Ar. 24S. 34. Jahrg. Bezugspreis: W«teqShrl.�S0M�.moniiL. l�V M, wü Anzctgen litt Pfg.. l'otrijsche u. gewerlschastliche Bercins- Anzeigen 40 Psg die Zeile. Anzelgcir siir die nächste Nmunrer nrüssen bis i> Uhr nachmitt. im Haubtgcschäsi. Berlin SW.VS, Lindenslragc 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Ub: früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratlfchen Partei Deutfcblands. Reöaktion: EW. HS» Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morippla«. Nr. lSl Sv— 151 S7. ExpeSition: SM. HS, Ltnüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moripplatz, Nr. 151 SV— 151 S7. Aietlerauileben der Bleft-Offenfive. Vergebliche Angriffe der Engländer und Franzosen— Fliegerangriffe auf London, Southend und Margate— Eiliger Rückzug der Russen— Die Tünastellungen bis Friedrichstadt geräumt— 7300 Ge- sangene, 180 Geschütze, 200 Maschinen- gewehre erbeutet— Der Monte San Gabriele behauptet— Erfolgreicher österreichischer Gegenangriff auf dem Karst— 6460 Italiener gefangen. Amtlich. Großes Hauptquartier, 6. September 1917.(W. T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern blieb die Kampftätigkeit der Artillerien stark, vor allem zwischen dem Houthoulster Walde und dem Kanal Apern— Comincs. Nach Eintritt der Dunkelheit griffen die Engländer zwischen den von Jprru auf Pocllapellc und Zounebcie führenden Straßen zweimal mit starken Kräften unsere Linien an. Beide Angriffe brachen im Feuer und Nahkawpf verlustreich und crgebnizlitS zusammen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Beiderseits der Straße Laon— Soissons und im östlichen Teil des lshemin-deS-Tamcs war die Fcuertätigkcit zeitweilig bedeutend gesteigert. Abends stieß nach Trommelfeuer französische Infanterie süd- westlich von Pargntj— Filain vor, kam aber in unscrrr Abwehr- Wirkung nicht bis an unsere Hindernisse. Bei Bauxaillon und am Wintcrberg verliefen eigene Er« kundungcn erfolgreich; Gefangene wurden eingebracht. Starkem Feuer nördlich von ReimS folgte gegen BoiS SoulainS ein Tcilangriff der Franzosen; sie wurden zurück- geschlagen. In der Champagne war die GcfcchtStötigkeit in einige» Ah- schnitten lebhast. Bor Berdun dauert dcr-starke Artilleriekampf, besonders auf dem Lstufer der Maas, an. Bisher keine Jnfantcrieiätigkeit. Ja der Nacht vom 4. zum b. September griffen unsere Flieger London, Southend und Margate an. Brandwirwng der abgeworfenen Bomben wurde erkannt. Eines unserer Flugzeuge ist nicht zurückgekehrt. lieber dem Festland find gestern 14 feindliche Flieger und 1 Fesselballon abgeschossen worden. Leutnant Boß errang den 40. und 41. Luftsieg. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front Prinz Leopold. Bor der Front der 8. Armee haben die Russen ihren Rückzug nach Norden und Nordosten in Eile fortgesetzt. An der Düna hat der Feind seine starken Stellungen bis Friedrichstadt geräumt. Die bei unserem schnellen Bormarsch bisher nur unvoll- stöndig festzustellende Gcfangencnzahl und Beute betrögt ILO Offiziere, über 7500 Mann, 180 Geschütze, 200 Maschinen- gewehre, mehrere Panzcrkraftwagcn und sehr zahlreiches Kriegs» gerät aller Art. Front Erzherzog Joseph. In der nordwestlichen Moldau zeitweilig lebhafte Artillerie- tätigte it und Borfeldgcfechtc. Heeresgruppe Mackensen. In den Bergen nordwestlich von Focsani scheiterte ein rumä- nischer Vorstoß bei Muncclul, von einem eigenen konutcu Gc« sangene zurückgeführt werden. Mazedonische �ront. Westlich dcö Prcspa-SccS waren deutsche, östlich deS Dojran- Sees bulgarische ErkunduugSuiitcrnchmcn von Erfolg. Der Erste Generalquartiermeister. Ludcndorfs. Abendbericht. B e r l i», 6. September 1917, abeuds. Amtlich. Nordöstlich von Apern und bei Leus sind starke eng- lischt Teilangriffe gescheitert. Bei Verdun dauert der Artilleriekampf au. Im Osten wurden russische Nachhuten bei Neu-Äaipen und südwestlich Nitau s70 Kilometer östlich Riga) von «uscrer Kavalleoie geworfen. Ter österreichische Bericht. Wien, den 6. September 1917. Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Hccrcsfront des Gcncralobcrstcu Erzherzog Joseph vielfach lebhaftere Kampftätigkcit. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern vor zwölf Tagen begannen die Italiener mit ihrem großen planmäßigen Angriff gegen den Monte San Gabriele. Mächtige Geschütz- und Minenwerfermaffcn vereinigten durch viele Stuiidril ihr Feuer gegen unscrc Höhcnslcllungcn. Auf engem Raum lies Tag und Nacht die Infanterie von mindestens acht italienischen Brigade» Sturm. Vorgestern erreichte das Ringen seinen Höhepunkt. Der Berggipfel wechselte in hin- und her- wogendem Kampf mehrmals den Besitzer. Aber der Jubel des nach einem Scnsationscrfolg dürstenden Feindes war verfrüht. Die opferfteudige Zähigkeit unserer Truppen gewann die Ober- Hand. Scharfe Gegenstöße faßten den Angreifer und entrissen ihm den vorübergehend grwPiiicncn Boden. Gestern mittag war der Monte San Gabriele wieder voll in unserer Hand! Abends wurde ein startcr Angriff blutig abgeschlagen. Italienische Trupprnansammluiigcn im Tale stelle» weitere Kämpfe in Aus- ficht. Oestlich von Görz wiesen wir Teilangriffc zurück. Auf dem Südtcil der Karsthochflächc dauerte die Schlacht den ganzen Tag an. Der Italiener wurde aus seine« vordersten Gräben gc- worfe». Unsere brave Infanterie behauptete sich in den eroberten Linie« siegreich gegen all« Bcrsuchc des Feindes, seinen Miß- erfolg- durch starke Gegenangriffe wettzumachen. Die Zahl der am und st. September in-diesem Kampfraum cingebrachteü Gefangenen ist aus 160 Offiziere»nd über 6300 Mann gc- stiegen. Trieft war abermals das Ziel zweier italienischer Luft- angriffe. Der Chcs de? GcncralstabcS. /Ute Geschichten. An anderer Stelle veröffentlichen wir einen Depeschen- Wechsel, der zur Zeit des' russisch-japanischen Krieges geführt worden ist. Die feindliche Presse hat ihn in der Absicht, Deutschland damit unangenehm zu werden, ausgegraben, und von deutscher Seite wird zu ihm erklärt, daß er echt, aber nicht vollständig sei. Es wird weiter zweierlei betont: Erstens, daß die da- malige deutsche Regierung diesen Dcpcschenwcchsel gekannt hat und die Verantwortung für ihn übernimmt, und zjueitens, daß es sein Zweck>var, dem Frieden zu dienen. Er fällt somit auf das Konto der B ü l o w s ch e n Politik, die nie- nials als eine sehr glückliche Unterbrechung des Kurses der auswärtigen Geschäfte seit Bismarcks Abgang gegolten hat. Ein großer Teil der deutschen Presse hält es jetzt aber während des Krieges für seine patriotische Pflicht, eine aus- wärtige Politik zu loben, von der man vor dem Kriege nicht sehr erbaut war und von der man auch nach ihm wieder nicht sehr erbaut sein wird. Der Zweck jenes Depcschenwcchsels sollte sein, ein Bündnis zwischen Deutschland, Rußland und Frankreich zustande zu bringen. Diese Politik war damals in Deutschland nicht sonderlich populär, denn im Kriege des Zarismus mit Japan standen die deutschen Shm- pathien keineswegs auf feiten des Zarismus. Wäre England aus Anlaß der Doggerbank-Affärc gegen Rußland los- gegangen, so wäre das deutsche Volk kaum bereit gewesen, dem damaligen Rußland bcizuspringen. Das war der eine irreale Faktor der damaligen Russen- poliftk. Der andere Ivar Frankreich, das, vor die Wahl zwischen Deutschland und England gestellt, sich für England entscheiden mußte. Jedenfalls ist der erstrebte Zlvcck n i ch t erreicht worden, während man jetzt den Dcpeschcntvechsel so zu deuten versucht, als habe Deutschland England schon immer an den Kragen getvollt. Das ist sicher nicht richtig. Das deutsche Volk hat vor dem Kriege zwar das zarische System, aber kein Volk in der Welt, am wenigsten vielleicht nächst dem frauzöschen das eng- tische gehaßt. Von Wilhelm II. aber stantmt das Wort: »Blut ist dicker als Wasser!" Und in seinem„Daily-Tele- graph"-Jnterview von 1908 hat der deutsche Kaiser seine Sympathie für das st ammverwandte England in noch stärkerer Weise ausgedrückt. Das alles sind alte Geschichten. Nach dem Krieg wird die auswärtige Politik in allen Ländern von parlamen- tarischen Regierungen geführt werden. Der Zug der Zeit bringt es so mit sich, und dann wird man wohl auch über diese Erinnerungen die Allen schließen können. Kartoffelversorgung und Volks- ernährung. Für unsere Lebensmittelversorgung wird im kommenden Wirtschaftsjahr die Kartoffel von entscheidender Bedeutung sein. Nach dem übereinstimmenden Urteil dürfen wir an- nehmen, daß die Ernte der Spätkartoffcl ein gutes Ergebnis zeitigen wird, so daß für die Versorgung der Bevölkerung keine Gefahren bestehen, wenn es gelingt, die für den mensch- lichcn Bedarf notwendigen Mengen zu erfassen. Nach den bisherigen Feststellungen ist anzunehmen, daß wir in Deutsch- land einschließlich Militär 48,5 Millionen versorgungsberechtigte Personen haben, für die bei einem Anspruch von 10 Pfuud pro Woche im Jahr 252,2 Millionen Zentner Kartoffeln not- ivendig tvären. Zu diesen Verforgungsbcrcchtigten kommen 21,25 Millionen Selbstversorger, die bei einem gleichen An- sprüch eine Kartoffclnicnge von 110.5 Millionen Zentner nötig haben, insgesamt mithin 362,7 Millionen Zentner, die selbst bei einer niäßigen Ernte gedeckt werden können. Bei einer solchen Versorgung würden alle Klagen über eine Kartoffclnot verschwinden. Gewährt nun die vom Kricgsernährungsamt erlassene Verordnung die Sicherheit, daß in diesem Jahr die Versorgung besser durchgesührt werden kann und die hier beanspruchten Mengen zur Verteilung kommen? Das Kriegscrnährungs- amt hat sich leider nur dazu verstanden, vorläufig nur bis zu 7 P f n n d Kartoffeln zu verteilen, o b>»-0 hl im Beirat sehr eindringlich, v o.n fielen e i t x n, xs kanien dabei nicht nur die Vertreter aus Arbeiterkteisest in Frage, die Anforderung auf 10 P s u u d Kartoffeln erhoben wurde. Die Rcichskartoffelstelle' stellt allö'r- dings eine Zulage in Aussicht, Ivenn die Ernte es gestattet. Tie Versorgung scheint, soweit man einen Uebcrblick geiviniien kann, bei der Frühkartoffel im allgemeinen einen guten Ver» lauf genommen zu haben; trotzdem wäre es übereilt. damit das Vertrauen auf eine glatte Regelung für die Folgezeit auszusprechen. Die RcichLkartoffelsteUe glaubt zivar mit der Wirtschaftskarte, den landwirt- schaftlichen Betricbsunternchmer zu zwingen, einen Nachweis über Ernteertrag und Ablieferung aufzuerlegen und damit die Lieferpflicht unter ständige Kontrolle zu nehmen. Die Voraussetzung ist nur, daß diese Einrichtung wirklich gut gchandhabt wird. Man wird Zweifel nach den bisherigen Erfahrungen nicht unterdrücken können, da unsere Verwaltungsbehörden diesen Anfordcrungeu gerade nicht freudig gegenübersteheii. Wenn es nicht gelingt, den Wintcrbedarf für die Städte in den nächsten Monaten durch eine Lagerung in den Städten sicherzustellen, werden wir von abermaligen schweren Stockungen nicht verschont bleiben. Und wenn es ferner nicht möglich ist, die Bestände, die iin Frühjahr bis zur nächsten Ernte für die städtische Bevölkerung notwendig sind, durch besonderes Einmieten in der Dorfgemeinde und Aufsicht der Gemeindeverwaltung aus dem Besitz des einzelnen Landwirts herauszu- nehmen, können wir selbst bei einer sehr guten Ernte wieder mit erheblichen Fehlbeträgen rechnen. In keinem Jahr ist während der Kriegs zeit der Anreiz, die Kar- toffel zu Fütter ungs zwecken zu benützen, so st a r k als gegenwärtig und für die kommende Zeit. Wir haben eine sehr ungünstige Futtercrnte und damit ergibt sich ganz von selbst für den Viehhalter, daß er versucht, die Kartoffeln zu Fütterungszwcckeu zu benutzen.. Gelingt es uns nicht, die Kartoffelversorgung in dicseni und im nächsten Jahre sicher zu stellen, dann»verden die Er- schwernisse in unserer Ernährung noch härter als im Frijh- jähr dieses Jahres. Denn wir müssen berücksichtigen,, daß ivir im Frühjahr dieses Jahres bei der guten Hafer- und Gcrstenernte verhältnismäßig viel Graupen, Grütze und Hafer- mehl herstellen konnten, während in diesem Jahre die Voraus- fetzung dafür vollständig fehlt, da ivir auf einen sehr geringen Ertrag an Hafer und Gerste rechnen können. Die Rcichskartosiclstcllc versucht nun gegenwärtig, das Geschäftsprinzip der Rcichsgctrcidestellc nachzuahmen, und gc- stattet, zu deni sehr hohen Kartoffclpreis bis zum 15. De-' zcmber noch einen besonderen Ausschlag von 50 Ps. pro Zcntcr und 5 Pf. Verladeprämie zu gcivähren. Es soll der Anreiz zur Lieferung gegeben werden. Da der Preis siir Kartoffeln beim Erzeuger bis zu 6 M. für den Zentner fest- gesetzt werden kau», steigert sich daiuit der Preis bis"zu 6,55 M. für die Spätkartoffcl. Und nehmen Ivir den Zu- schlag für Groß- und Kleinhandel, so werden ivir mit einem Kartoffclpreise von 10 Mark rechnen können. Diese Preisfestsetzung ist unerhört hoch und läßt sich in keiner Weise rechtfertigen. Man muß dabei immer wieder beobachten, daß über die Preise in den voraufgegangenen Jahren unwahre Angaben in der landwirtschaftlichen Presse mih ihrem'?lnhä»g bekanntgegeben werden. So batic vor kurzem Herrv c r wieder behauptet, daft der Kartoffel prew selbst im Jahre 1911, dem ungünstigsten lZrntcjahr zu Friedeuszeiien. böher stand als gegenwärtig. Nach den vom. Statlstischeit Amt in den Licrtcljahrshefteu mit geteilten monatlichen Uebersichten ergibt sich, das; der Hochstpreiostaud der.Kartoffeln ans der Ernte >911. im Januar bis April 1912, 4,50 M. Pro Zentner im Großhandel erreichte. Rechnet man für Groß- lmnvelsspesen und Fracht 90 Pf. ab, ein Betrag, den der Großhandel mindestens in Anspruch genommen hat, so kommt man zu einem Erzeugerpreis von 3,90 M. Dieser Preis sinkt in normalen Jahren bis auf tl M. und darunter. Gegen über dem jetzigen Preis, der dem Landlvirt geboten wird würde ini Vergleich zu dem höchsten Preis, der vor dem Kriege bestand, ein Aufschlag von 90 Proz. zu verzeichnen sein und zu dem iiiedngslcn Preis ein Aufschlag von rund-27 Proz. Dabei ist zu berücksichtigen, daß gerade die Hilfe- leislung für die Kartoffelerzengung im großen Umfang besonders für den laiidivirtschastlichcir Großbetrieb eintritt. Es wird billige Gefangenenarbcit nutzbar gemacht, jugcnd- lichc Arbeitskräfte unter mäßiger Entlohnung zur Verfügung gestellt, Fubriverk von der Militärverwaltung für den Trans- vort, so daß enorme Gewinne aus diesem Kartoffelgeschäft der Landwirtschaft zufließen müssen. Dennoch ist man mit dieser Maßnahme nicht ganz zu- frieden. In der„Deutschen Tageszeitung" vom 15. Juli fordert Landrat n. D. von Dewitz, min- d c st c n S 12 Mark für den Zentner Kar- t o j f c l n festzusetzen. Und in der Versorgung geht er soweit, daß er' 5'/z Pfund pro Woche auf den Kops der B e v v l'k e r n n g für genügend erachtet. Gegenüber solchen Vorschlägen offenbart sich nur immer wieder, wie verständnislos jene Kreise den Be- dürsnissen der Bevölkerung gegenüberstehen. Ob sich bei solchen Vorschlägen die Herren im eigenen Haushalt nur einmal umgesehen haben, wie es möglich ist, neben einer wlchen Kartoffelration mit 1950 Gramm Brot, 250 Gramm Fleisch und diO Gramm Fett seinen Lebensunterhalt zu bc- streiten? Denn das find die Mengen, die neben den Kar- löffeln nicht einmal in allen Städten der Bevölkerung zu- geteilt werden. Die Nährmittel, die dann noch gewährt werden, sind von geringer Bedeutung. Man müßte solchen Artikelschreiber einmal nur 14 Tage bei dieser Ration streng I, alten und ihn dann fragen, ob er diesen unsinnigen Vor- Ichlag noch ausrecht erhält. Tic Bevölkerung muß verlangen, daß sobald als r g c n d in ö g l i ch die Kartoffclration erhöht iwird und jedes Experiment unterlassen wird, den freien Handel wieder in Funktion zu i e tz c n. Die Bemühungen nach der Richtung werden mit Hochdruck betrieben. Ohne Beschlagnahme der Kartoffeln ist die Versorgung unmöglich; der Handel kann die Bestände nicht hcranschaffcn, wir würden geradezu einen Zusammenbruch unserer Lebens- mittelversorgung erleben. Die Mängel der Versorgung in djcseni Frühjahr waren kurz zusammengefaßt: Ungenügende Hilfe bei der Kartoffelernte, mangelhafte Durchführung der Beschlagnahme, ungenügende Kontrolle des Verfütterungsver- oot« und Tranöportschwierigkciten. Geht hiergegen die Reichs- karloffelstellc vor, dann muß die Kartoffelvcrsorgung in Ord- uuna tommcir und damit ist- uns eine schivere Sorge in der Ernährungspolitik genommen. Stockholm. �me Vorbesprechung üer Aimmerwalüer. Ltockliolm, S. September, s Eigener Drahlbericht des.Vorwärts'.) Schon beule hat eine vorbereitende Besprechung der Zimmer- w a l d e r stattgefunden. Teilnehmer waren Haase, Ledebour, Sladthagcn, Frau D u n ck e r. der Menschewik GermanSky, die Bolschcwiki Ziadek, H anc tS li, OrlowSki, die Rumänen Frimu und ConstantineSdu, der Norweger Nissen, die Dänen Christiansen und Fran N i e I s c n sowie mehrere schwedische I u n g s o z i ä l i st e n. Die Konferenz wird morgen fortgesetzt, sie wll eine Woche lang dauern. Die Verhandlungen sind geheim. Di« Konferenz b e st ä t i g t e nach Rädels Bericht über die Affäre Ärimni daS Urteil der UntersuchuiigSkommission. Rutsche Stimmen für Stockholm. Sloctholm, S. September. lTigener Drahtbericht d..Vorwärts'.) Tei« Bulletin des A> und S.