Ar. T63. 34. Ia�rg. Bezugspreis- NextelMrl. S.90 Tit. monaU. ILV MI. wöchenllich 80 Pfg. frei ins Hau?. dorauszahlbar. Einzelne Wochentag?- nmnmecn b Pfg. Sonntagsnummei mit illustrierter Betlage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Postbezug: Monatlich 1,30 m Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 230 Mk„ fitr das übrige Ausland 4 MI, monatlich, Postbcslellungen nehmen an Dänemarl, Holland, Luxemburg, Schweden u, die Schweiz, Eingetragen in die Post-Zeitimgs-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat B erlitt*, d Vevliner vollislilcikk. Der Anzeigenpreis beträgt f, d!e siebengespaltene Kolonel, zeile S0 Pfg.„Kleine Slnzrigeu". das fettgedruckte Wort 20 Psg.>zl>< lässig 2 fettgedruckte Wortes, ledes weitere Wort tll Pfg, Stellengesuche und Schlafstellcnanzeigen das erste Wort tv Psg„ jedes weitere Bort ö Psg. Worte über 1b Buchstaben zählen nir zwei Worte, Teuenmgszuschlag-lO0.» Familien» Jlnzcigcn äl> Pfg.. politische u, gewerlichastlichc Verdns- Anzeigen 40 Pfg. die Zeile, Anzeigen für die nächste Nummer müsse» t'is 5 Uhr nachmitt. im Hauplgeschöst, Berlin SW 68, Lindenstrage 8, gegeben werden. Geöffiiet don d Ugr stüh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokrattfchen Parte» Deutfchlands. Reüaktion: SW. 6$, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morittplan, Rr.»81»0—181»7. Expedition: EW. v8, �inüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplan, Str. 181»0—18197. VerstSndlgmWfrjede oder Krieg ohne Ende? Mitbürger! Parteigenossen! Seit Wochen und Monaten ist eine zügellose Agitation im Gange, um einen baldigen Friedensschluß, den der deutsche Reichskanzler und der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes als möglich und wahrscheinlich bezeichnet haben, mit alle« Kräften zu hiuterireideil. Nach drei Jahren eines Krieges, der'wie kein zweiter ein Uebermaß von Leiden und Weh über die ganze zivilisierte Welt gebracht hat, wagt es eine kleine, aber geräuschvoll und anmaßend auftretende Gruppe, dem deutschen Volke zuzumuten, daß es für phantastische Er- oberungspläne und unmögliche Weltherrschaftsziele den Krieg auf unabsehbare Zeit und zu einem unge- wissen Ende fortsetze. Diese kleine Gruppe tritt unter den verschiedensten Namen, in den mannigfaltigsten Gewändern auf; bald im Rahmen einer politischen Partei, bald bezeichnet sie sick als„Unabhängiger Ausschuß für einen deutschen Frieden", bald als„Ausschuß zur raschen Niederkämpfung Englands", neuerdings hat sie auch eine besondere Partei ins Leben gerufen, die„Deutsche Vatcrlandspartei", aber hinter all dem steckt immer wieder derselbe Kreis von Menschen, der seit Jahren bekannt ist unter dem Namen der Alldeutsch cn Wer sind die Alldeutschen? Die Alldeutschen sind die markantesten Vertreter des deutschen Imperialismus. Ihr besonderes Kennzeichen ist die Verherrlichung und Anbetung der nackten Gewalt und der brutalen Ichsucht, die ihnen als die einzigen weit- bewegenden Kräfte erscheinen. Das gilt nach außen wie nach innen hin. Nach außen hin erstreben sie eine möglichst weite Ausdehnung des Deutschen Reiches über seine jetzigen Grenzen hinaus, die Unterwerfung und Angliederung benachbarter Länder sowie den Erwerb möglichst umfangreichen Kolonial- gebiets. Nach innen wollen sie mit derselben brutalen Ge- Walt die anfstredendeu arbcitcudeu Klassen uud die Demokratie niederhalten. Ihr lärmendes Gebaren und Austreten hat namentlich dazu beigetragen, in der übrigen Welt die Vorurteile und das Mißtrauen gegen das deutsche Volk zu säen, die sich jetzt so bitter an uns gerächt haben. Denn das Ausland konnte bei dem großspurigen Auftreten der Alldeutschen nicht erkennen, was wir wissen, daß in Wirklichkeit nur eine verschwindende Minderheit des deutschen Volkes hinter den Alldeutschen steht. Auch jetzt während des Krieges wendet sich die große Masse des deutschen Volkes von den alldeutschen Kreisen ab. Die hinter den Alldeutschen stehen, sind an Zahl gering, an Einfluß freilich mächtig. Abgesehen von einigen weltfremden Ideologen, Schulprofessoren und pensionierten Militärs, sehen wir bei den Alldeutschen hauptsächlich die Kreise, denen der Krieg große Gewinne in den Schoß geworfen hat und die auch bei langer Fortdauer des Krieges nicht um ihre wirtschaftliche Existenz zu fürchten brauchen, vor allem die Kreise der schweren Industrie und des land- wirtschaftlichen Großgrundbesitzes. Sie speisen die Bewegung auch aus unerschöpflichen Geldquellen, kaufen in Massen bisher unabhängige Zeitungen auf und verwandeln sie in ihre Preßorgane, sie haben auch die neue„Deutsche Vaterlandspartei" finanziert und ermöglichen ihr eine Agitation nach amerikanischem Muster. Die Kriegsziele der Alldeutschen. Jedermann in Deutschland weiß, daß ein baldiger Frieden nur möglich ist, wenn Deutschland sich mit seinen Gegnern verständigt. Selbstverständlich will niemand in Deutschland einen Frieden, der Deutschlands Ehre, Un- abhängigkeit oder wirtschaftliche Existenz antastet. Das gilt namentlich auch von der deutschen Sozialdemokratie. Jede gegenteilige Behauptung ist eine Verleumdung. Aber andererseits ist vollkommen klar, daß es eine end- lose Verlängerung des Krieges bedeuten würde, wenn Deutsch- land darauf ausginge, fremdes Land zu erobern, andere Völker zu unterwerfen oder eine hohe Kriegsentschädigung von den Gegnern einzuheimsen. Denn ebenso wie das deutsche Volk sich mit dem Aufgebot aller Kräfte gegen derartige Zumutungen seiner Gegner wehrt, würden sich diese bis zum äußersten und letzten verteidigen, ehe sie auf derart demütigende Be- dingungen eingingen. Eroberungen und Entschädigungen fordern, heißt also, den Krieg bis ins Endlose verlängern. Das aber ist das Ziel der Alldeutschen. Eins ihrer her- vorragendsten Mitglieder, Graf von R o o n, General- leutnant z. D., Mitglied des preußischen Herrenhauses, hat es in einer alldeutschen Korrespondenz am L2. August 1917 in folgendem schneidigen Divisionsbefehl formuliert: keine Berständigung— keine Verhandlung— keine Friedenskonferenz» sondern nur völliger Sieg, völliges Niederschlagen aller Gegner und dann: jedem einzelnen den Frieden diktieren, den wir ihm be- willigen können und— wollen. Verl»», den 23. September 1917. Also zunächst die Gegner völlig niederschlagen! Aber das ist auf dem Papier leichter getan wie in der Wirklichkeit. Deutschland müßte danach zunächst einen Sieg erringen, durch den England, Frankreich, Rußland, Italien, die Vereinigten Staaten, Japan. China, Brasilien usf. usf. völlig auf die Knie geworfen werden. Wie stellt sich Graf Roon diesen Sieg vor? Wie stellt er sich namentlich den Sieg vor. der es uns ermöglichen soll, Japan oder den Vereinigten Staaten den Frieden zu diktieren?! Trotzdem hören die Alldeutschen nicht auf, den dicht vor der Türe stehenden„Endsieg" zu prophezeien. Jeder, der an dieser Prophezeiung zweifelt und mit ruhigem Kopf die Tat- fachen prüft, wird von ihnen in der maßlosesten Weise als „Flaumacher",„Feigling" usw. beschimpft. Wie steht es aber mit der Zuverlässigkeit alldeutscher Prophezeiungen? Schon ein dutzendmal haben sie uns den völligen Zu- sammenbruch der Gegner in kurzer Zeit prophezeit. Bisher aber ist keine dieser Prophezeiungen eingetroffen. Nur ein paar Beispiele dafür: Im Juni erklärte der alldeutsch-konser- vativc Führer Abg. v. H e y d c b r a u d auf einer Versamni- lung in Militsch, von ganz zuverlässiger Seite gehört zu haben, daß England binnen zwei Monaten völlig erledigt sein würde. Seitdem ist niehr als die doppelte Zeit der- gangen, England ist noch nicht niedergezwungen. Wenige Zeit später aber, im August 1917, prophezeite der Fürst Salm- Horstmar auf einer Dortmunder Flottenvereinstagung, „nur«och wenige Monate gilt eS auszuhalten und unsere Feinde liegen vollständig zerschmettent am Boden". Seitdem ist nun auch längere Zeit vergangen, aber es macht.sich noch kein Anzeichen für die„völlige Zerschmetterung" unserer Feinde bemerkbar. Bei diesen andauernden Mißerfolgen im Prophezeien muß man die Dreistigkeit bewundern, mit der die Alldeutschen jeden beschimpfen und verhöhnen, der ihren Voraussagungen den Glauben aufkündigt. Tie Alldeutschen und der Reichstag. Der Deutsche Reichstag hat am 19. Juli 1917 sich mit großer Mehrheit auf den Boden des Verständigungs- fr i e d e n s gestellt. � Er hat der Willensmeinung des deutschen Volkes durch Annahme einer Resolution Ausdruck gegeben, welche ausdrücklich Eroberungen und Vergewaltigungen fremder Völker ablehnt, Nur die alldeutschen Eroberungspolitiker und ihre Helfer aus der von der sozialdemokratischen Partei abgesplitterten unabhängigen Sozialdemokratie stimmten dagegen. In ihrer Antwort auf die Papstnote hat die deutsche Regierung be- tenert, wie sehr eS ihr am Herzen liegt, im Einklang mit den Wünschen des Papstes und der Friedensknndgebnng des Reichs- tages vom 19. Jnli brauchbare Grundlage» für einen gerechten uud dauerhaften Frieden zu finden. Kaum hatte der Reichstag die erwähnte Resolution ge- faßt, als die Alldeutschen mit den maßlosesten Beschimpfungen über die Reichstagsmehrheit herfielen. Namentlich die deutsche Sozialdemokratie, deren Vertreter ein wesentliches Verdienst daran haben, daß die Fricdensresolution des Reichstags zu- stände kam, wurde in der unflätigsten Weise angegriffen. Ausdrücke, wie„Schmachresolutiou",„Bankerottresolution", „Friedensgewinsek",„neurasthenischer Zusammenbruch" waren noch das geringste. Die„Deutsche Tageszeitung" warf der Reichstagsinehrheit„Verrat am Vaterlande" vor, und der schon genannte Fürst Salm-Horstmar bezeichnete die Mit- glieder der Mehrheit als„Landesverräter". Bei der Gründung eines Landesvereins der„Deutschen Vatcrlandspartei" für Westpreußen wurde der Reichstag von dem Hauptredner, Generallandschaftsdircktor Meyer-Rottmannsdorf, sogar als eine„Jdiotenanstalt" bezeichnet. So beschimpfen angebliche deutsche Patrioten die Vertretung des deutschen. Volkes. In ihrer Wut über den Reichstags- beschluß stellen sie die Behauptung auf, daß hinter der Reichs- tagsmehrheit nicht die Mehrheit des deutschen Volkes stände. Dabei stehen hinter den Parteien, welche die Verständigungs- resolution angenommen haben, etwa vier- bis fünfmal soviel Wählerstimmen als hinter den Parteien der Alldeutschen! Ter alldeutsche Patriotismus. Bei jeder Gelegenheit stellen sich die Alldeutschen so hin, als wären sie die alleinigen Freunde des Vaterlandes und des deutschen Volkes. Um diese Behauptung zu erhärten, schrecken sie auch vor den niedrigsten Verdächtigungen ihrer Gegner nicht zurück. So wird in den„Alldeutschen Blättern" den Vertretern der Reichstagsmehrheü fortgesetzt nachgesagt, daß sie die Erfolge der deutschen Waffen nicht wünschen, daß z. B. die Einnahme von Riga für sie ein„schwerer Schlag" gewesen sei, gleich als ob die Anhänger des Verständigungs- friedens es auf die deutscke Niederlage abgesehen hätten. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß dies eine bodenlose Unterstellung ist. Die Anhänger des Verständigungs- friedens wissen sehr wohl, daß ohne die Erfolge der deutschen Waffen Deutschland sich nicht gegen die mehr als sechsfache Uebermacht seiner Feinde behaupten könnte. Die deutschen Siege tragen dazu bei, unsere Gegner zu überzeugen, daß sie Deutschland nicht bewältigen können, und wirken so zur schnelleren Herbeiführung einer Verständigung,— wenn man nicht, wie die Alldeutschen es tun, sich nach jedem Sieg in einen Erobcrungsrausch hincinphantasiert. Wer freilich nach der Besetzung jeder Stadt und jeder Provinz sofort in den Ru? ausbricht:„Das geben wir nicht wieder heraus!", der treibt die Feinde zum äußersten verzweifelten Widerstand. Auf wie schwachen Füßen aber der Patriotismus der All deutschen steht, sobald ihre Wünsche nicht erfüllt werden, zeigen Drohungen aus ihren Reihen. Der alldeutsche Professor Rocthc schrieb zu der Rcichstagsresolution aus dem Felde: „Wenn unsere Politiker so zu Hause sich tummeln— zur Freude unserer Feinde—, dann mag meinetwegen alles kaput gehen, für ein so neuorientiertes Deutschland schlage ich mich nicht mehr." Also Militärstreik, das ist die Drohung dieser Patrioten, wenn es nicht in Deutschland nach ihren Wünschen geht. Alldeutsche Methode. Um die Anhänger des Verständigungsfriedcns in Mißachtung zu bringen, scheuen die Alldeutschen auch vor den verzweifeltsten Mitteln nicht zurück. Alan bezeichnet die Freunde der Verständigung von alldeutscher Seite als „Landesverräter" und„Agenten des feindlichen Auslandes". Namentlich die deutsche Sozialdemokratie, welche die unerschrocken stc Vorkämpfcrin des VerständigiingSfriedens in Deutschland ist, wird von den Alldeutschen fast täglich in dieser Weise beschimpft. Beispiele dafür sind zahllos. So brachte die alldeutsche Presse das Gerücht auf, Schcidemann sei verhaftet ivorden, weil ihm nachgewiesen sei, er stehe als feindlicher Agent im englischen Solde. Die„Tägliche Rundschau" warf im August dem„Vorwärts", weil er sich einer objektiven Schreibweise befleißigte, vor, er schriebe„in Wahr- nehmung englischer Interessen". Auch sonst greift man, wenn eS nicht weiter geht, zu den gewagtesten Mitteln. So dringt die alldeutsche Presse an- dauernd Zitate aus dem„Vorwärts" und anderen sozial- demokratischen Blättern, die nie darin gestanden haben, sie erfindet angebliche Aussprüche Bismarcks und Unterredungen nnt ausländischen Personen, die den Stempel der Erfindung an der Stirn tragen und deren Unwahrheit sich schon in zahlreichen Fällen dadurch offenbart hat, daß die sauberen Verfasser nicht einmal geschickt erfinden konnten und Dinge hereinbrachten, durch die die Fälschung sich selber als solche entlarvte. Warum das alles t Mit solchen verzweifelten Mitteln kämpfen die Alldeutschen, um den Blick des deutschen Volkes von der Wahrheit abzu- lenken. Was ist die Wahrheit? Daß bei allseitigem Verständignngswillen der Völker ein baldiger Frieden möglich ist,»vährend bei»»- gehemmter Eroberungslust der Krieg fortgesetzt»verde» muß, bis die allgemeine völlige Erschöpfung ihm von selber Einhalt gebietet. Die Verfolgung des alldeutschen Programm? bedeutet einen Selbstmord der europäischen Kultur, denn nach einem solchen Zusammenbruch würde ein Aufbau Europas kaum in hundert Jahren wieder möglich sein. Die Alldeutschen freilich behaupten, Deutschland müsse verkümmern, wenn es nicht all das erhielte, was sie als Eroberungsziele bezeichnen, Land in Ost und West und eine Kriegsentschädigung. Sie malen uns große Bilder aus, was Deutschland bei Durchführung dieser Eroberungen alles be- sitzen würde und nicht besitzen würde bei einem Verständi- gungsfrieden ohne Annexionen und Entschädigungen. Aber sie vergessen, uns die Schädclpyramide zu malen, die sich noch auftürmen müßte bis zur Erreichung dieser Ziele,— falls sie überhaupt zu erreichen sind. Soll wirklich für diese vagen Aussichten der Krieg inS Unendliche verlängert werden? Das Volk ist des Mordens satt, es verlangt einen baldigen Frieden und verlangt, daß dieser geschlossen werde, sobald Deutschlands Existenz gesichert ist, Wer für die alldeutschen Ziele eintritt, der tritt für' Kriegsverlängerung und neue maßlose Leiden ein. Er leistet auch künftigen Kriege» Vorschub. Denn ein Zerschmcttcrungs- frieden, wie ihn die Alldeutschen predigen, würde die Gegner zu neuen Rcvauchekriegeu gegen Deutschland auspeitschen. Wer einen baldigen Frieden der Verständigung will, eine» Frieden, der allein Aussicht auf Dauer gewährt, der kämpfe mit für diese Ziele in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Der vorstand der Sozialöemokratisthen Partei Deutschlands. Eine bayerische Sonöerantwort an öen Papst. ' E« ist bisher noch nicht buraixf hingewiesen worden, daß , bon Teurschland aus zwei Antworten auf die Papstnote er- teilt worden sind. Die eine von der deutschen, die andere von der bäuerische n Negierung. Da der Nuntius beim König von Bayern akkreditiert ist, so bat er das Schreiven des Papstes an den König von Bayern übergeben, und König Ludwig hat es beantwortet. Hier ist der Wortlaut der Ant- wort unter Kortlassung der einleitenden Evgebenheits- und Dankesbezeugungen. Jeden Lchritt, den Euere Heiligkeit zur Anbahnung eines dauernden und für alle chrcnbollcn Friedens unternahmen, habe Jld ebenso wie seine Majestät der Deutsche Kaiser, König von Preußen, und alle anderen deutschen Bundesfürsten, wie das ganze deutsche Boll mit herzlichster Snmpathie verfolgt. Die Geschichte beweist es, daß das deutsche Volk seit der Begründung des Deutschen Reiches keinen anderen und keinen sehnlicheren Wunsch gehabt bar. als in Frieden und i» Ehren an der Lösung der höch- iten Kulturaufgabcn der Menschheit nach Kräften mitzuwirken und sich der ungestörten Endwicklung seines wirtschaftlichen Lebend zu widmen. Nichts konnte dem friedliebenden deutschen Volke und seiner Negierung dabei ferner liegen, als der Gedanke eines An- griffs auf andere Völker und als das Streben nach gewaltsamer Gebietserweiterung. Denn kein Sieg und kein Ländrrerwcrb konnte in seinen Angen auch nur im entferntesten dir furchtbaren Schrecken eines Krieges, die damit notwendig verbundene Bernich- tung kultureller und wirtschaftlicher Werte aufwiege«. Die in voller Uebereinstimmung mit den deutschen verbündeten Regierungen ge- führte Politik des Deutschen Kaisers und der Reichsleihing, die allezeit, oft bis hart au die Grenze des mit den deutschen Interessen Verträglichen, die Erhaltung und Sicherung des Frie- d e n s im Auge Halte, fand daher stets die vollste Billigung des deutschen Volkes und seiner gewählten Vertreter. Erst als sich Teutschland in seiner Existenz bedroht betrachten mutzte, als sich das deutsche Volk mit seinen treuen Verbündeten, von allen Seiten angegriffen sah, gab es keine andere Wabl, als mit dem Aufgebot aller Kräfte für Ehre, Freiheit und Dasein zu kämpfen. Aber auch mährend dieses uns aufgezwungenen, nun mehr als drei Jahre wütenden Krieges obnegleichen bat die deutsche Re- gierung unzweideutige Beweise ihrer Fricdensbcrcitschaft geliefert, und zwar ganz besonders durch die im Verein mit unseren Bundesgenossen schon zu Ende des Jahres 1ö16 an die Feinde ge- richtete feierliche Aufforderung, in Friedensverhandlungen einzu- treten. Wenn dieser erste, ernste Versuch, den Schrecken des Krieges ein Ende zu machen, gescheitert ist, so trifft dafür die Verant- wortnng unsere G e g n e r, die jedes Eingehen auf den Vor- schlag ablehnten. Um so inniger sind die Wünsche, die Ich gleich Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser, gleich dem ganzen deutschen Volke für einen Erfolg des von Euerer Heiligkeit jetzt unternom- menen Schrittes hege, damit durch ihn zum Besten der ganzen Menschheit ein dauernder, für alle Teile ehrenvoller Friede ange- bahnt werden möge. Ich Habe die Ehre zu zeichnen Euerer Heiligkeit ganz gehorsamer Sohn Ludwig. München, den 21. September 1917. der öruch mit Argentinien vermieden? Eintreffen der deutschen Erklärung im letzten Moment. Buenos Aires, 23. September.