Nr. 231. 34. Jahrg. Bezugspreis» WrteqSftrL a90 25t, monafl. 1» BH. wöchenllich 80 Pfg. frei inä HmiZ. dorouszahlbar. Einzelne Wochentag»- nunnnern b Psz. Sonntagsnummer mit illustrierter Beilage.Tie Neue Welt» 10 Pfg. Postbezug i Wonallich 1.80 25t Unier Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich- Ungarn 2,50 Mk.. für das übrige Ausland 4 Ml. nionatlich. Poslbestsllungen nebmen an Dänemarl. Holland, Luxemburg, Schaden u. die Schweiz. Eingetragen ui die Posl-Zeitungs-Pretslifte. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin'. Vevlinev Dolksblcrkk. ( 5 Pfennig) Der Anzeigenpreis betrSgl f. die sicbengespaltene Nolonel- «eile 60 Pfg.„Kleine ülnzcigcii', das fcllgedruckle Wort 20 Pfg. e H e n in i» i st e r s.ch.hi e tz l i ch a h. die RegierungSgewali Alerejew anzuvertrauen und leitete Verhandlungen mit den Ver- tretern des Arbeiter- und Soldatenrates ein. Man glaubt, datz die > a z i a l> st i s ch e n E l c m c n t c in der neuen Regierung st ä r k e r vertreten sein werden und datz von vichtsozialistischen Mi- nistern nur Minister des Aeutzern Tercstscbcnko und Finanzminister Nekrasow ibre Posten behalten werden. Sawinköw. der Ver- a.eser des KriegSministcriums, wurde zum niilitärischcn General- a o u v e r n e ii r von Petersburg ernannt an Stelle, des Generals WasiltowSki. der zur Verfügung der Einstweiligen Regie- .:üng gestellt wurde. In einem anderen Telegramm wiederholt die Pelers- burger Telegraphenagentur ihre optimistische Auffassung von dem Kornilowschen Putsch. Petersburg, 11. Tcplembcr. iMekfung der Petersbu racr Tele. grapben Agentur.) AuS zuverlässiger Quelle wird berichtet: Tic von Kornilow organisierte Aufstandsbewegung wird von fast der aanzen l.'aiid„- und Sccstrcitmacht mitzbilligt und nähert sich rasch dem Zusammenbruch. Tie Befehlshaber aller Fronten, mit Aus- -ahme des Generals T e n i k i n, haben in voller Uebercinstinimung mit den militärischen Ausschüssen und den demokratischen Ver- bänden bei den Truppen erklärt, datz sie der Regierung treu bleiben. Tenikin und sein Gencralstab wurden in ihrem Haupt- auarticr verhaftet. Indessen wurde den Verhafteten im Interesse der Landesverteidigung der Befehl über die militärischen Epe- rationen nicht entzogen. Sic wurden aber unter strenge Aussicht der militätischen Ausschüsse gestellt. Tic Q st sce flotte hat sich in ihrer Gesamtheit enschiedcn für die Regierung ausgesprochen. Tie Kolonnen der Truppen KornilowS, von denen mehrere in die Bewegung auf unerlaubte Weife hineingerissen wurden, haben ihren Vormarsch e i n g e st e l l t, da sie die Verbindung unter sich verloren haben. Einige Führer dieser Kolonnen trafen in �Petersburg ein. um um die Erlaubnis zu bitten, ihre Porgesetzten 'festzunehmen, dir die Regieruno verraten hätten. Letztere lrisst weiter kräftige Maßnahmen zur Pertcidigniig von Petersburg gegen ieglichcn Angriff, und es ist zu hoffen, datz ein Bliitvcrgietzcn vermieden werden wird. Zahlreiche anS den Provinzen eingehende Nachrichten zeigen die gleiche Gesinnung vollkommener Ergebenheit gegenüber der Einstweiligen Regierung. Eine letzte Meldunq läßt allerdings schließen, daß Kerenski doch d i e O b e r h a» d behalten wird. P e t e r S b u r g, 12. September. Rcutermeldung. Ter Haupt- nuSschust der Kadettenpartci teilte Kerenski mit, daß die Partei, um ein rn Vürgrrkrirg zu verhüten, ihren Mitgliedern gestattet, in das neue Kabinett einzutreten. Die Kadetten wüvden sich schwerlich um die Vermeidung des Bürgerkrieges besorgt zeigen und der Bildung eines Kon- zentratiouskabinetts mit Kerenski an der Spitze zustimmen, wenn sie Hoffnung hätte», allein die Macht erobern und festhalten zu können. Sie werden vermutlich noch in letzter Stunde zwischen Kerenski und Kornilow vermitteln und aus einen Kompromiß hinarbeiten wollen. Aber sind dadurch die aroßcu politischen und sozialen Gegensätze, die Rußland zcrklllften, aus die Dauer überbrückt? �Nowoje WremzV verboten. Petersburg, 12. September.(Meldung der Petersburger Tele- graphcnagcntur.) Die Regierung hat die„Nowojc Wremja" ver- boten, weil sie den Aufruf Koriiilows in vollem Umfang und den Appell KcrcnSkis in gekürzter Fassung veröffentlicht hat. Die Motive Kornilows. Petersburg, 10. September.(Reutermetdung.)„Isvcstia" schreibt, daß Kornilow in den letzten Tagen, um seinem Borhaben Frauzöfische Angriffe in der Champagne abgewiesen— Die Beute von Riga 8900 Gefangene, 325 Geschütze— Die russische Offensive bei Solka ein- gestellt— Günstige Kümpfe am Monte San Gabriele— Weiteres Zurückgehen am Ochrida-See. Amtlich. Großes Hauptquartier, 1?. Lcptembcr 1917. iW. T. Ä.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In mehreren Abschnitte» der ftandrische» Front, im Artois und nördlich von St. Qucntin lebte die Feuertätigkeit in den Abendstunden beträchtlich auf. Vielfach kam eS zu Zusammenstößen der Infanterie im Borfeld der Stellungen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nach starker Feuerwirkung brachen französische Abteilungen zu gewaltsamen Erkundungen beiderseits der Straße Somme- Ph— Souain in der Champagne vor. Sie wurde» durch Feuer und im Nahkampf zurnckgctricdrn. Gefangene blieben in unserer Hand. Vor Vcrdun hat die Kampftätigkcit der Artillerien nach- gelassen._ 19 feindliche Flieger find abgeschossen worden; einen davon brachte Leutnant Boß(46. Luftfieg) zum Absturz. Oestlicher Kriegsschauplatz. FrontPrinzLcopold. An mehreren Stellen zwischen Qstscc und Düna warfen unsere Vortruppc» russische Aufklärungsabteilungen durch Kampf zurück. Die Gcfangcncnzahl aus der Schlacht bei Riga ist auf 6906 festgestellt; die Beute belauft sich auf 325 Geschütze, davon ein Drittel schwere, mehrere beladcne Boll- und Klcinbahnzügr, große Pionicrgcrät-, Schirßbcdarfs- und Bcrpflegungsvorrätc, zahlreiche Kraftwagen und andere Truppcnfahrzcugr. FrontErzherzigZoseph. Zwischen Pruth und Moldawa vielfach rege Artillerictätigkeit und Ertundungsgefechte. Tie Russen letzten bei Solka ihren Angriff nicht fort. Südwestlich von Tirgul Ltna stieß der Feind fünfmal gegen unsere Linien vor; stets wurde er verlustreich abgewiesen. Mazedonische �front. Die Lage am Südwestufcr des Ochrida-SecS hat fich nicht wesentlich geändert. Im Becken von Monastir stärkeres Feuer als in letzter Zeit. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abeudbericht. Berlin, 12. September 1917, abends. Nichts Neues. Amtlich. Der österreichische Bericht. Wien, den 12. September 1917.(W. T. B.) Amtlich wird»erlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz Russen und Rumänen griffen die Höhen westlich von Otna zu wiederholten Malen hestig an. Ihre Anstürme brachen meist schon unter unserem Feuer zusammen. Einmal wurde» sie durch Gegenstoß zurückgeworfen. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Laufe dcS gestrigen Tages kam eS nur an den Hängen de« Monte San Gabriele zu heftigen Kämpfen, die für uns günstig verliefen; sonst keine besonderen Ereignisse. Albanien. Südöstlich von Berat wurden italienische Abteilungen durch unsere Bortruppcn über den oberen Osum zurückgetrieben. Bei Pogradcc, am Qchrida-Sre. welchen unsere Kräfte dem Drucke dcS überlegenen Gegners aus. Der Chef des Gcnerolstades. Erfolg zu sichern, ollmählich die der Revolution treuen Truppen aus Petersburg entfernte und durch Kosaken und andere Reiterei, auf die er sich verlassen zu können glaubte, ersetzte. Nach den Blättern wußten die Truppen nicht, worum cs sich handelte. Sic glaubten, datz ein m a x i m a l i st i s ch e r Aufstand unterdrückt werden solle. Der Generalstabschef Koriiilows Lakomski schickte Kerenski ein Telegramm, in dem er mitteilte, daß die Lage an der Front sehr ernst werden würde, wenn die Regierung die Forde- rungcn Kornilows nicht erfüllte. Die Nachricht von dem Ultimatum KormlowS wurde erst gestern am späten Abend bekannt und ver- ursachte in politischen und journalistischen Kreisen großes Aufsehen. Der Ministerrat hat gestern abend und während eines großen Teils der Nacht beraten. Auch das ausführende Komitee des Ar- beiter- und Soldatcnrats hat sich gestern abend oersammelt, um die Lage zu besprechen. Ein Antrag, die vorläufige Duma- kommission zu verhaften, wurde mit großein Beifall angenommen. Die Desorganisation. London, IL. September. Ter„Tailh Mail" wird dem Reuter- ichen Bureau zvfolge aus Petersburg berichtet, datz der Minister für Lebensmittelversorgung sein Amt niedergelegt hat, weil es ibm unmöglich war. der Unordnung in seinem Departement ein Ende zu machen. Stockholm. Die Erfolge üer russischen Delegierten. Stockholm, 12. September.(Eig. Trahtbcricht deS„Bor- märts".) Zu der gestrigen Zusammenkunft der russischen Delegierten mit dem Konferenzkomitce teilt„Socialdemo- kraten" noch mit: Die russischen Delegierten gaben einen interessanten Bericht über ihre Reise nach England, Frankreich und Italien. Vieles wurde hierbei klargestellt, was bisher infolge der Zensur der Ententeländer und durch dic Tcndcnz-Telcgrainme zu falschen A n s ch a u u n g e n geführt hatte. Die Delegierten erklärten auch, die r n s s i s ch c Bewegung gegen die P a ß- Verweigerung der Ententeregierungen steigere sich gc- wältig und verbreite sich über das ganze Land. Heute wurden die Beratungen des Komitees mit den russischen Delegierten beendet. Ein offizieller Bericht hierüber soll morgen erscheinen. Gestern abend hatten die russischen Delegierten eine Besprechung mit Hermann M ü l l e r und mit dem Bulgaren S a k a s o f f. Zrieöensgerüchte. Schon feit einigen Tagen waren in Berlin Gerüchte ver- breitet, daß sich die Aussichten der päpstlichen Friedens- a k t i o n erheblich gebessert hätten. Die Vertreter dieser Ge- riichte haben sich auf maßgebende Stellen berufen und scheinen damit infoweit recht behalten zu haben, als der Reichskanzler, wie wir gestern mitteilten, in Stuttgart dem auf deni Bahnhof versammelten Publikum gegenüber die Hoffnung aussprach, daß eS noch in diesem Jahre zum Frieden kommen werde. Man nimmt allgemein an, daß sich der leitende Staatsmann so nicht ausgesprochen hätte, wenn seinen Hoffnungen nicht konkrete Tatsachen zu- gründe lägen. Wir glauben zu wissen, daß die Grundlage jener Hoffnungen ziemlich schmal ist. Der„Vorwärts" war zwar so ziemlich daS einzige Blatt in Deutschland, das die amerikanische Note an den Papst nicht in dem Sinne ge- deutet hat, als ob durch sie alle Aussichten auf einen baldigen Frieden verschüttet seien, trotzdem oder gerade deshalb glaubt er jetzt vor einem voreiligen Optimismus ebenso warnen zu sollen wie vor einem überstürzten Pessimismus. Wenn bei den Gegnern die Geneigtheit zu verhandeln im Wachsen begriffen sein sollte, so weiß sie sich jedenfalls noch ganz gut hinter tönenden Kriegsreden zu verbergen, wie die gestern von uns wiedergegebenen Aeußerungcn deS englischen Arbeiterministers Barnes klärlich zeigen. Sind aber wirklich Möglichkeiten vorhanden, in der nächsten Zeit einen entscheidenden Schritt zum Frieden zu tun, so ist die deutsche Regierung dem Volk dafür vor- a n t w o r t l i ch. daß sie nicht verpaßt werden. Niemand will, daß die Regierung dem Frieden zuliebe Handlungen unternehmen solle, durch die Ehre und Zukunft des deutschen Volkes gefährdet werden, aber eine ungeheure Volksmehrheit verlangt, daß Schluß gemacht wird, sobald ein Frieden im Sinne des Reichstagsbeschluffes vom 19. Juli möglich ge- worden ist. Dazu ist vor allem notwendig, daß die Rc- gierung ihren Einfluß auf die öffentliche Meinung in einer Weise ausübt, die bei jedem neu entstandenen Zwischenfall die Stimmung nicht mehr als nötig erregt. * Die„Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: In Artikeln der„Magdeburgischen Zeitung" wird die Be- sorgmS geäußert, daß der S t a a t S s e k r e t ä r d e S R e i ch S- l o l o u i a l a in t S nicht mehr auf dem Boden seiner früherei, Eiklärungen über daS Festhallen unseres gesamten Kolonial- dcfitzcs stehe. Dabei wird die Vermutung ausgesprochen, daß in der Antwort auf die P a p st n o t e ein V e r z i ch t a u t u n s e r e Besitzungen i n der S ü d s e e enthalten sei. Ein Artilel der..Neuen politischen Korrespondenz" wird von der„Magde- burgischen Zeitung" als amtliche Erwiderung auf ihre Aus- führungen angesehen und einer abfälligen Beurteilung unterzogen. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß die Vermutung der.Magdeburgischen Zeimng" über die Beantwortung der Papst- „ote seder Begründung enibehrt. Der StaatSsekrelar deS Kolonial- arntS betrachtet nach wie vor das Festhalte» unseres gesamten Kolonialbesitzes als eine unerläßliche Frieden! jorderung Die Kritik an dem Artikel der„Neuen politischen Korrespondenz" richtet sich unzutreffenderweise an da§ Kolomalamt, da die Aus- führungen nicht amtlichen Ursprungs sind. * W. T. 53. meldet:„Nach„Nieuwc Rotterdamsche Eourant" meldet„Tally Telegraph" aus New Dort vom 10. Septemver, daß Staalssckretär von Kühlmann versucht habe, sich zu vergewissern, wie man in Amerika über Friedensbedingungen denken würde, die die Wiederherstellung von Belgien und die Unabhängigkeit E-l s a ß. L o t h r i n- g e n S mit sich brächten. Kühlmanns Vorschläge seien jedoch von der amerikanischen Regierung nickt crnstlick erwogen worden, da diese sich außerstande sehe, mit der deutschen Regierung zu ver- handeln. Diese Behauptung trägt den Stempel freier Erfindung an der Ttirnc." der depeschenwechsel zwischen Kaiser und Zar. Tie Zusammenkunft von Björkoc.— Zarenangst vor der Republik. Die„Nordd. Allgem. Ztg." kommt in Fortsetzung ihrer Veröffentlichungen auf die Zusammenkunft zwischen Kaiser und Zar in Björkoc am 24. Juli 1903 zu sprechen, von der sie berichtet: Das Ergebnis davon war die Bekräftigung der Tgtiache, daß die benackbarien Kaisern, ächte durch keinen ihre LebenSnot- wendigleiieii berührenden Jiiierejiengegeniatz an der Weiler- veriolgung und Vertiefung einer Politik des freund schast- lichen Einvernehmens verhindert waren. Die beiden Kaiser sicherten einander zu, daß sie alles in ihrem Machtboreich Liegende nni würden, um diese Uebereinstimmung der beidorseirigen VolkSinleressen im Falle drohender Kriegsgefahr auchdurch die Tatzu bekunden, indem sie fremde Friedensstörer gemeinsam zur Ruhe verwiesen und, wenn dies eriolg- tos bleiben sollte, einander nötigenfalls auch mit den Waffen Beistand gewähre». Sie iamen jerner dahin überein, daß versucht werden lollie. Frankreick zum Anschluß an diese die Wohtfabrl Europas besser als jede Kriegörünuiig sichernde Politik des Zu- lämmengeheiiS in der Abwehr aller friedenSseindtichen Machenschosien zu bewegen. „Die„Nordd. Allgem. Ztg." sieht das Wesen der da- maligen Politik in dem Gedanken,„daß dauerhafte und zu- verlässige Abmachungen im Verkehr der Völker untereinander nur dann zu erreichen sind, wenn beide Teile auS freier Entschließung handeln, und wenn neben dem natürlichen Schwergericht der Macht auch das des Rechtes in die Wagichale fällt." Von eiuer„freien Entschließung der Völker" kann in dem vorliegenden Fall eigentlich doch kaum die Rede sein. Es ivird iveiter ausgeführt, daß der Plan, einen russisch-deutsch-sranzösischen Dreiverband als Bollwerk des Friedens aufzurichten, an der französischen Revanchelust gescheitert sei. Eine große Rolle spielten, wie schon bekannt, im da- maligen Berlin-Petersburger Verlehr die skandlnavischen Angelegenheiten. Im Juni l9y8 war die Trennung Norwegens Don Schweden erfolgt, und am 18. November wählte das norwegische Storthing auf Vor- ichlag des Präsidenten Berncr den Prinzen Karl von Dänemark zum König, der seitdem unter dem Namen Haakon VII. regiert. Auf diesen Vorgang bezieht sich der vom 25. Juli datierte Brief des Kaisers an den Reichskanzler sowie sein schon bekannter Brief an den Zaren aus Kopen- Hagen vom 2. August. Ter Brief des Kaisers an den Kanzler eröffnet tiefe Ein- blicke in das Spiel der d p n a st i s ch e n Interessen, dessen Gegenstand in diesem Falle das norwegische Volk war. Er lautet: lieber Norwegen war der Zar sehr beunruhigt. Aus die Mit- tcilung, daß es König Oskar gleichgültig sei, wer sei» Nachbar werde, und daß der König auch nichts gegen eine Republik babe, schlug er die Hände über dem Kopf zusammen, a u s-r u f c n d:„Auch das noch! Na, das fehlte gerade»och. AiS ob wir nicht schon genug Republiken in der Welt hätten? Er meinte, wenn kein schwedischer Prinz hingehe und Kopenhagen dabei interessiert sei, könne ja Prinz Waldemar hingehen. Der habe einige Lebenserfahrungen� eine elegante nette Frau und schöne, st r a m ui c Kinder. Ich pflichtete ihm bei. machte aber darauf aufmerksam, daß nach Privatmilteilungen aus Kopenhagen der König von Eng- land bereits einer eventuellen Wahl seines Schwiegersohnes sein Einverständnis erteilt habe. Der Zar war sehr unangenehm davon überrascht, schien nichts davon zu wissen, und meinte, sein Pctter Karl sei völlig ungeeignet für diesen Posten, da er nirgendwo gewesen, keine Lebenserfahrung babe und indolent sei; Waldemar sei viel besser. Bei Karl werde England„by fair means or foul*' saus saubere Weise oder auf schmutzige) die Finger nach Norwegen hineinstecken und Einfluß gewinnen, Intrigen de- ginnen und am Ende durch die Besetzung von Christiansand das Skagerrak und damit uns alle von der Ostsee abschließen z ebenso seien dann im Norden die Murmanhäfen erledigt. ES wurde auch viel über Dänemark gesprochen. Dabei drückte der Zar den Wunsch auS, wir möchten in Erwägung ziehen. ob nicht irgendeine Form zu finden wäre, durch die wir beide dem König Christian im Falle kriegerischer Verwicklungen Hilfe leisten und seinen L ä n d e r b e st a n d garantieren könnten, damit wir sicher seien, daß wir im Kriegsfalle die Verteidigung der Ostiec nördlich vor den Bellen führen tonnten. Eine Neutralitätserklärung würde unS nichts nützen, wenn dabei die Dänen, ihrer Ansicht nach mit Recht, feind- liche Schiffe direkt in die Ostsee vor unsere Häsen lotsen lönnten. Der G eg n e r werde, s a l ls er die Neutralität Dänemarks nicht respektiere, was bei der großen Schwäche des Ländchens anzunehmen sei, sofort die Hand darauf legen, und daS neulrale Reich sei auf des Feindes Seite zum Mit- nur gezwungen und gewähre ihm eine vortreffliche Basis für seine Overalionen gegen unsere Küsten. Dänemark sei nun einmal ein Ostseestaat und keine Nordsecmacht. Ich konnte nrtr seine Auffassung zwar nicht zu eigen machen, versprach aber, mit Ihnen darüber zu■Beraten. In Kopenhagen werde rch Schoeil befragen und festzustellen suchen, was man sich dorr unter Neutralität denlt. — Der Brief zeigt, wie sehr Deutschland und Rußland da- mals gemeinsam darauf bedacht lvarcn, ihre Intcrcffcn in Ailltdinavien gegenüber englischen Einflüssen zu sichern. Ueberflüsjig zu sagen, daß der Zar mit seiner Meinung, es gäbe schon genug Republiken aus der Dell, im Irrtum war. Tic Welt ist seitdem viel republikanischer geworden, denn es kam noch Portugal dazu und China und schließlich— Ruß- land! Das Staatsoberhaupt des cntentcsreundlichen, aber neu- traleu Norwegen wird sich aber durch die Charakteristik, die hier von ihm entworfen wird, nicht gerade geschmeichelt fühlen und ihre späte Veröffentlichung nicht als Freundlichkeit cmp- finden. Die französische Minisierkrise. Tie Mission Painlevffs ist gescheitert. Entgegen dem ersten Anschein bat Pmnlev� doch versucht, ein Konzentra- tronskabinett zustande zu dringen, was mißglückte. Er wollte Clemenceau in das Ministerium aufnehmen, dieser lehnte jedoch deshalb ab, iveil ihn die radikale Zusammensetzung des Kabinetts bei der Verfolgung der Affäre Tuval Alincreida keine Bewegungsfreiheit zu geben schien. Der Präsident hat Painlevff beaustragt, seine Versuche nochmals zu wiederbolen. Der springende Punkt ist, ob sich Painleo� auf ein sogenanntes Ministerium der na- tronalen Einheit versteift oder mit einer M ehr- h e. i t s r e g i c r u n g bescheidet, die de» Willen der sozia- listischen Republikaner und der Sozialisten zu einer ener- gh'chen Politik verkörpert und in Wirklichkeit viel stärker als ein Konzentraiionskabineti fein kann, weil sie frei und un- gehemmt in ihren Entschlüssen ist. Wilsons Daumenschrauben. .Dailh Mail" berichtet aus New Aork, daß die Regierung den dänischen Dampfer Oskar II., der mir 6(X) Passagiereu und einer Ladung von Lebensmitteln am 8. September nach Kopenhagen ab- reisen sollle, zurückgehalten hat. Die Versorgung hollanös mit Kohle. Haag, 11. September. Die»Airlichaftliche Preßstelle" teilt mit, daß die von den Blättern veröffentlichte Nachrichr, Deurschland babe ow Kohlenousf'uhr nach Holland eingestelll, unrichtig ist. Kein derartiger Beschluß ist gefaßt worden. Amsterdam. 11. September. Einer Bläitermeldung zufolge ist England bereit, Holland monarlich 180 000 Tonne» Kohle» zu liefern, wenn Holland 180 000 Tonnen Schiffsraum für das belgische Hilfskomitee zur Verfügung stellt. Es ist noch kein Abkommen zu- stände gekommen._ Der Krieg auf öen Meeren. Berlt», 11. September. Arve U-Bootscrfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz: Sieben Dampfer und zwei Segler mit 20 000 S.-R..-T., darunter zwei große,. bewaffnete Dampfer und ei» englischer Trans- parier. Die beiden Segler hatte» Grubenholz und Soda geladen. Monatsbilanz ües Lustkampfes. Berlin, 12. September. iAwtlöch.j Unsere Erfolge im Luft- kämpf im Monat August.— Im Monat August haben unsere Gegner durch die Tätigkeit unserer Kampfmittel auf allen Fronten im ganzen 295 Flugzeuge und 87 Ballone verloren. Wir haben demgegenüber 01 Flugzeuge und 1 Ballone eingebüßt. Davon sind 32 Flug- zeuge jenfelts der Linic» verblieben, während die andere Hälfte über uiiserclu Gebiet nbgeschoffc» wurde. Auf die Westfront allein ciitfallc» von den 295 außer Gefecht gesetzte» feind- liche» Flugzeugen: 285; von den 04 deutschen:' 54. Im ein, etilen setzt sich die Summe der feindliche» Berluste folgender- maßen zuiammcu: 244 Flugzeuge wurden im Luftkampf, 41 durch Flugabwehrkanonen, 3 durch Infanterie abgeschossen, 7 landeten un- freiwillig hinter unseren Linien. Bon diesen Flugzeugen sind 125 in unserem Besitz. 