Ar. 267. 34. Jahrg. Bezugspreis: f iertephrl. a90aR!.. monatt. 1 JO SH, wochenllich 30 Pfg. frei in« Haus. vaiauszahlbar. Einzelne Wochentags- nununern 5 Pfz. SonniagSniunm« mit Mustrierter Beilage.Die Neue Welt' 10 Pia. Postbezug: Monatlich 1.30 Mt. Untei klreuzband süi Deutschland und Oesterreich- Ungarn S.BO Ml., für daS übrige Ausland 4 Ml. monatlich- Postbesiellungen nehmen an Dänemarl, Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sdzialdcmokral Verl im". Vevliuev VolKsblÄtk. ( S Pfennig) Der Anzeigenpreis beträgt s. die siebengespaltene Kolonel. zcUe so Psg„Kleine Anzeigen", daS setigedruckte Wort 20 Psg. lzu- lässig 2 fettgedruckte Worte), ledeS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasslellenanzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Worts Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20%. Familien- Anzeigen SO Psg., bolitische u. gewcrlschafilsche VerewS- klnzeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen siir die nächsle Nummer müssen bis S Uhr nachmitt. im Haubtgeschäsi, Berlin SW.S8. Lindenstratze 3, ab» gegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdemokrattfcbcn Partei Deutfcblands. Neüaktion: SV. SS, Liaüenstraße 3. ffernivrecher: Amt Morttzplav, Str. 1S1 SV— 151 97. Sottuabend, de« 29. September 1917. Expedition: SM. 68, Linöenftrahe 3. Kernsprecher: Amt Morinvlaq, Nr. ISI SV— 1S1S7. Sie stieclensfrsge im hsuptausschuss. Die gestrigen Verhandlungen im Hanptausschuß wurden für vertraulich erklärt. Ueber die einleitenden Reden des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Auswärtigen wurde sadann ein offiziöser Bericht her- ausgegeben. Von den folgenden Reden der Abgeordneten kann so gut wie gar nichts berichtet werden. � Ter Leser wird daraus schließen, daß im Hauptausschuß Staatsgeheimnisse von dunkler Bedeutung erörtert worden sind. Wir können aber mit der größten Bestimmtheit ver- sichern, daß in der ganzen Sitzung kein Wort gesprochen worden ist, das nicht auch öffentlich gesagt werden könnte und nicht schon ähnlich öffentlich gesagt worden ist. Das einzige Geheimnis an der Sitzung ist, daß man den Anschein von Ge- Heimnissen erwecken niöchte, wo keine sind. , Gegenüber einem solchen Berfabren hoben wir den drin- genden Wunsch, daß vertrauliche Sitzungen nur dann abge- halten werden mögen, wenn sie wirklich notwendig sind, und daß dann auch folgerichtig jede Berichterstattung über sie unterbleibe. Ueberflüssige Geheimniskrämerei und frisierte Berichterstattung sind von Uebel. Zu dem Bericht selbst wäre in aller Kürze zu sagen, daß die Regierung zu hoffen scheint, es werde noch vor dem Winterfeldzug zu Verhandlungen kommen. Sie will diese Verhandlungen und bält die von ihr eingeschlagene Taktik für die richtige, um zu ihnen zu gelangen. Wurden nun die Er- Wartungen des Volkes enttäuscht, so wäre eine Debatte dar- über, ob diese Taktik richtig war, nicht zu umgehen, und sie würde zum Nachteil der Regierung ausfallen. Zweifellos ist die Regierung bereit, über die Wiederher st ellung der b e l g i s che n' Unabhängigkeit befriedigende Er- klärungen qbzuaeben, nur will sie es j e tz t noch nicht tun, ob- wohl ja der Reichstagsbeschluß und ihre eigene Note an den Papst vernünftigerweise jeden Zweifel über ihre Antwort aus- schließt. Herr v. K ü h l m o n n hat gestern gezeigt, daß er ein guter Redner ist— seit langer Zeit liest man wieder einmal die Rede eines deutschen Diplomaten mit Genuß—, aber ob er ein ebenso guter Rechner ist, muß sich erst erweisen. Seinen Appell an das Solidaritätsbewußtsein Europas wird man nicht ohne Bewegung lesen, den Erfolg wird man ab- warten. müssen, und nach ihm wird man seine Politik von beute beurteilen. Wir glauben, daß die Regierung bereit ist, Schritte zu tun, die uns dem Frieden näher führen, meinen aber, daß es setzt schon an der Zeit gewesen wäre, in der klaren Darlegung der deutschen Absichten w e i t e r zu gehen, als dies tatsächlich geschehen ist. Wenn die Regierung in nächster Zeit den Standpunkt verlassen wollte, über Belgien nicht mehr zu sagen, als daß wir keine Eroberungen bezwecken, so könnte sie der Zustimmung der Reichstagsmehrheit sicher lein. Der Verdacht aber, mit Rücksicht auf gewisse ebenso lärmende wie nnvolkstümliche Strömungen etwas Notwendiges zur Her- stellung des Friedens unterlassen zu haben, würde sie �wer treffen und schließlich erdrücken. Berlin, 28. September.(W. T. B.) A.m Beginn der heutigen Sitzung des Hauptausschusses hielt Der Reichskanzler eine Rede über die allgemeine Lage. Er begann mit warmen Dankesworten an Heer und Heimat und mit einem Rückblick auf die glänzenden militärischen Erfolge der letzten Wochen. Sodann betonte er die volle Einheitlich- keit und liebere instimmung der politischen Führung bei uns und unseren Verbündeten und gedachte in herzlichen Ausdrücken des gemeinsamen Waffenruhmes und der Waffen- brnderschaft der Vierbundmächte. Er besprach weiter den befriedi- genden Stand unserer Beziehungen zu den Neutralen, die auch durch die unerhörten Anstrengungen'der feindlichen Preß- bctzcr nicht gestört werden könnten. Der Schweiz, den Niederlanden und Spai wn wurde für ihre selbstlose Tätigkeit auf dem Gebiete der humanirären Kriegsfürsorge unser besonderer Dank aus- gesprochen. Der Reichskanzler hob hervor, daß wir die den Neu- tralen durch den Wirtschaftskrieg der Entente, an dem sich neuer- dings die Vereinigten Staaten mit besonderer Rücksichtslosigkeit be- teiligen, zugefügten Leiden aufs lebhafteste bedauern und daß wir stets bereit sind, an der Versorgung der Neutralen mit notwendigen Bedarfsgütern soweit teilzunehmen, als die Anspannung unserer eigenen Kräfte und Hilfsquellen durch den Krieg dies zuläßt. In knappen Strichen zeichnete der Reichskanzler hierauf den Stand der. Dinge in den feindlichen Ländern. Die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten Frank- reichs nehmen rasch zu. Noch schärfer macht sich die Wirtschaft- liche Not mit ihren innerpolitischen Begleiterscheinungen in Italien fühlbar, wo Regierung und kriegsfreundliche Parteien die wachsende und immer energischer vorgehende Friedenspropaganda mit den größten Anstrengungen niederzuhalten suchen. Nur die trügerische Hoffnung auf einen Zwiespalt bei uns läßt die leitenden britischen Staatsmänner heute noch an Kriegsziclcn fest- halten, oder doch solche verkünden, die mit den politischen und wirtschaftlichen LebenSnotwcndigkciten Teutschlands völlig unvereinbar find. In den Vereinigten Staaten sucht die Regierung mit allen Mitteln, auch durch unerhörten Terrorismus, die bisher in den weitesten Kreisen fehlende KricgSlust aufzustacheln. Wir sehen dem angekündigten militärischen Kräfteeinsatz der Union ruhig und zu- versichtlich entgegen. In Rußland herrscht eine schwere Wirt- schaftskrise, insbesondere sind die Transportmittel den Aufgaben, die der. Friedensschluß bringen wird, in keiner Weise gewachsen. Die Frage einer künftigen Demobilisierung liegt wie ein Alpdruck auf der neuen Regierung. Die leitenden Männer, zur Hälfte ab- hängig von den Arbeiter- und Soldatenräten, zur anderen von ihren engtischen und amerikanischen Geldgebern, scheinen so gut wie keine Bewegungsmöglichkeit nach außen mehr zu besitzen. Zurzeit gibt es in Rußland noch niemanden, der die Kraft findet, gegenüber dem Chaos und den Entente-Einflüffen die ollgemeine Sehnsucht nach Frieden zu verwirklichen. Der Reichskanzler kam dann auf unsere Antwort auf die Papstnote und auf die Frage der Kriegsziele zu sprechen. Er führte dazu aus: Die deutsche Note ist, soweit es sich bisher übersehen läßt, bei un- seren Freunden und Verbündeten beifällig, bei der Mehrzahl unserer Gegner mit offensichtlicher Verlegenheit aufgenommen worden. Soweit eine Kritik auch von befteundeter oder wohlmeinender Seite versucht worden ist, richtet sie sich in erster Linie dagegen, daß positive Erklärungen über Einzelfragen in der Note nickt gegeben wären. Es ist schwer verständlich, wie ein Kenner der internationalen Lage und der internationalen Gebräuche jemals daran glauben konnte, wir würden in der Lage sein, in einer einfeftig von uns gegebenen öffentlichen Erklärung die Lösung so wichtiger Fragen, die in unlösbarem Zusammenhange mit dem ganzen bei eventuellen Friedensverhandlungen zu besprechenden Fragen- komplejs stehen, durch eine einseitige Erklärung zu un- seren Ungunsten festzulegen. Jede derartige öffentliche Er- klärung im gegenwärtigen Stadium könnte nur verwirrend wirken und die deutschen Interessen schädigen. Wären wir auf Einzel- heiten eingegangen, so würde(das läßt sich aus der Haltung der uns feindlichen Presse schon jetzt mit Sicherheit erlennenj die Parole im Lager der Gegner gewesen sein: Die deutschen Konzessionen sind als Zeichen der wachsenden Schwäche Deutschlands auszulegen, sind vollkommen selbstverständlich und deshalb als wertlos zu buchen. Wir wären dem Frieden nicht um einen Schritt nähergekommen; im Gegenteil, die Ueberzeugung auf feiten der Gegner, daß nur die Ungunst unserer Zustände nns veranlaßt haben könnte, eine für jeden diplomatischen Tech- n i k e r so vollkommen unerklärliche Haltung anzunehmen, hätte be- stimmt kriegsverlängernd gewirkt. Ich nehme für die Reichsleitung das Recht in Anspruch, das die leitenden Staatsmänner in- allen feindlichen Staaten ffir sich in Anspruch genommen haben und noch bis in die neueste Zeit in Anspruch nehmen. Ich muß den Standpunkt der Reichsleitung klar feststellen, von dem wir uns nicht abdrängen lassen werden, daß ich es zurzeit ablehnenmuß, unsereKriegszielezuprä- zisierenundnnsereUnterhändlerfe st zulegen. Wenn sich die Mitglieder des Hohen Hauses und der Presse mit uns auf diesen Standpunkt stellen wollten, würde die Situation unendlich erleichtert und gefördert, und der Weg zum Frieden würde zum Segen des Vaterlandes von vermeidbaren Hemmnissen befreit werden. Zum Schlüsse wandte sich der Reichskanzler gegen die W i l- s o n s ch e Antwort auf die Papstnote. Der Versuch Wil- sons, zwischen Volk und Regierung in Deutschland Zwietracht zu säen, ist aussichtslos. Die Note hat das Gegenteil dessen erreicht, was sie sollte. Sie hat uns fester zusammengefügt in dem harten Willen, jeder fremden Einmischung entschlossen und kraftvoll Trotz zu bieten. Die flammenden, aus tiefer Empörung heraus geborenen Proteste, insbesondere der des Reichstagspräsidenten, haben dies be- stätigt. So wenig wie die Wilson-Note wird irgendein anderer feindlicher Versuch im deutschon Volke den Geist des 4. August über- winden. Dieser Geist wird leben und siegen, solange uns der Ring der Gegner zur Verteidigung unseres Daseins und unserer Zukunft zwingt. Nach dem Reichskanzler ergriff der Staatssekretär des Auswärtigen Dr. v. Kühlmann das Wort zu nachstehenden Ausführungen: Anschließend an die Ausführungen des Herrn Reichskanzlers möchte ich mir gestatten, noch einige Punkte der Lage Europas näher zu beleuchten. Vor allem will ich mit wenigen Worten auf die in den heutigen Morgenblättern erschienenen Nachrichten ein- gehen, es existiere eine deutsche Note über Belgien. Ich will den Herren die Nachricht im einzelnen nicht vorlesen; sie ist Ihnen bekannt. Ich kann sie mit lvenigen Worten»abtun. Es ist eine der dreistesten Erfindungen, die mir jemals in meiner politischen Praxis vorgekommen sind. Sic ist wahrscheinlich ftanzösischen Ursprungs, An der ganzen Sache ist kein wahres Wort. Der„Telegraaf" hat un? gestern abend und heute früh die von Reuter übermittelten Auszüge aus einer Rede gebracht, die der Führer der Opposition im britischen Unterbause, Mr. As- q u i t h, gehalten hat. Ein Landsmann von Mr. Asquith, ein distinguierter politischer Schriftsteller, hat einmal den gegen- lvärtigen Zustand der europäischen Diplomatie dahin gekennzeichnet, daß sie darin bestünde, daß leitende Staatsmänner der- schiedener Nationen sich von öffentlichen Rednertribünen aus gegenseitig anschrien. Wenn die Reuterschen Auszüge ein getreues Bild dessen geben, was Mr. Asquith gesagt hat, so glaube ich jedenfalls behaupten zu können, daß er unsaufdemWegc, der für Europa nötig ist, um keinen Schritt gefördert hat. Ich will aber nicht in die schlechte Gewohnheit verfallen, auf erfahrungsgemäß recht unzuverlässige telegraphische Auszüge hin meritorisch auf den Inhalt der englischen Rede einzugehen. Ich komme nun zum eigentlichen Thema unserer jetzigen Be- ratung: zur Note Seiner Heiligkeit des Papstes. Wie immer auch das unmittelbare Ergebnis des päpstlichen Friedensschrittes sich gestalten möge, dies eine, stelle ich nicht an, schon jetzt zu sagen: daß diese mutige Initiative des Papstes, der, auf hoher Warte stehend, gestützt auf die ehrwürdige Tradition eines mehr als tausendjährigen Priestcramtes, besonders zum Mittler- amtc sich berufen fühlte, einen Abschnitt in der Geschichte dieses ungeheuren Völkerkampfes bedeuten, daß sie als unverlvelklicheS Ruhmesblatt in den Annale» der päpstlichen Diplomatie erscheinest wird, ES war eine Tat, da der Papst das Wort vom Frieden in daS Getümmel eines Kampfes geworfen hat, der droht, Europa in eine blutgetränkte Trümmerstätte zu vertoandeln. Gerade das deutsche Volk und die deutsche Regierung, denen daS Bewußtsein ihrer Stärke und inneren Sicherheit es immer leicht gemacht hat, ihre Bereitwilligkeit zu einem ehrenvollen Frieden zu betonen, haben allen Grund, die Initiative der Kurie dankbar zu begrüßen, die es ihnen ermöglicht hat, die nationale deutsche Politik aufs neue in klarer und unzweideutiger Weise darzulegen. Ich sage mit Absicht:„nationale Politik", denn ich hoffe und glaube, daß die Antwortnote der deutschen Regierung sowohl ihrer Entstehung als ihrem Inhalt nach— soweit dies überhaupt für irgendein politisches Dokument gesagt lverden kann— den Willen der überwiegenden Mehrheit der Deutschen.verkörpert. Nicht nur international ist die Papstnote ein bedeutsames Dokument; mich für unsere rein deutsche Entwicklung bedeutet sie einen Mark- stein. Ist sie doch das erste Ergebnis eines Zusammenwirkens zwischen allen Faktoren der Negierung und den Vertretern des deutschen Parlaments, das hier zum erstenmal versucht worden ist. In solcher Intimität ist das Zusammenarbeiten, wenn mein Gc- dächtnis mich nicht trügt, selbst in rein Parlamentär i- scheu Ländern niemals versucht worden. Gerade dieses Zu- sammenwirken, sein Verlauf und seine Ergebnisse können— dies darf ich Wohl aussprechen— einem Staatsmann, dem die deutsche Politik am Herzen liegt, zuversichtlich und hoffnungsvoll stimmen. Eine answürtige Politik, die nicht in ihren breiten, wesentlichen Grundlagen von der Zustimmung des Volkes, von der Zustimmung der