Ar. SÄÄ. 34. Jahrg. Bezugspreis: 3,90 SOT., monatL 1�0 TOt, mSchentlich 30 Bfg. frei in8 Haus. rorauszahlbar. Einzelne Wochentag?» nummcrn b Psg.>?onrUagsnummei mit illustrierter Beilage.Die Neue SIrtt" 10 Psg. Postbezug: Monatlich l.30 MI. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn b.o0 Ml., für das übrige Ausland i Ml. monatlich. Postbestellmigen nehmen an Dänemark. Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen m die Post-Zeitungs-Prcisliste. Erscheint täglich. Telegramni» Adresse: »Sozialdemokrat Berliu". Vevlinev Dolksblcekt. ( s pksnnig � Der NnzcigcnprciS beträgt s. die siebengesballene Kolonel- »eile KV Psg.„Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg. szu- lässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche »nd Schillsstellenanzeigen das criic Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20%. ksamilien- Anzeigen»u Pfg.. holitische u. gewerkschaftliche BereinS- blnzeigen 40 Pig. die Zeile. Anzeigen f�ir die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmitt. im Haubtgeschöit, Berlin SW. 08, Lindenstrahe 3, ab- gegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Nhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifchen partet Deutfchlands. HcdoBfion: SW. 6$, Linöenstraßc 3. Fernsprecher: Amt Moritzplan, Rr. 151 SV— 15197. Mittwoch, de« 15. August 1917. Expedition: EW. 08, Linöenstrahe 3. Fernsprecher: Amt Morivplap. Nr. 151 SV— 15197. Vor kebweren Kämpfen im Mette Starke feindliche Borbereitung in Flandern — Lebhaftere Bewegung an allen Teilen der Westfront.— Feindliche Gegenangriffe in Rumänien. Amtlich. Große? Hauptquartier, den 14. August 1917.(28. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Starke Angriffe der derbündcteu Gegner bereiten sich vor. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Der Feuerlampf imf dem Schlachtfeld iu Flaodcru war wechselnd stark; er erreichte an der Küste, nordöstlich und östlich vou Ppern abends wiederum große Heftigkeit. Gewaltsame Erkundungen der Gegner brachen vor mehrere« Abschnitten unserer Abwchrzone ergebnislos zusammen. Südwestlich von Wcsthock warfen wir die Engländer aus einigen Waldstücken zurück. Iw ArtoiS war die Kampftätigkeit durchweg gesteigert, vor- nchmlich beiderseits von Lens und an der Scarpe. Auch an dieser stront scheiterten mehrere englische Vorstöße. Bei einem Unternehmen sächsischer und bayerischer Sturmabteilungen bei Reuve Ehapelle wurde eine größere Anzahl Portugiesen gefangeu eingebracht. Heeresgruppe Deutscher Krouprtuz. An der AiSnc-Front und in der Wcst-Champagnc war ciue erhebliche Zunahme des Artillcric-FcuerS bemerkbar. Am EornUlct, südlich vou Nauroy, griffen die Franzose» zweimal ohne jeden Erfolg die von uuS dort am 10. 8. gc« wonncncn Stellungen au. An der Nordfront von Bcrdu» lagen die Artillerie« tags« über mit nur geringen U«terbrcchungcn in scharfem, sich dauernd steigerndem Feuerlampf. Ter Franzose hat in diesen Kampfabschnitt wieder starke Kräfte, vor allem an Artillerie hcrangeschafft. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Zwischen Maas und Mosel wurden feindliche Lorstöße bei Flircy abgeschlagen. I» der Lothringer Ebene und im Snndgau war gleichfalls die Feucrtätigkeit lebhafter als sonst. I« zahlreichen Lufttämpfcn wurden neun feindliche Flieger und zwei Fesselballone abgeschossen. Oberleutnant Dostler hat am 12. 8. seinen 23. und 24. Gegner zum Absturz gebracht. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G r n e r a l f e l d m a rf ch a l l s Prinz Leopold von Bayern. Keine größeren Gefechtshandluugen. Front de? Geurralobcrst Erzherzog Joseph Südlich des Trotusul-Abschnittes machte der Gegner uns durch starke Gegenangriffe unseren Gcländegcwiun streitig. Auch südlich des Ojtoz- und Easiuu-TaleS führte er heftige Angriffe, die sämtlich zurückgeschlagen wurden. Heeresgruppe des GeneralfcldmorschallS vou Mackensen. Bei Pancio la»«S zu»eneu Kämpfe», bei denen der Feind i» erfolglosen Angriffen schwerste Verluste erlitt. Zwischen Susita und Putna-Tal drängten unsere Truppen den sich zähe wehrenden Gegner uoch Nordwesten ins Gebirge zurück. Längs des unteren Serrth verliefe« Börse ldgefecht« für uns günstig; Gefangene«nd Beute wurde» geborgen. Im Mündungsgebiet der Donau lebte die Fcuertätigkcit auf. Mazedonische Front. Nichts Neue?. Der Erste Generalquartirr meist er. Ludcndorsf. Abendbericht. Amtlich. B e r l i u, 14. August 1917, abends. Iu F l a v d e r n und an der Maas Artillcriekampf iu wechselnder Stärke. Iu R u m ä n i e u beginnt der Feind im GebirgS- Winkel zwischeu Trotusul, Putna und Sereth unter dem Truck unseres Angriffs zu weichen. Der österreichische Bericht. «ien, 14. August 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Westlich von P a u c i u iu Rumänien erzielten unsere Truppen im Angriff neuerlich Geläudegcwinn. Südlich des Ojtoz-Tales und westlich von O c n o versuchte der Feind vergebens, durch starke Gegenstöße eine Aendcrung der Kampflage hcrbeizusührcii. Italienischer Kriegsschauplatz. Unsere Flieger schössen seit vorgestern vier feindliche Flog- zeuge ab. Ein italienisches Geschwader belegte Asshing mit Bomben. Die tedrobten Anlagen bliebe« unbeschädigt. Unverändert. Balkau-Kricgsschauplatz. Der Ehcf des Gcncralstabc». Die Paßverweigerung. Ein neues Kapitel ües Weltkriegs. Kopenhagen, 14. August.(Eig. Drahtber. d.„Vorwärts".)„Socialdemokrateu" kommentiert den Eutschlust der Enteute-Regieruugcn, die Paffe zur Stockholmer Konferenz zu verweigern und sagt, damit hätten die Regierungen der Alliier- ten die Würfel geworfen; der Kampf sei nicht länger ein .Kampf zwischen den Nationen, sondern jetzt nur noch ein Kampf zwischen den kapitalistischen Regierungen, die imperialistische Ziele verfolgen, und dem arbeitenden Volk. Die Alliierten setzen den sozialistischen Arbeitermassen jetzt die eiserne Faust entgegen. Sie gingen in den Krieg für grösterc Freiheit und Humanität und haben nun in Zwang und Brutalität geendet. Mit dem Entschluß der Alliierten fängt ein neues Kapitel des Weltkrieges an. -st � Stockholm, 14. August. Brantiug schreibt in „Socialdemokrateu", danach scheine der Bruch zwischen jenen Regierungen und den sozialistischen Parteien bevorzustehen, die beschlossen hätten, sich in Stockholm vertreten zu lasscu. Die Folgen seien unberechenbar, doch werde d.er Gedanke eines durch die Arbeiterschaft aller Länder hcrbeizu- führenden dauerhaften und gerechten Friedens, der eine neue Ordnung der Dinge schaffe, durch eine Paßvrrweigerung nicht beseitigt. Jene Maßregel werde sich vielleicht a l s p o I i t l s ch c r F e h l e r e r st e n R a n g c s Herausstelle» und sicher dir jetzigen Regierungen der Alliierten vor der öffentlichen Meinung der ganzen Welt in eine ungünstige Lage bringen, denn es werde scheinen, als ob sie F r i e d e u s b e s p r r ch u n g c n fürchtcteu, während die Regierungen der Mittelmächte bisher keine solche Schwierigkeiten gemacht hätten. die Internationale ües Finanzkapitals. Sowohl in der französischen Kammer an einem der letzten SitzungStage. als auch auf der englischen Arbeitcrlonfcrenz wurde gesagt, daß kürzlich in der Schweiz eine Konferenz der Finanziers aus den kriegführenden Ländern stattgefunden hat. Besonders betont wurde, daß die Entente-Regierungen diese Zusommeukunft mit Männern aus Deutschland gewähren ließen. Die deutsche Oeffent- lichkeit hat vollen Anspruch darauf, zu erfahren, um w a S f ü r eine Zusammenkunft eS sich in diesem Falle handelt. Staatsgeheimnisse können ja nicht vorgeschützt werden, da. was dem Auslände genau bekannt ist, auch dem deutschen Publikum nicht vorenthalten werden kann. Herr H e l s s e i i ch, der in seinem bürgerlichen Beruf ein Bankmonn war, hat hier Gelegenheit, in seiner neuen Stellung zum erstenmal daS Wort zu ergreifen. Ein Memorandum von poale Zion. Stockholm, 13, August.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Das holländische Komilee veröffentlicht ein Memorandum von Poale Zion, in dem eS sich für einen überstaatlichen VölkerfriedenSbund, nationale Autonomie und entsprechende Umbildung der Naliona- liiätenstaaten ausspricht. Das Komitee protestiert gegen die For- derung der polnischen Sozialisten nach dem Verzicht, auf ein jüdisches Lollstum und fordert allgemeine Gleichberechtigung der Juden und Begründung eines nationalen jüdischen Leben» durch Schaffung eigenen Bodens in Palästina. Die Slockaüe von Kronstadt. Amsterdam, 14. August.„Handelsblad' meldet aus Stockholm, daß Kronstadt von 20099 Matrosen und Soldaten, die auf seilen der B o l s ch e w i l i stehen, besetzt sei. Kronstadt werde von der Regierung blockiert, und sie hoffe, es iu vier bis sünf Wochen emnehmeu zu können. der Soxerhieb gegen Stockholm. Lloyd George, der einmal bei anderer Gelegenheit fein Kricgsziel gegen Deutschland in die Fachciusdrücke eines Boxermatcks gekleidet hat, inog heute in dem Gefühl schwel- gen, der mit dem Namen Stockholm verknüpften sozialistischen Friedensbewegung den„tnock out", den vcrnickitenbcn Hieb versetzt zu haben. Ein neuer Merverband hat sich innerhalb der Entente gebildet, rein äußerlich betrachtet ein Vierverband der westlichen Großmächte England, Vereinigte Staaten, Frankreich. Italien; in seinem Wesen ein V i c r v e r b a n d gegen Verständigung und für Entscheidung des Krieges durch Waffengewalt. Seinen sinnfälligen Ausdruck gefunden bat der neue Vierverband in der gemeinsamen Verweigerung der Reise- Pässe nach Stockholm. Ob damit die Konferenz erledigt und begraben ist, kann heute noch nicht gesagt werden. Falls die russischen Sozialisten bei der Stange blechen, ist immerhin noch eine Rumpfkon fcrenz denkbar. Aber auf keinen Fall kann geleugnet werden, daß der Wert einer solchen Konferenz, infolge der Nichtbeteiligung der großen Weswiächte, erheblich hinter dem der ursprünglich geplanten zurückstehen würde. Für die deutschen Sozialisten liegt jedenfalls kein An- l a ß vor, ihren bisher gegenüber dein Stockholmer Gedanken bekundeten Standpunkt irgendwie zu ändern. Wir haben schon im Jahre 1914 erklärt, daß wir jeden Versuch einer Verständigung mit warmstein Eiser zu unterstützen bereit sind, wir haben dies bei den verschiedensten Gelegenheiten durch Wort. und Tat ziim.AuSdriyck gebracht, und hieran� kann auch die feindselige.Haltung der westlichen Ententemächte gegen den größten bisher nnternonimenen Verständignnas- versuch nichts ändern. Noch hat das in Stockholm versam- melte Konferenzkomitec der neutralen und russischen Sozia- listen zu den jüngsten Ereignissen keilte Stellung genommen. Beschließt das Konntee, die Konferenz trotz der zu erwarten- den Nichtbeteiligimg der westlichen Sozialisten stattfinden zu lassen, so bleibt die deutsche Zusage der Teil- nähme unverändert bestehen. Niemand soll der deutschen Sozialdemokratie zum Vorwurf machen können, daß an ihrer Haltung irgendein Versuch der Verständigung g.- scheitert sei. Mit größerer Spannung wird man zu erwarten haben, wie sich die Sozialisten der E u t e n te st a a t e n zu dem Vorgehen ihrer Regierungen stellen werden. Fast mit Sicherheit kann man heute schon sagen, daß die englische Ar- bcitcrpartei in der Paßverweigerung keine Brüs- k i e r u n g sehen und deswegen nicht in Opposition zu ihrer Regierung treten wird. Bereits hat Barnes den von Henderson bcrlassenen Sitz eingenommen, und Henderson selbst scheint einen neuen Umfall vorzubereiten, indem er er- klärt, daß durch die gegnerische.Haltung der-Regierimg eine neue Sachlage geschaffen sei, lvelcher die Arbeiterpartei sich anpassen würde. Die Drohung Llopd Georges, int Falle einer Opposition der Arbeiterpartei Neuwahlen aus- zuschreiben, für die man schon die Parole„Siegeswahlen" ge- funden hat, wird also kauin zur Verwirklichung kommen. Mit nicht viel größerem Optimismus kann mau nach Frankreich blicken. Tic französische Mehrheitspartei hat wohl gelegentlich der Enthüllung des russisch-französischen geheimen Raubvertragcs durch den deutschen Reichskanzler der Re- gierung ein halbes Mißtrauensvotum ausgestellt, aber ihr Vertreter, Thomas, ist trotzdem im Ministeriiun geblieben. Wird die zweite Brüskierung des internationalen Gedankens durch die Regierung des„freiheitlickien demokratischen Frank- reichs" größeren Widerstand auslösen? Man wird skeptisch gestimmt, Iveun man das Memorandum liest, das die fran- zösischen Sozialisten noch wenige Tage vor der Paßverweigc- rung in die Welt setzten. In theoretischen Formeln, unter Verschweigung des Namens des Angeklagten, enthält es nichts weiter als eine große Anklageschrift gegen Teutschland und die deutschen Sozialisten, eine Anklageschrift, die auch dadurch originell wirkt, daß sie gleich das Verdammnngsurteil fir und fertig mitbringt. Wie aber würde den Franzosen zumute werden, ivenn ein wirklich objektiver Gerichtshof statt des von ihnen vorgesehenen Namens Deutschland den Namen Frankreich in Anklageschrift und Urteil setzte, den Namen des Frankreichs, das mit der zarischen Regierung einen Raubvertrag auf deutsche und türkische Provinzen geschlossen hat?! Ein satirischer Kopf könnte vielleicht zu dem Schluß gelangen, daß die Franzosen, ohnc�es zu wissen und zu wollen, im Begriff gestanden haben, in Stockholm ihren eigenen Ausschluß aus der Internationale zu beantragen I Das große Rätsel bleibt einstweilen die russische Sozialdemokratie, llloch liegt keine zuverlässige Andeutung darüber vor, wie sie den Beschluß ihrer westlichen Blindes- genossen auffaßt. Daß der Diktator Kerenski ein Gegner Stockholms ist, steht fest. Die Londoner gelbe Presse möchte ifireti Lesern erzählen, bofe autfi der Arbeiter-� und Soldatenrat in hcn letzten zehn Tngen sich nicht mehr um Stockholm gekümmert habe, Tas wäre allerdings wun- derbar, wenn der Zowjet aus diese Weise sein eigenes Kind verleugnete. Nimmt der Sowjet den Backe»streich der Paß- Verweigerung durch die westlichen Ententemächte wirklich ruhig hin, so müßte das allerdings als Reichen gedeutet wer- den, daß das Feuer der Revolution in Rußland ausgebrannt ist. Wir können es einstweilen nicht glauben. Ter Borerstreich, den die westlichen Ententcregierimgen gegen Stockholm geführt haben, wird sicher von jedem ehr- lichen Friedensfreund schmerzlich empsuiiden. Aber wir wollen Klagen und Entrüstung ans einen andern Zeitpunkt ver- schieben.. Für die deutsche Arbeiterschaft ist mit dieser Hand- lung eine Situation von ungeheurer Klarheit