Ar. TN. 84. Iatzr<. vezugSprei», WerteyShrl. S.g0M� moaalL lZV Btt, wöchentlich 80 Bfg. frei inä Hailö. dorauZzahlbar. Einzelne Wochentags- nummern 5 Psz. Eonntagsnumme: Vitt illustrierter Beilage»Die Neue Wels' 10 Psg. Postbezug: Monatlich 1.30 Ml. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich- Ungarn L.bO Ml., für das übrige Ausland 4 MI. monatlich. Postbestellungen nehmen an Dänemarl, Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm. Adresse: »Sozialdemokrat Berlin*. See Anzeigenpreis Berliner Volkcsblnkt. fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zu- lässig 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere WortK Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuenmgszuschlag 20°,» Mamillen- Anzeige»»i» Psg., politische u. gewerkschastliche Vereins- Anzeigen 40 Psg die Jeile. Anzeigen für die nächste Nmnmer müssen bis 5 Uhr nachuiitl. im Hauvtgeschäsl. Berlin SW.K8, Lindenstrasie ab- gegeben werden. Geöffnet von S Uhr jrüh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der Cozialdem okrati fchen Parte» Deutfchlands. Reüaktion: EW. HS, Linöenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzpla«. Skr. Iii» SV— 151 97. Freitag, den 24. August 1917. Expedition: EW. SS» Änöenftraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 SV— 151 97. 1WT Die Generaloff enffve der Entente. Langemarck— Lens— Neue — Russenrückzng Riesenschlacht auf — 40 italienische Raumverlnste am Große Angriffe bei Trommelfeuer gegen Kämpfe bei Verdun über die Aa— Die dem Karst geht fort Divisionen eingesetzt- Vrh— Die Karststellungen nnerschüttert Hohe italienische Verluste. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 23. August 1917.(W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprccht. Nach de« ergebnislosen Teilvorstößen der letzten Tage gingen die Engländer gestern zwischen Langemarck und Hollebcke wieder zu einheitlichen, großen Angriffen über, die den ganzen Tag über bis tief in die Nacht hinein anhielten und zu schweren Kämpfen führten. An vielen Stellen stießen sie unter Einsatz nruer Kräfte bis zu sechsmal gegen unsere Linien vor; immer wieder wurden sie durch unsere tapferen Truppen im zähen Nahkampf zurück- geworfen. Bon zahlreichen Panzerlrastwagcn, die de« Feind den Durchbruch durch die Stellungen ermöglichen sollten, wurde die Mehrzahl durch Feuer erledigt. Bis auf zwei Stellen, östlich von St. Julien und an der Straße Dpern— Menin, ist unser vorderster Graben auf der 15 Kilometer breiten Kampffront voll gehalten,,,.', Nach kurzem Trommelfeuer gegeu LenS heute früh vor« stoßende feindliche Abteilungen wurden abgeschlagen, weitere Kämpfe sind dort im Gange. Die lebhafte Beschießung des Stadtinneru von St. Quentiu hält an. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In dem erbitterten Kampf bei Berdu» trat gestern im Laufe des Tages eine Pause ein. Erst gegen Abend erreichte die Artillcrictätigkeit auf beiden Maasufcrn wieder beträchtliche Stärke. Angriffe folgten dieser Fcucrvorbereitung beiderseits der Straße Bachcrauvillc— Beaumont. In schwerem Ringen gelang es den Franzosen nur westlich des Weges auf schmaler Frout in unserem vordersten Grabe» Fuß zu fassen, sonst wurden sie über- all blutig abgewiesen. Mehrfach kamen ihre Borstöße in unserem Vernichtungsfeuer nicht zur Entwickclung. Bei dem Luftangriff auf die englische Küste find die mili- täuschen Anlagen von Margate, Ramsgate und Dover erfolgreich mit Bomben belegt worden. In zahlreichen Kämpfen verlor der Feind 3 Flugzeuge, 2 eigene kehrten nicht zurück. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e l d m a rs ch a l l t Prinz Leopold von Bayern Die Russen haben nach Abbrennen der Dörfer ihre Stel- lungeu westlich der Aa bis zur Linie Oding— Bigan» ge- räumt. Das aufgegebene Gebiet ist von uns tampflos besetzt worden. Front des Generalober st Erzherzog Joseph Zwischen dem Pruth und der Moldova war die Gefechts- tätigkeit stellenweise lebhafter. Nördlich von GrozeSri, im Sustta-Tal und bei Soveja blieben erneute, nach starker Artillerievorbereitung einsrtzeude feindliche Teilaugriffe erfolglos. Heeresgruppe des G e n er a l f e ld m ar f ch a l l s von Mackenseu Die Lage ist unverändert. Mazedonischen s?ront Lei fast kl) Grad CelsiuS iu der Sonne blieb die Kampf- tätigkeit gering, uur im Cerna-Bogra lebte das Artilleriefeuer zeitweise auf. Der Erste Geurralquartiermeistrr. Ludenborff. Abendbericht. Amtlich. Berli«,23. August 1917, abends. An der Straffe Dpern— Meuiu und bei Leu» find englische Teilaugriffe abgeschlagen. Beiderseits der Maas wechselnd starker Feuerkampf. Im Osten ist die Lage unverändert. Der österreichische Bericht. Wien, 23. August 1917.(W.T.B.) Amtlich wird vrrlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. i L> estlich von Soveja, beiderseits der oberen Bufita und fäd- lich von Lina wiederholte der Feind feine Vorstöße. Er wurde überall abgeschlagen und'erlitt große Verluste.,,., '>. Ii'':>>:. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Augriffc der italienischen zweiten und dritte» Armee am Jsouzo gehen mit größter Heftigkeit fort. Mindestens vierzig feindliche Dwifionen find iu vier Tagen zwischen Auzza und der Küste gegeu unser« Linien angerannt. Während gestern zwischen Bodice und Bertojba in der Mitte der Kampfstmit meist nur die Artillerie zum Worte kam, wurde die Schlacht an den Flügel- abschnitten um so erbitterter fortgeführt. Bei Auzza stürmte der Feind zu wiederholten Malen vergeblich gegen nnscre Truppen an. Er wurde stets zurückgeworfen. Dagegen gelang es ihm auf der Hochfläche von Brh seine große Ueberlegenheit an Zahl zur Geltung zu bringen und in südlicher Richtung Raumgewinn zu erziele». Nm jeden Schritt Boden wurde schwer und hart- uäckig Mann gegen Mann gekämpft. Ebenso zähe wurde beiderseits der unteren Wippach gestritten, namentlich auf der Karsthochfläche, wo Seine Majestät der Kaiser und König inmitten seiner tapferen Truppe« verweilte. Immer wieder stürzten sich neue italienische Angriffskolounen auf den eherue« Wall der Verteidiger. Mehrmals schlug bereits unsere wachsame Artillerie de» Ansturm nieder. Glückte es dem Feinde, irgendwo in unsere Gräben einzudringen, so warfen ihn unsere Reserven mit dem Bajonett wieder heraus. Dauernden Ruhm haben bei unseren Gegenstößen«. a. das Wiener Feldjäger- Bataillon 21 und Abteilungen der Regimenter 93(Olmütz) und Istv(Krakau) erworben. Alle Stellungen auf dem Karst sind fest iu unserer Hand geblieben. Die Opfer der Italiener reichen an die der blutigsten Jsonzokämpfe heran. Balkan-Kriegsschauplatz. Unverändert. � Der Chef des GeneralstabeS. Kommt üer Reichsrat? Vorgestern abend hat, wie wir mitteilten, eine vertrau- liche Besprechung der Parteiführer mit dem Reichskanzler stattgefunden, über welche die„Nationalzeitung" nun folgen- des ausplaudert: Man hat sich, wie wir hören, dahin geeinigt, ein Gremium zu schaffen, in das die Parteien je eins ihrer Mitglieder, wir nehmen an, die F r a k t i o n s f ü h r er, delegieren dürften. Dieses parlamentarische„Gremium", das immerhin vielleicht später den Titel eines„Reicksrals" oder„Staatsrats" erhalten könnte, wird zum ersten Male bereits bei der Antwort der Regierung auf die päp st liche FriedenSnote in Aktion treten und an deren Abfassung mitarbeiten. Das Gremium wird auch bei den- jenigen wichtigeren Fragen, die die Regierung in nächster Zeit be- sonders beschäftigen werden, mitwirken. Soweit wir unterrichtet sind, ist es richtig, daß zur Be- ratung der Antwort auf die päpstliche Note ein Unterausschuß des Hauptausschusses gebildet werden wird, dem' je zwei Vertreter der Sozialdemokratie und des Zentrums und je einer der kleineren Fraktionen angehören werden. Ob sich dieser Unterausschuß dann zu einer ständigen Einrich- t u n g befestigen wird, steht noch dahin. Jedenfalls wär ein solcher etwa siebenköpfiger parlamentarischer Beirat besser als der ursprünglich geplante, aus Parlamentariern und Staatswürdenträgern zusammengewürfelte Reichsrat. Aber auch e r könnte selbstverständlich nur als Glied einer Entwicklung angenommen werden, an deren Ende das p a r l a- m entarische System steht. Tagung des französischen sozialisiischen verwaltungsausschusies. Bern, 22. August.„Temps" meldet aus Paris: Der ständige Verwaltungsausschuß der sozialistischen Partei besprach vorgestern abend die Frage des Nationalen Kon- grosses zur Lösung aller schwebenden Fragen, besonders der sozialistischen Beteiligung am franzö- fischen Kabinett. Der Ausschuß beschloß, der Kongreß solle zwischen Mitte September und MitteOktober stattfinden. Der genaue Zeitpunkt wird ans der Interalliierten So- z i a l i st e n k o n f e r e n z am 27. und 28. August festgesetzt. Für �diese Konferenz wurden als Delegierte gewählt für die Mehrheit' Thomas, Brake, D n b reu i l, M il- h au d, R c n a u d e l,'für die M in d e r h e it Longuet, Mistral, Pressemane und der Kienthaler L o r i o t. G u e s d e protestierte in der Sitzung gegendie von Soziali st en bezüglich Elsaß- Lothringens gemachten Zugeständnisse und bekämpfte besonders scharf den Gedanken einer Volks- a b st i m m u n g. Die Sitzung verlief sehr erregt. dr. Michaelis in allöeutschem Lichte. Der Abgeordnete Erzbergcr hat in der gestrigen Haupt- ausschußsitzung das Wort geprägt, daß der Konflikt zwischen dem Reichskanzler und der Reichstagsmehrheit jetzt und für die Zukunft beigelegt sei. Ein großes Wort, das man nicht ohne Zweifel hört. Für die Zukunft— bae- wird wesentlich von dem künftigen Verhalten Herrn Dr. Michaelis abhängen, und jetzt— dagegen, daß jetzt der Kon- flikt zur Ruhe komme, arbeiten die Leute, die sich als die guten Freunde des Kanzlers aufspielen. Herr Dr. Michaelis wird vielleicht nicht ganz ohne'Er- stamien gelesen haben, als er am Donnerstag die alldeutsche Presse musterte, daß er sich in der kritischen Sitzung am Mitt- woch überaus heldenhaft aufgeführt habe. Dabei gibt sie selber den Erklärungen des Kanzlers eine Deutung, durch welche die Person des Reichskanzlers in das allerungünstigste und gewiß kein Helden- Haftes Licht gerückt würde. Denn das ist sicher: legt man die erste Erklärung des Kanzlers, wie es die alldeutsche Presse durchaus will, als e i n scharfes Sichlossagcn von der Friedens- Politik der Reichstagsmehrheit, als einen An- griff gegen diese aus, dann bedeutet die zweite Erfläruvg einen geradezu jämmerlichen Rückzug, ein völligcs� Sichunterwerfen auf den ersten jS ch r e.ck s ch.u ß, ein klägliches Abs ch.w hsr'-e n drests- eb e n'G e sa'g te n. W i'r haben der ersten- Erklärung' des Kanzlers gestern eine mildere Deutung gegeben und sind deshalb nicht gezwungen, seiner zweiten Erklärung diesen Charakter beizumessen. Wer aber in des Kanzlers ersteni Ausspruch ein alldeutsches Heldenstück, das Bekenntnis eines innerlichen Eroberungspolitikers sehen will, der muß not- wendigerweise vom Augenblick der zweiten Erklärung ab gegen Herrn Dr. Michaelis noch viel entschiedener den Vor- Wurf der Schwächlichkeit erheben, als er jemals von alldeutscher Seite gegen seinen Vorgänger erhoben worden ist. Denn das wäre doch wirklich das gerade Gegenteil eines „starken Mannes", wenn ein Kanzler in wenigen Stunden zweimal umfällt, um schließlich, wie Petrus den Herrn, seine eigene innere Ueberzeugung zu verleugnen.. Trotz dieser sehr bedenklichen Konsequenzen versteift sich aber die alldeutsche Presse darauf, in Herrn Michaelis' erstem Auftreten ein Bekenntnis zu ihren Kriegszielen zu erblicken. Gegen die zweite Erklärung stellen sich die Herren Alldeutschen einfach taub und blind. Die„Kreuzzeitung" z. B. schreibt:� Als Ergebnis dieser beiden Erklärunegn des Kanzlers van gestern wird. man also festzustellen haben, daß e r s i ch.d i c Hände von den Fesseln der M-ehrhcitserklä- riing freigemacht hat. Daran wird auch durch die nach den Erklärungen des Kanzlers van dem Abgeordneten Ebert der lesene„Feststellung" der Mehrheitsparteien nichts geändert, daß l sie von den.Aeutzerungen des Kanzlers in den Vorbesprechungen zum 19. Juli einen anderen Ei»druck'erhalten habe» wollen. Die zweite Erklärung des Kanzlers g i l t a I s o f n r d i e Alldeutschen einfach nicht, jene Erklärung, in der der Kanzler nochmals betont, daß die Antwort auf die Papst- note im Sinne eines„Friedens des Ausgleichs und der Ver- ständigung" erfolgen müsse. Eine merkwürdige Harthörig- keit gegen das, was man nicht hören will, und doch nicht merk- würdig, Wenn man die Taktik der alldeutschen Clique durch- schaut hat.'