Kr.W«. S4. Jahrg. «ert-YSHrl.»»!!«. mo««. IM»«. wSchsnUich 80 Pfz. frei ins Hau«. dorauszahlbar. Einzelne Wochentag«- nununern 5 Wz. Sonntagsniunmer mit illustrierter Beilage»Die Reue Welt' 10 Big. Postbezug: Monatlich ILO MI. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich-Ungarn 2,50 Mb, für das übrige Ausland t Ml. nionatlich, Postbestellungen nehmen an Dänemarl, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz, Eingetragea in die Post-Zeitung s-Preislist«. Erscheint täglich. Telegramm- Wresset »Sozialdemokrat Berlin", Veelmev Volksblatk. ( 5 Pfennig) Der Auzeigenprcit' beträgt f, die fiebengesvaltcne Kolonel- »eile 60 Pfg,„Kleine illuzeigcll". das fettgedruckte Wort 20 Pfg. szü< lässig 2 fettgedruckte Worte), icdc« weitere Wort lv Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzcigen da» erslc Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Wq. Worte über 15 Buchstaden zählen für zwei Worte. TcuerungSzuschlag 20%. ffamilien» Anzeigen SV isZsg., politische u, gewerlschaftlichc Bcrcins- Anzeigen 40 Pfg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer niüffen bis S Uhr nachmitt, im Hauptgeschäft. Berlin IS3B.68,' Lindenstratze 3, abgegeben werden, Geöffnet von S Uhr , früh bis 7 Uhr abends, �entralorgan der foziatdcmottrattfchen parte» Dcutfchlands. Reüaktton: EW. 6$, Änüeastraße 3, Fernsprecher: Amt Morttzplat», Str. IS» 90— 151 97. Mittwoch, de« 29» August 1917. Cxptdftion: SW. HS» Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. ISIS«— ISI 97. Vergebliche Stiirme der Naliener. Blutige Niederlage der Engländer bei Langemarck— Französischer Vorstoß am Chemin-des-Tames abgewiesen— Der Sturmerfolg am Nordnser des Pruth— Zurückgehen nördlich Soveja- Italienische Anstürme auf dem Karst abermals zer- schellt. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 28. August 1917.(2B. T. B.) Westlicher Zkriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern brach frühmorgens an der Straße Apern— Menin ein starker englischer Angriff verlustreich zusammen. Nachmittags setzte schlagartig stärkstes Trommelfeuer gegen die Kampfzone zwischen Langemarck und der Bahn Roulers— Dpcrn ein. Unter Verwendung zahlreicher Panzerwagen und tieffliegendcr Flugzeuge trat bald darauf die englische Infanterie auf dieser Front zum Sturm an. I» zäher Verteidigung warfen unsere Kampftruppen den Feind, der seinem Angriff durch Vorführen starker Rcserven dauernd Nachdruck zu gebe» versuchte, überall ' zurück. Abends setzte unter nochmaliger gewaltiger Feuersteigcrung ein zweiter geschlossener Austurm gegen dieselben Abschnitte ein. Das Ergebnis der bis in die Nacht hinein dauernden Kämpfe ist, dast bis auf eine unbedeutende Einbuchtung nordöstlich von Frrzenburg unsere Stellungen restlos behauptet wurde» und die Engländer eine hlutige Niederlage erlitten.., '. Der Erfolg des Tages" ist der ausgezeichneten Haltung, württembergischer Truppen und der vernichtenden Wirkung unseres zusammengefaßten Artilleriefeuers zu danken. Westlich von Le Catelet scheiterte» neue englische Vorstöße vor unseren Linien. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Im westlichen Deik des Ehemin-dcs-DameS suchten die Fron- zose» am Wege Allemant— Sancy in Regimentsbreite zum Augriff vorzubrcchen; fie wurden durch Feuer abgewiesen. Südlich von Eourtccon und südöstlich von AilleS verliefen Stoßtrupp-Unternehmcn für uns erfolgreich. Bor Bcrdun herrschte tagsüber nur geringe GefechtStitigkrit, nachdem die FrühkSmpfc um das von uns zurückgewonnene Dorf Beaumont abgeschlossen waren. Die dort eingebrachten Ge- fangeneu gehörten drei französischen Divisionen an. Abends nahm auf dem Ostufer der Maas der Artillerickawpf wieder große Heftigkeit an; bei erfolglosen Teilangriffen, die westlich der Straße Beaumont— Bacherauville vorbrachcn, erlitten die Franzosen erhebliche Verluste. In den letzten Tagen errang Leutnant Boß seinen 38. Luftfieg. westlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r als e ld m a rs ch a l l» Prinz Leopold von Bayern Bon der Düna bis zum Dnjcstr war die GefcchtStötigkeit nur in wenigen Abschnitten lebhaft. Auf dem Nordufrr des Pruth nahmen rheinische, bayerische und österrcichisch-nngarische Regimenter die stark verschanzten russischen Stellungen auf der Dolzok-Höhr und das Dorf Bojan im Sturm. Hartnäckiger Widerstand der Russen wurde auch auf den Hügeln nordöstlich des Dolzok nach hartem Kampf am Abend gebrochen. Mehr als 1000 Gefangene, 6 Geschütze und zahlreiche Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Die Verluste des hinter den Rakilna-Abschnitt zurückgeworfenen Feindes find schwer. Front de» Generaloberst Erzherzog Joseph Nördlich von Soveja im Sufita-Tal wurde» unsere Siche- rungen von kürzlich genommenen Höhen durch überlegenen fcind« liehen Angriff verdrängt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. In einige» Abschnitten rege Artillerictätigkeit. Mazedonische �-ront. Zwischen PreSpa- und Dojran-See lebte mehrfach das Feuer auf. Westlich des Barbar bei Ljumnica angreifende feindliche Ab- teilungeu wurden von den bulgarischen Posten abgewiesen. Der Erste Generalquartier meist er. Ludendorff. Abendbericht. B« r l l», 28. August 1917, abends. Amtlich. Im Weste» bei Sturm geringe Gefechtstätigkeit. In der Moldau wurden dem Feinde einige Höhen- stellungeu am Rand des Gebirges»ordwestlich von Foc- stu« eutrigeu. Der österreichische Bericht» « i-», 28. August 1917.(W. T.».)«mtlich wird verlautbart: westlicher Kriegsschauplatz. Bei Soveja mußte vorgestern eine gewonnene Höhe vor überlegeneu Angriffen wieder geräumt werden. Bei der Armee des Generaloberste» Kritrk entrisse» österrcichisch-ungarische und deutsche Regimenter den Russen in heißen Kämpfen das Dorf Bojan und die Stellungen auf dem Dolzok. ES wurden über 1000 Gefangene, 6 Geschütze und zahlreiche Maschinengewehre eingebracht. Italienischer Kriegsschauplatz. Durch Zuschub»euer Kräfte verstärkt, setzt der Italiener auf der Hochfläche Bainsizza-Hriligengrist alles daran, feineu zu Beginn der 11. Jsouzo-Schlacht unter große« Opfern errungenen Raumgewinn zu erweitern. Fast in allen Teilen dieser Front stürmte der Feind gegen unsere Truppen an. In erbitterten Handgranaten- und Bajonettkämpfc» maß fich die in zehntägiger Schlacht ungedrochen gebliebene Widerstandskraft unserer Streiter mit der italienischen Uebcrmacht. Die braven Verteidiger ginge» auf der ganzen Linie als Sieger hervor. Der Gegner wurde überall geworfen; er flüchtete stellenweise völlig aufgelöst. Auch östlich von Görz mißglückte dem Italiener ein mit de» trächtlsttzen Kräften unternommener Vorstoß.*''' Im Gediri des Stilfser Jochs führte ein unter bedeutenden alpinen Schmierigleitea ins Werk gesetztes Untcruehmeu zu vollem Erfolg. Kaisrrschützeu Hobe» in Eis und Schnee überraschend einen friedlichen Posten aus und brachte� zwqi italienische Offt- ' ziere, 20 Alpini,'ein', Maschmcngewrhr und einen Scheinwerfer zurück.'*' Der Chef bcS Generalstabe». Stockholm. Eröffnung üer Ententesozialiften-Konferenz in llonüon. London, 28. August.(Reutermeld ung.) Die i n t e r- nationale sozialistische und Arbeiterzu» sammcnkunft wird heute unter dein Vorsitz Heudersons in der Central Hall in Westmmster eröffnet. Belgien ist auf der Konferenz durch 2, Rußland durch 4, Frankreich durch 10, Portugal durch 2, Griechenland durch 1, Großbritannien durch 4L und Südafrika durch 1 Abgesandten vertreten. Es wird beantragt werden, daß die Zusammenkunft in vier Abteilungen geteilt wird, um über die Hauptpunkte der Erklärung der britischen Arbeiterpartei über die Kriegsziele zu beraten. Die 4 Punkte sind: 1. Die allgemeine Erklärung über den Krieg, 2. der Völkerbund. 3. die Forderungen nach Wieder- Herstellung und die wirtschaftlichen Fragen und 4. die G c b i e t s v e r ä n d e r u n g e n. London, 28. August.(Rcutermeldung.) Die Arbcitcr-und So z i a li stenz u s am m« n ln n s t>dcr altiicrwn Länder- in Westminster begann heute vormittag. Alle Abgeordneten waren au- wosend. Hendcrson übernahm, den V o r s i tz.' Die Berh'and- tungen sind nichtöffentlich, es dürfte aber im Laufe des Nach- mittags ein amtlicher Bericht ausgegeben werden. Es bleibt also dabei, daß die.Konferenz hinter verschlossenen Türen tagt. Nachträgliche offizielle Berichte de- sitzen'bekanntlich nur bedingten dokumentarischen Wert. Stockholm an Lonöon. Stockholm, 27. August.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) Der Sowjetvertreter P a n i n und der Menschewik- delegierte A x c l r o d drahteten an Henöerson für die Lou- doner Sowjetabordnung: Mit unserem besten Gruß für Sie drücken wir die f e st e H o f f n u n g aus, die Konferenz wolle beschließen, daß alle teilnehmenden Parteien ihr All möglich st es tun sollen, um alle Hin- dernisse zu beseitigen, die zusammentreffen und den Vertretern der Proletarier aller Länder den Weg nach Stock- bolm versperren. In dieser Ueberzeugimg senden wir der Kon- ferenz unseren Brudergruß und wünschen ihr besten Erfolg im Interesse der Internationale. Kerenski nicht ftockholmfemölich! Stockholm, 27. August.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) In der heutigen Komiteesitzung, an: der auch der, nach hier zurückgekehrte Genosse, van Kool teilnahm, erklärte der Sowjetvertreter' P a n i n,' Kerenski habe nichts gegen die �tockbolmer Konferenz unter- nommen, und er wünsche I cb h ä fst' d e r e n Zu- standekom meu. die„Norööeutsche Allgemeine' zur Neöe kerenskis. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht eine offiziöse Auslassung zur Moskauer Rede Kerenskis, in der das wichtigste, was dazu gesagt werden mußte, nicht enthalten ist. Kerenski hatte behauptet, von deutscher Seite sei der Versuch gemacht worden, einen der Verbündeten Rußlands oder mehrere durch ein heimliches Friedensangebot zum Abfall zu bewegen.„Kreuzzeitung" und„Lokalanzeiger" behaupten zu wissen, daß über diese Angelegenheit an amtlichen zuständigen Stellen nicht das geringste bekannt sei. Die„Nordd. Allgem. Ztg." bleibt in diesem Punkt unklar und beschäftigt sich mit der Frage, ob in jrüherer Zeit Sonderangebote an Rußland selb st gemacht ivorden sind oder nicht. Hierüber führt das Organ der Regierung folgendes an: Ueber Deutschland hat Herr Kerenski manches Verwunderliche gesagt und uns Bestrebungen und Anerbietungen zur Herbei- führung eänes Sonderfriedens augedichtet. Den Be- weis dafür, daß ein solches Anerbieten jemals erfolgt ist, ist Herr Kerenski schuldig geblieben. Wenn in der russischen Presse teilweise die Rede des ftühercii Reichskanzlers v. Bethmanir Hollweg vom 30, März als Anerbieten eines So nderfriedens hingestellt worden ist, so entbehrt das der Unterlage. In der Rode war nur gesagt, daß Deutschland mctu> anderes bögehice, als möglichst bald wieder in Frieden mü Rußland zu leben, in einem Frieden,� der auf einer für asle Teile ehrenvollen '�hndlage'l anfzebäut sei. ff Daß dies im Wqge eines Separai friedens geschehen sollte, war mit keinem Wort angedeutet. Das Gegenteil ist in unserer Zeitung seinerzeit ausdrücklich betont worden.(IS. April d. I. Nr. 103.) Ein angebliches zweites Sonderfriedensangebot, das Bethmaim Hollweg gegen die Verbündeten Rußlands gerichtet hätte, existiert nur in der Phantasie des russischen Ministerpräsidenten. Warum hat er aber nur von apokryphen Sonderfriedensauge- bbten gesprochen und das bekannte allgemeine deutsche Friedens- angebot ebenso wie den Reichstagsbeschluß vom 19. Juli voll- kommen verschwiegen? Diese offiziöse Erklärung läßt ihre Leser ziemlich ratlos. Was ist ein„gegen die Verbündeten Rußlands gerichtetes SonderfriedenSaiigebot"? Offenbar doch nur ein a n Rußland gerichtetes Angebot, das sich gegen die Verbündeten Rußlands richtet. Kerenski hat jedoch nicht von einem ziveiteu Friedensangebot gesprochen, das an Rußland gerichtet ivnrde(ein solches ist tatsächlich.gemacht worden, wenn auch nicht von Herrn v. Bethinonn), sondern von einem, das sich an eine andere Macht als Rußland geüvendet hoben soll. Man vermißt in den AusfiLhrnngen der„Nordd. Allg. Ztg." die nottvendige Klarheit des sprachlichen Ausdrucks. Im allgemeinen ist festzustellen, daß das Regicrnngs- blatt in der Sonderfriedcnsfrage dieselbe Auffassung zu ver treten scheint wie deck,„Vorwärts". Das geht schon ans seiner Berufung auf seinen Artikel vom 15. April hervor, der den Gedanken des Separatfriedens entschieden von sich wies und damit den heftigsten Zorn der Alldeutschen erregte. Da- für aber, daß diese. Auffassung seit dem 15. April eiubeitlich und folgerichtig zur ANlvendung gelangt wäre, ist die„Nordd. Allgem. Ztg." leider den Velveis schuldig geblieben. Das offiziöse Organ will nun gegenüber den russischen Entstellungen das wirkliche Wesen der deutschen Politik zum Ausdruck bringen und bedient sich zu diesem Zwecke des Reichstagsbeschlusses vom 19. Juli. Das geschieht in dem angezogenen Artikel nicht nur einmal, sondern zweimal. Nach der bereits lviedergcgebencn Stelle heißt es etwas weiter unten: � Das russische Volk hat inzwischen von zweierlei Tatsachen Kenntnis erhalten: auf der einen Seite von den Enthüllungen des deutschen Reichskanzlers über die Geheimverträge Rußlands mit Frankreich, auf der anderen Seite von der Friedensrcsolution des Deutschen Reichstags, in der es heißt, daß der Reichstag rmcn Frieden der Verständigung und der dauernden Versöhnung der 'Völker erstrebe, einen Friede», mit dem erzwungene Gebiets- rrwcrbungen und politische, wirtschaftliche oder finanzielle Ver- gewaltigunge» unvereinbar seien. Was Deutschland tun kann, um de» Weg zum Frieden zu ebnen, ist geschehen. Der Schlußsatz lväre richtig, wenn sich der R e i ch S- k a n z l e r ohne Klauseln, ohne Schwanken und Bedenken auf den Boden dieser Resolution gestellt hätte. Leider hat er das nicht getan. Er hat es sich gefallen lassen, daß die Feinde des Reichstagsbeschlusses ihn für ihre Auffassung rekla- micrten, und � noch heute tobt in den Spalten der deutschen Presse der Kampf darüber, ob der Kanzler nun„auf dem Boden" dieses Beschlusses stehe oder nicht. Mit dcr Elklärung seines Organs sollte dieser Streit eigentlich entschieden sein, denn sich nach außen hin auf den Beschluß des Reichstags berufen und ihn innerlich verleugnen, das wäre doch ein höchst bedenkliches diplomatische" 7 Der Reichskanzler miiR wissen, daß die deutsche Politik von den Gegnern in den Ruf gebracht worden ist, intrigant, zweideutig und hinterhältig zu sein. Gerade darum hätte er der Welt hinsichtlich seiner Stellung zum Rcichstagsdeschluß keine Rätsel aufgeben dürfen, er hätte voraussebeu müssen, daß sie zum Rachteil des Deutschen Reiches gelöst werden würden. Der Artikel der„Nordd. Allgem. Ztg." ist in scharf pole- Mischer Zorm gegen die russische Regierung gehalten. Recht hat er mit der Erklärung, daß das Wiederaufleben der Kämpfe im Osten von deutscher Seite gar nicht gewünscht war, sondern non russischer herbeigeführt wurde. Ohne die russische Offen- üve— die Kcrcnski nach der„Nordd. Allgem. Ztg." gegen den Rat Brussilows unternommen hat— keine deutsche Gegenoffensive. Die„Nordd. Allgem. Ztg." bemerkt zu diesen Er- eignifsen: KerenskL fälschte diesen Hergang der Ergebnisse, um Deutsch- land als Angreifer hinzustellen, der die russischen Frei- h e i t c n V e r n i ck> t e n wollte. Ja, mehr noch! Um seiner Rede eine Unlerlage> zu schaffen, lies; er wenige Tage vor der Eröffnung der Moskauer cLersammlung die russischen Truppen an der Aa zu- riiltrufen und verkündete seinem Volke eine deutsche Offensive an der russischen Nordfront, die nie- mals stattgefunden hat. Man kann aus solchen Feststellungen auf eine recht fried- fertige Gesinnung der deutschen Regierung gegenüber Ruß- land schließen. Es fragt sich aber dann, warum die„Nordd. Allgem. Ztg." in der Richtung