Dr.M». 54. 1a809a.KMHa.utK. Wichmtlich 80 Lsg. fttt in« Hau«, vorauszahlbar. Einzelne Wochentags- nummern 5 Pfz. Sonmagsnummer mit illustrierter Beilage»Die Reue Aelt» 10 Pfg. Postbezug: Monatlich 1.80 Ml. unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich< Ungarn E.BO Ml. sür das übrige Ausland 4 Ml. monatlich Postbestellungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Posl-Zeitungs-Prcislist«. Erschein» täglich. Telegramm- Alvesse! »Sozialdemokrat Berlin", Verlinev Volksblakk. ( S Pfennig) Der AszeigenpreiS lässig 2 settgedrurlte Wortes, iedcs weitere Wort l0 Psg. Stellengesuche lind Schlasstellenanzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere WortSPfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür wei Worte. Teuerungszuschlag 20%. > ijcigen 50 Pfg.. holMsche u. gewerNchaftllche Bercins- icn 40 Psg. die geile. für die nächste Nummer müssen 5 Uhr nachniitt. im Anzeigen üssen di« Berlin SM. 08. Lindenstrahe 3, ab- gegeben werden. Geöffnet de» 8 Uhr früh bis 1 Uhr abend«. Zcntralonyan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfcblanda. Neöaktion: SM. 6$, tinöenstraße 3. sfernsprecher:«mt Morttzplatz, 9tt. 151 90—151 97. Donnerstag, den ÄO. September 191.7. Expeüitton: SÄ).»8» Linüenstraße 5. Fernsprecher:«mt Moritzvlatz, Nr. 15190—15197. Krise im Arbeiter- und Aoldatenrat. Heftiger Artilleriekampf in Flandern— Französischer Angriff östlich der Maas gescheitert— IS Flugzeuge abgeschoffeu— Heftige Angriffe der Rumänen im Ojtoz- Tal— Erfolgreicher österreichischer Gegenstoß bei Carzano. Amtlich. Großes Hauptquartier, 13. September 1917.(SB. T. B.) Westlicher ZkriegSschauplatz. Heeresgruppe Krouprtu, Rupprecht. In Flandern war zwischen dem Houthoulster-Wald und der Lys den ganzru Tag über der Artillerielampf gesteigert. Das Zerstörungsfeuer der feindlichen Batterie», denen unsere starke Gegenwirlung fichtlich Abbruch tat, lag wieder i« heftigste» Feuerwellen auf unserer Abwehrzone. Abends und heute morgen gab der Feind mehrmals Trommelfeuer ab, ohne daß Infanterie. Augriffe folgten. Bei LeuS und St. Queuti» herrschte lebhafte Gefecht»- tätigkeit. Heeresgruppe Deutsche» Kroupriu». Nordöstlich von Soissons, am Aisne-Marne-Kaual und West- lich der Suippes-Niederung belampfteu fich die Artillerie» zeit- wrilig unter starkem Muuitionseinsatz. Auf dem Ostufer der Maas brachen die Franzose» nach kurzer, kräftiger Feuervorbereitung westlich der Straße Beaumout— Lacheranvill« in drei Kilometer Breite zum Angriff vor. Die ersten, ia unserem Abwehrfeuer schnell weichenden Stur» wellen des Feindes wurde» von den tiefgeglicdert folgeude» Reserven zu erneutem Angriff vorgerissen. Auch dieser starke Stoß kam im Feuer und Nahkampf zum Scheitern. I» den zurückstutenden Haufen fand unsere Artillerie besonders lohnende Ziele. Der Tag hat die Frauzofe» wieder hohe Verluste gekostet, ohne ihne» den geringste» Vorteil zu bringen. Gestern find 16 feindliche Flugzeuge zu« Absturz gebracht wordeu; Bizefeldwcbel Thom schoß drei, Leutnant Thuy zwei Gegner ab. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front Prinz Leopold. Bei Dünaburg und im Bogen nm Luck hat die Feuertätig- koit der Russe» merklich zugenommen. Krise im Sowjet. Petersburg, 13. September.(Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Angesichts des von der Vollsitzung des Arbeiter- und Soldatcurats angenommenen Beschlusses der M a x i m a l i st e n, der die Forderung aufstellt, daß die Ge- malt von den Räten übernommen werde, ist das gzesamte Bureau des Arbeiter- und Soldateurates z u r ü ck g e- treten. Nämlich der Vorsitzende T s ch e i d s e, der stell- vertretende Vorsitzende A n i s s i m o w, G o t z d a d(?), Skobelew, Tseret.elli und T s ch c r n o w. Die Neu» Wahl des Bureaus wird in der nächsten Sitzung stattfinden. Ein provisorisches russisches Parlament. Stockholm, 19. September.(Eigener Drahtbericht des .Vorwärts".) Wie unser Stockholmer Mitarbeiter erfährt, plant die russische Regierung, nach Auflösung der vierten Duma eine Abordnung des Arbeiter-, Sol- d a t e n- u n d B a u e r n r a te s als provisorisches Parlament einzuberufen. Dadurch würde die Links- schwenkung der Regierung deutlich zum Ausdruck gelangen. Man glaubt hier nicht, daß Kcrenski und die Menschewiki ihre kriegerische Politik lange werden fortsetzen können, da sie infolge der Feindschaft der Bourgeoisie Anschluß nach links suchen müssen. Damit tritt die Friedensfrage in Rußland wieder in den Vordergrund. Petersburg, 18. September.(Meldung der Petersburger Tele- graphen- Agentur.) Unter den drei neugcwählten Vize« bürgermeistern von Petersburg ist auch der maxi- m a l i st i s ch e Sozialdemokrat Lunatscharsky. Rücktritt öes Justizmmifters. Petersburg, 19. September.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) Die Regierung hat die Demission des I u st i z m i- uisters Zarudny angenommen. Die demokratische Konserenz. Petersburg, 19. September.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Die große demokratische Konserenz ist endgültig auf den LS. September festgelegt worden. Es werden daran uugesähr 800 Abgeordnete leilnehmen, die jämtlich durch be- FrouterzherztsJtsepH. Starke Augriffe der Rumäueu richtete» sich gegeu«usere Höheustellunge» südlich beS Ojtvz-TaleS. Der südlich v»u Grvzrsci anfänglich eingebrochene Feiub wurde durch kräftige» Gegenstoß geworfe«, im übrige» schon durch Feuer abgewiesen »nb büßte außer blutigen Berluste» zahlreiche Gefangene ei». Heeresgruppe Mackensen Bei Barnita und Muncelul wiederholten rnmänische Truppe» ihre Angriffe» die ihur» erneut Mißerfolge brachte». Mazedonischen Front. Am Be»!e» na» Moaastir und in der Enge zwischen PreSpa- und Ochrida-Ge« verstärkt« fich die Srtillerir-TSttgkrit. OestUch des Dojran-SeeS kam eS zu Postengefechte», in denen die Bulgaren englische gemische Abteilungen vertrieben. Der Erste Generalanartl rrmelper. Ludendorff. Abendbericht. verli», 13. September 1917, abends. Amtlich. Der Artilleriekampf in Flandern danert an. Sonst nichts Wesentliches._ Der österreichische Bericht. vir», den 19. September 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verloutdart: Oestlicher Kriegsschauplatz. - Beiderseits de« Ojtvz-TaleS habe« wir starke rnnftnisthe Angriffe abgeschlagen. Durch raschen Gegenstoß wurde der an einer Stelle eingedrungene Feind völlig geworfen; seine Verluste find erheblich. Italienischer Kriegsschauplatz. Bei der Heeresgruppe des FeldrnorschallS Frhrn. v Conrad führte der zur Wiedergewinnung eines vorübergehend de« Feind überlassene» Frontstückes bei Carza»» eingesetzte Gegenangriff zu volle« Erfolg«. An Gefangene» wnrdr» hier sechs Offiziere und über dreihundert Mann eingebracht. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Chef de» General st« de». sondere Depeschen eingeladen worden find, in welchen ihnen die Not- wendigkeit nahegelegt wird, alle Kräfte deS Lande? zu vereinen, um seine Verteidigung zu organisieren und zur Bildung einer festen revolutionären Gewalt bei- zutragen. Im ganzen Lande begannen rege Vorbereitungen zu den Wahlen für die Verfassunggebende Versammlung und Bezirkswahlausschüsse haben fich bereits in 19 Provinzen ge- bildet. Petersburg, 19. September.(Meldung der Petersburger Tele» graphen-Agentur.) Die Vorläufige Regierung hat in der Erwägung, daß die Bewegung KornilowS vollkommen unterdrückt ist und in- folge davon die außergewöhnlichen Matznahmen, die durch fie der- anlaßt waren, unnötig geworden find, die Aufhebung des Postens des Militärgouverneurs von PeterS- bürg angeordnet. Zum Oberkommaudierenden der Truppen des Bezirks Petersburg wurde Oberst Palkownikow ernannt. Der neue Kommandant ist mit ausgedehnten Machtbefugnissen aus- gestattet zur Regelung der Fragen der Lebensmittelversorgung und des Transportwesens. Noch immer französische Stimmen gegen Rußlanö. Bern, 18. September. Ter ehemalige franzöflsche Blockade- Unterstaatssekretär C o ch i n richtet im.Pelit Parifien" einen sehr scharfen Artikel gegen Rußland. Er erklärt, es gebe nur«inen Weg für Rußland, sich zu rehabilitieren, nämlich Deutschland aus Riga und Kurland zu verjagen. Dafür habe man ihm ja die Waffen geliefert. Die Kanonen KerenskiS und KornilowS stammten auS Creuzol und St. Chamond. Die Herren in Rußland sollten sie gefälligst endlich gegen die ge- meinsamen Feinde abfeuern. Verfolgung üer Nlaximalisien. Petersburg, 19. September.(Meldung der Petersburger Tele« graphen-Agentur.) In Kiew, Minsk und einigen anderen Städten hat ein Gerichtsverfahren gegen Soldaten, die der maxima- li st i scheu sozialdemokratischen Partei angehören und wegen Verbrüderung mit den Deutschen oder Gehör samsver- Weigerung im Kampfe angeklagt sind, begonnen; bei einem ähnlichen Prozeß in Pstow sind 3ö Soldaten zu Zwangsarbeit auf sechs bis zehn Jahre verurteill wordeu. die programmreöe painleves. «Desannexion Elsaß-Lothringens"—„Ersatz fitr Schäden und Zerstörnugeu". In diesen Tagen sind die Friedenshoffnungen in Deutsch- bind stark und allgemein geworden. Die seelische Abspannung nach drei schweren Kriegsjcchren, die Einsicht in die Fruchtlosigkeit weiteres Blutvergießens haben die Seelen der Menschen für jeden Friedensklang empfänglich gemacht', so empfänglich, daß der Verstand mit dem Herzen durchging und die Kluft der trennenden Gegensätze noch leicht unterschätzt wurde. Diesen Erwartungen hat der neue französische Ministerpräsident einen Dämpfer aufgefetzt. Drei Kriegsziele verfolge Frankreich: Desannexion Elsvß-Lothringens, Ersatz für alle Schäden und Verwüstun- gen, Schutz aller, auch der kleinsten Nationen. Heber diese Ziele hinaus zu kämpfen,„hieße das größte Verbrechen der Weltgeschichte begehen". Ein allzu früher Abbruch des Kampfes aber würde Frankreich in Knechtschaft und Elend bringen. Es braucht nicht langer Worte, um den Gegensatz zwischen dem französischen Ministerpräsidenten, der Elsaß-Lothringen fordert, und der deutschen Regierung, für die keine elsaß- lothringische Frage besteht, zu entwickeln. Desannexion heißt Aufhebung einer Annexion. Eine Annexion kann durch Rückgabe des annektierten Landes an den Vorbesitzer aufgehoben werden; bei weitherziger Auslegung kann der ominöse Cl)a- vakter einer Annexion aber auch ais verschwunden betrachtet werden, wenn die Annexion durch nachträgliche Zustimmung der annektierten Länder sanktioniert wird. Es wird nicht .icmge verborgen bleiben, ob Painlev� an diese Deutung ge- dacht und sie gewollt hat. Bisher wurde die Rückgabe der Reichsfande an Frankreich absolut ohne Befragung ihrer Bc- fcohner verlangt. Es ist sonderbar, daß Painlev6 das Bekenntnis zu diesen Kriegszielen„unabhängig von dem Los der Schlachten" macht. Der Besitz Elsaß-Lothringens hängt für Frankreich davon ab, daß der Poilu stürmender Hand die Trikolore auf den Wällen von Straßbvrg und Metz aufpflanzt. Auch der lebhafteste Sanguiniker der französischen Kamnier wird nicht an eine leichte Erfüllung dieser Hoffnungen glauben. Bleibt noch die Deutung, daß die Formel„unabhängig von den Schlachten" heißt, daß, gleichgültig, wie dieser Krieg aus- gehe, Frankreich immer sehnsüchtig auf die andere Seite der Vogesen blicken werde. Am wahrscheinlichsten ist aber, daß die erstaunlich naiven Worte nichts als eine pathetisch env dringliche Unterstreichung des jenseits roher Gewalt stehenden Rechtsanspruchs Frankreichs auf Elsaß-Lothringen sind. Den Franzosen passiert das Malheur, daß sie in der subjektiven Ueberzeugung von ihrem Recht als Partei auch Richter und zugleich Vollstrecker ihres Urteils sein wollen, ohne im mindesten zu bedenken, daß die andere Partei ihrem Klagebegehren nicht nack)gibt und ihren Rechtsanspruch nicht anerkennt. Die deutsche Sozialdemokratie hat in Stockholm keinen Zweifel gelassen, daß sie Elsaß-Lothringen als gut deutsches Land betrachtet, dessen berechtigte Wünsche sie durcb Einführung einer weitgehenden Selbswerwcfitung erftilleu will. Neben diesen weitgesteckten Kriegszielen Painleväs ver- schwindet der Verzicht auf„Eroberungen" für den deutschen Beurteiler, so wichtig und bedeutsam er auch schon wegen der damit ausgesprochenen Verleugnung der Geheimverträgc Poincaräs mit dem Zaren empfunden werden niag. Angc- sichts der militärischen Lage erscheinen solche Pläne den: Deutschen von vornherein zu wahnwitzig, um ernst genommen zu werden. Aber in jedem Land muß der Chauvinismus, der sich für die Toten und Krüppel mit Kriegsgewinn eni- schuldigen will, gezähmt und gebändigt Werden— ein mühevolles Werk, dessen Schwierigkeit jeder studieren kann, der die Abwchr der alldeutschen Versuche, zu Einfluß zu gelangen, verfolgt. Der Beifall, den die Rede Painlev6s in der Kammer gefunden haben soll, ist glaubhaft. Sie ist geschickt stilisiert und sucht es allen Parteien recht zu machen. Der Verzicht auf Eroberungen(außer der von den französischen Sozialisten gebilligten Desannexion Elsaß-Lothringens), das Versprechen. sich nicht hinter eine optimistische Fassade zu verkriechen, ist auf die Sozialisten berechnet, die Painlevä, obwohl er sie bei der Kabinettbildung arg bloßgestellt hat, doch nicht in scharfe Opposition treiben will. Das Versprechen, alle Atteir- tote gegen die moralische Widerstandskraft der Nation abzu- wehren und zu sühnen, soll den aufgeregten Sinn des alten Ministerstürzers Clemenceau beschwichtigen. Die Erklärung, daß Verfehlungen einzelner nicht ganzen Parteien zugerech- net werden dürfen, ist für die Radikalen bestimmt, deren Wappen durch die Affären Almerepda und Turniel in Mit- 1 JfiittBfchatt gezoges So. ivteft Psinlcve den Knecht Ruprecht, öer für alle braven Kinder eine freudsste Ueber- raschung, für die dösen aber eine Rute hat. Eine in letzter Zeit lebhast vertretene Forderung der französischen Presse wurde ebenfalls von Painlevd aufgo° griffen: das Verlangen nach einer besseren gegenseitigen Unterstützung der Alliierten:„Seit dein August l9l4 ist das 'ran.chsische Heer der unbesieglichc Schild der Zivilisation. ;cin Vlut ist in Strömen geflossen; für den glücklichen usgong des Krieges ist es notwendig, datz es bis zum Ende die Fülle seiner Kraft beivahre." Die bewegliche Klage über die mangelnde Hilfe der Bundesgenossen ist an Deutlichkeit faimi zu übertreffen. Sie richtet sich Wohl weniger gegen England, als gegen Rußland und die Bereinigten Staaten, ue durch das Vorbild der bisherigen Leistungen Frankreichs wr Nacheiferung aufgestachelt werden sollen. Ader ist diese Hilfe für Frankreich wirstich ein Mittel, die Fülle seiner Kraft bis zu Ende zu bewahren"? Schützt rm Verständigungsfriede die Lebenskraft des französischen Volkstums nicht unendlich besser als der Vernichtungskrieg .nit seinen unsicheren Chancen und seinem großen Risiko? Painlevü hat— nach der Forderung der Desannexion Elsaß'Lothringens und nach de? eines Schadenersatzes— .den Abschluß eines Friedens, nicht eines Friedens aes Zwanges und der Gewalt, der den Keim des nächsten Krieges in sich schlösse, sondern eines gerechten Friedens, durch den kein Volk, mächtig oder schwach, unter- drückt wird, eines Friedens wirstamer Bürgschaften, welche dir Gemeinschaft der Nationen gegen den Angriff einer von ilmen sichern", verlangt. Das kann Phrase sein. Es kann aber auch mehr sein, dann aber wäre die Forderung nach Elsaß-Lothrinsen und Kriegsentschädigungen weiter nichts aiehr als ei« stehende Redensart, auf die zu verzichten man noch nicht den Mut hat. Denn Elsaß-Lothringen und Kriegs- mtschädigungen ohne Zwang und Gewalt an