Dr. T4T. 34. Jahrg. Bez-gSpreiS: Einzelne WochnijagZ- Nummern b Psz. SonntagSnummer mit illuslrierter Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg. Postbezug: Monatlich 1.30 Mb Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Ubv Ml., sllr das übrige Ausland 4 Ml. monatlich. Postbestellungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Posl-Zeitungs-Pretsliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin". Vevlmev Volksblcrtk. ( 5 Pfennig) Der Anzeigenpreis betrügt s. die fiebengespaltene Kolonel- zeile 60 Psg.„Kleine Anzeige»", das fettgedruckte Säort 20 Psg.(zu- lässig 2 fettgedruckte Worte), sedes Iveitcrc Wort 10 Psg. Stellengesuche mid Schlasstellenanzeigen das erste Wort 10 Psg., sedes weitere WortS Psg. Worte über IS Buchstaben zählen sür zwei Worte. Tcucrungszuschlag 20°,» Familien» Anzeigen 50 Psg.. politische u. gewerkschastlichc Vereins- Anzeigen 40 Psg die Zeile. 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An der Straße Cambrai— Arras scheiterte ein Parker eng- lischer Borstoß, bei Gehöft Hurtebise wurde der Geländcgcwinn der Franzosen in Grabcnkämpfen beträchtlich eingeengt. Oestlicher Kriegsschauplatz. FrontPrinzLcopold. Nach sorgsamer Vorbereitung überschritten deutsche Divisionen am Morgen des 1. 9. die Düna beiderseits von UcLtüll. Starke Artillerie- und Mlaenwerfer-Wirknng ging dem Heber fciicn der Infanterie voran», die nach lnrzrm Kamps auf de« Nordnfer des Flusses Fuß faßte. Kraftvolle Angriffe warfen die Russen zurück, wo fie Widerstand leisteten. Die Bewegungen unserer Truppen sind im Gang und ver- laufen plangemäß.''''. 1.''- Der Feind gab unter der Einwirkung unseres Bordringens � seine Stellungen westlich der Düna auf; auch dort sind unsere Divisionen unter Gefechten mit russischen Nachhuten im Borgehen. Dichte Kolonnen aller Art streben auf den von Riga aus- gehenden Straßen überhastet nordostwärtS; brennende Ortschaften und Höfe zeigen den Weg deS weichenden Westflügels der russischen 12. Armee. Heeresgruppe Erzherzog Joseph. I» den FlußtSlern am Nordosthang der Waldkarpatheu auf- lebende Gesechtstätigkeit. Südlich des Trotus-TaleS scheiterten mehrere rumänische Nachtangriffe am D. Cosna und bei Grozesci. Heeresgruppe Mackensen. Im Gebirge zwischen Susita- und Putna-Tal wehrten unsere Regimenter starke russisch-rumänische Angriffe durch Gegenstöße ab. Mit 290 dabei in unsere Hand gefallenen Gefangenen rr- höhte sich für dieses Kampffeld ihre Zahl seit dem 28. 8. auf 20 Offiziere, 1650 Mann; die Beute auf 6 Geschütze mit Protzen, 60 Maschinengewehre, zahlreiche Minenwerfer und Truppen- fahrzeuge. Auch bei Marasesti griffen die Rumäne» vergeblich an. ... Mazedonische Front. Heute morgen brachen französische Angriffe bei Bratiudol nordwestlich von Monastir verlustreich zusammen; die Serbe» er- litten erneut am Dobropvlje eine blutige Schlappe. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendvrff. Abend bericht. Berlin, 3. September 1917, abends. Amtlich. Riga ist genommen! Ter österreichische Bericht. Wien, den 3. September 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Nordwestlich von Focsani und südlich von Oena griffen Russe» und Rumänen abermals vergeblich an. Italienischer Kriegsschauplatz. ,A v. Auf dsm Monte San Gabriele führten gestern vor TageS- ayhnich Unternehmungen unserer Truppen zu lebhaften Kämpfen, die günstig verliefen. Nachmittags und abends scheiterten am Nordhang des Berges starke italienische Angriffe. Auch östlich von Görz und bei Jamiano blieben Vorstöße deS Feindes ergebnislos. Italienische Flieger bewarfen mehrere Orte der istrischen Westküste mit Bomben. Ein gegen Trieft vordringendes feind- liches Lnftschiffgcschwadcr wurde von unseren Seefliegern vor Er- reichen des Zieles vertrieben. Balkan-Kriegsschauplatz. Au der Bojusa wurden feindliche Erkundungsabteilungen zurückgewiesen. Der Chef deS Generalstabes. Die Einnahme von Riga. Berlin, 3. September.(W. T. B.) Während die Generalofsellsive im Westen bisher ohne jeden positiven Erfolg geblieben ist, erbringt der gelungene deutsche Borstosi im Osten den Beweis, daß sie nicht einmal das zweite bescheidenere Ziel erreicht hat, die deutschen Streitkräfte zu binden und Rußland zu entlasten. Trotzdem die Russen seit längerer Zeit init einer deutschen Unternehmung in der Gegend von Riga rechneten, worauf auch die Zurücknahme ihrer Stellungen hinter die Aa deutete, und trüb der starken Besatzung des rechten Düna« fers gelang das schwierige Unternehmen des Uebergangs über den breiten Strom in vollem Umfange. Lwlands Hauptstadt, Riga, Rußlands wichtigste Handelsstadt an der Osts«, befindet sich seit dem gestrigen Tage in deutschen Händen. Eine Stadt von rund 300 000 Einwohnern mit großen geschichtlichen Traditwnen, mit berühmten Bauten, modern-groß-- städtischer Entwicklung und alter deutscher Kultur. Die Ein- Wobnerschaft besteht ungefähr zur Hälfte aus Deutsche», die andere Hälfte verteilt sich auf Esten und Russen. Zu Friedenszeiten zogen von hier Handelsschiffe, mit den Produkten des russischen�Reiches beladen, nach allen großen Hafenstädten Eüropas, während die Er- zengnijs« der städtischen Industrie, Maschinen, Metall-, Gummi- waren, Bi»r, Tabakprodutte u. a. auf den Eisenbahnen ihren Weg ins Land nahmen. So besteht die Bevölkerung zum großen Teil aus modernen Jndustrieproletariern, die an der revolutionären Bcwc- gung des Jahres 1905 bedeutenden Anteil nahmen. Trotz kräftiger Russifizierung, der die alte städtische Berwal- tiing und die deutschen Schulen zuni Opfer gefallen waren, gab es vor dem Kriege in Riga noch drei deutsche Tageszeitungen. Sie sind Zeugen eines starten deutschen Kulturlebens, das im 18. Jahr- hundert durch die Wirksanvkeit Johann Gottfried Herders an der Domschule befruchtet wurde. Von ihm erhielt einer der schönsten Plätze der Stadt seinen Namen. Weckt uns die Einnahme Rigas Crinnerungen aus der deut- scheu Geschichte, so wird sie in Rußland als schmerzliche Abreitzung eines wichtigen Reichstcils empsunden werden. Nach Brüssel, Gent, Antwerpen, Lille, Roubaix, Warschau, Lodz, Wilna, Bialystock, Libau und Bukarest ist Riga die zwölfte Großstadt, die in deutsche Hände gefallen ist. Sechs Millionen Tonnen feit 1. ßebruar 1�17 vernichtet. Berlin, 2. September. Nene U-Boots-Erfolge im Englischen Kanal und Atlantischen Ozean: Bier Dampfer, zwei Segler mit 17 50O Brutto Register-Donnen, und zwar: drei bewaffnete tiefgeladenc Dampfer, die französischen Raaschuner Maria Alfred mit Salzladung für Fe'camp und Pauline Louise, sowie ein Dampfer, der 5700 Tonnen Zucker für Frankreich geladen hatte. Nach den bisher vorliegenden Meldungen unserer U-Boote sind seit Beginn des uneingeschränkten U-Boots- Krieges bereits mehr als K Millionen Brutto-Register- Tonnen des für unsere Feinde nutzbaren Handelsschiffs- raums versenkt worden. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Demijffon Tschernoffs bevorstehenö? Stockholm, 3. September.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Aus Petrograd meldet„Stockholm Tidningen": Als Folge der Moskauer Konferenz wird die Demission T s ch e r- n o f f s erwartet. Sein Nachfolger wird wahrscheinlich Awksentjew sein, den dann der Kadett K i s ch k i n im Ministerium des Innern ersetzen würde. Die meisten Parteiführer blieben nach Beendigung der Konferenz noch in Moskau, um über eine Annäherung der Parteien zu verhandeln. Der Verkehrsminister I u r c n e w konferierte ebendort wegen des drohenden Streiks der Eisenbahner. Plechanow wohnte der Konferenz bei. Der Streik wird als vermeidbar angesehen. Amsterdam, 3. September. Nach einem hiesigen Blatte wird der„Times" aus Petersburg gemeldet, daß K o r n i l o w die Regierung dringend aufgefordert hat, sie möge sofort die von ihm vorgefchlage- ncn Reformmaßregeln durchführen. Die alten Privilegien der Don-Kosaken wurden, wie aus Nowo-Tscherkask berichtet wird, abgeschaM. Man glaubt, der „Times" zufolge, daß die Kosaken sich nicht gutwillig in die neue Verfügung der Provisorischen Regierung schicken werden. Unö noch einmal Mazedonien. Von Hermann Wendel. Mit dem folgenden Aufsatz schließen wir die Diskussion über die mazedonische Frage.' Herr Strese- mann hal allerdings, wohl in der Meinung, es gäbe noch nicht genug Zensur, im Hauptausschuß gesagt, die sozialdemokratische Partei hätte den Abdruck von Mendels Artikeln verbieten sollen. Das kann uns nicht hindern, unserem von Herrn Gesandten RizoN angegriffenen Mitarbeiter noch einmal das Wort zu erteilen. Redaktion des„Vorwärts". Mit dem Herrn Gesandten Dimitri R i z o f f mich an dieser Stelle noch einmal zu beschäftigen, widerstrebt mir ehrlich, nachdem er den alten Satz, daß für Diplomaten die Sprache dazu da sei, mn die Gedanken zu verbergen,»d abBurdum geführt und aus seinem Herzen keilte Mördergrube gemacht hat. Was hätte auch der Soziallst, dem das Ende des ungeheuerlichen Blutvergießens die dringendste aller Sorgen ist, mit dem Nationalisten zu schaffen, der erst dann einen Frieden für möglich hält, lveim einer der Gegner auf dem Boden liegt, und dem eine Regierung undenkbar er- scheint, die auf der Grundlage des»latAis quo ante zu einem Ende des Krieges gelangt? Wie Herr Rizoff diese seine Auffassung- mit den Erklärungen der Regierungen und Parlamente in Deutschland und Oesterreich Ungarn vereinbaren will, die einen für alle Teile ehrenvollen Frieden und eiste dauernde Versöhnung der Völker als erstredenswett bezeich netcn, ist zunächst seine, dann aber auch ein ivcnig uusetc Sache.- Aber davon soll hier nicht weiter die Rede sein, und es liegt mir auch fern, dem bösen Beispiel des Herrn Rizoff zu folgen und persönlich zu werden, weil ich es ganz und gar nicht nötig habe. Auf Grund einer merkwürdigen S-elbsttäuschung glaubt und behauptet er, von seinen zwanzig„Beweisen" für das Bulgarentum der Mazedo-Slawen hätte ich mir die drei am wenigsten stichhaltigen ausgesucht, um sie zu widerlegen. Ach! diese zwanzig„Beweise" erinnern an die biederen Bürger von Arras, die zur feierlichen Einholung Ludwigs XI V. den Magistrat vor die Tore schickten und dem König eröffnen ließen:„Wir hätten Ew. Majestät gern mit Artilleriesalven begrüßt. Aber wir haben zweiundsiebzig gute Gründe, es nicht zu tun. Der erste ist: wir besitzen keine Kanonen. Der zweite..."„Halt!" sagte der König,„der erste genügt mir schon, ich schenke euch die einundsiebzig andern!" Hätte man ähnliches nur vom ersten oder von einem andern der zwanzig„Beweise" R i z o f f s sagen können! Aber sie waren samt und sonders so wacklig und gebrechlich, daß ich mir nicht die drei schwächsten, sondern die.drei stärksten, ans die der Herr Gesandte besonders stolz war, berausgrifi, an ihnen die UnHaltbarkeit seines Standpunkts nachzuweisen. Uni noch einmal kurz den Zaren Stefan Duschan zu streifen, hatte�Herr Rizoff geglaubt, seinen späteren Titel „Kaiser der Serben, Griechen und Bulgaren" für das Buk- garcntum der Mazedonier— im vierzehnten Jahrhundert!— ins Treffen führen zu können. Zar Stefan nannte sich aber keineswegs deshalb Kaiser der Bulgaren, weil er Mazc- donien erobert hatte und in den mazedonischen Slawen Bulgaren zu beherrschen meinte, denn die Eroberung der slawischen Gebiete Mazedoniens fällt bereits vor das Jahr 1335, während der Titel Kaiser der Bulgaren zum erstenmal zehn Jahre später auftaucht und mit dem Bündnis-, vielleicht Vasallenverhältnis zu erklären ist. in dem Bulgarien damals zu Serbien stand. Andernfalls wäre es auch rätsei- hast, daß der bulgarische Patriarch von Tirnowo bei der Kaiserkrönung des serbischen Zaren mitwirkte..- Aber mögen die Toten ihre Toten begraben, entscheidend ist die neue, ist unsere Zeit! Da bringt Herrn Rizoff denn meine Feststellung über das wahre Wesen jener„Volks- abstimmung", die in den siebziger Jahren sür das bulgarische Exarchat stattfand, gewaltig in Harnisch, weil sie eben un- anfechtbar ist. Er weiß leinen anderen Ausweg als die merkwürdige Aufsorderung,„einen einzigen mazedonischen Serben zu nennen, der das bulgarische Exarchat anerkannt hätte". Das ist genau so. wie wenn jemand die nnabweiL- bare Behauptung, daß schon in den siebziger Jahren nicht nur Arbeiter für die sozialdemokratischen Rcichstagskandidatcn gestimmt haben, mit dem Verlangen beantwortete, einen solchen sozialdemokratischen Wähler aus dem Bürgertum vor- Gustelleil. Zur Unterstützung meiner Auffassung ivage ich mich gar nicht auf Bladan G e o r g e w i t s ch zu berufen— selbstverständlich sind alle Serben verruchte Lügenbolde, wie alle Bulgaren lautere Wahrheitsfreunde sind!