Ar. 217. 34. Iichrg. Ndonnemevt5,SeiNngunse»i «bonnement»> Vrel» prSnmneran»»- Lieueljähr� S.SO Mt, ounatL L30 Sm. wöchentlich 30 Wg. ftet tn» HauS. Einzelne Nuimner ö Big. Eonnlcg»- Nummer mU Mustriener Sonntag»« Seiluge.Die Neue Seit' lO Sfg. Soft« ichonnement: 1,30 Marl vro Monat. Eingetragen in die Soft- Zeitimg»- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2.30 Marl, für da» übrige ausländ 4 Marl pro Monat. Sostabonnement» nehmen an Belgien, Tänemart Holland, Italien. Luxemburg. Soaugal, Rumänien. Schweden und die Schwei» ktlcheldl lüglich. Vevlinev VolksblÄkt. � ZcntraXorqun der rozialdemokratxfchen parte» Deutfcblande. f 5 Pfennig) Oer nnzdgenprels betrSgl f. die fiebengefdaltene Kolon kl> zeile 60 Pfg.„kleine Sn-eig-n", da» fettgedruckte Wort 20 Psg,(zu- lässig 2"fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort 10 Pjg, Stellcngeiuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort SPsg.. Worte über 15 Buchstaben zahlen sür zwei Worte. TeucrungSzuschlag 20%. Polittsche u. oewerlschajtliche Bercins- anzeigen die sicbenaespallcnetlownel. zeile 40 Pfg, Familienanzeigen 50 Pj, anzeigen für die nächste Nummer inüssen bis 5 l»hr nachlnittagS in der Haupt-Expedition abgegeben werden. Beöjfnet v.LUhrjrüh bis 7 Uhr abends. Delegramm. Adresse! .S»Ä»Ir Südwestsront so schnell wie möglich einzubringen. Die Vorbereitung üer Konstituantewahlen. Nach einer Kopeuhagener Trahtmcldung aus Petersburg werden von der Vorläufigen Regierung«un die Bestimmungen für die Wahlen zu der gesetzgebenden Bersamuilung veröffent- licht. Danach erhalte« alle Mä«»er und Frauen über 20 Jahre das Wahlrecht, nur Verbrecher und Fahnenflüchtige werden davon ausgeschlossen. In allen Teilen des Landes werden Ausschüsse ernannt, die die Durchführung der Wahlbestimmnugeu zu überwachen, alle Wahlvorbereitungen zu treffen nnd die für die Wahlen erforderlichen Arbeiten auszuführen haben. Die ukrainische Politik. Kiew, 2. August. Dem Mrainischen Bureau wird berichtet: „V 1 n n i t schen ko, der Präsident des neuen ukrainischen Kadi- netts, gab im Namen des«ikrainischen Generalsekretariats folgende Erklärung ab: „Die ukrainische Temokrati« ist nicht von Haß erfüllt gigtn Petrograd, nein, sie steht vielmehr der Provisorischen Regierung völlig gleichgültig gegenüber, da sie sich selbst eine Regierung ge- geben hat, zu der sie vollkommenes Vertrauen besitzt. Die neue ukrainische Zentrairada gründet sich auf gänzlich neue Prinzipien. Sie beabsichtigt durchaus nicht, das Volk wirtschaftlich oder Polizei- lich zu knechten; sie gründet sich auch nicht auf das Jgnorantentum der breiten Masse des Volkes, noch auf das Prinzip der Einschüch terung des Volkes durch die Religion. Nein, die neue Rada ist geboren aus dem Vertrauen des ukrainiischen Volkes, aus seinem eigenen starken Willen, der von Tag zu Tag an Energie zunimmt und sich vertieft. Unsere Gewalt ist eine Volksgeivalt im wahren Sinn« des Worts." Sodann deftniert Vinnitschenio die Funktionen und Aüsgaben der neuen ukrainischen Regierung. Ihre Hauptausgabe besteht in der Lösung der ukrainischen Nationalitätenfrage und der Or- ganisation der Gewalt. Zum Schluß hebt Vinnitschenko noch ganz besonders die außerordentliche Wichtigkeit der Unterrichtsfrage hervor und teilt mit, daß man im Begriffe stehe, einen akademi schen Rat zu bilden, der die Leitung des Unterrichtswescns in der ganzen Ukraine übernehmen werde. Der Eisenbahnerstreik in Spanien. Die Bewegung der spanischen Eisenbahner hat den Minister- rat zu einer Erklärung veranlaßt, welche die Haltung der Regierung und diejenige der Eisenbahnangestellten und Eisenbahn- gesellschaften darlegt und den Ausständigen die Verantwortung für den Schaden zuschiebt, der Spanien verursacht werden könnte. Die Erklärung besagt: Da die Eisenbahner gegenwärtig hartnäckig in den Ausstand eintreten wollen, obgleich sich die Regierung erboten hat, bei den Eisenbahngesellschaften zu vermitteln, bedauert die Regierung die Nutzlosigkeit ihrer Bemühungen, hat aber die Genugtuung, kein Mittel unversucht gelassen zu haben. Die Gesellschaften hatten die Absicht, mit den Eisenbahnern auf Grundlage der Verordnung vom letzten März zu verhandeln, aber die Eisenbahner haben den Aus- stand aufrechterhalten und Ilagen die Gesellschaften an, nicht Wort zu halten. Die Note schließt mit der Versicherung, daß die Regierung jede Unterbrechung des nationalen Lebens verhindern werde.— Eine Havas-Meldung sagt, alle Maßregeln feien für Frei- tag getroffen. Bern, 9. August. Lyoner Blätter melden aus Madrid: Der Ministerrat hat vorgestern abend die Wiedereinführung der Pressezensur beschlossen. ver Krieg auf öen Meeren. B e r l i n, 8. August. Neue U-Boots-Ersolge in der Biscay»: Sieden Dampfer, zwei Segler. Darunter der eaglische Dampfer Sir Walter mit Kohlen nach Oporto, die portugiesischen Segler Bert» und Bontoroso, letzterer mit Lebensmittel« von Lissabon nach Rouen, ferner ein bewaffneter, gesicherter, tiefbeladener Dampfer. Von den übrigen versenkten Dampfern hatten zwei Erz«ach England, einer Erdnüsse und Felle nach Frankreich, je einer Biehfutter nach England und Kohlen von England nach Gibraltar geladen. Der Chef des Admiralpabes der Mari«. Wulf, Seeaüler, Möwe, Pupme. Von den deutschen Hilfskreuzern auf den Ozeanen. London, 8. August.(Reuter.) Unterhaus. Auf eine An- frage, ob die Regierung weitere Mitteilungen machen lönnte über den deutschen Hilfskreuzer Wulf im Indische» Ozean und über die deutschen Schiffe Seeadler, Möwe, Puyme u.a., die vor einiger Zeit im Atlantischen Ozean tätig gewesen seien, von denen man aber seit kurzem nichts mehr gehört habe, erwiderte der Parlamcntssekretär der Admiralität Macnamara: Die Regirrung ist nicht ohne Kenntnis von den Bewegungen oder dem Schicksal dieser Schiffe; unter den vorliegenden Umständen wird eine Beantwortung der An- (rage aber nicht für im öffentlichen Interesse liegend gehalten. Wie Reuter dieser Meldung hinzufügt, habe Macnamara den Haupttou auf das Wort„Schicksal" gelegt. * Englische Kriegshandelsschiffe. Im Unterhause teilte die Re- gierung mit, dah das erste Handelsschiff von der neuen Emheits- gattung, das im Austrage des Staats erbaut wird, diesen Monat noch in Dienst gestellt werden wird. ES hat ein totes Gewicht von 800(1 Tonnen. wieüer ein englischer Neutralitätsbruch. Stockholm, 9. August. Wie SvenSka Telegrambyran meldet» ist der deutsche Dampfer Friedrich Karra aus Rostock am 8. August nordwärts gehend außerhalb der Mündung des Skelleftcaelf ver- senkt worden.— Nach einer weiteren Meldung bedeutet die Bcr- senkung eine schwereKränkung der schwedischen Neu- t r a l i t ä t. Nach Angabe des Lotsen wurde daS Schiff innerhalb 800 Meter der schwedischen Hoheitsgrenze torpediert. Das fremde U-Boot ging nach vollbrachter Tat über Waffer, doch trug eS keine A b z ei ch e n. der„Kronrat vom 5. Juli 1�14�. Erklärung des Grafeu Berchtold. Wien, 9. August. Der Minister des Aeußern a. D. Graf Leopold Berchtold veröffentlicht folgende Erklärung: „Die„Times" haben kürzlich eine nachmals in der Ententepresse miederholt abgedruckte und auch im neutralen Auslande vielfach besprochene Meldung gebracht, wonach an- geblich amJS. Juli 1914 in Potsdam ein Kronrat unter Be- leiligung Sr. k. u. k. Hoheit des Feldmarschalls Erzherzog Friedrich, ferner des Chefs des k. u. k. Generalstabs Freiherrn m Conrad, des königlich-ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tisza sowie in meiner Gegenwart stattgefunden hätte.— Ich bin in der Lage, demgegenüber festzustellen, daß diese Meldung, folglich auch alle darangeknüpften Kombinationen, vollkoinmen aus der Luft gegriffen sind." Graf Leopold Berchtold. Die Fronten im Westen unü Osten. Berlin, 3. August.