109 jenseits unserer Linien erkennbar abgestürzt. Die Abschußzahl ist nächst April, wo wir 302 feindliche Flugzeuge außer Gefecht setzten, die größte in einem Monat erzielte. Kleine Kriegsnachrichten. Tcutichcuvcrfolgung in den Bereinigten Staaten. Phil- a d e l p h i a. II). September. iReuiermeldung.) Polizeiagenten drangen in die Geschäftsräume der dculichcn Zeitung.Tageblatt" ein. ES heißt, daß sechs Angestellie verbaflet winden. Die Regierung teilt mir, daß den Blättern, die in fremder Sprache erscheinen, die Be- Nutzung der Post untersagt werden wird. Die Stellung ües Auswärtigen Dmts. Ju der„Frankfurter Zeitung" liefert Konrad Haußmann zu den Enthüllungen des„New Jork Herald" einen Beitrag, in dem es heißt: „Ueber den Abschnitt von 1912 erzählt der frühere eng- lische Kriegsminister Haldane im„Manchester Guardian". Er berichtet, wie eS scheint, nicht unrichtig, zuerst iein Gespräch mit Bethmann Hollweg und dann die wichtige Unterredung inil dem Kaiser, Bethmann Hollweg und T i r p i tz- Er berichtet, daß Tirpitz, der seinen Großkampfschiffs-Flottenplan damals für das Wichtigste hielt, entscheidend mitgesprochen hat. Dies wird bestätigt durch Mitteilungen des Staatsselretärs v. K i d e r l c n- W ä ch t e r. Als ich diesen nach HaldaneS Besuch in Berlin aufsuchte und ihn fragte, ob er in der Lage fei, dem Parlament eine Mitteilnng über HaldaneS geschichtlich wichtige Mission und ihr Ergebnis zu machen, erwiderte er:.Nein, ich bin nicht in der Lage irgendwelche Mitteilung zu machen. Denn ich war nicht zugegen. Der Staatssekretär der Marine hat de» Bc- such HaldaneS offenbar für eine Marineangelegenheit erklärt, bei dem er notwendig, der Staatssekretär des Auswärtigen aber nicht notwendig sei." Die weitere sehr bestimmte und sarlastische Meinungsäußerung des Herrn v. Kiderlen-Wächter über Nutzen und Geschick von .Tirpitz auswärtiger Politik" teile ich zur Zeil nickt mit. Wir haben das Thema, wer eigentlich die auswärtige Politik macht, dieser Tage erst ausführlich bcbandelt. Wir erfahren jetzt, daß die auswärtige Politik von 1912 nicht im Auswärtigen Amt, sondern, zum Schaden des Reichs, im RcichSmarincanit gemacht worden ist. Das legt die Frage nahe i Wo wird sie jetzt gemacht? Zweierlei scheint uns auf alle Fälle notwendig zu sein. Erstens gehört an die Spitze des Auswärtigen Amtes ein Man», der daS unbedingte Vertrauen des Reichstags genießt. und zweitens muß dib Stellung dieses Mannes so sein, daß sie gegen alle Eiiiflüsse anderer Rcssorks vollkommen gesichert ist. Dies wäre wenigstens ein Stück der„Rückkehr zn den biSmarckischen Ucberliefcrungcn", die die konservative Presse so dringend fordert._ Der tzauptausschuß verrammelt! Jawohl, er ist verrammelt, nicht etwa.versammelt". Er hat sich im AllerheUigstcn verbarriladiert. er polstert die Wände, vor- stopft seine Ritzen mir Werg und dichict Schlüssellöcher ab. Warum das, was gibt's? Der Hauptausschuß hat erkannt, daß die Wände Ohren haben. Deshalb müssen de» Wänden die Obren abgeschnitten werden. Im Ernst: der Hauptausschuß beklagte sich darüber, daß zu viel aus der Vertraultchkeit seiner Sitzungen m die indiskrete Presie dringe. Und wer ist schuld daran? Natürlich die„Sau- jungen, die Schornalisten", hätten wir bald mit Gröber ausgerufen. Sie haben gehorcht. Sie haben das Ohr an die Wand gehalten und durchs Schlüsselloch nach Michaelis Mienen gespäht(falls sie nicht bei der Enge dcS Gesichtsfeldes nur die Rockschöße erspähten). Anders ist'S ja gar nicht möglich, daß so viel aus den Sitzungen in die Oeffent- lichkeit gelangen konnte. Und 10 wurde denn, wie jetzt berichct wird, der Beschluß geiaßl. sich während der Sitzungen, die in einem Saale des Obergeschosses stattfinden, besser als bisher abzuschließen. Jetzt ist man im RcichSlagSgcbäudc an der Arbeit, diese Exklusivität durch Aufführen von Wänden herzustellen. Der vor dem Sitzungszimmer des HauptauLschuffeS liegende Durchgang wird durch dick mit Werg gepolsterte Holztüren völlig abgeschlossen und in einen Vorraum verwandelt, zu dem nur die Abgcordneien und legitimierten RegierungSvcrtrelcr Zutritt haben sollen. DaS wird helfen, in der Tat Nur noch die Ritzen gründlich .verstopsl, und eS wird künstig gänzlich unmöglich sein,--- daß ein Herr Abgeordneter auf dem Wandelgang oder im Restaurant einem Journalisten all daS anvertraut, was am nächsten Tage der Leser in der Zeitung liest und wovon der Hauptausschuß felsenfest überzeugt ist, daß eS nur durch die Wand erhorcht sein kann.__ Die Crnährungsschwierigkeiten im 4. Kriegswirtschaftsjahre. Der Reichstagsbeirat für Volksernährung tagte am 7. und 8. September im Rcichsamt des Innern. In den„Mit- teilungen aus dem KricgscrnährungSamt" wird über die Ver- Handlungen kurz wie folgt berichtet: Im einzelnen hatten die Besprechungen die Brotgetreide- versorg ung und die Futtermittelwirtschaft im laufenden Wirt- schaktsjahre zum Gegenstand. Ein auf Grund deS vor- läusigen Ergebnisses der Erntevorschätzung aufgestellter Wirt« schaftSplan für Brotgetreide, Hafer und Gerste wurde einer sich auf zwei Tage erstreckenden Beratung unterzogen. Bei der Er- örterung der Wirkungen der F r ü h d r u s ch p r ä m i e n wurde nach eingehender Darlegung der von der Reichsgelrcidesiclle angestellten Erhebungen die Halllosigkelt der viefach in der Presse verbreiteten Gerüchte über das Verderben von Brotgetreide anerkannt und dabei bellagt, daß ein Teil der Presse zwar bereitwillig die Alarmnachrichten, nicht ober die Richtigstellungen verbreite. Der wenig günstige Ausfall der Futtermittelernle wird eine Ein« schränkung des Bestandes an Schweinen und Rindern notwendig machen, deren Umfang sich aber erst nach Vorliegen des Ergebnisses der Viehzählung be- messen läßt. ES herrschte ferner Uebereinslimmung darüber, daß Maßnahmen zu treffen seien, um eine angemessene Ernährung der städtischen Arbeitspferde im kommenden Wirtschaftsjahre flcher- zustellen, daß dagegen Rennpferden erhöhte Rationen nicht zu- gewiesen werden können. Endlich war man der Ansicht, daß die Haltung von Pferden, die nur dem Luxus dienen, zu ver- bieten sei. Woraus man erfährt, daß das Halten von LuxuS- p f e r d e u bis zum Herbst des vierten Kricgsjahres nicht verboten war und noch immer nicht verboten ist. Ablehnung üer Wahlreformanträge im sächsischen Landtage. Am Dienstag fiel die Entscheidung im Verfassung;- a u S s ch u s s e des sächsischen Landtags. Zuvor versuchten die Nationalliberalcn noch ein Manöver, das ihnen den Schein der Reformfreundlichkeit retten sollte. Sie brachten einen langen und gewundenen Antrag ein, der„mit Rücksicht auf die durch den Welt- lrieg veränderten Verhältnisse' die Regierung ersuchen wollte,„aus Grund der bei den nächsten Wahle» für die Zweite Kammer und auf Grund der nach dem neuen für Preußen in Aussicht gestellten Wahlrecht erstmalig zu machenden Erfahrungen zu prüfen. ob das jetzt gellende Wahlrecht, das in der Stimmbewerlung und in der WahlkreiSeinteilung Mängel aufweist, abgeändert und die jetzige Verschiedenheit in der Bewertung der Wähler bei Ein- sührung der Verhältniswahl gemindert oder beseitigt werden kann. und je nach dem Ergebnis dieser Prüfung dem ersten nach den Neuwahlen zasammentretenden Landlage eine Vor« läge oder eine Denkschrift vorzulegen." Dieser Antrag fand nur die Stimmen der Nationalliberalen. den Konservativen ging schon das zu gar nichts verpflichtende Wortspiel des nationalliberalen Antrage? zu weit. Sozial- demolraten und Fortschriltter lehnten es ab, den un« gedeckten Wechsel auf eine ferne Zukunft zu akzeptieren. In der voraufgegangenen Abstimmung waren in erster Linie die sozialdeniokrati scheu Wahlrechtsforderungen mit den Stimmen aller bürgerlichen Parteien abgelehnt worden. Für den fortschrittlichen Antrag, der die Anwendung des ReichZtagSwahlrechtS mit Verhältniswahl fordert. stimmten Sozialdemokraten und-Fortjchrittler. Für den durch einen Nationalliberalen veranlatzten Antrag, der lediglich eine Alters- zui atz stimme zum ReichStagSwahlrecht verlangt, stimmten et leibst, die Fonichrittler und die Sozialdemokraten. Der„unab- hängige" Sozialdcmolrat stimmte mit den anderen National- liberalen und den Konservativen den liejgreifenden Reformanirag nieder. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurden darauf die Ver- Handlungen bis auf weiteres abgebrochen. Lettle Nackrichten. Verhandlungen mit Kornilow. Anisterdam, 12. September. We ein hiesiges Blatt aus London vom 11. berichtet, veröffentlicht die„Time i" ein offenbar stark zensuriertes Telegramm aus Petersburg, in dem es heißt: Die Unterhandlungen mit Kornilow dauerten den ganzen Sonntag sort. Kornilow weigerte sich abzudanken oder sich der Regierung unterzuordnen. Er ließ im Hauptquartier den RegicrungSionr missar Filomenko verhaften, während KerenSli den Tuma- abgeordnctcn Lwow verhaften ließ. Petersburg hat trotz des Bc- lagernngszustandes sein gewöhnliches Aussehen behalten. Nur an den Straßenkreuzungen sind schwer bewaffnete Posten aufgestellt 'Und der 5rraftlvagenverkchr wird überwacht, ein sicheres Zeichen dafür, daß etwas im Anzüge ist. Es ist noch nicht möglich fest- zustellen, aus welche Hilfe Kornilow rechnen kann. Petersburg, 12. September.-(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die s o z i a l r st i s ch e Presse ist einmütig der Meinung, daß Kornilow ein Rebell sei. Sein Krieg sei der Krieg der russischen Bourgeoisie gegen die revolutionäre Teniö- kratie. Deutschland, Schweden, Argentinien. London, l2. September.(Reuter.j Tie„Times" berichtet aus Buenos Aires, daß die argentinische Regierung nichts unternehmen wird, bis sie den offiziellen Bericht ihrer Washingtoner Botschaft erhalten hat. Man glaubt, die Regierung werde dann L u x b u r g seine Pässe aushändigen und Berlin mitteilen, daß er Lersona non grata sei, und gleichzeitig den argentinischen Gr- sandten in Stockholm beauftragen, bei der schwedischen Regierung zu protestieren. Luxburgs Meldung von der in der geheimen SenatSsitzung getroffenen Entschliefiung bestätigt sich, und die Rc- gierung möchte wissen, woher Luxburg seine Informationen hatte. Man glaubt nicht, daß es zu einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland kommen wird. Das Reute rsche Bureau meldet aus Washington: Die Antwort de? schwedischen Ministeriums des Auswärtigen habe sowohl in diplomatischen, als auch in amtlichen amerikanischen Kreisen dos höchste Erstaunen hervorgerufen. Im Swatsdepartemenr werde betont, daß man sich mit der einfachen Erklärung Schwedens. daß es eine Wiederholung des Vorsalles verhindern werde, nicht zufrieden geben würde. Mazlicherweise werde die Angelegen- beit zum Gegenstand gemeinsamer Beratungen der alliierten Re- gierungen gemacht werden, und jedes Zögern auf Seiten Schwedens. für genügende Abhilfe zu sorgen, könnte zu gemeinsamen Vor- stcllungen sämtlicher alliierten Regierungen führen. Um daö internationale Gewerkschaftssekretariat. London, 12. September.(Reutcrmeldung.) Die Konferenz der Vertreter der nationalen Gewerkschaftsverbände der Ententemächte, die an das internationale S e k r c t a r i o t i n Berlin an- geschlossen sind, wurde gestern in London beendet. ES wurde bc- schlössen, daß das internationale Sekretariat von Berlin entfernt werden soll. Schließlich wurde für eine Resolution eine Mehrheit gefunden, in der es u. a. heißt: Es sollen die Meinungen der au die Internationale angeschlossenen Länder über die Verlegung des internationalen Bureaus von Berlin nach einem neutralen Lande eingeholt werden. Fällt die Entscheidung zugunsten der Verlegung des Bureaus aus, so soll der schweizerische Verband ersucht werden, die nötigen Schritte zu unternehmen, um das Bureau in einem Lande zu errichten, über das von den verschiedenen Ländern abgestimmt werden soll. Die französische und die serbische Sektion waren außerstande, diese Entschließungen anzunehmen, sie behielten sich aber das Recht vor, eine internationale Besprechung in B c r n zu besuchen, auf der die Abstimmung stattfinden solle. Die anderen Sektionen waren gegen eine Berncr Konferenz und für die brics- liche A b st i m m u n g. Die Konferenz nahm auch eine Entschließung an, in der für die Arbeiter eine Vertretung auf der Friedenskonferenz verlangt wird. Großfürsten in Haft. Petersburg, 12. September.