—, der in seiner Schrift über die türkische Revolution(Leipzig 1908) von den siebziger Jahren schreibt, daß damals„Taufende und aber Tausende der türkischen Serben zum bulgarischen Schisma übergingen, bloß um zur slawischen Liturgie in der Kirche zu gelangen, um so mehr als' damals die Namen Zulgar? und Serbe noch nicht eine nationale Differenzirrung bedeuteten, sondern für Brüder aus zwei verschiedenen Lrovinzen gebraucht wurden". Vielleicht ist aber der Russe D u r n o w o beweiskräftiger, der in seinen Studien über Mazedonien(Moskau 1898) sagt: Aür das Exarchat stimmte damals jeder, der Gegner des ökumenische» PatriarcbatS war, gleichviel ob er seiner A b st a m in u ii g nach zu den Bulgaren. Serben, Walachei, oder Albaner» z n rechnen war. Andere stimmten dafür ans geschä'tlichen Interessen oder weil sie ein- aeschllchtert waren. Auf keinen Fall aber b i e t e n d i e Zahlen d c r E x a r ch a r§-«s t i m m e n einen Maßstab f ii r die Stärke der bulgarischen Rationalität in iv! a z e d o n i e n., Oder wenn ein deutscher Balkankenner vertrauenswürdi- aer erscheint, sei auf Grothc,„Auf türkischer Erde" «Berlin 19»!!) Verlviesen: Wenn gcleacntlich der Kirchenabstimmung des Jahres 1872 reichlich zwei Drittel der Christen slawischer Rasse dem bulga- rischcn Erarchat sich zuwandten, so gab dies kein Bekennt- n i S bulgarischer A b st a m n, u n g. Aber wer irgendwie mit der bulgarischen Ausfassung nicht übereinstimmt, gehört für Herrn R i z o f f zu den„unbekannten Leuten" oder„unbedeutenden Politikern und da muff doch mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden: es wirkt schlechthin unerträglich, wenn der Vertreter eines Volkes, das bei a l l c r T ü ch t i g k c i t w e- scntliche wissenschaftliche Leistungen noch nicht hinter sich gebracht hat, Männer wie den Geographen Theobald Fischer, den Bhzantologen Heinrich G c l z e r, den Balkanforschcr Felix K a n i tz, den Orient- Historiker Kavl v. S a x einfach a l s„ u n b e k a n n t e Leute" verächtlich beiseite schiebt, ivcil ihr Zeugnis ihm nicht in den Kram pafft! Was Herrs R i z o f f dagegen an Kronzeugen beibringt, und Autoritäten ersten Ranges! Er beruft sich sogar auf B i s m a r ck was er freilich gescheiter unterlassen hätte, denn der erste Reichskanzler ivar nicht nur kein Slawist und Balkankenner, sondern bekundete obendrein nur ein sehr mäffigeS Interesse und Verständnis für„die nationalen Frag- mente, luelche die Balkanhalbinsel bevölkern". Die Bul- gare» im besonderen hielt er während wie nach seiner Amts- zeit für die gotbgelvollten Vasallen des russischen Zarismus und lieff stets, wenn sich in Deutschland die öffentliche Meinung für die Landsleute des Herrn N i z o f f erhitzte, durch seine ergebene Presse gegen den„Bulgarenrummel" Front machen. Wenn aber solch hoher Herrschaften Wort wertvoll ist, interessiert vielleicht auch das Zeugnis des Generalfcldmarschalls Freiherrn v. d. Goltz- Pascha, der zudem noch den Vorzug hatte, ein wirklicher Orientkenner zu sein und 1903 während des mazedonischen Anfstandes schrieb:„Die Bulgaren bilden im Ausstandsgebiet nicht einnial das stärkste unter den ver- fchiedensten Bevölkerungselementcn, geschweige denn eine er- drückende Majorität". Von den sonstigen Kennern aus neuerer Zeit, die sich für das Bulgarentum der Mazedo-Slawen ins Zeug gelegt haben sollen, sind die meisten, weil Russen, in ihren Werken heute schwer erreichbar und nachprüfbar. Hoffentlich steht es mit ihnen allen nicht wie mit dem gleichfalls erwähnten Kondakosf, der in seinem„berühnit gewordenen Werk" über das mittelalterliche Mazedonien schreibt: Die serbische Ziv lliswti on hat ganz Maze- d o n i e n mit ihrer Tätigkeit überflutet, sie hat die biizantinische Zivilisation fortgesetzt, und das hat der Serben- Herrschast in Mazedonien vom zivilisatorischen Gesichtspunkt eine ganz besondere Bedeutung gegeben. Während die bul- garische Herrschaft, die von kurzer Dauer war, t e i n e Z i v i l i s a t i o n s s p ii r e n hinterlassen hat, hat sich die serbische Zivilisation auszerordentlich entwickelt und der Bau- stil, den die Serben geschaffen haben, sielll, nächst dem russischen Zweig, den wichtigsten Zweig der byzantinischen Kunst dar. Der einzige Deutsche aber aus neuerer Zeit, auf den sich Herr R i z o f f berufen kann, Herr Professor W e i g a n d �), muffte sich von Spiridion Goptschewitsch sDas Fürsten- tum Albanien 1911) nachsagen lassen, daß er weder Bulgarisch noch Serbisch verstehe und kann deshalb als Sachverständiger wohl auf dem Gebiet der A r o m u n e n, nicht aber der Mazedo-Slawen gelten. Wenn Herr Riza ff ferner von den bulgarisch-österreichischen und bulgarisch-russischen Geheimverträgen über Mazedonien von 1898 und 1997 nichts zu wissen erklärt, so muß das bei einem so gewiegten Politiker überraschen. Aber er wird auf jeden Fall für den Nachweis dankbar sein, daß er sich in de» stenographischen Berichten der bulga- r i i ch c u.Kammer vom Mai 1914(S. 623 ff.) aus der Rede des Abgeordneten Kabaktschieff über diese Verträge genau unterrichten tan im eine„serbische Erfindung" sind sie also nicht. Noch befremdender aber ist, daß Herr R i z o f f mich wegen meiner Darlegung des Beuteverteilungsvertrages zwischen Bulgarien und Serbien vom 29. Februar 1912 das „Opfer einer kindischen Erfindung" nennen zu können glaubt. In dem Vertrag, der in seinem andern Teil Bulgariens Bundcshilfe für Serbien nicht nur in einem Krieg gegen die lürkei. sondern mich gegen Oesterreich-Ungarn festlegte und m dessen Hauptanregern sich Herr R i z o f f mit Stolz zählte, heißt es in Artikel 2 des geheimen Zusatzes wörtlich: Serbien spricht Bulgarien das Recht auf die Gebiete ö-tlich des Rhodope-GebirgeS und des Struma- st u s s e s zu; Blilgarien erkennt Serbien daS Recht auf die Gebiete im Norden und Nordwesten d e r S ch a r- B l a» i ii a zu. lieber die Gebiete zwischen Schar-Dagh, Rhudopc- <>?ebirzr, Acgiiischcm Meer und �chridasee wird, wenn die beiden Teile die lleberzengnng erlangen, daß ihre Errichtung als be- sondere autonome Provinz im Hinblick auf die gemeinsamen Ziiieressen der bulgarischen und serbijckicn Rationalität oder aus »»deren Gründe» innerer oder äußerer Ordnung nicht möglich ist. wie folgt verfügt: Serbien verpflichtet sich, keine» Anspruch auf die Gcbtcie jenseits der auf beigefügter Karte gezogenen Linie zu .machen. lDieic Linie verlauft von Egri Patau ka bis S t r n g a am O ch r i d a f c e.) Bulgarien verpflichtet sich, diese Grenze anzunehmen, wenn S. M. der Kaiser pon Rußland, der als oberster Schiedsrichter in dieser Frage angerufen wird, sich zllgunsten dieser Linie ausspricht. Daraus läßt sich klar erkennen, was als strittiges Gebiet n Frage kam, und daß Bulgarien letzten Endes mit dessen Aufteilung in der Art zufrieden war, daß UeSküb, Numanowo ff Herr Profeffor W e i g a n d hatte in der„Vossischen Zeitung" weine Ausinhrungen zur mazedonischen Frage heftig angegriffen, iber im Gegensatz zum„Berliner Tageblatt", zur„Kolnischen Zeilnng" und zum„Tag", die gleichfalls Angriffe brachten und dabei nir Ausnahm» meiner Erwiderung bereit waren, lehnte da« Blatt es Herr» Georg Bernhard den Abdruck meiner kurzen und fach- chen Enkgrgnung aus.Raummangel" ab. Alldeutsches Beispiel ..idirbt gute GineiU und Struga an Serbien fielen. Da aber Serbien durch die Beschlüsse der Londoner Konferenz des ersehnten Zuganges zur Adria beraubt wurde und Bulgarien seine Eroberungen in Thrazien über Erwarten lveit nach Osten ausgedehnt hatte, verlangte man in Belgrad eine Nachprüfung des Vertrages zugunsten der serbischen Ansprüche. Wäre es nach den serbi- schen Vorschlägen gegangen, so hätte Bulgarien seinen Flächen- räum von 96 999 auf 148 999 Onadratkilometer. seine Ein- wohnerzahl von 4 359 999 auf 7 999 999 gesteigert und wäre noch immer um Dreiviertel größer gewesen als das erweiterte Serbien mit 84 999 Onadratkilometer Flächenraum und 4 999999 Einwohnern. Aber Bulgarien wünschte nach dem Balkankrieg mit einem Flächenraum von 183 999 Quadrat- kilometcrn neben einem 75 999 Quadratkilometer großen Serbien und einem 76 999 Quadratkilometer umfassenden Griechenland als unbedingte Bormacht der Halbinsel dazu- stehen und griff, als eine Einigung nicht zustande kam, zum Schwert. DaS sind geschichtliche Tatsachen, an denen nicht zu rütteln ist. In einem Punkt freilich— und zwar ist es so ziemlich der wesentlichste!— scheint Herr R i z o f f mir recht zu geben. Er gesteht zu, daß die mazedonischen Slawen, so weit sie an Serbien fallen sollten, leicht assimiliert werden könnten. Wenn er das aber mit den„Assimilisationsmethoden" der modernen Staaten in Zusammenhang bringt, irrt er, denn der Staat, bei dessen Regierung er sein Land vertritt, hat in einer stattlichen Reihe von Jahrzehnten weder die Polen noch die Dünen noch die Lothringer zu assimiliereu vermocht. Wenn es mit den zu Serbien kommenden Mazedo-Slawen anders wäre, so beweist das die Zwischen- und Zwitterstellung dieser Südslawen zwischen Bulgaren und Serben. Anders wäre es auch schwer zu erklären, daß die bulgarische Schulpropaganda ihre Erfolge bedroht sah, als die serbische Schulpropaganda in den neun- zigcr Jahren rühriger und eifriger zu werden begann. D i c Mazedo-Slawen waren eben gerade so leicht d c r b u l g a r i s ch c n wie der serbischen Schrift- spräche, der bulgarischen wie der serbischen Bildung zugänglich. Darum dachten damals bulga- rische Heißsporne auch daran, die Schulpropaganda durch schärfere Mittel zu ersetzen, Der bulgarische Handelsagent in UeSküb, dessen Amt der Stellung eines Konsuls entsprach, richtete am 29. April 1899 einen offenen Brief an den Fürsten Ferdinand, in dem es heißt: ES ist eine für das Bulgarentum verderbenbringende Ver- blendung, daß das Ministerium Grekow glaubt, die bisherigen Erfolge der Bulgaren in Mazedonien durch die Pflege de« Kirchen- und Schulivesens erweitern zu können. Nach dieier Richtung hin ist die Wirksamkeit Bulgariens in Mazedonien so gut wie abgeschlossen; denn durch Kirche und Schule können wir dort nichts mehr erreichen. Je länger die gegen- wältigen Verhältnisse andauern, desto mehr gewinnen unsere Gegner, und in eine u m s o u n g ü n st i g e r e Lage geraten wir selbst. Was doch wohl ein Unding wäre, wenn die Mazedo- Slawen ein entwickeltes bulgarisches Nationalgefühl besäßen! Falls aber dem Herrn Gesandten diese Angaben nicht als zuverlässig erscheinen sollten, so muß er über den Verfasser allerdings am besten Bescheid wissen— das Offene Schreiben .aus Uesküb..ist nämlich unterzeichnet; Dimitri Ri�off! Aber für die Auffassung, die Herr R i z o f f vertritt, ist all das in den Wind gesprochen, nicht etwa, weil drüben die bulgarische, hüben die serbische Ansicht von den Dingen stände. So ist es nicht, denn die serbischen Nationalisten bedanken sich lebhaft für diejmn mir vorgeschlagene Lösung der maze- donischen Frage. Sondern der Gegensatz ist deshalb unüber- brückbar, weil der bulgarische Gesandte entschiedener Fürsprech eines Gewaltfriedens ist, während wir deutschen Sozialdemo- kraten ebenso entschlossene Anhänger eines Verständigungs- friedenS sind! Stockholm. Abermals Vertagung. Stockholm, 3. September.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Das Konferenzkoinitee hat beschlossen, da die Londoner Beratungen der Ententesozialisten keine u n- mittelbare Lösung der P a ß f r a g e erwarten lassen, öie Konserenz nicht auf den 9. September e i n z u- berufen, sondern einen neuen Zeitpunkt für die Konserenz anzusetzen, der nach der Rückkehr der russischen Delegierten nach Stockholm festgestellt und bekanntgegeben werden soll, Die Konferenz ist also wieder einer Vertagung anheimgefallen, und leider sind mit dieser Vertagung die Aussichten für ihr Zustandekommen nicht einmal günstiger geworden. Es ist dies nun schon das dritte- oder viertemal, daß der Zeitpunkt der Konferenz herausgeschoben werden mußte. Die ersten Male waren es die Entente s o z i a l i sie n, die Vertagung verlangten, mit der Be- gründung, daß ihre Parteikörperschaftcn erst Stellung zu der Frage nehmen müßten. Deren Tagungen haben inzwischen ftattgefun- den, die Schwierigkeiten schienen beseitigt,— jetzt haben die Entente. regierungen mit ihrer Paßverweigerung den Strich durch die Rechnung gemacht. Bei jeder Vertagung der Stockholmer Konfe- ccnz steht jedenfalls das Wort Entente. DaS Menschenmorden geht inzwischen ungehemmt weiter, ohne daß die gesamte internationale Sozialdemokratie bisher auch nur einen gemeinsamen Versuch machen konnte, es zu hemmen. Die sozialdemokratischen Parteien der Länder der Z e n t r a I m ä ch t c waren jedenfalls von Anfang an»nd zu jedem Zeitpunkt bereit, die Reise nach Stockholm anzu- treten, ihre Regierungen haben ihnen keine Schwierig- leiten gemacht. Wen danach die Schuld an dem fortwährenden Hinausschieben der Stockholmer Konferenz trifft, steht einwandfrei fest. Die Haltung üer englischen Gewerkschaften. London, 3. Sepw'Nibcr. iReutcruieldung.) Ter„Tacily Tele- graph" berichtet, daß die Vorbereitungen für den Ge- werkschaftskong.retz jetzt beendet sind. Die meisten der 7Y9 Delegierte», die ungefähr 3 Millionen orgain siarte Arbeiter vertreten, sind gestern in Black Pool Eingetroffen. Die 163 Vertreter der Bergarbciterverbände hctben in einer Versamm- lnng beschlossen, die Vorschläge der parlamentari- schen Kommissio n, bezüglich Stockholm zu unterstützen. Diese Vorschläge gingen bekanntlich dahin, daß eine Konferenz in Stock- Holm jetzt undurchführbar sei, daß aber der Gewerkschastskongreß trachten müsse!«ine allgemeine Verständigung über die Kriegs- zielle nntcr den arbeitenden Klassen der alliierten Länder herbei- zuführen und zu diesem Zwecke eine Konferenz vorbereitet werden ... tzpnüman stachelt öie rujftjchen Sozialisten auf. Amsterdam, 3.«September. Aus London wird berichtet: Der englische Sozialistenführcr H h n d m a u richtete einen Aufruf an die russischen Sozialisten, worin er sie auf die Opfer hinweist, die England für Rußland gebracht Hai. Er sagt«: Ich habe das Recht, Sie darauf Hinzmoeisen, daß die Ardeiter Großbritanniens bereits sehr viel geopfert haben, um Ihr großes Land vor Ver- Wüstung durch den Feind zu belvahren. Abgesehen von den 599 Millionen Pfund Sterling, welche unser Volk Eurer Nation vorschoß, steht es vollkommen fest, daß, weit die Munition voll- kommen fehlte, die in dem heutigen Kriege unentbehrlich ist, die Deutschen heute schon in Moskau, Petersburg, Kiew und Odessa wären, wenn wir Euch die Munition nicht geliefert hätten.— Er richtete dann die ernstlicbe Mahnung an die russischen Soziatisten, den Krieg nicht aufzugeben, bevor Deutschland nicht vollständig besiegt sei. Kornilows politische Stellung. Petersburg, 2. September, Wie die Petersburger Telegraphen- Agentur meldet, teilt« Nekrasow, Vizepräsident des Ministerrats, einer Anzahl Zeitungen mit, daß die Regierung tiefes Ver- trauen zu dem Höch st kommandier enden Kornilow habe und an seiner politischen Neutralität nicht zweifle. Wenn reaktionäre Kreise ihre Hoffnungen aus Kornilow setzen, so würden sie enttäuscht werden. Tie Mistvcrständnisse zwischen der Regie- rung und Kornilow bättear sichnuraufFragen derDiszi- plin bezogen und seien bereits beigelegt; die von dem General gestellten Bedingungen seien zum Teil schon erfüllt. Der Minister- rat sei mit Kornilow vollkommen darin einig, daß ernste und kraft- volle Maßnahmen zur Wiederherstellung der Kampfkraft des Heeres getroffen werden müßten, ehe neue Katastrophen einträten. Eine Ersetzung Kornilow s durch jemand anders habe niemals in Frage gestanden. Es wird hier also nicht geleugnet, daß Differenzen zwischen Kerenski und Kornilow bestanden bähen. Daß Kornilow danach der Mann der russischen Rechten ist, hat die Moskauer Kon° ferenz klar ergeben. Große Bedeutung ist daher der offiziösen Beschwichtigung nicht bcizumesson, zumal sie Kornilow selber nicht etwa politisch als Demokraten oder Revolutionär, sondern nur als„neutral" bezeichnet. Petersburg, 2. September. Ein Bericht aus ermächtigter Quelle über die gegenrevolutionäre Verschwörung besagt: Tie meisten Verhaftungen wurden außerhalb von Peters- bürg vorgenommen. Tic Regierung erachtet es noch für un- zeitgemäß, die Namen der verhafteten Personen zu veröfsent- lichcn. Die aufgedeckte gegenrevolutionäre Tätigkeit hatte keine bedrohlichen Folge n. Prozeß Suchomlinow. Petersburg, 2. September.