Frankreich b ringen, das ist eine Kunst, die keiner kann. Der französische Ministerpräsident erscheint in zwei Gestalten, von denen eine nur Mache ist. Welche ist die wahre? *» * die Erklärung üee neuen Regierung. Pschlevä leitete seine Red« ein, indem er die moralische Äjöerstondskraft der Notion als einen entscheidenden Faktor im Endlompt bezeichnete und jeden Angriff auf die KampfeSenergie mit unnaeb sichtlicher Schärfe zu ahnden versprach..Gerade gegen oiese moralHch« Widerstandsfähigkeit erklären unsere Feinde, die uns mst Pen Schlachtfeldern nicht haben besiegen könne«, ihre Angriffe verdoppeln«t wollen; Sache der Negierung ist es, ihre Wachsamkeit aegen diese himerlistigen Unternehmungen und ihre Energie gegen- üb« denjenigen, die diese Unternehmungen unterstützen bürden, zu verdoppeln. Die Gerechtigkeit wird In den bereits er- astneteu Untersuchungen ebenso, wie in denen, die noch folgen wnnl-n, ihren Weg ohne Zaudern, ohne Schwäche, ohne Rücksicht . auf die Stellung irgend jemandes verfolgen: wer sich zum Mit- 'chutvigen des' Feindes macht, mutz die Strenge des Gesetzes fühl»»." Nach dieser Anspielung auf die Affären Almereida und Turmel netzt aber Painlevä Oel ans die erregten Wogen:.Welche« auch 'as Ende dieser traurigen Vorgänge sein mag, sie werden keine Partei treffen. Aber auch keine Manöver des Feindes»nd keine Fehler einzelner SrrsSnllchkeitcn könne» Frankreich von seinem«nerschktter- >iche» Entschluß abdringen, der von den lauterste» Ueber« liesernnge»»iifmr Rasse, von de« erhabene» Grundsätze» der Frei- hei» eingegeben ist, welche die Revolution nnter den BSlker» auS- gesät ha», und die heute die zivilisierte Welt gegen den demschei, Imperialismus einigt. Wenn Frankreich diese« Krieg , o r» se tz». so geschieht eS weder um zu erobern,«och um ,'ck zu röchen, es geschieht, um seine Freiheit und Unabhängig- U-i» zugleich mit der Freiheit und Unabhängigkeit der Welt zu ver- iridigen. Frankreichs F»rber«nge« find diejenige»» des Rechts selbst, fie find nnadhängig vom Uije der Schlachte«. Frankreich hat sie 1871 feierlich»er- Uindigt, als eö besiegt war, eS verkündigt fie heute, wo eS seine Angreifer die Wncht seiner Waffen hat fühle« laffen. Desannexion von Elsaß-Lothringea, der Ersatz für die Schäden und Zerstörungen, die der Feind angerichtet hat, der Abschluß eiueS Friede«?, nicht eines Frieden« de« Zwange« und der Gewalt, der den Keim des nächsten Krieges in sich schlöffe, sondern eines gerechten Arie- ?>ei,«, durch den lein Volk, mächtig oder schwach,»ntrrdrkckt wird, eines Frieden?«irksamer Sürgschafte», welche die Grweiuschaft der Nationen gegen den Angriff einer von lhne» sichern, das find die erhabenen Kriegsziele Frankreichs, wenn man überhaupt von Kriegszielen svrrchen kann, wenn es sich um eine Nation handelt, die vieriuidvlerzlg Jahre lang trotz ihrer offenen Wunden alles getan hat, nm der Menschheit die Schrecken drS iriegeS zu ersparen. Solange diese Ziele nicht erreicht find, wird Frankreich den ü a m p f fortsetze». Gewiß, den Krieg auch nur einen Tag zu- iuige fortsetzen, hieße daS größte Verbrechen der Geschichte begehe«. Ader wollte man ihn nur einen Tag zu früh abbrechen, so würde man Frankreich der erniedrigendsten Knechtschaft ausliefern, dem materielle» und moralischen Elend, aus dem nichts es mehr befrcirn könnte. Paiuleve erklärte, daß daS alles überragende Ziel einer glück- liche» Kriegsbeendigung nur erreicht werden kann, wenn alle Kräfte in» Lande zusammengefaßt werden. Aber auch die politische und militärische Einheitsfront der Alliierten müsse hergestellt und fest ausgebau»»Verden. Aber Uebereiastimmnug der Bemühnnge» ist nicht nur notwendig in« Lande, fie ist noch dringender erforderlich zwischen vcn Alliierte», die gestern und heute geeint durch dieselbe gciligc Sache kämpfe». Es ist notwendig, daß sie kämpfen, als wären sie nur eine Nation, eine Armee, eine Front. Menschen, Waffen, Geld müffen allen gemeinsam zur Verfügung stehen. Nur >, diesen PreiS wird die Ilcberlegenheit ihrer Hilfskräfte, die jetzt i>nch so zerstreut sind, erdrückend werden. Eine solche Politik wird piaukreich gestatten, Wacht an seinen Grenzen zu halten, ohne sein« u'rtschafllichcn Hilfsquellen zu erschöpfen. Seit dem Monat August 1914 ist das französische Heer der unbesicgliche Schild der Zivilisation. Sein Blut ist in Strömen gefloffcn. Für den lltücktichei» Ausgang de S Krieges ist es notwendig, daß es biS zum Ei» de die Fülle feiner Kraft de- wahre. Die Regierungserklärung entloirft sodann in allgemeinen Linien einen Plan für den Uebergang in die FriedeuSzeit und fährt dann »ort: Ehe»vir diese Erklärung schließen, wollen»vir einen Blick auf oie ungeheure Schlachtlinie»verseil. Wenn auch die russische Front uns peinliche Enttäuschungen bereitet, so müssen wir doch hoffen, daß die neue Republik aus dem Uebermaß der Geiahr die Kraft schöpfen wird, die innere Einigkeit und die Disziplin»vieder herzustellen. Auf allen anderen Schlachtfeldern, ,uf dein Karst, am Sereth und der Cerna wie>>n Artois sind seit Mvnmen große Dinge vollbracht worden, deren Ergebnisse, die noch .»ehr in der Tiefe als an der Oberfläche liegen, durch ihre Folgen »tage treten werden. In den Ebenen werden die ersten »n e r i k a n i s ch e n Kontingente in Kameradschaft mit Ei»»»- truppen anSgcbfldet. Wa? unsere Armee anbelangt, so war ibre Moral niemals höher und niemals fühlte sie sich sicherer ihrer selbst. Auf daß ihr bewundernswertes Heiden- tum vor jeder Antastung bewahrt bleibe, muß sie sich unter der Ob- but der öffentlichen Gewalt sühlen, ohne daß in die Befugnisse des Oberkommandos eingegriffen wird. Die parlamentarische und die Regier ungskontrolle werden ihre Aufgabe auf diesem Gebiet wie auf allen anderen zu erfüllen wissen. Die Re- gierung zählt auf die enge Mitwirkung des Parlaments, dcsienJni- tiative und dessen dauernde Bemühungen der nationalen Berteidi« gung so wirksame Dienste geleistet haben, die die Zukunft in volles Licht setzen wird. Es ist unsere Absicht, in engem Einvernehmen mit den» Parlament zu regieren. Ivobei wir die gaiize Autorität unseres Amtes beanspruchen. Wir werden nicht hintcr einer optimistischen Fassade unsere Verantworlichkeit zu verbergen suchen. Wir werden alles Ihrem Urteil unter- breiten und wenn Sic uns würdig einer so schweren Aufgabe halten, so werden wir Ihr Vertrauen durch Energie und Aufrichtigkeit recht- fertigen. Wie berichtet wird, soll die Androhung schärfster Mittel gegen alle Attentate auf die moralische Widerstandsfähigkeit und der Passus über die Kriegsziele warmen Beifall gefunden haben. Die Debatte. Tb a nlin- S«d in» e re bedauerte die Abwesenheit von Sozialisten im Kabinett und verlangte, datz Frank- reich und seine Verbündeten ihre KriegSztele bekannt geben. Immerhin hält er keine Verhandlungen für möglich, solange die Deutschen daS besetzte Gebiet nicht geräumt haben. Er schließt mit der Erklärung, daß er der Regierung Ver- trauen gewähre, wenn er die Gewißheit habe, datz sie Frankreich zum Siege führen werde. Dubais verlangte Erklärimgen der Regierung über die Tätigkeit des Kriegskomitees. Weiter forderte Dubais Auf- klärungen über die Maßnahmen der Regierung hinsichtlich derjenigen, die die feindliche Propaganda begünstigen. Augagneur kritisierte lebhast die Zusammensetzung des Mlnisteriiims. Darauf wurde die Aussprache ausgesetzt. Im Augenblick, als siäi die Deputierten zum Verlasien des Saales anschickten, gab der Präsident bekannt, daß ein Antrag auf Erteilung der Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung eines Ab- geordneten(Affaire Turmel) eingegangen sei. Die Kammer beschloß, sofott zur Ernennung eines SonderauSschusieS zu schreiten, der über den Antrag Beschluß fassen soll. Bei Beginn der Sitzung hatte Deschanel ein Telegramm TerestschenkoS verlesen, in dem der Wille Rußlands, den Kampf bis zum Siege fortzusetzen, bekräftigt wird. Die Märe Tunnel. Der Brief des Oberstaatsanwalts an die Kammer, worin dieser die Ermächtigung zur Einleitung des Verfahrens gegen den Depitierten Turmel nachsucht, erinnert an die Umstände, unter denen die Entdeckung der W0l>y Frank in schweizerischen Banknoten in der Kammer stattfand, auf die Turmel keinen Anspruch erhebe und ülber deren Herkunft er drei vonein- ander abweichende Erklärungen gegeben habe. Eine zweimalige Ladung beachtete Turmel nicht. Der Verdacht ist also begründet, daß die von Turmel in der Schweiz vorgenommenen Operationen gesetzwidrigen Charakter hatten und unter das Gesetz fallen, das jede Beziehung wirtschaftlicher Art irnt llntertanen feindlicher Mäche verbietet. Infolgedessen fordert der OberftaatSanwalt von der Kcumner die Ermächtigung, daS Verfahren gegen Turmel ein- zuleiten. Der Kammerausschuß für die Angelegenheit Turmel beschloß, dessen parlamentarische Unverletzlichkeit aufzuheben. Die zur Prü- fung der Frage der VerfolgungSermächtiglmg gegen den Abgeord- neten Turmel gewählt« Kommiffton, die aus lg Mitgliedern be- steht, beschloß einstimmig, der Vinn Justizminister erbetenen Ermäch- tigung zur Einleitung der gerichtlichen Verfolgung gegen Turmel zuzustimmen. Einig« Abgeordnete wiesen darauf hin, datz die vom Oberstaatsanwalt angeführten Anklagepunkt« nicht sehr triftig 'eien, fügten jedoch hinzu, daß sie nichts destoweniger für die Einleitung des Verfahrens stimmte», schon im Interesse TurmelS selbst, um es ihm zu ermöglichen, vollkommenes Licht in die Angelegenheit zu bringen. Die Beschuldigung, daß der Abg. Tunnel das Protokoll der Ge- heimsitzung durch den Agenten ausgeliefert habe, und daß sich dar- aus die Herkunft der 25 000 schweizerischer Frank erklär«, scheint -allenge lassen zu sein. Dagegen wird Turmel beschuldigt, für Schweizer Geschäftsleute Vieh und Fleisch in Argentinien gekaust zu haben, das schließlich bei einem Händler namens Günsburger in Basel gelandet sei, von wo eS nach Deutschland ausgeführt wurde. Manifest an öle öer Internationale angesthlostenen Parteien. Wir haben das Manifest des Stockholmer Cr- aanisationskomitees bereits im telegraphischen Auszug veröffentkicht, nachstehend geben wir den- nunmehr eingetroffenen wörtlichen Text des bedeutsamen Dokuments. Red d.„V.". Das OvganisationSkomite« der Stockholmer Konferenz hält«s ur angemessen, nach der Rückkehr der vom Arbeiter- und Soldaten- rat van ganz Rußland nach London, Paris und Rom gesandten Dele- gation den sc�ialistrschen und Arbeiterparteien, die sich der internationalen Konferenz angeschlossen haben, eine kurze Erklärung über die Lage zu geben: DaS Komitee erklärt zturächst klar med entschiede«, daß der », in Stockholm eine intenmtiimale sozialistische Konferenz einzuberufen, weder preisgegeben ist noch preisgegeben werden wird. Wenn die eng Iis che und französisch« Delegation Pässe erhalten hätte, so hätte die Konferenz am 9. September gefunden. Die Konferenz wird stattfinden, sobald die Patzfrage geregelt ist und das Datum wird dann sofort festgesetzt werden. Die russische Delegation war in der Lage, sich in Großbrl- tannien, Frankreich und Italien davon zu überzeugen, datz die A r- b e i t e r k l a s s e der Idee der Stockholmer Konferenz ergeben i st und bleibt, und daß die Bewegung zugunsten einer gemeinsamen Aktion für einen gerechten und dauerhasten Frieden in allen Kreisen im Wachsen ist. Der Anschluß an Stockholm war darum so ein- hellig, weil die Arbeiterklasse-immer mehr begreift, daß sie ein Poll- tisches und ökonomisches Interesse daran hat, an der Aufrich- tung eineSstandfestenSy st.e m s in Europa direkt mitzuwirken, sowohl um das Ende des jetzigen Konflikts zu beschleu- nigvn, als auch, um die Wiederkehr des Weltbrandes zu verhüten, dessen am meisten leidende Opfer sie geworden ist. Sie ist auch überzeugt, datz ein dauerhafter Friede, der einerseits nicht die Jnter- essen der schwachen Völker denen der starken, u»td andererseits die Interessen der Arbeiterklasse nicht denen der kapitalistischen Bour- geoisi« aufopfert, nur durch eingemeinsamesundeinver» ständliches Bemühen des Proletariats der ganzen Welt errungen werden kann. Eine brutale Verweigerung der Pässe» die in aller Augen als Widerschein einer wachsenden Reaktion erschien, vermag daS klassenbewußte Proletariat nicht abzuschrecken, das nach größere Sckwierig- ketten zu überwinden vermocht hat«nd begreift, daß eS sich in Wirk- lichkeit darum handelt, die Arbeiterklasse an der Er« fülluug ihrer geschichtlichen Rolle zu hindern. Aus diesem Grunde appellieren wir an die Arbeiter Frankreichs, Italiens, Großbritanniens und der Vereinigten Staate», den Raub einer elementaren Freiheit, nämlich der des Meinungsaustausches, nicht zuzulassen. Es geht im Grunde um die Gedaukenfteiheit— eine Freiheit, die zu den kostbarsten Errungen» schaften der französischen Revolution gehört und worauf die organi- sierten Arbeiter ohne moralischen Selbstmord nicht ver- zichten können. Um unsere Aktion zu hemmen, haben die Gegner des SozialiS- nniS besonders in der letzten Zit zu ihren hergebrachten Mitteln gegnfsen. Um das Schwinden der Kriegshypnose zu bekämpfen, handhaben sie gegen uns abwechselnd Unterschiebung und Verleumdung. Sie beriefen sich sogar auf nicht existierende Dokumente, um auf die Arbeitermassen Eindruck zu macheu. Ueber- all wurde da? Monopol der Post- und Telegraphenverbindungen mißbraucht, um unsere Erklärungen zurückzuhalten oder zu fälschen. Dieser ganze Fcldzug ist jämmerlich mißglückt und mit Genug- tuung und Stolz stellen wir fest, daß der Wille der Arbeiterklasse nicht erschüttert worden ist. Die überwältigende Mehrheit der Delegierten auf der Londoner Konferenz der Verbündeten war für Stockholm, und wenn man die Beschlüsse von Manchester vom Beginn dieses Jahres, wo sich Dreiviertel der Delegierten gegen jede inter- nationale Konferenz aussprachen, mit der Resolution von Blackpool im September 1917 vergleicht, wo das Prinzip von Stockholm sozusagen kein Gegner mehr gefunden hat, so kann sich das Komitee zu der Entwicklung, die sich vollzogen hat, beglückwünschen. Andererseits ist das Schicksal der Stockholmer Konferenz eng verknüpft mit der russischen Revolution. Di« Reaktion hat versucht, die Revolution für die Anarchie verantwortlich zu machen, in die der Zarismus Rußland gestürzt hat, und unkluge Leute haben die Gegenrevolution durch«in bedauerliches Verhalten und Handeln noch gestärkt. Wir senden unseren Genossen, Arbeitern und Bauern Rußlands den Ausdruck unserer Bewunderung und unserer Solidarität und sprechen den heißen Wunsch auS, daß sie alle, ohne Ausnahme, in die Reihe treten mögen, um die Demokratie und das revolutionär« Ruß- land zu verteidigen. Die Arbeiterklassen aller Länder, die den Sturz des Zarismus mit Begeisterung begrüßt haben, werden— wir sind dessen gewiß— dem Treiben der internationalen Reaktion widerstehen, dte den Bemühungen der Gegenrevolution schon Beifall klatscht. Wir geben zugleich der festen Hoffniung Ausdruck, datz die Sozialisten Deutschlands und Oesterreichs ihre so- zialistische Pflicht erfüllen und energisch gegen jeden Plan und gegen jede Taktik protestieren werden, die die Revolution untergraben und Deutschland zum Mitschuldigen der Gegenrevolution machen möchte. Die an Stockholm angeschlossenen Parteien werden begreifen, daß eS uns im Angesicht dieser Ereignisse unmöglich ist, in diesem Augenblick ein« präzise Antwort zu geben. Auf das Telegramm der sozialistischen Partei Frankreichs, die uns volle Freiheit des Handelns gelassen hat, und auf den Brief