(Havas.) In dem Augenblick, wo die Kmnmer über den Abbruch der B e- z ieh u n gen m it Deutschland abzustimmen im B e g r i s f w a r. traf ans Berlin dieamtlichcAntwort ein. welckic die Anschauungen des Grasen Luxburg über den Kreuzerkrieg mißbilligt. Das Wort„Kreuzer" läßt der- muten, daß Deutschland nickt gesonnen ist. den Unterseeboots- krieg einzuschränken l jedenfalls ist die Kriegs- erklärn ng verschobenworben. Buenos Aires, 23. September. tMeldung der Agencc HavaS.) In der Kammer bielt der Abgeordnete Arce eine Rede, in der er sagte, daß die Erklärungen des deutschen Unterstaatssekretärs des Auswärtigen Amts nicht annehmbar seien, und daß die öffentliche Meinung die angetane Kränkung bestrasen wolle. Abgeordneter Escobar sagte: Wir haben uns bei der Teil- nabme für die gemeinsame Sache der Demokratie verspätet. Es war erstaunlich, daß wir nicht eingriffen, um an der Bekämpfung der deutschen Grausamkeiten teilzunehmen. E a v a l l c r o, der Führer der radikalen Dissideuicn erklärte: Wir haben geschwiegen, indem wir unsere Sbmpathien für das große und heldenhafte Frankreich unterdrückten. Wir haben geschwiegen angesichts des Opfers des unsterblichen Belgiens. Jetzt können wir nicht mehr schweigen. Die Kammersitzung wurde immer st ü r m i s ch« r. Es ereigneten sick Zwischenfälle, Nach Mitternacht schickte der Abgeordnete Arce dem Abgeordneten Veyga seine Zeugen. lHier bat Havas offenbar wichtige Tinge, die diesen Zusammenstotz erklären, fort- gelassen. Red d.„V.".) Abgeordneter C a m a n o protestierte dann gegcn die Absicht, in den Krieg zu treten und kritisierte die Veröffentlichung der Depeschen des Grafen Luxburg, Er spielte auf Gibraltar und Panama an und versuchte dann Luxburg zu rechtfertige», was zu Protesten uud Lärm führte. Der Redner wurde verhöhnt. Minister Pueyrrcdon sagte: Was auch die Entscheidung des Kongresses sein mag, die Regierung wird sie annehmen. Die Regierung ist nicht schwach gewesen. Die Geschichte wird an- erkennen, daß sie im Gegenteil Energie gezeigt hat. Die Regierung hat Deutschland mitgeteilt, daß die Argeutinier für das Völkerrecht eintreten. Der Krieg der Vereinigten Staaten ist gerecht- fertigt. Wir haben bei Deiitschland wegen der Torpedierung des Monte Protegido und des Tora Vorstellungen erhoben und Genugtuung erhalten. Tie Erklärungen des deutschen Unterstaats- iekretärs des Auswärtigen Amts waren ungenügend und wir haben vor vier Tagen eine befriedigende Antwort ver- langt. Ein Antrag, die Entscheidung zu vertagen, wurde mit 63 gegen 27 Stimmen abgelehnt und die Debatte fortgesetzt. Abgeordneter Vedia erklärte, die Depeschen Luxburgs seien nicht als persönliche Aeußerungen interessant, sondern als Ausdruck des Gedankens und Geistes Deutschlands. Schließlich wurde die Fortsetzung der Debatte vertagt, ohne daß die Kammer über den Antrag, mit Deutschland zn brechen, rnt- schieden hätte._ die zurückgehaltenen Aktenmappen des schwedischen Gesanöten. Bern, 23. September.„Petit P a r i s i e n' meldet auS Washington: In politischen Kreisen der Vereinigten Staaten messe man der Zurückhaltung von vi«r Aktenmappen des neuen schwedischen Sondergesandten durch die kanadischen Behörden von Halifax große Bedeutung bei. Die Zurückhaltung sei auf Anweisung der englischen Behörden crsolgt, Heftiger Artilleriekampf in Flandern und an der Aisne- Front— 14 Flugzeuge abgeschossen— Die Beute von Jakob- stadt— Beschießung von Galatz. Amtlich. Großes Hauptquartier, 24. September 1917.(l®. T.».) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern erreichte der Artilleriekampf nachmittags an der Küste und vom Walde von Houthoulst bis Westhoek wieder große Stärke. An der Schlachtfront blieb die Komvstätigkeit auch»achtS und am frühe» Morgen gesteigert, ohne daß bisher neue englische Angriffe erfolgten Gute Wirkung unserrr artilleristischen Abwehr ließ sich am Verhalten der von unS de- schosscnen Batterien und an der Vernichtung zahlreicher MunitionS- stapel feststellen. Bei Lens und bei St. Ouentin, an dessen Kathedrale die Franzosen durch neue Beschießung ihr Zerstörungswerk fortsetzten, lebte die Feuertätigkrit ans. Hecresgruppe Deutscher Kronprinz. In mehreren Abschnitten der AiSne-Front und der Champagne schwoll mehrfach das Feuer zu großer Heftigkeit an. Bri Er- kundungsgefechtcn hatte der Gegner Verluste. Bor Vcrdun war der Feuerkampf nachmittags und während der Nacht sehr lebhaft. Auch heute morgen herrschte rege Gefechts- tätigkcit ans dem Ostufer der Maas. 14 feindlihw Flugzeuge sind abgeschossen«orden. Leutnant Wüsthoff errang den 29. Luftsieg, Leutnant Kissenherth brachte zwei Gegner im Luftkampf zum Absturz. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front Prinz Leopold. Unter der im Brückenkopf vvnJokobstadt eingebrachte« Beute von 65 Geschützen befinden sich eine bespannte Batterie und fünf schwere Geschütze von 26 bis 28 cm Kaliber. In der Stadt selbst fielen reichliche Borräte, anch an Brot und Mehl, in unsere Hand. Nördlich von Baranowitschi und westlich von Luck entfaltete dir rusfische Artillerie lebhafte Tätigkeit. Heeresgruvpe Mackense» I» de« Bergen nordwestlich von Focsani und a« Srreth rege Feuertötigkeit und Borfcldgcfcchte. Bahnhof Galatz wurde mit beobachtetem Erfolg beschossen. , Mazedonische �ront. Die Lage ist unverändert. Der Erste Generalquartiermeister. Ludcndvrff. Abendbericht. Berlin, 24. September 1917, abends. Amtlich. Lebhafte Gefechtstätigkeit in Flandern und auf dem Oftnfer der Maas. Im Osten nichts von Belang. Der österreichische Bericht. Wien, den 24. September 1917. tW. T. B.) Amtlich wirb verlautbart: Auf allen Kriegsschauplätzen ist dir Lage unverändert. Der Chef de? General st abe». Die betreffenden Kuriermappen enthielten die ganzen Akten für die schwedische Gesandtscha-ft in Washington. Man glaube allgemein, daß in diesem Falle die kanadischen und englischen Behörden hauptsächlich eine Demonstration vor- nehmen wollten infolge der letzten Enthüllungen. Man habe jedoch um so größeres Vertrauen tu eine freundschaftliche Beilegung der Affäre, als man vermute, daß die Kuriermappen Statistiken für den Lebensmittelkommissar Hoover enthalten zwecks Festsetzung der nach Schweden auszuführenden Lebensmittel. Renauöel unö die Fälschung öer wilson-Note Die Antwortnote des Präsidenten Wilson an den Papst ist den Franzosen, wie wir mitteilten, durch die Havasagentur in einer vollkommen entstellten Fassung wiedergegeben wor- den. Die Aufdeckung dieses Schwindels hat Renaudel veranlaßt, an den Minister des Aeußcnt ein Schreiben zn richten, das in der „Humanite" vom 18. September veröffentlicht wird. Das Schrei- ben stellt fest, daß Wilsons Antwort an den Papst in Mei Lesungen bekanntgegeben wurde: Ein erster Wortlaut wurde veröffentlicht, der von Zu- sätzen, Weglassungen und Aenderungen ge- r ade zu wimmelt«; ein ziveiter Wortlaut hat ihn zwar richtiggestellt, enthielt aber immer noch viele Ungenauigkciten. Renaudel macht die Regierung hierfür nur insoweit verant- wortlich, als sie es unterlassen habe, durch die Zensur die Rich- tigkeit des ihr als Telegramm zugegangenen Schriftstücks zu prüfen. Er bittet dringend, daß die Regierung„offiziell" den Text der Wilson-Note wiederherstellt und daß sie künftig durch Veröffent- lichnngen offiziell die Verantwortung für die Richtigkeit der Ueber- setzung der amtlichen Schriftstücke fremder Regierungen übernimmt. Er fährt fort: Es wäre zu schmerzlich, zu denken, daß die französische Re- gierung durch Ueberlassung der Sorge hierfür an unverantwort- licbe, aber bei ihr beglaubigte Agenturen sich der Beschuldigung aussetzen könnte, wissentlich eine Verdrehung der Wahrheit zugelassen zu haben, zum Schaden des guten Rufes unseres Vaterlandes. Ich bezweifle nicht, Herr Minister, daß Sie meiner Ansicht zustimmen werden. Die„Humanite" bringt gleichzeitig mit dem Brief eine Gegen- Überstellung der wirklichen Wilson-Note und des von den Agenturen veröffentlichten Wortlauts. Stockholm. Die antidemokratische west-Entente. Berlin, 24. September.„Sozialdemokraten" iKristianiaj schreibt: Das Auftreten der zwei großen westlichen Demokratien gegenüber der russischen Revolution und der K o n f e- renz in Stockholm zeigt, daß ihnen alles andere als da« Interesse der Demokratie am Herzen liegt. Die Patzverweige- r u n g für Stockholm werden die Regierungen rückgängig machen müssen. Von weit schlimmerer Bedeutung aber ist da? Verhalten der Verbandsregierungen gegenüber der russischen Revolution. Es ist kein Zweifel, daß die Gegenrevolution in Rußland von rinflnß- reicher Tcitc in England gestützt wird, wie aus Reden,„Times"- Artikeln und anderen Northcltffe-Zeituitgen bcrvorgebt. Schon als die russische Revolution n'ckit mit dem Staatsstreich der Einsetzung de»„konstitutionellen Zaren" balt machte, versuchte die Kriegsprcssc in London und Paris, das Befrei ungswerk zu stören und zu ver- nichte». Auch glaubt man mit Grund, daß die Botschafter des Ver- bandcs, vor allem Buchanan, der gegcnrevolutionären Propaganda nicht fern st ehe n. Damit erreichen sie aber das Gegenteil ihrer Ziele: sie wecken den Unwillen des revolutionären Rußland und beeinträchtigen damit den Kriegswillen. fWgnatenwirtschaft in Rußlanö. Petersburg, 24. September, l Meldung der Petersburger Telegr.-Agentur.) Der Ministerrat hat es als ein drin- gen des Bedürfnis anerkannt, der Staatsbank das Recht zu einer neuen Ausgabe v o n V a n k n o t e n im Be- trage bonj2 Milliarden Rubel zu erteilen. Seit Kriegsbeginn hat die Staatsbank für 14 20<1 Millionen Rubel Banknoten ausgegeben. Petersburg, 23. September. tMeldung der Petersburger Telegraphen-Ageutur.) K e r e n s! i hat einen Tagesbefebl veröffentlicht, in dem er die hervorragenden Dien st e des Generals A l e x e j e w bei der unblutigen Unterdrückung der Bewegung Kornilows hervorhebt und feststellt, daß er durch sein kluges und tatkräftiges Eingreisen die Ordnung und die normale Tätigkeit des Großen Genernlstabes wiederhergestellt habe. Er erklärt ferner, daß er dem Rücktriltsgesuch Alexejews Folge gebe und ihn zur Verfügung der Vorläufigen Regierung stelle, um seine großen Erfahrungen in der Leitung der militäris ch e n Operationen zu verwerten. Prozeß Suchomlinow. Petersburg, 2g. September. �Meldung der Petersburger Tele- graphen-Ageurur.) Suchomlinowprozetz. In der gestrigen Sitzung sprach der Verteidiger Zakharine. Er suchte zu beweisen, daß die Beziehungen Suchomlinows zu dem Spion Altschueller be- langlos gewesen seien, und daß alle Behauptungen des Staats- anwalts in dieser Angelegenheit Mutmaßungen seien, von denen mehrere an den Haaren herbeigezogen seien. Der Verteidiger griff dann Gutschkow an, dessen Feldzug gegen Suchomlinow nur durch den Wunsch hervorgerufen worden sei, den Minister zu stürzen, um seine Stelle zu bekommen. Bezüglich der mangelnden Tätigkeit Suchomlinows im Artilleriewesen hob der Verteidiger hervor, die Nachlässigkeit des Ministers se-i erzwungen gewesen. Denn infolge der Eigentümlichkeiten des Verwal- tungswesens unter der alten Herrschaft sei ein Minister fast immer von eineni andern abhängig gewesen und das habe im Gange der Geschäfte häufig außerordentliche Verzögerungen verursacht. Die Rußen über �akobftaöt. Russischer Heeresbericht vom 22. September. Nordfront. In Richtung Riga griffen seindlicbe Abteilungen nach Artillerievor- bereitung in der Gegend von Sossegal an. Der erbitterte Wider- stand unserer durch die Artillerie unterstützten Vorhuten brachte den gegnerischen Angriff zum Stehen. In der Richtung Jakobstadt be- schoß der Feind am Morgen des 21. September unsere Stellung heftig, wobei er besonders gegen unsere Schützengräben im Abschnitt Tackem— Neu-Selburg sowie gegen verschiedene unmittelbar dahinter gelegene Punkte in weitem Umfange chemische Geschosse verwendete. Gegen Mittag gingen die Deutschen zum Angriff vor, schnitten ein Stück unserer Stellung südöstlich Adminan ab, drangen in unsere Linien ein und bemächtigten sich einiger Punkte zwei Werst von der Düna entfernt. Unsere Truppen gingen unter dem Schutz ihrer Nachhuten aus das rechte Ufer der Düna zurück. Die �lrtilleriefihlacht in Zlanöern. Berlin, 24. September. Am 23. September kam es an her Flandernfront trotz heißer Artillerieschlacht nicht mehr zu größeren Jnsanteriekämpfen. Tie Engländer leiteten den Tag durch Patrouillenvorstöße am frühen Morgen in Gegend Langemarck ein. Sie wurden überall abgewiesen. Das Slrtilleriefeuer nahm im Laufe des Tages immer größere Heftigkeit an, bis es um 5 Uhr nachmittags nordöstlich Dpern zur Trommelfeuer über- ging. Die Engländer, die zwei Stunden lang mit allen Kalibern trommelten, planten augenscheinlich einen große- ren Angriff. Allein im deutschen Artilleriefeuer, das mit Vernich- tender Wirkung auf den zerschossenen englischen Stellungen lag. war die englische Infanterie aus ihren Trichtern nicht herauszu- bringen. Auch an der Küste war die Artillerietätigkeit lebhaft. Als Vergeltung für die Beschießung von Ostende, die unter der belgischen Zivilbevölkerung so blutige Opfer kostete, wurde Dün- kirchcn unter Fernseuer genommen. Das Wetter, das bisher den englischen Angriff in so hohem Maße begünstigte, ist wieder un- sichtig geworden. An der übrigen englischen und an der französischen Front haben sich keine Kampfhandlungen von Bedeutung abge- spielt. Im Artois wie bei St. Quentin wurden englische und ftan- zösische Patrouillen abgewiesen. Oestlich Reims versuchten die Fran- zosen nach schlagartiger Feuervorbereitung einen stärkeren Vorstoß, der glatt abgewiesen wurde. An der Verdunftont nahm das Ar- tilleriefeuer auf dem Ostufer erst am Nachmittag größere Heftigkeit an. An der Straße Farges— CumiereS wurde eine starke ftanzösische Patrouille im Handgranatenkampf abgewiesen. An der Ostfront hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Die Deutschen sind noch mit dem Einbringen der Beute be- s ch ä f t i g t, deren Menge noch nicht genau zu übersehen ist. Ein großer Teil liegt noch im Waldgebiet. Außer den bisher gemeldeten Geschützen wurden noch zahlreiche Maschinen- g e w e h r e und Minenwerfer, Feldküchen und Sani- tätsautos eingebracht. Die Gefangenenzahl ist ans 4716 Mann gestiegen. Oelagerungszustanö in Griechenland. Athen, 24. September. tReutcrmeldung.) In den Provinzen Lakonien, Arkadien und Larissa ist der Belagerungszustand erklärt worden. Die Regierung hat die Adjutanten König Konstantins, die bei König Alexander geblieben waren, e n t- lassen, weil sie zur Unzufriedenheit mit der neuen Re« gierung aufreizten. Eine ungarische Irieöenskunögebung. Budapest, 24. September.(T. U.) Am Sonn tag na chrn i t tag fand hier die angekündigte Versammlung der ungarländischen Katholiken statt, die sich mit der Friedenstätigkeit des Papstes beschäftigte und sich zu einer gewaltigen Friedenskund- ge b u n g' gestaltete. Mehrere Bischöfe und zahlreiche Parlamen- tarier nahmen an der Versammlung teil. Das Referat hielt Kar- dinal Johann Czernoch. Die Versammlung richtete an den Papst eine Adresse, in der der Dank der ungartschen Katho- l i k e n für seine Friedensnot« ausgesprochen und erklärt wird, daß Ungarn zu einem ehrenvollen und gerechten Frieden, der seine Entwicklung sichert, bereit ist. Tie angegriffene ungarische Nation wünscht einen Sieg des Rechtes und der Verständigung. (Äott insiV den Schritt des Heiligen Vaters mit Erfolg krönen, damit ein ehrenvoller Frieden zustande kommt. dsr Krieg auf öen Meeren. Berlin, den 23. September. Neue U-Bo»ts-Erfolge, rund 53000 Sr.-Reg.-Toimeu. Westlich Gibralta versenkte eines unserer U-Boote in einer Nacht die ticfbcladcncil englischen Dampfer Clan Ferguson Br.-R.-T.>, Brod Mond 1 5(34(3 Br.-R.-T.) und Hunsbridge ll3-t24 Br.-Neg.-T.). Im Mittclmccr wurden zahlreiche feindliche Transporte nach Südsrankrcich und Norditalicn vernichtet, darunter der bewaffnete amerikanische Dampfer Wilmore mit 7000 Tonnen Kohlen, 1000 To. Cd und 12 Lokomotiven, der neue bewaffnete englische Dampfer (ihnlmlcigh llOll Br.-N.-T.) und der bewaffnete italienische Dampfer Ausonia il438 Br.-R.-T.l, die beiden letzteren mit insgesamt 8500 Toniir» Kohle». Der bewaffnete französische Dampfer Admiral Ker- samt(5570 Br.-R.-T.) versuchte erfolglos sich mit seiner wertvollen Ladung durch hartnäckige Gegenwehr der Versenkung zu entziehen: der Dampfer wurde im Fcncrgcfecht, in dem seine Besatzung schwere Mannschastsvcrluste erlitt, niedergekämpft, der Kapitän gefangen ge- nommcn. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Ein englischer Torpeüobootszerstö'rer torpediert. London, 23. September. Die Admiralität gibt bekannt: Ein britischer Torpedobootszerstörer ist von einem deutschen Unterseeboot in der Einfahrt zum Kanal t o r« p e d i e r t und versenkt worden. Fünfzig Mann der Besatzung wurden gerettet. Erfolgreiche U-Soot�lihrer. Berlin, 24. September.(Amtlich.) Zu dem Erfolge des U-Boot-Krieges im Monat August von 808 000 Br.-R.