Ur. 5519. Vez»g�prei?t «i-rteliSHU. 3,90 äRl. monafl. 1*» KL. wichentlich 30 Pfg. frei ins Haus. dorauSzahibar. Einsewe Wochentags- nuuunern b Pfg. EonnlagSmunmer mit Illuftrierler Leilage»Die Sleue Welt' l» Pfg. Postbezug: Monatlich ILO Ml. Unter Streuzbanb für Teutschland und Oesterreich-Unoarn 0,50 K!,füi das übrige Ausland i Ott monatlich. Poftbestcllungen nehmen an DSnemark. Holland, Luxemburg. Schweden u. dt« Schweiz. Singetragen in die Post-Zeitungs-PreiS liste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Verl tu". Verlinev VolKsblakt. 84. Jahrgang. Der AnzeiqenpreiS deträgt f. die fiedengelvaltene Kolonel- »elle«0 Pfg.»Kleine Slnzeigeu", da» fettgedruckte Wort 20 Pfg.<,u- lässig 2"fettgedruckte Worte), jedes weile« Wort lO Pfg. Stellengesuche und echlasslellenanzeigen das«rite Wort 10 Pfg.. jedes weitere WortSPfg. Wort« lider 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20%. Familien» Anzeigen 50 Pfg., dolitilche u. gewerkschafMche Berciits- «nzetoen 40 Pfg die Zeile. Anzeigen für dre nächste Nummer müssen vi» 5 Uhr nachmitt. im Haiivlgelchäft, veickln SW.tiS, Lindenstrahe 8, ad- gegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. 2entra1organ äer fozxaidemokratitdfcn Partei Deutfcblands. Neüaktion: SW. SS, �inüenstraße Z. Serulvrecher: Amt Moripplatz, Vir. 15190—15X 97. Sonntag, de« 1A August 1917« Expedition: EW. 08, Linöenstraße Z. Hernsprecher: Am« Moritzplatz, Nr. 1519V— 15197. Bulgariens Kriegssiele. Englischer Angriff bei Hollebeke gescheitert. — Gesteigerter Feuerkampf im Küsten- abschnitt.— Teilkämpfe in der Cham- pagne.— 19 Flugzeuge, 2 Feffelballone abgeschoffen.— Erfolge in den Karpathen- tälern.— Die Susita-Linie gegen heftige Gegenangriffe gehalten. Amtlich. Großr» Hauptquartier, den 11. Sugufi 1917.(W. T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die englislpen Angriffe am gestrigen Morgen wordeu von mehreren Divisionen geführt. In mehr als 8 Kilometer Breite zwischen Frezenbcrg und Hollebeke brach der Feind vor; trotz des starken Einsatzes hatte er keinen Erfolg. Zwar gelang es anfänglich dem ticfgegliedert vorfiürmendeu Gegner, an mchrcreu Stellen in unsere Kampflinie ein« zubrechen, doch wurde er durch schnellen Gegenstoß der Bereit- fchasteu wieder geworfc», bei Westhoek erst nach längerem, erbitterten Ringen. Der Feuerkampf steigerte sich i« Ktistenabschnitt und von Merckcm bis Warnctou am Abend wieder zu graßer Heftigkeit; auch heute morgen war er vielfach äußerst stark. Nächtliche Erkundungsstöße der Engländer bei Nieuport scheiterten ebenso wie starke Teilaugriffe, die der Feind beiderseits der Bahn Boesinghe— Langemarck frühmorgens ansetzte. Nördlich von St. Quentiu griffen die Frauzose» mehrmals die bei Fahrt von uns gewonnenen Gräben au, die bis auf eine» geringen Teil sämtlich gehalten wurde». Heeresgruppe Deutscher»r»»prt»». Am Chemin-deS-DameS spielten sich örtliche Jufanterie- kämpfe bei der Roydre Fe ab, die eine Aenderung der Lage nicht ergaben. Bei Cernh versuchte der Feind»hue besonder« Feuer- Vorbereitung in unsere Stellung zu dringen; rascher Gegeu- angriff der Grabenbesatzung warf ihn zurück. Am Hochberg io der Wcstchampagne entrissen Teile eines heffen-aassauischen Regiments den Franzosr» wichtige Graben- stücke, die gegen starke WicderoberungSversuche behauptet wurde». Hier wurde eine größere Zahl von Gefangenen einbehalte«; auch südlich von Corbcnq, nördlich von ReimS und auf dem Westufer der Maas waren Borstöße unserer Erkunder erfolgreich. 19 feindliche Flugzeuge uud 2 Fesselballone wurde» ab- geschossen; der größte Teil in Luftkäuipfeu, die besonders in Flandern sehr zahlreich waren. Offizier-Stellvertreter Bize- seldwebel Müller errang seinen 80. und 21. Luftfieg. westlicher Kriegsschauplatz. Front de« G e n e r a l f e l d m a r f ch a l l» Prinz Leopold von Bayer». Nichts Neues. Fl»ont deS Generaloberst Erzherzag Zaseph In den Grenzbergen der Moldau warfen deutsche und öfterreichisch-.ungarische Truppen den zähe sich wehrenden Feind am Slanic- und Ojtoz-Tal ostwärts zurück. Auch am Mt. Cleja und Mgr. Cnsinului wurde» die Ru- mäucn von beherrschenden Höhen verdrängt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Durch Einsatz sehr starker Kräfte, die bis zu fiebenmal gegen die von uns gewonnene Susita-Stellung anstürmten, suchten Russen uud Rumänen in verzweifelten Angriffen den verlorenen Boden zurückzuerobern. Jeder Stoß brach a» der Front unserer tapferen Truppen zusammen.. Der Tag kostete die Gegner ungewöhnlich schwere Blutopfer; Gewinn hat er ihnen nicht gebracht. Mazedonische �-ront. Keine besAgdere» Ereignisse. Der Erste Generalquartier in ei st er. Ludendorfs. Der österreichische Bericht. Wien, 11. August 1917.(W. T. 8.) Amtlich wird verlautbart: westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich»«» Focsani unternahmen die Russe« uud Rumänen gestern nachmittag abermals heftige Massenaugriffe, die stellen- weise zwanzig Welle» tief gestaffelt waren. Die deutschen Divifione« schlüge» de» Feind i« siegreicher Abwehr zurück. Die Kämpfe a» der Ojtoz-Sttaße verlaufe« erfolgreich. Orfierreichisch- uugarische und deutsche Streitkräfte dränge«, dem Verteidiger Grabe» auf Graben entteißend, bis auf die Höhen südlich und westlich von Ocna vor. Weiter nördlich keine wesentliche Aenderung der Lage. Italienischer Kriegsschauplatz. Lm Isonzo leite der ArMrriekamPf wieder aus. Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts z» melden. Der Chef de« Generalfiabe«. poincarö will zurücktreten. Bern, 11. August. Me das.,Berner Tagblatf ans Paris erfährt, hat Poincar� Ribot mitgeteilt, daß er zurückzutreten beabsichtige. Ribot habe nach Befraaung seiner Kollegen Poincars gebeten, die Angelegenheit bis zum Zusam- mentritt der Kammer zu vertagen. Abendbcricht. Amtlich. B e r I i n. 11. August 1917, abcndS. Außer den Frühkämpfeu in Flauderu keine besonderen Ereignisse. Im Osten Fortschritte gegeu daS TrotnS-Tal uud nördlich von Focsani. pro Maceöonia. Bon D. R i z o f f, Kgl. bulgarischen Gesandten in Verlin. Die folgenden SuSfübrimgen veröffentlichen wir nicht »rrr. um gegenüber dem diplomatischen Vertreter eines verbündeten Volkes die selbstverständliche Pflicht der Gast- freundschaft zu üben, sondern auch um ihrer selbst willen, da fle der deutschen Oeffentlichkeit einen ungewohnt tiefen Blick in das Wesen der bulgarischen Politik eröffnen und damit zur Klärung eine? verwickelten Problems Bedeutendes beitragen. Daß der Standpunkt, den der Herr Gesandte zur allgemeinen Frage deS Verständigungsfriedens einnimmt, nicht der unsere ist. brauchen wir nicht erst zu versichern. Im einzelnen möchten wir heute mir noch zwei kleinere fach- liche Irrtümer des Herrn Gesandten ausklären: 1. Mendels Artikel haben keinerlei Zensur passiert, weder die der deutschen Behörden noch die unserer Redaktion; sie sind von uns einfach und ohne Befragen irgendeiner Stelle als persönliche Meinungsäußerung eines sehr ge- schätzten Mitarbeiters wiedergegeben worden. 2. Genoffe Wendel, dessen»Ruhm" Herrn Rizoff erst in den letzten U Tagen ins Ohr gedrungen ist, hat in Deutschland längst als politischer Schriftsteller einen ausgezeichneten und wohlverdienten Ruf. Red. d.»Vorwärts*. Der.Vorwärts* vom 26. Juli bringt wieder einen Auf- sah von Herrn Wendel als Erwiderung auf meine Antwort. Der Verfasser ist sehr stolz, mit seinen Artikeln einen wahren Sturm in Bulgarien ausgelöst zu haben, und in zwei Wochen ein berühmter Mann geworden zu sein. Ich gönne ihm den Triumph! Leider habe ich die undankbare Pflicht, Herrn Wendel sagen zu müssen, daß der durch seine Aufsätze in Bulgarien hervorgerufene Sturm weder dem inneren Werte seiner Person, noch der Gelehrsamkeit seiner Ausführungen zuzuschreiben ist ldenn in Bulgarien sind die serbischen Argumente über Mazedonien zur Genüge bekannt). Wenn seine Aufsätze einen so starken Widerhall in Bulgarien gefunden und sogar dort viele Leute in Bestürzung versetzt haben, so verdankt Herr Wendel das anderen'Umständen. Herr Wendel ist nämlich deutscher Reichstags- abgeordneter, dazu kommt die eindrucksvolle Tatsache, daß seine Aufsätze durch eine sehr strenge Kriegszensur ge- gangen sind, und vor allem der Umstand, daß die großen Organe der deutschen und österreichischen Presse— mit sehr wenigen Ausnahmen— auf seine Aufsätze gar nicht reagiert haben und dadurch den Gedanken aufkommen ließen, daß man von oben ein Schweigen billigte. Da Bulgarien im Jahre 1913 von seinen Verbündeten hintergangen lvurde, so verlieh das Gros der bulgarischen Leser den Aufsätzen Mendels einen symptomatischen Charakter in dem Sinne, als ob die leitenden Kreise in Deutschland und Oesterreich sich eines Sozialisten bedient hätten, um den Bulgaren klarzumachen, daß sie ihre territorialen Ansprüche herabsetzen müßten, oder zum mindesten in dieser Richtung zu sondieren. Was die intelligenteren Bulgaren anbelangt, so waren dieselben erstaunt über die Gleichgültigkeit der Völker Deutschlands und Oesterreichs gegenüber den„Kriegs- zielen Bulgariens*. Auf dem Balkan ist man leicht miß- lrauisch. Diesen Umständen verdankt Herr Wendel seinen unerwarteten«nd bedenklichen Ruhm. DaS sind die Ur- fachen, weshalb die bulgarische Presse so aufgeregt wurde und weshalb ich mich ganz gegen meine Gepflogenheiten ent- schlössen habe, Herrn Wendel zum letzten Male zu erwidern. « Herr Wendel ist ew eigenartiger Polemiker. Von meinen zwanzig Argumenten zum Nachweis der bulgarischen Ratio- nalität der»mazedonischen Slawen* hat er nur drei zu widerlegen versucht, weil er sie für weniger stichhaltig hielt, während er von den anderen die meisten überging, einige enbloc verwarf und die übrigen durch eigene ersetzte. Man merkt, daß er die»Eristik* von Schopenhauer auswendig ge- lernt hat. Auf meine Behauptung, daß die serbischen Könige während ihrer Herrschaft in Mazedonien sich»Könige der Serben und Bulgaren* nannten, da sie selbst die Mazedonier als Bulgaren betrachteten, antwortet Herr Wendel, die Titulatur der serbischen Könige erwähnte die Bulgaren nur, weil ge- wisse Striche Bulgariens Bestandteile ihrer Staaten dlldeten — wie es bei dem größten serbischen Königreich Duschans der Fall war. Nun dieser Einwand ist, euphimistisch gesagt, ein irriger. Herr Wendel wird sich selbst davon überzeugen, wenn er die Karte des Königreich? Duschans in der„Ge- schichte des serbischen Volkes* von Professor St. Stanojewitsch zu Rate zieht. Er wird darin sehen, daß kein Teil Bulgariens zu seinem Königreiche gehört hat. Auf meine Empfehlung, er möge die reiche Literatur über die Ethnographie Mazedoniens nachlesen, deren Vcr- fasser sachverständige Gelehrte aller zivilisierten Nationen sind, die diese Frage an Ort und Stelle gründlich studiert haben, erwidert Herr Wendel, daß mit Tatsachen vergangener Jahrhunderte die Nationalität der Mazedonier im 20. Jahrhundert sich nicht nachweisen läßt. Diese Art der Beweis- führung stellt die ganze Weltgeschichte auf den Kopf, denn jede Nation hat ihren historischeu Ursprung. Aber das merkwürdigste ist, daß Herr Wendel so tut, als ob er nicht ein- sähe, welchen großen Wert als unparteiisches Zeugnis alles das besitzt, was über die Nationalität der„mazedonischen Slawen' vor dem Ausbruch der bulgarischen, serbischen und griechischen Ansprüche auf den Besitz Mazedoniens ge- schrieben worden ist. Ist eS wirklich möglich, daß Herr Wendel die Bedeutung dieser so wesentlichen Zeugnisse verkennt? Statt auf diese Literatur einzugehen, zitiert er nur das, was über diese Frage unbekannte Leute gesagt haben oder unbedeutende Politiker, die in der Frage nicht sachverständig sind, und schließlich den wohlbekannten Korrespondenten der russischen Zeitung»Novoje Vremja", A. Amfiteatroff, der über die Nationalität der Mazedonier geschrieben hat an? Gründen, über die Herr Wendel sich vertraulich bei Herrn Paschitsch informieren mag.... Und waS noch erstaunlich ist, Herr Wendel macht mir den Vorwurf, ich hätte keine Autoren neuesten Datums über Mazedonien angeführt, weil diese alle gegen die bulga- rische These wären. Nun auch daS entspricht nicht der Wahrheit. Hier sind die Namen fast aller Gelehrten und Kenner des Balkans, die geschrieben oder sich im Laufe der letzten 40 Jahre, das heißt seit 1877, über Mazedonien ausgesprochen haben.