erwählten Vertreter des Volkes getragen wird, die nicht im Parlament unterstützt wird durch tätiges Eingreifen im geeigneten Augenblicke durch staatsmännischeS und weises Gcwährcnlassen der Exekutive» kann den schweren Kampf gegen daS Ausland nicht durch- führen. Im Auslande wird häufig mit der Legende operiert, es gäbe in Deuffchland eine Politik der Regierung und eine Politik des Volkes. Dies ist heute ganz bestimmt Legende, und nichts kann'diese Legende gründlicher zerstören, als wenn auch Sie, meine Herren, sich geschlossen der in unserer Antwort an Seine Heiligkeit niedergelegten Politik anschließen. Auch die törichten Behauptungen, als beständen im Schöße der Regierung selbst weit auseinandergehende Auffassungen, als zeigten sich die Divergenzen unter den leitenden Männern selbst oder gar zwischen der Reichs- lcitung mit jenen genialen Heerführern, denen wir nächst Gottes Hilfe verdanken, daß Deutschland da steht, wo es heute steht, diese Ausstreuungen sollen der verdienten Lächerlichkeit preisgegeben sein. Alle genannten Stellen arbeiten täglich und stündlich i u voller Harmonie aufs engste zusammen; eine Entscheidung wirklich vitaler Fragen, bei denen der Konsensus fehlen würde, ist nicht denkbar. Nun, meine Herren, ich stehe nicht an, zu erklären, daß ich von dem harmonischen Zusammenwirken, wie es sich in dem engen Zu- sammenarbeiten für die Papstnote zwischen Parlament und Rc- gierung ergeben hat, die besten, für die Zukunft hoffnungsvollen Eindrücke gelvonnen habe. Ich kann bei der Vertraulichkeit, die wir aus schwerwiegenden Gründen für die Verhandlungen des Siebenerausschusscs festgestellt haben, auf Einzelheiten nicht ein- gehen, halte es aber doch für wertvoll, festzustellen— es liegt darin keine Indiskretion; denn dieselbe Feststellung ist vor. einigen Tagen in der Tagespresse erfolgt—, daß die Grundlagen der deut- s che n Antwortnote so, wie sie von der Regierung vorgelegt worden sind, den Vertretern aller Parteien an- nchmbar erschienen, und somit kann ich mit vollem Reckt sagen, alle Versuche unserer Gegner, in den Grundlagen unserer auswärtigen Politik zwischen die deutsche Regierung und das deutsche Vol? einen Keil zu treiben, die Fiktion, als stehe das deutsche Volk in der ousmärligen Politik nicht geschlossen hinter Aaiser und Kanzler, sind als Fiktion und Erfindung zurückzu- weisen.. Tie deutjchc Politik schöpft gerade aus dein Bewußtsein ihrer vollkommenen Einigkeit mit dem deutschen Parlament und dein deutschen Volke die Kraft, mit Nil he. Würde und Ziel- Bewußtsein die Wege zu gehe», die für die Größe und Entwicklung Teutschlands nötig sind. Es würde Bedenken haben, auf die Einzel- deiten der Note zu sehr einzugehen. Si« steht als festgefügter Bau. Stein ist mit Stein so fest verklammert, daß jeder Versuch, einzelnes herauszunehmen, einzelnes zu kommentieren, die Wirkung nur abschwächen könnte. Ich will aber nur kurz versuchen, klarzulegen. aus welchem Geiste die Rote hervorgegangen ist und welches die Bedingungen für ihre Wirkungen sind. Im vierten Jahre dieses gewaltigen Krieges hat Se. Heiligkeit der Papst mit noch größerem Ernst und größerem Nachdrucke als vorher unter die Völker Euro- Pas das Wort geworfen vom Frieden auf Erden. Europa! Das Wort klingt uns heut« wie ein Märchen aus längst ver- gangen«» Zeilen, und doch ist es kein Märchen, sondern auch heute noch mehr als ein geographischer Begriff: die Summe eines in Jahrtausenden gewachsenen Ziistandes. Tie kleines an den asia- tischen Kontinent angelegte Halbinsel hat bisher die Herrschaft der Welt fest in Händen gehabt, machtpolitisch und handelspolitisch. Es steht uns allen noch klar im Gedächtiris, das alte Europa, und ich sage nicht zu viel, wenn ich behaupte, dast für keinen der Staaten in diese», alten Europa der Zustand, wie er in den letzten 40 Jabren bestanden bat, so unerträglich war, daß er auf die Gefahr der Selbst- Vernichtung hin feine Abstellung erreichen mußte. Tafi Europa nicht zugriindr gebe, ist vielleicht heute noch, mitten in diesem gr- woltigen Kriege, ein gemeinsames Interesse attrr Großstaaten. der endgültige Zusammenbruch würde jeden einzelnen Staat, welcher Gruppe er auch angehören möge, fcknnächer und zukunfts- ärmer hinterlassen, manche» ganz zertbrechcn und jeder großen nationalen Zutiinftshoffnungen bar machen. Als die junge Groß- macht Deutschland vor bald üb Jahren in d«n Kreis der Groß- mächte eintrat, ist sie von keiner Seite zärtlich begrüßt worden. Aber diese üb Jahre haben, so scheint es mir, betviesen, daß Europa mit dem»lächligen Deutschland t» seiner Mitt« leben konnte, daß Europa mit dem mächtigen Deutschland in seiner Mitte mächtiger und lebensfähiger war als vorher, und wenn heute unter unseren Feinden Nock, viele glauben, es ließe die Geschichte sich rückwärts revidieren, es ließen sich neben einem tödlich zerstümmelten Preußen vage bundcsstaattiche Gebilde wieder ins Leben rufen, so sind das Illusionen, die bei historisch» Phantasten schwer verzeihlich, bei vcrainworilichen Staatsmänncru aber v e r b reche r i s ch sind. Der Papst verkündet den Frieden auf Erden. Doch auch heute noch gilt da» Wort: Der Friede denen, die guten Willens sind! Ter tiefste Grundgedanke der deutschen Note war, dem Heiligen Vater behilflich zu sein, diejenige Atmosphäre zu schaffen, welche überhaupt für eine fruchtbare Besprechung der zahlreichen, die Völker trennenden Streitfrage» unbcidingt nötig ist. Jeder diplo- malisch Erfahrene weiß, daß bei derartigen Verhandlungen die Atmosphäre, die umgebende Luit, die Stimmung häufig unendlich viel wichtiger ist als selbst weit auseinandergshende Forderungen. Wenn man die Stimmung unserer Feinde nach den öffentlichen Aeußerungcn ihrer Presse und ihrer leitenden Männer beurteilen wollte, so könnte man nur zu sehr trüben Ergebnissen kommen. Solange unsere Gegner von dem Wahne ausgehen die Klügeren unter ihnen wissen, daß cL ein Wahn ist—, eS könnte ein Augen- olick kommen, in dem eas deutsche Volk in Gack und Asche Buße tun, reumütig an die Brust schlagen, unter das Kaudinische Joch verächtlicher Forderungen kriechen könnte, so lange, meine Herren, wird dem Schwerte das Wort bleiben müssen. Es mag ja nicht leicht sein, den durch die Legenden, die sich um die Anfänge dieses Krieges gewoben haben, aufgehetzten Völkern der Entente die Wahrheit ungeschminkt zu zeige». Es ist aber notwendig; denn sonst kann ein neuer Olcist nicht entstehen, und die Entstehung dieses neuen Geistes ist die UN- bedingte Voraussetzung für einen glücklichen Abschluß dieses surchtbaren Völkerringens. Das deutsche Voll ist im Innersten fest überzeugt: es führt einen gerechten Krieg, und aus dieser Ueberzeugung heraus quillt ihm die Kraft, die ungeheuren Opfer freudig zu bringen, die täglich von ihm verlangt werden. Die päpstliche Kundgebung hat die Völker Europas noch ein- «al an den Scheideweg gestellt. Roch einmal vor dem entschridungsvollen Winterfeldzu» ist ihnen die Möglichkeit gegeben, zwar aus tiefen Wunden blutend, aber mit blankem Schilde den Wiederaufbau Europas zu beginnen. An Teutschlands Gegnern ist es nun, zu beweisen, ob auch sie einen Hauch des neuen Geistes verspürt haben. Die nächsten Wochen dürften die große Frage entscheiden, ob Freund und Feind in Achtung vor waffengewaltigen Gegnern die blutigen Tegen senken oder weiter die eherne Entscheidung der Waffen anrufen ivollrn. Ein einiges Deutschland kann nicht geschlagen werden. Unsere Einigkeit in den Fragen der großen Politik, wie sie in unserer Antwort auf die Papstnote verkörpert ist. bildet die Voraussetzung für unsere ganze Einigkeit, und gerade daß diese Einigkeit in unseren Beratungen erzielt werden konnte auf dem Boden eines klaren und aufrichtigen Friedensprogramms, das gibt ihr doppelt wirksame Kraft. So steht denn das deutsche Volk in dieser entschridungsvollen SchicksalSstunde stark, aber still, mächtig, aber gemäßigt, bereit zum Kampfe wie nur je. aber auch bereit, mitzuarbeiten zur Verwirk- lichung de« Wortes vom Frieden auf Erden. Weitere Erklärung des Reichskanzlers. In der Erörterung erklärte der Reichskanzleri Ein freisiniger Abgeordneter hat richtig ausgeführt,.daß die Stellung der Reichsleitung zu den Kciegszielen durch meine Antwort auf die päpstliche Fviedensnole klar umschrieben wird. Da in dieser Antwort die Friedenskundgebung vom lg. Juli ausdrücklich erwähnt ist, bedarf es weiterer Klarstellungen nicht mehr. Im übrigen habe ich folgendes zu erklären: Die in den letzten Wochen lebhaft erörterte Nachricht, daß die Reichsleitung bereits mit dieser oder jener feindlichen Regierung in Verbindung getreten sei und daß hierbei nach einer— wie ich höre— ziemlich weit verbreiteten Auffassung die deutsche Reichsleitung von vornherein be- letzte Gebiete und somit die wertvollsten BerhandlungSvorteile für kommende Friedenserörterungen preisgegeben haben sollte, ist u n- zutreffend. Ich stelle fest: Die Reichsleitung hat für mögliche Friodensver- Handlungen freie Hand. Dies gilt auch für Belgien. (Später stellte Staatssekretär v. Kühlmann fest, daß der vielbeachtete Artikel der.Münchener Neuesten Nachrichten" über Belgien lediglich RedaktionSarbeit sei.) Gesieigcrte Feuertätigkeit in Flandern— Englischer Teilvorstoß an der Straße nach Menin zurückgeworfen— Starker Artillcriekampf vor Berdum Amtlich. Große« Hauptquartier, 28. September lSl7. iW. T. B.l Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Auf dem Schlachtfeld in Flandern steigerte sich von mittags an der Feuerkampf wieder. AbendS lag Trommelfeuer auf dem Gelände östlich von Pipern. Dort schritten die Engländer zu starken Teilangriffen nordöstlich von Frelenberg und an der Straße nach Menin. Auf beiden AugriffSfeldern wurden sie durch Feuer und im Nahkampf zurückgeworfen; am Wege Dprru— Passchcndaelc sitzt der Feint noch in einigen Trichtern unserer Frontlinie. An der Küste war abends die Artillerietätigkeit lebhaft; auch in mehreren Abschnitten der Front im ArtoiS nahm sie zeit- wcilig zu. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nördlich der AiSne und in der Champagne schränkten schlechte Sicht und Strichregen die Gefechtstätigkeit tagsüber ein; abends lebte sie auf. An mehreren Stellen hatten unsere Erkundungen guten Erfolg. Vor Vcrdun wurde am Nachmittage der Artilleriekampf stark. Auf erfolgreichen Kampfflügrn schoß in den letzten Tagen Oberleutnant Berthold seinen 25., Leutnant Wüsthoff den 22. und Leutnant von Bülow den 2l. Gegner ab. Oberleutnant Waldhauscn gelang es gestern, l Flugzeug und 2 Feffelballone zum Absturz zu bringen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Rur in wenigen Abschnitten zwischen Ostsee und Schwarzem Meer erhob sich die beiderseitige Feucrtätigkrit über daS gewöhn- liche Maß, Mazedonische Front. Auftlärer-Geplänkel im Stumbi- und Struma-Tal; stärkeres Feuer nur im Becken von Monastir und südwestlich deS Dojran- Sees. Der Erste Generalquartiermrister. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 28. September 1917, abends. Amtlich. In Flandern lebhafter Artilleriekampf. Sonst nichts von Belang. Ter österreichische Bericht. Wien, den 28. September 1917. es ein Kampf der beiden Richtungen gewesen, und das Hauptquartier habe jedes Mißgeschick an der Front dazu benutzt, sofort ein Ultimarnm nach Petersburg zu richten. Kurz vor der Moskauer Konferenz sei der Regierung ein neues noch stärkeres Ultimatum vom Hauptquartier überreicht worden, das im Weigerungsfalle gedroht habe, die Konferenz zum Scheiteru zu bringe», aber die Regierung habe auch dieses Ultimatum zurückgewiesen. Nach dem Zusammenbruch bei Riga seien die genannten Bestrebungen des Hauptquartiers noch eindringlicher geworden. Die Regierung wurde sogar benachrichtigt, daß in Zukunft keine Umbildung des Kabinefts ohne die Genshmigung des Haupt- quartiers stattfinden dürfe. Zu derselben Zeit, als die Annähe- rung der militärischen Zone gegen Petersburg infolge des Falles von Riga stattfand, verlangte Kornilow, daß alle Truppen des Bezirks der Hauptstadt ihm unterstellt werden sollten. Tie Regierung veuveigerte dies entschieden, da sie voraussah, daß eine solche Maßnahme gefährliche Folgen haben würde. Kerenski kam dann weiter aus die bereits bekannten späteren Vorkommnisse zu sprechen und setzte dann auseinander, daß er energisch und un- berzüglich handeln mußt«, angesichts der plötzlichen unerwarteten Bewegung der Armee des Generals Krynow gegen Petersburg. Aus das Programm der Konserenz übergehend, erklärte Kerenski, die Regierung habe ihn beauftragt, auszusprechen, daß in diesem Augenblick mehr als jemals das Land eine große, sehr große Anstrengung machen müsse, denn die Anarchie wächst un» Widerstehlich und verbreitet sich in enormen Wellen über den ganzen Staat. Kerenski führte ein Telegramm aus Helsingfors an, worin die Regierung benachrichtigt wird, daß die örtlichen revolutionären Ge- walten nicht erlaubten, die Wiedereröffnung deS Landtags, der sich aufgelöst hatte, zu verhindern. Die Maximalisten klatschten Beifall und schrien: Bravo, sehr gut! Kerenski wandte sich gegen ihre Bänke und sagte: Mitbürger! Jeder, der den Verstand noch nickt verloren hat, wird diesen Beifall zu würdigen wissen, besonders in dem Augenblick, wo uns die Annäherung einer deutschen Flotte gegen den Finnischen Golf gemeldet wird. Kerenski fuhr fort: Wenn die Regierung und das Land die Konferenz nicht mit fester und kategorischer Stimme sprechen hören, wird die Sache der Revo- lution unwiderruflich verloren sein. Das ist um so notwendiger, als wir von der Front große Ereignisse erwarten und nicht wissen, mit welchen Mitteln wir ihnen die Stirn bieten sollen. Kerenski schloß seine Rede, indem er sagte: Ich habe bisher als Mensch ge- sprachen. Jetzt spreche ich als Inhaber der obersten Gewalt, und erkläre von neuem, daß jeder, der die freie russische Republik antastet, die ganze Macht der revolutio- närcn Regierung erfahren wird.(Lebhafter Beifall.) Terestschenko üemWoniert. Petersburg, 27. September.(Reutcrmeldung.) Terestschenko hat seine Entlassung genommen und daS Kabinett ist jetzt ei« r e i n sozialistisches. Neue rusilsche Minister. Petersburg, 28. September. Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur. Prof. Bernatzki, Verweser des Finanzministeriums, und Hr. med. Salazkine, Verweser des Ministeriums für den öffentlichen Unterricht, sind zu Ministern ernannt worden. Die Regierung nahm den Entwurf eines Zucker- m o n o p o l s an, das dem Staat jährlich 860 Millionen einbringen foll._ Smillie und Nacöonalö gegen üie englischen Möeutschen. Bern, 27. September. Smillie. der Präsident der britischen Vergmaunsvereinigung, sagte in der E r ö f f n u n g s- rede bei der Jahresversammlung der schottischen Sektion der Labour Party in Glasgow am 22. September, so lange der Krieg über Europa hänge, sei auf wahre Reformen nicht zu rechnen. Leider seien die Arbeiter und die anderen Gesell- schaftsklassen verschiedener Ansicht über Krieg und frieden. Manche Leute dächten. daß ein dauernder Friede nur durch den militärischen Sieg der Alliierten zu erreichen sei. Aber er sei der Ansicht, daß ein solcher noch weitere große Opfer an Gut und Blut kosten werde. Man sei sich, glaube er. einig, daß ein militärischer Sieg nicht vor ein bis zwei Iahren erfochten werden könne. DaS würde Europa eine S ch u l d e n l a st auferlegen, deren Ablösung viele Generationen dauern werde. Selbst das tväre nicht so schlrmm. Aber es würde den Grund für einen weiteren Krieg legen und Haß zurücklassen. E i n Berständigungsfriede sei besser geeignet, zu beseitigen, was zu den Kriegen führte. Er sei daher dafür. daß sobald als mög- lich Friedensverhandlungen eröffnet wür- den, nicht zwecks Erlangung eines Friedens um jeden Preis, sondern eines für alle Teile gerechten Friedens. Ramsay Macdonald erging sich in starken Angriffen gegen die dünkelhaften britischen Diplomaten im allgemeinen und Cecil im besonderen, deren einer den Streich begangen habe, Helgoland an Deutschland abzutreten. Zur Wahlrefornmovelle bemerkte der Redner, es verlaute, daß das Oberhaus Schwierigkeiten machen wolle. Wenn die Lords den Sturm haben wollten, sollten sie nur die Schleusen öffnen. Die Reinigung werde dann eine um so gründlichere sein. Es ist geradezu erstaunlich, wie wortwörtlich diele Reden auch auf d e u t i cd e Verhältnisse passen. Man glaubt bei jedem Satz unwillkürlich, Smillie rede gegen die A l l d e u t s ch e n und Macoonald gegen die preußischen Reaktionäre. Daraus kann man sehen, welch internationalen Charakter in Wahrheit die Klasse der Kriegstreiber hat, dieselbe, die vermeint, national zu sein wie nichts anderes. Wie tzenöersons Rücktritt auf die Arbeiter wirkt. Stockholm, 27. September.(Eig- Drahtbericht d.„Vorw.") Hierher gelangte Mitteilungen besagen, daß Hendcrsons ent- schlosscne Preisgabe des Ministerportefeuilles in der eng- tischen Arbeiterschaft eine tiefgehende Wirkung ausgeübt und im ganzen Lande den Entschluß zur selbständigen Aktion ent- zündet hat. Schon heute scheint der Bann gebrochen zu sein, welcher die Arbeiterschaft an die bürgerlichen Parteien kettete, und man sieht schon 200 selbständige Kandidaturen der Arbeiter- Partei bei den nächsten Wahlen voraus. Henderson hat eine bisher ungekannte Autorität erlangt. fius der französischen Kammer. Bern, 27. September. Der HeereSauSschuß des Senats unter Vorsitz Clemenceaus erörterte die Frage der Verprovian- licrung und der Vorbereitung des WintcrfcldzugeS. Chsron erstattete Bericht über die Verproviantierung der Armee und des Landes mit Getreide und betonte die Notwendigkeit weitestgehender Sparsamkeit im Verbrauch angesichts der u n g ii n st i g e n diesjährigen Ernte. Die Regierung solle über die Frage demnächst von, Ausschuß gehört werden. Bern, 28. September. Lhoner Blätter melden aus Paris: In der gestrigen Kammersitzung brachten die Deputierten Jean Bon und I o b e r t einen Antrag auf Einsetzung eines ständigen Ausschusses ein, der die Ereignisse vom 4. August 1314 bis zum 20. Dezember 1914 untersuchen solle. Bon erklärte, es bandle sich darum, eine ähnliche Untersuchung vorzunehmen, wie seinerzeit England über das Dardanellen- unternehmen und die mesupotamische Expedition. Es seien während dies r Zeit große Tinge vor sich gegangen, aber auch schwere Fehler deganzen worden, und zwar größten- teils, weil das Parlament nicht einberufen gewesen sei. Das Par- lament hätte dafür gesorgt, daß diese Fehler nicht vorgekommen tvären. Es sei unbedingt notwendig, die Gründe zu erfahren, tveshalb die vom Generalstab schlecht beratene Regierung die Räumung einer gewissen Festung beschlossen habe, die der Schlüssel zur Verteidigung einer wichtigen französischen Front war. Unterstaatssekretär M o u r i e r erklärte, Painleve gedenke die Anfrage zu beantwworten. Die Besprechung des Antrags wurde daraufhin auf Dienstag vertagt. Paris, 28. September. Der Justizminister hat den ersten Präsideilten des Pariser Appcllhofes, Monier, infolge von Ver- ü ö ß e n und Unvorsichtigkeiten bei seiner Amtstätigkeit vor den K a s i a l i o n s b o f gestellt. Der Streik in den französisiben Flugzeug- fabriken ausgebrochen. Bern, 28. September. Lhoner Blätter melden aus Paris: Gestern wurde in allen sranzösiichen Flugzeugfabrikeu infolge der Sohnstreitigkeiten die Arbeit niedergelegt. Der VermitilungSversuch der Regierung ist gescheitert. Die Regierung ist weiterhin bemüht, die Zwistigkeiten beizulegen. Wieder einmal zwei Lesarten. Die Antwortnote Wilsons a» den Papst ist den Franzose» durch Agrnce �avaZ bekanntlich erst in gefälschter und entstellter Form vorgesetzt worden. Mit der deutschen und österreichischen A n t w o r l n o t e an den Papst scheint man ebenso verfahren zu sein. Wie das.Journal deS Debat»' vom 24. September feststellt, wurden der frpnzösischen Presse zwei verschiedene Texte übermittelt..�ES ist uns unmöglich gewesen'— so fügt daS Blatt hinzu—.über die Authentizität dieser Texte nähere Auskunft bei dem Bureau zu erhalten, das sich Nachrichtenbureau der Presse nennt'. Der amerikanische Werstarbeitersireik beendet. Amsterdam, 28. September. Central NewZ meldet au« San FranztSko. daß die 25 000 ausständigen Arbeiter der Schiffswerften am Stillen Ozean die Arbeit wieder aufgenommen haben. der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 27. September. Im Acrmelkanal und in der Nordsee wnrden durch unsere U-Boote wiederum 4 Dampfer, 2 Segler, 1 ßischerfahrzeug versenkt, darunter drei englische Dampfer, von denen zwei aus Gclcitzügcn hcrnusgcschosscil wurden, ferncr der englische Segler Hiuemoa(2283 Tonnens nnd das Fischcrfahrzcng Familps Braide. Der andere versenkte Segler, eine große Bark von über 2000 Tonnen, hatte Stückgut nach Le Havre geladen. Ter Chef des Admiralstadcs der Marine. Requisition der amerikanischen Handelsflotte Washington, 28. September. Reutermeldung. Das SchlfsahrtS- amt teilt mit, daß jedes für den Ozeandienst verfüg« bare amerikanische Handelsschiff über 2500 Tonnen am 15. Oktober requiriert werden wird. Die Fracht- raten werden bedeutend niedriger angesetzt werden als sie jetzt sind. Madrid, 27. September. sHavaSmeldung.) Der Botschafter der Vereinigten Staaten teilt mit. daß künftig die Bemannung der in Nordamerika nischcn Häfen antomnr enden Schiffe persönliche und Nationalitätsausweise besitzen müsse; Leute ohne solche würden gleich bei der Ankunft festgen ommen werden. U-Soot-Wirkung im Mittelmeer. Berlin, 28. September. Die von den Deuifcben an der Saloniki-Front gefangenen Ententesoldaten lassen in ihren Aeußerungen von Woche zu Woche stärler die katastrophale Wirkung des U-Boot-Krieges im Mittelmrcr erkennen. Für die kurze Reise von Toulon nach Saloniki, die früher 3 Tage dauerte, brauchen die Dampfer jetzt etwa 16 Tage, da sie trotz der Begleitung durch U-Boote. Torpedoboote und sonstige Kriegsschiffe unterwegs in allen Häfen längere Zeit lieg cn und Auskunft über die deutschen U-Boote abwarten müssen. Technisch gesprochen, bedeutet eine derartige zwangsweise Verlängerung aller Fahrten genau dasselbe wie der Verlust von Tonnage durch Versenkung. Das Arbeitsprogramm destzauptausschusies Zur Erörterung im HauptanSschuffe sind für die Zeit vom 28. September bis 11. Oktober folgende Gegenstände vorgesehen: 1. Auswärtige Politik: Antwort auf die Papst- note; b) Besetzte Gebiete: Polen, Litauen, Kurland; o) Argentinien Schweden, Holland, Schweiz. 2. Elsaß-Lothringen: Staatsrechtliche Stellung; b) Liquidierung des feindlichen Eigentum«; o) Verordnungen der OberbesehlShaberS betreffend Notstandsarbeit; ä) Kampf gegen die französische Sprache. 8. Zensur und Eingriffe der Militärgewalt in die politischen Zustande. 4. Heranziehung der Ausländer zur Dienst- Pflicht im deutschen Heere. 5. Soziales: a) Erhöhung der Soldatenlöhnung; dl Er- höhung der Familienuntcrftützung: o) Fürsorge für Kriegsbeschädigte; d) Beihilfe des Reiches zur Sicherung der Ernährung Minder- bemittelter. 6. Wirtschaftliches: a) Kriegswucher; b) Stand der Errichtung von Zwangssyndikaten; c) Wiederausbau des Mittelstandes d) Rohstoff- und Lederversorgung im Winter 1317/18. �Dieser Rntichrisi, der den frieden will/ In Zeven tagte am 24. September eine Versammlung all- deutscher Art, von der der„Nordhannoversche LandeSbote" be- richtet, daß sie schwach besucht war. An starken Worten war dagegen kein Mangel. Der L a n d r a t Freiherr v. Hammer- ft e i n führte in eigener Person den Vorsitz. Erster Redner war Herr Superintendent Dieckmann- Lehe, der trotz seiner hohen geistlichen Würde mit sehr unchristlichen Worten über unsere Gegner herfiel. England habe sich„mit dem Satan verbunden", vom Präsidenten Wilson sprach der Herr Superus als von„diesem L u m p". Schmunzelnd erzählte der Gottesman» seinen Hörern, daß jetzt in England unter der Bevölkerung große Not und greuliches Elend herrsche, wir aber würden durchksmmen. Sein Nachredner, ein Herr Müller- Godenstedt, sprad; über das interessante Thema:„W ie steht es mit dem Christentum in diesem Krieg?'— Man hätte meinen sollen, daß der vor- angegangene Vortrag des Superintendenten Herrn Müller reich- haltiges Material zur kritischen Beleuchtung dieser Frage gegeben hätte. Herr Müller aber zog es vor, die Schale seines Zornes zu entladen über„den demokratischen Papst, diesen Antichrist, der den Frieden will". Herr v. H a m m e r st e i n aber gab diesen Worten seine landrätliche Weihe, indem er die Ausführungen des Herrn Müller lobte, die„allen zu Herzen gegangen seien'. Die protestantischen Kriegsapostel machen sich keinen Begriff, in welcher Weise sie das Christentum und speziell den Protestan- ttsmus diskreditieren. Daß der Papst von ihnen als Antichrist beschimpft wird, weil er den Frieden will, zeigt, zu welcher Per- versität des religiösen Denkens einige dieser Herren bereits ge- langt sind. Kriegsbeschädigte, Kriegerwitwen, Rltpensionäre. Reichstaghilfc tut not! Daß die Pensionen, die heute an kriegSbeschädigte Mannschaften und an die Hinterbliebenen gefallener Mann- schaften gezahlt werden, keineswegs ausreichen, wird, wie man unS mitteilt, von der Regierung anerkannt. Sie glaubt, daß der zu- nehmenden Teuerung, der damit verbundenen Verschlechterung der Loge dieser Personenkreise dadurch Rechnung getragen ist, daß Zu- Wendungen gemacht werden können und auch, wie versichert wird, tatsächlich in sehr ausgiebiger Weise gemacht werden. ES soll nicht bestritten werden, daß dies in der Tat geschieht, aber trotz allem muß daraus bestanden werden, daß die Pensionen für KriegS- beschädigte und Hinterbliebene erhöht werden, da sie bei den heutigen Verhältnissen als ausreichend nicht angesehen werden können. Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse haben dazu ge- führt, daß auch die'A l t p e n s i o n är e in eine sehr mißliche Lage gekommen sind. Im Reich ist bereits mehrfach verlangt worden, hier für Abhilfe zu sorgen. Wie auS einer Antwort auf eine An- frage hervorgeht, hat die Regierung nicht die Absicht, einen Gesetz- enlwurf über die Gewährung von Beihilfen an Alipensionäre und Allhinterbliebene vorzulegen. Die Regierung steht auf dem Stand» Punkt, daß die Gewährung von außergewöhnlichen KriegSunter- stützungen für Pensionäre mit einem Gesamleinkommen von 2500 M. und für Hinierblicbene bi« 1200 M. vollständig genügt. Der Rufbau der deutschen Handelsflotte. Der Reichstagsausschuß, für Handel und Gewerbe trat am Donnerstag in die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Wiederherstellung der deutschen Handelsflotte ein. Ter Entwurf selbst wurde am Freitag mit nur einigen nicht wesentlichen Aendc- rungen angenommen, die entweder rein redaktionell sind oder das mit dem Gesetz Gewollte nur klarer zum Ausdruck bringen. Der Antrag, die Beihilfen nur a I s D a r l e h e n zu gewähren, wurde abgelehnt, weil auf dieser Grundlage unzweifelhaft der Zweck des Gesetzes verfehlt werden würde. Auch die Anträge, die auf eine gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung der Reeder und Schiffsmannschaften an dem ReichsauSschutz hinaus- liefen, fanden keine Mehrheit; jedoch wurde von den Regierung«- Vertretern die Zusage gegeben, daß eine tatsächliche Mitheran- ziehung dieser Kreise erfolgen solle. Angenommen wurde eine Aenderung des K.12, die das Budgetrecht des Reichstags besser sicherstellt. Zum Schluß wurde noch eine Resolution angenommen, die den Reichskanzler ersucht, dahin zu wirken, daß die Räume der Schiffsoffiziere und Mannschaften auf den mit Reichshilfe zu beschaffenden Schiffen gesundheitlich einwandfrei sind und auch sonst allen billigen Anforderungen entsprechen. hertling über die Weltlage. München, 28. September. sW. T. B.) In der heutigen Reichs- ratssitzung gab Ministerpräsident Graf H e r t l i n g eine Erklärung ab, in der er besonders auf die Friedensnote de« Papstes und die Antwort der Mittelmächte sowie die ablehnende Haltung der Feinde einging. Graf Hertling erhob scharfen Einspruch gegen die Schmähungen und Verleumdungen der Wilson- Note und geißelte deren Unwissenheit und Anmaßung. In Deutsch- land gebe eS keine autokratische Regierung. Zudem ließen die Er- lebbisse der letzten drei Jahre nicht den Vorzug demokratischer Ver- sassungen erkennen. Unter allen Umständen verbitten wir uns eine Einmischung der Feinde in unsere innerstaatliche Ordnung. Was verbesserungSfähig oder änderungsbedürflig ist, wollen wir selbst ordnen. Schließlich erklärte Gras Hertling, daß sich die bayrische Staats- regierung mit der Ausarbeitung eine« Gesetzentwurfes beschäftige. der Industrie, Handel und Gewerbe eine stärkere Vertretung in der Reichsratslammer geben solle._ Vereinfachung der Verwaltung in Preußen. Dem Abgeordnetenhaus ist ein Gesetzentwurf über Verein- facbung der Verwaltung zugegangen. Das Gesetz ermächtigt das Staatsministerium, während der Dauer des Krieges Maßnahmen anzuordnen, die sich zur Ersparung von Arbeitskraft als not- wendig erweisen. Der Entwurf will durch eine verminderte Be- setzung der Berwaltungsgericht« Arbeit sparen; ferner soll in Zukunft die Beschlußfähigkeit der Kreistage, Stadt- verordnetenversammlungen, Magistrats- und G e- meinderäte bereits bei Anwesenheit von einem Drittel der Mitglieder vorhanden sein. Auch die Staatsaufsicht über Ge- metnden und Gemeindeverbänd« soll nach einigen Richtungen ein- geschränkt werden. Lette Nachrichten. Die Demokratische Konferenz in Petersburg. Petersburg, 28. Sept. Meldung der Petersburger Tel.