassen. Der Nationalitätenkongreß in Kiew. Der Kiewer Korrespondent des Lausanner Ukrainischen Bureaus telegraphiert: In einigen Tagen wird in Kiew der erste Nationali- tätenkongreß Rußlands eröffnet, und zwar ist es die Zentralrada, welche diesen Kongreß in der ukrainischen Hauptstadt oiganisiert. An der Konferenz werden mehr als 20 Nationalitäten teilnehmen: Finnen, Esthen, Letten, Litauer, Weißrussen, Georgier. Juden, Tataren, Armenier, Kalmücken, Baschliren, Sorten, Türken und mehrere andere kaukasische Bergvölker. Jede Nationalität hat das Recht, ungeachtet ihrer Bevölkerungszahl und politischen Bedeutung, sich durch zehn Delegierte auf der Konferenz vertreten zu lassen. Die Hauptsragen, die zur Sprache kommen werden, sind: 1. Die Organisation des zukünftigen russischen Föderativstaates. 2. Die Grenzen jeder autonomen Einheit und die Rechte der nationalen Minderheiten. Ueber die separatistische Bewegung in der ukrainischen Armee telegraphiert der Stockholmer Korre- spondcnt des Ukrainischen Bureaus: Die separatistische Bewegung in den ukrainischen Regimentern hält an. Die russische Presse, die soeben in Schweden eintrifft, berichtet eine große Menge Einzel- heften über diese Bewegung, die sich nicht auf die Ukraine allein beschränkt, sondern sich über das nioÄowitische Rußland, über Finn- land, ja selbst über Sibirien ausdehnt. Deßarabien fordert Autonomie. „Petit Parisien" meldet aus Petersburg: Angesichts der be- vorstehenden Konferenz zwischen der Vorläufigen Regierung und ukrainischen Abgeordneten hat das Komitee Bessarabiens die Vorläufige Regierung davon benachrichtigt, daß Bcssarabien sich der Einverleibung in die Ukraine widersetze und die Autonomie verlange. In einer Militärkonfcrenz in Kiew unier Vorsitz KerenSkiS wurde u. a. beschlossen, daß die Truppen sich töten lasten, nicht aber zurückgehen dürfen. Gegen die Verleumdung Gorkis. Stockholm, 7. August.(Eig. Drahtbericht d.„Vorwärts".l Der hiesige Vertreter von Gorlis Blatt,„Nowoja Schisn", Oeberg, legt in„Socialdemokraten" dar, daß die von Burzew aus- gehende Beschuldigung. Gorki sei deutscher Agent, nichts als eine elende Verleumdung ist. Aus dem Brieiweckisel zwischen Gorki und Burzew, den er zugleich veröffentlicht, geht her- vor, daß Gorki Burzew wiederholt ausgesorderl hat, die Beweise für seine Beschuldigung zu erbringen. Burzew hat darauf nichts- sagend und ausweichend geantwortet. ver Krieg auf öen Meeren. Berlin, 6. August.(Amtlich.) Im nördlichen Sperr- gebiet wurden durch die Tätigkeit unserer U-Boote neuerdings 22000 Dr.-Reg.-To. versenkt. Unter den vernichteten Schiffen befanden sich ein großer Passagirrdampfcr, allem Anschein nach der englische Hilfskreuzer Otway von 12077 To., ferner ein großer schwerbeladener Frachtdampfer, der aus einer Sicherung herausgeschossen wurde. In der letzten Zeit find die Verluste der neutralen H and elssch if fahrt, die in früheren Monaten des uncingc- schränkte» U-Boot-Krieges etwa ein Fünftel der Gesaniwerlustc be. trugen, erfreulicherweise hinter diesem Durchschnitt zu- rückgcblieben. 2. Unsere Flugzeuggeschwader an der Kurländi- s ch c n Küste belegten in der letzten Woche militärische Fabrik- anlagen bei Dünamündr sowie befestigte Hafcnplätze an der Südküftc der Insel mit Spreng- und Brandbomben. Gute Erfolge wurden beobachtet. Trotz starker Gegenwehr sind alle Flugzeuge ohne Verluste oder Beschädigungen zurückgekehrt. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. • MaaSlouis, 7. August. Das freigelassene deutsche U-Boot 30 ist beute morgen in Begleitung zweier niederländischer Torpedoboote in See gegangen. » Bern, 6. August. Mach einer„Temps'-Meldung aus Rio de Janeiro hat die brasilianische Regierung über 16 Schiffs- eipheiten verfügt, um Patrouillensahrtc» im Südatlantischcn Ozean durchzuführen.__ Die Kriegslage im Westen und Osten. Berlin, 7. August.(W. T. B.) Die reichlich abgenützten Redens- arten über die gewaltigen Kriegsmittel der Alliierten, den un- geheuren Munitionsauswand, die glanzvolle Tätigkeit der Tanks und Flieger und die Tapferkeit der Infanterie, die sich in den englisch-französischen Funksprüchen häufen, sollen die Welt über den schweren Mißerfolg deS flandrischen Angriffs hinwegtäuschen. Französische und englische Berichterstatter rühmen überschwänglich die Wirkung der Tanks, vergessen aber hinzuzufügen, daß 25 Panzerwagen der angreifenden Geschwader vernichtet wurden. Die üblichen Herabsetzungen der Kampfkrait und Moral der deutschen Truppen fehlen gleichfalls nicht. Wenn aber, wie der Funkspruch Lyon vom 6. August voimittags behauptet, unter Ein- Wirkung des Feuers der Alliierten die deutsche Infanterie ihre Stellungen bereits am 18. Juli fluchtartig geräumt haben soll, so ist es doch verwunderlich, warum der. wie der Kriegsberichl- erstalter des„Berliner Tageblatts" niitteilt, bereits für den 19. Juli geplante große Angriff unterblieb und warum, als man sich am 31. Juli endlich zum Angriff entschloß, dieser ausfallende Mißerfolg eintrat. Bei den angeblich ab- geschlagenen deutschen Angriffen handelt es sich um die bekannt- gegebenen Vorstötze deutscher Stoßtrupps ins Trichterfeld, die den Charakter rein örtlicher Unteriiehmuiigen und Erkundungen trugen. Die Engländer verhielten sich auch am 6. August an der ganzen Angriffsfronr ziemlich ruhig. Auch das Artilleriefeuer ging über die übliche Stärke nicht hinaus. Es wuchs zu größerer Heftigkeit ledig- lich südlich Dixmuiden und an der Küste, wo es planmäßigen Charakter annahm. Im A r t o i s war das Artilleriefeuer vorübergebend bei L o o s. Lens, Mericourt und Drocourt heftiger. Mehrere Patrouillenunlernehmungen wurden erfolgreich durchgeführt. An der Aisnesront boltcu am Morgen des 6. August Stoßtrupps ohne eigene Verluste nördlich der Bessy-Schlucht Gefangene und Maschinen- gcwehre aus den französischen Gräben. Westlich Reims wurden den Franzosen abermals ein Teil ihrer Eroberungen aus der April-Offennve entrissen. Am Morgen des 6. August setzten wir uns hart südlich deS Aisne-Kanals in einem Kilometer Breite in den feindlichen Gräben fest und hielten sie gegen mehrere Gegenstöße. Das hier erbeutete Material war erheblich. Beider« seitS der Maas war am Nachmittage deS S. August die Artillerie- tätigkeit rege. Besonders ans der Höhe 301 und dem Toten Mann. In der Gegend von Esnes wurde im Handgranalenangriff eine stärkere französische Patrouille abgewiesen. Im Osten haben sich die Russen zwischen D n j e st r und P r u t h unter bartnäckigem Widerstand gestellt In der Bukowina dauert der Vormarsch der Verbündeten beiderseits der Suczawa an. Starker russischer Widerstand wurde nördlich der M o l d a w a gebrochen und die Höhen nordöstlich Frasinul sowie die Höhe 668 nordöstlich Warna gestürmt. Am der B i st r i c a wurde Laugeny besetzr und die Linie der Verbündeten bis Borca vorgeschoben. Wien, 6. August. Aus dem Kriegspressequarlier wird gemeldet: In der Bukowina versteift sich etwas der Widerstand des Gegners im Flachlande. Zwischen Dnjestr und Prulh trotzte der Russe unseren Angriffen. Im gebirgigen Teile deS Buchenlandes hingegen gewinnen unsere heldenmütigen und unermüdlichen Truppen schrittweise Boden. Sie besetzten Radautz. Hadiksalva, Soika und Mardzina im Suczawatal vor den Toren der Stadt Screth und sind etwa einen Tagemarsch von der Stadt Suczawa entfernt. Die Angriffe der Rumänen im Casinulale verlieren merklich an . Krast. Französischer Heeresbericht vom S. August nachmittag?. In Belgien hat sich die Lage nicht verändert. Deutsche Angriffs- versuche östlich der Meierei M a s s y, in der Gegend von L a B o v e l l e, im Walde von A v o c our t und im Elsas; scheilenen im Feuer. Das Artilleriefeuer ist in diesen ver- ichiedenen Abschnitten zeitweise ziemlch lebhaft. An der übrigen Front war die Nacht ruhig.— Abends. Ziemlich bedeutende Tätigkeit der beiden Artillerien in der Champagne in der Gegend von Monis und auf beiden Ufern der Maas, besonders in den Abschnitten von Avocourt und Louvemont. Belgischer Bericht. Während der Rächt Tätig- seit der feindlichen Artillerie gegen unsere Verbindungswege. Ge- schützfeiier in der Gegend von Ramscapelle, bei dem Granaten mir erstickenden Gasen verwendet wurden. Kämpfe zwischen Pa- trouillen südlich von D i x m u i d e n. Im Laufe des Tages wurden einige Geschosse auf verschiedene Punkte der Front abgefeuert. Englischer Heeresbericht vom 6. August nachmittags. Früh- zeitig gestern abend griff der Feind wieder bei Hollebeke an. Er wurde aber zurückgetrieben. bevor er unsere Linien er- reichte. Ein weiterer Angriff, der unter dem Schutz schweren Sperrfeuers gegen unsere Stellungen von West- boe! unternommen wurde. batie ebenso wenig Erfolg. Nachts wurde ein deutscher Stoßtrupp östlich von Ep e h y ab- gewiesen.— Abends. Der Feind verbuchte frühmorgens einen An- griff nördlich von A r l e u x zu machen. Die Truppen wurden durch Gewehr- und Maschinengewehrfeuer vor unseren Linien auf- gehalten und mit Verlust abgeschlagen. Wir schoben heute unsere Linie südwestlich und westlich von L e n s leicht vor. Russischer Heeresbericht vom 6. August. Westfront: West- lich von B r o d y schlugen wir unbedeutende Angriffe des Fein- des ab. Nordöstlich von Czernowitz in der Gegend der Dörfer Toporcuce und Rarancze ergriffen unsere vorgeschobenen Abteilungen die Offensive, erstürmten eine Reihe von Höhen und warfen den Feind auf die gonannten Dörfer zurück. Eine Abteilung des Obersten Merkulow, die auf Toporcuce vorging, bemächtigte sich in glänzendem Angriff einer Batterie von 4 Geschützen und erbeutele Maschinengewehre. Darauf begann der Feind mit starten Verbänden die Offensive und zwang unsere Truppen, sich auf die Haupffbellung zurückzuziehen. Da es uns nicht möglich war, die erbeuteten Geschütze mitzunehmen, wurden sie unbrauchbar ge- macht. Südlich von Czernowitz entfaltet der Feind vor allem in der Gegend des Sereth- und des Suczawa-Tals die Offensive, wo er unsere Truppen zurückdrängt. Tie Dörfer Gly- boka. Kamcnka, Woltschinetz und Hadikfalva sowie die Stadt Ra da utz sind vom Feinde besetzt. Versuche, den Feind in seinem Vorgehen in der Gegend nordwestlich von Radautz aufzuhalten, hatten kein günstiges Ergebnis.— R u m ä n i sch e Front: In der Richtung Kimpolung rückt der Feind weiter vor. Infolge der Unzuverlässigkeit mehrerer unserer Abteilun- gen wurden wir gezwungen, ein wenig nach Osten zurückzuweichen. Ter Feind ging bei Brostcheni über das Ufer der Bistri tz. Kleine Kriegsnachrichten. Generaloberst v. KöveSS wurde, wie aus Czernowitz gemeldet wird, zum Feldmarschall ernannt. Das amerikanische KricgSsteuergesetz. Der Finanzausschub des Senats der Vereinigten Staaten hat über das Kriegssteuergesetz einen die Annahme empfehlenden Bericht erstattet. Das Gesetz schlägt die Aufbringung von 2 006 970 000 Dollar durch Besteuerung vor. Tic Ernennung des Zweiten Scclords. Aus London wird ge- meldet: Die Admiralität berichtet, daß der König die Ernennung des Vizeadmirals Sir R o b l y n Womyst zum Zweiten See- lord als Nachfolger des Admirals Sir Cecil Burnoy, dem eine Spezialaufgabe übertragen worden ist, genehmigt. Immer noch öer Kronrat vom 5.?uli. Eine Unterredung mit Herr« v. Stumm. Haag, 7. August. Der Berliner Vertreter des Hollandfch Nieuws Büro hat folgendes Interview mit dem Untcrstaats- sekretär des Auswärtigen Amts v. Stumm gehabt: Ich machte heute den Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Herrn v. Stumm darauf aufmerksam, daß die„Times" seinen Na- men in besondere Beziehung zu dem Kronrat bringt, in dem an- geblich am 5. Juli 1914 das Ultimatum an Serbien festgelegt und der Krieg gegen Ruhland beschlosien sein soll. Der Unterstaats- sekretär sagte mir: Nach meiner Rückkehr aus Wien, wohin ich den Reichskanzler be- gleitet hatte, ist mir die betreffende Meldung der„Times" vorgc- legt worden. Ich habe darauf in meinem Tagebuch nachgesehen und festgestellt, daß ich am 10. Juni 1914 Berlin mit Urlaub ver- lassen habe und erst am 12. Juli wieder in Berlin eingetroffen bin. Schon dieses Detail zeigt, welcher Wert den phantasievollen Erzählungen des„Times"-Rorrespondent«n beizumessen ist. Als vor einigen Wochen in dem Hauptausschutz des Reichs- tages der Abgeordnete Cohn mit den Behauptungen hervortrat, die anscheinend den Mitteilungen des Gewährsmannes der„Times" in erster Linie zugrunde liegen, habe ich dieselben sofort zurück- gewiesen. Trotz des Dementis der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" hält aber die„Times" an ihren Behauptungen fest und bestreitet die Richtigkeit der Erklärung, daß die deutsche Regierung bei der Abfassung des österreichischen Ultimatums an Serbien nicht mitgewirkt habe. Auf Grund meiner genauen Kenntnis der Vor- gänge vor Ausbruch des Krieges bin ich in der Lage, das Dementi der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" in vollem Umfange zu b e st ä t i g e n. Die deutsche Regierung hat von Anfang an den Standpunkt eingenommen, datz die Auseinandersetzung mit Serbien über die durch den Mord von Sarajewo geschaffene Lage aus- schlietzlich die Sache Oesterreich-Ungarns sei. Hätte Rutzland denselben Standpunkt eingenommen, so wäre es nicht zum Krieg g-kominen. Teutschland hat demgemäß auch nicht an die österreichisch-ungarische Regierung das Ansuchen gerichtet, an der Abfassung des Ultimatums an Serbien mit beteiligt zu werden und hat darauf keine» Einfluß irgendwelcher Art ausgeübt. So steht es mit den Enthüllungen der„Times" über die Potsdamer Ver- schwörung und ihres früher in Berlin tätigen Korrespondenten. Das Blatt Lord Northcliffes bleibt sich selbst nur treu. . Das Mitztrauen und den Hätz gegen Deutsch- l a n d in der ganzen Welt zu schüren, war die Aufgabe, die sich schon in langen, den Krieg vorausgehenden Friedensjahren die „Times" und die ihr geistesverwandten englischen Organe gestellt hatten, die ich Ihnen nicht zu nennen brauche. Der gegenwärtige Weltkrieg ist nicht zum geringsten Teil das Werk Lord Northcliffes. Aus meine Frage, ob dem Unterstaaissekretär bekannt sei, datz der Korrespondent des„Nicuwe Rotterdamschen Courant" in einem erst kürzlich wieder abgedruckten Brief an seine Zeitung vom Sep- tember 1914 ebenfalls den angeblichen Kronrat vom 5. Juli erwähnt habe, erwiderte Herr v. Stumm: Eine unrichtige Behauptung wird nicht dadurch zur Wahrheit, daß sie von vielen Seiten aufge- stellt wird.— ♦ Wir haben schon gesagt, datz die wiederholten Beteuerungen der deutschen Regierung vollen Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben können. Aber die Sache hat s ü r u n s doch noch eine andere Seite. Datz ein Schriffftück von der weltgeschichtlichen Bedeutung des österreichischen Ultimatums erlassen wurde, ohne datz sich die Ver- bündctcn zuvor über die Folgen, die es haben konnte, miteinander verständigt hatten, grenzt ans Unwahrscheinliche, und � so kann man es verstehen� datz man zu dieser Mär im Ausland noch l Immer die Köpfe schütteff, obwohl sie buchstäblich wahr ist. Diese Nibelungentreue mit schimmernder Wehr, aber mit verbünde- nen Augen gehört zu den Tatsachen, aber auch zu den Unbegreiflich- leiten der Vorgeschichte dieses Krieges, und sie mutz zu recht weitgehenden Schlußfolgerungen Anlaß geben. Oberstleutnant Michaelis. Das„Mililär-Wochenblatt" teilt mit, datz der Reichskanzler Dr. Michaelis als Oberstleuinant bei den Olfizieren ä la suits der Armee eingestellt wurde.