geschaffen worden, einer Klarheit, der gegenüber es kein Der- stcckspielen und kein Kops-in-den-Sand-stccken gibt. Tie Erkenntnis, deren wir uns jetzt mit jeder Faser bc- wüßt sein müssen, lautet: die westlichen Entente- st a a t e n sind jetzt entschlossen, den Krieg bis zur Entscheidung der Waffen d u r ch z u f ii h r e n. Sie verwerfen jede Verständigung, ehe nicht ein Teil am Boden liegt. Sic uwllen den Krieg nicht beenden, che sie ihre Raubzicle»nd Zerschinettcrungsplänc gegenüber Deutsch- fand durchgesetzt haben. In keinem Augenblick des Krieges ist vielleicht so klar ge- weien, daß eine Verlängerung nicht zu vermeiden ist. Aber in keinem Augenblick des Krieges war gleichzeitig so klar, daß die S di tl l d dieser Verlängerung ganzalleinunda u s- schließlich unsere Gegner trifft, daß Deutsch- lands Wille auf Verständigung und Beendigung des Krieges wohl da ist, aber von der Gegenseite nicht erwidert wird. Wenn Ivir von Verlängerung des Krieges sprechen, so sind wir uns daniit bewußt, daß dieses Wort Trauer und Niedergeschlagenheit in unzählige Herzen senken wird. Niemand wird uns de» Vorwurf machen können, daß wir den 'Schmerz derer nicht mitempfinden, die täglich imd stiindlich unter den ungeheuren Schrecknissen des Weltkrieges leiden. Wir find im Geiste in diesem Augenblick bei den Kameraden draußen im Schützengraben, der auch einem großen Teil der Männer, die beute wieder im Innern Politik treiben, nicht fremd ist. Wir malen uns die nimiutvollcn Geberden der Feldgrauen, die aus baldige Heimkehr zu Weib und Kind hoffen, mit innigstem Mitgefühl aus, wenn wir ihnen er- klären: der Krieg wird noch fortdauern. Aber wir fragen sie gleichzeitig: Sagt selber, was soll geschehen, was sollen wir tun gegen- über der einen ehernen Tatsache, daß unsere Gegner nicht mit uns Frieden schließen wollen?! Welches Entgegenkommen kann noch fruchten oder von Aussicht auf Erfolg begleitet sein gegenüber den Regierungen, tvelchc ihren Sozialisten die Pässe nach Stock- holi» verweigern?! Keine Worte konnten ihre feste Eilt- ichlofsenheit zur Fortführung des Krieges sinnfälliger aus- drücken als dieie eine T a tI Ja, was bleibt? Wir sind zur Verständigung bereit, man weigert uns die Verständigung. Wir sind mit Vernich- hing bedroht, wir müssen uns wehren, wenn wir nicht selber unsere Vernichtliiig wollen. Hart. klar, aber auch einfach steht diele Erkenntnis vor uns. Tic Antnwrt auf die ausgestreckte Friedenshand ist die schmetternde Boxerfaust� gewesen! In dieiem Nugenblick gibt's nnr noch eine Möglichkeit: uns unserer Haut wehren. * In der addeutichen Prcsie, die ickon seinerzeit die erste Paß- verwkigeruiig durch Ribot mit wahren Lobgejängen auf den strammen französischen Ministerpräsidenten begrützie. kommt auch dieimat wenn auch cnvat gedämpfter, eine g e w i i s e Schadenfreude darüber zuin Ausdruck, datz nun au» der Stockholmer Konferenz doch nichts werden solle. Dieie Talsache soll nach ihrer Auffassung einen Mißerfolg der vom.Vorwärts- befürworteten Poliiik, also wohl einen Erfolg ihrer eigenen Politik darstellen. Tazu ist zu bemerken: Triebe da« Deutsche Reich Politik nach den Rezepten der Alldeutsche», dann hätte kein Mensch aus der Welt ein Recht, den Ementeregieruugen aus ihrer Absicht, den Krieg fort« zusetzen, einen Borwurf zu machen. Wenn heute das ganz« deutschePolk in der Abwehr gegen denKriegs- willen der Entente einig ist, wenn dagegen drüben die Frage von Stockholm zum Ausgangspunkt krisenhafter Entwicklungen geworden ist, wenn sich die schwer zu unseren Ungunften belastete Wage der Weltspnipaihien wieder etwa« zu unseren Gunsten zu neigen beginnt, so ist das eben ein Erfolg der von der Sozial- demokralie und von,„BorwäriS" befürworteten Politik. Wäre im Reich immer nur eine solche nüchterne Politik ge» trieben worden, die im verieidigungSwillen unerschütterlich ist und die Kopie nichi mit hohlen Phrasen benebelt, so stünde heute schon manches besser. Nicht« hat der Sache der Gegner politisch mehr genützt, ol« der von Teutschland au« geförderte Glaube, Deutschland führe einen EroberungSklieg. Und nichts kann ihnen politisch mehr schaden al« da« Durchdringen der Ueberzeugung. daß Deutschland nur um seine Selb st erhalt ung kämpft und daß in Deutsch- lands Verhallen kein Grund liegt, nicht schon morgen Frieden zu schließen. Di«„Deutsche Tageszeitung' gibt u»« den wohlmeinenden Rat. kunstig nicht mehr binter gegnerische» Regierungen herzulaufen. Das haben wir nie getan, wohl aber betrachteten wir und betrachten wir noch di« Millionen, die drüben de» Frieden wollen, al« unser« stillen Bundesgenossen. Alle«, was drüben von obenher, leider auch von den Leitern der Arbeiterparteien geschieht, hat do» nur den Zweck, die au« de» Masten hervorbrechende Friede nSsehnsucht ein- zudännnen. Unsere Ausgabe kann e« aber nicht sein, dieie Friedendiehnsucht zurückzuschrecken, wir müssen sie«rmuiigen und stärken so lange, bis der Weg zum Frieden offen ist. Dazu gehört eine Rriegführung. die den Gegnern jeden mili- lärifchen Erfolg vertagt, aber auch eine Politik, die von deutscher Seite dem Vormarsch der Frtedensidee keine Hindernisse schafft. Ver- geben» versucht die alldeutsche Presse au« dem Stockholm-Verbot der Entente für sich Seide zu spinnen. Die Stockholm-Debatte im Unterhaus. Lloyd George verkündet daö Reiseverbot. London. 13. August.(Revier.) Im Unterhaus« gab Hender« f o n eine längere Erklärung über di« seinen Rücktritt begleitenden Umsiande ab. Er bestritt, jemals die Absicht von einer Aendernng seiner Hallung gegenüber der Siockholmer Konferenz geäußert oder feine Kollegen irregejührl zu haben. Er legi« dann dar, daß»r bei der Konstrenz der Arbeiterpartei in der Sache für oder wider die Stockholmer Konferenz stärkere Au«drück« für die russische Meinung gegen die Konserenz gebraucht habe, als sie in der Mitteilung der russijchen Regierung enthalten waren. Er habe keine Absicht gehabt, der Konserenz irgend eine Mitteilung vorzuenthalten. E r habe die Konferenz davon in Kenntnis gesetzt, daß die Slelliing der russische» Regierung sich geändert Hobe. Henderson sprach sich gegen eine weitere Erörterung aus und beteuerte seinen Wunsch, den Krieg sieg- reich zu Ende gesührtzu sehen. Lloyd George erklärte, das ganze HauS werde Hendert'onS Ruf noch Einigkeit und Sieg zustimmen. Henderion habe alle Mitglieder de« Kabinetts unter dem Eindruck gelassen, daß er die Absickit habe. auf der Arbeiterkonferenz seinen Einfluß gegen die Stockholmer Konferenz zu verwenden. E r tadle Henderson. weil er die Mitteilung der ruisischen Regierung an die Konferenz vorzuleien unterlassen Sab« und warf die Frage aus. ob irgend jemand die Vorstellung hob«, daß e« keinen wesentlichen Unterschied bedeutet hätte, wenn jene« Telegramm aus der Konferenz verlesen worden wäre. Im Laufe der Aussprache sagte dann Lloyd George: In den lcytcn Tagen hat sich etwas geändert. Es find An- ftrengunnen gemacht warde», die MannSzucht in der russi- schon Armee«iedcrhcrznftellcn. Unter diesen Umständen ist nichts verhängnisvoller, al« mit dem Feinde eine Konfe- renz abzuhalten, gerade in dem Augenblick, wa der erste Schritt unter- nommen wird, um die Berbrüdcrung mit dem Feinde an der Front zu verhindern. Zu diese« Entschluß find die vier alliierten Rr- gierungen gekommen. Für den Augenblick sage ich lieber nichts über die Meinung Rußlands. Es hat seine großen Schwierigkeiten. Die Bereinigten Staaten haben entschiede«, daß sie nicht ge- statten können, daß Delegierte hingehen. Da« ist die große Demo- kratie. Die französische Regierung iftzn demselben Schluffe gekommen. Italien ebenfalls. Dir englisch, Regierung ebensa.(Lebhafter Beifall.) Di« vier alliierten Länder sind endgültig zu dem Schluß gekommen, dnß, wenn Fricdensbcdiiigungrn erörtert werden sollen, sie von den Vertretern der ganzen Nation erörtert werden müssen. Ich bin der Letzte, der die Macht der Arbeit herabsetzen will, und ich bin der Letzte, um etwa« zu sagen, was ihrem Einfluß oder ihrer Macht abträglich ist, aber sie find nicht die ganze Gemeinschaft. Wenn der Friede kommt, muß er von der Nation als Ganzes gemacht werden. In Rußland ist eine sozialistische Regierung, und wenn es zur Erörterung der Friedensbedingungen kommt, muß sie die maßgebende Meinung der Nation hinter sich haben. Ich glaube, e« wird klar, daß die russische Regierung keine Verantwortung trägt für die Stockholmer Konferenz und ich behaupte, daß wir Ruß- land den allergeringsten Gefallen täten, wenn >vtr einen solchen Plan begünstigen würden. (Beifall.) Sodann sprach A S q u i t h, der erklärte, daß er gern eine Be- merkung von allgemeiner und seiner Meinung nach wesentlicher Be- deutung machen möchte. Der Premierminister habe am Schluß seiner Rede eine Erklärung abgegeben, die allgemeinen Widerball finden werde, nicht allein im Hause, nicht ollein im Lande, sondern bei allen alliierten Regierungen, nämlich die Erklärung, daß der Friede, den alle wünschten, und der einzige Friede, der den gebrachten Opfern entspreche, oder sie wieder gutmachen würde, der Friede sei. der von der Bevölkerung aller beteiligten Länder gebilligt werde. ASquilh fuhr fort: ES wäre schmerzlich, wenn al« Ergebnis der heutigen Erörterung für die Welt der Eindruck bliebe, daß diejenigen Leute m der Arbeiterbewegung des Landes. die sich anschickten. zur Stockholmer Konferenz zu gehen, sich dazu anschickten, dort den Weg vor- zubereiten oder den Grundstein zu legen für einen z w e i s e l- basten Frieden. Ich habe die Erklärung der von der Arbeiter- Partei gebilligten Politik gelesen. Es ist die Erklärung de« Eni- schlusses, in diesem Kriege auszuharren, bis die großen Ziele, die lvir uns ge st eckt haben, erreicht sind. Die Arbeiterpartei Englands mit Ausnahm« einer, wie ich glaube, u n» bedeutenden Minderheit ist so wie im Augenblick der Kriegserklärung entschlossen, nicht zuzulassen, daß die riefigen Opfer unserer Verbündeten und die unsrigen sür nicht« erachtet werden, und das Schwert erst in die Scheide zu stecken, wenn wir einen Weg sehen, einen befriedigenden dauernden Frieden zu erlangen. Fch hoffe, da« ist der Eindruck, den die Debatte bei den Alliierten hinterlassen dürste.(Beifall.) * Amsterdam, 14. August. Ter Londoner Berichterstatter de« „Allgemeen HandelSblad" meldet: Die Auseinander- setzung zwischen Lloyd George und Henderson in der gestrigen Sitzung de« Unterhauses ist außerordentlich heftig gewesen. Henderson ist dem Premierminister bei Abgabe seiner Erklärung fortwährend ins Wort gefallen. Die ganze Debatte drehte sich»m da« Telegramm au« Rußland. In Beant- ivortung eines Zwischenrufe» des Abgeordneten Hogge sagte der Premierminister, daß da» Telegramm von der russischen Regierung gekommen sei. Gleich darauf verwies er auf die in einem zugleich mit dem Telegramm abgesandten Begleitschreiben enthaltenen näheren Ausklärungen. Snowden fragte den Premierminister, lvcr dieses Bcglciischreibcn verfaßt habe. Lloyd George antwortete, er könne da« nicht sagen. Snowden müsse sich damit begnügen, zu erfahren, daß e« von der russischen Botschaft gekommen sei. Lloyd George leg!« großen Nachdruck darauf, daß in Ruß- land eine einschneidende Veränderung vor sich ge» gangen sei. Tie merkwürdigste Enthüllung in der Debatte war die Erklärung Henderson«. er habe Freitag abend in Towning- street erfahre», daß die Regierung durch Vermittelung der fran- zösischcn Botschaft ei» Telegramm erhalten lyrbc. in dem es hieß, daß Kerensk' sich von der Stockholmer Konferenz losgesagt habe. Dieses Telegramm Kcrenskis. das durch Frankreich übermittelt wurde, und das Telegramm der russischen Regierung, das über die russische Botschaft in London eintraf, sowie das Begleitschreiben mit mehreren Aufklärungen habe in dem ganzen Konflikt die Hauptrolle gespielt Und gebe jetzt Anlaß zu allerlei Vermutungen. henüersons Nachfolger im Kriegstabinett, Landau, 14. August.(Reutermeldung.) Amtlich wird mitgeteilt, daß Barne» Nachfolger Henderson» al« Vertreter der Arbeiter im KriegSkobinett sein wird. Nichtamtlich wird erklärt, daß die Er- nennung von den anderen Regieru»g»mitgliedem der Srbeiterpartei gebilligt wird. Das viermächte-veto gegen Stockholm. Ter Rücktritt HendersouK. Da« Reutersche Bureati meldet gestern au« London, daß der Vollzugsausschuß der Arbeiterpartei sich o», Montag vollzählig im Unterhon« versammelt hat. Auch Henderion war anwesend. S« wurde beschlossen, beute«in« neue Versammlung abzuhalten, um die Folgen, die sich au» dem Rücktritt Henderson« ergeben, zu besprechen, Der ParlamentSberichterstotter der»Daily New«' schreibt, wie dem»Algemcen HandelSblad" au« London berichtet wird, Henderion sei jetzt der Ansicht, daß die Lage infolg« der Mitteilung der Regierung, daß vier alliierte Länder gegen die Konserenz in Stockholm seien, sich geändert habe. Er habe nickt die Absicht, da« Land in Unruhe zu versetzen, da dies gegen seine Ueberzeugung wäre, daß der Krieg zu einem guten Ende ge- bracht werden müsse. »Daily Chroniel«' führt aus: E« wäre gut. wenn die rusissche Regierung in einer Erklärung ihren Stand- punkt gegenüber dem von London. Washington. Rom und Paris ausgesprochenen Veto darlegte! Wenn sich herausstellen sollte, daß sie mit diesem Veto einverstanden ist, könnte die ganze Angelegenheit al« erledigt betrachtet werden. Zugleich mit dieser englischen Meldung läuft eine Stock- holmer Nachricht ein, die von einem geheimen Abkommen spricht, daS K ere n s ki schon Ende Juli mit der eng- tische Regierung über gewisse Maßnahmen zur Verhinderung der Siockholmer Konferenz getroffen habe. Der ,L.-A." gibt diese Nachricht wieder; sie werde mir größler Bestimmtheit in Stockholmer unterrichteten Kreisen geäußert. Dieie Bestimmtheit hat noch keine Beweiskraft, aber wenn die Meldung gleichwohl nicht aus der Lnft gegriffen wäre, so möchte doch fraglich bleiben, ob die russische Re- gierung bei den Schwierigkeiten, in denen sie jetzt steckt, eine Er- klärung, wie da» englische Blatt sie für gut hält, zurzeit für klug halten kann. Sie wäre also dann auf Umwege angewiesen. Spanien im /lusnahmezuftanü. Madrid, 14. August.