-Ageniür. Kriegsminister General Werchvwski begann feine Rede mit der Erklärung, Deutschland macht« in Hinblick auf die Schwäche Rußlands Versuche, einen Sonderfrieden mit Frankreich und England zu schließen, indem er diesen auf Kosten Rußlands alles in Aussicht stell«, dessen sie bedürften. Die heldenhaften Alliierten hätten mit Entrüstung diese Vorschläge ad- gewiesen, da sie noch unerschütterlich daran glaubten, daß die russische Armee trotz allem ihre Pflicht tun werde. Der Minister stellte fest, die Armee und die Flott« weigerten sich nicht, zu kämpfen, aber unglücklichertveise seien sie nicht von dem Geist des Sieges beseelt, welcher allein Rußland retten könne. Eine der Haupwrsachen dafür liege darin, daß die B e z i e h u n g e n zwischen den Soldaten und dem Oberkommando nicht normal« seien; diese hätten sich vielmehr seit dem Auf- ftandsversuch Kornilows, an welchem die Partei des Oberkommandos teilgenommen hätte, fühlbar ver- schlechtert. Diese Partei müßte aus der Armee entfernt und durch andere Führer ersetzt werden, deren Wahl augenblicklich den Ober- befehlShaber beschäftige. Werchowski sprach sodann vom Krieg und sagte, er müsse fortgesetzt werden, bis man die feste Sicher- heit habe, daß der Frieden ein Frieden der Freiheit aller Nationen sein werde. Der Minister betonte sodann die Not- wendigkeit, die Manneszucht mit allen Mitteln, auch den äußersten, wiederherzustellen. Der ehemalige Ackeribaunrinister Tschernow nahm darauf das Wort und sprach sich«ntschioden gegen eine Verbindung mit den Kadetten aus. Der Maxtmalist K a m e n c w erhob Einspruch gegen eine Verbindung nicht nur mitden Kadetten, so n- dern mit allen bürgerlichen Parteien, mit welchen die Sozialisten sich niemals verständigen könnten. Tseretelli, be- grüßt mit dem Ruf: Es leb« der Führer der Revolution, erklärte, ein ausschließlich sozialistisches Ministerium fei ein undurchführbarer Plan, denn ein derartiges Kabinett würde nicht lange bestehen. Andererseits müßten die b ü r g e r I i ch e n E l e m e n t e auf einen Kampf gegen die Demokratie verzichten, die soeben aus dem Auf- ftandsversuch Kornilows wesentlich gestärkt hervorgegangen sei; mithin, so schloß der Redner, dränge sich der Grundsatz der Ver- einigung gebieterisch auf.— Die Sitzung schloß um Mitternadit. Heute findet keine Sitzung statt. Während des ganzen Tages werden geschlossene Beratungen der politischen Parteien und Gruppen statt- finden. Kriegskundgebung in Buenos Aires. Buenos Aires, 26. September. HavaSmeldung. Heute hat auf den Straßen ein« Kundgebung mit 200 000 Teilnehmern stattgesunden, lvelche den Abbruch der Beziehungen zu Deutschland feierte: in vielen Reden wurde die Regierung zum Handeln auf- gefordert, ünd eine Abordnung überrciiht« der Kammer eine Adresse, welche die Zustimmung zu deren Beschlutz ausspricht. Auch Paraguay? Lugano, 28. September. Wie gemeldet wird, beschloß Para- guay den Abbruch der Beziehungen mit Deutsch- land. Ferner wird gemeldet, daß Argentinien sein« Land- und Seemacht mobilisiere. Kriegsgewinn von KriegSgewinnern. Frankfurt a. M., 28. September. Di« heutige Gsneralver- sammlung der Feist- D e kt k e l le r e i Akt.-Ges. in Frankfurt am Main setzte die Dividende auf 10 Prozent fest. Sektdividenden in großer ZeitI � HewerkschajkbewWW Mitglieder im Zimmererverband. Nach einer Zählung, die der Zimmererverband am 15. Eep- tember vornahm und an der sich 710 Zahlstellen beteiligten, war an diesem Tage ein Mitgliederbestand von 60 067 zu verzeichnen. Hiervon sind seit Ausbruch des Krieges bis zum IS. September 40 943 oder 68,16 Proz. zum Militär eingezogen. Als gefallen ge meldet waren bis zum 24. September 2993 Mitglieder. Arbeitslos waren am 15. September 20 Mitglieder, dagegen standen 18 729 Mitglieder in Arbeit und 375 Mitglieder waren krank. Nach Abzug der zum Militär Eingezogenen von der Gesamtzahl der nach- gewiesenen Mitglieder verbleibt ein Bestand von 19 124 Mitgliedern. Hiervon waren arbeitslos 0,11 Proz., krank 1,96 Proz. und in Ar- beit standen 97,93 Proz._ parteinachrichten. „Westfälische Allgemeine Volkszeitung". Eine Titeländerung nimmt am 1. Ollober die Dortmunder „Arbeiter-Zeitung" vor. Sie erscheint dann unter dem Titel «Westfälische Allgemeine Bolkszeitung�. Die politische Haltung des Blattes bleibt selbstverständlich unverändert. ilnter dem gegenwärtigen Titel erschien das Dortmunder Partei- blatt genau 25 Jahre; vorher hictz es gleich einem Vorläufer in den siebziger Jahren:«Westfälische Freie' Presse". Totenliste der Partei. In Bielefeld starb am 27. September der Redakteur und Stadt- rat Karl H o f f m a n n, der seit seiner frühesten Jugend der Sozialdemokratie angehörte, im Alter von 60 Jahren. Hoffmann, der lange Zeit in Berlin tätig war, wurde 1894 an die«Volks- wacht' in Bielefeld berufen. Als Redakteur und VersammlungS» redner hat er seitdem im östlichen Westfalen und in den lippeschen Fürstentümern für die Partei gewirkt. Industrie und Handel. Weitere Kohlenpreiserhöhuug. Der Preisverband Mitteldeutscher Braunkohlenwerke beschloß mit Zustimmung des preußischen Handelsministers für Braunkohlen- briketts und Naßpreßsteine Preisheraufsetzungen um je eine Mark und für Rohkohle um 30 Pf. die Tonne vorzunehmen. Auch die Niederlausitzer Brikettverkaufsvereinigung und die«Ilse' er- höhten ihre Brikettpreise um 1 M. die Tonne. Wie bei früheren Gelegenheiten schon, hat auch diesmal der Handelsminister die Genehmigung der Preissteigerungen von einer entsprechenden Höherbemessung der Arbeiterlöhne abhängig gemacht. Es wird die schärffie Kontrolle darüber nötig sein, daß die Preiserhöhung auch wirklich den Arbeitern zugute kommt und nicht zur Bildung stiller Reserven verwendet wird. Wie gut es dem Kohlenbergbau geht, zeigt die folgende Nachricht des «Berliner Börscn-Couriers':«Wie wir hören, findet morgen(den 29. September) die Abschlußsitzung der Harpener Bergbau A.-G. statt, und zwar dürfte die Dividende wiederum in der Höhe deS Vorjahres(12 Proz.) vorgeschlagen werden. Demnach haben also die Mehrerträge der letzten Monats aus. gereicht, um die mehrfach erwähnten Schädi- gungen der ersten Jahreshälfte wieder einiger- maßen auszugleichen.'_ Neue englische Kriegsanleihe. Am 2. Oktober wird mit der Ausgabe der nationalen fünf« prozenligen Kriegsschuldverschreibungen zum Kurse von 100 Prozent begonnen. Die Schuldverschreibungen sind am 1. Oktober 1922 mit 102 Proz., im Jahre 1924 mit 103 Proz. und im Jahre 1927 mit 105Proz. rückzahlbar(tragen also durchschnittlich rund S'/z Proz. Zinsen). Sie werden von jeder englische» Besteuerung frei sein, wenn der Inhaber seinen Wohnsitz im Auslande hat. Gleich- zeitig wird die Ausgabe von fünfprozentigen Schuldverschreibungen angekündigt, die der Einkommen st euer nicht unter« worfen und im Jahre 1927 zu 100 Proz rückzahlbar sind. Jfrbetterfcwlenmgen an den Reichstag. Mit Recht ist da» deutsche O r g a n i s a t i o n S w e sen als ein Teil jener Kraft gefeiert worden, denen unser Vaterland seine enorme Widerstandsfähigkeit zu verdanken hat. An dieser Kraft- entfaltung waren die Arbeiterorganisationen nicht zuletzt und nicht zum wenigsten beteiligt, was wiederholt von verantwortlicher Stelle im Reiche in aller Oeffentlichkeil anerkannt worden ist. Man kann indes nicht die Arbeiterorganisationen feiern und ihre legi- timsten Lebensöußerungen verdammen und mit Verfolgung bedrohen. Hat sich die Arbeiterkoalition in der ernstesten Gefahr des Vaterlandes bewährt, so hat sie sich damit die volle Gleichberechtigung im Staatswesen er- worden. Das ist ihr auch schon wiederholt zugesagt worden. Trotzdem besteht noch heute der längst überlebte Rechtszustand, daß das Koalitionsrecht nur geduldet, seine Ausübung aber unter den verschiedensten Strafbestimmungen eingeschränkt und für ganze Berufskreise völlig in Frage gestellt wird. Seinen Wirkungen ist der Rechtsschutz entgegen; seine Verfechter werden von Polizei, Staats- anwalt und Richter ständig umlauert. Es ist eine der dringendsten Aufgaben des Reichstags, endlich eine Reform des Koalitionsrechts herbeizuführen. Der erste Schritt hierzu muß in der Beseitigung aller derjenigen Rechts- und Strasbestimmungen bestehen, die die volle Wirksamkeit der Koalitionen hindern. Die Vorarbeiten hierzu sind bereits getan. Die Gesellschaft für Soziale Reform hat im Frühjahr 1916 einen Arbeitsausschuß eingesetzt, der sich in erster Linie mit der Neuordnung des Koalitionsrechts befaßt und seine Vorschläge in einer drei Bändchen umfasienden Publikation*) heraus- gegeben hat. � Dem Arbeitsausschuß gehören berufene Sozialpolitiker, wie Prof. Francke, Prof. Zimmermann und Frhr. v. Berlepsch. Juristen toie Rechtsanwalt Dr. Heinemann, Dr. I. Sinzheimer und Affeffor Röhr, und Organisationsvertreter wie Legien, Hart- mann und G u t s ch e an. Dieser Ausschuß faßte das Ergebnis seiner Beratung in fol- genden Leitsätzen zusammen: I. Koalitionsrecht. 1. Um das Koalitionsrecht gegen die ihm vom Z 253 des Straf- gesetzbucheS(Erpressung) drohende Gefahr zu schützen, ist dem Paragraphen folgender Inhalt zu geben:«Als Erpreffung ist zu bestrafen die Vermögensschädigung durch Abnötigung eines dem Gesetz zuwiderlaufenden Vermögensvorteils zugunsten des Nötigen- den oder eines Dritten. Diese Nöligung muß, wenn Eipressung vorliegen soll, erfolgt sein durch diejenigen Mittel, die die räube- rische Erpressung im Sinne des Reichsstrafgesetzbuches charakterisieren, oder durch die Androhung von Handlungen, die an sich bereits gesetz- widrig sind, oder endlich durch Drohung mit Strafanzeige, Offen- barung von Geheimnisien, Verlaffen in hilfloser Lage, oder mit einem Uebel, das außerhalb jede? verkehrsmäßigen Zusammenhangs mit dem Entschlüsse steht, zu dem der Bedrohte genötigt werden soll.' 2. Die§§ 240(Nötigung), 241(Bedrohung), 126 (Landzwang) sind in der vom Reichsstrafgesetzbuch diesen Ver- brechen gegebenen Fassung beizubehalten. Diese Fassungen ver- dienen den Vorzug vor den Vorschlägen der modernen deutschen Strafgesetzentwürse. die an die Stelle der klaren und schöpfen Be- griffsbestimmungen des geltenden Rechts dehnbare Kautschuk- Vorschriften setzen. Das aber ist der schwerste Fehler, den ein Straf- gesetz machen kann, und daher im Interesse der gleichmäßigen Hand- habung deS Gesetzes, der Rechtssicherheit der Staatsbürger, der Autorität der Rechtspflege und ihrer Träger sowie der Wirkung der Strafjustiz entschieden zu bekämpfen. 3. Die von den modernen Strafgesctzentwürfen in Vorschlag gebrachte K r i m i n a l st r a f e für die A r b e i t s e in st e l l u n g in den sogenannten gemeinnötigcn Betrieben ist in jeder Gestalt und Form abzulehnen. 4. Der grobe Unfug(§ 366 n) ist vom Geletz zu definieren. Die Definition muß in Gemäßheit der jetzigen Rechtsprechung des Reichsgerichts zum Ausdruck bringen, daß grober Unfug nur vor- liegt, wenn der äußere Bestand der öffentlichen Ordnung durch *) Das Recht der Organisationen im neuen Deutschland. lag von Gustav Fischer, Jena. Ver- unmittelbare Belästigung des Publikums gestört oder ge- fährdet wird. 5. Hinsichtlich der Bestrafung des Vertragsbruches find die geltenden reichsrechtlichen Vorschriften nicht zu ändern. 6. K 153 der Reichsgewerbeordnung ist zu streichen. 7. Dem Reichsstrafgesetzbuch ist die folgende Bestimmung hinzuzufügen:«Der Arbeitgeber, welcher einen Arbeiter, sowie der Arbeiter, welcher einen Arbeitgeber durch Gewalt oder Drohung, Ehrverletzung oder Verrufserklärung hindert, an Vereinbarungen teilzuuehmen oder ihnen Folge zu leisten, deren Ziel die Herbeiführung einer Aenderung des Arbeitsvertrages ist, wird mit Gefängnis bestraft. Der Versuch ist strafbar.' 8. Das summarische Verfahren ist über das in der Reichsstrafprozeßordnung schon gegebene Maß hinaus nicht auszu- dehnen. ll. Strafrechtliche Neben- und Polizeigesetze. 1. Die bundesstaatlichen Vorschriften über Anheften, Anschlagen, Ausstellen, Auslegen und Verteilen von Plakaten, Aufrufen, Be- kanntmachungen, Zetteln und sonstigen Druckschristen auf Straßen Platzen und sonstigen öffentlichen Orten werden aufgehoben. 2.§ 30 Abs. 2 des Reichspreßgesetzes wird aufgehoben. 3. Künftighin können auf diesem Gebiete weder durch die Landes- gesetze noch durch polizeiliche Gebote oder Verbole Einschränkungen eingeführt werden. lll. Reichsvercinsgesetz. 1. Im Z l des ReichsvereinsgestzeS ist dem Absatz 1 hinzuzufügen:«Insbesondere kommt die für öffentliche Wirtschaften eingeführte Polizeistunde für solche Versammlungen nicht in Betracht.' 2.§ 13, Abs. 1 ist dahin zu ergänzen:«In andere öffentliche Versammlungen darf die Polizei keine Beauftragten ent- senden." IV. Gesmdeordnrmgen. «Sämtliche in den Landesgesetzen, besonders in den Gesinde- Ordnungen und den Polizeigesetzen enthaltenen Verbote und Strafbestimmungen bezüglich der Arbeitseinstellung, des Vertrags- bruches und des Ungehorsams des Gesindes, einschließlich der Vor- schriften betreffend die polizeiliche Zurückführung eines Dienst- Pflichtigen werden aufgehoben. Neue Gesetze und Verordnungen können auf diesem Gebiete von der Landesgesetzgebung oder Polizei nicht erlaffen werden.' V. Sonderrecht der Land- und Forstardeiter. «Alle Verbote und Strasbestimmungen gegen l a n d- und for st wirtschaftliche Arbeiter irgendwelcher Art wegen Verabredungen oder Vereinigungen zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit, werden aufgehoben. Ebenso werden alle landesrechtli.chen Bestimmungen aufgehoben, die an Verletzungen des Dien st Vertrages der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter Strafe oder polizeiliche Zwangs- befugnisie knüpfen. Landesgesetzgebung und Polizei können künftighin auf diesem Gebiete einschränkende Bestimmungen nicht erlaffen. *''* * Die Vorschläge des ArbeitSausschuffeS der Gesellschaft für soziale Reform find, wie das«Correspondenzblatt der. Gewerkschaften Deutschlands" dazu bemerkt, klar definiert und aufs eingehendste begründet. Sie können in kürzester Frist vom Reichstag m eine gesetzgeberische Form gebracht und dadurch der Lösung nähergeführt werden. Das Entscheidende ist längst nicht mehr die Schwierigkeit der Materie, sondern der feste und nachdrücklich geltend gemachte Wille der Vertretung des deutschen Volkes. Erkennt die Reichsregierung, daß dieser Wille vorhanden ist und sich durchzusetzen weiß, so wird sie sich in das Unvermeidliche schicken und die Hand zu einer freiheitlichen Neuordnung des Koalitionsrechts bieten. iverantwortlich für Politik: Erich Kuttncr, Perlin: für den übrigen Teil des Plattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: T». Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstall Paul Singer& Co., Berlin sw. Htrrza 1 Beilage und Unterdaltungstlatt. O.'S*Z- l ,> lesen Sie fast täglich die Mahnung, sparsam zu sein in Ihren Anschaffungen. Immer dringender wird daher die v.t/ CfrA Folgerung: JUIflllll „Wenig kaufen,- aber das Wenige richtig!" Königffr. 33 Shausseeflr 113 aitn JJotutzpf VleronSerplag a*im<5w,,n,r Sonntag« geschloffen. Ogarren, Cigarelten, RantaMe Engro« F. Ernst Bordi, Elsasaerstr. 21. 4 Alkoholfr. Betrliifce"¥ Franz Abraham Kaub. MesciBa-n.Rdmartrank-Kell. f.26 Bwlalstr. 8s, Fernsp. Kgnt.18708 4 Bade-Anstaltcn k Imtral-Bad*. Diana-Bad aMder. Passage- Bad Reform-Bad, Wiener Str. 95. 4 BBcker- n, Konditoreien ► J 7S GeseHSfte in allen Stadtteilen Berlins towie in Neukölln u. Treptow fleorflndet 1892. R.Riese wetter, SekiTtlkeiistitr. U. #• Keif* artaerve* Erscheint S msi wöchentlich. Otto Wolff, Treptow. Krttllat.1« Zechau, Qr.-Lichterf.,Cttn—«tllt 4 Bandagen. OummlwTV R. Baaks, ätralauer Str.&€. E. Kraus, laaasidsilMftr. II. A. E. Lan�e, Brunnenstr. IM 4 Butter, Eier, KAae k I Wilhelm Göbel 1 25«Igen» FUlal.n.| | Benug«queHen"VerneichnisB| Untenttehende Gasohäftt empfehle«»loh b.Elikinf. as j 48«ix«»«>et«ils»»chäft« B ISchröter, R. 43 Verkaufsstellen 43 UhlyiWoIfram August Holtz q'JÄ. 4 Bierbrauerei., Blerhdandlg. ► BraoereiBölzo empfiehlt Quaütatsüiere ersten Rangi 1 resj MOnchenar Brauhaus Berlin und Oranienburg irinki uianninger Bier! Weissbier, C. Breithanpt, PaUaad.nstr. 97 7081,2083 4 Oronen und Farben> Vwdv-Orapric, hUt-Mirtrtt 5« ~E»«lBf«brlken [Tlmner-Esslg 1 BbT.il.rh«ltllohl_l 4 Fleisch- u. Wur.tw. k W. Beck Inh.i H.rm. Gepb.ch Charlottenburg, Berlinerst. 68-69 Fleisch- nnd Wurstwarenkabrik WTlIyGerl Atom Sdunljj, Sobfie mamtr. U« 4 Eisen, Stahlw, Waffen, Werkx. ► Carl Jiutff. Stromstr Sl. Ruhlcnann,P.,Müller8t.40b,K.See»t 4 BWahlhandluniien» IBcthke, Georg, II lleikilli, Bbestr.i], Ksior-Krietr. IStr. 64. Wessritr. 181, Fmdelitr Ii f rreptey, Gräti-StnBs 14. 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September 141 7 GroßSerlln Noch ist es Zeit, es ist nun aber höchste Zeit für die. die es noch nicht sind 5!lm 1. Oktober Zljbonnenten des„Vorwärts" zu werden Wir bitten alle unsere Freunde, noch in letzter Stunde ihre Vemühungen zu verdoppeln, damit der„Vorwärts" zum Ouartalswcchsel einen noch viel stärkeren Zuwachs erfährt als sonst in den letzten Monaten. Jeder neugewonnene„Vorwärts"-Leser bedeutet einen Akt des Protestes gegen Kriegsverlängerung, Lebens rnirtelverteuerung, Scharfmachertum, Volksseindschaft jeder Art. Allen Gegnern zum Trotz bleibt die Losung: Vorwärts! Vom Streit um die Englischen Gaswerke ist es still geworden, nachdem der Reichskanzler eine neue Prüfung angeordnet bat. Weitere Verhandlungen haben nicht stattgefunden, obwohl die Stadt Berlin und die mit ihr gehenden Vorortgemeinden dazu bereit wären. Die Regierung bleibt einstweilen bei ihrem Bescheid und lätzt nicht erkennen, ob sie für ein Entgegenkommen zu haben ist. Sie hätte es leicht, eine Verständigung und friedliche Lösung herbeizuführen. Kommt es nicht zu einer solchen, so ist der Magistrat von Berlin entschlossen, gegen eine den Gaswerken der Stadt aufgenötigte Konkurrenz der Landkreise mit aller Enlschiedew heil vorzugehen. Umtausch von Flcischkarten. Für die am 1. Oktober beginnende Fleisckkartenperiode können die Fleischkarten in Berlin vom 1. bis 3. Oktober bei den zu ständigen Brotkommissionen gegen Bezugscheine auf andere Nahrungs millel umgetauscht werden. Als Ersatz für Fleisch werden wieder Teigwaren, Graupen, Gerstengrütze oder Haferfabrikate ausgegebln und zwar auf die Vollkarle 250 Gramm, auf die Kinderkarte 125 Gramm wöchentlich. Der Warenbezug erfolgt wie bisher aus den bekannten, besonders kenntlich gemachten Geschäften. Zum Umtausch berechtigt sind diejenigen, die sich bei ihrer Brotkommission zur Ein tragung in die Liste gemeldet haben. Wer diese Anmeldung obne sein Verschulden lz. B. infolge Krankheit oder Abwesenheit) versäumt Hai, kann den Umtausch ebenfalls in der Zeit vom 1. bis 3. Oktober während der Dienststunden von 8 bis 3 Uhr im Bureau für Fleisch- Versorgung, Slralauer Straße 3—6. bewirken. Zur Erhöhung der Brotpreisc. Nachdem die Reichsgetreidestelle zum 16. Oktober neue Mehh preise festgesetzt hat. bat der Siebener-Ausschuß der Brotkarten� gemeinschafl Groß-Berlin in seiner heutigen Sitzung darüber be- raten, welche Erhöbung der Gebäckpreise auf Grund der Mehlpreis- erhöhung geboten sei. Es wurde beschlossen, zunächst mit den be- teiligten Sachverständigen des Bäckergewerbes diese Frage zu er- örtern und in einer demnächst staltfindenden nochmaligen Sitzung des Siebener-Ausschusses die endgültige Entscheidung zu treffen. Tie Einziehung der Strahenbahnhaltestcllen. In einem Teil der Berliner Presse ist die Nachricht verbreitet worden, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten bei der Großen Berliner Straßenbahn angeregt habe, sämtliche Hallestellen ihres Bahnnetzes einer Nachprüfuirg zu unterziehen, um festzustellen, ob sich.durch Auslassung eines Teiles der Haltestellen eine größere Fahrtgeschwindigteit erreichen lasse. Diese Nachricht ist an sich richtig, aber im gegenwärtigen Augenblick irreführend, weil die da- hingehenden Anregungen des Eisenbahnministers auS den Jahren 1915 und 1916 stammen. Ihnen ist inzwischen fast überall cnt- sprachen worden. Ueber die Einziehung oder Verlegung einzelner Haltestellen sind Meinungsverschiedenheiten zwischen den Anwohnern und den Behörden entstanden, über die verhandelt wird. Eine neue allgemeine Anordnung über weitere Einziehung von Haltestellen ist nicht ergangen._ Die Insel Scharfenberg im Tegeler See wurde dieser Tage von Presievertretern besucht, die einer Einladung de« Magistrats gefolgt waren. Unter Führung des Gartendireklors Brodersen durchwanderten wir die langgestreckte Insel, die durch ihren Reichtum an seltenen Bäumen berühmt ist. Der Botaniker Dr. Karl Bolle erwarb sie vor einem halben Jahrhundert und schuf sich auf ihr eine Einsiedelei, in der er seinen wissenschaftlichen Neigungen lebte. Aus der Insel Scharfenberg wurde manche fremde Pflanze zum ersten Mal in der Mark Brandenburg gezogen. Pflanzen, die anderswo in der Mark nicht fortkommen konnten, haben auf Scharfenberg sich behauptet. Nach Volles Tod ist die Insel aus seiner Hinterlasienschast vor inehreren Jahren durch die Stadt Berlin erworben worden. weil man sie für das vom künftigen Berliner Wafferwerk Heiligensee heranzuführende Hauptleitungsrohr als Stützpunkt haben mußte. Einstweilen hat die Stadtverwallung sich darauf be- schränkt, den Baumbestand zu schützen, sonst aber alles sich möglichst urwaldähnlich entwickeln zu lassen. Geplant ist, die auf der Insel vorhandenen weiten Rasenflächen später als Spielplätze zu be- nutzen. Wir glauben, daß damit die Verwendungsmöglichkeiten noch nicht erschöpft sind. Für Schulausflnge, die eine Ergänzung des BotanilunterrichlS sein sollen, dürfte die Insel ein lohnendes Ziel sein, und auch für die Fericnspiele der Schulkinder ließe sie sich benutzen. Vielleicht könnten auf Scharfenberg auch Insel- clholungssiätten für Erwachsene und für Kinder eingerichtet werden, Seitenstücke zu den Walderholungsstätten, denen sie im Erfolg nichts nachgeben würden._ Futtcrniittelvcrteilung. Ter Magistrat Berlin veröffentlicht eine Bekanntmachung über die Futtermittelverteilung für das laufende Wirtschaftsjahr. Nach dieser Verordnung ist nun auch, ebenso wie bei Hafer und Beifutter, die Abgabe und Entnahme von Heu und Häcksel nur auf Grund von Heu- bezw. Häckselschcinen gestattet. Tie Tagesration ist auf höchstens 5 Pfund Heu und 5 Pfund Häcksel für das Pferd festgesetzt. Neu ist ferner in der Verordnung, daß die sogenannten Luxuspferde sowohl vom Bezüge von Hafer als auch von den anderen seitens des Magistrats zur Verteilung gelangenden Futter- Mitteln, einschließlich Heu und Häcksel, und zwar vom 1. Oktober ab, ausgeschlossen sind. Als Luxuspserde werden nicht nur die Reit» und Kulschpferde im eigenen Besitz angesehen, sondern auch diejenigen, welche zu Vergnügungs- oder Bequemlichkeitszwecken oder zu festlichen Gelegenheiten von gewerblichen Unternehmern ver- liehen werden, also alle diejenigen Pferde, die von Luxus- oder Lohnsuhrwefen. Reitinsliluten, Tattetsals und Pferdeverleihinstituten und ähnlichen Unternehmungen sür diese Zwecke gehalten werden. Der„Wahre Jacob" ist in dieser Woche ausgeblieben. Wann die Ausgabe erfolgt, wird noch mitgeteilt. Daö Zcntral-Thcater, bisher Gebr. Herrnfeld-Theater, eröffnet Sonntag seine Wmterspielzcil mit einem Gesamtgastspiel des Metropolthealers. Dasselbe bringt die Fortführung der Operette "Die CsardaS-Fürstin", die im Metropoltbeater wegen anderer Auf- sührungsvcrpflichtungen abgesetzt werden mußte. Eutglcijung auf der Hochbahn. Eine LVsstündige Verkehrs stockung entstand gestern vormmag auf der Hochbahn für'" Richtungen zwischen Bülowstraße und Leipziger Platz. Der letzte Wagen eines vom Wilhelmsplatz nach Nordring fahrenden ZugeS war aus den Schienen gesprungen und mußte duräi einen Hilfszug vom Grunewald wieder betriebsfähig gemacht werden. Die Fahr- gäste mußten aussteigen und nach dem Bahnhof zurückgehen. Per- sonen sind nicht verunglückt. Ei» rätselhafter Todesfall beschäftigt gegenwärtig die Kriminal- Polizei. Mitte dieses Monats wurde die Srbafftterfrau Mathilde Walter, deren Mann im Felde steht, in ihrer Wohnung Beermann- jtraße Üa in Treptow tot aufgefuitdcn. Die Polizei nahm Selbst- mord an und die Leiche wurde beerdigt. Bor einigen Tagen kam nun Walter auf Urlaub, um den Nachlatz zu regeln. Er stellt« fest, datz ein Sparkassenbuch über 300 M., sein Kautionsschein von Wertheim über 159 M. und verschiedene Gold- und Silbcrsachen seiner Frau fehlten. Der Wann vermutete, datz irgendwie ein Dieb in der Wohnung gewesen sei und machte Anzeige. Das Spar- lassenbuch und der Kautionsschein wurden gesperrt. Es ergab sich jedoch, datz schon kurz nach dem Tode der Frau ein Mann, der sich für ihren Ehemann ausgab, bei Wertheim die Hälfte der Bürg- jchast abgehoben hatte. Die Kriminalpolizei vermutete, daß er auch die andere Hälfte bald holen würde, und patzte auf. Gestern kam denn auch der angebliche Walter wieder, um den Rest abzu- heben. Er wurde festgenoimnen und gab jetzt an, datz er nur mit Vornamen Walter, mit Zunamen jedoch Meier heitze. Was der Verhaftete über seinen Aufenthalt und seine Tätigkeit angab, hat sich bereits als falsch erwiesen. Das Sparkassenbuch, der Kantions- schein und die Gold- und Silbersachen wurden bei ihm gefunden. Er behauptet, Frau Walter, die er gelegentlich kennen gelernt habe, habe ihm alles freiwillig gegeben. Aus Reue darüber werde sie sich wohl das Leben genommen haben. Der angebliche Meier wurde unter dem Verdacht, die Frau ermordet und beraubt zu haben, in Haft behalten. Weiter wird noch mitgeteilt: Der angäblicke Walter Meier weigerte sich hartnäckig, über seine Person nähere Auskunft zu geben. Der Leiter des Erkennungsdienstes des Polizeipräsidiums, Kriminalkommissar Dr. Schneick-rt, stellt ihn aber fest als einen 41 Jahre alten verheirateten Zusckneider Mar Mesolf aus der Bödikcrstrahe 32. Er lernte Frau Walter schon vor einem Jahr in einem Vergnügungspark in Treptow kennen. Die Beiden ver- liebten sich ineinander, Mesolf war ebenfalls eingezogen. Da er mit seiner Frau in Differenzen lag, so deranlatzle ihn Frau Walter nach Ablauf eines Urlaubs, in Berlin zu bleiben. Sie erzählte ihm, sie lebe mit ihrem Manne schlecht. Mesolf versprach ihr denn auch die Ehe. Nach und nach gab er denn all sein Geld mit Frau Walter aus. Als er nichts mehr hatte, übergab ihm die Frau ihr Sparkassenbuch, den Kautionsschein und die Schmucksachen, damit er sich von seiner Ehefrau losmache, eine Wohnung einrichte und mit ihr zusammenziehe. Das sollte aber noch nicht bekannt werden. Frau Walter fürchtete, datz ihr im Felde stehender Sohn auf Urlaub kommen und ihre Beziehungen zu Mesolf erfahren werde. Von dem Tode der Frau Walter will Mesolf nichts gewntzt haben. Er will auch nicht mehr in ihrer Wohnung gewesen sein, seitdem cr nichts mehr von ihr hörte, obwohl er die Schlüssel besatz. Das erklär! er damit, datz er gefürchtet habe, mit dem Sohne, den er auf Urlaub glaubte, zufammenzuftotzen. Mefolf hatte es mit dem Abheben des Geldes auffallend eilig gehabt. Frau Walter wurde im Hause und auf ihrer Arbeitsstelle zuletzt am 7. d. M. gesehen. Schon am nächsten Tage holte sich Mesolf das erste Geld. Er besitzt aber auch nicht blotz das Sparkassenbuch, den Schein und die Schmucksachen der Frau, sondern auch noch Papiere des Mannes und ausserdem mehrere Kleidungsstücke der Eheleute, die er aus der Wohnung genommen. Nach allen Zeugenaussagen hat Frau Walter niemals Selbstmordgedanken aoäutzert, sie war vielmehr sehr le- benslnstig, ging gern ans. Die Leiche, die vor der Beerdigung nicht untersucht worden ist, weil ein Selbstmord vorzuliegen schien, wird wieder ausgegraben und gerichtsärztlich untersucht werden. Mesolf, der in seiner Zelle im Polizeipräsidium sich zu erdrosseln versuchte, wird unter dem dringenden Verdacht des Raubmordes als fahnenflüchtiger Soldat dem nächsten Militärgericht übergeben. Lichtenberg. Reichliche Kartoffelzufuhr. Vom städtischen Nahrungs mittelausschuh wird geschrieben: Mit Rücksicht auf die gegenwärtige reichliche Zufuhr von Kartoffeln wird den Verbrauchern gestattet, sich für die kommenden vier Wochen vom 1. bis 28. Oktober im voraus mit Kartoffeln zu versorgen. Nach der noch in dieser Woche erfolgenden Bekanntmachung sollen auf die neu herausgegebenen Karloffelkarten 75, 76, 77 und 78 je 7 Pfd., also zusammen 28 Pfd. abgegeben werden. Es ist ober aus dem Publikum wiederholt Klage geführt worden, datz von den Kleinhändlern off Kartoffeln nicht zu erhalten gewesen sind, obwohl reichliche Zufuhr stattgesunden hatte. Durch besonderes Rundschreiben ist inzwischen den Klein- Händlern zur Pflicht gemacht worden, sich künftig mit der benötigten Menge Kartoffeln rechtzeitig einzudecken. Der NabrungsmittelauS- schütz wäre dem Publikum dankbar, wenn jedes Versäumnis der Kleinhändler sofort zur Anzeige gebracht werden würde, damit solche Beschwerden auch sofort nachgeprüft und die Kleinhändler zur Ver> antwortnng gezogen werden könnten. — Die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag stand im wesentlichen im Zeichen der Geldbewilligimgen. Die Vorlage über Gewährung von Teuerungszulagen an Angestellte und Beamte mit Gehältern bis