der sozialistischen Parteien Oesterreichs, Deutschlands(Sozialdemokratische Partei), Ungarns, Böhmens, Bosniens und Bulgariens, die auf die Bestimmung eine» endgültigen Datums drangen. Aber unser Komitee hat beschlossen, seine Aktion ruhig und eut- schieden fortzusetzen. ES wird binnen kurzer Frist die ge» sammelten Denkschriften herausgeben, die von den angeschlossenen Parteien eingereicht worden sind, nebst einem Gene- ralbericht, der eine objektive Darlegung der von alle»unseren Or- ganisationen aufgeworfenen Fragen geben wird. Unsere, den Pax- teien der neutralen Länder angehörenden Mitglieder haben e» übernommen, schon jetzt die Schlußfolgerungen auszuarbeiten, die sich au« diesen Darlegungen ergeben. Sie werden allen angeschlosse- nen Parteien übermittelt werden, um sie in den Stand zu setzen, sich am Tage des Zusammentritts der allgemeinen Konferenz darüber zu äußern. Endlich hat da» Komitee beschlossen, falls die betreffen- den Parteien einen dahingehenden Wunsch äußern, zur neuen Kon- serenz der Verbündeten in London und zu jeder anderen von deu angeschlossenen Parteien veranstalteten Versammlung einige seiner Mitglieder zu entsenden, um dort über unsere Tätigkeit und über die Schlußfolgerungen, zu denen die Verfasser der der Konferenz zu unterbreitenden Vorschläge gelangt sind, Bericht zu erstatten. Genossen! Die Konferenz von Stockholm ist nur eine Etappe auf dem Marsch de? internationalen Sozialismus. Die Aktion der Arbeiterklasse, die dem gleichen Ziele zustrebt, wird ihre volle Wir- kung erst an dem Tage entfalten können, wo die Konferenz ein Aktionsprogramm gefunden haben wird, und sie wird mit dem Tage der Einstellung der Feindseligkeiten nicht enden. Viel- leicht erst recht in jenem Augenblick wird sie über den Gang der Ereignisse wachen und Lebens- und Entschlußkraft an den Tag legen müssen. Denn in der Tat werden dort die endgültigen Bedingungen ausgearbeitet werden, die das politische und wirtschaftliche Leben Europas und der Welt auf lange Jahre hinaus bestimmen. Unser Gedanke ist, daß die Stockholmer Konferenz ein neue? Zeitalter de» Kampfes de» Proletariats gegen den Jmperia- lismus einleiten soll, dadurch, daß sie«ine International« Wieb er errichtet, die zu gemeinsamer Aktion fähig ist. Die Arbeiterklasse will tatsächlich, daß dieser Krieg der letzte sei. Sie will die Staaten demokratisieren� neuen Konflikten vorbeugen, Wirt- schaftskriege verhindern und bor allem will sie durch Rechtsbürg- schaften und Schiedsgerichte eine friedlich«, zu Wasser und zu Lands entwaffnete Welt begründen— ein Europa der Demokratie und der wahren Freiheit. Inmitten des entfessekten Hasses hat die Arbeiterklasse auf ihr Ideal der menschlichen Verbrüderung nicht verzichtet. Genossen! Wenn Ihr nur wollt, wird die internationale Koa- serenz in kurzer Frist stattfinden. Um diese» Ziel zu erreichen, genügt eS, daß die Parteien der große» Verantwortung, die aus ihnen ruht, bewußt seien. Die Losung bleibt für das ganze Proletariat: Auf nach Stockholm! Für da» Orgamsationskomitee der internationalen Konferenz: P. I. Troelstra. H. H. van Kol. I. W. Mbarda. W. H. Vliegen(Ersatzm.). Wibaut(Ersatzm.)—(Holland.) Hj. Bvcmting. E. Söderberg. G. Möller(Schweden). P. I. Borgbjerg. Nina Bang(Ersatzm.)—(Dänemark). Vidnes(Norwegen). P. Axelrod. R. Erlich. I. Golder.l-erg. N. Roussanoff. A. Smirnoff(Rußland). Das Sekretariat: Camille Huysman». Marc Panin. Stockholm, 15. September 1917. Die Kosaken für Kaleöin. Petersburg, 19. September.(Petersburger Tclegr.-Ag.) Aus die gegen General K a l e d l n erhobene Anklage hin, eine Bewegung gegen die Regierung eingeleitet zu haben, fand in Nowotscherkassk, der Hauptstadt des Donkosakengebiets, eine außerordentliche Sitzung der Vollzugsorgane der Donkosaken statt. Sie forderten die Regierung aus, den H a stlb es«4j»4«es»» Kaixh»»»»»r« Jiettu'fett teilten dem MilitärdefchlS�aber deS Moskauer Ve�irks, der mit der Unterdrückung der Bewegung der Kosaken deauf� tragt worden war, mit, daß die Truppen vom Don niemals auf- gehört hatten, dem Baterlande und der gesetzmäßigen Regierung treu zu sein. Ter Truppendefehlshabcr von Moskau ordnete an, alte feindseligen Handlungen gegen die Kosaken einzustellen. Eine Versammlung von Offizieren der Garnison von Nowotschcrkasft for» dcrte ebenfalls, daß die Verhaftung Kaledins lviederrufen würde, da die Verdächtigungen das Werk V o n S P i tz« l n sei. So wird der Kosalen-Zwischenfall in nächster Zeit auf befriedigende Weise beigelegt werden können. wieüeraufleben öer Entente-Gffensive. Berlin, 19. September. Nach der Erschöpfungspause in den Angriffen der Entente ist der Kampf an allen Fronten wieder aufgelebt. In Flandern entfalten die Engländer neuerdings eine rege Tätigkeit. Außer dem starken Trommelfeuer mit gewaltigem Munitionseinsatz, das an den verschiedenen Stellen schlagartig einsetzte, deuten auch Truppenbewegungen auf neue englische Angriffsabsichten hin. Oestlich Apern wurde mehrfach das Ausfüllen der englischen Trichter erkannr. Am Zillebeker See und bei Pilkem wurden marschierende Kolonnen be- obachtet und unter wirksamstes Feuer genommen. Die englischen Infanterie« und Artilleriestellungen litten beträchtlich unter der Ab- Wehrwirkung der deutschen Artillerie. Zahlreiche starte Explosionen konnten festgestellt werden. Im Artois war die Feuertäligkeit besonders bei Acheville gesteigert. Nördlich des La- Bassse-Kanals gelang es den Deutschen, nach Sprengen einer Mine deren Trichter zu besetzen. Bei St. Quentin kam es nur zu Palrouillengefechten. Die Ruine der Kathedrale von Saint Luentin erhielt mehrere Treffer. An der Aisnefront war die Artillerieiätigkeit stark gesteigert Nördlich Reims drangen deutsche Stoßtrupps südöstlich Couroy bis in den zweiren französischen Graden vor. fügten den Franzosen erhebliche Verluste zu und kehrten mit einer Anzahl Gefangener zurück. Auf dem östlichen Maasufer versuchten die Franzosen einen neuen Angriff. 4 Uhr 29 nachmittags brachen sie nach kurzer heftiger Feuervorbereitung in 3 Kilometer Breiie vom Nordhang der Höhe 344 bis zur Straße Beaumont— Vacherauville zum Angriff vor. Den ersten Angriffswellen folgten riesgegliederte massierte Reserven. Das deutsche Abwehrfeuer setzte unmittelbar, nachdem die ersten Franzosen ihren Graben Verlaffen hatten, mit einem vernichtenden Eisen» Hagel ein. Die vordersten Sturmwellen kamen nicht einmal bis an das deutsche Hindernis, sie kehrten um und flüchteten, wurden aber von der Wucht der nach- drängenden Reserven wieder vorgerissen. Infolge ihrer Maisierung hatten diese im deutschen Maschinengewehrfeuer furchtbare Verluste. Nur ein geringer Teil gelangte bis an die deutschen Gräben, wo er niedergemachl oder gefangen genommen wurde. Die übrigen wandten sich jetzt allgemein zur Flucht. Verzweifelt mühten sich die überlebenden Sturm« lruppen, die steilen Hänge, die sie herabgestürmt waren, wieder zu crllimmen. Unter den regellos zurückflutenden dichten Massen schlug das deutsche Vernichtungsfeuer verheerend ein. Der Nordhang der Höhe 344 liegt voll toter Franzosen. Die Flieger- lärigkeit war beiderseits rege. Deutsche Geschwader belegten Bahn« böse und Truppenunterkünste in der Nacht vom 18. zum 19. Sep- tember ausgiebig mit Bomben. In Nixeville entstand ein Brand, der lange anhielt. In Elecourt wurde ein Munitionslager in die Lufl gesprengt. Auch im Osten ist die Kampftätigkeit aufgelebt. An der Riga« front versuchten die Russen mehrere vergebliche Teilvorstöße in Stärke von einigen Kompagnien. In der Moldau hat ein neuer russo-rumänischer Angriff eingesetzt. Starkem Feuer am Morgen deS 18. September vom Oituz bis zum Easinu-Tal folgten eine Anzahl schwächlicher erfolgloser Tetlangriffe nördlich der Glasfabrik. Am Nachmittage setzten dann nach neuer starker Artillerievorbereitung von der Glasfabrik bis zur Oituzstraße heftige ticfgegliedcrte Angriffe ein. An der Glas- ,abrik wurden sie restlos abgewiesen. Südlich Grocesci wurde ein rumänischer Anfangserfolg durch Gegen stoß wieder völlig ausgeglichen. Bei Varnita wiederholten die Rumänen die Angriffe des Vortages wiederum ohne jeden Erfolg. Ebenso nordwestlich Muncelul, wo die Rumänen einen überraschenden Teil- vorstoß versuchten, der im Abwehrfeuer der Verbündeten restlos zusammenbrach. Der Krieg auf.den Meeren. Amtlich. Berlin, 13. September. Im Sperrgebiet um England wurden durch unsere Unterseeboot« 79000 Hr.-Neg.-To. versenkt. Unter den vernichteten Schiffen befanden sich zwei große bewaffnete englische Dampfer, einer davon anscheinend ein Hilfskreuzer oder Transporter. Der Chef deS AdmirakstabeS der Marine. Cnglanüs Anstrengungen im Schiffsneubau. Laut.Daily News and Leader' vom K. September ist aus zwei Nachträgen zu.Lloyd Register of Shipping" ersichtlich, daß vom 8. 7. bis 17. K. über 199 Dampfer, darunter 33 englische, ein- getragen wurden., Die meisten dieser Schiffe sind von großem Tonnengehalt. Sonüerfrieöen Gesterreich-Ungarns. „Pester Lloyd" gegen Graf Karolyi. Der.Pester Lloyd", der sich mit feder ungarischen Regierung gut steht, antwortet scharf auf die Rede des Grafen Karolyi in Ezegled:.Der Abg. Graf Karolyi ist wo m Grafen Ezernin in aller Form abgerückt. Der gemeinsam« Minister des Aeußern Hai sich seine Gunst verscherzt. Als Graf Ezernin seine Geneigrheit � zu einem Frieden ohne Annexionen und ohne Eni- ickiädigungcn bekanntgab, glaubte Gras Karolyi, dies würde den Beginn einer selbständigen Aktion bedeuten, aber Graf Ezernin sei auf halbem Wege stehen geblieben und möglich sei sogar, daß er nie den weitgehenden Plan hatte, den Ruhm der Herbeiführung des Friedens für die Monarchie in Anspruch zu nehmen. In diesen Sätzen scheint der Ton auf den Worten zu liegen, die von der Erwartung sprechen, daß Graf Ezernin eine„selbständige Aktion" unternehmen würde. Vielleicht liegt in dieser Formulierung der Schlüssel zum Verständnis der durch gewollte Uudeutlichkeit verhüllten Absichten. Gras Karolyi hat eine ielbständige Aktion erwartet, eine Aktion also, die Graf Ezernin aus- schließlich im eigenen Wirkungsbereich, also wohl auch ohne Rücksicht aus die Bundcsgenoffeir durchführen sollte. Ist das die richtige Dculung der Czegleder Rede, so offenbart sich plötzlich ihr bisher verborgener Sinn, nur würde man sür das, was in Ezegled „Selbständigkeit", hieß, sonst übepall in Ungarn ein ganz anderes Worrt finden. Segen diese Art von TeflBstsindig� keit lehnt sich die ungarische Bundestreue, aber auch der gesunde Selbsterhaltungstrieb des ungarischen Volke? mit aller Leidenschaft- lichkeit auf." Kleine Kriegsnachrichten. Der amerikanische Werftarbeiterstreik. Der Obmann des Schiff- sahrtsamies Hurley forderte G o m p e r s aus. zur Beendigung des Aussiandes zu vermitteln, der das Schiffsbauprogramm der Regierung für die pazifische Küste gefährde. Die Besprechungen in San Franciseo zwischen der Regierung, den Veriretern der Werften und den Arbeiterführern dauern an. die amtliche„fitifklärung* gegen öen Reichstag. Zu unseren gestrigen Mitteilungen über gefährliche Pläne bestimmter amtlicher Stellen bemerkt das„Berliner Tageblatt" bestätigend: Aus Informationen, die uns zur Verfügung stehen, geht klar und unzweideutig hervor, daß es sich in der Tat um eine genau ausgearbeitete, in allen Einzelheiten organisierte, von amtlichen Stellen geleitete und mit Hilfe des amtlichen Apparates durch- geführte Agitation handelt. Diese Agitation erstreckt sich aus die verschiedensten Kreise und Schichten abhängiger, von ihren amtlichen Vorgesetzten abhängiger Personen. Sie steht nicht nur im Wider- spruch zu der Politik der ReickStagSmehrheii, sondern doch auch, wenn nicht alles täuscht, im Widerspruch zur Politik der Regierung. Ob der Herr Reichskanzler von diesen Vorgängen etwas weiß, vermögen wir nicht zu beurteilen; aber es wäre un- verständlich, daß ihm und seinen Mitarbeitern diese so umfangreiche. rührige und planmäßige.Aufklärungsarbeit" verborgen bleiben sollte. Eine»Gegenwehr in der Presse", von der da? sozialdemo- kratische Blatt spricht, ist aus Gründen, die nicht näher bezeichnet zu werden brauchen, sehr schwierig. Der Reichstag aber wird sich mit dieser recht dringlichen Angelegenheit ja vermutlich beschäftigen. Die alldeutsche Presse stellt sich dumm und schreibt von „sozialdemokratischer Furcht vor der Wahrheit". Ach nein, vor der Wahrheit oder vor dem, waS sich als solche ausgibt, haben wir nicht die mindeste Furcht. Aber, wo„aufgeklärt" wird, da muß Freiheit der Diskussion herrschen, muß das Geltendmachen von Gegengründen, muß auch die entschiedenste Ablehnung vorgetragener Meinungen er» laubt sein. Wo diese Freiheit nicht herrscht, hat die so- genannte Aufklärung zu schweigen, wenn sie nicht zu unerträglicher Gesinnungsknechtschaft ausarten soll. Und daß das Volk vor solcher Gesinnungsknechtschaft geschützt wird, dafür muß gesorgt werden, dafür wird gesorgt werden! Mieterschutz, öer keiner ist! Wir konnten gestern Raummangels halber nicht zu der durch W. T. B. verbreiteten Notiz, daß der Bundesrat den Amtsgerichten die den Mieteinigungsämtcrn zugedachten Befugnisse zum Schutze der Mieter zugewiesen habe, Stellung nehmen. Die durch das Ber- sagen der Bundesstaaten notwendig gewordene Aenderung der Bundesratsverordnung vom 26. Juli 1917 schafft nun wenigstens formell in noch schwebenden Fällen den den Mietern so notwendigen Schutz. Ader wieviele Fäll« schweben denn noch? Ob's überhaupt noch welche gibt? Und wenn, in tatsächlicher Beziehung ist die Bundesratsverordnung in fast all den Fällen, die zu ihrem Erlaß Veranlassung gegeben haben, wirkungslos verpufft. Man vergegen- wärtige sich folgendes: Der Mieter kann über die Wirksamkeit einer nach dem 1. Juni 1917 erfolgten Kündigung des Vermieters, über die Fortsetzung des gekündigten Mietvertrages, seine Dauer, sowie über eine Erhöhung des Mietzinses im Falle der Fortsetzung des Mietvertrages die Eni. scheidung des Mieteinigungsamtes und wo diesem die Befugnis zu solcher Entscheidung nicht beigelegt ist, nach der neuen Bestimmung. des Amtsgerichts, anrufen. Das hat er unverzüglich zu tun. Er kann es nicht tun, wenn inzwischen die Mietzeit abgelaufen ist, oder er sich mit dem Hauswirt über die Fortsetzung des Mietverhält- nisses selbst verständigt hat. Nun schreiben wir heute den 29. Sep- tember. Wieviel Mieter werden nun wohl das Mietverhältnis in der Schwebe gelassen haben? Die Ungewißheit, ob sie wohnen blei- ben oder zum 1. Oktober eine neue Wohnung finden, wird so schwer und drückend geivesen sein, daß die Mieter, um nur sicher wohnen bleiben zu können, die Forderungen des Hauswirts erfüllt, oder sich ewe neue Wohnung genommen haben werden. Die geradezu skan- dalöse Verschleppung der Regelung der Zuständigkeit der Mieteini» gungsämter, der erst jetzt durch die vorläufige Uebertragung der Zu» ständigkeit auf die Amtsgerichte abgeholfen ist, hat fast alle betroffe- nen Mieter um den ihnen zugedachten Schutz gebracht. Trifft die Hauptschuld auch die einzelstaatlichen Regierungen, der Bundesrat hätte wissen müssen, daß bei diesen auf absolut kein sozialpolitisches Verständnis zu rechnen ist. Nun toird auch in den wenigen Fällen, in denen die durch den Hauswirt gekündigten Mieter die Entscheidung deS Einigungsamts noch anrufen, ihnen, der tatsächlichen Verhältnisse wogen, kaum«in« Hilf« werden können. Der Hauswirt wird die gekündigte Wohnung natürlich vermietet haben und bei dem Mangel an kleinen Woh- nungen mit Leichtigkeit haben vermieten