Ztr. 866. 34. Jahrg. Bezugspreis: NcrteIiäi)ri.Z,g0ML,monatI. 1,30 Süft, wöchentlich 30 Pfg. frei ins Hau-l, dorauszahlbar. Einzelne Wochentags- nunnnern 5 Pfg, SonntagSnummer Mit illustrierter Beilage.Die Neue Welt' 10 Bich Postbezug: Monatlich 1,30 Ml. Linter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,60 Wk„ für das übrige Ausland 4 Ml. monatlich. Postbeslcllungen nehmen an Dänemark, Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz, Eingetragen in die Post-Zeltungs-Prcwlistc. Erschein» täglich. Telegramm■ Adrefle: «Sozialdcmoira» Berliu", Vevlinev Dollt5»ltlctkk. c- ) Der Anzeigenpreis beträgt s, die sicbengespaltene Kolonel- eile 60 Pfg,„kleine Anzeigen", as settgcdrullte Wort 20 Pfg, sz». ___________ lästig 2 fettgedruclie Worte), lcdeS weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und SchlasstcUenanzeigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Worts Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. TcuerungsjUschlag 20«/» Familien- Anzeige» ät> Pfg., politische u, gewerlschastlichc Vcreins- Anz eigen 40 Pfg die Zeile. Anzeigen für dw nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmitt. im Hauvtgcschäft. Berlin SW,68, Lindenstrage 3, at» gegeben werdeiu Geöffnet bon S Uh: früh bis 7 Uhr abends. ZentrzXorqan der rozialdcmokrattfchcn Partei Deutfchlands. Neöaktion: SW. 68, Linöenstraße 2. ssernrvrecher: Amt Moritspla«, Rr. ISIS«— 15197. Freitag, den 88. September 1917. Expedition: SV). 68. Lindenstrahe 2. kyernivrecher: Amt Moritzplan, Nr. 151 99—151 97. Hbmbr der englischen Hngriffe. Die Engländer in Flandern abgewehrt— 18 englische Divisionen im Kampf— Artillerieschlacht an der Maas— Auflebende Feuertätigkeit im Osten. Amtlich. Großes Hauptquartier, 27. September 1917.(SB. T. Ä.) TVestlichcr Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die Schlacht in Flandern ßat gestern vom frühen Morgen bis tief in die Nacht hinein ununterbrochen getobt; in Klei»� tämpfcn setzte sie sich bis zum Morgen fort. Wieder hat die kampfbrwiiyrte 4. Armee dem britischen An- stürm getrotzt; Truppen aller deutschen Gaue habe» Auteil an dem Erfolg des Tages, der dem Acinde noch geringeren Gelände- gewinn brachte als der 20. September. Trommelfeuer unerhörter Wucht leitete die An- griffe ein. Hinter einer Wand von Staub und Rauch brach dir cnglischc Infanterie zwischen Mangelaare und Hollebeke vor, viel- fach von Panzerwagen begleitet. Ter beiderseits von Langcmarck mehrmals anstürmende Feind wurde stets durch Feuer und im Nahkampf abgeschlagen. Non der Gegend östlich von St. Julien bis zur Straße Menin— Zfpcr» gelang den Engländern bis zu einem Kilo- meter tief der Einbruch in unsere Abwchrzone, in der dann tagsüber sich erbitterte, wechselvolle Kämpfe abspielten, Durch Verlegen seiner artilleristischen Masscnwirkung suchte der Feind das Vorziehen und Eingreifen unserer Reserven zu hemmen. Dir msernc Willenskraft unserer Regimenter brach sich dprch dzc' öjmpplt des Feuers Bahn: Der Gegner wurde in frischem- Anlauf an vielen Stellen zurück- g c w oVf c n, Besonders hartnäckig wurde an den von Zonnebcke wcst- wärts ausstrahlenden Straßen und am Abend um Ghcluvelt gc- rungen. Das Dorf blieb in unserem Besitz. Weiter südlich, bis an den Kanal ComincS-Jpern brachen wiederholte Stürme der Engländer ergebnislos und verlustreich zusammcii. Der Feind hat bisher seine Angriffe nicht erneuert. Min- bestens 12 englische Divisionen waren in Front ein- gesetzt! sie haben die Festigkeit unserer Abwehr nicht erschüttert, Die Beschießung von O st c n d c in der Nacht vom 25. zum 26. 9. forderte außer Gcbäudeschaden auch von der Bevölkerung Opfer. 14 Belgier sind gctölct, 25 schwer verletzt worden. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nordöstlich von Sotssons, in den mittleren Abschnitten des Ehcmin-dcs-Damcs und auf dem Ostufcr der Maas blieb die Kampftötigkeit der Artillerien lebhaft. Es kam nur zu örtlichen Borfeldgefcchten. 17 feindliche Flugzeuge find gestern abgeschossen worden. festlicher Kriegsschauplatz. Bei Dünaburg, am Narocz-See, südwestlich von Luck sowie in Teilen der Karpathensront, der rumänischen Ebene und an der unteren Donau auflebendes Feuer. Mazedonien. Keine Ereignisse von Bedeutung. Der Erste Gcncralquartiermeister. Ludcndorff. Abendbericht. In den übrigen Abschnitten der flandrischen Front und im ArtoiS steigerte sich nur vorübergehend die Fcuertätigkeit. Berlin, 27. September 1917, abends. Amtlich. In Flandern nachmittags wieder zunehmender Artillcrickampf. Bon den anderen Froutcn ist nichts Wcsent- l i ch e S gemeldet.__ Der österreichische Bericht. Wien, den 27. September 1917.(W. T. B.) Amtlich wud vcrlautbart: festlicher Kriegsschauplatz. In der Gegend östlich von Radautz lebte daS feindliche Artillrricfcucr zeitweise auf. Italienischer Kriegsschauplatz. Bei der Heeresgruppe von Borocvic wurden durch Flieger und Abwehrfeuer drei feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht. Im Touale-Gebiet gelangten HochgrbirgSpatrouillcn hinter die feindliche Front, sprengten dort zwei Scilbahnstntioncn, zerstörten mehrere Magazine und kehrten ohne Verluste mit Gefangenen zurück. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine größeren Kampfhandlungen. Der Chef des GcneralstabeS. Wo bleibt die preußische Wahlrechtsvorlage s Im Verfassungsausschuß richietc der Abg. P a ch n i ck e an den Ministerialdirektor L e w a l d die Frage, ob er Aus- kunft darüber geben könne, mann die preußische Wcchlxechts- vorlage eingebracht locrde. Herr Lewald meinte, daß er momentan nichts sagen könne, aber nielleicht in einer Stunde. Das ließ den Schluß zu, daß er sich telephonisch bei der zu- ständigen Stelle erkundigen werde. Um so größer war das Erstaunen, als Herr Lewald am Schluß der Sitzung, ans die nochmalige Frage, erklärte, nicht in der Lage zu sein, eine Auskunft geben zu können. Die„Germania" meldet, daß die preußische Wahlrechts- Norlagc im Staatsministerium noch beraten werde. Ihre Ein- bringung sei Nor Ende Oktober oder gor Anfang N a v c m b c r nicht zu erwarten/ Minifterüemissionen in Rußlanü. Der Kampf zwischen den Arbeiter- und Soldatenräten und dem russischen Bürgertum geht weiter. Nach dem Miß- lingen des Kornilowlchen Staatsstreiches streben die Arbeiter- und Soldaten-Telegiertenräte den Uebergang der Negierungs- gewalt in sozialistische Hände an. Diese radikale Forderung hat sich gegen den Widerstand der Menschewiki und ihrer Führer durchgesetzt. Auf der andern Seite greift das Bür- gertum zu dem Mittel zurück, das es vor dein Kornilowschen Staatsstreich bereits erprobt hat: zur passiven Resistenz. Es zieht seine Angehörigen aus der Regierung zurück. Kerenski, dessen lebhaftes Bestreben die Vereinigung aller Kräfte in einem Koalitionskabinett ist, verliert so auf beiden Seiten den notwendigen Halt und kommt in die unangenehme Lage des Mannes zwischen zwei Stühlen. Jetzt drobt auch sein ge- treuester Gehilfe, der Minister des Auswärtigen,, mit dem Rücktritt. Petersburg, 27. September. Gegenüber unzutreffenden Zeitungsmeldungcn von dem Rücktritt des Ministers des Aeußcrn erfährt die Petersburger Telegraphenagrntur aus zuständiger Quelle, Terestschcnko habe nach der Rückkehr Kerenskis au? dem Hauptquartier diesem mitgeteilt, daß er die Arbeitsbcdingun- gen der Rcgicrrung als nicht normal ansehe. Er halte es aber angesichts der gegenwärtigen internationalen Lage für unmöglich, seinen Posten vor der Ernennung seines Nachfolgers zu verlassen. Tcrestschcnto fügte hinzu, er könne überhaupt nicht im Kabincit bleiben, wenn nicht eine freie und feste nationale Macht geschaffe". würde. Das Beispiel Terestschenkos wirkt ansteckend. Kopenhagen, 27. September. Einer Petersburger Drahtmel- dung zufolge hat der Kultusminister Kartakbow die Vorlcrufige Regierung um seinen Abschied ersucht mit der Begründung, daß der Einslutz der Sozialisten in der Regierung übermächtig sei, so daß jede Möglichkeit für die Bildung eines Koalitionsmintsteriums aus- geschlossen sei. Der Entschluß Kartakbows soll in Regierungs- kreisen tiefen Eindruck gemacht haben. In Moskau wurde ein all- russischer Geuossenschaftskongretz eröffnet und ein Beschlutzautrag angenommen, der die Notivendigkcit der Bildung eines Koali- tionsministcriumS betont. Petersburg, 2g. September.«Meldung der Petersburger Telegraplieuagcutur.l Der Hauptausschuß des Arbeiter- und Sol- datenrats nahm mit 119 gegen 191 Stimmen eine Entschließung an, die bei der Neubildung des Kabinetts den Grundsatz des Zusammenwirkens der Parteien, mit Ausnahme der Kadetten, zuläßt. das Ergebnis üer sihweüifchen Wahlen. Niederlage der Konservativen. Stockholm, 27. September. Das Endergebnis der Neu- Wahlen zur zweiten schwedischen- Kammer ist nunmehr be- kannt. Es wurden gewählt 70 Konservative, 62 Liberale, 98 Sozialdemokraten und 22 Linkssozialisten. Im ganzen haben die Konservativen sechzehn Sitze verloren während die Liberalen und die Sozialdemokraten elf gewonnen haben. Die Konservativen haben also nicht einmal ein Drittel i der Kainmcrjitzc zn erobern vermocht. verfaßungsftagen im Reichstag. Wie wenig der Reichstag um die sckstvebcndcn Fragen der Reichsvcrfassung herumkann, haben die gestrigen Vcrhand- lungen im Hauptausschuß und im Verfassimgsausschuß ge- zeigt. Im Hauptausschuß nnißte aus Anlaß des Nachtrags- etats, der den neuen Posten eines stellvertretenden Rcichs- kanzlcrs und die Teilung des Rcichsmnts des Innern vorsieht, eine wichtige praktische Verfassungsfragc, die Frage der V e r- antwortlichkcit der Staatssekretäre eingehend erörtert werden. Zugleich wurde im Verfassiingsausschuß über die Stellung der Staatssekretäre zum Reichstag eine vor- läufige Entscheidung von nicht geringer Tragweite gefällt. Man beschloß die Aufhebung des Art. 9 der Reichsverfassung, der die Stellung eines Bundesratsmitgliedes mit dem Mandat eines Rcichstagsobgeordneten für nnvcrcinbar erklärt, Setzt der Reichstag diesen Beschluß durch, dann ist in das System des antiparlamcntarischen Obrigkeitsstäates eine breite Bresche geschlagen. Einpörung mußte es geradezu er- regen, daß die Abgg. Spahn und Schiffer wegen ihrer„Beförderung" in leitende Staats- und Reichsstellen ihre Reichs- tagsmandate niederlegen mußten. Es war gleichsam, als ob ein Abgeordneter den Erdenstanb seiner Herkunft aus dem Volke erst von sich abstreifen müßte, bevor er in die hohen Regionen einer von oben her regierenden Bureaukratic ein- treten dürste. Indem der Art. 9 die Zugehörigkeit eines Bundesratsmitglieds zum Reichstag verbietet, verbietet er geradezu das parlani entarische Regie- rungssystem, und dieses Verbot aufgehoben zu haben, ist has Verdienst des gestrigen Beschlusses, Das.yarla- nientarischc System wird damit noch nicht ringefiihrt, aber das wichtigste aus der Verfassung entspringende Hindernis, das ihm entgegensteht, wird-aus dem Wege geräumt. Das Bild der Parteikonstellation vom 19. Juli hat sich in der Absthmmmg des Verfassimgsansschusses sowie in der De- hatte des Hauptansschusses verschoben. Im Hauptaus- schuß erklärte sich die Sozialdemokratie gegen die Vor- läge, die Fortschrittspartei für sie, während sich das Zentrum seine endgültige Stellungnahme noch vorbehielt. Im Verfassnngsausschuß stimmten für die Aufhebung des Art. 9, entsprechend einem zuvor gefaßten Fraktionsbeschluß, die Nationallibe raten mit den Sozialdemokraten und den Fort- schrittlern. Vom Zentrum stimmte nur der Arbcitersekrctär Becker mit dieser Mehrheit, während die anderen Zentrums- Mitglieder mit den Konservativen und den— Unabhängigen in der Minderheit verblieben. Die Nationalliberalen haben mit ihrem Fraktionsbcschlnß und der"vi, irinFii n r eHtai den Abstimmung gezeigt, daß sie wenigstens in Verfassiingsfragen nicht weiter noch rechts zn rücken gewillt sind. Sie bekennen sich nicht zum parlamenta- rischen System, aber sie legen der Entwicklung zn ihm wenigstens keine Steine in den Weg, wie es das Zeutauu getan tot.. Verbleibt es in der Vollversammlung bei der bis- hertgen�Mehrheitsbildiing, so ergibt sich eine recht schwierige Situation, denn der moralische Druck auf den Bundesrat kann dadurch nicht verstärkt werden, daß er w c ch s e l n d e n Mehr- heiten gegenübergestellt wird. Damit wird es den Elementen, die eine Stärkung des Reichstags'n i ch t wollen, zu leicht ge- macht, die Parteien gegeneinander auszuspielen und zuletzt doch ihren Willen durchzusetzen. Wo es sich um Erweiterung der Parlamcntsrechtc selbst bandelt, da sollte sich der Reichstag am meisten davor hüten, seine Kräfte in inneren Reibungen zu verzetteln. Wirklich erreicht werden kann doch nur dann etwas, wenn eine starke dauernde Mehrheit in geschlossener Front auftritt. Fehlt diese Mehrheit, so wird der Reichstag versagen, und eine große all- gemeine Enttäuschung wird die Folge sein. Daß aber nicht alles bleiben darf, wie es ist. das haben gerode die Verhandlungen im Hauptausschuß mit schärfster Deutlichkeit gezeigt. Es kann unmöglich übersehen werden, daß ein Mann von den Ersahrungen des Grasen v. P o s a d o w s k y, der doch gewiß kein demokratischer Stürmer und Dränger ist, für die Staatssekretäre eine selb- ständigere Stellung und damit auch eine erhöhte Veranttvort- lichkeit fordert. Die Mißlichkeit des bestehenden Zustandes kann nicht besser illustriert werden als durch die Tatsache, daß gerade in dieser Verhandlung der Reichsschatzsekrctär Graf v. Rödern austragsgemäß die Stellungnahme des abwescn- den Reichskanzlers zn vertreten hatte. Der Rcichsschatzlekrciäi kam dadurch in eine Situation, die er sich aus eigener freier Entschließung kaum gewünscht haben würde. Das Verlangen des Reichstags ist aber nur allzu berech- tigt, von den Staatssekretären ihre eigene Meinung und nicht die einer ihnen vorgesetzten Stelle zu hören. Von welcher Seite immer man das Problem anfaßt, immer wieder kommt man zu dem Ergebnis, daß die Stellung der Staatssekretäre, wie die des Kanzlers selbst, durch eine verselbständigte und verstärkte Verantwortlichkeit gegenüber dem Reichstag nicht erniedrigt, sondern erhöht wird. Einen Schritt auf diesem Wege, der durch die Logik unserer nerfassungs- rechtlichen Entwicklung selbst vorgczeichnrt ist, bedeutet die Aufhebung des Art. der Reichsverfassung. Um so stärkeres Erstaunen muß es erregen, daß der Ver- treter der Unabhängigen im Vcrfassungsausschuß für die Aufrcchterhaltung des reaktionären Art. 9 wie ein Löwe gekämpft und in Gemeinschaft mit den Konservativen auch für sie gestimmt hat Im.Hauptausschuß hat sich der Abg. Lebe- bour für das parlamentarische System ausgesprochen, im Bcr- fassungsausschuß hat der Abg. Stadthagen für die Bei- beHaltung gerade jenes Verfassungsartikels gestimmt, welcher der Einführung des parlaiuentarischen Systems einen Riegel vorschiebt. Wie reimt sich das zusammen? Nach dem vorliegenden Bericht soll der Abg. Stadthagen erklärt haben, daß seine Stellungnahme auch die seiner Fraktion sei. Ist das richtig, so sollte die Fraktion der Unabhängigen noch einmal ernstlich darüber nachdenken, ob es bei dieser Stellungnahme verbleiben kann. Es geht doch nicht an, inimcr aus Prinzip das Gegenteil von dem zu tun, was die Sozialdemokraten für richtig halten, und infolgedessen immer dasselbe zu tun wie die Konservativen. Ter Abg. Stadtlwgen hat ganz reckt, daß in Ausnahmefällen auch die äußerste Linke mit der äußersten Rechten gemeinsam gegen die Mitte stimmen kann, aber das darf doch nur aus wohlerwogenen sachlichen Gründen ge- schehen und nicht zu dem Zweck, einer Nachbarfraktion einen Vossen zu spielen. Auch darf, was in besonderen Fällen miß- licker Zwang ist, nickst allgemeine beliebte Regel werden, und eine Partei der Linken darf sich nickt mit dem Odium bc- laden, überall,. wo es um den Frieden und um die frei- heitliche Entwicklung des Reiches ging, mit den K o n s c r- v a t i v e n an einem Strang gezogen zu haben. /lsquith über den Zrieöen. Ter Führer des englischen Liberalismus und frühere Ministerpräsident A s q u i t h hat in Lecvs eine Rede gehalten. die eine Antwort auf die deutsche Note an den P a p st darstellt und den offensichtlichen Zweck verfolgt, die deutsche Rc- gierung zu einem noch klareren Aussprechen ihrer Friedens- bcdingungen zu bestimmen. Zu diesem Zweck wurde die ganze Musterkarte der Ententcforderungen noch einmal vor- gelegt. Herr Asquith weiß jedenfalls, daß eine glatte An- nähme aller dieser Forderungen nicht früher zu erwarten ist, als bis Deutschland rettungslos am Boden liegt. Er wird nicht ernstlich erwarten, daß Deutschland, ohne durch Waffen- gewalt dazu gezwungen zu sein, Land abtreten und Kriegs- entschädigungen bezahlen wird. Er wird nicht darauf rechnen, daß Deutschland ohne Not einer Umgestaltung der politischen Geographie zustiminen wird, die es lebensunfähig macht und die österreichisch-ungarische Monarchie zerstückelt nnd auflöst. Er würde sich daher gewiß nicht wundern, wenn die deutsche Regierung jene seiner Forderungen näher bezeichnen würde, die nicht am Konferenztisch erhandelt werden, sondern nur auf dem Schlachtfeldc