fßv* 09* 54. Bezugspreis: «ierteliShrl. a90 SIL, monaü. lLV SW, wöchentlich 30 Bfg. frei WS HauS. vorauSzqhibar. Einzelne Wochentags» Nummern S Pfz. Sonntagsnummer mit Muslriertcr Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Postbezug: Monatlich 130 SKI Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn PdO Mk., für da» übrige Ausland 4 Ml. tnonoilich. Poslbestellungen nehmen an Dänemart, Holland, Luxemburg, Schweden u, die Schweiz. Eingetragen m die Post-Jeitungs-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin". Vevlinev Volksblakt. ( 5 Pfennig} Der Anzeigenpreis beirägt f. die stebenaespaliene Koionel- »eile 60 Psg.„Kleine Anzeigen". das fettgedruckte Wort 20 Psg. lzu» lüsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengciuche und Schlafslcllenanzcigen das erjie Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buchsiatien zählen ihr zwei Worte. TeucrungSzuschlag 20°/» giamilie«» Zlnzeigen 50 Pfg.. bolitische u. gcwerljchoslliche Lcreüls» Unzeigen 40 Pfg die Zeile. Slnzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmitt. un Hauptgeschasl. Berlin SW.bb, Lindenstrage 3, ad- gegeben werdcir Gegffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. ZcntraXorgan der rozialdemokratifchcn Parte» Deutfcblands. Der l|auptau$$c])u$$ zur Rote des Papstes. erklarung des IRekbsHanzIers. Mit einigem Erstaunen hatte man auS der„Nordd. Allgem. Ztg." vernommen, daß der. Reichskanzler am Diens- tag im Hauptausschuß eine Erklärung zur Note des Papstes abgeben werde. Noten fremder Souveräne, als solcher hat der Papst im vorliegenden Fall zu gelten, werden gemeinhin nicht durch Reden in parlamentarischen Ausschiisien, sondern wiederum durch Noten beantwortet. Nun hat aber die gestrige Ausschußsitzung eine Abweichung von diesem diplo matischen Brauch nicht gebracht, denn was der Reichskanzler gegeben hat, war keine ausführliche Antwort auf die Aktion des Papstes, sondern sozusagen nur eine kurze Vornotiz.■ Diese Vornotiz ist an Tatsächlichem zweierlei zu ent nehmen: Erstens, die päpstliche Note ist von den Mittelmächten weder angeregt noch beein- flußt. Zweitens, die deutsche Regierung steht dem Ver- mittlungsversuch des Papstes mit Sympathie gegen- über. Das zweite verwundert nicht, das erste ist eine not- wendige Feststellung im deutschen Interesse, deren Wert aber durch die Treibereien der alldeutschen Presse stark gefährdet wird. Das Märchen von der Entstehung der päplichen Note in Deutschland ist nicht von den Kriegsverlängerern der Entente, sondern von ihren alldeutschen Gegenspielern er- funden und geflissentlich verbreitet worden. Der Reichskanzler hat dann auf die Gunst der mili- tärischen wie auf die Ungunst der diplomatischen Lage hin- gewiesen. Fortschritte im Osten, erfolglose Anstrengungen der Gegner inr Westen— rrnd drei Feinde mehr. Er sagt mit Recht, daß diese drei, China, Siam und Liberia, Nljr uyter dem Dru.ch der Entente in den Krieg mit- eingetreten seien und bestätigt damit, was wir ohnehin� schon wissen, daß die Entente trotz ihrer militärischen' Mißerfolge noch immer einen sehr starken Druck rund um den Erdball auszuüben imstande ist. Ihre weitgesteckten Kriegsziele, Ziele der Eroberung, zu erreichen, bleibt sie aber trotz aller Bündnisse der Welt angesichts des ungebrochenen deutschen Verteidigungswillens außerstande. Jeder Vernünftige wird unter solchen Umständen der Aktion des Papstes sympathisch gegenüberstehen müssen, und derKanzler bekennt sich zur Vernunft. Wie soll nun die Angelegenheit weiter behandelt werden? Zur Abfassung der Antwortnote ist eine Verständigung mit den Bundesgenossen nottvendig, aber ehe der Text endgültig festgelegt wird, soll in emer besonderen Form eine enge Fühlung mit dem Hauptausschuß des Reichstags hergestellt werden. Was mit dieser besonderen Form gemeint ist, hat-der Reichskanzler nicht gesagt. Man kann sich aber die Sache nur so vorstellen, daß etwa einem U n t'e r a u s s ch u tz des Hauptausschusses, also einem engen Kreis von Fraktionsvertretern. Gelegenheit geboten werden soll,, das Schriftstück zu prüfen und etwaige Einwendungen rechtzeitig geltend zu machen. Sollte dies oder etwas Aehnlichcs beabsichtigt sein, so wären die von Ledebour erhobenen Bedenken gegenstands- los. und es könnte nicht mehr behauptet werden, daß der Reichstag ausgeschaltet und vor eine vollendete Tatsache gc- stellt werden solle. Natürlich kann eine diplomatische Note nicht in der gleichen Weise behandelt werden wie ein Gesetz- entwurf, dies geschieht in keinem Lande der Welt. Das in Aussicht genommene Verfahren schließt aber Eigenmächtig- leiten der Regierung aus, die sich nach Lage der Dinge von selbst verbieten. Die rechtsstehende Presse sieht nun natürlich von ihrem Standpunkt aus in jeder Einflußnahme der Reichstagsmehrheit auf die auswärtige Politik des Reiches eine Gefahr und erhebt darüber ein großes Geschrei. Wieder einmal soll sich der Reichstag etwas herausgenommen haben, was ihm nicht zusteht, und darüber sollen verschiedene heilige Güter ins Wanken geraten sein. Wie stellte sich aber die Sachlage in nüchterner Betrachtung? Der Reichstag hat nach dem Buchstaben der Ver- fassung allerdings kein Recht, auf werdende Ent- schließungen der Regierung Einfluß zu nehmen, dagegen hat er das unbestreitbare Recht, über vollendete in Debatte und Abstimmung sein Urteil auszusprechen. Die Regierung kann, wenn sie will, die Antwort auf die Note des Papstes ohne Mitwirkung des Parlaments formulieren und ihr einen Sinn geben, der den Wünschen des Reichstags schnurstracks entgegengesetzt ist. Aber der Reichstag kann darauf in Form einer Interpellation sverhandlung'eine öffentliche Debatte über das Vorgehen der Regierung veranstalten und durch Abstimmung aussprechen, daß er mit ihm-ni'cht einverstanden fei. Man denke sich diesen Fall-einmal in die Wirklichkeit übertragen, man stelle' sich vor, die aus- wärtige Politik der Regierung würde auf solche Weise von der Volksvertretung preisgegeben'» uiid bloßgestellt— dann wird man sofort einsehen, daß es eine vernünftige Regierung auf solche Möglichkesten nicht «rkommen lassen wird. Es ist zu alle« Zeste» besser, sich rechtzeitig°freuudschast- lich- zu verständigen, als einander später öffentlich in die Haare zu fahren. In Kriegszeiten ist es aber erst recht un- möglich, daß die Regierung und die ReichstagSmehrheit jede ihre eigene auswärtige Politik treiben. Das Recht des Reichs- tags auf eine eigene Memung kann durch keine konservative Rabulistik aus der Welt geschafft werden, und' ebensowenig geht es an, das Votum der deutschen Volksvertretung als un- beachtlich beiseite zu schieben. Wir wissen heute noch nicht, wie die Regierung die Rote des Papstes in ihren Einzelheiten zu beantworten gedenkt, aber wir- wiffen, daß diese Beantwortung erfolgen muß im Einvernehmen mit der österreichischen Regierung und mit der deutschen Reichs- tagsmehrheit. Zwischen diesen beiden Faktoren besteht aber, soviel zu sehen ist, vollkommene Uebercinstimmung, und mit ihr würde jede deutsche Regierung rechnen müssen. Selbst Herr Dietrich Schäfer würde, wäre er heute Reichs- kanzler, nicht gegen die eigenen Bundesgenoffen und gegen die eigene Volksvertretung Politik treiben können. Er würde wenigstens eine äußere Uebercinstimmung herbeiführen müssen, wo die innere fehlt. Von dem neuen Reichskanzler ist indes nicht anzunehmen, daß er. solche Gymnastik des Geistes nötig hat. Er wird sich aus eigener Ueberzeugung in eine Sachlage einfinden können, in der ein anderer vielleicht erst durch einen übermächtigen Druck zurechtgeschoben— oder zerbrochen würde. Ein auf- rechtcr�Mann handelt nach seiner Ueberzeugung oder er packt sehne Sachen und geht. Auf keinen Fall wird er die un- w ür d ig e Rolle-übernehmen, die die konservativ-all� deutsche'Presse dem Reichskanzler zumutet, indem'' sie"' eS so darstellt,-als'warte er' nur auf eine Gelegenheit, um'der Reichstagsmehrheit ein Schnippchen zu' schlagen.* Wenn die Mehrheit fest zusammenhält und nach dem Rechten sieht, dann wird die Note des Papstes von deutscher Seite eine Anttvort erhalten, die auf eine wirksame Unter- stützung der päpstlichen Friedensaktion hinausläuft und damit den Wünschen des deutschen Volkes entspricht. »» G Die Sitzung. Wahl des Abg. Fehrenbach zum Vorfitzende«. Der Hauptausschuß des Reichstags trat gestern unter dem Vor- sitz des zweilen Vorsitzenden Abg. Dr. Südekum zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der Andrang der Abgeordneten, die als Au- Hörer leilnehmen lvolllen, war stark, auch die neuernannten Re- gierungsverlreler waren erschienen. Der Vorsitzende gedachte in warmen Woricn des verstorbenen Abg. Basiermann, sprach dem früheren ersten Vorsitzenden Dr. Spahn den Dank des Ausschusses aus und leitete dann die Wahl des neuen ersten Vorsitzenden ein. Das Zentrum, das diese Stelle zu besetzen hatte, war auf den Abg. Fehrenbach einig geworden, dessen Wahl sodann auf Vorschlag des Abg. Eberl(Soz.) erfolgte. Fehrenbach übernahm sogleich den Borsitz und gab. dem Reichskanzler Dr. Michaelis das Wort. Erklärung des Reichskanzlers. Der Reichskanzler wies darauf hin,- daß eS sein Bestreben sei, die Verbindungen mit den Verbündeten ebenso eng zu gestalten, wie sie unter seinem Ämtsvorgänger gewesen seien. Die Zahl der Feinde sei seit der letzten Tagung des Ans- schusses wieder, um drei vermehrt: Siam, Liberia und, China seien > in-den Krieg eingetreten, ohne' daß ein Grund zur.Feindschaft zivischen' ihnen' und uns bestände. Nur durch den Druck.die r Entente hätten'sie sich z» dem Schritt entschlossen. In unserem Verhältnis zu den Bundesgenossen sei ganz ibesouders wichtig, daß die kriegerischen Maßnahmen nach einheitlichem Plane erfolgen. Dann verlas der Reichskanzler einen abschließenden Bericht von Hindeuburg, nach dem die Anstren-gungen unserer Gegner im Westen durckaus ohne den von ihnen erstrebten Er- folge geblieben seien, wribrend wir im Osten ganz bedeutende Fortschritte gemacht haben. Um so unverstäiMicher, fuhr der Reichskanzler fort, sei es,, daß.d ie Gegner auch nicht die geringste Neigung zeigen/ in' Friedensverhandlungen einzutreten. Dann giug der Kanzler näher auf' die Ziele der feindlichen Staaten ein, die auf sehr weitgehende Erobe- rungcn gerichtet seien. Diese weitgehenden Ziele erklären es, daß die Minister der feindlichen Staaten sich scheuen, aus- führlicher auf ihre Friedensforderungen einzugeben. Solange aber unsere- Gegner diese- Kriegszielforderungen a-nfrechterhalten, sei es uns unmöglich, ein neues Friedensangebot zu machen. In bezug auf die Friedensnote des Papstes stellte der Reichskanzler fest, daß der Papst in dieser Beziehung nach eigenem Er- messen gehandelt habe, ohne dazu von den Mittelmächten an- geregt worden zu sein. Jedoch begrüße er jede Maßnahme, die geeignet ist, den Gedanken des Friedens unter den Völkern zu fördern:- deshalb sei-ihm die Note des Papstes shmpathisch. Zu den Einzelheiten der-'Note könne er erst Stellung. nehmen,, nach- dtzm er sich'mit den Verbündeten darüber verständigt habe. Diese Verständigung sei noch»nicht-erfolgt.. Aus diesem.Grunde sei es ihm unmöglich, schon/ heute auf die Einzelheiten'einzugehen; er böffe aber,» daß- für' die endgültige Antwort- auf- die Note, des Paostes in.-einer besonderen-Form eine enge.Fühlung mit. dem Ausschuß des' Reichstags hergestellt Nverdc und erwarte, daß-diese, gemeinsame'Arbeit uns�unserm Ziel,.- einem segensreichen Fried«»,»äherbringe» werde. Die Debatte. Abg.-v.'Payer schlug vor, auf die E i n z e l h e i t c n der päpsi- lichen Note heute nichi einzugehen, sondern diese Ausjprache zurückzustellen, bis auch der Herr Reichskanzler hierauf eingehen könne. Gegen diesen Vorschlag wurde kein Widerspruch erhoben. Abg. Ebcrt(Soz.j: Wir begrüßen mit Freuden jeden Schritt, der uns dem Frieden näher bringt. Die Note des Papstes be» grüßen wir umso freudiger, weil sie sich' i« den Bahnen unserer Friede nsarbeit bewegt. Wir legen der päpstlichen Note für die Förderung des Friedens eine sehr große Bc- deutung bei. Deshalb bedauern wir eS, daß wir nicht sosört die Einzelheiten dieser Note besprechen können. Wir erwarien aber, daß der Herr Reichskanzler uns sehr bald hierzu Gelegenheit gibt. Die Abgeordneten v. Pnyer fVp.). Metzer-Kausbeuren lZ.). Prinz Schönaich-Carolath(nall.j, Graf Westarp(k.j, Warmuth(51. Fr.) erklären, daß sie sich der Würdigung anschließen, die der Reichs- kanzler der päpstlichen Note zuteil werden ließ. Auch sie begrüßen die Note sympathisch. Abg. Ledebour(Unabh.): Welchen Zweck sollen derartige allge- meine Erklärungen haben? Daß man eine Friedenskundgebimg shmpathisch begrüße, sei doch für jeden Menschen selbstverständlich. Eine Besprechung habe erst dann Bedeutung, wenn sie auf die Einzelheiten eingehe. Die Vorredner hätten dadurch, daß sie im Namen ihrer Partei auf eine Besprechung der Friedensnote v/r- zichteten, es'zugelassen, daß die Reichsleitung ihre Antwort festlegt, bevor die Parteien ihre Ansicht über die Einzelheiten der Note dargelegt hätten. Dadurch würde die Aussprache im Ausschuß den größten Teil ihrer Bedeutung verlieren. Seine Partei vermisse in der Note«inen Aufruf an die Böller, daß sie die Regierungen zum Fri« d e n z w i n g en. Von den Regierungen selbsr sei für den Frieden nichts mehr zu erwarten; nur durch den Druck der Völker könne der Frieden erreicht„werden... �.. Abg. Eberl(Soz.) stellt fest,'daß'senie Pärtei gär nickst daran denke, auf die entscheidende Mitwirkung bei der Vöaiuwiirtung'dcr Friedensnote zu verzichten. Es handle sich jetzt'nur darum, Sem begreiflichen Wunsche des Reichskanzlers liachzukommen, daß er erst auf die Einzelheiten eingeht, nachdem eine gewisse Berständigimg zwischen ihm und den Bundesgenossen erzielt sei. Der Kanzler habe aber ausdrücklich festgestellt, daß bei der endgültigen Regelung dieser Angelegenheit der Reichstag mitwirken werde. Abg. Ledebour bemerkt, daß so die Erktärung des Kanzlers nicht gelautet habe, und fordert den Reichskanzler auf, zu ei klären, ob seine Bemerkung in dem von Ebert vorgetragenen Sinne gc- meint war. Weitere Wortmeldungen lagen nicht vor; infolgedessen wurde die Sitzung auf Mittwoch vormittag 10 Uhr vertagt. Erörtert werden die Fragen der auswärtigen Politik. Zweifel am starken Mann. Die alldeutsche Presse, die gestern noch Herrn Dr. Michaelis als'den starken