Nr.S73. 34. Jahrg. Bezugspreis: »iertelj�hrl. 3.Ä0MI. monalL 1,30 M?, wöchentlich 30 Big. frei ins Hans. vorauszahlbar. Einzelne Wochentags- Nummern 5 Pfz. Sonnlaßsnummer nnl illuflriericr Beilage.Die Neue Well' 10 Pia. Poilbezug: Monatlich 1,30 Ml. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn ü.dO Ml., für das übrige Ausland 4 Ml. monatlich Postbeilellungen nehmen an Dänemarl. Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen m die Post-Zeittings-Pmsliste. Erscheint täglich. Telegramm-Adrefic: »Sozialdemokrat'L erlitt', 5 Pfennig) * Berliner Volksblnkk. Der Anzeigenpreis betrügt s, die siebengespaltene Kolonel» »eile SO Psg.„Kleine Anzeigen", das settgedrurkle Wort 20 Psg. schränkt; erst gegen Abend lebte fie auf. Heeresgruppe Deutscher Kroupriuz. Auf dem Ostufrr der MaaS sehte bei Einbruch der Dunkel- hcit schlagartig stärkstes Feuer au der Höhe 344, östlich vott Sawogneux, ein. Tiefgegliedert brachen die Franzosen bald daraus zum Angriff vor, um die von unS dort gewonnenen Stellungen zurückzuerobern. Der Anstur« brach in der Abwehr- wirlung unserer Artillerie und an der zähen Widerstandskraft der Würtlcmbcrger verlustreich und ergebnislos zusammen. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Lebhafte Artilleriekämpfe entspannen sich zeitweilig dicht west- lich der Mosel und im Sundgau; Angriffe erfolgten dort nicht. Die neue Schlacht in Jlanüern. B e r l i», 4. Oktober. Am 3. Okiober gelang es uns, trotz stärkster feindlicher Gegenwirkung unsere vorderste Linie au der Straße Mcnin— Jperu vorzurücken.— Die Engländer setzten den Tag über ihre planmäßigen Trommelfeuerüberfälle auf unseren Stcllungsbozcn um Upern fort, die sich gegen abend zwischen Poclkopelle und Aandvoordc zu stärkstem Feuerorkan steigerten. Besonders planmäßiger Beschuß richtete sich gegen Zonncbcke. Auch während der Nacht hielt vom Westrande des Houthoulster Waldes bis zur Lys, besonders östlich Aper», stärkstes Feuer an, das am 4. Oktober 5 Uhr 45 Minute» vormittags auf der ganze» Front Mangeloare bis zum Kanal von Holledeke schlagartig in wildesten Feuerwirbel überging und ununterbrochen in größter Stärke andauert. Hier erfolgte am frühe» Morgen der erwartete neue feindliche Großangriff gegen de« Jpcrn- bogen. Tie Flandernschlacht ist wieder in vollem Gange.— Auch südlich des Kanals von Holledeke bis zur Deulc steigerte sich die Fcuertäiigkcit. Bei lebhafterem Feuer an der ArraSfront wurden nordöstlich BermclleS und südlich Monchy starke feindliche Patrouillen unter blmigen Verlusten für den Feind abgewiesen. Stärkeres Feuer in Gegend St. Ouentin verursachte in der Stadt neue Brände. An der Llisnetronl steigerte sich gegen Abend das Feuer an der Laffaux-Ecke und in Gegend Brahe zu zeitweise großer Heftigkeit. In Gegend Brahe kehrten unsere Patrouillen, die bis zum zweiten feindlichen Graben vorgedrungen waren, mit Ge- fangeneu zurück. Auch südöstlich Reims brachten wir Gefangene ein. Oe st lich der MaaS blieb nach den abgeschlagenen zahl» reichen feindlichen Gegenangriffen das feindliche Feuer lebhaft und steigerte sich von 8,39 Uhr abends zu größter Slärke. Hierauf er- folgten wiederum starke Angriffe des Gegners in tiefgegliederten Wellen gegen unsere dortigen neugewonnenen Gräben. Sie wurden im Sperr- und Maschinengewehrfeuer unter schwersten Verlusten abgewiesen. An einer Slelle vorübergehend eingedrungener Feind wurde in sofortigem Gegenstoß geworfen. Die Stellung ist restlos in unserem Besitz. Die Fahl der Gefangenen,"die in unserer Hand blieben, hat sich auf 179 erhöhr. Die Verluste deS Feindes sind außerordentlich schwer. Der LNehrheitswille üer üemokratifchen Konferenz. Petersburg, 4. Oktober. lPeiersburger Telegraphen« Agentur.) Der Vorsitzende teilte mit, daß das durch Vertreter der verickiiedenen Parteien verstärkte Bureau die gestellte Aufgabe verwirklicht habe, eine Höchstmenge von Stimmen zu bereinigen, um die Einheit des demokratischen Willens zum Ausdruck zu bringen. Tseretelli verlas den Bericht darüber, in dem die gemeinsamen Grundsätze ausgearbeitet sind, welche von der großen Mehrheit der Konferenz ZC estlich er Kriegsschauplatz. Bei Jakobstadt, Dünaburg und am Zbrucz sowie am Donau- Knie bei Galatz nahm die Feuertätigkcit vorübergehend zu; Er- kundungSgcfechtc verliefe» an mehreren Stellen für uns erfolg- reich. Mazedonische Front. Die Lag« ist unverändert. Der Erste Generalquartiermeistcr. Ludeudorf f. Abendbericht. Berlin, 4. Oktober 1917, abeudS. Amtlich. Anf dem Schlachtfeld in Flauderu sind die Engläuder auch bei dem heutigen Großaugriff uur etwa einen Kilo- meter tief iu unsere Abwchrzoue zwischen Poelkapelle uud Gheluvelt eiogedniugeo. BesouderS erbittert wird noch östlich von Zouuebeke uud westlich von Becelaere gekämpft. Bon den andere» Froute« ist uichtö Besonderes gc- meldet._ Ter österreichische Bericht. Wien, dcu 4. Oktober 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlantbart: Oestlicher Kriegsschauplatz und Albanien. Unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe im Gadriclc-Abschnitt ließe» gcstcr««ach. Der Bortag hat uns 6 italienische Offiziere, 297 Mann und 2 Aerzte alS Gefangene eingebracht. Unsere Flieger schössen 3 feindliche Flugzeuge ab. An der Tiroler Front kcmc desouderen Ereiguiffe. Der Chef deS GeucralstabeS. angenommen werden können. Er schlug im Namen deS Bureaus folgende Entschließung vor:� ES ist unumgänglich notwendig, eine starke revolutio- »Src Regicrungsgewalt zu schaffe», die das Programm der Moskauer Konferenz vom 27. August ausführt und eine aktive Politik zur Serwirklichung des allgemeinen Friedens zu verfolgen. Ferner vor der Zufammcnberufting der Verfassung- gebenden Berfammlung die Berantwortlichkeit der Regierung vor einem den Wille» des BolkcS widerspiegelnden repräsentativen Organ zn verwirklichen. Außerdem auS der Mitte der demokratische« Konferenz heraus ein ständiges Organ zu schaffen, das an der Bildung der RegierungS- gemalt auf den erwähnten Grundlagen mitzuarbeiten hat. Wenn die bürgerliche» Elemente in die Regierung eintreten, ist es unum- gänglich nötig, das repräsentative Organ durch bürgerliche Vertreter zu vervollständigen, die sich notwendigerweise in der Minderheit befinden. Die Regierung wird dem oben er. wähnte« Organ gegenüber verantwortlich sein. Die Konferenz beauftragt daS Bureau, fünf Mitglieder zur unverzüglichen Verwirklichung der Bildung der Regicrungögrwalt auf dcu angr- gebrncn Grundlagen zu ernennen. Auf den Vorschlag des Votsitzendcn beschloß die Versammlung einstimmig, die Debatte nicht wieder zu eröffnen. Die Konferenz nahm die erwähnte Entschließung mit 829 gegen 196 Stimme» an- « Petersburg, 4. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegr.- Agentur.) Nack) den letzten Nachrichten ist der Konflikt zwischen dem Äarincministerinm und dem Hanptausschuß der Flotte infolge Ein- greifens des Petersburger Arbeiter- und Soldatenrats beigelegt worden. U-Soot-Crfolge. Berlin, 3. Oktober. Amtlich. Neue U-Lo»t-Erf»lge im Aermel-Kanal und in der Nordsee: Bier Dampfer, ein Segler, ei« Fischcrsahrzeug, darunter drei bewaffnete Dampfer und der neue englische Segler Jndepondence. Von den drei bewaffneten Dampfern fuhr einer unter französischer Flagge, ein an- derer war vom Aussehen des englischen Dampfers Kcndal Castle (3885 Br.-Reg.-To.). Der Chef des Admiralstabes der Marine. Der Arbeitsplan ües Reichstags. Am Freitag wird der Nachtragsetat im Plenum zur Ver> Handlung gelangen. Am Sonnabend findet die Beratung der beiden Interpellationen statt; Montag und Dienstag sind in Aussicht genommen für die Debatte über die aus- wärtigen Angelegenheiten und die vom Haus- Haltsausschutz gefatzten Resolutionen, Am Mittwoch finden dritte Lesungen statt. An diesem Tage dürste der Reichstag voraussichtlich wieder vertagt werden. Staatszuschuß für Lebensmittel. Von Robert Schmidt. Auf dem Lebensmittelmarkt bereitet sich wieder eine Steigerung der Preise fast aller notwendigen Gebrauchs- artikel vor. Die Erhöhung der Weizen- und Roggen- preise und die Weitergewährimg der Frühdruschprämie von Kl) Mk. für die Tonne haben natürlich zur Folge, datz dieser erhöhte Preis in einem Aufschlag der Brotprcise den Konsumenten zum Belvutztsein kommen wird. Die weitere Folge ist. datz, da auch für Hafer und Gerste die gleiche Vergünstigung dem Landwirt geboten ist, für G r a u p c n, G r i e tz und Teigwaren die Preise entsprechend erhöht werden. Die 5l a r t o f f e l p r e i s c er- höhen sich von 4 Mk. im vorigen Jahr auf 3 und 6 Mk. für den Erzeuger, dazu treten ähnlich wie beim Roggen noch besondere Aufschläge für die Mengen, die bis zum 13. Dezember abgeliefert werden, so datz mit einem Kleinhandels- preis von 9 bis 1l> Mk. und darüber pro Zentner zn rechnen ist. Erhöht werden die Preise für Butter, für Zucker, und dazu kommt die hohe Preislage für G c m ü s e, Konserven,— kurz, de? ganze Haushalt hat abermals init einer sehr unmigenehmen Steigerung der Ausgabe zu rechnen. Diese Preiserhöhungen sind trotz aller sehr energischen Einwände von unserer Seite immer wieder im Kriegs- ernährungsamt zum Durchbruch gekommen, wir sehen mit einiger Besorgnis dem Zustand entgegen, der sich im Haushalt der Minderbemittelten einstellen muh. Dieser Zustand ist unhaltbar, es mutz zugunsten der Minder- bemittelten eine Unterstützung einsetzen, die die Konsum- fähigkeit der ärmeren Volksschichten aufrechterhält. Da den Preistreibereien von der Regierung kein Widerstand geboten wird, so müssen wir mit aller Entschiedenheit fordern, datz die Regierung den Weg wählt, den bereits andere Staaten beschritten haben, und zwar müssen die Prcise für die minderbemittelten Volksschichten durch Beihilfen, die der Staat gewährt, herabge- drückt werden. Dabei ist die Form der Unterstützung abzulehnen, wonach aus öffentlichen Fonds an die Minder- bemittelten doch im wesentlichen in der Form von Almosen Zuwendungen gemacht werden, sondern es muß durch direkte Subvention eine Herabsetzung der Preise herbeigeführt werden.__> Sehr beachtenswert ist das Beispiels der Schweiz. Dort werden der ärmeren Bevölkerung bei der Abgabe von Milch undBrot Zuschüsse gewährt. Allen für die Milchabgabc hat die Schweiz in den ersten drei Monaten dieses Jahres 1 Million Frank aufgewendet, und der billige Bezug des Brotes kam im August d. I. 620 000 Personen zugute. Auch England, Frankreich und Italien müssen die hohen Preise für ausländischen Weizen aus der Staatskasse decken, dannt der Brotpreis in mätziger Höhe gehalten wird. Bei der gegenwärtigen Pteislage der rationierten Lebensmittel wird die Regierung die Belastung, die für die ärmeren Volks- kreise so außerordentlich hart und schwer wird, durck' �"wen- düngen mildern müssen. Wenn man keine Bodenken trägt, allein durch Frühdruschprämie und die besonderen Aufschläge für Kartoffeln der Landwirtschaft ungefähr 400 Millionen zuzuwenden, dann israg das Reich diese be- sonderen Aufwendungen decken. Vielleicht kommen wir dann dazu, daß in der Reichsverwaltung mit mehr Gefühl der Ver- antwortung die Preispolitik betrieben wird. Wir haben bo- reits bei der erhöhten Fleischration in diesem Jcchre diesen Staatszu schütz eingeführt. Sollen wir nicht bei der gegenwärtigen Preispolitik unsere Bevölkerung in schlnere Bedrängnis bringen, muß der Weg weiter beschritten werden. Wir verkennen nicht, daß grundsätzlich hiergegen erbeb- liche Bedenken geltend gemacht werden können; es ist kein angenehmes Gefühl, datz für die Landwirtschast, die während 'des Krieges hohe Gewinne erzielte, direkte Staatszuschüsse ge- währt werden. Aber es gibt leider kein anderes Mittel, um. wenn die Preispolitik nicht«ändert wird, die Wirkung einer solchen verkehrten Politik auf die großen Volksmassen abzn- wenden. Der Haushaltsausschntz hat sich in der Sitzung am 1. Oktober mit dieser Frage beschäftigt; Anlaß bot ein sozial- demokratischer Antrag, der verlangte, datz die besonderen Zn- Wendungen für den Frühdrusch des Brotgetreides und die zeitige Anlieferung der Kartoffeln vom Reich getragen wer- den. Der Antrag gelangte einstiinmig zur Annahme, und vom Reichsschatzamt ist die Zusage erteilt, datz dem Verlangen entsprochen werden soll. Weniger befriedigend ist der zweite Teil des Antrages erledigt, der forderte, daß weiter für alle wichtigen NabrungS- mittel eine Preissenkung durch Zuschüsse des Reichs für die Minderbemittelten herbeigeführt wird. Der HauShaltsauS- schütz hat sich nicht grundsätzlich ablehnend zu der Frage ver- halten, aber er hat entsprechend einem konservativen Antrage BcfcMofTen, daß zu diesen Kosten auch die Gemeinden bei- zutragen hoben. Bei der Ilcbcrlastung der Gemeinden wurde von den ioziaideniokratischen Vertretern hiergegen Einspruch erhoben, da das Reich der T rogcr der Lasten des K r i e g e S s e i n m u ß. Aber nach Ablehnung unseres An- träges mußtrn wir ini Interesse der ärmeren Volksscknchisn