Nr.S38. 34. Iahrg» Bezugspreis» «erteiZührl. i�goMk., monüll. ILV M, wSchenllich SO Vfg. frei WS Hau». vorauszahlbar. Einzelne Wochentag?- »Ummern 5 Pfz. Sonntagsnummer mit illustrierter Beilage.Die Neue Welt' 10 Bfg. Postbezug: Monatlich Z.Z0 Ml. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn £.S0 Mk.,siir das übrige Ausland 4 Ml. vwnatlich. Postbestellungen nehmen an Dänemark. Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-PreiSliste. Erschein» täglich» Delegramm- Adreffe: »Sozialdemokrat Berlitr", Vevlinev Volksblnkk. ( S pksnnig) Der Anzeigenpreis beträgt f. die stsbengespaltene Kolon el- »eile GO Pfg.„Kleine Sluzeigcn", das sctlgedruckte Wort 20 Psg. �(zu- lässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafslcllenanzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere WortSPfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Tie Kampstätigkcit in Flandern beschränkte sich auch gesteru auf starkes Feuer in einigen Abschnitten nordöstlich und östlich von Ipern. Frühmorgens führten die Englönder einen heftigen Borstoß nordöstlich von Wicltje, der verlustreich im Feuer und Nahkampf zusammenbrach., Heiresgruppe Deutscher Kronprinz. Am Cheytin-deS-Damrs scheiterten mehrere nach FeutkwellbS vorbrtchende ErkundungSstöß« der Franzosen südöstlich von Cerah. Bor Berdun nahm abends derArtillcriekampf wkeder grösitte Stirlr an; außer Erkundergcfechten keine Jnfanterictötigkcit. .Heeresgruppe Herzog Albrecht. Französisches Feuer gegen Thiaucourt wurde erneut durchs kräftige Beschießung von Noviant-aux-Pre's erwidert. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e l d m a r s ch a l l» Prinz Leopold von Bayern Bei Dünaburg und Smorgon lebte die Feuertötigkrit erheb- lich auf; auch südwestlich von Lnck, bei Tarnopol und am Zirucz war die russische Artillerie rühriger als sonst. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph Südlich von Tirgul Okna wurden rnmönische Angriffe gegen unsere Linien abgewiesen. Heeresgruppe de? Generalfeldmarschall» von Mackensen. Der Kampferfolg deS 28. 8. in de» Berge««ordwestNch von Focsani wurde gestern erweitert. Kraftvoller Stoß der bewährten AngriffStrnppen warf den zähe sich wehrende» Feind aus Jresti und drängte ihn über die Höhen nördlich des Dorfes gegen das Susita-Tal zurück. Ein aus Schlrfieru und Sachsen bestehendes Regiment zeichnete sich besonders aus. An 300 Gefangene und zahlreiche Maschinengewehre und Fahrzeuge wurden eingebracht. Heftige Entlastungsangriffe der Gegner, ohne Rücksicht auf Menschcnverlust gegen die von uns nordöstlich und nördlich von Muncclul erkämpften Linien geführt, blieben erfolglos und ohne Einfluß auf die Angriffsbewegung westlich der Susita. Am Serrth und an der unteren Donau steigerte sich die Gefechtstätigkeit. Mazedoilische �ront. Die erhöhte Feuertätigkeit dauerte an, besonders südwestlich des Dojran-Secs. Bei Jhuma und Alcak Mah unternahmen die Bulgaren er- folgreiche Streife», bei denen mehrere französische Posten auf- gehoben und Gefangene zurückgeführt wurden. Einige angreifende feindliche Kompagnien wurden durch Feuer vertrieben. Der Erste Gencralauartiermrister. Ludendorff. Abeudbericht. B e r l i«, 30. August 1917, abends. Amtlich. Keine besonderen Ereignisse. Ter österreichische Bericht. Wien, 30. August 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlichcr Kriegsschauplatz. Deutsche Regimenter bautcu ihre neuerliche» Erfolge nördlich von Focsani gestern durch die Eroberung deS Ortes Jrcfti aus, dessen Besitz gegen zahlreiche Angriffe behauptet wurde. Südlich von Okna scheiterten feindliche Borstößc. Weiter nordlich hob sich an zahlreichen Abschnitten der Ostfront die Kampftätigkeit. Italienischer Kriegsschauplatz. Der große Waffcngang am Jsonzo wurde auch gestern mit höchster Erbitterung fortgeführt. Der Wall der Verteidiger widerstand siegreich dcil schwersten Anstürme». Im Raum nörd- lich von Sal brachen in den Morgenstunde» zwei starke italienische LagriKe zusammen. Bei Podlesce, Madoni und Britos warj l)t am ffonzo f der Feind den ganzen Tag über bis spät in die Nacht ununter- brachen neue Massen gegen uiisere Stellungen. Alle Anftürntc prallten an der zähe» Standhaftigkeit unserer Braven ab. Z« den vielen Kampfmitteln, mit denen der Feind unseren Widerstand niederzuzwingen versucht, trat gestern ein neues, in diesem Gelände kaum erwartetes: Oestlich von Britof ritt italienische Kavallerie gegen unsere Berschanzungen an. Sie wurde von Maschinen- gewehren empfangen und vernichtet. Für die heldenhaften Kämpfer auf dem Monte San Gabriel brachte der 29. August abermals heiße Stunden. Immer wieder lief der Feind gegen daS Boll- werk Sturm. Gegen Abend gelang es ihm, am Nordhang in unsere Gräben einzudringen. Nach Einbruch der Dunkelheit schritte» i» schwerem Unwetter unsere Truppen zum Gegenstoß. Neues Ringen endete mit regelloser Flucht der Italiener.— Auch östlich von Görz ließ der Druck des feindlichen Feuers noch nicht nach. Waren am Bormittag nur Einzelangriffe abgeschlagen, so ging der Gegner nachmitttagS nach mehrstündigem Trommelfeuer neuer- lich zu einem allgemeinen, breit angelegten Masscnstoß über. Wieder fand sich das Gelände von Sa» Marco im Brennpunkt des Kampfes. Mit Bajonett und Handgranaten wurde hier wie überall zwischen St. Caterina und Bertojba die erste Linie bc- bchauptct. Bei Koftanjcvica schob sich unsere Front nach einem erfolgreichen Ueberfall auf de» Gegner etwas vor. Reben anderen Truppe« fanden in den jüngsten Kämpfen noch Abteilungen der Regimenter 10 iPrzcmySl) und 48 fNagh- KaniSzaZ Gelegenheit, sich besonders hrrvorzutua. Die blutigen Verluste des Feindes sind außergewöhnlich schwer. Die Zahl der seit Begftnr der elften Schlacht eingebrachten Gefangenen ist auf mehr alS 10 000 gestiegen. Trieft wurde vormittags zum zweiten Male, heute früh zum drstteil Male innerhalb 48 Stunden von feindlichen Fliegern bombardiert. Den Angriffen fielen mehrere Einwohner zum Opfer; mehrere Privatgcbäude wurde» dcschädigt. Der Ehes des GcneralstabcS. Sir Eöwarö Grep- tot? In den Nachmittagsstunden des gestrigen Tages wurde die Nachricht von dem Tode Sir Edward Greys stierher über- mitteit, bald darauf aber wieder angezweifelt. Im Leben wie im Sterben zeigt sich dieser Mann den deutschen Augen in einem unbestimmten Licht. Nach den Meinungen vieler soll er ja auch der Urheber des Weltkriegs sein. Für die Anhänger dieser Theorie fiele die Todesnach- richt, falls sie sich bestätigen sollte, in eine Zeit ungünstiger Konjunktur, denn, leicht vergeßlich, wie sie nun einmal sind, haben sie neuerdings nicht im Engländer Grey, sondern im Russen Suchomlinoiv den eigentlichen Schuldigen entdeckt. Das läßt sich freilich wieder gutmachen, indem man rasch hinzufügt, daß Suchomlinow eben nur der von Grey Ge- schobcne gclvesen sei. Aber die von der Kriegspsychose nicht mehr beeinflußte Weltgeschichte wird das Bild des früheren englischen Außenministers anders gestalten. Grey war ein Diplomat der kleinen Mittel, ein Fortsetzer der von Eduard VII. eingeleiteten Bündnispolitik, aber sein Ziel war die Ausdehnung dieser Bündnispolitik auch auf Deutschland. Daß er dabei seinem eigenen Staate eine diplo- matisch überragende Stellung zu sichern versuchte, war nicht mehr und nicht weniger als seines Amtes. In der Krise von 1914 hat er, zwischen alten Bündnispflichten und neuen Welt- Verständiglingsplänen, nicht leichten Herzens auf der Seite der alten Freunde Partei ergriffen. Den eigentlichen Kriegsfanatikern Englands galt er aber ebensowenig als stubenrein ivie— aus ähnlichen Gründen— Bethmann Hollweg den Alldeutschen, er blieb ihnen stets friedensverdächtig, und sein Sturz wurde von ihnen als Erleichterung begrüßt. So werden sie sich auch jetzt über seinen Tod zu trösten wissen. In Deutschland hat man in ihm den Urheber alles Bösen gesehen, wie etwa draußen in Wilhelm II. Trotz gelegentlicher Erinnerungen an die geschichtliche Wahrheit, wird die Volks- Phantasie in ihm noch lange den Anstifter des Weltkrieges hassen, und in sein Grab, mag es ihm heut oder morgen ge- öffnet sein, werden ihm viele aufrichtige Flüche folgen, die er- nicht verdient hat. Denn er war auch nur einer, der den Frieden wollte und an den Krieg heranmußte, wie so viele andere auch. Irieüensüemonstration in Argentinien. Bern, 29. August.„Ternps" meldet aus Buenos Aires: Ein Manifest mit über 100 000 Unterschriften, darunter derjenigen des ehemaligen Ministers Alessio Gomez, des Kammerpräsidenten Demaria sowie einer Gruppe katholischer Deputierter fordert den Präsidenten der Republik auf. die Neutralität Argentiniens auf- rcchtzuerhalten.— Am 27. August fand eine Versammlung der katholischen Gesellschaft in Buenos Aires zugunsten der .Papstnote statt. dauert an. die bange Nacht. Es wäre zu weit gehender Optimismus, wenn man sich don den Enthüllungen des Suchomlinow-Prozesses einen tiefgehenden Eindruck auf die Völker der Entente der- sprechen wollte. Die Ueberzeugung, daß Deutschland der eigentliche Schuldige am Weltkrieg sei, ist drüben so fest ge- wurzelt, daß Aufklärungen über Teil Vorgänge, die zur katastrophalen Entwicklung an der Juliwcnde von 1914 führten, keinen entscheidenden Ausschlag der Gesinnungen herbei- zuführen imstande sind. Der allgemeinen russischen Mobil- machung waren das Ultimatum Oesterreichs an Serbien, die bekannten Verhandlungen darüber, die Kriegserklärung an Serbien und die Mobilisierung acht österreichischer Armee- korps borangegangen. Stellt man sich, wie man es drüben tut, auf den Standpunkt, daß Rußland unter allen Umständen verpflichtet gewesen sei, Serbien zu Hilfe zu kommen, so wird man den Schwankungen der russischen Politik in der Nacht zum 30. Juli 1914 keine entscheidende Bedeutung bei- messen. Niemand kann heute auch mit Bestimmtheit sagen, ob der Weltkrieg wirklich vermieden worden wäre, wenn der Befehl des Zaren, die Mobilmachung in ihrer Allgemeinheit rückgängig zu machen und sie auf den Südwesten zu de- schränken, seine Ausführung gefunden hätte. Aber immerhin, � hier öffnete sich eine letzte Möglichkeit, dem drohest- den Konflikt auszuiveichen, und die Phantasie erschöpft sich in Bildern, wie es doch ganz anders hätte kommen können, wenn der abgehetzten verwirrten Diplomatie Europas, noch eine Pause der Besinnung gegönnt� gewesen wäre. Das Schicksal, yer-t körpcrt in den Herren Suchomlinow und Januschkcioitsch, hat eS nicht gewollt, aus ihren Händen rollten die Würfel zur Entscheidung. Wie Kriege entstehen-- das Kapitel ist nicht so leicht. zu schreiben, wie manch einfaches Gemüt sich das vorstellt. Es ist eine sehr lange Geschichte, an deren Anfang wir die imperialistischen Weltsysteme in ständiger Reibung miteinander finden— an ihrem Ende aber sehen»vir Generäle, die bestrebt sind, den anderen zuvorzukommen. Ihnen erscheint die Diplomatie, die noch letzte Auswege sucht, als ein Hindernis der von ihnen angestrebten Erfolge, sie wollen nicht verhandeln, sondern handeln, sie sprechen mit dem alten Blücher in Gerhart Hauptmanns Festspiel: Wat soll mich denn dem FriedenStirili, Ick bin for Jnfant'rie und Kavall'rie. Der arine Zar hat, mit dem Angstschweiß auf derStirne, noch sein Letztes versucht. Fürwahr, wenn man sich eine Persönlichkeit Ivic die seine vorstellt, so kommt man nicht zu dem Schluß, daß ein auf Absolutismus und Militär- kamarilla gegründetes System besonders dazu geeignet sei, den Frieden der Welt zu erhalten. Daß Menschen mit schlechten Nerven und unzureichendem Denkvermögen auch bei angeborener Aengstlichkcit zu kopflosen Entschlüssen neigen— nach dem Schillerwort:„Da. packt ihn die Angst, da faßt er sich Mut"— ist nur allzu bekannt. Ein kräftiger Wille stößt sie im entscheidenden Augenblick vorwärts. Zar Nikolaus hatte am 29. Juli Mul gefaßt und der allgemeinen Mobilmachung zugestimmt. Erst hatte er bloß durch eine Teilmobilmachung„Oesterreich schrecken" toollen. aber der Kriegsminister hatte ihn davon zu überzeugen ge- tvußt, daß es notwendig sei, auch Deutschland„unsere Hai- tung bestimmt zu zeigen". Diese Aussage Suchom- linows braucht in ihrer Aufrichtigkeit uinsowcniger angezweifelt werden, als sie der militärischen Denkweise des Kriegsministers vollkommen entspricht. Die russische Militär- kamarilla ivollte„schrecken", ivollte„eine bestimmte Haltung" zeigen, sie trieb eine Politik des Bluffs und der Ein- schüchterung, niit der vagen Hoffnung, dadurch eine letzte Probe vermeiden zu können aber niit dem Eventualdolus, es gegebenenfalls auch auf die Probe ankommen zu lassen. Die englische Presse soll nicht mehr sagen, daß die Kehre Bernhardis nur in Deutschland gelehrige Schüler ge- funden hat. In der Nacht zum 30. Juli erhielt nun der Zar das T c l e g r a m ni des deutschen Kaisers, in dem dieser sein �Lort dahin verpfändete, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und Nußland freundschaftlich bleiben würden, falls die allgemeine Mobilmachung nicht erklärt»Verden Ivürde. Jetzt gab der Zar, den inzwischen»viedcr die Angst gepackt hatte und der einen Hoffnungsstrahl aufschimmern sah, den Befehl, die allgemeine Mobilmachung rückgängig zu machen. Dieser Befehl ist nicht ausgeführt lvorden, weil ihn die Generäle sür technisch unausführbar hielten. Es »vird sich nunmehr voraussichtlich ein militärischer Streit dar- über entspinnen,. ob die Rückgängigmachung angeordneter Mobilmachungen technisch ausführbar ist oder nicht. Aus alle JvöKc Begreift man— zumal angesichts der spezifisch rusfischen Zustände— die Sorge der Generale, dafi die Mobil- machung, einmal rückgängig gemacht, sich nicht so leicht wieder erneuern lassen würde. Tie Lawine war im Schuh! Zurück bleibt aber das Jammerbild eines augeblichen Selbstberrschers, de« man angelogen statte, die Mobilmachung beschränke sich aus die südwestlichen Bezirke. Erst am Tage daraus er» iährt der Zar die Wahrheit, daß man seinen Befehl nicht aus- geführt habe, und es gelingt, ihm„die lleberzeugung beizu- bringen", dah damit wohlgetan sei. Es war nicht wohlgetan! Denn wäre der Befehl aus- aesührt worden— hier beginnt die Phantasie wieder mit Möglichkeiten zu spielen— sähe Nikolaus vielleicht jetzt nicht in Sibirien sondern auf seinem Thron. Und Millionen Mütter hätte ihre Söhne behalten! Indes, wie schon gesagt, die Schicksale, die dem Aus- Bruch der Katastrophe vorangingen, sind so verschlungen und verkettet, dah niemand sagen kann, wie sich in Wirklichkeit die Entwicklung gestaltet hätte, wenn ein Glied aus ihr ausgefallen wäre. Und schon oft ist an dieser Stelle gesagt ivorden, dah es jetzt noch nicht au der Zeit ist, die Frage der Verantwortlichkeiten nach allen Seiten hm unparteiisch zu prüfen. Wenn aber die deutschen Sozialdemokraten dein freundlichen Bat ausländischer Sozialisten gefolgt tvären und das Schicksal zuungunsten ihreS angeblich allein schuldigen Vaterlandes gewendet hätten, dann sähe Herr Suchomlinow Beute nicht auf der Anklagebank, sondern sein ehernes Stand- bild stände auf einer Triumphsäule vor dem kaiserlich russischen KriegSininisterium. Wir ivagen zu bezweifeln, ob damit der äbsoluten Weltgerechtigkeit gedient gewesen märe! Unten aber aiu Sockel märe der russische General Jannschkeivitsch zu sehen, dessen dem deutschen Militärattache gegebenes Ehrenwort, dah die Mobilmachung noch nicht er- klärt sei— der Brave hatte die Order eben erst in der Tasche— schliehlich doch jedem zivilisierten Europäer ein ge- ivisseL Grauen einslöhen muh. Nochmals,»vir wagen zu be- zweifeln, ob es die historische Aufgabe des deutschen Proletariats war, die Herren Suchomlinow imd Jannschlewitsch samt dem von ihnen hin und her„überzeugten" Zaren zu Helden der Weltgeschichte aufrücken zu lassen. Zu solchem selbstmörderischen Beginnen war eben auch für jenen Teil des deutschen Volkes kein Auloh gegeben, der sich nicht ohne weiteres davon überzeugen liefe, dieser Krieg sei das Werk einiger verruchter Bösewichte mit unaussprechlichem Namen. Ach, wie sehr schrumpfen diese Riesen- schurken, die man sich znrecht konstruiert und gleich Vogel- scheuchen ausstaffiert hat. bei näherer Betrachtung zusammen! ES mar keine überragende Gestalt unter ihnen. Wie kleiit diese Menschen, und wie unendlich groh das Unglück! TaS Problem ist aufgerollt, der Menschheit eine neue Organisation zu geben, die sie nicht mehr zum Spielball einzelner Menschen werden Iaht. Von vielen Seiten her läht sich beweisen, dah dieses Problem unauLiveichlich gestellt ist. Zur Fülle des zwingenden Beweis inaterialS liefert die bange Nacht des Nikolaus nur einen Beitrag. die Konferenz öer Cntente-Sozialisten. Die Londoner Konferenz hat getagt— Ergebnisse sind n ich t erzielt worden. Der einzige positive Beschluh. der zustande kam, war xin Glückwunschtelegramm an die russische Revolution. In den Hauptfragen der KriegSziele und der Beschickung der Stockholmer Konferenz, kam es zu keiner Einigung. Die Konferenz hat hinter verschlossenen Türen ge- tag« und so ist eS sehr schwer, über die einzelnen Lorgänge Klarheit zu gewinnen, namentlich, da die zwei von Renter herausgegebenen Berichte, ein kürzerer Vorbericht und ein aus- tührlicherer, in wichtigen Punkten einander widersprech c ix. Zunächst lassen die Berichte vollkommeit im Unklaren, ans ivelche Weise Beschlüsse gefaßt»Verden sollten. An einer Stelle— bei der Ablehnung des chauvinistischen Antrags HpndinanS— ist ein zahlenmäßiges Abstimmungs- resultat genannt. Andererseits erscheint es schwer denkbar, dah auf dieser Konferenz nach Köpfen abgestimmt worden sein sollte. Denn wie wir vorgestern meldeten, stellte Eng- land zu der Konferenz allein 45 Delegierte, während Frankreich durch U), Ruhland durch 4, die anderen Ententestaaten durch noch weniger Delegierte vertreten waren. Bei einer Abstimmung nach Köpfen hätte also England die ganze Kouserenz majorisiert. Andere Stellen des Berichtes lassen es denn auch wieder so erscheinen, als ob zur Beschluß- fassung Einstimmigkeit erfordert morden ist. Heber eine Abstimmung nach Rationalitäten finden sich keine An- dentungen. Diese Unklarheit des AbstimmungS Verfahrens verhindert denn auch die Aufklärung deS wesenltichen Widerspruchs der beiden Reutermeldungen. In beiden wird gesagt, dah der Ausschuß für die Stockholmer Konferenz die Teil- izahme an der Konferenz seitens aller sozialistischen Verbände empfohlen hat. Nach dem ersten Reuterbericht ist nun der AuSschuhantrag nicht angenommen worden, weil keine Ein- st i m m i g keit zu erzielen war. Nach dem zweiten Bericht hat sich jedoch keine Mehrheit für ihn gefunden. Was richtig ist, wissen wir nicht, für die Beurteilung des Gesamtwertes der Konferenz und des auf ihr herrschenden Geistes ist aber gerade dieser Punkt ausschlaggebend. So bleibt eigentlich vorderhand als einziges sicheres Ergebnis, daß ein extremnationalistischer Antrag Hyndmans, der erst eine Zusammenkunft mit den deutschen Sozialisten für möglich erklätt, wenn Deutschland die besetzten Gebiete geräumt hat, mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Im allgemeinen bietet der Bericht der Tagung kein erfreuliches Bild: er zeigt, dah sich eine Ueberbrücknng der grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Eng- ländern, Franzosen, Belgiern einerseits, Russen und Italienern andererseits nicht hat bewerkstelligen lassen. Danach muh es allerdings als sehr fraglich angesehen werden, ob sich auf der Stockholmer Konferenz eine Ver- siändigung mit den westlichen Enteutesozialisten erzielen lassen wird. Dennoch soll es an uns nicht fehlen, daß der Versuch unternommen wird. London, 29. August.