(Reutermeldung.) Die Regierung hat be- schloffen, über ganz Spanien den Ausnahmezustand zu erklären. Es kam in Madrid zu unbedeutenden Zwischenfällen, die aber leicht unterdrückt«nrden. In der Hauptstadt herrscht vollkammene Ruhe. Am Sonntag meldete HavaS au« Madrid: Bon verschiedenen Orten werden Ausschreitungen gemeldet, die da» Militär schnell unterdrückt hat. Die Mehrzahl der Arbeiter wünscht ruhig zu ar- besten. Die Madrider Zeitungen werden abends nicht erscheinen, mit Ausnahme der Blätter, deren Angestellte nicht organisiert sind. Die»Franksurter Zeitung' gibt folgende HovaSmeldungen wieder: Die Eisenbabnarbeiler beabsichtigen, Beratungen abzu- halten, um den Geverolstreik herbeizuführen. Aber die Regierung trifft Vorsichtsmaßregeln. Di« Eisenbahner verschiedener Bahnhöfe nahmen die Arbeit bereit» wieder auf. Die Behörden von Bilbao erklären, der Sireik der Eisenbahner sei beendet, der der Metall- arbeiter dauere fort. Sozialiftische Kommunalwahlerfolge in Rußland. Allmählich kommt die Wahlkampagne in den russischen Städten in Fluß. Ueberall zeitigt sie große Erfolge der Sozialisten. In vielen Orten wurden Wahlbündnisse zwischen den menschewistischen Sozialdemokraten und den Sozialrevolutionären geschlossen. Sonst fällt es auf, daß in den Städten nicht immer Sozialdemokraten, sondern Sozialrevolutionäre, die doch in der Hauptsache Ideologen des bäuerlich-kommunistischen Sozialismus sind, die Oberhand gewinnen. Die Ursache dieser Erscheinung liegt nicht nur in der Zerriffenhcit der Sozialdemokratie, sondern allem An- schein nach vorwiegend in der Zugkraft der Parole der Landent- eignung und Landverteilung. Namentlich in Moskau haben die Sozialrevolutionäre einen durchschlagenden Sieg davon- getragen, der vor allem sie selbst völlig überrascht hat. Wiederum erklärt sich dieser Erfolg dadurch, daß gerade die Moskauer Ar- beiterschast mit dem Lande eng verbunden ist, daß sogar vielleicht deren größter Teil noch eigenes Land besitzt. Von den 200 Stadt- verordnetensttzen erhielten die Sozialrevolutionär« HS. Menschewiki erhielten 24, Bolschewiki 23 und die Kadetten 84 Sitze. In Cb a r k o w entsenden die Sozialrevolutionäre 54 Per- treter; Menschewiki haben 13, Bolschewiki 11, Kadetten Iß Sitze. In S s a r a t o f f hat der Block der Menschewiki und Sozial- revolutionäre 75 Sitze errungen; Bolschewiki haben 13, die Kadetten 12 und die P l e ch a n o w- Gruppe 4 Sitze erhalten. In B a t u m wurden 26 Sozialrevolutionäre, 24 Sozialdemokraten und nur 2 Kadetten gewählt. In Krasnojarsk(Sibirien) wurden 41 Sozialdemokraten, 27 Sozialrevolutionäre und g Kadetten ge- wählt; in Jalta 39 Vertreter des sozialistischen Blocks und 9 Kadetten; in WolSk(Gouv. Ssaratofs) 32 Sozialrevolutionäre, 4 Kadetten und 4 Vertreter de« Gewerkschaftskartells. Nur sehr selten kommt eS vor, daß die Sozialisten in die Minderheit gedrängt werden. So wurden in N s a s a n 29 Kadetten und 22 Vertreter des sozialistischen Blocks gewählt. In Petersburg finden die Wahlen erst Ende August oder Anfang September statt. Bis jetzt wurden dort nur die Bezirks- verordnetenvcrsammlungen gewählt, die ebenfalls mit dem Sieg der Sozialisten endeten. von üen russischen Kriegszielen. Die Vsrkämpferin für die Dardanellen-Eroberung. die»Netsch", veröffentlicht folgendes Telegramm an KerenSft: »Der Kongreß der Angestellten und Ardeiter oer Handelshäfen des Schwarzen und des Asowschen Meeres begrüßt Sie warm und bittet die Versicherung entgegenzunehmen. daß er bereit ist, alle seine Kräfte und Kenntniffe anzuwenden für den Triumph des freien Vaterlande« über den mächtigen Feind, zur Erreichung eines schnellen, ehrenvollen und dauerhaften Friedens und desfreien Ausgangesinden Ozean zum Wohle und Gedeihen unseres aroßen Vaterlandes." Darauf ist zu bemerken: 1. An Zweideutigkeit und Aus- legungsmöglichkeit steht diese Resolution der Hafenarbeiter nicht im geringsten den verschiedenartigsten Erklärungen der Regierun- gen nach; und 2. Schade, daß niemand sich gefunden hat. der dem Kongreß d i e Kenntnis mitgeteilt hätte, daß die Besitzergreifung der Dardanellen ke i n e s w c g s den freien Ausgang in den Ozean sichert, daß dieser Ausgang vielmehr von allen Seiten fest in der Hand gehalten wird von Rußlands BundcSgenoffcn— den Eng- ländern._ vor neuen schweren kämpfen im Westen. 8«» ll«, 14. August, wie au» de» frauzöstschen Heeresbericht durch dir vetanung dr« starken ArtilleriefeuerS am vhe«i»-de«>DameS hervorgeht, stehen neue Angriff« an der AiSnr bevor. Der deutsche Heeresbericht meldet gleichfalls von bevorstehende» Angriffen in Flandern und deiderfeit«»an Berdum An den drei genannten Stellen fanden auch«acht« ErkundungSvorpöHe kleiner feindlicher Trupp« statt, die sämtlich zurückgeschlagen wurden. Alle diese Umstände laffen da« Losbrechen neuer, besondre» starker An- griff« gegen nnsere Westfront al« unmitteldar bevorstehend erscheine». Berlin, 14. August. l l e s erobert haben, zu vertreiben. Alle Angriffe wur- .dep.abgewiesen,, und cS gelang unseren Truppen, östlich dieser Stellung merklich vorzurücken. Reim» ist tagsüber mit 8S0 Gra- naten, von denen eine große Zahl Brandgranaten waren, belegt worden. Vier Zivilpersonen sind getötet, zwei verwundet worden. Heftige Artillerietätigkeit in der Champagne, am Cornillet, auf beiden MaaSufern und im Walde von P a r r o y. Keine Jnfanterieunternehmungen. Englischer Heeresbericht vom 13. August adend». Di« feind- liche Artillerie zeigte am Morgen südlich der Straße ArraS— Ca m b ra i und im Abschnitt von Nieuport vermehrte Tätig- keit. Unsere Flugzeuge und Ballone arbeiteten gestern in Verbin- dung mit unserer Artillerie sehr erfolgreich. Es wurden viele Photographien von uns aufgenommen und im Laufe des Tages vier feindliche Flugplätze auSgiebig mit Bomben belegt. Die feind- lichen Luftstreilkräfte gingen zum Teil angriffsweise vor. In den Luftgefechten wurden neun deutsche Flugzeuge zum Niedergehen gezwungen, davon zwei in unseren Linien, acht andere Maschinen wurden steuerlos gemacht. Von unseren Flugzeugen sind"sieben nicht zurückgekehrt. « Wien, 13. August. Au» de« KeiegSpressequartier wird ge» meldet: Tie Offenstvr der Verbündeten hat schon vor lagen zu einer Situation geführt, die bei weiterer Entwicklung für dir russisch. rumänischen Kräfte im Ost teil der Kar» Lathen und deren Vargrlände z u bedeutenden Folgen führen könnte. Tie russisch-rumänischc Heere»- leitung hat daher alle zur Verfügung stehenden Kräfte zu kräftigen AngriffSstöhen zusammengerafft. Trotz erhebliche« Aufwandet an Munition und Material und trotz rückfichtSlasen Einsätze» van Massen ist den Russen und Rumänen jeder Erfolg versagt«e. blieben, ohne das, die Angriffstätigkeit der verbündeten Kräfte im Räume nördlich Foefani hätte aufgeholten werden können. Die au» dem Räume der abrren P u t n a und de» L u f i t a t a l e v führenden Verbindungen find bereit«»allkammen abgeschliffen. während der Druck unserer Kräfte im Tale de» Trotu» unaufhalt- sam andauert. Die operative Lage der an der»Herrn P u t n« eingekeilten feindlichen Kräfte wird in kurzer Zeit«in« Lösung sin- den müssen. In der Bukowina sind schwächere feindliche Vorftöhe mühelos abgewiesen worden. Am Zbrucz richtet sich der Russe ans dem heimatlichen Boden zur Verteidigung ein und beginnt mit Aufklärungsabteilungen vorzufühlen. Russischer Heeresbericht vom lü. August. Westfront: Leb- bafte Tätigkeit der feindlichen Artillerie in der Gegend der Stadt Z b o r a g e und in der Richtung von V o l o t s ch i s k. In der Gegend von H u s i a t t, n drangen unsere Aufklärer, die den Zbrucz überschritten hatten, in den österreichischen Teil von Hustatyn«in, nahmen nach Handgranalenkampf 21 Deutsche gefangen und erbeuteten 2 Maschinengewehre. An der übrigen Front Gewehrfeuer. Rumänische Front: In der Gegend der Ouelle des D o b r a» F l u s s e s und nördlich vom Flusse D o f t i e n dauern die Kämpfe mit abwechselndem Erfolg an. Westlich Okua�- G r o- 3 e s c i fanden den gqnzen 11. August über äußerst heftige Kämpfe statt. Die Lesterreicher und Deutschen machten wiederholte hart- nackige Angriffe besonders in der Richtung von Okna und am Abend zwangen sie die Rumänen, sich auf Okna— Fochnile-� Aozconele und in der Richtung westlich von Grozesct zurück- zuziehen.?n der Richtung von F o c s a n, griffen die Oesterreicher und Deutschen im Laufe de« 11. August längs der Eisenbahn Focsani— MerescSci erbittert an. Unsere gnd die rumäin- schon Truppen perteidiaten trotz der zahlenmäßigen Usberlegenbeit des Feindes zähe ihre Stellungen und machten Gegenangriffe, bei denen sie etwa 1266 Deutsche gefangen nahmen. Bei Einbruch der Nacht zogen sich jedoch infolge de« kräftige» Drucke» der Deutschen unsere lind die rumqiiischen Truppen auf Beloni— MereseSci— Finceni zurück.?ln»er Gegen der B u z« u- M ü n d u n g ergriffen unsere Truppen die Offensive, bemächtigten sich durch einen Hand- streicki eines Teils der feindliche» Stellung, machten Gefangene und erbeuteten 4 Geschütze und 8 Maschinengewehre. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 13. August. Amtlich. Durch einS unsere U-Boote wurden neuerdings in der BiScaya und im Atlantischen Ozean ör.-Reg.,To. versenkt. Unter den vernichteten Schiffen befanden sich ein schwer bewaffneter, großer Dampfer, allem Anschein nach der Wilson. Linie, ferner ein Dampfer van annähernd 10 000 Tonnen, sowie ein un- bekannter Frachtdawpfer mit Munition, beide mit östlichem Kurs». Der Chef des Admiralstabes der Marine. * Amsterdam, 13. August. Im Monat Juli wurden an der niederländischen Küste 88 Minen angespült, wovon 77 englischen, zwei deutschen und neun unbekannten Ursprung» waren. 0 Washington, 18. August. für Reithosen zu wenig gezahlten Arbeitslohn nachzuzahlen. Nach den Feststellungen der Schlichtungskommission batte er für im Jahre 1915 gelieferte 85 000 Reithosen insgesamt 97 750 M. zu wenig Lohn gezahlt. Da nur etwa die Hülste der Arbeiter Klage aui Nachzahlung crbob. so erklärte er sich bereit, den geforderten Betrag nachzuzahlen. Eine Zahlung von 5000 M., die er im Januar 1916 geleistet halle, wurde aus diesen Betrag angerechnci. Er zahlte aberblos; noch 1 0000 Mark. Daher mufztc wegen der r est l i ch e n 30000 Mark Klage beim Landgericht erhoben werden. Damm erhob nun Wider- klage auf Herairsgabe der bereits gezahlten 10 000 M. und machte geltend, der Vergleich sei nichtig. Tic Schlichtungs- tommission habe sittenwidrig gebändelt, indem sie als Sühnekonr- Mission auftrat, obwohl sie ihn beim Lberkonrnrando angezeigt batte. Auch sei es sittenwidrig, dasi die Schlichtungskommission ihn über- redet habe, den Vergleich abzuschließen, obwohl ihr be- kaiint war, daß das Gewcrbegericht einen anderen Standpunkt einnehme. Sie habe sich überdies als em Schicds» gericht ausgespielt; habe rhm mit Entziehung der Heeres- liefcrungen, Slraie und einem furchtbaren Urteil gedroht. Einzelne Mitglieder der Schlichtungskommission hätten ihm gedroht, sie wurden ihm sür sein ganzes Leben unglücklich machen.— Das Lberkommando habe ihn nach der Polizei geladen und ihm wegen der zu wenig gezahlten Lohne gedroht. Er habe daher an Angst-� zuständen und Schlaflosigkeit gelitten und habe den Vergleich infolge seiner damaligen Verwirrung abgeschlossen. Ferner machte er geltend, daß er in Teilarbeit habe arbeiten lassen, daß die Arbeiter mehr als den vom Oberpräsidenten festgesetzten ortsüblichen Tage- lohn verdient hätte». Auch habe er gut eingerichtete Werkstätten unterhalten. ES sei daher durchaus berechtigt, wenn er nicht den vorgeschrredenen Lohn gezahlt habe. Nach' den. Lieferungsbedingungen des BckleidungSamtes ist es unerheblich, ob die Arbeit in Teilarbeit oder im ganzen hergestellt imrd. Auch spielt es keine Rolle, ob Werkstatt- oder Heimarbeiter beschnitigt werden, wie es auch gleichgültig ist, ob in dem Betriebe elektrische Maschinen oder solche mit Fußbetrieb stehen. Hat der Unternehmer gute Werlstattcinrichtungcn, so kommt ihm zu(Jute, daß er ständig genügend Personal hat und seinen Umsatz steigern kann, wodurch sich sein Gewinn erhöht. DaS ist die einzig mögliche; Besserstellung der Arbeiter in den Betrieben, da hinsichtlich der Löhne vorgeschrieben ist, daß die Arbeitgeber nicht mehr und nicht weniger al? die tariflich vorgeschriebenen Löhne zahlen dürfen. Ter Beklagte wurde zur Zahlung verurteilt und mit der Widerklage abgewiesen. Zur Begründung führt daS Gericht unter anderem folgendes auS: Die Einwendung des Beklagten, der abgeschlossene Vertrag sei kein Vergleich im juristischek Sinne und demnach nichtig, konnte nicht durchgreisen. Es ist sür den vorliegenden Fall rechtlich ohne Bedeutung." ob die Parteien in dieser vertraglichen Abmachung die Erfordernisse eines Vergleichs im Sinne des§>779 B.G.B, erfüllt baben. Die Parteien wollten in der Verhandlung vor der ScklichtungSlommiisson ollein die zwischen ihnen bestehenden RechtS- verhätlmsse durch veriragliche Abmachungen festlegen. Das Bestehen des Vertrages zu Recht wird dadurcki emickneden, daß die Parteien sich bei dem Abschluß über den Inhalt nicht im Irrtum oder in einer tatsächlichen Meimiiigsverschiedenheit befunden haben. Auch der Einwand des Beklagten, der Vertrag sei nichtig, weil er. den guten Sitten..widerspricht, ist unzui reffend. Daß eine Schlrchlüngslommission, obwohl sie selbst den Beklagten.bei dem- Obcrloprmondo in den Marken angezeigt hatte, da? Amt als SühneMumissioir zwischen den Parteien ausübte, ist ebensowenig unsittlich wie die Wahl des Vertreters der Kläger bei der Schlich- iiingskommission zum Mitglied der Unlerkommission, welche die klngerischen Ansprüche prüfen sollte. Die Kommission befand sich in durchaus rechtmäßiger und nnbedenklicher Ausübung ihres Amtes. Die unparteiische Prüfung durch die Unterkommispon wurde von der Schlichtlingskommission durch Ernennung des unbeteiligten Arbeit- gcbers Neubörger zum zweiten Mitgliede der llirterkommission gewährleistet. Inwiefern darin, daß dre Mitglieder der SchlichtrmgS- kommission trotz ihrer Kenntnis der Entscheidungen des Gewerbe- gerichts zu Berlin den Beklagten vorgeladen haben, etwas Sitten- widriges' liegen ioll, ist unerfindlich. Die S<1ilicbtungskommission, deren Amt es ist. Sohnstreitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern des Mtlitärschiieider- geiverbeS auf friedlichem Wege beizulegen, hat in der Sühne- Verhandlung vom 1 Mai 1916 lediglich ihre Aufgabe pflichtgemäß ersiillt. Dadurch, daß sie den Beklagten, der. Ww er selbst wohl wußte, semen Arbeitern Löhne gab. die den Tarifvertrag des Be- kleidungsamtes» n ler schritten, ausforderte, die zuwenig gezahlten Löhne nachzuzahlen, hat sie nicht gegen die guten Sitten verstoßen. sondern sie bat