auf Moskau Sätze abschießt wie den folgenden: Das„freie" russische Volk wird von den jetzigen Machthabern genau so an der Nase herumgeführt wie unter der zaristischen Herrschaft. Solche billige Ausdrücke sollte man in offiziösen Er- klärungcn besser meiden. In der feindlichen Presse-kann man umgekehrt täglich lesen, das deutsche Volk werde von seinen Machtbabcrn„an der Nase herumgeführt", der Reichstags- beschluß vom 19. Juli habe gar nichts zu besagen, denn die deutschen Machthaber machten am Schluß doch, was sie wollten. Wenn das russische Volk von seinen Machthabcni an der Naie herumgeführt wird, so wird es sich darüber doch nicht von der„Nordd. Allgem. Ztg." aufklären lassen. Persönliche Angriffe, die von deutsch-offiziöser Seite gegen Kerenski— mit Recht oder Unrecht— gerichtet werden, können nur dazu dienen, seine Gegnerschaft ;u verschärfen und zugleich seine Stellung zu befestigen. Sie wird auch kaum erschüttert werden durch die Bemerkung des offiziösen Blattes, es verlautet, daß die russische Revolution begierig ihre Blicke wieder ans Konstantinopcl richte. Auf der anderen Seite„verlautet" wieder, daß die Forderung nach Annexionen im Osten, die die„Kreuz-Ztg." gerade heute mit Macht erhebt, doch nicht endgültig aufgegeben sei. Klar- beit, Aufrichtigkeit, Einheitlichkeit der Friedenspolitik tut überall not, wenn das Ziel, das alle Völker ersehnen, bald erreicht werden soll. Die„Rordd. Allgem. Ztg." schließt: Das russische Volt wird darüber zu entscheiden haben, ob diese Polilik des Herrn Kerenski dem Wohle des Landes, ob sie dm Willen de" Volkes eNispricht. Ans den Stimmen, die uns täglich aus der russischen Presse entgegenhallen, glauben wir das Gegenteil entnehmen zu müssen. Die Zeiten sind vor- bei, wo eS genügt, mit schönen Worten Trugbilder hervor- zuzanbern, die nach ausien hin wirken sollen. Jeder kennt zu gut die Realuär der Tatsachen. Das russische Volk wird sich gegenüber der Rede KerenSkis fragen, welche Pläne seine gegen- wärtige Regierung hat, um den ersehnten Frieden herbeizuführen. Oder sollte sie überhaupt keiiic solchen Pläne besitzen? Dieser Appell an die Friedensliebe deS russischen Volkes wird ini Herzen des deutschen ein lebhaftes Echo wecken. Dieses wird noch öfter Gelegenheit finden, an die deutsche Regierung die Frage zu richten, welche Politik sie treiben ivolle, uni den ersehnten Frieden herbeizuführen, und ob diese Politik ivirklich die Politik des Reichstages 'ei. aus die sie sich der russischen Regierung gegenüber beruft. Die rujflsihe Nationalversammlung in Moskau. Die Meldungen über den Fortgang der russischen Nationalversaimnlung sind außerordentlich dürftig. Von der Petersburger Telegmphen-Agentur liegen nur Details vor, die kanin als Fortsetzung des bisherigen laufenden und aus- lührlichen Berichts angesprochen werden können. Nachdem die offiziellen Ministererklärungen vorüber sind, hüllt sich das sonst so redselige offizielle russische Telegraphenburcau in dunkles Schweigen. Ob dem tiefere Ursachen zugrunde liegen, ob der Fortgang der Konserenz sich etwa so gestaltet hat, daß eine misfiihrlichc Berichterstattung nicht niehr angezeigt schien, oder ob nur eine auf technische Gründe zurückzuführende Ver- ipätiing des Berichts vorliegt, läßt sich zur Stunde noch nicht ermessen. Aus einem der knappen vorliegenden Mitteilungen er- siebt man, daß die Moskauer Tagung IkiOO Abgeordnete -äblt. darunter 488 Dumamitglieder, 119 Bauernvertreter, '.'.'9 Mitglieder von A.- und S.-Räten aus ganz Rußland, '!7 Abgeordnete von Stadtverivaltimgen, 118 Vertreter des Bundes der Semstivos und der Städte, 159 Abgeordnete von industriellen Organisationen und Banken, 179 Mitglieder von Berussverbänden und 918 Gcnoffenschaftsvertretcr.. Die Hauptversammlung soll bis zum 28. August, verlängert werden, damit die 91 Abgeordneten, die sich zum Wort gemeldet haben, Gelegcnbeit zum Sprechen erlmlten. Tie Mitteilung über die Zusammensetzung entspricht im niejentlichen dein, was vorher bekanntgegeben war. Die Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte sind zwar nicht gänzlich eingeschaltet, aber befinden sich in der erheblichen Minorität. Dagegen sind jene b ü r g e r l i ch- i in p e r i a I i st i j ch c n Eleinente wieder obenauf, die in den Märztagcn die Leitung der Revolution an sich gerissen hatten, aber dann infolge der Maiereignisse(Sturz Miljukows usw.) die Führung an das' Proletariat abtreten mußten. Charakteristisch ist, daß man der verabschiedeten Klassenduma, die bis auf eine Handvoll Sozialisten und Trudowiki ganz aus Vertretern des iinpcria- listisch gesonnenen Bürgertums aller Schattierungen bestand, "!8 Sitze cingeräunit lmt, mehr als doppelt soviel als den A und S.-Räte». Mit den Dninainitgliedern werden ziem- licii eines Sinnes sein die 118 Vertreter des Bundes der Scmstwos und die 159 Abgeordneten der Industrie und Banken. Von etwa 899 Teilnehmern der Tagung ist auf- 'gl'igcrweisc überhaupt nicht gesagt, woher sie sich rekrutieren, die oben aufgezäblten ergeben nur etwa 1799. Vielleicht sind diese W)9 KerenskiS besondere Prätorianer. Die„Times" meldet, daß Kerenskis Rede auf der Kon- ferenz allgemeine Enttäuschung hervorgerufen habe. Es ist nicht recht ersichtlich, warum das Nortbcliff-Blatt ein so ab- sprechendes Urteil fällt. Für die englischen Imperialisten liegt doch nicht der mindeste Anlaß vor, mit Kerenskis Rede unzufrieden zu sein. Petersburg, 27. August.(Meldung der Petersburger Tele- graphcn-Agcntur.) Auf der Moskauer Konferenz erklärte das Mit- glied der zweiten Duma A l e x i n S k i, die Abgeordneten dieser Duma hätten ihn beauftragt, mitzuteilen, sie könnten nur eine Regierung unterstützen, die sich von den folgenden Grund- sätzcn leiten ließe: k. Fortschung des Krieges in enger Verbindung mit den Alliierten bis zur vollkommenen Bertreibung der fcind- lichcn Truppen aus Rußland und den alliierten Ländern. 2. Organisation der Regierung auf den Grundlagen der Zusammenarbeit der Parteien und der Landes- Verteidigung. Kerenski erklärte, die Regierung habe es für nollvendig erachtet, den Generalissimus Kornilow aufzufordern, auf der Konferenz zu erscheinen, um ihr die Lage an der Front und den Zustand im Heere auseinanderzusetzen. Moskau, 27. August. lMcldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Generalissimus Kornilow ist hier cinge- troffen und feierlich begrüßt worden. Kornilow versicherte in seiner Antwort, die Parole der Armee heiße nicht Internationalismus, sondern Heil des Vaterlandes und Krieg bis zum siegreichen Ende. Kornilow gegen öie Anarchie im tzeere. Petersburg, 28. August.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Am 27. August hielt General Kornilow auf der Konferenz in Moskau eine Rede, in der er ausführte, daß die Todesstrafe, deren Wiedereinführung er verlangt habe, und andere Maßregeln die Armee, die von der furchtbaren Krankheit der Zucht- losigkeit und der Gehorsamsverweigerung ergriffen sei, ei n w c n i g geheilt habe, aber das Uebel halte die russischen Truppen noch in seinen Klauen. Kornilow führte hierzu an, daß im Monat August die entarteten Soldaten vier Regimentskommandeure und andere Offiziere geitötet hätten, und daß erst die Androhung blutiger Gegenmaßregeln dem ein Ende gemacht hätte. Andererseits habe ganz kürzlich ein sibirisches Schützen- regimcnt, das sich vor der Revolution so ruhmvoll geschlagen hatte, die Rigaer Front verlassen und nur der Befehl, das ganze Regiment zu vernichten, brachte es dazu, in seine Stel- lungen zurückzukehren. So, fuhr Kornilow fort, bekämpfen wir un- erbittlich die Anarchie, die zweifellos eudlick unterdrückt werden wird, aber die Gefahr neuer Niederlagen lastet immer noch auf dem Land. Die Lage an der Front ist derartig, daß wir ganz Galizien und die ganze Bukowina und alle Früchte unserer jüngsten Siege verloren haben. An mehreren Stellen hat der Feind unsere Grenze überschritten und bedroht unsere fruchtbaren südlichen Provinzen. Der Gegner sucht die rumänische Armee zu zerstören und pocht an das Tor von Riga, und wenn unsere Armee uns nicht hilft, die Küste am Golf von Riga zu halten, wird der Weg nach Petersburg weit offen stehen. Die Kunögebungen der Maximaliften. lieber die von den Mastim allsten veranstaltete Gegenkund- gebung meldet„Times" aus Moskau folgendes: Vor Beginn der Konserenz hatte sich der Arbeiter- und Soldatcnrat mit 384 gegen 304 Stimmen gegen jeden demonstra- tivcn Streik und gegen jede Störung der Konserenz erklärt, die Soldaten hatten ihre Absicht bekundet, die Mehrheit zu unterstützen. Trotzdem.haben die Extremen, diedic Abhaltungder K o n- € re n z in Petersburg unmöglich gemacht hatten, versucht, hier dasselbe zu tun. Tie Straßenbahnen, die Arsenale, Spinnereien und Fabriken hatten die Arbeit eingestellt, selbst die Kellner in den Restaurants streikten. Nach einem späteren Bericht hat gestern der Streik wieder aufgehört. Pariser'Blätter melden aus Moskau: Trotz des Aufrufes des Bürgermeisters und der revolutionären Sozialisten, die die Bevölke- rung aufforderten, Ruhe zu bewahren und der Moskauer Konferenz ungestörte Arbeit zu ermöglichen, begannen am Sonnabend einige Streiks. Dagegen sind die Versuche der Maximaliften, die Bc- wegung allgemein zu machen, geschetiert. Die Bewegung war einzig von den Maximaliften veranlaßt und hatte den Einspruch gegen die Nationalversammlung als Hauptziel. DieNaüa soll zum Militär eingezogenwerüen Bern, 28. August...Matin" nieldet aus Petersburg: Korniloff hat die Einberufung aller Mitglieder des ukrainischen Arbeiter- und Soldatenrates, die seiner Ansicht nach immer noch militär- p f l i ch t i g sind, beschlossen. Bern, 28. August.„Matin" meldet aus Petersburg: Zum Bürgermeister von Kronstadt wurde ein gewöhnlicher Soldat, zum Gemeindesckrctär ein Matrose gewählt. �xelrod über üie innere Lage Rußlands. (Von unserem C. B.- Korrespondenten.) Stockholm, 23. August löl7. Heute früh ist als Abgesandter der Parteileitung der Menschewiki P. Axelrod aus Petrograd hier eingetroffen. Er sagt aus, daß die vom„Socialdemokraten" gc- brachte(und an den„Vorwärts" weitergegebene) Nachricht, ihm sei der Paß zunächst verweigert worden, irrig war; es hatte bloß ein unterer Beamter daran Anstoß genommen, daß Aihlrod nach der Revolution aus der Schweiz durch Deutschland heimgekehrt war, aber das hatte keine weiteren Folgen. Axelrod hatte die Freundlichkeit, uns mancherlei Aufschlüsse über die Lage in Rußland zu geben. Er sagte auf unsere Fragen: „Der Arbeiter- und Soldatenrat hgt noch immer eine große Macht, er nützt sie aber nicht voll aus, un« die inneren Schwierigkeiten nicht zu verschärfen und die ohnehin empörten Gegner der revolutionären Demokratie nicht noch auf- z u st a ch c l n. Kerenski hat, trotzdem ihm die Diktatur übertragen wurde, vor den Räten der Bauer», der Arbeiter und Soldaten Rechenschaft über seine Politik gegeben und erklärt, daß er sich auf seine Räte stütze, daß der Sowjet den großen Volksinasscn als die eigentliche Instanz in Rußland gilt und ihr volles Ver- trauen besitzt, geht aus der ungeheuren Menge von Eingaben aller Art hervor, die täglich an ihn gelangen." „Ist der Sowjet uicht in der letzten Zeit nach links gerückt, wie 'eine Proteste in Sachen der Bolschcwikisolgerung beweisen?" war unsere nächste Frage. Axxlrod antwortete:„Der Aufftand vom 4./17. Juli war ein Attentat nicht gegen die Regierung allein, ondcrn auch gegen den Sowjet, denn an dem Ausstand nahmen auch gcgenrcvolutionärc Elemente teil, die die bolschewitische Parole benutzten. Da aber gerade in dem Augenblick, wo die Kadetten der Provrsorischen Regierung Schwierigkeiten bereiteten, Truppen gegen diese mobilisiert wur- den, trat der Sowjet hiergegen energisch auf. Die Aktion gegen die Bolschewiti wurde nun von Staatsanwälten und anderen Beamten, die vom alten Regime übernommen wurden— sie sind inzwischen verabschiedet—, benutzt, um nicht nur gegen Leute, die einer bestimmten Straftat beschuldigt sind, sondern gegen eine ganze Richtung und auch sogar gegen die Menschewiki vorzugehen. Daher muhte der Sowjet als das Organ der revo- lutwnären Demokratie sich ebenso entschieden hiergegen wenden. Unter dem Druck der Demokratie wird die Verfolgung auf die. jenigen beschränkt, die der Mitschuld an einer Militär- Verschwörung beschuldigt sind; aber dafür, daß die Bolschcwiki- führer gekaufte feindliche Agenten find, sind bisher keine Beweise erbracht. Tie Bolschewik! nützen eben überall die Unzufriedenheit der Massen mit den unter dem Zarismus entstandenen und natürlich nicht plötzlich zu beseitigenden Zuständen, mit den wirtschaftlichen Folgen des Krieges und mit der Not agitatorisch auS; sie könnten es aber auch nicht besser machen." Der eigentliche Zweck der Reise Axclrods nach Stockholm ist, für das Zustandekommen der Konferenz zu arbeiten, und er ver- hehlt sich gar nicht, daß ein Widerstand setzt nur noch in de« Entcntcländrrn zu bekämpfen ist. Das wird von dem Proletariat dieser Länder auch mit der erforderlichen Energie geschehen müssen. wenn es nicht den russischen Arbeitern eine große Enttäuschung bringen will. Die Lage an öen deutschen Fronten. Berlin, 28. August. Trotz aller Mißerfolge und schwerer Ver- Inste setzten die Engländer an der flandrischen Front ihre verzweifelten AngrifsSversuche fort. Nachdem am Morgen deS 27. beiderseits der Straße Zlpern— Menin ein starker tief geglieder- tcr Angriff blutig zusammengebrochen, setzten die Engländer w dem granatenzerrissenen Gelände zwischen den beiden Bahnlinien Boesinghe— Staden und Dpern— Roulevs zwei neue Durch- bruchsv ersuche an. lim 3 Uhr nachmittags brach auf der Front von Traaibank bis zum Kanal Hollebcke schlagartig ein Feuerorkan aus. Ein schwerer Angriff folgte. Tie tief geglieder- ten englischen Jnfanteriemassen begleiteten Tanks, die sich müh- sam ihren Weg über die verschlammten Granattrichter bahnten. Infanterieflieger flogen in niedriger Höhe v o r a u s, um durch Maschinengewehrfeuer den Sturmivellen einen Weg zu bahnen. Aber ungeschwächt durch das englische Artillerie- feuer setzte die deutsche Abwehrwirkung ein. Ein Granat- und Schrapnellhagel schlug den anstürmenden Massen entgegen. In erbitterten Nahkämpfcn warfen sich die deutschen Reserven auf die Engländer und warfen sie überall zurück. Um 8 Uhr abends versuchten die Engländer nach nochmaligem gew altigen Trommelfeuer einen zweiten großen Angriff. Bis 18 Uhr hielten die Kämpfe an, in denen bis auf eine geringe Einbuchtung nordöstlich von Freezenberg die deutschen Stellungen restlos bc- h a u p t e t wurden. Das Trichtergelände liegt voll von englischen Toten. Ein neuerlicher Angriff an der Straße Dpern— Menin, den die Engländer unter Bereitstellung von Tanks vorbereiteten, kam in dem zusanunengefaßten deutschen Vernich- tungsfeuier nicht zur Durchführung. An der übrigen Front kam es bis auf einen Zusammensdötz mit einer belgisch�eti Patrouille etwa 1 Kilometer nördlich des BlanlaartsecS zu keinerlei' Jnfanterte- kämpfen. Auch das Artilleriefeuer hielt sich in mäßigen Grenzen. Im Artois versuchten die K a n a d i e r bei St. Auguste einen neucrlicken Teilangriff. Zwischen den zerschossenen Häusern der Arbeiterkolonie kam es zu äußer st blutigen Kämpfen Mann gegen Mann. Wiederum mutzten die Kanadier wie am Tage vorher unter Einbuße zahlreichcrToter und Ver- w u ii d c t e r zurück. Auch nördlich St. Oueutin wurde ein 4 Uhr nachmittags in Gegend Cologne Ferme nach lufftigem Feuer-Ueber- fall einsetzender englischer Angriff im Gegenstoß geworfen. An der Aisnefront versuchten die Franzosen am Morgen des 27. bei Mennejean Ferme sowie südöstlich AilleS verschiedene Teilvorstöße, die sämtlich scheiterten. Deutsche Stoßtrupps holten südöstlich Ailles eine größere Anzahl Gefangener aus den französischen Gräben. Am Chemin des Dames hielt das Ar- tilleriefeuer Tag und Nacht an. Vor V crdun haben die erbitterten Kämpfe um B c a u- m o n t mit einem vollen deutschen Erfolge geendet. Unter völliger Entstellung der Tatsachen spricht die französische Eisfeltnrmmeldung vom 27. August 5 Uhr nachmittags von ver- geblichen deutschen Gegenangriffen auf die französischen Stellungen am Südrande von Beauinont. In Wirklichkeit haben sich die Franzosen den ganzen 27. August über abge- müht, Bcaumont zu erobern, und sind nach Anfangs- erfolgen aus diesem Dorf, das ihnen schon so große Opfer gekostet hat, wieder geworfen worden. Die Deutschen halten den gesamten Südrand, nur am Ostausgang des Dorfes ist den Fran- zosen ein kleines Schützennest verblieben. Nach diesem schweren Mißerfolg erneuerten die Franzosen ihren Angriff nicht; der Tag� verlief verhältnismäßig ruhig. Erst gegen Abend versuchten die Franzosen zwischen der Höhe 344 und dem Chaumewalde neue An- griffe, die nach starkem Tronunelfeuer um 8 Uhr 30 gegen die deutschen Stellungen vorbrachcn. Die französischen Sturmwellcn wurden überall glatt abgewiesen. Im Osten ist mit der Einnahme der wichtigen Dolzok-Höhe sowie des Dorfes Bojan, die mit sehr ge- ringen eigenen Verlusten erkänipft wurden, eine wichtige Fronwerbesserung erzielt. In Mazedonien ist die Kampftätigkeit aufgelebt. Im Seen- abschnitt bei Monastir, im Cernabogen und an der Dviranstellung lag den 27. August über lebhaftes Artillcrieseucr. Um 18 Uhr 38 gingen die Alliierten mit beträchtlichen Kräften gegen die Stellungen der Verbündeten vor. Im Artillerie- und Infanterie- feuer brach der Angriff verlustreich zusammen. Französischer Heeresbericht vom 27. August nachmittags. 