(Reuter.) Die Sozialistenkonserenz der Alliierten wurde um 7 Ilhr abends geschlossen. Der Ausschuß für die Slockholmcr Koiifeienz legte seinen Bericht vor, indem er die Teilnahme an der Konferenz seitens aller Abteilungen der Arbeiter- und sozialistischen Verbände empfiehlt. ES folgte eine lebhafte Erörterung. Da Einstimmigkeit nicht zu erzielen war, ivurdcn der Bericht deö Ausschusses und die Erörterung darüber einfach zu Protokoll genommen. Der Ausschuß für die KriegSziele berichtete nur. daß Einstimmigkeit nicht erreicht wurde. ES wurde darauf ein Vorschlag unterbreitet, daß ein ständiger Ausschuß zu dem Zweck ernannt werden sollte, die berschiedenen Fragen in Hinblick auf die Einberufung einer neuen Konferenz der verbündeten Länder zur Vorbereitung für den inter- nationalen Sozialistenkongrcß weiter zu erörtern. Dieser Vorschlag wurde von der Mehrheit angenommen. Der ständige Ausschuß. der aus je zwei Abgeordneten jeder Abteilung besteht, wurde ernannt. Amsterdam, 30. August. Reuter gibt einen ausführlichen Bericht über die Sozialistculonferrnz der Alliierten. Sie trat gestern morgen von neuem zusammen, wurde aber bald auf den Mittag vertagt, um den beiden Kommissionen über die Slockholmcr Konferenz und über die KriegSziele Gelegenheit zu geben, ihre Berichte auszuarbeiten. Die französischen Mehrheitssoziali st en lehnten die Vertretung in der ersten Kommission ab. Die Vertreter der englischen Gewerkschaften nahmen an der Debatte der Kommission und an dem Aufstellen deS Berichte» nicht teil. Sie hatten vorher erklärt, daß die Frage der Teil- »ahme an der Stockholmer Konferenz der Entscheidung des Geiverlschaftskongrcsscs überlasten werden müsse, der nächste Woche in Blackpool tagt. Der Berichterstatter der Kommission für die Stockholmer Konferenz war Ramsay Maedonald. Er trat dafür ein. daß alle Gruppen von sozialistischen und Ar- bcitcr« Organisationen an der Stockholmer Konferenz teilnehmen solllcn. Seitens der französischen Mehrheit wurde erklärt, daß. wenn sie sich auch der Ab- st i m m u n g enthalten sollte, sie mit dem P r o t e st gegen die Verweigerung von Pässen nach Stockholm ciilvcrstaiidcn wäre. Der Bericht führte zu einer sehr lebhasten Ans- spräche, während verschiedene britische Delegierte die Konferenz verließen, um sich»ach Blackpool zu begeben. Hyndman brachte einen Zusatzantrag ein, wonach die Konferenz erklären sollte. daß sie jede Besprechung mit Delegierten aus den feindlichen Ländern ablehne, solange Dcuischland die besetzten Gebiete nicht geräumt hätte. Dieser Znsatzantrag wurde, wie bereits gemeldet, mit bö gegen 4 Stimmen verworsc». Die belgischen Vcrtrctce protestierten entschieden gegen die Teilnahme an der Stockholmer Konferenz. Da sich für den Bericht MacdonaldS keine Mehrheit fand, wurde er schließlich nur zur Kenntnisnahme angenommen. Der Bericht der Kommission über die KriegSziele sagt nur, dast cin Mchrhcitö- licschlust nicht zustaudc gekommen sei. Daraus wurde der Vorschlag angenommen, einen ständigen Ausschuß zur Vorbereitung einer neuen Soziali st cnko» fcrcnz einzusetzen. Der Lviidoncr Berichterstatter des„Algemecn HandclSblad" meldet: Ein Glückwunsch an Rußland, der am Schluß der Konferenz angenommen wurde, war der einzige Punkt, über den Einstimmigkeit erreich t lo erden- könnt c- Berhord Shaw war einer von den Delegierten, die die Bcrsamm- lung verließen, weil, wie er sagte, nicht die geringste Aussicht auf eine Einigung bestände. Gegen öie Sprengung öer Gewertjchasts- internationale. Stockholm, 29. August. Die vom 27. bis 29. August hier ab- gehaliene Versammlung der skandinavischen Transportarbeiter betonte in einer Entschließung die Not- wendigkcit, die inlernationalen Verbindungen wieder anzu- knüpfen. Wegen der herrschenden Mißstimmungen müsse die VcrsöhuungSarbeil besonders taktvoll belrieben werden. wcS- halb alles zu vermeiden fei, was als Partei- lichkeil bezeichnet werden könnte. Die Versammlung jprach auS diesen Gründen entschiedene M i ß b i I bi g u ii g der Parole der iu England abgehaltenen Tagung der Seeleute au», die die Bildung einer neuen iniernano- nalen Organisation unter Ausschluß der Mittelmächte iorderl. In der Entschließung wird auch die Einladung zu dem allgemeinen GewertschasiSkongreß in Bern ge- m i ß b i I l i g i. weil zu befürchten sei, daß lein allgemeiner An- chluß möglich sein werde. die Noskauer Konferenz. Gedockt war die große Moskauer russische Staatskoufcrcnz als mächtige Demonstration des Vertrauens aller Klassen der Bevölkc- rung zur Regierung KerenSki und als Beweis voller Einmütigkeit iu den Kriegs- und FriedenSfrogen. Geworden ist die Moskauer Konferenz cin Stück des Kampfes der Klassen Rußlands um die Macht, insbesondere ein heftiger Zusammenstost zwischen Boiir- geoisie und Arbeiterklasse. Deshalb läßl sich„Daily News" aus Petersburg melden, die Konferenz sei gänz anders verlausen, als die ursprünglich geplante„Konferenz aller Klassen zur moralischen Kräftigung der Regierung" sich gestalten sollte. Tie Klassen- spaltuug, die auf den Widerstand der Besitzenden gegen das Pro- gramm der Koalitionsregierung zurückzuführen sei, habe sich nicht länger zurückdämnten lasten. Unter Führung der Kadetten be- gegneteu sich alle älteren politischen Parteien im Widerstand gegen das Regieruugsprogramm. Tle wirtschaftlichen Gegensätze seien tiefer alS die Spaltung in militärischen Fragen. In der Kriegs- frage seien selbst die Arbeiter- und Eoldateurätc dafür, alle Kräslc zur Fortsetzung des Krieges einzusetzen. Nur in den Fragen der inneren Politik beschuldigten die Parteien einander, Klasteninier- essen zu verfolgen, ohne an das Gemeiiuvohl zu denken. Petersburg, 29. August.(Reuter.) Während die Presse sich im allgemeine» ihr Urteil über die Ergebnisse der Moskauer Konferenz vorbehält, sieht sie eine baldige Umbildung des K a b l Ii e t i S voraus, ohne daß dabei die Zusammensetzung der Regierung hinsichtlich der Vertretung der bürgerlichen Parteien und sozialen Klassen geändert werden würde. Bern, 39. August. Der Petersburger Sonderberichterstatter des„E o r r i e r e d e l l a S e r a" betont als einen der wichtigsten Faktoren der derzeitigen innerpolitischcn Wirren Rußlands die immer stärker ausgeprägte Opposition der Kosaken gegen den Arbeiter- und Soldatenrat. Ter Be- richterstatter meldet ferner, die B o l s ch e w i k i hätten nichts unterlassen, um die Verhandlungen in Moskau zu stören. Sie verbreiteten überall telegraphisch die Nachricht, in Petersburg seien neue Aufstände ausgebrochen. Der in Moskau geplante Generalausstand tür die Zeit der Konferenz sei ihnen nicht ganz gelungen, immerhin sei ein Teil des Verkehrs lahm- gelegt worden._ Gewaltsame Unteröruckung öes finnlänüi- fchen Landtages. HelsingforS, 29. August.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Im Hinblick auf die für heute vor- mittag angesagte Wiedereröffnung des Landtages b c- fetzten russische Truppen frühmorgens das Landtagsgcbäude. Die Stadt ist ruhig. Der Ar- beiter- und Soldatenrat von HelsingforS hat angeordnet, daß die Besatzung der Flotte auf den Schiffen zurückgehalten werde. das Gespenst öes tzungers. Kopenhagen, 39. August.„Nationaliidende" meldet aus Stvckholm: Der HandelSrat po« Kiew.teilte der Regieryng telegraphisch mit, baß der L e b e n S m i t k e Im a n g el in Kiew jetzt einen drohenden Charakter angenommen habe. In einigen Tagen würden alle Vorräte aufgebraucht sein. „Politiken" meldet aus HelsingforS: Die bedeutenden Mengen Brotgetreide, die Rußland an Finnland zu liefern versprochen hat, sind noch immer nicht eingetroffen. Der Senat richtete einen energischen Protest nach Petersburg. Finnland stehe unmittelbar vor einer Hungersnot. Kampspause in üer westlichen Offensive. Brrlin, 39. August. Die Kampfpause im Generalangriff der Elitente hielt auch am 29. August an. In Flandern ver- suchten die Engländer lediglich in den, Angriffsabschnitt zwischen den beiden Bahnen Bocsinghe— Staden und Dpern— RoulerS einen Teilangriff gegen die deutschen Stellungen nordöstlich von Wielije; er wuidc restlos abgeschlagen. Die Artillerietätigkeit war bei st ü r m i s ch e m regnerischem Wetter stark wechselnd. Das Feuer stcigcile sich gegen 3 Ubr nachmittags auf die deutschen Stellungen nordöstlich Dper». Gegen Abend griff es auch aus die Gegend an der Küste sowie vom Houihulst-Walde bis zum Kanal, von Hollcbele über. Während der Nacht wurde nördlich Laiigcmarck eine englische Patrouille abgewiesen. JinArtoiS hat die englische A n g r i ff S t ä ti g k e i t vollkommen aufgehört. An der ganzen Front herrschte lediglich iloniiale GesechtSIätigkeit. Nördlich St. Quentin beschränkten sich die Engländer auf cin Stoßtruppunter- nehmen, das um 9 Ilhr IS Min. abends gegen die deutsche vorderste Linie südöstlich Cologne-Ferme vorbrach. ES wurde glatt abgewiesen. An der A i S n e f r o n t bereitete starkes französisches Feuer, das sich um 12 Uhr mittags schlagartig südlich und östlich Ceriiy verstärkte, Vorstöße zahlreicher französischer Patrouillen vor. Im deutschen Maschiiiengewehrfeuer brachen sie sämtlich verlustreich zusainmen. Auch östlich Eormiry am Brimont und nordwestlich Vaudesmeeourt wurden französische Patrouillen ab- gewiesen. An der V c r d u n f r o n t beschränkten sich die Franzosen auf Srlilleriefcucr. Eine starke Patrouille gegen den Südrand von Wavrille wurde abgcwicscii. An der O st f r o il t ivar die A r t i l l c r i e t ä t i g k e i t an zahlreichen Stellen lebhafter als in den Vortagen. Der An- griff der V c r b ü» d e t e n im Bcrgland nordwestlich von Foesani macht wcitcrc Fortschritte. Die Verbündeten dran- geil zwischen den Flüssen Susita und Putna Iveitcr vor und erstürmten daS Dorf I r e st i. Die Rusio- Rumäncn sührten zur Eilllasiung der hier stark bedrängten Truppen st a r k e Massen gegen die am Vortage von den Ver- bündeten nordwestlich Muncelul geiiommenen Höhcnstellungen vor, die unter außerordentlich s ch>v e r e n Verlusten für den Feind scheiterte». Auch im O j t u z- T a l wurden zwischen D. OcZna und Grozesei rumänische Angriffe abgewiesen. Französischer Hccrcobericht vom 29. August nachmiltagS. An der AiSnefront Geschützkamps mit Unterbrechuiigeiii unser Feuer sprengte ein Echießbedarfslager in der Gegend Courtecon. Im iöebiel von Verdun ziemlich heftiges Geschützfeuer im Abschnitt von Avocourt und der Höhe 394; wir haben seilidliche Erkunbungs- abteiluiigeii, die unsere Linien nördlich von, Caurieres-Waldc zu erreichen suchten, adgewiesc». Tie Zahl der mwerwundeten Ge- fangeneii aus der Gegend von Beaumont seit dem 26. August be- trägt 1479, darunter 37 Offiziere. Ileberall sonst war die Nacht ruhig. Pom 29. August abends. Ruhiger Tag an der gesamten Front, außer in der Gegend des Denkmals vyn Hurtebise und auf Beiden Beaasüfern, Ivo sich, die beißen Artillerien sehr, tätig zeigten. Englischer Heeresbericht vom 29. August nachmittagK. Nachts führten wir erfolgreiche Vorstöße nordöstlich von Gouzeaucönrl und sudwestlich von Hulluch aus und machten Gefangene. Südöstlich von Langemarck säuberten wir einen Stützpunkt, in dem ftch eine feindliche Abteilung unmittelbar vor unserer neuen Linie hiell. Vom 29. August abends. Das stürmische Wetter hält an. Ein Bombenangriff auf zwei unserer Posten östlich von Oosttaverne wurde unter Verlusten abgeschlagen. Kämpfe in Deutsch-Osiafrika. Lc Havre, 29. August.(Havasmeldung.) Die im Südosten von Den t s ch-O sta f r i!a operierende belgische Abteilung hat bei; ihren AngrtfsSunteriiehmungen nordwcsttich von Anongo (Mabengc?) einen Erfolg davoiigeiragen. Auf dem Marsche zum Rucnafluß(Ruaha?) warf sie am 18. August bei Äikumi stehende Abteilungen zurück und brachte den deutschen Streitirästen, welche die Stellung von Saopor{'i) e:ne Etappe nördlich von Kodolu (Kidatu?) besetzt hielten, am 19. eine Niederlage bei. Der Feind zog sich»ach Süden zurück und ließ i» den Hänoen unserer Truppen einen gefallenen Europäer und 6 Europäer als Gefangene zurück. Nordtvestlich von Anongo zwischen Ruipa und Küimbero rückte eine englische Abteilung, die in Verbindung mit der bei. gischen Ableiluiig vorgeht, vor und warf deutsche Streitkräfte, die sich ihr eiitgegenftellte», aus Fraiar(Takasa?) und Anongo zurück. Weil» die paar Deutschen in Ljtafrika wirklich soviel Nieder. lagen erlitten haben, wie ihnen die Entente andichtet, so«st un- erfindlich, woher immer noch welche da sind. �ompere Morels Viertelstunde. In der„Huinanitö" vom 22. August schreibt Compere Morel: Gewiß, e» versteht sich, kein Mensch in den amtlichen Kreisen von Wien und Berlin glaubt noch an einel, Frieden der Annexionon. der Eroberungen, der Beute und der Eiilschädigung. Aberj wo-; man will, das ist der weiße Frieden, der Frieden ohne Sieger und Besiegle, den Frieden des Status quo. Diesen Frieden nennt Eonipöre-Morel einen„deutschen Frieden", und weil er den nicht will, will er die Fortsetzung des Krieges. Es dürfe, meint er zum Schluß, nicht so kommen, daß alle Opfer um- sonst gebracht seien,„weil wir es nicht verstanden, eine Viertel- stunde länger auszuhallen als die anderen". Wir stellen fest: Dieser französische Sozialist will den Frieden ohne Eroberunncil und Eiltschädigungen, den wir deutschen Sozial- demokraten wollen, nicht. Die„Humanitö" schimpft aber täglich auf die deutschen Sozioldemokraten— warum? Weil sie die Nieder- löge Deutschland», die Eompsre Morel will, nicht wollen. Wir stelleil weiter fest, daß cS bis zur„Viertelstunde" Eompsre Morels noch Monate und Jahre dauern kann, in denen viel kost- bares Blui, französisches wie deutsches, vergossen werden wird. Ein französischer Sozialist vom Schlage Compere Morel» und ein All- deutscher sind aber nur durch die Sprache von einander zu unter- scheiden, nicht durch den Gedankengang, der hüben wie drüben genau derselbe ist. . Die politischen folgen öer Märe Sonnet Rouge. Der Pariser Vertreter des„Secolo" meldet zu der Affäre Bonnet Rouge, man stehe am Borabend einer inneren, politischen Gründen entspringenden Krise. T>c Äsfärc des Bonnet Rouge habe die Stellung des Innenministers Malvy erschüttert. dem man zu große Noch ficht gegenüber den Frie- �enSftrömungen vorwirft. Die nächste Woche werde zeigen, p6 es zu ctn« neuen Regierung komme. Ter Derichterstakter betont weiter, alle Anstrengungen der französischen Parlamentarier richteten sich darauf, eine Regierung zu bilden, die dem Lande die Fortsetzung einer kräftigen Kriegspolitik sichere. Die polnische Irage. Wie wir erfahren, werden sich die Okkupationsmächte durch den Rücktritt des polnischen Staatsrats nicht abhalten lassen, die Re- gierungSgeschäste wie bisher fortzuführen. Eine Kommission wird die Geschäfte des Staatsrates übernehmen. Da alle kampftüchtigen Truppen notwendigerweise an der Stelle, wo sie erforderlich sind, eingesetzt werden müssen, so sind alle polnischen Legionäre Gali- zienS, die der K. u. K. Armee angehören, dieser zugeteilt und der österreichischen Heeresfront angegliedert worden. Nur die nötigen Ausbildungspersonen sind in Polen zurückgelasien worden. Tie polnische Frage ist unseres Wissens imHauptausschus; bertraulich, aber sehr gründlich behandelt worden. Wir hoffen und nehmen an, daß die ReichStagsmehrheit keinen Zweifel darüber gelassen hat, worin sie die Fehler des bisherigen Polenkurses sieht und dah sie der Regierung die Durchführung solcher Reformen dringend ans Herz gelegt hat, deren rechtzeitige Anwendung die jetzige peinliche Situation erspart hätte. Eine neue englische Partei. London, 30. August. Meldung des Reuterscheu Bureau?. ES wird berichtet, dasi eine neue Nationalpartei ge- gründet worden ist. der eine Anzahl von U n i o n i st e n an- gehören. In der Kundgebung der neuen Partei Ivird gesagt, ihr Ziel sei, den allgemeinen Wunsch nach einer aufbauen- den und kräftigen Politik auf de nr akratischer Grundlage zu verwirklichen. Amsterdams 30. August. Laut..Allgemeen HondelSblad" veröffentlicht„T i m e s" eine Kundgebung von 37 Personen, darunter sechs Peers und sechs Mitgliedern des Un- t e r h a u s e S, welche darin erklären, daß sie sich von der konfer- votiven Partei lossagen und eine N a t i on a I p a r t e i bilden. Die neue Partei ist für energische Fortsetzung des Krieges bis zum völligen Siege, für ehrliche Perwaltung und Politik, gegen den Verkauf von Adelstiteln, gegen den Kampf zwischen Arbeitgeber» und Arbeitern und für höchstmögliche Gütererzeugung , mit angemessenen Löhnen und angemessenem Gewinn. In der Kundgebung hei ist es: Wir finden nirgends Mangel an Ehrerbietung, Hingabe oder Loyalität gegenüber dem Thron, wohl aber in allen Klassen im Lande und in der Armee eine offene zur Schau getragene Abneigung gegen die Politiker und regierenden Personen, die uns durch ein veraltetes Parteisystem aufgedrängt sind. Wir beabsichtign zu handeln, ehe es zu spät ist. Rotterdam, 30.?lugust.