■•' Die Mdeutschcn sind jetzt eben bei ihrer Kanzler- hetze II.. Diese Kauzlerhetze unterscheidet sich von der früheren in ihrem Wesen allerdings erheblich, sie trägt gerade entgegengesetzten Charakter. Als Bethmann am Ruder war, wurde gegen den Kanzler und gegen seine Friedenspolitik gehetzt. Diesmal soll der Reichskanzler gegen die Friedenspolitik der ReichstagsmehrheitunddenFriedenswillcn des Volkes gehetzt werden. Der Versuch ist zwar beim erstenmal vorbeigelungen, aber er wird noch nicht verloren gegeben: Die alldeutsche Arena klatscht, trampelt und schreit Bravo, sie möchte dem Kanzler solange Heldenmut gegen den Reichstag einreden, bis er selber daran glaubt. Kennzeichnend für diese Hetz- und Aufreizungsniethode ist das, was die „Deutsche Zeitung", eins der vom schwcrindustriellen Konzern aufgekauften Organe, dem Kanzler zuruft: Der Kanzler kann gewiß sein, daß er unbedingt eine ganz gewaltige Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich hat, wenn er mit. den Herren, die sich Volksvertreter nennen, etwas deutlicher spricht und entrüstet es ablehnt, das deutsche B-lk um die berechtigten Ansprüche, nm die Früchte seiner Opfer zu bringen. In ganz ähnlicher Weise klatschen die„Berliner Zteuesten Nachrichten", ein anderes schwerindustrielles Sprachrohr, ihren Beifall:. Der AutoniätZverlust, ben Dr. Michaelis bei den Mehr- kjeitsparteien. wozu wir die Nationalliberalen auch diesmal nicht recknen,«rleiben sollte, wird aufgewogen durch die Zunahme des Vertrauens, die er in den>v e i t e st e n Kreisen durch seine gelungene Parade gegen den Urheber des parlamentarischen Duells gewonnen hat. Taß der Held der Arena— immer vorausgesetzt, daß man ihn als solchen auffaßt— ja schließlich gar keinen Hieb geführt, sondern den gezogenen Degen wieder eingesteckt hat, verschlägt jenen Kreisen nichts. Man tröstet sich: die Gelegen- Veit wird schon ein andermal kommen. Man rede Herrn Dr. Michaelis nur tapfer ein, einen großartigen Hieb gegen die Volksvertretung geführt zu haben, um so eher wird man ihn eilt zweites Mal in einen stärkeren Konflikt treiben können. Wie der Reichskanzler sich mit der beschämenden Rolle, die ihm hier zugemutet wird, abfindet, ist vom persönlichen Standpunkt aus ja nun zunächst seine Sache. Wir haben schon dargelegt, daß die alldeutsche Auslegung feines Ver- Haltens iu der Mittwochsitznng für ihn im Grunde die denk- bar schwerste persönliche Bloßstellung bedeutet. Natürlich kann eS nicht unsere Sache sein, dagegen zu protestieren, daß der Reichskanzler in dieser Weise vor der Oeffentlichkeit lächer- lich gemacht wird, um so weniger, als wir uns niemals irgend- wie mit der Person oder Politik des Herrn Dr. Michaelis identifiziert haben. Diese Abwehr muß dem Kanzler selber überlassen bleiben. Aber die Oeffentlichkeit und das deutsche Volk haben nichtsdestoweniger ein großes Interesse daran zu er- fahren, was der Kanzler gegenüber den all- deutschen Hetzvers richen unternehmen wird. v\n auffälligster Weise haben sich die Organe der Rechten seit einiger Zeit bemüht, die Person des Kanzlers für ihre Politik zu reklamieren. Herr v. Schwcrin-Löwitz hat in seiner bc- kannten Anklamer Rede alle die Hinterhältigkeit c n, mit denen die Konservativen die W a h l r e f o r m in Preußen zu hintertreiben oder abzuschwächen versuchen 'vollen, dem Kanzler als seine Politik unter- ichoben. Herr Dr. Michaelis hat bisher� dazu ge- schwiegen. Jetzt posaunt die alldeutsche Presse ungc- achtet der gegenteiligen Erklärungen des Kanzlers— diesen als den Mann aus, der i n n e r l i ch d c n s ch w e r i n d u st r i- eilen K r i e g s z i e l e n zugetan sei, der im bewußten » n d scharfen Gegensatz zu der von der Reichstags- mehrheit betriebenen Friedenspolitik stehe, der seinem Herzen Luft gemacht habe und nur aus Diplomatie eine sriSeinbare Ue berein st immung mit der Reichs- tagsmehrheit zur Schau trage. Wird Herr Michaelis wiederum schweigen? Solches Zchlveigen könnte auf die Dauer gefährlich werden. Es könnte dazu führen, daß man im Volke glaubt, was diemll- deutsche Presse über den Reichskanzler behauptet. Und ein solcher Glauben würde für das Ansehen des Kanzlers gerade- Ni k a t a st r o p h a l werden. Denn die riesengroße Mehrheit des deutschen Volkes, die hinter der Friedensresolution des Reichstags und hinter dem Gedanken eines Friedens des Aus- aleiches und der Verständigung überhaupt steht, würde dann •n Herrn Dr. Michaelis nicht nur einenFcind sehen, son- dern noch etwas viel Schlimmeres: einen Feind, der nicht ei n m a l mit offenem Visier kämpft. Wie gesagt, der alldeutschen Intrige hätte es Dr. Mrchaelrs .u verdanken, wenn er in solche Lage käme. Aber auch er ielher wäre nicht von. seder Schuld freizusprechen, denn seine Pflicht ist es, diese Unterstellungen der sich schmeichlerisch' an- üedernden falschen Freunde auf das energischste ab- i u s ch u t t e I n. Die Mittwochsitzung des Hauptausschusses hat wiederum llar ergeben, daß ein Kanzler, der das Vertrauen der Reichs- mgsmehrheit verliert, auch nicht eine Stunde in Deutschland möglich ist. Tic alldeutsche Presse will uns freilich glauben nachen, daß wir einen Kanzler hätten, der ein scharfer Gegner vr Reichstagsmehrheit sei, aber sich dadurch im Amte halte. aaß er diese Gegnerschaft nur momentan durchblicken lasse ind im übrigen geschickt verberge. Das ist im Grunde .er i n s a ni i c r c n d st e Vorwurf, der überhaupt m n e m leitenden Staatsmann gemacht wer- Ä e n kann. Herr Tri Michaelis wird auf das schnellste rächten müssen, ans jener Sphäre der Unehrlichkeit heraus- iukommen, in welche ihn die Alldeutschen einhüllen wollen, Stockholm. Der Sowjet branömarkt Llopü Georges Telegrammschwinöel. Zur Erklärung des Ministers des Aeußeren Terestschenko treiben laut dem Stockholmer Sowjetbulletin die.Jsvestija", das oifizielle Organ des Arbeiter- und Soldatenrates: .Diese Erklärung bestätigt vollständig unsere Ueberzeugung, !?ak die Provisorische Regierung des revolutionären Rutzlands auf dem Boden derjenigen Politik steht, die zweimal öffentlich und feier- lich proklamiert wurde und daß sie nicht anders handeln kann- Niemand darf daran zweifeln, daß, wie sich auch die Lage an der �ront ändern mag. wie groß die ilraftanstrengung zur Erhöhung der Schlagfertigkeit der Armee und der Zurückweisung des feind» Itchen Anpralls"auch sein muß, das Streben nach baldigster Erreichung cincö allgemeinen Friedens ohne Annexionen und Kontributionen mff der Grundlage des Selbstbestimmungsrechtes der Böller daS loitendc Ziel der Auslandspolitik der Re- v a l n t i o n war und bleibt. Die Erklärung Terestschenkos zerstreute auch ein zweites Mißverständnis, dasjenige über die an- geblich veränderte Stellung der Provisorischen Regierung zur Stock- «olmer Konferenz. Bekanntlich wurden in der englischen Regierung und in parlamentarischen Kreisen gegen Hender- Ion. der, nutig für die Beteiligung der englischen Arbeiter an der Stockholmer Konserenz kämpfte, irgendwelche Briefe KerenS- liS oder Terestschenkos vorgeschoben, in denen die genannten Mitglieder der Provisorischen Regierung über die negative Stellung der russischen Regierung zur Stock- Volmer Konserenz berichtet hätten. Man beschuldigte sogar Hendcrson. daß er vor der Konferenz der Labour Party diese Briefe verheimlicht hätte, die auf den Be- Ichluß der Konferenz eine Wirkung hätten ausüben können. Jetzt stellt sich heraus, daß sowohl Kerenski, wie Terestschenko absolut keine Briese über die Stockholmer Konferenz geschrieben haben, daß also nicht Henderson die englischen Arbeiter durch Verheimlichung dieser Briefe irrezuleiten versucht hat. sondern ein anderer eS tun wollte, durch deren Vorlegung. Wie dieses Mißverständnis em stehen lonnte, welche Rolle dabei der russische Bot- ichafler in London Nabakow gespielt hat, ob die eng- tischen Arbeiter über daS Mißverständnis unverzüglich aufgeklärt werden, all das sind Fragen, auf deren Beantwortung die Demo- trotte aller Lander mir Ungeduld in den nächsten Tagen warten imrd. Aber ich cm jetzt ist es wichtig, folgende lategorische Erklär»»« z» vermerke«: «Die Stellung der Provisorischen Regierung deS revolutionären Rußlands zur Stockholmer Konferenz hat sich in keiner Weise ge- ändert. Die Regierung erweist nach wie vor der Delegation des Exekutivkomitees der Arbeiter« und Soldatenräte jede m ö g'- 1 1 ch e Unterstützung. Nach wie vor bittet sie die Verbündeten Regierungen die Pässe für die Reise zur Stockholmer Konferenz nicht zu verweigern, sie besteht wie früher daraus, daß an der zu- künftigen Friedenskonferenz der Regierungen neben den Diplomaren auch Vertreter der Demokratie teilnehmen sollen.' All das sind höchst wichtige Erklärungen, die sich alle Freunde und Feinde der russischen Revolution merken müssen. Es ist Zeit. endlich zu verstehen, daß die äußere Politik des revolutionären Rutzlands weder die Politil Nikolaus II. noch die der Miljukoff- Gutschkow sein kann. Soweit das Organ des Sowjet. Seine Ausführungen werfen ein grelles Licht darauf, wie Lloyd George das eng- lische Volk in der Henderson-Krise irregeleitet hat, denn er ist mit dem„anderen" gemeint, auf den die„Jsvestija" hin- weist.— Daß Lloyd George diesen dreisten Schwindel ge- wagt hat, deutet freilich darauf hin, daß er die Macht des Sowjet unter der Diktatur KerenSkis sehr gering schätzt. Melroü üarf reisen! Stockholm, 22. August.(Eig. Drahtbcr. d..Vorw.'). Wie der hiesige.Sozialdemokraten' mitteilt, hat der russische Stockholm- Delegierte, Genosse Axelrod, am letzten Dienstag Haparanda auf dem Wege nach Stockholm passiert. Die Nachricht, daß ihm der Paß verweigert worden sei, weil er auf seiner Reise von der Schweiz nach Rußland den Weg über Deutschland genommen hat, erweist sich danach als unrichtig. Die rumänischen Sozialisten Frimu und ConstanineScu sind hier angekommen. Die Konferenz öer Gntentesozialiften. Hinter verschlossene» Türen. Amsterdam, 2,8. August.„Handelsblad' meldet aus London: Die S o z i a Ii st en k onfer c n z der Alliierten wird Dienstag und M i t t w o ch stattfinden. Presse und Publikum werden nicht zugelassen, aber jeden Tag soll ein Bericht veröffentlicht werden. Henderson wird den Vorsitz führen. England, Frankreich, Belgien, Griechenland, Italien, Rußland und Südafrika werden vertreten sein. Es fällt auf, daß die Bereinigten Staaten in dieser Aufzählung fehlen. Ueber die Zusammensetzung der eng- li scheu Delegation wird noch folgendes gemeldet: England wird durch die drei englischen Abgeordneten im internationalen Bureau, nämlich Thorne, BrucGlacier und W a r d I e, sowie 12 Mitglieder des VollzugSkomitccs der Arbeiterpartei, 8 Mil- glieder. die die parlamentarische Kommission des GewerkichafiS- kongresses ernennt, ferner durch 8 Abgeordnete der Unabhängigen Arbeiterpartei, 8 Vertreter der britischen sozialistischen Partei, 4 Vertreter der Fabian-Society und 4 Abgeordnete der national- sozialistischen Partei vertreten sein. Das Memorandum deS Arbeiterkongresses über die Kriegsziele wird im Namen der Partei ein- gereicht werden mit dem Ersuchen, die Konferenz solle vier besondere Komitees ernennen, um die verschiedenen Unter- abschnitte zu besprechen, nämlich betreffend 1. die allgemeine Er- Ilärung, 2. den Völlcrbund, 3. Vergütungen und Forderungen sowie das ökonomische Problem und 4. territoriale Acndcrungcn.— Die Namen der französischen Delegierten sind aus unserem Bericht über die Tagung des französischen sozialistischen VerwaltungS- auSschusseS ersichtlich. Keine englische Sonöeraborünung nach Stockholm. Amsterdam, 22. August. Nach einem hiesigen Blatt wurde bei der gestrigen Arbeiterkonferenz in London der Antrag des auösührenden Ausschusses der Arbeiterpartei, außer der offiziellen Abordnung von 24 Mitgliedern noch eine auS je vier Mitgliedern der zwei sozialistischen Parteien und auS zwei Mitgliedern der Fa- bian-Society bestehende Sonderabordnung nach Stockholm zu schicken, abgelehnt. Ebenso wurde der Antrag, die Ab- ordnung aus den Delegierten der Konferenz selbst zu wählen, ver- Wolfen. Nenauüel über Scheiüemann. In der„Humanits" vom 14. August macht Renaudel folgende Acußeruug, die Scheidemann in einer Versammlungs- rede getan haben soll, zum Gegenstand eines Leitartikels: Wenn die Vertreter Deutschlands auf der Friedenskonferenz von Stockholm einen Erfolg erreichen könnten gleich jenem, den unsere Armeen zu Kriegsbeginu errungen haben, so würden sie dadurch den größten Sieg davontragen, den die Welt jemals gesehen hat. Renaudel bemerkt dazu selbst:„Diese Aeußerung ist von einer so lächerlichen Naivetät, daß man sich fragen muß, ob sie echt ist." Eine solche Frage ist gar nicht notwendig. Renaudel könnte auS langer Erfahrung wissen, daß so ziem- lich alles,»vas über die deutsche Sozialdemokratie nach Frank- reich berichtet wird, teils gefälscht, teils vollkommen frei er- funden ist. Zur letzten Sorte gehört die angebliche Aeußerung Schcidcmanns. Sie ist frciersnndener Unsinn. Kerenskis Diktaturmaßnahmen. Petersburg, 22. August.