Nr.T37. 34. Jahrg. Bezugspreis t W-rt-IiShrl. SL90 m. monafi. ÜB W. wöchentlich 30 Pfg. frei wz H-u»> dorauszahlbar. Siiuelne Wochentag?. Nummern b Pjz. SonntagSuummer mit illustrierter Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Postbezug: Monatlich 1.30 Mb Unter Kreuzband für D-utlchlanb und Oesterreich. Ungarn Z60 Mb, für das übrige Ausland 1Mb ownatlich. Postbcstellungen nehmen «> DSnemarb Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Erschein« täglich. telegramm- Adress et »Sozialdemokrat Berlin", Berliner Volksblnkk. ( S Pfennig) Der Anzeigenpreis deirägl f. die siebengespaltene Kolonel- zeile SO Pfg.„Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort SO Pfg.(zu- lässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere WortöPig. Worte über 1b Buchstaben zählen stur zwei Worte. 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Verteidiger Sacharin fragte den Zeugen, ob ihm am Tage der Mobilmachung nicht der Exzar telephoniert habe» die Mobilmachung sei aufzuschieben oderein- zustellen. Zeuge antwortete, ein solches Telephongespräch habe tatsächlich stattgefunden, es habe sich aber nur um Abänderung der allgemeinen Mobilmachung in eine Teilmobilmachung der vier Südwestbezirke gehandelt. Auf Antrag der Verteidigung, sein Tele- Phongespräch mit dem Exzaren detaillierter wiederzugeben, erzählt Zeuge die Umstände, welche der Kriegserklärung vorangingen. Zu Anfang war beschlossen worden, nur die Teilmobilmachung der vier Bezirke zu erklären, um Oesterreich-Ungarn zu schrecken, dann aber wurde die Frage anderweit entschieden. Am 36. Juli wurde nach meinem Vortrag beim Exzaren die Gesamtmobilmachung unter- zeichnet. Auf der Gesamtmobilmachung bestehend, sagte ich damals, es sei unbedingt erforderlich, unsere Haltung nicht nur Oesterreich, sondern auch dem hinter seinem Rücken stehenden Deutschland de- stimmt zu zeigen.(Folgt eine kurze Telegrammverstümmelung.) Wir waren uns bewußt, daß der Zar sich nicht ohne weiteres dazu ablehnend verhalten könnte, denn er wußte, daß unser Rüstungsprogramm bis zum Jahre 1318 fertig sein werde und es deshalb nötig sei, die Zeit bis zur Durchführung dieses Programms auszunutzen. Aus Pcterhof erschien ich in der Ministerxa'tssstzung und überbrachte den vom Exzaren unterzeich- neten Mobilmachungsukas, aber noch am selben Tage, etwa gegen 11 Uhr abends,-wurde ich vom Zaren ans Telephon gerufen. Es wurde. mir die Frage gestellt, wie weit die Mobilmachung gediehen sei, ob man nicht um die allgemeine Mobilmachung herumkäme, ob man sie nicht durch eine Teilmobilmachung lediglich gegen Oesterreich ersetzen könne. Ich antwortete, das sei außerordentlich schwierig, es drohe mit katastrophalen Folgen, die Mobilmachung habe bereits begonnen. 400 lXK) Reservisten seien bereits ein- berufen. Da erklärte mir der Exzar bestimmt, er habe vom Kaiser Wilhelm ein Telegramm erhalten, in welchem sich jener mit seinem Ehrenwort dafür verbürge, daß, falls die allgemeine Mobil- machung nicht erklärt werde, die Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland wie bisher freundschaftlich bleiben würden. Nach dieser Unterredung mit dem Exzaren fuhr ich zu Ssasonvw und überzeugte ihn, daß man jetzt eine Aufhebung der allgemeinen Mobilmachung nicht bewerkstelligen könne. Es wurde beschlossen, daß er am Morgen dem Kaiser neuen Vortrag halte. Tatsächlich bat er diesen Vortrag gehalten, und am folgenden Tage um 4)4 Uhr fand eine Beratung im Schlosse statt, an welcher Ssasonow, Suchomlinow und ich teilnahmen. In etwa 16 Minuten hatten wir beschlossen, daß keine Möglichkeit vorhanden sei, die allgemeine Mobilmachung rückgängig zu machen, und daß die Aufhebung der Mobilisation für Rußland verderbenbringend sei. Nach dem Zeugen bittet Suchomlinow, Ergänzungen zu der Aussage machen zu dürfen. Er spricht sehr einfach, macht weitaus- holende Gesten mit den Händen, schlägt sich an die Brust.»In der Nacht zum 36. Juli/ erklärt er,„läutete mich der Exzar an und be- fahl mir, die Mobilmachung aufzuheben. Ich erhielt einen direkten Befehl, eine« bestimmten Befehl, der keinerlei Erwiderungen zu- ließ. Ich war ganz benommen. Die Mobilmachung war bereits erklärt, und bei einer Rückgängigmachung drohte eine Katastroplic. Was sollte ich tun? Ich wußte, daß es unmöglich sei, die Mobil- machung rückgängig zu machen, daß es technisch undurchführbar sei; was würde da in Rußland vorgehen? Weiß Gott, was da für ein Brei herausgekommen wäre! Ich fühlte, daß ich zugrunde gehe. Eine halbe Stunde nach dem Gespräch mit dem Exzaren läutet mich Januschkewitsch an, er sagt mir, der Zar habe erklärt, die Mobilmachung einzustellen. Und was haben Sie ihm geant- wartet? fragte ich ihn und sagte, daß es technisch unmöglich sei, aber der Zar befahl trotzdem, die Mobilmachung einzustellen. General Januschkewitsch fragte mich nun, was jetzt geschehen solle. Ich ant- wortete ihm: Tun Sie nichts! Ich fühlte, wie ein Seufzer der Erleichterung von seinen Lippen kam. Am nächsten Morgen log ich den Zaren an und erklärte ihm, die Mobilmachung finde nur in den Bezirken der Südwestgebiete statt. Am nächsten Morgen log ich de» Zaren an und erklärte ihm, die Mobilmachung in vollem Gange und daß es unmöglich sei, sie an- zuhalten. Zum Glück brachte man dem Zaren am selben Tage eine andere Uebcrzeugung bei, und ich bekam meinen Dank für die gute Durchführung der Mobilmachung, anderenfalls säße ich längst im Kerker. Zeuge Januschkewitsch wird nochmals vorgerufen und läßt sich über seine Unterredung mit dem deutschen Militärattache aus. Ich gab ihm das Ehrentvort des Generalstabschefs, daß in jenem Moment, genau um 2 Uhr am 29. Juli, die Mobilmachung noch nicht erklär! sei. Ich erinnere mich dieses wichtigen Momentes in allen seinen Details genau. Der Major glaubte mir. nicht. Ich bot ihm an, es schriftlich zu geben, was er höflich ablehnt«. Ich hielt mich für berechtigt, ihm eine solche Erklärung schriftlich zu geben, weil ein« Mobilmachung in diesem Moment tatsächlich noch nicht erfolgt war. Den Ukas darüber hatte ich bei mir in der Tasche. *• Die Mißwirtschaft des Kriegsministers. � Die Aussagen SuchomlinowS und Januschkewitschs über den Kriegsausbruch stehen naturgemäß im Vordergrund des Interesses. Soweit andere Zeugen als der frühere Generalstabschef vernommen wurden, machen sie Suchomlinow für die Katastrophe von 1915 verantwortlich. General Iwanow erklärte als früherer Oberbefehlshaber an der Südwestfront, er habe Nachrichten gehabt, wonach die militärischen Geheimnisse direkt von Petersburg über Warschau nach Teutschland und Oesterreich-Ungarn mitgeteilt wurden. General Dan! low, früherer Kabinettschef des Kriegsministers, erzählte, Suchomlinow habe ihn aufgefordert, eine ausführlicke Liste aller Maßnahmen der Landesverteidigung aufzustellen, die während der fünf Jahre vor Suchomlinows Ernennung zum Kriegs- minister getroffen worden waren. General W e l i t s ch k o, früherer Gehilfe des Chefs der allgemeinen Leitung des Pion-i erWesens, hält Suchomlinow für denjenigen, der an allen Niederlagen des russi- scheu Heeres die Hauptschuld trägt. Der Zeuge sagt: Suchomlinow unterdrückte seit seiner Ernennung zum Minister zahlreiche Organe und Siäte, die zur Erörterung der Fragen der Verteidigung ge- schaffen worden waren. Der frühere Zar kann nicht wegen des militärischen Unglücks Rußlands angesagt werden, da er alles durch die Brille DichomlinowS sah. Wclitschko- tadelte Suchom- linow, weil er, trotz lebhaften Einspruchs der Fachleute, die meisten der'besseren russtfchsn Festungen zerstörte, da er fte für unnütz hielt. Der Zeuge fügte hinzu, daß zahlreiche militärische Beamte, die, wie er, die Tätigkeit Suchonilinows getadelt hätten, abgesetzt worden seien. Der ehemalige Kriegsminister Poliwanow warf Suchomlinow vor, bei der Ausführung der nach dem russisch- japanischen Kriege angeordneten Reformen nicht energisch genug gewesen zu sein. Der ehemalige Ministerpräsident und Finanzmtntster Gras Kokowtzew sagte aus, daß der Finanzminister niemals nach dem Russisch-Japanischen Kriege die militärischen Kredite verweigert habe. Während der fünf Jahre, in denen der Zeuge mit Suchomlinow zusammengearbeitet habe, habe der Kriegsminister keinen Geldschwierigkeiten gegenüber- gestanden. Das Geld sei immer angewiesen, aber nie aus- gegeben worden. Als Zeuge sagte der ehemalige Großfürst Sergius M i chaslo- Wi t s ch, früher Generaliufpekteur der Artillerie, aus: Er arbeitete bis zum Jahre 1912 ein Projekt zur Neubewaffnung der Ar- tillerie aus, das bis 1913 ohne jede Fördevung blieb. Der Groß- fürst sagte, Suchomlinow habe die persönlichen Berichte der Chefs an den Zaren unterdrückt. Der Kriegsminister habe bewiesener, maßen verhindert, daß neue Geschütze bei den Echneiderwerken he- stellt wurden. Der frühere Handelsminister Timaschew erklärte, daß in der Zeit von 19V9 bis 1915 der Kriegsmiiuifter ihn nicht ein einziges Mal um Zuziehung der Beisitzer von Gefch-ützwerkstätten zur Landesverteidigung ersucht habe. Nochmals: öas Angebot gegen... Wie es„richtig" heiße« muß! Angebote richtet man nach den Regeln der deutschen Sprache a n jemand, sowie man sich mit jemand(und nicht gegen jemand) verlobt. Die„Nordd. Allgem. Ztg." bleibt aber hartnäckig dabei, von einem Angebot gegen die Ver- bündeten Rußlands zu sprechen. Sie berichtigt sich nämlich jetzt dahin: In unseren Ausführungen zur Rede Kerenskis(Nr. 238, Erste Ausgabe) ist der Satz Absatz 5 von oben, Zeile 11 bis 14 von oben nicht richtig wiedergegeben. Er muß richtig heißen:.Ein angeblich zweites Sonderfriedensangebot, das sich gegen die die Verbündeten Rußlands gerichtet hätte, existiert nur in der Phantasie des russischen Ministerpräsidenten." Im unberichtigton Text hieß es:„Ein angebliches zweites Sonderfriedensangebot das Bethniann Hollweg geg>.n usw." Die Berichtigung will wohl sagen, daß weder Beth- mann Hollweg noch dessen Nachfolger ein Sonderfriedens- angebot„gegen die Verbündeten Rußlands" gerichtet hat. So kommt man der Klarheit allmählich näher, und es bleibt nur noch übrig festzustellen, was ein gegen wen gerichtetes Angebot ist. Wenn sich der Herr Verfasser des offiziösen Artikels nun die rechte Mühe gibt, wird es ihm'schon gc- lingen. verständlich auszudrücken, was er eigentlich gemeint hat. Die.I. K." erzählt, im gestrigen„Vorwärts" habe sie gelesen, „nicht Bethmann, sondern eine andere Stelle habe ein S ander- friedensangebot an Rußland gerichtet". Diese Behauptung des„Vor- wärts" sei salsib. Iii Wirklichkeit hatten wir nicht von einem S o ii d e r friedensangebot, sondern von einem zweiten Fr iedens- angebot an Rußland gespiochen, und diele Behauptung ist, wie auch die ,J. K." wissen mich, richtig. Falsch ist nur ihr Zitat. Reichstags-Neuwahlen unter Regiernngsörnck. Unsere. Offene Anfrage druckt Graf Reventlow in der „Deutschen Tageszeitung" ab und antwortet gleich daraus. Da er zu semer Antwort etwa den dreifachen Raum unserer Anfrage benötigt, so können wir seinem Ansinnen, gleichfalls seine Erwiderung in vollem Wortlaut abzudrucken, bei der herrschenden Papierknappheit nicht nachkommen. Doch wollen wir immerhin die von Graf Reventlow selbst als wich- tigsten Teil der Antwort bezeichneten Absätze hier wiedergeben. Graf E. R. schreibt: Nun die Hauptfrage, auf die ich dem„Vorwärts" gern Antwort gebe! Ich bin überzeugt, und die„Deutsche Tageszeitung" hat das schon wiederholt klar gesagt, daß hinter der jetzigen Reichstagsmehrheit, insbesondere hinter ihrem Friedensprogramm nicht die Mehrheit des Volkes steht und daß sich dieses zeigen würde, wenn man nach einer gründlichen, im größten Stile betriebenen Aufklärung die Probe auf das Exempel machte. Der„Vorwärts" weiß, was er. tut, wenn er diese unsere Forderung und Voraussetzung einer autoin- tativen gründlichen Aufklärung seinen Lesern verschweigt. Denn er weiß ebenso genau wie die Vertreter der sogenannten Reichstagsmehrheit, daß sie und ihre Presse die Wählermassen künstlich i m Dunkeln halte«. Dieselbe Taktik, zeigt der„Vorwärts-', wenn er für Neuwahlen die Parole ausgeschrieben wissen möchte: „Hie Verstäudigungsfriede— hie Gewaltfriede." Dabei weiß das Blatt sehr gut, daß es hierauf nicht ankommt. Tic �rägc. ist die und die Parole würde dementsprechend sein:„Will das deutsche Volk einen Pankcrottfriedcn, cincn. Friehen der Pcr-, rkendung und Auflösung, oder einen Fricdcü, kftijdtlp.es gedeftirw kann, und den es erreichen kann, wenn es mitSicgc'Swillen'hiütcr' den siegreichen Fronten durchhält? Würde die ReichÄeituiig' diese Parole ausgeben, nachdem der Boden im deutschen Volke vorher— wie wir immer wiederholen— im größten Stille sachlich und gründlich bereitet worden wäre, so ist fijr mich ganz außer Zweifel, daß entweder die jetzige Mehrheit oder ihr Programm des Bankerottfriedens weggeschwemmt würde. Graf Reventlow spricht dann die Vermutung aus, daß bei einem solchen Wahlkampf die jetzige Reichstagsmehrheit wahrscheinlich schon um der Mandate willen„das Bankerottfriedcnsprogramm möglichst unauffällig, aber, wenn nötig, auch radikal„revidieren" würde, sobald sie sähe, daß es wirklich Ernst wäre". Er behauptet dann weiter, daß die Mehrheitsparteien und namentlich auch der„Vor- wärts" die Wähler mit Gewalt im Dunkeln hielten und stellt uns die Frage, auf die wir angeblich seit Jahr und Tag nicht eingegangen seien, wie wir uns die wirtschaftliche Wiederaufrichtung und die Existenz des Deutsche» Reiches bei einem Scheidemann-Friedcn sachlich denkr». Dann fährt er fort: Ich hoffe, daß diese Antwort,— welche dann allerdings im Sinne der Reichsverfassung tatsächlich leiten muh—, selbst bei» „Vorwärts" klar genug ist, also: entschließt sich die Reichsleitiiug zn einer solchen autoritativen Aufklärung, so würde ich eine dann erfolgende Auflösung des Reichstags, falls sie dann noch nötig sein sollte, begrüßen und ihren Erfolg im nationalen Sinne für sicher halten. Beseitigung der Biehrhest und ihres Programines, oder ihrer und ihres Programmes üffdiit- liehe und effektibe Entwertung würde dem Ergebnisse iiiicli auf dasselbe herauskommen. Die das Deutsche Reich jetvcilch leitenden Männer würden sich nicht durch Pflicht,''sondern aüch mit allem inneren Recht als Mandatare des ganzen deutschen Volkes fühlen, wenn sie eine dieser Methoden anwendeten, oser nach der einen die andere, wenn die eine nicht, oder schnell genug zum Ziele führt. Zunächst eine Kleinigkeit: wir haben die Parole:„Hie Verständignngsfrieden— hie Gewaltfriedcn!" vollkommen korrekt gestellt. Wenn Graf Reventlow das bezweifelt, so möge er einen Blick z. B. in die ihm geistesverwandte. „Deutsche Zeitung" werfen, die in der gleichzeitig mit seiner Antwort erschienenen Str. 437 eine Eroberungsresolution der Dresdener Alldeutschen mit den fettgedruckten Worten über- schreibt:„Gegen den Verständigungsfrieden!" —> Weiter: wie wir uns den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands nach dem Kriege vorstellen, haben wir unseres Wissens schon sehr oft gesagt: nämlich im Wege des S o z i a- l i s m u s, einer weitgehenden Verstaatlichung der Bergwerke, Schwereisenindustrie usw. und einer plan- mäßigen Organisierung und Leitung der ge- samten Volkswirtschaft, nicht zu vergessen auch durch weitgehende Besteuerung des arbeitslosen Ren- teneinkommens und des Vermögenserwerbs durch Erbschaft. Doch das alles nur nebenbei. Hauptsache ist uns die Fest- stellung, daß Graf Reventlow und seine Leute Neuwahlen nur'wagen wollen mit Unter-' stützung des gesamten Regierungsapparats, der für die alldeutschen Parteiziele mobilisiert werden soll. Was sie vorschlagen, würde alle bisher dagewesenen Atten- tats-, Kartell- und Hottentottenwahlen bei weitem ig deq Schatten fl ollen, un5 selbst der große WahlmaZher Napoleon III. erschiene gegen Reventlow als reines Waisen- 5ind.