Nr. 273. Bezugspreis: BiertcncftrL 3,90 ERL. mo.iatl. 1,30 EM, wöchcnllich 30 Vfg. frei ms HauS. bocmisjaftltun. Einzelne Wochenwgs- nummern B Psz EonnlagSnuniUler mil illullriertcr Beilage.Die L!eue Belli 10 Pia Postbezug: Monatlich 1.30 Ml. Unter Kreuzband für Tcutfchland und Oesterreich- Ungarn 2,B0 Ml, für das übrige Ausland 4 Ml. tn.onatlich Postbsstellungen nslnucn an Dänernarl, Holland, Lurenrburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragcll in l�je Post-ZeitungS-PreiSliste. Erscheint täglich. llelegrainm» llldrest« »Sozialdemokrat Ucrliu-« 34. Jahrg. Vevlinev Volksblttkt. Der NnzetgenpreiS keträgt f. die stebengeivaltene Kolonsl. »eile 6ri Pfg..klein« Anrelgan", das fettgedruche Äori SO Pig. lzn- lässig 2 fctlgedruclie Worte). ledeZ keuere Wo« 10 Pfg. Etellcngcstrche Und Schlasstellemmzeigen das erste IZort 10 Pfg, jedes weitere Bort«Pig. Worte über 15 Buchsiobcu zählen liir zwei Worte. TeüerungSzusllllag 20°/. isamilien- Slnzcigen l»H Pfg.. politische u. gewerlichastliche Beretn». Wnzeigen 40 Pfg die Zeile. Anzechen für die nächste Nummer muijeu ins K Uhr nachinitt im Hauvigcjchäst. Berlin SW. BS, Lindcnjirastc i!, ab- gegedcu werden. Geöfsnel bon ö Uhr püh bis 1 Uhr abends. Zcntratorgan der rozialdcmokratifcben Partei Deutfchlands. Rcdaffion: S!v. öS, Linöenftraße Z. Fernsprecher: Ami Moritzpiai», Nr. 1S1 S0—!Sl S7. Sonntag, de« 7. Oktober 1317. Expeüitioa: SM. öS, Liaöenstraße 5. ktzeruiprecher: Am» Morippiatz. Nr. 15190—15197. Die aUdeutfehe Hgitation im Deere. Sin fehlimmer Cag für die Regierung. Am 19. Scplentber brachte der„Vorwärts" in einem Artikel„Ein gefährlicher Plan", die ersten Mitteilungen über die beginnende behördliche Propaganda zugunsten des All dcutschtums. An jenem Tage war hier zu lesen:»Wir glauben nicht, daß der verantwortliche Reichskanzler hinter diesem Treiben steht, nehmen vielmehr an, daß er davon nichts weiß. Er ivird aber, um Schaden zu verhüten, diesen Dingen nachgehen und für Ordnung sorgen müssen. Uedcrgrifse von Vorgesetzten, die auf eine politische Beeinflussung der Untergebenen hinzielen, führen notwendigerweise znr inneren Zersetzung. Auf diese G efahr rechtzeitig hin zu lv eise n, scheint uns Pflicht. Man soll sich auch nirgends dem geringsten Zweifel darüber bingebcn, daß die Ausführung jenes Planes auf entschiedene Gegenwehr in der Presse und besonders auch im Reichstag stoßen würde." Wäre dieser wohlgeineintc Rat damals beachtet worden, so hätte der Reichskanzler sich und dem deutschen Volk die gestrige stürmische Sitzung im Reichstag erspart. Die Regimnng hat es aber damals nicht für notwendig gehalten, ihre«Stellung zu unzulässigen behördlichen Agitationen vor der Oeffcntlichkeit klarzulegen imd, was noch schwerer wiegt. sie hat nichts unternommen, um dem hier gekeiiii zeichneten gefährlichen Unfug zu steuern Die Re vaktioncn der sozialdemokratischen Presse und die Mit glieder der sozialdemokratischen Fraktion— wie Herr Trimboni gestern mitteilte, auch die der Zentrums fraktion— wurden mittlerweile mit Zuschriften über- häuft, in denen über politischen G'esinnungs druck die schärfsten Klagen erhoben wurden..In diesen Zuschriften kamen die bitteren Gefühle ,von Untergebenen zum Ausdruck, die ihnen widerstrebende Meinungsäußerungen ihrer