Wr. 262. 34. Jahrg. Bezugspreis» !BierteriS6rLS,90Kt,DU)na(l. IJOSW, wöchentlich 80 Pfg. frei ins Hnus. vorauszahlbar. Einzelne Wochentags- nummern b Big. Sonntagsnummer mit illuilriericr Beilage.Die Neue Welt' 10 Vig. Vostbezugl Monatlich 1.30 Ml Unier Kreuzband für Trutlchtand und Oesterreich»Ungarn L.öO Ml., für das übrige Ausland« Ml. monatttch. Postbestellungen nehmen an Dänemark. Holland. Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Posi-Zeitungs-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Vcrliu', Verlinev VolkesblÄtk. � 5 Pfennig) Der Anzeigenpreis beträgt f. die stebengetpattene Kotonel» »eile SO Pfg.„Kleine Anzeigen-» das fellgedruckle Wort 20 Psg.(zu- lässig 2 settgedruckte Wortes. iedcs weitere Wort lO Pfg. Stellengesuche und Schtafstellenanzeigen das erste Wort 10 Psg., ledes weitere Wort ö Psg. Worte über lä Buchstaben zählen sür zwei Worte. 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Einige Granaten trafen die Käthe- dralc, in der Frühmesse gehalten wurde. Sieben Belgier wur- den getötet, vierundzwanzig schwer verwundet. Ter Monitor wurde durch Feuer unserer Küstenbattericn vertrieben. An der flandrischen Landfront blieb das Artillcriescuer nach Abschluß der örtlichen Frühkämpfc wechselnd stark. Gegen Abend verdichtete sich die seindlichc Wirkung wieder nordöstlich von Apern zum Trommelfeuer. Es folgten starke Teilangriffc der Engländer südöstlich von St. Julien; der Feind wurde zurückgeworfen. sitachts bei nachlassendem Feuer keine Jnfanterietätigkeit. Eine bei Mönch», südöstlich von Arras, nach heftigem Feuerstoß in unsere Gräben dringende englische Kompagnie wurde im Nahkampf vertrieben. Bei Borfrldgcfcchtcn südlich der Straße Eambrai— Ba- Paumc sowie an der Somme und Oisc blieben Gefangene in unserer Hand. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.. Längs der Aisnc, am Brimont und in einigen Abschnitten der Champagne kam es zeitweilig zu lebhafter Kampstätigkeit der Artillerien. Bei zahlreichen Erkundungsvorstößcn, die vielfach unsere Sturmtrupps bis in die hinteren Linien der französischen Kampfanlagen führten, konnten Gefangene gemacht werden, obwohl der Feind fast überall flüchtete. Unsere Graben- besatzungen wiesen an einigen Stellen französische Aus- klärer ab. Bor Verdun schwoll nachmittags das Feuer zu größerer Stärke an. Die Gegner verloren gestern 1t Flugzeuge und 1 Fessel- ballon. Oberleutnant Bcrthold errang den 23. Luftsieg, Bizcfeld- webel Thom schoß wiederum 2 seiudliche Flieger im Luft- kämpf ab. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front Prinz Leopold. Im Brückenkopf von Jakobstadt wurde in den hastig der- lassenen russischen Stellungen umfangreiches Kricgsgerät vor. gefunden. Unsere Truppen haben die Düna von Liwenhof bis Stock- rnannshof überall erreicht. In Pinsk entstanden durch russische Beschießung Brände. Mazedonische Uront. Bei großer Hitze— in der Sonne bis K5 Grad— fanden Gesechtshandlungen nur westlich des Ohrida-Sces statt. Dort wurde den Franzosen eine Höhe bei Kreova durch deutsch« und österrcich-ungarische Truppen im Sturm entrissen. Der Erste Gcneralquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 23. September 1917, abends. Amtlich. Auster lebhaftem Artillerickampf in Flandern ist bis- her nichts Besonderes von den Fronten gemeldet. Ter österreichische Bericht. Wien, den 23. September 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: ' Oestlicher Kriegsschauplatz. In der Bukowina wurden feindliche AufklärungSabtci- langen abgewiesen. Sonst nur geringe Gefechtstätigkeit. Italienischer Kriegsschauplatz. Der Südtcil der Hochfläche von Bainsizza und der Monte San Gabriele standen unter lebhaftem Artillcriescuer. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Im Skumbi-Gebiet haben wir die Franzose« von einer Höhe verdrängt. Einer schneidig geführten österreichisch-ungarischen Ab- teilung gelang es, hinter die feindlichen Linien vorzudringen und dort eine stärkere Reserve zu zersprengen. Der Chef des Generalstabes. Das Echo des feindlichen Auslandes. Es wäre nviv cmzuuehmen, daß die Gegner die deutsche Antwortnote an den Papst zum Anlaß nehmen würden, um der deutschen Regierung sofort gerührt an die Brust zu sinken. Auch der Optimist wird sich nicht wundern, daß die Stimmen des feindlichen Auslands zunächst zurückhaltend und, so. weit sie aus dem Lager der 5lriegstreibcr kommen, direkt a b- lehnend klingen. Wie hierzulande gibt es auch drüben Leute, die die größte Frage der Menschheit, die Friedensfrage, als ein diplomatisches Handelsgeschäft betrachten und meinen, man müsse recht protzig tun. um möglichst gute Bedingungen herauszuschlagen, solche Manöver betvciscn für die wirk- lichen Absichten und das wirkliche Friedensbedürfnis der geg. nerischen Regierungen gar nichts. Selbstverständlich werden unsere Kriegsverlängerer den Ball freudig aufnehmen, der ihnen von ihren Gesinnungsge- Nossen von drüben zugeworfen wird, und sie werden erklären, nun sei zum soundsovielten Male bewiesen, daß die Friedens- Politik des Reichstags und der Regierung nichts nütze, sondern nur schade. Dabei wird nicht bcrücksiastigt, daß jeder Schritt für den Frieden, der von deutscher Seite unternommen wird. auf die Kriegsstimmung de»- anderen Seite abbröckelnd wirkt. Würde Deutschland nach alldeutschen Rezepten regiert, so hätten die Kriegstreiber drüben leichtes Spiel, denn zu den Bedingungen der Alldeutschen will kein Mensch draußen Frie- den haben, und der Zeitpunkt, an dem sichdieganzeWelt angesichts des vollkommenen Zusammenbruchs ihrer Kräfte der deutschen Regierung auf Gnade oder Ungnade ergibt, ist wirklich noch in weiter Ferne. Es gibt keinen anderen Weg zum Frieden als den, den die Reichstagsmehrheit eingeschlagen hat, und wenn er nicht sofort zum Ziel führt, so ist das kein Beweis dafür, daß er falsch ist. Die Enttäuschung hochgespannter Erwartungen kann aber leicht einen Stimmungsum schlag bewirken. wie er auch nach der Ablehnung des Jriodensangebots vom 12. Dezember 1916 eingetreten ist. und der dann eine schätz- liche Wentzung der deutschen Politik zur Folge gehabt hat. Diesinal müssen solche Fehler vermieden werden und muß es bei dem eingeschlagenen Wege bleiben. Draußen sich seiner Haut wehren, von innen zielbewußte und folgerichtige Politik im Sinne des Mehrheitsbeschlusses treiben, das ist das einzige Mittel, um die Verteidigungskraft hochzuhalten und einen Frieden der Verständigung, den einzig möglichen, herbeizuführen. Zur Beschleunigung dieses Friedens halten wir aber das Selbst bestimmungsrecht der Völker, das die Entente doch auf ihre Fahne geschrieben hat, für das aller- beste Nüttel. Man frage doch, hüben und drüben, d i e Völker selbst, ob sie sich weiter gegenseitig abschlachten wollen oder ob sie zu einem Verständigungsfrieden bereit sind. Um die Antwort soll uns nicht bange sein! die Aufnahme üer öeutschen Antwortnote in Englanü. Amsterdam, 23. September.(T. II.) Der Londoner Kvrrespon- dent des„.Handelsblad" schreibt, daß man mit großem Interesse die Antwort Deutschlands an.den Papst erwartete. Die Mittags- blätter, welche die Antwortnote veröffentlichten, fanden reißenden Absatz und wurden schnell auf der Straße noch gelesen. Aber die Antwort habe alle enttäuscht, die aus dem, tvas in dieser Woche über die Wahrscheinlichkeit einer definitiven Lösung der bel- g i s ch e n Frage von Deutschland geschrieben wurde, gehofft hatten, daß die Antwort die Basis sür Friedensunterhandlungen sein könnte. Nun, wo die Antwort bekannt sei, meine man allgemein, daß der Frieden weiter entfernt sei als je. Der„Evening Standard" sagt: Es ist ein bemerkenS- werter Unterschied im Tone der deutschen und der österreichischen Note zu verzeichnen. Die letztere ist ein friedensaufrichtiges und würdiges Schriftstück, die erster« ein Gemisch von Unverschämtheit und Heuchelei. Der Hauptgedanke in beiden Noten ist, daß die Mittelmächte zu einem Frieden bereit sind, aber zu einem Frieden in Uebcreinftimmung mit der europäischen Lage, das heißt zu einem deutschen Frieden.„S t a n d a r d" ist der Meinung, daß Deutschland und Oesterreich totverlegen seien um Frieden. Er ist jedoch weiter der Ueberzeugung, daß keiner der beiden Staaten sich den Bedingungen der Alliertcn unterwerfen werde, ehe nicht dieser Widerstand vollkommen ge- brachen sei.