„Im größten Stile"-soll die Regierung für Graf Reventlow Wahlmache treiben, dann getraut er sich zu siegen! Ein solcher Heldenmut verdient für alle Zeiten festgenagelt zu werden. Tie Worte Graf Reventlows sind ein einziges großes Geständnis, daß selb st dieser Fanatiker desAlldeutschtunis nicht daran glaubt, ohne Wahlterrorismus und behördliche Beein- flufsung größten Stils im deutschen Volk eine Mehrheit für seine Ansichten s i n d e n z u könne n. Wir haben dem nur hinzuzusetzen, daß es ihm auch mit diesen politischen Desperadomitteln nicht gelingen würde. Tie„Deutsche Zeitung" ist da jedenfalls konsequenter, wenn sie sich ans die Frage, wie das Volk denkt, überhaupt gar nickt einläßt, sondern die Parole ausgibt:„Los vom Reichstag!" Und die„Unabh. Nationalkorrespondenz" ist konsequenter, wenn sie erklärt, der Weg zum Siege gehe über die Niederringung der deutschen Demokratie. Zwischen ibnen und dem Weltpolitiker der„Deutschen Tageszeitung" besteht freilich nur ein Unterschied der Taktik. Im Ziel, die d e u t- s ch e Volksvertretung auszuschalten bei Entschei- düngen, für die das deutsche Volk sein Blut stromweise vergossen hat. sind sie alle einig. Das Volk, das früher oder später doch wieder zur Wahl ausgerufen werden niuß, wird das den Herren nicht vergessen! Der polnische Staatsrat aufgeflogen! Wolffs Bureau meldet aus Warschau vom'29. August: Der Provisorische Staatsrat hat beschlossen, sein Mandat niederzulegen. Ferner hat er die Bil- dung eines Ausschnffes beschlossen, dem sämtliche Berwaltungs- und.Haushaltangelegenheiteu, für die der Staatsrat zuständig ist, insbesondere diejenige» betreffend Uebernahme des Gerichts- und Schulwesens, übertragen werden sollen. Zu dieser Nachricht, die schon am 25. d. richttg war, aber erst heute mitgeteilt wird, bemerkt W. T. B- schonend: „Der bisherige Zustand wird durch diese Beschlüsse sachlich nicht verändert, da die Bildung des Ausschusses die Fortführung der Staatsratsgeschäfte sichert." Es mag sein, daß der administrative Zustand durch dieses Ereignis nicht berührt wird, jedenfalls zeigt er eine sehr bc- merkenswerte Acndcrung des politischen Zustandes an. Die„Tägl. Rundschan" teilt dazu»mter Bruch eines Vcr- lraulichkcitsbcschlusseS mit, daß die Rcichstagsmehr- h e i t die Schaffung einer wirklichen polnischen Volksvertretung und eines verantwortlichen polnischen Ministeriums sowie die Aufhebung der deutsch-österreichischcn Wirtschaftsgrenze vcr- langt.___ der Moskauer Nationalkongreß. Tscheidse redet. Petersburg, 28. August. sMeldung der PeterSbarger Telegr.- Agcntur.) Tscheidse, der Vorsitzende der Arbeiter und Soldntenräte ganz Rußlands, bestieg die Rednertribüne unter dem begeisterten Beifall der Linken und unter dem Zuruf:.Es lebe der Führer der russischen Revolution!" Im Namen der Vertreter einer Reihe demokratischer Vereinigungen verla-Z Tscheidse eine Erklärung, die hervorhebt daß nur die tätige Mithilfe der revolutionäre« Demokratie die Wiedergeburt der Armee und de? Landes und die Rettung Ruß- lands und der Revolution ermöglichen werde, und daß nur eine Macht, die sich auf die ungeheure Volks masse stütze, das Land auS seiner kritischen Lage retten und die äußeren und inneren Feinde besiegen könne. Tscheidse erklärte darauf, daß die geeinte revolutionäre Demokratie erkenne, daß die Lebens- mteresien des Landes und der Revolution die unmittelbare Anwen- dung folgender Maßnahmen verlangen: Erstens auf den, Gebiete der Lebensmittelversorgung muß die Regierung in Be- ioloung einer festen Politik ein Monopol für Körnerfrüchte und feste Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse aufrecht erhallen: zweitens auf dem Gebiet des H a n d e l S. der Industrie und der Landesverteidigung verlangt die Erzeugung und Lieferung der Munition durchgreifende Maßnahmen zur Regelung des Transports und �ur Erhöhung der Ergiebigkeit der Industrie; drittens die Finanzen verlangen die rücksichtslose Anwendung der Gesetze bezüglich der Einkommen- und Kriegsgewinnsteuer. ebenso die Reform der Erbschaftssteuer lowie die Einführung von Steuern auf den Wertzuwachs and ans Luxusartikel und andere Sleuermaßnahmen. Bezüglich der Anleihen muß die Regierung kräftige Maßnahmen hinsichtlich ihrer Verteilung treffen; viertens die Agrarreform muß jede Au- eignung von Land sowohl durch einzelne als auch durch Personengruppen oder durch dieGe- iellschaft verhindern; fünftens, hinsichtlich der O r g a n i- lation der Armee verlangt die Erklärung eine Ab- grenzung der Rechte und Pflichten der Führer und A r m e e ko m m i ssa r e. �»insichtlich der Nationali- i ä t e n s r a g e besteht die Erklärung darauf, daß die Vorläufige Regierung jeder Nationalität die Bestimmung über ,hr Schicksal überläßt, vorausgesetzt, daß die Kon- nituierende Versammlung ihre Einwilligung erteilt. Der Redner beendete seine Erklärung mit einem Appell an die Vor- läufige Regierung, die mit voller Machtvollkommenheit ausgestattet werden müsse. In der A b n d s i tz u n g wie?, wie die Petersburger Tele- graphen-Agentur meldet, der frühere KriegSminister Gutschkow aus die drohende Gefahr einer Niederlage des russi» ichen Heeres und auf die Krise im nationalen Wirt- s ch a s l S l e b e n hin, die die Versorgung des Heeres mit Munition und Verpflegungsmitteln täglich schwieriger mache. Nach Gutschkow sprach S ch u l g i n, der sich gegen die LoslösungS- bestrebungen gewisser Teile der ukrainischen Bevölkerung wandte. Sodann verlas KerenSki ein Begrüßundstelegramm Wilsons, daS der amerikanische Volschafter übermittelt halte, und beauftragte unter dem Beifall der Versammlung den Minister des Aeußern Terestichenko, dein Bvtschafter den Dank der Konferenzteilnehmer auszusprechen. Der Abgeordnete der vierten Duma Maklalow gab seinen Zweifeln darüber Ausdruck, daß es der Regierung ge- liiigen werde, ihr Programm durchzusühren. Im Namen der A.- und S.-Räte sprach Tseretelli über die während der Revolution hervorgelretene Bedeutung der demokratischen Organisationen. Tic dritte Sitzung. Der Präsident der Duma R o d z i a n k o erklärte eS in der StaalSkonferenz für Rußlands Unglück, daß die revolutionäre Abflauen des Kampfes im Westen— Erfolgreicher Gegenstoß bei Frezenberg— Fortschritt am mittleren Sereth— Neue Bewegung an der mazedonischen Front— Auf dem Karst alle italienische Angriffe abgeschlagen— ÄOO Gefangene. Amtlich. Große? Hauptquartier, den 29. August 1917.(W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Unter dem Einfluß stürmischer, regnerischer Witterung blieb fast durchweg die Feuertätigkeit in mäßigen Grenzen. Zahlreiche eigne Erkundungsvorstöße brachten uns Gewinn an Gefangenen und Beute. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern lebte am Abend der Artillcriekampf»wischen Langemarck und Hollebeke auf. Unser Gegenstoß warf die Eng. ländcr aus der nordöstlich von Frezenberg gewonnenen Ein- buchwng zurück. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Bor Berbun stärkere Kampstätigleit der Artillerie» nur auf dem Ostufer der Maas zwischen Beaumont und Damloup. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Zur Vergeltung für die Beschießung von Thiaueourt durch die Franzose» wurde von unS Noviant-aux-Prss und Pont-ä- Mousson unter Fernfeuer genommen. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Front de? GeneralfrldmarschallS Prinz Leopold von Bayer». Keine größeren Kampfhandlungen. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph Beiderseits des Ojtoz-TaleS stürmten fchlefifche und öster- reichisch-ungarische Truppen einige Höhenfiellunge» und wiesen nördlich von Grozesei starke Gegenangriffe ab. Mehr alS 690 Gefangene wurden eingebracht. Gegen die GebirgSfront zwischen Eastnu- und Putna-Tal stießen die Rumänen an mehreren Stellen vor, ohne einen Erfolg zu erzielen. HeerrSgrupp r drS Generalfeldmarschall» von M a ck e n s e«. Am GebirgSrande westlich deS mittleren Sereth»ahmen nach wirkungsvoller Artillerievorbereiwng preußische, bayerische, sächsische und mecklenburgische Bataillone im Häuserkampf das Dorf Muneelul. Den geschlagenen Gegner drängten fie unauf- haltsam über mehrere Stellungen zu beiden Leiten deS Susita- TaleS nach Nordwesten zurück. An dem Ungestüm der Angreifer zerschellten starke russisch-rumäuische Gegenangriffe. Der Feind büßte über 1900 Gefangene, 3 Geschütze und 59 Maschinengewehre ein und erlitt empfindliche blutige Berluste. Oestlich der Bahn Foesani— Adjudul Ron lebhafte Kampf- titigkcit der Artillerien. Mazedonische Front. Die Feuertätigleit war vielfach stärker alS in letzter Zeit, besonders zwischen Bardar und Dosran-Sce. Borfeldgefechte an den Osthängen der Ridze Planina verliefen für die Bulgaren erfolgreich. Der Erste Genrralquartirrmrister. Ludendorff. Macht, geschaffen durch die Duma im Einverständnis mit dem Ar- heiter- und Soldatcnrat, welcher sich damals gerade gebildet hatte, nicht Seite an Seite mit der nationalen Vertretung ging, sondern sie beiseite schob und ihre Mitarbeit ablehnte. Daher sei dicic Macht gleich unter den Einfluß der sozia- listischen Verbände geraten, welche nach Angabe der Mini- stericn selbst wiederholt die vollständige Unterwerfung der nationalen Interessen unter die Klafleninteressen gefordert hätten. Der Kadettcnführer Miljuko w stellte fest, daß unglücklicher- weise selbst die zwei Monate der Koalitionsregierung lediglich durch zwei weitgehende Kapitulationen vor den uto« pistischen Forderungen der Arbeiterklasse und den übertriebenen nationalistischen Ansprüchen der Böller Rußland» gekennzeichnet worden seien. Die Sitzung endigte abends. Die dritte Sitzung der Staatskonferenz begann mit einer Rede deS Vertreters der SemstwoS, G r u z i n o w. des ehemaligen MiliiärgouverneurS von Moskau, welcher erklärte, daß seine Gruppe sich der Erklärung der vierten Duma anschlöffe, welche Rodzianlo nicht Zeit gehabt hätie zu verlesen. Die Erklärung be« sage, die Hauptaufgabe deS Augenblicks sei, Rußland vordem feindlichen Einfall zu retten, zu diesem Zweck dre Manneszucht in der Armee durch Beseitigung jeglicher Politik aus ihr wieder herzustellen, das Ansehen der Führer zu v e r st ä r k e n, die Machtbefugnisse der militärischen Ausschüsse auf ihre wirtschaftlichen Aufgaben zu beschränken und dem Oberbefehlshaber die Möglichkeit zu geben, seine Macht ohne Einschränkung auszuüben. Darauf ergriffen die Vertreter der Eisenbahnen daS Wort, unter denen F r o l o w, der Abgeordnete des Bundes der Ingenieure, auf die vollständige Zerrüttung des Berkehr« hinwies, welche, wenn der gegenwärtige Zustand der Dinge an- hielte, zu einem vollständigen Stillstand im November führen würde. Die Folgen dieses Umsiandes, sagte der Redner, werden furchtbar sein, ebenso im Innern des Landes wie an der Front, von wo sich die Armeen nach Rußland hineinstürzen und dort vielleicht beispiellose Ausschreitungen be- gehen könnten. Frolow hob hervor, daß die ungemessenen Ansprüche der Arbeiter bei dieser Desorganisation eine große Rolle spielen. Der Vertreter der Israeliten Gruzenberg hielt eine lange Rede, worin er sagte, daS jüdische Volk liebe trotz der unerhörten Verfolgungen, denen eS von der alten Re- gierung ausgesetzt war, gleichwohl sei» großes Vaterland und habe mächtig zu seiner Befreiung und zu seiner Ver- teidigung gegen den Feind beigetrageir. Die Vertreter der Ukraine und des westlichen Ruß- lands, deS sogenannten Weißrußlands, erklärten, ihre Völker seien bereit, dem Wohl des Vaterlandes alles zu opfern. Der Vertreter der Letten sagte, Kurland werde niemals mit Deutschland sein. Der Vertreter des allgemeinen Bundes der russischen Mohammedaner sagte, alle mohammedanischen Bürger Rußlands unlerstützten voll die Vorläufige Regierung. Abendbericht. Berlin, amtlich. 29. August 1917, abends. Keine größeren Kampfhandlungen. Der österreichische Bericht. Wien, 29. August 1917.(W.T.B.) Amtlich wird »crlautbart: Oestlichcr Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Gencralfeldmarschall» von Rlackenseo Unsere bei Focfani kämpfenden Berbündeten erstürmten gestern das Dorf Munccln und warfen den Feind über die Höhen nörd- lich dieses Orte» zurück. Die Beute beträgt über 1999 Ge- fangene, 3 Geschütze und 59 Maschinengewehre. Hccrrsfront des Generalober st Erzherzog Joseph. In ben Tälern der Putna und Susita fühlten rumänische Abteilungen ergebnislos vor. Südlich von Okna entrissen öfter- rcichisch-ungarischc und deutsche Truppen dem Feind eine Höhe. 999 Gefangene sind eingebracht. Gegenangriffe wurden abgc- wiesen. HecreSfront deS Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Nicht» von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. DaS Ringen der 1l. Jsonzo-Schlacht wuchs gestern zu be- sonderer Höhe an. Die Wucht deS italienischen Angriffs war noch stärker als an den vorangegangenen Tagen. Der Erfolg blieb unbestritten unseren Waffen. Auf der Hochfläche von Bainfizza-Hciligengcist richtete sich— »»» verschwenderisch schießenden Batterien aller Kaliber unter- stützt— die Gewalt des feindlichen StoßeS vor allem gegen die Räume von Kal und Podlosee. In stundenlang andauernden schwere» Kämpfen gewannen unsere Tapferen vollends die Ober- Hand Über die durch Berstärkungen ununterbrochen genährten Massen de? Gegners. Spät in der Nacht wurde der letzte ita- lienische Ansturm abgewiesen. Außergewöhnlich heftig brandete der Kampf wiederum um den Besitz des feit Tagen heiß um- strittenen Monte San Gabriele. Als es in de» Abendstunden am Nordhang einer italienischen Kampfgruppe gelungen war, in unsere Stellung einzudringen, wurde sie durch Abteilunge« der Regimenter 29(Neu-Sandce), 34(Kassa) und 87(Cilli) im Gegenstoß gefaßt und aufgerieben. Ein italienischer Stabsoffizier und 299 Mann blieben in unserer Hand. Ein weiterer Angriff kurz vor Mitternacht nordöstlich deS Gabriele, ohne Artillerie- Einleitung angesetzt, wurde durch unser Feuer niedergestreckt. Eine möchtige italienische Angriffswelle sollte östlich von Görz und nördlich deS Wippach-TaleS Bahn schaffen. Nach sechs- stündiger Artillerievorbereitung brach zu Mittag die feindliche Infanterie gegen unsere Linien vor. Am Friedhof von Görz und bei Graziana wurde der Gegner durch die hervorragende Wirkung unserer Batterien, denen über- Haupt reichlicher Anteil an den gestrigen Erfolge« gebührt, zum Weichen gezwungen. Bei San Mareo hingegen konnte der Feind erst in erbittertem Ringen von Mann gegen Mann zurück. geworfen werden, wobei sich namentlich die bewährten Kämpfer deS Nordböhmischen 2. Jiigerbataillons und des kroatischen In- fanteric-Regimentö