Mr. SS«. 34. Jahrs. BezngSpreiSt BtnteliWtL S,90®tL, moturfl. 1�0 RL. wöchenllich 80 Pfg. frei tn8 HmlL. dorauSzahlbar. Struelne Wochentags» nummern B Pfz. Eonntag 8 nummfr mit iEuftrietter Beilage.Die Neue WelN 10 Bfg- Postbezug: Monatlich 1.80 Ml. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn E.B0 SKI., für das übrige Ausland 4 Ml. vwnatlich. Postbeslellungen nehmen an Dünemarl. Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-ZeitungS-PreiStiste. Erscheint täglich« Del egramm- Adresse: .Eoitaldemokrat Berlin"« Vevlinev Volksblcrtk. S pkonnig) Der Anzeigenpreis läsfig 2"fettgedruckte Worte), sedeS weitere Wort l0 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort lO Pfg., jedes weitere WortLPfg. Worte über lB Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20%. Kamilico» Anzeigen SN Pfg.. politische u. gewerlschastliche Vereins- Anzeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nmnrner müssen bis 5 Uhr nachmitt. im Hauptgeschäft. Berlin SW.SS, Lindenftratze 8, ab- gegeben werden. Geöffnet don 8 Uhr früh bis 7 Uhr abend S. Zentralorgan der rozialdemokratifdhen Partei Deutfcblands. Neöaktion: EW. 68, �inüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morinplad, Nr. 15190—15197. Expedition: EW. 68, Änöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90—151 97. Das neue russische Ministerium. In Flandern gesteigerte FeuertStigkett— Trommelfeuer und Vorfeldgefechte zwi- scheu Houthoulster Wald und Lys— Anschwelleuder Artilleriekampf bei Berdun — 1« Flugzeuge abgeschofseu. Amtlich. Großes Hauptquartier, 17. September 1917.(SB. T. 8.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht. Gute Sicht begünstigte die Entfaltung lebhafter Feuer- tätigkeit. In Flandern steigerte sich der Artillriekampf au der Küste und in einzelnen Abschnitten zwischen Houthoulster-Wald und Lys mehrmals zu heftigem Trommelfeuer. Englische Jufanterie-Angriffe erfolgten nicht; es kam lediglich zu Borfeldgefechten, bei denen Gefangene in unserer Hand blieben. Nordostlich von ArraS stießen nachts starke Erkuuduugs-- abteUungen der Engländer vor, an einigen Stellen auch bis in unsere Linie», von wo schneller Gegenstoß den Feind vertrieb. Auch bei St. O-uentin bereiteten die Gegner mit Feuer- Überfällen Borstöße ihrer Aufklärer vor, die überall zurückgeworfen wurden. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Läng? der Aisne, vornehmlich nordöstlich von Soiflons, ferner in der Champagne und vor Berdun schwoll die Kämpft tätigkeit der Artillerie vielfach zu starker Wirkung au. In mehreren Erkundungsgefechten büßten die Franzose» Ge- fangene ein. AuS feindlichen Fliegergeschwader«, die gestern Colmar zwei- mal angegriffen, wurden zwei Flugzeuge durch eine unserer Jagd» staffeln abgeschossen. Außerdem verlor der Gegner IS Flugzeuge. Oberleutnant Berthold brachte am 15. September zwei feiud- liche Flieger, Oberleutnant Schleich in de» beiden letzten Tagen drei Gegner im Lufkampf zum Absturz. Oestlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Mazedonischen Front. Die Lage ist unverändert. Der Erste Generalauartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 17. September 1917, abeuds. Amtlich. Stärkere Feuertätigkeit nur in. Flandern. Der österreichische Bericht. W i e n, den 17. September 1917.(W. T.».) Amtlich wird verlautbart: Aus de« Oestlichen Kriegsschauplatz und in Albanien keine besondere» Ereignisse. Am Jsouz» tagsüber mehrfach lebhafter Artilleriekampf. Räch Einbruch der Dunkelheit ging der Feind südlich»ou Podlekee dreimal erfolglos zum Angriff vor. Am Rordwesthang des Monte San Gabriele brachten Houved- adteilnngen bei einem Borstoß in die feindlicheu Graben Gefangene und Maschinengewehre ein. Der Chef de» Generalstabe». öelgien unö öer Irieöen. Die alldeutsche Presse ist voll aufgeregter Anfragen an die Regierung wegen ihres angeblichen Verzichts aus Belgien. Dieser Verzicht soll entweder schon ausgesprochen sein oder man soll knapp davor stehen, ihn auszusprechen. Auf keinen Fall scheint die alldeutsche Presse daran zu zweifeln, daß die Regierung bereit sei, ihn zu erklären. Es gibt in der belgischen Angelegenheit zwei Rich- tungen, die, jede in ihrer Art, sozusagen aufs Ganze geht. Die eine fordert Fortführung des Krieges bis zu dem Punkte, an dem die völlig geschlagenen Gegner bereit sein werden, in die Vernichtung der belgischen Selbständig- k e i t einzuwilligen. Die andere wünscht, daß so rasch und so deutlich wie möglich die Bereitwilligkeit Deutschlands, das alte Belgien wiederherzustellen, ausgesprochen wird, und sie erwartet davon eine ungemeine Stärkung der Friedensströmungen im Westen. Für diese Richtung hat sich seit je auch der„Vorwärts" mit großer Entschiedenheit eingesetzt. Die Regierung des Herrn v. Bethmann suchte zwischen diesen beiden Richtungen eine Mittellinie. An: 4. August 1911 gab Herr v. Bethmann offen zu, daß Deutschland durch den Einmarsch in Belgien,(der ihm selbst überraschend kam) die Neutralität verletzt und ein Unrecht begangen habe, das gutzumachen seine Pflicht sei. Diese mutige Erklärung hat ihm aber so heftige Angriffe der Freunde des„größeren Deutschland" eingetragen, daß er bei ihr nicht verblieb. während die sozialdemokratische Reichstagsfraktiou auch noch später erklärte, sie stehe in der belgischen Angelegenheit aus dem Standpunkt der Kanzlererklärung vom 4. August. Als Herr v. Bethmann in dieser Frage weiter nach rechts rückte, begründete er seine neue Stellungnahme init der sog. „F a u st p f a n d t h e o r i c". Die Feinde haben uns unsere Kolonien uud unsere Wirtschaftsfreiheit genommen, für die Rückgabe dieser Güter sollten wir Belgien wieder heraus- geben, aber dies auch nur dann, wenn Garantien dafür geschaffen seien, daß Belgien nicht zum englisch-französischen Brückenkopf werde. Später scheint Herr v. Bethmann auch den Garantie-Gcdanken als undurchführbar wieder fallen gelassen zu haben; als nämlich Prof. Hans Delbrück in einem„Tag"-Auffatz ausführte, die beste Garantie gegen englische Angriffsabsichten auf Deutschland sei das U-Boot, wurde allgemein angenommen, daß sich in diesen Darlegungen die Ansicht des Reichskanzlers widerspiegelte. Tatsächlich dürfte der Garantiegcdanke als überflüssig und undurchführbar längst zu den Akten gelegt sein. Ueberflüssig deshalb, weil sich eine Koalition wie die gegenwärtige nicht wiederholen kann, wenn die deutsche Politik mit einer Spur von Verstand geführt wird, und lvcil Deutschland der eng- lischcn wie der französischen Landmacht sowie auch beiden zusammengenommen durchaus gewachsen ist. Undurchführbar. weil eine wirkliche Garantie nur dann gegeben ist, wenn Belgien militärisch in deutscher Hand bleibt, was doch eine Vernichtung der belgischen Unabhängigkeit bedeutet. Jede andere Art von Garantie wäre unwirksam und aufreizend zugleich. Es handelt sich tatsächlich um Annexion oder Nicht- annexion. Deutschland hat aber bis szuni heutigen Tage keine Regierung gehabt, die an eine Annexion Belgiens qe- dacht hätte. Die„Faustpfandtheoric" erhält mit der Aufgabe des Garantiegedankens ein anderes Gesicht. Ein Pfand kann Belgien jetzt nur in dem Sinne sein, daß es unter gewissen Bedingungen ganz wieder herausgegeben wird. Herr v. Bethmann wäre zweifellos bereit gewesen, Belgien in seiner alten Unabhängigkeit wieder herzustellen, wenn die Gegner auf ihre Eroberungsabsichten und auf den Wirtschafts- krieg nach dem Kriege verzichtet hätten. Sonst hätte er nicht das Friedensangebot vom 12. Dezember machen können. Jedes Kind mußte wissen, daß die Gegner damals auf einen Frieden, der die Selbständigkeit Belgiens antastete, nicht eingegangen wären, ssuin Frieden bereit sein, hieß zur vollständigen Herausgabe Belgiens bereit sein. Der frühere Kanzler glaubte jedoch, diesen Verzicht nicht in ausdrücklichen Worten aussprechen zu dürfen, weil er sonst kein Kompensationsobjekt für die Verhandlungen in der Hand gehabt hätte. Ob die fortgesetzten Einschnchterungsversuche der Annexionisten dazu beigetragen haben, ihn vor oineiii ausdrücklichen Verzicht zurückschrecken zu lassen, mag dahin- gestellt bleiben. Auch wäre ein Streit darüber, welche Wirkung eine solche Verzichtserklärung damals gehabt hätte, recht überflüssig. Wir meinen: wäre am 1. Februar der Beschluß gefaßt worden, die Freigabe Belgiens zu prokla- mieren, so brauchten wir heute nicht mehr darüber zu de- battieren, wann endlich der Frieden kommen wird. Aber die Weltgeschichte kann man nicht wie ein Schulheft korrigierer., und aus die Zukunft kommt es au. Das neue ruPsche Ministerium. Petersburg, 16. September. Einem Mitarbeiter des Blattes„Jswestija" erklärte Nekrassow, es sei nach langen Unterhandlungen mit den verschiedenen politische« Gruppen und einzelnen Politikern Kerenski gelungen, das Kabinett in folgender Zusammensetzung zu bilden: Kerenski Premierminister und Höchstkvmmandierender, Tereschtschrnk» Minister des Aenstern und wahrscheinlich Stellvertreter des Premierministers, K i s ch k i n Minister des Innern, Kartaschew Konfesstonsminister, Ber- n a tz k v Finanzminister, Konowalow Handelsminister, Mal- janto witsch Justizminister, Archangelsk» Unterrichts- minister, Liwervwsky Berkehrsminifter, Prokopowitsch Bersorgungsminister, Awksentiev Landwirtschaftsminister, General Werchowski Kriegsminister, Admiral W rrd e- r e w s k i Marineminister, B u r j s ch k i n Reichskontrolleur, S k o b e l e w Arbeitsminifter, Jrfremow Minister der Armen- vflege, N i k i t i n Posiminister.— Am 13. teilte Nekrassow einem Mitarbeiter des Blattes mit, Kerenski habe eingewilligt. Die Politik ües Sowjets! Stockholm, 17. September.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Das hiesige Sowjetbulletin publiziert eine Resolution, die in der Vollsitzung des Zentralkomitees über die Situation an der Front angenommen wurde. Die Aiesolution erklärt die Befreiung von der äußeren G e f a h r als die Lebensfrage der gesamten Demo- kratie und ruft die organisierte Demokratie auf, die R e- gierung zu unter st ützen. Das Zentralkomitee be- steht auf der unverzüglichen Verwirklichung des demokratischen Reform Programms. Seltsam mutet angesichts der jetzigen Anklage gegen die Generäle wegen Verrats der nachstehende Satz der Resolution an:„Das Zentralkomitee protestiert energisch gegen die Ver- suche, den Rückzug der Armee des Rigaer Frontabschnitts, welcher auf Befehl des Generallissrmus aus Gründen der militärischen Notwendigkeit erfolgte, als kopflose Flucht dar- zustellen". Das Sowjetbulletiii publiziert weiter die Resolutionen des vereinigten sozialdemokratischen Kongresses. Die Resolution der rechtsstehenden Menschewiki, welche mit 96 Stimmen durchdrang, sagt, der einzige Weg zum Frieden sei die Er- Neuerung der Einheit des internationalen Proletariats, der einheitliche Kampf für den Frieden und der Schutz der rusiischen Revolution vor dem inneren und äußeren Zu- sammenbruch. Die Sozialdemokratie verwerfe den Sonderfrieden als einen Schlag gegen die Einheit deS mternationalen Proletariats, welcher zugleich die Beteili- gung Rußlands an einem neuen Kriege bedeuten würde. Sie protestiert auch gegen die Hindernisse, welche der internationalen Konferenz durch die imperia- listischen Regierungen bereitet wurden und sei über- zeugt, daß die Bemühungen des Proletariats der Alliance- länder diese Hindernisse übertvinden würden.— Die Resolution Martow, welche 72 Stimmen auf sich vereinigte, kritisiert die unentschlossene Außenpolitik der revolutionären Demokratie, welche die Massenbewegung durch die diplomatische Einwirkung auf die Führer der sozialistischen Parteien ersetzte. Die Resolution weist weiter auf die Gefahr der Anarchie hin, angesichts der Enttäuschung der Massen, welche an der Fähigkeit der Revolution, Frieden herbei- zuführen, zweifeln. Das Sowjetbulletin berichtet dann über zwei weitere interessante Kongreßbcschlüsse: die Resolution, tvelchc die Abschaffung der Todesstrafe an der Front fordert, wurde mit allen gegen neun Stimmen angenommen. Weiter wurde eine Resolution angenommen, hinsichtlich der Verhaftung Tfchitscherins in England wegen Vertretung der Interessen der russischen Emigranten. Gegen diesen Gewaltakt der Imperialisten wurde lebhaft protestiert und von der Provisorischen Regierung gefordert, Schritte für die sofortige Befreiung des Ver- hafteten zu tun. Die baltijche ßlotte für üie provisorische Regierung. Petersburg, 16. September. Die Petersburger Tele- graphen-Agentur meldet aus Helsingfors, daß die Generalversammlung der demokratischen O r g a n i- s a t i o n e n den Offizieren der Armee und der Flotte Finnlands vorgeschlagen hat, das Versprechen der Treue gegen die Vorläufige Regierung zu unterzeichnen. Das revolutionäre Komitee in Helsingfors veröffentlichte einen Aufruf, der die Haltung der Flotten- besatzungen st r e n g ta d e l t. Der Marineminister Admiral Werderewski richtete ein Telegramm an das Zentralkomitee der baltischen Flotte, worin er ihm empfiehlt, alle Ausschreitungen zu verhindern, die geeignet seien, die Marine zu desorganisieren, indem sie ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber einer sehr wahrscheinlichen deutschen Offensive vermindern. Petersburg, 16. September.