Vorgesetzten„gehorsainst" ohne ein Wort des Widerspruchs hinnehmen mußten und sich dadurch in ihrer Gewissens freih eit aufs schwerste verletzt fühlten. So wurde die sozialdemokratische Jnter p e l l a t i o n notivendig. Und so erklärt sich auch die ge reizte Stimmung, die gestern von Anfang an über dem Reichstag lagerte. Daß es unserer Fraktion keineswegs da- rauf ankam, die Hitze der inneren politischen Reibungen künstlich zu steigern, bewies sie durch die Wahl ihres Redners, des Genossen Landsberg, den man am besten vielleicht dahin kennzeichnen kann, daß er die größte sachliche Schärfe mit der stärksten Beherrschung des Temperaments zu verbinden iveiß. Von ihm war zu allerletzt zu crmarten, daß er versuchen könnte, aus wenig durch erregte Worte viel zu machen. Der spätere Vorwurf des Kriegs- in i n i st e r s, Landsberg hätte„mit Mühe" ein paar Fälle zusammengesucht, mußte daher glatt zu Boden fallen. In Wirklichkeit hatte Landsbcrg in rednerisch meisterhafter Form eine erdrückende Fülle von Tatsachen vorgetragen und aus ihnen Folgerungen gezogen, deren zwingender Logik man sich bis in die Reihen der Nationalliberalen hinein nicht entziehen konnte. Er hatte ohne sichtbare Zeichen der Er- regung gesprochen, dafür aber desto mehr Erregung hervor- gerufen. Auf der Linken weckten die Tatsachen, die er an- cinanderreihte, bald Hohnlachen, bald Entrüstung, auf der Rechten schrie man aber an vielen Stellen der Rede, die empfindliche Stellen berührten, getroffen auf. Nach der Rede LandsbcrgS war es klar, daß in diesem Hause und vor der ganzen Oeffentlichkeit eine Verteidigung des bloßgestellten Systems nicht möglich war. Für die Regierung, die zu lang die Zügel hatte am Boden schleifen lassen, ergab sich eine höchst schivierige Situation. Nur ein Meister der Parlamentarischen Kunst am Regierungstisch hätte die Lage noch retten können, und auch er nur durch die eimvandsrei klare Erklärung, daß mit den gerügten Miß- � ständen unerbittlich Schluß gemacht werden würde. Wir wissen nicht, ob sich Herr Michaelis al§ ein solcher Meister erwiesen hätte. Jedenfalls war er vorsichtig genug, sicki der Probe nicht auszusetzen. Herr Helfferich hat sein Fernbleiben damit entschuldigt. daß er „keine große politische Debatte" erivartet hätte. Das spricht nicht sehr für den politischen Weitblick des Reichskanzlers, denn daß sich diese Jnterpcllations- berarung zur großen politischen Debatte auswachsen mußte, ja daß sie unter Umständen eine ganz außer- -ordentliche Bedeutung gewinnen konnte: dies vorauszusehen, war wirklich nicht allzuschwer. Herr Michaelis mußte wffscn, daß der Kriegsminister des Beistandes gar sehr bedurfte, und daß Herr Helfferich— dessen Talent es nun einmal ist, auch die einfachste Sache zu verkorksen— nicht der Mann war. der ihm diesen Beistand leisten konnte. Und so kam es, wie es kommen mußte. Wir sind weit davon entfernt, ein boshaftes Vergnügen darüber zu empftn- den, daß der K r i e g s in i n i st e r g e st e r n vor dem Reichstag s ch l c ch t a b s ck n i t t und im Sturm der Zu- rufe, den er entfeffeltc, zeitwellig gar nicht zu Wort kommen konnte. Er hatte diese Wirkung offenbar gar nicht beab- sichtigt, ja er schien über sie erstaunt.. Nun kommt es im allgemeinen und ganz besonders heutzutage mehr darauf an, daß ein