(W. T. B.) Nach dem im Morgengrauen des 8. August blutig zurückgewiesenen englischen Angriff bei N i« u p o r t konnte sich der Gegner im Lause des Tages zu größeren Kampfhandlungen nicht aufraffen. Tas feindliche Feuer steigerte sich indessen gegen Abend zu großer Gewalt. Nach einem deftigen zwisöben 3 und 10 Ubr abends tobenden Gewitter setzte im Raum von Ipern zwischen Bixfchvote und Hollebeke von 10 bis 11 Uhr abends schweres feindliches Trommelfeuer ein, dem aber nur der gemeldete Angriff einer starken englischen Erkundungs- abteilung östlich Hooge folgte, der unter empfindlichen Ver- lüften für d,e Engländer abgeschlagen wurde. Unser« Flieger grfffen feirrdliche Batterienester bei Dixmuide, Apern und Armen- tieres erfolgreich mit Bomben an und bvmdardlerten ein Muni- »umSdepot bei Bailleul und den Bahnhof Hazebrouk. Treffer und Brände wurden beobachtet. Bei aufklärendem Wetter war die Fliegertätigkeit vom frühen Morgen des 3. August an sehr leb- hast. An der Ar raSfront versuchten feindliche Patrouillen im Morgengrauen de? 8. August zwischen La Bassee-Kanal und der Scarpe an verschiedenen Punkten vorzustoßen, wurden indessen durch unser Feuer in die Gräben zurückgetrieben. Um 4 Uhr morgens drangen deutsche Stoßtrupps an der Bahn Douai— ArraS bis in den zweiten feindlichen Graden vor, fügten dem Gegner erhebliche Verluste zu und brachten Gefangene zurück. In den frühen Morgenstunden des 3 August steigerte sich dos feindliche Feuer erheblich im Abschnitt zwischen La Bassee-Kanal und Meri- eourt, östlich Laos bis zum Südrande von Lens schwoll es zum Trommelfeuer an. Vorstoßende starke feindliche Erkundungs- trupps wurden teils durch Feuer, teils im Nahkampfe zurückgejagt. Die Kathedrale von St. Ouentin erhielt abermals fünf Gra- nattreffer. An der AiSnefront war daS feindliche Feuer besonders in den Abendstunden lebhaft und schwoll an verschiedenen Abschnitten zeitweise zu großer Heftigkeit an. Gegen 3 Uhr abends wurde bei der Hurtebise-Ferme daS Auffüllen der feindlichen Gräben mit schwarzen Franzosen erkannt und unter vernichtendes Kesselfeuer genommen. An der Ostfront verlief der 8. August von Riga bis zum Zbrucz außer vorübergehender Feuersteigerung bei Smorgon ohne besondere Ereignisse. Am Z b r u c z namentlich bei H u s i a t h n und am Zusammenfluß mit dem Dnjestr, ebenso bei Tarnopol. jtellenweisckfsOiuffrischende Feuertätigkeit. Zwischen Dnjestr und Sereth blieb die Lage unverändert. Ein russischer Angriff, den die Russen nördlich des Ortes Sereth vortrugen, wurde zurück- gewiesen. Nördlich des Ortes Solka brachen wir hartnäckigen russischen Widerstand und eroberten das Nordufer des gleichnamigen Flusses bis Arbora. Die Russen versuchten durch heftige Gegen- angriffe die entrissenen Stellungen zurückzugewinnen, wurden aber unter schwersten russischen Verlusten überall abgewiesen. Weiter südlich schoben wir uns beiderseits des Moldava-Tales kämpfend bis in die Linie Höhe Bobeica, Höhe 868 nördlich Wama, Mgr. Batrina vor. Auch beiderseits der Bistrica bis Tölghes-Paß erzielten wir Fortschritte. Weiter südlich in den Karpathen für uns erfolgreiche Kämpfe. Der Gegner verblutete sich in erneuten starken Angriffen in der Gegend Mgr. C a s i n u l u i und Mt. R'esbouilui, Mt. Sboina Neagra sowie gegen die Höhen»örd- loch des Klosters Lepsa. Nördlich von Focsani bewährte sich in >en erfolgreichen Kämpfen der ungebrochene Angriffsgeist unserer Truppen aufs Glänzendste. » Französischer Heeresbericht vom 8, August nachmittags. Zu Beginn der Nacht sehr bemerkenswerte Tätigkeit der beiden Artillerien auf dem größten Teil der AiSnefront, Feindliche Abteilungen versuchten an unseren Linien östlich von Vauraillon und westlich der Hochfläche von Kalifornien heranzukommen; ne wurden durch Feuer abgewiesen. Nördlich von S t, M i h i e l und im Ober-Elsaß scheiterten feindliche Hand- »reiche. Im übrigen verlies die Nacht überall ruhig.— A b e n d S, Ziemlich heftige Arnllerietäligkeit in der Gegend des Pantheon, der Ropöre-Ferme sowie auf dem rechten M a a S u f e r, im Caurisre-Walde und im Abschnitt von Douau- mont. Seine Jafanterietätigkeit, Englischer Heeresbericht vom 8. August nachmittags. Unsere Truppen griffen mit Erfolg in der letzten Nacht feindliche Gräben bei L o m b a r t z y d e an, machten einige Gefangene und erbeuteten ein Maschinengewehr. Die feindliche Artillerie war in der Nacht östlich und nördlich von U p e r n, namentlich in der Nähe von Westhoek und an der Bahn Dpern— Staden, tätig.— Abends. Es fällt wieder heftiger Regen. Unsere Verbündeten gewannen im Laufe de« Tage» weiteren Boden nördlich von Bix- schote. Feindliche Abteilungen wurden in der letzten Nacht und beute früh nördlich von R o e u x und in der Nähe von O p p Y zurückgeschlagen. Die feindliche Artillerie zeigt fortgesetzl große Tätigkeit ö st I i ch von D v e r n. Trotz andanernd dunstigen Welters belegten unsere Flugzeuge feindliche Eisenbahn- seitentinien und Züge 40 Meilen hinter der deutschen Front mit Bomben und verursachten großen Schaden, Insbesondere brachten sie einen Zug zum Enlgleisen und beschädigten einen anderen. Auch wurden in der vergangenen Nacht Bomben auf eine feindliche Munitionsniederlage abgeworfen. Eins unserer Flugzeuge wird vermißt. » Im„St. Galler Tageblatt" vom 4. August schreibt Hauptmann Karl Mezsr: Die englische Massenoffensive überrascht vor allen Dingen wegen des schmalen, viel zu schmalen Ausmaßes der An- griffsfront, die kaum 25 Kilometer beträgt. Die zweite Ueber- raschung besteht darin, daß die armen ausgepumpten Franzosen sich an dieser Offensive, für die doch die Engländer für sich allein mehr als stark genug sein müssen, beteiligen müssen und ihnen der- jerrige Angriffsabschnitt zugeteilt wird, der wegen der Flankierung von Norden her zu den opferreichsten gehören muß. Ein Durch- bruch ist nicht geglückt, Zieiht man den ungeheuerlichen Kraftauf- wand und die beispiellose artilleristische Vorbereitung in Betracht, so mutz der Erfolg als in einem völligen Mißverhältnis zum Auf- wand und zu dem angestrebten Ziele stehend bezeichnet werden. Und er wird nur noch bescheidener, wenn man in franzosischen Blättern die Behauptung liest, fünf Kanonen des Angreifers kämen auf eine deutsche._ Kleine Kriegsnachrichten. Konferenz der Neutralen.„Aftenposien" teilt mit: Wie ver- lautet, hat die schwedische Regierung in den letzten Tagen des Juli die übrigen europäischen neutralen Regierungen aufgefor- dert, an einer neutralen Minlsterbegegnung in Stockholm von der Art der schon früher in Aussicht genomme- nen, teilzunehmen. Wie es heißt, sollen die Verhandlungen unter anderem die durch Amerikas Eintritt in den Krieg verschlimmerte Lage der Neutralen zum Gegenstand haben. Mehrere zustimmende Antworten sollen schon eingelaufen sein. m. S. R. o. d. Spahn und Schiffer. Die„Parlamentarisierung" zeitigt jeden Tag neue Ueber- raschungen. Jetzt wird mitgeteilt, daß der zum Justizminister beförderte Herr Spahn und der zum Unterstaatssekpetar avancierte Herr Schiffer, deren Mandate infolge ihrer Ernennung erlöschen, nicht mehrzumReichstagkan- didieren werden! Volksvertreter sind sie gewesen, Be- amte sind sie jetzt! Die„Germania" gibt zu diesem Vorgang eine Erklärung, die sich zunächst nur auf Herrn Spahn bezieht, aber auf den Fall Schiffer sinngemäß gleichfalls?lnwendung findet. Sie schreibt: „Damit entfallen natürlich auch die Rückwirkungen, die man aus einem Verbleiben des preußischen Justizministers in einer Fraktion deS Reichstags bereits sich ergeben sehen wollte. Vor allem gilt das in bezug auf die Aenderung des Ar- tikels 9 der Reichs Verfassung, wonach niemand zu- gleich Mitglied des Reichstags und des Bundesrats sein kann, Preußens Krone pflegt unter den 17 Bundesratsbevollmächtiaten, über die sie verfügt, stets m erster Linie die StaatSminifter figu- rieren zu lassen, und man hat geglaubt, daß auch Dr. Spahn zum Bundesratsmitglied ernannt werde. Dann lag nur die Möglich- keit vor, daß entweder die Reichsverfassung ge- ändert oder Spabn das Mandat aufgeben würde. Daß der letztere Ausweg gewählt wurde, läßt nun die Boraussicht zu, die Wünsche der Linken auf Aufhebung deS Schlußsatzes im Ar- tikel 9 R.B. würden keine Aussicht ans Erfüllung haben." �Die griechische Göttersage erzählt uns, daß mitunter auch Sterbliche in den Olymp erhoben wurden und als Halbgötter mit den Unsterblichen Ambrosia speisen durften. Dieses Vorbild scheint den Herren von unserem bureaukratischen Olymp vorgeschwebt zu haben. Sie ehren das Völkchen der Parlamentarier, indem sie gelegentlich einen daraus zu ihrem Range emporheben, aber die Erhobenen hören dann aus Parlamentarier zu sein, als ob sie dazu viel zu vornehm ge- worden wären. Es ist klar, daß der Reichstag, dessen Stellung als Ganzes dadurch nicht erhöht, sondern eher mit einer Her- abdrückung bedacht wird, dieses Uebergangsstadium nicht lange ertragen kann. Die Parlamentarisierung, so wie sie von>der Regierung betrieben wird, ist ein tragisches Miß- Verständnis, das so bald wie möglich aufgeklärt werden muß. Der Reichstag darf keine Leiter zum Uebergang in höhere Stellungen sein, sondern-er muß ein wirksamer Kontroll- apparat für die Regierung werden. Der Platz der Volksver- tretung ist nicht unterhalb, sondern oberhalb der Bureaukratie!_ Der alte Trost. Wenn es sonst keine Beweise gäbe, daß es den Stockkonservativen zurzeit sehr schlecht geht, so könnte man die„Kreuzzeitung" dafür nehmen. Dieses Blatt hat nämlich zum alten Trost der Reaktionäre in allen schlimmen Lausten gegriffen: in Fortsetzungsartikeln bemüht sich ein Ungenannter nachzuweisen, daß di« Sozialdemokratie nunmehr wirklich mausetot sei. Wir haben die Wahrheit des Sprichwortes, daß die Totgesagten am längsten leben, so oft am eigenen Leibe erfahren, daß wir auch diese jüngste Begräbnisrede nur mit zufriedenem Schmunzeln quittieren können. Zudem scheint sich der Verfasser der ungewollten Komik seiner Darlegungen selber bewußt geworden zu sein, denn er betont, daß es an dem völligen Bankerott der Sozialdemokratie auch nichts ändere, wenn es zeit- weilig das Aussehen gewinne, als sei sie die a u s s ch I a g- gebende Macht im Staate geworden. Das seien nur die „letzten gewaltsamen Zuckungen" ihres Todeskampfes. Im übrigen ähnelt der Verfasser den Vorgängern seines Schlages auch darin auf ein Haar, daß er mit gewichtiger Miene über die Ziele der Sozialdemokratie schreibt, ohne von ihnen die blasseste Ahnung zu haben. Seiner naiven Ausfassung nach efftrebt die Sozialdemo- kratic in erster Linie die Beseitigung des Geldes als Zahlungs- mittel und seine Ersetzung durch eine Art Arbeitsgeld.