anw für den konservativen Aistrag stimmen. To vom Reichs- schatzamt grimdsählicki kein ablehnender Standpunkt einge- nominell wurde, läßt sich erwarten, daß dem Wunsche des Reichstages entsprochen wird. Ter Erfolg, den die sozialdemokratische Fraktion mit ihrer Forderung zu verzeichnen hat. ist von großer Bedeu- tuna und es wird weiter die Aufgabe der Partei sein, nun- mehr auf eine recht schnelle Turchführung des Verlangens zn drängen._ Churchill gegen Zrieöen. Thmckiill, der iiiirntivegt KriegSwillige, erllärte soeben in einer Rede. cS fei.jctzl keine?,cit, um über den ftriedcn z» reden", und e» lvnre ein„flirck'.barer Fehler, Frieden ,u scblicxen, bevor unsel« Ziele eireichl" seien. Nur wenn die Teuischen durch eine Nieder» l.ige den Glauben au ihr NegierungSsystem verlören und durch Lelbsibrfrriuiig zu einer Nation mit den Freiheilen der Demokratie wiedergebvK» würden, glaubt Churchill, daß der Friede kommen Wied, der ein ioirllicter Friede auf dauernden Grundlagen und nicht blas, ein Zwischenspiel sein werde. Komme ei» unbefriedigender Friede, so werde Cirgland.niemals ruhig" sein, und auch Amerika werde»iebt ruhen, che eine endgültige lkirrscheidung erreicht sei. Cbiirchill mahnle zum Durchhalten, erklärle, England sei nocb im» sraude, jede Lckioierigkeit zu überwinden, und sagte dann über die Kriegslage: Das Ereignis der legten fünf, sechs Mouaie ist die erfolgreiche Besäiirplung der II- B o o l- K a in p o g n e. Es ist zu srüh»u sagen, datz der N-�cot-geidzug überwundeir ist. Wir wisse» nicht, in welcher neuen Form er eiwa erneuert werden wird oder wie bald Kegeuinahrcgeln wegen solcher neuen Form wirksam werden können. Aber es ist»ichr zu fr üb. zu sagen, daß der ziveire große U-Boot- Feldzug gegen dicke Inseln in«ckiach gehalten und sogar abge- ieblage» worden ist. liniere Borräte an Lebensmitteln sind jetzr größer, als im Ansang des Krieges und unser Pro- d rr l r r o u s v e r m ö g e ii hat zugenommen. Im nächsien Jahre werden unsere Heere, ialls der Krieg fortdauert, was Gott ver- düie, stärler und besser arrsperüslel sein, wie je. Wir find voller Lerircmen, aber auch die Teuischen sind eS. Sie machen ihre ver- zweifelien Anstrengungen»ichr ohne Grund, denn sie wissen, die Briten sind der Hauptfaktor im Kriege, sie wissen, daß unsere Macht nicht gebrochen werden kann und daß sie nur ivachieir wird. Llmrckill« Rede ist ein Zeichen, daß die KriegSmüdigleit auch in England ein Falior geworden ist, mit dem die StaalSlenker rrnsthast rechnen müssen._ vis Zliegsrangriffe auf öeutsthe Stäöte. Amtlich. Berlin, 4. Oktober. In der Nacht vorn S./3. Ol- tobrr haben seindlicke Flieger in zahlreichen Flügen Angriffe auf da« deutsche Heiniatsgebiet versucht. Irgendwelche Ergebnisse haben die Angriffe nicht gezeitigt. Ein feindliches Flugzeug kam bis in die «hegend von Stuttgart und warf über Feuerbach 6 Bomben ab, die geringen Sachschaden, aber keine Berluste verursachten. Tie offene Stadt Frankfurt am Main wurde von etwa 10 Fliegern angegriffen, die auS südlicher und westlicher Richtung anflogen. Tie meiste» der abgeworsene» Bomben fielen wirkungslos außerhalb der Stadt nieder. Ii» Stadtbereich wurden disher 13 Einschlagstellen gezählt. Tie B-mden fielen meistens auf Straßen und offene Pläne. Ter angerichtete Zachschaderr ist gering; 5 Bersone» wurden leicht »erlelit, Tote sind nicht zu beklagen. TaS lothringische Industriegebiet wurde von zahlreichen Angreifern heimgesucht. die jedoch wie gewöhnlich, dank unserer gut durchgebildeten Abwehr- Maßnahme», nur wenig Erfolg hatten.— B i s in die Gegend v o u T« r t m» n d vorzndringe», gelang wiederum nur einem feind- lieben Flieger. Er warf dort auf die Lahnstrecke Dorstfeld— Tort- mund.Süd t» Bomber, ad, die dr» Bahnlörper beschädigten. Bei diesem Angriff wurde eine Person getötet. Zeigt der Angriff auf das westfälische Zuduftriegebiet erneut, welchen Wert die Gegner auf die Vernichtung dieses Hauptsitie« unserer wirtschaftlichen Stärke legen, ;b zeigt er andererseits, daß der Heimat daS von unserem Heer gehalten- feindliche Gebiet auch gegen Luftangriffe Schal, und Boll« werk ist. Amtlich. Berlin, 4. Ottober. Angriffe einzelner feindlicher Flieger sin der Rächt vom 3./8. Oltober) richteten sich auch gegen Rastatt, Bad-n-Badcn und Tübingen. Auf die beiden ersten Orte sielen dici Bomben. Sie richteten glücklicherweise nirgends Unheil air, außer in Tübingen, wo durch zerbrochene Fensterscheiben einiger Sachschaden enrstand. Welchen Zweck die Franzosen mit diesen Angriffen aus offene deutsche Städte verfolgen, ist nicht ersichtlich. In Rastatt befinden sich keine militärischen Ziele. Die Angriffe aus Baden-Baden und Tübingen können vollends nur als Ausflüsse roher Zerstöruuflssücht betrachtet werden. Die Heilstätten des Kurortes Baden-Baden und die Kliniken der UniverfitätSstadt Tübingen sind belegt mit zahlreichen Schwerverwundeten, die dort von ihren Leiden Erholung suche». Daß Angriffe auf weit hinler der Front befindliche Lazarette eine militärisch- Notwendig« keil sind, dürfen auch die Franzose« nicht zu behaupten wagen. Trirch derlei Roheileii kann der Wille zum Durchhalten im deutschen Bolle nur bestärlt werde». Amtlich. Berlin, 4. Okiober. Ein es der feindlichen Flugzeuge, die in der Nacht vom 2./3. Oktober Frankfurt angegriffen haben, wurde auf dem Rückfluge durch unsere Abwehrinoßnahmen zur Landung gezwungen. Ter Insasse we.r ein Marechal de Logis. Das Flugzeug ist der Sopwith-Ein« sther Ztr. ILS mit einem 130?Z. Clerget-Uiirlauf-Motor. Verlin, 4. Oktober. Wolfis Bureau teilt mit: Der Funkspruch Paris vom l. Oltober, 4 Uhr nachmittags meldet:.Als Vergeltung für die deutichen Fliegerangriffe auf die offene Stadt Bar- l e- D u c warferr zwei französische Flugzeuge in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober«uf die befestigte Stadt Stuttgart Bomben ab." Dieser Say stellt in seinen beiden wich- tigsten Puirkicn die Wahrheit auf den Kops. Erstens ist Sar-le- Tu- ei rt bercevtigles Ziel militärischer Angriffe, da cs Truppen in Ruhe als UiiterkuirftSort dient und eine Haupt- elappe für die französische Armee darstellt. Zweitens ist S t u t t- gart keine befestigte, sondern eine offene Stadt ohne icde militärische Bedeutung. Der Fliegerangriff gegen Stuttgart kann also»ichtS als die Schädigung friedlicher Bürger und bürger- lichcir Eigentums bezwecken. » Französcicher Heeresbericht vom 3. Oktober nachmittags. Unsere Flugzeuge l'ejchosieu in der Nacht vom l. zum 2. und während des 2. O lieber den Bahnhof Frerburg tBr.). die Fabriken von Völklingen und Hostenbach und die Bahnhöfe von Brieulles. Longuhon. Metz. Wappingen, Arno- ville. MeziereS- lex- Metz. Diedenhosen und Saarburg. 7000 Kilogramm Bomben wurden im Lause dieser her- ichredenen Unternehmungen obgeworfeu. Als Lergeltung für die Bescbießung von Bar-Ie-Due warfen zwei unserer Flugzeuge mehrere Bomben auf die Stadt Baden-Baden. Kriegsschauplatz in Mesopotamien. Eine Schlacht bei Ramadie. Englischer Bericht vom 1. Okiober. Wir griffen«ine vorgeschobene Stellung bei Muscheid, vier Meilen östlich»on Üramadie, am Freitag an. Nach der Besetzung des Rückens von Muscheid griffen wir die Haiiplsiellrmgeir irr der Gegend von Ramadie von Südosten her an. Gleichzeitig bewegte sich unsere Kavallerie in einem weiten Bogen westlich um die Stadl. Nach einem schweren Kampfe, der den ganzen Tag dauerte, wurden die Haupt- stellungeit rings um Ramadie östlich, südöstlich und südlich eingenommen. Zwei Meile» von der Stadt schloß die Kavallerie die Truppenkette zu Lande, während im Norden der Euphrat on der Stadt vorüberfließt. In der Nacht versuchte der Feind eineir Ausfall nach Westen, aber die Kavallerie rrat ibm entgegen. Bei Tagesanbruch wurde der Angriff wieder aufgenommen. Am Sonnabend um 9 Uhr vormittags ergab sich der Feind überall. Dir erbeuteleu Geschütze, Waffen, Munition, viel Kriegsgerät und machten mehrere Tausend Gefangene. darunter Achmed Bei mit seinem Stabe. Der Feind wurde vollkommen überrascht. Fast die ganze Besatzung von Ramadie siel in unsere Hand. Unsere Truppe» legten große Tapferkeit. Entschlossenherr und Ausdauer unter den schwiengneir Bedingungen au den Tag. Eine andere Abteilunz aus Bagdad begegnete Donnerstag nachts Kavallerie. ES kam zu einem scharfen Scharmützel, in dem wir dem Feind Berluste zufügten, vier Mann gefangen nahmen und 300 Kamele erbeuteten. Wegen der starken AuSdebnung des Gebietes, auf dem der Kampf bei Ramadie stattfand, ist es zurzeit noch nicht möglich, eine endgültige vollständige Liste unserer Beute zu geben. Wir baberr mdesten 13 Geschütze und 12 Maschinengewihre genommen. Etwa 200 geiörete Türke» sind beerdigt worden und ungefähr 600 verwundete und 82C0 unverwrmdete Gefangene, darunter 200 Offiziere, sind in unsere Hand gefallen. (Die Meldung ist nach amtlichen türkischen Berichten stark über- trieben.)_____ Kleine Kriegsnachrichten. Die Londoner Opfer der Luftangriffe. Aus einer von Reuter veröffentlichten Gegenüberstellung von BerkchrSunfällen. bei denen Periouen zu Staden kamen, mit den durch Luftangriffe verursaiiiten Unsällen geht hervor, daß von Januar bis Oktober d. I. im Polizeibezirk London durch Luflangriffe 191 Personen getötet und 749 Personen verwundet wurden. Die Presse der Bolschewiki. Wie die neueste Nummer der»Aus- landS-Prawda" mitteilt, verfügen die Bolschewiki trotz aller Ber- böte und Unlerdrückungkniaßnahmen gegenwärtig in Rußland über 17 bolschwistisch« Tagesblätter. Ihr Petersburger Organ hat schon fünfmal den Namen wechseln müssen und heißt jetzt„Rabolschqj Pitj". das uns fast in den Krieg mit Argentinien und so zu weiteren schweren Verlusten der Handelsflotte gebracht hätte. Abg. Hruke(U. S): Die AuSiührungen des Abgeordneten Schumann beweisen, datz zwei Seelen in der Brust der Sozialdemokratie dieser Bor« läge gegenüber wohnen. Abg. Schumann ist in der Kommisston mit Emphase für die Vorlage eingetreten, auch als er ihre Trag- weite noch gar nicht hatte prüfen können. Unbegreiflich ist mir, wie er sich der Hoffnung hingeben konnte, daß die I n l e r e i s e n der Seeleute� in Zulunft mehr gewabrl werden würden. Den Antrag der Sozialdemokraten in bezug auf dre Darleben lehnen ro i r a b. Abg. Schumann hat erklärt, seine Freunde würden bei Ablehnung dieses Antrages sich die endgültige Stellung zu der Borlage dorbehallen. d. h. also doch wohl gegen die Borlage stimmen. Da wir nun wünschen, daß die Vorlage abgelehnt wird, so stimmen wir gegen den Antrag(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Gerade die Reeder find die kapitalkräftigsten und internationalsten Kapitalisten. Der Norddeutsche Lloyd und die Hapag find die stärksten Kapitalisten auf dem ganzen Erdball und denen will man mit iolcken Beihilfen ein Geichenk machen! Ein wie glänzendes Geschäft daS für diese Leute ist, beweist die Steigerung ihrer Kurse an der Börse. Mit Subventionen kann man eine Handelsschiffahrt nicht in! Leben rufen. Subventionen fördern nur den Konkurrenzkampf. Wir können auS allen diesen Gründen der Borlage nicht zustimmen,(Bravo! b. d. U. Soz.) Die Debatte schließt:% 1 und§ 3 werden angenommen. Bei Z 8 bemerkt Abg. Waldstein(Lp.) bemerk: gegen den Abg. Henke, die Reeder lärme man unmöglich eine starke Kapiralistengruppe nennen. Keine andere Gruppe habe solche Verlust« durch den Krieg erlitten wie die Reeder. Ten Antrag des Zentrums zu dieiem Paragraphen kann man nicht annehmen. Mau kann nickt ins Gesetz hineinschreiben, eS bleibt einem späteren Gesetz vorbehalten, ob und wie hoch dal Steich an den eventuellen Gewinnen zu be- teiligen ist. Wir beantragen daher eine Fassung, die den Grund- g e danken enthält: was die Reedereien über 8 Proz. an den auf Grund diese! Gesetzes gebauten Schiffen verdienen, muß ans Reich zurückgezahlt werden. Ohne eine solche Bestimmung können wir dal Gesetz nicht verabschieden. UnterstaatSsekretär Dr. von JoncquidreS: Geschenke sollen den Reedern nicht gemacht werden. Die Behauptung des Abg. Henke aber, daß die Reeder große Gewinne gemacht baben und eine Gruppe von Aroßkapitalisien sind, ist durchaus irrtümlich. Such der Antrag deS Abg. Waldslein ist n r ch I annehmbar. Der Haupt- zweck des Gesetzes ist. daß möglichst schnell Schiffe gebam werden. Abg. Stöwe(natl.): Das Gesetz bedeutet keineswegs ein Ge- schenk an die Reedereien, sondern es ist die irorwendige Grundlage zum Wiederaufbau unserer Wirtsekaf:. Wir brauche» die Hau- delSflotte, um die notwendigsten Rohstoffe hereinzubringen. Abg. Stadthagen(Unabh. Soz.) polemisiert gegen die Behau?- tung des Abg. Waldstein, daß die Sozialdemotratre 1LW für die Dampfersubvention gestimmt habe. Diese Behauptung war ebenso unwahr, wie seine Behauptungen auS der Gegenwart über die Lage der Reeder. Tatsache ist, daß eS sich hrer um eine Milliarden- LiebeSgabe für die Reeder handelt.