— Sie alle haben den ausgesprochen bulgarischen Charakter dieses Landes anerkannt. Im Jähre 1878 war eS kein geringerer als Fürst Vis- marck. der vor vollbesetztem Reichstag auf eine Anfrage von Bennigsen über die Ethnographie des bulgarischen Volkes folgende denkwürdige Worte gesprochen hat: Der ethnographische Zustand Bulgariens, wie ich ihn avS authentischer Quelle kenne und wie er auS der besten Kalte Kieperts hervorgeht, ist der folgende: die Grenzen der bulga- rischen Nation gehen im Westen unberührt durch andere Natro« nalitäten bis jenseits Salonikis hinunter und dehnen sich nach Osten aus, mit geringen türkischen Elementen unterbrochen, bis zum Schwarzen Meere. Im Jahre 1885 war es der russische Geograph N. F. Rittich; im Jahre 1888 der belgische Professor E. de Laveleye in seinem Werk über die..Balkanhalbinsel*; im Jahre 1890 die»Slawische Wohltätigkeits-Gcsellschaft* in Petersburg, deren Mitgliederverzeichnis, Namen wie Lamansky, Palmow, Korablew usw. ausweist, in ihrer„Ethnographischen Karte der Slawischen Völker"; im Jahre 1891 der polnische Professor in Lemberg A. Kalina in seinem berühmten Werk über die Geschichte der bulgarischen Sprache(2 Bände); im Jahre 1893 der russische Professor A. P. Lavrow in seiner Studie über die bulgarische Sprache; im Jahre 1896 der slovenische Slawist und Sprachforscher V. Oblak, Schüler von Professor Jagitsch, der Mazedonien bereist hat, um die Sprache„der slawischen Mazedonier" zu studieren; im Jahre 1898 der Leipziger deutsche Professor G. Weigand, der ebenfalls Mazedonien als Reisender besuchte, um die wallachischen Mazedonier zu studieren; im Jahre 1899 der französische Konsul i» Ueskueb und Monaltir Max GTimibricr; im Jnhre 1900 bor russische Professor P. N. Miliu- koff lErster Minister des Auswärtigen in Rußland nach der Nevolutiou), der zwei- bis dreimal Mazedonien bereist hat und zwei Werke iiber dieses Land und seine serbisch- bulgarischen Verhältnisse geschrieben hat; im Jahre 190-1 der Engländer H. N. Brailsford, der monatelang in Maze- donien verweilt hat; im Jahre 1903 der russische Publizist A. Baschmakoff, der eine lange Reise in Mazedonien ge- macht und über das Land geschrieben hat; im Jahre 1906 der russische Slawist Professor Floriusky in seinem Werk über die slawische Rasse; im Jahre 1901 und 1908 der tschechische Slawist Professor Niederle in seinen Werken über die maze- donische Jragc und die heutigen Slawen; im Jahre 1909 der russische Professor Kondakoff, der auch in Mazedonien ge- Wesen ist und ein berühmt gewordenes Werk geschrieben hat; im Jabre 1910 der Engländer Artur Ewans; im Jahre 1914 der russische Slawist Professor N. Derjavin; endlich, um das Verzeichnis nicht zu verlängern, war es der französische Slawist Professor Louis Leger, der einige Werke über die Tschechen und die Slawen der Sawa und der Donau ge- schrieben und den großen bürgerlichen Mut gehabt hat. im Jahre 1916 öffentlich, vor den Augen der Serben, Frank- reichs Verbündeten. zu erklären. daß Mazedonien bul- garisch ist. Diese ganze Schar von Gelehrten, Slawisten und Publi- zisten von fast allen europäischen Nationen haben in ihren Schriften bestätigt, daß die.mazedonischen Slawen" Bulgaren sind. Aber die Parteinahme des Herrn Mendel für die Serben geht so iveit. daß er sich bemüht, sogar die in Mazedonien von den Türken unter goiechischer Kontrolle veranstaltete Volk s a b st i m nr n n g herabzusetzen, eine Abstimmung, die das Resultat zeitigte, daß sich zwei Drittel der christlichen B e lv o h n e r Mazedoniens als Bul- g a r e u erklärten. Herr Wendel erlaubt sich zu behaupten, daß die mazedonischen Serben mit den Bulgaren an dieser Volksabstimnnmg teilgenommen haben, um sich dem Joch des griechischen KleruS zu entziehen. Ich bedauere. Herrn'Wendel sagen zu müssen, daß diese Beschimpfung eines deutschen Abgeordneten unwürdig ist. Ich fordere Herrn Wendel auf, einen einzigen maze- d o n i s ch e n Serben zu nennen, der das bulgarische Ex- archat anerkannt hätte! Uebrigens kann er bei dieser Ge- legenheit die Broschüre des ehemaligen Ministerpräsidenten General Sawa Grnitsch lesen:„Wie wurde das bulgarische Erarchat geschaffen?" Er wird aus dieser Schrift lernen, daß das damalige ojsiziellc Serbien dafür kämpfte, um e? zu ver- hindern, daß die serbischen Eparchieu in Kossowe Pole, Bosnien und Herzogowina deni Sprengel des bulgarischen Ex- archats zugerechnet würden. Daß aber dasselbe Serbien nicht gegen die Tatsachen Einspruch erhob, daß Mazedonien deni Erarchat zugeteilt wurde und die Eparchicn von Nisch und Pirot ausdrücklich in dem Firmau des Sultans als höchst bulgarische Eparchien erwähnt wurden. ' Um die serbischen Ansprüche in Mazedonien zu verteidigen, kommt Herr Wendel auch Iviedcr niit der serbischen Legende, daß in dem serbisch-bulgarischen Bündnisvertrag von 1912 „das strittige Gebiet" ganz Mazedonien umfaßte. Es ist un- verständlich, wie Herr Wendel das Opfer dieser kindischen Er- findung werden konnte, da der in Frage stehende Vertrag von der französischen Zeitung„Le Matin" vom 24. November 1913 veröffentlicht wurde und Herr Wendel daraus selbst bätte ersehen können, daß das„strittige Gebiet", um das es sich damals handelte, nur den Bezirk von Ueskueb(mit den Städten Ueskueb, Kcimanowo und Tetewo) und die Gegenden nordwestlich Mazedonien(mit den Städten Dibra und Struga) umfaßte. Ucberdies ist in den, Bericht der Kommission Car- negie. die im Jahre 1913 auf dem Balkan eine Enquete ver- anstaltete, eine Analpsc desselben Vertrages mit einer Karte des strittigen Gebietes zu finden. Dieser Bericht ist im Druck erschienen und zwar in einem dickleibigen Bande in englischer, französischer und deutscher Sprache. Und wenn Herr Wendel nur den Serben Glauben schenkt, dann empfehle ich ihm die Lektüre eineö Aufsatzes von Professor Cvijic in dem Oktobcr-Heft 1912 der englischen Zeitschrift „Review of Reviews", der daS Obengesagte bestätigt. In einem einzigen Punkte scheint Herr Wendel recht zu baden, nämlich, wenn er sagt, daß die„mazedonischen Slawen" von den Serben assimiliert werden können, wenn sie die Untertanen letzterer werden sollten. Dies ist sehr wahrscheinlich, ja sogar sehr möglich, angesichts der Assimi- lationsmethoden der modernen Staaten, besonders Serbiens, dessen drakonische Maßregeln vom Jahre 1913 in Mazedonien in dieser Hinsicht zur Genüge bekannt sind. Aber ich richte an Herrn Wendel die Frage c Wo ist daS Volk, das unter fremder Herrschaft mit der Zeit nicht assimiliert werden kann? Was ist aus den Italienern von Nizza und Savoyen ge- worden, die im Jahre 1858 Frankreich einverleibt wurden? Ganz abgesehen von den Assimilationsprozesscn, die die Welt- geschichte in Hülle und Fülle bietet, ist die Tätigkeit der Ver- einigten Staaten, auch ohne direkten Zwang die verschiedensten Nationalitäten allmählich zu einer nationalen Einheit zu- sammenzuschweißen, das lebendige Beispiel dieser Assi- milation. Bei den„slawischen Mazedoniern" ist nicht die Frage, ob sie serbisch oder bulgarisch werden können, sondern was sie heute sind, und was sie sein wollen. Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort: Sie sind Bulgaren und wollen solche bleiben. Herr Wendel überrascht mich mit der angeblichen Existenz eines Vertrages zwischen Oesterreich-Ungarn und Bulgarien vom Jahre 1898 und eines solchen mit Rußland vom Jahre 190?. Ich erkläre laut, daß ich nichts davon weiß und die Sache für eine serbische Erfindung halte. Das, was ich aber sicher und unzweifelhaft weiß, ist, daß kein bulgarischer Staatsmann seine Unterschrift unter Verträge setzen konnte, die die Rhodopen und die Struma als westbulgarische Grenzen festsetzen, da für jeden Bulgaren das Aufgeben Maze- doniens einem Hoch- und Landesverrat schlimmster Art gleich- kommt. » Da ich heute niit Herrn Wendel zu Ende kommen will, so sehe ich mich genötigt, auch die von ihm aufgeworfene politische Frage zu berühren, nämlich daß wir Bulgaren uns mit den Serben verständigen müssen, da sür Bulgarien der Friede unentbehrlicher sei, als die alten Städte Ueskueb, Nisch und Prisnen. Bevor ich zu diesem gütigen Ratschlage Stellung nehme, habe ich das nioralische Recht, den guten Herrn Wendel zu befragen: Warum hat er nicht seine edle Stimme im Jahre 1913 erhoben und Serbien denselben Rat erteilt? Dann wäre der zweite Balkankrieg vermieden und damit der ungerechte Bukarester Vertrag, der den Anlaß zum heutigen Krieg gab... Man versichert mich, daß zu jener Zeit Herr Wendel sich im serbischen Hauptquartier befand, und zwar als Zeitungskorrespondent, eine just geeignete Stelle, um den serbischen Freunden die Stimme des Friedens vernehmen zu lassen. Hatte denn Herr Wendel damals seine Pflicht als Sozialist und Pazifist vergessen?... Oder tritt sein Pazifis- muS nur dann in Aktion, wenn es sich darum handelt, die Bulgaren davon zu überzeugen, daß sie Friede machen müssen. indem sie einen Teil Mazedoniens den Serben abtreten? Dieses Verfahren scheint mir sehr parteiisch und wenig unbe- fangen.... Aber gehen wir lieber zu anderem über. Gewiß braucht Bulgarien wie alle Kriegführenden und selbst die Neutralen den Frieden. Man hat es überall mit dem mörderischen Kriege satt, der soeben das dritte Jahr voll- endet hat. Aber nach so vielen ungeheuren Opfern wird es keine kriegführende Regierung wagen dürfen, einen Frieden auf der Grundlage des„isiatus quo ante bellum" zu schließen, es sei denn, daß ihr ein solcher Friede auferlegt wird. Denn es ist nicht schwer, zu raten, welcher furchtbarer Verantwortung sind alle diejenigen ausgesetzt, die diesen Krieg vom Zaun gebrochen haben und ihn weiterführen ohne des Sieges sicher zu sein. Dies ist der Grund, weshalb der„Ver- ständigungsfriede" unmöglich ist, bevor einer der großen Kriegführenden kampfunfähig ge- macht w o r d e n i st. Ich glaube, daß Rußland zuerst nach- geben wird. Aber es mag sein, wer will, die Niederwerfung eines der großen Kriegführenden wird daS Präludium des Friedens sein. Dies ist meine volle Ueberzeugung. Ich bin überzeugt, daß in dieser Frage die deutschen Sozialisten und meine persönlichen Freunde Erzberger und Theodor Wolff sich sehr edle, aber gefährliche Illusionen machen. Was Bulgarien anbelangt, so darf man nicht vergessen, daß es nicht in den Krieg gezogen ist, um seinen territorialen Bestand zu verteidigen, der von keiner Seite bedroht war, ganz im Gegenteil, man erinnere sich wohl, daß die Entente Bulgarien für die bloße Neutralität territoriale Entschädi- gungen versprach, aber Bulgarien konnte nicht neutral bleiben und mit der Entente gehen, weil es die dringende absolute Notwendigkeit hatte, seine beiden Probleme, von denen seine Lebensfähigkeit abhängt, zu lösen: Seine nationale Einigung zu verwirklichen und die Niederlassung Rußlands in Konstan- tinopel zu verhindern. Nun, diese zwei Probleme, die die Kriegsziele Bulgariens bilden, konnten nicht in der Gesell- schaft von Rußland, Serbien, Rumänien und Griechenland des Venizelos verwirklicht werden. Eben deshalb ist Bul- garien aufrichtig und in loyaler Weise an der Seite seiner heutigen Verbündeten in den Krieg gezogen. Als es dies tat, war es sich voll und ganz der Schwere seines Entschlusses be- wüßt, aber es begriff auch, daß es sonst nach) Beendigung des Krieges Gefahr laufen würde, von Rußland in Konstanti- nopel, voir eineni doppelt vergrößerten Serbien, Rumänien und Griechenland umringt zu werden, was für Bulgarien gleichbedeutend gewesen wäre mit der morgigen Vasallität sowie dem Verluste seiner staatlichen und völkischen Unabhän- gigkeit in der allernächsten Zukunft. Jetzt, wo das revolutio- näre Rußland auf Konstantinopel verzichtet hat, und Bul- garien dank der mächtigen Hilfe seiner großen Verbündeten und seiner eigenen außerordentlichen Opfer an Gut und Blut die nationale Einigung realisieren konnte, ist es naiv und zugleich sehr grausam, Bulgarien einen auf der Grund- läge des«tatns quo nnt« bellum geschlossenen Frieden �u empföhlen. Noch weniger kann Bulgarien mit Serbien in Verhandlungen eintreten. Da die Balkanreise Wendeis ganz und gar den Serben galt, so muß er wohl wissen, daß der serbisch-bulgarische Bündnisvertrag vom Jahre.1912 der dritte und letzte Versuch Bulgariens war, sich mit den Ser- ben zu verständigen. Nach dem Treubruch von 1913, als sie mit Venizelos in der Absicht einig wurden. Bulgarien zu be- rauben, ist jedes politische Gespräch zwischen diesen beiden Völkern ausgeschlossen, solange die gegenwärtigen Genera- tionen beider Staaten leben und nicht durch neue nach diesem Kriege geborenen ersetzt sind. Ich bitte Herrn Wendel, zu glauben, daß Bulgarien außerstande ist, dreierlei zu tun: Es kann nicht mit Serbien verhandeln, seine Verbündeten verraten und auf seine natio- nale Einigung— diesmal gänzlich— verzichten. Wäre es auch fähig, dem feigen und treulosen Beispiel Italiens, Ru- mäniens und Serbiens im Jahre 1913 zu folgen, selbst dann würde es nicht mit Serbien, sondern mit der Entente ver- handeln. Letztere sehnt sich so sehr nach einem Sieg über das unbesiegbare und siegreiche Deutschland, daß sie keinen An- stand nehmen würde, alles Bulgarien zu geben, was es zum Zwecke semer Einigung verlangt, wenn nur dadurch der Weg Berlin— Wien— Konstantinopel unterbrochen würde, die Tür- kei außer Kampf gesetzt und Rußland zu seiner ersten Lieoe — Konstantinopel— zurückgeführt würde. Aber ich wieder- hole es: Bulgarien ist eines Treubruches unfähig. Aber es ist fähig, nicht nachzugeben, weder