erstritten werden können. Den Völkern der Entente bliebe dann die Entscheidung überlassen, ob sie für diese Forderungen— tvie die Rückgabe Elsaß- Lothringens an Frankreich oder ihnen noch entferntere Ziele — weiter bluten wollen. In diesen Fragen muß klare Bahn geschaffen werden, in den andern, die nicht zu den indiskutablen gehören, aber auch. Gerade die zögernde Haltung der deutschen Regierung ermutigt die Gegner zu der Auffassung, daß sie durch fort- gesetzten materiellen und moralischen Druck immer weitere Zugeständnisse erzielen könnten. Demgegenüber erwächst der deutschen Regierung die Pflicht, Grad und Grenzen ihrer Bereitwilligkeit so klar lvie möglich zum Aus- druck zu bringe». Geschieht das in einer Weise, die den Auffassungen des Volkes entspricht, im Einklang mit dem ReichstagSbeschluß vom l9. Juli, so entlastet sich die Regie- rung jeder Verantwortung für die Fortdauer des Krieges. Darum soll sie keine Händler- und Hcimlichkeitspolitik treiben, sondern eine Politik der Offenheit und der festen Preise. Sie soll zeigen, daß es ihr mit dem Verzicht auf Eroberungen ebenso ernst ist wie mit ihrer Erklärung zugunsten eines gc- sicherten Friedens ohne Wettrüsten, die Asquith, in Ver- kennung der starken Volkskräfte, die hinter ihr stehen, zu niedrig einschätzt. Asquith sagte: Diese Versammlung ist ein Schrill in einer Bewegung, die durch einen aus allen großen Parteien im Staate gebildeten Ausschuß betrieben wird, um dem Volke jetzt nach Beginn des vierten Kriegsjahres ein klares und volles Verständnis für die Kriegsziele der Alliierten beizubringen. Es würde eine Verleumdung der Nation sein, an- zudeutcn. daß ihr Mut einer Erhöhung oder Unterstützung durch eine neue Rechtfertigung der Gerechtigkeit der Sache bedürfe, für welche sie sich seit mehr als drei Jahren bereit gezeigt hat, Monat für Monat den Zoll ihres besten Blutes und ihrer teuersten per- sönlichcn Hoffnungen zu zahlen. Ich gehe von der Behauptung aus, die widersinnig kjingen mag: Wir kämpfen für den Frieden, für den Frieden der Welt, der jedes Opfer wert ist, ausgenommen das Opfer alles dessen, was den Frieden wertvoll macht und seine Dauer sichert, indem es ,hn auf den festen Fels- grund des von ollen Völkern anerkannten und verbürgten Rechtes stellt. Der Friede in diesem Sinne ist nicht dort zu finden, wo man ihn früher so oft gesucht hat, in der Einstellung der tat- lichen Feindseligkeiten mit darauffolgendem Feilschen um Ge- bietsteil«, das schließlich in Papieren, Verhandlungsbcrichlen und Verträgen niedergelegt und dort der Gnade einer ganzen Sammlung von Zufällen anheimgegeben wird; das ist, wie jemand zutreffend gesagt hat, die Bibel der Toren. Noch weniger könne» Sie einen der Welt würdigen Frieden von einem dem Besiegten durch den Sieger auferlegten Vertrage erwarten, der die Grund- iätze des Rechtes unbeachtet ließe und den geschichtlichen Ueber- iieserungen, Ansprüchen und Freiheiten der betroffenen Völker Hohn spräche. Solche sogenannten Verträge tragen die Bürgschaft ihres eigenen Todes in sich und bereiten ganz einfach einen fruchtbaren Nährboden künftiger Kriege. Wir haben ein treffendes Beispiel fiir die Torheit und Nichtigkeit derartiger Abschlüsse an dem V e r t r a g e v o n l 8 7 l, in welchem das siegreiche Deutschland daraus bestand, sich die beiden Pro- vmzen Elsaß und Lothringen gegen den Willen ihrer Ein- wohner anzueignen. Wir tun gut. heute dessen zu gedenken, daß die beiden größten Männer Deutschlands, Bismarck und Mottle, die Folgen davon, jeder von seinem besonderen Standpunkt, vor- ausgesehen zu haben scheinen. Bismarck war geneigt, Frankreich im Besitze von Metz zu lassen, denn er bemerkte bedeutsam zu Busch, er wünsche nicht, zuviel Franzosen im Hause zu hoben, und Moltke sagte weniger als vier Jahre nach dem Friedensschluß im Reichstage. Deutschland müsse 50 Jahre stark gerüstet bleiben, um die Provinzen zu verteidigen, die es in nur sechs Monaten erobert hätte. Ist jemals eine Prophezeiung durch den weiteren Verlans besser bestätigt worden? Haben wir nun Grund anzunehmen, daß Deutschland daraus gelernt hat? Wir haben in den letzten Tagen die Antwort des neuen Reichskanzlers auf die Rote des Papstes gelesen; sie strotzt von unklaren und öligen Allgemeinheiten. Die deutsche Regierung sagt uns, daß sie „mit besonderer Sympathie" de?„Papstes Ileberzeugung" begrüße, daß künftig die materielle Macht der Waffen durch die moralische Macht des Rechtes aufgeholten werden müsse. Sie erklärt, sich über den Ersatz des Krieges durch Schiedsgerichte zu freuen, und will jeden darauf bezüglichen Vorschlag unterstützen, welcher«bemerken Sic wohl diesen kennzeichnenden Vorbehalt) mit den Lebensinter- essen des Deutschen Reiches und Volkes vereinbar ist. Aber ich frage, ist in des Kanzlers Depesche oder in irgend- einer anderen maßgebenden Erklärung der deutschen Regierung ans der letzten Zeit irgendein Hinweis embalten, daß sie bereit ist, nicht nur nickt das Verbrechen von l57l zu wiederholen, sondern auch praktische Schritte zu unternehmen, die allein den Weg zu einem wirklichen dauernden Frieden eröffnen können. Ist Deutsch- land bereit, zurückzugeben, was es damals Frankreich genommen bat? Ist es bereit, Belgien seine volle politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit zurückzugeben, ohne Bedingungen und Vorbehalte, und mit einer so vollständigen Entschädigung, wie ein« nur mate- rielle Entschädigung für die Verwüstung einrs Landes und die Leiden seines Volkes entschädigen kann? Eine endgültige Antwort, die in einer Reihe von Erwiderungen auf Fragen, wie diese, gegeben werden könnte, würde gegenwärtig eine ganze Spalte von frommen Plattheiten aufwiegen. ?lsquith faßte dann dir Bedingungen des Friedens, wie er ihn im Auge habe, dahin zusammen, daß England nicht die Vernichtung Deutschlands oder die dauernde Er- niedrigung des deutschen Volkes beabsichtige. Die grausame, bm- tale Art, wie der Krieg von Deutschland geführt worden sei, habe allerdings die'Achtung der Welt vor dem deutschen Charakter tief beeinflußt und werde das noch lange tun. Es sei im großen ganzen richtig, daß jedes Land die Regierung habe, die es verdiene. Wie die Geschichte zeige, und wie das Beispiel Rußlands beweise, sei die Beseitigung einer schlechten Regierung ein kostspieliges und langwieriges Geschäft. Ter preußische Militarismus, dos ist der Gegenstand unseres Kampfes gewesen und est es noch. Aber für die deutsche Demokratie haben wir keinen anderen Wunsch, als daß sie diesen bösen Geist banne. Das Ziel unseres Friedens ist nicht die Wiederherstellung des Statusquo, noch des sogenannten Gleichgewichts der Mächte, sondern dte Er- setzung beider durch ein internationales Snstem, in dem für die großen»nd für die kleinen Staaten Platz ist und unter dem beide gleichmäßig ihrer Sicberhe.it und ihrer unabhän- gigcn Entwicklung sicher sind.'Als selbstverständlich setze ich die Räumung der besevten Gebiete Frankreichs und Rußlands durch den Feind voraus. Ich habe bereits auf Elsaß-Lothringen und Belgien hingewiesen, aber wohin man sich wendet, in Mittel- und Osteuropa, sieht man Gebietsabgrenzungen, die in ihrem Ur- spvung durchaus künstlich waren und die Wünsche und Interessen der direkt betroffenen Bevölkerung verletzen und die Herde der Unruhe und der Kriegsgefahr gewesen sind und bleiben werden, solange sie bestehen. So die gerechten und längst fälligen An- spräche Italiens»nd Rumäniens. Ferner das heldenhafte Serbien, das nicht nur in sein altes Gebiet wieder eingesetzt werden muß, sondern dem der Raum gegeben werden muß, den es für die Ausdehnung seines nationalen Lebens beanspruchen darf. Da ist Polen, für das wir alle die edelmütigen Worte des Präsidenten Wilson unterschreiben. Nicht zu vergessen sind die Fälle von Griechenland und den Südslawcn. Eine voll- ständige und womöglich dauernde Begleichung dieser gefährlichen Rechnungen muß stattfinden. Das Ziel darf nicht länger dasjenige sein, von dem der Wiener Kongreß und später die sogenannte Heilige Allianz ausging. Der leitende Grundsatz ist der, daß nach Rassenverwandtschaft, geschicht- licher Ueberlieserung und vor allen Dingen nach den wirklichen Wünschen und Bestrebungen der Brwohner verfahren werden muß. Auf keine andere Weise ist der verderbliche Anreiz für ehrgeizige Zwecke und Machenschaften und der gesetz- mäßigste Beweggrund völkischer Unzuftiedenheit aus dem Wege zu räumen. Ich komme nun zu den Richtlinien für einen dauernden Frieden. Ein Friede, der das Wiederausleben eines verschleierten Kriegs- zustandes möglich macht, lohnt sich nicht. Wir müssen ein für alle- mal den Irrtum aus unseren Grundsätzen verbannen, daß man, wenn man den Frieden wünscht, sich auf den Krieg vorbereiten müßte. Die Nachwelt mag das Gol- dene Zeitalter erleben, aber ich fürchte, daß wir und selbst die jüngsten unter uns, von dieser Erscheinung der Glückseligkeit nur noch aus der Ferne und in unserer Einbildung einen Blick er- haschen werden. Ich behaupte, daß wir nicht nur Krieg für den Frieden führen, sondern auch Krieg gegen den Krieg als solchen. Zum erstenmal in der Geschichte der Welt können wir vielleicht das Ideal zur Verwirklichung bringen, das, seit unsere Vettern jen- seitS des Atlantischen Ozeans uns die Hände gereicht haben, nicht mehr eine europäische, sondern eine weltumfassende Politik dar- stellt: Die Vereinigung der Völker in einem Bund, dessen Grund- läge die Gerechtigkeit und dessen Eckstein die Freiheit ist. Be- schränkung der Rüstungen, Annahme des SchiedSgerichtswesens als natürliche Lösung interuadionalcr Streitigkeiten und Ver- Weisung von Angriffskriegen und Kriegen aus Ehrgeiz in die Reihe von Torheiten, die sich überlebt haben, werden die Meilensteine auf diesem Wege sein. Man wird zu Anfang und vielleicht auch für lange Zeit noch nicht in der Lage sein, auf militärischen»der wirffchaftlichen Zwang grgeu die Unredlichen und Widerspenstigen zu verzichten. Aber wir dürfen hoffen, daß das tatsächliche Gesetz mit seinen Zwangsmitteln nach und nach in den Hintergrund ge- schoben und die souveräne Macht als im gesunden Verstand der Menschheit ruhend, anerkannt werden wird. Diese Veränderungen werden nicht in einem Tage eintreten, aber mit ihnen wird eine tiefgehende Verschiebung nicht nur in den äußeren Be- ziehungen der Staaten, sondern auch in ihrem inneren Aufbau und in dem Wesen und Wirken der Gc- sellschaftskörper kommen, aus denen sie sich zusammen- setzen. Man kann unmöglich glauben, daß diese allgemeine Umwäl- zung keine Spuren auf industriellem und Wirtschaft- lichem Gebiet hinterlassen sollte. Denn worin unterscheidet iich dieser Krieg, soweit wir und unsere Alliierten in Betracht komme i>. von den meisten Kriegen der Weltgeschichte? Es ist kein dynastischer und auch kein kapitalistischer Krieg gewesen. Es war ein Krieg, dem die freien Völker der Welt ihre Unterstützung ge- lichen haben, für den sie ihr eigenes nnd ihrer Kinder Leben gaben. Wenn der Sturm vorbei ist und der Himmel wieder klar, werden wir dann n i ch t d i e D i n g e in einem neuen und wahreren Lichte sehen müssen? Inzwischen müssen wir unser Pulver trocken halten. �squiths Rede imLicht der englischen pref)e. Amsterdam, 27. September. Die englische Presse sieht in der Rede Asquiths eine Erklärung der britischen Nation.„Daily News" stellen den Alliierten anHeim, ihre Mindestbedingun- gen bekanntzugeben, unter denen sie bereit sind, in Verhandlungen mit Teutschland einzutreten. Als solche nennen sie die Räumung und formelle Bestätigung der Unabhängigkeit Belgiens, Serbiens und Rumäniens und vielleicht auch d-: Des- annerion Elsaß- Lothringens. Die„W c st m i n st e r Gazette" schreibt: In seiner denkwürdigen Rede hat Asquith sehr richtig die belgische Frage zu einem Probierstein für den guten Willen der deutschen Regierung gemacht, und so lange wir nicht bestimmt wissen. daß der Weg in dieser Sache gehörig festgelegt worden ist, können wir unsere Ansicht in bezug auf den Frieden nicht näher entwickeln. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 26. September. Durch unsere U-Boote wurden auf dcm nördlichen Kriegsschauplay wiederum 2b Sr.-Reg.-Tonnen verseukt. Unter den versenkte» Schiffen befanden sich der bewaffnete englische Dampfer Rollcsby sZObb To.l sowie zwei unbekannte dc waffnete englische Dampfer, einer davon etwa 10 000 To. groß, vom Aussehen des Winisrcdian. Der Chef des AdmiralstadeS der Marine. Kleine Kriegsnachrichten. Tie Opfer des Luftangriffs auf England. Nach einer Reuter- Meldung wurden bei dem Luftangriff Dienstag nacht sieben Per- sonen getötet und 25 verletzt. Weiter wird gemeldet: Geschützfeucr zwang die erste Gruppe der angreifenden Flugzeuge, die sich Dienstag abend London näherten, zur Rückkehr. Nur zwei Flugzeuge drangen durch die Abwehrlinio. Diese warfen am Südostranö von London eine Anzahl Bomben ab, die einige Wohnhäuser beschädigten. Eine zweite Gruppe angreifender Flugzeuge wurde, ohne London zu erreichen, vertrieben. Ein Schuyzöllner englischer UnterstaatSsekrctär. Das Mitglied des Unterhauses HewinS, ein Verteidiger der Tarifreform und der Vorzugstarife für die Kolonien, ist zum Untersekretär für die Kolonien ernannt worden. Ausstände in Australien. Die Angestellten der Eisenbahn- Werkstätten in Sydney traten am 2. August in den Ausstand, um gegen die Einführung eines Kartensystems mit Berich- ten über die Arbeiter u nd ,bre Arbeit Einspruch zu erbeben. Die Eisenbahner- und Straßenbakmerverbände traten daraus in den Sympathiestreik und legten dadurch den Verkehr von Neusüdwales fast gänzlich lahm. Die Regierung bekämpfte den streik mit Hilfe von Arbeitswilligen, worauf zahlreiche Gewerk- schaflen in ganz Australien gleichfalls am Ausstand teilnahmen. Der Ausstand mißglückte schließlich. Die Regierung versprach, daß die Feststellungen durch das Kartensystem in drei Monaten aui- hören sollen. Unruhen in CYina. Die Garnison des strategisch wichtigen Passes von Linltng(?) ,m südlichen Hunan hat sich von der Zen- tralregierung unabhängig erklärt. Die Revolte sst von den Führern des Südens ins Werk gesetzt. Der Anschlag gibt ihnen die Macht über die Provvinz Hunan, zu deren Gouverneur kürzlich ein General ans dem Novden ernannt worden ist. Die Truppen aus Kwangsi marschieren nach Hunan, um den Rebellen beizustehen. hauptausschuß öes Reichstags. Tie �Veränderungen in den Reichsämtern. Der Hauptausschuß begann seine Verhandlungen am Mitt- woch mit der Beratung der Nachträge zu dem Reichshaushaltsplan. Als erster Redner ging Graf v. Posadowsky auf seine Erfahrungen in den Reichsämtern ein. Er erklärte S'e vorgeschlagene Teilung des Reichsamts des Innern für verfehlt: Das Reichsamt des Innern könne zweckmäßiger dadurch entlastet werden, daß einzelne Teile dieser Aufgaben andern Aemtern überwiesen werden. Insbesondere wäre zu erwägen, ob nicht das R e i ch s e i s e n b a h n a m t ausgebaut werden sollte zu einem Reichsamt für öffentliche Bauten. Diesem Amt könnten alle tech- Nischen Aufgaben überwiesen werden. Die Frage, od«in besonderer allgemeiner Vertreter für den Reichskanzler bestellt werde, sei von großer politi- scher Bedeutung. Der jetzige Zustand sei unerträglich. Es sei eiui Ding der Unmöglichkeit, die sachliche von der formellen Verantwort- lichkeit zu trennen. Derjenige, der die ganze Arbeit angeregt und in allen ihren Einzelheiten geleitet habe— daS ist der Staats- s e k r e t ä r—, der müsse auch die formelle Verantwor- t ii n g tragen. Jetzt aber werde oft genug der Staatssekretär ver- antwortlich gemacht auch dann, wenn er nach Anweisung des Reichskanzlers auftreten müsse. Der jetzt zu ernennende be- sondere Stellvertreter des Reichskanzlers soll für die Einheitlichkeit der Reichsleitung sorgen. Der Herr sei nicht an den Vorarbeiten der zur Verhandlung stehenden Fragen beteiligt, er kenne daher auch nicht die Schwierigkeiten, die hier im Wege stehen, und trotz- dem werde er tatsächlich der Vorgesetzte der einzelnen Staatssekretäre sein und auf Grund seiner ungenügenden Kenntnis mit einem Machtwort eingreifen und dadurch schweif Nachteile hervorrufen. Bisher war der Staatssekretär des Inner» zugleich Stellvertreter des Reichskanzlers, aber doch nur in den Fragen der inneren Politik. Die auswärtige Politik war hiervon ausgellommen und das mit gutem Grund; denn diesen?lii gelegen- betten steht der Staatssekretär des Innern fern. Wie soll das jetzt werden? Soll der neu zu ernennende allgemeine Vertreter des Reichskanzlers auch in die auswärtigen Angelegenheiten eingreifen? Sehr bedauerlich sei es, daß diese wichtigen Fragen geregelt worden seien, ohncden Reichstag vorher zuhören. Die eigentliche Regierung liege nicht in der Reichsleitung, sondern in den im Bundesrat vertretenen Einzelregierungen. Dieser Zustand dürfe nicht geändert werden. Aber nach seiner Ueberzengung könne die Aenderuiig, die er im Auge habe, durchgeführt werden, ohne daß an den jetzigen Regicrungsverhältnissen sich etwas ändere. Staatssekretär des Reichsschatzamts Gvaf v. Roedern wandte