(Meldung der Petersburger Telegraphenagentur.) Nach Blättermeldungen wünscht die Regierung, die Bevölkerung von Petersburg zu entlasten und hat daher einen Gesetzentwurf angenommen, der folgende Punkte enthält: 1. Räumung der Petersburger Kranken- Häuser und Wohltätigkcitsanstalten, 2. Entfernung der- jenigen Bevölkerungselemcnte, die zurzeit eine Gefahr im Hinblick auf eine Gegenrevolu- t i o n bilden, besonders der ehemaligen Gendarmen und Agenten der Geheimpolizei, ll. eine erneute Musterung der zurückgestellten Gestellungspflichtigen und Ein- stellung aller zu unrecht Befreiten in die Front, 4. ein Verbot der Rückkehr nach Petersburg auf die ganze Kricgsdauer für alle Personen, die nicht eine b c- sondere Erlaubnis der Provinzial- und ört- lichen Behörden besitzen. Alle diese Maßnahmen werden sofort zur Ausführung gebracht. Die Maßnahmen unter 2. und 4. werden wohl nicht so sehr gegen die„Gegenrevolutionäre' als gegen die L e n i n i st e n zur Anwendung kommen._ vie Schlachten im Westen. Berlin, 23. August. Die Geueraloffensive der En- t c n t e nahm am 22. August auf allen Fronten ihren Fortgang. Ihr bisheriger Verlaus ist für die Mittelmächte äußerst günstig. Ten ungeheuren Blutopsern der Entente ent- sprechen nur verschwindende örtliche Gewinne, die durch die Erfolge der Mittelmächte im Osten um ein vielfaches übertroffen werden. Ter gemeldete neue große englische Angriff in Flandern setzte vormittags um 7 Uhr ein. Au verschiedenen Stellen der Front örcchc- feig RajjesKsx«« tnxeiiät m unserer Feuerspenre zusammen, obwohl infolge des Morgennebels die Sicht in den Vor- Mittagsstunden beschränkt war. In dichten Massen stürmt- der Feind, von zahlreiche« Tankgcschwadern unterstützt, immer von neuem gegen unsere Stellungen vor. Wo es ihm gelang, an ein- zelnen Stellen einzudringen, wurde er in kraftvollem Gegenstoß in erbitterten Nahkämpfen geworfen. Am Nachmittag tvarf der Gegner frische Kräfte in die Schlacht. Unsere alte Linie wurde trotzdem auf der ganzen Front gehalten. Nur südöstlich St. Julien entstand ein örtlich begrenztes Eng- ländcrnest. Oestlich Upern schlugen unsere mit außerordentlicher Tapferkeit kämpfenden Truppen 8 feindliche, von Panzer- wagen unterstützte Angriff« zurück. Erst bei dem 7. Angriff mußten die Tapseren um 5 Uhr abends den westlichen Teil des Herenthage-Waldes der feindlichen llebermacht überlassen. Ter Gegner zog aus der Gegend südlich des Kanals während des Kainpses Verstärkungen nach Norden, die. wir außerordentlich wirksam durch unsere Artillerie faßten. Am Abend gsngen die Engländer nach zweistündigem Feuerorkan zwischen Langemarck und östlich Zwartellen gegen' 8�4 Uhr noch- jTOlls zu einem heftigen tiesgestaffelten Angriff vor. Es kam zu wilden Jnfanteriekämpfen, die bis spät in die Nacht hinein währten. Stach hin- und herwogendem Kampfe blieb der Herenthage-Wald in englischer Hand. An allen übrigen Stellen wurden die Angriffe abgewiesen. Bis drei Uhr morgens wütete auf der Kampffront starkes feindliches Feuer, um nach einer kurzen Pause gegen ö Uhr wiederum mit großer Wucht einzii- setzen. Die Verluste des Feindes sind äußerst schwer. Unsere Geschütze und Maschinengewehre feuerten mit Vernich- tender Wirkung in die dichten englischen Sturm- Haufen. Im Räume von Arras vorübergehend schwere Feuerüberfälle. Nach 4 Uhr morgens gegen den Nord- und Westrand von LenS vorstoßende feindliche Abteilungen wurden zurückgewiesen. Seit 6% Uhr vormittags lebte die Gefechtstätigkeit wieder auf. Bei der erneuten Beschießung von St. Ouentin wurde besonders der Marktplatz mit einem Hagel von Gra- naten überschüttet. Im Räume von V e r d u n löste sich die Schlacht am 22. August in starke Kampfh Handlungen auf, die.m- dessen erst gegen'Abend einfetzten. Bei Morgennebel war die feindliche Artillerietätigkeit in den Vormittagsstunden geringer. Erst gegen nachmittag steigerte sich die Heftigkeit der Feuerüber- fälle und der planmäßigen Artilleriewirkung. Mehrfach erkannte Ansammlungen in den feindlichen Gräben wurden unter wirk- sames Vernichtungsfeuer genommen. Am Abend und in der Nacht erreichte die feindliche Feuertätigkeit auf beiden Maasufern wiederum große Wucht. Es erfolgte indessen nur der gemeldete starke Angriff beiderseits Vacherauville— Beaumont, bei dem der Gegner einen geringen örtlichen Erfolg mit äußerst schweren Verlusten erkaufte. Der Lustangriff auf Gnglanö. Berlin, 28. August.(W. T. B.) In Ergänzung der amtlichen Meldung über den Angriff der Marineluftschiffe auf England werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Bei der Annäherung an die englische Küste wurden die f e i n d- lichen Vorpostenschiffe auSgiebig mit Bomben be- Ivorfen. Seestreitkräfte wie auch Landbatterien beschossen unsere Luftschiffe lebhaft, die die Spurd Point-Batterie mit einer gutdcckenden Salve belegten. Gegen 2 Uhr morgens wurden große Munitionsmengen über Hull abgeworfen und gute Wirkung an Bränden und Zerstörungen festgestellt: ebenso belegten die Luftschiffe die Stadt Lincoln mit beobachtetem guten Erfolge mit Bomben. Auch auf dem Südufer des Humber bei und östlich von Grimsby abgeworfene Bomben über hellerleuchtete Fabriken und Schuppen lagen alle gut im Ziel: einstürzende Gebäude und verlöschende Beleuchtung zeigten die Wirkung. Auf dem Rückmärsche wurden die Luftschiffe von Land und von See aus wiederum lebhaft, aber ergebnis- los unter Feuer genommen: sie konnten auf dem Abmarsch ihre letzten Bomben mit gutem Erfolge auf die beschießenden Seestreitkräfte anbringen. Englische Darstellung der deutschen Luftangriffe. London, 22. August. Amtlicher britischer Bericht. Von de» Luftschiffen, die vergangene Nacht den Angriff auf die Küste von Dorkjhire unternahmen, wagten sich eines oder höchstens zwei ins Innere des Landes. Es wurden 12 Hockiexplosiv- bomben und 13 Brandbomben auf drei Dörfer in der Nähe der Küste abgeworfen, wobei eine Kirche zerstört und mehrere Häuser beschädigt wurden. Ein Mann wurde verwundet. London, 22. August.(Reutermelduna.) Das Preßbureau teilt mit, daß letzte Nacht feindliche Luftschiffe einen Angriff auf die Küste von Dorkshire unternommen haben. Eine« griff die Humbermündung an, warf eine Bombe ab und wandte sich dann wieder seewärts. Die Abwehrgeschütze traten in Tätigkeit. Der Schaden ist gering. Ein Mann wurde verletzt. London, 22. August.„Central News' melden amtlich: Zehn feindliche Flugzeuge näherten sich heute früh der Küste v o n K e n t. Es wurden Bomben auf Ramsgate und Dover abgeworfen. Drei Personen wurden gelölet und zwei verwundet. Zwei feindliche Flugzeuge wurden niedergeschossen. Nach einem späteren amtlichen Bericht haben die Flugzeuge Bomben auf Dover, Margate und Ramsgate abgeworfen, dadurch 11 Personen getötet, 13 verwundet, und in Dover und RamSgate mehrere Häuser beschädigt. Ein deutscher Flugzeugführer wurde leicht verwundet eingebracht. Gin Fliegerangriff auf Zreiburg. Freiburg i. B., 22. August. Heute früh gegen 7 Uhr 30 Min. haben feindliche Flieger ohne jeden Erfolg und Schaden Freiburg mit Bomben belegt. Ein Flieger wurde beim Rück- fluge im Lustkampf abgeschossen. der Krieg auf öen Meeren. U-Soot-Erfolge im Mittelmeer. Berlin,« 22. August. Westlich der Straße von Gibraltar schädigten unsere U-Boote den feindlichen Transportverkehr nach dem Mittelmeer wieder in wirksamer Weise. K Dampfer mit rund 20S0S Dr.-Reg.-To. wurden versenkt und damit annähernd 24 000 Tonnen Kohlen, in der Hauptsache nach Italien bestimmt, vernichtet. Zu den versenkten Dampfern gehörten die bewaffnete« englischen Dampfer Manchester Commerce(4144 Br.- Rcg.-To.s und Ganges(4177 Br.-Reg.-To.) sowie der bewaffnete italienische Dampfer Carlo(5572 Br.-Reg.-To.). Im Mittelmecr wurden eine erhebliche Anzahl Dampfer und Segler mit einem Gcsamtraumgehalt von über 4Z0DD Tonnen neu versenkt, darunter die bewaffneten italienischen Dampfer Lealta (4021 Tay mit Munitionsladung, Genova(3486 To.j und Jzabra« (3892 To.) mit 6000 Tonnen Weizen von Australien»ach Italien. Wieder wurde» mehrere Dampfer aus stark gesicherte» Geleitzüge« heremSgeschosse». Der Chej des AdmiralftabeS der Marü». Die auswärtige IPoliti In unserem gestrigen Bericht ist die vom Genossen Ebert abgegebene Erklärung der Mehrbeit vcrsebenllich vor die zweite Erklärung des Reichskanzlers gestellt. Tatsächlich aber ist sie in- folge eines zuvor gefaßten Beschlusses der interfraktionellen Kam- Mission nach der zweiten Kanzlererklärung abgegeben worden. Am Donnerstag wurde in der Aussprache über die auswärtige Politik fortgefahren. Abg. Haußmonn(Bp.) erklärte im Namen derjenigen Parteien, in deren Auftrag am Mitt- woch Abg. Ebert die Erklärung abgegeben hat, folgendes: Die Erklärung des Reichskanzlers sei nicht richtig verstanden worden und infolgedessen hätte Ebert die Erklärung abgegeben. Wäre die Erklärung des Reichskanzlers richtig verstanden worden, dann hätte kein Anlaß vorgelegen, den ersten Teil der Erklärung vorzutragen. Der Redner gmg dann auf die Ausfuhrungen ein, die der Staatssekretär des Aeutzeren in der Sitzung am Mitt- woch gemacht hat. Auch er begrüßt die Erklärung des Staats- sekretärs. daß die Reichspolitik gegründet werden müsse nicht nur auf die Macht, sondern auch auf das Recht. Er und seine Partei- genossen schließen sich dieser Auffassung durchaus an. Der Friedens- beschluß des Reichstags vom lS. Juli habe sich in jeder Beziehung als richtig erwiesen, trotzdem die Alldeutschen alles versucht haben, um die Bedeutung dieses Beschlusses herabzusetzen. Auch er wandte sich dagegen, daß die Heeresleitung die alldeutsche Presse begünstige und die Presse, welche auf dem Boden des ReichStagSbeichiusscs steht, benachteilige. Er geht insbesondere auf die Maßregelung der„Frankfurter Zeitung" ein. Für ihn sei ganz besonders erfreulich, daß die Arbeiter in England von neuem beschlossen haben, die Stockholmer Besprechung zu beschicken. Er steht darin ein Zeichen, daß das FriedcnsbedürfniS auch im englischen Volke immer mehr und mehr um sich greift. Die päpstliche Note sei, soweit er es beurteilen könne, sicherlich nicht von irgendeiner Seite in Deutsch- land veranlaßt: ober für sie sei der Boden, auf dem sie eine gute Wirkung ausüben könne, vorbereitet worden gerade durch den Reichstagsbeschluß. Er bedauerte, daß der Reichskanzler nicht die Behauptungen der Alldeutschen von sich abgeschüttelt habe, als ob er in der Politik ein falsches Spiel zu treiben gedenke. Graf v. Dchwcrin-Löwitz habe es so dargestellt, als ob er er- warte, daß der Reichskanzler die Aenderung des Wahlrechts in Preußen bis nach dem Kriege verschieben und dadurch den Konservativen Gelegenheit geben werde, die ganze Aenderung zu Fall zu bringen. Gegen derartige Behauptungen wären andere Worte nötig gewesen, als sie der Kanzler gesprochen habe. Auch die Rücksicht auf die ungeheuren Leistungen und Opfer unseres Heeres erfordere es. daß vor aller Welt darüber Klarheit geschaffen werde, daß alles geschieht, um im Sinne des Reichstagsbeschlusses so schnell wie möglich zum Frieden zu gelangen. Der Herr Reichskanzler habe auch am Mittwoch wieder für sich Spielraum für die Friedens- Verhandlungen verlangt. An dem Tage aber, an dem der Reichs- kanzler in sein Amt eingetreten sei, hätten die Vertreter der Par- teien, die den Reichstagsbeschluß vom 19. Juli beantragt hatten, mit dem Herrn Reichskanzler über diese Dinge gesprochen und ihm ausdrücklich erklärt, daß von einem solchen Spielraum nicht mehr die Rede sein könne und der Friede auf der Grundlage abgeschlossen werden müsse, die durch den Reichstagsbeschluß festgelegt werden sollte. Daher müßte sich der Reichskanzler klar darüber sein, was der Reichßtaasbcschluh in dieser Beziehung zu bedeuten habe. Die Zukunft werde zoigeii, ob es möglich sein werde, zwischen der jetzigen Reichslcitung und dem Reichstage diejenige Einhettlichkcit und Klarheit- in Auf- rassung und Handeln zu erreichen, die der Reichstag am. 10. Juli unbedingt verlangt hat. Oberst Waldt: In den Fällen, in welchen Beschwerden der Frankfurter Zeitung" zur Kenntnis des Kriegs- Ministeriums gekommen seien, sei«ingeschritten und die verhängte Vorzensur ausgehoben worden. Äbg. Dr. Stresemann(natl.) wandte sich auch dagegen, daß sich die Heeresleitung amtlich mit der Verbreitung von Schriften befasse; das gehör« nicht zu ihren Auflgaben. Ferner bedauert er, daß der fozlaidemokratifche Abg. Wendel im..Vorwärts" seine Artikel über die bulgarisch!. Frage veröffentlicht habe. Davon höhe ihn der politische Taki Äbhaltcn müssen; aber auch die Leitung der sozial- demokratischen Partei hätte verhindern müssen, daß ein derartiger Artikel ini„Vorwärts" er- schien. Redner ging dann auf die Frirdensentschlicßung de» Reichstags eiu, der er eine solche Wirkung nicht zuerkennen könne, wie das die andern Redner getan Höben. Auch dürfe das Deutsche Reich nicht auf eine Kriegsentschädigung verzichten. Der Grundsatz des Staatssekretärs, daß die Politik nicht nur auf Macht, sondern auch auf Recht aufgebaut werden müsse, passe nicht zu den Lehren der Geschichte; habe doch England seine Politik einzig und allem auf di« Macht aufgebaut und damit eine Weltherrschaft errichtet, die so lange Kraft und Dauer habe. Staatssekretär des Auswärtigen v. Kühlmann gmg in vcrtoauliöhen Ausführungen auf eine ganze Reche Fragen "er auswärtigen Politik ein, die im Laufe der Aussprache vor. gebracht waren. Dann besprach er im einzelnen die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu unfern Bundesgenossen und zu den neutralen Staaten, machte Mitteilungen über den Stand der handelspolitischen Besprechungen mit Oester. reich-Ungarn und verschiedenen neutralen Staaten und ging schließlich auf die Verhandlungen ein, die mit Argentinien wegen der!°-chiffsversenkung geführt werden.' In Beantwortung einer Frage des Abg. Stresemann teilte er mit, daß die Schädigungen, die deutschem Eigentum und Wirtschaftsleben von den feindlicheir Staaten zugefügt worden sind, sorgfältig gebucht würden. Di». Rechnung werde seinerzeit den feindlichen Regieuungen vorgelegt werden. Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Capelle: Di« Jßrma Lehmann habe einen großen Posten von politischen«chriften den Flottenkommandos zur Verfügung ge- stellt. Leider hätten einzelne Flottenkommandos davon Ge- brauch gemacht und die Schriften amtlich verteilt. Das Reichs- marineamt habe den Flottenkennmandos mitgeteilt, daß ein der. artiges Verfahren durchaus unzulässig sei. Er hoffe, daß solche Fälle nicht wieder vorkommen. Dann kam der Staatssekre- tär auf den U-Boot-Krieg zu sprechen. Heute sei der Stand unserer fertigen U-Boote um Ist Prozent höher als beim Beginn des verschärften U-Boot-Krieges. Der Verlust betrage durchschnittlich drei im Monat; im Bau be- finden sich dagegen beträchtlich mehr Schifte. Alles, was sonst zu Unserm U-Boot-Krieg gehöre, sei reichlich vorhanden und für ab- sehibare Zeit sichergestellt, so daß wir den ferneren Ereignissen mit Vertrauen entgegensehen können. Versenkt würden monallich durchschnittlich OOOOOst Brutto-Regiftertonnen. Allerdings seien Schwankungen in dieser Ziffer zu erwarten, dos liege in der Natur des U-Boot-Krieges. Redner verbreitete sich dann ausführlich illber die Wirkungen des U-Boot-Kricges. stellte fest, daß er durch- aus den Erwartungen entspreche und sich auch in der gewünschten Weise in den feindlichen Staaten bemerkbar mache. Dann trai die Mittagspause ein In der Naebmittagssitzung machte der Vorsitzende den Vorschlag, daß der Ausschuß in seiner jetzigen Tagung noch fol- gendc Gegenstände beraten solle: 1. die Veränderung in der Reichs- K im Hauptausschuk. leitung; 2. Kohlen- und Rohstofs-Fragen; 8. Politische Zensur; 1. VersammlungSderbote; S. Besetzte Gebiete. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wurde dieser Vor- schlag angenommen. Abg. Erzberger(Z.) stellte fest, daß noch der Erklärung, welche der Kanzler am Mitt- wochnachmittag abgegeben hat, die Differenzen zwischen dem Reichskanzler und de« RmchStisss- mehrheit für Gegenwart und Aulunft erledigt seien(?). Klarheit sei dar- über geschaffen, daß für die Friedensverhandlungen der Reichs. togsbeschluß maßgebend sei. Er wendete sich dagegen, daß ihm vorgeworfen werde, er Hab« durch seine Rede vom Mitt» woch die unliebsamen Auseinandersetzungen mit dem Reichs lanzler herbeigeführt. Daran sei kein wahres Wori. Dies sei nur er. funden von jener Clique, die mit allen Mitteln gegen den von der Reichstagsmehrheit erstrebten Frieden kämpfe. Seine Partei werde gegen diese Clique den Kampf in allen Punkten aufnehmen. Diese Clique habe nur einen ganz kleinen Teil des deutscher, Volkes hinter sich, wenn sich auch auf ihrer Seite das größer«- Portemonnaie befände. Dem Abg. Stresemann erwiderte er, daß sich das Deutsche Reich vor dem Kriege wirtschaftlich glänzend ent- wickelt habe. Es bedarf also keiner Vergewaltigung anderer Völker, um seine wirtschaftliche Zukunft zu sichern. WaS er in Zürich gesagt habe, sei in dar alldeutschen Presse ent- stellt worden. Dem Grafen Westarp aber sei er keine Rechenschaft darüber schuldig. Wenn er mit Lloyd George über den Frieden verhandeln könnte, dann würde er dem englische» Minister sagen, er täusch« sich sehr, wenn er glaube, daß Graf Westarp in Deutsch- land irgendein« maßgebende Bedeutung habe. Di« Frage des Grafen Westarp, was mit der Ankündigung gemeint sei, die Mehr- heitsparteien würden mit allem Nachdruck auf der Bahn vorgehen, auf die sie sich durch den Reichstagsbeschlutz gestellt haben, beant- wort« er, daß sie planmäßig auch fernerhin alle diejenigen Hinder- nisse beseitigen werden, di« einem dem ReichStcrgSbcschluß ent- sprechenden Frieden entgegenstehen. Stiraitssekretar Dr. Helffvrich knüpft« an eine Bemerkung des Vorredners an, di« dahin ging, im Jahr« 1017 hätte der deutsche Welthandel voraussichtlich den englischen erreicht, wenn nicht der Ausbruch des Krieges dazwischen gekommen wäre. Dr. Helfferich sieht aber in dieser Ent- Wicklung den wesentlichen Grund dafür, daß England in den Krieg eingetreien sei. Englands Politik sei stets die stärkste Macht auf dem Kontinent und gegen jeden ernsthaft auf- kommenden Wettbewerber in seiner Stellung im Welthandel g«. richtet gewesen. Ter Krieg sei das Ergebnis einer Spannung, die dadurch entstanden sei, daß England ein immer größeres Miß- Verhältnis zwischen seiner überlegenen See- und Weltmacht auf der einen Seite und der wirtschaftlichen Kräfte nt- faltung Deutschlands auf der andern Seite empfunden bade. Man müsse sich unbedingt darüber klar sein, baß in diesem Kriege Englands Ziele unsere wirftchaftliche Unterdrückung sei. Sich hierüber Täuschungen hinzugeben, wäre verhängnisvoll. Schließlich wies Dr. Helfferich den Vorwurf als unberechtigt zurück, jemals bezüglich der Wirksamkeit des U-Boot-KriegeS sich auf irgendwelche Prophezeiungen eingelassen zu haben. Das Prophezeien babc er' stets den Engländern überlassen. Lkoyd Georges Statistiken in seiner letzten Red« seien Spiegelfechtereier, und beweisen durch ihre Unklarheiten die UnHaltbarkeit seiner Behauptungen. Wenn Lloyd George im Gegensatz zu seinen Aus- führungen im April jetzt die Lage günstig darstelle, obwohl sie doch sicher nicht günstiger geworden sei, so beweise das einmal, baß die Stimmung in England dringend der Beruhigung bedürft, und außerdem, daß Lloyd George es für nötig halte, auf die Stim- mung in Deutschland einzuwirken. Dieser Eindruck werde de. stätigt durch die naheliegend« Erwägung, daß nur das Gefühl einer unmittelbaren schweren Bedrohung trotz der Aussicht auf die amerikanische Hilf« im nächsten Frühjahr den ungeheuren Ansturm an der Westfront mit seinem Mafftneinsatz an Material und Men- scheu genügend erklären könne. Diese Bedrohung liege wohl nicht so so sehr auf dem Lande oder in der Luft, als vielmehr auf dem Wasser. Abg. Scheidemann(Soz.) wandte sich zunächst gegen die Ausführungen Dr. Helfterichs. Auch die jetzigen Darlegungen seien nicht geeignet, ihn und seine Freunde in chrer Ucberzeugung über den verschärften U-Boot-Krieg wankend zu machen. Er habe viel« mehr das Gefühl, das aus jenen bekannten Worten spricht: Weiß doch keiner, was der glaubt. Nach seiner Kenntnis der Dinge sieht Herr Dr. Helfferich die Verhältnisse bei uns im Vergleich mit den Verhältnissen zu England zu rosig an. Er würde es sehr be- dauern, wenn die Auffassung des Herrn Dr. Helfferich auch von den andern Herren der Reichsleitung geteilt würden. In dezug auf den Vorwurf, die Parteileitung hätte verhindern sollen, daß im „Vorwärts" der Artikel des Abg. Wendel über dft bulgarischen Forderungen erscheine, müsse er feststellen, daß dem Parteivorstand gar nicht daS Recht zusteht, in solcher Weise in die Leitung des „Vorwärts" einzugreifen. Richtigzustellen sei aber, daß im„Vor- wärtS" eine Aussprache über die Frage stattgeftlnden habe, und daß neben dem Abg. Wendel mehrere andere Herren zu Worte ge, kommen seien, die sich im entgegengesetzten Sinne ausgesprochen haben. Die Borgänge von gestern seien bedauerlich. In der kurzen Zeit der neuen Regierung seien bereits zuviel Mißverständnisse und Unzulänglichkeiten vor- gekommen, sodaß es die höchste Zeit sei, daß darin endlich ein Ende eintrete. Gegen die Ausführungen früherer Redner weist Abg. Scheidemann eingehend nach, daß der Recchstagsbeschlutz vorn 19. Juli im In- und Auslande günstig gewirkt und die Friedensbewegung gestärkt habe. Auch das ab- sprechende Urteil des Grafen Westarp über die Stockholmer Ber- Handlungen sei durchaus unzutreffend. Freilich werde gegen daS Zustandekommen der Stockholmer Verhandlungen mit allen Kräften gearbeitet. Seine Partei aber werde dagegen ihre ganze Kraft einsetzen und alles tun, was nur irgend möglich ist, damit das be. absichtigt gute Werk in Stockholm auch vollendet werde. Er hoffe auch, daß die geplante Zusammenkunft in Stockholm er- reicht werde. Von der Reichsleitung müßte verlangt werden, daß sie alles vermeide, was die Friedensarbeit erschwere; sie müsse auch dafür sorgen, daß die Heeresleitung sich hiernach richte. Ebenso sollte bei den Ansprachen an die Soldaten auf die jetzige Lage der Dinge die nötige Rücksicht genommen wer» den. Die Zeit de» Schwankens und der Unklarheiten müsse jetzt vorüber sein. Die Reichsleitung müsse sich klipp und klar und ohne jeden Rückhalt auf den Badendes ReichstagSbeschlus- s e s vom 10. Juli stellen, müsse mitarbeiten, den Frieden der Ver- ständigung und ohne Vergewaltigung zu erreichen und müsse die Versprechungen der inneren Reformen— des preußischen Wahl- rechts usw.— ungesäumt durchführen. Eine andere Regierung sei im Deutschen Reiche unhaltbar. Staatssekretär Dr. Helfferich versicherte, daß er seine Darlegungen auf Grund gründlicher Untersuchungen gemacht habe. Er sei zu der hier vorgetragenen Ueberzeugung gekommen und sei auch überzeugt, daß die Zukunft sie als richtig verweisen werde. Abg. Röfike wendete sich eingehend gegen den Beschluß des Reichstags vom 10. Juli. Hierauf wurden die Verhandlungen ver- tagt und sollen heute fortgesetzt werden. Zuvor die Kohlen- und Rohstofftage, Zensur und Pcrsammlungsvcrbotc. Beratungen über Elsaß-llothringen. Auf dem Wege zum freien Bundesstaat. Amtlich wird gemeldet: „Ein Berliner Blatt veröffentlicht eine Mitteilung, nach der über die künftige Staats- und Verwaltungsreform Clfaß-LothringenS bestimmt« Beschlüsse gefaßt seien und auch der Reichskanzler sich für eine bestimmte Lösung dieser Frage festgelegt habe. Diese Nachricht ist unzutreffend. Der Reichs- kanzler hat in seinen Gesprächen mit den Parteiführern diese Frage zwar erörtert, aber sich nicht in bestimmter Rich- tung festgelegt, sondern auf bevorstehende Verhandlungen zwischen den Bundesregierungen verwiesen." Als Ergebnis dieser Verhandlungen muh erwartet werden. daß in ihnen Elsaß-Lothringens vollständig« Freiheit und Selbständigkeit im Rahmen des Reiches sichergestellt wird. Wie es sich dann im Innern einrichten will, ist Sache des elsaß-lothringischen Volkes selbst. Tie sozialdemokratische Neichstagsfraktiou tritt heute abend 6 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Die Losung bleibt: vorwärts! Der Reichskanzler hat als Antwort auf die ihm übermittelte Entschließung einer Versammlung des U n a b> hängigen Ausschusses für einen deutschen Frieden und des„Königstreuen WahlvereinS" in Reichenbach an den Vorsitzenden jener Versammlung Landrat a. D. v. Seidlitz auf Habendorf folgendes Telegramm gesandt! „Für Ihre freundliche Mitteilung der in der Versammlung einmütig gefaßten Entschließung, die von der vaterländischen Ge< sinnung der Teilnehmer ein beredte« Zeugnis ablegt, danke ich Ihnen bestens. Durch alle Mühen und Opfer hindurch bleibt unftre Losung jetzi und immer: Vorwärts!" Womit Herr Michaelis wohl nicht auf seine neuliche Zitierung des„Vorwärts" anspielen wollte. Dies würde nämlich vom„Unabhängigen Ausschuß" nebst königstreuem Wahlverein als eine Unfreundlichkeit empfunden worden sein. Der falsche Zungenschlag. Aus den gestrigen Verhandlungen des Hauptausschusses berichtet noch die„Germania": Die Verhandlungen im Hauptausschuß des Reichstages wurden am Donnerstag mit einer Geschäftsordnungsdebatw über die indiskreten und unzaitreffenden Mitteilungen eines Teiles der Berliner Presse von der gestrigen S t e l- lungnahme des Reichskanzlers zur Friedens- Resolution des Recchstages eingeleitet. Während ein konservativer Redner ankündigte, seine Freunde würden derartige Mitteilungen im Ausschutz in Zukunft auch verwerten, stellten die Redner der Mehrheitsparteien fest, daß es sich bei derartigen Indiskretionen und Sensationen regelmäßig um dieselben Zei- tungen handle. Der erste Teil der von den Mehrheitsparteien abgegebenen Erklärung beruhe ans einer Bemerkung des Reichskanzlers, die mißverständlich aufgefaßt werden mutzte. Wäre sie nicht erfolgt, dann wäre die Gegenerklärung der Mehrheitsparteien überflüssig gewesen. Wir bedauern, in diesem Fall anderer Meinung sein zu müssen als die Redner der Mehrheitsparteien. Wenn im Ausschuß Mitteilungen über militärische Geheimnisse gemacht wenden, ist jedermann verpflichtet, den Mund zu halten. Wenn aber dem Reichskanzler ein rednerisches Malheur passiert, so ist das keine Sache, deren Enthüllung das Vater- land in Gefahr bringt. Man hätte also statt des frisierten Wolff-BerichtS ruhig den wirklichen Wortlaut der ver- unglückten Erklärung veröffentlichen sollen! Die Lage in Zinnlanü. Kopenhagen, 23. August..Politiken" meldet auS HelstngforS: Während der ganzen letzten Woche wurden von starken Pöbethaufen Unruhen veranstaltel und die Stadtbehörden auf das gröblichste beleidigt. Die Unruhen sind nun unterdrückr, da eine Bürger- wehr gebildet wurde, die 2000 Mann zählt. Auch in anderen finnischen Städten haben Unruhen staltgefunden, auch dort sind Bürgerwehren errichtet worden. Bei den Unruhen in HelsingforS sind mehrere Personen verwundet worden. Letzte Nachrichten. Ein üeutfches Lustschiff verloren. Berlin, 23. August. Amtlich. Am 2t. Auguist, vormittag?, wurde eineS'unserer Marinelufischifft westlich ber jütischen Küste. nördlich von Hornsriff, beim Angriff auf englische Seestreitkräfte abgeschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Einigung in üer Textilindustrie des Eulengebirges. i Reichenbach i Schlesien, 23. August. In der Textilindustrie des Eulengebirges ist es nach langen Verhandlungen zu einer Einigung zwischen dem Verband schlesifcher Textilindustrieller, Ortsgruppe Reichcwbach, den freien Gewerkschaften und dem katholischen Arbeiterverein gekommen. Danach werden die bereits im Mai erhülsten Löhne unter Beibehaltung der Familien- Unterstützung am 3. September um zwanzig Prozent und die wöchentliche Arbeitszeit auf 05 Stunden erhöht, von denen die fünf Arbeitsstunden am Sonnabend freiwillig sind und um zehn Pro- zent höher bezahlt werden. Ein gefälschter russischer amtlicher Heeresbericht. Berlin, 23. August. Der Funkspruch Carnarvon vom 23. August, 2 Uhr vormittags, verbreitet folgenden russischen Be- richt:„In Richtung Tukkum ergriffen dft Deutschen die Offen- sive und vertrieben unsere Kavallerftvorhuten, die sich nach dem Bahnhof Kemmer zurückzogen. Am 8. August, morgens, unter- nahm der Feind Angrifft zwischen dem Tiroul und der Aa. Um 8 Uhr gelang es ihm, in unsere erste Stellung einzudringen; wir mußten uns ungefähr 2 bis 3 Werst in nördlicher Richtung zurück- zfthen. Ter Feind unterhält ein lebhaftes Artilleriefeuer auf unsere Stellungen im Abschnitt Leding östlich des Aa-Flusses." Dieser Bericht ist gefälscht. In Wirklichkeit haben dft Russen ihre Stellungen westlich der Aa bis zur Linie Oding— Bizgun freiwillig nach dem Niederbrennen der Ortschaften geräumt. Unsere Truppen haben hierauf das aufgegebene Gebiet kampflos besetzt. Dft Gründe, die die russische Regierung zu dieser Fälschung ber- anlaßten, sind allzu durchsichtig. Feindlicher Fliegerangriff auf Metz. Berlin, 23. August. Bei feindlichen Bombenabwürfen in der Nacht vom 21. zum 22. August wurde in Metz«in elftährigeS Mädchen getötet. In Ensisheim, Freiburg und S ch l e t t- stadt entstand kein militärischer Schaden, dagegen wurden eine Frau und fünf Kinder verletzt, GewerkschchsbewWng Veutfches Reick». Gewerkschaftlicher Aufstieg. Fast in allen nn frieren gewerkschaftlichen Zentralveribänden zeigt sich in letzter Zeit ein erfreulicher Anfftieg in den Mitglieber- zahlen. Der Metallarbciterverlband, der seit Kriegs- ausbruch wöch�entlich über die Mitglkdenbcwegung berichtet, kann nritteilen, daß die Mitgliederzahl jetzt 323 565 beträgt. Am 30. Juni 1917 betrug sie 313 273. Vor Ausbruch des Krieges zählte der Verband 533 814 Mitglieder, die Mitgliederzahl sank Anfang des Jahres 1915 auf 323 565, im Januar 1916 sogar auf 223 167. Dann stieg die Mitgliederzahl auf 246 627 am Jahresschluß 1916. Der Verband hat mithin gegen seinen niedrigsten Stand sein wieder um 90 000 Mitglieder zugenommen.