Mr. TA. 34. Jahrg. Bezugspreis: LierleIjährl.S,g0Mr.,monatl. l,Z0Mt. wöchentlich 80 Bfg. frei ins Haus. Noraus zahlbar. Einzelne Wochentags- Nummern ö Pfz. Sonntagsnmnmer mir illultriertcr Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Postbezug: Monatlich 1.80 Ml. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn L.SV Ml., sitr das übrige Ausland 4 Ml. nionatlich. Postbestellungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Erschein« täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin". Vevlinev Volksblatt. ( S Pfennig � Der Anzeigenpreis deträgt s. die stebengespaltene Kolonel- »eile 00 Pfg.»Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. szu< lässig 2"fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche Buchstaben zählen für Anzeigen 40 Pfg. die Zeile, Anzeigen r dte nächste Nummer müssen bis Uhr nachniitt. im Haichtgeschäst, Berlin SW.bS, Lindenstratzc 8, ab» gegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 7 Uhr abends, Zentralorgan der fozialdemokratifcben parte» Dcutfchlands. Neüattion: EW. HS, LtnÜenstraße Z. Fernsprecher: Amt MoriNPlaN, Str. ISl. Sv— 1S1 S?. ExpeÜitton: SM. HS, �inöenftraße 2. Fernsprecher: Amt Morivpiatz, Nr. I.S1 S«— 1S1 S7. f�cue Erfolge in Rumänien. Anwachsender Artilleriekampf in Flandern. — Französische Angriffe bei Laon ab- gewiesen.— Neue Kämpfe bei Verdun. — Fliegerangriff auf England.— Fort- schritte an der Moldau.— Pancin im Sturm genommen.— Die Fliegerbeute des Juli. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 13. August 1317.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Au der flandrischen Schlachtfront wuchs nach verhältnismäßig ruhigem Tage die Kampftötigkeit iu den Abcudstuuden wieder zu erheblicher Stärke an. Unsere Artillcriewirkung gegen feindlich« Batterieuester war gut; sie zersprengte auch Bereitstellungen englischer Angriffs- truppen östlich von Mesfines. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Längs des Chemin-deö-Dames und in der West-Champagne steigerte sich die Feucrtätigkeit beträchtlich. Nördlich der Strafii Laon- Soissons brachen gestern früh die Franzose« zu starten Angriffen vor; fie wurden durch Feuer uad im Nahkampf abgewiesen. Ebenso vergeblich und verlustreich war ein Borstoß des Feindes südwestlich von AillcS. An du Nordsront von Bcrduu haben sich auf beiden MaaS- Ufern heftige Artillcriekämpfe cnfwickelt. Heeresgruppe Herzog Albrech k, Nichts NeueS. Eins unserer Fliegergeschwader griff gestern England an. Auf die militärischen Anlagen von Southend und Margate an der Themse-Mündung wurden mit erkannter Wirkung Bomben abgeworfen. Eins unserer Flugzeuge wird vermißt. Auf dem Fcstlande sind gestern 14 feindliche Flieger und ein Fesselballon abgeschoffcu worden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e l d m a rs ch a l l S Prinz Leopold von Bayern. Lebhafteres Feuer nur südlich von Smorgon, westlich von Luck, bei Tarnopol und am Zburcz. Hier kam es mehrfach auch zu Zusammenstößen von Streisabteilungcn. Front des Generalober st Erzherzog Joseph In der westlichen Moldau gelang es, trotz sehr zäher feind- licher Gegenwehr, dir iu zahlreichen heftigen Angriffen zum Ans- druck kam, unseren Gcländegewinu südlich des Trotusul-Tales Wetter auszudehnen. Heeresgruppe des GeneralfeldmarsHall» von Mackensen. Der hartnäckig verteidigte Ort Pancw wurde im Sturm genommen. Entlastungsstöße der Russe« und Rumäne» gegen benachbarte Abschnitte unserer Front waren vergeblich; fie scheiterten sämtlich verlustreich. Am unteren Sereth blieb die Artillerirtätigkeit lebhaft; mehrere feindliche Angriffe zwischen Buzaul-Münduug nud Donau wurden zurückgeschlageu. Mazedonische Front. Keine besonderen Ereignisse. Im Monat Juli betrug der Berlust der Luftstreitkräfte unserer Gegner 34 Fesselballone und mindestens 213 Flugzeuge, von denen 98 hinter unseren, 115 jenseits der feindlichen Linien durch Luftangriff und Abwehrfeuer brennend zum Absturz ge- bracht wurden. Wir haben 60 Flugzeuge, keinen Fesselballon verloren. Der Erste Geueralquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. > Amtlich. B e r l i«, 13. August 1917, abends. In Flandern und bei B e r d u u lebhafter Ar- tilleriekampf. In Rumänien neue Erfolge unserer Truppen. Der österreichische Bericht. Wien, 13. August 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlaütbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des G e« er a lfe ld ma rscho lls von Mackeusea Nordwestlich von Foesani erstürmte« gester« deutsche Regi- meuter da§ zäh verteidigte Panciu. Südwestlich dieses Ortes warfen unsere Truppe« den Feind aus seinen Stellungen. Feindliche Gegenangriffe westlich des Donau-KnieS von Galatz und nördlich von Focfani bliebe« erfolglos. HeereSfront beS Generaloberst Erzherzog Joseph. Unsere Streitkräfte stehen beiderseits des unteren Slanic» Baches vor den Brückenkopfstellungen von Ocna im Kampf; der Feind erhöht seinen Widerstand durch erbitterte Gegenstöße. Heeresfront des G en e r a l f eld m a rs ch a l l z Prinz Leopold von Bayern. Am Zbrucz nud an der Guila führten die Russen mit stärkeren Aufklärungsabteilungen vor; sie wurden abgewiesen. Italienischer Kriegsschauplatz. Die feindliche Fliegertätigkeit über dem Jsonzo hielt an. Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts zu melden. Der Chef des Generalstabes. Stockholm. Der australische Premierminister Hughes gegen öie �rieüensnarren*. Amsterdam, 13. August. Das Kolonialamt erhielt von Hughes, dem australischen Premierminister, folgendes Telegramm: Ich bin entschieden der Meinung, daß eine englische Vertretung auf der Stockholmer Konferenz sehr wenig wünschenswert ist, da sie dazu angetan ist, die Ver- kündeten an der Fortführung des Krieges und an ent- scheidenden Friedensbedingungen zu verhindern. Es ist un- möglich, die Vertretung auf der Stockholmer Konferenz in Einklang zu bringen mit Englands Kriegszielen, wie sie von Lloyd George dargelegt sind. Ich erblicke in dieser Konferenz. bei der die Friedensnarren aller Länder einschlietz- lich Englands und die geheimen Agenten Deutsch- lands unter den Masken von Friedens- freunden und von Freunden der Arbeiter zusammen- kommen werden, eine listige Falle, um die loyalen eng- lischen Arbeitervertretcr und durch sie die organisierte Arbeit, die jetzt de n Krieg unterstützt, zu fangen. Das Niveau dieser Ausführungen scheint uns mehr eines eingeborenen Australnegers würdig zu sein, als des Führers der— australischen Arbeiterpartei. Die rujstschen /tbgesanüten in Mailaaö. Bern, 13. August. AuS Anlast der Ankunft zweier Abgeord- neter des russischen Arbeiter- und Soldatenrates in Mailand veran« staltete« die offiziellen Sozialisten gemeinsam mit der G e w e rkschaftskammer einen Umzug. In einer darauf- folgenden Volksversammlung hielten zahlreiche Abgeordnete und Vorstandsmitglieder sriedenssreundliche Ansprachen. Zwei Fliegerangriffe auf Frankfurt a. M. Vier Tote. Ein Angreifer abgeschossen. Berlin, 13. August. jAmtlich.) Gestern gegen 8 Uhr abends warf ein feindlicher Flieger fünf Bomben auf Frankfurt a. M. ab. Getötet wurden zwei Männer, eine Frau und ein Kind, verletzt— zum Teil schwer — weitere zwölf Personen. Militärischer Sachschaden wurde nicht angerichtet. Das Flugzeug wurde auf dem Rückfluge durch zwei unserer Flugzeuge bei Saargcmünd abgeschossen, die Jusassen— Franzosen— gefangen genommen. Diesem Angriff war am Tage zuvor ein anderer voran- gegangen, über den berichtet wird: Frankfurt a. M., 11. August. Ein feindlicher Flieger erschien heute früh über Frankfurt und warf gegen 6'/z Uhr eine Bombe ab, die im Stadtinnern unmittelbar vor dem grosten Militärlazarett niederfiel. Glücklicherweise sind keine Menschen« leben zu beklagen, einige Insassen deS Lazaretts und ein Tür- Hüter wurden leicht verletzt. Der angerichtete Sachschaden ist gering. Frankfurt a. M., 11. August. Wie nachträglich gemeldet wurde, warf der feindliche Flieger außer der einen Bombe auf Frank- furt a. M. weitere fünf Bomben ab, die, ohne irgend- welche« Schaden anzurichten, in einem Wäldchen westlich Frankfurt niederfiele». das neue Reichswirtfthastsamt. � Bon Paul llmbreit. Die Teilung des Reichsamts deS Innern hinter Verselb- ständigung der Wtrtschafts- und Sozialpolitik entspricht einer alten Forderung, die von allen Vertretern einer fortschreitenden Sozialreform, vor allem von der Sozialdemokratie erhoben wurde. Denn im Gesamt- rahmen der inneren Reichsverwaltung kam die Sozialpolitik ständig zu kurz: sie litt in der Vorbereitung, Durchführung und Ueberwachung unter der erdrückenden Mannigfaltigkeit der diesem Reffort aufgebürdeten Geschäfte. Hätte nicht die Agitation der Sozialdemokratie unermüdlich gedrängt und kritisiert, dann stände es noch schlimmer um die Sozialreform. Aber auch so ging es nur langsam vorwärts, denn aller Fort- schritt war von Preußen abhängig und in dem preußischen Ministerium des Innern und für Handel und Gewerbe kou- zentrierten sich die maßgebenden Gewalten; hier wurden Inhalt und Tempo der Sozialpolitik bestimmt. Die Wünsche der Sozialdemokratie waren freilich auf die Schaffung eines Reichsarbeitsministeriums gc- richtet, dem alle wirtschastspolitischen, sozialpolitischen und insbesondere alle Arbeiterangelegenheiten zu unterstellen seien. Das Gebiet, das ein solches Reichsarbeitsministerulm zu de- wältigen hätte, wäre noch immer groß genug. Als Unter- abtcilungcn wären ihm anzugliedern, um nur die wichtigsten zu nennen, ein Reichswirtschaftsamt für Staatswirtschast, Monopol- und Syndikatswescn; ein Reichshandelsamt für Fragen der Zoll- und Handelspolitik, Ein- und Ausfuhr so- wie Verkehrswesen; ein Reichsarbeitsamt für allgemeine Arbeiterfragen, Arbeitervertretung, soziale Arbciterpolitik; das Reichsversicherungsamt, dem auch die Angestelltcnversicherung zu unterstellen wäre; das Reichsstatistische Amt; ein Reichs- einigungsamt für die Förderung der Tarifverträge und Bei- legung sozialer Konflikte; ein Reichsamt für Arbeitsvenuitt- lung; ein Reichsernährungsamt und ein Reichswohnungsanit. Ob damit der Arbeitskreis dieses Ministeriums schon er- schöpft wäre, erscheint mir zweifelhaft, denn die Wirtschafts- und Sozialpolitik ist eben noch in der Entwicklung begriffen und erfaßt immer neue Spezialgebiete. Die Fragen der Rechtsprechung, der Volkshygiene, der Volkserziehung bieten so viele Berührungspunkte mit der Sozialpolstik, daß sie nur zu ihrem Nachteil der Einflußnahme des Reichsarbeits- Ministeriums entzogen werden könnten. Jedenfalls könnten Arbeitervertrctungen nicht darauf verzichten, sie in das Bereich ihrer Begutachtung aufzunehmen. Der Sozialpolitik haftet eben etwas Universelles an; sie ist den anderen Gebieten des Staatslebens nicht als Spezialgebiet ncbengcordnet, sondern als ein neuer Aufbau übergeordnet. Sie repräsentiert das moderne Staatsleben, den Staat von heute und morgen, im Gegensatz zu dem von gestern und ehegestcrn; sie ist die Keimzelle des künftigen Staates, der sich seine neuen Lebensbedingungen erst schaffen muß. Sie hat sich kräftig ausgewachsen im Schöße der alten Gesellschaft und der Weltkrieg ist ihr zum Geburtshelfer geworden, der ihr zu einem selbständigen Dasein verholfen hat. Kein Mensch ist fertig mit seiner Geburt und alle mensch- lichen Einrichtungen tragen das gleiche Merkmal der Un- Vollkommenheit. Das gilt besonders von dem im Kriege geborenen neuen Rcichswirtschaftsamt. Auf das Reichs- arbeitsministerium müssen wir vorläufig noch ebenso ver- zichten, wie auf selbständige Reichsministericn überhaupt. Wir haben es also nur mit einem Reichsamt zu tun, das dem Reichskanzler untersteht und diesem gegenüber keinerlei Selb- ständigkeit besitzt. Dazu kommt, daß es durch die Zweiteilung ein gewisses dualistisches Gepräge erhält. Es soll eine besondere Abteilung für Handels- und Wirtschaftspolitik und eine solche für Sozialpolitik mit je einem Unter- staatssckretär als Leiter erhalten. Die Namen der Männer, die zur Leitung dieser wichtigen Arbcitszweige berufen werden, sind noch nicht genannt. Indes schwächt die Berufung des Straßburger Bürgermeisters Dr. Schwander, eines Mannes der praktischen Sozialpolitik, zur Oberleitung des Rcichswirtschaftsamtcs Wohl die Bedenken ab, die der Trennung zwischen Wirtschafts- und Arbeiterpolitik entstehen könnten. Vermutlich werden zum Arbeitsgebiet der Abteilung für Handels- und Wirtschaftspolitik in erster Linie die Uebergangswirtschaft, die Vorbereitung der Handels- Verträge, Zoll- und Verkehrsfragen, das Monopol- und Kartell- Wesen, die Betriebe und öffentlichen Arbeiten des Reichs und das Genossenschaftswesen sowie die Statistik geschlagen werden. Dagegen wird die Abteilung für S o z i a l p o l i t i k die Gc- biete des Arbeitsrechts, des Arbeiterschutzes, der Arbeiter- Versicherung, der Arbeitsvermittlung, des Einignngswesens, der Arbestervertretung, des Organisationswesens und der sozialen Rechtsprechung umfassen Ob ihr auch die WohnungLsürsorge, VolkSernährung sowie andere sozialpoli� tische Gcbicie angegliedert werden, bleibt abzuwarten. TaS KriegSernährungSanit soll ja in ein selbständiges R c i ch S c r n ä h r u n g S a m t umgewandelt iverden. So dringend ich schon vor der Errichtung des Kriegs ernährungs- amtS ein NcichslebeiiSmittelami forderte, so erscheint mir doch für die friedliche Entwicklung eines solchen gedeihlicher, wenn eS mit der sozialpolitischen Leitung deS Reiches in ein unmittelbares Verhältnis gebracht, also gewissermahen in die sozialpolitische Organisation eingefügt würde. Indes ist damit zu rechnen, daß das neue Reichswirtschaftsamt sich weiter entlvickelt und an der Neugestaltung der inneren ReichSvcrwaltung einen hervorragenden Anteil nehmen wird. Am Baume der Sozialpolitik iverden uns noch viele Früchte reifen; sie kommen aber nicht über Nacht und fallen uns auch nicht in den Schoß. Als das nächste und wichtigste erscheint uns nun, daß an die Leitung der neuen Abteilung für Handels- und Wirt- schaftspolitik und für Sozialpolitik Männer berufen wer- den, von denen man nicht bloß reiche Kenntnis de? Wirt- fchaftlichcn und sozialen Lebens, sowie durchgreifende Energie erwarten kann, sondern die auch daS volle Vertrauen der werktätigen Bevölkerung besitzen. Noch mehr als anderswo kommt es in der sozialpolitischen Abteilung auf den richtigen Mann an. Ein Mißgriff durch eine Berufung, bei der mehr auf akademische Vorbildung als auf praktisches sozial- politisches Wirken gesehen wird, könnte die ganze Neu- orienticrung an der kritischsten Stelle schädigen und in Verruf bringen. Die nächsten Sorgen des RcichSwirtschafisamts sind Wohl der Konsolidierung und Abgrenzung gewidmet. Da müssen bestehende Reichsämtcr eingegliedert werden, wie das Reichs- versicherungsamt, das Reichskomnnssariat für Uebergangs- Wirtschaft und die ReichLzentrale der Arbeitsnachweise. Zu anderen Reichsämtern sind Verbindungen herzustellen und gemeinsame Arbeitsgebiete abzugrenzen, so hinsichtlich der Arbeiterstatistik. der Volksernährung usw. Neue Reichs- behörden sind für daS Tarif- und Einigungswesen und für die Wohnungsfürsorge zu schaffen. Für alle diese gilt eS zu- gleich, g e e i g n e t e K r ä f t o heranzuziehen, die an der Lösung der nach dem Kriege unmittelbar einsetzenden sozialpolitischen Bedürfnisse mitarbeiten. So würde, um nur einige Betspiele anzuführen. das Arbeitsnachweis Wesen noch tiefgreifender Umgestaltungen