(Reutermeldung.) Die Mannschaft des Kriegsschiffes„Petropaw- l o w s k" in Helsingfors erschoß vier Offiziere, die sich geweigert hatten, einem Befehl der ort- lichen demokratischen Versammlung zu ge- horchen und ein Treugelöbnis gegenüber der provisorischen Regierung zu unterzeich- n e n. Das revolutionäre Komitee in Helsingfors sowie der Marineminister haben Aufrufe an die Flotte gerichtet, in denen solche Gewalttaten mißbilligt werden. Die gegenwartige Regierung Mickiaelis-Kühlmann hat sich zur belgischen Angelegenheit bisher noch nicht öffent- lich geäutzert, und durch die Indiskretion einiger Blätter ist schon verraten worden, daß auch in der Antwortnote an den Pap st Belgien nicht besonders erwähnt sein wird. Nach allem, was man sonst weiß, wird aber diese Antwort- note im Sinne des Reichstagsbcschlusses vom Ist. Juli gehalten sein: auch das ist kein Geheimnis, denn der Reichskanzler hat ja schon im Haupt- ausschuß erklärt, daß die Antwort an den Papst in diesein Sinne erfolgen solle. Daraus folgt weiter, daß die Antwort unmöglich in ablehnendem Sinne erfolgen kann. Nun spricht aber die päpstliche Note ausdrücklich von der Wiederher st ellung Belgiens als einer notwendigen Friedens- grundlagc: ihr zustimmen heißt also, sich zur Wiederherstellung Belgiens grundsätz- lich bereit erklären. Selbstverständlich wird die Ueberreichung der Antwort- note an den Papst weitere Verhandlungen zwischen ihm und der deutschen Regierung zur Folge haben. Der Papst wird kragen, ob sich die grundsätzliche Bereitschaft Deutschlands, auf der von ihm entworfenen Grundlage zu verhandeln, auch auf Belgien beziehe. Wenn man der alldeutschen Presse glauben will, so hat er schon gefragt, und ist ihm auch schon w geantwortet worden, wie. die Wahrheitsliebe es verlangt. Ueberftüssig zu sagen, daß wir einen solchen.freiniütigen Meinungsaustausch ebenso begrüßen würden, wie ihn die all- deutsche Presse von ihrem Standpunkt aus verketzern und vcr- dämmen muß. Der naheliegende Einwand, durch den Verzicht auf Belgien-beraube sich Deutschland jeder Waffe bei den lünftigen Verhandlungen, ist hinfällig. Die Waffe Deutsch- lands ist seine in diesem Kriege glänzend erprobte Volkskraft! einen Staat von solcher Leistungsfähigkeit gewaltsam bc- rauben und voni Weltverkehr dauernd abschnüren zu wollen, wäre für jeden, der ihn unternähme, ein gefährlicher Versuch— ganz abgesehen davon, daß das deutsche Volk jetzt schon lieber ein Scheitern der Verhandlungen sehen ivürde, als daß es sich im Frieden ans- vlündcrn und unterdrücken ließe. Auf der anderen Seite hat Deutschland durch seine Zustimmung zu einem Völker- rechtlich gesickerten Da ucrsricdcn, der die all- gemeine Abrüstung ermöglicht, etwas zu bieten, was auch einer Gegenleistung wert ist. Ein Staat, von dem es ab- bärigt, ob Europa auch nach d&n Krieg im Zustand neuer Kriegsvorbercitung oder in dem eines wirklichen Friedens leben soll, erscheint am Konferenztisch wahrlich nicht nackt- und hilflos, nicht ohne Waffe, ohne Kompcnsationsobjekt— oder wie die Redensarten sonst heißen mögen. Tie Faustpfandtheorie ist aber außerdem auch deshalb zu verwerfen, weil Belgien vor dem Kriege ein selbständiges Staatswesen und keineswegs englischer Besitz war, weil der belgisch-deutsche Konflikt innerhalb des Weltkrieges einen ganz besonderen Fall bildet und weil der Wunsch nach voller Wiederherstellung der Selbständigkeit in erster Linie nicht englischer, sondern belgischer Wunsch ist. Ob sich die deutsche Regierung diesem Wunsch gegenüber harthörig verhalten, kann, das ist eben nicht bloß eine Macht- >ragc und nicht bloß eine Frage der Staats- klugheit, sondern es ist eine Frage des Rechts und d e s G c w i s s e n s. Uns kann auch keine Politik als wahrhaft klug erscheinen, welche die moralischen und rechtlichen Faktoren des Völkerlebens außer acht läßi. Mögen die auf Moral und Gewissen pfeifenden Machtpoluikcc" noch so laut heulen: E s gibt ein Recht, »nd Belgien hat dasRccht auf sein selb- siändiges Leben! « ♦ * Unter der Ueberschrift:„L> a t man verzichtet?" schreibt die»Deutsche Tageszeitung":»Die gestern hier erörterten Ge- irnvte: die Reichsregierung habe auf Oberherrschaft und eine tat- -ächlrchc Kontrolle über Gebiet und Bevölkerung des früheren Königreichs Belgien verzichtet, nehmen immer be- itimmtcre Formen an. Es heißt, daß in der vergangenen Woche von den maßgebenden Faktoren ein dahingehender Beschluß in >Ä e g c n iv a r t des Deutschen Kaisers gesaßt worden sei." Auch die„Berl. Neuesten Nachrichten" hören, daß zurzeit Ver- bandlungen über die Zukunft Belgiens schtvvben, die aber noch nicht zum Abschluß gekommen seien. Fn Biberach hat am Sonntag der Abg. Erzbcrger eine Rede ge- nalten, in der er u. a. sagte: Die deutsche Antwort auf die Friedens» note des Papstes, die für die Annexionisten eine große Enttäuschung oedeutc, wurde am 10. September festgestellt; der Kaiser gab seine Z u st i in m n n g und am Ib. September wurde sie dann an den päpstlichen Nuntius in München übergeben. Ende dieser Woche werde in Rom und Berlin der Wortlaut gleichzeitig veröffentlicht werden. Mit Bestimmtheit erklärte Erzberger, daß der Weltfrieden, dem wir uns mit großen Schritten näherten, aufgebaut sein werde ouf der Grundlage der Friedensresolution der Reichslagsmehrheit oom lv. Juli. Die belgische Frage sei gewiß schwierig, aber auch sie könne im Rahmen der Mehrhcitsresolution gelöst werden. Tie Konturen des bald kommenden Friedens höben sich am Horizont oereits ab, und zwar im Ausbau des unabhängigen polnischen Königreiches und insbesondere auch in einem unabhängigen Königreich Litauen, das ebenfalls im Entstehen sei, unter Anscbluß an Deutschland. Soweit Herr Erzberger. Indes hat Herr v. Kühlmann dem Nuntius am 15. September die Antwortnote ni ch t überreiicht. Tas„unabhängige Königreich Litauen" ist glücklicherweise noch nnmer im Zustande eines Gedankcn-Einbrho, den es hoffentlich instweilcn nicht verlassen wird.— Den Friedenshofsnungen Erz- vergcrs würden wir auch sehr gern Raum geben, können aber nicht verschweigen, daß sich der ehemalige englische Minister Herbert Samuel in eine Rede vom 10. September weniger optimistisch ausgesprochen hat. Er sagte laut„Times":„Es wäre unauf- richtig, zu sagen daß irgendwelche Aussichten auf -ine» baldigen Frieden bestehen. Die Deutschen haben zu viele militärische Erfolge gehabt, als daß sie dem einzigen Frieden zustimmen sollten, den England und seine Verbündeten bewilligen können." wie steht es um Kornilow? Amsterdam, 17. September. Aus Petersburg wird gemeldet: Die Enlscheidung Kerenskis, den früheren Generalissimus Alexejew mm Generalftabsches zu ernennen. wurde Kornilow telegraphisch mitgeteilt und er zugleich ersucht, sich zu ergeben. Er erklärte sich hierzu unter gewissen Bedingungen bereit und wird einem revolutionären Gericht Rechenschaft über seine Talen abzu- legen haben. Welches die Bedingungen Kornilows sind, ist licht bekannt. Die Vorläufige Regierung verlangt be- MnfljingäXoi-e Unterwerfung. Inzwischen dauert die Gärung unter Kornilows Truppen fort; viele Soldaten erklärten, die Regierung unterstützen zu wollen. Auch die Sowjets baben eine wichtige Rolle bei der Beendigung des Konflikts gespielt. Die Extremisten erheben sich wieder und verlangen Freilassung aller bei den Juli-Krawallen verhafteten Personen. Die Sozia- listen wollen kein Kabinett, worin die verschiedenen Parteien nicht vertreten sein sollen. Kornilow wird sich vor einem Militärgericht zu verantworten haben. Inzwischen hat Kerenski Befehl gegeben, daß alle Befehle Kornilows, die sich auf Kriegsoperationen beziehen, genau ausgeführt werden sollen, bis Alexejew im Hauptquartier eingetroffen ist. Wirkungen öes Luxburg-Stanüals in Schweden. Stockholm, 17. September. Die Freisinnige Partei hielt gestern aus Anlaß der Wahlen eine große Versammstlng ab. Fast 2000 Personen wohnten der Veranstaltung bei. Als Redner trat unter anderen Professor Eden auf. Nachstehende Entschließung wurde angenommen: Weil unsere aus- wärtige Leitung sich nicht im Stande gesehen hat, in der deutsch- argentinischen Telegrammango- l e g e n h e i t die Behauptung als grundlos zurückzuweisen, daß sie Chiffretelegramme befördert hat, deren Inhalt be- rechtigtes Aufseben bei allen Schweden erregt, spricht die Versammlung ihr tiefes Bedauern darüber aus, daß solche unbedachte Handlungen haben vorkommen können, sowie die bestimmte Forderung� daß die Regierung sofort alle notwendigen Maßregeln treffen wird, um klarzu- legen, daß es der bestimmte Wille des schwedischen Volkes ist, eine ganz unparteiische, nach allen Seiten hin u n v e r- brüchliche Neutralität aufrechtzuerhalten. Stockholm. Ein zweiter Kongreß öer Ententesozialisten! Nach Mitteilungen des.Handelsblad", die von der»Frankfurter Zeitung" wiedergegeben werden, wird aus Stockholm halbamtlich mitgeteilt, daß nach Aussage der russischen Delegierten eine zweite Konferenz der Entcntesozialisten in Petersburg abgehalten werden wird. Nach demselben Blatt soll die Stockholmer allgemeine Kon- sercnz erst gegen Mitte Dezember einberufen werden. Von gut unterrichteter Seite verlautet, daß während der Weihnachtstage die Konferenz nicht stattfinden könne und daß des- halb das Zustandekommen der Konferenz möglicherweise erst für Januar zu erwarten ist. Vis zum 1. Dezember werden dann alle Parteien die Fragebogen des niederländisch-skandinavischcn Komitees bearbeiten. Die Verhandlungen des Komitees mit den russischen Delegierten des Sowjet dauern fort. Der Ausbau öes polnischen Staates. Der erste Schritt zum weiteren Ausbau des polmschen Staats- tvcsens wird die Einsetzung eines Regentschaftsrates durch die verbündeten Monarchen sein. Dieser Regentschaftsrat mutz den Ministerpräsidenten berufen und einen Gesetzentwurf für die Bildung eines vergrößerten und in seinen Befugnissen erwei- terten Staatsrates ausarbeiten. Hand in Hand damit wird die Bildung eines Ministeriums und einer Behördenorganisation gehen, wofür der Provisorische Staatsrat bereits die notwendigen Vorarbeiten geleistet bat. Diese Verhandlungen zu führen, ist Sache des Ministerpräsidenten. Hierbei bleibt die Regierungserklä- rung vom 8. Juni 1917 voll aufrechterhalten. Nach dieser Erklärung sollen bekanntlich neben dem bereits übergebenen Justiz- und Schulwesen folgende Verwaltungszweige in polnische Hände gelegt werden: Kultus, Pflege von Kunst und Wissenschaft, ferner auf dem Gebiet der volkswirtschaftlichen Verwaltung Handel und Ackerbau mit den aus den kriegswirtschaftlichen Rücksichten noch näher festzulegenden Einschränkungen, die Organisation des Hand- Werks, die Beseitigung der Kriegsschäden und der Wiederaufbau, endlich die öffentliche Wohltätigkeit und die Bolksfürsorge. Was die Finanzvcr waltung betrifft, so würde die vollständige Ueber- gäbe des Finanzwesens an das polnische Finanzministerium voraus- setzen, daß die ganze Verwaltung in allen Teilen übergeben ist. Jedoch wird die schon jetzt erfolgte Ucbergabe einzelner Verwal- tungszweige ollmählich von selbst für diese die Anfänge einer eigenen Finanzverwaltung herbeiführen, welche den Kern des künf- tigen polnischen FmanJministeriums bilden wird. Schlechte französtsche Ernte. Berlin, 17. September. Der„Matin" vom 11. September läßt folgende Klage hören:„Wenn man in Frankreich herumreist, so ist es immer dieselbe Antwort, die man in den ländlichen Gegenden crhätt: Tie Ernte ist noch schlechter, als man dachte! Man muß leider zustimmen und es ist die Wahrheit: die Äehre wiegt nichts und ihr Mehlgehalt ist sehr gering, alles wegen ves strengen Winters, des nassen Sommers, der mangelnden Bodenbearbeitung und der Selten- heit an Düngemitteln. Eine Tatsache beherrscht alle ande- ren: die Ernte, die man noch vor einem Monat auf 49 bis 59 Mtl- lionen Zentner schätzte, wird 35, allcrhöchstens 37 Millionen Zentner erreichen. Im letzten Jahre erreichte unser Bedarf fast 85 Mil- lionen Zentner." Geldentwertung in England. Berlin, 17. September. Ueber die Entwertung des englischen Geldes geben folgende Stellen aus erbeuteten Briefen Aufschluß: „Die Nieter streiken, ebenso die Menniger, die Bohrer in Harland waren 3 Tage ausständig, da sie nur Friedenslöhnnng bekommen, und alle Sachen den vierfachen Preis kosten. Ein Pfund hat jetzt den Wert von ungefähr 8 Schilling." Ebenso schreibt man cnn 29. Juni aus Nelson:„Die Preise für Lebensmittel sino schrecklich. Ein Pfund hat nur den Wert von 8 Schilling, 4 Pence, so kannst Du Dir denken, was für einen Kampf ums Dasein wir kämpfen." Noch schlimmer scheint es in Irland zu sein. Aus Cork wird am 8. August geklagt:„Die Preise für alles sind ganz unnatürlich. Ein Pfund reicht nicht weiter als 5 Schilling." Annahme der amerikanischen Kriegskredite. Washington, 17. September.(Reuter.) Der Senat hat ein- stimmig die Kriegskredilvorlage angenommen, welche zur Ausgabe von Bonds in Höhe von 11 Milliarden 538 Millionen Dollar er- mächtigt. Das kroatische Wahlrecht. Die kroatische Landesregierung hat die Vorlage über die Wahl- rechtSreform bereits fertiggestellt. Man hofft, sie dem am 24. Sep- tember wieder zusammentretenden Landtag vorlegen zu können. Als Grundsätze der neuen Wahlvorlage ist hervorzuheben, daß jeder 24 Jahre alte Bürger das aktive und passive Wahlrecht erhält und daß die Abstimmung geheim erfolgt. Die Zahl der Wahlbezirke wird von 99 auf 129 erhöht._ Kämpfe in Ostafrika. Lc Havre, 16. September.