(Sehr wahr! bei den Unabh. Sozialdemokraten.) Abg. Bell(Z.) bittet, es bei den gründlich durchgearbeiteten Beschlüssen de» Ausschusses zu belassen. § 3(Anrechnung de: Beihilfen auf die späteren Entschädigun- gen) wird angenommen. Bon den Zusatzanträgen wird nur der Antrag de« Zeulrums angenommen, eventuell später eine Beterli- gung des Reiches an den Gewinnen der Reeder gesetzlich festzulegen. Den Beihilfen soll der Wert der Schiffe am 3l. Juli 1914 zu- gründe gelegt werden. Wenn aber die kosten der Wiederbeschaf- iung den Friedenswert übersteigen, sollen noch Zuschläge zu den Beihilfen gewährt werden lönnen. Ein Antrag Ablaß und Ge- nassen(Bp.), die Mindestsätze hierfür zu verändern, wird im Hammelsprung mit 128 gegen 115 Stimmen abgelehnt. Angenommen wird der Antrag Antrick und Genossen(Soz.), bei Berechnung der Heuer die Nebenvergütungen in An- rechnung«u bringen. Der Rest des Gesetzes wi:b unter Ablehnung der dazu gestell- len AbänderungScknlräge in der Faffungde r�K o m m i f f i o n angenommen, ebenso die von der Kommission beantragten Resolutionen. Die Tagesordnung rst erschöpft. Nächste Sitzung: Freitag. 2 Uhr.(Kleine Anfragen. Nach- tragZetat.) Schluß: 6 Uhr._ der verfaslungsausschuß ües Reichstags stellt« in der Sitzung an, Donnersrag die Berichte der Abgeordneten Gröber und Haußmann fest. Der Teil des Bericht», der die ministerielle Gegenzeichnung bei der Ernennung der Offiziere behandelt, wurde auf Würrich de« erkrankten Abg. Gröber zurückgestellr. — Zur GeichäfiSordnung stellt Abg. M ü l l e r- Meiningen die An- frage, wie eS mit dem zugesagten Geietzentwurf betreffend Bermehrunz der ReichStagswahllreise stehe: in der Presse sei von dem Wider st and gesprochen worden. den verschiedene Bundesregierungen gegen diesen Gesetzentwurf leisten. Miuisterialdirektor Dr. Lewald erklärt: Der Bundesrat hat sich mit der Borlage bcSyer nock nicht befaßt, aber in den Vorbesprechungen hat sich kein Widerspruch der Bundesstaaten ge- zeigt. Die Vorarbeiten sind im Gange und wir hoffen bestimmt. die Borlage im Anfang des nächste» Jahres an den Reichstag bringe,. zu können. Abg. P a ck n i ck e(Bp.) stellt die Anfrage, ob die Regierung hinter der Pressciireldurrg sieh:, daß die preußische Wahl- rechtSvorlage nunmehr bestimmt Ende Oktober oder Anfang November eingebrockt werden soll. Dr. Lewald versuckt zunächst Kompetenz bedenken gegen diese Frage zu erbeben, die an die preußische Regierung zu stillen sei; so viel er wisse, sei die Zeitungsnotiz halbamtlich verbreitet.— Abg. P a ch n i ck e weist de» Kompelenzeinwurf zurück. Die Frage berührt die dem Ausschuß vorliegenden Gahlrechis- anträge.— Nunmeffr erklärt Dr. Lewald, die Pressenotiz ici offiziös, die Regierung st ehe dahinter.— Auf Wunsch des LusschusteS wird die preußische Regierung ersucht werden, in dre nächste Sitzung einen Vertreter zu entienden. um end" güllige Erklärungen über die Einbringung der WahlrecktSvorlage ,zs geben.— In weitere Verhandlungen konnte der Ausschuß nicht ein- treten, weil die Fraktionen Sitzungen abhalten. Die Harmlosen. Der Vorstand der„Deutschen VaterlandSpartei" hat in einem Rundschreiben an die Landesoereine und Ortsgruppen die Ziele und Aufgaben der Partei klargelegt. Nach dem Kommentar der alldeutschen Blätter liefert dieses Rund- schreiben„den bündigen Beweis, daß die Partei mit innerer Politik nichts zu tun hat". Das wird allerdings fraglich, wenn man gleich zu Anfang folgenden Satz liest: „Tie Deutsche Vaterlandspartei will Stütze und Rückbolt sein für eine kraftvolle Reichsregierung, die nicht in schwächlichem Nachgeben nach innen und außen, sondern in deutscher Standhaftrgie.it und unerschütterlichem Glauben an den Sieg die Zeichen der Zeit zu deuten weiß." Was meint man denn wohl mit„dem schwächlichen Nach- geben nach innen"? Bisher bedeutete das in der alldeutschen Sprache das Nachgeben gegen bie Forderung auf innere Neugestaltung unserer Verfassungsvcrhält. nisse. Im übrigen ist das Rundschreiben sehr vorsichtig abge" faßt. Es sucht die wirklichen Ziele der Partei hinter all�e- meinen vieldeutigen Phrasen zu verbergen, deren Vieldeutig- keit aber für die tatsächliche Beurteilung dadurch ganz belang- los wird, daß alle diese Redensarten von den Alldeutschen seit jeher in ganz bestimmtem Sinne aufgefaßt werden. Besonders vorsichtig drückt sich das Rundschreiben um die Frage der preußischen Wahlrechtsreform herum. Tie Vaterlandspartei nimmt angeblich„keine Stellung zu der preußischen Wahlrechtsreform", sie will aber„verhindern, daß die Erörterungen hierüber zu dem unheilvollen Zustande dauernden Zwistes führen", und verpflichtet deshalb die Mit- glieder.„mit allen Kräften dahin zu wirken, daß bis zum Friedensschlüsse der innere Zwist ruht". Also auf gut deutsch: die Vaterlandsportei tritt für möglichste Verschleppung der Wahl- r e f o r m bis nach dem Kriege ein. Die Art, wie man sich hier harmlos und bieder zu geben sucht, hat wohl ihre bestimmten Gründe. Ter Vaterlands- Partei ist offenbar die sozialdemokratische Jnter- P e l l a t i o n in die Glieder gefabren. Da man die s ch w e- ren amtlichen Beeinflussungen zugunsten der Vaterlandspartei nicht ableugnen kann, worauf wir schon hin- wiesen, so sucht man jetzt der Sache ein möglichst u n- schuldiges Ansehen dadurch zu geben, daß man vor der Oeffentlichkeit der ganzen Bewegung ein recht wenig aggressives Aussehen gibt. Wer eine klein« Sammlung der Reden, die von den Agitatoren dieser Partei bisher in Stadt und Land gehalten worden sind, macht die ganze Maskerade zunichte. Nr. 275* 54. Jahrgang Seilage ües vorwärts Zrettag, S. Oktober 1 Hl 7 Der internationale Gewerksthastskongreß Bern, 3. Oktober.(Schwerzerische Depeschcn-Agentur.) Ob- wohl die gegenwärtig in Bern tageirdc Internationale GeWerk- schastskonferenz sich nur mir rein gewerkschaftlichen Fragen bc- fassen und politische Erörterungen beiseite lassen wollte, gab der Absagebrief des britische» Gewerkschaftsvertreters zu einer politischen Erörterung Anlaß. Die englischen Gewerk- schaften lehnen in diesem Schreiben ab, mit den Deutschen zu ver- hcrrtdeln, solange die deutschen Armeen noch im besetzten Gebiet stehen; serner weil Deutschland den Krieg zu Eroberungszwecken begonnen und das Haager Abkommen durch den Unterseebootkrieg, Versenkungen von Hospitalschiffen und durch andere Grausamkeiten verletzt habe. Bauer, Mitglied der Gencralkommission der deutschen Ge- werkschaften, wies die englischen Vorwürfe energisch zurück. Deutsch- land führe noch heute Krieg, nicht um Eroberungen willen, sondern zur Verteidigung seines Bodens. Ein Frieden ohne Annexionen und Vergewaltigungen könne jederzeit geschlossen werden, wenn die Entente auch auf Vergewaltigungen verzichten wolle. Das tue sie aber nicht und würde darin bis jetzt leider noch von den Sozialisten der Ententestaaten unterstützt. Bauer bezeichnete es als u n s o- zialistisch, ein einzelnes Volk für den Krieg ver- ontwortlich machen zu wollen. Ebenso sinnlos sei der den Deutschen gemachte Vorwurf der Grausamkeit. Ter Krieg selbst sei grausam, man brauche nur an Englands Vorgehen in Indien und Transvaal, sowie an den Baralong-Fall zu erinnern, um sich darüber klar zu werden, daß Enoland keinen Anlaß habe, sich über di« Grausamkeiten von anderen zu bc- klagen. Ter Hungerkriog Englands gegen deutsche Frauen und Kinder sei die erste und schwerste Verletzung der Haager Konvention in diesem Kriege. Die Paßverweigerung seitens der En- tenteregierungen nannte Bauer eine Sklaverei, die sich die beut- scheu Sozialisten nicht hätten gefallen lassen. Die deutschen Gewerk- schaften nuißten es ablehnen, etwa die militärische Verteidigungskraft Deutschlands zu lähmen, wäh- rend die Entente-Sozialisten die Eroberungssucht ihrer chauvinisti- schen Regierungen unterstützten. Es wurde eine aus vier neutralen und drei Vertretern der Mirtelmäcbte bestehende Kommission gewählt, um eine Resolution über di« Stellungnahme der Konferenz zu dem englischen Schreiben festzusetzen. Die der Kommission vorgelegte Resolution lautet: „Die Internationale Konferenz bedauert sehr, daß es den Vertretern der französischen Gewerkschaften durch ihre Regierung unnröglich gemacht wurde, in Bern zu erscheinen. Sie nimmt Kenntnis von dem Schreiben der britischen Ge- werk schaftszentrale, durch welches diese das Fernbleiben ihrer Vertreter begründet. Diese Ablehnung der Teilnahme an der Konserenz erscheint ihr unverständlich, weil sie im Widerspruch steht mit den Bundcsbcstrebungen und den Zielen der internationalen Arbeiter- und Gewer?» schaftsbewegung. Die Konferenz betrachtet sich nicht als zuständig, über die Frag« der Mitschuld der Völker und ihrer Re- gicrungen am Kriege und dessen Begleiterscheinungen zu urteilen und geht deshalb über das Schreiben der britischen Geiverkschaften zur Tagesordnung über, indem sie dem heißen Wunsche Ausdruck gibt, es möchten in allen Ländern die Führer und Massen des orga. visierten Proletariats mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln auf einen baldigen Friedensschluß hinwirken." Diese Resolution wurde nach längerer Debatte mit allen gegen die Stimmen der Ungarn angenommen, die eine eigene Resolution mit stärkerer Betonung der notwendigen Friedensaktion auf Grundlage des Klassenkampfes gefordert hatten, welche Resolution abgelehnt worden war. Der schwedische Delegierte L i n d q u i st hatte namens der ge- samten skandinavischen Delegation die Resolution empfohlen, hätte ober gewünscht, daß das Mißvergnügen der Konferenz über das Fernbleiben der Engländer und Amerikaner schärfer zum Ausdruck gelangt iväre. Zu einer lebhafte» Erörterung kam es bei der Behandlung der Frage der Verlegung deS Sitzes des Internationalen GcwrrkschastSbundcS von Berlin nach einem neutralen Lande. Die schweizerischen Delegierten hatte den von den Franzosen aus- gedrückten Wunsch nach Verlegung des Sitzes zu dem ihrigen ge» macht. Die Schweizer drückten ihre Befürchtungen ans, daß im Falle eines Verbleibens des Sitzes in Berlin eine Spaltung in der internationalen Gewerkschaftsorganisation eintreten könnte. Die Kommission, die diese Frage prüfte, schlug dagegen folgende von dem Dänen Hansen begründete Fassung vor: Die Konferenz lehnt die Frage einer Sitzver- legung grundsätzlich nicht ab. Die Umstände, unter welchen die Verlegung deS Sitzes des internationalen Gewerkschafts- bundes verlangt wird, sowie die Abwesenheit des ursprünglichen Antragstellers selbst veranlassen jedoch die Konferenz, die B c- schlußfassung über eine so wichtige Frage der Organisation zu vertagen und der nächsten Konferenz vorzulegen. Um aber di« internationale Verbindung unter den dem Bund ange- schlossenen Landesorganisationen aufrecht zu erhalten, bestätigt die Konferenz die Zweigstelle in Amstcvdam und beauftragt sie, ihre bisherige Vermittlirragsarbeit fortzusetzen und auszubauen. Die Konferenz erwartet weiter, daß die Landesorganisationen alleS daransetzen, daß die heute noch vorherrschenden Differenzen, die nur durch den Krieg entstanden sind, sobald als möglich beseitigt werden und Einigkeit herbeigeführt wird. In der Erörterung über diese Resolution erklärte unter an- dcrem der Holländer Fimmen, die Engländer und Ame» rikaner würden auch dann nicht kommen, we�n der Sitz in ein neutrales Land verlegt sein würde, sie hätten schon immer eine nur sehr bedingte Zugehörigkeit zur Internationale gezeigt, dagegen habe Jouhaux, der Führer der französischen Gewerkschafter, sich bereit erklärt, an einem GeWerk- schaftskonyreß teilzunehmen, ohne die Schuldfrage zu erörtern und sich lediglich auf die eigentlichen Gewc r k s che fts fragen zu beschränken. Die Verlegung des Sitzes würde einem Mißtrauensvotum gegen- über den Deutschen gleichkommen, das-die neutralen Gewerkschaften nicht wünschen, da sie mit der Leitung seitens der Deutschen voll- ständig zufrieden seien. Ter schweizerische Nationalrat Greulich erklärte, er könne die Haltung der deutschen Gciverkschafter ihrer Regierung gegenüber nicht verstehen, man müsse auf die Men- talität der Ententegewerkschafter Rücksicht neh- m e n, die nun einmal das Vorgehen Deutschlands gegen Belgien nicht verschmerzen können. Die Deutschen sollten frei» willig aufdie Geschäftsführung verzichten und der jetzigen Zweigstelle in Amsterdam die provisorische Leitung über- tragen, bis ein neuer Kongreß die Frage endgültig regeln werde. Brey wandte sich energisch gegen Greulich, dem er vorwarf, daß er die Gegensätze verschärfe, statt daß er helfe sie zu mildern. Wenn Greulich behaupte, die deutschen Sozialisten hätten ihren Standpunkt in der Vertretung der Interessen der Arbeiterschaft gegenüber der Regierung während des Krieges geändert, so brauche er sich nur an die deutsche Regierung zu wenden, um zu erfahren, daß dies falsch ist. Die deutschen Gewerkschafter hätten immer wieder ihren Klassengenosscn in den Ententeländern die Hand entgegengestreckt, diese hätten nicht nur darauf gehauen, sondern sogar hineingespuckt. Die Geduld der deutschen Arbester habe auch einmal ein Ende. Der Oesterreicher Hueber wies darauf hin, daß, obwohl in Stockholm Brantiitg und andere ententefreundliche Sozialisten die Vorbereitung zur Konferenz in der Hand gehabt hätten, die Eistentevertreter doch nicht gekommen seien, wohl aber seien Schcidcmäimer erschienen. Bei der Abstimmung wurde die Entschließung der Kommission mit allen Stimmen gegen die der Schweizer an» genommen. StaStverorönetenversammlung. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 5(4 Uhr. Die Vorlage betr. Gewährung von besonderen Teuerungszulage« neben den Kriegszulagen ist in einem Ausschüsse vorberaten war- den. Dieser hat die Magistratsvorschläge dahin abgeändert, daß die Zulage von 1000 M. allen Beamten und Angestellten, einschließ- lich der Magistratsmitglieder, mit Gehältern von 7000 bis 14 WO Mark zuteil werden soll; 900 M. soll die Zulage für die Gehälter von 5000 bis 7000 M. betragen(unveräicdert nach der Vorlage); die Stufen von 3000— 5000 M. sollen um je 00 M. mehr Zulage erhalten, d. h. 780 und 0OO M.(Vorlage 720 und 540). Außerdem soll der Magistrat prüfen, inwiefern lue Lage der Pensionäre die Gewährung einer allgenieiucn TcuerungszulaNe notwendig er- scheinen lägt. Stadtv. Cassel(Linke) befürlvortet die Annahme dieser Ver- besserungen und die Ablehnung der eingegangenen vier weiter- gehenden Anträge. Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) referiert über die dem Ausschuß gleichfalls überwiesene Mitteilung des Magistrats wegen Erhöhung der Vergütungssätze für Hilfskräfte. Stadtv. Brückner(Soz.): Die Erhöhungen, die der Ausschuß empfiehlt, erkennen wir als Verbesserungen der Vorlage an, wir beharren aber auf dem grundsätzlichen Standpunkt, daß allen Kategorien eine einheitliche, gleichmäßige Zulage von 750 M. gewährt werden sollte. Das Richtigste wäre eine durchgreifende Reform der Bezüge aller Angestellten und Arbeiter, wie sie schon vor dem Kriege gefordert worden, aber durch den Krieg vereitelt worden ist. Die Lohnverhältnisse der Arbeiter sind noch fast durchweg unbeftiedi gend. Die Bezüge der Arbeiter aus den Rieselfeldern, der Riesel' Wärter sind nur ganz unzulänglich gesteigert worden. Gleiches gilr von den Arbeitern auf den Steinplätzen, von den Pariarbeitern, den Arbeitern auf den Friedhöfen. Hier muß der Magistrat mit einer Aufbesserung vorgehen. Die Lage der Ruhegcldempsänger wird ja allgemein als ungünstig empfunden. Der Ausschußantrag dazu ist zu verschwommen; wir beantragen, den Magistrat um eine Vorlage zu ersuchen, welche den Pensionären mit Bezügen unter 2000 M. eine Zulage zuspricht. Mit dem Ausschußantrag könnte es dahin kommen, daß der Krieg zu Ende ist, ehe sie etwas zugelegt bekommen. Bei den Hilfskräften findet in den städtischen Verwal- hingen ein unausgesetzter, der Erledigung der Arbeiten höchst nach- teiliger Wechsel statt, dem mir durch Erhöhung der Bezüge gesteuert werden kann. Hier muß eine Steigerung nm durchschnistlich 1 M. täglich erfolgen. Wir bitten dringend um Annahme dieser unserer Anträge. Der Ausschuß hat die Hilfskräfte in den Brotkommissionen der Berücksichtigung empfohlen; dann mutz ober auch den Hilft. kräften in den KriegSuntcrstützungSkommissioncn das Gleiche zuteil werden. Stadtv. Hiutzc(Unadh. Soz.): Bei der jetzigen Rationierung der Lebensmittel ist ein einheitlicher Betrag der Teuerungs- zulage das einzig Zloeckmäßige. Tie Sätze für die Hilfsarbeiter bitten auch wir, durchgehend um 1 M. weiter zu erhöhen. Stadtv. Mommie»(Fr. Fr.) schließt sich Cassel an. In der Frage der Pensionäre müsse der Staat vorangehen. Mtt der vom Magistrat beschlossenen Erhöhung der Sätze für die Hilfskräfte könne man sich einstweilen begnügen. Stadtv. Zubcil(Unabh. Soz.) unterstützt di« Ausführungen Hintzcs und tritt für die Aufbesserung des Loses der Pensionäre ein. Stadtrat Frantz bittet namens des Magistrats, alle über die Ansschutzaniräge hinausgehenden Amendements abzulehnen. Die Arbeiierorganisattone» sehe der Magistrat als berechtigt an, namens der Arbeiter mit den städtischen Behörden zu verhandeln; etwas anders liege es mit den Angestellten. Stadtv. Dr. Wetzl(Unabh. Soz.): Auch einer Augestellten kaie- gorie dürfe der Magistrat nicht vorschreiben, wie sie sich ihrer Or- ganisation bedienen wollen. Das sei ein Raub des Koalitionsvechts. Die Anträge Brückner betr. die einheitliche Zulage werden abgelehnt. Die Ausschußvorschläge finden eine große Mehrheit, auch die Resolution betr. die Pensionäre. Die von den Sozial- dcmokraien vorgescklagcne Resolution, den Magistrat zu er- suchen, denjenigen städtischen Arbeitern, die bisher keine oder nicht genügende Teuerungszulage neben der allgemeinen Krieg»- zulagc erhalten haben,«ine Ausbesserung zu gewähren, die sie den Arbeitern der übrigen Betriebe gleichstellt; Personal der Kranken- anstatten, des Obdachs, der Rettungsstellen, Arbeiter der Stein- Plätze, Rieselfelder, Friedhöfe und der Parkverwaltung), bleibt gleickifalls in der Minderheit. Der Aittrag Heimann betr. die Reform des Gemeinde- Wahlrechts wird auch heute abgesetzt, er soll über acht Tage zur Beratung kommen. Die Vorlag« wegen Bewilligung von 60 000 M. zur Durchführung der dem Kricgsausschusse zum Schutze aussichts. loser Kinder gestellten Aufgaben wird nacb kurzen Bcmerkun- gcn der Stadtvv. Dr. R o s e n f c I d ftlnabh. Soz.) und Bruns (Soz.) angenommen, der Antrag Rosenfeld, daß in dem Kricgsausschusse auch eine Vcmretung der Stadtverordnetenversammlung vorhanden sein soll, abgelehnt. Beim Vorm-undschaftsamt der Stadt Berlin plant der Ma- g istrat die Einrichtung einer städtischen Fürsorgeftelle für ledige Schwangere. Stadtv. Bruns(Soz.) begrüßt die Vorlage als einen sozialen Fortschritt. Wenn für die Eindämmung der Säuglingssterblichkeit in Berlin auch viel geschehen fei, so sei diese doch immer noch sehr hoch. Man müsse neben den unehelichen Müttern auch die minder- bemittelten ehelichen Mütter nicht vergessen und nach Wegen suchen, wie auch diesen hilfreiche L>and geboten werden könnte. Stadtv. Leid(Unabh. Soz.): Schon vor 25 Jahren wurde eine durchgreifende Schwangerenfürsorge gefordert. Heute erfolgt aus diese Forderung eine erste Abschlagszahlung. Nach kurzer weiterer Debatte wird dem Magistratsvorschlag zugestimmt. Zur Versorgung derBerliner Bevölkerung mit Brennholz für den Winter 1917/18 ersucht der Magistrat um einen Kredit von 2 Millionen Mark. Stadtv. Hinte(Unabh. Soz.): Mit 2 Millionen bei einem Preise von 40— 50 M. pro Kubikmeter kann nicht viel Holz erworben wer- den. Bei der Kohlenzuteilung fehlt immer noch eine einheitliche Regelung. Wie steht es mit der Nutzbarmachung des Steuernach- lasse- bei den Kohlen für die ärmere Bevölkerung? Stadttat Löhning: Die Verhandlungen darüber schweben zwischen Städtetag und Reichsschatzamt»och. Die einheitliche .Kohlenverteilung ist im Gange; die erste Koblenkarte wird bis Januar voll beliefert sein. Der Kredit von 2 Millionen Mark ist nur em vorläufiger, er wird später erhöht werden müssen. Stadtv. Hinbc: Berlin sollte nach dem Vorgang anderer Städte eine Stelle errichten, um den Vorteil des KohlensteuernachlasseS für die ärmere Bevölkerung nutzbar zu machen. Die zwei Millionen werden bewilligt. Die„Soziale Arbeitsgemeinschaft Berliu-Ost" betteibt in Ahl- deck ein Erholungsheim für Berliner Frauen und Kinder. Sie hat den Magistrat um eine Beihilfe von 8000 M. gebeten, die dieser zu bewilligen beantragt. Stadtv. Woldcrsky wünscht nähere Aufklärung über die Ver- ciniguirg, die einseitig konfessionell gefärbt scheine, sonst müsse seine Partei die Forderung ablehnen. Stadtv. Dr. Wcnl: Nach unfern privaten Jnsormätionen ist letzteres nicht der Fall. Wir sind für die Bewilligung der übrigens längst ausgegebenen 8000 Mark. Nach weiteren Ausführungen des Stadtschulrats Dr. Fischer und des Stadtv. Dr. L e v y II(Linke) zieht Stadtv. Woldcrsky fernen Einspruch zurück; die Bewilligung erfolgt. Schluß 8 Uhr. Mehr nicht! Die BerlinerStadtverordneteuversamm- l u n g beschloß gestern über die neben den Kriegszulagen zu gewährenden Teuerungszulagen für Beamte und Festangestellte der Stadt und nahm Kenntnis von den er- höhten Vergütungssätzen für Hilfskräfte. Der Ausschuß hatte die vom Magistrat beantragten Teuerungszulagen in einigen Punkten erweitert, wobei er auch sehr hohe Gehaltsstufen noch einbezog. In der Vollversammlung versuchte die sozial- demokratische Fraktion, noch etwas mehr für die Schlechtbezahlten herauszuholen. Sic forderte eine weitergehende Erhöhung der Vergütungssätze für Hilfskräste und baldigste Einbringung einer Vorlage zur Aufbesserung der geringeren Ruhegelber. Genosse Brückner, der die Anträge der Fraktion begründete, betonte auch die Nottvendig- keit einer durchgreifenden Ausbesserung der Bezüge aller Ange st eilten und Arbeiter der Stadt. Die zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei gehörende Gruppe, vertreten durch ihre Redner Hintze,ZubeiI und Dr. Wehl, unterstützte die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion. Für den Magistrat erklärte Stadtrat Franz, man könne über die Beschlüsse des Ausschusses nicht hinaus' gehen— und das war auch die Meinung der Freisinnigen. In der Abstimmung wurden von ihnen alle Anträge der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt. Auch eine von ihr beantragte Entschließung wegen einer Teuerungszulage für bestimmte, bisher wenig oder gar nicht berücksichtigte Ar- beitcr fand nicht Gnade vor den Augen der Freisinnigen. Sie erklärten sich in allem einverstmiden mit den Vorschlägen des Ausschusses und hielten die vom Magistrat festgesetzten Vergütungen der Hilfskräfte für ausreichend. Den Ruhegeld- empfängern wurde durch Annahme einer vom Ausschuß empfohlenen Entschließung nichts weiter als eine Prüfung ihrer Lage hinsichtlich etloaiger Notwendigkeit einer Tcuc- rungszulagc in Aussicht gestellt. Die Brotversorguug im neuen Wirtschaftsjahr. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß das Ergebnis der im Augttst vorgenommenen Ernteftbätzung die weitere Streckung unseres Brotgetreides notwendig macht, wenn die jetzige Brotration das ganze WirttchaftSjabr hindurch aufrechterhalten werden soll. Glücklicherweise sei die Kartoffelernte gut, so daß die Streckung durch Kartoffeln erfolgen könne. Da aber alte Bor- räte von Tiockenkartoffclpräparaten nicht vorhanden sind, kann die Streckung des Brotes mit Kartoffelmehl all- gemein erst vom 1. Februar 1918 au erfolgen. Ms zum 1. November dieses Jahres ist eine Streckung überhaupt nicht in Aussicht genommen. Bis dahin wird die jetzige Mehlration von 220 Gramm pro Kopf und Tag weitergegeben. In der Zeit vom 1. November bis 1. Februar werden den Gemeinden Frischkartoffeln in einem Umfang zur Verfügung gestellt werden, die eine Streckung der Mehlration von 200 Gramm um 10 Proz. ermöglichen, womit die Ratton der ersten beiden KriegSjahrc wieder hergestellt wird. Falls eine Gemeinde eS vorziehen sollte, diese Streckung nicht vor- zunehmen, die Kartoffeln vielmehr direkt zu verteilen, so soll sie zu einer Erhöbung der Kartoffelwochenrate berechtigt sein, die dann etwa l'/z Pfd. pro Kopf und Woche betragen würde. Die Ausmahlung des Getreides von 94 Proz. muß vorläufig beibehalten werden. Wenn die Ernteschätzung, die vom 20. Sep- tembcr bis 5. Oktober vorgenommen wird, ein beffere» Endergebnis der Getreideernte ergeben sollte, so wird der Mehrertrag nicht zu einer Erhöhung der Mehlratiou, sondern zu einer Verringerung der Ausmahlung benutzt roerden, durcb die einmal die Qualität des Brotes wesentlich verbessert und gleichzeitig die so notwendige Kleie als Futtermittel für die Landwirtschaft gewonnen würde. Unverständige Obst-Preispolitik. Die starken Aepfel- und Birnenzufuhren in Groß-Berlrn, die die letzten Tage gebracht haben, haben zur Folge, daß nicht alles Obst abgesetzr werden kann. Die Gemcindcu und Magistrate erlaffen daher an die Bevölkerung Mahnungen, diese günstige Ge- legenheit zu benutzen und so viel Obst wie möglich einzukaufen und zu verwerten. So macht der Lichtenberger Magistrat bekannt, daß, falls das für Lichtenberg eingetroffene Obst nicht mehr abgesetzt werden kann, es nach außerhalb abgegeben werden muß. Unseres Erachtens sollte man die Benutzung der.günstigen Gelegenheit" vor allem dadurch zu fördern suchen, daß man die Ob st preise wesentlich herabsetzt. ES liegt wirklich nicht an dem bösen Willen der Groß-Berliner Bevölkerung, wen» das vorhandene Obst nicht abgesetzt wird. Viele Tausende würde» gern einkaufen, aber die unerschwinglichen Preise machen es ihneu schlechterdings zur Unmöglichkeit. Wie die maßgebenden Stellen indeffen über diese von uns wiederholt vorgeschlagene Preispolitik denken, zeigt eine Mitteilung, die uns soeben von zuständiger Seile zugebt. Danach ist die das , Edelobst" umfassende Gruppe I für Aepfel und Birnen