Kricgsmi irrster in seinem Fach tüchtig, als daß er ein glück- sicher Parlamcntsrcdner ist. Es heißt, daß Herr Michaelis Herrn v. Stein für einen sebr tüchtigen Kriegsnnmster hält; um so weniger Verständsich ist es, daß er ihn auf stürmischer Fahrt in unbekannten Gechässern ohne Lotscnhikfe ließ. Eine kluge, geschickte Führung hätte für die Regierung die Peinlich- kerten des gestrigen Tages wesentlich lindern können. Daran hat es aber gefehlt. Ans der' Rede des Kriegs Ministers hatte man von einem guten Willen, wirklich Abhilfe zu schassen, nichts gemerkt. Manche zum Mißverständnis geradezu auffordernden Stellen seiner Rede hatten die Sttmninng gereizt und erbittert. Nun aber kam— Herr Helfferich, der„Stellvertreter". Nach- dem die Rede des Herrn v. Stein das Hans sichtbar völlig im- befriedigt gelassen hatte, konnte er gar nicht glücklicher be- ginnen als mit den Worten:„Ich habe den Ausführnngm des Herrn Knegsimnisters nur wenig hinzuzusetzen". So schulk sich Herr Helfferich gleich— st richtige„Stimmung", und in diesem Sinne folgte dann Schlager auf«chlager. Nachdem er unter wachsender Unruhe gesprochen hatte, fand er. den kernhaften Saß:„Ich glaube, das, was ick gesagt habe, kann sie beruhige n". Dies war aber ersichtlich nicht. der Fall und n a ch diesem Satze nattirgemäß ivemger als zuvor, lind so schloß Herr Helfferich, schwer gekränkt, mit diesen schicksalsschweren Worten: „Wenn Sie zu den Männern, die an der Spitze-der Heeresverwaltung und der Reichsleitting stehen, allerdings nicht Vertrauen haben(Lebhafte Zurufe links: Nein! Nein! das haben wir nichtl), so hat es keinen Zweck, daß ich hier noch ein Wort sage." Weiß Herr Helfferich eigentlich, was er gesagt hat? Wer lxtt-da eigentlich gesprochen? Ein Minister, der im Begriffe steht, seine Demission einzureichen, oder nur ein Kind,-das seine Puppe nimint und geht? Es folgen die Redner mis dem Hause. Trimborn und Haas von der Mehrlieik, Westarp und v. Gra es c von der Minderheit, der uationalliberale Thoma vermittelnd, sachlich aber eigentlich der Mehrheit zustimmend. T-enn nicht um Kriegszielc handelt es sich, sondern um das Recht odei Unrecht behördlicher Agitation, und da will auch der National- liberale seinen Liberalismus nicht verleugnen. Ein böser Tag für die Regierung, ein böser Tagl Mitten in die Debatte fällt zur Vermehrung des Unheils ein Alttrag der Unabhängigen, in einer Erklärung sestzu- stellen, daß die Beantwortung der Jntervellatton der Auf- fassung«des Reichstags nicht entspricht. Das tut sie auch wahrtiafttg nicht! Was sind aber die Konsequenzen dieses Antrags? Wird er angenommen, daim müssen Michaelis und die Semen ihre Koffer packen oder der Reichstag muß sie dazu zwingen. Tut er es nicht, so ist er bis über«die Ohren blamiert. Ein verdammt schwieriger Fall, eine verflucht ernste Situation I Herr Michaelis hatte aber nicht vorausgesehen, daß es eine große politische Debatte geben würde. Herr Michaelis ist nicht dal Inzwischen ist abend geworden, und das Haus vertagt sich. Heute ist Sonntag, der Tag des Herrn, der durch Fort- setzung dieser Debatte nicht geschändet werden darf, aber a m Montag geht es weiter. Wie und wohin? Wir entlassen den freundlichen Leser in einiger Span- iiimg. Aber eine Moral ans der Geschichte zu ziehen, möchten wir schon jetzt, da sie noch gar nicht zn Ende ist, nicht unter- lassen. Wenn die Presse offenkundige Mißstände rügt, -dann soll sich die Regierung beeilen, sie a b z u st e l t e n, und nicht erst warten, bis der Reichstag kommt. Die Sitzung. Am BniideSrctStisch: Dr. Helfferich, von Stein, Graf loedern. Walras, Schwander. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation der Sozialdemokraten: „Ist dem Reichskanzler bekannt, daß im Heere von Bor- gesetzte» eine eifrige Agitation zugnuste» all- deutscher Politik und namentlich auch gegen Beschlüsse drö Reichstages betrieben wird? Was gedenkt der Reichskanzler zutun, um diesem M i ß b r a u ch der Dienstgewalt durch die Vorgesetzte» Einhalt zu tun?" Verbunden hiermit wird der PaffuS aus der zweiten sozialdemokratischen Interpellation:„Ist de« Reichskanzler bekannt, daß das Vereins- und Ber- sammln« gSrccht von den stcllrertrctenden Generalkommando? einseitig zugunsten alldeutscher Propaganda gchandhabt wird? Was gedenkt er gegen diese Mißbränchr zu tun?" Die Jilierpellation begründet Abg. Limdsberg(Soz.): Im Frieden ist der Grundsatz verkündet worden, daß da! Heer dem Getriebe der politischen Parteien fern bleiben solle. An- scheinend ist dieser Grundsatz jetzt aufgegeben, allerding? nicht gänz- lick. Ein Zirkular der Sozi.lldeniokraten Groh-BerlinS an die .Vorwärtsleser im Wnskenrock" wurde verboten. ebenso eine Broschüre deö Abg. Stückle». Aber die Verbreining von Bestrebungen, die der Sozialdemolratie feindlich gegenüberstehen. loerden durch unzählige Kanäle ins st-oer geleitet, und zwar unier hervorragender Mitwirkung derselben Behörden, die stets die Noi» wendigkeit der voliiischen Jungiräulichkeii des Heeres betont haben. Tic Polilisicrungbestrebuncen im Heere r.ehmrn überhand seit dem 1.9. Juli, den ich als einen RnbmeLtag des RcichSiogs betrachte. Zlvischen den höheren Militärbehörden und der neu gc- gründeten Bateriandspartei besteht ein Znsammenwirle» zur Vetämpfiilig eines VrrständignngSfriebens. Man weiß, daß die neue Partei mit dem schönen Namen eine alldeutsche Gründung ist. Die Führer diesei: Partei sind ja politische Gründer. Der alldeutsche Verband, der Wehr- verein, der Flotleiivcrein, der Kolonialverein, der Ostmarkenverein die lsnabhäligigen Ausschüsse für einen deutschen Frieden, es sind immer dieselben Männer, nur die Firma wechselt lTehr richtig l links und im Zentrum.) Wützte>n»n nicht, daß der alldeutsche Verband hinter dieser Parteigründung steht, man tvürde es an der Anmaßung merken, die m ihrem Namen liegt. Er erinnert an die unangenehme Gepsioaenheit, die von jener Seile vor dem Kriege geüb: wurde, die Gegner der eigenen verstiegenen �deen als vaterlandslos zn bezeichnen. Nach drei Jahren Weltkrieg, in denen das ganze Volk unerhörte Opfer gebracht bat. maßt sich eine Partei an. durch die Wahl der Firma zum Aus- druck zu bringen, daß bei ihr allein die Interessen veö Baterlandes in sicherer Hut sind, und an ihrer Spitze stehen Männer, die bisher unler dem Kriege noch nichi zu leiden gehabi haben. sSehr richtig l links.) Sicherlich ist es nicht eine Partei von Nriegsinteresscnten. �Widerspruch links.) Der Mangel an politischer Bildung— die Folge und Ursache unserer VelfosinngSznstände— gestattet nicht, an der. Ehrlichkeit irgendeiner