(Meldung der Agence Havas.) Das belgische Kolonialministerium teilt mit: Nach ihrer Vereinigung in Fakara am 28. August gingen die in Deutsch- O st a f r i k a operierenden belgischen Abteilungen auf das Südufer des Flusses Kilimbere über und setzten ihren Vormorsch in der Richtung auf Mahenge fort. Am 9. September griffen die belgi- scheu Abteilungen die deutschen Stellungen an der Linie Kalimoto— Madege, etwa 36 Kilometer nordnordöstlich von Mahenge, an. Nach zweitägigem Kampfe wurden die befestigten Dügel von Madege durch die belgischen Truppen erobert. Der gc- schlagene Feind wurde nach Südwesten zurückgeworfen. Hierzu bemerkt W. T. B.: Die als erobert von den Belgiern gemeldeten befestigten Hügel von Kalimote— Madege liegen vor unserer, den Aufstieg zur Mahenge-Hochfläche sichernden Haupt- stc l l u n g. Die schwachen vorgeschobenen Postierungen werden sich nach Erledigung ihrer Aufgabe voraussichtlich zur Hauptstellung� zurückgezogen haben. Der angeblich belgische Sieg ist lediglich ein belangloser örtlicher Erfolg ohne ausschlaggebende Be- dcutung. Das Rustenpech öer Westmächte. Berlin, 17. September. Die„Nordboutjche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Morgenausgabc: Noch immer kommen aus Rußland einander widersprechende Nachrichten, die ein vollkommen klares Urteil über die dortige Lage vorerst nicht erlauben. Soviel steht aber jedenfalls fest, daß General Kornilows militärischer Staatsstreich mißglückt ist, und daß die uns feindliche, namentlich die französische Presse sich durch ihr vor- eiliges Eintreten für 5lornilow eine Blöße gegeben hat, die nicht von einem Tag zum andern vergessen werden kann. Selbst wenn in Rußland als dem wahren Reich der unbegrenzten Möglich- leiten die unwahrscheinlichsten Rückfälle Ereignis werden sollten, könnten sie niemals mehr etwas an der Tatsache ändern, daß die öffentliche Meinung der westlichen Republik der verbündeten Re- gierung Rußlands in den Rücken fiel und das angebliche eigene Freiheitsideal verriet, um durch einen un» verhüllten militärischen Gewaltakt der französischen AnnexionS- gelüste wcgcn diesen furchtbaren Krieg mS Unabsehbare zu verlängern. Manches spricht dafür, daß die West mächte bei dem Unternehmen Kornilows ihre Hände im Spiel hatten. In diesem Augenblick bemühen sie sich begreiflicherweise, die Spuren der ungeschickten Intrige zu verwischen. Der„M a t i n" deutet vielsagend an, daß die Botschafter Frankreichs, Englands, Italiens und Nordamerikas in Petersburg gegenwärtig mehr denn je klaren Blick und Energie am rechten Orte anzuwenden hätten. Und natürlich beginnt man Kerenski gegenüber den freundschast- lichen Ton von ehedem wiederzufinden. Aber wenn auch der Be- weis für die tätige Einmischung des Vielverbandes einem späteren Zeitpunkt vorbehalten bleiben mag, so ist es doch heute schon sonnen- klar, daß die Entente sich seit Wochen und besonders seit der Mos- kauer Konferenz von Kerenski abgewendet hatte und das Abenteuer des russischen Generalissimus mit voller Sympathie und größten Hoffnungen verfolgte. Was hierüber schon aus der französischen Presse mitgeteilt werden konnte, wird durch die. inzwischen angelangten Pariser Zeitungen vom 12. und 13. September nur noch bestätigt und bekräftigt. Ter„M a t i n" geht mit sichtbarer Freude aus eine Meldung ein, wonach der General Klembowsky, Kornilows Nachfolger im Ober- defehl, sich gleichfalls gegen Kerenski erklärt hätte. Dabei ist das Blatt ausgesprochenermatzen bestrebt, sein Urteil über den Ausgang des Staatsstreiches zurückzuhalten, kann es aber nicht unterlassen, wenigstens dem Wunsch Ausdruck zu geben, daß„Männer, die es aufrichtig nach Wiederherstellung der militärischen Kraft Rußlands verlangt, die Macht haben mögen, diesen Versuch zu gutem Ende zu führen". „Der Säbel Kornilows" wird von Herve in der„Vicloire" als Retter begrüßt. Von Kerenski dagegen wird behauptet, er sei „trotz seines guten Willens und semer schönen Beredsamkeit" im Begriff gewesen, durch seine Schwäche die Revolution zugrunde zu richten. Nach der Moskauer Konferenz habe man— d. h. das amrexionisttsche Frankreich— von ihm nichts mehr erhoffen können. Herve bekennt sich mit dem ganzen Eifer des Apostaten zu dem Glauben, daß die Militärdiktatur Kornilows das einzige Mittel sei, Hindenburgs Einzug in Petersburg zu verhindern. Nebenbei benutzt er die Gelegenheit, im Widerspruch mit allen Erklärungen und Handlungen Deutschlands gegenüber dem neuen Rußland die abgetane Verdächtigung einzu- stechten, Hindenburg werde in der russischen Hauptstadt sofort das Z a r e n t u m wieder aufrichten. In demselben Blatt feiert auch Bienaine den General Kornilow und prägt die gewagte Unter- scheidung:„Kerenski hatte nur davon geträumt, das revolutio- näre Rußland zu retten, während Kornilow kurzweg Rußland retten will." Der„F i g a r o" läßt ebenfalls die Maske fallen und schwingt sick zu der rühmenden Phrase auf:„Kornilow übersetzt die angst- volle Hoffnung eines ganzen großen Volkes, das lieber sterben als unter'dem deutschen Sttefel leben will, in die Tat." Kornilow babe bis zur letzten Minute der letzten Stunde gewartet, bis Kerenski sein besseres Selbst vergessen und unter das Joch einer „illuminierten" oder bestochenen Demokratie gekrochen sei. Daß Kerenski den Generalissimus abegesetzt habe—„das ist zu viel!" Und die weite Entfernung hindert den„Polhbe" des„Figaro"" nicht, dem meuternden General zu bescheinigen:„Nicht aus Ehr- geiz hat er den Rubicon überschritten!" Das Bild des annexionistischen Selbstverrats in Frankreich ist so vollständig wie nur denkbar. Wir haben dem nichts hinzu- zufügen.____________ Der Krieg auf öen Meeren. Berlin,>16. September. Im Atlantischen Ozean, Biskaya und in der Nordsee wurden durch unsere U-Boote wiederum vier Dampfer und ein Segler mit 25000 Dr.-Reg.-To» versenkt, darunter die bewaffneten englischen Dampfer Malda(78S4 Tonnen) und Roanoke(3755 Tonnen) mit Stuckgutladung, eine U-Bootsfalle in Gestalt eines Dreimastschuuers, die mit zwei Geschützen bewaffnet war und unter schwedischer Flagge fuhr. Vom Dampfer Roanole wurde der Kapitän gefangen genommen. Der Chef des Admiralstabes der Murine. Angeschwemmte Minen. Haag. 17. September. Im August wurden an der niederländischen Küste 25 Minen angespült, davon 22 englischer, eine deutscher und zwei unbekannter Herkunft. Damit erböhl sich die Zahl der seit Kriegsausbruch an der Niederländischen Küste angespülten Minen auf 2219, davon 1534 englischer, 63 ftan« 1 zösischer, 272 deutscher und 848 unbekannter Herkunft. Graf Karolpi für energische Zrieöenspolitik. Budapest, 17. September. Graf Michael K a r o l h i, der Führer der Unabhängigkeit»- und 4Scr Partei, sprach gestern, Sonntag, in (ijoglob vor seinen Wählern über Wahlresorm und Außenpolitik. Zur Außenpolitik erklärte Karolyi: Zu den altbekannten Punkten unseres Programms, das noch immer zu Recht besteht, gesellt sich jetzt die Friedensforderung. Diese Forderung muß st ä n. dig betont werden, weil man nur dadurchdem Frieden näher kommt. Wir kämpfen für keinen Eroberungs-, sondern für einen Verständigungsfrieden. Zur Friedensvermittlung ist be- sonders Oesterreich-Ungarn geeignet, das zuerst erklärt hat, einen Frieden ohne Annerionen und Entschädigunoen zu wünschen. Unsere Monarchie hat kein Interesse an Eroberungen. Vor einigen Mo» naten glaubten wir, daß der Außenminister Graf Czernin sich auf die Seite des Friedens ohne Annexionen und Entschädigungen gestellt habe und nicht auf halbem Wege stehen bleiben werde. Wir hofften, er werde nicht ruhen, bis er die Rolle des Friedens- Vermittlers an sich gerissen habe. Leider habe ich mich scheinbar ge- täuscht. Die Außenpolitik der Monarchie ist in den alten Fehler zurückgefallen, daß sie zaudert und keine Selbständig- k c i t bekundet für die Sache des Friedens. Besonders friedens- fördernd wäre es, wenn sich die Vertreter aus den Paria- m e n t e n der kriegführenden Staaten in einem neutralen Lande trefsen würden. Ich mache kein Geheimnis daraus, daß ich auf der am 15. Oktober in Bern stattfindenden Friedenskonferenz erscheinen werde. Ich werde mich nicht heimlich aus dem Lande schleichen, wie dies ein Teil der Presse glaubt. Die Regierung kann mir die Schweizer Reise nicht verbieten, sie müßte mich im Gegenteil sogar geradezu hinschicken. Hoffnung auf baldigen frieden. Ter Mailänder Korrespondent des„Daily Telegraph" meldet: Wie verlautet, soll die österreichische und deutsche Antwort auf die Friedensnote des Papstes im Vatikan a n- gekommen sein. Die Antwort soll durch ihre entgegen- kommende Haltung zur Friedensfrage über- raschen. In Wien sei man sehr'optimistisch. Man erwartet den Frieden noch vor dem Winter. von der Not öer Kriegsbeffhäüigten. Der Fürsorge für die Kriegsbeschädigten widmet sich ein weit gegliederter Organisationsapparat, der es als seine wichtigste Auf- gäbe betrachtet, den beschränkt Erwerbsfähigen ein Unterkommen zu verschaffen, das ihnen gestattet, die verbliebene Arbeitsfähigkeit aus- zunutzen. Das liegt im Interesse der Verletzten selbst, da die sehr bescheidene Rente, die ihnen gewährt wird, nicht ausreicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Nutzbarmachung der den Ver- letzten verbliebenen Arbeitskraft liegt aber auch im wohlverstandenen volkswirtschaftlichen Interesse. Nach dem, was bisher über die Kriegsbeschädigtenfürsorge bekannt geworden ist, arbeitet sie im all- gemeinen mir befriedigendem Erfolg. Es ist in sehr vielen Fällen gelungen, Verletzte wieder in den Produktionsprozeß einzuordnen. Solche günstige Erfahrungen dürfen aber nicht zu voreiligen Schlüssen verführen. Bei dem herrschenden Arbeitermangcl werden auch minderleistungs- fähige Kräfte in größerer Zahl eingestellt; eS ist aber mit Sicherheit vorauszusehen, daß bei der Wiederkehr normaler Zustände auf dem Arbeitsmarkt gründliche Musterung in den Betrieben gehalten werden wird. Dann erst wird es sich zeigen, in welchem Maße bei den Unternehmern der Sinn für daS Gemeinwohl das Eigeninteresse ubersteigt, dann erst wird die Kriegsbeschädigtenfürsorge vor die schwierigste Aufgabe gestellt sein und dann erst wird eS möglich sein, sich ein Urteil über ihre Erfolge zu bilden. Man darf aber die Erwartungen nicht zu hoch spannen, denn selbst jetzt schon, wo für die Kriegsbeschädigten in jeder Beziehung Hochkonjunktur herrscht, werden viele von ihnen vom Arbeitsmarkt nicht aufgenommen. Jfti allgemeinen fehlt es an zahlenmäßigen Nachweisen über die Erfolge und Mißerfolge der Kriegsbeschädigtenfürsorge. ES ist deshalb zu begrüßen, daß die Kriegsbeschädigten- fürsorge der Provinzialverwaltung der Rheinprovinz in Düsseldorf bei den ihr unterstellten Ortsausschüssen eine Umfrage über die mit Rente aus dem Militärverband entlassenen Kriegsbeschädigten veranstaltet hat, die noch arbeitslos sind. Das Ergebnis ist etwas dürftig. Verwertbar waren die Antworten von 43 Ortsausschüssen, deren Bezirke aber mehr als die Hälfte der Einwohner der Provinz umfassen. Die auf Grund dieses Materials aufgestellte Statistik wird im Augustheft des.Reichs- Arbeitsblattes" veröffentlicht. Die S27 erfaßten arbeitslosen Kriegsbeschädigten werden in vier Gruppen geteilt. Als arbeitswillig gelten 209 Beschädigte mit einer durchschnittlichen Erwerbsbeschränkung von 68,4 Proz. und einer durchschnittlichen Monatsrente von 50 M. Als Arbeits« scheue werden solche Verletzte bezeichnet, die sich trotz Arbeits« fähigkeit noch nicht zur Aufnahme von Arbeit entschließen konnten oder auf Grund ihrer Rentenbezüge oder günstiger sozialer Ver- hältnijse nicht auf gewinnbringende Beschäftigung angewiesen sind, Zu dieser Gruppe zählen 92 Verletzte mit einer durchschnittlichen Erwerbsbeschränküng von 67,1 Proz. und einer durchschnittlichen , Monatsrente von 49 M. Die Bezeichnung dieser Leuie als«arbeits- scheu" ist ganz ungehörig, zumal angesichts des Grades der an- erkannten Erwerbsbeschränkung und der Geringfügigkeit der Rente. Die Scheidung der übrigen in vorübergehend und dauernd Arbeits- unfähige scheint etwas willkürlich. Als vorübergehend arb eitsunfähig werden 396 Verletzte mit durchschnittlich 31,3 Proz. Erwerbsbeschränküng und durchschnittlich 47,2 M. MonatS« renke bezeichnet, während 231 Verletzte als dauernd erwsrbS- u n fähig gelten. Diese sind durchschnittlich zu 68,8 Proz. er- werbsbeschränkt und beziehen durchschnittlich 67,8 M. MonatSrente. Aus dem Grad der durchschnittlichen Erwerbsbeschränküng er- gibt sich, daß es sich bei diesen Leuten durchgängig um Schwer- verletzte handelt. Bei allen 927 Kriegsbeschädigten zusammen betrug die durchschnittliche Erwerbsbeschränkung 66,3 Proz. Und wovon leben diese Unglücklichen, die ihre Gesundheit und ihre heilen Glieder auf dem Altar des Vaterlandes geopfert und ihr Leben ein- gesetzt haben? Sie erhallen eine durchschnittliche Monats- rente von 6 3.3 0 Mark. Mehr als die Hälfte von ihnen, nämlich 480, sind verheiratet, ihre Familien haben eine Ge- samtkopfstärke von 1989 Personen. Bei ihnen kommt auf den Kopf der Fainilie eine tvkonatsrente von 12,3 0 Mark. Wir wollen es uns versagen, auf den übrigen Teil der, trotz ihre» geringen Umfanges recht interessanten Statistik— die Zahl der erfaßten Kriegsbeschädigten wird nur auf 4 Proz. geschätzt— näher einzugehen. Nur auf die verhältnismäßig hohe Zahl der Nerven- und Lungenkranken unter den arbeitslosen Kriegsinvaliden sei hingewiesen. Erstere stellen 189 oder 20,6 Proz., letztere 187 oder 20,3 Proz. der Arbeitslosen. In der Statistik lämtlicher Schwerbeschädigten machen die Nervenkranken 7,7 Proz., die Lungenkranken 6 Proz. aus. Ein verhältnismäßig großer Teil dieser Kranken ist aber so schwer beschädigt, daß sie beruftich nicht wieder beschäftigt werden können. In den Nentenbezügen sind aber diese Kranken besonders schlecht gestellt, weil ihnen die Verstümmelungs« zulage nicht gewährt wird. Die in der Liste der Arbeitslosen sign- rierenden 137 Lungenkranken erhalten bei einer durchschnittlichen Erwerbsbeschränkung von 69,6 Proz. eine durchschnittliche Monats- rente von 39,6 M. und die 189 Nervenkranken bei einer durchschnitt- lichen Erwerbsbeschränkung von 67,6 Proz. eine durchschnittliche Monatsrente von 49,4 M. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man eine solche Ver» s o r g u n g der Kriegsbeschädigten als völlig unzureichend bezeichnet. Man darf sich auch nicht damit trösten, daß es doch nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Verletzten ist, der arbeitslos bleibt und für den schließlich noch anderweitig gesorgt werden kann. Wenn die im Felde stehenden Arbeiter in die Betriebe zurückkehren, dann wird noch gar mancher Invalide, der jetzt glaubt eine Ver- sorgung gefunden zu haben, auf die Straße fliegen, weil seine Arbeit dem Unternehmer nicht genug einbringt. Mit der Regelung der Versorgung der Kriegsbeschädigten darf deshalb nicht gezögert werden. Der Dank des Vaterlandes an die Opfer des Krieges mW sich durch die Tat äußern. Eine angemessene Erhöhung der Bezüge der Kriegsbeschädigten ist eine Aufgabe, die keinen Aufschub duldet. Die Diplomaten unü üer il-Soot-Krieg. Ein Berliner alldeutsches Blatt veröffentlicht einen Leit- aufsatz, in dem es heißt: Wir erwarten immer noch vergeblich die längst fällige Kund- machung des Herrn von Kühlmann, durch die er seine früheren, ihm von seinem Botschafter Lichnowsky als Legations- sekretär vorgeschriebenen Aeußerungen gegen den„Wahnsinn des U-Bootkrieges" als durch die heutigen Tatsachen vernichtet zurücknimmt.... Gibt Herr von Kühlmann nicht in Bälde ein« derartige öffentliche Erklärung, so ist er trotz all seiner Klugheit gebrandmarkt als Geist von fremdem Geiste, als ein zu beseitigendes Ueberbleibsel jener holdseli- gen, Herrn Wilson umibuhlenden Diplomati«, der die„Forschheit der U-Bootführer" angeblich die feinen damaligen Friedensnetzc zerstörte. Wahrheit und Dichtung sind hier bunt durcheinander- geworfen. Mit der„Herrn Wilson umbuhlenden Diplomatie" ist wohl der frühere Botschafter in Washington, jetzt in Kon- stantinopel, Graf B e r n st o r f f, gemeint, der in Amerika für die baldige Herstellung des Friedens arbeitete und seine „Netze" durch die Entschlüsse des 1. Februar zerstört fand. Fürst Lichnowsky hat jedoch die Aeußerung vom „Wahnsinn des U-Boot-Krieges" keinesfalls im Amt und durch Vermittlung seines damaligen Untergebenen und jetzt- gen Vorgesetzten, Herrn v. Kühlmann, getan. Solange Lich- nowsky Botschafter in London und Kühlmann sein Botschafts- sekretär war, dachte man ja noch gar nicht an den U-Boot- Krieg. In dem erwähnten Artikel wird weiter behauptet, daß „sogar Politiker und Diplomaten"(die später als„F r e u n d e des Herrn v. Kühlmann" bezeichnet iverden)„h ö h- n i s ch von Monat zu Monat jedesmal eine abnehmende Zahl der Tonnenversenkung voraussagen". Diese Behauptung ist uns neu. Daß der„Vorwärts" über jeden Erfolg der deutschen Waffen betrübt sei, haben wir schon oft gelesen. Aber daß Diplomaten und Freunde des Herrn v. Küblmann— fehlte nur noch zu sagen, dieser selbst— von ähnlichen Gefühlen be- seelt seien, ist unseres Wissens bisher noch nie in der Oeffeni- lübkeit behauptet worden. Man müßte allenfalls an Herrn v. Bethmann denken, von dem einst ein alldeutscher Ad- miral a. D. schrieb, er tue alles, um den deutschen Sieg über das von ihm geliebte England zu verhindern. Alldeutscher Theaterdonner. Unsere kürzlich aus Weimar gebrachte Notiz über das Fiasko der Alldeutschen ist den dortigen Herrschaften stark auf die Nerven gefallen. Jetzt wird in Weimar ein Aufruf verbreitet, der mit den Worten beginnt: „Der„Vorwärts", das Organ des sozialdemokratischen Führers Scheidcmann, hat aus der Tatsache, daß eine kürzlich in Weimar stattgefundene Versammlung des Unabhängigen Ausschusses schwach besucht war, den Schluß gezogen, daß, wie in Weimar so auch im ganzen Deutschen Reiche die Mehrheit des Volkes für einen Vcrzichtfrieden eintrete." Dann kommt die übliche Entrüstung, die in der alldeutschen Forderung ausklingt: .Mitbürger, laßt uns den Bürgern in anderen Städten des Reiches durch die Unterschrift dieser Erklärung zeigen, daß wir Weimaraner, eingedenk des freien deutschen Geistes unserer Stadt, nicht, wie es nach der verunglückten Versammlung den Anschein halte, den Verzichtfrieden wollen, sondern den machtvollen deutschen Siegfrieden." Der ehemalige Theaterdirektor Neuster hat die Regie dieser neu einstudierten alldeutschen Aufführung übernommen. Wird er nun aber auch die nötigen Statisten finden? Mißverstänüms. Armeezeitung Schölt, kontra„Vorwärts". Die„Armeezeitung Scholtz" behandelt die Wilson-Note aa den Papst in einer Weise, die von ihrer Seite weiter nicht überrascht, und bemerkt dabei: Ist es da nicht traurig, wenn ein deutsches Blatt, welches viel gelesen wird und für viele Kreise ihr Führer ist, wenn ein solches Blatt für die Forderungen Wilsons eintritt Wie verworren sind die Sinne der Leiter dieses Blattes Hier spielen allein Parteiwünsche mit, nichts geht ihnen über diese. Die Verwirrung ist, wie schon so oft festgestellt, auf der andern Seite. Die Sozialdemokratie fordert seit einem Menschenalter und länger volle Demokratie, Entscheidung des Volkes selbst über Krieg und Frieden, Abschaffung der Ge- heimdiplomatie. Schiedsgerichtsverträge, Abrüstung usw. Als die Sozialdemokratie dies alles schon verlangte, gab es noch keinen Krieg und Wilson ging noch mit kurzen Hosen zur Schule. Ob Herr Wilson ein böser oder ein guter Mann ist, das ür die Forderungen der Sozialdemokratie vollständig gleich- gültig. Wenn aber der Vertreter einer feindlichen Macht be- hauptet, in der Hauptsache nichts anderes zu wollen, als was ein großer Teil des deutschen Volkes selbst will, und was ohnehin im Zuge der Zeit liegt, so verdient das mit ruhiger Objektivität festgestellt zu werden, wie es der„Vorwärts" ge- tan hat. Sie meinten es anüers. Die neugegründste alldeutsche„Deutsche VaterlandSpartei' hat an Hindenburg ein Telegramm geschickt und von diesem eine Antwort bekommen, in welcher der Feldherr hauptsächlich zur inneren Einheit mahnt. Feldmarschall Hindenburg bezieht sich auf Worte des Aufrufs„Wir wollen keine innere Zwietracht" und er- widert darauf mit dem Ausspruch:„Wohlan, schließen wir von neuem Burgfrieden!" Die Erneuerung und Erhaltung deS Burgfriedens war wohl von den Gründern kaum als Zweck der neuen Parteigründung ge- dacht. Wir lesen z. B. im.Kreisblatt für die Ostpriegnitz" Nr. 216 einen Aufruf der Kreisgruppe K y r i tz der neuen Partei, der zu einer Versammlung einladet und mit den Wörten schließt:„Es ist dringend notwendig, daß olle deutschen Männer und Frauen an der Versammlung teilnehmen. E» gilt den Kampf gegen de» inneren Feind!" Also zum Kampf gegen den inneren Feind, nicht den äußeren, ist die neue Partei ins Leben getreten. Sehr burgfriedlich sieht dieses Programm nicht aus. Die Gelben für Kriegsverlängerung. Anfang dieses Monats hat in Frankfurt a. M. der H a u p t- ausfchutz nationaler Arbeiter- und BerufSver- verbände Deutschlands, der„Wirtschaftsfriedlichen", wie sie sich nennen, oder der„Gelben", wie sie im Volke genannt werden, ge- tagt. Wie jetzt bekannt wird, hat der Hauptausschuß auch Hinden- bürg antelegraphiert. In diesem Telegramm bringt die gelbe Zentralinstanz zum Ausdruck, daß der Krieg so lange fortgeführt werden müsse, bis unsere Feinde, insbesondere England, nieder� gerungen sind. Natürlich sind die Gelben auch warme Freunde ausgedehntester Annexionen: „Nicht in würdeloser Preisgabe, sondern in tat- bewußtem entschlossenem Fe st halten dessen, waS das deutsche Schwert unter Ew. Exzellenz herrlicher, be- wunderungswürdiger Führung mit dem Blute der besten Söhne unseres Volkes errungen, erblickt die nationale, wirtschaftsfriedliche Arbeiterbewegung Heil und Sicherheit des Vater- landes." Die Gelben gehen also gleich oufS Ganze, sie wollen von den besetzten Gebieten keinen Deut herausgeben. W i e lange noch bis zur Erreichung dieser Ziele der Krieg fortgesetzt werden muß, macht den Schützlingen der Schwerindustrie keine Sorge. Wo bleibt öer Mieterschutz! In einer Zuschrift an uns weift der Deutsche Wohnungs- ausschutz auf die von uns schon in Nr. 246 des„Vorwärts" ein- gehend erörterte Tatsache hin, das; die Bundesratsverordnung vom 26. Juli d. I. zum Schutze der Mieter in großen Teilen Deutsch- lands wirkungslos zu fleiben drohe. Man merke in diesen Teilen nichts davon, daß die erforderlichen Vorbereitungen � zur Wirksam- keit der Verordnung getroffen würden. Es wäre jetzt die luchste Zeit, schleunigst alle Vorkehrungen zu treffen, da anderenfalls für den Oktobertermin nicht mehr Gebrauch von den Vergünstigungen der Bundesratsverordnung gemacht werden könne. � Durch die Saumseligkeit der Einzelstaaten ist die Bundesrats- Verordnung tatsächlich schon wirkungslos geworden. Was sie er- reichen wollte, ist zum Okwbertermin schon gar nicht mehr zu erreichen. Das Vorgehen der Hauswirte, das zu der Bundesrats- Verordnung Anlaß gab, ist vielleicht durch dieselbe etwas abge- schwächt, bat aber in der Hauptsache den von den Hausbesitzern gewollten Erfolg gehabt. Wenn irgend etwas den sinnfälligsten Beweis für die völlige Ungeeignettheit der ernzelstaatlichen Regie rungen zu sozialpolitischen Maßnahmen gebracht hat, so dies ihr fast völliges Versagen in der Ausführung der Bundesratsverordnung, das geradezu als ein öffentlicher Skandal bezeichnet werden muß., i Letzte Nachrichten. Was geht in Italien vor? Bern, 17. September. Zur italienischen Grenzsperre meldet der„Bund": In Bank- und Börsenkreisen gehe das Gerücht, es seien gestern tn Oberitalien wieder Straßenaufläufe vorgekommen. DaS Blatt meldet ferner, daß selbst Ine d i p l o- matifchen Kuriere nicht mehr über die Grenze gehen dürfen. Der Schtveizer Kurier wurde gestern in Mailand zurückgehalten, der italienische Kurier konnte in Chiasso sein Felleisen nicht mehr über die Grenze bringen. Nicht nur der Zug-, sondern auch j e g- I i che r Po st verkehr sei voll st ändig unterbunden; die schweizerische Simplonpost wurde in Jselle zurückgehalten. Tele- gramme für Italien werden noch angenommen. Von Italien trafen seit gestern keinerlei Telegramme mehr ein. Es wird glänzend wciterverdicnt. Wien, 17. September. Der Jahresabschluß der Prager Eisenindustrie für 1916/17 ergibt nach Abschreibung von 6 179 982 Kronen gegen 2 722 486 Kronen im Vorjahre einschließlich des vorjährigen Gewinnvortrages von 731 926 Kronen gegen 4 113119 Kronen im Vorjahre einen Reingewinn von 17 412 892 Kronen gegen 16 767 348 Kronen im Vorjahr. Der Verwaltungsrot schlägt ein« Dividende von vierzig Prozent oder zweihundert gegen hundertnounzig Kronen im Vorjahre vor. Fiasko der englischen Vaterlandspartei. Rotterdam, 17. September.„Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London, daß die auS extrcmenTories und Schutzzöllnern bestehend« neue Nationalpartei ein schweres Fiasko erlitten hat. Am Sonnabend hielt die Partei der Schutzzöllner in Manchester eine Versammlung ab, in der beantragt wurde, sich' der neuen Nationalpartei anzuschließen. Der Antrag wurde verworfen, und man ging so weit, zu beschließen, sich auch jeder engeren Zu- sammenarbeit mit der neuen Partei zu enthalten. Dies beweise, daß selbst eingefleischte Schutzzöllner nicht bereit seien, aus der unionistischen Partei auszutreten und Bonar Law im Stich zu lassen. Die„Morning Post" ist sehr enttäuscht und fragt, wie können aufrichtig gesinnte Schutzzöllner den Ministern trauen, die die Beschlüsse der Pariser Wirtschastskonferenz nicht durchführen? --% Eisenbahnunfall im Westerwald. Frankfurt a. M., 17. September. Der„Nassaubote" meldet aus Limburg: Heute früh stieß auf der Westerwaldbahn zwischen Wilsenroth und Wilmenrod der von Limburg kommende Personenzug mit dem aus Westerburg kommenden Personenzug zusammen. 5 Personen sind tot, 6 schwer verletzt, eine Anzahl Personen leicht verletzt. GewerkschaflsbewMng Verlin and Umgegend. Ans der Gchlichtnngskommissio« für MMtSrschnelder. Einer, der keine Bücher führt. In jeder Sitzung der Slblickitungskommisston für Militär- schneider seigt es sicki, mit welch fröhlicher llnbekümmertheit sich viele Unternehmer, besonders Kleinmeister oder Zwiswenmeister, über die erste Vorbedingung au einem geordneten Geschäftsbetrieb, einer geregelten Buchführung, hinwegsetzen. Zu welchen Folgerungen und Unauträglichkeiten ein so vollkommen unkaufmännisches Ver- fahren führt, davon können die Mitglieder der Kommission und die Vertreter der Kläger ein Lied singen. In der letzten Sitzung trat wieder mal so ein famoser Ge« schäftsmann, der Zwischenunternehmer Sikorski, auf. Kunge, als Bertreter der Klägerinnen, klagte auf Nachzahlung für Knopf- löcher und der zustehenden 10 Proz. Auf die Frage der Kommission nach den Lohn« und Geschäfts- büchern erwiderte der Beklagte mit stetem Gleichmut, daß er keine Bücher besitze. Magistratsrat v. Schulz: DaS ist aber doch keine Art für einen Geschäftsmann, Sie muffen doch Bücher führen, um einen Ueberblick zu haben. Sie können doch nicht ins Blaue hinein wirtschaften. Beklagter: Ich habe keine Bücher. Kunze: Dann wird er eben ohne Bücher verurteilt. Der Beklagte wird schon wissen, warum er keine Bücher hat. Nun griff der Vertreter des BekleidungsamteS ein und erklärte dem Beklagten ins Geficht: Ich will Ihnen mal was sagen: Sie wollen keine Bücher haben, weil Ihre Sache faul ist. Damit Sie eS wisien: Wir können Tie belangen, Sie find strafbar. Ordnung muh auch im kleinsten Betriebe sein. Als Geschäftsmann wissen Sie sicher, daß es Vor- schrist ist, Bücher zu führen. Jeder Kaufmann, der keine Büwer führt, kommt ins Zuchthaus. Machen Sie uns also keine langen Ge- schichten vor. Diese Belehrung blieb nicht wirkungslos und der Beklagte be- guemte sich zur Nachzahlung von 164 M. Masland. Internationaler Bericht der Gewerkschafte« des Malergewerbes für IVt«. Innerhalb der Gewerkschaften des Malerberufs hat die inter- nationale Verbindung und Tätigkeit auch während der Kriegszeit nicht geruht. Allerdings gehören der Internationale des Maler- und Lackierergewerbes Organisationen der alliierten Länder nicht an. In Frankreich und Italien sind die Malergebilfen nm wenig und dazu in den verstbiedensten Verbänden organisiert und außerdem steht hier und in England dos Malergewerbe in sehr enger Ver- bindung mit den eigentlichen Baubetrieben, so daß dort ein größerer Prozentsatz Malergehilfen zu Organisationen der Bauarbeiter ge- hören. Die seit 1S11 in der Internationale des Malergewerbes zu- sammengesckilosienen Verbände unterhielten während des Krieges stets die innigsten Beziehungen, und auch mit Amerika wurde, so- lange dies die englische Postsperre und neuerdings der von Amerika proklamierte Kriegszustand nickt vereitelten, freundschaftlichst korre- spondiert. Die deutschen Malergehilfen New AorkS sandten 1916 ihren festländischen Kollegen zur Unterstützung von Kriegerfamilien 2906 M., seit Kriegsausbruch insgesamt ö062 M. Die Mitgliederzahl der Organisationen des Malergewerbes ist infolge des Krieges von 66 614 im Jahre 1913 auf 22 923 zurückgegangen; 1914 um 42 Proz., 191ö um 39,8 und 1916 um 1,3 Proz. Im letzten Jahre hatten nur noch Deutschland und Oesterreich einen Rückgang aufzuweisen. 1915 dagegen gingen alle Verbände, mit Ausnahme des schwedischen und holländischen, und 1914 mit Ausnahme des finnländischen und holländischen zurück.— Streiks fanden 1916 nur 4, und zwar in Norwegen(mit 89 Beteiligten) statt: Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellungen jedoch 411 für 17 312 Gehilfen. Davon in Deutschland 293 für 6389 Beschäftigte. Daneben haben noch zahlreiche Bewegungen für Teuerungszulagen kleineren Charakters stattgefunden, die nicht statistisch erfaßt werden konnten. Die Ein- nahmen der angeschlossenen Organisationen sind zurückgegangen von 2 851 522 M. im Jahre 1913 auf 1 992 515 M. im Jahre 1916 und die Ausgaben von 4 933 142 M.(darunter 1 864 976 M. für die Aussperrung in Deutschland) auf 882 642 M. Die Vermö gens- b e st ä n d e der Zentrolkasien sind indes im gleichen Zeitraum gestiegen M« 1 MB 082 Vt.