sich gegen die'Anregung des Vorredners, daß ein selbstän- digcs Staatssekretariat für öffentliche Arbeiten geschaffen werden solle; wenn nicht die umfangreichen Bauten deS Heeres und der Marine auf dieses Amt übertragen würden, bleibe der Aufgaben- kreis des neuen Amtes zu gering. Daß aber das Bauwesen ge- trennt werden könne von der Heeres- und Marineverwaltung, sei nicht anzunehmen. Der allgemeine Stellvertreter werde nicht die Befugnis haben. Entscheidungen zu treffen. Er werde keine Zwischeninstanz zwischen dem Reichskanzler und den andern Reichsämtern sein, vielmebr würde ihm die Vorbereitung wichtiger Beschlüsse anheimgestellt, bei denen der Reichskanzler nicht immer anwesend sein könne.'Auch müßten jetzt im Krieg die Eni- scheidungen schneller getroffen werden als im Frieden. Gegen die vom Vorredner verlangte Verantwortlichkeit der Ktaatssekretäre liege das Bedenken vor. daß es im jetzigen ?lugenblick unpraktisch sei, an die Läsung dieser wichtigen Frage heranzugehen. Widersprechen müsse er endlich der Aeußerung des Vorredners, daß die RcichSleirung mit der vorgeschlagenen Teilung des Reichsamts des Innern dcm Reichstag vorgegriffen habe. Nach den erregten Juttdobattcn habe vielmehr eine Besprechung mit Vertretern aller Fraktionen stattgefunden. Dabei sei kein Widerspruch gegen die Teilung des Reichsamts des Innern und die Loslösung des allgemeinen Stellvertreters von einem Ressort zu erkennen ge- wesen. Außerdem seien die beiden neuen Herren in etatsmäßige Stellen berufen worden. Unterstaatssekretär Wallraf versicherte, daß die Teilung des Reichsamts des Innern in dem Augenblick unvermeidlich geworden sei, als auch die großen politischen Fragen so zugenommen haben, daß der leitende Herr unmöglich«inen Ueberblick darüber habe»nd die Lösnng der Angelegenheit nach seinen eigenen Anregungen durchführen könnte. Entscheidend für die Vorschlafe der Reichs- leitung fei die Ucbrzeuyung, daß Sozial- und Wirtschaftspolitik ver- einigt bleiben müssen. Ebenso könne dre Seeschiffahrt nicht vom Neicbsamt des Innern getrennt und einem neu zu bildenden Reichsamt für öffentliche Arbeiten überwiesen werden, vielmehr gebore die Seeschiffahrt aufs innigste zur gesamten Wirtschafts- Politik. Abg. Lcdcbour fUnabh.) stimmte in vielen Punkten den Aus- führungcn bei, die Graf PosadowSky gegen den Vorschlag der Reichsleitung gemacht hat. Diese dankenswerten Ausführungen feien der beste Beweis dafür, wie notwendig daS parlamentarische RegierungSspstem sei, denn in diesem bleiben die aus ihrem Amt geschiedenen Minister Mitglieder deS Parlaments und könnten auf Grund ihrer Erfahrungen in vielen Fragen sebr wichtige An- regungen geben; bei dem jetzigen bureaukratischcn System dagegen verschwinden die entlassenen Minister von der politischen Bildfläche. Redner beantragt, die Verhandlungen jetzt so lange zu vertagen. bis der Reichskanzler, Dr. Helffcrich und der Staatssekretär des Auswärtigen in der Kommission erscheinen.— Der Antrag wurde gegen vier Stimmen abgelehnt. Abg. Dr. Stresemanu lnatl.): Er hätte auch gewünscht, daß der Reichskanzler hier in der Kommission seine Ansichten über die Neu- gestaltung der Reichsämter vorgetragen bättc. Tic Borlage selbst begrüßt er, wenn er cS auch für zweckmäßiger gehalten hätte, daß das Reichsamt des Innern in drei Teile geteilt würde, daß also auch für die sozialpolitischen Fragen ein besonderes Amt, das Reicksarbeitsamt, geschaffen werde. In bczug auf die Ernennung eines besonderen Stellvertreters des Reichskanzlers schließe er sich :m wesentlichen den Bedenken PosadowSkys an. Wenn seine Partei trotzdem dem Vorschlag zustimmen werde, so würde dies nur ge- schehcn in der Annahme, daß dieses Amt nur vorübergehend ist, um den Staatssekretär Dr. Helfferich bei den wichtigen Friedensver- Handlungen verwenden zu können. Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Strcseniann antwortete der Staatssekretär des R e i ch S s ch a tz a m t s, es fei beab- sichtigt, das Amt des Kommissars für UcbergangSwirtschaft mit dem der Rcichswirtschaft zu verbinden. Abg. Dr. David(Soz.): Auch meine Freunde fordern, daß der Reichstanzier bei dieser Verhandlung zugegen sei. Sie hätten aber nickt dafür stimmen können, daß die Verbandlungen jetzt abgebrochen würden, weil sie der Meinung sind, daß der einzig zulässige Sckluß dieser Verband- lungen die Ablehnung der Vorlage sei, und dies könne geschehen, auch ohne daß der Reichskanzler anwesend ist. Es sei nicht richtig, daß über die Schaffung einer Stelle für den allgemeinen Stell- Vertreter des Reichskanzlers eine Verständigung mit den Partei- führern stattgefunden habe, vielmehr sei dieser Plan bereits als ein fertiges Werk den Parteien vorgelegt worden. Die Neuerung greife zu tief in unser Verfassungsleben ein. Aber das Verfahren werde nicht vereinfacht, sondern noch verwickelter und die Arbeiten der Reichsleitung werden dadurch nicht erleichtert, sondern er- schwert. Wenn man auch den Stellvertreter des Reickskanzlers nicht als Vorgesetzten der Staatssekretäre ausdrücklich bezeichnet, so werde er sich dock tatsächlich als Vorgesetzter betätigen. Er würde in die Angelegenheiten der einzelnen Reichsämter hineinreden, und das sei das Allergefährlichste. Was wir brauchen, seien, uird darin stimme�cr dem Grafen PosadowSky durchaus zu, verantwort- liche Staatssekretäre. Schon jetzt seieir die Staatssekretäre durchaus nicht die maßgebende» Herren, sondern ihnen werden Schwierigkeiten von allen Seiten bereitet. Hierzu kommt jetzt noch der neue Stellvertreter deS Reichskanzlers. Der Trost, daß es sich ja nur um eine vorübergehende Einrichtung handle, sei nicht ent- scheidend. Ist einmal eine solche Einrichtung geschaffen, sei es sehr schwer, sie wieder zu beseitigen. Der eigentliche Grund der jetzt gemachten Vorschläge sei die Rücksicht aus die Person Helffcrichs. Helfferich soll durchaus, wie Abg. Stresemann ja auch zugestanden bat, bei den bevorstehenden Friedensverhandlungen mitwirken. Ob erdcr geeignete Ma n n sei, sei noch durchaus z u bezweifeln. Wenigstens das Eine sei erwiesen, daß er die Verhandlungen durch sein Auftreten nicht erleichtern. Tie An- regung PosadowSkys, ein Reichsamt für öffentliche Arbeiten zu er- richten, sei durchaus beachtenswert. Für die weiteren Pläne miißte dieser Vorschlag ernsthaft herangezogen werden. Im Augenblick genüge es aber, wenn man das Reichsamt des Innern in der Weise teile, wie es die Vorlage vorschlägt, aber den Vorschlag dadurch erweitert, daß man von den wirtschaftspolitischen die sozialpolitischen Fragen abtrennt. Dann bekommt man drei Teile, ein Reichswirt- schaftsamt, ein Reichsarbeitsamt und die übrigen Aufgaben würden dann dem Reichsamt des Innern verbleiben. Die ver- mittelndc«pitze der Reichsämter würde dann durch den Reichs- kanzler gebildet werden. Die sozialpolitischen Arbeiten sind so wichtig und schon so umfangreich gewesen; sie werden es auch noch viel mehr in der Uebergangswirtschast werden, daß zur Leitung dieses Amts eine volle Arbeitskraft nötig ist. Kein Mensch wäre sähig, sowohl das große Gebiet der Wirtschaftsfragen als auch das der sozialpolitischen Fragen zu übersehen. Kommen zwischen den Reichsämtern Streitfragen vor, dann sollen die Staatssekretäre selbst mit dem Reichskanzler darüber verhandeln. Hier würde der Stellvertreter nur störend und erschwerend wirken. Ebenso würde rür die Verhandlungen des Reichskanzlers mit dem Rcickstage der Stellvertreter durchaus nickt die geeignete Person sein. Die Mittelmänner, die hier gebraucht werden, seien die parlamentarischen Minister, diejenigen Männer, die aus den einzelnen Parteien als Mitglieder ihrer Partei in die Rcichsleitung selbst eintreten. Die Verant- wortlichkcitssrage sei ja im VersassungsauSschuß deS Reichstags behandelt worden und nach den Vorschlägen, die hier gegeben wurden, müßten diese Fragen gelöst werden. Im Bundesrat würde durch den Stellvertreter des Reichskanzlers.der Einfluß Preußens noch mehr gestärkt, der der andern Regierungen noch mehr geschwächt werden. Redner empfahl folgenden Antrag, den die sozialdemokratische Fraktion gestellt hatte, zur Annahme: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, eine Dreiteilung des Rcichsamt des Innern in der Weise in die Wege zu leiten, daß die sozialpolitischen Fragen ihre Zusammenfassung in einem RcichSarbeitsamt finden. Abg. Graf Westarp(k.): Ob mit der Schaffung des neuen Stellvertreters des Reichskanzlers etwas Gutes erreicht wird, kann man bezweifeln. Auch seine Partei ist der Meinung, daß es sich nur um einen Versuch für die allernächste Zeit handelt. Zu er- wägen sei, ob nicht in das Gesetz ausdrücklich hineingeschrieben werden muß, wann diese neue Einrichtung wieder verschwinde. Seine Partei sei gegen verantwortliche Staatssekretäre sowie gegen ein kollegiales Reicksministerium. Ferner wünsche seine Partei, daß nickt zu viele Staatssekretäre in das preußische Ministerium kommen. Endlich balte es seine Partei nicht für zweckmäßig, in einem Reicksamt zwei Unterstaatssekretäre zu haben. Staatssekretär des Reicksschatzamts. Graf v. Roedcrn: Amtlich sei bei uns von Sprechministern nie die Rede gewesen. Die Vor- stände der Reichsämter haben durchaus nicht die Absicht, irgend- welcke Funktionen abzutreten, die ihnen durch die kaiserliche Be- rufung auferlegt worden sind. Abg. Graf PosadowSky: Er bedauere«s sehr, daß diese wichtigen politischen Fragen beute von der Rcichsleitung nicht erörtert wor- den seien vom politischen, sondern nur vom etatSrcchtlichcn Stand- punkt aus. In der Tat hätte der Reichskanzler heute anwesend sein müssen. Fürst Bismarck sei auch dann im Reichstag erschienen, wenn es sich um viel weniger wichtige Fragen gehandelt habe, sobald sich dies« auf das politische Gebiet erstreckten. Er sei damit einverstanden, daß Wirtsckasts- und Sozialpolitik in einer Hand vereinigt würden. Ein und dasselbe Amt müßte die- jenigcn Fragen umfassen, die durch die sozialpolitischen Lasten ge- fördert und die durch sie beschwert werden. In d«r jetzigen Zeit, in der in Preußen allerdings unter dem Druck der Verhältnisse — weitgehende Verfassungsänderungen beabsichtigt seien, müsse auch die notwendige Zeit und Kraft gefunden werden, um im Reich die von ihm angeregten Vcrbcsierungen durchzuführen. Wenn der Stellvertreter des Reichskanzlers ganz besonders für die lieber- gangswirtschast bestimmt sei, weshalb habe man ihn dann nicht zum selbständigen Minister für die Uebergangswirtschast gemacht? Graf v. Rocdern erklärt diesen Vorschlag nicht für glücklich. Es sei vielmehr unbedingt nötig, daß die Uebergangswirtschast an das Reichswirtschaftsamt verwiesen werde. Abg. Erzbcrger lZ.): Ihm scheint es, als ob die jetzt behandelten Fragen noch nickt spruchreif seien. Seine Fraktion habe zu der Vorlage noch nicht sc st Stellung genommen. Redner schloß sich den Ausführungen an, nach denen die Zustände, wie sie sich auf Grund der jetzigen Vorlage gestalten würden, unhaltbar er- scheinen. Die Vorlage sei nur erklärlich aus Rücksicht auf die Person des jetzigen Reichskanzlers und des Dr. Helfferich. Der Reichstag sei mit der Vorlage vor eine vollendete Tatsache gestellt. Seine Partei wenigstens habe vorher nichts von diesen Plänen gewußt. Abg. v. Paper 08p.): Ter Reichstag habe die Teilung des Reichsamls des Innern schon lange verlangt. Er halte eS für ricktiger, daß das Amt so, wie es die Vorlage wolle, in zwei, und nicht nack dem Vorschlage der Sozialdemokraten in drei Teile ge- teilt würde. Auch seine Partei müsse verlangen, daß die Stelle des allgemeinen Stellvertreters des Reichskanzlers nur vorläufig beibehalten werde, und zwar nur, damit Dr. Helfferich bei d-m Friedensverhandlungen mitwirken könne. Er halte gerade den Dr. Helfferich für sehr geeignet, diese Verhandlungen zu fördern. Seine Partei werde für die Vorlage stimmen.— Abg. Ledebour trat für den sozialdemokratischen Antrag ein. Damit war die erste Lesung beendet. Von einer Abstimmung wurde Abstand genommen. Die zweite Lesung soll später statt- finden, damit inzwischen die Parteien noch zu den Vorschlägen Stellung nehmen können. Am Montag soll mit der Besprechung der auswärtigen Politik begonnen werden, und zwar zunächst mit der Antwort auf die p ä p st l i ch c Fricdensnote. Artikel 9 öer Reichsverfassung. Der Berfaffungsausschust nahm am Tonnerstag seine Arbeiten wieder aus, und zwar mit der Beratung des Antrages, in Artikel S der Verfassung den Satz zu streichen, wonach niemand gleichzeitig Mitglied des Reichstags und deS Bundesrats sein kann. Abg. Haußmann(Pp.i begründet den Antrag. Mitglieder deS Bundesrats können in den Reichstag gewählt werden, müssen aber, wenn sie die Wahl annehmen, ibr Amt niederlegen. Tie Theorie geht davon aus, daß ein dem Reichstag angehörendes Mitglied des Bundesrats unter Umständen im Rcickstag bekämpfen müßte, was er im Bundesrat im Auftrag � seiner Regierung zu vertreten hatte. Redner weist daraus hin, daß in den Einzelstaatcn die Minister in den Landtag gewählt werden können. Gerade in Preußen werden vielfach Landräte in den Landtag gewählt, obwohl sie amtlich ver- pflichtet sind, die Politik der Regierung zu vertreten. Was aber für Preußen zulässig ist, das kann im Reich nicht unmöglich sei». � Die Staatssekretäre sind keine preußischen Beamten, nur aus Zweckmäßig- keitsgründen werden sie von Preußen in den Bundesrat entsandt. In Wirklichkeit vertreten sie im Bundesrat die Interessen des Reichs. Die jetzige Bestimmung des Artikels 9 der Verfassung schafft für die Staatssekretäre einen ganz unhaltbaren und unwürdigen Zustand. Abg. Mrrsin lDtsch. Fr.) erklärt, daß die Deutsche Fraktion ge- schlössen gegen das parlamentarische Regicrungssystem stehe, wenn auch nicht verkannt werden solle, daß zwischen Regierung und Volk eine engere Fühlung hergestellt werden müsse. Abg. Krcth ikons.l teilt mit, daß auch seine Fraktion gegen den Antrag sei. Ter Einfluß, den der Reichstag jetzt auf die Regierung habe, sei so weitgehend, daß man die Wirkung erst einmal abwarten müsie. Die höchsten Stellen im Reiche dürfe mag nicht Rechts- anwälten und' Journalisten vorbehalten, die z u f ä l I i g in den Reichstag gekommen sind. Abg. Stadthagcn(Unabh.l ist ebenfalls gegen den Antrag. Die Einführung des parlamentarischen Systems, da? der Antrag fördern wolle, führe nicht zum Ziel, denn die Burcaukratic werde bleiben. Wenn die Parlamentarier Minister werden, dann würden sie zu den schlimmsten Burcauiratcn: das hätten Miqucl und Möller be- wiesen. Der Antrag müßte zu einer Vermehrung der Burecmlstatie führen, gleichzeitig aber eine Zurückdrängung des Einflusies des Parlamentes bedeuten; deshalb sei seine Fraktion gegen den An- trag. Der Abg. Krcth habe mit seiner Charakters- sicrung der Mehrheit des Reichstages durchaus recht gehabt. Abg. Herold iZentr.i meint, der Vertreter im Bundesrat vertrete nie seine persönliche Meinung, sondern er erfülle bei seiner Abstim- mung lediglich einen Auftrag. Als Reichstagsabgeordneter aber ver- trete er seine Ileberzeugung, so daß in seiner verschiedenartigen Stellungnahme kein Widerspruch zu liegen brauche. Eine engere Fühlung zwischen Regierung und Parlament sei auch möglich, wenn die Vertreter der Parteien bei der Vorbereitung von Gesetzen gehört werden. Das sei genügend; deshalb stimme er gegen den Antrag. Abg. Landsbcrg(Soz.): Wer Gegner des parlamentarischen Systems sei, müsse den Antrag natürlich ablehnen. Deshalb sei die Stellungnahme Stadthagens einfach unverständlich. Aus diese Weise komme Stadthagen immer wieder in die Gesellschaft des Abg. Kreth. Volk und Regierung müßten in ein anderes Verhältnis zu- einander kommen. Die Parlamentarisierung bedeute nicht ohne wei- teres die Macht der Linken, denn es ist auch denkbar, daß im Reichs- tag eine Mehrheit der Rechten zustandekommt. Abg. Junck(natl.) sprach für seine Partei die Z u st i in m u n g zu dem Antrag aus und bestritt, daß der Antrag aus eine Degradie- rung der Beamten hinauslause. Die Annahme des Antrages bedeute noch nicht die Parlamentarisierung, aber es werde der Weg gebahnt zu einem besseren Verhältnis zwischen Regierung und Volksver- tretung. Ministerialdirektor Lewald erklärt, der Bundesrat habe zu der Frage iwch nicht Stellung genommen. Er glaube, daß die Streichung der Bestimmung die wich- tigste Veränderung der Verfassung seit ihrem Bestehen darstelle. Falle diese Schranke, so könne die Entwicklung dahin führen, daß der Bundesrat künftig nur noch eine Projektion des Reichstags sei, ähn- sich wie der Haushaltungsausschuß einen kleinen Reichstag darstelle. Trete dies ein, dann sei die Versassungsbestimmung, daß die Reichs- gcsetzgebung durch den Bundesrat und den Reichstag ausgeübt werde, bedeutungslos, und das Reich werde allein durch eine Kammer, den Reichstag, gelenkt. Der Bundesrat, der die Zusammenfassung des Willens von 25 Staaten darstelle, könne mit der Rcgiecuung eines Ein- heitsstaates nicht verglichen werden. Auch in der Schweiz könne ein Mitglied des Bundesrats nicht dem Stände- oder Nationalrat angehören. Entsprechende