bedürfen, ehe eine be- friedigcnde Wirksamkeit für die schweren Anforderungen nach deni Kriege erwartet werden kann. Die reibungs- lose Durchführung der Uebergangs Wirtschaft hängt von einer klugen und zielbewußten Förderung paritätischer Tarifvcrtragspolitik und von der zweckmäßigen Ver- vollkommnung des Einigungs Wesens ab, durch welche Matznahmen drohende Wirtschaftskonflikte rasch beigelegt werden. Hier gilt es, sozialpolitisch tüchtige Kräfte zu ge- Winnen, die auch daS ungeteilte Vertrauen der Arbeiterklasse besitzen. Von den Aufgaben, die das Reichsivirtschaftsamt zunächst zu lösen hat. kommen im Bereich der allgemeinen Wirtschafts- Politik in Frage: die Uebergangswirtschast, die künftigen Handelsaeziehungcn und die Ausdehnung der Gemcinwirt- schaft durch Verstaatlichung gemeinnötiger und gewinnbringen- der Erwerbszwcige, dagegen im Bereich der sozialen Arbeiter- Politik die Koalitionsgesetzgebung, die Schaffung von Arbeiter- Vertretungen, der Aufbau eines sozialpolitischen Organismus, die Arbeitsvermittlung und die Wohnungssürsorge. Was die deutsche Arbeiterschaft in dieser Beziehung erwartet, soll mit wenigen Strichen gekennzeichnet sein. Für die Uebergangswirtschast verlangen wir die gleichberechtigte Heranziehung von Arbeitervertretern für alle Arbeitsgebiete, bei denen auch über Arbeiterfragen und Arbciterinteresscn entschieden werden muß. Das gleiche gilt für die Vorbereitung der künftigen Handelsbezieh- u n g e n, für die dem deutschen VolkSwirtschaftSrat eine Arbeitcrvertretung aus den in Frage kommenden Industrien und Gewerben anzugliedern ist. Für die Monopol- und Kartellgcsetzgebung haben die Arbeiter- und An- gestelltenvcrbände bereits ihre besonderen Forderungen auf- gestellt und dem früheren Reichskanzler eingereicht. Der Hin- weis auf diese dürfte genügen. In der engeren Sozialpolitik stellen wir ein freies Koalitionsrecht obenan. ES müssen die strafrechtlichen Schranken und politischen Schikanen beseitigt und sowohl den Landarbeitern und Dienstboten, als auch den Arbeitern und Angestellrcn öffentlicher Betriebe das Vereinigungs- und Streik- recht freigegeben werden. Hinsichtlich der Arbeitervcr- t r e t u n g c n entscheiden wir uns am ehesten für Arbeiter- und Angestclltcnkammern; doch würden auch paritätische Arbeits- kammern Anklang finden, wenn den Arbeitervertrctern die Gel- tendmachung reiner Arbeiterintercffen durch Sonderhandlungcn ermöglicht würde. Die Wahl von Gewerkschaftsvertretern mutz jedoch ohne Einschränkung zugelassen sein. Unter dem Auf- bau eines sozialen Organismus ist die Einrichtung von Arbeitsämtern für den Bezirk jedes Stadt- und Land- kreises, von LandcSarbeitsämtern für jede Provinz und jeden Bundesstaat, und eines Reichsarbeitsamtes, denen eine pari- tätische Vertretung der Unternehmer und Arbeiter zur Mit- Wirkung an der Vorbereitung und Durchführung von Ge- setzen, Verordnungen und Ausführungsvorschriften beizugeben ist. In der A r b e i t s v e r m i t t e l u n g erwarten wir eine rcichsgcsetzliche Regelung im Sinne der öffentlichen und ge- meinnützigen, paritätisch verwalteten Arbeitsnachweise unter Gleichstellung der paritätischen Tarifarbettsnachweise der Ar- beitgebcr und Arbeiter, wie sie die bekannten, vom Reichstag <1915) angenommenen Gewerkschaftsforderungen erkennen lassen. Die Wohnungsfürsorge endlich ist durch aus- reichende Reichs- und Staatsmittel praktisch unter Bevor- zugung des gemeinnützigen Wohnungsbaues der Gemeinden und Genossenschaften, als auch durch reichsgcsetzliche Regelung im Sinne der Zurückdrängung des gewerbsmäßigen Miets- gcschäfteS und der Schaffung eines Reichswohnungsamts und örtlicher Wohnungsämter zu fördern. Wir hoffen, daß das neue Reichswirtschaftsamt nicht bloß eine Abzweigung vom alten Reichsamt des Innern sein wird, sondern auch die neuen, weiteren Aufgaben zur Aus- sührung übernommen hat, die nnt der verheißenen Neugestal- cung der inneren Politik zusammenhängen. Wenn es einer kurzen Formulierung dieses Arbeitsprogramms bedürfte, so möchten wir ihm die Worte des preußischen Herrenhaus- Bibliothekdircktors Dr. Fr. Thimme empfehlen:»Wir müssen den Aufbau des neuen Deutschland errichten, an das wir alle die höchsten Forderungen und nicht zuletzt d i e For- derung stellen, d a tz es die berechtigten Wünsche unserer Arbeiterschaft erfülle!" die üeutsche Offensive unü öie rusilsche Freiheit. W. T. B. verbreitet folgende amtliche Erklärung: Amtlich. Berlin, 13. August. Kerenski erklärt in seinem neuen Erlaß an das russische Volk: Die Offensive des Feindes. die einsetzt, während im inneren Reich Unordnung herrscht, bedroht Rußlands Dasein. Dazu sei bemerkt, daß die von den Heeren des neuen Rußland unternommene Offensive die Gegenoffensive Deutschlands und seiner Verbündeten herausgefordert hat. Die Verantwortung fällt somit auf diejenigen zurück, die die r u s j i s ch c Offensive veranlaß: haben._ die Zolgen ües Rücktritts Henöerfons. Der Austritt Hcndersons aus der englischen Regierung hat eine nicht leicht zu nehmende Krisis zur Folge. Lloyd Georges Kabinett beruht auf der Vereinigung der Unionisten mit der imperialistisch orientierten Arbeiterschaft. Bröckelt der Arbeiterflügel ab, so ist die Basis für eine Regierung nicht mehr ausreichend. Schon taucht als letztes Verlegenheitsmittel der Gedanke an Neuwahlen auf. Die nachfolgenden Sätze der„Daily News" erhalten eine besondere Bedeutung dadurch, daß Reuters Bureau ihre Weiterverbreitung übernimmt. London, 18. August.(Reutcrmeldung.)„Daily NewS' schreibt: Wenn die Arbeiterkonferenz am 21. d. Mts. sich für Henderson ent- scheidet, müssen die anderen Mini st er der Arbeiter- Partei sich von der Regierung zurückziehen. CS verlautet, daß in diesem Falle der Premierminister an da« Land appellieren und allgemeine Neuwahlen ausfchreiben würde. Graf pourtales über üie Kriegsfchulü. Der frühere deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pourtales. hat einem Vertreter von W. T. B. seine Ansichten über die Kriegsschuld auseinandergesetzt. Er sieht den eigent- lichen Uebeltäter in Frankreich. Ich habe vom ersten Augenblick der Krise den Eindruck ge« habt, daß diefranzösischeDiplomatie eifrig bemüht war. Oel in« Feuer zu gießen und zum Kriege zu Hetze, n Besonders war ihr Bestreben deutlich zu erkennen, die russische Regierung und die russische öffentliche Meinung davon zu überzeugen, daß Deutschland den österreichisch» serbischen Konflikt provoziert habe, und daß eS sich in Wirklichkeit weniger um einen österreichisch-russiichen al» um einen russisch-deutschen Konflikt handele. Schon die Anwesenheit de« Präsidenten der französischen Republik und des französischen Ministerpräsidenten in Petersburg unmittelbar bevor die Krisis in ihr akutes Stadium trat, hat nach meinen Wahrnehmungen nicht ausgleichend, sondern im Gegenteil aufhetzend gewirkt. Sehen Sie sämtliche diplomatischen Veröffentlichungen der Entente über die Verhandlungen vor Ausbruch des Krieges durch. Obgleich die französische Regierung unter Zuhilfenahmee von recht bedenklichen Agentenberick>ten ein Material zurecht gestellt hat, das möglichst günstig für sie wirken sollte, werden Sie nirgends finden, daß da» PariserKabinett irgend- einen Schritt für dieErhaltung de» Friedens unternommen hat. Es hat vielmehr wiederholt direkt ab- gelehnt, im Sinne der Beruhigung und Versöhnung einzu- wirken. Der Botschafter setzt dann diese Auffassung an der Hand der verschiedenen Blau- und Weißbücher näher auseinander. Insbesondere verweist er darauf, daß der französische Ver- tretcr in Petersburg gemeinsam mit Herrn Sasonow schon am 24. Juli aus Anlaß des österreichischen Ultimatums auf 'einen englischen Kollegen eindrang, England möge seine absolute Solidarität mit Rußland und Frankreich erklären. Der Botschafter fährt fort: Am selben Tage aber erfuhr ich au» verschiedenen sehr zu- verlässigen Quellen, daß der französische Botschafter überall in Petersburg verbreitete, Deutschland treibe zum Kon« flikt, die deuische Regierung habe die österreichische Rote inspiriert, und eS zeige sich immer mehr, daß man es mit einem ernsten russisch- deutschen Streit zu tun habe. Diese Ausstreuungen meines französischen Kollegen veranlaßten mich im Interesse der Aufrechterhaltung des allgemeinen Frieden« durch Bermittelung des Ministers Sasonow in der russischen Presse ein von mir mit dem österreichisch-ungari- schen Botschafter vereinbartes amtliche« Eommuniauö ver- öffentlichen zu lassen, in welchem ausdrücklich festgestellt wurde, daß man in Berlin die NoteOesterreich-Ungarns an Serbien vor i h rer A b f en d ung nicht gekannt habe, daß man keinen Einfluß auf ihren Inhalt genommen habe und daß man zu Unrecht Deutschland«ine drohende Haltung zuschiebe. Deutschland unterstütze natürlich als Ver- bündeter die österreichisch-ungarischen Forderungen, die nach seiner Ansicht gerecht seien, vor allem aber wünsche es, wie es vom Beginn des Streites an erklärt habe, die L o k a l i- s i e r u n g des Streites. Einen weiteren Beweis für seine Ansicht findet er in 'vlgender Geschichte: Am 80. Juli fand auf dem Landhause einer bekannten Dame der Petersburger Gesellschaft ein kleines Diner statt, auf dem auch Suchomlinow zugegen war. Nach Tisch erschien einer von den jüngeren Herren der französischen Bot- schaft und verkündete, uota bsn« 12 Stunden vor der Verkündigung der allgemein russischen Mobilmachung, mit unverhohlener Freude, der Krieg sei erklärt. Suchomlinow war diese Mit- teilung sehr unangenehm und er bemerlte gereizt, die Nachricht sei nickt richtig, denn sonst müßte er wohl etwas davon wissen. Graf Pourtales folgert aus dieser Episode: Sie bestätigt meine Annahme, daß Frankreich, oder vielmehr Herr Poincars und Genossen wirklich den Krieg, den es zur Wiedergewinnung von Slsaß-Lothringen schon seit Jahrzehnten vorbereitete, bewußt gewollt und bewußt gefördert hat. Der Beitrag, den die französische Politik zur Entstehung des Weltkrieges geliefert hat, ist in der Stockholmer Rede des Genossen Dr. David, die kürzlich alS Broschüre erschienen ist, viel besser geschildert. Graf Pourtales hätte diese Schrift lesen sollen._ Offiziöses zu Gerarös Erinnerungen. Die„Nordd. Allgem. Zeitung" schreibt: Der Londoner„Daily Telegraph" veröffentlicht auS den Memoiren de§ früheren Botschafters Gerard ein Tele- g r a m m, daS Seine Majestät der Kaiser am 10. August 19l4 an den Präsidenten Wilson gerichtet haben soll und in dem die Vorgeschichte der Beteiligung Englands an dem gegenwärtigen Kriege dargelegt wird. Wir sind demgegenüber in der Lage festzustellen, daß ei» derartiges Telegramm des Kaisers nicht existiert, Ricbtig ist, daß dem Botschafter Gerard am 10. August 1914 eine Audienz gewährt wurdx, um ihm Gelegenheit zu geben, Seiner Majestät ein BrrmittlungSangcbot des Präsidenten Wilson zu unterbreiten. Die persönliche Botschaft deS Präsidenten an den deutschen Kaiser lautete: „Als offizielle« Haupt einer der Mächte, die daS Haager Abkommen unterzeichnet baben, fühle ich. daß e§ gemäß Artikel III des genannten Abkommens mein Recht und meine Pflicht ist. Ihnen im Geiste wahrbaftester Freundschaft zu erklären. daß ich jede Gelegenheit begrüßen würde, in, Interesse des europäischen Friedens zu han- dein, sei eS jetzt oder zu irgendeiner anderen Zeit, die besser geeignet Iväre, um Ihnen und allen Beteiligten Dienst« zu er- weisen, die mir zur Befriedigung und Freude gereichen würden." Dieser Vorschlag erfolgte hiernach zu einer Zeit, wo die beider- seitigen Heere bereits die Grenzen überschritten hatten und es auS- geschlossen erschien, den Ereignissen noch Halt zu gebieten. Seine Majestät konnte also dem Präsidenten Wilson nur seinen Dank für daS Anerbieten übermitteln lassen und dazu bemerken, daß es im gegenwärtigen Augenblick wohl noch zu früh zu einer Ver- mittlung neutraler Mächte sei, daß aber später aus Herrn Wilsons steundschafilichen Vorschlag zurückgegriffen werden könne. Seine Maststät der Kaiser unterhielt sich dann noch einige Zeit mit dem amerikanischen Botschafter und setzte ihm die Vor- gänge auseinander, die zum Ausbruch des Krieges geführt hatten. Besonder« wies der Kaiser auf die zweideutig« und illoyale Haltung Englands hin, die die Hoffnung auf einen friedlichen Ausgleich zunichte gemacht hatte. Die Ausführungen des Botschafters Gerard in feinen Memoiren scheinen eine Wiedergabe dieses Gespäches zu sein. Wenn die Prefle der feindlichen Länder darin Enthüllungen sieht, so zeigt das nur, daß sie daS deutsche Weißbuch nicht kennt, das im wesentlichen dieselben Borgänge schildert. 'Möglicherweise hat der Kaiser während des Gespräches Notizen für den Botschafter aufgeschrieben, damit dieser nicht etwa Falsches nach Washington melde. In diesem Falle würde es sich also um eine zur Unterstützung des Gedächtnisses des Herrn Gerard bestimmte Aufzeichnung, nicht aber um eine Mitteilung des Kaiser« an den Präsidenten Wilson handeln. Komiloff und öer Galgen! Eine Anklage gegen KerenSki und Genosse«. Genosse Parvus-Helphand, der in Deutschland lebt, aber geborener Russe ist und an der russisch-revolutionären Bc- wegung in früheren Jahren lebhaft teilgenommen hat. ist von der russischen Regierung in Anklagezustand versetzt worden. Er antwortet darauf mit einer kräftigen Streitschrift:„Meine Antwort an Kerenski u. Co.". die soeben im Verlag für Sozialwissenschaft erschienen ist. Die russische Regierung beschuldigt ParvuS, deutscher Agent zu sein und als solcher die bolschewikistische Bewegung mit Geld zu unterstützen. Parvus erwidert: Ihr Narren, was sucht ihr, ob ich Lenin Geld gegeben babe? Gerade Lenin und die anderen, die ihr nament- lich aufführt, haben von mir, sei e« als Geschenk oder als Darlehn, kein Geld verlangt oder erhalten. Aber ich habe ihnen und vielen anderen Schlimmeres als Geld oder Dynamit gegeben. Ich gehöre mit zu denjenigen, die den revolutionären Willen der russischen Proletarier geistig genährt haben, den ihr jetzt ausrotten möchtet und nicht könnt. Parvus erwähnt im Zusammenhang mit jener Legende, daß die englische Regierung nicht weniger als 800 Millionen Franken für die Kriegspropaganda in Rußland ausgegeben haben soll und daß die gegenwärtigen Machthaber Rußlands zu gleichen Zwecken ohne jede Kontrolle russische Staatsgolder mit vollen Händen zum Fenster hinauswerfen. Er nennt diese Machthaber Verräter an der Revolution, da ie den Frieden hinderten und zu diesem Zweck auch den Zu- 'ammentritt der konstiuierenden Versammlung verschleppten. Damit werde zugleich auch der Wunsch der Bauern nach Landverteilung zunichte gemacht: So habt ihr euch von allem losgelöst, was das Wesen und die Macht der Revolution bildete, eine tiefe Kluft tut sich auf zwischen euch und dem Proletariat, zwischen euch und den BolkSmassen. und eure einzige Zuversicht ist nur noch: Korniloff und der Galgen!... Deutschland mit seinem Reichstag und seiner Sozial- demokratie erschien euch nicht demokratisch genug; mit der deutschen Regierung wolltet ihr nicht einmal an einem Verhand- lungstische sitzen, sie war euch viel zu preußisch. Als Welterlöser und Weltbefreier habt ihr euch aufgespielt. Aber die politischen Zustände, dir ihr in Rußland geschaffen habt, unterscheiden sich von de» preußische« nur durch Koufusiou und Willkür, die All- gewalt der Regierung, den Mangel jeglicher demokratischer Kon- trolle, die Satrapcnwirtschaft und