(mf 1 506 884 R. Besonder« zugenommen hat die Ausgabe für die inzwischen von mehreren Organisationen ein- geführte Arbeitslosenunterstützung. Diese betrug 1913 nur 134 639 M., im Berichtsjahre trotz geringer Arbeitslosigkeit 256 998 M. Für Kranken- und Sterbegeld wurden aus« Unterstützung von Krieger- Verband) 77 966 M. Alle Ver- die verschiedenen Unterstützungen dänische Verband 294 668 M., und der holländische 42 644 M. gegeben 198 191 M., für f amilien(vom deutschen bände gaben aus für 475 529 M. Davon der der deutsche 183 136 M. Außer für Lohnbewegungen und Streiks wurden ausgegeben für Unterstützungen 467 417 gegen 973 341 M. im letzten Friedensjahr. Das ist, wie besonders vermerkt wird, inmitten der verheerenden Wirkungen des Krieges eine Leistung, die Zeugnis von dem festen Stande und der Widerstandsfähigkeit der gewerlschaftlichen Orgam- sationen ablegt._ Industrie und Handel. Keine Zwangssyndizierung der Lederindustrie. Unter Beteiligung sämtlicher Kveise fand am vorigen Freitag in Berlin, wie der„Lokal-Anz." meldet, eine Sitzung von Inter- esienten der Lederindustrie statt, die sich mit der Bildung eines Zwangssyndikats in der Lederindustrie und einer eventuellen Bc- triebSzusammenlegung befaßte. Man kam zu dem Resultat, vor- läufig von Maßnahmen dieser Art Abstand zu nehmen und die weitere Entwicklung in der Leder hrdustrie abzuwarten. ES wird glänzend weiter verdient. Der Jahresabschluß der Rheinischen Stahlwerke weist einen Betriebsgewinn von 22 599 999 M, gegen 12 399 999 M, im Vorjahre auf I Der Aufsichtsrat schlägt die Verteilung einer Divi- dende von 12Vs Proz. gegen 19 Proz. im Vorjahre vor. Z!eranw>ort«ch für Politik: Erich Auttner, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes: Mfrcd Scholz, Neukblln: für Inserate: Th, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanftalt Paul Singer& Co,, Berlin SW. Hlerz» 1 Betlage und UntcrSalttMgsblatt. Hirsbtaou: Max Reinhardt. Oeuteohes T ueater. 7 Uhr: Faust I. Mittwoch: Dantons Tod. Kammerspiele. 8 Uhr: Fasching. Mittwoch: Das Konzert. Volksbühne. Theater am Bülowplatz. Unteraxindb. Schönh. Tor. Tlt'. Ifumpen geslndel. Mittwoch: Hedda Gabler. Dir. C. Meinhard— R. Bemauer. Theater i. KDniggrätzerstr. 7"/4 Uhr; Erdgeist. Komödienhaus 7'/, Uhr: Die beiden Seehunde. BerlinerTheater 7l/,U.:I>le tolle KomteB. Der erfolgreiche Eröttnungs-Spielplan Dazu: 9 Uhr abends Pantomime in 12 Bildern von Karl Vollmocller Bahnhof Friedrichotraße. Anfang 8 Uhr. Letzte Saison In Berlin. Wiederboleng des nenen Zirkfls-Sport-Programins. Besond. hervorzuheben: 8 Personen Reitertruppe 8. Exotischer Dressur-Akt t Elefant, 2 Kamele, 1 Pferd, vorgef, von Frl. Nadchura. 3 Philipps Leiter-Kopf-Baiance. Zum Schluß; Schnitzeljagd Theater für Dienstags 18. September. Deutsches Opernhans 7 uhr: Nanon. Frledricb-Wilbelmst Theater Das DreiniätlerlhaDS. Kleines Theater V/. Mrr: Ugei' Wpel. Komische Oper loö v. Lustspielhaus TT,. Die blonden Müdels T/.unr. YOm Ljmtenhof. Neues Operettenhaus Sohifibd. 4a. Kassent. Nd. 281 TVJhrtDerSoldatilerMarie. Metropol-Theater 7'/jUhr: Die Czanlasfürstin. Residenz-Theater Die Warschauer Zitadelle Schiller-Theater O z'Äie: Gespenster. Schiller Th. Oharl. TVjUhr: 31106™ Mr. Thalia-Theater Z1* Uhr -u: Egon und seine Tranen. Theater am Nollendorfplafz Tft. ühr: Die Gulaschkanone. Theater des Westens Tv.mtr: Der verliebte Herzog mit Guido Thielscher. NAT10NÄL-THE&TER s/48 Der große Schlager'/.8 im ist die Cieoe...! Operetlenpoffe in 3 Akten. Mufik von Walter Bramme, 1. Bild: Baron Fliegenleims Pleite. 2. Bild: Rennb, Karlsh, 3. Bild: Gerichtssaal i. Kiekemal, Trianon-Theater a. Bhf. Friedrichstr. Tel. Zt. 4927 Anf.°/.8 Der Anf.»/.S reizende Adrian Sonntag nachm. 31/. Uhr bei ermäßigten Preisen: Johannisfeuer von Sudermann. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich'US Uhr: Wirklicher Humor I Gr. Erfolg I Die Schlagerposse mutzte! orher der neue bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Gaste, die Perle, Admirals-Palast. Die Kovltttt Abrakadabra Großes phantastisches Ballett auf dem Eise. 7'!, U. Vorziigl. Küche. URANIA 8 Uhr: Dr. B. Pohle: Apollo FrledrichstraBe anj der Kochstr. j Allabendlich 71/, Uhr: I Fregolia, Paul Beckers und das g rolle September-Programm. I | Kasse ab 10 Uhr geöffnet.[ Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich: Die gimRielBleltet. Posse mit Gelang in 4 Akten von Mannstädt. Kasseneröffn. 6'/,, Ansang 7ll, N. Berliner Konzerthaus Mauerstr. 82. Hente: Zimmerstr. 90/91. Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang 7 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7 Uhr. An allen Wochentagen IVarlimittags-Konzert bei freiem Eintritt und voller Orchesterbesetzung. BelchshaUen-ThBateF Stettiner Sänger. Anfang 71/. Uhr. Jed. Sonntag nachmittag 3 Uhr Vorstellung z. ermäßigten Preisen! Logen 1 M., Parkett 75 Pf. Eintritt 39 Pf. Billetts schon heute! Täglich 7»/, Uhr, Sonntags 31/, u. 71/, Uhr: Das große Schlager-Eröffnungs- Programm. öü] äs. Uü „Die 3 Pierrols." Rose-Theater. 7'/. Uhr: Der Weiherfemd. Walhalla-Theater. 7«/, Uhr: Zigeuner. Tägl. Vj,. Sonnt. 3'/, u. 71/, Willielm Hartstein in dem Soldatenschwank: Der Stolz derUompagnie Fern.; Senta Sönoland Haxstadt nnd das übr. Programm. „Fredy" Zigaretten 1000 B(3 Pf.).. 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Das beweisen unzählige Briefe, die aus dem Felde und von daheim an uns gerichtet wurden, das beweist die ständig steigende Auslage unseres Blattes. Der Kampf, den wir führen, fordert aber immer st ä r k e r e Waffen, die nur gewonnen werden können durch die Unterstützung breitester Volkskreise. Die Werbearbeit für den„Vorwärts darf nicht erlahmen, sie muß vielmehr gerade jetzt aufs stärkste einsetzen, wo so viele Zeitungsleser sich fragen, welches Blatt sie vom 1. Oktober ab halten sollen. Die Aufklärungsarbeit unserer Freunde darf nicht in die letzten Tage des Monats verlegt werden, sie muß. um wirklich wirksam zu sein, jetzt schon mit aller Macht aufgenommen werden. Gemächliches Treibenlassen ist heute mehr denn je ein Unrecht an der Volksgesamtheit. Jeder Leser des„Vorwärts� sei ein Kämpfer für die SachS der Demokratie und des Sozialismus, ein unermüdlicher Werber für sein Blatt! Der Verbandsausschuß Groß-Berlin, der Montag vormittag 10 llbr im Berliner Rathaus zu einer Sitzung zusammentrat, erteilte dem Bau und Bettieb der neuen Straßen- bahnverbindung Jungfernheide- Siemensstadt— Spandau, die von der Spandauer städtischen Straßenbahn im Anschlußbetrieb mit der Großen Berliner Straßenbahn durchgeführt werden soll, seine Zustimmung. Mit dem Bau der erforderlichen Anlagen, insbesondere einer neuen Endhaltestelle in der Nähe des Bahnhofs Jungfern- beide, ist bereits begonnen worden. Ferner wurde außer wichtigen Bauordnungen eine Reihe von Bebauungsplänen verabschiedet. darunter der Generalbebauungsplan für Friedrichshagen, durch den das Gartenstadtgepräge dieses Vorortes dauernd festgelegt werden soll. Während im inneren Ortsteil das dreigeschossige Miethaus in geschlossener Randbebauung unter Fortfall aller Hinterwohnungen und mit sehr tiefen Hausgärten vorherrscht, soll auf dem neu zu- erschließenden Außenland das Kleinhaus mit Hausgarten gepflegt werden. Der dem Verbandsausschuß ferner vorgelegte General- bebauungSplan von Woltersdorf bei Erkner weist in Verkehrs- technischer und künstlerischer Hinsicht eine Reihe von Mängeln auf; er konnte daher nur bedingungsweise verabschiedet werden. Regelung des Verkehrs mit Papier, Karton und Pappe. Der Verkehr mit Papier, Karton und Pappe wird jetzt nach einem Beschluß des Bundesrats ebenfalls geregelt. Der Reichs- kanzler ist ermächtigt. Erhebungen über die Vorräte, die Lieferung, den Bezug und den Verbrauch von diesen Dingen jeder Art anzu- ordnen. Er kann serner vorschreiben, daß über Lieferung, Bezug und Verbrauch Buch zu führen und Anzeige an eine von ihm zu bestimmende Stelle zu erstatten ist. Er ist ermächtigt, Anordnungen über Herstellung. Lieferung. Bezug und Verbrauch zu treffen. Zur Deckung der entstehenden Verwaltungskosten können den Beteiligten Beiträge auferlegt werden. Der Reichskanzler kann anordnen, daß Zuwiderhandlungen gegen die zu erlassenden Bestimmungen mit Gefängnis bis zu sechs Monaten und mit Geldsttafe bis zu zehn- tausend Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft werden sowie daß daneben auf Einziehung der Gegenstände erkannt werden kann, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied, ob sie dem Täter gehören oder nicht._ Milchkutscher als Kriegswucherer. Dem Kriegswucheramt wurde bekannt, daß viele Berliner Milch- kutscher durch schlechtes Zumessen täglich größere Milchmengen erübrigen und diese dann zu Wucherpreisen ohne Milchkarten an das Publikum abgeben. Nach längerer Beobachtung ist es gelungen, den Milchkutscher Walter R e i m a n n, Berlin, Waldstr. 50, der einen Wagen der Bolle-Aktiengesellschaft fährt, der Untreue und des Wuchers zu überführen. Er verkaufte Vollmilch ohne Milchkarten mit 1,30 M. das Liter und auch Magermilch ohne Milchkarten unter Ueberschreitung der Höchstpreise an Personen, die nicht in der Kundenliste ausgeführt waren. Für seinen eigenen Gebrauch entnahm er täglich 2 Liter, für seine Schwester täglich 1'/, Liter, für seine Mitfahrerm täglich 2 Liter. Als Beamte des Kriegs- wucheramtes ihn festnahmen, fehlten bei semer Abrechnung 31 Milch- karten. Reimann wurde in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Weitere Verhaftungen von Milchkutschern stehen bevor. Das Publikum wird gut tun, auf betrügerische Milchkutscher zu achten. Die Milchkutscher erhalten so viel Milch zugeteilt, daß auch nach Abzug des beim Ausmessen entstehenden Verlustes auf jeden m der Kundenliste eingetragenen Bezugsberechtigten das volle Maß entfällt. Berliner Lebensmittel. Der Magistrat Berlin eröffnet durch eine heute veröffentlichte Bekanntmachung den Berliner Einwohnern die Möglichkeit, ihre Kartoffelration der nächsten Woche von 7 Pfund schon in dieser Woche nach Maßgabe der bei ihrem Kleinhändler vorhandenen Vorräte ein- zukaufen, jedoch soll der Kleinhändler erst dann berechtigt sein, die Nation für die kommende Woche abzugeben, wenn er seine sich bei ihm meldenden Kunden für die laufende Woche versorgt hat. Der Magistrat empfiehlt auch, von dieser Möglichkeit der Voraus- eindeckung nach Kräften Gebrauch zu machen, da in dieser Woche die Zufuhren recht reichlich sind, während in den nächsten Wochen voraussichtlich mit dem Beginn der vollen Kartoffelernte auf dem Lande ein Nachlassen der Zufuhren Hand in Hand zu gehen pflegt und überdies in den folgenden Wochen die Transportmöglichkeiten in Berlin, soweit dies angängig erscheint, für die Bergung der Wintervorräte herangezogen werden sollen. Die Ankunft der Berliner Kinder aus Siebenbürgen erfolgt am Donnerstag, den 20. September, nachmittags 1 Uhr 30 Min. auf dem Schlesischen Bahnhof. Die Eltern werden von den Schulbehörden nicht mehr besonders benachrichtigt. Angehörige dürfen den Bahnsteig nicht betreten, um den Verkehr nicht zu stören, sondern müssen die Kinder vor dem Bahnhof an den Militärbaracken erwarten. Die Deutsche Gasglühlicht Aktiengesellschaft fAuergrsellschafts zu Berlin hat unter dem Namen.Krie�sfürsorgestiftung der Deutschen Gasglühlicht Aktiengesellschaft sAuergesellschaflj zu Berlin" eine Stiftung mit einem Stiftungskapital von 1 Million Mark errichtet, die den Zweck hat. durch den Krieg unterstützungsbedürftig gewordene, im Gewerbeaussichtsbezirk Berlin-Ost tälige gewerbliche oder kauf- männische Angestellte und deren Hinterbliebene zu unterstützen. Dem Stiftungsvorstand gehören außer dem Direktor Romano von der Auergesellschaft, der den Borfitz führt, dem Pastor und dem Ge- werbeausfichtsbeamten de« Bezirk» und zwei Angestellten der Ge- sellschaft satzungsgemäß als Vertreter deS Magistrats Stadtrat Maas und Stadtmedizinalrat Geheunrat Dr. Weber au. Unter- stützungSgesuche sind an Direktor Romanä, Berlin 0 17 (Auergesellschastj zu richten, auch Stadtrat Maas und Stadtmedizinab rat Dr. Weber find zur Entgegennahme von Unterstützungsgesuchen bereit. Eine Pilz-AuSstellnng findet im Königlichen Botani» schen Museum, Bcrlin-Dahlem, Königin-Luise-Str. 6/8, vom Mittwoch, 19., bis einschließlich Sonntag, 23. September, täglich von 10— ö Uhr statt. Eintritt unentgeltlich. Erläuternde Vorträge hält Dr. Ulbrich Mittwoch v Uhr, Donnerstag und Frei tag 12 Uhr, Sonnabend S Uhr. Turnverein„Fichte" Berlin. DaS Abturnen hatte folgende Resultate: Männer: Kugelstoßen Fahle 6. Abt. 12.55 Meter, Voigt 2. Abt. 12.00 Meter. Weilspringen Jupe 14. Abt. 5,70 Meter, Grell 6. Abt. 5,60 Meter. Stabhochspringen Fahle 2,80 Meter, Jupe 2,70 Meter.— Diskuswerfen Fahle 26,65 Meter. Bortz 7. Abt. 25,90 Meter, Stahe 16. Abt. 25,90 Meter.— 100-Meter-Lauf Fahle, Jupe, Noack 7. Abt. je 12,1 Sek. 1000- Meter- Lauf Kohl 10. Abt. 3 Min. 13,4 Sek„ Müller 8. Abt. 2 Meter zurück. — Jugendliche, 16— 18 Jahre: Kugelstoßen, Zeuse 2. Abt. Leuthold 4. Abt. 9,80 Meter. Weitspringen Bittroff 3. Abt. 4,80 Meter, Henneberg 9. Abt. 4,70 Meter. Hoch sprung Zeuse, Bittroff, Leuthold, Dormer 6. Abt. je 1,35 Meter. — Speerwerfen Henneberg 33 Meter, Bolz 3. Abt. 34 Meter.— 100-Meter-Laufen Btttroff, Bolz 12,4 Sek.— Jugendliche, 14—16 Jahre: Kugelstoßen Wriedt 2. Schaebethal 4, Dumke 9. Abt. 8,45 Meter.— Weitspringen Schaebethal, Dumke 4.50 Meter. — Hochsprung Schaebethal 1,30 Meter, Frttsche 1. Abt. 1,25 Meter.— Speerwerfen Schaebethal 32,00 Meter, Fcitsche 31 Meter.— 100-Meter-Lailfen Schaebethal 13,4 Sek.— Stafettenläufe für Jugendliche von 14— 18 Jahren: 4X100 Meter 3. Abt. 55,5 Sek., 2. und 9. Abt. dichtauf. Bezirksstafette 10X100 Meter Süd-Ost 2 Min. 23,2 Sek.. Norden 2 Min. 25 Sek.