Mann nach ihrem Herzen priest ist heute sichtlich enttäuscht, weil der Reichskanzler die Ver- t r e t e r der Parteien vor der Hauptausschutzsitzung empfangen hat. Ein ganz besonders unheilvolles Zeichen sieht sie darin, datz die Initiative der Zusammenkunft nicht vom Reichskanzler, sondern von den Parteien ansge- gangen sei. Die„Kreuzzeitung" klagt wehleidig und will noch nicht glauben, datz der Kanzler sich von den Mehrheits- fraktionen„d c r a r t u n t e r V o r in u n d s cha s t n c l, m e n lassen sollte". Das läge doch nicht in seiner Art, wie sie bisher bekannt geworden ist. Es stände auch traurig um das deutsche Volk, wenn„die R e i ch s t a g-s m e h r h e i t fünf t-sig sozusagen den ei g'en t l i ch e n Kanzler spielen w o ll e." Noch schärfere Töne schlagen die„Berliner Neuesten Nachrichten" an. Sie werfen den Parteivertreteru vor, datz sie sich„mit j ü d i s ch e r' H o st" zum Kanzler gedrängt hätten und sprechen von„u n gebeten? n Gäste n". Wahrscheinlich ist das alldeutsche Blatt der Ansicht, datz der Reichskanzler- die Parlamentarier durch seinen.Hausknecht hätte die Trevpe heruntcrwerfen- lassen sollen. Grotzfpurig erklärt das Blatt weiter, datz es Sache des Reichskasizlers wäre, den Parlamentariern über fein Handeln Aufschlutz zu geben, wenn er es für angebracht hält. Nicht aber sei es die Aufgabe der Parteien, dem Kanzler für die Friedens- frage Direktiven zu geben. Welch ein Absturz! Gestern war Dr. Michaelis den All- deutschen noch der„Unbeirrbare", beute jammern sie bereits, datz der Reichstag ihm die Direktiven gebe und drauf und dran sei, sein eigener Kanzler zu werden. Dr. Michaelis wird große Anstrengungen machen müssen, die Bolksvertre- tung vor den Kopf zu stoßen, um bei den Alldeutschen wieder Gnade zu finden._ Grocbcr Vorsiticndcr der ZcntrnmSfrnklion. Auf den durch das Ausscheiden Dr. Spahns vakantgewordenen Posten des F r a k t i o n>?» Vorsitzenden bat die Zentrumsfrakiion des Reichstags nunmehr den Abgeordneten Groeber erhoben. Wie aus imserm heutigen Parlamentsberi'cht hervorgeht, ist Nachfolger Dr. Spahn? in seiner Eigenftbaft als Vorsitzender des Hauptausschusses der Zentrumsabgeordnete Fehren dach geworden. Groeber wie Febrenbach wurden bisher allgemein dem demokratischen Flügel' des Zentrums zugerechnet. Wieweit ihre Wahl symptomatisch« Bedeutung hat, wird die Zukunft lehren. 1 Indiens politischer Kriegsertrag. London, Ll). August. i lReutor.). Im Unterhausc teilte der Staatssekretär für Iudieu M oli t a g u nstt, es sei be schlössen worden, reelle Schritte zu unteruelnucu, um die Inder an allen Zweigen der Bcrwaltung Indiens Zu beteiligen, mit der Absicht einer a l I in a l, l i ch c n Entwicklung der Einrichtungen der S c l b st r c g i c r u u g und einer fortschreitenden Berwirklichung einer Verantwortlichen' Re gierung in Indien als eincin integrierenden Bestandteil des Reiches. Montag» teilte ferner mit, dast die Schranke, die bisher die Zulassung der Inder z» Offizierstellcn der britischen Armee verhindert habe, beseitigt worden sei. * Ties Zugeständnis an die Inder ist von nicht geringer Bedeutung. Es ist ein starkes' Zeichen, welche Mvglickkeitcii den englischen Kolonien ruid Tominions im Gesamtgefüg des englischen Weltreichs durch den Zrieg zugewachsen sind. Tie Wucht des Krieges bedrängt das Mutterland und den Vorteil streichen die Tochterläuder ein. Tie britische Kolonial autokratie muß sich aus den Abbruch wesentlicher bisher zäh festgehaltener Erobererprivilegien einlassen. In der Haupt sachc sind es freilich zunächst auch nur Versprechungen, die dein Verlangen der Inder gegeben werden. Aber die Zeit ist nirgends Versprechungen günstig, die nur zum Schein ausgesprochen werden. England hat in den drei Jahren des Weltkriegs in Indien eine lange Kette von Unruhen erlebt, die ihren Ausklang in Prozessen von größtem Umfang und schwersten Urteilen fanden. Tic Bewegung der Inder für SelbstVegierrmg ist ein Freiheitskampf, der in all Schichten der indischen Bevölkerung tief biuabreicht und mit dem nicht geivielt werden kann. Ta es England darauf an kommt, die Dienste, die ihm Indien für den Krieg geleistet bat, auch weiter wie bisher zu haben, so haben die Inder das Mittel in der Hand, auf die Erfüllung der' Zusicherung einen Druck auszuüben, der das Tempo der allmählichen Ent Wicklung beschleunigen und vor allem deren Inhalt auch fest bestimmen wird. In dieser Beziehung wird die nächste Zeit auch anderen Ländern in Fragen, die das Volk trägt, ganz Achnliches be scheren.___ Stockholm. die Sowjet-�borönung in Westeuropa. Rosanow erstattet Bericht. Petersburg, 20. August. lPsierSburgcr Telegravhen-Agentur.l Das Mitglied des BollzugsauSilbusieS des Arbeiter» und Soldaicu- raic? R 0 s n» 0 lv, der»ncki Westeuropa gesandt worden ivar, um die Sozialisten zur Teiluafime am Stockholmer Kongreß auszu- fordern, en'lailete in einer Sitzung des Arbeiter- und Soldalcnrates Bericht. Dabei tagte er: Nach einigen Schwicrigleiicu gelaug cS. die T e i l n a h m e der Vertreter der Soziali st cu aller Länder s i ch c r z u st c l l e u. die, von einigen McinuiigSverschicdenheite» über die auf den, Kongreß zu behandelnden Fragen abgesehen, iänitlich der gleichen Meinung waren, daß ein Frieden söhne Anucrloncn und Eiirichädiguligeii geschlosscn wezden müsse. Was die Weigerung m�h'rcr cr Ät eg'i*0&«n Abgeordneten Pässe z u erteilen, so war das ein Schritt der Imperialisten der alliierten Länder, die die auswärtige Poliiik deS Arbcttcr- und Soldalenrats bekämpfen wollten. Rußland tut aber fein Möglichstes, n», den Zwischentall beizulegen. Rosanow legte eine E n l sch l r e ß n n g vor. in der die gesamte russische Deinolratic ansgesordert wird, die A r- beilerparlcien in den Ländern der Alliierten zu u» l e r st ii tz e 11, die in der Entschließung Hoffnung und Hilfe finden würden, um alle Kräsle in einer akllvcn Verleidigung der Parteien zu entfalle», damit die i n t e r 11 a t i 0 rr a l e n De- nr 0 k r a t i c 11 sich auf die von der russischen Revo- l n t i 0 u a u S g c r 11 f e u e n n i st c r Graf Apponyi vom Kurse W e■> k e r ha«t, abrücken. Das Verbleiben des WahlrechtSministerS Vaszhnyi und des Ministers für Volkswohlfahrt, Grafen Theodor Bat:hhcny hängt davon ab, daß Wekerl« den Wahlrechtsentwurs Esterhazys restlos vertrete. Der gegenwärtige Minister des Volks- ernährungsam ts, Graf Ichann Habit, wird auf Wunsch des Königs, als vierter Minister ohne Portefeuille dem Kabinett an- gehören. Ter König sprach den Wunsch aus, daß der demo- lratische Kurs des Grafen Esterhazy durch We- lerle fortgesetzt werde. Das Ausfckeiden des Grafen Apponyi ist von ganzem Herzen zu begrüßen. Gras Apponyi hat dem Ministerium Esterhazy mit seinen Verordnungen gegen die an sich schon nicht gerade ver- hätschelten Nationalitäten sehr wenig Ehre gemacht. Es ist nicht zu viel gesagt, daß Apponyi in diesem so wichtigen Problem hinter Tisza zurückgegangen ist. Außerdem war er ein schroffer Gegner eines langfristig gebundenen Ausgleichs mit Oesterreich, der die Voraussetzung für wirtschaftspolitische Abmachungen mit Deutsch. land ist. der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 20. August. Amtlich. Durch unsere U-Boote wurden im Atlantischen Ozean und in der Nordsee wiederum 5 Dampfer, 2 Segler versenk», darunter der englische bewaffnete Dampfer Rosemound<3044 Tonnen) mit Holz von Archangelsk nach Cardiff. Die übrigen Dampfer wurden aus starker Sicherung oder auS Gelcitzügc» herausgeschossen. Einer der versenkten Segler, eine Biermastbark, war mit vier Geschützen bewaffnet. Der Chef des Admiralstabes der Marine. die Schlacht vor veröun. Berlin, 21. August.(2B. T. B.) Trotz klarer Sicht setzten die von den Massenstürmen der letzten großen Angriffe erschöpften Engländer den Angriff an der flandrischen Front nicht fort. Die feindliche Feuertätigkeit hielt sich im allgemeinen in mäßigen Grenzen. Am Abend des 20. August und während der Nacht schwoll das Feuer an der Küste zu größerer Heftigkeit an. ebenso steigerte es sich am Abend nordöstlich Upern, wo es am Morgen des 21. zum Trommelfeuer anwuchs. Ein Angriff ist bisher nicht erfolgt. In der Nacht vom 10. zum 20. August wurden in der Gegend von D p e r n mehrere Engländernester gesäubert und eine größere Anzahl Gefangener und Maschinengewehre ein- gebracht. In der Arrasfront lag auf verschiedenen Abschnitten, so bei LenS, VermelleS und Noyelle, zeitweife starkes feindliches Artilleriefeuer. Nördlich St. Quentin verliefen am Morgen des 20. August Handgranatenkämpse südöstlich Vendhuille für uns günstig. Der größte Teil der dortigen Engländernester kam wieder in unseren Besitz. Beiderseits der Maas warfen die Franzosen ihre dichten Sturmhaufcn mit der gleichen Rücksichtslosigkeit und ohne jegliche Schonung des MenschenmatcrialS in den Kampf wie seiner- zeit bei der April-Offensive an der Aisne unter der Führung Ni- vcllcs. Ihre Blutopfer sind dementsprechend gleich hoch, während ihre Anfangserfolge wiederum äusserst beschränkt sind. In dichten Wellen, dahinter geschlossene Reserven, stürmten weihe und schwarze Franzosen in daS zerwühlte Drichterfeld. Unsere Bor- Posten bei Cum ieres und auf dem Talourrücken wichen planmäßig in die Hauptstellung zurück, während unsere Batterien, Minenwerfcr und Maschinengewehre in den dichten Massen deS nachrückenden Gegners furchtbare Berhccrungen anrichteten. Am unerschütterliche» Gürtel unserer Hanptstellung prallte der fran- zlsische Rammstoh unter schwersten blutige« Berlusten fstr Ken An- greiser zurück. Nur an einzelnen Stellen, wo die dichten sranzä- fischen Stnrmmassen unseren Feuervorhang hatten durchdringen können, gelang es ihnen, im ersten Ansturm in unsere Stellungen einzudringen, so im Walde von Avoeourt,«estlich der Höhe 304, am Toten Mann, ans der Höhe 344 südöstlich von Samogneux, im Fosses-Walde und im C h a u m e- Walde. Mit ungeheurer Wucht warfen sich unsere Stohbereit- fchaften nunmehr dem Gegner entgegen und drängten den mit äußerster Wut kämpfenden Feind, der jeden Grabenabschnitt und jede Trichterlinie mit außerordentlicher Zähigkeit verteidigte, schrittweise wieder zurück. Die wcchselvollen schweren Kämpfe, bei bellen die Franzosen immer von nucm vorstürmten und immer neue Jnfanteriemassen vorwarfen, setzten sich biS in die tiefe Dunkelheit hinein fort. In diesen Kämpsen erlitt der Franzose, der seine Sturmhaufcn ohne jede Schonung in« Feuer Waes, aller- schwerste blutige Berlustr. Nach hin- und herwogenden Kämpsen ist die Kuppe des Toten Mannes in FeiudeShand geblieben. Ebenso gelang es ihm, sich am Nabcnwalde, ans der Höhe 344 und der Fosses-Schlucht festzuklammern. Seit dem frühen Morgen des 21. ist auf dem Ostufcr der Maas die Schlacht von neuem heftig entflammt. Unsere Artillerie unterstützt die In- fanterie erfolgreich, ebenso gebührt unseren Fliegergeschwadern vollste Anerkennung. An der O st f r o n t scheiterten mehrere feindliche Gegen- angriffe, die beilweise 15 Wellen tief gegliedert gegen die Front- linie D. Cosna-Grozesci-Glasfabrik vorgetragen wurden, unter schweren Verlusten für den Gegner. Die Höhe 805 nordöstlich S o v e j a wurde stürmender Hand, zum Teil nach er- bitterten Handgranatenkämpfen genommen. Starke feindliche Gegenangriffe scheiterten blutig. Im Nachstoß nahmen wir einen weiteren Stützpunkt und brachten Beute ein. » Französischer Heeresbericht vom 20. August nachmittags. In Belgien ziemlich heftiger Artillerickampf in der Gegend nörd- l i ch v o n B i r f ch o o t e. In der Champagne unterhielten unsere Batterien wirksames Feuer auf deutsche Anlagen. Mehrere Ein- brüche in die feindlichen Linien brachten uns Gefangene ein. Auf beiden Maasufern traten unsere Truppen heute früh zum Angriff auf die deutschen Stellungen mit großartigem Schneid an. Nach unseren ersten Meldungen entwickelt sich die neue Schlacht bei Berdun auf einer Front von 18 Kilometern vom Walde von Avoeourt bis nördlich von Bezonvaux zu unseren Gunsten. Zahlreiche Gefangene sind bereits eingebracht worden. Die Tapferkeit unserer Truppen ist über jedes Lob evbaben. In der Gegend von Badonvillers haben wir einen feindlichen Hand- streich leicht abgeschlagen. Im Obere! faß ziemlich große Artillerietätigkeit. Vom 20. August abends. Jln der Nordfront von Verdun haben unsere Truppen auf beiden Seiten der Maas feindliche Verteidi- gungsanlagen auf einer Front von 18 Kilometern und in einer Tief«, die an einigen Stellen mehr als zwei Kilometer beträgt, genoinmen. Auf dem linken Ufer halten wir insbesondere den Wa Id von Avoeourt, zwei Gipfel des Toten Mannes, den Nabenwald und Cum ieres. Auf dem rechten Ufer haben wir den Dalon-Rücken und Champneuville, die Höhe 344, das Gehöft Mormont und die Höhe 240 nördlich von Louvemont genommen. Zur Rechten sind unfere Truppen im Grabenwald« und im Wald von La Chaum« weit vorgedrungen. Die Zahl der unverwundcten Gefangenen beträgt mehr als vier- tausend. Die Deutschen machten heftige Gegenangriffe gegen den Wald von Avoeourt, den Toten Mann und die Höhe 344. Unser Feuer machte überall ihre Anstrengungen zunichte und fügte ihnen schwere Verluste zu. Unsere, Flu�uge nahmsy an pxr Scklacht glänzend teil. Sie cheschosseu /aus �geringer Hohe feindliche Ansammlungen mit Ma- 'fchinengewehrest und'trügen so dazu bei, die Gcgenängrrffe abza- ichlagen. Unsere Flieger Häven elf deutsche Flugzeuge an der Armeefront abgeschossen. Zwei weitere feindliche Apparate wur- den durch Abwehrgeschütze heruntergeholt. Artillerisbefchietzung mit Unterbrechungen auf der übrigen Front. Englischer Heeresbericht vom 20. August nachmittags. Wäh- rend der Nacht wurde ein deutscher Gegenangriff auf die gestern morgen von uns genommene Stellung nordöstlichvon Epehy nach scharfem Gefecht völlig abgeschlagen. Wir machten in der letzten Nacht einen erfolgreichen Angriff südlich von LenS. An der Upernfront wurde unsere Linie sudöstlich von St. Jans- koek ein wenig voi�eschoben. Vom 20. August abends. Vormittags versuchte der Feind einen weiteren Gegenangriff gegen unsere neuen Stellungen s ü d- östlich von Epehy auszuführen. Wir beobachteten feine Truppen, als sie sich zuni Sturm in Stellung begaben, und unsere Artillerie zerstreute sie, bevor der Angriff sich entwickeln konnte. Am Nordwe strande von Lens fanden tagsüber Patrouillen- ge fechte statt, bei denen wir einige