den Beklagten zur Erfüllung seiner Verbindlichkeiten angehalten, die sie mindestens sür eine sittliche Pflicht hielt. Es war nach ihrer Meiming eine Pflicht des Beklagten, gerade in dieser Zeit jede Slörung des Wirtschastöfriedens, wodurch zweifellos die PüiikllichkeU und die Güte der Heereslieferungen gefährdet werden konnie. zu vermeiden. Ging sie von dieser, von vielen Billigdenlenden geteilten An- schauung ans, so verstieß sie nicht gegen die guten Sitten, wenn sie durch Ueberredung dieser Anschauung Geltung zu verschaffen suchte. Auch die von dein Beklagten geltend gemachten Anfechtungs- gründe greifen nicht durch. Die in dem angeblichen Schreiben des Oberkommando? in den Marken an den Amtsvorsteher Mohr nach Behauptung des Beklagten enthaltelien und ihm von Mohr vorgelesenen Aeußerungen sind keine widerrechtlichen Drohungen. Allerdings finde» Verabredungen der hier sraalicdcn Art aus ältere Arbeitsverträge zwiicheu Arbeit- nehmern und Arbeitgebern keine Anwendung, wenn die Vertrag- schließenden der älteren Verträge nicht ausdrücklich oder still- schweigend der abändernden Tarifabrede beitreten. Aber eS scheint setzt in der KriegSzest sogar sragkich. oB km Falle-deS vorsätzlichen VerschweigenS älterer, den Tarif unter- schreitender Verträge durch den Lieferanten gegenüber der Militär- behörde bei Uebernahme der Lieferung nicht die Fortsetzung der den Tarif unterschreitenden Verträge als unerlaubt, weil gegen das Staatsinteresie im Kriege absichtlich verstoßende Handlung an- zusehen wäre. In diesem Falle wären mangels einer gültigen Lohnabrede angemessene Lohnsätze zu zahlen, als welche die Tansiätze in der Regel anzusehen sind. DaS Oberkommando war jedenfalls als die dem Bekleidungsamt übergeordnete Behörde be- rechtrgt, dem Beklagten, der den Vertrag mit dem Bekleidungsamt nach seiner eigenen Angabe nicht eingehalten hatte, die HeereSliefe- rungen ohne weiteres zu entziehen. ES hat jedoch km Interesse de? Beklagten von seiner Macht- besilgiuZ nicht sofort Gebrauch gemacht, sondern den Beklagten zu- nächst ausgefordert, den Arbeitern ihre rückiländigen Löhne zu zahlen. sich gegebenenfalls der Entscheidung der Schlichlungskommissio» zu iimcrlvcrfen und es konnte ihm in Aussicht stellen, daß er andern- falls von den Mililärbehörden keine Aufträge mehr erbalien würde. Derartige Eröffnungen an den Beklagten würden weder eine Drohung enthalten baben, noch würden sie widerrechtlich gewesen sein. Der Beklagte ist überdies durch die von ihm behaupteten Aeußerungen in der Schlichtungskommission und durch das angeb- liche Schreiben des KriegSniinisieriums sicher nicht zum Abschluß der Vereinbarung mit den Klägern bestimmt worden. Er bat, selbst wenn ihm keine diesbezügliche Eröffnung gemacht worden ist. sicherlich vorausgeieben. daß die Militärbehörde ihm im Falle seiner Ablehnung der Vereinbarung die Heeresliescrungen schon mir Rücksicht auf die sür die Sicherung des HeercSbedarfs notwendige Rücksicht auf die Arbeiterorganisation entziehen würde. Diese Ueberlegung ist für den Beklagten zum Abschluß der Vereinbarung in erster Linie bestimmend gewesen und demgegenüber fallen andere Motive, wie Furcht vor gerichtlicher Strafe, die etwa auf Drohungen zurückzuführen wären, nicht ins Gewicht, ganz abgesehen von den Angstzusiänden und der nervösen Verwirrung, die nach eigener An- gäbe des Beklagten ihn zum Abschluß der Vereinbarung mit per- anlaßt baben sollen. Endlich sind auch die vom Beklagten erhobenen AnfechtungS- gründe der Täuschung und des Irrtums hinfällig. Die Behauptung deS Beklagten über die angebliche Aeußcrung eines Kommissions- Mitgliedes, es werde gegen den Beklagten ein surchlbares Urteil ge- fällt werden, ist deswegen unhaltbar, weil eine ähnliche Aeußsrung gar nicht gefallen ist. Dann aber hat nach der Angabe des von Schulz die Schlichtungskommission tatsächlich als Schiedsgericht und zwar im Einverständnis des Beklagten getagt. Der Beklagte be- fand sich also in gar keinem Irrtum, als er amiahm, in der Kommission ein Schiedsgericht vor sich zu haben. veutkhes Reich. Von der neuen gewerkschaftlichen Temokratie. Vereinzelt werden die neuen demokratischen Maximen der Un- abhängigen auch aui die Gewerkschasten Lberiragen. Im allge- meinen konnten sie allerdings mit ihrer radaulustigen sogenannten Opposition keine großen Geschäfte machen. Die wenigen Ans- nahmen, in denen sie damit anscheinend Erfolg hatten, bestätigen daber auch nur die Regel, die Gewerkschaftsmitglieder zeigen zuviel gefunden Sinn für die mühevolle Arbeit und für die wichtigen Ausgaben, die ihre Verbände während des Krieges leisteten, die ihnen aller nach dem Kriege noch viel mehr obliegen werden, als daß sie die wirtichasl- liehe Macht ihrer Organisationen und die kamcradschaftliche Einig-' feit ihrer Klasiengcnossen zersplittern oder in Stücke schlagen. Doch hier und da ist es einigen politisch übereifrigen Unabhängigen gc- lungen, Beschlüsse ihrer Ortsgruppen zustande zu bringen, die etwa den Austritt aus dem örtlichen Gewcrkichafiskartell befürworteten. Wie solche Beschlüsse zustande kommen und welcher Wert ihnen bei- zumessen ist, dafür folgendes Schulbeispiel: Die Verwaltung der Zahlstelle� Plauentcher Grund des Fabrik- arbeiterverbandeS"hätte' enistiMimg beschkössrn, bei der Mitglieder- Versammlung' zu Heantragen, cms dcm Dresdener Gewerkschaftskartell auszutreten, da dieses angeblich nicht mehr auf dem Boden des Klassenkampfes stehe und die Grundsätze der Gewerlschastsbewegung— wie sie von den unabhängigen Klassenkämpsern verstanden werden— aufgegeben habe. Eine frühere Versammlung, die sich mit dem Antrag befassen wollte, war so schlecht besucht, daß die Angelegenheit nicht verhandelt wurde; von rund 1500 im Bezirke des Dresdener Kartells wohnenden Mitgliedern waren rund zwei Dutzend anwesend. Jetzt hat nun eine neue Versammlung staUgesundcn, die gegen 13 Stimmen den Austritt aus dem Kartell beschloß. Von den 1500 in Frage kommenden Zahl st ekle»mit gliedern waren ganze 85 anwesend, die Hälfte beteiligte sich aber nur an der Abstimmung und davon stimmten 28 für und 13 gegen den Austritt! DaS soll dann die neue Demokratie sein, mit der nach Mei- nung dieser Weliverbcffercr die Gcwerlschaften durchtränkt werden müssen, um an Stelle des vermaledeiten BureaukratiSmus die wirk- liche Entscheidung der Mitglieder zu setzen. Partemachrichten. Aus der österreichische« Sozialdemokratie. Die Parteivertretung hielt am 8. und 9; August Sitzungen ab, an denen die Vertreter sämtlicher Kronländer teilnahmen. Auch Dr. Viltor Adler war, nach seiner Erkrankung wiederhergestellt, erschienen. Die Beratung galt den polttischen und parlamentarischen Ereignissen der letzten Zeit, der Lage der Arbefter in den Kriegs» leislungSbetrieben, den Ernährnngs- und sozialpolitischen Fragen. vor allem aber dem Frieden und den Vorbereitungen für die S t o ck h o I m e r Konferenz. DaS Präsidium berichtete auch über die Vorschläge zur Bil- dung eineS Koalitionsministeriums.' Vor etwa zwei Wochen trat der Ministerpräsident Dr. v. Seidler an die Partei mit dem Vorschlag heran, sich durch einen ihrer Vertreter an einem Koalitionsministerium zu beteiligen. Der Vorstand hat diese» Angebot nach Lag« der Sache abgelehnt. Das schließt nicht aus, daß sich die Partei«it allen Vorschlägen über Aendrning der Verfassimg sehr ernst defassen wird. Sie hat immer im Sinne der Autonomie der Völker und der Demokratie gewirkt, vielfach an- regend und führend, und wird sich daher auch an allen Arbeilen in dieser Hinficht beteiligen. Die Partei ist aber auch entschlossen, und zwar jetzt mehr als je, sich die Freiheit ihrer A k t i o n zu wahren. Der Bericht wurde einstimmig genehmigend zur Kenntnis genommen. Einen wichtigen Gegenstand der Verhandlungen bildeten an» die Vorbereitungen für den nächsten Parteitag. Es wurde beschlossen, als Zeitpunkt vorläufig den 28. September d. I. und die folgenden Tage m Aussicht zu nehmen. Sollte sich etwa wegen der Stockholmer Verbandlungen die Notwendigkeit einer Verschiebung herausstellen, so ist der Parteivorstand dazu ermächtigt. Als Gegenstände der Ver- Handlung wurden nebst den Berichten über die Tätigkeit der Parter und des Abgeordnetenilubs in Aussicht genommen: ein Reserat über Stockholm, die Internationale und der Friede, serner ein Referat über die Verwirklichung der politischen D e in o k r a> i e und der nationalen Autonomie, eine Erörterung der Beziehungen der deutschen Sozial- demokrotie zu den anderen sozialistischen Par- teien in Oe st erreich, schließlich ein Referat über die Forde- rungen der Arbeiter in der Kriegs- und Uebergangs- Wirtschaft. An die Organisationen wird die Aufforderung gerichtet, die Vorberatungen über den Parteitag sofort«inzuleiten und sodann die Wahlen der Delegierten vorzunehmen. Aus den Organisationen. Am 5. August zogen die Vertrauensleute des HerzoolurnS Koburg daS Fazil aus den Wirkungen des Krieges auf die Orga- nifation. Nach einem Gedcnlwort an die Toten teilte der Vor- sitzende mit, daß während für das Jahr 1915/16 noch 14 Mitglied- söbaften berichteten, diese Zabl für dieieS Geicbäftsjahr auf nur fünf Filialen gesunken sei. In manchen Orten ist die Mitgliederzahl' infolge der Einberufungen auf 10 Prozent gesunken. Eine geordneie Organiiationstäligkeit wird dadurch unmöglich. Genosse Reichstags- abgeordneter Bouderl sprach über die Tätigkeit der Sozial- demokratischen Fraktion, über die Absplitterung der Unabhängigen und die sich daraus ergebenden bedauerlichen Folgen für die Ar- beiterbewegung. Eine von ihm empfohlene Entschließung, in der Annexionen anfs schärffte abgewiesen werden, der Verständigung?« frieden begrüßt und dem Verlangen nach Demokratisierung des Deutschen Reiches und der Bundesstaaten kräftiger Ausdruck gegeben wurde, wurde von den Unabhängigen— abgelehnt. Grund: Kredii- bcwilliginrg und.Porlonieiitelir. Nach dieiem Heldenstück fühlten sich die Herrschaften seelisch gehoben; hatte» sie cS doch errnckn, daß die Arbeilerschast des Koburger Landes sich nicht für den Ver- ständigungsfrieden ausgesprochen hat. Auf der Konferenz des Sozialdemokratischen Vereins Sagan- Sprottau wurde vom Bezirkssekretär Eberle berichtet, daß die Versammlungstätigkeil eine geringe gewesen sei, in letzter Zeit aber organisatorische Fortschritte gemacht wurden. So konnren in Sproitau allein in den letzten Tagen 34 Genossen neu aufgenommen werden. Im Herbst soll riiie iebhasie Frauenagitatron einsetzen. Genosse Eberle sprach auch über die Tätigkeit der Parter und ver- urteilt« das organisationsschädigende Verhalten der Minderheit, die ihren ParteiegorsmuS über die dauernden Interessen der Arbeiter- ichast stellt. Der Reichstagskandidat Genosse F r i t s cb glaubte, daß eine weitergehende Meinungsäußerung gewährt werden müsse. Er rechne sich zwar nicht zu den Unabhängigen, ober doch zur Minderheit in der Mehrheit. Der Parteitag solle auf die Wieder- Vereinigung einwirken. Nach längerer Diskussion vertagten die De- legierten den StrM nbev die Vorgänge' in der Partei und gelobten... gemeinsam alle Kräfte zum. Ausbau der Organisation und. zur Werbung'neuer ,1SölkszeMngs'-Lesei einzusetzen. Otto Bauer. Der italienische.Messagero' meldet, wie da? Wiener Korre» ivondenzburaou aus Lugano berichtet, aus Petersburg: Der bckannle österreichische Sozialist Otto Bauer, der krieqsgefangen war, wurde auf Ersuchen des Vollzugsausschusses des Arbeiter- und Soldoien- rateS befreit und ist in Petersburg eingetroffen, wo er durch Marlow den Mitgliedern des Ausschusses vorgestellt und auch von den Ministern Skobelew und Zeretclli begrüßt wurde. �Lieber mit de» Kouservativcn." J« einer von der sozialdemokratischen Parteiorganisation Donzig am 11. August veranstalteten öffentlichen Volksversammlung hielt Genosse A. B a r t e l- Königs berg einen Vortrag über die deulswe Neuorientierung. Redner behcndekte Ursprung und Verlauf. des Weltkrieges, die Friedens arbeit der Sozialdemokratie sowie die Neu« orientierung. Unabhängige machten ebenso viele wie tolle Zwintien- rufe, so:.daß wir schon Frieden hätten, wenn die Feinde Belgien als Einfalllor benutzt haben würden". Und als die VercinigungS- versuche erwähnt wurde», bekannten die Unabhängigen:.Lieber mit den Konservativen". Trotzdem die Unabhängigen einen ge- wissen Anhang mitgebracht hatten und ihnen Redefreiheit zugesichert war, fand kerner den Mut, das Wort zu ergreifen. Vordem zeterten sie, e? fei verboten zu diskutieren und mm, da sie cS durften und dazu aufgefordert wurden, schwiegen sie in allen Tonarten. Sie lehnten auch die Resolution ab, die die baldige Ein- sührung deS gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts in Staat und Kommune und allgemeine Demokratisierung fordert und den baldigen Frieden herbeiwünschte. Frau Henriette Rokand-Holst zeigt ihren � Austritt au? der ..Tribüne", dem Organ der holländischen Minderbeitssozialisten, an, die, etwa 700 Mann stärk, für.Massenaktionen" schwärmen. tser-ntwortl. f. Politik: Dr. Fronz Dirtlerich, Berlin-Friedenau: tür d. übrigen Teil des Blattes: Alfrrb Schoiz, Neutölln: für Inserate: ZU. Glocke, Berlin. Druck u. SSctiag: Torwarts Buchdruckerei u. Verlagsanllait Paul Einger&. Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage unb Nnterhalinngsblatt. A. WERTHEIM Frische Schollen �"„40 'Pf. an Frische Schellfische �1,20 an Salzfische....... Pfund 2.50 Kippered-Heringe Dose 3.10 Salz-Brieslinge.. Pfund 1.40 Neue saure Gurken �25� Magdeburger Salat pfd 1.80 Lebensmittel Mittwoch, soweit Vorrat Dorsch-Rogen........ Pfund 2.40 Suppenhühner Weißkohl......... pfundSOpf. Junge Hühner fzu*eennTases' Mohrrüben ohneKraut. Pfund28pf. Tauben Karotten ohne Kraut.. Pfund 45 Pf. Einlegegurken.... Pfund 35 Pf. Senfgurken....... Pfund 48 pf. Kürbis........... Pfund 45 pf. Tomatengrüne zumEimnach.Pfd. 65 PL Grüne Bohnen....Pfund 63 pf. Rettich...... stück 15 u. 20 pl Maiskolben...... Pfund 30 pl Nr. 222 ❖ 34. Jahrgang Heilage öes vorwärts Mittwoch, 15. �ugust1417 GroßSerün Noch einmal das Hennigsdorfcr C-xplosionsunglück. Das K r i e g S m i n i st e r i u m teilt ietzt mit: Als Er- gänzunq der gestern in der Presse veröffentlichten Widerlegung der unsinnigen Gerüchte über den angeblich größeren als bekanntgegebenen Umfang des durch die Erplonon in Hennigs- darf verursachten Ärandunglücks werden nachstehend die Namen der tödlich Lerunglückten bekanntgegeben: 1. Rosa Hoch- muth, 44 Jahre, verheiratet; 2. Milda Hochmuth, 19 Jahre. ledig, deren Tochter; 3. Karl Krebs. 