— Ein Reickislanzler ohne mililärischen Rang scheint gewissen Kreisen etwas ganz Unmögliches zu sein. Konservative Entlaftungsoffensive. Das Organ des konservativen Landesvereins für das Königreich Sachsen, das„Vaterland", fordert in einem„Die Scheidung der Geister" überschriebenen Aufsatze die Aufkün- digung des Burgfriedens. Es schreibt: „Von Burgfrieden kann heute nicht mehr gesprochen werden. Selbsterhaltungspflicht der konservativen Partei ist es, zum Angriff überzugehen, denn er allein trägt die Bürgschaft der siegreichen Abwehr in sich. Es mag Anhängern einer Partei, die, wie die konscrvalive, stels das Vaierland über die eigenen Wünsche gestellt hat und von dem Gefühl der Vor- pflichtung an Slaat und Gemeinde zu opfern jederzeit durch- drungen war, blutsauer ankommen, angesichts des drohenden Feindes mit de in Begriff„Burgfrieden" zu brechen und auch ihrerseits sich wieder auf die politiiche Wahlstatt zu be- geben. Die Verhältnisse lassen uns aber, wie gegen den äußeren Feind, leine Wahl, als die zwischen dem siegreichen Kampf gegen nach unseren Begriffen verhängnisvollen Geistesrichtungen und dem Untergang des konfer- vativen Gedankens, der Autorität im Staate und mit ihnen des Staates überhaupt." Man könnte eher als von einer Entlastungs- schon von einer Verzweiflungsoffensive reden. Denn die Tage der konservativen Partei sind gezählt, und der Staat, dem sie sich unentbehrlich dünkt, wird schon sehen müssen, wie er ohne sie fertig wird. Denn sie selber ist nichts ohne ihn, da sie sich nicht mehr auf seinen gesamten Apparat stützen kann, mutz sie notwendig zusammenbrechen. Masienkunügebung für verftänöigungs- frieden und Demokratie. Aus Essen wird uns mitgeteilt: Am Sonntag, den 5. d. Mis., fand im großen städtischen Saal. bau zu Essen eine Riesenversammlung statt, der mindestens 8000 Bergleute beiwohnten. Die Versammlung sollte Stellung nehmen zu: Kohlenförderung, Ernährungs- und Lohnfragen, gestaltete sich aber in ihrem Verlauf auch zu einer autzerordentlich eindrucksvollen Kund gebung für Verständigungsfrieden und demo- kratische Reformen! Genosse Landtagsabgeordneter Otto H u e sprach als Referent. Er schilderte die natürlichen Erschwer� nisse der Kohlenförderung, betonte, datz die Bergleute alles daran setzen müssen, um nach Kräften dcn während der kälteren Jahres- zeit höheren Kohlenbedarf zu fördern. Solle der Betrieb ohne ver meidbare Störungen vor sich gehen, dann müßten die Werks- besitze! sich nun endlich verstehen zu Verhandlungen mit den Arbeitergewerkschaften über ein« allgemein« Regelung der häufig noch sehr erbitternden Arbeitsverhältnisse im Bergbau. Der grotzkapital i st ische Herren st andpu.nkt verschärfe die kleinste Differenz und erzeuge so auch häufig Stö- rungen in der Kohlenförderung. Da die Hoffnung auf ein Herab- gehen der Nahrungsmittelpreise während der Kriegsdauer aufge geben werden müsse, der Verein der Ruhrgrubenbesitzer sogar eine Erhöhung der Preise befürwortet(!) habe, so ergebe sich daraus die Notwendigkeit einer erheblichen Lohner- höhung, wenn die Leistungsfähigkeit der Bergleute nicht zu- sehends schwinden solle. Diese Ausführungen wurden von der Massenversammlung mit stürmischem Beifall aufgenommen, der sich am höchsten steigerte, als der Redner das kapitalistische System, die Kriegsoerlängerung durch die Annexionisten-Propaganda und den Widerstand der Reaktionäre gegen demokratische Reformen kenn- zeichnete. Im Namen der Stadtverwaltung Essen gaben Herr Beigeord- neter Rath, namens der Landkreisvcrwattung der Landrat Dr. Brand längere Erklärungen ab über die unausgesetzten Bemühun- gen der unteren Verwaltungsbehörden, wcnigstens vinigermatzen Ordnung auf dem Lebcnsmittelmarkte zu schaffen. Beide Redner gestanden ein, datz sie der Gewinnsucht, der Hamsterei und des Schleichhandels nicht Herr zu werden vermochten. Die Gewinn- sucht landwirtschaftlicher Erzeuger und Händler sei so groß, datz z. B. holländisches Gemüse trotz des schlechten Währungszustandes billiger sei als einheimisches und gewisse Lieferanten nur noch mit gesetzlicher Gewalt zur Einhaltung der mit der Stadtverwältung abgeschlossenen Verträge zu bringen seien I Die dann einsetzende Diskussion offenbarte eine Stimmung der Arbeiterinassen, die denkbar schroff kontrastiert mit den all- deutschen„Behauptungen" über die ihnen angeblich günstige Volks- stimmung. Der Bezirkssekretär des christlichen Ge- werkvere.ns der Bergleute schloß sich vollständig den Ausführungen Hues an, un�rstrich sie noch besonders durch eine wichtige, von der Riesenversammlung mit gewaltigem Beifall unter- stützte Brandmarkung der Volksauswucherung und wies den Vor- Wurf zurück, die vorgekommenen Arbeitseinstellungen seien von den Bergleuten in frivoler vaterlandsfeindlicher Absicht unternommen. Zum Schluß der Versammlung wurden einstimmig zwei Reso- lutionen angenommen, laut welchen die Bergarbeiter die Not- wendigkeit einer möglichst steigernden Kohlen- förderung„rückhaltlos" anerkennen, sich verpflichten, in diesem Sinne zu arbeiten, von dem Grubenbesitzer einen Hauerlohn von nicht unter 12,50 M., für die Schichtlöhne 25 Prozent Zulage, die Anerkennung der gewerkschaft- lichen Organisation fordern; von ven Behörden wird bessere Belieferung von Nahrungsmitteln zu erschwinglichen Preisen und die Versorgung mit Kartoffeln(Einkcllerung im Herbst) in Höhe von 10 Pfund pro Kops und Woche verlangt. Die Bergarbeiterversammlung erklärte sich ferner einverstanden mit dem Beschlutz der Reichstagsmehrheit für einen Ver- ständigungsfrieden und fordert die Volksvertreter auf, ihre Forde- rung zum Wohle der Menschheit energisch zu verfolgen. Die Ver- sammlung sprach die bestimmte Erwartung aus, datz die von der Reichsregierung versprochenen demokratischen Reformen unserer Reichs- und Staatsverfassung nicht mehr auf die lange Bank ge- schoben werden. Di« einstimmige Annahme dieser Resolution durch diese von vielen taufenden Bergwerksarbeitern besuchte Riesenversammlung ist eine Massenkundgebung von zweifellos grotzer Bedeutung. Datz diese Massenkundgebung für Verständigungs- frieden und Demokratie gerade in der„Kanonenstadt" Essen statt- fand, von wo eine alldeutsche Zentrale die Welt eifrigst mit Kriegs- fanfaren und sogenannten Volksprotcsten gegen demokratische Re- form versorgt, kann die Bedeutung der Massenkundgebung nur noch gewaltig erhöhen._., 1 Deamtenschast unö Sozialüemokratie. Wir haben gestern auf die grundsätzliche Bedeutung der Ernennung Dr. August Müllers zum Unterstaatssekretär hin- gewiesen und aus ihr die ganz selbstverständliche Schluß- folgerung gezogen, datz in Zukunft kein Beamter oder An- gestellter wegen seines öffentlichen Bekenntnisses zur Sozial- demokratie gematzregelt werden kann. Mit diesen unseren Ausführungen beschäftigt sich die konservative Presse sehr leb- hast. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: ... Andererseits kann selbst der„Vorwärts" nicht verkennen, datz durch die Berufung Müllers ein Wandel in der Auffassung der matzgebenden Kreise hinsichtlich der Eignung der Sozialdemo- kraten zun, Staatsdienste zutage getreten sei. Er sagr, es sei ein „Bruch mit der bisherigen Praxis". Man wird ihm darin zu- st i m m e n können; wie weit dieser Bruch, falls er g r u n d- s ä tz l i ch e n Charalter haben sollte, sich auf die Dauer m i t den Reichs- und Staatsinteressen vereinbaren lätzt, wird die Zukunft lehren. Aufgeregter zeigt sich die„Kreuz-Zeitung", sie zitiert aus dem„Vorwärts" deu Satz:„Man wird keinen Beamten oder Angestellten des Reichs oder des Staates mehr daran hin- dein können, sich als Sozialdemokrat zu bekennen." Dann fährt sie fort: Ist das wirklich Meinung und Absicht derer gewesen, die dcn Sozialdemolralen Müller zum UnlerstaatSsekrelär vorgeschlagen baden! K e i n e n Beamten? Weiden also beispielsweise auch Lehrer, seien eS höhere oder Volksschullehrer, sich zur Sozial« demokratie bekennen können? Wie denkt der neue Kultusminister darüber?... Man sieht eben aus der Aeutzerung des„Bor- wärtS", wie die Sozialdemokratie es versteht, Zugeständnisse des Augenblicks zu dauernden Erfolgen umzuwerten. Wir halten eine Beantwortung der von der„Kreuz- Zeitung" gestellten Frage durch den Kultusminister oder auch durch einen anderen Minister— z. B. dcn Verkehrs-, den Justizminister— für ganz überflüssig. Wenn ein Sozial- demokrat Unterstaatssekretär werden kann, kann selbstverständ- lich auch ein Lehrer, ein Universitätsprofessor. ein Richter, ein Eisenbahnbeamter Sozial- demokrat werden und sich öffentlich als solcher bekennen. Das war por dem Kriege in allen andern Staaten Europas so, von jetzt ab kann es auch in Deutschland nicht anders sein. Eine sehr abscheuliche„Eigenart" des preußisch-deutschen Systems kommt damit endlich in Fortfall. TUnüenmg ües Hilfsüienftgesehes. Wie der„Berl. Lokalanz." hört, sind die zuständigen Behörden zurzeit mit einer Umarbeitung einiger Bestimmungen des Hilfs- dienstgesctzes auf Grund der bisher gemachten praktischen Ersah- rungen beschäftigt. Auch sind mancherlei Ergänzungen des Gesetzes in Aussicht genommen, um die Lücken auszufüllen, die sich bei seiner Handhabung nach und nach herausgestellt haben. Erhöhung öer Postgebühren. Die im Vorjahre durchgeführte Erhöhung der Postgebühren ist als eine Kriegsmatznahme bezeichnet worden, wenn auch kein Mensch ernstlich daran glauben konnte, datz mit dem Ende des Krieges die Portozuschläge ohne weiteres wieder verschwinden würde». Trotzdem mutet eS eigenartig an, datz eine neue, noch erheblichere Erhöhung der Postgebühren in Aussicht stehen soll. Die .Münchener AugSburger Abendzeitung" teilt diese Absicht mit und greift autzerdem dabei den bisherigen Staatssekretär des Reichs« Postamtes, Kraetke, an, weil seine ganze Reichspostwirischaft gegen Bayern gerichtet gewesen sei. Das Blatt kündigt eine Neuorganisation der Reichspost an Haupt und Gliedern an. Der neue ReichSpostleiter habe unter den protzen Aufgaben vornehmlich sozialpolitischer Natur auch die undankbare Aufgabe zu ersüllen, eine neue Vorlage zu neuerlicher Erhöhung der sänitlichen Postgebühren durchzubringen. Briefe, Postkarten,' Telephon, Telegraph, Pakete und Zeitungsgebühren sollen um 30 bis 50 Proz. abermals teurer werden. Die Reichspost hat bisher schon dem Reich ganz bedeutende Ueberschüsie geliefert. Durch die letzten Portoerhöhungcn sind Handel und Verkehr bereits so schwer getroffen worden, datz kaum anzunehmen ist, daß der Reichstag einer weiteren Belastung zu- stimmen wird. Lette Nachrichten. Eine letzte kategorische Note Argentiniens / an Deutschlanö. Basel,?. August. Havas berichtet aus New Aork: Wie ein Telegramm aus Buenos Aires meldet, hat die argentinische Regierung die mit dem deutschen Gesandten hinsichtlich des T o r o geführten Verhandlungen abgebrochen, da sie zu keinem genügenden Ergebnis geführt haben. Die Regierung richtete eine kategorische letzte Note an die deutsche Regie- rung, in welcher innerhalb einer angemessenen Frist eine endgültige Antwort gefordert wird. Die Schwierigkeiten der polnischen Staatsbildung. Warschau, 6. August. Kurjer Polski fragte den Direktor der politischen Abteilung beim Staatsrat, Grafen R o st w o r o w s k i, ob der Staatsrat auf dem Posten zu bleiben gedenke und welchen Standpunkt der Staatsrat gegenüber der Oppo- sition einnehme. Graf Rostworowski führte aus: Die Un- geduld der Gesellschaft ist verständlich, aber weshalb das ganze Qdium auf die Rechnung der Vermittler gewälzt wird, ist schwer zu verstehen. Wir verbleiben auf unserem Posten, wir erfahren Widerwärtigkeiten von autzen und innen, bloß weil wir uns von der Notwendigkeit der Erhaltung der Stetigkeit der Arbeit Rechen- schaft geben. Man kann nicht in einem gewissen Entwicklungs- momente alles von sich werfen und den Nachsolger nötigen, den Weg von Anfang noch einmal zu machen. Solange als gegen unser Programm nur die Losung einer gänzlichen Leere zu hören ist, kann man sich auch den radikalsten Aufforderungen nicht beugen. Wir wünschen auszuharren, das heißt die schwierigste und unangenehmste Periode der polnischen Politik, die Periode der einleitenden Unterhandlungen auf unsere Schultern zu nehmen. Wir können nicht vorzeitig zurücktreten, um die unrechtmäßige Vertretung Polens denen zu erleichtern, welche den Mut hatten, Proteste gegen die Unabhängigkeit Polens zu unter- schreiben, welche der sofortigen Realisierung des Staates entgegen waren und welche aus Bundesgenossen des früheren Rußland mit einem Male idealistische Verteidiger der umfassendsten und unbe- dingten nationalen Programme wurden. Auch die Ange- legenheit des Heeres verbietet es dem Staatsrat ab- zu treten. Wir haben vertretungsweise die Rolle einer Regierung erfüllt und den Eid entgegengenommen, wir muhen daher das Heer der wirklichen Regierung überweisen. Neue Kriegserklärungen. Amsterdam, 7. August. Aus Paris wird gemeldet, dag die Republik Nigeria, die seit dem 10. Juli die Bezichungen zu Deutschland abgebrochen hatte, nunmehr an Deutschland den Krieg erklärt hat. �_ tr» Havas berichtet aus Paris: Die Regierung der Republik Liberia erklärte Teutschland den Krieg. Tie deutschen Unter- tancn wurden alsbald verhaftet und an Bord eines alliierten Kreuzers gebracht,....... SewerkschaflsbxwMNg Zur lanöwirtschastlichen Arbeiterfrage. Im Reickistage wurde von dein nationalliberalen Abgeordneten Dr. Paaschs folgende Auslage gestellt: .Die deutsche Arbeiter.wntrale, Berlin 11, Hasenplatz 4, macht für das IabrlSI? die liriegsbedingungen für die Vermittlungen ausländischer landwirtschaftlicher Wanderarbeiter belannt. Darin werden neben den in bar zu leistenden Mindestlöhncn für jede Person und jede Woche iolgende Naturalien als liefcrungspflichtig bezeichnet: 30 Pfund Kartoffeln. 7 Liter Magermilch oder 3�/, Liter Vollmilch, Va Pfund Mehl. 3 Pfund Brot, 2 Pfund Graupen oder Griest oder Grütze oder 1 Pfund Hülsenfrüchte, Ve Pfund Fleisch. 