vor den Feinden, die es bekämpfen, noch vor den Freunden, die es beraten, Fetzen seines nationalen Körpers abzureißen, um sie den Serben, Rumänen und Herrn Venizelos hinzuwerfen. Jeder Bul- gare ist überzeugt, daß der gegenwärtige Krieg der letzte große europäische Krieg ist, und daß Bulgarien in diesem Kriege seinen letzten Trumpf ausspielt. Er weiß auch, daß er cnd- gültig und unwiderruflich seine nationale Einigung verwirk- lichen muß, selbst auf die Gefahr hin, dabei zugrunde zu gehen. Gott sei Dank, Bulgarien strebt weder nach irgend- einer Vorherrschaft, noch nach Territorien anderer. Daher hat es das Recht, mit der uneingeschränkten Mitarbeit seiner Verbündeten in dieser Richtung zu rechnen— was niemand in Bulgarien in diesem Kriege je bezweifelt hat, und deshalb auch wird Bulgarien selbst das Menschenmögliche tun, damit es am Ende des Krieges über die nötige Militärmacht ver- fügt, um die Verwirklichung seiner Kriegsziele zu beendigen. Der deutsche Leser, gerecht und nachsichtig, wie er ist, -wird wohl die Lebhaftigkeit dieses Aufsatzes entschuldigen. Ich bin eben selbst Mazedonier und wir Mazedonier lieben unser Mutterland mit der heftigen und nervigen Liebe der Waisen, die lange in der Not gelebt haben und mit ihrer un- glücklichen Mutter ein in Tränen durchgetränktes Brot aßen. Wir sind fast unser ganzes Leben in Trauer vor dem blu- tigen und verstümmelten Bild unserer teuren Dulderin ge- standen und auf ihren Notschrei hin eilen wir und verteidigen sie däher mit allen Kräften—„unguibua et rostro", wie die Lateiner sagten, wir können nur mit dem„Saft unserer Nerven" über sie schreiben, um mit Börne zu sprechen, und vergessen zuweilen, daß wir diensttuende Divlomaten sind... Dies ist meine letzte Erwiderung auf Herrn Wendel. Wilhelm II., Georg unö öer Aar. Zur Borgeschichte des Weltkriegs. Aus den Denkwürdigkeiten des früheren amerikanischen Botschafters in Berlin. Gerard, veröffentlicht„Daily Tele- graph" eine Depesche Wilhelms II. an Wilson vom 10. August 1914, die jedoch infolge Dazwischentretens der deutschen Re- gierung nicht abgeschickt worden sein soll. Ihr Text lautet: „Prinz Heinrich wurde in London von S. M. König Georg empfangen, der ihn bevollmächligte, mir mündlich mitzu« teilen, daß Eagland neutral bleiben würde, falls ans dem Kontinent ein Krieg ausbräche, der Deutschland und Frankreich, Oesterreich und Rußland unifafle. Diese Mitteilung wurde von meinem Bruder nach seinem Gespräch mit dem König aus London an mich de- peschiert und am 29. Juli mündlich wiederholt. Mein Botschafter in London sandte nach Berlin eine Mitteilung von Eduard G r e y, in der er sagt, daß nur in dem Falle, daß Frankreich von einer Zerschmette« rung bedroht würde, England einschreiten würde. Am 30. Juli teilte mein Botschafter in London mit, daß Grey in einem„privaten" Gespräch ihm mitgeteilt hatte, daß, wenn der Konflikt zwischen Rußland— nicht Serbien— und Oesterreich lokalisiert bleibe, England fich nicht rühren würde; aber sollten wir uns in den Kampf einmischen, so würde dieses Land schnelle und entscheidende Schritte unternehmen. Für den Fall also, daß ich meinen Bundesgenossen Oesterreich allein kämpfen ließe, würde sich England nicht rühren. Da diese Mitteilung im direkten Widerspruch zu dem Gruß des(englischen) Königs an mich stand, depeschierte ich am 29. oder 39. Juli und dankte ihm sür die freundschaftlichen Grüße durch meinen Bruder und bat ihn, all seine Macht aufzu- wenden, um seine Bundesgenossen Frankreich und Rußland von kriegerischen Borbereitungen fernzuhalten, die meine Vermittlungstätigkeit stören könnten, indem ich hervorhob. daß ich mit dem Zaren in ständiger Verbindung sei. Abends antwortete der König freundlichst, daß er seine Regie- rung beauftragt hätte, jeden möglichen Einfluß auf seine Alliierten anzuwenden, um sie davon abzuhalten, irgendwelche provozierenden militärischen Maßnahmen zu treffen. Gleichzeitig fragte S. M. mich, ob ich britische Vorschläge nach Wien weitersenden wollte, dahin- gehend, daß Oe st erreich Belgrad, einige andere ser- bische Städte und einenStreifen Land als. Faust- Pfand" nehmen sollte, um sich Sicherheit zu verschaffen, daß neue serbische Versprechungen auf dem Papier auch in Wirklichkeit erfüllt würden. Dieser Vorschlag war im selben Augenblick an mich anS Dien, für London bestimmt, depeschiert worden, vollkommen in Uebereinstimmuug mit de« britischen Borschlag. Außerdem hatte ich das gleiche als meine Idee an den Zaren depeschiert, bevor ich die zwei Mitteilungen aus Wien und London, die beide derselben Ausfassung waren, empfangen hatte. Ich übersandte die Telegramme augenblicklich viae versa nach Wien und London. Ich fühlte, daß ich imstande war, die Frage ordnen zu können, und ich war beglückt über die Friedensaussichten. Während ich dabei war, ein« Note an den Zaren für den nächsten Morgen vorzubereiten, um ihm mitzuteilen, daß Wien, London und Berlin über die Behandlung der Frage einig waren, telephonierte der Reichskanzler an mich, daß der Zar in der vergangenen Nacht die Mobilisierung des ganzen russischen HrereS beschlossen hätte, was natürlicherweise auch gegen Deutschland gerichtet war. weil die süd» lichen Heere gegen Oesterreich schon im voran« mobilifiert waren. In einem Telegramm auS London unterrichtete mich mein Bot- schafter. daß die englische Regierung die Neutralität Frankreichs ga- rantieren wolle und zu wissen wünsche, ob Deutschland unterlassen würde, eS anzugreifen. Ich depeschierte persönlich an den König, daß, da die Mobilisie- rung bereit« im Gange sei, sie nicht aufgehalten werden könne; falls aber der König die Neutralität Frankreichs mit Wafsenmacht garantieren könnte, so würde ich unter- lassen, e» anzugreifen und die Truppen anderwärts ver- wenden. Der König antwortete, er glaube, daß mein Angebot auf einem Mißverständnis beruhe, und soviel ich sehen kann, hat Grey mein Angebot nie einer ernstlichen Prüfung unterzogen und nie darauf geantwortet. Statt dessen erklärte er, daß England die belgisch« Neutralität verteidigen müsse, Li« von Deutschland au« strategischen Gründen verletzt werden mußte, da wir Nachricht erhalten hatten, daß Frankreich zu einem Einfall in Belgien bereit« Vorbereitungen traf, und da der belgische König mein Verlangen auf freien Durchmarsch unter Garantie sür die Freiheit seines Landes zurück- gewiesen hatte. Ich bin im höchsten Grade dankbar für die Mitteilung des Präsidenten. gez. W i l h e l m." Diese Mitteilung des Kaisers an Wilson wurde nach Gerards Bericht ihm vom Kaiser bei einer Znsammenkunst im Schloß zu Berlin überreicht. Wilhelm IL sprach i n niedergeschlagenem Ton vom Kriege. Gerard berichtet: „Ich versuchte, ihn aufzumuntern dadurch, daß ich sagte, daß die Deuischen bald in Pari« einziehen würden." Er antworieie:„Die Engländer haben die ganzeLage verändert. Sie find eine hartnäckige Nation nnd werden den Krieg in die Länge ziehen. Gr kann nicht s» bald aufhören." Wilhelm II. bat Gerard, da« Schriftstück an den Präfidemen Wilson zu relegraphieren. Am Nachmittag bekam Gerard in der Botschaft den Beiuch eineS Manne», der in Deutschland eine hohe Stellung hat, und dessen Namen Gerard nicht nennt. Dieser bat Gerard, im Interesse deS guten Verhältnisses zwischen Deutschland und Amerika, das Telegramm des Kaisers nicht zu veröffentlichen. Gerard erklärte sich damit einverstanden. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung der„Enthüllungen" Gerolds wird eine Mitteilung de» Londoner Pressebureaus bekannt- gegeben, daß die Erklärungen, die König Georg an en Prinzen Heinrich von Preußen nach dem K a i s e r t e l e g r a m m gemacht haben soll, jeder Grundlage entbehren. Etwas besondere« Neue« enthält der Bericht nicht. Es war ja schon bekannt, daß zu Kriegsbeginn sehr viel telegraphiert worden ist._ Viktor �Sler. Wien, 11. August.(Eig. Drahtber. d.„Vorw.") Die von einem ösfiziöseu Bureau verbreitete Nachricht, daß Genosse Dr. Viktor Adler schwer erkrankt sei. ist vollständig unwahr. Genosse Adler ist zurzeit trotz seine? chronischen Leidens, in dem keine Veränderung eingetreten ist. wohlauf. Sein Zustand ist besser alt seit Monaten. Nach„Sz Est' sollte es Dr. Friedrich Adler sein, der im Gefängnis an Herzerweiterung und Lungenentzündung erkrankt sei. Auch diese Nachricht ist erfunden. Englifthe fit Die Engländer gehen nach Stockholm. Auf einer Berliner Versammlung hat Scherdemann den Weg zum Frieden mit der beschwerlichen Arbeit eines Glet- scherwanderers verglichen, der mühsam Stufe um Stufe in das Eis hacken muß. Der Beschluß der englischen Arbeiter- Partei, an der Stockholmer Konferenz teilzunehmen— weit entfernt, uns sofort auf den Gipfel des Friedens zu führen—, bedeutet eine neue wichtige Stufe zur Höhe. England war bisher dasjenige Land Europas, in dem der imperialistische Siegss- und Eroberungswille, verkörpert in dem Diktator Lloyd George, am ungebrochensten und un- angefochtensten herrschte. Nicht in einem Gemisch von Ver- zweiflung und Hysterie, wie die führenden Männer Frank- reichs, sondern in zäher ausdauernder Berechnung strebten die englischen Staatsmänner auf den Punkt zu, an dem sie einem zerschmetterton und gedemütigten Teutschland den Frieden würden diktieren und die englische Weltherrschaft unange» fochten aufrichten können. Hinter ihnen stand geschlossen das englische Bürgertum und ein großer Teil der Arbeiterschaft. Der englische Ar- beiter, schon vor dem Kriege nur in lockerem Zusammenhang mit der Internationale lebend, und mehr auf gewerkfchaft- liche Interessenvertretung als eigene politische Zielsetzung be- dacht, ließ sich am leichtesten für imperialistische Pläne ein- fangen. Das Schreckgespenst vom preußischen Militarismus, den es aus der Welt zu treiben gelte, genügte als idealogischer Vorwand, daß englische Arbeiterführer wüste Zerschmette- rungsreden hielten, ja an der Spitze ihrer Gefolgschaft Pazi- fistenversammlungen stürmten und die erbittertsten Kämpfer gegen jeden Friedensfreund wurden. Wenn man sich dieser Exzesse der Stanton und Genossen erinnert, so muß man es als großen Fortschritt bezeichnen, als Zeichen der zunehmenden Klärung der Gemüter betrach- ten, wenn jetzt trotz oller gegenteiligen Hetzereien, trotz aller Verdächtigungen und imperialisti'chen Wühlereien die eng- lische Arbeiterpartei mit überraschend großer Mehrheit be- schloffen hat, überhaupt die Stockholmer Konferenz zu be- schicken. Freilich ist dies unter vielen Wenns und Aber ge- fchehen, und die Rede Hendersons, mit der dieser die Teil- nähme an der Konferenz begründet, wirkt eher wie eine ver- legene Entschuldigung gegenüber der Regierung, denn als mutige» Bekenntnis zum Gedanken der internationalen Ver- ständigung. An sich fällt es schwer, in dieser Rede viel Er- mutigendes für einen günstigen Verlauf der Konferenz zu entdecken. �Man hätte ja auch schließlich, meint Henderson, die ganze Sache ablehnen können, aber damit würde man die russischen Bundesgenossen vor den Kopf gestoßen haben, und eine solche Brüskierung sei bei den unberechen- baren Strömungen, die in Rußland herrschten, zu gefährlich. Im übrigen gehe man nicht nach Stockholm, um über den Frieden zu verhandeln, sondern um darzulegen, w a r u m man den skrieg weiterführen müsse. Und schließ- lich habe man sich bedungen, daß die ganze Konferenz nur einen beratenden, keinen beschließenden Charakter tragen dürfe. Wenn die englischen Delegierten wirklich nur in ineser Gesinnung und mit diesen Absichten nach Stockholm fahren wollen, so würde freilich eine solche Teilnahme nur wenig mehr bedeuten als ein Nichterscheinen. Aber noch wird man annehmen dürfen, daß Hendersons Rede hauptsächlich dazu angelegt war, um den noch zum Imperialismus hinneigen- den Elementen der Arbeiterpartei den Stockholmer Gedanken überhaupt mundgerecht zu machen und eine Brücke zwischen der bisherigen und der künftigen Taktik zu schlagen. Wir vertrauen darauf, daß, wenn die englischen Dele- gierten erst einmal in Stockholm angelangt sind, sich ihre Mission ganz von selber anders gestalten wird als Henderson sie ausgemalt hat. Die englischen Delegierten werden finden, daß es ein Ding der Unmöglichkeit ist, in Stockholm die Fort- führung des Krieges zu predigen und nebenbei vielleicht den deutschen Minderheitssozialisten nocki einiges Material gegen die deutsche Regierung zustecken.