2Fn der Aisnefront zeigten die Deutschen in dieser Nacht große Tätig- keit. Nach sehr ledhafter Beschießung beganncu ihre Spezialtruppen eine Reihe Angriffe aus verschiedene Punkte unserer Linien nord- Östlich der Moisy-Ferme, östlich und westlich von Cerny sowie beider- seits von deni Denkmal von Hurtebise. Uebcrall vereitelte die Wachsamkeit unserer Truppen die Versuche des Feindes, der nicht das geringste Ergebnis erzielen konnte. Auf dem rechten Maas» ufer versuchten die Deutschen durch einen heftigen Gegeiuni griff, uns aus dem Südraiidc von Bcaumont zurückzuwerfen. Unser Feuer machte ihre Bemühungen zunichte. Wir haben alle eroberten Stellungen behauptet, in denen wir unS einrichten. Die Zahl der am 28. gemachten unverwundeten Gefangenen übersteigt 1188, dar- unter 32 Offiziere. Zwei feindliche Handstreiche nördlich und nord- östlich von Vaux-Ies-Palamcr scheiterten. Die Deutschen warfen zahlreiche Granaten auf Eonimerey; ein Kind wurde getötet, drei Zivilpersonen wurden verwundet. Flugwesen: Am 25. und 28. August wurden drei deutsche Flugzeuge und ein Fesselballon abgeschoßen, vier andere feindliche Flugzeuge landete» kampfunfähig t» ihren L.nnan Das Flugfeld GHj, Baracken in Formeix und Bivaks von Cr�inelly und Wavrille wurden ausgiebig von unsern Geschwadern mit Bomben bcworfem Vom 27. August abends. Ziemlich heftige Geschützkämpse auf dem rechten Maasufer, besonders in der Gegend nördlich von der Höhe 344.'Der Feind versucht nichts gegen unsere neuen Stel- tungen.. Im Laufe des Tagcs haben wir in Lothringen hei Seichc- prez und am Hartmannsweilerkopf zwei feindliche Handftrcichvcr- suche abgewiesen und Gefangene gemacht. Ucbcrall sonst ist der Tag rubig verlaufen. Das ölutopfer üer Franzosen am 2S. August Berlin. 28. August. Nach neueren Feststellungen, die ergänzt werden durch die Aussagen von Gefangenen von S verschiedenen französischen Divisionen, betrugen die französischen 58er- tustc a m Angriffstage des 20. August, vorsichtig ge- schätzt, 18- bis 20 000 Mann. Wie gemeldet, waren bei dem An- griff 10 französische Divisionen beteiligt, und zwar wurden durch Gefangene folgende französische Angriffsdivisionen festgestellt: die 2ö., 26., 97. Division, die Division Maroccaine, die 126., 123., 16ö., 42. und' die in ihrer Stärke einer Division glcichtommende 153. Brigade. Außerdem hat eine unbekannte Division am West- bang Toter Mann angegriffen. Ferner wurden Teile der 7., 40. Division und der Martiniquc-Neger festgestellt. Die schweren Verluste üer Kanadier. Berlin, 27. August. Die blutigen Verluste der Kanadier vom 15. bis 2b. August bei den Angristen auf LenS werden von der Truppe auf 80 bis 9000 Mann geschätzt. An Gefangenen ver» loren die Kanadier rund IbO Mann. Die geringe Gefangenenzahl ist die Folge der großen Erbitterung, mit welcher au beiden Seilen gekämpft wird. Besonders schwere Verluste erlitt am Ib. August die 11. kanadische Brigade. Aus Gefangenenaussagen und auf dem Schlachtkelde gefundenen Meldungen geht hervor, daß das 75. und 87. kan. Bataillon der 11. Brigade als ziemlich auf- gerieben gelten müssen. Ebensalls große Verlufte erlitt am 23. August das 44. kan. Bataillon. Die Kämpfe am Jfonzo. Italienischer Heeresbericht vom 28. August. An der ganzen Scklachtsront spielte die Artillerie die Hauptrolle. Auf der Hoch- fläche von Bainsizza setzten unsere Truppen ihr Vorrücken fort und nahmen engere Fühlung mit dem Feind. Starke Teilvorstöße letzten uns m den Besitz einiger Stellungen, die Gegenangriffe des Gegners uns nickt wieder nehmen konnten. Ungünstige Witte- rungSverhältnisse behinderten die Tätigkeit unserer Fliegertruppen beträchtlich._ venizelos erhält ein Vertrauensvotum. Athen, 27. August.(Meldung der Agence HavaZ.) Die in der Kammer anwesenden 188 Abgeordneten haben einstimmig eine TageS- ordnunz angenommen, die der Regierung das Vertrauen aus- spricht. Ostenbar hatten die Gegner VenizeloS vor der Abstimmung die Kaminer verlassen. der Krieg auf üen Meeren. Berlin, 27. August. Durch unsere U-Boote wurden im Sperr- gebiet um England wiederum 24S0D Sr.-Neg.-To. versenkt. Unter den versenkten Schiffen befanden sich ein englischer be- waffnctcr Tontdanipfcr vom Ausschcn der Hhrcania(S227 Tonnent, der aus Sicherung hcrouSgcschossen wurde; der bewaffnete italienische Dampfer Trcnto mit 4800 Tonnen Kohlen, von Cardiff nach Genua, dcffen Geschütz heruntergeholt und Kapitän gefangen genommen wurde; ferner ein großer unbekannter Tampscr, der an der Spitze eines starken Gclcitzuges fuhr. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. 410 Tote üer„Provence". Bern, 28. August..ProgreS de Lyon" meldet auS Ehorbourg: DaS Zivilgerichi erklärte 771 Soldaten des 3. Kolonial-Jnfanlcrie- RegimentS, die bei der Versenkung deS Hilfskreuzers„Provence" verschwunden find, für tot. Am 27. Februar 19l7 waren bereits 139 Personen von her Provence tot erklärt worden. Der tzauptausschuß für Litauens Selbstverwaltung. Am Dienstag setzte der Hauptausschuß zunächst die Be- sprechung über die besetzten Gebiete fort. Zu einer Aussprache über die Verhältnisse in Belgien kam e s nicht, da sich kein Redner zum Wort meldete. Sehr eingehend wurde dagegen die litauische Frage besprochen und schließlich folgender Antrag angenommcu: „Der Ausschuß wolle beschließen, der Reichstag wolle den Herrn Reichskanzler ersuchen, für die besetzten Gebiete Litauen und Kurland Vertretungen der Bevölkerung in die Wcgc zu leiten, die vom Vertrauen aller Volkstcilc gc- tragen sind und, soweit die militärischen Verhältnisse eS ge- statten, Zivilverwaltungen zu schaffen." Hierauf wurde die Besprechung über die auswärtige Politik fortgesetzt. Der wesentliche Inhalt dieser Besprechung war ver- traulich. Am IMittwoch sollen die politische Zensur und das Versammlungsrecht erörtert werden. Es wird damit gerechnet, daß morgen der Schluß der diesmaligen VerHand- lungen eintreten kann. „Sonüerausfchuß beim Reichskanzler". Die auS je sieben Mitgliedern des Bundesrats und deS Reichs- tagS zusammengesetzle Kommission, die sich mit der Antwort auf die päpstliche FriedcnSnote befassen soll, hat den Namen erhalten Sonderausschuß beim Reichskanzler". Dieser Ausschuß tagte am HicuSIag zum ersten Male. Seine Verhandlungen sind streng ver» icaulich. „Freier Ausschuß" klang wohl zu freiheitlich? Nach der„Voss. Ztsj." sind folgende Mitglieder deS Bundesrats vom Reichskanzler in die freie Kommisfion eingeladen worden: Für Bayern Grat Lerchenfeld, für Sachsen Herr von N o st i tz»Drzewiecki, für Württemberg Dr. Frhr. v. Vorn- b u e l e r. Ferner werden, und zwar in der Reihenfolge wie sie bier genannt werden, miteinander abwechseln die Verlreter von Mecklenburg(Frhr. v. B r a n d e n st e i n) mit Baden(Dr. Niese t), Hessen(Dr. Frhr. v. B i e g e l e b e n> mit Oldenburg(Dr. von E u ck e n- A d d e n h a u s e n>, ferner der thüringischeu Staaten «Dr. P a u l i e n) mit Braunichwcig-Anhall(Boden) und endlich der Hansestädle(Dr. Sieveling) mit Elsaß-Lothr ingen(Dr. No Bis). Dipl Vorsitz führt der Reichskanzler, der in seiner Person auch Preußen vertritt. Offene Anfrage an Graf Reventlow. Graf Reventlow! Sic haben uuS nicht verstanden oder vielmehr: Sie wollen uns mit gutem Grunde nicht verstehen. Wir diskutieren nicht mit Ihnen über die Autorität des Reichs- tags. Zwischen uns und Ihnen gibt es nur eine Frage. Sie behaupten fortgesetzt, daß hinter der fetzigen Mehrheit des Reichstags nicht die Rlchrhcit des deutschen Volkes stehe. Betveise haben Sie dafür keine, höchstens Ihr sehr unmaßgebliches„Gefühl". Oder sollen etwa die Telegramm- resolutionen irgendwelcher alldeutscher Ortsgrüppckren in DiugSda und Dingsda der„Beweis" sein'k Nun, dann lassen Sie sich sagen, daß Sic auch dem naivsten Gemüt nicht einreden werden, ein'Bäckerdutzend wildgewordener Professoren und eroberungS- wütiger AmisgcrichtSräte m Friedbcrg beweise irgend etwas für die Meinung der dortigen mehreren Tausend vernünftigen Ein- wohner. Aber trotzdem— Sie behaupten! Sie behaupten kecklich zu wissen, daß die Mehrheit des deutschön Volkes hinter Ihnen, nicht hinter seiner legalen selbstgcivähltcn Vertretung stehe. lind daraus erhebt sich die einzige Frage, die wir an Sie zu richten haben: Besitzen Sie, Graf Reventloiv, den Mut, die Probe aufs Exempcl zu machen? Wollen Sic verlangen, daß der Reicks- tag aufgelöst wird und Neuivahlcn unter der Parole ausgeschrieben werden:„Hie VerstäiidigungSsriede— hie Gewaltfriede!" Ihre Entgegnung in der„Deutschen Tageszeitung" auf unsere erste Anfrage deutet darauf hin, daß Sie den Mut nicht haben. Sie schwätzen von diesem und jenem, nur die Frage, die e n i- scheidend ist, die Frage der ReichSiagöauflösung und der Neuwahlen umgehen Sic wie die Katze den heißen Brei! Wir stelleii sie hier nochmals: Wenn Sie, Graf Rcventl«w, nicht klipp und klar eine sofortige Auflösung des Reichstags und Neuwahlen fordern, dann liefern Sie den Beweis, daß Sie selber am allerwenigsten daran glauben, die Mehrheit de« Volkes hinter sich zu haben. Tann erweist sich Ihr Schlagwort von der„Mehr- Heit des Reichstags, die die Minderheit des Reichs bildet", als eine jener demagogischen Unehrlichkeiten, an denen ja in der Ge- schichte Ihres Blattes ohnehin kein Mangel ist. Also kurze, bündige Antwort: Soll das Volk jetzt befragt werden, wie es über Krieg und Frieden denkt? Ja oder nein? Und wenn Sie ja sagen: Wollen und werden die Konservativen auf die'Auflösung des Reichstags hinarbeiten? Werden sie jetzt schon für alle bevorstehenden Nachwahlen de» Burgfric- den aufsagen, damit hier wenigstens die Volksskimmung er- kündet werden kann? Sind die Konservativen, falls die Regierung die Befragung des Volkes verweigert, bereit, durch f r e i w i kl i- gen Mandatsverzicht diese zu erzwingen? Falls aber nein: welchen anderen Beweis bieten Sie da- für an, daß die Mehrheit des Volkes nicht hinter der Reichstags- mchrheit, sondern hinter der alldeutschen Länderverschlingerei stehe? Denn S i e sind beweispflichtig. Die Reichstagsmehrhcit Hai— um juristisch zu reden— zum mindesten die Rcchtsvcr- mutung für sich, die Mehrheit des Volkes zu vcriretcn. Sic haben nichts für sich als Ihre höchst subjektive Einbildung. Und wenn Sie diese nicht beweisen können, dann haben Sic eben den Mund zu halten. Die Kriegsteuerungszulagen üer unteren Deamten. Man schreibt uns: Unter dem Druck der fortschreitenden Teuerung hat sich die wirtschaftliche Lage der Beamtenschaft mehr und mehr zu einer Bedrängnis gestaltet, und besonders die gering- besoldeten unteren Beamten werden durch die Teuerung hart be- troffen. Im Hinblick auf die kritischen Verhältnisse>hat die preu- ßischc Regierung in Uebereinstimmung mit den zuständigen In- stanzen des Reichs und der Einzelstaaten eine Erhöhung der den Beamten bisher bewilligten Kriegsienerungszulagen beschlossen. Diese Erweiterung der bisher bezogenen außergewöhn- lichen Kricgszuschüste zum Beamicngchalt ist gegenwärtig zwar praktisch noch nicht durchgeführt, soll aber mit Wirkung vom 1. Juli d. I. ab demnächst in Kraft treten. So sehr nun diese kriegswirtschaftliche Maßnahme der Regierungen im Interesse der bedrängten Beamten an sich zu begrüßen ist, so hat sie begreif- liche Mißstimmung und Enttäuschung in den Kreisen der unteren Beamtenschaft erregt, weil die für die unteren Beamten in Aussicht genommenen Aufbcsscrungs- betrüge gegenüber denen der mittleren und höheren Beamten so niedrig sind, daß sich das Wirt- schafiliche Verhältnis der unteren Beamten zu dem der mittleren und höheren Beamtenschaft weiterhin erheblich ver- schlechtcrn muß. Bei den höheren Beamten bis zu einem Diensteinkommen von 13 000 M. beträgt diese jüngste Erweiterung der Teuerungszulagen jährlich 900 bzw. 700 M., die mittleren Beamten erhalten zu den bisher gezahlten außergewöhnlichen Zu- Wendungen eine weitere Erhöhung von 540 M., die unteren Beamten jedoch nur 300 M. Im Hinblick auf die besonders harte Bedrängnis ihrer Wirt- schasttichen Lage, die bei der geringen Höhe des in Betracht kom- inenden Diensteinkommcns durchaus begreiflich erscheint, betrachten die unteren Beamten diese Maßnahme der Regierung nicht als einen Akt wirtschaftlichen Ausgleichs und vermissen in dieser neuesten Regelung der Kriegsieuerungszulagen den sozialen Grundsatz, der der stärkeren wirtschaftlichen Bedrängnis der unteren Schichten des Beamtentums Rechnung trägt. Die„Soziale Arbeitsgemeinschaft der unteren Beamten im Reichs- und Staatsdienst" hat unter Darlegung der hier i» Betracht kommenden Gesichtspunkte eine Eingabe an den Herrn Reichskanzler und an das Staatsministerium gerichtet, in der sie die Regierung ersucht, unter entsprechender Erhöhung die neuen Sätze der Kriegsieuerungszulagen so zu ge- stalten, daß das niedrigste Einkommen in besonderer Weise berück- sichtigt wird. Die Unteren Beamten geben sich der Hoffnung hin, daß die Regierung sich den in dieser Eingabe vorgetragenen Gründen nicht verschließt und eine Erhöhung der für die un- tercn Beamten fc st gesetzten Beträge eintreten läßt. Das Seköftigungsgelü ües Solüaten. Auf eine Anfrage des Abg. Hoch(Soz.) hat der Reichskanzler folgende Antwort erteilt: Tie erhöbte Gcldabfindung zur Selbstbeschaffung der Be- köstigung im Betrage von 2 M. steht nach den geltenden Bestim- mungen allen M* n n s ch a f t c n zu, die aus dienstlichen oder Billigkcitsgründcn an der gemeinsamen T r u p p e n k ü ck c nickt teilnehmen. Nur in den Fällen, wo dies nicht aus bcson- deren Gründen, sondern aus Wunsch der betreffenden Mannschaften geschieht, wird ein Beköstigungsgeld in der Höhe gezahlt, wie es dem Truppenteil zur Herstellung der gemeinsamen Bctostigung zusteht, g«,„.. e. 4.« Es haben also bisher schon Verheiratete, die mii ihren Faniilienangehörigen einen gemeinsamen Haushalt führen, ohne weiteres Anspruch auf das erhöhte Beköstigungsgeld von 2 M. Durch Verfügung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums vom 11.'August 1917— Nr. 2902. 7. 