- 1000-Meter-Lauf Wolgast 2. Abt. 3 Min. 11 Sek., Stoltenburg 6. Abt. 3 Min. 18 Sek. ZirkuS Busch hat die neue Spielzeit mit einem Programm er- öffnet, das ein volles Haus machen wird. In der Reibe der zirkuS- üblichen Darbietungen, der Pferdedressuren, Akrobatenkunststücke und Spaßmacherzutaten(.Spaßmacher" nennt man jetzt, was man früher.Clown' hieß), fallen einige auserlesene Nummern auf. Sensation erregt Assad der.Dünnemacher', der seinen geschmei- digen Körper durch enge Oeffnungen zwängt und nebenbei die er- stauuliche Kraft seines Gebisses zeigt. Ein Terzett anmutiger Seil' künstlerinnen, die.drei Medis", arbeitet auf dem DrahP seil mit bewundernswürdiger Sicherheit; der Barfußtanz auf dem Drahtseil riß am Eröffnungsabend die Zuschauer zu stürmischem Beifall hin. Vier Mitglieder der Familie Blumenfeld sind mit vortrefflichen Pferde- und Hunde> dressuren vertreten. Auch Halsgefährliches gibt es zu sehen; Equilibrisien und Akrobaten wetteifern miteinander auf diesem Gebiet, Geschwister Ballot, Jean und Emmy Reinsch, De Wyne und Jerome. Die lustigen Scherenschleifer.drei Borkums' amüsieren durch musikalische Genüsse. Den zweiten Teil des Abends füllt die Pantomime.Die drei Pierrots', ein heiteres Spiel, das durch Farbenpracht der Gruppen und Balletts fesselt. Eine zeitgemäße Beigabe war der.Hamsterzug'. Was eines Hamsters Herz begehrt, führt er vorüber: ein zur heimlichen Schlachtung bestimmtes Schwein, .hintenherum erworbene Lebensmittel", durch ihren Preis berechtigte .Auslandsware', ohne Bezugschein gekaufte Kleidung usw. Der Galgenhumor machte die Zuschauer lachen. Unfall im Treptower Sprretunnel. Im Treptower Spreetunnel hat sich gestern vormittag ein Unfall ereignet, der zu übertriebenen Gerüchten Veranlassung gab. Als ein Wagen der Berliner Ost- bahnen in den Tunnel eingefahren war, fiel plötzlich von der Tunneldecke ein Isolator herab, wodurch das Licht ausgeschaltet wurde. Unter den Fahrgästen entstand eine Panik, es gelang aber den Beamten bald, die Leute zu beruhigen und sie aus dem Wagen heraus nach der Stralauer Seite zu führen. Auf Meldung von dem Unfall wurde der nächstfolgende Wagen angewiesen, den stecken« gebliebenen Wagen aus dem Tunnel hinauszuschieben. In der herrschenden Dunkelheit stieß nun der Rettungswagen gegen den defekten, so daß einige Scheiben zersprangen. Dabei erlitten Fahr- gäste leichte Verletzungen, brauchten jedoch ärztliche Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen. Die Störungsursache wurde bald beseitigt und der Betrieb wieder aufgenommen. Mutter und Kind durch Gas vergiftet. Die im Hause Cöpe- nicker Straße 190 wohnende 26jährige Therese D. war vor zehn Tagen von einem Kinde entbunden worden und lag krank zu Bett. Als Verwandte die Wöchnerin Sonntag abend besuchten, fanden sie die Stube vollständig mit Gas angefüllt und Mutter und Kind leb- los rm Bette liegend vor. Der hinzugerusene Arzt stellte Wiedev belebungsversuche an. die aber leider erfolglos blieben. Wie sich herausgestellt hat, war die Gasleitung undicht geworden. Charlotteudurg. Lebensmittel. In dieser Woche werden auf die 10 Abschnitte der Kartoffelkarte 6 Pfund und auf Abschnitt 137 der Lebensmittelkarte noch 2 Pfund Kartoffeln abgegeben. Auf Abschnitt 23 der Nährmiltelzusatzkarte für Jugendliche werden 125 Gramm Weizengrieß zum Pfundpreise von 28 Pf. ausgegeben. Die Entnahme kann in dem Kolonialwarengeschäft erfolgen, in dem der Haushalt der Jugendlichen in die Kundenliste für Grieß, Graupen usw. eingetragen ist. Vom Donnerstag bis Sonnabend findet eine allgemeine Verteilung von Weizengrieß und Suppen statt. ES werden verabfolgt: 100 Gramm Weizengrieß auf Abschnitt 135 der roten Nahrungsmittelkarte und 100 Gramm Suppen, lose, zum Preise von 13 Pf. oder 2 Würfel bzw. Beutel a 10 oder 15 Pf. auf Ab- schnitt 136._ Neukölln. Lebensmittel. Die Gültigkeit des Eierabschnittes 32 ist bis Sonntag verlängert worden. Auf Abschnitt T der Neuköllner Hanshaltungskarten werden in den städtischen Berkaufsstellen an die Inhaber der Haushaltungskarten(für 1 und 2 Personen) 1 Päckchen Puddingpulver oder 50 Gramm loses Puddingpulver, an die In- haber der Haushaltungen mit 3 und mehr Personen 2 Päckchen Puddingpulver oder 100 Gramm loseS Puddingpulver abgegeben. Der Verkauf erfolgt für 1 Person mit den Anfangsbuchstaben A— L heute, M— Z morgen, für 2 Personen A— H am Donnerstag, F— R am Freitag, S— Z am Sonnabend, für 3 Personen mit den An- fangsbuchstaben A— H uächsten Montag, I— M Dienstag, den 25., N— Z Mittwoch, den 26., für 4 Personen mit den Anfangsbuchstaben A— L Donnerstag, den 27. M— Z Freitag, den 28., für 5 Personen Sonnabend, den 29., für 6 und mehr Personen Montag, den 1. Ok- tober. Der Verkaufspreis beträgt. für ein Päckchen Puddingpulver oder 50 Gramm lose Ware 14 Pf. Lichtenberg. Lebensmittel. In der laufenden Woche werden auf die 10 Abschnitte der Kartoffelkarte 7 Pfund Kartoffeln ver- ausgabt. Ferner an die Einwohner, die in Lichlenberger Geschäften in die Butterkundenliste eingetragen sind, 125 Gramm Käse für 0,65 M. auf Speisesetlkarte ohne die Abtrennung eines Abschnittes. Auf Abschnitt 103 125 Gramm Haferfabrikate zum Preise von 0,11 M.. gegen Vorzeigung der Lebensmittelkarten, soweit noch nicht abgeholt, für jede Haushaltung 1 Kastenkuchen, 1,35 M. Gegen Vorlegung der Lebensmittelkarten wird Südfruchtmarmelade bis zu 2 Pfd., a 0,90 M., verteilt. In den städtischen Fischhallen werden abgegeben: Auf Abschnitt 104 A Sardinen in Brühe Dose 1,15 M. Frische Fluß- und Seefische bis zu Vo Pfund. Abschnitt 107 K Rollmops bis zu Vr Pfund. Abschnitt 108 P Bornholmer Heringe bis zu V* Pfund. Ohne Marken: Heringe in Gelee, Dose 1,75 M„ eingemachte Gurken, Stück 0,15—0,20 M. Der Verkauf der Gurken wird voraussichtlich nicht allein in den städtischen Fischhallen, sondern in allen Räucherwarengeschäften erfolgen können. Hroß-Serllner parteknachrichten. Tempelhof. Morgen, abends 8>/z Uhr, im Lokal von Pfeiffer. Dorfftraße, Ecke Berliner Straße: Mitgliederversammlung. Genosse LandtagSabg. Konrad H a e n i s ch spricht über:.Das neue Deutschland.' Außer den Parteigenossen sind auch die .Vorwärts'-Leser eingeladen. FriedrichShage«. Heute abend 8 Uhr findet bei Lerche, Friedrich- straße 112, eine Versammlung statt, die sich mit der GaS- und Kohlenversorgung beschäfttgt. Ref.: Stadtv. Adolf Ritter. Gerichtszeitung. Die Weißenscer Bank vor Gericht. Werdegang und Zusammenbruch der Weiße nseer Bank sollen in einem umfangreichen Strafprozeß verhandelt werden, der. gestern vor der zu diesem Zweck gebildeten Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirekwrs Dr. W e x seinen Anfang nahm. Die Anklage richtet sich gegen folgende 9 Personen, die sämtlich ans Weitzensee sind: 1. Kaufmann Walter Kiesel, der aus der Haft vorgeführt wurde; 2. Bücherrevisor Walter F ri ck; 3. Kaufmann Hermann Henkel; 4. Bauunternehmer Eduard Ulrich: 5. Rechtsanwalt und Notar Josef Appelrath; 6. Kauf- mann Max S t e i n k e; 7. Tischlermeister Karl B a sch i n; 8. Ge- meindeobersekretär Max Mchlhose und 9. Telegraphensekvetär a. D. Karl Mewes. Die Anklage wird durch die Staatsanwälte G o l l n i ck und Horn vertreten, acht Rechtsanwälte haben die Perteidigung der Angeklagten übernommen. Als Sachverständige sind geladen der Anwalt des allgemeinen deutschen Genossenschafts- Verbandes Prof. Dr. C r ü g e r, der Verbandsrevisor Sörrensen, Bankdirektor P l o n z, Bücherrevisor Schade und Gutsbesitzer Fuhrmann aus Eberswalde. Durch den Eröffnungsbeschluß werden die ersten sieben Angeklagten beschuldigt, als Mitglieder des Vorstandes oder des Auffichtsrats absichtlich zum Nachteil der Weißenseer Bank, Eingetr. Genossenschaft gehandelt zu haben, indem sie statutenwidrig Kredit gewährten, teilweise auch mit Mitteln der Bank spekulierten. Ferner sollen sie in ihren Darstellungen und Uebersichten über den Vermögensstand der Genossenschaft und in den in der Generalversammlung gehaltenen Vorträgen über den Stand der Verhältnisse der Genossenschast wissentlich unwahre Dar- stellungen gemacht haben. Letzteres wird auch dem Angeklagten Mewes in seiner Eigenschaft als Mitglied des Aufsichtsrats borge- warfen. Ein Teil der Angeklagten wird ferner beschuldigt, als Vor- standsmitglieder der Genossenschaft den Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens unterlassen zu haben. Den Angeklagten Kiesel, Henkel und Appelrath wird außerdem in einem Falle Betrug, den Angeklagten Kiesel und Henkel Untreue und schließ- lich noch dem Angeklagten Kiesel Perfälschung eines Depositen- buches und Betrug vorgeworfen. Die Sachverstandigen Prof. Dr. Erüger und Vetbandsrevisor Sörrensen find nicht erschienen; ersterer hat rechtliche Gründe gegen seine Vernehmung als©ach- verständiger geltend gemacht, letzterer befindet sich auf einer unauf- schiebbaren Revisionsreise. Der Gerichtshof beschloß, die Ablehnung des Prof. Dr. Crüger als begründet anzusehen und als Sachver- ständigen den Berbandsdirektor W e i l zu laden. Die Zahl der geladenen Zeugen beträgt 63. Da eS sich um außerordentlich ver- wickelte Geschäfte handelt, die im einzelnen durchzusprechen find, wird mit einer Verhandln ngsdau er von etwa zwei Monaten gerechnet., Vor Eintritt in die materielle VethandluTtg beantragte Rechtsanwalt Dr. Alexander, den Angeklagten Kiesel auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Das Gericht hielt eine Unter- suchung nicht für erforderlich, da sich aus der Verhandlung selbst ergeben wird, ob der Angeklagte Perhandlungsfähig ist. Dagegen entsprach das Gericht einem weiteren Antrage des Verteidigers durch Aufhebung des Haftbefehls. Die Weißenseer Bank, die vor 17 Jahren alS Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung begründet worden war, wurde im Jahre 1912 in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt. Die Leiter haben sich nach und nach in die gewccgtesten Geschäfte und Spekulationen eingelassen und die Bank damit langsam dem Ruin entgegengeführt. Am 10. November 1913 mußte die Bank ihre Kasse schließen und am 12. Januar 1914 ist das Konkursverfahren eröffnet worden, wobei sich eine riesige Schuldenlast ergab. Bei dem Zusammenbruch haben zahlreiche kleine Leute ihr Vermögen ein- gebüßt. Der Angeklagte Kiesel war 1905 in die Weißenseer Bank als Vorstandsmitglied eingetreten. Außer ihm bestand der Vorstand noch aus den Angeklagten Ulrich und Frick. Letzterer schied 1911 aus und für ihn trat Henkel ein. Kiesel und Ulrich stbieden im Juli 1913 aus, an ihre Stelle wurden die Angeklagten Mewes und Mehlhose gewählt. Aus den vorläufigen Befragungen der An-. geklagten zu ihrer Person und ihrem Lebenslauf ergibt sich u. a„ daß der Angeklagte Ulrich, der früher Maurer, dann Bauunter- nehmer und Auffichtsratsmitglied der Bank war, behauptet, 100 000 Mark an der Bank verloren zu haben. Rechtsanwalt A p pel- ra t h war VA Jahr« Aufsichtsratsmitglied und dann Vorsitzender des Aufsichtsrats, bis 1913 der Ruin kam. Er hat sich moralisch für verpflichtet gehalten, zu retten, was noch zu retten, und auch mit Sanierungsversuchen sich beschäftigt. Er hat schließlich sein Amt niedergelegt. Der Angeklagte S t e i n k e hat nur Dorfschulcnbildung mußte sich in der Jugend schon frühzeitig selbst nähren, teilweise als einfacher Landarbeiter, ist. dann in verschiedenen Stellungen in den kaufmännischen Beruf hineingekommen und hat sich in Weißensee selbständig gemacht. Er wurde im Jahre 1906 Genosse, und 1907 in den Auffichtsrat gewählt, welchen Posten er bis Juli 1913 bekleidete.• Auch er will erhebliche Gelder an der Bank verloren haben. Der Tischlermeister B a s ch i n wurde, nachdem er längere Zeit Genosse war, 1908 Vorsitzender des Aufsichtsrats. Ihm ist über die ungebener großen Kredite, welche diese Handwerkerbank gewährte, angst und bange geworden. Er ist deshalb zum Prof. Dr. Crüger gelaufen und hat ihm die Sachlage mit der Bitte vorgc- tragen, sein sachverständiges Urteil gbzugeben. Dieses ging dahin. daß der Verband nicht lebensfähig sei. Ueber diese Ratsholung beim Prof. Dr. Crüger ist es in einer Generalversammlung zu außer- ordentlich stürmischen Szenen gekommen, die den Angeklagten Baschin veranlaßten, aus dem Aufsichtsrat auszuscheiden. Der An- geklagte M e h l h o s e ist seinerzeit aus seinem Gemeindeamt beur- laubt worden, ist aber nach Eintritt der Katastrophe wieder in den Gemeindedienst zurückgekehrt. Ueber die vorläufigen Persönlichen Vernehmungen der Angeklagten kam die gestrige Verhandlung nickt hinaus. Der Gericht?- Hof beschloß noch, an Stelle des Direktors Weil einen anderen Herrn aus der Dresdener Bank als Sachverständigen zu laden. Sriefkasten üer Reüaktion. Punkt Sieben. Ein Recht aus Beförderung haben Sie nicht. Damit erledigen sich auch die übrigen Fragen.— K. 196. Sie sind zur Zahlung der sogenannten SechSwochenkoitcn vervsiichtet.— A. 24. 1. An Ihrem festen Wohnsitz. 2. Je zur Hälfte an beiden Orlen. 3. Um 3 Sinsen. 4. Bei der Veranlogungsstelle. 5. Nein.— G. G. 26. Wenden Sie sich mit einem dringenden Gesuch nochmals au da» Unterstützungsbureau.— Oencransilrbten fflr da? mittlere Slorddentlebland bt« Mittwoch mittag. Mäßig warm und zeitweise heiter, jedoch vorwiegend wolkig, im Norden an vielen Orten leichte Regcnsälle, strichweise Ge- witter. SkWer MMSM-MMil. Verwaltungsstelle Berlin. ZI 51, Linienstraste 83- (Aeschästszeit von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1S39, 1987, 9714. 85» DounerStag, den SO, September, abends 8 Uhr: Branchen» Versammlung der MSiüemldeiker md Mellerlmeii im Rosenthaler Hof. Roscnthaler Str. ll/IS tgroster Saal). Tagesordnung: 182/2 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Berliner Maschinen- ardeiter und Arbeiterinnen. 2. Diskussion. 3. Branchen- angelegcnheiten und Verschiedenes. gu dieser Versammlung sind alle in der Metallindustrie de- ichästigten Hobler, Bohrer, Stoftcr, Fräser, Stanzer, Schnittarbeiter sowie alle an Maschinen beschäftigte» Arbeiterinnen eingeladen. DM" Die Wichtigkeit der TageSordnimg verlangt voll- zähliges Erscheinen."gBQ Mitgliedsbuch legitimiert. Die Orts Verwaltung. Achtung! Achtung! Die Branchenkonferenz der Schraubendreher findet nicht am 20. 9. 17, sondern 27. 9. 17 statt. D. O. Spezial-Arzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr. 90 Behandl. von Syphilis, Haut-, Harn-, Frauenleiden, jpez. chron. Fälle. Ehrlich-Hata-itu- ren, schmerzlose, kürzeste Bc- bandlung ohne Berussslörung. Blutuntersuchung. Mäh. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5—8. Gönnt. 11— 1. Special-Arzt Dr. med. Haedicke Harn-, Haut-, Geschlechtsld., Syphil.