er- wettert worden. An Acpfeliortcn sind außer den bereits fest- gesetzten Sorten für die Mark Brandenburg der Prinzenapfel und der Pommcrsche Kurzstiel, an Birnen die Pastorenbirne aufgenommen worden. Weitere Sorten haben für die einzelnen Regierungsbezirke Aufnahme gefunden. Aebnliche Erweiterungen der Gruppe I find auch in anderen Provinzen und Bezirken erfolgt. Außerdem tritt für alles Obst, das beim Erzeuger lagert, vom 1. November ob ein Zuschlag von 10 Prozent in Kraft, durch den die Lagerkosten und der Schwund bei der Einlagerung des Obstes gedeckt werden sollen. Dieser Zuschlag beträgt von den Höchstpreisen vom 16. Dezember ob 16 Proz.. vom 16. Januar 1918 ab 26 Proz., vom 1. Mörz ab 35 Proz. und vom 1. April ab 60 Proz. Wenn diese Praxis konsequent weiter verfolgt wird, dürfen wir darauf gefaßt sein, daß schließlich auch die Pferdeäpfel als Edelobst gewertet werde«. Höchstpreise für Gänsefleisch. Beim Veikouf von frischem und gepökeltem Gänsefleisch br. Er hat ohne Zweifel gewußt, daß Frau Jakobq in, Besitz von Geld und Geldes- wert war. �«»weihnng der Brandenbnrgischen Hebammen- lehranstalt in Sieukölln. Die von der Provinz Brandenburg aus Anlaß dcS 2öjährigen RcgierungSjubiläumS des Kaisers beschlossene Provinzial-Heb- ommenlehranstalt und Frauenklinik, die auf. einem von der Stadt Neukölln geschenkten 13'/� Morgen großen Gelände am Marien- dorfer Weg errichtet und' bereits seit Juli in Betrieb genommen worden ist, wurde gestern nachmittag 4 Uhr in Anwesenheit der beteiligten Staats-, Provinzial- und städtischen Bebörden und Körperschaften in schlichter Feier erngeioeihl. An die Eröffnungs- seier schloß sich ein Rundgang durch die schönen und weilen Räume die 342 Elwachsene und 130 Säuglinge aufnehmen kann und eine neue Sehenswürdigkeit Neuköllns bildet. Die an einer Biegung deS Mariendorfsr Weg im Süden Neuköllns schräg gegenüber der im vorigen Jahre eröffneten Könipl. Taiibstummenlcbranstalt günstig gelegene neue Provinzialanstalt ist anS drei, durch überdeckte Gänge miteinander verbundenen Ge- bäudeir zusammengesetzt, dem Verwaltungsgebäude, dem lang- gestreckten Entbrndungsheim in der Mitte und dem Direkrorwohn- hauS; hinter diesem erhebt sich als besonderer Bau die Wä'chcrei und daS Kesselhaus. Einen freundlichen Schmuck der stattlichen Gebäude bilden die farbigen Majolikareliefbilder, die teilweise in launiger Tarstellung Hebamme» der alten und neuen Zeil zeigen und die moderne Säuglingspflege versinnbildlichen. Neukölln. Kartoffelversorgung. Wegen umfangreicher Zu- führung von Kartoffeln hat der Magistrat sich veranlaßt gesehen, eine einmalige Karroffelration von 14 Pfund je Kops mit der Maß- gäbe auszugeben, daß diese Ration auf spätere Kartoffelkaricn in Anrechnung gebracht wird. Ter Magistrat empfiehlt, von diesem BezugSrechte in umfangreicher Weise©«brauch zu machen, weil bc: der zu crwartenden geringeren Zufuhr die Versorgung der Be- vclkerung nicht gcwährieister ist. Die Kleinhändler sind ver- pflichtet, einen angemessenen Vorrat an Speisekartosseln zu halten, um die Kundschaft' voll befriedigen zu können. Kleinhändler, welche diese Verpflichtung nicht erfüllen, sind im Bureau der Kartoffel- Versorgung, RarhanS, Zimmer Nr. 142, namhaft zu machen. Johannisthal. Von der Gemeindevertretung wurde der Antrag der Gemeinde Niederschöneweide auf Erhöhung des GaSpreiseS nicht genehmigt. Der biesige Prei« jür Leuchtgas beträgt zurzeit 16 Pf., für Kochgas 10 Pf., wer jedoch nur einen Gasmesser hat. muß für beide Gasarten 16 Ps. zahlen. Das Angebot der von Trützichler- scheu Elben auf Veräußerung ihres gesamten im hiesigen Orte be- legen«« Grundbesitzes wurde angenommen. Der Besitz hat«ine Größe von 5'/, Morgen niit Villa, die mit verhältnismäßig geringen Kosten zu sieben Schulllaffen helgcrichtet werden kann. Der Kauf- preis beträgt 110000 M._ Friedrichshagen. Lebensmittel. Heute gelangt auf Abschnitt 51 der Lebensmittelkarte Grieß zur Ausgabe. Aus jede Karte ent- fallen 125 Gramm zum Preise von 15 Pf. Nowawe?. Lebensmittel. Auf Kartenabschnitt 11 der Lebens- mittelkarie sindel die Ausgabe von Bouillonwürfeln statt. Die Karteninhaber müssen beute den Abschnitt 11 bei dem Kleinhändler abgeben, von dem sie die Ware zu beziehen wünsche». Täglich findet in der Turnhalle in der Scharnhorststraße der Verkauf von Obst statt. Groß-Serlmer partemachrichten. Unabhängige Werbemethode. Ein Mariendorfer Parteigenosse schreibt uns:„Mein� Frau halte sich seit der Spaltung nicht mehr um daS Parleileben gekümmeri und gab. als vor einigen Wochen ein Kind kam. um unter einem Vorwand das Mitgliedsbuch zur „S. P/D." abzuholen, dieses ohne augenblickliche Bedenken mit. Ich vermutete, daß die.Unabhängigen' ihre Hand dabei im Spiele bärten und sollte darin auch recht behalten. Dieser Tage ging meiner Frau das Mitgliedsbuch per Post wieder zu. Das Eigen- tum der ,S. P. D.' war nun durch Stempel mit der Firma„Un- abhängige sozialdemokratische Partei Deutschlands" versehen, auf dem Teckel war folgende Notiz aufgeklebt:„Daß Sie das Buch abgaben, erklärt, daß Sie zu un«. zur N. S. P. D. gehören und möchte ich Sie nur bitten. »tun auch mal wieder Interesse an unserer Arbeit zu zeigen, indem Sie sich mal auf unseren Ver- an staltungen sehen lassen. Freundliche Grüße! Joh. Goede, Königstr. 13.' Selbstverständlich wird jeder denkende Genosse solche Zwangs- anwerbungen wieder rückgängig machen. Mitglieder aber, die sich durch derartige Methoden wirklich einsangen lassen, sind für die neue Partei kein Gewinn. �US alier Weit. St>»rmkatastrophe in Japan. Ein Taifun(Wirbclsturm) von nie dagewesener Stärke hat Tokio Montag ai» frühen Morgen verheert. Hundert- tausend Menschen sind obdachlos, hunderte wurden getötet, verletzt oder werden vermißt. Dazu werden aus Tokio noch folgende Einzelheiten ge- meldet: Bei dem Taifun, der vier Stunden dauerte, wurden 138 Personen getötet und 158 verletzt. 211 Personen werden vermißt. 1346 Häuser wurden zerstört, 2098 beschädigt. Der Telegraphen- und der Eiscnbahndienst sind gestört. In der Provinz ist noch größerer Schaden angerichtet worden als in der Hauptstadt. Nach einem Telegramm aus Osaka wurde eine Anzahl Dörfer durch angeschwollene Flüsse überschivemnit. Man särchte, daß eine große Anzahl von Menschen um- gekommen sei. Die Reiöcrnte habe schwer gelitten. Gctreiteschieber. In Posen verhafteten Beamte des Kriegs- wuchcramteS wegen veriuchter Gctreideschiebungcn den Chemigraphen Stanislaus Brozozowski, den Kaufmann Tschudin, den Kaufmann Waldemar W a r d a, sämtlich aus Posen, und den Kauf- mann Siegfried Schwabe aus Berlin, Ansbacher S». 7. Fcuersbrunst in Baku. Infolge dcS Bruches einer elektrischen Leitung brach»r einem Naphlhabehälter ein heftiger Brand au«. DaS Feuer griff auf andere Behälter über. Mehrere Millionen Pud Naphiha stehen in Flammen. Eingegangene Vruckschristen. Russische Kriegsgefangene über ihre Eindrücke in Deutschland Herausgegeben von der Schcistleitung des.Russischen Boten". 75 Pf.— 23. Meyer, Berlin. veuttchii' Metsllsi'deltei'- verbsnä. Verwaluingestella Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Dreher kau! Hering Finnländische Str. 16 am 1. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. Oktober, nachmittag» 3 Uhr, von der Leichenhalle de« Georgen- KirchhoseS in Wcigensce, Sllölckestr. 142-150. au» statt. Reg« Beteiligung wird er- wartet._ Xaehrnf. Den SM gliedern ferner zur I Nachricht, daß unsereKollegin, I die Melalla.betterin Lina Himberg Buttmannstr. 6 am 10. August gestorben ist. j Ehre ihrem Zlndenken! 182/16 vi» Ortmrwaltung Verband der Galt- und SdianHwIrtc Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern z urNachricht, bah der Kollege Xaver Lauer Bodstr. 30, Bezirk 2. Verstorben ist. 150/15 Tie Beerdigung findet heut« Freilag, den 5. Otrober, nachmittags 4 Uhr, auf dem asten PauiS-Kirchhos statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag die Frau de« Kollegen Kuth, Berta geb. Witt MichaeMrchstr. 29», Bez. 6, verstorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. Ot- tober, nachmittag» 2 Uhr, von der Hall« de» Zentral-Fried- hos» in Fricdnchssetde aus statt. Um reg« Beteiligung er. sucht Die OrtSverwaltung. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zwelgvcreln Berlin. Bezirt Moabit. Am 2. Ottober starb unter Mitglied, der Hilssarbeiter Ernsl Krfiger. Die Beerdigung findet heute nachmillag g>/, Uhr von der Halle des Johannis- KirchhoseS in Plötzensce auS statt. Am gleichen Tage starb da« Mitglied, der Maurer frieSricli Beilack Bezirk Eharlollenburg. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachm. 2'/, Uhr, von der Halle de» Gemeinde- Friedhoses, Fiirstenbrunucr Weg, au» statt. Ghrc ihrem Nudenkeu! 147/4 Der Vorstand. Am Montag, den 1. Ok- II ober, entschlies nach kurzem, I schwerem Leiden im Alter I von 56 Jahren mein lieber j Bruder, unser tzutcr Schwa- i ger, der Schneider lAnloni Oiszewski. Im Namen der Hinter- bliebenen kSaHo Brzcsekowiak geb. Olszewekl. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. Oktober, nachittagS 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Michael- Kirchhofes, am Mariendorser Weg, aus statt. bSSo Deutscher rransportardeUerverband. Bczirksoerwalt. Grog. Berlin Rachrnse. Den Mitgliedern zur Nach- richt, dag unser Kollege, der Bodenarbeiter Karl Vikurn am 23. September im Aller von 53 Jahren verstorben Ist. Den Mitgliedern serncr zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Goitlieb Tombach am 27. September im Alter von 62 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Bis Berlrlisreneeltiing. 3» ! WM- MemWkW! verlangen Sie GartiSbroschüre Dr. Giebbard dt Cle.,* Salin, Halleschestrage 23». WWel verschiedene Hefte da» Stück 20 pfg. Z» beziehen durch Buchhandlung vorwärts Berit» SB, CinDtusfr. 3 Deutschland braucht Wimer, die lähig sind, an dorn j croCon wirtachafUichen Wottstreitteilzunehmon, der eine unbedingte Folge des Weltkrieges sein muß und eine tiestrreifendo Aonde- rung unseres gesamten wirtschaftlichen Lebens herbeiführen wird. Uobor- ail werden gebildete und leUtungsiähige KEitarheiier sein. Beamte, Lehrer, Angestellte des Handels und der Industrie sollton nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu troffen. Bas beste 51 itteß rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten. die Einj.-Froiw.-Prüfung u. das Abitur.-Examen nachzuholen oder die fehlenden kau/männ. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortreffliche Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die Selbstunterr-Methode„Ruelin". Ausfiihrl. SO S. starke Broschüre kostenlos. (lonneiss&. llachfcld, * Potsdam. Postfach 224. Mitbürger! Wer mit uns die hohe Säuglingssterblichkeit in Deutschland bekämpfen will, der zahle auf unser postfthecktonto 2SH79 „Deutschlands Spende für Säuglings- und Kleinkinderschutz Berlin W 8" Postscheckamt Berlin dAV 7 ein. Spenden, auch öie kleinsten Gaben werben bis zum 15. Oktober entgegengenommen. y � Spezial-Arzt Dr. med. Raedicke Ham-.Haut-, Oescblechtsld., S>phil.(Bebaadlungsd.12 T.). Blutunters. Ehrlich- Hata- (Salvajsan-)K.Mod.,schmerz- ioseBfchandlo. Berufstörung. - JläCigePreisa.Teiizahlung- Friedrlelistin-irÄS 11—1, 3—7, Sonntags 11— 1. Vekanntmachnng über die einmalige Ausgabe einer Kartvffelration von 14 Pfund je Äopf. In den letzten 3 Togen find wir so umsangreich mit Kar- löffeln beliescrt worden, daß wir Veraiuafiung baden, eine vor- zeilige Verteilung derselben vorzunehmen. Jnsolgedessen wird neben der allgemeinen durch Bekanntmachung vom 29. Sep- lember d. I. geregellcn Kartoffelversorgung je Kopf eine ein- matigc Kartonelratton von 14 Pfund, deren Anrechnung wir un» jür einen späteren Zeitraum vorbehalten, vom won»- abend, den 6. d. Mts.. ab ausgegeben werden. Die einninltge Ration von 14 Pfimd je Kops loird von den Kartofieiklemhänd- lern gemäß der ausgelegten Kundenlist- gegen Abgabe des Ab- schnitte» 62 der Neuköllner Lebeiismiueirarte stattfinden. Wegen der eingesührtcn Babnsperre können wir keine Gewähr dafür übernehmen, ob in den nächsten 14 Tagen die regelmäßige Kar- tofseibclicseruiig sorigesetzt werden-an». Air raien daher unserer Bcvölleruug dringend, von dem BezugSrechte wcitgehendst Ge- brauch zu machen, um so mehr, als cS un» nicht möglich ist, denjenigen Bürgern, welche von dem BezugSrcchle keinen Ge- brauch gemacht haben. Kariofieln nachzuliescrn. Die Kleinhändler, bei denen eine Aarloficltundcnlijle auigelegt ist. werden dringend ersucht, fich mit einem hinreichende» Kartosseivorrat.auSzuftaltcn, damit dl« Abweisung von Kunden nicht stattfindet. Gegen Klein- Händler, über welche Beschwerden wegen sichtender Kartoffeln erhoben werden sollten, sehen wtr unS veranlagt, mit Entziehung der Karlofieibelieserung und Verlegung der Aarwficrtundenliile vorzugehen Die abgenommenen LebenSmitleltarlenobschnille sind von den Kleinhändlern bei der Abrechnung im Bureau der Kartosfelversorgunz vorzuigen. StenttUn- den 4. Oktober 1917. Der Magistrat. »riegenotstandSkommisfio« Ml»? Gemüse! Die Norddeutsche Gemüse- bau-tScnosfruichas»(GeschäjtS- stelle Bertin tzt 15, Pariser Btraöe 18 a) vergrößert ihre Pflanzungen aus daS Todveile und nimmt jetzt weitere Niit- glieder mit Anteile» von 100 Mark bis zu 2000 Mark als stille Teilhaber aus. Kriegs- anlcihe wird zum vollen Nenn- wert in Zahlung genommen. Ter Reingewinn dient zur Ver- ztnsung der(Stnlagen und wird als Dividende an die Mit- glieder verteUl. b7/10* Näheres durch den D erstand. �Mbel in allen Prelnlogen t-, 2- it. S-Zimm.