(Reutcrmeldung.f Die Blätter melden, daß auf Befehl der Regierung die früheren Großfürsten Michael Alexandrowitsck und Paul Alexanorowitsch von ihrem Wohnsitz in Gatschina nach dem Ministerium des Innern gebracht worden sind. Nutter- und Säuglingsschuh. Bm 26. September b. I. tritt der ReichZtag ,u einer tuwn Herbstlagung zusammen. Äuch gesetzliche Maßnahmen zur Be- Völkerungsfrage sollen verhandelt werden. Schon in den letzten Iahren vor dem SUie�ze zeigte sich in Deutschland ein zunehmender Niickgang des Geburtcniiberschusses. Der Krieg hat die Aussichten nicht verbessert. Hunderttausende von Männern im kräftigsten Aller sind gefallen. Tausende anderer haben durch die Strapazen des Krieges erhebliche Einbusze an Lebenskraft erlilten. Berminderte Eheschließungen und Rückgang der Geburten wird für die nächsten Jahre die unausbleibliche Folge sein. Wir sehen an Frankreich, welches Schicksal ein Volk hol, dessen Geburtenüberschuß sich ständig senkt. Es ist daher zu begrüßen, daß endlich auch die Gesetzgebung sich anschickt, diesem Problem ihr Interesse zuzuwenden. Ob und inwieweit die vielen bisher gemachten Borschläge zur Bekämpfung der Ehe- und Kinderlosigkeit praktischen Erfolg versvrechen, soll hier nicht untersucht werden. Die Frage aller Fragen scheint uns die zu s.in: Wie kann der furchtbaren Sterblichkeit der Säuglinge Einhalt geboten werden? Die amtliche Statistik des Deulschen Reiches gibt in ihren trockenen Zahlen ein grausiges Bild über den Umkang der Todes- opfer unter den jüngsten Menschenkindern. Lehrt sie doch, daß die Slerblichkeit der Kinder im ersten Lebensjahre am hoch st en unter allen Altersklassen ist und kaum Lbertroffen wird von der Sterblichkeil des Greisenalters/ Das Deuiiche Reich zählt nach der letzten Bokszählung 63 Millionen Einwohner. Davon stehen 1,7 Millionen im Säuglingsalier und 7,7 Millionen iin zweiten bis sechsten Lebensjahre. Die Säuglinge bilden also etwa den vierzig st en Teil der Gesamtbevölkerung; aber unter den Toten nimmt diese Altersklasse mehr als den v i e r t e n T e i I für sich in Anspruch, ein Mißverhältnis, wie es ärger nicht gedacht werden kann. Allerdings geht die SäuglingSsterblich- keil in Deutschland ständig zurück. Wenn loir hinzurechnen, welch reichliche Ernte der Tod außerdem in den Reihen der weiteren fünf Jahrgänge des Kindesaltcrs findet, dann erhalten wir einen Be- griff von den erschreckenden Einbußen an Bolkskraft, nicht zu ge- denken des persönlichen Leids undKummers Tausender trauernder Eltern. So sind beispielsweise im Jahre 1961. von dem an die reichsstatisti- schen Erhebungen beginnen, im Deutschen Reiche 1 069 798 Personen gestorben; von diesen halten 277 169 das erste Lebensjahr. 363 130 das sechste Lebensjahr noch nicht vollendet. Bon je hundert Sterbesällen kamen also 67,8 auf die Alters- klassen bis zu sechs Jabren. Zahlen sind trocken, aber Zahlen müsien genannt werden, weil sie am klarsten die Grausamkeit der Tatsachen enthüllen und aus tatenlosem Verhalten aufrütteln. Und das tut not, denn Gemein- put ist der Gedanke der dringend notwendigen Hilfe auf diesem Gebiete noch nicht geworden. Dies ist um so bedauerlicher, als loir ganz genau wissen, daß die Herabminderung der Säuglings- sterblichkeil keineswegs ein für uns unerreichbares Ziel ist. Das lehrt ein Blick auf die Sterblichkeitsrate der Säuglinge in anderen Ländern. Da steht Norwegen mit einer Sterblichkeit von 6,8 Proz. am günstigsten da. Deutschlands Sterblichkeitsrate der Säuglinge wird nur übertroffen von Rußland, Rumänien, Oesterreich-Ungarn, Spanien, Serbien und Bulgarien. Es ist noch nicht zu lange her, da die Fachwisienschaft noch fest davon überzeugt war, daß die Sterblichkeit der sungen Menschen eine natürliche Auslese zur Verbesserung des Menschengeschlechts darstelle. Nur die Gesunden und Kräftigen sollen am Leben bleiben, die Lebensschwachen aber sterben. Dies sei eine von der Natur ge- wollte Selbsthilfe zur Vermeidung der Uebervölkerung. Lange tonnte sich diese Irrlehre behaupten; erst die neuere Zeit erbrachte den Beweis der Unrichtigkeit dieser Theorie. Nicht zum mindesten die zuerst in Frankreich auftretende Angst vor der Entvölkerung des Landes hat gelehrt, den Massentod der-jungen Kinder mehr und mehr als ein nationales Unglück zu betrachten. Das Gesetz der natürlichen Auslese und der Oualitätsverbesiernng des Menschengeschlechts wurde wankend, als kritische Gelehrte nachwiesen, daß in den Gegenden mit größter Kindersterblichkeit, also größter Auslese, keineswegs besonders kräftige und gesunde Erwachsene übrigbleiben, sondern daß im Gegenteil hier z. B. auch die Mililärtauglichkeit eine besonders geringe sei. Die größte Bresche in die irrige Ansicht schlug ober die Erkenntnis, daß. wie Boeckbs Berliner Statistik einwandfrei bewies, vornehmlich die Flaschenkinder starben, während die Brustkinder sich gesund und kräftig entwickeln. Jetzt war mit einem Male Llcht in das Dunkel gebracht: Die Kinder weiden bis auf toenig Aus- nahmen gesund geboren; ihr vorzeitiges Sterben ist nicht auf an- geborene Lebensschwäche, sondern auf Fehler in der Ernährung und Pflege und. tvas von besonderer Bedeutung ist, auf vermcidbare Fehler zurückzuführen. Die Sterblichkeit der Flaschen- kl n der ist siebenmal so groß als die der Brust- kinder. 70— 80 Prozent' aller Todesfälle im SäuglingSalter sind auf den Ausfall der Brusi- nahrungzurückzuführen. An der Spitze jeglicher Fürsorgemaßnahmen für den Säugling muß daher die uneingeschränkte Forderung stehen, dem Kinde die Mutterbrust zu erhalten. Die Durchführung der Fürsorge ist diesem vornehmlichsten Grundsatz, nnd nur diesem allein, anzupassen. Alle anderen Maßregeln, z. B. Versorgung des Kindes mit guter Kuh- milch, sind gegenüber der Erfüllung dieser Forderung von viel geringerer Wichtigkeit. Hier ist also der Angelpunkt, an dem ein- gesetzt werden muß. Die meisten Mütter werden gewiß gern ihre heiligste Mutterpflicht erfüllen, wenn nicht die rauhe Lebensnot sie daran hinderte. Von dem geringen Prozentsatz derjenigen Frauen, die aus Bequemlichkeit �ind Eitelkeit diese ihre Pflicht vcr- nachlässigen, kann hier abgesehen werden. Tausende von Neugeborenen gehen ihrer natürlichen Nahrung verlustig, weil die Mutter bald nach der Geburl die Erwerbsarbeit außer dem Hause wieder aufnebmen muß. Welche Folgen daS zeitigt, darüber gibt wieder die Statistik Auskunft. Nicht loeniger als 52 Proz. aller Todesfälle im Säuglingsalter entfallen auf das erste Lebensvierteljahr, im zweiten sind es weitere 22 Proz.. im dritten 15 Proz. Neben und mit der Erwerbstätigkeit sind eS natürlich noch andere Ursachen, die die Mütter der»nbemittelten Klassen hindern, ihren Kindern die Brustnahrung zuzuführen: Un- genügende und ungeeignete Ernährung, die Nöte der Schwanger- schafl. schlechte Pflege. Kummer und Sorge(namentlich bei un- ehelichen Müttern) setzen die Stillmöglichkeit herab. Darum sind es in erster Linie die Proletariermütter, deren Kinder im frühesten Aller dem Tode zum Opfer fallen. Den Säuglingen der Minderbemittelten bat also vor allem die Fürsorge zu gelten. Etwa die Hälfte aller Säuglinge ist in ihren Daseinsbedingungen gefährdet, daher als fürsorge- bedürftig zu bezeichnen. Riesengroß ist die Aufgabe, die hier zu bewältigen ist. Nur die Gesetzgebung und die öffentlichen Ge- walten können sie losen. Tie Schaffung einer umfassenden gesetz- lichcn Mutlerschaftsfüriorge ist nötig; Sorge für die Mutter vor und nach der Entbindung, Befreiung von gewerblicher Arbeil für genügend lange Zeit. Fürsorge dem Säugling im ersten Lebens- jähr, Errichtung von Krippen. Säuglingsheimen, kostenlose ärztliche Hilfe, Gewährimg von Stillgeldern und sonstigen Unterstützungen fvbligalorisch von Staat und Gemeinde— nicht als Armenunlerstützung). Dazu Belehrung der Frauen und Mädchen über richtige und zweckmäßige Ausziehung der Kinder. Besondere Fürsorge für die u n e h e li ch e Mutter und deren Kind. Das sind einige der Maßnahmen, die zu ergreisen ivären. Deren Ausführung kostet aber Geld, viel Geld. Wir opfern aber jetzt viele Milliarden zur Vernichtung von Leben; mit einer Milliarde könnte hier viel Leben erhalten werden. Aber auch jetzt greift man wieder zu dem üblichen Mittel der öffentlichen Saiumiunq. In der nächsten Zelt weichen an sogenannte«.vpfertagen' stn ganzen Reich Samm- lungen stattfinden, deren Erlös für Säuglings« und Kleinkinder- schütz Verwendung finden soll. Wie wir der privaten Wohl- läligkeit gegenüberstehelr. braucht hier nicht erörtert zu werden. Reich, Staat und Gemeinde haben nach unserer Auffassung die Pflicht und auch allein die finanziellen und sonstigen Machtvoll kommen- heiten und Kräfte, eine so ungeheure Aufgabe zu lösen. Immerhin haben wir keine Ursache, uns der Vereinigung, die sich zum Zweck der Sammlung und der späteren praktischen Betätigung der Säug- lingS» und Kleinkmderfürsorge gebildet hat, ablehnend gegenüber- zustellen; ihre Bestrebungen haben unsere vollste Sympathie. Es ist ja nicht das erste Mal, daß private Initiative der staatlichen vorauseilt, diese antreibt und fördert, ihr den Weg ebnet und sie zwingt, ihr zu folgen. Von diesem Gesichtspunkte aus darf man jene als willlommcnen Vorläufer späterer öffentlich-rechtlicher Ein- richtungen betrachten. 'dJiiiiiiiiiiiiiiimiiimiimiiiiiiiniimiiiniiiiiiiiiiiiuiniiMiiiiiiiniiiiiiiniiiniiuiiiiniiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiU; Pelze Silber-Luchse Blau-Füchse Kreuz-Füchse Alaska-Füchse Kragen 400° 6(M 8500 Muffen 7500 9(M lOO™ R. M. Maaßen Q. m. b. H. Oranienstr. 165 Leipziger Str. 42 iümhmiiiiiiiimiiiimmiiiiiiMmmmuiimiuiimmiiiimiiiiiiMiimmiiiiuimiiHiiiiiiiiumiimMiiimiiiiit; mit u. ohne Platte, mit echtem Friedenskautschuk, Goldkronen, Brücken. Plomben. Umarbeitung schlechtsitzender Gebisse-Msz Keparatnren sofort. Zahnziehen in örtlicher Betäubung. Billige Preise, auch Teilzahlung. Teleph. Amt Nord. 1043~. 