Bestimmungen bezüglich der Uuverein- barkeit der Stellung als Senator und als?lbgeordncter beständen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ter Bundcsratsbevoll- mächtigte stimme nach den Instruktionen seiner Regierung, Artikel 29 der Verfassung schreibe aber für die Mitglieder des Reichstags aus- drücklich vor, daß sie an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden seien. Wenn geäußert worden sei, die Stellung der Staatssekretäre müßte eine andere werden, sie müßten unabhängig von der Instruktion der preußischen Regierung werden, so sei dieser Wunsch im Rahmen der Verfassung unerfüllbar. Jeder Bundesratsbevollmächtigte könne nur so abstimmen, wie er von seiner Regierung instruiert sei. Mau müsse sich klarmachen, daß au? der föderalistischen Grundlage des Reichs wichtige und bedeut- same Rechte der Einzelstaaten folgten. Vielleicht scheine es manchem, als habe die Abschaffung des Artikels 9 Satz 2 keine unmittelbar praktische Bedeutung. In Wahrheit handle es sich aber um die Nm- schaffung des gegenwärtigen VerfassungSzustandes zugunsten eines neuen. Es müsse fraglich erscheinen, ob alle, die jetzt für die Aende- rung seien, sich auch dieser Neugestaltung bewußt seien und sie herbei- zuführen wünschten.., Abg. Stadthagea lUnabh.) präzisiert noch einmal seinen Stand- Punkt. In einem Moment der größtgn Unfreiheit könne man nicht. davon reden, dem Bolke Freiheiten zu geben. Daß Konserbative und Sozialdemokraten aus ganz cntgegeugesetzteu Motiven zusammen- gestimmt haben, stehe keineswegs vereinzelt da. Abg. Krcth(kons.) bestreitet, daß das Volk in Preußen an nichts anderes denke als an das Wahlrecht. Eine Versammlung in München, die sich mit dem Bierpreis befaßte, ivar stärker besucht als die Wahl- rechtsveriammlungen in Preußen. Abg. Müller-Meiningen(Vp.) bedauert, daß dem zur Erörterung stehenden Antrage eine so übertriebene Tragweite beigemessen wird. Im Ernste könne doch wahrhaftig nickt davon geredet werden, daß an den Grundfesten des Reiches gerüttelt tverde, wenn ein Mitglied des Bundesrats gleichzeitig dem Reichstag angehört. Was den Kon- scrvativen ein Schreckgespenst scheint, die Parlamentarisierung, das ist ein dringendes Erfordernis für die große Mehrheit des deutschen Volkes. Bei der Abstimmung wurde der Antrag mit Isi gegen 12 Stim- men angenommen. Für den Antrag stimmten: Sozialdemokraten, Fortschrittler, Nationalliberale und vom Zentrum Abg. Becker (�Arnsberg) sowie die Polen. Gegen den Antrag stimmten: Kon- servative. Deutsche Fraktion. Unabhängige und vom Zentrum die Abgg. Herold, v. Frankeustein, Werr und Hitze. Die nächste Sitzung findet am Donnerstag der nächsten Woche statt._ Die sozialdemokratischen Interpellationen. Die von der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstag eingebrachten zwei Interpellationen haben folgenden Wort- laut: I. Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß im Heere von Vorgesetzten eine eifrige Agitation zu- gunsten alldeutscher Politik und namentlich auch gegen Be- schlüsse des Reichstags betrieben wird?— Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um diesem Mißbrauch der Dien st gew alt durch die Vorgesetzten Einhalt zu tun? II. Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß von Stell vertretenden Generalkommandos Verordnungen erlassen worden sind, durch die: a) die Ausübung des Vereins- und Versamm- lu nasrechts vollständig unterbunden und' die Besprechung von Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie die Erörterung von Fragen des vaterländischen Hilfsdienstes unter Androhung von Gefängnisstrafen verboten worden ist; b) das Vereins- und Versammlungsrecht einseitig z u- gunsten alldeutscher Propaganda gchandhabt wird? Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um diesen Mißbräuchen Einhalt zu tun? Keine Iuöenzählung. Auf ein Anfrage des antisemitischen Abg. Werner-Gießen hat der Stellvertreter des Reickskanzlers geantworlet. daß bei den Er- Hebungen über die Angehörigen der kriegswirtschastlichen Organi- sationen von einer Ausdehnung auf die Konfession„aus grundsätzlichen Erwägungen" Abstand genommen worden ist. Der Unfug, der im Herbst v. I. einzureißen drohte, und den der „Vorwärts" damals aus grundsätzlichen Erwägungen entschieden be- kämpfte, ist also eingestellt worden. Maschinengewehre im Innern. Schmidt-Gibichenfcls berichtigt. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Unter Berufung aus Z 11 des Preßgesetzes ersuche ich Sie um Ausnahme nachstehender Berichtigung des rn Nr. 262 des„Vor- wärts" unter der Uederschrift„Ein Schrei nach Zensur" gebrachten Artikels. Erstens bin ich nicht, wie Sie schreiben,„ein agrarischer Wanderredner", sondern ein in wirtschaftlicher und jeder anderen Hinsicht durchaus unabhängiger Privatmann, der nicht auf das Einkommen aus der ihm als Eigentum gehörenden polt- tifch-anthropologischen Monatsschrift angewiesen und darum, wie selten ein Sckrislsteller, in der Lage ist, seine Meinung frei von jeder ungewollten Rücksichtnahme ans oben oder unten oder irgend welche Partei auszusprechen. Zweitens ist es nicht richtig, daß ich„schon im Juli gegen die Sozialdemokratie die Anwendung von Maschinengewehren empfahl". Die betreffende Stelle im Juniheft— nicht Jnlihcst, wie Sie in Nr. 262 behaupten, enthält keinerlei Empfehlung der Anwendung von Maschinengewehren gegen die Sozialdemokratie, sondern nur den begründeten Hinweis auf die Talsache, daß Revolutionen bei uns völlig aussichtslos sind, solange unser Kriegshcer nicht vom äußeren Feinde geschlagen und vom inneren moroliich zermürbt ist. Das Heft muß in Ihren Händen sein, Sie können es also selbst kontrollieren." Hochachtungsvoll Dr. Schmidt-GibichenfelS. Wir haben Dr. Schmidt-GibichenfelS als agrarischen Wander- rcdner bezeichnet, weil er unseres ErinnernS früher oft in agrar- konservativen Bersammlungen gesprochen hat. Seine Vermögens- Verhältnisse interessieren uns nicht. Sein berüchtigter Maschinen- gewehr-Artikel ließ geradezu den Wunsch durchblicken, daß es zur Anwendung von Maschinengewehren im Innern kommen möge. Er war daS tollste, was während des Krieges an reaktionärer Hetze geleistet worden ist._ BundeSratSverordnungen. In der BnndeSratSsitzung am Donners- tag gelangten zur Annahme der Entwurf einer Verordnung über die Vornahme einer S ch w e i n c z w i s ch e n z ä h l u n g am lk>. Oktober 1917, der Entwurf einer Verordnung über die den Unternehmer» landwirtschaftlicher Betriebe für die Ernährung der S e l b st V e r- sorget und für die Saat zu belassenden Früchte, der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend Z o l l f r e i h e i r für Leim, der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend Ausnahmen von den Bc- stimmungen des Hausarbeitsgeseyes vom 29. Dezember 1911, der Entwurf einer Verordnung betreffend Inkrafttreten der Paragraphen 3. 4 deS H a u S a r b e i't S g e s e tz e s vom 20. Dezcm- ber 1911 und der Entwurf einer Verordnung zur Abänderung der Verordnung über Weintrester und Traubcnkerue vom 30. August ISIS._ Letzte Nackrichten. Argentinien bleibt neutral? Amsterdam, 27. September. Die„Times" berichtet aus Buenos Aires: Der argentinische Präsident wird•die Neutralität b c- wahren. solange er nicht durch Entzifferung der Telegramme, die über die schwedische Gesandtschaft versandt worden sind, oder durch die öffentliche Meinung zur Aufgabe der Neutralität gcztvuugen wird. Der argentinische Gesandte in Berlin hat bc- ruhigende Telegramme geschickt. Der Streik der Eisenbahner ver- schärft sich. Die Arbeiter verweigern die Arbeit, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß heute der Belagerungszustand in Argen- tinien verkündet wird. Lindhagen durchgefallen. Stockholm, 27. September.(Eig. Trahtbcrichl des„Vorwärts'.) Der linkssozialistische Bürgermeister Lindhagen ist bei der Wähl gegen einen Sozialdemokraten B ran ti ngscher Richtung unterlegen. GewerkschaflsbewWng Teuerungszulagen in der Kostümbranche. lieber die Stelluilguahme der Arbeitgeber zu der geforderten Teuerungszulage nahmen die Berliner Sh ostümschneider und Kostümschncidcrinnen in einer Bersammlung am Mittwoch den Bericht entgegen. Der Referent Knoop führte dazu aus; Leider habe man in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern, die kürzlich stattfanden, nicht mehr erreichen können als die Zusage von 10 Proz. Teuerungszuschlag. Es fei natürlich versucht worden, mehr zu erzielen. Die Unternehmer meinten jedoch, mehr könnten sie nicht bewilligen. Dabei beriefen sie sich daraus, dax die im Frühjahr als Lohnzulage gewäbrtcn 25 Proz. auch unter dem Gesichtswinkel der Teuerung bewilligt seien. Die jetzt zu- gebilligten 10 Proz. sollen vom I.September ab'nachgezahlt werden. Die Vertreter der Schneider und Schneiderinnen behielten sich vor, erst die Zustimmung ihrer Versammlung zu der Höhe der Zu- sage einzuholen. Im übrigen legren sie bei den Verhandlungen Wert darauf, den besonders unter der Teuerung leidenden Arbeite- rinnen mit geringeren Verdiensten noch eine besondere Zulage zu sichern, um hier einen besseren Ausgleich zu schassen. Es scheint auch Aussicht darauf zu sein. Man wird darüber nochmal verhandeln. Die Bersammlung erklärte in einer Resolution, die zehn- prozentige Teuerungszulage anzunehmen. Zugleich sprach sie jedoch die Erwarlung aus, dag die Unternehmer den Arbeiterinnen mit Wochenverdiensten bis zu 32,50 M. noch eine weitere Zu- läge von 3 Proz. beivilligcn. fordcrimgen der€ifctibabncr. Industrie und Handel. Kohlenprciscrhöhung? Die Lberschlcsiichc iiohlenkonvention hat die E r h ö h u n g der K o h l e n p r e i s e um 2 M. die Tonne mit Geltung ab 1. Dktobcr beschlossen. Hierzu tritt die Kohlensteucr von 20 Prozent. Tie Versammlung der Zechcnbesivcr des Rheinisch Westtälischen Koklcnsnndikatrs beschlosi TonnerStag aus Antrag des GcschäftsauS- schusseS für das letzte Viertel des lausenden Lahres die Richtpreise einschließlich der Äohlcnsteucr für Kohlen um 2,40 M., für Koks um.4,60 M. und für Briketts um 2,50 M zu erhöhen. Dos ent- spricht einer Preiserhöhung der Brennstoffe selbst um 2 M. für Kohlen, um 4 M. für KokS und um 2,08— 2,10 M. für Brikctls. Unter freudiger Zustimmung der Versammlung wurde schließlich mitgeteilt, daß das Kohlcnshndikat auf die siebente Kriegsanleihe 50 Millionen Mark zeichnen und der Hindenburggabc 250 000 M. zuweisen wird. Auf die vorige Kriegsanleihe zeichnete das Kohlenfhndikat 40 Mil- lionen Mark und bisher auf die ersten seckiS Kreigsanleihen insge samt 153 Millionen Mark, woraus schlüssig hervorgeht, daß die Zechcnbelitzcr auch ohne Preiserhöhung eine dicke Stange Geld verdienen. Ausdehnung des A. Zchaaffhansenschen Bankvereins. Ter Aussichtsrat des A. Schaasfhausenschen Bankvereins, dessen Aktien sich zur Gänze im Besitz der Diskontogesellschaft befinden, beschloß, in Aachen, Düren und Siegen Niederlassungen zu errichten. Von dem lebhaften Interesse, dos die gewerkschaftliche Tätigkeil des deutschen E i s en b a h n e r v c r b a n d e s in den Reihen der Eisenbahnarbeiter und Unierbeamten findet, zeuglc der un- gewöhnlich starke Besuch einer Versammlung, die der genannte Ver- band ani Mittwoch im Lehrervereinshause abbielt. Der große Saal samt den Galerien war bis aus den letzten Platz besetzt. Verbandsvorsitzender B r u n n e r sprach über die wirlichaüliche Lage der Eisenbahner. Er führte unter anderem aus: Unter den Begleiterscheinungen des Krieges leiden die Staatsarbeilcr, nament- lich die Eisenbahner ganz besonders schwer, denn sie konnten nicht, wie andere Berutsgluppen, ihr Einkomknen den Teuerungsverhält- nissen entsprechend erhöhen. Erst als die Lebensmittelpreise eine unerschwingliche Höhe erreicht und die Industriearbeiter längst Lohn- zulagen durchgesetzt hallen, bewilligte die Eisenbahnverwaltung Teuerungszulagen, die ja nach und nach erhöbt wurden, aber immer noch viel zu gering sind, um einen annähernden Ausgleich zwischen Lohn und Lebensmittelpreisen darzustellen. UebrigenS haben die Akkordarbeitcr nichts von den Teuerungszulagen, denn die Akkordsatze sind nicht erhöht worden. Das Einkommen der Akkordarbeitcr hat sich also nicht verbessert. Es wird gesagt, die seit Beginn dcS Krieges bewilligten Teuerungszulagen und Lohnerhöhungen machen 7 0 Prozent des Lohnes aus. Ob dieser Satz zutrifft, läßt sich nicht nachprüfen. Aber angenommen, er wäre zutreffend, so würden sich die Eisen- babner doch noch schlechter stehen als vor dem Kriege, denn die notwendigsten Lebensmittel und Bedarfsgegenstände sind um 200 bis 28 0 Prozent im Preise gestiegen. Wir balten eine vrozentuale Lohnerhöhung nicht für da§ Richtige, denn dabei kommen ja die Arbeiter mit den niedrigsten Lohnsätzen. die der Aufbesserung am dringendsten� bedürfen, ain schlechtesten weg, während die höher entlohnten höhere Zuschläge erhalten. Deshalb fordern wir eine gleichmäßige Lohnerhöhung von mindestens 25 Pf. pro Stunde für alle Arbeiter und Ange- stellten ohne Rücksicht aus die derzeitige Höhe ihres Lohnes. Diese Forderung haben wir bereits im Juli ausgestellt. Ehe wir dazu kamen, sie dem Ministerium einzureichen, wurden eine Zulage von monatlich S M. bewilligt, womit sich der Triers che Verband zufrieden gab und der Eisenbahnvcrwaltung seinen Dank aussprach. Hätte der Triersche Verband damals nicht diese Haltung ein- genommen, dann würde es uns möglich gewesen sein, mehr zu er- reichen. Inzwischen haben unsere Versammlungen im ganzen Lande beschlossen, festzuhalten an der Forderung einer Lohnerhöhung von mindestens 25 Pf. für die Stunde, sowie Erhöhung der Pensionen, und Neuwahl der Arbciterausschüsic. Diese Forderungen haben wir dem Ministerium eingereicht. Da? sind unsere Mindestforde- rungcn, von denen wir nichts ablassen können. Außerdem haben wir noch weitere Forderungen, für deren Ver- wirklichung unser Verband eintritt. Vor allem muß die Arbeitszeit verkürzt werden. Es kommt noch vor, daß Schichten von 14 bis 16 Stunden gemacht werden. Für die Werkstattarbeiter gilr ja eigentlich die llstündigc Arbeitszeit, die ist aber durch eine Ueber- stunde, die seil drei Jahren jeden Tag gemacht werden nmß, tat- sächlich zu einer Ivslündigen geworden. Wir fordern grundsätzlich die Einführung der 8 stündigen Arbeitszeit. Man sage nicht, unsere Forderungen seien unerfüllbar. Die preußische» Staatsbahncn toersen höhere UebersKiiiie ab als die im Privatbesitz befindlichen öi'enbabneir anderer Länder. Es wäre alio sehr wohl möglich, die Forderungen der Eiienbahncr zu erfüllen, ohne daß der Belricb der preußischen Eisenbahnen dadurch benachteiligi würde. Wenn mehr die Eiienbahnarbeiter unter dein Zwange des Hilfsdicnstgejetzcs ständen, dann lönnicn sie in der Privatindustrie. wo weicnilich höhere Löhne gezahlt werden, Arbstt suchen. Da ihnen diese Nlöglichleit benommen ist, so wird die Eisenbahnverwaltung auch angemessene Lohnerhöhungen bewilligen müssen.— Der Eisenbahncrverband wird mit aller Entschiedenheit für die von ihin aufgestellten Forderungen eintreten. Nach einer Rede des Landtagsabg. Konr. H a e n i s ch über die nächsten Ausgaben des'Landtags, der eine rege Aussprache folgte, wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Tie Versammlung nimmt Kenntnis von der Eingabe des Vor- standcs des Deutschen Eisenbabnerverbandes an den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten. Sie erklärt, daß es sich bei den in der Eingabe zum Ausdruck gebrachten Wünschen: Erhöhung des Lohnes um mindestens 25 Pf. pro Stunde für alle Bedicnitcle, Erhöhung der Pensionen und Neuwahl der Arbeiterausschüsse nur um die Wünsche von ganz besonderer Dringlichkeit handelt. Bezüglich der Arbeitszeit hält die Versammlung an dem fest, was bereits im Mai 1913 im„Weckius" zum Ausdruck gebracht wurde:„Eine unserer hauptsächlichsten Forderungen ist neben der Er- höhung des Lohnes die Verkürzung der Arbeitszeit. Das Bestreben unserer Organisation ist darauf gericbtel, die tägliche Arbeitszeit aus höchstens acht Stunden zu beschränken, die Ruhepausen eni- sprechend zu verlängern und jedem Bediensteten wöchentlich einen Ruhetag von mindestens 36 Stunden zu sichern." Tie lange KriegSdaucr hat an dieser Auffassung nichts geändert. ES ist heute mehr denn je geboten, die Arbeitszeit aus acht Stunden zu beschränken. Die vielen Ueberstunden in Verbindung mit der ungenügenden Ernährung haben zu einer Erschöpfung der Arbeitskraft geführt, die nur durch eine Verkürzung der Arbeitszeit wieder beseitigt werden kann. Deshalb hält die Bersammlung in völliger Ucberenistimmung mit dem Vorstande des Deutschen Eisenbahner- Verbandes daran fest, daß die achtstündige Arbeitszeit so bald als möglich eingeführt werden muß. Die Versammlung verurteilt das Bestreben, durch hohe Lohnzuschläge zur Ueberstundenarbeit anzu« reizen, weil die anhaltende Ueberstundenarbeit zur völligen Unter- grabung der Gesundheit und Leistutigsfähigkeil der Bediensteten führen muß. Die Lohnberechnung für die achtstündige Arbeitszeit muß in der Weise erfolgen, daß unter Beseitigung des Akkordsystems der Lohn in 8 Stunden so hoch ist, wie er heute nach der Lohn- erhöhung um 25 Ps. pro Stunde sein würde. Die Versaminlung beauftragt den Vorstand, nach wie vor im Sinne der ausgestellten Forderung zu wirken. Die Versammelten vcrs prechen, den Vorstand dadurch talkräftig zu unterstützen, daß sie unermüdlich für den weiteren Ausbau de's Deut- schen EisenbahncrvcrbandeS wirken. üferantwertlich für Politik: Ericki Ztuftner, Berlin: für den ädrigen Teil des BlaiteS: Alfred Scholz, Neukölln: für Inferale: Td.