Wr. 248. 54. Jahrg. Bezugspreis: Merteljährl. Z.!X>M!.,monatt. 1,30 Vtt, wöchentlich 80 Cffl. frei ins HauS. vnnmszntitbdr Sinzeine Wochentagsnummern 6 Pjg- Sonntagsnummer mit illustrierter Beilage.Die Neue Welt'>0 Pfm Postbezug: Monatlich t.SO Ml Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich»Ungam L.50 MI., fllr das übrige Ausland 4 Ml. monatlich. Postbestellungen nehmen an Tänemarl. Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeilungs-Prelslisle. Ericheini täglich, Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Verlin'. �* Vevlinev VolksblÄtk. ( 5 Pfennig} Der Anzeigenpreis betrögt f. die ftebengespaltene Kolonel- -eile 60 Pfg.»Kleine Anzeigen", das settgedrurite Wort 20 Pfg.(zu- lässig 3 fettgedrurkre Worte). ledcs weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Echlafstellenanzeigen das erste Wort lOPsg., ledes weitere WortS Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen iür zwei Worte. Teuerungszukchlag SO»/» Familien- Anzeige» öl> Pfg., politische u gewerlschastliche Vereins- Anzeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen kür dre nächste'Ii Ummer müssen bis 5 Uhr nachmilt. im Hauptgeschäst. Berlin SW.Os. Ltndenstrage 3, abgegeben werden. Acöfsnet von 3 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zcntralorgw der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfchlands. Neöaktion: Ew. 68, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Ami Moripplatt, Rr. 151 90— 151 97. Montag, den 10. September 1917. Expedition: Ew. 68» Linöenstraße 3. Fernsprecher:«mr Morrnpia«, Nr. 151 90—151 97. Vor neuen nifflfchen SteUungen. Deutsche vaterlanöspartei. Während die Honoratioren verschiedener deutscher Klein- städte Protestresolutionen„gegen den ErzHeuchler Wilson" und— eins kommt zum anderen— gegen den demokratischen Fortschritt annehmen, ist man in Königsberg gleich aufs Ganze gegangen und hat eine neue Partei gegründet, deren Gründeraufruf in der koniervativ-alldeutschen Presse der- öffentlicht wird. Diese neue Partei ist das beste, was man haben kann, sie hat einen wunderschönen Namen, einen leib- Haitigen Herzog aus Mecklenburg zum Vorsitzenden ehren- halber, und der Jahresbeitrag beträgt nur eine Mark. Man- cher könnte nun meinen, er sei ohnehin schon Mitglied einer Partei und könne nicht zugleich zwei Gäule reiten. Aber auch dafür ist gesorgt, denn die„Deutsche Vaterlandspartei" ist ja eigentlich gar keine Partei, sie will mit„vaterländisch gerichteten(!) Parteien nicht in Wettbewerb treten", sie will keine Kandidaten aufstellen und sich mit dem Tage des Friedensschlusses auflösen. Man wird zugeben, daß man von einer neuen Partei mehr Entgegenkommen an das Publikum nicht verlangen kann. Bliebe nur eine Schwierigkeit, der Jahresbeitrag von 1 Mk. Aber auch damit wird es, wie wir versichern können, nicht so gefährlich sein. Geld ist ja ohnehin da, in Masse so- gar. Und man kann der neuen Partei auch beitreten, ohne daß man etwas davon merkt, indem man nämlich irgendeiner Körperschaft angehört, die ihr als Ganzes beitriit. Es gibt in deutschen Landen unzählige Ausschüsse und Vereine mit lan- �en unkontrollierbaren Mitgliederkisten, aus denen zumeist immer. wieder dieselben Namen stehen. So hat die neue Väterlandspartei die beste Aussicht, mit überraschender Schnelligkeit zu einer Armee papierener Soldaten an- zuwachsen. Und mit denen soll dann das deutsche Vaterland gerettet werden. Schade, daß man auf diese Weise nie wird erfahren können, was die Werbearbeit der neuen Pattei eigentlich ge- fruchtet hat. Und das wäre als Probe aus die Leichtgläubig- keit gewisser Kreise immerhin interessant, denn mit gewöhn- licheren Mitteln ist der Gimpelfang noch nie betrieben worden.„Wir wollen keine innere Zwietracht! Ueber inneren Hader vergessen wir Deutsche zu leicht den Krieg!" So wagt eine„Partei" in ihren Werbeaufruf zu schreiben, die doch zü Zwecken des inneren Haders gegründet worden ist! Derselbe Aufruf, der den inneren Hader ob- schwört, beginnt mit einer Kriegserklärung gegen den Reichstag und seine Mehrheitsparteien und ent- wickelt ein taktisches Programm, wie die Regierungsgewalt dem Einfluß der Volksvertretung entzogen und dem eigenen Einfluß unterstellt werden soll. Unsere Regierung befindet sich nach den Geschehnissen der Vergangenheit in einer Zwangslage. Ohne einen starken Rückhalt im Volk kann die Regierung allein derLagenichtHerrwerden. Sie. braucht für eine kraft- volle Rcichspolitik auch ein kraftvolles Werkzeug. Ein solches Werkzeug muß sein eine große, auf weiteste vaterländische Kreise gestützte Vvlkspartei. Man geht also von der Annahme aus, daß die Regierung den Kampf gegen die Volksvertretung aufnehmen will und bietet ihr für diesen Kampf die Bundesgenossenichaft an. Und während man io auf den inneren Konflikt hinarbeitet, hat man den Mut, politisch ahnungslose Leser mit der Redens- art zu ködern:„Wir wollen keine innere Zwietracht." Da die Reichstagsmehrheit kaum die Absicht hoben wird, zugunsten der„Deutschen Vaterlandspartei" aus ihren legi- timen Einfluß zu verzichten, fürchten wir von der Arbeit der neuen Partei eine Verschärfung des inneren Haders, die in der Tat gefährlich werden kann. Dieser Gefahr wird man am allerehesten Herr werden, wenn man ihr von vornherein entschlossen entgegentritt. Der Reichstag darf die Stellung, die er im öffentlichen Leben einnimmt, nicht durch eine reaktionäre Nationaldemagogie erschüttern lassen. Die Gefahr einer solchen Erschütterung ist aber heutzutage vorhanden, und sie kann nur dadurch beseitigt werden, daß der Reichstag das tragende Gerü st, auf dem seine Macht ruht, untersucht, neu befestigt und so starkmacht.daßallesAnrenneudagegenver- geblichbleibt. Je entschlossener sich der Reichstag zeigt, im deutschen Hause Ordnung zu schaffen, desto weniger können die Treibereien der neuen Partei gefährlich werden. Das Volk muß von der Sorge befreit werden, daß die A n f ä n g e eines geordneten verfassungsmäßigen Lebens, wie sie sich in den letzten Monaten herausgebildet haben, wieder zerschlagen werden könnten. Geschähe das, so wäre ein Herabgleiten inS Chaos die Folge, und olle Opfer der drei Jahre wären dann umsonst gebracht. Trommelfcener«nd Vorstöße in Flandern — Gefechte nördlich von St. Cuieiltin— Erbitterte Kämpfe auf dem Ostufer der Maas— Nene Rufsen-Stellungen zwischen Ostfee und Düna— Schweres Feuer auf dem Monte San Gabriele. Amtlich. Großes Hauptquartier, deo 9. September 1917. W. T. B. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kranprinz Rupprecht. In Flandern herrschte gesteigerte Feucrtätigkeit an der Küste und vom Walde von Houthoulst bis zur Straße Menin— Apern. Nach Trommelfeuer erfolgten nachts heftige englische Vorstöße nordöstlich von St. Julien. Ter Feind ist überall ob- gewiesen worden. Südlich des La Vassee-Kanals und auf beiden Ufern der Scarpe bereiteten die Engländer gleichfalls mit starker Artillerie- Wirkung gewaltsame Erkundungen vor, die ihnen keine» Erfolg brachten. Nördlich von St. Quentin haben sich bei Gricourt und Billeret heute morgen Gefechte entwickelt. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. � In der Champagne stieße« französifche Bataillone östlich de? Straße Sommc-Pp— Souain vor; sie wurden durch Gegen- angriff vertrieben. Vor Bcrdun ist auf dem Ostufer der MaaS tagsüber erbittert gekämpft worden. Die ersten Wellen der morgens zwischen FosseS-Wald und Bezonvaux angreifenden Franzosen brachen im Feuer unserer Grabcnbesatzung zusammen. Ten hinteren Staffeln des Fein- des gelang es bei neuem Ansturm, vom Nebel begünstigt, im Ehaume-Wald und auf Orna zu— dies Dorf war»ach Angabc eines gefangenen Offiziers das Ziel des französischen Angriffs — Boden zu gewinnen. Hier traf sie der kräftige Gegenstoß unserer Reserven und warf sie südwärts zurück. Abends vrr- vollständigte ein neuer Stoß unserer Kampftruppen den Erfolg: in hartem Ringen konnte der Feind im allgemeinen bis in seine Ausgangsstellung zurückgetrieben werden; kleiner Gelände- gewinn blieb ihm im Südteil deS Ehaume-Waldes und auf dem östlich davon streichenden Rücken. Bon drei fronzösischcu Divistonen, die blutigste Verluste— nach GefangenrnauSsasc bis zu 59 Proz.— erlitte«, fiud mehr als dreihundert Gefangene in unserer Hand geblieben. Unsere Infanterie hat sich vortrefflich geschlagen, die Ar- tillerie sehr gut gewirkt. Wertvolle Dienste leisteten die Infanterieflieger. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front Prinz Leopold. Zwischen Ostsee und Düna drückten unsere Bortruppen an mehreren Stellen die russischen Sicherungen auf die im Aushau befindliche« neuen Stellungen- zurück. Front Erzherzog Joseph. Südlich des Prnth lebhaftes StörungSfeuer und Vorfeld- geplänkel. Am Ojtoz-Tal ist die Artillcrietätigkcit merklich aufsclcbt. Mazedonische Ffrout. Südlich des Ohrida-SceS wurden russische Vorstöße abge- wiesen. Westlich de? Malil-Sees haben französische Kräfte einige Ortschaften auf dem Rordufer des Dcvoli-Abschnitts besetzt. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin, 3. September 1317, abends. Bei Apern und auf dem rechten Maas-User lebhafter Artilleriekampf. Vom Osten bisher nichts Wesentliches gemeldet. Ter österreichische Bericht. Wien, 9. September. Amtlich wird verlautbart:••. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der HeercSfront des Generaloberst Erzherzog Joseph stellenweise Artilleriekampf und lebhaftere Gefechtstäti gleit. Italienischer Kriegsschauplatz. Der Monte San Gabriele und andere Abschnitte der Jsouzo- front liegen unter schwerem italienischen Geschützfcucr. Die feindliche Infanterie wurde durch unsere Batterien nieder- gehalten. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Im albanisch-mazcdonischen Scengebict entwickeln sich Kämpfe zwischen unseren Truppen und den Franzosen. An der unteren Bojusa wurden feindliche Erkundungsabteilungen zn- rückgewicfen. Ter Chef des GeneralftabeS. Der Reichskanzler muß gefragt werden, ob er von der Hilfe, die ihm Herr Kapp gegen den Deutschen Reichs- tag anbietet, Gebrauch zu machen gedenkt. Oder eigentlich— hat das Fragen überhaupt noch viel Sinn? Herr Michaelis ist der erklärte Liebling aller Feinde des Reichstags, des Ver- ständigungssriedens und des politischen Fortschritts. Er hat bis zum heutigen Tage nicht eingesehen, daß ein Kanzler, zu dem das Volk Vertrauen haben soll, sich nicht durch solche Liebe kompromittieren lassen darf. Immer mehr gewinnt man den Eindruck, daß er die ihm angebotene Hilfe nicht zurückweist, weil er auf eine Gelegenheit wartet, sich ihrer zu bedienen. So muß sich alle Hoffnung an den Reichstag klam- mcrn. Wir stehen vor einem harten Winter. Druck erzeugt Gegendruck, und Kundgebungen erzeugen Gegcnkundgebun- gen. Der Ausbau der inneren Ordnung und zugleich— wider Absicht der Urheber— die Verteidigung des Reiches selbst sind durch fanatische Treibereien unberufener„Vaterlands- retter" bedroht. Wenn die Taten ausbleiben, die das Volk vom Reichstag erwartet, gehen wir Zeiten entgegen, an die man nur mit schwerer Sorge denken kann! * Der /lufruföer�Deutfchen vaterlanöspartei. Der Aufruf der Deutschen Vaterlandspartei beginnt mit den Worten: „Weite Kreise deS deutschen Volkes stimmen mit der Stellung- nähme der gegenwärtigen Reichstagsmeftrheit zu den wichtigsten Lebensfragen des Baterlandes nicht übcrcin. Sie erblicken in dem Versuch, gerade jetzt, wo des Reiches Schicksal auf dem Spiele steht, Kämpfe um Verfassungsfragen hervorzurufen und in den Vorder- grund zu stellen, eine Gefährdung des Vaterlandes und eine wenn auch nicht gewollte Förderung unserer Feinde. Sie sind der An- ficht, daß der vor dem Krieg gewählte Reichstag tatsächlich nicht mehr die Vertretung des deutschen Volkswillens darstellt. Wen gäbe eS, der nicht mit heißem Herzen den Frieden er- sehnte! Nervenschwache Friedenskundgebungen verzögern aber nur de» Frieden. Unsere auf die Vernichtung Deutschlands bedacht« Feinde erblicken in ihnen nur den Zusammenbruch deutscher Kraft. Und das zu einer Zeit, da wir nach dem Zeugnis unseres Hinden- bürg militärisch günstiger dastehen denn je zuvor. Sichern wir dem Feinde zu, daß für ihn jederzeit ein ehrenvoller VerständigungS- friede zu haben ist, so kann er durch Fortsetzung des Krieges nur gewinnen und nichts verlieren." Nach weiteren Ausführungen gegen den„Parteigeist" heißt es: „Deutsche Freiheit steht himmelhoch über der unechte« Demo- kratie mit allen ihren angeblichen Segnungen, welche englische Heuchelei und ein Wilson dem deutschen Volle aufschwatzen wollen, um so das in seinen Waffen unüberwindliche Deutschland zu vernichten. Wir wollen nicht Englands Geschäfte besorgen." Der Aufruf— mitunterzeichnet von dem Inhaber der Schichau-Werft Herrn Z i e s e— versickiert dann, dem beut- scheu Volke gehe es nicht wie England„nur uin das Gc- schäft". England sei zu Wasser und zu Lande geschlagen und werde in nicht zu ferner Zeit gebrochen sein,„wenn wir nur ausharren und trügerischen Friedenslockungen widerstehen". Nach feierlichen Treueerklärungen für den Kaiser wird weiter gesagt: „Wir wollen keinen Hungerfricden! Um einen Frieden bald zu erreichen, müssen wir nach Hindenburgs Gebot die Nerven be- halten. Tragen wir willig Rot und Entbehrungen, so wird dem deutschen Voll ein Hindenburg-Fricdcn zuteil werden, der den Siegespreis ungeheurer Opfer und Anstrengungen heimbringt." Ehrenvorsitzender ist. wie schon gemeldet, Herzog I o- Hann Albrecht zu Mecklenburg, l. Vorsitzender Groß- äömiral V. T i r p i tz, 2. Vorsitzender Generallandschaftsdirektor a. D. Dr. Kapp. Zu den Unterzeichnern des im„Hochsaal der ostpreußi- scheu Landschaft am Tage von Sedan" beschlossenen Aufrufs gehören außer den schon Genannten u. a.: Brodrück- Amalienau, Generalleutnant z. D. V. B r ü n u e ck- Königsberg i. Pr., Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen. Graf D ö n h o f f- Friedrichstein, Landhofmeister im Königreich Preußen. Ebel» Kr. Eh lau, Superintendent, Freiherr v, d. Goltz- Kall«. / K e u m. Kön�gSöerg t. Sr., ÄBitt«€tjteirrai, t. Ka. WaM«. fa&rtf S. Ttcinfurt G. m. b. H. Dr. K ö r t e- Königsberg i. Pr., Oberbürgermeister. E). Dr. v. P le h w e, Kanzler im Königreich Preußen. Freiherr v. T e t t a u- Dolks, Obermarschall im König- reich Preußen, Vorsitzender des Provinziallandtages. Ferner noch einige Bürgermeister und Professoren, sämtlich aus Ostpreutzen. Indes ist auch in Berlin schon eine Geschäftsstelle ge- gründet, und Graf R e v e n t l o w hat am Sonnabend in einer Versammlung in der„Philharmonie" für die neue Parteigründung Reklame gemacht. Wer ist Kapp? Zlm 5. Juni 1916 hielt Herr v. Betbmann Hollweg im Reichstag seine große Abrechnung mit den„Piraten der öffentlichen Meinung". Nachdem er die bekannte Bunins nltsr-Broschürve zerpflückt hatte, fuhr er fort: .Ein anderes Heft, der Verfasser trägt einen Namen von gutem Klang. sHört! hört! links.) ES ist der GencrallandschastSdirrktor Kapp(Hört! hört! links und im Aentrum), er sagt, die von mir ausgegebene Parole der Einigkeit fange an, bei uns dieselbe un- glückliche Rolle zu spielen wie einst 1806 daS nach Jena gefallen« staatsverräterische Wort:»Ruhe ist die erste Bürgerpflicht." Wo ist heute daS Jena? Hat der Herr nicht das Gefühl, daß er unsere große Zeit herniederzieht, indem er da» Wort Jena ausspricht.(Sehr gut! links und im Zentrum.) Und woher nimmt er die Stirn, mich als staatsverräterisch zu brandmarken, weil ich in diesem Kampf um alles nichts als ein einiges Deutschland sehe? sLebhafter Beifall links und im Zentrum.) ES ist bitter, die Lügen im Ausland ab- zuwehren, zuwider ist«S, wenn Schmähungen»nd Vcrlcnmdnngen in der Heimat auftreten. lMit erhobener Stimme): Ich nehme den Kampf da- gegen auf(stürmischer Beifall links und im Zentrum), ich werde ihn durchfechten. Meine Herren, nicht meine Person ist in Frage; was hat der einzelne zu sagen in dieser Zeit, wo draußen die ganze waffenfähige Mannschaft Deutschlands tagtäglich dem Tode ins Auge sieht?(Sehr wahr! links und im Zentrum.) Nein, nicht die Person, die Sache de« Vaterlandes ist es, dir Schade« leidet, wenn in systematischer Weise unter großem Aufwand von.Kosten und geduldiger Druckerschwärze Verleumdungen und Irrtümer durch das Volk getragen werden.(Zustimmung links und im Zentrum.) Und so auffällig cS sein mag, daß ich hier Ihre Zeit in Anspruch genommen habe mit der Besprechung von anonymen, zum Teil auch von nicht anonymen Broschüren— meine Pflicht ist eS, für das Vaterland einzutreten und dagegen zu wirken, daß daS Volk ver- giftet werde.(Lebhafter Beffall links und im Zentrum.— Unruhe.) Ich weiß, meine Herren, keine Partei in diesem Hause billigt Hehercien, die mit Unwahrheit oder mit Verleumdung arbeiten. Aber die Piraten der öffentlichen Meinung treiben leider häufig Mißbrauch mit der Flagge der nationalen Ehre. Dieser so gezeichnete Herr Kopp ist die Seele der neuen Partei. Dieser Herr Kapp gibt jetzt vor,„keine innere Zwic- tracht" zu wollen und versucht darum, den neuen Reichs- kanzler gegen den Reichstag aufzuhetzen! Ribot wieüerum Nmifterprasiüent. Paris, 8. September.(HavaSmeldung.) Nachdem die Präsident«« brider Kammern nach Pari» zurückgekehrt waren, hat Ministerpräsident Ribot dem Präsidenten der Pepublik das Rück- trittsgesuch des Ministeriums überreicht! dieser hat sich mit beiden Kammerpräsidenten besprochen und sodann Ribot den Auftrag ?ur Bildung eine» neuen Ministeriums angebaten, den tiefer auch angenommen hat. Wachstum öer Friedensbewegung in Amerika. Stockholm, 9. Septourber.