-T. versenk- len HandelsschisfsraumeS haben in hervorragender Weife beige- tragen: Kapilänleiitnants Rose, Ge r l a ch, Dieckmann, , k. u.!. Linienschiffsleutnant Ritter v. Trapp, Kipitänleutnants Marschall, V i e b e g, M e u> e I, Oberleutnants z. S. S a I tz- wedcl, Loß, Howaldt, v. Heydebrcck. Kleine Kriegsnachrichten. Flicgerlcutnant Boß gefallen. Berlin, 24. September. Leutnant Vos; ist im Luftkampf mit seinem 50. Gegner tödlich abgestürzt. — Leutnant Vost loar nach dem Rittmeister Frh. v. Richthofen der erfolgreichste deutsche Kampfflieger, er hat sehbst die Zahl der Siege des verstorbenen Bölcke übertroffen. Deutsche vaterlanöspartei. Mr Annexionen und Entschädigungen! Am gestrigen Montagabend fand in der Philharmonie eine große Versammlung der Deutschen V a t c r l a n d§ p a r t e i statt. Sie demonstrierte für den sogenannten deutschen Frieden der Annexionen und Entschädigungen. Selbstverständlich haben diese Gedanken und Forderungen in Groß-Bcrlin tausende An- Hänger und es ist nur die Frage, ob die Anhänger der von der Rcichstagsmehrheit aufgestellten Friedensziele nicht auch sich zu zählen beginnen sollen. Neu war Großadmiral v. Tirpitz als Versammlungsredner, neu auch Herr Kapp als Berliner Versamrnlungsvorsitzender; der eine tvar bekanntlich Staatssekretär der Marine, der andere Generallandschaftsdirektor in Ostpreußen— beide sind a. D., weil sie mit ihren Kriegsprinzipien unterlagen. Aber s i e haben den Kampf aufgenommen— und der ihn damals gegen sie aufzunehmen erklärte, der sitzt heute auf dem Lande und kann Kartoffeln ernten. Tirpitz war der Hauptredner. Er kämpfte für die Ueber- zeugung, daß England aus Neid und Haß um Seemacht, Welt- Handel und Kolonialbedeutung Deutschland im Krieg wie im Fric- den stets nach dem Leben trachte und daß ohne«inen Zustand, der Engla>ids dahingehende Pläne vereitelt und eine neue Absperrung Deutschlands vom Weltmeer viel gefährlicher für Albion macht, Elend und Not die Zukunft des deutschen Volkes und der deutschen Arbeiter sein würde. Darum müsse Belgiens Küste unter Teutschands Einfluß kommen, es müsse der militärisch erfolgreiche Krieg in festem Siegeswillen zu endlichem Sieg geführt werden, der auch die Freiheit ganz Europas gegenüber angloamerikanischer Tyrannei bedeute. Und in diesem Geist muß mit allem Parteistrcit ein Ende gemacht und alle Kraft wie einst im August 1014 nur für Krieg und Sieg vereinigt werden. So die Vaterlandspartei und ihre Redner von Tirpitz und Herzog Johann Albrecht bis T r a u b(Vp.) und Ludwig T h o m a vom Simplizisfimus. Ob einer dabei mehr schwärmt, der andere vielleicht mehr schimpft, tut nichts zur Sache. Diese aber liegt für uns so: Jeder Tag weiteren Krieges vermehrt das Elend der Welt um mehr als wir verantworten möchien; der volle Sieg der einen Seite über die andere ist außer Sicht. Was die Vaterlandspartei verkündet, wäre nur von der völlig niedergeworfenen Entente zu erreichen. Vor dem Krieg arbeitete der deutsche Welthandel trotz Englands Sceposition frei und mit stets steigendem Erfolg; warum sollte das in Zukunft anders sein, nachdem Deutschland sich so stark erwiesen und sich siegreich gewehrt hat? UeberdieS wird dieser Krieg den Menschen eine Warnung mindestens auf Jahrzehnte sein und, bei einer entsprechenden Volkserziehung, an der alle Völker das gleiche Interesse hätten, hoffentlich auch für immer. Die Ver- wirklichung der annexionistischen Ziele bedeutet neue Kriegsgefahr. So wird mit den Herren von der neuen Partei eine Einigung über auswärtige Fragen ebensowenig möglich sein wie über innere. Man hat nur den Herrn Stadtdirektor Tramm- Hannover hören müssen, wie er gegen freiheitliche Reformen loetterte! ES gibt— auch in Berlin, daS hat der gestrig« Abend gezeigt— Leute, die zu dergleichen Beifall klatschen. Zwischen ihnen und unS kann«S aber nichts anderes geben als ehrliche Fehoe! Der öffentlichen Versammlung in der„Philharmonie" ging eine vertrauliche Besprechung im Abgeordnetenhause voran, an der unter dem Vorsitz des Großadmirals v. Tirpitz etwa 300 Personen teilnahmen. Dem Ehrenvorsitzenden Herzog Johann A lb r e ch t von Mecklenburg wurde durch Erheben von den Sitzen der Dank für sein« vaterlandsrcttende Tat ausgedrückt. Graf Hoensbroech macht« die Mitteilung, daß sich auch der frühere Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer in den Dienst der Sache gestellt habe. Der Vorsitzende des Bundes der Landwirte Frbr. v. Wangenheim forderte die Parteien, die sich der Vaterlandspartei anschlössen, auf, den Streit um ihre be- sonderen Ziele ruhen zu lassen. Interessant war, daß ein Herr aus Bavern so tat, als ob er auch im Namen des bayerischen Zentrums zu sprechen berechtigt sei. Ein kleiner Sturm erhob sich sodann, als Herr Körting vorschlug, man solle in der Abend- Versammlung eine Entschließung einbringen des Inhalts, daß der Erfolg der Kriegsanleihe in Frage gestellt fei, falls sich die Re- gierung nicht auf den Boden der Deutschen Batcrlandspartei stelle. Da wurde vom Vorstandstisch heftig abgewinkt, und aus der Ver- sammlung fiel der Ruf:„Zweischneidiges Schwert!" Damit war die patriotische Anregung, der mau ja in der alldeutschen Presse schon öfter begegnet ist, für diesmal begraben. Im übrigen tiwr man darüber einig, daß in der öffentlichen Versammlung auf keinen Fall eine freie Diskussion gestattet werden dürfe. deutsche gegen Alldeutsche. Die Dresdener Parteileitung Itat eine gewaltige Kundgebung für Frieden und Freiheit im Zirkus Sarrafani veranstaltet, der trotz des schlechten Wetters dicht gefüllt tvar. Sogar die Manege war mit Stühlen besetzt, so daß die Besucherzahl mit 6000 Personen eher zu gering als zu hoch angegeben ist. N o S k c sprach über die Friedenspolitik der Partei und geißelt« die Kriegshetzereien der All- deutschen und die kindischen Quertreibereien der Unabhängigen. Sindcrmann sprach äußerst wirkungsvoll über die Wahlrechts- reform, wobei er unter stürmischem Beifall die Kriegsopfer des Volkes mit der ängstlichen Verteidigung veralteter Vorrechte durch die sächsische Regierung und die bürgerlichen Parteien verglich. Es machte einen überwältigenden Eindruck, als die imposante Ver- sammlung i» einer Entschließung für Verständigungsfticden und Freiheit im eigenen Lande stimmte. Eine schwere Niederlage holten sich die Alldeutschen in Essen, wo vor einigen Wochen 8000 Bergleute des Kreises für den Ver- ständigungsfrieden demonstrierten. Am Sonntag versammelte sich der z w a n z i g st e T e i I dieser Zahl, um für die alldeutsche Politik «ine Kundgebung zu veranstalten. Gratiseintrittskarten wurden schon fünf Tage vorher ausgegeben, und doch waren die 700— 800 Sitzplätze des Saalparterres kaum halb besetzt! Landtagsabg. Bacmesster- Elberfeld sprach. Mit starken Worten sparte der Redner nicht. Herr v. Kühlmann sei ja ein„be- rühmter" Mann, den anderen Ausdruck für ihn dürfe er ja nicht gebrauchen. Bethmann Hollweg erschien ihm selbstredend als das Unglück Deutschlands, und Erzberger l>e zeichnete«r direkt als Landesverräter, worauf aus der Versammlung der gemütvolle Zu- ruf ertönte: Herunterschießen den Hatlunken! Ver- schieden« Ausführungen Bacmeifters, u. a, solche über unsere öfter- reichischen Bundesgenossen, entziehen sich der öffentlichen Wieder- gäbe. Charakteristisch war auch, daß Bacmeister schroff die Eni- rüstung ablehnte, mit der Englairds Völkcrrechtsbrüche in der deut- schen Presse behandelt würden. Wo es um Bestand und Macht eines Landes ging«, gäbe es kein Völkerrecht. Was der Versammlung an Bedeutung abging, suchte sie durch eine ellenlange Entschließung und durch Telegramme an den Kaiser, an Hindenburg, den Reichskanzler, Admiral v. Scheer, und v. Tirpitz zu ersetzen. Auch in Kiel hatte vor einiger Zeit der Landtagsabgeordnete Bacmeister eine Gastrolle gegeben. Selbstverständlich wurde in der alldeutschen Versammlung jeder Versuch einer freien Aussprache unmöglich gemacht. Darum berief die Fortschrittliche Volkspartei ein« Versammlung ein, die von gut 2500 Personen besucht war und in der der Abg. Hoff und Genosse A d I c r den Alldeutschen die richtige Antwort gaben. Auch die Unabhängigen machten sich be- merkbar und schickten zwei Redner vor. welche ihre verräterische Politik, die sie an die Seite der Alldeutschen geführt hat, verteidigen ivollten. Sie fielen aber mit ihrer Verteidigung der Ablehnung der Frieden scntschließung in der Versammlung jämmerlich durch. Gegen etwa 100 Stimmen wurde«ine Entschließung angenommen, in der gegen die alldeutschen Treibereien scharfer Einspruch erhoben und der Reichstagsmehrheit das Vertrauen ausgesprochen wird. In Halle a. S. rechnete der fortschrittliche Reichs- und Land- tagsabgeordnete Kopsch mit den Alldeutschen gründlich ab. Er brandmarkte den Versuch, für eine einzelne Partei das Monopol der Vaterlandsliebe, in Anspruch zu nehmen und sagte, man müsse es sich auch von Grohdcrzögen und ehemaligen Admiralen verbitten, daß sie zweierlei Deutsche konstruieren. Zu dem bekannten Erz- bergerschen Vorstoß gegenüber dem U-Boot-Krieg bemerkte er, daß er hätte getan werden müssen, und wenn es nicht von Erzberger geschehen wäre, so hätte es irgendein anderer Abgeordneter über- nehmen müssen._ verantwortungslose Demagogie. Der Beschluß des nationalliberalen Zentralvorstandes. Den Beschluß des Zcntralvorstandcs der nationalliberalen Partei, den wir gestern hier mitteilten, kann man nicht anders denn als>..n Produkt verantwortungsloser Dcma- g o g i e bezeichnen. Wenn man weiß, daß die nationaliibe- rale Reichstagsfraktion lebhaft schwankte, ob sie sich nicht der Mehrheit anschließen solle, wenn man die Entstehungs- geschichte der Fraktionscrklärung vom 19. Juli kennt, die alle Eroberungstendcnzcn von sich weist, den frieden der Versöhnung predigt, aber von schädigenden Wirkungen des MehrheitS- deschlusses und„Machterwciterungen in Ost und West" kein Wort sagt, dann staunt man über die Kühnheit des Zentral- Vorstandes, der so tut, als ob er sich mit der Haltung der Rcichstagsfraktion vor zwei Monaten in Uebereinstimmung befinde. Natürlich wird man jetzt diese Uebereinstimmung nach außen hin künstlich herzustellen versuchen, nichts desto- weniger bleibt zwischen Fraktion und Zentralvorstand der Unterschied wie zwischen Leuten, die der Verantwortung nahe, und solchen, die ihr ganz fern sind. Der nationalliberalc Zentralvorstand hat sich einfach nach den taktischen Grundsatz gerichtet:„Da wir doch nichts zu sagen haben, können wir das Maul recht voll nehmen". Damit tverdcn die Wünsche der Schwerindustrie befriedigt und das unpolitische nationalliberalc Obcrlehrertum kann wieder einmal von der„nationalen Strammheit" seiner Partei entzückt sein. Sonst hat sich die nationalliberalc Partei immer gerühmt,„das Vaterland über die Partei" zu stellen— ein höchst unsinniges Selbst- lob, denn eine Partei, die gegen sich selber handeln muß, um dem Vaterlandc zu dienen, ist keinen Schuß Pulver wert— diesmal aber sind gerade und ganz offenbar kurz- sichtige Gründe der Parteitaktik den wirklichen Vater- ländischcn vorangegangen. Der ZentralvorstanV irrt jedoch gründlich, wenn er meint, daß mit einer nationalistisch-dema- gogischcn Opposition parteipolitische Geschäfte zu machen sind. Ob die nationalliberalc Reichstagsfrak- t i o n ihre besonnene Haltung vom 19. Juli aufgeben und aus Geheiß des Zcntralvorstandes in offener Parlaments- arena alldeutsche Purzelbäume schlagen wird, steht noch dahin. Sie könnte damit wohl ihren alten Spitznamen„Fraktion Drehscheibe" wieder zu Ehren bringen, das wäre aber auch die einzige Ehre, die sie aus solchem Gehaben davon- trüge I_ Amtliches"' Treiben. Die Landwirlschaslliche Gesellschaft in Labiau hat unter dem Vorsitz des Landrats Bacmeister, der selbst zu den Gründern der„Vaterlandspartei" gehört, den Beitritt zur neuen Partei beschlossen. Und zwar gesckiah dies mit einer höchst ge- schmackvoll— wir wissen nicht, ob vom Landrat selbst— gereimten „Begrüßung", in der er es heißt: Wir sollten erliegen der vaterlandsloscn, drr feindlichen Trug-Paxtdi, So schnitt man zu Riemen ganz sicher auch unsere Haut entzwei! Wer sollte dann wohl ehrlich Recht noch sprechen, Wenn über gröbste Staatsverbrechen Die Feindes-Meute schad'sroh lacht?! Im selben Ort veranstaltete Major Hübner(!), Führer des dortigen Landsturm-Ersatz-Bataillons(!), eine Versammlung, in der zunächst„ein chargierter Feld- grauer" über den„Wirtschaftslrieg unserer Feinde" sprach. So- dann forderte Landschaftsrat Kuweit die Anwesenden auf,„in dem inneren Kampfe unserer Regierung den Rücken zu stärken" und der Vaterlandspartei beizutreten. In einem Aufruf, der die Unterschrift des Landrats trägt, lverden„alle Vater- ländijch Gesinnten" zum Beitritt aufgefordert. Die„Labiauer Kreiszeitung" verwendet natürlich täglich Spalten auf Spalten ihres amtlichen Papiers, um für die neue Partei die Reklametrommel zu rühren. Es ist begreiflich, daß niemand, der abhängig ist, diesem Druck widerstehen kann. Einzig und allein der Superintendent Nikolaiski hat seine Unterschrift unter dem Aufruf wieder zurückgezogen, als er den eigentlichen Zweck dieser„vaterländischen" Gesellschaft erkannte. Man wird sagen: das ist Labiau! Aber in Berlin ist es auch nicht viel anders, wie wir schon wiederholt festgestellt haben. Jetzt schreibt Herr v. Gerlach in der„Welt am Montag": Da der„Vorwärts" angekündigt hat. im Reichstag werde man gründlich auf die Sache eingehen, so darf man sich wohl auf ganz interessante Enthüllungen gefaßt machen. Für meine Person darf ich inzwischen bemerken, daß auch zu mir Beamte gekommen sind und sich in bitteren Worten über den moralischen Druck beschwert haben, den ihre Vorgesetzten auf sie auszuüben versuchten, um sie zum Eintritt in die Vaterlands- Partei zu veranlassen. Sie erzählte», man habe ihnen geiagt, wenn sie den Beitrag— eine ganze Marli— nicht zahlen könnten, so schade das nichts. Die Hauptsache sei, daß ihre Namen in die Listen kämen. Und w i e kommen Namen in die Liste I In Breslau ist eine solche Liste veröffentlicht worden, die folgende wundervolle Unter- schrift trägt:„Postdirektor Linde nebst 78 Beamten des Postamts 1."„Nebst" ist ausgezeichnet! Ein paar hochgestellte Per- sonen nebst allem, was von ihnen abhängig ist— daS ist die ganze „Deutsche Valerlandspartei". versammlungsrecht unö Selagerungs- zustanü. In einer kleinen Anfrage hatte Reichstagsabgeordnetcr Genosse Jäckel darauf hingewiesen, daß im Bereich des 6. Armeekorps sämt- liche Gewerkschaftsversammlungen, auch solche, in denen zu bc- stimmten Arbeits- und Lohnfragen Stellung genommen werden sollte, einfach verboten worden sind. Tarauf ist jetzt folgende Ant- wort der Regierung, gez. Dr. Helfferich, eingelaufen: Nach Mitteilung des stellvertretenden Generalkommandos des 6. Armeekorps sind seit Anfang August Mitgliederver- sammlungen, in denen Lohn- und Arbeitsverhältnissc erörtert werden, sowie nicht öffentliche Versammlungen wieder zu- gelassen._ Ausweisung österreichischer Juden aus Preußen. Auf eine kleine Anfrage der Abgg. Bauer, Davidfohn und Scheidemann(Soz.) erwidert die Regierung, daß die An- nähme, es seien aus der Provinz Posen und den Regierungs- bezirken Oppeln und Breslau die österreichischen Staatsangehörigen jüdischen Glaubens ausgewiesen worden— ungeachtet jahrzehntelanger Ansässigkeit und guter Führung—, nicht den Tatsachen ent- spreche. Ausweisungen seien nur erfolgt, wenn Ausländer, ohne Unterschied ihres Religionsbekenntnisses, sich durch strafbare Hand. lungcn oder unlauteren Geschäftsbetrieb lästig gemacht hätten. Namentlich seien eine Anzahl Kohlenhändler wegen fortgesetzten Schleichhandels ausgewiesen worden. Das tzennigsüorfer Explostonsunglück ist Gegenstand einer kleinen Anfrage, die der Abg. Stahl(Soz.) an den Reichskanzler richtet. Die Anfrage hebt hervor, daß der Sachschaden in Hennigsdorf zum größten Teil dadurch entstanden ist, daß Betriebsabteilungen der A. E. G. sich unmittelbar in bewohnten Teilen des Ortes befanden, was z. T. jetzt noch der Fall ist. Der Reichskanzler wird gefragt, was er zu tun gedenkt, um derartige Gefahren und Schäden in Zukunft zu ver- hindern. Beriihtigung. In unserer gestrigen Notiz„Ein Schrei nach Zensur" wird uns mitgeteilt, daß der von uns zitierte Auffatz der„Anthropologisch-Politischen Monatsschrift" nicht der Zensur vorgelegen hat. Lette Nachrichten. Ein litauischer Landcsrat. Berlin, 24. September. Ueber die Bildung eines Landesrates für Litauen wird der Korrespondenz B. aus Wilna vom 23. Sep- tember meldet: In Wilna, der alten Hauptstadt Litauens, in der auch heute noch das politische Leben des Landes seinen Mittelpunkt hat, ist, wie den Berichten der unabhängigen litauischen Zeitung„LiotilvoS Aidas"(Litauisches Echo) zu entnehmen ist, soeben ein Landesrat ins Leben getreten. Es traten über zweihundert führende Persönlichkeiten aus allen Kreisen und Ständen Litauens zu Beratungen zusammen, in deren Verlauf am 21. September ein« litauische Vertretung des Landes gewählt wurde. Diese setzt sich zusammen aus zwanzig Litauern aller Parteischat- tierungen. Die zwanzig gewählten Vertreter des litauischen Volkes beschlossen den Wortlaut einer Adresse an den Oberbefehlshaber Ost Prinzen Leopold von Bayern, i» der um die Ei il setzu n g einer Landesvcrtretung für Litauen ge- beten wird. Am 23. September überreichten die litauischen Mitglieder des Landesrates unter Führung von Dr. B a s s a n o- v i c i u s die beschlossene Adresse und erhielten darauf durch den Verwaltungschef Oberstleutnant Fürsten von Jsenburg-Birstein die Antivort des Overbefehlshaber Ost. Hierbei wurden die durch die Landesversammlung vorgeschlagenen Persönlichkeiten durch den Verwaltungschef im Auftrage des Oberbefehlshabers Ost zu Mit- gliedern des LandeSrateS ernannt. Außerdem betonte der Per- waltungschef in seiner Antwort, daß der LandcSrat durch Vertreter der Minoritäten des Landes entsprechend ergänzt werden würde. SewerkschHsbewWung Die Werkstattschreiber und-Ichreiberinneu und Hilfs- beamtinnen der Firma Daimler, bis im Verband der Bureauangestellten organisiert sind, baben der Direktion im Monat»August verschiedene Forderungen unterbreitet. Die Direktion erklärte sich bereit, mit einer von den Angestellten gewählten Kommission zu verftandeln. Diese Verhandlung führte auch zu einer Verständigung. Die gewährten Er- höhungen der Löhn« und Teuerungszulagen bedeuten bei den männlichen Angestellten ein« durchsckmttlickc Zulage von 10 M. Pro Woche, bei den weiblichon eine solche von 7 M. pro Wocke. Besonders wichtig war, daß nunmehr eine bestimmte Lohnskala für die in Frage kommenden Angestellten festgelegt ivurde. Es werden demnach jetzt pro Woche gezahlt: Für Wcrkstaltschreiber und Hilss- beamten in den Jahren von 16— 21 Jahren von 19 M. bzw. 31 M. aufsteigend tiach löwöchiger Tätigkeit bis zu 23 M. bzw. 33 M. Der Gehali der Angestellten über 21 Jabre beginnt mit 33 M. und steigt in 16 Wochen auf 37 M.; über 21 Jahvc alt und ein Jahr bei der Firma 16 M. Die bereits im Genuß der 16 M. siehenden Angestellten erhalten 12,56 M. Die länger als drei Jahre bei der Firma Tätigen erhalten ab lö. Oktober 1917 IS M., dazu 12 M. Kriegszulage für Verheiratete, 8 M. Kriegszulage für Unverheiratete und 2,56 M. für jedes schulpflichtige Kind. Die Entlohnung der weiblichen Angestellten bat folgende Regelung erfahren: Die Hilfsbeamtiirnen im Alter von 16 bis 19 Jahren erhalten anfangs 18 bzw. 26 M., steigend nach lkwöchiger Tätigkeit auf 26—22 M. Di« über 10 Jahre alten bekommen 21—23 M.; über 19 Jahre alt und ein Jahr bei der Firma 2S M. Dazu kommen 8 M..Kriegszulage für Verheiratete und Unverheiratete und 2,56 M. für jedes Kind. Tie gewährten Zulagen werden ab 26. August d. I., dem Tage der Einreichung der Forderungen, nachgezahlt. Durch die Einmütigkeit der Angestellton und da? Entgegen- kommen der Firma ist hier eine Vereinbarung erzielt, die zwar die Angestellten nicht in allen Punkten zufriedenstellt, aber doch eine wesentliche Verbesterung gegenüber dem Bisherigen darstellt. Alle Angestellten sollten daraus die Lehre ziehen, daß nur durch Einig- keit und den Zusammenschluß in der Organisation ihre Wirtschaft- lichen Interessen gewahrt werden können. Der Eintritt in den Ler- band der Bnreauangcstcllten lBoreau: O. 27, Dircksenstr. 41) ist daher ein Lebensinteresse jedes Jndustrie-Bureauansestellten. Aus dem KriegSauSschust für daS Schueidergewerbe. Wegen der Bezahlung der Anzüge für die.Kraftfahrerabteilung haben, wie wir wiederholt berichteten, schon des öfteren vor dem Kriegsausschutz und der SchlichtungSkommission für das Schncider- gewerbe Verhandlungen stattgefunden, i-so stand am Mittwoch eine Klage vor dem KriegSausschntz gegen den Zwischenmeistcr Seidel und dessen Arbeitgeber, die Firma Finke, an. Der Zwischenmeister erklärte, selbst weniger Lohn erhalten-zu haben als er seinen Arbeitern zahlen sollte. Seitens der Finna war ein Schreiben eingegangen, worin sie behauptete, daß sie mit der Angelegenheit gar nichts zu tun habe, vielmehr der Zwischenmeister allein wegen der Angelegenheit haftbar sei. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß die Firma in gar keiner Hinsicht daraus achtet, ob die von ihr beschäftigten zahlreichen Zwischenmeister den Arbeitern auch den vorgeschriebenen Lohn zahlen. Es wurde daher beschlossen, an Hand der Bücher der Firma die Zahl der Stücke festzustellen, die der beklagte Zwischenmeistcr angefertigt hat, um so zu er- Mitteln, welche Löhnsumme den Arbeitern zu wenig gezahlt ist. Im übrigen wurde festgestellt, daß die Zwischcnmeister der Firma Finke entgegen den tariflichen Bestimmungen Wochenlöhne zahlen. Es darf darauf hingewiesen werden, daß noch den tariflichen Bc- stlmmungen nunmehr die Schlichtungskommission zur Entscheidung von Streitigkeiten wegen dieser Arbeiten ebenfalls vorgesehen ist und daß'ein genauer Teiltarif besteht, nach dem sich die Unter- nehmex und Zwischenmeister zu richten haben. 'Ter Arbeiterausschuß der Firma Peel u. Cloppenburg erhob gegen die Firma Klage, weil den Arbeitern in diesem Jahre die Ferien nicht gewährt worden waren. I m März d. I. war mit der Firma eine Vereinbarung petrofsen worden wegen der Erhöhung der Löhne, wonach dieselbe sich bereit fand, auch während der damals noch bestehenden beschränkten Arbeitszeit von 16 Stun- den die Woche die Lohnerhöhunq von 25 Proz. entsprechend der Vereinbarung zwischen den Arbeitgeber- und Arbeltnehmerver- bänden zu zahlen. Da die Firma während der verkürzten Arbeitszeit auch im vorigen Jahre, den vollen Lohn zahlte, so hatten die Arbeiter damals auf die Ferien verzichtet. In diesem Jahre vor- langten sie hingegen die Ferien, weit seit Ende Mai die neun- stundige Arbeitszeit bestand. Seitens der Firma wurde erklärt, sie werde den Arbeitern bei voller Arbeitszeit selbstverständlich die Ferien gewähren. Dagegen habe sie wie im vorigen Jahre. so auch in diesem Jahre wegen der verturzten Arbeitszeit davon Abstand genommen. Der Kriegsausschuß machte den Vergleichs- Vorschlag, daß den Arbeitern mit Rücksicht hieraus im nächsten Jabre ein längerer Urlaub gewährt werde und damit für dieses Jahr die Urlaubsangelegenheit erledigt sei. Dem stimmten beide Parteien zu.___ Aus dem Kriegsausschus? für die Metnllbetriebc Groß- Berlins/ Bei der Verhandlung in einer der letzten Sitzungen des Kriegs- nusichusses erschien die Firma E. u. G. in Treptow in einem rcchr eigentümlichen Lichte. Ein Arbeiter hatte mri Zustimmung der Firma das Arbeitsverhältnis gelöst und seinen Alikchrschein be- kommen. Nachträglich hat die Firma an das Generalkommando ge- schrieben und ersucht, den Arbeiter einzuziehen. Da? Geiieraltoinmando hat dem Kriegsausschuß die Sache zur Nach- Prüfung zugeschickt. Bei der mündlichen Feststellung in der Sitzung des.Kriegsausschusses konnte der Vertreter der Firma lrgendeiueu sachlichen Grund für das Verhalten der Firma nicht angeben. Das einzigste, was nach längerer Auseinandersetzung an Gründen an- gegeben wnrde, war, daß die Firma glaubte, im allgemeinen Interesse der Firma sei es zweckmäßig, so wie geschehen zu verfahren. Es sind ja schon manche derartige Fälle vor dem Kriegsmisschuß verhandelt worden, aber so kratz wie hier trat es noch niemals in die Erscheinung, welcher Mißbrauch manchmal van Firmen in Fragen der Reklamation getrieben wird. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, daß endlich einmal die Militärbehörden in jedem Fall auseinseiftge Mitteilung von Arbeitgebern von irgendwelchen Maßnahmen gegen reklamierte. Arbeiter absehen. Von Wichligkeit ist auch folgender Fall: Der Töpfer K. hatte. sich nach der Aufforderung an alle Hi lfsdie n stp flicb tigen in einem Staatsbetriebe in Spandau Arbeit gesucht und war dort als Trans- portarboiter eingestellt. Da'er THpfer ist, glaubte er Anspruch darauf zu baben, trotzdem er als Transportarbeiter beschäftigt ist, den Tariflohn der Töpfer zu erhalten, und berief sich hierbei auf den 8 des Gesetzes. Der Kriegsausschutz konnte sich aber dem Verlangen des Töpfers nicht anschließeir. Von Zuweisung nach einem kriegswirtschaftlichen, wichtigen Betriebe war nicht die Rede, der Töpfer ist freiwillig in den Betrieb in Spandau ein- gerrelev und hat dort Beschäftigung als Transportarbeiter an- genommen. Der Kriegsansschutz, der um Entscheidung ersucht war, lehnte den Anspruch des Töpfers ab. Der Bauklempner D. von der Firma T. will cüien Abkehr- schein, weil er mit dem Tariflohn nicht auskommen könne. Die Firma erklärte, daß sie mit Rücksicht ans andere Firmen, mit denen sie sich verständigt habe, nicht mehr als den im Tarif festgesetzten Lohn zahlen dürfe. Im Kriegsausschuß wird fest- gestellt, daß der im Tarif fe st gesetzte. Lohn nur den Mi nd eftlohn darstelle, unter dem nicht entlohnt werden dürfe. Aber das sage noch lange nicht, daß seder Klempner nun mit dem Mindestlohn zufrieden sein müsse. Es sei durchaus das Recht eines jeden Klempners, mebr als den Mindestlohn zu fordern, wenn seine Leistungen entsprechend sind,' nur könne nicht von Organisation S wegen etwas unternommen werden, wenn die Firma sich weigert, mehr zu zahlen. Die Beschlußfassung des Kriegsausschusses könne aber durch derartige tarifliche Abmachungen nicht beeinflußt werden, denn der Kriegsausschuß entscheidet ledig- lich darüber, ob der gezahlte Lohn angemessen ist oder nicht. In diesem Falle wurde der Firma aufgegeben, entweder dem Klempner eine Zulage von 15 Pf. für die Stunde oder den Ab- kebrschein z u geben. Der Schlosser H.. der D reber G., der Schlosser R. und der Schkosser L. sind in Eisenbahnbetriebswerkstätten be- ichäftigt und wünschen wegen zu geringem Lobn ibren Abkehrschein. Bei Erledigung dieser Fälle werden mehrere behördliche Schreiben vorgelegt, worin der Kriegscmsschnß ersucht wird, die Beschwerdeführer darauf aufmerksam zu machen, daß sie nur für die Ar- betten in Eisenbahnbetrieben zurückgestellt sind und eventuell damit rechnen müssen, daß sie, wenn sie aus dem Bereich der Eisen- bahirwerkstäiten hinausgehen, eingezogen werden.— Der Kriegsausschuß stellt sich wie vordem in ähnlichen Fällen auf den Standpunkt, daß die TatigkeitSari und damit zusammenhängende Bestimmungen des Kriegsamts die Entscheidung des Kriegsaus- schusses, ob Abkehrschein oder nicht, durchaus nicht berühren könne und dürfe. Obwohl der Kriegsausschuß nicht verpflichtet ist, den Inhalt der behördlichen Schreiben weiterzugeben, wolle der Kriegs- ausschuß dem Ersuchen nachkommen, da sonst möglicherweise die Beschwerdefübrer dem Kriegsausschuß Porwürfe machen könnten, wenn sie wirklich eingezogen werden sollten. Im übrigen erkannte der Kriegsausschuß auf Erteilung des Abkehrscheins an sämtliche Beschwerdeführer. parteinachrichten. Zum Parteitag. In einer gutbesucfiten Parteiversammlung des ReichStagSwabl- kreises Dre§den-A. wurde nach einem Vortrag des Genossen Dr. Gradnauer über den Parteitag einstimmig eine Resolution angenommen, in der eS heißt:.Die Parteiversammlung erneuert die fniberen Beschlüsse des Wahlkreises binfichtlich der Politik der Partei in der Kriegszeit und spricht die Ueberzeugimg aus, daß der Parteivorstand und die Reichslagsftakrion ihre Pflicht gegenüber den Interessen der Arbeiter voll erfüllt haben'. Im übrigen fordert die Resolution einen VerständigungSfrieden und die Demokratisierung im Reich und in den Bundesstaaten. Zu Delegierten für den Parteitag wurden die Genossen Hamann und Voigt gewählt. Nnabhingige gegen den VerstSndigungsfrieden. In einer mächtigen Dresdener Versammlung hatten sich die Un- abhängigen nicht gegen die Redner N o s k e und Sindermann vorgetraut. Sie hatten sich zwei Tage ftüber mit einer Bolksver- sammlung in einem der größten Säle Dresdens versucht, es waren aber trotz großer Bemühungen nur 366 Männlein erschienen, so daß der Versuch kläglich scheiterte. Dagegen gelang es ihnen am Sonnabend, die im Plauenschen Grunde �Gasthof Döhlen) einberuiene Friedenskundgebung, in der die Genossen Noske und Sindermanu sprechen sollten, zu sprengen. An vielem Haupiplatz unabhängiger Treibereien ge- lang eS den Ouertreibern leicht, einige Hundert Mann, zumeist irre- geführte jugendliche Personen, in die Versammlung zu dirigieren, die unier der Leitung Fleitzners, der am Tag vorher in dem un- abbängigen Organ dazu aufgefordert hatte, ohne ersichtlichen Grund den Genossen Noske durch Lärmen am Sprechen zu hindern. AIS die Versammlungsleitung sah, daß gegen diesen Rückfall in die anti- semitische Radaütaktik nickt aufzukommen war, wollte sie wenigstens die Resolution zur Abstimmung bringen. Dabei bewährten sich die Unabhängigen aber erneut dadurch als Störer der Friedens- bestrebungeu, daß sie gegen die einen Versiändigungsfrredcn ' Entschließung stimmten. Tiefer geht'S nimmer. Totenliste der Partei. Im Krankenhause zu Sonneberg iS.-M.) starb am 19. Sep- tember der Genosse Emil b. d. W e h d im Alter von 41 Jahren. Der Verstorbene war seit über 26 Jahren im dortigen Bezirk für die Partei, Gewerkschaften, Genossenschaft und Volksfürsorge unermüd- lich tätig. Er bekleidete zahlreiche Vertrauensposten. Dabei blieb er immer der bescheidene Heimarbeiter, dessen ganzes Streben der Befreiung der Arbeiterklasse aus dem Joch des Kapitalismus galt. Vor wenig Monaten kam er als Landsturmmann in Feindesland, wo er sich den Todeskeim holte; krank kehrte er zurück und starb nach kurzer Zeit, geachtet von den Gegnern und betrauert von seinen Freunden._ Soziales.. Der dringende Krankheitsfall. Nach§ 368 der ReichsverficherungSordnung hat die Kasse die Bezaölung eines in dringenden Fällen zugezogenen Arztes vorzunehmen. DaS ist, wie das ReicbsversicherungSamt in einer Nevisionsentscheidung vom 6. März 1917 entschieden hat, auch dann der Fall, wenn die Dringlichkeit durch das Verhalten des Kranken verschuldet ist. Das Versickerungsamt hatte den Anspruch abgelehnt, weil die Klägerin gegen die Krankenordnung verstoßen habe, indem sie ohne Zustimmung der Kasse den Arzt gewechselt habe, und daher sei auch die Kasse nicht verpflichtet, die durch die Zuziehung des anderen ArztcS entstandenen Kosten zu tragen. DaS Oberveriicherungsaml nahm an. daß die Zuziehung des anderen Arztes dringend gewesen sei, aber die Klägerin habe da- durch, daß sie fich auS der Wohnung ihrer Dienstherrschaft in die allerdings am gleichen Ort befindliche Wohnung ihrer Eltern be- geben habe, die Dringlichkeil verschuldet. Die Kasse sei nur ver- pflichtet, das zu zahlen, was sie bei der weiteren Behandlung durch den ersten Arzt auch zu zahlen gehabt hätte. Auch das Reicks- versicherungSamt hat einen dringenden Fall für vorliegend erachtet. Es sogt: »Die Klägerin war nach den Feststellungen des Dr.<5. so schwer erkrankt, daß sie nickt imstande war, selbst den Arzt aufzusuchen, und bedurste sofortiger ärztlicher Behandlung. Der von ihr angegangene Kassenarzt Dr. H. hatte die Behandlung verweigert. In solchen dringenden Fällen darf die Kasse gemäß§ 368 der Retcksversicherungsordnung die Bezahlung des hinzugezogenen Arztes nicht ablehnen. Auch ist in einem derartigen Falle der Versicherte, sofern die Kassensatzung eine Bestimmung nach Z 369 Satz 3 der Reichsversicherungsordnung enthält, befugt, den Arzt ohne Zustimmung des Kassenvorstandes zu wech- sein tzu vergleichen Hahn, Handbuch derKrantenversicherung. 8. und 9. Auflage, Anmerkung 3 zu 8 269). Der Ansicht des Ober- versicherungSamlS, daß jene Verpflichtung der Kasse dann nicht gegeben sei, wenn der Versicherte die Dnnglichkeit des Falles durch sein Verhalten verschuldet habe, kann nicht beigetreten werden. Eine solche Einschränkung des 8 368 a. a. O. ist im Gesetze nicht vor- geschrieben(zu vergl. Hahn a. a. O. Anm. b zu§ 368 der Reichs- Versicherungsordnung). Nach den Vorichriflen der ReicksversicherungS- ordnung haben die Krankenkassen ihren Mitgliedern Krankenpflege unabhängig davon zu gewähren, ob das Leiden oder seine Ber- ichlimmerung von dem Versicherten verschuldet ist, und ob d�ie Versicherten gegen die Kraiilenordnuug oder gegen ärziliche Vorschriften verstoßen haben. Selbst in den Fällen des 8 162 der Reichs- Versicherungsordnung, insbesondere bei vorsätzlicher Zuziehung der Krankheit, kann nicht die Krankenpflege, sondern nur das Kranken- geld verweigert werden. Zur Krankenpflege gehört die ärztliche Be- Handlung(§ 182 Nr. 1 o. a. O.). die in drinaenden Fällen auch durch einen anderweit hinzugezogenen Arzt gewährt werden muß. Die Beklagte würde also von ihrer Verpflichlung zur Bezahlung der entstandenen Arzlkosten selbst dann nickl befreit sein, wein: die Klägerin durch thr'Verhallen die Verschliininerung ihrer Krankheit herbeigeführt hätte und dieses Verhalten ein Verschulden darstellte. Es bedarf sonach keiner Prüfung, ob für diese beiden vom Oberverfickerungsamte getroffenen Feststellungen überhaupt irgendwelcher Anhalt gegeben ist. Vielmehr war die Beklagte unler Aufhebung des angefochtenen Urteils und der Vorentscheidung des Versicherungsanrts zur Bezahlung der durch die Behandlung des San'lätsrats Dr. S. entstandenen Kosten, deren Höhe nicht bean- standet ist, im vollen Betrage von 59 M. zu venineileir" Lebensversicherung und Krieg. Das neue Reichswirtschafisamt. das beim Zusammentritt des Reichstags endgültig installiert werden wird, siebt vor großen und wichtigen Auigabe». Auf eine dringende Ausgabe müssen die neuen Herren aurmerksaiu gemacht werden: auf die baldige Erlediginrg des vom Reichstag einstimmig angenommenen Antrages, dafür zu sorgeir, daß die infolge des Krieges eingestellten Lebensversicherungen ohne Nachteile der Versicherten nach Schluß des Krieges wieder rn Kraft gesetzt werden können. Daß es sich dabei um wichtige Interessen bandelt, geht daraus hervor, daß im Jahre 1916 allein bei der Volksversicherung vergütungsloS verfallen sind bei der Gesellschaft»Friedrich Wilhelm' 42 319 Versicherungen nur 9 867 139 M., bei der»Victoria' 25 771 Vernchcriingen mit 7 805 826 M., bei der„Hamburg-Mannheimer' 17 863 Versicherungen mit 3 819 966 M. und bei der„Jduna' 16 807 Versicherungen mi' 2 813 041 M. Versicherungssumme. Daber handelt es sich meistens um kleine Leute und in de» meisten Fällen wohl um Kriegsteilnehmer, bei den Gesellschafieu dagegen um reiche, leistungsfähige Unternehmungen, die im Kriege glänzende Geschäfte machten. Industrie unö hanöel. Silberteuerung. In den letzten Jahrzehnten hat das Silber im Verhältnisse zum Golde eine rasche und große Entwertung erfahren, was auf alle bisherigen Währungssysteme stark zurückgewirkt hat. Wenn die Silbernrünzen in einem bestimmten Verbälinisse zu den Goldmünzen standen, sagen wir wie 1 zu 15, und der Preis des Silbers so sehr sank, daß sich das Feinsilber zum Feingold verhielt wie 1 zu 16. so wurde es rentabel. Silbermünzen in kolossalen Mengen auszu- prägen und damit Goldmünzen zu kaufen, die so aus dein Verkehre verschwanden. Diese Mißstände waren die Ursache, daß man fast über- all von der Doppelwährung zur mehr oder minder strengen reinen Gold- Währung übergegangen ist. Nun hat aber der Krieg die entgegen- gesetzte Preisbewegung des Silbers entstehen lassen. Die irierita- niscben Silberminen geben seit langem nur ein geringes Erträgnis. Nach den Ländern, die noch die Silberwäbrung haben, wie China, Indien und Aegypten, flössen gewallige Silbermengen ab. Schließ- lich wurde Silber auch für industrielle Zwecke verwendet. So kam es, daß da? Kilo Silber heute im Ausland 366 M. kostet«Höchst- preis für Deutschland 175 M.). Darum ist der Gedanke auf- getaucht, in Deutschland große Silbersammlungen neben den Goldsammlungen zu veranstalten und Silber auszuführen. Man schätzt die erzielbare Menge auf 566666 Kilogramm und glaubt, durch diese Ausfubr ein Guihaben im Auslande von 156 Millionen Mark schaffen zu können, das zur Bezahlung ausländischer Waren ohne Angebot von Marknolen sehr erwünscht wäre. Jene Länder, welche Silberwäbrung haben, oder in denen Silber in großen Mengen gewonnen wird, haben jetzt, wenn man so sogen darf, aoldcne Zeiten. DaS sind in erster Linie China, dessen Tael von 2,46 Mark auf 5 Mark im Werte gestiegen ist, und Mexiko, das vielleicht infolge seiner großen Silberichätze zu einer Reorganisation seiner ganzen Staatswirtschaft kommen kann. Der russische Zusammenbruch und die Entente. Der russische Zusammenbruch wirkt nicht nur politisch und militärisch katastrophal auf die Entente, sondern auch finanziell. Frankreich, England und die Bereinigten Staaten haben Milliarden- Guthaben in Rußland, die zum Teil in englischer, französischer oder amerikanischer Währung rückzahlbar und verzinsbär sind, zum Teil aber auch in russischer Währung. Nun zahlte man für 16 Pfund Sterling(266 Marl) im Frieden etwa 96 Rubel, heute zahlt man 250. Aber dieser hohe Preis des Sterlings bezw. niedrige Preis des Rubels ,st künstlich festgesetzt. Nach dem Korniiowschen Staatsstreich stieg der Preis von 16 Piund Sterling auf 400 Rubel oder mit anderen Worten, der Wert des Rubels ist auf 25 Proz. seines Friedenswertes gesunken. Die Folge Iii eine ungeheuerliche Entwertung aller englischen, französischen und ameri- kanischen Guthaben in Rußland, die auf Rubel laute» und rn Rubel verzinslich sind. Auch die englischen Fmanzblälter gestehen zu, daß die russischen Konten abgeschrieben werden müssen: es ist aber fraglich, ob alle Firmen dies können oder ob wenigstens einige an dem russischen Zusammendrucke selbst zusammenbrechen. Aus dem Berliner Wirtschaftslebe«. DaS Stahlwerk Becker in Willich, das sein Aktienkapital iin Vorfahr von 8 auf 16 Millionen Mark erböht bat, verteilt 25 gegen 36 Proz. Dividende. Dieses Stahlwerk hat sich durch Herstellung von Oualitälsstahl im Kriege ganz außerordentlich erholt, wenn sich auch infolge der außerordentlich großen Erweiterungsbauten eine gewisie Anspannung der Bilanz zeigt. Doch dürften stille Reserven in großem Umfange vorgenommen worden sein. Das Wert hat sich auch in Beilin niedergelassen. Der Geschäftsbericht teilt mit, daß die Abteilung Reinickendorf(früher Albert FeSca u. Co., A.-G.) mit Beginn des neuen GeschästsjabreS den vollen Betrieb aui- genommen hat und zunächst der Herstellung automatischer Waffen dient. Der Auftragsbestand ist doppelt so groß wie im Vorjahr. Eingegangene vruckschristen. Mitteilungen aus Spauieu. Heft 1. Organ der Arbeitsgemeinschaft deussch-spanischer Gesellschaften. KricgStarle: Die Cssensive 1917. Blatt 3. stwu Osten 5« bis Lille. 30 Ps. Militärische VcrlagSanstalt, München. Die ilSohnungsfrage vor und nach dem Kriege. Von Karl Johannes Fnchl 1 M. Dimcker u. Humblot, München und Leipzig. Afrikanische Kriegsziele. Von Davis Trietsch. IM M. Verlag Süsserott G. rn. b. H» Berlin. Die deutschen Bauern in Südruftland. Von E. Schmid-München. 1 M. Deutsche Landbuchhandlung, Berlin. Das Topprlgesicht. Von Emo Descovich. 3 M. Karl SicgiSmund, Berlin. Luther. Dramatische Dichtung von Paul Friedrich Schröder. 75 Pf. Hermann Kalkoff, Berlin. Die deutsche BolkSeruährung. Bon R E. Mav 5 M Duncker u. Humblot, München und Leipzig. Tie dcutiche Auslandsschule«nd die Borbildung ihrer Lehrer. Don Fr. v. Borstel. C. Boysen, Hamburg. Das Verbrechen am Verbrecher. Dr. R. Butzmaun 2,70 M. Max Drechsel, Bern. Das Berffcherungsgesetz für Angestellte. 60 Ps. Verlag von Frcdebeul u. Äacnen, Essen. Ein Kampf um die Scholle. Von Jean Paul v. Ardeschuh. Eugen DiederichS, Jena. Fachblatt für Holzarbeiter. Auguft-Hest. VerlagSanslalt dcS Deulichen Holzarbeiter-VcrbandeS, Berlin. Polen, Völler- und Länderkunde von Dr. E. Zioicr. 6 M. A. Perthes. Gotha. Rudolf Kjclleu. Studien zur Weltkrise. Autoriitcrte Hebers ehung von Dr. Fr. Stieve. Preis 3,60 M. Verlag Hugo Bruch mami� München. Zum Weltkrieg. Von Dr. Karl Peters. 