„Dies ist — so schreibt er wörtlich— das Kernstück der Lehre von Marx, Engels u. a." Allein dieser Satz verrät, daß der Verfasser auch nie eine Zeile von Marx, der bekanntlich die Arbeitsgeldprojekte beißend verspottet hat, gelesen haben kann. An dem alten Rezept, die Sozialdemokratie zu bekämpfen, indem man ihr Unsinn in die Schuhe schiebt, hat sich also bei der„Kreuzzeitung" nichts geändert. „Verrat am Baterlande". In nachhallender Wut über die An- nähme der Friedensresolution im Reichstag veröffentlicht die .Deutsche DageSzeitlmg" Mm Brief, ig dem her ReichStaSmeZr-, heit„Verrat am Vaterlcmde" vorgeworfen wird. Den Briof soll ein Arbeiter geschrieben haben, und damit man an seiner Echtheit nicht zweifle, hat der Redakteur der„Deutschen Tageszeitung" noch eine Anzahl orthographischer und stilistischer Fehler hineingemacht. Im übrigen bezweifeln wir gar nicht, daß es unter den vielen M.il- Itonen deutscher Arbeiter auch ein paar sonderbare Käuze gibt; aber ihr nicht vorhandener Einfluß in der Arbeiterschaft wird auch dadurch nicht größer werden, daß sich die„Deutsche Tageszeitung" die Unflätigkeiten eines dieser Sonderlinge gegen den Reichstag zu eigen macht. Parteinachrichten. Adolf Braun und der Fall Zetkin. Diö Bergische Arbeitsrstirnme" Hatto depr Genossen Adolf Braun, der die„Fränkische Tagespost" in Nürnberg leitdt, vor- geworfen, daß er sich nicht öffentlich auf die Seite der Unabhängigen gestellt habe. Braun antwortet ebenso sein wie schlagend: „Es gibt nur wenige Genoffen, die länger als ich Genossin Zetkin kennen und schätzen. Wir haben niemals einen Streit gehabt und wir haben uns auch Jahre hindurch freundschaftlich sehr nahe gestanden. Aber die Politik ist ein hartes Geschäft. Der ist ein schlechter Politiker, der seinen persönlichen Spm- pathien und Antipathien beim Reden, Schreiben und Handeln den Ausschlag geben läßt. Ich weiß, wie unvorsichtig eine der- artige Aeußerung ist, weil doch, gering gerechnet, 70 Prozent unserer Parteipolemil auf per fön- liche Sympathien und Antipathien zurückzu- führen sind. Gerade diejenigen, die die Marxschen Theo- rien nicht nur im Munde führen, für die sie Ableitung politischen Denkens geworden sind, müssen da» Persönliche hinter dem Dach- lichen zurücktreten lassen, so schwer das auch, rein menschlich ge- nommen, in nicht wenigen Fällen ist. Wie Adolf Braun mensch, sich zum Falle Zetkin steht, kann fast allen Menschen höchst gleich, gültig sein. Für die Oeffentlichkeit könnte, wie man annimmt. von Interesse sein, zu erfahren, wie die„Fränkische Tagespost" zu dem Falle steht. Aber wir meinten, daß der Fall Klara Zetkin eine bedauerliche, aber notwendige Folge- rung aus der Tatsache der Parteispaltung und den Beschlußfassungen in Gotha gewesen ist. Nie- mand hat mehr und niemand hat länger die Parteispaltung be- dauert und bekämpft als die„Fränkische Tagespost", die in den Zeiten des schärfsten Parteizwistes keinen Augenblick aufgehört hat, für die Einheit und Geschlossenheit der Partei zu wirken. Hier haben wir bedauert, hier haben wir gekämpft, hier haben wir protestiert. Aber all die Wirkungen, die aus diesem Konflikt erwachsen sind, müssen getragen werden. Sie wiegen für einen alten Parteigenossen, so schmerzhaft sie im einzelnen sein mögen, federleicht gegenüber der Taffache der Parteizersprengung. Mir fehlt jedes Verständnis für die Leichtigkeit, mit der die Tatsachen immer fortschreitender Parteizerrüttung von den Parteizeitungen behandelt werden und für das ungeheure Gc- wicht, das auf einzelne Folgerungen, oft einfachster Art freilich, aus diesem Parteikonflikt gelegt wird. Wenn Genossin Klara Zetkin eine leitende Stellung, in der Unabhängigen Partei ein- nimmt, wenn sie den Kampf gegen die Parteimehrheit in ihrem Blatte konzentriert, dann kann man es begreifen, daß der Parteivorstand die Redaktion eines Blattes, für das er mit die Verantwortung zu tragen hat, Genossen übertragen will, die im Rahmen der Parteiorganisation stehen. Ich habe es allerdings für ein höchst bedauerliches Ungeschick ange- sehen, daß der Parteiborstand gerade in den Tagen, als das Interesse für die Stockholmer Konserenzen in der ganzen Welt lebendig war, gegen die Genossin Zetkin vorging. Er hatte seit reichlich mehr als Jabr und Tag hierfür Handhaben und er hat eine überaus ungünstige Zeit für seine Maßregel getroffen, dw. meiner Ueberzeugung nach, so schmerzlich sie ist, im P f l i ch t e n- kreise des Partetvorstandei lag. Ich bin durch den Parteikonflikt und durch die verwilderte Polemik so vollkommen abgestumpft, daß ich mcch weder gekränkt fühle durch den Tadel der einen noch durch das Lob der anderen" Die Ouinteffenz aus der Antwort der„Bergischen Arbeiter- stimme" ist, daß„Herr Braun" zu viel Verstand und zu wenig Gemüt hat._ Der Reichstagsabgeordnete August Erdmann ist. wie Partei- blätter melden, aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ausgetreteii. Letzte Nachrichten. Victor ftüler schwer erkrankt. Wien, 9. August. Der Führer der deutschen. Sozialdemo- kraten Dr. Victor Adler ist an Lungenentzündung und Herzerweiterung schwer erkrankt. Sein Befinden ist besorgniserregend._ Die Londoner Konferenz der Alliierten. Bern, 9. August. Der Londoner Berichterstattor des„Eorriers della Sera" meldet über die Londoner Konferenz der Alliierten noch: Es haben drei Sitzungen stattgefunden; davon waren dks erste und die letzte Bollsitzungen, die zweite Sitzung wurde durch Einzelsitzunge« für Kritzgsberatungen ausgefüllt, deren Teilnehmer die Einzelheiten in weiteren Sitzungen regeln werden. Viele polt- tische und militärische Vertreter haben London bereits verlassen. Ueber die Beschlüsse herrscht größtes Stillschweigen. Der Gr- danke einer Einheitsaktion ist vom militärischen auch aufdaswtrtschaftltchqund das politische Gebiet übertragen worden� � Die Engländer in Nordrußland? Stockholm, 9. August. Im„Aftonbladet" berichtet ein aus Nordrußland kommender Reisender, daß sich die Engländer so- wohl auf der Kola Halbinsel wie in und um Ar- changelsk vollkommen festgesetzt haben und dort als Herreu deS Landes austreten. Sie sind bei der russischen Bevölkc- rnng keineswegs beliebt. Manchmal kommt es zu Zusammen- stoßen zwischen dem russischen und dem englischen Militär. Eisenbahner in Spanien Der Totschlag auf der Straßenbahn. Zu dem Totschlag auf der Straßenbahn wird noch mitgeteilt: Am Anhalter Bahnhos versuchte den schon besetzten Wagen auch noch ein Trupp Soldaten zu besteigen. Als die Schaffnerin den Leuten abwinkte, forderte der unbekannte Mann sie auf. dennoch aufzusteigen. Er selbst wurde dann aber wegen Ueberfüllung ab- gewiesen. Jetzt versperrte er der Schaffnerin den Zugang zum Wagen und beleidigte sie schwer. Als sie an der Ecke der König- grätzer und Großbeeren-Straße den Führer zu Hilfe rief, versetzte der unbotmäßige Fahrgast diesem mehrere Stöße vor die Brust. Die Schaffnerin Maria Hietratschack aus der Ackerstraße ließ sich von mehreren Zeugen die Adressen geben. Diese erwiesen sich jedoch bei den Ermittelungen als falsch.(I) Der Uebeltäter entfloh endlich unter dem Schutze des Publi» k u m s(?!) und entkam leider. Alle Zeugen des traurigen Vor- ganges werden dringend ersucht, sich sofort bei der Kriminalpolizei im Zimmer 105 des Polizeipräsidiums zu melden. Brand im Leipziger Fernsprechamt. Leipzig, 9. August. Wie die Abendblätter melden, ist heute mittag im hiesigen Fernsprechamt ein Brand ausgebrochen, wodurch der Stadt- und Fernverkehr gestört ist. Durch die Feuerwehr wurde der Brand schnell gelöscht. Es läßt sich vorläufig noch nicht übersehen, wann der volle Verkehr wieder aufgenommen werden kann, GewerffchlMbewWns Mfihluß öer Bewegung im holzgewerbe. Die am 27. Juli abgebrochenen Verhandlungen über Teuerungszulagen im Holzgewerbe wurden am 8. August im Kriegsamt wieder aufgenommen und unter dem Vorsitz des Hauptmanns Braumann zu Ende geführt. Der Abbruch der zentralen Verhandlungen hatte, wie vorauszusehen war, eine starke Erregung unlcr den Holzarbeitern im Reich hervorgerufen. In einer grofzen Zahl von Orten machten sie sehr energisch ihre Forde» rungen geltend, und unter diesem Druck hielten es die Unternehmer für geraten, doch noch eine zentrale Verständigung zu suchen. Die abgeschlosiene Vereinbarung geht davon auS, daß die geltenden Verträge unverändert bleiben. Diese laufen noch bis zum 15. Februar 1913 und sie gelten für ein weiteres Jahr, wenn sie nicht bis zum 15. November gekündigt wurden. Da die Verträge durch die neue Vereinbarung nicht be- rührt werden, stehen für den Herist dieses Jahres neue Verhandlungen bevor. Die Ausschaltung der Frage der Vertragsverlängerung von den jetzigen Verhandlungen entsprach einem Wunsche der Unter- nehmcr, die hierdurch mit niedrigeren Zugeständnissen davonkommen wolllen. Auch der unvermeidlichen Neueinteilung der Städte in Lohnklasien wollten sie jetzt aus dem Wege gehen. Für die Geltungsdauer der neuen Vereinbarung bleibt somit die im vorigen Jahre geschaffene und von beiden Parteien als unzulänglich erkannte Einteilung der Städte nach Lohnklassen bestehen. Die vereinbarte Teuerungszulage ist nach Ortsklassen gestaffelt; sie beträgt: T-rifklasse I II III IV V V, Arberter... 