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September 1417 GroßSerlln Mehr Selbstverwaltung für die Gemeinde«! Bei den vielen Andeulungen über die kommende Neu orieniiening ist auch für die Gemeinden ein Brocken abgefallen. Es wurde beiont. dost angesichls der grojzen Leistungen, welche die(ä »leinden übernommen biirien, ihnen auch größere Rechte in der Eelbslverwalliuig eingeräumr werden sollten. Bisher haben die Gemeinden sehr wenig von dieser Auffassung der Slaatsregierung gespürt, vielmehr den Eindruck gewonnen, daß wieder starke Kräfte am Werk sind, die schon bestehende Selbstverwaltung noch mehr einmengen. Ein besonderes Lied hiervon kann der Neuköllner M a g i st r a r in be�ug auf seine Lebensmittelpoliiik anstimmen. Schon vor längerer Zeit hat ein Magistratsverlreler die von sozial- demokratiicher Seite in der Stadtverordnetenversammlung vorge- brachlen Beschwerden über die Lebensmittelversorgung als bercchligt nnerkaiint. Ta diese Mißstände allgemeiner Natur und infolge dessen von der Gemeinde nicht zu meistern waren, so harte der Magistratsverlreler die Reichsstelle dafür verantwortlich gemachr. Das wurde an diesen Stellen sehr übel vermerkt, und dem Magistrat wurde mitgeteilt, daß Beschwerden der Stadlverord- rieten noch z u ertragen seien, nicht geduldet werden könne jedoch, daß der Vertreter des Ma- gislrats derartige Beschwerden öffentlich als be- r e ch l i g t anerkennt. Auch die mehrfachen Eingaben über bessere Gestaliung der Ernährungsverhältnisse fielen an den über- geordncieu Siellen sehr unangenehm auf, so daß der Gemeinde milgeteilt wurde, sie solle sich in Zukunft darauf beschränken die von den Staatsbehörden getroffenen Matz- nahmen o u S z u s ü b r e n. Als dann vor kurzem der Magistrat aus einstimmigen Beschluß der Lebensmirtelkommission eine Eingabe an das KriegsernübrungSami machte, erhielt er in wenigen kurzen Sätzen vom preußischen Ernährungskommissar den Bescheid, daß er sich übeihaupl nichl an das Kriegseruährungsamt, sondern nur an die Staatliche Berieiluiigöstelle Groß-Berlin zu wenden habe. Also das, was jedem einzelnen Bürger gestaltet ist. wird dem Magistrat als Berireter einer großen Arbeilergemeinde verwehrt. Noch größere» Unwillen errcgie eine an den„Vorwärts gerichtete Zuschrift des Magistrats über die u n- genügende G e m ü s e v e r s o r g u n g. In dieser wurde die Reichssielle für Gemüse und Obst für die damals gänzlich unzu reichende Versorgung veraiitivorilich gemacht. Die Wirkung dieser Notiz ivar eine vom Ministerium des Innern ausgebende Aufsordc rung, niilzuieilen, ob diese Zuschrift vom Magistrat herrühre. Nach dem die'cs zugegeben, ist jetzt dem Magistrat vom Regierungs prsii den teil die Mißbilligung ausgesprochen worden. In Arbeiterkreisen dürste der Magistrat durch sein energisches Aus- lreien ent'chieden gewonnen haben. Angesichts derartiger Vorkommnisse ist es erklärlich, wenn in letzter Zeil weniger von ilominuiialpolilikern an leitender Stelle ösienilich aus Mißstände in der Lebensmittelversorgung aufmerksam gemacht wird. Von lozialdemokralischcn Kommunalveri relern er- warten wir, daß sie sich durch derartige oder ähnliche Scherereien iilchl an der Befolgung einer im Interesse der großen Masse liegen- den energischen Ernährungspolilik behindern lassen. Im übrigen aber verlange»>vir, daß die Aiisdehiiung der Selbstverwaltung der Gemeinden icchl schnell in die Praxis umgesetzt wird und Bevor »lundungsversuche obengeschilderler Art unterbleiben. Die Arbeits- freudigketl der Gemeinden dürste dadurch wesentlich erhöht.werden. Tic Neuwahl dcd VcrbandSdircktorS. Der Posten des Groß-Berlnier Verbandsdirekiars wird für die Neuwahl wahrscheinlich ausgeschrieben werden. Mir einem großen Teil der Berliner Vertreter wollten das auch Vertreter der Vororte und der Kreise beantragen. In konservativen Blättern liest man, es geschehe dies in der Ueberzeugung, die Ausschreibung werde den Beweis erbringen, daß eS für den schwierigen Posten leinen geeigneteren Mann gibt als— den jetzigen Vcr- bandsdireklor. Wer will jeht die englischen Gaswerke haben? Der unverständlich hohe Preis, den die Regierung für die neue Bewerbung um die englische Gasanstalt festgesetzt hat, wird auch in den sonst durch die Bedingungen so sehr begünstigten Landkreisen Teltow und Niederbarnim als sehr unangenehm empfunden. Wer die Werke zu dem erhöhten Preis erwirbt, der riskiert jetzt einen bösen Neinfall, weil eine Rentabilität kaum noch möglich scheint, wenn nichl für das Gas aus diesen Werken der Preis bedeutend gesteigert wird. Schöneberg und Wilmersdorf ' haben die Möglichkeit, im Jahre 1924 von ihren Verträgen mit den englischen Gaswerken loszukommen, und eS ist Neigung vorhanden. diesen Schritt zu tun. Die Werke würden dann ein paar Groß- Verbraucher los, deren Verlust dem Kreis Teltow, falls er das Unlernrhmen an sich bringt, sehr schmerzlich fem müßte. Schon verlautet, daß in den Kreisen der Wunsch besteht, lieber m i t Berlin und den Nachbar st ädten zusammen zu- gehen und vielleicht in Form einer Aktiengesellschaft das Unter- nehmen gemeinsam zu erwerben. Dazu müßte freilich die Regie- rung den Preis, den sie jetzt fordert und zu dem niemand kaufen kann, bedeulend ermäßigen. Die Städte wollen übrigens sich an den Reichskanzler wenden, um eine neue Ausschreibung unter anderen Bedingungen zu erreichen. Zum Streit um die Gaswerke wird die Berliner Stadtverordnetenversammlung heute Stellung nehmen. Alle Fraktionen haben gemeinsam einen dringllwen Antrag eingebrackit, der so lautet: ..Die Berliner Stadtverordnetenversammlung erhebt Einspruch dagegen, us daß nach dem von der königlichen Staatsregierung ver- anlaßlen Angebot für die Englischen Gaswerke statt des auf b8 Mil- livuen Mark durw gänzlich unbefangene Sachverständige festgestellten Wertes ein Mehrpreis von 27 Millionen Mark, einschließlich der Nebenbelastung ein Preis von ungefähr ISO Millionen Mark ge- sorverl wird. Durch Genehmigung eines solchen lleberpreises zu- gunsten der Aktionäre wird eine unbillige Mehrbelastung Groß- Berliner Gemeinden geschaffen, der wirtichaftliche Erlrag der Gas- werke aus lange Zeil schwer beeinträchtigt und die wünschenswerte Ermäßigung der Gaspreise dauernd verhindert werden; d) daß die Bedingungen des Angebots offensichtlich geeignet sind, eine Verstöudiguiig Berlins mit den kreisfreien Nachbar- geineinden und städleäbulicben Kreisgemeinden zu gemeinsamem Zweck zu verhindern und gegenüber den größeren Gemeinden und damit der großen Mehrheil der Bevölkerung Groß-Berlnis und rhrer Selbstverwalluiig den Kreisverwaltungen den ausschlag- gebenden Einfluß in Groß-Berlin zu verschaffen. Die Sladtverordiietenversammlung ersucht den Magistrat, bei den zuständigen Reicks- und Staatsbehörden dahin zu wirken, daß das seitens des Liquidators gestellte Angebot über den Erwerb der englischen Gaswerke ausgehoben wird." Der Antrag soll in der Heuligen Sitzung verhandelt werden. Neue Verzögerungen in der �leischbelieferung. Die Viehanlicserungen seitens der Viehhandelsverbände sind für die lau'ende Woche fast ganz ausgeblieben. Bon den benötigten 1 800 000 Pfund find erst rund 300 000 vorhanden, so daß in der laufenden Woche nur ein Teil der Bevölkerung Fleisch erhalten kann. Mit Rücksicht hierauf werden deshalb die für die laufende Woche gültigen Fleischkartenabschnitte noch für die ganze nächste Woche für gültig erklärt. Tie bisherigen Fleischkundenlisten verlieren mit dem Ablauf des 30. September ihre Gültigkeit, Wer daher vom 1. Oktober ab Fleisch bezieben will, muß in der Z e> l vom 16. b i§ 23. S e p- l e m b e r bei einem Fleischveriäufer seine Eintragung in die neue Fleisckkundenliste bewirken. Auch diejenigen Personen, welche bei ihrem bisherige n Fleischer weiter kaufen wollen, müssen sich in dieser Zeil neu eintragen lassen. Wer diese Frist versäumt, hat bis auf weiteres keine Möglichkeit, Fleisch zu beziehen. Tic Zusammenlegung der Bäckcreibetriebc. Die 17 Bäckerinnungen Groß-Berlins haben in einer Beriamm lung, an der auch viele Frauen teilnahmen, Stellung genommen zu der geplanten Zusammenlegung ihrer Betriebe. Obermristcr Fritz Schmidt wies darauf bin, daß in einigen Städten die Zusammen- legung bereits erkolgt sei. So habe Magdeburg nur noch sechs Bäckereien mit 62 Backivareuverkaufsstellen und ähnlich sei es in Leipzig und Görlitz. Für Groß-Berlin seien die Jnnungs vorstände bei dem Reichsamt des Innern und dem preußischen Handelsministerium vorstellig geworden, um hier eine so weit- gehende Zusammenlegung zu verhüten. Es sei aber nötig, daß die Bäcker sich für freiwillige Zusammenlegung ent- scheiden, die einer erzwungenen vorzuziehen sei. In der Diskussion wurde unter anderem auch gegen die Wiedereinführung der Nacht arbeit gesprochen, die vom Großkapital beabsichtigt sei. Angenommen wurde eine Entschließung, die sich mit der Zusammenlegung der kleinen Betriebe einverstanden erklärt. Sie dürfe aber nicht sckemalisch erfolgen, sondern erst nach Anhörung und mit dem Einverständnis der sachverständigen Innung. Eine zweite Entschließung erklärte sich gegen die frühe Verkaufszeit an Montagen und forderte Hinzuziehung der Innungen zu den Preisfestsetzungen, Zur Jugendweihe der Arbeiterschaft Groh-Berlins erfolgen jetzt die schriftlichen Einladungen. Teilnehmer, die Sonnabend keine Einladung erhalten haben, wollen sich an das Sekretariat der Bezirksorganisation, Lindenstr. 3, 2. Hof links III lFernspr. Moritzpl. 364> wenden. Die Einlaßkarten zur Feier sind bei den.Vorwärts'-Speditionen sowie im Bezirkssekreiariat er- hältlich. Zur Vermeidung von Irrtümern wird darauf hingewiesen, daß die Jugendweihe am Sonntag, den 23. September, vormittags 11 Uhr, im Lehrervereinshaus, Alexanderplatz, stattfindet. Gine neue Strahenbahnverbindung mit Spandau. Die Verhandlungen über die Herstellung einer für die Rüstungsarbeiter unbedingt notwendigen weiteren Straßen- bahnverbindung mit Spandau stehen vor dem Abschluß, so daß sich der Verbandsausschuß Groß-Berlin in seiner nächsten Sitzung mil der Angelegenheit beschäftigen kann. Es handelt sich um eine Straßenbahnlinie vom B a hnhof Jungfernheide über Sie mens st adt nach Spandau, die von der Spandauer städrischen Straßenbahn iin Anschlußbetrieb mit der Großen Berliner Straßenbahn dnrckgefiihrt werden soll. Die gegen wältige Spandauer Straßenbahnlinie von Fürstenbrunn soll eingezogen werde», weil die neue Linie einen zweckmäßigeren Anschluß an das Staatsbahnnetz bildet und dadurck die Verbindung mit Fürstenbrunn entbehrlich wird. In der Richtung nach Spandau benutzt die neue Straßenbahnlinie den Schwarzen Weg und die Gartenfelder Straße, während in der Richtung nach Jungfernheide der gerade Weg durch die Nonnendamm-Allee ge- nommen wird. In den Zenen des starken ArbeiterstoßverkehrS werden Einketzzüge mir vom Bahnhof Jungfernheide aus über den Nonnendamm und weiterhin durch den Schwarzen Weg. die Garten felder Straße und zurück durch den Nonnendamm in einer Schleife gefahren. Der Fahrpreis auf der ganzen Strecke Spandau— Jungfernheide soll 1ö Pf. betragen, ferner sollen Teilstrecken zu 10 Pf. eingerichtet werden._ Einstellung einer Omnibuslinie. Dir Allgemeine Berliner OmnibuSgesellsckaft stellt Sonnabend, den Ib. September, abends, den Betrieb ihrer Linie 25, Gesundbrunnen— Bahnhof Friedrich- straße, bis auf weiteres ein. Tie Ausgabe neuer Reichsbanknoten zu 20 M. hat jetzt begonnen. Der Entwurf der Banknote rührt von Artur Kampf her. Ein Speicherbrand lockte die Berliner Feuerwehr nach der Prenz lauer Str. lös,. Dort war am Mittwoch früh um 5 Uhr auf dem Hofe in den Lagerräumen der Speditionsfirma Borckardt u. Früh fahrt ein großer Brand ausgekommen, der an den dort lagernden Speditionsgüiern, Waren und Immobilien reiche Nahrung gefunden halte. Die Flammen schlugen schon hell aus dem Speicher als die Wehr an der Brandstelle ankam. Es gelang die angrenzenden Räume zu schützen und das Feuer auf den Speicher zu beschränken Nach mehrstündiger Täligkeit war das Feuer bewältigt. Die Ent- stehungsursache war noch nicht zu ermitteln. Bon einem Militärkraftwagen überfahren wurden Dienstag nach- mittag in der Kaiserallee an der Ecke der Pariser Straße in Friedenau zwei ältere Damen, die auf einen Straßenbahnwagen warteten. Die eine erlitt erhebliche Kopfverletzungen, konnte sich aber selbst noch in ärztliche Behandlung begeben. Die andere wurde mit schweren Bein- und inneren Verletzungen nach dem Auguste-Viktoria-Krankenhaus gebracht, wo sie noch besinnungslos daniederliegt. Sie ist etwa 50 Jahre alt. hat graues Haar und w ar dunkel gekleidet. Der Wagen, der übermäßig schnell fuhr, wurde von einem Matrosen gesührl. Mit Stoffen im Werte von 12 800 M. verschwunden ist ein un- getreuer Heimarbeiter, der 26 Jahre alte Schneider Markus Jurkiewicz, der für eine Kostümrockfabrik im Zentrum der Stadl tätig war._ Neukölln. Errichtung»euer Betriebe. Nachdem der Ankauf der Malzfabrik in der Hermannstraße endgültig abgeschlossen