(Eig. Drohtbericht de?„Vor- wärts".) Wie aus New Aork hierher gemeldet wird, ist die Friedensbewegung in Amerika in unaufhörlichem Wachstum begriffen. Die Mitgliederzahl der sozialistischen Partei stieg seit der Kriegserklärung von 199 999 auf 499 999. Ein nach Kriegsausbruch gegründeter Friedensbund zählt derzeit 2 Millionen Mitglieder. Die Friedensbewegung wächst auch in den Gewerkschaften. Gompers ist ohne sichtlichen politi- schen Einfluß. Die Friedenspartei erwartet Wilsons Rückkehr zur Januarpolitik, will sagen zur Politik der Friedensvermittelung, sobald die deutschen Kriegsziele besonder? bezüglich Belgiens hekannkgegehen s!n5. Den weiteren Fortschritten des Reichstags in der Richtung einer demokratischen Neuorien- tierung sieht man mit großer Spannung entgegen. Nach diesen Mitteilungen dürfte die Friedensbewegung in Amerika keineswegs in dem Maße unterdrückt sein, wie man in Deutsch- land vielfach annimmt._ die englischen Arbeiter in Stockholm. Tie Wahrheit über die Abstimmung der Labour Party. Stockholm» 3. September. Ein in Stockholm angekommener englischer Sozialist, der den Konferenzen der Britischen Arbeiter- Partei am 19. und 21. August beigewohnt hat, berichtet dem »Socialdemokraten", daß der Gesichtspunkt der Partei allgemein mißverstanden worden sei. Auf der Jahreskonfcrenz der Arbeiterpartei, die im letzten Februar in Manchester abgehalten worden ist, hatte eine große Mehrheit beschloffen, an keiner internationalen Konferenz teilzunehmen. Der Parteisekretär Artur Henderson, Mitglied des Unterhauses, der bis in die letzten Tage der Vertreter der Arbeierpartci im Kriegskabinett war, wurde im Mai nach Rußland gesandt. Er fand, daß dort die Stockholmer Konferenz mit größerem Ernst als in England behandelt wurde und kam zu der Ueberzeugung, daß es verfehlt wäre, wenn die Britiscbe Arbeiterpartei ihre Teilnahme verweigern würde. Im besonderen schien es ihm, daß, wenn die Konferenz einen beratenden, nicht einen bindenden Charakter haben und die britischen Sozialisten und Gewerkschaftler sich trotzdem enthalten würden, ihre Stellung gegenüber dem Kriege darzulegen, ihr Schweigen sicher zu Mißdeutungen Anlaß geben müßte. Henderson kehrte am 2. Juli nach London zurück und setzt« seine Anschauung am nächsten Tage vor dem Exekutiv- ausschuß der Arbeiterpartei auseinander. Der Ausschutz beschloß mit 9 gegen 4 Stimmen, ihn zu unterstützen, und auf eine Ein- ladung der Französischen Sozialistischen Partei wählte er ihn, als den Sekretär, weiter Macdonald als Kassierer und Wardle, als den Vorsitzenden der parlamentarischen Fraktion der Arbeiterpartei, als Delegierte, um am 27. zusammen mit den Delegierten des russischen Arbeiter- und Soldatenrats nach Paris zu gehen. In Paris beschlossen die ftanzösischen Sozialisten, an der Stock- holmer Konferenz teilzunehmen, unter der Voraus- setzung, daß sie einen beratenden und keinen bindenden Charakter haben werde. Als die Arbeiterpartei am 19. August ihre Konferenz in London abhielt, war Henderson in der Lage, der Versammlung zu berichten, daß in bezug auf die Bedingungen, worunter die brifischen und französischen Delegierten teilnehmen würden, volles Einvernehmen erreicht worden sei. Die Konferenz folgte mit großer Aufmerksamkeit HendersonS durchaus unparteiischer Darlegung der Gründe für und gegen die Teilnahme an der Stockholmer Konferenz. Die Verhandlung wurde hierauf für zwei Stunden unterbrochen, um den verschiedenen Gruppen zu ermöglichen, über seine Erklärungen zu beraten. Nach einiger Diskussion nahm die Konferenz mit 1 876 999 Stimmen gegen Söö 999, also mit einem Verhältnis von 7 zu 2, die Teilnahme der Engländer im Prinzip an. Sie einigte sich hierauf über die Mitglieder der Britischen Delegation und vertagte sich zum 21. Auf dieser»weiten Konferenz wurde das Prinzip selbst, im cisentlichc« Sinne, nicht diskutiert. Ein Teil der Delegierten hatte indes an der in Aussicht stehenden unVerhältnis- mäßig starken Vertretung der von Macdonald geführten Minderheitsgruppen Anstand genommen und nur aus diesem Grunde beschloß der Bergarbeiterver- band, der über ein Viertel der Stimmen auf den Kongressen der Arbeiterpartei verfügt, mit».»ner kleinen Mehrheit, div Be- stäfigung der vorangegangenen Abstimmung über die Konstftcnz abzulehnen. Nur daher kam es, daß die Stimmenzahl zugunsten der Teilnahme auf 1 234 99« fiel und die der Ovvositio« auf 1 231 999 stieg. ES mutz bemerk: werden, daß dieser anscheinend große Umschwung ausschließlich einem Meinungswechsel der Vertreter von Durham und Northumberland zuzuschreiben ist, wo die frühere gering« Mehrheit zerfiel. Die Mehrbrit der Arbriterpartri bleibt der Beschickung der Konferenz günstig gesinnt, was aus der Konferenz am 21. in charakteristischer Weise zutage trat. ES wurde nämlich ein Antrag eingebracht, die Diskussion über den Gegenstand aus unbestimmte Zeit zu vertagen, ein Worschlaq, der zur Folge gehabt hätte, daß die Konferenz bis nach einem Referendum der Gewerkschaften über die Stockholmer Frage verschoben worden wäre. Dieser An- trag fiel völlig durch. T>tr Teil der Arbriterpartri, der sich der Teilnahme an der Konfrrrnz prinzipiell widersetzt, beträgt knapp 535 999. Der Rest der 1234 999 besteht auS der Minderheit der Bergarbeiter(ungefähr 399 999) und aus den Gewerkschaftlern, Der Sucklige. von Karl A. Meyer. Er war ein Mensch, klein und unansehnlich do« Gestalt, nicht wie seine Brüder, die alle hochgewachsen und stattlich waren. »Wie doch die Leute sonderbar sind!* sagte er.»Daß ich einen Buckel Hab auf dem Rücken— lieber Gott, bin ich darum weniger alS die andern? Und weil ich rote Augen bab. mag mich die ffriedo- lina nicht leiden. So dumm!' Er setzte sich auf den Zaun und begann darüber nachzudenken..Auf den Buckel kommt's nicht an, sondern auf das, was darunter ist, auf das Herz, und die Lunge und die ganzen stillen Dinge, die jedes wie ein Maschiniein ihre Arbeit tun und nicht» fragen. Und ob die Augen rot find und brennen oder nicht, daraus kommt'S nicht an, sondern auf daS, wa» einer damit fieht. Ich seh die Fiiedoiina damst, die ist wie Frühling. und das ist schön." Wenn er, mit seiner Lederschürze angetan, daherkam und daS schöne Mädchen sab. gab's ihm einen Ruck inwendig und in seinem Kopf ward'S ihm ein wenig dunselig; die Augen taten sich ganz von selbst weiter auf»nd seine Füße ginge» nicht mehr so behende. O Friedolina, waS hast du mit dem armen Kerl gemacht! Am Donnerstag ging er durch die Straße, wo die Kaufläden sind, und in seiner Tasche Nimperte ein Geld. Er ging von einem Schaufenster zum andern und blieb stehe»..Willst du diese» oder willst du wohl das andre?" Er besah sich die schönen Sachen und sprach mit sich, wie wenn er einen zweiten bei sich hätte. Aber dieser zweite müßte wohl ein Mädchen sein; wo immer er ver» weilte, vor jeder Auslage, gab'S keine Lederhosen und keinen Schnupf» tabak: gab's bunte Sachen und zarte Dinge, wie sie für seine Finger sich nicht schicken wollten. Als er eine seidene Schürze kaufte, schwarz mit grünen Blättern und roten Röslein darauf, lächelte die Verkäuferin. Am Abend traf er Friedolina auf dem stillen Weg hinter der Schule. Sie lief eilig dahin und hatte ihre Hände unter einein Umschlagtuch versteckt/ denn eS war kühl, wenn die Sonne unter- gegangen war. Sie erschrak, als plötzlich, mit verstörten Zügen, der Kleine vor ihr stand. Sie halte immer eine heimliche Furcht vor ihm gehabt und als er jetzt mit einem Ruck was Weißes aus der Tasche zog. fuhr sie zuiommen..Lina", sagt« er. und sein Anruf klang wie eine Drohung,»ich wollte dir nur daS geben, dann kannst du wieder zehn." Und dann ist eS wieder auS, dachte er bei fich. .Ja, was denn?" Neugier regte sich in ihr. Sie sah ihm in die entzündeten Augen und erkannte ein Flackern darin, wie auch in seiner Stimme. Dann sagte ihr ein festes Gefühl im Herzen, daß sie doch alte Bekannte wären und sie dürste schon mit ihm ein Stückchen gehen. »Siehst du," sagte er und wickelte sein Päckchen auf,»ich Hab' hier so«in Zeug, das hätt' ich gern für dich, weil ich doch keine Verwendung dafür Hab'." „DaS hat er gestohlen," dachte sie. Sie besah das feine Seiden- muster und verbesserte ihre Meinung. Er hat es wohl für seine Schwester gekauft und die mag eS nicht, weil es zu fein für sie ist? Für Friedolina wäre eS wohl nicht zu fein? Alles muß seine recht- mäßig« Herrin finden..Da du ja doch nicht weißt, waS du damit ansangen sollst..." sagte sie. Sie nahm das Stück, ging ihrer Wege und ließ ihn