3 M. Rusch'sche Verlags« buchbandlung, Hamburg 33. Hindcnburg als Geiicralftadschef im Spiegel der grasten Zeit. Don Ernst Waller. 1 M. A. Wehlhorn, Charloilenburg. Der bcwustte Jemand. Von Adolf Paul. Komödie. 2. M. Albert Langen, München. LcranUvoriljch für Politik: Erich Suiiner. Berlin: für den übrigen Teil des BlolieS: Alfred Scholz, Neukölln: für ynterale: Tb. O-loctc, Berlin. Druck u. Verlag: WorivärtS Bumoruckerei u. VerlagsanstaU Paul Cinger& 6o» Berlin SW. Hierju 2 Beilagen im» Unteryallungsdliui. Nr. 263 ❖ 34. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts vkenstag, 25. September 1417 Die nächsten Aufgaben öer Partei. Referate zum Würzburger Parteitag. ?er dierte Punkt der dorlZufigen Tagesordnung des Würzburger Parteitages lautet bekanntlich:.Die nächsten Aufgaben der Partei." Um eine gründliche Diskussion zu ermöglichen, ist das unabsehbar weite Gebiet in vier Teile zerlegt worden: 1. D e m o k r a t i s i e r u n g; 2. Die nächsten Ausgaben der W ir t s ch a f t L p o l tti k; 3. Finanz- Politik, und 4. Unsere nächsten sozialpolitischen Aufgaben. Die Referenten, die Genosten Dr. Otto Lands- berg, Heinrich Cunow, Wilhelm Keil und Rudolf W i s s e l l, haben diesmal' ihre Berichte schriftlich eingereicht, die ersten drei geben wir hier im Auszug wieder. Auch das vierte Referat, das des Genossen Wissest über Sozialpolitik, wird noch rechtzeitig veröffentlicht werden. Die Erörterung der Referate auf dem Parteitag wird mit einer zusammenfassenden Rede des Genossen Scheide- tnann beginnen. Demokratisierung. Referent Genosse Dr. Ott- Landsberg. Deutschlanid braucht Demokratie, um leben zu können. Wir sehen uns überall in der Welt von einem Ozean von Hah umbrandet. Fast jeder der wenigen noch neutral gebliebenen Staaten leitet ihm mehx oder weniger stattliche Ströme zu. Wenn ein Staat nych dem anderen auf die Seite der Entente tritt, obwohl die Art, wi« ihr Haupt, England, den Seekrieg fuhrt, mit den schwersten Wirt» schaftlichen Schäden für alle Neutralen verbunden ist, so kann dies« Erscheinung nicht mit der„Allgewalt der englischen Lüge"' erklärt werden. Sicher verfolgen die herrschenden Klaffen in allen den Staaten, die ihre Neutralität mit der Parteinahme für die Entente vertauscht haben, eigennützige Eroberungszwecke. Aber dah die breiten Massen überall ohne Widerstreben sich in den Kriegs- strudel hineinziehen lassen, sie, die immer und überall geschlagen werden, wenn si chdie Staaten bekriegen, beruht auf dem Bilde, da? man sich allenthalben von unseren innerpolitischen Zuständen macht und machen kann. Man sieht die militärische und wirtschaftliehe Tüchtigkeit des deutschen Volkes. Man vergegenwärtigt sich die Zuruckgebliebenheit setner Verfassung, die alle' Ge- Walt in die Hände einer schmalen Schicht und der aus ihr hervor- gegangenen Obrigkeit legt, und man fühlt sich bedroht. Denn' man zieht aus der Tatsache, daß eine aufs höchst« gesteigerte Volkskraft von einer herrsck>gewohnten Kaste, deren Pläne man nach zahlreichen aufsehenerregenden aggressiven Aeußer-ungen beurteilt, nach Be- lieben bywegt werden kann, den Schlusi, dass der Weltsrieden nicht eher gesichert ist, bis Harmonie zwischen der tatsächlichen Kraft und der politischen Macht de» deutschen Volkes be- fleht. Und ein solches Vorurteil richtet sich gegen ein Volk, dessen Friedensliebe schon dadurch gewährleistet Wieb, datz es die stärkste sozialdemokratische Partei hat, und dessen v.on politischer Klarheit entferntere Schichten bei Wahlen nicht wirksamer zur Stimmabgabe für reaktionäre Parteien veranlaßt werden können, als durch das von diesen zu agitatorischen Zwecken beschworen« Gespenst eines Krieges! Wir können unter dem Pe st hauch d«S Hasses der Welt nicht leben, und wir können ihn nur oa- durch bannen, daß das deutsche Volk die Besttm» Mung seines Geschicks selbst in die Hand nimmt. Deutschland braucht Demokratie, um leben zu können.' Wi« sollen wir die ungeheuren Verluste an geistiger Kraft, die der Krieg verursacht hat, ersetzen können, wenn die Besetzung der Führerposten der Nation auch fernerhin einer kleinen Volksschicht überlassen bleibt, die sich mit Notwendigkeit als«in« dafür nicht ausreichende Basis erweisen muß, und wenn auch in Zukunft wertvoll« Kräfte, die man in der Stunde der Not zu wecken und zu mitzen verstanden bat, abgestoßen und zur Verkümmerung verurteilt werden I Die Demokratie weiß, daß di« Völker der Führer auf dem Wege zur Kultur nicht entraten können. Aber sie hast den Zustand, daß in« Anwartschaft auf die Führerstellen auf den Standesämtern liegt, für unsittlich und darum für unmöglich. Sie weiß, datz, solange Deutschlands bisherige Verfassung bestehen bleibt, an dem System der Aechtung aus Gründen der Klasse, der Nationalität, der Kon- fession nichts Wesentliches geändert werden kann. Eine Privi- legiertenschicht, die das Heft im Staat in der Hand hat, di« sich für den Staat hält, die sich auf das Volk nur besinnt, wenn sie eS braucht, wird stets bestrebt sein müssen, die Volksmassen an die Kette zu legen; sie mutz ihiyen den Aufstieg zur Gleichberechtigung versagen, weil es sonst mit ihrer Herrschaft vorbei ist. Und der Obrigkoitsstaat, der sich mit einer solchen Schicht auf Gedeih und Verderb verbünden hat, mutz in dasselbe Horn stoßen wie sie. Ueber- dauert der Druck, der auf dem politischen Leben Deutschlands lastcft, den Krieg, so kommt zu der furchtbaren Gefahr des Hasses der Welt gegen Deutschland die furchtbarer« hinzu, daß die Massen des deutschen Volkes, die diesen Krieg nicht nur zur Abwehr der äußeren Feinde, sondern auch zur Eroberung der Freiheitim Innern führen, das Interesse am Staat verlieren. Der Druck im Innern würde dem Hasse im Ausland« Aussicht auf Verwirklichung seiner Ziele machen.... Was braucht daS deutsche Bolk u« Ref-rme«? Wir Sozialdemokraten wissen, daß die voll« Demokratie hie Beseitigung der Klassengegensätze zur Voraussetzung hat. Immer- hin ist auch im Rahmen dieser Gegensätze ein beträchtliches Maß von Volksgeltung zu erreichen. Die arbeitend« Klasse eines Staates, der in seinen Angehörigen Bürger und nicht Untertanen sieht, der ihrem friedlichen, gewaltsame Mittel ablehnenden Streben nach Ueberwindung des Prinzips des wirtschaftlichen Individualismus durch das des Sozialismus keine Hindernisse bereitet, wird sich als Teil ihres Staates betrachten und ihr Alles daran setzen, ihn zu erhalten und zu fördern. Zu einem solchen Staat, der mit dem ihn bildenden Volk ein« Einheit ist, wollen, wir Deutschland machen. In einem Staate, der nichts anderes ist, als das durch die Ver- fassung organisierte Volk, ist kein Raum für ein persönliches Regi- ment. Die Politiker der Rechten betonen immer wieder die Not- wendigkeit einer starken Monarchie und bezeichnen Bestrebungen, die auf eine Erweiterung der Volksrechte abzielen, alz unvereinbar mit einer starken Königsgewalt. Eigentümlicherweise zeigt die Ge- schichte, daß noch jeder preußische Monarch, der eine wirklich kraft- volle Persönlichkeit gewesen ist, schwere Kämpfe mit diesen Vor- kämpfern der Monarchie zu führen hatte, deren Verehrung monarchi- scher Herrschgetvalt danach rein platonisch zu seiu scheint. ES ist nicht wahr, daß starke monarchische Gewalt ein schwaches, an Rechten armes Volk zur Boraussetzung hat. Wirklich stark ist nur der Monarch, der an der Spitze eines freien, mit dem Staat zu einer Gin- heit verbundenen Volkes steht. Stark ist der Monarch, der die Mi- nistervergntwortlichkeit nicht alz Feigenblatt für sich in Anspruch nimmt, sondern sich gegenwärtig hält, datz sie ihm di« größte persön- liche Zurückhaltung zur Pflicht macht. Welchen anderen Inhalt hat die Einrichtung � der Minfftervevantwortlichkeit,«ls den, daß die poli-ttschsn Entschewunge« von Pen leitenden Staatsmännern, mcht vom Monarchen selbst zu treffen find! Die Ministerverantworkkich- keit ist ein« Unwahrheit, wenn sie zur Berschleierung anders gearte- ter tatsächlicher Verhältnisse dient. Wirklich stark ist der Monarch, der nicht in den Tageskämpfen Partei ergreift. Und am stärksten ist der Monarch, der, wenn der von ihm geleitete Staat eine repu- blikanifche �Verfassung hätte, die Aussicht haben würde, mit er- drückender Mehrheit zu seinem Präsidenten gewählt zu werden. Parlamentarisches Regiernngssystem. In einer Verfassung, wie wir sie erstreben, muß die E n t sch e i- dung über Krieg und Frieden der Volksvertretung über- lassen sein. Kanu die Berechtigung dieser Forderung deutlicher be- wiesen werden, als durch die Erfahrungen dieses Krieges? Die Völker brauchen und ersehnen einen Frieden der Verständigung. Die Staatsmänner lehnen«s entweder ab, diesem Ziel« nachgu- gehen, oder sie schlagen ungeeignet« Weg« zu ihm ein. In einem Parlament, das, wie der Deutsche Reichstag, die Führung auf dem Pfade zu einem Frieden ohne Annexionen und finanzielle Verge- waltigiingen an sich gerissen und daS damit bewiesen hat, daß eS die Notwendigkeiten der Zeit und der Völker besser verstanden hat, als die Staatslenker, mutz eine Mehrheit vorhanden sein, die es ab- lehnt, die Entscheidung über die wichtige Frage im Leben der Völker bei einigen wenigen Männern zu belassen und es dem deutscheu Volke ermöglicht, sie durch seine Vertretung zu treffen. In einem Staat, wie wir ihn erkämpfen wollen, kann kein anderes als das parlamentarisch« Regierungssystem herrschen. Di« Gewähr für persönliche Tüchtigkeit der leitenden Staatsmänner ist die denkbar größte, wenn ihre Ernennung auf Vorschlag einer zur Mehrheit gelangten Partei oder einer Gruppe von Parteien erfolgst, die dringend daran interessiert sind, keinen Mißgriff zu begehen, und die auf Grund einer langen politischen Tätigkeit ihrer Führer ein klares Urteil über ihr« Befähigung haben. Und welche Fülle von Macht fließt für den Staat aus der Tatfache, daß«in« feste Mehrheit hinter seinen leitenden Männern steht! Das Niederd-rüclendste an der Adlon-Affäre war, daß Männer, denen man alle möglichen Defekt«, bloß nicht einen Mangel an Klugheit und Kenntnis der tnnerpolitischen Verhältnisse unseres Landes vor- werfen kann, den Weg unsauberster Hintertreppen für geeignet halten konnten, um den Sturz des leitendem Staatsmannes herbeizuführen. Ist es etwa«in Zeichen von Sicherheit und Festig- keit der innerpolitischen Verhältnisse, wenn durch künstliche Herbei- führung eines Zwistes zwischen der obersten Zivil- und der höchsten Militärgewalt ein Wechsel in der Person des leitenden Staats« mannes und im politischen System herbeigeführt werden kann? Und spricht es für Solidität der politischen Verhältnisse/ wenn mitten im Weltkriege an die Spitze eines großen, in schwerer Gefahr befindlichen Volkes ein Mann treten kann, von dessen Kandidatur niemand eine Ahnung hatte, der niemals mit auswärtiger Politik sich beschäftigt bat und dessen Stellung zu den mit dem Kriege zu- sammenhangeuden Fragen völlig unbekannt ist, der eS auch nicht für nötig gehalten hat, sich vor der Annahme de? Amte? darüber zu unterrichten, ob er und seine politischen Anschauungen daS Ver- trauen der Volksvertretung haben? Man fragt sich, welches der Rechtstitel sein mag, auf Grund dessen ein solcher Mann erklären kann, datz er sich die Führung nicht aus der Hand nehmen lasse, da doch die erst« Voraussetzung einer führenden Stellung ein führender Geist ist. Ueiber die Wirkung der Verleihung ein«? Amtes auf die Einsicht de? Ernannten sollt« man sich keinen über- triebenen Vorstellungen hingeben. Und dient es etwa den Interessen de» Volke» und de? StaoleS, wenn e» Konventikeln von tu jeder Be- ziehung unverantwortlich handelnden Personen beinahe gelingen konnte, auf den bei den in Deutschland zurzeit bestehenden Verhält- nissen besonders tznchtigen Posten dcS Staatssekretärs des Aus- wärtigen Amtes«inen Mann zu bringen, dessen Ernennung die KrieySstimmuny in einem der mit uns im Kampf« liegenden Lander bis zur Siedehitz« hätt« steigern können I In unserer Zeit der Ersatzmittel kst mau tu Deutschland auf den Gedanken verfallen, auch einen Ersatz für das Pariamen- tarische Regierungssystem herzustellen. Er besteht darin, daß man einige Parlamentarier an die Spitze böchster Reichs- und Staats- ämter gestellt hat; so hofft man, sich die Unterstützung derjenigen Fraktionen zu sichern, aus denen diese Männer hervorgegangen sind. Auf diesem Weg« kann die Volkskrast nicht in di« Zentralstellen übertragen werden. Männer, di« durch die Ernennung zu Mi- nistern aus dem parlamentarischen Leben ausscheiden und alte Herren ihrer Fraktionen werden, verlieren di« Fühlung mft ihnen. Der Wert des parlamentarischen RegiernngSsystemS liegt gerade in der Personalunion, barin, daß die Leiter der Parlamenismehrheit eS sind, die di« StaatSgeschäfte führen. Di« Zeit ist nicht fern, in der man die Kunde von der Art, wie bisher in Deutschland und Preußen Staatsmänner entstanden sind, für ein Märchen halten wird. Wir Sozialdemokraten stnd uns darüber klar, daß durch Per- fassuugSbestimmun>gen ein persönliches Regiment so wenig auSge- schaltet wie das parlamentarische Regievungssyftem eingefiihrt wer- den kann, und daß die Umwandlung des Kasten- und ObrigkeitS- staateS in den Staat, der nichts anderes ist als di« Gesamtheit seiner Bürger, diese llnUvandluna, die zur Voraussetzung wie zur Folge die Beseitigung des persönlichen Regiments und die Schaffung des parlamentarischen Regierurajsfystems hat, nicht das Ergebnis der Erweiterung der ReichSversassung um einige Paragraphen sein wird. Besäßen wir diese Klarheit ntcht, ein Blick auf den Artikel 4 der preußischen Verfassung würde sie uns beibringen. Wie schwer ist eS, den Ernst zu bülXchren, wenn wir seinen prachtvollen Wort- laut lesen:„Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich StandeSvor- rechte finden nicht statt. Di« öffentlichen Ämter sind unter Einhaltung der von den Gesetzen festgestellten Bedingungen für all« dazu Befähigten gleich-zugänglich" Nein, das Ziel unseres Stre- ben? kann nicht sein, Bestimmungen in di« Reichsverfassung auf. zunehmen, deren Widerspruch zu den tatsächlichen Verhältnissen dem Spott neu« Gelegenheit zur Betätigung gibt. Und ebensowenig können uns Versprechungen genügen, die zwar deutlich erkennen lassen, daß diejenigen, die sie geben, sich in der Stund« der Not klar geworden sind über die begeisternde Wirkung, die dem Gedanken der Demokratie eigen ist, aber nach den Erfahrungen der Bergangen- heit kein« unbedingte Gewähr dafür bieten, daß diese Erkenntnis länger als di« Not, die sie erzeugt hat, andauern wird. Die Er- füllüng unserer Sehnsucht hängt davon ab, datz der Will« deS Volke? sich in Reichund Staat und Gemeinde rein und un- verfälscht zum Ausdruck bringen kann. Ei» von allen Einschränkungen freies gleiches Wahlrecht z« allen Körperschafte« würde das Streben, das das Volk bewegt und ihm die Zukunft so schön erscheinen läßt, daß es die bitter« Gegenwart zu ertragen vermag, über alle Widerstände hinweg zum Siege gelangen lassen. Freies, gleiches Wahlrecht würde Mehrheiten in den parlamentari- scheu Körperschaften schaffen, die alles das hätten, waS sie haben wollen, die mit' allen Privilegien aufräumen, di« die.Machtmittel des Staates in den Dienst des Volkes stellen, die die Einheit zwischen Staat und Volk herstellen kömits« und würd«. Wir fordern für alle Wahl«: Hc-»abs»tzuna der iiShcrigsn Mtersgreny«, weil wir«towgoRgt fped, daß die SrDftmg ixS. mit politischer Bildung durch di« Verknüpfung des Wahlrecht? mit dem Beginn der Zeit der Reife gefördert wird. Wir foodern das aktive' und passive Wahlrecht für die Frauen, weil der Gedanke des Fvauenwaylrechks sich in der. Kultur Geltung verschafft hat, und weil wir nicht wollen, daß Deutschland hinter England und-Rußland zurückbleibt. Die Frau hat das gleiche Interesse an-Krieg und Frieden, an freiheitlichen Einrichtungen, an Steuerfragen wie der Mann. Di« Phrase, daß sie in? Haus gehört, kayn nach den Erfahrungen dieses Krieges nur noch aus dem Munde eines Denkunfähigen kommen. Niemand, der dem Verdacht völliger Urteilslosigkeit entgehen will, wird eS wagen, sich zu der Ansicht zu bekennen, daß die Frau gegenüber dem Manne geistig minderwertig ist. Keiner der Gründe, die gegen daS Frauen. Wahlrecht ins Feld geführt werden, ist stichhaltig. WA fordern di« Einführung des Verhältniswahl- rechts, weil die Parlamente ein Spiegelbild des VolkskörpcrS fein sollen, toeil wir nicht wollen, daß irgendein« im Volke Vorhan- oene beachtliche politische Strömung von der Vertretung in den ge- setzgebenden Körpern.ausgeschlossen ist. Und wenn wir nicht alle dies« Forderungen schon jetzt durch- setzen k.önk'.en, so haben wir jedenfalls daran niemals einen Zweifel aufkommen lassen, daß ein« Wahlreform, die uns nicht eine auf dem Prinzip der Gleichheit beruhende Neuewteilung der Wahlkreise im Reiche und da? ReichstagStvahlrecht in den Einzelstaaten bringt. von gnS nicht einmal als eine Ab schlag Szahlu yg, sondern als eine V e r hö h n'u ng des Volkes betrachtet werden würde, dem man voll« politische Gleichberechtigung versprochen hat. Ein Pluralwahl- recht, das nach dem Erlaß des Deutscheu Kaisers und Königs von Preußen vom 11. Juli d. I. abgetan ist, würde da? Mißverhältm? zwischen Leistungen und Rechten des Volke« auf das stärkst« in die Erscheinung treten lassen und könnte niemanden befriedigen. Un.d das gleichergilt von einem versteckten Pluralwahlrecht, wie es in der jetzigen Einteilung der-Reichstagswahlkreise enthalten ist. Wenn für ein Klassenwahlrecht in Deutschland kern Raum mehr ist, muß ««ch die Bsvorzuguug der. überwiegend landwirtschaftlichen östlichen Wahlkreise mit �geringer Einwohnerzahl gegenüber den großstädti- scheu Riesenwahlkreisen aufhöben. Wenn für sin Klassenwahlrecht in Deutschland kew Raum mehr ist, muß durch die Reichsgesetzgebung, wenn kein. weitergehendes, so zum mindesten das jetzt im Reiche geltende-Wahlrecht für die W a h- le.n zu den einzelstaatlichen Parlamenten einge- führt werden. Die formelle' Befugnis der Reichsgesetzgebung zu dieser Reform wird von keinem Sachkenner in Ziverfel gezogen. 'Die materielle ergibt sich daraus/ daß die volle pöli tische Gleichbe- rechtigung aller Schichten des deutschen Volkes eine Lebensnot- wendigkezt für Deutschland ist, und daß eS darauf ankommt, diese Notwendigkeit auf der Linie des geringsten Widerstandes zu ver- wirklichen. In der Vergangenheit haben sich die aus rückstaMgen Wahlsystemen hervorgegangenen Mehrheiten des preußischen und sächsischen Landtages sowie anderer bundesstaatlicher Parlamenie zur Lissung der WahlrechtSfrage Unfähig gezeigt. Man'erfpar« sich und ihnen di« Probe daxauf, ob der Weltkrieg ihnen die Augen geöffnet hat. Wir Sozialdemokraten, haben verlangt, daß der Verfassung?