ist, werden die Vorarbeiten für die Einrichtung des umfangreichen Betriebes für die Zwecke der städtischen Lebensmittelversorgung in Angriff genommen. Neben der Trockenanstalt für Gemüse und Obst soll eine Futtermittelmischanlage, eine Marmeladenfabrik, eine Sauer- kohlfavrik und eine Gurkensalzerei eingerichtet werden. Die dann noch übrig bleibenden großen Räume sollen für Lagerzwecke Ver- Wendung finden._ Schöneberg. Verminderung der leerstehenden Wohnungen, Wie in Berlin so ist auch in Schöneberg die Zahl der leerstehenden Wohnungen weiter gesunken. Nach der letzten Aufnahme vom Mai dieses Jahres betrug sie nur mehr 1633 oder 3,1 Proz. des Be- slandes, das sind weniger als bei allen 16 Aufnahmen seit 1909, mil alleiniger Ausnahme der letzien Friedenszählung vom Mai 1914 (mit 2.5 Proz.j Besonders empfinvlich war der Rückgang bei den Ein- und Zweizimmerwohnungen ohne Läden, von denen nur 363 leerstanden, das heißt nur 1,5 Proz. des Bestandes. — Borausbezug von Kartoffeln. Auf die zehn für die nächste Wocke gellenden Abschnitte der Kaitoffelkarte können schon jetzt ins- gesamt 5 Pfund Kartoffeln entnommen werden. Da vom Montag ab der Kleinhandelspreis für Kartoffeln auf 16 Pfg. pro Pfund herabgesetzt wird, so brauchen auch diejenigen, die Kar« löffeln für die nächste Woche im voraus entnehmen, diese Kartoffeln nur mil 10 Pf. bezahlen. Die für diese Woche bezogenen Kar- löffeln beHallen den bisherigen Preis. Wilmersdorf. Ausgabe neuer Lebensmittelkarten. Die Mager- milchkarten für die Monate Oktober bis Dezember werden am 17. und 18. September von 8—2 und 5—7 Uhr durch die Brotkommissionen an die empfangsberechtigten Hanshallnngsvorstände ausgegeben, Jeder Haushalt, in dem sich ein in der Zeit vom 1. Oklober 1907 bis 30. September 1911 geborenes Kind oder mehrere solcher Kinder beffnden, erhält eine Magermilchkarte. Die Zahl der Kinder ist also für die Kartenverteilung belanglos. Spandau. Lebensmittel. Auf Feld 2 der Eierkarte wird noch bis auf weiteres 1 Ei zum Preise von 39 Pf. abgegeben. Grieß und Graupen siod noch in mebreren Geschäften zu haben. Die Ab- schnitte dafür verlieren am Freitag ihre Gültigkeit. Nicderschönhausen. Lebensmittel. Von der Geineinde ist ein Posten polnischer Gänse angekaufr, welche an Gemeindeangehörige abgegeben werden. Das Gewicht beträgt zirka 7 bis 9 Pfund, der Preis pro Psnnd 4 M. Anmeldungen bis Sonnabend auf der Polizeiwache, Rathaus. Sollte Ueberzeichnnng eintreten, wird von der Verwaltung die Verteilung vorgenommen.— Auf die letzten Abschnitte der Kartoffelkarie werden noch zwei Pfund Kartoffeln ab- gegeben, im ganzen also 7 Pfund. Gerichtszeitung. Doppelter Butterbezug eines Lebeusmtttelmarke«verteilerS> Zu dem am 9. September vom„Vorwärts' in Nr. 247(1. Bei« läge) mit dieser Uebcrjchrifl veröffentlichten Gerichtsbericht teilt im Auftrage des angeklagten Schlossers Paul Engel zu Drewitz sein Verleidiger uns mit, der Bericht enthalte wesentliche tatsächliche Unrichtigkeiten, wie er aus eigener Wahrnehmung bestätigen könne. Er schreibt: .1. Der Artikel behauptet, Engel habe sich bei zwei Kaufmanns- frauen zu gleicher Zeit eintragen lasten. Das ist unrichtig. 2. Der Artikel behauptet, der Gemeindevorsteher habe die Angelegenheit den anderen Gemenideverlretern verschwiegen. Das ist unrichtig. 3. Der Artikel behauptet, der Gemeindevorsteher habe vor Gericht eidlich bekundet, er habe dem Engel solche Sachen nicht zugetraut, da er doch ein streng patriotischer Mann und der Gemeindevertreler. Haseloff ein Sozialdemokrat sei. Davon ist kein Wort wahr. 4. Der Artikel behauptet, ans dem Zuhörerraum hätten einige dort an- wesende Gemeindevertreter gerufen, sie wüßten nichls davon, daß die Gemeindevertreter durch den Gemeindevorsteher ein Vertrauens- Votum an das Gericht gesandt hätten. In Wahrheit waren Gemeinde- Vertreter im Zuhörerraun» nichl anwesend.' Die Zuschrift schließt, Herr Engel bestreite mit Entschiedenheit, mehr Bnllcr vezogen zu haben, als ihm zustand. In der neuen Verhandlung werde es voraussichtlich gelingen, Engels Unschuld darziilu». Wir haticu unseren Bericht aus einer regelmäßig über Pots- damcr Gerichisverhandlungen berichtenden Korrespondenz entnoinmcn, die wir bisher für zuverlässig halten durften. Jugenüveranftaltungen. Wciffensee. Arbeiter-Jugend. Heute Donnerstag, abends, findet im Jugendheim. Charlottenburger l-otr. 3, Esse Tasiostraßc, eine wichtige Sitzung der Agitalionslommissioll statt. Briefkästen üer Redaktion. «t. 1. Wenden Sie ftch an das Zentrawachiveilebureau des Kriegs- miniftektums, Äerltn ls'W. 7, Dvrotveenffrirße 48.— A. � 14.— Dös Geld ist sicher angelegt.—». SÖ. ÄSi». Ein sicheres Mittel gibt es nicht, versuchen Sie es mil Zitronensast. ?!vetterauSstchten für das mittlere Rorddeutsetilaud bis Freitag mittag. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich; im Westen nur geringe, östlich der Oder eiwaS stärkere Regensällc. Gewkmmtttffzttg der 10. Preußisch-Süddeutschen <836. Königlich Preußischen) Klasseul-tteri« 3. Klaffe 2 ZiehungStag 12. September 1917 Auf jede gelogen« Rümmer sind zwei gleich Hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Los« gleicher Nummer in den beiden Abieilunge» I und U (Ohne Gewähr A. Si.-A. UZ.)(Nachdruck verboten) In der Vormittags-Ziehung wnrden Gewinne über 144 Mt. gezogen: 2 Gewinne zu 30 000 Mk. 82427 2 Gewinne zu 5000 Mk. 46723 4 Gewinne zu 3000 Mk. 151676 6 Gewinne zu 1000 Mk. 71100 80325 85248 6 Gewinne zu 500 Mk. 42974 168200 207732 20 Gewinne zu 400 Mk. 7535 34145 47441 60494 96851 140310 146148 157312 159019 196336 76 Gewinne zu 300 Mi 71 6387 23404 35743 85811 47987 58733 60004 60669 60819 63520 68560 77966 80470 80916 99852 107497 122747 123247 127482 140233 141375 149089 151322 169383 169510 173241 176799 187517 197563 198833 199236 200324 206981 211423 212943 217245 218691 Ju der Nachmittags-Ziehung wurden GewiiUik über 144 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 75 000 Mt. 117944 2 Gewinne zu 15 000 MI. 62101 2 Gewinne zu 10 000 Mk. 120805• 4 Gewinne zu 3000 Mk. 10864 188659 6 Gewinne zu 1000 Mk. 21148 78711 105575 14 Gewinne zu 500 Mk. 23569 81212 96353 136511 140834 154040 177852 18 Gewinne zu 400 Mk. 3650 33510 62229 128802 149795 190600 200958 211168 219872 66 Gewinne zu 300 Mk. 5771 9698 12125 21880 28136 39208 39230 52732 52758 68705 70287 72208 74417 74714 79543 80167 107127 126459 129237 132445 148665 164161 171189 179604 183972 188800 195075 213544 214233 215746 216369 220174 222910 ,..,®,i*,3ie5un8 b«r 4.«laste der 10./»«.»lastm-e-Uerii findet an».«ab XO. I»17 statt- jYiöbel- In allen PrelMlaeen 1-, 2 u. 3-Ziinm.-Wohnungen empk. in mod. Auskührg. Jul. Apoll, Tischlermstr. Berlin SO, Adalbertstr. 6, Hochbahnst. Kottb. Tor. Spezial-Arzt Dr. med. Haedicke Harn-, Haut-, Gesohlechtsld., S> phil.(Behandlungsd.12 T.). Blutunters. Ehrlich- Hata- (Salvarsan-)K.Mod.,schmerz- loseBehandlo.Berufstörang. - Släliige Preise.Teilzahlung- FrledriEhsLiai-lBB�Ä 11— 1, 3— 7, Sonntags 11— 1. Spezial-Arzt l>r. med. Hasche. Friedrichstr.90®£mÄ. Bcbandi. von Syvliilis, Haut-, Harn-, Frauenleiden, Ivez. chron. Fälle. Ehrüch-Haia-Ku- rcn. schmerzlose, lürzeste Be- Handlung ohne Beruisslörung. BWIunterjuchung. Maß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5— 8, Sonnt. 11— 1. Psnnd 4,95 M. an, Fleischige Kaninchen, (Sansestückeiifleisch. lasche ktachk. A. 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Freitag 7 Uhr: Nachtasyl. KammerepleVe. S Uhr:»«• Konzert. Freitag 7 Uhr: Zum erstei) Male; Madame d'Ora. Volkubtihnc. Theater am Billowplatz. Untergrundb. Schönh. Tor 7%:£nnipengeeindel.. Freitag: Lumpengesindel. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Theater p. Königgrätzerstr. T/f Uhr: Totentanz. Komödienhaus 71/jUhr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 71/,U.:Dle tolle Komteß. Apollo FriedriehstraBe an der Kochstr. Allabendlich 7'/z Uhr: I Fregolia, Paul Beckers und das 1 große September-Programm.| 1 Kasse ab 10 Uhr geöffnet, r Der erfolgreiche Eröffnungs-Spielplan Dazu: 9 Uhr abends MmA Ml Pantomime in 12 Bildern von Karl Vollmoeller MusLSeliiai Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. große u. a. die rotierende Leiter, die schwed. Nachtigallen, 3 Turmkünstler 3. Dir. Schumanns Meisterdr. Nur noch kurze Zeit Hnlnlf Parforce- Ilalall Schnitzel.jagd. Sonntag Ii1/?». 8 Uhr. Xachm 1 Kind frei sowie Gratis-Ponny-Keiten. Theater für Donnerstag, 15. Sept. Metropol-Theater Tv.uhr: Die CzanlasfilrstiD. Dontache« Opernhana 7 Uhr: Der Postillion von I,onjamcan. Friedrich- Wilhelmst. Theater T'/jUhr: Dzz Dl'eilPSlIei'IliW. ©ebp. Hcrrnteld-Th. Operetten-Gastspiel T'/jUhr: leretten-Gestspiel �Die ledige thefrau. Kleines Theater s uhx. Ib Bahnwärtertaus. Komische Oper Lustspielhaus ... Tr. Dia blonden Midels 7/, Uhr. ¥om L|ndenhof, Kesldenz-Tbeater 7"/, Uhr DielfarseliauerZitailelle Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kassent.Nd. 281 u/.uhr: Der Solilatiler Marie. Schiller-Theater O 7I/,Uhr: TrSllMUlllZ. Schiller-Th. t'harl. 7'/,uhr: Font anilern DIer. Thalia-Theater u7�: Egog und seine Frauen. Theater am Nollendorfplatz vi, uhr: Die Culasetikanone. Theater des Westeas w.uiir: Der verliebte Herzog mit Guido Thielscher. 1.i Batlonol-Iteoln Großer Erfol«: Täglich ansverkauft! Dos ilt die Ciete...! 3 Sitte. Musik o. SB. Bramme. Voroerkauf: 10— 2 und ab 6 Uhr(auch Tictz). Berliner Prater-Ttieater, Kastaiiicnallec 7—9. Heute: Aha— famos! Gr. Ausstattunge-Operettenposse in 3 Allen mit Gejang u. Tanz. Vorher d. gr. Variet6programm. Anfang 4'/, Uhr. IliSII0»'sllöM s. Bhf. Friedrichetr. Tel. Zt. 4327 Anf. s/t8 Der Anf. 8/,8 reizende jldnan Sonntag nachm.'S1!, Uhr bei ermäßigten Preisen: Johannisfeuep von Sudermann. Voigt=Theater. Badstr. 58. Baoetr. 58. Sonnlag, den 16. Sevlcmbcr, abends 7 Uhr: ffas Zuge MM tfäiunen! Eröstnung der Wmlcrspielzeit Monlag, den 17. September: Tie Htmiiielsleiter. JerUner Xonzertksus. �Ts.usTst.r. 82. �immsTstr. 90/91. Jorgen, den 14. Sept., Sröffnung mit einem Großen Konzert des Bepllner Lehror-diieKangverelns, Leiter; Hanns MieBner, 2. Chormeister, unter Mitwirkung des Berliner Konzerthniit>-Oreheaters, Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang: 7 Uhr. MM Heue Mtmonie 97. Kttpenlcker 8traBe 06- Spielplan vom 11.— 13. September: Königliche Bettler Eine verzwickte CieHehichte. Kntzückandes Lustspiel. VUjn— G e s a n g s f i l.m. URANIA 8 Uhr: Das Oberengadin und der Splügen. Rose=Theater. 7'/. Uhr: Her Weiberfeind. Walhalla-Theater. VI, Uhr: Zigeuner. Casino=Theater Lothringer Straße 37. Täglich»LS Uhr: Wirklicher Humor! Gr. Erfolg! Die Schlagerposse Heiraten mutzte! Vorher der neue bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Gusie, die Perle. RElchshaUen-Thealer Stettiner Säuger. Anfang?'/, Uhr. Jed. Sonntag nachmittag 3 Uhr Vorstellung z. ermäßigten Preisen! Logen l M., Parkett 75 Pf. Eintritt 39 Pf. Billetts schon heute! ßStesj fc äjTfrXXkmti ivMl.-ffy-{35 Tägl. l'l,. Sonnt- 31/, u.7'), Wilhelm Hartsleio in dem Soldatenschwank: Der Stolz der 9. Kompagnie Fern.: 8(>nta8öneland Maxstadt und das übr. Programm. � Admirals-Palast. � Die Xovltät Abrakadabra Großes phantastisches Ballett auf dem Eise. 7al4 U. Vorzügl. Küche. miiHusten- anfälien u. starker VcrFchleim. findet wirft s&ms Hilfe durch Beichelt Echte Asthma tropfen, berühmt durch ihre Wirkung. Zahlr. Erfolgsberichte. Gr. Fl. 2.75 Bttl RwclitL Bsrfai UfaenbtliMlf.i Deutldjcr fflctallarbeitfr- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Roch. richt, daß unser Kollege, der Schlosser Frz. Schwonka Britz, Hannemannstr. 