-Rates meldet au« den verschiedensten Vrovinzen Rußlands Kundgebunge» zugunsten Stockholms und gegen die Pnstvcrwcigcruiig der westlichen Enlcntcregiernngen. Solche Re- lolulioncii beschloß beispielsweise der Bauern-Delegierten-Kongreß de« GouvcrnenicniS Olonetzk zusammen mit dem A.- und S.-Rat von PclrosawodSk. ferner der A.- und S.-Rat des fernen Ostens, 'erner die A- und S.-Räle von Kursk, LebljanSk, KubianSk usf. Daß allrussische Zentralkomitee der GeWerk- s cd a s l e n. das 1 400 000 organisierte Arbeiter vertritt, richtet einen Aufruf an die organisicrtcu Arbeiter der ganzen Welt und bietet ihnen die Bruderhand zur Beendigung dc§ Krieges und zum Wieder- aufbmi der Jnternalionale. T f ch e i d s e richtete namens des Zentralsowjets ein Tele- g r a m in an die L a b o u r Party, in dem er diese ersucht, der englischen Minderheit eine Vertretung auf oer Konferenz zu ermöglichen, da sonst die Vertretung anderer Minderheiten, beispielsweise der deutschen Minder- heil, angefochten werden könnte. Aber gerade eine Vertrcinng aller Schatlimiiigen sei notwendig. Eine Stockholmer Konferenz üer neutralen Staaten? Bern, 6, September. sMeldung der Schweizerischen Depeschen- Agentur.) Die von verschiedenen Blättern gebrachte Meldung von einer Beteiligung der Schweiz an einer Konferen-z der neu- traten Staaten in Stockholm beruht aus einem Irrtum. Der Bundesrat hat sich nie mit dieser Frage befaßt. Eine neue englische Offensive. Ter Rückzug der Russen. Berlin, k>. September. In der neuen seit einigen Tagen tobenden Anillcrieichlacht in Flandern vermochten die Engländer bisher trotz größter Massieriing von Batterien nicht die Feuerüberlegenheit zu erringen. Die ersten Jnsaiiiericangriffe, die sie am Abend des 5. Sepiember der Artillcrieichlacht folgen ließen, sübrten zu einer ichwcrrn englischen Niederlage. In der Gegend östlich Apern Halle die britische Artillerie ihr Feuer dreimal zum Trommelfeuer gesteigert. Dann begannen die englischen Angriffe aus der Gegend von St. Julien. Zusammengefaßtes Feuer wies die Stunnwellen bereits größtenteils vor den deutschen Stellungen ab. Was bis an die Gräben gelangte, wurde im Nahkampfe zurückgeworfen. Ilm 1k Uhr wiederhollen die Engländer ihre Angriffe mit dem gleichen Mißerfolg. Dagegen stieß eine deutsche Patrouille erfolgreich östlich Arniciiligres vor. In Gegend Frezenberg brachte eine deutsche Patrouille 2 englische Maschinengewehre ein. Auch an der Küste war das Ariilleriefeuer heslig. Ostende wurde von Land her durch Flachfeuer beschossen, ohne daß militärischer Schaden entstand. Im Art vis und in der Gegend von St. Ou entin bat die englische A ii grifsstätigkcit aufgehört, an der MSnr unternahmen die Franzosen nur in der Gegend von Pargnh— Filain einen Angriff, der vollkommen zusammenbrach. Die zusanimeiigcschossencn französischen Sturmwellen gelangten nicht einmal bis an die deutschen Hindernisse. Alle weiteren AngriffSverstiche der Franzosen an dieser Stelle unterband daS deutsche VcrnichtimgSfeiicr. Auch nördlich von ReiniS wurde ein französischer Angriff abgewiesen. Vom SonlainS-Waldc bis östlich Belheny hatte den ganzen Tag über starkes sranzösischeS Artillerie- und Mincnfeuer auf den deutschen Stellungen gelegen. Triippcnansanrmluligcn in den französischeii Gräben wurden mehrfach erkannt und unter Vernichtungsfeuer genommen. Als dann um kl) Uhr abends die Franzosen nach schlagartig einsetzender höchster Steige- rung des Artillerie- und Mincniverferscuers zum Angriff vorbrachcn, empfing sie u«geschwächtes deutsches Abwehrfeuer, das ihren Angriff vollkommen zusammenbrechen ließ. In der Champagne kamin die beabsichtigten französischen Angriffe gar nicht erst zur Aussührung. Die in den französischen Gräben beider- seitS der SiraßeSomme— Py— Sonain zwischen 8 und 8 Uhr 30 abends zum Sturm bereitgcstclllen französischen Truppcnansammlungen wurden durch VernichiungSfeucr zerstört. Vor V e r d u n nimmt die Artillerieschlacht auf dem Ostufer der Maas noch an AnSdehiiiing zu. Unter erfolgreichster Mit- Wirkung der Flieger fetzte die deutsche Abwehrartillerie mit bestem Er- folge die Bekämpfung der sranzösischen Bakterien fort. Wiederum komilen zahlreiche Brände und Explosionen beobachtet werden. Der Verkehr hinter der sranzösischen Front wurde durch Feuer gestört. Die französischen Gräben, besonders die östlich des FosscS-WaldeS, deren verstärkte Besatzung erkannt worden war, wurden mit Ver- nichtungSfeuer belegt. Im Osten ist an der kurländischen Front die deutsche Kavallerie durch Sumpf und Wald der in Richtung auf Wenden ab- ziehenden 12. russischen Armee auf den Fersen, während die deutsche Flotte den Rigaischcn Meerbusen deherrscht. Die stündlich steigende Beutezahl läßt die wachsende Bedeutung de-Z großen deutschen Erfolges bei Riga immer deutlicher erkennen. Von der übrigen Ostfront ist mit Ausnahme eines mißglückten rumäiiischc» Angriffes bei Munelul und mehrfachen erfolgreichen Patrouillenvorstößen der Verbündeten nichts zu berichten. Die deutsche Flotte in üer Rigaer Ducht. Petersburg, 5. September. Die Petersburger Tele- graphen-Agcntur meldet: Es wird berichtet, daß die deutsche Flotte in der Rigaer Bucht erschienen ist. Nach den letzten Meldungen ist die Bresche in der Rigacr Front im Verlauf der letzten zwei Tage auf 90 Werst erweitert worden. Am 4. September setzten die Deutschen ihre Offensive an der Front von Riga den ganzen Tag über kräftig fort und griffen besonders in der Gegend nörd- lich von Uxküll an, um die Bahnlinie Riga-Wenden abzu- schneiden._ der depeschenwechsel von 1905. Twlhclm Ii. und der Zar. Der„New Zsork Herald" veröffentlicht in seiner �Pariser Ausgabe einen Depestchenivechsel, den der deutsch)? Kaiser wäh- rend des russisch-japanischen Krieges mit dem damaligen russi- scheu Kaiser geführt hat. In einem Telegramm an den Zaren im Oktober 1904 sagt der Kaiser bezüglich der Forderung der britischen und japamichen Regierung, Deutschland inögv die Kohlenlicfmmgcn für russische Schiffe unterbrechen, fol- gendes� �,■— Tiefer neuen Gefahr muß Rußland und Tsutschlanb ge» mcinschaftlicki ins Auge sehen. Deutschland wünscht, daß Euer Bundesgenosse, Frankreich, an seine Verpflichtungen erinnert wird, welche er in dem Zwcibundsvertrage im Falle des cesus foederis auf sich gonomcn Hai. ES ist außer Zweifel, daß Frankreich im einem solchen Falle sein« Pflichten dem Bundes- genossen gegenüber erfüllen wird. Trotzdem Delcasse eng lisch gesinnt ist. ist er doch einsichtig genug. um zu erkennen, daß die britisch« Flott« ohn- mächtig ist, Paris zu retten. Aus diesem Grunde müßte ein kräftiger Zusammenschluß gebildet werdan zwischen den drei stärksten Mächten des Festlandes, wodurch sich die angcl- sächsische Gruppe zweimal bedenken würde, um was es sich hau» delt. Du mußt nicht vergessen, den Bau neuer Sckiffe zu be- stellen, so daß diese beim Kriegsende fertig stehen. Das würde Deine Stellung bei den Friedensverhandlungen kräftigen. Unsere Privatfirmen werden solche Aufträge gern annehmen. Der Zar antwortete am folgenden Tage: Er erinnert zunächst an den Vorfall bei der Doggerbank und äußerte große Entrüstung über Englands Benehmen. Er sei mit dem Kaiser einig, daß Deutschland, Rußland und Frankreich sich vereini- gen müßten, um den e n g I i s ch- j a p a n i s ch c n H o ch m u t niederzulmlten. Er ersuchte den Kaiser, die Grundlinien eine? Vertrages zu entwerfen. Frankreich würde bereit sein, sich anzuschließen, sobald Deutschland und Rußland den Vertrag angenommen hätten. Tarauf sandte der Kaiser einen Vertragsentwurs, den der Zar Frankreich vorlegen wollte, doch hat er später seine An- ficht geändert. Der Kaiser telegraphierte nämlich am 29. No- vember 1904, daß es höchst gefährlich wäre, Frankreich zu unterrichten, bevor der Vertrag unterzeichnet fei. Frankreich würde sonst England, an das es durch die Entente cordiale gebunden sei, sofort warnen und die Folge wäre der sofortige c n g I i s ch- j a p a n i s ch e A n g r i s f a u f D e u t s ch l a n d. wobei das furchtbare englisckie Uebergenvicht zur See mit Teutschlands Flotte kurzen Prozeß machen würde. Am folgenden Tage telegraphierte der Kaiser nochmals, es dürfe keine Zeit verloren werden. Der Zar erklärte am nächsten Tage sein grundsätzliches Einverständnis. Der Zar antwortete am nächsten Tage: „Ich bin vollständig mit Dir einverstanden, unser« Regie- rungen müssen zu einem stabilen Abkommen gelangen. Tu kannst vollkommen von meiner guten Treue lbcme fides) überzeugt sein und von meinem Wunsche, eine Lösung in dieser ernsten Frage zu erzielen." Am 29. Juli 1995 drahtete der Kaiser dem Zaren aus Berlin: Die„Reuter'-Meldungeii besagen heute, daß eine englische Flotte in der Ostsee kreuze und unsere Häsen besuchen will, um einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Entweder ist England be- sorgt wegen unseres Zusammentreffens oder es will Mich selbst in Angst versetze». Ties würde Meiner Unterredung zu Kopcn- Hägen noch ein größeres Gewicht verleihen. Der Zar antwortote: Auch ich erfahre, daß die englische Kanalflottc beabsichtigt, in der Ostsee zu erscheinen. Dein Besuch in Kopenhagen erfolgt in einem sehr günstigen Augenblick. Ich werde geduldig einen kurzen Bericht von Dir über den Verlauf Deines Besuches abwarten. Herzliche Grüße an Viktoria. Ich wünsche Dir Erfolg. Niki. r Am 2. Augnst 1905 sandte der Kaiser aus Kopenhagen ein neues Telegramm, in dem er seine Freude über den guten Empfang bei der ganzen Familie aussprach.„Namentlich Dein lieber alter Großvater behandelte mich sehr freundlich." Die auswärtige Politik Dänemarks sei aber sebr mißtrauisch und insbesondere der englische Gesandte habe gegen ihn, den Kaiser, eine sehr heftige Sprache geführt und ihn der nie« d r i g st e n Pläne und Intrigen beschuldigt. Er habe erklärt, daß jeder Engländer davon überzeugt sei, er habe es auf einen Krieg mit England abgesehen. Die Dänen aber be- ginnen sich mit dein Gedanken vertraut zu machen, daß sie sich im Fall eines Krieges unter den Schutz Deutschland? und Rußlands stellen müßten. Weiter heißt es wörtlich: Die Dänen beginnen langsam, sich mit biesom Gedanken vertraut zu machen, und das ist es ja. was Du immer gehofst und gewünscht hast. Ich erachte es jedoch besser, diese Frage bei den Dänen nickit anzurühren'und enthielt Mich jeglicher Anspielungen. Es ist besser, diese Idee in ihren Herzen«nt- wickeln Und reisen zu lassen und dann die Folgen daraus zu ziehen, so daß sie sich aus eigener Initiative aus uns stützen. Geduldig warten, trägt seine Früchte.... Was sagst Du von dem Programm der Fe st l i ch k e i t e n für Deine Verbündeten zu Kowel? Alle Krimvcteranen sind eingeladen worden, mit ihren früheren Waffenbrüdern, die mit ihnen gegen Rußland gekämpft haben, zusammenzukommen. In der Tat sebr taktvoll! Es bestätigt, daß Ich Recht hatte, als Ich Dich vor zwei Jahren vor der Wiederbelebung der alten Krimkombination warnte. Das Wetter ist prachtvoll. Herzlichen Gruß an Alice, Willis. Am 29. August machte der Kaiser dem Zaren den Vor- schlag eines Sondervertrages mit Rußsand unier Ausschluß Frankreichs. Er siibrte darin ans. daß ein solcher Verivag nicht mit dem französisch-russischcn Bündnis kollidiere. Weiter heißt es von Frankreich: Dein Bundesgenosse hat aber während des ganzen Kriege« Dich schmählich im Stich gelassen, währwid Teuisch- land Dir in jeder Beziehung geholfen hat, soweit es konnte. ohne die Neutralitätsgesetze zu verletzen. Das legt Rußland moralische Verpflichtungen uns gegenüber auf. Durch die Indiskretion Deleassös, heißt es weiter, sei klar geworden, daß Frankreich ein Abkommen mit England geschlossen habe, gerade in dem Augenblick, als England im B�riff stand, Deutschland zu überfallen. Und zum Schluß heißt es: Täs ist ein Experiment, das sich nicht wiederholen darf und gegen dessen Wiederholung ich raten mutz. Dich in Acht zu nehmen. Ich bin vollkommen mit Dir einig, daß es Zeit, Ar- beit und Geduld kosten wird, Frankreich dazu zu bringen, sich an unsere Seite zu stellen, aber Dein verständiges Volk wird sich wohl geltend machen und Gehör verschaffen wollen. Unsere Marokko-Angelegenheit ist zu unserer vollsten Be- friedigung geregelt. Der Vertrag ist eine gute Basis, um darauf wciterzubauen. Wir haben angenommen, vor Gott, der unsere Gelübde hört. Ich denke daran, daß dieser Vertrag wohl angenommen werden kann. Was unterzeichnet ist, ist unterzeichnet. Gott ist unser Willcnslenker. Die„Nordd. Allg. Ztg." polemisiert gegen eine Aussage des Generals Mi ch e l s o n, ehemaligen ruffischen Militär- atiachäs in Berlin, wonach Teutschland schon 1999 und 1913 den Krieg gegen Rußland gewollt habe. Sic bestreitet diese Belfauptung mit ausführlickwii Angaben und sagt, daß Michel- son 1910 wegen seiner Mitwirkung in Spionageangelegen- leiten auf dQttjchen Wunsch ohberuren Morden, seL Ein Kommentar zur amerikanischen Note. Wie..Hollandsch Nieuivs Bureau" meldet, macht das Staatsdepartement bekannt, Amerika beabsichtige keineswegs, die Absetzung der H o h e n z o l l e r n- d n n a st i e zu fordern, damit eine mögliche Grundlage für Friedensverhandlungen sich finde. GS lägen Gründe vor, anzunehmen, dah Amerika damit zufrieden sein würde, wenn in Teutschland innere Reformen Platz griffen, die eine Bürgschaft für die Ehrlichkeit deS Verhaltens Deutschlands zu anderen Nationen gäben. Teutschland eine bestimnitc Rc- gierungsform vorzuschreiben, sei nicht beabsichtigt. Amerika werde selbst darüber urteilen, ob es die Reforme», die ein- geführt werden, für ausreichend halte, um alS Grundlage für die Fricdcnsuntcrhandlungen zu dienen. ES wäre somit an der Zeit, die große Entrüstung, die sich, hierzulande über die amerikanische Note erhoben hat und die von den Interessenten der Reaktion und der Kriegshetze zu leicht durchsichtigen Zwecken immer wieder aufgeputscht wird, abzubauen. Die amerikanische Note hat sich übrigens über diesen Punkt für alle, die lesen können und wollen, klar genug ausgedrückt, indem sie sagte: Wir Ivanen dn-Z Wort der gegenwärtigen Beberrschcr Deutsch- landS nicht als Bürgschast für irgend etwas annehmen, was dauer- Haft sein soll, wenn es nicht durch den bciveiSkrösligen Ausdruck des Willens und der Absicht de! deutschen Volke« selbst unterstützt wird, so datz die anderen Völker der Welt gerechtfertigt wären, cS anzunehmen. Die Forderung, dah für den kommenden Friedensvertrag nicht nur die Regierungen, sondern die Völker selbst die Ga- rantie übernehmen sollen, entspricht unseren Auffassungen. Kein Verständiger wird wünschen, dah die Fried cnSverhand- längen an dieser Frage scheitern oder ihretwegen verzögert werden sollen. Die Sozialdemokratie wird ihre Forderung nach der Mitwirkung des Volkes beim Friedensschluh, nach einer Er- Weiterung der ReichStagSrechte mit der allergrößten Eni- schicdenhcit weiter verfechten und die entrüstete Einwendung. dies entspreche ja den Forderungen Amerikas, also stelle sie sich auf Wilsons Seite, als das abtun, was sie ist, alS durchsichtige reaktionäre Mache. Prozeß Suchomlinow. Petersburg, ö. September. tMcldung der Petersburger Tele- yraphen-Ageniur.) Im Suchomlinow-Prozeh wurden an die hundert vriefe Suchomlinow« an den Generat Januschkewitsch, den früheren Generalstabschef de« Generalissimus, verlesen. Die interessantesten darunter sind diejenigen, in denen er von Gutschkoiv und der Reichsduma spricht, wobei er den ersteren als gefährlichen Anstister und letzlere als eine Bande von Verschwörern bezeichnet, die die Gewalt an sich zu reihen der- such«. Frau Goschkewitsch, die Gallin de« Vetter« der Frau Suchom- linow, sagte au«, da« Ehepaar Suchomlinow habe anfänglich sehr bescheiden gelebt. Seit der Ernennung Suchomlinow« zum »negSininister habe aber seine Frau ungeheure Summen für Gewandung und Schmuck ausgegeben. Sunpatsen herrscht in Eanton. London, 5. September. Reuter ersährt: In Eanton ist während der Wiederherstellung der Verfassung eine vor- läufige Regierung unter der Führerschaft von Sunyatscn ge- bildet worden. Ruhestörungen werden irtchb'geMcldet. ßemölicher Fliegerangriff auf Lahr. Karl«ruhc, S. September. Am 4. September mittag« bewarfen feindliche Flieger die offene Stadt Lahr mit Bomben: zwei Per- ionsn wurden getötet, drei schwer verletzt. Der angerichtete Lach- schaden ist gering. London, 6. September. Aach einer Mitteilung de« Prehburcau« sind bei dem Luftangrisf auf London in der letzten Nacht 1t Personen getötet und 62 Personen verletzt worden. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 5. September. Amtlich. Neue U-BootS-Erfolgc auf dem nördlichen Kriegsschauplatz: 30 000 Sr.-Reg.-Tonnen. Unter den vcrsenktcu Schiffen befanden sich der cnglischt bewaffntte Dampfer Clavcrlcq mit 6000 Tonnen Kohlen nach Genua, sowie drei aus Gelcitzügen herausgeschossene Dampfer, von denen zwei be< waffnct waren, und ein Tankdampfcr von mindestens 4üO() Tonne». Der Chef de« AdmiralstabcS der Murine. Zlugzeug- und U-Soot-fingriffe auf englisch-französische Häfen. Berlin, 6. September. Amtlich. tT. U.) 1. In der Nacht vom 4. zum 5. September haben Marineflugzeuge militärische Anlagen von Dünkirchcn und St. Pol mit insgesamt 2300 Kilogramm Bomben angegriffen. Brände und Detonationen wurden beobachtet. 2. Eines unserer Unterseeboote hat am 4. Sep- tembcr abends de» befestigten Hafenplatz Scarborough an der englischen Ostküstc ausgiebig mit Granaten beschossen. Zahlreiche Treffer und Brandwirkung wurden einwandfrei beobachtet. Der Chef des AdmiralstabcS der Marine. London, 5. September. Amilich. Ein feindliches II n t e r s e c- b o o l ist gestern abend um 6 Uhr 45 Minuten auf der Höhe von Scarborough erschienen und hat dreißig Lagen abgefeuert, von denen die Hälfte an Land«in schlug. Drei Personen sind gewlet, fünf verwundet-, der Sachslbaden ist gering. Ein Heleitzug von Wafferflugzeugen zersprengt. MaaßluiS, S. September. Ein heute nacht nach England auS- gefahrener Geleitzug von Schiffen wurde auf der See von deutschen Wasserflugzeugen angegriffen. Die Dampfer Kleirecht und Thomas Krag sind deshalb in de» Hafen zurückgekehrt. Erzberger über öle Vilfon-Note. In einer Unterredung niit dem Vertreter von„Az Est" hat ftch der Rcichswgsabgcordnete Erzberger über die amerikanische Note an den Papst in sehr verständiger Weise geäuheri. Auf die Frage, ob er die amerikanische Note alS endgültig ablehnend ansehe, antwortete er: Unter keinen Umständen. Je mehr man vielmehr auf den materiellen Inhalt der Wilsonschen Antwort eingeht, um so deutlicher zeigt sich seine Uedrrcinstimmung mit der Papstnote und i» vielen Punkten mit der Friedenskundgebung de« Reichs- tagS. Ich zähle hier nur folgende auf: -0 Die Frage der gegenseitigen und gleichzeitigen Beschränkung der Rüstungen. W Die Schiedsgerichtsbarkeit. cl Die Frage der KriegSkoitenentschidigung. ckj Die Ablehnung der Zerstückelung eine« Lande«. Die Verwerfung des WirlichaftSkricgeS. In diesen stlni lveieniltchen Punkten ist Wilson mit dem Papst ganz einig. Mit der großen Mehrheit de« deutschen SoltcS ist er hierin mehr einig al« mit London und Pari«, daher kommt auch die lühle Aufnahme der Wilsonschen Note in den dortigen Kreisen. Hierauf folgt der Einwand:„Diese Auffassung der Wilsonschen Note weicht aber erheblich ab von dem, waS ich bisher in der deutschen Presse gelesen habe." Erz- bc rgcr antwortet: Da« mag sein, obwohl verwaildte Gedankengänge auch in einige» deutschen Zeitungen sind. Man darf Politik nicht mit Entrüstung und Gefühl machen, sondern mit dem kalte» Verstand und mit dem Bleistift tu der Hand. Man weist kränkende Zumutuiige» und unberechtigte Einmischungen mit aller Krasl und Entschiedenheit zurück. Man ist aber auch gegenüber dem Gegner verpflichtet, leine Antwort aus den»laleriellen Inhalt zu prüfen. Wilson bleibt Präsident bis 192!. Wird Graf Reventlow und Herr v. Hepdcbrand vielleicht fordern, Wilson au« seinem Amte vorher zu entfernen? Ich glaube auch nicht, dah beide Herren der Auffassung sind, datz der Krieg mit Amerika so- lange zu führen sei. bi» Amerika einen neuen Präsidenten wähtt. Also wird aller Voraussicht nach Deutschland mit Wilson den Frieden schließen. Diese einfache Erwägung zwingt jeden ruhig denkenden Deutschen bei der ein- schicdcnsten Betonung seines Standpunkte«, nicht durch böse Warle neu« Erbitterung in da» schwierige Fliedenswerk zu trage», um diese« so zu stören und zu gefährden. Dah die deutsche Presse in diesem Fall nicht ohne AuS- nähme„Politik mit Entrüstung und Gefühl" und ohne„kalten Verstand" gemacht hat. dürfte gerade den Lesern deS„Vor- w ä r t S" bekannt sein._ frieden, Kaiser und Reichstag. Seit der amerikanischen?!ote an den Papst wird in der konservativen Presse erst recht jeder Versuch, den Einftuh des ReickStagS beim künftigen Friedensschluß geltend zu machen, als der reine Hochverrat gegen die Krone hingestellt. Gegen die Erklärung, dah die Mitwirkung des Parlaments den Kaiser von der schweren Verantwortung des Friedensschlusses entlaste, lief die„Kreuzzcitung" auch gestern wieder Sturm. Da trifft cS sich sehr hübsch, dah gerade jetzt folgende De- pcschc veröffentlicht wird, die Wilhelm II. am 29. Juli 1905 — aus Anlaß deS rufftsch-japanischen Friedensschlusses— ge- richtet hat: Mit Rücksicht auf den jetzt in Rußland herrschenden Geist werden die unzufriedenen Volk« massen trachten, d i e ganze Verantwortlichkeit für alle nachteiligen Folgen aus Deine Söbultern zu lade». Die Erfolge werden lediglich al« da« Ergebnis bon WilteS persönlichem Auktrelen an- gesehen werden. ES wäre vortrefflich als erste Aufgabe für die Tuma-Abgcordnctcn, diese über den Frieden abstimmen zu lassen und so da« Odium der Entscheidung auf die BoltSvcrtretung zu legen und dem russischen Volke auf diese Weise eine Stimme in der Angelegenheit zu geben. Da» Ergebnis ivürde dann da« Werk des Volke« selbst sein und die Opposition einen Maul- korb erhalten. Wilhelm II. hat also im Jahre 1905 dem Zaren aus persönlicher Freundschaft und aus gemeinsamem monarchischem Interesse geraten, die Duma über den Frieden abstimmen zu lassen. Heute kann der FriodcnSschlutz erleichtert werden, wenn die deutsche Volksvertretung die Garantie für die Ein- Haltung der Fricdensbcdingungett mit übernimmt. Wer sich aber damit einverstanden erklärt, dah dies geschieht, der stellt sich nach der reaktionären Presse auf die Seite Wilsons, ist, wie die„Kreuzzeitung" so schön sagt,„Wilsons Mitarbeiter". der neue Nenenius ftgrippa. Endlich habe» die Alldeutschen den Mann gesunden, der da« Volk zur wirklichen Erkenntnis der Sachlage führen wird. Er heißt Professor Dr. Paul Eitz b scher, ist Dozent an der Handelshoch- schule Berlin und bedient sich der 2500 Jahre alten Methode de« Römers Meneniu« Agrippa. der bekanntlich die römische Plebs durch die Erzählung einer Fabel bewog, noch einmal sich mit den Patriziern zu verständigen. Auch Professor Dr. Paul Eltzbncher hal eine Fabel erfunden, um dem deutschen Volt« zu beweisen, daß ein VerstäiidigungSiriede ein Unding und.nicht« dümmer" sei als der Beschluß de« Deulschen Reichitag« vom 19. Juli 1917, Die Fabel Prof. Eltzbacher« ist ander« gestaltet al« die seine« römisch»» Vorbilde«. Die Fabel de« MeneniuS Agrippa handelte bekannllich vom Magen. Aber eine Fabel zu finden, in deren Mittelpunkt der Magen steht, und die dann»och irgendwelche Wir- kung gegen den VcrständigungSfrieden hat, da» ist selbst von einem Professor zu viel verlangt. So erzählt un« denn MeneniuS Eitz- bacher im„Deutschen Kurier" von Hunden und Katzen. Die Hunde führen mit den Katzen Krieg, wobei Professor Eltzbacher den Deutschen die Ehrenrolle der Hunde zuerkennt.(„Hunde sind wir ja doch", sagte einmal Bamberger.) Nachdem sehr viel Hunde und Katzen gefallen sind und die Katzen noch alle übrigen Titte gegen die Hunde aufgehetzt haben, wollen die Hunde einen Verständigungs- frieden anbieten. Und für den Fall, daß e« doch einmal zum Kriege kommt, sollte da« Beißen verboten sein. Und nun kommt die Moral der Geschichte: Der ReickStag erstrebt eilten Frieden der Verständigung—„dauernde Verständigung zwischen Hunden und Katzen" ruft triumphierend Professor Eltzbacher. Für diese schwache Logik hätten sich die Alldeutschen wahrhaftig nicht einen Professor zu verschreiben brauchen. Jeder Schuljunge wird Herrn Professor Eltzbacher antworten, daß Hunde und Katzen ganz verschiedene Arten von Lebewesen sind, deren Feindschaft viel« leicht auf einer Art von Naturgesetz beruht, daß ab«r Deutsche, Eng- länder, Franzosen, Russen alle derselben Gattung Mensch ange- hören und daß ein Naturgesetz, lvonach sich die immerhin sehr nahestehenden Menschenrassen unbedingt uitd dauernd befehden müssen, bis heule noch nicht gefunden ist. Beispielsweife dasür, daß der Heirat eines Deutschen mit einer Engländerin nichts im Wege steht, baß ein Deutscher eine englische Mutter haben kann usf., dasür wird gleichfalls jeder Schuljunge Herrn Eltzbacher sehr treffende Beispiele liefern können. Der ganze Ver- gleich ist völlig mißglückt und der neue Meneniu« Agrippa hat da« Blut so vieler Hunde und Ratzen ganz umsonst fließen lassen. Er hätte uns doch lieber etwa« vom Magen erzählen sollen, das hätte uns mehr intereffiert. Alldeutsche Spaßmacher. Die Herren EroberungSpolitiker können auch witzig sein. Da die Erfindungen des für Kcrenski schwärmenden BolschcwilS, cheS hühnerübersahrcnden Automobils Bismarcks von anno 1872, die Fälschung von Bernhard Shaw�S Zitaten usw. offenbar nicht geeignet sind, politische Erfolg« zu erzielen, so versucht man, wenigsten« ein paar kräftige Lacherfolge zu provozieren. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt am Donnerstagabend: Wir haben wiederholt nachgewiesen, und zwar unter ver- schicdeneii sachlichen Gesicht-Spunkten, daß niemand mehr zur Ver- längerung deS Kriege« beigetragen hat, al« die Richiung Belb- mann Holliveg-Scheidemann. und da« gilt noch heute. Ohne die Tätigkeit dieser beiden Männer und ihrer Richtungen wäre der Krieg längst zu Ende. Eine gemeinsame Richtung Bethmann-Scheidemann kannten wir bi« heute nicht. Aber die Anklage gegen Scheidemann, an der Verlängerung de« Kriege« schuld zu sein, ist ganz besonder« im Munde der„Deutschen Tageszeitung" einer der besten KriegSwitze. Neckisch gebärden wollten sich auch einige Frankfurter Alldeutsche. die unter einander enva doppelt so viel Vereine gegründet haben,— damit unsere Zahl desto schrecklicher erscheine, sagt Karl Moor in den „Räubern"— und sich vor einigen Tagen gegen die Reichstags- mehtheit zusammenschaarten. In ihrer Resolution berufen sie sich nämlich auf— den„Vorwärts"! „Und wir gehen mit dem„Vorwärts" einig in dem Verlangen— heißt e« darin—, d a h w i r m i t unserm Fr i e d e n« a n e r b ie t e n nicht weiter hausieren dürfen". Wir freuen un! dieser Einigkeit. Die Forderung de«„Vor- wärt«" geht bekanntlich dahin, daß die Deutsche Regierung, anstatt mit zahlreichen halben und mindesten« sehr deutungsfähigen Frieden«- angeboten bei den einzelnen feindlichen Regierungen hnumzuhausieren. ein einziges klare« Friedensangebot macht, in dem unzweideutig der allgruicine Friedensschluß ohne Annexionen und Kontributionen zum Gnmdsat, erhoben wird. Und das verlangen die Frankfurter All- deutsche» auch— nicht wahr?!_ deutsche Liquidation französischen Eigen- tums und französischer. Protest. Di« französische Regierung hat in einer Note gegen die Liquidation französischer Unternehmen in Deutschland protestiert und sich darauf berufen, daß sie selbst eine ähnliche Maßnahme vermieden hat. Sie konstatiert mit peinlichem Befremden„plan- mähige Verschleuderung und Massenverkauf von Möbeln. Kunst- gegenständen und geschichtlichen Erinnerungen, da diese Dinge oft einen Familienwert als einen Marktwert haben". Die deutsche Regierung schließt aus dieser Erklärung, daß nach französischer Auffassung de« Völkerrecht» jede zwangsweise Liquidation feindlichen Privateigentum« unzulässig ist und daß daher auch die englischen Maßnahmen im Sinne dieser Anf� fassung gegen das Völkerrecht verstoßen. Sie beruft sich daraiif, daß auf der Pariser Wirtschaftskonferenz vom Juli 1916 die Liqui- dation feindlicher Unternehmen ausdrücklich in das Programm aufgenommen worden ist und daß die französischen Maßnahmen unter der Form der Sequestration denselben Zweck erfüllen wie die deutschen Liquidationen. Sic stellt schließlich in Abrede, daß Privateigentum von kunstgeschichtlichem oder Familienwert liquidiert worden sei. Sachsen und die Vahlrechtsbotschast. Aus der DienSIagsiyung de» sächsische» VerfossungSauSschUsse« wird un« Noch berichtet: Die ablehnende Antwort der Regierung wurde scharf kritisiert. Von sozialdemolratischer Seite wurde betont, daß die Erklärung der Regierung eine Form trage, die geradezu aufreizend wirken müsse. Sie sei un, so unverständlicher, als der Minister tag« zuvor sozial- dcmolraiischen Abgeordneten gegenüber erklärt hatte, die sächsische Regierung lönne an dem Vorgange in Preußen nicht achtlos vorübergehen und er wolle nicht sein letzte« Wort zur WahlrechtSfrag« sprechen. In den Debatten zeigte sich, daß die Nationalliberalen geteilter Meinung sind. Der eine Aenderung des Plural- Wahlrechts ruiidwcg ablehnenden Haltung des einen Teils steht eine andere gegenüber, die die Pluralstimmen auf eine bloße Alter«- st i m m e einschränken und dazu da« Verhältniswahl- s y st e m eiiisühreN will, und zwar zum Schutze der bürger- lichen Parteien gegen die sonst eintretende Majorisierung dutch die sozialdemokratischen Stimmen. Da« Inkrafttreten der Lichtspiel-Berardnung vertagt. Dir Bundesrat hat angeordnet, daß die Bekanlitmachüng über die. Veranstaltung von Lichtspielen vom 3. August 1917 Nicht am 1. September 1917, sondern erst am 1. November 1917 in Kraft tritt. Dadurch ist dem Reichstage, wie sein Hauptausschuß es gewünscht bat. die Möglichkeit gegeben, zu der BundcSratSver- Ordnung vom 3. August vor deren Inkrafttreten seinerseits Stellung zu nehmen. BundeSratSarbeit. In der gestrigen Sitzung de« Bundesrat« wurden angenommen: 1. Tie Vorlage k?elressend die Verlängerung der Amtsdauer bei den Organen he« Handwerkerstandes, 2. ein Eni- Wurf vöu Bestimmungen zur Aenderung der Verordnung betreffend die Einrichtung von Strafregistern usw., 3. ein Eni- lvurf eines Tarifs der Vorspannv-ergütungSsätze nach dem Kriegs- leistungsg« setze.__ Letzte Nachrichten. Um den Monte San Gabriele. Wien, 6. September.