stehen. Im Gehen wandte sie sich um und ries ihm zu:.Ich geb' dir einmal einen Schnupftabak dafür." Sie dient« bei einem Krämer schon das zweite Jahr. In einem Mädchenkops muß eS anders sein als in einem ManneSkopf. dachte sich Pankranz, der Kleine. Blumen wachsen vielleicht nicht dri», wie er ftüher einmal gelräumt hatte, aber ge- wiß ein recht grausliches Gemüse, das die so ganz anderen Ge- danken entstehen läßt. Doch wer weiß? Sie hat sein Geschenk an- genommen. Am Sonntag darauf, am Abend und die Sonne war im Unter- gehen, ging er über das Feld zum nahen Wald hinüber, um dem Gesang der Vögel zuzuhören. Da sah er an dem Rain, wo es schon dunkelle, ein Schwarzes mit grünen Blättern und roten Röslein: seine Friedolina, mit der schönen Schürze angetan, im Arm eines blauen Soldaten. Beide hatten ihn noch nicht gesehen. Er wollte hingehen und das treulose Mädchen zur Rede stellen. Aber da« ist dock verrückt! sagte er sich im nächsten Augenblick. Er wollie den Soldaten am Kragen packen und ihm recht« und linls eine Backpfeife verletzen, daß er nicht mehr an schöne Schürzen denken soll. Aber der weiß gar nichts von ihm und das wäre nicht gerecht. Pankraz lehnte sich an einen Baum. Ihm wurde ganz weh zumute. Dann träumte er, er sei wer weiß wie weit in einem anderen Land und ganz allein. Mit einemmal begann ein Kreisen in seinem Kopf und er rutschte am Stamme nieder wie eine Joppe, die ein Holzknechr an einen Ast gehängt Hai, der nun bricht. Als er viel später nach Haus« kam. war eS stockichwarze Nacht. Er hatte lange mit sich geredet. Bist bucklig, hatte er fich ge- sagt. Und dann wurde ihm ganz hell im Sinn. Er hatte darüber nachgedacht wa» denn der Mensch ist: da», wa« man von außenher die sich—'ei e?£er voraussichtlichen AnEefenheik Macdonalds als Vertreter der britischen Arbeiterschaft oder der doppelten Vertre- tung der sozialistischen Elemente in der Arbeiterpartei(einerseits durch die Exekutive, andererseits direkt durch ihre eigenen Organ:- sationen) widersetzen. Zusammenfassend kann gesagt werden: 1. Die prinzipielle Abstimmung über Stockholm hat 1899 999 für und 599 999 dagegen ergeben. 2. Heber die Art der Vertretung wurde in folgender Weise abgestimmt: a) für das alte Stzstem nur 3999 Stimmen Mehrheit. t>) für das neue System 1 999 999 Stimmen Mehrheit. Bei dieser Darstellung scheint immer noch der Umstand einer Erklärung zu bedürfen, warum man, nachdem schon das alt« System eine Mehrheit— wenn auch nur von 3999 Stimmen— erhalten hatte, hinterher doch über das neue abstimmte. Ob diese Ah- stimmungsweise eine englische Eigentümlichkeit ist, ist uns nicht bekannt. Entscheidende Auftlärungen über die Vorgänge in Lon- don wird man wohl erst von den ruffischen Delegierten erhalten, die fich schon auf See befinden. 5rieüensvorbesprechungen öer Parlamente. Borschlag eines ungarischen Bischoss. Budapest, 9. September. Der ungarische Bischof Wil- Helm Fraknei macht in der katholischen Zeitung„Alkotmany" einen neuen Friedensvorschlag. Von der Papstnote aus- gehend, bemerkt der Bischof, daß alle Friedensversuche der Sozialdemokratie unberechtigt Maren und daher den Keim des Mißerfolges bereits von Anfang an in sich trugen. Sein Vor'chlag basiert darauf, daß dieParlamenteDeutsch- lands, Ungarns und Oesterreichs die eng- li schen, französischen und amerikanischen Parlamente ersuchen mögen, durch geheime Abstimmung je 3 Delegierte zur Ausnahme eines unverbind- lichen Gedankenaustausches unter dem Vor- sitzedes Pap st es oder dessen Stellvertreters zu entsenden. Die interparlamentarische Konserenz mit den Vertretern der Zentralmächte soll nur für kurze Zeit tagen. Eine derartige Einladung würde nach Anficht Fraknei freilich die sozialdemokratischen Friedensversuche als dann an den Friedensapostel, Prälaten Alexander Gießwein. die Aufforderung, daß er im ungarischen Abgeordnetenhause einen derartigen Antrag stellen möge. Der Grundgedanke dieser Anregung ist gewiß einer Erörte- rung wert. Er deckt sich auch mit der Forderung, daß der kommende Friedensvertrag von den Völkern, nickt nur von den Regierun- gen garantiert werden müsse. Aus welchem Grunde der Bischof Frakneis kein Parlament zurückweisen. Der Bischof richtet .unberechtigt" bezeichnet, ist nicht recht verständlich �albjahrfeier öer russischen Revolution. Anschläge der Maximalisten. Petersburg, 8. September.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Zu morgen, als dem halbjähri- gen Gedächtnistage der russischen Revo lu- tion, hat der A- und S.-Rat einige 4(1 VolkSver- sam m lun gen und Sammlungen in ganz Rußland veranstaltet, um seine Geldmittel zu verstärken. Neben den Sozialdemokraten wollten auch die Ma r i m a l i st c n in Petersburg diesen Tag hervoheben und kündigten seit einiger Zeit an, daß sie eine bewaffnete Aktion gegen die Einstweilige Regierung vorbereiten werden: dazu haben sie in der Tat nachdrücklichste Stim- mungsmache unter den Arbeitern und der Garnison der Hauptstadt begonnen. Diese Vorbereitungen haben die Be- völkerung in Petersburg lebhaft beunruhigt, deren Geistesverfassung immer ängstlicher geworden ist. Heute hat nun der Militörgouvcrneur General Wassili- f oro§ f i die Einwohner durch Anschlag zur Rube gemahnt; jeder Versuch einer Ruhestörung»verde scharf unter- d r ü ck t werden. Ebenso rufen der Geschäftsführende Ausschuß d e s A.- u n d S.- R a t e s. der Gewerkschafts- rat und der Generalrat der Arbeiterausschüsse die Arbeiter auf und erklären alle die, welche die Arbeiter und Soldaten mit Waffen aus die Straßen rufen, für Spitzel und Feinde der Revolu» tion, die diese im Blut ertränken wollen. Nach den Abendblättern wird die Emsiweilige Regierung. beute abend Maßregeln gegen dos beabsichtigte Auftreten der Maximalisten erörtern, und„We- an ihm erkennt oder was inwendig in ihm ist? Viele werden nicht erkannt, weil ihr Menschentum unter dem Buckel steckt. - Und er legte fich die Frage vor: Pankraz, was möcktest du wohl: in deinem kleinen Werte erkannt sein von den Menichen und aber selbst mit innerer Blindheit geschlagen sein wie die vielen, die dich verachten— oder hellsichtig sein für Gott und die Natur und von den andern unerkannt? So ward er fröhlich. Still sitzen wie ein Uhu im Dunkeln lMd mit offenen Augen von allem wissen I So wollte er's halten, unerkannt in seinem Winkel, ja. hinter seinem Höcker wollt' er sich verlriechen und hinter seinen Büchern, wenn thm die Neugier zu nahe kommt. Al» Friedolina die schwarze Treppe hinauf zu seiner Wohnung gestiegen war, um ihm für die schöne Schürze noch einmal ihren Dank zu sagen und um ihm ein Päcklein Schnupftabak auf den Tisch zu legen, las sie an seiner Tür ein Schild: Bin nicht zu Haus«! Pankratius Schneevogel. Sie wußte, daß er nicht ausaegangen war. Und er hatte die Gewißheit, daß sie vor seiner Tür stand, das sah er durch dos Schlüsselloch. Sie dehnte fich.—»Wenn der denkt, daß ich ihm auch noch gute Worte geh'...' Er drückte beide Schultern bor und zog den Kopf zurück wie in ein Gehäuse.»Bin nicht zu Hause." sagte'er und um seinen Mund lag ein verschmitztes Lächeln. Er batt« fich wiedergefunden und brauchte zu seiner Freude keinen anderen Menschen mehr. Neue NickelerzfunSe im Kronlanöe Salzburg. Die bedeutenden Nickel-, Kobalt- und Kupfererzlagerstätlen auf dem Nöcklberge bei Leogang, deren Ausbeutung Ende des vorigen JahohundcrtS wegen Kapitalmangels eingestellt wurde, sind von neuem erschlossen worden. Sckon im Juni vorigen Jahres war eine Erzmenge von über 29 999 Kubikmetern sicktbar auigeschlosstn. Der dort lagernde crzsührcride dolomitische Kalk besitzt einen Rauminhalt von vielcn Millionen Kubikmetern und eS laßt sich nach den bisherigen Versuchen der Metallgehalt an Nickel, Kobalt und Kupfer aus Hunderttausende von Tonnen schätzen. ES bedeutet die» einen wertvollen Schatz für unsere Krieg«- und Friedensindustrie, zumal wenn man in Erwägung zieht, daß die Weltproduktion an Nickel von 5999 Tonnen im Jahre 1399 aus rund 28 999 Tonnen tm Jahre 1912 gestiegen war, von denen etwa «in Sechstel auf Deutschland und Oesterreich-Ungarn entfällt und kam» xip Drittel des eigenen Bedarfs deckte. tschernaja SSrenria' glaubt zu wissen, daß alle Minister über den entscheidenden Charakter dieser Matzregel einig sind. In letzter Stunde wird mitgeteilt, datz die Maximalisten angesichts dieser nachdrücklichen Gegenmatzregeln auf ihren umstürz- lerischen Plan verzichtet hätten. Berlin, g. September. Herve schreibt in der„Victmre": .Die Gesamtheit der Sowjets und ganz besonder? die Tummköpfc deS Sowjet von Petersburg mutz man beglückwünschen, datz eS ihnen in 5 Monaten gelungen ist, die Zersetzung der Ar- mee herbeizuführen, ihre Disziplin