1 Pfund Zucker, Va Pfund Salz. Ist der Herr Reichskanzler bereit, mitzuteilen, wie es möglich ist angesichts der Tatsache, dost selbst die beimischen Schwerarbeiter nicht annähernd solche Mengen von Naturalien erhalten lönnen. mit solchen Anerbietungen auslän- dit'che Wanderarbeiter nach Deutschland hereinzuziehen, und ob die Möglichkeit besteht, diese Versprechungen zu erfüllen?" Uns liegt es fern, dafür einzutreten, das; die Verpflegung der ausländischen Arbeiter verschlechtert wird. Wir wissen aber, daß für ausländische Arbeiter in vielen Fällen besser gesorgt wird als für inländische Landarbeiter, wenn auch obige Naturalverpflegung nicht gewährt wird. Diese Angabe über die Verpflegung der ausländischen Arbeiter wird durch die.Deutsche Tageszeitung' vom 2. August 1317 be- flätigt. In Löbau i. S. fand eine Versammlung von 26 Land- Wirten der Amtshauplmannschaft Löbau i. S. statt. Diese Land- Wirte wehren fich dagegen, daß fie die Deputate in Natura ge- währen sollen, denn dies fei in der Zeit der Teuerung nicht mög- lich. Die Landwirte wehren sich aber auch dagegen, den gegen- wältigen Marktwert dieser Deputate in bar zu vergüten, weil da- durch eine versteckte und enorme Lohnerhöhung für die aus- ländischen Arbeiter bewilligt würden. Es sei nicht zweckmäßig, diese Leute allzusehr zu verwöhnen. Dann lasten die Landwirte die Furcht durchblicken, daß inländische Arbeiter dadurch mit Recht gleich hohen Lohn und Deputate fordern würden. Es er- scheine deshalb vorsorglich, wenn man rechtzeitig an die Zukunft denke und Löhne und Deputate nicht höher schraube, als unbedingt nötig fei. um Arbeiter zu erhalten. Die polnischen Arbeiter hätten sich bisher schon mit 25 Pfund Kartoffeln ausreichend sättigen können, warum sollten sie nun 30 Pfund erhalten. Es ist bekannt, daß die Landwirte, die bei jeder Gelegenheit ihren Patriolismus betonen, lieber ausländische Arbeiter und Kriegsgefangene beschäftigen als einheimische Landarbeiter. Weil der einheimische Arbeiter durch die Wobnungsverhältnisse abhängiger ist, können die Landwirte den deutschen Landarbeiterfamilien eine derartige Behandlung bieten. sehr zu beachten ist aber, daß der Landeskulturrat für das Königreich Sachsen, der mit Staatszuichuß arbeilet und die höchste landwirtschaftliche Vertretung in Sachsen ist, gegen- wältig derartiges Deputat für die oiisländischen Arbeiter festsetzt. Die Vergleiche mit der Ernährungsweise der städtischen Bevölkerung sind lehr naheliegend, es erübrigen fich darüber weitere Bemerkungen.. Ein Beweis mebr dafür, wie wenig die landwirtschaftlichen Behörden die Kriegsverordnungen beachten. Im.Vorwärts' vom 5. Juni 1917 wurde schon darauf hin- gewiesen, daß großer Arbeitern, angel in der Landwirtschaft nicht in dem Maße besteht, wie es von den interessierten Kreisen immer behauptet wird. Die Behörden haben aber die Klagen der Landwirte über die Arbeitcrnot als feststehende Tatsache hingenommen und alles getan, um den Landwirten entgcgen.zu- kommen. Damals schon konnten'wir im.Vorwärts" auf die Be- richte der Arbeitsnachweise aus dem ganzen Reich hinweiseil. aus denen sich ergibt, daß von dem großen Arbeiterinangel in der Land- Wirtschaft keine Rede ist. In dem Amtsblatt der Landwirtschaftsl�amincr für S ch l c s w i g- H o l si e i n bespricht D r. H o r st- Schleswig die Lage auf dem landwirtschaftlichen Arbeitsinarlt in der Provinz Schleswig-Holstein im Jahre 1317. In diesem Organ der Landwirtschaftskammer wird also amtlich festgestellt, daß im allgemeinen das Borhaiideiisein eines nicht unterbringbaren Ueber- schusieS an landwirlschanlicheu Atbcitckräflen zu bejahen iet. Diese Zurückhaltung erkläre sich daraus, daß den Landwirten andere Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die billiger sowie wert- voller und bequemer sind, als die zur Verfügung stehenden einheimischen Kräfte. Besonders treffe dies auf die Beschäftigung von Gcfaiigeneu zu. Den überwiesenen städtischen Hilfskräften ständen die Landwirte sehr abwartend gegenüber. Wenn die Vertreter der Landwirte derartiges öffentlich zugeben, dann hat die konsumierende Bevölkerung vollständig recht, wenn fie die Berechtigung der höheren Preise für die landwirtschaftlichen Produkte bestreitet. Ihre Haltung wird durch diese Veröffeni- lichungeu nur bcslätigl.__ veutsches Reick». Unternehmer und Arbeiter fordern �taatShilfe für eine Lohnrcgulierung. In Niederschlesien haben die Bergleute soeben eine Lohn« bewegung zum vorläufigen Abschluß gebracht, die in Deutsch- land nicht gerade alltäglich sein dürfte. Nach monatelangen Ver- handluugcii vor dem Schlickitungsausschuß haben sich die Werks- leiwngeu endlich entschlossen, den Bergleuten sHauernj einen Durch- schnittsschichtlohn von 7M. einsch ließlich der Familien- teuerungSz n lagen zu garantieren. Obgleich im Ruhrrevier 10.50 M. Schichtlohn bezahlt wird, und selbst in Lberschlesten 9—10 M. Durchschnittslöhne in Frage kommen, die nieder- schlesischen Bergleute deshalb selbst außerordentlich häufig den Abkehrschcin nach den besseren Revieren fordern und auch bekommen müssen, können die Gruben nicht mehr be- zahlen, weil es die Rentabilität ihrer Werke angeblich nicht zuläßt. Sie haben den ArbcitervertrauenSleuten rechnerische Aufschlüsse darüber gegeben, daß selbst die Preisaufschläge von 2 M. für die Tonne Kohlen nicht au-sreichen, die Löhne annähernd so zu erhöhen, wie cS von den Belegschaften mit einem Durchschnitts- schichtlohn von? M. gefordert wurde. Allen Gruben sei eine weitere Gewinnstcigerung unmöglich, und eine Grube führte sogar den Nachweis, daß sie mit einer Unterbilanz von drei Millionen Mark zu arbeiten habe und mit dem Gedanken der Stillegung umgehe. Angesichts dieser Sachlage sind Arbeitervertreter und Grubenleitungen zu dem gemeinsamen Ergebnis gekommen, die durchaus berechtigten Lobnzulagen auf einem anderen Wege flüssig zu machen, nämlich nur dem der Staats Hilfe. Die Sraatöregierung soll auf dem schleunigsten Wege ersucht werden, entweder für niederschlcsii'che Kohle weitgehende Frachter Mäßigung zu bewilligen oder bare Zuschüsse zu leisten. Da Frachtermäßigung sür nieder- schlesische Kohle bereits im Jahre 1913 bewilligt wurde, so ist diese Frage immerhin eine solche, deren Erledigung nicht besonders leicht sein dürfte. Zuschüsse in bar aber würden die direkte Kontrolle des Staates und die V e r st a a t l i ch» n g überhaupt nach sich ziehen. Dem letzten Problem stehen die Gruben- dircktoren und die Kurenbesitzcr allerdings noch ablehnend gegenüber. Entschieden befürwortend aber behandeln die Arbeiter diese Angelegenheit, und das drückten sie auch in einer Resolution aus. die ani Sonntag in sechs Massenversammlungen aller Belegschaften angenommen wurde und in der zur Aufrecht er Haltung der Existenzvon über 30 000 Bergarbeiterfa inilien das Entgreisen deS Staates als letztes und einziges Mittel zur Abstellung der schlinmisten Not ge- fordert wurde.___ Verttn und Umgegend. Aus dem Kriegsausschuft für Groft-Berli«. Der Arbeiter Sch. verlangte von der Firma H. F. E. in Lichtenberg den Abkehr sch ein. weil er dort als Transportarbeiter nur 90 Pf. die Stunde erhält. In der Sacke wird festgestellt, daß Sch. vorher bei einem Fubrberrn be- schästigt war, und zwar hat er aus einem Bahnwagen Kohlen ausgeladen. Die Kohlen waren für zwei größere Muni- lionsfabriken Berlins beftinunt. Diese Arbeit hatte er im Akkord gemacht und für den Zentner fünf Pfennige erhalten. Bei einer durchschnittlichen täglichen Leistung von 400 bis 600 Zentner halle er früher denniach bedeutend mebr verdient, als jetzt. Er konnte aber die Tätigkeit nicht fortsetzen, weil der Ein- berufungsausschuß ihn veranlaßt hat, seine im Interesse des Vater- ländischen Hilfsdienstes so wichtige Tätigkeit aufzugeben und bei der Firma E. in Lichtenberg in Arbeit zu treten. Diese Art der Einberufung hat bei den Mitgliedern des Äriegsausschusses doch einiges Erstaunen erregt. Dem Arbeiter Sch. wurde ohne weiteres der Abkehrschein erteilt. Sch. will nun in sein früheres Arbeits- Verhältnis zurücktreten. Die Sache der 140 Revolverdreher der Firma F. St. in Treptow war bereits schon einmal vor dem SchlichlungS- aust'chutz verhandelt worden. Damals wurde von den Arbeitern Erhöhung der Akkordpreise verlangt, weil das Material jetzt bedeutend schlechter ist und die Arbeiter nicht zu ihren, Gclde kommen können. In dem letzten Termin am 13. Jutt sagte die Firma zu. daß sie im Lohn und Akkord den Arbeitern 1,65 Mark für die Stunde garantiert. Diese Zusage soll die Firma nicht gehalten haben, und deshalb wurde erneut der Kriegsausschuß an- gerufen. Nach eingehender Verhandlung kam der Kriegs- ausschuß zu folgendem Schiedsspruch: Unter Aufhebung der letzten Entscheidung vom 13. Juli sollen die Akkorde sür die in Frage kommenden Arbeiten uin 10 Prozent erhöbt werden. Wer selbst einrichtet, erhält datür täglich 85 Pf. Entschädigung. Der Vertreter erklärte sich bereit, den Schiedsspruch anzunehmen. Gleichzeitig wurde von den Arbeitern gerügt, daß die Firma, trotz- dem das Hilfsdienstgesetz bereits seit dem 5. Dezember 1916 in Kraft ist und eine große Anzahl von Arbeitern in dem Werk be- schästigt sind, noch keinen Arbeiterausschuß errichtet hat. Der Firma lourde deshalb aufgegeben, un- verzüglich einen ArbeiterauSschuß von den Arbeitern auf Grund der Bestimmungen des Gesetzes wählen zu lassen. Der Schlosser L. ist. in der A.E G. Oberschöne- weide 10 Jahre lang beschäftigt und verlangt den Ab- iehrfchein. weil die Firma zweimal in seiner Woh- nung wegen vermuteten Diebstahls hat Haus- suche» lasse n. Die Firma erklärt, daß sie eiuen begründeten Verdacht gehabt habe, daß L. Metall entwendet haben sollte. Weder durch die Haussuchung noch sonst ist dem Schlosser L. irgendetwas bewiesen worden, und da die Firma nicht bereit ist, den Abkehrschein freiwillig zu geben, beschließt der Kriegs- ausschuß den Abkehr schein zu erteilen, weil dem Schlaffer L. nicht zugeinutet werden könne, sich vielleicht noch ein- mal der Gefahr einer Haussuchung auszusetzen. Der Arbeiterausschuß der Flugzeugfirma A. in Johannisthal ruft den KriegSausswuß wegen einer im Betriebe entstandenen Differenz an. Die Arbeiter arbeiten in Schicht, und zwar von 3 bis 6 Ubr. Sie haben nur �ine viertelstündige Pause, die von der Firma bezahlt wird. Sie fordern nun eine zweite Pause, um das von der Firma gelieferte Mittagcffen auch einnehmen zu können. Die Firma ist dazu nicht bereit, wenigstens nicht ohne weiteres. So sehr sie auch die berechtigten Gründe der Arbeiter anerkennt, glaubt sie den Wünschen der Arbeiter nicht entsprechen zu können, weil in den für die Flugzeugbetriebe festgesetzten Verträgen ausdrücklich bestimmt ist, daß bei Schichtwechsel nur eine Paus« von der Firma gewährt wird, die ja. auch bezahlt, wird. Der' Kriegsausschuß ist nicht in der Lage, in der Sache eine Verständigung herbeizuführen, weil der abgeschlossene Verlrag den Wünschen der Arbeiter entgegensteht. Da jedoch in den nächsten Tagen neue Ver- Handlungen über den Tarifvertrag slallstndcn. soll über diese An- gelegenbcit vorweg eine Entscheidung herbeigeführt werden. Mit dieser Regelung erklärten sich beide Teile einverstanden.� Zwei Dreher von der Kgl. G. in«Spandau fordern den Abkchrschein, weil ihnen Abzüge gemacht worden sind. Es wird sestgestellt, daß beide Dreher vor mehreren Monaten Arbeiten bekommen haben, bei denen sie ihren bisherigen durchschnittlichen Aklordverdienst nicht erzielen konnten. Ihre sofortige Reklamation hatte keinen Erfolg. ES wurde ihnen jedoch von dem Vorarbeiter bedeutet, sie hätten doch keine Ursache zur Beschwerde, denn sie würden nach wie vor ihr Geld weiter erhalten. Tatsache ist auch, daß sie immer ihren durchschnittlichen Verdienst von der Werksleitung erhalten haben. Jetzt, nach einigen Monaten, wird ihnen nun ber der Abrechnung der Abzug für die früheren Arbeilen gemacht. Durch diesen Abzug haben sie einen bedeutend geringeren Verdienst, wenn auch zugegeben werden muß, daß der Verdienst immerhin noch über 2 M. sür die Stunde be- ttägt. Trotz alledem steht der Kriegsausschuß auf dem Standpunkt, daß die Dreher Anspruch auf das Geld haben, denn die Firnia habe sich stillschweigend durch Fortzahlung des durchschnitt- lichen AkkordverdiensleS damit einverstanden erllart. Der Kriegs« ausschuß spricht außerdem sein Beftcniden aus, daß ein derartiges System in einem Betriebe bestehr. daß Arbeiten, die längst fertig- gestellt sind, einen Miitderverdienst ergeben haben, dann aber erst noch einigen Monaten den Arbeitern in Abzug gebracht werden sollen._ parteinachrichten. Aus den Organjlfalioncn. In einer Kreiskonfcrcnz des Sozialdemokrati'cheri Vereins iür den Wahlkreis Wirnzlebcn, die om Sonntag in Magdeburg statt- fand, wurde eine Resolution angenommen, in welcher es u. o. heißt: .Nach wie vor sind die Funktionäre der Ansicht, daß die von der sozialdemokratischen ReichstagSfraktion betriebene Kriegs Politik den Interessen der unteren Volks- schichten entsprach. Die Funktionäre verpflichten sich daher. allen Anfeindungen, denen diese Politik ausgesetzt ist. mit Rachdruck entgegenzutreten. Vom Parteitag erwarten die Funktionäre, daß er alle Bestrebungen unterstützt, die darauf gerichtet und geeignet sind, die Einigung unter den heute getrennten Teilen der Arbeiterbewegung wieder herbeizuführen. Die verhängnisvollen Folgen. die eine weitere Fortdauer des BruderkampseS in der deutschen Sozialdemokratie herbeiführen muß, würden sich auch bei uns im Kreise nicht abwenden lassen. Ausgebend von der Erkenntnis, daß ein gemeinschaftliches Arbeiten der proletarischen Bevölkerungsklasse im Sinne der sozialdemokra- tischen Bestrebungen erst dann wieder mit vollem Erfolg betrieben werden kann, wenn den bestehenden Ausnahmezuständen ein Ende bereitet ist, fordern die sozialdemokratischen Ver« Irauensmänner des Kreises die ReichstagSfraktion auf. nicht zu er- lahmen im Kampfe für die Demokratisierung d e S Reiches, für die Demokratisierung Preußens und sür einen baldigen Frieden der Verständigung und Versöhnung der Völker." Als Delegierter zum Parteitag wurde der ÄreiSvorsitzendc, Genosse Koch, gewählt. Da in der Generalversammlung am 8. Juli der„unabhängige" Kreisvorstand für den Wahlkreis Rcuß ä. L. in Gemeinschaft mit den Zeulenrodaer.Unabhängigen" aus der Partei ausgetreten ist, machte sich eine Neuordnung der Parteigeschäfte für den Sozial- demokratischen Verein notwendig. Genosse Fischer hatte für Sonnabend, den 4. August, eine Versamnilung einberufen, gegen die der„unabhängige' Vorstand in der„Reußischen Volkszeiiung' mit dem schwersten Geschütz zu Felde zog. Aber es half den.unab« hängigen" Parteizerftörern nichts. Die Versammlung war trotz aller G'egenagitation von'einer ziemlichen Anzahl Genossen und Genossinnen besucht, und Genosse Fischer konnte konstatieren, daß sich schon gegen 50 Parteigenoffen bei ihm gemeldet haben, die der Partei treu bleiben. Nachdem Genosse Leber seinen Vortrag über .Die Neuordnung der P arleige schäfte" gehalten hatte, wurde zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. Als erster Vorsitzender wurde gewählt Genosie Londtagsabgeordneter Oswald Fischer- Greiz, als Kassierer Franz Mühlmann-Greiz. Die erste Versammlung berechtigt zu den besten Hoffnungen. Jedenfalls wird die schon seit längerer Zeit eingeschlafene Parteibewegung nicht nur in Greiz, sondern im ganzen Fürstentum wieder neu aufleben. So kämpfen sie! Unter dem Belagerungszustand ist die Rede- und Verfamm- lungsfteibeit merklich eingeschränkt. Die Unabhängigen scheuen aber nicht vor der Behauptung zurück, die Mehrheit lasse ihre Gegner nicht zum Wort kommen. Eine Stichprobe dieser groß- zügigen Kampfesweise gaben wir aus dem„Gothaer General- anzeiger". Regelmäßig werden diese Manöver auf ihre Tauglich- keit probiert, wenn die Mehrheit in einer angeblichen Hochburg der Unabhängigen einen rednerischen Erfolg erzielt hat. So erst jetzt wieder die Erfurter„Tribüne": „Ueber dieses Thema sprach der RetchsragSabgeordnete Riagdeburgs(Landsberg) kürzlich in Erfurt, nachdem er in Halle nicht zu Worte gekommen war, weil ihn die dortigen Genossen nicht allein hören wollten und Redefteibeik keinem ihrer Redner— auch nicht dem Reichstagsabgeordneten Kunert — gewährt wurde. In Magdeburg veranstaltete man sogar eine sozialdemokratische Versammlung, in der wieder nur gan�z allein Landsberg reden durste! Was hat man über derartige Versammlungen mit einem ausgezwun- genen Meinredner früher gesagt-" Prächtige Entrüstung! Nur wählt die famose„Tribüne" den besseren Teil der Tapferkeit, indem sie die Generalkom- mandos als die Schuldigen verschweigt. Niemandem ist daS Verbot der freien Aussprache fataler, als den Vertretern der Mehrheit. So heißt es in einer Entgegnung der Magdeburger „Volksstimme" auf die Unterstellungen der Unabhängigen: „Es waren in der großen Beriammlung, die etwa 2500 Teilnehmer zählte, nur sehr wenig bekannte Unabhängige zu be- merken. Die Zwischenrufe zu dem Referat LandsbergS ließen ebenfalls erkennen, daß sich die Versammlung fast ausschließlich aus Mehrhcitssozialisten zusammensetzt«. Ein Anzeichen, daß die, Unabhängigen rednerisch dem Referenten entgegentreten wollten. war auch nicht vorhanden. Der Vorfitzende gab das Verbot der Aussprache erst nach dem Referat bekannt und versäumte dabei nicht, die polizeiliche Maßnahme scharf zu kritisieren. Bis zu diesem Augenblick lag keine Wortmelduna