Nr. 96 hervortaten. In enge« Kampfräume brachte» wir hier Gefangene von sieben italienischen Regimentern ein. Auf der Karsthochfläche kam es zu lemen größeren Kampfhandlungen. Trieft wurde neuerlich von feindlichen Fliegern heimgesucht. Die in die Stadt geworfenen Bomben richteten keinen nennenswerten Schaden an. Der Chef des Generalstabes. Wilsons Antwort an üen Papst. Gegen Mitteleuropa! Nack einer Kabelmeldung aus New erklärte Han- stclsminister Rcdfield, Wilson werde die päpstliche Note beant- warten. Während die anderen Staaten öer Entente mit be- stimmten Absichten in den Krieg eintraten, �beabsichtige Amerika nur, es in Zukunft unmöglich zu machen, daß Deutschlands Autokratie nochmals den Weltfrieden bedrohe. Die Welt sei überzeugt, daß diese Autokratie den Krieg begonnen habe, sie müsse deshalb für immer ausge- rottet werden. Wilson bestreitet, daß Deutschlands Autokratie durch den Krieg ad absurdum geführt sei. Er sieht viel- mehr, wie die„Times" zu melden weiß, in dem Versuch, ein politisch und wirtschoftlid) einheitliches Mitteleuropa zu schaffen, die Absicht, auch ein großes, zusammen- hängendes Rekrutierungsgebiet für den deutschen Militarismus zu bilden, der nur au-f eine bessere Gelegenheit warte, die deutsche Weltherrschost zu begründen. Wilson übersieht oder will übersehen, daß der Zusammenschluß der mitteleuropäischen Reiche freiwillig ist. der Versuch, ihn zu stören, daher wider das von ihm proklo- mierte Recht auf freie Selbstbestimmung der Nationen ver- stößt. Eine wichtige Ergänzung zu dem Inhalt der Wilsonscheu Note bringt Reuter. Danach wird der Präsident erklären, es sei keine Basis vorhanden, um zu Besprechungen über den Frieden überzugehen, da Deutschland seine Be- dingungcn nicht bekanntgegeben habe. die Konferenz üer ententistischen Sozialisten. Auf der Sozialistenkonferenz der Alliierten sagte Henderson. er glaube, daß nur wenige die Erklärung der Londoner Sozialisten- konfcrenz vom 2, Februar 1915 aufgeben oder wesentlich abändern wollten. Was in dem jetzigen Wettstreit auf dem Spiele stehe, sei für die Zukunft der menschlichen Rasse von so weitreichender und lebenswichtiger Bedeutung, daß es die leidenschaftsloseste und sorgfältigste Prüfung sowohl der Rtehrheits- als der Minderheits- Parteien in allen hier vertretenen Ländern erfordere. Man könne kein sehr befriedigendes Ergebnis erreichen, wenn die Mehrheitsparteien die Mindcrheitsparteicn einfach zu überstimmen suchten. Es sei besser, ihre Meinungsverschiedenheiten anzuerkennen und durch gegenseitige Ilebereinstimmung eine Grundlage für die KricgSzielc zu schaffen, die geeignet sei. einen dauernden, ehren- vollen, demokratischen Frieden zu sichern. Wenn die Entscheidung der Konserenz auch nicht bindend für die Regierungen fei, so würde sie doch m der ganzen Welt als das wohlüberlegte Urteil deS arbeitenden Proletariats der vertretenen Ländcr betrachtet iverden. Die russischen Vertreter erklärten, daß'sie an den VerHand- lungen der Konfcrenz vollen Anteil nehmen würden. der Krieg auf öen Meeren. Im Ätla»tischen Ozean haben unsere die Berlin, Za Neutralen Berlin, 28. August. U-Boote neuerdings 18000 Sr.-Reg.-To. vernichtet. Unter den versenkten Schiffen befanden sich ein bewaffneter englischer Dampfer vom Aussehen der Salomo<5019 To j, italienischer bewaffneter, vollbeladener Dampfer Eugenia, ferner ein bewaffneter englischer Dampfer unbekannten Namen«, anscheinend mit Oel- ladung. Der Ches dcS Admiralstabc« der Marine. Wie England von Holland Schiffsraum erpreßt. August. Zur Erpressungspolitik der Entente gegen schreibt da« Sozialistenblatt„H e t B o l f" bmu 27. August:.Jeder weiß, daß holländische Handelsschiffe, in Eng tand angekommen, dort weder Ladung noch Steinkohlen siir die eigenen Maschinen bekommen können, wenn sie nicht zwei Reisen hin und zurück nach Frankreich machen nnd sich dabei der U-Boot-Gesahr aussetzen. Jeder wcitz. datz holländische Schiffe zur Strafe dafür, dah dlc meisten holländischen Reeder ihre Schiffe solchem Risiko nicht aus- fetzen wollen, in England und Amerika festgehalten werden. In Amerika liegen nicht weniger als siebzig Schiffe, von denen vierzig mit Lebensmitteln und Viehfutter geladen sind." Die Zrage nach öelgien. Vom Sekretär de« Ami» Oorlog- Raab erhielt die Deutsche FriedenSgesellschost eine vom 18. datierte Depesche, in der es beitzl: .Ein a»S England empfangenes zuverlässige» Privat- telegramm teilt uns folgende« mit: Eine unbedingte Erklärung des Kanzlers, welche die vollständige Freiheit Belgien« garantiert, würde et» erster essentieller Schritt zum Frieden sein. Solche Erklärung würde zweifellos die internationale Lage ändern." Die Depesche ist.aus militärischen Gründen verzögert". tzilfsüienftausschuß. Ter Vorsitzende Abg. G o t h e i n brachte bei Beginn der Sttzung am Mittwoch ein Abschiedsschreiben de« General Gröner zur Verlesung. Der AuSschust beschloh an General Gröner ein Dankschreiben zu richten. Ter Vorsitzende richtet dann einige Be- grühungsworte an den Chef de« KriegsamiS, General Scheuch. Ter AuSschuh wandte sich nun der Behandlung von Petitionen zu. Abg. Hoch lSoz.) brachte noch einimal das Vorgehen gegen die Tunlop-Gesellschaft in Hanau zur Sprache. Der Ausschuh habe die Angelegenheit zur nochmaligen Prüfung dem KriegSamt überwiese», ohne dah eine Aendevung eingetreten wäre.— General Scheuch erklärt, dah ihm die Einzelheiten nicht bekannt seien; er versichert, in den Bahnen seines Vorgängers wandeln zu wollen. — Ein Vertreter des Kriegsamts behauptet, dah gegen die Dunlop- Gesellschaft ganz ordnungSgcmäh verfahren worden ist.— Abg. Hock stellt denrgogenüber fest, dah die Fabrik erst Mitteilung von der«chliehuna erhalten hat. als Verhandlungen nicht mehr möglich waren. Die Tunlop-Werkc, als ein ursprünglich englisches linternehmen, sind ein Opfer der Konkurrenz geworden. Von diesem Treiben hat sich die Militärverwaltung offenbar beeinflussen lassen. Deshalb müsse eine genaue Nachprüfung stattfinden; der Betrieb darf nicht der Konkurrenz zum Opfer fallen.— Die Darlegungen des Abg. Hoch werben vom Abg. Müller-Fulda nachdrücklich unterstützt.— Tie anfchlietzcndc lange Debatte endete mit der Annahme eines Antrages, der die Vorlegung der Grund- >äpe für die Stillegung von Betrieben förderte Der Antrag des Abg. Hoch, im Falle Dunlop die Befchluhfaffung. auszusetzen, wurde angenommen. Ein Vertreter des Kriegsamts desprach dann die Schwierig- keiten der Versorgung mit Kohle, die einen ganz erheblichen Ein- rluh auf die Stillegung der Betrieb« hat.— Aus dem Kreise des Ausschusses wird angeregt, alle Stillegungs-Aligelegen- beiten der Nachprüfung durch den Ausschuh zu unterstellen. Tann wird diese Anregung noch dabin ausgedehnt, dah der Ausschuh vor den Stillegungen vorher informiert wird. Für die Regelung der Verhältnisse in den Vraurrcibrtricben soll eine besondere Reichsstelle geschaffen werden, nachdem sich er- geben hat, dah viele Brauereien grohe Hypothekcngeschäste sind, die eigentlich nur nebenbei Bier herstellen.— Von einein Redner wurde dervorgeboden. dah gegen die Brauereien scharf vorgegangen werden müsse. Von anderer Seite wieder wurde zur Vorsicht gemahnt, wenn es auch richtig sei, dah die Brauereien jetzt fast nur noch ge- tärbtes Wasser herstellen.— Eine Petition, der zur Norddeutschen Brousteuergemeinschaft gehörigen Brauereien um möglichste Be rücksichtigiing, wird dem Kriegsamt als Material überwiesen.— Eine Reihe gnderer Petitionen ging von einzelnen Unternehmern aus, die mit der Beschränkung ihrer Betriebe nicht einverstanden «waren._ Für Wahlrechtsfrage in Sachsen. Die sozialdemolralische Fraknon des sächsischen Landtags bat die Einbringung einer Interpellation beschlossen, in der der Regierung die Frage gestellt wird, ob sie, der Ankündigung \n Preußen folgend, die Einsühruug des allgemeinen, g I eichen, direkten und geheimen Wahlrechts vorzubereiten und dem kommenden ordentlichen Landtage eine Vorlage darüber zu inachen gedenke. Die sächsische Regierung hatte sich hekannllich vor der Veriaguiig des Landtags Ansang Juli für unveränderte Bei. beHaltung des Pluralwahlrecht» ausgesprochen. ver HauptausschiiK über den Belagerungszustand. Lette Nachrichten. Moskauer Nationalkongreh. Moskau, 28. August. Ter ehemalige Oberbefehlshaber General Alexejew klagte über die Soldatenausschüffe, welche dem Heere wohl wirtschaftliche Dienste leisteten, aber die Mannszucht sehr schädigten. Die Offiziere seien wahrhafte Märtyrer geworden und hätten die Offensive vom 1. Juli und den letzten Rückzug teuer bezahlt. Alexejew führte unerhörte Tatsachen an, zum Beispiel eine Truppe, die, aus 28 Offizieren, 20 Unteroffizieren und 2 Mann bestehend, zum Angriff vorging, während die anderen dem Unter «gange dieser Helden kaltblütig zusahen. Frau Breschko Breschkowska, genannt die Groß. muiter der russischen Revolution, wohnte der Konferenz bei und sprach einige Minuten unter dem lebhasten Beifall der ganzen Versammlung. S:e schloß mit dem Appell, endlich von Worten zu Titten überzugehen und der Armee zu helfen, des Feindes Herr zu werden. K r a p o t k i n hielt eine längere politische Rede, worin er die schwerwiegenden Folgen aufzählte, die ein deutscher Sieg haben würde. Er schloß mit dem Wunsche, dah Rußland endlich zur föderativen Republik ausgerufen werden möge. Dieser Wunsch, der zum erstenmal auf der Konferenz ausgesprochen wurde, entfesselte eine langanhaltende Kundgebung zu Ehren des großen revolutionären Ruhland. P l e ch a n o w erhob lebhaften Einspruch gegen die Behauptung gewisser Narren, daß die revolutionäre russische Demokratie bereit sei, einen Sonderfrieden mit Deutsch- land zu schliehen.„Ich verspreche im Namen dieser Demokratie," rief Plcchanow aus,„dah sie niemals die Hand zu solchvr Schande bieten wird, deni» das wäre Verrat an den großen Demokratien FrankrcichZ und Englands." Langaichaltender Beifall., Am Mittwoch wurden Zensur und Versammlungswesen unter dem Belagerungszustand besprochen. Abg. Dove n g a n s g t b e tz t babe. Auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand hat der stellvertretende Kommandierende General d?S 2. Armeekorps in Stettin am 12. Juli dem Zieger jede Teilnahme an Versammlungen, Sitzungen oder Zusammenkünfien, in denen öffentliche Angelegenheiten beraten werden, sowie überhaupt jede organisatorische, schriftstellerische oder rednerische Beteiligung in öffentlichen Angelegenbeiken Gr die Dauer de» Krieges verboten. Zieger ist aber zugleich Stadtverordneter, Daher wollte der Vorsteher der Stadt- verordnetenverfammlung Zieger von der Trilnayme nn den Stadt verordiietenverfammlungen ausschließe«, da et diese Notwendigke t aus dem Befebl des stellvertretenden Kommandierenden Generalr herausgelesen hatte. Erst infolge des entschiedenen Einspruchs Ziegers bat sich dann der stellvertretende Kommandierende General veranlaßt gesehen, die Anordnung des Vorstehers der Stadtv«.". ordnetenverfammlung für unnötig zu erklären. Selbst dt« Teilnahme an Vorstandssitzungen werde den Vertretern der Unab- hängigen in einigen Fällen verboten So sei eine Vorstand»- s i tz u n g des Bezirks Nordwest in Kiel, an der Abg. Henke teil genommen hat, von der Polizei aufgelöst worden. Die Teilnehmer wurden auf die Polizei gebracht und der Abg. Henke eine Nacht in Haft behalten, obgleich er auf seine Eigenfchafi als Abgeordneter hingewiesen und die Zulässigkeit der Haft ent- schieden bestritten hatte. Beschwerden in derartigen Fällen werden vom Kriegsministerium verschleppt, und schliehlich bekaamt der Beschwerdeführer eine Antwort, die nur da» wiedergibt, was der Kommandierende General verfügt hat. Ebenso werden die Zcitangen und Zeitschriften, welche von der Nnabhängigen Soziald>unokratis«hen Partei herausgegeben werden, mit Verfolgungen aller Art bedacht. Gegen die Redakteure sogar gehen die Behörden so weil, das- sie sie in Schutzhaft nehmen So sei der Schriftleiter Schölte vom Generalkommando in Münster in Schubhaft genommen worden, iveil er der heimlichen' Verbreitung von Druckschriften mit laudeS- verräterischem Inhalt hilfreiche Hand geleistet habe. Alle Versuche, die Sache vor die Gerichte zu bringen, seien gescheitert, und als endlich eine gerichtliche Verhandlung unvermeidlich erschien, sei Schotte zum Militär eingezogen worden. Es beißt in der Be- gründung für die Aufhebung der Schutzhaft wie folgt: „Nunmehr steht d-ie militärische Einziehung des Schotte bevor. Nach seiner Einziehung wird Schotte unter den gegebenen Verbältnissen voraussichtlich keine Gelegenheit haben, sich in landesgefährlicher Weise durch Verteilung von Druck- schriften usw. zu betätigen, so dah die Sicherheitshaft zur weiteren Abwendung einer Gefahr für die Sicherheit des Reiches nichl mehr erforderlich erscheint." Unter dem Belagerungszustand besteht geradezu eine Schreckensherrschaft. Das einzige Mittel hiergegen sei die Beseiti- gung des Belagerungszustandes. Vertreter des Reichskanzlers, Dr. Helfferich: Nach dem Kanzlerwechsel hätten die feindlichen Zeitungen die Behauptung verbreitet, der neue Reichskanzler sei lediglich ein Werkzeug der angeblichen Militärdiktatur. Der gegen unser Land gerichtete Zweck solcher Ausstreuungen sei für jedermann klar. Er stelle fest, daß der Abg. Dittmann es für richtig gehalten habe, die- selbe Behauptung hier aufzustellen, offenbar zu dem Zweck, sie drauheu im Laude zu verbreiten, womit er wieder einmal d i e Arbeit unserer Feinde besorge. Die Persönlichkeit des Reichskanzlers stehe zu hoch über solchen Augriffen, als dah er als Stellvertreter des Reichskanzlers sie gegenüber dem Abg. Dill- mann zu verteidigen brauchte. Abg. Heine(Soz.): Ueber die Zensurverhältnisse zu spreiben, sei wahrlich kein Vergnügen. Immer wieder und wieder seien wäbrend des Krieges die vorhandenen Mißstände besprockien worden. Die Reichsleituug habe die schönsten Versprechungen gemacht, aber gehalten habe sie nichts. Die Verhältnisse seien nicht besser geworden, sondern im Gegenteil seien die Nebergrifse immer gewissenloser, immer dreister erfolgt und hätten einen immer größeren Schaden unserem Volke zugefügt, sowohl im eigenen Lande als auch im Auslände. Hier mussc tcükräftig durchgegriffen und der Belagern ngs- zu st and aufgehoben werden. Das bezwecke der Antrag seiner Partei. So, wie es jetzt zugeht, könne es nicht bleiben; Wan- del muffe geschaffen werden; eS müsse endlich ein Ende gemacht werden mit der Unterdrückung einzelner politischer Richtungen und der Gewerkschaften. Der Redner geht auf die Maßnahmen der Militärverwaltung im einzelnen ein und beleuchtet ganz besonder« die Vergewaltigung der Gewerkschaften. Er weist darauf hin, dah Werkstattbesprechungen als politische Versammlungen hingestelli, zeitige Anmeldung verlangt und von der Genehmigung abhängig gemacht werden. Dieses Vorgehen ist unvereinbar mit§ 14 des Gesetzes über den vaterländftchen Hilfsdienst, nach dem den im vaterländischen Hilfsdienst beschäftigten Personen die Ausübung des ihnen gesetzlich zustehenden Vereins- und Versammlungsrechts nicht beschränkt werden darf. Der Polizeipräsident in Breslau be- gnügt sich nicht nur mit Maßnahmen der Zensur, sondern greift noch durch persönliche Anzeigen gegen die Presse ein. Weiter be- sprach Redner das Vorgehen der Militärbehörden gegen den Bund der Kriegsbeschädigten nnd ehemaligen Kriegsteilnehmer. Unter durchaus nichtigen Vorwänden ist die Militärverwaltung diesem Bund entgegengetreten. In Wahrheit will sie denBund unter- d r ü ck e n, um nicht eine KonkurrenzgegendieKrieger- vereine auftomme» zu lassen. Das Generalkommando in Karlsruhe l>abe sich gegen den Bund gewendet mit der Begründung. er sei eine recht unerfreuliche Erscheinung vom Standpunkt des Volksganzen aus. Dann ging Redner auf die hierzu von den Mehrheitsparteien gestellten Anträge ein. In dem ersten dieser Anträge wird der Reichskanzler ersucht, dahin zu wirken, daß die politische Zensur alsbald beseitigt werde. Das allein aber genüge nicht, denn die Militärbehörden begründen auch ihre politische Zensur damit, daß die politischen Ausführungen geeignet seien, den militärischen Geist zu schwächen, und daraus schließen sie, dah ihre Zensur, obgleich sie sich auf politische Fragen beziehe, doch nur eine militärische Zensur sei. Daher werde in einem zweiten Antrag der Mehrheitsparteien der Reichskanzler er- sucht, die Jnnehaltung der folgenden Grundsätze über die Hand- habung der Zensur wahrend des Krieges schleunigst herbeizuführen: 1. Die den Militärbehörden auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand zustehenden Befugnisse beschränken sick der Presse einschliehlich des Buchverlags gegenüber auf daS Gebiet der Mitteilung von Tatsachen der Kriegführung und deren Kritik, soweit durch solche Erörterungen nttli- tarischc Unternehmungen beeinträchtigt werden können. 