politiichen Tätigkeit zu zweifeln. Zweifellos' sind sehr viele Idealisten dieser Partei auf den Leim gegangen. Diese Fragen, sollen denn die Opfer des Krieges nutzlos gebracht sein,— welche Fraget Sic sind gebracht für die Rettimg Deutschlands. Unsere Liebe zum Vaterland geht so weit, daß wir nicht Kurland und dem Erzveckeu von Longwy und Brie nachjagen wollen auf die Gefahr hin, Deutschland zu ver- liere». Wenn man ans den Bilderbogen jener Herren sieht, was Deutschland alles haben muß, um zu existierrn, so wundert man sich, daß es nnS vor dem Kriege doch so gut gegangen ist. Tic Annexionisten sollte» sich doch fragen, was wir mit den eroberten Ländern, gesetzt wir könnten sie erober», gewonnen hätten. Wir hätten dann ganz im Gegensatz zu den Tendenzen Bismarck?, auf beiden Seilen sine widerwillige sreindsprach'ge Bevölkerung, denn das Talent zu mora- lückei! Eroberungen baten wir nicht.(Sehr richtig! liuls.) Wir vergessen immer die Kleinigkeil. daß auch andere Völker eine Seele haben. Auch sollten die Vaterlandsfrcnnde bedenlen, daß wir iniS in Zukunft nur erhalten lönnen durch Sprengung der jetzt gegenüberstehenden Koalition, die Aimexioncu im Osten und Westen aber wären das beste Mittel zu ihrer Fcstignng Soviel zu den Idealisten in dieser Partei. Die leitenden Männer darin losien sich zum Eintreten für die Verlängerung des Krieges dadurch nicht abhalten, daß der Krieg ihnen Vorteile bringt. (Unruhe rechts.) Dir Kricgsgcwinnc dieser Herren gesiatlen ihnen eine Zeiliing nach der anderen zu laufen, um so eine Atmosphäre in Deutschland zu erzeugen, in der der richtige Kriegsgewinnler sich erst wohl fühlt. Die Herren haben die Erfahrung gemacht, daß man mit Ellbogenstößen weiter« kommt, als mit Zartheit des Gemüts, und diese Praxis übertragen sie ins politische Leben. Daher die nn geh eure Reklame. daher ober auch die gelegentliche Drohung, keine Kriegsanleihe zeichnen zu wollen, wenn die Regierung nicht gewisse Erklärungen abgibt.(Hört! hört!) Diese Männer rufe ich zur Scham aus. iLebhafter Beifall links.) Mit der Gründung der Bater- landSpartei bezwecken sie ganz dasselbe loie mit dem An- kauf der Zeitungen, mit der Schaffung eines Millionenfonds zur Lctfälschnng des öffentlichen Geistes (Rufe rechts: Unerhört I Links: Sehr wahr!) Die Vaterlands- Partei versichert, sie wolle inneren Zwist vermeiden. Seit ihrem Bestehen aber hat sie noch nichtk- anderes begonnen als inneren Zwist. Der Krieg wird Nor und Elend im Gefolge haben, wie er auch ausgehen mag. Die Herren stellen uns Kriegsziele aus, an die sie selbst nickit glauben, um hinterher die Parteien dcS Reichs- tagcs für alles Elend im Gefolge deS Krieges verantwortlich zu macheu. DaS haben die liberalen Männer, die bei ihnen find, noch nicht begriffen. Der Ruf, die inneren Gegensätze ruhe« zu lasicn, batle ifineit doch zu denken geLeil sollen. Wir wolleir schon i tii Kriege bic Freiheit des beut scheu Volkes v e r- n: e h r e u. weil die Demokratie die O uelle der größten g e ro a l l i g tt e n Kraft i st. sLebbafte Zustimmung links.) Ziel- bcwichtsein mid SetbstHeschränkmg soll die deutsche VaterlanbSpartei auszeichnen. Das Zieldewußtsein nehmen die Konservativen in An- spruch, die Lelbstbeichränkung gilt für die Liberalen.