(W. T. B.) Reuter stellt die Erode- rung des Monte San Gabriele als Tatsachs hin. Die« ist nicht wahr. Die Kämpfe um den Monte San Gabriele sind am 5. September nachmittags abgeflaut. Der Berg selbst ist fest in unserer Hand. Auch ist die Behauptung Reuter«, die österreichisch-ungarische Artillerie würde Görz nicht beschießen können, wenn der Monte San Gabriele verloren ginge, falsch Hermann Müller über die Stockholmer Konferenz. Amsterdam» 6. September. In einer Unterredung mit dem Stockholmer Korrespondenten des„HandelSblad" erklärte der deutsche Reichstagsabgeordnete Müller, daß die wiederholte Vertagung der Konferenz zweifellos eine sehr unangc- nehme Wirkung habe, da in allen kriegführenden Ländern die Arbeitermassen große Hoffnungen in diese Konserenz setzen. Stock- Holm ist das S hin bol der nach einem baldigen Frieden verlan-- gcnden Vblkör geworden. Da dies Verlangen in allen Ländern be- steht, wird die Konferenz auch stattflndcn. Französische, ita- lienische und englische Arbeiterkreise besprechen seit Monaten die Stockholmer Konferenz ebenso eifrig wie die Arbeiter in den Län- dern der Mittelmächte. D e r T a g w i r d kommen, an dem die Regierungen aller Länder de» Sozialisten die Pässe für Stockholm nicht mehr verwetgern können. Gelverkschaflsbewegung Verlin und Umgegend. Die Kamm- und Haarschmuckarbcitcr hatten vor einiger Zeit be« schlössen, eine weitere Erhöhung der Teuerungszulage um tS Proz. zu fordern. In der letzten Branchenversammlung teilte der Branchen- leitor mit, daß die meisten Firmen infolge des einmütigen Vor- gehens der Kollegen die Forderung bewilligt haben. Die Firmen, welche mit der Bewilligung noch im Rückstände sind, sollen dem- nächst zur Anerkennung der Forderung veranlaßt werden. Verband der Sattler und Vortefeniller. In der am Mittwoch, den 5. September, im Gewerkschaftshause abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung der Berliner Ver- waltungsitelle, gab der Vorsitzende Schulze den Bericht über das zweite Vierteljahr. Mit Befriedigung lann festgestellt werden, daß die Entwicklung des Verbandes sich durchaus günstig gestaltete, so- wohl die Mitgliederbewegung und Kässengebarung, als auch auf wirtschaftlichem Gebiete. Dank der regen und anhaltenden Tätig- keit der Werkstattvertrauensleute ist es gelungen, dem Verbände einen beachtenswerten Mitgliederzuwnchs zu bringen. Der Arbeitsmarkt war im Lause des Berichlsquartals für die beiden hauptsächlich in Betracht kommenden Branchen. Lederwaren und HeeresauSrüstung, gut. Der Nachfrage nach gelernten Arbeitern konnte nicht befriedigt werden. Als Ersatz wurden weibliche Arbeits- kräfte herangezogen, deren Leistungen oftmals denen der gelernten Saltler in nichts nachstehen. Die Folge wird sein, daß auch in der Ausrüstungsbranche eine große Anzahl Arbeiterinnen verbleiben werden, obgleich vor dem Kriege es Arbeiterinnen in diesem Ztveige der Industrie nicht gab. Diese Tot- fache muß dazu führen, den weiblichen Arbeitskräften das Gefühl für dauernde Organisationszugehörigkeit zu stärken und alles zutun. um die Fluktuation zu mildern. Wie umfangreich die weibliche Arbeitskraft geworden ist, zeigt das Verhältnis gegenüber der Männer- arbeit. Bei Ausbruch des Krieges kamen auf 19 männliche Mit- gliedcr ein weibliches, am 30. Juni d. Js. auf 2 männliche ein weibliches und zurzeit auf 1°/« männliche ein weibliches Mitglied. Trotzdem von der Wirksamkeit des Verbandes in bezug auf Ver- besserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen die Oeffentlichkeit wenig merkte, kann doch festgestellt werden,'daß im zweiten Vierteljahr zwei bedeutende Bewegungen erfolgreich durchgeführt wurden. In der Lederwaren- und Reiseartikel-Jndustrie wurde der Ver- trag gekündigt und Forderungen gestellt, welche die Unternehmer als zu hoch bezeichneten. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, ohne greifbare Resultate zu erzielen. Erst als in letzter Stunde die Kollegenschaft ihren Willen durch Arbeitsniederlegung in mebreren Betrieben kund gab, wareu die Fabrikanten zu größeren Zugeständ- nissen bereit. Die Forderungen der Arbeiterschaft wurden voll- inhaltlich anerkannt und sind auch restlos durchgeführt. Auf Grund dieser Bewegung wurden die Mindestlöhne um 50 Proz. erhöht, wozu noch für gelernte Arbeiter ein Zuschlag von 20—26 Pf. die Stunde kommt, für Arbeiterinnen von 8—10 Pf. Der tarifliche Mindestlobn einschließlich der Teuerungszulage betrögt nunmehr für Arbeiter 103 Pf., kür Zuschneiderinnen und Stepperinnen 70 Pf. Akkord- und Heimarbeiter erhalten 40 Proz. Zuschlag zu ihrem Verdienst. Auf dieser Grundlage wurde der Vertrag um ein Jahr verlängert. In der M i l i t ä r b r a n ch e find die Arbeitsbedingungen bis zum 31. März 1918 vertraglich geregelt, so daß hier als letztes Mittel znr Durchsetzung der Forderung Arbeitseinstellung nicht in Frage kam. Die Verhandlungen mit den Unternehmern vor dem Kriegsamt und der Zentraltarifkommission zogen sich seit Wochen in die Länge. Schließlich wurden die Arbeiterausschüsse vorstellig, ja vereinzelt kam es auch zu kurzen Arbeitseinstellungen. Jetzt ging es auf einmal, so daß ab 1. September 1917 folgende Teuerungs- Zulagen zur Auszahlung gelangen: Für alle auf Zeitlohn beschäftigten Sattler sowie für alle S tli ck l o h n a r b e i t v r ein StundÄizltschlng;; für- Lediae 80 Pf, Verheiratete 35 Pf. und mit mehr als 2 Kindern 40 Pf. Für �.H i l f sm r b e i t c r über 17 Jabreii für Ledige 20 Pf, Verheiratete 23 Pf. und mit mehr als 2 Kindern 26 Pf. Für H i l f s- a r b e i t e r unter 17 Jahren: 13 Pf. Für Arbeiterinnen über 17 Jahre: für Ledige 17 Pf, für Haushaltungsvorstände 20 Pf. und mit mehr als 2 Kindern 23 Pf. Für Arbeiterinnen unter 17 Jahren: 12 Pf. Heimarbeiter und Heimarbei- terinnen erhalten einen Zuschlag von 20 Proz. Auch in den acht Schlichtkommissionssitzungen, in denen 37 Streitfälle erledigt wurden, konnten Vorteile für die Kollegenschaft, mit rechtsverbindlicher Kraft, festgelegt werden. Her- vorzuheben ist ein Beschluß, wonach den Ausschußmitgliedern für ihre Tätigkeit infolge des Hilfsdienstgesetzes der ausfallende Arbeits- lohn vom Unternehmer vergütet werden muß. Der Kassierer Weyer vervollständigte das günstige Bild. Die Einnahmen für die Hauplkasse betrugen 17 751 M., wovon 12 017 M. in bar abgeführt werden konnten. In der Lokalkafie verblieb ein Bestand von 127 264 M.. für die Berliner Verwaltung verblieben 2602 M. Der Verband zählte 2287 männliche und 1033 weibliche Mitglieder, mit- bin ein Zuwachs von 162 Mitgliedern im Laufe des 2. Quartals. Ohne Debatte wurde der Verwaltung einstimmig Entlastung erteilt. Darauf begründete Schulze den Antrag der Militärbranche, den Beschluß:„Nicht mehr im„Vorwärts" zu inserieren", a u f z u- heben. Die Militärbranche war es, die der Generalversammlung vom 1. Quartal den Antrag unterbreitete, nicht mehr im„Vorwärts" zu inserieren, was auch damals angenommen wurde. Jedoch die letzten Bewegungen haben das Fehlen einer Tagespresse für die Publikationen des Ver- bandes unangenehm in Erscheinung treten lassen. Zur Wahrnehmung der Interessen der gewerk- schaftlich organisierten Arbeiter ist der„Vor- wärts" unerläßlich, weshalb die Aufhebung des Beschlusses zweckmäßig fei. Trotzdem einzelne Redner den Einfluß des„Vorwärts" auf die Oeffentlichkeit bestritten, entschied sich die General- Versammlung mit übergroßer Mehrheit für Auf- Hebung des Beschlusses, so daß im„Vorwärts" wieder inseriert wird und sonstige Publikationen veröffentlicht werden, damit die Kollegenschaft immer schnell unterrichtet ist. Erhöhung der Teuerungszulagen für die städtischen Arbeiter, Angestellten und Beamten Neuköllns. Die städtischen Arbeiter Neuköllns hatten am 9. Mai d. I. an die Sladtverwaltung einen Antrag um Erhöhung der Teuerungs- zulagen gestellt. Dieser Antrag wurde von der Stadtverwaliung abgelehnt, jedoch wurden die sogenannten.Konjunkturzulagen" er- höht. Die Erhöhung betrug für Handwerker und ungelernte Ar- beiter in maschinellen Betrieben 1 M., für Handwerker in den -anderen Betrieben und die Feuerhausarbeiler des Gaswerks 50 Pf. und für alle übrigen Arbeiter und Arbeiterinnen 25 Pf. pro Tag. Da diese Erhöhung der Konjunkturzulagen von den Arbeitern als vollkommen ungenügend bezeichnet und erneute Verhandlungen notwendig wurden, gelang es, diese Zulagen für die Gruppe I um 16 Pf. und die Gruppen II und III um 25 Pf. pro Tag wefler zu erhShe«. Such mkt Mef« lkrhShung standen Me städtischen Arbeiter Neuköllns noch immer hinter den städtischen Arbeitern anderer Gemeinden Grotz-Berlrns zurück. Der Magistrat und die Kriegsnotstandskommisfion haben nun erfreulicherweise ihre im Frühjahr noch geltend gemachten„grund- sätzlichen Bedenken" gegen die Erhöhung der Teuerungszulagen lallen gelassen und eine Verdoppelung derselben beschlossen. Die Teuerungszulagen werden nunmehr für ledige Arbeiter, Arbeite- rinnen, Angestellte und Beamte 1,00 M., für verheiratete 1,20 M. und für jedes Kind bis zum vollendeten 16. Lebens- jähre 0,40 M. pro Tag betragen. Was die Zulage besonders wert- voll erscheinen läßt, ist, daß fie für die Zeit ab 1. Juli dieses Jahres nachgezahlt wird. Die in städtischen An- stalten sKrankenhaus usw.) beschäftigten Arbeiter mit freier Station erhalten eine Teuerungszulage von 10 M. pro Monat und alcichfalls ab 1. Juli nachgezahlt. Erwähnen wollen wir hierbei, daß die Beamten der Stadt nur die Teuerungszulagen erhalten. Die Arbeiter, Handwerker und Arbeiterinnen erhalten hingegen die Teuerungszulage in gleicher Höhe wie die Beamten und daneben noch die„Konjunkturzulage", die sich jetzt auf 1,25 M. bis auf 1,90 M. pro Tag beläuft. Die Beamten werden hieraus die Lehre zu ziehen haben, daß auch sie nicht länger der Beihilfe der Organisation entraten können, wenn sie nicht gänzlich ins Hintertreffen geraten wollen. parteinachrichten. Lieber mit de» Konservativen! Heber die D a n z i g e r Volksversammlung, in der die „Unabhängigen" ihre Gegnerschaft zur Friedensarbeit der Sozial- demokratie in dieser drastischen Weise erklärten, bringen„unabbän- gige" Blätter Berichte, die die Wahrheit haarsträubend auf den Kopf stellen. Das antisozialdemokratische Berliner„Mitteilungsbl." der Haase- Partei behauptet, die Versammlung habe die sozialdemokratische Reso- lution gegen 50 Stimmen a b gelehnt. Diese A b lehnung habe der Vorsitzende, Genosse S ellin. selbst festgestellt. Mit einer Dreistig- keit, für die jede vernünftige Erklärung fehlt, schreibt da? Blatt dazu entrüstet, die„Regicrungssozialiften lügen das Ding ins Gegenteil unil" Die„Leipziger Volkszeitung" wird in ihrer Nr. 201 als Zentralorgan der„Unabhängigen" noch klobiger. Sie versichert:„Diese Niederlage versuchen die Abhängigen in einen Erfolg umzulügen, indem sie dreist und gotteSfürchtig erklären, die Reso- lution sei angenommen." Wohin soll diese wilde Verachtung der Wahrheit nur führen? Gegen die Zeugenschaft einer ganzen Volksversammlung wird die Wahrheit in ihr Gegenteil gefälscht, um im Lande Stoff zur dema- gogischen Hetze gegen die Sozialdemokratie zu haben! Wir stellen wiederholt fest, daß die Versammlung die Resolution, die Frieden und Freiheit forderte, gegen nur 40„unabhängige" Stimmen an- nahm und daß Genosie Sellin �uch nur diese Tatsache festgestellt hat. Industrie und Handel. Die siebente Kriegsanleihe. Die in wenigen Tagen zur Zeichnung aufgelegte siebente Kriegsanleihe wird fast genau nach dem Muster der sechsten aus- gestattet. Sie besteht aus 5prozentigen Schuld- verschreibungen und 41/2 proz entigen Schatz« anweisungen, die zum Preise von 98 M. für 100 M. Nenn- wert in der Zeit vom 19. September bis zum 18. Oktober zur Zeichnung aufgelegt werden. Für Schuldbuchfordcrungen mit Sperre bis zum 15. Oktober 1918 ermäßigt sich der Zeichnungs- preis auf 97,80 M. für 100 M. Nennwerk. Das Reich darf die 5prozentigen Schuldverschreibungen frühestens zum 1. Oktober 19K4 kündigen,--.Für die.. 4>/vP r-p�z.« n t i gen Schatz- anweisungen ist von vornherein ein TilgungSplan aufgestellt, der mit dem für die Schatzanweisungen. der sechsten Kriegsanleihe vorgesehenen übereinstimmt. Nach den Einzelheiten des Tilgungsplanes muß der Inhaber von� Schatzanweisungen im Fall der Auslosung seiner Schatzanweisungen mindestens für 100 M. Nennwert 110 M. erhalten. Er kann aber auch, wenn die Anleihe länger läuft, 115 oder 120 M. als Erlös erzielen. Dieser große Vorteil verdient in den weitesten Kreisen des Anlage suchenden Kapitals Beachtung. Da, wie anzunehmen ist, viele Eigentümer der älteren 5pro- zentigen Schuldverschreibungen und der früher ausgegebenen 5pro- zentigen Schatzanweiftmgen den Wunsch haben werden, ihren Besitz in die neuen auslosbaren Schatzanweisungen umzuwandeln, so ist wieder, wie bei der sechsten Kriegsanleihe, ein von leicht erfüllbaren Bedingungen abhängiges Umtauschrecht geschaffen worden. Die Einzahlungen auf die siebente Kriegsanleihe können vom 29. September ab(der 30. September ist ein Sonntag) ge- leistet werden; Pflichtzahlungstermine find der 27. Oktober, der 24. November, der 9. Januar und der 6. Februar. Reichsbauk und Kapitalerhöhungen. Die„Frankfurter Zeitung" schreibt zu der von uns beanstandeten Zustimmung der Reichsbank zu der gewaltigen Kapitalserhöhung der Daimlerwerke anläßlich der dadurch stimulierten Kurssteigerung der Rüstunqswerte: „... Man folgert weiterhin, daß, wenn die Reichsbank ein solches nach vielen hundert Prozent zu be- wertendes Bezugsrechl wie bei Daimler gutheißt, auch andere seither zurückgehaltene Verwaltungen, wie angeblich Deutsebe Waffen und Rheinische Metallwaren mit neuen Bedürfnissen heraustreten könnten. Demgemäß waren die Wertpapiere der Rüstungs- und Automobilgruppe fest." Wenn die Reichsbank selbst zu Kapitalserhöbungen, die schon durch die Kursbewegung als spekulativ aufs deutlichste gekennzeichnet find, ihre Zustimmung gibt und die reine Spiellust anieuert, so begibt fie sich des moralischen Rechtes, die sogenannten spekulativen Auswüchse zurückzudämmen._ Einschränkung der Verkokung und Stahlerzeugung. Die„Kölnische Zeitung" schreibt zu der angeordneten Beschrän- kung der Kokserzeugung um 6 Proz. und der Einschränkung des Koksverbrauchs um 10 Proz.:„Von der Einschränkung der Koks- Herstellung um 6 Proz. verspricht man sich hier und da nicht nur keine nachteiligen, sondern gute Wirkungen. Infolge der bisherigen starken Anforderungen an Koks war der Betrieb der KolSöjeii bis aufs äußerste angeiponut und gesteigert, nicht zum Vorteil der Güte des Koks, der hohen Gehalt an Asche und Wasser aufwies. Von der BeiriebSeinichränlung erhofft man daher eine wesentliche Verbesse- rung des Kols und damit eine günstige Rückwirkung auf die Roh- eisenerzeugung, so daß die Wirkung der Einschränkung des Koks- Verbrauchs vielleicht zu einem erheblichen Teil wieder ausgeglichen werden kann." Soziales. Die UebergangSfürsorge vom Krieg zum Frieden wird der Gegenstand der Kriegstagung des Deutschen Ver- eins für Armenpflege und Wohltätigkeit sein, die am 21. und 22. September im Abgeordnetenhause in Berlin zu- iammentreren wird. Es werden sprechen: Oberbürgermeiiler C u n o- Hagen über die Ueberleitung der Kriegerfamilienunler» stützung in die Friedensverhältnisse: Gemeinderat Dr. Linde- mann- Stuttgart über die Erwerbslosenunterstützung in der Uebergangszeit; Profefior Dr. A l t m a n n- Mannheim über die Maßstäbe der Unterstützung in der Uebergangszeit. Neben diesen Fragen öffentlicher Fürsorge wird sich die Tagimg mit der Gestaltung der privaten Wohltätigkeit nach dem Kriege be- schäftigen, und zwar steht die vielumstrittene Frage der B e a u f- sichtigung der freien Liebestätigkeit zur Ver- Handlung. Außer dem Hauptreftrenten Dr. Albert Levy, dem Vor- sitzenden der Zentrale für private Fürsorge in Berlin, wird als Berichterstatter Geh. Regierungsrat Pokrantz, der stellvertretende preußische Staatskommissar für die Durchführung der Bundesrats- Verordnung über Wohlfahrtspflege während des Krieges, und Dr. Zahn, der Leiter der Hamburgischen Gesellschaft für Wohl- ätigkeit, sprechen. Geheimratsargumente. Der Streit um die Angestelltenversicherung zeitigt die wunder- barsten Blüten. Zu den rein sachlichen Erörterungen gesellen sich in neuerer Zeit auch solche, die alles andere eher sind, als von fach- lichen Motiven getragen. Wir erinnern an die Broschüre von Hans Blankenstein, die wir vor kurzem zum Gegenstand der Erörterung gemacht hatten. Es scheint recht schlecht mit den Argumenten der Ver- leidiger der Sonderversicherung der Angestellten bestellt zu sein. Die Gründe, die der Geheime Sanitätsrat Dr. med. Beerwald, der ärztliebe Referent der Reichsversicherungsanstalt für die Angestelltenversicherung. für eine solche jetzt anführt, muten geradezu komisch an, und das. ob- wohl die Auslegungen des Herrn Geheimrat in einer Wissenschaft- lichen Zeitschrift von Ruf erschienen und von ihm auch jedenfalls als wissenschaftlicher Aufsatz gedacht worden sind. Der Herr ver« öffemlicht im.Zentralblatt" der Reichsversicherung 1917, Spalte 493, eine Abhandlung über:„Der Begriff der Erwerbsunfähigkeit eine soziale Notwendigkeit". In dieser Abhandlung sagt der Herr außer anderm, um die Notwendigkeit eines gesonderten Heilverfahrens für die Angestellten darzulun, das Folgende: „Würde sich wohl der Bankbuchhalter Müller wochenlang wohl fühlen, wen» er im großen Krankensaal neben dem Maurer- gesellen Schulze liegen muß? Würde die Klavierlehrertn Lebmann wirklich Heilung finden, wenn sie während des Heilverfahrens um- geben wäre von einfachen Fabrikmüdchen?" Man muß sich geradezu verwundert fragen, ob der Herr die letzten drei Jahre denn geradezu verschlafen bat. Er weiß nichts davon, daß alle Bevölkerungsfchichlen Deutschlands seit drei Jahren nun schon nebeneinander in den Schützengräben und in den Lazaretten liegen, er meint, eine Sonderung. die allen sozialen Grundsätzen geradezu ins Gesicht schlägt, als Grund für die Notwendigkeit einer Sonderversicherung anführen zu können. Wir glauben, daß der Bankbuchhalter Müller und die Klavierlehrerin Lehmann die Auffassung des Herrn Geheimrals mit aller Enl- schiedenheit ablehnen werden. Man braucht sich bloß einmal zu fragen, ob, wenn der Bankbuchhalter Müller wirkich der Auffassung des Herrn Geheimr�s sein sollte, seine Behaglichkeit und sein „gesellschaftliches Empfinden" so erheblich gebeffert sein würde, wenn stall des Maurergesellen Schulze der Maurerpolier Schulze neben ihm liegen würde. denn dieser kann ja unler Umständen auch zum Kreise der Angestellten gehören. Und es wäre ja doch auch aar kein Zufall, daß neben dem Herrn Müller zugleich auch irgend einer seiner untergebenen Angestellten liegen könnte, dem gegenüber er den Vorgesetzten bisher vielleicht besonders heraus- gebissen hat. Nämlich auch,, das.