können. Ruft nun der alte Mieter die Entscheidung des EinigungSamtS über die Berechtigung der Kündigung usw. an, wird der Hauswirt für den Fall der Fort- fetzung des Mietderhältnisses die Auflösung des mit dem neuen Mieter geschlossenen Vertrages beantragen müssen. Es spielen also auch die Interessen des neuen Mieters eine erhebliche Rolle. Wo findet er nun bis zum 1. Oktober eine neue Wohnung; wer ent- schädigt ihn für den bei Auflösung des von ihm im guten Glauben geschlossenen Mietvertrages erwachsenden Schaden? Das alles wird für das Eimgungsamt eine Rolle spielen. Daher auch wird die Bundesratsverordnung eine praktische Wirkung in den durch das rigorose Vorgehen der Hauswirt« im Juni dieses Jahres akut ge- wordenen Fällen nicht haben. Nochmals betont, nur um deswillen, weil die einzelstaatlichen Regierungen so vollständig versagt haben und weil in der Rcichsleitung niemand war, der rechtzeitig eingriff. Das Einzige, was die Bundesratsverordnung bewirkt hat, ist, daß die Hauswirte in Zukunft nicht so schrankenlos Mietstetgerungen vornehmen können. Immer aber haben die Hausbesitzer durch ihr nahezu an Wucher grenzendes Vorgehen vielen Mietern erhebliche Lasten auflegen können. Die preußische Wahlrechtsvorlage. Die Wahlrechtsvorlage wird der parteiamtlichen„Liberalen Korrespondenz" zufolge noch im Laufe des Monats Oktober dem preußischen Abgeordnetenhause zugehen. Sie bringt das gleiche Wahlrecht, wie der Julierlaß des Königs in Aussicht gestellt hat, und zwar ohne jeden Zensus und ohne alle Pluralisierungsvetsuche. Verbunden mit der Wahlrechts- vorläge wird ein Gesetzentwurf über die Wahlkreisein« teilung und ebenso die Reform des Herrenhauses. Daß die Wahlrechtsvorlage im preußischen Abgeordnetenhause eine Mehrheit— selbstverständlich gegen die dcutschkonservative Partei— findet, darf der genannten Korrespondenz zufolge mit hoher Wahr- scheinlichkeit angenommen werden. Der preußische Landtag ist im Mai bis zum 9. Oktober vertagt worden. Inzwischen sind einzelne Parteien mit dem Wunsche her- vorgetreten, die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses erst acht Tage später beginnen zu lassen. Das SlaalSministerium hat sich daraufhin, wie wir der„Post" entnehmen, bereit erklärt, in diese HinauSschicbung zu willigen. Der innere Zeinö. In Hamburg wird, wie wir dem„Echo" entnehmen, ein oll- deutsches Flugblatt verbreitet, in dem es heißt: „Mitbürger I Das Vaterland ist in Gefahr! In einer größeren als vor drei Jahren! Gegen den äußeren Feind konnten wir damals unserer Wehrmacht vertrauen, und dies Ber- trauen hat uns nicht getäuscht. Heute ist der innere Feind am Werk!...* ES genügt diesen angenehmen Mitbürgern nicht, daß uns die ganze Welt auf den Hals gehetzt worden ist, sie wollen auch noch den Krieg mit dem eigenen Volke! Der Burgfrieden ist tot, eS lebe der Burg krieg! Unsertwegen mögen sie ihn haben, nur mag der Reichstag dafür sorgen, daß der Gegen- wehr keine Hindernisse in den Weg gelegt werden! ßrei nach tzepöebranö. In der alldeutschen„Unabhängigen Nationalkorrespondenz" prophezeit ein Jünger Hcydebrands: Ist der Tag da. vor dem wir unablässig warnten, der un» auf das erste, versteckte und hinterhältige Friedensangebot Eng- landS kläglich hineinfallen und uns mit dem Verzicht auf Belgien auch auf die glänzende Größe und den gesicherten Deutschen Frieden verzichten läßt, den uns in drei Monden das zweite, ernste Angebot des bankrotten Todfeindes bringen muß?j Die Korrespondenz ist vom 18. September datiert. In drei Monaten ist der 18. Dezember. Also doch noch in diesem Jahre. Und wenn nicht, was dann? Parteinachrichten. Gewerkschaften und„Unabhängige". Die Zumutung der Leipziger Unabhängigen, daß in gemein- samen Ausschüssen der Partei, deS GewerkschaslSkartells und der Ge- nossenschaften nur Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratie sitzen dürften, wird von„Korrespondenzblatt" der Generalkommission abgelehnt.„Die Gewerkschaften können und werden sich von nie- mand vorschreiben lassen, wen sie mit ihrer Vertretung in derartigen Ausschüssen betrauen wollen. Das ist eine rein gewerkschaftliche Angelegenheit. Zudem widerspricht eS den Statuten aller der Generalkommission angeschlossenen Verbände, von ihren Mitgliedern die Zugehörigkeit zu einer bestimmten politischen Partei zu ver- langen. An dieser parteipolitischen Neutralität den einzelnen Mit- gliedern gegegenüber sestzuhalten, ist bei der heutigen Partei- zersplitterung mehr denn je notwendig. Die Herren„Unabhängigen" werden also entweder auf die Durchführung rhreS Beschlusses oder aber auf das Zusammenwirken mit GewerkichajtSvertretern in solchen Ausschüssen schließlich verzichten müssen." Lekte Nachrichten. Nußland verleiht den Ostsccprovinzcn Autonomie. Köln, 19. September. Nach Meldungen der französischen Presse hat die vorläufige russische Regierung vorbehaltlich der Genehmigung der verfassunggebenden Versammlung«die Autonomie von Estland, Livland und Kur- land bewilligt._ Gespannte Lage in Rom. Bern, 19. September. Vorgestern und gestern fanden Ver-. sammlungen aller römischen Sektionen der Ar- beiterkammer sowie auch Vollsitzungen der sozio- listischen Partei statt. Die zur Teilnahme einladenden Aufrufe sprechen von hochwichtigen Mitteilungen an die Jugendorganisation sowie von Fragen außcrgewöhn- licher Wichtigkeit, die zur Verhandlung gelangen sollen. Heut« abend werden sich in Rom auch die Anarchisten ver- sammeln.__'.. Wilson will weiter enthüllen. Stockholm, 19. September.„Stockholms Trduingen" be- richtet,„Times" melde aus Washington, das Staatssekve- tariat besitze, noch andere Schriftstücke, die Schwe- den ebenso bloß st eilten, wie die schon veröffentlich- ten. Das Blatt schreibt dazu: Man muß die Vereinigten Staaten bitten, sich nicht von erheucheltem Feinge- fühl verhindert zu fühlen, alles vorzulegen, anstatt die Stimmung durch Anklagen zu erhitzen, denen man nicht ent- gegen treten kann._ Holland nicht in Not. Amsterdam, 19. September.„Allgemcen Handclsblad' meldet, daß die Kartoffelernte in den Niederlanden dieses Jahr außerge- wöhnlich günstig ausgefallen ist. Explosion eines spanischen Dampfers. Madrid, 19. September.(Meldung des Vertreters des Wiener K. K. Telegraphen-Korrespondenz-Bureaus; verspätet eingetroffen.) Nach einer Meldung des Blattes„Debate" in infolge einer Ex- plosion an Bord in der Nähe von Arcachon der spanische Dampfer Marques de Mudela untergegangen. Er war mit einer Erzladung von Bilbao nach England unterwegs. Tie tägliche Milliarde Amerika?. Washington, 18. September.„United Pvetz" meldet: Das Mitglied des Kongresses Fitzgerald, der gleichzeitig Bericht- erstatter der Budgetkommiffion ist, hat den Voranschlag bis 1. Juni 1913 eingebracht. Der Voranschlag rechnet mit einem Betrage von rund 85 Milliarden Dollar<349 Millionen Mark). Allein für den Bau von Flugzeugen sind bereits 3,2 Milliarden Dollar (12,8 Milliarden Mark) ausgegeben worden. Tie Bereinigten Staaten werden nach dieser Berechnung 259 Millionen Dollar (eine Milliarde Mark) täglich für den Krieg ausgeben. Streik der amerikanischen Dockarbeiter. New Kork/ 19. September.„Central News" meldet: 4000 Dockarbeiter von englischen, französischen und holländische:: tranS- atlantischen Schifsahrtsgesellschaftcn haben die Arbeit nieder- gelegt, weil ihre Forderungen nach Entlassung eines unbe- liebten Aufsehers nicht bewilligt wurden. Die Arbeiter erklären, daß sich über 59999 Kollegen dem Ausstand anschließen würden GelveMchsbewMNg Serlin und Umgegend. Die Tenrnngsznlage der Rohrleger. Die letzte Vereinbarung über die Teurungs�ulog« im Rohrlegergewerbe läuft bis t. Oktober. Die Rohrleger und Helfer hatten vor kurzem besihlosien, für die Zeit nach dem 1. Oktober eine weitere Erhöhung der Teurungszulage um 30 Pf. für die Stunde zu fordern. Die Vertreter der Arbeiter haben diese Forderung der Unternehmerorganisation unterbreitet und die Schlichtungskommission hat infolgedesfc» darüber verhandelt. Die Vertreter der Unternehmer erklärten, sie hätten zwar mit einer Erhöhung der Teurungszulage gerechnet, aber die von den Arbeitern gestellte Forderung gebe doch zu weit. Die Unternehmer boten eine Zulage von 20 Pf.. die in vier Zeitabschnitten von je sechs Wochen mit je& Pf. gewährt werden solle. Dies Angebot lehnten die Arbeitervertreter entschieden ab. Sie erklärten sich bereit, ihre Forderungen auf 25 Pf. zu ermäßigen, die in zwei Zeitabschnitten mit 10 und 15 zu zahlen wären. Nachdem die Unternehmer erklärt hatten, sie könnten nicht über 20 Pf. hinausgehen, machten die Arbeiter ihren letzten Vorschlag dahin, daß die Teurungszulage am 1. Oktober um 10 Pf. und am 1. Januar nochmals um 12 Pf. erhöht werde. Zu diesem Vorschlag erklärten dann die Unternehmervertreter, sie würden denselben ihrer Versammlung empfehlen. Weiter wurde noch vereinbart, daß die Landzulage um 1 M. pro Tag erhöht wird, so daß sie ins- gesamt den Betrag von 6 M. mindestens erreicht. Jedoch soll dem Monteur bei Landarbeit, wenn er Verpflegung erhält, nur eine tägliche Barzulage von 2 M. gewährt werden. Bezüglich des Akkordtarifs wurde vereinbart, daß er um weitere 1ö% Proz.(einschließlich der bisherige« Zulage also um 50 Proz. insgesamt) erhöht werden soll.— Diesen Vereinbarungen zufolge beträgt der Mindeststundenlohn einschließlich der erhöhten Teurungszulage vom 1. Oktober ab für Rohrleger 1.30 M., für Helfer 1,11'/, M., für Helfer unter 18 Jahre 1,03 M. Am 1. Januar erhöhen sich diese Sätze auf 1,42 M., 1,23V, M.. 1,15 M. und gelten bis zum Ablauf des Tarifvertrages am 31. März 1318. In der Branchenversammlung der Rohrleger und Helfer am Dienstag legte S i e r i n g die Vereinbarungen vor. empfahl desien Annahme und teilte mit, daß die Arbeitgeberversammlung denselben bereits zugestimmt hat. Nach einer kurzen Diskussion nahm die Branchenversammlung die Vereinbarung mit großer Mehrheit an. 22. Tagung des haupwerbanües öeutfiher Grtskrankenkajsen. Zweitsr Verhandlungstag. Dresden, 18. September 1317. Zunächst wird i» die Diskusston über die Referat« „Aendcrung der ReichSverfichernngSordmmg� eingetreten. Geschäftsführer Bunde- Hamburg bält u. a. eine Aenderung d«S Wahlsystem? zu den Verficherungsbehörden für notwendig. W o ni tz ki-Berlin wendet sich gegen die von einem Referenten geäußerte Ansicht, daß Betriebskrankenkasien nur errichtet werden können, wenn sie mindestens 3000 Mitglieder haben. G r ä s- Frankfurt ist der Meinung, daß nach dem Kriege die Beiträge, selbst wenn sie auf 3 Proz. erhöht würden, nicht aus- reichen, um das Gleichgewicht herzustellen. Die Folgen des Krieges, Krankheit, Elend usw. werden nicht die einzigen Ursachen des Rückgangs der Finanzen der Kasten sein; vielmehr werden eine große Zahl anderer Fragen der Lösung harren und die Kasten in erhöhtem Maße in Anspruch nehmen. So die Forderungen der Merzte..?,hShu«g M Krankengeldes ulkstuechend der------ des Geldes, der Krankenhauskosten und der Gehälter der Beamten. Da die Mittel also beschafft werden müsten, seien Aenderungen in Betracht der Krankenversicherung notwendig. Die Betriebskranken- kästen müßten deshalb beseitigt werden. Die enormen Ueberschüste der Fabrikanten, daS Ansammeln großer Vermögen durch Wucher usw. geben keine Berechtigung zur Gewährung von Extravaganzen nach dieser Richtung. Es müste der Kreis der Versicherten erweitert werden und warnt er vor Palliativmittel. Räch weiterer Diskussion wird ein Antrag angenommen, der die Beseitigung der Betriebskrankenkasten fordert. Geschäftsführer Lehmann behandelt dann m einem längeren Referat die Arztftage. Die wirtschaftlichen Ziele de? Leipziger AerzteverbandeS seien mit den Grundlagen der Krankenversicherung unvereinbar, daher konnte das Berliner Abkommen den Frieden in der Arztfrage nicht bringen. Da die Krankenpflege allgemein nur als Sachleistung zu gewähren ist, find die Krankenkasten rechtlich gebunden; die Aerzte dagegen können ihr durch die Krankenversicherung eingeführtes Be- Handlungsmonopol wirtschaftlich ftei verwerten. Diese Rechts- Ungleichheit muß beseitigt werden. Die Gesetzgebung muß den ärztlichen Berus der Sozialversicherung baldigst eingliedern. wenn deren durch den Krieg erweiterte Aufgaben gelöst werden sollen. Dabei find die Grundlagen des Berliner Abkommens, die sich bewährt haben, zu übernehmen; das Schieds- Verfahren ist jedoch durch Verhandlungszwang und durch Schaffung einer Revifionsinstanz auszubauen. Jeder Zwang, mehr als die im Berliner Abkommen bestimmte Zahl von Aerzten anzustellen, ist auszuschließen. Dieser ausreichenden Zahl von Aerzten find an- gemestene Bedingungen zu bieten. Sind nicht genügend Aerzte zu angemestenen Bedingungen zur Kastentätigkeit bereit, so sollen Bar- leistungen an die Stelle der Krankenpflege treten. Krankenkaste und Arzt dürfen durch Kollektivverträge und Ueberwachungsausschüste nicht getrennt werden. Die ärztlichen Standesordnungen sind zu wirtschaftlichen Zielen nicht mehr zu benutzen. Ablaufende Verträge sollen erst nach Friedensschluß erneuert werden. Es ist zu beachten. daß die Wirtschaftslage noch mehr als bisher zwingt, alle Kräfte zusammenzufasien und haushälterisch zu benützen. Daher gilt für Arztverträge als grundlegend:.Die Zahl der Aerzte ist auf das im Berliner Abkommen bezeichnete Matz zu beschränken. Für die Höhe der ärztlichen Vergütung ist das kassenärztliche Gesamteinkommen und die Leistungsfähigkeit der Krankenkassen zu berücksichtigen. Die Familienhilfe ist keineswegs höher als die Mitgliederbehandlung zu vergüten; andernfalls kann«in Barzuschuß für ärztliche Hilfe gewährt werden. Bei Berechnung der ärztlichen Vergütung und Regelung des ärztlichen Dienstes sind die Krankenkasten durch Ver- treter zu beteiligen. Verträge sollten von den Krankenkasten erst nach Begutachtung durch ihre zuständige Kastenvereinigung ge- schloffen werdend In der Diskusfio« bringt Sohn- verlin tat der ärztlichen Fachpresse Aeußerungen zur Vorlesung, in denen die Aerzte von der.verschwenderischen Ausgestaltung des Krankengeldes' reden. VerbandSvorfitzender Fräßdorf- Dresden warnt davor, leicht- fertige Verträge abzuschließen. Ohne Zustimmung deS Haupt- Verbandes sollte kein Vertrag mit den Aerzten abgeschlossen werden. Wenn die Aerzte nicht ablassen, zu behaupten, daß sie von den Kassen so schlecht bezahlt würden, so seien die Kasten gezwungen, eine Konzentration vorzunehmen und nur die Aerzte anzunehmen, die sie brauchen können. Eine Entschließung, die die SuSführnngen des Referenten zu- sammenfassend widergibt, wird angenommen. Ueber die Arznei Versorgung der Krankenkasse» spricht Kastenvorsitzender Braß- Remscheid. Seine Ausführungen gipfeln in folgendem: Die PreMrekbereirn«ff de» Arznei«» kkteftnarki belasten die Krankenkasten in fühlbarster Weise. Die Zurückhaltung der Reicks« regierung gegenüber dieser Entwicklung ist lebhaft zu bedauern. Um so mehr müssen die Kasten sich durch Selbsthilfe schützen. Leider finden sie hierbei meist nicht die Unterstützung motzgebender Bc- Hörden. Die Kasten können beanspruchen, daß sie von diesen vor Ausstellung der Arzncipreise und Handverkaufslisten und deren Preise gehört und ihre Wünsche beachtet werden. �)er überwiegende Einfluß' der Apotheker auf die Verwaltungsbehörden ist zurück« zudrängen. Als Mittel der Selbsthilfe kommen in Betracht: Selbstabgabe von fteigegebenen Arznei- und Heilmitteln. Zulassung der Drogisten. Vereinbarungen mit den Apothekern. Zulassung fabrikmäßiger Zu- bereitungen der Rezeptur und des Handverkaufs, die non den Aerzten häufig verordnet werden. Nachprüfung der Verordnung-- weise der Aerzte und der Berechnungen der Apotheker. Verein- barung einer Anleitung zu wirtschaftlicher Verordnungsweise mit den Aerzteorganisationen. Das Verhältnis der'Krankenkassen zu den Apothekern kann bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen und reckt- lichen Grundlagen des Apothekerberuss nicht befriedigend gestaliei werden. Daher ist die schleunige Umgestaltung des Apothekenwesens durch Ueberführung der Apotheken in gemischtwirtschaftliche Ge- meindebetriebe zu fordern. Die vorgelegten Leitsätze, die sich mit den Ausführungen des Referenten decken, finden Annahme. Darauf wird Mitteilung über die beabsichtigte Gründung einer Rnhegehaltsvrrfichernng deutscher Krankenkasten gemacht und ein Antrag angenommen, der den Vorstand deS Haupt- Verbandes beaustragt, gemeinsam mit den übrigen beteiligten Krankenkastenhauviverbänden die Vorarbeiten für die Errichtung einer deutschen Ruhegebaltsverficherung so fortzusetzen, daß noch im L aufe deS Jahres 1317 die Errichtung einer solchen Versicherung vor sich gehen kann. Ueber die Aenderung der Berbandssatzung spricht Verbandsvorsitzender Fräßdorf- Dresden. Der Vorstand müste erweitert werden. Eine Beitragserhöhung sei notwendig. Ein Beirat solle geschaffen werden, der Kosten verursache. Den Geschäftsbericht erstattet Geschäftsführer Lehmann. Die Neuwahl des Vorstandes hat folgendes Resultat: I. Fräßdorf, Dresden, Vorsitzender; Rechtsanwalt Benndorf, Dresden, stellv. Vorsitzender; Justizrat Dr. Mayer, Frankenthal; Kommerzienrat Simon, Berlin; Prokurist Sieberls. Düsseldorf; Kassenvorfitzender Gröf, Frankfurt a. M.; Direktor Kohn, Berlin; Kassenvorfitzender Leichsenring, Straßburg; Kassen- Vorsitzender Rhein, Bremen; Stadtverordneter Scholich, Breslau; Stadtverordneter Hof, Karlsruhe, als Beisitzer. Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung soll stattfinden. Nach einem Schlußwort des Vorfitzenden wurde die Mitgliederversammlung geschlossen. Der dritte Verhandlungstag, zu dem vornehmsich die Vor- fitzenden und geschäftsleitenden Angestellten eingeladen find, soll sich mit VerwaltungS- und Rechtsfragen im internen Kreise befassen. in Kassel Fräßdorf Zrauen-Leseabenöe. SchSneberg. Frooenleseabend heute Donnerstag, s»/. Uhr. bei Obst, Marli ii-Luther-Swatze 69. Stadtverordneter Genosse M o h s spricht über die Kohlen- und Gasversorgung im wurmenden Winter. rSetteranSstchten für das mittlere Rorddentschlan» bis Freitag mittag. Uebcrall ziemllch warm, im Süden vielfach heiter, im Norden besonders an der Küste vorwiegend wolkig mit leichte» Regensälle», strichweise Gewitter. Neranttvortlich für Politik: Erich R-ttner, Berlin: für de» übrige» Teil des BlatteS: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsaristalt Paul Singer i Co., Berlin SW. Hier» 1 Beilage und Unterhat tuuggblati. erfordert warme Meldung für unsere Lieblinge, besonders angesichts der Zu- stände, wie sie der Kohtenmcmgel im kommenden Winter mit sich bringen dürfte. Und wie Ihre etgene Meidung, können Sie auch Ihre Einkäufe für Ihre Meinen besonders vorteilhaft bei uns besorgen, die wir mit guten preiswerten Mudermänteln weise noch vorjährige Ware) besonders reichlich ver» sehe« sind. Kindermantel Nli< hübsch wstiert. Ware mit Samt- tragen u. niedlichem Gurt. Äequeme Stechtaschen. Für da«. Älter voa 3—6 Zghren"12 endete Größen enisprechend. Mantelkleid Winiermantet au« molliger, einfarbiger War« mit hochstülpbarem Kragen, reizvollem, neuartigen Gürtelschaitt und weit glgckigem Fast 77*75 au« einfarbiger, gerauht. Ware. Sehr nett ver- arbeitet mit Samtkra und molligen Für da« Älter v-d-aIahrea W-iO «id. Größ. entsprechend. Konigffr. 33 Arn Bahnhof Alexandervlak Geantags geschlossen.' 113 Beim Oteftmer Bahnhof !tr. 45$ ♦ 34. �ahrgaag Heilage öes vorwärts doükerstag, 2S. September 1�17 GroßSerün Zur Einschränkung des Verbrauchs von GaS und Elektrizität für Groh-Berliu. Z!ach der Verordnung des Steichskommissars vom SL August 1917 ist die Entscheidung über Bewilligung von Ausnahmen von der angeordneten Einschränkung dem Kohlenverband Grotz-Berlin übertragen worden. Die Prüfung und Bearbeitung aller derarti- gen Anträge ist den Gemeindeverwaltungen übertrage«. Zwecks gleichmäßiger Durchführung der Bestimmungen haben die Gemein- den sich bei ihren Entscheidungen im Rahmen einer Soeben veröffentlichten Ausführungsanweisung zu halten. Wie entnehmen dieser folgendes: Die Entscheidung über Anträge aus größer» Gasverbrauch von kriegswichtigen Betrieben steht allein der Kohlenabtei lang der Kriegsamtstelle in den Marken, Verlin W. 9, Linkstrahe 25, Fugger- haus, zu. Acrzten, Zahnärzten, Dentist«»(diese»ur, soweit sie zur kassenärztlicheu Praxis zugelassen sind) und Apotheken kann die Entnahme von IVO Proz. ihres vorjährigen Gaskonfums gestattet werden. Darüber hinaus stehen sie den anderen Gas- abnehmen, gleich. Bei Entbindung und schwerer Krankheit entfällt die Verpflichtung zur Einschränkung, sofern das Vorliegen der Vor- anssstzung durch ein von der Gemeinde nachzuprüfendes ärztliches Attest nachgewiesen wird. Für häusliche Berufsarbeit auch von ehrenamtlich tätigen oder beamteten Personen dürfen keine Ausnahmen bewilligt werden auher in den oben vorgesehenen Fällen. Oeffentliche Anstalten und Einrichtungen der Wohlfahrtspflege können von der Einschränkung ausgenommen werden. Im Falle der Vermehrung des Personenstandes gegen das Jahr 1916 kann für jede Person die Entnahme von monatlich hoch- stens 13 Kubikmeter Gas über die auf 96 Proz. des Vorjahres be- schränkte Verbrauchsmenge zugelassen werden. Das gilt nicht für Besuch Vorübergeheuder Art und bezieht sich nur auf die Bevölke- rnugszunahme der Gemeinden, nicht auf die Perfonenvermehrung des einzelnen Haushaltes. Ist der für die Bemessung der Einschränkung des Gasverbrauchs im Septem ber-Lktober 1917 in Betracht kommend« Gasverbrauch des gleichen Monats im Jahre 1916 aus besonderen Gründen nied- rigcr gewesen als einem regelmäßigen Verbrauch entspricht(z. B. durch Reise), so wird für die Berechnung der Verbrauchsmonat Fe- bruar-März 191 6 zugrunde gelegt. Ebenso findet bei der Berechnung des Verbrauchs in den beiden Sommer- bzw. Wintervierteljahren 1917/18 ein Vergleich der entsprechenden Verbrauchszisfern für 1916 statt. Im Falle der behördlichen Einschränkung der Warmwasserver- sorgung in Häusern, die mit Zentralheizung und Warmwasserver- sorgung versehen sind oder denen eine Einrichtung zum Kochen mit Kohlen fehlt, kann für je einen Hausbalt die Entnahme von monat- lieh höchstens 15 Kubikmetern Gas über die auf 96 Proz. des Vor- jahres beschränkte Verbrauchsmenge zugelassen werden. Die Auswechselung kleinerer Gasmesser gegen größere aus tcch- nischen Gründen ist zulässig.— Heber die Zulässigkeit der Neuauf- stellung von Gasöfen bei Privaten und in öffentlichen Geschäfts- räumen entscheidet allein die Kohlenstelle Groß-Berlin.— Die Zustellung der Zuschlagsberechnung soll siir solche Gasabnehmer, die Anträge ans Ausnahmebewilligung gestellt haben, bis zur Erledi- gung dieser Anträge durch die Gemeinden bzw. Kreise zurückgestellt »»erden..— Die Einziehung der Zuschläge bei Automatengasver- brauchen, soll gleichfalls zunächst zurückgestellt werden. Keine Anrechnung der Nährmittel bei der Maffenspeisnng. Der Arbeitsausschuß der Groß-Berliner Gemeinden hat in seiner Sitzung vom 17. d. M. nach eingehender Prüfung der Frage durch einen Unterausschuß beschlossen, entgegen der ursprünglich ge« hegten Absicht Nährmittel, die auf die Lebensmittelkarten der einzelnen Gemeinden verteilt werden, bei der Massenspeisung nicht anzurechnen. Es soll nach wie vor nur ein Teil der Kartoffel- und Fleischkarten bei der Massenspeisung entwertet werden. Den Teilnehmern der Massenspeisung steht jedoch ein« andere Ueberraschung bevor. Der Berliner Magistrat hat die Absicht, den Preis für die Portion auf 56 Pf. heraufzusetzen, da jetzt schon die Selbstkosten 48,5 Pf. betragen. Hoffentlich denkt der Magistrat auch gleichzeitig daran, den Angehörigen der Kriegs- teilnehmer die Unterstützungssätze zu erhöhen, da ja nicht nur die Materialien für die Volksküchen eine enorme Verteuerung erfahren haben, sondern auch die übrigen Bedarfsartikel, die von den An« gehörigen der im Felde Stehenden zur Bestreitung des LebenSunter« Haltes gebraucht werden._ Tie Verteilung des öffentlich bewirtschafteten Gemüses. Die öffentliche Bewirtschaftung bestimmter Arten von Herbst- und Wintergemüse wird auf Grund der Verordnung über die zwangsweise Erfassung von Gemüse in einigen Landes-, Provinzial« und Bezirksgemüsestellen erfolgen. Die Verteilung des so sicher- gestellten Gemüses auf den Frischverbrauch der Bevölkerung und die verarbeitende Industrie liegt der Reichsstelle für Gemüse und Obst ob. Grundsatz der Verteilung ist, daß neben der Sicherstellung der Lieferungsverträge der wichtigste Zweck der Bewirtschaftung vor allem darin besteht, den verarbeitenden Industrien genügend Ware zuzuführen, um den außerordentlich gesteigerten Bedarf des Heeres und der Marine an Konserven, Sauerkraut, Salz- und Dörrgeinüse unter allen Umständen zu sichern. Ferner muß genügend Ware verarbeitet werden, damit in den kommenden ichwie« rigen Frühjahrsmonalen der Zivilbevölkerung ausreichende Zuwen- düngen gemacht werden können. Die Lieferungen für die Industrie haben die größte Wichtigkeil, während zur Versorgung des Frisch- Verbrauchs in den kurzen Wochchr der Ernte ohnehin genügend zur Verfügung stehen wird. Es muß daher alles daran gesetzt werden, die Industrie reichlich zu versorgen. Die Beurteilung des Erfolges der Bewirtschaftung wird davon abhängen, ob dieses Ziel erreicht wird. Die Kommunalverbände werden jedoch ausdrücklich gewarnt. Ware an die Fabriken ohne vorherige lelephonische oder telegraphische Aufrage, ob die Fabrik in der Lage ist. die Ware zu verarbeiten, zu liefern. Es tritt sonst leichr die Gefahr des Verderbens der Ware ein. Der Reichsstelle für Gemüse und Obst muß unbedingt die Ware zur Verfügung gestellt werden, die sie verlangt. Die Reichsstelle beabsichrigl dabei, nur den allerdringendsten Bedarf des Frisch- verbrauch» zu befriedigen. Ueberanforderungen der Bedarfsstelle, r soll entgegengetreten werden. Ebenso wird von den bewirtschaftenden Gemüsestellen selbst verlangt, daß sie die Anforderungen ihrer eigenen Kommunalverbände unier allen Umständen aus das allernolwendigste zurückführen, damit unbedingt Dauerware geschaffen wird, die das Heer und die Marine versorgt und die Bevölkerung im Frühjahr über die kommende schwere Zeit hinweghelfen kann. Es wäre wünschenswert, auch der Fabrikation des getrockneten Gemüses eine größere Sorgfalt zu widmen. Die Fabriken müssen für minderwertige Ware verantwortlich gemacht werden, damit die Bevölkerung nicht wieder wie im vorigen Winter Dörrgemüse be- kommt, das sich ebenbürtig dem berüchtigten Kriegsmus an die Seite stellen kopnle. Und die Gemeinden dürfen nicht gezwungen werden, allen Schund abzunehmen. Berichtigung der Rindflcischpreise. Der Säulenanschlag vom 16. September, betreffend Bekanntmachung über Kleinhandelspreise für fnjches Rindfleisch, enthält insofern einen Druckfehler, als der Prei« für:»andere Teile mit Knochen(eingewachsene Knochen und Knochenbeilage dürfen nicht mehr als ein Fünftel des Gesamtgewichts ausmachen)' mit 2,26 M. statt, wie es richtig heißen müßte, mit 2,16 M. angegeben ist._ Nene Gemüse-«nd Obstpreffe. Die für Gemüse nnd Obst bei der Staatlichen VerieikungSstelle und der Preisprüfungsstelle Groß-Berlin gebildeten Preiskommissionen haben für das Gebiet der Staatlichen Verteilungsstelle Groß-Berlin mit Genehmigung bezw. auf Anordnung der Reichsstelle folgende Erzeuger», Großhandels- nnd Kleinhandelshöchstpreise festgesetzt: Höchstpreise Erzeuger N'.«x. M. M. M. srbsen(Schoten)...... 0,50 0,60 0,75 Bohnen(Stange«- u.Brechvohnen) 0,26 0,33 0,43 Wachs- und Perlbohnen... 0,32 0,41 0.50 Rote Möhren und lange Karotten ohne Kraut...... 0,07 0,10 0,15 Gelbe Speiiemöhren..... 0,05 0,08 0,12 Weiße Möhren...... 2,50 4,00 6,00 Karotten, runde kleine.... 0,12 0,17 0,25 Herbstkohlrabi ohne Laub... 0,12 0.16 0.23 Junge Kohlrabi mit Laub.. 0,20 0,26 0,35 Spinat......... 0,30 0,39 0,50 Zwiebeln, lose(Saatzwiebeln bis zum Gewicht von 3 gr je Stck. fallen nicht unter diese Höchstpreise)...... 0.11 0,16 0,23 Weißkohl......... 0,04 0,08 0,12 Rotkohl......... 0,071/, o,12 0,17 Wirsingkohl........ 0,07 0,12 0,17 Grünkohl(die Strünken dürfen nicht länger als 10 oro sein) 0,07V, 0,12 0,17 Einlegegurken(prima handelsübliche Ware, von denen 60St. etwa 16 Pfd. wiegen) Stück 0,04 0,06 0,08 do. Pfund....... 0,15 0,30 0,25 Kcüppelgurken, Pfund.... 0,04 0,06 0,08 Kürbis im ganzen..... 0,10 0,13 0,17 dv. im Ausschnitt..... 0,00 0,00 0,20 Rote Rüben....... 0,10 0,13 0,18 Tomaten aller Art(der Höchst- preis gilt auch für unter Glas gezogene Tomaten». 0,35 0,42 0,55 Mairüben und ähnliche Rüben (Stoppel-, Wasserrübeu).. 0.05 06 0,08 Kohlrüben(Steckrüben)..... 0,01% 0,08 0,05 Sellerie mit Kraut..... 0,20 0,26 0,35 Meerrettich a) wenn 100 Stangen mindestens 60 Pfd. wiegen.. 0,40 0,48 0,60 b) wenn 100 Stangen mindestens 40 Pfv. wiegen.. 0,30 0,36 0,45 o) leichtere Ware..... 0,20 0,25 0,85 Schwarzwurzeln...... 0,40 0,48 0,60 Rhabarber........ 0,05 0,07 0,10 Aepfel Gruppe I...... 0,40 0,53 0,85 do. Gruppe II...... 0,25 0,84 0,45 do. Gruppe III..... 0,10 0,16 0,20 do. Gruppe IV..... 0,20 0,25 0,32 Birnen Gruppe I..... 0,35 0,51 0,65 do. Gruppe II...... 0,20. 0,80 0,40 do. Gruppe TU..... 0,08 0,14% 0,20 Pflaumen: I. Edelpflamnen 0,80 0,44 0,55 II. Zwetschen. HauSpflaumen, Hauszwetschen, Muspflaum.. Bauernpflaumen, Thüringer Pflaumen, mir Ausnahme M der Brennzwetschen... 0,20 0,30 0,40 HI. Brennzwetschen..... 0,10 0,13— Walnüsse ohne grüne Schale.. 0,60 0,65 0,86 Mairüben und Mohrrüben mit Kraut sowie nicht zu Köpfen geschlossener Kohl sollen nicht mehr gehandelt werden. Sämtliche Preise verstehen sich je Pfund, soweit nicht vorstehend eine Berechnung nach Stück besonders angegeben ist. Die Groß- und Kleinhandelshöchstpreije haben Gültigkeit für inländische Ware, auch wenn sie aus anderen inländischen Erzeuger- gebieten herrührt. Ueberschreitungen der festgesetzten Höchstpreise werden auf Grund de? Gesetzes über die Höchstpreise vom 4. August 1914 in der Fassung der Bekanntmachung vom 23. März 1916/ 22. März 1917 mit Gefängnisstrafe bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 M. bestraft. Die Großhändler setzen sich außerdem der Ge- fahr der sofortigen Konzessionsentziehung, die Kleinhändler der Entziehung ihrer Kaufberechtigungskarte aus. Die obigen Preise treten mit dem 23. September d. I. in Kraft und gelten bis auf weiteres._ Gebt Windeln! Vom Bund für Mutterschutz wird unS geschrieben: Immer schwieriger wird es heute für eine junge werdende Mutter, sich die Ausstattung zu beschaffen, die sie für das erwartete Kleine braucht. Die vorhandenen Mittel find in Anbetracht der kostspieligen Lebensverhältnisse meist sehr knapp und selbst wo sie in größerem Umfange da sind, ist es oft ein Ding de/ Unmöglichkeit, für sie die gewünschte Ware zu bekommen, denn unsere Wäschegeschäfte haben ihre Vorräte an Kinderwäsche, Windeln usw. zum großen Teil längst ausverkauft. Auch bei den gemeinnützigen Vereinen, die früher immer helfen konnten, ist große Ebbe eingetreten, und sie können nur den geringsten Teil der bei ihnen einlaufenden Wünsche be- ftiedigen. Wir richten deshalb die dringende und herzliche Bitte an alle Hausfrauen, einmal ihre Wäscheschränke daraufhin durchzusehen, ob sie nicht noch Vorräte an Kinderwäsche aus alten Tagen oder sonstige entbehrliche Wäschestücke haben, die zu Hemden, Jäckchen, Unterlagen und Windeln verarbeitet werden könnten. In unserer Nähstube wird jedes Stück brauchbar hergerichtet. Freundliche Gaben bitten wir zu senden an das Heim des Bundes für Mutter- schütz, Uhlandstr. 