„Nieuwe Rotterdamsche Courant" zu- folge schreibt„Times", dah die Mitglieder der neuen Partei sämtlich Schutzzöllner(Tarifreformer) sind. Auf ihrem Programm stehen an erster Stelle die Beschlsisie der Pariser Kon- fcrenz. � England ermäßigt den Srotpreis. London, 20. August.(Reuter) Amtlich wird gemeldet, dah eine Ermähigung de« Brotpreises von 1 Schilling auf 0 Penee für das Vierpfundbrot am 17. September in Kraft tritt. Belannterinahen läht sich diese Verbilligung des Brote? in England nur erzielen durch Gewährung staatlicher Zuschüsse. Amsterdam, 30. August. Aus Lpndfln, pitd Der vörgestrige Sturm bat großen Schaden an der Est n t e verursacht. Die„Times" bemerkt dazu, noch immer fei Mäßig- teit im Essen geboten. Ibr lairdwirtschastlicher Mitarbeiter bemerkt: Aus eine der schrecklichsten Saatzeiten seit Menschengedenken sei eine Mißernte gefolgt. Der Schoden, den die schweren Regen- güsse zu Anfang August verursachten, sei nicht wieder gut zu machen. Ter seither im ganzen Lande anhaltende und im lieber- sluß gefallene Regen habe das Gewächs niedergedrückt und die eigentliche Erntearbeit erheblich verspätet. der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 20. Aiigusl. Durch unsere U-Boote wurden in der Nordsee uiid im Bristol-Kanal nrucrdingS 4 Dampfer und 3 englische Zisch erfahrzeuge «ersenkt, darunter zwei bewaffnete englische tiefgcladcne Dampfer von mindestens 4000 To., ein tiefgcladcner französischer Dampfer, nnschcinend mit Kvhlrnlapung, und die englischen Fischerfahrzeuge Nr. 10t. Elraza, W. D. 105, S. H. 107. Ter Chef dcs AdmiralsiabcS der Marine. Eine englische verluftftatistik. Amsterdam, 30. August.„Algemeen Handelsblad" meldet aus London: Seit dem 17. Februar wurden insgesamt durch U-Boote 005 britische Schiffe versenkt, davon 525 über IbOO Tonnen; 152 Schiffe wurden ohne Erfolg angegriffen. Der Zall Tora beigelegt. Berlin, 30. August. Der argentinische Gesandte hat hier mit» geteilt, daß seine Regierung die Angelegenheit der Versenkung des orgenttnischen DompserS Toro durch die deutsche» Erklärungen als erledigt betrachtet. Die deutsche Regierung hak für den Dampfer Toro die Zahlung einer Entschädigung zugesagl. Das erste englische Standardschiff. Amsterdam, 30. August.„Handelsblad" meldet aus London, dah das erste englische Standardschisf fertig geworden ist und seine erste Reise angetreten hat, fünf Monate, nachdem sein Bau be- gönnen hatte. In welchen Abstäuben die nächsten Schiffe folgen werden, ist niibt gesagt. Und doch ist diese Frage wesentlicher als das Von- stapellauferr eines Schiffes. Kleine Kriegsnachrichten. Um dir Wahlreform in Ungarn. Die sozialdemokratische Partei hielt fünf Volksverjantmlungeit ab, in denen eine Eni- icblietzung angenommen wurde, wonach sie eine Ausdehnung des Wahlrechts, wie da« Kabinett Esterhazy sie beabsichtigte, als das Mindestmaß erachte, und die Erklärung W e k e r I e s mit Befriedigung zur Kenntnis genommen hat. Ter Wechsel im Kabinett habe an seiner Verpflichtung nichts geändert. Die sozialdemokratische Partei erklärt, dah sie auf der dezeichneten Grundlage geneigt sei, die Regierung bis zur Schaffung der Wahlrechtsreform mit der vollen Kraft ihrer Organisation zu unterstützen. Ter österreichische Rcichvrat wird nach einer Mitteilung des Ministervräfidenten etwa am 20. September wieder zusammen- treten. Tie nächste Hauptaufgabe der Regierung sei Vorsorge für Volksernährung. I Wohnungsnot durch Einwanderung.„BerkingZke Tsdends' I -meldet aus Kristiania: Nach amtlichen Mitteilungen sind hier tausend Familien obdachlos. Durch strengste Handhabung des Gesetzes über die Einwanderung von Ausländern soll versucht werden, ein« Verschlimmerung der Wohnungsnot vorzu- beugen. Die Kriegskosten der Bereinigten Staaten. Amsterdam, 25. August. Der New Uorker Korrespondent der„Tunes" berichtet, laß die täglichen Kriegsausgabcn der Vereinigten Staaten äugen- blicklich 25 Millionen Dollar betragen und daß sie noch schnell wachsen. In den ersten drei Monaten nach der Kriegserklärung Amerikas ist die Staatsschuld um daS Doppelte angewachsen. Die Vereinigten Staaten begannen den Krieg Anfang April. Im März betrugen die täglichen RegierungsauSgaben 3 310 000 Dollar, im April stiegen sie auf 0 010 147, im Mai auf 10576 000, im Juni auf 13 353 000, im Juli auf 24 057 000 Dollar. Im Monat April lieh Amerika seinen Bundesgenossen 200 Millionen Dollar, im Mai 407 500 060 Dollar, im Juni 277 500 000, in den ersten 25 Tagen des Juli 442 500 000, insgesamt 1327 500 000 Dollar. Der Kongreß hat anfänglich einen Betrag von 3 Milliarden Dollar für Anleihen an die Bundesgenossen genehmigt. Der Finanzminister ist beim Senate um die Bewilligung»euer Milliarden Dollar für Anleihen an die Bundesgenossen eingekommen. Das Budget für das erste volle Kriegsjahr, das am 30. Juni endigt, ist noch nicht eingereicht, wohl aber bereits das Budget des Kriegsmiuisteriiims, das einen linterteil davon bildet und über 5 Milliarden Dollar be- trägt. Hierin sind auch die Ausgaben für die Marine nicht einbe- griffen. Allein schon für Flugapparate werden 640 Millionen Dollar ausgegeben werden._ Das Ergebnis der Getreideernte 1417. Eine offiziöse Nachrichtenstelle schreibt: Die Frühdrusch- Prämien haben die Wirkung gehabt, daß in diesem Jahre ein Ueberblick über das Ernteergebnis weit früher ermöglicht ist, als in den letzten Jahren. Im großen und ganzen darf inan unsere Ernte als eine M i t t e I c r n t c bezeichnen, teil- Meise liegt das Ergebnis darunter, teilweise haben sich aber auch die Schädigungen der Notreife als n i ch t s o c r h c b- I i ch herausgestellt, lvie vielfach befürchtet wurde. Sollen wir bis zur nächsten Ernte mit unserem Brotgetreide durch- halten, dann ist auch in diesem Jahre größte Spar- s a m k e i t rvforderlich. Wenn diese aber lvalten wird, be- steht kein Zweifel, daß Wir vor einem Mangel an Brot unter allen Umständen geschützt sind. In vielen Frühdruschgebicten hat die Ablieferung dcL Slams bereits einen sehr großen Unifang an- genommen, vielfach wurde schon mehr als die Hälfte der Ernte ausgcdroschen und abgeliefert. Hierdurch ist der Neichsgctrcidcstcllc die Uebcrsicht über den zu erwarten- den Gesamtemteertrag wesentlich erleichtert, so daß für die Bemessung der Brotration schon jetzt ein ziemlich zuverlässiger Maßstab vorliegt. Es ist zutreffend, daß die über Erwarten großen Mengen von Korn, die unter dcni Einfluß der Frühdruschprämicn zur Ablieferung gelangten, teilweise Schwierigkeiten in der Unterbringung verursacht haben. Zu Befürchtungen, wie sie in der Presse zum Ausdruck gekommen sind, es könnte Ge- treibe infolge unzureichender Lagerung in größerem Um- fange verderben, liegt kein Anlaß vor. Die Trockenheit während der Erntezeit hat in dieser Be- zichung sehr günstige Wirkungen gehabt. ** * Wenn die abnorme Trockenheit des Sommer« den Verderb gröberer Getreidemengen verhindert hat, so hat die Gunst der Wütervng-uirs vor eine Gefahr gerettet, der wir durch mangelnde Voraussicht der ReichSgeireidestelle zweifellos sehr nahe gewesen sind. Ter ossiziöie Bericht leugnet selber nicht, dah die Massen- anfuhr von Getreide infolge der Frühdruschprämie an vielen Stellen nicht hat bewältigt werden können, und was uns darüber aus andere» Orten des Reiches berichtet worden ist, stimmt im wesent- lichen mit den Zuständen Lberein, wie sie vor einiger Zeit das „Westsälische Volköblatt" aus Neuhaus gemeldet hat. Nach der Darstellung deS Blattes herrschte in NeuhauS eine Riesen- zufuhr an ueuem Korn, das so hoch aufgeschüttet werden muhte, dah fein Verderben uiianZbleiblich erscheint. Trotzdem wurde noch immer ueueö Korn angesahreii, obwohl die ReichSgeireidestelle mehrfach telephouisch auf die Gefahren des dortigen Zustandes hingewiefell worden fei. Unter oiiderem wurde auch angeführt, dah das Korn in den Säcken nicht nur heiß, sondern grvhenteils durch die Säcke hindurch mehrere Zoll lang auSgetvachfen sei, dah eS ferner nicht eine Schicht, fondern drei Schichten hoch lagere usf. Die ReichSgelreideflelle hat diese Schilderung in Abrede gestellt und als zum mindesten außerordentlich stark übertrieben bezeichnet. In einer erneuten Zuschrift vom 28. August hält aber der GetväHrS- mann des„Westfälischen VollsblattS" seine Behauptungen dollinhalt- lich aufrecht und gibt aus eigener Inaugenscheinnahme derartig detaillierte Schildermigen, dah eS schwer wird, an ihrer Richtigkeit zu zweisel». Die Zeitung hat auch eigene Nachforschungen ange- stellt, deren Ergebnis sich ziemlich genau mit den Angaben des Gewährsmannes deckt. Hiernach muh man wohl annehmen, daß eS die Reichs- getreidestelle ist, die von den Zustünden in NeuhauS nur sehr mangelhaft unterrichtet ist. Die Frühdruschprämie ist seinerzeit alS notwendig bezeichnet worden, um uns über die UebergangSzeit zwischen der alten und neuen Ernte hinwegzuhelfen. Die Regelmäßigkeit der Ver- sorgung ist ja nun tatsächlich erreicht worden, aber eS fragt sich, ob sie nicht mit unverhältnismähigen Opfern erkauft worden ist und vor allcm, ob diese Opfer bei besserer Boraus- ficht und zweckentsprechender Organisation nötig gewesen wären._ Die alldeutsche Drohung mit dem Streik des Portemonnaies. Wir werden auf ein Seitenstück zu der noch unvergessenen Drohung der„Tägl. Rundschau" aufmerksam gemacht. Auf dem lt. Verbandstag des Verbandes landwirtschaftlicher Genossen- schaften der Provinz Westfalen zu Münster am 11. Juli sprach der stellvertretende Verbandsvorsteher, Oekonomierat Q u a b e ck, und zwar führte er nach der Zeitschrift des Verbandes aus: „Die durch uuS vertretene Bevölkerung und Genossenschaften haben die Anleihen gezeichnet ni der festen Erwartung eines späteren guten deutschen Friedens, und ihre starke Beteiligung an den Anleihen ist nichts anderes als der laute Ausdruck des festen Glaubens, daß dem deutschen Volke für alle Mühen, Sorgen und unermeßlichen Opfer auch später ein entsprechendes Entgelt zuteil ivird. Mit der Aussicht auf einen S ch e i d e m a u n f r i e d e u oder einen Frieden nach dem Herzen des„Berliner Tageblattes", einen Frieden nach dem Herzen der roten oder der goldenen Internationale, hätten wir bei der Werbearbeit unseren Kreisen nicht kommen dürfen." Diese Worte werden in der Zertschrift des Verbandes durch Sperrdruck hervorgehoben. Ter Herr Oekonomierat hat sich zwar sehr vorsichtig ausgedrückt, trotzdem ist die Drohung, die sich hinter feinen Worten versteckt, offensichtlich; wenn die Regierung sichf I auf den Boden eines VerständigungSfrledenS stellt, so Serben die durch Herrn Ouabeck vertretenen landwirtschaftlichen Kreise keine Kriegsanleihe mehr zeichnen. Wir wissen nicht, wie groß die Kreise sind, in deren Namen Herr Quabeck wirklich sprechen durfte, wir bezweifeln, daß diese alldeutsche Taktik wirkliehen Boden in der Bevölkerung hat. Aber für die Alldeutschen ist sie nichtsdesto- lveniger charakteristisch. Sie wollen nur patriotisch sein, wenn der Frieden nach ihren Wünschen abgeschlossen wird. Andernfalls er- lischt ihr Interesse an der Kriegsanleihezeichnung. BundeSratSarbeit. In der DonnerStagfitzung des Bundesrats wurde angenommen die Vorlage über die Bekämpfung von Pflanzen- krankheiien, die Vorlage, betreffend die Veröffentlichung der Handels« registereintragungen und ein Antrag auf Verlegung des Jnkraft- treten« der Bekanntmachung vom 3. August 1017 über die Beran- staltung von Lichtspielen.__ Die Not der Pensionäre. In Hirschberg hielten dieser Tage die Beamten-Witwen und p e n f i o n i erten Beamten eine Versammlung ab, aus welcher der Referent, Schulrat Ra- domski, die große Notlage der Pensionäre angesichts der allge- meinen Teuerung schilderte. Da die unentbehrlichen Lebenshc- dürfniffe jetzt für alle doppelt soviel kosten wie im Frieden, so dürfte eine Teuerungszulage von 10 bis 15 Prozent an alle Be- amten-Witiven und pensionierten Beamten wohl allseitig als be- rechtigt angesehen werden. Es wurde beschlossen, in diesem Sinne beim Reichskanzler, dem Staatsmiktistcrium und den Bolksver- tretungen vorstellig zu werden. Ninifterernennungen in(Defterreich. Wien, 30. August. Die morgige„Wiener Zeitung" Verlautbari das allerhöchste Handschreiben, worin ernannt werden: Der bisherige Leiter des Unterrichtsministeriums Cwiklinski zum Kultus- und Unterrichtsminister, des Eisenbahnministeriums B a n h a n s zum Eisenbahnminister, des Justizministeriums Schauer zum Justizminister, des Ministeriums für öffentliche Arbeiten H o m a n n zum Minister für öffentliche Arbeiten, des Finanzministeriums W i m m e r zum Finanzminrster, Feldmarschalleutncmt C z a p p zum Landesverteidigungsminister. Ferner wurden ernannt: Der Universitätsprofessor Freiherr von Wieser zum Haudelsnünister, Graf Silva Tarouea zum Ackerbauminister, der bisherige Leiter des Handelsministeriums M a t a j a, der bisherige Leiter des Ministeriums für Galizien Twardowski, ferner Sektionschef im MimsterratSpräsidmm Ritter von Z o l g e r und das Mitglied des Obersten SanitäisraleS Hofrat HorbaezewLki zu Ministern ohne Portefeuille. Schließlich wird Sektionschef Ritter von E r t l von der Leitung deS Ackerbaumiuisteriums enthoben. Dazu veröffentlicht das offiziöse Wiener Telegraphenbureau einen längeren Kommentar, in dem» es heißt: „Die neue Regierung, ist aus Beamten und Fachleuten gebjldet. Da die politischen Parteien selbst die Schaffung eines parlamentarischen Kablnettes als nicht zeitgemäß bc-zeichneten, wurde e>in Definitivum in anderer Richtung gefunden. Der allgemeine Kurs erfährt keine Aende- r u n g. Auf die bisherigen Stützen des parlamentarischen Betriebes wird auch künftig gerechnei, doch soll die Zusammensetzung des Kabinetts de» bisher diSpentier enden politischen und nationalen Elemenien erleichtern, sich mit diesem Ktyrse zu befreunden und an positiver Arbeit teilzunehmen. In politischer Beziehung Ivird die neue Regierung i» erster Linie bestrebt se-in, in verständnisvoller Zusammenarbeit mit dem Reichtzrat das bereits angekündigte Programm des z e i t g e m6 ß e n Ausbaues unserer Verfassung unter Wahrungü der Bedürfnisse der Gesamtheit und im Sinne einer der G I e ichcher e ch t i g u n g der. Völker entsprechenden nationalen Autonomie seiner Verwirklichung näher zu dringen.",.,.. - � Letzte Nachrichten. Ein Lösungsvorschlag zur EntschädigunqSfrage. Bern, 30. August.„Journal des Debats" meldet, daß die eng- tische Sozialistenpartei einen Bericht vorbereitet habe, der die Frie- densliedingungen festlegt und fordert, daß die Wiedergutmachungen aus einem von allen Kriegführenden zusammengelegten gemein. samen Fonds bestritten werden. Für die Bevölkeruugen Elsatz- LothringenS, Polens, der Balkanländer, Armeniens, Indiens, Algeriens, Irlands usw. soll eine Volksabstimmung vorgenommen werde», damit diese Bevölkerungen ihre Regierungen feister wählen können. Ferner verlange die englische Sozialistenpartei,(daß Mesopotamien an die Türkei, die deutschen Kolonien an Teutschland zurückgegeben werden. Koruilow und KcrcnSki. Rotterdam, 30. August.„Rieulve Rotterdamsche Courant" meldet auS London: Aus Petersburg wird berichtet, eS scheintzdaß zwischen Koruilow und ÄereuSki Eifersucht entstanden ist. Tie Liuken-Parteieu ärgern sich über die theatralische Art, in der Koruilow seinen Einzug in Moskau hielt. Er kmn mit Kratz!- wagen und einer Leibwache. Sein Bestich in der Iberischen Kapo? e »mit dem wundertätigen Muttergottesbilde, früher immer ein Tchl des Zeremoniells beim Einzug des Zaren in Moskau, war oiu. prunkvolles Schauspiel. Als Koruilow im Kongrehsaale erschien und sich nach seinem Sitz begab, wurde er von der rechten Seite mit gewaltigem Beifall begrüßt, während die Linke absolutes Stillschweigen bewahrte. Beim Erscheinen KereuSki« wiederum war links Beifall und die bürg er Ii che» Parteien schwiegen. Neue vergebliche Angrifsc der Italiener. Wien, 30. August. Aus dem Kriegspressequartier wird am 30. August abends gemeldet: Nachmittags griff der Italiener wieder auf der Hochfläche Bainsizza und dem Monte Tan Gabriele vergeblich an. Wie», 30. August. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Italienischer Kreigsschauplatz: Auf her Hochfläche von Bainsizza im Räume nördlich Podlesee war gestern nur Stellungskrieg. Um so erbitterter wurde südlich davon gekämpft. Alle Angriffe des Feindes, au denen sich auch Kavallerie beteiligte, ward» vergeblich; besonders der Monte San Gabriele war vielfach das Ziel erbitterter Anstürme. ES ist dem Feind nach sechstägigem ununterbrochenem Ringen nicht gelungen, die Widerstandskraft der heldenmütigen Verteidiger zu brechen. Unsere Linien von St. Katarina über Grazigna, dein Panowitzer Walde und San Marco umklammern Görz. Um diese Fesseln zu sprengen, griff der Italiener gestern wieder dreimal an. Er erlitt die schwersten Verluste und gewann keinen Schritt Boden. Bei Kostanjevica verbesserten mir durch eine glückliche Stoßtruppen- Unternehmung wesentlich unsere Stellungen. Einen schüchternen Angrifssversuch im Räume Medeazza schlugen wir glatt ab. Dia Fliegerangriffe auf Trieft beschädigten vielfach Privathäuser, so das Rathaus und die Unionbank.. GewerkschHsbewWng verlin und Umgegend. Vereinbarung der AngesteNtenverbSnde zur Wahr« nehmung gemeinsamer Interessen. Die Arbeitsgemeinschaft der kaufmännischen Verbände, die Arbeitsgemeiiischaft der technischen Verbände und die Arbeitsgemeinschaft für daS einheitliche A n g e st e l l t e n- recht(zusammen 800 000 Mitglieder) sind übereingekommen, in geeigneten Fragen, in denen im Vorwege eine Verständigung erzielt werden kann, von Fall zu Fall gemeinsame Schritte zu unternehmen. Zu diesem Zweck bevollmächligten sie die Vorsitzenden der Arbeits- gemcinscfmften, sich jeweils zur Vorbereitung der von den drei Arbeits- gemeinschaften zu treffenden Maßnahmen in Verbindung zu setzen. Den Arbeitsgemeinschaften selbst bleibt es in jedem Falle borbehalten, über die gemeinsamen Maßnahmen zu beschließen. Falls ckne Einigung nicht zu erzielen ist, bleibt es jeder Arbeitsgemeinschaft unbenommen, selbständig vorzugehen. Die Arbeitsgemeinschaft, die zu gemein- samem Vorgehen einer Frage die Anregung gibt, übernimmt die mit der Erledigung zusammenhängenden Arbeiten, es sei denn, daß be- sondere Vereinbarungen getroffen werden. Mit dieser Vereinbarung ist das gemeinsame Handeln der großen Arbeitsgemeinschaften und Angestelltenverbände gewährleistet und zugleich sind die vereinigten Bestrebungen nach Schaffung eines sogenannten Deutschen Privalbeamten-TageS hinfällig. Versammlung der EiseuSahner. In einer Versammlung der Eisenbahnen die der Deutsche Ei senbahne�- Verband für Mittwochabend nach den Comenius-Sälen einberufen hatte, kam es zu einer lebhaften Auseinandersetzung mit den Führern des Verbandes Deutscher Eisenbahn-Handwerker und-Arbeiter. Wätirend diese Führer den großen öffentlichen Versammlungen, die bisher vom Deutschen Eisenbahner-Verband einberufen worden waren, geflissent- lich aus dem Wege gingen, erschienen fie plötzlich in einer Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Berlin 1, einer Ortsgruppe, in der der Deutsche Eisejibahner-Verband erst einige hundert Mitglieder zählt. Die Leitung des Deutschen Eisenbahner- Verbandes ließ die»Gäste* ruhig an der Versammlung teilnehmen, gestattete ihnen sogar volle Redefreiheit, von der dann auch vier Redner den ausgiebigsten Gebrauch«nachten. So kam es, daß nur ein Punkt der Tagesordnung erledigt wurde und trotzdem die Versammlung von S'/z bis Uhr dauerte. Nach einem Referat des Verbandssekretärs K o�tz u r über das Thema»Der Deutsche Eisenbahner-Verband in seinem Werden* erhielt als erster Diskussionsredner Hqrr Generalsekretär Riedel das Wort. Er beklagte sich bi/er darüber, daß gerade sein Verband fortwährend angegriffen würde, meinte dann aber, an den vom Trierschen Verbat® zum Deutschen Eisenbahner- Verband Uebergetretenen sei njtcht viel verloren, eS handle sich dabei um ausgeschlossenen» Mitglieder, die ihre Beiträge nicht bezahlten. Weiter beklagte- er sich darüber, daß so wenig vom StäatSarbeiterrecht gesprochen würde und daß ihm vorgeworfen worden sei, er nehme die Lage der Eisenbahner auf die leichte Schulter. Schließlich warf er we Frage auf, was denn der Deutsche Eisenbahner-Verband in dem halben Jahre seines Bestehens ge- leistet habe und was er kjlitftig zu tun gedenke. In ähnlicher Weise äußerten sich auch die Ltfcigsti Redner. In dem Schlußwort ging Verbandssekretär Kotzur eingehend auf die Diskussionsreden ein. Er führte aus: Der Sekretäit A g t e habe den Deutschen Eisenbahner« verband mit den Gelben a/rf eine Stufe gestellt, dabei habe er sich wohl nicht überlegt, daß ep die Mehrheit der Versammlung beleidigt habe. Durch einen Zwischenruf stellte Herr Agte fest, daß er nur von der Leitung des Verbandes gesprochen habe. Der Behauptung des Herrn Riedel, daß es tfch bei den vielen taufenden Uebertritten nur um ausgeschlossene Mitlskuser handele/ hielt Ziotziiv die Tatsache ent- gegen, daß es sich gaua im Gegenteil wir langjährige Mitglieder handele, die vielfach lebende. Posten im Trierschen Verband inne- gehabt hätten. Das sjei charakteristisch und lasse den Schluß zu. daß der Zersetzungsprozeß im vollen Gange ist. Die Frage, was der Deutsche Eisezrbohner-Verband in dem Holben Jahre seines Bestehens geleistet habe, beantwortete Redner da- hingehend, daß er ich dieser kurzen Spanne Zeit das getan habe. was der Triersche Verband in langen dreiundzwanzig Jahren nicht erreicht, nämlich den Ausbau einer starken und einflußreichen Ge- werkschaft zu Volbringen, mit der eS künftig möglich sein wird, die Lage der Eisenbahner wirksam zu verbessern. Dann betonte Redner noch, baß er den Vorwurf, die Führer des Trier- schen Verbandes nehmen die Lage der Eisenbahner auf die leichte Schulter, ausrecht erhalten müsse, denn fie hätten bei Besprechung d/;r trostlosen Lage, als alle Zuhörer sehr ernst waren, gelacht. Er»ies dann eingehend nach, daß der Triersche Verband die Oeffentlsthkeii irreführt, wenn er fortgesetzt die Verbefferungen der Diensijfcerhältnisie als ein Ergebnis Trierscher Verbands« tätigkeit hinstellt. Diese Ausführungen waren Herrn Riedel und seinchn Gefolge derartig unangenehm, daß sie den Redner burch fortgesetzte Zwischenrufe unterbrachen. Mit einem wmmen Appell, das Gehörte hinaus in die Kreise der Fernstehjfnden zu tragen, schloß der Sekretär Kotzur seine von stürmischen Beifallskundgebungen unterstützten Ausführungen. Die Versammlung darf als ein voller Erfolg des Deutschen Eisenbahner- Verbandes gebucht werden, sie hat gezeigt, daß der Verband eine wirtschaftliche Notwendigkeit für die Eisenbahner ist und daß der Trietj�che Verband am Ende seiner Laufbahn steht. Der Verband der Bureauangestellten im 8. Viertel- jähr 1N17. In der vor einigen Tagen stattgefundenen Generalversammlung könnte der Bevollmächtigte Krüger über erfreuliche Erfolge und Fort- schritte berichten. Die Wahl der auf Grund des Hilfsdienstgesetzes verrichteten Betriebsangestellten- Ausschüsse bat die Angestellten- bewegung erfreulich belebt. Trotz eifrigster Bemühungen konnten die Gelben in Berlin nur ganz vereinzelie Vertreter in den Ausschüssen erhalten. Es wurden vom Verband zahlreiche Teuerungsbewegungen zum Teil allein, zum Teil gemeinsam mit anderen Angestellten- organisationen durchgeführt. Für die Angestellten der Berliner städtischen Gaswerke wurden durch Verhandlungen und Anrufung des Schlichlungsausschusses eine Erhöhung der Teuerungszulage und die Gewährung einer Konjunkiurzulage von 10—25 M. erreicht. Für die Betriebsschreiber in den Spandauer Militärinstituten wurde eine Erhöhung des Stundenlohnes von 70 Pf. auf 1,26 M. erzielt. Diese Aufbesserung bedeutet für die in Frage kommenden An- gestellten einen monatlichen Mehrverdienst von rund 50 000 M. Die Werkstaltschreiber der Firma Daiinler erreichten eine Er- höhung ihrer Teuerungszulagen. In den Beirieben der Berliner Elektrizitätsindustrie wurden gemeinsam von allen AngestelltenverbOnden Teuerungszulagen gefordert. Die ge- forderte Eihöhung der Teuerungszulage wurde bewilligt, die gleichfalls verlangte allgemeine Gehaltszulage von 50 M. pro Monat wurde jedoch auf Beschluß des Verbandes der Metallindustriellen grundsätzlich abgelehnt. Die Verhandlung vor dem>scklichtungs- auSschuß führte zu keiner Verständigung. Weitere Maßnahmen sind in der Schwebe. Es wurden im II. Vierteljahr 456 neue Mitglieder gewonnen, das sind mehr als iin ganzen Jahr 1916. Die Mitgliederzahl betrug am 30. Juni 1917 2546 männliche sdorunter 1386 Kriegs- teilnehmer) und 927 weibliche. Die Kassenverhältnisse haben sich günstig entwickelt. Nach einiger Debatte erteilte die Versammlung der Ortsverwaltung einstimmig Entlastung. Ter Berliner Arbeitsmarkt im Monat Jnli 1917. Die Zahl der Versicherungspflichtigen von 105 Krankenkaffen nahm im Juli um rund 6400 ab, teils eme Folge von Rohstoff« und Kohlenmangel, teils von Mangel an elektrischem Strom. Beim Männlichen Geschlecht beziffert sich der Rückgang auf rund 4100, beim weiblichen ans rund 2800. Die Log« auf de« Groß-Verliner ArbeitSmarkt ist im allgemeinen unverändert günstig. Besonders rege war die Nachfrage nach Erd- und Bauarbeitern. War da« An- gebot der Maurer reichlicher, so scheitert« doch die Vermittlung in nicht wenigen Fällen an der Ablehnung auswärtiger Arbeitsgelegen- heit. Besonders stark machte sich der Gehilfenmangel in der Leder« und Papierindustrie benierkbar. In der eigentlichen Maschinen- industrie hielt sich die Arbeitsgelegenheit infolge Rohstoffmangels nicht gleichmäßig auf ihrer bisherigen Höhe. Für die Gesamtheit der berichtenden Arbeitsnachweise stellt sich da« Verhältnis der Arbeitsuchenden zu den offenen Stellen bei den Männern auf 62, bei den Frauen auf 73 Proz., während es im vorigen Monat 66 bezw. 76 Proz., im gleichen Monat deS Vorjahres 98 bezw. 115 Proz. betragen hatte. Hcimarbeitslöhne für HeereSnäharbeiten. Während die Bekleidungsämter für die von ihnen in Auftrag gegebenen Heeresnäharbeiten Tarife vorgeschrieben haben, ist dies bei anderen militärischen VergebungSstcllen nicht der Fall. Der Verband der Schneider bemühte sich daher, die einzelnen Ver- gebungssiellcn zu beranlaffen, ihren Lieferanten bestimmte Arbeits- löhne vorzusckneibcn. Zu positiven Erfolgen haben diese Bemühun- gen leider nicht geführt. Trotz der vielen Beschwerden über un- genügende Löhne für Granatkappen, Gewehrschloß- schützer, Patronentragegurte, Tränkeimer. Säcke verschiedenster Art und dergleichen mehr, hat sich an den bisherigen Zuständen nichts geändert. Im vorigen Jahre antwortete die Artilleriewerkstätte in Spandau auf die Anfrage, ob für Granatkappen tarifliche Arbeits- löhne vorgeschrieben seien, daß dort ein Arbeitslohn von 20 bis 25 Pf. je nach der Schwere deS Stoffes als angemeffen erachtet. und im Falle die Werkstätte solche anfertigen ließe, auch bezahlt würde. Der gleiche Arbeitslohn würde auch von der Berliner Handwerkskammer als angemeffen bezeichnet. Große Berliner Fir- men, so namentlich die Firma F. V. Grünfeld zahlten jedoch nur 12 Pf. Arbeitslohn, wovon die Arbeiterinnen noch die Nähzutaten bezahlen müssen. Dagegen zahlt die Firma Theaterkunst den als angemessen bezeichneten Arbeitslohn. Hieraus darf wohl geschloffen werden, daß auch die Bezahlung der erwähnten Arbeitslöhne möglich ist. Infolge der Mitteilung der Artilleriewerkstätte in Spandau haben vor einiger Zeit eine Anzahl Arbeiterinnen vor der Schlichwngskommission gegen die Firma G r S n f e l d Klage auf Nachzahlung deS Differenzbetrages in Höhe von fast 23 000 M. erhoben. Seitens der Firma wurde bor der Schlichtungskommlssion erklärt, daß sie besonders berücksichtigt werde, weil die Heeres- Verwaltung die Erhaltung ihre« Betriebes als besonders notivendig erachte. Im zweiten Termin erschien Herr Grünfeld selbst und machte den Einwand der Unzuständigkeit geltend. Einmal seien keine tariflichen Löhne für Granatkappen vorgeschrieben, dann sei aber die Schlichtungskonimission nur für Streitfälle zuständig, die Arbeiten betreffen, welche von den Bekleidungsämtern vergeben werden. Dieser Einwand mußte durchgreifen und so wurden die Arbeiterinnen mit ihrer Klage abgewiesen. Nun ist inzwischen mit der Artilleriewerkstätte in Spandau ein Tarif vereinbart worden, der den Lieferanten vor- geschrieben werden sollte. Seither find Monate ins Land gegangen und es werden nach wie vor die alten Löhne gezahlt. Die Liefe- ranten erklären, daß ihnen von einem Tarife nichts bekannt sei. Genau so liegt es bei den anderen, eingangs erwähnten Gegen- ständen. Jeder Lieferant zahlt hier wie er will. Zum Teil werden Arbeitslöhne gezahlt, die zu der aufgewendeten Arbeiisleistung und den von der Militärbehörde gezahlten Macherlöhnen in gar keinem Verhältnis stehen. Um diese Zustände zu beseitigen, ersuchte der Schueiderverband das Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt, den mit der Artillerie- werkslätie in Spandau vereinbarten Tarif zur Einführung zu bringen und in den Lieferungsverträgeu vorzusehen, daß Streitigkeiten auS dem Lohn- und Arbcilsverhältnis durch die Schlichtungskommission entschieden werden sollen/ Seitdem sind auch wieder zwei Monate vergangen und die alten Löhne werden weiter gezahlt. Da die Heim- arbeiterinnen größtenteils dem Verbände nicht angehören, so ist es den Arbeitgebern leicht möglich, für die Arbeiten recht niedrige Arbeitslöhne zu zahlen. Die einzelne Arbeiterin ist ihnen ja schütz- und wehrlos preisgegeben. Unter diesen Umständen braucht man sich nicht zu wundern, wenn es Unternehmer gibt, die für einen großen Fultersack soviel Lohn zahlen wie für einen kleinen Sandsack, obwohl der Fultersack eine erheblich größere Arbeitsleistung und viel mehr Nähzutaten beansprucht. ES ist ein Fehler, daß die Arbeiterinnen die Arbeit immer wieder übernehmen und ausführen, ohne auf geordnete Lohnverhält- nisie zu dringen. Um dies zu erreichen, müssen sie sich ihrer geWerk- schaftlichen Organisation anschließen und von ihrem Arbeitgeber die Anerkennung eines Lohntarifs fordern. Die Hoffnung, daß die Tarife von selbst kommen, ist unbegründet. Wer heute nicht mit seinen Arbeitskollegen in seiner Berufsorganisation den nöiigen Zu- ämmenschluß sucht und durch gemeinsames Handeln mit seinen Mit- arbeitern seine Interessen wahrnimmt, schädigt die Arbeiterschaft und sich selbst. ES ist eine falsche Sparsamkeit, wenn man die Verbandsbeiträge zu sparen sucht und dafür dem Arbeitgeber die Arbeit für den halben Lohn liefert. Nur dann, wenn die vielen Heimarbeiterinnen das einmal begreifen, werden fie eine dauernde und durchgreifende Befferung ihrer Lohn- und ArbeitSverhältniffe erzielen. Industrie und Handel. Der wirtschaftliche Friedensschluß. Bela Feldes, Mitglied deS Kabinetts Weierle und Leiter des Ministeriums zur UebergangSwirtschaft äußerte sich dem Budapester Korrespondenten der Telegraphen-Union gegenüber folgendermaßen: Ich Halle eS für meine Aufgabe. Ungarn die entsprechende Wirtschaft- liche Rolle zu sichern, vor allem aber das Wirtschaftsver- hältnis mit Deutschland im Frieden auf eine gesunde Grund- läge zu stellen. Hierbei ist nicht außer acht zu lassen, daß im Interesse seiner selbstständigen wirtschaftlichen Einrichtungen für Ungarn ge- wisse Garantien geschaffen werden müssen. Bezüglich des wirischasilichen Zusammenwirken mit Deutschlands ist eine breite Perspektive geboten, und zweifellos werden unS die Erfahrungen deS Kriege« der richtigen wirtschaftlichen Verteilungspolitik entgegen- führen. Diesem wichtigen Ziele zu eni'prechen, habe ich mich ent- schlössen, im Herbst eine Reise nach Deutschland zu unternehmen, um mit den dortigen maßgebenden Kreisen bekannt zu werden und mich über die sührenden Ideen zu orientieren und auch eigene Pläne in Vorschlag zu bringen. Der Uebergang aus dem Kriegs- zustand in den Friedenszustand muß ohne merkliche Er- schülterungen erfolgen, doch dürfen wir uns keineswegs auf abgenutzten Gleisen weiterbewegen. Dem wirtschaftlichen Friedens- schluß muß durch Benutzung der Kriegswirtschaft eine starke Sanktion gegeben werden. Der Krieg Hai vielfach auch wirtschaftliche Gründe gehabt, der Friedensschluß muß daher auch ein wirtschaftlicher Friedensschluß sein, zumindest aber müßte der Friedenskonferenz sofort eine wirtschaftliche Friedenskonferenz folgen. Wie bisher militärisch, müssen wir auch wirtschaftlich unsere gemeinsame Bereit- schaft sichern und für unsere Aufgaben durch gemeinsame Prinzipien eine Lösung finden._ Der Julivcrkehr auf den märkische« Wasserstraßen hat sich, was den Stückgutverkehr anlangte, sehr gehoben, nachdem am 1. Juli die Bahnsperre begann, die sich auf die Verbindungen zwischen Berlin und Magdeburg, Hamburg, Stettin und Breslau erstreckt. Infolge des niedrigen Wasieistandes kamen allerdings bei der Fahrt auf der Oder und Elbe Verlangsamungen der Fahrt in Betracht. Hiervon wurde aber noch mehr der Verkehr ganzer Ladungen betroffen, deren Beförderung durch das niedrige Wasser starl behindert wurde. Zwar wird fortgesetzt auf der Oder abgeleichtert, wa» dann auch auf die Elbe ausgedehnt wurde, aber dadurch wurde noch mehr Raum beansprucht als sonst. Die Ab- sendung ganzer Ladungen nahm unter diesen Umständen nicht den erwarteten Umfang an. Um Brentanos Nachfolgerschaft. Lujo Brentano ist vor einem Jahre von seinem Lehramt für Volkswirtschaft an der Münchener Universität zurückgetreten, hat aber noch immer keinen Nachfolger erhalten. Heinrich Herkner, der vor einiger Zeit an die Berliner Universität berufen worden ist, hat abgelehnt, und die beiden anderen Vorschläge der Fakultät, der freisinnige Reichstagsabgeardnete Prof. Schulze-Gä vernitz- Freiburg und Max Weber- Heidelberg haben die Bestätigung der Regierung noch nicht gefunden, weil einflußreichen Schwerindilstriellen und Reichstagskreisen die ganze Richtung nicht paßt und sie lieber irgend eines ihrer Protektionskinder, einen ausgesprochenen Rück- schriitler, an diesem Platz sehen möchten. Es wäre sehr erwünscht, daß die bayrische Regierung endlich Klarheit darüber schaffte, daß sie diese versteckten Einflüsse vom Reiche der Wissenschaft noch mehr als früher fernzuhalten entschlossen ist. Äohlenfchätze im nördlichen Niederschlesicn. Ueber die Koblenschätze, die in der Gegend von Glo gau ge- ftmden wurden, erfährt die„Görlitzcr Volkszeitung* noch folgende Einzelheiten: Im nördlichen Niederschlesien bereitet sich eine neue w i r I- schaftliche Epoche von besonderer Wichtigkeit vor. Schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hafte man durch Bohrungen das Vorhandensein bedeutender Brounkohlenlager auf weiten Ol«. bieten festgestellt und auch mit der Ausbeutung begonnen. Iii- dessen blieb das Unternehmen infolge der mangelhaften Verkehrs- Verbindungen, aber auch wegen der damals im Vergleich zu heute im iröcdlichcn Nicderschlesien noch wenig entwickelten Industrie un- lohnend. Da die Betoohner sich ferner von dem bequemer und billiger zu erlangenden Torf aus den umfangreichen Primkenauer, Neugabeler, Kuiizendorfer und Ouaritzer Moorgebicten nicht trennen konnten, wurde die Braunkohlcngewinnung gäiizlich wieder eingestellt. Dagegen liegen jetzt diese Verhälftiisse für eine plan- mäßige Hebung der Kohlenschätze ungleich günstiger. Schon vor Ausbruch des Weltkrieges wurden durch neue Bohrungen»och weitere umfangreiche Kohlengebirge von 9 bis 22 Meter Mächtig- keit bei Noßwitz, Priedemost, Gramschütz, B o r k a u, Sieglitz, Herrn dorf, Lerchenberg, KIcin-Grä- ditz, Motzwitz und Kuttlau festgestellt. Nach vorsichtiger Schätzung des Oberbergamtes zu Breslau wurde der Kohlcnreich- tum dieses Landstriches auf cftoa eine Milliarde Hekto- Itter berechnet, so daß bei einer hochgegriffenen jährlichen För- derung von 10 Millionen Hektoliter der Betrieb auf 100 Jahre gesichert wäre. Als Betriebskapital würden 1750 000 Mark er- forderlich sein, die unschwer durch Ausgabe von Kuxen aufgebracht luerden könnten. Damit ist die Rentabilität für die Hebung dieser Äohlenschätzc völlig gesichert. Infolgedessen wird gegenwärtig in den beteiligten Kreisen Stimmung für eine möglichst beschleunigte Einrichtung eines Kohlenbergwerks gemacht, uin schon der jetzigen Kiiapvbeit an Brenustoffeii zu Hilfe kommen zu können. Auch in der G ö r l i tz e r Umgegend, in der Nähe von Ostritz, sind größere Kohlenlager gefunden und wird von Gesellschaften versucht, ganze Terrains anzukaufen, um ausbeuten zu können. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die bei der Gründung des Deutschen Eleftro-Siahlwerks A.-G. in Berlin bereits vorgesehene Erhöhung des Allienkapitals bis ans 1 Million Mark soll nilinnehr zur Durchführung gelangen. Die Ge- sellschafr ist im März 1916 ins Leben getreten, und zwar zunächst mit einem Kapital von 5000 M., das aber schon nalb wenigen Monaten auf 250 000 M. erhöht wurde. Die Generalversammlung soll ferner u. a. über Neuwahl des Auffichlsrats und Staruten- äilderungen Beschluß fassen._ Soziales. Das Wüten der Tuberkulose in Oesterreich. Med. Dr. v. Medinger veröffentlicht unter dem Titel»Traurige Ziffern* nachstehende Feststellungen: Deutschland Oest.-Ilng. Einwohner........ 68 000 000 54 000 000 Todesfälle an Tuberkulose jährlich 96 000 158 000 Für Tuberkulöse gewidmete Betten 40 009 4 000 Diese Ziffern sprechen eine beredte Sprache. Drei Todesfälle an Tuberkulose jährlich auf 1000 Einwohner in Lesterreich-Ungarn, 1.4 in Deutichland I Da die Erfahrung lehrt, daß auf 1 Todesfall etioa 10 Kranke zu rechnen sind, so kann man annehmen, daß von 100 Einwohnern bei uns 3. in Deutschland 1.4 tuberkulös sind. In den Jahren 1900 bis 1916 starben an Tuberkulose etwa 2.6 Millionen Menschen in Oesterreich-Ungarn I Und die meisren davon im besten Alter, auf der Höhe ihres Lebens I Nun aber stammen dieie traurigen Ziffern aus den Statistiken der Friedensjabre. Tie Steigerung der Tuberkulose durch Felddienst, durch Verwundungen und Krankheiten, durch die Unterernährung und Ueberarbeitung im Hinterland, durch die Gefangenschast in Rußland uiw. ist noch gar nicht abzuschätzen. Die Erhebungen, die man bisher anstellte, sind niederschmetternd. Deutichland besitzt 764 Heilställen und 1300 Für- sorgestalionen, Oesterreich-Ungarn dagegen 60 Heilslälten und 40 Hilfs- und Fürsorgestalionen. Im österreichiich-ungarischcn Heere waren in der ersten Hälfte des Jahres 1915 12 Prozent aller Er« kranlungen Tuberkulöse, in der ersten Hälfie 1916 63 Prozent. Auch die Zahl der Sterbefälle von Tuberkulösen nimmt in er- schreckender Weise zu: es starben in Wien Zivilpersonen an Tuber- kulose: im Jahre 1914 6223, im Jahre 1915 7810. inr Jahre 1916 9551 und im ersten Viertel des Jahres 1917 4333. Da in Wien jährlich etwa 32 000 Todesfälle zu verzeichnen sind, so ist im Jahre 1917 fast jeder zwei:» Todessall auf Tuberkulose zurückzuführen. Schwer leiden wir jetzt an den Folgen unserer fozialpolilischen Untätigkeit vor dem Kriege. Die Bekämpfung der Tuberkulose ist eine geradezu graueuhafl ernste Pflichr der Zukunft, sie ist nicht bloß eine Humanitätssache, sondern sie ist ein Gebot der Selbst- erhaltung.____ Provinzialkonfereuz der Kraukeukasseu der Provinz Braudenburg. Am 2. und 3. September findet in Kottbus, KonzerihauS Kolkewitz, Roßstr. 33, die 13. Provinzialkonfereuz der freien Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg mit folgender Tagesordnung statt: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. Berichterstatter: Herr Sima- nowski. 2. Berichlerflallung über die Satzungsänderung für den Hanptverband. Berichlerstalter: Herr A. Bend ig. 3. Gründung einer Ausstellungsvereinigung. Berichterstatter: Herr A. B e n d i g. 4. Einheitliche Jahresberichle für die Kassen der Freien Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg. Berichlerstaner: Herr C. Koblenzer. 5. Die Munerschaflsversicherung und unsere Stellungnahme zu den Absichten des Vereins für Säug- lingsschiitz. Berichterstatter: Herr Direktor Albert Kobn. 6. Äpolhekerfragen. Berichterstatter: Herr Oberapotheker A. K o f f k a. 7. Eingabe an die Reichsgetreidesielle wegen Nichlhergabe von Gerste. Berichterstatter: Herr Direktor Alb. Kohn. 8. Wahl des Vor« standes. 9. Wahl des nächsten Ortes der Jahreskonferenz. 10. An- träge und Mitteilungen. Die Freie Bereinigung der Krankenkaffen der Provinz Branden« bürg ist eine Vereinigung riach 8 414 der Reichsversicherungsordnung. Die Delegation aus Kasienmitteln kann daher nur nach den Be- stimmungen des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe und des Herrn Ministers für Landwirtschast usw. vom 27. Juni 1917 er- folgen. Verantwortlich lür Politik: Erich Uuttuer, Berlin: für fcen übrigen Teil des Plattes: Alma Scholz, Neukölln: für Inserale: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckere, u. Verlags anstalt Paul Singer je E», Berlin SW. Hierjit 1 Beilage und Uutcrhaltuugsdlätt. Nr. 2ZS ♦ 34. Jahrgang Heilage öes vorwärts 5rektag, 31. �ugusi14l7 Staötverorönetenversammlung. In dcr gestrigen Sitzung erfolgte zunächst die Einführung und Verpflichtung des ucugelvtihlten Stadtv. Kaufmann Kniehase. In der Zwischenzeit sind die Stadtvd. Architekt Baumann, Geb. Sanitätsrat Dr. Lazarus, beide Mitglieder der Freien Fraktion, und Kaufmann Baum(Linke) verftorbem Ihr An- denken wird in der üblichen Weife geehrt. Die allgemeinen Versicherungsbedingungen und den Gesetzentwurf der Städtischen Fcuersozietät hat dcr niedergesetzte Sonderausschutz mit einigen Aenderungen zur Annahme empfohlen. Referent ist Stadtv. Iden(Linke). Der Ausschutz beantragt gleichzeitig, den Magistrat um Vorlagen zu er- suchen, in welchen a) für die Neubauten besondere Vcüsiiche- rungsbedingungen festgestellt, b) die allgemeinen Bedingungen auf int Bau befindliche, noch nicht gebrauchsfertig hergestellte Roh- und Umbauten ausgedehnt werden. Stadtshndikus Hirsekorn behält dem Magistrat die Stellung- nähme zu den beantragten Resolutionen vor, kann dagegen dem Ausschutzbeschlusse, wonach auf Antrag der Versicherten diesem auch die Eiuzeltaxen mitzuteilen sind, die Zustimmung des Magi- strats nicht in Aussicht stellen. In der anschlietzeuden Debatte stellt Stadtv. E r e m e r(Linke) den Antrag, in dem streitigen Punkt« die Vorlag« wieder herzu- stellen, während Stadtv. Hintze(Soz.) für den AuSschutzbefchlutz eintritt. Dem Autrag Crcmer gemätz wird die Aenderung gestrichen; in, übrigen tritt die Versammlung den Ausschutzvorschlägen bei. Die Fristen für die Bebauung des Scheunenviertels sollen um weitere vier Jahr«, bis 1. April llZLI bzw. 1924 verlängert werden. Für die Prüsung dieses Antrags wird ein Ausschutz eingesetzt. Für die Zivcckc der städtischen Kriegshintcrbliebeneufürsorge sollen dem Sonderkonto derselben weitere ISO 000 M. zugeführt werden. � Die Versammlung stimmt zu. Der Vorentwurf zum Neubau der Obst- und Gemstsegrofi- Markthalle Beussclstraste liegt mit dem Magistratsantrage vor, der Anfertigung des speziellen Entwurfs durch die Architekten Jansen und Körte beizupflichten. Die Vorlag? geht an einen Ausschuß, nachdem Stadls. Hintze, auf möglichste Beschleunigung des Baues gedrungen hat, da das Projekt schon 4 Jahre in Vorbereitung gewesen ist und zu diesem Zwecke sofortige Ernennung des Ausschusses beantragt hat, in dieser Forderung auch vom Vorsteher nachdrücklich unterstützt worden ist. Bei der Abstimmung bleibt der Antrag auf sofortige Ernennung des Ausschusses in der Minderheit. Zur Beschlutzfassung stehen ferner die Vorschläge des Magistrais betr. Errichtung eines städtischen Jugendamtes. Das neue Amt soll einer besonderen Deputation unterstehen, von einem Direktor und einem Tirektorstellbertreter geleitet werden und zunächst zu fernen Aufgaben zählen: die körperliche Ertüchti- gung der Jugend, wirtschaftliche Fürsorgeeinrichtungen sowie Bil. dungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten für die Jugend, Schaffung eines Mittelpunktes für alle Bestrebungen dcr auf dem Gebiete dcr Jugendfürsorge tätigen Vereine. Stadtv. Dr. Rosenfcld(Soz.>: Es handelt sich hier um eine alte Forderung meiner Freunde,A>ü:Al?ir. seit 1912 mit besonderer Entschiedenheit vertreten haben. Noch 191 �verhielt sich der Magi- strat durchaus ablehnend; juichl kiich-ihM"»Heubar der Krieg erst freie Bahn geschaffen. Dic�Juge ich fursorge Mutz gefördert werden, darum begrüßen wir die Vorlage trotz ihres uns keineswegs völ'ig befriedigenden Inhalts. Die erstrebenswerten Ziele, die die Begründung aufstellt, werden durch die vorgeschlagene Organisation nicht erreicht werden; es bedarf einer Umarbeitung und Ausgestaltung in weitestem Umfange. Der Kardinalfehler der Vorlage ist, daß sie den Wirkungskreis des Amtes im Wesentlichen aus die Volksschule beschränken will; ein größerer Fehler liegt darin, daß eS darin an der Fürsorge für die noch nicht schulpflichtige Jugend gänzlich fehlt. Auch die schulentlassene Jugend mutz der Fürsorge des Jugendamts teilhaftig werden. Die geistige und sittliche Ertüchtigung der Jugend mutz ebenso Gegen- stand seiner Tätigkeit sein wce die körperliche. Dem Jugendamt wird es auch obzuliegen babeu, Jugendpfleger«ruszubikden. Alle diese Funktionen müssen in das Programm des Amts hineingc- arbeitet werden. Bitter not tut eine Konzentration der bestehenden sbstemlosen und zersplitterten privaten und öff-ntlichen Bestrebungen auf diesem Gebiete. Angesichts dieses weiten Kreises bedeutsamer Aufgaben erscheint die Vorlage mehr als mager; auf den � Deputationsgeist" darf hier am lvenigsten Rücksicht genommen werden, hier müßte der Magistrat schöpferisch vorgehen. Wir beantragen Aus- schutzbcratung. lBcisall.) Stadtv. Gaffel(Linke) spricht auch für einen Ausschutz, nimmt dann aber gegen die Auffassung Stellung, als ob nicht auch die bür- gerlichcn Parteien schon bisher für die Jugendfürsorge sich lebhast eingesetzt hätten. Auch dieserRcdnerhättedie Vorlage gern noch gründlicher motiviert und besser ausge staltet gesehen. Die Vorwürfe gegen den„DeputationsgeistI dein die Vorlage zu große Reverenz mache, kann er jedoch nicht als begründet anerkennen. Das Verhältnis des neuen Amts zu den be stehenden städtischen Vcrwaltungseinrichtmcgen auf diesem Gebiet müsse festgestellt werden, man dürfe nicht auf diesem Wege ledig- lich zu einer Vergrötzcrung des Beamtenapparatcs und zu einer Verstärkung des burcaukratischcn Elements gelangen. Stadtv. Mädchenschuldirektor Knaucr(Linke) vermag nicht allen Erweiterungswünschen des Kollegen Rosenfeld beizutreten, hält aber die Ausdehnung des Wirkungskreises des Amtes ans das vorschul- und nachschulpflichtige Alter für durchaus diskutabel. Für gewisse Zweige der Jugendfürsorge sei übrigens die Dezentralisation durch- aus vorzuziehen. Auch die Fürsorge für die Jugend der höheren Lehranstalten werde allmählich in gewissem Umfange dem Jugend- amt zu unterstellen sein. Stadtschulrat Dr. Fischer weist zusammenfassend auf die Matz- nahmen hin, die die städtische Verwaltung schon bisher zur Förde- derung der Jugendfürsorge getroffen hat Jetzt habe es ge° gölten, rasch zu arbeiten, um möglichst bald mit der Vor- tage an die Versammlung zu kommen; eben deshalb sei auch die körperliche Ertüchtigung in den Vor- dergrund gestellt. Der bestehenden Deputation solle von ihren Befugnissen nichts genommen werden. Die Vorlage wird einem A u s s ch u tz überwiesen. Die die Obst- und Gemüsezufuhr nach Berlin betreffende Eingabe des Magistrats an die zuständigen Behörden vom ll. Juli wird vom Oberbürgermeister Wcrmuth zum Anlaß ge- nominen, die Erklärung abzugeben, daß sich die Zustände auf diesem Gebiete iininerhin gebessert haben, wenn sie auch weit entfernt seien, befriedigend zu sein. Man dürfe vor allem nicht nachlassen in der Bekämpfung der Ausfuhrbeschränkungen.(Zustimmung.) Die öffentliche Bewirtschaftung sei für Grotz-Berlin eineunb«dingte Notwendigkeit...- Stadtv. Wurm(Soz).: Es hat doch ganz außerordentlicher An- strcngungen bedurft, um die Reichsstelle wenigstens einigermaßen in Bewegung zu setzen, dem Obst- und Gemüsemangel zu steuern. Die Liejerungsverträge warea ja durch das Gebaren bei Erzeuger bei-. nahe illusorisch gemacht worden;«rst am 18. August erging die Ver» ordnung, welche die Erzeuger zu der Selbstverständlichkeit des Jnne- haltens geschlossener Verträge anhielt. Die Märkte und die Kon- sumenten haben schwer zu leiden gehabt durch verfehlte An- Ordnungen der Reichsgemüse st eile, ich erinnere nur an die Preisfestsetzung für Mohrrüben; die Gemeinden sind da- gegen nach lvie vor machtlos, auf sie aber werden alle Vorwürfe abgeladen. Beim Obst wiederholt sich das gleiche Schauspiel wie beim Gemüse. Herr v. Tilly hat ja selbst konstatieren müssen, daß die Obstpacht von drei preußischen Domänen einen höheren Betrag darstellt als die Domänenpacht selbst. Wir hoffen, daß die immer- hin angebahnte Besserung anhalten wird und daß die Reichs- stelle gemeinsam mit den Kommunen in diesem Siime arbeiten und letzteren gegebenenfalls ausreichende Macht- b e f u g n i s s e übertragen wird. JWr GolAmufi für foflifryfrinfr He GolAankauKöstelleu-\ zahlenden vosten Goiöwerr Stadtv. Cassel: Auch wir erkennen an. daß manche? zur Besse- rung geschehen ist, und wünschen mit dem Vorredner weiterhin, daß die Konimunen von der Reichsstelle bei ihren Bemühungen aus- giebig unterstützt werden. Die Einhaltung dcr Lieferungsverträge mutz seitens der öffentlichen Gewalten erzwungen werden; sonst mutz öffentliche Bewirtschaftung eintreten. Die Versammlung nimmt von der Eingabe Kenntnis. lim den vom Magistrat vorgeschlagenen Verkauf des Grundstücks der Kranzler- Stiftung in Grünau für 160 090 M. erhebt sich eine längere Diskussion, da von mehreren Seiten der Kaufpreis für zu niedrig bezeichnet wird, Stadtv. Hintze (Soz.) widerrät dem Verkauf, weil das Grundstück für städtische Zwecke, eventuell auch für das Jugendamt in Betracht kommen könne. Alan beschließt Ausfchutzbcratung. Die Vorlage wegen Erhöh nng des Gaspreises wird von der Tagesordnung abgesetzt, Schluß h'J Uhr. GroßSerün Hroß-öerlms Gemüse- unü Gbftversorgung wurde gestern in der Berlin erSta.dtverordneten. Versammlung wieder einmal erörtert. Zur Kenntnis- nähme legte der Magistrat die(im„Vorwärts" schon be- sprochene) Eingabe vor, die er in Befolgung einer im Juni an ihn ergangenen Anfforderung der Stadtverordneten im Juli an die Reichsstcllc für Gemüse und Obst gerichtet hat. Inzwischen hat ja die Reichsstelle sich zu schärferen Maß- regeln entschlossen-� Gestern ergriff Oberbürgermeister W e r m li t Ii basASort. um zu hÄonrn. daß dich Lfödte v o ff d e r R e i ch s stell c e i n n ö ch e n t s ch i e d e n'e r c s V o r. geh e n e rwä r t e n. Auch' die'Redner der'Stadtverord- netenfraktionen— für die sozialdemokratische sprach Wurm— wiesen dcr Reichs st elle die Verantwortung für die bisherigen Mängel der Gemüse- und Obstver- sorgnng Groß-Berlins zu. Es habe, sagte der sozialdemokrati- sche Redner, großer Mühen der Städte bedurft, die Reichs- stelle ans den Weg der Besserung zu bringen. Hoffentlich wird der Magistrat ans dem für ihn günstigen Verlauf dieser Erörterung nicht den Schluß ziehen, daß nicht auch er noch einiges zur Besserung der Gemüse- und Obswer- sorgung tun könne._ Die Gaspreiscrhöhung für Berlk« stand gestern auf der Tagesordnung dcr Stadtverordneken- v e r s a m cn I u n g, aber schließlich wurde zu vorgerückter Stunde die MagistratSvorlagc abgesetzt. Das kommt überraschend, da der Magistrat— nach seiner Vorlage zu urteilen— es sehr eilig zu haben scheint. Schon von dem Tage ab, an dem im September die Gas- messerstände aufgenommen wurden, sollte nach dem Wunsch des Auf- sichtsrats der Gas- und Elektrizitätswerke und dem zustimmenden Beschluß des Magistrais die Preiserhöhung in Kraft treten. Das wird nun. mich wenn sich etwa eine Mehrheit für die Gaspreiser- höhung zusammenfindet, wohl nicht möglich sein, da ja die Stadt- verordnetenversammlung sich schwerlich ohne Ausschutzberatung über diese wichtige Angelegenheit schlüssig machen wird. Gegen das verfrühte Abernten von Herbstgemüse wendet sich das Preußische Landesamt für Gemüse und Obst erneut in einem Rundschreiben an die Bezirks- und Provinzialstellen, da von vielen Seilen immer noch über die zu frühzeilige Aberntung des Herbstgemüses geklagt wird. Die bisherigen Aufklärungen und Ermahnungen haben anscheinend nicht den gewünschten Erfolg ge- habt; die Landräte werden-daher zuni Erlaß von Anordnungen er- mächtigt, durch die das verfrühte Abernten verboten wird. Der Zeitpunkt, vor dem die Aberntung nicht vorgenommen werden darf, soll von den einzelnen Provinzial- oder Bezirksstellen für müse und Obst einheitlich für alle Kreise einer Provinz oder des Regierungsbezirks nach den verschiedenen Gemüsearten gelrennt fest- gesetzt werden. Ein Kohlrübenstreit. Auf einer in Dresden veranstalteten Tagung für kriegswirt- schastliche Aufklärung sprach der Physiologe Prof. Abderhalden- Halle über„Krieg und Gesundheil*. Er führte die an verschiedenen Orten aufgelretenen Epidemien aus den Kohlrübengenutz zurück und warnte vor der Kohlrübe. Jetzt antwortet ihm Prof. Boas-Berlin in der„Boss. Ztg.* Kohlrüben seien schon immer viel gegessen worden, aber weder auf dem Lande noch in Städten habe man jemals etwas von nach- teiligen oder gar gesundheitsschädlichen Wirkungen gehört. Auch in der Kriegszeit und besonders im verflossenen Winter sei „ärztlicherseits von derartigen Wirkungen kaum etwas bekannt geworden* Der harte Winterfrost„möge bei diesem außerordentlich wasserreichen Gemüse mancherlei Umsetzungen der Substanz hervorgerufen haben*, die„allerhand Störungen des Verdauungsapparats* veranlaßt haben könnten. Der Beweis wirk- lich ichädigender Wirkungen oder Nebenwirkungen des Kohlrüben- genusses bei normalen Mengen und tadelloser Beschaffenheit sei keineswegs erbracht. Die Kohlrübe habe sich in dem kartoffelarmen Winter„für weite Bolkskreise als wahrer-Re tter in der Not* erwiesen.„Ihr Hauplvorzug', schließt Boas,„besteht darin, daß sie ein Füllungsmittel ersten Ranges für den Magen ist.