Skrupellofigkeit der politischen Parteien. Parvus führt diesen Verfall auf die revolutionäre Intelligenz zurück, die das russische Proletariat umschwärme. während dieses selbst zu wenig geschult sei, um die Geschicke deS Reiches in die Hand zu nehmen. Vor allem sei dies das Werk des„konfusen Schwärmers" Kerenski, der, im Gegensatz zu Milsukoff. nicht wisse, was er wolle. Miljukoff wollte, daß die Entente für russische Kriegsziele kämpfe, Kerenski führe die russischen Armeen in den Kampf für die Entente. ParvuS schließt: Die größte Gefahr für die Revolution ist nunmehr der Krieg. Denn das russische Volk will vor allem den Frieden. Nichls törichter alS der Versuch der gegenwärtigen Machtinhaber Ruß- lands, den Friedensgedanken dadurch zu diskreditieren, daß man auf die angeblichen Wünsche de» alten Regime», einen Sonderfrieden zu schließen, hinweist. Da« beweist doch nur, daß selbst der Zar und seine Umgebung schließlich eingesehen hatten, daß man dem Friedenswillen de« Volkes nachgeben muß. Für sie war e» steilich schon zu spät. Aber, wenn etwas eine konterrevolutionär« Bewegung in Rußland noch populärer machen kann, so ist eS der Friedensgedanke. Wer, ob eine revolutionäre Mafle, ein General an der Spitze einer Armee, oder ein« reaktionäre Verschwörung, die Regierung stürzt und dem Land den Frieden bringt, bekommt dadurch ge- waltige Stützen im Volle. Da» ist die Gefahr, die der russischen Revolution droht. Darum erhebe ich zum Schluß gegen KerenSki, seine Draht- zieher und seine Rachbeter die Anklage, daß sie. nachdem sie erst die Jntereffen de» revolutionären Proletariat» verraten haben, durch ihre llnentschlossenheit in der Frieden«- frage der antirevolutionären Bewegung in die Hand arbeitenl Friede— da« ist jetzt dir einzige rrvolutioaärr Losung. All- gemeiner Friede sofort oder erst Sondrrstiebr, dann allgemeiner Fried«— Fried« vor alle»! Es mag fem. daß diese kräftige Verteidigungsschrift der russischen Regierung unangenehmer sein wird als die in Petersburg gegen ihn erhobene Anklage, deren Erfolg er hier in Deutschland in Ruhe abwarten kann. Die Entente Sie Entente gegen Stockholm. London, 13. August. Unterhaue. Bonar Law er- ktärte, es sei mr Personen, die im vereinigten Königreich ihren Wohnsitz haben, gesetzlich nicht statthast, ohne Erlaubnis der Regierung mit seind- lichen Untertanen'«ine Konferenz abzuhal- t e n. Die Regierung habe beschlossen, die Erlaubnis zur Teilnahme an der Konferenz nicht zu erteilen. lBeifall.) Tie Vereinigten Staaten, Frankreich und Italien, mit denen die britische Regierung über den Gegenstand verhandelt habe, hätten dasselbe bc� schlössen. • Als H e n d e r s o n vor wenigen Tagen auf der Tagung der englischen Arbeiterpartei zuversichtlich erklärte, die Sache der Entente sei so gut, dah er die Deutschen in Stockholm schon davon überzeugen werde, dast nur die Verbrechen der deutschen Regierung die Beendigung des Krieges vcrhinder- ten,— da wußte er selber wohl nicht, wie bald ihn seine eigene Regierung kurz und bündig widerlegen werde. England-Amerika und nach ihrem Vorbild die übrigen westlichen Trabanten der Entente verweigern die Pässe nach Stockholm! Für wen die Frage bisher wirklich noch unent- schieden sein mochte, welche von den kriegführenden Mächte- gruppen nach drei Kriegsjahrcn kriegslüstern sei, welche Mächtegruppe sich dem Frieden entgegenstemmte, w e l ch e den Krieg unter allen Umständen fortzusetzen entschlossen sei, dem muß jetzt der letzte Zweifel entschwinden. Mit ihrer brutalen Zerstörung des Einigungswerkes von Stockholm �abcn sich die westlichen Entcnteregierungen selber die Maske ihrer gleißnerischen� Redensarten abgerissen. Die angeblichen Länder der Freiheit und der Friedenslieb« verbieten idren sozalistischen Bürgern, für die Herbeiführung des Friedens und die Verständigung der Völker zu wirken, sie schämen sich nicht einmal dieses Verbots mit Rücksicht darauf, daß die �absolutistischen" Zentralmächte den Sozialisten ihrer Länder keinerlei Hindernis in den Weg legen. Die Paßverweigerung der westlichen Ententemächte be- weist zweierlei: erstens, daß in England-Amerika die Regie- rung noch heute fest entschlossen ist, den Krieg nur durch Deutschlands Niederlage zu beenden; und zweitens, daß die westliche Entente glaubt, der ruf- tischen Friedens st römung keine Rechnung mehr tragen zu brauchen. Vielleicht, daß sie nach den zungsten Niederlagen das russische Heer nicht mehr als aus- Ichlaggebenden Faktor ansteht, es auf alle Fälle als Aktiv- Posten in ihrer Kriegsrechnung auf Null abgeschrieben hat. Aber wahrscheinlicher ist, daß die Entente mit der jetzigen ,.�jH�berrschaft Kerenskis die ganze Psycho- logie Rußlands als geändert ansieht. Hat Lloyd George doch Henderson zum Vonvurf gemacht, er habe den englischen Ar- beitern verschwiegen, daß Kerenski auf die Stockholmer Kon- ferenz keinen Wert mehr lege. In der Tat. was Kerenski heute tut und treibt, ist ja nichts anderes, als weswegen der Kadett Miljukoff noch im Mai seinen Ministerposten hat niederlegen müssen.— Aber die Ententerechnung hat ein Loch: Kerenski ist nicht Rußland, und wer weiß, ob ihm nicht heute Aon das Schicksal Miljukoffs droht. Gerade die westliche Entente hilft es ,hm bereiten, denn die Sprengung der Stock- holmer Konferenz durch die Westmächte wird in Rußland Unzähligen die Augen darüber öffnen, wo das Hindernis für den baldigen Frieden ist. England, das sich sonst mit den Machten der Zukunft zu Verbünden pflegte, hat diesmal der größten Zukunftsmacht, dem internationalen So- z i a 1 1 s m u s brutal den Krieg erklärt. Eine russische , 9le.ri'"3'?ie dieses ruhig hinnähme, würde sich damit gleichralls offen als Feindin des Sozialismus er- klaren. Kerenski und öie Stockholmer Konferenz. .. �iwsterdam, 13. August. Dem Korrespondenten des„Handelsblad" zufolge haben die heute in London weilen- den Abgeordneten des Rates der Arbeiter und Soldaten eine ausführliche Mitteilung veröffentlicht, in der sie erklärten, stich. P" verstehen, warum Kerenski gegen S t o ck ho l m s e l n s o l l t e. Erst vor einer Woche habe der Rat der Arbeiter und Soldaten ihm telegraphiert, daß er die Vorbereitungen für Stockholm beschleunigen müßte, da der Rat der Arbeiter und Soldaten dem Kabinett Kerenski nicht feindlich gesinnt sei, im Gegenteil dem Ministerium die größte Unterstützung leihe. Dieser Bericht und der Bericht des Lon- doner Korrespondenten des„Telegraaf". wonach Lloyd George Henderson das Telegramm Kerenskis vorher absicht- lich zustellen ließ, würde die Vermutung bestätigen, die auch am Sonntag eine Reihe führender Arbeiterkreise äußern hör- ten, nämlich daß Lloyd George Hendersons Standpunkt kannte, und daß Kerenski unter Vorwissen Lloyd Georges das berüchtigte Telegramm ab- sandte, um noch in letzter Stunde Henderson zu bewegen, seinen Standpunkt bezüglich Stockholm zu ändern. Ter parlamentarische Mitarbeiter der„Times" schreibt, daß Hendersons Platz im Kabinett George Barnes an- geboten worden sei, der aber seinen Beschluß bisher nicht be- kannt zu geben wünschte, bis er sich mit seinen älteren Kol- legen beraten habe, ob er in ein Kriegskabinett eintreten wird. Das Gute lie�e sehr nahe. Für die Beilegung des Kon- fliktes gibt es zweierlei Möglichkeiten: entweder die G e- w e r k s ch a f t e n weigern sich nach wie vor. mit der Arbeiter- Partei und anderen sozialistischen Körperschaften zusammen- zuwirken. und gründen eine Arbeiterpartei der Gc- werkschaften oder die Regierung läßt durch a l l g c- m e r n e Wahlen die Nation entscheiden, ob diese mit dem Beschluß vom Freitag übereinstimme, und verschafft sich auf diese Weise die Ermächtigung, den Krieg bis zum siegreichen Ende mit aller Kraft fortzusetzen. Die Seüingungen öer Franzosen. Vor dem Verbot. Paris, 12. August.(Havas.) Tie Vertreter der Sozia- listenpartei hielten Sonnabend nachmittag eine Versammlung ab. Nach einem langen Vortrag Brackes über den Frieden, wurde folgende Erklärung angenommen: Die französische Sozialistenpartei kommt nicht nach Stockholm, um dort einen Friedensvergleich zu suchen, der das Schicksal der Völker in der Schwebe und neuen Kriegen preisgegeben ließe. igert die Pässe Sie kommt dorthin, um auszusprechen, daß allein die Achtung vor dem Völkerrecht, Achtung vor Verträgen und die Verpflichtung in Zukunft allen möglichen Streitigkeiten den Richter spruch der Nationen zu unterwerfen, einen annehmbaren Frieden herbeiführen können. Sie kommt dorthin, um alle Sozialisten aufzu- fordern, die Regierungen, welche für die zu Beginn des Krieges be- gangenen Gewalttätigkeiten verantwortlich sind, zu verurteilen, und daß die Sozialisten, nachdem sie die Verurteilung ausgesprochen haben, gegen die Regier nngen auftreten, um den Kreg abzukürzen, indem sie Ehre und Leben der Völker schützen. Sic kommt dorthin, um zu fordern, daß die Regierungen, welche sich dessen noch weigern, verpflichtet werden, kundzugeben, ob sie zu Wiederherstellungen bereit sind, welche daS Völkerrecht in sich schließt und öffentlich zu erklären, ob sie beabsichtigen, sich immer mit der Kr'egskarte zu bewaffnen, um den Frieden herbeizuführen. Sie kommt dorthin, um zu fragen, ob die Sozialisten, welche darauf bestehen, ihre moralische und materielle Hilfe den schuldigen Regierungen zur Verfügung zu stellen, noch weiterhin Mit- gliedcr der Internationale bleiben können, und ob die Jnternapo- nale nicht diejenigen als die Ihrigen anerkennen wird, welche auf die Verantwortlichkeiten hinweisen und dadurch zeigen, daß sie entschlossen sind. Taten zu vollbringen, die der Internationale Kraft und Leben geben werden, zu gleicher Zeit, wo sie den Völkern den Weg zu einem wohltätigen Frieden weisen. Was die Bedingungen ihrer Teil- nähme an einer internationalen Konferenz anbetrifft, so erklärt die ftanzöstsche Sozialistenpartei, daß sie bereit ist, an jeder regel- recht zusammenberufenen Konferenz sich zu beteiligen, unter der Be- dingung, daß sie erfährt, wem sie dort begegnen soll, den Zweck der Versammlung und ob die Konferenz dort wirksam sein kann. Die Versammlung muß zusammenberufen werden in Ueberein- stimmung mit den Vertretern des VollzugsauSschusieS de» Internationalen Sozialistischen Bureaus. Sie soll Abgeordnete umfassen, die»n gültiger Weise bevollmächtigt sind durch die der Internationale regelrecht angegliederten Parteien und durch Körperschaften, welche da« Recht besitzen, auf den Internationalen Kongressen vertreten zu sein. Die Art und Weise, in der die Stimmen abgegeben werden, soll vorher festgelegt werden. Die Abgeordneten müssen mit gültigen Vollmachten versehen sein. Damit die Versammlung der Internationale nützliche Wir- kungen erzielen kann, ist es notwendig, daß vorher alle Abteilungen über folgenden Grundsatz sich äußern: Besitzt im Fall eines krie- gerischen Angriffes von feiten einer oder mehrerer Mächte das Proletariat des oder der angegriffenen Völker daS Recht auf Hilfe aller Proletariate aller kriegführenden Rationen oder nicht? Einer Hilfe, welche gemäß den Möglichkeiten und den gegebenen Umständen in jedem Lande gehen kann vom einfachen Einspruch bi« zur bewaffneten Intervention gegen die den Frieden störenden Mächte. Ohne dieses vorherige Uebereinkommen könnte irgendeine Versammlung nur ergebnislose Besprechungen herbeiführen oder, wa» schlimmer sein würde. Widerstände, die die bedrohte Einigkeit der Internationale noch mehr zu brechen drohten. « Auch durch diese weitgehende Anpassung an den Stand- Punkt ihrer Regierung haben sich die ftanzösischen Sozialisten vor der Sch mnch deS Reiseverbotes nicht retten können. Keine Ruhe in Rußlanü. Neue Tätigkeit der Maximaliste«. DaS Diktatursystem Kerenskis scheint trotz aller Gewalt- maßregeln nicht im Stande zu sein, die von der Kriegsmüdig- keit deS Volkes gespeiste Gegenbewegung zu unterdrücken. Die Maximalisten tagen trotz aller gegen sie erlassenen Acht- und Bannerklärungen, Lenin und Zinowjew sollen sich nach wie vor in Rußland aufhalten und auch die Disziplinwidrigkeiten in der Armee hören allem Anschein nach nicht auf. Stockholm, 13, August. Wie„Stockholms Tidningen" auS Haparanda erfährt, wurde in Petersburg eine all- russische Versammlung von Vertretern der Maxi- m a I i st e n- und Jnternationalisten-Organi- s a t i o n e n eröffnet. Zum Ehrenvorsitzenden wurde unter anderen Lenin ernannt. Die Versammlung billigte die Haltung des Zentralkomitees und die Aufruhr- bewegung vom 16. und 17. Juli. Das Gerücht, daß Lenin und Zinowjew inS Ausland gereist seien, wird für unrichtig erklärt. Lern» 18. August. Der russische Mitarbeiter de»„Bund" meldet: Stussischen Blättern zufolge fand in Petersburg eine Kundgebung vierzigjähriger Soldaten statt, die sich weigern» an die Front zurückzukehren. Solche Kundgebungen spielten sich auch in Moskau und in einigen Gouvernements« und Kreis- städten ab. Laut„Birschewija Wjedomosti" nimmt die Gärung in Astrachan einen geradezu gefährlichen Charakter an. Die Soldaten weigern sich entschieden, an die Front zurückzukehren. der Krieg auf öen Meeren. verlin» 12. August. Amtlich. I« Sperrgebiet u« England wurden durch uujcre U-Boote wiederum 21000 Sr.-Reg.-To. vernichtet. Unter den versenkten Schiffen befanden sich der bewaffnete eng- tische Dampfer Peninsula(1884 Tennen) mit Kohlen und Stückgut von England nach Lissabon, ferner ei» großer» durch vier Bewachung»- fahrzeuge gesicherter Dampfer. Der Chef des AdmiralfiabrS der Marine. * Hunger statt Heuer. Wien. 12. August. Der Kapitän deS im Mittelmeer versenkten griechischen Dampfers Varvara sagt« aus. datz er und seine Besatzung von den Engländern durch Hunger zu einer Fahrt vom PiräuS nach Liverpool gezwungen worden wären. Gesunkene Schiffe. Rotterdam» 13. August.„Maasbode" meldet: Der Segler French au» Neusimdland(181 Br.-To.)«st g c s u n k e n. Der englische Segler Owens(123 Br.-To.) ist gesunken. Der amerrka- nische Segler William Critchett(244 Br.-To.) ist g e st r a n d e t und gilt für verloren. Der französische Dampfer Tadicura (218 Br.-To.) ist gekentert und gesunken, der englische Segler Clara Hamilton ist gesunken. Der englische Dampfer Heatheote(2345 Br.-To.) ist mit einem anderen Dampfer zu- sammenge st otzen und g e s u n k e-n. Die peruanische Bark Algoa Bah(1162 Br.-To.) wurde brennend verlassen. Der französische Dainpfcr Diligcnt(2184 Br.-To.) ist m't einem anderen Dampfer z» s a m m c u z c st o ß c n und gesunken. für Stockholm! Der holländische Dampftrawler De Een wird vermißt. Der schwedische Schleppdampfer Vidar ist g e s u n Je n. Der englische Segler Jenny(301 Br.-To.), der norwegische Dampfer Fane(1119 Br.-To.) und der norwegische Dampfer Rundo (1850 Br.