- auSschutz des Deutschen Reichstags sich zunächst der.L ö su ng d e r W a h I r echts f rag t in Reich und Einzelstaaten al? der wich- iigsten politischen Frag« zuwende. Die Mehrheit des Ausschusses lehnte dies ab. Sie hielt es für angebracht, in erster Reihe die ReichSversassung in anderen Beziehungen zu modernisieren. Mit allen yegxn die konservativen Stimmen faßte der Ausschuß sodann eine Anzahl von Beschlüssen, deren sinchtigste die Einführung der Verantwortlichkeit der Staatssekretär«, das Erfordernis' der Mit- Wirkung de? Kriegsministers bei der Ernennung der Offiziere und Militäbeamten de? preußischen Kontingents Ulid den Ausbau des I rnmun itä tsrechts der Reichstagsabgeordneten'betreffen. Die? sind gewiß keine Diilg« von erschütternder Bedeutung. Ilm so bezeichnender war der Sturmlauf, den die Konservativen im Verein mit dem' Vertreter des Reichskanzlers, dem Ministerialdirektor Dr. Le-' Wald, gegen die Bestrebungen der Mehrheit des- Ausschüsse? unter- nahmen. Die ganzen Debatten hatten, so wenig ihr Gegenstand es rechtfertigte, daß die Tätigkeit des Ausschusses mit ihnen begann, das eine Gut«, datz sie jedem.ehrlichen Reformer in bürgerlichen Kreisen di« Unmöglichkeit«ine? Zusammengehens mit den Konser- .vativen klar machten. Wi« sehr überschätzt man. die um Hehdebrand, wenn man ihnen staatsmännische Befähigung zutraut! Was ihnen eigen ist, ist lediglich der Wille, von ihren Vorrechten kemeS fahren zu lassen. Zu dem Verlangen, daß der Wunsch des Reichstags dem Reichskanzler den Rücktritt von feinem Amte zur Pflicht' machen müsse, konnte sich die bürgerliche Mehrheit des Ausschusses nicht aufschwin- gen. Wenig« Wochen danach erlangten die Nationalliberaten im Hauptausschuß dcS Reichstags den Rücktritt des Reichskanzlers und hat das Zentrum zum Ausscheiden des Herrn von Bethmann Holl- weg aus seiner Stellung beigetragen, indem es ihn wissen ließ, daß er das Vsctrauen der Zentrumsfraktion nicht mehr habe. Bei der Verhandlung über die Wahlrechtsvorlag« im- Ver- fassungSatiSschutz zeigte /ich ein« bedenkliche Rückständigkeit der bür- gerlichen Parteien. Vom Frauenwahlxecht wollten. sie so wenig wissen wie von der Herabsetzung des Wahl recht Salters und von der Verhältniswahl. Nur die großstädtischen Niesenwahlkreise sollten nach dem Willen des Ausschusses, der sich mit dem der Regierung insoweit deckte, ein« Reihe neuer Mandate erhalten, waS zu einer Vermehrung der Zahl'''" muß. Damit ssc'' Kreisen daS Berhältnisivahlrecht,._________ rücksichtiguno der bürgerlichen Miiiderheiteu gestattet, Die Tätigkeit des VerfassungsausschusseS war bisher rr! cht geeignet, die Bekenner demokratischer Anschauungen zu befriedigen, Aber die Lauheit der bürgerlichen Parteien des Ausschusses ist nicht imstande gewesen, Schaden anzurichten. Dazu ist im Lande die Ueberzeuguna von der Notwendigkeit einer völligen Umkehr unseres RogierungSsystcms zu sehr befestigt und' verbreitet. Früher stand die Sozialdemokratie allein, wenn sie sagte:„Der Imperialismus hat uns-in den Krieg hineingehe-tzt,-die Demokratie muß uns von ihm befreien, Sie verlangß daß mau sie nicht erst zum Löschen heranholt, wenn das Haus in Flammen steht, ihrem Schutz muß sich vielmehr das deutsch« Volk in Zukunft anvertrauen, wenn es sein staatliches Leben unter dem Segen des Frieden? so führen will, daß es ihm möglich ist, all« fein« Kräfte zu entfalten." Jetzt ist diese Anschauung Gomeiugut der breiten Massen des Volles geworden. Sie hat sich, selbst auf Parteien übertragen, die früher von einer Vermehrung der Volwgeltung nichts w-lssen wollten. Unter, dem Drucke, der aus der durch das Volk gebenden Bewegung stammi, mußte die Regierung nachgeben. Der Erläß des Königs von Preußen vom 11. Juli 131?,» der da? preußische Ministerium anweist, dem Preußischen Abgsordnetnhause eine auf Einführung des.g sei ch e n Wahlrechts in Preußen abzielende Gesetzesvorlage sp zeitig zu unterbreiteu, daß die nächsten Wahlen unter der Herrschaft des neuen Wahlgesetzes stattfinden können, d. h, im kommenden Herbst, beweist es. Die Verheißung des gleichen Wahlrechts war fchon im ersten Entwurf der' Osterbotschaft enthalten gewesen, aber wieder gestrichen worden. Wenige Monate später mußte sie ver.- kündet wenden. Und nun steht der Anfang der Dsqcoiratisierung S>vHschik»ds fewwt, Dte Tag« des bisherig«! preußischen Wahl, rechts sind gezählt. �Und Sachsen, Mecklenburg, Vraunschwelg, An- halt, Schwarzburg- Soichcrshauscn usw. werden an ihren rnckstän» digen Wahlrechten nicht festhalten tonnen, wenn für die Wahlen zum Preußischen Abgcordnetcnhause das gleiche Wahlrecht cinge� führt ist. Das gleiche Wahlrecht in Preußen wird die Bahn für die Temotratie in Deutschland frei machen. Es wird die politische Erziehung der zu politischem Einfluß gelangten Wähler mächtig fördern, es wird zur Beseitigung der ersten Kannnern führen, deren Dasein mit der Vernunft im Widerspruch steht. Es wird der shste matifchcn Durchkreuzung der Reichspolitit ein Ende machen, die vom reaktionären preußischen Zlbgcordnetcnhause ausgegangen ist. Es wird die Durchführung der uneingeschränkten Selbstverwaltung in Stadt und Land ermöglichen, ohne die wahre Demokratie nicht denkbar ist. Es wird die Regierung im Reiche und in Preußen aus einem Hindernis zu einem Bollstrecker des Voltswillens machen. Es wird diefenigen Ar bei tergr u ppen, denen die Ausübung des elementarsten Mcnschcnrcchis, des Rechtes der Vereinigung zum Zwecke der Ver- bessernng der Lohn- und Arbeitsbedingungen, bisher vensagt war, von den sie drückenden Fesseln befreien helfen. Es wird eine aus- viärtige Politik ermöglichen, deren oberster Grundsatz die Her- Uellung und' Befestigung brüderlicher Beziehungen unter den Völkern ist. Ter Gedanke der Demokratie ist auf dem Marsche. Sein Sieg kann nur durch die Uneinigkeit des arbeitenden Volkes in Frage gestellt werden. Wer die Kraft des Proletariats durch Spaltungs- bestrebimgcii schwächt, arbeitet der Reaktion in die Hände. Die Blutspfcr des Krieges haben die Notwendigkeit der Demokratie zu tentlich bewiesen, als das, ein Zweifel an dem Willen des Volkes, kc durch Zusammenfassung seiner Kraft durchzusetzen, anftommett liiniite. Di Ür a Aufgaben öer Referent Genosse Heinrich Cnnow. Das kapitalistische Wirtschaftsgetriebe hat im Weltkriege eine vollständige Ilmschaltung erfahren. Die Zufuhr einer Reihe der wichtigsten Rohstoffe und Lebensmittel hörte schon bald nach Kriegs- beginn ans, während zugleich die Ausfuhr deutscher Fabrikate nach dem Auslände eine starke Einschränkung erlitt. Diese Unterbrechung der'Handelsverbindungen traf Deutschland um so schwerer, als es sich in den vier Jahrzehnten seit dem deutsch-französischen Kriege zu einem der ersten Industriestaaten der Welt entwickelt hatte und in dem Jahrfünft vor dem Kriege durchschnittliich jährlich für 4627 Millionen Mark reine Rohstoffe, ohne Halbfabrikate, und für 2362 Millionen Mark Äahrnngs- rind Genußmittel, ohne lebendes Vieh, aus dem Auslände bezogen hatte, dem eine Aussuhr von ungefähr 5480 Millionen Mark fertiger Waren gegenüberstand. Zudem wurde der Produktion der verschiedenen Gewerbezweige und der Landwirtschaft plötzlich ein großer Teil der Arbeitskräste entzogen und ferner der Warenversand infolge der Inanspruchnahme der Eisenbahnen und sonstigen Transportmittel durch die Heeresver- waltung immer wieder gestört. Die nächste Folge des Krieges konnte unter diesen Umständen nur eine schwere Erschütterung des ganzen Wirtschaftslebens sein; doch gelang es der Industrie, sich nach und näch den neuen Pro- duttions- und Absatzbedingungen anzupassen, indem sie sich auf i>en veränderten Bedarf des Inlandsmarktes und die rasch steigenden Ansorderungen der Hcercewerwaltung einrichtete und die knapp werdenden Roh- und Halbstosse, soweit möglich, durch Ersatzstoffe ergänzte: eine Anpassung, die vielfach die völlige Uniänderung der Betriebs- und Arbeitsweise sowie der technischen Einrichtungen er- forderte. Zugleich sah die Staatsverwaltung, �gezwungen durch die ivirtschastliche Notlage, sich genötigt, in das freie Spiel der Wirt- schastlichen Kräfte einzugreifen und Anleihen beim sozialistischen Organisationsprinzip zu machen: den Lebensmittel- und Rohstoff- verbrauch zu rationieren sowie Reglementierungen der Waren- Erzeugung und des Warenhandels vorzunehmen. Die heutige Wirtschaft ist demnach eine auf den Kriegsbedarf eingestellte anormale Wirtschaft: eine Anpassung an den Kriegszustand. Daraus ergibt sich, daß nach dem Kriege eine erneute Um schal t ung nötig ist: Die Rückkehr zur Friedenswirtschaft. Diese Wiederumschaltnng kann nicht der privaten Initiative üher. lassen bleiben; denn Antrieb«nd Regulator der Privatwirtschaft sr der Profit, nicht der Nutzen der Gesamtwirtschaft und der großen Volksmasse. Gerade im Interesse der schwächeren und ärmeren Volksschichten liegt es. daß dem Uebergang zur Friedenswirtschaft der Weg geebnet wird, das heißt der Uebergang planmäßig ohne tiefere Erschüttevung des ganzen Evwerbslebens erfolgt. Neb crgan gswirtschaft. Unter den verschiedenen Einzelproblemen der Kriegswirtschaft ist vielleicht das wichtigste, die g e n üg e n d e B e s cha f f u n g von Rohstoffen, denn infolge des langen Krieges ist der Roh- siossvorrat Deutschlands sehr zusammengeschmolzen. Ohne Roh- sloffe kann aber die deutsche Industrie ihren früheren Betrieb nicht wieder ausnehmen nnd weder den Inlandsmarkt versorgen, noch die während des Krieges verlorengegangenen Absatzmärkte wieder- gewinnen. Die Heranschaffnng der Rohstoffe ist jedoch nm so schwie- rigor, als sich aus dem ausländischen Ltohstoffmarkte während der Kriegsjahre mannigfache Verschiebungen vollzogen haben. Es haben sich leineswegs, wie oft angenommen wird, aus den großen Stapel- Plätzen bedeuteirde Rohstoffmengen angehäuft, und soweit solche Vorräte vorhanden sind, befinden sie. sich meist in Feindeshänden. Vornehmlich hat England einen großen Teil der wichtigsten Roh- stoffvorräte in seinen Kolonien aufgekauft und aufstapeln lassen. Demnach ist nach Friedensschluß-mit einer großen Nachfrage auf dem Nohstoffmarkt, mit Preistreibereien und Spekulationen so- genannter Händlerringe zu rechnen, denen nur- durch organisierten Einkauf begegnet werden kann. Aehnlich steht es mit der Lebensmitteleinfuhr nach dem Kriege. Auch im neutralen Auslände hat der Weltkrieg die Preise vieler Lebensmittel stark in die Höhe getrieben; eine Massen- ausfuhr aus den neutralen Staaten würde daher, falls sie nicht von den betreffeicden Regierungen verboten würde, weitere Preissteige- rangen, und soweit Deutschland in Betracht �kommt, eine weitere Entwertung der Währung, also eine noch größere Vermindung der Kaufkraft unseres Geldes, nach sich ziehen. Zugleich gilt es, den jetzigen Tiefstand der deutschen Valuta durch Förderung der Ausfuhr solcher Artikel, die aus den Auslandsmärkten nach dem Kriege sehr begehrt sein werden und die Deutscblaud im Ueüerfluß zu erzeugen vermag, möglichst bald zu befeitigen. Finanztecknisch- Maßnahmen allein genügen nicht. Zwar wird sich, sobald Deutschland nach dem Kriege wieder auf breiterer Basis mit dem Auslände in Handelsbeziehungen treten kann und sein Wechselkurs nicht mehr bloß an einigen nebenfäch. lichen Devisen, sondern wieder an den Welkdevisen gemessen wird, von selbst eine allmähliche Gesundung einstellen; aber ihr kann und mutz durch eine geschickte Regulierung der Zahlungs- bilanz nachgeholfen, werden. Eine der ersten Vorbedingungen für solche Wiederbclebrrng des deutschen Wirtschastskörvers ist die ausreichende Leistung s- fähigkeit der deutschen Handelsflotte. Die starke Nachfrage nach Waren aller Art, die nach dem Kriege einsetzen wird, erfordert auch einen größeren Schiffsraum. Tatsächlich wird aber nach dem Kriege die Wclthandelsflotte viel weniger leistungsfähiger sein, als vorder. Besonders gilt das von der deutschen Handels- marine, die im Kriege über zwei Millionen Bruttotonnen verloren hat, während über 1 Million Tonnen in fremden Häfen Unterschlupf gefunden haben, die meist erst nach gründlichen Reparaturen wieder in die Fahrt eingestellt werden können. An Arbeitskräften für den wirtschaftlichen Wiederaufbau wird es. sobald die zur Fahne Einberufenen wieder in die Heimat zurück- kehren, nicht fehlen. Weit eher ist, da sich zunächst die Industrie erst wieder den veränderten Produktionsbedingungen anpassen mutz, und es vorerst nock an Rohstoffen fehlen wird, eine Ueber- füllunz des. Arbeitsmarkte Kohmdrü ckcxL! und in manchen jetzt brachliegenden Industrie- und Handelszweigen eine starke Arbeitslosigkeit zu befürchten— ein Zustand, der nm so trauriger für die Arbeiter- schaft sein würde, als voraussichtlich ohnehin.die Löhne schneller fallen werden, als die Preise mancher notwendigen Lebensmittel. Daher muß auch die Unterbringung der Arbeiter in passenden Ar beitsstellen planmäßig durchgeführt werden. Aus dieser Notwendigkeit einer allmählichen, organisierten Ueberleitung der jetzigen Kriegswirtschaft in die zukünftige Frie- denSwirtschaft ergeben sich für die sozialdemokratische Arbeiterschaft folgende, in meinem Parteitagsreserat näher erläuterte und be- gründete Forderungen: 1. Planmäßiger Einkauf, Einfuhr und Verteilung der frem den Rohstoffe durch fachkundige Rohstoffeinkaufs- und Vertriebs gesellschaften unter staatlicher Aufficht. Festsetzung von Einfuhr großpreisen und Regelung der Verteilung bis auf die den be- treffenden Rohstoff verarbeitenden Fabriken.' 2. Ebenso muß die Einfuhr der Nahrungsmittel, der Futter mittel und der fremden Fabrikate geregelt und unter staatlicher Aufficht stehenden kaufmännischen Einkaufs- und Vertriebsorgani scrtionen übertragen werden. Die Rationierung der wichtigsten Lebensmittel muß vorläufig unter Festsetzung von Höchstpreisen bestehen bleiben. Die Einfuhr von Delikatessen und entbehrlichen teuren Gemtßmitteln sowie von industriellen Luxusartikeln ist weiterhin aufs Aeußerste zu beschränken. 8. Zur Hebung der deutschen Valuta ist nach dem Kriege die Ausfuhr von deutschen Fabrikaten möglichst zu steigern. Außer- dem müssen die deutschen Guthaben nn Auslande flüssig gemacht, in deutschen Händen befindliche fremde Wertpapiere nach dem Auslände abgestoßen und, soweit das zu einigermaßen guten Be- dmgungen möglich sein sollte, kurzfristige Anleihen an den fremden Hau ptban kplätzen ausgenommen werden. 4. Zur Wiederherstellung der deutschen Handelsflotte sind unter bestimmten Bedingungen, die dem Staat eine Miivcrfügung über Schiffsraum, Ladung und Fahrtrichtung sichern und dem wirtschaftlichen Volksinteresse genügende Garantien bieten, den Reedereien ans Reichsmitteln Entschädigungen zu zahlen und Schiffsbaudarlehen vorzustrecken. Am besten wäre die Bereinigung aller großen SchiffabrtS- Unternehmungen zu einem unter StaatSaufficht stehenden totyn* dikat, da die Regierung in diesem Fall nicht nur übertriebenen Frachffcstsetzungcn hemmend enigcgcnznwirlen, sondern auch eine gewisse Gcwinnbcteillgung des Staates durchzuführen vermöchte. 5. Die zur Fahne einberufenen Arbeiter und Angestellten dürfen nach Friedensschluß nicht nach rein militärischen Gesichts- punkten ohne Rücksicht auf die Lage des Industrie- und Arbeits- Marktes entlassen werden. Durch örtliche und Provinziale, unter Leitung staatlicher Arbeitszentralen stehende Wirtschafts- oder Arbeitsämter, zu denen sowohl Vertreter der Unternehmer- als der Arbeiterorganisationen hinzugezogen werden, ist festzustellen, ivelche und wieviele Arbeitskräfte in den einzelnen industriellen Bezirken gebraucht werden. Diese Aemter haben auch die Ar- beitsvermittlung zu übernehmen und sich mit den Militärbehörden über die Entlassungen zu verständigen. Di« Arbeiter, die in Pri- vatbetrieben kein Unterkommen finden, sind vorläufig mit ihrem Arbeitsvermögen angemessenen Staats- und Gemeindearbeiten zu beschäftigen. 6. Die deutsche Arbeiterschaft fordert, sowohl im Beirat des Reichskommissariats fiir Uebergangswirtschaft, als auch in den staatlichen Leitungs- und Auffichtszentralen eine entsprechende Vertretung, und zwar nicht nur insoweit, als reine Arbeiterfragen in Betracht kommen, sondern was die ganze organisatorische Wiederumschaltnng des Wirkschaftsgctriebes anbelcmgt.ö Ferner darf die Durchführung der Uebergangswirtschaft nach dem Aufhören der am 4. August 1314 dem Bundesrat erteilten Kriegsvollmachten nicht den: Gutdünken des Bundesrais und der Militärdiktatur überlassen bleiben; es müssen vielmehr für ste gesetzliche Unterlagen geschaffen, d. h. gesetzlich bestimmte Einrich- tungen getroffen und für diese Derhaltungsvorschristen festgelegt. werden. Monopol-, Handels- und Zollfragen. Ist auch die planmäßige Ueberleitung der Kriegswirtschaft in die Friedenswirtschaft zunächst das dringendste Problem unserer Wirtschaftspolitik, so ergeben sich doch schon fiir die nächste Zeit aus der veränderten Wirtschaftslage noch vcrschiedelce andere schwierige Aufgaben; denn während einerseits viele Industriezweige während des Krieges eine bedeutende technische Umwälzung erfahren und eine Schulung in der modernen Massenfabrikation durchgemacht haben, haben andererseits die Konzentrations- und Kartellierungs- bestrebungen neue Anstöße erhalten. Und mächtiger noch als in der Industrie wird sich voraussichtlich die Konzentrations- und Mono- polisiernngstendenz im deutschen Bankgewerbe erweisen, sobald nach dem Kriege das Deutsche Reich wie die Einzelstaaten und Gemeinden sich zur Aufnahme größerer Anleihen gezwungen sehen werden und zugleich Industrie, Handel und Transportgewerbe zum Zweck des wirtschaftlichen Wiederaufbaues ihre Ansprüche an das Bank- gewerbe stellen. Zudem erfährt der Außenhandel eine starke Umgestaltung. Durch den Weltkrieg hat Deutschland eine ganze Reihe seiner ftem- den Absatzmärkte verloren. Sie zurückzugeivinnen, wird vielfach ehr schwer halten, da inzwischen die ausländische Konkurrenz sich >ort festgesetzt hat. Ueberdtes kann es heute bereits als ziemlich icher gelten, daß mit dem formellen Friedensschluß der Wirtschafts- krieg mit England und seinen Kolonien nicht aufhören wird, viel- leicht auch nicht mit den Vereinigten Staaten von Amerika und mit Frankreich, mögen auch in die Fnedensvereinbarungen allerlei chöne Handelszusicherungen Aufnahme finden. In England ist die seit Jahrzehnten geplante„Imperial Federation", die Vereint- gung des englischen Mutterlandes mit seinen selbständigen Kolonien zu einer Art Reichswirtschasts- und Zollverband im Werden be- griffen und wird höchstwahrscheinlich bald nach Friedensschluß zu- 'tandekommen. Aus dieser WirtschastSumwälzung ergeben sich verschiedene weitere Forderunge» für die deutsche Sozialdemokratie, von denen hier als die wichtigsten zu nennen sind: 1. lleberführung der privaten Jndustriemonopole in Staats- Monopole, vornehmlich des gesamten Bergbaues, der Roheisen- und Rohstahlproduktion sowie der Rüstungsindustrie. 2. Erweiterung der Staatsaufficht über die Banken. Er- richtung von staatlichen Bankkommissariaten. Weiterer Ausbau der Reichst ank und Vermehrung ihres Einflusses auf das private Bankgetriebe. 3. Abschliestung von Handels- und Zollverträgen mit Oester» veich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei, in denen die vier Ver- bündeten sich gegenseitig besondere Handels- und Zollvorteile zusichern. 4. Abschluß günstiger Handelsverträge mit Rußland und Ru- mänien beim Friedensschluß, die diese beiden Mächte dem mittel- europäischen Wirtschaftskomplex angliedern. 