„Pall Mall Gazette" schreibt: Das Dokument sagt weder etwas über Belgien, noch etwas über irgendeines der anderen heutigen Ziele, wofür die Alliierten kämpfen und die sie nicht von ihren eigenen Maßregeln zur Wiederherstellung. und Siche» rung des Friedens in der Zukunft trennen können. Die liberale „Westminster Gazette" erklärt:. Eine Tatsache von höchster Bedeutung ist es, daß Deutschland und Oesterreich beide den Grundsatz der Abrüstung und der Schieds» g« richte annehmen, insbesondere, wo die. Erklärung darüber von den heutigen Beherrschern dieser beiden Länder herrühre/ Wenn diese Prinzipien aufrichtig genommen werden würden/ wäre e i n Schritt vorwärts in. der guten Richtung getan. Ein anderer treffender Satz in der. deutschen Note sei, daß Deutschland infolge, seiner geographischen Lage und seiner ökonomischen Be- strebungen von dem friedlichen Verkehr mit den benachbarten und fernen Ländern abhängig sei. Keine der Antworten sage jedoch ein Wort. über, die Bedingungen, worunter der neue„statu- quo ante bellum" durch Abrüstung und Schiedsgerichte aufrechterhalten werden könne. Das Beste, was wir über das Stillschweigen der Miitelmächte sagen können, ist, laß dieTür nichtgeschlossen ist, und daß es denkbar ist, daß sie offensteht. Aber bevor wir in das gelobte Land eintreten können, wo die moralische Kraft des Rechts an Stelle der Materiellen Macht der Staaten tritt, muß die Brücke des neuen Statusquo gebaut werden. Wir können nur hoffen, daß die Mittelmächte einmal so gelehrig für den Eni- wuxs der Brücke sind, wie sie sich jetzt für Abrüstung und Schieds- gerichte gerecht zeigen...:•,■' ■ Aus London' wird gemeldet: Die Preß Association berichtet, daß die deutsche Antwort an den Papst nicht zur Folge haben werde. daß die englische Antwort an den Pap st schneller ge- geben werde, als es sonst der Fall sein würde. Die Antwortnote der Mittelmächte habe darauf keinen Einfluß, werde vielmehr gerade die entgegengesetzte Wirkung erzielen.'. verständigungssrieden und militärische Erfolge. In den letzten Tagen beobachteten wir wieder einmal das alldeutsche Bemühen, die militärischen Erfolge Deutsch- lands als einen dem Verständigungssrieden entgegen- wirkenden Faktor hinzustellen. Ein von den Schwer- industriellen gekauftes Berliner Blatt, das bittere Tränen über die deutsche Antwortnote an den Papst vergoß, klam- merte sich an den Sieg von Jakobstadt als das einzig erfreu- liche in dieser sür die Alldeutschen so schweren Zeit der fort- schreitenden Verständigung und fand sogar noch einige Hohn- Worte an den„Vorwärts", weil dieser, wie es meinte, Wohl ohne sich des„Gegensatzes" bewußt geworden zu sein, die Siegesmeldung der Obersten Heeresleitung und die Verstän- digungsnote der diplomatischen Leitung Deutschlands auf derselben Seite brachte. Bei anderer Gelegenheit sind die alldeutschen Wort- künstler noch dreister geworden. Als Riga in deutsche Hand fiel, haben die alldeutschen Blätter dies Ereignis nicht so sehr als militärischen Sieg, sondern als„schweren Schlag gegen die Reichstagsmehrheit" gefeiert. In Feuilletons, in Ge- dichten wurde ausgemalt, wie die Abgeordneten der Mehr- heitsparteicn, namentlich Scheidemann und Erzberger, bei dieser Kunde zusammengefahren seien und sich bitter über Hindenburg beschwert hätten, der so ärgerlich das Verstän- digungswerk zu stören wage. Für die Skrupellosigkeit und Niedrigkeit der alldeutschen Hetze ein dauernder Beleg. In Wirklichkeit kann der Vcrständigungsfreund nichts so sehr begrüßen, als wenn jeder Beweis der deutschen Verstän» dlgungsbercitschaft begleitet ist von einem ebenso starken Be- weis der ungebrochenen militärischen Kraft Deutschlands. Eine der am meisten wiederholten alldeutschen Behauptungen geht ja dahin, daß die deutsche Friedensbereitschaft im Ausland als Zeichen der Schwäche und des bevorstehenden Zusammenbruchs Teutschlands aufgefaßt werde. Dies ist allerdings bei weitem nicht in dem Umfange wahr, wie die Alldeutschen es uns glauben machen wollen. Um ihre These glaubhaft zu machen, müssen sie ja selber zu den gewagtesten Mitteln greifen, erdichtete Aussprüche ausländischer Per- sonen, ja die Personen gleich mit dazu erfinden, wie z. B. jenen famosen für Kerenski schwärmenden Bolschewiki- Rechtsanwalt, mit dem der„Berliner Lokal-Anzeiger" vor kurzem einen prächtigen Reinsall erlebte. Wäre es aber wirklich absolut richtig, daß die deutsche Friedensbereftschaft dem femdlichen Auslände nur M SchtvZchecmznckwn gilt, miTt, Kann ffitS?a mMtansche Stege das beste Mittel, diese Meinung gründlichst zu wider- legen. Gerade in dieser Hinsicht kann es auch ein Aichcinger des Verständigungsgodankens nur begrüßen, wenn die deutsche Antwort an den Papst zeitlich zusammenfällt mit der -erfolgreichen Defensive der Mittelniächte in Flandern itnd am Jsonzo, mit den Siegen von Riga und Jakobstadt. Natür- lich hindern diese Waffentaten nicht die„Deutschen Tages- zeitungen" der Engländer und Franzosen, von neuein das Lied von Deutschlands dicht bevorstehenden Zusanimenbruch und der„letzten Viertelstunde" anzustimmen, aber sie hin- dern die große Masse der englischen unb französischen Bevölke- rung. diesen tsirenenlauten Glauben zu schenken. Mit derartigen Redensarten kann man ein Volk wohl einmal oder zweimal beschwätzen. Aber wenn die Fristen solcher Prophezeiungen immer wieder ab- laufen, ohne daß beim Gegner die voraus- gesagte Katastrophe eintritt, dann fühlt auch der Dümmste, daß er an der Nase herum- geführt worden i st. Wir behaupten umgekehrt: sind die Feinde von einer nah in Aussicht stehenden Katastrophe Teutschlands überzeugt, dann würde sie von diesem Wahn nichts tvemger heilen als selbst ein halbes Schock in alldeutschem Stil und Geist ab- gefaßter diplomatischer Kraftnoten. Denn das weiß jedes Kind, daß man, um große Worte zu mackxm, keiner inneren Kraft bedarf. Gerade die blutigsten alldeutschen Kriegsver- längerungs- und Zerschmetterungsresolutionen werden ja meist von denen abgefaßt und angenommen, die persönlich am w e n i g st e n zu Teutschlands Behauptung gegen die feindliche Uebermacht beigetragen haben. Aber gewisse Heimkrieger unterliegen leicht einer eigentümlichen Suggestion: Weil sie die meisten Fahnen herausstecken und am lautesten Hurra schreien, wenn irgendwo ein Sieg erfoch- ten wurde, bilden sie sich schließlich ein, daß sie die Helden wären, die alles zustande gebracht hätten. Ist es zur.Herbeiführung einer Verständigung wirklich notwendig, die Feinde von Deutschlands ungebrochener Kraft zu überzeugen, dann erscheint gerade dem Verständigiings- freunde ein Sieg von Riga oder Jakvbstadt noch immer als ein zehnmal wirksameres Mittel als selbst das lauteste Ge- brüll des Reventlöwen. Dazu aber. kommt ein zweite? Moment: die Verschiebung der tatsächlichen Lage durch jeden beut- scheu Sieg. Die Alldeutschen behmipten allerdings, daß jede neue Besetzung feindlichen Gebietes mit Notlvendigkeit voin Verständigungsfrieden wegführe. Denn Deutschland sei ohnehin Sieger und je Mehr sich die Kriegskarte zu seinen Gunsten verschiebe, desto mehr könne und werde es bei Friedensschluß fordern. Wir wissen aber, daß die Behauptung des deutschen Sieges von unseren Gegnern, namentlich von den französi- scheu und ernst tschen„Alldeutschen", keineswegs anerkannt wird. Sie verweisen neben der sichtbaren Kriegskarte auch auf die„unsichtbare". Sie sagen: Es ist richtig, daß Ihr Bei- gien, Nordfrankreich, Rumänien, Serbien. Polen, Litauen usw. besetzt l>abt. Aber dafür halten wir Euch blockiert, von allein Seiten eingeschlossen, und wenn Ihr auch noch dieses und jenes Stück Landes besetzt,— aus der ltzmklammerung kommt Ihr nicht heraus. Wir haben die Herrschaft der Meere, das Bündnis fast der ganzen Welt, unendliche Reserven an Menschen und Material, dazu die detitschen Kolonien, Meso- potamien, Armenien besetzt, und das sehen wir als mehr an. Man mag hierüber urteilen, wie man will, soviel ist sicher, daß bei unseren Feinden gewisse Kreise eltrlich glauben, daß .die Position der Entente die bessere sei. Und eben daraus er- klärt sich das groteske Schauspiel, daß die Alldeutschen hüben und drüben jeder mit der Bebauptung, seine Partei hätte gesiegt, von der anderen Seite Entschädigungen tmd tbebiets- obtretiingen fordern. Aus dieser Situation aber ergibt sich auch, wie berechtigt der Standpunkt ist, die besetzten Gebiete als Faustpfänder, nicht als Eroberungen zu betrachten, die lediglich dafür zu haften haben, daß bei Friedensschluß auch die zu unseren Ungunsten stehende„unsichtbare.Kriegs- karte" wieder ins richtige Gleichgewicht gebracht wird. Be- hängtet der Gegner, wie es der Fall ist, daß sein Psandbesitz der größere sei und daß bei Aufrechnung ein Ueberschuß zu 'seinem Gunsten bleibe, nun dann muß ja mit jeder Vergröße- rung