-Wohnungen empf. in mod. Ausführg. Jul. Apelt, Tischlermstr. Berlin SO, Adalbertstr. 6, Hochbahnst. Kottb. Tor. OegrOndel ISC4 waren«n jro« Einzelverkauf wie alli&hrlich t? zubilligst Preise*.& So SehleslRfier, Neue Königsir. 21 kein Laden, II. Stock. Bitte genau auf Firnu und Hausnummer tTI zu achten! hl ÜJ Sonnt.*. 12-2 geflffn. lü 2t nt. 273— 1017 Unterhaltungsblatt des vorwärts 5reitag, S. Gktober Theaterkultur. Der während des Krieges in Hildesheim gegründete„Ver- band zur Förderung deutscher Theaterkultur� scheint neuerdings forderliche, ouSsichtSbolle Bahnen einzuschlagen, Einzelne frühere Neüherungen erregten den Argwohn, als versteckten sich hinter dem Namen allerhand nationalistisch-konservativ-kirchliche Tendenzen, ein Bestreben nicht sowohl zur Förderung menschlich- freier Kunstempfänglichkeit im Volke, als zur Vertretung be- f'immter Schlagwone cingeschworener Gesinnungen. Ein Teil der Presse warnte vor der neuen Gründung, und der Schriftsicllerschutz« verband veranstaltete im Beethovensaale eine große Protestversomm- lung. Doch solche Neigungen, wenn sie überhaupt im Ernst be- standen haben, wie es der Verlauf der eben in Mannheim abge- haltenen Versammlung bestätigt, haben bereits jede Aussicht auf Erfolg verloren. Schon die Tatsache, daß die freien Gewerkschaften, die seit Jahren an vielen Orten Theateraufsübnmgen an ihre Mitglieder vermitteln, und ebenso die von Rickclt geleitete Bühnengenossenschaft der Schauspieler sich dem Verbände angeschlossen haben, gibt Ga« ranticn, daß der angekündigte Kamps um Besserung der Theater- Verhältnisse nicht in eine krähwinklerisch reaktionäre Rückbildung verlaufen dürfte. Irgendwelche Anzeichen prinzipieller Opposition gegen eine fach- lich verselbständigte, von allen politischen mid religiösen Partei- bestrebungen abgelöste Arbeit des Verbandes ließen sich in den DiS- kussionen überhaupt nicht spüren. In dieser Hinsicht herrschte all- gemeine Uebercinstimmung. Auch wurde nachdrücklich hervorgehoben, daß die Bezeichnung.Verband für deutsche Theaterkultur* in keiner Weise etwa das Verlangen nach einseitig nationaler Einschränkung des Bühnenrepertoires in sich schließe. In dem neuen, von der Mitgliederversainmlung angenommenen Statutenenlwurf ist der Standpunkt der Neutralität ausdrücklich festgelegt:.Der vom Ver- ein bezweckte Zusammenschluß aller Kräfte des BolkeS(Behörden, Vereine, Theater, schaffende und auBübende Künstler, Einzelpersonen) erfolgt— beißt es da— auf paritätischer Grundlage unter Wahrung der Freiheit künstlerischen Schaffens und Denken«, so wie der Selb- ständigkeit der angeschlossenen Körperschaften.* Die Hebung der Bühnenkunst und die Verallgemeinerung ihres Genusses denkt der Verband vor allem auch aiif dem Wege zu erreichen, daß die Bühne.durch Förderung des staatlichen und städtischen Eigen- belriebeS'(Sladlthcaler, Siädtebundtheater, städtische Orchester, Einrichtung und Förderung von Volksbühnen, Verbands- und itandschaftstheatern) v o ii der Vorherrschaft rein kapi- talistischer Erwerbsinteressen soweit wie niöglich unabhängig gemacht wird. Er verlangt, schon im Interesse des SchauspiclerstandeS, eine eingreifende und umfassende Theater- gcsetzgcbung. Die in den einzelnen Städten zu gründenden Orts- vereine sollen auf gute und billige Volksvorstellungen und dergleichen dringen. Von dem Anschluß großer Organisationen speziell der Arbeiterschaft, erhofft man für den Verein einen ständig steigenden, in der Theatergesetzgebnng zum Ausdruck kommenden Einfluß. Ein von dem Mannheimer Hoftheaterintendanten Hage- mann, dem Dichter Karl Henckell und anderen Herren unter« schricbener, durch Stefan Großmann, den Förderer der Wiener Volksbühne, sehr wirksam unterstützter Antrag, der sich gegen die beabsichligle Einführung der B e d ü r f n i S fr a g e bei der Theater- Konzessionierung wendet, cntfeffelte lebhafte Debatten. Rickelt war für verschärfte KonzessionSpflicht, während der Vorsitzende, der hannoversche Landral von Stockhackfen, erklärte, daß er aus seinen eigenen praktischen VerwaltungSsragcn heraus, sich völlig dem Stand- punkte der Antragsteller anschließen müsse. Eine Entschließung wurde angenommen: Der Verwaltungsrar deS Vereins möge bei der Regierung eine Neuordnung der öffentlichen und privatrecht- lichen Theaterverbältniffe anregen;«ine Verschärfung des Kon- zeisionSrechlö stelle keine Mittel zur Erreichung der vom Verein er- strebten Ziele dar. In der Zensurdebatte beschloß man, .den VerwaltungSrat zu beauftragen, gemäß den Satzungs« bestimmungen, wonach die VerbandStätigkeit unter Wahrung der Freiheit künstlerischen Schaffens und Denkens'zu erfolgen hat. dabin zu wirken, daß eine Beseitigung der durch das heutige Thcalerzensurwescn geschaffenen Mißstände herbeigeführt wird.* Am Soniuag vormittag fand eine öffentliche Versammlung im imposanten Saal deS städtischen Rosengartens statt, in der Direktor Hagemann, Rechtsanwalt Seelig und der Genosse Heinrich Schulz, der als Leiter der sozialdemokratischen BildungSorganisationen dem Verbände beigetreten, Programm und Aufgabe� deS Unternehmens in eindrucksvoll lebendiger Weise vor einem größeren Publikum ent- wickelten. ät. Eßbare Eröe. Merkwürdigerweise ist in dieser Zeit der zahllosen.neuen* Nahrungsmittel niemals eines Zusatzes gedacht worden, den man früher bei Teuerungen und Hungersnöten zur Streckung oder über- Haupt zum Ersatz des Brotniehls verwendete. Dieses Mittel hieß .Bergmehl* oder auch.Infusorienerde", es stellt eine mehlartige Erde vor, die in größeren und kleineren Lagern über den ganzen Erdball verbreitet ist. In Deutschland gibt eS, wie einer Erklärung der eßbaren Erde von E. Rcukauf im.Prometheus* entnommen werden kann, An- sammlungen dieser mehligen Infusorienerde vor allem in der Lüne- burger Heide, in der Umgebung von Berlin, bei Königsberg, in der Weichselniederung, in Heffen usw. Ziemlich umfang- reiche Lager dieser Erde gibt es in Böhmen bei Eger und FranzenSbad, besonders groß sind die Lager in Italien, Schweden, Lappland und Finnland, während Frankreich, England und Griechenland in dieser Beziehung von der Natur weitaus stief- mütterlicher behandelt wurden. Die fragliche Erde wird auch .Kieselmehl* oder.Kieselgur* genannt, sie findet sich in verschiedenen ? färben, bräunlich, grau, blaßgrün und auch bläulich. Bei mikro- kopischer Untersuchung einer solchen Erdprobe, wie sie Reukauf bei der Erde aus der Lüneburger Heide unternahm, erblickt man zahl- lose dünne starre Stäbchen und dazwischen ganz kleine kahn« oder schiffchenähnliche Gebilde. In den Erdmehlproben von Maryland in Nordamerika fallen mehr Kreisformen auf, in dem Erdmehl auf Jütland überwiegen dreieckige Scheibchen. Alle diese verschiedengeformten Gebilde sind die aus Kieselsäure aufgebauten Schalen von gewiffen pflanzlichen Organismen, die heute den Namen Kieselalgen tragen, früher aber wegen der vielen Arten merkwürdiger Eigenbewegung als Stabtierchen, also Infusorien aufgefaßt wurden, woher der Name Infusorienerde entstand. Diese Kieselalgen sind mikroskopische Wasserbcwohner, die sich sowohl im Meere wie auch im Tiefwasser finden und häufig eine bräunliche Färbung oder auch einen bräunlichen Schaum auf der Wasseroberfläche erzeugen. Die Vermehrung erfolgt außerordentlich schnell und in ge- wältigen Mengen durch Spaltung, die abgestorbenen Exemplare fallen als feiner Regen langsam auf den Waffergrund, wo"sie allmählich dicke Schichten bilden, da die Kieselpanzer nicht verwesen und über- Haupt jedem Auflösungsprozeß standhalten. Daher kann man aus dem Vorkommen der Kieselerde daraus schließen, daß es sich bei den betreffenden Gegenden um früheren See- oder Meeresboden handelt, der durch eine spätere Oberflächengestaltung der Erde trockengelegt wurde. Die sogenannte eßbare Erde wird vielfach auch heilte noch ihrem Namen entsprechend gebraucht, in Lappland und Finnland, zum Teil auch in Schweden setzen die Landleute sie au? Liebhaberei dem Brotmehl zu. In Deutschland wurde diese Erde nachweislich zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Genußmittsl verwendet. Auch während der Hungersnöte von 17l9 und 1733 hat man aus dieses Hilfsmittel zurückgegriffen. Vielfach wird die eßbare Erde in überseeischen Ländern von den Eingeborenen geschätzt. Die Ein geborenen in Java rösten kleine Kugeln auS der rötlichen Erde, um sie zu essen, auch die sogenannten Brotsteine der Chinesen sind in diesem Zusammenhang zu"erwähnen, auf den Antillen, an der Küste von Guinea und in Neukaledonien wird ebenfalls viel eßbare Erde genossen. In Persien wird das Erdesien auch auS gesundheitlichen Rücksichten geschätzt, den in den dortigen Bazaren erhältlichen Speise ton benutzt man zur Verhütung von Darmkrankheiten. Außerordentlich vielartig ist die Verwendung von Kieselerde zu industriellen ung technischen Zwecken. Sie wird zur Erzeugung von künstlichen Putz- und Schleifsteinen verwandt, sie dient als Füllmittel für HauSwände und feuerfeste Schränke, sie spielt eine bedeutende Rolle in der Glas« und Porzellanfabrikation, man verwendet sie zur Herstellung von Siegellack, Farben. Kautschukwaren; schließlich muß noch bemerkt werden, daß der Kieselgur der modernen Dynamit- fabrikation wertvolle Dienste leistet. Seine Eigenschaft als NahrungS- mittel wurde aber in diesem Kriege noch niemals betont. das Telegraphen. Schon feit langem beschäftigt man sich mit der verlockenden technischen Aufgabe, ein Telephon herzustellen, das imstande ist, Gespräche selbsttätig aufzunehmen und sie dann auch selbsttätig wiederzugeben. Die Lösung diese? Problems wurde zuerst, wie einer Besprechung des neuen TelegraphonS in der.Umschau* ent- nommen werden kann, auf die Weise gesucht, daß man das Tele- Phon und die Schreibmaschine in ihrer Wirksamkeit zu bereinigen suchte. Als Zwischending wurde eine Selenzelle benützt, die be- kanntlich die Eigenschaft hat, daß ihre Leitfähigkeit durch ver- i.hiedene Grade der Belichtung verändert wird. Trotz zahlreicher Experimente vermochte das Arbeiten in dieser Richtung keinen wirklich praktischen Erfolg zu bringen. Aeußerst günstig hingegen verlief der Versuch, das Telepbon mit der Diktiermaschine zu vereinen. Eine solche Konstruktion, Telegraphon genannt, war bereits auf der Pariser Weltausstellung des Jahres 1S00 vertreten, doch handelte eS sich damals mehr um eine hübsche technische Spielerei. Das erste wirklich praktische Telegraphon wurde nunmehr von zwei Berliner Ingenieuren, Franz Seelau und I. M. Newman, geichaffen. AIS Grundlage dient bei diesem Telegraphon da? Prinzip eines Phonographen, der aber gleichzeitig zum Sprechen und zum Aufzeichnen geeignetZist.-Bei telephonifchem Anrufiantwortet der Apparat:.Bitte, fprechen Sie, der Apparat zeichnet das Gespräch aus!