zu 15 000 M. rief eine ausgedehnte Debatte hervor. Unsere Genosien hatten Kommissionsberatung beantragt, und es zeigte sich im Laute � der Aussprache, daß tatsächlich selbst in der bürgerlichen Fraktion erhebliche Meinungsverschieden- Helten über die Vorlage bestanden. Nichtsdestoweniger be- dauerte der bürgerliche Führer. Justizrat Schachtel. außerordentlich, daß die Zulagen nicht im vollen Umfange zur Annahme kommen sollten. Ihm schloß sich der Füherr der Mittelstandsgruppe, Professor A i g t e an, der wiederholt betonte, die Versammlung.müßte" die Zulagen, so wie vor- geschlagen, annehmen. Geschähe das nicht, dann fordere er auch für die übrigen Vorlagen, in denen Teuerungszulagen für die Arbeiter der Städtischen Werke und für die Bureau-Hilfsarbeiter vorgesehen waren, Kommissionsberatung. Auch hierin fand er bei dem Stadtverordneten Schachtel weitgehendste Unterstützung. obwohl Genosie John in überzeugender Weise die Mängel der Beamtenvorlage kennzeichnete und ausdrücklich betonte, daß die Notlage der Beamten durch Vorschüsse zunächst be- hoben werden könne. Im übrigen müßten die Herren genau wissen, daß insbesondere an den Zulagen für die Werksarbeiter kaum etwas zu ändern ist, wenn nicht die Auftechterhallung des Betriebes der städtischen Werke gefährdet werden soll. Die Versammlung einigle sich schließlich sür Kommissionsberatung sämtlicher Vorlagen. Weniger erregt gestaltete sich die Aussprache über die von der Stadt geplante und auch bereits in Angriff ge- nommcne Fuitermittplherstellungs- und Gemüsedörranlage, »ach dem Muster der Stadt Köln. Aus der bürgerlichen Fraktion wurden mehrfach Bedenken laut wegen der Güte des zur Ver- arbeitung gelangenden Gemüses. Herr Stadlsyndikus Dr. Maretzky zerstreute in wiederholten eingehenden Darlegungen die Befürch- tungen, auch soweit sie eine eventuell zu erwartende Beschlagnahme der Futtermittelfabrikate betrafen. Nachdem noch Genosse Günther auf die Wichtigkeit der Anlage, insbesondere bezüglich der Fultermittel, hingewiesen hatte, stimmte die Versammlung der Vorlage zu. Friedemann, Popper, Sckmbert und anderen Meistern zu Gehör bringen. Eintrittskarten zum Preise von 75 Pf. für numerierte Saalplätze und von 50 Pf. für numerierte Balkonplätze sind vom 3. Oktober ab in den Buchhandlungen Bergwald, Berliner Str. 56, Blnhin, Kaiser-Fnedrich-Straßc 207, Prochnow, Hermannstraße 69, Seidler, Bergstraße 42, der Zigarrenfiliale Juhl, Kaiser-Friedrich- Straße 247/248, der Zeitungsipeditionen des.Vorwärts", Neckar- straße 8 und Siegfriedstraße 27/28, sowie an der Abendkasse von ?>/, Uhr an erhälflich. Zur Vermeidung von Störungen sei darauf hingewiesen, daß die Saaltürcn während des Vortrages geschlossen bleiben, so daß verspätet kommende Besucher erst in den Pausen Zutritt erlangen können._ Schönebcrg. Lebensmittel. Von heute bis Dienstag, den 2. Ol- tober, findet eine Voranmeldung statt für 200 Gramm Teigwaren auf Abschnitt 69 der Nährmittelkarte und 200 Gramm Kartoffel- suppe auf Abschnitt 20 der Nährmittelkarte für Jugendliche. Vom 1—7. Oktober werden auf Abschnitt 63 der Nährmittelkarte 140 Gramm Auslandskäse in den Buttergeschäften auf Grund der Kundenliste abgegeben. Außerdem werden in der nächsten Woche ausgegeben: 1 Pfd. Auslandsmarmelade auf Abschnitt 65, � Pfd. Knochenbrühe extrakt auf Abschnitt 66 der Nährmittelkarte und ohne Karlen Span« ferkel in Vierteln, das Pfund zu 4,50 M. an die beim Schlächter eingetragenen Kunden. Vom 1—10. Oktober findet eine Neueintragung in die Zuckerkundenliste statt._ Spandau. Lebensmittel. Der Verkauf der städtischen Butter aus Buiterabschnitt 1 der Lebensmittelkarte hat begonnen. Auf jeden Abschnitt werden 50 Gramm zum Preise von 30 Pf. verausgabt. Heute beginnt der Verkauf der städtischen Margarine auf Margarine- abschnitt 1 der Lebensmittelkarte. Auf jeden Abschnitt werden 30 Gramm zum Preise von 12 Pf. verausgabt. Mit Ablauf von Donnerstag, den 4. Oktober, verlieren beide Abschnitte ihre Gültigkeit. Von heute ab kann ans Feld 2 der Eierkarte ein Ei zum Preise von 89 Pf. bezogen werden, Bei dem Umtausch der schlechten Eier ist nach Möglichkeit das ganze Ei vorzulegen. � Die Umtauschfrist beträgt 8 Tage nach Ausgabe seitens des Großhändlers. Dieser ist verpflichtet, die ihm in dieser Zeit gebrachten schlechten Eier anzu- nehmen und, falls er keine guten zum Umtausch vorrätig hat, einen Gutschein auszustellen. Vom 1. Oktober ab erfolgt die Ausgabe der Futtermittel in der Futterverteilungsstelle am Nordhafen nur von 9— 4 Uhr, die Kaffeir» stunden sind von Sl/3—B Uhr._ Reinickendorf. Lebensmittel. Die vom ErnährungSamt be« schafften Schweineferkel gelangen jetzt in den Verkaufsstellen der Gemeinde zum Verkauf. Der Preis beträgt 4,50 M. pro Pfund. Es können nur halbe und ganze Ferkel abgegeben werden. Neukölln. Kammcrmusikabend. Am Dienstag, den 9. Oktober, abends 8 Uhr, veranstaltet die Stadtgemeinde Neukölln in der Aula der Realschule, Boddinstr. 34— 41, den ersten diesjährigen Kammer- musikabend mit der Berliner Trio-Vereinigung Pros. Mayer-Mabr. Prof. Bernhard Dessau und Pros. Heinrich Grünseid. Die hier seil i beide fahren bestens bekannten Künstler werden Werke von Beethoven,! Vorzeitige Kartoffclielieferung. Es wird den Händlern gestattet, bereits von beute an für die Zeit vom 1. bis 13. Oktober pro Kopf je 5 Pfund Kartoffeln für die Wocbe auf die Kartoffel« karten abzugeben. Die Bevölkerung wird gebeten, von diesem An- gebot weitmöglichst Gebrauch zu machen, da die Anfuhr von Kar- toffeln zurzeit reichlich ist._ Eichwalde. Gemeindevorsteher und Gemeindevertreter. In dem kleinen südöstlichen Vorort, der schon öfter durch Streitigkeiten zwischen dem Gemeindevorsteher und Gemeindevertretern von sich reden gemacht hat, wird gegenwärtig wieder am„schwarzen Brett", das in Eicbwalde die Stelle der Anschlagsäule vertritt, eine �Aus- einandersetznng gefitbrt, die ein grelles Licht auf das Verhältnis zwischen dem stellvertretenden Gemeindevorsteher Thom und einigen Gemeindevertretern wirft. Am schwarzen Brett prangte., dieser Tage eine Ankündigung von unbekannter Seite, in der mitgeteilt wird, daß der stellvertretende Gemeindevorsteher Thom in der letzten geheimen Sitzung der Gemeindevertretung die Beleidigungen, die er gegen die Gemeindevertreter Schelenz, Wisotzki und Kolp gebraucht und in Umlauf gesetzt hat, mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückgenommen und dabei erklärt habe, daß diele beleidigenden Aeußerungen auf Klatschereien be- ruhten, die ihstl von Eicbwalder Einwohnern zugetragen worden seien. Diese eigenartige Bekanntmachung erhielt einige Tage später gewissermaßen das amtliche Siegel, indem der stellvertretende Ge- meindevorsteher Thom ihr folgende Mitteilung- hinzufügte:„Vor- stehende Mitteilung stammt aus einer geheimen Sitzung der Ge- meindevertreter, zu ihrer Verbreitung ist niemand befugt und die vorstehende Bekanntgabe stellt einen groben Vertrauensbruch dar." Diese Auseinandersetzung am schwarzen Brett wird dann durch einen Zusatz von dritter Hand abgeschlossen, der da lautet:„Das sind Ehrenmänner."_ Friedrichshagen. Kommunale Wurstfadrff. Einen weiteren Schritt vorwärts gegangen auf dem Gebiet der Kommunalisierung der Lebensmittel ist die Gemeinde durch Einrichtung einer Wurst- f a b r i k. Es wird damit einem lang gehegten Wunsche der Ein- Wohnerschaft Rechnung getragen, auch die Verarbeitung der Lebens- mittel in eigene Regie zu übernehmen. Die Wurst wird den Schlächtermeistern zugeteilt und gegen Abtrennung der entsprechenden Fleischkartenabschnitte dort verkauft. Das Pfund kostet 2 M. Der Verkauf beginnt heute._ NowaweS. Winterkartoffelversorgung. Haushaltungen, die über geeignete Kellerräume verfügen, soll auch in diesem Jahre Gelegen- heit gegeben werden, sich mit Kartoffeln sür den Wimer selbst ein- zudecken. Mit Rücksicht auf den Mangel an Gespannen, Arbeits- kräften und Säcken ist jedoch eine Anfuhr durch die Gemeinde voll- kommen ausgeschlossen. Die Einwohner müssen vielmehr an den von der Gemeindeverwaltnng noch zu bestimmenden Ausgabetagen und Kartoffellägern für die Abfuhr selbst Sorge tragen. Die Zeit der Winterversorgung rechnet vom 1. November bis 3 0. April 1918. Da die Wochenkopfmenge zurzeit auf 7 Pfund festgesetzt ist, können auf die einzelne Person 2 Zentner einschließlich Schwund'beslellt werden. Sofern jedoch im Laufe der Zeit die Wochenkopfmenge herabgesetzt werden sollte, ist der Kar- toffelvorrat dementsprechend zu streichen. Bestellungen werden vom Montag, den 1. Oktober bis Freitag, den 5. Ol« l o b e r von 8 bis 1 Uhr in der LcbensmittclkarteauSgabe unter Vorzeigung der Kartoffel- und allgemeinen Lebensmittelkarte entgegengenommen. Schriftliche Meldungen müssen die genaue Adresse des Bestellers und die Personenzahl deS Haushalts aufweisen._ Unsere Ielöpoft-Abonnenten bitten wir dringend, jede Sldresscnveräudcrung sofort auch uns mitzuteilen, damit unliebsame Unterbrechungen in der Zustellung des„Vorwärts" vermieden werden. Durch den Aufdruck auf den Zeitungsumschlägen sind viele Feldpost-Abonnenten der Meinung, es genüge, wenn die Aenderung an das Postzeitungsamt gemeldet wird. Das ist nicht der Fall! Wer seinen „Vorwärts" pünktlich haben will, mutz dafür sorgen, daß wir die richtige Adresse haben. vertag öes»vorwärts". Groß-öerliner Parteinachrichten. Neukölln. Die Neugestaltung der deutschen Verfassung. Ueber diese» Tbema sprach vor einer zahlreichen Zuhörerschaft, die den grossen Saal der Berliner Kindl-Brauerei bis auf den letzten Platz füllte. Genosse Reichstagsabgeordneter Dr. G r a d n a u e r. In eingehenden Ausführungen behandelte er die geschichtliche Entwick- lung und die Merkmale der deutschen Verfassung bis zum Ausbruch de« Krieges. Der grosse UmwSlzungSprozess. der durch den Krieg bewirkt wurde, verlangt gebieterisch eine den Erfordernissen der Zeit entsprechende Neugestaltung der deutschen Berfassuiig. Nach dem mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde folgende Resolution einmütig angenoinnien: „Die Versammlung anerkennt. dass die sozialdemokratische ReichStagSfraktion und der Parteivorstand bisher das getan haben. wa» in ihrer Macht lag, um dem deutschen Volke die notwendigen demokratischen Rechte und Freiheiten zu erkämpfen. Durchdrungen von der Erkenntnis der unbedingten Notwendigkeit, die deutsche Verfassung auf dem Boden der Demokratie neu zu gestalten, er- wartet die Versammlung, dass die sozialdemokratische Fraktion nnd der Parteivorstand den beschrittcnen Weg unbeirrt weiter gehe». Sie gelobt ihrerseits dafür zu sorge», dass das ganze deutsche Volk hinter der Forderung steht: Für Deniokralie in Reich, Staat und Gemeinde; Parlamentarisierung der Regierung und für den Ver- stäudigungsfrieden." Lichtenberg. Karten zur DonnerStagversammung find bei den früher im.Vorwärts" bekanntgegebenen Genossen zu haben. Soziales. Achtet der kleinsten Verletzungen. Unsere wiederholt an dieser Stelle ausgesprochene Mahnung. auch aus die kleinsten Verletzungen Obacht zu geben, wird leider in vielen Fällen noch wenig beachtet. Und doch lehrt die Erfahrung, dass kleine unscheinbare Verletzungen oftmals schlimme Folgen nach sich ziehen. Folgender Fall zeigt dieS. Der Maurer B. war in der Zink- ralstnerie Oberspree mit dcm Abputzen alter Steine beschästigr ge- wesen. Am 1. März ISlö riss sich B. an einem Mauerstein am linken Zeigefinger. Er achtele dieser geringen Wunde nicht und arbeitete weiter. Zinkstaub geriet wahrscheinlich in die Wunde, der Finger, die Hand ichwoll an. Nach zirka drei Wochen begab sich der Verletzte in ärztliche Behandlung. Da operativ eingegriffen werden muhte, wurde er der Königl. Chirurgischen Klinik überwiesen. Den Aerzten in der Klinik, als auch dem erstbehandelnden Arzt hatte er glücklicherweise sofort von der EntstehungSursache seines Leidens Kenntnis gegeben. Die Norddeutsche Metallberufsgenossenschaft wie? den Anspruch deS Verletzten auf Entschädigung ab, weil«die angestellten Er- mittlungen gegen das Vorliegen eines Betriebsunfalls sprechen". Ein von dem Verletzten namhatt gemachter Mitarbeiter konnte sich bei seiner Vernehmung vor dem Oberversicherungsamt, an das B. Berufung eingelegt hatte, nicht mehr erinnern, dass sich B. im Be- triebe verletzt hatte. Die Berufung wurde zurückgewiesen, zumal .Umstände nicht vorhanden waren, die daS Oberversicherungsamt peranlassen konnten, auch ohne sicheren Nachweis eine hohe Wahr- scheinlichkeit dafür anzunehmen, dass der Unfall sich so zutrug, wie der Kläger es behauptete". I Das Reichsversicherungsamt vernahm den erstbehandelnden Ärzt sowohl als auch den Arzt der Klinik. Von beiden wurde überein- stimmend bekundet, dass der Kläger sofort beim Eintritt in die Be- Handlung unaufgefordert von dem Stattfinden des Unfalls Mit- teilung gemacht hatte. Der Zusammenhang des Leidens mit dem Unfall wurde von den Aerzten für wahrscheinlich gehalten. Taraufhin wurde die Genossenschail zur Enlschädigungspflicht dem Grunde nach verurteilt, die Rentenfestsetzung ihr nach weiteren Feststellungen aufgegeben. Hätte der Arbeiter den Aerzten vom Unfall keine Mitteilung gemacht, wäre er ohne Frage abgewiesen worden. Der Fall zeigt/ wie wichtig es ist, sich auch bei der kleinsten Verletzung Zeugen zu sichern. Sriefkasten der Redaktion. Nustknackcr. t. Der Ucberwciiungsbetrag der Deutschen Bank bei Geld- scndungcn an KriegSgesangen- beträgt für den Rubel 1.50 M. 2. Bor t em Kriege über 1,75 Proz., jetzt unter diesem Prozentsatz, die Grenze nach unten und oben sst ganz verschieden.— Feldgrauer Chart. Die AujwandScnlschädigung wird gezahlt, sofern die Söhne mehr als S Jahre aklio gedient haben.— Feuerwehr N. IS. 1. Ja. Der Anlpruch mutz in der Heimat beim Landrat geilellt werden. 2. Wird abgeschätzt. 3. Ja, sosern die Strafe nicht mehr als K Monate beträgt. 4. Ja.— A. l. Ja. Arbe iter-Samarlterbund Kolonne Gross- Berlin. Sonntag. den 3». September, Familienausflug nach Grunewald resp. Pichelswerder. Treffpunkt vormittags 10 Uhr am Bahnhof Grunewald rechts. Nachzügler von 2 Uhr ab beim alten Freund in Pichelswerder. tlvetterauSftchtrn für das mittlere Norddentlfhlaud dl« Sonntag»itttag. Trocken und vorwiegend heiter, nur zeitweise etwas stärker bewölkt, am Tage warm. Dirssstion: Max Reinhardt ItentHches Tnester. 7 Uhr: Oer lebende Leichnam. Sonntag: Der leb. Leiehnam. Nachm. 2'/jU.(halbe Preise): Die deutschen Kleinstldter. Kammerapiele. 8': Eine glückliche Ehe. Sonntag: Eine glückliche Ehe. Nachm. 2I/1U.