(Was glaubt Henderson irbrigens zu wissen, was man in Deutschland nicht wüßte?!) Eine einzige Diskussion mit den deutschen Vertretern wird den englischen Delegierten zeigen, wie hinfällig und naiv ihr Standpunkt ist, in Englands Krieg den uneigennützigen Kampf um Recht und Freiheit, in Deutschland dagegen die konzentrierte Macht Satans zu sehen. Eben das ist der Vor- den wir uns von der Aussprache und Zusammenkunft er» hoffen, daß solche in feindlicher Isolierung ausgesponnenen Theorien beim Zusammenprall mit den Gedanken der ande- ren Seite sofort zusammenstürzen und von ihren Verfechtern einfach preisgegeben werden müssen, wenn sie sich nicht von den neutralen Zuhörern dem- Vorwurf der Verranntheit und innerer Unaufrichtigkeit aussetzen wollen. Deshalb begrüßen wir es auf alle Fälle, wenn die eng- lische Arbeiterpartei an der Stockholmer Konferenz teilnimmt. Und wenn dieser Schritt zehnmal mit der Beteuerung unter- nommen wird, daß er der einzige sei und bleiben werde: die Logik der Dinge wird auf den ersten den zweiten und jeden anderen folgen lassen wird. Daß der Beschluß ein Schritt vorwärts ist. beweist am besten das Wutgeheul der gelben englischen Presse, beweist der Umstand, daß Henderson ihm trotz allen Zuredens an die englischen Jnrpe- rialisten sein Ministerportefeuilles hat opfern müssen. Im nachstehenden geben wir den Bericht des Kongresies, der den entscheidenden Beschluß faßte. London, 10. August. Die große Konferenz der Arbeiterpartei, die darüber entscheiden soll, ob die englischen Arbeitervertpeter an der sozialistischen Konferenz in Stockholm teilnehmen sollen, ist heute in London zusammengetreten. Es waren fast 600 Vertreter anwesend. Die russischen Vertreter, die die Länder der Alliierten soeben besucht haben, waren ebenfalls erschienen. Arthur Henderson, Romjah Macdonald, Danderoelde, Hodge und andere Parteiführer waren zugegen. Zunächst ergriff der Vorsitzende William P u r dy das Wort. Er erklärte, daß kein Jriode genüge, der nickt die vollkommene Befreiung vom aggressi. den Militarismus gewährleiste. Die Revolution möge eine zettlang den russischen Kameraden die großen Aufgaben des Krie- gcS verdunkelt haben, aber er sei sicher, daß sie ihre mühsam gewonnen« Freiheit nicht für die Schande einer Freiheit unter dem Fuss des preußischen Militarismus vertauschen wollten. Weder ihre russischen Freunde noch sie wünsch- ten einen Sonderfrieden, sondern als Alliierte müßten sie Schulter an Schulter stehen, vis ein gerechter Friede er- beiterpartei. stritten sei. Die Einladung nach Stockholm verdiene sorgfältig und ernsthaft erwogen zu werden. Die Versammlung beschloß, sich nach der Erklärung Hender- sons bis zum Nachmittag zu vertagen, um dann über folgende Eni- schließung abzustimmen: Die Einladung zur internationalen Kon- ferenz in Stockholm soll unter der Bedingung angenommen werden, daß sie beratend, nicht bindend ist. Henderson erklärte u. a., er wünsch« eine vollständig« Dar- stelümg der Frage zu geben, da sich die Entschließung auf Nach- richten gründe, die er gegeben habe, und da seine Haltung in der Frage stark angegriffen worden sei. Man muß, fuhr er fort, sich vor Augen halten, daß sich die Lage in Rußland ständig ändert. Wir können entweder die ganze Sache ablehnen, das wäre unter Berücksichtigung der öffentlichen Meinung Rußlands das verhängnisvollste. Oder ich könnte den Russen mitteilen, daß ich bereit sei, der Arbeiterpartei zu roten, die Konferenz zu den russischen Bedingungen anzunehmen, aber ich habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß ich das nicht tun würde. Oder endlich konnten wir vorschlagen, die Konferenz aus einer bindenden in «ine beratende umzuwandeln, und in diesem Fall bin ich be- reit vorzuschlagen, ein« solche Beratung möglich zu machen. Henderson sagte weiter, die Russen hätten entschieden«ine bindende Konserenz gewünscht, die den Zweck haben sollte, wirk- liche Friedensbedingungen zu besprechen. An einer solchen Kon- ferenz könnten britische Vertreter nicht teilnehmen. Sie könnten nur teiluehmen an einer Konferenz, in der sie klar darlegen könn- ten, warum sie die Fortführung des Krieges unterstützten und welche Ziel« sie hätten. Neber den Frieden könnten sie nicht verhandeln, denn die Sozialisten seien noch nicht die Völker und einzig die Re- gienungen der einzelnen Länder könnten über den Frieden ver- handeln. Weiter führte Henderson aus, er sei früher g«g« n eine intsr- nationale Konferenz gewesen, habe aber seine Ansicht besonders deswegen geändert, weil in Nußland die verwirrtesten Ansichten darüber herrschten, warum England den Krieg fortsetze. Die Ziele der englischen Arbeiterbewegung seien verdreht, und die Ver- drehungen seien durch die feindlichen Agenten ausgenutzt worden. Die Konferenz halte er für ein« gute Gelegenheit zu einer Klar- stell ung. Bei meinem Aufenthalt in Rußland, fuhr Henderson fort, war die russische Regierung sehr für eine Konferenz und deshalb war ich der Ansicht, daß es nicht ratsam und vielleicht gefährlich sei, wenn die russischen Vertreter nur mit feind- lichen und neutralen Vertretern zusammen- kämen. Freilich hat sich seither in Rußland viel geändert, und ich glaube, daß dieneu«Regierung der Konferenzfrage etwas anders gegenübersteht als die alte. Es ist serner in Betracht zu ziehen, daß die amerikanische Arbeitervereinigung und die belgischen Sozia- listen beschlossen haben, nicht an der Konferenz teil- zunehmen. Ihre Abwesenheit kann nicht ohne Einfluß sein, wie sehr sie auch enttäuschen mag. Auch 40 französische Sozialisten haben in der Kammer gegen die Teilnahme an der Konserenz unter den obwaltenden Bedingungen Einspruch erhoben. Henderson sprach dann die Meinung aus, daß eine beratende Konferenz viel Gutes schaffen könne. Er betrachte sie als eine Gelegenheit, der Minderheit der deutschen Soziali st«n viele neu« Tatsachen zur Kenntnis zu bringen, die man dem deutschen Volk absichtlich berborgen halte. Henderson bat seine Hörer, ihm zu glauben, daß weder er noch irgend jemand im Vollzugsausschuß von unwürdigen oder unpatriotischen Beweggründen beeinflußt werde, und schloß: Unsere Sache ist eine so stark« Sache, die Sache aller Alliierten, daß sie. wenn sie von verantwortlichen Abgeordneten der Arbeiterklasse vertreten würde, erheblich dazu beitragen würde, das deutsche Volk davon zu überzeugen, daß das Verbrechen seiner Führer den Krieg verursacht hat und daß das Verbrechen seiner Führer jetzt seinen gerechten Abschluß verhindert. Bei der Wiederaufnahme der Sitzung am Nachmittag brachte Robinson, der Vertreter der Textilarbeiter, die erwähnte Eni- schließung ein. Ter Vertreter der Dockarbeiter Sexton bean- tragt««inen Zusatz, daß keinesfalls Vertreter an«irrer Konferenz teilnehmen sollten, auf der feindliche Vertreter anwesend seien. Minister Barnes unterstützt« diesen Zusatzantrag, der aber schließlich mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Ramsay Macdonald wurde mit Unruhe empfangen. Er unterstützte die Entschließung und erklärte, dein« Regierung habe den Finanzleuten die Pässe zu ihrer Konferenz in der Schweiz verweigert und keine Gewerkschaft habe ihnen- die Mög- lichkeit der Ueberfahrt genommen. Man solle Vergangenes begra- den und nach Stockholm gehen, um zu beraten, seine Ansicht zu äußern und die der anderen Seite zu hören. Und dann solle man zurückkehren mit den Grundlagen für den Frieden in der Tasche. Man verlange von den Demokratien Europas eine klar« Feststellung ihrer Ziel«. Robert, der Parlamentssekvetär des HandelsamtS, sprach gegen die Resolution, die indessen, wie gemeldet, mit 1846 000 gegen 550 000 Stimmen angenommen wurde. Ein harter Schlag für die Kriegshetzer. Sstmcrdam, 11. August.„Harcdelsblird" meldet aus London: Die groß« Mehrheit, die Henderson auf der Konferenz der Arbeiterpartei erhielt, war eine vollständige Ueber- r a s ch u n g. Die Bergarbeiter, die Arbeiter in der Maschinenindustrie und der B a u m w o l l i n d u st r i e nnd andere große Gruppen stimmten beinahe vollzählig für Heu- dersons Entschließung. Die Abstimmung deutet darauf hin, daß die Arbeiterführer und namentlich die, die dem Ministerium angehören, die Fühlung mit dem Volke verloren haben. Für die g e l b e(kriegshetzerische) Presse ist die Abstimmung ein harter Schlag. tzenüerson üemWoniert! London, 11. Augusti(Rcutermeldung.) Die„Pall Mall Gazette* erfährt, daß Henderson dem Premierminister leine Entlassung angeboten und dieser sie a n- genommen hat. London, 11. August.(Reutermeldung.) Die Blätter beschäftigen sich in ihren Kommentaren über den Beschluß der Arbeitcrkonferenz, hauptsächlich mit Henderion und seiner Stellung im Kabinett. Der Teil der Presse, der vorige Woche vorhersagte, daß die Konferenz beschließen werde, keine Vertreter nach Stockholm zu schicken, veröffentlicht jetzt die Nachricht, daß Henderson der Kon- ferenz oder den der Arbeiterpartei angehörenden Ministeril eine Mitteilung vorenthalten habe, die er kurz vor Beginn der Konferenz erhalten habe und nach der die fetzige russische Regierung der Konferenz in Stockholm gleich- gültig gegenüberstehe. Henderson werde infolgedessen zurück- treten müssen. Die.Times* schreibt: Die Demission Hendersons wird heute erwartet. Die.Morning Post* erklärt: Wenn Henderson im Kabinett bleibt, werden wichtige unionistische Mitglieder de? Ministerium« ihre Entlassung nehmen. Sie werden dabei auf die Unierstützung vieler Liberaler rechnen können. »Daily News* schreibt, daß es gerade der Presscfeldzug der reaktionären Btätter gewesen sei, der die Arbeiterpartei zu dem Be- schluß, nach Stockholm zu gehen, veranlaßt habe..Daily Chro- nicle* schreibt, das Ergebnis der Abstimmung werde die Unio- nisten zu einem erneuten Versuch veraiilassen, Henderson aus dem Kabinett zu verdrängen. Die Abstimmung habe aber bewiesen, daß Henderson außerordentlich kräftig von der Arbeiterpartei gestützt werde. L o n d o n, 11. August.(Reuter.) Der Rücktritt Hender- sons wird amtlich bestätigt. « Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Neville Chamberlain ist zurückgetreten« Dem„Daily Telegraph" zufolge wird Geddes sein Amt über- nehmen._ Kongreß Üer Solschewicki. Bern, 11. August. Eine Versammlung der maximalistischea Delegierten ganz Ruhlands, die in Petersburg tagt, hat Lenin und Sinowieff sowie mehrere ougenblicklich verhaftete Parteiführer zu Ehrenmitgliedern ernannt. Duma unü Gegenrevolution. Eine Privatsitzung. S t o ck h o l m, 11. August.(Eig. Drahtber. d.„Vorwärts".) Als Beweis für das Anwachsen reaktionärer Strömungen in Rußland führt die Korrespondenz des bolschcwikischcn„Pramda" eine Privat sitzung der Duma an, die von Rodzianko einberufen war. Die Sozialisteu hatten sich ihr ferngehalten und gegen sie Protest eingelegt, da die Duma keinen Rechts bestand mehr habe. Ju dieser Sitzung tauchte der seit Aus- bruch der Revolution unaufsiudbare Pogromhcld P u r i s ch- k e w i t s ch wieder auf. Er, der Kadett Manlenikoff und — in milderer Form— auch M i l j u k o f f forderten, die Regierung solle doch endlich mit dem Arbeiter- und Soldaten« rat Schluß machen und sich nur ans die Duma stützen. D i e beiden erste» Redner traten dafür ein, daß Großfürst Michael, der Bruder des Exzaren, de« Thron besteige» solle. Eine Versammlung Petersburger Offiziere hatte tags zuvor dasselbe gefordert. Das Kadettenorgan„Rjetsch" sagt in drohendem Ton, die Regiernngsproklamationen seien nichts als ein Echo auf die Aufrufe der Zimmerwalder. Das dürfe nicht so bleiben. Der Krieg auf öen Meeren. B e r l i n, 10. August. Amtlich.(Tel.-Union.) Neue U-Boots- Erfolge im Atlantische» Ozean und in der Nordsee. x2l Srutto-Regifter-Tonnen. Unter den versenkten Schiffen befanden sich der italienische Dampfer Eclo 1679 Tonnen mit Kohlcnladung, ein bewaffneter großer Dampfer, der aus Sicherung herausgeschossen wurde, ferner ein Dampfer über 7000 Tonnen, der allem Anscheine nach Munition geladen hatte. Der Chef des Admiralstabes der Marine. * Berlin, 11. August. Amtlich. Im Atlantischen Ozean und Aermelkanal wurden durch unsere U-Boote neuerdings 23 000 Br.-R.-T. vernichtet. Unter den versenkten Schiffen befanden sich-die bewaffneten englischen Dampfer Zermatt (3767 T.) mit Kohlen und Stückgut, Purley mit 6500 Tonnen Kohlen von England nach Gibraltar und ein unbekannter be- waffneter Dampfer: ferner ein englischer auslousender Dampfer und ein von vier Zerstörern gesicherter Dampfer. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Die Sozialdemokraten kommen! Verzweiflung auf Nippoglense. Herr v. Puttkamer-Nippoglense, Mitglied des Herren- Hauses, zurzeit Partenkirchen(Oberbayern), entwirft in der „Kreuz-Zeitung" dieses Schreckensbild: Das R e i ck s t a g s w a b l r e ch t für Preußen: damit fällt das letzte Bollwerk gegen die Sozialdemokratie, das letzle konser- vaiivere Gegengewicht gegen dos radtkal-demokratische Uebergewicht des Reichstages, damit fäll: wohl auch das Herrenhaus, einst in slurmbewegter Zeit der seste Hort der Monarchie und des Vaterlandes, damit eröffnet sich für Preußen die wenig erfreuliche Aussicht auf eine Verdoppelung des wildbewegten Wahlkampfes. ... das Volk regiert, das Volk befiehlt, das Volk ernennt und entläßt Reichskanzler und Minister und die zu Reichsininistern beförderten Staatssekretäre, das Volk entscheidet über Krieg und Frieden. Kaiser, Fürsten, Bundesrat sinken in daS Schattenreich, und wenn sie sich dem Volkswillen nicht beugen, droht die Revo- lution, das Schicksal des.Obersten Romanow". Herr v. Puttkamer-Nippoglense sieht trübe in die Zukunft. Und nur eins steht für ihn fest: Die Konservativen müssen das Versprechen der Einbrin- gung des Reichs tags Wahlrechts im preußischen Landtage als einen schweren Fehler aufs äußerste bekämpfen, was zugleich nicht ausschließt, daß sie an der Besserung des Wahl- rechts und unter Umständen der Zusammensetzung des Herren- haui'eS mir aufrichtigem Ernste mitarbeiten werden, wie dieS be- reits mehrfach in Anssichl gestellt worden ist. Die Logik der Herren aus Nippoglense und Umgegend ist einfach entzückend. Sie wollen doch, daß Wilhelm II. in Deutschland ebensowenig zu sagen haben soll, wie Oberst Romanow in Nußland. An ihrer Absicht, die Erfüllung des königlichen Wahlrcchtsvcrsprechens zu verhindern, liegt ein Versuch, die Monarchie zu erschüttern, wie er stärker nicht gedacht werden kann. So widerspruchsvoll kann nur sein, wem der Schreck die Besinnung geraubt hat. Die Sozialdemokraten kommen! Nippoglense wird in Verteidigungszustand gesetzt. GewerWPsbavWlv veutÄes Reich. Eine Lohnbewegung der Eisenbahner. Eine sehr bemerkenswerte Versammlung der Eisenbahner fand am Freitagabend im grotzen Saale des Lebrervereinshauies statb ReichslagSabg. Bauer-Breslau betanke in längerer Rede, daß aus Anlaß der großen Teuerung aller Lebensbedürfnisse auch die Staat orbeiter, speziell die Eisenbahner, einer Lohnerhöhung dringend be� nötigen. Ebenso sei es erforderlich, die Arbeitszeil zu verkürzen, da die unzureichende Ernährung bei einer sehr langen Arbeitszeit die Leistungsfähigkeit beeinträchtige. Nicht durch einen Streik sei das zu erreichen; eine sestgeschlossene Organisation der Eisenbahner würde den gewünschten Erfolg haben. Gegen die Organisatlon der Etaatsarbeiter könne angesichts des llmstandes, daß jetzt ein ausgesprochener Sozialdemokrat zum Uiiterstaalssekrelär ernannt worden sei, von keiner Seite mehr etwas eingewendet werden. Der Vorsitzende Brunner teilte darauf mit, daß der Vorstand des Eisenbahnerverbandes vor einiger Feit bei dem Eisenbahndirektions� Präsidenten Rüdlin vorstellig geworden sei, dieser habe auch ver sprocken, die Forderungen wohlwollend zu prüfen. Inzwischen sei Nüdiüi zum Staatssekretär des Reichspostamts ernannt worden. Er habe vor einigen Tagen dem Vorstande des Verbandes lelephoiiisch rnitgetellt, daß er in der Angelegenheit nichts mehr tun könne, er rate aber, sich an den Minister zu wenden, zumal die Forderungen eine Angelegenheit seien, die die Eisenbahner des ganzen Reiches angehen. Der Vorstand habe dem Rat Folge ge leistet und sei im Eisenbahnministerinm vom Ministerialdirektor Hoff empfangen worden. Dieser habe eine Erhöhuug der Teuerungszulage um S Mark monatlich zuge- standen, jedoch bemerkt, daß es bei der Akkordarbeit werde ver- bleiben müssen. Schließlich habe der Ministerialdirektor versprochen, die Forderung wegen Verkürzung der Arbeitszeit wohlwollend zu prüfen.— In der folgenden Aussprache führten sämtliche Redner aus, daß an den aufgestellten Forderungen festgehalten werden müffe. Einen Streik wollten die Eisenbahner nicht unternehmen. Sie haben oftmals ausgesprochen, daß nur im dringendsten Notfälle von einem Streik die Rede sein könne. Es gelangte eine Ent- schließung zur Annahme, die den Ausführungen entsprach. Forderungen der Kieler Werftarbeiter. Die auf den Kieler Werften beschäftigten Arbeiter erörterten in zwei stark besuchten Versammlungen die Lohn» und Arbeitsbedin« gungen. Die eine Versammlung, die für die Arbeiter der Kruppschen und der Howaldtschen Werft einberufen worden war, beschloß, den Unternehmern folgende Forderungen vorzulegen: 1. Statt Mstündiger Arbeitszeit eine tägliche Lstündige bezw. wöchentlich ötstündige. 2. Regulierung der Akkordpreise, damit ein Arbeiter von durch» schnittlicher Besähigung mindestens l.KV M. die Stunde verdient. 3. Erhöhung der Einstellungs- und der bestehenden Löhne um 1l) Pf. die Stunde. 4. Die Löhne der nur in Stundenlohn Arbeitenden sind so zu erhöhen, daß sie mindestens W Proz. von dem betragen, was in der- selben Branche in Akkord verdient wird. b. Die bisherigen Teuerungszulagen sind an alle Arbeiter, auch an die Dispositionsurlauber, zu zahlen 6. Die Familicnunierstiitzung an die Dispojitionsurlauber und die AuSwärlSwohnenden ist von 2 M. auf 4 M. zu erhöben. 7. Die Bestimmungen über die Arbeiterausschußwahlen find so zu ändern, daß alle Arbeiter und Arbeiterinnen wahlberechtigt und Ivahlfähig sind und daß alle Arbeiterausschußmitglieder von den Ar- deitern und Arbeiterinnen gewählt werden. In der Versammlung der Arbeiter der Kaiserlichen Werft wurde vom Vorsitzenden mitgeteilt, daß die Vertrauensleute an die Ober. werftdireltion eine Eingabe gerichtet haben, die die von den obigen Forderungen die unter 2, S, 4 und 6 enthält, und außerdem die .Forderung, daß für die beide» ersten Ilebeistunden ein Ausschlag von 25 Proz., für die folgenden ein solcher von 50 Proz. und au Nachtschichtarbeiler ein Aufschlag von 25 Proz, zu zahlen ist. parteinachrichten. Haase und Lenin. Wir werden vom Unabhängigen Soz.-dem. Zeitungsdienjt um Veröffentlichung folgender Mitteilung ersucht: „Wir können auf Grund zuverlässigster Jnformatisnen erklären, daß Genosse Haas« in Kopenhagen überhaupt keinerlei Unterredung mit russischen Genossen gehabt hat; daß Genosse Haase in Stockholm und Kopenhagen jedes In- terview ablehnte und daß er in Uedereinstimmung mit seinen Parteifreunden jede Einmischung in die poltlischen Meinungsdifferenzen der russischen Gcnoisen vermieden bat. Genosse Haase ist keinem Genossen begegnet, der Lenin für fähig gehalten hätte, sich durch deutsches Gold bestechen zu lassen. Ueberall, wo Nicht-Genoffeu andeuteten, Lettin könnte Agent der deutschen Regierung sein,»st Genosse Haase diesem Verdacht unter fttOK»«f da sch roden errtaegengetretezr.� Wir haben bereit« vor eteigen Tage» von eine» kürzewen De- menti der Verleumdungen in der russischen Hetzpress« durch Genossen Haase Notiz genommen. Das Diskussionsverbot in der Mannheimer Scheidemann Versammlung. Der Reichstagsabgeordnete Oskar Geck hat an den Reichskanzler wegen des Verbotes der Diskussion in der Mann» heimer Scheidemann-Versammlung folgende An frage gerichtet: „Nachdem mir selbst im August v. I. die öffentliche Berichh- erstattung vor meinen Wählern über meine Stellung zur Friedensfrage durch eine das Recht der freien Meinungsäußerung in unerträglicher Weise beschränlende Verfügung des Stellver- tretenden Generalkomniandos des XIV. Armeekorps in Karls- ruhe unmöglich gemacht worden war, ist durch eine Verfügung des Großherzogl. Bezirksamts Mannhenii die Genehmigung zur Ab- Haltung einer Volksversammlung im Städt. Rosengarten zu Mannheim, in der mein Retchstagskolletze«cheidernann am 6. August über„Die politisch« Lage und die Friedensarbeit der Sozialdemokratie" sprechen sollte, an die Bedingung geknüpft worden, daß„keine Diskussion stattfindet und Anfragen an den Redner unterbleiben". Zur Begründung dieser Verfügung wird angeführt, daß„auswärtige Mitglieder der Unabhängigen Partei beabsichtigen, in der Volksversammlung Gegenreden zu halten". Unter Hinweis auf die wohl auch dem Herrn Reichskanzler bekannte Tatsache, daß im Verlauf der letzten Wochen in anderen Teilen des Reiches ähnliche Veranstaltungen zu Dutzenden statt- fanden, ohne daß dte Polizeibehörden Anlaß zum Einschreiten dagegen nahmen oder für ihre Genehmigung einschränkende Be- dingungen stellten, richte ich an den Herrn Reichskanzler die An- frage, ob er die vom Großh. Bezirksamt Mannheim gegenüber der Volksversammlung vom 6. d. M. zur Anwendung gebrachten Grundsätze billigt, und, sofern dies— wie ich erwarte— nicht der Fall ist, was er zu tun gedenkt, um auch im Großherzogtum Baden der Bevölkerung zu dem schon seit längerer Zeit frei- gegebenen Recht der öffenttichen Erörterung der Kriegsziele zu verhelfen. Ich begnüge mich mit einer schriftlichen Antwort auf meine Anfrage, wäre aber für die tunlichste Beschleunigung derselben angesichts der besonderen Sachlage dankbar." Damit ist all den unsauberen Versuchen der llnabhängigen der Boden entzogen, die Sozialdemokratie als Nutznießerin des Belage- rungszustandes zu verschreien. Industrie und Handel, Große Braiinkohleufelder-Ankäufe. Seitdem das Königreich Sachsen infolge des bekannten vor- jährigen Gesetzes für Ankäufe von Braunkohlenfeldern, soweit sie nicht vom Staat ausgehen, gesperrt worden ist, wenden die Kohlen- intcrejsenten ihr Augenmerk besonder? den benachbarten Teilen der Provinz Schlesien zu. Seit einiger Zeit sind in Deutsch-Osfig iin Kreise«Görlitz und in der Umgebung Agenten einer Berliner Groß- bank tätig, um Ländereien, die Braunkohlen enthalten, aufzukaufen. Sie zahlen für den Morgen Land 1600 M. und überlassen den Ver- käuseru die Benutzung der Aecker unentgeltlich bis zum Beginn des Abbaus der Koble. Die Gebäude werden nach der Brandkassentaxe bezahlt. Auch die Gärten werden mit 1600 M. für den Morgen be- zahlt. In Deulsch-Oifig sind bereits viele Käufe abgeschlossen worden, doch zögern einige Großbcsitzer noch. Bohrversuche, die schon vor dem Kriege vorgenommen wurden, haben befriedigende Ergebnisse gehabt. M»III ii üciuttyiinig rch«if mtt BüiUPrtV fteegffg(**• Soziales. SplrrsamkeitSbcstrebung im SiedclungSbiruwesen. Man schreibt uns:„Unter Führung des Geheimen Regierungs- rats Dr. Friedrich Seesselberg, ord. Professor der Kgl. Technischen Hochschule Berlin, hat sich ein„Ausschuß zur Förderung de» Kriegersiedelungswescns durch sparsame Bauweise" gebildet. Diesem Ausschusse gehören hervorragende Persönlichkeiten beS Bauwesens, der Industrie, der Harrdelsioiffenschaft. der Boden- und Wohmingspolitik. der Volkswirtschaft, der Verwaltung, des Ernäh- rungsweseus, des Rcalkredits und der Kriegsbeschädigtcnsürsvrge an. Er soll noch durch Vertreter der verschiedensten Parteien, unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiterinteressen ergänzt werden. Dieser Atissckuß wird zu anderen Organisationen, die dem Wohnungs- und Siedelungswchen dienen, sowie zu den Ministerien Verbindung halten, um Einerseits fortgesetzt anregend auf die Er- 'itidung und Anwendung aller Arten von Verbilligungs- Mitteln in haltbaren Baustoffen und Konftruk- tionen hinzuwirken,, um auf diese Weise bessere und rentablere Siedelungsmöglichkeiten anzubahnen. Die sozialpolitische Seite der sparsamen Bauweise soll hierbei nach allen Richtungen hin gründliche wissenschaftliche Bearbeitung erfahren. Der Ausschuß tritt nunmehr ans der soeben eröffneten Sächsischen Ausstellung „Heimatdank" gleich mit einer kräftigen Anregung hervor. In der von Geheimrat Dr. Seesselberg für den Ausstellungszweck durchgebildeten Alberthall« des Leipzigei Kristallpalastes sind für Entwürfe van Heinz Stoffregen. Dieses ErdgrubenhäuS ist ans dem Gedanken der Feldunterkünste entwickelt, entspricht aber so- wohl wohnlich-praktisch, wie auch ästhetisch, trotz sehr etbeblicker Verbilligung gegen sonstige Siedclungsbauten, durchaus alleck Ansprüchen. Es ist sehr tvahrscheinlicli. daß durch diese in wisscnscbaftlicke.r Weise erfolgende Herausbebung sparsamer Bauweise dem Sied,'- lungswesen nunmehr verheißungsvollere Bahnen als bisher er- schloffen werden können." Wir müssen e» abwarten. Es ist uns bisher»icW bekavnt geworden, daß an die berufenen Vertretungen der Arbeiterschaft «in Ersuchen um Beteiligung an den Bestrebungen des Ausschusses ergangen wäre. Auch wären nähere Mitteilungen über das ge- rühmte Erdgrubenhaus sehr erwünscht. Wenn etwa die Hygiene von der Sparsamkeit totgeschlagen würde, würde das Pferd am Schwanz aufgezäumt. Kein gleichmäßiger Kricgszuschlag für Äasscnkranke. Da» Oberversicherungsamt Groß-Berlin hatte die Genehmi- girng zu der von einer Krankenkasse beschlossenen Satzungsände- rung versagt, wonach den erwerbsuniähigen Kassenmitgliedern für die Dauer des Krieges eine Erhöhung des Krankengeldes von 30 Pfennig täglich gewährt werden sollte. Auf die Beschwerde der Krankenkasse hat da» Rcichsversicherungsamt durch Entscheidung vom 23. Juni 1917 da» Urteil des Oberversicherungsamts bestätigt und ausgeführt, es sei nicht zulässig/in allen Löhnkläffen«inen festen Geldbetrag von 30 Pfennig als Zuschlag zu gewähren, weil das Krankengeld nach K 182 Nr. 2 und Z 19l der Reichsversiche- rungsordpung stets in einem bestimmten Verhältnis zum Grund- lohn stehen müsse. Gerichtszeitung. Ter Äuchenpreis in„besseren Lokalen". Wegen Verstoßes gegen die Kuchenverordnung des Magistrats stand gestern der kaufmännische Direktor des Admiralsgartenbades und des Savoh-Hotels, Hermann M eher, vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte. Im Cafe des Savoh-Hotels war durch An- schlag bekanntgegeben, daß der Preis für ein Stück Torte von 50 Gramm 40 Pf. betrage, während der Höch st preis auf 37sh Pf., abrundbar auf 38 Pf., festgestellt worden ist. Ter Angeklagt« erhielt ein Strafmandat über 40 M.. beantragte aber richterliche Entsckeidung. Rechtsanwalt Dr. Max Kantorowiez führte aus, dem Angeklagten habe der Kücbenches erklärt, daß nach der Verordnung die Abrundung nach oben hin gestattet sei und so- mit der Preis auf 40 Pf. gestellt werden solle. In ersten Hotels und besseren Cafes denke man doch nicht daran, daß man beim Kauf eines Stücke» Kuchen sich 2 Pf. herausgeben zu lasten berech- tigt sei. Außerdem habe das Kammergerickit in verschiedenen Fällen dahin erkannt, daß Höchstpreise auf Restaurationsbetriebe nicht An- Wendung finden können, da dort es sich nicht um einen reinen Kaufvertrag, sondern auch um Dienstleistungen handele, die in besseren Lokalen recht hoch zu bewcjrten seien. Ten Begriff „besseres Lokal" habe das Generalkommando des l. bayerischen Armeekorps in einem Falle, in welchem es sich um den Bierpreis handelte, seinerzeit dahin ausgelegt: Lokale mit besserer Aus- stattung seien alle jene Lokale, in denen auch außer den gewöhn-- lichen Mahlzeiten gedeckte Tische vorhanden sind, kalte und warme Speisen in normalen Zeiten zu haben sind. Servietten abgegeben werden, kurz, um jene, deren ganzer Betrieb Merkmale zeigt, daß es sich nicht um einen gewöhnlichen Bierausschank handelt. Im vor- liegenden Falle handele es sich zweifellos um ein bessere? Lokal, in dem die Praxis, nach Pfennigen zu verkaufen, bisher nicht bekannt war. Der Angeklagte habe durch die öffent- liche Bekanntgabe de» Preises von 40 Pf. deutlich bewiesen, daß er sich in gutem Glauben befunden babe.