63 Jahre, der- beiratet; 4. Rudolf Staegc, 46 Jahre, verheiratet; 5. Louis Ctaege, 60 Jahre, verheiratet; 6. Elsriede Mende, 20 Jahre, verheiratet; 7. Marie Staweck, 20 Jahre, ledig; V. Karl Miller, 55 Jahre, verheiratet. Miller, der durch Glassplitter nur leicht am s�uß verwundet war, ist später im Krankenhaus an hinzugetretener Blutvergifung gestorben. Es ist bedauerlich, daß neuerdings sogar Berlin als Großstadt so oft Herd und Nährboden völlig aus der Luft gegriffener Gerüchte getvesen ist. Dies ist nicht anders erklärlich, als daß auch böswillige Absicht einzelner im Spiele ist, um die Bevölkerung zu beunruhigen. Ernsthafte Leute sollten solchen Gerüchten, die von vornherein unglaubwürdig erscheinen, stets von sich aus mit Entschiedenheit entgegen- treten. Warum must der Gasverbrauch eingeschränkt werden? Die Grunde der Ei-n sckräntu ng des Gasverbrauches, die jetzl der Bevölkerung aufgezwungen wird, sind tcm Geheimnis. Es fehlt den Gaswerken an Kohlen zur Bereitung des Gases. Wie schlimm bei den Gaswerken Groß-BerlinS die Kohlenknappheit ist, erfuhr man in einer Konferenz, zu der die von den«Aaswerkvcrwaltuiigen gestellten Vertrauensmänner des Reichs- towmijsars für Elektrizität und Gas die Vertreter der Presse ge- laden hallen. Tie Kohlenvorrätc der Gaswerke find zurzeit so gering, daß sie nur für wenige Wintcrtage ausreichen würden. ES ist- diesmal nicht, wie in früheren Iahren, möglich gewesen, in den Sommermonaten große Vorräte fteranzn schaffen und zu lagern. Für die WiMermönalc, wo die Benutzung des Wasserweges er- ichwert ist und Cr sen bahnen benutzt werden müßten, haben wir schon aus diesem Grunde wenig Zuführ zu evivaeten. Die Gaswerke könnten indes besser beliefert werden, wenn z. B. die Koke- reien in Westfalen und Dbcrschlesicn nicht so b e- deutend« Ko klemm engen für ihren. Betrieb zurück- bielren. Die Kokereien halben davon ihren Gewinn, aber da» kann doch nicht ausschlaggebend sein gegenüber dem Gasbedars Groß- Berlins und anderer Großstädte. Tie Gaswertverwaltungen Groß-Berkins halten selber die Einschränkung des Gasverbrauchs so, wie sie jetzt angeordnet ist. für schwer durchführbar. Die. Vertrauensmänner haben das den zu- ständigen Behörden zugestellt und auf deü Kohlenüberschuß der Kokereien hingewiesen, ohne daß sie ekwas damit erreichen konnten. Warum aber haben dann die Gas Werks leiter als Vertrauensmänner die von ihnen nicht gelhilligte Verordnung mit ihrem Namen gedeckt? Hätten sie das nicht getan, so wäre— meinten sie — dü. Verordnung, selbstverständlich doch gekommen und' vicllcichr noijj schlimmer ausgefallen. Wer cheiß!_...._■ ' Tie Ausführungsöestimmungen stellten anherm, enbvedcr für stden Abnehmer seinen Bors ahrverbrauch zugrunde zu legen und aus 80 Proz. einzuschränken oder„gleichartige" Abnehmer zu- sammenzufassen und für sie einen nach der Gasmesser» große abgestuften„N o r m a I v e rbra uch" festzusetzen. Die Sonderbcstimmungen für Eroß-Berlin bringen uns das letztere Verfahren, bei dem— wie in der Konferenz der die Berliner Ga- werke leitende kaufmännische Direktor Lentze zugab— nicht in d i» i d u o l i s i e r t, sondern schematisiert wird. Tsas sei, sagte er, leider nötig, weil es— an Personal fehle, für jeden Abnehmer den Vorsabrvcrbrauch zu ermitteln. Darum also müssen wi r uns das sinnloseVerfahren eines nach der Gasmesser- grüße festgesetzten durchschniltlichen„Normalverbrauch es" gefallen lassen, das alle Verbraucher mit bisher überdurchschnittlichem Ver- brauch in schwere Bedrängnis bringt. Eine Mutter z. B, die für einen Säugling häufig Leib- und Bettwäsche waschen muß, soll jetzt daiür büßen, daß sie infolge der naturgemäß in der Küche vorzu- nehmenden Reinigung der Süuglingswäsche bisher einen überdurchschnittlichen Gasverbrauch hatte. Aus der Anwendung dieses sinnlosen TurchichnittSprinzipS erklären die Vertrauensmänner auch den auf den ersten Blick ganz unverständlichen Unterschied, der zwischen fünfflammigen Münz- g asm eifern mit nur 666 Kubikmetern Jahresverbrauch und fünfflammigen gewöhnlichen Gasmessern mit 660 Kubikmetern Jahresverbrauch gemacht wird. Mcm Hot nämlich ermittelt, daß der..Durchschnitt" sich für sünfslammige gewöhnliche Gasmesser aus 660 Kubitmeter, für fflnsflammige Münzgasmeffer aber auf nur 803 Kubikmeter stellt. Daraus leitet man dann das Recht her, zu erklären, daß den kleinsten Abnehmern..sogar mehr bewilligt" worden sei, als sie nach ihrem bisherigen„Durchschnitt" zu bean. spruchen bätten. Ein magerer„Trost" für Abnehnier, die mehr als den„Durchschnitt" nötig haben! Ist Aenderung möglich? Jawohl! Den Großstädten wäre ge- Holsen, wänn die Kokereien gezwungen würden, einen Teil ihrer zur Gasbeveitung verwendbaren Kohlen abzugeben. Wir fordern, daß dies— ohne Rücksicht auf die Schmälcrung des Profites der Kokereien— schleunigst angeordnet wird. Proteste gegen die Gasverordnung. Gegen die Verordnung der Vertrauensmänner in Sachen der Einschränkung des Gasverbrauchs vom 11. d. M. hat der Berliner Magistrat, der zu dieser Anordnung nicht gehört worden ist, beschlossen, Widerspruch zu erheben und wird seinerseits Gegenvorschläge unterbreiten. Der Schöneberger Magistrat beantragt, die Be- stimmungen über die Einschräiikung des Gasverbrauchs auf- zuHeben, da die beteiligten Gemeinden nur formell hinzu- gezogen, ihren Wünschen aber überhaupt nicht entsprochen worden.ist. Auch der Lichtenberger Magistrat will sich mit aller Entschiedenheit gegen die Verordnung wehre», die ohne seine Einwilligung zustande gekommen ist. In Neu- k ö l l n sind ebenfalls bereits Schritte unternommen, sich gegen diese widersinnige Verordnung zu wenden. Erhöhung der Milch- und Butterpreise. In den Kreisen der Interessenten beschäftigt man sich schon wieder mir einer neuen Erhöhung der Milch- und Bullerpreise. Die Reichssellstelle will in Kürze dazu Stellung nehmen. AIS Grund dieser Maßregel wird angegeben, daß durch den Mangel an Futter- Mitteln die Produktion an Molkereiprodukten bedeutend zurück« gegangen fei. Die Groß-Bcrliner Bevölkerung hat bereits diesen Mangel der Molkereiprodutte dadurch zu spüren bekommen, daß plötzlich den größeren Kindern die Magermilch entzogen werden mußte. Auch die Bollmilchbelieserung ist in dem zur Feltstelle Groß-Berlin gehörenden Bezirk immer knapper geworden, so daß die Groß-Berliner Gemeinden bereits Sorge tragen, eine bessere. Belieferung herbeizuführen. Man will das dadurch erreichen, daß den Erzeugern höhere Preise und auch für das Zusammen- bringen der Milch auf dem Lande Prämien gezahlt werden. Nach den Berechnungen in konimunalen Kreisen dürfte dadurch das Liter Milch um etwa 8 Pf. verteuert werden. Das würde für diese Fanlilien wieder eine enorme Last bedeuten, da ja in den Familien mit kleinen Kindern der Mann meist der einzige Ernährer der Familie ist. Noch schlimmer dürste die Last dort empfunden werden, wo sich der Ernährer im Felde befindet und die zurückgelasiene Ebesrau entweder alleinige Verdienerin öder nur Nnteistütznngsempiängerin ist. Eine Milchverteuerung bietet daher nur zu leicht die Geiahr. daß die«säuglingSernährung eingeschränkt und somit die Aufzucht der Jugend überhaupt gefährdet wird. Zu prüfen ist aber noch die. Frage, ob denn durch höhere Preise mehr Futtermittel heranzuschaffen sind und damit mehr Milch er- zeugt werden kann. Im„Berliner Tageblatt" wendet sich der frei- finnige Reichstagsabgeordnete Hoff mit durchschlagenden Gründen gegen diese beabsichtigte Schröpiung der Konsumenten. Er verlangt dort die Anpassung unserer Viehbestände an die vorhandenen Futtermittel als das erste, unbedingt erforderliche Gebot einer ver- nünftigen Kriegswirtschaflspolitik und verwirft die Steigerung der Zahl der Tiere über das vernünftige Maß als daS falscheste, was man im Interesse der Milch- und Butterversorgung vornehmen kann. Zum Schluß sagt er darüber: »Die Milch- und Butterversorgung ist viel mehr eine Organi- sationS- als eine Preisstage! Der Vollmilchverbrauch ist bekanntlich auf Kinder, Mütter und Kranke beschränkt. Nach uns gewordenen Mitteilungen ist zur Befriedigung dieser Ansprüche täglich ein Neuntel Liter auf den Kopf der versorgungsberechtigten Bevölkerung er- forderlich. Das macht bei zirka 43 Millionen einen täglichen Bedarf von 5 Millionen Liter. Dieser kann bei ausreichender Fütterung durch zirka 1 Million Kühe gedeckt werden. Der Milchertrag der anderen Kühe kommt in erster Linie für die Buttergewinnung in Betracht. Wenn wir daher durch Futtermangel gezwungen werden sollten, von unserem zirka Kst/a Millionen umfassenden Kuhbestand 10 oder 20 Proz. abzuschlachten, so wäre das noch nicht tragisch zu nehmen. Wir würden an Butter vielleicht 3— 10 Gramm weniger haben, dafür aber in einer verbesserten Fleischversorgung zu mindestens den zehnfachen Ausgleich finden. Was wir uns in der Situation nicht leisten können, das ist ein Durchhungern der Tiere, wobei der Ertrag an menschlichen Nahrungsmitteln auf ein Minimum sinkt und dazu noch Hunderte von Millionen Kilogramm Fleisch auf den hungernden Tieren verloren gehen, und eine Verfütrerung von solchen pflanzlichen NahrungS- inittcln an die Tiere, die wir für die menschliche Ernährung unbe- dingt notwendig gebrauchen. ' Tie Neigung zur Viehhaltung, die ohnehin bei den Landwirten besonders bezüglich der Kühe eine große ist, durch Preissteigerung für Milch und Butter noch weiter zu steigern, ist daher äußerordent- lich bedenklich. Nicht die Zahl der Tiere ist für den Erttag ent- scheidend, sondern die Art der Befütterung. Weniger bedeutet auch hier in Wirklichkeit mehr!" Daß auch Molkereiprodukte vielfach noch sehr unrationell be- wirtschaftet werden, dazu liefert die„Deutsche Rabatt-Sparvereins- Zeitung" einen recht interessanten Beitrag. Sie schreibt: „Die Molkereigenossenschaft bei Elbing wurde von der Z. E. G. veranlaßt. Butter zu reservieren und sie der Z. E. G. zur Verfügung zu halten. Es handelt sich um große Mengen: Hunderte von Zentnern wurden aufgespeichert und lagerten in der Molkerei. Trotz mehrfacher Mahnung wurde aber die Butter von der Z. E. G. nicht abgenommen und der Vorrat wurde immer größer. Zugleich aber verlor die Butter infolge der langen Lagerzeit erheblich au Gürc: schließlich. war sie ganz' verdorben. Nunmehr er- folgte die MüreUiMg au die Z. E. G., daß die Butter verdorben sei. und daß die übrige noch lagernde Butter ebenfalls ungenießbar würde. Wochenlang kam keine Antwort: dann ttas die Änweisuirg der Z. E. G. ein. die Butter an die Seifenfabriken abzugeben. Da iür Butter Verkebrshöchstpreise bestehen, so machte die Z. E. natürlich mit diesem Butterhandel ein sehr gutes Geschäft. Wenn uns die Mitteilung nicht von absolut einwandfreier Seite zugegangen wäre, würden wir sie nicht glauben. So scheint es uns dringend ersorderlich, den Fall aufzuklären und in die Buttergeschäfte der Z. E. G. näher hineinzuleuchten." Die Z. E. G. wird schleunigst Auskunst geben müssen. Tie Erfassung der Obsternte. Die befürchtete Beschlagnahme des Obstes für die Marmeladen- bereitung wurde gestern aus einer Tagung deutscher Obst-, Gemüse- und Südfrüchte-Großhä Udler in Berlin erörtert. Verbvndssyndikus Dr. S ch a d e- Düsseldorf erklärte sich in seinem einleitenden Restrat grundsätzlich gegen die Be schlagnahm e. Sie sei keineswegs notwendig und würde sich auch schwer durchführen lassen. Komme es ader zur Verwirklichung des Planes, so babe der Handel eine Reihe Wünsche. Zu fordern sei unter anderem, daß bessere und haltlbareve Sorten dem Frisch verkauf vorbehalten toerden, nur gewöhnlichere und nicht■haltbiire zur Marineladenbereitung bleiben. Fabriken und Städte» soll frei stehen, aus welchen Gegenden sie Ware beziehen wollen. Zur Ver nnttelung zwiscien Erzeugern und Fabrik oder Großstadt soll jeder Händler mit Zulassungsschein berechtigt sein. Für Speffeotbst wird ein so viel höherer Preis als für Fabrikobst getvünscht, daß Aus fortierung besserer Ware sich für den Verkäustr lohnt.?lbgabe von Obst an Privatleute und übergroßer Selbswerbrauch der Erzeuger sind z» verbieten. Ausfuhrverbote sind aufzuheben. In der D i s k u s s l o n wird von einem, der'S zu wissen glaubte, behauptet, daß die Beschlagnahme der Obsternte„schon beschlossen" sei. Der als Gast anwesende Oterregierungsrot v. Ti lly, Leiter der Reichsstelle iür Obst und Gemüse, erklärte, daß die zu erlassen den Bestimmungen noch nicht endgültig feststehen. Aus seinen Aus führungen ging hervor, daß von einer Beschlagnahme Abstand genommen wird, aber doch einschneidende Zwangsmaßnahmen lEinftihrung des Beförderungsschcins) zu erwarten sind. Tie Befürchtung, daß Erscheinungen wie bei der vorjährigen Beschlagnahme sich wiederholen könnten, sei unbegründet. Diese Ankündigungen wurden von der Versammlung mit Freude begrüßt. Im weiteren Verlans der Tagung wurde bezüg- lich der Händlerwünsche zur künftigen Obsti und Gemüse. Versorgung eine Enffchließung angenommen, die den grundsätzlichen Standpunkt betont, daß von Zwangsmaßregeln, die den Handel einengen, abzusehen sei. Sollte das aber nicht angängig sein, so wird dringend gewünscht—„nicht etwa im Interesse des Handels, sondern um des Gelingens der Herdswersorgung willen""—, daß„der Handel in keiner Werse ausge- schaltet wird". Jeder Obst- und Gemüsehändler mit Zu- lassungSschein solle Mischen Erzeuger und Großverbraucher ver- Mitteln dürfen, ohne daß eine besondere Genehmigung der Ge- schäfte durch die einzelnen Kreise nötig ist. Berliner Lebensmittel« Vom Montag, den 20., bis Sonntag, den 26. d. M, erhalten die Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren sin der Zeit vom 1. Januar 1899 bis 31. Dezember 1903 Geborenen) pro Kopf 100 Gramm Auslandskäse. Bezugsberechtigt sind also auch noch alle die, die im Laufe des. Jahres 1917 bereits 18 Jahre alt geworden sind und die, die erst im Laufe des Jahres das zwölfte Jahr erreichen. Die Verteilung erfolgt auf Grund be- sonderer Bezugsscheine, die vom Donnerstag bis Sonntag in den Berliner Brotkommissioneu abzuholen sind. Die Bezugs- scheine berechtigen zum einmaligen Empfang von 100 Gramm Aus- landskäse in den durch hellrote Berkaufsschilder gekennzeichneten Berliner Filialen der Firme»: I. F. Aßmanu, Gebr. Manns, Gebr.. Grob. Otto Reichelt. Vereinigle Pomm. Meiereien. G. L. Vallentin Nachi., Konsunigenossenschaft Berlin und Umgegend