(Blocke, Berlin. Druck u. Bcriag: Vorwärts Buchdruckerei u. Vertagsanstalt Paul Singer er Co., Berlin sw. Hierzu 1 Beilage und Unieröalmugsdlatt. (awerlrichattshaus. Sonntag, den 3O. September 1917: Im großen Saal veranstaltet der Schöneberger Frauen- und Mädchenchor einen 31, Linienstraste 83—85 Gefchästszeit von 9—1 Uhr und von 1—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Iouutag, den 30. September 1917, vormiitags 9 lltzr: Bezivhs-Versammlung des Bezirks Cöpcuick-Fricdrichshagen im Lokal Zlrtur Kästner, Cöpenick, Kaiscrin-Augu'le-Viktona- Straße 29. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Antrag des Gcwerkschaftskartclls Spandau. 2. Bezirksangelegenheiten. Im Interesse unserer Organisation er'uchen wir sämtliche Kollegen und Kolleginnen, an dieser Versammlung teilzunehmen, da auch die Vcrhältniise innerhalb der Bezirksleitung eine un- bedingle Klärung durch die Mitglieder nolivcndig niachcn. ZW' Tie Versammlung wird pünktlich crölfnet.'VB 182/14 Die Ortsvcrwaltnng. KonfirmandensUhren flach, aus steinen gehend, von 9 M. au in gröstter Answahl; genau reguliert: Mililäruhren, Leuchtnhren, Armbanduhren. tzipezIaUiaus für l'hren. 14 Beuthstr. 14 i(Eingang nur im Laden)."MB E.Möbis, Spezial-Arzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr. 90 sÄUnh. Bcbandl. von Syphilis. Haut-, Harn-, Frauenleiden/ spez. chron. Fälle. Ehrlich-Hata-Äu- rcn, schmerzlose, kürzeste Be- Handlung ohne Berufs slörung. Blutuntersuchung. Mäß. Preise. Teilzahlung. Svrechstunden 10 bis 1 und 5—8, Sonnt. 11— 1. MlmkalkW! Verlangen Sie Gartisbroschürc Dr.<»ehliard»V Cle.,* Berlin, Halleschestraßc 23a. Spezialarzt Dr. med. Colcmann für Haut-, Harn-, Frauenleiden nerv. Schwäche, Beinkranke, Khrlich- Hata- Kuren, (Dauer 12 Dige), Behandlung Bchnell. sicher und schmerzlos ohne Berufsstörung. Königstr.34-36Al�aa%,. Spr. 10— 1 u. 5— 8. Sonnt. KM. Vom 1. Oktober 1917 Königstr. 56/57, gegenüb. Rath. II MlsMrke 3 Bände S ZN. Buchhandlung Vorwärts Spezial-Arzt Dr. med. 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Soz.): Sa die schlechten Gas- sinanzen schließlich eine Kriegssolge sind, sollte man das Tcsizit auch auf das Kriegskonw setzen, dessen Deckung der Zukunft vor- behalten ikt. Wollte man das nicht, so mußte der Fehlbetrag auf die Gemeindesteuern geworfen werden. Die Konzession von " Ps. für die kleinsten Verbraucher kann die Vorlage uns gleich- falls nicht schmackhaft machen, denn in Wirklichkeit liegt auch für sie der Surchschniitsverbrauch etwa bei 4ö0 Kubikmeter, nicht aber unter:16o; und sehr in Betrachl kommt zugleich die Gasverschlechtc- rung. die Kohlen- und drc Petroleumnot. Der Hinweis auf die angeblich riesig gestiegenen Arbeiterlöhne entbehrt jeder Beweis- krast: und welche Wucherpreise mutz der Arbeiter für Nahrung?- mittel zahlen, die er schlechterdings nickt entbehren kann! Nach dem Kriege werden ftir die Arbeiterschaft Notstandszeitcn kommen und die soll man nicht durch so verkehrte Maßnahmen wie diese Vorlage schon vorweg verschärfen. Kommen Sie doch zu einer Erhöhung, so lassen Sic wenigstens die Konsumenten bis 600 Kubik- meter völlig frei! Auch muh die Erhöhung erst ab Oktober, nicht schon ab September in Kraft treten. Eventuell wünschen wir, daß den Konsumenten bis zu 600 Kubikmeter die ersten 36ö Kubikmeter unter allen Umständcu nur mit 2 P. Verteuerung angerechnet chcrden. Stadtrat Rast vertritt ckie Auffassung, daß die Gaswerke ein gewerbliches Institut der Stadt sind und daß dem kleinen Ab- nehmer genügend Entgegenkommen gezeigt worden ist. Wenn die Koblenpreise und die Arbeitslöhne wieder sinken(Aha! bei den Sozialdemokraten.), würden auch die Gaspreise wieder zurückgehen. D'e Verschlechterung des Gases betrage nur 15 bis 20 Proz., nicht "•0 oder gar 50 Proz., wie behauptet worden sei. Die Anträge seien abzulehnen: nur die Bestandaufnabnic pro Oktober sei akzeptabel. Kämmerer Vöß: Reich und Staat verfahren finanzpolitisch nach den gleichen Grundsätzen wie unsere Vorlage. Die Löhne sind seit September 1016 bedeutend weiter gestiegen, bei uns um M) Proz.: die. Statiitik des..ReichSarbeitsblattes", auf die sich der Stadtv. Eichhorn beruft, schließt aber mit September 1916 ab. Stadtv. Fröhlich(Soz.): Mit den 365 Kubikmeter als Höchst- grenze für die kleinen Konsumenten ist nichts anzufangen: die Grenze liegt bei 600 Kubikmc.er. Wir haben einen entsprechenden Abanderungsantrag gestellt. Wir sehen die ganze Frage als eine Kriegslast an. deren Abgeltung Sache der Allgemeinheit ist. Für die weiieren Amendements Eichhorn werden wir stimmen: kommen diese Milderungen nicht durch, so müssen wir die Vorlage verwerfen. Für die Vorlage spricht Stadtv. Dr. Lcvv II(Linke). Stadiv. Adolf Eoffmann(Unabh.): Es sollte doch sclbstverständ- lick sein, daß die kleinsten Abnehmer auch tatsächlich in den Genuß bei? Sf&irfirfTkVS Vinn 9 fnmmrn•«>L tff- hir* irfiTimmffr» V C"vv«.\j\ju Ltitci, uii» immtLfULi Uii Lohnsteigerii ngen vor: aber die Lebensmittelpreise sind nicht 100 Pro zeut, sie sind 1000 Prozent hölicr gestiegen! Stadtrat Rast gibt zu, daß die Verschlechterung des Gases daher rührt, daß die Gaswerke die Nebenprodukte an die Militärverwaltung zu einem niedrigeren Preise als die Privatindustrie abgeben muß: ist das nicht auch eine große Ungerechtigkeit? Dieses Defizit ist eine Kriegslast, die auf das Kriegskonto gehört. Stadtrat Rast bleibt bei seinen Ausführungen stehen. Bei den Automatabnehmern hat sich nach Stichproben aus letzter Zeit auch eni Durchschnitt bon 300 Kubikmetern herausgestellt. Stadtv. Mommscn(Fr. Fr.) protestiert gegen die Deduktion, daß die Höhe der Löhne der Arbeiter danach zu beurteilen sei, ob sie den Arbeitern gestatte, auf Schleichwegen zu phantastischen Wucher- preisen Bulter. Schweincsscisch. Speck usw. zu erstehen. Die GaS werte möchten wenigstens die Selbstkosten decken. Die hier in Frage stehende Perteuerung sei eine Bagatelle gegen die enormen Preis- stoigerungen, die jeder zu ertragen babe. Äladtv. Dr. Wehl l Unabh.): Man hätte eine Staffelung der Erhöhung nach dem Einkommen der Konsumenten vornehmen sollen. 4 Die Verschlechterung des Gases durch Streckung mit Wasser- gas gehe über die heute zugegebenen 10—20 Prozent ganz erheblich hinau?: die Grenze von 365 Kubikmeter sei auck aus diesem Grunde absolut nicht haltbar. Nach den bestehenden Vorschriften könnten übrigens die höheren Sätze erst nach 3 Monaten in.Kraft gesetzt werden. Nachdem noch Gaswerksdirektor Lenne einige technische Auf- kchlüsse gegeben hat, verwahrt sich Stadtv. Adolf Hoffmann gegen die Ausführungen de? Stadtv.' Mcmimsen, soweit sie die Ernährung und die Lebensweise der Arbeiter betrafen. Für die Reservierung der Ucbersibüsse aus den Gaswerken zwecks Deckung künftiger Desi zits sei seinerzeit gerade Singer aufs entschiedenste eingetreten. Kämmerer Büß: Bei Ucbcrnahme des Fehlbetrags auf die 0)e>ncindesteuer würden gerade die kleinen Leute nichr zu zahlen Haben als bei den 2 Pf. PrelSerhöhung. Damit schließt die Beratung gegen'A9 Uhr. Die Einziehung des erhöhten Preises erst ab Oktober wird nach dem Antrag Eichhorn fast einstimmig beschlossen. Der Antrag, von den Abnehinern bis zu 600 Kubikmeter keinen erhöhten Gasprcis zu erheben, wird in namentlicher Abstim- mung mit 59 gegen 35 Stimmen abgelehnt, ebenso fällt der Eventualantrag. Die Erhöhung des Preises nach dem MagistratSantrage gelangt darauf zur Annahme. Der Antrag Heimann betr. das Gemciudcwahlrccht wird von der i Tagesordnung abgesetzt Zur Durchführung der dem Kriegsausschuß zum Schu tz au f- s i ch t s l o s e r Kinder gestellten Aufgaben sollen von Stadt wegen 50 fiOO M. bewilligt werden. Stadiv. Dr. Rosrnfeld(II. Soz.) legt dar, wie diese Bestreblin- gen seit Jahren energisch hätten gefördert werden können, wenn man seinerzeit die sozialdemokratischen Anträge angenommen bätte. Tic bisherige Tätigkeit des Kriegsausschusses labe sich leider aus Betteln und Einsammeln milder Gäben beschränkt und demgemäß kümmerlich seien auch seine Leistungen gcivcseu. Man müsse klaren Einblick in die Funktionen des Ausschusses und auch in seinen Personenkreis gewinnen: die Arbeiterschaft sei davon ausgeschlossen. AuSschußberatung sei notwendig. Stadtrat Toflciu bittet, davon abzusehen, die Sache sei eilig. Die Pcrsönlichkcir des Stadtrats Tasseubach, des Vorsitzenden dieses freiwillig zusammengetretenen Ausschusses, bürge für sachgemäße A usführuug. Der Autrag auf Ausschuß nürd abgclohnl: die zweite Lesung wird erst später staltsinden. Nach dem Vorgang des Staates und der Porortstädte will Berlin seinen Beamten und Angestellten neben den Äriegszulagen hesonöera Ä r i cg Ste u cg: u ng sbc i h i l f c u gewähren, und zwar ab 1. Juli 1017 und bis zu den Gehältern von 10 000 M. Es sollen erkalten: -0 Verheiratete ohne Kinder sowie. Unverheiratet«, die Angc- börigc unterhalten, jährlich in Klasse 1(7000—10 000 M. Gehalt) 1000 M., 2 15000— 7000 M. Gehalt) 000 M., 3(3000—5000 M. Gehalt) 720 M.. 4(bis 3000 M.) 540 M.; b) Verheiratete mit Kindern für jedes Kind ohne eigenes Einkommen noch 10 Proz. dieser Gätzc; c) Sonstige Unverheiratete'n allen Klgsscn 420 M. jährlich. Gleichzeitig teil! der Magistrat die von ifim sestgesetzten E r- h öh u n g c n der V e r g ü l n n g s s ä tz c für H i I f s k r ä f t« mit. istadtv. Eassel(Linke) beantragt Ausschußberatung. Es liege ihm unter anderem daran, die Grenze von 10 000 M. zu erweitern und auch die Magistratsmitglieder nicht auszuschließen. «tadtv. Düring(Fr. Fr.) ist gleicher Meinung. Die Stadt müsse ihren Beamten über die schwere Not der Zeit hinweghelfen. Stadtv. Hinvc(Unabh.): Die Lcbensmitteltcuerung ist fast durchweg auf 100 Prozent und darüber gestiegen; dem gegenüber ncbmcn sich die beabsichtigten Zulagen, zumal für die niedrigeren Gehälter, nickt gerade stattlich aus. Tic Zulagen für die geringeren Gehälter müßten gerade höher sei«: sonst würden wir eine ein- heitlicke Zulage von 750 M. für alle Kategorien, auch für die Unverheirateten, vorziehen. Die Arbeiter sind noch nicht durchweg so aufgebesiert, wie gewünscht werden muß. Die Vergütungen ftir eine Reihe von Hilfskräften sind völlig unzureichend erhöht worden. Stadtv. Brückner(Soz.): Wir wünschen' auch unsererseits in einem Ausschuß die Ungleichheiten in der Vorlage zu erörtern' und abzustellen. Der Magistrat spricht immer von einer Teuerungs- zulage; es könnte aber damit auch eine neue Regulierung der Ge-- hälter beabsichtigt sein. Diese würde uns unzulänglich vorkommen; als Teuerungszulage aber erscheinen uns die Sätze der Vorlage ebenso wie dem Kollegen Hintze als eine Ungerechtigkeit. Die Arbciterlöhne müssen gleichfalls reguliert werden; nicht in allen Ressorts stoßen die Arbeiter mit ihren Anträgen bei der Stadtver- waltung auf das gleiche Wohlwollen. lRedncr führt eine Anzahl von Bescheiden an, in denen die Arbeiterorganisationen als Per- trctcr der Arbeiterschaft nicht anerkannt werden.) Die Einsetzung eines Ausschusses wird beschlossen. Gegen die Bewilligung von 100 000 M. für die H i n d e n h u r g- Spende sprickl sich Stadtv. Pfannkuch(Soz.) aus, weil die Stadt keinerlei Einfluß auf die Verwendung der Summe habe. Mit dem Verein„Hindenburg-Gabe", der alldeutschen Tendenzen zu huldigen scheine, wolle man nichts zu tun haben. Oberbürgermeister Mermuth: Die Vermutung, daß politische Motive mitspielen, ist durchaus irrtümlich. Tie deutschen Städte de- tciligcn sich in weitem Umfange an der Gabe. Stadtv. Eassel verwendet sich mit größter Lebhaftigkeit für die beantragte Ehrung. Man würde bei einer Ablehnung mit Fingern auf Berlin weisen. IZilstimmung und Widerspruch.1 Stadtv. Dr. Wetzl spricht aus den vom Stadtv. Pfannkuch ent- wickelten Gründen gegen die Bewilligung. Jedenfalls habe sich der Generalfeldmarschall Hindcnburg noch nicht verbeten, vor den all- deutschen Wage» gespannt zu werden. Stadtv. Pfannkuch sieht eine völlig einwandfreie, unparteiische Verwaltung der Hindenburg-Gabe nicht für gewährleistet an. Nach einer Erwiderung von Cassel wird die Bewilligung be- schlössen. Schluß 10 Uhr.' � GroßSerlln Die Hasverteuerung. Tie Berliner Stadtverordnete nverf amm- l u n g hat gestern die vom Magistrat beantragte Gasverteuc» rung beschlossen. Sie kam zn diesem Ergebnis nach einer langen und heftigen Tebatte, in der n n r d i e s o z i a I- de m o k r a t i s ch c n(S t a d t v e r o r d n e tc n sich gegen die Verteuerung erklärten. Beide Gruppen bekämpften— die sozialdemokratische Fraktion durch ibren Redner Genossen Fröblich, die Mitglieder der Unabhängigen sozialdemo- kratischen Partei durch ihre Redner E i ch h o r n, A d. H o f f- m a n n und W c y l— den aus dem Ausschuß unverändert zurückgekommenen Magistratsantrag wegen der die U n- bemittelten schwer treffenden Belastung. Die Magistratsvertreter, Stadtrat Rast und Stadtkämmerer B ö ß, sahen keinen Grund, solche Bedenken zu haben. Die Freisinnigen stimmten dem Vertcucrungsplan zu, aber— so versicherten ibre Redner Stadtverordneter L e v p und Stadt- verordneter- M o in m s c n—„nicht leichten Herzens". Sie waren, ihrem„schweren Herzen" zum Trotz, auch ftir die Erleichterungen nicht zu gewinnen, die für den Fall der An- nähme der Magistratsvorlage von den Sozialdemokraten bc- antragt wurden. Anträge, w est igstcns die Gas- abnehm er mit einem Jahresverbrauch bis 600 Kubikmeter von der Verteuerung frei- zulassen, wurden von b c i d c n s o z i a l d e m o k r a ti- scheu Gruppe n gestellt. In der Abstimmung standen sie gänzlich allein; nicht ein einziger der Freisinnigen stimmte dafür'— und die Erleichterüng wurde abgelebnt. Abgelehnt wurde auch der von den l Unabhängigen gestellte, von der sozialdemokratischen- Fraktion unterstützte Antrag, dann Wenigstens für die ersten 36fl Kubikmeter eine Erleichterung zu gewähren. Gegen die. Stimmen der. beiden sozialdemo- kratischen Gruppen wurde die G a s v c r t e u c r u n g so, wie der Magistrat sie beantragt hatte— mit der einzigen Aende- rung, daß sie erst mit der Gasmesserstandanfnahme des Oktober beginnen soll.— angenommen. Dieser unsoziale Beschluß ist wahrlich kein Ruhniesblatt in dem Kranz der Kriegsmaßregeln der Stadt Berlin. Wie die Bevölkerung darüber denkt, zeigten die Mißsallenskmidgebiingen, die von der starkbesetzten Tribüne kamen. Ein Gang durch ein Gaswerk. G a S s o r g e ii beunruhigen jetzt die Gemeindeverwaltungen nickt minder als die Bevölkerung. Die Gasverbraucher sollen sich mit einer gcriiigercn Gasmengc als bisher behelfen, obwohl das Gas gegen früher an Heizwirkung verloren hat. Und obwohl da- durch der Wert des GaieS verringert worden ist, sollen sie es teurer als bisbcr bezahlen. Die Gemeindeverwaltungen aber klagen, daß für sie infolge der Kohlenteuerung die Gaswerke selbst bei erhöhtem Gaspreis nicht die irühcreii Einnahmequellen sind. Sie fürchten auch, daß infolge der Kohlenknappheit bei Fortdauer starken GaSver- brauchs die GaSwerksbelriebe eines Tages lieferiingsunfähig werden könnten. Zeitgemäß schien in solcher Zeit der GaSiorgeu ein Besuch des Berliner Gaswerkes in Tegel, zu dem der Magistrat die Vertreter der Presse eingeladen hatte. Direktor Schönbcrg und Diplomingenieur Gärtner übernahmen die Führung der Gäste. Das Werk Tegel leistet allein ein Drittel der von den Gaswerken der Stadt Berlin erzeugten GaSmenge, die im ganzen 300 Millionen Kubikmeter für das Jahr beträgt. Dementsprechend ist die Aiisdehnuirg der Werkanlagen,'die sich auf einem 300 Morgen nroßcn Gelände vom Tegeler See bis zur Kremmener Straße-er» strecken und dabei zwei Slraßen aus Brücken überschreiten. Riesen ha st ist alles an- dieser«chöpfuirg der Techuil. an- gefangcir von dem 600 Meter langen geivaltigcn Kohlenspeicher, der aus einem cigeircu Hafen die Kohlenladungen der Kähne übernimmt, bis zu den turmhoch ausragenden Gasbehältern.. die sich mit dem gebrauchöferligcu Gas füllen und es an die Rohrleitungen weitergeben. Bor den Oefeir hatten wir Ge- lcgenheil zu einer kurzen ober ciudrrnglichen Probe der Gluthitze. die der Feuerarbciter in langer Arbeitszeit ertragen muß. Es ist hier nicht der Ort, die verwickelten Vorgänge zu schildern, in denen die Erzeugung des GaseS und sciner Nebcirprodukle sich vollzieht, oder die Maschineneinrichtungcu zu beschreiben, die dabei benutzt wczdcn. Eine Vorstellung von der Größe des rund 1200 Arbeiter beschäftigenden Werkes und seiner Leistungen möge man sich aus folgenden Zahlen machen: Der Kohlenspeicher bietet Raum für 170 000 Tonnen Kohle(— 3 400000 Zentner), das ist der Inhalt von 17000 Eisenbahnwagen. die zu einem Zuge zusammengesetzt etwa 150 Kilo- »roter Gleisstrecke, die Entfernung von Berlin bis Halle,. besetzen- würden. Zurzeit ist freilich dieser aus Zement gesormle. ungeheure Kohlenkasten. der von den über ih mschwebendeu Hänge- bahnen aus gesülll wird und von den unter ihm befindlichen Kellern. aus durch.Abzapfung" entleert wird, leider— fast leer. Nicht mehr als 20 0(10 Tonnen Kohle lagern jetzt in ihm, womit das Werk bei einem Verbrauch von jetzt täglich nur 700 Tonnen noch leinen ganzen Monat reicht. Die Beförderung der Kohle von den Kähnen zum Speicher und von dort in die Retorten, in denen sie vergast wird, geschieht durchgängig mit Hilfe von Hängebahnen und anderen Maschineneinrichtungcn. Die beiden großen Gasbehälter fassen 145 000 Kubikineter und 225 000 Kubikmeter, zusammen 370 000 Kubikmeter. Auf dem Wege dorthin muß daZ aus der Kohle gewonnene Gas sich noch eine Streckung durch Zusatz von schlechterem WasscrgaS gefallen lassen, das in letzter Zeit zwischen einem Viertel und einem Drittel der Gasmenge geschwankt hat. Unser Führer belehrte uns, daß bei Fortdauer des Kohlemnangels der Wassergaszusatz vielleicht sogar b i S zur Hälfte der Gasmenge wird gesteigert werden müssen. Schöne Aussichten für die Gasverbraucher, die bei solcher Gasverschlechterung die Verbrauchs- menge einschränken sollen!