— Der Buchbinder. verband kann über eine Zunahme von rund 1500 Mitgliedern allein in diesem Jahre berichten.— Im Bauarbeiterverband hat der Zweigverein Köln a. Rh. allein im zweite« Vierteljahr 1917 1300 Neuaufnahmen zu verzeichnen. Jubiläen. Der Angestellte deZ Holzarbeiter. Verbandes Eduard's t e i n b r e n n e r kann am 24. August auf eine 25jährigie Tätigkeit in seiner Berufsorganisation zurück- blicken. Er war schon mit dem verstorbenen ersten Vorsitzendell des Verbairdes, dem Genossen Karl Kloß, im Zentralbureau des Verlbandes tätig.— Ein dreifaches Jubiläum wahrend der Kriegs- zeit feiert der Zentralkassierer des Buchdrucker. Verbandes Gustav Eifler. Im Oktober 1914 beging Eifler sein 50jähriyes Berufsjubiläum, am 1. Oktober 1316 sein 2Zjäihriges Jubiläum als Hau ptkvss ierer des Buchdruckerverbandes und am 21. Augnst vollendete er sein 70. Lebensjahr.— In der neuesten Nummer der„Steinsetzer-Zeitung" veröffentlicht der Vorsitzende Genosse Knoll ein Glückwunschschreiben der Schlich tungskommission der Arbeitgeber, das ihm anläßlich seines 2bjähri gen Jubiläums, das der Verband und sein Vorsitzender vor einiger Zeit begehen konnte, zuging. In diesem Glückwunschschreiben der l intern ehin er werden die vielfachen Verdienste des Genossen Knoll um das Gewerbe und die Tatsache, daß Knoll immer ein lebhafte- Interesse für das Gewerbe gehabt und in bester Weise betätig! hat, anerkannt und es wind ihm eine weiteve erfolgreiche Tätig- koit in seinem verantwortungsvollen Amte gewünscht und die Hoffnung ausgesprochen, mit- ihm noch recht lange gemeinsam zum Wohle des Gewerbes arbeiten zu dürfen. verlin uns llmgegenö. Generalversammlung der Holzarbeiter. In der am Mittwoch abgehaltenen Generolversammfeng der Zahlstelle Berlin des Holzarbeiterverbandes gab der Borsitzende Glocke den Geschäftsbericht für das zweite Quartal. Zunächst verlor es er darauf, daß die Ortsverwaltung ihr Augenmerk auf die fortgesetzt steigende Lebensmittelteurung richtete. Um diese den Arbeitern so viel wie möglich zu erleichtern, wurde in Gemein. schaft mit den übrigen Gewerkschaften unter Mitwirkung der Ge- werkscha ftskomm iss ivn im Anschluß an den Streik der RüftnngK- abbeiter die Lebensmittelkommission geschaffen, zum Zweck einer gerechteren Verteilung der rationierten Lebensmittel. Auf der anderen Seite war dre Vevwattung bemüht, eine Erhöhung der Tcurungszulagcu zu erwirke u, um den Lohn der Kollegen wenig- stens einigermaßen den hohen Kosten der Lebenshaltung anzupassen. Der Redner besprach die zu diesem Zweck veranstaltet« Bewegung, die das Ergebnis hotte, daß am 8. August die bekannte Verein- barung Mischen den �beiderseitigen Zentralovganisationen zustande kam, wonach sich dxr Stundenlohn der Berliner Kollegen um 20. Pf. erhöht. Die letzte Mitgliede rversammlung hatte diese Zu- läge als ungenügend.erklärt, und die Ortsverwaltung boauftragt, wegen einer weiteren Aufbesserung der Deurungszulage mit der Berliner Organisation der Unternehmer in Verbindung zu treten. Die Ortsberwaltung hat in Ausführung'dieses Beschlusses ein Schreiben an den Vorstand deS Arbeilgeberverbandes gerichtet, aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten. Abgesehen von der allgemeinen Bewegung haben die Kolleger. in einzelnen Betrieben durch ihr Borgehen Lohnaufbesserungen erlangt. Bei einigen Firmen geschah dies im Anschluß an den Rüstungsarbeiterftreik, in mehreren anderen Betrieben zu anderer Zeit durch Arbeitsniederlegung von kurzer Dauer. Auch im dritten Ouartal, in den Monaten Juli und August, fanden in sieben Be- trieben Arbeitsniederlegungen statt, die den beteiligten Kollegen Lohnaufbesserungen brachten. Ohne Arbeitsniederlegung erlangten — soweit bts jetzt gemeldet ist— die Kollegen bei 74 Firmen Teurungszu lagen, welche über die allgemeine Vereinbarung hin- ausgehen. Die Zulage beträgt bei 13 Firmen pro Stunde 20 Pf., bei 7 Firmen 25 Pf., bei 28 Firmen 30 Pf., und bei den übrigen Firmen 20— 33 K Prozent des Lohnes. Die Kontrollkommission hat im abgelaufenen Quartal wieder eine lebhafte agiwtorische Tätigkeit entfaltet. Sie hielt 564 Werk- stattsitzungen ab, an denen sich 637 Werkstätten mit 14 395 Kollegen beteiligten. In den Bezirken und Branchen wurden 48 Mitglieder- und 36 Bertrauensmännerverfammlungen abgehalten. Die ge. werkschaftliche Tätigkeit ist also trotz der schwierigen Zeitverhält. niffc eine rege gewesen und bat beachtenswerte Erfolge gehabt. Der Bericht, den der Kassierer Miete gab, bezeichnet die Finanzlage als einigermaßen günstig. Die Zahl der eingegangenen Beiträge hat sich vermehrt. Di« Arbeitsgelegenheit ist nach wie vor günstig, die Zahl der Arbeitslosen ist gering. Die Ausgaben für Krankenunterstützung und Sterbegeld sind wieder gestiegen. Di« LgDatfe» hatte de» Erfttg. daß«N ReuwusiAchm» gencachl tmtr- den. Die Mitgliedei�ahl bekief sich am Schlüsse des Quartals auf 10 663 männliche, 725 weibliche, 37 jugendliche. Der Geschäftsbericht gab kernen Anlaß zur Debatte. Dagegen entstand eine längere Diskussion über eine Angelegenheit, die Glocke am Schluß seines Berichts erwähnt hatte. Sie betrifft den in einer früheren Generalversammlung angenommenen An- trag Wagner, der sich gegen die vom Becbandsvorstand und der Generalkommission eingenommene Haltung zu den gegenwärtig in der Arbeiterbewegung schwebenden Streitfragen wandte, und ver- langte, daß der Verbandsvorstand die Beitragszahlung an die Gene- ralkommission einstell«, und daß die Ortsverwaltung einen Teil der an die Hauptkaffe abzuführenden Beiträge zurückbehalte. Mit Bezug auf diesen Antrag hat der Verbandsvorstand der Ortsvcr- waltung Berlin geschrieben, der Antrag stelle ein unmögliches Ver- langen an den Verbandsvorstand. Tie Einstellung der Beitrags- zahlung an die Generalkommission würde die Trennung des Ver- bandes von dem in der Generalkommission verkörperten Bund der deutschen Gewerkschaften bedeuten. Zu einem solchen Schritt sei der Vorstand nicht befugt. Nur ein Verbcmdstag würde über einen derartigen Antrag entscheiden können. Da übrigens der Antrag- fbeller selbst in der Versammlung ausgesprochen habe, der Verbands- vorstqnd könne dem Antrage gar wicht stattgeben, so erscheine ein weiteres Eingehen aus ihn überflüssig.— Der Teil des Antrages, der die Orisverwaltung verpflichten wolle, einen Teil des an die Verbandskasse zu leistenden Pflichtbeitrags«inzubehalten, se, statutenwidrig und könne aus diesem Grund« nicht verwirklich! werden. Der Ausführung dieses Beschlusses müsse der Verbands- vorstand gemäß seiner statutenmäßigen Pflicht entschieden entgegen- treten. Glock« empfahl der Versammlung, de» Antrag Wagner rück- gängig zu»lachen. Die Versammlung würde sich nichts vergeben, ws-nn sie einen im Eifer der Meinungsgegensätze gefaßten statnten- widrigen Beschluß aufhehc. Dadurch würde natürlich nichts geän- dert wenden an dem unbestrittenen Reckt der Mitglieder, Kritik zu üben an der Haltung des Verbandsvorftandes und der General- kommission, ganz gleick, oib diese Kritik sachlich begründet sei oder wicht. Aber Anträge, die sich gegen den Verbandsvorstand und die Generalkommission richten, könnten doch nur auf dem Verbandstage bzw. dem Gewerkschaftskongreß erledigt werden, auf denen ja die Verbandsmitgliedcr gemäß den demokratischen Einrichtungen der Geioerkschaften, ihren Einfluß geltend machen können. Nach einer lebhaften Diskussion, in der mehrere Redner gegen, andere für die Ausführungen G l o ck e s eintraten, beschloß die Versammlung, daß der Antrag Wagner, soweit er statutenwidrig ist, aufgehoben wird und nur der den Vorstand und die Generalkommission kritisierende Teil des Antrags bestehen bleibt. Ruslanü. Partei und Gewerkschaft in Schweden. Stockholm, 23. August.er kleine Kapoleon. Sonntag letzte Nachrnittags- Vorstellnng 3 Uhr: Familie' Schimek . mit Max Callenberg. Kammernplele. Heute u.' folg. Tage 8 Uhr: Hans WaBmann u. Ida WDst in Goldfincbe(Lustspiel) Volksbühne. Theater am Biilowplatz. TTntergrundb. Sohönh. Tor. Heute u. folg. Tage 7'/. Hbr: Fahrende Mnetikantcn Musik von HobertSchumann. I-essIng-Thcnter. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Henry Bender in Die Königin der l-ult. (Gesangsposse.) Bahnhof FriedrichstraJSe. Anfang 8 Uhr. Rauchengest. Kühl. Aufenth. neue NMU'gramm u. a. HPV Gebr. Classon neuer akrob. eqnilibr. Akt MP- 3 Meinickes"911 halsbrecher. Leiter-Akt. Luis u. Lohn."VS Max u. die unerreichten Moritz, radfahrend. ASen. Parforce- Schnitzeljagd. Halali Theater für Freitage 24. August. Dentsches Opernhaas 7'/, Uhr: Orpheus in der ErstanS.: Unterwelt. Friedrich-Wilhelmst. Theater 7'/, Uhr: Oebr. Herrnfeld-Th. Operetten-Gastsniel 7'/, rar: Die ledige Ehefrau. Kleines Theater 8 uhr: Die Hausdame. Komische Oper uhif: Die Dose Sr. Majestät Sonntag S'/jUhr: Jugend. Lustspielhaus „ Die blonden MSdels 7 /.Uhr: vom Lindenh0f. Kesidcnz-Thcater 8 uhr: Die Yerhlillle. Metropol-Theater 7'/.uhr: Die CzardasWin. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kassent-fTd. 281 Äm! Der Soldat derMaiie. Schiller-Theater O tv, uhr: Die lustigen ffeiher SchlUer-Th. Charl. 7V,ühr: Thalia-Theater Heute geschl. Sonnab., d. 25., 7V4b.1.M;: Egonu. seine Frauen. Theater am Nollendorfplatz 7V. Uhr: Theater des Westens tv. uhr: stolze Thea. TägL T3/. Sonnt. 3'/, u. 7'/, Nnr noch bis 31. Angnst! 4. Steidl, A. MOIIer-Uocke in: „Der Herr ohne Wohnung�. „Afra". Pensina— Jlantl. Anf.7V,U. Reichshallen-Garten u. Saal: Blttthgen-Konsert. Änt 8 Uhr, Sonnt. 6 Uhr. Sonnabend, 25. August, 6 Uhr nachm., Ende 10 Uhr Admiralspalasi. Große Wohltätigkeits-Vorstellung. Bunter Teil. Abrakadabra. Der fliegende Rittmeister. Operette in 1 Akt von EostaL Karlanne Alfermann, Königl. Oper. Betty Feiner, Neues Operetten-Theater. Lena Amsel, Wintergarten. Sleglried Berisch. Oskar Braun. Komische Oper. Guido t.laldlnl, Kunstpfeifer. Bartln Kettner, Trianon-Theater. Ballettmeisterin Mary Zimmermann vom Deutschen Opernhaus mit ihrem Ballett. Vorverkauf: A. Wertheim, Bote& Bock, Invalidendank Walhalla-Theater. ?t/' Zigeuner. Borftellung. Uhr:_ Gartenbühne: Trianon-Theater a. Bhf. Friedrichstr. Tel. Zt 4927 •US Uhr Der«/.z Uhr reizende Adrian. Rose-Theater. T'/j Uhr: Die Stunde des Vertrauens. Eartenb.: Seemannsliebehen. Lasino-Theater Lothringer Straße 37. Daglich',.8 Uhr: Wirklicher Humor! Gr. Ersolg! Di« Schlagerpoffe mutzte orher der neue bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Giisw, die Perle. URANIA Freitag, 24. August, 8 Uhr: Das Oberengadin und der Splägen. Theater i. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Künstlerische Tänze. Frage an das Schicksal. Abschiedssouper. Komödienhaus 8: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7»U.: Die tolle KomteB. Der = Variete= Eröffnungs-Spielplan Dazu; Venezianische Nacht Pantomime in 12 Bildern von Barl Volliuooller Musik v. Friedrich Sermann Ausstattung: Ernst Stern. SO Mitwirkende 80 i) ür Feldfoldaken! veutfch.Polnisch. 15 Pf. Veuffch-Frauzösisch 15 Pf. vuchhaudlung vorwärt», Berlin Desflnes Frater-Theater. Kastanienallee 7— 9. Zum 89. Male: Aha— famos I Gr. AusstattungS.Operettenvoss« m 3 Akten mit Gesang u. Tanz. Vorher d. ge. Varieteprogramm. _ Amang i'J, Uhr. Admirals-Palasf. Ole\ovitat Abrakadabra Gr. phant. Ballett a. d. Eise. Angenehm, kühl. Aufenthalt. 73)4 U. Vorzügl. Küche. Voigt=Theater. Badstr. 58. Täglich: Badstr. 58. Gr. Extra-Vorstellung. Vas junge Mädchen träumen Vorher: Erstklassiges Spezialitäten-Programm. Ans, wochent. 4a/4. Sonnt. 4 Uhr. «. Kennen Sie die Wohltat einer I-eibbindc? Sämtliche Systeme am Lag. resp.nacL Maßanfertig. sowie Bruchbandagen aAuAr Artikel z. Ge»nndhcit(i- nnd Krankenpflege. Polltnaim, Bandagist, Berlin N., Lothringer Str. 60.