17. L II— ist jetzt außerdem angeordnei worden, daß es künftig auch bei Unverheirateten als Billigkeitsgrund für das Gestatten der Selbstbeköstigung angc- sehen und em Betrog von 2 M. gewährt werden kann, wenn sie ihre Mahlzeiten im Hause der Eltern oder Verwandten ein- nehmen wollen, zu deren Haushalt sie vor ihrer Einstellung gc- hört haben._____ Kleine Anfragen und Antworten. Eine kleine Anfrage deS Abg. D a v i d s 0 h n(Soz.) im Reichs. tag betrifft die Verwendung von Honig an Stelle von Malz zum Bierbraucn und fragt den Reichskanzler, was er hiergegen zu tun gedenkt. Eine Anfrage des Abg. Iäckcl(Soz.) weist darauf hin, daß auf Anweisung des in Breslau stationierten Stellvertretenden Generalkommandos des 6. Armeekorps alle Besprechungen der Ar- beiterausschüsse der Textilbetriebe des EulengebirgsbezirkS sowie Verhandlungen zwischen Arbeiterorganisationen und Unternehmer- organisationen 8 bis 10 Tage vorher polizeilich anzumelden find. Das Geiicralkommando stellt diese Besprechungen politischen Ver- sammlungen gleich. Genosse Iäckcl fragt den Reichskanzler, was er zum Schutze der Arbeiter gegen die rechtswidrigen Anordnungen des Stellvertretenden Generaltommandos zu tun gedenke. Auf eine Anfrage des Abg. Bernstein(Unabh. Sog.) wegen Verweigerung des Grenzübertritts bei Odcrbcrg und der Paß- ernenerung Imi der Reichskanzler Rcmedur zugesagt. Der Abg. Dr. Cohn(Unabh. Soz.) hatte wegen Meldung der feindlichen Presse über angebliche Mißhandlungen der jüdischen Bevölkerung Palästinas angefragt. Ihm wird geantwortet, daß bei der Räumung der Bezirke von Gazah und Jaffa auf Grund der militärischen Lage unter möglichster Vermeidung von Härten verfahren worden ist. Lette Nachrichten. Französische Erklärungen auf der Londoner Konferenz. Bern, 28. August. Zur Sozialistischen Konferenz in London gibt heute„Matin" bekannt, daß bei den Unterhandlungen der französischen S 0 z i a I i st e n p a rk e i über die Festsetzung des Program vis für Stockholm Rcnaudel erklärt habe, daß im Falle der Weigerung seitens der Mchrheit in Stock- Holm, die Verantwortlichkeiten de« Krieges zu erörtern, die fran- zösische Abordnung den Sitzungssaal unverzüglich verlassen würde. Mehrere Angehörige der Minderheit sollen sich inzwischen dem Standpunkt Renaudels angeschlossen haben.„Matin" glaubt, eine Einigung mit den Engländern äverde sich leicht erzielen lassen, aber mit den Russen und den offiziellen italienischen Sozialisten schwer fallen. Sollte eine Einigung nicht erzielt werden, werde jede Partei ihre'Ansichten in einem Memorandum getrennt niederlegen.„Temps" hält ans Grund der Er- klärungen B r i a n d s die Stockholmer Konferenz für erledigt. Die Hauptsache sei, daß es unmöglich werde, den Nationen den F r i e d e u e i ,1 e r Partei aufzuzwingen und daß man der G c- fahr entgehe, daß die internationale Arbeiterschaft über den Rc- gicrungen eine tatsächliche Kontrolle über daS ganze nationale Leben ausübe. Auch Elcmenceau vertritt den Ztandpunkt, die Stockholmer Frage fei nunmehr begraben. Tie Kosaken für Krieg bis zum Endsieg. MoSkau, 27. August. Einige Abgesandte verschiedener religiöser Organisationen sprachen nach Kornilow. Hierauf bestieg General Kaldine, der H c t m a n der Donkosaken und Vertreter des Rates aller Kosakentruppen, die Tribüne und verlas eine Eni- schlietzung der Kosakcntruppen, die vor allem zum Wohle de« Vater- landes'die Fortsetzung des Krieges bis zum vollständigen Siege im engen Verein mit den Verbündeten verlangen und zu diesem Zweck folgende Matznahmen vorschlagen: 1. Fernhaltung der Armee von der Politik und förmliches Verbot von Versammlungen und Zusammenkünften in der Armee. 2. Unterdrückung aller Ausschüsse und Räte der Regimenter. 3. R e v i s i 0 n der Erklärung der Rechte des Soldaten. 4. Verschärfung und Befestigung der Mannszucht durch strengste Maßnahmen und Anwendung dieser Matznahmen auf das Hinterland. 5. Wiederherstellung des Straf rechts der Vorgesetzten. Die Verlesung dieser Entschließung wurde von der Rechten mit Bravorufen und Beifallsklatschen, von der Linken mit Widerspruch und Pfeifen begleitet. Petersburg, 28. August. Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur. Auf der Konferenz in Moskau erklärte in der Sitzung vom 27. August der Abgeordnete der Ersten Duma Zabokow im Namen dieser Duma, das Land wünsche eine Anstrengung außerhalb des politischen Parteigetriebes, die sich auf die demokratischen Prinzipien gründe und die die g c sc tz l i ch c Ordnung, die persönliche Sicherheit und die. bür- gerliche Freiheit endgültig sichern würde. Der Redner betonte, daß es durchaus notwendig sei, das Oberkommando der Armee von jedem besonderen Einfluß unabhängig zu machen. Er schloß mit dem Hinweis darauf, daß die Abgeordneten der Ersten Duma jeden Gedanken an einen Sonderfrieden mit Entrüstung abweisen und einen ehrenvollen Frieden nur dann gut heißen könnten, wenn er nicht ein deutscher Friede sei, d. h. ein Ergebnis eines deutschen Sieges, sondern eine Folge des Triumphes Rußlands und seiner Alliierten. Zwieback spricht und erklärt, es herrsche fast Hungers- not an der Front. K 0 r n i l 0 f f erwähnte auch einige Ziffern über die Produktion der Betriebe, die für die Landesberteidigung arbeiten. Diese habe sich in der Zeit vom Oktober 1916 bis zuni 1. Januar 1917 bei der Herstellung bon Geschützen und Munition um 60 Prozent und SO Prozent bei der Herstellung von Flugzeugen verringert. Wenn also, fuhr Korniloff fort, dieser Zustand an- hält, werden sich unsere'Armeen in dem gleichen Zustand befinden, wie im Frühjahr 1916 beim Rückzug in Polen, Galizien und den Karpathen. Der Oberbc- fehlshaber schloß seine Rede mit der festen Versicherung, daß die von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen sofort zur Ausführung gebracht werden würden. Er glaube, der Genius und der Verstand des russischen Volkes würden Rußland retten. Er glaube an die glän- zende Zukunft der russischen Armee und hege das Vertrauen, daß ihr alt« Ruhm wieder hergestellt werde. Korniloffs Rede wurde allseitig mit lang andauerndem Beifall aufgenommen. Nur auf der äußersten Linken bewahrten mehrere Mitgliedr des Arbeiter- und Soldatcnrates das Schweigen. Der Oberbefehlshaber verließ sofort die Versammlung und begab sich in'Begleitung seines Adjutanten ins Hauptquartier. GewerkschopsbewWms deutsches Kelch. Die Kölner Industriellen unterHandel«. Die Unternehmer der Kölner Rüstungsindustrie haben ihren Standpunkt, nicht mit den Vertretern der Gewerkschaften zu der- handeln, aufgegeben. Die Verhandlungen haben bereits unter dem Vorsitz des Regierungsrats von G örschen, dem Vertreter des Regierungspräsidenten, begonnen. . verlin unö Umgegenö. Gehaltserhöhung für die Bankbeamten. Der Deutsche Bankbeamtenverein hat an alle deutschen Banken und Bankfirmen eine Eingabe gerietet, in der auf die Notlage der Bankbeamten hingewiesen wird. Sie werde durch die Teuerung aller Bedarfsartikel derart verschärft, daß die gewährten Teuerungs- zulagen nicht mehr genügen, daß jetzt endlich eine allgemeine durch- greifende Aufbesserung der Einkommensverhältnisse bei sämtlichen Beamten vorgenommen werden müsse. Gefordert wird für alle Ge- Haltsstufen fast durchweg eine Erhöhung von 30 Proz. Aus der Schlichtuugskommission für Militärschneider.' Der Borteil des geschickten Arbeiters. In der letzten Sitzung klagte Kunze vom Schneiderverband im Auftrage einer Frau auf Nachzahlung von 104,72 M. Die Frau hatte für einen Unternehmer 340 Hosen gemacht und statt 1,28 M. nur 1.10 M. für das Stück erhalten. Der Unternehmer wandte ein. das Einheften des FutterS habe er abgerechnet, da die Frau die Hofen gesteppt habe, ohne die Futter erst zu heften. Er halte sich für berechtigt, das Einheften auS diesem Grunde abzurechnen. Demgegenüber führte Kunze auS: Wenn die Frau es fertig bringe. Hofen zu steppen, ohne die Futter erst einzuheften, so sei das ihr eigener Vorteil und könne nicht dem Unternehmer zugute kommen. Die Geschicklichkeit eines Arbeiters dürfe der Unternehmer nicht für sich ausnutzen. Außerdem habe der Beklagte auch nicht die 10 Proz. Aufschlag gezahlt, so daß die Summe sich auf 104,72 M. erhöhe. Die Kommission schloß sich den Ausführungen Kunzes an. Da der Unternehmer aber erklärt, der Frau das Nähgarn nicht ab- gezogen zu haben, so kam es zu einem Vergleich. Auf die Frage des Herrn Magistratsrats v. S ch u l z, wie er denn die Summe abzuzahlen gedenke, sagte der Beklagte, er habe keine Arbeit und könne deshalb überhaupt nicht zahlen. v. S ch u l z: Ja, zahlen müssen Sie, geben Sie jede Woche eine Rate. Kunze: Der Beklagte kann jetzt so diel Arbeit finden, wie er haben will. v. Schulz: Zahlen Sie die Woche 10 M. Beklagter: Ich kann nicht, ich finde keine Arbeit. v. Schulz: Dann müssen wir uns zurückziehen. Kunze: Ich verlange jetzt ein Urteil. Mehrere Arbeitgeberbeisiyer zu dem Beklagten: Sie bekommen doch jetzt überall Arbeit. Jeder einzelne von uns kann Ihnen Arbeit nachweisen. Der Beklagte bequemte sich zuletzt, eine Wochcnrate von 10 M. zuzusagen._ parteinachrichten. Fortschritte in der oberen Rheinprovinz. � Juykxr und Unternehmer wollen den..Bankerott' der deutschen Sozialdemokratie entdeckt haben und einige„unabhängige" Blätter, die wohl ihr Abonnentenfchwund übermütig gemacht hat, schreiben von dem.Leichnam" unserer Sozialdemokratie, mit dem sie sich nicht verbünden mögen. Solchem Gerede von rechts und links setzt man am besten recht kräftige Lebensäußorungcn entgegen, wie es zurzeit im Agitationsgebiet der oberen Rheinprovinz geschieht. In diesem bekanntlich meist vom Zentrum beherrschten und sehr schwor zu bearbeitenden AgftationSgebret war seit den Roichstags- Wahlen von 1012 nie mehr ein solcher Andrang zu unseren Ber- sammlungen wie jetzt. Das gilt nicht nur für Äö l n, wo der Ab- geordnete Meer seid und andere Redner innerhalb kurzer Zeit zu mehreren großen Versammlungen sprechen konnten, sondern vielleicht noch mehr von Mittelstädten und Landorten. Im Landkreise Köln ist jede öffentliche Versammlung gut besucht. In Berg. Gladbach, wo seit acht Jahren keine öffentl iche Ber- fiimmluag melxr möglich gelvesen war, wies jetzt eine Friedens- Versammlung trotz Sommerhitze und entlegenem Saal einen glänzenden Besuch auf. Auch in den Aachener Wahlkreisen konnte nach 3 Jahren zum erstenmal wieder eine öffentliche Ver- sammluug stattfinden, in Kohlscheid, unmittelbar an der hollän- dischen Grenze. Sie war ausgezeichnet besucht. Uebrigens nimmt in den Bergardeiterrevieren Köln-Land, Aachen-Land und Saar- gebiet der Bergardeiterverband rasch zu. obwohl dort immer nur sehr schwer für die freie Gewcrkschaftsbcivegung zu avbeitcn war. In Saarbrücken hat auch der Sozialdemokratische Verein er- frenliche Zunahme. Am 20.?luguft war in Bonn, wo jetzt Neu- Wahl für Spahn zu erfolgen hat, die größte Volksversammlung seit 5 Jahren Genosse Sollmann(Köln) sprach vor 800 Per- fonn. Viele Inrnfe« weder fat de» Cook«ch i» den Hof«lugaug finden. Zahlreiche Männer und Frauen traten der Partei bei. Von Arbeitern der benachbarten großen Munitionsfabriken wurden Klagen laitt, daß die Zeitungsverkäufer bei weitem nicht so viel Exemplare des Kölner Parteiblattes heranfchafsten, wie vcr langt werden. Ihnen mußte- der Redner leider sagen, daß der Papiermangel die„Rheinische Zeitung" noch immer zwinge, die Bezieherzahl und den Sttaßenverkauf zu begrenzen. Vorwärts geht e» überall. Sorge macht bei der allgemeinen lleberlastung der Mitglieder durch überlange Arbeitszeit und Lebensmittelei nkäufe nur die organisatorische Kleinarbeit. Aber auch das wird überwunden, wenn wieder normale Zustände eintreten. Dann wird die Organisation sich wieder zu Fülle und Kraft erheben. Aus den Organisationen. _ Der Sozialdemokratische Verein für die beiden Wahlkreise Münchens faßte gegen 18 Stimmen folgende Resolution:„Die Generalversammlung der Reichstagswahlkrcise München 1 und 2 billigt die bisherige Kriegszielpolittk der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion und sttntntt'den Friedeuszielen des Partciaus- schusseS sowie dem Memorandum der deutschen Delegation in Stockholm zu." Die Entschließung fordert weiter Temokrattsierung und Parlamentarisierung des deutschen Regierungssystems. Zur Erreichung dieses Zieles sei die Einheitlichkeit der Arbeiter- bewegung notwendig. Dann heißt es:„Die Versammlunjg bedauert aufs lebhafteste, daß die bayerische Regierung in bezug auf Wah- rung bayerischer Rechte und Interessen der Militärdiktatur und Berlin gegenüber häusig versagt hat, daß st« sich der Demokrati- sierung der Einrichtungen im Reiche wie in den Einzelstaaten ent- gegenstellt und dadurch eine Lösung der Reichskrise im Sinne des Volksinteresses gestört hat. Die Versammlung erklärt, daß sich die deutschen Arbeiter nicht für dynastische und klassenstaatliche Interessen opfern, sondern für den Gedanken eines fixien Vaterlandes, das allen Deutschen beiderlei Geschlechts volle politische, wirtschastlicbe und geistige Freiheit ver- bürgt. Die Versammlung ist erstaunt darüber, daß die Kund- gedungen zum Beginn des vierten Kriegsjahres kein Wort von den Rechten de» Volke» enthalten. Sie verlangt die Beseitigung der Zensur, ferner eine Amnestie für die unter dem Bclagerungs- zustand wegen politischer Vergehen Verurteilten und für die von Militärgerichten wegen nicht ehrloser Handlungen verurteilten Milttärpersoncn, ebenso für alle Personen, die in einer durch die Kriegsverhälttnssc hervorgerufenen Notlage strafbare Handlungen begangen haben. Die Versammlung ersucht Rcichstagsfraktio» und Parteivorftand, in diesem Sinne zu wirken." Für Frieden und Freiheit. Auf Beranlassung des Landesvorstandes im Herzogtum Sachsen-Menburg fanden in den Orten Eisenberg, Hermsdorf, Kahla, Altenburg, Schmölln, Ronneburg und Meuselwitz in den letzten zwei Wochen massenhaft desuchte Versammlungen statt, in welchen Abg. Stück len über das Thema:„Die Sozialdcmo- kratie für Frieden und Freiheit" sprach. Die Versammlungen ver- liefen musterhaft. In Schmölln versuchte es ein Alldeutscher, die Versammelten zu seinem Standpunkt zu bekehren. In Ronneburg waren Unabhängige aus Gera, in Meuselwitz solche aus Zeitz er- schienen, deren Bemühmigen jedoch völlig vergeblich waren. ?nöustrie unö hanöel. Der Kampf um die höheren.hohlenpreise. Die Versammlung der Zechenbesitzcr des rheinisch-wesifälischen Kodlonsyndikats beschloß, die bisherigen Richtpreise für Koks, Koks- kohlen und Briketts fiir September bestehen zu-lassen. Da die Ricbiprcisc fiir Kohlen noch bis zum 30. September gelten, soll im nächsten Monat eine neue Preisfeftse-tzmiig für sämtliche Brennstoffe erfolgen. Vom 1. September wiro die Kohleusteuer in den Richtpreisen für Koks, Kokskohlen und Briketts bereits zum Ausdruck kommen. artigsten Htkstmtttel, lnSvesonber« sttr�Annverketzte. Bon künstlicken Armen find die verschiedenen bekannten Systeme ausgestellt und werden zum Teil praktisch vorgeführt. Die ärztliche Fürsorge in der Heimat erstreckt sich nicht nur auf die Lazarettbehandlung, sondern auch auf die Lazarettbeschäftigung. Recht umfangreich find die Darstellungen der im Kriege er- littcnen Kieferverletzungen und ihrer ärztlichen Behandlung. Daneben wird über die Fürsorge für Taube und Sprachgestörte, für Blinde und Hautkranke unterrichtet. Aber auch dann, wenn keine Wunden der Heilbehandlung be- dürfen, muß für den gesundheitlichen Schutz der heutigen Massen- beere Sorge getragen werden. Die Hygiene im Felde ist, wie die Ausstellung zeigt, außerordentlich bedeutungsvoll und an ihrer erfolgreichen Durchführung hat die moderne Technik einen erheblichen Anteil. Da gilt es, mit den neuesten technischen Mitteln der Seucbengefahr rechtzeitig vorzubeugen. Die ausgestellten Trink- wasserbereitcr, Desinfektionsapparate, Badeeinrichtungen, Abort« anlagen, Wäschereieinrichtungen und die mannigfachen Einrichtungen zur Vertilgung von Ungeziefer legen