-To.) wurden versenkt. der jüngste Luftangriff auf England. London, 12. August. Amtlich. Um 5 Uhr 15 Minuten nach- mittags wurde ein Geschwader von 20 feindlichen Flug- zeugen von Felixstow gemeldet. Sie streiften die Küste von Clacton entlang, wo sie sich teilten. Ein Teil flog auf Margate zu, wo Bomben abgeworfen wurden; die übrigen überflogen die Küste und warfen Bomben auf die Umgebung von Southend ab. Mel- düngen über Menschenverluste oder Sachschaden sind noch nicht eingegangen. Unsere Flugzeuge verfolgten den Feind auf See hinaus. London, 13. August. Die Luftangriffe verursachten in Southend beträchtlichen Sachschaden; eS wurden 40 Bomben abgeworfen. Nach den bisherigen Meldungen wurden acht Männer, neun Frauen und sechs Kinder getötet, etwa 50 Personen verwundet. Ferner wurden in Rochford zwei Männer verwundet. Vier Bomben wurden auf Margate abgeworfen; ein unbewohntes HauZ wurde zerstört; keine Verluste an Menschenleben. Konservativ gegen �llüeutsch. Christus oder Wodan? In der„Süddeutschen Konservativen Korrespondenz" unternimmt eS Adam Röder, die alldeutsche Weltanschauung vom konservativ-christlichen Standpunkt aus zu bekämpfen. Röder sagt den Alldeutschen wütenden Haß gegen das „semitische" Christentum nach und belegt seine Auffassung mit zahlreichen Zitaten. Er kommt zu folgender Gesamtfest- stellung: Die alldeutsche Weltanschauung geht bewußt auf die AuS- merzung der christlichen Religion und der auS ihr abgeleiteten Ethik htnau«; eS soll eine deutsche Religion entstehen, die an den WodanSglauben unserer Altvordern anknüpst, der hin- wiederum durch die Ergebnisse der modernen Rassen- theorie und der Darwinschen EntwicklnngSlebun derart „geläutert" ist. daß ein mit schwungvollen Phrasen ein- gerahmter Atheismus übrig bleibt: daS deutsche Volk» al« die edelste und bevorzugteste aller Nassen, als die höchste Offenbarung deS Menschentums, ist fein eigener Gott geworden. Da« Christentum wird in Nietzscheichsm Sinne als der große Verweichlicher und Entnerver der Völker abgetan; groß ist nur. wer Macht hat und die Macht ausübt.... Sünde, Erlösung. Buße, das Größte und Tiefste, das menschliches Denken zu er- gründen sucht, existiert für diese Gesellschaft öder Renommisten nicht, die» im linken Auge das Monokel» in der rechten Hand den raffelnden Säbel» dir Welt heranSforbrrn, um ihr nach„alter Römerart" den teutschen Fuß auf den Nacken zu setzen. Ein Geraun geht um, daß auch in der Redaktion der „Deutschen Tageszeitung" seit dem Hinscheiden ihres Sonntags- Predigers. Dr. Oertel. der Sachsenschwur vergessen und heim- lich zu Wodan gebetet wird._ jürst Salm-horstmar als Prophet. Auf einer Dortmunder Flottenvereinstagung hat F ü r st Salm-Horstmar, bekannt als eines der Häupter der Adloniter-Verschwörung, in giftigen Worten gegen die Friedens- resolution des Reichstags gewettert und die Mitglieder der Mehrheit Landesverräter genannt. Um seinen Worten größeren Nachdruck zu verleihen, prophezeite er den nahen vollständigen Endsieg mit folgenden tönenden Worten(nach dem Bericht der alldeutschen„Berliner N. N."): Nur noch einige wenige Monat gilt eS auszuhallen und »nsere Feinde liegen vollständig zerschmettert am Boden. Als vor mehr als Vierteljahrsfrist Herr v. Heyda- brand— allerdings in vorsichtigerer Form als sein jetziger Nachfolger— einen Siegeswechsel auf zwei Monate ausstellte, erregte solche Terminsbestimmiing selbst den Widerspruch der„Deutschen Tageszeitung". Die folgen haben gezeigt, daß der sonst so kluge konservative ührer hier tatsächlich sich eine arge Blöße gegeben hat, denn die zwei Monate sind lange verstrichen, ohne daß die Heyde- brandsche Propbezeihung Wahrheit geworden ist. Dies Miß- geschick eines Klügeren hätte den Fürsten Salm-Horstmar schrecken sollen. Aber es war ein so schöner Schlußeffekt zu seiner Vernichtung der Reichstagsmehrheit, wenn er den Zer- schmetterungssieg in nahe Aussicht stellte. Und dann meinte wohl Fürst Salm-Hostmar naiverweise, aus solche Art den Siegeswillen der Zuhörer zu beleben. Ein verzweifelt gefähr- liches Mittel. Denn, Herr Salm-Hostmar, in„einigen wenigen Monaten", also etwa Mitte November, läuft Ihr Wechsel ab. Und womit bezahlen Sie dann die Enttäuschung, wenn Ihre Prophezeiung nicht eingetreten ist, womit die Schäden einer falschen Politik» die auf ihre Richtigkeit vertraute?! der Nachfolger daffermanns. In nationalliberalen Kreisen ist, wie der„Tag" berichtet, an- geregt worden, für den verstorbenen Abgeordneten Bassermann dem früheren Reichstagsabgeordneten H i e b e r- Stuttgart das er- ledigte Mandat anzuvertrauen. Die„Verl. Neuest. Nachr." fragen boshaft, welche nationalliberalen Kreise damit gemeint sein können. Der Wahlkreis Saarbrücken ist nämlich eine Domäne der Schwerindustrie, und diese wird alles daransetzen, einen Mann ihres Vertrauens als Nachfolger Bassermanns durchzusetzen. Lette Nachrichten. Carso» und die Rheiolinre. Rotterdam, 13. August.„Nieuwe Rotterdamsche Cour am" schreibt: Trotz der Versicherung Bonar LawS im englischen Unter- Hause, daß Sir Edward Carson sehr genau gewußt habe, was er sagte, als er verlangte, daß d' e Deutschen sich hinter den Rhein zurückzie-hen sollten, bleibt Sardonyx in der Wochenschrift„New Statesman" dabei, daß Carson den Rhein für die Grenze Deutschlands gehalten habe. Sardonyx sagt: Nichts wiro mich davon überzeugen, datz dieser Mann, der 100 Pfund S t e r- ling in der Woche erhält, um England lächerlich zu machen, nicht eine ernste Gefahr für das Land ist. In Lord Milner emen Beschirmer der Interessen der britischen Denwkratie er- blicken zu müssen, ist schon eine arge Zumutung; aber Carson ge- währt ei» Schauspiel, bei dem einem direkt übel wird. GewerkschMsbewEUNg Serlin und Umgegend. Die Teuerungszulagen in der Kartonnagenbranche. Eine B r a n ch e n v e r> a m m lu n g aller in den Ber- liner Äartonbeirieben beschäftigten Mitglieder de-? Buch binderverbands nahm am Donnerstag den Bericht über die bis� herigen Verhandlungen mit den Fabrikanten entgegen. Klar berichtete. Für die Bezugsbranche, in der die gleichen Forderungen gestellt waren wie in der Postbranche, konnte noch nicht mit der Vertretung des Fabrikantenverbandes verhandelt werden, weil die matzgebenden Herren nicht anwesend waren. Diese Verhandlungen finden nächstens statt. Dagegen führten die Verhandlungen für die Postbranche dazu, da« der Vor stand des Schutzverbandes der Berliner Kartonfabrikanterr folgende Zugeständnisse machte: Der Posttarif vom Jabre t912 wird vom 1. Oktober 1917 ab um ein weiteres Jabr verlängert. Die tarif lichen Minimallöhne für geübte Nieter, Leistennieter und Zuschneider werden um S9 Proz., die der Hilfsarbeiter ebenfalls um S0 Proz. und die der Arbeiterinnen um 83'/� Proz. erhöht.— Die im Tarif unter der Rubrik«Lehrlinge" aufgeführten Löhne werden um 33Vl Proz. erhöht. Lohnarbeuer, die schon höhere Löhne beziehen als den Minimallohn zuzüglich der SV Proz., erhalten als Teuerungs zulage, wenn sie verheiratet sind, einen Zuschlag von 16 Proz., falls sie als Lohn insgesamt unter 50 M. wöchentlich verdienen, und von 10 Proz., falls ihr jetziger Gesamlwochenlohn i!ber60M. beträgt. Für die Ledigen beträgt der Zuschlag 10 bzw. T'/s Proz. Lohnarbeiterinnen, die schon höhere Löhne bezichen als den Tariflohn zuzüglich 33>/z Prozent, erhalten 10 Prozent Teuerungszulage. Die im Akkordtarif I für Postkartons unter 1 bis 30 aufgeführten Akkordpreise werden um 60 Prozent, die unter 81 bis 110 aufgeführten Akkordpreise für Leistenkasten mn 45 Proz. erhöbt. Die im'Akkordtarif � II für Arbeiterinnen unter> 11 bis 36 aufgeführten Alkordpreise werden um 33Vs Prozent erhöht. Die,, vorstehenden Zulagen werden nicht in die einzelnen Zeit- oder Stücklöhne verrechnet, sondern sind am Wochenschluß gesondert als Teuerungszulage hinzuzuschreiben. Die Zugeständnisie sollen rückwirkende Kraft bis zum 1. Juli 1917 haben mid die Auszahlung soll am' 11. August beginnen. Der Vorstand des Schutzverbandes der Arbeitgeber will selber keine Garantie dafür übernehmen, datz in den einzelnen Betrieben seiner Mitglieder die Zugeständnisse innegehalten werde».. Dem- gegenüber verwies Klar darauf, datz es also Aufgabe der Kollegen und Kolleginnen selber sei, auf die Durchführung in den einzelnen Betrieben zu sehen. Voraussetzung für den vollen Erfolg wäre. datz die Kollegen überall sich in genügender Zahl organisieren. Wo es noch nicht der Fall sei, müsse schleunigst eine umfassende Organi- sationslätigkeit entfaltet werden. In der sehr lebhaften Debatte trat eine große Unzufriedenheit darüber zutage, daß die Zugeständnisse hinter den Erwartungen zurückblieben. Die Versammelten gaben auch in einer A b st i m- m u n g zu erkennen, datz sie mit der Höbe der Zugeständ- nisse nicht zufrieden sind. Nach einer weiteren Aussprache stellte sich die Versammlung auf den Standpunkt, daß an der u r- sprünglichen Forderung festzuhalten sei. Diese Forderung ging dahin, datz auf alle Verdienste, die jetzt schon einschließlich der bisherigen Teuerungszulagen erzielt werden, noch ein weiterer Zu schlag von 30 Prozent gezahlt werden soll. Auf Grund dieser ursprünglichen Forderung sollen die Verhandlungen mit dem Schutzverband der Arbeitgeber neu aufgenommen werden._ wohl wahrscheinlich. Dann möge man sich aber bor der Fehler dieses Jahres hüten! Die Polppenarmc. Die Holzhandels-Gesellschaft Victoria, deren Hauptgesellichaster der bekannte Großindustrielle Hugo Slinnes in Mülheim (Ruhrs ist, erwarb im Kreise Rothenburg(Oberlausitz) sieben Ritler- guter und einige kleinere Besitzungen mit rund 6000 Hektar Boden- stäche, darunter 4171 Hektar Wald. Stinnes ist Latifundienbesitzer geworden, um sich im Bezug von Grubenholz unabhängig zu machen. Es wird bald keinen Wirtschaftszweig geben, in dem dieser Kapitalfürst nicht große und größte Interessen hätte. Das Verkehrswesen der Zcntralmächtc. "Tie Regierungen Oesterreich�Ungarns, Deutschlands, Buk- gaviens und der Türkei haben beschlosien, Verhandlungen zur Vor- bereitung wirtscha-ftlkher Vereinbarungen, die sich auch auf daS Gebiet des Verkehrswesens in den genannten Staaten erstrecken sollen, zu pflegen. Zum Verhandlungsort wurde im Einvernehmen aller Beteiligten Wien bestimmt. Zu diesen Verhandlungen wer- den außer Delegierten der gemeinsamen Ministerien und der öfter- reichischen sowie der ungarischen Regierung auch sachliche Vertreter aus dem Deutschen Reiche, aus Bulgarien und der Türkei erscheinen. Wiederholung beiwohnten. Gegen den vom Kriegs rninisterium s Kriegsamt) kürz. Iich herausgegebenen Erlaß über die Regelung der Arbeitsvermitt- lung und der Behandlung der Reklamationsanträge wurden leb- haste Bedenken erhoben, die insbesondere die Stellung der öffept- lichen Arbeitsnachweise und Arbeitsnächweisverbände betrafen. Eine dahingehende Entschließung soll den zuständlg«.n Zentral- stellen übermittelt werden. Tie Fragen der Lehrstellenvermittlung und Berufsberatung, der landwinichastbchew Arbeitsvermittlung und der Arbeitsvermittlung für weibliche Personen sollen ,n bc- sonderen Ausschüssen eingehende Beratung finden.» Auf all diesen Gebieten will, dann der Verband eine energische Tätigkeit entfalten. Dringend wurde von ollen Seiten die Notwendigkeit des sch l e u- «igen AusBaus der öffentlichen A r be i tsnach- weise als der Grundlage für die krmimende Friedensarbeit und das Erfordernis der Bereitstellung erheblicher Geldmittel seitens des Reichs betont. Soziales. Mußte das sein? Die Brauerei Ernst Engelhardt Akticn-Gcscllschaft. Pankow und .Eharlottcaburg, hat nach Verhandlung mit dem Arbeiterausschutz und den Organisationsvellreiern sich entschlossen, ihrem Kutscher« und Arbeiterpersonat die bisher gemährte Teuerungszulage auf '20 M. pro Woche zu erhöhcit. Die Frauen erhalten eine weitere Erhöhung der bisher gewährten Teuerungszulage von 6 M.»nd die Jiigendlichen eine solche von 6 M.. pro Woche. Diese Zulagen werden vom 3. August ab berechnet und gelangen am Freitag, den 17. August, erstmalig zur Auszahlung. Industrie und Handel. Wo bleibt der Honig? Die Reichszuckerstelle hat sehr große Zuckermengen an die Imker abgegeben, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Die traurige Folge ist, daß Honig mir zu Wucherpreisen unter der Hand umgebt und, wenn von einigen geringen Mengen von an Lazarette ge- wiesenen Honig abgesehen wird, dieses schmackhafte und begehrte Brotaufftrichmittel der ösientlichen Bewirtschaftung entzogen wird. Auch die«Frankfurter Zeitung" muß feststellen:.«ehr verstimmend bat die Tatsache aus die Verbraucher gewirkt, daß kaum Honig zu den festgesetzten Preisen vorhanden, trotzdem den Imkern wiederholt Zuckerllberweisungen zur Fütterung der Bienenvölker gemacht worden sind und eine, g l äu z e n d e H o n i g e rn t e herauSgesprungen ist. Aber die Ursache liegt wiederum einmal in fehlerhafter Behandlung der amtlichen Stellen, insofern diese bei Hergabe des Zuckers fast bedingungslos, ohne ausreichende Gegen- leistung. verfahren haben. Anders bei den Kunsthonigbelrieben, die genau ihren Zuckerverbrauch nachweisen und ihre Ware dem Markte nach Vorschrift zuführen müsien." Wie groß die nutzlos verschenkten Zuckermengen sind, geht daraus hervor, daß den märkischen Imkern für ihre 60 000 Bienenvölker allein 600 000 Kilo Zucker zugewiesen wurde. Das hätte man schon besser den Hausfrauen zur Marmelade- bereitung gegeben, wenn man eine Erfassung der Honigernte für unmöglich gehalten bat. Da die diesjährige Zuckerernte, wenn nicht zu viele Rüben verfüttert werden, nach augenblicklichen Schätzungen trotz verminderter Anbaufläche das Ergebnis der vorjährigen erreichen dürfte, so sind Zuweisungen an die Imker im Jahre 1918 Eine offene Anfrage an das Reichs- versichernngsamt. Wiedeeholt ist in der Arbeiter- und auch in einem Teil der bürgerlichen Presie dagegen Stellung genommen, daß dem An- geklagten in dem Urteil außer den Gründen die für die Verurteilung zwingend gewesen sind, auch noch das Register seiner Strafen— die er in früheren Jahren wegen irgendwelcher Straftaten erhaiten bat. hineingeschrieben werden. Da? Eingreifen der Presie ist nicht ohne Erfolg geblieben. Ist es dennoch hier oder dort in den letzten Jahren vorgekommen, dann ist das doch nur vereinzelt geschehen. Man wird da§ immerhin, noch verstehen können, sintemalen es sich um Urteile in Strafsachen zur Erklärung des Strafmaßes handelt. Jndesien auf das nachdrücklichste muß dagegen protestiert werden, wenn sich solche rückständigen Anschauungen in einem Senat des Reichsversickernngsamts breitmachen. Es handelt sich mn folgenden Fall. Ein Arbeiter war bei Ausbruch des Krieges als ArmierungSarbefter im Osten bei den Schanzarbeiten beschafligt. Bei einem Ueberfall der Russen hafte er eine Verletzung des rechten Auges'erlitten. Daß bei einem solchen Ueberiall der Verletzte nicht an die Sicherung eines Genossen— der den Unfall bestätigen kann— denkt, sondern in erster Linie auf seine eigene Rettung selbst bedacht ist, dürste durchaus begreiflich sein. Die Folge davon war. daß der Arbeiter mit seinem Anspruch auf Unfallrente von der Heeres Verwaltung sowobl wie vom OberversicherungSamt Groß-Berlin abgewiesen wurde, weil er den Unfall bezw. die Verletzung des rechten Auges bei der Arbeit»nicht glaubhaft nachweisen könne". Der Arbeiter wandte sich darauf an das ReichsversicherungSami. Dort schilderte der Verletzte in schlichter Weise den Hergang der Sache, so� daß man seinen Angaben vollen Glauben schenkte. In- besten auf eine Frage des Präsidenten des Gerichtshofes, ob er— der Verletzte— etlva schon mit dem Strafrichter zu tun gehabt habe, ergab sich, daß in dem Vorleben de§ Mannes ein dunkler Punkt vorhanden war. Der Senat beschloß darauf, erstens die Arbeitgeber, bei denen der Verhaftete in den letzten Jahren gearbeitet hatte, über seinen Leumund zu befragen; zweitens die Strafakten de? Mannes ans den früheren Jahren bei- zuziehen. Die Beftagung der Arbeitgeber des Arbeiters ergab, daß sämtliche Befragte den Verletzten als einen fleißigen, glaubwürdigen Algerischen, der. jhr. vofleK VcHrauen genieße, bezeichneten. Daraufhin erkannte dxr Senat das Vorliegen eines Betriebs- Unfalles an und verurteilte die HrereSverwaltung zurZahlung einer Unfallrente.