Fortschritte machten. Ein feind- licher Stoßtrupp drang östlich von Armentieres in unsere Linien ein; zwei unserer Leute werden vermißt. Gestern waren die feindlichen Flugzeuge in großen Ver- bänden weit hinter ihren eigenen Linien tätig. Sie versuchten erfolglos die Tätigkeit unserer Maschinen für Bombenwurf, Photo- graphi« und Beobachtung zu bebindern. llnsere BombardierungS- Unternehmungen wurden fortgesetzt. Ein feindlicher Zug wurde beschädigt und viel Schaden auf feindlichen Flugplätzen und Bahn- Höfen angerichtet. Unternehmungen im Zusammenwirken mit un- serer Artillerie wurden mit guter Wirkung ausgeführt. Viele Lichtbilder wurden aufgenommen. In Luftkämpfen wurden zwei deutsch« Flugzeuge abgeschossen, vier weitere wurden steuerlos her- untergetrieben. Ein anderer feindlicher Apparat wurde in unse- ven Linien durch Abwehrgeschütze abgeschossen. Sechs unserer Ma- schrnen werden vermißt. « Jsonzofront. Jtalienifchar Heeresbericht vom 20. August. An der I u- lifchen Front ist die Schlacht im Gange. Gestern vormittag 'begannen die Massen unserer Infanterie nach vierund�wanzig- stündigem Feuer, während unsere Artillerie die feindlichen Stellungen mit immer wachsender Stärke beschoß, in der Richtung auf unsere Ziele nördlich von Annowo vorzugehen, nachdem sie glänzend technische Schwierigkeiten und den Widerstand des Fein- des überwunden hatte. Es wurden zahlreiche Brücken über den Jsonzo gksscklagen. Unser« Truppen gingen auf daS linke Ufer des Flusses hinüber. Von Plava bis zum Meere drangen die Unseren in einem Anlauf durch die erste feindliche Linie hindurch, die in unförmige Siücke von Verteidigu-ngSmateriat Verwandelt worden war. Sie bedrängten den Gegner, der sich fest an das Gelände klammert, von zahlreichen Maschinengewehren und Artillerie unterstützt wird und verzweifelten Widerstand leistet. Unsere Flugzeuge nahmen unermüdlich an dev Schlacht teil und griffen mehrmals mit Bomben und Maschinen- gewehren die hinter den gegnerischen Stellungen versammelten Truppen an. Die Tätigkeit unserer Infanterie geht kräftig wei- ter, während die Artillerie unerbittlich ihr zerschmetterndes Zer« störungswerk fortsetzt. Die gegnerischen Verluste sind sehr schwer. Die bisher gemeldete Beute ist beträchtlich. Einige Ge- schütze und zahlreiche Masckinengewchre sind in unsere Hände ge- fallen. Bis gestern abend sind 7500 Mann und etwa 100 Offizier« durch die Eefangenensammelpuiikte durchgekommen. 0 Russischer Her.resbericht vom 10. August. Westfront: Süd- westlich von N a r o t s ck ergriffen die Deutschen in Stärke von zwei Kompagnien unter dem Schutz von Artilleriefcuer die Offensive gegen unsere Gräben in der Gegend des Dorfes Stakhovtzy, doch wurden ste durch Sperrfeuer abgewiesen. Auf der übrigen Frone Gewehrfeuer und Streifen von Aufklärern.— Rumänische Front: In der Richtung auf Okna machte der Feind in der. Nacht zum 18. August mehre« Angriffe südlich von GroseSck, tMrrdck aber abgewiesen. Im Laufe d«S 18. A-ugust entwickelten sich in> der Gegend von S l o n i k Kämpf« mit wechselndem Erfolg. Gegen abend waren alle Angriffe abgeschlaigen. Auf der übrigen Fron? Feuerwechsel.__ Kleine Knegsnachrichten. Mobilmachung in Griechenland. Agenc« Havas meldet: Ein Erlaß verfügt die Mobilmachuna der Jahresklassen 1016 und 1917 unter Einschluß der israelitischen und mufet manischen Flüchtlinge aus dem nicht befreiten Griechenland, die in Alt- und Neu« griechenland ansässig sind, und der Mohammedaner in Neu- griechenland der Klasse 1015. Kämpfe in Marokko.„TempS" meldet aus Tanger: Angesichts der zunehmenden Gärung der unter dem Einfluß AbdelmalekS stehenden Stämme marschierte am 4. August die mobile Trupps von Taza gegen die Aufständischen, die über ungefähr 300 Ge- wehre verfügten. Nach zweistündigem Kampfe, in den aucb Ar- tillerie eingriff, wurden die Marokkaner bei Belkacem zurückge- warfen. Die Franzosen hatten 7 Tote, 23 Verwundete, die Ma- rokkaner 04 Tote und eine große Anzahl Verwundeter. Am 6. und 0. August griffen die Marokkaner abermals an. Die Franzosen sollen ihre Stellungen behauptet und den Ma- rokkonern stark« Verlust« zugefügt haben. Monastir in Brand geschossen. Wie au? Saloniki berichter wird, soll Monastir durch zweitausend Granaten in Brand ge- fchosten worden sein. Nordische Zollunion. Die für September nach Stockholm ein- berufene Nordische Handelskonferenz durste sich auch mit der Frage einer skandinavischen Zollunion befassen. Tie Tagesordnung siehe einen Punkt vor, der lautet:„Zusammenarbeit der nordischen Länder auf handelspolitischem Gebiete". BersammlungSverbot gegen Internationale. Lyoner Dlätteu melden aus Paris: Der Ausschuß zur Verteidigung des inder- nationalen Sozialismus und der Ausschuß zur Wiederaufnahme internationaler Teziehungen hatten in S a i n t D e n i S zu Ehren der russischen Arbeiter- und Soldatenvertreter eine Versammlung abhalten wollen, die jedoch von den Behörden untersagt wurde. Es durfte nur ein kurzer Empfang im Rathause von Saint Denis stattfinden.__ die Nationalliberalen schließen sich üer Mehrheit an. Aus der nationalliberalen Fraktion des Reichstags er- hält W. T. B. folgende Mitteilung: .Im Hinblick auf die kommenden großen Aufgabe» n a- mentlich auf dem Gebiet der Gesetzgebung im Innern, deren Lösung die Fühlungnahme innerhalb einer groß«» Mehrheit des Reichstags erfordert, ist die nationirlliberale Fraktion bereit, sich an den interfvaktio- nellen Besprechungen»u b«teiligen, unbeschadet der vollen Selb« ständlgbeit. ihrer Entschließungen, insbesondere auf dem Gebiet der gegenwärtigen auswärtigen Politik." Mit dieser Erklärung hat ein großes Rätselraten, das gestern noch einen Teil der Presse beherrschte, fein Ende ge- funden. Es war bekannt geworden, daß an der bereits statt- gefundenen interfraktionellen Besprechung der Mehrheits- Parteien auch drei Vertreter der Nationalliberalen teilge- nommen hatten. Die alldeutsche Presse, darüber in tödlicher Verlegenheit, klammerte sich an den Trost, daß diese drei Herren nur rein privatim ohne Austrag ihrer Fraktion und zu informatorischen Zwecken zugegen gewesen wären. Die „Post" wollte dies noch gestern abend von„zuständiger nationalliberaler Stelle" erfahren haben. Die„Kreuzzeitung" dagegen verhielt sich schon skeptischer und sah die Trennung der Nationalliberalen von den Konservativen voraus. Sachlich bedeutet der Entschluß der Nationalliberalen, daß sie in den Fragen der innerpolitischen Neu- o r i e n t i e r u n g mit den Mehrheitsparteien zusammen- gehen wollen, während sie sich in der auswärtigen Politik nach wie vor ihre eigene Stellungnahme vorbehalten. Das entspricht genau dem, was während der Kanzlerkrise über die Haltung der Nationalliberalen zur Gefamtpolitik bekannt geworden ist. Auch damals schon waren die Nationalliberalen bereit, sich den Mehrheitsparteien zur Förderung des inner- politischen Fortschrittes anzuschließen, und ihre Haltung war hier in einigen Punken, wie z. B. in der Frage der Parla- mentarisierung, sogar erheblich entschiedener als die des Z e n t r u ni s. Das Zusammengehen scheiterte schließlich daran, daß das Hauptgewicht jener Aktion damals auf die außerpolitischen Fragen verlegt wurde und sich hier der Ein- fluß der Alldeutschen auf die nationalliberale Fraktion als zu stark erwies, als daß man sie zur Zustimmung zu der Friedensresolution des Reichstags hätte bewegen können. Nun haben die Nationalliberalen bekundet, daß sie keines- Wegs auf die Dauer gesonnen sind, den Konservativen in ihrer Vereinsamung Gesellschaft zu leisten. Durch ihren Anschluß an die Parteien der Friedensresolution ist für die Durch- setzung des innerpolitischen Fortschritts eine so große Mehr- heit im Reichstag geschaffen, daß keine Regierung mit Aus- ficht auf Erfolg gegen sie ankämpfen kann. Voraussetzung ist allerdings, damit etwas erreicht wird, daß diese Mehrheit aus sich selber die nötige Energie entwickelt und sich weder von der Regierung einschüchtern noch von halben und wankel- mutigen Elementen aufhalten läßt. Zweifellos werden ge- Wisse Teile des Zentrums und auch der Nationalliberalen versuchen, einen stark bremsenden Einfluß auszuüben. Die Mehrheit aber muß sich bewußt sein, daß das Volk etwas ganz anderes von ihr erwartet, als Reförmchen und Konzessiönchen, und daß die Wählerschaft es als einen Bankerott ansehen würde, wenn eine so starke Mehrheit es nicht vermöchte, dem p o l i t i- scheu Fortschritt wirklich freie Bahn zu schaffen. � Di« nationalliberale Fraktion hat, wie wir weiter hören, in die int«rfraktionelle Kommission fünf Mitglieder entsandt, nämlich die Herren Stresemann, v. Calcker, Frhr. v. R ich t- Hofen, In n ck und K e i n a t h. Zum Fraktionsvorsitzenden an Stelle d«S verstoübeneu Abg. Bassermann wird voraussichtlich der Abg. Stresemann ge» wählt werden. tzelfferich. Berlin, 21. August. Amtlich. Ein süddeutsche« Blatt der» breitet die Behauptung, der Stellvertreter des Reichskanzlers, Staats- minister Dr. H e l f f e r i ch, habe.aus seiner früheren Banldirektor« stellung herrührend im Geschäftsjahr 1016 als AufsichtSrat 1. der vielfach privilegierten Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft und 2. der mit wertvollen Vorzugsrechten ausgestatteten Ostafrikanisckion Eisenbahngesellschaft fungiert". Wir stellen fest, daß diese Be« hauptung u n z u r r e f f e n d ist. Dr. Helfferich ist selbstverständ» sich- vor seinem Uebertrilt in den Reichsdienst auS sämtliche» AussichtSratS- und Verwaltungsstellen, die er früher innehatte«»»- geschieden, auch auS den beiden von dem süddeutsche» WM erwähnten AufsichtSratSstellen ostafrikanischer Gesellschaften. SewerkschchsbewEUNg Deutsches Neich. Schutz berufsständiger Tabakarbeiier. Der Krieg brachte der deutschen Tabakindustrie in den eisten Monaten einen schweren und plötzlichen Niedergang. Die Arbeil»- losigkeil war grotz. Als dann aber der Bedarf sich immer mehr steigerte, konnten nicht Waren genug hergestellt werden. Es wurden diele Tausende neuer Arbeitskräfte in die Industrie hineingezogen; neue Betriebe wurden eröffnet, alte erweitert. Trotz der Einziehung der jüngeren männlichen Tabakarbeiter zum Heeresdicust war die Zahl der in der Tobalindusirie Be- fchäftigten im Jahre tlllti um einige Zehntausend höher als 1914.� Dann kam der Tabakmangel, veranlatzt durch die ungenügende Zmuhr aus dem Ausland; obendrein erliest die deutsche Negierung ein Einfuhrverbot. Die notwendige Folge davon war die Nationierung des Nohtabakverbrauchs, so dast z. B. in der Zigarrenindustrie zurzeit nur 40 Proz. der Menge verarbeitet werden darf, die einem Durchschnittsverbrauch der ersten sieben Monate des Jahres 4913 entspricht. Unter solchen Umständen waren natürlich � zahlreiche Arbeitskräfte wieder überflüssig. Den Fabri- kanten lag sehr oft daran, die Zahl der Arbeiter in ihren Betrieben zu erhalten, einmal, um sie bei einer Aufhebung der Nationierung sofort zurHand zu haben, dann aber auch, weil bei einem Ueberschust an Arbeits- kräflen die Untcrnchnieiposilion gegenüber der Arbeiterschaft gestärkt wird. Obwohl nun das Neichsaml des Innern, die KriegSzenlrale für Lieferung von Tabakfabrikatcn, wie auch die organisierten Tabqk- arbeiter sich auf den Staudpunkt stellten, dast die alten, berüfsständi- gen Tabakarbeiter nach Möglichkeit zu schützen sind und ihr Hinaus drängen aus der Industrie aus inancherlei Gründen verhindert werden müsse, dast ferner Rücksicht auf die aus dein Kriege Heim- kehrenden genommen werden müsse, hielten es nicht wenige Fabrikanten für zweckmästig, gerade die alten, berussständigen Tabakarbeiier zu ent- lassen und die ncuangclernten zu behalten, alte Betriebe zu schliesten, neueingerichtete Filialbetriebe in anderen Gegenden aber weiterarbeiten zu lassen. Vielfach aber wurden trotz der Produktionseinschränkung Entlassungen nicht vorgenommen, sondern es wurde entweder die Arbeitszeit herabgesetzt oder man beschränkte die Stückzahl, so dast in beiden Fällen der Verdienst erheblich beschränkt wurde. Das stellvertretende Generalkommando in Karlsruhe stützte dieses Vor gehen der Fabrikanten sogar durch eine Verordnung, die das Aus- setzen von einigen Tagen in der Woche direkt vorschrieb. Schon mit-Rücksichl auf die so nötige rationelle Verwertung der Arbeit? kräfte durfte dieses Vorgehen vieler Fabrikanten nicht gutgeheisten werden. Im Sinne des Schutzes der berussständigen Tabakarbeitcr sstid dann an das ReichSaml des Innern entsprechende Eingaben von der geitaniiten Zentrale für Kriegslieferungen und de» organisierten Tabakarbeitern, die auf einer ain 6.. Juli, in Berlin tagenden Konferenz die Sache erneut besprachen, gerichtet worden.� Der Erfolg ist nun, dast da? Reichsamt des Innern sich auf den Stand- Punkt der Arbeiter stellt und an die Deutsche Tabakhandcls- gesellschaft von 1916 m. b. H. in Bremen, der die Verteilung der Nohlabakvorräte gemäst den Verordnungen übertragen ist, eine Verfügung folgenden Inhalts gerichtet hat: 1. Soweit eine Ein- schränkung der Arbeit erforderlich wird, hat unter möglichster Bei- beHaltung der bisherigen Arbeitszeit und des Arbeitspensums in erster Linie die Enilasiung der vor dem 1. August 1914 im Tabak- gewerbe nicht beschäftigt gewesenen Arbeiter stattzufinden. Dies gilt nicht für Lehrlinge, nnt denen ein schriftlicher Lchrvcrtrag vor dem 1. Juli 1917 abgeschlossen worden ist. L. Neueinstellungen von Tabakarbeitern dürfen nur mit Genehmigung der deutschen Zentrale für Kriegslieferungen von Tabakfabrikalen erfolgen. Die Ueberwachung der Vorschriften ist der Zentrale für Kriegs- lieferungen von Tabakfabrikalen, Sitz Minden, übertragen worden. Für die organisierten Tabakarbeiier wird eS nun Aufgabe sein, bei cher Zweckmästigen Durchführung der Verfügung niitzuwirken. fiuslcnd. Ter Kongroft der schwedischen Gewerkschaften. Stockholm, 20. August.