Zeugnis von umfangreichen sanitären Aufgaben ab. Eingehende Darstellung hat auch die BerufSausbi-ldung erfabren, der sich der Kreisverband Hcimatdank besonders widmet. In Verbindung mit Schulen, Körperschaften und Einzelyerionen ist reichlich Ausbildungsgelegenbeil geschaffen. Die Ausstellung ge- stattet Einblick in die verschiedensten Lehrwerkstätten. Sie unter« richtet über die Lehrgänge für die allgemeine Bildung, über kauf« niännische und landwirtschaftliche Lehrgänge und über die Einarm- schule. Dann kommt das Gebiet der Wohnungsfürsorge und Ansiedlung in sehr umfassender und großzügiger Weise zur Darstellung. Hervorragendes hat hier der Frauendank geleistet. Aber auch eine Menge Siedlungsgesellschaften und Architekten haben ganz wesentlich zur Ausgestaltung dieser Gruppe beigelragen. Trotz alledem darf bezweifelt werden, ob dadurch die vieluw>tritlene Frage der Kttegerfiedlung einer größeren Klärung entge�M>efllhrt worden ist. Schließlich darf auch die S t a t i st i k nicht unerwähnt bleiben, die zum besseren Verständnis der Kriegsbeschädigteniüriorge unge- mein viel beiträgt. Sie macht sich nr den verschiedensten Aus- stelliliigsgruppen bemerkbar, kommt aber in der Sondergruppe des Ortsvereins Heimaldank für die Stadt Leipzig in besonders interessanter Weise zum Ausdruck. Durch graphische Dar- stelluligcn wird hier ein beachtenswerte» Bild der Fürsorge- tätigkeit entrollt und statistlsch nachgewiesen, wie sich die Kriegsbeschädigten unter den verschiedenen Berufszweigen verteilen, welche Stellung sie nach der Entlassung aus dem Heere erhalten haben, welcher Art die Verletzungen sind. Daneben wird die soziale Lage der Kriegerwitwen vor und nach dem Kriege zu erfassen gesucht usw. Allerdings beziehen sich diese statistischen An- gaben nur auf die Fürsorgetäligkeit in der Stadt Leipzig. Ilm das auf der Ausstellung zur Schau Gebrachte so verständ- lich als möglich zu machen, werden Führungen veranstaltet und vor allein eine große Reihe belehrender Vorträge gehalten. Neber- Haupt ist nach jeder Richtung hin Sorge getragen worden, daß der mit der Ausstellung verbundene Zweck, aufklärend zu wirken, erhöhtes Interesse für die KriegSbeschädigtenfürsorge wachzurufen und zu neuem Schaffen anzuregen, erreicht wird. Soziales. Heimatdauk-Ausstellunq für Kriegsbeschädigtenfürsorge in Leipzig. Kurz nach der Ausstellung für Kriegsfürsorge in Köln, im August und September 1010, tauchte innerhalb des Kreisverbandes Heimal« dank für den Regierungsbezirk Leipzig der Gedanke auf, eine ähnliche Ausstellung auch in Leipzig zu veranstalten. Verschiedene Umstände haben die Ausführung diescr Absicht verzögert. Da» war dundouS kein Nachteil denn die nunmehr zustande gekommene, bis zum 3. Sep- lember währende Ausstellung hat dadurch insofern Nutzen gehabt. als mancherlei Eifahrungen verwendet und alle Neuerungen auf dem Gebiete der Kriegsbeichädigtenfürsorge ersaßt werden tonnten. Das Ganze gliedert fich in drei große Abteilungen: die ärzt- liche Fürsorge, die Berufsausbildung und die Wohnungs- fürsorge. Die erste Gruppe tritt naturgemäß als die um- fangreichste in den Vordergrund. Einer reichhaltigen Dar- stellung des Kriegssanität§ Wesens in früheren Jahrhunderten schließt fich die heutige ärztliche Fürsorge im Felde an. Neben der ärztlichen Wissenslbaft nimmt die Technik einen breiten Raum ein. Beide arbeiten gewisser- maßen Hand in Hand, um selbst die furchtbarsten Wunden zu heilen und verloren gegangene Glieder durch künstliche zu ersetzen. Die Abteilung Ersatzglieder und Arbeitshilfen bringt eine Fülle anschaulichen Matenals und belehrt über die verschieden- Gerichtszeitung. (ßinc Explosion, die auf unerhörten Leichtsinn zurückzuführen war, bildete den Gegenstand einer Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung, die gestern gegen den Einrichter Leo Zuber vor dem Landgericht l zur Verbandlung gelangte. Der Angeklagte war in einer Granat z.wn-d e r f a d r i k beschäftigt und„beging hier eine» Tage» die große llndorsichligkert, wäbrend diK. vollen Betriebes" e i we ZHPnPrWfx M rauch e n: Lftcht geveug damit, warf ss, bann in geradezu unbegreiflicher Achtlosigkeit den noch glimmen hen Zigarettenstummcl in eine der Pulverschalen, aus denen die Granatzünder' gefüllt werden. Im nächsten Augenblick ex plo- dierre das Pulver in der Schale, das herausschlagende Feuer setzte das frei umherliegende und bei der Arbeit herabgefallene andere Pulver in Brand, der sich schnell weiterftaß, so daß der Arbeitsraum in Kürze in Flammen stand. Dadurch wurden sechs Arbeiterinnen verletz:, die mehr oder minder schwere Brandwunden erlitten. Das Schöffengericht Berlin hatte Zuber zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafkammer erkannte auf Verwerfung seiner Berufung. Mus aller Welt. Gin gütiges Geschick behütete ein vierjähriges Mädchen, daS in der Station Himmelkrvn(Oberfrcmteni zwischen den Gleisen spielend vom Bernecker Zug überfahren wurde. Obwohl der Zug in seiner ganzen Länge über das Kind wegging, erlitt es nicht die geringsten Verletzungen. Ein Ricscneinbruchsdrebstahl in Petersburg. Petersburg, 27. August. lReutermeldung.i Einbrecher plünderten das bistorischc Museum des früheren Großfürsten Michael Nikolajewitsch. Sic raubten Kunstgegenstände im Werte von k> Millionen Rudel, darunter einen Eorreggio, der auf eine halbe Million geschätzt wird. 150 Häuser wurden sofort durchsucht, aber ohne Erfolg. Verantwortlich für Politil: Erich jluttnrr, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Jnferaic: TD. Glocke, Berti». Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. LertagSanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 1 Beilage und UnterDaltungSblatt. Ihr Auge braucht Ruhe! Ihre Arbeitskrast und Leistungsfähigkeit, ja selbst Ihre gute Laune können durch Ueberanstrengung Ihrer Augen erheblich leiden. Deshalb sollten Sie Ihre Augen wenigstens vor über- flüssigen Anstrengungen bewahren. Unermüdlich ist Ihr Auge in Bewegung. Es blickt umher von rechts nach links, von oben nach unten. So sehr ist Ihr Auge an ___ Bewegung gewöhnt, daß Sie es als unangenehm empfinden, wenn =&£§! Sie einen Punkt längere Zeit fixieren müssen. Dieser hohen Be- weglichkeit der Augen soll die Form der Bttllengläser entsprechen. Beim Blicken durch die alten geraden Gläser muh Ihr Auge, um genau sehen zu können, ständig seine Akkomodation ändern, d. h. in stetem Wechsel sich an- und abspannen, weil die Schärfe gerader Gläser sich von der Mitte nach dem Ende zu stark ändert. Dieser ständige Wechsel in der Schärfe beunruhigt und ermüdet die Augen. Wollen Sie Ihren Augen solche Unannehmlichkeiten ersparen, wollen Sie ihnen die nöttge Ruhe gewähren, damit sie möglichst ohne Anstrengung umherblicken, arbeiten, lesen können, so tragen Sie nur Ruhnke's Punftottk-Gläser für M. 4.— ober die noch besseren aus Sanoskopglas für M. 0.—, weil Sie dadurch Ihren Augen noch besonderen Lichtschutz gewähren. mms?* Sind» die Augen, Geh' ta Ruhnke l CSfot«iezaader-platz «»et«»»schinzeri Spltlelwartl,**» M-». Qr\ Oraoien-Ztr. 44, Ovy.» ah» c> r»ni e n» VI«tz, Friedenau: Shdn-Sfr. 18, ut Kirch-«-. g-g-ütli-r Der«aller-»Ich» Wilmersdorf: Berliner Str. 137-3. a. D. Uhland-Str. W Leipziger Sir. 113. KJVV/ Friedrich-Sir. 150, »«ck»«aner-Str. 1» W•«ck» D-roth-rv-Vtl. Llak-Str. 1.«.PeVDewSlr. Irledrich-Str. 180.* •Sekt Zauten-Cta Ehaoffee-Str. 72. Zuvalldeu-Str. 164. Ecke Siunncn-ett Schöneberg: Haupt-Straße 21 (am Saif.-SSitD.-sptay). Charlottenburg: Tmevhiea-Slr. IS, «ck»«tarburi-r«t» Zoochimstholer Str. 2. am Bahnhof Zoo, Sc«: Friedrich. Str. J06 Ecke Ziegel. Str. Optiker Ruhnke Nr. 236 ♦ 34. �ahrgcmg Seitage öes vorwärts Mittwoch, 26. August 161 7 GroßSerün In örei Tagen ist der 1. September. Wer den„Vorwärts' noch nicht bält und ihn in Zukunft halten will, für den ist es höchste Zeit, ihn zu bestellen. Viele unserer Leser haben im Laufe des letzten Monats ihren Freunden und Bekannten geraten, vom nächsten Monatsersten ab den„Vorwärts' zu abonnieren. Aber dieser Rat ist vielleicht wieder vergessen worden und wird nur dann befolgt werden, wenn rechtzeitig an ihn erinnert wird. Es gibt auch Leute, die noch innner nicht recht wissen, wie man eine Zeitung bestellt. Diese finden den richtigen Tert auf unseren Werbeanschlägen an den Litfaßsäulen. Sie brauchen nur noch einen Ratgeber, der ihnen Postkarte und Bleistift oder Federhalter in die Hand drückt. Dazu ist heute oder morgen die rechte Zeit. Die Gasverteuerung als Abschreckungsmittel. Datz die geplante Erhöhung des Gaspreises nicht nur die Ein» nahmen auf eine den Unkosten entsprechende Höhe bringen, sondern auch die Einschränkung des Gasverbrauches fördern soll, ergibt sich aus einer Aeutzerung, die der Berliner Magistrat in der Begründung seines den Stadtverordneten vorgelegten Antrages inachl. Er sagl, die Gaswerke seien.an der Grenze ihrer Leistungs» fähigkeit angelangl", teils„infolge des wegen des Kohlenmangels größeren Gasbedarfs der Bevölkerung', teils.weil die zurzeit er« bälllichen Kohlen eine wesentlich geringere Ausbeute an Gas er- geben als in normalen Zeiten'. Und er erklärt dann, datz die Gas- werke. demgemäß keinen Anreiz zur stärkeren Gas- Verwendung geben dürfen.' Die Notwendigkeit, mit Gas möglichst zu sparen, soll nicht bestritten werden. Doch das Verfahren, den Gasverbrauchern durch Preissteigerung eine Art Strafe aufzuerlegen, wird da schwerlich viel Erfolg haben. Die kleineren Verbraucher haben auch bei geringeren Gaspreisen schon immer nach Kräften gespart, die grötzereu aber werden sich auch durch höhere GaSpreise kaum beeinflussen lasten. Gegenüver dem durch die Gasverordnung gegebenen Zwang zur Ber- brauchseinschränkung sei besonders darauf hingewiesen, datz auch der Magistrat die Zunahme des Gasbedarfs aus der K o h l e n n o t er- klärt. Man siebt: es kommt immer wieder darauf hinaus, datz die Grotzstädter bessxr mit Kohlen beliefert werden mutzten. Dann wäre es den Gaswerken möglich, die Gaserzeugung� zu steigern, und die Bevölkerung würde bei hin« reichender Versorgung mit Herdfeuerung ihren Kochgasverbrauch frei- willig einschränken. Gasverbrauch und Massenspeisung. Wie tief die erzwungene Einschränkung desGaSver« Brauches in die häuslichen Verhältnisse der Unbemutellen cin- greist, das zeigen immer wieder die aus unserem Leserkreis uns zu- gehenden Klagen. Eine der Zuschriften weist darauf hin, datz dabei wohl gar nichr an diejenigen gedacht werde, die früher ihre Mahl- zeilen autzerhalb deS Hauses einnahmen, aber in diesem Jahre wieder selber kochen. Der Einsender meint, datz sich da leicht ein vier- bis fünfmal so großer Gasverbrauch wie im Vorjahr ergeben könnte. Danach sei es unmöglich, daß solche Personen küusng mir z. B. 00 Prozent des vorjährigen Verbrauches auskomme». Wir können ihm nur recht geben. Die Zahl der Personen, die so durch die GaSverbrauchseinschränkung in schlimmste Verlegenheit gebracht werden, dürfte größer sein, als mancher glaubt.' Viele, die im vorigen Jahr sich aus der Mastenlüche beköstigten, find inzwischen zu den eigenen Kochtöpfen zurückgekehrt, während an ihrer Stelle jetzt andere es mit der Massenspeljung probieren. Was sollen die früheren Massenspeiiungsteilnehmer an- fangen, wenn selbst der ihnen zu bewilligende Mindestverbrauch nichl den jetzt notwendigen Mehrverbrauch erreicht? Will man. datz sie wieder zu der Masienkllche zurückkehren, mit der sie vielleicht nicht immer die besten Erfahrungen gemacht haben? Wo noch Licht gespart werden könnte. Der Vorstand der Berliner Fleischerinnung hat den Magistrat umBeschränkung des Fleischverkaufs auf 9 Uhr vormitlags bis I llhr nachmittags gebeten. Auch wüiischl er eine Vorschrift, daß Fleischerladen von 0 bis ö Uhr abends ganz geschlossen bleiben miisten, aus- genommen DonnerSlag und Sonnabend. Der Jnnungsvorstand meint, datz durch diese Matzregeln viel Gas und Strom, also Kohle gespart werden könnten. Da wird er recht haben, aber man sollte nichl gerade bei den Lebensmiltelacschäften mit solchen Bcschrän- hingen anfangen. Im„Vorwärts' wurde schon darauf hingewiesen, daß man den viel Licht verbrauchenden Luxus- g c i ch ä f l e n die Ladenzeit verkürzen müßte. Das könnte ge- schehen, ohne datz dadurch einem erheblichen Teil der Bevölkerung nennenswerte Unbequemlichkeilen und Schwierigkeiten entständen. Die noblen Kunden solcher Geschäfte haben zumeist im Laufe des Tages hinreichend Zeit, ihre Einkäufe zu machen. Rohzucker statt Weistzucker. Da»„Berliner Tageblatt' berichtet von Verhandlungen, die zurzeit im Kriegsernährungsamt gemeinsam mit der Reichszucker- stelle stattfinden. Danach soll der schöne, klare Zucker, den wir bisher m Gestalt von Würfel- oder Streuzucker erhielten, zum größten Teil durch Rohzucker ersetzt werden. Grund zu doeser Neuerung ist die K oh l« n e r sp a r n i s. Die Zucker- betriebe, sowohl die Rohznckerfabriken wie die Raffinaden, sollen zusammengelegt und der chemisch reine Zucker, wie man ihn bisher erhielt, durch Rohzucker ersetzt werden. Dieser Rohzucker, der noch reichlich Melasse enthält, ist nach Ansicht der Sachverständigen ein Nährboden für Bäk- terien aller Art. Die bisher verwendeten Zuckerarten wie gemahlen« Raffinade und Kristallzucker sind chemisch fast rein, der Rohzucker enthält dagegen noch Vi Prozent anorganischen, 1 Pro- zent organischen Nichtzucker und etwa AM Prozent Melasse. Airch die schmierige und klebrige Beschaffenheit des Rohzuckers, der dies Produckt so unappetitlich macht, ist zu beachten. Die Hausfrau, die diesen Zucker erhält, wird mit diesem neuen Produkt nicht um- zugehen wissen. Der Stoff ist gelb und klebrig, setzt sich in dm Säcken fest und nimmt bei der Enifeerrung aus den Säcken dte Fasern und alle Unreinlichkeitm mit. Er wird an der Tüte des Kaufmanns, deren Papier durchaus nicht einwandfrei ist, haften bleiben, und besitzt durchaus nicht die Verwendbarkeit wie der weiße Zucker. Der Rohzucker ist z. B. für die Marmeladenherstellung nickt verwendbar, da die in ihm enthaltene Melasse die Marmelade zersetzt, außerdem der Marmelade einen Rübengeschmack gibt, der nicht wieder zu entfernen ist. Genau so geht� es bei der Sützung von Kaffee, Tee und anderen Speisen mit'dem Rohzucker, der seinen Rühmgefchmack stets überträgt. Sollte diese Meldung richtig sein, so muß noch rechtzeitig gegen dieses neue Verfahren Einspruch erhoben werden. Vom Wirtschaft- licken Standpunkt kann es ja begrüßt werden, wenn auch in der Lebensmittelindustrie Betriebe zusammmgelegt werden, nur sollte man sie nur dort vornechmen, wo durch die Zusammenlegung die Verarbeitung der menschlichen Nahrungsmittel verbessert, aber nickt, wie in dem beabsichtigtmFall. noch verschlechtert werden wird. Noch leidet die Bevölkerung unter dm,Mngeln des.mindeavcrtige« Brotes, vor einem neuen Attentat ans die VolkSgesundHeit mutz dringend gewarnt werden.___ Schärfer« Beaufsichtigung der Obst- und Gcmüsepreise. DaS Kriegsernährungsamt hat in einem Erlatz an die zuständigen Be- Hörden darauf hingewiesen, datz die von der Reichsstelle für Gemüse und Obst festgesetzten Richt- oder Höchstpreise häuftg überschritten worden seien, ohne datz von den zuständigen Behörden eingegriffen worden ist. Vielfach ist dies unterlassen worden, da man fürchtete, durch zu strenge Maßnahmen das Obst vom heimischen Martt zu vertreiben. Da aber nur einheitliches Vorgehen im ganzen Lande eine gleichmäßige geregelte Ver- teilung gewährleiste, sind die Polizei- und Ortsbehörden angewiesen worden, daS Ein- halten der Richt- oder Höchstpreise zu überwachen und bei Ueberschreitungen einzugreifen. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 29 der Eierkarte kann vom 30. August bis 9. September ein Ei entnommen werden. Die Belieferung der Gastwirte mit Eiern erfolgt nicht mehr durch die Eierhändler. Die Eier werden von jetzt ab durch die Lebensmittelausgabe für Gastwitte, Berlin C, Dircksenstraße Ecke Rochstratze, geliefert. Die Bezugsscheine find bei den zuständigen Obmännern in Empfang zu nehmen. Der Preis für ein von der Zentral-EinkaufSgesellschaft ge« liefertes ausländisches und für ein von dem Magistrat, Abteilung für Eierversorgung in den Verkehr gebrachtes inländisches Ei darf vom 30. August ab in Berlin im Kleinhandel 36 Pf. nicht über- steigen._ Sitzung des Beirats des ZkriegswnchermntS. Der Beirat des Kriegswncheramtes hielt gestern seine dritte Vcrsamurtnng ad, an der Vertreter der Behörden, der Handels- Welt, der Getv erbetreibenden, der Landwirtschaft, der Arbeiter und der Verbraucher teilnahmen. Das scharfe Vorgehen des Kriegs- Wucheramtes gegen den Schleichhandel, das sich besonders in den letzten Wochen in der Schlietzung von Gastwirtschaften gezeigt hat, fand einen breiten Nachdall in der Versammlung. Nur zivei Redner dezweifelten die Zweckmäßigkeit dieser Matznahmen- und waren der Ansicht, datz in Zukunft nicht mehr so scharf vorgegangen werden sollte. Ihnen gegenüber gab der Leiter des Kricgsioucher- amtcs, Oberverwaltungsgerichtsrat Dr. Machatius. die Er- klärung ab, datz das Kriegswuckeramt gar nickst daran dachte, seine Matznahmen gegen den Schleichhandel abzuschwächen. Die Gast- und Speisewirtschaften seien für die Schleichhändler die bequemsten und zahlungsfähigsten Abnehmer, und deshalb werde man auch in Zukunft gegen die Gastwirtschaften, die den Schleichhandel be- günstigen, rücksichtslos vorgehen. Nach lebhafter Aussprache war die Versammlung einmüttg der Ansicht, datz mit allen Machtmitteln verhindert werden müsse, daß der Schleichhandel zum Grab unserer Kriegswirtschaft werde und daß deshalb das Kriegswucheramt weiterhin mit rücksichtsloser Scharfe vorgehen solle. Alsdann hielt der Geschäftsführer des Hansabundes, Regie- rnngsrat a. D. Prof. Dr. Leidig einen Vortrag über:>G r u n d- linien für die P r ei s b e m e s s u n g." Er nahm hierbei niehrfach gegen die Rechtsprechimg des Reichsgerichts und die Auf- fassung des Kriegswncheramtes Stellung und vertrat die Ansicht, daß man den zahlenmäßigen Friedensgewinu nicht zur Grundlage des im Kriege zulässigen Gewinnes machen tönne. Als über- mäßig sei vielmehr nur der Gewinn zu bezeichnen, der sich nach dem Urteil aller billig und anständig Denkenden als übermäßig darstelle. Ein Gewinn, ivelcher der Mrrktlage eutspreche, sei nicht übermäßig, auch müsse.!)te� Berechnung chan DuochfchüsttsgewinnM verschiedenartiger Waren zulässig sein. Bezeichnend war es, daß in der ausführlichen Besprechung auch Vertreter von Handel und Getoerbe den Ausführungen des Redners entgegentraten. Namens des Wucheramtes wies Staatsanwalt Dr. F a l ck nach, daß eine Marktlage im Sinne der Prcissteigerungsverordnung heute zwei Jahre nach ihrem Erlasse unter den ja völlig veränderten Kriegs- Wirtschaftsverhältnissen regelmäßig nicht inebr vorhanden sei. Durchschnittspreise würden gerade dem wahren Interesse von Handel und Gewerbe zuwiderlaufen. Denn beim Verdacht einer Preis- steigerung, auch der allerkleinsten, müßte dann nicht nur der Preisaufschlag an dem einzelnen Stück untersucht werden, sondert die ganze Preisgestaltung des betreffenden Geschäftes. Das habe aber notwendigerweise die Beschlagnahme aller Geschäftsbücher zur Folge, was eine nicht zu rechtfertigende Mehrarbeit für die Straf- Verfolgungsbehörden und eine unbillige Belastung der Kaufmann- schaff bedeuten würde._ Tic Wüste des Scheunenviertels. Di« Stadt Berlin verlauste das durch sie erworbene Schetmen« Viertel-Gelände im Januar 1911 an die Unternehmer Lippmann und Luckner mit der Verpflichtung, die eine Hälfte bis 1. April 1914 und die andere bis 1. April 1917 zu bebauen oder bebauen zu lassen. Schon im Februar 1913 mutzte sie die Vertragsänderung bewilligen, datz die Bebauungsfristen um drei Jahre, also für die eine Geländehälfte bis 1917 und für die andere bis 1920 verlängert wurden. Dann kam der Krieg dazwischen, so datz an Verkauf und Bebauung der wüst liegenden Grundstücke vollends nicht zu denken war. Jetzt soll eine neue Fristverlängerung und zwar um vier Jahre bewilligt werden, so datz die eine Hälfte bis 1921, die andere bis 1924 bebaut fein müßte. Zum Obstverkauf auf dem Gute Osdorf wird uns von einem Leier mitgeteilt, datz auf j e d e Lebensmittelkarte nichl mebr als 2 Pfund Aepfel verkauft werden. Es� kommen aber viele Käufer in der Annahme, datz die Lebensmittelkarte nur zur Legitimation dienen soll und bringen nur eine Karte mit. Das lohnt sich natür- lich nicht. Auch ohne stundenlanges Warten geht es hier nicht ab. Nur zwei Verkaufsstände sind offen, und Hunderte von Käufern stellen sich an. Während der Frühstückspause von 9stz bis 10 Uhr wird nichts verkauft, und wenn die Reihe der Käufer auch noch so lang ist. Die Karten werden abgestempelt. Der Preis für das Pfund Aepfel beträgt 40 Pf. Für Kaufmannsgcricht, Gewcrbcgericht, Jnnungsschiedsgcricht können während des Krieges keine Beifitzer-Ergänzungs- Wahlen stattfinden. Mit dem in der Kriegszeit bisher befolgten Verfabren, die Amtsdauer der Beisitzer immer wieder um ein Jahr zu verlängern, wird jetzt gebrochen. Der Bundesrat hat verordnet, datz die Ämisdauer der Beisitzer von Gewerbegerichten, Kaufmanns- gerichten und Jnnungschiedsgerichten nunmehr bis zum Ablauf von sechs Monaten nach Beendigung des Kriegs- zustandes verlängert wird.' Rechtsauskunft für Kriegsbeschädigte. Von Kriegsbeschädigten, die sich zur Wahrnehmung ihrer gemeinsamen Interessen zusammen- geschlossen haben, ist im Hause Lindenstr. 114 Hl eine Rechts- auskunftSstelle eingerichtet worden. Dort wird an jedem Mitt» w o ch, abends von 7— 8 Uhr, an Kriegsbeschädigte und Kriegs- binterbliebene in Renten-, Ansiedlungs- und ähnlichen Angelegen- heiten unentgeltlich Rechtsauslunft erteilt. Auch schriftliche Anfragen werden beantwortet. Metallablieferung. Die beschlagnahmten und noch nicht ab- gelieferten Gegenstände aus Aluminium sowie Altmaterial aus Kupfer, Messing, Tomback, Rotgnß, Bronze und Aluminium können in sämtlichen Markthallen' mit Ausnahme der Zentralmartthalle und im Stadthaus, Stralauer Straße 15/22, werktäglich in der Zeit von 9—1 Uhr vormittags abgeliefert werden. Anhaftende Teile aus anderen Stoffen sind vor der Abliefe- r u u g zu entfernen. Nur im Stadthaus werden angenommen die durch die Verordnung vom 16. November 1916 beschlagnahmten, aber bisher noch nicht abgelieferten Gegenstände ans Kupfer, Messing und R e i n n i ck e l, nämlich: Geschirre und WirtschaftS- gerate jeder Art für Küchen und Backstuben, Waschlessel, Türen an Kachelösen und Kochinaschinen bezw. Herden, Badewannen, Wasser« lasten, eingebaute Kessel aller Art sowie Zinn-Gegen stände aller Art(alt und neu)._ Ein Bolkskonzert des Philharmonischen Orchesters findet am Mittwoch, den 29. August, in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Kasieneröffnung 7 Uhr. Charlottenburg. Lebensmittel. Der Magistrat verteilt in der Woche vom Montag, den 8. September, bis Sonntag, den 9. Sep« tember, an die Inhaber der HauShalts-Bezugsmarken, und zwar Serien la und Ib gelb gestreift und IIa und IIb grün gestreift, des Buchstaben-Abschiiittes„St* folgende Ware: 1 Büchse stenlisieue Vollmilch zum Preise von 1,10 M. oder 1 Büchse kondensierte Magermilch 0,90 Vi. oder 1 Flasche sterilisierte Sahne 1,35 M., je nach Vorrat. Die Ware kann in dem Geschäft, in dem der Bezugsmarlen- Inhaber in die Kundenliste für Grieß eingetragen ist, entnommen werden. Die Belieferung der übrigen Haushaltungen mit Milch erfolgt später je nach Eingang der Ware. Mit Rücksicht auf die große Knappheit an Flaschen ist eS dringend erwünscht, die leeren Sahneflaschen zurückzugeben, die mit 10 Pf. pro Stück vergütet werden._ Neukölln. Lebensmittel. Von morgen bis Mittwoch, den 5. Sep- tember, dürfen in denjenigen Geschäften, in welchen die Anmeldung zum Bezüge von Koloniaiwarcn erfolgt ist, aus Abschnitt 50 der Neuköllner Lebensmittelkarte 75 Gramm Sago, 100 Gramm Suppen- Pulver und 125 Gramm Teigwaren entnommen werden. Der Verkaufspreis beträgt pro Pfund für Sago 85 Pf., Suppenpulver 60 Pf. und für Teigwaren aus 10proz. Mehl 70 Pf, Bei Bruchteilen darf der Betrag auf volle Pfennige abgerundet werden. Schönebcrg. Kartoffelvcrsorgung. Auf jeden der 10 für die nächste Woche geltenden Abschnitte 71a— 71s der Kartoffelkorte darf bereits schon in dieser Woche Vz Pfund, zusammen also 5 Pfund Kartoffeln, entnomnien werden. Wer die Kartoffeln bei seinem Händler nicht rechtzeitig erhalten sollte, ist ohne weiteres be- rcchtigt, sie in einer der städtischen Verkaufsstellen, Manin-Lulher- Straße 46, Hohenstaufenstratze 57, Gustav-Müller-Stratze 5, zu kaufen._ Spandau. Lebensmittel. Die bekannt gegebene nachträgliche Ausgabe von Bezugscheinen für Einmachezucker erfolgt nur auf be' sonderen schriftlichen Antrag. Für die Schulkinder, die sich noch auf dem Lande befinden, können die Bezugscheine schon jetzt angefoldert werden. Gesuche nach dem 29. d. M. werden nicht mehr berück- sichtigt. Der Magistrat gibt bekannt, daß für diese Woche 8 Pfd. und für die nächste Woche gleichfalls 8 Pfd., zusammen für beide Wochen 16 Pfd. Kartoffeln, zum Preise von 12 Pf. pro Pinnd entnommen werden dürfen. Die Menge von 16 Pfund für beide Wochen darf schon in dieser Woche verabfolgt werden. Die den Geschäften gelieferten Teigwaren dürfen jetzt ber- kauft werden und zwar je 125 Gramm auf Feld 3 der Lebens- mittelkarte. Der Verkaufspreis darf für Ware aus 75 Proz. Mebl 0,51 M. für ein halbes Kilogramm und für Ware aus Auszugs- mehl 0,72 M.. nicht übersteigen. ELpeilick. Abgäbe von Kartoffeln. In dieser Woche dürfen auf die sieben Abschnitte 8 A. bis Gl der Kartoffelkarte je 1 Pfund Kar- toffeln, zusamnien also auf jede Karte 7 Pfund, eninommen werden. Auf Kartoffelzusatzkarten dürfen 2 Pfund Kartoffeln auf jede Karte abgegeben werden._ KreiS Niederbarnim. Einführung deS� Maulkorbzwanges. Ebenso wie für die anderen Grotz-Berliner Städte und Vorort- gemeinden ist jetzt auch für die im Kreise Niederbarnim gelegenen Borortgemeinden der allgemeine Maulkorbzwang für Hunde angc- ordnet worden. Der Landrat hat eine Potizeiverordnung erlassen, wonach in den Vororten Friedrichsseide, Heinersdorf, Hohenfchön- Hausen, Niederschönbausen, Oberschöneweide, Pankow, Retnickendoif, Roscnthal, Tegel, Weißensee und Wittenau alle Hunde einschließlich der Zughunde auf öffentlichen Straßen oder Orlen, wo Menschen zu verkehren pflegen, mit einem Maulkorb versehen sein müssen. Der Maulkorb muß so eingerichtet und befesttgt sein, daß er das Beißen unmöglich macht. Die Polizeiverorduung ist bereits gestern in Kraft getreten. Alle entgegenstehenden Bestimmungen sind aus- gehoben._ Steglitz. Obstvcrkauf. Auch Steglitz hat größere Lieferungen Obst in Süddeutschland abgeschlossen. Das Obst wird rationiert verieilt werden. Für die laufende Woche werden insgesamt 2 Pfd. Obst auf Abschnitt 28 der grünen Lebensmittelkarte abgegeben. Die Händler sind verpflichtet, ans Grund ihrer Kundenliste, mit Nr. l beginnend, zu verkaufen. Der Anspruch der aufgerufenen Nummer bleibt 24 Stunden bestehen._ Friedrichsfelde. Gaspreiserhöhung. Der Gemeindevorstand hat mit Rücksicht auf die am l. August in Kraft getretene Kohlensteuer beschlossen, den Preis für PrivatgaS auf 20 Pf. für das Kubikmeter zu erhöhen und- zwar von dem Zeitpunkt ab, wo Berlin und Lichten- berg diese Erhöhung vornehmen. Von demselben Zeitpunkt ab soll an Stelle des bisherigen Zuschlages von 30 Proz. iür Münzgas- messergas ein Ausschlag von 7 Pf. für 1 Kubikmeter eintreten.— Das Köhlensteuergesetz berechtigt die Lieferer von Gas, einen Zu- schlag zum Preise zu verlangen, der der durch die Kohlensteuer verursachten Erhöhung der HerstellungS-, Betriebs- oder Bezugslostcn entspricht._ Nowawrs. GaSeinschränkung. Der Vertrauensmann der Gas- Werke. Nowawes und Bornim, Direktor Pflücke, hat im Auftrage deS Reichskommissars für Elektrizität und Gas für die von den beiden Gaswerken versorgten Gemeinden durch Ortsvorschrift bestimmt, datz die Verbraucher von jetzt ab monatlich insgesamt nicht mehr a l s 80 Proz. ihres vorjährigen Verbrauchs verbrauchen dürfen. Die Einschränkung gilt auch für lriegswichtige Betriebe. — Die K u n d e n l r st e zum Milchbezuge von der Milchzentrale der Gemeinde in der Scharnhorststratze liegt heute, morgen und Freitag von 3—6 Uhr nachmittags im Rathaus, Zimmer Nr. 8/9, aus. Anmeldungen werden jedoch nur für Kinder bis zum ersten Lebensjahre und für Kranke angenommen. Die erforderlichen Legitimationen sind vorzulegen. Heute und morgen findet die Ausgabe neuer Lebensmittelkarten und Fleischkarten statt.___ Groß-Herliner parteinachrichten. Spandau. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins verhandelte zunächst eine Anregung des Kreisvorstandes, die zur inten- siven sozialdemotrattschen Friedensarbeit auffordert. Von allen Rednern wurde zum Ausdruck gebracht, datz es in der Friedensffage kein Zögern geben dürfe. Den Frieden zu fördern fei in der Gegenwart das höchste Ziel. Die örttühe Parteileitung wurde vc- austragt, unverzüglich die nöttgen Vorarbeiten aufzunehmen. An -den Bericht von der Kreisgeneralversammlung knüpfte sich eine lebhafte Aussprache, in der Genosse Bock bedauerte, datz die Kreis- gencralversanunluzrg eis unterlassen ssaöe. eine Refolntion auzn- itefimeti, in fier iaS MitzirM«n gagatt die Regrerrmg zum Ausdimck> kam. Im übrigen erklärte jich der O�tsverein mit den Ausführun- l gen auf der KreiKgencralversammlung einverstanden. Besonderes Interesse ergab der Bericht über die städtische Lebensmittelversorgung und die Wahl zweier Vertreter in den Berteilungsausschust. Genosse Stadtverordneter Pieper gab Aufklärung über die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmittel und Brennmaterial und den sich der Versorgung entgegenstellenden Schwierigkeiten. Von der Versammlung wird der gute Wille des -Magistrats anerkannt, aber der Dringlichkeit halber demselben die Versorgung der Bevölkerung mit Kohlen und Holz erneut empfohlen. Um Kohlen zu sparen wäre eine Zusamnienlegung einzelner Bäckereien notwendig. Auch der Preis des Holzes, tvelches der Magistrat mit 40 M. pro Meter verkauft, ist für viele Familien unerschwinglich. Besprochen wurden auch die Unregelmäßigkeiten der Angestellten der Lebensmittelkarten-AuSgabestclle. Genosse Pieper wurde beauftragt, in der nächsten Stadtverordnetenver- sammlung eine dementsprechendc Anfrage an den Magistrat zu richten. Als Vertreter in den Lebensmittelverteilungsausschuß wurden die Genossen Stahl und I a h n k e gewählt. Jugenüveranstaltungen. Weifiensee. Arbeiterjugend. Donnerstag, den 30., spricht Frau Märte Juchacz im Jugendheim, Cbarlottenburger, Ecke Tasso- iiraße, über das Thema.- Strebe zum Manzen. Rege Beteiligung erwünscht. Sriefkasten Aer �eüaktwn. Dirschtiegel. Wenden Sie Hch an das dortige Gewerkschastsbureau. wenn' Sie nicht selbst Ilagen wollen.— S. K.-lOS. Beantragen Sie Erbregulicrung beim zuständigen Amtsgericht unter aleichzeiiiger Vor- legung einer Erbeslcgitimation.— Li»o litt. Wenden Sie sich mit einem neuen Gesuch an die jetzige Ilntcrsiützungsstelle. Es erfolgt neue. Prüfung und cventl. Nachzablung.— B. G. 76. Das ist nicht richtig. W. L. l. Ist nicht geniexbar.— W. L. 30. 1. Mittelschulvorbilduiig genügt. 2. Die Schulen finden �oie verzeichnet im Adreßbuch, 2. Band, Teil 2, Seite 191.— M. W. 40. Ist erst nach dreijährigem erfolg- reichen Besuch der Gcmeindeschule möglich.— F. 57. 1. und 2. Ja. ZVerrcrauSsicheen für das mittlere tWorddenttcftlaud. bis Donnerstag mittag. Mäßig warm, zeitweise heiter, aber sehr verändcr- lich, mit meist geringen, mehr im Nordwesten stärkeren Regensällen. Deutschet' Uletallardeitcr- Dcrband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unier Kollege, der Maschinensormer �icksrä Kutz Sprcngelstr. 