* Sowie diese Worte verklungen sind, wird die Konstruktion selbsttätig von Geben auf Nehmen umgeschaltet, so daß� jetzt die Walze zur Aufnahme deS Gespräches in Tätigkeit tritt. Ist das Ge- spräch erledigt, so schaltet sich das Telegraphon durch Auflegen oder Anhängen des Hörers seitens des Anrufenden wieder ohne fremden Eingriff so um, daß die.Gebewalze* bereit ist, bei einem neuen Anruf die bereits erwähnten Worte auszusenden, lim eine möglichst langfristige Tätigkeit des Apparats ohne menschliche Bedienung zu gestatten, ist eine Einrichtung getroffen, durch die nach Erledigung einer Walze sofort eine neue, noch leere, sich verschiebt. Die Be- nützungen einiger derartiger Telegraphone seit 1'/, Jahren hat, wie berichte! wird, den praktischen Wert de« Systems einwandfrei erwiesen. Wegen der durch den Krieg geschaffenen Schwierigkeiten findet man das Telegraphon zwar noch nicht im Handel, doch beab- fichtigt eine bereits gegründete NuSbeutungSßesellschaft sobald wie nur möglich nach Friedensschluß ihre Tätigkeit zu beginnen. Die Gewichtsabnahme Ser Neugeborenen. Mit der psychologischen Gewichtsabnahme Neugeborener hat sich Dr. Kirstein im ärztlichen Verein zu Marburg befaßt. In der Mar- burger Frauenkli/iik wurde durch Wiegen von 768 Kindern festgestellt, daß auf Prozente des Geburtsgewichts berechnet der Gewichts- Verlust sehr verschieden ist, daß aber alle Kinder in den ersten zwei bis vier Lebenstagen sehr gleichmäßig an Körpergewicht abnehmen. Um Genaueres zu ermitreln, wurde an 9 Kindern durch.Dauerwage* festgestellt, wie sich daS Nacktgewicht im Laufe deS Tages ändert. Da- nach wurde der tägliche Gewichtsverlust getrennt in.Windelverlust* und.AlmungSverlust*. Die Kurven für diese beiden Gewichtsverluste ließen erkennen, daß der Windelverlust der TageSmilchmenge und der AtmungSverlust dem Körpergewicht deZ Neugeborenen etwa. entspricht. ES ist also der AtmungSvellust, der die Gewichts- abnähme bei allen Säuglingen hervorruft. Sobald der Säugling erst imstande ist, eine Milchmenge aufzunehmen, die auch den RtmungSverlust zu decken vermag, hat die Gewichtsabnahme ihr Ende erreicht. Au« dem Verhältnis der TageZmilch- menge zum Windelverlust läßt sich ein direkter Schluß auf die Fähigkeit deS Kindes ziehen, die zugeführte Nahrung auszunutzen. Manche junge. noch unerfahrene Mutter dürfte erschrocken sein, wenn sich der.Liebling* bei seinem Eintritt in diese beste aller Welten gleich so ungezogen be- nahm und in den ersten Tagen trotz bester Pflege nichi nur nicht zunahm, sondetn an Gewicht verlor. Zwar wird sie bald durch erfahrene Frauen oder durch den Arzt Aufklärung über die Natür- lichkcit dieses Vorganges erhalten haben, aber es wird doch in Zu- kunst beruhigend wirken, daß die Wissenschast nicht nur festgestellt hat, daß die Gewichtsabnahme stet« vorhanden ist, sondern daß sie auch ihre natürlichen Ursachen angeben kann. Notizen. — DaS Zentralin st itut für Erziehung und Unterricht wird auch im kommenden Winter Vorlesungen und Einzclvorträge veranstalien, die zum Teil unentgeltlich, zum Teil gegen geringfügige Einschreibgebühr jedem zugänglich sind. Das Vorlesungsverzeichnis ist durch die Geschäftsstelle Berlin 17 35. Potsdamer Straße 129, zu beziehen. iPreis 25 Pf.) — D i e Vorlesungen der„Arbeiter-Hochschule* beginnen am Montag, den 8. Oktober. Anmeldungen zur Mitglied- schaft, Ausgabe von Vcrzeichniffen und Hörerkarten bei Tictz. Kon- fumstellen, Lesehalle der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultgr, Geschäftsstelle: Berlin C. 2, Neue Friedrichstr. 53— 56 II, 10—12, 1— 5 Uhr, Mitgliedsbeitrag 1,50 M. jährlich, Hörgebühr für Mit- glieder 60 Pf., für NichtMitglieder 1 M, —.Vorbildliche Kriegerehrungen führt eine Dauerausstellung in der Unterrichtkanstalt des KunstgewerbemilseumS vor. Sie zeigt in Entwürfen, Photographien und in einer Anlage im Garten, wie Einzel« und Maffengrab künstlerisch, materialgerecht und einfach-wahr gestaltet werden kann. Durch grundsätzliche Be- kämpfung alle? Kitsches und aller Aufdringlichkeit in der Gräber- kunft und die Vorführung guter Beispiele wird es hoffentlich ge« lingen,.wenigsten» diese KriegSgreuel der GedächtniZunkunst uns fern zu halten, Die welfthe Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Ja h-r Hunderts. Zj Bon R. France. Der Rausch seiner eigenen Worte befiel ihn. Er liebte diese Frau seit diesem Augenblick. Aus ihren Augen hatte er einen Blitz aufgefangen, in dem die Empfindung der Liebe brannte: Er bezog ihn auf sich. Und damit war für ihn das Spiel verloren. Mit der bloßen Freude am Abenteuer war er gekommen, auf die Nachricht, daß die wohlbekannte Dury in der Stadt weile.— Welch' entzückende Perspektive hatte sich da für ihn aufgetan, unerwartet, gerade in der ersten Woche, da er die Langeweile der kleinen Stadt zuerst empfinden gelernt.... Und nun iviedcr ein Stückchen mondaincs Leben— Ritte auf morgendlicher Heide, vielleicht ein verschwiegenes Glück zu Zweien nicht unmöglich— jetzt, da die ganze lästige Schar glücklicherer Nebenbuhler aus- geschaltet war, die ihn schon einmal von dieser Spur ab- gedrängt hatte--- Aber statt launigen Sonnenblicken des April wehte ihm da plötzlich heiße Sommerluft entgegen.... Er stand auf und sog diesen heißen Atem um die schöne Frau mit brennenden Nüstern in sich ein. Jäh weggewischt war die bloße Galanterie, mit einem Schlage ausgetilgt das stereotype süßliche Lächeln um seine Mundwinkel, ordentlich verschönt, bedeutender, männlicher waren seine Züge nun, da auf einmal ein echtes Empfinden in sie trat. Ohne zu wissen warum, ergriff er ihre Hand.... Und sie ließ sie ihm. „Lison," sagte er leise, unvermittelt, fast heiser vor Er- regung,„ich liebe Sic.... Sie bullen mich in einen Rausch von Schönheit, mir ist seit heute, als hätte ich bis jetzt nicht gelebt und Sie seien das erste und einzige Weib auf Erden. ... Ein gutes Wort von Ihnen und ich bin für immer an Sie verloren."... Er trat an sie heran; so dicht beugte er sich über ihr Ant- litz. daß die leichte Duftwelle, die von diesem feinen gepflegten Körper aufstieg, ihn liebkosend umstrich.— Aber fast trotzig schlössen sich die Lippen, denen er sich begehrend entgegcnbeugte; nun zuckte ein kühles Lächeln um ihre feingeschnittenen Btund- Winkel, in denen eine seltsam kapriziöse Falte saß. daß es ihn Wieder zur Wirklichkeit zurückführte�... Lison sah ihn durch die halbgeschlossenen Lider an. Grau- sam, doch mit einem eigentümlich lüsternen Glanz in der Tiefe.— „Comte," sagte sie leicht und doch ernster als sie es selbst scheinen lassen wollte,„ich habe es Ihnen schon gesagt, als Sie mir zum ersten Male von Liebe sprachen— ich kann Sie nicht lieben"— sie stockte, dann mit plötzlichem Entschluß: „aber sie sind mir sympathisch"... „Lison." Mit überquellendem Glücksgefühl stürzte �r auf sie. Sie wehrte ihm lächelnd ab. „Nein, mißverstehen Sie mich nicht— ich habe Sie gern, aber daS ist auch alles." Und mit ihrem kokettesten Lächeln setzte sie hinzu: „Das ist doch alles andere, denn Liebe." Eine halbe Stunde später saß der Graf noch immer zu ihren Füßen mit hochrotem Kopf... Die Schlagader an seinem Halse hämmerte..- Die Festung, die er vor einer Stunde im Sturm zu überrennen hoffen konnte, war noch nicht erobert. Seine Mundwinkel zuckten nervös und schlaff durch das Uebermaß einer schon ermattenden Begierde... Lison bat ihn, sie, die Uebermüdcte allein zu lassen— und es zuckte wie ein spöttisches Lächeln um ihren Mund. Stumpf erhob er sich. „Cherie, Grausame, Sie lassen mich leiden..." Aber schon hatte sie ihn bis zur Tür geleitet und schelmisch führte sie ihre Finger an die Lippen: „Mein Graf, die Ritter von ch�nals erfüllten jeden Wunsch ihrer Dame." Sie lächelte noch. Kaum aber war die Tür hinter ihm geschloffen, zerbrach auch die ganze mühsam festgehaltene Maske über ihrem Antlitz. Trostlos starrte sie auf die ver- löschende Glut, welche die vorsorgliche Lainette des kühlen Frühlingsabends halber vorgerichtet hatte. Dann fiel ihr Blick auf den Spiegel sie sah alt und müde aus.... Da warf sie sich auf ihr Ruhebett und mußte auf einmal weinen..., „Reinhard", schluchzte sie in ihr Kiffen und es war ihr, als sei ihr Inneres nur vom Herzen erfüllt, das sich weitete und schwoll vor Sehnsucht. Und irgendwo hockte das Alt- werden, das nicht mehr lieben können, wie etwas Grauses, das sich jeden Moment erheben kann und dann unentrinnbar kommt. Mitten im Schmerz aber setzte sie sich resolut auf und mußte auf einmal wieder lächeln. Bei dem Gedanken, wie j wenig Morawitzky gemerkt hatte, daß ihr Interesse für seine Beamten nicht Verlegenheitsgespräch gewesen, wie er geglaubt, sondern der Preis, den er für den Empfang und die Duldung zu zahlen hatte...,' „Ja." ich werde und muß ihn erobern," sagte sie tapfer, kauerte sich auf ihrem Lager zusammen wie ein kleines Aeffchen, umfing gedankenvoll ihre eigenen Kniee und verlor sich in luftigen und kühnen Plänen... Der einzige Weg zu Reinhard führte über Morawitzky, das fühlte sie mit dem unbeirrbaren Instinkt der Frau, wenn- gleich sie diesen Weg noch nicht sah. Oder doch V Alle Hoffnung für sie blühte auf, wenn eS gelang den Geliebten von Ingolstadt und damit auS dem verhängnisvollen Bannkreis einer Rivalin zu entfernen, über deren Anmut und Jugend sie sich nicht genug durch Lainettc erzählen lassen konnte. Wer aber konnte über den Aufenthaltsort des jungen Statt- Haltereibeamten verfügen, wenn nicht sein unmittelbarer Vorgesetzter? Immer deutlicher schälte sich dieser Gedanke und damit ein Plan auS dem ChaoS ihres durcheinander wallenden Inneren, bis endlich wieder ein glückliches Lächeln um den so lange herb verschlossenen Mund spielte und daniit auch das Gefühl der Sieghaftigkeit... Geschmeidig, sammet- leise wie ein Kätzchen schlich sie ins Nebcngemach,' holte von dort einen Spiegel— und verglich nun Zug um Zug mit dem Bilde, das in ihr nach der Zofe Schilderung von der glühend Gehaßten aufgestiegen war.... So vertieft war Lison in all dem inneren Kämpfen, daß sie nichts von ihrer Umgebung gewahrte, weder, daß ihr später Besucher das HauS nicht verlassen hatte, noch daß Lainette es unbegreiflich lange verabsäumte, sich nach den letzten Be- fehlen der Herrin vor der Nachtruhe zu erkundigen. Wohl hatte einnial der Zofe schelmisches Gesicht ins Gemach geblickt, war aber sofort wieder verschwunden, als Madame vor dem Spiegel saß. „Sie studiert die Augen des Teufels, damit wird sie nicht fertig vor Sonnenaufgang", sagte sie mit schlecht verhehlter Bosheit zu dem Grafen, der im Mantel, den Dreispitz auf dem Kopse, mit ihr in der dunkelsten Ecke deS Flurs eifrig verhandelte. „Und sie sagt, just nur des jungen Solms halber sei sie zu Recherchen ausgesaudt! Ja, Madame sei derohalb und aus keinen anderen Occassions nach Ingolstadt gekommen?" fragte er mit düsterer Miene. (Forts, folgt.) Kilnstl. Zähne mit echtem Friedenskautschuk, fiioldkroncn. Brücken. Plomben, Zähne ohne Platte, Zahnzieh. mit Betäubg., Umarbeitg., Reparat, sofort Bill. Preise, auchTeilz. ZaMaxis kS. Löser BrunnenstraSe 185, nahe Invalidenstr. Person!. zu sprach. 1 0 7. 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Ja, bitter genug wird es werden, wenn es nach denen ginge, die gegen den Friedensschluß hetzen.— Ganze Generationen, die Zukunft Europas soll nock geopfert werden. Tas streitet doch gegen Vernunft, gegen Menschlichkeit, gegen Religion.— Wir sind dem Frieden durch Worte nicht nahe gekommen. Es scheint, daß sich das Unheil erst austoben mutz, ehe ihm ein Ende gemacht wird. Die Welt erntet den Fluch ihrer eigenen Taten. Am wenigsten stnd die Siaaislenker imstande, dem Unheil ein Ende zu machen. Die Geister, die sie gerufen haben, können sie nicht bannen. Jeder gibt dem anderen schuld am Kriege. Jeder von ihnen muß er- warten, daß ihm die Rechnung � für Jiie Opfer des Krieges prä- sentiert wird. Davor bangt jenen Staatsmännern. Wir wollen nicht fragen, wann kommt der Friede, sondern was fmbcn wir zn tun, um ihn herbeizuführen. Wir wollen, daß unser Vaterland nicht unterliege. Allerdings verstehe ick unter Vater- land etwas anderes, als die Leute von der Vaterlands Partei. Keiner kann seinem Vaterlande besser dienen, als wenn er diesem Kriege, der alle Völker zugrunde richtet, ein Ende macht. Wir lieben und verteidigen unser Vaterland, weil es der Boden unserer heimischen Kultur ist. Unser Sieg lann kein anderer sein, als daß wir den Feinden gegenüber standhalten, und unser HcruS im Innern so ausbauen, daß in ihm erst alles das erfüllt wird, was wir von unserm Baterland erwarten. Tas ist der Sieg, den wir erstreben. Dazu brauchen wir keine Zerschmetterung der äußeren Feinde, dazu brauchen wir auch nicht unsere Grenzen über ihr heutiges Gebiet hinausschieben. Eine weitere Forcsetzung de» Krieges kann zum Ruin Europas führen. Ter Friede, den die Alldeutschen uns verheißen, das ist kein Frieden der Größe, sondern ein H u nge r f r i e d e n in des Wortes wahrer Bedeutung. Den wollen wir verhindern. Darum sind wir für den Verständigungs- frieden. Auf dem Standpunkt eines Friedens des Ausgleichs zwischen den Völkern, eines Frieden?, der bald kommen und ein dauernder sein soll, steht die Aktion der ReichstagSmehrheit vom lS. Juli. Sir befindet sich in Ucbereinstimmung" mit dem. was zu Anfang des Krieges verkündet wurde: Uns treibt nicht Erobe- rungSsucht.