(in 306/16• v.' Doch die Freude des Mannes, daß er fein Recht gefunden habe, wur de stark getrübt, als er die Entscheidung des Reichsversicherungs- amts'in die Hände bekam. In der Entscheidung wird unter anderem gesagt:»In frühe- r e n Jahren ist der Kläger allerdings, wie der Auszug ans dem Strafregister ergibt, niehrfach wegen Diebstahls bestraft worden. Die ersten Straftaten fallen aber in die Jahre 1876 bis 1883, und wenn sie 1882 und 1883 auch mit schweren Strafen und Neben- strafen geahndet wurden, so war der Kläger damals doch erst 19 bezw. 20, 22 und 23 Jahre alt und unverheiratet. Danach ist er nur noch einmal im Jahre 1891 wegen Diebstahls im Rückfalle mit neun Monaten Gefängnis und dann im Jahre 1907 wegen schweren Diebstahls mit drei Monaten Gefängnis bestraft worden." Soweit Pie Entscheidung. Wir fragen:. War die Aufführung dieser Strafen nötig? Man denke, die strafbaren Handlungen des Mannes liegen mehr als zwanzig Jahre zurück; nur 1907 ist noch einmal eine Straf- tat vorgekommen. Das,'was der Mann so fürchtete und was er sorgsam hütete, daß Frau und Kinder(der Mann ist vor einigen Jahren die zweite Ehe eingegangen) etwas von seinen Jugend- sünden erfahren könnten, ist nun eingetreten. Der Mann bekommt wohl seine Unfallrente. indessen sein Familienglllck ist vernichtet. Od dem Richter bei Abfassung deS schriftlichen Urteils wohl der Ge- danke gekommen sein mag, daß er durch Aufführung der Strafen das Familienverhältnis zerstören durfte? Und war dem Vorsitzenden des Senats denn keine Möglichkeit gegeben, die Aufführung der Straftaten in dem schriftlichen Urteil zu verhindern? Gerichtszeitung. Höchstpreisüberschreitung durch die Annahme von Futter- Mitteln. Eine eigene Methode der Hoch st preis Überschreitung hatte sich die Milchhändlerin Wilhelmine Rickast, die vor der 1. Ferienstrafkammer des Landgerichls I stand, zurechtgelegt. Sie verkaufte die Milch, die sie über das täglich an Kunden zu liefernde Quantum übrig behielt, nichl an jeden beliebigen Käufer zu den festgesetzten Höchstvreisen, sondern nur an solche Personen, die außer Bezahlung der Höchstpreise sich auch noch zur Hergabe von Küchen- abfüllen und Kartoffelschalen beguemten. Da diese Abfälle in der Zeit des Futtennangels keinen geringen Wert darstellen, so ver- urteilte die Strafkammer die Angeklagte wegen Ueberschreftung der Höchstpreise und unbefugter Zurückhaltung von Waren vom Verkauf zu 200 M. Geldstrafe event. 20 Tagen Gefängnis. „Unruhigen Elementen" wird keine Vergünstigung gewährt. Die Aktiengesellschaft für Beton- und M o ni er- bau hafte den bei ihr beschäftigten Arbeitern, nachdem die letzte tarifliche Lohnerhöhung im Baugewerbe in Kraft getreten, die bis dahin gewährte Fäh rg e ld- un d F a h r z e i te n t s ch ä d i g u n g ge- kürzt. Ein Zimmerer, der damit nicht einverstanden war, klagte beim Gewerbegericht auf Rachzahlung der Differenz von. 7,20 M. Der Vertreter der Firma erklärte, dieie sei auf Grund der tarii- lichen Abmachungen berechtigt, die Entschädigung für Fahrgeld und Fahrzeit mit Wckfichi auf die eingetretene Lohnerhöhung unberechtigt. Trotzdem nehme sie es mit der Ausübung dieses Rechtes nicht so genau. Die. Zeiten seien schwer. Um den Arbeitern das Durchkommen zu erleichtern, drücke die Firma oft ein Auge zu. wenn mehr Fahrgeld- und Fahr- zeftvergütung oder eine Arbeitsstunde mehr aufgeschrieben werde,' als die Arbeiter zu beanspruchen hätten. Aber gegenüber«unruhigen Elementen" könne solche Nachsicht nicht geübt werden. Der Kläger gehöre zu den«unruhigen Elementen", die Unzufriedenheit unter den anderen Arbcftern erregen. Ihm gegenüber bestehe die Firma auf ihren Rechtsstandpunkt und lehne die Zahlung unbedingt ob.— Nach Anficht des Gerichts war aber die Rechtslage nicht so' zweifeis- frei, daß die Firma auf Abweisung des Klägers hätte rechnen können. Der Vertreter der Firma ging deshalb auf einen Vergleich ein, wo- nach der Kläger 6,20 M. erhielt. Süße Sahne als Kindermilch. Von der Angeklagten Joel in ihrem Milchhandel als Kinder- milch verkaufte Milch wies noch einer Untersuchung einen Fettgehalt von 12 Proz. auf. Sie verkaufte auch als Buttermilch eine Milch, die 9 Proz. Fett enthielt. Das Landgericht II nahm an. daß es sich bei der sogenanmen.Kindermilch" tatsächlich um süße Sahne und. bei der sogenamften»Butter m.i Ich" tatsächlich um s äu e t c S ä h n e handelte. Wegen dieses.Sahnevertriebs ver- urteilte.das Landgericht; die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 100 M., weil sie dadurch die Bundesratsverordnung über die Be- schränkung der Milchverwendung übertreten habe,, welche das in Verkehrbringen von Sahne nur zur Herstellung von Butter gestattet, im übrigen aber verbietet.— Ferner wurde die Angeklagte wegen Nahrungsmittelverfälschung zu einer Geldstrafe von 1600 M. ver« urteilt. DaS Gericht erachtete für festgestellt, daß sie als»Voll- milch" solche Milch vertrieben habe, die bedeutend entrahmt und auch gewässert, sowie mit Magermilch versetzt gewesen sei. Beides sei eine Nahrungsmfttelverfälschung. Die Verfälschung selber falle ihr ebenfalls zur Last. Das Kammergericht verwarf die von der Angeklagten eingelegte Revision als unbegründet. Vom Verband Deutscher Arbeitsnachweise. Der Verband Deutscher Arbeitsnachweise hat in Berlin. Vollversammlung abgehalten, der Vertreter des Reichsamts des Innern, des. Kaiserlichen Statistischen Amts und des Kriegsamts eine Mus aller Welt. Studenttnucn als MmiitionSarbeftcrinncn. Aus Münster i. W. wird gemeldet, baß eine Versammlung von Studentinnen beschlosien bat, in die Reihen der Munilionsarbe'terinnen einzutreten. Es sind bereits zwei Transporte nach Mülheim a. d. Ruhr abgegangen. 10000.Kronen Belohnung. Ein Frachtbriefichwindler, der durch Spiritusgeschäfte 60 400 Kronen erbeutete, wird von Budapest aus verfolgt. Es handelt sich um einen Mann, der sich Ludwig Setete nannte. Er bot einem Kaufmann den Spiritus an, ohne ihn zu besitzen, und betrog ihn auf die bei solchen Warenschwindeleien übliche Weise, daß er sich den Kaufpreis bei Eingang des Duplikat- frachtbriefes zahlen ließ. Man vermutet, datz sich der Flüchtige nach Berlin gewandt habe. verantwortlich für PolMI: Erich Snttner, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Terlag: Borwürts Buchdruckerei u. Verlagsanftall Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Unicrkmltungsblott. Augen sind der Seele Spiegel darum bewahre man sie davor, daß sie trübe werden, datz rot entzündete Lider sie verunzieren. datz sie infolge Ueberanstrengung matt, glanzlos in. die Welt schauen, beim geringsten rauhen Lüftchen tränen und daß sich schon im jugendlichen Alter in der Augengegend jene Fältchen bilden, die eine Folg« des unwillkürlichen Zusammen- kneifcns der Augen bei angestrengtem Sehen sind. Ueberanfirengte Augen verursacken Kopfschmerz, vorzeitige Ermüdung und Nervosität und geben dem Gesicht einen matten, nervösen Zug, machen es vorzeftig alt. Kommen Sie zu un?, wenn Ihre Augen über- anstrengt sind, wenn Sie beispielsweise bei Ihrer gewöhnlichen Beleuchtung nicht mehr scharf sehen können. vi« Untersuchung ist tzostenlo». Wenn Sie ettva berefts über 40 Jahr« alt sind und noch keine Augengläser haben, so sollten Sie uns unbedingt besuchen, denn in diesem Alter brauchen, mit ganz wenigen Ausnahmen. gesunde Augen eine' Unterstützung durch Augengläser, eS mit deren Leistungen nicht bergab gehen soll. Gute Augengläser, die man ja durchaus nicht dauernd zu tragen braucht, erhöhen die Leistung Ihrer Aitcien. steigern Ihre Arbeitskrast unter Umständen bis aufs Doppelte und hatten Ihre Augen klar und blank. Wir legen besonderen Wert aus gutes Aufpassen der Fastimgen. also auf orthozenttisch richtiges und sicheres Sitzen. weil auch das beste Glas nicht das Beste leisten kann, wenn es schlecht sitzt.— Wir liefern punktuell abbildende Punktorik- Gläser sür 4 M. dos Paar, aus Sanoskop-GlaS für S M. Sind's die Äugen, Geh' zu Rnhnke I Optiker Rutinke Am Alexander-Platz neben itfchinger. Spittelm arN, eck« Wta-su. CO Oranieu-Str. 44, » nahe vranten-M/rZ» Leipziger Str. HZ, Cckc 9ts*tt-6t& MW Iriedrich-Str. 150, � �» Ecke Dorotheen-Str. Liul-Sw. 1. T.?« w»n»«r sfe. � Ehauffee-Str. 72, Friedrich-Str. ISO. XMfien-Ct& Tvvallden-Skr. 104, «et» Brunnea-St«. Charlottenburg: Taue«lzien-Skr. 15, Scke URaiEutflct Str. Joachim»thaler Skr. Z, -»?»h»rh»s 8*K Seu: £rudetdj«5tr. 106 «cke Ztegel-Str. Friedenau: .ÄS?.- SÄ. Sdjönrficcg: Wilmersdorf: ��«aise�WUh«�.Pi-h) Berliner Skr. 132-3 a. b. Uhtano-Str. Nr. 221 4 Z4. Jahrgang Beilage des vorwärts GroßSerlln das Explosionsunglück von tzennigsAorf. Das Wolffbureau meldet: lieber das Explosionsunglück in Hennigsdorf am 4. b. M. sind un finnige Gerüchte in Umlauf. Es wird noch einmal festgestellt, daß im ganzen acht Personen tödlich verunglückt sind. Dieser geringe Menschenverlust er- klart sich dadurch, daß schon um. 7 Uhr S Minuten die. erste Explosion erfolgte, die nur einen verhältnismäßig geringen Schaden anrichtete. Die erste größere Explosion ging dagegen erst um 7 Uhr 40 Minuten vor sich, so daß bis dahin die Angestellten und Arbeiter der Fabrik Zeit fanden, sich in Sicherheit zu bringen. Die Einschränkung des Gasverbrauches wird so. wie sie beabsichtigt ist. sich schwerlich durchführen lasten. Aus den Bedenken, die dagegen laut werden, sei für heute nur eins wiedergegeben. Warum sind bei der Festsetzung der Verbrauchs- menge die Inhaber kleiner Münzgasmesser gegenüber dmr Inhabern gewöhnlicher Gasmesser benachteiligt worden? Wer einen gewöhnlichen fünfflammigen Gasmesser hat, darf im ganzen Jahr bis oöO Kubikmeter und im Monat August-September bis Sß Kubikmeter Zuschlag frei, verbrauchen. Hast du aber einen gleich- falls fünfflammigen Münzgasmesscr, so sind dir nur 365 Kubik- Meter fürs Jahr und nur 24.Kubikmeter für August-Septembcr zuschlagsrei gewährt. Warum, dieser Unterschied? Glaubt einer. daß kleine Haushaltungen mit Münzgasmessern nicht ebenso ihre 550 Kubikmeter im Jabr und 36 Kubikmeter in einem Sommer-. monat nötig haben? Mit dieser Gasmenge kann man noch nicht mal.'.große spränge machen", zumal da dos Gas jetzt schlechter als früher ist und weniger Heizkraft hat. Es ist schon schlimm, daß der Münzgosmester das Gas teurer als ein gewöhnlicher Gas- Messer liefert. Soll jetzt dazu noch die andere Benachteiligung kommen, daß aus dem Münzgasmcsier auch weniger GaS als aus gewöhnlichen: Gasmesser entnommen werden darf? Den Luxus, gegen Zahlung des Strafzuschlages von 50 Pf. für jeden zu viel verbrauchten Kubikmeter die gewahrte Verbrauchsmcnge zu überschreiten, kann sich ein Unbemittelter nicht leisten. Und wer's kann, der darf das auch nur einmal riskieren; denn bei Wieder- bolung droht ihm die Gassperre. Unter den rund 500 000 Gas- Messern der an die Berliner Gaswerke angeschlossenen Gasvcr- brauchec sind rund 300 000 gewöhnliche Gasmesser und rund 200 000 MünzgaSmesser. Wieviel fünsslammige Münz- gaSmesser mögen darunter sein? Wir glauben, daß die Zahl der so benachteiligten Münzgasmesserinhaber sehr beträchtlich ist. AuS ihren Kreisen sind uns Klagen über diese ganz unverständliche Fest- setzung der Verbrauchsmcnge zugegangen. Abänderung ist drin- gend zu wünschen. Tie Karkoffelversorguug. Auf der. 4. Deutschen Kartofselgroßhändler- T a g u n g, die am 12. und 13. August in Berlin stattfand, wurden Fragen der Kartoffelversorgung erörtert. Dr. Schade-Düffel- dors, Svndikus.des Deutschen Kartoffelgroßhändler-Verbandes. der riber..W i r t s ch a s t s f r e i h e i t und W f r t f ch a f t s z w a n g" sprach, erwartet bessere Versorgung von der Freibcit des H a n b c l s auch im Kriege. Pros. Dr. Parow- Berlin forderte in seinem Referat über„K ar l o s s e l tr o ck n u n g und F r i s ch v e r b r a u ch" zur Gicherstellung unserer Ernährung größtmögliche Ausnutzung der Kartoffel und Minderung des Lbr- luMSf Die Frischkart.yffcl sei im. Kriege ein Luxus, weil ihre Aufbewahrung große AÜsfälle' dür'ch raschen Verderb bringt. Parow empfahl Äonservierung'dcr Kartoffeln, wie sie in der Gewinnung von Kartoffelmehl und in der Kartoffeltrocknung gc- geben sei. Gespart werde dabei auch am Transport, also an Kohle. Der Karwftelindustrie seien möglichst die stärkereichen Kartoffeln zu liefern. Den legitimen Kartoffelhandel solle man heranziehen. Von Pros. Dr. R em v- Bonn wurde in einem Referat über„D i c wirtschaftliche Bedeutung der Pflanzkartoffel- frage" ausgeführt, daß zur Sicherung der Kartoffelernte die Sorge für gute saatkartoffeln das wichtigste scü Die Mißernte von 1916 erkläre sich aus den Mängeln der Saatkar- tosseln. Mehr als auf die Sorte komme es aus die Beschaffenheit der Saatkartoffeln an. und zwar nicht nur auf die äußerliche. Remy wünschte Ausgestoltunq des SortenprüftingswesenS. In der DiZku-ssion wurde die diesjährige Versorgung mit Saatgut durch die Ländwirtschaftskammern als Mißgriff bezeichnet, weil die gelieferten Kartoffeln schlecht gewesen seien, und Wiederhinzu- ziehung des Händeis gefordert. Ein anderer Redner wies darauf bin, daß im Jahre 1316 fast nur der Handel die Saatkartoffeln ge- liefert babe. Hinterher wurde gegen den Widerspruch des Refe- reuten Pros. Remy eine Erklärung einstimmig angenommen, die den Landwirtschaftskammern das Recht der Saatkartoffellieferung abspricht, sie für den Hau- del reklamiert und höchstens Konzessionierung und Beauffichtigung des saatkarwfselhandels zulassen will. Ein Referat des Verbands- Mitgliedes W o l f e n- Stettin über„Eigenhändler oder Kommissionär in der Kartoffelversorgung" for- derte Beseitigung des Kommifsionärwesens. Verbandsini tglied W e i l- Mannheim sprach über„Verdrängung des Kar- t o f f e l h a n de l s durch landwirtschaftliche Ge- n o s se n s ch a s t e n". Den Karwffelhandel hätten diese Genossen- schaffen an sich reißen können, weil die Behörden sie bevorzugten und sie selber den ihnen fteistehenden Zutritt zu den Ministerien ausnutzten. Die Ausschaltung des.Handels sei um so bodenklicher, da Landwirten oft das Verständnis für den Handel fehle. Eine Erklärung bezüglich der Einschaltung des Kar- tosselhandels in das Kommissionärsystem wurde oinstimmig angenommen. Sie verlangt gesetzliche Garantie dafür, daß alle Händler, die 1914 schon mit Kartoffeln handelten, aber heute noch nicht genügend oder noch gar nicht berücksichtigt sind, so- fort als Kommissionäre angestellt werden, und gesetzliche Verpflich- tung der Äominunalverbände, Kommissionäre in genügender Zahl zu beschäftigen. Ein AufkausSkommissionär dürfe nicht gleichzeitig Abnahmekommissionär für einen Bedarfsverband sein, da dies den Grundsätzen redlichen Geschäftsverkehrs widerspreche. Die Erklärung verlangt ferner, die Tätigkeit landwirtschaftlicher Genossenschaften zu beseitigen, die 1914 noch nicht mit Kartoffeln handelten, auf jeden Fall aber alle Vorrechte der Genossenschaften gegenüber dem Handel abzuschaffen. Beschlossen wurde noch über„Vorschläge zur Herb st kartof selber- s o r g u n g". Eine von Dr. Schade vorgelegte Erklärung sagt, daß nach den bisherigen Erfahrungen die Verteilungspläne der Reichskartoffelstelle keinerlei praktische Bedeutung haben und eine geordnete Kartoffelversorgung nur denkbar ist. wenn die B e- darfsv er bände selber die Ueberschußkreise