* Selbst dieser Verteidiger der Kohlrübe weitz also von ihr nicht viel mehr, als den sragwürdigen»Vorzug* zu rühmen, daß sie— den Magen füllt, Abgabe von Süststoff. Auf Abschnitt 26 der Sützstoffkarte SC kann im September ein Päckchen Süßstoff zu 2ö Pf. entnommen werden. Die Ab- schnitte 1—24 haben ihre Gültigkeit ab September verloren und dürfen nicht mehr eingelöst werden. Die Verteilung der Zusatzkarten. Wie schon mehrfach veröffentlicht, haben die Betriebe, die zu» satzkartenberechtigte Personen beschäsligen, die auf sie entfallenden Znsatzbrotkarten am Freitag, spätestens am Sonnabend. in Berlin von der für den«sitz zuständigen Brotkommission zur weiteren Verteilung an ihre Arbeitnehmer abholen zu lasten. Diese Woche erfolgt die Verteilung der Karten durch die genannten Stellen an die Betriebe erst von Sonnabend, den 1. September, ab. Die Anforderungen oder Veränderungen der Zahl der zusatz- kartenberechtigten Personen haben von jetzt ab jeden Montag unter Angabe des augenblicklichen Bestandes der zusatzkarten- berechtigten Personen an die Schwerarbeiterzentrale,'Molkenmarkt K, zu erfolgen._ Ein Parteiveteran! Karl Klein feiert seinen 70. Geburtstag. Das ist ein Alter von rechtem Schrot und Korn. Einer, der in Berlin an der Wiege der Partei gestanden, der die Bruderkämpfe der Vergangen- hcit kennt, dcr als Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins auf feiten der Lassalleaner stand und das hohe Gut dcr Einigkeit der Arbeiterbewegung aus seiner Erfahrung heraus schätzen gelernt hat. Unter dem Aüsnahmegesetz in den Hochverratsprozetz Ewald und Genossen verwickelt, hat er all die langen Jahre hin- durch der Partei im 6. Wahlkreis mit Treue und Hingebung ge- dient. Die Trennung der Partei erschütterte ihn auf das tiefste, machte ihn aber nicht einen Augenblick wankend in seiner Ueber- zeugung. Wir hoffen, daß di�m sonst so rüstigen Alten noch manches Jahr erfolgreicher Wirlsamkeit beschieden sei. „Auch nachts!" Der 9-Uhr-HauSschlutz in Grotz-Verlin macht die Bestellung von Eil« und Rohrpostsendungen, die nach dieser Zeit bei den Postämtern eingehen, in den meisten Fällen zur Unmöglich- keit. Deshalb hat die Postverwaltung beschloffen, Eilbrief« und Rohrpostsendunge n'n ach 9 Uhr abends nur zu bestellen, wenn sie den Vermerk„Auch nachts I* tragen oder eine ähnliche Kennzeichnung aufweisen. Auch Telegramme sollen nur bestellt werden, wenn sie für die Be- stellpostanstalten als Nachttelegramme oder als dringend er« kenntlichsind. y - 1- Der Aalkenhagener Mörder. Der Heizer Kube, dem zur Last gelegt wird, viele Monat« hindurch die Gegend von Falkenbagen und Segefeld als„wilder Schütze* unsicher gemacht zu haben, soll als des Mordes an dem Nachtwächter Engel in Falkenhagen überführt zu erachten sein, nachdem zahlreiche inzwischen durch den Untersuchungsrichter vernommene einwandfreie Personen ihn zweifelsfrei erkannt habe» wollen. Die Untersuchung gegen Kube wird aber nicht nur wegen des Mordes an Engel und der Ueberfällr in den Wäldern geführt. sondern auch wegen zahlreicher Schwindeleien, besonders mit Lebens» Mitteln. Auch mehrere Einbrüche werden ihm zur Last gelegt. K. dürfte voraussichtlich zur Beobachtung seines Geisteszustandes einer Heilanstalt zugeführt werden._ Einbruch im Lichtenberger RathauS. „Geldschranlknacker* machten dem Lichteffberger Rathaus einen Besuch und erbrachen in der Steu erlasse I den Geldschrank mit einer»Knabberzange*. Den Zutritt zum Rathaus und zur Steuerkaffe müssen sie sich durch Nachschlüssel', oder Dietriche ver« schafft haben. Sie erbeuteten etwa 8000 M.' bares Geld. Der Verlust ist durch Versicherung gedeckt. Die beiden Spandau er Mädchenmarde find, trotz aller Be- mühungen der Spandauer Kriminalpolizei und der Polizeibehörden Grotzberlins bisher noch nicht aufgeklärt worden. Gegenwärtig wird eine neue Spur verfolgt. Im Gewahrsam der Polizei befinden sich u. a. fünf Männer, die der Polizei als Zuhälter und Rowdys be« kannt sind und teils wegen verübter Einbrüche oder Gewalltätig- leiten gegen weibliche Personen verhaftet worden waren. Die Be- Hörde glaubt, datz diese Häftlinge, in deren Kreisen zweifellos die Täter zu suchen sind, um die beiden Mädchenmorde, wissen und datz der eine oder der andere von ihnen vielleicht an dem Verbrechen beteiligt gewesen ist. Gasvergiftungen wurden aus der Falckensteinstr. 6, Oldenburgcr Straße 8, Rheinsberger Str. 4.7, Greifswalder Str. 80a, Frankfurter Allee 41 gemeldet. leider in den meisten Fällen zu spät. Nur Oldenburger Str. 8 halten die Bemühungen der Feuerwehr- Samariter den Erfolg, daß die bewußtlose Person das Bewußtsein wieder erlangte. In den übrigen Fällen war der Tod schon ein- getreten. In einem Blumengeschäft zu Spandau wurden zwei junge Binderinnen, die in einem neben dem Laden liegenden Zimmer schliefen, gestern morgen tot aufgefmiden. Der Unfall scheint da- durcki herbeigeführt worden zu sein, daß der Verbindungsschlauch zwischen Gasleitung und Ofen sich gelockert hat, so datz Gas aus- strömen konnte.' Ncberfahren und sofort getötet wurde vor dem Hause Königs« berger Straße 32 der 10jährige Knabe Wilh. R. Becker, als er dort spielte. Lcvcnsmittcldicbe suchten die Verkaufsstelle der Konsum- g e n o s s e n s ch a st in dcr Z e l le st r. 28 heim. Sie stahlen für 1200 M. Butter und Margarine, Eier, Haferflocken u. dergl. mehr. Ein Volkskonzcrt des Philharmouischen Orchesters findet heute in der Philharmonie, Bernburger Stiatze 22/23, statt. Beginn 8 Uhr. Eintrittspreis 30 Pf., Kasseneröffimng 7 Uhr. Charlottenburg Nun auch noch das Wasser. Der Magistrat schreibt: Zu einer Erhöhung des Wasserpreises sieht sich der Magistrat in einer Vorlage an die Stadtverordnelenversammlung genötigt. Die Betriebskosicn der Wasserwerke sind infolge der Steigerung dcr Preise sür Kohlen und sonstige Betriebsmaterialien sowie infolg« der Erhöhung der Arbeitslöhne derartig in die Höhe ge gangen, datz die mit einem von rund 22 Millionen Mark Stadt Charlottenburg im Jahre Haupt nicht mehr erbracht haben. Kohlen usw. sowie die Arbeitslöhne Anlage« und Betriebskapital arbeilenden Wasserwerke de>j» 19 lg einen Ueberschutz über- Seitdem sind die Preise für weiter gestiegen, dazu ist die neue Kohlen- und Verkehrssteuer gekommen. Die Stadt Charlotten- bürg hatte bisher einen Wassertarif, der nach der Menge des Viertel« jahrverbrauchs abgestuft war. Der Durchschnittspreis für den Kubik« meter ist seit dem Jahre 1897 von 16,3 Pf. auf 13,62 Pf. im Jahre 1913 zurückgegangen. Bisher war es möglich, den so ent- standene» Ausfall durch die Verminderung der Selbstkosten in« folge vermehrten Absatzes und durch Verbesserung des Betriebes auszugleichen. Ein solcher Ausgleich wird aber nach Durchführung der in Aussicht genommenen, erhöhte Betriebskosten verursachenden Errichtung neuer Wasserwerkanlagen � nichr mehr möglich sein. Die Erhöhung des Wasserpreises ist deshalb nicht zu umgehen. Der jetzige Staffeltarif, der es mit sich bringt, datz die durchschnittliche Einnahme für einen Kubikmeter um so mehr sinkt, je mehr die für den einzelnen Anschluß abgegebene Wassermenge steigt, soll durch einen Einheitspreis ersetzt werden, und zwar soll der neue Preis bei eurem vierteljährlichen Verbrauch bis zu 900 Kubik« mefer IS Pf. für jedes Kubikmeter betragen, �-ür jedes Kubik ineler des Mehrverbrauchs über 300 Kubikmeter im Viertelfahr sollen 12 Pf. berechnet werden. Diese Prcisfeftietzung bürgt für eine mägige Verzinsung des in den slSdlifcbcn Waffenverken steckenden Anlage» und Betriebskapitals. Sie hat weiter die günstige Folge, daß für die kleinen Abnehmer mit weniger als 875 Kubikmeter Wasserverbrauch im Vierteljahr— und das sind 45 Proz. aller Abnehmer— eine Ermatzigung des Wasserpreises eintritt, während die Verteuerung bei den Grog nbnehmern sich noch in den Grenzen hält, die den Bezug von Wasser aus den städtischen Werken vorteilhafter erscheinen lassen, als die eigene Forderung. Die Anwendung des neuen Preises soll von der Standaufnahme im September an erfolgen. Abschnitt 23 der Eierkarte zum Preise von 36 Pf. ent Schöncbcrg. Eiervcrteilung. Auf kann bis zum 0. ScptSmber ein E i nommen werden. — Bürgermeister Blankenstein beurlaubt. Der zweite Bürger- meifter Blankenstein, an dessen Stelle der bisherige Stadlkömmerer Machowicz vom 1. April 1918 ab gewählt Ivorden ist, ist aus seinen Wunsch vom 1. Oktober ab bis zum Schlug seiner Amtszeit bcur» laubt worden. Die städtischen Körperschasten von Schöneberg haben zum Ersatz für die durch die Bereinigung dcS Bürgermeister, und Kümmercrpostens entstehende Lücke die Stelle eines neuen besoldeten Sladtrats beschlossen. Infolge der Beurlaubung des Bürgermeisters Blankenstein und mit Rücksicht auf die starken Anforderungen der Kriegszeit soll die Besetzung der Stelle beschleunigt werden. — Teuerungszulage». Der Magistrat hat beschlosten, die Ge- Währung von Kricgsbeihilfen und KriegsteuerungZzulagen für die Beamten und Angestellten entsprechend den neuen staatlichen Grund» täyen neuzuregcln. Für die städtischen Arbeiter soll an Stelle der neuen Teuerungszulage eine weitere Erhöhung der Kriegslohn. zutage eintreten, und zwar von 19 auf 13 Pf. für die Stunde. Für die Arbeiterinnen soll die Lohnzulage aus 19 Pf. erhöht werden. Den Reinmachefrauen wird der Friedenslohn um 59 Proz. erhöhl. Die jährlichen Aufwendungen für die neuen KriegsteuerungZzulagen werden etwa 412 999 M. und für die KricgSlohnzulagen etwa j 129 999 M. betragen.— Ferner wurde beschlosten, den städtischen ÜilfSarbeiterinnen besondere Kriegsstellenzulagen in Höhe von 19—29 M. monatlich zu gewähren. Wilmersdorf. Lebensmittel. Solange der Vorrat reicht, werden bis einschließlich Dienstag, den 4. September, auf Abschnitt 0 der „Bczugskarte für Einzelpersonen" bis zu je drei Pfund Süd iruchtmarmelade abgegeben. Die Entnahine darf in einer beliebigen Koloniakwarenhandlung. Obst, und Gemüsehandlung oder Milchhandlung erfolgen, soweit diese Geschäfte die Kundenliste führen. Bis zum 4. September kann auf Abschnitt 29 der Eierkarte e i n E i entnommen werden._ Kreis Teltow. Neue Borschriften über HauSschlachtungcn. Der Tellower KreiSauSschuß hat eine neue Verordnung über HauSschlach- tungen und Notschlachiungen beschlossen, die am 15. Septenibcr in Kraft tritt und sehr eingehende Vorschriften bringt, durch die da? Schlachten von Schweinen, Schafen, Rindern und Kälbern, sowie von Hühnern zur Selbstversorgung auf Grund der inzwischen er- gangenen Reichs» und Staatsvorschriften neugeregelt und zum Teil einer strafferen Ueberwachung unterstellt wird. Nach Fest- stclluiig der Begriffe Selbstversorger, gemeinschaftlicher Selbst- Versorgung und Mästung wird bestimmt, daß die Geneh- migung zur Hausschlachtung versagt werden muß, wenn die Voraussetzungen der eigenen Wirtschaft und Mast nicht erfüllt sind, wenn durck die Hausschlachtung die dem Besitzer und seinen Wirtschaftsangehörigen zustehenden Fleischmengen so erheblich über- schritten würden, daß ein Verderben der Vorräte zu befürchten wäre. Verpflichtet sich der Antragsteller, dre überschießende Fleischmenge abzuliefern, so kann die Genehmigung crtcikl werden. Die Ge- »ehmigung ist ferner zu versagen, ivenn die HaüSschlachtUng von einem Gast- und Schankwirt zur Beköstigung seiner Gäste bestimmt ist, wenn daS zur Schlachtung bestimmte Tier unter Verstoß gegen die erlassenen Bestimmungen erworben ist, wenn dem Antragsteller das Recht der Selbstversorgung entzogen ist, wenn er nach einer früheren Haus- jchlachtung die ihm aufgegebene Berpflichtung zur Fettablieierung nicht erfüllt hat. und wenn er die Tätigkeit der NachprüfungS- beamten vorsätzlich verhindert oder erschwert. Für die Fett- abliefcrung ist folgende Bestimmung neu: Die Genehmigung zur HauSschlachtung darf an die Bedingung geknüpft werden, daß Teile deS Tieres, insbesondere eine bestimmte Menge Speck, Fett oder Schmalz an eine von dem Vorsitzenden des Kreisausschusses bezeichnete Stelle zu liefern sind.— Weitere Bestimmungen be» treffen die Ueberwachung der Hausschlachtungcn, die Selbstversor- gung mit Hühnern und Wildprct und die Anrechnung dcS Fleisches auf die Fleifchkarten._ FricdrichShagen. Lebensmittel. Irr dieser Woche gelangen aus Abschnitt 41 der Lebensmittelkarte noch zwei Pfund Kar- t o f f e l n pro Kopf zur Ausgabe, ferner auf Abschnitt 35 299 Gr. Graupen zum Preise von 12 Pf. NowaweS. Lebensmittel. Auf Kartenabschnitt 1 der Lebens- mittelkarte links, paricrre, am Montag bis Freitag von« dtit? Uhr, am Connabend von ö bis 6 Uhr ltatt, Jeder für den Brletkasten bestimmten Anfrage ist ein BuSstabe und eine Zahl atS Merkzeichrn beizufügen. Briefliche Am- wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine SboniiementSouiltuiig bei- gefügt tst, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprech- stunde vor. ivrmäsr, Schriststückc und dergleichen bringe man in die Sprech. stunde mit. L. G. 1. Ja, die Hälfte des Nachlasset deS verstorbenen Ehemannes. 2. Ja, Der Mutter und den Geschwistein mutz jedoch der Pflichtteil bleib-n, falls nicht begründeie Enterbung stattgefunden bat.— B."lt. SÄ Die Formalitäten find dieselben, Sie müssen einen Anivait mit der Klage betrauen.— A. B. S7. Wenden Sie sich schriftlich mit einer Nachfrage an den beiressendiii AmISvorstcher. Sollte lies erfolglos fein, erstatten Sie direlt Anzeige beim AmISgerscht Beriin-Lichtenberg.— Krieg« »raunnft. Wenn sich durch die Kriegstrauung die häuslichen Verhältnisse nicht ändern, bestellt kein Anspruch aus Unterstützung.— O. H. SSS. 1. Sie find im Recht. 2. Nur durch Vermittlung des Roten Kreuz in der Schweiz, aber nur, wenn Krankheit vorliegt. 3. Ja. 4. Nein.— — W. S. 190. Ja.— Z. W. Nein, da die Ware bei einer strafbaren Handlung beschlagnahmt wurde.— B B. 100. Allgemein wird eine debärdlichc Regelung dieser aktuellen Angelegenheit erwartet. Selbst. versländlich dürfen Sie Abzüge leider nicht machen. Vielleicht bringt eine Mietervereinigung diese Frage vor der höchsten Instanz zur Durchführung, — O. Z. Stg. 1. Ja. wenn 2 erfüllt ist. 3. Nein. 4.(»cneraikommando, falls 1 und 2 nicht erfüllt find, sonst Beziikstommando,— H. X. 34. Nein.— F. H. 9. Wenn der Abtehrschew verweigert wird, wenden Sic sich an die Schiichlu»g§komm>ssion. Metallarbeilerverband. Linlenftr. 83/85. — P. T. 75. St« müssen die seinerzeit erteilte Bescheinigung über erfolgten Austritt aus der Landeskirche vorlegen. Falls verloren, bean- tragen Sie eine zivcite Ausfertigung bei dem Amtsgericht, vor welchem Sie den Austritt erklärt haben.— G. O. 78. 1 ist richtig, 2. falsch, klagte er auf B c Er wurde a b g s- Verhalten dem Gast zur kündigungslosen — F. 117. 1. Nein. Die Jnvalidenrenie Hai mit der Miiiiärrente nichts zu tun. Wenden �.ie sich an die Am'laltSleilung. Wenn nicht aus Krün- den der öffentlichen Sichcrbcit das Verbleiben in der Anstalt notwendig ist, wird man Ihrem Antrag stattgeben.— B. 498. 1. Die Bescheinigung der Kommaiidoilclle ist selbiloeritändlich eine Quittung. Eine Aushändigung findet erst später statt. 2. Die VcrvsicguligSvorschrijtc» sind(ur Heer und Marine die gleichen. Ein linierschied besteht nur zwischen Verpflegung der mobilen und immobiien Truppen.— No.!1. 1. Ja. An das Generalkommando. 2. Zur Bergrötzeruug Ihres Geichäjts tarnt eine Abündung aus der Rente nicht gezahlt werde». �— 61). 1000. TSilSnack. Jbre Frage ist unverständlich. Kommen sie eventuell in die Sprechstunde. 6. T. 50050. t. Ja. 2. Nein.— P. H. 80. Können wir ieider nicht nachweisen, vielleicht wenden Sic sich an Ihre Kewerlschast.— A. Z. 1. Als Selbständiger haben Sie kein Anrecht aus Zusatzkarten, da Sie nicht krankenversicherungspslichtig sind. Für die bei Ihnen Angestellten, alio auch für Ihren Sohn, haben Sie die Karlen vom Magijual zu besorgen. 2. Der Berkauf ist erst vom 15. 9. ab freigegeben. Benötigen Sic vorder welches, io müssen S'C sich an das Kriegsamt wenden. 3. Wenden Sie sich an das Seisenbureau des Berliner Magiitats.— W. 70. 1. und 2. Ja. — N. W. 33. Die Ermätzigung tritt bereits be! der Veranlagung von Amlswegen ein.§ 19 Einkommensteuergesetz.— 6. 30. Sie sind zur Rückzahlung verpslichlet. Die Arbeitsioienuiilerstützuiig gilt nicht als Armcnimtcrstützung. d. b. es treten irgend welche Beschränkungen der öffent. Ischen Rechte nicht ein.— Z. St. Der Ucbcrschutz soll nach den allgc- meinen Bestimmungen zum Besten der gesamten Formation Verwendung sinden. Eine einseilige Verwendung nur jür das Osffzierkasino ist unstatthasl. BSetterauSstchten kür das mittlere Rorddentickiiand dis Sonnabend mittag. Mätzig warm, zeitweise heiter, aber noch veränder- lich, mit meist geringen, nur im Küstengebiete etwas stärkeren Regcnsällen. Am 30. August früh 3'/, Uhr starb im Britzer Kreis- trankenhaus nach längerem, schwerem Leiden meine liebe Frau König geb. Markwart im 56. Jahre. Ter trauernde Gatte Karl Kttnlg. Eichwalde, Kr. Teltow. _ Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. September. nachmittags 3 Uhr. aus dem Gemcindesriedhos in Berlin- Britz, Ehausseestr. 145, an der Triststratzc statt. Die Beerdigung meiner lieben Frau Berts Fritseb findet Sonnabend, 1. September, aus dem Krmeiiidc» Friedhos in Steglitz, Berg- stratze, statt um 4 Uhr, schon um°/,3 Uhr statt. 304b Karl ITritaeli. Dankaasrnnsr. Allen Anverwandten, Freunden und Bekannten für die überaus grotze Beileidsbezeugung, ins- besondere Herrn Manasse für die geistreiche Leichenrede be! der EinäscherungSseier unleres hcitz geliebten Vater» liadvlx Radke, gen. Waldemar, herzlichen Dank. 303b Die trauernden Hinterbliebenen. Spezial-Arzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr.ao illmZh. Bedandl. von Syphilis. Hnut». Horn«, Fraurnleideu. Ivez. chron. Fälle. Ehrlich-Hala-Ku- un. schmerzlose, türzeite Be- baubiung ohne Berussstörung. Blutuntersuchung. Mätz. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 dis l und 5— 8. Sonnt. 11— 1. MMllMm! Verlangen ceie Aartisbroschüre. Dr. Gcbhartl& Cle.,* Berlin, Hallejchcstratze 23a. NkslravtellWe sör Sie Selverde d.!Wel und pillvosorlemeiker zu Verlin. Den Herren Arbeilgebern so- wie den Mitgliedern zeigen wir hierdurch an. datz die am 26. Juli 1917 vom Ausschutz beschlossene Abänderung des K 16 der Satzung am 24. August 1917 die Genehmigung des König- lichen OberveiffcherungSamts Krotz-Berlin erhalien bat und am 3. Liplcmdcr in Kraft tritt. Die Aenderung lautet: Artikel I. ß 16 Absas 1 Ziffer 2 der Satzung ist vo: Grundlohnes „dcS halben" zu streichen und dafür„von 55 Hundertstel des" zu setzen. 