„bedelltnngsvolle Moment der Sub- oroknätion" führt der Herr Geheimral als Grund eines besonder eu Heilverfahrens au. Er meint, daß. ivenn die emeii., Versicherten während der Arbeit Führer und die anderen Geführte seien, dieser Unterschied auch in ihrem übrigen' Leben hervortreten müsse, weil sonst leicht der erforderliche Gehorsam der Geführten leide ir könne. Eine gemeinsame Heilstätte während der Krankheit, eine gleichartige Behandlunq bei Gewährung einer Rente müßte aber auf die Subordination schädlich einwirken und fie müßten die Führer in ihrem gesell schaftlickieu Empfinden herabdrücken, die Geiührtcn anspruchs« voll und aufsässig machen. Das wäre für eine erfolgreiche Arbeit eine große Störung und könne unter Umständen die Erträge unserer Industrie so wesentlich beeinträchtigen, daß die Allgemein- heit davon einen namhaften Schaden haben müsse. Wir glauben, daß auch das Fräulein Lebmann sich im Kreise der Mädchen aus dem Volke nur wohl fühlen würde, vielleiebl wohler als bei den anspruchsvollen Zöglingen aus anderen Gesell- schaftskreisen, denen sie bisher die elementarsten Grundbegriffe der Klaviertechnik und der Notenkenntnis sich beizubringen bemühte. Solche Gründe, wie sie der Herr Geheimrat Beermann ansührt, sind ja natürlich alles andere eher als Gründe, die für eine Sondet- Versicherung der Angestellten sprechen. Und es fällt uns auch nicht im Traume ein, sie ernstlich irgendwie zerpflücken zu wolleie. Ihre sachliche Haltlosigkeit und innere Nichtigkeit ist so offensichtlich, daß jedes Wort hierüber Papierverschwendung bedeuten würde. Aber die Aeußerungen des auf der Hochschule studierten und bis zuin Geheimrat gekommenen Herrn zeigen doch, wie spurlos die schwere Zeil, die wir durchleben, an einzelnen vorüberrauscht. Eine Er- Weiterung des Horizonts tritt bei vielen anscheinend immer noch nicht ein. Jene aber, die ein besonderes Interesse daran haben, die An- gestelltenversicherung als Sonderversicherung ausrecht zu erhallen. die müsien bei dielen Darlegungen des Herrn Geheimrats gedacht haben: Ach hättest D u besser doch geschwiegen! Iugenüveranftaltungen. Schöueberg. Arbeiter- Jugend. Sonntag, den 9. September Fahrt nach Grünau und Langen See. Treffpunkt: 6 Uhr morgens, Kaiser- W ilbelm-Platz. Fahrgeld 40 Pf. Abends; Spielabend, Ansang 8 Uhr bei Henkel. Mittwoch, den 12. September: Abonnenten- Versammlung. Ansang Uhr pünktlich bei Henkel, Mewinger Str. 8. IvetterauSstcbten für das mittlere Norddeutfwtnnd vis Sonnabends mittag. In den Tagesstunden ziemlich warm, in der Nacht zum Sonnabend lüdt, zunächst warm, beiter und trocken, später im Westen Zunahme der Bewölkung und vereinzelte(Lcwitler. Verantwortlich für Politik: Erich»uttnrr, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: T». Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Einger& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Untervaltuiigsblatt. Eine reichhaltige Sammlung belehrender und unterhaltender Abhandlungen aus der Prabehest gratis. Außerdem erhält jeder Abonnent «!!",)! hsusbidliothell gratis \2;uie viawjijiuuije s�umuuuiii) wwv m Wissenschaft der ganzen Weit! Alle Leser erhalten gegen Einsendung des nebenstehenden Gutscheines ein Gralis-Probeheit der rühmlichst bekannten illustrierten Zeitschrift „Welt und Wissen". Dieselbe bringt von ersten Schriftstellern gemeinverständliche Abhandlungen aus allen Wissensgebieten. Jedes Heft enthält ca. 20 Artikel, z. B.: Der Mensch.m der Pfahlbauzett. — Wenn die Erde erzittert,— Wie erhalte ich mich jung.— Der Wille und dessen Gymnastik.— Das Leben unler Wasser.— Fernphotographie.— Liebe und Ehe bei den Naturvölkern.— Der Mensch und die Geisterwelt.— Flüssige Luft.— Einfluß der Lebens- weise aufdas Meuschenallcr.— Verschwundene Städte in der Sahara.— Eine Fahrt im Unterseeboot usw. und zwar zu jedem Jahrgang drei Werke. Damit jeder Leser darauf abonnieren kann, der Preis ans nur 20 Pj. pro Heft festgejetzt. ist Gutfcbein V für ein Gratis-Probeheft. An den Verlag von„Welt und Wissen" Berlin-Schöneberg, Am Park 11. Ich bestelle hiermit ein Probebest kostenlos zugestellt, Name Ort— !Tr. 245 ♦ 34. Jahrgang Seilage öes vorwärts Irettag, 7. September 1417 GroßSerlln Das Gespenst der Wohnungsnot. Von der diesjährigen Zählung leerstehender Woh n u n g e n, die am 19. Mai ausgeführt wurde, veröffentlicht für B e r l i n jetzt das Statistische Amt der Stadt die Hauptzahlen des Ergebnisses. Das Bild, das sich uns da bietet, ist für die zur Miete wohnende Bevölkerung, namentlich für die Minder bemittelten, noch sehr viel u n g ü n st i g e r als bei der Zählung des vorigen Jahres. Die unvermietet gebliebenen Wohnungen haben sich weiter vermindert, so daß das sogenannte Ueberangebot von Wohnungen, über das die Hausbesitzer klagen, sich weiter ermäßigt hat. Diese Gestaltung des Wohnungsmarktes ist begreiflich, da ja in der Kriegs zeit fast gar keine neuen Wohnungsbauten mehr errichtet werden konnten. Für Berlin wurden am 1. Dezember 1913, am 1. November 191.1, am 16. Mai 1916, am 19. Mai 1917 als leerstehend gezählt 27 809, 39 728, 39 863, 34 574 Wohnungen, darunter ohne Gewerbe räume 25 945, 35 904, 33 492, 28 157 Wohnungen, mit Gewerbe räumen 1864, 3824, 6371, 6417 Wohnungen. Gegenüber dem vorigen Jahre haben die leeren Wohnungen sich bei den Wohnungen ohne Gewerberäume noch etwas gemehrt, dagegen bei den Wohnungen ohne G e w e rb e r ä u m e, die für die Be� friedigung des Wohnungsbedarfs der Bevölkerung ausschlaggebend sind, sich st a r k vermindert. Bei dieser wichtigsten Wohnungs gruppe zeigt für 1917 die Gliederung in Klaffen nach der Zimmerzahl, daß gegenüber 1916 die leeren Wohnungen aller Größen sich gemindert haben. Gegenüber November 1914 ist für Mai 1917 bei den kleinen Wohnungen eine besonders starke Minderung, bei den mittleren eine mäßige Minde- rung, bei den großen dagegen eine Mehrung der leerstehenden fest« zustellen. In 1913, 1914, 1916, 1917 wurden unter den Wohnungen ohne Gewerberäumen als leerstehend gezählt 557, 685, 979, 573 mit keinem Zimmer, 13 093, 16 717, 14 347, 13128 mit einem Zimmer, 7000, 10 744, 8329, 6435 mit zwei Zimmern, zusammen 20 650, 28 146, 23 655, 20 141 mit keinem, einem oder zwei Zimmern, serner 3533, 5464, 6744, 5272 mit drei oder vier Zinunern, 1762, 2294, 3093, 2744 mit fünf oder mehr Zimmern. Angesichts dieser Lage des Wohnungsmarktes wiederholen wir unsere Mahnung, gegen die Gefahr eines nach dem Kriege zu erwartenden Wohnungsma�rgels bei« zeiten Vorkehrungen zu treffen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß nach Friedensschluß bei einer Plötzlich einsetzenden starken Nachfrage namentlich nach Kleinwohnungen die Reserve leer stehen- der Kleinwohnungen sich rasch erschöpfen wird. In der andauernden Verminderung leerstehender Kleinwohnungen kündigt sich schon jetzt deutlich genug das Gespenst der Wohnungsnot an. Zum Streit um die englischen Gaswerke wird eine ausführliche Darlegung des Berliner Stand- Punktes in der nächsten Sitzung der Stadtverordneten erfolgen..Es soll dann", schreibt uns der Magistrat,.ein An« trag aller Fraktionen verhandelt werden, welcher der liefen Erregung der Bürgerschaft, über das Vornehen der Staats- regierung.. gegen Berlin und gegen die städtischen Teile Groß-BerlinS Ausdruck zu geben besnmmt ist. Man hegt die Ucberzrugung, daß die Entscheidung der Regierung nur erfolgt sei, um Berlin in eine ungünstige Lage zu versetzen, da die Staatsregierung zweifellos mit der Möglichkeit einer Annahme ihrer Bietungsbedingungen seitens Berlins nichts rechne." Auch der Aufsichtsrat der städtischen Gas- und Etektrizilätswerke hat gestern die Haltung beraten, welche gegen- über dem vom technischen und wirtschaftlichen Standpunkl gleich be- sremdlichen Angebot der Regierung einzunehmen ist. Der Auf- sichlsrat hat, wie wir hören, sich dagegen erklärt, daß die Stadt Berlin auf die Zumutung eines neuen Angebotes zu den von der Regierung ihr jetzt gestellten Bedingungen eingeht. Uebrigens scheint man von der Wendung, die infolge deS Vorgehens der Regierung die Angelegenheit des Verkaufes der engli- tchen Gaswerke genommen hat, auch in den Kreisen Teltow und Niederbarnim nicht gänzlich be- friedigt zu» sein. Mindestens über die Höhe des Preise«, den die Regierung jetzt für angemessen hält, ist man erstaunt und be- stürzt.._ Wieviel Gas darf ich verbrauche«? Bei der Gasverbrauchsregelung für Groß-Berlin ist, wie be" kannt, die zugelassene Verbrauchsmenge aus n e u n Z e h n t e l der" jenigen des Vorjahres bemessen worden. Viele Gasabnehmer wissen aber nicht mehr, welche Mengen sie im Vorjahr verbraucht baden. Wie wir hören, wird allen Gasabnehmern auf jeder Rechnung durch besonderen Vermerk für den folgenden Monat oder das folgende Viertel- jähr mitgeteilt werden, wie groß in demselben Zeit- räum des Vorjahres ihr Verbrauch war. Die Benutzer von Gasautomaten werden fast ausnahmslos darüber im un- klaren sein, � welchen Verbrauch sie im vorigen Jahr hatten und wieviel sie demnach in diesem Jahr verbrauchen dürfen. Aber auch hier können die Gaswerke aus ihren Büchern den früheren Verbrauch feststellen und ihn den Automatkunden mitteilen. Bei den Aulomatkunden empfiehlt es sich übrigens, ihnen die er- laubte Verbrauchsmenge in Groschen umzurechnen, was nicht jedem ganz leicht sein wird. Da nian durch Automaten für 10 Pf. 542 Liter Gas erhält, so ist z. B. der zunächst für den Monat fest- gesetzte Mindestverbrauch von 30 Kubikmeter s— 30 000 Liter) etwas mehr als eine mit 55 Groschen zu bezahlende Gasmenge. Es wäre außerordentlich bedauerlich, wenn dieser Beschluß Geltung behalten sollte. Er könnte dazu führen, daß bei einer längeren Frostperiode sich genau dieselben Mißstände des vorigen Winters wiederholen würden. Hoffentlich geschieht alles von den Gemeinden, um derartiges zu vermeiden. Tie Winterversorgung mit Kartoffeln. Die Kartoffelnot zu Beginn dieses Jahres war auf die un- gewöhnlich lange Frostperiode zurückzuführen, die es unmöglich machte, die Mieten zu öffnen und dadurch die Kartoffeln dem Frost auszusetzen. Vermehrt wurde dieser Uebelstand noch durch die so- wieso schon ungenügenden Transportverhältnisse, die bei der Glätte noch besonders stark in Erscheinung traten. In dieser Zeit waren diejenigen zu beneiden, die sich mit Kartoffeln versorgt hatten. Sie waren in der Lage, sich nicht allzusehr deS Kohlrübensegens erfreuen zu müffen. Aus diesen Erfahrungen hätten eigentlich die Groß-Berliner Gemeinden lernen sollen und zur Vermeidung ähnlicher Uebelstände eine Winlerversorgung mit Kartoffeln durchführen sollen. Einzelne Gemeinden haben damit im vorigen Winter sehr gute Erfahrungen gemacht und deshalb beantragt, auch für den kommenden Winter eine Vorversorgung vorzunehmen. Leider hat der Arbeits- ausschuß der Groß-Berliner Gemeinden eine umfangreichere Winterversorgung abgelehnt und beschlossen, eine Vorausbelieferung zum Einlagern in den Haus« Haltungen stets nur für je sechs Wochen vorzunehmen. Einzelne Gemeinden wollten zwar trotz diese? Beschlusses eine Ver- sorgung für etwa 3—4 Monate durchführen. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 22 der Berliner Zuckerkarte wird außer•|/4 Pfund Verbrauchszucker noch 1 Pfund Zucker für Einmache« zwecke, also zusammen E/,, Pfund Zucker verausgabt. Soweit von der Berechtigung, auf Abschnitt 21 der Berliner Zuckerkarte statt Zucker Kunsthonig zu entnehmen, Gebrauch gemacht wird, kann die Entnahme von Kunsthonig auf diesen Abschnitt aus« nahnisweise während des ganzen Monats September erfolgen. Au Abschnitt 21 werden noch 3 Pfund Kunsthonig ausgegeben, von Ab- schnitt 23 an nur noch 2 Pfund. Der Verkauf von Schokolade für Kinder auf blaue Bezugscheine findet in der Zeit vom 10.— 13. September in den durch braue Verkaufsschilder gekennzeichneten Geschäften statt. Die Ausgabetage für Schokolade auf die gelben und rosa Bezugscheine werden noch bekanntgegeben. 'Zziau&H. uk&/Jlaäcfan fagi dmmf5ic EolÄ» sthnuuF tragen, baß fle»hre�ßlicht verletzen 27 Mark für ein Pfund Schinken. Ein Spandauer war zum Hamstern hinausgewandert und kam auch zu einem Landwirt in Gatow, der unter anderem einen prächiigen Schinken fein eigen nannte. Auf vieles Bitten wollte der Besitzer den Schinken verkaufen, er verlangte aber nicht weniger als 27 M. für das Pfund oder 972 Mark für den 36pfün- digen Schinken. Unter diesen Umständen verzichtete der Spandauer Hamster auf den Erwerb. Tas Risiko des Schleichhändlers. Al« Schleich- und Kettenhändler, der mit fast allen Gegen ständen des täglichen Bedarf« Kriegswucher treibt, wurde vom KriegSwucheramr der Kaufmann Julius Höge aus Stralsund, Sitzigerdamm 62, festgenommen. Er hielt sich hier in einem Hotel am Stettiner Bahnhof auf, um Seife zu Wucherpreisen zu verschieben. Ein Teil der Ware im Werte von etwa 15 000 M. wurde beschlagnahmt, darunter ein kleiner Posten in der Simplondrogerie. Berlin, Simplonstr. 21. Höge besorgte auch Pfeffer, Schuhe, Käse u. a. m. So ersuchte ihn die Firma T h. Hahn u. Comp., G. m. b. H., Charlottenburg, Goethestr. 69, in einem Brief vom 24. August d. I. um Besorgung von Seife im Schleichhandel,.doch müsse er das Risiko der Beschlagnahme selbst tragen und sie fügte noch hinzu:.Besorgen Sie uns auch noch eßbare Sachen für unseren Haushalt, wie Kartoffeln, Honig, Hühner, Enten usw."_ Aus Lstpreusien zurück! Der erste S ond crzug mit Groß-Berliner Kin dern kirus£) st p r e-u frv'n- ist bercM am gestrigen Donnerstag früh um l/zK Uhr auf dem Schlefischen Bahnhof eingwlr offen. Fünfhunderr vom Provinziakderein Berlin des Vaterländischen Frauenvereins und vom Charlottenburger Verein Edelweiß aus gesandte Knaben und Mädchen, die seit April bei Land lcuten im Kreise Niederung untergebracht waren, langten frisch und wohlgemut wieder bei Muttern an. Vorsorglich halte man versucht, dem Ansturm der Familien zu wehren und sie von dem Bahnsteig fernzuhalten. Aber Hunderte von Müttern und Geschwistern, von Tanten und Großmüttern ließen es sich nicht nehmen, auf dem Bahn steig auszuharren, um die sehnlichst Erwarteten eigenhändig aus dem Wagen herausholen zu können. Ein schöne» Bild war's, als der Sonderzug in die Bahnhofshalle einfuhr unter dem Tücher schwenken und Jubelgeschrei der fünfhundert Jungen und Mädel, die Kopf an Kopf sich um die Fenster drängten. Aus braunen E sicblern lackten blitzende Augen, die nach den Angehörigen suchten. Ein Durcheinanderlaufen und Rufen Hub an:.Annal?— Erich I?— Multer, hier!— Lisa I?— Da ist sie ja!