(Eig. Drahlbcr. des„Vorwärts".) Der von 400 Teilnehmern besuchte schwedische Gewerkschafts- k o n g r e st wird von L i n d g u i st geleitet. Der deutsche Delegierte Bauer wies in seiner Begrüstungs- rede auf die langjährige Freundschaft und auf die gleiche Auf» fassung der gewerkschaftlichen Theorie und Praxis hin. Dann gab Bauer einen Uebcrbltck über die Kriegsaufgaben, die Kriegseinflüsse und die KriegLleistungen der deutschen Gewerkschaften. Dabei erkannte er auch die GewcrkschaftZ- rechte beim staatlichen Hilfsdienst entsprechend an. Die beut» schen Arbeiter verteidigen das Land ohne Chau- viniSmu-Z und die große Volksmehrheit teilt die Friedens- forme! deS russischen Sowjet. Die deutschen Arbeiter seien auch immer für internationale Verständigung eingetreten, die Gegenseite aber nicht. Die Pastvcrweigcrung beweise auch, wer an der KriegSforlsetzung.schuld sei. Weiter sagt Sauer, die Ententeführer stacheln immer wieder ihre Völker auf mit der Ankündigung der Niederwerfung Deutschlands, die deutschen Arbeiter aber werden ungeachtet aller Opfer alles tun, diese Absicht zu v eck- e i t e l n. tlnd wenn Lloyd George auf den Enienteiieg im nächsten Jahr vertröstet, so wird trotz neuen Masientodcs und Elends das Resultat das gleiche sein wie heute. Die Er- kenntnis der Aussichtslosigkeit des EntenteziclcS verbreiten, heißt den Frieden vorbereiten. Bauer schloß in der Hoffnung, dast der Äriegswahnsinn bald abgelöst werde durch die Ver- ständigung und damit durch eine brüderlich vereinte Kulturarbeit der Arbeiter aller Völker. Der von Jgnffon übersetzten Rede folgte stürmischer Beifall. Der Kongreß b e s ch l o st gegen eine Minderheil, zu pro» testieren gegen den weiteren Krieg und fordert die Arbeiter a l l e r W c l t au f, die internalioualc Gcwcrk- schaftskonfercnz zu beschicken. Der Kongreß lehnte weiter mit 178 gegen 103 Stimmen die beantragte Einladung der Links- sozialistcn ab. Znöustrie unö hanöel. Robert von Mendelssohn tot. Einer der Großen der Berliner Börse ist gestorben— Rohert von Mendelssohn, der Chef des bekannten Bank- Hauses und der Bankier der russischen Regierung. Als solchem kam ihm eine besondere Bedeutung zu. Er halte nicht nur über die Kursentwicklung der hier notierten russischen Effekten, besonders der russischen Staatspapiere zu wachen; er hatte auch eine gewichtige Stellung als Geldgeber im Großen, was ihm durch die gewaltigen, zur Aufrechterhoktung des ZinseudiensteS hier unterhaltenen Gut haben der russischen Regierimg möglich war. Dem Verstorbenen wird ein vielseitiges künstlerisches Ver ständnis und eine. offene Hand sür philanthropische Zwecke nach gerühmt. Aus dem BerRner Wirtschaftslebctt. Die N i ed e r lau s i tz e r K o h lenwerk« zu Berlin weisen einen von 3 auf 2,88 Millionen Mark gxsuiEenen Raiigetoiirn aus, aus.dem wieder eine Dividende von 14 Proz. gezahlt. wird. In dem GeschästShericht wird mitgeteilt, daß die Gesellschaft auf Auflösung der Niederlausitzer Vrikett-Verkaussgesellickaft geklagt habe, weil eine knappe Wichrheiit der Gesellschafter gegen den Geist und den Sinn, der Syndi latsbcst i m m u ngev verstoßen habe. Die Gesellschaft hat in erster Instanz ein obsiegendes Urteil erzielt. Tie ersten Wo- uaife des neuen Geschäftsjahres haben ebenfalls unter den bekannten Schwierigkeiten oekiitcn. Im letzten Monat sei eist« ileinc Besse- rilng cingctrcten. Es wird glänzend weiter verdient. Wenn die großen Gesellschaften eine vorsichtige ugd gewist löb» liehe Bilanzierungspolitik treiben und nur einen Bruchteil ihrer großen Gewinne an die Aktionäre ausschütten, so darf man darum nicht glauben, daß' die Gewinne keine weitere Steigerungen erfahren Härten. Sie. werden nur nktt Rücksicht auf die eigene Zukunft, Sie Preisprüfung? stellen, den SteuerfiskuS und die Arbeiter aufgestellt. Kleinere Werke'machen sich leichter von solchen Rücksichten frei. So schlägt der Aufsichlsral der Stahlwerke Richard Lindenberg A.-G. in Remscheid-Hasten der Generalversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 25 Proz.(wie im Vorjahre), ferner eine Sondervergütu-ng von 100 M. auf die Aktie vor. Ferner wird ein Fonds von 1200 000 M. gebildet in der Abficht, ihn auf Einzahlungen auf künftig auszugebende neue Aktien und deren Kasten zu verwenden..Mehr können die. Aktionäre wirklich nicht verlangen:-Hohe, Dividende,»Sondervergütung" und Ausficht auf Gratisaktien........ Schlechte Welzenervte in Amerika. ..Mqrning Prft" meldet aus New Dort: Die amtliche Schätzung der We i ze n cr n t.e ist äußerst enttäuschend. Die Ernte werde, sofern sich die gegenwärtige Schätzung betvahrbeitetc, 392 Million«, Bushels hinter' 1915, 153 hinter dem fünfjährigen Durchschnitt AnrückSleiben. Dagegen verspreche die Maisernte die größte bisher dagewesene zu werden, während die Haferernte nur durch das Ergebnis von 1915 übeiitrofsen werden werde. Die Kartoffel- ernte werde auf 180 Millionen Bushels über 1916 und auf 40 mehr als die höchste bisher dagetvesen« veranschlagt. Chinas Kampf gegen die Mittelmächte. Die„Times" meldet tm Anschluß au die Reuterberichte auS Pekmg.: Die Auflösung der deutschen Geschäftsunternebmen hat-be- gönnen. Die Geichäftslokaie der Deuffch-asiatijchen Bank wurden bersiegeli. Die Abwicklung der Liquidationen erfolgt durch aus« ländische Bankiers unter Äufficht chuiesischer Staatsbeamten. Die deutschen Konzessionen in Tientfin und Schanghai fallen an China zurück Die drückenden finanziellen Veibindlichkeiten gegenüber Deutschland werden aufgehoben. Die Privilegien Deutschlands werden abgeschafft. Die in China internierte deutsche und öfter- reichische Tonnage, die konfisziert wird, beträgt 40 000 Tonnen. Kanada im Weltkrieg. Kanada, das typische Weizen- und Farmerland, dessen Jndu- ttialifierungsversuche vor dem Kriege, auf den überlegenen Wett- vewerb des Mutterlandes und der Vereinigten Staaten streß, hat sich im Kriege zu einem Jndustrieexpurtllmde envoickelt. Die Fabrikat- ausfuhr ist von 1914/15 bis 1916/17 von 94 auf 495 Millionen Dollar (2250 Millionen Marth gestiegen und stellt den bedeutendsten Posten der Gesamtaussuhr dar. GerichtsZeitung. Kartoffelwucher. Die Kortpffelnot ist von der Händlerin Frau Anna Oertel aüf das schlimmste ausgebeutet worden, wie die Verhandlung zeigte, die � gestern gegen sie wegen Ueber schreitung der Kar- toffelhöchsl preise vor dem Schöffengericht Berlin-Tempelhof slatlfond. Die Angeklagte hatte von einer Frau für. den Zentner Kartoffeln den augerordentlich hoben Preis von 2 0 Mark ge» fordert, die Käuferin aber war froh, überhaupt einmal wieder die langentbehrte, feil Wochen nicht mebr gesehene Kartoffel zu erhalten, und zahlte freiwillig und gern noch 4 Mark dazu. Die Händlerin bildete sich sogar noch etwas darauf ein, für»nur" 20 Mark ibr den Zentner verkauft zu haben, denn sie rühmte sich, soust überoll 30 M. dafür zu erhalten. Für die Käuferin hatte dieier Kauf das unangenehme Nachspiel, daß sie wegen U e b c r s ch r e i t u n g der Höchstpreise beim Einkauf angeklagt wurde und gestenr 10 Mark Geldstrafe erhielt. Die Händlerin wurde vom Gericht mit Recht sehr streng angefaßt. Da sie, wie der Vor- fitzende betonte, überall Kartoffeln aufzukaufen versucht habe,»m sie zu hohen Preisen wieder abzusetzen, sah sich das Gericht ver« anlaßt, über den auf 300 Mark Geldstrafe lautenden Antrag des Amtsanwalts hinauszugehen und auf zweiWochenGefängnis zu erkennen. Schwunghaften Brotkarteohaudcl hatten der Tischler Otto Fiegner und der Arbeiter Wilhelm Schmidt betrieben. Beide standen wegen gewerbsmäßiger Hehlerei vor der 3. Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Fiegner soll uu- gefäbr zehn Tage lang etwa je 200 Brotkarten zu 2 M. das Stück erhallen haben. Diese Karten, von denen der andere immer ein Paket mit mindestens 1000 Stück bei sich geführt habe, seien dann von ihm.zu je 2,50 M. wciterverlanfr worden. Wie einträglich das Geschäft für verde gewesen sein mutz, zeigte der Umstand, � dast vei ihnen über 500 bzw. über 400 M. als ihr Gewinn daraus beschlagnahmt wurden. Das Gericht verurteilte Fiegner zu 1 Jahr 3 M onaten und Schmidt zu 1 Jahr Zuchthaus. Eigenartige Exmiisionsmethöde eines Hauswirts. Um eine in Kündigung stehende Micteriy zum schnelleren Umzug zu bewegen, hätte in Düsseldorf der Althändler Aegidius Mathias rn Abwesenheit der Frau in deren Wohnung einen nassen Sack in die'.Ofen- röbre gesteckt. Als die Frau zurückkehrte, war. das Zimmer in dichten Rauch gehüllt und ein darin befindliches Kind dem Er- stickungstode nahe. Für die gemeine Handlungsweise wurde der Händler zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Mus aller Welt. Saloniki in Flammen. Die„Agenzia Stefani" meldet: Sonnabend nacht 5 Uhr brach in Saloniki ein riesiger Brand aus/-der die Hälf.ie- der ganz e.n'S t'a d r.z e r ft'ckr ra.'. In dem abgebrannten Teil he« findet sich das Jjnvusftieviertel. Man schätzt? die' Zahl der«ddüchläs gewordenen Personen aus 70 000. Der größte Teil von ihnen smd Israeliten nnd Mohammedaner. Bern, 21. August. Progres de Lyon meldet aus Salonrki: Ter Brand brach im Bulgarenviertel aus und nahm infolge, des hefti» gen Windes ungeheure Ausdehnung an. ohwohl alliierte und griechische Truppen unverzüglich eingriffen. Die St. Demetrios« kirche, ein berühmtes Kunstwerk, ist halh zerstört. Tie Behörden trafen Maßnähmen zur Verteilung der notwendigen Lebensmittel an die Obdachlosen und zum Abtransport eines Teiles der Beval- kerung. .Petit Parisien" berichtet aus Saloniki: Die Obdachlosen sollen teilweise in den umliegenden Dörfern von Saloniki unter- gebracht werden. Der Brand wütete gestern mittag noch weiter, doch glaubt man eine weitere Ausdehnung ver- hüten zu können. Verantwortl. f. PoNtik: Dr. Franz Diederlch, Berlin-Friedenau: für d. übriges Teil des iSIuttes: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: Tft. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagsanslaU Paul Singer i Co.. Berlin sw. Hierzu 1 Veilagc und Unterhaltsngsdlatt. 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Jahrgangs Heilage öes vorwärts Mittwoch, 22� MgusilHI? der Streit um öie /ingestellten- Versicherung. llm die Angestelltenversicherung ist ein Streit darüber- entbrannt ob diese Versicherung als eine selbständige Ein« richlung aofrechterbalten oder ob sie der Invalidenversicherung an» gegliedert werden soll. In Nr. 2 IS des„Vorwärts* wurde bereits im Sinne der Aufhebung der Angestelltenversicherung Stellung ge- nornnien und in Nr. 218 wurde auseinandergesetzt, welche Vorteile den Angestellten aus der Angliederung an die Invalidenversicherung erwachsen und wie die befürchteten Nachteile zu vermeiden seien. Der Streit um die Angestelltenversicherung nahm feinen Aus- gang von einer Kritik, die Prof. Man es vor Jahresfrist. in der „Zeitschrist für die ges. Versicherungswissenschafl* an den hoben Verwalwngskosten und an der verfehlten Organisation der An- gestelltenversicherung übte. Die Verwaltungskosten hätten schon die Höhe von 3 Millionen Mark erreicht, und während man bei der Beratung des Gesetzes im Reichstag auf etwa 8(X>.Beamte gerechnet habe, seien jetzt schon 2300 angestellt, obwohl noch gar� keine Renten gezahlt würden. Für den Bau eines neuen Verwaltungs- gebäudes, in dem für 3000 Beamte Platz geschaffen werden soll, seien 10 Millionen Mark veranschlagt. Angesichts solcher hohen Aufwendungen stoge es sich doch, ob man mit der Sonder- Versicherung auf dem r e ch t e n W e g e sei. Man habe früher die Angestellten als einen besonderen Stand bezeichnet und sie aus politischen Gründen von-der Arbeiterschaft' trennen wollen. Aber es gäbe keine feste Grenze zwischen Arbeitern und Angestellten. weder nach Herkunft, noch nach Einkommen und Lebensweise, und der Krieg habe bewiesen, daß alle Volkskreise in den wesentlichen nationalen Zielen einheitlicher Austastung seien. Die Trennung der Angestellten durch eine Sonderversicherung gefährde geradezu den sozialen Frieden, besonders auch durch die unterschied- lichen Leistungen der beiden Versicherungen. Dazu können die doppelte Organisation, doppelte Verwaltung und doppelte Recht- sprechung nur verwirrend wirken. Man möge die Angestellten- Versicherung als Sonderversicherung aufheben und die Invaliden- Versicherung ausdehnen auf olle Einkommen bis 3000 M.. für Ein- kommen über 3000 bis zu 5000 M. die steiwillige Versicherung zulassen und die Leistungen der Invalidenversicherung erhöhen. Den Einwänden und Vorschlägen Manes säsiost sich in der gleichen Zeitschrift der Landesrat Dr. Brumm vom Vorstand der Landes- Versicherungsanstalt Berlin an. indem er eine Reihe von Nachteilen der doppelten Organiation, Verwaltung und Rechtsprechung für die Angestellten eingehender erörterte. Als dritter Kritiker nahm in derselben Zeitschrift Geheimrat Dr. Zacher- Berlin das Wort, der zu dem gleichen Standpunkt gelangte. Er bezeichnet vor allem die politischen Motive, die 1911 zur Begründung einer Sonderorganisation führte, als völlig verfehlt, wie der Krieg erwieien habe, und damit fei zugleich der H a u p t g r u n d für die Aufrechterhaltung einer kost- ivieligen Sonderorganisation hinfällig geworden. Nach den Vorberechnungen sollten die Verwaltungskosten der A.-V. 2 Proz. der Prämieneinnahmen nicht übersteigen; beute seien sie aber schon auf das Doppelte angewachsen und sie würden das Fünf- fache, also 10 Proz. erreichen, wenn erst Renten gezahlt würden. Auch in sozialer Hinficht sei die Trennung zwischen Hn« vaiidenversicherten und Angestellten hinfällig, da die letzteren Wirt- schaftlich unter gleichen Bedingungen leben wie die ersteren. und auch Millionen von Kleinunternehmern und Landwirten der Arbeiter- Versicherung angehörten. Am eingehendsten befaßt sich mit dem Streit eine bei Karl Sjegssmund, Berlin, erschienene a uo n stm e S ch x,i s t I.Sgll die Organisation der nach dem Gesetz. vom. 20..12.. 1911. Jbei- ; oeHalte« werden Der ungenannte Bersaster legt-darm' an' der Hand der Regierungsvorlage und Reichstagsverbandlungen in Kam- Mission und Plenum die Gründe dar, die zur Sonderversicherung führten, die Einwände der Anhänger der Jnvalidcnverfichernng und die Gegengründe der Regierung und des Hauptausschustes der An- geslelltenverbände. Es seien in der Hauptsache politische Gründe� gewesen. Man habe die Angestellten grundsätzlich höher b e- werten,«ihnen mehr als die aus die bescheidenste Lebensführung degrenzten Leistungen der Jnval-Bersich. gewähren, sie als be- sonderen Stand anerkennen wollen. Aber 70 Proz. der An- gestellten gehören bereits der Invalidenversicherung an. Man habe angeregt, die Angcstelltenvcrsicherung wenigstens durch die Träger der Invalidenversicherung verwalten zu lasten. Auch das sei ab- gelehnt worden, teils wegen der abweichenden Voraussetzungen der RentrngeWährung, teils wegen der abweichenden Alterszusammen- fetzung iff« Verficheningsbestand, der größeren Freizügigkeit der An- gestellten und der Unzuträglichkeiten des Markensystems sür die A.