31 am 10. Sept. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. September. nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des St. Michael- Kirchhoses, Mariendorser Weg, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. TVachraf. Ten Milgtiedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Elektromonteur Karl öfeckler Grünau am 6. Sept. gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bohrer Reinhold Folte Koppenstr. 62 am9.Septembergestorbenist. Ehre ihrem Andenke»: 181/18 Die Drtsverwaltung. Für'S Vaterland find in letzter Zeil sotgende Arbeits- tollegen gesallen: ködert 8eevslll Stereotypeur, Wilhelm Veh Stereotypeur, Otto Kordeeki Stereotypeur, Artur Koßmann Maschineusetzer, Rud. Luiekhardt Setzer: Paul Plociennik Setzer, Erich Schneider Buchbinder. 4066 Ehre ihrem Andenken! Personal der Buchdruckerei 11. 8. Ues'iunni». 244L' Zurudgetebrc. Dr.QIlKsman, Landsberger Allee 50. Deutfcfter Buthbinder- Oerband. (Zahlstelle Berlin.) Am Sonntag, den 9. Sep- tember. verstarb nach furzer Krankheit unser Mitglied, der Buchbinder Wilhelm Krekeier Ehre feinem Andenken Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. Sep- tember, nachmittags 5 Ubr, aui dem Friedenstirchhos in Nordend statt. 26/29 Zahlreiche Beteiligung er- wartet Bio Drtsverwaltung. Dcoftiber Bauarbeiter- verband. Zweigverein Berlin. Bezirk Osten II. Am 9. September starb unser Mitglied, der Putzer Heinrich Lange. Tie Beerdigung findet heute Donnerstag, nach- mittags SlU Ubr, aus dem Zcntral-Friedhoj in Frie- drichssclde statt. Bezirk Norden I. Am 10. September starb das Mitglied, der Putzer- träger Friedrich Pulenat. Die Beerdigung findet beute, nachmittags 4 Uhr, aus dem Georgen-Kirchhos in Weißens ce statt. Ehre ihrem Andenken k Um rege Beteiligung ersucht 146/18 Der Norftand. Am 9. September verstarb im Alter»on 68 Jahren unser langjähriger Milarbci- ter, der Buchbinder Wilhelm krekeler Ein ehrendes Andenken bewahren ihm 49öb Tie üliiearbeiter der Buchdruetcrei H. 8. Hermann. Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. September, nachmstiagS 5 Uhr, von der Kapelle der FriedenS-Gc- meinde in Nordend aus statt. II eiikmMse 3 Bände 5 AI. Buchhandlung Vorwärts Zentral- Kranken- Unter- stötzangsver. d. Schmiede x. verw. Gewerbe Deutschi Zahlstelle Berlin 5. ]Nacbruf. Am 6. Sevlember verstarb unier langjähriges Mitglied Wilhelm Waller. EHrc seine« Andenken! Die Beerdigung Hai be. reits stattgesunden. 294/3 Die Drtsverwaltung M Semiise! Die Aorbbenticbc Gemüse, bau-Genosseoschast fGrichästs- stelle Berlin Vi 15. Pariser Straße 18 a) vergrößert ihre Pflanzungen aus das Doppelte und nimmt jetzt wettere Mit- glieder mit Anteilen von 100 Mark bis zu 2999 Mark als stille Teilnehmer aui. Kriegs- anleide wird zum vollen Nenn- wert in Zahlung genommen. Jedes Mitglied erhält Ermüie für den eigenen Bedars. Das übrige wird au die Reichs- gemüsestelle verkaust. Der Rein- gewinn dient zur Berzinsnng der Einlage« und wird als Dioldeude an die Mitglieder verteilt. 82/5" Näheres durch den Vorstand. Sekt-�SS« Wein- �4« Korke und alle anderen Sorten sowie Zelluloid- � Film- Hartgummi- Wachswalzen Schallplatten- laust Ordower G. in. b.&>. Berlin, Georgenlirchstr. 50 beim«lexanderptan, 9—12, 3—6 Uhr.• Nr.2S1— IW Kerensti unö Kornilow. Der Berliner Berichterstaticr des.Nieuwc Rotterdamsche Courant�, der vor einiger Zeit in Petersburg wellte, um die Revolution, ihre Folgen und die Schieber und Geschobenen des großen DramaS an der Quelle zu studieren, entwirft von Äercnsli und Kornilow, den beiden Männern, die in Rußland im Brenn- punlte des Interesses stehen, nachstehende Charakterslizze:.Selbst von seinen aufricktigsten Verehrern wird Alexander KerenSh nicht als das geistige Oberhaupt der revolutionären Regierung angesehen. Als.Kops' dieser Regierung gilt vielmehr, ob- wohl er sich im Hintergrunde hält, der Georgier Tseretelli, Aber KerenSki ist das große»cdnerische Talent, der Mann mit dem großen Pathos und dem eisernen Willen, der Manu, in dem man den Retler der Revolution erblickt. In kritischen Augenblicken, wenn alles dem Zusammenbruch nahe zu sein schien, rettete ein Wort von ihm die Lage. Immer noch spricht man voll Bewunderung von der Rede, die er im Taurischen Palast hielt, als das Volk rebellisch wurde und wieder einmal einen gefähr- lichen Aufruhr anzuzetteln schien.„Ich wünschte, daß ich vor zwei Monaten gestorben wäre', sagte damals der Volks- tribun.„Ich würde dann in den Tod gegangen sein mit dem beseligenden Glauben, daß für Rußland die Zeit der Be- freiung endlich gekommen sei. Jetzt aber lebe ich mit der Er- kenntnis, daß das, waS ich als eine herrliche Revolution betrachtet habe, nichts weiter ist als ein Ausstand wildgewordener Sklaven.' lind solcher Worte erzählt man sich noch viele. Einen hypnotischen Einfluß übten Kerenslis Reden an der Front aus, als er die „Feiglinge und sene, die aus anderen Gründen nicht mitmachen wollen', ausforderte, aus dem Glied zu treten und während der Angriffe lieber hinter der Front zu bleiben. Das alles sprach er ganz kaltblütig, auf die Gefahr hin. von dem erste» besten Soldaten aus dem Hinterhalt niedergeschossen zu werden und dadurch ge- wann er die Zuhörer fast noch mehr als durch den Inhalt seiner Ansprachen. Man bewunderte seinen Mut und erzählte sich, daß er sein Leben Tag für Tag gleichgültig in die Schanze schlage.... Verschiedene Zeitungen des Auslandes haben KerenSki eine wahre Mustersammlung der verschiedensten Krankheilen angedichtet. In Petersburg aber hört man nie von seinem schlechten Gemüts- zustande sprechen, obwohl man sich sagt, daß er bei dem auireiben- den Leben, das er führt, eines Tages kraftlos znsammenbrechen muß. Denn KerenSki ist, wie imnier man auch über ihn denken mag, wirklich keiner von denen, welche dem Volk Komödie vorspielen, und was er sagt und tut, macht durchaus den Eindruck, als ob es aus innerster Ueberzeugung käme. Als ich in Rußland war, jagte er gerade rastlos von einer Stelle der Front zur andern. In die Haupt- stadt kehrte er bloß für loenige Stunden zurück, um an einem Ministerrat teilzunehmen, und sobald dieser zu Ende war, brachte ihn ein Extrazug wieder zu den Soldaten. Man ist überzeugt, daß er kein anderes Ziel kennt als daZ Heil Rußlands und daher rührt sein großer Einfluß. Ein besonnener Staatsmann ist er sicherlich nicht, aber man sehnt sich nach dem Manne, der den Mut zu Taten hat. Kercnski hat außerdem in den Augen vieler den Vorzug, daß er einer von den wenigen rasseechlen Großrussen ist unter den Führern der Revolution, die größtenteils Georgier, Ukrainer und Juden sind. Er ist der Sohn eines orthodoxen Geistlichen, und das macht ihn besonders.echt'. So wurde er der Abgott und zugleich die am meisten verwünschte Persönlichkeit m Rußland. Wer von einem Diktator als dem einzige» Retter Rußlands träumt, denkt immer nur an Kerenski. Sein Bildnis ist überall, oft von Blumen und Fähnchen umgeben, ausgehängt und wird bei patriotischen Kundgebungen mitgetragen wie ein Heiligenbild. Bei den Truppen, die der jetzigen Regierung noch nicht die Treue aufgesagt haben, sind Schaumünzen mit seinem Kopf im Umlauf. Es muß allerdings gesagt werden, daß von urteilsfähigen Russen auch nicht einer m Alexander KerenSki den Baumeister des zukünftigen Rußlands ficht. Einen gefährlichen Nebenbuhler in dem zähen Ringen um die Macht hat KerenSki in dein General Kormlow, der das Ansehen eines volkstümlichen Helden genießt. Was man sich von Kornilows Lebenslauf erzählt, klingt heule bereits wie eine Legende aus längst vergangener Zeit. Der General ist der Sohn eines einfachen Kosaken. Bis zu feinem neunten Lebensjahr empfing er keinen Schulunterricht — so sagt die Erzählung, vielleicht die Sage— und die erste Schul- bildung bat er sich durch Selbstunterricht erworben, während er schwere körperliche Arbeil verrichten mußte, um zum Unterhalte seiner großen Familie beizutragen. Unter so schwierigen Verhält- nissen sammelte er die Kenntnisse, die rhm den Eintritt in die höhere militärische Laufbahn ermöglichten. Diese Lausbahn war die eines ungewöhnlich begabten und abenteuerlustigen Offiziers. Kornilow soll als EnideckungSreiscnder vortreffliche Bücher ge- schrieben haben, aber kein Mensch kennt sie. Der Krieg bot dein 53] Möers hjarmsteö. Von Jakob Knudsen. Auf dem Wege nach Stavn hinüber, Mährend sie abwechselnd in scharfem Trabe und im Galopp über die Wiesen fuhren, fiel es Anders ein, daß er auf dieser Tour vielleicht einen Schimmer von Gjatrid lverde erspähen können,— und im selben Augenblick sah er sie in seiner Er- innerung so deutlich, daß es durchaus war, als hätte er sie küssen können; zeitlebens hatte er in seiner Phantasie nichts so deutlich gesehn; er wurde fast ängstlich deswegen; für eine kurze Weile ivar es, als wäre er nicht recht bei Sinnen, im nächsten Augenblick aber durchströmte ihn eine solche Sehn- sucht nach ihr, eine solche Freude über sie, beseelte ihn ein solcher Drang nach ihr. daß er begriff, wie alles das Verliebt- heit wäre. Ja— es war richtig!— wie er sie liebte, liebte!— mir diesen bräunlich-bleichen, länglich gerundeten Wangen, die er geküßt.— diesen schwarzen, gewölbten Augenbrauen, unter die er geschaut hatte! Für einen Augenblick erschien es ihm ganz komisch oder so seltsam interesselos, daß er hinüber solle, um Kren Faurholt vor Zeugen das Weiden zu verbieten—— Als sie an dem Untergarten vorbei bergansuhren, sah er, daß da drinnen noch eine Menge Heller Wäsche zum Trocknen hing. Dahin war sie also heute nachmittag mit dem Brief an ihn gegangen!— Sie trafen Kristen Faurholt aus dem Hosplatz. Es war Halbdunkel. Er kam auf den Wagen zu. „Hier ist Anders Hjarmsted vom Bjcrrchof und mein Vater und dann Lars, unser Großknecht"— ..So so, so so[" sagte Kristen Faurholt mit viel Freund- lichkeit und Gleichgültigkeit im Tone. „Ich komme herüber, um Ihnen zu verbieten, in Gegen- wart dieser zwei Zeugen hier, mit Ihren Rindern auf meine Parzelle in den Nordwiesen zu kommen.' „Sieh an, sieh an!" sagte Kristen Faurholt.„Ich dachte, es sollte da draußen in diesem Jahr hergehen wie sonst Ünmer." „Nein: wenn Ihre Rinder morgen oder späterhin auf mein Gebiet kommen, so nehm ich sie ins Haus." „Ob sich das aber woht machen läßt, so eine alte Ab- spräche oder Ueberemkunjt zu brechen?" militärischen Streber Gelegenheit zu Taten, die ibm in der Phantasie de? Volke? einen Glorienschein verschaffte». AIS er den großen russischen Rückzug im Jahre 1915 deckte, fiel er bekanntlich in die Hände der Oesterreichcr. Seine größte Heldentat war dann seine abenteuerliche Flucht in einer Verkleidung, die ihn unkenntlich machte. All dies verschaffte ihm eilte Volkstümlichkeit, die in Ruß- land nicht ihresgleichen hat. Sein Anteil an dem AufangScrsolg der letzten großen russischen Offensive erhöhte und befestigte diese Volkstümlichkeit. Dazu kommt noch, daß Kornilow in der Oeffent- lichkeit als eine fleckenlose, unbestechliche Persönlichkeit gilt, waS auch in' dem nichtzarischen Rußland noch immer als eine Seltenheit bestaunt wird._ Einsäuern von Gemüsen. Weißkohl. Feste, ladellos gute Kohlkopfe< keine Frühsorte). Salz: für 19 Pfund gehobelten Kohl 100 Gramm. Würzen; Kümmel(falls noch vorhanden), WachholderbttreN, UN- reife Weinbeeren oder Avfelscheiben. 