(Behandlungad.ld T.). Blutunters. Ehrlich- Hata- (Salvar3an-)K.Mod.,3chmerz- ioseBehnndl.o.Barufstörung. - Mäßige Preise.Teilzahlung- FrieiiPichst.l8]-188aaMohrenst Mehr GeM! Die Ztorddentsche Gemüse- bau-Genossenschnft(Geschösts- stelle Leriin Vi IS, Pariser SlraSe 18 a) vergrößert ihre Pflanzungen aus das Doppelte und nimmt jetzt wettere Mit- glieder mit Anteilen von 100 Mark bis zu 2000 Mark als stille Teilnehmer aus. Kriegs- anleihe wird zum vollen Nenn- wert in Zahlung genommen. Jedes Mitglied erhält Gemüse für den eigenen Bedarf. Da? übrige wird an die Reichs- gemüsestelle verkauft. Der Rein- gewinn dient zur Verzinsung der Einlagen und wird als Dividende an die Mitglieder verteilt. 82/5» Nähere» durch den Borstand. 11- (Untergrdb.) 1, 3— 7, Sonntags 11— 1. Trauer- Magaz gegründet 1896 Brunnenstr. 56/57. Große Auswahl in schwarzer Konfektion. Aus Wunsch Maßanfertigung in 8 Stunden. Aenderungen sofort und gratis. Auswahlscndgn. bereitwilligst. Pernsp. Amt Norden 8540. 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Fachschulen für schulpflichtige Lehrlinge, Auguststr. 21, Sophienstr. 18, Sebastianstr. 26, Inselstr. 2/5, Elisabethstr. 56/57, Gartenstr. 25, Steglitzer Str. 8a. Der Besuch befreit vom Besuch der städtischen Pflichtschule. Außer den kaufmänn. Fächern auch Englisch u. Französisch in 8 Wochenstunden. Vor- u. Nachmittag-Unterricht. f) Fachklasse für Lehrlinge des Versicherungsgewerbes, Dorotheenstr. 12. g) Kaufmänn. Abendschulen für junge Kaufleute, Klosterstraße 74, Sebastianstr! 26, Inselstr. 2/5. Sämtliche kaufmänn. Fächer und Sprachen, abends 7-10 Uhr. h) Geschloss. höh Handelskurse f. j. Kaufleute mit d. Berechtigung z. einj. Dienst, Klosterstr. 74. Ausbildung in sämtlichen kaufmänn. Fächern sowie Englisch und Französisch, abends 8— 10 Uhr. Nach Absolvierung Abschlußzeugnisse. Beginn sämtl. Kurse am 10. Oktober. Auskunft täglich im Bureau der kaufmänn. Schulen, Burg- straBe 25 II, voa 9— 3 Uhr, sowie in den Schulen selber. Der Direktor Dr. Kniirk. Hähnem. echt. 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Ziegchr, Wilmersdorf, Hol- steinischestraße 8, I. 14K* Junge Mädchen für leichte Klcbearbeit werden verlangt, Allgemeine Waren- Vertriebs- Gesellschaft, Charlottenburg, Werner-Siemens-Ztraße 20/21. ___[15K* Arbeiterinnen aus leicht zu erlernende Maschinenarbeit ver- langt Reinhardt, Schützen- straße 60/62�___*2936 Mamsells auf Scidenmäntel verlangt Dien, Köpemcker- straße 171, Ecke Eisenbahnstraße. _[*4426 Laufmädchen sofort gesucht. Goldladen, Leipzigerstraße 108. 15K Näherin für Orden gesucht. Leipzigerstraße 108. 15« Fräulein oder Frau, die man zum Verkauf anlernen kann, werden gesucht, Sedlanek, Uhren, Juwelen, Orden, Leip- zigerstraße 108. 15K Zeitungsausträgerinnen wer- den sofort eingestellt»Vor- märts"°Spedition, Markus- straße 36.* Zeitungsträgerin sofort ver- langt Spedition Lichtenberg, Warlenbergstraße 1, Laden.* Zcitunßsaustrügerin verlangt „Vorwärts*-Spedition Schöne- berg, Meiningerstraße 9.* Botcnsrau verlangt Heßberg, Kaulsdorf, Fcrdinandstr. 17,* Zeitungsausträgerin sofort gesucht. P. Gursch, Reinicken- dorf-Ost, Kamelestraße 12 II. Boteusrau, Tour Tegel und Remickendorf-West, stellt ein Kienast, Borsigwalde, Räusch- straße 10,»Borwärtz*-Spedi- tion.* Botenfrauen verlangt„Vor- Wärts�-Spedition Baerwald- straße 42, Laden. Von 11— 1H und 4!4— 7 Uhr.* Zeitungsansträgerinnen kör- nen sich melden.„Vorwärts*- AuzgabestelleLausitzerPlatzl4/15. Fran zum Zeitungsaustragen verlangt Klein, Grünau, Frie- drichstraße 10.* Botenfrauen verlangt„Vor- Wärts"-Spedition, Wattstr. 9, Laden. Bon 11— IIb und 4!6 bis 7 Uhr.* ZeitungSausträgerin sofort einzustellen. Borwärtsspedition Moabit, Wilhelmshavenerstraße 48, von 11—1)6 und 4)6—7 Uhr.• Frauen zum Zeitungsaus- tragen sucht„VorwärI§".Aus. gabestclle Alt-Boxhagen 56, Laden.* Botenfrau stellt ein„Bor- Wärls"-Spcdition Tempelhos, Ueckermann, Kaiser-Wilhelin- straße 74, Ecke Werderstr. /* Botenfrau, Bezirk Haeseler- straße, wird eingestellt.„Vor- wärts", Charlottenburg, Sesen- Heimerstraße 1.__* Soicnftouen verlangV�sösört Ausgabestelle Greifenhagenerstraße 22..* Zeitungssrau verlangt„Vor- Worts*- Spedition Neukölln, Siegfriedstraße 28/23.* Tüchtige selbständige Monteure»Schweitzer sowie einige Arbeiter insa* verlangt Huchdllck Klnnkenfkldtjlraßt Weiheegmeehel sucht 461b Schraubcnfabrik Beiche, Wusscrtorstraße 9. 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Angebole mit Gehalts- angabe unt.„C. 491* an Büttner s Ann.-Lur„ Rosenthaler Str. 42. tüchtige Unterhaltungsblatt öes vorwärts Die wirtsthastlichen Verhältnisse in St. Petersburg. In seinem Bericht über seine Petersburger Eindrücke schreibt der Berliner Korrespondent des.Nieuwe Rotterdamsckie Couranl'— der mit Erlaubnis der russischen Regierung einige Wochen in der Hauptstadt weilte— über die Lebensverhältnisse: Die Leute auf der Straße sahen noch alle wohlgenährt aus, so daß man den Eindruck erhielt, daß sie trotz der phantastisch hohen Lebensmittelpreise und der Schwierigkeit in deren Beschaffung noch keinen ernsten Mangel litten. Ich habe nicht einen Augenblick, auch nicht während der ernstesten Unruhen, die Auffassung bekommen, daß die Lebensmiltelnöte augenblicklich eine gefährliche politische Rolle spielten. Vorläufig war dies eine Geldfrage, und auf das Geld kommt es gegenwärtig bei den Petersburger Arbeitern nicht an. Praktisch gesprochen, ist alles fünfmal so teuer als in normalen Zeiten. Das trifft sowohl auf Nahrung wie auf Kleidung z�u. Es gibt keine Eßgelegenheit, selbst in den bescheidensten Peters- burger Gaststätten, wo man noch eine Mahlzeit unter 5 Rubel erhalten könnte. Im altbekannten, billigen Leinert zahlte man be- reits 6 Rubel. In guten Lokalen muß man mindestens 10 bis 15 Rubel für eine Mahlzeit auswerfen. Ißt man jedoch nach der Karte, so kommt man noch teurer weg. Eine Portion einfachen Gemüses erhielt ich nicht unter 2 Rubel und in den gewöhnlichsten Lokalen mußte ich für eine Portion Fleisch je nachdem 4—8 Rubel ausgeben. Eines Mittags kam ich zwischen Frühstück und Mittag« tisch ins Hotel, wo man zu bestimmten Stunden ein durchaus nicht teures Gedeck erhielt. Ich bestellte nur eine Kleinigkeit: ein Kalbs- koielett mit Kompott und Kaffee. Die Rechnung betrug 13,75 Rubel. Am letzten Abend meines Petersburger Aufenthaltes hatte ich in einem befferen Lokal zwei Freunde zu Gaste. Wir erhielten eine kleine Vorspeise, ein Hauptgericht und tranken zu dreien eine Floscfie Wein und Kaffee. Die Kosten betrugen außer dem Trinkgeld 85,50 Rubel. Ich konnte zufrieden sein, da ich von andern Lokalen gleicher Art ganz andere Dinge gehört hatte. Man darf auch nicht vergessen, daß Wein ein verbotenes Getränk ist, für das in Petersburg bis zu 20 Rubel die Flasche verlangt wird. Ein Vorteil bei alledem war, daß man nach dem 1. s14.) Juli gewöhnlich kein Trinkgeld mehr bezahlte. Eines Abends gab es keine Bedienung mehr im Hotel. Mein Bett mußte ich selbst machen. Am nächsten Tage ging es ebenso zu. Im Lokal bedienten die Köche mit ihren Lehrlingen. Aber des Abends war der Streik schon zu Ende und die Zimmermädels, Kellner und Hausknechte hielten aufs neue ihren Einzug. Mein Tartar bot mir strahlend vor Freude, daß es zu Ende war, wieder seine Dienste an und hielt mir eine Rede, die fast den ganzen Wortvorrat einer Anzahl europäischer und asiatischer Sprachen anschuitt. Das Personal hatte gestreikt, um eine feste Entlohnung zu be- kommen, damit es nicht mehr von der Freigebigkeit der Gäste ab- hängig sei. Die Chefs hatten es einen Tag darauf ankommen lassen, damit ihre Gäste sähen, was dies bedeute. Dann war das Publikum reif für die neue Einrichtung. Die Wirte erhöhten die Preise um 15—35 Proz. und versprachen ihrem Personal einen Anteil der Rechnung von 15 Proz.; nur das Publikum fuhr nicht gut dabei, es halte aber schon nach wenigen Tagen das angenehme Gefühl, das Trinkgeld einzusparen. Und so waren alle zufrieden. Ich habe noch einmal versucht, ein Trinkgeld zu geben, aber die Kellner waren standhaft und weigerten sich liebenswürdig und ent- schieden, es anzunehmen. Nur in den Luxuslokalen, wo der ver« botene Wein noch eine Rolle spielt, war das Trinkgeld noch ge- bräuchlich. « Die Läden in Petersburg sahen recht ausgeraubt auS. Schuhe waren freilich überhaupt nicht mehr zu bekommen, selbst gegen Preise von hundert Rubel. Auch an Kleidungsstücken war die Auswahl nicht mehr so groß. Nie sah man in den Auslagen eine Preis- angabe. Alle Sorten Delikatesten waren grenzenlos teuer. An Früchten herrschte bereits Ueberfluß, obwohl man dies den Preisen nicht an- merkte. Erdbeeren kosteten im Juli das russische Pfund(412 Gramm) 2 Rubel und mehr; schöne Kirschen 3 Rubel. Das Leben in der eigenen Haushaltung war verhältnismäßig nicht so teuer als im Gasthaus, dafür aber um so vieles schwieri- ger. Wohl konnte man alles bekommen, aber gegen viel Geld und viel Umsicht. Die Fleischpreise waren unterschiedlich. Gutes Kalb- fleisch kostete im Laden mit Knochen 2—3 Rubel, Rindfleisch 1—2 Rubel das russische Pfund. Viele Haushaltungen hatten sich jedoch zu Gesellschaften vereinigt und kauften nur beim Grossisten. Sie ersparten dadurch fast 40—50 Proz. der hinaufgeschraubten Laden- 57] Inders hjarmsteö. Von JakobKnudsen. „Und wahr ist es doch. Aber er hat auch gesagt: Wozu fragen Sie mich danach. Mads Kristensen?— Da habe ich gesagt: Ja, Herr Adjunkt, die Leute haben nämlich ge- munkelt, daß das Zimmer der Wirtschafterin ein bißchen nah an Ihrer Schlafkammer wäre. Aber da hat er geantwortet und gesagt: Nein, Mads Kristensen, da liegt Jungfer Gjatrid nicht, denn die alte Wirtschafterin ist noch nicht abgereist. Aber wenn sie auf und davon ist, so, denke ich wohl, wird Jungfer Gjatrid dahinein ziehen." Diesmal lachte weder Jens Vegger noch der Großknecht. Anders zerschmetterte zwar des Mads Kopf ganz gewiß nicht mit dem Feldstein, der da eine halbe Elle von seiner rechten Hand entfernt lag. Aber hätte Mads gewußt, wie sehr es ein Zufall war,— gleich der Be- wegung der Wagschale infolge eines Windhauchs— daß dies nicht geschah, so hätte er unzweifelhaft seinen Mund ge- halten.— Als die Arbeit wieder begann, hatte Anders in seinen Armmuskeln ein Gefühl, wie wenn er eine sehr schwere Last gehoben hätte.—— Vielleicht war Eifersucht mit in seinem Zorn, aber jeden- falls war ihm das ganz unbewußt. Dagegen richtete sich seine Erbitterung mit erneuter Stärke gegen Gjatrids Eltern und den Adjunkten, und zwar trotzdem er wußte, daß all' das Gravierende in des Mads Aeußerungen Lüge war.— Dies war ein Mittwoch,— der 24. April. Am Donnerstag geschah es noch mehrere Male, daß Mads Horsens wieder von Gjatrid Faurholt zu reden begann. Aber er hörte sehr schnell auf. Er war doch wohl darüber erschrocken, wie er am Tag vorher des Anders Aufruhr gesehen hatte. Am Freitagnachmittag kamen Adjunkt Fischer und der Gefangenwärter Nielsen auf den Bjerrehof gefahren. Der Adjunkt hat seine Jagdflinte mit. Anders war auf dem Feld, es wurde jedoch sofort nach ihm geschickt. Der Alte ging im Hof umher. Er bat die Fremden nicht, ins Haus zu kommen. Sie blieben auf dem Wagen sitzen.— Als es etwas lange dauerte, bis Anders kam, konnte er doch zuletzt seine Ungeduld nicht bezähmen, sondern trat an das Fuhrwerk heran, legte seine Hand auf das Kreuz des einen Pferdes und sagte:„Mit Verlaub zu fragen, in preise. Das frühere Regierungssystem hatte diesen Vereinigungen entgegengearbeitet und darum fehlte den Leuten die Erfahrung. So hatten sie in primitivster Weise begonnen, indem die Bewohner ein und derselben Mietskaserne sich zusammentaten. Mit der Zeit kamen dann noch Verwandte und Bekannte der einzelnen Familien hinzu. Dann war man mächtig genug, einen leerstehenden Laden der Straße als Lager mieten zu können. In der Vereinigung fand man schließlich Menschen, die sich auf diesen oder jenen Artikel ver« standen, und denen übertrug man den Einkauf nnd die Verteilung. Viele solcher Vereinigungen wuchsen so an, daß sie bald die Sache eigenem Personal übertragen konnten. Hatte man die„Robstoffe" beisammen, so war das immer noch kein Mittagstisch, denn zunächst mußte das Brennmaterial gefunden werden. Aber eZ gab keine Transportmittel für das Holz, das die Hauptstadt nötig hatte. Und die Holzhacker ver- langten unerhörte Löhne. Das Brennbolz war also rar und teuer. Bereits im Juli waren die Preise elfmal so hoch wie in Friedenszeiten. Jemand, der eine große Etage bewohnte, erzählte mir, daß ihn sein Brennstoffvorrat für den Winter 5000 Rubel gekostet hätte. Die Leute mußten also mit ihren Brennmitteln äußerst sparsam umgehen. Bestimmte Familien ver« einigten sich, um aus dem gleichen Feuer zu kochen. Daher kam es, daß sehr unregelmäßig gegessen wurde, weil man warten mußte, bis man mit seinen Kochtöpfen an der Reihe war. Auch das gemeinsame Kochen verschiedener Familien kam bald in Schwung. Natürlich hatte Petersburg auch seine Wohnungsnot. Aber wer einmal unter Dach war, hatte es gut. Die Hauseigentümer durften die Mieten nicht erhöhen und auch nicht kündigen, selbst wenn die Verträge abgelaufen waren. Niemand gab da natürlich seine Woh- nung auf, und es war in Petersburg nicht möglich, auf normalem Wege eine Mietwohnung zu finden. Man mußte erst einen Mieter auskaufen. Mit diesem Auskaufen wurde ein schwunghafter Handel getrieben. Die Vermittler schnüffelten Umzugslustige auf, lauften das Mietrecht für ihre Wohnung, das sie an Wohnungsuchends mit hohem Gewinn weiterverkauften. * Finanziell gut hatten es die Arbeiter. Die wildesten Forde« rungen, deren Erfüllung wohl einer Sabotierung der Industrie nahegekommen wäre, waren vorbei. Der zunehmende Einfluß der Fachorganisationen brachte wieder mehr Festigkeit in daS Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeiter. Aber die Löhne hatten auch gegen früher eine beträchtliche Höhe erreicht, was allerdings nickt unnötig war. Man sah es den Petersburger Arbeitern an Kleidung und Aeußerem an, daß es ihnen trotz Teuerung und Not noch nicht schlecht ging. Elend war nur die Lage der kleinen Be- amten, deren Gehälter nicht gestiegen waren. Nirgends in Europa, selbst nicht in Oesterreich-Nngarn, hat das Geld seinen Wert so eingebüßt wie in Rußland. Nichtiges Geld sah man überhaupt nicht mehr. Die alten Hartmünzen waren gar nicht mehr in Umlauf. Während der ganzen drei Wochen, die ich in Petersburg verblieb, sah ich ein einziges Mal ein russisches Geldstück, und zwar hatte es ein kleines Mädchen in einein Volks« viertel zwischen den Fingern, als es in einen Laden trat. Alles bezahlt man mit Papier. Man hatte KriegSgeld in Papier von 1, 2, 3, 6 und 50 Kopeken, dazu Briefmarken. Und lästig war«S, daß so furchtbar wenig großes Papiergeld in Umlauf war. Bei der ungeheuren Teurung aller Dinge brauchte man doch gerade dieses..._ Ein unbekannter Srief von Theodor Storm. Zu den Wenigen, die frühzeitig Storms ganzen dichterischen Wert erkannten und da? deutsche Volk nach Kräften auf diesen seinen Dichter hinwiesen, gehört Storms jüngerer Landsmann, der Philo- soph und Sozialforscher Professor Ferdinand Tönnies in Kiel. Er durste zum 100. Geburtstage seines verehrten väterlichen Freundes nicht fehlen, und so veröffentlicht er denn bei Karl Curtius in Berlin feine und festelnde.Gedenkblätter", in denen er seine Er« innerungen an den Dichter niedergelegt hat. Zum besonderen Schmucke gereicht diesem Büchlein ein der letzten Lebenszeit Storms entstammender, bisher noch unveröffentlichter Brief. Der Empfänger des Briefes war der 1896 im besten Mannesalter ver- storbene Dichter Johannes Wedde, dessen 1838 erschienene kleine Schrift„Theodor Storm, einige Züge zu seinem Bilde" dem Dichter nicht geringe Freude gemacht hat. ES interessierte ihn auch lebhaft, daß der Verfasser Sozialdemokrat war, sich auch wohl in einem Be« gleitschreiben als solchen vorgestellt hatte, denn Storm hatte sich mit Tönnies wiederholt über den Sozialismus ausgesprochen, und zwar mit der Sympathie eine? Menschenfreundes, der kein Politiker sein wollte. StonttS vom 15. Mai 1888 aus Hademarschen datierter Brief lautet: welcher Angelegenheit kommt der Adjunkt heute nach dem Bjerrehof?" „Ich werde ein Verbot dagegen erlassen, daß Ihr Sohn in Zukunft unten von den Wiesen Vieh an sich nimmt." „Auf seinen eigenen Wiesen!" rief Per Hjarmsted. „Es ist so viele Jahre hindurch Sitte gewesen, daß die Bewohner des Kirchspiels Harreby ihr Vieh auf diesen Wiesen in Gemeinschaft geweidet haben, daß es sehr bezweifelt werden muß, ob die Handlungsweise Ihres Sohnes gesetzlich gewesen ist.