2 am 26, August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. August. nachmittags 3'lt Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, dieMetallarbeitcrin Alsi-ie Steffan Ratiborstr. 1 am 24 August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den R>. August, nachmittags 12'/, Uhr, von der Leichenhalle des Garnt- son- KirchhosS, Hasenheide, aus statt. (Shre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Qerband der Cltbographen, Stcindruckcr und verwandten Berufe (Deutsch. Senefelder-Bund). Unseren Mitgliedern machen wir hierdurch die traurige Mitteilung, daß der lang- jährige Kollege, Lithograph Paul Mäunel nach kurzem Krankenlager am 26. August verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bc- wahren. lS6/7 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Reinicken- dorier FricdhoseS aus statt. Um. recht rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Bezirk Treptow. Am 26. August starb unser Mitglied, der Hilssarbeiter krnst Röter. Ehre seinem Andenke,,: Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Emmaus-Kirch- hoses in Neukölln, Her- mannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 146/12 Der Aorstand. Bilgemeine Kranken- und Sterbekafle der Metallarbeiter v. a. G. Filiale Berlin 4. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser langjähriger Kassierer «lax Vedekiud am Sonnlag, den 26. d. M. verstorben ist. 281b Die Beerdigung findet am Donncrslag, den 30. August, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Aus- erstehungskirchhoscs, Weißen- see. Lichtenbergcr Straße, aus statl. Um rcgeBeteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Dr. Hellwig Sprechstunden ab 31. 8. 17 nachmittags 4—6. 67L* Berliner Sängerclior. Mitgl. d. Deutschen Arbeiter- Sängerhundes. Wiederum forderte der Wellkrieg ein Opscr aus unseren Reihen. Am 10. Juli fiel unser lieber Sangesbrudcr, der Stcindruckcr Älbln Mehlhorn. Im besten Manncsalter dahingerafft, verlieren wir in ihm ein langjähriges, Irenes Mitglied, dem wir ein treues Gedenken bewahren werden. 249/4 Oer Vorstand. Hiermit die traurige Nach- richt, daß meine liebe sfrau, unsere gute unvergeßlich« Tochier HOf Marie Steffan geb. liitban am 24. August ihrem Lungenleiden erlegen ist. Paul Steffan, A. Lithan nebst Frau. Die Beerdigung findet am 30. August, 12'/» Uhr. von der Leichenhalle des Garnison-Kirchhofs, Hasen- Heide, aus statt._ Unser lieber, jüngster Sohn und Bruder, der Schütze Rudoil Luickhardt starb in den letzten schweren Kämpfen den Heldentod im Aller von 20'/, Jahren. In lieser Trauer Die Eltern und Ge- schwistcr. 285b 8peii»I-tr!t vi». mv>UIltjIIsUI!IIt,II lnng.j Modernes, erprobtes Heilverfahren: Naturheilverfahren, Elektro- u. Licht-Ihcrapie, Waffcrheilversahren, Pflanzen- und Kräuterbäder, Sauerstosskuren, homöopathische BeHand« lung, Pslanzensastturen.— Nachweisbar gute Heilerfolge bei sämtlichen Krankheiten, inneren und äußeren(speziell chronischen Leiden), z. B. Lünzen-, Hals-, Herz-, Magen-, Darm-, Leber-, Niereu- und Blasenleiden, Nervenschwächen, nervösen Kopsschmerzen, allgemeiner Nervosität, allgemeiner nervöser Abspannung; Ischias, Gicht, Rheumatismus; sämtlichen Ausschlägen. Flechten, Wunden, Lähmungen, sa- wie Kinderlähmung; Stofswechsel-Krankheiten, Zuckerkrank- heit usw.— Wegen Raummangel seien nur einige Fälle mitgeteilt: Herr A. Hellwig, Borsigwalde b. Berlin, Ernst- str. 25. Bon Magengeschwulst, Berstopsung u. Nerven- schwäche in 6 Wochen geheilt. Sollte opettert werden.— Herr K. Witthaus, Berlin, Blumenthalstr. 3. Von ve- schwulst und Abszeß an alter Operationsnarbe mit 15 Be- Handlungen geheilt.— Frl. M. Muschick, Bln.-Schöncberg, Sedanstraße 17 H bei Friebick. Von Geschwulst u. Nerven- schwäche in 4 Wofiien geheilt. Vorher dringend zur Opera- iion geraten.— Herr A. Schlabih, Berlin, Caprivistr. 24. Von Gcsichtslupus in 1 Monat vollständig geheilt. Vorher 6 Wochen mit Radium in einer Berliner Klinik ohne Erfolg behandelt.— Frau E. Popp, Lichtenberg, Gärtnerstr. 10. Von chron. Frauenleiden, Hetzschwäche und Verstopfung S geheilt.— Sohn des GätlnerS H. König, Pankow. In 6 Wochen von veralteter Bcinlähmung geheilt. Vorher anderweitig jeder Erfolg abgesprochen.— Bon Nerven- schwäche in vier Wochen geheilt. Erklärt sich selbst für ganz gesund.— Herr Milchhändler Eckert, Berlin, Greisen- Hagener Str. 26. Von gichtisch-rhcumat. Schmerzen in Bein u. Fußgelenk geheilt. Sehr zufrieden.— Herr A. Brase, Berlin-Mariendorf, Strelitzcr Str. 11. Von chronischer Rückenmarkentzündung und Lähmung gcheilt. � Vorher für unheilbar erklärt.— Herr R. Zöllner, 0 Reinickendorf-Ost. Provinzstraße 117. Von Lungenbluten und Katarrh geheilt.— Frau I. Herold, Berlin, Ramler- str. 23. Von Bronchiallatarrh geheilt.— Zwei Kinder des Kohlenhändlers Herrn Linke, Berlin, Sirelltzer Straße 6. Vor 9 Jahren von Lungenleide» geheilt, heute noch gesund.— Herr G. Köppe, Bln.-Rummelsburg, Alt- Boxhagen 8. Von doppelseitigem Lungenspitzenkatarrh geheilt.— Herr O. Neumann, Lichtenberg, Blumenthalstr. 13. Von Neurasthenie und nervöser Magenschwäche geheilt.— Frau E. Grosse, Berlin, Zwinglisir. 26. Von Leberleiden gebeilt.— Frau Restauratenr Hering, Berlin, Schönhauser Allee 87. Von Basedowscher Krankheit ge- heilt.— Herr Erich Bock, Berlin, Stendalcr Str. 17, IV. Bon Nieren- u. Blasenleiden, Wassersucht, allgemeiner großer Schwäche geheilt. Vorher im Krankenhause erfolg- los behandelt. Jetzt Fliegersolda«. Getrennte Bchandlungsräuiite für Damen und Herren! Sprech- und Behandlungszeit 9— 1, 4— Vh Uhr. Sonntags und Feiertags 3— 1 Uhr. 1! Serlin SO 16, Knickenstraße 10b AMer MiMi'MiiD. Verwaltungsstelle Berlin. ST 54, Ltntcnstraffe 83—85. Gelchästszeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr.� Telephon: Amt Norden 185. 1239, 1987, 9714. Donnerstag, den 30. August 1017, abends 8 Uhr: Branchenversammlung der Elektromouteure und Helfer Groß-Kerlins im Lokal von Klcmeut, Sophienstraße 6. Tagesordnung: 1. Bericht der Ernährungskommission. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiken. 4. Branchenangelegenheiten. 6. Ver- schiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Donnerstag, de» 30. August 1017, abend» 8 Uhr: Klempner-Versammlung in Heinrichs Fcstsnlcu, Große Frankfurter Straße 30. TageSord nuug: 1. Forlsetzung der Diskussion über den Bericht vom Der- Handstag. 2. Verbands- und Branchcnangelegenheiten. 3. Ver- schiedenes. Da» Erscheinen aller Kollegen Ist unbedingte Pflicht. ________ Ple Ortwverwaltnng. Krömers Erfrischnngs-Oetränke Himbeer-Exlrakt Zitronen-, Waldmeister- Extrakt Ititer 2,00 M. Mit Wasser verdünnt ergeben die Extrakte eine herrliche süsse Limonade. Kein Zucker ersorderllch. Auch zur Bereitung von Speiken bestens geeignet. 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Neben dem Tabak, jenem narkotischen Giflkraui, daS in dem brandenden Sriecie ein willkommenes Verständigungsmitlel zwischen den aus den Schützcngiabcn sich beschießenden'Mannschaften bildet. und der Kartoffelvflanze, die als eine der wichtigsten Kulturpflanzen eine weltgeschichtliche Bedeutung erlangt hat und nebst dem Getreide den Hauplgegenstand des deutschen Ackerbaues ausmacht, verdankt unser Kontinent dem warmen und gemäßigten Südamerika auch die Tomale, Lolanuin lycopersicum, auch pomi d'oro genannt, b. i, Goldapfcl, Seit kurzem sind die großen, saftigen, nieder- gedrückt- kugeligen Früchte auf dem Markte erschienen, noch der- hältni-mäßig teuer, denn die Haupternte fällt in den August und September. Jedenfalls kam die Pflanze nach der Entdeckung Amerika? durch die Spanier noch Europa, wie sie denn auch in den südlichen Län- dein de? Kontinents viel früher und auch eine größere Nutzung ge« funden hat als bei uns. Ist sie in Amerika bei arm und reich als Speise und Würze beliebt� und besonders in Südamerika unent- behrlich, so finden ihre Frückue auch in Südeuropa eine mannig- fache Verwendung, und deren gclbroter Saft pflegt dort die Schüsseln zu färben und verleiht den Speisen einen angenehm säuerlichen Geschmack. Für die deutsche Küche gewinnt die Tomate erst seit ungefähr zehn Jahren an Bedeutung, obwohl sie bereits seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Süddeutsch- land angepflanzt wurde. Allerdings nicht zu Nutzungszwecken, sondern der Zierde und der Seltenheit wegen wurde der»Liebes- apfel" gepflegt. Die langsame Verbreitung dieser Pflanze bei uns ist wohl auf die Schwierigkeit zurückzuführen, die ihr Anbau bietet, und dann auch darauf, daß die Früchte feiten reif und so wohl- schmeckend wurden, wie es in den Ländern Südeuropas der Fall ist. Der Umstand, daß die Fabriken für Suppenwürzen und Saucen slies Tunken) die Tomate als wichtigen Bestandteil ihrer Erzeugnisse benötigten, förderte den Anbau, so daß die Zahl der Tomalensorten heute schier unendlich ist. Die Verwendung der reifen roten Tomaten ist eine äußerst mannigfache. Köstlich sind sie zu Suppen und Tunken. Gekocht und zerdrückt geben sie ein wohlschmeckendes Muß. Ganze Früchte in Essig eingelegt geben eine vorzügliche Beilage zu Braten, wie un- reife, grüne Tomalcn wie Salzgurken eingelegt und verwendet werden. Man macht reife Früchte in Zucker ein und bereitet aus ihnen eine Marmelade, deren Geschmack durch Zusatz von diesem oder jenem Gewürz pikanter gemacht wird. Auch werden die Tomaten getrocknet, kleinere Früchte im ganzen Zustande, größere halbiert oder in Scheiben oder Würfel geschnitten. Aber noch weit mannigfaltiger ist die Verwendung, die die Frucht gebacken oder ge» dämpft, gefüllt und gekocht, als Pudding, Püree, Salat und Suppen zubereitet werden kann, und zahlr eich sind die pikanten, sauren und süßen Tunken, zu denen die Tomate den Hauptbestandteil liefert. Mit dem Genuß der rohen Tomaten ist es bei uns noch immer eine eigene Sache. Viele, die Tomaten in jeder Zubcreilungsart leidenschaftlich essen, können sich an den Geschmack der rohen Tomaten nicht gewöhnen, während andere wieder die Tomaten als Zukost oder Dessertfrucht bevorzugen. Da unsere Geschmacksnerven in der Hauptsache durch das Gewürz beeinflußt werden, so gilt es auszuproben, ob die Frucht mit Salz, mit Pfeffer oder mit Zucker dem Gaumen genehm ist. Zum Robessen wähle man. besonders der Anfänger, möglichst feste Früchte mit derbem Fleische. Sie sollen reif, aber nicht überreif sein, also sich nicht allzu weich anfühlen. weil bei vorgeschrittener Reife der fremdartige Geschmack zu sehr hervortritt, der bei Anfängern unter den Tomatenessern leicht Widerwillen erregt. Die Früchte werden nach Ausbruch des Stieles in Scheiden geschnitten oder auch gevierteilt, worauf sie mir dem zusagenden Gewürz bestreut werden. In Amerika genießt man rohe Tomaten mit reichlichem Salz als erfrischende Zukost zu kalten Speisen. Man würzt auch durch eine Prise Pfeffer und Salz. So behandelte Tomatenscheiben sind eine angenehme Zugabe zu Butlersemmel- oder Käsebrötchen. Wer aber Tomaten mit Salz oder Pfeffer nicht mag, der bestreue sie einmal mit Kochzucker. Liebhaber finden dann den Geschmack gleich dein der Erdbeere oder Ananas. Auch mit Milch übergössen und mit Zucker bestreute Tomatenscheiben sind eine köstlich schmeckende und bekömmliche Erfrischung an heißen Sommertagen. Wenn schon jede Tomalensorte roh verspeist werden kann, so eignen sich doch besonders salzende Arten zu diesem Zwecke: Geisen- heimer, Kardinah Mikado, die dänische Exporttomale, die Frühe auS Landsberg, die Königin der Frühen, die eierförmige gelbe Tomale. Sie alle haben einen milden, apfel-, fast weinartigen Geschmack. Zum Einmachen in Zucker sind die kleinfrüchtigen und zarthäutigen Sorten am besten passend, zum Einlegen in Weinessig fnach Art der Pfeffergürkchcii) die kleinen im Spätherbst gepflückten Früchte, die sonst weggeworfen werden müßten; zu Gelee sGallerte) sind aus- gereifte, aber noch nicht ausgefärbte Früchte und zu süßer Manne- lade hochreise Früchte besser zu verwenden. Infolge ihres hohen Gehaltes an Nährsalzen(kohlen« und schwefelsaurem Kali, Chlorkalium, Chlorkalzium usw.), an Zucker und einer angenehm weinartig schmeckenden Säure ist die Tomate nicht nur eine schmackhafte, sondern auch höchst bekömmliche Frucht, die sich immer mehr in Deutschland einzubürgern scheint. Eine ihrer Verwandten ist die Tomate der Kannibalen, au» der die Fidschi-Jnsulancr eine Brühe herstellen, die als Hauptwürze der Menschenopfer dient, weshalb diese Pflanze auch bei jeder Bure (Ort, wohin die Körper der Erschlagenen gebracht werden) in kleinen Anpflanzungen regelmäßig kultiviert wird. Deren nächste Verwandte wieder, auch aus Südamerika stammend, sind belieble Blatt« und Dekorationspflanzen unserer Gärten. Lob. Die?ahrhunöertfeier eines Clements. Im Jahre 1917 kann ein Element, da» bis vor kurzem den meisten Menschen auch dem Namen nach unbekannt war. heute aber in jedermanns Munde ist, seinen IVO. Geburtstag feiern. Dies Element ist das Selen. Sein Entdecker ist der bekannte schwedische Chemiker Berzelius, dem die Wissenschast noch außer dieser Ent- deckung sehr viel zu danken hat. Berzelius untersuchte im Jahre 1817 den Kammerschlamm einer mit Faluner Schwefel arbeiten- den Schweselfabrik. Er vermutete in diesem Schlamm das Element Tellur aufzufinden. Allein bald mußte er die Wahr- nehmung machen, daß die chemischen Reaktionen, die ihn das Tellur vermuten ließen, einem anderen bisher unbekannten Element an- gehörten, das allerdings, woraus ja schon die täuschende Aehnlichkeit der Extraktionen hinwies, dem Tellur sehr nahe verwandt war. Berzelius hatte sich sehr eingehend mit dem Tellur beschäftigt, das seinen Namen von tollus, die Erde, ableitete, und da nun das neue Element ebenso wie das Tellur mit dem Schwefel nah« der« wandt war, so wählte er dafür den Namen Selen, die griechische Bezeichnung für Mond. Eine Eigentümlichkeit hat dem Selen einen besonderen Platz in der Technik und ganz besonders in der Elektrotechnik gesichert. Das Selen ändert nämlich seinen elektrischen Widerstand unter dem Ein- fluß von Belichtung. Wird Selen von Lichtstrahlen getroffen, so wird dadurch die elektrische Leitfähigkeit erhöht. Die An- nähme, daß sich unter dem Einfluß des Lichtes das Element Selen in eine andere Abart und nach Aushören dieses Einflusses wieder in die ursprüngliche Form zurückverwandele, bat viel für sich. Jedenfalls verdankt das Selen dieser Eigentümlichkeil seine praktische Anwendung und damit seine Be- rühmtheit. Es ist ja heute allgemein bekannt, daß das drahtlose Telephonicreu unter Zuhilfenahme von Selenzellen vor sich geht, und daß ebenso die Erfindung Prof. Korns, die Fernphotograpbie, sich aus die Eigenschaften des Selens stützt. Nach den jüngsten Er- gebnissen der Fernphotographie ist es bereits möglich, Bilder auf Entfernungen von 1606 Kilometer deutlich zu übertragen. Darüber hinaus hat das Selen in jüngster Zeit sich zwei neue Anwendungsgebiete erobert. Man will durch Anwendung von Selen den Blinden das Lesen erleichtern und man will ferner das Selen als jederzeit wachen Wächter gegen Feuersgefahr und Einbruch be- nutzen. Es ist gelungen, eine kleine sehr empfindliche Selenzelle zu bauen, die leicht an einem unauffälligen Platz untergebracht werden kann. Schon ein Streichholz kann auf einige Meter Entfernung diese Selenzelle erregen und dadurch ein Läutewerk an einem beliebigen Ort auslösen. Wenn also in dunkler Nacht ein Einbrecher einen so geschützten Raum betritt, so wird ihm schon eine Blendlaterne, eine Taschenlampe oder ein entflammtes Streichholz zum Verhäng- nis, und ebenso kann sich das Selen als Feuermelder betätigen. Auch die Blindenlesmaschine, wie sie von Finzenhagen und Ries er« funden