— Ter Gerichtshof erkannte aus den von der Verteidigung geltend gemachten Gründen auf Freisprechung. Fälschung von Nahrungsmittelkarten als schwere Urkunden- fälschung. Das Landgericht Bochum hat' am 24. Februar die Haustochter Hedwig K. wegen einlacher Urkundensälschuna zu fünf' Tagen Gefängnis verurteilt. Die Angeklagte bat auf der Nahrung-?- mittelbezugskarte ihrer Eltern den mit Bleistin vom Verkäufer gemachten Vermerk, daß 20 Pfund Kartoffeln entnommen seien, aus- radiert und dafür eine„10" hingeschrieben, um so ein Anrecht ans weitere 10 Pfund zu haben und hat dann von dieser Fälschung Gebrauch gemacht. Da? Landgericht hat nur eine einfache nicht aber eine schwere Urkundensälschung angenommen, weil die Angeklagte sich keinen Vermögensvorteil habe verschaffen wollen, denn sie habe die Kartoffeln voll bezahlen wollen. Aus die R e- Vision der Staatsanwaltschaft hob das Reichsgericht daS Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Wie schon früher in ähnlichen Fällen ausgesprochen wurde, ist bei derartigen» Sachverhalt stets schwere Urkundensälschung anzunehmen, da der Täter wirtschaftlich, also auch vermögensrechtlich besser gestellt ist, wenn er mehr Nahrungsmittel erlangt, als ihm nach den geltenden Bestimmungen zugewiesen seien. Verantwortlich für Volitik: Erich Kutmcr, Berlin: für den übrigen Teil des Blatte»: Alfred Scholz, Neulöün: für Inserate: Tb. Klocke, Berlin. Druck n. Verlag: Borwürts Buchdruckerci u. VcrlagSanfialt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilage». A.WERTH EIM Seidenstoffe Kleiderstoffe 'tir Blusen und Kleider, in vielen Farben, renseiae 47 � 95 cm bieit Blusenseide Al" Taflet u. Gabardine Deutsche Bastseide«mriarbig, so-»> breu. Echte Bastseide m»Uen F.rbtn, 100 cm bieli. Kettdruckseide für Binsen nnü Besätie. Eltenbeinlarb, Waschseide � 90 cm Blusenstoff BÄ.. kun>,C Rluc�octrtft Kunstseiuc, gesti cifl, i.mod. OlUSCllblOII Harbcnsiellungen.. Mtr. 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Jahrgang Seilage öes vorwärts Sonntag, 12.Mguft1417 HroßSerlm Tie Einschränkung des lSasvcrbranchs, die vom Reichskommissar für Elektrizität und Gas unterm 26. Juli verfügt worden ist, tritt jetzt in Kraft. Unsere Leser finden beute im Inseratenteil des»Vorwärts" eine vom II. August datierte diesbezügliche Bekanntmachung der Grofi-Berliuer Vertrauensmänner des Reichskommissars. Fortan wird jedem Gasaüuehmer ein be- stimmter Gasverbrauch gestaltet, der sich nach der Größe seines Gasmessers richtet. Bei jedem � Gasmesser ist auf einem an der Vorderseite befestigten Schildchen die Flammen- zahl angegeben, so daß der GaSabnehmer sich hierüber unierrichten kann. Auch kann er aus seiner Gasrechnung oder aus dem am Gasmesser angehängten Zettel entnehmen, wie viel Gas er in oen früheren Monaten verbraucht hat. Wer die ihm freigegebene GaSmenge überschreitet, muß für den Mehrverbrauch als Strafe den bedeutenden Zuschlag von 50 Pf. pro Kubikmeter zahlen. Bei wieder- bolter Ueberschreitung wird ihm sogar die Gaszufuhr gesperrt. Vielen Gasabnebmern dürste es nicht leicht werden, fich in den Be- srimmungen dieser Einschränkungsverordnung zurechtzufinden. Ein Muster von Klarheil ist sie nicht. Die Kohlenvert�ikung in(Sj-nfj-Beflin. Das Oberkommando gibt bekannt: Auf Abschnitt 5 der Kasfee-Ersatzkarte für Grotz-Berlin kann im Geltungsbereich dieser Karte vom II. August 1917 ab fh Zentner Kohle (Steinkohlen jeder Art, Braunkohlen jeder Art, Briketts jeder Art, sowie Koks jeder Art und Akrthracit) entnommen werden. Die Kohlenhändler sind verpflichtet, nach Maßgabe der vorhandenen Bestände oder der zu erwartenden Eingänge an Kohlen Bestellungen hierauf entgegenzunehmen, soweit sie ihre Kunden nicht sofort be- liefern können. Bei der Bestellung ist der helle Abschnitt der Kassee-Ersatzkarte abzutrennen und vom Kohlenhändler mit einer laufenden Nummer zu versehen. Der grüne Empfangsäbschnitt ist mit derselben laufenden Nummer und der Firma des Kohlen- bandlers zu versehen. Bei sofortiger Lieferung sind beide Ab- schnitte, bei Lieferung auf vorherige Bestellung ist bei Abgabe der Kohlen der grüne Empfangs abschnitt der Karte vom Kohlenhändler abzutrennen. Der Kohlenhändler hat durch öffentlichen Aushang in seiner Verkaufsstelle oder in sonst geeigneter Weise angemessene Zeit vorher bekannt zu geben, welche laufenden Nummern bedient werden können. Diejenigen Verbraucher, welche auf Grund der Reichsfleischkarte noch keine Kohlen erhalten haben, können in ent- svrechender Weise den auf diese Karte entfallenden sh Zentner Kohlen bestellen. Die laufende Nummer und Firma ist auf dem Mittelstück der Reichsfleischkarte zu vermerken. Kommt die Schrippe wieder? Man schreibt unS: In der nächsten Woche beginnt die Brot« Versorgung auf Grund der neuen Neichsgetreideordnung und mit Hilfe der Ernte 1917. Die Ausmahlung von Weizen und Roggen ist zwar vom Landesgerreideamt wie bisher auf mindestens 94 Proz. festgesetzt worden, gleichwohl hat es sich aber mit Hilfe der Zu« fuhren aus Rumänien ermöglichen lasien, die tägliche Mehlmenge von 170 auf 220 Gramm zu erhöhen und damit die frühere Bröl- wochenmenge von 1950 Gramm zu erreichen. Kein Wunder, daß sich jetzt in weiten Kreisen der Groß-Berliner Bevölkerung wieder die Sehnsucht nach der seit dem letzten WiMer schmerzlich entbehrten Schrippe regt. Den Verfälschungen der Brotkarte ist durch eine bessere und auch geschmackvollere Ausgestaltung der Karten mehr als bisher vorgebeugt und gegen Diebstähle von Brot- karten in den Brotkommissionen sollten die Gemeindebehörden ruchl minder auf der Hut sein. Der Hauptgrund, der seinerzeit für die Abschaffung des 50-Gramni-Gebäcks angeführt wurde, der Mehl« mangel, ist jetzt Deutschen Reich und auch in Groß-Berlin erfreulicherweise hinfällig geworden. Was in andern deutschen Ge- meindeverbänden und auch vor den Toren Berlins, z. B. in Spandau und in anderen nicht zur Brotkartengemeinschaft Groß-Berlin ge- hörenden Gemeinden möglich ist, sollte auch innerhalb deS städtischen Groß-Berlin durchzuführen sein. Besonders wünschenswert wäre die Wiedereinführung der Schrippe auch im Hinblick auf den im nächsten Herbst und Winter sicherlich zu erwartenden Mangel an Brolauf- strichmitteln. Er läßt fich weit leichter ertragen und hat fich, wie die Erfahrung lehrte, auch viel leichter ertragen lassen bei der Schrippe, die auch trocken sehr gern zum Kaffee gegessen wird, als das jetzige feuchte Brot. Soweit uns bekannt, sind bereits von einigen Vororten Ver- suche unternommen, die Schrippe wieder einzuführen, die bisher allerdings noch keine Mehrheil gefunden haben. Hoffen wir, daß unsere Ernährungsstrategen recht bald umlernen und auf die appetit- lichere Schrippe wieder zurückkommen. Anmeldung zum Mchlbezng. Die Groß-Berliner Brotkartengemeinschaft hat beschlossen, das bei der Verteilung von Lebensmitteln auf Lebensmittelkarten be- währte System der Voranmeldung nun auch auf den Mehlabschniit der Brotkarte zu übertragen. Danach erhält der Inhaber der Brot- karte das Mehl nicht Zug um Zug, sondern zunächst eine Empfangs- bcschcinigung(Voranmeldung). Der Mehlkleinhändler macht in der der Voranmeldung folgenden Woche in seinem Schaufenster bekannt, wann das Mehl bei ihm abgeholt werden kann. Die Bor- anmeldung darf stets nur an den Tagen von Montag bis Donners- tag jeder Woche, erstmalig also vom 20. bis 23. August, die Ab- holung des Mehls dagegen die ganze Woche hindurch, natürlich nur solvcit das Mehl bereits eingetroffen ist, erfolgen. In der Woche vom 20. bis 26. d. M. kann die Voranmeldung zum erstenmal er- folgen. Da die Meblabschtritte der Brotkarte dieser Woche nur zur Voranmeldung berechtigen, wird in dieser Woche für den Kopf der Bevölkerung 100 Gramm Mehl auf Lebensmittelkarte verteilt werden. Es ist ansierordentlich bedauerlich, daß bierdirrch den Haus- frauen wieder neue n. E. nach vollständig zwecklose Scherereien verursacht werden. Man scheint der Auffassung zu sein, die zuge- wiesenen Brot- und Mehlmengen sind so groß, daß die Hausfrauen event. noch große Mengen zum Kuchenbacken aufsparen könnten. Deshalb will man den Mehlbezug erschweren. Wenn diese Absicht AOoCfU+t aber bei einzelnen Frauen bestehen sollte, so werden sie sich trotz dieser Maßnahmen zu helfen wissen. Wir halten es für eine un- nütze Belästigung des Publikums. Berliner Lebensmittel. Für die folgende Woche werden in Berlin auf die Kartoffelkarte 5 Pfund Kartoffeln zur Abgabe gelangen. Gebäck wird auf die Kar« toffelkarte nicht mehr ausgegeben. Festnahme des Neuköllner Räubers. Der fiebzehnjährige Schneiderlehrling Bernhard Werner, der des Raub- Mordversuches gegen seine Tante Frau N o st e r in der Weichselstraße beschuldigt wird, ist jetzt ermittelt worden. In der Bergstraße sah den Flüchtling eine Verwandle und sie ließ ihn durch einen vorbei- gehenden Soldaten festhalten, bis ein herbeigerufener Polizist ihn in Empfang nahm. Werner gibt an, er habe Frau Noster nicht töten, sondern nur betäuben und dann berauben wollen. Zu dem Streit auf der Straßenbahn, der mit dem Tode des Fahrers Z o l I w e g endete, wird mitgeteilt, daß sich nach und nach mehrere Zeugen gemeldet haben. Einer bekunidet, daß er den Fahrgast, dem der Tod des Fahrers zur Last gelegt wird, kurz nach dem Vorfall auf dem Moritzplatz getroffen habe. Der Mann habe ihn nach dem Zustand des Fahrers gefragt und sei sehr erschrocken gewesen als er hörte, was für einen Ausgang der Streit genommen hatte. Vielleicht wohnt er in der Umgebung des MoritzplatzeS. Die Leiche Zolltvegs ist noch nicht obduziert worden. Bon eine« Eisenbahnznze überfahren«ud getötet wurde auf dem Bahnhof Nieder schöneweide der dort beschäftigte Hilfs- rangierer Greifer. Er hatte beim Ueberschreiten des Bahn- körpers das Herannahen eines Vorortzuges übersehen, geriet unter die Maschine und blieb auf der Stelle tot.. „Ein entwichener Zuchthänsler erschossen." Zu der im»Vor« wärts" vom 30. Juli 1917 mit dieser Ueberschrift veröffentlichten Meldung geht uns jetzt von dem Vater des darin erwähnten, in einem Handgemenge mit der Polizei erschossenen Barbier- gehilfen Emil Holz die Mitteilung zu, daß sein Sohn nicht im Zuchthaus gesessen hat. Wir hatten die Nachricht einer Zeitungslorrespondenz entnommen, die wir für znverläsfig hielten. Nene Straßeubahiiverbindung. Vom 12. d. M. an richtet die Große Berliner Straßenbahn eine neue Linie 101 ein, deren Wagen vom Askanischeu Platz über Königgrätzer Straße, Budapester Straße, Dorotheenstraße, Universitätsstraße. Prinz-Friedrich-Karl-Straße, Artilleriestraß«, Oranienburger Straße, Chausseestraße, Invaliden- straße bis zum Stettiner Bahnhof fahren und besonders den zahl- reichen, in Berlin eintreffenden Militärpersonen eine bequeme Ver- bindung zwischen Anhalter Bahnhof, Bahnhof Fried- r i ch st r a ß e und Stettiner Bahnhof bieten. Abfahrt an Wochen- und Sonntagen in Slbständen von 15 Minuten ab Anhalter Bahnhof 7.9 bis 1.24, ab Stetiiner Bahnhof 7.49 bis 1.55 Uhr. Dem Berliner Zoologische» Garte« sind für sein großes Vogel- Haus ein schöner, sarbcnprächtiger Köuigssiltich und Jnka-Kakadu, beide in Australien, der Haupthcimat der Kakadus, als Geschenks zu- gegangen._ Ginführung des Mgulkorbzwangs für Groft-Berliu.1 Nachdem der Berliner