c. G. m. h. H. Andere Geschäfte sind nicht zugelassen. Nach dem 26. August verlieren die Bezugsscheine ihre Gültigkeit. Eine Voranmeldung findet nicht statt. An Kinder, die in der Zeit vom 1. August 1911 bis zum 31. Juli>913 geboren sind, werden einmalig etwa 100 Gramm Schokolade, und zwar auf Grund von Bezugs- icheinen, die von den Brolkommissionen in der Zett von Donnerstag bis Sonntag ausgegeben werden. Für die Zweijährigen gelangen grüne Bezugsscheine, für die Dreijährigen blaue, für die Bierjährigen gelbe und für die Fünf- jährigen rosa Bezugsscheine zur Ausgabe. Zunächst erfolgt der Aufruf und die Verteilung für die Zweijährigen auf die grünen Karten. Die Verteilung für die übrigen wird noch bekannt- gegeben. Die grünen Bezugsscheine sind von den Empfangs- berechtigten bis zum 22. August in einem der durch Berkaufsschilder gekennzeichneten Geschäfte vorzulegen. Die Ware selbst wird dann einige Tage später erhältlich sein. Die Geschäfte sind bei den Brolkommissionen bekannt, auch an den Anschlagsäulen bekannt« gegeben. Auch im Monat September erhalten Kinder bis zum V o I- l e n d e t e n 2. Lebensjahre 1 Pfund Haferflocken. Die zur Empfangnahme berechtigenden Bezugsscheine werden von den Brotkommissionen zusammen mit den Milchkarten in der bis- herigen Weise nach Straßenzügen verteilt. Der Preis des Kranlengebäcks, für deren Bewilligung die Zentrale für Krankcnernährung zuständig ist, beträgt für ein ganzes Brot im Gewicht von 1930 Gramm 88 Pi., für Teile eines Brotes von 1000 Gramm 43 Pf, von 930 Gramm 43 Pf. DaS Krantengebäck wird nur im Ganzen, oder in Teilen von 1000 und 930 Gramm abgegeben.' Noch kein Petroleumverkauf. Amtlich wird mitgeteilt: Da bei dem fühlbaren Mangel an Leuchtöl im Hinblick auf die kommenden Wintermonate äußerste Sparsamkeit geboten ist, erschien es ratsam, das erlassene Verbot, Petroleum zu Leuchtzweckcn abzusetzen, nicht schon, wie zunächst vorgesehen war, mit dem 31. August enden zu lassen, das Verbot vielmehr, soweit es den Absatz an Verbraucher betrifft, noch aus die Zeit bis zum 16. September einschließlich zu erstrecken. TvS Verbot, Leuchtöl an Wiederverkäufer abzusetzen, endet nach wi« vor mit dem 31. August. Die Petroleuuigesellschgftcü sind also in der Loge, in der Zeit vom 1. Septenrbsr ab die ver sagbaren PejM- leum mengen auszufahren, so daß die Verbraucher a�nit rechnen tonnen, gleichzeitig mit dem Uebergong von der Sommerzeft zur Winterzeit, der bekanntlich am 17. September erfolgt, wieder Pe- troleum zu erhalten.___ Kein Totschlag. Die Leiche des Straßenbahnschaffners Zollweg, der bei dem Auftritt an der Ecke der Äömggrätzer und der Groß- beerenstraße sein Leben einbüßte, ist jetzt von den Gerichtsärzten obduziert worden. Das Ergebnis war die Feststellung, daß der Mann nicht totgeschlagen worden, sondern einer Herz- muSkelentartung und Arterienverkalkung erlegen ist. DaS hat sür die Untersuchung des traurigen Vorganges eine ganz besondere Bedeutung. Zollweg ist offenbar infolge der Er- rcgung, in die ihn der Äufttitt mit dem Fahrgast versetzt hatte, an einem Herzschlag gestorben._ Gegen namenlose Fuhrwerke. Das Polizeipröfidimn teilt init:. Der Polizeipräsident von Berlin hgt den Revieren die unnach- sichtliche Durchsüdning der Bestimmungen der§§ 3 und 133 der Sträßenordnnng vom 31. Dezember 1899 erneut zur Pflicht gc- macht, wonach Fuhrwerke, welche nicht ausschließlich zur Be- förderuug von Menschen bestimmt sind, mit dem Name» und der Angabe der Wohnung des Eigentümers oder der Firma, deren Zwecken der Wagen dient, versehen sein müssen. Tic Verantwortlichen sind gegebenenfalls zur Be- sttafung zu bringen. Ueber eine Gasvergiftung von Vater und Tochter wird«US der Swinemünder Straße berichtet. Dort wohnt in dem Hause Nr. 44 ein Kauftnann Artur Wolter mit seinem 6 Jahre alten Töchterchcn Edith. Tie Frau ist vor kurzer Zeit gestorben. Heute bemerkten Hausbewohner aus der Wolterschen Wohnung einen starken Gasgeruch. Sie ließen offnen und fanden das kleine Mädchen tvt und den Vater besinnungslos in der mit Gas ange- füllten Wohnung. Wiederbelebungsversuche bei dem Manne hatten Erfolg und wurde er als Polizcigesangener nach der Charit« gc- bracht. Was den Mann zu dem Schritt veranlaßt hat, ist nicht bekannt. I« Müggelsee ertrunken ist die sechsjährige Johanna Schiller, die sich bei den Großeltern in Friedrichshagen besuchsweise aufhielt. Die Leiche ist gelandet worden. Ein VolkSkonzert des Philharmonischen Orchester? findet heute in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr, Einlaß 7 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Hroß-Serlmer parteinachrichtea. Sozialdemokratischer Berein für Niederbarnim. Sonnabend, de« 18. d. MtS., abends 6Vz Uhr, findet im„Vorwärts"-Gebäude. Lindenstr. 3, 2. Hof 3 Treppen, eine Gemeindevertreterkonfereuz statt. Näheres wird durch Rundschreiben bekanntgegeben. Johannisthal. Heute findet im Restaurant A. Gobin, Roon- straße 2. unser Zahlabend statt. Gäste und„Borwarts"-Leser will- kommen. Soziales. Mludestforderuugen für die Auswahl von Pflegestelleu. Der Groß-Bcrliner KriegSausichuß zum Schutze aufsichtsloser Kinder bat d,e folgenden, von Professor Grotjahn-Berlin aus« gearbeiteten Richtlinien für die Auswahl von Pflegestellen als Merk- blatt erscheinen lassen: I. Wohnung. Die Wohnung sei hell und gut lüstbar. Verboten sind Keller« Wohnungen. Zu vermeiden sind, wenn irgend angängig, auch Dach- Wohnungen, weil sie im Sommer leicht zu heiß werden. Ausschließlich nach Norden gelegene Wohnungen sind ebenfalls nur auSnahmS- weife zuzulassen, weil sie nicht hinreichend belichtet zu sein pflegen. In großen Städten dürften auch die Parterrewohnungen aus- zuschließen sein, da sie schlecht lüflbar und staubig sind. Bei der Besichtigung ist auf die allgemeine isauberkeit des ganzen Hauses zu achten. In der Wobnung selbst ist festzustellen, ob die Be- schaffenheit der Zimmerdecken und der Wände nicht den Verdacht auf Wanzen rechtfertigt. Es ist festzustellen, wieviel Personen die Wohnung bewohnen und namentlich wieviel vielleicht nachts durch Ausstellen von Betten noch hinzukommen. Die Wohnung darf nicht überfüllt sei». Die Zahl der Bewohner muß vielmehr in einem erträglichen Verhältnis zur Größe der Wohnung stehen. Sowohl Einzimmerwohnungen als auch sogenannte Wohn- küchen kommen sür Pflegestellen nicht in Betracht, Auch Familien mit Schlafleuten sind nicht zuzulassen. Bei städtischen Wohnungen ist darauf zu achten, daß ei» Wasserleitungshah« in leicht erreich- Parer Näkje(iiiinbcficn? auf dcui �Inr ober beut Treppenabsatz) /iut Beifüfunfi steht, weil sonst die mörderliche Sauberkeit, namentlich der Flasche und des Saugers, schwerlich.�u erreichen sein dürfte. Bei Pflegestcllen siir gröstere Äinder ist auf satibere und perschlietz» bare Abortanlagen zu achten. II. P fl e g e f r a ii. Die Pflegefran ist zu veranlassen, die polizeiliche l??ka»b»is zur Haltung eines Pflegekindes vorzuzeigen. Auch für die Tagespflege »st im LandeSpolizeibezirk Berlin eine solche polizeiliche Erlaubnis notwendig. Anderdii» sind Erkundigungen Über die Pflegefran auf dem Polizeirevier und an anderen geeignet erscheinende» Stellen einzuziehen. NuSkiinsie. die vom HauSverivaltcr oder den Slachbarn stammen, sind nur mit besonderer Vorsicht zu verwerten. Die Pflegefrau mutz gesund sein, darf namentlich nicht an Lungentnver- kulose oder anderen ansteckenden Krankheiten oder Hanl- ausschlügen leiden. Diese Foiderung gilt auch für die Kinder der Pflegesrou. ihren Ehemann und andere Miibewobner. Schon bei der ersten Ermittelung sollte man sich die eigenen Kinder der Pflege- srau zeigen lassen, um aus deren SluSseben und Eindruck auf die Eignung der Haliesrau Schlüsse ziehen zu können. Such die Rrage nach Zahl und Alter der bereit« verstorbene» Kinder ist nach dieser Richtung hin wichtig, ebenfalls die strage noch dem Schicksal der erwachsenen Kinder, wenn»« sich um«ine ältere Frau bandelt. Die Frage nach früheren Pflegekinder» und deren Schicksal ist selbstvcr« ständlich zu stellen. ES ist wichtig, auf die wirtschaftlichen Verhältnisse zu achten. in denen die Haltefrau lebt. AnSzuschlies'en sind Frauen, von denen man den Eindruck erhält, datz sie das Pflegekind nur des Erwerbes wegen nehme», deswegen find in der Regel auch Almoseiiempsänge- rinnen auSzuschliesten. Auch Heimarbeit darf die Pflegefran nicht machen. Wichtig ist. Holtefraucn zu finden, die neben dem Erwerb auch Freude an der Pflege de« KindeS selbst haben. Ausschlag- gehend wird der Gesamieindruck sein, den die Pflegefrau macht. III. Pflegekind. Jede« Pflegekind muh seine eigene Sachen haben. Die Pflege- srau bat die Lagerstätte«Bett oder Kinderwagen mit Betten» zu liefern und bei der ersten Ermittlung vorzuzeigen. Bei TageSpflege« lindern ist festzustellen, wie und wo da« Kind tagsüber zum Ruhen hingelegt werden kann. Tie Kleidung de« Pflegekindes ist von der Mutter zu liefern; bei Kindern im erste» und zweiten Lebensjahre ist eine Badewanne erforderlich. Mit besonderer Sorgfalt muh ermittelt werden, wie und wo die Milch gekocht und auf- bewahrt wird, wie die Flasche gereinigt wird und wie die Koch- einrichtungen und die Ehgeräie beschaffen sind. Auch ist zu frage», wo und wie die Wäsche de« KindeS gereinigt und getrocknet wird. Bei der Auswahl des Pflegekindes sind die Wünsche der Pflegefrau bezüglich Aller und Geschlecht»ach Möglichkeit zu beriicksich- tigen. Säugliyge. namentlich in den ersten LebenSmonateli, dürfen nur erfahrenen Pflegefranen überlassen werden. ES empsiehlt sich, die Kinder vorher durch einen Arzt unter- suchen zu lassen, sie sollen gesund sein, namentlich frei von an- steckenden Krankheiten und Hautausschlägen. Sind in besonderen Fällen kranke Kinder in Pflege zu geben, so dürfen sie nur einer alleinstehenden Pflegefrau anvertraut werden, der von der Krank- heit de« Kindes nalürlich Mitteilung gemacht werden muh. Alle Pflegefrauen sind anzuhalten, die Pflegekinder in den SauglingSiürsorgestcllen oder den KleinkinderberatungSstellen vorzu- stellen und überhaupt sie bei allen regelividrigen Erscheinungen einem Arzte z» zeigen. Die vorstehenden Mindestforderungen dürften auch anderwärts al« Grundlage von Polizeiverordnungen usw. beir. Hallekinder- und Pflegestellenwesen benutzt werden können. Bua aller Welt. Riesenunterschlagung wollener Tecken. Hamburg, kS. August. Die Polizeibehörde verhaftete fünf Per!one» wegen Unterschlagung und Beiseiteschaffung wollener Decken in ganz großem Umfang». Für 100 000 M. zu Aufwisch- tiichern geschnittene Decken konnten beschlagnahmt und wieder her- beigeschaffr werden. vrlefkasten üer Neöaktion. tl« turlftlfrtif epreasttlind» findet tüt Ubonnenten LINdeiil». 8, 1. Ho! INitS. vartcrr«. am Montag dl« Ereilag oon t dt« 1»Dt, am Sonnadend von d dt»« llDr stall. Jeder|üt de» B«>« I t a st« n delltmmlen«ntrag» Ist»l»?uchstade und eine gadl alt Merkzetcden deUusUgen. Sriesttme«litt- wort wird nicht erteilt. Unfragen, denen keine AdonnementSautttung bei- gesttgt ist, werden nicht deonlwortet. Sistge gragen trage man in der Sprech- stunde vor. vrrtrtige, Schriltstttchr und»ergleichen dringe man in die Sprech- stund« mit. E. M.. cholirnkchönhaufen. 1. Wenn der»ohn ein steuerpflichtiaeS Einkommen ha», mus, er SIeuern zahlen. 2. Sie sind im Irrtum.(S,t- «neitidesteutt» kennen auch allein erboben werden.�- B.W. 4». 1. Eine wiche Ithlwllliae VerjOgung Ist rechiSglllilg, sie braucht nicht amtlich de. glaubigt zu sein. 2. Die Vergütung und Vemessung der HSHc seht da« Gericht fest, sie richtet sich nach der GrSs!» de« Vermögen« und der Mühe. waltun g, die der Pfleger gehabt hat; sie könnte in Llhrem Falle S0 M. be. trage» außer etwaigen Baraii«lagcn.— F. Sk. ZV. DI« Höbe der Erb- schaftSsteuer richtet sich außer nach dem Wert de« Nachlasse« auch nach dem Grade der Verwandtschast der Erbe» zum Veriioihenen. Da Sie den nicht angegeben babcn, können wir Ihnen keine bestimmte Auskunft geben.- M. W. An den Volizeipröstdenten in Berlin. Den Giund dafür wüsten Sie doch selbst wissen.—».«l.««4 und W. M. 042. Nein. — A. P. 80. Sie können sich an de» Krieg«minift«riu>n«cnden.— sie Marten geklebt hat.— LieSchcn 17. Sehen Sie im Slaiut nach.— W.®di. Nicht nach 8 Monaten, fondern »ach einem Jahre soll Urlauh gewährt werden, foweit e« der Dienst zu- läßt.— Streitfrage..Freisinnige.üeiiung Begründer war Eugen Nichter. Die.Liberali Korrespondenz- ist leine eigentliche Tageszeitung. sie ist nur Vorstands. ojstzielles Organ. »V»»»erau«ftMt«n kür da« mittler« Rorddentimiano dt« DonnerStag mittna- Warm und schwül, zeitweife heiter, jedoch aar- henfchend wolkig, mit wefiverbreiteten Gewitter- und Regensällen. Gewiiinaltszng der 10. Zkreuhisch- SSddevtsche» (S36. Kötttgttch Ureusttschru) Klassenlotterl« 2. Klasse l. giehungStag 14 August 1217 ltlus jede a«z»s«lie St>t»,»i«r Nil» zwei gleich»od,«etvlaii«»«tallea, und»war j,«inor auf dir Los, gleich, r»tummer tu den dridr» Adtctluiige» I u»d I« 107448 (Ohne Gewähr A. Si.-A. f. 8)(Nachdruck verboten) In der VormittagS-Ziehnno wurden ldewiiin« über SS Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 40 000 Mk. 56730 5 Gewinne zu 1000 Mk. S01S1 74254 210524 0 Gewinne zu 500 Mk.«0552 52515 125576 10 Gewinne zu 400?.!. 2S27 4SS52 105214 195054 24 Gewinne zu 500 DU 10426 27353 50256 56245 S55574 147532 151025 172222 151051 1552SS 127227 135455 75 Gewinne zu 200 Mk. 7035 7277 21724 25250 27145 25224 25702 27302 22252 51004 72245 55256 22525 96465 100242 102102 1042SS 110072 120172 12124g 123736 145145 145552 151515 167234 162410 165743 169580 170313 172221 161934 182427 186033 187693 191112 200463 203747 207142 210163 In der NachmittagS-Ziehnng wurden Gewinne über 22 M gezogen: 2 Gewinne zu 10 000 Ml. 155757 2 Gewinue zu 6000 MC. 93431 2 Gewinne zu 3000 Ml. 142628 4 Gewinne zu 500 Mk. 178108 189775 14 Gewinne zu 400 MI. 32596 46033 88492 109334 144862 148238 150773 34 Gewinne zu 300 Mk 15779 22511 24046 52443 60844 71300 88927 87867 97757 104899 116065 147249 169908 176511 201387 207605 209806 088 Gewinne zu 200 Mk. 401 2822 4763 15010 2090 27014 38247 52359 65353 68362 59077 61787 69202 66784 71984 74357 75792 83155 67773 107849 113342 121720 129999 135934 139665 144161 158803 167694 173707 179797 182760 184256 184657 196631 201616 210219 212554 213678 214360 20404 61908 103198 147991 189299 Am Sonnabend, den 11. August, verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, Bruder. Schwager und Onkel, der frühere Gastwirt 107A Fritz Deichsel. Die« zeigt iiesbetrübt an Frau VSItwe Hennn Deichsel geb. Draulscn. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den lö. August. nachm. 5 Uhr, von der Leichenball« de« Danke«. Kirchhofe«. Reinickendorf- Weit, Blankeftraße, au« statt. Al« Opfer dfefes Welt- kriege« mußte auch mein inniggeliebter Mann in einem Matrofen- Regt- mcnt w der Schlacht fein jungt« Leben lassen. 182b Die« zeigt tieibelrübt an feine trauernde Galtin Klara Borteuschlager. Neukölln, KarlSgarienstr. 15. SeWkl MMM'VelM. Verwaltungsstelle Berlin. Sf 84, Linlenstraste 88— AB. GcschästSzelt von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 18ö. 1239, 1987, 9714. Al» Opfer diese« Welt- krfegcs fiel am 7. August unser inniggeliebter zweiter Sohn, der Einjährige Kurt John im Alter von 20 Jahren. Die» zeigen tiesbetrübten Herzens an 112A Familie OttO JOhD, Lichtenberg, Lückitr 76. Danksagung. Allen Kollegen, Freunden und »«kannten für dl« herzliche Teilnahme bei der Einäscherung meine« lieben Mannes. inS» besondere Herrn Manaffe für die trostreichen Worte, sag« meinen herztichiten Dank. lZ6b Frau Anna Grvftllng. Danksagung. Für die vielen Beweise herz. Nckzer Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspenden oef der Beerdigung unsere» liebelt Pflegevaters 140A Paul Teller lagen wir alle» Verwandten und Bekannten iowle dem Deutfchcn Transportarbeiter. Verband und dem Spar verein Blühe unferen herzlichsten Dank. Pflegetolbler Elise Gchönrkch. Pslegelohn Karl Bcndin. Danksagung. Allen denen, die meinem liehen, unoergestlichen Man» die letzt» Ehre erwtefe» haben, WS- disondert dem Freien Gast. wirtSoerband sowie dem Lotterie- Bund Berlin« und Umgend. auch den lieben Stammgästen unsere« Lokalt spreche ich hier« «it meinen herzlichsten Donk au«. 10751 Frau Emma Hasenbank. izr Achtung! Achtung! Mechaniker, Uhrmacher, Optiker»s«. Et« vertranenSmäiiuer-Konfcrenz für den Monat glugust fällt au«._ Achtung! Achtung! EonnerStag. den l«. August IUI?, abend» 6 Uhr: Betfnniniii sei MMrM«roß-Bniins im GewerkichaftshauS. Engelufer 15, Saal 1. Tagesordnung! 1. Branchenangelegenheiten und Verschiedene«. 2. DlSkufsion. Da« Erscheinen aller Kollegen ist unbedingte Wicht. 180/11 Dl« 4>rtav«r-«'»Iti>ng:. +Attitj. gflfitrtf, modern eingerichtete»| Heilanstalt f. omdnlator.Kehandlnng V; (si«to»u««s�«.i..jonst|1 Höhensonnen""W: erkannte u.....-----..... Moderne«, erprobtes Heilverfahren: Raturheilversahre«. Elektro- u. Llcht-Iherapi«, Wafserheilversahrea. Pflanzen- und Kräuterbäder, Saurrftosfluren, homSopathffch» Brhand- lung. Pflanzensaftkuren.— Nachweisbar gute Heklersolg« bei sämtlichen Krankhrliea, inneren und äußeren kspeziell chronischen Leiden), z. B. 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In 6 Wochen von veralteter Pclnlähmung geheilt. Vorher anderweitig jeder Eriolg abgesprochen.— Von Nerven- schwäch« in vi« Wochen geheilt. Erklär» sich selbst für ganz gesund.— Herr Milchhändler Eckert, Berlin, Greisen- bagcncr Str. 26. Von gichtisch-rheuma«. Schmerzen in Bein u. Fußgelenk geheilt. Sehr zufrieden.— Herr A. Brost, Perlin-Marienoors, StreNtzer Sir. 11. v-n chronischer Rückenmartentzündung und Lähmung aeheill. Vorher für nnheilbar erklärt.— Herr R. Zöllner, Reinickendorf-Ost. Provtnzstraße 117. Bon Lnngenbluten und Katarrh geheilt.— Frau I. Herald, Berlin, Ramler-. str. 23. Von Bronchialkaiarrh geheilt.— Zwei Kinder de« KodlenhändlrrS Herr» Link«, Berlin, Slrelitzer � Straße 5. Vor 0 Jahre» von Lungenleiden geheilt, heute nach gesund.— Herr«. Kövp«, Bln.-Rummel-Zbura, Alt-' Boxhagen 5. Bon doppelseitige« Lungenspitzenkatarrh geheilt.— Herr O. Nenmann, Lichtenberg, Llnmcntbal- l str. 13. Bon Neurasthenie und nervöser Mag,«schwache< geheilt.— Fron E. Grosse, Berlin, Zwinglistr. 26. Bon � Leberleideu geheilt.— Frau SIestauraleur Hering, Berlin, � Schönhauser Allee 87. Bv» Basedowscher Krankheit ae-, keilt.— Herr Erich Bock, Berlin, Siendaler Str. 17, IV.. von Nieren- n. Blasenleiden, Wassersucht, allgemeiner> großer Schwäch« geheilt. Borher im Krantenhaust erfolg-> los behandelt. Jetzt Fliegersoldat. Getrennte Behandlungsräume für Damen und Herren!| Sprech, und Lehandiungezet« S— 1, 4—7)* Uhr. i Sonntag« und geteriag» 9—1 Uhr. i f(tli«SOI6, fiiiStatrofidUb zKÄSi«. Mii»M»PSPt>f>P»f ItMifiMi»» Jeden Sonnabend ereohoint: 72/18 „Die Versöhnung" Organ der Zentrale(flr Frledenebestrehungen. Jlerausgeber und Verleger; Dr. Ch. Hartmann. Chefredakteur: Prof. Dr. st Sroda. Sie will dem grollen Ziele dienen, da« auch tod der Mehrheit des deutschen Reichstags als Leitsatz aufgestellt wurde. Aus dem Inhalt der beiden ersten Hefte; 1. Prof. Dr. st Breda, Zürich Unsere Aufgabe. 2. Qehalmrat Ftrtterr Berlin Völker, vereinigt Euch 8. Btindarat SoHerrer, Bt.Qnllen Wofür kämpft man. 4. Pres. Peres Wie läßt sich die Rrei- heit organisieren? 6. Prof. Hirnen, London Port mit allen Repressalien! 6. lenatiprlildent Cliner, Wien Der grolle Irrtum. 7. stent Areoi, Paria Die iJiehteru.d. Krieg. 8. Pastor Platzhefl-Lejeoae Völkerversöhnung! 10 Dr4'* �rÄare'� Tllrin) Welches wird die vor- 11. Pastor Franoka, Borlin| 5»!8Kriai-ese«o?n?er 12. Pro, Carpanier, Oxford) dos Krieges sein? Verlag: Rasoher ch Co., Leipzig u. Zürich.— In allen Buchhandlungen erhältlich. Jahresabonnement: 6 M. Einseinummern Ift Pf. Probenummerngratis.. Kfinstl. Zähne mit echtem Fricdenskaufschuk Qoldkrentn, Brücken, Plomben, Zahnziehen m. Betlufevng. Umarbeitung, Reparaturen so, ort. Billige Preise, auch Teilzahlung. M. Löser, nur firunnenstr. 185, nahe Invalldeniir. Perttnl. i. apreeh ,0-7. lennt.iO-lt. Herd. 11808 Ziehung: 88. u. 84. August. + Oesamtw, d.Qewinne:Mafh 100 000 Hauptgewinne; 50000 10000 Lose z. amtl. Preise v. 3 m. 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August 18S7 brach in Frank- furt a. M.«ine gefährlickie Feuersbrunst au«, der auch der alle stolze Dom zum Opfer fiel. Sin achtzigjähriger Franiiurter gibt von dieser denkwürdigen Nacht Erinnerungen in der.ffranksurter Zeitung' wieder, die besonders die damaligen LöschzustSiide beleuchten. Frankfurt Satte damal«— so schreibt er— noch kein« Beruf«- feuerwehr, die Stadt war in sechzehn Ouartiere eingeteilt. �iedeS Cuottiet halte ein« Spritze. Zum Löschdienst waren die Bürger der einzelnen Ouartiere verpflichtet, ferner gab»S noch die freiwillige Jugendfeuerwehr mit einer recht gut bedienten Spritze. Bei ausgekrochenem Feuer sammelten sich die be- treffenden Bürger der rinzelnen Ouartiere an ihren Spritzen- HLulern und zogen, wenn genügend Mannschaften beisammen waren. an langen Geilen ihr« Spritz» im Lausschrttl nach der Brandstelle. Di« heutige Wasserleitung existierte noch nicht, die vorhandene Wasserleitung war sehr schwach und nur an einzelnen Brunnen be- nutzbar. Da» Wasser zum Löschen wurde mit Fässern herbei- gefahren. Jeder Fubrhalter war verpflichte», ein sogenannte» Lade« satz immer gefüllt bereit zu halten und dem Löschdienste zuzuführen. Ferner waren die Schornsteinfeger verpflichtet herbeizukommen, um eventuell Hilfe zu leisten. Bei größeren Bränden kam auch der .Herr Aelierer Bürgermeister' gleich Oberbürgermeister, begleitet von seiner Ordonnanz, die sich mit einer roten Fahne neben ihm aufstellte, um für etwaige Fragen und Anordnungen seinen Stand- pitnkt zu kennzeichnen. Alarmiert wurde bei ausgebrochenen Bränden durch den Plarr- türmer mit drei rasch aufeinanderfolgenden Schlägen auf dt« Sturm- glocke, mit je einer Biertelminute Paule zu den nächsten Schlägen. Durch ein riesige« Sprachrohr rief der Türmer die bezügliche Strohe au«, ferner bezeichnete er die Richtung der Brandstelle durch Au»- stechen einer Fahne, rot bei Bränden innerhalb der Promenaden, weih auherhalb derselben. Bei Nacht traten Laternen in de» bezüg- lichen Farben an Stelle der Fahnen. Auf dt« Alarmierung vom Turme au» traten die Trommler und Hornisten der verschiedenen Quartiere in Tätigkeit und machten«inen gewaltigen Feuerlärm, worauf dann die Spritzen ausrückten: gleichzeitig eilten grohe Menschenmengen herbei, teil« um zu helfen, teil« au« Neugierde. So war e« auch in der obengenannten Nacht. Da« Feuer brach zuerst in einem Bierbrauerhause in der Fahrgasse au«, griff dann, vom Winde getrieben, auf den Dom über. Zunächst nur eine kleine Flamme, die sich riesig raich ver- gröhert«. Einige Spritzen wurden zur Hilfe beordert, die aber machtlos blieben, weil der Wasserstrahl der Spritzen nicht so hoch gelrieben werden konnte und die Schieserbedachung da» Beikommen an die Flammen unmöglich gemacht hätte. Eine Spritzenmannschast versuchte vom Dach der über dem Äreuzgang de» Dome« liegenden Domschule dem Feuer beizukommen, muhte aber den Versuch sehr bald aufgeben. Die Flammen verbreiteten sich mit rasender Be- schwindigreit immer noch innerhalb der Dache«, förmlich heulend führen sie in dem rngen Räume zwischen Bebälk und Kirchen- gewölbe hin: unter den Schiefersteinen ouoll dicker schwarzer Qualm herau«. Da» Domdach war, da jede Löschhilfe unmöglich war, verloren. Der alte Frankfurter erzählt weiter: Die Flammen hatten nach außen Lust bekommen und schlugen haushoch in die Höhe. Hier- durch entwickelt« sich eine furchtbare Hitze, so dah im nächsten Augen- blick der Domplatz von allen geräumt wurde. Bleich, eilig stieg ein ungeheurer Funkenregen in die Höhe, der sich wie ein riesiger Ko- metenschweit nach dem Innern der Stadt hinzog. Da er die Rich- umg nach meinem Haus« nahm, hielt ich e« sür.nattvendig, heim- zueilen. Er bewahrt im Funkenregen da» eigen« Hau« vor Flugfeuer. da» an neun Stellen der Stadt sich fortzusetzen droht, und fährt dann fort: Endlich hört« der Funkenregen auf. Mit einigen Brandflecken an Rock und Mütze war ich davongekommen. Bon meinem Dache au» konnte ich den Dombrand vollständig übersehen: e« war«in schauerlicher Anblick. Da« ganz« Domdach stand in hellen Flammen. und mittlerweile war die Flamme auch in den Turm gedrungen. ihn in eine Blutsäule verwandelnd. Mit dumpfem Tone stürzten »>» Blocken von den brennenden Blockenstühlen ab. E» war gegen 6 Uhr. Ich etlte wieder nach der Brandstelle. Begen« Uhr drang da« Feuer in die in der Kuppel befindliche Wohnung de« Pfarrtürmer» a-S-g-W».'-J.iL........ i.'iwi,..'......—__■» 28] /Inder* hjaemfteö. Bon Jakob Knudsen. ÄlS Erik Skindtoft und Ander» zu Abend gegesien hatten. ging Ander» ein we»iig auf dem Hofe umher, um sein Besitztum zu besehen. Erik hatte keine Zeit mitzukommen. Die Tonne war im Begriff unterzugehen, sie stand ein paar Fingerbreit von dem nordwestlichen Horizont entfernt. gerade zwischen Halderne und Forland auf der Nordseite. Genau nach derselben Seite, wo der Tanghof liegen mußte. An dem roten Abendhtmmel zeichnete der Wald auf den Halden seinen gezackten Rand ab. Der Fjord war ganz spiegelblank, und da» Singen der Frösche war zusammenhängend. und ohne Ende. Da» «schreien und Pfeifen der Strandvögel klang dagegsnd ver- etnzelt mit ziemlich langen Zivischenräumen. Äe waren wohl im Begriff, aufzuhören fsir heute Abend, vielleicht für diese» Jahr. Er ginsj auch drüben auf die Südseite des Hofe» und sah über die Wiesen nach Stavn zu hin. Alles da» da drinnen lag im Schatten, und die dunkeln Anhöhen, die darpm lagen, sähen so drohend au». Gleich hinter diesen Höhen lag Harreby, wie er von Erik Sktndtost erfahren hatte, da wohnt« der Hardeöadjuntt. Der war geivih mit dem Proprietär auf Stavtt eng verbunden. Sie hatteit zusammen nach Hause fahren wollen!-- Der König im Kirchspiel I— Ja. An der» wollte nun doch fein Untertan nicht sein.— Da» war ja ge- witz blotz Gaunerei, wenn Faurholt ihn so nach Stavn hin- übergebeten hatte. Aber darum könnte e« doih sehr unterhaltend sein, einmal hinüberzugehen. ES waren ja auch wohl Söhne da.— Er wandte sich Nach Osten und sah. wie das Dampfschiff .Fylla' sich den Fjord hinaufarbeitete, man hörte die Schraube so deulich in dem stillen Abend. Dann schweifte sein Blick Wieder über die Wiesen einwärts und verweilte bei einer Partie nicht sehr weit vom Bjerrehof. Ivo sich eine Anzahl von Torflöchern befand; es sah überhaupt moorartig aus.— Soweit er sich erinnerte, hatte Erik Skindtoft gesagt, als er und setn Vater zuletzt hier drüben waren, datz dieser Teil der Wiesen gemeinsame» Eigentum wäre: datz ganz Horreby hier weidete und Torf grübe, seder nach Bedarf. Desto mehr wunderte eS ihn, datz jetzt oort«in Mann mit einem Gespann Pferde i ging und eagte, und datz ein bedeutende» Stück wie eS schien, von diesem Areal— umgepflügt war.' Als er in die Wohnstube kam. ging Erik Skindtoft drinnen in seinen Unterhosen umher; er war dabei, sich in dem großen Schecker. Wohl in Verkeunung der Befahr war sein Gehilfe oben geblieben, ebenso ein junger Mechaniker, der kurz vor dem Brande eine Teiegraphenlciluug auf den Turm angelegt halte, und den die Neugierde in dieser Nacht hinaufgesührt hatte. Der Abstieg war ihnen abgeschililteu, und beide kamen elendig um. Äegeu 10 Uhr waren die Flammen vom Kirchendache und Turme ziemlich ausgebrannt; die an da» Kirchengrund- stück angebaute Häuserreihe der engen Höllgasse war durch Brand in Mitleidenschaft gezogen. Mit dem Ersticken der Flammen war eine Ausdehnung de» Feuers auf die Nachbarschaft nicht mehr zu befürchten. Da» Inner« der Kirche hatte nicht so stark gelitten. Der Anblick der gesamten Brandstätle war schauerlich. Infolge de» Brande» wurde die städtische Brandkasse bankrott, alle Bersicherten mußten 2 Prozent der Versicherung»- summe nachbezahlen. Ueber zehn Jahre wurde an der Wiederher- stellung de» Dome» gearbeitet; ein neiic», herrliche« Bebäude wurde beschafft._ Neue Ergebnisse der Mammutforschung. Durch Ergänzung der älteren Mammutiorschung durch die neuesten Forschungsergebnisse stellt jetzt Dr. Sokolowskh vom Zoologischen Garten in Hamburg in der.Umschau' ei» eindruck>5« volle» Bild der Gestalt und Lebensweise de» Tiszeiielefauten zu- sainmen. Während die ältere Forschung sich in der Hauptsache mit den Knochenfundeu begnügte, stützt sich die jüngere Wissenschast auf die nicht minder wichtigen Dolumeni«. die un» der prähistorische Mensch, der ja ein Zeitgenosse de» Diluvialelefante» war. i» Bestall von Schnitzereien und Zeichnungen auf Knochen hinterlassen. Erst diese bildlichen Darstellungen einer zwar primitiven, aber durchaus naturgetreuen Kunst haben durch Ergänzung der aufgesundeneu Mammutknochenüberreste der Wissenschast die Möglichkeit