2. Die Erörterung der Kriegs» und Friedens- ziel«, von P c r fa s s u n g s s r a ge n und Angelegenheiten der inneren Politik unterliegt nicht der Zensur. 3. Verbote von Zeitungen und Zeitschriften dürfen nur aus Gründen der Gefährdung militärischer Unternehmungen und nur mit Zustimmung des Reichskanzlers und nach Anhörung des Herausgebers über die Gründe des beabsichtigten Verbotes erfolgen. Der Rebner wies die Notwendigkeit dieser Maßnahmen an der Hand einer Reihe von Fragen nach, insbesondere gegenüber den Kais er red en und dem Verbot des Buches von Professor Wilh. Förster über die deutsche Jugend und den Krieg, sowie des Verbots der Hacdenschen»Z u k u n f t". Die Zustände sind derart, daß wir sie uns nicht mehr gefallen lassen können. In vier Wochen werde das Plenum des Reichstags zusammentreten. Bis dahin habe die Reichsleituug Zeit, zu zeigen, dah sie den Wünschen der Reichstagsmehrheit in bezug aus die Handhabung des Belagerungs- zustaiideS entgegenkomme. Wenn bis dahin nicht Wandel geschaffen ist, mühten sich die Mehrheitsparteien überlegen, was zu tun sei, um zu erreichen, daß im Innern derartige Zustande, nimt länger bestehen. DaS sei unbedingt notwendig, wenn wer dem Vaterlande dienen wollen. UnterftaatSsekretär Wallrof ragen zu den s ch w i e- eichSamtS des Innern die Heeresleitung und weist daraus hin, dah die angeschnittenen rigsten Angelegenheiten des! zählten. Zudem spielten Rücksichten auf. deren Rechte hinein. Die Beschränkung der persönlichen Freiheit, wie sie die Kriegsgesetzc auferlegen, lasse sich nur aus der Not der Zeit rechtfertigen. Inwieweit eine Milderung oder Avschwächung der Zensur möglich sei, entscheide sich mit Rücksicht auf die gesamte Lage des Reiches. Der Antrag auf Aufhebung des BelagerungS- zustandcS sei schon im Mai im Reichstag gestellt und abgelehnt worden. Inzwischen habe sich die Lage deS Reiches nicht geändert. Keine der kriegführenden Mäichtc verzichte auf diese Maßnahme. die in der KriegSzeit unentbehrlich sei. Er bitte daher um Ab> lehnung dieses Antrags. Bei den anderen Anträgen, die auf die Aufhebung der politischen Zensur hinzielten, müsse man wohl er- wägen, od auch die äußere Politik im vollen Ilmfange frei- gegeben werden sollte. Dies verbiete sich wohl. Was die Befreiung acr inneren Politik von der Zensur betreffe, so seien aus diesem Gebiete bereits Kviegsziele und kriegSwirtsöhastliche Ange- legenbeiten freigegeben worden. Die freie Besprechung der w i r t- schastlichen Fragen habe auf«den robusten Teil der Be- völkerung günstig gewirkt, auf den weniger widerstandsfähigen da- gegen niederdrückend. Das sage er nur, um zu zeigen, nach wie verschiedenen Richtungen selbst bei der berechtigten Freigabe der wirtschaftlichen Erörterungen die Wirkungen sich geltend machen. Unter Abwägung der Vor- und Nachteile wolle er prüfen, in- wieweit man auch für die innere Politik die Zügel der Zensur lockern könne. Man dürfe nie vergessen, dah das Amt de? Zensors schwierig sei und hohe Anforderungen stelle, und dah sich auch die Presse nach drei Kriegsjahren manchmal naturgemäß erregter zeige als in FriedcnSzciten. Abg. Erzberger: Nachdem der zukünftige Staatssekretär ____________... des Reichsamts des Innern die Prüfung zu«gesagt habe, können wir nzohl damit rechnen. dah die von uns geforderten Einschränkungen der Zensur aucd durchgeführt werden. Die vorgebrachten Gründe sprachen ebenso für die Vorzensur, über deren Ilndurchsührbarkeit ja kein Zweifel bestehen könne. Nach seiner Ueberzeugung genüge das Spionage- gesetz vollkommen, um wirklichen Mißständen entgegenzutreten. Jetzt seien die Verhältnisse unerträglich und tragen nicht zur Stär- kling, sondern zur Schwächung unseres Volkes bei. In bezug auf die Veröffentlichung der Kaiserrede» frage er an. ob die Reichsleitung Kenntnis von den zu»er- öffentlichenden Reden erhalte und der Reichsaknzler dafür die Verantwortung trage. Ihm sei mitgeteilt worden, daß dies nicht ge- chcbe lind die Veröffentlichungen vom Militärkabiuett erfolgten. — Hieraus begründete Abg. Erzberger einen gemeinsamen Antrag der Mehrheitsparteien, dah die BuiideSratsvcrordiiung über die Konzessionspflicht der Lichtspiele aufgehoben werde. Diese Ver- ordnung gehe weit über das hinaus, was nach dem Ermächtigungs- gesetz zulässig sei. Der Reichstag habe den Wunsch ausgesprochen. daß diese'Angelegenheit durch die Gesetzgebung erledigt werde, und deshalb sei es durchaus ungehörig, dah die Reichslcitung hier durch eine BundeSratsvcrordaiung eingegriffen habe. Direktor Easpar und Dr. Helfferich versichern, dah e« ihnen durchaus ferngelegen habe, den Reichstag hier zu umgehen. Für die Mahnahmen sprächen auch wichtige wirtschaftliche Gründe. Staatssekretär des Auswärftgen Dr. v. Kllhlmann: Das Auswärtige Amt habe jederzeit einen Vertreter im Haupt- quartier und nehme Kenntnis von den zu veröffentlichenden Reden des Karjers. Der Reichskanzler trage daher die Verantwortung auch für diefe Veröffentlichung. 8ft»t.€5fr ef ernenn stellt fest, datz bt« tnfcvsrf QdfferUbf nicht /den Kenn der Sache trifft. Die Reichilertung habe anf Grund des Ermächtigungsgesetzes derartig in das WirtschaftSlsben eingegriffen, daß es durchaus nicht mehr den Absichten deS Reichs- bei der Zustimmung zu dem Ermächtigungsgesetz entspricht. Abg. Hoch(Sog.): Auch die Ausführungen des zukünftigen Staatssekretär? des Innern über die Zensur seien nicht geeignet, seine Partei von dem Perlangen abzubringen, endlich bessere Zustände zu erzwingen.— Redner geht näher darauf ein, daß dem Abg. Brandes vom Generalkommando in Magdeburg erklärt worden sei, er dürfe nun noch dann sprechen, wenn er den Wortlaut seiner Rede einreiche. Zu dieser Maßnahme habe der Umstand Veranlassung gegeben. daß Abg. Brandes in einer Rede in Halberstadt über den Frieden ohne Annexionen auch mit einigen Worten auf den U-Boot- krieg und unser Verhältnis zi»Amerika eingegangen sei und daß hierin das Generalkommando eine Abweichung von der vorher eingereichten Disposition für den Vortrag erblickte. Dieses Borgehen des Generalkommandos sei durchaus unbevechtigt und zeige nur. daß die maßgebenden Herren kein Verständnis Jik die Art und Weife hatten, wie ein politischer Redner seine Aufgabe erfüllen müsse. Oberst v. WricSberg erklärte: In verschiedenen Teilen des Reiches hatten Streiks stattgefunden. Die Zlrbeiterbevölkerung sei zu solchen Schritten aufgehetzt worden. Daher seien scharfe Matz- nahmen gegen derartige Bestrebungen nötig gewesen. Die Militär- Verwaltung aber überlege, ob sie diese Matznahmen nicht örtlich und zeitlich beschränken könne. Ein anderer Vertreter deS KriegSministeriumS ging des näheren auf den Fall der„Frankfurter Zeitung" ein nnd erklärte, daß der Frankfurter Zeitung recht gegeben sei. Der Vorwurf, daß die„Leipziger Volkszeitung" jju scharf behandelt werde, fei durchaus unberechtigt, da andere Blatter, die der „Leipziger Volkszeitung" nahestehen, sich oft ausdrücklich darauf berufen, daß ihnen verboten worden sei, was der„Leipziger Volks zeitung" gestattet würde. Die„Zukunft" von Harden mußte verboten werden, da alle Ermahnungen an den Herausgeber nichts geholfen haben und er immer wieder so geschrieben habe, daß diese Darlegungen im Auslände ausgenutzt werden könnten. Die Rede Scheidemanns habe auf Grund der früheren Borschriften verboten werden müssen; da ja neue Vorschriften erwogen werden, fei es möglich, daß später die Rede wieder freigegeben werden könne. Gegen den Bund der Kriegsbeschädigten habe die Heeresleitung einschreiten müssen� weil er politische Bestrebungen unter das Militär zu bringen suchte. Nicht richtig sei es, daß in Nord hausen den vier Zeitungen vorgeschrieben worden sei, sich zn einer Zeitung zusammen zu tun; vielmehr hätten zwei Zeitungen von sich aus beim Generalkkommanda angeregt, ihre Zeitungen zusammenzulegen. Auf die andern beiden Zei- tungen sei zu einer derartigen Maßnahme kein Zwang ausgeübt worden. Es sei unvermeidlich daß bei der Zensur manche Miß- griffe vorkommen. Die Rcichslcitung sei bestrebt, dem entgegenzu- arbeiten. Ein Vertreter des Sächsischen KriegsmmisteriumS versicherte. daß das dortige Generalkommando die„Leipziger Volkszeitung" mit möglichster Unparteilichkeit und Woblwollen behandele. Abg. Graf Westarp(f.); Auch die Alldeutschen und seine Freunde hätten Grund, sich über die Zensur zu beschweren. Trotz- dem sei er der Meinung, daß es nicht möglich sei, die Zensur auf- zu heben. Er erinnere nur an die Tätigkeit der Herren von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei, die für Streiks und für die Republik agitierten. I Zlbg. Brukms wendet sich gegen den Antrag, der die Kvn- zesstonspflicht der Lichtspiele aufheben will. Abg. Dittniann sUnabh.) stellt fest, daß doch die Angaben über die Presse in Nordhausen r i cht i g seien. Den beiden andern Zeitungen sei ausdrücklich anheimgegeben worden, sich bis zum 35. September darüber zu verständigen, daß in Nordhausen nur eine Zeitung erscheint. Dem Vertreter de» Rachskanzters erwidert er. für ihn fei es kein Grund, eine Wahäheit nicht auszusprechen, wenn diese Wahrheit auch von den Feinden behauptet werde. Im. übrigen aber bestehc keine Beziehung zwischen ihm- und dem feind- lichen Auslände. Jede Verdächtigung nach dieser Seite hin sei in den Augen aller anständigen Politiker gerich- t et.— Der Vorsitzende rügt diesen Ausdruck.— Abg. Dittmann: Dann darf es auch nicht zulässig sein, daß der Vertreter der Reichsleitung eine derartig« Be- Merkung gegen mich macht.— Der Borsitzende verbat sich die Kritik seiner Geschäftsführung. Abg. Heine(Soz.) legt dar, daß die Einwendungen der Herren von der Militärverwaltung gegen die von ihm vorgebrachten Tatsachen nicht richtig seien. Aber das sei jetzt nicht das Entscheidende; vielmehr komme es darauf an, was in den vier Wochen bis zum Zusammentritt des Reichstages ge» schehen werde. Das allein müsse für die Mehrheitsparteien maßgebend sein. In der Abstimmung werden die Anträge der soziakdemokrati- scheu Fraktion und der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei, die die Aufhebung des Belagerungszustandes fordern, abge- lehnt. Dagegen werden die beiden andern Anträge angenommen, die die Aufhebung der politischen Zensur fordern und hierfür ge- wisse RichNnsen festlegen, fctoie der Antrug, durch de« die Bunde? ratSverorduung über die KanzeffionSpflicht der Lichtspiele aufge- hoben werden soll. Die nächste Sitzung findet am Donn«r?tag. den 2 7. September, statt. Sollte ein nicht vorauszusehender Um. stand eine frühere Sitzung nötig machen, so soll der Vorsitzende das Nähere veranlassen._ SewerkschaflsbewEUng verlin und Umgegenö. Das Koalitionsrecht der Straßenbahn gefährdet? Das Personal der städtischen Straßenbahn ist mit den gegen wärtig gezahlten Löhnen und Höhe und Staffelform nicht zufrieden. Sie versuchten, nachdem sie den Anschluß an den Transportarbeiter verband vollzogen, eine Aenderung zu ihren Gunsten herbeizuführeu. In mehreren Versammlungen und Sitzungen beschlossen sie, in einer Eingabe den Magistrat zu bitten, ihre diesbezüglichen Wünsche zu erfüllen. DaS konnte selbstverständlich der Betriebsleitung nicht verborgen bleiben. Anstatt nun sofort in eine Untersuchung über die auch ihr schon längst bekannten Beschwerden des Personals ein- zugehen, griff sie zu Mitteln, die vor dem Kriege der rückständigste Unternehmer anzuwenden pflegte. Zunächst wurde der Ober kontrolleur Puhl« vom Nordbahnhof nach dem Südbahnhof zur Dienstleistung beordert. Man glaubte hier den Herd des„AuftuhrS" und der„Verhetzung" gefunden zu haben. Herr Puhle operierte nun nach seiner Weise. Gruppenweise bestellte er die Frauen dienst lich nach dem Bureau, um ihnen zu eröffnen, daß er mit den Geladenen sich nur„privat" unterhalten wolle. Er ging sofort auf sein Ziel los, schilderte die nach seiner Auffassung bestehende Zwecklofigkeit deS Verbandes und er- innerte an das Kaiserwort„er kenne keine Parteien mehr". Die Frauen sollten aus dem verband wieder austreten, andernfalls verstießen sie gegen Wünsche und Worte des Kaisers. AIS er schließlich mit seinen salbungsvollen längeren Auseinander- setzungen doch auf starken Widerstand stieß, erklärte er, daß jeder entlassen würde, der im verbände Mitglied sei. Auf die Entgegnung, daß ja dann sofort der Betrieb stillstehen müßte, sagte er seelenruhig, daß die Entlassungen natürlich oll- mählich erfolgen würden. Er bot fich schließlich an. selbst die Lohn- bewegung zu führen und hatte schon eine Eingabe aufgesetzt, in welcher für die Frauen 40 Pf. pro Tag mehr gefordert wurde. Doch auch das lehnten die Frauen ab. Am Tage bor einer Ver- sammlung, die am 28. d. M. stattfand, übte er die gruppen- weise Vorführung der Frauen in größtem Stil, um die Frauen vom BersammlungSbesuch fernzuhalten. Dadurch hoffte er die Lohn- bewegung aufzuhalten. Erzählt hat er bisher nur, daß die Bc- wegung eine schärfere Form angenommen hat und daß starke Er- bitterung unter den bisher sehr sachlich handelnden Frauen einge- treten ist. Aus diesen Vorgängen ist ersichtlich, daß die Betriebsleitung der städtischen Straßenbahn ihren Bediensteten durch Drohungen das KoaNtionSrecht nehmen möchte. Wir erlauben uns die Anftage an den Magistrat, ob da? mit seiner Kenntnis und nach seinen An- Weisungen geschieht. Die Leitung des TranSPortarkeiterverbandeS. wobei sich herausstellte, daß die FNegeravtekkung in DSVeritz für gleichartige Bekleidungsgegenstände wesentlich andere Löhne zahlt als die Kraftfahrerabteilunjj. Es ist dringend