von un- abhängiger Seite vor. Es ist aber sonst üblich, daß sich Redner, die einem Reke renken entgegentreten wollen, rechtzeitig melden, entweder zu Beginn der Versammlung oder doch min- destens im Verlauf des Vortrags. Und wenn solch große Aktion von den Unabbängigen geplant war, dann hätten ibrc Wort- führer wohl nicht mit der �Keldung gewartet, bis der Vorsitzende zum Schlußwort ansetzte. Gemeldet hatte sich nur ein Anhänger der Mehrheit, der durch das Verbot am Reden gehindert wurde." Tic uiisaubercn Versuche der Unabhängigen, ihre an Zabl rapid wachsenden Niederlagen zu bemänteln, wären nicht der Druckerschwärze wert, wenn sie nicht gleichzeitig ein deschämc-ndes Zeugnis dafür wären, daß diese Leute, vom kläglichsten Sektengeist beherrscht, weder einen klaren Begriff vmi einer großen Sache, noch ein cchlcs Gefühl für. eine große Sache haben. Wo ist der rchtc Radikalismus? Das'...Hallcsche' Volksblalt/' bestätigt, daß sich links der Unabhängigen ganz Radikale ouftun, weil die Haase-Ledebour gegen den Opporiunismus nicht hieb- und stichfest seien: „Eine neue linksradikal-sozialistische Par- t e i ist demnach bestimmt zu erwarten. Das ist be- dauerlich, denn die Zersplitterung in den Reihen derjenigen, die den Kampf um den Wiederaufbau einer auf grundsätzlichem Baden stehenden sozialistischen Partei führen, muß sie schwächen gegen- über den Regierungssozialiften. die ohnedies im Vorteil sind, da ihnen die mühsam aufgebauten proletarischen Organisationen und die aufgehäuften Mittel und obendrein die Protektion der Ro gierung und der bürgerlich-liberalen Schichten zur Verfügung stehen. Die neue Parieigründung ist aver auch überffüsslg, denn es ist nicht ivahr, daß die Unabhängige Partei irgendwelche Grund- sätze preisgegeben habe und daß sie in Stockholm die„pazifistische Illusion des Verständigungsftiedens zur Plattform allein parla- mentarischer Diplomatenkunst erhoben" habe. Die Gründer der kommenden linksradikalen Partei hätten diesen Satz nicht schreiben tonnen, wenn sie das Stockholmer Manifest der unabhängigen De- legation gelesen hätten. Wir verweisen das Aktionskomitee der neuen Partei insbesondere auf die letzten Absätze, die von den Vor- bedingungen sprechen, unter denen der Abschluß des Weltkrieges herbeigeführt werden kann. Sobald man objektiv die Tätigkeit der Unabhängigen Partei würdigt. Müssen die Vorwürfe des Bremer Aktionskomitees glatt zu Boden fallen; damit fällt aber auch die Voraussetzung für die Notwendigkeit einer neuen Parteigründung." Wie kräftig die linke sten Radikalen ins Zeug geben, dafür eine kleine Probe. Ihr Organ, die Bremer..Arbeiterpolitik", höhnt über die Haltung der Unabhängigen während der letzten Ver- fassungskrise im Reiche: „Und die Haaseaten? Sie sind von den Vorgängen bollständig verdattert. Ihrem Zentralorycm. der.Leipziger Vollszeituiig", war die ganze«sache zunächst nur ein„Sturm im Wasserglase". Zwei Tage später wurde sie zum„Eisganz des bureaulratischcn Regierungssystems, dessen«schollen über- und durchcinandergeschoben, dem offenen Meere zukreiben". Zu- nächjt eine vollkommene Unterschätzung der Vorgänge, wahrschein- lich weil die Konkurrenz beteiligt war. Dann wieder die Ueber- schätzung, weil der Blick allein auf die parlamentarische Bühne gabeitek war. Von den treibenden Gewalten des„Eisganges" baben die Herren keine'Ahnung. Es bandelt sich hier um ein Manko des Willens wie des Intellekts. Sie wollen nicht bandeln. deshalb versagt ihr Erkennen. Sie werden tun, was sie bisher taten: sich freihalten von dem, was nach der Parteitraditiou. bloßstellen könnte— sie halten immer noch krampfhaft ihve Jungfernschaft hoch, nachdem sie schon längst niedergekommen sind." Diese Sachdarstellung ist erschöpfend richtig. Bon allen Kräf- ten. welcke zur Entwicklung der jüngsten Krise beigetragen haben. kann die der Unavbängigen am ehesten vernachlässigt werden; sie wurde niemals ernslbast eingesetzt. Getreu dem Wahlspruch der Unabhängigen; Draußen stehen, nichts tun und schimpfen! Industrie und Kandel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. DerBerlinerLloyd und die Schlei ifcheDampfer« Kompagnie baben jetzt ihre endgültige Verschmelzung vollzogen und firmieren„Schlesische Dampfer-Co.— Berliner Lloyd A-G." Das Aktienkopital beträgt 7 Millionen Mark. Neu gewählt wurden in den Auisichtsrat Bankdirettor Dr. Solmesen(Disconlo-Gc- sellschaft), ferner Generaldirektor Ballin. Direktor Huldermann, beide von der Hamburg-Amerika-Linie, Bankier Paul Guttmann, Kam- merzienral Georg Manasse(Stettin), Kommerzienrat Franz Gribel (Stettin) und Bankier Martin Schiff. Verantwortl. s. Politik: Dr. Franz Dicderich, Beriin-FriedeNau: sür d. übrige» Teil deS BIlitteS: kllircb Scholz, Neukölln: iür Inserate: Ty. Oilockc, Perlin. Druck u. Pcriag: Vorwärts Buchdruckerei u. VcrlagSanstall Paul Einger& Co., Berlin SW, Hierzu 1 Peilagc und Unterhaltungöblatt. Seilage öes vorwärts Nr. 21 5 � A4. Jahrgang Der neuen Kartoffelernte entgegen. Von Otto Braun. Neben dem Brot bildet die Kartoffel das Ruckgrat unserer Volksernährung. Bereits im Frieden entfiel zirka 12 Proz. der menschlichen Nahrung auf die'Kartoffel; im Kriege dürfte sich der Anteil noch erhöht haben. Das ist bei der vielgestaltigen Verwendbarkeit der Kartoffel nicht verwunderlich. Zudem steht Deurfchland mit seiner Kartoffelerzeugung weitaus cur der Spitze aller Landwirtschaft treibenden Länder. Wir ernten nach den bisher geltenden Statistiken, deren Rich- tigkeit jetzt freilich stark angezweifelt wird, im Jahresdurchschnitt S00 bis 10(10 Millionen Zentner Kartoffeln. Nur etwa ein Drittel dieser Menge wird für die direkte menschliche Er- nährung gebraucht und gleichwohl leidet die Bevölkerung fortgesetzt unter bitterem Kartoffelmangel. Der Hinweis auf die vorjährige schlechte Ernte zur Erklärung dieser Erscheinung verfängt nicht. Denn einmal war die Ernte 1916 nicht ganz so schlecht, wie sie von den Interessenten immer hingestellt wird, und zudem hatten wir im Jahre vorher bei einer Rekordernte gleichfalls zeitweise die- selbe Kartoffelnot. Nein, der Mensch hat im Konsum der Kartoffeln zu viel Kon- kurrenten, worunter das liebe Vieh der gefährlichste ist. Diese Konkurrenz hat sich in der Kriegszeit infolge der Unterbindung der Futtermitteleinfuhr noch verschärft. Und zudem reizen die hohen Fleischpreise, nicht zuletzt die im Schleichhandel erzielten Wucher- preise, im stärksten Maße dazu an, Kartoffeln mehr als bislang zu verfüttern. Der erhöhte Äartoffelbedarf von Mensch und Vieh könnte vielleicht befriedigt werden, wenn es gelänge, die Erzeugung von Kartoffeln wesentlich zu steigern. Diese Steigerung durch Ver- mehrung der Anbaufläche zu erzielen, ist bedenklich, da das nur auf Kosten anderer für die menschliche Ernährung nicht minder wichtiger Feldfrüchte geschehen kann. Nun läßt sich ja wohl die Kartoffelerzeugung auch noch auf der bisher benutzten Anbau- fläche wesentlich steigern, wie die in zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben und Versuchsgütern seit Jahren erzielten Ergebnisse be- weisen. So wurden auf nachstehenden preußischen Versuchsgütern in den letzten 10 Jahren im Jahresdurchschnitt folgenden Mengen vom Hektar gcerntct. Mehrertrag gegen den Durchschnitt im Deutschen Reiche Pentkowo büS Zentner......+286 Zentner Lauchstädt 520 Zentner.....+ 250 Zentner Mücheln 432 Zentner......+162 Zentner Dabei ist zu beachten, daß die beiden ersteren Güter wohl besseren Boden, Mocheln aber nur Boden 5. bis 6. Klasse aufweisen soll und gleichwohl diese erheblichen I lehrernten erzielt hat. Diese höheren Erträge können aber nur erzielt werden durch sorgfältige B o d e nb e a rbwrt u n g, ausreichende Düngung und Auswahl geeigneten Saatguts. Die beiden ersteren Bedingungen lassen sich jetzt bei dem Mangel an leistungsfähigen Zugtieren und geeigneten Arbeitskräften wie wegen der geringen Bereitstellung von Düngemitteln nicht im er- forderlichen Umfange erfüllen. Anders die dritte Bedingung. Wie wichtig für das Ernteergebnis auch ihre Erfüllung ist, erhellt aus folgendem: Auf dem Versuchsgute Pentkowo wurden bei glei- cher Düngung auf demselben Bodenschlage und in demselben Jahre folgende Erträge auf dem Hektar erzielt: Mit Kartoffelsorte„Industrie" 800 Zentner Knollen, Mit Kartoffelsortc„U Daber" 420 Zentner Knollen. Also, die für den Boden zweifellos geeignetere Sorte ergab beinahe den doppelten Ertrag. Zur Erfüllung dieser, wie aus vorstehendem ersichtlich, nicht minder wichtigen Vorbedingung für die Steigerung der Kartoffelerzeugung ist von den mit der Rege- lung der Volksernährung betrauten behördlichen Stellen sicher nicht das geschehen, was selbst unter Berücksichtigung der Kriegs- Verhältnisse geschehen konnte. Da das preußische Landwirtschaftsministerium, in dessen Wir- kungsgebiet über zwei Drittel der Karwffelanbaufläche liegt, unter Schorlemer sich vorwiegend von dem bequemen Grundsatz leiten ließ, daß möglichst freie Preisgestaltung und möglichst ge- ring« Beschränkung der Landwirte in der Berweirdung der land- wirtschaftlichen Produkte, die Erzeugung selbsttätig, dem Bedarf entsprechend regulieren würde, ist auch der Berkehr mit Saatkar- toffeln mehr nach dem Gesichtspunkt der Erziclung hoher Preise, als der richtigen Sortenauswahl vor sich gegangen. Die Verkäufer von Saalgut, für das trotz zweifelhafter Qualität in diesem Früh- jähr bis zu 18 M. für den Zentner gezahlt wurde, sind dabei auf ihre Rechnung gekommen. Ob auch die Kartoffelerzeugung, das wird der diesjährige Ernteertrag lehren. Noch steht es sehr dahin, wie viel Kartoffeln wir in diesem Jahre ernten werden, und schon sind einflußreiche Kräfte am Werke, um für den im Hiublick auf unsere innerpolitischen Ver- hältnissc geradezu verbrecherischen Gedanken einer Erhöhung der vorjährigen Winterkartoffelpreise Stimmung zu machen. Anläßlich der vorjährige» Höchstpreisfestsetzung für Winter- kartoffeln schrieb der fortschrittliche Abgeordnete, Gutsbesitzer Dr. Wendorff im„Berliner Tageblatt": „Der Großhandelspreis in Berlin betrug für Speisekartof- feln im letzten Friedensjahrzehnt 2,64 M. der Zentner, der Er- zeugerpreis also nicht mehr als 1.90 M.; somit bedeutet der neue Höchstpreis von 4 M. für den Landwirt eine Erhöhung auf mehr als das Doppelte, welche in entsprechend gesteigerten Er- zeugungskosten keine Begründung finden kann; ein Hersteller- preis von höchstens 3 M. würde die Wirtschaftsverteuerungen mqhr als auszugleichen vermocht und auch der gegen 1915 zu erwartenden schwächeren Karwffelerntie reichlich entsprochen haben." Das gilt auch für dieses Jahr, wo wir allem Anschein nach eine viel bessere Ernte als im vorigen Jahre zu erwarten haben. Deshalb muß dringend verlangt werden, daß die Preise für Frühkartoffeln, die für die Verbraucher in diesem Jahr« wieder erheblich höher als im Vorjahre sind, schleunigst abgebaut werden. Die Preise für Winterkartoffeln müssen mit Geltung von spätestens den 15. Sep- tember festgesetzt werden und dürfen unter keinen Ilmständen höher als im Vorjahre sein. Die Geltung des SpätkartosfelpreiseS, spätestens ab Mitte September, ist an sich gerechtfertigt, da im September fast nur noch Spätkarwffeln gehandelt werden. Zudem ist sie geboten, um die Zufuhr der zur Wintcrversorgung erforder- lichen Mengen nach den Bedarfsgemeinden ftüher in Bewegung zu setze». Im vorigen Jahre weigerten sich die Gemeinden mit Recht vor dem 1. Oktober, zu den hohen Frühkartoffelpreisen ihren Winterbedarf einzufordern. Nach dem 1. Oktober stockte dann die Zufuhr infolge Mangels an. Fuhrwerk. Bor allem aber kommt es darauf an, daß in diesem, dem vier- ten Kriegserntejahr, nun endlich die ganze Ernte erfaßt und restlos der öffentlichen Bewirtschaftung unterstellt wird. Un- erläßliche Vorbedingung dafür ist die B e st a n d s a u f n a h m e bei der Ernte auf dem Felde. Seit drei Jahren wird sie von sozialdemokratischer Seite gefordert, auch von der Volkswirt- schaftlichen Abteilung des Kriegsernährungsamts ist sie in Heft 2 ihrer„Beiträge zur Kriegswirtschaft" als notwendig bezeichnet worden. Es mutz daher erwartet werden, daß sie in diesem Jahre endlich durchgeführt wird. Denn durch eine solche Bestandsauf- nähme allein kann eine einigermaßen sichere Grundlage für die Verbrauchsregelung geschaffen werden. Alle Schätzungen in Mieten und sonstigen Aufbewahrungsräumen haben sich bisher als irre- führend und die Verheimlichung begünstigend erwiesen. Sodann muß alles daran gesetzt werden, um die als mensch- lichc Nahrung erforderlichen Kartoffelmengen unbedingt sicherzustellen. Das kann nur dadurch ge- schehen, daß sie schnellstens den Erzeugern abgenommen und den Bedarfsgemeinden zugeführt werden. Diese sollten dann den Ver- brauchern ihren Jahresbedarf sogleich liefern, die schon im eigenen Interesse für sorgsame Aufbewahrung Sorge tragen werden. Re- serven können von den Gemeinden in Kellern und Mieten auch sachgemäß aufgehoben werden. Solange die Kartoffeln beim Er- zeuger lagern, schweben sie in Gefahr, unberechtigt verfüttert oder im Schleichhandel verschoben zu werden. Das haben die Erfahrun- gen dreier Kriegsjahre zur Genüge bewiesen. Es muß aber auch eine ausreichende Menge sicherge- stellt werden, um der Bevölkerung, deren Ernährung sich ohnehin andauernd verschlechtert, eine auskömmliche Ration zu- teilen zu können. Auf den Kopf der Bevölkerung 10 Pfundpro Wocbe dürfte das mindeste sein, was zugemessen werden muß. Für die Schwerstarbeiter müßten noch darüber hinaus' Zulagen bereitgestellt werden. Auch sollte man den Laubenkolonisten der Größstädte die oft mit vieler Mühe erzeugten geringen Kartoffel- mengen ohne Anrechnung auf ihre Ration belassen. Die in Aus- ficht genommene Anrechnung mutet doch gar zu kleinlich an, mutz den Leuten ihre Arbeit für die Zukunft vergällen und im Hinblick darauf, daß man sich auf dem Lande im Verbrauch noch so wenig Beschränkungen auferlegt, geradezu verbitternd wirken. Die Hauptsache ist, daß der Kartoffelverbcauch so geregelt wird, daß die Volksmassen der Städte und Jndustriebezirke nicht wieder Wochen-, ja monatelang ohne Kartoffeln bleiben oder mit 1. bis 2 Pfund die Woche abgespeist werden. Das wäre unerträglich und müßte die verhängnisvollsten Folgen zeitigen. Auch darf die K o h I- und Futtecrübenära, die so viel berechtigte Erbitterung ausgelöst hat, nicht wieder aufleben. Die Rüben dem Vieh, die Kartoffeln de» Menschen! Das muß der Grundsatz sein, der die Reichskartoffelstelle bei der Bewirtschaftung der Kartoffelernte 1917 leitet. GrofrBerün Freiwillige üer§rieöensarbeit, vort Wenn nicht die Massen selbst für den Frieden eintreten, dann geht dieser Krieg überhaupt nie zu Ende. In dieser Erkenntnis wirkt die sozialdemokratische Partei daheim, und damit wirkt sie auch vorbildlich auf das Ausland. Wenn sich Berlin als das stärkste Zentrum der sozia- listischen Friedensbewegung erweist, kann das auf die Dauer nicht ohne Rückwirkung bleiben auf London und Paris. Berlin zum stärksten Zentrum der sozialistischen Friedens- bewegung zu machen, das ist die große Aufgabe, deren Lösung den Ehrgeiz der werktätigen Bevölkerung Groß-BcrlinS reizen sollte. Notwendiger denn je ist eine starke sozial- demokratische Organisation! Darum sei auch an dieser Stelle auf die heutigen Veranstaltungen der Partei hingewiesen, die wir unter der Rubrik„Groß-Berliner Partei- Nachrichten" ausführlich verzeichnen. In allen diesen Ver- sammlungen und Zusammenkünften werden neue Mitglieder aufgenommen. Das heißt, jedes Parteimitglied kann einen Freund, einen Bekannten mitbringen, der seinen Beitritt zur Partei vollziehen will. Jeder, der diese Zeilen liest und noch nicht Mitglied der Partei ist, kann heute abend auch allein den Gang in eines der angegebenen Lokale unternehmen, um dort seinen Beitritt anzumelden. Die einzige Voraussetzung ist, daß er auf dem Boden der sozialdemokratischen Partei- grundsätze steht, zu denen bekanntlich nach unserer Auffassung auch die Pflicht der Landesverteidigung gehört. Manchem scheint der Beitritt zur Partei ein gar zu schwieriges Unternehmen. Längst ist er innerlich überzeugter Sozialdemokrat, treuer Leser des-„Vorwärts", aber sich ganz zur Sache der Sozialdemokratie bekennen, das möchte er nicht. Solche schwächliche Gesinnung hat in der jetzigen Zeit weniger Berechtigung denn je.