zu uniergraben und den Soldaten des Kaisers den Weg ins Innere Ruhlands zu öss- nenl Wenn sie nur wenigstens einseben würden, datz sie sich seit fünf Monaten wie die Kinder betragen haben I Aber nein! Sie sind viel zu stolz, um zuzugeben, datz sie mit ihren Schwätzereien aufhören und ihre Dienste still und be- scheiden der provisorischen Regierung mit Männern wie KercnSki, Kornilow und Savinkow zur Bermgung stellen mühten! Wir werden im Gegenteil sehen, datz ihnen selbst der Fall von Riga die Augen nicht öffnet. Wir werden sehen, wie sie weiter unter- einander schwätzen und gegen die Kadetten, gegen die Reastionäre und gegen die Todesstrafe ein Geschrei erheben, und wie sie Ke- rensii, Savinkow und Kornilow als Renegaten bezeichnen, weil sie die von ihnen begangenen Fehler richtigzustellen versuchen. Und wir werden sehen, datz KerenSkt es nicht wagen wird, ihren Echwätzereien durch die Kosaken ein Ende zu machen. Die Spionage in Delgien. �4 Todesurteile, 19 vollstreckt. Dr«„Nordb. Allg. Zeitung" tritt der Meldung der feind- lichen Presse entgegen, wonach der Generalgouverneur, Ge- neraloberst von Falkenhausen, ein Schreckensregiment in Bel- igien führe, täglich Massenerschietzungen vornehmen lasse und selbst vor den entsetzlichsten Marterungen von Frauen und Kindern nicht zurückschrecke. Dagegen erklärt die„Nordd. Allg. Ztg.": ..Es sind in der Zeit seit der Ernennung de? Generalobersten Freiherrn v. Falkenhausen zum Generalgouverneur in Belgien (1. Mai 1917) 84 der Spionage überführte Belgier zum Tode vrr» urteilt worden. An 19 wurde das Urteil vollstreckt, während nicht weniger als 65 begnadigt wurden: Tie 5 zum Tode verurteilten Frauen find sämtlich begnadigt worden. Ebenso ist selbstver- ftändlich kein Kind erschossen worden. Alle Personen, an denen die Todesstrafe vollstreckt wurde, hatten das 29. Lebensjahr über- schritten." Die französische Offensive bei verüun. Berlin, den 9. September 1917. Am 8.'September wurde fast auf der ganzen Westfront heftig gekämpft. Die En g l ä n d e r haben sich zwar nach dem blutigen Nieder- bruch ihres letzten Angriffes noch nicht zu einer neuen «lnheitlichcn Aktion aufraffen können, ollein sie suchten doch den französischen Angriff bei Berdun durch starke Feuer st eige- r u n g, vor allem an der Küste und im Npernbogen, und durch Teilangriffe zu unterstützen. Allein alle ihre Borstötze blieben erfolglos, dagegen überwältigte östlich Oofttavorne e:ne deutsche Patrouille die englische Grabenbesatzung und brachte Gefangene und«in Maschinengewehr in die eigenen Gräben zurück. Im A r t o i» unternahmen die Engländer gleichfalls zahlreiche vergebliche Borstötze. Zwischen La-Bassee-Kanol und Hulluch griffen sie zwischen tz Uhr abends und 1 Uhr vormittags Aweimal vergeblich in Kompagnicslärke an. Um Mitternacht erfolgten Angriffe zweier Kompagnien südöstlich Gavrelle. Englische StohtruppS suchten bei Roeux, starke Patrouillen westlich BiS-en-Artoi» und südlich Quoant vorzugehen. Sie hatten nirgends Er. feig. In Gegend S t. Quentin erfolgten nach stärkster Feuervor- bereilung am 9. September zwischen 2 und 3 Uhr 39 morgens bei Malakoff Ferme und östlich Billeret heftig« feindliche Angriffe. Bor St. Ouentin hatte der Gegner am Abend Gas abgeblasen, ohne datz ein Infanterieangriff folgt«. Das Artillerie, und Minen- feuer blieb aber die Nacht hindurch stark. In der Nähe der Käthe- drale verursachten im Stadtinneren einschlagende Granaten mch- rere Brände. Mährend an der AiSnefront die Artillerietätigkeit im allgemeinen gering blieb und nur ein erfolgreiches deutsches Stotz- truppunternehmen zu melden ist, versuchten die Franzosen i n d e r Champagne neue Angriffe. Um 2 Uhr nachmittags steigerte sich die französische Artillerietätigkeit zum Trommelfeuer, teilweise mit GaSbcfchuh. Oestlich der Stratze St. Souplet- St. Silaire wurden Bereitstellungen starker Kräfte erkannt. Kräftig einsetzendes BernichtungSfeuer und flankierende Maschinengewehr« lietzen den geplanten Angriff nicht zur vollen Entwicklung kommen. Nicht mehr als etwa 399 Mann ge- lang eS vorzubrcchen. die durch sofortigen Gegenstotz wieder zurück- geworfen wurden. Di« gesamte Stellung blieb unverändert in deutscher Hand. Auf dem östlichen Maasufer hat der mit Morgen. grauen einsetzende grotzc französische Angriff trvo stärkster Feuer. peigerung und rückfil�tSlvsrm Einsatz der Infanterie nennenswerte Erfolge bisher nicht zu erringen vermocht. Die Franzosen ver- suchten eS diesmal mit stundenlanger Vergasung der deutschen Artillerie. Allein als aus dem Morgennebel und dem schauer- lichen Dunst der krepierenden Granaten und GaSwolten die ersten Sturmwellen vor den zerschossenen deutschen Gräben auftauchten, wurden sie mit Handgranaten und Maschinengewehr» feuer blutig zurückgeworfen. Aber den im Nebel gedeckt dicht aufgeschlossenen nachfolgenden Sturmabteilungen gelang unter Mitwirkung von Tanks der Einbruch in die deutschen Stellungen östlich FosseS-Wald und auf der Baux-Kreuz-Höbe. Di« Franzosen suchten in Richtung auf LrneS, das nach den Aussagen eines ge- ftingenen Offiziers das Tagesziel des rechten Flügels bildete, Futz zu fassen. Ihre Anstrengungen waren vergeblich. Ter nunmcbr einsetzende deutsche Gegenstoß warf sie auf der ganzen Front wieder zurück. Eiligst flüchteten ihre Dturmwellen über das Trichter- glände und durch die schauerlich zerschossenen Wälder. Nur auf der Baux-Kreuz-Höhe und im Tüdteil des Dhaume-Wäldes vermochten die Franzosen sich zu behaupten. Diese geringen Erfolge, die in keinem Verhältnis zu den erlittenen außergewöhnlich schweren blutigen Verlusten stehen, veranlahten die französisch« Führung zu einem neuen AngriffSversuch am späten Nachmittag nordwestlich Bczonpaux. Allein die deutsche Artillerie, welche die Franzosen niedergekämpft und vergast glaubten, schlug mit einem Granatenhagel in die zum Angriff bereitgestellten Truppenansammlungen hinein. Trümmer fluteten noch Süden zu. rück. Ein neuer französischer AngriffSversuch ist in dem Blute der Angreifer erstickt. Infanterie, Artillerie und Flieger teilen sich gleicherweise in die Ebre de? TageS._ Wiedereröffnung des osierreichisihen Parlaments. Wien, 8. September. Wie die deutschen Nachrichten erfahren, wird der Präsident des Abgeordnetenhauses die erste Sitzung für den 25. September einberufen. Derpapst, üer Lizentiat und üie Göttin wara. Der liberale Lizentiat T r a u b- Dortmund hat neulich in Hamburg wider den bösen Papst gepredigt, der mit seiner Fricdcnsvermittlung„nur ein politisches Geschäft" machen wolle. Jetzt setzt er in seiner„Christlichen Freiheit" den schönen Kampf gegen den Frieden weiter fort. Wenn nicht in einer gewissen Ansprache gesagt worden wäre:„Wir schlagen die Gegner, bis sie genug haben", so könnte der gute Lizentiat„verzweifeln".„Nun kommen Papst und Zentrum zusammen mit Stockholm und Sozialdemokratie und wollen das Schicksal des deutschen Vaterlands in ihre Hand nehmen. Dagegen wehren wir uns. Denn wir vertrauen gerade jetzt doppelt und dreifach auf den Sieg. Unsere offnung steht auf dem Reichskanzler i ch a e l i s und vielen guten Geistern, an die man im Lutherjahr deutschen Stolzes zu glauben ein gutes Recht hat." In derselben Nummer des christlich-theologischen Blättchens findet sich u. a. auch folgende Notiz unter der Rubrik „AuS Kirchen und Schulen": Hammerweihc der Braut. Die Braut mit dem Hammer zu weihen, ist oltgermaiiiscbe Sute, die Wiederbelebung ver« dient. Norwegische Volkssagen berichten, wie der Hammer« bewehrte Donnergott(nord. Thor) bei Hochzeiten herab« kommt und den Ehebund segnet. Nock beute ist der Donnerstag im deulicken Volksglauben der glückbringende Tag für Ehe- schlietzungen. Im eddischen Liede von Drum(30) heißt eS: Da tagte Drum. der Dürfen Beherrscher: „Bringt nun den Hammer, die Braut zu weihen, Den Malmer legt der Maid in den Sckoß, in Waras Namen weiht unfern Bund I" Wara, die Göttin der Gelübde, ist Freia, die Göttin der Liebe und Ehe, selbst. Von ihr heiht et in Gqlses Verblendung 35:„War hört auf die Erde und heimlichen Abmachungen der Menschen, der Männer wie der Frauen: darum heitzen solche Verpflichtungen„varar"(Gelübde). War ist auch weise und witzbegierig, so daß ihr nichts verborgen bleiben kann. Daher die Redeweise, daß eine Frau etwas gewahr wird."