* und nach kurzer stürmischer Begrüßung gab es ein eifriges Sckwatzen und Erzählen und Berichten. Auch Tränen flössen. Tränen nicht nur der Wiedersehensfreude, sondern auch schmerzlicher Enttäuschung, wenn ein Kind nicht sogleich die wartende Multer fand. Mit kundigem Blick und freudiger Ucberraschung prüften die Mütter das Gepäck der Kinder, die Ruck- säcke und Pappschachteln, die Kästen und Koffer, die Taschen und Tüten. Einzelne Kinder brachten sogar lebende Kaninchen mit, die sie in vergitterten Kästen oder im offenen Korbe trugen und be- hüteten. Manche Familie hatte, als sie sich auf den Heimweg machte, an dem Gepäck des Ankömmlings lüchlig zu schleppen. Da durste man auf gewichtigen Inhalt sckließen, hoffentlich auf schmack- und nahrhafte Andenken an die schönen Tage von Ost- Preußen._ Die Barunterstütmugen an Kriegcrfamilien haben in Berlin bis jetzt die Höhe von über 318 Millionen Mark erreicht. Der Monat August war mit 13�/, � Millionen beteiligt, wovon rund 2 Millionen auf Mietebeihilfe entfielen._ Feuertod eines Kindes. Bei einem Wohnungsbrande in der Friedrich-Karl-Straße 15 in Lichtenberg ist der dreijährige Heinz Ritter ums Leben gekommen. Frau R., die tagsüber außerhalb beschäftigt ist, ließ ihr Kind stets allein in der verschlossenen Wohnung zurück. Am Mittwoch hatte sich der Knabe Streichhölzer zu verschaffen gewußt, mit denen er spielte. Dabei setzte er in der Küche die Gardinen und andere Wäschestücke in Brand. Die von Hausbewohnern alarmierte Feuerwehr fand in der völlig verqualmten Wohnung den Knaben leblos in der Küche liegend vor. Wiederbelebungs- versuche hatten Erfolg, doch mußte der Kleine nach dem Kranken- hause geschafft werden. Dort ist da« bedauernswerte Kind der Einwirkung des Rauchgase» erlegen. Der Vater steht im Felde. Gemeinsam in den Tod gegangen ist ein betagtes Ehepaar, der Oudenarder Str. 21 wohnende 71jährige Baumeister Karl F l ö t e r t und seine 62 jährige Ehefrau Auguste, geb. Reinsberg. Sie lebten in guten Verhältnissen, der Mann war aber seit längerer Zeit krank und verzwelselte an Besserung. Flötert und Frau haben sich mit Gas vergiftet. Ein gefährlicher LcbenSmittelkartcnschwindlcr' ist ein Monteur Hermann Bäsch aus Bremen, der vor einiger Zeit nach Berlin kam und dann hier Handel mit Lebensmittelkarten trieb. Diese wußte er sich in folgender Weise zu beschaffen. Er erschien auf den verschiedensten Brotkommissionen in Berlin, Charlottenburg, Reinicken- dorf, Wittenau und anderen Vororten und legte dort als Legitima- tion einen Ausweis des Bremer Bezirkskommandos vor. Da es sich um ein amtliches Papier einer Militärbehörde handelte, so be< gnügte mau sich mit dieser Legitimation, während bekanntermaßen Zivilpersonen gegenüber die Brotkommissionen außerordentlich genau und sicher gehen. Seine Einnahmen waren beträchtlich, da er z. B. die Brot- und Fleischkarien zum Preise von 1,50 bis 3 M. ver- äußerte. Der Handel fiel einem Charlottenburger Polizeibeamten. auf, der den Verdächtigen festnahm. Das Apollotheater hat jetzt auf seinem Programm zwei Namen von Klang: Fregolia und Paul Beckers. Die Leistungen der Vseic- wandlungssckauspielerin Fregolia sind so überraschend und Oer- blüffend, daß Mißtrauische zunächst an Täuschung glauben königen. Den bewundernden Zuschauer reißt Fregolia zu stürmischem Be/ifall hin mit einem kleinen Einakter, in dem sämtliche acht Rollen— ein Kellner, ein Bankier und sein Barmädel, ein alter Professor und seine Choristin, ein Leierkastenmann. die eifersüchtige Bankiersgattin und der schließlich zu Hijkfe ge- rufene Polizist— nur von ihr selber gespielt werden. Nack- her läßt ein Fregolia-Film uns einen Blick hinter die Kulissen tun, um zu zeigen,.wie's gemacht wird" und dr/ß bei den Verwandlungskunststücken alles mit rechten Dingen zugeht. In diesem Film zieht noch einmal derselbe Einakter an uizs vorüber, aber so, daß wir Fregolia bei ihren hinter den Kulissen blitzschnell ausgeführten Umkostümierungen beobachten können. Einen gleich starken Erfolg hat P a u'.l B e ck e r s mit seiner unwiderstehlichen Komik, die er besonders als Hundehändler Lehmann sehr wirksam zur Geltung bringt. Er kann manchen das Lachen lechren, der es in dieser Zeit der Sorge und Not verlernt hat. Dps Programm bietet unter anderm noch vortreffliche Akrobatenleistungcn der Parker-Familie, der beiden Kutils und der beiden FrpnziZ. „Herrscher der Luft." Der Verein zur Förderung deutscher Lust- und Flugschiffahrt gibt am 8., 9. und 10. d. Mt§. zum Besten unserer Flieger eine Veranstaltung im Zirkus Btfsch. Die Spielfolge setzt sich zusammen aus einer großen Vokal- und Instrumental- aufführung, einem Massenreigen und Richard Wildes Fliegerspiel »Herrscher der Luft". Zirkus Busch. Nach einer an Erfolgen reichen Sommerspielzeit wird der Zirkus Busch am Sonnabend, den 15. September, abends 7>/z Uhr, mit einem erstklassigen, abwcchselunzsreichen und großen zirzensischen Programm seine Berliner Pfortcm öffnen. Schon der Eröffnungsabend wird eine prächtig inszenierte Parüomime bringen. Bolkskonzcrt deS Philharmonischen Orchester?, heute in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23. Beginn 8 Uhr. Eintritts- preis 30 Pf., Kasseneröffnung 7 Uhr. Charlottenburg. Stadtverordneten-Versammlung. In der Sitzung am Mittwoch fand zunächst die Einführung deS neugewählten Stadtrats, unseres Genossen Sutzmann, statt, der in der städtischen Verwaltung bereits seit einer Reihe von Jahren als Waisenpfleger und als Bürgerdeputierter ig der Depu- tation für die Wasserwerke tätig war. In seiner Erwiderung auf die freundlichen Begrüßungsworte des Oberbürgermeisters und des Stadtverordnetenvorstehers betonte er, daß er sein neues Amt führen wolle im Sinne eines aufbauenden und trotz aller Leiden der Gegenwart zukunstsftohen Sozialismus.— Die zahlreichen kleineren Vorlagen des Magistrats fanden debatteloS die Zustimmung der Versammlung. Die Vorlage, die den W a s s e r p r e i s in Rück- ficht auf die gesamten Zeitverhältnisse, bei denen das Wasserwerk nicht nur nicht mit Ueberschuß, sondern wahrscheinlich mit einem Defizit arbeitet, nicht unbeträchtlich erhöhen will, wurde vertagt. damit sie gemeinsam mit der ebenfalls drohenden Erhöhung des Gas- Preises beraten werden kann. Bei der Vorlage, die dem M i e t s- e i n i g u n g s a m t die Befugnis verleihen will, über die Fort- -setzung gekündigter Mietsverhältnisse sowie über eine eventuelle Er- böhung des Mietspreises zu bestimmen, gab Genosse Katzen- .sie in die' Anregung, daS Mietseinigunggamt möge sich mit den Organisationen der Mieter und der Vermieter in Verbindung setzen und die Vertreter beider Organisationen zu gemeinsamer Beratung zusammenberufen! dadurch könnte viel Streit vermieden und über- flüssige Arbeit gespart werden. Die Vorlage selbst fand die ein- stimmige Zustimmung der Versammlung. An einen Ausschuß verwiesen wurde die Vorlage über die neue Kriegsteuerungszulage, die am 1. Oktober mit Rückwirkung vom 1. Juli in Kraft treten soll. Nicht erfaßt werden von dieser Vor- läge alle aus Anlaß deS Krieges vertraglich angenommenen Hilfskräfte. Deren Bezüge sollen, wie es in der Vorlage heißt, vom Magistrat in angemessener, der Zeitlage entsprechenden Weise neu festgesetzt werden. Stadtverordneter Genosse Dr. Borchardt wünschte, daß diese Neuregelung ebenfalls jetzt erfolge, und der Bürgermeister er« klärte, sie sei bereits geschehen und soll mit Inkrafttreten der neuen Teuerungszulage zugleich veröffentlicht werden. Die städtischen Arbeiter sind mit den Kriegslohnzuschlägen nicht gleichmäßig be- dacht. In der Gasanstalt, dem Elektrizitätswerk und ewigen anderen Verwaltungen sind die Zuschläge höher als in anderen, z. B. bei der Parkverwaltung und bei den Feuerwehrmännern. Hier wünschte Genosse Dr. Borchardt eine gleichmäßige Be- Handlung im Sinne der Besserstellung, konnte jedoch eine entgegen- kommende Erklärung vom Bürgermeister nicht erhalten. Diese Frage wird im Ausschutz noch eingehend erörtert werden.— Die Vorlage zur Ersetzung des Dreiteilungsversahrens der Müll« abfuhr durch das Zweiteilungsverfahren und die damit zusammen« hängende Aenderung der Müllabfuhrgebühren und die Aenderung des Etat» für die Müllbeseitigung wurde ebenfalls einem Ausschutz überwiesen.— Zum Schlutz wurde auf Antrag des Magistrats eine städtische Verwaltungsdeputation für die Kohlen- Versorgung gewählt. Der Oberbürgermeister warnte jedoch davor, von der Tätigkeit dieser Deputation allzuviel zu erwarten. Genosse Dr. Borchardt betonte, datz der Hauptzweck dieser Deputation im wesentlichen der sein dürfte, einen Teil deS AergerS und der Erbitterung, die mit der Weiterentwicklung der Verhälwisse im Winter in der Bevölkerung entstehen werden, auf die gewählten Vertreter der Bürgerschaft mit abzuladen, denn irgendwelche durch- greifende Maßnahmen kann diese Deputation im Rahmen ihrer Be« sugnisse nicht treffen. Aber auch in der bescheidenen Aufgabe der örtlichen Regelung der Verteilung und der Informierung der städtischen Vertreter im Kohlenverbande Groß-Berlin wollen unsere Genossen trotz der zu erwartenden Nackenschläge bereitwillig mit« arbeiten._ Charlottenburg. Lebensmittel. Vom Donnerstag, den 13. Sep- tember, bis Sonnabend, den 22. September, werden verabfolgt: 100 Gramm Teigwaren, Sorte 1 oder Sorte II. aus Abschnitt 132 der roten Nahrungsmittelkarte, und 100 Gramm Suppen, lose, zum Preise von 13 Pf. oder 2 Suppenwürfel bezw. Beutel a 10 oder 15 Pf. auf Abschnitt 133._ Lichtenberg. Die KriegsauSgabcn der Stabtgemeinde. Die tädtische» Behörden haben bisher zur Deckung der verschiedenartigen Knegsausgaben 9 Millionen Mark bewilligt. Die bis Eüde Juni d. I. geleisteten Ausgaben betrugen bereits 82,5 Millionen Mark, denen als Einnahmen an Beihilfen aus der Provinz, der Erstattung an Reichsunterstützung und aus dem Verkauf von Lebensmitteln usw. 62,2 Millionen Mark gegenüberstehen, so daß bisher 20,3 Millionen Mark nicht gedeckt sind. Nach Abzug weiterer zu erwartender Er- statiungen stellt sich die städtische vorläufige Belastung auf 9 677 000 M. Zur ferneren Bestreitung der Kriegsausgaben sollen bis 3 Millionen Mark kurzfristige Anleihen beschafft werden. — Ungenügende Fleischbclieferung. Zu der nächsten Stadtver- orduetenversammlung hat die sozialdeinokratische Stadtverordneten« fraklion folgende Anfrage eingebracht:»Ist dem Magistrat bekannt, daß seil einiger Zeit die Känser, die in den letzten Stunde» ihr fleisch entnehmen sollen, auK nicht' daS geringste Quantum erhalten tonnen. Was gedenkt der Magistrat zu tun, um diesen Uebelstand zu beseitigen?'_ Spandau. Lebensmittel. Heute beginnt der Verkauf der städti» scheu Butter auf Abschnitt II der Speisefcttkarte. Auf jeden Ab- schnitt werden 80 Gramm zum Preise von 44 Pf. verausgabt. Mit Ablauf von Donnerstag, den 13. September, verliert Feld II seine Gültigkeit. Friedrichshngen. Lebensmittel. Heute gelangt auf Abschnitt 44 der Lebensmittelkarten in allen einschlägigen Geschäften Aus- landskäse zur Verteilung. Auf jede Karte entfällt Pfund zum Preise von vö Pf. Auf Abschnitt 48 kommen in dieser Woche noch zwei Pfund Kartoffeln zur Ausgabe. Ferner steht noch ein kleiner Posten Fischkonserven zum Verkauf. In. der Kriegsküche find wieder frische Aepfel eingetroffen. Der Ver- kauf findet nur gegen Vorzeigung der Lebensmittelkarte statt. Groß-Serliner Parteinachrichten. Weißensce. Am Dienstag veranstaltete der Wahlverein eine out besuchte Friedenskundgebung, in der Landtagsabgeordneter Otto Braun über„Die Friedensarbeit der deutschen Sozial- Demokratie' referierte. Es war wieder seit langer Zeit die erste Kundgebung der Weihenseer Arbeiterschaft. An der Hand eines reichhaltigen Tatsachenmaterials zeigte der Referent, wie die Partei von Kricgsbeginn an ihren Prinzipien getreu für den Frieden gewirkt hat und noch wirkt, unbeschadet der HerabminderungSversuche der„Unabhängigen". Mit Genug- tuung konnte der Leiter der Veranstaltung die Einmütig- ke>l der Versammlung mit den Friedensbestrebungen unserer Partei feststellen. Scheint doch auch für Weifiensee die.Kirchhofsruhe", die nach dem wüsten Treiben der„Unabhängigen" herrschte, vorbei zu sein und ein regeS Parteileben einzusetzen. Genosse S ch l e m- m i n g e r betonte noch, daß wir mit der blotzen Phrasendrescherei nicht aus diesem Elend herauskommen, hier heifit es nüchtern und klar den Tatsachen ins Auge sehen, der Partei die Treue halten und unermüdlich für sie tvirken. Mahlsdorf sOstbahnl. Grofie Volksdersammlung Sonnabend, den 8. September, abends 8 Uhr. bei Teglitz, Bahnhöf- und Äer- liner Stratzen-Ecke. Tagesordnung: 1. Friede und Neu- Orientierung. Referent: NeichStagSabgeordneter Robert Schmidt. 2. Freie Aussprache. Alle Männer und Frauen sind eingeladen. Gerichtszeitung. Mißhandlung eines Waisenkindes. Unter der Beschuldigung, ihr sechseinhalbjähriges Pflegekind in unerhörter Weise mihhandelt zu haben, stand Frau Berta M e l a n d e r, die vor zwei Jahren aus Antwerpen nach Berlin gekommen ist und früher in Reinickendorf, zuletzt in der Soldiner Strohe wohnte, vor der Strafkamnier des Landgerichts III. Die Angeklagte hatte sich ein kleines Mädchen, Erna T i e d k e, aus dem Waisenhause geholt, für dessen Pflege sie 15 M. monat- lich erhielt. Das Kind, welches einmal an den Masern erkrankt war, wurde von der Angeklagten am 25. Dezember nach dem Virchow-Krankenhause gebracht und ist dort gestorben. Als Todesursache wurde katharrhalische Bronchitis erkannt, die Aerzte landen jedoch an dem Körper des kleinen Mädchens die Spuren schwerer Mihhandlungen vor und es wurde gegen die Angeklagte das Verfahren wogen schwerer Körperverletzung eingc- leitet. Das Schöffengericht nahm nach dem Gutachten des Medi- zinalrats Dr. Stürmer an, dah das unglückselige Kind ein wahres Martyrium durchlebt haben, mutz. Der Sachver- ständige hat an dem Kinde eine Reihe der allerschwersten Per- letzungen festgestellt, die ayf ganz grobe und recht oft angewandte Einwirkungen zurückgeführt werden müssen. Diese über den ganzen- Körper laufenden Spuren krassester Mitzhandlungen spotte- 'ten aller Beschreibung, so daß die Aerzte sie zweifellos als Todesursache hingestellt haben würden, wenn nicht die Bronchitis vor- gelegen hätte. Das Schöffengericht verurteilte die Ange- klagte zu zwei Jahren Gefängnis, die Angeklagte legte aber Berufung ein und versicherte gestern unter Tränen, daß die � Mitzhandlungen nicht von ihr herrührten, sondern ihr 161h.Jahre alter Sohn Karl, der jetzt unbekannten Auf- entHalts ist, das Mädchen in ihrer Abwesenheit wiederholt ge- schlagen und brutal gestoßen habe, weil er das Kind von Anfang an nicht habe leiden können. Einige Nachbarinnen gaben diesem Sohne allerdings das Zeugnis eines großen Flegels, bekundeten aber über die Behandlung des Kindes durch die Angeklagte ver- schiedene Tatsachen, die sie wiederholt in Empörung versetzt hätten. Rechtsanwalt Roth gab zu, daß das Schicksal des bedauerns- werten Kindes alle Herzen mit Entrüstung erfüllen müsse, ver- mißte aber doch greifbare Beweise für die Schuld der Angeklagten, um so mehr, als tatsächlich die Wahrscheinlichkeit vorliege, daß der Sohn Karl dem Kinde die groben Verletzungen beigebracht habe. Es wurde deshalb Freisprechung beantragt. Das Gericht nahm an, daß die unglaublichen Verletzungen, die die Aerzte bei dem Kinde festgestellt haben, nicht allein der Angeklagten aufs Schuld konto zu setzen seien. Sie habe es aber an der nötigen Pflege und Ernährung des Kindes fehlen lassen und von ibrem Züchtigungsrccht sehr reichlich und unnötig Gebrauch gemacht. Aus diesen Gründen lautete das Urteil nur auf sechs Monate Gefängnis, unter An- rechnung von zwei Monaten Untersuchungshast, die aufgehoben wurde. Hehlerei durch Brotkartenankauf. In einer Kaffeewirtschait, die der Volksmund„Cass Dalles" nennt, hatte der Angeklagte P. zwei Brotkarten gekaust. Er wurde vom Landgericht! zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. indem das Gericht Hehlerei in Tateinheit mit Uebertretung der Berliner Brotkartenverordnung annahm. Nach der Ueberztugung des Gerichts handelte es sich um gestohlene Brotkarten. Der An- geklagte hätte auch damit rechnen müssen, daß die Karten gestohlen waren, denn bei der Knappheit an Brot pflege niemand die eigene Karte zu verkaufen. Das Kammergericht verwarf die Revision des Angeklagten mit der Maßgabe, datz die Verurteilung nur wegen Hehlerei auszusprechen sei. Eine gleichzeitige Verurteilung wegen Uebertretung der Brotkartenverordnung könne deshalb nicht ein- treten, weil die Karten vom Verkäufer nicht ordnungsmäßig er- worben worden seien. „Saatweizeu". Die RittergutSbesitzerin Hausse von dem Rittergut Cappan bei Jüterbog wurde mit ihrem Inspektor Lütten wegen Beiseiteschaffung von beschlagnahmtem Saat- getreide vom Schöffengericht in Luckenwalde zu je 1660 M. Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil legte vor der Pols- damer Ferienstrafkammer Frau H. Berufung ein, während gegen L. daS Urteil inzwischen rechtskräftig geworden ist. Auf dem Ritter- gut. dessen Besitzer sich bereits drei Jahre in russischer Gefangenschaft befindet, blühte seit dieser Zeit ein schwunghafter Handel mit Saatweizen. In Scharen eilten Leute herbei und kauften für teures Geld Weizen zur„Saat", trotzdem die meisten Käufer statt Land nur einen Vorgarten besafien. Ohne Ausweis wurde an jedermann Weizen verkauft. Ein Stellmacher und der Aufseher der bei ihr beschäftigten Russen sowie der Inspektor waren die Verkäufer, während das Geld die Angeklagte eingenommen hatte. Um die Weihnachtszeit 1916 nahm dieser Handel derartige Dimensionen an, datz die Behörden endlich dazwischen traten. Der heute als„Sachverständiger" vernommene Duzfreund der Angeklagten, ein Herr Bohnstädt vom Nachbargut, erklärte dem Gericht, daß er dabei gar nichts finde, wenn man Saatweizen ohne Ausweis und Saal schein abgeben würde. Auf die Frage des Vorsitzenden, wenn er zum Beispiel als Potsdamer hin- lammen würde,.um einen Zentner Weizen zu laufen, ob er den auch bekommen würde, antwortete der Sachverständige: „Aber selbstverständlich würden Sie denselben ohne. Schein erhalten." Die Angeklagte gab als Entschuldigung an, datz sie genug mit Telephon und Hauswirtschaft zu tun habe und sich nickt um die Gutsangelegenheiten kümmern könne. Der Staatsanwalt be- antragte die Ladung eines unbefangenen Sachverständigen. Die Potsdamer Ferienstrafkamlner lehnte das ab und sprach die An- geklagte frei._ Ein Flngblattvrozeß. Der Waffenarbeiter Weber aus Solingen, der zur Partei der Unabhängigen Sozialisten gehört, hatte in einen, verschlossenen Kuvert an seinen im Felde stehenden Bruder mehrere Eremplare zweier Flugschriften geschickt, von denen die eine den Titel bat: „Imperialistischer Sozialismus oder prolc- taricher Klassenkampf". Auf der Rückseite �eS KuvcrtS war als Absender vermerkt: Pfarrer Schürmann. So- singen. Der Brief kam nicht in die Hände des Adressaten, sondern ging zurück, und zwar an den angeblichen Absender, den Pfarrer Schürmann. Demnächst wurde Weber als Absender er« mittelt. Das Landgericht in Elberfeld als Berufungsinstanz verur- teilte Weber hinsichtlich des falschen Absendervermerks wegen U r- k» n d e n f ä I s ch u n g. und oufierdein auf Grund des 8 9b des BelagerungsgesetzeS wegen Vergehens gegen die Bekanntmachung des kommandierenden Generals des 7. Armeekorps vom 27. November 1914. Diese verbietet e?, Plakate und Flugschrifien. wenn sie auch nur teilweise einen militärischen oder politischen Inhalt haben, ohne behördliche Genehmigung zu verbreiten. Dos Landgericht bemafi die Strafen für beide Vergehen auf zusammen drei Monate Gefängnis, wovon ein Monat als durch die Unter- fuchungshaft verbüßt erachtet wurde. Von der weiteren Anklage der Aufreizung zum Klassenbaß wurde W. freigesprochen, weil die Druck« schriften nicht in die Hand des Adressaten gelangt waren. Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten eingelegte Revision mit folgender Begründung: Der Absendervermerk auf der Rückseite eines Schreibens könne sehr wobl als beweis- erhebliche Urkunde iin rechtlichen Sinne angesehen werden. Das Landgericht habe auch festgestellt, daß der� Angeklagte durch den falschen Abi'endervermerk andere getäuscht und der Pasibebörde und etwaigen Kontrollstellen gegenüber den Eindruck hervorgerufen habe, er sei nicht der Absender. Mit Recht habe das Landgericht Urkundenfälschung angenommen. DaS Landaericht nebnie aber auch zutreffend eine Verbreitung von Druckschriften politischen Inhalts an. indem es feststelle, day der Angeklagte den Brief mit den verschiedenen Druckschriften in der Absicht zur Post gegeben habe, daß der Bruder die Schriften verteilen und so m e h r e r e n Personen zur Kenntnis bringen solle. Unter diesen Umständen stelle schon die Aufgabe des Briefe« zur Post eine Verbreitung dar. Sriefkaften der Redaktion. M. 6. 1. Jg. 2. Selbstverständlich 3. Während der Bertragszeit.— E. S. l. Für die Zeit der Einziehung fällt die Staatssteuer fort, da sa kein Einkommen vorbanden ist und wabrichcinlich vorher das Einkommen nicht mehr als 3606 M. betrug.(Selbsteinschäber.) Nach der Recht- svrcchung ist die Gemeindecinkommensieuer vorläufig weiter zu erbeben. Soweit uns bekannt ist— machen die Gemeinden von dieser Berechtigung keinen Gebrauch, sobald die Einberufung zum Heeresdienst nachgewicicn wird.—!R. B. 32. Wenden Sic sich an die Auskunstssielle Bahnbos Alexanderplatz.— A. F. 1. Es kommen nur einmal 246 M. im Jabr zur"Auszahlung. AIS Dienstzeit kommt jedoch nur die gesetzliche Dienst' pslicht, d. i. lic aktive zwei- oder dreijährige im Relchsbeer, in der Marine oder in den Schutzlruppen zur Anrechnung.— 21. B. 37. Ohne Ihre Einwilliauug durste die Operation u. E. nicht vorgenommen werden. Sollte nicht doch eine Zustimmung Ihrerseits erfolgt sein?— A. I. Ja. — Ztz. B. 3S. Wenn Sie arbeiten und mehr wie ein Drittel verdienen, können Sie Invalidenrente überhaupt nicht beanspruchen. Sind Sie länger als 2» Wochen krank, können Sie Krankenrente beantragen Autrag ist an die Landespersicherunasanstnlt einzureichen.— M. Z. 39». Wen» der Tod innerhalb eines Jahres nach der Aussteuerung an derselben Krankheit erfolgte und die Arbeitsunsähigkeit bis zum Tode dauerte, bestebt Anspruch auf Sterbegeld,. 8 262 R-V.-O.— F. I. 33. 1. Rückwirkende Kraft bat der Erlaß nicht. 1. Da Sie als Untcrossizier einberufen, nein.— ®.' D 91. Dieser Antrag Ist im Okiöber t!MK vom Reichstag angenommen worden. Antrag ist an das Kommando zu lichten. Diroktiem; Max Reinhardt. OentacheB TOeAter. 7 Uhr: Othello, Sopijabend T'/jUhr: Soldaten. Komm erspiele. 8 Uhr: Dos Koneert. SoBnabend 7'/, 17.: Fasching. Volksbühne. Theater am BUlowplatr. Untergrundb. Schönh. Tor. I'/jUhr: Wob Ihr wollt. Sonnabend: Ratten. Lessing-Theater- vi, Uhr: luede. Sonnabend; Madame Legre». Sotmtag: Madame Legres. Deutsches Kliosllep- Theater. Aiiabenducb ciubieute. Dir. 0. Meinhard— R. Bernauer. Theater Königgrälzerstr. 8 Uhr: Erdgeist. Komödienhaus 7>/, U.: Die»erlorane Tochter. Berliner Theater 7i/,Ü.:Die toIleKomtcB. Der erfolgreiche Eröftnungs-Spielplan Dazu: 9 Uhr abends Pantomime in 12 Bildern von Korl Vollmoeller Theater für Freitage 7. September. Oentsches Opernhons «'/. vhr.- Loiiengrin. Frledrlch-Wllhelmst. Theater Das Dreimäilerlhaiis. Kehr. Herrnfelrt-Th. Operetten-Gastspiel 7'/, Uhr eretten-Uastspiel - Die ledige Ehefrau. Kleines Theater 7 uhn Belinde. Komische Oper v.- Schwarzwaldmädel. Stg. 3'/,: Die Dose Sr. Hajeatät. Metropol-fheater 7'(,uhr: Die Czardasflirstin. II esldon»-Theater TU Uhr 1-'U Die Warschauer Zitadelle Lustspielhaas vif m,■ 91» blonden MSdels ' UVbi. ¥0m L|nd#nhof> Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kassent. Nd. 281 �.uhrjerSoIflatderMarie. Schiller- Thcoter O Tv.uhr: Traumulus. Mchllier-Th. Charl. vuvhr-. Tora andern Dfer. Thalia-Theater 71U Uhr: Egon und seine Frauen. Tbeaier am Nollendorfplatz tu uhr: Die Gulaschkanone, Theoter des Westens f/.uhr: Der verliebte Herzog mit Guido Thielscher. NATIONAL-Theater 'US Der groBe Erfolg! Dop{et tlio I ioho f Operettenpoese i. 3 Atzten Uda 1dl Ulc LICUC...: ikusitz von«alter Brornrne I.Bild: Baron niegenleim» Pleite. 2. Bild; Auf der Rennbahn Karlshorit. 3. Bild; Gerichtssaal in Kiekemal. Vorvk. 10-2 u. 6 U. Mus{.Sellin Bahnhof Friedrichstraße. Anlang 8 Uhr. Rauchen gestattet. D,s Mns-Vsriett- Pr#- groBes| 8 Meiniokes gramm _____________ halsbrech. Akt. Olassons ganz neue Leist. M' Max» Moritz."MU Luis u. Sohn.— Sums. Parforce- Schnitzeljagd. Halali Sonntag 31/, u. 8 Uhr. Nachm. 1 Kind frei, i. Gratis-Ponny-Keilen. MtWle Heb« Mflitnonie Köpenicker StroBe 96—97. Vom 7.— 10. September: Sturmflut,(ihr Sohn,) mü Zelnik.| 15 Hark Geldstrafe oder drei Tage Haft. Entzückendes Lustspiel. Vllya— Film Ii ed. - f■' w VoTsJ-ellucndeTi xzmä 4*o/S30/6*of*°9Ctor .*S30CBir. 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September, nachmittags'/,4 Uhr, von der Halle de» Zentral-Fried- hoseS in Friedrichsseide aus statt. Rege Beteiligung erwartet 06/18 Oje Ortsverwaltung. Voigt-Theater. Badstr 58. Badstr. 58. Getchlossen vom 3— 8. Septbr. Sonntag, den 9. September, nachmittags 4 Uhr: Der Walzerkönig. Vorder: Erstklassiges Gpezialttäten-Prograinm. 17. Sept. Beg. d. Binterspielzett. Laslno-Theater Lothringer Straße 37. Täglich Uhr: Wirklicher Humor! Gr. Erfolg! Die Schlagerposfe Heiraten»nutzte! Borher der neue bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Guslo, die Perle. Berliner Prater-Theater. Kastanienallee 7—9. Heute: Aha— famos! Gr. AuSstattungs-Operellenposse in 3 Akten mit Gesang u. Tanz. Vorher d. gr. Varietsprogramm. Ansang i'l, Uhr. Irianon-Tiieater a. Bhf. Friedrichsir. Tel. ZL4927 Anf.'US Der Anf.'/.« reizende Adtian Sonntag nachm. 3l/4 Uhr bei ermäßigten Preisen; Johannisfeuor von Sudermann. Admirals-Paiast. Die Xovltat Abrakadabra Grotes phantastisches Ballett auf dem Else. 7'l4 U. VorzUgl. Küche. veutlcher IMallarbelttr- verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nqch- richt, daß unser Kolleg«, der Anschläger Reinliold Schuster Andreasilr. 57 am 3. September gestorben ist. Die Beerdigung sindct am Freitag, den T. September, nachmittags 1'/, Uhr. von der Leichenhalle des Zentral- Friedhoscs in Friedrichsseidc aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Zizschtisfe. Den Mitgliedern zur Aach- richt, daß unser Kollege, der Gürtler Msi Sternilzky, Swinemündcr Straße»8, am 15. August gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bohrer Beleelav Bajewsky Spandau, am 26. August gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Gmil Dalitz Friedrichsberger Straße 3, am 30. August gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Wickler Karl Decker Rosenthal, am 31. August gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Melallarbeilerin Hedwig Schröder Lichterseide, Hindenburg- damm 75a, am 2. Septem- der gestorben ist. Ehre ihre« Andenken k Die Ortsverwaltung. Unidersal-Brieksteller 3,50 Mark, Buchhandlung Vorwärts, Lindenstratze 3(Laden). Unterhaltungsblatt öes vorwärts Schlupfwespen. Von C. S ch« n k l i n g. LZenn die Raupen des Kohlweihling« im Herbst erwachsen und zum Verpuppen reif sind, unternehmen sie kleine örtliche Wände- rungen, indem sie ihre Futterpflanze verlassen und sich an einer Mauer, am Staket, an einem Baumstamm uiw, ein Plätzchen zur Verwandlung aufsuchen. Haben sie«in solches gefunden, so hallen sie sich krampfhaft mit den Beinen fest, werden schwarz und be- kommen eine welke, faltige Haut. Dann dauert e« nicht lange und die Raupe oder eigentlich ihr Balg hängt da bedeckt und umgeben von zahlreichen kleineu. gelben Gebilden.»Die Kohlraupen legen Eier!" rufen dann wohl Unkundige und find bemüht, die eierähn« lichen Puppenknäulchen mit der vermeinten Raupenhaut zu vernichten. Kurzsichtiger Eifer! Verkehrtes Bemühen I Jene»gelben Eier" ent« halten die vor der Verpuppung stehenden oder schon zu Puppen gewordenen Larven einer Art von Schlupfwespe, der größten Feindin der Kohlraupe, und sind deren Kokons. Die Schlupfwespen gehören zu der Ordnung der Hautflügler und leben fast alle als sußloi'e Larven, also al«„Maden", im Körper anderer Insekten, vorherrschend in ihren Larven oder Puppen. wodurch sie deren naturgemäße und volle Entwicklung unmöglich machen. Die Weibchen besitzen nämlich einen Stachel, mit dessen Hilfe sie ihre Eier einbohren können, den sogenannten Legebohrer. Bei vielen ist er kurz und in der LeibeSipitze verborgen, bei andern ragt er, von einer Scheide umgeben, länger oder kürzer schwang- arlig hervor, zum Zeichen, daß die Eier hier tieser oder flacher in andere Gegenstände untergebracht werden können, sogar in solche Larven, welche im Holze bohren. Die größeren Schlupfwespen- orten beschenken rn der Regel den Wirt nur mit einem Ei, kleiner« oft mit einer sehr großen Menge. Im letzten Falle werden die Larveiz oder Puppen an- gestochen und soweit im Innern aufgefressen. 1>aß nur noch die Haut übrig bleibt, aus ivelcher sich die erwachsenen Schlupfwespenlarven herausarbeiten, um alsdann zu ihrer Berpuppung ein Gespinst um sich zu fertigen. Erst vor dem Verlassen der Raupenhülle erhält gelegentlich der ersten und letzten Häutung die Wespenlorve einen Mund— bisher nahm sie ihre Nahrung durch sogenannte Osmose imittels Aussaugen durch die äußere Haut) in sich auf. Der Mund enthält aber nicht Freß- sondern nur Beißwerkzeuge. Jener würde sie nicht bedürfen, denn sie nimmt keine Nahrung mehr zu sich, wohl aber dieser, denn sie muß sich durch die Raupenhaut durchnagen, um nach außen zu gelangen. Die Schlupfwespen gelangen also als Ei in eine Schmetterling«- raupe, die ihm entschlüpfende Larve ernährt sich von dem Feltkörper dieser, aber veranlaßt ihr weder Leibschmerzen noch Mangel an Freßlust. Vielmehr merkt man derselben weder äußerlich noch in ihrenl Betragen an, daß in ihrem Innern ein„Wurm" nagt, sie streift wie jede gesunde Raupe ihrer Art, die letzte Haut ab und wird zur Puppe, bat auch erst, wenn es so ihre Gewohnheil mit sich bringt, ein Gehäuse um sich gesponnen. Schließlich erscheint aber au« den Umhüllungen nickt der Schmetterling, sondern die zierliche Gestalt einer Schlupf- wespe. Damit ist aber keineswegs die Art und Weise der Fort- Pflanzung der Jchneumoniden, wie die Schlupfwespen wissenschasilich auch genannt werden, erschöpft. Manche z. B. heften ein bis zwei Eier äußerlich, meist in der Nähe des Kopfes einer Raupe an; die daraus entstandenen Larven bleiben saugend hier hängen und fertigen sich ein pergamentartiges Gespinst, wenn sie zur Ver- puppung reif sind, gleichzeitig aber auch durch ihr Saugen die Raupe zugrunde gerichtet haben. Wenn noch hinzugesügt wird, daß manche der Jchneumoniden aus Schmetterlings e i e r n sich ent- wickeln, andere auS Blattläusen, so liefern diese Talsachen nicht nur einen Beweis fiir die Verschiedenheit in der Lebensweise dieser �Schmarotzer, sondern auch für die Winzigkeit der unter, ihnen vor« kommenden Körpersormeu. Die düster gefärbte KohlraupcN-Schlupfwespe ist durchschnitilich 1 Millimeter lang; die in der Raupe des Kiefernspinners schmarotzende Art bleibt mit 3— 3.S Millimeter Läng« hinter ihr zurück; noch kleiner sind natürlich die in Blattläusen schmarotzende» Arten, so die schwarz gesärbie, rotbeiNige AphidiuSart, welche einige Phasen ihrer Entwicklung in Rosenblättläusen durchmacht und nur 2 Millimeter Länge erreicht. Dagegen wird die Riejenschlupfwespe, die in verschiedenen großen Käferpuppen schmarotzt, 24—30 Millimeter lang, und ihre nahe Verwandte, Lpbiaites tubsrculatus, ebenfalls in Bock- und Rüsselkäferlarven schmarotzend, kommt ihr fast an Größe gleich. Zwischen diesen Extremen von den lausenden Arten, welche zu der Unterordnung der Hautflügler gehören, stehen betreffs der Größenverhältnisse die anderen. Wunderbar ist eS, daß jedes Schlupfwespenweibchen einen bereit« bewohnten Wirt unangefochten läßt. Wenn ein solcher von zahl- reicheren Larven bewohnt ist. so stammen sie von ein und dem-' 48] Inders hjarmsteö. Von Jakob Knudsen. „Seinen Träumen!— er ivar ja auch ein bißchen ein- faltig. Das ist er soweit wohl noch. Aber ich Hab keine Träume— ich träume nie so ctivas." „Nein— aber, äh—" „Aber mir scheint, es mutz gut sein, Ungerechtigkeit zu verhindern, wo man sie aufspüren kann—" „Gewitz— aber-- die Rache gehört Gott, ich will bezahlen, hä, hä, hä.