„Das, was du bist, sei durch und durch, nicht halb ein Vogel, halb ein Lurch!" Nur wer Bekennermut und Solidaritätsgefühl zeigt, hat ein Recht auf Selbstachtung. Diese Mahnung richtet sich nicht nur an die Männer, sondern auch an die Frauen, für deren Gleichberechtigung im Staat, in der Familie, in der Werkstatt die sozialdemo- kratischc Partei seit je mit Entschiedenhett eintritt. Auch sie müssen die Stumpfheit und Gleichgültigkeit abschütteln, auch an sie ergeht der Ruf: Hinein in die Partei! Die Kartoffelernte der Selbstversorger. In den Kreisen der Groß-Berliner Gartenbesitzer und Lauben« fiedler hat e» Unzufriedenheit erregt, daß ihnen ein Teil der von ihnen selbst angebauten Kartoffeln auf die Kartoffelkarte angerechnet wird. Vor allen Dingen besteht vielfach Unklarheit über den Um- fang dieser Anrechnung. Nach einer Vereinbarung der Groß-Berliner Gemeinden wird den Kartoffelerzeugern der Ertrag ihrer Ernte von Frühkartoffeln folgendermaßen angerechnet: Bis 200 Quadrat- meter Anbaufläche wird den Selbstversorgern nur das von den Ge- meinden empfangene Saatgut angerechnet, wobei als Höchstmenge 75 Pfund angenommen werden. Für die 200 Quadratmeter über- steigende Anbaufläche wird das Dreifache der 75 Pfund übersteigenden Saatmenge angerechnet. Die Anrechnung erfolgt für die Zeil vom 20. August bis zum 14. Oktober. Für die Anrechnung der Spät- kartoffeln sollen noch besondere Bestimmungen ergehen. Mittwoch, 8. fluguftlHl? Kaffee-Ersatz in Grost-Berli«. In den Groß-Berliner Gemeinden sowie den Kreisen Teltow und Niederbarnim steht eine neue Verteilung von Kaffee-Ersatzmiiteln bevor, welche auf Grund des Abschnitts 4 der Kaffee-Ersatzkarte er- folgen wird. Der Bestellabschnitt dieser Nummer wird vom 10. August an in allen Geschäften, die durch ein Plakat der.Per« teilungsstelle der Deutschen Kaffee-Ersatz-Jndustrie E. V." kenntlich gemacht sind, abgegeben werden können. Die Abgabe des Bestell- abschnitts muß spätestens bis zum 17. d. M. erfolgt sein. Die Ware selbst kann vom 1. September ob auf den Empfangsabschnitt Nr. 4 der Karte entgegengenommen werden. Ausgabe der Zusatzbrotkarten. Die Zusatzbrotkarten werden vom Montag ab nicht mehr durch die Brolkommtssionen, sondern in den Arbeitsbelrieben selbst an die bezugsberechtigten Arbeiter ausgegeben. Mit diesem Zeitpunkt fällt die besondere Zulage für Schwerstarbeiter fort. Es ist. wie bereits früher bekannt gegeben worden ist, eine Einheitsportion in Höhe von 450 Gramm als Brotzulage festgesetzt worden. Diese erhalten in Zukunft alle krankenversicherungspflichtigen, gewerblich tätigen Personen mit Ausnahme der Bureau- und kaufmännischen An- gestellten, der technischen Angestellten, der beim Arbeitgeber in Per- pflegnng befindlichen Bediensteten in Gast- und Speisewirtschaften und der Privatdienstboten._ Wozu„Pflegekinder" manchmal gut sind! Eine Leserin unseres Blattes berichtet uns, was sie erlebte, als' sie ihr Kind zu fremden Leuten in Pflege zu geben wünschte. Auf einem Spielplatz wollte sie Anknüpfung mit einer alten Frau suchen, von der sie wußte, daß sie zwei Kinder bei sich in Pflege hat. Da« bei hörte sie folgendes Gespräch zwischen dieser Frau und einer an- deren, bei der gleichfalls ein Kind in Pflege ist. Frau A.: Sie haben es fein mit ihren zwei Kindern. Frau B.: Ja! Ich will sie aber jetzt abgeben, sie sind mir schon zu groß und erzählen auch alles zu Hause. Ich nehme mir wieder kleinere Kinder. Frau A.: Ich werde mir jetzt auch zwei Kinder nehmen, meinetwegen für zehn Mark monatlich. Denn das Geld ist doch Nebensache, die Hauptsache sind und bleiben doch die Karten. Milch und Haferflocken bekommen mir ganz fein, sonst war' ich schon längst auf dem Kirchhof. „Kann man da mit Ruhe die Kinder in Pflege geben?" tragt in ihrem Schreiben an uns die entsetzte Mutter, die eine Pflege für ihr Kind gesucht hatte. Wir hoffen, daß„Pflegemütter" dieser Art denn doch nur Ausnahmen sind. Urlaubsreisen der Hilfsdienstpflichtigen. Hilfsdienstpflichtige haben bei Urlaubsreisen ans den besetzten Gebieten nach der Heimat Anspruch auf freie Eisenbahnfahrt in der dritten Wagenklasse. Tie Kosten der Urlaubsreisen sollen auf die Reichslassc übernommen werden. Bei der deutschen Postverwallung in Belgien haben die Hilfsdienstpflichtigen für die Hin- und Rückfahrt die Fahrgelder des öffentlichen Verkehrs zunächst auszulegen. Sie werden ihnen bei der Rückkehr erstaltet. Die Ausführung der Reife ist am Zielort von der Gemeinde- oder Polizeibehörde durch Abstempelung des Urlaubscheines nachzuweisen. Sollte der Hilfsdienstvflichtige außer- stände sein, die Eisenbahnfahrgelder aus eigenen Mitteln zu be- streiten, so kann ihm ein Vorschuß aus der Postkasse gewährt werden. Die Ferienlindcr in Siebenbürgen.£)äs kaiserlich deutsche Konsulat in Kronstadt(Ungarn) teilt dem Magistrat mit, daß die Berliner Kinder im gastlichen Siebenbürgen alle wohlauf sind, �bs wird zur Vermeidung unnötiger Belastung des tclegraphiichen Ver- kehrs gebeten, von telegraphischen Einzelanfragen der Eltern ab- zusehen. 10 000 M. auf einem Postamt vergessen. Sehr teuer ist einem Wilmersdorfcr Kaufmann seine Vergeßlichkeit zu stehen gekommen. Er hatte auf dem Postamt in der Uhlandstraße Geld eingezahlt und dabei feine Brieflasche, in der sich 10 000 M. in Geldscheinen befanden, auf das Schalterbrett gelegt. Als er sich eilig entfernte, vergaß er die Tasche an sich zu nehmen. Obwohl der Kaufmann den Verlust sehr bald bemerkte und schleunigst das Postamt auf« suchte, war die Tasche bereits verschwunden. Auf die Wieder- beschaffung des Geldes und der Brieftasche, die auch die Militär- papiere und einen Reisepaß enthielt, hat der Verlierer eine erheb- liche Belohnung ausgesetzt. Mit gefesselten Händen wurde ein Mann am Friedrich-Karl« llfer aus der Spree gelandet. DaS Publikum, das die Bergung der Leiche sah, glaubte an ein Verbrechen. Der Tote wurde fest« gestellt als ein 30 Jahre alter Kaufmann Rüg er, der schwer krank war. Rüger ist in der Verzweiflung über sein Leiden, das ihmeine tiefe Gemütsverstimmung brachte, freiwillig ins Wasser gegangen. nachdem er alle seine Geldvcrbältnisse geregelt hatte. Er verließ am Freitag seine Wohnung und kehrte nicht wieder zurück. Die Fesseln hatte er selbst, wie deutlich zu erkennen und festzustellen war, aus seinem Taschentuch zurecht gemacht. Aus der Sclbstmordchronik. Eine 33 Jahre alte Näherin Emma St., die bei ihrem verheirateten Bruder in der Jablonsli- straße wohnte und seit längerer Zeit nervenkrank war. hat sich mit Gas vergiftet. Gleichfalls mit Gas vergiftet hat sich eine 25 Jahre alte Arbeiterin Martha D. aus der Manteuffelstraße, nachdem sie vorher schon eine ätzende Flüssigkeit getrunken hatte. Eisenbahnunglück auf der Brandenburgischcn Städtebahn. Ein Eisenbahnunfall, bei dem eine Anzabl Personen verletzt wurden und der leicht viel schwerere Folgen hätte haben können, hat sich am Sonntag auf der Brandenburgischen Städtebahn in der Nähe von Rathenow ereignet. Gegen �7 Uhr abends entgleiste bei der Tahenower Ziegelei beim Passieren einer Weiche ein in der Mitte des aus Brandenburg a. H. kommenden Personenzuges befindlicher Wagen und riß einige folgende Wagen ebenfalls a»S den Schienen. Die ent- gleisten Wagen wurden noch eine Strecke weit von der Lokomotive mitgerissen. Dann stürzten die beiden mittelsten Waggons um, während vier andere Wagen sich stark zur Seite legten. Auf die Meldung von dem Unfall eilten von der nahen Station Rathenow Beamte und Arbeiter an die Unfallstelle, die sich mit den zahlreichen im Zuge befindlichen Arbeitern sofort an die RettungSarbeiten machten. Erst nach vielen Bemühungen gelang es, die in den umgestürzten Wagen befindlichen Personen zu befreien. Die Verletzten, etwa 12 bis 15, erhielten von dem inzwischen eingetroffenen Rathenower Aerzten erste Hilfe und Notverbände. Fünf der Verunglückten wurden mittelst Krankenwagens nach dem Rathenowcr Krankcnhause geschafft. Vier davon konnten aber noch an demselben Tage nach Hause entlassen worden. Die Verletzungen haben sich durchweg als nicht besonders schwer herausgestellt. Die Ursache des Unfalles ist noch nicht aufgeklärt. Der Unfall hätte zweifellos viel schlimmere Folgen gehabt, wenn er an einem Wochentage eingc« treten wäre, wo der fragliche Zug immer sehr stark mit Arbeitern besetzt ist. Ei« Bolkskonzert des Philharmonischen Orchesters findet heute in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn deS Konzerts 8 Uhr.__ Lichtenberg. 500 000 Mark für Reichsbekleidung. In der letzten Sitzung des städtischen Nahrungsmittelausichusses berichtete der Vor- sitzende, Stadtsyndikus Dr. Maretzky, über das Angebot der Reichs« belleidungsstelle auf Lieferung von Kleidungsstücken, um dem dringendsten Bedarf der bürgerlichen Bevölkerung zu decken. ES sollen Sonntags- und Werktagsanzüge jür Männer, Jackenkleider, Blusen und Kleiderröcke für Frauen, Hemden und Unterhosen fiir Männer und Frauen verteilt werden. Bei gleichmäßiger Verteilung würden auf Lichtenberg nach dem Verhältnis seiner Einwohnerzahl etwa 1600 Anzüge und ebenso viele Hosen usw. entfallen. Mit Rücksicht auf die Lichtenberger Jndustriebevölkerung sei es indessen dringend erwünscht, eine größere Lieferung in Anspruch zu nehmen. Der Ausschuh empfahl daher nach dem Vorschlag des Dezernenten, eine Bestellung auf Kleidungsstücke im Werte von 500 000 Mark aufzugeben._ Neukölln. Lebensmittel. Von morgen bis nächsten Mittwoch dürfen in denjenigen Geschäften, in welchen die Neuanmeldung zum Bezüge von Kolonialwaren(Grieß, Graupen usw.) erfolgt ist, auf Ab- schnitt 43 der Lebensmittelkarte zwei Suppenwürfel a 10 Pf. ent- uommen werden._ Spandau. Einführung von Holzkartcn. Der Magistrat will der schlechten Versorgung mit Brennmaterial auch dadurch Rechnung tragen, daß er eine gleichmäßige Verteilung der ihm zur Verfügung stehenden größeren Holzmengen vornimmt. Es werden Holzkarten ausgegeben, auf die im kommenden Winter jeder Haushalt einen halben Raummeter Brennholz zum Preise von 20 M. erhält. Die vorhandenen Holzvorräte werden jedoch auf diese Lieferung an- gerechnet. Die Belieferung geschieht in der Weise, daß immer einzelne Straßen aufgerufen und häuserweise mit Holz versehen werden. Zunächst gibt es nur Klobenholz, später soll auch zer- kleinertes Holz zu entsprechendem Preise geliefert werden. Daneben behalten natürlich auch die Kohlenkarten in vollem Umfange ihre Gültigkeit._ Cöpenick. Lebensmittel. Stadtseitig verteilte Lebensmittel ge- langen von morgen ab in den Lebensmittelhandlungen zum Verkauf. Kreis Niedcrbnrnim. Ausfuhrverbot für Heu. Zur Sicherung des Heubedarfs der Heeresverwaltung hat der KreiSauSschuß die Ausfuhr von Heu aus dem Gebiet des Kreises verboten. DaS Ver- bot erstreckt sich nicht auf Lieferungen, die mit Genehmigung des KreisauSschusseS, auf dessen Veranlassung oder durch die Vermitte- lung eines vom Kreise beauftragten Kommissionärs fiir die Heeres- Verpflegung erfolgen._ Pankow. Bürgermeisterwahl. Zum Gemeindevorsteher wurde in der gestrigen Sitzung der Gemeindevertretung der bisherige stell« vertretende Amts« und Gemeindevorsteher, Stadtrat a. D. Sta- w i tz einstimmig gewählt. Er steht inr Alter von 42 Jahren und gehört dem Paukower Gemein devorstand seit 1907 an. Weißcnsee. Lebensmittel. In dieser Woche können außer den bereit« angebotenen 375 Gramm Südfruchtmarmelade noch iveitere 200 Gramm, insgesamt also 675 Gramm in den bekanntgegebenen Geschäflen entnommen werden. Bei der Verabfolgung der vor- erwähnten 200 Gramm ist der Abschnitt 07i der Kartoffelkarte ab- zutrennen._ Fricdrichöfelde. Lebensmittel. Von heute ab erhält jeder Ein» wohner in dem Geschäft, in welchem er in die Zuckerkundenliste eingetragen ist, auf Abschnitt 34 der Lebensmittelkarte Va Pfund Hafermehl zum Preise von 22 Pf. Hroß-öerliner parteinachrichten. Heute, Mttwoch, den 8. August, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlungen und Zusammenkünfte. Berlin I. Bei Glane, Kommandantenstraße 88. Berlin II. 1. und 2. Abteilung Westen bei Schneider, Winterfeldtstr. 8(Ecke Frobenstraße). 3., 4., 7. und 8. Abteilung Friedrichstadt und Süden, Lindenstr. 3, 2. Hof links III.. ll. und 6. Abteilung Südwesten bei Habel, Bergmannstr. 5/8. Berlin III. Im Gewrrkschaftshaus, Engelufer 15. Berlin IV. Petersburger Viertel im Lokal von Karl Kühne, Schreinerstr. 58. Landsberger Viertel im Elysium, Landsberger Allee 40. Frankfurter Viertel bei Boeker, Weberstr. 17. Stralauer Viertel bei E. Naß, Warschauer Str. 57. Görlitzer und Cöpcnicker Viertel bei Fröhlich, Muskauer Str. 1. Berlin V. In den NnionS-Festsälrn, Greifswalder Str. 222. Berlin VI. 1. u. 2. Abt. bei Dobrohlaw, Swinemünder Straß« 11. 3. u. 4. Abt. bei Burg, Prenzlauer Allee 189. 5. u. 7. Abt. im Genossenschaftshaus, Stargarder Str. 3. 6. Abt. bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. 8. Abt. bei Hoffmann, Swinemünder Straße 47. 9. Abt. bei Obiglo, Stralsunder Straße 11. 10. Abt. bei CaruS, Voltastraße 37. 11. Abt. bei Spiegel, Ackerstraße 1. 12.U.15. Abt. bei Rcnter, Birkenstr 29a. 13.U.14. Abt. bei Kleinert, Jagowstraße, Ecke Levetzowstrahe. IK.u.17. Abt. ber Sachse, Lindower Straße 26. 18.U.19. Abt. im„Schwedenzclt", Schweden- und Exerzicrstr.-Ecke. 20. Abt. bei Fuchs, Weddingstratze 5. 21.U.22, Abt. bei Lewandowski, Seestraße 104. Teltow-BceSkow. Eharlottcnlmrg. Volkshaus(Kleiner Saal). Cöpenick. Nächste Veranstaltung am Mittwoch, den 15. August. Weiteres durch Handzettel. Maricnfeldr. Bei Staffelt, Berliner Str. 133. Neukölln. In den folgenden Lokalen: 1. bis 4. Bezirk bei Schulz, Reuterstr. 47, Ecke Lcnaustratze; 5. u. 6. Bezirk bei H. Schittler, Weichselstr. 5, Ecke Donaustraße; 7. bis 9. Bezirk bei Rob. Iben, Boddinftr. 58, Ecke Jfarstraße; 10., 11. u. 12. Bezirk im Turner- beim, Böhmische Straße 13; 13. bis 17. Bezirk bei Job. Cenkel, Hermannstr. 178, Ecke Thomasstraße; 18. bis 20. Bezirk bei Ed. Richnow, Prinz-Handjery-Str. 69; 21. bis 24. Bezirk bei Herm. Hrntschrl, Herrfurthstr. 27. Steglitz. Bei Clement, Düppelstr. 7. Tempelhof. Bei Fritz Müller, Berliner Straße 97. Treptow-Baumschulenweg. Der Zahlabend fällt au?. Niederbarnim. Lichtenberg. Im„Prälaten", Ecke Eitel- und Sophienstraßc in Neu- lichtcnberg. Obcrschönewcide. Im Restaurant Ladewig, Laufener Str. 5. Nicderschönhauscn, Pankow, Buchholz. Bei Srttrkorn, Lindenstr. 1 (am Bismarckplatz). Reinickcndorf-Ost. Bei Dölchner, Residenzstr. 50. Reinickendorf-Wcst. Bei Schiller, Antonicnstr. 10. Weißensee. Bei Stacrke, Charlottenburger Str. 3. In allen Versammlungen und Zusammenkünften»norden Bei- träge kassiert und neue Mitglieder aufgenommen. Alle auf dem Boden der Mehrheit stehenden Anhänger sind eingeladen. » Anmeldungen zur Jugendweihe werden in den Versamm- lungcn.entgegengenommen. Die Anmeldung zur Jugendweihe kann außerdem geschehen in den„Vorwärts"-Speditionen und bei folgenden Genossen: Glaue, Kommandantenstr. 