— Als Verteidigungskrieg ist der Krieg begonnen. Erst nach den ankänglichen mmtörischen Erfolgen tauchten die Forde- rungcn der Annexionisten auf. Ihre Aeußerungen sind kein Aus- druck der Kraft, sondern eines öden Kraft meiert ums. Ernstlich gefährlich sind nur die Annexionisten, die es aus Wirtschaft- Uchen und politischen Gründen sind. Zu ihnen gehören die Führer der großen wirtschaftlichen Verbände. Sie wissen ganz genau, daß ihre annexionistischen Forderungen gar nicht er« füllt wenden können. Ihr Zweck ist, die innere Befreiung des beut- scheu Belkes zu verhindern. Darum setzen sie dem deutschen Volke unerreichbare Kriegsziele, damit sie nachher sagen können, die Sozialdemokraten sind schuld, daß wir diese Ziele nicht erreich! haben. So wollen diese tzeute eine neue Sozialisten- Heye ins Leben rufen. Sie wollen die alte Politik, die das lln. glück Deutschlands gewesen ist. verewigen. Tas ist das gefährlichst« an dem Treiben der Alldeutschen. Das lassen wir uns nicht ge- fallen. Wie kommen wir zum Frieden? Wir können natürlich die Verteidigung des Vaterlandes nickt einstellen. Was allein helfen lann, ist, daß in den Völkern der Friedenswille klar und deut- lich zum Ausdruck kommt. Es ist notwendig, daß das deutsche Volk Protest erhebt gegen das Geschrei der Leute, die den wirk- lichen Hungerfrieden wollen. Aufgabe der deutscken Sozialdemokratie ist es. sich an die Spitze der Friedensbewegung zu stellen und dem Friedenswillen des Volkes Ausdruck zu geben. Auf dem Standpunkt der llleichstagsmehrheit steht der größte Teil des deutschen Volkes', ich bin sicher, daß auch der größte Teil der Heeresan gehörigen aus diesem Stemdpunkt steht. Ich wünschte, daß sich der llieickskanzler deutlicher über die Frie- denSbedinpungcn ausgesprochen hätte. Jeder, der hören und sehen kann, llvciß, daß Belgien nicht annektiert wird. Warum sagt man das nicht deutlich? Ein dauernder Friede, eine Verständigung zwischen den Völ- kern ist nur möghch. wenn Deutschland im Innern freiheitliche Reformen bekommt. Deshalb müssen wir arbeiten für einen Frieden den Verständigung und für ein neueZ Deutschland. Der Vortrag fand stürmischen Beifall. Zur einstimmigen An- nähme gelangt« folgende Ncsiflutio»: Tic Versammlung erklärt irck einig mit den Bestrebungen in allen Ländern und bei allen Völkern, die einen schnellen Frieden ohne Vergewaltigung, ohne Landabtretungen und ohn Geldentschädigungen fordern. Sic erblickt in einer soll chcn Verständigung der Völker die einzige Möglichkeit, die euro- päische Kultur zu retten und einen dauernden Weltfrieden herzustellen. S'e erkennt in einem solchen Frieden den Ausdruck der Ideale und der politischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse de? deutschen Volkes, insbesondere der deutschen Arbeiterklasse. Sie lehnt alle Bestrebungen ab, die durch Ankündigung von Eroberui gen das Ende des Krieges hinausschieben, den Zustand Wechsel fettiger Feindschaft und unfruchtbarer Wettrüstung auch nach dem Kriege verewigen und den Frieden in Wahrheit zu einem Frieden des Elends und des Hunaers für die ganze Welt machen würden. Die Versammlung fordert von der deutschen Regierung, daß sie die Treibereien der sogenannten Vaterlands Partei ablehne und ihrer Unter st ützung durch V Hörden energisch ein Ende mache. Die Versammlung sieht im Friedenswillen freier, starker Völker die Gewähr einer würdigen glücklichen Zukunft und bev langt, daß auch in Teutschland der Wille dcS Volkes zum obersten Gesetz gemacht wird. tlfax Servers Bekehrung. Der.deutsche Dichter" Max Bewer. der neulich im„Berliner Lokalanzeiger" Wilhelm II. mit Karl dem Großen, Friedrich Barbarossa, Friedrich dem Großen und Bismarck verglich war nicht immer io. Im Jahre 1LS2 serchien im selben Verlag wie Ahlwardts .Judcnflinten"-Broschiire eine Streitschrist zu Ehren Bismarcks, die den damals noch jungen Kaiser gleichfalls mit Bismarck verglick, aber in ganz anderem Sinne, als dies lürzlich geschah. Die„Frei- sinnige Zeitung" schrieb darüber:„Tie Stellen, in denen der Ver- iasser gegen die bekannte Düsseldorfer Rede des Kaisers poleini» siert, wagen wir nicht wiederzugeben." Kennt Max Bewer diese Schrift?_ Anfragen im Reichstag. Abg. Alb recht(U. Soz.) stellt in einer Anfrage fest, daß in den Werkstätten des BekleidungsanriS des IV. Armeekorps die zum Kriegsdienst eingezogenen Handwerker mit der Herstellung von Friedens uniforme n beschäftigl werden und fragt an, waS der Reichskanzler gegen diese Verwendung zu run gedenkt. Abg. Wald st ein(Vp.) wünscht zu wissen, welche Schritte der Reichskanzler getan habe, um die Befreiung der gefange- n e n deutschen Bevölkerung von Tabora herbeizu- sühren.— Abg. Dr. Stresemanii fragt, ob der Reichskanzler bereit sei, bei den Friedensverhandlungen dafür einzutreten, daß die A irs la n d s d e ut i ch e n sür die ihnen zugefügten Verluste schadlos gehalten werdon. Normalöeutfche gegen Rllüeutfthe. In der letzten Zeit haben eine große Anzahl öffentlicher Ver saminlungen der Sozialdemokratie stattgefunden, in denen zahl lose Volksmassen für den Verständigungsfrieden und gegen die a l l d e u t f ch e n Tr e i b e r e i e n demon» st r i e r t e n. Ter herrschende Papiermangel verhindert rmS, ausführlich über jede einzelne zu berichten. Ausnahmslos zeigte der Verlauf der Versammlungen«ine völlige Einmütigkeit der Erschienenen in der Ablehnung der alldeutsche» Gewalt- fricdenöideale. Nur hier und da erwuchs den Alldeutschen eine unerwartete Hilfstruppe in Gestalt einiger— Unabhängiger, die Slörnngen zu oeranlassen suchten. Aber auch sie fanden nirgends Anklang, die Bolksmaffen haben vollkommen begriffen, woraus eS 'm jetzigen Zeilpunkt ankommt, und lehnten es überall ab, durch einige unverbesserliche Parleizänker den Kampf gegen die Alldeutschen abschwächen zu lassen. Wir registrieren kurz die Kundgebungen der letzten Tage. Am Dienstag sprach Abg. NoSke in Branden- bürg a. H. vor vielen Hunderten unter lebbaftestem Beisall, eine Resolution im Sinne der FriedenSarbeit der NeichStagömehrheit und gegen die Alldeutschen fand gegen eine Stimme Annahme.— In Nürnberg sprach Abg. Dr. Südekum vor überfüllter Versamm- lung sür den VersländigungSfrieden. Der StörungSversuch einer kleinen „unabbängigen" Sprcngkolonne wurde von der Versammlung mit Entrüstung zurückgewiesen, der Redner fand donnernden Beifall.— In Verden sprach Genosse Molkenbuhr vor 6—700 Personen aus allen Schichren der Bevölkerung, er fand allgemeinen Beifall.— In Bielefeld tagte eine von mehr als 5000 Personen besuchte Bollsveriammlung. die nach Referaten der Genossen Schreck und S c v e r i n g einmütig eine Entschließung für den Ver ständig ungsfrieden und die schnellste freiheitliche Ausgestaltung Deutschlands faßte.— Weitere eindruckü- volle Kundgebungen fanden in der sächsischen Ober- Lausitz statt, io in Zittau soOl) Personen), Bautzen. Neuger s d o r f<600 Personen). S o h I a n d a. d. Spree<200 Personen), Groß-Schönau und SeifhennerSdork. Bon sämtlichen Versammlungen wird sehr starker Besuch und einheitliche Zustim- niung der Zuhörer zum Vorgehen der Sozialdemokratie im Reichs- rag und Landtag gemeldet.— Dagegen wird aus Kassel be- riwtet, wo nach alldeutschen Blättern jüngst eine„große vater- ländliche Kundgebung" sratlgefunden haben soll, daß auf einer der beiden von den Alldeutschen einberufenen Versammlungen von 700 anwesenden Personen 45(1 gegen die alldeutsche Resolution gestimmt haben, nur 250 dafür! konservative für üen ßrieüensbeschluß ües Reichstags. Prof. Hans Delbrück, selbst sin alter Freikonservativer, erklärt in seinen„Preußischen Jahrbüchern", ei unterliege keinem Zweifel, daß der FrisdenSbeschluß des Reichstckgs bis tief in die Reihen der Konservativen hinein sehr zahlreiche Anhänger besitze.«Nach außen mackt sich das nicht so bemerk» bar, da eine öffentliche Agitation für die Resolution im Ausland, rinen" falschen Eindruck erwecken würde, und man sie daher am liebsten vermeidet. Aber ich habe selber Stimmen genug gehört, um bezeugen zu können, daß die konservativen Kreis« vielleicht noch weniger geschlossen für die planmäßige Kriegsver- längerung gestimmt sind, als etwa die Freisinnigen und das Zerr» trum für den Versuch der Beendigung." Festrede des Oberbürgermeisters enthielt scharfe Wendungen gegen die RcickstagSresolution vom IS. Juli. Am Schlüsse seines Berichte meldet das„Schnerdemühler Tageblatt" ganz naiv:„Die Nagelung des Kreuzes hat gestern«inen Betrag von 890 Mark ergeben. Zur „Deutschen Vaterlandspartei" haben sich ZSO Mit glieder mit einem Jahresbeitrag von 290 Mark angemeldet. Also die Werbung von Mitgliedern für eine bestimmte Parter gehörte zum Programm dieser städtischen Feier, an der u. a. auch die Schuljugend teilgenommen hat. Lebensmittelwucher in Köln. Ein landwirtschaftlicher Musterbetrieb. Göln, 4. Oktober. Vor dem hiesigen Landgericht wuvden heute nach achttägiger Verhandlung in dem umfangreichen Prozeß Bremer wegen Milchsälschung, verbotswidrigen Handel mit Lebensmitteln, verbotswidrigen Schlachrungen und llcberfchreitung der Höchstpreise das Urteil gefällt. Bei der Strafzumessung wurde hervorgehoben, daß die?lngcklagtcn aus reiner Habgier gehandelt hätten. Es wurden verurteilt Josef Bremer jun. zu einer Ge fängnisstrafe von 1 JahrZMonaten und 54 200 M. Geldstrafe. Frau Bremer 1 Jahr Gefängnis, 24 600 M. Geldstrafe, Jose Bremer sen. 8000 M. Geldstrafe, Michael Bremer 4 Monate Ge fängnis, 19 600 M. Geldstrafe und Paul Bremer zu 500 M. Geld strafe. Die Anklage warf der Vernehmung wurde erwieien, ODzielie Werbung für die Vaterlanöspartei. W.e gewisse obere Stellen für die neue alldeutsche Partei agi- :ieren, dgiüt liefen die Feier des 70. GeburtsrageS HindenburgS in Schneidcmübl wiederum ein Beweis- stück. Diese oftrzielle Feier, auf der Oberbürger- meisler Dr. Krause das Referat hielt, wurde ganz ungeniert zu einer Werbeversammlung für die Vaterlandspartei gemacht. Die Familie vor, und durch die Zeugen- >W baß sich die Bremers gegen nahezu alle landwirtschastlichen Krieg? Verordnungen vergangen haben. So verkauflen sie obne Marken und weit übcr'den Hoch st- preisen an HolelS. Kaufhäuser und Herrschaften in beträcht- lichen Mengen Milch. Butler, Sahne. Käie, Fleisch aller Art. Mehl, Äsrste, Erbicn. Haferflocken. Weizengrieß. Graupen, Marmelade. Kartoffeln. Faßbohncn. Sauerkraut usw. Ein Herr Regierungsrat nattienS Slinneö, der in großen Mengen fast alle genannten Artikel von Bremer bezog, beglich Rech nungen von 700 öis 2000 M. für seinen Haushalt Dieser Re gicrunqSrat erhielt nachts Säcke Weizenmehl zum Preise von 5 M. das Psund ins HauS geschafft. Er bezahlte für Eier 75 Pf., für Kalbfleisch 4,60 M. bis 6.60 M. Filets 7 bis 9 M., Zungen 10 M. das Pfund. Lange Zeit bezogen unter anderem RegiennigS rat Sliilne«. Major Rmtelcn, Kaufhausbesitzer PeterZ uno andere Kunden täglich je>/, Liter Sahne und mehrere Liter Vollmilch von Bremer. Ter Major ließ die Sahne, Bulter uiw. durch einön Gefreiten als„Sahne-Ordonnanz" rcgel- mäßig abholen. Eier wurden in Posten bis zu 500 M. abgesetzt Auch Zucker ging zentnerweise ab. Bei all diesen Vergehen ist zu beachten, daß eS sich nicht etwa um einen entleaenen landwirischaftlicken Betrieb, sondern um ein Gut auf dem Kölner Stadlgebiete handelt, das als Musterbetrieb galt Die Molleiei Bremer loar die Hauptlieferanlin für die Säuglings milch der Stadt Köln. Sie lieferte täglich bis zu 4ö00L>ter Milch. Durch einen Polizeibeamte», den eine An gestellte in den Kühlraum schmuggelte, wurde beobachtet, daß Bremer junior mehrere Kannen von je 20 Lirer Wasser in die Botliche mir Bollmilch schütlete. In einem Falle wurde fahrlässiger- weite die Milch mit schmutzigem Badewaffer gewässert. Gestohlen wurde aus dem Bremerschen Gute nach den Zeugenaussagen wohl von allen Angestellten� Sie fühlten sich sicher, weil sie glaubten, daß die selbst schwer belasteten Prinzipale nicht gegen sie vorzugehen wagten. Der Skandal kam dadurch ins Rollen, daß die Kontoristin Helene Morr©ewlssensbedenken halte, dieVergehen noch weiter ruhig mitanzuseben. Sie wandle sich an den ReichsragSabge ordneten Genoffen M e e rff e l d, der daö Material dem damaligen Ober- bürgsrmeister Wallraf unterbreitete. So wuchtig sich die BewelSoufnohme gestaltete, so sehr ist durch sie dargetan, daß ohne die unmittelbare Mitbilfe von Angestellten ei»rem landwirtschaftlichen Betriebe s e l b st große Unregelmäßigkeiten nur schwer nachzuweisen sind. Gegen 100 Kölner Bürger, darunter bekannte Kölner Patrizierfam.Iien, die zu den verbotswidrigen Abnehmern Bremers gehören, schweben noch Strafanzeigen. Auch ein Verfahren wegen Bestechung von Polizerbeamren ist eingeleitet Auffällig rft nämlich, daß mehrfache Anzeigen bei der Polizei nicht? fruchteten. Letzte Nachrichten. Internationale Gewerkschaftskonferenz. Bern, 4. Oktober. Die internationale GewcrkschaftSkonfercnz hat heute den Beschluß gefaßt, an die Regierungen der kriegfüh- renden Völker das Ersuchen zu richten, der Arbeiterklasse im Frie- densvertrage ein Mindestmaß von Schutz und Rechten zu sichern, das in allen Ländern durchgeführt werden mutz. Danach sollten in dem Friedensvertrag Bestimmungen zur Sicherung der Frei- zügigkeit, des Koalitionsrechts und zur Durchführung des Arbeiter schutzes aufgenommen werden. Die Konferenz hält den Friedensvertrag, der den Weltkrieg einmal beenden wird, für den geeignetsten Ausgangspunkt für ein tatkräftiges Zu- farnmenwirken der Völker auf dem Gebiete der sozialen Reform. Sie stellte in dieser Frage eine Reihe von Leitsätzen auf. Die internationale Vereinigung für gesetzlich:» Arbeiterschutz in Basel ist im Friedensvertrag ausdrücklich als Organ zur Durch- führung und Förderung des internationalen Arbeiterschutzes an- zuerkennen, das von ihr unterhaltene internationale Arbeitcramt hat alles sozialpolitische Material zu sammeln und in den drei Hauptsprachen herauszugeben. Der Berichterstatter des Ausschusses, Jansen