(halbe Preise) zur Lessingfeier; Minna von Barnhelm. Volksbühne. Theater am BOlowplatJ. Untergrundb. Schönh. Tor. 7'/, Uhr: Hed-In Gabler. Sonntag zum ersten Male: Nathan der Weise. Dn-rc. Meinhard— R Bernauer. Theatsr i, Koniggritzerstr. VI, ü.: Der Kataenstcg. Komödienhaus vi, Uhr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 7l/IU.: Die tolle KomteB. Der erlolgrolohe Eröffnungs-Spielplan Dazu; 9 Uhr abends » Pantomime in 12 Bildern von Karl Vollmoeller UusiSebnai Letzte Saison In Berlin. Anfang 8 Uhr. Das unübertroKeas neue Zirkus-Sport-Prograni. 10 erstklassige Zirkus■ No Nadebura exotischer Dressur-Akt. StT" 8 Frankonls 8 u. die weiteren Schlager. Zum Sohluli; Parforcejagd. Sonntag 3'/« u. 8 Uhr. Nachm. 1 Kind frei sowie Oratis-Ponnv-Reiten. FriedrichstraSe an der Kochstr. Allabendlich 7'/, Uhr: iFrsgolia, Paul Beckers und das 1 grolle September-Programm. | Kasse ab 10 Uhr geöffnet. I Rose-Theater. 3'/, Uhr: Schneewittchen VI, Uhr zum 25. Male: Der Weiberfeind. Rerkau-Palast BehrenstraBe 48 Im 1. Stock PunktSU. nm.: Marionetten Unt. ander, werd. vorgef.: Francllla Kaufmann Lucia Kieselhausen Klassische Tünze Sent M'ahesa Orientalische Tänze Robert 8 t e 1 d 1 Gebrüder Wille Hand- n. Kopf-Akrobaten Salerno der berühmte Jongleur Blende) am Schwungseil Toto der unverwüstl. Olown Hoohinteress. f. Erwachs. und Kinder, jung und alt. Keine erhöhten Preise für Getränke erster Güte. Eintritt u. Garderobe frei. fnnoonf d. allbekannten Theater lür Sonnabend, 29. Sept. Oentschca Opernhana 7 uhr: Carmen. Central-Thcater Sonntag, den 30. September: Ensembfegastsp. d. Metropol-Th. Die CaardaafUratln. Friedrich-Wilhelmsf. Theater 7'/, uhr: Das BreiMilerlliaiis. Kleines Theater ?'/, uir: Bürger Sehippel. Komische Oper 28 u. SehwarzwaldiDäilel. Morg.S'/j: Die Dose Sr. Majestät. Metropol-Theater Heute 7 Uhr zum ersten Male: Die Kose von Mtambnl. Realdcna-Theater 7«/. uhr: Dyekerpotts Erben. Lustspielhaus nr m... 0i# blonden Mädels " vom Lindenhof. Morg.3'),: Herrsch. Diener ges. Neues Operetfenhaus 3 Uhr: Der Oberstelger. f/.uhr: Der Soldat icr Marie, Schiller-Theater O 7'/1Uhr: Schiller Th. Oharl. vi, uhr: Der RcyIsop. Thalia-Theater VI, Uhr: Theater am Nollendortplatz vi, ubr: Die ColaselikaDone. Theater de« Westen« 7v.tjhr:Der?erlieIite Herzog mit Guide Thlelsohsr. URANIA 8 Uhr: Das Oberengadin und der Splügen. Walhalla-Theater. vi, Uhr: Zigeuner« Admirals-Palast. Die Movltftt Abrakadabra Großes phantastischss Ballott auf dem Else. 7'1, U. Vorzttgl. Küche. Voigt-Theater. Badstr. U. Bad str. Bl. Täglich VI, Uhr: Berlin bleibt Berlin. Sonnlag. den 30. September, nachm. 3 Uhr bei klein. Preisen: Die Bimmelsleiter. Abends 7 Uhr: Berlin bleibt Berlin. Triauou-Theater Georgenstr., Bhf. Friadrichstr. '(,817. Allabendlich'/.S U. Der Lebenssebüler. Schauspiel von Ludwig Fulda. Ksiser-Titz, Ida Wüst, v. Möllen dorff, Kettner, Flink. Sonntag 3'/,: Johannisfeuor. Casino-Theater Lothringer Strasse 37. Täglich'/.« Uhr: Wirklicher Humor! Mr. Erfolgt Die Schlagerposse Heiraten mußte! Vorher der neue bunte TeiL Sonnt. 4 Uhr: Gusto, die Perle. IMorg.Sonnab. 1 28r.VorstBllg.luhi Nach- I V|n,| auf all. mittg.* nlUU Sitzpl, Weitere Kinder halbe Pr. In beiden Vorstellg.i Das ausgez., reichhaltige Erdffnungsprogramm n.«.; Assad, d. Dttnnemaeh. 2 Bailote, Kquilibristen an d. rotier. Leiter, usw. Zum Schluß: Vis 3 SMerrots ein lustiges Spiel. ReiebshaUen-Ilieiter Stettioer Sänger. Anfang 7'l, Uhr. lad. Senntag nachmittag SUhr Verstellung z. ermltlgten Preisen! Logen 1 M., Parkett 75 Ff. Eintritt 89 Pf. Bil�etta schon heute! Spezial-irzt Dr. med. Ha«ehe, Friadrichstr. 90«twÄ. «ehandl. von Typhilts. Haut-, Horn-, Frauenleiden, fpez. chron. Fälle. Shrlich-Hata-Ku- ren, schmerzlose, türzeste Be. Handlung ohne Berussstörung. Blutuntersuchung. Mäss. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und b— 8, Sonnt. 11— 1. JjL flerliner Konzerthaus Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. <..■»■■- Heute: Großes Konzert des Berliner Konscrthesu« Orchester«, Leiter; Komponist Franz von Blon. Anfang 7 Uhr. Eintritt 39 Pf. Anfang 7 Uhr. Hontag. den 1. Oktober: Grolles Konzert der Berliner Liedertafel. Leitung: Hans Ailbout, an Stelle des zum Leeres- diensteingez. OhormeistersKgl. Mnsikdir. Max Wiedemann. Kabarett Tivoli -------- Bunte Vorträge--------- Spielplan vom 10.— SO. September: Schwestern Norina Prenz-Rudolfi— Terka Setnmelhoff Willy Johanne«— Clgre Rosen Großes Orchester: Jnlln« Meyer Anfang woohent. 7-/„ Sonnt, nachm. 4'/t Uhr. Kottbuser Damm 95 MoribpuoM NATIONAL-THEATER "/,8 Stürmischer Erfolg! Täglich ausverkauft!'1/,8 j Das ist die Siebe...! Operottenposse in 3 Akten. Musik von Waller Bromme.[ Sonntag nachm. 3'/,: Die Orllle in erster Besetzung. Vorverkauf: ab 10 Uhr ununterbrochen(auchTietz).| Dienstag, � 2., und Mittwoeh, den okt,. 4 Uhr Festvorsteilungen 4 Uhr! für verwundete Krieger mit ihren Angehörigen an- 1 läßlich des 70. Geburtstages Sr. Exzellenz General- 1 feldmarschall von Hlnilenburij. Prolog, verf. u. gespr. von Hugo OSblin, MitgT d. Kl. Th.| „Zeichnet Kriegsanleihe.� Anschließend: Das ist die Liebe in erster Besetzung. Freikarten durch die Kommandantur zu beziehen. ttalasi Tägl. VI,. Sonnt, ä'l, u. Vi, Rur noch bis SO. September; Der Stolz derS.Roiimie mit Witbelm Sartstei sowie SentaMUneland Slaxatadt nnd das übr. Programm. Beteiligung m. grösserem od. kleinem Kapital evtl. auch tätiger Mitarbeit an WlllllMleWlIIII gesucht. Auch Beteiligung bei Handwerkern, welche Kiewbetrieb gründ. woll. 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September 1917. 594. L Mit. 17. Der Polizeipräsident. WWek verschiedene hefte da, Stück 20 pfg. Zu beziehe« durch Buchhandlung Vorwärts See«» SV, ciudeafie.Z Bezugsqueilsn-Uerzelchnls _ Berlin-Morden Drogan, Farben �orf-'w- Inks-bnlitBÜrfil. "1 crhij ({* Flelach- u. Wuratw.-Z *■ Wlektrt f. III. ISS, Rolonlalwaron Btrelitier Btr. 67 Seuttchek tnetallarbelter- Oerband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege, der Schlosser Emil Gerbing Mtihlenstrasse 42 am 25. Septbr. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 29. Sep- tember, nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle deS AndreaS-KIrchhoses in Dil- hclmsberg aus statt. Rege Betelligung wird er- wartet. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dass unser Kollege, der Schloffer Villi Stielau am 21. Sept. Im Militärdienst durch llebersabren gestorben ist. 182/lb Die Beerdigung findet am Montag, den P Oktober, nachmittags 3'l, Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen-Kirchhoses. Weissen- see, Roelckcstrasse, auS statt. Ehre ihrem Andenken k Rege Beteiligung erwartet Di« Ortsverwaltung. Waldparzelle a. Bahnh. Bas- dors, O.-R. 10 M.. A»z. 50, Verf. Hälsen, Steglitz. Bionvilleslr. l t. k'üi- Oatprenücn suche Bettstellen. Kleider- fchränfe. BertifoS, Sofas, ' Federbetten. Weinstock, Neukdlln, Knesebeck- Straße 36. Telek.-Anschluss 2126. MÖBEL uefert gegen bar Bürgerl. Wohnmngsein- richt. Komplett aufgestellte Wohn-, Schlaf-, Speise- und Herrenzimmer in großer Auswahl. Teilzahlung gestattet Beiser Lothringer Str. 67. �Sonnt.». 8-10 Uhr geöltn.� Tn JlD \J Bt r Aeldfoldaten! Veutsch.Polnlsch. 15 Pf. Veutsch-Französischlbpf. Vuchhandlvng VorwSrt». Vcrlia Bsztigiguelisn-wziilctini! Barlin-Osten ß Butter, Eier, Klee n JJddM.B Filialen B ■acac Mehlhandlunn-rm-m iJotuntidiS�rn . Photograph. 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Aber die Kritik, die seinen Erstling„Ebre" zum Teil merkwürdig überschätzte, ihn in die Nähe des so völlig anders gearteten jungen Hauptmann rücken wollte, schlug nach den ersten Jahren des Erfolges in das entgegengesetzte Extrem um. Es wurde da zum Sport, sich über die Entgleisungen ins Theatralisch« Posenhaste zu mokiren, ihn als blohen Routinier, der sein Hand- Werkszeug aus der Rumpelkammer französischer Salonstücke beziehe, zu verhöhnen. Man übersah, wieviel wirkliches Theatcrblut bei alledem in seinen Dramen steckt und wie selten solche in ihrem Denken und Empfinden unmittelbar auf Bühnenwirkung eingestellte Talente find. Ein artistischer Geschmack, der jede Fühlung für solche Wirkungen verloren hatte, erklärte sein Schaffen in Bausch und Bogen für billiges Banausentum. Doch ohne daß er seine Popularität dadurch zu mindern vermochte. Einer so straff in den Kontrasten durchgeführten Szenenfolge, wie in seinem.Fritzchen' begegnet man nur selten in der ganzen Einakterliteratur. Und einen ähnlichen Rang nimmt seine .Schmetterlingsschlacht' unter den Stttenkomödien ein. Die Auf- gäbe, SozialzuständlicheS in Handlung und Bewegung abzuspiegeln, ist da mit ungewöhnlichem Geschick gelöst, der Dialog voll Leben, die Figuren tragen jede ihre eigene Physiognomie. Ja die Gestalt des Handlungsreisenden besitzt im Typischen solche Konzentration und Anschaulichkeit, dah sie sich dem Gedächtnis unvergeßlich ein- prägt. Jeder Satz trifft da ins Schwarze. Und auch in seinen Schauspielen aus der späteren Zeit, von denen manche freilich in die Irre geht, find einige, die, wie„Es lebe das Leben' und .Stein unter Steinen', bei aller Beimischung von Konstruiertem doch durch bühnenmäßig intensiv bewegte und eigenartige Momente fesseln. Leider läßt sich vom„Katzensteg' nicht das Gleiche sagen. Was in dem Roman interessieren konnte, ging hier so wenig wie in der neulich von den Kammerspielen aufgeführten Dramatisierung von Jensens„Madame D'Ora" in die Bühnenform hinein. Was bleibt, charakterisiert sich als abenteuerliches Durcheinander. Der Bersasscr nennt's, wohl um die lose Fügung zu entschuldigen, ein Volksstück. Dock als solches fehlt ihm eine Hauptfigur, die durch den Eindruck überwiegend wahrer Menschlichkeit die Primitivität des Uebrigen vergesse» lassen könnte. Frl. O r S k a, deren Be- gabung sich bisher in weiblichen Strindberg- und Wedekmdrollen erwiesen, überraschte durch die Jnstinktsicherheit, mit der sie sich ins Wesen der Regine, des armen, gehetzten und verwilderten, aus der Tiefe entwürdigenden Elends zu reiner, opfervoller Liebe auf- steigenden Mädchens, fand. Das Spiel hatte in seiner schlichten Einfachheit und impulsiven Leidenschast ganz prachtvolle Höbenpunkte. Aber herausgerissen aus den vermittelnden psychologischen Entwicklungen, die die Erzählung bieten kann. in lauter abgehackt gewaltsame Situationen hineingepreßt, bleibt die Figur im ganzen doch ein Schema, das in dem Stück um des Effektes willen, nichl aus dem Zwange eigener Natur zu handeln scheint. Sehr gut war gleichfalls Friedrich K a y ß l e r als der junge Freiheer, der, wie Regine vom Haß der Bauern verfolgt, die Schuld seines landesverräterischen und geächteten Vaters— das Stück spielt in den Freiheitskriegen— zu sühnen sucht. Doch auch diese Figur läßt kalt, sie handelt unter dem Diktate eines bunten Sensaiionsbedürfnisses. Alle Augenblicke geht der Borhang über neue Bilder auf. Der Held, aus dem Feldzug kommend, zieht in? verbrannte Schloß des loten Vaters, der mit Regine dort gehaust. Bei dem Begräbnis des verhaßten Alten droht der Ausbruch blutiger Kämpfe. Ein Pfarrer, für deffen Tochter der junge Mann geschwärmt, verflucht ihn. In dem verfallenen Gemäuer schlägt er mit Regine seine Wohnung auf. An ihrer stummen demütig harrenden Liebe entzündet sich sein eigenes Gefühl. Dann wieder giblS Gerichtsverhandlungen, in denen der lVersemte das eiserne Kreuz erhält usw. Bis schließlich RegineS halbverrückter Vater mit einem Schusse, der dem Freiberrn galt, das Mädchen niederstreckt. Abermaliges Begräbnis und Begräbnisreden und aber« maliger Auszug zum Kampfe wider die Franzosen. Am Schlüsse demonstrierte ein Teil der Zuhörer mit Zischen gegen den sich endlos wiederholenden Applaus. Unter den Mit- spielenden wäre noch Herr M i e r e nfd o r f f als fanatischer Pfarrer und Richard Leopold als intriganter den Volkshaß schürender Gastwirt zu nennen. Sven G a d e hatte für das szenische Getümmel stimmungsvolle Dekorationen beigesteuert. ckt. Klaffe unö Degabung. Bald hat jede Wissenschaft herhalten müssen, die Begabungs- Überlegenheit der Oberschichten über die unteren zu.beweisen'. Biologie, Erblichieitslehre, die Gesellschaftswissenschaft— alle sollten sie eine Minderbegabung der Massen.bewiesen' haben, ob- wohl die Frage z. Z. noch gar nicht experimentell untersucht worden war, z. Z. auch gar nicht mit den Hilfsmitteln dieser Wissensgebiete erfaßt werden kann. Die Behauptungen waren immer nur ein Weitersagen des Hörensagens. Wirkliche Untersuchungen der etwaigen Begabungsabstufung nach Gesellschaftsschichtungen sind überhaupt nur der angewandten Psychologie möglich und sind auch bisher nur von ihr angestellt worden. Die Begabungsforschung, eine Sonderaufgabe der angewandten Psychologie, hatte sich der Frage nach dem Begabungsaufbau der Gesellschaft gewidmet. Sie steht zwar auch noch in den ersten Anfängen: aber schon waren die wenigen Ergebnisse, die auch nur leise auf eine Minderbegabung der Unterschichten hinzudeuten schienen, mit begieriger Eile auf- gegriffen worden, um den vom alten zerkasteten Indien bis zum modernen Europa geheiligten Lieblingssatz der Oberschicht neu zu„beweisen': Die gesellschaftliche Schichtung folgt aus der Be- gabungsverschiedenheit, die oberen Schichten enthalten die Tüchtigen, die unteren die Minderbegabungen. Eine Preisarbeit der Robert-Rißmann-Stiftung,„Die bis- herigen Forschungen über die Begabungsverteilung nach sozialen Schichten" von Dr. O. Karstädt bietet nun zum erstenmal eine Dar- stellung, Uebersicht und Nachprüfung aller irgendwie in Betracht kommenden wissenschaftlichen Untersuchungen. Das Ergebnis ist überraschend. Karstädt teilt die Untersuchungen ein in Vergleiche der Prütungsergebnisje 1. in verschiedenen Ländern szwischenstaat- licher Vergleich), 2. innerhalb eines Schulorts, wobei wieder Ver- gleiche der Kinder verschiedener Schulgattungen(höhere und niedere Schulen), verschieden gelegene Schulen(wohlhabende und ärmere Stadtviertel) und der reicheren und ärmeren Kinder einer Schule unterschieden werden. Bei den zwischenstaatlichen Vergleichen zeigte sich nun, daß nur starke Voreingenommenheit und gröbste Uebersetzungsirrtümer die üblichen„Folgerungen" verschuldet haben. Die.bewiesene' Rück- ständigkeit ärmerer Kinder war zum Beispiel gefolgert aus dem PrüfungZergebniS an russischen, fast buchstabenlosen, zu spät ein- geschulten Kindern, der geistige Entwicklungsvorsprung vornehmster Kinder aus einem begünstigenden Prüfungsverfahren eines Brüsseler PrivatschulleiterS an den Schülern seiner eigenen Anstalt; VolkS- schulkinder mit gutem Ergebnis waren wegen starker Vorein« gcnommenheit der Forscher sogar als aus„besten Kreisen' stammend angenommen worden und— leider!