1. Wasche die Kohlköpfe und hobele sie fein. 2. Stampfe den Kohl in ein sehr sauberes Fäßchcn oder in einen irdenen.Topf schichtweise mit dem Salz und den Würzen so fest ein, daß eine Lake übersteht. 3. Bedecke den Kohl im Gesäß mit einem sauberen gebrühten Tuch, darüber mit einem genau anschließenden Deckel und beschwere letzteren mit einem Stein. 4. Stelle das Gefäß einige Tage zum Säuern de« Kohls an einen mäßig warmen Ort und dann in den Keller oder in einen anderen kühlen Raum. s. Von Zeit zu Zeit wasche' das übergelegte Tuch, reinig« das Brett und den Stein und entferne allen im Gefäß etwa angesetzten Schimmel. Steht nicht genügend Lake über den Kohl, so kocke Lake aus Wasser und Salz— für 1 Liter Waffer 19 Gramm Salz— und gieße sie lall darübct. Ko hlrüven. Gesunde nicht zu lange gelagerte Kohlrüben. Salz und Würzen wie beim Weißkohl. Wasche, schäle, hobele die Kohlrüben und behandele sie dann genau wie den Weißkohl. Rotkohl. Feste, tadellose gute Kohlköpfe. Salz: für 10 Pfund gehobellen Kohl 75 Gramm. Guten Eisig, nach Geschmack verdünnt(etwa 3 Teile Eisig, 1 Teil Waffer). Von der Mischung für 10 Pfund gehobelten Kohl Liter. " 1. Wasche die Kohlköpfe und hobele sie fein. 2. Brühe den Kohl mit kochendem Waffer, laffe ihn 2 Stunden stehen. 3. Drücke den Kohl in einem Tuch fest au», vermenge ihn mit dem Salz und lasse ihn eine Nacht stehen. 4. Drücke den Kohl etwas aus, lege ihn fest in einen irdenen Tops, gieße den abgekochten Essig kalt darüber. Die Essiglake muh etwas überstehen. 5. Binde den Topf mit Pergamentpapier zu, stelle ihn in einen kühlen Rßum. Bei der Verwendung schmore den Kohl mit seiner Lake. Gurken. Mittelgroße, feste, fleckenlose grüne Gurken ohne Kerne. Salzlösung zum Bedecken der Gurken: 375 Gramm Salz, 10 Liter hartes, kaltes Wasser. Würzen: Dill, Estragon, Weinblätter, Sauerkirschenblätter nach Belieben. 1. Wasche die Gurken sorgfältig, lege sie 12 Stunden in kaltes Wasser und trockene sie ab. 2. Schichte die Gurken mit den Würzen fest in ein sehr sauberes Fäßchen oder in einen irdenen Topf, gieße soviel Salzlösung über, daß die Gurken vollständig bedeckt sind. 8. Bedecke die Gurken im Gefäß mit einem Deckel, jedoch ohne ihn zu beschweren und stelle da» Gefäß in einen kühlen Raum. Die Gurke» sind nach S Wochen geniehbar. Sollen die Gurken schon nach zwei bis drei Wochen verwendet werden, so gieße die Salzlösung kochend über, oder säge etwas Essig hinzu<'/z Liter für 10 Liter Salzlösung) und stelle da» Gefäß während der ersten Tage in einen wärmeren Raum. Der unsterbliche öriefumschlag. Wer hat sich früher viel uni einen Briefumschlag gekümmert? In Erwartung seines Inhalts wurde er aufgerissen oder aus» „Ich habe keine Absprache getroffen. Aber jetzt Hab ich Ihnen gesagt, wie es von morgen ab auf meinen Wiesen sein soll.— Gutnacht!"-- Wenige Sekunden, nachdem Anders dieses letzte Wort gesagt hatte— sie fuhren zum Hoftor hinaus—, hatte er schon Kristen Faurholt. die Wiesen und das Viöh völlig vergessen. Er dachte nur daran, ob sie im Unter- garten bei der Wäsche sein würde. Als sie dort vorüber- fuhren, merkte er den reinlichen Seifengeruch von Wäsche, die getrocknet wird, und im Winde bewegte es sich an allen Schnüren drinnen zwischen den Bäumen. Aber sonst war da nichts. Auf dem Heimwege gab er auf seines Vaters Fragen und Bemerkungen nur einsilbige Antworten,— aber er faßte einen Entschluß, che er nach Hause kam: morgen wollte er nach Fjordby fahren und den Trauschein lösen, und dann wollte er an Gjatrid schreiben. Sic hatte ja doch damals im Pfarrhof gesagt, daß es schließlich noch dahin kommen werde. »» ♦ Als Anders am nächsten Morgen vor den Hof kam und in die Wiesen hinabsah, ging das Jungvieh von Stavn ivic gestern frei da unten umher. Die Hälfte davon ungefähr bc- fand sich auf dein Gebiet des Bjerrehofs. Er ivartetc bis neun Uhr, um Kristen Faurholt ge- räume Zeit zu geben, Leute nach dem Vieh ausschicken zu können; aber niemand kam, die Rinder blieben wo sie waren. Dann begab sich Anders zusammen mit dem Großknecht und dem zweiten Knecht— Mads Horsens— in die Wiesen hinunter. Sie hatten Zaumzeug und Stricke mit, um sie einigen von den Rindern anzulegen; dann>var es leichter, die andern hinterhcrzutrcibcu. Als sie ankamen und die Tiere sammeln wollten, bemerkte Anders, daß Mads am Rande der Parzelle die Rinder über die Grenzschcide zu treiben versuchte. Anders rief, ob er aus der Stelle die Künste da bleiben laffen wolle, sonst iverdc er selber im Flug über die Grenze des Bjerrehofs ge- langen.— Anders war schon stark unzufrieden mit dem Knecht, den er da angenommen hatte. Zu spät erfuhr er, daß Mads — abgesehen von seinem Ausenthalt im Zuchthause— in vieler Hinsicht für eine Art Handlanger des Kristen Faurholt rwärts grfchniilcn. dann hatte er seinen Daseinszweck erfüllt und wurde iveggcivorfen. Niemand hatte geglaubt, daß dirS je anders werden würde. Als der Krieg lehrte, daß das geduldige und in vieler Beziehung oft imßhandcUc Papier zu den wen- vollsten und wichtigsten Stoffen gehört, begann man auch die Brief- umschlage, die man stets sofort dem Papierkorb überantwortet halte, zu sammeln. Die Erfinder bemächtigten sich des Gedankens, den Briefumschlag wiederholt benutzbar zu machen. Wohl selten hat der Bricsumschlag in so kurzer Zeir so viele Verbesserungen erfahren wie in den süngste» Tagen. Durch die Einführung der sogenannten Fenster. dririe war eigentlich schon der Weg zu mehrmaliger Benutzung ge- wiesen, aber erst die KriegSzcn hat hier besonders anregend gewirkt. Vielfach wurden in der„Papierzeitung' Patente, Erfindungen, Ge- brauckSmuster beschrieben, die alle dasselbe Ziel versolgten. Rellcrdings ist nun ein Patent ani einen Vriesuiiischlag erteilt worden, bei dem tatsächlich die Briefmarke das einzige ist. was sich bei jeder Benutzung erneut. Die Adresse wird dprch ein Fenster sichtbar, der Verschluß criolgt durch die Briefmarke. Jnr Innern dcS Umschlags läuft ein Band oder ein Faden, der durch die Verschlußklappe hindurchgeht. Die freien Enden werden an dem sonst auch für dir Marke vorgesehenen Platze durch dieselbe verklebt. Wird die Marke abgerissen, so ist der Brietumschlag für abermalige Benutzung frei, denn um daS Marlenfeld ist aus.einer dünnen Wasserglasichicht ein Rahmen gebildet, der HS ermöglicht, den Teil des Poststempels, der über die Alarkc hinausgeht, mit dem Finger wegzuwischen. Die Marke selbst wird also entwertet, nicht aber zugleich der Umschlag. Ein anderer. gleichfalls durch Patent geschützter Weg, ein Zuviel deS Poststempels unschädlich zu machen, ist der. daS Markcnseld schwarz zu umranden. Auch auf diese Art wird tatsächlich nach dem Abreißen der Marke der Briefumschlag nicht« von seinem Gebrauchswert eingebüßt baden. DaS Haftenbleiben von Martenresten nach dem Abreißen ist rm- bedenklich, da die Marke ja stets wieder an die gleiche Stelle ge- setzt wird. der Pilz als Tintentieferant. Trotzdem von Tintennot noch keine Rede ist, wird, der Zeit- richtung folgend, bereits auf einen billigen(?) Tintencrfatz bin- gewiesen. Es handelt sich, wie E. Renlauf in der Zeitschrift..lieber Land und Meer' ausführt, um eine Pilzart, nämlich die Tinten- pilze, auch.Tintlinge' genannt. Von ihnen stammt die schwende Flüssigkeit, die man zur Sommerzeit häusig auf Schutthaufen oder Grasplätzen, au Wegrändern, am Grunde alter Baumstämme usw. Beobachten kann. Diese Tintlinge kommen in Deuischland in mehr als 39 Arien vor und führen, da sie besonders üppig auf einem durch Unrat gedüngten Boden wachsen, auch den Namen„Misipilze". Um nun aus diesen Pilzen Tiuie herzustellen, soll man in einer Schal« die Tintlinge völlig zerfließen lassen, die schwarze Flüssigkeit abgießen und ihr außer arabischem Gummi einige Tropfen Nelkenöl beimengen. Dann ist die Tinte fertig, je nach der verwendeten Pilzart ist sie mehr schwarz oder mehr brännlich gefärbt, ihre Haltbarkeit soll groß sein. Zu beachten ist, daß man diese Pilztinte jedesmal vor dem Gebrauch kräftig umschütteln muß. Die dunkle Farbe stammt von den rw- zählige» milroskopisch kleinen Poren her, die an den Lamellen der Pilze in Millionenzabi ausgebildet werden, um dann die aus dem Hutfleisch und den Blättchen entstandene Flüssigkeit zu durchsetzen. Der größte unter den bei uns vorkommenven Tintenpilzen ist der Schopstintling, der durch die in Schuhpen und Fasern zerreißende Oberbaut seines Hutes, einem Haarschopf ähnelt. Ihm am ähn- ltchsten ist der eiförmige Tintenpiiz, auf dessen Hut man dachzicgel- artige, konzentrisch angeordnete Schuppen"erblickt. (ES ist gewiß nicht ohne Reiz, sich selber eine„natürliche' Tinte herzustellen. Aber für allgemeine» Gebrauch dürste diese Methode weder billig»och praktisch sein. Vor allem aber liegt zu Tintcnersatz gar keiile Rolwcndigieit vor. Wenn« wirtlich mal keine Tinte wehr geben sollte, könnte sicher auch kein Krieg mehr geführt tverden.) Notizen. — Vorträge. Jnr Monistcnbund spricht Freitag. den 14., abends 8'/� Uhr, im Humbscr-Bräu. Tauciltzie>islr. 7 I, Dr. Bernstein über„Vernunftgemäße Ernährung'. — K o n z e r t ch r o n i k. Im 1. Konzert des Verbandes der Freien Volksbühnen, das am Sonnlag. mittags iL Uhr, in der Volksbühne stattfindet, bringt Leo Blech mit dein Philharmonischen Orchester Beethovens II. Sinfouic und � Leonoren-Ouverture und Ariur Schnabel Beethovens III. Klavierkonzert(C-Mvll) zur Aus- stihrung. angesehen wurde. Er hatte bereits mehrere kleinere Schar- mützel mit Mads gehabt in den Wochen, seit dieser auf dem Bjerrehof lvar. ES waren 28 Ochsen. Sie wurden in den Stall des Bjerrehofs gebracht. Am selben Vormittag wurde ein Bote mit der Nachricht von dem Geschehenen nach Stavn gesandt.— Erik Skindtoft lvar drüben auf dem Bjcrrchof. Er iistd der alte Per Hjarinsted waren sehr in Anspruch genommen und angeregt von der Lage der Dinge. „Gib jetzt acht, gib jetzt acht!" sagte Erik,„jetzt müssen LI Stunden abgewartet werden, nachdem Kresten die Meldung bekommen hat,— das heißt,—— um welche Zeit ist der Knecht weggegangen?" „Um halb elf," sagte Per Hjarinsted. „Dann katin Lars spätestens um halb zwölf auf Stavn seilt.— Sich, dann müssen wir bis morgen um halb zwölf Uhr warten. Wenn nun bis zu der Zeit nach den Rindern geschickt wird, so muß Kresten 23 Dreimarkstücke zahlen— das sind 11 Reichstalcr und 3 Mark— als Aufnahmegebühr und dann die Hälfte als Futtcrgeld für jedes Tier. Das macht im ganzen 17 Reichstaler, 1 M. und 3 Sch.!" Erik Skindtoft blickte strahlend vergnügt um sich. „Aber— wenn nun kein Bote vor Halbzwölf kommt, so wird es noch besser. Tann kommt die Auktion--- ha, ha, ha!" „Das Beste ist. wir schicken dem Kirchspielvogt gleich Nach- richt," sagte Per Hjarmsted,„damit er parat sein kann." Anders wurde ärgerlich und trübe gestimmt, indem er seinen Vater betrachtete. War denn das ein großer Sieg. wenn es sich herausstellte, daß sie Kristen Faurholt in diesem Falle dazu zwingen konnten, ihren eigenen Grund und Bode» ungeschoren zu lassen? Aber, wie ihm schien, hatte er den Alten selten so angeregt gesehen. Das lvar sicherlich auch Altersschwäche l Als der Junge, der als Bote zum Kirchspielvogt geschickt lvordei» ivar, am Nachmittag zurückkam, erzählte er, er habe Kren Faurholt den Hof des VogteS verlassen sehe»,, gerade als er selbst ihn betrat.— Und ein Knecht fei dagewesen, der habe ihm erzählt, daß Faurholt im Laus deS Tages auch aus dem Thinghof gewesen sei. (Forts, folgt.) 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