20 20 20 19 17 15 Pf. Arbeiterinnen. 15 14 13 12 11 10„ Diese Zulagen werden in drei Raten bewilligt. Die erste Rate mit 10 Pf. die Stunde für männliche und 6 Pf. für weibliche Ar- beiter ist bereits am 21. Juli mit sofortiger Wirkung bewilligt worden. Am 15. September ist die letzte Rate mit 5 Pf. für männ- liche und 3 Pf. für weibliche Arbeiter fällig. Vorher ist ab 1. August der verbleibende Rest zu zahlen, der in den verschiedenen Klassen verschieden bemessen ist. Um den Betrag der Teuerungszulage erhöht sich der M i n d e st- lohn, wobei als besonders wertvolle Errungenschaft die gegen den starken Widerstand der Unternehmer durchgesetzte Festlegung von Rtinde st löhnen für die Arbeiterinnen zu registrieren ist. Die Mindeststundenlöhne betragen nun: Tarifklafle I II III IV V V! Arbeiter.. 105 100 95 90 85 80 Pf. Llrbeiterinnen 60 57 54 51 48 45„ ft-ür Berlin wo im vorigen Jahre ein Mindestlohn von 90 Pf. die Stunde ver- einbart wurde, steigt dieser nun auf 1,10 M. Zu beachten ist hier- bei, daß der Mindestlohn tatsächlich nur die unterste Lohngrenze darstellr. Die wirklich gezahlten Löhne gehen, zumal in den größeren Städten, zum Teil sehr erheblich über die Mindeftlöhne hinaus. Für Arbeiter und Arboiterinn-en unter 18 Jahren. sowie für neu anzulernende Arbeiter und Arbeiterinnen in den ersten sechs Wochen ihrer Beschäfrigimg ist der Mndcstlohn in seder Tarifklasse um 10 Pf. niedriger. Für Personen unter 16 Jahren unterliegt der Lohn der freien Vereinbarung. Die Montage- zuschlage werden um 1,50 M. pro Tag erhöhl und betragen niindestens 5,50 M. pro Tag. Mit Zustimmung des Kriegsamts ist in die Vereinbarung fol- gende Bestimmung aufgenommen worden:„Die Militär- Verwaltungen in Preußen, Bauern, Sackisen ,md Würt- tcmbcrg werden bei Bcrgebung von Aufträgen die(?in- Haltung dieser Vereinbarung zur Pflicht machen." Diese Bestimmung ist wertvoll. Die Vereinbarung ist nämlich formell nur zwischen den Arbeiterorganisationen und dem Arbeit- geber schutzverband für das deutsche Holzgewerbe abgeschlossen. Bei den ersten Verhandlungen im Kriegsaint waren auch eine größere Zahl weiterer Unternehmerverbände aus der Holz- industrie vertreten, von denen die meisten erklären ließen, daß sie sich den Vereinbarungen anschließen würden. Beim endgültigen Abschluß am 8. August war auf feiten der Arbeitgeber der Arbeitgeber-Schutzverband allein vertreten. Selbstverständlich wird sich der Holzarbeiter-Verband bemühen, die Vereinbarung in allen Betrieben der Holzindustrie zur Durchführung zu bringen. Hierbei wird ihm das Versprechen der Militärverwaltungen wertvolle Hilfe leisten. Den Holzarbeitern muß jetzt daran liegen, das Ergebnis dieser Lohnbewegung schnell und glatt durchzuführen. Da nach dem Willen der Unternehmer die Frage der Vertragserneuerung jetzt offen geblieben ist, wird alsbald mit der Vorbereitung für eine Bewegung begonnen werden müssen, die voraussichtlich noch weit größere Schwierigkeiten bieten wird, als die jetzt abge- fchlossenen.._ Reaktionäre Unternehmer. Viele Unternehmer wollen sich immer noch nicht in die neue Zeit schicken. Daß an Stelle des nacktesten Unternehmer- absolutismus im Arbeitsprozeß die Mtwirkung der Arbeiter und ihrer Organisationen— wenigstens bei der Festsetzung der Arbeitsbedingungen— treten soll, ist ihnen unverständlich. Vie wollen daher die neuen, verbesserten Zustände durch Wiedereinsetzung der alten, überlebten Einrichtungen ersetzen. Was im politischen Leben jetzt sich zur allgemeinen An- erkennung durchringt, ist ihnen für das wirtschaftliche Leben ein Buch mit sieben Siegeln. Die Verein i'gung der Deutschen Arbeit- geberverbände hat an ihre Mitglieder zwei Rund- schreiben gerichtet, deren Inhalt wie ein Wahrzeichen aus alter Zeit in die neue Zeit hineinragen. Das eine Schreiben (Nr. 27 M.) betrifft das Verhalten gegenüber den Lohnforderunge» der Arbeiter und lautet: „Wie bekannt wird, stellen die Arbeiter, namentlich der Rllstungs- industrie, vielfach außerordentlich hohe, meistens ganz un- berechtigte Lohnforderungen: zum Teil werden diese Forderungen gestellt auf kollektivem Wege durch die Arbeiterausschüsse nach dem Hilssdienstgefetz. Häufig soll es vorgekommen sein, daß derartige übertriebene Lohnforderungen, auch die Forderung von Mindestlöhnen, die Unterstützung staatlicher Stellen gesunden haben. Die Arbeitgeber sind begreiflicherweise im vaterländischen Jntereffe zur Vermeidung der unsere Verteidigungskraft schwächenden Unter- brechung � der Arbeit meist bereit, den Forderungen der Arbeiter entgegenzukommen. Bei aller Anerkennung dieses Standpunktes ist es jedoch unbedingt geboten, darauf hinzuweisen, daß bei Verhand« lungen und Vereinbarungen mit den Arbeitern ebenso wie mit Be« Hörden srnndsitzklch« Blndnnge,«»«drüLkiS ab- gelehnt werden sollen. ES muß zweifelsfrei festgestellt werden, daß uyter dem Drange der Kriegsnotwendigkeiten abge- rungene Zugeständniffe nur vorübergehende Geltung haben, und daß man nicht gewillt i st, sich in irgend einer Beziehung für die kommende Zeit fe st legen zu lassen. Alle Vereinbarungen sollten nur für vorüber- gehende Zeit oder für die Zeit des Krieges geschlossen werden. Das trifft namentlich zu für die Festsetzung von M i n d e st l ö h n e n, die die Arbeitgeber unter dem Drucke der Verhältnisse hier und da vielleicht zugestehen müffen. Mit aller Entschiedenheit werden sich jedoch die Arbeit- geber gegen d a s M i tr e d e n d e r A rb e i t e r oderAr- beitervertreter bei der Festsetzung der Waren- Verkaufspreise wenden. Gesetzlich unzulässig ist es, wenn Arbeiterausschüffe Sohn- erhöhung fordern und nach Ablehnung dieser Forderung den Schlich- wngsausschuß nach Z 9 Abiatz 2 kollektiv wegen Erteilung des Ab- kehrscheins anrufen. Der Abkehrschein kann kollektiv nicht verlangt werden, er kann vielmehr nur von dem einzelnen Arbeiter oder doch nur mit ausdrücklicher Vollmacht jedes einzelnen Arbeiters einge- fordert werden.* Gleichzeitig ging folgendes Rundschreiben(Nr. 26 M) über Verhandlungen mit Angestelltenverbande» heraus: .Nach§ 11 Msatz 3 des Hilfsdienstgesetzes müssen in allen Hilfsdienstbetrieben, für die Titel VII der Gewerbeordnung gilt, und die mehr als 50(also mindestens 51) nach dem Verficherrmgs- gesetz für Angestellte versicherungspflichtige Angestellte beschäftigen, besondere Angestelltenausschüsse mit den gleichen Befug- nisten und nach gleichen Grundsätzen, wie die Arbeiterausschüsse er- richtet werden. Da die Angestellten dadurch eine hinreichende Ver- tretung im Betriebe besitzen, wäre eS unangebracht, wenn die Arbeitgeber sich etwa noch auf unmittelbare Verhandlungen mit den Angestelltenverbänden oder deren Beauftragten einlassen wollten. Gegen- über solchen in letzter Zeit hervortretenden Bestrebungen desiAngestellten- verbände ist darauf hinzuweisen, daß Verhandlungen über Betriebs- einrichwngen grundsätzlich als innere Angelegen- heiten der Betriebe und deshalb nur zwischen deren Beauf- tragtcn und den Betriebsangehörigen unmittelbar, bezw. mit dem Angestelltenausichuß, geführt werden können. Nur in Angelegen- heilen allgemeinerer Art, die über das Interesse eines einzelnen Betriebes hinausgehen und einen größeren Kreis von Arbeitgebern berühren, wäre es angebracht, wenn nach Bedarf Beauftragte des Arbcitgeberverbandes mit Beauftragten des Angestelltenverbandes verhandeln würden.* Beide Rundschreiben atmen durchaus den alten Geist des ,.Herrn-im-.Hause"-StandpunkteS. Jede Neuerung ist den H erren ini Arbeitgeberverbande verhaßt und nicht minder das „verdammte Hilfsdienstgesetz", lvie sich neulich Göheinirat Duisburg auf einer Tagung in Köln ausdrückte. Wenn ihr Standpunkt, daß alle jetzt erreichten Lohnverbesserungen in keiner Weise als für die kommende Zeit festlegend zil erachten sind, allgemeine Llusfassung der lluternehmer werden sollte, so wird uns die Zeit nach dem Kriege vor selten große wirt- schaftliche Kämpfe stellen. Ein Grund mehr für Arbeiter und Angestellte, ihren Berussorganisationen treu zu bleiben, um gegen diesen Ssiirmangriff der Unternehmer gerüstet zu fem. Znöustrie unö kanöel. Neue Äriegsaulrihe. Die nächste deutsche Kriegsanleihe soll Ende September zur Zeichnung ausgelegt werden. Besonders das flache Land, die Landwirtschast, soll herangezogen iverden. lim es diesem Personen- kreis, der an den Verkehr mit Wertpapieren nicht gewöhnt ist, zu erleichtern, sich von den bisher üblichen Arten von Geldanlage los- zusagen und Kriegsanleihe zu zeichnen, wird einmal eine besondere Propaganda durch der lcksidnurtschaftlichen Bevölkernng aus ihrem sonstigen Wirkungskreis bereits bekannte Personckn erfolgen� und es werden auch gewisse technische Erneuerungen stattfinden. denkt man daran, den Zeichnern Zug um Zug die neuen Stücke der Kriegsanleihe auszuhändigen. Bisher waren bekanntlich bis zu Beträgen von 1000 M. nur Bestätigungen, darüber hinaus Zwischen- scheine ausgestellt und die endgültig festgestellten Stücke kamen erst sehr viel später zur Ausgabe. Die mißtrauische Landbevölke- rung. die immer sehen will, was sie für das Geld kriegt, war von diesen Umständlichkeiten nicht gerade entzückt. Auch' gedenkt man die Möglichkeit sofortiger Einzahlung bei der Zeichnung zu ge- währen. Bisher fiel Zeichnung und Bezahlung auseinander. Auch das soll vereinfacht werden. Die finanziellen Zeichnungsbedin- gimgen dürften sich nicht wesentlich gegenüber der letzten Kriegs- anleihe verändern.