des deutschen Pfandbesitzes auch in der gegnerischen Rechnung dieser vermeintliche Ueberschuß immer geringer werden. Das bedeutet, daß sogar den„Alldeutschen" auf der andern Seite der Friede ohne Entschädigung und ohne An- nexionen immer mehr als der tatsächlichen Sachlage ent- sprechend erscheinen wird. Es gibt also keinen Grund, weshalb ein ehrlicher An- Hänger des Verständigimgsfriedens deutsche Waffenerfolge nicht begrüßen sollte. Höchstens einen: Wenn er nämlich sielst, wie gewisse Kreise bei jedem deutschen■ Sieg versuchen, das deutsche Volk in einen Rausch- und Taumelzustand zu ver- setzen, der es um das klare Denkett und um die ruhige lieber- legung bringt. Wir nrißgöitnen niemandem die Siegessreude. Wir empfinden sie selbst, denn unr fühlen und erlpben seit Kriegsbegintt innerlich die ungeheure Gefahr, in der sich das deutsche Volk im Kampfe gegen die ungeheuerste Uebermacht zu jeder Stunde des Krieges befindet, und die so groß ist, daß sie auch durch die getvaliigsteit Siege nur vermindert, nicht aber gänzlich beseitigt wird. Es ist noch immer jenes unge- heure Aufatmen der Befreiung von einer schweren Sorge, wie es nach der Schlacht von Tannenberg durch das deutsche Volk ging; es kann und wird während dieses Krieges nichts andres sein. Das liegt in dem Verteidigungscharakter, den dieser Krieg auch dann nocl) für Deutschland hat, wenn seine Heere dveihundert Kilometer jenseits der Grenze stehen. Aber ans eben dieser Erwägung empfinden wir es auch als ein leichtfertiges Spiel mit den Interessen des deutschen Volkes, wenn eine gewisse Presse nach jedent Sieg Töne anschlägt, als seien jetzt die Gegner endgültig besiegt und auf die Knie gezwungen, als gelte es nur auszurufen:„Das und das wollen wir behalten!", um es behalten zu können. Der deutsche Sieg ist detu Verständigiingsgedanken nicht gefährlich, nur der zügellose und künstlich genährte Sieges- rausch, vor ihm gilt es das deutsche Volk in seinem eigenen Interesse, damit es nicht eines Tages schinerzltch enttäuscht auswache, zu bewahren. Keine neue Zrieüensnote des Papstes. Wien, 23. September. Dos.Fremdenblatt" erklärt: Ent- gegsn der römischen Meldung, der Papst werde Ende September eine neue, mehr ins Einzelne gehende Friedensnote an die Krieg- führenden richten, wird in hiesigen unterrichteten politischen Krei- sen versichert, daß eine solche Absicht nicht bestehen dürfte. ES sei wenigstens hier nichts davon bekannt. Schwere Zeiten für Llopö George. Opposition der Arbeiter. Bern, 22. September. Ter Londoner Berichterstatter der „Westminster Gazette", vordem das Organ der Regierung Asquith- Grey, schreibt, das Kabinett Lloyd Georges gehe anschci- nend schwierigen Zeiten entgegen. Ueberall höre man a b- fällige Kritiken, die man noch vor einigen Wochen nicht gehört habe. Möglicherweise sei es nur eine Folgeerscheinung der Enttäuschung über die lange Kampfpause an der Westfront. Bc- zeichnenderweise komme die herrschende Uuzufriedenheit all- mählich auch in der Presse zum Ausdruck. Der sich jetzt bemerkbar machende zänkische Ton beruhe fraglos auf der Ueberzeugung, daß es dem Kabinett an Schaffenskraft und Konzentrierung auf seine Ausgaben gebreche. Zweifellos habe sich die Lage durch den teil- weisen Bruch mit der Arbeiterschaft verschlechtert. Noch stehe zwar die Arbeiterpartei nicht offen in der Opposition, aber die Regierung gebe sich in dieser Beziehung keinen Illusionen hin. Die jüngeren Parteiführer, die ein viel größeres Ansehen als die älteren genössen, seien durchweg für den völligen Bruch und fürchteten auch keineswegs die Folgen einer allgemeinen Neu- wähl. Diese Situation sei zweifellos einer gewissen Schwäche und Unentschlossenheit der Regierung zuzuschreiben. Ein anderer Faktor sei der, daß viele Unionisten in der Abnahme des vollen Vertrauens in Lloyd George eine günstige Aussicht für ihre eigenen Parteibestrebungen erblickten. Für sie habe der Wert Lloyd Georges darin gelegen, daß er der Regierung die Unter st ü tz. ung der Arbeiterschaft und eine? bedeutenden Teils der Liberalen sickerte. Aber wenn eine derartige Unzufriedenheit um sich griffe, würden sie sicherlich den ersten Platz in der Regierung für einen ihrer Führer, vermutlich Balfour oder Bonar Law fordern, wiewohl keiner von beiden sich dazu drängen werde, unter den dann sich ergebenden Umständen Lloyd Georges Erbschaft an- zutreten. John Surns Prophezeiung. Eine verspätet eingetroffene Nummer der sozialistischen .Justice" erzählt: .Der Donner der Geschütze in dem großen europäischen Kriege hat die einst so mächtige Stimme dcZ bemerkenswertesten Arbeiterpolikers, den England bisher hervorgebracht hat, deS Abgeordneten für Battcrfea, John B u r n s, zum Schweigen gebracht. Als er mit Trevelhan und Morley in jener Kabinetts- sitzung iAugust 1914) zurückgetreten war, bestieg er eine Tram- bahn, um nach Hause zu fahren. Der Schaffner erkannte ihn und fragte:„Was gibtS neues, John?"(Londoner Arbeiter nennen den früheren Minister stets John oder Jack.).Krieg," war die lakonische Antwort..Ich bin zurückgetreten."„Und wie wird es enden?" sagte der Schaffner.„Erst Wehrpflicht, dann Schutzzoll und schlichlich Revolution," war die Antwort. Das war die erste und letzte Aeuherung über den Krieg, die John BurnS getan hat. Zwei Jahre sind vergangen. Die Wehr- Pflicht ist zur Wirklichkeit geworden, der Schutzzoll kommt rasch näher, und wer Ohren hat, zu hören, erklärt, er könne schon leise das Grollen der Revolution vernehmen. Eine der bemerkens- wertesten Seiten von BurnS ist, daß sein Instinkt ihn nie im Stich läßt." Amerika bleibt beim eingeschlagenen Kurs. Amsterdam, 23. September. Reuter meldet aus Washington: Di« Regierung gibt deutlich zu erkennen, daß die Antwortnoten der Mittelmächte an den Papst kein Grund sind, um eine Aenderung in den Zielen und Absichten Amerikas hinsichtlich der Kriegführung und ebensowenig der definitiven Regelung deS Friedenz zu bringen. Wansings Enthüllungen. Wolfis Bureau meldet: Herr Lansing hat der Kette seiner Enthüllungen, mit denen er die neutralen Staaten gegen Deutsch- fand aufzuhetzen versucht, ein weiteres Glied angereiht durch die Veröffentlichung eines TelegrammeS vom März 1916, in dem von einem deutscherseits in Amerika beabsichtigten Verkauf von Munition und Pulver an eine holländische Kom- Mission die Rede ist. Der Lärm, den die amerikanische Regierung mit diesem Tele- gramm macht, und die daran geknüpften Kombinationen sind ganz haltlos. Das Telegramm erhält weder etwas Unerlaubtes noch etwas Geheimes. Die Deutsche Regierung hatte es auf drahtlosem Weg mit der der Amerikanischen Regierung bekannten, bei den Funkstationen in Savville und Tuckerton hinterlegten Chifire nach Amerika gesandt. AIS dann in Berlin bekannt wurde, daß der amerikanische Zensor das Telegramm angehalten hatte, hat das Auswärtige Amt am 29. März 1916 an den amerikanischen Bot- schafter Gerard eine Rote gerichtet, worin das Telegramm wärt- lich wiederholt und gegen das Verfahren des Zensors Einspruch erhoben wurde. Die Sachlage war ganz einfach. Es war natürlich, daß Deutsch- land versucht«, in Amerika Munition und Kricgsgcrät anzukaufen. Herr Lansing wird hieran um so weniger Anstoß nehmen können, als die Vereinigten Staaten immer versickert haben, daß sie Deutsch- land ebenso bereitwillig Waffen und Munition liefern würden wie der Entente. Wenn dann derartiges Kriegsmaterial bei der Unmöglichkeit, es nach Dcufichland zu bringen, anderen, außer- deutschen Firmen angeboten wurde, so war das eine durchaus ein- wandfreie, rechtmäßige Transaktion. deutsche Erklärung zur Luxburg-Märe. Berlin, 23. September.(W. T. B.) Die deutsche Re- g i e r u n g hat dem«rgentinischen Gesandten in Beantwortung der Mitteilung, daß Graf Luxburg wegen des Inhalts seiner Tellegrammc nicht mehr persona grata fei, erklärt, daß sie das Gc- schchene lebhaft bedauere; die in den betreffenden Tele- grammen ausgedrückten Ansichten de» Grafen Luxburg feien seine persönlichen Ansichten und hätten auf die Entschließungen und Versprechungen der deutschen Regierung keinerlei Einfluß aus- geübt. Buenos Aires, 23. September.