Polizeipräsident mit Wirkung vom 9. August ab den allgemeinen Manlkorbzwang für den Landes- polizeibezirk Berlin wieder eingeführt hat. wird der Regierung--- Präsident in Potsdam einem Erlaß des Ministers des Innern ent« sprechend auch für die im Regierungsbezirk Potsdam gelegenen Groß-Berliner Vororte den ständigen Mnulkorbzwang für Hunde anordnen. Die Kontrolle über die Durchführung des Maul- korbzwangS soll während deS Krieges in derselben Weise gehandhabt werden wie bisher die Kontrolle über die Durchführung der Hunde- sperre. Nach Eintritt geregelter Zustände wird indessen, wie der Minister in seinem Erlaß betont, auf die endgültige Regelung dieser Kontrolle durch Beamte des Polizeipräsidiums Bedacht zu nehmen sein._ Charlottenburg. Lebensmittel. Vom Donnerstag, den>5.. bis Donnerstag, den 25. August, findet eine allgemeine Verteilung von Grauven bezw. Gerstengrütze statt. ES werden verabfolgt: 125 Gramm Graupen oder Gersten- grütze zum Pfundprcise von 39 Pf. auf Abschnitt 129 der roten Nahrungsmittelkarte. Vom Montag, den 13. August, bis cinschließ- lich Sonntag, den 19. August, wird auf die Nährmittelznsatzkarie für Jugendliche ausgegeben: auf Abschnitt 18 125 Gramm Buch- Weizengrütze zum Pfundpreise von 79 Pf. oder 125 Gramm Buch- weizcnmebl zum Pfundprcise von 92 Pf. Die Entnahme kann in dem Kolonialwarengeschäft erfolgen, in dem der Haushalt der Jugendlichen in die Kundenliste für Grieß, Granpen usw. eingetragen ist. — Mctallitblicferung. Die Frist zur Ablieferung beschlag- nahmter Haushaltungsgegenstände aus Kupfer. Messing, Nickel und Aluminium ist nunmehr abgelaufen. ES waren bereits Revisionen der Haushaltungen vorgenommen. Eigentümer beschlag- nahmter, bisher nicht abgelieferter Metallgegenstäude haben nach den Bestimmungen strenge Bestrafung zu gewärtigen. Säumige Ablicferer werden daher nochmals ersucht, obengenannie Gegen- stände unverzüglich in den Metallannahmestellen, Kirchhofstr. 5 und Taueutzienstr. i2o in den Stunden von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags zur Ablieferung zu bringen. Neukölln. Einführung der Nbcndspcisung. Vom Dienstag ab wird in der Kriegsnotstandsküche 5, Bergslr. 139/37, die Abend- speisung eingerichtet. Die Ausgabe der Speisen erfolgt Wochentag- lich von 9—8 Uhr abends und Sonntags mittags von 11—1 Uhr zum Preise von 49 Pf. für 1 Liter und 20 Pf. für Vz Liter. Die Spciiemarkcn für den Eröffnungstag müssen am Montag in der Zeit von 9—8 Uhr und fernerhin stets einen Tag vorher gelöst und hier- bei zugleich die entsprechenden Abschnitte der Fleisch- und Kartosiel- karte abgegeben werden. Ter Speisezettel enthält dieselben Ge- richte, die in den übrigen Kriegsnotstandsküchcn gegeben werden. Mit Montag wird die Mittags spei sung in dieser Küche aufgehoben. — Lebensmittel. Vom Montag ab werden in den städti- scheu Verkaufsstellen auf Abschnitt 5 der Lebensmittelzusatz- karte für Jugendliche 250 Gramm Gcrstenfabrikate(Graupci: oder Grütze), auf Abschnitt 6 1 Erbswurst und 1 Suppenwürfel oder 250 Gramm Grünkernmehl abgegeben. Und zwar erfolgt die Ab- fertigung an Inhaber der Serie A am Montag, Serie B ai'n Dienstag, Serie C am Mittwoch, Serie II am Donnerstag, Serie E am Freilag und Serie E am Sonnabend. Der Verkaufs- preis beträgt für 250 Gramm Gerstensabrikate(Graupen oder Grütze) 15 Pf., für eine Erbswurst 39 Pi., für einen Suppenwürfel 10 Pf.. für 250 Gramm Grünkernmehl 46 Pf. Eine Wahl zur Abnahme von Grünkernmehl oder Erbswurst und Suppenwürfeln steht dem Käufer nicht zu._ Wilmersdorf. MilchkartenauSgave. Die Ausgabe der auf Grund ärztlichen Zeugnisses bewilligten Vollmilchkarten für September an Kranke und Genesende erfolgt durch die Abteilung für Kranken- ernährmtg, Wilhelmsaue 114/115, nach besonderer Ausgabeordnung vom Montag bis Freitag täglich von 9—2 Uhr und 5—7 Uhr. Wer sich nicht streng an die bestimmte Ausgabeordnung hält, muß damit rechnen, erst nach dem 17. August abgefertigt zu werden. Lichtenberg ohne Elektrizität. Die Störungen im Betrieb der Elektrizitätswerke mehren sich immer mehr und bringen die Ab- nehmer, besonders die Geschäftsleute, in recht peinliche und un- angenehme Lagen. In Weißensee sind derartige Betriebsstörungen seit geraumer Zeit an der Tagesordnung. Am Donnerstag war 26j /toöers tzjarmsteö. Von Jakob Knuds« n. Doch was die Tochter doch-- für einen angenehmen Atem hatte, so frisch und gleichsam vertrant,-- er spürte ihn seinem Gesicht entgegenwehen, als er sie herabhob.— Aber dürftig gekleidet war sie freilich auch. Die Aermel des Atantels waren zu kurz und Handglieder und Hände erfroren.— aber so klein!-- Der braune Pelzbesatz auf dem Mantel war gleichfalls sehr verschlissen.-- Nun kam der Adjunkt, mit der Goldschnur an der Mütze, aus dem Wohnhause heraus:„Ist Proprietär Faurholt zugegen?"— Er hatte die Hände voller Dokumente, und Faur- holt ging mit ihm ins Haus, indem sie sich eifrig unterhielten und mit den Papieren hantierten. Anders machte einen Gang um das Gehöft herum.— Es war sicherlich ein recht guter Hof für die Gegend. Die großen besäten und gewalzton Hügel von Ackererde, die um den Hof lagen, hatten eine prächtige, hellbraune Farbe, und rings um diese Hügelinsel her, die das Feld des Bjerrehofs ausmachte und auch völlig zum Hofe gehörte, mit Ausnahme einiger kleiner Häusleranteile,— breiteten sich die flachen, grünen Wiesen. Das Dorf Sorrild drüben im Vorland jen- feits des Fjords lag so deutlich und klar im Sonnenschein da; man konnte eine Koppel Kühe unterscheiden, die da drüben soeben die Straße entlang zog. Er ging auf die andere Seite des Bjerrehofs herum und sah gen Süden. Hier zogen sich die mächtigen Wiesenzüge weit in der Ferne zusammen, wie in einen Trichter hinein. der auf den Seiten und am Grunde von dunkeln Heidekraut- höhen umgeben wurde. Am weitesten drinnen in dem Trichter, gleich unter den Höhen, stand eine ganze Anzahl Bäume, und er konnte auch ein großes, weißes Gebäude zwischen den Bäumen erkennen; doch er entsann sich nicht des Namens dieses Hofes, obwohl er ihn gewiß erfahren hatte, als er und sein Vater kürzlich dort drüben waren. Er fragte einen Mann, der vorbeikam. Na,— das war also Stavn! Von wo Proprietär Faurholt war.— Es war doch gut, dachte er. daß er nicht hingegangen war und„Du" zu der Tochter gesagt halte, als er sie vom Wagen herunterhob,— es hatte gewiß gar nicht viel daran gefehlt, daß ers hätte tun können, denn sie waren ja so schlecht gekleidet.„Sie haben sich wohl keinen Schaden getan?" hatte er gesagt. Und sie hatte geantwortet:„Nein, nicht den geringsten. Nun dank ich Ihnen aber recht sehr!" Er wußte wirklich nicht, ob sie gar so schön wäre: aber es war so merkwürdig, wie ihr Gesicht erzählte,— ja, ihr ganzes Wesen erzählte so viel,— es war. wie hinzuschauen über eine große, offene Wiese gegen Abend,— es funkelte hier und dort da draußen, in Fenstern, oder waS es war,— doch es ging sie so nahe an--- als wäre sie in all dem-- Er hörte eine laute, scharfe Stimme drinnen vom Hof- platz her,— die klang und klang— ohne Aufhör. Sie las gewiß etwas vor. Er ging auf den Hof. Auf einem Tisch bei der Haupttüre drüben stand richtig der mit der Goldschnur nnd hielt ein Dokument vor sich. „Jetzt liest der Adjunkt den Exekutionsakt vor, dann können wir anfangen", sagte ein städtisch gekleideter Mann, neben den Anders zu stehen gekommen war.—„Sie sind Liebhaber?" „Ja, das könnte ivohl sein." „Mein Name ist Anwalt Hansen; ich vertrete die ausklagende Partei, die Diskontobank in Fjordby. Ja, mit 28 000— ist die Bank gedeckt." Er reichte Anders seine Karte. Die Verlesung war beendet. Danach bemerkte der Adjunkt— Anders meinte, nie eine so häßliche Stimme gehört zu haben.— daß kein Höhergebot weniger als 50 Reichstaler betragen dürfe, sowie daß, wenn das schließliche Gebot 28000 nicht übersteige, es tvahrscheinlich sei, daß die ausklagende Partei von der Auktion Abstand nehme und das Besitztum für sich als unbefriedigten Pfand- gläubiger begehre. Anders fühlte sich unangenehm dadurch berührt, daß er nur halb verstand. Die Leute drängten sich jetzt um den Tisch des Auktions- Verwalters zusammen. Erik Skuidtoft war in die Haupttüre getreten; er war sehr unruhig; eifrig zündete er seine Pfeife an, die immer wieder ausging. Ueberraschend schnell waren die 28 000 erreicht; aber so- bald man bei dieser Summe angelangt war, ließ man sich ordentlich Zeit mit dem Bieten. Gleich nachdem dieses Gebot gefallen war, sah Anders, daß Proprietär Faurholt zu Erik Skindtoft hinging und ihm lächelnd die Hand gab, als ob er ihn beglückwünsche. Doch Erik sah mit auferissenem Munde nach der anderen Seite. Inzwischen war das Bieten wieder etwas mehr in Fluß gekommen. Anders sah, daß Erik Skindtoft nach und nach von etwa zehn Männern umringt wurde, die alle in der- selben Roßhändlermontur steckten wie Paul Binding,— der denn auch unter ihnen war;-- diese Männer schienen ihm etwas eindringlich ans Herz zu legen, während er seiner- seits deutlich zu erkennen zu geben versuchte, daß er sie alle für Luft ansah. Als man gut ins dreiunddreißigste Tausend hinauf- gekonimen war, bemerkte Anders, daß der Hardcsadjunkt sich mehrmals nach der Tür umblickte. Und genau in dem Augenblick, als gerufen wurde: 32 500— sah er, wie Proprietär Faurholt Erik Skindtofts Hand ergriff und die seine darein niederklatschen ließ.— Gleichzeitig hörte er den Hardesadjunkten bereits sein:„zum andern!" rufen— er hatte ein„zum ersten!" gar nicht gehört.— Was für eine Hast ist denn das, dachte Anders nnd bot wie der Blitz: „100 dazu!"— Doch gleichzeitig rief Erik Skindtoft, völlig erbittert:„Will er wohl sehn, daß er sich Zeit läßt, er, der Mann da oben auf dem Gestell, bis die Leute zum Bieten kommen!— Nehmt ihr euch in acht, ich werd euch allen eins aufspielen, hol mich der Henker I" Adjunkt Fischer drehte sich gar nicht um, doch ein Lächeln verzog sein graues, knochiges Gesicht. Anders hatte in der Tasche die schriftliche Vollmacht seines Vaters als Kurator; da war auch angegeben, wie hoch er gehen könne. Er hatte jetzt mehrmals mitgeboten; aber es ging beständig höher, freilich nur um je oO Reichstaler. Man war bis 3� 350 gekommen. Da dachte er, ob er nicht den Hammerschlag gewinnen könne, indem er auf einmal eine größere Summe zulegte. „34 000!" rief er. „34 050!" rief Kristen Faurholt. Er hatte sich ganz von Erik Skindtoft weggewandt und war blaß und sehr ernst; vorher hatte er während der ganzen Zeit gelächelt. „50 dazu!" sagte Anders. (Forts, folgt.) ouS Lichienverg fast den ganzen Tag durch eine Störung im Ele!trizität°-weik arg in Milleidenschast gezogen. Die Störung, die stch bereits um 10 Uhr vormittags bemerkbar machte, tonnte erst in den Abendstunden beseitigt werden. — Abhanden gekommene LeaenSmlttelkarten werden nicht mehr ersetzt. Der Magistrat macht bekannt: Die Anträge auf Ersatz verlorener Lebensmittelkarten mehren sich von Tag zu Tag. Ihre Zahl ist so groß geworden, dah die ordnungsmäßige Ver» teilung der Lebensmittel an die Bürgerschaft gefährdet wird. Es besteht kein Zweifel, daß die bei weitem größte Zahl der Anträge mit unwahren Angaben begründet werden. Die Antragsteller wollen m ihrer überwiegenden Mehrzahl nichts anderes, als sich zum Schaden der Allgemeinheit mehr Lebensmittelkarten verschaffen, als ihnen zusteht. Dieses die Versorgung der übrigen Bürgerschaft schwer gefährdende Verhalten muß unterbunden werden. Spandau. Lebensmittel. Dieienigen Einwohner, welche auf die Abschnitte 1— 1ö der Kartoffelkarte dieser Woche Kartoffeln nicht erhalten haben, können in den örtlichen Bäckereien auf jeden Abschnitt 50 Gramm Brot oder 85 Gramm Roggenmehl entnehmen. DaS gleiche gilt für die Abschnitte der Militärurlauber- karten, ischiffer, welche auf den ersten Abschnitt Kartoffeln der Lebensmittelkarte dieser Woche nicht beziehen konnten, erhalten 800 Gramm Brot oder 660 Gramm Roggenmehl. Ter Verkauf von Speisesirup hat in den durch Aushang kenntlich gemachten Geschäften begonnen. Gegen Abtrennung von ffeld 9 der Lebensmittelkarte werden 126 Gramm zum Preise von 12 Pf. abgegeben. Am Montag beginnt in den durch Plakat« kenntlich gemachten Geschäften der Verkauf von Gemüsekonserven. Gegen Ab- trennung von Feld 8 der SevenSmittelkarts kann 1 Pfund Gemüse- konserven entnommen werden. Britz. Lebensmittel. In der nächsten Woche gelangen in der Berkaufsstelle der Gemeinde zur Abgab« auf Abschnitt 75 Gersten- grütze(ll4 Pfund je Person). 76 Lose Suppen(i Teller je Person), 77 Brotaufstrich seine Dose je Haushalt), 73 Kriegsmus s'/� Pfund je Person); bei den Kleinhändlern: 73 Sonderzuteilung und auf Abschnitt 80 Fischkonserven, Würztunke, Biandal-Fleisäicrtratt, Rote Beete und Nährhefe. Ferner werden abgegeben: Pfeffer, Salz. Gurken. Streichhölzer und Salmiakwaschmittel. öriefkasten üer Reüaktion. Dli lurtstische Evrechslunde llndet für Abonnenten LIndentlr. 