__ Nevc Preiserhöhung für Gasglühstrümpse. Eine am 7. August in Berlin abgehaltene gemeinschaftliche Versammlung der..Vereinigung der Glühstrumpffabrikanten* be- schäftigte sich eingehend mit der weiter anhaltenden Preissteigerung aller für diese Industrie notwendigen Rohstoffe. Lebhaft Klage gestihrt wurde u. a. auch über die durch die Konkurrenz der Rüstungsindustrie geschaffenen ungewöhnlich hohen Arbeitslöhne, denen, um Abwanderungen zu vermeiden, die Hersteller von Glüh° strumpfen folgen müßten. Der seit der letzten Februarsitzung be- deutend verteuerte Herstellungsprozeß veranlaßte die Vcrsamm- lung, den damals beschlossenen Preisaufschlag für Gasglühstrümpse wesentlich zu erhöhen. Ebenso wurden, wie hierzu die„Rund- schau für die Jnstallations-, Beleuchtungs- und Blechindustrie* be- richtet, einbeitliche Verkauf sbedingungen für diese Industrie festgelegt.__ Dir Äricgslcder-A. G. Der Geschäftsbericht der Kriegsleder-A.-G. � schildert im einzelnen den gewaltigen Umfang, den der von der Gesellschaft zu bewältigende Geschäftskreis im Laufe der Zeit angenommen hat. Während zunächst nur die Großviehbäute und die Kalbfelle über 10 Kilogramm beschlagnahmt waren, sind im weiteren Verlaufe der Entwicklung fast sämtliche Häute- und Fellgattungeu der Beschlag- nähme unterworfen worden. Die Gesellschaft hat heute die ge- samte deutsche Lederindustrie mit den erforderlichen Rohstoffen, ime Häuten, Fellen, Gerbstoffen, Chemikalien, Oelen und Fett- stoffen, Salz. Seifen, Soda usw. entweder unmittelbar oder durch Ausstellung der erforderlichen Bezugsscheine zu versorgen, und es obliegt ihr außerdem noch die Kontrolle der Fabrikation, insbe- sondere des Rohstoffverbrauchs und der Fertigstellung des Leders. Ferner ist ibr die Bewirtschaftung des gesamten Anfalles an Häuten und Fellen aus militärischen Schlachtungen und aus den besetzten Gebieten übertragen. Eine Reihe von besonders wichtigen Gegenständen des militärischen Bedarfs läßt die Gesell'�aft im Lohnwege herstellen. Es ist ihr auch die Beschaffung und Bewirb- schaftung von Treibriemen jeder Art übertragen worden. Soziales. Die Jndustriekrise in Rußland. Wie„Nowoje Wremja* berichtet, fand unlängst in Moskau unter dem Vorfitz des Großindustriellen Tretjakow eine Konferenz von Industriellen statt, in der die Frage ausführlich erörtert wurde, ob die Arbeit in allen Fabriken und Betrieben des Moskauer Bezirks für die Dauer von drei Monaten eingestellt werden müsse. Die Konferenz faßte vorläufig keine endgültigen Beschlüsse, aber schon der Umstand, daß«ine solche Körperschaft die Frage der Stillegung der gesamten Produktion ernstlich auswirft und verbandelt, zeugt von dem Ernst der in der Industrie.des Moskauer Bezirks heran- reifenden 5krise. Für die Notwendigkeit der Arbeitseinstellung wurde u. a. inS Feld geführt der immer drückendere Mangel an Rohmaleriat und Heizstoffen. Gleichzeitig wird der„Nowoje Wremja* aus Kiew gemeldet, daß die Zahl der Arbeitslosen dort ständig zunimmt. Ein ganzer Komplex von Teilursachen soll zu dieser Entwicklung bei- tragen: neben dem Mangel an Rohstoffen und Heizmaterial, der auch hier hervorgehoben wird, nennt man die Einschränkung der Bestellungen der Regierung und die Unmöglichkeit, bei den ungemein hohen Löhnen nutzbringend arbeiten zu können: endlich rechnet mau mit der Möglichkeit eines baldigen Friedensschlusses und beginne schon jetzt mit dem Abbau der Kriegswirtschaft, Auch aus Saratow wird über Arbeitslosigkeit geklagt. In Nischni Nowgorod beschäftigte sich der Betriebsrat mit der Wirtschaftslage im Gouvernement und stellte die rasche Zunahme der Arbeitslosigkeit fest. Im Pawlower Bezirk ist Mangel an Eisen und anderen Metallen die Ursache der Betriebseinschränkung. Endlich kommt auch aus Sibirien die Nachricht, daß in den Städten Nowo Nikolajewsk und Barnul die Industrie- krise sich verschärft. Alle diese Mitteilungen lassen an der Tatsache einer schweren Jndustriekrise in Rußland keinen Zweifel. Ein Konsumverein im engeren Kriegsgebiete. Der Arbeiter-Konsumverein von Trieft, Jstrien und Friaul war schon vor Ausbruch des Krieges der größte Verein Oesterreicks außerhalb Wiens. Er ist allmählich über die Grenzen eines Be- zirksdereins hinausgewachsen und erstreckt seine Tätigkeit auf Trieft, Jstrien und Görz-Gradiska. Seine entferntesten Verteilungsstellen liegen in Cormons. knapp an der Grenze gegen Italien, auf der andern Seite in Abbazzia und Pola. Aus dieser Lage ergibt sich für den Triester Verein die reichste Kriegsgeschichte, die irgend ein Konsumverein auszuweisen haben dürfte. Diese Kriegsgeschichte des Triester Vereins ist ein Beispiel der ungeahnten Widerstandskrasl der Konsumentenorganisation. Der Vcrem besitzt 19 Verteilung?- stellen in Trieft, 10 in Jstrien, 7 in Görz-Gradiska. Die 7 Vertcilungsstellen im Görzischen liegen alle in dem oklu- pierten Gebiete und kommen selbstverständlich bei den unten angeführten Aufstellungen des letzten Jahres nicht in Be- tracht. Von den 2 sVerteilungsstellen im Festungsgebiete von Pola mußte eine gesperrt werden. Die Verteilungsstelle in Rovigno mußte evakuiert werden. Außerdem wurden von sieben Fleischbänken fünf vorläufig eingestellt. Im ersten Kriegsjahr wurde noch eine Verteilungsstelle in Trieft und eine in Buje (Jstrien) eröffnet. Umsätze der letzten Geschäftsjahre (vom 1. Juli bis 30. Juni): 1913/14.... 4 263 591.69 Kr. Kriegsjahr 1914/15.... 4 907 346,44. 1915/16.... 6 261 275.29. 1916/17.... 8 967 499,43„ Mtgliedersiand am 30. Juni 1917: 14 274. Spareinlagen: Am 30. Juni 1914..... 589 541,78 Kr. . 30.„ 1915..... 532 048,73„ , 30.„ 1916..... 687 376,65„ . 30.„ 1917..... 940 772,64„ Die Berichte der letzten drei Jahre konnten nicht verfaßt werden, weil von 279 Angestellten des Vereines nicht weniger als 180 ein- rücken mußten, darunter zwei Vorstandsmitglieder. Das gebliebene Personal konnte bei der größten Anspannung nur die laufende schwere Arbeit bewältigen. Im ersten KriegSjahre wurde auS dem Uebcrschusie des vorangegangenen Jahres eine Dividende von 3 Proz. an die Mitglieder verteilt. Die Auszahlung der Ueberschüsse aus den anderen Kriegsjahren wurde vorläufig eingestellt, weil Mit- gtieder- und Generalversammlungen nicht einberufen werden können und weil es geboten erschien, die sich ergebenden Ueberschüsse voi- läufig als Reserve für Äriegsverluste zu betrachten, um so mehr, als im okkupierten Gebiete 130 000 Kr. investiert sind. Während der Kriegszeit werden nur ausnahmsweise neue Mit- glieder aufgenommen teils aus Rücksicht für die alten Mitglieder, teils schon wegen der gegebenen und begrenzten Aufnahmssähigkeit der bestehenden Organisation, die während der Kriegszeit unmöglich so rasch hätte erweitert werden können. Tie Vereinsmolkerei in Farra am Jsonzo lieferte die Milch ttach Trieft bis zum 19. Mai 19l5. alio vier Tage vor der italieni- schen Kriegserklärung. Ein Teil der dort angesammelten Milch kam noch aus den italienischen Grenzortschaften. Am 20. Mai ver- arbeitete die Molkerei die letzten 400 Liter Mtlch: die Sendung wurde aber nicht mehr über die Brücke von Sagrado gelasien. Wegen der drohenden Kriegsgefahr hatte die Vereinsleitung schon vorher in allen bedrohten Ortschaften bevollmächtigte Vertrauens- inänner eingesetzt. Diese hatten den Auftrag, bei Unterbrechung jeder Verbindung mit der Zentrale die Geschäfte selbständig weiter- zuführen und unter jeder Bedingung den Betrieb aufrechtzuerhalten, solange in den betreffenden Ortschaften Mitgliederfaniilien geblieben wären. In der Zeit der größten Not dürfe der Konsumverein die eigenen Mitglieder nicht verlaffen. Und so geschah es auch. Aus Cormons berichtete der Vertrauensmann auf"vem Wege durch die Schweiz, daß die Verteilungsstelle bis zum 7. September in Betrieb war und wegen Warenmangel gesperrt werden mußte: er bemühe sich aber, Waren aus Udine zu bekommen und wünsche von der Zentrale die notwendigen Rollenmarken zu erhalten. Mossa war unmittelbar in der Feucrlinie: man erhielt Nachricht, daß die Ware verkauft und daß der Vertrauensmann nach Mittelitalien in- terniert wurde. In Farra am Jsonzo wurde bis am 6. September gearbeitet: an diesem Tage wurden die Angestellten interniert: dem Vertrauensmann wurde von der Behörde bestätigt, daß noch Waren um 3800 Kr. vorrätig waren. Rovigno mußte evakuiert werden. Aeußerst erfreulich ist es, daß alle Angestellten und Vertrauens- mämier bis zum Schlüsse ausgehalten haben. Die in Trieft ge- bliebenen Vorstandsmitglieder begnügten sich nicht, das weit- verzweigte und so schwer getroffene Unternehmen in einer Weise fottzuführen, daß trotz der prekären Verhältnisse das Vertrauen zum Verein von Tag zu Tag größer wurde. Sie stellten sich auch in den Dienst der öffentlichen Versorgung, damit ihre Erfahrungen und ihre Kenntnisse auch der genossenschaftlich nicht organisterien Bevölkerung zugute kommen. Mus aller Welt. Der verschwenderische Prinz. Oeffentlich wird jetzt bekannt ge- macht, daß der 22jährige Prinz Friedrich Leopold von Preußen wegen Verschwendung entmündigt worden ist. Er ist der jüngste Sohn des Prinzen Friedrich Leopold und ein Bruder des in engli- scher Gefangenschaft geratenen und dort verstorbenen Prinzen Friedrich Karl. Eisciidahnunglück. Der Schnellzug Genua— Mail and ist letzte Nacht auf dem Bahnhof Arquata Serivia entgleist. 