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Zeuge M i l j u k o w sprach über seine Eindrücke gelegentlich einer Zusammenkunft mit Suchomlinow im Zimmer des Dumapräsidenten während der Erörterung über das große Militärprogramm. Miljukow erklärte: Dieser Eindruck war entniutigend. Alle Teilnehmer an der Besprechung erkannten einstimmig, daß Suchomlinow die Verteidigung Rußlands nicht sicher st eklen konnte, trotz des im Februar 1314 in der „Börsen-Zeitung" unter dem Titel„Wir sind bereit" erschienenen Artikels, der„.unter Mitwirkung des früheren Ministers ge- schrieben wurde, der auf diese Weise wissentlich R u'tz- land täuschte, obwohl er die militärische Schwäche des Landes gut kannte. Ein Jahr darauf, im Februar 1315, hielt Suchomlinow, als die betrübenden Ergebnisse dieser Schwäche außer Zweifel standen, noch einmal in einer privaten Zusammenkunft von Dumamitgliedern eine optimistische Rede, in der er versicherte, alle Maßnahmen seien ergriffen, um die russische Armee reichlich zu ver- proviantieren. Zeuge G u t s ch k o w, Präsident der 3. Duma, sagte aus: 1998 begriffen die Dumamitglieder vollkommen, daß Rußland am Vorabend von Ereignissen von höch st er Wichtigkeit stand, denn die Berichte aller russischen Militärattaches meldeten übereinstimmend Kriegsvorbereitungen Deutschlands und Oesterreich- Ungarns. Die Dumamitglieder begriffen auch, daß wenn Suchomlinow im Amte bliebe, Ruß- land überrascht werden würde. Gutschkow erklärte, alle An- strengungen, die Verproviantierung der Armee zu orga- nisieren, seien auf den W i d e r st a n d Suchomlinow«. dieser unheilvollen Persönlichkeit der russischen Geschichte, gestoßen, Er schloß mit der Erklärung: Rußland ist in den großen Krieg ohne die geringste Vorbereitung eingetreten, wofür die Schuld vollkommen Suchomlinow zufällt, der der einzige Verantwortliche für alle russischen Niederlagen ist. Sethmann gegen Gerarö. Gcrards Phantasien. Berlin, 2. September. Der frühere Reichskanzler, Herr V. Bethmann H o I l w e g, gewährte dem Vertreter der „Associated Preß" am 39. v. M. eine flnteredung, in der er sich zu denr Teil der Gerard- Enthüllungen äußerte, der sich auf sein Gespräch mit dem früheren anierikanischen Bot- schafter über die deutschen K r i e g s z i e l c inr Januar dieses Jahres bezieht. Herr v. Bethmann Hollwcg erklärte, unter dem Eindruck zu stehen, daß Gerard bei seinen Eni- hüllnngen seiner Phantasie doch etwas weit die Zügel habe schießen lassen. „In seiner Wiedergabe unserer Unterredung", so sagte er,„hat Herr Gerard mir Aeußerungen in den Mund gelegt, die zwar sonst in Deutschland gemacht worden sein mögen und auf die er bei unscreni Gespräch wiederholt Be- zug iickhm, die aber nicht die meinigen sind. Dies gilt vornehmlich von meinen angeblichen Aeußerungen über die Absichten Deutschlands auf Lüttich. Namur und die belgischen Häfen und Eisenbahnen sowie auf eine militärische und wirtschaftliche Kontrolle des Landes. Solche Kriegsziele Deutschlands habe ich Herrn G e r a r d nicht entwickelt, vielmehr bei allen Gelegen- heitcn und so auch bei unserem Gespräch Ende Januar, stets auf meine Reichstagsreden hingewiesen, in denen ich erklärte, Deutschland werde positive Garantien dafür fordern, daß belgisches Gebiet und belgische Politik in Zu- kunft nicht zu ständiger Bedrohung Deutschlands ausgenutzt tvcrdeu dürfen. Ich habe mich bezüglich der Art dieser Garantie nicht geäußert. Im Verlaufe dieses Teiles der Unterhaltung hob Herr Gerard hervor, daß eine Verwirklichung der weitgehenden Ziele, wie sie gewisse deutsche Kreise bezüglich Belgiens erstreben, schließlich König Albert nur eine S ch e i n m a ch t laffen würde, und ob wir nicht besser statt dessen daraus ausgehe» sollten, Lüttichau % annektieren! das sei nach seiner Ansicht er- r e i ch b a r. Vielleicht hat er diese Äeußerung getan, um eine Antwort von mir zu provozieren. ZVenn dies der i�all gewesen ist, so ist der Versuch jedenfalls mißlungen. In allen meinen diesbezüglichen Unterhaltungen mit dem�Bot- schafter habe ich mich vielmehr darauf beschränkt, auf meine in der Oeffentlichkeit getanen Acußerunge» hinzuweisen, in welchen ich betont habe, daß ich einen Frieden anstrebe, der Teutschland ein freundschaftliches Nebeneinauderleben mit Belgien ermöglicht und sichert. Das Gedächtnis scheint Herrn Gerard auch nicht recht gedient zu haben, als er das nieder- schrieb, was wir über Rußland gesprochen haben. Er be- handelte Teutschlands Kriegsziele nach Osten nur obenhin und bemerkte. Amerikas Interesse daran sei gering, dort würden wir wohl freie Hand haben. Auch für Rumänien und Serbien zeigte er verhältnismäßig nur >v e n i g Sympathien. Er hat auch über diese Länder k e in e d e r AuS kü n ft e er h a l t e n, die er mirin den Mund legt." Spaltung üer österreichischen Polen. Am Sonntag fand in Krakau eine zahlreich besuchte Vollversammlung der polnischen Reichsrats- und Landtags- abgeordneten zur Bercktung über die Auflösung des ober st en Nationalkomitees.statt. Ein Antrag der V o l k s p a r t e i, das Präsidium des Polenklubs zu beauftragen, einen Liquidationsausschuß für die Angelegenheit des obersten Nationalkomitees einzusetzen, von der Abstimmung über diesen Antrag aber die anwesenden Hcrrenhausmitgliedcr auszuschließen, führte eine lange heftige Aussprache herbei. Siemens der Konservativen gab Graf T a r n o w s k i eine Er- kläriing zugunsten dce obersten Nationalrates ab. Er sagte darin, der Krakauer Polcnklubbeschlust vom 28. Mai sei von gewissen Par- tcicn dazu benutzt worden, in Polen den Staatsrat zu stürzen und es nicht zur Bildung einer polnischen Armee und Regierung kommen zu lasse» und in Galizien die seit fast einem Jahrhundert erfolgreich verfolgte Politik zu ffalle zu bringen. Die Konservativen vrotesticrtcn dagegen, daß der Beschluß vom 28. Mai dazu bcnudt werde, das gegenwärtig Erreichbare zu zerstören. Es sei die Pflicht aller, die B c r w i r k l i ch u n g der Proklamation vom b. Nckvember l918 zu unterstützen und in Oesterreich eine aufrichtig staatscrhaltendc Politik aufrechtzuerhalten. Tie Per- lcsiiiig der Erklärung wurde von großen Lärmszenen unterbrochen. Naäf weiteren Debatten verließen die Volksparteien, die Sozialdemokraten, die Nationaldemokratcn und die Mitglieder der polnischen Nationalvereinigung die Sitzung. Tie Debatte wurde nachmittags ohne Ergebnis geschlossen. Venizelos versetzt seine Vorgänger in �nklagezustanü. Athen, 2. September.(Havasmeldung.) Ein« englische M a r i n e m i s s i o n von sechs Lfsizieren, die die griechische Marine reorganisieren soll, ist hier eingetroffen. Ter Parlamentsausschuß hat die Anklageschrift gegen die Mitglieder der Kabinette Stuludis und Lambro», ausgenommen Admiral Konduriotis, der dem erstercn angehört hat, in der Kammer eingsbracht. Die Beschuldigten werden vor einem Sondcrgerichtshof aus von der Kammer zu wählenden Abgeordneten erscheinen»....................... Der Krieg auf öen Meeren. Zum Seegefecht bei Ringköbing. Kopenhagen, 2. September. Der Berichterstatter von„Politiken" in Ringköbing meldet noch, daß zwei Unterseeboote an dem Seegefecht beteiligt luaven, sowie zwei Flugzeuge. Die beut- sehen Seeleute glauben, daß die Engländer über IbOO Granaten a egeseuert haben. Die Deutschen verbleiben die Nacht in Bjerre- gaard und werden morgen wahrscheinlich mit einem Dampfer zu- nächst nach Ringköbing, dann mit der Bahn in Begleitung von 40 dänischen Soldaten nach Esbjevg weiterbefördert. Ueber die gemeldete Berletzung der dänischen Neutralität durch die englische Flotte äußern sich nur zwei Kopenhagener Blätter. „Politiken" ineint, der verursachte Schade» sei zwar sehr gering. aber die Geschosse bei Holmsland hätten Dänemark gezeigt, wie nahe das Univetter ist. Das Blatt verlangt ein« amtliche Unter- snchung der vorgekommenen Neutralitätsvcrletzungcn und einen Protest bei der Regierung, deren Schuld sich ergibt. ..N a t i o n a l t i de n d e" schreibt: Nach alledem, ivas vorliegt, kann kein Fiveifel darüber herrschen, daß die britischen K r i e g s s i f f e bei dem Ereignis von Bjerregaard entschieden eine höchst bedauernswerte Neutralitätsvcr- I e tz u n g begingen. Selbstverständlich wird die dänische Regierung sofort einen ernsten P r o t e st in London gegen den Ueber- griff einreichen. der alldeutsche Solsttzewit des Mzeigers". Das deutsche Friedensangebot von Verrückten gemacht— die Reichstagsmehrheit irrsinnig! Ten alldeutschen Hetzversuchen gegen die deutsche Verständigungsbereitschaft ist nunmehr' die Krone aufgesetzt worden. Der„Berliner Lokal-Anzeiger", dessen schwer- industrielle Abhängigkeit ja längst kein Geheimnis mehr ist, erdichtet die Unterredung einer„vertrauenswürdigen, ausgezeichnet unterrichteten Seite" mit einem Advokaten aus Petrograd, die in Stockholm stattgefunden haben soll. Die Aeutzerungen des russischen Advokaten sollen ein Licht darauf werfen, wie die deutsche Friedensbereitschaft im feindlichen Auslände gewirkt habe. Sie sind so formuliert, daß man an nehmen müßte, der biedere Russe habe seine Antworten vom „Unabhängigen Ausschuß" ausgearbeitet erhalten und sei obendrein noch für jedes seiner Wwrte aus den Geldern, die unseren Eroberungspolitikern ja reichlich zur Verfügung stehen, mit einem blauen oder braunen Lappen bezahlt worden. Diese Annahme ist aber irrig, da her Petrogradcr Advokat nur eine Ausgeburt alldeutscher Phantasie ist. wie noch zu zeigen sein wird. Der Advokat erzählt also dem„vertrauenswürdigen, aus- gezeichnet unterrichteten Gewährsmann" folgendes: Das deutsche Friedensangebot vom 12. Dezember 1916 sei in Rußland erst verlacht worden, dann habe man allgemein daraus geschlossen, daß Deutschland trotz seiner militärischen Erfolge fertig sei. Denn— so meint der Petrograder Advokat— rem Land. dessen Soldaten auf allen Fronten in Feindesland stehen, und das trotzdem ein Friedensanacbot macht, tss> entweder am Rande seiner Kraft oder wird von Bcrrücktcn geleiteh! Letzteres sei doch ivohl ausgeschlossen und somit bliebe nur die einzige logische Wahrscheinlichkeit, daß Deutschland fertig ist. Der deutsche Leser, der dies liest, soll natürlich zu dem Schluß getrieben werden: Deutschland stand Ende 1916 sicher nicht am Ende seiner Kraft— ergo isiv daS Friedensangebot vom 12. Dezember wirklich von Vevrückten gemacht worden. Gegen welche Personen der alldeutsche Vorwurf der Verrücktheit sich richtet, ist mehr als durchsichtig. Weiter erzählt der Russe, daß Deutschland, wenn es gleich nach Ausbruch der Revolution Rußland angegriffen hätte, so gut Ivie kampflos Livland und Esthland hätte er- obern können. Statt dessen habe es dem russischen Heer Gelegenheit gegeben, sich wieder zu festigön. Welche Dämlichkeit von Deutschland also— soll der dcutffche Leser denken— daß es nicht sofort über die russische Revolution hergefallen ist.— Auf die Frage nach der Beurteilung der Person deS Reichskanzlers antwortet der Russe: Wir konnten uns keinen besseren als Beckhmann H o l l w e g wünschen, und hoffen, daß Dr. Michaelis durch die Opposition im Reichstag gezwungen wird, in die Fuß- stapfen seines Vorgängers zu trelen I Auf die Frage, warum Bethinann für die Entente so gut war:„Wegen seiner Schwächlichkeit." Ein alldeutscher Esels- sußtritt für Bethmann Hollweg und, was natürlich daß wich- tigstc ist, eine Diskreditierung der Friedenspolitik der Reichs- tagSmehrheit durch die Aussage des Feindes. Hier kommt es aber noch saftiger. Nämlich von der Fricdensreso- lutiop d es'R e i ch s t a gs erklärt der Russe, sie hätte dazu geführt, um die Franzosen, die bereits zü ihrer Regierung mißtrauisch wurden, von neuem mit Äriegslust zu erfüllen. Wäre nicht die Friedensresolution gekommep, so wäre..der französische Poilu nicht zu einer neuen Offensive zu bewegen gewesen. Wörtlich fährt er fort:„Wenn die Not a,m höchsten, ist die Hilfe von Feindes Seite am nächsten." Natürlich habe man in Rußland auch aus der Friedcusresulution des Reichstages wieder gefolgert, daß Deutschland am Zusammenbruch sei. „Denn daß ein Land, welches im Begriffe steht, dem Feind ein besetztes Gebiet zu entreißen von einigen 20 000 Quadrat« iverst und zu gleicher Zeil einen Ausgleichs- und Verzichtfrieden ichließcn will, ganz ohne Zweifel dichr vor dem Zusammenbruch stehen muß. da die Annahme, daß Irrsinnige im Reichstag sitzen, doch nicht den Tatsachen entsprechen kann." Wieder soll der deutsche Leser folgern: wir stehen doch gar nicht vor dem Zusammenbruch, also hat die Reichstags- niehrheit irrsinnig gehandelt.— Schließlich erklärt der Russe, die jetzige letzte und einzige Hoffnung der Entente be- stehe darin, daß in Deutschland der Parteihader wieder die Oberhand bekoinmt und daß sich in Deutschland kein „starker Mann" nach dem Muster Kcrcnskis finden werde. Und wer soll dieser russische Advokat sein, der wie ein von den Alldeutschen abgerichteter Papagei Antworten erteilt, der das deutsche Friedensangebot verrückt, die Friedens- resolution des Reichstags irrsinnig findet, der bedauert, daß Deutschland nicht über die russische Revolution hergefallen sei, der nach dem starken Mann in Deutschland schreit und der— das verdient auch noch erwähnt zu werden— Kerenski belobt, weil er in Rußland„zu dem einzig wirksamen Mittel geschritten ist, um Herr der Situation zu lverden: Todes- strafe und Zensur"?— Der„Lokal-Anzeiger" bezeichnet i h n als einen Bolschewik, also Anhänger der Richtung Lenins! Wenn man nicht grober schwindeln kann, so kann man doch gleichzeitig auch nicht dummer schwindeln. Eine Pressestelle beim Reichskanzler. Der Nachrichtendienst der einzelnen Reichs- und preußischen Staatsämter läßt nach mancher Richtung vielerlei zu wünschen übrig. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, soll beim Reichskanzler eine Zentralstelle für den Pressedienst errichtet werden, mit einem Pressechef an der Spitze. Die Aufgabe dieser neuen Stelle soll darin bestehen, eine größere Einheitlichkeit im Nachrichtendienst der einzelnen Aemter herbcizu- führen und die Verbindung mit den führenden Persönlichkeiten der Presse zu pflegen. Als Leiter dieses neuen Zlmtes ist Land- rat v. Braun auscrsehen, der bisher den Pressedienst im ReichSamt des Innern leitete. Reichstag und Kanzler. Die„Kreuzzeitung" schließt eine Polemik gegen unseren gestrigen Leitartikel„Zur Frage der Reichstagsauflösung" mit folgenden Kernsätzen: Der Kanzler hal vollkommen das Recht, sich über Meinungsäußerungen des Reichstags hinweg- zusetze n. Es steht d u r ch a u S in feinem Ermessen, ob er solche Meinungsäußerungen zum Anlaß der Auslösung nehmen oder abwarten will, bis die Meinung deS Reichstags zu Beschlüssen innerhalb seiner verfassungsmäßigen Zuständigkeit führt, die die Auflösung unumgänglich machen. Mit einem Wort: Der Kanzler darf alles, der Reichstag nichts. In der„Deutschen Juriskanzcitung" setzt der bekannte Berliner staatSrcchtslehrer Pro, f. Arndt auseinander, daß die parlamentarische Regierungsform in Deutschland durch eine Aenderung des Blvdgetrcchts des Reichstags zu erreichen sei. Er führt aus: Zielfiihrend einer- und durchführbar andererseits wäre ein Zusatz zu Art. 69 Reichsverfassung, twonach Kanzler und Staats« iekretäre bei Vermeidung persönliche« Verantwortlichkeit über die Mittel ibres Ressorts solange uichü verfügen dürfen, als bis ihnen dies vom Parlament bewilligt wird, und daß sie nicht mehr darüber verfügen dürfe«, wenn ibnen dies durch Ablehnung oder Vertagung des Budgets für ihr Reffort verboteu wird. Die Bewilligung des Etats' würde dann das voto äs confianee und die Vollmacht feSte, welcher Kanzler und Staatssekretäre bedürfen, um über die � Mittel des Reichs zu verfügen. Der Zm'atz zu Artikel«P könnte lauten:„Der Reichskanzler und die Staatssekretäre ducken bei persönlicher Ver- antwortlichkeit nur auf Grund EtatsgesePcs über die Mittel des Reichs verfügen." Rädere Spezialisierung, insbesondere der wegen etwaiger Eilbedürsligkeit notwendigen Äusnahmen, mag vor- behalten bleiben. Nur wenn Bundesrat unb Reichstag einen Zu- satz dieser Art zu Artikel 69 beschließen, wnkd im Deutschen Reiche von einer Parlamentsherrichaft juristisch die.Rede sein können. Mit dieser Anregung ist dem Perfasstnngsausschuß des Reichstags wertvolles Material gegsÄen. Dieser Ausschuß soll mit der Eröffnung der ReichstngSverhandlungen Ende dieses Monats wieder an seine Arböm. gehen, die nie notwendiger war als jetzt! Der„/lbbnu* öer Zensur in ö'sr Praxis. Das Generalkommando für den Bezirk deS IllL Armeekorps hat soeben eine neue Bekanntmachung erlassen. Den« Druckern und Vervielfältigungsanstalten wird darin vorgeschrieben� alle nicht zum öffentlichen Berkaus oder Vertrieb bestimmten Bücher, Denkschriften. Broschüren, Flugblätter, Geschäftsberichte, Briefwechsel Aufrufe und sonstigen literarischen Erzeugnisse, in denen öffentliche oder die All- gcmeinheit berührende Fragen behandelt werden. spzj/estenS nach Fertigstellung der Vervielfältigung vor Verbreitung»der Aus- händigung an den Besteller oder an dritte Personen unjM Vorlage zweier Stücke mittels Einschreibebriefes oder gegen Qiuttiung bei der Presseabteilung des stellv. Generalkommandos einzureichen. Vor dessen Bescheid dürfen sie nicht ausgehändigt werden. Di» Bezeich- nung als„Manuskript" oder als„Brief" oder als„Vertraulich", „Nur für Mitglieder",„Zum Privatgebrauch" usw. entbindet nicht von der Anmeldepflicht, auch die Auslage und der Umfang der Ver» btcitung ist anzugeben. Als Vervielfältigungen gelten auch Klischees und Matrizen und dergleichen Erzeugnisse. Den Pr-offe- erzeugniffen stehen alle ans mechanischem o»der chemischem Wege bewirkten Vervielfältigungen einschließlich der Abzüge und Durchschläge ffon Schreibmaschinenschrift sowie. Abbildungwir gleich! Für die Uebertretung dieser Bestimmungen wird Gefängnis oder Haft bis zu einem Jahre oder Geldstrafe bis zu 1509 Malst angedroht.n>i ch mit hoher Bcfriedigun g," und der weiter schil- dcrte, ivie man den Bnreaiikratcn Brefeld, der den Reformer Berlepsch hatte ersetzen müssen, den Wünschen der Großindustrie gefügig zu machen gedächte. Zugleich deckte der Brief die enge Verbindung der Großindustriellen mit der Regierung bei der Vorbereitung der Handels- vertrage auf, die so weit gegangen war, daß Regierungsleutc jahrelang in den Bureau« de« Zentralverbandes gearbeitet hatten. Ten Gipfel erreichte diese unterirdische Tätigkeit der scharfmacherischen Großindustriellen zur Zeit des Zuchthausgcsetz- entwurfs, als das Reichsamt des Innern von ihnen 12 999 M. erbat nni� erhielt, um damit die Kosten einer großzügigen Propaganda für diesen GesctzenNvurf zu decken. Aus neuerer Zeit ist der Vorstoß der Bcrghcrren vom Jahre 199g bekannt, bei dem es sich darum handelte, aus dem drohenden Bergarbeiterschutz eine Harmlosigkeit nach der Art der„weihen Salbe" zu machen. Die Spuren dieser Tätigkeit reichen bis in die jüngste Gegenwart. Im Fortgang seines Artikels weist Winnig nach, daß der Kampf der Schiverindustrie gegen den Verständigungsfrieden im Grunde nichts als ein Kampf gegen den Sozialismus ist, denn nach einem Verständigungsfrieden müßte der wirtschaftliche Aufbau Deutschlands im Wege des Sozialismus erfolgen, was das Ende des absoluten Königtums der Herren von Eisen und Kohle wäre. Freilich gebärden sich die Herren, als ob sie diesen Kampf nicht für ihre Kapitalsintcressen, sondern für die heiligsten Güter des„deutschen Volkes" führten. Dieses Spiel gilt es zu durch- schauen und zu entlarven. Amtliche Feststellung des Ernteergebnisses. Durch Verordnung deS Präsidenten des KriegSernährungsamtS vom 39. August 1917 ist bestimmt worden, daß in der Zeit vom 29. September bis 5. Oktober 1917 für jeden landwirtschaftlichen Betrieb unter Zu- ziehung der Betriebsiuhaber oder deren Stellvertreter der Ernte- ertrag für Brotgewside, Gerste, Hafer und Getreidemenge sorg« fällig zu ermitteln und dabei gleichzeitig eine Nachprüfung der im Juni angegebenen Erntefläche vorzunehmen ist. Die Ernte- erhebung bildet die Grundlage für die Bewirtschaftung des Brot« getreideö und für alle die Versorgungsregelung betreffenden Maß- nahmen. Gegen die Preistreibereien im Wciiihandcl wendet sich eine im Rcichsgesetzblatt Nr. 156 veröffentlichte Bekanntmachung des Reichs- kanzlerS. Kleine Kriegsnachrichten. Wien, 3. September. Der mehrtägige Prozeß gegen den Wie- ner Universitätsprofejsor Dr. Braun, der als militärpftichtiger Zivrlarzt wegen Verbrechens des Mißbrauchs der Amts- und Dienst- grwalt durch Geschenkaniiahmc in Amtssachen bei der llntersuchung und Ausstellung von Konstatierungsliefuiidcii inilitärpflichtiger Personen angeklagt war, wurde hent-i mit der Freisprechung des Angeklagten in allen Punkten beendet. Der Lij? aboner poftbetrieb unter Militärrecht London, 3. September. Das Reutersche Bureau meldet aus Lissabon vom 2. September: Alle Post- und Telegraphenbeamtcn wurden mobilisiert und müssen ihren Dienst unter Lei- tung de» Äriegsministeriums fortsetzen. Lissabon war am Sonntag t e l e g r a p h i s ch isoliert. Ter Zustand bcginnr aber wieder normal zu werden. Amerikas Druck auf Holland. Washington, 2. iseptembcr.(Reuter.) Es zeigt sich jetzt, daß dos Aussuhramt das Abkommen üoer die Teilung der Schiffs. ladungen zwischen Holland und Belgien abgelehnt hat. Alle Korn- ladungen der holländischen Schiffe sind im Verderben be- griffen und nur zu Viehfuttcr geeignet. Da Viehfutter notwendiger in Amerika als in Holland gebraucht wird, wird das Amt nicht gestatten, daß das Korn Amerika verläßt. Amtliche Kreise stellen fest, daß Holland für die nächsten zwei oder drei Monate wohl versorgt sei, und l>alten es auch für unwahrscheinlich, daß die Er- laurnis zur Ausfuhr irgendwelcher Nahrungsmittel an Neutrale ln wenigstens zwei Monaten erteilt wird. Also erst läßt das edle und großmütige Land des Präsidenten Wilson das für die Ernährung der holländischen Bevölkerung be- stimmte Getreide zu Biehjuttcr verfaulen und dann erklärt cs böhnisch, daß Holland ja Viehfuttcr nicht drauchc. Damit Deutsch- land hungere, sollen die Neutralen mit hungern! $ HewerffchaMewMng Verlin und Umgegend. Gewerkschaften und Ztohlenversorgnng. Zu dem Bericht über die Verhandlungen der Gewerkschafts- kommiision, die Versorgung mit Köhlen beireffend, ist noch nachzu- tragen, daß der Vorsitzende. Genosse Körsten. in der Diskussion auch die am IS. Juli d. I. vorgenomn»ene Bestandserhebung über Kohlen- Vorräte erörterte. Mit ziemlicher Sicherheit wäre anzunehmen, daß diese Angaben unrichtig und unvollständig sind und dem sogenannten Hamstern Vorschub leisten. i Eine Nachprüfung der zunxeit vorhandenen Kohlenbestände auf Grund des§ 33 der Verordnung betreffend die Regelung der Kohlenverteilung in Berlin werde deshalb für dringend erforderlich gehalten. Namens des Ausschusses'machte Genosse Körsten den Vorschlag, dem Magistrat solche Kontra fleure aus den Reihen der GewerkschastS- Mitglieder zur Verfügung w stellen. Die Versammlung erteilte hierzu ihre Zustimmung. GeWerk- schaftsmitglieder, die sich � für diesen Zweck zur Verfügung stellen wollen, werden gebeten, siiKh entweder bei dem Vorstand ihrer Ge- werkschaft oder in, Bttreau der Gewerkschaftskommisfion zu melden. HeutKles Nelch. 25 JahrL Stukkateur-Organisation. Am 17. August waren es 25 Jahre, daß in Stuttgart auf dem dritten Kongreß der Stukkateure und Gipser der Deutsche Stukkateur- verband gegründet'wurde. Die vorhergehenden Kongresse hatten sich sür Lokalorganisa�ion ausgesprochen; aber nachdem im März 1892 der erste Gewerkschaftskongreß sich für die zentrale Verbandsform entschieden hatte, folgten auch die Stukkateure diesem Beschluß. Leider kam es auf»em Kongreß zu einer Spaltung. Ami. September 1902 trat der neu-/ Verband ins Leben. Lange erbitterte Kämpfe mußten in den ensfen Jahren nicht nur gegen die Unternehmer ge- führt werden, sollvern auch gegen die Lokalisten, die unter der Führung des daanaligen Redakteurs des.Bauhandwerker", dem Regierungsbauw�ister Keßler den Zentralverband und seinen Führer in der schofelsten Weise bekämpften. Aber dennoch setzte sich der Verband durch. Bis zum ersten Verbandstage, der 1895 in Kassel statlkiind, hatten sich bereits 25 Städte angeschlossen. Im Jahre 1897 ftssie sich auch die Lokalorganisation in Berlin auf und trat dem Ven&pnd als Filiale bei; damit war die letzte Stütze der Lokalisten gkmllen. Nun iib.kte sich mittlerweile auch das Unternehmertum zu- sammengcsMossen und versuchte mit allen Mitteln, den Verband zu vernichten, �>er ihm durch manche glücklich beendete Lohnkämpfe ernste Sorgen bereitete. In Köln, wo sich die Stukkateure bereits 1898 die!sV-,stündlge Arbeitszeit erkämpft hatlen, kam eS zur Aussperrung.. die neun Wochen dauerte. Die folgenden Jahre brachten mit eine� ständigen Steigerung des Mitgliederbestandes auch inimer größere Mämpfe mit den Unternehmern des Baugewerbes. Das Jahr lEv brachte die großen Kämpfe im Baugewerbe und damit stand a»ch der Stukkateurverband vor einer schweren Aufgabe. Für fast dreiviertel aller Mitglieder liefen die Tarifverträge ab. Es gelano, zwar, für einen Teil der Lohnbezirke Verträge abzuschließen, aber ftn allen Orten Süddeutschlands sowie im Rheinland und in Westftilen kam es zum Streik bezw. zur Ausperrung. Rund 3699 Mitglieder standen fast ununterbrochen 19 volle Wochen im Kmnfcsi und annähernd 499 999 M. mutzten in dieser Zeit an Streik- Unterstützung aufgebracht werden. Dieser Kampf endete mit Unter- slükfung der übrigen Gewerkschaften Deutschlands mit einem vollen Erfolge für die Stukkateure.— Am 1. Januar 1912 vollzog der Vvpband den Anschluß an den Bauarbeiterverband mit einer Mit- gliederzahl von 19'78v und einem Vermögen von 231 S35 M. in der Hauptkasse und 111967 M. in den Kassen der Filialen. Der im Jahre 1892 bei der Gründung gewählte Vorsitzende Odenthal hatte während der ganzen Zeil die Leitung der Organi- sation in Händen und gehört heute dem Vorstande des Deutschen Bauarbeiterverbandeö an. wo er nach wie vor die Interessen der Gipser und Stukkateure vertritt. Die geringsten Bergarbciterlöhne zahlt der Diskus! Das Gegenteil eines staatlichen Musterbetriebes scheint das fiskalische Bergwerk in I b b e n b ü r e n zu sein. In einer Ver- Handlung vor dem Schlichtungsausschutz zu Münster. mithin mehr 5 621 733 M. verein- nahmt. Der Tagesdurchschnitt 1917 stellte sich auf 184 327 M. <155 267 M). Bei der Großen Berliner Straßenbahn allein be- ziffern sich die Einnahmen im August 1917 vorläufig auf 9t wird gNstlzeud weiter verdient. DaZ Hasper Eisen« und Stahlwerk weist einen Reingewinn von 5,6 gegen 6,6 Millionen Mark im Vorjahr. nachdem 4,5 gegen 2,9 Millionen Mark im Vorjahre abgeschrieben wurden. Tie ANiengesellschast Bremerhütte in Weidenau erstcut sich eines Reingewinns von 1,5 Millionen gegen 912 999 M. im Vorjahre. Die Ammendorfer Papierfabrik- A.-G. in Radewell bei Halle hat einen Ueberschuß von 1.6 Millionen gegen 1,1 Millionen Mark erzielt, woraus sie eine von 26 auf 36 Proz. gesteigerte Dividende ausschüttet. Soziales. parteinachrlchten. Skandalpolitik der„Unabhängigen". Am Freitag, Sonnabend und Sonntag tagten in den sächsischen Industriestädten Crimmitschau, Werdau und Zwickau Volksversammlungen, in denen Abgeordneter Schöpflin über „Frieden und Demokratie" sprach. Unter der Arbeiterschaft dieser 4 989 999 M.<4 938 651), also mehr 959 358 M. Vom 1. Januar bis 31. August 1917 aus 35 735 114 M.<39 486 226 3)1.), also mehr 5 298 888 M. Der Tagesdurchschnitt 1917 stellte sich auf 147 953 M.<124 738 M:>. Zu den Absichten der A.-G. Deutsches Elektro- Stahlwerk zu Berlin wird noch mitgeteilt, daß sie ein Elektro-Stahlwerk mit einem Kapital von 2 Millionen Mark in F r a n k e n b e r g bei Chemnitz errichten werde. Für das Unternehmen ist der Bau zweier Siemens- Mart'nöfen und eines elektrischen Stahlofens vorgesehen. Die Aktien der neuen Gesellschaft werden zu 195 Proz. ausgegeben. Kredit auf deutsche Forderungen. Hamburger Kaufleule verlangen, daß das Reich Forderungen deutscher Kaufleute an das feindliche Ausland nach Prüfung der Bonität bis zu 59 Proz. beleihe. Die Kriegsbanken genügten nicht, weil sie zu strenge Anforderungen stellten. Diese Bestrebungen sind sicher durch die Reichsbeihilfe für die deutsche Reederei gefördert worden. Der deutsche Ausfuhrhandel ist auch von eminenter Wichtigkeit, wenn auch von wesentlich geringerer als die Schiffahrt. Aber die Verhältnisse Englands können durchaus nicht ohne weiteres zum Vergleiche herangezogen werden, wo die Regierung sich bereits frühzeitig zu einer großzügigen Hilfs- aktion für den Außenhandel entschlossen hat. Da die Mittel des Reiches auch nicht unerschöpflich, sondern im Gegenteil sehr eng be- grenzt sind, so wird für die Großkaufleute der Hansastädle kaum eine Extrawurst gebraten werden können. Sie werden sich mit einer großen allgemeinen Erleichterung deS gewerblichen und kommerziellen Kredits begnügen müssen, die ebenso schwer wie notwendig sein wird._ Büchers Nachfolger. Anknüpfend an unsere Notiz über die Bemühungen der Wirtschaft- lichen Rückschrittler, den München« Lehrstuhl Brentanos mit einem ihrer Leute zu besetzen, wird uns aus Leipzig geschrieben, daß auch dort starke Kräfte am Werke sind, den Lehrstiibl Dr. Büchers für die Großindustrie zu erobern, und daß die sächsische Regierung offenbar wenig Widerstandskraft habe oder gar mit diesen Absichten liebäugele. Die Ortskraukenkasscn im Jahre 1916. Der Hauplverband deutscher Ortskrankenkassen veröffentlicht so- eben seinen Bericht auf das Jahr 1916, der interessanten Ausschluß über die Entwicklung der Krankenversicherung in der Kriegszeit gibt. An der Statistik des Verbandes haben sich 776 Ortskrankenkassen mit 4 383313 M i t g l i e d e rn beteiligt. Der Anteil der weib- lichen Mitglieder erhöhte sich von 51,2 Proz. im Jahre 1915 auf 55,2 Proz. im Jabre 1916. 