(Reuter.) Amtlich. Die Note Deutschlands erweckt hier Befriedigung(gives satisfaetlon). Notiz deS W. T. B. Wie wir erfahren, handelt es sich bei dieser Note um die heute bekanntgegebene Erklärung der deutschen Regie- rung an den argentinischen Gesandten. Jean Jaurös unü Elsaß-Lothringen. Gegenüber dem unentwegten Festhalten der Franzosen an der Forderung, den Krieg bis zur„Desannexion" Elsaß-Loth- ringens fortzusetzen, sei noch einmal an die Worte erinnert, die Jean JaureS in der JubiläumSnummer deS„Vorwärts" vom 31. März 1969 an die deutschen Arbeiter gerichtet hat. In seiner genialen Weis« beleuchtcte er dort den Gegensatz zwischen Deutsch- land und Frankreich und trat warm fiir eine Verständigungspolitik der beiden Länder also ein: „Die von den französischen Sozialisten betriebene Propa- ganda für den Frieden und für das Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland wird in hohem Matze durch die machtvolle, immerzu wachsende politische Tätigkeit der deutschen Sozialdeniokratie gefördert, durch die leidenschaftlichen Be- mühtingen des deutschen Proletariats das politische Reckt zu er- ringen, den Junkern das Wahlrecht abzuzwingen und die feudale Zcnsusfestung des preußischen Landlags zu schleifen... Und wenn das Elsaß durch eine einsichtige und großzügige Politik ernsthafte Bürgschaften empfange, wenn die franzö- sischc Kultur, die dort mit der deutschen zu barmonischcr Ver- bindung gebracht werden kann, nicht systematisch und brutal unterdrückt würde, wenn die von den deutschen Sozialdemokraten sofort für die Elsässcr geforderte Politik der Freiheit und Gerechtigkeit im ganzen Gebiete des Reiches zum Siege gelangte, dann würde auch bald die Stunde schlagen, wo wir die französische Demokratie zu einer dauerhaften, endgültige« Verständigung mit Teutschland bewegen könnten." Auf deutscher Seite ist alle Bereitschaft zu dieser Verständi- gung vorhanden. Tie französischen Sozialisten und die ganze französische Demokratie brauchen nur zu Jaures zurückzukehren. Die Todesstrafe in Nußland. Das zaristische Rußland führte die Feldgerichte ein, als es nach der Revolution 1995/1996 sich„nach Ordnung" sehnte. Flammender Protest und allgemeine Entrüstung lvar die Antwort der Oefienl- lichkeit auf die wahnsinnige Justiz der Regierenden, die in ihrer Verblendung so weit ging, daß sie kein Maß wußte und blindlings drauflosmordctc. Hohn und heiligen Zorn riefen„Urteile" hervor, deren Haltlosigkeit dadurch dokumentiert wurde, daß die TodeSslräfe zuweilen durck geringfügige Gesängnisstrascn ersetzt wurde. Auch die Regierung des revolutionären Rußland glaubte das Heil deS Landes in der Einführung der Todesstrafe gesunden zu haben, nachdem diese anfänglich aufgehoben worden war. Und nun arbeiten die Gerichte frisch und fröhlick, und auch die außcrgericht- lichen Exekutionen der meuternden Soldaten sind zum Tagesereignis geworden. Ein Telegramm, das die neuesten russischen Zeitungen bringen, fesselt aber unsere Aufmerksamkeit in besonderem Maße an sich. ES meldet, daß im Bereiche einer Armee ein Soldat, namens KuSmin, für den Diebstahl von löAepfelnauSeincm Garten zum Tode verurteilt wurde, daß aber der Regierungskommissar bei der Einreichung des Urteils zur Konfirmation den Antmg stellte, die T o d e S st r a f e möge durck eine sechsmonatige Ge- fängnisstrase ersetzt werden. In der Bewertung deS menschlichen Lebens tressen sich das zaristische und das revolutio- närc Rußland! Begangene Fehler rächen sich, denn die Logik der Tatsacken ist stärker als der Wille und die schönsten Absichten— sogar der revolutionären Demokratie! Die Dolschewiki gegen öie Gewalt. In dem in Stockholm erscheinenden„Boten der russischen Re- Volution" rechtfertigt Lenin sein Verhalten in den kritischen Julitagen. Er weist darauf hin, daß die Bolschewik: am Ii. Juli ein Grenadi erregt mcnt von Demonstrationen abhiel- ten, daß sie sich nur bemühten, die spontane Bewegung in g e- ordnete Bahnen zu leiten und ihren friedlichen Eha- r a k t er aufrechtzuerhalten, und daß sie in der Nacht zum 17. Juli einen Aufruf zur Beendigung der Demonstrationen verfaßten. Lenin fordert der. Staatsanwalt auf, seine Anklage besser zu fun- dieren und ersucht jene Petersburger Bürger, die Zubörer seiner Reden waren, zu bezeugen, daß er bei aller Gegnerschaft gegen den imperialistischen Krieg keine Gewaltanwendung gepredigt Hot. „Unsere Partei hat ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit getan. als sie mit den ganz berechtigt entrüsteten Massen am 17. Juli ging und sich bemühte, dieser Bewegung ein en organi- sierten und friedlichen Charakter zu verleihen. Das Ziel der Bolschewik! sei ausschließlich gewesen, mit f r i e d- lichen Mitteln den Uebergang der Regierungsgewalt in die Hände des Sowjets zu erreichen. Vernichtungskampf gegen üie Iuöen in Rumänien. Die Berliner„Jüdische Rundschau" vom 21. Deptemöer veröffentlicht einen Bericht aus Petersburg über die grau- same Behandlung der Juden durch die rumänische Regte- rung. Wir entnehmen dem ausführlichen Bericht die folgenden Tatsachen: Die rumänische Regierung, mit Herrn B r a t i a n u an der Spitze, führt gegen die Judcn einen förmlichen Der- nichtungSkamps. Namentlich in den RückzugStagen der runiänifchcn Arme« find nach dem Zeugnis des russischen Botschafters in Jassy Pol lewsky-Ko seil Ausschreitungen gegen eine große Zahl von rumänischen Juden begangen worden. Jeder Rückzug der rumänischen Truppen kostete rumänischen Juden aller Kreise das Leben. Die angesehensten Juden wurden ohne Grund der Spionage verdächtigt und ins Gefängnis gesteckt. Der bekannte russische Schriftsteller Korole n ko erfuhr z. B. von einigen russischen Offizieren, daß 34 jüdische Soldaten in Bacau auf Urteil des Feldgerichts gehängt wurden. Sie waren der Fahnenflucht angeklagt. In Wirklichkeit waren diese Sol. daten, die von ihrem vernichteten Regiment übrig geblieben waren, so lange umhergeirrt, bis sie das nächste Militärquartier erreicht hatten. Ihren Angaben wurde aber nicht geglaubt und sie wurden verdächtigt, sich freiwillig in die Gefangenschaft begeben und jetzt als Spione von Dcütfchland nach Rumänien geschickt zu sein. Unter den zahlreichen Erschossenen befinden sich auch sieben aktive jüdische Sozialdemokraten, darunter der angesehen« Sozialist Dr. Wechsler. Herr Brotianu erklärte die Hin- richiungen der jüdischen Soldaten für gerechtfertigt und bestritt d:e Zahl der Getöteten. Im ganzen seien 14 Juden gehängt worden, unter etwa 199 Nichtjudcn, von denen die meisten allerdings nicht rumänische, sondern feindliche Soldaten waren. Als der bei- (tische Sozialistenführer Paitdervelde kürzlich die rumänisch- Front besuchte, benutzt« er die Gelegenheit, die rumänischen Macht- haber auf die Stimmung in Rußland gegen die rumänischen Juden- Verfolgungen hinzuweisen. Sofort nach der Rückreise PanderveldeS veröffentlichte die rumänische Militärmacht am 15. Juni folgendes Communique:„Der Militärmacht ist zur Kenntnis geionunen, daß in der Stadt Personen vorhanden sind, die bei unseren Berbün- dien falscke Nachrichten über die politische Lag« in Rumänien ver- breiten. Die betreffenden Personen werden vor ein Militärgericht gestellt werden."_ Zur Kriegslage. Berlin, 23. September.(W. T. B.) Der dritte Tag der neuen Flandcrnschlacht ist vorüber gegangen ohne daß e, zu weirersn englischen Grotzangrifien kam. Am 22. September blieb das Ar- tilleriefcuer bis 19 Uhr vormittags auf der ganzen Kampfiront mäßig und verstärkte sich erst von da ab zwischen Lange- mark und Hollebeke. Um 5 Uhr nachmittags war nord- östlich Dpern eine neuerliche Verstärkung de» Feuers zu bemerken, das um 6 Uhr zum Trommelfeuer anschwoll. Augenscheinlich war eine größere Angriffsaktion geplant. Infolge der erfolgreichen deutschen AbweHrwirkung kam«5 ZeLoch Sur BftTtch St. FuNsn zu' Teilangriffen, die überall abgewiesen wurde«, llw 10 llhr abends flaute auch das Artilleriefcuer überall wieder ab. Wenn die englischen Bericht voll dabo« sind, dah es nunmebr gelungen sei, der deutschen Verteidigungsmethode durch ein neue? wirksames Nngrisfsfystem zu begegnen, so stehen die äußerst geringen positiven englischen Erfolge zu dieser Behauptung in seltsamen Gegensatz. Die Fliegertäiigkeit war außerordentlich rege. Deutsche Geschwader brachten unter anderem bei Poperinghe einen Munitionszug sowie Mehrere Schuppen durch Bombenwürfe zur Explosion. � m A r t o i s und bei St. L u e n t i n herrschte lebhafte Artillerie- und Patrouillentätigkeit. Mehrfach brachten die beut- fchen Patrouillen Gefangene ein. Bei Bcrnot an der Life be- warfen feindliche Flieger ein Lazarett mit Bomben. Mehrere Soldaten und eine Sckwester wurden getötet oder verwundet. An der A i s n e beiderseits Reims und in der Champagne war die Fcuertätigkeit zeitweise lebhafter. Deutschen Patrouillen gelangen zahlreiche Vorstöße. Unter anderem stieß westlich der Champagne-Ferme ein deutscher Stoßtrupp bis weit in die fran- zösischen Gräben vor und kehrte mit lö