notwendig, eine Ein- heitlichkeit der Löhne herbeizuführen sowie auch dafür zu sorgen, daß den Arbeitern die ihnen zugedachten Löhne sicher gezahlt werden. In dieser Hinsicht hat die Fliegerabteilung Vorkehrung gelroffen, daß die Beschwerden wegen nicht tarifmäßiger Entlohnung vor die Schlichtungskommission kommen. Parteinachrichten. Victor Adler gegeu die Verleumdung der Bolschewiti. In dem Hochverratsprozeß gegen Lenin und Genossen stellt die Anklageschrift die Behauptung auf, Lenin und Zinofjew seien im Oktober lgl4 in Oesterreich verhaftet, aber auf direkten Befehl des Grafen Stürgkh befreit worden, woraus sie nach der Schweiz reisten und von dort aus für Rußlands Niederlage wirkten. Ver- mittler zwischen ihnen und der österreichischen Regierung sei H a n e ck i gewesen, der zweifellos seit langem österreichischer Agent sei. Daraufbin hat Dr. Victor Adler am 19. August auf Anfrage an die Stockholmer„Prawda" gedrahtet: „Frau Ulionoff sUlianoff ist der wirkliche Name Lenins) ersuchte 14. August 1914 meine Intervention telegraphisch und brieilich� weil ihr Mann wegen Spionageverdacht verhaftet und Milüärgericht übergeben. Sie fürchtete längere Untersuchungshaft, ich fürchtete viel inehr. etwaige Ueberstürzung und summarisches Verfahren. Eilie zum Minister des Innern Baron Heinold, erklärte ihm Absurdität des Verdachts und erbat sein Eingreifen auf kürzestem Wege, um genaue Untersuchung zu erwirken. Ueberzeugte ihn, daß alter Kämpfer gegen den Zarismus unmöglich zarischer Spion sein könne. Minister tele- phonierte sogleich Staatspolizei Krakau, wo Lenin lange wohnte. Dort wurde meine Kennzeichnung politischer Stellungnahme Lenins offenbar bestätigt. Verhaftung als lächerlicher Mißgriff eines Gen- darmS sofort erkannt, Lenin sofort enthaftet. Intervention bei Stürgkh mir unbekannt, höchst unwahrscheinlich und absolut über- flüssig. Eingehend haben Genoffen Abgeordnete Diamand und Marek zur Aufklärung beigetragen. Ausführlicher Brief folgt. _ Dr. Victor Adler." Aus den Orglutlsationen. Eine Kreisversammlung des Wahlkreises Reicheniach-Ncurode (S chlesien) nahm nach einer Rede des Abg. S ch ö p f I i n über die Tätigkeit der Sozialdemokratie während des Krieges, und nach Darlegungen des Abg. F e l d m a n n über die Aufgaben des nächsten Parteitage?, einstimmig eine Resolution an, die die Haltung der Reichstagssraktion und der Parteiinstanzen billigt. Aus dem Kriegsausschuß für das Schneidergewerbe. Der Kriegsausschuß für das Schneidergewerbe hat fich in letzter Zeit wiederholt mit den Arbeitslöhnen beschäftigt, die für Flieger- und Kraftfahreranzüge bezahlt werden. Infolge der Verhandlung vor. dem Kriegsqusschuß..rst für die von der Fliegerabteiluug in Döberitz zur Vergebung, gelangenden Bekleidungsgegenstände ein Tarif ausgearbeitet worden, der demnächst veröffentlicht wird. In diesem Tarif ist der Lohnsatz des Arbeitnehmers und der Anteil des Arbeitgebers getrennt ausgeführt. Für die einzelnen Gegen- iände werden gegenwärtig Teilarbeitslöhne festgelegt, nach denen sich die Arbeitgeber künftig zu richten haben. ES wird dadurch zweifellos den vielen berechtigten Klagen, die wegen der ungleichen und ungenügenden Bezahlung vorgebracht wurden, abgeholfen. Dagegen sind auch immer Klagen wegen der ungenügenden Be- zahlung der Bekleidungsgegenstände der Kraflfahrertruppe erhoben worden. Auch hier hat der Kriegsausschuß versucht, die Beschwerden abzustellen; leider ohne Erfolg. Vor kurzem ist in. der Sitzung des KriegsausschuffeS ein Vertreter des Krastfahrer-BataillonS erschienen, jedoch nur um zu erklären, daß er für die Sache nicht zuständig sei und auch keine positive Antwort geben könne. Der KriegSausschuß hat daher die Intendantur des Krastfahrer-BataillonS erneut zu der Sitzung des KriegsausschuffeS geladen mit dem Ersuchen, einen ge« eigneten Vertreter zu entsenden. Dem ist die Intendantur bisher nicht nachgekommen. Wie dringend notwendig die Entsendung eines Vertreter? ist, ergab sich aus den bisherigen Verhandlungen des KriegSauSschusseS, Industrie und Handel. Erhöhung der bahnamtlicheu Rollgebühren. Die Handelskammer zu Berlin weist die am Verkehr beteiligten Kreise daraus hin, daß infolge anhaltender Steigerung der Betriebs- kosten im Rollsuhrgewerbe eine weitere Erhöhung der Gebühren de« bahnamtlichen Rollfuhrtarifs in Berlin notwendig geworden ist. Es werden deshalb die Gebührensätze vom 1. September d. I. ab für das Rollgebiet der Bahnamtlichen Rollfuhrgesellschaft in Berlin wie folgt festgesetzt: Für das Abrollen a) von E i l st ü ck g u t und den sperrigen, leicht zerbrechlichen und ähnlichen Gütern im Gewicht biS 20 üa einschließlich Abtragen 1,10 M., im Gewicht von 21 bis 50 fcg einschließlich Abtragen 1,40 M., im Gewicht von 51—100 kg ausschließlich Abtragen 1,80 M., für je weitere 50-üxx ausschließlich Abtragen 0,70 M. b) von Fracht st Lckgut im Gewicht bis 20 IcZ einschließlich Abtragen 0,85 M., im Gewichl von 21—50 KZ einschließlich Abtragen 1,10 M., im Gewicht von 50—100 KZ ausschließlich Abtragen 1,50 M.. für je weitere 50 kg ausschließlich Abtragen 0.M M. Für das Anrollen a) von E i l'- stü ckgut und den sverrigen. leicht zerbrechlichen und ähnlichen" Gütern im Gewicht bis 20 kg einschließlich Abtragen 1,40 M., im' Gewicht von 21— 50 kg einschließlich Abtragen 1,60 M., im Gewicht von 51— 100 kg ousichließlrch Abtragen 2,20 M., für je weitere 50 kg ausschließlich Abtragen 1,10 Di. b) von Fracht st ückgut im Gewicht bis 20 kg einschließlich Abtragen 1,10 M., im Gewicht von 21— 50 kg einschließlich Abtragen 1,30 M., im Gewicht von 51—100 kg ausschließlich Abtragen 2,00 M., für je weitere 50 kg ausschließlich Abtragen 1,00 M. Iugenüveranftaltungen. Gesundbrunnen. Arbeiterjugend. Heute Donnerstag, abends 8 Uhr, findet im Schwedenzelt, Ecke Schweden- und Exerzierstraxc eine wichtige Besprechung statt, die dem Wiederaufbau unserer Jugend- bewegung dienen soll. Hierzu werden alle Leser und Leserinnen sowie An- bänger der„Arbeit er-Jugend" freundlichst eingeladen. Gleichgesinnte Alterstamcraden und Kameradinnen sind als Gäste willkommen! verantwortlich für Politik: Erich Kultner, Berlin: sllr den übrigen Teil des BlatteS: Mfrcd Scholz, Neukölln: tür Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Derlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstall Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Uuterhaltungsdlatt. A. WERTHEIM Herren- und Knaben-Kleidung Herren-Anzüge braune md grau gemusterte sowie blaue Stoffe in verschiedenen Macharten Herren-P alctots für Herbst aus haldschweren Marengo- sowie schwareen Stoffen Herbst-Ulster leichte und schwerere Qualitäten in reichhaltiger Ausführung Loden-�läntel in oliv und gräulichen Farben, aus weichen Stoffen Gummi- und Oel-i�äntel für Mmtär u. zm Herren-Beinkleider moderne Streifen in verschiedenen Preislagen Oberhemden SÄeSf: 8.50 an Taghemden tarbigPerkai............. 4.50 Nachthemden farbig Perkai........... 5.50 Weiche Sportkragen apeSg- 1.25 1.45 Selbstbinder neue Muster........ 1.45 1.90 Selbstbinder �fgÄ 2.50 2.90 3.25 Hosenträgerkräftiges Gurtband 1.90 2.50 2.90 Knaben mÜtZen viele Formen, verschiedene Preislagen HerrenhÜte steif u. weich, nur neue Formen u. Farben C�Uli TT-kf nm-yi irr offene Form> aus Srau gemustert. JCniUpiüllZUg Stoff, mit dunkelblauer Matrosen OQ CA garaitur, für 4 Jahre..................... ZZ»JU Jede weitere Größe 75 Pf.; ab 9 Jahr 1,25 mehr Jede weitere Größe 75 Pf. mehr Prinz Heinrich- Anzug 2sstebrtaem sfo» � nn mit Marine-Ueberkragen............ für 4 Jahre �U.UU Jede weitere Größe 75 Pf. mehr Elegante Knaben-Anzüge, einzelne Blusen und Beinkleider Maß-Anfertigung�bSeÄtong Kurzer Kieler Mantel 3 Ün.Stol1 Futter und Aermelstickerei........... für 2 Jahre Jede weitere Größe 1.00, ab 9 Jahre 1.75 mehr 15.00 Rauchfische............. Pfund 3.80 Salz-Brieslinge.......... Pfund 1.30 Dorsch-Rogen........... Pfund 2.80 RäUCher-Lachs ausgeschnitten, Ä Pfund 6.00 Hering in Brühe....... v. Pfund 80 Pf. Hering in Brühe..... i-Pfund-Dose 3.10 Dorsch in Gelee..... i-Pfund-Dose 2.05 Saure Gurken. von 25 n« Lebensmittel Donnerstag, soweit Vorrat Dellkatess- Brotaufstrich...Pfund 3.00 Suppenhühner! zu Tages-(Junge Enten Schellfisch I zu Tages-( Klippfische Junge Hühner| preisen\ Junge Tauben Salzfische i preisen i stillte gesalzen junge Hühner..... J Stack von 4�0 an Weißkohl............. Pfund 16 Pf. Senfgurken............ Pfund 40 pt. Einlegegurken.......... Pfund 30 pt Blumenkohl in verschiedenen Größen Pfirsiche.................. 95 pf. Radieschen........... 3 Bund 20 pl Maiskolben____________ Pfund 35 pl Nr. 237 ♦ 34. Jahrgang Heilage öes vorwärts Vonnerstag, 3S. August 1417 GroßVerün Tie Gasverbrauchseinschränkung Die für die Städte Berlin, Charlottenburg, Schöneberg. Wilmersdorf, Neukölln, Lichten- berg und die Kreise Teltow und Niederbarnim zu er- lassende neue Verordnung über die Einschränkung des Gas Verbrauches ist in Kürze zu erwarten. Das Wichtigste aus den Be� stimmungen, die sie voraussichtlich enthalten wird, wurde uns in einer Konferenz der Pressevertreter vom Oberbürgermeister Mermuth und vom Stadtrat Mosse mitgeteilt. Durch die Verhandlungen zwischen dem Reichskommissar und den Vertretern der Grosz-Berliner Gemeindeverwaltungen ist da» an der alten Verordnung bemängelte ungerechte Verfahren, die Größe des Gas Messers als Grundlage der zu bewilligenden Verbrauchsmenge zu nehmen und überdies einen Unterschied zwischen gewöhnlichen Gas- messern und Gasautomaten zu machen, beseitigt worden. Das andere Verfahren, auf den vorjährigen Verbrauch zurück- zugreifen und von ihm einen prozentualen Abzug zu machen, das dafür jetzt gewählt werden soll, gilt den Gemeinde Verwaltungen als gerechter. Für Groß-Berlin soll die Ein- schränkung mit.nur" 10 Prozent festgesetzt werden, so daß 90 Prozent des vorjährigen Verbrauches erlaubt wären. Diese 90 Prozent gelten dem Reichskommissar schon als viel, aber er will sie zulassen, weil hier bei den Gaswerken durch reichlichere Bei- mengung von Wassergas der Heizwert ihres Gases besonders weit herobgedrückt ist. Die Vergleichung mit dem Vorjahrverbrauch wird nicht für. einzelne Monate, sondern zusamnienfasscnd für Vierteljahre ausgeführt, so daß innerhalb jeden Vierteljahres ein Ausgleich zwischen den Monaten möglich ist. Nur für den diesjährigen Sep tembcr soll der Monatsverbrauch bei der Vergleichung zugrunde gelegt werden. Für den Monat August würde die alte Verordnung, wie Stadtrat Mosse meint, nun wohl gar nicht zur Anwendung kommen. Mit Rücksicht auf die kleinsten Verbraucher wird ein Mindest verbrauch bewilligt, den der Reichskommissar und die Gemeindeverwaltungen mit 3 60 Kubikmeter pro Jahr für ausreichend hoch bemessen halten. Diese 360 Kubikmeter werden zu ungleichen Teilen auf die einzelnen Jahreszeiten verteilt, da ja der Gasverbrauch in den Jahreszeiten verschieden ist. Wo infolge be� sonderer Verhältnisse noch Härten bestehen, z. B. bei Personen, die im Vorjahr längere Zeit verreist waren oder aus anderen Gründen einen ungewöhnlich geringen Gasverbrauch hatten, sollen Ausnahmen zugelassen werden. Die Handhabung der durch die neue Verordnung gegebenen Vorschriften wird einer kommunalen Körperschaft übertragen, dem eben zu- sammengetretenen.Kohlenverband Groß-Berlin". Ob Ausnahmen zuzulassen sind oder nicht, wäre von ihm zu entscheiden. Für Gasabnehmer, die den bewilligten Verbrauch überschreiten, sind auch in der neuen Verordnung gewisse Strafen vorgesehen: pro Kubikmeter Mehrverbrauch 50 Pf. Zuschlag und bei Rückfälligkeit die Gassperre. Im Berliner Magistrat ist man der'Ansicht, daß durch die Ver- Handlungen.viel" mit diesen Ergebnissen erreicht sei und sie.recht befriedigend" genannt werden dürfen. In der Bevölkerung wird diese Auffassung keineswegs überall Zustimmung finden. Nach wie vor steht fest, daß die erzwungene Gasverbrauchseinschränkung die Unbemittelten am s ch w e r st e n trifft. Wo ohnedies keine Verschwendung mit GaS getrieben wurde, ist auch die For- derung einer Einschränkung um.nur" 10 Proz. eine Härte. Daß dabei der Abzug von dem vorjährigen Verbrauch gemacht wird, ist doppelte Härte für den. der wegen Wangel an Feuerung und ivegen Verschlechterung h�j..GaseL..jekNeN Gasverbrauch in diesem Jährs hat. steigerst niüsien. Da kann man auch den sreigegebenen Mindest- verbrauch von 260 Kubikmeter nicht als.ausreichend' hoch beinessen" ansehen. Die neue Kohlenversorgung. Wolffs Bureau berichtet: Die Ausgabe der Kohleukarten für Groß-Berlin wird am 1. September 1917 beginnen. Mit Rücksicht auf die einige Tage dauernde Verteilung der Karten auf die ge- samte Bevölkerung und zur Vermeidung etwa daraus folgender Unzuträglichkeiten darf die Abgabe von Kohlen auf die Kohlen- karten erst am ö. September anfangen. An diesem Tage wird jeder Verbraucher seine Karte in Händen haben. Die Abschnitte der Kohlenkarte sind fortlaufend numeriert. Zunächst darf nur auf Abschnitt 1 bis einschließlich 4 je% Zentner Kohlen entnommen werden. Durch die Freigabe dieser verhältnismäßig geringen Menge soll zunächst die Belieferung einer möglichst großen Zahl von Ver- brauchern erreicht werden. Hierzu kommt, daß bei einer großen Reibe von Kohlenkarten wegen vorhandener Bestände die ersten Abschnitte vor Ausgabe der Karte bereits abgetrennt find, ihre Inhaber also bei dem Bezug von Kohlen vorläufig nicht mitberück- stchtigt zu werden brauchen. Ferner werden die inzwischen gemäß der Verordnung des Oberbefehlsbabers bei den Koblenhändlern angesammelten beschlag- nahmtcn Bestände sämtlich freigegeben, und zwar vorläufig lediglich zur Lieferung auf die Abschnitte 1 bis 4 der Kohlenkarte. Es ist somit zu erwarten, daß jedermann die ihm zustehende Menge Kohlen wird erhalten können. Sollte dies ni einigen Fällen nicht gleich am eisten Tage geschehen, so möge man bedenken, daß täglich neue Vorräte in Groß-Berlin eintreffen, die auf alle Fälle hinreichen, um den augenblicklichen Bedarf der Bevölkerung zu befriedigen. Weitere Abschnitte der Kohlenkarte werden erst nach Erledigung der Belieferung der Abschnitte 1 bis 4 der Kohlen, karte freigegeben. Vorbestellungen aus Grund der Kohlenkarte sind unzulässig. Die Einrichtung von Kundenlisten bleibt späterer Regelung vorbehalten. Die hierzu nötigen Vorarbeiten sind im Gange. Sie werden jedoch bei der Besonderheit der Lage des Kohlenhandels in Berlin und der großen Zahl der Verbraucher sowie des riesigen U m fange s der Menge, deren Verteilung auf diese Weise zu regeln ist, voraussichtlich 1 bis 2 Monate in Anspruch nehmen. Die Befugnis zur Entnahme aus das Mittelstück der für die Zeit vom 9. Juli ab gültigen Reichsfleischkarte sowie auf den Ab- schnitt 5 der Kasfee-Ersatzkarte wird durch die Ausgabe der Köhlen- karte nicht berührt. Die Belieferung auf diese Karten kann also neben der Lieferung auf die Kohlenkarte weiter erfolgen. ?!euregelung der Butterpreise. Dil» anhaltende Trockenheit hat in verschiedenen Gebieten eine ungünstige Futtermittelernte herbeigeführt, daß die Interessen- ten glauben mit den bisherigen Preisen für Milch und Butter nicht mehr auskommen zu können, um ihren Betrieb aufrechtzuer- halten. Die seit einiger