8, 1. Hol links, parterre, am Montag MS Freitag von t bis 7 Uhr, am Sonnabend von 5»t» 6 Uhr statt. Jeder sür den B r t e s I a st e n bestlmmten Anfrage ist ein Luchstabe und eine Zahl al» Merkzeichen beizusitgen. Briefliche Ant> wort wird nicht erietlt. Anfragen, denen lein« RbonnemeniSoutltung bei. gefligt ist, werden nicht beantwortet. Silige Fragen trag« man IN der Sprech. stunde vor. Aertrige, Schriftstücke und dergleichen»ringe«au in die Sprech- stunde mit. Lebensmittel. An den M-gWrat, SedenSurtttelauSIchun.— Sieben. Hofen. Sie müssen einen Abkehrschein berlangen; wird er Ihnen per. weigert, müßten Sie sich an den dortigen EchlichwngSauSschuß mit einer Beschwerde wenden.— R. L. 17, Berlin hatte bor dem Kriege 2071157 Einwohner.— CS. 9. 1898. Nach ß 180a der Gewerbeordnung darf die Lehrzeit den Zeitraum von vier Fahren nicht übersteigen; die Lehre muß in Ihrem Falle also am 17. August-l» beendet gelten. — Neukölln O. 9. Schicchle Zähne und Krankheiten der UnterietbZorgane, lanMIurmpflichiig.— W. S. 9. 1. Ja. S. Besondere Vorschriften kennen wir dafür nicht.— B. SO. 1. n. 2. Ja. V!p. 49. Sie brauchen in dem Falle den Stall nicht zu entfernen. — 7. P. F. Da Sie für den Mann Unterstützung erhalten, bekommen Sie sür den Sohn nichts.— P. R. 31. 1. Eine Vergütung findet nicht statt, da gegen die Verordnung verstoßen ist. 2. Versuchen Sie eZ mit«wem G esuch an den Landrat. 3. Geldstrafe, da die Ausführung der Waren ver- boten ist.— Wandern 4. Muß polizeilich gemeldet, Statut und Namen- liste des Vorstandes eingereicht werden. Gerichtliche Eintragung ist nur nöiig, wenn der Verein die Rechtsjähigleit erwerben will. Wegen näherer Auskunst müssen Sie schon persönlich zu uns kommen. —<5. 8. In gleicher Lage wie Sie befinden sich leider viele; ein Gesuch halten wir sür ergebnislos.— Ff. Z. 1001. Wenden Sie sich an daS Dänische Rote Kreuz in Kopenhagen.— A. H. 47. Eine Zusatzkarle wird nicht mehr gewährt- Sie werden alio nichts weiter unternehmen können.— Vi.£25. 1. Nur wenn die Ehe kinderlos ist, hat die Mutter bczw. Geschwister einen solchen Anspruch aus die Hälfte deS Nachlasses. 2. Nein, das in der Ehe gemeinsam Erworbene gilt als Eigentum des Mannes. I. Ja. i. Nein. 5. Es genügt die letzte Quittung, ß. Das iönnen wir Ihnen im Brieskasten nicht auseinanderfetzen. 7. DaS wissen wir nicht.— Gh. 11. Die Strase ist nicht ansgehoben, Sie können ein Gesuch machen.— B. B. 100. 1. Nein. 2. Nein.— Paul 3. 1. und 2. Fragen Sie über solche Mittel bei einem Drogisten nach. 3. Beantragen Sie die Nachzahlung der Unterstützung. Sriefkaften öer Expedition. Feldtzoftabounent<8. in P. n. a. Adressenänderungen müssen stets der Hauptexpeditton mitgeteilt werden. Von den dem Post« aml übermittelten Aenderungen ersährt die Expeditton nichts, so daß die Neuüberweifung wieder an die alle Adresse erfolgt. WetterauSflchten für da» mittlere Norddeutschlan» bis Montag mittag. Mäßig warm und zeitweise heiter, jedoch vorwiegeno wollig mit leichten Rcgensällen und vereinzelten Gewittern. mmM Benilsposseii Zahlstelle Berlin. Als Opfer des Weltkrieges starben folgende Kollegen: Lrosl Maer, vr°»er. Genossenschaftsbraueret Friedrichs Hage». Nsi Ufoel, Braner, Brauerei Groterjan. dttll GkSia, Flafchenkellerarbeita, Brauerei Patzenhofer, Abt. II. HelarieK Scheller, Fl.scheniterf.hr«, Brauerei Patzenhofer, Abt. ll. Stanislaus Benedyezak, Flascheuke-er-r� Versuchs- und Lehrbrauerei. �osepll Klippel, Br°««, Löwenbrauerei. Km!! Prahl, Fl°sche«,ell««kd«tt», Brauerei Engelhardt, Abt. Pankom. Paul Gotsche, Flaschenkcll«arbeit«, Brauerei Patzenhofer, Abt. II. Gen Hanke, Flascheumitfahr«, Brauerei Pjesferberg. Grieh Kröpfgans, Flasche»«»�»«, Brauerei Schultheiß, Abt. II. Georg Mfliler,»ra««, Berliner Kindl-Brauerei. Gustav Sehrinner, St°llmmm, Brauerei Schultheiß, AM. II Panl Schirrwagen, vr«.«, Brauerei Schultheiß, Abt. I. Adolf Heyder, Flaschenkcllermeist«, Braueret Schultheiß, Abt. II. Nai Schmidt, Flaschenbierfahrer, Brauerei Schultheiß, Abt. H Robert Lenz, Br«.«, Böhmisches Brauhau«. Gustav Schäfer, Bierfahr«. Böhmisches Brauhaus. Rmii Kröhnert, Sr-N«, Brauerei Patzenhofer, Abt. H Emii Guekeiberger, Flasche»ke-«arbe,ter, Löwcnbrauerei. Ehre ihrem Andenken! 44/7 Die OrtSverwaltn».. BctM»er Melder, Melderimii II. VMeildMlmeil SiiWmds. Filiale Berlin. Dem Andenken nnferer auf de« KriegSschanplat, gefallenen Kollegen k Am 8. Jnll 1917 fiel der Herrenmaßschneider, Kollege KusAsv Böthin geb. 3. 4. 78. Am 4. Füll 1917 fiel der Herrenmaßschneider, Kollege j Otto PalBmann geb. 14. 6. 79. Ferner fiel der Herrenmaßschneider, Kolleg« E[H»aIe> Riedel 165/18 geb. 10. 10. 83. Die OrtaverwnlfnDj;. Künsti. Hähne mit ecbtem Friedenskautschuk Goldkronon. Brücken, Plomben, Zahnziehen m. Betäubung, Umarbeitung, Reparaturen sofort Billige Preise, auch Teilzahlung. Löser, nur Brunnenstr. 185, nahe Invalidenstr. Persönl. z. Sprech. 10-7. Sonnt. 10-t2. Nord. ttSOS Obstgarten mit Sommerbaus, 8 Ar groß, an gepflasterter Straße, mit voller Ernte zu »erkaufen. Bergfelde. 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Erdmann, Gusiav, Schmied, geb. 8. 11. 78 In Gollnow. Gspohn, Willi, Former, geb. 21. 10. 90 in Berlin. Kuchenbecker, Willi, Dreher, geb. 30. 7. 81 in Berlin. Scholz, Gustav, Klempner. geb. 28. 6. 77 in Greiz. SchSnrock, Wilh. Schlosser, geb. 11. 12. 90 in Drahnaw. Schulz, Otto, Kernmacher, geb. 1. 8. 83 in Berlin. Spitschack, Ewald, �""r' geb. 10. 4. 94 in Berlin. Wandrei, Bruno, Dreh«, geb. 23. 4. 89 in Berlin. Waschkau, Karl,»rbeu«, geb. 12. 11. 80 in Brinbiake». Ehre ihrem Andenke«! 180/7 Die OrtSverwaltang. Englische„Gilettklinpe" \ Die i < Ist stnmpt gegen meine la Rasierklinge.*! j Wenn nicht zufrieden, Geld zurück! Konkurrenzlos! j i Btzd. nar 4.00 31. einschl. Verpackung u. Porto.! 1~—'*—* Bcanmont-} j ; 63381. o. F. Kielzsehe, Erfurt,.t�aoe 40. Nervenleiden, Stoffwechselkranhelten wie Gicht, Rheumatismus. Aderverkalkunpr, Magen- u.| Darmleiden, Zuckerkrankheit. Leber- u. Nierenleiden, 1 Hautkrankheiten, Herz- u. Lnngenleiden, Schwäche-! zustände. Vorziigl. 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Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Gürtler Max Grand! Stallschreiberstr. 4 gestor- den ist._ ferner unser College, der Metallarbeiter Luga Engel Dresdener Str. 38, am 5. d. M. gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Narl Mommert Kolonnenstr. 28, am 5. d. M. gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 180/8 Die Drtsrerwattnng. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß veutlcher transportarbelterverband. Bezirksverwait. Groß-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Hilfsarbeiter Raul Tollen am 8. August im Alter von 73 Jahren verstorben ist. Ehre seine« Andenken! . Die Beerdigung findet am Montag, den 13. August, nachmittag» 4'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Thomas. Ktrchhoses in Neukölln, Her- mannsiraße, aus statt. Um rege Beteiligung er. sucht 7/8 Die Bezirksvenntttiing. Rudemreln„Vorwärts" Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß am 24. Juli unser SvortSgenosse Ronrad Lorenz gefallen ist. Ferner ist unser lieber Sporlsgenosse OUo Blüher nach langer Krankheit ver. starben. 157b Sie waren uns liebe Sportsgenosseti und wir werden ihnen ein bleibendes Andenken bewahren. Der Vorstand. f verband derl-ernelnde- und Staatsardeiter. Filiale Groß Berlin. Im Felde gefallen ist | unser Mitglied Michael Banaszack Berlin, 1 beschäftigt gewesen als Gas- arbeiter, am 81. Juli 1917 im Alier | von 29 Jahren. Die Filialleitung. verband der freien Galt- ] und Schankwirte veutschl. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach. f richt, daß der Kollege Rlderl Valerius Jmmanuelkirchstr. SO, Bez. 3, am 9. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 13. d. M., nach. mittags 3 Uhr, aus dem Friedhof der Dom-GemeWbe, Mllllerslraße, statt. Ferner verstarb aml.d. M. der Kollege Pranz Norbert Strausberg er Str. 23, Bez. 3. Die Beerdigung findet am Montag, den 13. d. M., nach. mittags 3>/, Uhr, aus dem Friedhos der St. Markus- Gemeinde in Wilhelmsberg statt. Ehre ihre» Andenken! Die OrtSverwaltung. veuNcher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Bezirk Süden. Am 9. August starb unser Mitglied, der Stukkateur Helnrlcli Hölzel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 5 Uhr, auf dem HeUlg-Kreuz-Kirch- bvs inMariendorf, Eisenacher Straß«, statt. Der Vorstand. Die Einäscherung unsere» verstorbenen Mitgliedes und Zahlslellenkaffierers de» Be- ziris Wedding Herrn Otto Hasenbank Berlin, Trtststraße 2 findet morgen Äiontag, den 13. August, nachm. 8 Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstr. 37, statt. 1293/14 Ehre seinem Andenken k Meel» MM beseitigt[1808<1* Dr'strahle fMSsülbtj jed.Hautausschlag.FIechten, Hautjucken, bes. Bein. schaden, Krampfadern der Frauen u. dergl. Zusendg. ersoigt per Nach- nähme in Dosen a 2,20, 3,85, 6.80. Blesanion-Apoiheke.Berlln, Leipziger Str. 74 (am Dönhofsplatzl. 5Jh HOBEL in erstklass. Ausführun» j zu allerbilligst. 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Gastwirtschaft, Plälterei, Schlosserei, Tischlerei usw., Zweck des Gasverbrauches: bei Fabriken: die Art der Erzeugnifle. insbesondere die Art der Kriegslieferungen, die EaSverbrauchsstelle: Gemeinde, Strah«, Hausnummer, Anzahl, Grötze und Nummer des GaSmeflerS, Anzahl der Gasflammen und Zahl und Art der GaSapparate. Jeder dieser Abnehmer darf im nächsten Verbrauchmonat(August— September) nicht mehr als 90 Proz. der im gleichen Monate de» Jahre» 1916 verbrauchten GaSmenge verbrauchen. Da» Gleiche gilt für Grotz-Abnehmer mlt GaSmeflern von 80 Flammen und mehr.» Die Einschränkung gilt auch für kriegswirtschaftliche Betriebe. Ausnahmebestimmungen länneu im allgemeinen für die Herstellung munittelboren Heeresbedarfs, für Maflenspeisung, Lazarette, Krankenhäuser und Eisenbahu- betriebSminel, aber nur vorläufig bis zum 1. Oktober d. I. und unter Vorbehalt des Widerruf» getroffen werden. Anträge auf Bewilligung von Mehrmengen sind sofort an den zuständigen Vertrauensmann einzureichen, der sie gemeinsam mit der KriegSamtSstelle bearbeiten wird. Berufung an den Herrn ReichSkommiflar für Elektrizität und GaS ist zuläisig. Anträge auf sonstige Ausnahmen, die sich auf persönlich« Bedürftnfle und verhältnifle gründen, z. B. bei Kranken, Wöchnerinnen, Aerzten usw., sind bei dem zuständigen Vertrauensmann zu stellen. 3. Jede» über die oben festgelegte Grenze hinaus verbrauchte Kubikmeter Gas wird mit einem Sonderzufchlage von 20 Psg. berechnet. 4. Der Verbrauch im Jahre 1916 kann auZ der Gasrechnung jeden Monats oder auS der am GaSmefler be- festigten Kontrollkarte von jedem Abnehmer festgestellt werden. 2. Obige Bestimmungen treten mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Berlin,| Charlottenburg.!> den 11. August 1917. Berlin-Lichtenberg, J Im /lustrage öss Herrn Reichstommi/jars für Elektrizität unö Gas Sie Vertrauensmänner: gez. Lenze für die Gaswerke der Stadt Berlin, , vr. Fand,,»»» Charlottenburg, , Tremas,,,,, Berlin-Lichtenberg, , Körting,,», GaSgefellschaft in Liqu. KZilitgl-tmdZiilllilis (gut.Uhrmacherwerkk, joweitVorrat mit Rsli>iiin-I.euokl> Film- nttapercha- artgummi- achswalzen- Schallplatten- lauft Ordower G. m. b. Sb. Berlw, Georgenktrchstr. 50 beim Alcxanderplaq, 9—12, 3—6 Uhr. SpezlalsAngebot unseres Sclunierwasciunittels„Germania" vorsügL Qualität, außerordentlich sparsam im Gebrauch. lieferbar in Waggonladungea.— Probe- käbel von 38— 60 kg zam Konsumentenpreis.(Gegen Nachnahme pro Pfand 60 Pf. festgesetst.) Vortreter unter günstigen Bedingungen gesucht. „Germania44 Eabrik kosmetischer nnd technischer Präparate Berlin W 57, Itüloiratr. OO.— Xel.LütJiow8349. mit xl ohne Platte, mit echtem Friedenskautschuk, Goldkronen, Brücken, Plomben. Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse. Keparaturen sofort. Kahnziehen in örtlicher Bollubu'vj. Billige Preise, auch Teilzahlung. Teleph. Amt Nord. 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Mever, Rosenthalr-- straße 23 I.__ 127 Dreiradfahrcrinnen verlangt Georg Stille, Berlagsbuchband- lung, Mittclstraße 18. �[163d Junges Mädchen für Kontor nnd Lager sucht Margonal, Bellalliancestrahc 32._[14Gb Dienstmädchen, jüngeres, stickit Dclin, Bellealliancestraße 32 I. ______ 145b Junge Anfängerin, Schreibmaschine und Stenographie /nur System Gabelsbcrger) ge- sucht. Schriftliche Bcwerbrmg an Ingenieur Stroh, Camp- Hausenstraße 6.___[144b* Tüchtige Arbeiterin zur Fa- brikation verlangt Bauchwitz, Pelzhuffabrik, Raupachstrahe 13. 155d* Mädchen, gute Handschrist, sür Kontor und leichte Gänge sucht Friedrich, Moritzstrahe 17. 233K* Leichte Beschäftigung für ältere Frauen, hinge Mädcken. Wäschegesckiäst Silesta, Palisa- denstraße 77.___[283K* Bcrknöpferinnen aus Samen- sacken, Akkord, Reugebohrn n. 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