Gefangenen und 1 Schnell- ladegewehr zurück. An der Verdun-Front hat die Feuertätigkcit Wieder zugenommen. Die Abwehrtätigkeit der deutschen Batte- rien und Luftgcschwader fügte den Franzosen schwere Verluste zu. In und hsntcr den französischen Stellungen wurden zahlreiche Brände und Explosionen beobachtet. Ein deutsches BowbeNge- schwader setzte den großen französischen Munitions- und Pionierpark bei Landrecourt in Brand. Englischer Heeresbericht vom 22. September. Beträchtliche deutsche Kräfte machten gestern abend an der Dpern-Front einen Gegenangriff ohne weiteren Erfolg als eine bedeutende Erhöhung der feindlichen Verluste zu erzielen. Ein starker Angriff in dichten Formationen auf breiter Front östlich St. Julien führte zu dem Ergebnis, daß der Feind auf eine kurze Strecke in unsere neuen Stellungen eindrang. Er wurde jedoch durch einen Gegenangriff nach zweistündigem erbitterten Kampf vollkommen wieder hinausgeworfen. Unsere ganze Linie ist un- versehrt. Die feindlichen Verluste sind außergewöhnlich ernst. Während der Nacht griff der Feind mit starten Kräften zu beiden Seiten der Straße Vpern— Menin an. Er wurde vollkommen zurückgeschlagen. Feindliche Gegenangriffe bei Langemarck wurden durch unsere Artillerie gebrochen. Neutraler Schiffsraum die Entente. Haag, 23. September. Aus Washington wird gemeldet: Es bestehen Anzeichen dafür, daß 400 000 Tonnen neutralen Schiffs- Miunis, der sich gegenwärtig in amerikanischen Häfen befindet, zum größten Teil verftigbar werden wird, um Güter der Alliierten zu transportieren. Die Schiffe sollen zwar nicht beschlagnahmt wer- den, der Dienst der Schiffe soll jedoch so eingerichtet werden, daß die Schiffe dem amerikanischen Verkehr dienen. Die ausländischen Reeder sind mehr denn je bereit, sich den Wünschen der amerika- nischen Regierung zu fügen. Soweit es auf Holland ankommt, bat die niederländische Regierung bereits kategorisch erklärt, daß sie diese mehr oder weniger gewalttätige Aufforderung, du nieder- ländischen Schiffe herauszugeben, ablehnt. Reichstag. Der Reichstag tritt, wie schon wiederholt gemeldet, am 26. September zusammen. Ter durch einen Truckfebler ent- stellte Leitartikel unserer gestrigen Ausgabe ist daher in seiner Eingangszeile richtig zu lesen: Wenn der Reichstag Mitt- w o ch wieder zusammentritt usw. Eine!Naj)enpetition üer Kriegsbeschädigten an den Reichstag. Man schreibt uns: lZine Statistik aus dem Rheinlande hat jüngst ein grelles Licht auf die Notlage der gänzlich erwerbsunfähigen Kriegsinvalide« geworfen. Eine Umfrage, die daraufhin von einer größeren Gruppe von Kriegsbeschädigten veranstaltet worden ist, ergab, daß auch größere Massen der nur teilweise erwerbsunfähigen Kriegs- beschädigten trotz der gegenwärtigen Hochkonjunktur auf dem Arbeilsmarkt in ganz unwürdigen Verhältnissen leben. Teilweise wurde geradezu erschütterndes Material zutage gefördert. Dies Ergebnis hat bei den Kriegsbeschädigten den Gedanken reifen lassen, eine Eingabe an den Reichstag um allgemeine Erhöhung der Kriegsrenten zu richten. Hierfür will man die Unterschrift möglichst aller Kriegsbeschädigten gewinnen, welche die heutigen Renten angesichts der kolossalen Entwertung des Geldes für unzureichend halten. Die Kriegsbeschädigten betrachten den jetzigen Notbehelf gelegentlicher Zusatzrenien als unzureichend und sehen nur in der s o so r t i g e n und erheblichen allgemeinen Erhöhung der Kriegsrentcn eine wirkliche Abhilfe. Kriegsbeschädigte, die sich diesem Vorgeben anschließen wollen, können Petitionslisten zur eigenen Unterschrift und zur Werbung weiterer Unterschriften beziehen von der Geschäftsstelle der Kriegs- beschädigten, Berlin SW. 08. Lindenstraße 114, III. Nationalliberale Kampfansage an äie Reichstagsmehrheit. Der Zentrolvorstand der nationalliberalen Partei hat am aestrigen Sonntag nach Referaten der Abgg. Strefemann und v. C a l ck e r eine Entschließung angenommen, die im Gegensatz zur Fraktionscrklärung vom 19. Juli den Geist der schärfsten Kampfbereitschaft gegen die Reichs- tagsmehrheit atmet. Die Entschließung verweist auf die Behandlung des deut. schen Friedenswillens durch den deutschen Kaiser am 12. De- zember v. I. und wendet sich mit Entschiedenheit gegen fort- gefetzte Bekundungen des Friedenswillens. Ter MehrheitS- beschluß des Reichstags vom 19. Juli wird als..schwere Ge- fahr für die deutsche Zukunftsentwickelung" bezeichnet und der Fraktion wird dafür gedankt, daß sie diese Entschließung ein- mütig(?) ablehnte. Weiter heißt es wörtlich: Deutschlands zukünftige Sicherheit kann nicht allein auf Völkerverträgen beruhen, sondern muh auf deutsche Macht und Stärke gegründet sein. Ohne Machterwciterung in Ost und West und Siiherung der weltpolitischen Stellungen über See und ohne ausreichende Kriegsentschädigungen würden wir keine Sicherheit gegen künftige Bedrohungen unseres Dasein» haben und politisch und wirtschaftlich um Jahrzehnte zurück- geworfen sein. Die militärische Lage gibt un» die Gewähr, daß Teutschland als Sieger den notwendigen besseren Schutz er- halten uns tue politische und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands sichergestellt wird.... Ter Zentralvorstand lrhnt die Uebertragung dcS parlamentarischen SvstrmS ab, verlangt aber ein engeres und Vertrauens- volleres Zusammenarbeiten zwischen Reichstag und Regierung. Eine weitere Entschließung besagt: Der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei lehnt jede Sufrollung der sogenannten elsaß-lothringi schen Frage während des Krieges und bei den Friedensverhandlungen ab. Die Rebe,'die Herr Strösemann hielk, 5>ar ganz im Sinne' bsr ongenomwenen Resolution gehalten und wandte sich mit besonderer Schärfe gegen die Abrüstung. Am l9. Juli hatte Prinz Schönaich-Carolath kurz Isie Ablehnung der Mehrheitsresolution durch die nattonalliberale Fraktion erklärt, aber hinzugefügt: Dagegen sind wir bereit, auf oer Grundlage eines verstän- digen Au»gleich frieden» mit unseren.Feinden zu ver- handeln, sobald auch diese einen solchen Frieden wollen, der dem deutschen Volke die freie Entwicklung sichert und der die d a u- ernd« Versöhnung der Völker anbahnt. Aus dieser Gegenüberstellung kann man erkennen, wie groß der schritt ist, den die nattonalliberale Partei durch den gestrigen Beschluß vollzogen hat. Die Schwerindustrie hat gesiegt, und die Partei ist mit fliegenden Fahnen in das Lager der Alldeutschen übergegangen. Die Folgen öieier Wondung können sehr bedeutend sein, sie werden aber dem Deutschen Reich und der nationalliberalen Partei in keiner Weise nützlich sein. Sehöröliche Werbung für die vaterlanöspartei. In den letzten Tagen find uns zahlreiche Beichwerden von den verschiedensten Seiten und aus den verschiedensten A e m t e r n zugegangen, in denen allen der gleiche typische Vorgang geschildert wird. Der Herr Vorgesetzte vergnstaltet unter seinen Untergebenen eine Umfrage, wer von ihnen die Gründungsversammlung der„Deutschen Vaterlandspartei" (die heute abend in der Philharmonie stattfindet) besuchen will. Ta eine zustimmende Antwort vorausgesetzt wird, werden den Untergebenen sodann die Eintrittskarten einge- händigt, auf deren Rückseite sich bereits auch der Vordruck der Beitrittsmeldung befindet. In verschiedenen Briefen, die geradezu wie Notschreie klingen, werden wir gefragt, was sich gegen solche Zw a n g s einladungen tun lasse. Wir antworten darauf, daß niemand gezwungen werden darf, einer politischen Partei beizutreten und daß kein Mensch, der auf Ehre hält, sich dazu zwingen lassen darf. Die„Deutsche Vatcrlandspartei" ist von einem Staats- sekretär begründet worden, der im Unfrieden aus der Regie- rung ausgeschieden ist, und von einem Beamten, den der frühere Reichskanzler als einen„Piraten der öffentlichen Meinung" bezeichnet hat. Daß eine von solchen Herren ge- gründete Oppositionspartei das Reckt auf freiest? Betätigung hat, das zu bestreiten sind wir die allerletzten. Aber ein amtlicher Druck zugunsten einer Partei, sei sie Regierungs- oder Oppositionspartei, ist unzulässig, und wenn er zugunsten einer Oppositionspartei ausgeübt wird, so ist das ein Stück, das geradezu schwankhast komisch wirken müßte, wenn nicht die Zeit und die Sache selbst dazu viel zu' ernst wäre. Das Tollste ist, daß man einen gelinden Zwang zu politischer Betätigung in der gekennzeichneten Richtung auch auf Personen auszuüben sucht, die gerade durch ibre dienst- liche Stellung dem politischen Getriebe entrückt sein sollen. Hierüber wird im Reichstag noch weiter zu sprechen sein. Eine Kunügebung für die 