5. Als Vorbedingung für die Herstellung solcher Handels- beziehungen eine Aenderung der bisherigen deutschen Zollpolitik, welche die Absperrung des deutschen Inlandsmarktes durch hohe Lebensmittelzölle beseitigt, zumal ohnehin der Preisstand vieler Bodenerzeugnisse sich noch Jahre hindurch ans einer außergewöhn- lichen Höhe hasten wird. An Aufgaben, Arbeit und Kampf wird es demnach in der kam- wenden neuen Wirtschaftsära nicht fehlen. Aber ohne Kampf keen Fortschritt. Die deutsche Sozialdemokratie muß beraus aus ihrer nur zu oft fast rein negativen Beharrung, ihrem Hängen an alten durch die Entwicklung überholten Illusionen und Formeln, heraus zu rsalpolitischer Mitarbeit am Wiederaufbau des Zerstörten auf besseren wirtschaftlichen Grundlagen und in besseren Formen! Die Arbeit, die gefordert wird, ist Vorbereitungsarbeit für eine frohere, gesichertere Zukunft. Iinanzpolltik. Referent Genosse Wilhelm Keil. Die Ausgabe, für die Kriegskosten Deckung zu schassen, läßt sich in ihrem ganzen Umfange erst übersehen, wenn der Krieg zu Ende ist. Solange der Krieg fortdauert, wachsen nach dem gegenwärtigen Stand der Ausgaben jeden Monat 3 Milliarden Mark Schulden hinzu. Am Jahresschluß 1317 wird das Deutsche Reich rund 100 Milliarden Mark ftir die Zwecke des Krieges ausgegeben haben. Diese Summe ist gcncz durch Anleihen aufgebracht. In ihr spiegelt sicb aber noch nicht die gesamte finanzielle Last, die der Krieg dem deutschen Volke aufbürdet. Tie Summen, die von den Bundes- staaten, Provinzen, Gcmeurdeverbänden und Gemeinden für die Zwecke der Kriegsfürsorge aufgewendet werden, kommen hinzu. Allein die Aufwendungen für die reichsgcsetzlichc Unterstützung der bedürftigen Familien zum Militär eingezogener Mannschaften, die von den Lieferungsverbänden auf Rechnung des Reichs beschafft werden, dürsten sich ans etwa 3 Milliarden belaufen. Nur 600 Millionen sind davon vom Reich bis jetzt zurückerstattet. AuS der Schuldenlast von 100 Milliarden ergibt sich eine Zins- Pflicht in Höhe von 6 Milliarden jährlich. Würde man sich aus eine Schuldentilgung von 1 Proz. festlegen, so käme ein jährlicher Ein- nahmebodarf von 1 Milliarde iährlich hinzu. Ferner sind die Ein- nahmen zu beschaffen für die Aufwendungen an Pensionen, Renten, Unterstützungen ftir Kricgsinvalide, Kriegswitwen und-Waisen. Der hierfür erforderliche Betrag, der während des Krieges aus Anleihe- Mitteln bestritten wird, künftig aber durch laufende Einnahmen gedeckt werden muß, dürfte nach dem Stand am Anfang des vierten Kriegsjahres auf annähernd 4 Milliarden jährlich zu schätzen sein. Das ergibt zusammen einen jährlichen Mehraufwand des Reichs von etwa 10 Milliarden Mark, ohne die Aus- gaben für Wiederinstandsetzung der Friedcnswirfichaft und für die großen sozialpolitischen Aufgaben, dre nicht vernachlässigt werden dürfen. In welchem Maße die Summen weiter wachsen, hängt von der Dan« des Krieges ab. Keine Kriegsentschädigungen. Bei der militärischen, politischen und wirtschaftlichen Gesami- lage kann mit Kriegsentschädigungen nicht gerechnet wer- den. Eine Abwälzung der Kriegskosten der einen Mächtegruppe auf die andere ist nicht mehr denkbar. Unverantworilich wäre es daher auch, um der Fata Morgana der Kriegsentschädigung willen den Krieg mit seinen unermeßlichen Menschen- und Geldopfern fort- zusetzen. Klärend gewirkt hat der Reichstagsbeschlnß, daß mit dem von ihm erstrebten Verständigungsfrieden politische, loirtschaftliche und finanzielle Vergewaltigungen unvcreindar sind. Die Bedeutung der Summen, die künftig vom deutschen Volke aufzubringen sind, tritt noch schärfer zutage, wenn man ihnen das deutsche Volksvermögen und Volkseinkommen gegenüberstellt. Stein- mcmn-Bucher schätzt das gesamte Volks vermögen einschließlich des im Besitz öffentlicher Körperschaften befindlichen auf 400 Milliar- den. Mehr als ein Viertel dieses Volksvermögens ist durch die Kriegsschulden verpfändet. Von den Schulden des Reichs und der Bundesstaaten trafen vor dem Kriege auf den Kopf der Bevölkc- rung etwa 316 Mr., am 1. Januar 1318 wird jeder Bewohner des Reichs durchschnittlich mit ettva 1800 Ml. Reichs- und Staatsschulden belastet sein. Das gestnntc deutsche Volks einrommen wurde 1313 auf 40 Milliarden berechnet. Davon wurden etwa 23 Milliar- den für den Verbrauch, 6— 7 Milliarden für öffentliche Zwecke und 8'bis 8l- Milliarden zur Kapitalbitduug verwendet. Die gesamten Steuereinnahmen aller öffentlichen 5lörperschaf!en Deutschlands be- trugen 1313 5078,7 Millionen Mark(ohne die Evloerbseinkünfte). Künftig werden sie 16 bis 16 Milliarden betragen müssen. Die Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes hat aber durch den Krieg eine Verminderung erfahren. Der Krieg hat ein gewaltiges Heer von tüchtigen Menschen vernichtet, ein zweites Heer vermindert Leistungsfähiger geschaffen, die Geburtenzisser gewaltig herabgcdrückt, den Ernährungszustand des ganzen Volkes verschlech- tert, alle Waren- und Rohstoffvorräte verschlungen, Produktions- und Verkehrsmittel abgenützt, den Grund und Boden Weniger ergiebig lverden lassen, den Viehstand reduziert, alle Handelsbezichun- gen mit dem Ausland zerstört und keine guten Anssichten auf bal- dige Wiederanknüpfuna der Fäden des WeltiocrrenverkehrS eröffnet. Die geschwächten Kräfte der Arbeiterklasse bedürfen im Interesse der Gesamtwirkschaft der Erholung und Stärkung. Darum muß die Sozialdemokratie alle Kräfte aufbieten, um vom Boden der gegebenen Verhältnisse aus bei der Lösung des großen Problems der Kriegskostendeckung Einfluß zu gewinnen und auszuüben. Sie darf sich nicht an doktrinäre Formeln klammern, sondern muß bei der Lastcnverteilung praktisch mitarbeiten, um die Arbeitskraft, den wertvollsten Bestandteil des Volksvermögens, gegen Ueberlastung zu schützen. Kriegssteuern. Die Steuerpolitik des Reiches während des rieges hat diesen Anforderungen nicht entsprochen. Obgleich sie im Gegensatz zur englischen Finanzpolitik darauf verzichtete, einen Teil der Kriegskosten sofort durch Steuern zu decken, und sich aus die Beschaffung der Mittel beschränkte, die zur Verzinsung der rasch wachsenden Kriegsschuld nötig sind, ist sie doch zu sehr empfind- lichen Belastungen des Massenbedarfs und des Massenverkehrs gc- schritten, einer systematischen Besitzbesteuerung aber aus dem Wege gegangen. Die Besteuerung des im Kriege erzielten Vermögens- zuwachses stellt keine dauernde Besitzbelastung, sondern im Ivescnt- lichen nur die Zuräcksorderung eines Bruchteils der lleberprofiie dar, die von den Kriegslieferanten auf Kosten der Volksgesamtheit erzielt werden. Auf die im Kriege eingeführten Massenverbrauchs- und Vcrkehrssteuern muß zurückgegriffen und ihre Ersetzung durch gerechte und wirtschaftlich zweckmäßige Steuern muß gefordert wer- den, wenn es das große Finanzgebäude der Zukunft aufzurichten gilt. Dann wird unsere Forderung der stufenweis steigenden Ein- kommen»-, Vermögens- und Erbschastsbesteuerung an Gewicht gewinnen. Vermögensabgabe. Die erste Aufgabe nach dem Kriege wird sein, eine Gene- raliuvenkur aller Vermögen anzuordnen und alle wäh- rend des Krieges gewachsenen Vermögen aus den Stand vor dem Kriege zurückzuschneiden.' Die Schicht der Kriegsgewinner verdankt ihren unerwartet gewonnenen Reichtum der Verarmung und lieber- schuldung des Reichs und der breiten Volksmassen. Das normale Rechts- und Moralgefühl lehnt sich gegen die Wertverschiebung und -Konzentration, die der Krieg bewirkt, auf. Es erkennt auch den Rechtfertigungsgrund nicht als durchschlagend an, daß die Krieg»- gewinner dem Vaterlande große Dienste geleistet hätten. Die Front- soldaten haben größeres geleistet wie die Kriegsgewinner nnd bc- kommen doch keinen Dank in klingender Münze; eines großen Teils derselben harrt vielmehr nach Friedensschluß der bittere Kamps um eine kärgliche Existenz. Viele von den Glücksrittern des Krieges aber haben skrupellos die Widerstandskrast des Vaterlandes bewußt geschwäckt, nur um die eigenen Taschen zu füllen, der nachsichtigen Göttin Justitia verdanken sie es, daß sie das Zuchthaus nur mit dem Aermel gestreift haben. Die Kapitalbildnng als unentbehrliche Voraussetzung der wirtschaftlichen Entwicklung wird durch die Zu- rückforderung der Kriegsvermögensgewinne nicht beeinträchtigt. Denn die so der Reichskasse zufließenden Summen dienen zur Zu- rückzahlung von Kriegsschulden und fließen damit sofort wieder in den Produktionsprozeß zurück. Erreicht aber wird, daß das Reich einen Teil seiner Sckuldenlast und damit die Zinsenpflicht für diesen Teil abschüttelt. Wird diese Forderung auch bei allen auf kapi- talistischc Grundsätze eingeschworenen.Politikern auf schärfste u Vidsrstnnd stotzeri, fo muß ft-e dock bort der Sozialdemokratie mit EnischiÄenheit vertreten werden. Tenn die einschließlich des 1317 beichlojsenen Zuschlags von 6 bis 63 Prozent ansteigenden Steuer- laße dcS Krieassteuergesetzes sind viel zu mild. Je schärfer die Bs- steuert! ng der Kriegsgewinne oestaltet wird, in desto größerem Maße wird die Äermögensverschrebung wieder ausgeglichen, die der Krieg bewirkt bat. Ein solcher Ausgleich ist wünschenswert in Rücksicht auf eine weitere Maßnahme, die ebenso wie die Zurücksührung der Kriegsgewinne in die Reichskasse der«sch u lde n ab b ü rd u n g zu dienen hat. Diese weitere Maßnahme ist ein« allgemeine Ver- mögcnsabgabe. Solange den Vcrmögenseinbußen, die ein Teil der Beuölkerung im Kriege erlitten hat, große Vermögens- gewinne anderer Teüc der Bevölkerung gegenüberstehen, kann der Einwand der ungleichen und unbilligen Wirkung gegen eine solche Abgabe erhoben werden. Dieser Einwand verliert in dem Maße an Gewicht, in dem die Kriegsgewinne in die Hände des Reichs, d. h. der Boiksge meinschart zurückgeleitet werden. An der©chuldenab- bürdung ist die Arbeiterklasse deshalb stark interessiert, weil es immer wieder der Ertrag ihrer Arbeit ist, aus dem die den Reichs- gläubiger» zufließende Kapitalrente bestritten wird, und weil der Arbeiterklasse selbst von dieser Summe bestenfalls nur Brosamen zufallen. Aber auch in bürgerlichen Kreisen findet die rasche Ab- bürdung eines erbeblichen Teils der Reicksschuld beredte Anhänger. Die Kreditfähigkeit des Reiches bedingt eine solche Äbbürdung. Es liegen bereits Vorschläge vor, die dahin zielen, eine 5— Wprozentige Abgabe von allem Privatvermögen— unter Freilassung der kleinsten � zu erheben, um mit dem Ertrag derselben 33 bis 43 Milliarden Reichsschulden rasch aus der Welt zu schaffen. In demselben Sinne bat sick unsere Fraktion im Reichstag wiederholt ausgesprochen, und in dieser Richtung wird sie weiter arbeiten müssen. Direkte Steuern. Werden nun durch Äriegsgennnn- und allgemeine Vermögensabgabe wirklich im ganzen 53 Milliarden Mark schulden getilgt, so bleibt die Zins- und Tilgungspflicht für die anderen 53 Milliar- den bestehen, dazu die Verpflichtungen gegenüber den Opfern des Krieges. Etwa 7 Milliarden werden dann noch an laufenden Mehr- «innahmen nötig sein. Es ist unmöglich eine solche Summe auf- zubringen, ohne die direkten Steuern im großen Umfang in den Dienst des Reiches zu stellen. Tie Kapitalbildung wird als Vorbedingung des wirtschaftlichen Fortschritts auch von uns aner- kann!, sie darf aber, zumal unter den durch den Krieg geschaffenen Verhältnissen, nicht gefördert werden durch Schonung der am gerechtesten wirkenden Steuerarten, sondern durch eine scharfe Aus- acstaltung derselben, die den unwirtschaftlichen Luxuskonsum der Besitzenden einzuschränken geeignet ist. Tie Bundesstaaten müssen ibren Widerstand gegen die Beteiligung des Reichs an den direkten Steuern ausgeben. Den Bundesstaaten sollen ihre Einnahmen stimmte, deutlich ausgesprochene Programmpunkte cineS demokrati- schen und sozialen Fortschritts sichergestellt sind.> 27. Hamborn: Solange das gegenwärtige halbabsolutistische System besteht, ist jede Beteiligung an einem Ministerium seitens sozialdemokratischer Parteimitglieder, weil für die Partei schädigend, zu unterlassen. 28. Wismar: Der Parteitag wolle beschließen, die sozial- demokratische Fraktion im Reichstags zu beauftragen, dahin zu wirken, die Mecklenburgische Verfassungsfrage im Reichstage auf Grundlage des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts zur Verhandlung zu bringen. 2S. Magdeburg: 1. Der Parteitag wolle beschließen: Parleivorstand und ReichStagSfraklion mögen alle Kraft einsetzen, daß der Belagerungszustand aufgehoben wird. 2. Der Porteilag wolle beschließen: Parteivorstand und Reichs- tagsfraktion wollen dahin wirken, daß die Arbeiterschutzbestimmungen bald wieder in Kraft gesetzt werden. 30. KH ln: Der Parteilag ersucht den Parteivorstand, unsere parlamentarischen Fraktionen, Presie und Parteiorganisationen, sich mit der Lage der Staats- und Gemeindeb�amten zu beschäftigen. Insbesondere sind den Fragen der Besoldung, der Arbeitsweise und der Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. 31. Frankfurt a. M: Der Parteitag beschließt: Partei- vorstand und Reickstagsfraktion sollen von der Reichsregierung eine völlige Amnestie und sofortige Freilassung aller wegen politischer Vergehen verurteilten und inhaftierten Personen verlangen. Der Parteitag ersucht ferner den Parteivorstand, auch auf eine solche Amnestie hinzuwirken, die alle diejenigen umfassen soll, die in einer durch die Kriegsverbältnisse hervorgerufenen Notlage straf- bare Handlungen begangen haben. 32. Grünberg: Die Konserenz deS Kreises Grün« berg-Frehstadt ersucht den Parteitag, im Hinblick auf die Kricgserfabrungen die Reickstagsfraktion zu beauftragen, in der bevorstehenden parlamentarischen Winter-Kampagne die Fragen des Normalarbeitstages und der Minimallöhne durch Einbringung von Initiativanträgen ihrer gesetzlichen Verwirklichung näherzubringen. 33. Bremen: Der Sozialdemokratische Partciverein Bremen ersucht den sozialdemokratischen Parteitag, durch Beschlußfassung darauf einzuwirken, daß die Kriegsbeschädigten-Fürsorge und die Fürsorge für die Kriegshinterbliebenen bei ihrer gesetzlichen Neu- regelung der Reichsversicherung und ihrem Rechtsverfahren unter- stellt wird. !V. Die nächsten Aufgaben der Partei. 34. Stuttgart: Der Parteitag möge die Einsetzung einer Kommission beschließen, die einen in volkstümlicher und packender Sprache gehaltenen Entwurf eines Aktionsprogramms der deutschen Sozialdemokratie auf der Grundlage der heutigen, durch den Krieg geschaffenen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse so rasch als möglich auszuarbeiten, zu veröffentlichen und den Parteiinstanzen zur Beschlußfassung zu unterbreiten hat. 33. Hamburg III: Der Parteitag beauftragt den Partei- vorstand, geeignetes Studienmaterial über die Kolonial- und Wehr« machtsfrage herauszugeben, durch das den Parteigenossen die Er« fahrungen des Weltkrieges auf diesem Gebiete bekanntgegeben und sie instand gesetzt werden. Stellung dazu zu nehmen. Bei dem Neuaufbau unsere? politischen Lebens ist die einheitliche Stellung der Partei nötig, um unsere Forderungen durchzusetzen. 36. Teltow-Beeskow: Der Parteilog möge den Partei- borstand beauftragen, aus dem Kreise der Parteigenossen unverzüg« lich eine handelspolitische Kommission zu berufen. Derselben sollen als besondere Aufgaben zugewiesen werden: 1. Die Sammlung von Material zur Abwehr aller Bestrebungen im In« und Ausland, die darauf gerichtet sind, nach Beendigung des Waffenkriegs einen Wirt- schastskrieg herbeizuführen. 2. Die Sammlung von Material als Grundlage für die Stellungnahme der Partei beim Äbickluß von Handelsverträgen. Das Studium der miueleuropäischen WirtschaitS- annähenmg.— Falls von feiten der freien Gewerkschaften ein Kommission mit gleichen oder ähnlichen Aufgaben eingesetzt werden sollte, ist der Parteivorstand ermächtigt, einer Zusammenlegung beider Kommissionen zuzustimmen. Organisation«nd sonstige Anträge. 37. Hamburg III: 1. Der Z 21 des Organisatianssiaiuts wird dahin geändert: Der Parteiausschuß berät und beschließt gemeinsam mit dem Parteivorstand...... Die Worte:... und gibt durch. Beschluß sein Guiachten ab, werden gestrichen. 2. K IIa. Ein Mitglied des Parteivorstandes, das sich Hand- lungen zuschulden kommen läßt, die das Parteiinteresse schädigen oder mit demselben unvereinbar sind, kann auf Beschluß der Konlroll- kommission von seinem Amt enthoben werden. Die endgülnge Ent- scheidung trifft der nächste Parteitag. 8. ß 22a. Scheidet ein Mitglied der Kontrollkommission. vor- zeitig aus,.so hat der Parteiausickuß nach Anhörung des Partei- Vorstandes und der Kontrollkommission eine Ersatzwahl oorzu- nehmen. 4. Dem§ 23 ist anzufügen: Ein Mitglied der Kontroll- konimission, das sich Handlungen zusckulden kommen läßr, die das Parteiinteresse schädigen oder mit demselben unvereinbar sind, kann auf Beschluß des Parieiausschusses von seinem Amt enlhoben werden. Die endgültige Entscheidung trifft der nächste Parteitag. 38. Meißen. Der Parteitag wolle beschließen, der Partei- Vorstand wird beauftragt, innerhalb eines Jahres nach Friedens- schluß für die Abhaltung eines deuischen öffentlichen Sozialisten- kongresses zu sorgen. Zur Tagesordnung desselben soll stehen: Das Parteiprogramm und die Parteiorganisation. 3S. Teltow-Beesko w: Der Parteitag möge erklären. daß bei weiteren Ersatzwable.n zum Reichslage und Landlagen das bisherige Verfahren, in allen Fällen den Besitzstand der Parteien anzuerkennen, nur gegenüber jenen Parteien und Kandidaten inne- gehalten wird, die in den Fragen der inneren Reform und des Kriegszieles dem Linksblock angehören. Wiederaufnahme in die Pariei: 40. Hermann Spahn, Grööa. 41. Karl Besser, Hagen i. W. 42. Eugen Haueisen, Neukölln. Berlin, den 2S. September 1917. Der parteivorstanö. für dke klug wählende Frau, wenn sie beabsich» iigh die notwendige Erneuerung oder Er» gänzung ihrer Garde« robe vorzunehmen Königflraße 33 �lhausseestraße 113 äa Sabnhvt Stitmderptaä. etttüwr SatatA Direktion: Max Reinhardt. Oeotsehes Theater. 7 Uhr: Nenoinstudiert: Der lebende Leichnam. Mittwoch: Dantons Teck K amm erspiele. 8 Uhr: Fasching:. Mittwoch 7 Vs Uhr: Der Tater. Volksbühne. Theater am BUlowplatz. Untergrandb. Schönh. Tor. 7'/«: tuni Mittwoch: Dir. C. Meinhard— B. Bernauer. Theater i-Königgrätzerstr. Uhr: Totentanz 1. Teil. Komödienhaus 71/, Uhr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 71/, U.: vle tolle Komteß. Dar erfolgreiche Eröftnongs-Spielplan Dam: 9 Uhr abends Pantomime in 12 Bildern von Karl Vollmoeller Letzte Saison In Berlin. Anfang 8 Uhr. Das große anerkannt einzig dastehende Zirte-Sport-Propm. Nadchura exotischer Dressur-Akt. 8 Franconis 8 u. die weiteren Schlager. Zum SchlnC: Parforcejagd. Theater f&r Dienstag, 25. September. Deutsches Opernhaus Metropol-Theater TH.ubr: Die MasfllrstiiL Uhr HoIImsDPsErziiuDgen. Friedrich- Wilhe'tmst. Theater Wohltfitigkeite-Verstellung. u/iühr: Das öreiiÄrlte. Kleines Theater r-f. uhr: ßirger Seblppel. Komische Oper M�Scliwimalto&iteL Lustspielhaus _,„ Die blonden MSdels U/.Dhr: vom mnijenhof. Neues Operettentiaus Sohifibd. 4a. Kftssent.Nd.281 Tv.uhr: Der Soldat Warfe. Resldens-Theater Tuvhr: Dyderpotts Erteil. Schiller-Theater O 7ftfuhr; Gespenster. Schliler-Th. Charl.