— Der Lichthammer Donners ist das Zeichen des Rechtes, in dem die Ehe(ahd. ewa— Recht, Vertrag) geschlossen wird: da- neben erinnert er hier an die Eigenschaft de? Gewitter- aottes als de? Spender? der Fruchtbarkeit, de? BefruchtcrS der bräutlichen Erde. Ter Schoß der Braut soll göltlickcn Segen? teilhaftig werden. Fast alle ariich-germanischen Hochzeilsgebräuche beziehen sich auf die ersehnte Fruchtbarkeit des Weibes. Die Mutter- schafl galt eben dem gesunden Sinne der Vorfahren noch als das Wesentliche der Ehe und als da? heiligste Geheimnis des Lebens, daß selbstverständlich auch in Brauch und Weihlum zur Geltung kommen mußte. Die protestantische Kriegstheologie langt eben immer wieder, bcwutzt oder unbewutzt, beim alten germanischen Heidentum an. Sie macht es damit dem Papst kinderleicht, zu zeigen, datz der Weg vom Katholizismus zum Protestan- tismuS ein Weg vom Christentum weg ist. Wenn es die Lizentiaten so weiter treiben, so wird der Papst im„Luther- jahr" 1917 seine Revanche haben für 1317 1 Die �Volksbewegung" gegen üie Demokratie. Immer deutlicher wird die Absicht der alldeutsch-konser- votiven Drahtzieher, die amerikanische Note an den Papst zu neuer Erhitzung der kriegerischen Volksleidenschaft und vor allem zu einem Hauptschlag gegen die dcmokra- tischen Bestrebungen auszunutzen. Die im Dienste jener Gruppe stehende Presse hat eine Rubrik eingenchtet: „Die Volksbewegung gegen Wilson", in der sie sorgfältig jede gegen den amerikanischen Präsidenten gerichtete Kundgebung verzeichnet. Diese Kundgebungen sind alle nach demselben Schema verfertigt, sie beginnen mit einer Häufung von Kraft- Worten gegen Wilson und schlietzen mit einer Treuerklärung an die in Teutschland regierenden Tynastieen. Auherdem beliauptct die reaktionäre Presse, den Reichs- tagspräsidenten Dr. Kacmpf für ihre Zwecke ein- gefangen zu haben und von ihm eine Erklärung in ihrem Sinne erwarten zu dürfen. Natürlich spielt in der ganzen Bewegung die schon ge- kennzeichnete verleumderische Behauptung, der„Vorwärts" habe sich„auf die Seite Wilsons gestellt" ein grotze Rolle. Sie wird jetzt von der.Kreuzztg." wieder aufgenommen und breitgctreten. Dann wird weiter mit etwas höhnischer Ge- nugtuung bemerkt: Im übrigen ist die Zurückweisung der heuchlerischen An- maßung Wilsons in der Presse eine allgemeine. Dabei muß zugegeben werden, daß ei für die demokratischen Kreise nicht ganz leicht war, diesen Standpunkt zu gewinnen. Ihre Ziele find ja mit denen des Herrn Wilson an fich identisch. Tie„Kreuzztg." verrät mit dieser Bemerkung allzu un- vorsichtig das Rezept. Erst wird Wilson als der reine Beel- zebub hingestellt, und dann wird weiter geschlossen: Dieser Wilson fordert für Teutschland die Temokratic, da seht ihr, welch' ein schcutzliches Ding die Demokratie sein mutz! Das einzige Verbrechen des„Vorwärts" besteht darin, datz er auf diesenLeim nicht gekrochen ist. Daß die Gegner Teutschland seine Regicrungsform nicht vor- schreiben können, dafür hat das Volk in Waffen, darunter Millionen Sozialdemokraten, gesorgt. Gerade darum kann es die Forderung nach demokratischen Friedens- garantien. eine Forderung, die seinen eigenen Wünschen entspricht, annehmen, ohne seiner Würde etwas zu versseben. Die„Kreuzztg." meint, datz der„Vorwärts"„Wilson in Schutz nehme". Wilson werden aber die Resolutionen, die man in Teutschland gegen ihn annimmt, nicht webe tun. sie werden ihm keinen Bissen seiner Frühstückscmmel kosten. Nicht Wilson nehmen wir in Schutz, sondern das deutsche Volk warnen wir auch heute wieder vor einer„Bewegung", deren eigentlichen Zweck jetzt wohl auch der politisch Unbegabte genau erkennen mutz. In die gleiche Verdammnis wie der„Vorwärts" ist übrigens Herr Erzberger geraten, dem die„Rhein.-Wests. Ztg." wegen seiner sachlichen Beurteilung der Wilson-Note diese Liebenswürdigkeiten ins Stammbuch ichreibt: Herr Erzberger steht scheinbar auf dem Standpunkt de? in- zwischen verblaßten Meteor» Valentin, der den Begriff einer Nationalcbre nicht kennt. Tie hahnebüchene Herausforderung des Deutschen Kaiser? und unsere» Volke? ist ihm lieblich eingegangen. Sein„kalter Verstand" sagt ihm. datz seine wcitschauenden Pläne mit Hilfe Wilsons erreicht werden können, als« iß Wils»» sein Man», Nur weitige Stunden Unterhaltung mit Lloyd George und Ehrenwilson und Matthias au? Buttenhausen ist am Ziel. Die Weltgeschichte wird einst Lloyd George, Wilson und Erzberger in einem Atem nennen. Derselbe Artikel des ScharfmacherblotteS beginnt mit den vielversprechenden Worten: Dem„Vorwärts" ist. Freude widerfahren. Die Stimmung der„Vorwärts"-Schriftgelehrten war auf dem Nullpunkt an- gelangt, der Fall von Riga war der Härte st e Schlag, den das sozialdemokratische„Zentralorgan" seit der Niederwerfung Rumäniens getroffen hat. Dem Ausland soll der Gedanke beigebracht werden, datz die deutsche Sozialdemokratie jeden deutschen Erfolg betraure und die deutsche Niederlage ersehne. Diese Art der Polemik ist ebenso patriotisch wie wahrheitsliebend und ehrenhaft. Arbeiterschaft gegen Kaufmannjchaft in öremen. Eine autzerordentliche. sehr zahlreich besuchte Veriamm- lung bes Bremer Gewerkschastskartells wandte sich am 7. Sep- rember mit folgende? einstimmig beschlossener Erklärung gegen eine reichstaysseindliche Kundgebung der Bremer Kau?' Mannschaft: „Die im Gewerkschaftshause versammelten Delegierten de» GewerkschaftSkariells, der bremischen Gewerkschaftsvorstände und -sunktionäre erheben gegen die von einer wirtschaftlichen Inler- «ssengruppe, der Bremer Kaufmannschaft, am 28. August in der Börse aufgestellte und in die Oeffentlichkeit gelragene Be- hauptung, datz„weite Kreis« der bremischen Bevölke- rung" über den Gang der Verhandlungen im Haupiausschusse de? Reichstages in tiefer Besorgnis seien, weil die Mehrheit de? Reick?- tag es für einen Verständigung? frieden eintritt und ein Midbestim. mungSrecht de? Reichstages bei Abschluß des Friedens verlangt, entschiedenen Widerspruch. Sie sind sich dabei der schweren wirtschaftlichen Schäden bcwutzt, die jede unnütze Hin« ausschiebung des Friedensschlusses sür die grotze Masse der Bevölke- rung in sich scklietzt und sprechen die Ueberzeugung aus, datz nur auf dem von der ReichstagSmebrbeit im Einvernehmen mit der Regierung besthrittenen Wege das Wohl de? gesamten Volkes wahr» genommen werden kann. Insbesondere erklären die Vertreter der gewerkschaftlich or- ganisierten Arbeiterschaft, datz sie mit der vom Hauptaukschutz noch während des Krieges geforderten Demokratisierung Teutschland? schon aus ihren wirtschaftlichen Interessen heraus völlig einoer- standen sind. Die Bekämpfung der ReichSiagSmehrheit durch die bremische Grotzkaufmannschaft und die ihrer Presse kenn- zeichnete sich alz eine Tat von Vertretern derjenigen Bevölkerung»- gruppe, der die wirtschaftlichen Nachteile au? der KriegSsortdausr nicht in dem stetig steigenden Matze fühlbar werden, wie der großen Masse der arbeitenden Bevölkerung. Die Versammelten erwarte« vom HauptauSschutz de? Reichs- tage?, datz er fernerhin, unbeirrt durch die erfolgten Angriff«, energisch die Interessen de? ganzen Volke? durch nachdrückliche Forde- rung der parlamentarischen Regierung im Reiche, de? Mitbestim» mungsrechtS des Volkes rn allen inneren und äußeren Fragen der Politik vertritt. Sonderausschuß beim Reichskanzler. Wie verlautet, wird der SonderouSschutz am heutigen Man- tag, nachmittag? 4 Ahr. Seim Reichskanzler zu einer Sitzung zu- sammentreren, um über den endgiltigen Wortlaut der Antwort- note an den Papst zu beraten. GroßSerlln Die Gcmeindebcamten fordern Gehaltserhöhung. Mit der Besprechung der Gehaltsverhältnisse und der Forde- rung, dieselben aufzubessern, beschäftigte sich ein von den Wer- bänden der Gemeindcbeamten einberufener Grotz-Berliner Ge- meindcbeamtentag, der gestern unter sehr zahlreicher Beteiligung im großen Saale des Lehrervereinshaufes abgehalten wurde. Der Vorsitzende des Verbandes der Gemcindebeamten der Berliner Vororte, MagiftraiSsekreiär M« r k e l- Cöpenick, besprach die in 35 Orten Grotz-BerlinS bestehenden GehaltSverhältnisse. Er sagte unter anderem, nur in sieben dieser Ort« sind die Be- amtengehälter während des Kriege? ausgebessert worden. In allen übrigen Orten gelten heute noch die lange vor dem Kriege erlassenen Besoldungsordnungen. Tie Gehälter de» allergrößte» Teil? der Gemeindebeamten, namentlich die der grotzen Gruppe der Unterbeamten, reichen bei den heutigen TeucrungSverhältnissen nicht entfernt hin. um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele Beamte haben sich deshalb eine Schuldenlast aufbürden müssen, an der sie noch lange zu tragen haben. Eine zeitgemäße Aufbesserung der Gehälter Ist eine dringende Notwendigkeit. Sie mutz schnell kommen, wenn sie den notleidenden Beamten ein« Hilfe sein soll. Der Redner sprach die Hoftnung au», datz sich die Ge. meindebehörden dieser Erkenntnis nicht verschließen, sondern den wolilbegründeten Wünsche» der Beamten in wohlwollender Weise Rechnung tragen werden. Tie Tagung endete mit der einstimmigen Annahme der folgen- den Resolution: „Die Besoldung der Kommunalbeamten Grotz-BerlcnS hat mit der wachsenden Teuerung der Lebenshaltung nicht annähernd gleichen Schritt gehalten. Die wirtschaftliche Lage der Groh- Berliner Kommunalbeamten hat sick daber seit vielen Jahren andauernd, besonders während de? Krieges, verschlechtert. In gleichem Matze, wie die Einkünfte der Industrie,.Handel und Gewerbe sowie der Arbeiterschaft gestiegen sind, ist die soziale Stellung der Beamten gesunken. Durck die unerhört« Preis- steigerung aller notwendigen Lebensbedürfnisse ist die Wirt» schaftliche Lage der Beamten aufs ärgste gefährdet. Dringende und durchgreifende Hilft tut nor. Durck Gewährung von Teue» rungS- oder sonstigen Zulagen kann dieser Notstand, der kein vorübergehender ist allein nickt beseitigt werden. Eine wabr- hast großzügige und zeitgemäße Neuordnung deS Besoldung?