Zeit zwischen Reichsstellen und Jnter- essen tengruppen geführten Verhandlungen haben jetzt zu einem Abschluß geführt, dessen Resultat die neue Butterverordnung vom 25. August ist. Der Ziveck der Verordnung ist eine Neuregelung der Butterp reise, vor allem eine Relation zwischen Milch- und Butterpreisen herzustellen, damit ein weiterer Rückgang der Produktion vermieden wird. Von einer allgemeinen Er- hohung der Butterpreise ist Abstand genommen worden. Der Grundpreis, den in Zukunft der Erzeuger für 1 Zentner Butter frei Berlin fordern kann, beträgt für Ware I 240 M., Ware II 220 M. und für abfallende Ware höchstens 180 M. Der Landeszentralbe- Hörde ist das Recht eingeräumt, abweichend davon niedrigere Preise festzusetzen. Höhere Preise dürfen nur mit Zustimmung der Reichssettstcllc festgesetzt werden und nur für Bezirke, in denen der Erzeugerpreis von 1 Pfund Butter nicht mehr als das Achtdreiviertelfache eines Liter Milch, aber höchstens 3 M. kosten. Da die Gemeinden die Butler vielfach aus verschiedenen Erzeugerbezirken beziehen und dadurch ungleiche Preise im Klein- Handel entstehen müßten, so sind die Gemeinden berechtigt. Ein- heitspreise festzusetzen. Die Zuschläge, die zu den Erzeuger- preisen erholen werden dürfen, sind den Gemeinden genau vorge- schrieben. Sie betragen für die Gemeinde einschließlich der ihr entstehenden Unkosten 12 M., für den Großhandel 5 M. und für den Kleinhandel 13 M., so daß höchstens 30 M. Zuschlag für den Zent- ner Butter oder 3 0 P f. pro Pfund erhoben werden dürfen. Auch für Auslandsbutter dürfen die im Inland geltenden Preise nicht überschritten werden, es sei denn, daß die ReichSstclle für Speisefette einen höheren Preis zugrunde legt. Hand in Hand mit dieser »Neugestaltung der Preise wird der weitere Ausbau der Brwirt- schaftung von Milch und Butter durch eine zweckmäßige, den örtlichen Wirtschaftsverhältnissen angepaßte Organisation zur Gr- fassung dieser Nahrungsm-ittel in den Erzeigungsgebietcn, durch Ueberwachung ihres Verbrauchs in den Bedarssgebieten und vor allem durch Bekämpfung des Schleichhandels gehen müssen. Dem Kriegswucheramt dürfte sich gerade auf diesem Gebiete eine recht lohnende Tätigkeit bieten, werden doch heute schon in Großbetrieben für Butter Preise erhoben, die annähernd das Drei- fache des neuen Erzeugerpreises betragen. Lieferung und Behandlung der Magermilch. Infolge der wachsenden Transportschwierigkeiten muß die biSber zweimal in der Woche erfolgte Belieferung mit Magermilch verein- facht werden. Die jetzigen Magermilchbezugsberechtigten werden dementsprechend von Sonntag, den 2. September, ab auf ihre Magcrmilchkarte nur einmal wöchentlich je 1 Liter Magermilch erhalten. Die einzelnen Bezirke sind zur Erleichte- rung dieser Verteilung in Unterbezirke eingeteilt, die durch die Buch- staben A— G kenntlich gemacht werden. Jeder Magermilchbezugs- berechtigte wird bei seinem Milchhändler durch einen Aushang der Fettstelle Groß-Berlin erfahren, zu welchem Unterbezirk er gehört und an welchem Tage der Woche dieser Bezirk mit Magermilch be- liefert wird. Der Wochentag ist aus der Magermilchkarte zu ver- merken. Im Haushalt soll die Voll- und Magermilch alsbald abgekocht werden. Zweckmäßig werden hierzu die mit Vorkehrungen gegen daS lleberwallen versehenen sogenannten Milchköchtopfe ver- wendet. Nach dem Kochen ist die Milch sofort abzukühlen und zur Verhütung des Zutritts neuer Keime möglichst in demselben Gesäß, da» zum Aufkochen dient und einen übergreifenden Deckel haben soll, kühl aufzubewahren. Ist Voll- oder Magermilch infolge zu langer Lagerung oder unsachgemäßer Behandlung und Aufbewahrung faden- ziehend oder schleimig geworden oder zeigt sie sonst eine abweichende Beschaffenheit, insbesondere einen fremdartigen Geruch oder Ge« schmack, so ist sie vom Genutz auszuschließen. Sauergewordene Magermilch von reinem Geruch und Geschmack kann wie saure Voll- milch verwendet werden. Zur Ernährung von Säuglingen darf Magermilch auf keinen Fall verwendet werden. Schwarze Liste für Kriegswucherer. Eine„Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindel- firmen" will eine Liste von Personen anlegen, die aus der Not dieser Kriegszeil einen unangemessen hohen Gewinn ziehen. Sie hebt hervor, daß die Liste über den Krieg hinaus ihren Wert behalten soll, und sagt:„Die Wucherer sollen doch ja nicht glauben, daß, wenn erst einmal der Friede wieder hergestellt ist, man ihr Ver- brechen mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken wird und fie ungeschoren den dem Volke abgepreßten Wuchergewinn genießen können. Mjt Fingern muß man im Frieden- auf sie deuten als den imieren'Feind: der sich nicht gescheut' hat, in'den schwersttirZeiten/ die je na» deutsche Volk heimgesucht haben, den Volksgenossen heimtückisch in den Rücken zu fallen": Es ist allerdings sehr zu wünschen, daß Kriegswucherern ein lange vorhaltendes Brandmal ihrer Schande aufgedrückt wird. Aber die Zenttalstelle wird sich vor Mißgriffen hüten müffen, wie sie bei schwarzen Listen nur zu oft vorgekommen sind. Mut wachsen, ihre Bemühungen um Erhöhung ihrer Tarife fortzu- setzen bis zum„glücklichen Ende". Wenn auch sie die„Reform" der Tarife erreicht haben werden, dürfte eS vielen der in Berlin bc- schäfligten Personen nicht mehr möglich sein, in Vororten zu wohnen und täglich die teuren Fahrten zu machen. Wie eng mit der Wohnungsfrage die Verkehrsfrage zusammen- hängt, wie wichtig für die wünschenswerte„Dezentralisation" der Grotzstadtbedölkerung die Beschaffung reichlicher und billiger Fahrgelegenheiten ist, da» leuchtet ohne weiteres ein. Die Wohnungsnot, die nach dem Kriege zu erwarten ist, dürfte für Berlin um so fühlbarer werden, weil die Fahrtver- teuerungen es der in Berlin arbeitenden Bevölkerung erschweren, sich in entferntere Bororte zu flüchten. Das Berliner Handwerk nud die Znsammenlegnng der Betriebe. Auf Einladung des Vorstandes der Handwerkskammer zu Berlin fand im großen Saale des Lchrervereinshauses eine von Berliner Handwerksmeistern der verschiedensten Gewerbe sehr stark besuchte Versammlung statt, um die Jnnungsmitglicder über die Frage der Zusammenlegung oder Stillegung von Handwerks- betrieben aufzuklären. Der Vorsitzende der Kammer, Obermeister R aHardt, führte aus, es müsse für Berlin unbedingt vermieden werden, daß die tief einschneidende Maßnahme der Zusammen legung von Betrieben ohne Heranziehung der Handwerkervereinn gnngen nur vom grünen Tisch durchgeführt würde, wie es schon in einigen anderen Kriegsamtsbezirken beabsichtigt gewesen sei. Im Kriegsamt sei ihm die beruhigende Versicherung gegeben worden, daß eine allgemeine Anordnung, die Frage der Zusammenlegung oder Schließung von Betrieben ohne die beteiligten Kreise durchzu- führen, nicht ergangen sei. Ein bestimmter Zeitpunkt für die Zusammenlegung sei nicht festgelegt; es empfehle sich aber, einen fertigen Plan für den Fall vorzulegen, daß es zur Zusammen- legung komme. In der anschließenden Aussprache kam von den Vertretern der einzelnen Innungen übereinstimmend zum Ausdruck, auch das Opfer der Zusammenlegung oder Stillegung der Betriebe auf sich zu nehmen. Mehrere Innungen haben sich bereits mit dieser Frage beschäftigt und insbesondere Vorschläge zur Ersparung von Köhlen und Licht gemacht. So schlagen die Friseure vor, im Winter die Geschäfte' um 8 Uhr vormittags zu öffnen und werktags um 7 Uhr zu schließen, wenn nötig, im dunkelsten Monat noch früher; ferner wird von ihnen vorgeschlagen, die Friseurgeschäfte an einem ganzen Werktag oder je nach Bedarf an zwei Werknach- mittagen vollständig zu schließen. Sonnabends soll das Geschäft um 8 Uhr abends geschlossen werden. Auch die Fleischer brach- ten ihre von uns bereits in der gestrigen Rümmer auf bestimmte Geschäftseinschränkimg gerichteten Wünsche vor. Eine Zusammen- legung der Fleischeretbetriebe habe bereits in der Weise stattge- funden, daß die Wurstherstellung in Berlin nur noch in 20 Gruppen und Fabriken erfolge. In den 1400 Fleischerläden Berlins könne auf diese Weise viel Licht erspart werden. Auch die Bäcker haben schon eine Reihe von Betrieben, etiva 190, zusammengelegt, und zwar zur Zufriedenheit der zusammengelegten Bctriebsinhaber, die am Browerkauf beteiligt bleiben. Von den Vertretern anderer Innungen wurden abweichende Vorschläge gemacht, um das Ziel der Kräfte- und Kohlencrsparnis zu erreichen. Gegen die Diebstähle in Lanbenkolonien. Laubenkolonisten haben wegen der überhandnehmenden Feld- diebstähle besondere Feldhüter angestellt, die im Verein mit den Gendarmen und Mililärposten den Langfingern ihr Handwerk sehr erschweren. In voriger Woche wurden mehr als ein Dutzend er- wischt, die die Kolonien im Osten geplündert hatten. Einstellung einer Omnibuslinic. Am 31. Auigust abend? wird der Betrieb der Omnibuslinie 28(Ha senheidc— Flensburger Straße) eingestellt. Mit Lysol vergiftet hat sich der 41jä>hriige Tischler August Bismark, Falckensteinstr. 31. Er wurde in seiner Wohnung vom Hausvettvalter tot aufgefunden. Der Grund des Selbst- mordcs ist nicht bekannt. Die Axt im Walde. Der Gemeindevorstand von Friedrichs- selbe macht bekannt:„Aus dem Gelände des Friedrichsfeldc. Karlshorster Flugplatzes ist eine zirka 35 000 Quadratmeter große Tannenschonnng als Weihnachtsbäume zu verkaufen."„Tannen" Werdens wohl nicht sein, aber— mögen nun Tannen oder Fichten oder Kiefern auf dem abzuholzenden.Gelände stehen— bedauerlich bleibt es auf alle Fälle, daß hier wieder ein Stück jungen Waldes unter der Axt hinsinken muß. Der Deutsche Bund für Mutterschutz gewährt in seiner Aus- kunftsstelle, U h l a n d str. 143, allen Müttern, ehelichen so- wie unehelichen, Auskunft, Rat und Hilfe. Das ebendort gelegene Heim des Bundes nimmt Schwangere und Mütter von 6 Wochen vor bis 6 Wochen nach der Entbindung auf. Ehiirlottenburg. Fleischkartenumtausch. Mit Beginn der neuen Fleischlartenperiode wird erneut der Umtausch der Fleischkarten statt- finden, und zwar werden auf eine Vollfleischkarte für je 250' Gr. Fleisch 250 Gr. mehlhaltige Nahrungsmittel, für eine Kinderfleisch- karte für je 125 Gr. 125 Gr. gewährt. Es werden nur die vollen ReichSfleischkarten umgetauscht. Der Umtausch der Fleischkarteu findet vom 3. bis 8. September buchstabcn« und tageweise geordnet vormittags von 8>/z— 2 Uhr und nachmittags von 6—7 Uhr statt. Die mehlhaltigen Nahrungsmittel können in den 36 durch Aushang kenntlich gemachten städtischen Verkaufsstellen gegen Abgabe der Bezugskarlen entnommen werden. Der Umtausch erfolgt jedesmal für die Dauer der Fleischkartenperiode. Einsendung durch die Post ist zu vermeiden, da verloren gegangene Fleischkarten nicht ersetzt werden. Sonnabend, den 8. September, blerben die Umtauschstellen ununterbrochen bis abends 7 Uhr geöffnet, damit etwaige Nach- zügler— aber nur in begründeten Ausnahmefällen— den Umtausch vornehmen können._ Lichtenberg. Lebensmittel. Der Magistrat dorteilt auf Ab- 'fchnitr 100 der Lebensmittelkarte nach Wühl entweder ein P f und Ei nm ach e zucker o d er z w ei Pfund Morme- lade.-na».>,].. Die Anmeldung findet von heut« bis Donnerstag, den 6. Ssp- tember, für Einmachezucker oder Marmelade in deu verschiedenen Geschäften statt. Die Ware ist in den durch Plakate kenntlich gemachten Ge- schäften zu beziehen. Nach dem 6. September wird keine Anmeldung mehr entgegengenommen. Die Verteilung der Ware erstreckt sich iu der Zeit von Mitte bis Ende September. Infolge der geringen uns zugewiesenen Menge Zucker kann den bisher eingegangenen Anträgen von Gartenbesitzern auf Zuweisung von Einmächezucker nicht entsprochen werden. Auf Abschnitt 27 der Eierkarte kommt jetzt ein Ei zum Preise von 36 Pf. zur Ausgabe._ Obcrschönrweide. Lebensmittel. In dieser Woche werden ver- ausgabt: Ans Abschnitt 22: 14 Pfund Haferfabrikate, Abschnitt 22: V* Pfund Marmelade, Abschnitt 24: 1 Büchse kondensierte Milch oder Pfund Trockenmilch oder 1 Flasche Milch, sowie auf Ab- schnitt 25 der Nummernkarte: 400 Gramm Shrup.— Weiterhin gelangen in allen Geschäften zur Ausgabe: Honigkuchen, Zucker- kuchen, Zwieback und Melonen. Friedrichsfeldc. Lebensmittel. In Zukunft wird Weizen- auszugmehl zur Herstellung von Weizenbrot nur noch an Magen- und Darmkranke, die eine ärztliche Bescheinigung darüber vorweisen können und an solche Kranke abgegeben werden, denen der Arzt WeizeuauSzugmehl an Stelle von Brot verordnet. Anträge auf Verabfolgung von Weizenauszugmehl sind unter Rück- gäbe der ordentlichen Brotkarten im Einwohner-Meldeamt, Dönhoff- stratze 81, zu stellen. Zum Zwecke der A u§ g a b e von Kartoffelzusatzkarten sind auf den Polizeiwachen und im Einwohnermeldeamt Vordrucke erhältlich, die vom Arbeitgeber zu bescheinigen sind. Die Ausgabe der Karleu findet unter Vorzeigung der Bescheinigung für Friedrichsfelde Mittwoch, den 5. September, nachmittags 6—8 Uhr, im Parkrestaurant, Schloßstraße 2, für K a r l s h o r st Donnerstag, den 6 September, nachmittags 5—8 Uhr, im Einwohner- meldeamt, Dönhoffstraße 81, statt. Die Verteuerung der Eisenbahnfahrten. Die bevorstehende„Reform" des Personentarifs der Eisen- bahnen, die uns eine neue Erhöhung der Fahrpreise bringt, soll— so wird gemeldet— bis zum 1. April nächsten Jahres fertig sein und dann in Kraft treten. Sie wird die Bevölkerung Groß-Berlins besonders hart treffen, weil auch auf Stadt-, Ring- und Vorortbahnen die Fahrpreise erhöht werden, und zwar nicht nur für Einzelkarten, sondern auch für Wochenkarten, Schülerkarten, Monatskarten und Nebenkarten. Die Bewohner von Großstädten und ihren Vororten müffen, soweit sie für ihre täglichen Fahrten zu und von der Arbeitsstätte die Eisenbahn zu benutzen genötigt find, diese Fahrtverteue- rungen täglich aufs neue an ihrem Geldbeutel emp- finden. Jetzt wird, fürchten wir, in Groß-Berlin auch den Erzeugerpreise für Vollmilch bestehen. In diesen Bezirken darf! Straßeiibahngesellichafteu und der Hochbahngesellschaft wieder der Friedrichshagen. Milchkartcn. Die Ausgabe der für den Monat September geltenden Karten erfolgt morgen für die in der Zeit vom 1. September 1911 bis jetzi geborenen Kinder und am Freitag für die in der Zeit vom 1. September 1908 bis 31. August 1911 geborenen gegen Vorlegung der abgelaufenen Milch« kartenabjchnitte. Am Montag, den 3. September, nur gegen Vorlegung der schriftlichen Benachrichtigung für die gegen Attest zu verabfolgenden Karten. Die Ausgabe erfotgt an den be- treffenden Tagen vormittags von 7— 1 Uhr und nachmittags von 8—5 Uhr im Lebeiiomittclbureau, Fricdrichstr. 88.'» — Ferner werden wir durch die Müggelsee-Kommission darauf aufmerksam gemacht, daß der Uebersetzverkehr zwischen Friedrichshagen und Müggelschlößchen des Sonntags nach wie vor durch die Dampfsähre stattfindet. Nur an den Wochentagen wird der Betrieb infolge Kohlenmangels durch Handkähne ausrecht- erhalten.__ NowaweS. Lebensmittel. Heule findet auf Kartenabschnitt 68 der Lebensmittelkarte der Verkauf von Räucherwaren und auf Abschnitt 64 der Verkauf von Seefischen statt. Die Waren werden abgegeben in den Verkaufsstellen der Gemeinde: Winkel, Priesterstr. 