zur Deckung ihres Bedarfs wählen dürfen. Den Städten sei zu gestatten, ihren Bedarf durch Liefcrungsverträgc im Handel zu decken. Solle in Zukunft behördliche Regelung von Menge und Preis bestehen bleiben, so genüge zur Sicherung: Kontingentisrung des Kartoffelbodarfs der Städte unter Beibehal- lung der Kartosselkarte, Höchstpreise für Erzeuger nebst Festlegung von Höchstzuschlägen für den Handel. Kontrolle der Abschlüsse und des Verkehrs durch Reichskartoffelstelle und nachgeordnete Stellen. Enteignung bei Nichtlieferung der vorzuschreibenden Mindestohgabe von Kartoffeln. Beim Kriegsevnährungsämt sei ein Ausschuß für Kartoffel fragen einzusetzen, in dem der Handel vertreten sein will. Auch diese Erklärung wurde einstwunig angenommen. Keine fleischtosen Wochen! Das Kriegsernährungsamt teilt mit: Die in der Presse verbreitete Nachricht.'daß im September und Ok- tober im ganzen Reiche zwei fleischlose Wochen eingeführt werden sollen, entbehrt jeglicher Begründung. Treibhaustomaten. Es gibt kaum einen Höchstpreis, der nicht umgangen werden könnte und iiaiürlich auch umgangen wird. Der neueste Versuch. das Publikum zu schröpfen, wird jetzt mit Treibhaustomalen ge- macht. Der gesetzliche'Höchstpreis für Tomaten belrägt bekanntlich 1,10 M. für das Pfund, unter den Höchstpreis fallen aber nicht Früchte, die unter Glas gezogen worden sind. Die Folge davon ist. daß jetzt, alio zu einer Zeit, wo die Tomaten in Reife stehen und zudem ziemlich reichlich geeinter werden, gewöhnliche Tomaten kaum zu haben sind, obwohl der geltende Höchstpreis von 1,10 M. für das Pfund als reichlich hoch bezeichnet werden kann. Dagegen werden TreibhauStomaten, für die also ein Höchstprers nicht festgesetzt ist. reichlich angeboten, natürlich zu hohen Preisen. Dabei wird es sich wohl zum größten Teil um Früchte Händeln, die nicht unter Glas gezogen sind, so daß also die Verbraucher hierdurch stark übervorteilt werden. Eine Nachprüfung, ob es sich um gewohnliche Tomaten oder um Treibhaustomaten handelt, ist natürlich nicht möglich. Die Reichsstelle für Gemüse sollte gegen die Uebervorteilung der Ver- braucher entschieden und schnell einschreiten. Sohlenmangel«nd Gesundheitspflege. Weil infolge der Kohlen- knappheit den Badeanstalten die Aufrechterhaltung des vollen Be- triebes erschwert ist, empfiehlt den Herzten Berlins der Aerzte- kammervorstaiid, die Verordnung medizinischer Bäder einzuschränken. Dem von Aerzten geäußerten Wunsch, für' ihre Sprechzimmer be- &ct2ntactyß*aUr; -'UlÜ4illU i » I M» I sondere Köblenzusatzkartene zu erhalten, soll stattgegeben werden. In einer Besprechung des ReichslommissarS für die Kohlenverteilung mit Vertretern der Groß- Berliner Gemeinden sowie der Aerzte- kammer und des ArzteauSschusses wurde daS zugesagt. Die nachträgliche Erhöhung der Arztrechnung. Der Preußische Ehrenqerichtshof für Aerzte hat die Frage, ob ein Arzt sich eine Erhöhung seiner Rechnung vorbehalten kann, falls die Zahlung nicht innerhalb einer bestimmten Zeit erfolgt, verüeint und einen solchen Vor- beHall vom Standpunkt des Ehrenrichters aus für unstatthaft erklärt. Die Entscheidung sagt:„Der Arzt, der auf seiner Liqui- dation vermerkt, die Erhöhung des Honorars werde für den Fall vorbehalten, daß die Zahlung nicht binnen 14 Tagen erfolge, macht sich ehrengerichtlich strafbor. denn er verletzt die Würde und das Ansehen des ärztlichen Standes." Auskunftsstelle für Kriegsbeschädigtenfürsorge. Noch immer wird die Beobachtung gemacht, daß Kriegs- beschädigte, in Unkenntnis, der betreffenden richtigen Stellen, ihre Anliegen, Wünsche und Fragen wiederholt an falscher Stelle zum Vortrag bringen. Das ist natürlich für sie. mit vielem Verdruß verbunden und muß stark verstimmend wirken. DaS Bureau der Berliner Kriegsbeschädigten- fürsorge, Beklin C 2. P o st st r. 51, das oft als letzte, endlich handelnde Stelle die Entrüstung über sich ergehen lassen mußte, macht nun die sich in Berlin aufhaltenden Kriegsbeschädigten in ihrem eigenen Interesse darauf aufmerksam, sich in jedem Falle, sei es wegen Auskunft irgend einer Art, wegen Unterstützung usw. nur an die A u§ k u n f t s st e l l e genannten Bureaus in der Ge- schäftSzeit von 8—2 Uhr zu wenden.'" „Die im Schatten leben." Die„Deutsche Gesellschaft für Mutter- und K i n d e s r e ch t" macht den Versuch, den Film als Agitationsmittel zur Förderung ihrer Ziele zu benutzen. Cnn Filmdrama„Die int Schatten leben", das die Recht- und Schutzlösigkeit der unehelichen Mütter und ihrer Kinder vor Augen führt, wurde am Sonntag in einer Sondervorstellung der Kammerlichtspiele gegeben. Die einleitende Ansprache von Adxle Schreiber, der Ver- sasserin des als„Kulturfilm" bezeichneten Werkes, schilderte das Los der Betrogenen, Umhergestoßenen. Verbitterten in warmherzigen »nd eindringlichen Worte». Der Film zeigt das Schicksal eines in Pflege gegebenen unehelichen Kindes, das, herangewachsen, einem Verführer zum Opfer fällt. Das Mutter gewordene Mädchen ver« sucht eine Kindesaussetzung, die vereitelt wird, und gelangt in die Fürsorge der„Deutschen Gesellschaft für Mutter« und Kindesrecht". Freundlicher gestaltet sich danach der Lebensweg der jungen Mutter, und sie findet schließlich auch das Glück der Ehe. Dem Film, der reich an wirkungsvollen Szenen ist, wird es an Erfolg nicht fehlen. Möge er seinen Zweck erfüllen, das Verständnis für die Schutz- bedürftigkeit der unehelichen Mütter und Kinder zn fördern. Geübte Stenotypistinnen. Buchhalterinnen und andere Bureon- kräste, die von 3 oder 4 Uhr an dienjtftei und bereit sind, eine Be- schäftigung während der- Nachmittagsstunden anzunehmen, werden aufgefordert, sich für eine solche' bei den Frauenarbeite- Meldestellen der Kriegsamts stelle in den Marken vormerken zu lassen: Kaufmännischer Verband für weibliche Ange- stellte, Cöpenicker Str. 74, Arbeitsnachweis der Stadt Berlin, Abt. Kriegsvertretung, Rückerstr. 6, Städtischer Arbeitsnachweis Char- lottenburg. Augsburger Str. 13, Städtisches Arbeitsamt Schöneberg, Grunetnaldstr. 19, Oeffentliche Stellenvermittelung für kaustnänni- sches Personal, Vrkwriastr. 20. Tödlicher Eisenbahnunfall. Ein Opfer seines Berufes ist der 29jährige Bahnbeamte Max Braatz geworden. Beim Rangieren von Eisenbahnwagen auf dem Oderberger Güterbahnhof wurde er von einem von der Maschine abgestoßenen Wagen erfaßt und umge- rissen. Er geriet unter die Räder die ihm das rechte Bein ab- trennten. Braatz, der außerdem schwere Verletzungen am Kops und an der Brust erlitten halte, ist auf dem Transport nach dem Ebers- walder Krankenhause seinen Verletzungen erlegen. Tödlich verunglückt ist die 16jährige Dora Zimmer beim Be- steigen eines Straßenbahnwagens während der Fahrt. Fräulein Z. wollte am gestrigen Montag gegen 1 Uhr nachmittags vor dem Hause Tauentzienstr. 15 auf den Triebwagen eines vorbeifahrenden Straßen- bahnzugeS der Linie 80 aufspringen. Dabei glitt sie ab, kam zu Fall und geriet unter den Beiwagen, dessen Räder über fie hinweg- gingen. Mit Hilfe von Passanten wurde der Wagen angehoben, doch konnte die Verunglückte nur noch tot hervorgeholt werden. Tödlicher Unfall eines KindeS. Von einem bedauerlichen Unglück ist die Familie des Bäckermeisters Walter in Schöneberg, Rubens- straße 31, betroffen worden. Der zweijährige Enkelsohn ergriff beim Spielen in„�er Küche eine Tasse, die Seifenstein enthielt, und tränk daraus. Aus das furchtbare Geschrei des Kindes eilten An- gehörige herbei und brachten das schwerverletzte Kind in das nahe- gelegene Suguste-Biktoria-KrankenhauS. Aerzttiche Hilss- la« mde» Dienstag, 14. �ugusi14l7 ' zu spät.. Das Kind verstarb unter furchtbaren Qualen. Der Aatcr des Kindes befindet sich im Felde. Vermißt wird seit dem 6. August, mittags 1 Uhr, die Tochter des Kaufmanns Hans Werk, Wilmersdorf. Durlacher Str. 15. Es wird vermutet, day das Mädchen infolge geistigen Defekts planlos umher« irrt. Beim Weggange trug dieselbe roten Sweater, grünen Rock kurz, sandalen mit Gummisoblen und Absatzen, Wadenstrümpfe, an der linken Halsscire große Narbe, Haare blond, Rufname Henni, 14 Jahre all, zirka 1,40 Meter groß. Eltern erbitten Nachricht an obige Adresse. Wintergarten. In der am Donnerstag aufzuführenden großen Ballettpamomiine„Venezianische Nacht" von Dr. Karl Vollmoeller wird Blanche Dergan vom Alberl-Theater in Dresden die weibliche Hauptrolle spielen. DaS Stück wird mit einem großen Aufwand von Ausstattung und Kostümen inszeniert. Der Pantomime wird ein erstklassiger Spezialitätenteil vorangehen. Das Krcissportmccting des Arbeitcr-TurnerbundeS, 1. Kreis, brachte folgende Resultate: Männer:. Kngelstoßeit: Pnrka-Brandenburg 10,28 Meter. Dreisprung: Pnrka-Brandenburg 12,02 Meter. Stemstoßen; Purka- Brandenburg 8,31. Stabhochspringen: Voigt. Fahle-Berlin 2,80. Speerwerfen; Purka-Brandenburg 41,64 Meter, Loose-Rathenow 41,14. 1500-Meter-Lauf: Gradke-Weißensee 4 Min. 57 Sek. 500-Meter- Hindernislauf: Purla-Brandcnburg 1 Min. 35 Sek. 100-Meler- Lauf: Noack-Berlin 12% Sek. Stafetten; 4X100 Meter: Berlin 503/5 Sek. 5X200 Meter: Berlin 2 Min. 17 Sei.— Frauen: Speerwerfen: Grußka-Luckenwalde 20,93 Meter. Ballweitsckjlagen: Grußka-Luckenwalde 35,56 Meter. Weitspringcn: Krügel-Neutöllir 8.80 Meter. Reifenweitwerie»: Slark-Brondenburg 12,60 Meter. 100-Meter-Laui: Rohr-Neukölln 15 Sek. 10 X 100-Meter-Stafette: Neukölln 2 Min. 45 Sek. Ingen dlickic: Kugelstoßen.: Kretich- mar-Forst 8,71 M. Hochspringen: Busse-Ralbenow 1,50 Meter. Weitsprung aus dem Stand: Bolz-Bcrlin 2,75 Meter. Speerwerfen: Metzner-Mariendori 32,40 Meter. 100-Meter-Laus: Busie-Rathenow 12' Sek. 1000-Meter-Lauf: Schulze- Kottbus 3 Min. 9 Sek. Schwedenstafette: Berlin 2. Abi. 2 Min. 30 Sek. Faustballspiel: Frauen Berlin 1. Abt. 52, Luckenwalde 38 Punkte. Fußballspiel: Komb. Nord- gegen Südmannschaft 5 zu 2. Eharlottcnburg. Die Bctricbszählung am 15. August wird in der Weise durchgeführt, daß durch M i Ii tä r p e r s 0 n d n die Fragebogen an die gewerblichen Betriebe in diesen Tagen zur Verteilung kommen. Betriebe, die noch keinen Fragebogen haben. müssen sich den Fragebogen selbst bei der Brotkommission, den Polizeirevieren oder im Statistischen Amt der Stadt Charlottcnbnsg, Rathans, Zimmer 145, beschaffen. Die Einsammlung erfolgt vom 20. August ab. Ist sie unterblieben, so müssen die Betriebe selbst den Bogen dem Statistischen Amt der Stadt zustellen, lieber Zweifels- . fragen erteilt das Statistische Amt der Stadt Auskunft. Neukölln. Lebensmittel. Für die kommende'Woche kommen 5 Pfund Kartoffeln zur Verteilung. Gebäck darf weder auf die Ab- sckmitle der Kartoffellarten noch die der Zusatzkarten abgegeben Iverden. Diejenigen Kartoffelkarten- und Znsatzkartoffelkarteninhabcr, welche auf die Abschnitte 67a— 67d und die Abschnitte 41 der Kar- toffelzusatzkartc nicht in der Lage waren, Kartoffeln in der Woche vom 6. bis 12. August 1917 bei ihren Kleinhändlern zu erhalten, sind bercckitigt, auf diese Abschnitte noch in der Woche vom 13.' bis 19. Augilst 1917 die entsprechenden Mengen zn entnehmen. Tie Kleinhändler sind verpflichtet, derartige Käufer zu bevorzugen. !-. � Die-Gültigkeit des.Abschnittes 31 der Eierkarte wird bis,-Sonn- tag, den 19. August, verlängert.. Bis Mittwoch, den 15. August, kann in den städtischen Verkaufs- 'stellen von den Familien mit 4 Personen mit dem Anfangsbuchstaben A— N kondensierte Büchsenmilch oder sterilisierte Flaschenmilch ent- nommen werden, und zwar für jede Reichsfleischkarte für Erwachsene entweder 1 Tose kondensierte Milch oder 1 Flasche sterilisierte Milch. HausHaltuiigökarte und Rcichsfleischkarte für Erwachsene sind beim Verkanf vorzulegen. Der Verkauf der sterilisierten Flaschenmilch erfolgt unter der Bedingung, daß die leeren Flaschen an die'städtischen Verkaufsstellen zurückgegeben werden. Für jede zurückgegebene Flasche werden 10 Pf. erstattet. Der Verkauf an die übrigen Personen wird noch besonders bekanntgegeben._ Wilmersdorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt B der„Bezugskaxte für Einzelpersonen" gelangen von Donnerstag, den 16. bis einschl. Donnerstag, den 23. August 200 Gramm lose Suppen zum Preise von 0,15 M. und 3 Suvpenwnrfel a 0,10 M. zum Verkauf, Die Entnahme hat in denjenigen Geschäften zu erfolgen, wo der In- Haber in die Kundenliste zum Bezüge von Grieß eingetragen ist. Auf Abschnitt W gelangt von Mittwoch, den 15. bis einschl. Mittwoch, den 22. August'�P'und Heringe zum Preise von 0,60 M. zum Verkauf. Die Eiitnahme hat in einem derjenigen Geschäfte zu erfolgen, die sich durch Aushang als Mitglied des Kolonialwaren- Händlervereins ausweisen. Lichtenberg. Lebensmittel. Auf die Kartoffelkarte werden, 5 Pfund Kartoffeln verteilt. Ferner gelangen zur Ausgabe: Auf Ab- schnitt 76 G, J 100 Gramm Weizengrieß zum Preise von 0,06 M.. auf Abschnitt 77 je 2 Suppenwürfel ä 0,10 M., auf Abschnitt 78 ie 125 Gramm Haferflocken oder Hafergrütze zum Preise von 0,11 M,. auf Abschnitt 79 G und K je ein Päckchen Puddingpulver zum Preise von 0,14 M., aus Abschnitt 76 E wird, soweit noch nicht entnommen. gegen Abtrennung der drei gleichlautenden Abschnitte 1 Kastenkuchen zum Preise von 1,35 M. in der städtischen Verkaufshalle abgegeben. Ohne Marken wereden abgegeben: Frische Fluß- und Seefische,. ferner Mnschelwurst, 1 Pfund 1,30 M., auf Abschnitt 81 Raucher- waren. Für den Kauf von Fischen und Fischwaren erfolgt eine Vgr- anmeldung in den Geschäften nicht. Alle übrigen Waren sind in den durch Aushang kenntlich gemachten Geschäften zu haben. Die Bezugsabschnitte sind in den Äleinhcmdelsgeschäften bi§ zum Mittwoch, abends 7 Uhr, abzugeben. Kreis Nirdrrbarnim. Erleichterte Hundesperre. Im Anschluß an die am 25. Mai infolge eines Tollwutsalls in Niederschönhaiffen angeordnete Hundesperre für die Amtsbezirke Nieders-bönhausxn, Reinickendorf, Wittenau, Hermsdorf, Pankow, HeinerSdorf, Weißen- see, für die Gemeindebezirke Tegel. Schönfließ, Buch. Hohenschön- Hausen und die benachbarten Gutsbezirke hat jetzt der Landrat des Kreises Niederbarnim eine Erleichterung getroffen. Für diese zu- nächst bis zum 20. August d. I. angeordnete Hundesperre ist der Leinenzwang beseitigt: es genügt, wenn sich die Hunde mit einem Maulkorb versehen unter sicherer Bewachung bewegen. Tegel. Lebensmittel. Von morgen ab können in den Ge- schästen auf Bezugsabschnitt 5t der Lebensmittelkarte 100 Gramm Haferflocken für 12 Pf,, 100 Gramm Maismehl für 14. Pf., 100 Gramm Sago sür 17 Pf. und 250 Gramm Südfruchtmarmelade für 60 Pf. entnommen werden. Außerdem können 100 Gramm Dörrgemüse ohne Kartenausruf zum Preise von 36 Pf. abgegeben werden. Tempelhof. Lebensmittel. In dieser Woche gelangen folgende Mcngen zur Verteilung: 1950 Gramm Gebäck bezw. 1550 Gramm Gebäck sdavon 350 Gramm Gebäck auf das Kopfstück der Brotkarte) und 250 Gramm Mehl, 5 Pfund Kartoffeln auf die Abschnitte 68 a. b»s e, 250 Gramm Fleisch auf die Reichsfleischkarte. Ferner sür einen Teil der Bevölkerung 1 Pfund Marmelade bezw. Kriegs- muS auf Abschnitt 36 der Lebensmittelkarte. Ebenso teilweiis '/z.Pjd. Sirup auf Atzjchniu 37. Je Pjd. Hajerstockeu auj»fr* schnitt 88. Der Preis für 1 Pft>. beträgt 44 Pf. 1 Büchse Sardinen auf zwei Abschnitte 3g. Für einen Teil der Bevölkerung Vz Pkd. Dörrgemüse. Wegen des Verkaufs von Sardinen und Dörr- gemllse ergehen noch besondere Bekanntmachungen. FriedrichShagcn. Lebensmittel. In dieser Woche beträgt die Fettmenge öv Gramm Butter und 30 Granrin Margarine.