gegeben, nicht nur über da» Aussehen de« ausgestorbenen Tiere«, sondern a uch Uber seine Lebensgewohnheiten Klarheit zu gewinnen. Abgesehen von der ganz allgemeinen Bedeutung dieser Forschungen sind wir hieran im besonderen auch darum interessiert, weil da» Mammut in der TiSzeit auch auf dem Boden de« heutige» Deutschland hei- misch war. Heute weiß man. daß in der EiSzelt auch durch unser Mittel- deutschland ganze Elefantenberden zogen. Die vielfack erörterte Frag« der Behaarung de« Mammut wurde durch Dr. Otto Herz, der vor einigen Jahren die von der Kaiserlichen Akademie der Wissen- schaften in St. Petersburg au die Kolyma-Beresoivsta auSgesandle Expedition leitete, zuiit große» Teile gelöst. Durch Ausfindung eines bei Lebzeiten abgestürzte» und dadurch verendeten Mammut» in seiner natürlichen Lage waren besonders günstige ForschungSmöglichkeiten gegeben. In de» Bertlbt über die Behaarung Vieh eS:.Brohe Büschel Haare, die bei der Unierlippe in der ge- frorenen Erde steckten und Behaarung vom Kinn und der Brust find, messen abgebrochen bis 30 Zeitiimeier. Ich schätze die atgeoroche- nen Spitzen nach der Stärke der Bruchstellen noch auf ein Drittel dieser Länge, so datz die ganzen Haare gegen öd Zentimeter lang gewesen sein müssen. Die Steifhaare, die in der Erde unmittelbar hinter der Unterlippe stecken, sind ganz schwarz, zu den Vordersützen zu werden sie ohne Farbenabstufung aschblond.' Da» Mammut ist nach dem heutige» Stand der Wissenschaft elst in der jüngeren Eiszeit häufig geworden und von Sibirien au», wie sein stetiger Begleiter, da« diluvische NaShorn, nach Westeuropa ein- gewandert. Hierdurch wird auch die tmmer wieder betonte Be« baarung erklärt, denn da das vortveliliche Mammut während der Eiszeit lange in den meisten Teile» Europa» verbreitet war, mutzte. eS auch die Beränderungeu de« KlimaS und de« PflanzenwuchseS bis in die jüngere Eiszeit hineiu mitmachen und sich dementsprechend anpassen. Den Veränderungen eutsprecheud setzte eS auch sein Wärme- bedürsnt« jeweils herab und' schafft« sich«inin Haarpelz an, um anderer- seit« bei setner südlichen Verbreitung die umgekehrten AupassungSphasen durchzumache». Auf diese Weise erscheint auch die bi» vor kurzem noch merkwürdige Verschiedenheit erklärt, welche die Schilderungeu der einzelnen Forscher von einander trennte. Sicherlich gab eS Mammut- vartetäien, und der Unterschied der verschiedenen„Rasseil' des Mammut lag wohl hauptsächlich in Größe, Art der Behaarung, feinerem Bau des Schädel«, der Ohrbildung und besonder« in der Ausbildung und Form der Stoßzähne. Ihre häufigste Form, die Krümmung nach unten und innen erklärt sich praktisch daraus, dutz da» Mammut dadurch in die Lage gesetzt war. in» Schnee die Nahrung blotzzulege». In da» Stadium absoluter Gewihheit wurden aber, wie eingangs erwähnt, die Ergebnisse der Mammut- forschung erst durch die Bergleiche mit den bildlichen Dar- Alkovenbett, da» in der Stube stand, zur Ruhe zu legen. Es war halb neun Uhr, so daß es noch ganz hell war. Anders wollte sich zurückziehen, doch Erik sagte zuvor- kommend, datz er gut bleiben könne, bi» er zu Bett sei. Da sei noch ein Knopf, den er erst annähen müsse.— Ob Ander» ihn noch etwa» fragen wolle? Ja, er wolle denn doch erfahren, ob da» nicht auf dem gemeinsamen Moorgrund sei, wo jener Mann mit der Egge gehe, hier unterhalb des Hofe». Und wer denn der Maun fei, denn das könne doch Wahl nicht seine Richtigkeit haben. „Nein, das kannst Du gern sagen", erwiderte Erik Skind- tost und setzte eine zugleich listige und grimmige Miene auf. «Aber das ist ja auch der Mann von Stavn. Er läßt das Moor für sich umpflügen.— und jetzt ist da niemand mehr, der sich dem widersetzt." „Ja, hat er denn schon ein Verjährungsrecht darauf?" fragte Ander«, dessen Stimme zu seiner eigenen Verwunderung wie von Zorn bebend klang. „Nein, den Kuckuck hat er da», nein!" sagte Erik, der jetzt auf der Bettkante saß und wegen seiner Leibesschwere die langen Wollstrümpfe nur schwer herunterbekam.„Nein.— bi» vor vier Jahren Hab ich ihn jedes Jahr, wo ich konnte, gehindekt. Ich habe ein paar Tage im Sommer meine Rinder in sein Korn gesetzt und habe Torf gegraben mitten in dem, was er gepflügt hatte,— und er hat sich Nicht getraut, etwas zu sagen; er wußte ja recht gut, datz er kein Recht hatte— o. er ist so klug, wie ein Mensch sein kann!— Aber jedes Jahr hat er gleichwohl gepflügt und gesät— und hat ja auch etwa» Korn aus dem Moor nach Hause eingebracht, aber da» Eigentumsrecht hat er meiner Seel nicht erhalten können, denn er wagte eS ja nicht, mich an meinem Verfahren zu hindern,— so hat An- walt Hansen in Fjorbi) zu mir gesagt: Setzen Sie Ihr Verfahren nur fort, Skindtoft, dann bekommt Proprietär Faurholt niemals ein Recht auf den Boden!" Erik Skindtoft hatte jetzt beide Strümpfe herunter und saß da und betrachtete sie, indem er still lachte:„Du kannst mir glauben, ich Hab ihm jeden Sommer gehörig zugesetzt,— aber er wagte nie, etwas dazu zu sagen, er lächelte und war jederzeit gleich freundlich, ivenn wir uns trafen." „Ja. aber was jetzt?" entfuhr e» Anders. „Ja. jetzt tn den letzten Jahren ist e» ja fo sehr rückwärt» mit mir gegangen, und er hat doch auch etwas ge- Holsen,— nein, da konnte ich ihm nicht länger solche Streiche spielen:, jetzt lasse ich ihn pflügen und die andern tun es auch. Sie haben ja allesamt Furcht vor ihm." „Aber der Boden ist also noch nicht sein Eigentum?• stellungen des prähistorischen Menschen aerückt. Heute weiß man, dah eS sich dabei wirklich um echte liinstlerische Produkte des prähistorischen Menschen handelle, die sür die Mammut- forschung so bedeutend wurden, weil die finurale Kunst de» paläo- liihischen Jäger« eine echt„phissio-plastische" Kunst war. Eine natur- wahre Kunst also, die nur das wirllichs Objekt selbst oder aber sein unmittelbares Erinnerungsbild, doch niemals Refleklion und lieber- legung darüber hinaus zum Ausdruck brachte. Der letzte im Krieg»- jähre 1915 gemachte Fund auf der russischen Insel Liabow Hai durch Vergleich ucuerdiiigS bewiesen, datz die Darstellungen de» prä- historischen Menschen regelrechte UrkundSn sür die Wissciischast vom „EiSelefanten' bedeuten. ver»ändernde Zahn. Datz der baldige Ersatz verloren gegangener Zähne durch lünst- liche keineswegs blotz aus SchöttheilSgründeir uncnlätzlich ist, erliärl sich au« einer den Zähnen anhaflenden Merkwürdigkeit, die Dr. Fabian in der Zeilschrist„Ueber Land und Meer' erläutert. Während näm- lich die Stellung der Zähne bei lückenloser Zahnreihc und demnach gleichmäßig vcricillen Druckvcrhälinisscu im Munde gewöhnlich un- verändert bleibt, macht sich bei Störung de? Gieichgeivichl» an irgend einer Stelle da» sogenannte„Wandern der Zähne" bemerkbar. Beim Verlust eines Zahnes zeigt fast stets der benachbarte Jahn da« Be- streben, die emstaiideiie Lücke auszufüllen. Wenn dabei die Haupt- bewegung sich am Kronenteil de« Zahnes vollzieht, gerät der Nach- barzahn dadurch in eine gekippte Stellung, indem er sich ilber die Lücke neigt. Das Fehlen mehrerer Zähne kann sogar nicht bloß die Nachbarn, sondern die ganze Zahnreihe zum.Wandern' ver- anlasse». Die Zähne machen dabei ganze oder halbe Drehungen um sich selbst und wachsen dabei nicht selten au« dem Kiefernsach herau». Da» ganze Wandern erklärt sich darau». datz die Natur bei vorhandene» Lücken nach Möglichkeit genügend Reibeflächen zum Kauen wieder herzustellen sucht. Der ganze Vorgang vollzieht sich zwar äutzerst langsam, aber dauernd und kann zur Verunstaliung de» Ktesernboaen« führen, die sich schließlich sogar äußerlich am Be- sichtSausdruck bemerkbar macht. die telephonische Nede. Eine bemerkenswerte Episode, die die„Modernität' de« Leben» i» den Vereinigten Staaten erkennen läßt, erzählen die.Annale»'. Präsident Wilson hatte vor einigen Monaten den Mitglieder» der Handelskammer von Nochrster. die ein Festmahl veranstalten wollten, die Festrede versprochen. Im letzten Augenblick aber erkannte der Präsident, datz e» ihm nicht möglich sein würde, sein Versprechen zu hallen, da wichtige Geschäfte ihn in Washington zurückhielte». Da er jedoch da» einmal gegebene Wort nicht zurücknehmen wollte, be- slblotz er, also zu verfahren: Rochester liegt im Staate New Dork. 299 Meilen von der Bundeshauptstadt entfernt. Wilsoir benutzte nim eine sehr kunstvoll hergestellte telephouische Verbindung, um, ganz wie es verabredet war, zur Stunde der Trinlsgrüche zu den Freunden zu sprechen. Jeder der Gäste hatte neben leinem Gedeck einen Hörer eine» telephonischen Apparate». Al« da» Klingelzeichen eriöilte, legten alle die Hörer an» Ohr und gaben sich nun fast eine Stunde lang dem Genüsse der Rede de» Prüstdenleii hin. Notizen. — Theaterchronik. Im Tbeater in der Könlggrätzer Strotze ist da» Tanz-Gastspiel um 14 Tage verlängert worden. — Sine altgriechische Villa wurde bei Ausgrabungen in.Eup atoria iKrim). da« eine Art. zweites Pompeji zu werden verspricht, tu vorzüglich erhaltenem Zustande zutage gefordert. Aua, eine gewaltige Menge von. antike» Vasen und Münzen aus. dem dritten und vierten vorchristlichen Jahrhundert wurden dabei ge- sunden. — Tierische Schrapnells. Wir pflegen die festgewurzelt am Meeresboden sitzenden Polypen, da sie bei einen, Angriff niä>: sorllaufen können, al« hilf- und wehrlos anzusehen. Diese Annahme jedoch ist durchaus irrig, besitzen doch diese Tiere in dem auS ihren Fangarmen austretende» Bist eine mächtige Waffe. Diese» Gist wird durch besonder» abgeschnellt« Kapsel» in den Körper dt» fremden Tiere» hineinbefördert und übt eine lähinende Wirkung an». Es handelt sich nach dem„Prometheus' un, eine Art Schrapnellwirkung, die hier beim Polypen schon vor urdenl- lichen Zeiten üblich war, als noch der Mensch nicht aus der Erde lebt«. Auch auf Menschen kann das Polypengtft lähmend wirken. „Nein, nein, das ist er nicht.— Na. gute Nacht, Anders. — jetzt werd' ich schlafen. Du kannst Dich ja wohl selber zur Gästekammer hinausfinden." * O Am 15. Juni wurde Markt in Stigum gehalten, ewe halbe Melle südlich von Stavn. Ander» und seine Schwester Kirstine, die jetzt al» Hau»- hälterin für ihren Bruder nach dem Bjerrehof hinübergezogen war, kamen den Hohlweg entlang gefahren, der über die Hetdekrauthügel hinter Stavn zum Markte führt. Anders hatte keinen Besuch dort auf dem Hof ge- macht. Er hatte gedacht, eS solle geschehen, wenn seine Schwester zu ihn» gekommen sei; aber jetzt war er seit mehr als einem Monat auf dem Bjerrehof.— Er war da- gegen mehrmals sehr nahe daran gewesen, an Proprietär Faurholt eine schriftliche Kriegserklärung au» Anlaß der Moorbepflügung zu senden,— denn die wollte er nicht dulden I— Zunächst hatte er eS aufgegeben, mit dem Knecht zu reden, der da unten Pflügte, weil eS ihn besser dünkte, zu schreiben. Aber nun war er auch nicht zum Schreiben ge- kommen, und das war ivohl dieses Besuchs wegen,— obwohl. was wollte er dort denn besuchen?— Er konnte doch nicht gut zu einem freundschaftlichen Besuch kommen und dann an- fangen, sich bei derselben Gelegenheit mit dem Proprietär ivegen des Pflügens zu zanken.— Er wurde nicht bloß zornig, wenn er jetzt an diese ganze Sache dachte, sondern auch mit sich selber unzufrieden und unwohl im Kopfe, weil seine Ge- danken in die Runde liefen: eS war kein Sinn darin,— er wollte und wollte wieder nicht.-- All daS fiel ihm ein, jetzt, als sie an Stavn vorbei- fuhren. Und es quälte ihn während der ganzen Fahrt den Berg hinan.-- Ungewöhnlich plötzlich und weit aus- gedehnt tauchte das Land jenseits des Hügelkammes auf,— und mitten in dieser neuen Landschaft, nuf einer Heide- fläche mit den grünen Hängen nach einem kleineren Wiesen- zug hinab,— mitten darin lag daS Zeltdorf des Stigumcr Marktes. „O. wie prächtig da» aussieht," sagte Kirstine, die sonst stumm dagesessen hatte, seit sie vom Bjerrehof abgc- fahren waren. Ander» antwortete nicht— doch der Anblick der weißen Stadt, die gerade an diesem kalten, klaren Junitag tn der Sonne lag, zerstreute den Schmerz in seiner Stirn drinnen, und ein Strom von hellen, lustigen, seinen Gedanken über- rieselte seinen Sinn.— Denn da»>var ja ganz der Anblick, den auch der Markt daheim bieten konnte, den er als Kind Jahr für Jahr besucht hatte..(Forts, folgt.) Dentsches Theater. Heute und folg. Tage 8 mu'; Max Pallenberg in Der kleine\apolcon. Kmn merspiele. Heute n. folg. Tage 75/4 Uhr: Ooldtisclie(Lustspiel). Volksbühne. Theater am Biilowplatz. Untergrundb, Schonh. Tor. Heute u. folg. Tage 73/4 Uhr': S-'alipendc Musikanten Husik von KobertSchumann, Kessinx Theater. Heute und' folgende/Tage 73/4 Uhr: Die Königin der Lnft. (Gesaugsposse.) Theater i. d. Königgrätzerstr. 6 Uhr; Künstlerische Tänze. Frage an das Schicksal. Abschiedssouper. Komödienhaus 8 Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 720U.: Die tolle Komteß. Anf. 7 V.U. Reichshallen-Garten u. Saal GroBes Blülhgen-Konzert. Theater für Mittwoch« den 15. August. Metropol-Theater T'/iühr: Die CzardasWin. Deutsches Opernhana �1uhr1CarinenL__ Friedrich-Wilhelmst. Theater �/-uhr; Das Dreimäiierltiaiis. Gchr. Herrufcld-Th. Operetton-Gastspiel v�Phr: Die ledige iefrao. Kleines Theater s üt-: Die Hausdame. Komische Oper ■ Die Dose Sr. Majestät /.« Uhr: Lustspielhaus 7si tt,. Die blonden Mädels '> �' vom I-Indenhot. Üöllk8 Kpelkttß!lil3lI8 Lchifkhd. 4a. Hassent. Hd. 281 �uhrtDerSolilatilerMarie. Residenz-Theater 8 uhr: Die Verhüllte. Schiller-Theater O TV, U.; Der Tronbadonr. Hr. Kammersäng. Albertl a.G. Schlller-Th. Charl. T'/iühr: illt-Heiäellierg. URANIA 8 Uhr; Da« Oherengadln und der Splüxen. Alinwste-tet. Abrakadabra gr. phantastisches Ballett auf dem Else. Angenehm, kühl. Aufenthalt. 73|4 U. VorzBgl. Küche.. Voi�t-TTieater. Badstr. SS. Badstr. SS. Täglich: Schulzens vom Gesundbrunnen. Donnerstag, den 1K. August: Benefiz für G.Grcisin, 2. Moellcr, H. SVrahtner. H. Kniloel: Was junge Mädchen träumen! Walhalla-Theater. mr': Zigeuner. Gartenbühne: Vorstellung. Thalia-Theater Heute geschlossen. Sonntag 3 II. 7Vz Uhr: Charleys Tante. Theater am Nollendorfplatz 7i/1 uhr: Die Giilasctikanone. Theater des Westens 7'/. Uhr: StOlZB 11163. Triano n-Theater „ ,,,. Die sittliche Forderung 8 l,hr- Die Lore. Berliner Prater-Theater. Kaitanienallee 7—9. Zum 80. Male: Aha— famos! ®v. Ausstattungs-Lperettenpofse in ö Alien mit Gejaiig u. Tanz. Borher d. gr. Varfeteprogramm. Ansang i'l% Uhr.. 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