14, Ziegener, Großbeerenstraße, Müller, Wilhelmstratze, Frommert, Müllerstraße, Rudow, Friedrichstraße. Ferner wird von heute bis Montag, den 3. September, auf Kartenabschnitt 62 ein halbes Pfund Marmelade zum Preise von 60 Pf. und aus Ab- schnitt 63 60 Gramm Nährhefe zum Preise voll 16 Pf. aus« gegeben. Soziales. Die Löhne während des Krieges. Um über die Veränderungen der Lohnhöhe während des Krieges festzustellen, hat da« Kaiserliche Statistische Amt eine Erbebung ver onstaltet. Obgleich die Bearbeitung noch nicht abgeschlossen worden ist, können die Hauptergebnisse schon jetzt mitgeteilt werden. Ts ist die« geschehen in der Rr. 8 des.ReichZ-Arbeitsblatt". Gefragt wurde u. a. nach der Aahl der Arbeitertagewerke der erwachsenen männlichen und weiblichen Arbeiter und nach der ihnen gezahlten Lohnsumme, und zwar wurde versucht, die Verbältnisse in den beiden letzten vollen Wochen der Monate März und September 1914, 1915 und 1916 festzustellen. Da» eingegangene Material ist Verhältnis- mäßig spärlich. ES liegen nur 369 brauchbar beantwortete ssrage- bogen vor, die sich auf 13 Gewerbegruppen verteilen. Dem«Reichs- Arbeitsblatt' wird darin beigestimmt werden müssen, wenn e« sagt, daß unter diesen Verhältnissen die Ergebnisse der Erhebung nicht als typisch angesehen werden können. Aber trotzdem ist da» Resultat interessant genug. Es eignet sich ganz vorzüglich dazu, die Meinung entkräften zu helfen, wonach die Arbeitslöhne derartig gestiegen sein sollen, daß die Arbeiter gar keine Ursache hätten, über die Teuerung zu klagen. In Wirklichkeit liegt«S anders. Alle Lebensmittel sind in einem ganz anderen Verhältnis im Preise gestiegen al« die Löhne. Mehr zu sagen, halten wir für überflüssig. Das amtliche Material mag selbst sprechen. .Bei fast sämtlichen Gewerbegruppen und Untergruppen ergibt sich für September 1914 ein Rückgang der Löhne, von diesem Zeit- punkte an eine dauenide Steigerung derselben. Die Uebersicht über die Lohnentwicklung der Gesamtheit der befragten Gewerbegruppen zeigt für die männlichen Arbeiter vom März auf September 1914 einen Rückgang von 5,17 M. auf 5,12 M. An den folgenden, vor- genannten Stichzeiten ist der männliche Durchschnittslohn ununter« krochen gestiegen bis auf 7,55 M. im September 1916— 146 Proz. des Lohnes vom März 1914. Am stärksten war die Zunahme vom September 1914 auf März 1915 114,8 Proz.); vom März auf September 1915 betrug sie 11,4 Proz., im folgenden Zeiträume 6.7 Proz.; vom März bis September 1916 stieg sie wieder um 7.8 Proz. Die Gesamtsteigerung betrug 46 Proz. Etwas anders ist die Entwicklung des weiblichen Durchschnitts- IvhneS verlaufen. Seine verhältnismäßige Steigerung während des ganzen ErhevungSzeitraume« war größer als die beS männlichen Durchschnittslohnes, sie betrug nämlich 54,1 Proz. Im September 1914 fand zunächst ein Rückgang gegenüber den für März er- mittelten Löhnen statt, und zwar von 2,29 M. auf 1,94 M. — 16,3 Proz. Danach stiegen die Löhne ununterbrochen bis auf 3,53 M. im September 1916, doch vollzog sich hier die größte Steigerung nicht im ersten Kriegswinter, wo sie 16 5 Proz. betrug. sondern vom September 1916 zum März 1916 mit 18,3 Proz.; vom März bis September 1916 betrug sie wieder 16,5 Proz. Soweit über die Entwicklung der Löhne in einzelnen In- dustrien ein Ergebnis festgestellt werden konnte, ergab sich folgendes Bild: In der Maschinenindustrie stieg der Durchschnittslohn für daS männliche Arbeitertagewcrk von 5,33 M. auf 7,89 M., d. h. um 48 Proz. Der Lohn der weiblichen Arbeiter ist während des Krieges hier von 2,28 M. auf 3,88 M. oder um 70,2 Proz. gestiegen. In der elektrischen Industrie findet sich die stärkste verhältnismäßige Zunahme des männlichen Durchschnittslohnes, der von 4,52 M. im März 1914 auf 7,44 M. im September 1916, d. h. um 64,6 Proz. stieg. Der weibliche Durchschnittslohn nahm von 2,75 M. aus 4,80 M., d. h. um 74,5 Proz. zu. In der Eisen- und Metall- industrie stieg der Durchschnittslohn der Männer von 6,65 M. im März 1914 auf 8,02 M. im September 1916, d. h. um 44,5 Proz. Die Zunahme der weiblichen Arbeitsverdienste war viel bedeutender, sie betrug 99,5 Proz.; denn der Lohn stieg von 2,06 M. auf 4,11 M. In der chemischen Industrie weist der Durchschnittslohn der Männer, der im März 1914 5.14 M.. im September 1916 6,90 M. betragen hatte, eine Steigerung von 34,2 Proz. auf. Der Durchschnittslohn iür das weibliche Arbeitertagewerk hatte hier eine Steigerung von 2,36 M. auf 3,55 M., d. h. um 50,4 Proz. erfahren. In den der Papierindustrie angehörenden Werken, die bearbeitet wurden, stieg der Lohn für die männlichen Arbeiter von 3,94 M. auf 5.54 M., d. h. auf 140,6 Proz. de» im März verdienten Lohnes, der für die weiblichen von 2,29 M. auf 2,94 M. oder auf 127,5 Proz. des An- fangSlohneS. In der Gewerbegruppe Holz- und Schnitzstoffe fand eine Steigerung des männlichen Durchschnittslohnes bei den befragten Werken von 4,22 auf 6,61 M., d. h. um 32,9 Proz., und eine solche des weiblichen Durchschnittslohnes von 1,99 auf 2,59 M., d. h. um 30,2 Proz. statt. Im Nahrung«- und Genußmittelgewerbe hat der Durchschnitts- lohn für die männlichen Arbeiter im September 1916 im Verhältnis zum Marz 1914«ine Gesamtzunahme von 5,70 auf 6,17 M., also um 8.2 Proz. erfahren. Der Durchschnittslohn für das weibliche Arbeitertagewerk stieg von 2,10 auf 2,89 M. In der Leder- und Gilmmiindustrie stieg der Lohn für männliche Arbeiter von 5,04 aus 6,28 M„ d. h. aus 124,6 Proz. des Anfangsbetrages, der Lohn für weibliche Arbeiter von 2,80 aus 3,18 M. oder aus 113,6 Proz. Zn der Industrie der Steine und Erden stieg der Durchschnittslohn für das männliche Arbeiiertagewerk von 4,45 auf 5.40 M., d. h. um 21,3 Proz.; für das weibliche Arbeitertagewerk von 1,67 auf 2,19 M., d. h. iim 31,1 Proz. Eine Steigerung der Löhne wurde ferner im Baugewerbe, im Vervielfälligungsgewerbe, eine geringe auch im Spmnstoffgewerbe, keine solche im Bekleidungsgewerbe festgestellt. Die Zahl der be- kragten Werke auS den genannten Gewerben war allerdings gering. Im Spinnstoffge werbe zeigt sich außerdem innerbalb der einzelnen Zweige des Gewerbes eine sehr verschiedene Entwicklung.' Sriefkaften üer Neüaktion. Oskar 27. Sie haben gegen Ihre» Stiesoater keinen Erdantpruiv. wohl aber gegen Ihre Mutter. Da die Mutter zurzeit kein eigenes Ver- mögen hat, können Sic natürlich auch nichts beanspruchen.— A. ikl. 7. Dem Ehemann muß der Pflichtteil verbleiben. iallZ die Frau nicht be. rechtigt ist, aus Ehescheidung zu klagen Der Pflichtteil beträgt dir Dälflc des gesetzlichen Erbteils.— I. L. 100. Der Verwalter ist im Recht. Auch wenn Sie einen neuen Mieter stellen, haften Sie doch während der Kontraltdauer für die Miete.— Ätaria 1882. Kommen Sie zur persönlichen Rücksprache in die juristische Sprechstunde.— M. M. An das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Beleidiger wohnt. Der Klage muß ein Sühnctermin beim Schicdsmaun vorangehen.— Martin Göckler. Die Frage läßt sich von hier aus nicht beurteilen. Senden Sie sich an eine Kcwerlschast im dortigen Bezirk.— G. B. 47. Sie miiflen beides zahlen M. G. 1 00. Den Beweis müssen Sie bringen. Die Gründe scheinen nicht durchschlagend. Die Klage kann nur durch einen Rechtsanwalt erfolgen. — F. Z. Nr. 7. Gehen Sie mit dem Beicheid zum Gemerkschaftssrkrc- tarial, Engeluser 15.-- K. 40. 85. Sie haben keinen Anioruch aus Belohnung, nur Anspruch aus Fultergeld, wenn Sic den Hund polizeilich als zugelaufen angemeldet haben. DaS bezahlte Futtergeld ist unserer Meinung nach ausreichend.— A. H. 70. 1. Waffen- und Munirions. Beschaffungs-Amt. 2. 6. Mai 1882. S. 29. September 1886.— WetteranSstchten kür das mittlere N-rbdentichland d>S Ztzreitag mittag. Ziemlich kühl, überwiegend bewölkt, mit weiteren, im Küstengebiet mätzig stärkeren, im Binnenlande geringen Regensällen. »»«-litnvt,«» Vorletzte Aufführung. 8 Uhr: Max PaUenberg in Der kleine ffiapoleon. Sonnabend Eruffnunge-Vor- aellung d. Spielzeit 1917/18. 7 Uhr: Faust I K ammerspiele. Vorletzte- Aufführung. 8 Uhr: Hans WaBmann u.lda Wüst in Ooldflsche(Xustspiel) Sonnabend Eröffnpngs-Vor- stellung d. Spielzeit 1917/18. SU.: Oespenstersonate. Volksbühne. Theater am BBIowplatz. Cntergrundb. Schönh. Tor. Vorletzt« AufführungAV'/, U.: Fahrende Musikanten Musik von RobertSchinnann. Sonnabend Eröffnungs-Vor- stelluntr d. Spielzeit 1917/18. ?>/, Uhr; Was Ihr wollt. Dessl nff-Theater. Vorletzte Aufführung. 7'J4U.: Henry Bender in Die Kttnlfla der L-uft. (Gesangaposse.) Theater 1. 4. KSnigfrätzerstr. 8 Uhr: KBsatleriaohe Tinxe. Frage an das Schicksal. Abschiedssouper. Komödienhaus ?>/, Uhr: Erdgeist. BerlinerTheater 7'/,ü: Hie tolle KomteB. Voij£t-Theater. Badatr. St. Badstr.58. Täglich: Große Extro-Borstelluug. z>ei mijeilöiilg. Solcher; Erstklassiges Spezialitäten-Programm. Ans. wochent.'/,5. Sennt. 4 Uhr. üelMilleii'fwtei' Miiier Sänger. Anfang 7'/, Uhr. Sonnlag Hachm 3Uhr Varatellung z ermit.Pr.l Herr). Prcgr! Bill. sch.heute Reichshallen-Garten«. Saal: Blttthcen-Konsert. Anf. 8 Uhr, Sonnt. 6 Uhr. Theater für Donnerstag, 50. August Metropol-Theater T'/j Uhr: 016 WMMill. Deutsches Opernhans 7 uhr: Die loten Augen. Frledricb-Wilhelmst. Theater 71/. uhr: Das DreimätlerlliaDS. Gebr. Herrnfeld-Th. Operetten-Gastspiel u/.uhr; Die ledige Ehefrau. Kleines Theater 8 uhr; Die Hausdame. Komische Oper T'/.ukr: SehwanwaltMel. Lustspielhaus „ Die blonden MBdels 7*/« Uhr: vom Lindenhof. Kcsidens-Theater 8 uhr: Die Verhüllte. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. KassenüNd. 281 v/.uhr: Der Soldat derMarie. Schiller-Theater O 7*/« uhr: Walküre. Schiller Th. Chart. 7./.uhp: Traumulus. Thalia-Theater TU Uhr; - Egon und seine Frauen. Theater am Nollendorfplatz •"/. uhr.- Die Gulasclikanone. Theater des Westens Beginn der Wintorspielzeit Sonnabend, 1. September. Z. 1. M.: Der verliebte Herzog. Der erfolgreiche Eröffnungs-Spifllplan Dazu: 9 Uhr abends Pantomime in 12 Bildern .von Karl Vollmoeller MiistSeiumann Bahnhof Friedriohstraße. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 3 Metnickea halabrech. Akt. Clasaona ganz neue Leist. AW?" Max ii Moritz. Luis u. Sohn.— Sums. Halali Parforce- lldiail Schnitzeljagd. Sonnjtag 31/» u.»Uhr. Naphm. 1 Kind frei, ü. Gratis-Ponny-Eeiten. URANIA 8 Uhr: Die Befreiung Ostgaliziens und der Bukowina. Walhalla-Theater. ubr': Zigeuner. Gartenbühue: Vorstellung. Rose-Theater. 7'/, Uhr: Die Stunde des Vertrauens. Gartenb.: Seemanntliebchen. Trianon-Ttieater a. Bhf. Friedrichsir, Tel. Zt. 4927 '/,8 Uhr Der»/.s Uhr reizende Adrian. Admirais-Palast. (Die NTovItht Abrakadabra Gr. phant. Ballett a. d. Else. Angenehm, kühl. Aufenthalt 9*). U. Verzagt. Kttche. Berliner Prater-Thealer. Kastanienallee 7—9. 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Den Mitgliedern seine i zur Rachricht, daß unser Kollege, der Graveur E:ni8thodisattel Steglitz, Mouunsenstr. 9 am 21. August gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Rachricht, daß unser Kollege, der Gürtler Otto kickter Urbanstr. 88 am 9. August in Kiel gestorben ist. Ten Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreber Ericd Schulze Lhchener Str. 31 am 24. August gestorben ist. Ten Mitgliedern seiner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Gustav Neise Fehrbelliner Str. 50 am 26. August gestorben ist. Den Mitgtiedern seiner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Werkzeugmacher kichafd Wegner HennigSdorser Str. 22 am 13. August gestorben ist. Ghre ihrem Studenten 1 181/6 Die Ortsverwaltung Unterhaltungsblatt öes vorwärts Sie Zeit steht still... Der erste Tag der ftferiem BuS der drängenden Hast des Be- ruies in das gartenumgürtete HauS, wo mir die Mutter wohnt. Ich strecke mich behaglich ins Bett, die Zeit steht still... Heute mittag schlenderte ich durch die alte Stadt, wo ich heran- wuchs. Im flirrenden Sonnenschein ging ich über den Marltplatz zum allbekannten Uhrmacher, eine geringfügige Reparatur machen zu lassen. Eine blasse, stille Frau antwortete:.Es ist nicht mög« Irch, mein Mann rsl schon lanae im Felde, der Gehilfe auch.'— Darf die Zeit nicht weilergehen?—.ES ist Krieg, mein Herr!� Als ich heraustrat, fiel mein Blick auf die große, über der Haustür bangende Uhr. das sonst nimmer rastende Wahrzeichen deS fleißigen Mannes. Auf sie warf ich einst ängstlich den Blick, wenn ich morgens zu ivät zur Schule eilte. Sie steht still, der Meister, der sie auszog, ist weit fort, draußen in Flandern.... War es nicht gestern auch so, als du noch durch daS nimmer rastende Berlin, selbst ein Unruhiger, hastetest? Schauten dich da nicht, wo du auch gingest und wo du auch fuhrst, diese großen schwarzen Uhren mit den weißen, leichenblassen ZifferblStten an, sie stehen still, wie gebrochene Augen lang Verstorbener sehen sie auf die eilenden Menscheir herab.... Der Freund der Jugend steht inir vor Augen, niit ihm schwärm- test Du, mir ihm strebtest Du. Er trat i»S Leben hinaus, ward ein Vorkämpfer der Menschheit. Der Krieg kam. Als der ersten einer eilte er hinaus, um mit der verbaßleu Waffe au« Stahl, statt mit dem Geist die Freiheit dem Volke zu erringen. Im ersten Gefecht traf ihn die Kugel. Die Zeit, der er ein Führer sein wollte, stand für ihn still. Die alte, lebenSerfahrene Frau, die mir in mancher bangen Not leiie und sanft klugen Rat gab. sie geht in tiefem Schwarz, gebückt, sie. die sonst so stolz einherschritt. Der einzige Sohn, dem sie ganz lebte, fiel. Das Leben hat keinen Inhalt mehr sür sie. Ihr der- sank die Zeit. Und du. liebe Freundin I Mit heißem Herzen stürztest du dich in die Arbeit, darbenden, ratlosen Frauen Hilfe zu bringen, du sahst zu viel der Not. des Elends in der Heimat. Zu schwer trugst du daran, dein Geist versank in Nacht. Nun harrst du in Welt- abgeschiedener Einsamkeit des Friedens und der Heilung. Dir gilt keine Zeit mehr. Drei Briefe kommen mir in den Sinn. Der eine vom Bruder aus der Front im Westen, dort wo schon lange der Kampf still steht. Er schreibt:»Immer dasselbe Bild. Stellungskrieg. Wir liegen in Schlamm und Schmutz, schlagen uns mit den Ratten um das bißchen Brot, hin und wieder ein vereinzelter Schuß, ein Tag wie der andere, ich niöchte in die Heimat, arbeiten für Frau und Kind. Wo bleibt die Zeit?' Ein Kollege aus dem Lazarett:„Nun liege ich schon seit JahreS- frist hier, immer wieder bricht die alte Wunde auf, stößt Eiler und Knochenspliiter aus, nieine arbeitsreichen Hände möchten dir helfen, mit dir zusammen schaffen, wie lange noch? Mir geht die Zeit dahin---" Der dritte von der Insel Man:„Drei Jahre sitze ich als Ge- fangener nun schon hier in tatenlosem Müßiggang, der Geist wird müde, die Muskel erschlaffen. Jeden Abend schaue ich der Sonne nach, hoffend, daß sie morgen beim Aufgang die Botschaft der Be- sreiung brächte, doch immer vergebens, die Zeit sinkt mir dahin—' Da. durch die Stille der Nacht dringt zu nrir aus der Ferne das Pochen und Hämmern der Fabrik, die sonst nicht da war. Auf der Fahrt heute in die Heimar kam ich vorbei an den hohen, schlanken Türmen der Funkenstalion, an de» niäcktig sich wölbenden Bauten, wo Kunst des Menschen den Stickstoff der Luft seinen Werken vrsnstvär. macht. Herne Stätten kriegerischer Zerstörungs- kunst, morgen vielleicht schon friedlicher Arbeit. Auf den Aeckern und Wiesen ernteten kräftige Frauen den Ertrag ihres Fleißes, auf den Straßen und Bahnen gingen Frauen, die ihren Mann verloren, ungewohnter Tätigkeit nach. Mit festgeschlosfenen Lippen dem Schicksal trotzend, arbeiten sie, für ihre Kinder eine neue, glückliche Zeit herbeizu- führen. Die Zeit steht nicht still, die Arbeit geht weiter ihren Gang, noch schneller, tatkräftiger atS früher. Der Geist des Forschers sinnt, neue Möglichkeiten deS Lebens der Zeit abzutrotzen. das Boll kämpft seinen Kampf um sein gutes Recht und glücklichere Zukunst weiter auch fern der blutigen Wahlstatt. Die Zeit steht nicht still, sie ivird den Frieden bringen. Die Meister werden zurückkehren und die Uhren wieder in Gang setzen.