* Lieferant iüx Krankenkass. Hr. 231 ♦ 34. Jahrgang Seilage öes vorwärts 5reitag, 24. August 141 7 Parteinachrichten. Tas Zittaucr Partriblatt. Gegenüber verschiedenen Gerüchten teitt die„Dresdener Volts- geitun«" mit: Es ist vollständig aus der Luft gegriffen, dcttz unser Zittauer Parteiblatt zu den Unabl)ängigen übergegangen, dann eingegangen und also für die Arbeiterbewegung vorlo rengegangen sein soll. Die„Zittauer Volkszeitung" ve steht und gedeiht weiter, nur wurde infolge technischer Schwierigkeiten, Personal- Wangels usw. ihre Herstellung mit der Herstellung der„Dresdner Volkszeitung" wieder verbunden. Das Zittaucr Parteiblatt wird also nicht mehr in dem bisherigen Zittauer Filialunternehmcn der Firma Kaden u. Komp. in Dresden, des Verlages der„Zittaucr Volkszeitung", sondern wie früher im Dresdner Betriebe unseres Dresdner Parteiverlages hergestellt. Dadurch wurde sein Zittauer Druckereigrundstück frei und es wurde zu einem Preise von 170 000 lWart, der ungefähr dein Buchivert des Filialunternehniens ent- spricht(nicht zn 150 000 wie die I. K. berichtetl. an die Stadt Zittau verkauft. Sowohl die Zurückverlegnng der Herstellung der ..Zsttauer Volkszeitung" von Zittau nach Dresden als auch der Verkauf des Zittauer Grundstücks wurde von den maßgebenden Parteiinstanzen beschlossen. Aus den Organisationen. Am Sonntag, den 13. August, fand eine Bezirksvorstands ststung von Vertretern sämtlicher 12 Timringer Wahlkreise in Weimar statt. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß auch im letzten Geschäftsjahr infolge der vielen Einberufungen der Mitglieder- stand in den einzelnen Kreisen zurückgegangen ist. Ebenso ver° bält es sich mit den an die Zentral- und Bezirtskasse abzuführenden Beiträgen. In manchen Wahlkreisen konnte durch den von den „llnabhängigen" heraufbeschworenen Zank überhaupt nicht für die Organisation und die Parteipocssc geworben werden. Nachdem Klarheit geschaffen ist und die„Unabhängigen" aus der Partei ausgetreten sind, wird die Bahn für die Agitation wieder frei. Von den 5 Wahlkreisen, in welchen die„Unabhängigen" trotz des Beschlusses des Bezirkstages vom 18. Februar d. I. ohne Olrund aus der Partei ausgetreten sind, ist bis auf Schwarzburg-Souders- Hausen die Partei wieder in der Nufwärtsbewegung begriffen. Von Veuß ä. L. und auch von Weimar II tonnte berichtet werden, daß die Partei trotz aller Anstrengungen und Verleumdungen der„Un- abhängigen" ihre Wcrbekraft nicht vorloren hat, weil die besten Genossen derselben treu bleiben. In Reutz j. L. würde es ähnlich so sein, wenn nicht der verschärfte Belagerungszustand eingesetzt bätte, der bekanntlich jede Versammtniigstätigkeit ausschließt. Auch in Gotha besteht ein Verein, der sich jedenfalls in der nächsten Zeit noch weiter entwickeln wird. In Schlvarzdurg-Sondershausen bnlt die Agitation für die Partei etwas schwerer, weil in fast allen Orten die maßgebenden Parteigenossen einberufen sind und erst neue Verbindungen gesucht werden müssen, die aber auch schon angeknüpft worden sind. Beschlossen wurde, daß in denjenigen Kreisen, wo die„Unabhängigen" irber die Presse verfügen, ein neues Blakt geschaffen werden soll. Der engere Bezirksvorstand wurde beauftragt, mit dem Parteivorstand und den i» Frage kommenden Parteidruckereien in Verbindung zu treten. Was die Thüringer Presse im allgemeinen anlangt, da wurde gewünscht, daß sie auch in der Zeit der Zensur prinzipieller, klarer schreiben müßte. Tasselbe wurde vom Zentralorgan der Partei, vom„Vor- loärts", verlangt. Zum bevorstehenden Parteitag wurde auch Stellung genommen. Wenn auch Beschlüsse. nickst, gefaßt-wurden,-sg tnnrhr doch., klar ausgesprochen, daß.dst.'ReitÄtagsfraktion in l mänchepp- /fragest im Reichstage hätte schärster vorgehen müssen. iDic'Partei muß" auf dem Boden der alten sozialdemokratischen Grundsätze weiterkämpfen. dann werden auch die„Unabhängigen" mit ihrer Zerstörungs- arbeit in Thüringen kein Glück haben. Die Grundsätze und For- dcrungen der Sozialdemokratie müssen auch im Parlament nach wie vor scharf zum Ausdruck gebracht tverden. Die beiden altmärkischen Kreisorganisationen Salzwcdel- Gardelegcn und Stendal Csterbnrg wählten als Delegierte zum Würzburger Parteitag: Wahlkreis Salzwedcl-Gardelegen den Parteisekretär Ernst Brandenburg, Stendal, und der Wahlkreis Stendal-Osterburg den Geschäftsführer Fritz Lamprecht, Stendal. Beide Gewählte sind Mchrheitsanhängcr und billigen die Kriegspolitik der Partei. Für Frieden und Freiheit. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Friedens- bestrebungen der Partei gestaltete sich die vom Sozialdemokratischen Wablverem Wiesbaden abaehaltene Volksversammlung Der größte zur Verfügung stehende Saal der Turngesellschaft war bis auf den letzten Platz besetzt. Aus allen Kreisen der Bevölkerung ivaren d,e Frauen und Männer erschienen. Die Ausführungen des Reichstagsabgeordneten Dr. T a v i d. der in zweistündiger Rede über„Friedenswille und Reichstag" sprach, wurden mit lebhaftem Beifall ausgenoinmen. Nachstehende Resolution wurde gegen der- emzelte Stimmen angenommen: „Die am Montag, den 13. August 1317. im Saale der Turn- gejellschaft tagende Volksversammlung begrüßt die vom Deut- scheu Reichstag gefaßte Einschließung auf baldige Herbeiführung emes Friedens der Verständigung und dauernden' Versöhnung der V olfcr. Wie sie die von feindlichen Staatsmännern geejen Deutsch- land und seine Verbündeten gerichteten Eroberungs- und Ver- gewaltigungsziele zurückweist, so verurteilt sie aufs schärfste die von den Alldeutschen verfochtenen Annerionspläne. Sie dienen nur der Verlängerung des Krieges und würden, wenn sie überhaupt er- reicht werden konnten, nur einen neuen Weltkrieg im Gefolge haben. Die Versammlung begrüßt ferner die für' Preußen gegebene Verbeipung auf Einführung des gleichen, geheimen und direkten Landtagswahlrechts und erwartet die baldige Durchführung dieses crllen großen Schrittes zur freiheitlichen Neuordnung. Ent'schlosten inrtzubelsen an der Verteidigung unserer nationalen Unversehrtheit und Freiheit nach außen, bis zur Erreichung eines gesicherten Friedens, fordert sie zugleich als innerpolitisches KriegSzi'el: volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung für Männer und Frauen in Gemeinde, Staat und Reich." GroßVerlln Zur Abänderung der Hasverordnung. Stellungnahme des Charlottenburger Stadtparlaments. Als erstes der Grotz-Berliner Stadtparlamente beschäftigte sich am Mittwoch die Charlottenburger Stadt- vcrordnetenversammlung mit der Anordnung über die Einschränkung des Gasverbrauchs. Anlaß zur Einberufung dieser außerordentlichen Sitzung hatte ein Antrag aller Fraktion e'n gegeben, der gegen die Verfügung entschiedensten Widerspruch erhebt, ihre sofortige Aushebung für geboten erachtet und den Magistrat ersucht, die maßgebenden Stellen auf die dringende Not- ivendigkeii der besseren Kohlenbelieferung Groß. Berlins hinzuweisen und dafür einzutreten, daß die trotzdem noch erforderliche Einschränkung des GaS- Verbrauchs nur unter sorgfältiger gleichmäßiger Berücksichtigung der individuelle» Verbraucherinter�jen durchgeführt wird. Vor Eintritt in die Tagesordnung ergriff Ober Bürgermeister D r. Scholz das Wort zu einer Mit ' teilung, die die gesamten Gemeinden Groß-Berlins in gleicher Weise interessiert. Hiernach haben die Vertreter Groß Berlins sofort Vorstellungen gegen die Anordnung erhoben und eine neue Besprechung mit dem Rcichskommissar durch gesetzt, wobei sie sich aus folgende Forderungen geeinigt haben: l. Der Rationierung des Gasverbrauchs soll nicht der Gaszähler zugrunde gelegt, sondern es soll eine allgemeine Rationierung auf 90 Proz. des vor jährigen Verbrauchs angestrebt werden 2. mit Rücksicht darauf, daß gerade die kleinsten Abnehmer unmög� lich noch mehr Gas sparen können, soll ein gewisser Mindest verbrauch auf alle Fälle gewähr werden, selbst dann, wenn er über 100 Proz. des vor jährigen Verbrauchs hinausgeht; die Berechnung des ver brauchten Gases soll nicht nach Monaten, sondern nach Viertel jähren erfolgen, so daß die Ersparnis eines Monats gegen einen Mehrverbrauch eines anderen Monats aufgerechnet werden kann. Der R e i ch s k o m m i s s a r hat die Aende rung zugesagt, die abgeänderte Verordnung ist bereits in den nächsten Tagen zu erwarten. Durch diese Erklärung des Oberbürgermeisters war der Antrag eigentlich gegenstandslos geworden, denn die Vertreter der Groß-Berliner Gemeinden hatten seine Berechtigung an erkannt und waren bereits im Sinne der Antragsteller voo gegangen. Die Ausführungen der Redner aus der Versammlung W ö l l n e r(lib.), Dr. Borchardt(Soz.) und Bernhard (lib.) konnten daher im Grunde nur auf eine Anerkennung des Vorgehens des Magistrats, gleichzeitig aber auch ans eine Kennzeichnung der Art und Weise hinauslaufen, wie die Be Hörden Verordnungen vom grünen Tisch herab ohne Mit Wirkung der Gemeinden und unbekümmert darum, daß dadurch die Selbstverwaltung ausgeschaltet wird, er lassen. Das Ergebnis war die ein st immige Annahme des Antrages. Die nächste Sitzung wird sich mit einem gleichfalls von allen Fraktionen unterzeichneten Antrag zu beschäftigen haben, der die Anhörung der Gemeindekörperschaften vor Ed laß einer Anordnung über die Regelung der Heizung und des Warmwasserverbrauchs fordert. GolSfdrnuu� tragen Ist heute ferne UerZ F feine Ehre- -vaö Golö Hern, VaterlanÄe! Rasche Arbeit in der(Saskommisston. Zur Beratung der Anträge, die in der Sitzung beim Reichs- kommissar für Elektrizität und Gas der Oberbürgermeister von Berlin im Auftrage und unter Mitwirkung der übrigen Groß Berliner Gemeinden begründete, ist die hierzu eingesetzte Kommission sofort zusammengetreten. Ter Berliner Magistrat hofft, daß nach rascher Erledigung der Ausgabe der Kommission das Er gebnis der Beratungen die Zustimmung des am Ende dieser Woche von seiner Reise zurückkehrenden Reichskommissars finden wird. Be schleitnigung sei nötig, damit die Ungewißheit der Sach- und Rechtslage bezüglich des Monats August baldigst beseitigt werde. Die Groß-Berliner Gemeinden haben in der Sitzung beim Reichskommissar den Standpunkt vertreten, daß diese Ungewißheit eine Einziehung von Strafaufschlägen für den Monat August nicht zulasse. D i e Hoffnung, daß auf die Maßregel der Beschränkung des Gasverbrauches überhaupt verzichtet werden könnte, scheint von den Groß-Berliner Gemeindeverwaltungen ausgegeben worden zu sein. Waren die Mitteilungen, die ihnen der Reichskominisiar über die Schwierigkeit, Groß-Berlin reichlicher mit Kohlen zu beliefern, gemacht haben soll, wirklich so völlig überzeugend! Wie spare ich Gas? Die Gasgesellichaft und das städtische Gaswerl in Frank furt a. M. geben Ratschläge zur Gasersparnis. Im wesentlichen lauten sie: Lösche sämtliche Zündflammen. Lasse große Brenner durch kleinere Liliput- oder Zwergbrenner ersetzen. Halte jeden Brenner in Ordnung, laste Mängel beseitigen. Halte die Unterseite der Kochgesäße rein; Ruß ist schlechter Leiter. Verwende dünn wandige flache Kochgefäße und nur solche mit Deckel. Stelle die Flamme so ein, daß sie nicht über den Boden des Kochgefäßes hinausschlägt, sondern den Bodenrand zwei Finger breit unberührt läßt. Benutze den Nippenring für Kochgefäße, die größer sind als der Kochplattenausschnitt. Drehe, sobald der Inhalt des Gefäßes kockil, den G�shahn zurück. Stelle nach dem Anlochen geeignete Koch- gefäße zum Weiierkocben übereinander und bedecke die oberen G säße mit Deckel und Tuchhaube. Bereite warmes Wasser in einem Topf, der statt des Deckels auf das Kochgefätz gesetzt wird, und er- wärme das Wasser nicht über die notwendige Temperatur. Zu mischen von kochendem Wasser zu kaltem Wasser ist unvorteilhafter als die Erwärmung der ganzen Wassermenge. Verwende nach dem Ankochen zum Garkochen die Kochkiste, die stundenlange Feuerung unnötig macht und am besten zur Gasersparnis beiträgt. Brenne den Gasosen nicht bei offenem Fenster. Die meisten dieser Ratschläge sind sparsamen Hausfrauen längst bekannt und wurden schon immer von ihnen befolgt. Tie Verordnung über den Obsthandel. Die zur Regelung des Handels mit Obst erlassene Verordnung der Reichsstelle sür Gemüse und Obst ist jetzt veröffentlicht worden. Alles wesentliche daraus wurde im„Vorwärts" bereits am Mittwoch wiedergegeben. Die wichtigsten Bestimmungen lauten wörtlich:„Im Gebiete des Deutschen Reiches dürsen Aepfel, Birnen, Pflaumen und Zwetschen nur mit G e- nehmigung der zuständigen Landesstelle sür Gemüse und Obst sin Preußen dep Landesstelle oder der zuständigen Provinzial- oder Bezirksstelle) abgesetzt werden.... Die Genehmigung wird, so weit es sich um Beförderung mit Eisenbahn, Kahn. Wagen, Karren oder Tieren handelt, durch Ausstellung eines B e f ö r d e- rungsscheines erteilt....... Von den vorstehenden Be- schränkungen bleibt unberührt der Absatz an Verbraucher, wenn nicht mehr als 1 Kilogramm an den gleichen Verbraucher abgesetzt wird. Dies« Mengeneinschränkung gilt nicht für den Verkehr auf öffentlichen Märkten." Die Verordnung ist am 23. August in Kraft getreten mit Ausnahme der Vorschrift über den Besörderungsichein, 4 die erst am 3. September m Kraft tritt.. Berliner Lebensmittel. In der folgenden Woche werden auf die Kartoffelkarten wieder fünf Pfund Kartoffeln abgegeben. Auf Abschnitt 104 der Berliner Lebensmittelkarte können noch zwei Pfund Kartoffeln verabfolgt werden. Ausnahmsweise dürfen auch wieder die Kartoffeln von Sonnabend, den 28. August, ab ver- abreicht werden. Das Bureau für Fleischversorgung des Berliner Magistrats in der Stralauer Str. 3— 6 ist für das Publikum nur in der Zeit von 8— 3 Uhr geöffnet. Die nächste Viehzählung. Am 1. September findet im Deutschen Reiche eine Vieh- zählung statt. Sie erstreckt sich auf Pferde, Rindvieh. Schafe, Schweine, Ziegen und Federvieh. Für das Königreich Preußen ist die Zählung auch auf Kaninchen auSge- dehnt. Die Militärpferde werden nicht gezählt. Ende der Hundcsperre in Berlin O. Die vom Berliner Polizeipräsidenten am 2. Juni d. I. der- ordnete vollständige Hundesperre für den Osten Berlins, die aus Anlaß eines neuen Tollwutfalls verlängert worden war, hat mit dem Ablauf des 23. August ihr Ende erreicht. Inzwischen ist die allgemeine Wiedereinführung des Maulkorbzwangs für Groß-Berlin gekommen._ Austausch deutscher Kriegsgefangener aus Rustland. Amtlich verlautet: Die jüngsten Veröffentlichungen über deutsch-französische und deutsch-englische Verhandlungen. kriegS- gefangene Familienväter mit mindestens drei Kindern, die länger als 18 Monate in Gefangenschaft leben, auszutauschen, haben die Angehörigen der in Rußland befindlichen Kriegsgefangenen ebenfall»ho>-»t. Paul Müller. Karl-Egon-Str. 9 1; 3l. Heil- mann. Weseler Str. 2. Itanlndoi-k(Ostbahn). Justine Scholz, Giesestr. 