(Heiterkeit und Sehr gut!) Eine Flut tum persönlichen Söcfchtmpjungeit hat sich aus den Kreisen dieser Partei iibcr den Reichstag ergossen. Die Abgeordneten werden Feiglinge genannt, bezahlte Agenten des Auslände. Diese Menschen können eben nicht begreifen, daß man sich politisch für elivas anderes betätigt a l« für Geld. Die.Deutsche Tage-Zzeitung". das Blatt, auf den, das moralische Mnimum liegt(Stürmische Unterbrechungen recht-?, lebharrc Zustünmung links), nennt die Reichstags- Mehrheit nichr anders als die H n n g e r s r i e d e n S m e hV- b e i t. Ts scheint beinahe, daß einem erheblichen Teil dieser Interessenten der Gedanke gor nicht unangenehin ist, daß das deutsche Volk hungert.(Stürmische Unterbrechungen rechts! Zurufe: Schan,loS!> Nun, umsonst hat Herr v. Heydebrand im Abgeordneten- banse nicht seine Mahnungen an seine Klassengenossen gerichtet. Die Hungcrfricbenmehrheit deö Deutschen Reichstag? kann über dic c B-schimpfunge» zur Tagesordnung übergehen. Wir wünschen islbstverstäiidlich nicht, daß die Baierland-partei in ihrer Agitation eingeengt werde. Bon den Alldeutschen gilt B e t h m a n n HollwegS Wort, daß der Krieg ihre» Mangnl an Einficht ins GroteSke gesteigert bat. Den KriegSoerläugerern im Ausland lönnte kein größerer Äefallen geschehen, als die Ernennung eines Parteigängers dir VolcrlandSparlei zmn Reichskanzler.(Lebhafte Zuitimniung.) Ihre Pestreburrgen sind nicht die deS deutschen Voltes, daS deutsche Volk will die Aimoivhare des Hasses dieser drei Jahre bannen, nicht zu- letzt zum Wohle des Volke? selbst. DaS deutsche Volk will dem Frieden die Bahn brechen. Di« BaterlandSpartei lebt ausschließlich davon, daß unsere Feinde keinen Frieden der Verständigung schließen wollen. In dem Augenblicf. wo daS geschieht, gibt eS leinen Reichskanzler, der sich nicht an den Verhandlungstisch setzt. Um den Preis einer Verstümmelung, einer Berpeioaltigung Deutsch- lands wollen wir den Frieden nicht. Aber daS Joch, gegen das wir unS wehren, wollen wir auch andern nicht auferlegen. Die Anffastimg, daß wir unbedingt eine Kriegsentschädigung vaben müssen, nenne ich MamnioniSmuS. Wir haben den Mut. den, Volte zu sage», nach dem Kriege werden ihm schlvere Zeiten be- 'üieben sein, aber wir halben das Vertraue» zu seiner Kraft und ■finet Arbeit, daß eS das Elend überstehen wird. Wir hoben gute WoKei, im Kanpfe gegen die Vaterlandsparlei. Wir wünschen ihre Agitation nicht eingeschränkt, aber loa? wir unS verbitten, ist die Förderung dieser Agitation durch die Behörde». sLebbafte Zustimmung liiSS.) Aus allen Teilen Deutschlands dringen lebhasle Klagen hierüber zu unS. Der Redner führt eine große Reihe von Beisvielen hierAr an. die zeigen, daß Angestellte und auch Soldaten von den Borgesetzten bearbeitet iverden zum Ein- icilt in die VaterlanbSpartei, baß Soldaten zun, Beiuch der Versammlmtgen gezwungen werden. Die stellvertreteudei, General- lommandoZ verschonen sich Redner für.aufklärende" Vorträge für den lomn, enden Herbst. In welchen, Sinn diese Aufklärung beab- iichngt ist, zeigen die Ersahrrmgen. Das stellvertretende General- konnnando de? VI. Armeekorps sagt, die Redner brauchen ihre Vor- lräg« nicht selbst ausarbeiten, es stehen eine größere Reihe von Bv: irägen zur Verfügung.(Gelächter.) Und zum Schluß heißt eS; züc geplante Tätigkeit fnna gegebenenfalls als oaterländischer Hilfs- diens, betrachtet»erden.