88(ain Dönhoffsplatz). Schröder, Hagelbecger Starße 54. Dittmcr, Grimmstr. 13. Radtke, Neue Jakobstr. 1. Schwanhcrz, Naugarder Str. 3. Frau Wöllstein, Lietzmannstr. 5/ Otto Lück, Föhrer Str. 9, Hof II. Bezirkssekretariat, Lindenstr. 3, Hof 2 Tr.-_ Die Kreisvorstände. Nach§ 1274 der Neichsbersicherungsordnllng sind die Landes- Versicherungsanstalten in der Loge, mit Genebmigung der AnfsichlS» behörde aus ihren Ueberschüssen Mittel für solche Zwecke zur Verfügung zu stellen, die der Hebung der Gefundheil der ver- sicherungspflichligen Bevöllerungöllassen zugute kommen. Auf Grund dieser Bestimmung bat die Landesversicherlingsanstalt Berlin kürzlich dem Groß-Berliner Kriegsausschutz zum Schutze aussichtsloser Kinder den Betrag von 50 000 M. sür den Ausbau der Kindersürsorge- Einrichtungen überwiesen. Es dürste nicht aussichtslos sein, auck ur anderen Landesteilen Mittel sür Zwecke der Kindersürsorge von den Landcsversichcrungsanstalten zu beantragen. Zu beackilen ist, daß nach Z 863 der Reichsversicherunnsordnung auch die Kranken- lassen in der Lage sind, Mittel für allgemeine Zwecke der Gesund- heitsfürsorge zu bewilligen. Von dem Gedanken ausgehend, daß in Abwesenheit ihrer Mutter ohne Aufsicht spielende Kinder namentlich auf dein Lande leicht Feuersgefahr verursachen können, hat die Schlesische Provinzial- Feuersozieiät den Betrag von 200 000 M. sür Kleinkindersürsorge bereit gestellt. Aus dieser Summe werden auf Antrag Beihilfen ziw ersten Einrichtung oder auch zur Verwaltung von Kindergärten, Krippen und Kinderschlvesterstationen beivilligt. Die Beihilfen richten sich»ach der Zahl der Kinder, die in der betreffenden Anstalt versorgt werden sollen. Sie werden auf ein Jahr bewilligt und können nach Ablauf desselben unter Vorlage eiues Jahresberichts neu beantragt werden. Die Schlesische Provinzial-Feuersozielät ist damit anderen Sozietäten gefolgt, die schon seit Jahren zum Teil erhebliche Miltel für derartige Wohl- fahrtszwecke zur Verfügung stellten. Wohnungsnot in Graudenz. DaS stellvertretende Gcneralkonnnando hat für Graudenz ein allgemeines Uinzugsverbot erlassen. Bis jetzt liegen über 100 Woh- nungskündigungen für den 1. Okiober vor. Soziales. Finanzielle Hilfsquellen für die Kindersürsorge. Das preußische Ministerium des Innern hat unter Aktenzeichen IVa 822 und das sächsische Ministerium des Innern unter Akten- zeichen 626 II blck mitgeteilt, es fei der Auffassung, daß Ausgaben, die die Gemeinden für notwendige Aufgaben der Fürsorge für Kinder arbeitender Mütter machen, als solche der Kriegswohlfahrts- pflege angesehen werden, falls die Mehrzahl der Mütter dem Stande der Kriegerfraucn angehöre. Danach haben wie in Preußen so auch in Sachsen die Gemeinden Anspruch auf Wiedererstattung eines er- heblichen Teiles der Aufwendungen, die sie für die Kinderfürsorge machen, insbesondere also für Aufwendungen für Krippen, Kinder- gärten. Horte. Mütterberatungsstellen, Auskunftsstellen sür Kinder- Versorgung usw. aus Staatsmitteln. Borgehen der Schweizerischen Regierung gegen Miet- steigcrungen. Auch in der Schweiz ist es nunmehr zu einem Vorgehen gegen Mietsteigerungen durch Hausbesitzer gekommen. Die Kantonsregicrungen sind erinächtigt worden, bei Miet- steigerungen auf Ersuchen des Mieters einzuschreiten, und die Kün- digung oder MielpreiSerhöhnng für ungüllig zu erklären, wenn sie nach den Umständen des Falles ungerechtfertigt erscheinen. Ist die Mietsteigerung begründet, die Lage des davon Betroffenen aber io ungünstig, daß er dadurch febwer getroffen wird, so sollen ihm die Gemeinde und der Kanton Mietzuschüsse gewähren. Auch gegen ungerechlfertigte Kündigung ohne Mietsteigerung steht den Kantonen und den Gemeinden ein Einspruchsrecht zu. Gerichtszeitung. „Wohltätigkeit" als Reklamemittel. Der Inhaber der.Szhdlowskischen Blinden werk« st ä t t e* in Schöneberg Halle sich eine nicht einwandsfreie Metbode auSgefonnen, um die bei ihm fabrizierten Bürsten in den Verkehr zu bringen. Er versandte an zahlreiche Personen Reliamezellel, die unter der Ucberschrift„Höfliche Bitte" etwa folgendes besagten: Es existieren in Berlin die Szydlowskischen Blindenwerkstätten, in welchen Unglückliche ihr tägliches Brot durch Anfertigung von Bürsten- waren verdienen. Wir sind gezwungen, unsere Ware durch den Hausier- Handel zu verkaufen. In den nächsten Tagen wird sich ein mit einerArm- binde bezeichnetre Herr oder Dame gestatten, vorzusprechen, und richten wir an die geehrten Herrschaften die ergebene Bitte, unsere Reisenden nicht, ohne etwa? zu kaufen, wegzuschicken, da sie uns mit jeder Kleinigkeit helfend unterstützen.— Der Amtsanwalt sah dies als einen Verstoß gegen die Verordnung an, wonach öffentliche Wohllätigkeitsunternehmungen dcrGenehmigung derBehörden bedürfen. Da nach seiner Ansicht die»neisten der von dein Angeklagten ver- triebenen Bürsten nicht von Blinden hergestellt sein dürften, beantragte er einen Monat Gefängnis. Rechtsanw. Dr. C o ß m a n n beantragte die Freisprechung, da die Verordnung hier gar nicht Platz greifen könne, weil es sich gar nicht u>n ein öffentliches Wohl- fahrrsuirternehinen handle, sondern um private Bemühungen des Angeklagten, die talsächlich von Blinden hergestellten Bürsten zu billigeren Preisen abzusetzen, als sie andersivo zu haben feien.— Der Gerichtshof teilte jedoch die Ansicht des Amlsanwalts und ver« urteilte den Angeklagten zu 14 Tagen Gefängnis. < Die herzlichsten Glückwünsche tz zur Silberhochzeit sendet j Euch liebe Eltern 118b m\ Sitte und Frau WtnSstr. 54 s«n von der Heimat Euer , dankbarer Sohn Walter,{ i zurzeit im Felde.» 71 Ihren Freunden und Ge nossen 119b Zriö» n. M Kille WinSstr. 54 dringen zur heutigen Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche dar 01» Vorstandsmitglieder des| 8oz. Vereins für Berlin V. P Deutlchep Cransportarbeifervcrband. Bezirksverwalt. Groß-Berlln Den Mitgliedern zur Nach- rlcht, daß unser Kollege, der Industriearbeiter frm Kruttke am 5. August Im Alter von 51 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 9. August, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Tabor-Kirchhoses in Ahrcns- selbe aus statt.' Die Bezirksverwaltung. Kranken- und Regräbnls- hasse der Seifensieder zu Rerlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß uns die Mitglieder �ssckke im Felde Karl Wunder Karl Bensch in der Heimat durch den Tod entrissen sind. 293,13 Ehre ihrem Andenke»! I. A.: Karl GeiSler. Kassierer. »ggs-u.Vckiistiiile Vorverksuk Stück 28 M. UodekD, Rosentbalerstr. ZK. II. Geschäft: VI, Bayerischer Platz 7, Ecke Gruncwaldstc. 58.* »Hautjucken (Krätze) wirksames M Spezialmittel 6 M. Dopp. Portionen(2 Pore.) 10 M. tpotli.laueiistelosVers.Spreinberg 1.44 fietinfanDetlk beseitigt[18081!» S5 ÄS, gansfallitl jed.Hautausschlag.Flechten, Hautjucken, bes. Bein- schöben, Krampfadern der Frauen u. dergl. Zusendg. erfolgt per Nachnahme in Dosen a 2,20, 3,85, 6,60. Blefanten-Apeibeke, Berlin, Leipziger Str. 74 (am Dönhoffplatz). _j25JahrcIangl__ lrcue Kunden und tausende Ancrkcnnungtn höchster Zu- jrtedcnbcit sind das beste Zeugnis sür meine garantiert unschädliche »lurSlikrWe echt und natürlich färbend. 9>n allen Farbtönen er- bältlich.— Otto Reichel. Berlin 43, Eiscnbahnstr. 4. latomng entfernt abends 8—8[107äl C. WeiBert, Gertchtstr. 74, 2 Tr. ||- Aerztl. gkleitete, moderu eingerichtetk>| !! VHkilanstalt f. amliulator. Kehandlnilg V! '■ Sii57?'*°&«;,,iKün8tl.Hlliin8onnen"tÄ?''■ Modernes, erprobtes Heilversahren: Raturheilversahrcn, Elektro, u. Licht-Therapie, Wasserheilversahren. Pflanzen- und Kräuterbäder, Sauerstosskuren, homöopathische Behand- lung. Pslanzensastkuren.— Nachweisbar gute Heilersolge bei sämtlichen Krankheiten, inneren und äußeren(speziell chronischen Leiden), z. B. Lungen-, Hals-, Herz», Magen-, Darm-, Leber-, Nieren- und Blasenleide», Nervenschivächcn. nervösen Kopfschmerzen, allgemeiner Nervosität, allgemeiner nervöser Abspannung; Ischias, Gicht. Rheumatismus; sämtlichen Ausschlägen, Flechten, Wunden. Lähmungen, so- »vi« Kinderlähmung; Stosswechsel-Krankheiten, Zuckerkrank- heit usw.— Wegen Nainnmangel seien nur einige Fälle mitgeteilt: Herr«. Hellmig, Borsigwald« b. Berlin. Ernst- str. 25. Bon Magengeschwulst, Berstopsung u. Nerven- schwäche in 6 Wochen geheilt. Sollte operiert werden.— Herr K. Wilthaus, Berlin, Blumenthalstr. 3. Bon Ge- schwulst und Abszeß an alter Operationsnarb« mit 15 Be- Handlungen geheilt.— Frl. M. Muschick, Bln.-Schöneberg, Sedanstraße 17 u bei Friebick. Bon Geschwulst«. Nerven- schwäche in 4 Wochen geheilt. Borher dringend zur Opera- tion geraten.— Herr A. Schladitz, Berlin, Caprivistr. 24. Bon Gesichtslupus in 1 Monat vollständig geheilt. Vorher 6 Wochen mit Radium in einer Berliner Klinik ohne Erfolg behandelt.— Frau E. Popp, Lichtenberg, Gärtnerstr. 10. Von chron. Frauenleiden, Herzschwäche und Berstopsung geheilt.— Sohn des Gärtners H. König, Pankow. In 6 Wochen von veralteter Belnlähmung geheilt. Borher anderweitig jeder Erfolg abgesprochen.— Bon Nervenschwäche in vier Wochen geheilt. Erklärt sich selbst für ganz gesund.— Herr Milchhändler Eckert, Berlm, Greisen- Hagener Str. 26. Von gichtisch-rheumat. Schmerzen in Bein u. Fußgelenk geheilt. Sehr zufrieden.— Herr A. Brost, Berlin-Maricndorf, Strelitzer Str. 11. Von chronischer Rückenmarkentzündung und Lähmung geheilt. Vorher sür unheilbar erklärt.— Herr R. Zöllner, > Reinickendorf-Ost. Provinzstraße 117. Von Lungenblutea und Katarrh geheilt.— Frau I. Herold, Berlin, Ramler- str. 23. Von Bronchiallatarrh geheilt.— Zwei Kinder des Kohlenhändlers Herrn Linie, Berlin, Strelitzer Straße 6. Bor 9 Jahren von Luugenleiden geheilt, heute noch gesund.— Herr G. Koppe. Bln.-Rummelsburg. Alt- Boxhagen 8. Von doppelseitigem Lungenspitzenkatarrh geheilt.— Herr O. Neumann, Lichtenberg, Blumenthal- str. 13. Von Neurasthenie und nervöser Magenschwäch« geheilt.— Frau E. Grosse, Berlin, Zwinglistr. 26. Von Leberleid«« geheilt.— Frau Restaurateur Hering. Berlin, Schönhauser Allee 87. Bon Basedowscher Krankheit ge- heilt.— Herr Erich Bock, Berlin, Stendaler Str. 17, IV. Bon Nieren- u. Blasenleiden, Wassersucht, allgemeiner großer Schwäche geheilt. Borher im Krankenhaus« erfolg- los behandelt. Jetzt Fliegersoldat. Getrennte Behandlungsräume für Damen und Herren! Sprech- und Behandlungszeit 9— 1, 4— 7�> Uhr. Sonntags und Feiertags 9—1 Uhr. I Serlin SO 16, KröckenstraßtM ÄÄV• SpeZial'Angebot unseres Schmierwasclunittels„Germania" voixua;!. Qualität, aullerorderitlich sparsam im Gebrauch. Lieferbar in Waggonladungen.— Probe- kübel von 36— 60kg zum Konsumentenpreis.(Gegen Nachnahme pro Plond 60 Pf. festgesetzt.) Vertreter nnter günstigen Bedingungen gesucht. „Germania66 Eabrfk kosmetischer und tecbnlscber Präparate Berlin W 67, Uülowstr. 00.— Tel. Lützow 8249. P" Gegen Feuer-, Blitz- und Explosions- 222/6* Schäden bietet sofortige Deckung zu billigsten Prämien und günstigsten Bedingungen Heinrich P/aenkel, Versicherungsburean, Berlin SW 68, Charlottenstr. Anruf: Zentrum 109 31, 32, Vermittler erhalten angemessene Provision. Künstl Zähne mit echtem Friedenskautschuk Goldkronen, Brücken, Plomben, Zahnziehen m. Betäubung, Umarbeitung, Reparaturen sofort. Billige Preise, auch Teilzahlung. Löser, nur Brunnenslr. 185, nahe Invalidenstr. Persönl. z. Sprech 10-7. Sonnt 10-12. Nord. 11508 Nerven-«d Stoffwechselleiden inSbelondere Nervenschwäche, Aderverfalfung, Gicht und Rheumatismus, Zuckerkrankheit, Magen- und Darm- leiden, Herz-, Leber- und Nicrenkrantheiten, Blutarmut, Frauenleiden, Schwächezustände, Hautlciden werden mit vorzüglichem Erfolge nach besonderem Verjähren odne Jede BcrnfsatOrans behandelt Karze Kardaaer. Kofflbln. Sauerstofikuren.— Künstl. Höbensonne. Sprechstunden 9— lO'V 3— 41/,, Sonntag 10—11. Ausführliche Prospekte kostenfrei. G»nlttit»r»t Dr. HVelse'» Ambnlatortnni, Berlin 117. WUhclmstr.»4-90. Ungeahnte Erwerbs- NbgltchheKen bietet die nlchste Zukunft Eine tiefgreifend« Änderung unsere« gesamten Wirtschaftslebens, ein gewaltiger Aufschwung unserer Industrie u. des Handels steht bevor, und es werden überall geschulte Krähe gesucht sein. Angehörige technischer Berufe a. Handwerker sollen nicht verstumen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten dei kommenden Zeit anzupassen, um teilzunehmen an den wirtschaftlichen Erfolgen, die naturgemäß das Ergebnil des gewaltigen Ringens sein müssen. Das beste Mittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht eine gründliche Ausbildung in technischen Wissenschaften zu erwerben, sind die technischen Selbst- untcrrichtswcrke„Syst.knrnack. Hachfeld14. 80 S, starke Bro schüre kostenlos. Bonness& Hachteld, Potsdam. Postfach 167 Westmonn's Irauermajnzln Größte Aiuwahl. Billigste Preise. I UehranstraBe 37a (Kolonnaden) |il. Or. Frankfurter Str. I1£| (nahe Andreautr.) amwahltondungen sslart Amt Zerfruro 7890. honntig 12— 2 Uhr gattlnei ©Haben Sie Fuftaliff erden? emvseble nach Maß passent gearbeitet. Stiitzaiviagan sowie Brachbandacen aller Art, Leibbinden,«tsitz- korsettS usw., Artikel zur Ge- sundbeils- u. Krankenpflege.* Pollmannjimbagiff, Berlin X. Lothringer Str. 60, | Lieferant für Krankinkatteo. schWSW- Nr. 215— 7917 Unterhaltungsblatt des vorwärts Mittwoch, s. August ?n Erwartung einer neuen Raupen- offensive. Die trockene Witterung des Juni und Juli hat die Entwicklung der Kohlweißlinge sehr begünstigt. In großen Massen sieht man die bekannten weißen Schmetterlinge jetzt in den Gärten und Feldern umherflattern. Belrachlel man einmal eins der Weibchen des Kohl- Weißlings, das durch die schwarten Flecken auf den Borderflügeln deutlich vom Männchen unterschieden ist, bei seinem anscheinend Mecklosen Umherflattern genauer, so sieht man, daß es sich bald ausruhend auf irgend eine Pflanze niederläßt, selten aber lange bleibt, sondern sein Umherschwärmen bald wieder fortsetzt. Hat es jedoch auf der Unterseite eineS Kohlblattes Platz genommen, so dauert es gewöhnlich länger. Ein der Sache Unkundiger lönnte auf den Gedanken kommen, es stille hier seinen Hunger; das ist aber nicht der Fall; die inneren Teile der Freßwerkzeuge der Schmetterlinge sind nicht derart, daß sie von einem Blatte das Geringste genießen könnten, denn sie bestehen aus einem Nollrüssel, mit dem die Tiere höchstens den Honig aus der Blume saugen, aber weder beißen noch kauen können. Nimmt man aber die Unterseite des KohlblatteS, nachdem das WeißlingSweibchcn es verlassen, näher in Augenschein, so ent- deckt man gewöhnlich da, wo es gesessen hat, eine Anzahl Eier, die es dort abgesetzt hat. Obwohl das Tier selbst also von der Kohl- pflanze keine Nahrung nehmen kann, so sagt ihm doch der inne- wohnende Instinkt, daß seine Nachkommenschaft, die später aus den Eiern hervorkriechenden Raupen, einzig und allein von dieser Pflanze zu leben vermag. Die die Größe von etwa 3'/z Zentimeter erreichenden Raupen, die von bläulick-grüner Grundfarbe sind und durch schwarze Punkte, einen V-förmigen Fleck am Kopfe sowie durch mehrere gelbe Längsstreifen gekennzeichnet sind. entwickeln eine unheimliche Gefräßigkeit. Man hat beobachtet, daß eine Kohlweißlingsraupe in 24 Stunden mehr als das Doppelte ihres Gewichtes verzehrte und dadurch um ein Zehntel ihres srüberen Gewichtes schwerer wurde. Treten diese Raupen in einem Jahre massenhaft auf. wie es leider auch für dieses Jahr zu be- fürchten ist, so fressen sie ganze Kohlfelder kahl, und es bleibt dann von den Koblpflanzen nichts mehr übrig als die harten Blattrippen. Dieser Gefahr nun, so schreibt uns ein Mitarbeiter, muß bei