-B., dit die Gefahr der Unterschlagung und Markenfälschung erhöhe., Auch sei die Arbeitslast der Träger der J.-B. schon so groß, daß ihnen nicht noch weitere Geschäfte zugemutet werden könnten. Der Verfasser gehl diesen.Begründungen* scharf zu Leibe und weist sie im einzelnen als unzutreffend und verfehlt nach. Die Träger der F.-V. seien keineswegs überlastet und die Mehrarbeit durch die A.-V. werde nur unerheblich sein. Bei der J.-V. betragen die Verwaltungskosten für lö'/e Millionen Versicherte 24,15 Millionen Mark, bei der A.-V. für 1,74 Millionen Versicherte schon 4.89 Millionen Mark. Und diese Kosten würden sich ganz erheblich mehren, wenn erst Renten gewährt werden müßten. Wenn man das Markensystem wegen der Fälschungsgefahr' ablehne, so müßte man auch aus die Herstellung von Stempelmarken und Papiergeld verzichten. In sozialpolitischer Beziehung stellt sich der Versaster rückhaltlos auf den Boden der Versicherungsgemein- schaft aller Volksschichten. Aber auch die äußer st e Sparsam- keit müsse walten. Jeder unnötige Aufwand an Arbeitskraft und Volksvermögen in allen öffentlichen Einrichtungen sei zu beseitigen, jedes nicht sachlich gebotene Nebeneinandersein besonderer Behörden in Rechtsprechung, Verwaltung und Aufsi-btSführung, alle bureau- kratischen Schwerfälligkeiten müßten fortfallen. Die unVerhältnis« mätzig hohen Verwaltungskosten der A.-B. seien nicht länger zu verantworten und ihre jetzige, sachlich nicht gerechtfertigte Gestaltung schädige das Gemeinwohl. Der ungenannte Verfasser kommt zu folgenden Schlüsten: Die Vereinigung beider Versicherungen sind durch eingehende Prüfungen der zuständigen Behörden vorzubereiten. In materiell- rechtlicher Hinsicht sei zu erstreben: die Erweiterung des Versicherungszwanges bis 3000 M. und die Zulastung freiwilliger Versicherung über 3000 bis zu 5000 M.. die Gewährung des Reichszuschusses nur im Rahmen der Zwangsversicherung, die Gewährung von Witwenrenten nach den Grundsätzen der Hinterbliebenenversicherung salio nur für invalide Willven), der Aliersreuten allgemein vom 65. Lebensjahre an. die Eilüllung der Warlezeit nnd die Entrichtung der Beiträge nach den vdrschriflen der R.-V.-O. und die Erhaltung aller bereits erworbenen Ansprüche. Unbeschadet dieser Prüfung späterer materiell-rechtlicher Verschmelzung sei eine BerwaltungSgemeinschast sofort herbeizu- führen durch Unterstellung der A.-B. unter daS Reichsversicherungs- amt, Aufhebung der Reichsversicherungsanstalt, Verwaltung durch die Tröger der S.-V. unter Bildung besonderer Abteilungen bei den Versicherungsanstalten mit gesonderter Vermögensverwaltung, Ein- ziehung der Beiträge nach dem Markensystem und Ucbergang der Spruchlätigkeit auf die Spruchbehörden der J.-V. » Gegen diese Schrift und ihre Vorschläge polemesiert nun in einer Broschüre ein Berliner Schriftsteller Hans Blanken st ein (.Beseitigung der AngestelltenversiSerung?* 36 Seiten. A. Winser, Berlin.) Er stellt die Behauptung auf. daß die ganze Art der plan- mätzig geführten Agitation den Eindruck erwecke, datz sie von einer Stelle ausginge. Seil der Tagung der LandesversiHererungs- nnfrih.». m Heidelberg wstje«a» auch, datz da«— Serchsver» sicherungsamt hinter der ganzen„Bewegung" fftehe. Dort habe man nämlich„in Anwesenheit des Präsidenten dieses Amtes* eine Reihe von Entschlietzungen angenomnien, die sich an letzter Stelle mit dem„Ersatz der autzerordemlich kostspieligen besonderen Angestelltenversilherung durch einen Ausbau der allgemeinen Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung* befassen. Diese Art von Beweisführung übersieht, daß die Heidelberger Tagung erst am 24. Juni d. I. stattfand, während Prof. Manes seine Kritik bereits vor Jahresfrist veröffentlichte. Desunqeachtet behauptet Blankenstein frischweg, datz der Präsident des R.-V.-A. hinter den Vertretern der Versicherungswissenschaft stehe und daß eine Reichsbehörde eine ihren eigenen Interessen dienende Aenderung der geltenden Gesetzgebung durch monatelange Stimmungsmache herbei- führen wolle, um die Entschließungen der Reichsregierung unter den Hochdruck der öffentlichen Meinung zu stellen. Und worin soll dieses ei g e n e Interesse bestehen? In der ungünsttgen Finanzlage der Invaliden- und Hinterbliebcnenversorgung, die auf Kosten der Angestelltenversicherung saniert werden solle. Die Reichs« Versicherungsanstalt befindet sich in sehr günstiger finanzieller Lage, vor allem durch die hohe Verzinsung ihrer Vermögen um 4,75 Proz. (gegen 3,5 Proz. der Vorberechnungen), während die Vermögen der Jnvalidenversicheiung, die sich durchschnittlich nur um 3,74 Proz. verzinsten, um 65 Mill. Mark zurückgegangen seien. Der Krieg werde die Finanzlage der Versicherungsanstalten durch Verschlech- terung der Risiken noch weiter ungünstig beeinflussen. Der Gedanke, diese unausbleibliche Verschlechterung der Vermögenslage durch Ver- einigung mit der kapitalkräftigen Angestelltenversicherung auszu- gleichen, sei begreiflich. Man geht wohl kaum fehl in der Annahme, datz die Blanken- steinsche Schrift von der Ret ch s Versicherungsanstalt der A.-V. inspiriert ist. Darauf deutet der ganze Inhalt und die Art der Beweisführung hin. Es ist gewjtz kein erbauliches Schauspiel, wenn die eine staatliche Einrichtung die andere unter einem x-beliebigen Namen öffentlich angreift. Dazu sind die Gründe der A.-V. äußerst fadenscheinig. Datz die Versicherungs- anstaltcn eine Verminderung der Kapitaldeckung wünschen, ist noch lange kein Beweis für ihre schlechte Vermögenslage, sondern nur der Ausdruck der Erkenntnis, datz die übertriebe».? Kapitaldeckung versicherun gSw Ist erst chaftlich nicht notwendig und volkswirtschaftlich eher nachteilig ist. Wir haben uns auch schon wiederholt gegen diele sinnlose B ermögen saufspeiche- rung gewendet, mit der eine völlig ungerechtfertigte R e n t e n- s p a r s u ch t cinherging. Daß diese Kapitaldeckung nach dem 5kriege nicht so unbegrenzt weitergehen kann, sollte sich jeder Volkswirt- schaftler selber sagen. Der Vorschlag einer gesonderten Vermögens- Verwaltung für die von derJ.-V. mitverwaltxte A.-V. für die lieber- gangszeil beweist übrigens, daß es den Versicherungsanstalten keines- falls bloß um die Aufsaugung des Vermögens der Reichsversiche- rungsanstalt zu tun ist. Zudem läßt sich heute noch nicht voraus- sagen, ob die Angestelltenversicherung für alle Zeit so glänzend finanziert ist. ES bleibt abzuwarten, wie die übernommenen Risiken der Berufsinvalidität bei 50 Proz. Erwerbsunfähigkeit, der Renten- gewährung an gesunde Witwen und an Waisen bis zum 18. Jahre wirken. Auch hier wird der Krieg ganz erhebliche Verschlechterungen der Risiken herbeiführen. Ebensowenig erscheint uns beweis- kräftig, was Blankenstein gegen die gemeinsame Organi- sation, Verwaltung und Rechtsprechung sür beide Versicherungs- zweige einwendet, daß die Verwaltungskosten der J.-V. nur des- wegen so niedrig seien, weil die P oft sür sie den Marken- verkauf und die Rentenauszahlung übernehme, ist sicher kein Argu- ment für die Beibehaltung einer kostspieligen Sonderverwaltung. Und datz die Angliederung an die J.-B. das Reich inil lOMillio- neu jährlichen Zuschuß belassen werde, hat inxhr'mit der Finanz- läge des- Reiches, äN mir der ber�J.-Ä. M'rechsten? Für die An« gestellten wäre der Reichözulämtz sogar ein nicht zu unter- schätzender V o r t e i l. Daß das Markensystem sich sür die A.-V. mit ihren höheren Beiträgen nicht eigne,' wird widerlegt durch die Einführung hochwertiger Ouartalsmarken bei der J.-B.. und datz die Verwaltungskosten der A.-B. durch Angliederung an die einund- k vierzig Träger der J.-V. eher höhere würden, kann nur bei denen glauben finden, die das verfehlte und kostspielige K o n t e n s y st e m für unentbehrlich halten. Ein besonderes Interesse für unsere Partei gewinnt indes ein Trumpf, den Blankenstein gegen die BereinheitlichungSbestrebungen ausspielt. Er erklärt: vor allem werde es sich die s o z i a I d e m o- kratische Partei sehr gründlich überlegen, ob sie sich zu Be« strebungen hergeben soll, die sie in den schärfsten Gegensatz zu der ganz überwiegenden Masse der Angestellten bringen. Die anonyme Broschüre weise mit besonderem Nachdruck auf das Zusammenarbeiten beider Berufsstände beim Hilfsdienstgesetz hin, aber ihre Folgerungen daraus gingen durchaus fehl. Gerade weil die Sozialdemokratie so großen Wert auf die Interessen- gemeinschafl zwischen Arb eitern. und Angestellten lege, werde sie sich hüten, sich in einer Frage, in der die An- gestellten einmütig ihre erworbenen Rechte verteidigen, sich in einen Gegensatz zu ihrer überwiegenden Mehrheit zu �setzen.—--- Dazu wäre zu bemerken, daß Herr Blankenstein in der Be- urteilung der Haltung der Angestellten von ganz falsche» Voraus- setzungen ausgeht und daher auch, zu irrigen Schlüssen, auf die Haltung der Partei gelangt. Die ganz überwiegende Mehrheit der Angestellten hat sich nienrals für die S on d e r v er f stch e r u n g erklärt, denn 70 Proz. der Angestellten gehören schon der Invaliden- Versicherung an und der Hauprausschuß hat zu keiner. Zeit mehr als 600 000 Angestellte, also 35 Proz. der heule Sonderverjicherten vertreten. Die Angestellten würden sich gegen eine B e r einheitlichung der Bersicherung nicht auflehnen; nur für eine materielle Verschlechterung' wären sie nicht �zu"haben. Eine solche braucht aber mit der Verschmelzung nicht unbedingt verbunden zu werden, während die letztere manche recht beträchtliche Vcrbeste rungen bringen wird, wie in Nr. 215 des.Vorwärts* schon dar- gelegt wurde. Die Sozialdemokratie wird selbstverständlich nicht für Verschlechterungen und Entrechtungen eintreten, wohl aber würde sie getreu ihrer ftüheren Haltung jederzeit sür die Aufhebung der Sonderversicherung der Angestellten stimmen, sobald eine Vereinheitlichung mit der I.- und H.-V. ohne Nachteil für die Ver sicherten möglich ist. Von der Angestelltenschaft ist aber zu erwarten, daß sie die Vor- und Nachteile der Sonderversicherung, ihre Rechte und Pflichten sachlich gegeneinander abwägt und danach entscheidet. Wir be- fürchten gar nicht, daß sie danach in einen Gegensatz zur Sozial- demokratie gerät. Vielmehr dürfte zur Wahrheit werden, was deren Vertreter damals im Reichstage ausführte: Als Folge des neuen Gesetzes sei ein gemeinsamer erfolgreicher Kampf der gesamten Arbeiterschaft einschließlich aller Angestellten für den Ausbau der Arbeiterversicherung zu erhoffen. Damals hat die Sozialdemokratie umsonst gewarnt. Heute müssen ihr die namhaftesten Vertreter der Versicherungs- Wissenschaft recht geben I Das ist der politische Kern des Streites um die Angestelltenversicherung. GroßSerlln Die Obstbewirtschaftung. Die Reichs stelle für Gemüse und Obst hat ihre Matzregeln zur Beloirtschaflung der diesjährigen Obsternte jetzt fest- gelegt. Die Veröffentlichung der, hierüber zu erlassenden Be- stimmungen steht unmittelbar bevor. Sie betreffen nur Aepfel, Birnen. Pflaumen, Zwei s che»; das übrige Obst bleibt von der Regelung ausgeschlossen. Zu einer allgemeinen tommt cfr tou�tc wm ta»ctl§ Ml fecs in voraus abgegebenen wiederholten Erklärungen des Leiters der Reichsstelle, Oberregierimgsrats v. Tilly. Aber Zwangsmaß- regeln anderer Art, die sich gegen gewinnsüchtige Produzenten und gegen Hamster richten, sind für nötig gehalten worden und werden jetzt angeordnet. Herr v. Tilly hatte gestern Verireter der Preffe eingeladen, um den neuen Obstbewirtschaftungsplan und die diesbezügliche Ver- ordnung zu erläutern. Kommunalverbänden und Großverbrauchern sei die Eindeckung mit Gemüse durch Lieferungsverträge über Er- warten gut gelungen, aber die Marmeladenindustrie habe hiermit sich keine irgendwie nennenswerten Obstmengen sichern können. AlS Ursachen müsse man ansehen die Preisüberbietungen bei Obst« Pachtungen, die bei den Erzeugern selber zu hohen Preisen ge- machten Einkäufe hamsternder Verbraucher und schließlich den durchaus nicht den Erwartungen entsprechenden Ernte- ausfall, der bei Aepfeln im ganzen ungünstig, bei Birnen leidlich gut bis gut, bei Pflaumen und Zwetschen unter mittelmäßig sei. Notwendig sei aber ausreichende Versorgung der M a r m eladefabriken mit Ob st. um die angesicküs des Fettmangels erforderliche geregelte Verteilung guten Brotaufstrichs durchführen zu können. Nach Eindeckung der Marmeladefabriken werde für den Friichnrarkl nicht allzuviel Ob st ü b r i g- bleiben, doch müsse auch die Marklbeschickung mit Frisch- wäre geregelt werden. Zur Lösung dieser Aufgaben sollen folgende Maßregeln dienen. Dem Erzeuger wird zwar alles im eigenen' Haushalt zu ver- brauchende Obst belassen, sobald aber von ihm oder von sonst jemand O b st abgesetzt werden soll, unterliegt es dem b e h 5 r d l vcb e» Zugriff, doch unter Mitarbeit des Handels. Will der Besitzet aufKaufvertrag zuHöch st preisen nicht eingehen,!'« erfolgt Z w an g s ü b ertra g un g des Eigentums unter Zahlung geringerer Preise, aber erst nach Aberntung. Diese muß der Erzeuger oder der Pächter. Ersteigerer usw. auf eigene Kosten und Gefahr besorgen, auch hat er die Ware bis zur Abnahme zu bewachen und pfleglich zu behandeln. Sicherung der Durchführung dieser Matzregeln wird davon erwartet, datz im Deut- scheu Reich der Absatz von Aepfeln, Birnen, Pflaumen, Zwetschen einer von den Landes-, Provinzial- oder Bezirks- stellen zu erteilenden Genehmigung bedarf. Bei Beförderung mit Eisenbahn, Kähnen. Wagen, Karren, Tieren wird die Ge- nehmigung durch„Beförderungs schein* erteilt. Ab- satz auf öffentlichen Märkten bedarf keiner Genehmigung, auch kann Ware bis 1 Kilogramm unmittelbar an Verbraucher ab- gesetzt werden..Die Landes-, Provinzial- und Bezirksstellen könne» den Erwerb durch Verbraucher, wie er auf. H a m st e r f a h r t e n* üblich ist, und den Handel öffentlicher Märkte besonders regeln. In Preußen wird erwogen, den Erwerb des Verbrauchers beim Erzeuger(abgesehen vom Marktverkehr) in einzelnen Landesteilen auf Ortseingesessene zu beschränken. Dort hätte dann der auswärtige Verbraucher zum Obstkauf an der Erzeugungsstätte eure Genehmigung nötig. Die Verteilung des erfaßten Obstes auf Marme- ladefabriken und Frischverbrauch ist Sache der Reichsstelle. Sie be- stimmt, wieviel die Landes-, Provinzial- und Bezirksstellen im eigenen Gebiet für den Frischverbrauch zurückhalten dürfen und wohin der Ob st Überschuß zu liefern ist. DaS ist besonders wichtig für die Versorgung der Großstädte, wie Berlin und z. B. auch Hamburg und Bremen, die kein eigenes Produktionsgebiet haben. Herr v. Tilly Versichertc. die Reichsstelle habe alles so vor- bereitet, daß kein Obst verderben werde. Er glaubt auch, eine Gewähr dafür übernehmen zu können, datz diesmal— ach, wenn er doch recht behielte!