279/7 Artikel 1k. Vorstehende Aenderung tritt mit dem ersten Montag nach Veröffentlichung der Genehmigung seitens des Oberversiche- rungsamts in Kraft und bleibt während der Geitungsdauer des Gesetzes vom 4. August 1914 betreffend Sicherung der Leistungsjähigleir der Kranken- tassen bestehen, bis eine Ab- änderung nach§ 1 Absatz 2 de« genannten Gesetze» verfügt wird, Berlin, den 26. Juli 19! 7. Ter Voritnnd der Ortskrankenkasse für die Gewerbe der Tischler und Pianofortearbeitrr z.Berltn Emil Boeske, Vorsitzender. Fritz Zinke, Schriftführer. leb kaufe Platin besonders alle, auch zerbrochene Gebisse in Kautschuk und Metall sowie alte Holzbrennstiste nur Frei. lag. 3>. Aug., und Sonnabend. l. Sept.. von morgens 10 bis abends 7 Uhr im Hotel Zum grünen Baum, Krausenstr. 56/58, Zimmer 1, pari. 77/12* Irthlv'llc Äsisine bis 1.50 M. (JUJJir jür Plalina Gr. 7,60 R. Frau Knnth. Heute u. morg bosond. billig. lange Enten... p.Psd.4,40 GeflUBeiatuckendeisch.. 3,90 Brathühner und Tauben. p. Stück von 3 M. an. Fette Masthühner. Max Westbeinler WWWWWWWMMWWMW' Reue Jakobstr. 13. Die Bekannlniachung des Oberkommandos in den Marken. betreffend Versorgung de» Heere» mit Radelschnittholz, tritt mit dem 31. August 1917 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung".' Berlin, den 31. August 1917. 519 k. Mit. 17. II. Aug._ Ter Polizeipräsident. SozlfllDemoltotie unö itoatsOfifgeti. WeWg -»er Staatsbürger, Weltbürger und Mensch Von Nationalral Roder« Seidel Privaidozent an der Universität Zürich Der Versasler sagt in seinein Vorwort u. a... Die vorliegende Schrift dekämpft nicht nur die Irrtümer eines einzelnen Genossen, sondern die einer ganzen Richtung in unserer Darlei. aber st« stüdl sich in diesem Kampfe immer und überall ans die Geschichte, auf die Grundsätze...... Preis Mark 2,50 Buchhandlung Vorwärts, Lindenftr. 3(Laden) Zenirum: Albert Hahnisch, Ackerstr. 174, nm Koppenplatz. Geöffnet von 11— Iis und von 41!-— 7 Uhr. L. Wahlkreis: 8. und SW.: Gusto» Schmidt, Börwaldstr. 43, an der Gneisenaustrahe. Geöffnet von 11— llb plnd vo» sst,— 7 Uhr. 3. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. gl. Hos rechts pari. Geöffnet von 11— UMi und von 4H— 7 Uhr. fc Wahlkreis: Osten: Robert Wenge I s, Markusstr. 36. Geöffnet von 11— IM) und von 4M!— 7 Uhr.— Karl Melle, Petersburger Plötz 4 iLnden). Geöffnet von 11— IM, und von 4M>— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Südosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. Geöffnet von 11— IM: und von 4M>— 7 Uhr. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmnianclkirchstr. 13(Hos). Gcössnct von 11— Ith und»0» 4M-— 7 Uhr. 6. Wahlkreis sMoabits: Her m. Fischer, Milhelmshavener Straße 48. Geöffnet von 11— IIb und von 4M)— 7 Uhr. Wedding: I. Hönisch, Müllerstr. 34«. Ecke.Utrcchtcr Straße(Laden). Geöffnet von 11— H* und von i'i— 7 Uhr. Roscriholct und Oranienburger Vorstadt:!t. 555 e Ig oft, Wattsir. 9. Geöfsne« von 11—1'6 und von 4M..— 7 Uhr. Gesundbrunnen: Paul G u r s ch, Bosiianstr. 6 iLabcn). Geöffnet von 11—15» und vo» 4M)— 7 Uhr Schönhauser Vorstadt: Kart Mar?. Greifenhagener Straße 22. Ge- össnei von 11—15« und von 45s— 7 Uhr. Ad'ershof: F a» e r st e i n, Bismarckstraße 83- Alt-Alienicke, Faltenberg: S a I z m a n n, Falkenberg, Garkenstadtstr. 10. Vaumichulenweg: Karl Köpke, Kiefholzstr. 179. Verna». Rönlgental. Zepernick. Schönow, Schönbrllck und Buch: Heinrich B r 0 s e, Mühlvistr. 5(Laden). Zeitungs-Ausgabestellen und Jnseraten-Annahme. Bohnsdorf: H 0 r l e ln a n n, GcnossenfchastsbaiiS„Paradies". Charlottenbnrg: Gustav Schar»berg, Sefenheimer Straße 1. Ge- öffnet von 11— 15h und von 45«— 7 Uhr. Eichwalde. Schmöckwitz. Zeuthen, Riersbsrs: OSkar Mahle, Grünauer Straße 37. Fredersdors.Petershagen: U s s e n w a s s e r, Petersbogen. Friedenau,.Steglitz,«üdende: H. B e r n f e e. Sieglitz, Mommfenstr. 59. Friedrichshagen, Fichtenau, Rahnsdorf. Schöneich«, Klei»- Schönebeck: Ernst W e r k m a u u, Friedrtihshagcil, Köpenicker Straße 18. Grünau: Franz Klei», Friedrichslr. 10. Johannisthal, Rudow: Mar Gonfchur, Parkstr, 23. Karlshorst: Hermann Billtng, Dönhossstr. 28. Sönigs-Wusterhausen. Wildau, Rieberlehme: Friedrich Baumann, Luckenwalder Straße 5. Köpenick: Emil W i ß l e r, Kietzer Straße 6(Laden). Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Lichtenberg I, Friedrichsfelde, Hohenschönhausen: Otto Seikel, Warten- bergstraße 1 kLaden). Geöffnet von II— 15« und von 414—7 Uhr. Lichtenberg II, Rnmmelsburg, Stralau: A. Rosenkranz, Alt-Box- bogen 56. Geöffnet von 11—15!) und von 454— 7 Uhr. Mahlsbors. Kaulsbars, Biesdorf: P. Heßberg, Kaulsdors, Ferdinand- straße 17. Martendorf. Marienseide: August Leip, Chausseestr. 29. Neukölln: 5N. Heinrich, Neckarstr. 2(Laden). Geöffnet von 11— 15h und von 4Mt— 7 Uhr. Reukölln-vritz: Rohr, Siegsriedstr. 28/29. Geöffnet von 11—114 und von 454—7 Uhr. Niederschöneweide: Wilhelm Unruh, Brückenstr, 10, II. Rowawes: Karl Krähnberg, Eijcnbahnjir. 10. Oberschöneweide: Ida Freidouk, Bismarckstr. 25, l. Pankow, Riederschönhausen, Nordend, Franz.-Buchholz. Blankenburg: R i ß in a n u, Pankow, Mühlenstr. 70. Reinickendorf-Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. G u r s ch, Provinz. straße 56(Laden). Geöffnet von 11— 15» und 451—7 Uhr. Schenkendors bei Königs-Wnsterhausen: Chr. Hanschke, Dorjstr. 10. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Meininger Straße S(Laden). Geöffnet von 11—15« und von 45«— 7 Uhr. Spanda», Ronncndamm: Ernst Bär, Moltkestr. 7. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis. 7 Uhr abends. Tegel, Borsigwalde, Wittenau. Waidmanuslust, Hermsdorf. Hohen-Reucn- Vors, Birkenwerder, Freie Scholle und Reinickendors-West: P a u l K i e n a st, Borsigwalde, Räuschstr. 10. Geöffnet von 11— Iii und von 456—7 Uhr. Teltow: Pfeifer, Havelstr. 2. Tempelhos: Rud. U eckermann, Kaiscr-Wilbelm-Straße 74, Treptow: Rod, G r a m e n z, Kiesholzstr. 412(Laden). Geöffnet vo» 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Weißensee, Helnersdors: Guft. Roßkopf, Berliner Allee 11. Wilmersdorf, Halense«, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhelms. oue 27. Zossen: Fr. Ratsch, Berliner Straße 24. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke weiden geliefert. _ Sonntag» sind die Ausgabestellen geschlossen. Nr. 25$— 1�17 Unterhaltungsblatt öes vorwärts Ireitag, 51. August /lpfel im Schlafrock. In den nächsten Tagen hat meine Jüngste Geburtstag. An drei Abenden hielten wir Familienrat, wie dem Tage ein besonderes Gepräge zu geben sei, daß die Bereitung einer ausgewählten Speise den Unterschied von dem Alltäglichen beweisen sollte, war in den Tagen der Beschränkung selbstverständlich. Aber die Wahl war schwer. Bei allen Vorschlägen sagte meine Frau immer wieder, es wäre nicht möglich, weil eine notwendige Zutat im Hause nicht vorhanden und im Handel nicht zu haben sei. Schliest- lich verlor mein. Töchlerchen die Geduld. Kategorisch erklärte sie �„Mein Geburtstag ist es, und ich bestimme, dah Mutier Apfel im Schlafrock bäckt I" Dieser Vorschlag fand lebhafte Zustimmung. Nur meine Frau meinte, daß man dann erst Aepfel kaufen müsse, und es sei auch kein Zucker im Hause. Damit kam sie aber bei meiner Trude schlecht au. Eifrig und unterstützt von uns allen, bewies sie meiner Frau, wie oft sie Puffer und Brat- karioffeln ohne Fett und Oel hergestellt habe. Sie schloff ihre geharnischte Rede mit den Worten:„lleberhaupt, wie Mutter sagt, io sieht es gar nicht mal aus. Kartoffeln bekonrmen wir jetzt sieben Pfund. Ein Dütchen mit Mehl ist noch da. Zucker brauchen wir nicht, denn wir haben noch einen Rest von dem aufgelösten Sacharin, und Aepfel gibt es jetzt in jedem Grünkramladen." Diese Rede wirkte ausschlaggebend. Mit vier Fünftel Majorität fafften tvir� den Beschluff:„Zu TrudeS Geburtstag bäckt Mutter Apfel im Schlafrock." Weil ich aber weiff, daff meine Frau in der Geldfrage Ansichten hat. die stark abweichen von den Meinungen der übrigen Familienmitglieder, so faffts ich in die Westentasche, holte einen Markschein hervor und legte ihn auf den Tisch, indem ich sagte:„Beisteuer zu den Aepfeln." Auch incinc Aelreste, die sonst etwas knickerig ist, faffte mit spieen Fingern in ihren Geld- beute! und legte einen Fünfziger daneben. Als ich am nächsten Abend meine Wohnung betrat, merkte ich sofort, daß ein Familiengewitter drohte. Meine Frau hatte die energischste Miene aufgesetzt, die ihr zur Verfügung steht, und meine Trude machte ein Gesicht, als habe ihr der Doktor vier Wochen Sauer- kraut aus der Volksküche, was sie nicht gern ifft, verordnet. Erst nach geraumer Zeit wagte ich daher die Frage, ob Aepfel gekauft seien. Da entlud sich das Gewitter bei meiner Frau: Aepfel wären genügend da, aber die kosteten alle eine Mark, weil es Auslandsäpfel sein sollten. Aber sie wolle in die Erde sinken, wenn diese Aepfel nicht auch auf deutschen Bäumen gewachsen seien. Und solche Unverschämtheit und Gaunerei unterstütze sie nicht noch. Sie kaufe kein- solchen Aepfel. Aus Prinzip. Wenn meine Frau sagt:„Aus Prinzip", dann ist schiver mit ihr zu reden. Trotzdem wagte ich schüchtern anzudeuten, daff wir eine Mark und fünfzig zugesteuert hätten, daff wir übrigen Familienmitglieder doch alle für den Apfelkauf seien und daff man sich solchen Majoritätswünschen doch eigenlich fügen müsse. Da kam ich aber schön an. Ohne groffe Einleitung ging meine Frau zur hohen Politik über und bewies mir an dem Beispiel der Fraktion, daff solches Fügen durchaus nicht immer nötig, ja manch- mal geradezu verderblich fei. Wenn meine Frau auf dieses Thema zu sprechen kommt, so werde ich immer unruhig, denn ihre Rede schliefft gewöhnlich: „Und du hast ja auch mil der Opposition geliebäugelt". Das höre ich nicht gern. Ich nahm daher meinen Hur und sagte, daff ich eine Sitzung habe. Am nächsten Morgen sitze ich mit meiner gewöhnlichen Gemüts- ruhe beim Ersatzkaffee und lese meinen„Vorwärts". Da, wie ge- daunt bleibt plötzlich mein Auge an einer Stelle haften. Wirklich und nmhi hastig! Dort stand:. „Obstverkauf. Auf dem Gutshofe in Osdorf bei Lichterfelde-Ost findet Kleinverkauf von Obst statt. Der Verkauf erfolgt nur gegen Vorzeigung der Berliner Lebensmittelkarte usw." Ich über- legte: Kleinverkauf? Ja. damit wird wohl gemeint sein. daff man nicht ein paar Zentner bekommt! aber 10 Pfund wird es schon geben. Billig wird cS auch sein, weil die Karte verlangt wird und daher wohl die städtische Verwaltung irgendwie beteiligt ist. Da konnte ich also»leiuer Frau zeigen, wie man billig Aepfel kaust. Ihr, die immer so wegwerfend sagt, daff wir alle keine Ahnung hätten, waS jetzt einkaufen Heifee. Ganz still flecke ich meine Zeitung ein, dainil sie nicht auch daS Inserat zu Gesichie bekommt, stibitze eine Lebensmittelkarte auS dem Küchenschrank, um mich als Bewohner Berlins ausweisen zu können, und knöpfe ebenso still den Rucksack unter den Rock. Die nächste Viertelstunde stehe ich am Telephon und teile meinem Chef mit, daff ich heul nicht kommen könne, weil ich Wichtiges zu erledigen habe. Der geforderte Urlaub ist bewilligt. Nun auf nach Osdorf!« Ich hatte geglaubt, daff ich so ziemlich der einzige fein würde, der diese Obstfahrt macht, lleberall schwirrten mir auf dem Bahn- Hofe die Worte„Osdorf" und„Obst" um die Ohren. In Lichter- felde aber zeigte es sich, daff eine richtige Völkerwanderung statt- fand. Dazu das übliche Drängen. Ich war ganz verdattert. Und plötzlich höre ich hinter mir eine dröhnende Stimme:„MenschenSkinder, Kruzitürken, auffi lafei'S mi 1* Ueberrafcht drehe ich mich um. Diese Stimme und der Dialekt! Von allem etwas und doch immer halb falsch. Das konnte nur mein Freulid und Kollege sein, den ich lange nicht mehr gesehen hatte. Run hatte auch er mich gesehen. Die Begrüffung war lebhaft auf beiden Seiten, aber der, von dem hünenhaften Gesellen geplanten Umarmung entzog ich mich, zum Glück für mein Kreuz. Er zeigte mir einen riesenhaften Rucksack und erzählte, daff er einen halben Zentner Aepfel und einen halben Zentner Birnen nehme. Da niemand den Weg wuffte, lieffen wir uns von einem dicken Vaierlandsverteidiger belehren, daff wir noch eine Stunde bis zum Gut zu laufen hätten. Das war die erste Ueberraschung. Die zweite kam an der Verkaufsstelle. Wie mein Freund, der sich zum Führer des Zuges aufgeschwungen halte, als erster seine Lebens- mittelkarte abgab und ,a halben Zentner Aeppel und dös übrig Birn" verlangte, da knipste die Verkäuferin ein Loch in seine Karte, lächelte fein und sagte:„Sie erhalten zwei Pfund. Auf jede Karte zwei Pfund." Die Wirkung dieser Worte will ich lieber nicht schildern. Als wir unsere zwei Pfund Aepfel im Rucksack hatten, sagte mein Freund Seppl zu mir: „Du. wann i den hätt, der die Anzeig'n aufi geb'n hat, den d'rmurgst i." Nach einer kurzen stummen Wanderung meinte er plötzlich: „Dös is a sakrisch Hitz." Ich verstand und hatte gegen eine Er- srischung nichts einzuwenden. Als wir nach einigen Stunden wieder im Eisenbahnwagen sahen, schüttelte Seppl bedenklich sein Haupt und meinte:„Dös ioan teuri Aeppel." Indem er mir seine Riesenfinger unter die Nase hielt, rechnete er: „Elf Markl hätt i heut verdient,— achtzig Pfennig kosten d' Aeppel,— sechzig Pfennig Fahrgeld.— Elf Aeppel hoab i.— Kost jeder Aeppel a Markl und zehn Pfennig. Dös Bier will i z'wegen der groffen Hitzstr nit rechst»." Die Hitze war wirtlich groß. Wir haben in Berlin noch eine Reihe von Lokalen aufgesucht. In dem letzten, in der Nähe vom Alexanderplatz, sagte man uns, daff nach elf Uhr nichts mehr aus- geschäukt lverde. Hier war es auch, wo wir noch eine decht trübe Entdeckung machten. Als Seppl vor mir zur Tür hinausging, war es mir immer, als weirn etwas an ihm fehle. Erst drauffen auf dem Platze kam n,ir die Erleuchtung.„Seppl", sage ich,„Seppl, wo hast Du denn Deinen Rucksack?" Erst schaut er mich etwas verdöst air, be- sühlt langsam sein Kreuz und dann schreit er:„Himmelherrgott- sakra, den hoab i ja in oan Kneipft in d' Ecken gfftellt." Auf nieine Frage, ob er wisse, in welchem Lokal das gewesen, oder ob er die Lokale, die wir besuchten, wieder finden würde, schüttelt er resigniert sein Haupt und meint:„Dös glab i nit." Da habe ich in meinen Rucksack gefafft und ihm zum Abschied einen Apfel gegeben für seine Frau. Weil ich in meinem Siübchen allein schlafe, bin ich unbemerkt in mein Bett gekommen. Die zehn Aepfel baute ich schön geordnet auf den Tisch. Aber in der Nacht hatte ich einen fürchterlichen Traum. Ich sah, daff auf jedem Apfel die Aufschrift stand;„Preis 2,50 M." So viel ich auch wischte und kratzte, der Preis war nicht wegzu- bringen. Da wollte ich sie zum Fenster hinaus werfen, aber sie waren am Tisch festgewachsen und rückten und rührten sich nicht. Der erste Blick oni uächsteu Morgen galt den Aepfeln. Sie lagen alle zehn noch so friedlich da, wie ich sie in der Nacht bin- gelegt. Zum Glück auch ohne Preisangabe. Da rief ich meine Frau und sagte:„Hier sind Aepfel". Sie fragte nach dem Preise. Prompt erwiderte ich:„Pfund vierzig Pfennige". Mit einem scharfen Blick auf mich forschte sie:„Und die übrigen Unkosten?" Ich sagte:„Sechzig Pfennige Fahrgeld". Da lobte sie die Aepfel sehr und meinte, die wären schön. Am Abend kam ich gerade dazu, wie meine Frau beim Backen war und den Kindern erklärte, wie gut es gewesen, daff sie die teuren Auslandsäpfel nicht gekauft. Die Bater mitgebracht habe, seien viel schöner und losten pro Pfund nur siebzig Pfennige. Ais ich das hörte, bin ich wohl etwas rot geworden; aber eine Stimme in meinen» Innern flüsterte:„Sei stille, mein Herze, sei stille I" Da« Hhetto von Saloniki. Saloniki ist durch zwei Feuersbrünste zum gröfften Teil zer- stört, am meisten hat nach den bisher vorliegenden Meldungen dos Judenviertel der Stadt gelitten, lieber dieses, Salonikis Ghetto, em- hält H. N. Ablers Werk„Bon Ghetto zu Ghetto" einige hochintcr- effante Mitteilungen, denen wir folgendes entnehmen: Mehr als die Hälfte der zirka'180 000 Einwohner von Saloniki sind Juden und drei Viertel des gesamten Handels ist in ihren Händen. Alle Bootsleute des Hafens sind Juden, und an den Sonn- abenden können die Dampfer tveder einladen noch ihre Ladung löschen. Träger und Schuhmacher. Maurer und Seidenarbeiier, alle sind sie Juden. Ein Lokalcharakteristitum des Gottesdienstes in den Synagogen ist die Einfügung eines besonderen GebelS gegen da« Feuer und die Pest. DaS Feuer ist in Saloniki mehr gefürchtet als die Pest. Die jüdischen Gelehrten Jung und Steinschneider beklagten die Feuersbrünste von Konstaniinopel und Adrianopel als die schlimmsten Feind« der hebräischen Schriften Saloniki hat jedoch noch mehr gelitten, und das Feuer von 1320 vernichtete die halbe Stadt. Wo»ch auch anfragte, beständig bekam ich dieselbe Antwort: „Wir hatten Bücher, sie sind aber verbrannt". Charakteristisch für die schönen Synagogen von Saloniki ist der Marmorfuffboden. Die Sitze find bewegliche Bänke und manchmal Stühle. Die Sizilianer besitzen ganz prächtige purpurne oder hoch« rote Armstühle, ans deren Rücklehnen die Namen der Spender reich in Gold gestickt sind. Aber jede Form dieser Stühle ist nur ein Beweis dafür, daff die Salonikier vor Fahren, ebenso wie heule noch die Perser, auf dem Boden kauernd, ihre Gebete ver» richteten. Die Bequemlichkeit für die weiblichen Besucher war keine besonders groffe. Die Galerien oder Ecken, die für sie reserviert, sind sorgfältig entweder mit Holz vergittert oder durch Borhänge den diskreten Blicken dcS anderen Geschlechts entzogen. Sie sind ganz so wie die Zellen, die für die Haremsschönhetten in den Theaterlogen in Kairo eingerichtet sind. Aber ich hörte nicht. daff die Moral des groffen Publikums dadurch zum Guten beeinflufft werde— im Gegenteil. Die reicheren Saloniker Jüdinnen, die den O rientalismuS aufgegeben haben, erfreuen sich eines schlechteren RufeS als ihre ärmeren Schwestern. Die Jüdinnen sind nicht häff- sich, und die Nationaltracht kleidet sie gut. Von allen Synagogen schien mir die von„Aragon" die ma- ierischste. Sie ist groff. der Alemar«in luftiger Baldachin am äuffersten Westende, und die Galerie ist hoch. Auch der Thoraschrcin ist hoch angebracht, und an beiden Seiten auf einer etwas niedrigeren Plattform nehmen eine Anzahl Gemeindeältester Platz. Roch auf- fallender war die„Jtalia". Für das Ghetto von Saloniki gibt es eine interessante historische Tatsache. Als Sabbatai im Jahre 1666 die Köpfe orientalischer und anderer Juden verdrehte und so viel Aufregung hervorrief, daff sogar Oldenburg, der Gründer der Royal Society, Spinoza schriftlich um feine aufrichtige Meinung über diesen sogenannten Messias bc- fragte, tourden die Saloniker Juden besonders stark von diesem Wahn ergriffen, und eine groffe Zahl trat mit ihren Helden zum Islam über. Sie wurden äufferlich Türke» und noch bis auf den heutigen Tag sind ihre Nachkommen— es soll von ihnen in der Stadt etwa 250 Familie» geben— als„Dommb" oder G c- taufte bekannt. Ich sah sie am Sonnabend rauchend vor ihren offenen Läden; man sagte mir aber, daff sie im geheimen Juden wären und zu Hause von den Riten alles hielten, was sie könnten. Sie verheirateten sich nicht mit den Türken, von denen sie allerdings auch ziemlich argwöhnisch betrachtet werden. Notizen. — Plattdeutsche Ausrufer. Der Krieg hat viele alte Maffregeln, die wir längst vergessen glaubten, wiedererstehen Ionen. So ist jetzt in Emden der„Ausrufer" von neuem zu seinem Recht gekommen. Die Zeitung halte ihn verdrängt! jetzt aber steht für manche Bekanntmachungen, z. B. von Verkäufen, nur eine so kurze Zeit zur Verfügung, daff die Presse nicht schnell genug kommt, und so ist der Ausrufer wieder aufgelreten. Merkwürdig ist nun. wie die Zeitschrift„Ouickborn" hervorhebt, daff bei dieser Art der Bekanntmachung immer noch die plattdeutsche Sprache angewandt wird, die seit der Mitte des 17. Jahrhunderts au» den schriftlichen Verordnungen des Emdener Magistrats verschwunden war. — Ahornzucker in Schweden. Um die Zuckergewinnung zu steigern, will man in Schweden Alleen und Eisenbahndämme mit Setzlingen amerikanischen Zuckerahorn« bepflanzen. Man hofft nach der„Deutschen Znckerindustrie" so 50 Millionen Bäume und aus ihnen jährlich 50 000 Tonnen Zucker zu erhalte». Viel Erfolg dürfte das Unternehmen nicht haben, denn schon vor 100 Jahren hat man dasselbe versucht, aber nichts erreicht. 