36 Kassen haben mehr wie 29999 Mit- glieder, 6 über 199 999. Unter der Gesamtzahl der Mitglieder be- finden sich 12,2 Proz. steiwillige. Die finanzielle Entwick- lung der Kassen ist im allgemeinen eine gute. An Beiträgen für Versicherungspflichtige wurden 141 Millionen Mark ein- genommen, das sind auf ein Mitglied 33.95 M. Die Ge- samteinnahme betrug 231 Millionen Mark oder 54,19 M. pro Mitglied. Die Gesamtausgaben betrugen. 227 Millionen Mark oder 52,99 M. pro Mitglied. Unter den Ausgaben steht obenan das Krankengeld mit 59 Millionen Mark oder 11,64 M. pro Mitglied. Es folgt die ärztliche Behandlung mit 281/a Millionen Mark(6,69 M. pro Mitglieds, Krankenbauspflege mit 15�/,, Millionen Mark(3,68 M. pro Mitglied) uiw. Die gesamte Verwaltung er- forderte 29 Millionen Mark oder 4,75 M. pro Mitglied. Die Aus- gaben für S r z t l i ch e B e h a n d l u n g und Heilmittel sind auch in den letzten Jahren wieder in recht starker Steigerung be- griffen. Die Kassen verfügten einschließlich der- Rücklage über ein Vermögen von 169 Millionen Mark oder 37.42 M. pro Mitglied. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Zunahme von 24 Millionen Mark oder 5,59 M. pro Mitglied. Die erwerbsunfähigen Kranken haben eine wesentliche Zunahme erfahren. Im Jahre 1915 entfielen auf 199 Mitglieder 26,5 Erwerbsuntähigkeils- fälle, im Jahre 1916 aber 36,8. Im Durchschnitt waren je- weilig 3,4 bis 3,8 Proz. der Mitglieder erwerbsunfähig. Als Haupt- sächlichste Krankheitsursache wird die Tuberkulose angeführt; es folgen dann die Betriebsunfälle, die Geschlechtskrankheiten, die Ge- Werbekrankheiten usw. Welche Belastung die Kassen aus den Kriegsfolgen haben, ergibt sich daraus, daß 394 Kassen für Kriegsteilnehmer 3'/� Mill. Mark an Kranken- und Sterbegeld aufwenden mußten. Von der durch die Reichsversicherungsordnung gegebenen Möglichkeit, für all- gemeine Zwecke der KrankbeitSve'r hütung-' Gelder aufzu- wenden, wird immer mehr Gebrauch gemacht. Im Jahre 1916 gaben für Aufklärungsschriften, Vorträge, Untersuchung der Wohnungs- Verhältnisse 161 Kassen 57 191 M. aus. 184 Kassen beteiligten sich an den Säuglingsfürsorgestellen, 179 an den Fürsorgestellen für Tuberkulose und so weiter. Die Kassen beschäftigen rund 8 99 9 Angestellte. Im Durchschnitt entfallen auf einen Angestellten bei Kassen, welckie die Jnvaltdenversicherungs- beitrüge mit einziehen, 669 Mitglieder, bei den anderen 795 Mitglieder. Auch die E i g e n b e t r i e b e der Kassen entwickeln sich immer mehr. 19 Kassen besitzen Zahnkliniken, 7 Badeanstalten. 11 Genesungsheime, 118 eigene Verwaltungsgebäude usw. Die Selbstabgabe von Heilmitteln, insbesondere Arzneien, wird von 169 Kassen betrieben. Auch im Jahre 1916 haben wieder zahlreiche Kassen weitere-M ech r l ci frtrrrg rn tüber daS�gefetzliche Mindestmaß hinaus) eingeführt. Ein höheres Krankengeld wird für 22,2 Prozent der Mitgliederd-r Str. z. Berliner Str. 132-3 am Lahnh»k 3°°. � � uhi-uid-Ttr. Eharlollenburg: (Am»aiser- Wilhelm- Platz) 6*60600** Nr. 242 4 34. Jahrgang Seilage öes vorwärts Dienstag, 4. September 1417 GroMcrün Wie mache ich meinen Angehörigen im §elüe eine Ireuöe? Vor dieser bangen Frage hat wohl schon manche brave Frau, manche sehnende Braut, manche sorgende Mutter in letzter Zeit des öfteren gestanden. Im ersten Kriegsjahr, wo alles noch aus dem Vollem geschöpft werden konnte, ist bald ein Stuckchen Wurst, bald ein Töpfchen Schmalz zum Post- schalter gebracht worden. Wer möchte die Zigarren, die Ziga- retten und Tabakpäckchen zählen, die hinaus gesandt wurden nach Frankreich, nach Rußland und Serbien? Und welch freudiges Gesicht dort draußen, wenn die Post verteilt, dein Rame aufgerufen wurde! Das kann nur der empfinden, der es mit erlebt hat. Dann kamen die langen Stellungs kämpfe, die langen Schützengraben-Jahre, wo manche freie «stunde war, und— die Zeit der rationierten Lebens nnttel. Jetzt stellte sich etwas ein, was so-selten befriedigt wurde, der Hunger nach geistiger Nahrung. Die Zeitung, die manchmal nur zum Ausfüllen einer leeren Ecke des Päckchens benutzt war, wurde von vorn bis hinten Zeile für Zeile verschlungen, wenn die Nachrichten auch Wochen zurücklagen. Man wollte doch mal wieder sehen, was in der Heimat vorging. Und manch einer bat um regel- mäßige Zusendung der Zeitung. Heute lesen Tausende ihre Zeitung, Zehntausende noch nicht. Wollt Ihr Frauen, Bräute, Mütter wissen, womit Ihr Euren Lieben da draußen eine Freude be- reiten könnt? Müssen»vir es noch sagen? Abonniert ihnen die Zeitung, die sie früher gelesen haben, den „Vorwärts".- Taufende bekommen ihn heute schon, Zehn- tausendc warten darauf. Auch Dein Angehöriger! Ihr habt es so bequem, geht zu Eurem Spediteur oder schreibt an die Erpedition. Ihr braucht nur den nachstehen- den Bestellschein auszufüllen, alles andere besorgt der Verlag. Der.Abonnementspreis von 1,30 M. ist monatlich zu entrichten, die Vcrsandkosten trägt ebenfalls der Verlag, um seinen früheren Abonnenten auch im Felde die Möglichkeit zu geben, ihren„Vorwärts" zu lesen. Abonniert für Euren Feldgrauen den „Vorwärts"! Ihr wißt nicht, w i c groß die Freude, die Ihr damit erweckt. Bestellschein. Ich bestelle hiermit den„Vorwärts". Als Feldpost zu senden.(Genaue Adresse.) ---- ü- rnttfimir. Unterschrift: Gas und Kohlensorgen der Alleinstehenden. Zur Regelung de>5 Gasverbrauchs schreibt man uns: ES gibt in Berlin und Bvrorten eine nach vielen Tausenden zählende BevvllerungSgruvpe, die Alleinstehenden, die, ob wohl sie leine eigene Wohnung haben, doch ihren eigenen kleinen Haushalt führen. Sie haben von den Inhabern größerer Wohnungen ein Zimmer leer abgemietet, gehen ihrem Beruf nach und haben die gleichen, beinahe noch schwerere Wirt- schaflS- und HaukhaltSsorgen als die Hausfrauen, weil sie nur nach Erledigung ihrer Berufsarbeit ihre freie Zeit für ihre Wirtschaft auiwenden können. Diese selbstwirtschaftenden Alleinstehenden, meist Frauen und Mädchen, nahmen ihre Beleuchtung und das Gas zur Zubereitung ihrer Mahlzeiten gegen Entgelt vom Wohnungsinhaber. WaS wird aus ihnen jetzt, wo die Gasverbrauchsbeschränkung kommt? Haben die Behörden diese Frage auch nur erwogen? Das zur Verfügung stehende GaS. wird nun von den: Wohnungsinhaber ver« braucht. Kommt der Untermieter nach Hause und will sich eine Mahlzeit bereiten, so hat der Vermieter die erlaubte Gasmenge auigebraucht, was bei der verfügbaren geringen Kohlenration ganz selbstveiständlich ist. Will der Untermieter sein Zimmer beleuchten, so wird es heißen:„Das geht nicht, wir müssen Gas brennen. Und eS wird Streit um die eventuell zu zahlende Strafe entstehen. Hierzu kommt, daß die Alleinstehenden, nicht alle, aber recht viele, gleich den Hausfrauen ihre Wäsche selbst besorgen. Dabei brauchen sie Gas zum Kochen und Plätten, während schon der Vermieterin die bewilligte Gasmenge nicht reicht. Sie müssen auch ihre Sachen instand halten und viele stellen selber ihre Kleidung her, wozu wieder Licht und Gas gehört, das meist schon verbraucht sein wird. Was sollen nun die Alleinstehenden ohne Licht und Kochgelegenheit an fangen? Sollen sie im Winter wegen Lichtmangel um 5 oder 6 Uhr zu Bett gehen, um zu verblöden? Sollen sie, weil sie wegen Gasmangel keine Mahlzeit bereiten können, sich auch hungrig ins Bett legen'? Da bei der Kohlenzuteilung ihr Zimmer mitemgerechnet wird, so sind ihnen Kohlen bewilligt. Aber die Menge ist so knapp bemessen, daß sie zur Zimmerheizung nicht ausreicht. Kohlen davon zum Kochen zu verwenden, verbietet sich von selbst. Was soll also aus diesen Frauen und Mädchen werden? Sie haben, oft unter allergrößten Entbehrungen, sich das ersehnte eigene Heim geschaffen. Die Gasverordnung macht sie i n ihrem eigenen Heim heimatlos. Wie hat man sich die Ver- sorgung der Alleinstehenden mit ÄaS gedacht? Warum hat man sie ganz außer Betracht gelassen?— Die Zuschrift will die Alleinstehenden anregen, sich zu ener- gischem Protest gegen die ihnen drohende Benachteiligung auf- zuraffen. Auch wir vermuten, daß bei. der Gasverbrauchsregelung vergessen worden ist, die besondere Lage dieser Bevölkerungsgruppe zu erwägen. Oder sollte man keine Möglichkeit gesehen haben, den Alleinstehenden ihr Recht azuf Gas zu sichern? Sie sind jetzt ihren Vermietern aus Griade und Ungnade aus- geliefert. Hier ist Arbeit für den„KohlcAiverband", der ja wohl „die Härten mildern" will. Beratungen über die Kohlenversorgung. Der Stellvertreter des Reichskanzlers SkvatSminister Doktor Helfferich empfing heute in Gegenwart des.Unterstaatssekretärs Dr. Schwander und des ReichskommisiarS für Kohlenversorgung Geheimrat Stutz eine Abordnung des deutschen Städte- tags bestehend aus Oberbürgermeister Wermuth�Berlin, Stadtrat a. D. Dr. LutheieBerlin, Rechlsrat Dr. Kühles>Äkünchen, Ober- bürgermeister. Blüher-Dresden, Oberbürgermeister-Dr. Rlve-Halle,-� Oberbürgermeister Koch-Kassel. In mehrstündige? Erörterung. Zur Ausklärung.der wurden die zur Sicherung der städtischen Kohlenversorgung ein- l unserer Pilze veranstaltet geleiteten und weiterhin erforderlichen Maßnahmen eingehend besprochen.'Man kam zu dem Ergebnis, daß dem Hausbrand doch eine größere Bedeutung als bisher beizumessen fei. Die vorgesehenen Mengen nwßten im September noch erhöht werden und besonders werden hierbei die Großstädte berück- sichiigt.werden müssen. Es stehe fest, daß das Land in den letzten Monaten ganz erheblich besser versorgt worden sei als die Städte. Deshalb seien die für das Land bestimmten Kohlenmengen herabzusetzen. Belieferung aber wie im Vorjahr könne auch in den Städten nicht stattfi-nden, eine Einschränkung auf öl) P r o- z e n t werde erfolgen müssen. Die Gaswerke jedoch sollen voll versorgt werden. Von zuständiger Stelle erfahren wir noch, daß zurzeit die Transportfrage schwierig ist. Doch sei nicht nur an ihr, sondern auch an der außerordentlichen Kohlenknappheit die Steige- rung der Kohlenzufuhr nach den Großstädten gescheitert. Die Pro- dukbion habe ganz beträchtlich nachgelassen, aber grundsätzlich solle bei der Kohlenverteilung der Hausbrand bevorzugt wer- den, darüber seien alle zuständigen Stellen einig. Wichtige Verein- barungcn seien bereits getroffen, um den Hansbrand sicherzustellen, doch könnten große Kohlenvorräte jetzt im Herbst nicht mehr beran- geschafft werden. In Betracht komme-auch, daß ganz erheblich ge° h a m st er t.worden set. Hier hätten die Kommunen das Recht und die„Pflicht, regelnd einzugreifen, um zwischen den gut oder schlecht versorgten Einwohnern einen Aus- gleich herbeizuführen. Wieviel Kohle für den Hausbrand vor- banden sei, lasse sich noch nicht sagen, aber keinesfalls werde der Kohlenverbrauch um 30 Proz. oder gar um 00 Proz. beschränkt wer- den. Gewisse Einschränkungen müsse sich jeder Konsument, aufer- legen. Unrationell sei, zugunsten der Kohle den Gasverbrauch ein- zuschränken. für öev vaterlanö�s Äeflanö unö� &er seinen GMschmuct zu öen Gol�ankaufssteUen tragt, startt 6U Ä>irtschastsk«st öes Vaterlanöes. Heute schulfrei! Der Oberbefehlshaber in den Marken gibt bekannt, daß anläß- lichderEinnahmevonRiga heute in Berlin und der Provinz Brandenburg Schulfeiern abzuhalten und nach diesen Feiern die Kinder zu entlassen sind. Zur Gemüse- und Obstversorgung. In den letzten Tagen fanden in der Reichsstelle für Gemüse und Obst Verhandlungen über die zukünftige Versorgung statt, wobei auch u. a. der Vorschlag.gemacht wurde, Rotkohl, Weißkohl,. Mohr- rüben und einzelne Rübenarten zwangsweise zu erfassen, um die Winterversorgung sicherzustellen, lieber die letzthin beschlossene Erfassung des Obstes zur Herstellung, von Marmelade.wird uns be- richtet, daß die Marmeladefabriken, die vor der Erfassung kein Obst bekamen und im ganzen nur über 400 000 Zentner Obst verfügen, jetzt 1 Million Zentner beherbergen, von denen nur ein geringer Teil aus dem Auslande stammt. Trotz dieser starken Zufuhren ist die Versorgung der Städte mit Frischobst nicht erheblich besser gewordeivu.-.gl,:�,- ,:6 t*< Z» Weitere Ermäßigung de5 �rühfartoffelprcises. Die Brandenburgische Provinzial-Kartoffelstelle hat den Ec- zeugcrhöchstpreis der Frühkartoffeln für die Zeit vom 3. September bis 14. September auf 6,50 M. und voni Ib. September ab au" 6 M. jür den Zentner festgesetzt. Vom 15. September ab tritt je- doch bis auf weiteres zu dem Preise von 6 M. eine Schnelligkeits- Prämie von SV Pf. für den Zentner hinzu. Unter den ti-Mark-Preis gedenkt einstweilen die Provinzial-Kartoffelstelle auch im Herbst nicht herunterzugehen. Der Zentnerpreis von S.SV M. wird vom 3. September ab im Kreise Niederbarnim bis auf loeiteres als Uebernahmeprcis für die freiwillig gelieferten Kartoffeln gezahlt, während die Teltower Kriegswirtschaftsgesellschaft für dieselbe Zeit den Ankaufspreis für Frühkartoffeln auf 3,40 M. festgesetzt hat. Neuanmcldung zum Kartoffclbezug. Vom 5. bis 8. September findet eine Neueintragung zur Kundenliste für Kartoffeln statt. Bei dieser Gelegenheit ist wiederum ein Wechsel des Kleinhändlers zulässig. Die Anmeldung geschieht in der bisher übliche» Weise. Jeder Eingetragene hat er neut seine Eintragung zu bewirken und die Frist zur Anmeldung unbedingt einzuhalten, da Fristversäumnis den vorläufigen Ausschluß von Belieferung mit Kartoffeln zur Folge hat. In besonderen Be Hinderungsfällen kann bei der Abieilung für Kartoffelversorgung des Magistrats, Schicklerstraße 6, schriftlich um nachträgliche Eintragung unter Angabe der Gründe nachgesucht werden: jedoch kann, selbst bei Zulassung, keine Gewähr für rechtzeitige Belieferung mit Ltar- toffetn übernommen werden. Alle diejenigen, die zum 1. Oktober ihre Wohnung wechseln, tun gut daran, sich schon jetzt bei einem Kleinhändler in der Nähe der neuen Wohnung eintragen zu lassen, da eine nachträgliche Ummeldung mit Weitläufigkeiten verknüpft ist, und eine Stockung in der Belieferung unvermeidlich mit sich bringt._ Einheitsbrotzusatzkarten in Grost-Bcrlin. Die Neuregelung der Zusatzbrotkarten für Groß-Berlin findet ihren endgültigen Ausdruck in den vom 10. d. M. ab zur Ausgabe gelangenden neuen Einheirszusatzbroilarten. Mit dem 9. September dürfen die aushilfsweise als Zusatzbrolkarten verwendeten Reichs reisebrotbogen über 450 Gramm Gebäck nicht mehr als Zusatzbrot karten verwendet werden. Alle hiernach nicht zu verwendenden Reichsreiscbrotbogen müssen von den Ausgabestellen spätestens bis zum 10. d. Mts. mit einem kurzen Bericht über die Zahl dee zurück- gegebenen ReichSreisebrotbogen der zuständigen Zentralstelle, das ist für die zur Brotiartengemeinschaft Groß-Berlm gehörigen Gemeinden die Schwerarbeiter-Zentrale in Groß-Berlin, für die übrigen Ge- meinden der Kreise Teltow und Niederbarnim der zuständige Kreis- ausschuß. Die neuen Einheitszusatzbrolkarlen, die für die Zeit vom 10. September ab gelten, werden voraussichtlich stets nur für den Zeitraum von zwei Wochen