— Aber er kann ja einen Prozeß gegen Proprietär Faur- holt ansttengen und die Frage durch Urteilsspruch entscheiden lassen." „Genau so wie mit dem Pajmoor?" „Genau so wie mit dem Pajmoor," antwortete der Adjunkt ganz ruhig. Es war deutlich, daß der Alte nicht recht wußte, was er im Augenblick tat,— er schwankte auf den Beinen, und es war etwas Tappendes in seinen Handbewegungen. Erst packte er das Vorderbrett des Wagens, dann das Sitzleder, und dann tastete er dem Adjunkten über die Brust und"erfaßte seinen einen Arm:„Sie sollen sich in acht nehmen l' sagte er,„jetzt sollen Sie sich in acht nehmen bei dem, was Sie tun!" Der Gefangenwärter hob seinen dicken Stock und sagte: „Hören Sie mal, Sie alter Mann! Nehmen Sie die Hand weg! sonst bekommen Sie eins über die Finger!" In diesem Augenblick sprang Kirstine Hjarmsted, die auf dem Treppenstein gestanden und zugesehen hatte, hinab, l ief zu dem Wagen hin und ergriff den Alten:„Ach, lieber Vater! — bleib doch von denen weg!" Der Alte ließ sich ein paar Schritte beiseite führen. „Ja," sagte der Gefangenwärter drohend,„die alte Person da mag sich nur vorsehen. Werden wir beiden mit- einander zu tun bekommen, so ergeht es ihm am schlimmsten!"-- Jetzt kam Anders zuni Tor herein. Sein Vater ging schnell auf ihn zu,— aber so taumelnd, wie wenn er zuviel gewunken hätte.— Er begann sofort mit fast weinender Sttmme seinem Sohn von den Fremden und ihrem Vorhaben zu erzählen.— Anders schob ihn behutsam beiseite und ging an den Wagen heran.— Er grüßte niemand. Der Adjunkt machte sich gleich daran, das Verbot vor- zulesen.— Als er serttg war, faltete er das Dokument zu- sammen, legte es in ein blaues Kuvert und steckte es in die Sehr geehrter Herr I Eine stete Kränklichkeit oder vielmehr ein stetes Mißglücken des Wieder-Zurechtlebens nach einem fünf- monatigen Krankenlager 1386/87 hat mich bis jetzt verhindert, Ihnen Dank und Anerkennung für„einige Züge zu meinem Bild" auszu« sprechen. Wollen Sie diese, wenn auch etwas verspätet, nicht ver- schmähen. Zwar kann ich nicht überall mit Ihnen gehen, und darf auch nicht zu hoffen wagen, was Sie als eine spätere Wirkung meiner Dichtung ausstellen; aber Sie haben einzelnes, was auch mir von Bedeutung erschienen, hervorgehoben, an dem man bisher vorbei gegangen ist, und die Freude und der Mut, mit dem Sie, waS ich in dem langen Leben habe ausgehen lassen, betrachten und sich darin versenken, das tut wohl, wenn man fühlt, daß nun doch endlich die Zeit des Kräfteverfalls und Greisentums gekommen ist. Wenn ich einmal gesagt habe, daß die Novelle die Schwester des Dramas sei, so habe ich dadurch nur mehr die Stellung der ersteren in der Prosa« mit der des letzteren in der VerSdichtung vergleichen wollen, und daß beide zu ihrer Vollendung der Knapp- heit und eineS im Mittelpunkt stehenden Konfliktes bedürfen, von dem aus sich das Ganze organisiert. Im übrigen gehört der Epik — cum gn.no saJis— doch wohl mehr das Leiden, der Dramatik die Handlung an. Daß ich allzeit meinen eigenen Weg gegangen bin, die? gute Zeugnis habe ich wohl verdient, wie oft hat man mich zu anderen Wegen verlocken wollen; ich bin nie auch nur in Versuchung ge- raten. Also noch einmal meinen Dank und meinen herzlichen Gruß. Ihr ergebener Th. Storm._ Moissis Vieüerkehr. Nach dreijähriger Abwesenheit von der Stätte seiner Erfolge ist Alexander Moissi aus Kriegsstürmen und Gefangenschaft zurückgekehrt. Am Sonnabend spielte er zum ersten Male wieder im Douffchen Theater den Danton in Büchners von heißestem Atem und hellstem Geist erfüllten RevolntionSdrama. Moissi hat sich bei seinem vorangegangenen Wiener Gastspiel über die Einwirtung seiner schweren Erlebnisse ausgelassen, und man merkt es seinem Spiel an: sie haben ihn ernster, tiefer, innerlicher gemacht. Er ver- einfacht aufs äußerste. Den holden Künsten, die zuvor die Jugend entzückte, hatte er freilich schon zuvor entsagt. Er hatte schon be- gönnen, aus dem Bereich des musikhaften Vortrags, des Wort- mtd Rhythmusrausches ins Charakterland überzusiedeln. Dieser Prozeh ist jetzt beendet. Und Dankm gab uns die erste Probe davon. Ol das die glücklichste Wahl mar für sein Wiederauftreten? Gerade dieser Büchnersche Danton hat neben all der müden Melaitcholie, die Moissi jetzt liegt, noch all den Glanz des spielerischen Geistes, das Funkeln der Ironie und das Leichtbeschwingte auch im Entsagen. Vielleicht war Moissi noch zu angespannt und so wurde es sein Danton auch. Aber es lag auch in diesem zu schweren und auch wieder zu entrückten Danton ein eigenartiger Zauber. Hier wurde aus dem Innersten des Erlebnisses ein Abschluß mit allem sichtbar, dem ei« Blick hinter die Schleier der Maja vergönnt gewesen. Aber die alte Kraft, das Feuer der Beredtsamkeit wurden in der großen Anklagerede wieder wach, auch die Stimme hatte wieder ihr Metall, aber doch blieb der Eindruck: dieses ist ein anderer Danton, als er in uns lebte(wobei an die ehemalig« Bonnsche Theaterei natürlich nicht gedacht wird). Wir werden diesen neuen Moissi mit gewecktein Interesse in neuen Aufgaben am Werk sehen.— r. Notizen. — Vorlesung. Im Lessing- Museum liest Prof. Hans Draheim am Tonnerstag nngcdruckte„Märkische Balladen". — Die große Berliner Kunstausstellung in D ü s s e I d o r f hatte großen Erfolg. Es wurden bisher für über 440 000 M. Bilder verkauft, davon 60 250 M. an den Staat. Es wird daher auch die nächste große Berliner Kunstausstellung wieder in Düsseldorf stattfinden. — Genossenschaftliche Literatur wird als Liebes- gäbe kostenlos ins Feld und in die Lazarette gesendet. Wer sich über das Genossenschaftswesen im allgemeinen oder über bestimmte genossenschaftliche Fragen unterrichten will, mag an die Gesellschaft für genossenschaftliche' Kultur. Eßlingen, Heimstätten schreiben.— Die gleiche Stelle bittet um lleberlassung solcher Literatur. — Der E n ck e s ch e Komet, der jetzt wieder fällig ist, wird von Prof. Wolf in Heidelberg im Sternbild der Fische beobachtet. — Eine neue Gorilla-Art entdeckt. Der schwedische Forscher Elias ArrheniuS hat auf seinen Jagdfahtlen in Zentral- afrika eine neue Gorilla-Art angetroffen und einige Exemplare davon nach �Schweden übergeführt. Professor Einar Lönnberg hat eine Untersuchung der Tiere vorgenommen und gibt seine Beobachtungen demnächst heraus. innere Tasche seines Pelzes. Dann nahm er den Zügel aus der Hand des Gefangenwärters, der ihn gehalten hatte. während er selber las, drehte den Wagen und fuhr zum Tvr hinaus. Währcild der Adjunkt las, dachte Anders an nichts, worauf er sich später besinnen konnte;— dagegen dessen. was der Adjunkt tat, von dem Augenblick an, als daS Vor- lesen beendet war, bis dahin, wo der Wagen verschwand,— dessen entsann sich Anders hinterher haarscharf, jeder kleinen Bewegung: denn während das vor sich ging, senkte sich— gleichsam ganz von selbst, und als ob es etwas völlig Neues wäre, woran er vorher nie gedacht hätte— der Entschluß in des Anders Sinn nieder, den Adjunkten Fischer zu erschlagen. Er hatte ein Gefühl in Gemüt und Sinnen,— fast wie wenn es bereits geschehen wäre. Er war ganz still und von dem gegenwärttgen Augenblick weit entfernt.— Seines Vaters Worte klangen so unangenehm heiß und heftig und lärmend in seine Ohren. Er ließ ihn schwatzen, erwiderte beinahe nichts darauf. „Nun wollen wir sie von einer anderen Seite fassen", sagte der Alte,„woran sie nicht gedacht haben. Wir wollen nichts von Faurholts Vieh verkaufen; aber wir können es hier auf dem Hof im Stall stehen lassen,— das kann uns keiner verbieten." „Das ist uns doch verboten l" sagte Anders gleich- gültig. „Nein, das Vieh von unfern Wiesen zu ziehen und es zu binden, so daß es nicht hinauskommen kann, vermag uns niemand zu verbieten.— Aber wir dürfen es nicht verkaufen. — Und er kann es ja holen lassen, wenn er will,— ohne Bezahlung. Das heißt nicht: ,an sich nehmen'. Und das können wir tun, so oft es auf die Wiesen kommt.— Was sagst Du dazu, Anders?" „Meinetwegen könnt Ihr tun, ganz was Ihr»vollt. Mir ist es gleichgültig."--- Der Alte ging an diesem Nachmittag und am Abend vor dem Hof umher und spähte, unt zu sehen, ob jetzt das Vieh von Stavn gleich nach dem Verbot sich wieder unten auf den Wiesen zeigen würde. Seit der Auktion hatte Faurholt nämlich seine jungen Rinder im Stall behalten; er hatte sich nicht dazu bequemen können, ihnen einen Bich- jungen in die Wiesen hinunter mitzugeben.— Doch an diesem Tage kamen sie nicht.— Eortsi folgt.) I Flasche ' Birkenwasser ss JPl. mit Blumcn- r Verzierung, verschied. Formen "5 p 10 Pattte Blitzblank ss 1 Fl. Franzbranntwein 95» A. Dandorf&0 Bdle-Allinnce-Strusse Gr. FranUnrter Strasse Brannen-Strosse Rottbuser Damm U/Iimersdorfer Strasse Verlangen Sie bei Einkäufen Rabattmarken Porzenim 1 Teekanne ,»«..........93 1 Dlmnenvazs SS n 1 Zackerilose.. 1 MÜChtOpf mLtnmv*,n 1 Porzellantablett. 4 KinderbecherSw*� 95 zusaramon Pt I Zackerdose««»... 1 Milchtopf...... 4 Milchbecher qr WBtoi......... 2 Abendbrot- tellCfweissSS A Obertassen gg 1 Teekanne ��795 pi 2 Abendbrotteiier m« qr hfibseben Venriernngen..... 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Den Mitgliederu ferner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Arbeiterin Else Rolmke Gartenstr. 70 am 21 August gestorben isL Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Werkzeugdreher Friedricli Zachen Neukölln, Weichselstr. 31, am 13. Sept. gestorben isL Ehre ihrem Andenken k 182/3 Die Ortsverwattung. mid tabimlerEi -« Robert Meyer, Jnh.: P. Golleta* Hariannenstr.S. Tel. Hpl.10303. öcrband derGemeind«- und StaatsarlKiter. Filiale GroB-Berfln. Den Mitgllederu geben wir hiermit Nachricht»om Tode des Kollegen Hermann Testrieh vom Gaswerk Gitschwer Straße. Ehre seinem Andenke» f Beerdigung am Dienswg, den 18. September,»ach« mittags 3 Uhr, von der Halle des GemeindesriedhoseS in Ahrensselde aus. Um rege Beteilignng bei der Bestatwng des Kollegen ersucht 188/18 Vis Ortsverwattung. Für die herzlichen Beweise der Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben ManneS, unseres jüngsten und letzten Sohnes, des Mechanikers ISSb «toi». TVolf; sagen wir allen Freunden und Bekannten, dem Personal der Mikroson« und Modellbau« Abteilung der Firma Mix u. Genest, soivie der Lackiererei der Titania, insbesondere dem Herrn Steiniger sür die lebcns- wahren und trostreichen Worte unseren innigsten Dank. Martha Wolf geb. Meding, Hcrm. Wolf und Ida geb. Bvhm. Gänsestäckenü*� grobe fett« Kaninchen, jg, BratdNbner Pst». 4.45 M. Herrn. Toeode Macht. A. Schmidt Plan-User 21,«ahvHafkscheSTor. Statt besonderer Anzeige t Allen Kollegen, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser Dater, Schwieger« und Großvater, der Steinmetz Otto Wilhelm Stuber Berlin-Mariend ors, Ratheiisstr. 91 am Somitag, den 10. September, sanst entschlafen ist. Die Ewäschcrung findet am Freitag, den 21 September, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. 459b Di« trauernde« Hinterbliebene«. 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Der Ehrenvorsitzende: Mermuth, Oberbürgermeister, Wirll. Geh. Rai Der Vorstand: Dr. Weber, Geh. Reg.-Rat. Stadt-Med.-Rat, 1. Vorsitzender: Dr. Straßmann. Geh. San.-Rat, Ehrenbürger von Berlin, 1 stellv. Vorsitzender: Frau Grafin v. d. Groeben, 1. Vors. d. vaterh FrauenveremS, 2. stellv. Vorsitzende; Dr. Freund. Landesrat, Vors. der Landesversicherungsanstatt Berlin: Albert Gitta, Kommcrzienrat: Pros. Dr. Pallat, Geheim. Oberreg.-Rat, Vortragender Rat im Knllusmimstermm; Frau Bürgermeister Geh.-Rat Dr. Rcicke: Sassenbach. Stadlrat: Ernst Spindle� �Äbnkbesltzer: Meyerstein. Syndikus der Handelskammer zu Berlin, Schriftführer: �ichtenstem, Fabrikant, 1. stell- vertretender Schristsührer: Dr. Karl Bomberg. leitender Arzt der Sauglingssürsorgc. stelle 3, 2. stellvertretender Schristsübrer: Ernst Wallach, B-mkrer, Stadtverordneter, Schatzmeister. Spende» nimmt die Expedwoo unseres Blattes bis zum 15. Ottober 1917 entgegen. fiablunaen werden auch auf Postscheckkonto Nr. 28079.Deutschlands Spende für Säug- lmgs. und Klein kinderschutz, Berlin W. 8, Postscheckamt Berlin NW. 7 entgcgengeuomen. Heb« das Ergebnis der Sammlung wird ögenMch quittiert.