— so weiter I Den stärksten BegabungS- und EntwickelungSvorsprung nach den Ergebnissen der zwischenstaatlichen Untersuchungen zeigen nicht Kinder höchster Gesellschaftsschichten, sondern Volksschüler. Bei den Vergleichen innerhalb desselben Schulorts zeigen sich solche wirren Widersprüche und Schwankungen der Ergebnisse gegen- einander, daß sie sich einfach aufheben. Im ganzen hat Karstädt 20 Untersuchungen nachgeprüft. Seine Uebersicht zeigt folgendes Ergebnis: Von 20 Untersuchungen scheiden 4 als gänzlich unzulänglich aus; von den übrigen 16 zeigen 6 eine Beziehung zwischen Begabung und GesellscbaftSschichtung. 4 keine und 6 eine umgekehrte Besiehung, d. h. nach 6 Untersuchungen waren tiefer siehende soziale Schichten den höher stehenden an Be- gabungsleistungen überlegen.„Es ist demnach ein Irrtum, daß die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begabungsforschung eine Minder- begabung der unteren Schichten bewiesen hätten. Von einer Ueber- einstimmung dieser Ergebnisse, die auch oft behauptet wird, kann erst recht keine Rede sein.' Karstädt behauptet aber keineswegs eine höhere Befähigung der unteren Schichten, nicht einmal die Unabhängigkeit von Tüchtigkeit und Gesellschaft«- gliederung, sondern er zeigt nur so starke Abweichungen in den Forschungsergebnissen auf, daß er zur Folgerung berechtigt ist: die gegenteiligen Behauptungen über eine eindeutige Abhängigkeit der Begabung von der sozialen Schichtung finden in den bisherigen Untersuchungen keine Bestätigung. Es handelt sich bei den Be- gabungsprüfungen noch um Vorfragen, und aus Vorfragen folgert man keine Gesetze. Die merkwürdig weitgehenden Folgerungen über die Begabungsverteilung nach Gesellschaftsschichten sind schon darum ganz unzisiässig und entbehren jeder wissenschaftlichen Be- gründung._ Eügar Vegas f. Edgar DegaS, einer der merkwürdigsten modernen Künstler, ist in Paris, 83 Jahre alt, gestorben. Merkwürdig war er als Mensch, der nichts als seine Kunst kannte und darüber zum Sonderling wurde, merkwürdig war seine Stoffwahl: Anfangs malte er Weit- rennszenen, dann aber kannte er nur»och einen Gegenstand: die Balletteuse. Dieses deformierte Produkt einseitigen KörperdrillS, das an seinem Körper das Kainszeichen der Kultursklaverei trägt, wurde er nicht müde, immer wieder in allen Situationen, im Lampenlicht der Bühne, oder übend und ausruhend darzustellen. An diesem zunächst häßlichen Stoffe entfaltete er die Magie seines Pinsels oder seines Pastellstiftes, seiner bevorzugten Technik. Wie kein anderer moderner Maler verstand er es— angeregt durch die Japaner— das ganz Momentane einer Bewegung, die Spitze eines Augenblickes festzuhalten und in sein impressionistisches Kolorit um- zusetzen. Von den Japanern hat Degas auch den immer ungemein lebendigen, offenbar auch seltsamen Ausschnitt übernommen. Er will den unmittelbarsten Eindruck erzielen, und es kommt ihm nicht darauf an, eine Figur zu halbieren. So ist seine Kunst sprühend von Leben, ein feinstes Rervenspiel. Stoff, Zeichnung und Farbe, die Komposition, die keine zu sein scheint, aber mit sorgsamster Ab- wägung drin steckt— das alles vereint sich zum wirbelnden Tanze des Momentbildes. Degas ist der sinnfälligste Ausdruck einer rein sinnlich gewordenen Kunst, die nur noch Augenreize kennt, der Meister einer höchstentwickelten Technik, die Selbstzweck wird, der Vertreter einer Kunstrichtung, die keinen Zusammenhang mit dem Volksleben mehr hat. Er hat der Manie seiner Leidenschaft gelebt und ist scheints ein reiner Mensch geblieben. Die Liebhaber, die Wildgeschmack in seiner Kunst witterten, haben, selbst Opfer einer überreifen Kultur, ihn entdeckt und„goutiert". Der Knnsthandel hat Millionen an ihm verdient, während er nur sein Leben hatte. Seine Art zu sehen, die er— niemandes Schüler— entwickelte, hat unter den strebenden Künstlern alser Völker begeisterte Nachfolger geweckt. Auch in Deutschland sind seine Werke verbreitet, Liebermann war hier sein Prophet. Der seltsame Alte ragte wie ein Ueberlebeiider einer zu Ende gehenden Kunst in eine Zeit, die nach neuen Zielen unklar und schwärmend drängt. Li. 14. D. vas neue Fremdwort. Der kecke und unterhaltende.Zwiebelfisch', den Hans von Weber in München herausgibt, erzählt ein zugleich lustiges und lehrreiches Geschichtchen, das bezeichnend ist für die glühende Verehrung, die in weiten Kreisen deutschen Bürgertums das Fremdwort noch immer genießt— nur, weil es eben etwas Fremdes ist. Zuni Beweise hierfür hatte einmal Erich Schlaikjer den Einfall, ein vollkommen sinnloses Fremdwort künstlich rinzuführcu, und erfand zu diesem Zweck das schöne Wort.repunsieren'. Mau begab sich gemeinsam in eine bessere Wirtschaft und voller Würde, jedoch mit einem gewissen verräterischen Zucken der Mundwinkel fragte Schlaikjer die Kellnerin:.Sagen Sie, Fräulein.... wo kann man hier gut repunsieren?' Das Fräulein wurde Puter- rot, blitzte ihn mit beleidigte» Blicken an, sagle Pfui und sie müsie sich das schon verbitten, er wisse wohl nicht, daß hier ein anständiges Lokal sei, und rannte weg. Der Dichter aber ging zum Wirte, klagte ihm, er habe das Fräulein gefragt, wo man hier repunsieren könne, und sie habe ihn offenbar gänzlich mißver- standen. Der Wirt entschuldigte sich mit viele» Bücklingen, das Personal sei ganz neu eingestellt, man müsse oft Leute von ge- ringerer Gewandtheit nehmen usw.,— im übrigen.bitte, hier rechts um die Ecke'... Schlaikjer und einige Freunde gingen, sahen. schienen ratlos und machten weiter die Runde in zahlreichen besseren Kneipen. Einige Wochen später wurde die Eröffnung eines neuen .Etablissements' angekündigt mit allem„Rasfinement und Kom- sort' der Neuzeit. Die Anzeige schloß:.Erstklassige Gelegenheit zu repunsieren.'_ Notizen. — Ein Flug JCutin— London in sieben Stunden. Nach Meldung der Ententepresse hat der italienische Flieger Laureati mit einem Beobachter am 25. September eine Luftreise von Italien nach England ohne Zwischenlandung glücklich zurückgelegt. Das Flugzeug legte die Strecke Turin— London(1050 Kilometer) in sieben Stunden und 12 Minuten zurück. Während der ganzen Fahrt hatten die Flieger starken nordwestlichen Wind. Sie hielten eine Durch- schnittShöhe von 2970 Meter. Der Weg führte über Modena, durch Frankreich zum Kap GriS Nez und hierauf quer über den Kanal. der in 15 Minuten und in einer Höhe von nur 60 Meter überflogen wurde. Beim Flug über die Alpen, der in einer Höhe von inehr als 3000 Meter vor sich ging, hatten die Flieger niit starken Wind- stößcn und Rege» zu kämpfen. Es war das erstemal, daß ita- liemsche Zeitungen am ErscheinungStag nach England gelangten. 3] Der Weizenkönig. Von Otto R u n g. In derselben Sekunde, da er es gesagt, bemerkte er, daß die s�ront des Wagens nicht gegen das walzende Band der Straße, sondern gegen einen Uebersteig wies, welche vom Straßenrande aus tief hinabführte in daS versenkte Niveau der Felder. Er stieß einen entsetzten Warnungs- ruf aus, aber schon hatte der Chauffeur die Maschine mit einem gewaltsamen Ruck herumgeworfen, um anscheinend einen am entgegengesetzten Straßenrande aufragenden Ueber- steig als Ziel zu wählen. So schlingerte der Wagen auf seiner Blitzfahrt die Straße weiter; in jähen Sprüngen, in heftigem Zickzack hin und her kreuzend zwischen den tiefen Gräben, die zu beiden Seiten des Weges lauerten. „Sind Sie toll?' heulte Hotkins.„Wollen Sie uns beiden die Hälfe brechen?" Im selben Augenblick fiel seine Theorie, daß er es mit einer Kreatur Wilsons zu tun habe, in sich zusammen. So manövrierte nur ein Wahnsinniger. Rasch griff er unter den Sitz, holte die langläufige Magazin- Pistole, die er immer mit sich führte, hervor, wandte sich und zielte auf die gelbe Wachstuchmaske, die in gepanzerter Un- beweglichkeit über den Silberrahmen der Kalesche ragte. .Jöalt!" schrie er.„Hände hinauf!' Wiederum knirschte das kurze trockene Lachen, und eine tiefe, von der Maske gedämpfte Stimme begann zu sprechen: „Ich versuchte es vorgestern und gestern, Sie auf Ihrem Kontor zu sprechen. Aber Sie hatten keine Zeit. Heute er- fahre ich, was Ihre Zeit Ihnen in Dollars wert ist. Aber trotz alledem Hube ich nun doch Gelegenheit zu einer Gratis- Unterredung mit Ihnen gefunden." „Nonsens!' sagte �Hotkins.„Stoppen Sie, oder ich schieße Sie nieder, daß Sie so tot daliegen wie ein Türbolzen I" „Ueberlegen Sie doch!' erwiderte der Chauffeur. Wir laufen 1 Kilometer. Mit einem Mann am Steuer, der so tot ist wie ein Türbolzen, ist dies ein Risiko, das Sie im Interesse Ihrer eigenen Person nicht wagen sollten, nicht einmal für die fünf Sekunden, die Sie brauchen, um Ihre Sünde statt der meinen um das Steuerrad zu legen.' Und otkins sah. wie ihr Kurs in diesem Moment direkt auf einen seitwärts vom Wege stehenden Wellblechschuppen eines Tele- graphentransformatorS zielte. Ein heftiger Pumpenschlag der Angst klemmte ihm die Kehle zusammen. Aber schon im nächsten Augenblick waren sie wieder in der Straßenlinie. Hotkins kniete auf den Sitz nieder, das Gesicht in gleicher Höhe mit dem Helm des Chauffeurs. Umsonst! Er erhaschte keinen Blick durch die konvexen Brillengläser der grauen Totenmaske. „Was wollen Sie von mir?" zischte er. „Ich suchte Sie gestern und vorgestern auf,' wurde ihm geantwortet.„Aber Sie waren nicht zu sprechen. Ich wollte Ihnen Vorstellungen machen." „Was wollen Sie?' wiederholte Hotkins.„Nennen Sie Ihren Preis, ich bin zu Verhandlungen bereit." Es galt ja bloß Zeit zu gewinnen. Einige Meilen von hier war auf der Chaussee, wie er sich erinnerte, ein Motortrap postiert— eine Falle von Konstablern, die mittels Kontrolluhren die Fahrtgeschwindigkeit vorbeikommender Automobilisten no- tierten. Es hieß diesen verrückten Desperado solange munter zu erhalten, bis sie den Polizeiposten erreicht hatten. „Betrachten Sie diese Fahrt immerhin als eine Art Kursus,' sagte der Wagenführer." Ich habe Ihre Manöver seit langem verfolgt und mir vorgestern vorgenommen. Ihnen Ihr Vorgehen gegen uns andere auf friedlichem Wege klar- zumachen. Aber diese Methode erwicS sich als undurchführ- bar: der Weg zu Ihnen war blockiert. Ich war daher ge- nötigt, die Rollen zu tauschen und Sie selbst zu blockieren. Ich habe Sie hier auf Ihrem eigenen Wagen festgenommen. Stellen Sie sich vor, wir beide seien die einzigen Wesen auf einem Planeten, der das Universum durchkreuzt, und Sie werden kaum den Versuch machen, abzuspringen. Ich fürchte, Sie werden keinen Grund für Ihre Füße finden. Es hieße direkt in den leeren Weltenraum hinausspringen.— Nein! Das einzige, was Ihnen zu tun erübrigt, ist. aufmerksam vor sich hinzublicken. Ich will Ihnen eine praktisch anschauliche Vorstellung geben, wie Ihr KurS sich in diesen letzten Mo- naten für vital interessierte Augen ausgenommen hat. Ich habe Sie sozusagen vor eine Kanonenmündung gebunden, um Sie zu gespannter Aufmerksamkeit zu zwingen. Sie sind mit Leib und Leben an den Vorgängen um Sie her beteiligt." HotkinS zuckte die Achseln.„Sie machen mir nicht angst. Mein Leben ist ja an das Ihrige gebunden. DaS scheinen Sie zu übersehen. Sie werden schon Ihren eigenen Gliedern zuliebe gut aufpassen." Als aber der Wagen in eben diesem Augenblick einen heftigen Seitenhieb gegen die Eisenstützen einer zu passierenden Hängebrücke vollführte, erschrak er dennoch.„Sind Sie verrückt?' schrie er.„Passen Sie doch besser auf!„Oder haben Sie etwa Selbmord im Sinn? Der Wagen parierte in der letzten Sekunde und der Chauffeur lachte auf.„Selbstmord ist im Dienste einer höheren Sache zuweilen ganz vernünftig. Oder haben Sie nie davon gehört, daß es Leute gibt, die Ihr Leben für die Sache anderer opfern? Sic glauben offenbar noch immer, daß es nur sinngemäß sei, anderer Leben der eigenen Sache zu opfern?' „Sie sind also Anarchist?" prustete Hotkins hervor. „Aha! Sie sortieren mich schon»vieder wie eine Probe auf der Warenbörse und bekleben mich mit einer Etikette! Ich habe Ihnen doch zu verstehen gegeben, daß Sie sich in diesem Kursus einfach als meinen Schüler zu betrachten haben. ES gibt sehr ernsthafte Dinge für Sie zu erlernen, ehe ich Sic entlasse." „Halt!" fauchte Hotkins.„Sie gehen selbstredend von der üblichen falschen Vorstellung aus, daß ich und meine Kollegen irgendwelchen tatsächlichen Einfluß auf die Schwan- kungcn des Marktes, auf Baisse und Hausse haben, irgend- eine Verantwortung für Katastrophen und Paniken. Sic glauben vermutlich in Ihrer kindischen Art, daß wir bloß auf einen Telcgraphenknopf zu drücken brauchen, um alles ganz allein zu dirigieren. Aber das ist ein totaler Irrtum. Ich bin nichts als das Werkzeug eines tieferen Systems, das Organ für verborgene und unsichtbare Prin- zipien, die die ökonomische Entwicklung leiten, für gewisse geheime und unkontrollierbare Kräfte, welche produzieren und umsetzen und uns Börsenmänuer mit unserem telegraphischen Nachrichtenwesen und unserer Praxis bloß als Ordner, Mittler und Mäkler benützen. Nein, Sie schießen weit über das Ziel hinaus. In mir treffen Sie nur die Hand, nicht das Hirn. Sie sind ein fanatischer Idiot I Lassen Sie inich fort I" Aber der Wagenführer schüttelte den Kopf.„Diese Lektion höre ich nicht zum erstenmal", sagte er.„Ich be- zweifle aber, daß die Herren für alle Tage so bescheiden sind. Und das sage ich Ihnen: wohin ich in der Welt gereist bin, habe ich nie Prinzipien gesehen, sondern nur Menschen. Aber wenn ich einem Menschen Aug in Aug zu begegnen suchte, war der Mann nie zu sprechen. Dann verkroch er sich hinter eine Schirmwand von Theorien und sagte, er per- sönlich sei gar nicht zur Stelle, aber ich könne mit seinen Prinzipien verhandeln, und, wenn es mir beliebe, auch ganz ungeniert auf sie loshauen. Theorien sind aber nun mal stockstaub und ohne einen Funken von Gefühl. Nun denn: Es gibt wirklich tiefe und ewige Gesetze für alles menschliche Genieinwesen, aber wir Lebenden sind es, die diese Gesetze kraft unserer Zivilisation in Händen halten, und einige unter uns, vielleicht vier oder fünf. haben mehr Macht als die andern, wenn sie auch so tun, als verteilten sie sie höchst demokratisch vermittelst Aufsichts- raten und allgemeinen Stimmrechts., jSortj, folgt). Zähne mit u ohne Plüite mit echleiii Fricdenskaulschuk, Goldkronen, Brücken, Plomben. Umarbeitung sciilechtsitzonder Gebisse. Keparaturon sofort. Xahnzichcn in örtlicher Betäubung. Billige Preise, auch Teilzahlung. Teleph. Amt Nord. 1043«. •" amPlalz v.9-7 Sonnt 10-2. D.Ä.Löserrersönl zu Sprech � Bosentlialerstr.68 Bszugsqueiien-uerzeichnis Berlln-SOden Flelaoh-u. Wurstwap. I Panl MüHef, Frieseiistr.22.S bdeh f hdl o..K o Ton) al wT I !Joli.Fiet8cli,ISBeiseDa!!8{.97B ZUMM.WzWMg Neukölln C. Dittmann Berlinerstr. if Wild- Geflügel- Flicke. 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