42] Inders hjarmfteö. Von Jakob K n u d se n. Ein paar Tage vor der Ankunft des Vaters war Anders in Fjordby, und als er in eine Wirtschast trat, um etwas zu trinken, sah er in der Schenkstubc eine ungewöhnliche Menge Menschen zusammen.— Da war auch einer, der eine Art von Rede an die Anwesenden hielt.— Anders erkundigte sich bei feinem Nebenmann und erfuhr, dasi das ein Mann aus Vendsyssel wäre— er würde wohl aus Vrejby sein,— der beabsichtigte, sich im Harrebh-Kreise gegen den Kandidaten der Rechten Guddik Broholm ausstellen zu lassen, einen Ver- wandten des Mannes auf Stavn.— Anders strengte sich hiernach etwas mehr an, um etwas von dem, was der Redner sagte, aufzufangen; und obwohl sehr schlechthin der Stube zu verstehen war, hörte er doch ein paar Sätze, die mit besonderem Nachdruck gesprochen wurden:„Worauf es nun in der Politik ankommt, ist nicht dieses; die und die Reform oder das und das Gesetz oder die und die Veranstaltung durchzusetzen, sondern das. warum wir unsere Kräfte sammeln müssen— ich wenigstens werde es tun— ist dieses: Dem Recht und der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen und die Lüge und daS Unrecht zu Boden zu schlaget!." Das wirkte auf Anders, wie eine volle klare Harmonie auf musikalische Menschen wirkt. So etivas hatte er früher nur mit seines Vaters murmelnder harter Stimme gehört, — und hier erklang es so frei und freudig und voller Lunge.— Auf einmal fühlte er sich wieder ganz in Anspruch genommen von der Sache gegen Kristen Faurholt,— und jetzt stand sie gewissermaßen in Verbindung mit etwaS Größerem.— Kurz darauf waren die meisten aus der Stube gegangen und er fand sich selbst den» Redner gegenüber sitzen, der am Tische Platz genommen hatte. Jetzt aß der Mann Frikadellen mit gestovten Kartoffeln. Im Augenblick sprach niemand mit ihm, so daß Anders meinte, er könne wohl eine einzige Frage an ihn richten: „Gehören Sie zu einer von den Parteien hier im Reichstag'■!" sagte er. „Ich. ich bin noch nicht ReichstagSabgcordnetcr ge- Wesen," erwiderte der Angeredete,„aber— ich glaube, man darf nicht zu rasch in eine Partei eintreten. Hier sind die Leute ja auch keine sicheren Kantonisten. Kristen Faurholt hat ja viel Einfluß gehabt, und das ist wohl ein zweideutiger Herr." „Kommen Sie nicht ins Kirchspiel Harreby hinaus und halten da eine Versammlung ab?" Anders meinte plötzlich, einen mächtigen Bundesgenossen gewonnen zu haben. „Ich hatte nicht gedacht, däß ich bis in die Höhle des Löwen selbst kommen lvürde", sagte der Fremde.„Aber wenn Sie meinen, daß einer mich anhören wird und es auch sonst helfen könnte, so würde ich es ja gern tun? Wer sind Sie, mit Verlaub?"_,2. Anders sagte es. „Na, Sie sind also der Besitzer vom Bjerrehof. Ja. ja, das ist etwas anderes.— Ich kann morgen in vierzehn Tagen kommen, wenn Sie einen Ort wissen, wo die Versammlung abgehalten werden kann." „Ja, es kann auf dem Bjerrehof geschehen, wcnn's nicht andersivo möglich ist.— Ja, meine Mutter, die war auch aus Vrejby--" „Soso, war sie das?" sagte der Fremde und erhob sich. Es wollte jemand mit ihm sprechen. * ♦ Der alte Per Hjarmsted schlug nun seilte Wohnung in dem westlichen Flügel des Wohnhauses aus dem Bjerrehof auf. Das Verhältnis zwischen dem Alten und seinem Sohn war sehr gut; sie hatten sofort vieles zu besprechen. Per Hjarmsted ermahnte fernerhin seinen Sohn, unter keinen Umständen zu appelliere», dagegen müßten sich absolut Mittel finden lassen, den Prozeß zu beschleunigen; Anders müßte überhaupt versuche», Einfluß in der Gegend zu gelvinneu und Kristen Faurholts Macht zu schwächen. Mit dieser Politik könne eS vielleicht fein Gutes haben. Ilebrigens meine er, in Vrejby keinen Mann namens Sören Andersen gekannt zu haben.— Aber in allererster Linie sollten er und Anders zum Thinghof hinaufgehn ilnd mit dein Hardesvogt reden, denn cS ivärc ein widersinnig langer Aufschub gewährt worden; das müßte zu ändern sein. Sie fuhren an einem der nächsten Tage im Oktober zum Thinghof und kamen in der Dämmerung au. Per Hjarmsted hatte sich gedacht, daß eine private Unterredimg das beste sein würde. Er ging seinem Sohn voran durch die Haupttür der Vogtwohnung hinein und klopfte ein paarmal an die Tür gegenüber im Flur; aber eS kam kein Herein!— Dann machte er die Tür auf und mußte sich mit einer schweren Portiere herumschlagen, die ini Innern hing,— aber als er sie beiseite geschoben hatte, standen er und sein Sohn in einer großen, Halbdunkeln Stube, worin eine Menge Mensche» waren— mich Damen— und ein seltsam wohlriechender Tabaksrauch— beinahe wie Weihrauch.— Gerade als sie eintraten, begann eine Dame zn singen, und sie spielte wohl auch mit den Händen; zuletzt schrie sie fürchterlich, als wenn es schlecht stände, aber der Alte und Anders standen ja doch ganz still und hörten es an, ohne etwas zu unter- nehmen.— Anders bemerkte, daß nach und nach all die vielen Menschen, die da drinnen im Saal saßen und standen. ihre Gesichter ihm und seinem Vater zuwendeten, und es hatte auch den Anschein, daß sie miteinander über sie flüsterten;— doch gerade als die Dame mit Singen aufhörte, brachen sie alle in Gelächter aus, und sie lachten nicht über die Dame. Ein großer, dicker Herr kam mit der Zigarre im Munde heran, nahm Per Hjarmsted beim Rock- aufschlag und sagte, indem er weitergrinste:„Gutentag. bester Mann!— Sie kommen nicht gerade durch ver- schlossene Türen herein, Sie fallen auch nicht mit der Tür ins Haus--" „Doch, doch 1" rief jemand. „Aber wie fällt es Ihnen denn ein, ha. ha.— oder da fällt m i r etwas ein: Können Sie mir ein Rätsel lösen? können Sie mir eine Frage bcantlvorten Nun konnte Anders sehen, daß der Mann betrunken war. „Können Sic mir sagen: was wollen die beiden Herren hier drin „Ja, fragen Sie m i ch?" sagte Per Hjarmsted. „In der Tat frage ich Sic-- ist dds nicht Ihr eigenes, eigentümliches Angesicht, das ich hier betrachte V" „Wir wollen alle das eigentümliche Angesicht sehen!" rief eine Stimme.„Laß uns Licht machen, Onkel!" Im selben Augenblick wurde ein Zündhölzchen angerieben und es entstand ein gewaltiges Lachen. Anders sah mit einem hastigen Blick alle diese Menschen. Da tvarcn verschiedene von den Proprietären, die er bei der Auktion auf dem Bjerrehof gesehen hatte, von denen, die nicht zu der alten Familie gehörten. Und da waren die niedlichsten Damen. Aber ihr Oberkörper war ungefähr unbekleidet. Das sah doch wunderlich aus. Und auf dem untern Körper hatten sie Röcke, die so in die Höhe standen, daß es wirklich keine schwangere Frau gab, die nur halb so dick war. v..(Forts, folgt.) n�ntnrhon Thmfer. 60. a. letzte Anfführung'. SCThr Max Pallenberg in »er kleine\a|>oleon Sonnabend EröSnnngs-Vor- stcllung d. Spielzeit 1917/18. 7 Uhr: Faust I. Kamm erspiele. Letzte Aufführung. 8 Uhr Hans Waßmann u. Ida Wüst in CloltKiscIie(Lustspiel) Sonnabend�Eröftnungs-Vor- stellung d. Spielzeit 1917/18. 8U.: Clespenstersonatc. V»lksbühne. Theater am Bülowplalz, üntergrundb. Schönh. Tor. Letzte Aufführung. 73;4Uhr: Fahrende.Ttnsikanten Musik von KobertSchumann. Sonnabend Eröffnungs-Vor Stellung d. Spielzeit 1917/18. 7'/, Uhr: Was ihr wollt. I.ossiiifr-Theaf er. Letzte Aufführung. 73|4Uhr: Henry Bender in Die Königin der Lnft. _(Gesangsposse.)_ Theater i. d. Königgrätzcrstr. 8 Uhr: Künstlerische Tänze. Die Frage an das Schicksal. Abschiedssouper. Komödienhaus Tl, Uhr: Erdgeist. Beräiner Theater i': IHe tolle KomteB. Walhalla-Theater. Zigeuner. NHr: («ortcnbübiie: Vorstellung. Rose=Theater. 7-/, Uhr: Tic Stunde des BertranenS. biurtcnb.: Seemannsliebchen. INZVII-ÜILgles a. 8ht. Friedrichstr. Tel. ZI 4927 Anf.'/48»er Anf. a/48 reizende Jldnatt Sonntag nachm.:i1/4 Uhr bei ermäßigten Preisen: Johannisfeuer von Sudermann. � Admirals-Palast. � Uie Xovitiit Abrakadabra Gr. phant. Ballett a. d. Eise. Angenehm, kühl. Aufenthalt. J/4 U. Vorzügl. �«3I< L �ISE3CS23 Theater für Freitag, 31. Aatgitsi. Metropol-Theater rum*: Die WasfDrstin. Ocntsche« Operabana u�ÖrpteiDdepüiiterffelt Friedrich-Wiihelmst. Theater T/, Uhr: f»ebr. Hcrrnfeld-Th. Op ex e tten- Gastspiel 7'/, Uhr 3x e tten- uastspiel - Die leditje Eliefrao. Kleines Theater s ubr Die Hausdame. Komische Oper ■atihr: SehwaRffaldniSdel. Stg. 3'/,: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus ...„ Die blonden MSdels ( ,4 Unr: vom Ljndenhof. Bcsidenz-Theater 8 uhr: Die Verhüllte. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. KassentNd. 281 �ubr: Der Soldat der Marie. Schiller-Theater O 7«,, uhr: Fra Diavolo. Schiller Tb. Charl. Tvuir: Tarliilf. Sganared. HÄTIOMäL-theiter| Cöpenicker Straße 68 Z (früh. Deutsch- Amexik. Theater.) 5 Min. J annowitzbr, Thalia-Theater .r/. Uhr: Egon und seine Frauen. Theater am Nollendorfplatz vi. vhr- Die Gnlasehkanone. Theater de« Westens B eginn d er Winterspielzeit Sonnabend, 1. September. Z. 1. M.: Der verliebte Herzog. LewerkscHaMHaus. Sonntag, den 58. September 1917: Eröffnung der Minterlailon. Im Parterrelokal t Das hnmoristifche Quartett— Mizzi Fritzl, die Humor. Bortragskünstleriu— Ernst Frühling, Geigeuküuftler, GretI Kary und Stella Jalotte. Im Mahagonisaal s Erweiterter RcstauratiouSdetrieb. Die berühmten Korkoffskys, miüdrrtrosscn in ihren musikalischen Voisührunge». Außerdem werden 166 Grinse gebrate», Port. 4,66 m. gudehör. Sonntag mittag: Blumenkohllupd«... 0,30 1 Wildschwein... Zanderfilet i. Weißwein. 2,00! Vierländer ssettente Perlbobnen mit Beilage. 2,50 j Gänseleber im Topf Leberlnödel mit Kraut. 2,00) Kompott oder Salat. 3,00 3,00 3,00 Heute und morgen einsehrbilliger Schnetlverkauf: Große Nolien rohe Gäusekleine a Pfd. 3 M. Gänsepökelkeulen und andere Gänseartikel. Gin großer Posten Kaninchen-Kasseler and fette Holländer Hühner, a Pfand 5 M. Ein großer Posten Lettenten. Hühnerbrühe a Liter 90 Pfennig—'/, Huhn darin gekocht 5 Mark. Sonnsbend, 1. Septemtier, präzis« V/-. Uraufführung Das ist die Liebe...!! i Operettenposse in 3Älrt. v.Hngo Döblin.— Musik von G Walter Bromme.• L Bild: Baron Pllcgenlclms Pleite. IL,: Anf der Rennbahn Karlshorst. III.,: Berichtssaal in Kiekemal. Hauptdarsteller: Karl Wessel. Marie Grimm-Einödshofer, J Egon Brosig, Edith Losen. Mia Elis, Hans Saal usw. 1 Vorverkauf: Kasse tägl. ab 10 Uhr ununterbrochen geöffnet.(Wertheim und Tietz.) URANIA 8 Uhr: Das Oberengadin und der Splügen. Voigt=Theater. Badstr. 38. Badstr. 58. Täglich: Große Gxtra-Vorstellung. M MizerMig. Vorher: Erstklassiges Jpezirilitätcu-Programin. Ans. wochent.'1,5, Sonnt. 4 Uhr. Gor ertelgreloh» ErOffnungs-Spielplan Dazu: 9 Uhr abends Pantomime in 12 Bildern von Karl Vollmoeller Berliner Prater-Ttieater, Kaftanienallce 7—9. Zum 96. Male: Aha— famos! Gr. AuSstattungs-Operettenposse in 3 Allen mit Gesang u. Tanz. Vorher d. gr. Variettprogramm. An'ang i'l, Uhr. Bahnhof Friedrichstraße. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 3 Meiniokes halsbrech. Akt. Classons ganz neue Leist. ZM" Max u. Moritz. Luis u. Sohn.— Sums. Halali Parforce- Halall Schnitzeljagd. ReiEtishallen-TheatEF Stettioer Säuger. Anfang 7"/, Uhr. Sonntag Naohm 3 Uhr Vorstellung z. ermä8. Pr.! Harri. Progr! Bill. sch. heute Reichshallen-Garten u. Saal: Bliithgcn-Konzert. Anf. 8 Uhr, Sonnt. 6 Uhr. CT anfiöerirotfe» ifeder VoHette Singsn��Lade� üfferaü Sonntag 31/, n. 8 Uhr. Nachm. 1 Kind frei, n. Gratis-Ponny-Reiten. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 3/48 Uhr: Wirklicher Humor I®r. Erfolg! Die Schlagerposse Heiraten mußte! Vorher der neue bunte Teil, Sonnt. 4 Uhr: Guste, die Perle. MWelE Miie Miionle Köpenicker Straße 96— 97. EröfTnungs-Vorstellung am 1. Seplbr. Der Geigenspieler mit Lotte Neomann. Das Mädel von Nebenan mit Hella Mosa. OcMangseinlagc. TägL Tl, Sonnt. 3'/, u. 73/4 Nor noch bis ZI. August! a. Steldl, A. MGller-Lincke in: „Der Herr ohne Wohnung". „Afra". Perzina— ülantl. Spezialarzi l>r. med. Coleniaan für Haut-, Harn-, Frauenleiden nerv. Schwäche, Beinkranke, Ehrlich- Hata- Karen, (Dauer 12 Tage), Behandlung schnell, sicher und schmerzlos ohne Berufsstörung. Königstr.34-36A,Sberhpfi. Spr. 10— 1 u. 5— 8, Sonnt. 10-1. achtpfündige Kaninchen, Kühner. Tasche Nacht. A. 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Frau zum Zcitungsaustragen verlangt Klein, Grünau, Frte- drichstraße 10.* Zeitnngsboti» verlangt„Vor- wärts"-Ausgabestelle Berlin- Niederschöneweide, Brücken- straße 10 n L, Unruh.» Arbeiterinnen anf leicht zu erlernende Maschinenarbeit ver- langt Reinhardt, Schützen- straße 60/62.*293b Frauen zum Zeiwnasaus- tragen sucht„Vorwärts-Aus- gabestclle Alt-Boxhagen 36, Laden.* Botenfrauen verlangt„Vor- Wärts"-Speditwn, Wattstr. 9, Laden. Bon 11— 1)4 nnd 414 bis 7 Uhr.» Zeitungsausträgerin sofort einzustellen. Vorwärtsspedition Moabit, Wilhelmshavenerstroße 48, von 11— 1)4 und 4!4— 7 Uhr._______• Boienftau stellt ein Wcrk- mann,»rriedrichshagen, Cöpe- nickerstraßa 18.» BlNenlrM, stellt ein„Bor- wärts"-Spedition Tempelhos, Ueckcrmann, Kaiser-Wilhelm- straße 74, Ecke Werderstr. /» Boiensran verlangt Heßbcrg, Koulsdorf, Ferdinandstr. 17.» Botensrauen verlangt sofort Ausgabestelle Greifenhagener- straße 22.» Zeitungsausirägerinuen wer- den sofort eingestellt„Vor- märts"- Spedition, Markus- straße 36.___• Botensrauen werden eingestellt„Vorwärts», Charlotten- durg, Sesenheimerstr. L» Zcitungsträgcrin sofort ver- langt Spedition Lichtenberg, Wartenbergstraße 1, Laden.» Frauen zum Zeiwngsans- tragen stellt ein Borwärtsaus- gabestellc Ackcrstraße 174, am Koppenplatz, von 11 bis IH und von 4!4 bis 7 Uhr.» Zeitungsausträgerin verlangt „Vorwärts"-Spcdltton Schöne- herg, Mciningerstraße 9.» Zeitungsausträgerin sofort gesucht. P. Gursch, Reinicken- dorf-Ost, Kamekcstraße 12 II. Botcnsran, Tour Tegel Und Reinickcndors-West, stellt ein Kicnast, Borsigwalde, Rausch- straße 10,„Vorwärts"-Spedi- tion.» sucht Buohdruckerei Max Brodek, Blücherstr. 22, III. Hof.[77/17* Attkerwilkler. Tüchtiger, ersahrener Wickler für kleinere Dreh- und Gleich- llrom-Molore in angenehme, dauernde Slellnng sofort gesucht. Fix& Co.. eleltr. Licht- und Kraftanlagen, Regensbnrg.[223/2* Ein Gärtner« ein jung. Zweiradfalirer ro,ürt 9öL gel ncht. Blnmengeschäft Tiergartenstrasie IS. Aus Feldpntroiienkörbe Anhoitei- ii»«l Arbeiterinnen oerlangt 90L Lorenz, Sturfürftcnslr. 45, Hos II. Schleifer und Polierer, militärfrei, sucht Knopssabrik F»nl Hühner, Markuösirasic 5. 87L Drehsrlehrlinge u. Transport- arboiter stellt sosort ein v-». Sgs ek, TWlje SpWlchcr werden sofort eingestellt. 3311L* I�oeh& Co., G. m. b. H., Automobil- und Flngmotorcnsabrik, Berlln-Fhnrlottenhnrx, Fritschcstrasie 27/98. 3314!: stellen ein liiiltEiuvErkE IcnipEllio! A.[isyer Verlin-Tempelhof, Germaniastraße Nr. 143/146. Aetirere 8c!imiel!e aus Heeresarbeiten(Hujschmiede u. andere), 297L* Zckirrmeister für cinsache Arbeiten verlangt. Alex. Heimgn 6. in. b. it., Berlin N. 20, Pankstr 29 und Bcrlin-Tempelhof. Kaiser-Wiihelm-StraBe 10/11. verlangt Munitionsfabrik F. Gaebrrt, Berlin v.">4. Tophieustrasie 22/22n. K«I«i*nGvs sind ungelerntes weibliches Personal für dauernde Arbeit sucht in allen Abteilungen Zigaretteniahrik Garbäty, Berlin=Pankow, Berliner Str. 123-125. Meldungen im BctriebS-Bureau, Eingang Hadlichstraße, wochentags von 8— 5 Uhr, Sonntags von 10—12 Uhr.» Berbindungen: Straßenbabn Nr. 43, 47, 49, 3l, 37, Siemens-Bahn, Linie Treptow— Buchdolz. Auto-Omnibus Nr. 4. Borort-Berkchr: Steltiner Bahnhof— Bernau, Stettiner Bahnhof— Oranienburg. Ungelernte Hilfsarbeiter. möglichst Kriegsbeschädigte, ge- sucht. Mietallatom G.m.b.H.. Tempelbof, Ringbahnstr. 4. Zunderprestwerk sucht er- fabrene Preßmeister. G. H. Speck. W 33. 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