ausgegeben. Militärurlauber und Stährmittel. Der Arbeitsausschuß der Groß-Berliner Ge- meinden hat, wie wir hören, beschlossen, die Menge der den Militärurlaubern zur Verfügung zu stellenden Nährmittel zu er- höhen. Es soll den Urlaubern, die mindestens 7..Tage Urlaub haben, schon für die erste Urlaubswoche ein-Viertel Pfund Nähr- mittel zur Verfügung gestellt werden. Dagegen verbleibt es be- züglich der Urlauber mit weniger als 7 Tagen Urlaub bei dem bisherigen Grundsatz, daß ihnen Nährmittel nicht zur Verfügung gestellt werden. In der Folgezeit würden den Urlaubern folgende Mengen an Nährmitteln zustehen: bei Urlaub von weniger als 7 Tagen nichts, bei Urlanb von mindestens 7 Tagen und' höchstens 10 Tagen ein Viertel Pfund, bei Urlaub von 11 bis'20 Tagen ein halbes Pfund, bei Urlaub von 21 bis 26 Tagen drei Viertel Pfund, bei Urlaub von 27 Tagen an ein Pfund. PAzauMellung. öMtstttsig übet Art und Benutzbarkett das Märltsche Museum auch tu diesem ! Jahr eine Ausstellung der in der Mark Brandenburg heimischen Pilze. Sie ist von Dienstag, den 4! d. M. ab täglich von 10 bis 3 Uhr geöffnet. Mit Rücksicht auf den starken Zuspruch, den eine ähnliche Ausstellung im vorigen Jahr fand, ist sie dtesesmal in den Vortragssaal verlegt, der auch einer großen Menge von Besuchern die gleichzeitige Besichtigung gestaltet. Es werden etwa 70 Arten gezeigt, bei deren Bezeichnung sorgfältig zwischen den etzbaren und giftigen unterschieden wird., Es ist sicherlich eine sehr gute Sache, wenn man sich bemüht. die vorhandenen Lebensmittel der Bevölkerung zuzuführen, anderer- seits müssen aber auch bestimmte Grundsätze für das Sammeln der Pilze aufgestellt werden. Wir sind schon aus Raunimangel uicht in der Lage, alle die Beschwerden von Pilzsuchern gviederzugebcn, welche immer wiederholen, sie seien von Gutsbesitzern, Förster» oder Waldhütern angehalten und beschimpft worden, wobei sogar mehr- fach die gesammelten Pilze von den Aufsichtübenden unter die Füße genommen und zertrampelt wurden. Wenn schon allgemein die Parole ausgegeben wird:„Sammelt Pilze I", dann muß aber auch dafür gesorgr werden, daß den Sammlern nicht unnütze Scherereien gemacht und sie somit noch um das Fahrgeld geprellt werden. Verkauf und Erwerb gebrauchter WKsche verboten! Die Reichsbekleidungsstelle sieht sich genötigt zu einem sofort in Kraft tletenden Verbot des Verkaufs und des Erwerbs gebrauchter Tisch-, HauS- und Bettwäsche sowie der Ver- arbeitung solcher Wäsche, falls mit dem Verkauf, dem Erwerb oder. der Verarbeitung ein Gelvinn erzielt werden soll. Siebe- gründet dieses neue Verbot damit, daß ein schwunghafter Handel mit gebrauchter Wäsche getrieben wird und daß trotz starken Mangels an Wäsche wertvolle Wäschestücke zerschnitten werden, um sie als Futter für Korsetts, für Schuhwerk usw. i zu verwenden, Das Verbot erstreckt sich nicht auf Wäsche, die nur aus Papiergarn hergestellt ist. Erlaubt ist Verarbeitung für eigenen.Gebrauch oöer für den der Angehöngen, ferner die Veräußerung an Altkleiderstellen der Gemeinden. ' l' Gleichmäßige Beamtenteuerungszulagen in den Groß- Berliner Gemeinden.» Im Steglitzer Rathause hat eine Besprechung sämtsicher. Groß- Berliner Gemeindevorsteher über die Wirkung der neuen vvm Staate am 1. Juli eingeführten Kriegstcuerungszulage auf die Gemeinde- teuerungszulagen stattgefunden. Es wurde eine völlige Einigung über alle wesentlichen Punkte zwecks Gewährung dieser Zulagen an die Gemeindebeamten auf derselben Grundlage erzielt, wie sie vor kurzem bereits die Oberbürgermeister der Groß-Berliner Städte ge- funden haben. Es werden demgemäß an alle Groß-Berliner Gr- ineindevertretungen und Stadtverordnelenversammlungen im.wesent- lichen gleichlautende Vorlagen über die Teuerungszulagen gelangen, Zum Teil sind die neuen Kriegsteuerungszulagen bereits von emigen Städten und Landgemeinden entsprechend den staatlichen Grundsätzen bewilligt worden. Großer Ffruchtbriefschwindel. Wegen eines Frachtbriefschwindels über 100 000 Kronen wurde der 31 Jahre alte Kausinann Wilhelm Löwenstein, den man auch von Wien aus suchte, in einem hiesigen Hotel verhaftet. Löwenstein inachte von Hamburg aus mit einem gefälschten Duplikatsiachtbri�f ein Zuckergeichäst, das ihm 100000 Kronen einbrachte. Er wandte sich nach Hannover, kam von dort nach Berlin und hieö ermiticlte ihn die Kriminalpolizei. Der Verhaftete leugnete erst,' von dem„Geschäft" irgendetwas zu wissen, legte dann aber ein.. -Geständnis ab. 36 000' M. wurden bei ihm noch vorgefunden. l |;.v., f /'„! 1. Kostbare Beute. Einbrecher räumten ein Kolonialwarengeschäfi in der R e u ch l i n st r. 5 fast völlig aus. Ihnen fielen u. a. in die Hände 193 Pfund Reis, 105 Pfund Zucker, 100 Pfund Grütze, 162 Päckchen Trockenmilch, 100 Büchsen kondensierte Milch, 123 Büchsen Vollmilch, 80 Pfund Weizenmehl, 135 Eier, fünf Eimer Honig, er« hebliche Mengen Butter, Sardinen, Konserven, Brot, Käse usw. Beim Kahnsahren ertrunken ist Sonntagnachmittag der 22 Jahre alte Arbeiter Chaim Allmann aus Kurze Straße 8. Das Boot, in dem Altmann und ein junges Mädchen auf der Unterspree fuhren, geriet in der Nähe der Lnlhcrbriicke unter einen Schleppkahn und kenterte. Rettungsversuche hatten bei dem jungen Mädchen Erfolg, Altmann war schon tot, als man ihn auffand. Wer ist der Tote? Aus dem' Spandauer Schiffahrtskanal ge» landet wurde am Jungfenisteg die Leiche eines etwa 40 Jahre alten Mannes, die schon längere Zeit im Waffer gelegen hat. Der Un- bekannte hat dunkles Haar und Spitzbart und trug ein dunkles Jackett mit dunkler Weste und Hose. Bei ihm fand man nur eme Uhrlette aus Nickel, Die nächsten Volkskonzertc des Philharmonischen Orchesters finden am Montag, den 10., 17. und 24. September, in den Germania« Prachtsälen. Ehausseestr. 110. am Mittwoch, den 5. September in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, den 12. und 26. September im Stadttheater Moabit, Alt-Moabit 47/48, am Freitag, den 7. Sep- tember, in der Philharmonie, den 14. und 21. September im Stadt- theatcr Moabit statt, Beginn 8 Uhr. Vorverkauf in der Zentral- stelle für Volkswohlfahrt, AugSburger Str. 61, und in den be- treffenden Konzertsälen. Die im Vorverkauf nicht unter- gebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Eintritts- preis beträgt 30 Pf,, Käffencröffnung 7 Uhr. Charlottenburg. Einmachezucker für Ferienreisende. Der Ab- schnitt 140 der roten Lebensmittelkarte ist den Brolkommissionen zur Nachmeldung vorzulegen. Sodann wird der Zucker bei den stän- digen Lieferanten ausgehändigt. Neukölln. Keine Neueintragung in die Kartoffelkundenliste. Der Magistrat giebt bekannt, daß eine Neileintragung für den Bezug von Kartoffeln in die Kundenlisten bei der diesmaligen Kartoffelkarten- ausgäbe nicht stattfindet. Mit Rücksicht auf den Oktoberumzug wird eine Neueintragung erst bei der nächsten Kartoffelkartenausgabe er« folgen. — Einrichtung einer»cucn städtischen Verkaufsstelle. In den Erdgeschoßräumen des alten Zollamtsgebäudes am Herinannplatz soll eine neue städtische Verkaufsstelle eingerichtet werden. Die jetzt darin befindliche Brotkommission wird nach dem ersten Stock verlegt._ Schöneberg. Lebensmittel. Von heute Dienstag ab findet die Voranmeldung statt für 250 Gramm.Suppen auf Abschnitt 61 der Nährmillelkarle und 1 Päckchen Puddingpulver auf Abschnitt 16 der Nährmittelkarte für Jugendliche. Ausgegeben werden in der nächsten Woche 206 Gramm Graupen aus Abschnitt 59 der Nähr- miltelkarte, �/z Pfund Kartoffelwalzmehl auf Abschnitt 15 der Nähr« mittelkarte für Jugendliche. � Pfund Keks oder Lebkuchen gegen be- sonderen Bezugsschein. Der Äbschnilt Nr. 56 der Lebensmittelkarte ist zum Befuge von 1 Pfund Zucker oder 3 Pfund Marmelade auch weiterhin güliig. Die Geschäfie. in denen noch Marmelade vorrätig ist, sind in der Auskunftsstelle(Neues Rathaus, Zimmer 261, Fern- sjnecher Nollendors 1727) zu erfragen. Kreis Niedcrbarnim. Ende der Hundcspcrre. Die für den Stadtbezirk Lichlenberg und den Gemeindebezirk Stralau, für die Amtsbezirke Friedrichsielde und Oberschöneweide, die Gemeinden Biesdorf. Kaulsdors und Marzahn sowie die Gutsbezirke Biesdorf und Mellersdorf angeordnete Hundesperre hat mit dem Ablauf des gestrigen Tages ihr Ende erreicht. Der Maulkorbzwang b l eibt je d och in den Groß-Berliner Vororten'infolge der kürz- tich erlassenen allgemeinen Anordnung b e st e h e u. Rciuickcndorf. Lebensmittel. Die Wo-benmeuge an Kar- t o f f e l Ii belrügt vorläufig 5 Pfund pro Person. Auf LebenS» mittelkarlen-Abschnitt 103 ersolgi von heuie ab Abgabe von 12S Gramm H o! l ä n de r Käse(Pfund 3.öv M.)' ans Ab- schnilt 104 IB0 Gramm G r i e tz(Pfund 28 Pf.), auf Abschnitt 105 100 Gramm H�aferfabrikale(Pfund 44 Pf.), auf Abschnitt 106 100 Gramm ü d f r u ch t ni a r m e 1 a d e(Pfund 00 Pf.). An- meidung der Abschnilte 104 bis 106 bei den Händlern bis inkl. beute(Dienstag). Der Käse wird nur in den anitlicheu Verkaufs- stellen abgegeben. Tegel. Lebensmittel. In der laufenden Woche werden 5 Pfund Frübkariosieln(12 Pf.) verabfolgt, auf den Kartoffelzufatzkarien» abschnitt 74 2 Pi.d Am Mittwoch können in den bezüglichen Ge- schäflen auf Abschnitt 54 der Lcbcnsinittelkurte 100 Gramm Teig- waren und 100 Gramm Gi icg entnommen werden. Auf Abschnitt 55 der Lebensmittelkarte kann ein Ei zum Preise von 36 Pf. entnommen werden. Infolge der sehr unregelinästigen Fleischbeliefcrung kann vorher ein fester Fleischverauigabungsplan nicht aufgestellt und bekannt« gegeben werden. Die ssleischermeisier sind vei pflichtet, je nach Be« lieferung die zu berücksichtigenden Nummern der Kundenliste jedes- mal am Schaufenster ihres AerkaussgeschästS bekanntzugeben, tun- lichst schon am Tage vor dem Verkauf. Friedrichshagen. Lebensmittel. In dieser Woche beträgt die e t l m e n g e 60 Gramm Butter und 30 Gramm Margarine.— Ferner kommen pro Kopf 5 Pfund Kartoffeln zur Verteilung. — Heute gelangt auf Abschnitt Ks der Eierkarle ein Ei a 36 Pf. zur Ausgabe. — Anmeldungen zur Jugendweihe, die am 23. September statt« sindet, müssen bis zun, 8. September beim Genossen R. Köckeritz, Klutstr. 3. pari., abgegeben werden. Die Teilnehmer erhalten acht bis zehn Tage vorher schriftliche Einladung. ??»wawes. Lebensmittel. In der laufenden Woche dürfen auf den Wochenabschnilt 56 der Kartoffclkarte zuiainnien nicht mehr als 10 Pfund Kartoffeln» entnommen werden. Soweit infolge Teil» nähme an der VolkSspeifung 3 Abschnitte der Kartoffellarte abge- trennt werden, dürfen auf dip restlichen 4 Abschnitte nicht mehr älS 4 Pfund Kartoffeln abgegeben werden. Auf die Wochenreihc 56 der Kartoffelzusatzkarte werden nicht mehr als 3 Pfund Kartoffeln verabfolgt. Die Inhaber von Eierlarten haben Abschnitt 2 heute und mor- gen den Kleinhändlern zur Anmeldung vorzulegen, von dem sie die Ware beziehen wollen._ Karlshorst. Die Spedition unseres Btattes hat dom 1. Sev- tember d. I. ab Frau Sachse in Karlshorst, Junker-Jörgstr. 7, II, überommen. Die Hauplexpedition. Gerichtszeitung. Tas Nahnsdorfcr Eisenbahnunglück vor Gericht. Das entsetzliche Eisenbahnunglück, das sich im November v. I/ bei Rahnsdorf ereignete und so viele Opfer an Menschenleben ge- fordert hat, lxit nun sein gerichtliches Nachspiel erhalten. Wegen fahrlässiger Tötung hatte sich gestern vor dem Landgericht II der 41 Jahre alte, unbescholtene Hilss Weichensteller Wilh. Krüger zu verantworten. Die Katastrophe ereignete sich ani 11. November zwischen den Stationen Rahnsdorf und Wilhelmshagcn in dem Augenblick, als der Balkanzug die Unglücksstätt« passierte. Auf der Strecke zwischen Erkner und Friedrichshagen wurden um- fangreiche Verbesseruugsarbeiten ausgeführt, szu deren Bewältigung der Unternehmer zahlreiche Frauen aus Oberschlesien ange- warben hatte. Die Arbeiterinnen waren auf dem einen Ferngleise beschäftigt. Als das Warnungssignal des Aufsehers ertönte, ver- liehen sie das Gleis und traten unglückseligerweise aus das zweite Ferngleis, um einen aus der Richtung Fürstenwalde nach Berlin fahrenden Urlaubcr-Zug vorüber zu lassen. Während sie fröhlich den Soldaten zunickten und ihnen Gruhworte zuriefen, fuhr aus dem von ihnen besetzten Gleise der Balkanzug in die Gruppe hinein. 10 Frauen wurden völlig zermalint, eine Anzahl anderer schwer verletzt. Krüger, der seit etwa sieben Jahp�n Hilfsiveichen-- steller aus dieser Strecke ist, war als Sichcrheitsposten aufgestellt worden. Die Airklage behauptet, daß er in dem Augenblick des Iln- falls nicktt auf dem ihm vorgeschviebenen Platz gestanden und diesen an dem Nnglückstag wie auch an vorhergehenden Tagen öfter ver- lassen habe. Krüger will seine Pflichten völlig wrchrgenommen u.io den Platz nur bei besonderem Anlaß verlassen haben. Im übrigen schiebt er die Schuld zum Teil aus die Getöteten selbst. Diese seien, was auch von Zeugen bestätigt wurde, nach dem ersten Warnung?- signal und dem Heraustreten aus den Gleisen teilweise wieder au) das Nebengleis oder dicht an die Böschung herangetreten, um dem Urlanberzug zuzuwinken. Bon den Zeugen, den beiden Schacht- meistern, Vvn denen der eine erleben mutzte, wie vor seinen Augen seine eigene Tochter zermalmt wurde, und mehreren aus der-Ün- glücksstelle beschäftigt gewesenen Arbeiterinnen, wurde bestätigt, daß der Angeklagte keineswegs aus seinem richtigen Posten gestanden, sondern sich ganz erheblich entfernt davon mitten in der Rotte be- sundcn battc, tvas auch soust häufig geschehen sein soll. Jnsbeson- dcre betonte der eine Schachtme-ister, es sei ihm schon vorher ausge- fallen, daß sich der Angeklagte mehr um die Arbeit und die Arbeite- rinnen als um seinen Sicherheitsposten gekümmert habe, was er schon dem Bahnmeister habe meldcn wollen. Oberbaurat H e n tz c n gab als Sachverständiger sein Gutachten dahin ab. daß der Ange- klagte aus einer höchst unziv eck mäßigen Stelle Posten gestanden und sich um Sachen gelümmert habe, die ihn nichts angingen. Er habe die Unfallverhütungsvorschriftcn nicht befolgt, und aus die Bcsol- guiig seitens der Arbeiterinnen nachlässige rliKise nicht geachtet. Im übrigen habe aber auch die Rotte durch ihr eigenes Vorgehen, das Wiederbetreten der Gleise nach dem ersten Waruungssigual, ihrer- seits einen Teil der Schuld aus sich geladen. Mit Rücksicht aus dieses Gutachten und insbesondere daraus, daß eine gewisse Schuld der Getöteten nicht abzuleugnen sei und im anderen Falle das Ilnglüik nicht von so schweren Folgen begleitet gewesen wäre, beantragte Staatsanwaltsassessor Dominik 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Justizrat S ch l e s i ng e r- Friedrichshagen plädierte auf Frei- sprccbung. Die Sachlage biete keinen Anhalt dafiir, daß durch Fahr- läfligkoit des Angeklagten das Unglück verschuldet sei, cS liege viel- mehr nur ein disziplinarisch zu sühnendes Verschulden vor. Das Gericht nahm aber Fahrlässigkeit als erwiesen an. und zwar eine um so größere, als an dem betreffenden Tage Nebel geherrscht habe und an der fraglichen Stelle sich eine Kurve befindet. Da? Urteil lautete deshalb auf 1 Jahr Gefängnis. öriefkasten öer Neüaktion. I. L. 56. Die Geschäftsstelle für Kohlenveriorqung des. StadtweiseS Berlin befindet sich C, Brcitestr lt.