- wefenS der Beamten im Sinne einer durchgreifenden und wirk- samen Gehaltserhöhung ist daher dringend geboten. Außer- ardentlicke TeuerunaSverihältnisse, wie sie gegenwärtig durch den Krieg gegeben sind, sind durch besondere Beihilfen auszugleichen." Die Tagesordnung der Berliner Stadtvrmdnetenversamniluns umfaßt für die näcksie Sitzung am Donnerstag, den 13. d. M:?., als Hauptpunkt die Preiserhöhung für Gas und im Anschluß daran eine Nachbewilligung von 95 999 M. als zweite Rate auf da? Bauprogramm der städtischen Gaswerke 1916. Die angekündigte einheitliche Anfrage sämtlicher Fraktionen det Rathauses in Tacken der Antwort der StaatSregierung auf das Angebot der Ttadt Berlin auf die Englischen Gaswerke steht noch nicht auf der Tage?» Ordnung, weil sie noch.von de» Fraktionen am nächsten Dienstag SurSetofc« tmb forrnttTIeri feetb« soll, trat bamt afl MnoIBfc Ätt- froge sofort mitbehandelt werden zn können. Ferner kommen»och folgende Magistratsvorlagen zur Beratung: Ein Antrag auf Be- willigung von 228 000 M. für die Beschaffung von Weih- n a ch t s I i e b e s g a b c n für die Berliner Regimenter, sowie Be- willigung von Geldern für die Anschaffung von Brennmate- r i a l i e n und für die Aufstiegmöglichkeiten für Mädchen aus Gemeindeschulen usw. Tie Ttadtvcrordnctcnvcrsammlungcn von Schönebcrg und Wil- mcrSdovf werden sich im Laufe der Woche mit der ablehnen- den Antwort der Staatsregierung in Sachen des E r- werbs der Englischen Gasgesellschaft beschäftigen. Sämtliibe Fraktionen bereiten dazu Anträge vor. In den Mach- srraten hat man bereits die wiederholten Darlegungen in dieser Sache eingehend behandelt. Honigpolitik. Die Schädlickikeit aller halben Mahnahmen, die erfolglose Fest- setzung von Höchstpreisen beim Verzicht auf öffentlicke Bcwirt- schaftung erleben wir in diesem Jahre beim Honig. Im Handel ist er nur zu einem Vielfachen des Höchstpreises zu haben, selbst einzelne Behörden treiben Honigwucher und beim Imker bekommen auch nur die zahlungswilligen Verbraucber etwas.— Charakteristisch für die Zustände sind die neuerdings zahlreichen Atigebote von Honig in den Tageszeitungen. Welche Bewandtnis es aber mit ihnen hat, ersährt der vorsichtige Verbraucher, der trotz des Höchstpreises sich vor der Bestellung nach den Kosten erkundigt. Da schreibt z. B. eine Ulmer Firma, die während mehrerer Wochen in den Tageszeitungen Honig angeboten hat. folgende Antwort:»In- folge der überhöhen Forderungen der Imker ist Ware nur zu hohen Preisen erhältlich, ich bitte, falls Sie auf Ware reflektieren, mitzu- teilen, welchen Preis Sie für Bienenhonig anlegen wollen."— Der Händler will also vom Verbraucher eine Ermächtigung zur Ueber- schreitung der Höchstpreise haben und glaubt sich dann sicher vor Strafanzeigen gegen Warcnwucher und Höchstprcisiiberschrcitung.— Wir fragen: wie lange will die Neichszuckerstelle diesem Treiben tatenlos zusehen? Die Verbraucher verlangen, dag nach der Aus« lieferung der großen Zuckcrmengen an die Imker diese endlich zur Erfüllung ibrer Nährpflicht angehalten und ihrem wucherischen Treiben ein Ende gemacht werde! z?reiswildstellen in Preusten. Zur Regelung des Verkehrs mit Wild sollen nach einem Erlaß des Landwirtsckaftsministers in Preußen möglichst in jedem Land- kreis eine KreiSwildstclle errichtet werden, zu der unter Mitwirkung des Allgemeinen Deutschen Jagd-Schutzvcrcins Sachverständige herangezogen werden sollen. Dielen Kreiswildstcllen soll die Ueber- wachung der Ablieferung und Abnahme von Wild übertragen werden, wie sie durch die Bundesratsverordnung vom 12. Juli d. I. vorgeseben ist. Abzuliefern ist nur das auf Treibjagden oder ähn- lichen Jagdveranstaltnngen von einer größeren Zahl von Jägern erlegte Wild wie Rot«, Dam-, Schwarz« und Rehwild, Hasen, Kaninchen und Fasanen, mit der Maßgabe, daß von Schalwild bis zu 3 Stück und von Niederwild bis zu 10 Stück dem Jagdbercchtigten zu seiner freien Verfügung bleiben. Die darüber hinaus gehende Jagdslrecke soll zur Besriedigung des ört- lichen Bedarfs und zur Versorgung der Großstädte geteilt werden und zwar bei Schalwild je zur Hälfte. Bei Niederwild findet eine Trittelung in der Weise statt, daß das erste Drittel, mindestens aber 10 Stück, dem Jagdbercchtigten verbleiben, die beiden anderen Drittel der Strecke werden wie bei Schalwild zur Deckung des ört- lichen Bedarfs innerhalb des Kreises und zur Wildver'orgung der Großstädte abgeliefert. Ter Jagdbcrcchligte darf Wild nur un- niitlclbar an Verbraucher oder an die amtlich zugelassenen Wild- Händler verlaufen._ Vermisztennachforschung. Für die Angehörigen Vermißter und Gefangener, die gegen Engländer gekämpft haben, ist von Interesse, daß auf Grund einer zwischen den deutschen Rote-Kreuz-Vereinen und dem Londoner oififiellen Nachwciscbureau getroffenen Vereinbarung eine besondere Ausfertigung der in London wöchentlich erscheinenden Listen regel- mäßig nach Deutschland gesandt wird. Sie enthält nicht nur die Namen aller neuen Gefangenen, sondern gibt auch ausführlich Aus- schluß über den Gesundheitszustand der Vcrwllndeten und Kranken, über alle Verlegungen, Austausche, Jnternierungcn usw., sie meldet serner alle in Gefangenschaft Verstorbenen und auch die auf dem Schlachtfelde aufgefundenen Toten. Die Zustellung dieses für die deutschen Rote-Kreuz-Vereine bestimmten Exemplares erfolgt auf besonderem Wege so schnell, daß die Hilfsstellen nreist schon wenige Tage nach Erscheinen der Liste zur Auskunfiserieilung in der Lage sind. Die Angehörigen mögen sich von nun ab nur an den Verein vom Roten Kreuz oder»die Hilfe für kriegsgefangene Deutsche" wenden, die für ihren Bezirk zuständig ist. Um die Auskunftserteilung zu vereinfache»«tv die doppekke» rrad mehrfachen Anfrage» z» der- meiden, sind die Postzensurstellen seitens der deutschen Regierung angewiesen, in das Ausland gerichtete Anfragen stets anzuhalten und dem zustäudigen Verein zur Erledigung zu übermitteln. Es ist daher gänzlich zwecklos, wenn die Angehörigen andere Stellen als den sür sie zuständigen Verein in Anspruch nehmen. Anträge auf telegraphische Nachforschungen in London sind gleichfalls durch den zuständigen Verein zu stellen. Bei der Auskunftserteiluug wird volle Gegenseitigkeit seitens der Londoner Stelle gewährt. Einzelfragcn zur Regelung des Gasverbrauchs bearbeitet für Groß-Bcrlin der..Kohlenverband Grotz-Berlin", Berlin W., Am Karlsbad 12/13. Alle Anträge sind daher dorthin zu richten und nickt an das Reichskommiffariat oder den Reichskommissar persönlich. Massendiebstühle von Gütern. Eine gefährliche Gütcrdiebcs- bände, in der drei Frauen eine Hauptrolle spielten, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Von einem hiesigen Güter bahnhof verschwanden seit längerer Zeit Sendungen aller Art in ganzen Kisten und Ballen, Stoffe, Seide, Schuhzeug, Lebensmitteln usw. Der Schaden stieg nach und nach in die Hunderttau- sende von Mark. Andauernde Beobachtungen der Kriminal- Polizei führten jetzt endlich zur Aufdeckung des geheimnisvollen ge meingefäbrlichen Treibens. Die Diebinnen und ihre Helfershelfer sind drei Arbeiterfrauen, Emma Drewitz, Elise Sperling und Mathilde Lüdtke, ein Rollkutscher Gustav Reimann, ein Poriräl Händler Hugo Luft und ein Schuhmacher Theodor Stern. Stern lernte eine der drei Frauen kennen und erfuhr bei einem nächl lichen Zusammentreffen, daß sie auf einem Speditionsspeicher be schafftgt war. Das kam ihm gelegen. Er verleitete sie, ihm und seinem Freunde Luft alles zu liefern, wofür er heimlich Absatz fand. Auch die beiden anderen Frauen nahmen an den Dieb- stählen teil, und die Werte, die dann alle drei gemeinsam beiseite schafften, wurden immer größer. Der Vermittler zwischen den ungetreuen Frauen und den Hehlern war der Rollkutscher Reimann. Er fuhr dreist an den Rampen vor und