— die Marmelade besser aus- fallen wird. Revisionskommissionen, je zur Hälfte aus Technikern Und Kaufleuten zusamniengesetzt, werden die Marnreladefabriken überwachen.- Dem Frischniarkt soll möglichst die gesamte„Onalitäts- wäre* zugeführt werden. Bicr'"lvlrd es aber nicht sein. Kriegswucher mit Marmelade DaS KriegSwncheramt berichtet: In der Börse der Ketten« Händler, einer in der Königslraße belegenen, sehr bekannten Kaffee- Konditorei, hatte der Eierhändler Jakob F ä r b e r, Berlin, Frank- furter Allee 320, einen.unbekannten Mann* getroffen, dem er 200 Zentner Marmelade, also einen ganzen Eisenbahnwaggon voll. zu dem übermäßig hohen Preis von 130 M. für den Zentner ab- kaufte. Dann lernte Färber auf der Rennbahn einen anderen.Un- bekannten* kennen, dem er die Marmelade mit 140 M. verkaufte. Dieser verstand daS Geschäft noch besser; er holte die Ware erst gar nicht ab, sondern verschob sie gleich weiter mit 165 M. für den Zentner. Das KriegSwncheramt beschlagnahmte die Ware. Färber wurde festgenommen und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert._ Ein schwunghafter Handel mit Schokolade und Kakao wurde gestern in der Zentralmarkthalle ausgedeckt. In der Restauration wurde schon seit längerer Zeit Schokolade und Kakao verkauft, das Pfund zu 20 M. Gestern überraschte ein Beamter der Streifniannschaft der Kriminalpolizei den Verkäufer, einen fein- gekleideten Mann, und stellte ihn fest als einen Amerikaner namenS Pelziger, der in FricdrichSfelde eine Gänsemästerei betreibt. Bei einer/ Durchsuchung' dort fand die Polizei noch mehrere Zentner der seltenen Ware,/ die dem Kriegswucheramt übergeben wurde. Pelziger-hatte sie angeblich für sich selbst gekaust, aber doch gefunden, datz eS.für ihn allein zu viel* sei. Die Hamsterjagd. Die Konftollen im Kreise Teltow werden von Tag zu Tag .schärfer. Man begnügt sich jetzt nicht mehr mit der Ueberwachung der Eisenbahnen und Bahnhöfe durch Gendarmen, sondern läßt auch noch die Postämter und Chausseen, Eingänge von Dörfern und Wege, Kreuzungen durch Geheimpolizei und Gendarmen:c. beobachten. Während bisher nnr die Reisenden, die nach Berlin fuhren, über- wacht wurden, ist die Kontrolle nunmehr auf Reisende ausgedehnt worden, die von Berlin kommen. Auch ganz harmlose Reisende, Laubenkolonisten, Kreiseingesessene. Gärtner, Landleute und Händler, Urlauber, Beamte und sogar Kinder werden von der Kontrolle bc- troffen._ Naubmori» in Schöneberg— der Täter verhastet. Rasch aufgeklärt wurde ein Raubmord, den man Montagabend in dem Hause Nollendorf st ratze 26 entdeckte. Hier wurde die 7äjährige Wirwe Auguste Bigalke geb. Weidemann in ihrer nach dem Hof gelegenen Kellerwohnung ermordet auf« gefunden. Die Leiche hing in der Küche an der Türklinke. Hals und Augen waren mit Stricken verschnürt, der rechte Arm war ge- brachen. Die Schubläden. Spinde, Betten usw. waren durchwühlt, die 600 M. Eriparnisse der alten Frau waren geraubt. Die Schöneberger Kriminalpolizei nahm lofort die Ermittlungen auf und benachrichtigte durch den Telegraphen auch die Berliner Dienststellen. Ein Kriminalwachtmeister, der im Berliner Polizeipräsidium den Nachtdienst versah, hatte unter den vielen eingelieferten Personen auch einen 38jährigen anS Kolberg gebürtigen Arbeiter Erich Winter. Winter bat ein« längere Gefängnisstrafe zu verbüßen, entwich aber am Sonntag mir mehreren anderen aus dem Stadtvogteigefängnis. Nachdem er erwischt und dortbin zurückgebracht worden war. ging die Mord- depesche ein. Bei Winter halle man nun eine ihm angeblich von seiner Frau eingehändigte größere Geldsumme und mehrer« Papiere gefunden. Der Beamte erinnerte sich jetzt, datz darunter auch eine OuittungSkarle mit dem Namen Werdemann war. Er ließ Winter zurückholen und verhörte ihn. Der Ver- dächtige wollte zunächst von der Tal nichts wissen, gab später die Beteiligung zu, schob aber den Mord auf einen anderen tc{fjfrfr MC boM MAfe» SÜ noch in der Nacht angestellte» Ermittlungen ergaben, daß der don ihm berichtigte Mann, dem Winter mit großer Frechheit den Mord ins Gesicht hinein behauptete, nicht der Täter sein konnte. Am Dienstagmorgen legte dann Winter das Geständnis ab. daß er die Tat allein begangen bat. Er kannte die alte Frau Biyalke, weil er ihr früher, loo er aui einem Kohlenplatz tätig war, mehrmals Kohlen gebracht hatte. Nachdem er Zutritt ru ihrer Wohnung erlangt hatte, warf er ihr eine Schlinge um bei» Hals und erwürgte sie._ Ein Waldfest. Vom schönsten Augustweltcr begünstigt, machten die Leser der .Arbeiterjugend" Groß-Berlin am Sonntag eine» Ans- flug nach Sandhausen hinter Tegel. In dem hügeligen Wald» gebiet am reifenden Helllgen See fanden sich die Treuen rusammen, soweit sie nicht durch Verpflegungsschwierigkeiten zu Hause gehalten wurde». ES wurden Wettkämvfe ausgeführt, bei denen gute Bücher alS Preise verteilt wurden. Tegeler Jugendliche sorgten durch Man» dolineu- und Gitarrespiel für»msikalische Unterhaltung und für Begleitung der Volkstänze. Nach dem gemeinsamen Gesang eines Volksliedes wies Genosse Donmick in einer kurzen Ansprache' hin auf den Unterschied zwischen der Jugend von heute und der Jugend von einst. Einige Gedichte, von zioei Jugendlichen mit Begeisterung »nd in schöner Aussprache vorgetragen, erhöhten die Feststimmung. Gemeinsame Spiele hielten die Teilnehmer noch bis zum Abend zusammen._ Ei» BolkSkonzcrt dcS Philharmonischen DrchestcrS findet heute in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/t!'t. statt. Beginn deS Konzert! 8 Uhr. Der EiutriltSprei! beträgt M Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr.__ Eharlottenburg. Lebensmittel. In dieser Woche können mit Mücksicht auf die reichlicheil Zufuhren ausnahmsweise auf Ab» schnitt 125 der Charlottenburger roten Nahrungsmittel- karte noch zwei Pfund Kartoffeln entnommen werden. Ncukölln. Lebensmittel. In der laufenden Woche kann auf die vier weißen Abschnitte der Kartoffelkarte insgesamt ein weitere» Pfund Kartoffeln entnommen werden. Diejenigen Personen, welche in der vorigen Woche auf die Kartoffelkartenmittelstücke Kartoffeln nicht haben entnehmen können, sind berechtigt, noch in dieser Woche die drei Pfund auf jede Karle zu entnehmen. Marmelade Ivird in den städtischen Verkaufsstellen auf Ab» schnitt 46 der Neuköllner Lebensmittelkarte abgegeben und zwar: an 4 Personen mit den Anfangsbuchstaben II—? am DonnerSlag, Q.—Z an, Freitag; an 3 Personen mit den Anfangsbuchstaben.A— II am Sonnabend, J— R am Montag, S— Z am Dienstag; an 2 Personen mit den Anfangsbuchslaben A— II am Mittwoch, den 2v., j— R am Donnerstag, den 30.. S— Z an, Freitag, den 3t. August: an eine Person mit den AlisangSbuchstaben A— H am Sonnabend, den 1. September. Jede Person erhält S Gramm Mannelode. Echöneberg. Anwerbung der Aollmllchkarten. Die Frist zur An» Meldung der Vollmilchkarten ist sür die Zeit vom 26.— 28. August festgesetzt worden. Den Kindern bis zum 2. Lebensjahre ist ein Vorzugsrecht bei der Anmeldung derart»ingeräumt, daß am 26. August nur Anmeldungen auf diese Karten zulässig find. Am 27. und 28. August haben sich die übrigen Milchberechtigten an» zumelden._ Wilmersdorf. Lebensmittel. Auf die zehn Abschnitte der Kar- toffelkarte können 5 Pfund Kartoffeln entnommen werden. Auf Ab- schnitt X der BezugSkarte für Einzelpersonen<3. Ausgabe, rosa) ge- langt von heute bi« einschließlich Sonntag, den 26., 1 Pfund Südfruchtmarmelade zum Preise von 96 Pf. zum Verkauf. Die Eni- yahme hat in denjenigen Geschäften zu erfolgen, wo der Karten- tnhaber in die Kundenliste zum Bezüge von Grieß eingetragen ist. Steglitz. Mehlhaltige Nährmittel für Jugendliche und alte Leute verteilt die Gemeinde, und zwar bi« auf weitere« monatlich, an Jugendliche im Alter von 12—16 Jahren 1lt Pfund und an Alte über 76 Jahre 1 Pfund. Die hierauf Anspruch erbeben, haben die erforderliche BezugSkarte in der zuständigen Brotkommisston gegen Vorlegung einer Urkunde oder dergleichen in der Zeit von heute bis Donnerstag, den 23. in Empfang zu nehmen. Für den Monat August kommen Hafernährmittel zur Verteilung. Der Preis beträgt für 1 Pfund Haferflocken,-mehl und-grütze lose 44 Pf. und in Paketen 56 Pf._ Tegel. Lebensmittel. Auf Abschnitt 69a, b, c, d und« der Kartoffeliarte werden 5 Pfd. Kartoffeln abgegeben. In der nächste» Woche findet eine Neuaufstellung der Kundenlisten für den Kartoffel- und Zuckerbezug gegen besondere, von der Gemeinde ausgegebene Ausweise statt. Diese werden den Einwohnern von den Hau!» eigentümern bezw. Stellvertretern bei der Ausgabe der Fleisch- ausweise mit ausgehändigt werden. Von heute ab kann in den bezüglichen Geschäften auf Abschnitt 52 der Lebensmittelkarte V« Pfd. Südfruchtmarmelade(30 Pf.) entnommen werden. Außerdem wird in der Gemeindeverkaufsstelle gemischte Marmelade zu 86 Pf. das Pfund in jeder Menge verkauft. FriedrichSfelde. 100 fleisch geschlachtete Gänse im Gewicht von je 5—7 Pfund werden heute nachmittag durch da« Los zum Verkauf gelangen. Preis pro Pfund 4 M. g»gen sofortige Bezahlung. Kauf- lustige wollen sich nachmittag« 5 Uhr i>n Loger, Wilhelmstraße 9, ein- finden._ HeinerSdorf. Herabsetzung der KartoffrlkleinhandelSpreisr. Der Gemeindevorstand hat den Kleinhandelspreis für Frühkartoffeln auf 16 Pf. herabgesetzt._ FriedrichShagen. vbstverkauf durch dir Gemeinde, Von heute früh 8 Uhr ab kommt da« durch die Gemeinde besorgte Obst, zirka 260 Zentner, in der KriegSküche, Friedrichslraße, zum Berkauf. Lebensmittelkarten sind»nitzubringen. Obst ist reichlich vorhanden. Auf Abschnitt 34 der Leben'msttelkarte gelangt ein halbes Pfund Hafergrütze zum Preise von 22 Pf. zur Verteilung. — Der Fleisch verkauf findet von jetzt ab jeden DienStag- nachmittag»nd Sonnabends statt. Die Fleischmenge beträgt vor- läufig 266 Gramm Fleisch und 56 Gramm Wurst. Nowawe«. Lebensmittel. In dieser Woche dürfen auf den Wochenabschnilt 54 der Kartoffelkarte zusammen nicht mehr als 5 Piund Kartoffeln abgegeben werden. Soweit infolge Teilnahme an der Volksspeisung drei Abschnitte der Kartoffelkarle abgetrennt werden, dürfen auf die restlichen vier Abschnitte nicht mehr als 2 Pfund Kartoffeln entnommen und auf die Kartoffelzusatzkarte nicht mehr als 2 Pfund Kartoffeln entnommen werden. Der Klein- handelshöchstpreis wird für 1 Pfund auf 12 Pf. festgesetzt. Alle Personen, welche im Gemeindebezirk bis ei«schließ- lich 2 66 Quadratmeter mit Kartoffeln bepflanzt b a b e n, werden aufgefordert, den Ertrag bis zum 1. Ok- t o b e r bei dem Gemeindevorstand, Rathaus, Zimmer 8/9. a n z u- melden. Denjenigen Kleinanbauern, welche den Kartoffelertrag bis zu dem obenbezeichneten Zeitpunkt nicht angemeldet haben. werden auf Grund der Liste über die Verteilung der Saatkartoffeln die Kartoffelkarten entzogen werden. Groß-Serliner parteinachrichten. Kaulsdorf. Heute Mittwoch: Mitgliederversammlung bei Hampel. Hönower Straße. Tagesordnung: 1. Aufstellung eine« Kandidaten zur Geineindewahl am 26. August. 2. Berichte. 3. Verschiedenes._ Sriefkaften der Redaktion. Olga 31. Die Firma müßte in diesem Fall sür den Schaden der ab- Händen gekommenen Garderobe basten: reichen Sie Klage beim Gewerbe« gericht ein.— F. R. 78. Ob da S in diesem Jabre durch daS Schwedische und Holländische Rote Kreuz geschoben wird, wissen wir nicht: es wird voraussichtlich noch eine Bekanntmachung erfolgen.— G. B. Das iit lein Grund zur Lösung dcS Lebrvcrtrages. Sie»nüssen versuchen, sich aus güt- iichem Wege mit dem Meister zu einigen.— M. B. 52. Nein.— ®. 17. Von der Militär- und Invalidenrente wird Ihnen wegen Be- willigung eines Heilverlabrens nichts in Abzug gebracht. Sie müssen, um weiter« Ausbrüche an die Invalidenversicherung stellen zu können, min- bestens 26 Marken in zwei Jahren kleben, und zwar könne» Sie die niedrigst« Klasse kleben— CF. W. 100. 1. Sie können die Todeserklärung beantragen, verpflichtet dazu sind Sie aber vorläufig nicht. 2. u. 3. Nein. R. P. 1886. An das Auswärtige Amt.— Rosentbal Hl. 1. Ihr Geld verbleibt Ihnen sür später. 2. Geldwert. 3. Der Wert des Geldes kann auch im Inland dadurch ganz bedeutend sinke», datz z. B. wie gegenwärtig eine allgemeine Warenteuerung cintrilt. SvetteraiiSNebten kür daS mitttrre?torddeutlchland dl» TounrrStog»nttag. Ziemlich warm, vorberrschend wolkig, mit«eist geringen, mehr im Südosten stärkeren Rcgensällen, strichweise Gewitter. DeutftDer nietallarbeltcr- üerband. Verwaltungsitelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bandagist IZominlllU88tevieI Guineastraße 3 am 18. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. August, nachmiuag« i'l, Uhr, von der Leichenhalle des St, Sebastian-Kirchhosi» in Ret- nickendors, Humboldtstraße, au» statt. Rege.Bcleiligung wird er» wartet.__ 180/19 Xachrnf. Ten Mitgliedern sernei zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Arbeiterin Kon» Schröder BeuIIeistraße 61 am 8. August gestorben ist. Ehre ihrem iUndenken! Tie OrtSverwaltuug. Verband der fabrlkarbelter I Deutschlands. Verwaltung Groll-Berlin. Am Sonntag, 19. August, ist unser langjähriges Mit» glicd Paul Horn verstorben. Die Beerdigung findet am Mittvoch. den 22. August, nachmittag»'1,3 Uhr. von der Halle de» Lichtenbcrger FriedhoseS in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Zlactiral«. Am Sonntag, 12. August, verstarb miser Mitglied Uidvig Härener. Am Montag, 13. August, verstarb unser Mitglied Marie Dahle. Ehre ihrem Andenken! � 56/16 Die Ortaverwaltung| Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutle»!. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach» richt, daß der Kolleg« Auniizt Bredemeier Ruppiner Str. 49, Bez. 2 am 19. August gestorben ist. Ehre seinem Audenkcu! Die Beerdigung sinket am Mittwoch, den 22. d. M., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Segens- Friedhojs in Wcißensce, Gustav» Adots. Sir 67—74. aus statt. 