der Wichtigkeit, die der Kohl für unsere Winterernährung zu bean- spruchen hat, auf da? wirksamste begegnet werden. Das kann nur dadurch geschehen, daß man auf den Kohlfeldern die unteren Seilen der Blätter nach Raupeneiern absucht und diese durch Zerreiben zwischen den Fingern vernichtet. DcS weiteren sind die schon ausgebrochenen Raupen an den Pflanzen sorgfältig abzulesen. Da die Gärtner und Landwirte nicht über die nötigen Arbeitskräfte verfügen, empfiehlt sich auch die Inanspruchnahme der Kinder bei dieser leichten und doch sehr wichtigen Arbeit.... Die Raupen des Kohlweißlings rreten in manchen Jahren in so großen Massen auf, daß sie imstande sind, einen Eisenbahnzug im vollen Lauf zu hemmen und vollständig zum Stillstand zu bringen. Wir besitzen die Schilderung eines derartigen Ereignisses aus der Feder eines durchaus glaubwürdigen Zeugen, des einstigen Präsidenten des Entomologischen Vereins zu Stettin, C. A. Dohrn. Dieser berichtet darüber:„Im Sommer 1854 kam ich von Berlin nach Prag über Brünn. Zwischen diesen letzten beiden Städten ging plötzlich der Zug auffallend langsamer; aus dem lang- kamen Tempo wurde ein schleppendes, und gleich darauf hielt der Zug vollständig still.... Was einem Ele- ianten, einem Büffel nicht gelungen wäre— etwa den Fall ausgenommen, daß ihre zerschmetterten Leichen den Zug aus den Schienen gebracht hätten—, da? hatte die unbedeutende Raupe des Kohlweißlings glorreich durchgesetzt. Auf der linken Seite des Schienenstranges befanden sich nämlich einige Felder, an deren ab- gefressenen Kohlstrünken die Freßlust besagter Raupen deutlich ge- nug zu erkennen war. Da sich nun in einiger Entfernung rechts von den Schienen einige Kohlbecte wahrnehmen ließen, deren Pflanzen noch in reichem Blätterfchmucke prangten, sy war offenbar kurz vor- her in einer Raupen-Volksversammlung einstimmig beschlossen worden, nach der Regel udi bene, ibi patria das engere Bater- ländchcn des Kleinherzogtums Linksstrang mit dem Großherzogtum Rechisstrang zu vertauschen. Infolgedessen waren gerade im Mo- ment, wo unser Zug mit voller Geschwindigkeit heranbrauste, die Schienen auf mehr als 60 Meter Länge mit den Kohlraupen dicht bedeckt. Daß auf den ersten 20—25 Meter die unglücklichen Fuß- und After- fußwanderer durch die tölpischen Räder der Lokomotive in einer Sekunde zerquetscht waren, das war natürlich; aber die schmierige Maffe der Tausende von kleinen Fettkörpern legte sich auch gleich mit solcher Kohäsion an die Räder, daß diese in den nächsten Sekunden kaum noch Reibung genug besaßen, um vorwärts zu kommen. Da aber jeder Schritt vorwärts durch neues Raupen- quetschen neues Fett auf die Räder schmierte, so versagten diese vollständig den Dienst, noch ehe die marschierende Kolonne der Raupen durchbrochen war. ES dauerte länger als 10 Minuten, ehe mit Besen die Schienen vor der Lokomotive gekehrt und mit wollenen Lappen die Räder der Lokomotive und des Tenders so weit geputzt waren, daß der Zug wieder in Bewegung gesetzt wer- den konnte."_ Nahrungsbedarf und Varmlänge. Die Ernährungsfrage, die jetzt in allen europäischen Ländern im Vordergrund des VolkSinteresseS steht, hat in den letzten Jahren zu den verschiedensten Untersuchungen über den Nahrungsbedarf der Menschen geiührt. Der Nährwert der einzelnen Nahrungsmittel wurde hierbei nach Wärmeeinheiten oder Kalorien gerechnet, d. h. nach der Kraft der Wärme, die bei der Zerstörung be�w. Ver- brennung der Nahrung in unserem Körper gebildet wird. In jüngster Zeit hat nun ein Forscher— C. v. Pirquet— die Untersuchungen über den Nahrungsbedarf des menschlichen Körpers nach völlig neuen Gesichtspunkten vorgenommen. Zunächst rechnet Pirquet nicht mehr nach Kalorien, sondern stellt als natürlichste Einheit die Milch auf, an deren Nährstoffen er den Nährwert der übrigen Nahrungsmittel mißt. Als kleinste Nahrungseinheit gilt der Nähr- und Brennstoffwert von 1 Gramm Milch. Neben diesen Brennstoffwerten, die Kohlehydrate und Fette umschließend, muß auch der Eiweißwert einer Nahrung in Betracht kommen, und auch hier bildet wieder die Milch, indem als PortionS- einheit die Eiweißmenge, die in 100 Gramm Milch enthalten ist, angenommen wird, den Ausgangspunkt der Berechnungen. Die tägliche Nahrung des Menschen sollte stets so beschaffen sein, daß der Eiweißwert mit dem Brennstoffwert möglichst übereinstimmt. Ein Ueberwiegen der Eiweißwerte ist unnötig, ja auf die Dauer sogar schädlich. Noch eigenartiger als die Festsetzung dieser neuen Brennstoff- und Eiweißeinheiten an Stelle der bisher üblichen Kalorien ist die Methode, nach der der Forscher die für den Menschen notwendigen Nahrungsmengen bestimmt. Maßgebend für diese Bestimmungen ist in erster Linie die Ausdehnung des menschlichen Darmkanals, von der allein die BerdauungSfähigkeit jedes Menschen abhängt. Ißt der Mensch zum Beispiel mehr, als die Oberfläche seines Darmes aufzusaugen imstande ist, so geht die wertvollste Nahrung un« verbraucht wieder ab, während umgekehrt auch weniger wertvolle Nahrung, aber in der richtigen Menge gegeben, vom Darm nach Möglichkeit ausgenutzt wird. Nun handelt eS sich natürlich vor allem darum, zu wissen, wieviel Flächenraum der menschliche Darm zur Aufsaugung der Nahrung besitzt, und diese Berechnung wird dadurch erleichtert, daß zwischen der Sitzhöhe des Menschen, d. h. dem Zivischenraum zwischen Sitzfläche und Scheitel- höhe und der Länge seines Darms ganz bestimmte Beziehungen be- stehen. Der ganze Darmkanal ist nämlich etwa zehnmal so lang als die Sitzhöhc des Menschen, und die aufsaugende Oberfläche des DarmeS bildet einfach das Quadrat dieser Sitzhöhe. Ein Mann, dessen Sitzhöhe 90 Zentimeter beträgt, besitzt demnach eine aufsaugende Darmfläche von 90 mal 90, d. i. 8100 Zentimeter, folglich ist sein Darm imstande, bis zu 8100 Gramm Milchwertc aufzusaugen und zu verarbeiten. Diese Zahlen bedeuten jedoch das Höchstmaß der Verdauungsfähigkeit; denn für eine gleichwohl gesunde mittlere Ausnutzung berechnet man keineswegs ein volles Gramm Milchwerl auf den Ouadratzentimeter Darmfläche, sondern nur bis'/w Gramm. Nach dieser Mittelwcrtbcrechnung würde die Darnifläche einer Frau von 80 Zentimeter Sitzböhe 2560 Gramm Milchwerte aufzusaugen ver- mögen, was einer Menge van etwas über 2�z Liter Milch entspricht. Ist eine Nahrung so beschaffen, daß weniger als 0.3 Gramm Milchwerr auf den Ouadratzentimeter der Aufsaugungsfläche des Darms kommen, so erweist sie sich für die Erhaltung des inensch- lichen Körpers als ungenügend und muß aufgebessert werden. Die neue BerechnungSart ist insofern einleuchtend, als sie sich nur nach der Ausnahme- und Verdauungsfähigkeit des menschlichen DarmeS richtet und damit jedes unnütze Zuviel-, zugleich aber auch das Zuweniggenictzen vermeidet. Dle natürlichen Wasserkräfte DeutschlanSs. Zur Ersparnis von Kohle und zur Schonung der immer kost- barer werdenden Kohlenlager, aber auch zur Beschaffung einer mög- lichst billigen niotorischen Kraft, wird eie Ausnutzung der natürlichen Wasserkräfte für jedes Land immer mehr zu einer gebieterischen Pflicht. Deutschland ist von der Natur mit solchen Schätzen nicht besonders reichlich ausgestattet worden, und insbesondere gibt e« ja auf deutschem Boden nicht einen einzigen ansehnlichen Wasserfall, m dem sich die Wasserkraft augenfällig zu einem großen Betrage ver- dichtete. Von englischer Seite ist unlängst die Angabe veröffentlicht und verbreitet worden, daß in Deutschland Wasierkräfte von nicht ganz 1'/, Millionen Pferdekräfte vorhanden sein sollen, allerdings etwa ebensoviel wie in Großbritannien selbst, aber siebenmal weniger als in Italien, fünfzigmal weniger als in Schweden und gar 140 mal weniger als in Norwegen. Professor Halbfaß, der beste Kenner unserer deutschen Binnengewässer, hat in Petermanns Mit- teilungen eine möglichst genaue Berechnung der deutschen Wasser- kräfte nach allen verfügbaren Quellen veröffentlicht. Er ist zu ganz anderen Ergebnissen gelangt, die nicht nur wegen ihrer Summe, sondern auch wegen der geographischen Verteilung von höchstem Werte sind. Er schätzt danach die Wasserkräfte Norddeutsch- lands auf rund eine Million, diejenigen Mitteldeutschlands auf drei Millionen und die Süddeutschlands auf acht Millionen Pferdestärken, sodaß sich die stattliche Gesamtheit von etwa zwölf Millionen Pferdestärken ergeben würde. Es kommen also auf einen Quadrat- kilometer Fläche deutschen Bodens im Durchschnitt 22 und auf jeden Einwohner 0,18 Pferdestärken. Als Norddeutschland ist dabei daS Flachland(280 000 Quadrat- kilometer) gerechnet worden, als Mitteldeutschland da? GebirgS- und Hügelland, als Süddeutschland das Gebiet südlich des Mains, die letzten beiden LandeSteile mit je 130 000 Quadratkilometern. Süd- deutschland ist demnach ganz außerordentlich überlegen. Immerhin muß damit gerechnet werden, daß von dieser Energiesumme nur ein Teil technisch verwertet werden kann, aber andererseits hält Halbfaß seine Zahlen, besonders die für Süddeutschland, für Mindestschätzungcn. Mindestens dürfte wohl die Hälfte der angegebenen Pferdestärken nutzbar gemacht werden können. Notizen. — Ein„Kartell freier Kunst verbände" haben der Goethe-Bund, der Schutzverband Deutscher Schriftsteller, der Ver- band deutscher Bühnenschriftsteller, die Gesellschaft für Theater- geschichte und die Vereinigung künstlerischer Bühnenvorslände, die vor einigen Wochen im Beethovensaal in Berlin über„Die Zukunft der deutschen Bühne" verhandelten, gebildet. Da? Kartell will keine bestimmte künstlerische Richtung vertreten oder ablehnen, will aber alles unterstützen, was geeignet sein kann, dem gesamten Volk die Kunst der Bühne nahe zu bringen. Das Kartell ist bestrebt, mit allen geeigneten Mitteln die Freiheit der deutschen Kunst, be- jonder« der Bühnenkunst, zu wahren und gegen alle Versuche, ihre natürliche Entwicklung zu hemmen, zu sichern. Die Geschäftsstelle befindet sich Wilmersdorf, Kaiscrallee 173a. Dies ist also die Gcgenorgonisation gegen den Thcaterbultur- verband. Ob sie positiv etwas leisten kann, ist abzuwarten. Außer dem Schutzverbande ist kaum eine tätige Kraft darin. Die sonder- bare Vorstellung, daß die Kunst gegen den organisierten Einfluß der Massen geschützt werden muffe, spukt auch in den Köpfen der Gründer herum. — Gesammelte Werke von Lili Braun. Für die in Vorbereitung befindliche Gesamtausgabe der Werke Lili Brauns er- sucht Dr. Heinrich Braun(Berlin-Zchlendorf-M., Erlenweg 1) um die Ueberlassung von Briefen ihrer Hand. — Bühnenchronik. Kurt von M ö l l e n d o r f f, bisher Direktor des Residenz-TheaterS in Wiesbaden, ist als künstlerischer Leiter an daS Trianon-Theater verpflichtet ivordcn. — Die Baumivurzeln und das Grundwasser- Dr. W. Wächter von der kgl. Landesanstalt für Wasserhygiene in Berlin-Dahlem hat Untersuchungen über die Beziehungen zwischen dem Wurzelwachstum der Bäume und dem Grundwasser angestellt. Es geht aus ihnen hervor, daß die Ulme mit ihren Wurzeln dem Wasser nachgeht, ebenso anscheinend in gewissem Maße auch i der Apfelbaum. Bei der Esche und Birke scheint dies nicht der Fall zu sein, während die Kiefer wohl zu den Bäumen gehört, die aus- stehendes Waffer nicht vertragen. Wie die Kirsche sich allgemein verhält, konnte, da nur ein Baum ausgegraben wurde, nicht fest- gestellt werden. Jedenfalls wäre es sehr erwünscht, wenn diese Untersuchungen planmäßig fortgesetzt würden, denn durch sie kann Klarheit darüber geschaffen werden, ob und in welchem Umfange der BaumwuchS bei Absenken des Grundwasserspiegels geschädigt wird, eine Frage, die namentlich für die großstädtischen Wasserwerke nicht ohne Bedeutung ist. — Papier auS Tang. Ein Gärtner hat nach der„Papier- teitung" ein dänisches Patent zur Herstellung von Papier aus nng erhalten. Durch die Versuche des Erfinders und solche in einer Papierfabrik in Kopenhagen und in der Materialprüfungs- anstatt deS dänischen Staates scheint es festgestellt, daß durch Mischung der Tangmasse mit einer geringen Menge Papierstoff sich ein Papier herstellen läßt, daS den gebräuchlichsten Sorten gleichkommt, während die Erzeugung weit billiger wird, da d>a Tanggewinnung ja nicht viel kostet. 22) /lnöers Hjarmsieö. Von Jakob Knudsen. bischer Dich so unterjochen du nicht, daß er ein Feig- Als Steffensen fort war, standen die Schwestern noch eine Weile auf demselben Fleck. Cecilie war ganz in ihre Gedanken versunken. Plötzlich begann sie:„O, wir kommen ja niemals von hier fort. Last uns hineingehen!" Als sie auf den Hof kamen, sagte sie:„Ja, wer bloß noch frei wäre, wie Steffensen es ist. Jetzt scheint mir, es würde ebensoviel wert sein, als wäre die ganze Welt mein eigen." „Ach, glaubst Du denn, daß kann sagte Gjatrid.„Glaubst ling ist?" „Ach. liebe Gjatrid, ich meine, es ist, als ob er herum- ginge und lauerte. Ich Hab solche Angst vor ihm;— wenn er mich erst für sich allein hat, so macht er gewist einen ganz andern Menschen aus sich.-- Ich kann jetzt gar nicht ver- stehen, warum ich vor Mutter solche Angst hatte. Was konnte sie mir anhaben,— was mehr als mich aussenden und mir meine Freiheit lassen.— Aber er!-- O, liebe Gjatrid!— wenn sie Dich zwingen will zu einem Manne, so tu es nicht, geh Du Deinen Weg!"-- Jungfer Gjatrid konnte diesen Gedanken lange nicht vergessen: ihrer Mutter Widerstand zu leisten. Es kam ihr ganz unmöglich vor. Aber Schwester Cecilie hatte es doch selber auch nicht getan.-- Im Gartenzimmcr, in daS die Schwestern eintraten, war man jetzt von zweierlei in Anspruch genommen: man spielte Karten und verhandelte über den Verkauf des Bjerrchofs. Augenscheinlich waren nur die Häupter der alten Familie hier drinnen versammelt, außerdem Hardcsadjunkt Fischer und der Bräutigam.— Der letztere nickte Cecilie zu und lächelte mit dem Munde; aber Gjatrid fand sein Aussehen so garstig. Gjatrid ging bald in die Küche hinaus. Cecilie blieb drinnen stehen und sah zu. Soweit sie das Gerede verstehen konnte, wollte die Familie mit ihrem Vater an der Spitze den Hof für 30 000 Reichstalcr übernehmen, wenn das Gebot auf der Aktion so hoch hinaufkam. Aber dann sollte sich auch Erik Skindtoft dazu verpflichten, ihn nicht an andere zu ver- kaufen, selbst wenn auf der Auktion mehr als 32.500 geboten würden. Onkel Jerrik, wie die Kinder auf Stavn Erik Skindtoft nannten— er war in Wirklichkeit ein Vetter Kristen Faur- holts— saß im Sofa und war augenscheinlich nicht sonderlich zufrieden mit dem Angebot der Familie. Er hatte eine erstaunliche Gewohnheit oder Fähigkeit darin, wenn er eine kurze Zeit auf einem Platz gesessen hatte, sich mit einer Menge Kleinigkeiten zu umgeben, die zum größten Teil aus seinen Taschen herrührten. Die Kinder auf Stavn nannten das, Onkel Jerrik„baut ein Nest."— Auch jetzt lagen um ihn herum auf dem Sofa: ein Brillenfutteral, eine Schnupftabaks- dose, ein Taschentuch, ein Kamm, ein Zahnstocher, eine Rolle Kautabak in Papier und mehrere andere Sachen. Aber er war so unruhig, daß er nichts an dem Platze liegen ließ, wo es lag. Das war bei ihm stets das Zeichen, daß er sich nicht wohlbefand. „Wenn.mir nun auf der Auktion ein Angebot gemacht wird", sagte er und steckte die Brille ins Futteral,„ich will mal sagen: von 35 000, dann wcrdt ihr doch nicht wollen, daß ich so ein Angebot abschlagen soll." „Gewiß, gewiß, lieber Jerrik", sagte Kristen Faurholt, „daL weiß der liebe Gott, daß wir das wollen. Sonst kann uns doch nicht gedient damit sein, Dir die 30000 zu sichern. — Nimm nun mal den Fall an, es würden Dir nur— ich will sagen— 27 000 geboten. Dann säßest Du da, wenn Du unS nicht hättest." „Ja, aber dann gebt ihr mir ja auch nur 27 000." „Gewiß, gewiß.