--- Und fühlt dein pochendes Herz nicht auch ein ungestümes Drängen, �mitzuwirken an der Erneuerung der Zeit, sehnt sich dein n] Inders hjarmsteö. Von Jakob Knudsen. Kristen Faurholt lächelte— und sah nach Niels hin, der eben aus der Wohnstube kam. Er war zur Vesper da- heim. „Nein, das sind meine Leute nicht. Solche Personen mit Nucken!" sagte Madame Faurholt scharf. „Was sagen doch die Leute", warf Paul Vinding ein: „daß er Gjatrid haben soll, und Niels da soll die Schivester haben?" „So so, sind die Leute schon so weit damit gekommen I" sagte Madam Faurholt.„Das wäre nicht gut, wenn es richtig iväre. Dann täten, glaub' ich, Kresten und ich ani besten dran, anderswohin zu zieh», sobald wir könnten." „Nein, ich konnte mir ja ungefähr denken, daß es nicht stimmte. Ja, dann sind das natürlich auch nicht anderes als Lügen", fuhr Paul niit dem ernstesten Gesicht von der Welt fort,—„daß die Knechte hier auf dem Hof gedroht haben zu kündigen, weil sie nichts anderes als Aal zu Mittag bc- kämen in den letzten Wochen." „Was sollte das für eine Art Aal sein?" fragte Kristen Faurholt. „Ja. es sollte ja von dem sein, den Niels fängt, wenn er des Nachts mit Fackeln auf dem Fjord draußen ist." „Soviel sang ich nun nicht, daß die Leute es satt kriegen könnten," sagte Niels, ohne aufzublicken. „satt kriegen!" lachte Paul Vinding.„Es gehört nicht viel dazu, damit die Leute es satt kriegen.— Das muß ja übrigens ein langer Weg für Dich sein, toenn Du hier von Stavn aus das Pech und die Sachen schleppen sollst, woniit Du Brand machen willst. Aber mag ja sein, daß Du drüben auf dem Bjerrehos Feuer bekonimen kannst!" „Ja, wir können ja Wohl davon reden", sagte Madam Faurholt.„aber gespaßt soll damit nicht werden; denn soviel müssen Niels und Gjatrid wissen, ivenn das geschieht,— so werden sich Dinge ereignen, die sie sich nie haben denken können!" ES wurde ganz still nach diesen Worten. Sie waren auf ganz ungewöhnliche Art gesagt worden.— Endlich be- gann Kristen Faurholt' doch:„Ja. ja, liebe Inger, es lohnt sich doch nicht, so hart davon zu reden, bis etwas geschehen ist--1......................„• 1 Hirn nicht, neuen Gedanken nachzuhängen und an neuen Formen mitzuschaffen. straffen sich nicht deine Arme nach kurzem Urlaub Steine wieder heranzulragen zum Bau der Zukunst? Und während sich Gedanken und Träume verschlingen, schlägt dröhnend die alle wohlbekannte Glocke von St. Marien die MUtcr- »achtsstunde— vergangenheitsschwer, zukunftssicher. Soeche-�benö im Schauspielhaus. Zu Goethes Geburtstag brachte das Königliche Schauspielhaus am DienSIag die in Berlin sehr lange nicht mehr aufgeführte „Stella' und das hier überhaupt noch nicht gespielte.Prometheus'- Fragment. Gegen Mitte der zwanziger Lebensjahre entstanden, in jener Zeit, als Goethes unvergleichliches Genie im Werlher und im Urfaust sich strablend ankündigte, können beide Werke(die gran- dioien Verse de« ProinetbeusgedichtS sind später erst hinzugefügt) doch nur ein literal-bistorisches Jnlereffe beanspruchen. In den Worten Fernando«, dessen rasch entflammte und rasch verlöschende Leidenschaft zwischen zwei von ihm in tiefste« Leid ge- stürzten Frauen hin und herschwankt, klingt etwa« von der Reue nach, die der jugendliche Dichter über die eigene Un- besländigkeit so schmerzlich oft empfunden. Aber der Wankelmut erscheint hier losgeiöst von jeder Art Beziehung zu tieferen Unter« strömunge». Es fehlt der Hintergrund einer von dämonischer Unruhe umhergetriebenen, im dunklen FreiheilSdrange gärenden Genialität und so olles im engeren eigentlicheren Sinn Jung-Goeihesche. Fernando bleibt eine farblos gleichgültige Figur. Und so scheint denn die Schivärmerei, ,nit der die verlassene Gattin und die ver- lassene Geliebte an ihm hängen, nur seinem hübschen Aussehen und seiner angenehm chcvalereskcn Art zu gelten. Nach Jahren ins Hans der Geliebten endlich zurückgekehrt, trifft er bei ihr die Gattin, die er verließ. Die Liebe wie zu Stella so zu Cäcilie flammt wieder mächtig auf. Er will mit seiner Frau, die ältere Rechte an ihn bat, fliehen. Stella ersährl davon und ein Wettstreit des Opser- mules cnipinnt sich. Keine will der andern ibr Teuerstes rauben. Ursprünglich endete das Drama damit, daß alle drei in einem Bund zusammenleben wollen. Die Aufführung hielt sich an den vom allen Goethe veränderten Sckiluß, der Fernando und Stella durch Selbstmord enden läßt. Eine Lösung, die psychologisch nicht viel überzeugender wirkt wie jene frühere mit ihren zweifelhaften Zukunftsautsichten. Für den Fernando brachte Herr E h r l e sympathische Erschei- nung und Iveichen Wohllaut des Organs mit. Helene T h i m i g gab der Stella herzliche Wärme de« Gefühls, die aber auch eine Impulsivität, die hier und da. wohl kaum im Sinne des Dichters, ans Auigeregt-Nervöse streifte. Die stärkste, künstlerisch vollkommen abgerundete Leistung bot Frl. S u s s i u in der Rolle der verlassenen Vornehm blassen Frau. Jener Zug großartiger Symbolik, der da« später geschrieben«. als Abschluß dein Fragment hiuzugefügle Prometheusgedicht erfüllt, tritt in de» dramatischen, das Mythologische ausmalenden Szenen bei weitem nicht so wuchtig-stark hervor. Goethe zeigt den Titaneil, der. den Göltelir grollend, aus einsamem Berg menschliche Gestalten aus totem Gestein schafft. Athene erfüllt ihm seine Sehnsucht, haucht Leben in die Gebilde seiner Künstlerhand. Huldigend scierl das junge Menschengeschlecht in Pronieiheus den Vater. Weise spricht er zu Pandora iFrl. Thimig), die, von erster LiedeSregung gestreift, ihm vertrauensvoll ihr Herz eröffnet, und auch seinen anderen Ge- schöpfen steht er mit klugem Rai« bei. Wie sich Goethe de» Fort- gang seines Dramas dachte, läßt dieser Ansang nicht erkennen. Hiuier dem Bilde des gewaltigen Titauen, wie ihn Phantasie sich auS- malt, blieb die Bühuenverkörperung fHerrn Mühlhofer war die Ausgabe zugefallen) in Ichiuerzlich weilein Abstand» zurück. Elim- mungSvoll umrahmte Beclhoveniche Mustk daS Ganze. äd. die Kohle. Unter den mancherlei Schwierigkeiten, die sich infolge der äugen» blicklichen Kriegsverhällnifie einstellen mußten, stebl gegenwärtig die Frage der Kohlenveriorgung im Vordergrund der allgemeinen Allfmerksantkeir. Mit Spamumg folgt nicht nur der Industrielle, sondern jede Hausfrau den Anordnungen der maßgebenden Be- börden, und wir dürfen wohl hoffen, daß diese so getroffen werden, daß wir trotz gebotener Einschränkung auch im kommenden Winter der warmen Stube ebeniowenig werden entbehren müssen wie der genügenden Menge von Nahrungsmitteln. Bei genauerem Zusehen merken wir rasch, daß die Kohle unter allen Produkten der deutschen Erde am allerwenigsten ausgehen kann. Deutschland»st da« kohlenreichste Land der Erde, die Schätzung unserer Kohlenvorräte läßt sich natürlich mir ganz annähernd vor- „Sovicl ist doch geschehn, daß Gjatrid den abgewiesen hat, mit dem Du und ich sie verheiratet wünschen." „Ja, sie verheiratet wünschen,--" sagte Kristen Faurholt,— hielt jedoch ein.-- Gjatrid war aufgestanden, ganz von Tränen überwältigt—. und lief nun aus der Stube, ohne ein Wort zu sagen.--- Am Abend aber wurde zum Adjunkten Fischer geschickt, und dann wurde sie mit ihm verlobt. ES wäre wohl, trotz allem, nicht geschehen, wenn nicht ihr Vater, ohne daß seine Frau es hörte, der Tochter zu- geflüstert hätte:„Ja, liebe Gjatrid, ich finde, Du solltest Dich jetzt mit dem Adjunkt verloben,— wird es dann zu streng für Dich, so kannst Du's ja doch später mit ihm rückgängig machen. Ihr sollt für die nächsten zwei Jahre nicht heiraten, daS will ich Dir versprechen!" *• Am 20. Oktober begab sich Anders Hjarmsted wieder auf den Thinghof, um es in seinem Prozeß zum Spruch kommen zu lassen. Aber Kristen Faurholts Anwalt, der dicht neben dem Hardcskontor ivohnte, tvar auch beim Gericht er- schienen und begehrte einen Aufschub von drei Monaten, „aus demselben Grunde wie vorher". Der wurde ihm sofort bewilligt. Anders war im ersten Augenblick am meisten zornig auf seinen Vater, und daL war gut so, denn sonst wäre er kaum aus dem Gcrichtslokal hinausgelangt, ohne dies oder jenes getan zu haben, ivas lieber ungetan blieb. Nun ging er gleich hinüber und spannte die Pferde vor den Wagen. Doch als er sofort darauf an Anwalt Böllings Tür vorbeifuhr—, konnte er.es. nicht lassen, die Pferde an- zubalten und hineinzugehen, um mit dem Manne zu reden. Bölling kam in den Flur hinaus. „Kann Kristen Faurholt beweisen, daß er getan hat, was er konnte, während der letzten zwei Monate, um sich Zeugen zu verschaffen?" fragte Anders. „Ist nicht nötig." '„Ist ihm denn deshalb kein Beweis abverlangt worden?" „Von wem?"> „Wohl vom Hardesvogt oder vom Adjunkten?" Der Rechtsanwalt schüttelte ungeduldig den Kopf. „Wie oft kann Faurholt in dem Prozeß Aufschub bc-� kommen?" „So oft der HardcSvogt oder der bevollmächtigte Adjunkt es angemessen findet." „Jg. aber dann. kann, man doch in der Sache appellieren. nehmen, aber die Angaben darüber schwanken zwischen 300 und 400 Milliarden Tonnen. Sechzig Prozent unseres Kohlenbedarßs liefert uns das oberschlesische Kohlenbecken, dessen gesamt« Kohten» menge auf W'/, Milliarden Tonnen veranichlagl wird, wenn sie m« bis zu einer Tiefe von 2000 Meter» reicht. Dies würde ciiMm. Kohlenwürsel von 4500 Meter Kanlenlänge entspreche»«»!» d tritt. Die Veranlassung ist, daß man Grund zu haben glaubt, daß sich in dem großen Zustrom von Spekulanten zur Börse auch aus- ländische Spione versteckt ballen. wenn man meint, daß es auf die Art zu lange fortgeht,— und man sonst Lust dazu hat?" „Näh!" lachte Anwalt Bölling.„Sie können, der Teufel hol mich, doch nicht in einer Sache appellieren, bevor das Urteil gefallen ist.— Aber Sie können ja beim Amtmann klagen— oder in den Zeitungen-- Aber, junger Mann. ich finde es sonderbar, daß Sie sich bei dem Anwalt Ihres Gegners Rat holen." Anders sah das ein und wurde rot.„Entschuldigen Sie!" sagte er und ging nach der Tür. „Aber Sic könnten ja Adjunkt Fischer bitten, etwas naher zu untersuchen, wie der Proprietär den vorigen Aufschub benutzt hat. Das würde ich Ihnen raten. Jetzt ist er ja Schwiegersohn auf Savn und kommt oft auf den Hof." „Er ist Schwiegersohn?" rief Anders in ziemlich unbe- herrschtem Ton und fühlte, daß er blaß wurde. „Ja, verlobt mit der Tochter." Anders sah einen letzten Schimmer von dem grinsenden Gesicht des Anwalts durch die Türöffnung. ♦* * AlS Anders nach Hanse kam, fragte er seine Schivester, ob sie etwas davon gehört habe, daß Gjatrid mit dem Ad- junkten vertobt sein solle. Kirstine wurde sehr rot und sagte, sie hätte von Niels einen Brief darüber bekommen, aber sie hätte es nicht gcivagt, es ihm zu sagen. Anders fand, daß eS ihn nicht so traurig machte, tvie er eigentlich erwartet hatte. Doch er merkte niit Verivundc- rung, daß alles ihm plötzlich gleichgültig geworden war. Er hatte sofort gemerkt, als er ivicdcr aus dem Wagen stand, nachdem er mit Bölling gesprochen hatte, daß es beinahe war. wie ivenn der der Pajmoor-Prozeß oder der neue Aufschub von 3 Monaten ihn gar nichts anginge, lind doch war er darüber so erbittert gewesen, als er aus dem Thinghof fort- ging, tvie er es selten über etivas gewesen war. Er wollte nun ganz damit ivarteu, etivas in dieser Sache zu jun, bis sein Vater in etwa 8 Tagen herüberzöge.— Aber auch die Bewirtschaftung des Hofes war ihm jetzt so gleichgültig geworden, daß er seine Gedanken kaum dabei festhalten konnte. Und dann fühlte er oft etivas, das er für Hunger hielt,— aber es half trotzdem nicht, ivenn er aß: er hatte überdies keinen sonderlichen Appetit. Aber tvcnn er diese Empfindung hatte, so tvar es ganz gewiß fürchterlich,— ja. fast unerträglich, ivic er iu Gedanken dann immer auf Gjatrid Faurholt verfiel-% f, Eortj. tolgt.) ■1 Hierdurch crsiillcn wir die traurige Pflicht, zur Kennt- nis zu bringen, daß zu un- icrcm großen Schmerz unser innig� geliebter treuer Bru« -i�cr, Schwagerund Onkel, der ».�vdsturmmaiin Il9i- IVlK iMMdglill als Krie�sapfer in der Nacht vom tit. zum 13. August 1917 im 49, Lebensjahre zur aviizen Ruhe eingc- gangen ist, KiM Frommbach nebst Aamilic. Berta b�il geb. Frommbach. Arnhold �sczinsky nebst Familie. Vcrtond der Gemeinde- and Staattsarbelter. Filiale(GroB-Beriln. Ten Mitgliedern geben >oir hiermit Nachricht von, Tode deS Kollegen August Scholz vom Schlacht, und Viehhos. (»fire seinem Andenken l . BeclÄigung am Freitag, den 31. August, nachmittags 4\ Uhr, von der Leichen- halle des ZluserstehungS- Kirchhofes in Weitzensee aus. Um rege Beteiligung bei der BestattlMg des Kollegen crsuchr 188/12 Hie Ortsverwaltung. Dr. Hellwig Sprechstunden ab 31. 8. 17 nachmittags 4—6. 67L* HB Ods er de» BdUrteg» fiel unser Kollege, der Schweiber 288b Fr am Stange kurz nachdem er don seinem HeimatSurlaub zur Front mutzte.» Durch die Ausrichttgkeit seines Charakters hat er sich ein ehrendes Andenken bei seinen Kollegen gesichert. Die Schweister und Schwetsteriunen der Firma Luftverkehrs- Gesellschaft Johannis- thal. Flugplatz. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme loie jür die zahlreichen Kranz. spenden bei dem Verlust meines lteben Mannes, unseres un- vergeßlichen Vaters. sagen auf- richtigen Dank 291b Luise Ohlemann und Kinder. Nach fielenntotmiiger Krankheit verschied am 25. Aug ust im 49. Lebensjahre unser Kollege und Mitarbeiter, der Schriftsetzer 290b Franz Wiese. Ein ehrendes Andenken bewahrt ihm Das Personal der „Deutschen Tageszeitimg", Dessauer Str. 6/7. Nfödel� In allen Preiglagren 1-, 2- u. 3-Zimm.-Wohnungen empf. in mod. Ausführg. Jlll. Apelt, Tischlermstr. Berlin SO, Adalbertstr. 6, Hoclibahnst. Kottb. Tor. Nach langen, geduldig ge- tragenen Leiden starb am 28. d. Mts. meine liebe Frau Berta Fritsch geb. Frledemann im 30. Lebensjahre. 2595 BcrIin.Steglitz,30. Aug 1917 Forststr. 6. Die Beerdigung findet am Sonnabend nachmittags 1 Uhr von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhoses in Sieglitz, Bergstraße, aus statt. IdankaarnnU. Fllr die mir aus Anlaß des TodeS meines lieben Mannes, deS Zimmerers .Antnn Smolinski erwiesene Ansmerksamkeit spreche ich den Herren Kolle. gen der Werkstätten der städt. Gasanstalt IV, Dan« zigcr Str., hiermit meinen herzlichsten Dank aus. Frau Franrisha Smolinski, XO, Danziger Str. 52. Universal-Briessteller 3,50 Mark, Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 3(Laden). akn«>ni» echtem � Friedenskautschuk. n. ohne Platte, Goldkronen. Brücken, Plomben. 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