wurde, bedient sich des Selens. Bei ihr werden die einzelnen Buchstaben in Bildpunkte zerlegt, diese Bild- punkte durch Selenzellen in Stromstöße umgesetzt und auf diese Art auf die Finger des Blinden ein bestimmter Reiz ausgeübt. Die Lesevorrichlung der Blindenlesemaichine besteht aus 8 Vertiefungen. In jede derselben legt der Blinde einen Finger. Wenn nun die Schrift an einem Linsensystem vorüber- geführt wird, so erhält der Blinde die Vorstellung, als gleite die Schrift als große Punktschrift unter seinen Fingern hindurch, indem jeweils bei der Verdunkelung unter dem Einfluß einer Selenzelle«n den Vertiefungen eine Taste gehoben wird, die wiederum auf den dort ruhenden Finger elektrisierend wirkt. Es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß in all diesem unendlich viel wissenschaftliche Forscherarbeit steckt, und daß diese Ergebnisse den größten Teil ihrer Entwicklung noch vor sich haben. Gerade deshalb haben wir aber Anlaß, des hundertste» Geburtstages des Selens zu gedenken. der Verbannungsort öer Romanows. Eine anschauliche Schilderung des VerbannungsorteZ der Zarensamilie gibt die»Franks. Ztg.": Die frühere Zarenfamilie hat einen Weg gehen müssen, der mit Blut und Tränen bezeichnet ist. Ein Jahrhundert lang sind alle die Opfer d«s Zarismus, die in die fürchterliche Verbannung von Sibirien verschickt wurden, über Tjumen geführt worden. Es mögen ihrer, mit Einschluß der ihnen oft genug freiwillig gefolgten Angehörigen, kaum weniger! als eine Million gewesen sein. Nikolaj Romanow und seine Au- gehörigen sind freilich nicht mit der Etappe in die Verbannung ge- 1 zogen, wie so mancher der größten Geister Nußlands; ein Sonder- zug hat sie in das Kreisstädtchen gebracht, wo einstweilen die Eisen-> bahn aufhört und die Weiterreise in das nordwestliche, unmittelbar binter dem Ural gelegene Sibirien auf Dampfern erfolgen muß.' Die Tura, an der Tjumen liegt, wird die Familie Romanow bis zu ihrer Einmündung in den Tobol befahren und dann diesen pflufe hinunter bis zu seiner Vereinigung mit dem mächtigen Jrtysch. Dort liegt Tobolsk, das Nikolaj Romanow zum Aus- «nthaltsort angewiesen ist. Es ist ein Kleinstädtchen, das nicht ein- mal ein halbes Hunderttausend Einwohner hat, und erinnert in keiner Weise an die im amerikanischen Tempo anschwellenden neuen Kolonialstädte an der großen Sibirischen Bahn. Aber Tobolfk ist_ eine der ältesten russischen Siedelungen in Sibirien(gegründet 1587) und hat schon eine eigene Geschichte, die sich im Stadtbild in- Denkmälern lrusprägt. Ein Kkeml, der auf dem steilen rechten- Ufer des Jrtysch steht, weist einen Turm auf, den die in der Schlacht von Poltawa gefangenen Schweden erbaut haben; ein kleines Museum enthält eine ethnographische Sammlung zum Studium, der sibirischen Urbevölkerungen. Eine kleine Kapelle diente früher t zur Aufbewahrung einer vornehmen„politischen Verbannten", der berühmten Glocke von Uglitsch nämlich, die der Zar Boris Godunoiv nach Tobolsk vorschickt«, weil sie nach der heute noch nicht aufge- klärten Ermordung des kleinen Dmitviß des Enkels Iwan»»c«. Schrecklichen, zum Sturme läutete und einen Aufruhr herbeiführte. der beinahe Godunows Herrschaft vernichtet hätte. So mag der frühere Zar über manche Wandlung der russischen Geschichte nach- denken, wenn er in Tobolsk spazieren geht, wo er vor Uebcrrumpe- lungsversuchen der Petersburger Revolutionär« besser ge,chutzl werden kann als in Zarskoje Selo. aber auch etwaigen abenteuer- lichen Fluchtgelüsten leichter entsagen wird. Das Klima von Tobolsk dürfte kaum schlechter sein als das von Petersburg; die berüchtigte sibirische Kälte erreicht erst weiter im Osten und Norden ihre volle Schärfe. Die provisorisch« Regierung hat der Famckw � Romanow einen Aufenthaltsort angewiesen, der jedenfalls siix politische Gefang«ne des alten Regimes als zu angenehm galt uu» nur in Ausnahmefällen zugestanden wurde. Machijs Marls. Man schreibt unS aus Amsterdam: Mathijs MariS, dessen Tob eben auS London gemeldet wird, war der letzte der»drei Maris Brüder"— Jakob, Willem und„Thijs", wie ihn die Holländer kurz und familiär nennen— wohl auch der größte umer iihnen, obgleich die holländische Kunstkritik und die holländischen Bilderfreunde gern jeden der Drei aus ihre Weise gelten lassen und keinem einen eigentlichen Vorzug geben wollen, auf jeden der drei in besonderer Weise stolz sind. Gleichwohl ist Thijs Kunst die bei weitem persönlichste, seelischeste, unmittelbarste. Besonders seine Werke der letzten Epoche mit ihren � Märchenhostphantastischen Dämmertönen wie mit blassen Schleiern überzogen. athmen eine unübertrefflich» zarte, wehmütige Traum- Kunst. an die die nicht selten am Aeußerlich-Virtuosenhast Hangenden Brüder auch in ihren feinsten Stücken nicht hinanreichen. Die große Melancholie deS Einsamen, Weltscheuen, Ott der Welt• Leidenden umschwebt seine Bilder und gibt ihnen de» Silber» glänz der Innerlichkeit und weher Stimmung. Seine Kunst war denn auch der stille, reine Abglanz de» Menschen. Er lebte für sich—. all-S Geschästliche und Aeußerliche an der Kunst hassend wie van Gogh— einsam, arm, in trübseliger Umgebung, ganz und gar der Flamme seiner Kunst und seiner eigenwilligen wektscheuen Seele preisgegeben — der Welt und ihrem wilden Tanz entrückt.... Im Jahre der Pariser Kommune stand er als junger Freihelts- idealist auf der Barrikade... Zu den wenigen Freunden.� denen er Kunde von sich gab, gehört Albert Hahn, der holländische sozialistische Zeichner und Hauptmitarbeiter am Amsterdamer sozialistischen Witzblatt.Notenkraker". Er wurde 73 Jahre. 40) Möers hjarmsteö. Von Jakob K n u d se n. Am 10. Oktober war der Adjunkt wiederum, wie fast täglich in dieser Zeit, auf Stavn. Er überraschte Jungfer Gjatrid allein im Flur draußen, als er durch die Gangtüre eintrat. Sie wollte hinauseilen, aber er ergriff ihre Hand und freite nun mit reinen Worten. Sie zerrte ihre Hand laS und lief ihrer Wege, indem sie gleichsam bettelnd flüsterte: „o nein, o nein!" Er war den ganzen Nachmittag da, doch ohne weiter mit ihr zu sprechen; sie hatte jedoch Angst, daß er, kurz bevor er ging, ihren Eltern das Ganze gesagt habe. Madam Faurholt war schon während dieses Tages von ihrer gewöhnlichen Schwäche: Krampfadern an den Beinen, stark geplagt worden. In der Nacht wurde es ganz schlimm, und am folgenden Tage lag sie zu Bett. Gegen Nachmittag war sie dann einigermaßen von Schmerzen frei,— und jetzt kam Kirsten Faurholt mit einem Spiel Karten ins Schlaf- zimmer, setzte sich auf die Bettkante zu seiner Frau und spielte Whist zu zweien mit ihr,— ein Spiel, das kein anderer außer diesen zwei Menschen im ganzen Kirchspiel Harreby ver- stand.— Hier drinnen in der Schlafkammer versammelten sich allmählich, wie es auf Stavn Sitte war, die Mitglieder der Familie: die Töchter, als sie mit dem Aufwaschen nach Tisch fertig waren; die Knaben, als sie aus der Schule kamen; außer- dem zwei alte Frauen, die beständig auf Stavn herumgingen und spannen, strickten, flickten und stopften; auch ein paar von den Stubenmädchen kgmen herein und saßen mit ihrer Handarbeit da.— Die Schlafkammer war die zweitgrößte Stube im Hause(nach dem Saal), seit die Betten der Kinder nach und nach alle hinausgesetzt waren. Und hier war ein für allemal das Zentrum des Familienlebens auf Stavn, ja, bis zu einem gewissen Grade konnte man sagen: das der ganzen„alten Familie". Deren Affären wurden hier mit einer Offenherzigkeit behandelt, die zuweilen aus einer Familien- angclegenheit eine Kirchspielangelegenheit machen konnte. Aber im allgemeinen waren die Anwesenden doch ihrer Berant- wortung bewußt, auch die alten Frauen und Dienstmädchen.— und versäumten ihre Pflicht nicht.— Hier erzählte Madam Faurholt Geschichten cms ihren Mädchenjahren, besonders aus der Zeit, wo sie Haushälterin auf Krastrup gewesen. war. Auch Kristen Faurholt gab oft Geschichten zum! besten, aber die waren meist aus der Gegenwart und lieferten gewöhnlich Beispiele dafür, wie unzureichend die Klugheit seiner Mitmenschen sei; doch sie waren immer freundlich, hatten einen Glanz seines sonnenwarmcn, füchsisch-frcundlichen Lächelns an sich.— In dieser Gesellschaft las Madam Faurholt auch oft vor,— immer Lcihbibliotbeksromane, z. B.: Den Galeerensklaven R o c a m b o l e, und sie übte ihren eigenen und ihrer Zu- Hörer Scharfsinn dadurch, daß sie beständig genaue Kon- trolle über die Wahrscheinlichkeit des Berichtes ausübte,— wie wenn man sich also dächte, daß das Ganze hier in Harreby passiert wäre; wie sie denn auch den moralischen Sinn wachhielt, indem sie die guten Menschen des Buches pries und die Schutken ernstlich tadelte. Wer hier an diesen Ort und in diese Gesellschaft paßte, der gehörte wirklich mit zu der„alten Familie"; wer es nicht tat, wurde nicht richtig mitgerechnet, selbst wenn er nahe ver- wandt war. Erik Skindtoft hatte sich in der Schlafkammer auf Stavn immer unwohl gefühlt; wogegen Paul Vinding hier in seinem Element war. Er war in der Schlafkammer- gesellschaft berühmt wegen seiner Marktgeschichtcn und seiner Berichte über die große französische Revolution, die er von seinem alten tauben Großvater her kannte, der zu Napoleons Zeit mit in Frankreich gewesen war. Er konnte von. dem Menschenfreunde Robespeter erzählen, der sich zugleich mit Dänemarks König Friedrich dem Sechsten unter den viel schlaucrn Bonaparte hatte beugen müssen— und von vielen andern.— Diese Stube und das Leben in ihr hatten eine unmäßige Macht über die Kinder von Stavn. Doch Gjatrid hatte das nie so empfunden wie heute nachmittag. Wenn man in dieser Stube fremd würde!— ja, was bliebe ihr dann noch von sich selber?— Vor ein paar Tagen war sie auf Oestergaard gewesen; da hatte Cecilie von demselben Thema gesprochen. Eigentlich nicht mit Freude, eher mit einer Art von Bitterkeit, gegenüber der Macht, die die Mutter dadurch über ihre Kinder gewonnen hatte; Cecilie hatte hinzugefügt:„und Mutter er- reicht gewiß das, was sie erreichen will. Oestergaard wird gewiß eine Art Filiale von Stavn werden, ebenso>vie der Hof unseres ältesten Bruders es ist."— Gjatrid hätte so gern mit Cecilie über ihren Mann gesprochen— und über seinen Bruder, den Adjunkten; aber sie hatte gar nicht damit fertig werden können, und Cecilie hatte gewiß nicht gewollt. Man sagte übrigens, daß Leutnant Fischer schon unter de« Pantoffel stehe und sich ganz nach seiner Frau und ihrer tamilie richte.-- Und je mehr Gjatrid die Macht dieser� tube über sich empfand, desto fremder und ferner kam ihr Anders vor.—— Als Kristen Faurholt und seine Frau drei bis vier Rubber gespielt hatten, die beim Whist zu zweien immer verhältnismäßig kurze Zeit dauern, hörte er,. ivie sich jemand in der Wohnstube, nach der � die Tür offen> stand, räusperte. Schritte waren nicht zu hören. Der Be- treffende zeigte sich gleich danach in Socken auf der Türschwelle., Es war Paul Vinding. „Na, ihr seid alle hier! und Mutter geht es auch gut. im Bett.— Ja. es hat wohl nichts zu bedeuten?" sagte. er und setzte sich auf einen Stuhl, den einer der Knaben ihm anbot., „Es bedeutet jedenfalls immer mehr, als wenn Du im Bett liegst, Paul," sagte Madam Faurholt. „Kann ich nicht wissen." „Inger meint vermutlich." sagte Kristen Faurholt, „daß Du Dich immer von Deinem Unwohlsein erholst, wenn nur ein Tag seit dem Markt vergangen ist, wo Du zuletzt warst." „Das hilft ja manchmal," sagte Paul.—„Aber hör. es hat doch keinen Sinn, daß wir uns hier gegenseitig zum Narren haben. Laß uns lieber ctivas von dem fremden Burschen hören, der drüben auf den Bjerrehof gekommen ist. Gjatrid drehte ihr Gesicht nach dem Fenster um und ihren Stuhl bald darauf auch. „Ja, er hat mich ja verklagt," sagte Kristen Faurholt. „Das ist doch schon lange her. Davon haben wir wirk- lich schon gesprochen. „Nun kommt es eben darauf an. daß er mich zu packen weiß.— Er hat wohl noch nie davon gehört, daß man sich auch öfter als einmal hinter einen Aufschub verstecken kann." „He, he. he— ist sonderbar, daß er.Räuber' spielen will. wenn er das Spiel gar nicht kennt.— Sie erzählen, daß er hingeht und die Leute ausschilt, weil sie Dir nicht alle ver- bieten, im Pajmoor zu pflügen, und sagt, sie hätten Angst. Er verdirbt es ja mit den Leuten." „Ja. ich glaube, es steckt mehr Eigensinn und Ungestüm in dem Burschen, als ihm selber nützlich ist", sagte Madam Faurholt.„Soviel Hab ich doch schon erkennen können, als ich ihn zum allererstenmal sah.— Das war auch Krcstens Erftu- dung. daß der herkommen sollte!" Goxts. folgt.) I>txto drei Anfführg. 8 Uhr: Max Pallenberg in Oer kleine Napoleon. Sonnabend BröfEnnn�s-Voiv Stellung d. Spielzeit 1917/18. 7 Uhr: Fan st I. Kam ns erspiele. letzte drei Anffülirg. 8 Uhr Hans Waßmann u. Ida Wüst in Goldfische(Lustspiel) Sonnabend Eröffnungs-Yor- stelhing d. Spielzeit 1917/18. 8Ü.: Gespenstersonate. Volksbühne. Theater am Bülowplatz. Untergrnndb. Sohönh. Tor. Letzte drei Aufführg. 7,/J U.: Fahrende Musikanten Musik von K o b e rtS c hu m an n. Sonnabend Eröffnungs-Vor- stellung d. Spielzeit 1917/18. 71/, Uhr: Was ihr wollt. Liesslnsr-Theater. Letzte drei Auftührg. 73/< U.: Henry Bender in Oie Königin der Luft. _(Gesangaposse.)_ Theater j. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Künstlerische Tänze. Frage an das Schicksal. Abschiedssouper. Komödienhaus 7'/, Uhr: Erdgeist. Berliner Theater V�XJ.: Die tolle Komteß. Trianon-Theater a. Bhf. Friedrichstr. Tel. ZI 4927 '1,8 Uhr Der'/.8 Uhr reizende A d r i an. y Admirals-Paiasl, Die Sfovität Abrakadabra Gr. phant. Ballett a. d. Eise. Angenehm, kühl. Autenlhalt. . 73i4 U. Vorzügl. Küche. Theater fBr Mittwoch, 29, Augnst Deutsches Opernhaus v uhr: Tannhäaser. Friedrich-Wilhelmst. Theater 7'/, Uhr: Gebr. Herrnfeld-Th. Operetten-Gastspiel fi.ubr: Die ledige Ehefrau. Kleines Theater 8 uhr: Die Hausdame. Komische Oper 7'I.Uhr: Lustspielhaus „ Die blonden MBdets TltUhi. vom Lindenhof. Residenz-Theater s uhr: Die Verhüllte. Metropol-Theater TfjUhx: Die Czardasförstln. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kassent. Nd. 281 u/.uhr: Der Soldat der Marie, Schiller- Theater O 7'/, uhr: Der Troiaflonr. Schiller- Th. Charl. 71/aUhr: Thalia-Theater uhr: Egon und seine Frauen. Theater am Nollendorfplatz t*!. vhr- Die Culasetiltanone. Theator des Westens B eginn der Wiuterspielzeit Sonnabend, 1. September. Z. 1. M.: Der verliebte Herzog. URANIA 8 Uhr: Das Oberengadln und der SplOgen. Walhalla-Theater. -7,/' Zigeuner. NHr:_ Gartenbühne Borstellnng. Reiehshallen-Theater Stettiaer Sänger. Anfang 71/, Uhr. Nächsten Sonnlag, 2. 9.: Erste Nachmittags- Vorstellung z. ermaß. Pr.! Reichshallen-Garten u. Saal: Blüthgen-Konzert. Anf. 8 Uhr, Sonnt. 6 Uhr. Rose»Theater. 7'/. Ubr: Dt« Stnabe des BertranenS. Gartenb.: Seemannsllebchen. Voigt-Theater. Sadstr. 58. Badstr. 58. TägNch: Große Extra-Borstellttng. Zer MMlW. Vorher: GrstklaisigeS Spezialitäten-Programo». Auf. wocheut. Sonnt. 4 NHr. TägL 73/, Sonnt, S'J, u. 73/, Nor noch bis 31. August! R. Steldl, A. MQIIer-Lincke in: „Der Herr ohne Wohnung". „Afra". Perzlna— HaniL Der erfolgrelcho Eröffnungs-Spielplan Dm: 9 Uhr abends Pantomime in 12 Bildern von Karl Tollmoeller Bahnhof Priedrichstraße. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet Das Zirkus- Variete- Pro- i große. . gramm 3 Meinickes halsbrech. Akt. Classons ganz neue Leist. ü�r Max o. Moritz. Luis u. Sohn.— Sums. Halali Parforce- liaidll gehnitzeljagd. Sonntag 3'/, u. 8 Uhr. Nachm. 1 Kind frei, u. Gratis-Ponny-Reiten. Berliner Prater-Theater. Kastanienallee 7—9. Zum 94. Male: Aha— famos! Gr. Ausstattungs-Operetlenposse in 3 Akten mit Gelang u. Tanz. Vorher d. gr. Varieteprogramm. Aniang 4*/, Uhr. Casino-Theater Lothringer Strohe 37. Täglich'/48 Uhr: WirMchcr Humor! Gr. Erfolg! 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