-- Martha 50. Dat Rundschreiben de? Herrn Reichskanzlers bezüglich der Halbmonatsrate nach der Ent- lassniig bezieht sich nich! aus mit Rente Entlassene, sondern nur auf vor> läusig Entlassene cveiill. zur Arbeit Beurlaubte. Die HalbmonatSiate ioll nach einer der ErgänzungSoersügung beigefügten Ausstellung sich ben bisher gezabllen HalbmonatSraien anpassen, z. B.: jemand wird am 3. De- zember entlassen, so M ihm noch die HalbmonatSratc vom lfi.— Zl. Dezember zu zahlen. Diese Verfügung ist mit dem 1. Dezember 1916 in Kraft getreten.— 6>. K. Osten. Die Aochenhilse für Kriegersrauen be« trägt 1. EntbindungSkostcn in H-He von 25 M.. 2. bis 10 M. Schwanger- schastsunterstützmig, 3. für 57 Tage je 1,50 M. Wochengeld, 4. StillgelS pro Tag 50 Pf. evenil. für 85 Tage.— W. Z. 1000. 1. und 2. Nein. — L. W. Ohne Zustimmung der Polizeibehörde dürfen Sie den Wobn- ort nicht verändern.— R. 3.3. Da Ha»Sgcwerbclre>beilde von der Be- sliminung nicht ausgeschlossen sind— haben Sie also Anspruch aus emc Brotzusatzkarle.— A. K 100. Wenden Sie sich mit einer Beschwerde an die Fettstell« Groß-Berlin. Poitstr. 6. da unseres Erachtens die Kürzung zu Unrecht erfolgt, weil nur die Vollmilchkarten ab 1 Liter gekürzt werden sollen, und zwar vom 26. August an.— R. B 60. Sie haben leider keinen Anspruch, da Sie es unterlassen haben, sich srcilvilliq weiter zu ver- sichern. Die früheren Karten sind verlallen Wenn Sie 200 Marken wiederum kleben, wovon mindestens 100 durch BersicherungSpslicht be. gründet sind, leben die trüber verwendeten Marken wieder auf.— I.<6. 131. 1. und 2. Die Betreffende hat. solange sie nicht arbeitet, keinen Ansvruch aus die Brotzusatzkarte. 3. Auch nur, wenn sie arbeitel. Landsm. 2ch. I. Beschwer beinstanzen sind 1. KreisauSschuß, 2. RegimingS. Präsident, 3. Minister des Innern. Der Hauswirt iit berechtigt, wegen der Miele zu klagen. Besteht jür Ihren Wohnort kein MieteinigungSamt? 2. Sie ruht. ILetterauSsichtrn iür das mittlere StorddeutlMIand vis Mittwoch mittag. Vielfach heiter, aber noch kühl, veränderlich und öft- sich der Oder ziemlich zahlreiche, weiter westlich mehr verzeinzelte Regen- schauer. Direktion; Max Reinhardt. Ueuteches Xtieater. 7 Uhr: i'anat I. Mittwoch T/2 Uhr: Soldaten. Kammcrspiele. 7: G.yges und sein ItliiB Mittwoch 8 Uhr: Das Konzert. Volksbühne. Theater am Bülowplatz. Untewondb. Schönh. Tor. 7'/,: IjDmpengeHindel. Mittwoch; Hedda Gabler. Lessing-Tbeater. uhr: Maianie Lep. Mittwoch: Madame Legros. Donnerstag: Liebe. Deutsebes KMer- Theater. Allabendlich flübleUle. Dir. C. Meinhard— B. Bernauer. Theater Königgrätzerstr. Tl, Uhr: Erdgeist. Komödienhaus 73/, U.: Dia verlorene Tochter. Berliner Theater T'/.U.: Die tolle Komteß. Der erfolgreiche Eröftnungs-Spielplan Dazu: 9 Uhr abends Pantomime in 12 Bildern von Karl Vollmoeller Bahnhof Friedrichstraße. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 0as Mus-Vafifite- Pro- grode; . gramm 3 Melnickes halsbrech Akt. Classons ganz neue J.oist. UV Max u. Moritz."VIS Luis u. Sohn.— Sums. HfllflH Parforce- lldldll Schnitzeljagd. Sonntag 31/, u. 8 Uhr. Nachm. 1 Kind frei, u. Gratis-Ponny- Reiten. Rose-Theater. VI, Uhu: Die Stunde des Vertrauens. Garlenb.: Seemannsliebchen. Reiehshallen-Theater Stettioer Sänoer. Anfang 71/, L hr. Jed. Sonntag Nachm 3 Uhr Vorstellung zu ermädlgt. Preisen! Reichshallen-Garten u. Saal: UIUthgcn-Kon asert. Anf. 8 Uhr, Sonnt, 6 Uhr. Theater für Dienstag, 4. September. Lustspielhaus ... TT, Die blonden Mädels t/.UJir: ¥om Undenhof. Deutsches Opernhans 61/., Uhr: Die Meistersinger von Dürnberg Friedrich-Wilhelmst. Theater u/,uhr:{Jas BreiiäilErlliaßs. Cicbc. Herrnfcld-Th. Operetten-Gastspiel 7i/jUhr: Die{eilige Ehefrau. Kleines Theater 7 uhr: Belinde.___ Komische Oper r J tf,: Metropol-Theater p/.u�.Die CzapWrstiu. Kesidena-TheBter TU Uhr -u Die tehauer Zitadelle Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kasscnt. Nd. 281 u/.uhrjerSoldatilErMarle. Schiller-Theater O u/.uhr: Vom anderii Hier. Schi Iler-Tta. Chart. £'? Male Der Reiisor. Thalia-Theater Tl, Uhr; Tbeater am Nollendorfplatz tu uhr: Die DuIaMauW. Theater des Westen» tvxUut: Der veriieite Herzog mit Guido Thielscher NATIONAL- THEATER '/.« Der groBe Erfolg!'/.s Das isl die Liebe...! SSS'ÄKÄ I.Bild; Baron Fliegenleims Pleite. 2. Biid: Aut der Rennhahn Karlshorit.ti. Biid:Gerjehtssaal in Kiekemal. Vorvk 10-2u.6 U. URANIA 8 Uhr:■ Das Oberengadin und der.Splügen. Berliner Prater-Theater. . Kastaniengllce 7—9. Heute; Aha— famos! Gr. AusstatlungS-Lperellcnpoffe in 3 Akten mil Gesang u. Tanz. Vorher d. gr. Varieteprogramm. 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Eihör(herb) M. 9, SD p. Lt. l itpsEii-EMf 1. Qual. M. 3,90 p. Liter 9 2_ — A«•»» —jilridu Rfacb ausnürts nicht unter 5 Elter, für Berliner Abnehmer anch kleinere QoantitAten Verkaufsstelle; Berim. MarsiliuS'Straße 21. Hermann Führer, Berlin O. * Tel Königstadt 2949. SeMer MMSeilelVerlimh. Lerwaltungöstelle Berlin, 54, Ltnicnstrafte 83—85. GelchästSzeit von 9— t Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185. 1239, 1987, 9714. Achtung! Achtung! Donnerstag, de» 6. September 1017, abends 6 Uhr: Versammlung der Metalldrncker Groß-Berlins im Getverkschaftsbaus, Engeluscr 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu der bevorstehenden Lohnbewegung. 2. Diskussion. Wegen der Wichtigktzil der Tagesordnung ist daZ Erscheinen aller Melalldrücker unbedingte Pflicht. Donnerstag, den 6. September 1017, abends 8 ttbr: Versammlung aller in der Benzin- und Oelbehälter- brauche beschäftigten Klempner im Lokal von Heinrich, Große Frankfurter Straße 30. Tie Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Das Erscheinen aller Kollegen ist dringend notwendig. 181/9 Die Drtsversvaltnng. H.& P.Uder, Engelufers" Tabak• Grolthandlung und Tabaktabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Bis auf weiteres: __(•esrhafteeeit 8—11 und 3—6 Ehr. Fernsprecher: Amt Moritzplatz 3014. Zähne mit u. ohne Platte, mit echtem Friedenskautschuk, Goldkronen, Brücken. Plomben. Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse.'ttWg Reparaturen sofort. Kahnslehen in örtlicher Betäubung. Bülige Preise, auch Teilzahlung. Teleph. Amt Nord. 1043». D.A.Löserfu sprecht fioseötlialerstr.fiä Z'T�i Zar Aasscheidanfr aller scharfen und kranken Stoffe aus Blut und Säften, gegen BiutverdickuDg. Blutandrang, rotes Gesicht, Hautunreinigkeiten ist mein Blut reinig angspnlver Saltarin seit über 25 Jahren ■wirksam erprobt. Schachtel M. 1.50. 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Die Veröffentlichung des Heyse-Storm schen Briefwechsels wird von allen Freunden deutscher Dichtung schon seit langem mit froher Spannung erwartet; jetzt steht sie— eine schöne Gabe zu StormS 100. Geburtslage— unmittelbar bevor, und der Herausgeber Georg ?. Plotke teilt bereits eine Reihe von Proben daraus im September- eite der.Deutschen Revue" mit. Es ist von hohem Reiz, zu be- obachten, wie zwei so echte Künstler von höchst entwickeltem kritischen Feingefühle ihre Werke gegenseitig beurteilen. Also schreibt Heyse am 3. Juni 1878 an Storm über dessen inzwischen längst klassisch gewordenes Meisterwerk„.A<}ui8 subvnersus": Das ist von Deinem Allerbesten und ich drücke Dir warm und herzhaft die Hand dafür. Hätte Dir's auch gleich vorgestern Abend in der ersten starken Erregung sagen mögen, war aber infolge eigener hitziger Arbeit ein wenig sederlahm, und so kann ich Dir heute auch gleich Gruß und Dan! meines lieben WeibeS bestellen, die mit mir aufs tiefste und nachhaltigste von dieser wundervollen Dichtung ergriffen worden ist. Ich glaube fast, Du hast nichts BeffereS gemacht, nichls von so eigen herber Sühc und reinster Mannhaftigkeit des Scherzes." In der Antwort auf diesen Brief gibt Storm aus eine Andeutung des Freundes hin diesem anziehende Auskünfte über die Herkunft der Motive seines Meisterstücks..Vor ein paar Jahren sah ich bei einem Besuche meiner Schwester Pastor Feddersen in dem zwei Meilen von hier liegenden nordfriesischen Dorfe Drelsdors... in der alten Kirche die schlecht gemalten Bilder einer alten dortigen Predigerfamilie. Der eine Knabe war noch einmal als Leiche ge- mall, ob mit einer und mit welcher Blume, entsinne ich mich nicht. Unter diesem Totenbilde standen oder stehen noch die merkwürdigen harten Worte:„Irrcum servi aquis submersus"(durch die Sorglosigkeit des Knechts ertrunken). Hinter dem Pastorate ivar noch eine Koppel mit einer Waffergrube, wahrscheinlich hatte der Knecht den Knaben dort ertrinken lassen. Das Bild ist mir immer von neuem nachgegangen. Da, vorigen Herbst, fuhr i» zu einer Erb- schaftsinveniur ein paar Meilen über Land und während ich allein im Wagen lag, stieg die Geschichte in ihren ivesentlichen Teilen vor mir auf; dann habe ich sie langsam, nur die beste» Morgenstunden daran wendend, während fünf Monaten fertig geschrieben. Alles außer dem vorigen an Vorgängen und Menschen, ist absolut erfunden." In demselben Briefe findet sich eine behagliche Schilderung saf- tigen norddeutschen Lebens.„Neulich war ich, kurz vor Pfingsten, zur silbernen Hockzeir meines Bruders in den, schönen, grünen Dorfe Hademarschen. Das war ein Fest! Welch eine Sippschaft, welch schöne blühende Jugend mit Frühlingsblumen in den Haaren! Oben im Hause, das ihm ein Enkel des alten AsmuS Claudius gebaut hat. waren dreiundzwanzig Betten aufgeschlagen, und dann die Nach- darschaft belegt; und es ist so ein eigen Wesen in unserer Familie, das immer stimmt. Hätte Dich dort haben möge»! Die Ströme edlen WeinS, die sich aus meines Bruders Keller ergossen, setzte» mich in Erstaunen..Wie lange", fragte ein Vetter,.brauchen wir. um Deinen Keller leerzutrinken?" Er bedachre sich einen Augenblick und jagte dann trocken:.Vierzehn Wochen". So lange hatten wir freilich nicht Zeit...Ja", meinte er dann,'S ist was Schöne» um so ein Familrenfest, wenn» man nicht so rührend war".■ Wo Storm das Herz so recht aufgeht, drängt es ihn vor allem in der Weihnachtszeit, feine Stimmung mitzuteilen. Sehr schön hat er in einem Briese vom 20. Dezember 1876 dem Freunde sich und fem Heim zur lieben Christzeit nahegebracht:.Es ist nach 10 Uhr abends. Draußen beult der Oststurm und stöbert der Schnee; Mama und Kinder sind zu Bett; in meinem behaglichen Zimmer mit der geschnitzten Decke, das ich vor neun Jahren mir selbst gedichtet, sitzt meine Aelteste, Lisbeth, meine treffliche, geliebt« Tochter, ihres Bruder» Ernst Liebling, mir gegenüber und legt die letzte Hand an ein Weihnachtöspitzenkunstwerk für unsere Mama; Sonnabend abend, wenn wir beim Vergolden, Neyeschneiden und Baumausputzen sind, kommt dann der Referendar Ernst au» Kiel, selbst ein leidenschaftlicher Weihnachtsmann. Alle Stuben stecken voll Geheimnis. Oben und unten stößt man mit der Nase auf verschlossene Türen." Gelegentlich schreitet auch die Gestalt eines dritten großen Gefährten durch diesen Freundesbrief- Wechsel: Gottfried Kellers. Die Einleitung zu deir.Leuten von Seldoyla" fand Storm.höchst langweilig" und tu.Hadlaub" die Erfindung noch zu dürftig"; aber.Dietegen" und.Romeo und Julie", das sind zwei Perlen; in fast allen übrigen ist der Mangel eigener innerer Beteiligung; er hat keinen Glauben an das, was er un» vorträgt; er macht es wie eine Chrie, die ihm der Schul- reklor aufgegeben hat." So schreibt Slorm im Jahre 1876; zwei Jahre später kann er dann dem Freunde melden:»Angeknüpft zu meiner großen Genugtuung habe ich noch mit dem braven Keller und wir kommen herzlich und trefflich miteinander aus, was denn auch nicht schwer ist bei dieser innerlichst bescheidenen Natur." Die Freundschaft zwischen Storm und Heyse hat gehalten. Ihr Briefwechsel wird mit den Jahren immer lückenloser, und als der Tod Heyse seinen brüderlichen Freund im Norden genommen hatte, da erwies er ihm die Treue, indem er sich der in Sorgen mit un- mündigen Kindern zurückgebliebenen Witwe annahm. »der verliebte herzog" im Theater des Westens. Hoffchranzen, auch solche, die in der Galauniform von Ober- Hofmarschall- oder Minisier-Exzellenzen stecken, forderte» dank ihrer Zwitlergestalt als intrigierender Gstchaftlhuber und dummer August seit je zu dichterischer oder schauspielerischer Darstellung heraus. Baron von Kalb bei Schiller ist dafür ein klassischer Typ. In viel- fachen zeitgemäßen Wandlungen begegnet man ihm in höfi- schen Jmrigenstückchen, Komödien und Operetten wieder. Im .verliebten Herzog", den die Librettisten Okonkowski-Bachwitz stofflich einem ehemals oft gegebenen Lustspiel von Hackländer entlehnt haben, werden gleich zwei dieser Exemplare beschert, die natürlich den Herren Thiel scher-Groß reichliche Gelegenheit zu Er» lustigungen parodistischer und karikaturischer Art geben, daneben aber auch noch den Vertretern sonstiger Figuren, nämlich den Singe- und Tanzdamen Zulka-Leux und den Herren WenkhauS-Paach Raum zur Betätigung übertriebenen Eifers lassen. Hiervon abgesehen, ist es eine allzu geschwätzige Geschichte. deren dramatisches.Dünnbier" durch allzu viel zwisckenein komponierte Musik nur noch ungebührlich gestreckt wurde. Denn, wenn auch Herr Gilbert sich im ersten Akt noch so sehr befleißigt, als ernst zu nehmender, weil nach der Höhe einer komischen Oper hinstrebender Komponist zu erscheinen— rasch genug kommt der leider oft geübte Geist dcs tantiemensicheren Routiniers über ihn. Gleich plätscherts— oben auf der Bühne in den Kehlköpfen und unten im Orchesterraum von sämtlichen In- strumenten— selbst die hehre Harfe muß wieder herhalten!