143 in Wilmersdorf. Auch holen wir gern auf schrifrliche oder telephonische(Pfzbg. 2358) Benachrichtigung die Sachen aus der Wohnung ab. Zum Oktobcrumzug. Wohnungsumzüge sind nie ein angenehmes, in der gegenwärtigen Zeit ein besonders schwieriges Unternehmen. Es muß von langer Hand vorbereitet werden, wenn alles einiger- maßen klappen soll. Dazu gehört aber auch, daß der Umzügler in seiner neuen Wohnung seine Zeitung vorfindet. Wir bitten unsere Leser, unsere Expedition rechtzeitig zu benachrichtigen, damit in dem Bezug der Zeitung keine Störung eintritt. Für durchgehende Arbeitszeit und den 5-Uuhr-Geschäftsschluß spricht sich das Kriegsamt in einer Veröffentlichung aus. Es heißt darin:.Zahlreiche Einzelvorschläge zur Kohlenersparnis sind von amtlichen Siellen und der Tagespresse gemacht worden. Als ein wichtiges Mittel ist die möglichst weitgehende Anwendung der durchgehenden Arbeitszeit zu bezeichnen. Unterbrechung der Ar- beitszeil bedeutet Vermehrung der täglichen Heiz- und Lichtstunden. Besteht hierfür keine zwingende Notwendigkeit, so werden Kohlen vergeudet. Jeder Betriebsleiter, jeder Kaufmann, Industrielle und Gewerbetreibend« möge sich daher die Frage vorlegen, ob nicht auch für seinen Betrieb oder einzelne Teile die durchgehende Arbeitszeit ohne besondere Nachteile zu ermöglichen ist. Die Verkauisgeichäfle mit Ausnahme der Lebensmittelläden können zweckmäßig an vier Tagen der Woche mit Eintritt der Dunkelheit, d. h. gegen 5 Uhr. geschlossen werden; zwei Tage genügen für alle, die nur des Abends Zeit zu Einkäufen haben. Dem Bedenken, daß an diesen zwei Tagen Verkehrsanhäufungen eintreten werden, wäre durch entsprechende Verteilung der einzelnen Wochentage auf die verschiedenen Geschäfte zu begegnen.' Reuer Somariter-Kursns. Bon der Lestung der Kolonne Berlin deS Arbeiter-Samariter-Bundes erhalten wir eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Am 24. September beginnt ein neuer Kursus zur Ausbildung in der ersten Hilfe bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen, sowie in der häuslichen Krankenpflege. An die Groß- Berliner Arbeiter und vor allem auch an die Arbeiterinnen richten wir die Bitte, sich in möglichst großer Zahl daran zu beteiligen. Für die Leistungsfähigkeit der Kolonne spricht die Tatsache, daß alle Prüflinge der letzten Kurse ihre ärztliche Prüfung bestanden haben. Die männlichen Teilnehmer sind fast ohne Ausnahme nach ihrer Einziehung zum Militär als Krankenträger und Sanitätssoldaten ein- gestellt worden. Im täglichen Leben ist die Kenntnis der ersten Hilfe- leistung eine Notwendigkeit. Jeder, besonders aber der werktätige Mensch kann von einem Unfall bedroht werden. Vielfach und namentlich in der Kriegszeit ist es unmöglich, sofort einen Arzt her- beizurufen. Da kann ein ausgebildeter Samariter viel für den Verunglückten oder Erkrankten tun. Wer sich über die Nützlichkeit eines Samariters unterrichten will, der besuche den Anfangsabend des neuen Kursus, der am 24. September, abends 8% Uhr, Cöpe- nicker Str. Nr. 62, stattfindet. Beteiligen können sich alle über 17 Jahre alten Personen, Damen wie Herren. Die Lehrpläne werden am ersten Abend ausgegeben, auch find sie beim Vorsitzenden zu haben. Jede Person hat einmaligen fteien Zutritt. Näheres cm- hält das heutige Inserat. Jugendweihe. Heute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr. findet im Lehrervereinshaus eine Vorbesprechung der angemeldeten Kinder statt. Die Einlatzkarten zur Feier müssen vorher be- sorgt werden und sind bei allen»Vorwärts'-Speditionen sowie im Sekretariat der Bezirksorganisation, Lindenstr. 3. 2. Hof l. III Tr., erhältlich. Andere Berkaufsstellen kommen nicht in Betracht. Ebenso wird nochmals darauf hin- gewiesen, daß die Jugendweihe am kommenden Sonntag, pünktlich 11 Uhr vormittags, und zwar im Lehrervereinshaus, Alexanderplatz, stattfindet. Auch Gäste und Freunde der Jugend haben zu dieser Feier Zutritt. Eine Stunde in Todesangst. Eine gefährliche Einhrecheckbonde hat die Neuköllner Krim/malpolezei unschädlich gemacht. Sie bestand aus den 33, 29, 32 uni> 27 Jahre alten Arbeitern Richard I a n e ck c, Kart Weidemann vom Kotrbuserdamm 4, Theodor Tugend aus der Oranienstraße 190, und Karl Behrendt aus der Müggel- Straße zu Lichtenberg. Alle vier sind wegen Diebstahls und Ein- bruchs schon wiederholt mit Zuchthans bestraft. Zu ihnen gehörten drei Weiber, die ihnen Schärfer- und Hehlerdienste leisteten. Tu- gend, der früher in der Pannierstraße zu Neukölln wohnt«, staub schon länger im Verdacht des Geldschrankeinbruchs. Erst jetzt konnte er mit seinen Helfershelfern gefaßt werden. Di« vier Verbrecher drangen in der Nacht zum Dienstag in die Räume der Landes- Produkt en-Großhandlung von E. Reinecke in der Urbanstraße 100 ein. Als sie dabei waren, einen großen Geldschrank aufzubrechen, überraschte sie der Wächter des Grundstücks. Bevor er sie noch zun Rede stellen konnte, stürzten sich alle vier auf ihn und geboten ihm dann, sich auf einen Stuhl zu setzen. Einer der Einbrecher stellte sich nun mit einem scharf geladenen Revolver vor den Wächter hin und drohte ihm, ihn sofort niederzuschießen, wenn er auch nur Miene mache, um Hilfe zu rufen oder sonst Lärm zu machen. Während so der Wächter in Todesangst dasaß, und sich nicht rühren durfte, »arbeiteten" die anderen drei Einbrecher ruhig an dem Geldschrank «ine ganze Stunde lang weiter, Ms sie ihn bewältigt hatten. Sic erlebten dann eine arge Enttäuschung. Während sie in dem Schrank große Summen vermutet hatten, fanden sie nur 180 Mark. Mit diesen in der Tasche entfernten sich zunächst die drei Wann, die das Spind erbrochen hatten. Der vierte blieb mit vorgehaltenem Re- volver noch eine Weile vor dem Wächter stehen und drohte ihm er- neut mit Erschießen, wenn er ihm etwa folgen sollte. So mußte der Wächter wohl oder übel alle vier laufen toffen. Die Neuköllner Kriminalpolizei vermutete nun, daß Tugend bei dem Einbnich� wieder seine Hand im Spiel« gehabt habe. Sie überraschten ihn gestern in seiner Wohnung und fanden'bei ihm auch Behrendt. Bei der Durchsuchung der Behausung entdeckten die Beamten mehrere Geldrollen mit der Finna Reinecke und Briefschaften aus diesem Geschäft. Der Zusammenhang war jetzt klar. Die beiden wurden festgenommen, und die Neuköllner Kriminalpolizei ermittelte und verhastete dann auch noch Janecke und Weidemann. Nach weiteren Ermittelungen hat die verhaftete Bande in der letzten Zeit auch Ein- brüchc in die Tüchersabrik von Bauch am Grünen Weg 18, und in ein Damenhutgeschäft am Kottbuseroamm verübt. Tie vier Ein- brecher und ihre drei weiblichen Helfershelfer wurden gestern dem Untersuchungsrichter, borgeführt. Die EingemeindnngSverhandlmlgrn zwischen Lichtenberg und Friedrichösclde nehmen, wie uns von Lichtenberger zustän- d i g e r Seite mitgeteilt wird, einen günstigen Fortgang und dürften, Ivenn nicht unerwartete Hindernisse eintreten, schon in naher Zeit zum Abschluß kommen.__ Schöncberg. Opfertag zur KleinkindersÜrsorge. Der Magistrat teilt mit: Zur Gewinnung der notrvendigen Geldmittel für die ftkemkiiiderfürsorgejilldet in Schöneberg am 20. September ein Opsertag statt, der der Bevölkerung Gelegenheit geben soll, durch Spenden zu einem großen Erfolg der Sammlung, die den Namen»Deutsch- landsspende siir Säuglings- und Kleinkinderschutz' trägt, beizu- tragen. Es werden etwa 600 Schullinder in den Straßen der Stadt Geldsammlungen vornehmen. Wilmersdorf. Kohlen- Sonderkarten für Haushaltungen. Die- jenigen Haushaltungsvorstäude in Häusern mit Zentralheizung, die eine Kohlen« Sonderkarte für Wasch- und Kochzwecke zu erhalten. wünschen, haben dies schriftlich bei der städtischen Kohlenversorgung, Brandenburgischn Slr. 5, zu beantragen. In dem Antrage ist daS Bedürfnis kurz zu begründen und glaubhaft zu machen. Eines be- sonderen Vordrucks bedarf es dazu nicht. — Die Brkleidungsstclle(Ausgabestelle für Bezugscheine) ist jetzt nur noch von 9—2 Uhr geöffnet. — Ausfall des Obstmarktcs. Der erste der von der Land« wirtschuftslainmer für die Provinz Brandenburg in Aussicht genommenen märkischen Obstmürklc. der gestern vormittag in der Turnhalle der Oberrcalschute Am Seepark 36 eröffnet werden sollte, konnte leider nicht stallfinden, weil von den Obstzüchiern nur sehr wenige Anmeldungen vorlagen. Zahlreiche Käufer mußten unver- richteler Dinge wieder umkehren. — Flcischvcrkauf und Kohlenersparnis. Der Magistrat hat an- geordnet, daß vom 1. Oktober ab mit Rücksicht auf die Einschrän- kung des Kohlen- und Gasverbrauchs bis auf weiteres der Fleisch- verkauf nur von Diensiag bis Sonnabend von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags stattfindet. An jedem Freitagnachmittag von 4 bis 7 Uhr sind alle Kunden, die am vorhergehenden Diensrag und Mittwoch zu lausen verhindert waren, an jedem Sonnabend nachmittag von 4 bis 7 Uhr diejenigen Kunden, die am Vormittag dieses Tages und an dem vorhergehenden Donnerstag und Freitag zu kaufen verhindert waren, zum Fleischeinlaus berechtigt. I LichtenSerg. LeLenZmittel. Duf Abschnitt 30 der Eierkarte wird biZ zum 30. September ein Ei verabfolgt. Die Ausgabestelle für Lebensmittelkarten ist nur noch geöffnet an Wochentagen von 8 bis 3 Uhr._ FricdrichShagen. Eiervcrkauf. Heute gelangt auf Abschnitt l der Eierkarte je ein Ei zum Preise von 33 Pf. zur Verteilung. Znöustrie und Handel. Kohle und Eisen! Der„P h ö n i x"- A b s ch l u tz. Der Abschluß der„P h ö n i x". A.�G. für Bergbau und Hütten- betrieb, für das Jahr 1316/17 ergibt einen Betriebsgewinn von 76 439 643 M. gegen 57 842 557 M. im Vorjahr. Stach Abzug der Handlungsunkosten ergibt sich ein Roh gewinn von 53 952268 Mark(46 783 650). Stach Abzug von 1 008 096(1 185 787) für Bc. seitigung noch nicht abgeschriebener Werksanlagen, 12 442 180 M. (12 755 667) ordentlicher Abschreibungen und 3 210 000 M. beson- derer Abschreibungen verlleibt ein Reingewinn von 43 231 092 Biark gegen 32 848 195 M. im Vorjahre. Unter Hinzurechnung des Vortrages aus dem Vorjahre stehen 52 482 157 M.(42 052 521) zur Verfügung. Der eGneralversammlung wird vorgeschlagen, hieraus eine 20prozentise Dividende(20 Proz. i. V. und 12 Proz. in 1314/15 zu verteilen. Der„Phönix"-Abschtuß wirkt deshalb so sensationell, weil an» dere große Unternehmen angstlich bemüht waren, ihre großen Ge- Winne in den Abschlüssen überhaupt nicht in Erscheinung treten zu lassen, wir erinnern nur an die Gewinnziffern d«S Bochumer Ver» eins für Bergbau und Gutzstahlfabrikation. Von diesem Verfahren weicht die Verwaltung des..Phönix" ab, mit welcher Konstatierung aber nicht der Glaube geweckt werden darf, daß sie keine stillen Re» servcn aufgespeichert hätte. Das hat sie ganz gewiß nebenher getan. Daß die Dividende nicht erhöht wurde, ist pridatwirtschaftlich richtig, verschwindet aber an Bedeutung neben der immensen Ge- winnsteigerung. Es ist schwer erfindlich, wie angesichts dieser auf- reizenden GeschäftSergebnissc höhere.Kohlenpreise gefordert werden können, und zwar vorzüglich zu dem Zweck, über«ine KohlcnpreiS» Erhöhung zu einer sonst gar nicht zu motivierenden Erhöhung der Eisen- und Stahlpreise zu gelangen. Die Verfechter höherer Kohlenpreise— die Herrschaften haben es eilig und wollen sie in kurzer Zeit beschließen— werden zwar einwenden, daß„Phönix" ein gemischtes Werk ist, zu dessen Epe- zialitäten die jetzt so lohnende Drahtzieherei gehört, und daß daher aus seinen Erträgnissen ein Rückschluß auf die Berechtigung höherer Kohlenpreise nicht angebracht ist. Aber alle Welt weiß, daß die Kohlenherren bei der Räumung der Läger, dem Auslandsgeschäft und der Verkokung eine dick« Stange Gold verdienen, so daß selbst die alles andere als kapitalfeindliche„Köln. Volkszeitung" vor der blinden Gier nach immer höheren Gewinnen warnt: „Ausschlaggebende Vernunftgründe für abermalige! Ver- teuern der Brennstoffe, deren Preise schon durch die 20prozentigc Reichskohlensteuer eine ungeahnte Höhe erreicht haben, liegen zur- zeit wahrhaftig nicht vor. Tie jetzt geltenden Preise lassen ja den Zechenbesitzern— wie Monats- und HalbjahrSabschlüsse großer Zcchenunternehmungen aus dem laufenden Jahre ersichtlich machen— ganz erheblichen Nutzen. Die Rück- und Sondervergütungen, mit denen das Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat seit geraumer Zeit nicht geizt, sowie das Freisein von„Umlage" erhöhen überdies die geldlichen Er- trägnisse der Zechen beträchtlich; handelt es sich doch hierbei um Beträge, die mehrere Millionen erreichen. In den geldlichen Ab- rechnungsn mancher Kohlenbergwerke wird man freilich nach diesen Posten vergeblich suchen; sie„verschwinden" einfach. Die Zechen- besitzer wollen eben nicht, daß man ihnen die Höhe des Gewinnes nachrechnen kann. Unseres Erachtens läßt sich das Kohlengewerbe den anderen Gewerben gegenüber zu sehr von einem Grundsatz der Jugend leiten:„Wer mich prügelt, dem zahle ich es mehrfach heim, sofern mein Arm stark genug ist." Dadurch werden aber die gesamten großgewerblichen Unternehmungen in ein Fahrwasser getrieben, das sehr gefährlich wird. Im Rheinisch-Westfälischen Kohlenshndikat sollte man sich doch endlich vorhalten, daß Steige- rung der Brennstoffprcise sofort wieder weitere Erhöhung von Elsenpreisen zur Folge haben wird; so kommt man aus dem Auf- würtstreiben, zum Schaden ruhiger und gesunder Entwicklung des Marktes nicht heraus." Die Kohlenherren, die manchmal über die schlechten Zeiten >ammern, haben in der Regel ein« Dupierung der Reichs- und Staatsbehörden vor, manchmal aber auch eine ihrer eigenen Aktio- näre. Vor wenigen Wochen ging unwidersprochen eine Notiz durch die Presse, daß die Harpener Bergbauoesellschaft wegen der unzureichenden Kohlenpreise die Dividende von 12 auf 11 Proz. herabsetzen müsse. Jetzt— nach langen Wochen— erfolgt ein Dementi. Die Kohlenpreise sind doch hoch genug, um eine Dividende von 12 Proz. zu liefern, und die Gutgläubigen, die dem unwider- sprochenen Gerücht von der Dividendenherabsetzung und der Fabel von den schlechten Kohlenpreisen Glauben schenkten, haben nur den klugen Wissenden billige Aktien geliefert. Slber so wird gearbeitet! Die Hoffnung auf Steuerdcfraudation. In einer kritischen Besprechung der jüngsten Haussctreibereien am Effektenmarkt schreibt die„Franksiirter Zeihing":.... Bedenklicher wird es schon, wenn die unentwegten Optimisten davon über- zeugt sind, daß diese Art des Gewinnversteckens dem Steuer- fiskus verborgen bleiben wird, iianientlich aber trenn sie den Hin- weis auf den ungeheuren Geldbedarf des Reiches glauben abtun- zu können mit der Prophezeiung, daß jenekommendeMilliar- denlast doch wohl auf andere Schultern gelegt werden könne, daß gerade die großen Kapital- assoziationen Mittel und Wege finden werden, um möglichst glimpflich bei der Sache wegzu- kommen. Wer so denkt, der kann keine große Meinung von dei Tüchtigkeit der Behörden, von der Fähigkeit des Parlaments und vor allem vom Verstand des deutschen Volkes haben, denn eine Bureaukratie, die auf diesem