34 Personen wurden getötet, etwa 100 verletzt, darunter mehrere schwer. Die Pilzgefahr. In Hamburg vorgekommene Pilzvergiftungen haben insgesamt 10 Opfer gefordert. Drei Familien sind ge- storben. Beranvvortl. f. Politil: Dr. Frau» Tlcderich, Berlin-Frledenliu: für d. übrigen Teil deS Aattes: Alfred Scholz. Neuiölln: für Inserate: Th. Glocke. Bertin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlags anstoir Paul Singer& So* Berlin SW. Hierzu 1 Beilage aud UuierhaltimgSdl-tt. nt.217*S4.3ol)tg/zUhr, von d« Halle des Geihsemanekirch- Hajes in Nordend aus statt. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen «sucht t88,6 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Be- kannten hiermit die trau- rige Nachricht, daß meine liebe Frau. unsere gute Mutter, Schwieger- und Großmutter 5315L Jhpsta Blanschefski am 8. August in ihrem 52. Lebensjahre verstorben ist. Dies zeigen tiesbetrübt an IPaut Blanschefski nebst Kindern, Reinickendors-Ost, Rütst- straße 10. Die Beediaung findet am Sonnabend, den 11. August, nachmiltags sff.Uhr, von der Leichenhalle des neuen Gemeinde-Friedhoss, Humboldtstraxc, aus statt. Allen Freunden und Be- kannten die traurige Nach- richt, daß mein Herzens- gut« Mann, uns« lieber Bruder, Schwager, Schmie- aeilohn und Onkel, der Dreh« 147b Richard Grehsling nach kurzem, schwerem Leiden am 7. August im Alter von 46JahrenIanIt entschlasenist In tieser Trauer frau Anna Grehsling. Die am 1917. naibmiltagZ 4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. i>ie Einäscherung findet Montag, de» 13. August MWl WMUM'MM. Berwaltnngsstelle Berlin. N 54, Lintenstrafte 83—85. Geschäftszeit von 9— l Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1937. 9714. Sonnabend, de« 41. August, abends 8 Uhr: Braticbcn- Versammlung der Former«nd Berufsgenossen im Lokale von Hampel(.KöSliner Hos"), KöSliner Etr. 8, Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Berichterstattung von der Generalversamm- lung in Köln. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird«wartet. Sonntag, den 1». August, vormittags 10 Uhr: Brancken»Versammlung der Bauanschläger bei Hnmmel, Sophienstraße 5. Tagesordnung: 1. Bericht über unsere letzte Forderung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung Ist jeder Kollege verpflichtet, pünktlich zu«scheinen. Sonntag, de« IL. August, vormittag? 9'/. Uhr: Bezirks-Versammlung für Moabit im Lokale von Sand, Beuffelstraße S. Tagesordnung: Fortsetzung der Berichterstattung vom Verbandstag in Köln. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Zahlreiche« und pünktliches Erscheinen«wartet 180/6 Die Ortsverwaltnng. Das beste Sonimergetrdn6! Durstlöschend— Erquickend. WWÄW Gesüßter Limonaden» _ Extrakt Kein Zucker nötig, eine Menlgkelt genügt»ur augenblicklichen Herstellung süßer erfrischender Limonade von feinstem Fruchtaroma., '/. Ltterfl. 2M. 1.75, V-Fl. Mk. 1.- inkl. sTbriian" Otto Reichel, Berlin SO, Eltenbahnstr. 4 3»rnspr-ch.«ns»>0sse! Mvnhplatz t?5I. 47»,«753 Krömers Erfrisclmngs-Oetränke Kimbeer-Eilrakt Zitronen-, Waldmeister- Extrakt Leiter Ä,00 M. Mit SBaff« verdünnt«geben die Extrakte eine herrliche süsse Limonade. Kein Zucker«sorderlich. Auch zur Bereitung von Speisen bestens geeignet. 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Im fernsten Westen der Vereinigten Staaten und wieder im femsten Osten, im Lande der aufgehenden Sonne ebenso wie in den skandinavischen Ländern oder England wirken Schüler von Rein, die in inniger Verehrung an ihrem Meister hän- gen und die Verbindung mit ihm treulich pflegen. Denn Rein ist nicht nur ein pädagogischer Gelehrter, sondern selbst seiner ganzen Persönlichkeit nach ei» echter Erzieher, von dem Ströme lebendiger Anregung ausgehen und der die seltene, schöne Gabe besitzt, in seinen Schülern die Selbständigkeit deZ Schaffens und des Denkens zu entwickeln. Es ist ein Geschlecht von Lehrern und Predigern, dem Wilhelm Rein entstammt. Am 10. August 1SS7 zu Elsenach geboren, empfing er in seiner Vaterstadt seine Gymnasialbildung und studierte dann unter Professor Stoy, dem Vertreter der Pädagogik in Jena, dem er nach seiner Berufung nach Heidelberg auch dorthin folgte. Eni- scheidend wurden aber für ihn doch seine letzten Studienjahre in Leipzig unter Ziller, von dem und mit dem gemeinsam er die Auf- gäbe übernahm, die Pädagogik auf Herbarts Ethik zu be- gründen. Der Herbarnchen Lehre ist Rein seitdem unter allen Wandlungen seiner Entwicklung treu geblieben i allein er ist nichts weniger als ein grauer Theoretiker; vielmehr bildet gerade die innige Verbindung von pädagogischer Theorie und Praxis ein Hauptkennzeichen der Tätigkeil und ein Hauplgeheimnis seines weitreichenden Erfolges. Nachdem er als Seminarlehrer in Weimar ge- wirkt halte, wurde er 1876 als Seminardireklor nach Eisenach be- rufen; und während des Jahrzehnts, daS er hier der Erziehung der beranmachsenden Lehrergeschlechter gewidmet hat, hat er jenen neuen Lehrplan der Schule entworfen und praktisch durchgeführt, den er rn dem klassischen Werke„Die acht Schuljahre" literarisch nieder- gelegt hat. 1886 wurde er auf den seit Slops Abgang verwaisten Lehrstuhl der Pädagogik an der Universität Jena berufen, zunächst als Honorarprofessor; erst 1613 wurde die Professur in eine ordentliche verwandelt. Von vornherein erhielt Reins akademische Lehrtätigkeit wiederum durch die Verbindung der wissenschaftlichen Lehre mit der Praxis ein besonderes Gepräge. Zum pädagogischen Seminar gesellte sich die Uebungsschule, wo die wissenschaftlichen Grundsätze der Päda- gogik in die Tat umzusetzen waren. Diese Verbindung wirkte un- endlich anregend. Nicht nur Studenten verschiedener Fakultäten. sondern auch schon reifere Lehramtskandidaten, ja selbst Lehrer in Amt und Würden suchten hier Unterweisung oder Fortbildung, und in der anregendsten Wechselwirkung von Lehrer und Studierenden, von Theorie und Praxis, gelangte Reins System der Pädagogik zu immer gediegenerer und vollendeterer Aus- und Durchbildung. Es beruht, wie angedeutet, durchaus auf ethischen Grundsätzen. Die Schule ist für Rein Erziehungsanstalt und ihr Ziel, wie das aller Erziehungen, ist das, was Herbart Charakterstärke der Sittlichkeit genannt hat. Dies Ziel gibt der Reinschen Pädagogik einen hoben Schwung und einen festen Halt; es ist für ihn das Bleibende. Un- verrückbare, während er in den Bildungsidealen etwas Wechselndes sieht und der Schule zur Pflicht macht, sich in dieser Hin- ficht dem Wandel der Zeilen und der Ansprüche anzu- passen. Durchaus ist Reins Pädagogik, wie er sie in seinem Grundriß, in seiner systematischen Darstellung und in seiner Enzyklopädie dargestellt hat, vom Geiste echter Freiheit beseelt. Freiheit verlangt er für den Lehrer, Freiheit für den Schüler. Schulbureaukratie und Dogmatismus finden in ihm einen ge- schworenen Feind, wie er denn überhaupt gegen alles Halbe, Schwächliche und Ungesunde auftritt. Eine Bekundung seiner geistigen Freiheit war es auch, daß er als einer der ersten deutschen Dozenten den Frauen Zutritt zu seinen Vorlesungen und Uebungen gestaltete. Rein zählt anch zu den entschiedensten Verfechtern des Gedankens der deutschen Einheitsschule. Einen Hauptanteil hat Rein an der Schöpfung der berühmten Jenaer Ferienkurse genommen, zu deren vornehmsten AnziehungS- kräflen er von Anfang an gehört bat. Aus kleinen Anfängen haben diese Kurse sich so umfänglich entwickelt, daß Rein selbst ihnen schließlich wohl weiteres Leben und Gedeihen, aber nicht mehr weiteres Wachstum gewünscht hat. Seine Hörer bei diesen Kursen haben sich in der Verehrung Reins und seiner Lehre vielfach so eng zusammengefunden, daß man fast von einer internationalen Rein- Gemeinde sprechen kann. Reich und vielseitig ist