30. Klo»tei-rcide. Willi Anker- »ia»n, Hauptstraße. Elchtenhoi-zx. Richard Peter- Hansel. WüHlstchstr. 12/13 1: Gust. DrtnkS, Riltergulstr. 25 l: Daniel Bärckel, Rsttergutstr. 25 II: 3lug. Kleemauu. GryvhinSstr. 13( Gustav StudzieS, Knorrprome- nade 3, Seiteng. Part.; Paul Jensch, Egmonlstr. 4. Aufgang I, 3 Tr.: 3llbin Reichelt. Krhn- berger Str. 14 III; Wilhelm Insel, GrqphiuSstr. 26/27 I; Alfred Riedel, Matgarethen- straße 26 III-: Dcheibenhuber, Neue Bahnbojftr. 1 IV. Mahlsdorf. Emil Rausch, Lemkestr. 38. ZIenenhaxcn(Ostbahn). Johann Hübscher, Schmidtslr 14. ZlledeesehOnhannea. Max TNeth, TreSkowstr. 52; F. Die». Marthastraße 10; Alb. Müller, Echloß-Allee 36 II. Obei-iehttneweide. ReiuH. Krüger, Helmhaltzstr. 20. Oi-anleabni-x. Emil Schu- manu, Waldstr. 32. Bankow. F. John.Mendclstr. 50; Meistner,«chulstr. 25 Part.; Schulz, Schmidtstr. 22: 0. Sillier, Tiroler Str. 42. Mahnsdoi-t. Wilhelm MohS, Mühlenweg 5. Belniekendork- Ost. Kart Schöiiberg, Residenzstr. 66; P. Gursch, Ptovinzstr. 56. ReInIekendoi-k-�Ve»t. Friedrich Rex, Wachholderstr. 35. ROntgental. Wilhelm Brall, Humboldlstr. 4. SehOnow. Gottlieb Briese, Dorsstraßc. Dexel. Paul Leibig, Brunow- slraße 28. �Valdmannslnot. Wilhelm Palm, Herilisdorf, Friedrichflr. 3. Hd'eiLensee. 3lld. Daubinann. Lichtenberger Str. 11; Ludw. Hodapp, Wörthftr. 6. Neuaufnahme von Mitglieüern. � Umtausch öer alten Sücher. � Annahme von Heiträgen. � Abonnements auf üen �vorwärts". Weitere Auskunft über Parteiangelegenheiten in Groß-Berlin erteilt das Bezirkssekretariat, Berlin SW 68, Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 Treppen. Telephon: Amt Älloritzplatz 364. ligmii. ümM, Raiüaliake Engros P* Ernst Bordi, Elsasserstr. 21. 4 Alkoholfr. Qqtrinfce"� Franz Abraham Bamb. Mesaint-u.Röraertrank-Kell. C,25Bart«]itr8i, Fernsp.K�Bt. 18706 4 Batjg'Anstatten» [ratral-Bad AnÄÄ.«. Diana-Bad Passage- Bad Reform-Bad, Wiener Str. U. 4 Backer- u. Konditorelen d 7a OescHBttc w allen Stadtteilen Berllna Norrie In Neukölln u. Treptow BeorDndet»802. F. Bleeewettor. Scbirolkeineritt. II. Q. Uder, CrOnerwog 27. Erscheint 2 mal wöchentlich. Otto Wolff, Treptow, Krüllst. 16 Zachnn, Gr.-Llchtert.,C>ima»iU5l 4 Bandagen, Gummlw.f R. Banko, Stralauer Str. IG. E. 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I 4 Spandau ► 'Scheucrlcin1hwilsn.35,PlJCli.-,\yr«lv. Nr. 231— 1917 Unterhaltungsblatt des vorwärts Ireitag, 24. August Liebermann und öas soziale Motiv. (Zur Ausstellung in der Akademie.) Von Robert Breuer. E? dürfte nicht notwendig sein, darüber viele Worte zu machen, daß die Motive, die einen Maler reizen, nichl das wichtigste sind, ihn zu kennzeichnen und sein Wesen zu erschlieszem Gerade um Liebermann näher zu kommen, würde solche stoffliche Methode ichlechthin abgeschmackt sein. Oft genug hat er selbst erklärt, das; die Frage nach der Art und dem Werte der Malerei nicht die nach dem Was, sondern die nach dem Wie ist. Darüber brauchen wir uns also nicht zu unterhalten. Dennoch wäre es falsch anzunehmen, daß das Gegenständliche, das des Malers Aufmerksamkeit erregt, in keinerlei Beziehung zu seiner künstlerischen Eigenart stände. Es besteht schon ein innerer, jeden Pinselstrich bedingender Zusammenhang zwischen der pompösen und fleischlich schwelgenden Malweise des Rubens und den erotischen Götlerexzessen, die ihn zu seinen Farbcnbacchanalen erregten. Und es leben ganz gewist innigste Berührungen zwischen dem wundersamen Goldion Rembrandls und dem tiefen mensch- lichen Leide, das er aufsuchte und das ihn schliestlich selber traf. In solchem, � vertieften Sinne darf man auch, ohne sich an den heiligen Gesetzen der Malerei, wie wir sie erkannt haben und bekennen, zu versündigen, danach fragen, lvarum wohl Max Liebermann in so gewöhnlich starkem Grade, besonders während seiner ersten Perioden, aber auch noch bis in die letzte Zeit hlneiii, von dem Leben des Volkes, von Bauern und Arbeitern, von Werkstätten und Märkten ergriffen worden ist. Nicht ohne iveiteres waren diese Beziehungen zwischen dem Maler und seinen Objekten gegeben. Was konnte den gepflegten Sohn aus reichem jüdischen Patriziat veranlassen, sich an die rauhe Eintönigkeit proletarischer Gestalten hinzugeben? Vielleicht wird er selbst es kaum vermögen, diesen Vorgang genau zu erklären. Es djirfte aber ungefähr richtig sein, wenn man annimmt, dast die unverdorben gesehene Natur, der Aufenthalt in der freien Land- schaft und das Wandern durch die Dörfer und längs der Meeres« küste sozusagen selbstverständlich und zwangsläufig den Maler an diese schlichten Motive des täglichen Lebens gewiesen haben. Ganz falsch aber wäre es, ihm hierbei sentimentale Seelenvorgänge zu unterstellen. Er war niemals ein Mitleidsmaler und ganz'gewist wollte er durch seine Bilder keine soziale Propaganda betreiben. So sehr Liebcrmaun für die Kunst ein Revolutionär geworden ist, so wenig vermögen seine Bilder im sozialen oder gar im politischen Sinne revolutionäre Empfindungen und WillenscDle zu erwecken. Darüber must man sich klar sein. Es ist ganz etwas anderes, wie etwa Courbet, Millet, Goja, Daumier, van Gogh. Israels und die Käte Kollwitz das Volk gc- sehen, empsunde» und gestaltet haben. Zwar hat auch Millet gesagt, dast er die Bauern nicht aus ethischen Gesühlsgriindc» heraus male; aber es kann kein Zweifel darüber bestehen, dast er ihnen eine ge- steigerte Gröste und ein getragenes Pathos gegeben hat. Man braucht nur seinen.säenden Bauer" oder sein berühmtes„Gebet" mit LiebermannS„Netzflickerinnen" zu vergleichen, um das, was diese beiden Maler scheidet, zu erfassen. Gewist sind die .Netzflickerinnen" nicht entstaliden, ohne dast Lieberman» Millet gesehen halte. Aber niemals könnten ivir vor diesen kräftigen Mädchen, die gegen den Wind ihre Netze schleifen, oder, von ihnen umgeben, am Boden bocken, tagen, dast sie die An« dacht einer der Erde verwurzelten Klaffe auf uns überströmen machten. Einen derartigen GeftthlSstroni wollte Liebermann nicht erwecken. � Und er wollte auch niemals, wie etwa Daumier, den leidenschaftlichen Hast der Unterdrückten, den TodeSschrei der Ge- hegten und die Wut der Zerstörung auS gequälten und zerfaserten Hieroglyphen menschlicher Verwüstung hervorbrechen lassen, Courbet ist Mitglied der Kommune gewesen, er schwärmte für die Barri- kadei Liebermann bedenkt wohl die Schwächen der Gesellschaft und ihrer mehr oder weniger lächerlichen Exemplare init beistenden Zynismen, aber er bleibt trotz alledem der gehobene Bürger, der das Blut einer Ahnenreihe in sich lebendig fühlt, der Tradition trägt und der lief davon durchdrungen ist. eine festgelegte geschichtliche Entwicklung mit sicherem Schritt der Klaisii entgegen- zuführen. Er ist völlig frei von den lösenden Erlebnissen, die van Gogh den Kreuzestod der Menschheit täglich erfühlen liesten; als Missionar unter den Hungertiereu der Borinage würde Lieber- mann leine gute Gestalt gemacht haben. Stets hat er zu dem Volk, das er malte, die Distanz des kühlen Betrachters bewahrt. Israels hat ihm gewist sehr nahe gestanden. Er hat diesen holländischen Maler, über den er ein unübertreffliches Buch zu schreiben wustte, herzlich geliebt. Wenn aber Israels die Juden- strasten von Amsterdam malt, so zeigt er einen jener ver- lorenen Söhne des in die Fremde verirrten Volkes, einen Trödler, der unter dem Jammer der über ihm hängenden ollen Kleider sich lief zur Erde beugt, während in seinen Augen eine unendliche, durch nichts zu stillende Sehnsucht flammt. Auch Licberinann hat die Judensirahen von Amsterdam oft genug mit der Kohle, mit der Feder und mit dem Pinsel festzuhalten ver- sucht. Aber in allem, lvaS er davon zu zeigen hat, ist nicht eine Spur iveder vom Schinerz der AuSgesiostenen, noch vom Heiniweh der Verfluchten. Was Liebermann gibt, ist das Verivirrende Drängen und das aufgeveitichle Hasten, wie es diese Gassen durch- flutet und zersprengt. Licberinann gibt allein das Gegenwärtige, gibt dieses aher mit unwiderstehlicher Gewalt und mit ver- blüffendem Instinkt für die Kontrapunkte solcher chaotischen Musik. Dabei bleibt er nicht etwa kalt, im Gegenteil: der EmpfindungS- loseste must fühlen, Ivie sehr Lieberman» von dem unnach- ahmlichen Leben der Amsterdamer Judengassen hingerissen worden ist: aber die Wärme, die den Maler erfüllte und die auS scineu Leinwänden und Blättern auch aus den Betrachter überströmt, ist von einer ganz anderen Art, als die, die Israels Versonnenheit suchte und fand. Liebermann, wie Israels ei» Jude, wird nicht zum Miterlcidcr des jüdische» Weltschmerzes; die Wärme, mit der er das Gequirl dieses Kreischens und Hastens an sich rcistt. ist restlos optischer Gallmig. Wir lehnen cS ob. dies für clivas Geringeres zu achten. Liebermann ist gröstcr als Israels, stärker als Maler, produktiver als Künstler, phantasievollcr als Gebärcr von Formen und Form. Das soziale Motiv überwindet ihn nichl, sondern er über« windet alles, was ihn gcwist nicht unangetastet gelassen haben mag, was er aber für nebensächlich und austerhalb seiner Absicht gelegen hallen mustte. Er ist iveder Lyriker noch Dramatiler, er sucht nicht die innere Stimme, die in den Diiigen und Geschehnissen tönt. Er will ollein das Auge befriedigen und das Sichtbare erfassen. Die Unterschiede, um die es sich hier bandelt, schwingen auf des Messers Schärfe. An ihnen scheiden sich die Menschen der Vor« bereilung und die Menschen der Gegenivart. Liebermann ist der Maler des technischen Zeitalters, eines Geschlechts, das vor ollem zu erkeinien versucht, die Wahrheit zu finden und das Tatsächliche festzustellen. Auch dazu bedarf es der Leidenschaft, der Phantasie, der Liebe, des Opfers. Dies alles aber auf eine Weste, die dem Halbsichtigen harr, vielleicht sogar roh und jedenialls ohne Tiefe« erscheint. Das Umgekehrte aber trifft zu. Wer das nachprüfen will, der durchwandrc die Säle der Akademie, in der zur Zeit die für Liebcrmanns siebzigsten Ge- burtstag gerichtete Ausstellung zu sehen ist. Man erprobe, wie Liebermann schon als ganz junger Maler 1872 die„Gäuserupferinneu" wiedergegeben hat und wie er dann in einer Arbcilsfolge und einer Arbeitsintensität, die selbst den Leistmigssähigen zu Boden drückt, Wäscherinnen und Konservenmacherinnen, Gemüsehändler, Arbeiter im Rübenfeld, beuerntende Bauern, Schneider und Schuster, den Mann in der Düne, Pferdeknechte, die Armenhäuser dcS Proletariats und die von den Massen vollgestopften Slrasten der holländischen Arbeiter- viertel in einer bis dahin nie dagewesenen Unmittelbarkeit und Kraft eindeckt, geklärt und in die Reinheid des bildmästigen SeiuS gehoben hat. Es tvird nur wenige geben, die nach solchem überwälligeiideir Erlebnis- nicht den Eindruck haben, dast die kühle und distanzierte, die in sich stets geineisterte, sich nie verlierende, immer gesammelte, nie vergewaliigendc, aber stets schöpferische Art, mit der Licbeimaiin aus den sozialen Motiven Bild auf Bild reistt, nicht nur für die Kiliist, sondern auch für die Gröste und Zukunft des Volkes von eiilscheideuder und ewiger Bedeutung ist. Lieber- inaniiS soziale Malerei ist der von Zukiinstsschwärmerei sich fern haltenden, rechnenden und wägenden Organisation der Gewerk- schaflen geistesverwandt._ 300?ahre öeutsther Sprachverein. Am 24. August d. I. find BQO Jahre verflossen, seit der erste Vor- läuser des Deutschen Sprachvereins, der seit iiunmehr über 80 Jahren einen planmähigen Kamps gegen die Anwendung der Fremdivörter führt, ins Leben getreten ist. Es ivar die„Fruchlbringende Gesell- schaft", die am 24. August 1617 von dein Fürsten Ludwig von An- hall begründet ivorden ist und der„zum Gemälde ein Indianischer Palmen- und Nustbaum verordnet" ivurde, ivie sie denu in fpätcren Zeiten der„Palmenorden" genannt wird. Der Zweck wird in ihren Satzungen so bezeichnet:„Erstlich, dast sich ein jedtveder in dieser Gesellschatt ehrbar, nütze und crgetzlich bezeigen und also nberal handeln solle, bei Zusammenkünsteil gütig, frölich, lustig und verträglich in Worten und iverken sein, auch ivie dabei keiner dem anderen ein crgetzlich wort für übel auszuuehmen, also soll man sich aller Herten, verdrieSlichen rede» und schcitze darbcy cnthallen.