156/7 Um regeBeteiligung ersucht Tie OrtSverwaltuug. ÖklmMke Z vande i M. Bach. hendlu», Bormatt» ■ Mitten an« ragtloseater, attfopfernngsToUer und nnemflJllcher Tätigkeit und Schaffenekreude kür die Wehr des Vaterlandes wurde unser stellvertretender Direktor, Herr Hermann Angerstein am Sonnabend, 18. August 1917, im Alter von 40 Jahren dnrch'einen jähen Tod abberufen. 76/18 Unsere Gesellschaft hat dnreh das Ableben dieses aasgezeichneten, mit hervorragenden Geistes- und Charaktereigenschaften ausgestatteten, an Pflichttreue vorbildlichen Manne» einen schweren Verlust zu beklagen. Auch er starb wie ein Held unter Einsetzung aller Kräfte für Deutschlands heilige Aufgabe. Berlin-Staaken, 20. August 1917. Der Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Post- u. Eisenbahn-Verkehrswesen A.-ö. Heinrich Wollheim. Am 18. August verschied plötzlich infolge Gehirnschlages der stellvertretende Direktor unserer Gesellschaft Herr Hennaim ingerstein im Alter von 40 Jahren. In ihm verlieren wir einen vorbildlichen Chef und wahren Freund, der für alle ihm Unterstellten ein mitfühlendes Herz hatte. Alle, die ihn kannten, werden verstehen, welcher Verlust uns durch sein Ableben entstanden ist Berlin-Staaken, 20. August 1017. Die Angesteilen und Arbeiter der Deutschen Post- und Eisenbahn- Verkehrswesen A.-O. Zähne mit u. ohne Platte, mit eohtem FriedenzkauUchuk, Goldkronaa, Brücken, Plomben. Umarbeitung schlechtaltzender Qebiste."MzZ Reparaturen sofort Kahnalehcn In Örtlicher Betäubung. llige Preise, auch Teilzahlung. Teleph. Amt Nord. 10436. Bi D.ilöserL'Ä :teDt!iiilerstr.8ll"""""" Sonnt 10-12. Zurück 75/15 Professor A. PinkuSS W, Kleiststr. 2. gerel, Pros. S., Die seruell« Frage. Volksausgabe 2,80 M. Buchhandlung Vorwärts, Litt» denstraße 8. Spezialarzt Dr. med. Colommnn für Haut-, Harn-, Frauenleiden nerv. Schwäche, Beinkranke, Ehrlich- Hata- Karen. (Dauer 12 Tage). Behandlung schnell, sicher und schmerzlos ohne Berufsstörung. KöniflStr.34-36AlsÄrhpfi, Spr. 10—1 u. 5—8, Sonnt 10-1. Verband der Gemeinde» und Staatsarbeiter. Filiale GroB-Beriln. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen vom Gaswerk Lichtenberg. Die Beerdigung findet beute Mittwoch, 22. August, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Gemeinde-Fried- hoseS in Marzahn aus statt. Estre seinem Andenken! Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht 188/10 Die OrtSverwaltuug. Soi. Ver. teltow-Beeshow. Bezirk Neukölln. Am 18. August verstarb im 70. Lebensjahre nach langer Krankheit unser lang» jährige» Mitglied, dcrGenoste llllo Dalichaa. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. August, nachmittag» 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Neu- köllner Friedhofes, Marien- dorser Weg, au« statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht[199/18 Die vezirkSlettung. Nach langem, schwerem Leiden verstarb am 19. August mein lieber Mann, unser herzensguter Vater Rleliard Krall im 40. Lebensjahre. In tiefiter Betrübnis um stille Teilnahme bstlend Aagaate Krall nebst Sohn Richard. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. August, von der Leichenballe des ZhomaS-KilchhoseS in Rc». lölln aus statt. 239b l>ank»agung. Für die vielen Beweise aus- richtiger Teilnahme bei der Be- erdigung unserer lieben Towtcr Ella sagen wir allen Beteitig- lcn aus diesem Wege unseren tiesgesühltesten Dank. 237b Familie Roderl kendei. Fette Mallkuttv Ä Masthühncr Pfd. 4,95, Kaninchen, abgezogene. Dasche Nchf. Schmidt, Plan-Ufer 21. 20L' Haar-u.Velourliüte Vorverkauf Stuck 28 M. Lindeku, Rosentbilerstr. 36. II- Geschäft: W, Bayerischer Platz 7, Ecke Grunewaldstc. 56.• Hühneraugen Fußsohlenverhartung Oorntirulbllbung enlierrn m. oMoluier etcteitcU iKeldicK.Boot*. Stnjtflf« Radtlalmiltel ffle elnuemutjelle und immer, haste Leiden. Seit 2ö Jahren dewäbrl. M t—. Otto Reichel, Berlin 43, Sisendahnstraxe 4, I■ Arrztl. gelkitete, modern kingerillitete» � ! Ti"ijfiloiiftnlt f. omdulator. KehandlungV! ! Höhensonnen"�' Modernes, erprobtes Heilverfahren: Naturheilverfahren. Elektro- u. 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Nerven- schwäche in 4 Wockien geheilt. Vorher dringend zur Opera- tion geraten.— Herr A. Schladitz, Berlin, Caprivistr. 24. Von GesichtSlupu» in 1 Monat vollständig geheilt. Vorher 6 Wochen mit Radium in einer Berliner Klinik ohne Erfolg behandelt.— Freu E. Popp, Lichtenberg, Gärtnerstr. 10. Von thron. Frauenleiden, Herzschwäche und Verstopfung geheilt.— Sohn d«S Gärtner« H. König, Pankow. In 6 Wochen von veralteter Beinlähmung geheilt. Vorher anderweitig jeder Erfolg abgesprochen.— Bon Nerven- schwäch« in vier Wochen geheilt. Erklärt sich selbst für ganz gesund.— Herr Milchhändler Eckert, Berlin, Greisen- Hagener Str. 26. Bon gichtisch-rheumat. Schmerzen in Bein u. Fußgelenk geheilt. Sehr zufrieden.— Herr A. Brest, Berlin-Moriendorf, Str elitzer Str. 11. Von chronischer Rückeumarkentzlludung und Lähmung geheilt. Vorher für unheilbar erklärt.— Herr R. Zöllner, Reinickendorf-Ost, Provinzstraße 117. Von Lungenblut«« und Katarrh gebeilt.— Frau I. Herold, Berlin, Ramler- str. 23. Von vronchialkatarrh geheilt.— Zwei Kinder des Kohlenhändlers Herrn Linke, Berlin, Strelitzer Straße 6. Bor 9 Jahren von Lungeuleideu geheilt, heute noch gesund.— Herr G. Käppe, Bln.-Rummelsburg, Alt» Boxbagen 8. Bon doppelseitigem Lungenspitzenkatarrh acheilt.— Herr O. Neumann, Lichtenberg, Blumenthal- str. 13. Von Neurasthenie und nervöser«iagenschwäche geheilt.— Frau 0. Grosse, Berlin, Zwinglistr. 26. Von Leberleiden geheilt.— Frau Restaurateur Hering, Berlin, Schönhauser Allee 87. Von Basedowscher Krankheit ge-, heilt.— Herr Erich Bock, Berlin, Stendaler Str. 17, IV.. Bon Nieren- u. Blasenleiden, Aasiersucht, allgemeiner großer Schwäche geheilt. Borher im Krankenhause erfolg- los behandelt Jetzt Fliegersoldat. Getrennte Behandlungsräume sür Damen und Herren! Sprech- und Behandlungszeil 9—1, 4—7«, Uhr. Sonntags und Feiertags 9—1 Uhr. 1 Serlin SO 16, KruckeiistrnßtM ÄiÄ.| Bezugsquellen-uerzelchnls QeleeenheltakBufe m '"HÜBT. HHNAIlC mm eeu Ki i harlottenbura_ n Mehlhdl., Kolon B ZtVrUanW. Stt.t« II. awawoa Pi. KJcpcr ' Frledriehatr. M Damen-, Klnder-Konlektlon Spanüau mein und iHolonialu). Breiteitr. 67, Sohönwalder- »tr. 181«, PleheUdorteretr. H, Haus- and KUchenyerite Hermann Finck Eiaenwar.j Beh8nwald«r«t.87 L A. Markgraf, Brüderat. 11 Eck. [ läger»t.Ltii|.,GI|.,For«ll..gtfl»| [ IJ Tnpnmil floM�hmiedoinsl. [ kB. lOlUOW Markt«), gegr.lM». Unlversal-Briessteller 3,50 Mark, Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 3(Laden).___ Spezial-Arzt Dr. med. Haache, Friedrichstr. 90 Bedandl. von SyvhiltS, Haut-, Harn-, Frauenleiden, svez. chron. Fälle. Ehrlich-Hala-Ku- ren, schmerzlose, lürzeste Be- Handlung ohne Berussstörung. Blutuntersuchung. Mäß. Preise. TeUzahlung. Sprechstunden 10 bis l und 5— 8. Somit. 11— 1. Spezialarzt Dr. med. WockenfaB, Friedrlohzt 125(Oramenb.X»), (.Syphilli, Harn- u. Frauenleiden Ehrlich- Haia-Kur(DauerlOT.) Blutuntersuch. Schnelle, sieher schmerzl. Heilung ohne Berufse Störung. 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Er ist nicht nur ein Kenner des russische» Volkes, er ist sein Kind, ein nach mutig durch- gelämpften Leiden kraft seines Genies flügge und frei ge- wordener Adler, der nie vergesien hat, wie feine Brüder und Schwestern, Millionen und aber Millionen Genossen auf der platten Erde gehalten werden und leben müssen wie die Tiere, wie die Arbeiter alles Schöne und Mächtige schaffen und doch seiner nicht froh werden können, wie die Landarbeiter und Bauern seines Vaterlandes das Brot aus dem Boden herauSschusten und mit ihren kläglich gehaltenen Familien doch hungern müssen. Gorki legte rüstig Hand ans Werk, um für sie alle Rutzland zu einer Wohn- stälte für Menschen zu machen. Wie schwer daS war, welche Hinder- niffe sich auftürmten, daS kann man in seinen Erzählungen und Romanen immer wieder lesen, aber auch, wie die himmelhohen Ge- fängniSmauern des ZarentumS und der Beamtenherrschaft einzustürzen sind, wie Stein und Stein abgebröckelt wird, bis der große Zusammen- bruch mit Naturnotwendigkeit erfolgen muß. Seine Menschen, die Ar- beiter, die Bauern, die Frauen, dle Studenten, die Berzte, die Lehrer warten nur auf den Tag; Not. Kampf, GeiängniS, Sibirien und Tod sind ihnen n'chtS als kleine Steinchen auf dem Wege zur Freiheit, die wohl drücken und schmerzen, aber die RevolutionS- kämpfet nicht vom Ziele fernhalten oder ablenken. Gorki selbst hat gehungert und gedarbt, ehe er für seine Person die Arme frei bekam. Er erzählt gern von seinen Wanderfahrten durch Rußland, das er glühend liebt und zuweilen mit solcher Leidenschaft verherrlicht, daß man sie— aus dem Zusammenhang gerissen— einem Chauvinisten zuschreiben würde, wenn das starke und freie Weltbürgertum diesen echtesten Russen nicht licbesähig sür alle Völler gemacht hätte. Wie zeitgemäß selbst seine älteren Geschichten find, mag durch esn Beispiel belegt werden. An einem Herbstabend gelingt eS ihm nicht, ein Nachtlager zu finden, und er mutz, um ein trockenes Nacht- lag« zu haben, unter ein Getreidemagazi» kriechen, da» nicht un- mittelbar auf der Erde, sondern auf Pfählen und Steinen errichtet wird..Zwischen dem Boden des Magazins und der Erde befindet sich ein Zwischenraum, in dem«in Mensch leidlich bequem Platz findet— er braucht sich nur auf den Bauch zu legen und hinunter- zukriechen. Offenbar hatte daS Schicksal beschlossen, daß ich diese Nacht nicht nur unter einem Dache, sondern auch unter einem Fuß- boden zubringen sollte." Als er sich nun unter dem Magazin hin- und herschlängelt, um einen möglichst zum Liegen geeigneten ebenen Platz zu erkunden, stößt er auf einen Menschen, der schon früher die gleiche Schlafstelle gewählt hat. ES ist ein.Pilger' st'o heißt GorkiS Geschichte), der aber keineswegs zu den Heiligen gerechnet werden kann und auch gar nicht dazu gezählt zu werden wünscht, sondern sich als Philosoph deS Nichtstuns enipuppt. ES ist sozusagen ein Aktionär der L a n d st r a ß e, der Dividenden erntet, wo er nicht gesät und nicht gearbeitet hat und Gorki aus dem unerschöpflichen Born seiner Schwindelmanöver zur Hochtreibung der Kurs« und AuSnützung der Konjunktur viel Tragikomisches erzählt. Jetzt liegt er, wie Gorki, unter dem Fußboden eines Getreidespeicher», nach ein paar Wochen bewegt er sich vielleicht aber schon wieder auf dem Parkett eine» Petersburger Salons. Dieser.Pilger' zeigt sich in allen Lebenslagen als äußerst gewandt und findig— und auch einmal hilfsbereit. Zwischen ihm und Gorki entwickelt sich unter dem Speicherfußboden folgendes Gespräch, da» für viele Mit- leider de» Weltkrieges in der vom Hungerkrieg bedrohten Festung Deutschland besonderes Interesse hat. .Vielleicht haben Sie Hunger? Ich habe Brot, Kartoffeln und zwei gebratene Raben... ist's gefällig?' .Gebratene Raben?' fragte ich neugierig. .Die essen Sie wohl nicht? Tut mir leid.. sagt« er und reichte mir ein großes Stück Brot. .Gebratene Raben Hab' ich noch nie gegeffen.. .Da versuchen Sie mal! Im Herbst schmecken sie ausgezeichnet. Jedenfalls esse ich lieber'nen Raben, den ich mir mit eig'ner Hand geangelt habe, al»'nen Stück Brot oder Sveck, das mir der liebe Nächste aus dem Fenster seines Hauses reicht— an dessen Wände man am liebsten Feuer legen möchte, wenn man sein Almosen weghat...' Er sprach, wie man sieht, sehr vernünftig und sehr intereffant. Der Rabe als Nahrungsmittel war mir wirklich etwas Neues, doch wunderte ich mich weiter nicht— wußte ich ja, daß zum Beispiel in Odessa bei gewissen Volksklassen, namentlich im Winter, die Ratten recht beliebt sind, daß man in Rostow Schnecken ißt, und daß die Pariser zur Zeit der Belagerung ihrer Stadt alle möglichen und unmöglichen Tinge verzehrten. Und e S g i b t d o ch L e u t e. die sich i h r g a n z e S Le b en l a n g im Belagerungszustand befinden... .Wie fangen Sie eigentlich die Raben?' erkundigte ich mich. .Nicht mit dem Maul natürlich. Man kann sie mit dem Knüttel oder mit einem Stein totschlagen, am sichersten jedoch bedient man sich einer Angel. Man bindet an da» Ende einer langen Schnur ein Stückchen Speck oder Fleisch oder eine Brotkruste. Der Rabe schluckt den Köder— schwapp, hängt er an der Angel! Dann dreht man ihm den Kopf ab, rupft ihn, weidet ihn aus, steckt ihn auf einen Stock und brät ihn über dem Feuer.' DaS sind Jagdrcgeln eines erfahrenen Mannes, die vielleicht auch unter uns mit Erfolg versucht werden mögen, wenn im kommenden Herbst das Fleisch wieder rar wird. Um so mehr, alS der Rabe und die Krähe, für die bekanntlich in Berlin im letzten Jahre ein ganzer Taler erlegt werden mußte, ja nicht unbedingten Wert auf Biot oder Spcck als Köder legen, sondern auch schon mit dicken Würmern sehr zufrieden sind. Um Sie Kartoffel! Bilder aus ihrer Geschichte. Welt über ein Jahrhundert ist verflossen, seitdem die Kartoffel neben dem Korn wirklich VolkSnahrungSmittel geworden ist; ehe eS dazu kam, hatte sie manckierlei Kämpfe zu bestehen, oder genauer gesogt: hatten die Kartoffelfreunde Kämpfe mit den Kartoffelfeinden auSzufechlen. In manchen Ländern, so auch in Deutschland, stieß die Einführung der Kartoffel auf heftigen Widerstand, und erst KriegSnöte waren es gewöhnlich, die die Kartoffelfeinde daS neue Gewächs als Retter in der Not schätzen lehrten. Der Waldenser Antoine Seignort brachte 1710 die Kartoffel nach Württemberg, fand aber wenig Anerkennung: die Kartoffeln wurden bei Tage unter Polizei- aussicht gepflanzt— so heftig war der Widerstand der Bauern— und während der Nacht gruben die Bauern sie wieder au»! Nicht mehr Glück hatte Friedrich II. bei seinen Untertanen, alS er ihnen die neue Pflanze, deren Bedeutung für die VollSernährung er ganz richtig erkannt hatte, mit Gewalt'aufzwingen wollte. Nach der Er- zählung WarnkeS versuchte er die Kolberger dadurch zu Kartoffel- freunden zu machen, daß er ihnen eine ganze Ladung Kartoffeln alS Geschenk sandte. Die Land- und Gartenbesitzer wurden zusammengetrommelt, um einen Vortrag Über die neue Pflanze anzuhören. Sie kamen auch, allein kein Mensch hörte zu; vielmehr versuchten die Bauern den Geschmack der rohen Knollen und waren davon, wie sich denken läßt, wenig be« geistert, und als auch die Hunde die rohen Knollen verschmähten, gingen die Bauern kopfschüttelnd davon; viele warfen die Kar- löffeln einfach weg. andere pflanzten sie in der Hoffnung ein, eS würde ein großer Baum daraus iverden, und das Ende vom Lied« war, daß bei der.Kartoffelschau", die der Rat im folgenden Jahre abzuhalten halte, viele Bauern mit Geldstrafen belegt wurden, wo« durch sie durchaus nicht für dies königlich« Geschenk eingenommen wurden. ES dauerte denn auch verhältnismäßig lange, bis in Pommern die Kartoffelfeinde zu Kartoffelfreunden geworden waren; Nettelbeck berichtet, daß er die ersten Kartoffeln auf freiem Felde erst 178ö in der Nähe von Stargard sah! Seitdem hat sich in Pommern daS Bild gründlich geändert, und daS heutige Pommern ist eins der Hauptkortoffelländer... Frühe Anerkennung hat die Mrtoffel in der Welk der Dichter gefunden, wofür zwei Beispiele angeführt sein mögen: Im letzten Viertel de» IS. Jahrhundert» sang der Wandsbeker Bote Matthias Claudius sein Kartoffellied, in dem er die Kartoffel neben Pasteten, Austern und Lampreten stellt und sie schließlich solgender- maßen lobt:.Schön rötlich die Kartoffeln sind/ Und weiß wie Alabaster/ Verdau» sich lieblich und geschwind/ und sind für Mann und Weib und Kind/ Ein rechtes Magenpflaster.' Goethe hat sich mehrfach mit der Kartoffel abgegeben; einmal beschäftigt er sich mit dem Aufsatz des Grafen Sternberg über das Vaterland der Erdäpfel und kommt zu dem Schlüsse, daß die Kartoffel neben den Zerealien immer höchst wichtig und bei deren Mangel unschätzbar sei, und in der Erzählung de» RochnSfestes zu Bingen legt er einen, Bergbewohner ein„Kartoffelrätsel' in den Mund:.Morgen» rund, mittag« gestampft, abends in Scheiben, dabei soll'S bleiben', und setzt hinzu: Man freute sich über diese glückliche Genügsamkeit und versicherte, daß e« Zeiten gebe, wo mag zufrieden sei, es ebenso gut zu haben. Eine seltsame Geschichte über Kartoffelfreunde und Kartoffel- feinde ist auS Frankreich zu berichten. In vielen kulturgeschichtlichen Werken findet sich die Angabe, der Chemiker Parmentier habe durch eine List den Widerstand der Kartoffelfeinde zu besiegen verstanden. 