— unser höchstes Gebot sind 32 500 und unser niedrigstes sind 30000, und dabei bleiben wir." „So hast Du vorher nicht gesagt. Ihr wollt mich zum Narren haben, ihr Gauner!— Dann will ichS wenigstens schriftlich haben." „Nein, das ist die Sach nicht wert, bester Jerrik; so ein Stück Papier; das könnt einer zu sehen kriegen, und das wäre nicht gut." „Nein, wir wollen uns lieber aufeinander vcrlaffen, was Kristen? Du sagst das ja immer." Das Gespräch wurde fortgesetzt, oft jedoch lange durch das Kartenspiel unterbrochen, während dessen die eine Partei die andre in scheinbarer Gleichgültigkeit dem Hofverkauf gegen- über zu überbieten suchte. Ab und zu war man auch zum Tanzen'draußen, nach- dem daS Brautpaar den ersten Tag miteinander beendet hatte. Aber immer wieder kehrte man zurück zu der Gartcnstubc, den Karten und dem Hofhandel. Endlich erhob der Bräutigam sich, ging hin und sprach leise mit der Braut. Sie wandte das Gesicht fort. Ihr Vater warf mehrmals einen unruhigen Blick nach ihnen hin. Jetzt kam Madam Faurholt und sprach mit der Braut. Die wurde sehr bleich— nnd verließ zusamnten mit ihrem Mann und ihrer Mutter das Gartenzimmer. Die Gäste blieben noch etwa eine Stunde. Dann be- gann man aufzubrechen. Die allermeisten fuhren nach Hause. Einzelne waren von soweit her. daß sie die Nacht auf Stavn verbrachten. Bei Tagesanbruch war alles ruhig auf dem ganzen Hof. O AIS die Mägde und einige Häuslerftauen ein paar Stunden später in den Stuben ivaren, um nach dem Feste auszuwaschen und rcinzumachcn, kam Cecilie plötzlich zu ihnen herein. Sic hatte ihr tägliches Arbeitskleid an; nnd ohne etwas zu sagen als bloß: Gutcnmorgcn— und ein vereinzeltes Ja oder Nein auf ihre Fragen, holte sie einen Scheuer- cimcr und fing an, zusammen mit den andern den Fußboden zu scheuern. Danach war sie in der Küche und beteiligte sich an dem Aufwaschen von Tellern, Tassen, Schüsseln, deni Putzen von Messern und Gabeln,— gab Anordnungen wegen des Essens, ganz wie sie es gewöhnlich tat.— Sie trank ihren Morgenkaffee zusammen mit den Mädchen in der Küche, ivie es auch sonst Sitte auf Stavn war;— und jetzt erst stand Gjatrid auf und kam zu den andern hinaus. Die, die am Feste teilgenommen hatten, durften heut natürlich länger schlafen. Verwundert fragte sie die Schwester aus,— Cecilie je- doch antwortete in einem Ton, wie wenn man etwas sehr geschäftig im Vorbeigehen sagt:„ach, laß mich doch nur,— es macht ja nichts--" Das stimmte so wenig zu der Art. wie die beiden Schwestern gestern zusammen geredet hatten, daß Gjatrid verwirrt wurd e und beinahe Angst um ihrer Schwester willen bekam. Später am Vormittag kam Madam Faurholt in die Küche und sah Cecilie drüben am Ausguß stehen und Kartoffeln für den MittagLtisch schälen. Das berührte sie sehr. sonderbar,— und gleich darauf wurde sie zornig! (Forts, folgt.) Deutsches. Theater. Heute �■uAd�folg.Tage 8 ühr; Max Pallenberg in Der kleine h'apoleon. Kanimerfipieie. Heute n. folg. Ta�e"i't, l'hr: ftoldf ischc("Lustspiel). Volksbühne. Theater am BUlowplatz. Untergrundb. Schönh. Tor. Heute u. folg. Tage l'l, Uhr: 1»beende Zlusikanten Musik von EobertSchuniann. Liesslng-Thcäiter. Heute und folgende Tage 73i4 Ukr: Die Königin der Liuft. (Gesangsposse.) Theater i. d. Königgrätzerstr. 8Ubr: Künstlerische Tänze. Die Frage an das Schicksal. Abschiedssouper. Komödienhaus 8 Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater T�U.: Die tolle Komteß. Voigt-Theater Badstr. 38. Bartstr. 58. Täglich große Extravorstellung. Die drei Grazien. Vorher:(KrftklafsigeS «Peziaiitäteit-Prograiiiiii. ainf. wvchem. H/,. Sonnt. 4 Uhr. Freitag, den IQ. August: Benefiz fstrObersPiell. K.Friedau Schulzens vom Lesundbrunnen. Theater lür Mittwoch, den 8. August. Metropol-Theater T'/jLJhr: M �Zl'il�kii�till. Dentsches Opernhaus u�jolfnianös Erzäölunp. Friedrich-Wilhclmst. Theater t'/süht: Das Dreimätlerlliaus. Gebr. Herrnfeld-Th. Operetten-Gastspiel T'/jTJhr: eretten-Gastspiel Die iediie Eöeirau. Kleines Theater uhi: Die Hausdame. Komische Oper ; Die Dose Er. Majestät. ühr: Lustspielhaus ... Die blonden Mädels //.Uhr: vom L|ndenhof, Neues Operettenhaus Schifibd. 4a. Hassent. Nd. 281 VV.Uhr: Rcsidcnz-Th eater s uhr: Die Verhüllte. Schiller-Theater O 7V, Uhr: Schiller-Th. Charl. T'/jUhr: Thalia-Theater Heute geschlossen. Sonntag 3 u. 7'/, Uhr: Charleys Tante: Theater am NoIIendorfpiatz 7'/. uhr: Die Gülasehkanone. Theater des Westens 7»/. uhr: stolze Thea. Trianon Theater . t,. Die sittliche Forderung. SÜLr: oje Lore. Zähne mit u. ohne Platte, mit echtem Friedenskautschuk, Goldkronen, Brücken, Plomben. Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse. JKep; Billige Preise, auch Teilzahlung. Teleph. Amt Nord. 10138. D.Ä.LÖSerPersönl nnr BnwnthalBPctil KU»ntfiatz v.g-7, zu Sprech.- URANIA 8 Uhr: Das Oberengadin und der Splügen.. Sonnt 10-12. Tägl. Vj, Sonnt. 31/2 u. VI, R. Steidl, A. Müller-Lincke in„Der Herr ohne Wohnung". Die Barlußmoile. „Afra44. Perzina— Manti. Berliner Prater-Theater. Kastanienallee 7— 9. Zum 73. Male:, AHa— famos! Gr. Ausiiatlungs-Opereilenposse in 3 Akten mit Gesang, u. Tanz. Vorher d gr. Varieteprogramm. Anfang l1/. Uhr. Rose-Theater. vi, Ubr: Die Stunde des Bertrauens. Garlcub.: Seernannsliehcben. Reichshallen-Garten u. Saal: Großes Blüthgen-Konzert. Walhalla-Theater. Är': Zigeuner. Gartenbühue: Vorstellung. Bahnhof FriedrichstraCe. Anfang 8 ühr. Rauchengest. Kühl. Aufenth. wiis-vwit-.,''::-. u. a. Max u. Moritz, die her. radfahr. ASen. Snms,"7WG d.urk. sprech-Fangkünstl. Luis u. Sohn.d.UnübertroS. Der Wettstreit zu Pferde. 3 Grazien am Draht. Halali Pariorco- llalall Schnitzeljagd. Spezialarzt " Dr. med. Colemann" f.Geschlechtskrankh., Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervös. Schwäche, Beinkranke,* Ehrlich- Hat»- Kuren (Dauer 12Tage). Behau dl. schnell, sicher u.schmerz- los ohne Bemfsstörung in Dr. Horacyer A. Co. konz. Labor. f.Blutunters., Fäden im Harn usw. MmllStr.ll.SSÄ KöiijsMi-äs.iätr,: Spr. 10-1 u. 5-8, Sonnt. 10-1. Honorar mäßig, a. Teilzahl. Seoaratrs Damenzimmer. Spezialarzt Dr. med. Wockentnß, Friednchst 125(Oranienb.T.l, f. Syphilis. Harn- u. Frauenleiden Ehrlich-Hata-Knr(DauerlOT.). Biutuntersuch. Schnelle, sichere schmerzl. Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. 221/90* •Spree nstund.: 11— 1 u. 6-— 8. Gutes Lbst-».KartosfeUaud Parzelle»00 Mark, Waldparzelle»50 M. an Bahnstafion, Chaussee, Fließ. Off. D. 919 Gerstmanns Ann- Bur., Aiexanderplatz. 234/6* Spezial-Arzt Dr. med. Hasche.' Friedrichstr.90 ÄZs. Behandi. von Syphilis, Haut«. Harn-, Frauenleiden, fvez. chron. Fälle. Ehrlich-Hata-Ku« ren, schmerzlose, kürzeste Behandlung ohne Berussstörung. Bluluntersuchung. Mätz. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 1D bis 1 und 5—8, Sonnt. 11— L Spezialarzt Dr. med. Colemann für Haut-, Harn-, Frauenleiden nerv. Schwäche, Beinkranke, Ehrlich- Hata- Karen, (Dauer 12 Tage), Behandlung schnell, sicher und schmerzlos ohne Eerufsstömng. Kinigslr,34-36ASiSS, Spr. 10— 1 u. 5— 8, Sonnt. 10-1. Wie gründe ich mir eine gute Existenz während des Krieges und nach dem Kriege"4 2,60, Porto extra: Geprüit. genehmigt, als gut und praftisch an- erlannt. 52312* O. A. Grambs Sonneberg 24. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort ZOPfg.(zulässig 2fettgedr. Worte). Stellengesuche und Schlafstelleii-Anzeigen SPfg.; das erste Wort(fettgedruckt) lOPfg. Worte mit mebr als 15 Buchstaben zählen doppelt. KLEINE BNZEIGEN i Anzeigen für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 ühr und In der Haupt- Expedition, Llndenstrasse 3, bis 5 Ubr abends angenommen. Leinölfirnis. Firnis- Ersatz, Terpentinöl, Terpentinöl-Ersay, Fußbodenlack, Emaillelack, samt- liche Oellacke, Kopal, Kalo- phonium, Borax, Pmasstn, Zgxesin, Bienenwachs, Schellack, Leim und ähnliches kaust Wolter. Thaerstr. 6. 191K* Platinabfälle! Gramm bis 7,70! Zahngebisse! Schmuck- fachen! Ketten! Ringe! Mi- litärtressen! Glühstrumpfasche! Filmabfälle! höchstzahlend, Schmelzerei, Metall-Einkaufs- bureau, Weberstraße 31. Tele- Phon Alexander 4243. 261* Schmucksachen, Brillanten, Perlen, Farbsteine, Ketten, Ringe, Zahngebiffe, Platrna 7,60, Uhren kauft Juwelier Fuß, Seydelstraße 32, Ecke Sputelmarkt.____ 51412* Leim, Leinölfirnis, Paraffin, Harze, Oellacke, Borax, Stehlt- liches kaust Drogerie, Liebig- siraße 34._ 71/5* Herrenradgesuch, Damenrad- gesitch, auch defekte, Kämme- reit, Große Frankfurterstr. 14. [69/1* Leinölfirnis, Siandöl, Oellacke, Sikkaiif, Terpentin /Er- sah), Firnis(Ersatz), Paraffin, Leim, Schellack kauft Malerei Zöls, Neuenburgerstraße 16. Moritzplatz 5861. 204/6* Kaufe alles: Firnis, Leim, Bienenwachs, Paraffin, Kopal, usw. Zable anerkannt höchste Preise. Roack, Große Frank- furterstroße 25. 71/6* Unterricht Englischen Unterricht für Anfänger und Fortgeschrittene, sowie deutsche und französische Stunden erteilt G. Swienty, Charlottenburg, Stuttgarter- platz 9, Gartenhaus iv.* Arbeitsmarkt mragyrt 5£HE Mefferschleiser und Polierer verlangt Messersabrik B. Bruck- lacher, Lrantenstraßc43.[292F* Schloffer auf Militärarbcit verlangt Ed. Puls, Tempclhof. 273K» - Lagerbursche« verlangt Georg Stilkr, Verlagsbuchhandlung, Mitelstraße 18._[123b Hausdiener, kräfitgcr, militärfrei, sofort gesucht. Guttnonn, Dessauerstraße 28/29.[121b Lagcrisiinnen, tüchfige, sofort gesucht. Meldungen 1—2 Uhr mittags oder 6— 7 Uhr abends. A. Jandorf. u. Co., Belle- alliaiicestraße'l/2. 298A* Radfahrer verlangt Georg Stilke, Verlagsbuchhandlung, Mittelstraße 18.[l23h Militärhemden-Arbeiterinnen suchen Eisenbcrg u. Manuel, Sputelmarkt 8._[292 F Berkäuferinnen für die Ad- teilung Glas sofort gesucht. Meldungen 1—2 oder 6—7 Uhr. ?l. Jandorf u. Co., Große Frankfurterstraßc 1 13. 298K* Verkäuferinnen für die Ad- teilung Porzellan sofort ge- sucht. Meldungen l— 2 oder 6—7 Uhr. A. Jandorf u. Co., Große Frankfurterstraße 1l3. [298K* Arbeiterinnen für leicht zu erlernende Maschinenarbeit per- langt Reinhardt, Schützcnstraße 60—62.___ 291k* Verkäuscrinnen für die Ab- teilung Winschastsartikel soiort gesucht. Meldungen 1— 2 oder 6—7 Uhr. A. Jandorf u. Co., Große Frankfurtcrstraße IVt. _(298K* Verkäuferinnen für die Ab- teilung Schreibwaren sofort ge- sucht. Meldungen 1— 2 oder 6— 7 Uhr. A. Jandorf u. Co., Große Frankfurterstraßc 113. __________ jML* Radfahrerinnen verlangt Georg Stilke. Bcrlagsbuchband- lung, Mittelslraßc 18.[1246 Photographisches Atelier. Für obige Abteilung suchen wir eine Negativ-Retouchcusc. Mel- düngen in unserer Personal- Verwaltung int 3. Stock. Kaufhaus des Westens G. m. b. H., Berlin W. 50, Tauentzien- straßc 2l/21. 29?K* Suche Zuarbciterin und für Verkauf Lehrfräulein, Putzge- schäft Hella Krebs, Charlotten- straße 19.___;292K Jeiiungsträgcriu sofort verlangt Spedition Lichtenberg, Wartenbergstraße 1, Laden.* Zeiiungsausträgerin verlangt ,.Borwärts"-Spedition Schöne- bcrg. Meiningerstraße 9.* Botenfrauen werden eingc- stellt„Vorwärts", Charlotten- bürg, Sesenheimerstr. 1.* Zeitungsbotin verlangt„Vor- Wärls"-Ausgabeftelle Berlin- Ricderschönewcide, Brücken- straße �10-U l,, Unruh-* Zettungssraü" verlangt„Vorwärts"- Spedition Neukölln. Siegfricdstraße 28/29.* Botenfrau, Tour Tegel und Rcinickendorf-West, stellt ein Kienast, Borsigwalde, Rausch- siraße 10,„Borwärts"-Spedi- tiou.__* Zeitungsfrau sofort Spedition Jmmanualkirchstraße 12.* ZeituugSansirägerin sofort einzustellen. Vorwärlsspeditioa Moabit, Wilhelmshavencrstraße. 48, von 11—115 und 4 Vi— 7 Uhr.______* Botenfrauen verlangt■ sofort Ausgabestelle Greifenhagener- straße 22.* Frauen zum Zeitungsans- tragen sucht„Vorwärts"-Aus- gabestclle Alt-Boxhagen 56, Laden.* Zeiiuitgsausträgcrinnen'ver- langt Feyerstein, Bismarck- straße 82.___• Zeitungsausträgerinnen werden sofort eingestellt„Bor- ntärtS"-Spedition, Markus- straßc 36.* Botenfrau stellt ein„Vor- wärts"-Spcdifion Tempeldof, Ueckermattn, Kaifcr-Wilhelm- straßc 74, Ecke Werderstr. I* Zcitungsaustragcrinncn können sich meiden.„Vorwärts"- Ansgabestelle ,�ausipexplatzl4/151 Frau zum Zeitungsaustragen verlangt Klein, Granau, Frie- drichstraße_10.* Zcitungsausträgcrtnncn verlangt Feyersteiit, Adlershof, Bismarckstraße 82.* Zeitungsausträgerin verlangt Bernsce, Steglitz, Mommsen- str. 59.* m AAige Mssei iiiKi MmieDe für dauernd sofort gesucht. 5298L !?UDge->VerlEe Zpaudsn-West. ' Für dauernde Stellung suchen wir noch mehrere tüchtige Monteure. Vorstellung 10—1 oder 4— 6 Uhr. 65A Gesellschaft für Hochdruck-Rohrleitungen, Blankenfeldeftrastc 9. Arbkiter ach Land gesnilit! Nur persönliche Meldungen 10—12 vormittags Schöneberg, Ißarbcrgstraffc 4. 5297L* Korps der Alters-KkiiviDigen. Spitzendreher, geübte, möglichst militärfrei, auch kricgsbeschädigt, sucht 126b'> Motorpllug, Schiffswerft Kordseewerke Emden(Ostfriesiand) sucht ständig 277/4* Masihmenbauer, Schlosser, Dreher, Kupferschmiede. SleNgeseljea«ad SameMer verlangen sofort 70/-i* Schulz& HoldefleiHBs �ennstrafte IT. stellt ein 52912* Arbeiterinnen Chemische Fabrik Habeko Q. m. b. H., Berlin X 58. Eranscckj-straße. B. Schlosser für grobe Blecharbeilen und Eiseiikonslruktion werden sofort eingestellt, ferner noch eine Anzahl Hof. arbeiter. 52782* Berlin- Anhaltische Maschinenbau Aktien-Gesellschaft Berlin X W 87, Reuchlinstraßc 10—17. Metnlldreher «Hb Arbeiterinnen verlangt Munitionsfabrik i70L*� E.(Zaebert, Kerlin C 54, Sophicnstr. 22/22a. S«WW MßWMWMlMlW jofort gesucht. S296L* Qoeb& Co. G, m. b. H., AutomAbil- und Elngmotxyreiitabrik, Ehartotteuburg, Fritschestraße 27/28. Alige WarMIiA stellt sofort ein 5295L* Loeb& Co. G. m. b. ff. Antomobll- und Fingmotorenfabrik «harlottenburg, Fritichrstraste 27128. Maurer, Bauarbeiter und Hrbeiterinnen werden eingestellt Neubau Waffenfabriken Wittenau, Eichbornstrasto. Gingaug Illli. 204/9 lo!»»!!& Koalier G. m. b. H. Arbeiter ober Arbeiterinnen welche Fässer zuschlagen können, gesucht. 5292 Vkemisehe Fabrik „Habeko66, O. m. h. H Berlin XT 58. Franseckystr. 6. Ä.®tiriba»aibtitt«"'teÄ''"" «anilcUc Slacf Bran-t. KV(I- Ammoniakwcrk Merseburg, Leuna bei Merseburg. TüeKtlge LeKlosser SM- sucht'WS 52802 „Ariadne", Abt. Granaten, Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 39. Sutfchct(m) IMMWM auf Damensachen. Akkord. hiigöbolim& Hillecke, Alexanderstr. 39/40. kräftig, verlangt 1256 Dr. Struve u. Soltmann, * Chemische Fabrik, Hollmaniistraße 25. MN»e eagmWaea sofort gesucht. Meldungen 1—2 Uhr mittags oder 6 bis 7 Uhr abendS. 298L* HJmM&GD., Belle-Alliance-Str. 1/2. . Packen ober Lagerarbeiter für selb. ständigen Posten sucht Schraudcnfadrik Reiche, _ Wasseriorstr. 9.[1202B Tischler aus kiescrnc und eichene Regale. Schränke, Schreibtische verlangt Blebter A Seherler, 248/13* Schwedicr Str. 9 II.. Mehrere Schmiede auf Heercsardeit.(Hufschmiede u. andere). Schirrmeiiicr(auch Arbeitsverwendungsfähige für die Heimal) für einfache Arbeiten oerlangt 265K' Alex. Herman G.m. b.H., Berlin X 20, Pankstr. 29. und Berlin-Tempelhof. Kaiser-Wilhelm-Straße 10/11. f Kräftige rbelter und Handwerker gesucht,* passend für Familienväter. .Städtisches Gaswerk II Charlottenburg, Gaußstr -t«ch.ige zialgleßer stellt sofort ein G. It. Speck, Lützowstr. 2. 71/7 Ober-Stallmann, guter Pferdepfleger, als Futter- meister. wie auch ältere, ver- beiraieie Kutscher zu sofortigem Eintritt gesucht. 107A* Karl Nauck, Fuhrwesen. «Hillerstr. 128. Gelerntes und ungelerntes weibliches Personal für dauernde Arbeit sucht in alle» Abteilungen Zigarettenfabrik Qarbäty, Berlin=Pankow. Meldungen im Betriebs-Bureau, Emgang Hadlichftraße, Wochentag? von 8— 5 Uhr. somstags von 10—12 Uhr. 12SL*