_ Eine„Sparausstellung für Kohle, Gas und Elektrizität" ist in Charlottenburg eröffnet worden und kann bis Sonntag täglich von 4—8 Uhr in der Aula dcr Kaiser-Fricdrich-Schule (Knesebeck st r. 24) unentgeltlich besichtigt werden. DaS Haupt- | gewicht ist darauf gelegt, zu zeigen, wie man die heizungspareiidc Kochliste benutzt und wie man mit einfachsten Mitteln sie sich selber berstclleu kaini. llviiausgestellt sind die Ergebnisse eines Weit- belverbs sclbstaiigefcrligtcr Kochkisten, der nmnche sehr eigenartige Lösung der Ausgabe gebracht hat. Nicht nur alte Kisten aller Art sind dabei benutzt worden, sondern auch eine Holzwanne, ein Marmcladeiieimer, ein Kehrichieimer und sogar eine Hutschachtel, natürlich alles in der Herrichtung, wie sie für richtige Kochkisten erforderlich ist. Auch Kochbeutel gibt eS.zu sehen, die ein billiger inid leicht anzusertigender Notersatz für Kochkisten sind. Im übrigen wird der AuSstellungsbesucher darüber belehrt, wie er an Lampen und Kochapparaten die Brenner zu behandeln hat, wie weit er die Hähne aufdrehen soll, wieviel GaS die Flammen verbrauchen usw. Vermissen wird mancher eine Belehrung darüber, wie mau bei der Heizung dcS Stubcnofens und der Kochmaschine an Holz, Kohle und Koks sparen kann,_ Wie wird die Nahrungsmittelzuteilung für 1917/18? DaS Ergebnis des ErntejahreS 1917 dürfte sich uun jsifld über« gehalten, beim Staatssekretär des Rcichsernährungsamtes Herrn van Waldow eine inöglichst umgehenbc Einberufung des Ernährungs- beiratcs zu beantragen. In der Zeit des Herrn von Batocki trat der Beirat zum letztenmal am 3. März d. I. zusammen, so daß man wirklich nicht von einer Ucberlastung mit Arbeit reden kann. Jetzt kommt es darauf an, nicht nur die künftigen Kopfmengen der Hauplnahrungsmiltel Fleisch, Brot und Kar/offeln festzusetzen, sondern auch die Frage des Jueinandergreifens der verschiedenen Nah« rungsmittel zu entscheiden. Wenn Mangel an einem Nahrungsmittel besteht, soll ja— so wurde es in Aussicht gestellt— möglichst durch ein vielleicht reichlicher vorhandenes anderes Nahrungsmittel ein Allsgleich versucht werden. Der Deutsche Städtetag wünscht, daß der EniährungSbeirat sich mit dieser Frage beschäftigt. Wir freuen uns, daß die Herren jetzt so fleißig an die Arbeit gehen, und wollen nur hoffen, daß sich das Reiullat ihrer Bercch- lluilgeii im iiächstcn Frühjahr rnchl wieder als ebenso irrlümlich herausstellt wie im vergangenen. Das Brot soll teurer werde». In der Groß-Bcrliner Brotkarteiigeinciiischaft ist vorgeschlagen wordeil, in Anbetracht der guten Karloffclcrntc wieder Kartoffeln zur Streckung des Brotes zuzulassen und dafür die Ausmalung des Mehles einzuschränken. Bei der Festsetzung der neuen Mehl- und Brolpreise dürfte tvahricheinlich den Wünschen der Bäcker, die bc- haupteu, jetzt überhaupt nichts ani Brot verdienen zu können, ans Erhöhung der Brotpreisc stattgegeben werden. Die endgültige Beschlußfassung über beide Fragen wird voraussichtlich erst in der nächsten Woche erfolgen. Ein Gedcnktaq der preustischcn Bolksschulc. Die preußische Volksschule kann setzt sozusagen. den 200. Ge- burtStag der allgemeinen Schulpflicht feiern. Vor zwei- hundert Jabren, am 28. September 1717, erließ König Friedrich Wilhelm I. eine Verordnung über die allgemeine �Schulpflicht. Sie bestlnimte..daß hinkünflig in den Orten, wo Schule» seien, die Eltern bei nachdrücklicher Strafe gehalten sein sollen, ihre Kinder gegen zwei Dreier wöchentliches Schulgeld von einem jeden Kind im Winter täglich und im Sommer, wenn die Eltern der Kinder bei ihrer Wirtschaft benötigt seien,.zum mindesten ein- oder zweimal die Woche, damit sie dasjenige, was im Winter erlernet worden, nicht gänzlich vergessen mögen, in die Schule schicken". Aber von der Verordnung bis zur Befolgung dieser bescheidensten Vorschriflen war ein langer Weg. Selbst in der königlich preußischen Haupt« und Residenzstadt Berlin ließ nock nach inehr als hundert Jahren die Durck- führung der.allgemeincii Schulpflicht" sehr viel zu wünschen übrig. Noch für das Jabr 1827, das eine Umgestaltung des Berliner »Armeiischulwesens" brachte, ist eine uns heute kaum glaubhaft schciiieildc Unvollständigkeil der Hcranziehmig zum Schulbesuch fest- zustelle». Für jeneS Jahr wird die Zahl der de» Schulunterricht eiitbehrcndcn schulpflichligen Kinder Berlins auf 5000 berechnet, bei einer Gesamtzahl voll damals noch nicht 25 500 schulpflichtigen Kindern._ , Vrotaufstrichmittel. Die Marmelndensabrikcn, welche Mitte August nur über rund 360 000 Zentner Obst verfügten und weitere Ware nicht mehr erhalten konnten, haben aus Grund der Bekannt- machung vom 20. August 1917 über die zwangsweise Erfassung von Aepfel, Birnen und Pflaumen inzwischen rund 2 700 000 Zentner Obst zugeleitet erhallen, so daß sie jetzt mehr als 3 Millionen Zentner Obst zur Hersiellung von Brolausstrichnpttcl bereit haben. Auslaiidskäsc. In der Zeit vom 24. bis 30. d. M. kommt in Groß-Berlin unter Vermittlung der Fettstelle Streichkäse zum Preise von 60 Pf. für 125 Grumm zum Verkauf. Es handelt sich um A üs l a n d s w a r c, die dem Höchstpreise nicht unlerltegt.» Kartoffelverkauf. Der Magistrat Berlin gibt bekannt, daß de: Kartoffelvcrkaus im Kleinhandel auf Grund der neuen(hellbraiuu«) Kundenliste am Montag, den 1. Oktober beginnt und die bisher gültige Kundenliste an diesem Tage ihre Gültigkeit verliert. Die Kartoffelklcinhändler»Verden nufgesordert, sich die gegrüflen Kunden listen am Sonnabend, den 29. September, von ihrer Brotkommission abzuholen. Im Kamps»lit dem Schleichhandel. Der Kaufmann Heinrich M ü I l e r, Berlin, Warschauer Siraste 89, kautie von Schleich- bändlern aus dem Slcllincr Bahnhof Butler zu Wucherpreisen aus. Beamte des Kriegswuchcramts nahmen ihn fest, als er»90 Pfund Butler in vier Koffern verpackt in einer Droschke fortschaffte. Müller wurde in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert.— Da§ KriegStvucheraml schlost die Konditorei von Karl L ä st l e r, Berlin, Potsdamer Straste 5ä. Lästker hatte lvicdcrholt im Schleich- chandcl erhebliche Mengen Mehl aufgekauft und in seinem Betriebe verarbeitet. Warnung. Halbamtlich wird folgende Warnung erlassen: In verschiedenen Gegenden der Stadl find die KriegSanleihe-Plakale zum Teil beschädigt, zum Teil ganz abgerissen worden. Offenbar bandelt es sich um Tummejungcustrcichc von Kindern und Halbwüchsigen. Darum seien die Eltern und Lehrer dringend ermahnt, den Rindern das Verletzen oder mutwillige Zerstören dieser Plakate mit Hinweis auf strenge Bestrafung ernstlich zn untersagen. In der Kundgebung der deutsche» WirtschaftSstöndc für die siebente Kriegsanleihe am heutigen Freitag, abends 8 Uhr, im Zirkus Busch, werden unter anderem die ReichStagSabgeordneten Erzberger, Dr. Naumann, Graf v. PosadowSkh-Webner. Dr. Riester, Dr. Roesiikc, Dr. Stresemami, Dr. Südekum, Graf v. Westarp sprechen. Ein Raubübcrfall wurde in der Frankfurter Allee 246 zu Lichten- berg versucht. Gegen»(> Uhr vormittags verschafften sich unter einem Borwandc drei Männer Eingang in das Kontor des Geflügel- bändlers Wagner, der dort allein war. Plötzlich warf einer von ihnen dem Geschäftsmann Schnupftabak inS Gesicht, um ihn zu blenden und dann mit den anderen über ihn herzufallen und ihn zu berauben. Der Plan mistlang jedoch. Wagner, ein kräftiger Mann, hielt sich die Angreifer vom Leibe und schlug sie in die Flucht, ohne datz sie etwas erbeuteten. Alle drei sind entkommen. Dem Anschein nach sind es polnische„Arbeiter". Einer der Täler hat einen schweren Fingerbist davongetragen. Rur zwei können genauer beschrieben iverdcn. Der eine ist etwa 25—28 Jahre all und millelgrost, hat einen schwarzen ischnurrbart und trug ein dunkelblaues Jackett. Der andere trug einen grauen Anzug. Einen hellgrauen und einen schwarzen Velourhut mußten die Räuber am Tatort zurücklassen. Ein sehr gefährlicher Brand kam auf dem Hofe der Chemischen Fabrik vorm. E. Schering auf dem Wedding, Müllerstr. 179/171 und Fennstraste, zum Ausbruch. ES brannte aufgespeicherter Spiritus in Fässern. Durch sofortiges kräftiges Wassergeben mit mehreren Schlauchleitungen gelang es, den Brand auf seinen Herd zu be- schränken und die angrenzenden Fabrik- und Lagerräume zu schützen. Vo» einem Straßcubahnwagc» überfahren u»d getötet wurde in der Wiener Straste die Schülerin Else Jahnke aus der Lübbener «traste. Sie geriet beim Ueberfchreitcn des Fahrdamms in der Nähe des Görlitzer Bahnhofes unter den Wagen und war schon tot, als die Feuerwehr sie befreite. Einen schauerlichen Fund machte der Wirt des Hauses Ouitzow- straste 86. Im Strastenkehricht entdeckte er die Leiche eines neu- geborenen 5iinde§, das wahrscheinlich eines gewaltsamen Todes ge- storbcn ist._ Neukölln. Die Brotkommissionen sind mit Rücksicht auf die er- sorderlicke Einschränkung des Heizungsmaterials und der Beleuchtung vom I.Oktober d. I. ab zur Abfertigung des Publikums i» der Zeit von 11— V/., 116c und von 3—5 Uhr geöffnet. — Tic Freie Turnerschaft Neukölln-Britz macht zur Feier ihres 22jährigen Bestehens am Sonntag, den 39. September, eine Bereins- partie mit Musik nach Stolpe fan der Nordbahns, Restaurant Berge- mann. Abfahrt: Vormittags 7.38 Bahnhof Neukölln bis Tegel. Gäste sind willkommen._ Spandau. Lebensmittel. Von Sonnabend ab kann auf Feld 2 der neuen Eierkarte ein Ei für 39 Pf. bezogen werden/ Feld 1 der alten Eierkarte verliert mit Freitag seine Gültigkeit. Zur schlcu- nigen Abnahme der jedem Einwohner auf Grund der Kartoffel- karten bis zum 21. Oktober zustehenden Kartoffeln fordert der Magistrat auf, damit die Kleinhändler schnell wieder die frischen Zu- fuhren abnehmen können. — Mittrilunge» über Leuchtkraft. Vom 1. September ab dürfen bekanntlich nur 99 Proz. des vorjährigen Gas- und Stromverbrauchs verbraucht' werden. Die in den betreffenden Monaten des Vorjahr« verbrauchte Gas- und Eleklrizitälsmenge wird auf Anfrage auf Doppelpostkarte den Verbrauchern vom Magistrat mitgeteilt. Die Ausgabe der Pctroleumbezugscheine für Heimarbeiter, Schiffer und LanMvirte findet heute und Sonnabend im Zimmer 227 des Rat- Hauses statt._ Tegek. Zur Kartoffelversorgung. Um Kartoffeln einführen zu können, ist es notwendig, durcki einen kurzen schrlftlichen Antrag die hierzu erforderliche Einfuhrgenehmigung des Landrats des Kreises Niederbarnim, Berlin. Friedrich-Karl-llfer 5, einzuholen. Alle an diesen um Bewilligung der Einsuhrerlaubnis zu richtenden Gesuche sind zuvor stets der hiesigen Wirtschaitsabteilung, Zimmer 39, zur Begutachtung, ob Bedenken gegen die Einsuhr bestehen, vorzulegen; sie werden dem Vorlegenden sofort zurückgegeben. Friedrichsfelde. Eine neue Zuckertundenlifte wird am 1. Oltober bei den Kleinhändlern aufgelegt. Die Familicnhaushaltungen und Einzelpersonen werden ersucht, bis zum 3. Oktober unter Vorlegung der Zuckerkarlen bei dem Kaufmann ihrer Wahl die Eintragung zu bewirken. Für abhanden gekommene Zuckerkarten wird in keinem Falle Ersatz gegeben._ Fricdrichshagcn. Anmeldung zur Flcischkundenlifte. Die An- Meldung muß bis zum 1. Oktober, mittags 12 Uhr, geschehen. Wer bis dahin seine Eintragung nicht bewirkt hat, geht seiner Anrechte verloren. Das Wechseln mit dem Fleischer kann bei dieser Neu- anmeldung erfolgen. — Kunsthonig. Heute gelangt aus Abschnitt 59 der Lebens- mittelkarie Kunsthonig zur Verteilung. Pfund zum Preise von ll Pf. Auf jede Karte entfällt Nowawes. Lebensmittel. Von heute bis Montag werden auf Kartenabschnilt 3 der Eierkarte je ein Ei zum Preise von 39 Pi. abgegeben. Heute findet auf Kartenabschuili 3 lrot) der Lebens- mittelkarte der Verlapf von Delikatestheriugen statt. Die Waren iverden in den fünf Vcrkauisslellcn der Gemeinde abgegeben. Die Kartenabschnilte behalten solange ihre Gültigkeit, bis alle Einwohner befriedigt sind. Von morgen bis nächsten Mittwoch findet auf Karlenabschnitt 9 der Lebensmittelkarte die Ausgabe von Aus- landsinarniclade statt. Auf jeden Abschnitt entfallen»25 Gramm. Für die nächste Woche dürfen auf die Abschnitte 75 s— jr der neuen Kartoffelkarle höchstens 7 Pfund Kartoffeln entnommen werden. Bei Entnahme von Speisen in Einrichtungen der Volksspeisung, gemein- »iitzigen Speiseanstalleu und Kantinen gewerblicher Betriebe sind aitf die Woche für eine ganze Portion 8 von den 14 Wochen- abschnitten, bei Entnahme einer halben Portion 4 von den 14 Wochen- abschnitten abzulreuuen. Nachdem für den Bezirk der staatlichen Vcrteilungsstclle Grost-Berlin die Kartoffelhöchstmenge für eine Woche auf 7 Pfund einheitlich festgesetzt ist, fällt die Ausgabe besonderer Kartoffelzusatzkarlen fort._ Hrsß-Serliner parteinachrichten. Waidmannslust. Sonntag, den 39. September, nachmittags 4 Uhr, im Restaurant Richard, in Birkeuwerder, Hauplstr. 99: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Ad. D o in n i ck über„Der Weg zur Demo- kratie". 2. Bezirksangelegeuheiien. 3. Beitragszahlung und Neuausnahmen. Das Erscheinen aller Mitglieder der Orte Berg- felde, Birkenwerdcr, Glienicke, HermSdorf. Hohenncuciidorf und WaidmannSlilst lvird erwartet.„VorwärtS"-Lcser haben Zutritt. Jugenüveranstaltungen. Schönebcrg. A> b c i t c r j u g c u d. Sonntag, den 39. September. sindet bei Henkel, Meininger Str. 8. eine Schule ntlaslungsscie r Natt. Anläng 7 Ubr. Die Iugenvlicheii, welche jetzt die Schule verlassen. sind willkommen.— Mittwoch, den 3. Oktober, Vortrag im Lokal. Ansang fe Uhr. Sriefkaften der Redaktion. K. M Glindow. Wenden Sic sich an die Südräcinischc Maschinen- fabrik Kirchen i. W.— F. 76. Darüber lönncn wir Ihnen auch keine crschöpseudc AuSkunst geben; mcildcn Sic sich imt Ihrer Anfrage an das städtische Bureau für höhere Schulen, Berlin, Rathans, Zimmer lOCI/105.— — R. M. 74. Nein, nur als llntcrosfizier.— A. Z. 89. Sie düisen nichi ziehen, da Sie an den Verlrag gebunden sind.— Hans. Zentralstelle für Lehrstcllcnvermiltlung..Grotz-Bcrlin h 80, Am Köllnischen Park 3. BocttcrnuSiicvtc» Zoniiabciid mittag. Niederschläge. tür das mittlere Siorddeiitichland vis Ziemlich wann, vielfach heiter, leine erheblichen iZeuticher ffletallardcitcr- Perband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unlcr Kollege, der Metallarbcilcr 182/13 EmilGeisB&p Schulstr. 36, am 25. Scplbr. gestorben ist. Ebre seinem Andenken! Die Einäscherung sindet heute Freitag, den 28. d. M., mittags 12 Uhr. im Krematorium, Gcrichtstratze.stalt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsvertvaltuug. veuttcher Bauarbeiter' Perband. Zweigverein Berlin. Bezirk Neukölln. Am 25. September starb unter Mitglied, der Hilss- arbciter Albin Franke. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung sindet morgen, Sonnabend, nach- mittags IL, Uhr, aus dem Gcmcindc-Friedhos Marien- dorser Weg statt. 147/2 Der Vorstand. Statt Karten. Nach kurzem, schwerem Leiden starb plötzlich und unerwartet mein Herzens- guter Mann, unser lieber, gulcr Vater, Schwicger- und Grotzvalcr 4M Fmil(jeisler im 70, Jahre seines arbeitsreichen 2cbcns. In tiefstem Schmerz Geister gi>. Fanrow und Kinder, Schulstr. 36. Die Einäscherung ersolgt heute, Freitag, den 28. Scpl, mittags 12 Uhr, im Krema« torium Gerichtslratze. �um Sterbetage meines geliebten Sohnes und unseres guten Bruders EHfai Lubitz gefallen 28. Seps. 1916. In schmerzlicher Erinnerung gewidmet von seiner Mutter u. Geschwister». Lichtenberg, 28. Sept. 1917. O welchen Jammer, welche Qualen hast teurer Bruder du geschmeckt. Du hättest, ach. gelebt so gern, und doch schwand jeder Hofinuilgs- stern. ES war so reich dein ganzes Leben an Mühe, Ar- beii, Sorg' und Last. Wer dich gckamil, mutz Zeugnis geben, wie sleitzig du gear- bettet hast. Nun ruhe sonst und schlas in Frieden, habe tausend Dank für deine Müh': ob du auch bist von uns geschieden, in unseren Herzen stirbst du nie. Lieber Sohn, schlaf in Ruh', unsere Liebe deckt dich zu. H.pfcw, »p/'-oircksenslr. 