- 7«,, uhr: Die Distel. Thalia-Theater X1* Uhr r,<: Egon DDd seine Frauen. Theater am Nollendorfplatz 7',. vw- DieOulasetikanflne. Theater des Westens 7v.uhr:Der?erlielitE Serzog mit Guido Thielscher. MTlOhl-fHEiTER 'Iß Cöpenicker Str. 68.'/ß Der groste Schlager! Dasisldielielr..! Operettenposse in S Akten. Musik von Walter Bramme. Trisnon-Thester Georgenstr., Bhf. Friedrlchstr. i/,8 U. Allabendlich'Iß U. Der LebensscbQIer. Schanspiel von Ludwig Fulda. Kaiser-Titz, Ida Wüst. v.Möllendorf� Kettner, Flmk. Sonntag 3'/,: Johannisfeuer. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich'/.« Uhr: Wtrllicher Humor I Gr. Erfolg I Die Schlagerposse Heiraten mußte! Vorher der neue bunte Teil Sonnt. 4 Uhr: Guste, die Perle. Admirals-Palast. »le JVovItiU Abrakadabra GroCes phantastisches Ballett auf dem Else. T'l, U. VorzBgl. Küche. Berliner Konzertliaiis M&uerstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Heute; Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters Leiter: Komponist Franr von Blon. Anfang 7 Uhr. Eintritt SO Pi Anfang 7 Uhr. 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ApgehBtigc lechnlschei BeruJst U.Handwerker sollen nicht versäumet� Ihre Kenntnisse und Fertigkeiten dei kommenden Zeit amupassen, um teil» zunehmen an den wirtschaftlichen Hr« folgen, die naturgemäß da» Ergebnil des gewaltigen Ringens sein messen. Das beste Mittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht eine gründliche Ausbildung in technischen Wissenschaften zu erwerben, sind die technischen Selbstunterrichtswerke„Syst. Kam acki Hachfeld". 80 S. starke Ern u l i e r u n g die erste Etappe zu dem Eingeständnis, daß Deutsch- land de» Krieg gewollt habe. Seit der deutschen Antwort auf die FriedenSnole Wilsons vor neun Monaten bätlen die Mittelmächte noch immer nichts gelernt. Im übrigen sei ihre Art und Weise nicht dazu angetan, das Mißtrauen der Ententemächte zu zer- stören.„Matin" erklärt, man könne sich keine hohleren Er- klärungen denken; sie enthielrcn nur platonische Phrasen uud Beteuerungen der Friedensliebe, die durch keinerlei Beweise erhärtet würden. Vergeblich suche man in der Antwort Ausführungen über Belgien, Serbien, Polen und Elsaß-Lo- t h r i n g c n. Die Alliierten handelten klug, indem sie genau an ibren im Dezember bekanntgegebenen Kriegszielen festhielten. „Petit Parisien" sindct den Hauptfehler der Noten darin, duß sie die wichtig st en Aufgaben des Völkerrechts und die Forderungen der Gerechtigkeit über- gehen; weder Belgien noch Elsaß-Lothringen seien erwähnt.—„Echo de Paris" schreibt: Die Mittelmächte hüllen sich stets in Schweigen, sobald sie über ihre Absichten befragt werden. Die Schlacht muß ihren Fortgang nehmen. —„Jntransigeant" findet, die Note lasse sich in die Formel zusammenfassen: Die Alliierten sollen zuerst sprechen. Die Mittel- mächie tun nicht den gering st en Schritt zum Frieden.— Herbe in der„ V i c t o i r e" erklärt, man spreche schon viel zu viel vom Frieden und wenn man dem deutschen Volke die I l I u- s i o n erhalte, daß die Entente aus Gutmütigkeit einUn- entschieden annehmen müsse, wenn Deutschland noch einige Zeit Widerstand leiste, so verlängerten die Schwätzereien über den Frieden nur den Krieg. Italienische Stimmen. Rom, 23. September.(Stefanimeldung.) Die hiesige Presse verhält sich gegenüber den Antwortnoten der Mittelmächte scharf ablehnend. Jede Ausficht auf eine friedliche Verständigung s e i geschwunden, nur der Sieg der Alliierten könne noch den Frieden bringen. Die Blätter heben hervor, daß auf die vom Papst gestellten Fragen nicht geantwortet werde. Den Beteuerungen der Mittelmächte hinsichtlich ihrer Bereitschaft zur Einschränkung der Rüstungen und der Anerkennung von SchiedS- gerichlcn dürfe man keinen Glauben schenken, wenn man bedenke, wie sich die Mächte bisher zu diesen Fragen gestellt haben. Die Antwort der Mittelmächte sei negativ dem Wesen nach und heuchlerisch in Form und Ton. Bern, 23. September.„Giornale d'Jtalia" schreibt: Man kann Männern, die den Begriff vom Fetzen Papier aufbrachten und Regierungen, die die Gewalltätigkeit zum Shstem ausbauen, nicht trauen. Mit der ewigen Erklärung des Wunsches nach Frieden kommt man nicht weiter. Man wolle klare Bedingungen. „Messagero" schreibt: Deutschland und Oesterreich-Ungarn wollen mit dieser öffentlichen Darlegung ihre Untertanen überzeugen, daß die Kriegsschuld einzig der Entente zufällt.(Vgl. dagegen das vom„Temps" aus der Note konstruierte Schuld- eingeständnis Deutschlands l Red.)„Corriere d'Jtalia' sagt: Die Antwort verschweigt wahrscheinlich die Kriegsziele in der Annahme des inneren Widerstandes in den Ententeländern- Dies geht aus den deutschen Zeitungen hervor, die dieser Tage von einer Revoulution in Italien und einer schweren Schwächung der öffentlichen Meinung Frankreichs gesprochen haben. Die Berliner Diplomaten täuschten sich aber wie die Zeitungen, deren Informationen falsch sind.„Tribuna" erklärt: Man weiß nicht, welche Schlußfolgerungen man auS den neuen Schriststücken ziehen kann. Man kann höchsten« daraus ersehen, daß die Anregung des Papstes das große Wunder, endlich die Mitielmächte dazu zu bringen, ihre Pläne und Absichten bekanntzugeben, nicht einmal im Anfangsstadium er- reicht hat. „Corriere della Sera" schreibt unter dem Titel:„Die Antwort, die nicht antwortet": Die Mittelmächt« haben auf die wichtigsten Punkte in der päpstlichen Note überhaupt nicht geantwortet. Der Kanzler rühmt die guten Absichten des Kaisers, vergißt aber, von Belgien, Serbien und Polen zu sprechen. Auch über die Rechte Frankreichs, Italiens und Serbiens wird kein Wort verloren. Kaiser Karl küßt, anstatt zu antworten, den päpstlichen Pantoffel.„Popolo d'Jtalia nennt die Antwort zynisch.„Jtalia" schreibt: Aus der Antwort kann man leider nichts herauslesen, als eine allgemeine Zustimmung zum päpstlichen Borschlag, „Secolo" schreibt: Die Schriftstücke enthalten nnr naive Faseleien. Deutschland, das sich im Haag immer geweigert hat, die Frage der Abrüstung und der Schiedsgerichte z« erörtern, stimmt heute dem Gedanken einer Herabsetzung der Rüstungen und der Schaffung eineS Schiedsgerichts bei. Falls dies aufrichtig ge- meint ist, könnte man sagen, die westlichen Demokratien hätten einen schönen Sieg davongetragen, von Kaiser Wilhelm ll., Kaiser Karl und Reichskanzler Dr. Michaelis ausgesprochen, klingt dies aber nur äußerst grotesk Das päpstliche Organ. Ro«, 24. September. In Besprechung der Antworten der Mittelmächte an den Papst gibt, O ss e r v a t or e R om a n o' der Ansicht Ausdruck, man müsse"daraus schließen, daß die Mittel- mächte es annehmen, auf den in der päpstlichen Rote dargelegten Grundlagen, daß heißt, Abrüstung, Schiedsgericht, Freiheit der Meere und gegenseitige Ausgleichung der Kriegsausgaben und Kriegsschäden, über den Friede« zu verhandeln. Das Blatt fährt fort: Sie nehmen ausdrücklich die Zurückgabe der gegen- wärtig besetzten Gebiete an. Die Antwort scheint in bejahendem Sinne hinreichend Aar zu sein. In der Tat drückt die Antwort Deutschlands den Wunsch aus, in Uebereinstimmung mit den Wünschen des Papstes und mit der Friedenskundgebung des Reichstages vom 19. Juli die Grundlage für einen gerechten und dauerhaften Frieden zu finden. Die Wünsche des Papstes, sagt das Blatt, sind diejenigen, wie sie im t., b. und S. Punkte seiner Note dargelegt sind, und die Reichstagskundgebung vom 19. Juli ist bekannt. Es ist, kurz gesagt, ein Frieden ohne Annexionen und ohne Kriegsentschädigungen gemäß der russischen Formel. Was die Gebietsfrage anbetrifft, von denen in den beiden letzten Paragraphen der päpstlichen Note die Rede ist, so kann man nicht mit Sicherheit behaupten, daß die Mittelmächte jede Besprechung hierüber ablehnen. Im Gegenteil, sie nehme« sie stillschweigend an. Die Antworte« der Mittelmächte lassen den Weg für einen Meinungsaustausch zwischen den kriegführenden Mächten offen. Wenn der Zweck der päpstlichen Note, die nur einige Grundlagen zu Besprechungen vor- legen wollte, welche von den Mächten selbst genauer bestimmt und vervollständigt werden sollten, erreicht würde, so könnte dies die Morgenröte des Friedens m Sicht bringen. Amerikanische Stimme«. Washington, 22. September.(Reuter.) Das StaatSdeparte- meiit läßt deutlich erkennen, daß die Antwort der Mittelmächte keine« Anlas? zu irgendwelcher A ender ung in den A b s i ch- ten und Zielen Amerikas oder seiner Kriegführung oder zum schlietzlichen Friedensausgleich Anlaß gebe. New Aork, 23. September.(Meldung des Reuterfchen Bureaus.) Die Presse in den Vereinigten Staaten ist über die Antwort des Kaisers an den Papst eines Sinnes.— So bezeichnet „Tribüne" die Ausführungen der Antwortnote als„heuchlerische Sätze", die„von erhabene» Gedanken trieften". Weiter heißt es: „Sie sind bestimmt, die deutschen Verbrechen zu verdecken.... Eine andere merkwürdige deutsche Grill« ist, bdfc in der deutschen Note an den Papst nicht ein Wort von Reue und keine An» deutung über Wiedergutmachung steht. Der Geächtete und Ausgestoßen« will in die neue Gesellschaft der Nationen aufgenommen werden, aber nur unter seinen eigenen Bedingungeit, die Sack und Asche für vi« in der Vergangenheit begangenen Rück- sichtslosigkeiten nicht in sich schließen. Die Unfähigkeit des deut- schen Geistes, den Standpunkt der nichtdeutschen Welt zu be- greifen, ist bekannt. Wenn eine Bekehrung vorliegt, so muß es Bekehrte geben, und den Eifer, den Irrtum zu bekennen. Wenn Reue vorliegt, so müssen Fr üchte der Reue folgen. Es kann auf Erden keine Freude über einen verhärteten Sünder geben, der allein in der Hoffnung bereut, auf diese Weise seine schlecht- erworbenen Gewinne zu behalten." „World" fragt: In den Noten Deutschlands und Oester- reich-Ungarns befindet sich keine neue Tatsache. ES hat sich nichts geändert. Jeder Tag bringt neue Beweise von dem verbrecherischen Charakter d.'r gegenirärtigen deutschen Regierung in allen ihren auswärtigen Beziehungen. Freund und Feind sind in gleicher Weise Opfer seiner organisierten und s Y st e m a t i-. schen Verräterei, und da die Regierung weiterbesteht, so gibt es keine Grundlage, auf der Frieden geschlossen werden und keine Grundlage, auf der man in F r i e de n S- Unterhandlungen eintreten könnte. Neutrale Stimmen. Kopenhagen, 23. September.„Nationaltidende" schreibt zur Antwort der Mittelmächte auf die Papstnote unter anderem: Di« Antwort ist von starker Friedcnsbcrcitschast geprägt. Sie berührt nicht unmittelbar die Frage der Friedensbedingungen, betont aber andererseits die Bereitwilligkeit, international« Streit- fragen einem obligatorischen Schiedsgericht zu unterbreiten in einer Weise, die auch auf einen Ausweg zur Schaffung eines Frieden?- kongresses hinweisen könnte. Englischer Kanonendonner bei Dpern begleitet in wenig verheißender Weise die Noten der Mittelmächte, und die Lage gibt auch nach dem Erscheinen der Noten keinen festen Haltepunkt für Friedenserwartungen. Auf jeden Fall aber ist es ein wichtiges Zeichen der Zeit und noch mehr der Zukunft, daß die deutsche Regierung sich dem Gedanken der Einschränkung der Rüstungen anschließt. Hätte Deutsch. land den Gedanken angenommen, als England der deutsche« Re. gierung vorschlug, dem Dreadnoughtwettstreit ein Ende zu machen, wäre die Welt vielleicht, ja sogar wahrscheinlich vom Weltkrieg ver- schont geblieben. „BerlingSke Tideude" sagt: Alles in allem genommen kann gesagt werden, daß die Antworten Deutschlands und Oester. reich-Ungarns auf die Papstnote die versöhnlichste« Schritte dar. stellen, die bisher von den Mittelmächten unternommen worden sind. Werden die Ententemächte sie vollständig ignorieren können? GrofrBerün Reisigsammler sieht man jetzt'viel in den Wäldern um Berlin. Auch Leute, die es sonst nicht nötig hatten, glauben in dieser Zeit der Feuerungsknopp- beit sich ihr bißchen Lesehol, mit nach Hause nehmen zu sollen. Jeder denkt an die bösen Erfahrungen des letzten Winters und sorgl vor, weil er fürchtet, daß es diesmal noch schlimmer kommen könnte. Gestattet ist aber das Reifigsammeln nur dann, wenn man sich einen Erlaubnisschein verschafft, den die betreffende Forstverwaltung aus- stellt. Die Forstaussichtsbeamten durchstteifen die Wälder und fahnden auf Personen, die Holz lesen, ohne einen Erlaubnisschein zu habe». Es läßt sich denken, daß die Beamten nicht erfreut über die ungebetenen Gäste sind, die ihnen da in die Quere kommen. Doch das kann nicht ein Verhalten entschuldigen, wie eS unS aus dem jetzt dem Zweckverband gehörenden Grunewald über einen Beamten mitgeteilt wird. Nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Personen benabm sich der Mann ganz unbeschreiblich aufgeregt und ging gegen eine der von ihm angehaltenen Reisigsammlerinnen so stürmisch vor, daß sie zu Falle kam und sich verletzte. Soll sich jetzt vielleicht gegenüber Reisigsammlern wiederholen, was uns in den letzten Monaten von Beerensammlern und Pilzsammlern aus ihren Ersahrungen mit Beamten unter bitteren Klagen geschildert worden ist?_ Zu wünschen ist, daß Forstaufsichtsbeamte von ihrer Dienst- behörde angewiesen werden, bei Feststellung von Uebertretungen sich jedes schroffen Benehmens zu enthalten. Es mag sein, daß sie selber nicht Mangel an Nahrungsmitteln haben und noch weniger von Nvt. an Brennstoffen wissen. Dann sollte ihnen aber ihre Dienstbehörde einmal eine Instruktion darüber erteilen, wie jetzt anderen Leuten zu Mute ffr.__ Trocknet Obst! Vom Magistrat Berlin wird uns geschrieben: Gegenwärtig ist durch die reiche Obst-, insbesondere Aepfelzufuhr für die Berliner Bevölkerung die Möglichkeit gegeben, die zurzeit am Markt zahlreich vorhandenen Aepfel durch Trocknen für den Winterverbrauch haltbar zu machen. Es empfiehlt sich dringend, daß von dieser Mög- lichkeit baldigst seitens deS Publikums in weitestem Umfange Ge- brauch gemacht wird, denn es läßt sich nicht übersehen, ob binnen kurzer Zeit noch genügende Vorräte für diesen Zweck zur Verfügung stehen werden. Kuchenpreise. Der Magistrat Berlin teilt mit: Cafes, Konditoreien usw., die Kuchen nicht selbst herstellen, haben beim Berkauf von Kuchen nach den zurzeit geltenden Bestiminungen keinen Nutzen, da ihnen nicht gestattet ist, bei der Abgabe dcS Kuchens einen Preisaufschlag zu erheben. Mit Rücksicht darauf, daß ibnen durch ihren Betrieb nicht unerhebliche Spesen erwachsen, haben die zur Brotkartengemeinschast gehörigen Gemeinden sich dazu entschlossen, den Nichthei stellern von Kuchen zu gestatten, beim Weiterverkauf von Kuchen zum Verzehr in den Räumen ihres Ausschankbetriebes ein Drittel der für den Verkauf über die Straße geltenden Kuchenpreise Hinz uz n« schlagen. Sie müsien aber durch einen Anschlag in den Ver- kaufsräumen auf diese Ermächtigung hinweisen. Für die Hersteller von Kuchen gilt diese Vergünstigung nicht; diese haben also den Kuchen, auch im Ausschankbetriebe, wie bisher ohne Preisaufschlag zu verkaufen. Auf die gleichzeitig erscheinende Verordnung wird hingewiesen.__ Berliner Lebensmittel. Die grünen und blauen Schokoladen- Bezugschein« können nachträglich nur in der Zeit vom 29. September bis 1. Ok- tober in den Geschäften vorgelegt werden. Die in der Bekanntmachung vom 19. September für weiß« Möhren angegebenen Preise werden dahin berichtigt, daß der Er« zeugerhöchstpreis 2I/S Pf., der Großhandelshöchstpreis t Pf. und der Kleinhandelshöchstpreis 6 Pf. je Pfund beträgt. Bestandsaufnahme für Wäsche. Am 1. Oktober findet eine Bestandsaufnahme für Bett-, Haus- und Tischwäsche statt, die sich im Besitze von Wäscheverleihgeschäften. sowie von solchen Gewerbe- oder gemeinnützigen Beirieben befindet, die auf die Beherbergung oder Beförderung von Personen oder den Verkauf von Lebens- oder Genußmitteln zum Verzehr an Ort und Stelle gerichtet sind. Zu solchen Belrieben gehören zum Beispiel: Hotels, Gast«, Schank- und Speisewirtschasten, Pensionen, Logier- Häuser, private(nicht öffentlich-rechtliche) Kranlenanstalten(einschließ- lich Erholungs- und Genesungsheimen, Sanatorien), Personen« schiffahrls-, Schlaf- und Speisewagenbetriebe und dergleichen. Die Besitzer derartiger Betriebe sind verpflichtet, die am 1. Oktober in ihrem Besitz(Eigentum, Gewahrsam) befindlichen Gegenstände der vorbezeichneten Art der Reichsbekleidungsstellc an- melden. Die Meldepflicht erstreckt sich jedoch nicht auf: 1. solche auf die Beherbergung oder Beförderung von Personen gerichtete Betrübe, in denen nicht mehr als 6 Betten zum Gebrauch für Gäste zur Verfügung stehen, 2. solche auf den Veikaus von Lebens- oder Gcnußmitteln zum Verzehr an Ort und Stelle gerichtete Betriebe, in denen nicht mehr aÜ dr»- zur Familie des Unterneb«»«rs nicht gehörende Personen dauernd beschäftigt werden.—(s>mnstt24 derNährmittelzusatzkarte für Jugendliche 126 Gramm Hafernährmiltel zum Preise von 11 Pf. ausgegeben. Bi» 7. Oktober wird auf Abschnitt 31 der Eierkarte ein Ti verabfolgt. Von Donnerstag bis Sonnabend, den 6. Oktober, findet eine allgemeine Verteilung von Hafernährmilteln statt. Abschnitt 139 der Lebensmittelkarte berechtigt zun, Empfang von 125 Gramm zum Preise von 11 Pf.__ Lichtciibcrg. Lebensmittel. Auf die Kartoffelabschnitte der lau- senden Woche Iverden lnSgesamt 7 Pfund Kartoffeln verabfolgt. Ferner werden verteilt: aus Abschnitt 110 8 Psund-Palct Hascr- mehl zun, Preiie von 0.32 M., Abschnitt 110 K 1 Rolle Erbswurst zu 0,36 M., Abschnitt 110 b! 126 Gramm Weizengrics zum Preise von 0,07 M.. gegen Vorzeigung der Lebensmittelkarten, soweit noch nicht abgeholt, für jede Hausbaltung 1 Kasten kuchen zum Preise von 1,36 M. in den städtischen Verlaufsstellen. Gegen Vorzeigung der Lebcnsmittelkarien werden bis zu 2 Pffind«üdfrnchimarmelade. daS Pfund zu 0,90 M. ausgegeben. In den städtischen Fischhallen werden abgegeben: auf Abschnitt 104 b! Sardinen in Brühe je eine Dose, Dose 1,16 M., Abschnitt 106 L, I. 01. 10. 8 Frische Fluß- und See- fische, bis zu'/-> Pfund, Abschnitt 107 X Rollmops bis zu Piund, Abschnitt 108 E Bornholiner Heringe bis zu Pfund. Ohne Marken: Heringe in Gelee und eingemachte Gurken. Der Verkauf der Gurken ersv'gt nicht allein in den städtischen Fischhallen, sondern in allen Räucherwarcngesckäflcn. Für den Kauf von Fischen und Fischwaren erfolgt eine Vor- anmeldung in den Geschäften nicht. Reinickendorf. Lebensmittel. Die Wochenniengc an Fell beträgt 60 Gramm Butler. 30 Gramm Margarine. an Kartoffeln aui Kartoffelkarte. Abschnitt 74phil.(Behandluiigsd.12 T.). Blutunbers. Ehrlich- Hata- (Salvarsan-) K. M o d. ,s chmere- loseB ehan dl. o.Beruf störn ng. -MäßigePreise.Teüzahlung- Ffiedpictisüfil-lßßÄgrth) 11— 1, 3— 7, Sonntags 11— 1. « utogen SchweiBentrhrtSchtDei- " Bcrei.Germania-.Oberichüne- weide, Deulstr. 12. TelOberjchw. 3138. ademHiuesus. Kriegsbe- schäd. u. Verbandskoll. Ermäßigt psau, wdOt �""Direkseostr.SD zwisch. Babnh. Aler.anderplatz u. Polizeipräsid.— elmt Xst. 3208. lue Oatnen Frauen-Bedienung. Liejeranl für alle Krankenkasi. Spezial-Ärzt I>r. med. Hasche, Frietlrichstr.90 iZlZ*. Behandl vonZYPHilis, Haut-, Harn-, Tsrauenleiden, jvez. chron. Fälle. 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