verlud ohne Frachtbrief, was die Frauen ihm zusteckten. Vom Bahnhof brachten Stern und der Kutscher die Güter zunächst nach einem Raum in der Kaiser- straße. Von dort wurde die Beute nach der Großen Frankfurter, dann nach der Keibel-, weiter nach der Lietzmannstratze und end- lich nach dem Grünen Weg geschafft. Haussuchungen förderten bei den drei Frauen außerordentlich hohe Summen aus dem Er- trag ihrer Diebstähle zutage, bei Frau Drewitz 19 000, bei Frau Sperling 10 000 und bei Frau Lüdtke 7000 M. Die Frauen legten alle drei ein Geständnis ab. Drei Vrotkertcncinbrccher wurden in der vergangenen Nacht in Reinickendorf festgenommen. Ein Wächter dort hatte beobachtet, wie sich drei junge Männer an den Räumen einer Kommission herumdrückten. Kriminalbeamte besetzten nun in der vergangenen Nacht die Räume. Gegen 12 Uhr kamen die Verdächtigen auch richtig an. Mit Dietrichen und einem krummen Dolch angerüstet, öffneten sie behutsam und wurden gleich von den Beamten in Empfang genommen. Der Anführer ist ein erst kürzlich aus der Anstalt entwichener Fürsorgczögling Karl Schulz. Ein großer Brand beschäftigte gestern die Berliner Feuer- wehr am Molkenmarkt. Dort war erst vor einigen Monaten der Tachstuhl des Vorderhauses Nr. 2/3 niedergebrannt. Gestern stand der Dackstuhl des Hofgcbäudes mit den Tapezieriwerkstätten der Firma M. Wollners Möbeltischlereien total in Flammen. Diese hatten reiche Nahrung gefunden und gefährdeten die an- grenzenden � fiskalischen Gebäude mit dem Krögel, Gebäude, die aus der Zeit der Kurfürsten stammen. Es gelang indes, diese alten Berliner Bauten wirksam zu schützen. Der Schaden soll an- geblich erheblich sein, die Entstehung unbekannt. Im Sportpark Treptow wurden gestern bei ausverkauftem Haufe zwei Vorläufe über je 50 Kilometer zum Großen Preis von Berlin für Steher ausgefahren. Im ersten Vorlauf starteten Krupkat, Kuschkow, Saldow, Lewanow; im zweiten Vorlauf Bauer, Nettclbcck, Pawke und Przyrembcl. Als Anwärter für die Zwischen- läufe zu diesem Rennen, die am nächsten Sonntag ausgefahren werden, gingen aus den Vorläufen hervor: Saldow, Krupkat, Pawke und Bauer. Zwei weitere Teilnehmer zu den Zwischenläufen be- stimmt die Direktion. Der Erste und Zlveite aus den Zwischen- läufen bestreiten am gleichen Tage dann den Entscheidungslauf. Ter Große Preis von Berlin für Flieger gelangte schon gestern zur Entscheidung. R ü t t feierte einen sicheren Sieg über Lorenz. Hoffmann wurde Dritter; er befolgte seine alt- gewohnte Taktik, sich ins Schlepptau nehmen zu lassen, wodurch es ihm auch gelang Schräge auf den vierten Platz zu verweisen. Ein Trost- und ein Prämiensahren für die NichtPlazierten aus dem Großen Preis von Berlin besckloß das Programm. Resultate. Großer Preis von Berlin für Steher, 50 Kilometer: 1. Vorlauf: 1. Saldow 46 Min. 35 Sek., 2. Krupkat 460, 3. Kusch- kotv M0 Reter SStfitf, BetwraoJ» aufgegeben; S. Varkauf: i. Pawke 45 Min. 11 Sek., 2. Bauer 110, 3. PrAyrembel 250, 3. Nettelbeck 280 Meter zurück.— Großer Preis von Berlin für Flieger, 900 Meter; 1. Vorlauf: 1. Sckwage 1 Min. 27 Sek., 2. Rudel, 3. Müller; 2. Vorlauf: 1. Rütt, 2. Abraham, 3. Techmer; 3. Vorlauf: 1. Lorenz 1 Min. 29 Sek., 2. Tadewald, 3. Sawall; 4. Vorlauf: 1. Hoffmann 1 Min. 26 Sek., 2. Hahn, 3. Häutzier; 1. Zwischenlauf: 1. Rütt l Min. 18 Sek., 2. Schräge, 3. Rudel; 2. Zwischenlauf: 1. Lorenz 1 Min. 20 Sek.. 2. Hoffmann, 3. Tadewald: Entscheidungslauf: 1. Rütt 1 Min 42 Sek., 2. Lorenz, 8. Hoffmann, 4. Schräge, 5. Ru- del.— Trostfahren über 900 Meter. End lauf: 1. Abraham 1 Min. 32 Sek., 2. Hahn. 3. Tetzlaff, 4. Nicderkrome.— Prämienfahren, 3600 Meter: 1. Sawall 5 Min. 22 Sek., 2. Tadewald, 3. Techmer. Nowawcs. Lebensmittel. In der Woche vom 10. Sep- temder bis 16. September 1917 dürfen auf den Wochenabschnitt 57 der Kartoffelkarte zusammen nicht mehr als 10 Pfund Kartoffeln abgegeben und entnommen werden. Soweit infolge Teilnahme an der Volksspeisung 3 Abschnitte der Kartoffelkarte abgetrennt wer- den, dürfen auf die restlichen 4 Abschnitte nicht mehr als 4 Pfd. Kartoffeln abgegeben und entnommen werden. Auf die Wochen- reihe 57 der Kartoffelzusatzkarte dürfen nicht mehr als 3 Pfd. Kartoffeln abgegeben und entnommen werden. Zuwiderhand- lungen gegen oben angeführte Bestimmungen werden strafrechtlich verfolgt. Spandau. Lebensmittel. In der Woche vom 10. bis 16. September dürfen auf die Reichsfleischkarte entnommen werden: Auf Abschnitt I bis 8 der Vollkarte: 200 Gramm Schlachtviehfleisch mit Knochen oder 160 Gramm ohne Knochen. Auf Abschnitt 1 bis 4 der Kinderkarte: 100 Gramm Schlachtviehfleisch mit Knochen oder 80 Gramm ohne Knochen. In den durch Aushang kenntlich gemachten Fleischverkaufsstellen darf außerdem entnommen werden: Aus Abschnitt 9 der Vollkarte: 50 Gramm Blut- oder Leberwurst. Auf Abschnitt 1 bis 10 der Vollkarte: 500 Gramm Wildbret. Auf Abschnitt 1 bis 5 der Kinderkarte: 250 Gramm Wildbret. Ein Anspruch auf Ueberweisung von Wildbret besteht nicht. Die Fleischverkaufsstellen sind von Donnerstag, den 13. d. Mts., von 8 Uhr vormittags ab bis einschließlich Sonntag, den 16. d. MtS., geöffnet. Die Inhaber der Fleischverkaufsstellen haben die Ab- rechnung über die in der verflossenen Woche erhaltenen Fleisch- und Wurstmengen unter Beifügung der abgetrennten Fleisch- marken und Bezugsscheine sowie unter gewissenhafter Angabe der von der Vorwoche noch vorhandenen Fleisch- und Wurstbestände am Montag, den 17. d. Mts., bis spätestens 12 Uhr mittags in der Fleischvcrteilungsstelle auf dem Schlachthofe abzugeben. Groß-Serliner parteinachrichten. Bcrlin-Maricndorf. Mittwoch, den 12. September, abends 8 Uhr, im Restaurant Hoch, Chausseestr. 44: Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Vereins Teltow-Beeskow, Bezirk Marien- dorf. Tagesordnung: Vereinsangelegenheitcn, Listenabrechnung, Ausgabe der Broschüre(Dr. David); letztere ist außerdem noch beim Vorwärtsspediteur A. Leip, Chausseestr. 29, erhältlich. Vorwärts- leser, sowie Teilnehmer der Miedbrodtschen Auguswersammlung, welche unserer Partei ferner angehören wollen, sind hierdurch ein- geladen. Die Bezirksleitung. I. A.: P. Suckcr. flus aller Welt. Minen find kein Spielzeug. Kopenhagen, 9. September. An der Westküste Jütlands in der Nähe von Thyborocn wollten gestern abend sieben Fischer aus Esbjerg von einer Mine, die an Land getrieben war, einige Metallteile entfernen, als die Mine plötzlich explodierte. Sechs Fischer wurden sofort g e- tötet, der siebente wurde schwer verletzt. Durch die Explosion entstand ein Krater von zehn Meter Durchschnitt und einigen Meter Tiefe, sie war so heftig, daß die Häuser in Thy- borocn erschüttert wurden. Thcatcrbrand in Hannover. Hannover, 9. September. Im Bühnenhaus des Königlichen Theaters brack heute morgen aus bisher noch nicht festgestellter Ursache ein Brand aus, �dem der Schnürboden, die Lichtanlage und alle brennbaren Gegenstände zum Opfer fielen. Tie Vorstellungen müssen vorläufig ausfallen. Wettcraussickten für das mittlere Norddcutschland bis TicnS. tag mittag. Vorherrschend wolkig und zeitweise neblig. Im Zlorden, besonders ar der Küste, leichte Regenfälle. Südostwärls fortschreitend weitere Abkühlung._ Verantwortlich für Politik: Erich Kuttner, Berlin: tür den übrigen Teil des Blattes: Alfrcd Scholz, Neukölln: sür Inserate: Th. Glocke, Berlin. Bruck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanslalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Admirals-Palast, Die Vovltäc Abrakadabra Großes phantastisches Ballett auf dem Else. 7'U U. VorzQgl. Küche.. Velourhüte an der ) Chausseestr. direkt in der Hutfabrik Invalitetr. Hüte werden Wgeprekt. 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Es belebt die Nerven, regt sie an und beeinflußt dadurch dermaßen die Gesundheit, daß man sich bald so frisch, wohl und unternehmungslustig fühlt, wie man es von Natur aus sein sollte. Kola-Dultz soll überdies auch die Nerven in Anregung erhalten. Im eigenen Interesse eines ieden Lesers dieses Inserates,. der erschöpfte Nerven hat, oder der leicht müde und abgespannt wird oder zu Kopfschmerz und Schlaflosigkeit neigt, wünsche ich, daß er Kola-Dultz versuchen möge. und wahrscheinlich würde erdann bald wie viele andere sagen können; Die Wirkung von Kola-Dultz ist geradezu überraschend! Die besten Nerven sind die. von denen man am wenigsten merkt. Kola-Dultz ist ein Freund der Nerven. Es ist angenehm im Gebrauch, und seine Wirkung ist eine Erfrischung. Kola-Dultz ist unschädlich und wird Männern, Frauen und Kindern empfohlen. Das Alter hat dabei nichts zu sagen. Es ist ein Präparat zur Anregung der Nerven. 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