— Ferner gelangen ö Pfd. Kartoffeln zur Verteilung, und zwar zunächst je 2 Pfund und dann erst die restlichen 3 Pfuiid. Die Kartoffeln können nur dort bezogen werde», wo die Eintragung in die Kundcnliste stattgesunden Hai. Brot und Mehl darf auf Kartoffel« karten nicht abgegeben werden.— Die ungültig erklärten gelben Brotkarten behalten für diese Woche ihre Güliigkeit! auf das Mittel- stück werden weitere 350 Gramm Gebäck resp. 250 Gramm Mehl verabfolgt. Groß-Serliner Parteinachrichten. Berlin VI. Die Broschüren David».Die Sozial- demokratie im Weltkriege" zu 1,30 M. und»Die Rede Davids in Stockholm über die Schuldfrage des Krieges' zu 60 Pf. stehen unseren Mitgliedern zur Verfügung. Bestellungen nehmen alle Abteilungsführer entgegen. Spandau-SiemenSstadt. Die„Vorwärts'-Lefer können ihre Abonnementsbeiträge noch bis zum Donnerstag, den 16. d. Mts., zn jeder Tageszeit im Lokal von Aug. Marsandt, Märkischer Steig 6, bezahlen. Cöpenick. Gemeinsamer Zahlabend morgen, abends 8 Uhr, bei Müller, Alter Markt 8. FrcderSdorf-Pctcrshagcn. Morgen, abends 8 Uhr: Zahlabcnd bei Kirchner in Fredersdorf. Tagesordnung: 1. Vortrag und Ans- svrache über die gegenwärtige Situation. 2. Kassenbericht. 3. Die Einziehung der Beiträge durch Hauskassierung. 4. Die Lebensmittel- Versorgung des Bezirks._ Arbeiter-Sa in ariterbunv Kolonne Grost Berlin. Am Sonntag, nachmiltags 3 Uhr, findet auf dem Splelplab am Karvscntcich zu Treplow bei Berlin eine öffentliche Hebung statt. Der Verein will dem Pnblilum und den Behörden ein anschauliche» Bild von der Arbeit und der Ausbildung der Mitglieder geben. «»etterausflchten tür das mittlere SiorddeuHttiland dt« Mittwoch mittag. Darm und zeitweise heiter, jedoch vorwiegend wolkig. Westlich der Oder ziemlich zahlreiche, im Osten mehr vereinzelte Gewitterregen. A. Dandorf&G Beiic-Ailiance-Ütcsse Gr. Frankfurter Strasse Brunnen-Strosse Kottöuser Damm Wilmersdorfer Strasse Verlangen Sie bei Einkäufen Rabattmarken 1 Butterdose..... 75 pf. 2 Likörgläser 7r Schalenform.... P'- 1 Kompottschale reiohesPresemuster,>7K rund oder viereckig'""1. WIMM 75 l mmiivase echwere« Press musler........• � 2 Rot- od. Rheinweinglaser 75 1 Asohbecher mit Kreuz- oder Diamant KSchenkante pf. muster SO KatteDbriele > pi. 1 Kuchenteller 75 pf. Pflrfflmerle 1 Flasche Bartwasser... 75 pt. 3gr.PaketeEdelwasGhpulver75 1 Tube Zahnpasta....... 75?>. 1 Dose Mandelkleie..... 75 pf. 1 Zahnbürste......,...... 75 Pf. 1 Zelluloid-Seifendose... 75 n 1 Haubennetz............ 75 pf. 1 mit Mctallrand. 75 pf. Porzellan 3 Kaffeetassen we!«,..... 75 pi. 3 Maschinentöpfe weiss 75 Pf. 2 Kinderteller 75 pi. 1 Milchtopf r SÄ. 75 p.. 3 Kuohenteller ml. Bildern 1 Teekanne 75 p.. 1 Zuckerdose Ä=g 75 p,. 1 Spucknapf 75 p,. 1 Kinder-Kaffeekanne mit originellen Bildern,....'OP'- 3 Kaffeebecher Xnd.. 75 1 Milchtopf.. diin 1 Zuckerdose pM"ntl j70pf Bllonterle 1 Wachsperlkette....... 75 1 Kinderring suber....... 75 h. 1 Rasiergarnitur......... 75 p.. 3 Kinder-Kaffeebecher 7- In schdner Auslührun»..... lO PI. 2 Abendbrotteller sortierte ITR Formen•*• Pf. 1 lkaoo ingeschrnack- 1 laoc yoiier lye Ausführung.. I J Pf- 1 Marmeladendose reich verziert 2 Milchtöpfe m. Untertassen>?R reicheGoldverz.'" 1 Kuohenteller mit Goldrand und Fruchtverzierung 75 p.. mit Rosenvcr- 7'i... zierung......«"PI. 1 Salz-, Pfeffer- u.] weiss weiss 4 Eierbecher PnnlerMnren ICO Hanf-Umschläge.... 75 h 1 Postkarten-Album..... 75 h 1 Album von Berlin mit es Ansichten, elegant gebunden P' 1 Brieftasche mit Notizbach 75 p.. 25gem.K0nstlerpostkarten75 Mlrtsilmm-flHlKel 1 Vorratsdose............ 75 h 1 Briefkasten............ 75?.. 1 Brotkorb............... 75 1 1 Spirituskocher. 75 P,. 75 h 1 Ring- Ständer 75 h 1 Obstkuchenform........ 75 h 2 Teebüchsen............ 75 h 4 Bewürzbüchsen......... 75 h 1 fiianz- börste 75 h 1 Bebäckkasten.......... 75 1 Tischmesser............ 75 h '12 Bleisfilte mit Schoner ■"5 p, 10 Pakete Blitzblank pi. SdiUIeiste! 75 h 1 Fettdose 75 I Kuchenform 1 OcutBchcs Tiieater. Heute und folg. Tage 8 Uhr; Max Pallenberg in Oer kleine Napoleon. Kammcrspiele. Heute u. folg. Tage l'l, Uhr; («oldfioche(Lustspiel). Volksbühne. Theater am Billowplatz. üntergrundb. Schönh. Tor. Heute u. folg. Tage T/, Uhr: Fabrenile Mnt-lknnten Musik von RobertSchumann. Lieoslng-Theater. Heute und folgende Tage 7*/, Uhr; Ole Königin der linft. (Gesangsposse.) Theater I. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Künstlerische Tänze. Frage an das Schicksal. Abschiedssouper. Komödienhaus 8: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7MU.: Die tolle KomtcB. Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich: Schulzens vom Gesundbrunnen. Donn erslag, den 16. August; Benefiz für G.Grefsin," Moeller, H. Krahmer, H. Knifvel: Was junge Mädchen träumen. Admirals-Palast. Abrakadabra gr. phantastisches Ballett auf dem Else. Angenehm, kühl. Aufenthalt. Angenehi 7'l,ü. Vorzügl. Küche. Theater für Dienstage den 14. August. Dcntsches Opernhans tv, uhr; Miguon. Friedrich-Wilhelmst. Theater i'i.vhr: Das Dreimäderlhaus. Gebr. Hcrrnfeld-Th. Operetten-Gcstsjpiel T/.vhr: Die ledige Ehefr Kleines Theater 8 ubr; Die Hausdame. Komische Oper ' Die Dose Sr. Majestät. 7,8 Uhr Lustspielhaus Tr, Die blonden Mädels 7 /.Uhr. vom Undenhof_ Neues Operettenhaus SchiSbd. 4a. Hassent. Nd. 281 '■/.ubr: Der Soldat ierMarie. Metropol-Theater T'.jUhr: Die CzardasIirstlB. Resldcns-Theater 8 uhr: Die Verliöllle. Schlller-Thenter O 7.,, uhr: Fra Diavolo. Schlller-Th. Charl. 7';,Uhr: Thalia-Theater BisSonnab ,18.,ge8ehl. Sonntag 3 u. 7'/, Uhr: Charleys Tante. Theater am Nollendorfplatz ■"i. uhr; Die Culasehkanofle. Theater de» Westens 7;. uhr: stolze Thea. Triano n-Th cater „... Die sittliche Forderung 8 vdr- Die Lore. Bahnhof Friedrichstraße. Anfang 8 Uhr. Kauchengest. Kühl. Aufenth. neue MMR' ü�arnm u. a, DV 8nnis, d.urk. sprech.Fangkünstl. VWf- Maz u. Moritz,-MW die unübertr. radf. Affen. Luisu. Sohn— Vera-Truppe. Parforce- Sehnitzeljagd. Halali Auf. 7'|,U. Reichshallen-Garten u. Saal: Gretes Blüthjen-Konzert. Rose-Theater. 7'/, Uhr: Tie Stunde des BrrtraurnS. Gartenb.: Seemannsliebchen. 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Seit Jahren ist man bestrebt, das Obst voll auszunutzen. Durch die großen Mengen und die Billigkeit des Zuckers waren wir in der Lage, auch die minderwertigsten Obstsorlen als schmackhafte Dauerprodukte zu verarbeiten. Jetzt, wo uns der Zucker in be- schränkten Mengen zugeteilt wird, glaubt manche Hausfrau, sich nun nicht mehr mit dem Einmachen befassen zu können. Auch hier heißt es jetzt, wie so oft während deS Krieges,„umlernen". Während sonst ein größerer Zuckerzusatz die Haltbarkeit der Jrüchte bewirkte, erfüllt nun das benzoesaure Natron, ein chemisches Konservierungsmittel, denselben Zweck, allerdings ohne gleichzeitig zu füßen. Eine Tablette von zirka 1 Gramm genügt, um ungesäbr 2 Pfd. Marmelade oder auch einen Liter Saft ohne Zucker haltbar zu machen. Unsere größte Aufgabe muß eS sein, Brotaufstrich für das ganze Jahr einzukochen. Um sich genügend versorgen zu können, muß es sich jede Hausfrau zur Pflicht madben. beizeiten damit anzufangen, um ja alle Früchte voll auszunutzen. Marmeladen von Stachel- beeren, Rhabarber. Himbeeren. Johannisbeeren. Hollunder, Bick- beeren. Brombeeren, Kirschen. Aepfel, Pflaumen, Kürbis und viele andere Früchte, jede Sorte für sich oder auch»ach Belieben ge- mischt gekocht, liefern uns einen abwechslungsreichen und nahrhaften Brotaufstrich. Die Früchte zu diesen Marmeladen werden, nachdem sie ge- säubert und, wenn nötig, zerkleinert sind, mit wenig Wasser unter öfterem Umrühren gar gekocht, durch eine Fruchtpresse, Passiermaschine oder durch ein grobmaschiges Sieb getrieben, dann läßt man den Fruchtbret, indem man ständig riibrt, zur Hälfte einkochen, fügt als- dann den Zucker hinzu sauf b Pfund Brei Vz Pfund Zucker). Um Zucker zu sparen, vermische man saure mit süßen Früchten. Räch- dem die Marmelade genügend eingedickt ist, füllt man sie heiß in Gläser, die auf ein nasses Tuch gestellt werden, um das Zerspringen zu verhüten. Nach dem Erkalten legt man ein Stück Pergament- papier, das man mit einer Lösung von 1 Eßlöffel warmem Wasser und 1 Gramm benzoesaurem Natron tränkt, darauf und bindet mit Wasser angefeuchtetes Pergamentpapicr straff darüber. Aus oben genannten Früchten läßt sich eine unbegrenzt haltbare Marmelade aber auch ohne Zucker herstellen, indem man genau wie vorstehend mit den Früchten verfährt. Nachdem da« Mus söhne Zucker)«ingedickt ist, läßt man es abkühlen, löst das benzoesaure Natron(1 Tablette= 1 Gramm) mit i Eßlöffel voll warmem Wasser auf, fügt diese? auf je 1 Kilogranrm Fruchtbrei unter gutem Durchrühren hinzu und verfährt dann weiter wie oben angegeben. BenzoesaureS Natron darf auf keinen Fall mitkochen, da es sonst auf die Haltbarkeit der Früchte nicht einwirken kann. Um neben der Marmelade gleichzeitig Fruchtsaft gewinnen zu können, läßt man beliebige Früchte, jede Art für sich oder auch gemischt, mit soviel Wasser gar kochen, daß sie bedeckt sind. Damit der Saft klar bleibt, darf nicht im Topf gerührt werden. Das Durchlaufen des Saftes geschieht durch einen Spitzbeutel oder ein über Stuhlbeine gespanntes Tuch, unter welches ein Gefäß zum Auffangen des Saftes gestellt wird. Unter Hinzugabe von Zucker <1 Liter Saft'/z Zucker) wird der Saft b Minuten unter Ab- schäumen gekocht und noch beiß in Flaschen gefüllt, zugekorkt, kreuz« weise mit Draht oder Bindfaden Überbunden und Stunde bei 70 Grad sterilisiert. Nach dem Erkalten mit Paraffin oder Lack überzogen. Bei Mangel an Korken kann man auch einen festen, nassen Wattepfropfen benutzen und die Flaschen mit Pergament- papier, das angefeuchtet sein muß. Lberbinden. Wird Saft in Flaschen mit Palentverschlüssen sterilisiert, so läßt man die Flaschen solange offen, bis sie erhitzt sind, alsdann erst werden die Flaschen verschloffen. Ohne Zucker wird mit dem Saft genau so ver- fahren. Die Rückstände de? SasteS, da« Fruchtfleisch, wird nun auch durch ein Sieb oder Fruchtpresse getrieben und weiter damit ver- fahren, wie ich vorstehend angab, um e« zu Marmelade zu ver- werten. Auch dies« Marmelade ist haltbar, wenn auch nicht so wohl- schmeckend. Säfte, Marmeladen, ebenso Früchte aller Art können in Konservengläsern, Krügen oder Büchsen mit ganz geringem Zucker- zusatz sterilisiert werden. Saftige Früchte lassen sich auch ohne Zucker in Konservengläsern, Krügen und zugekorkten Flaschen sterili- sieren. Birnen-, Aepfel- und ZwetschenmuS üst ohne Zucker genieß- bor und haltbar zu machen, wenn e« so dick«ingekocht ist, daß ein Löffel darin stehen bleibt. Auch hierbei fügt man. wie bei den Marmeladen angegeben, benzoesaureS Notron hinzu. Beim Ge- brauch der Früchte, die obne Zucker eingekocht sind, kann man bei Zuckermangel auch mit Süßstoff süßen. Dies muß mehrere Stunden vor dem Gebrauch geschehen. Eiserne, verzinnte, verzinkte sowie beschädigte Emaillekeffel und Töpfe dürfen unter keinen Umständen zum Einkochen der Früchte benutzt werden, weil sie die Farbe des Obstes beeinträchtigen, das Obst meist ungenießbar machen und weil sie, was weit wichtiger ist, auch gesundheitsschädlich wirken können. /lllerhanö Nilitaristhes. Das militärische Wesen birgt in seiner Sprache, in seinen Formen und Gebräuchen für den Laien mancherlei Unverständlich- keiten, die immer wieder zu Fragen'Anlaß geben. Was ist zum Beispiel ein„Gefreiter"?„Gefreiter ist eigentlich eine Mittelform z» dem altdeutschen Zeitwort„freien", das ursprünglich freimachen. befreien bedeutet." Hieraus entstand in der Landsknechtszeit, als Gegensatz zum„gemeinen Knecht", die Bezeichnung„gefreyter Knecht" für solche Leute, die zu besonderen Diensten verwendet wurden, wie Anführen der Wachen. Befördern von Arrestanten usw., und die deshalb von den Diensten des gemeinen Soldaten'.befreit blieben. Die Bezeichnung„Gefreiter" kommt bereits im Beginn des 17. Jahrhunderts vor. Wie kommt eS. daß auf der militäri- schen Rangstufe der Generalleutnant über dem Generalmajor steht? Die drei Bcsehlsstufen in den Söldnerheeren und in der ersten stehenden Truppe waren General-, Regiments-, Kompagnie-Befehle s— Kommando). In jeder Abstufung gab es 1. einen Befehlshaber: General, Oberst, Hauptmann; 2. einen Stellvertreter: Generalleutnant, Oberstseutnant, Leutnant! 3. einen Wachtmeister: Generalwachtmeister, Oberwachtmcister, Wachtmeister. Um 1700 wurde die Bezeichnung.Oberstwachtmeister" durch das aus dem Spanischen stammende Wort Major stnazwr= Verwalter, Aufseber. Der Oberstwachtmeister hatte für den inneren Dienst und die Ver- pflegung de? Regiments zu sorgen) verdrängt, und dieses„Major" wurde auch, nicht ganz folgerichtig, in den Titel„Generalwacht- meifter" eingeführt, so die Staffel der Generalsbezeichnungen, da nun der Major hinter dem Leutnant steht, zerstörend. Was heißt „Zapfenstreich"? Das Wort führt in das Lagerleben des Mittel- alters zurück. Zu einer bestimmten Stunde mußten die Marketender allabendlich auf ein Trommelzeichen den Zapfen oder Spund deS Schantzfaffes„streichen", d. h. hineinschlagen, um da? Faß zu ver- schließen. DaS betreffende Trommelsignal wurde„Zapfenstreich" genannt." Das Wort„streichen" hängt mit Streich— Schlag sBackenstreich, mit Ruten streichen) zusammen. Die Bezeichnung wurde, als 1788 die Hornsignale in die preußische Armee eingeführt wurden, auch auf diese übertrogen, nachdem der ursprüngliche Sinn längst abgestoßen war. Das bekannte Signal aber soll von Fried- rich II. nach dem Liebe eines Rotkehlchens, das vor seinem Fenster sang, verfaßt worden sein. Woher stammt die Sitte, beim Fahneneid die Fahne, die Kanone oder den Säbel eines Offiziers zu be- rühren? Sie ist wie die Sitte, am Grabe eine« Kriegers zu schießen(um, ursprünglich I die Dämonen zu vertreiben), ein lleberrest der germanischen Heidenzeit.„Durch die Berührung des Gegen- stände«, bei dem man schwor, wurde nach der Auffassung der Ger- manen der Zauber de? Eides erzeugt, die Verbindung mit den übersinnlichen EideSmächteu hergestellt." So ist die Armee in Sprache und Einrichtungen voller Dinge, die einen an das Hebbel-Wort erinnern können:„Was liegt denn auch in Kronen, Ringen oder rostigen Schwertern, das ewig wäre? Doch die müde Welt ist über diesen Dingen eingeschlasen, die sie in ihrem letzten Kampf errang, und hält sie fest.