Gebiete sich Hinters Licht führen ließe, verdiente ebenso heimgeschickt zu werden, wie ein Parlament, daß nicht in rücksichtsloser Weise die Kriegsschäden vorweg von jenen bezahlen ließe, die die ausgegebenen Milliarden eingeheimst haben. Ein Volk aber, lvelcheS lieber die notwendigen Steuern aus seiner ohnehin entleerten Tasche zahlen ivürde, als auf gerechte Steuer- gcsetze zu dringen, könne unmöglich mehr ernst genommen werden. Wir haben ein« zu höhe Meinung von: deutschen Volk, seinen ge- wählten Vertretern und seinen Beamten, als daß wir in dieser Bc- ziehung der Ansicht jener Haussiers zustimmen könnten. Freilich ist es dann auch nötig, daß sobald wie möglich mit der reinen Pro- duzenten Politik gebrocken wird, die Isiutc bei»ns Trumpf ist. Der Produzent wird gehätschelt und getätschelt, seine„Produk- tionSfreudigkeit muß erhalten bleiben, namentlich auch durch Ge- Währung hoher, manchmal unsinnig hoher Preise. Da gidt es keinen Unterschied zwischen Industrie und Landwirtschaft. Die Zeche muß der Konsument zahlen." Gerichtszeitung. Die Weißenseer Bank vor Gericht. Bei der gestrigen Per- nehmung der Angeklagten Henkel und Ulrich brachten die Be> kundungen des lesteren manches Interessante zu tage. Der Ange- klagte, der ursprünglich Maurer gewesen war. gehörte zu den Vc- gründern der Bank im Jahre 1880. Die Geschäfte, die von ihm und noch zwei anderen Handwerkern als Vorstandsmitglieder solide in kleinerem Umfange gesührt wurden, änderten sich nach dem Ein- tritt von Frick und Kiesel in den Vorstand. Sie wurden immer größer, betrafen in der Hauptsache solche mit Bauunternehmern und einzelnen Kunden, denen kolossale Kredite eingeräumt wurden, wo- durch die Bank schließlich hängen blieb. Wie der Vor- sitzende bierbei betont, ist festgestellt worden, daß allein elf Kunden Kredite über 100000 Mark und einzelnen davon sogar bi» 500000 Mark eingeräumt werden, während das ganze Vermögen der Genossenschaft sich nur auf 7—800 000 M. bezifferte. Die Bank kam in das Fahrwasser durch ein Geschäft mit einem gewissen Camenz. Nach seiner Angabe wehrte sich Ulrich da- gegen, es wurde ihm aber immer erwidert, daß die Bank durch Zessionen und andere Unterlagen gedeckt sei und keine Gefahr liefe. Er selbst hat sein ganzes Vermögen bei der Bank verloren. Den Status der Bank habe er für durchaus gut gehalten und im April noch 30 000 M. bei ihr eingezahlt. Nach den Tagen de» Kassen- fturmS hat auch er irgendwelche Maßnahmen, wie Konkurseröffnung, nicht beantragt. Er hatte nach den ihm zuteil gewordenen In- formationen, daß die Gemeinde Weißensee eingreife. kein Bedenken und glaubte, die Bank sei»flott" und der Betrieb würde weiter gehen._ Bus aller Welt. Untergang eines spanischen DampfrrS. Nach einer Meldung de! Blattes»Debate' ging infolge einer Explosion an Bord in der Nähe von Srcachon der spanische Dampfer MarqueSde Mudela unter. Derselbe war mit einer Erzladung von Bilbao nach Eng- land unterwegs. Direktion: MnZr Beinhardt. Oeutnehes XAeater. 7 Uhr: Danton» Tod. h'reitag: Faust I. Kommerspiele. 8 Uhr: Das Konzert. I'reitap: Fasching. Volksbühne. Theater am BUlowplatz. Untererundb. Bohönh. Tor. 7»/.: Sinmpengeslndol. Freitag 77, Uhr: Othello. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Theater i'.Königgrätzerstr. 7'/, Uhr: ErdgelBt. Komödienhaus 7'/, Uhr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater "'ftü.: Die tolle Komteß. N1TI0N1L-TIE1TER 7,8 Der große Schlaget'/,8 m ifl sie siede...! Opcreüenposie tu 8 Akte». Musik von Walter Bramme. 1. Bild: Baron FliegenleimS Pleite. 2. Bilb: Rennb. Karlsh. 8. Bild: Gerichtssaal i. Kielemal. Der erfolgreiche Eröffnungs-Spielplan Dazu: 9 Uhr abends Pantomime in 12 Bildern von Karl Vollmoeller Bahnhof Friodrichstraße. Anfang 8 Uhr. Letzte Saison 1» Berlin. Das neue Mus-Sport-Programm. Sfen! U. a. Jfen! 11. Zum Schluß: Schnitzeljagd Apollo FriedricnstraSe an der Kochstr. 1 Allabendlich 71/, Uhr; I Fregolia, Paul Beckers und das groBe September-Programm. j Kasse ab 10 Uhr geöffnet. I Theater ffir Donnerstag. 20. Sept. Dentachc» Opernhan» 7 uhr: Carmeo. Friedrich-Wilhelmst. Theater 7'/.uhr: Das Dreimäderlliaiis. Kleines Theater 7*/. uir- Bllroer Komische Oper SehvarzwaldDfldel. Lustspielhaus _ Ol« blonden Mldels 77, Uhr. vom Lindenhof. Neues Operettenhaus Schiffbd.4a. KassentNd.281 7v.uhx: Der Soldat derMarie. URANIA 8 Uhr t Dr. R. Pohle: Trianon-Theater Qeorgenstr., Bhf. Frledrlohstr. 7 Uhr. Zum 1. Male: 7 Uhr. Der LebensschQler. Fulda. Sonntag 3'/, Pünk. Johannisfeuer. Metropol-Theater 77, uhr: Die DiaMslirÄlli. Renldenz-Theater 77, Uhr: Z. 1. M.: Schiller- Theater O 77, uhr: Gespenster. Seblller-Th. Charl. : Die Distel. Thalia-Theater 77- Uhr: Egoo und seine Franen, Theater am Nollendorfplatz 77. mir: Die GiilaschkanoDe. Theater de» Weaten» 7v.mip: Der yerliebte Herzog mit Guido Thieleoher. Walhalla-Theater. 77. Uhr: Zigeuner. Admlrals-Palast. Die Xovltht Abrakadabra Großes phantastisches Ballett auf dem Else. 77. U. Vorzügl. KUche. tPs&dfDanidMdii: DUfe frage h»t Senokke 6duard David in einer vor dem holUndifd)-rtiandin»v(fdien frieden ahomitee in Stodihotm gehaltenen Rede beantwortet und vertritt in geradezu meifterharter BUife den Standpunkt der dcutrdien Sozialdemokratie. ßleder Hrbeiter, Jeder Parteigeno ffe muS diele BrofcbOrc gelesen babcnl pma i,— jVIarh. ßuebbandtung Torwarts, Berlin 8OT., Binden ftr. z (Uaden), fowle samtHcbc ZcitungsauagabeftcUcn. Täglich 77, Uhr, Sonntags 87, u. 77, Uhr; Das große Schlager-Eröffnungs- Programm, Original- Ig im. Pantomime I 3 u"r 9 Uhr .Die 3 PieFrols." Rose-Theater. 77, Uhr: Der Weiberfemh. Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich: M MMlSlM. Posse mit Äesang in 4 ANen von Monnstädt. Kassenerössn. 57,. Ansang 77, U. RelchshaUen-Theater Stettiner Sänger. Anfang 77, Uhr. Jod. Sonntag nachmittag SUhr Vorstellung z. ermäßigten Preisen I Logen l M., Parkett 75 Pf. Kintritt 80 PI Billetts schon heute! Casino-Theater Lothringer Straße 37. »agltch 7.8 Uhr- Wirklicher Humor! Gr. Erfolg! Die Schlagerposse Heiraten mußte! Borher der neue bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Guste, die Perle. Tägl. 77,. Sonnt. 87, n. 77, Vllhelm HaHstein in dem Soldatenschwank: Der Stolz DeriKoinpagiiie Fern.: ßenta Söneland ülaxBtadt und das übr. Programm Mitbürger! In unseren Kindern liegt Deutschlands Zukunft. Trogt olle bei 8« deutschlanüs Spende für Säuglings- und Kleinkinderschutz. Gpfertag heute Vonnerstag, üeu 20. September 1917 in Serllo. Der Ehrenvorsitzende: Mermuth, Oberbürgermeister, Wirkl. Geh. Rat. Der Vorstond: Dr. Weber, Geh. Reg.-Rot, Stadt-Med.-Rot, 1. Vorsitzender; Dr. Straßmann, Geh. San.-Rot, Ehrenbürger von Berlin, 1. stellv. Borsitzender; Frau Gräfin b. b. Groeben, 1, Vors. b, vaUrl FrauenbereinS, 2. stell». Vorsitzenb«; Dr. Freund, LandeSral, Bors. der LondeSversicherungSonstalt Berlin: Albert fflllto, Kommerzienrat; Prof. Dr. Pallot. Geheim. Oberreo.-Rol, Vortragender Rot im KnIwSministerium; Frau Bürgermeister Geh.-Rat Dr. Reicke; Sassenbach, Stadtrat; Ernst Spindler, Fabrikbesitzer; Mehersteln, Syndikus der Handelskammer zu Berlin, Schrislführer z Llchlenslein, Fabrlfant, 1. stell- vertretender Schristsührer; Dr. Karl Bamberg, leitender Ar,t der SäuglingSsürsorge. stelle», S. stellv erttetender Schristführer; Emst Wallach,»antler, Slabtverordneter, Schatzmeister. Spenden nimmt die Expedition unseres Blaite« bi» zum 15. Oftober 1S17 entgegen. Zahlungen werden auch aus Postscheckkonto Nr. 28079.Deutschland» Spende für Säug- lmgs- und Kleinkinderschutz, Berlin Vf. 8, Postscheckamt Berlin NW. 7 entacgengeuvmen. lieber da» Ergebnis der Sammlung wird ässenllich quittiert. BÜCHER UND ZEITSCHRIFTEN] jeder Art liefert die Buch- 1 handlungVorwärts, Berlin I 51�. 68, Linde nstr. 3. Be- 1 Stellungen nimmt jede t Filialexpedilion sowie diel Zeleungsausträgerin an. P Ladensehlußzeit in Berlin. Es ist davon die Hede, daß zwecks Ersparnis von Heiz- nnd Beleuchtungsmaterial gewisse Verkehrsein- schränknngen stattfinden sollen. Em besserer Voreohlag wäre, dafür eine Yerkttrsangr der TerkantsBelt in den liüden herbeizuführen. Die kaufmännischen Angestellten wünschen das; auch die B&ckerinnungen una die Kolonialwarenhändler fordern dasselbe. Der t�lebennhrschlnß iat auch für die L>ebe nsmlttelgreschttfte durchführbar. Die entsprechenden Verordnungen in anderen Orten beweisen das. Der Berliner Magistrat hat jetat den Fleischern gestattet, daß sie an drei Wochentagen nachmittags überhaupt nicht zu öffnen brauchen. Wenn das möglich ist, dann wird es auch für die Konsumenten genügen, daß die anderen Lebensmittelgeschäfte, die Jeden Nachmittag geöffnet sind, um sieben uhr abends schließen. Darum richten wir an das kaufende Publikum das Ertnchen, die Bestrebungen der kaufmännischen Angestellten auf Verkürzung ihrer Arbeitezeit zu unterstützen, und Einkäufe nach sieben Uhr in den Lebensmittelgeschäften zu unterlassen. ZenlralYerband der Handlungsgebilfen (Ortsverwaltung Berlin) Berlim C«S, Mttnastraße SO. 80/1 Untechaltungsblatt öes vorwärts______ wunöee der Kriegschirurgie. Die Entfernung von Steckgeschossen au« dem Herzen, die Herz- naht und andere auherordenllich schwierige Eingriffe, die in früheren Kriegen kein Feldarzt wagte, führt der heutige Kriegschirurg un- bedenklich, gewöhnlich erfolgreich au«, und Fälle, an denen früher selbst der FriedenSarzt verzweifelt wäre, wie der Wiederaufbau von Gesichtern nach furchtbar entstellenden Kiefer» und Gesichtsschüssen, dringt der heutige Kriegschirurg zur glücklichen Heilung I Fu welch ungeahnter Höhe die gesamte KriegSchirurgie in den dre» Jahren de« Weltkriege« aufgestiegen ist, hat unlängst einer unserer be- deutendsten Chirurgen, der BreSlauer Professor Küttner, der als be- ratender Chirurg im Felde seine Kunst ausübt, in einem Vortrag dargestellt, den jetzt die»Deutsche Revue" einem größeren Kreise zu- gänglich macht. Der konservative Grundsatz de« großen Kriegschirurgen v. Bergmann. der Operationen an der frischen Kriegsverletzung ganz vermeiden und der Wunde zunächst Ruhe lassen wollte, hat heute abgesehen von Jnfanteriegeschoßverletzungen— seine Gültig- keit eingebüßt. Gerade die grundsätzliche Frühoperation der Bauchschüsse gehört zu den größten Errungenschaften moderner KriegSchirurgie. Bei diesen Verletzungen beträgt die Sterblichkeit 80—90 Proz. bei abwartender Behandlung. Heute operiert man so zeitig wie möglich im Feldlazarett, und da« erfreuliche Ergebnis ist, daß über die Hälfte der Bauchverletzten, die in die Feldlazarette gelangen, am Leben erbalten werden. Aehnlich geht eS mit der Frühoperation von Schädelschüssen. Jetzt schreitet man rechtzeitig zur Trepanation(Schädelöffnung), ehe die Infektion von außen her die zertrümmerten Hirnmassen erreicht, ja man wagt, was früher ganz undenkbar schien, den sofortigen operativen Verschluß der frischen Schädel- und Gehirnwunde. Da« Verfahren stammt von dem Nobel- Preisträger Baranhi; KüttnerS Schüler Jeger und der Marineober- stabsarzt Kaerger haben es vervollkommnet. Nach Ausräumung der zertrümmerten Hirnmassen, Entfernung aller Splitter und Glättung der Knochenwunde, wird die Lücke der harten Hirnhaut durch freie Ueberpflanzung von Fett oder FaSzie ersetzt, und die Knochenlücke durch Einpflanzung von Knochen aus der Nachbarschaft oder dem Schiencnbein oder auch durch Wiedereinsügung der Knochensplitter geschlossen. Die Erfolge sind geradezu verblüffend. Ist der Fortschritt der KriegSchirurgie dadurch, daß die kühnste Friedcnschirurgie gewiffermaßen an die Front verlegt worden ist, schon erstaunlich, so sind es nicht weniger die Fortschritt«, die durch verbesserte oder neu eingeführt» Hilfsmittel der Chirurgie erzielt werden. Hier ist eine Vervollkommnung der Röntgendurchleuchtung zu nennen, die von Prof. Holzkneckt stammt: die Röntgeneinrichtung befindet sich dabei im Unterstock, die Röntgenröhre ist in einem Kasten nnter dem Operationstische»nd die Handhabnng geschieht durch Kniehebel. Früher war man genötigt, im Dunkeln zu operieren, wie bei der Durchleuchtung' der Münchener Chirurg Grashey hat durch sein .Monokelkryptoskop" dein Chirurgen daS Tageslicht zurückgewonnen: das eine Auge erblickt das Arbeitsfeld im gewöhnlichen Licht, da« andere sieht am eingebauten Leuchlschirm daS Röntgenbild. Eine ebenso wichtige Einrichtung des Chirurgen hat sich bei schweren Brust- und Lungenschüffen bewährt: der Chirurg bedient sich da deS Sauerbruchschen.Druckdifferenzverfahrens", bei dem Sauerstoff in die Lunge eingeführt wird, wodurch sie aufgebläht wird. Küttner selbst hat mit diesem Hilfs- mittel ein paar durch Fliegerbomben hervorgerufene schwere Lungen- Verletzungen zur glücklichen Heilung bringen können, bei denen große Lungengefäße durch Bombensplitter zerrissen waren. Einer der Ver- letzten kam fast sterbend, puISIoS, mit schwerster Atemnot kämpfend und völlig ausgeblutet zur Behandlung, und es gelang, die schwere Brustverletzung, nachdem das Blut ausgeschöpft war und die Schuß» löcher der Lunge verschloffen worden waren, luftdicht zuzunähen. Der Heilungsverlauf war vollkommen glatt. AI« letztes Wunder der KriegSchirurgie sei schließlich eine Leistung genannt, die auf Rechnung der deutschen Serumforschung zu setzen ist: die Sterblichkeit an Wundstarrkrampf betrug vormals 80 bis 90 Proz. Heute ist der Starrkrampf völlig verschwunden. Die« ist daS große Verdienst Behrings, der die Serumbehandlung eingeführt bat, und des Leiters de« Feldfanitätswesen« v. Schjerning, der auf dem ersten Kriegschirurgentage in Brüffel die sofortige vorbeugende Einspritzung des Antitoxins bei Verwundungen angeordnet hat. nachdem man erkannt halte, daß eine kleine Gabe, sogleich nach der Verletzung eingespritzt, den Ausbruch der furchtbaren Infektion ver- hindert. Lettische Sprichwörter. Mit dem Vordringen der deutschen Truppen in Livland kommen sie auch zu einer lettischen Bevölkerung, die sich ihre Ursprünglichkeit noch länger erhalten hat als die Letten in anderen Gegenden des russischen Reiches. Wohl kaum ein Volk hat so viele und so treffende Sprichwörter wie das lettische. Ob«S sich um Leben oder Tod, um die guten oder schlechten Eigenschaften der Menschen, um die einfachsten Dinge und Erscheinungen in HanS und Hof und draußen in Wald und Feld oder um die Beziehungen zwischen Menschen und Tieren handelt, fast stets kann der Lette mit einem Sprichwort aufwarten. Und viele von diesen, meist sehr alten Sprichworten treffen den Sinn dessen, was zum Ausdruck kommen soll, besser als unsere. Wenn«S bei uns heißt:.Wer A sagt, muß auch B sagen", heißt eS im lettischen Sprichwort:»Laßt ihr den Tenfcl in die Kirche, will er auch die Kanzel besteigen." Von einem un- gehobelten Menschen heißt eS:.Er ist in einer Tonne er- zogen und durchs Spundloch gespeist." lieber einen Wunsch, der nicht erfüllt wird, sagt das lettische Sprichwort:.Das Schwein wünscht sich Hörner, aber die Ziege gibt sie nicht." Statt des kürzeren deutschen Ausdrucks vom HanS in allen Gassen sagte der Lette umfassender:.HanS auf allen Bergen. HanS in allen Tälern". Von einem stark mißtrauischen Menschen wird ae- sagt:.Er fürchtet den Bären sogar im Hafer." Von einer gewissen Gleichgültigkeit über den Aerger im Verkehr mit den Menschen zeugt da» Sprichwort:..Mag man mich Wolf oder Bär schimpfen, wenn man mich nur nicht in den Wald treibt"..Einem Hunde wächst kein Wolfspelz" soll soviel heißen wie: ein armer Mensch wird selten zu Reichtum kommen. Ein viel gebrauchtes Sprichwort ist:.Wer Aepfel hat. der hat auch Gäste." An Stelle unseres:»Schreib die Schuld in den Schornstein", sagen die Letten:»Da« zahlt die Schaufel"(zur Aus- Hebung de« Grabes). Unser: Morgenstunde hat Gold im Munde" haben die Letten ersetzt mit dem Worte:.DaS Vögelchen, da« früh aussteht, wäscht auch früh seinen Schnabel." Soll die Schmeichelei vor Mächtigen getroffen werden, so sagt der Lette: ,J« mehr man die Katze streichelt, desto höher hebt sie den Schwanz." Das Sprichwort:.Abgeschnittenes Brot klebt nicht wieder an" soll vor Handlungen bewahren, die in der Uebereilung ausgeführt werden. Einem Menschen, der von einem Geizhais oder Grobian etwas erbittet, wird zugerufen:»Erbitte dir von Wölfen ein Lamm l" Von einem zerstreuten Profesior würden die Letten sagen:»Er sucht das Pferd, auf dem er reitet." Will man das Ende eines ver- fck-wenders voraussagen, so wird daS Sprichwort angewandt: .Sein Vermögen wird bei ihm so lange währen wie beim Hunde die Wurst". Statt unseres deutschen Sprichwort«:»Der hat sein Schäfchen im Trocknen", heißt eS im Lettischen:»Der hat seine Bienen schon abgesetzt." Wenn wir sagen:.Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm", wenden die Letten das Sprichwort an:»Der Rabe bleibt ein Rabe, man mag ihn baden oder nicht." So gibt es noch viele lettische Sprichwörter, die alle von einer guten Beob- achtung des menschlichen Leben? und der umgebenden Natur Zeugnis geben._ Unsere Seefischer unö ihr§ang. Man schreibt un! au« norddeutschen Fischerdörfern: Viele Fischer- boote und Ewer liegen jetzt wie leblose Wesen im Hafen und am Strande unserer Fischerinseln. Der Fischfang hat durch den Krieg eine große Veränderung erfahren, er ist sozusagen außer Kurs ge- fetzt. Seit das dienstfähige Mannesvolk von den Inseln, von den Flußufern und den Halligen wacker in den HeereS- dienst getreten ist, hat manche alle, schon aus den Lltteil hockende Teerjacke sich wieder den Südwester aufgestülpt und die /Keljacke .angetreckt", um in Sturm und Wetter zum Fischfang hinaus zu fahren. Die Minengcfahr setzt ihrem Handwerk freilich draußen an den Flußmündungen und in offener See wesentliche Schranken, so daß nur ein ganz kleiner Bruchteil von Fischerfahrzeugrn während dieser Zeit tollkühn und wogemutig auslauft. Für viele meer- und wettercrprobte Wafferratten umschließen diese Fahrten ihren prickelnden und stolzen Reiz, und kehren sie heim vom Fischsang, so wissen sie manches schaucrvoll großartige Erlebnis zu berichten. Die stille Zeit wird bedachtsam dazu benutzt, Fahrzeuge. Klei- dung, Netze und was sonst zum Fang und zur Fahrt gehört, tn- stand zu setzen. Wer jetzt in eine? unserer Fischerdörfer kommt, sieht die Männer bei emsigen Vorarbeiten, vielfach durch Frauen- Hände unterstützt, bcsckmftigt. Am Strande sind die Taue und Netze zuni Flicken oder Filieren aufgehängt und ausgebreitet. Die Fahrzeuge selbst werden innen und außen sorgfältig aus- gebessert, und da so manche Rohstoffe gestreckt werden müffen, ersinnt der Fischer auch hier neue Hilfsmittel und Aus- wege. DaS Innere cineS� Fischerewers oder Fischerbootes ist eine schnurrige abgcschloffene kleine Welt, in der meist drei Häupter ihr Regiment führen: der Fischer oder.Kapitän", der Best- mann oder Knecht und der Junge oder Koch. Jeder hat seine selb- ständige Arbeit und seine eigene Verantwortung. Der Junge oder Koch hat neben der einfachen Herd- und Kllchcuarbeit die Reinigung deS Schiffes zu besorgen; er bezieht dafür einen Tageloh». Der Best- mann oder Knecht liegt mit dem Fischer oder Kapitän dem Fisch- fang ob, er ist auch Steuermann zugleich und bat einen genauen Gewinnanteil am Fang. Winzige Koje», die zweckentsprechend ein- gerichtet sind, dienen zum Schlafen, Esse», Kochen. Es ist für alles gesorgt, und da der Fischer oft mehrere Tage draußen bleibt, Pflegt er auch seine Zerstreuung an Bord. Eine kleine Bibliothek, ein Musikinstrument ist fast immer an« zutreffen. Den größten Teil des Schiffes nimmt der Fischbund ein, da? ist der vom Wasser umspülte Behälter für die gefangenen Fische. Darin bringen sie ihren Fang an Schollen, Seezungen, Heringen, Stinten, Aalen u. a. m. heimwärts. Die Beute wird jedoch nicht auf den Inseln oder Dörfern abgeliefert, sondern in den großen Seestädten, in Hamburg und nach Altona, die beide berühmte, riesige Fischhallen besitzen. Hier wird der Fang übernommen und bezahlt, und von hier aus wandert er in den Kleinhandel und wird über Städte und Dörfer de» Binnenlandes verteilt. Jetzt reden die Seefischer schon viel von den bevorstehenden Herbst-HeringSsängen, die ihnen altgewohnte Arbeit, guten Fang und reichlichen Verdienst bereiten sollen._ die älteste deutsche Wohnung. Auf dem 301 Meter hohen, mit einer Ruine gekrönien Frauen berge bei Marburg, südöstlich von Cappel bei Marburg wurden seit einiger Zeit von Prof. Wolff aus Frank- surt a. M. Ausgrabungen vorgenommen, die den Nachweis stein- zeitlicher Siedelungen im sruchlbaren Gebiet des EbSdoner Grundes ergaben und eine Lücke in der BesiedelungSgeschichle Deutschlands während jener Kulturperiode ausfüllten. Auf dem Frauenbcrge selbst wurde eine Wohnstälte von eiförmigem Grundriß mit Feuer- stätte und Brondgrab freigelegt. In diesem Jahre wurde nun dort eine jener größeren Hütten von unregelmäßiger Gestalt festgestellt, wie sie für jene Kultnrperiode, die neolithische, bezeichnend gewesen sind. Die Hütte in ihrer Umgrenzung war in einzelnen Teilen be- reitS freigelegt. Sie gehört in die Stufe der Stichbandkeramik, wie sich aus aufgefundenen Scherben ergab, deren weiße Inkrustation teilweise noch erhalten ist. Außerdem wurden Tonperleu und vorzeitiger Siein- schmuck gefunden. In der Hütte ist deutlich der Küchenraum mit der Herdstätte, letztere durch Reste von Tierknochen, Mahlsteinen usw.. erkannt. Die Hütte, die einer großen Sippe Raum gewährte, tvar, was besonders wichtig ist, zum Teil auf den Trüminern einer älteren kleineren, ebenfalls steinzeitlichen Hütte erbaut, die ein Brandgrab und eine Herdstätte birgt. Auch hier wurden Tonperlen gefunden. Es scheinen noch mehr solcher Schätze im Boden der Marburger Gegend zu ruhen, die gehoben sein wollen. Bielleicht werden auch noch andere Wohnungen unserer Vorfahren nufgesiindcn, die ein noch ehrwürdigeres Alter auszuweisen haben. Notizen. — StormS Brief an Wedde. Der im.Vorwärts" au« de» von Ferd. TönnieS veröffenüichie».Gedenkblätlern" mitgeteilw Brief Storm» ist n i ch t m e h r u n v e r ö f s e n t I i ch t. Johannes Wedde hatte ihn in der Monatsschrift.Deutsche Dichtung" drucken lassen wollen, als Anwort auf die unwillige Behandlung, die seine klesne Schrift über den Dichter wegen ihrer Tendenzsarbe avdort erfahren hatte; aber Karl Emil Franzos, der diese Kritik auf dem Gewissen hatte, lehnte Weddes Gegenkritik und den Brief StormS als für weitere Kreise nicht genügend bemerkenswert ab. Daraus- hin hat Franz Diederich in einem Aussatz über Storm, Wedde und FranzoS den Brief im Mai 188V in der Leipziger Monatsschrift „Literarische Korrespondenz und kritische Rundschau"(Seite 292) ver- öffentlicht: er sank mit diesem Organ in Verschollenheit.— Wir stellen noch den Druckfehler richtig, daß Wedde nicht 1898, sondern 1890 starb. — Theaterchronik. Im Theater i. d. Königgrätzer Straße ist die Erstaufführung von SudermannS.Katzensteg" auf Donners- tag, den 27. Sept., verschoben. — Da».Deutsche National-Theater", Reinhardts neueste und größte Gründung, ist nunmehr handelsrechtlich ins Leben getreten. ES ist in Form einer Aktiengesellschaft gegründet, deren Kapital. 1 800 000 M. beträgt. Der Hauptgeldgeber ist Hermann Frenke!. Der ZirluS Schumann, der vom 1. April 1918 ab über- nommen, wird nunmehr dazu berufen fein, die auf Maffenivirlung und Ausstattung(im höchsten Sinne) hinanslaufenden Pläne des alle Möglichkeiten erschöpfenden Regisseurs Reinhardt zu ver- wirklichen. Hoffentlich führen sie nicht zur Beräußerlichung und Zersplitterung. — Neue Dramen. Hermann Essig, der unter den jüngeren Dramatikern für eins der stärkereu Talente gilt, aber trotz seiner 40 Jahre immer noch draußen blieb, ist endlich in Leipzig durchgedrungen. Sein Lustspiel»Die Glückskuh" ist dort im Alten Theater aufgeführt worden. Das Drama, noch unsicher im Stil, ist eine groteske Verspottung bäuerlicher Habgier. »Hast Du einen Brief von mir bekommen, Gjatrid?" »Nein." »Dann hat ihn jemand genommen. Ich wollte Dich fragen, ivann Du mit mir in den Pfarrhof kommen möchtest? Ich habe den Trauschein gelöst." »Ach ja, ich will, Anders, je eher, desto lieber I Denn jetzt Hab ich nichts anderes als Dich. Und nur gilt auch das andere für nichts!"— Zugleich Jubel und Schluchzen bebten in ihrer Stimme.— Sie beugte sich zu ihm nieder, der etwas tiefer saß, und preßte seinen Kopf gegen ihre Brust. Er wurde ganz still. Er konnte ihr Herz schlagen hören. Es dauerte lange, bis sie wieder zu reden anfingcit. »An welchem Tag reist die Wirtschafterin?" fragte Anders. »In drei Tagen, am 3. Mai." »Zu welcher Tageszeit?" »Um Mittag.— Warum daS?" »Ja, denn cS ist ja fast notweudig, daß sie fort ist an dem Abend, wenn ich komme und Dich nach dem Pfarrhof hole." „ES nutzt doch nichts, daß Du mich holst," sagte Gjatrid. Erst in diesem Augenblick wußte Anders, daß er an dem Abend, am 3. Mai, den Adjunkten töten und gleich darauf Gjatrid mit nach dem Pfarrhof nehmen würde.— Er dachte daran, ob er cS ihr jetzt sagen sollte. Doch er meinte, es nicht zu können. Und sie hatte ja doch auch Zeit, ihm das Jawort zu verwehren, wenn sie nicht wollte— nach jenem. »Wäre der Pfarrer nur zu Hause gewesen, so wäre es ja am allerbesten gewesen, jetzt hinzugehen." sagte Gjatrid. und sie neigte ihren Kopf und wurde rot. Anders küßte sie vielmals deswegen. „Wann kommt er nach Hause?" „Morgen wahrscheinlich," sagte Gjatrid.—„Dann gehst Du wohl gleich zu ihm und sprichst mit ihm darüber, Anders. Denn er traut uns vielleicht nicht, wenn--- Ach ja— ob er uns überhaupt trauen will?" »Das Beste ist, ihm gar nicht davon zu sprechen, bis wir beide da sind," sagte Anders und zog Gjatrid an sich;„dann hat er keine Bedenkzeit." Doris, folgte 59] Inders hjarmsteö. Von Jakob Knudsen. Trotz dem Widerstand deS Alten ließ Anders den Ochsen am nächsten Tage ein paar Rationen Futter geben, da immer noch niemand von Stavn der Tiere wegen kam. Er konnte den Spektakel nicht anhören, den sie machten. Uebrigens wurde das Gefühl, außerhalb deS Ganzen zu stehen, in ihm stärker und stärker; er meinte, merken zu können, wie es zunahm, fast Stunde um Stunde.— Gegen Nachmittag brachte er seine Pferde auf die Weide. Er wollte hinüber und eine Ab- spräche mit Gjatrid treffen. Der Entschluß kam, gerade wie eS wünschte, ganz von selber. Er hätte ja ebenso gut gestern hinübergchn, er hätte es auch bis morgen aufschieben können— denn die zehn Tage waren noch nicht verstrichen:— aber nein,— nun sollte es heute sein. DaS war ein so herrlich sicheres Gefühl.— Er konnte immer noch weit auf dem Wtcsenweg hin das Brüllen dieser unglücklichen Ochsen hören. Er war sehr mitfühlend gegenüber Tieren und versprach sich selbst, sobald er heute abend heimkäme, das Vieh freizulassen, mochte der Alte sagen, was er wollte._— Sonst war sein Vater auch alles andere als ein Tierquäler, aber er mußte ja etwas eigen im Kopfe sein,— offenbar war all diese Erbitterung und dann das Mer daran schuld. Als Anders auf dem Wiescnweg noch ein Stück weiter gekommen war. merkte er doch, daß er jedenfalls eine Zeit- lang das ferne Ochsengebrüll mit einem hohlen, aber noch schwachen Donner verwechselt hatte. Auch heute abend, am letzten Apriltag, waren, wie nun beinahe jeden Tag seit dem 26.— große, blauschwarze Wolkenbänke aus Südwest heraufgezogen. Es war auch schwül, doch dabei wehten kalte Windstöße. Wenn man über die Heidchügcl hinter Stavn gekommen ist.'chat man die Landstraße eine halbe Viertelmeile südlich davon. An ihr liegt Harreby und in einiger Entfernung der Thinghof, das heißt die Wohnung des Hardcsvogts mit dem Hardeskontor und dem Arresthause. An einem Seitenweg lag in der Nähe das Haus des Hardesvogtes. Anders ging durch den Garten und durch die Haupttür auf der Ostseite des Hauses. Geradeaus, am Ende des ziem- sich schmalen und langen Flures war eine Tür, an der Seite links eine zweite.— Diese letztere Tür ging auf, gleich nach- dem Anders in den Flur getreten war, und der Adjunkt trat aus ihr hervor. Es war ziemlich dunkel im Gange, doch cS dauerte nur einen Augenblick, bis der Adjunkt Anders er- kannte. Anders sagte:„Gutentag.— Ist Jungfer Gjatrid an- wesend?" „Ich weiß nicht. Aber jedenfalls wünscht Fräulein Faur- holt nicht mit Ihnen zu sprechen." „Doch sie wünscht es. Und ich will mit ihr sprechen." »DaS wird Ihnen nicht gestattet. DaS verbiete ich Ihnen." »Ich habe Sie ja gar nicht danach gefragt," sagte Anders mit etwas drohender Haltung und ging auf die Tür am Flurcnde zu. »Gebrauchen Sie Gewalt in meinem eigenen Hause?" schrie der Adjunkt. „Sie können eS früh genug erfahren.-- In diesem Augenblick wurde die Tür aufgeriffen, und Gjatrid Faurholt betrat rasch den Flur. „Der Adjunkt will mir verbieten, mit Dir zu reden." sagte Anders. „Das können Sie nicht verbieten!" rief Gjatrid, lief zu Anders hin und klammerte sich an ihn, indem sie den Arm um seine Schulter legte. „Sie müffen doch wiffen, Fräulein, daß eS dem bestimmten Wunsche Ihrer Eltern widerspricht." sagte der Adjunkt. »Komm. Anders, wir wollen hinausgehen I" sagte Gjatrid. indem sie einen schwarzen Strohhut ergriff, der an dem Kleiderrahmen im Gange hing. Dann lief sie zu der Flurtür hinaus. Anders folgte. »Ob er uns nachkommen sollte?" fragte Anders, als sie die Landstraße verlassen hatten und in die Heide hinein liefen. „Ich denke doch nicht." flüsterte Gjatrid. „Aber steckt er sich nicht hinter Deine Eltern?" „Das mag wohl sein. Aber die werden doch kein Wesens daraus machen, zu rennen und nach ihrer Tochter im Heitze- kraut zu suchen. Dazu halten sie mich auch für zu gut." Gjatrid lief voran und zeigte den Weg. Sie kamen tn eine Niederung der Heide, wo eine Anzahl von Wacholder- reisern standen. Zwischen diese setzten sie sich nieder. Deuttfljer ITIetoJlarbeiter- Oertand. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitglieder» prr Nachricht, datz«nier Kollege, der Schmied Aupst Zank nm 16. September 1917 an LimKmcmzüüdlMg gestorben ist- Die Beervigmig tinbrt arn Donnerstag, den 20. Sept., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedens- Kirchhoscs in Nordend ans statt. Rege Beteiligung wird er- wartet. Sl»vlii7e>e. Den Mitglieder» serncr zur Nachricht, dag unser Kollege, der Wertzcugmachcr Hermann Klönner am 12. Scptbr. an Diphtherie gestorben ist. Ehre ihrem A» denke»! 182/5_ Die Ortsverwaltmig. Universal-Bricffteller 3,50 Mari, Buchhandlimg Vorwärts, Lindenstraße 3(Laden). Schmerzliche etriunernWg zum Todestage meine« lieben Mannes und treuforgendcn Vaters seiner Km der MI Zemniiig gesallen am 20. September 1916 durch Volltreffer. I» ticsster Trauer Zriw teile Mikliis nebst Kinder». Düster weht der Trauerslor henl an deinem Bilde nieder, düster in mein einsam Herz. denn du kehrst ja niemals wieder. Es war uns doch mm nicht vergönnt, dich noch einmal zu sehen; auch nicht einmal wissen wir, wo du hast geeirdet. 47A ttlmlai anWaIs,Bahnfta »n»B, Hobel In allen l*relslngren 1-, 2- u. 3-Zimm.-Wohnungen empt in mod. Ausführg. Jul. Apelf, Tischlermstr. 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