7. Kriegsanleihe. In der„Philharmonie" wurde gestern eine Kundgebung für Hie neue Kriegsanleihe veranstaltet, bei der Reichsschatz. sekretär Graf R o e d e r n die Hauptansprache hielt. Er sagte u. a.: „Di« Zeit nach dem Krieg«, sie erscheint jetzt manchem öedenklicker als der Krieg selbst. Auch diesem Kleinmut werden Sie zu begegnen haben. Man stößt in der Werbearbeit auf die Fragen, sind die Kriegsanleihezinsen gesichert und werden wir die nötigen Summen für sie aufbringen können? Tie Anleihen sind gesichert, formell durch das Versprechen von Regierung und Reichstag, durch den unerschütterlichen Willen beider, gerade denen gerecht zu werden, die dem Vaterland in schwerer Zeit geholfen haben, materiell durch das, was hinter ihnen steht, die Arbeits- und Sieuerkraft des ganzen deutschen Volkes." Dann'Prack noch Admiral Hebbinghaus, der ver- sicherte, der uneingeschränkte U-Boot-Krieg sei besser gewesen als die Elthaltung des Friedens mit Amerika. Nickt alle, die Kriegsanleihe zeichnen, werden dem Admiral auf dieses Ge- biet folgen wollen. Ein Schrei nach Zensur. Der agrarische Wanderredner Dr. Schmidt-GibichenfelS, der schon im Juli gegen die Sozialdemokratie die Anwendung von Maschinengewehren empfahl, tobt in der neuesten Nummer seiner„Politisch- Anthropologischen Monatsschrift" abermals seitenlang gegen die„inneren Feinde" und die „vaterlandsfeindliche Bewegung", die im Innern die Geschälte des äußeren Feindes besorge. Zur Eindämmung dieser Be- wegung empfiehlt er diesmal unter umständlichen Kratzfüßen vor dem Reichskanzler eine entsprechende Anwendung der Zensur. Die sollte das ganze Volk nach der alldeutschen Pfeife tanzen lehren. Und so stellt Herr Schmidt das Ei des Kolumbus auf den Tisch: Nun— ganz einfach: man brauchte nur den Teil der Presse und sonstigen ösiemlichen Meinungsmache, der während des Krieg« in unbegreiflicher, oder— vom Standpunkte der inner» Feinde— nur zu begreiflicherweise in seinem Eniflusie auf das Volk zurückgedrängt worden ist, mit oll der unserer Regierung noch immer— trotz alles absichllichen Abbaus— zur Verfügung skshenden Autorität in den Vordergrund zu stellen und die Gegenwirkung, die unter der früheren Reichsregierung nicht nur gedulde!, sonder» geradezu begünstigt wurde, jetzt endlich auf das gesetzlich zulässige Maß zu beschränken. So etwas hat wäh- rend des Krieges keine Schwierigkeit und ist unter Herrn von Belhmann Hollweg nur zu oft, leider aber in einem ganz falschen Sinne und an ganz falicher Stelle geschehen. Es müßte endlich einmal im richtigen Sinne und an den richtigen Stellen geschehen. Die Hefte, worin dies steht, tragen daS Zeichen: Zensiert vom Oberkommando in den Marken. Der Rntisemitengeneral. Zu dem Aufruf des Generals a. D. Frhr. v. Gibsattel gegen den„Judenfriedsn", den wir vorgestern einer Besprechung unterzogen, wirb uns noch geschrieben: , Di« symptomatisch« Bedeutung des von Herrn v. Gehsattel er- hobenen Kampfrufs gegen die Juden kann zur nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es hawoett sich nicht um den willkürlichen Vor- stoß eines Einzelnen, sondern nur um die Voreiligkeit eines Mannes, der sein Pulver» cht halten kann. Ter zweit« Vorsitzende der Alldeutschen hat damit vorzeitig einen Plan enthüllt, der längst sorgfältig vorbereitet ist und im geeigneten Augenblick durchge- führt werden soll. Was geplant wird, ist eine Judenhetze größten Stils, zu der längst«it Eiser Materürl gesammelt wird. Kein Händler mit jüdisch klingendem Namen, der sich gegen die Kriegswucherbestimmungen vergangen hat, ist da vergessen, während natürlich gleichgerichtete Taten der„germanischen" Kon- kurrenz mit dem Mantel christlicher Nächstenliebe bedeckt werden. Gewinnen die Kreise, die jetzt„für des Reiches Macht und Herr- lichkeit" mit Zunge und Feder kämpfen, die Oberhand, dann wird die jüdische Bevölkerung Deutschlands über den Lohn staunen, der ihr für das Blut, das sie zur Verteidigung des Vaterlandes ver- gössen hat, zuteil werden wird! Aber eigentlich ist zum Staunen kein Grund, denn jede reaktionäre Hetze trägt die Tendenz zum Antisemitismus in sich, vom hypernationalistischsn Hurra zuist progromistischen Hepp Hepp ist nur ein kleiner Schritt! Kein tzafer mehr für Luxuspferüe. Die„Mitteilungen des KriegsernährungSaMtes" bringen einen längeren Aufsatz, in dem eS heißt: Endlich sieht die Neichsfuttermittslstelle bis zum 20 Oktober einer Anzeige darüber entgegen, wieviele der im Kommunalvcrband gehaltenen Einhufer nicht in landwirtschaftlichen Betrieben oder in Gewerbe, Handel und Industrie in kriegkwirtschastlich wichtiger Weise tätig sind. Das in§ 2 Absatz 8 Satz 2 der Verordnung vom 10. September ausgeiprochenc Bcrbot, diesen Tieren Äörnerfutter zu zuweisen, empfehlen wir besonderer Beachtung Alle Halter von Tieren, die hiernach nicht mit Körnerfutler zu ver- sorgen sind, werden besonders scharf dahin zu überwachen sein, daß sie sich nicht Körnerfutter im Woge des Schleichhandels ver- schaffen. Eine Statistik wäre interessant, wie viel Hafer, der ein ausgezeichnetes Kindernährmittel abgibt, in den ersten drei Kriegsjahren von Luxuspferden aufgefressen worden ist. Die große Zeit. Einer Kriegerfrau, die im Gemeindewalbe von Wal!d- kitch bei Freiburg i. B. Holz gesammelt hat, wurde ein Straf- beseht mit folgendem Text zugestellt: „Frau Klara Ganter hat am 18. Juni 101? aus dem Ge» meindcwalde Waldkirch aus Abt. I 23 eine Traglast dürre Tannen- äste im Werte von 10 Pf. entwendet. Die Strafe lautet auf 1 M., ev. einen Tag Gefängnis." Ter Mann der Bestraften steht feit drei Jahren im Felde; sis selbst hat vier kleine Kinder über Wasser zu halten. Aehnliche Strafzcttel sollen in größerer Anzahl ausgestellt worden seil« Unsere Bureaukratie versteht die Zeit der Holz- und Köhlennot wirklich großzügig für den Fiskus auszunutzen. Schuhfabrikanten und Schuhwucher. Der Verband der Schuh- und Schäftefabrikanten hielt ftfit Sonnabend in Frankfurt a. M. seine diesjährige Generälvtrsamm- lung ab, die sich in der Hauptsache mit den Angriffen beschäftigte, die in der letzten Woche in der Tagespresse erschienen sind. Kommcrzienrat Simon Wallerstein, der Vorsitzende des UeberwachnngsausschusseS, versuchte in längeren Ausführungen den Nachweis zu erbringen, daß die heutigen Preise durchaus an« gemessen seien, sie ließen den Schuhfabriken einen Nutzen von kaum 6 Proz. Die hohen Dividenden einzelner Aktiengefellschaftöst erklärten sich dadurch, daß diese vom Kapital und nicht vom Umsatz berechnet würden. Man dürfe auch nicht vergessen, daß Futter- stoffe, Nähgarn, Schnürsenkel, Klebstoffe usw. um das Fünf- bis Zehnfache im Preise gestiegen seien und daß man oft für das Leder viel mehr bezahlen müsse, als gesetzlich vorgeschrieben sei. Wenn der Redner darauf hinwies, daß ein Paar Stiefel, das in Frie- denSzeiten 12,60 Mk. gekostet haben, jetzt 27—28 Mk. koste, und ein Paar, das 16,60 M. gekostet habe, jetzt 30—35 M., so vergaß er dabei anzugeben w o man solch« Stiefel erhalten kann.(Unser Berichterstatter mußte kürzlich in einem Berliner Geschäft 67,76 Mark für ein Paar einfache genagelte Stiefel bezahlen.) Der zweite Teil der Tagung befaßte sich mit der Zwangs- shndizierung in der Lederindustrie und die Tätigkeit des Heber- wachungsausschusies, der verschiedentlich angegriffen und zu auw- kratisch bezeichnet wurde. Zusammenfassend möchten wir bemerken, daß sich auch hier daS alte Spiel wiederholt, das wir seit Kriegsbeginn gewohnt sind: jeder sucht seine hoben Preis« mit den hohen Preisen des andern, auf den er angewiesen ist, zu rechtfertigen. Der leidtragende Teil ist immer die Bevölkerung. Was man in der Versammlung zwi» schendurch über die Aussichten der künftigen Schuhversorgung hören konnte, ist wenig hoffnungsvoll, denn auch die Beschaffung von Ersatzstoffen, die in Verbindung mit einer Holzfohl« zu Schuhen verarbeitet werden könnten, stößt auf größte Schwierig- keiten. Die unteren Post- unö Telegraphenbeamten hotten vom 20.