— so unmotiviert al» vollmäulig und überlaut. Wobei bemerkt sei, daß einige» Wenige, vom Standpunkt wirklicher komischer Mufikeinsälle besehen, doch eine erfreulich originelle Figur macht. Soll aber da? Publikum sich nicht allzusehr.mopsen", so werden entschlossene Kürzungen notwendig sein._ ek 50 Jahre Serliner Kunstgewerbemuseum. Kunst und Gewerbe waren noch im Mittelalter so eng ver- bundcil, daß eine Unterscheidung zwischen beiden nicht möglich ist. Erst in der Renaissance hoben sich die Künstler aus der Handwerker- zunft heraus, ohne daß doch darum die Beziehungen zwischen Kunst und Handwerk zerrissen worden wären. Sie blieben vielmehr lebendig genug, um die künstlerische Veredelung der Handwerks- erzeugniffe für den praklischcn Gebrauch zu verbürgen, jene Veredelung, die erst verloren ging, als Großindustrie und Maschinenbetrieb dem Handwerl den größten Teil der Arbeit abnahmen. Von nun an gibt bei der Wahl von Erzeug- nissen de» praktischen Lebens nur noch der billige Preis den Aus- schlag. Damit war der GeschmackSnivellierung Tür und Tor ge- öffnei, und allmählich verflachte die Fabrikation zur Geschmack- losigkeit. Um den abgestumpften Sinn für künstlerische Anschauung und sorinenschöne Gestaltung wieder zu beleben, galt eS vor allem, de» kunstgewerblichen Unterricht zu heben. Die Londoner Welt- ouSstellung de-Z Jahres 1851 wurde der Ausgangspunkt dieser auf die Gründung von Kunstgewerbeschulen abzielende» Bewegung/ die von England auS auf die anderen Länder übergriff. Vorher- gegangene Versuche, der Geschmacklosigkeit der gewerblichen Massen- erzeugung durch Heranbildung von Kunsthandwerkern entgegen» zuwirken, waren ergebnislos geblieben. In Preußen hatte man schon ein Jahrzehnt 1830—40 unter Schinkel und Beuth nach dieser Richtung hm erhebliche Anstrengungen gemacht und Fachwerkstätten und Musterschulen errichtet, aber die Bedürfnislosigkeit und Armut der Bevölkerung, für die beim Ankauf deni praktischen Leben dienen- der Gegenstände nur der Gcldpunkt ohne jede ästhetische Rücksicht in Frage kam. hatten alle diese Ansätze zur Besserung zunichte gemacht. Erst mit dem wachsenden Wohlstande boten sich diesen Bestrebungen günstigere Vorbedingungen für einen Erfolg. Dem Präsidenten des Bundeskanzleramtes Rudolf Delbrück ge- bührt das Verdienst, durch seine kräftige Initiative den auf die Schaffung einer kunstgewerblichen Zentralstelle gerichteten Bemüh- ungen ein festes Ziel gegeben zu haben. Zunächst freilich vollzog sich die Ausführung seines Planes in der Form eines privaten Unternehmens. Auf Anregung Delbrücks hatre sich in Berlin im April 1867 ein Verein gebildet, der das Deutsche Gelverbemuseum gründete. Das Museum, das sich in der Folge zun, Berliner Kunstgewerbemuseum auSwuch», zog am 1. September 1862, der so- mit als der Geburtstag des Berliner Kunstgewerbemuseum zu gelten hat, in da» für den Zweck gemietete Gropiussche Diorama ein. Bis zum Jahr« 1881 mußte man sich wohl oder übel mit den be- scheidenen Räumen begnügen, die sich für die reichen Sammlungen und die inzwischen dem Museum angegliederte Kunstgewerbeschule bald als zu eng erwiesen. 1877 wurde der Prachtbau von Gcopius und Schmieden in Angriff genommen, der sich in griechischem Renaissancestil in der Pnnz-AIbrechtsiraße gegenüber dein Preußischen Abgeord- netenhause erhebt. 1881 stand das Haus bereit, und am 21. No- vember fand die feierliche Eröffnung des Berliner Kunstgewerbe- museums im neuen Heim in Anwesenheit seine» geistigen Baters Delbrück statt. Im Jahre 1885 ging dann da» Museum, das sich unter Lcssings Leitung zu einer kunstlviffenschaftlicheu Anstalt von Weltruf entwickelt hatte, in die Verwaltung des Staates über. Sicherung gegen Srotmarkenfäljchung. Wie die die Allgemeinheit im hohen Grade schädigende Fälschung von Brotmarkenfälschung zu verhindcm sei, darüber stellt die.Um- schau" beachtenswerte Erwägungen an. Die Geschichte des Kampfes der Wertpapierhersteller und Ber- anSgaber, schreibt sie, gegen Verfälschungen und Nachahmungen zeigt zunächst, daß jede Fälschung schon dadurch wesentlich erschwert werden kann, daß die zu schützenden Drucksachen möglichst sorgfältig hergestellt werden. Solche sorgfältige Herstellung läßt sich auch im Kriege und auch bei Massendrucksachen bewirken, statt dessen sind ins- besondere die Berliner Brotkarten in graphischer Beziehung durchaus nicht auf der Höhe. Der SicherheitSunterdrnck läßt aus. das heißt, er ist nicht gleichmäßig und gut ausgedruckt, er paßt ferner nicht, das heißt die Grenzen des farbigen Unterdrncks und dcs schwarzen Ueberdrucks stimmen nicht überein. Die Andeutungen für die Perforierung. für die Zerlegung der Karte in die einzelnen Abschnitte, passen infolgedessen auch nicht. Wie soll bei derartigen Willkürlichkeiten und Zufälligkeiten ein echter Brolkartenabschnilt von einer schlechten Nachahmung.unterschieden werden? Abweichungen von dem ursprünglich gewollten Originalmuster find ja kein Kenn- zeichen mehr für die Unechtheit. Ferner: die einzelnen Wochen werden durch den Aufdruck der Wochenzählung(169. Woche, 170. Woche usw.) und durch die andere Farbe des Unterdrück» unterschieden. Die Wochenzahl ist außerdem so klein und noch durch die Unterdruckfarbe so wenig deutlich, daß sie nur schlecht erkannt werden kann. Nur einmal auf dem Slamm- abschnitt ist das Kalenderdatum angegeben. DaS erleichtert auch den Fälschern die Arbeit, denn sie haben an ihrem Drucksiock nur wenig zu ändern für die verschiedenen Wochen, und da die einzelnen Wochen serner nur durch die Unterdrucksarbe unterschieden werden, wird auch die Herstellungsdaucr so verkürzt, daß die Fälscher sich in bezug auf den Unterdruck stets schnell der neuen WochenauSgabe an- passen können. Da hat Straßburg ein ganz anderes Mittel angewandt, lim den Fälschern das Handwerk zu erschweren. Straßburg druckt wöcheul- lich wechselnde Ansichten von Straßburg selbst auf die Marken. Das ist ein durchgreifendes und nicht einmal teures Mittel, denn die Fälscher können nickt so schnell nachkommen, außerdem wird schon rein technisch die Herstellung der Falschplattcn zu teuer, als daß dann noch für die Fälscher ein einigermaßen lohnender Nutzen heraus- springen könnte. Auch sonst gibt eS»och viele Mittel, die jedem Graphiker be- kannt sind und für derartige Drucksachen auch vollkommen wirken. Denn gerade durch die Kurzfristigkcit des Umlaufs wird eine einigermaßen verwickelte Herstellung der Druckjache zu einem durch- aus sicher wirkenden Schutzmittel. Notizen. — EulcnbergS„Belinde", dieses vor einigen Jahren preisgekrönte.LiebeSstück" wurde im»Kleinen Theater" neu- einstudiert wieder aufgenommen. Bon starkem lyrrschen Gehöht- er- füllt, vom gewohnten modernen Drama so ganz abbiegend und eigene Wege zwischen grellem Realismus und phantasicvoller Ro- mantik, zwischen Tragik und Komik suchend, vor allem ganz un- bürgerlich und problematisch, hat dieses Drama viele Widerslände zu überwinden. Das Publikum ging aber zu einem großen Teil mit und zeigte, daß die Zeiten glücklich vorbei sind. Ivo in Berlin alleS nicht oder nicht sofort Verstandene verulkt wurde. Eulenbcrg bedarf eines eigenen Darstellungsstils. Die starken Gegensätze wurden gewiß wirksani herausgearbeitet, aber im Tempo fehlte es schon. Üeberhaupt möchte man alles leidenschaftlicher, expressiv- nistischer wünschen.... Die Besetzung war zum guten Teil die alte. Herr Bildt gibt dem schwärmenden Jüngling satleS Kolorit. während Herr Rodegg im wiedergekehrten Gatten die kraftvolle Mannesnaiur etwas stark ins Animalische wandte und die feineren Züge der Rolle verwischte. Den ästhetischen Narren Hyazinth, der zur großen Leidenschaft der Hauplhandlung den ironischen Kontrast bildet, spielt Lupu Pick erfolgreich nach der komischen Seite hin. Aber die Schlaglichter blitze» nicht auf. Belinde Ivar Agnes Straub, voll Hingabe an ihre Liebesrolle, die diese ganze Dramenwelt in Bewegung setzt, rührend auch in ihrer verzweifelnden Hilflosigkeit, da sie ihr eigenes Wesen nicht erkenn« und als Untreue sühnt. Aber ihre Mittel sind noch zu monoton. Nicht vergessen sei Ernst Gronau als alter Diener; man versteht seine Worte kaum, aber fühlt sein ersterbendes Wesen. süj /toöers hjarmsteö. Von Jakob Knudsen. Während sie das Lied nach der Predigt sangen, hatte es zu regnen angefangen, und Anders merkte, daß ein paar Tropfen von der Decke auf ihn niederfielen. Als er sich umsah, bemerkte er, daß das Gleiche an vielen Stellen in der Kirche der Fall war. Sein Nebenmann beugte sich zu ihm hinüber und sagte:„Das ist das neue Dach, daS Kren Faur- holt auf die Kirche gelegt hat; es ist undicht." Der Regen dauerte während des übrigen Gottesdienstes an und war im höchsten Grade lästig. Beim Hinausgehn sagte Anders es dem Küster,— einem alten, recht hinfälligen Manne. Doch der verwies bloß auf den Pfarrer. Anders sprach nun mit dem Pfarrer, der jetzt vom Chor herunterkam. „Ja. das ist eine böse Sache— hä. hä. hä", sagte dieser, „das kann so ja beinahe nicht Weitergehn." „Nein, es muß doch auf der Stelle in Ordnung gebracht werden", sagte Anders.-- Am nächsten Sonntag war trockenes Wetter, so daß man nichts merken konnte.— Am Nachmittag ging Anders in den Pfarrhof, um den Pfarrer zu fragen, ob im Laufe der Woche etwas an dem Kirchendach gemacht worden sei. „Das, denk ich beinah, ist nicht der Fall", sagte der Pfarrer und machte seine gewöhnliche Wurfgeste mit dem Kops, indem er das Kinn vorschnellte. Ob es denn Kristen Faurholt nicht gesagt worden sei. „Nein,— da wäre ich tvohl d-r Nächste, um-- nein, das hat ihm gewiß niemand gesagt!" Anders schwieg verwundert, doch das Blut schoß ihm in die Schläfen. „Ja, das ist ja eine mißliche Sache mit dem Kirchen- dach, hä, hä, hä. Wir werden da ja etwas tun müssen." „Ach, es wird wohl auch gar nichts helfen, mit ihm da- von zu reden." „Nein— das ist sehr gut möglich, daß wir ihn nicht dazu kriegen, hä. hä. hä. Aber." fügte der Pfarrer in trost- reichem Tone hinzu,„wir können ja nun doch den Versuch machen." „Der Propst ist lvohl der, der ihn dazu zwingen müßte?" „Gewiß.— aber fast glaub ich, daß der Propst es nicht über sich bringen wird. Da bestehn ja Verbindungen,— da bestehn ja Verbindungen—" „Sind er und Kren Faurholt verwandt?" „Nein,— äh— da sind ja der Adjunkt und der Hördes- Vogt; und der Hardcsvogt und der Propst, das sind ja-- der Propst will doch ungern den Hardesvogt mit dem Adjunkten veruneinigen.--- Ich denke fast, daS Beste wäre, wenn wir es Niels sagten,— es könnte tvohl sein, daß Niels einen Mann aufs Dach schicken würde mit einem bißchen Kalk und einer Maurerkelle—* „Ich meine nun. es muß dem Propst gemeldet werden; und wenn Sic's nicht tun wollen, so wcrd ich es sagen." „Gewiß, o gewiß— wir können ja gern mit ihm davon reden.--- Ich finde übrigens, es wäre recht schön. wenn Sie und Niels Faurholt und-- ja, wenn Sie und Niels Faurholt sich hier im Pfarrhof treffen würden. Könnten Sie nicht an« nächsten Sonntag herkommen? Dann bekommen Sie auch zu hören, wie das mit dem Kirchendach ge- worden ist." In diesem Augenblick wurde die Tür nach dem Studierzimmer aufgemacht— oder richtiger: aufgerissen.— und die Haushälterin, Madam Bölling, steckte den Kopf in die Stube: „Bitte schön. Pastor Steffensen!"— Sic hatte kaum hie Tür zugeschlagen, als sie sie schon wieder öffnete und sagte;„Das Essen steht auf dem Tisch. Bitte schön, Pastor Steffensen! Jetzt müssen Sie schnell kommen!" „Das ist Anders Hjarmsted vom Bjerrehof", stellte der Pfarrer vor.— Es machte keinen Eindruck auf seine HauS- hälterin. „Ja, adieu," sagte Anders.„Dann ists ja Wohl möglich, daß ich am Sonntag kommen werd. Aber dann sollte daS Zkirchendach am liebsten soweit sein, daß es repariert tväre, denn— äh— Sic Werdens selber satt bekommen, wenn es das nicht ist." „Ja. ja— aber jetzt wollen wir sehn-- Und, hören Sie mal, bringen Sie doch Ihre Schwester mit!" j „Ich danke Ihnen!" „Sollen am Sonntag Leute zu Besuch kommen?" fragte Madam Bölling eifrig. Anders blieb an der Tür stehen. „Bloß Niels Faurholt und die zivei Geschwister vom Bjerrehof will ich herhaben," sagte der Pfarrer. „So!— ja, Sie stürzen sich eben selber inS Unglück!" „Nein, nein, liebe Frau Bölling, das tu ich denn doch nicht." „Kren Faurholt und seine Frau tverden Ihnen deswegen soviel Schaden tun, wie sie können,— darauf machen Sie sich gefaßt.— Jungfer Gjatrid konimt tvohl auch mit?" „Ich weiß nicht. Madam Bölling--" „Sie sollten unsre Stellung hier auf dem Pfarrhof nicht ganz verderben,— aber darum kümmern Sie sich ja nie!—" Anders gab dem Pfarrer die Hand und ging.— Niels hatte ihm erzählt, daß Madam Bölling ganz ivie verrückt wäre, sobald sie glaubte, daß des Pfarrers Kasse oder sein Herz in Gefahr gerieten. Jetzt merkte er qs also selber.— Er schnappte geradezu nach Luft, als er zum Pfarrhof hinauskam. Ein nlcrkivürdig niedriger, schwüler Wolkeuhimmel von Unrecht und Feigheit lag doch hier über der Gegend; aller- wegs benahm er die Aussicht; keiner ivagte, sein Recht iiu Pajmoor gegen Kristen Faurholt geltend zu machen; keiner wagte, für einen anderen Reichstagskaiididaten zu stimmen als den, den Faurholt vorschrieb: natürlich ivagte auch keiner Einwände dagegen zu erheben, daß er von« Regen von Kristen taurholts undichtem Kirchcndach her durchnäßt wurde.— aß selber zu! faß selber zu! flüsterte es in ihni. so oft er ül der letzten Zeit dieses Gefühl dcs Eingcschlossensenis hatte, aber sobald er etwas näher darüber nachdenken wollte, war es, als ginge er nicht länger auf der Erde umher, es wurde bloß eine Art Trost in der Phantasie. Heute suchte seine Seele auch Linderung in der Vorstellung, einmal dahinkommen zu können, so eine geizige, heiratssüchtigc Vettel wie diese Madam Bölling durchzuprügeln: um sie einen Strick zu schlingen wie um ein Fohlen und eine Schlittenpeitschc in der Hand zu haben und dann mit ihr im Ring zu fahren, bis die Bosheit sie verließe. .Gsrts. folgt.) Allen Bekannten die trau- 1 rigc Nachricht, daß mein I lieber Mann, mein guter | Bater, der Tischler Otto Donner ! am Freitag, den 31. August, im 33. Lebensjahre Plötzlich I verichicdcn ist. Dies zeigen �ticsbctrübt an JmNamen derHinterbliebe- ] neu Elisabeth' Donner geb. Bammel und Sohn Erwin, Treptow, Graetzstraße 58. Die Beerdigung findet I Mittwoch, den 5, September, j nachmittags 3 Uhr, von der I Leichenhalle des Neuen Ge- ! meinde-Friedhoses,Treptow- I Baumschulenweg, Kies holz- [ straste, aus statt. 23>b Als Opser des Weltkrieges fiel am 20. August durch Kopfschuß unser lieber, jüngster Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe, der Landsturmmann in einem Reserve- Infanterie- Regiment Otto Böhme im 27. Lebensjahre. 47A In tiefstem Schmerz Kamill«»iikiuv, Richter, Graf, Mühle, ABmann. Ella Munzel geb. Richter. Dir starbst so früh und wirst so schwer vennißt, Du warst so gut, daß man Dich nie vergißt. Nachruf, Aus dem Kriegsschauplätze starb in der Nacht vom 12. zum 13. August d. I. der Landsturmmann Msx Frommbach. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen unserer gc- wissenhafteslen und zuverlässigsten Beamten und bedauern sein Hinscheiden aus das schmerzlichste. 27217 Die Verwaltung wird das Andenken dieses treuen Mit- arbeiterZ stets in Ehren halten. Neukölln, den 31. August 1917. Sek vslstsnst der Allgemeinen Ortskrankenhasse Ileukölln. Lungen- und Halskranke! Verlangen Sie kostenfrei belehrende Broschüre üb.Heilyerfahr. ohne Berufsstörung. Sanitätsrat I>r. Weise's Ambulat. Berlin 117, Wilhelmstr. 96.* Nebenerwerb. 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