1783, so heißt eS, pflanzte er mit Unterstützung Ludwigs XVI. in der Nähe von Paris Kartoffeln, stellte Wächter auf und ließ Warnungstafeln aufstellen; die Bauern glaubten nun, eine so ängstlich behütete Frucht müsse wohl eine ganz besondere Kostbarkeit sein, stahlen, soviel wie sie irgend konnten— und da» war nickt wenig, weil die.Wächter' Auftrag hatten, sich nachtS zurück- zuziehen— und so fand die Kartoffel Eingang bei den Bauern. Richtig hieran ist, daß Parmentier wirklich ein ausgesprochener Kartoffelfreund war, aber die Geschichte von seinen Feldern, die den Bauern eigen» zum Stehlen hingepflanzt waren, ist eine Geschichtssälschung. Aus einem Buche Parmentiers, seinen 1773 erschienenen chemischen Untersuchungen über die Kartoffel, geht klar hervor, daß eS um diese Zeit in der Nähe von Paris schon riesige Kartoffelfelder gab, und französische Kochbücher aus der gleichen Zeit zwingen zu dem Schluß, daß die Kartoffel damals keine Seltenheit mehr war, ja, ein Gutachten der medizini- schen Fakultät auS dem Jahre 1771 nennt die Kartoffel schon al» Volksnahrungsmittel. Parmentier war ein« der ersten gewesen, der die Kartoffel zur Broibereitung hatte verwenden wollen. Heule mutet es eigentümlich an, wenn man hört, daß«in Franzose zu den Ur- hebern des von den Engländern verspotteten.KartoffelbrotgeisteS' zu zählen fei. SteinkalenSer vor 4S0S Jahren. Eine wichtige Entdeckung wurde bei Odry im Kreiie Könitz in Westpreußen durch den Posen« Regierungslandmesser Stephan gemacht. Er entdeckte eine Steinanlage in Art der Großsteindenl- mäler, die in England, in der Bretagne usw. gemacht wurden und Kunde von der überraschend hohen Kultur geben, die den Bewohnern deS nördlichen Europa vor ungefähr 4000 Jahren eigen war. Die Steinanlage in Westpreutzen besteht, nach Petermann» Mitteilungen. aus zehn Steinkreisen, die in drei Richtungen angeordnet sind, au» mehreren anderen Gruppen von Steinen, auS achtzehn Hügeln bis zu 2 Meter Höhe und mit Durchmessern von 23 Metern, endlich au» einem Erdtrichter, der 6 Meter tief ist und einen oberen Durchmesser von bO Meter hat. Nach den Feststellungen Stephans bat bei der ganzen Anlage zweifellos der»Fuß' al» Grundmaß für dl« Längen gedient. Von den drei Richtungen, auf welchen die Mitten mehrerer Kreise liegen, wurden zwei als die Richtungen des Sonnenaufganges zur Zeit der Sonnenwenden bestimmt, die dritte als die Richtung nach dem Ausgangspunkt des Sternes Capella mir 1760 v. Chr. Aus diesem Grunde wird also die Erbauung der merkwürdigen Steinanlage jener Zeit zugeschrieben. Nach allem ist zu vermuten, daß die Steinkreise der Zeitrechnung dienten. Vier in einer Richtung liegende Kreise mit 13, 20. 23 und 22 Steinen auf ihren Umfängen werden al» Kalender deS Sonnenjahres ge- deutet, indem man an ihnen die Tage des Sonnenjahres abzähle» konnte, da? dann in 18 Monate eingeteilt werden mußre, von denen 13 zu je 20 Tagen, die beiden übrigen zu 23 und 22 Tagen gerechnet wurden. Bier andere Kreise wiederum werden als ei» Mondkalender gedeutet. E» wäre zu wünschen, daß auch die anderen derartigen Steinanlagen auf deutschem Loden wissen- schaftlich vermessen werden, da man hierdurch sehr wahrscheinlich weitere Aufschlüsse über die Kultur jener vorgeschichtlichen Bewohner erhalten iönnte._ Nottzen. — H a» Sin g spie l in Fortsetzungen. DaS Friedrich- Wilhelmstä dlische Thealer hat vom TreimäderihauS einen zweiten Teil als Fortsetzung erworben. — Sine Stiftung für BokkSschullehrer. die ihnen ermöglichen soll, die Jenaer Hochschule zu besuchen, wurde dort unter dem Namen.Wilhelm-Rein-Stiftung' begründet. — Robinson Crusoes Nachfolger. Die zu der Re- publik Chile gehörige Insel Fernando, auf der Robinjo» Crusoe, der Held so vieler Knabenlräume, seine einsamen Jahre verbrachte, ist heutzutage nicht mehr unbewohnt. Auch dort beginnt menschliche Wirksamkeit sich jetzt zu regen. Die 2t Kilometer lange und 15 Kilo- meter breite Insel besitzt nunmehr einen ausgezeichneten Hafen, der von ziemlich großen Fahrzeuge» angelaufen werden kann. Eine Zuckerfabrik ist vor einiger Zeit dem Betriebe übergeben worden, und der außerordentlich ergiebige Fischfang hat die Blicke ver- schiedener Finanzmänner auf sich gelenkt. Es dürfte daher nicht allzu lange dauern, bis«ine lebhafte Industrie dort in Gang� kommen wird. 84] Inders hjarmfteö. Bon Jakob Knudsen. Das wurde auch ein merkwürdiger Tag, mit einem un ablässigen Kommen und Gehen von Erlebnissen, obwohl gewissermaßen nichts geschah. Bis sie zum Fischen hinauf kamen, stand Niels die ganze Zeit unter dem Einfluß des IlmstandeS, daß seine Schwester nicht dabei war. Als er morgens von Hause wegging, tat sie ihm als gutem Bruder leid.— aber sie mitzunehmen, ließ sich durchaus nicht machen: dann wäre es eben ein Besuch geworden und zwar in unrichtiger Reihenfolge.— jetzt war es nur eine Ftschfahrt.— Sie hatten in der letzten Zeit soviel zusammengesprochen, er und Gjatrid, und hatten so vieles gesagt, wobei dasjenige Voraussetzung war, was sie nicht erwähnten.— Als er nun auf den Bjerrehof kam, entbehrte er sie geradezu, daß sie einen Platz ausfüllen könnte— gleichwie ein Zweispännerpferd seinen Gefährten entbehrt, wenn es allein gehen soll. Er konnte sich gar nicht in dieses Dreieck mit den beiden Geschwistern hineinfinden. Doch als er und Anders auf die Gründe im Fjord hinausgekommen waren und im Boote standen und stachen, ein jeder mit seiner Gabel, und als sie später im Boote vesperten, da strömten die Erlebnisse aus der Zeit hervor, die nun ganz stillstand. Niels erzählte Anders CecilienS ganze LtebeSgefchichte, und sie mündete aus in etwaS, das ihm selber eigentlich erst in dem Augenblick klar wurde, als er eS sagte: wie sie jetzt erwarteten und befürchteten, daß ihre Eltern— oder eigentlich ihre Mutter— von Gjatrid verlangen würden. daß sie sich mit dem Adjunkten. Ceciliens Schwager, ver- loben solle. »Aber wozu verlangen sie so etwaS', fragte Anders, .wenn sie wissen, was für schlechte Menschen die Brüder sind „Ja, eS ist ja viel Geld vorhanden,— ste tun eS gewiß in der besten Absicht,—\o gut sie's verstehen können." »Ist Dein Vater denn selber— arm?" „Ich weiß nicht recht,— er hat wenigstens nie bares Geld." »Aber Du sagtest doch, daß Deine Eltern sich so gern hätten,— wie können sie dann ihre Kinder zwingen, sich so zu verheiraten?" „Nein, es ist auch sonderbar. Aber Mutter— ich denke, die meint, daß eS gleich schlimm würde, wohin sie auch kämen, wenn sie nicht länger zu Hause sein könnten. Es ist gut möglich, daß ihr gar nicht soviel daran läge, wenn ihre Töchter sich dort, wohin sie kämen, allzu heimisch fühlten, denn dann hätte sie ja nicht länger einen Halt an ihnen." „Ja, aber nun solche Hurenjäger,. wie die Brüder essein sollen!" „Ja— ein Mann wie Vater, der hat so viele Prozesse, — daS hat ja viel für ihn zu sagen, wenn er sich mit dem Hardesadjunkten gut steht, denn der hat den HardeSvogt ganz in seiner Tasche." „Soso,— Dein Vater führt so viele Prozesse?" „Ja. führt, führt— und andere gibt es. die mit ihm prozessieren: und es würden gewiß noch viel mehr sein, wenn sie nicht wüßten, daß er gut Freund mit dem Hardes- adjunkt ist." „Dann ist der Adjunkt auch ein Halunke?" brauste Anders auf. „Ja, ich weiß nicht, ob man das so sagen kann.'— Nils lächelte etwas verlegen.„Aber ich möchte doch sehr un- gern, daß Du mit Vater in einen Prozeß gerätst, denn — äh— Du bekommst Fischer zum Richter. Der Hardes- Vogt tut beinah nichts anderes dabei, als daß er seinen Adjunkten jeden Tag substituiert,— so heißt es wohl, glaube ich." Ich wünschte, ich hätte Deine Schwester nicht gern, Niels, denn das läuft nicht gut ab,"— riff Anders, bebend vor Unwillen,— aber gleich darauf überwältigte es ihn so, daß es gesagt war, daß er beinahe seinen Zorn vergaß und Niels gegenüber Scham empfand und Furcht davor, was er darauf antworten werde. UeberdieS dauerte es eine Weile, ehe Niels sagte:„Ich glaube auch, daß Gjatrid dich gern hat. Ja. ich glaube es.— DaS heißt: Ich weiß ja nichts anderes darüber, alS was ich so gemeint Hab', verstehen zu können."-- Die Flunderstecherei war eine ausgezeichnete Beschäftigung, um die Gemütsbewegung damit zu verbergen. Es war gewisi eigentlich nicht die Absicht gewesen, nach der Vesper fort- zufahren, aber jetzt griffen sie beide wieder sehr eifrig zu. „Ich hätte Dich übrigens auch gern nach etwas gefragt, Anders; Du kannst Dir wohl denken, was es ist?" Nein, daS konnte Anders nicht.—„Aber wenn nun Gjatrid mich gern hat, glaubst Du dann, daß ste ihren Eltern Widerstand leisten und— ihn abweisen könnte?-- und es ist doch auch möglich, daß sie mich gar nicht zum Schwieger- söhn haben wollen." Niels war so seltsam ernst und schweigsam geworden. Anders bekani Furcht, daß es deshalb sei. weil er auf seine Frage wegen Giatrid nicht zu antivorteu wage. „Was?— glaubst Du, daß sie das kann?" wieder- holte er. „Was sagst Du?" „Ob Gjatrid— „Na— ja-- ja, sie hat sich übrigens ihrer Mutter nie widersetzt. Das hat keiner von uns getan.—— Kannst Dil Dir denn wirklich nicht denken, wonach ich Dich hatte fragen wollen?" „Nein,-- aber wenn Gjatrid nicht lernen kann. gegen ihre Eltern zu sein, so können wir geiviß auch nicht zusammen leben. Denn ich will nicht unter Deinen: Vater stehen." Niels schien beinahe nicht zuzuhören. „Sind denn alle Leute hier im Kirchspiel so Deine? Vaterö Diener? Kann er mit ihnen machen, was er will?" „Was?— Nein, mit Paul Vinding wohl nicht." „Ja, aber mit den anderen, die nicht zur Familie ge- hören?" „O ja, mit denen wohl."--- . Nach einem langen Schweigen sagte Anders:„Ich kann imij einmal Deinen Vater nicht leiden, Niels." Gedankenlos oder in einer gewissen Erregung über etwas ganz anderes, sagte Niels:„Das kann ihm wohl auch gleich- gültig sein." Dies waren zufällig die letzten Worte, die auf der Tour gewechselt wurden, bevor die beiden jungen Männer einander auf den Wiesen Gutenacht sagten. Ein jeder von ihnen hatte genug mit sich zu tun. Kirstine richtete an Anders, als er. zurückkam, eine Menge Fragen, über die Tour und über Niels, doch Anders hatte nichts zu erzählen. (Forts, folgt.) l>entsche« Theater. Haute upd SUlir Mai* Pallenberg in Der kleine Biapoleon. Kammerapiele. Heute u. folp. Tage 7'lt IThr: Hans WaBmann in Galdllach.e(Lustspiel) Volkabiihne. Theater am Bülowplatz. üntorgnmdb. Schönh. Tor. Heute u. folg. Tage 7'/, Uhr: fahrende Hlnalkariten Musik von EobertSchumann. I.esainsr-Tlieater. Heute und folgende Tage . 7"/4 Uhr: Henrz Bender in Die Königin der Liaft. -(Gesangsposse.) Theater i. Königgrätzerstr. 7'/, Uhr: Erdgeist. Komödienhaus 8: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7!I,U.: Die tolle Kom 'Der = Variete= Eröffnungs-Spielplan Dazu: Venezianische Nacht Pantomime in 12 Hildein von Karl Vollmoelier Musik v. Friedrich Bermann Ausstattung; Ernst Stern. 80'M i t w'i r k e n d e 80 Theater für Mittwoch, 22. August. Metropol-Theater 7l/stJhr; 0(6 Dentsohos Opernhaos uhr: flolfmanos EfzäiiliiiigBn. Friedricb-Wilhelmst. Theater T'/jühr: m Dreiiiiäilerlliaus. Gebr. Herrnfeid-Th. Operetten-Gastspiel 7«/, Uhr: i eretten-Gastspiel r: Die ledige EbelraD. Kleines Theater 8 uhr: Die Hausdame. Komische Oper u'hf: Die Dose Sr. Majestät Lustspielhaus vir rru. D'e blonden Mädels ' U Ohr: v0|n Ljndenhot, Kesidcnz-Thcater 8 uhr: Die Yerhüllte. Neues Operettenhaus Schiffb/,UHr: Einmalige Ausführung: Heimat. Gartenb.: Seernannsliehchsn. Reichshallen-Garten u. Saal: Ullithgcn-Konzert. An f. 8 Uhr. Sonnt. 6 Uhr. Walhalla-Theater. 'uhr- Zigeuner. Gartenbuhue: Vorstellung. Tägl. VI, Sonnt. 3'/, u. 7a/< Nor noch bis ZI. Augost! R. Steidl, A. Müller-Lincke in: „Der Herr ohne Wohnung". „Afra". Pcrzlna— Hanti. Bahnhof Friedrichstraße. Anfang 8 Uhr. Rauchengest. Kühl. Aufenth. °Z u. a. DM- Gebr. Blassen neuer akrob. equilibr. Akt 3 Meinlckes"9(2 halsbrecher. Leiter- Akt. DM- Luis u. Sohn. Max u. die unerreichten Moritz, radfahrend. ASen. Halali Parforce- Ilalall Schnitzeljagd. Voigt-Theater. Badstr. 58. Täglich: Badstr. 58. Gr. Gxtra-Vorstellung. Was junge Mädchen träumen! Vorher: Erstklast'iges Tpezialitäteu-Programm. Ans. wochent. i'U, Sonnt. 4 Uhr. Trianon-Theater a. Bhf. Friedrichsir. Tel. Zt. 4927 8 Uhr Der 8 Uhr reizende Adrian. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Taglich°/,8 Uhr: Wirtlicher Humor! Gr. Erfolg! 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