— 22. d. Mis. in Berlin ihren 7. Verbandstag. Der Generalsekretär RemmerS referierte über die Ausgaben des Verbandes nach dem Kriege. Er kritisierte die Unzulänglichkeit der Teuerungszulagen. Auw in der E r n n h r u n g S f r a g e sei die Zögerung mir durchgreifenden Maßregeln zur gleichmäßigen Er- nährung der Bevölkerung bitler empfunden worden. Die unteren Poslbeamte» stehen unter dem Eindruck, daß regierungsseitig nicht die geniigrnde Energie entfaltel worden sei, für eine ausreichende Ernäbrung der Veikebrsbeomien während des Krieges einzutreten. Tie höheren und unteren Beamten stehen unter einem ihren Aus- stieg hemmenden Drucke. Die unteren Postbeamten leiden unier dem Mangel einer Aufstiegsmöglichkeit. Die Einstellung von Past- lehrlingen sei wünschenswert. Die etatsmäßige Anstellung müsie früher und nach einem bestimmten Zeilpunkt erfolgen. Sie dürfe nicht von den Schwankungen der jeweiligen Finanrlage abhängig sein. Die Trennung der Beamten in Beamte und Untcrbeamle sei unzeitgemäß und sollte je eher je besser beseitigt werden. Alle diese Wünsche weiden in einer Denkschrift dem Reichspostaml durch eine Abordnung überreicht werden. Letzte Nachrichten. Tie Krise im Sowjet. Petersburg, 23. September.(Meldung der Pstsrshu»g«r Tel»- graphen-Agentur.) In der Vollversammlung des Arbeiter- und Soldatenrates brachten die soziatdemokratisch-minimabistische und die revolutionär-sozialistische Partei eine Entschließung in Vor- schlag des Inhalts, daß die am 13. September gefaßte maxima- listische Entschließung lediglich rein zufällig angenommen worden sei und daß der Arbeiter- und Soldaienrat von Petersburg volles Vertrauen zu seinem Bureau Hab«. Diese Ent- schließuug wurde in namentlicher Abstimmung mit 610 gegen 413 Stimmen abgelehnt, während 67 Abgeordnete abwesend waren. Der Präsident des Arbeiter- und Sol- datenratS T s ch e i d s e erklärte, daß die Mit- glieder de» Bureaus ihr A m t niederlegten. GroßSerlln �ugenöweihe üer Arbeiterschaft Groß-Serlins. Die van der Groß-Berliner Bezirksargani- sation der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gestern veranstaltete Jugendweihe hatte eine sehr starke Beteiligung. Ten grasten Saal des Lehrervereinshauscs am Alexanderplatz füllte bis auf den letzten Platz eine Kopf an Kopf gedrängte Menge, die Angehörigen und Verwandten der Kinder, denen die Feier galt. Viele Freunde der Jugend hatten sich ange- schlössen, um teilzunehmen an dem Weihefcst, das den jetzt von Kindheit und Schule scheidenden Knaben und Mädchen ein Geleit- wort mit auf den Lebensweg geben sollte. Tic warmherzige und kernige Wciherede des Genossen Rudolf Wissel! traf so recht die Stimmung, die in dieser Kriegszcit solche Veranstaltungen be- berrscht. Noch ernster als sonst sind die Gedanken, die uns jetzt bewegen, wenn wir unseren Nachwuchs ins Leben hinausgeleiten. Wissell sprach von der Schwere der Zeit, die' von Sturmcsbrausen und wildem Wüten durchwogt ist. Er erinnerte an das bittere Leid, daS der Krieg über so manche Familie der hier versammelten Kinder gebracht hat. Und er kündete den Knaben und Mädchen die Stürme des Lebens, denen sie entgegengehen. Mit dem Mut der Ueberzeugung für die erkannte Wahrheit zu strei- ke n und doch gegenüber Andersdenkenden verständnisvoll Duld- samkeit zu üben, machte er ihnen zur Richtschnur ihres Handelns. Woran wir Alien gearbeitet haben, das sollen fortsetzen, die jetzt jung sind, und sie sollen es einmal vollbringen. Auf die Kraft der Organisation, die den Einzelnen in den Dienst des Ganzen stellt und die Schwachen stark macht, wies der Redner seine jugendlichen Zuhörer nachdrücklich hin. Denkt, mahnte er, stets daran, dast Ihr Arbeiterkinder seid! Daran erinnert Euch die Organisation, daß Ihr zusammengehört und Euch »icht auseinanderbringen lassen dürft. Mit einem hoffnungs- freudigen Ausblick in die bessere Zukunft, die kommen muß und für die unser Nachwuchs kämpfen soll, endete Wisscllls zu Herzen gehende Rede. Als eine Erinnerungsgabe, von der Arbeiterschaft Grost-Berlins gespendet, wurde jedem der 135 Knaben und Mäd- chen ein Buch überreicht. Genosse Wissell richtete dann noch eine eindringliche Mahijmg an die Eltern. Gut ausgewählte und nicht minder gut ausgcjnthrte Vorträge eines Musiktrios und eines Gc- fangterzetis umrahmten die eindruckvolle, schöne Feier. Neue Schisfahrtsvcmdnung. Das Oberkommando in den Marken bestimmt: Fahrzeuge, die Ladung einnehmen, sind dem ft- weiligen Wasserstand entsprechend nur so tief zu beladen, dast die Reise zum Bestimmungsort ohne Aufenthalt durchgeführt werden kann. Tie Wasserstände, Fahrwasscrtiefen und Niedrigwasser-Vor- hersagen(letztere ohne Gewähr) sind bei der zuständigen Hafen- behörde zu erfragen. Schiffsführer, die während der Fahrt wegen zu tiefer Beladung ihres Kahnes anzuhalten gezwungen sind, haben unverzüglich durch Ablcichtern die Tauchtiefe ihres Fahrzeuges so zu verringern, daß die Reise zum Bestimmungsort beendet tverdcn kann. Sollten Kähne zum Ableichtern aus dem freien Markte nicht zu haben sein, so haben sich Schiffseigner oder-führcr unverzüglich, spätestens innerhalb 3 Tagen nach Ankunft an ihrem Liegeort, an die Schifsahrtsabteilung beim Chef des Feldeisenbahnwescns oder an deren zuständigen Beauftragten zu wenden. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann auf Haft oder auf Geldstrafe bis zu fünfzehnhundert Mark erkannt werden. . Die Verordnung tritt am. 24. September in Kraft. Neukölln. Stadtvcrordnctcnrrsahwahlcn. Ein gutes Ergebnis zeitigten die Stadtvcrordnetencrsatzwahlcn im 4. und 12. Bezirk. In beiden Bezirken wurde am Sonntag, den 23. September, ge- wählt. Im 4. Bezirk erhielt der Kandidat Genosse August Neu- mann 139 Stimmen und im 12. Bezirk der Genosse Mücke 153 Stimmen. Das Wahlresultat hat eine symptomatische Be- deutung. Ter Wahl lagen die Wählerlisten von 1914 zugrunde. Festgestellt ist, dast in beiden Bezirken rund zwei Drittel aller Wahlberechtigten eingezogen, verstorben oder unbekannt verzogen sind. Von dem verbleibenden Drittel beteiligten sich im 4. Bezirk 25 Proz. und im 12. Bezirk 30 Proz. an der Wahl. Eine Wahl- agitatwn wurde nicht betrieben, vielmehr erhielten die Wähler nur eine kurze Aufforderung zur Wahlbeteiligung zugestellt, der unter Berücksichtigung der Zeitumstände rege Folge geleistet wurde, erreichte doch in der 3. Abteilung auch in Friedenszeiten bei leb- bäfter Agitation die Wahlbeteiligung nicht über 25 bis 80 Proz. Die in Neukölln angeblich dominierenden Spartakusleute haben sich an der Wahl nicht beteiligt, die Trauben hingen ihnen wahr- fcheinlich zu hoch. Das Wahlergebnis ist eine deutliche Bekundung der Wähler f ü r die sozialdemokratische Partei. Kriegsausgaben in Charlottenburg. Die Stadt Charlottenburg hat seit Rriegsbeginn bis zum Ende August d. I. 41,3 Millionen Mark an Unterstützungen für Kriegerfamilien und Nichtkriegsteil- nahmer onb deren Familien ausgegeben. Im Monat Augu? allein betrugen die Unterstützungen 1>4 Millionen Mark. Arbeiterjugendtzeim Charlottenburg. Dienstag, den 25. Sep- tember, abends 8 Uhr, Fortsetzung des Vortrages des Herrn H a m- burger über:„Ein Weltkrieg vor 2000 Jahr« n"> Die Kinderpstcgcriniicnschule des Berliner Fröbel-Vereins(Coip.) entläßt im Seplember ivieder eine Anzahl junger Mädchen, die in einjährigem Kursus zu Fröbel scheu Kinderpflegerin neu ausgebildet wurden. Durch die im Kiudergarren. in der Familie und Hauswirtschaft, im Säuglingsheim erhalrene Unterweisung so- lote durch lheoreltichen Ummichr in ErztehungSlehre, Gesundheitslehre, Kinderbeschästigiing u. a. sind die Fröbelschen Kinderpflege- rinnen geeignet, im Familienkreise der Hausfrau und Multcr bei der Pflege der Kinder und in der Wirtschon helfend zur Seite zu stehen. Der neue Nusbilduugskurius beginnt am 3. Oktober. Aufgenommen werden Mädchen mit guter VolkSichulbildung. Proipekle und Stellenvermittelung im Vereinsbureau: L, Dieffenbachstraste 39 3—5 Uhr). Ter Mord in der Novalisstrnfte nicht aufgeklärt. Falsche Sclbstbezichtigung eines Siebzehnjährigen. Der Mord an der Schankwirtin Frau Jakoby in der Novalis- straste schien in der Nacht zum Sonntag plötzlich aufgeklärt zu sein. Auf die Wache des 7. Reviers in der Chauffeestraße kam der 17 Jahre alte Fabrikarbeiter Otto Trazdziak aus Wcnficken- dorf bei Oranienburg und beschuldigte sich selbst, Frau Jakoby ermordet und beraubt zu haben. Ein Mädchen, das er zwei Tage vorher in der Novalisstraße kennen gelernt habe und mit dem er die beiden Tage zusammen geblieben sei, habe ihn auf die Gelegenheit aufmerksam gemacht und zu dem Verbrechen an- gestiftet. Jetzt trieben ihn Gewissensbisse, sich selbst zu stellen. Trczdziak wurde sofort nach dem Polizeipräsidium gebracht und dem Polizeikommissar vom Dienst vorgeführt. Diesem schil- derte er die angeblich vom ihm verübte Tat in allen Einzelheiten und er liest alles zu Protokoll fest- legen. Ein Zweifel schien gar nicht mehr zu bestehen. Gestern in aller Frühe liest sich jedoch der Kommissar der Mordkommission, dem alles genauer bekannt ist, den angeblichen Mörder vorführen. Während des erneuten Verhörs stiegen ihm bald Bedenken auf. Viele Einzelheiten in