auch sonst ReinS gemeinnützige Wirksamkeit. Für Lehrer- und Volksbildung hat er viel getan; er hat Kurse für die arbeitenden Klassen abgehalten und eine rege sozialpolitische Teilnahme bekundet. Cine Kraftquelle öer Zukunft. In den winzigen Zellen des Pflanzenleibes sind Kräfte am Werke, deren Größe geradezu erstaunlich zu nennen ist, wenn man sie mit denen vergleicht, die die menschliche Technik verwendet, und wenn diese Kraftquellen für die menschliche Technik erschlossen würden, könnten Millionenwerte gehoben werden. In dieses an- ziehende Gebiet, dessen Betrachtung von diesem Gesichtspunkte neu ist, führt ein fesselnder Aufsatz, den R. H. Francb, der Leiter des biologischen Instituts in München, im letzten Hefte der Zeilschrist „Ueber Land und Meer" veröffentlicht. In der Pflanzenzelle findet sich eine Art Vorratskammer, die sogenannte Vakuole, die durch ein sehr dünnes Häutchen von der übrigen Zelle getrennt ist. Die? Hänichen hat zwar keine Oeffnungen. dennoch findet ein Skoffaustausch zwischen innen und außen statt, und zwar vermittelst der Osmose. Die Osmose kann man im groben bequem nachahmen, wenn man zwei ver- schiedene Lösungen durch eine halbdurchläisige Scheidewand trennt; die Stoffe tauschen sich dann durch die Wand hindurch aus, bis in beiden Flüssigkeiten der gleiche LösungSzustand herrscht. Nun haben die Forscher sestgestellt, daß bei diesem Austausche durch Osmose in der Vakuole ein beträchtlicher Ueberdruck entsteht; dieser Ueberdruck ist es, der die Vakuolenhant gespannt hält, und er ist es auch, der sämtliche Pflanzenzellen stramm hält, so daß Blätter, Blüten, Stengel usw. prall und fest sind. Wie groß ist nun dieser Druck? Man hat ihn gemessen, und diese Messung ist es. in der eine neuentdeckte teckiniiche Möglichkeit von größter Tragweite steckt. Der Druck ist nichtbeständig; er schwankt zwischen S und IVAlmosphären, kann aber im Höchstfalle bis zu 200 Atmosphären steigen. Der Techniker ist schon zufrieden, wenn er einen Dampfkessel konstruiert hat, der 18 Atmosphären aus hält. Wenn der Techniker nun von einem Kessel hört, der 100 oder 200 Atmosphären Druck ausübt, horcht er auf und ihm schwebt eine„osmotische Maschine" im Geiste vor, die mit so gewaltigen Drucken arbeilet. Wie macht die Pflanze eS, daß sie solche Keffelwände aufbaut? Einen Einblick in die technisch unerschlossenen Naturkräfre der Pflanze bekommt man, wenn man eine andere Frage stellt: Warum wird eigentlich das Protoplasma selbst nicht aus der Zelle durch Osmose herausgelöst? Stellt es doch eine wässerige Lösung dar. Die Biochemiker geben hierauf die Antwort: Der Lebensstoff der Pflanze ist gummiartig, ist ein Kolloid, und Kolloide sind der Osmose nicht unterworfen. Das Vaknolenhäutchen wie die Zellwand selbst sind Kolloide, und die Kesselwand der Zukunft müßte kolloidaler Natur sein. Das Kräftespiel in den Kolloiden ist es überhaupt, das der technischen Erschließung noch harrt. Die Kolloide haben nämlich die Fähigkeit des Quellens: sie nehmen zwischen ihre Teilchen Wasser auf und halten es mit großer Kraft fest. Jede Hausfrau weiß, daß gegen das Verquellen hölzerner Möbel in feuchter Luft keine Krast hilft; jeder weiß aus Erfahrung. daß Leim in Wasser quillt und sich dadurch vergrößert, ja auf be- schränktem Gebiete ist diese Kraft des Quellens schon ausgenutzt: der Bergmann klemmt in die Spalten des Gestein« Holz und befeuchtet es, wodurch»och so harter Fels gesprengt wird, und der Anatom, der einem harten Schädel mit dem Meißel nicht beikommen kann, sprengt ihn ganz einfach dadurch, �aß er ihn durch daS Hinterhauptsloch mit Erbsen füllt und dann ins Wasser legt. Der Druck der quellenden Erbsen ist so ge- waltig, daß die Schädelwände springen müssen. Man hat ihn zahlmäßig sestgestellt, in dem man Erbsen in ein Gefäß brachte, diese durch Wasser zum Quellen veranlaßte und einen aufgeietzlen Deckel belastete. Die Pflanzen hoben mit Leichtigkeit ein Gewicht von 83 Kilogramm empor. Aehnliche Messungen mit überraschendem Ergebnisse hat man bei trockenen Stärkekörnern angestellt: es wurde versucht, durch hydraulische Pressen daS Aufquellen zu verhindern, und es ergab sich, daß dazu ein Druck von 2523 Atmosphären nötig war: 2523 Kilogramm auf den Ouadratzentimeter waren erst im- stände, der Hebetraft der quellenden Stärke entgegenzuwirken! Da- nach begreift man, wie quellendes Holz Berge sprengen kann. Die OuellungSmaschine der Zukunft wird riesige Arbeit verrichten können: was durch Sprengungsmittel sonst erreicht wurde, wird ge- fahrloser und billiger geleistet, das Heben ungeheurer Lasten ist auf diese Weise denkbar, und für die Schwereisenindustrie, die Bautechnik und den Bergwerköingenieur sind schon bei wenig technischem Können und Genie Möglichkeiten über Möglichkeiten auszudenken. haferreis, ein neues Nahrungsmittel. Die Oesterreichische Kriegsgetreideverkchrsanstalt wird binnen kurzem unter dem Namen.Haferreis" ein neues KriegSnahrungs- mittel in den Handel bringen, das mit dem Reis eine gewisse Aehnlichkeit bat und dabei von den Mängeln frei ist. die den bis- lang aus Haser hergestellten Nahrungsmitteln anhaften. Haler wird trotz seines hohen Nährwertes und seiner leichten Verdaulichkeit bei uns in viel geringerem Maße zur menschlichen Ernährung heran- gezogen als beispielsweise in Skandinavien, England und den Ver- einigten Staaten. Während des Krieges hat die Verwendung von Hafermehl, gequetschtem Hafer und Hafergrütze zugenommen, jedoch machen sich die Hülsen meistens recht unangenehm bemerkbar. Haferreis besteht nun weder aus gemahlenen noch aus zerquetschten Körnern, sondern das Korn wird ganz gelassen und ähnlich wie Reis behandelt, wie der„Prometheus" mitteilt. Zunächst wird der Hafer getrocknet und geschält, dann werde» die Körner geschliffen, wodurch die unter der Hülse sitzende feine Haut cnlsernt wird. und schließlich durch Polieren von den anhaftenden feinen Mehl- stäubchen befreit. Die Abfälle des Schäl-, Schleis- und Polier- Vorganges weiden als Viehfutter verwertet. Die Nich-iliften. „WaS sür einen Hut trug sie?"„Einen breiten Strohhut, n!ch> mit roten Rosen, nich."—„Wieviel kostet die Fahrt mit der Straßen- bahn?"„Bis zum Rathause, nich. 10 Pfennige, bis zur Endstation 15 Pfennige, nich." Derartige Geipräche mit der ganz sinnlosen Ein- fügung des Flickwortes„nich" kann man jetzt überall hören. In der grammatisch richtigen Form„nicht" hat dieses„nich" der Volks- iprache in genau so sinnloser Anwendung auch in der Sprache vieler Gebildeter Wurzel gefaßt, die sich sonst der größten Korrektheit in ihrer Ausdrucksweise befleißigen.„In der vergangenen Nacht wurde ich durch ein verdächtiges Geräusch aus dem Schlafe geweckt, nicht; ich stand auf, öffnete die Tür zum Nebenzimmer, nicht, und iah, daß sich eine fremde Katze dort aufhielt, nicht." Das„nicht" oder„nicht wahr" ist nur dann gerechtfertigt, wenn es als sog. rhetorische Frage gebraucht wird.„Ich habe eS dir doch gestern gesagt, nicht?"„Du wirst doch zu ihm gehen, nicht wahr?" In diesen beiden Fällen vertreten die beiden Ausdrücke„nicht" und„nicht wahr" ganze Fragesätze. „Oder ist dies etwa nicht der Fall?" und„Oder ist es nicht wahr?", die trotz ihrer verneinenden Form einen bejahenden Sinn haben und die Bejahung verstärken. Wenn man aber jemandem etwas für ihn ganz Neues erzählt, so ist dabei die wiederholte Anwendung des „nicht", wie dies in dem angeführten Gespräch von dem verdächtigen Geräusch und der Katze geschieht, vollkonunen widersinnig. Und nun beachte man bel Gesprächen in seiner Umgebung, wie häufig dieses sinnlose„nicht" oder„nich" angewendet wird. Manche Leute, die besondere Neigungen zur Statistik haben, machen sich das Ver- gniigcn, diese„nicht" zu zählen, und viele von ihnen sind schon zu erstaunlichen Rekordziffern gelangt. Wer übrigens längere Zeil am Niederrhein oder an der Unterelbe gelebt bat, weiß, daß dort schon, ehe man den.Nich"-Unsug im übrigen Deutschland kannte, das Flick-� wort„neech", daS in Hamburg weniger gedehnt„nech" gesprochen wird, sehr verbreitet war. Es scheint, daß dieses„nech" den Ausgangspunkt sür die Ver- breitung des„Nich"- oder.Nicht"-Unfugs in ganz Deutschland dar- stellt._ Notizen. — Theaterchronik. Das Trianon-Thealer hat zur Erst« aufführung in Berlin Eduard Stuckens Schauspiel„Die Gesellichast des Abbö Chateauxneuf' sowie das Lustspiel.Der reizende Adrian" von HanS Müller erworben. — Ein gewaltiger Sonnen fleck ist auf der Sonne ausgetreten, in dem Dir. Archenhold mit dein großen Fernrohr der Treptow-Sternwarte 73 Kerne gezählt hat, die in sehr zerrissene Halbschatten eingebettet sind. Der Fleck ist so groß, daß er mit bloßem Auge wahrgenommen werden kann, und der, wie es schon in der alten Sage heißt, so wirkt, wie ein Rabe in der Sonne. Die Treptow-Sternwarte ist am Freitag. Sonnabend, Montag und Dienstag schon vormittags von 10 Uhr ab geöffnet. —„Die im Schatten leben" betitelt sich ein großer Kulturfilm, den die Deutsche Gesellichast sür Mutter- und Kindes- recht E. V., Charlottenburg, Dablmannstr. 