— Aber Sie streben natürlich nach Vollkommenheit.— daran ist ja nicht zu zweifeln— auf Ihre Art,— aber— äh— es mutzte ja nach innen gehn, Sie mutzten sich selber überwinden. Und der Welt gegen- über, da müßten Sie ja dann Böses mit Gutem überwinden. — Die Siege, die zu erringen ivären, die liegen im Innern und in der Liebe. Das andere, das— nach außen hin,— das ist— das gehört, so wie auch das Gericht, das gehört dem Jenseitigen an." „Ja, was denn,— im Himmelreich ist doch kein Unrecht zu überwinden." „Nein, denn da hat unser Herrgott alles Unrecht über- wunden." „Ich versteh das nicht. Aber ich meine, daß man mutz., wie man kann,— das steht doch gewitz auch geschrieben. Ist das nicht so?" „Nein, da irren Sie sich wirklich—" „Ich meine, man kann nicht mehr tun, als man kann—" „Nein, da haben Sie ganz recht; aber ich denke doch. datz Sie eine ganz verkehrte Richtung mit Ihrer Tätigkeit einschlagen." „Sie sind aber doch auch ein recht erbärmlicher Bursche, datz Sie nicht mal so ein altes Weib im Zaum halten können wie diese Madam Balling da." Der Pfarrer öffnete schnell die Tür nach der Wohnstube, ging hinein und holte einen Speinapf, für den aber keine Verwendung war, schloß die Tür und rüttelte ein wenig daran!„ja. ich denke gar nicht daran, mich selbst zu rühmen, abetz mir scheint doch, datz es so seinen rechten Weg geht.— Ich habe es ja nun einmal ihrem Manne versprochen,— was sollte aus ihr werden, wenn ich nicht.-- Ich meine, selben Weibchen ab. Nur in dem Falle, wo der Schmarotzer von einem andere» Schmarotzer heimgesucht wird, kann ein und derselbe Wirt zweimal angestochen werden, dann aber von einer zweiten Art, welche es nicht auf ihn, sondern auf seinen Einmieter abge- sehen hat. Merkwürdig genug, datz die Schmarotzer selbst nicht von Schmarotzern verschont sind, daß es also Schmarotzer- Schmarotzer gibt. Der Kampf um das Dasein wütet überall in der lebenden Natur, und darum darf es uns nicht wundern, wenn auch die Zer- störer unserer Bäume und anderes Ungeziefer, dem wir al« Schädiger von krautartigcn Gewächsen begegnen, wieder anderem Getier zur Nahrung dienen, das ihnen also in ähnlicher Weise feind- lich entgegen tritt, wie sie selbst der Pflanzenwelt entgegentreten. Zu ihnen gehören die Schlupfwespen, die dem Gartenbesitzer wie dem Forstmann nicht zu verachtende Helfer in der Erhaltung seiner Kulturen sind. In unö um Tarnopol. Von den vielen zerstörten Häusern in Tarnopol sind nur wenige zerschossen, weitaus die meisten verbrannt, d. h. geplündert und an- gezündet. Ihre Trümmer rauchen noch tagelang. Da« ist aber auch das einzige, was an die Vertreibung der Russen erinnert. Auf den Straßen drängt sich geschäftig die Bevölkerung. Meist Juden. Dazwischen— wie in den anderen galizischen Städten— über- elegant gekleidete Mädchen und Frauen, Modell Tauentzienstraße. Alles wie im tiefsten Frieden. » Glühende Mittagssonne. Durch die Straßen marschiert ein deutswe» Bataillon mit vollem Gepäck. Ein Mann fällt um. Der SanitätSunterosfizier bemüht sich um ihn. von hilfsbereiten Frauen umringt. Eine alte Bauersfrau holt eine Zitrone au« ihrer Markt- tasche— vielleicht hat sie auch so einen Jungen draußen. Eine junge, hübsche Bürgerin bietet ihre Wohnung an, die allerdings ein besserer Aufenthalt ist als die staubige Straße. Zwei Mann packen an, und in wenigen Minuten liegt der Soldat gewaschen und er« frischt in einem.richtigen" Bett. Und auch für Trank und Speise wird von den Frauen gesorgt. » Unter russischer Herrschaft. t9l4. Wilde Reitergesellen— Tscher- leffen— sind die Herren in Tarnopol. Mit den Männern machen sie wenig Federlesens. Mit den Frauen noch weniger. In vielen Häusern ist ein abseits gelegener Raum zum Frauengemach umge- wandelt. Vor die Türen sind Schränke gestellt, so daß kein Mensch da- hinter ein Zimmer vermutet. Auf der Straße durfte sich— besonders abends— überhaupt kein weibliches Wesen sehen lassen. Das dauerte einige Wochen, bis Tarnopol einen Gouverneur bekam, der Rube und Ordnung herstellte. Und Ruhe und Ordnung hielten die Russen dann fast drei Jahre lang. Erst in den letzten Tagen, als e« sickier war, daß sie Tarnopol räumen mutzten, ging alle« drunter und drüber wie am Ansang ihrer Herrschaft. * Nach der Revolution. Auf der Straße bekommen ein Offizier nnd ein Soldat Streit miteinander. Andere Soldaten eilen zu Hilfe. Der Offizier wird umringt und verprügelt. » Dicht drängen sich die Soldaten um einen jungen, hübschen Mann. Einer der ihm am nächsten Stehenden spricht zu ihm..Herr Minister...', fängt er an. Doch der unterbricht ihn:„Sage nicht.Herr Minister' zu mir. sage.Kamerad'. Wir sind alle Käme- raden." Dabei reicht er dem Soldaten die Hand. Alle« weitere geht ünker in einem brausenden„Hoch, KerenSki!" Acht Tage später kam die russische Offensive inS Rollen. « In den alten russischen Stellungen. Gleich in den ersten Unter- stand schlug ein Volltreffer. Die eingestürzte Decke begrub einen Soldaten unter sich. Mit der Brust nach unten liegt er da. Die Hände in die Erde gekrampst. Ein schiverer Balken grub sich ihm in den Rücken. Ob er gleich tot war? Ob er in diestr Lage noch lebte-- vielleicht stundenlang?—— tagelang? • 50 Meter weiter liegt einer mit schwerem Bein- und Unterleibs- schuß. Im Gegensatz zu den anderen Toten, die hier liegen, sind seine Glieder noch weiß. Er muß also noch längere Zeit gelebt haben, nachdem ihn die Kugel traf. Nur der Kopf»st schwarz und etwas aufgedunsen. Aber auf dem jungen Gesicht liegt ein käst« I lieber Friede.— So war dein Ende doch ein leichtes, mein Junge. es geschieht doch nicht eben zu meinem Vergnügen, wenn ich Madam Balling und ihre Kinder hier auf dem Pfarrhof behalte—" „Und da haben Sie sich und Cecilic unglücklich gemacht, weil Sie's nicht fertig brachten, ihr zu kündigen." „O, Sic sind recht streng gegen mich'!— Aber das stimmt auch nicht. Das geschah durchaus ebenso sehr des- halb, weil ich geglaubt habe, datz Cccilc sich nichts aus mir machte,— ich kann mir ja denken, datz Sie die ganze Sache kennen.--- Und es war gewitz auch das Beste, datz es so kam. Cecilie gewinnt ja große Macht über ihren Mann und kann ihn vielleicht zu einem guten Menschen machen. Das ist auch ein Glück für Cecilie." „Ich glaub nicht, datz sie es so ansieht," sagte Gjatrid, „Wie lönnen Sie das wissen?" fragte der Pfarrer. „Denn sie sagt, datz ihr Mann vielleicht erträglicher werden wird, weil er sich vor ihr beugen mutz. Aber er wird auch unglücklich— genau wie sie selbst." „Genau wie sie selbst?— Weil sie verheiratet ist mit——" „Weil sie Sie nicht bekommen hat." Der Pfarrer neigte den Kopf, so datz man sein Gesicht nicht sehen konnte. „Sie ivar auch diejenige, die gesagt hat, daß ich mit dem Adjunkten ein Ende machen und Anders nehmen solle, was auch Vater und Mutter dazu sagen möchten." .„Wann hat sie das gesagt, Gjatrid?" fragte Anders. „Gestern abend, als sie zu Hause war. Ach, ja, es war doch gut, datz sie's gesagt hat: sonst weiß ich nicht, ob ich so früh den Mut dazu gefunden hätte." „Weiß Ihre Mutter es, datz Cecilie Ihnen den Rat ge- geben hat?" fragte der Pfarrer. „Mutter hat es selber mit angehört." „Ach ja," sagte der Pfarrer.„Wenn Cecilie eS fo auf- faßt, so ist viel Grund dazu vorhanden. Sie tut nie etwas anderes, als was notwendig ist. Mir wird so unsicher und bange, wenn ich das höre." „Warum das?" „Denn das konnte ja trotzdem falsch fein, wsc ,idj, eS ansah. Ich habe mich ja nach nichts anderem zu richten, als danach, ob ich mich selbst verleugnen kann. Aber Cecilie kann sich immer nach ihrer ganzen Natur richten,— ach. das könnt ihr Faurholts alle--" Wenn du auch nicht das Glück hattest wie deine verwundeten Ka- »neradcn, die man nach drei Tagen in den Haferfeldern fand. « Vor der Kirche in O. flattert die Fahne mit dem roten Kreuz, Ich trete ein. In langen Reihen liegen sie— auf Stroh gebettet — Deutsche, Oesterreirber, Stusien. Ein langer deuticber Grenadier fällt mir auf. Er ichläft den Schlaf schwerster Erschöpfung. Der Gefreite erzählt mir von ihm: vorgestern mittag wurde er ver- wundet, als er mit einer Patrouille den Fluß überichrerien wollte. Er konnte weder vor noch zurück. Erst heule früh lonnten ihm unsere SanilätSmannschaften herausholen. Erschüttert gebe ich weiter. Fast zwei Tage lag dieser Mensch verwundet im Wasser und im Feuer!— Das ist dein wahres Gesicht, Krieg!(z) Kurt Herlbut. Schieber. Mau schreibt uns aus..., aber nein, wir brauchen den Ort gar nicht näher zu benennen: Der Name kann überall in Deutsch- iand beliebig ergänzt werden. Man schreibt un§: Die Firma„Klavieripiel ohne NotenkennlniS" hatte keinen Ab- sotz mehr. Die beiden Inhaber saßen vor ihrem Schreibtisch und dachten. Rechts nebenan war die Firma„Sohlleder-Ersatz Hinden- bürg" und links nebenan war die Firma.Wasche mit Ton", und beide Firmen blühten. Blühten und dufteten nack> Wohlhabenheit sieben Meilen in den Wind. Ein anständige?, ehrliches, nicht aus Kriegswucher, sondern auf Kunst gestelltes GeschSsl aber ver- kümmerte. Wer wollte jetzt Klavier spielen? Geld wollten alle verdienen, nnd zwar schnell, mühelo! und gründlich. Warum sollte man nicht auch, wo doch alle... Man dachte also und allmählich dämmerte«S. Man mußte auch irgendeinen Ersatz erfinden. Leder-, Seife-, Oel-, Fett- oder Fleisch-Ersatz. Seife? Ach was! Erst der satte Mensch verfällt auf Reinlichkeit. Also Fleisch-Ersatz? Nun ja, am besten wäre wohl ein Ersatz, der sich nach Belieben als Seife oder als Braten verwenden und zur Not auch auf die Schuhe nageln ließe. Aber der Mensch muß sich bescheiden, alles läßt sich schließlich nicht erreichen. Also Fleisch- Ersatz. Aus Wasser, Salz, Suppen- kräutern und Sägespänen wurde nach einigen Versuchen ein Erzeugnis gewonnen, das sich sehen lassen konnte. Die Haupt- sackie war die Empfehlung. Ein Königreich für einen Namen. der einschlug! Die beiden Inhaber setzten sich nieder und dachten.„Rindfleisch-.Ersatz" war viel zu deutlich, war vulgär, war geradezu gemein. ES gibt solche schönen Namen, die wie Rätsel sind: Hapag, Bobag, Mulag, Wuniba. Jla. Etwas Modernes, NichtdagewejeneS niußte es sein. Deutscher Rindfleisch- Ersatz— D-R-E.— daS fing ganz gut an. Wenn man da nun AG anhängen könnte. Drcag! Famos, aber man war doch keine Aktien-Gesellschaft. Ach waS.»neint schließlich der Hauplcrfindcr, meine Frau heißt Anna und deine... hmhmhm— na, deine Braut heißt Karoline. Da haben wir's ja: Deutscher Rindfleisch- Ersatz Anna Karoline. Klingt sehr gut nach deutscher Hausfrau. Abgekürzt macht daS Dreak! Fertig ivar die Gründung. Zwei Tage daraus prangle» an allen Anschlagsäulen, Mauern und Zäunen der Stadt große rote Plakate. Darauf stand zu lesen:„Was ist Dreak?"... Die Inhaber der Dreak rieben sich die Hände. ES würde ein Bombengeschäft werden. 575 Proz. unter Anrechnung der Reklame, nach gelungener Einführung»nindestenS 500 Proz. Die angehenden Millionäre räkelten sich in feinen Klubsesseln, die schon zur Hebung der Geschäfte angeschafft worden waren. Sie brauchten nicht mehr zu denken. Die Stadt, die mochte jetzt raten an dem Rätsel „WaS ist Dreak?" In drei Tagen erst sollte sie die erlösende Anl, wort erhalten. Und dann kaufen— kaufen— kaufen!!' Am zweiten Tage aber— die unerfreuliche Firma„Klavier- spiel ohne NotenkennlniS" war soeben in die verheißungsvolle Firm» „Deutscher Rindfleisch-Ersatz Anna Karoline" umgeändert worden— stürzt Annas Gatte entsetzt in daS Geschäftszimmer:„August, hm sind pleite!"—„Bist du verrückt? WaS ist denn loS?"—„Dt drüben am Zaun, lies doch selbst I Solche Gemeinheit, solche Ge- meinheitl" Der Genosse des Elends stürzte zum Fenster. Da prangt drüben am Zaun der knallrote Anschlag:„WaS ist Dreak?" Darunter aber stand auf einem knallgrünen Zettel:»Ein DruS- sehler! ES soll Dreck heißen." Das Geschäft war wirtlich pleite. Notizen. — Zeitschriftenschau. Als Don-Juan-Sonder- Heft läßt die Vereinigung lünstleriicher Bühnenvorslände Heft 7/9 der Monatsschrift»Die Seen«" erscheinen. „Warum kann ich mich Venn nicht auch nach meiner Natur richten?" fragte Anders heftig..„Warum soll das alles ver- kehrt sein, was ich tue?" „?kach Ihrer Natur?—— Sie richten sich mehr so nach Ihren Ideen,— Sie sind ein Fanatiker,— Sie gehen durch." „Und waS tun Sic denn? Kriechen Sic in ein Mäuse- loch?" „Gewitz— ja— hä, hä, hä— ich wollte ja in mich gehen, ich wollte mich selbst verlöugncn, so gut ich konnte." „Ja. aber dann konnten Sie sich doch auch nicht irren. Pastor Steffensen", sagte Niels.„Ich meine, wie können Sie dann glauben, daß das falsch ist,>vic Sic sich Cecilic gegen- über benommen haben?" „Ich möchte ja auch sehr uugerne glauben, datz eS das war—" „Ja, aber sagten Sie denn nicht vorher, datz das einen Grund haben müsse, wenn Cecilie so spreche?" „Gewitz— o ja.-- Gleich nach der Trauung, am Hochzeitstage, da trafen wir uns draußen im Gartcu.— Ach, mir kann so bang werden, �— ich kann mich oft so un- glücklich fühlen. Aber es ist ja nicht, weil unser Herrgott unrecht haben sollte--" „Nein, denn es mutz ja doch stets daS Rechte sein, sich selbst zu verleugnen?" sagte Niels. „Ja. ja, das ist auch das Rechte. Aber— äh— ich habe keinen Matzstab, ich habe keine Natürlichkeit, gegenüber dem,— wodurch Gottes Kraft wirken könnte,.— ich kann mich nicht richtig vorfühlen, so wie Ihr auf Stavn das könnt.—— O, wie ich Cecilie geliebt habe!"— Der Pfarrer mutzte vor Bewegung eine Weile innehalten.— „Es ist eine so herrliche Statur in ihr,— sie hält' es mir zu sagen vermocht, wie alles sein müsse.— Ach, eS ist ja zu vieles bei mir iu Stücken, fast alles ist Ivie zerbrochen, so datz es zu nichts mehr recht zu gg- brauchen ist." „I, aber wie sind Sie denn so geworden?" fragte Anders. „Nun,— da ist so vieles gewesen. Ich Hab iiuu auc� geradezu zu wenig zu effen bekommen als Kind. Mein Vater war ein armer Häusler, und Mutter war krank, nnd wir waren elf Kinder."(Forts, folgt.) MWr MUMM VllliM.1 Gcwcrkfchaftshaus Berwaltungsttclle Verlin.*54, Sjnienfrtafie 83— 85. III Vf I»VI/VtMV* GeschäslSzcit von 9— t Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 48ö, 1239, 1987, 9714, Am Sonntag, den 9. September, vormittags 10 Uhr, im Lokal von Hummel, Sophienftraße S: Tagesordnung: 1. Verbands« und Branchenangelcgenheiten, 2. Diskussion, 3. Verschiedenes, Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. Tie LrtSverwaltung. Soeben erschlen: SoMlllemolrakie uvd slaaksdörml. Wehms -der Staatsbürger, Weltbürger und Mensch Von Nalionalrat Robert Seidel Privaidozen« an der ilnlversttä« Zürich Der Verfasser sagt in seinem Vorwort u. a,., Die vorliegend« Schrift belämpfl nicht nur die Irrtümer eines einzelnen Genossen, sondern die einer ganzen Richtung in unserer Darlei, aber sie stuhl sich in diesem Kampfe tnimer und überall auf die Geschichte, auf die Grundsätze....... Preis Mark 2,50 Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 3 lLade«) s Tabak-Ersatz. ltirzeptbuch(enth,: 16 Anweisungen zur Selbstherstellung gusprobierten Nauchmaterials) Preis M. 4,25 gegen vorherige Einsendung d. Betrages, 184L Johs. Chr. Bischoff, Kiel,«oninstr. 1. Pf und 4,95 M. an, Fleischige Kaninchen. 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Gursch, Reinickendorf-Ost, Kamekestraste 12 II. Botenfrau, Tour Tegel und Reinickendvrs-West, stellt ein Kienast, Borsigwalde, Räusch- straste 10,„Borwärts"-Spedi- tion.* Botenfrauen verlangt„Bor- Wärts"-Spedition Baerwald- straste 42, Laden. Bon 11— IIb und 414—7 Uhr.__* Zeitungsausträgerinne» können sich melden.„Vorwärts"- AuSgäbcltelleLailsttzerplatzlAlä. Frau zum Zeitungsaustragen verlangt Klein, Grünau, Frie- drichstraste 10.* Botenfrauen verlangt„Vor- warts"-Spcdition, Wattstr. 9, Laden. Von 11— IM und 414 bis 7 Uhr.* Botenfrau stellt ein Werk- mann, Friedrichshagen, Cöpe- nickerstraste 18.* Zeitungsausträgerin sofort einzustellen. Vorwärtsspeditivn Moabit, Wilhelmshavenerstraste 48. von 11— 114 und 414—7 Uhr.» Maurer, Zitnmerlente, Bauarbeiter, Tranen werden sosort eingestellt aus dem Fabrikneubau d. /KiUIoimken Antoinobil- GesellHch. i» Lberschöneweide, Ostend- ilraste. Ecke Buntzelstraste. Met- düngen im Bauburean d. 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