den Aussagen des jungen Menschen stimmten durchaus nicht mit dem Befund am Tatort überein. Trczdziak kannte auch nicht einmal die Räumlich- ketten, in denen das Verbrechen verübt worden ist. Auf alle Unstimmigkeiten und Widersprüche hingewiesen, räumte der Bursche endlich ein, daß seine Selbstbezichtigung falsch sei. Der Beweggrund zu dieser ist ganz eigener Art. Trczdziak hatte viel Umgang mit Straßenmädchen in der Novalis- und Eichendorffttraste und hate mit ihnen all sein Geld ausgegeben, so dast er sich nicht mehr nach Haufe traute. Zu diesen Mädckcn gehörte auch das, von dem er gesprochen hatte. Es batte ihm für die beiden Tage Unterschlupf gewährt, dann aber nichts mehr von ihm wissen wollen. Jetzt stand er auf der Straße. Das Mädchen entsprach einer Verabredung, sich am Sonnabend wieder mit ihm zu treffen, nicht. Er wollte es aber unter allen Umständen wieder an sich bringen, schon um ein Unterkommen zu finden. Deshalb bezichtigteersichselbstdesMordesunddasMäd- der Anstiftung, um wieder mit ihm zusammen- zukommen. Als er gestern den Mädchen jener Gegend, die sofort zur Vernehmung geholt wurden, gegenübergestellt wurde, bekam er es stark mit der Angst. Die Kriminalpolizei ist zur Auf- klärung des Verbrechens nach allen Richtungen eifrig tätig. Noch täglich werden Zeugen vernommen, die bei Frau Jakoby verkehrten. Immer noch nicht gemeldet haben sich die beiden Gäste, von denen schon öfter die Rede war. Es ist auch noch nicht ge- lungen, sie zu ermitteln. Der Schlüssel zur Hintertür hat sich auch noch nicht gefunden. Wer ihn, findet und abgibt, hat einen Anspruch auf einen erheblichen Teil der ausgesetzten Belohnung von 2000 M._ Vom elektrischen Strom getötet wurde die 20 Jahr« alte Kranführerin Minna Tomufchat aus der Zehdenicker Straße 5, die bei der A. E. G. in der Boltaftraste beschäftigt war. Sie geriet hier beim Reinigen des Kraus an die Trehstromscheibe und wurde sofort getötet. Friedrichshagcn. Lebensmittel. In dieser Woche kommen pro Kopf 7 Pfund Kartoffeln a 10 Ps. zur Verteilung. Die Fett- menge beträgt 50 Gramm Butter und 30 Gramm Margarine. In der K r i e g s k ü ch c kommen zum Verkauf: Mohrrüben, Aepscl und Birnen. Ein Kosten großer und kleiner Kisten stehen zum Verkauf. Rowawes. Lebensmittel. Auf den Kartcnabschnitt 9 der Lebensmittelkarte lrot) findet die Ausgabe von Auslandsmar- meladc statt. Die Karieninhqber haben am Montag, den 24.. und Dienstag, den 25. d. M., den Lsbensmittelkartcnabschnitt 9 bei dem Kleinhändler abzugeben, bei dem sie die Ware zu beziehen wünschen. Das Pfund Auslandsmarmelade kästet 1,80 M. Die Warenmenge, die auf den Kartenabschnitt 9 entfällt, wird noch bekanntgegeben. Die Abgabe der Lebensinittelkartenabschiütte verpflichtet zum Bezüge der Ware.— Bis auf weiteres dürfen auf jeden Wochcnabschnitt der Kartoffelkarte zusammen nicht mehr als 7 Pfund Kartoffeln fiir jede Person und jede Woche abge- geben und entnommen werden. Soweit infolge Teilnahme an der Volksspeisung 3 Abschnitte der Kartosselkarte abgetrennt werden, dürfen auf die restlichen 4 Wbschnttt« nicht mestr als 3 Pfund Kar- toffeln abgegeben und entnommen werden. Auf die Karloffelzusatz- karte werden Kartoffeln nicht mehr abgegeben. Spandau. Lebensmittel. In der Woche vom 24. bis 30. Sep- tember dürfen auf die Reichsfleischkarte entnommen werden: Auf Abschnitt 1 bis 8 der Vollkarte: 200 Gramm Schlachwiehfleisch mit Knochen oder 160 Gramm ohne Knochen. Auf Abschnitt 1 bis 4 der Kinderkarte: 100 Gramm Sckflachtviehfleisch mit Knochen oder 80 Gramm ohne Knochen. In den durch Aushang kenntlich gemachten Fleischverkaufsstellen darf außerdem entnommen wer- den: Auf Abschnitt 9 der Vollkarte 50 Gramm Blut- oder Leber- Wurst. Aus Abschnitt 1 bis 10 der Vollkarte: 500 Gramm Wild- brett. Auf Abschnitt 1 bis 3 der Kinderkarte: 230 Gramm Wild- brett. Ein Anspruch auf Uebcrweisung von Wildbrctt besteht nicht. Die Fleischberkaufsstellen sind von Freitag, den 28. d. M., von 8 Uhr vormittags ab bis einschließlich Sonntag, den 30. d. M., geöffnet. Sportpark Treptow. Die gestrigen Radrennen waren des un- freundlichen Wetters wegen nur schwach besuchte Das Programm enthielt einen Jubiläumsprcis für Tauerfahrer über 20 und zwei- mal 30 Kilometer, einen Jubiläums-Vorgahepreis iür Flieger, einen Fliegerwettkampf, in dem Rütt gegen fünf Fahrer startete/ und ein Hauptfabren für Klasse 2 und 3, In dem Dauerrermen ereignete sich auch gestern wieder der übliche schwere Unglücksfall. Im ersten Lauf stürzte Pawke gleich beim Passieren der ersten Kurve so schwer, dast er bewußtlos von der Bahn getragen werden mußte. Das Rennen gestaltete sich demzufolge zu einem bloßen Zweikampf zwischen Bauer und Stellbrink. Bauer gewann alle drei Läuse vom Start bis durchs Ziel. Die größeren Preise in den Fliegerrennen fielen wie meist immer an Rütt; aus dem Hauptfahren für Klasse 2 und 3 ging nach Kampf Abraham vor Häusler als Sieger hervor. Resultate: Jubiläumsprcis, 20 Kilometer: 1. Bauer, 17 Min, 21 Sek., 2. Stellbrink 320 Meier zurück: 2. Lauf, 30 Kilometer: 1. Bauer, 25 Min. 46 Sek,. 2, Stellbrink 140 Meter zurück: 3, Lauf. 30 Kilometer: 1. Bauer, 27 Min. 16 Sek,, 2. Stellbrink 1400 Meter zurück.— Jubiläums-Vorgabepreis, 1500 Meter: 1. Rütt, 1 Min. 56 Sek.. 2. Abraham, 3. Teckmer, 4. Schütz.— Fliegerwettkampf: Sieger Rütt in 9 Min. 43 Sek.— Hauptsahren für Klasse 2 und 3: 1. Abraham, 2 Min. 25 Sek., 2. Häusler, 3. Müller, 4. Sawall, Theater. Lesilngtheater: Der Slaufuchs. Komödie von Franz Herczeg. Für die früher meist aus Paris bezogene Salonkomödie mit ihrem parfümierten Flirt scheint Budapest jetzt mehr und mehr Hauptlieferant zu werden. Wie die im Vorjahr in den Kammer- spielen aufgeführten Novitäten Molnars und Lengyels zeigt auch das Lustspiel Herczcgs ein ausgeprägtes Raffinement der Mache. Nur dast der Einschuß psychologischer Nlomente, der namentlich bei Lengyel eine Rolle spielte und den Pikanterien etwas wie ein literarisches Relief verlieb, hier so gut wie völlig fehlt. Dem Ver- bläffenden des augenblicklichen Effekts wird jeder innere Zusam- menhang geopfert. Der betrogene Gatte— ein, selbstverständlich schwer reicher, Mann der Wissenschaft— vertritt die Theorie, dast es ein allgc- meines Menschenrecht auf Ehebruch für hübsche Frauen gäbe; er zweifelt gar nicht, daß sein Jugendfreund, der seiner Frau ver- ehrungsvoll den Hof macht, ihn über kurz oder lang mit ihr hinter- gehen werde, doch tut das seinen kameradschaftlichen Gefühlen keinen Abbruch. Diese aufgeklärte Philosophie verbindet sich mit. einer Kindlichkeit, die nie den Wald vor Bäumen sieht. Nicht er — der Hausfreund, der die Dame seiner Phantasie mit einer Gloriole weiblicher Tugenden gekrönt, schöpft den Verdacht, und treibt sie in des Ehemannes Gegenwart, der auck> jetzt noch nicbts. merkt, in die Enge. Ein Trick, der sich im zweiten Akt noch sensa- tioneller wiederholt. Der Verehrer bat den Rivalen zu diesem Zwecke eingeladen. Vergebens bemüht sich die Dame den Eiftr-" süchtigen, den sie liebt, zu beruhigen. Sie provoziert ihn schltess- lieh, er möge ihren Mann doch alles sagen und nimmt von dem allzeit geduldigen Gatten, den man im Schlußakt als Pantossel- Helden einer neuen Ehe antrifft, hobeitsvollen Abschied. Die mora- lischc Empörung des pathetischen Liebhabers saßt sie als kleine Schwäche aus, die man ernstlich nicht verübeln darf. Sic hat ihn richtig eingeschätzt. Beim Wiedersehen nach einem Jahr tanzt er nach ihrer Pfeife und ist bereit, an des Geschiedenen Stelle die aussichtsreiche Gattenrolle bei ihr anzutreten. Marictta Olly traf die Tonart spöttischer Ueberlegenb.eit und selbstgefälligen Sichspiegelns im eigenen Zynismus, auf welche die Figur gestimmt ist, ausgezcicknet. L i ch o spielte den Gatten in freundlich, zufrieden strahlender Korpulenz, Theodor L o o s gab dem Liebhaber einen reizvoll eigenartigen Zug blasierter Schwermut. Das junge Mädchen, das den Professor nach der Scheidung kapert, fand in Sybille Binder eine anmutig- geschmeidige Darstellerin. Kurt Götz �chttf aus der Episoden. sigur des blamierten Don Juan und Salonlöwen ein Meister- stückcben satirischer Karikatur. Der Beifall blieb nicht unbestritten, ein ziemlich starkes Zischen mischte sich hinein. ckt. Verantwortlich für Politik: Erich Kuttucr, Berlin: kür den übrigen Teil des Blattes: ACred Scholz, Neukölln: Iür Inserate: Tl>. Glocke, Berlin. Truck u. Verlag: Vorwärls Buchdruckerei u. Veriagsanstall Paul Singer& Co., Verlin SW. Admirals-Palast. Die jVoritiit Abrakadabra Großes phantastisches Ballett auk dem Else. 7fl��orzügU