„Wie jede, durch Jahrhunderte sich entwickelnde Institution schleppt sie alte Ueberreste, Zeugnisse ihres Werdens mit sich, deren ursprünglicher Sinn längst verlorengegangen ist. die aber, einmal feststehendes Zeichen geworden, selbst unter veränderten Verhältnissen und in ausgetauschter Bedeu- tuna, die Zeiten überdauern. Der Inhalt wandelt sich oft bis zur Unkenntlichkeit. Manchmal bleibt nichts übrig als ein letzter, äußer- licher Rest, ein Schmuck- oder Paradestück, wie der Ringkragen, den die Offiziere im Wachtdienst tragen, und der auf die schützende Hals- binde des Mittelalter« zurückgeht, oder die Achselschnüre am Paradeanzug der Generale, in denen, wahrscheinlich, die Fan�stricke der altfranzösischen Gendarmen weiterleben. Aber der Konierva- tivismuS der Tradition hält diese Reste fest. Der Laie, der davon nichts weiß, steht vor manchen militärischen Begriffen wie vor einem Rätsel. In Wirklichkeit steckt in diesen Dingen «in gut Stück Kulturgeschichte, auch ein gut Teil Sprach- gcschichte. Werden einem erst die Augen geöffnet, so sieht man durch Zeichen und Bilder hindurch das Wesen der Bildung. Nur bedarf eS eines so sachkundigen Führers wie Max B r u n o w, der in einer kleinen Schrift:„Allerlei Militärisches, was mancher nicht weiß"(Verlag von Karl Flemmigg, Berlin u. Glogau). Antwort auf eine Anzahl Fragen erteilt, die das Heer- Wesen betreffen. In knappen Notizen leitet er Worte und Ein- richtungen zu ihrem Ursprung zurück. Aber da« ist das Interessante: er erklärt ein Wort, und eine ganze Entwicklung steht vor einem. Wem ist es je eingefallen, daß Degen ein Lehnwort ist, italienisch äags, französisch dagne? Und mit dieser Ableitung ist die Herkunft der Waffe gegeben, die das alte Schwert verdrängte. Vergangene Zeiten steigen auf. Man sieht die Kriegsheere der Vergangenheit Europa durchziehen, sieht die Waffen und mit ihnen neue Truppen- gattungen herauskommen und erkennt erstaunt die Zuflüsse, aus denen sich die Form gebildet. In Wort« und Sacherklärungeu eine kleine Kulturgeschichte des Kriegswesen«, fesselnd und durch den Reichtum historischen und ethnologischen Wissen? überaus unter- richtend I_ die Ueberschätzung der Seife. Die Kulturvölker hielten eS bislang mit der Weisheit des alten Liebig, nach der der Verbrauch von Seife ein guter Maßstab für die Kultur eines Landes sei. Amerikaner und Engländer scheinen nun gleichzeitig darauf gekommen zu sein, daß die Seife überschätzt wird. Wenigstens beschäftigt sich ein Aufsatz in dem amerikanischen„Me- dical Record" mit dem„Mißbrauche der Seife" und führt aus, das Waschen mit Seife geschehe hauptsächlich aus ästhetischen Gründen, nicht aus gesundheitlichen, und werde leicht übertrieben. Ein Aufsatz, den ein Arzt, Dr. Frank Barendt. in dem in Liverpool erscheinenden„Medical and Chirurgical Journal" ver- öffentlicht, behandelt den gleichen Gegenstand in, selben Sinne, verurteilt den„übermäßigen Gebrauch der Seife" aber noch schärfer und führt eine Reihe von Fällen an, in denen zu viel Seife Schädigungen herbeigeführt habe. Wie olle Alkalien, so schreibt dieser englische Arzt, kann auch die Seife die Haut reizen und eine Art Ausschlag hervorrufe». Wenn jemand einen andern wäscht, wie eS hauptsächlich bei kleinen Kindern und bei Kranken der Fall ist, wird sehr oft zu viel Seife verwandt, die Reizung durch Seife führt zu Ilcinen ausschlagähnlichen Erscheinungen, und so erhalten die Kleinlebewesen an vielen Stellen erleichterten Zutritt zum Körper. Die fettige Ausscheidung der Haut wird durch zuviel Seife entfernt, und die ungeschützte Haut ist dann außerordentlich empfindlich. Sin öüchersegen in Rußland. In einer Geschichte der Zensur würde Rußland ein besonders umfangreiches Kapitel gebühren, denn nirgends ist die behördliche Beaufsichtigung der Literatur bis in die neueste Zeit so streng ge- handhabt worden, wie im Reiche de? Zaren. Seitdem nun aber der Herrscher aller Reußen gestürzt ist und so gut wie republikanische oder sogar anarchische Zustände im Lande herrschen, sind die früheren Einschränkungen fortgefallen. Die Revolutionäre bemächtigten sich der Räume der Gendarmerie und der politischen Sicherheitspolizei. wo die in den früheren Jahren beschlagnahmten Bücher in großen Massen gefunden wurden. Man schätzt deren Zahl aus nicht weniger als zehn Millionen Stück. Da in Rußland von einem Werk durchschnittlich viertausend Stück gedruckt werden, so würde eS sich um 2500 verbotene Werke handeln <1914 erschienen im ganzen 32 338 Werke in Rußland). Die be- schlagnahmten Bücher wurden ihren Besitzern, zumeist alio den Ver- legern, zurückgegeben. Diese beeilten sich natürlich, die Ware zu Geld zu machen. Sie lassen sie in den Buchhandlungen und aus den Straßen verkaufen und kündigen sie in den Zeitungen an. ES sind darunter viele Schriften aus der Zeit der ersten russischen Revolution, die auch jetzt natürlich noch viele Abnehmer finden, da doch jeder das lesen will, was früher die Polizei verboten hat. Notizen. — Die Vorstellungen für KriegSarbeitcr, die auf einer Anregung des KriegSamteS seit Februar eingeführt wurden(teil« gratis, teil« zum Durchschnittspreise von 30 Pf.). Haffen sich nach amtlicher Mitteilung gut bewährt. Die Karlen wurden danach ohne Rücksicht auf parteipolitische und konscisionelle Beziehungen verteilt und durchweg gern benutzt. Weiten Schichten wurde Erhebung und Ablenkung geboten. Die Vor- siellungen werden fortgeführt und iveiter ausgedehnt werden. (Ueber die Auswahl der Stücke hätte man gern Nähere« vernommen. Auch wird nichts über die Heranziehung von Arbciiervertraueusleuten dazu berichtet.) Die Deutsche Bühnengenoffenschaft regt in einer Eingabe an den Reichskanzler an, die Theater in noch größerem Umfange den minderbemittelten Schichten zugängig z» machen und befürwortet, Reichsmitiel— etwa aus dem KriegShilfSfondS— dafür zur Ver- sügung zu stellen. — Die Große Berliner Kunstausstellung, Me in diesem Jahr zunächst in Düsseldorf stattfand, wird Mitte Sep- tcmber in der Akademie der Kunst in Berlin eröffnet werden. Dieser Teil der Ausstellung wird nur neue Bilder bringen. 27] /tnöers hjarmsteö. Bon Jakob Knudsen. „40 0001" rief Faurholt mit einer Stimme, die vor Zorn stammette,„wir wollen dem hier ein Ende bereiten!" Im selben Augenblick brach rings in der Versammlung Gelächter los, Anders begriff nicht, aus welchem Grunde; er war selber ganz überrascht über das Gefühl tiefer, gleich- sam nicht gutzumachender Enttäuschung, das ihn bei diesem letzten Gebot ergriffen hatte, denn jetzt bekam er den Bjerre- Hof nicht. „Ha, ha, ha, könnt mans doch wiffen, daß sowas da- hinter steckte", hörte er einen Mann sagen. Doch jetzt sah er plötzlich Erik SkindtoftS kleine, feste Gestalt oben auf dem Tische neben dem Adjunkten: „Ihr werdet eure Tücken schon bereuen I" rief er.„Oder sollt gleich jetzt zum Narren werden. Ich werd Dich und die andern dazu zwingen, den Hof für 40000 zu-nehmen, Kren Faurholt, oder Du sollst Dein Gebot und Dein Anrecht fallen lassen— und zwar auf der Stelle I" Jetzt lachten alle Menschen. „Willst Du ihn für 40 000 nehmen?" rief Erik Skindtoft. „Nein, bei Gott will ich daS nicht!" sagte Proprietär Faurholt und lachte gezwungen. „Dann ist der Hof Dein, Anders Hjarmsted, zu 34 100 l" rief Erik Skindtoft.— „Nein, dann wird die Auktion fortgesetzt", sagte der Hardesadjunkt.„34 100 sind geboten!" Fünf Minuten darauf fiel der Hammcrschlag dann auch auf diesen Preis. Der Hof gehörte Anders. Ein gehöriger Spektakel war in der Versammlung ent- standen, Hinundherschwatzen, aber besonders ganz unbändiges Lachen. Nur wenn die Leute in die Nähe des Proprietärs Faurholt kamen, bemerkte Anders, wurden sie ernst und sahen einigermaßen ehrerbietig auS. Anders war erstaunlich froh darüber, daß er den Bjerre- Hof erhalten hatte. Er verstand eigentlich nicht, warum. Es war doch nicht, weil die Leute ctiva hier drüben gerechter zu sein schienen als auf der Nordseite des Fjords. Aber alles nahm sich so gut aus. Es war fast, als wäre ein Glanz über allem hier drüben. Die Leute gingen schnell von der Auktion auseinander. Teils hatte man ja auf nichts mehr zu warten; teils hatten die meisten gewiß das Gefühl eines Familienskandals, den die Mitglieder der alten Familie für sich zu überstehen wünschten. Anders freilich sollte bis zum nächsten Morgen bleiben.- ES dauerte eine Weile, ehe er in die Stube kam; doch da war auch der Streit schon in vollem Gange zwischen Erik Skindtoft und seinen Verwanden. Anders hatte kürzlich ge- hört, daß es etwas gäbe, daS die alte Familie hieß; aber jetzt konnte er sehen, daß noch viel mehr dazu gehörten als Kren Faurholt, Erik Skindtoft und Paul Vinding. Als er hörte, wie heftig die Debatte klang, wollte er sich zurückziehen, aber Erik Skindtoft rief:„Stfeht, nein— Anders Hjarmsted, bleib Du nur. Hier hast Du bessern Zu- tritt als einer von den andern. Und ich wollt Dich noch nach einem gefragt haben: Du hattest doch Vollmacht von Deinem Vater---" „Das weißt Du ja wohl." „Das ist ganz recht. Aber nun wollte ich Dich fragen. ob ihr auch miteinander bestimmt hattet, wie hoch Du auf der Auktion gehen dürftest?" „Ja, dazu waren wir ja genötigt." „Wieviel war es denn?" Anders dachte: Können sie nun daraus auch etwas Böses machen?--„Ich durfte bis 35 000 gehn," sagte er. Erik Skindtoft fuhr auf und schlug auf den Tisch: Da könnt ihrs sehen, da könnt ihrs sehen, ihr Teufel l— Du bist es, Kresten! Du hast mir die 900 Reichstaler geraubt!" „Du hast wahrhaftig genug für Deinen Hof bekommen, lieber Jerrik," sagte Kren Faurholt, der jetzt seine Fassung ganz wiedergewonnen hatte.„Und es wär bei Gott niemand gekonimen und hätte über 34 000 geboten, wenn ich nicht ge- schoben hätte.-- Sie hatten aber auch ordentlich Lust auf den Hof," wandte er sich plötzlich an Anders. Dieser fühlte, daß er flammendrot wurde. Er ahnte nicht warum,„Ja— wahrhaftig," begnügte er sich zu antworten. „Und es wurde doch probiert: der Adjunkt bot ja den Hof hinterher aus," sagte Faurholt zu Erik Skindtoft. „Ach, wer wollte denn nach so einer Unterbrechung bieten?" „Ja, ja, aber jedenfalls ist doch nichts versäumt worden," sagte Faurholt. Erik Skindtoft wandte sich an Anders:„wärest Du weitergegangen, wenn die Unterbrechung nicht gekommen wäre?" „Ich hätte mich doch nicht selber überboten." Ein gedämpftes Kichern und ein sprudelndes Gelächter ent- stand rings in der Stube. Erik Skindtoft sah sich wütend um. „Hör mal", sagte Faurholt.„wir wollen Käufer und Verkäufer nicht uneinig machen." „Aber wenn ein anderer geboten hätte, so wärest Du bis auf die 33 000 gegangen?" sagte Erik zu Anders. „Das wäre ich wohl." „Da kannst Du sehen. Kren Sauholt!" rief Erik Skindtoft. „Ich kann soviel sehen, daß Du jetzt drum herum schivatzcst und Dir selber widersprichst, alter Jerrik", antwortete der Proprietär lächelnd.„Aber wenn Beelzebubs Reich mit sich selbst uneins geworden ist.--" Alle lachten frei heraus. Hier war eine so grobe Kränkung von feiten Erik SkindtoftS gefallen, die mit einem Lächeln überhört worden war, daß jetzt er sich in verschiedenes finden mußte. �„Sauholt" wurde wirklich als Schimpfname für den Mann von Stavn gebraucht. Mitten während des Gelächters trat Jungfer Gjatrid zur Tür herein. „Ihr unterhaltet euch ja gut", sagte sie.„Wer hat denn den Hof bekommen?" „Du kommst zeitig zurück, liebe Gjatrid". sagte Faurholt. „Hätte der Hardesadjunkt das gewußt, so wäre er geblieben und mit uns gefahren. Aber ich sagte, Du würdest erst um 6 Uhr kommen." „Da wars doch gut. daß wir ihm entgangen sind.— Wer hat also den Hof bekommen?" „Der da", sagte Erik Skindtoft und legte die Hand auf des Anders Arm. „Nein, wirklich!" sagte Jungfer Gjatrid.„Sie waren es. der mich in Empfang nahm, als die Matrize--" „Ja."_ „Na— nun wollen wir sehen, daß wir fortkommen". sagte Faurholt—„und jetzt, wo Sic Nachbar von Stavn ge- worden sind"— er wandte sich mit einem sehr gewinnenden Lächeln an Anders,„da müssen wir ja sehen, gut miteinander auszukommen. Sic sollen fedenfalls willkommen sein, wenn Sie uns aufsuchen wollen." Kurz danach waren alle die Fremden fort.-- (Forts, folgt.) Herla Ziutel Fritz Scitueider Verlobte. Neukölln. Berlin, gaaleflr. 17.• Ncnalcr Ztr. 17. ' Dcutldier Jilctallarbciter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Xachrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unjer Kollege, der Former August öreuliel Wrangelstr. 56, am v. August gestorben ist. lShrc keinem Andenken k Die Beerdigung hat be- reits stattgesunden. 18010 Tie Lrisverwaltung. Am Freitag, den 10. August 1917, verstarb unser lieber Kollege und langjäbriger Mitarbeiter, der Schrijtsetzer Paul Jurk. Ein ehrendes Andenken bewahren ihm 180b Die Mitarbeiter der Buch- druckerei H. S. Hermann. Die Beerdigung findet heute Dienstag, 14. August, nachmittags 2 Uhr, non der Leichenballe des neuen Ge- meinde.-Friedhoss Neukölln, Mariendorjer Weg, aus statt. Allgemeine Ortskrankenkasse für Berlin-Steglitz. Bekanntmachung. Die auf Grund des Notgesetzes vom 4. August 1914, beireffend Sicherung der Leistungssäbigkeit der Krankenkassen. zurAushebung gelangten Mehrleistungen wer- den von unserer Kasse in sol- gendem Umfange wieder ein geführt: K 25, Fürsorge süt Genesende. § 26, Gewährung von HilsS- milteln gegen Verunstaltung bis zur Höhe von 75,— M.§ 34, Sterbegeld im LOsachen Betrage des Grundlohnes. H 36 Ziffer 2, Familicnhilse. Krankenhaus- zuichufi: z 36 Ziffer 3, Fa- milienhilse, Sterbegeld. Die Bekanntmachung tritt am 13. d. Mts. in Krait. 279/1 Berlin-Steglitz, 1 I.August 1917. Der Vorutand. W. Alfermann, Vorsihender. Zähne mit u ohne' Platte, mit echtem Friedenskautschuk. Goldkronen, Brücken, Plomben Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse lieparaturen sofort. Zahnziehen in örtlicher Betäubung. Billige Preise, auch Teilzahlung. Teleph. Amt Nord. 10438. «JUserSS&.sss toMMr.il tttäS- Militär- Uhren«D WZ» (deutsches Anlcnoert)— soweu�orrai- � dieselbe nachtS leuchtend 1.85 M 5chs»eizer Uhren(m. Ukirmackerw.)« 9.l» M. an.' Armbanduhren, lürtettei'.'c.in aröftterAnswayl.' 1. bilU Spezialgeschäft für Uhren.' UZöliis Beutlistr- l4. i ■■ neb. Aichniger, a Spillelm. t 20 zwisch Babnb. Aleranderplav u. Polizeivräsid.— Amt üst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung. Lieferant für alle Krankcnkaii. Von der Reife zurück Georg Israel Dentist 248/20* Zentrum 6606— Srcitcftr. 10. 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Militärmäntel, verlangt Armonat, Earmcn-Shlva-Straße 6 I. _____[294K* Tüchtige Arbeiterin zur Fa- brikaiion verlangt Bauchwitz, Pelzhuifabrik, Raupachstraße 13. _______ 15öh* Zci/ungsaiicirägerinueu werden sofort eingestellt„Bor- inärIs"Speditio», Markus- straße 36.* Zeitungsbotin verlangt„Bor- Wärts"-Ausgabestelle Berlin- Niederschöneweide, Brücken- straße 10 U l., Unruh.* Boiensraueu verlangt sofort Ausgabestelle Greisenhagencr- straße 22.* Zeitungsausträgerin sofort einzustellen. Borwärtsspedition Moabit, WilHelmsHavenerstraße 48. von 11— 114 und 4!4— 7 Mr._____;_____••» Zeilungsstau sofort Spedition Immanuotfirchsiraße l2* Botenfrau, Tour Tegel und Reinickendorf-West, stellt ein Kienast, Borsigwalde, Rausch- straße 10,„Borwärts"-2pedi- tion. �* Zeitungssrau verlangt„Bor- wärts"- Spedition Neukölln, Siegfriedstraße 28/29.* Boiensrauen werden einge- stellt„Vorwärts", Charlotten- bürg. Sesenbeimerstr. 1.,,..* Frau zum Zeitüngsaustragen verlangt Klein, Grünau, Friedrichstraße 10.* Zeitungsausträgerinne» können sich melden.„Vorwärts"- AusgabestclleLausitzerplatzl4/l5. Zeitungsausträgeri» verlangt ,.Vorwärts"-Spcdition Schöne- berg, Meiningerstroße 9.* Frauen zum Zeitungsaus- tragen sucht„Vorwärts-Aus- gabestellc Alt-Boxhagen 56, Laden.* Zeitungsausträgerin verlangt Bcrnsce, Steglitz, Mommscn- str. 59.* Botensrau stellt ein„Bor- Wärts"-Spedition Tenipelhos. Ueckermonn, Kaiser-Wilhelm- straße 74, Ecke Werderjtr. f* Zeitungsausträgerinnen verlangt Feyerstein, Adlershöf, Bismarckstraße 82.* Zeitungsträgerin sofort der- langt Spedition Lichtenberg, Wartenbergstraße 1, Laden.* stellt soiart ein 53102* Loeb& Co. G. rn. b. H., Automobil- und Flngmotorensabrik, Dk>»-Iin-II<»hcn!»ch<>nhuuwcn. Goeckeftraste Arbeitsbnrschcn /jüngere) sucht sojort Institut Potsdamer Str. ItO. Bauarbeiter und Arbeiterinnen werden verlangt' 1756 Ticiiba» Rauchftr. IK. 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