— Für andere, dast man die Hochdeutsche Sprache in ihrem echten Wesen und stände ohne eimnischung fremder ausländischer Wort aufs möglichste und thunlichste erhalte, und sich sowohl der besten ausspräche im reden, als der reiuslen art im schreiben und Reimedichten be- fleistige..." Ein seltsamer Anlast war es, der zu der Begründung der Ge- sellschait Anstost gab. Am 24. August 1617 ivurde in Weimar die Herzogin Dorothea Maria begraben. Nach der Beisetzung ver- sammelten sich die Leidtragenden im Schlosse Hornstei», der Nefldeuz von Weimar. Im Verlaufe der Ilnlerhaltnng kam die Rede auf die immer iveiier um sich greisende Verwälschung der Sitten und vor allem der Sprache, die damals völlig mit fremden Flicken über« laden war. Seil 166 Jahre» war diese Mode dcr Sprachmengcrei aufgekommen, und der ganze Mischmasch ivurde erst richtig in den Kanzleien zusammen« gebraut, die ein späterer Geschichtsschreiber mit Recht„privilegierte Sprachverderbungsinstiiiils von unberechenbarer Gemeinschäolichkeit" nennt. Unter den im Weimarer Schlost Bersamnielten war auch der Fürst Ludwig von Anhalt. Er hatte auf seinen Reisen die Akademien kennen gelernt, die man in anderen Länder» zur Förde- rung des vaterländischen Geiste«, der Sprache und der Dichtkunst gegründet hatte, und er war selber in Florenz Mitglied der dortigen Accademia geworden. Von ibin ging der Vorschlag aus, im selben Geiste eine deutsche Gesellschaft zu schaffen, die sich vor allem der Pflege und Reinigung der Sprache annehme» sollte. So cni stand, unter dem Sinnbild des Palmbaumes, die Fruchlbringende Geiellichafr. Ter erste Vorsitzende war der weimarische Hofmarschall v. Tern- leben. Nach seinem Tode trat Ludwig von Anhalt selber an die Spitze der Gemeinschaft, deren Seele er war. Man hat später das Verdienst der Fruchtbringenden zu verkleinern versucht. Wenn man aber die Verhältnisse und die Zeilläufe betrachtet, in denen sie wirkten. ist es grost genug. Trotz der Kriegs- wirre», die bald hereinbrachen und die Deutschland erst recht mit fremdem Volk und fremder Mode überspülten, hielten sie ihre Bestrebungen fest. Ludwig zog Männer wie Dietrich von dem Werder, Opitz, Rist, Logau, Moscherosch heran: er ermunterte Uebersetzer und übertrug selber die„Trionti" des Petrark. Das Netz seiner Verbindungen spann sich über ganz Deutschland. Vor allem in den höfischen Kreisen suchte er das Gefühl für die deutsche Sprache neu zu erwecken. Sein gröstte« Verdienst aber ist eS vielleicht, dast er zu Werken über die deutsche Sprachkunst anregte und überall gute Verdeutschungen der fremden Wörter forderte. Dast cS nicht immer ohne Ucbertreibungcn, die uns beute lächerlich anmuten, abging, ist selbstverständlich: aber hierin leisteleu andere Gesellschaften, wie Philipp v. ZesenS Rosen- vrden oder der Elbschwanorden Joh. Rists, Beträchtlicheres als die Gesellschaft deS PalmbaumeS. So lange Ludwig von Anhalt lebte, blühte die Fruchtbringende Gesellschaft. Mit feinem Tode,>65». beginnt der Zerfall. Sie wurde immer mehr zu einein fürstlichen und adligen Orden, in dem Kammerjunker und Geheimräte das Wort führten. Allmählich schlief die Fruchtbringende ganz ein. Esperanto in Volksschulen. In einer englischen Volksschule, der Green Lane Council Schoo! zu Eccles, ist ein bemerkenswerter Versuch gemacht loorden, der einen grosten Einflust auf die Ausbreitung des Esperanto in Grost- britannien und anderen Ländern haben kann. Zweihuudert Kstider in den vier höchsten Klaffen der Schule wurden in Esperanto»Nter- richtet, und nach einer Ilnterweisiing von nur sechs Monaten ver- mochten sie die Sprache fließend zu lesen, sie nach Diktat fast fehlerfrei zu schreiben, Briefe darin zu verfassen und austerordem- lich gewandt Rede und Antwort darin zu stehen. Den Kindern wurde kein Lehrbuch gegeben. Die Lehrerinnen diktiert«? ihnen die Wörter, die sie sich einprägen sollten, und det- gleicken sprachliche Regeln. Als Lesebuch gab man ihnen„Goulliver »n Lande der Liliputaner". Nach zwei Monaten begannen die Schüler bereits, Briefe mit anderen Kindern zu wechseln, und heute korrespondieren sie mit Esperanto-Schülern in Frankreick, Holland. Dänemark, Rustland, Italien, Spanien, ja selbst den Vereinigten Staate», Australien, Persien und China, wodurch sie ihre Kenntnisse der betreffenden Länder sehr erweitert haben. Der Versuch hat grosteS Aussehen in pädagogischen Kreisen geweckt, und Lehrer aus anderen cNgliicken Volksschulen sind daraufhin bereits um Ein- sührung des Esperanto eingekommen. Die Kinder selbst hatten, auch wenn sie nicht eigentlich sprachbegabt tvaren, rasch den Geist der iiiternaiionalen Hilfssprache ersaht, und sie machen bei ihren Freunden und zu Hause lebhaft Propaganda dafür. Notizen. — DasTheatergcschäft. Max Epstein urteilt in seinem Rückhlick in der„Schaubühne": Es ist eine der vielen überraschen- den Erscheinungen des Weltkriegs, dast mitten in der gröstten Tra- gödie, die die Menschheit durchlebt hat, das Spiel der Bühne- zu einem erfolgreichen Geschäft wird. In drei Kriegsjahren häben sich schwankende Theatcrunternehmungen gefestigt, sind Direktoren reich geworden, habe» Schauspieler nach und nach wieder unerhörte Einnahmen erzielt. Die dramatische Kunst hat keine Fortschritte zu verzeichnen. Die... Kriegsstücke der ersten Monate sind ver- schwundeuz nur Hermau Haller gibt aiu Nollendorfplatz noch das Volksstück„Die Gulaschkanone". Tic künstlerische Ausbeute des Krieges bleibt weiter gering; nur Schickelcs„HanS im Schnakenloch" darf aus ernsthafte Beachtung Anspruch erheben und den er- frculichen Erfolg des Kleinen Theaters berechtigt erscheinen lassen. 36) Inders hjarmsteö. Von Jakob Knudsen. „Mutter hat mit Gjatrid gesprochen," sagte er;„sie hat ihr geradezu gesagt, daß nichts daraus ivcrden könnte, aus der Sache zwischen ihr und Dir. Mutter ist immer dagegen ge wesen, aber jetzt glaubt auch sie sicher, daß Vater es auf gegeben hat." „Was hat denn Gjatrid gesagt?" „Ja, sie konnte ja nichts antworten. Es war auch das erste Mal, Ivo sie so zu wissen bekam, daß sie Dich gern hat. —— Aber Mutter sagte ihr auch, daß sie dem Hardes- adjunkt zugedacht sei. Es sei die ganze Zeit über so geplant gewesen; bloß Vater sei es für eine kurze Zeit im Sommer leid geworden.—-.Wollt ihr mich denn auch zwingen?' hat Gjatrid dann gesagt..Dich zwingen?' hat Mutter gesagt. ,Es ist gewiß nicht gut, seine Kinder zwingen zu müssen.' Aber sie lverde es wohl tun, wenn ihre Eltern es wünschten." Anders griff mit den Fingern in den Wegkies auf dem Wagen, jagte jedoch nichts. „Könnten wir uns nicht einen Abend im Pfarrhof treffen, Anders? Wenn ich einen Tag vorher schriebe.— Denn — ich muß Bescheid haben. Und Du willst mir ja nichts sagen." „Ich weiß nicht.-- Ich verstehe nicht, daß Gjatrid nicht anders antwortet.— Lebwvhl I" Damit fuhr Anders zurück. »* * Etwa acht Tage nachher bekam Anders einen Brief vom Proprietär Faurholt, ob Anders und seine Schivester nicht Lust hätten, morgen zur Kaffeczeit nach Stavn zu koinmen. Es wäre da etwas mit den Rindern vom Bjerrehof, die im Pajmoor in die Gerste gegangen wären; wie er glaube, könnten sie das am allerbesten bei einer Tasse Kaffee bereden und in Ordnung bringen.— Als Anders und Kirstinc auf Stavn ihre Sachen in den Flur hängten, kam Kristen Faurholt aus seinem Kontor heraus und begrüßte sie mit seinem geivöhnlichcn freundlichen und warmen Lächeln. Er führte sie in die Wohnstube, wo der Kaffeetisch gedeckt stand und wo Madam Faurholt am Fenster saß und nähte. Sie sagte eben nsch Gyjentag, gab sich aber im übrigen so ziemlich den Anschein, als wären die Fremden nicht zugegen. Jungfer Gjatrid kam mit dem Kaffee herein und bot die Wirklichkeit und sich selbst gegenüber Kirstine in einem hurtigen warmen Blick, als sie grüßte; aber sonst war auch sie stumm und abweisend, lind Niels desgleichen. Kristen Faurholt war der einzige, der für die Unter- Haltung sorgte, denn von seinen Gästen erhielt er auch nicht viel Hilfe. Er sprach von Landwirtschaft. Geincindcrats- sitzungen und vielen anderen gleichgültigen Dingen mit einer Lebendigkeit und einem Interesse, daß Anders sich sehr wundern niußtc. Sobald der Kaffee getrunken war, sagte Faurholt, nun sollten die jungen Leute zusammen in den Garten gehn und sich die Zeit vertreiben, bis man zu Abend äße. „Denn so wollen sie's doch am liebsten haben.— Aber gebt nur acht, daß ihr etivas von dem Besuch habt, denn es ist ja niöglich, daß ihr euch zum letztenmal auf die Art zu sehen bekommt.— Ja, ja, es kommt ja darauf an, wie wir heute abend über das Pajmoor werden reden können." Als die vier jungen Leute, denn Sara und die Knaben hatten selber den Takt, sich zurückzuhalten,— eine kleine Weilü umhergegangen Ivaxen und schweigend Stachelbeeren verzehrt hatten, sagte Niels:„Ich glaube Ivirklich, die Alten sind un- einig, wie es werden soll. Wie saß Mutter denn da!— und Vater sprach die ganze Zeit allein." „O, das sind gewiß keine großen Dinge, wegen deren sie uneins sind," sagte Gjatrid.„Vater wollte gewiß bloß ver- suchen dürfen--" „Ach ja", rief Kirstinc:„ob Anders nicht friedlich gestimmt würde, wenn er erst gesprochen hätte,—— wenn wir hier draußen gewesen Ivären.—" „Nein, das Hab ich nicht gemeint,—" sagte Gjatrid. Die beiden jungen Mädchen vertieften sich eifrig in die Pflückarbeit. „Es kann ja auch gleichgültig sein, was die Alten ge- wollt haben", sagte Anders kurz darauf.„Danach brauchen wir uns ja nicht zu richten." „Ich glaube doch nicht, daß Niels damit vorankäme, wenn er seinen Eltern Widerstand leisten wollte", sagte Gjatrid. „Und Du selbst~ Sie selbst?" fragte Anders. Er hätte gewiß niehr gesagt, unterbrach sich jedoch, weil er sich so versprach. „Ich weiß nicht.—— Ach, wenn ich mir wüßte, wie Mutter es aufnähme, lvas sie tun würde, wenn ich—" „Ach, sie würde rennen und hüpfen, das würde sie I" rief Anders. Was sie tun würde!— wäre ich es, ich gäbe ihr an andere Dinge zu denken!" „Nein, nein,— sie meint e? ja stets am besten," sagte Niels.„Es gibt doch niemand, der uns lieber gehabt hat, als unsere Eltern." „Und es gibt auch niemand, der uns mehr Schaden zu- fügt als sie," sagte Anders,„lvenn wir sie eben nicht daran hindern." „Mir scheint übrigens, daß ihr. Du und Gjatrid, wohl du zueinander sagen könntet," meinte Niels zu Anders. „Ja," sagte der. „Waö, Gjatrid?" fragte ihr Bruder. „Ja, das können lvir ja gut." antlvortete sie. Nun pflückte man längere Zeit hindurch Beeren. Niels sah mehrere Male gleichsam fragend oder auffordernd nach Anders hin, jedoch ohne Resultat. Da sagte Gjatrid zu Kirstine:„Mir scheint, Du und Niels, ihr solltet auch du zu einander sagen." Die beiden, von denen die Rede war, pflückten eben an demselben Strauche und gaben einander selbstvergessend die Hand, ohne daß einer von ihnen wußte, wer die Initiative dazu ergriffen hatte. Hiernach Ivar die Situation so inhaltsreich geworden und das Herz eines jeden so voll,— und sie hatten doch so geringe Fähigkeit, dem Ausdruck zu geben, lvenn sie sich nicht küssen und umarmen durften nach ihrer Herzen Sehn- sucht,— so daß sie sich unwillkürlich einander entzogen;— doch als die beiden jungen Mädchen sich � so weit tu t setzt: t hatten, daß sie nicht gesehen werden konnten, warfen sie sich einander an die Brust und weinten in Freude und in Angst vor der Zukunft.—— Kurz darauf wurden sie allp zum Tee hineingerufcn. Hardesadjunkt Fischer saß auf dem Sofa in der Wohn- stube. Er erhob sich und begrüßte flüchtig die andern jungen Leute. Mit Jungfer Gjatrid begann er hingegen eine eifrige Unterhaltung, indem er von einem Besuch berichtete, den er kürzlich ans Oestergaard abgestattet hatte. kLortj. folgt.) Dcutfcljcr I CransportarbcitcrverDand. | Bezirksverwalt. Grotz-Bcrlin Den Mitgliedern zur Nach- > rlcht. dag unser Kollege, der � Droschkenführer August Härtel I nm 21. August im Alter von 74 Jahren verstorben ist. > Ehre seinem Andenken! Die Beeidigung smdet am > Zonnabcnd, den 25. August, I nachmittags 4�/, Uhr, von i der tteichcichalle des Markus- Kirchhofes ur Wilhelmsöerg I aus statt. Die Bezirksverwaltung. SeMkl NMMM MM. Verwaltungsstelle Berlin. Zk 54, Linienstrafte 83—85. Keschästszeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. yerbatid der Brauerei- und| liliilslenarbeiter und verw. BcrufsgenoHen. j Zaf)![tel!c Berlin. Xaeln-nf. Den Kollegen zrir Nach- richt, dag unser Mitglied, � der Zimmermann Gustav Zippel l Brauerei Kömgstadt) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! j 14/8 Die Ortsverwaltung. Zentrai-Verband der Zimmerer Seuticblands. Zahlstelle Berlin und Umgegend, Bezirk 26. Nachruf. Den Berussgenossen zur Nachricht, dag unser Mitglied Wilhelm PurfOrst verstorben ist. Ehre seinein Andenken l 256/2 Der Vorstand. Sonntag, de« 36. Angust 1917, vormittags 10 Uhr: SmAnurftmiwg der MlWlede im Lokal von P. Schräder, Alte Schönhauser Str. 23/24. Tagesordnung: 1. Branchenaugelegenheiten. 2. Verschiedene». Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Sonntag, den 3«. August 1917, vormittags 9'/, Uhr: Wttsmsmmlm für teil 14. WrttMM) im Lokal von Sand, Beusselstraße 9. Tagesordnung: Erledigung deS Beschlusses der Bezirksversammlnng vom 13. August d. I. Ohne Mitgliedsbuch kein Zntrittl Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist zahlreiches und pünktliches Erscheinen unbedingt notwendig. Dl« Ortsverwaltang. Pa. 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Beisitzer: Otto Weiche, Chariottenbmg. Grolmannstr. 14, II. Port. II links. Ernst WachS, Neukölln, Weise- slrassc 13. Paul Köllmer, Neukölln, Ems«rstr. 26. Hedwig Witte, Berlln, Dorck- strasse 53. Rcinhold Bothe, Berlin- Tempelhos, Kaiser-Wilhelm- strasse 76. Allgemeine OrtSkr«mken- kasse für Berlin-Tempelhof. (gez.) Robert Tndlien, I. Vorsitzender. 279/6 Gebrauchte Kisten grosseren Formats kaufen in großen Posten 372 Berlin- AI curoder Konstanstalten Akt.-Ges., Berlin W 9, Köthener Strasse 28/29. Heute u. morgen sehr billig! lange OSnse p.Psd. 3,50 u. 4,25 Brathühner„... 3,75 Suppenhühner v... 4,35 Max Westbeimer Neue Jhkobftr. 13. Gegründet 1876. Möbelfabrik Rob. Seelisch BERLIN 0 112, Rigaer Str. 71— 73a empfleblt gnte preiswerte MOhel 154 Kluster räume LagErpaiiniE: 6696 D-Meter groß. Lemrkschaftshaus. Sonntag, den 24». August INI? im herrlichen Naturgarte«: Doppel-IConSerl. mes©önfebrotenejfen o Portion 4 M. Sonntag mittag: Hühnersuppe..... 0,30 I Fettente.... 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