20 zwisch. Babnh. Alepailderplatz u. Polizeipräfib.— AmtKst 3208. Fiir Damen Frauen-Bedienung. Lieserant tut alle Krankenkass. Heute u. morgen schr billig: Oderbrucher Gänse/ YC pro Pfund Fettenten u. Masthübncr 5,75 Enten kiein. Aeslügclslückenfleifch. Max Westlleimer Neue Jakobstratze 12. Am Dienstag, b. 25. September. abends 1 1 Uhr, verschied„ach langem Leiden meine liebe Frau, unsere Mutter, Tochter, Schwieger- lochtet, Schwester und Schwägerin 544b Anna tteinix geb. Barons. Dies zeigt an in tiefem Schmerz der trauernde Gatte Kurt Heinig nebst Ktnderii Kurt und Lieschen. � Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. Sept., nachm. 41/2 Uhr, von der Halle des Borsigsivalder Flicdhoses aus sialt. Jeder sei gerüstet an dem friedlichen Wett- kampfe teilzunehmen, der diesem Kriege folgen wird. Hierzu befähigt ihn am sichersten eine umfassende Allgemein- u. faohl. Bildung. Rasch und gründlich führt die Methode Bastln(fünf Direktoren höher. Lehranstalten, 22 Professoren als Mitarbeiter) jeden Vorwärtsstrebenden ohne Lehrer durch Selbstunterricht unter energischer Förderung des Einzelnen durch den persönlichen Fernunterricht. Wissensoh. geb. Mann, Wissensch, geb. Frau, Geb, Kaufmann, Die geb. Handlungsgehilfin, Bankbeamte, Einj.-Preiw.-Prüfg., Abit.-E.xam., Gymn., Real- gymn., Oberrealschule, Lyzeum. Oberlyzeum, Mittel- schullehrerpriitung. Zweite Lehrerprüf g., Handelswissenschaften, Landwirtschaftsschule. Ackerbauschule, Prä- parand.Konservatorium. Ausführliche 60 S. starke Broschüre über bestandene Examen, Beförderungen im Amte, im kaufmännischen Leben usw. kosten). durchBonness& Hachfeld, Potsdam. Postfach 224. W Die i wWlilM am Zreitag, 28. September, abends 8 Ahr pünktlich im Zirkus Busch, Bahnhos Börse. Reichstagsabgeordneter Geh. Iustizrat Dr. Rießer, Präsident w ij des Äansa-Bundes und des Zentral-Verbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes. Schmerzliche Erinnerung zum Geburtslage k Als Opfer des Weltkrieges siel am 24. Februar 1917, kurz vor seinem Urlaub, mein innigstgelicber Mann, Bruder, Schwager u. Onkel, der Armicrungsseldat SkWk SWk im 32. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Die schwergeprüfte Witwe Marie Tchade geb. Mutzgang nebst Schwester. Brüder, Schwager, Schwägerin und Richten. Du starbst zu früh und wirst so schwer vermißt, Du warst so gut, datz man Dich nie vergitzt. Du schriebst uns stets: aus bald'ges Wiederschn. Doch niemals kann es mehr geschchn. Du ruhst nun aus im kühlen Grab. O dieser Krieg rcitzt noch die letzten Blüten ab. Ruhe sansl! 125b Mjllter-IilSllte! Kostüme und Pocke Wasserdickte Mäntel gibt jetzt auch an Private Bilskis Damenmäntel-Fabrik Krausenstr. 30. Hof, ErdgesehoB. Moderne W» Kostüme, Mäntel, eleg. 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Westarp, sowie als Vertreter der großen Wirtschaftsgruppen: 5?ommerzienrat Friedrichs, Präsident des Bundes der Industriellen, Dr. Koehler, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Kaufmännischen Verbände, Obermeister Plate, Vorsitzender des Deutschen Äandwerks- und Gewerbekammertags, Geh. Komlnerzienrat Ravens, l. Vizepräsident der Berliner Kandelskammer, Reichstags- und Landtagsabgeordneter Dr. Rösicke, Vorsitzender des Bundes der Landwirte, Stegerwald, Generalsekretär der christlichen Gewerkschaften. Rittergutsbesitzer Freiherr von Wangenheim, Vorsitzender des Bundes der Landwirte. Männer und Frauen ohne Nnterschied der politischen und wirtschaftlichen Richtung sind hiermit eingeladen. Allgemeiner Verband der auf Selbsthilfe beruhenden dentschcn Erwerbs- und Wirtfchaftsgenosienschaftcn.— Arbeitsgemeinschaft der Kaufmännischen Verbände.— Arbeitsgemeinschaft der technischen Verbände.— Bund der Festbesoldeten.— Bund der Industriellen.— Bund der Landwirte.— Bund deutscher Frauen- Vereine.— ZrntralauSschnst der vereinigte» JnnungS-Verbändc Deutschlands.— Zentralverband der Haus- nnd Gruudbesitzcr-Bereine.— Zcntralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes.— Zentral- verband Deutscher Industrieller.— Deutsche Mittelstands-Bereinigung.— Deutsche Staats-Handwerker- und Arbeitergemeinschaft.— Deutscher Anwaltsvercin.— Deutscher Apotheker-Berein.— Deutscher Bauern bund.—- Deutscher Bühnen-Berein.— Deutscher Handelstag.— Deutscher Handwerks- und Gewerbe- kammertag.— Deutscher LandwirtschaftSrat.— Deutscher Sparkassen-Verband.— Deutscher Städtetag.— Deutscher Volkswirtschaftlicher Verband.— Deutscher Zentralverband für Handel und Gewerbe.— Gcncral- verband der ländlichen Genoffenschaften für Deutschland.— Genossenschaft Deutscher Bühnen- Angehöriger. — Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften.— Hansa-Bund für Gewerbe, Handel und Industrie.— Hauptausschust nationaler Arbeiter und Berufsvcrbände.— Hanptverband deutscher gewerblicher Genosie» schaften.— Jnteresicngemeinschaft der Reichs- und Staatsbeamten-Verbände.— Kartell der deutschen Reichs- und Staatsarbeiter-Verbändc.— Kartrllverband deutscher Werkvereiue.— Reichsdeutscher Mittel- standsverband.— Reichsverband der deutschen laiidwirtschaftlichen Genossenschaften.— Reichsverband der deutschen Presse.— RcichSverband Deutscher Städtr.— Schukverband für deutschen Grundbesitz.— Verband der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen.— Verband der deutschen Gewerkvereine sHirsch-Dunckcrj.— Verband der Deutschen Größeren Landgemeinden.— Verband der Handelsschntz- und Rabattsparvereinr Deutschlands, Vertretung für Handel und Gewerbe E. V.— Verband der katholischen Arbeitervereine.— Verband deutscher Architekten- und Ingeuienr-Bercine.— Verband deutscher Beamtenvercine.— Verband Deutscher Diplom Ingenieure.— Verband deutscher Gewerbe- und Handwerkervereinigungeu.— Verband preußischer Landkreise.— Verein Deutscher Chemiker.— Brrein Deutscher Ingenieure.— Verein Deutscher Zeitnngs-Berleger.— Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands.— Vereinigung der deutschen Bauernvereine.— Vereinigung großstädtischer Zettungsverleger.— Zentralvcrband des Deutschen Großhandels.— Zentralverein Deutscher Reeder. Eintrittskarten sind bei den vorstehend genannten Verbänden und auf der Geschäftsstelle, Dorotheenstr. 36, zu haben. Unterhaltungsblatt öes vorWärts Selm lettischen Bürgermeister. Tic» war über zwei Jahre lann der Bürgermeister Riga* nach- bein der deutsche bei Kriegsausbruch seinen Paste» vcrlasteii mußte. Er ist ein wohlhabender Mann— gute Bilder an den Wänden— deutsche und lettische Bücher in den Schränken— mit schlerfreier deutscher Sprache— jedermann würde ihn in Frankfurt oder Berlin iur einen Deutschen halten. Cr gehört dem kleinen konservativen, dem Bourgeois- Flügel der lettischen Partei an. Bis vor btj Jahren gingen die emporkommenden Letten im Deutschtum willig unter. Bon da ab beginnt der lettische SialionaliSmuS, Separatismus, dein auf deutscher Seite eine strengere Exklusivität antwortet. Der ehemalige Bürgermeister— seit der Revolution ist er ab- gesetzt— klagt zunächst über den Wirrwarr der letzten Moiiate. genau Ivie die Deutschen es tun. Die Ernte ist schlecht in Livland — iveil viele Güter von herumstreichenden Soldaten„beschlag- nahmt" sind und ungenügend verwaltet werden. Die Industrie verdorrt, iveil die Arbeiter„unerhörte" Lohnforderungen stellen. Die Stadt macht Bankrott, weil niemand Steuern zahlt und lein Beamter weiß, wem er verantwortlich ist. Der Arbciterrat ist ein Komitee von Faulenzern, die die besten Automobile der Stadt be- schlagnahmt haben und sich in alle Angelegenheiten mischen. So svricht der Lette von seinen Landsleuten. Er ist ein bürgerlicher Ordnungsmann durch und durch, lind man versteht jetzt, ivarum die radikalen Letten ihn und seine Partei so scharf bekämpften. Sein Lettentum geht nur soweit, als sei» gehobenes Bourgeois- bewusztsein es zuläßt. Darüber hinaus steht es an der Seite der deutschen Standcsgenossen. Aber er ist doch ein Lette. Er lobt ihren Fleiß— ihre Jnkelli- gcnz— ihr ausgebautes Krcditgenossenschastswcsen draußen auf dem Laude. Er kennt Deutschland nnd meint, daß der lettische Bauer dem ostdeutschen gleichkommt. Er rühmt auch die Tapferkeit der lettischen Soldaten. Seien sie seit der Revolution auch die radikalsten Hetzer, so hätten sie bis dahin doch hier oben an der Rordsront tapferer als alle anderen gekämpft. Radko Diniitrieff, der Armeekommandant. habe sie besonders geliebt, und viel Haß der russischen Soldaten entspränge purem Neid. Zwischen Letten und Russen seien die Gegensätze groß wie immer. Denn die Letten seien eine gebildete Nation nnd blichen auf die Russe» mit Stolz berab.„Russe"— das sei bei ihnen fast ein Schimpfwort. So' sprach er selbstbewußt, fast hochmütig. Er ist doch ein Lette. Was soll aus„Lettland" und aus Riga werden? Der Bürger- Meister sagt, daß ein freies Lalivija kommen mutz. Davon wurde feit der Revolution ganz öffentlich gesprochen.„Sind wir doch in Lettland nnd nicht in Rußland mehr"— biete Worte sielen vor ein paar Worben im Rigaer Rathans ohne Widerspruch. Wie dies Lettland aussehen soll, darüber hatte jeder eine andere Meinung. Kur- kand und die südliche Hälfte von Livland sollte es sicher um- fassen. Aber auch das Gonvernement Ditebak dürfte nicht fehlen niit seinen LOO OOO Letten. C6 es eine Republik werden sollte, ein russischer Bundesstaat oder ob es sich mit Deutschland verbindeir sollte, darüber wurde in all den Monaten hin- und herdebaltiert, aber ohne jeden Erfolg, ohne Klar« heil. Der Bürgermeister cnthülll sich nicht. Aber es scheint, daß unter den radikalen Letten die ineisten Russenfreundc, unter den gemäßigten dagegen die meisten derjenigeu sitzen, die auf Deutsch- land ohne Haß blicken. Ter Bürgermeister ist ein OrdnungSmann. Er bat m>t K e r c» S k i und dem F ü r st c n L w o w öfter in Petersburg verhandelt. KerenSki, der übrigens gesund und immter ist, hält er für einen schwärmerischen Idealisten, der als echter Russe sehr schnell seine Gesinnung ändert, iminer aus subjektiver Wahrheit, immer aus seinem ,,Tschuwst\vo"(„Gefühl") heraus, aber zum Fürsten Lwow hat er gesagt:„Solange Sie diese Un- vrdnung hier haben, Fürst, solange laufen Sie Gefahr, daß Lettland Hin den bürg als seinen Befreier begrüßt". Auch unter den Letten gibt e§ viele kluge Köpfe init dem poli- tischen Sinn, den eine gedrückte Minorität sich leichter erwirbt als ein saturiertes Volk. Manchmal streift ihr Nationalbewußtsein ans Eitle und Kindliche. Diese Nation ist„geschichtloS"— in viel tieferem Sinne, als Marx cS einst von den südlichen Slawenvölkern sagte. Ich ivagle den Letten zum Schluß, was er von den nächsten Aufgaben des deutschen Siegers im besetzten Livland hielte.— Er sagte:„Rutzland ist ein großes Rätsel. Sie können sich und uns hier viel verderben. Aber wenn Sic eine geschickte Politik machen, können Sie von hier ans tief nach Rntzlaitd hineinwirken." Dr. A d o I f K ö ste r, Kriegsberichterstatter. „Geheime Mächte.' „Man sagt, da? Wunderbare sei von der Erde verschwunden, beißt eS bei E.?h. A. Hoffmann; ich glaube nicht daran. Die Wunder sind geblieben; denn wenn wir selbst das Wunderbarste, von dem wir tägl'ch umgeben sind, deshalb nicht mehr so nennen ivollen, weil wir einer Reihe Erscheinungen die Regel der zyklischen Wiederkehr abgelauert haben, so fährt doch oft durch jenen Kreis ein Phänomen, das all unsrc Klugheit zu schänden macht." Der Gespenster- nnd Dämonenglaube ist eine Aeutzernng der Begreiizt- heit des menschlichen Erkenntnisvermögens; ein Ausdruck deS Fremd- getühls, von dem der Mensch in der„ungeheuren Riesenmühle des All" bestürmt wird. Das Vordringen des forschenden Geistes cnt- reißt dem Unbekannten Bezirk um Bezirk, und eS zerstört die grotesken und barbarischen Formen primitiver, abergläubischer Furchlvorstellungen. Aber deS Rätselhaften bleibt genug, und wenn die Seele in sich selbst hinabtaucht, umfängt sie der Schauer deS Abgrundes. ES gibt dort genug der Phänomene, die sich der Deutung entziehen und die Mechanik des Lebens in Verwirrung bringen. Der romantische Geist, diese„poetische Mystik", ist diesen Erscheinungen mit Vorliebe nachgegangen. Man braucht nur die Namen der Hostmann und Poe zu nennen, die init einer Art zweiten Gesichts für das„Phantastische der Wirklichkeit" begabt waren. Aber auch diemoderne Seelenforschung hat der Dichtung in dieser Richtung neue An- rcgungen gegeben, und es ist ein neiicr Geschmack an der„dunklen Materie" erwacht. Fern von allem MystifizismnS, suchen die Dichter mit den Mitteln schärfster Analyse in die Bezirke des Olkullen ein- zubringen, um das Wissen a»S Licht zu holen. Gleichzeitig aber entfalten sie, in der ungeheuer gespannten, sachlichen Konzentration, in der Verdichtung der Stimninng, eine Kunst, die voll der kühnsten Phantastik, in aller Realität, ist, und die alle Schauer des UnHeim- lichcu, Fremde» kennt. In diese Region gehört ein Buch de? Däne» Otto R n n g: „Geheime Mächte"(Veilag Gustav Kiepcnheuer. Weimar). E§ ist eine Sammlung Geschichten, die alle vom Problem des Willens handeln, von dem geheimnisvollen Einfluß menschlichen Wollen? und dem Icbenvcrnichtendcn Kampf seelischer Energien. „Suggestion bestimmt die meisten Dinge", heißt es in einer der Erzählungen. Rung doziert nicht über das Problem der Sugaestion. Aber er zeigt die Tatsache, das grausame Spiel der dunkle» Mächte, die in den Menschen verborgen liegen. Er streift das Uebersinnliche; aber wie� er es fest ins Auge fast, rückt es der Erkenntnis näher. wird eS für einen Augenblick greifbarer. Da erzählt er. in„Frau Morland", ein modernes Sphinxmärchen/ in dem der stärkere Wille der Dämonin das Geheimnis aussaugt. In„Fadi Paschas Schicksal" gibt er neue Wendung der uralten Vampyrsage. Im„Blinden Passagier" schwindet einer vor dem geschlossenen Willen der Gesanitheit dahin. Erschütternd ist, wie in„Der Chirurg" der Vater durch die geheimnisvolle Macht des Wollens den Herz- schlag seines Kindes noch über den Tod wach hält. Uralte Mytho- logien klingen nach in diesen Erzählungen. Rung fornit alte Sagen, in denen der Menschen Ahnen der dunklen Kräfte sich ihren Ausdruck schufen, aus unserem Empfinden neu, wie die Mär vom fliegenden Holländer in der Erzählung vom Luftpiloten Jacquelin. Die Uriurcht steigt auf; aber dahinter drängt der Wille zur Er- kenntnis empor.„Immer glaube ich, daß die Natur gerade beim Abnormen Blitze vergönnt in ihre schauerliche Tiefe," sagt Hoff- mann. Der künstlerische Reiz dieser Erzählungen aber liegt im Abenteuerlichen, in dieser zwiespältigen WirklichkeitSphantastik und in dem kühnen leidenschaftlichen Teinpo voll motorischer Energie. wie können wir beim VarmbaSen sparen! Mit der notwendig gewordenen Kriegseinschränkung des Kohlen- Verbrauchs werden wir uns abfinden und deshalb auch mit heißem Wasser zu Badezweckeu sparen müssen. Die Praxis der Naturheil- künde zeigt, wie wir dem„Naturarzt" entnehmen, einen Weg, wie mit geringstem Kosten- und Materialarifwand die notwendige Haut- kultur getrieben werden kann. An Stelle der Vollbäder mit 160—200 Liter heißem Wasser können Teil-,(Halb- und Sitz-) Bäder mit dem dritten, vierten oder fünften Teile Wasierverbrauch, aber gleicher Wirkung treten. i Der Veizenkönig. Von Otto Rung. I. B. Hotkins, einer der größten Börsenmakler Chikagos, hatte sich kürzlich ein Motor-Laltdaulet neuesten Modells an- geschafft. Er interessierte sich zwar längst nicht mehr für Automobilsport, benötigte aber dringend eine Exprcßbefördernng ersten Ranges von seiner Villa nach der Jacksonstrcct, wo sich seine Kontors befanden. Die Maschine Ivar niedrig, breit und bequem, lief ihre 140 Kilometer und war nach Hotkins' ausdrücklicher Anordnung so gebaut, daß er die Ellbogen des Chauffeurs nicht an seiner Person zu verspüren brauchte. Die Steuervorrichtung war nach Hansom-Art hinter der Kalesche angebracht worden, so daß Hotkins in der an- genehmen Lage war, sich in seinem eigenen Wagen als der einzige oder doch zumindcstens als der vorderste zu fühlen. Auf der allerersten Fahrt mit diesem neuen Motorwagen ereignete sich nun folgender Vorfall: Der Weizenmarkt hatte zu eben jenem Zeitpunkt eine stürmische Krise durchzumachen, und Hotkins ivar Führer eines Corner in Weizen, einer Blockade des Marktes, eines Ricsenaufkaufs der gesamten Jahrcscrnte von Millionen Bushcls, der gleich einem gewaltigen Vakuum auf allen Ma- gazinen der Welt lagerte und sog und zog. Der von Tag zu Tag heftiger hinaufgeschraubte Wcizcnprcis brachte als natürliche Folge große"Kursstürze an der Fondsbörse und gleichzeitig in gclvissen Ländern der alten Welt eine außer- ordentliche Brotteucrung mit sich, welche I. B. Hotkins jedoch lediglich als sehr erfreuliches Baromctcrzcichen einer steigenden Nachfrage berührte. Im Verlaufe einiger Wochen ivar der Preis nahezu bis zu der Höhe hinaufgetrieben ivorden, ivelche Hotkins dem Markte zu diktieren beabsichtigt hatte; leider blieb der Kurs jedoch infolge der heftigen Gegenzüge eines gclvissen Kollegen steten Schivankungen unterworfen. Um nun endlich den entscheidenden Coup auszuführen, der den Markt endgültig in feine Hände liefern sollte, hatte I. B. Hotkins an jenem in Rede stehenden Oktobermorgen telephonische Order gegeben, das Automobil eine Stunde vor der gewohnten Zeit bereitzuhalten. Punkt neun Uhr tutete das dreistimmige Sirenenhorn, und Hotkins eilte durch das weiße Vestibül, wo der Diener rasch den Eisbärpelz um ihn schlug, die Marmorstufen hin- ab' und nahm in der Tiefe der schaukelnden Wagenkissen Platz. In einer reißenden Kurve nahm der Motor die Biegung um das große Bassin in der Mitte des Hofes. HotkinS sah seine schottischen Windspiele, die auf dem Rasen- platz spielten, bei dem bekannten Dreiklang des Hornsignals, mit dem er ihnen Lebewohl sagte, schweifwedelnd und kläffend cmporspringen. In diesem Augenblick kam aus dem Stall- gcbäude ein Mann in Hemdärmeln gelaufen, der heftig die Arme schwenkte. Wahrscheinlich handelte es sich um irgend etwas, das der Herr zu Hause vergessen hatte. Well, das läßt sich in der Wallstreet kaufen, dachte Hotkins, ließ ihn ivinken, lehnte sich zurück lind öffnete ein gewisses Ventil in seinem Gehirn. Und sogleich fing der Apparat zu funktionieren an: die vierzig Telegramme, die im Lauf der Nacht an Hotkins' Privatsckrctär gekommen waren, begannen sich zu verbinden und Figuren zu bilden. Allrixfit! dachte er. Heute kommt es dazu. Wilson kann nicht mehr. Ist total fertig. Seine letzten Manöver waren Krampfzuckungen. Heute schlage ich zu, und in fünf Tagen ist er tot. Etwas Erstaunliches fiel ihm in diesem Augenblick auf. Zur Rechten der Straße lag eine weiße Villa, die nicht hier liegen sollte. Und gleich darauf wirbelte eine Pappelrcihe an ihm vorbei, wie ein Spalier schwarzer Fahnenträger. Hallo, dachte Hotkins. Was ist das? Soll dies etwa eine Wcgkürzung sein?