25, am Sonntag, den 12. d. MtS., 12 Uhr, in einer Sondervorstellung in den Kommerlichtspielen(Potsdamer Straße) aufführen läßt. Die Vor- gänge des Films zeigen in einem von Adele Schreiber verfaßten packenden Drama die Notwendigkeit, noch mehr als bisher Mutter und Kind zu schützen. 24, /toöers hjarmfteö. Von Jakob Knudsen. Drinnen in seinem Kontor stand Faurholt und lauschte- Er hörte, daß Leutnant Fischer im Entrec war; doch er wollte warten, bis die andern auch hinauskämen. Anstattdessen schien es ihm kurz darauf, wie wenn Fischer wieder in die anderen Stuben hineinginge; aber er war seiner Sache nicht sicher.— Er ging im Kontor hin und her,— er konnte nicht gut am Pulte ruhig stehen. Schnell schaute er in den Hof hinaus. Dort drüben beim Wagen wartete Niels. Dagegen konnte er den Knecht oben auf dem Bocke nicht sehen. Wie der wohl aussehen mochte? Als noch eine halbe Stunde vergangen tvar— es war über halb drei Uhr— hörte der Kutscher zienilich laut dem Niels zurufen,— der sich also entfernt haben mußte:„Wie lang soll ich hier noch halten?" „Sie müssen ja gewiß bald kommen!" hörte er Niels ant- Worten. Kurz darauf sah er Niels zum Hoftor hinausgehen. Vermutlich geschah es, um weiteren' zu entgehen. Dann hörte er jemanden ins Alleinsein war ihm so unbehaglich; was er zu seiner Frau oder zu Leutnant Fischer sagen sollte, wer es nun sein mochte, aber er mußte mit jemand sprechen. — Er öffnete die Tür und sah Cecilie draußen stehen. Sie war gewiß im Begriff, ein paar Reiseklcider von dem Kleider- rechen herabzunehmen. Doch im nächsten Augenblick war sie bei ihm,— er sah einen Schimmer ihres totenblassen, tränenverzerrten Gesichtes.— dann schlang sie die Arme um seinen Hals und preßte ihre Stirn dicht an seine Brust. Ihr Griff um seinen Hals war so fest und so heftig, und ihre Bewegung auf ihn zu so ängstlich und krampfhaft,— daß ihm plötzlich eine urlebendige Erinnerung kam, ja, derart, daß er sie gewissermaßen mit der Wirklichkeit im Augenblick verwechselte: die Erinnerung an jenes Mal, als er vor 36 Jahren in einer Mergelgrube mit einem Knecht kämpfte. den er vor dem Ertrinken rettete; der Knecht hatte Krämpfe und wollte ihn mit sich auf den Grund ziehen. Als sie ihn lczsließ, erwachte er gleichsam auS dieser Erinnerung. Sie hatte nichts gesagt,— nur ein langkeuchender, Fragen seitens des Knechts Entree kommen. Dieses er wußte gar nicht recht, � schluchzender Laut war ihrer Brust entquollen. Nun stand sie wieder am Kleiderrechen und tastete. Er konnte nichts tun, sich nicht einmal rühren.— Jetzt zog sie den Mantel an, setzte ihren Hut auf den Kopf.— Jetzt war sie wieder bei ihm:„Ach, Vater! Vater!" flüsterte sie und war zur Türe hinaus. Er stand noch wie festgenagelt. Dann ging er langsam im Gange vorwärts. Er sah sie im Wagen sitzen, das Gesicht dem Hof zugekehrt. Er ging in die Gartcnstubc. Da stand der Leutnant. „Cecilie sitzt auf dem Wagen", sagte Faurholt. Der Leutnant ging sogleich zur Gangtür hinaus. In- dem er an Faurholt vorbeiging, reichte er diesem flüchtig die Hand. „Bitte schön. Kutscher!" hörte er Leutnant Fischer draußen im Wagen sagen. Der Kutscher knallte, und der Wagen rollte von der Türe weg. Ein paar Sekunden blieb Faurholt auf demselben Fleck stehen, taumelnd jedoch, mit der einen Hand gegen die Wand gestützt. Dann fuhr er plötzlich zu der Türe hin und sah nach rechts hinaus. Doch der Wagen war schon hinter dem süd- lichen Giebel des Hauptgebäudes verschwunden. * Die Versteigerung des Bjerrchofes, die ein paar Tage nach dieser Hochzeit abgehalten wurde, sollte eigentlich erst um 11 Uhr beginnen; aber da war einiges Hausgerät, das Erik Skindtoft vorher und für sich selber zu verkaufen wünschte. Es war nicht gerade viel; doch verschiedene Leute aus dem Kirchspiel, die dieses oder jenes alte Möbel oder Hausgerät gerne los sein wollten, hatten die Gelegenheit benutzt,— und der Adjunkt Fischer konnte nie zuviel von dergleichen Geschäften bekommen. Man hatte also um neun Uhr beginnen müssen und ivar gegen elf noch nicht fertig. Aber nach und nach, je weiter der Vormittag vorrückte, änderte trotzdem die Versammlung draußen auf dem Hosplatz ihren Charakter. Jetzt waren es nicht bloß Leute, die hier- her gelaufen waren, um eine Bratpfanne oder ein Bild oder eine Partie Bettücher zu erstehen.— jetzt kamen die Hof- käufer. Die meisten waren Bauern in Frieskleidern; doch die Mitglieder der„kolossalen" Familie waren in so großer Zahl erschienen, daß die Versammlung zu einem gewissen Grade auch von ihnen ihr Gepräge erhielt. Und es tvar ein merktvürdiges Gepräge.— Wäre man auf der Fjordby Gade einem Manne wie Paul Vinding begegnet, so würde man ihn wohl für einen Pferdehändler gehalten haben; es war etwas in seinem Gesicht und Wesen, das einen so ur- teilen ließ; nach der Tracht aber konnte er eher ein Vieh- treiber sein. Und das Gleiche wäre gewiß mit den meisten- Mitgliedern der alten Familie der Fall gewesen. Selbst Pro- prietär Faurholt, der doch niit dreieckiger Hemdenbrust und schwarzer Halsbinde herumging sso wie man es auf den Da- guerreotypien sieht), konnte in seiner Tracht merkwürdig aus- sehen.— Ein gewöhnlicher Hüfner ging viel besser gekleidet als diese Leute; und doch sagten die Bauern„Sie" zu ihnen. Denn die Mitglieder der alten Familie waren nicht bloß freundlicher und freier in ihrem Wesen als' die meisten Bauern, sondern sie hatten gleichzeitig etwas Wohlwollend- Herablassendes an sich, das imponierte und einen Unterschied setzte. Dann waren da auch einige wirkliche Knallproprietäre in der Versammlung, Gutsbesitzer mit starkgcdrchten, braunen Schnurrbärtcn in vorzüglicher Düngnngskraft. mit einer braunnn Hühncrfedcr am Hut, einer Schnalle hinten an der Joppe und mit eng anschließenden Beinkleidern. Die Männer trugen den Mitgliedern der alten Familie gegenüber die aus- gesuchteste Verachtung zur Schau, sofern sie nicht der Fainilic Geld schuldeten, denn dann erwiesen sie ihr ausgesuchte Ehr- crbietung.— Die einzige Standcsperson der Gegend, einen Baron, konnte man. selbst jetzt so spät im Frühjahr, leicht an seinem großen, kostbaren Pelz erkennen. Es war halbzwvlf Uhr. Drinnen in der Wohnstube saß Erik Skindtoft auf dem Sofa und wurde immer nervöser, je näher der Augenblick heranrückte.— Wie gewöhnlich saß er inmitten seines selbstgebildeten„Nestes"; doch heute war es aus mehr und verschiedenartigeren Dingen zusaniincngcsetzt als sonst, kleinen Gegenständen, die auf der Auktion nicht mitvcrkauft werden sollten:— einem kleinem Messing- Napoleon, einer Locke aus seines Vaters Haar unter Glas und Rahmen, einer alten Taschenuhr und vielem andern,— wovon ihm erst im letzten Augenblick eingefallen war, daß er es aus den Klauen deren retten müsse, die damit beauftragt waren, die Vcrkaussgegenslände auf den Holzplatz hinaus- zutragew;..„...(Fortj. ft-Igt.). Dentaelie« Theater. Heute und folg. Tage 8 TThr: Max Pallenberg in Der kleine Kapoleon. Kam m erspiele. Heute u. folg. Tage TU Uhr: Goldfische(Lustspiel). Volksbühne. Theater am Biilowplatz. Untergrundb. Schönh. Tor. Heute u. folg. Tage 73/4 Uhr; < Vahrende Musikanten 'ilusüvon RobertSchumann. Theater für Freitag, den 10. Angnst. l/essinx Theater. Heute und folgende Tage Tlt Uhr: Die Künigin der Tnlt. (Gesangsposse.) Theater 1. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Künstlerische Tänze. Die Frage an das Schicksal. Absehiedssouper. Komödienhaus &: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater T�U.: Die tolle Komteß. URANIA 8 Uhr: Das Oberenjradln nnd der Splügen. Bahnhof PriedrichstraJJe. Anfang 8 Uhr. Rauchengest. Kühl. Anfenth. üfMmli-.rz. u. a. DP* Max u. Moritz, die her. radfahr. ÄSen. __ hin ms, d.urk. sprech.Fangkünstl. Luis u. Sohn. d.UnübertroS. Der Wettstreit zu Pferde. DM** 3 Grazien am Draht. Halali Parforce- 1 1 alali gchnitzeljagd. Walhalla-Theater. uhr- Zigeuner. Gartenbühne: Borstellnng. Admlrals-Palast. Abrakadabra gr. phantastisches Ballett anf dem Else. Angenehm, kühl. Aufenthalt. Rose-Theater. vi, Uhr: Die Swude des Bertruitens. Vartenb.: Seemannsliebchen. TägL Tj, Sonnt. 31/, u. 7a/4 R. Steidl, A. MSMer-Lincke in„Der Herr ohne Wohnung" Neu: Die Harlußmoile. „Afra44. 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Vorwärtsspedition Moabit, Wilhclmshavenerstraße 48, von 11— IVi und i\it— 7 Uhr._* Zeitungsfrau sofort Spedition Jmmanualkirchstraße 12.* Botensrau, Tour Tegel und Reinickendors-West, stellt ein Kienast, Borsigwalde, Rausch- straße 10,„Borwärts"-Spedi- ttvu.* Zeitungsfrau verlangt„Bor- wärts"- Spedition Neukölln, Siegfriedstraße 23/29.* Zeitungsbotju verlangt„Bor- Wärts"-Ausgahestelle Berlin- Niederschöneweide, Brucken- straße 10 Ii 1., Unruh.• Botensrauen werden eingc- stellt„Vorwärts", Charlotten- hurg, Sesenheimersir. l.* Frau zum Zeitnnßsauströgcn verlangt Klein, Grünau, Fric- drichstraße 10.* Zeitungsausträgerinnen kon- nen sich melden, vorwärts"- Ausgabe sielleLausitzerpIatzl4/15. 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