— Er war wenig orientiert in diesen Straßen, die ihm nichts als Kiloineterlängen bedeutctcu. Aber unmittelbar danach schoß ein Komplex weißer Häuscrblöcke an ihm vorüber, eine Villenstadt, die. wie er bestimmt lvußte, nicht zum Programm des Weges gehörte. Uebcrrascht und erbost wandte er sich rechenschaftfordernd nach seinem Chauffeur um, dessen weiße Staubmaske er hinter dem Kaleschenschirm unbeweglich vor sich hin gerichtet sah. während alles andere in der Welt bei der immer Ivachsendcn Fahrtgeschwindigkeit in Wirbel und Rauch zerfloß. „Jerusalem!" schrie Hotkins.„Wohin fahren Sie, Mensch V" Er erhielt keine Antwort. Und nun erst entsann er sich mit einem Male der Gesichtszüge des Mannes, der ihm mit flatternden Armen aus der Gitterpfortc nachgelaufen Ivar. Zum Tenfel auch,'das war ja Mach gewesen. Mach, sein Chauffeur, der erhitzt und aufgeregt aus seiner Wohnung im Torweg« herausgestürzt gekommen war, um ihm nachzu- rufen. Hotkins duckte sich und saß einen Augenblick ganz stumm. Erst nachdem er sich gesammelt und die Situation ein wenig überdacht hatte, begann er ganz sachte über die Schulter nach hinten zu schielen. Er erinnerte sich einer Tags zuvor statt- gefundenen Benzinexplosion, bei der Mach sich die linke Hand verbrannt hatte. Und er konstatierte, daß die breiten und starken Hände hinter ihm, die das Steuerrad so fest um- klammert hielten, weder von Brandwunden noch Narben wußten. Es waren also nicht Mach? Hände. Eine weitoffene Landschaft mit kanalisierten Feldern eilte jetzt an ihnen vor- Wer auch diese nicht auszuführen vermag, kann mit einem kleinen Eimer heißem Wasser, also um wenigen Litern, wenn's gilt mit 2—3, sich heiß abwaschen. Man stelle sich in die Badewanne oder auf ein Handtuch und bespüle sich von oben bis unten mit einem Schwamm, einem Tuch oder den bloßen Händen, mit dem heißen Wasser. Sofort tauche man die Hände in kalte" Wasser und reibe sich kurz einigemale kalt ab. Darauf wird die Haut trocken gerieben. Die ganze Wasserkur, einschließlich eines abschließenden Fußbades, braucht nicht länger als 6—10 Minuten zu danern. Diese Berieselungen im Hanse ersetzen ausgezeichnet auch die Brause- bäder und beanspruchen weniger heißes Wasser als sie. Tägliches Streichen, Abklatschen und Reiben der Haut mit trockenen Händen oder dem FroNierbandtnch übt einen wohltätigen Reiz auS und sorgt dafür, daß die Haut gut durchblutet ivird. Verbunden damit sei das tägliche Luftbad mit Uebungen des TicfatmenS; bei gutem Wetter im Freien, bei kalten im Zimmer mit mehr oder weniger offenen Fenstern. Hauptregel bleibt: Wär ni everl u st c vermeiden' Das gilt für alle empfohlenen liebungen. Die Folge aber nruß ein bc baglicheS Gefühl der Erfrischung und Durchwärmung sein. Deshalb sind bei kühlem Wetter die Teilbädcr und Wechselabwaschungcn im geheizten Raum vorzunehmen. Noch so eine teuflische Sochenerfinöung! Was haben wir nicht alles schon auf dem Gewissen i Nun solle» wir auch noch gar daran schuld sein, daß die Französinneu leine Kinder kriegen. Man lese und staune nicht. Im„Petit Journal" vertritt ein Mitglied der Akademie, Raphael Gcorgcs-Levn. den Standpunkt, daß die bei der srauzösischeu Damenwelt so beliebten hohen Absätze eine Erfindung de"— deutschen Gencralstabs(wörtlich so) seien. Mau wird vielleicht denken, daß er nur einen Scherz machen will. Aber mau urteile selbst: „Ich frage mich allen Ernstes, ob die hohen Absätze nicht eine Erfindung der Bochen sind, die in die gleiche Kategorie wie die gifligeu Gase und die Flammenwerfer fällt. Es gab sehr viele deutsche Schuhmacher in Paris vor 1014. Sicherlich ivar es irgend ein Schuhmacher von jenseits des Rheins, der zum Unglück unseres Landes, den teuflischen Pia» faßte, die französischen Frauen»iifnichl- bar zu machen, indem er ihnen diese schauerliche Fußbekleidung aus- zwang. Auch das gehört mit zum BernichtungSplan, den der große Gcneralstab Wilhelms II. gegen unsere Rasse führt. Ich verlange, schließt der Verfasier seinen Artikel, daß durch Gesetz das Tragen von Absätzen, die mehr als zwei Zentimeter hoch und schmäler als die Sohlen sind, bei Slrafe verboten Ivird." Wenn es sich aber dann ergeben sollte, daß die Französinnen dem männlichen Teil der Bevölkerung weniger verführerisch erscheinet; nnd das Bevölkerungsproblem darunter mehr als je leiden sollic, so wollen wir jede Wette eingehen, daß cS dann wieder die bösen Bochen sind, die mit dem plumpen, ungraziösen Bochcnstiefel da? französische Volk zu verderben suchen. Notizen. — Der neue Z w a» z i g- M a r k s ch e i n. der uns selber noch nicht zu Gesicht gekommen ist, ivird in-der. Franks. Zig." also charakterisiert; Man ivollte es besonders gut machen und hat sich an einen bc- rühmten Figureumaier gewandt, ohne zu wissen, daß cS bei einer derartigen Aufgabe nicht auf einzelne Figuren, sondern aus den dekorativen Entwurf des Ganzen ankommt. Dabei müßte von dem sachlich Gegebenen, von der Inschrift ausgegangen und diese orga- nisch in das Blatt eingeordnet ioerden. Kein Knnstgewerbeschüler dürste heute mehr seincni Lehrer mit einer derartig ärnilicheu und billigen Lösung der Flächenfüllung kommen, wie sie lsicr gegeben wird. 'Die offizielle Kunst bleibt bei unS hoffnungslos. — Einheimische Z i g a r r e n k i st on. Mit der ztinehmeii- den Knappheit an Tabak ist der Bedarf an Zigarrenkisten um so mehr gesilnkcn, als der Verkauf in ganzen Kisten eine starke Ein- schränkung erfahren hat. Da die gewöhnlich zu diesem Zweck bc- nutzten Hölzer nicht mehr eingeführt werden können, muß heimisches Holz an ihre Stelle treten. Außer Pappelholz läßt sich namentlich auch Erlen- und Birkenholz verwerten, allenfalls auch Espen- und Lindenholz, während Eichenholz für Zigarrenkisten zu schwer und auch sonst nicht besonders geeignet ist. bei. Sic fuhren mithin gerade nach Norden, während Chicago direkt südlich lag. Hotkins nahm sich zusammen.„Hallo!" rief er den Chauffeur an.„Wer sind Sic?" lind als noch immer keine Antwort kam:„Wohin führen Sie mich? Wer hat Sic gedungen?" Er war vollständig überzeugt, daß dies nur Wilsons Werk sein konnte und wartete gar keine Antwort ab. „Wer hat Sie bezahlt srug er weiter. Es war ja ganz zweifellos Wilson, der die Sache inszeniert hatte. Wilson, der große Kornspcknlant, der nun seit Monaten mit Hotkins um die Herrschaft über den Markt rang. Er weiß, dachte Hotkins, daß ich es noch lange aushalten kann, während er selbst in den letzten Zügen liegt. Darum will er mir heute den Garaus machen, um den Markt für sich allein zu haben, will meine Hände lähmen, um die seinigen zu oberst zu legen. Na ja, desperat genug ist der Schritt und dabei hinterlistig wie ein Jndianerstrcich. Aber mich soll er nicht kleinkriegen! Es ist nicht das erstemal, daß ich ihm die Stirn geboten und ihn mattgesetzt habe. „Hundert Dollars, wenn Sie mich sofort in die Jackson strcet bringen," warf er versuchsweise über die Schulter hin und fuhr, als keine Antwort erfolgte, ohne Bedenken fort: „Tausend Dollars nnd keine Polizei hinterher." Ein leise knirschender Laut drang aus der Staubmaske hervor, als lache der Mann oder fletsche die Zähne. Hotkins zog sein Scheckbuch heraus.„Zehntausend Tollars, enssi down(bares Geld)", schlug er vor.„Schlagen Sic ein, solange ich bei Laune bin." Es handelt sich hier um Millionen, dachte er. Hier ist eine Ware: eines Menschen Wille, den Wilson gekauft hat; ich muß ihn überbieten. Auch jetzt antwortete der maskierte Chauffeur nicht, nahm aber die Krümmung des Hohlweges in einer so scharfen Kurve, daß der Wagenschirin gegen die Pflasterung des Straßenrandes dröhnte. Hotkins las die Kontrolluhr ab und sah. daß sie mit hundert Kilometer Geschwindigkeit fuhren. „Langsamer!" brüllte er.„Sie fahren uns ja geraden Wegs nach Gehenna hinein!" Sie rasten jetzt über eine breite Chaussee, deren weiße Prellsteine an ihnen vorbeiwirbelten wie Geldmünzen, die aus einer Rolle aufgezählt und hinter ihnen zu einem neuen Stapel angehänft wurden. Ungeheuere flache Felder lagen um sie her und am Horizont schlängelte sich nebclverschleiert der wellige Gürtel der Anhöhen. Wir sind mindestens zwanzig Meilen von der Wallstreet entfernt, dachte Hotkins. Und von plötzlichem Schreck durchzuckt, schrie er:„Mein letztes Wort: 400000 Dollars und keinen Cent darüber!"(Forts, folgt.) Direition: Max KeinTiarcIf. OcuttioheK T neater. 7 Uhr; KaiiMt I. 5onnab.: Der leb. Leichnam Sonnt-» f.,(Imlhe. Preise) Die rieutcchen Kleinstädter. KummerKpiele. ■iTIhr: FuKoiling:- Sonnab.: Eine glückliche Ehe. Sonnt, ü1,., L".(halbe Preise); Minna von Barnhelm. Voiksbühne. Theater am Bulowplatz. üntersirundb. Schönh. Tor. 7'"/4: las nipcngoalndel. Sonnab. 7'/,: Hedda Gabler. Ihr C.Meinhard— R Bernauer, Tlieater i. Königgrätzerstr. Vj, U.: l>»-r Kalzenatej;. Komödienhaus T'/�Uhr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater T'.U.: S>i«' tolle Koiiitoll. fiiTIÖML-TBEJfEii '/id Cöpeiiilkcr sitr. 68.'.',8 Ter qroftc Schlager! M isl i Lös...! Lpercllcnposse in 3 3lf:cn. Musik von Walter Brommc. Theater für Freitag, 28. September. Lustspielhaus Zum 130. Male: <'cnlpa!-Th«-atcr Sonntag, den 30. September; E nsemblegastsp. d. Metropol-Th. l>ic('Mardanf ürMtin. IkeutMChcM Opornkians 7 mm: Her Freissöiitz. Friedrich-Wilhelmsf. Theater Wohltäticrfeeits- Yorstellnn T/iUbr: M HfMällei'ItlM. Kleines Theater ?'/. uhr: Bürger Sehippel. Komisohe Oper S u.; SdiwafzwaldinäileL Stg. 3'/,; Die Dose Sr. Majestät. Metro pol-Theater Heute geschlossen. Sonnabend 7 Uhr x. 1. Male: Die Rose von Htumbul. Trlanon-Theater Georgens'r., Bhf. Friedrichstr. 1 ,8U. Allabendlich'/.SU. Oer LebeBsseliüler. Schauspiel von Ludv/ig Fulda Kaiser-Titz. Ida Wüst, x. Möllendorff, Kettner, Flink. Sonntag S'/j: Johannisfeuer. Residenz-Theater Tuvhr-. Byekeppotts Erben. Tr,. Die blonden Mädels '" vom Lindenhof. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. K»ssent.Kd. 281 u/.uhr,- Oer Soldat der Marie. fSchlller-Theater O p/.uhr: Gespenster. Schiller-Th. Charl. 7»/, uhr.- Die Distel. Thalia-Theater uhr; Egon 11! seine Frauen. Theater am NoIlcndorSplafz 7-,- ui- Die Gulascbkaiione. Der erfolgreiche Eröffnungs-Spielplan Dazu: 9 Uhr abends Pantomime in 12 Bildern von Karl Vollniocller Theater des Westens 7v3uhr; Der verliebte Herzog mit Guido Thielschcr URANIA 8 Uhr; Dr. K. Pohle: Walhalla-Theater. 7'/- Uhr: Zigeuner. Voigt=Theater. Badstr. 38. Badstr. 58 Täglich Tl, Uhr: Berlin bleibt Berlin. Sonntag, den 30. September, nachm. 3 Uhr bei Hein. Preisen: Die Himmelsleiter. 3iocn0s 7 Uhr: Berlin bleibt Berlin. �mirais-Faiast. Die Xovitiit Ukrakadabra Großes phantastisches Ballett auf dem Eise. V73(4 U. Vorzügl. Küche. umtammmrrmnmaTiT.a I Letzte Saison in Berlin. H Anfang 8 Uhr. Das große anerkannt einzig~ dastehende Morgen Sonnabend t.j>. l.Ferien-SpnilerifOfstluhr I SSäSiiml sllj'l Irei! Weitere Kinder halbe Pr. Anf. d. Abendvorst. T1/� U. In beiden Vorstellg.: Das ausgez., reichhakige Eröffnungsprogramm u a. Assad, d. Dünneinacb. 2 Bailots. Equilibristen an d. rotier. Leiter, usw. Zum Schluß: Sie 3 IHerrots ein lustiges Spiel. Zirkus- Sport-PropiMi U. a.: Nadchura exotischer Dressur-Akt.| 8 Franconis 8 u. die weiteren Schlager. ZumSchluC: Parforcejagd Casino»Theater Lothringer Straße 37. Täglich s/48 Uhr: Wirklicher Humor! Gr. Erfolg! Die lirchlagerposse Heiraten mutzte! Vorher der neue bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Gusle, die Perle. Fei EMI EM MasthiibnerPfh.-1.95 M. Prima Ziegenfleisch. Eutenfett und Kaninchen, BermannTascheRchtA. Schmidt, Planufer 21, nahe HallescheS Tor. KerltaU'FaIa5t BehEenZtraKe 48 Im 1. 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Co., Belle- Allianee-Str. 1— 2. 104.«* Strickerinnen und Lehrmädchen verlangt Albert Schulz, Nürnbergerstr. 05.__ 20.«* Arbeiterinnen zum Flaschen- spülen nnd Etikettieren werden sofort eingestellt. Carl Kühne, 5igl. Hof!., Warschaucrstr.39 in. _______________[+150 Tüchiige Löterinne» und Blecharbeiterinueu stellen ein Berk u. Nowka, Maschinen- fabrik, Berlin-Temvelbof, Fried- rich-Wil beim-Straße 89�+21.« Mililörmäntel-Stepperinnen, Handnäherinnen, Acrmeleiuhes- tcrin in. auftcrm Hause. Ar- monat, Earmcn-Silva-Ttt. 0 1. ___________[2151 Eingesegnete Mädchen für leichte Puppcnartikcl stellt so- fort ein Günther, Oranien- strafte 120.______ 20.«* Schulmädchen für leichte Ar- beit, nadimittags, verlangt Pa- picrhaiidlung Markgrafen strafte 8�_ 539b Zweinadelnähcrinnen anf Tornister sucht Eollin, Mark grafensiroße 70. 540b Zeiiuugsausträgerin sofort gesucht. B. Gnrsch, Reinickcn- dorf-Ost, Kamekestrahe 12 II. Botenfrau, Tour Tegel und Reinickendorj-Wesl, stellt ein Kienast, Borsigwalde, Rausch- strafte 10,„Borwärts"-Spedi- tion.* Boiensrauen verlangt„Bor- wärts"°Spcditioii Baerwald- strafte 42, Laden. Don 11— 1 stund_4!i— 7 Uhr.* Zeitungvousträgcrinncn können sich melden.„Vorwärts"- Aüsgabestclle,Lausitzerplatzl4/15. Botenfrauen verlangt„Bor- wärts".Spcdition, Wattstr. 9, Laden. Von 11— IVi und 4!!- bis 7 Uhr.__ J* ZeiiungSausträgeri» sofort einzustellen. Borwärtsspedition Moabit, Wilhelmshavenerstrasie 43, von 11— 114 und 454— 7 Mr.____* Frauen zum Zeilungsaus- tragen sucht„Borwärts"-Aus- gabestelle Alt-Boxhagen 50, Laden.* Botensra» stellt ein„Bor- wärts"- Spedition Tempelhbs, lleckermann, Kaffcr-Wilhelm- slrohe 74. Ecke Werderstr. I* Botenfrau, Bezirk Hacseler- strafte, wird eingestellt.„Bor- Worts". Eharlottcndurg, Sesc»- heimerstraszc 1.* Botenfrauen verlangt sofort Ausgabestelle Greifenhagener- strahc 22.___»_« Zeitungsfrau verlangt„Vorwärts"- Spedition Neukölln, Siegfriedstraße 28/29.-* Zcitungsauelrägcrinnen wer- den sofort eingestellt„Bor- märts"-Spcditioti, Markus- ftraße 30.* Botenfrau verlangt Hcßbcrg, «anlsdorf, Ferdinandstr. 17._* Zeilungsaustriigerin verlangt Bcrnfee, Steglitz, Mommfen- ftt. 59.* Zeitungsträtzcrin sofort ver- langt Spedition Lichtenberg, Bartenbergstraße 1, Laden.• Zeitungsträgerin sofort verlangt„Vorwärts" Ausgabestelle, Prinzenstraßc 31, Hof rechts, parterre.* ZcitungsauSträgerin verlangt „Borwärts"-Spedition Schöne- bcrg, Meiningerstraße 9.* Anschläger, geübte, für Provianlwagen. so- fori geincht.- 86/10* David Grave G.m.k.H..CKarietten bürg. Kaiserin-Augusta-AlleeSG Schlosserleliiiing für Hirnjlschmicbc und Bau- fchlmTerci verlangt Botkman». RuminelSburg. Hauptilr. 5.' limmerleuie süc weeresarbcilen sucht Alfred Rirffkin, Baugeschäjt, Berlin, fllariendors, Ehausseestr. 313.* kodflegef, durchaus selbständig arbeitend, für Gas und Wasser losort. Klempnerei Höppner. 4022 Nctielbccksir. 2. Hansdiener, der Handwagen sährl, verlangt Schuckar, Eopenicker Str. 113. stellen ein 374L* UteawepkeTempelliDiÄJeyer Bcrliii-Tcmpclhof, Germaniastraßc Nr. 145/146. Ticfhlpr ans ficfciiic nnd I lOLIIICl eichene Bureau. mäbel stellt ein 392L Bai-b«tvi, Vbimcrsd., Brandenburgische Str. 75. LmiieMer für Automätea iiiiil Revolver stellen ein 396L* 8psi!iaikon8lslik!ionkli, !!»t«Alltzi, Birlbuschstr. 37/39. �-ahrpersonal. Kräftige, des FahrenS-kundize Leute werden eiiigestelll. 504a* INeldunge» im Kontor der Zckinlthriii"Brauerei A.-ig,, Lichtcrfcldcr Str. 11—17. 53102* stellt sofort ein & Co. G. m. b. 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