(Große Unruhe links und im Zentrum. Ru'e: Unerhört.) ES ist wirklich Zeit, daß wir aus der Stickluft b e S Belagern„ gszustanbes herauskommen, er erzeugt eine >! o r r u p t i o», die bas schlimmste für bie Zukunft erwarten läßt. Zustimunülg links.) Im Bereich beS HI. Armeekorps sind Richtlinien für bic Vorträge gegeben. Der Feind, dem dieie Aufklärungs- lästgleit gilt, ist die Mehrheit d e S deutschen Reichstags. Wie m der Heimat, io wird auch an der Front verfahren. Man iogt imnier. die Soldaten sollen ihre Wünsche zum Friede» auS- iprechen. Aber in den Versammlungen, zu deren Besuch sie ge- zwangen werde», dürfen sie nichlö sagen, ihre Wünsche dürfen sie nicht äußern. An dieZLeslfront hat mau neulich Herrn Max Be wer zu Vorträge', berufen, der sich durch einen monarchischen Dilhh- rambuS ,n Erinnerung gebracht hat. Er wollte wohl seine Sünden au? c.'r Eaprivizeir ,a Vergessenheil bringen. In seinen Vorträgen !?ißt e?. das ewige Friedensgequatsche muß aushören. Scheiden, an» unb Erzbcrger sino politische Hungerleider, die der Kaiser mit einen, Fußtritt davonjagen müßte, vethinann Hollweg ein unfähiger Staatsmann Militärische Vorgeletzte haben da» mit angehört, die Vortragösertq ist aber nicht abgebrochen, wohl aber ist dem„Vorwärts" verwehrt worden, den Bortrag abzudrucken. -Lebhaftes Hört I hört! Zuruf: Wer bezahlt diese Vorträge?) Ich weiß es nicht, Graf PoiädowSky hat gestern angedeutet, man würde erslbrecken, wenn man erfahren würde, für was für Zwecke das Geld des Reiches oervulverr wird. Ein Hauptmann erklärt in cinem solchen Bortrag seden für einen Hochverräter, der für eine Aerstäudigung mit Englaad eintritt, ein anderer wünscht, daß Erz- berger und Scheidemann ins Zuchthaus kommen. Ein Regimentskommandeur spricht von Scheide mann und den anderen Lümmeln. Den Vogel abgeschossen hat ein Haupt- mann vom 3. Ersatzbataillon des t!7. Infanterieregiments, der seinem Erstaunen Ausdruck gibt, daß sich»och niemand gefunden hat. der S ch e i d e ,n a n n glatt Über den Hansen geschossen habe.«Hört! hört!) Was mögen die llntergebeiien solcher Männer nnler ihrer Tyrannei zu leiden haben. Für diese Exzesse mache ich selbst- verständlich niemanb in-leitender Stellung verantwortlich.« diesen Dienst ge- stellt. Die Oberste Heeresleitung hat nach Anhörung aller der Männer, die bei den einzelnen Gruppen zu diesen Zwecken der- ivendet Ivurdcn, selbst allgemeine Richtlinien herausgegeben. Ueber- all wurden dieselben Mittel verwendet, Vorträge, Musik, Theater, Kino, Druckschriften und Heereszeitungen. In den Richtlinien ist nicht ein Wort von Politik zu finde,,(Lacken links). Nun verhehle ich mir nicht, daß viele impulsive Naturen die Grenze überschritten haben. Dagegen ist sofort eingeschritten worden. Es ist ganz klar, daß ein braver, aufrechter Soldat impulsiv vielleicht keine Rücksicht nimmt aus sichere Dinge, an, wenigsten auf Politik, er wird sehr offenherzig seine Ansicht äußern, besonders»venu er neben sich und um sich eine ganzandereAgitation sieht. Vor kurzem hat der Feidinarschall von Hindenburg in unztoeideutigen Worten ein Lügciigelvcbe zerstört, das sich um seine Person gewoben hat. Jetzt gehen andere Dinge um, oie seine Worte abschwächen sollen. Es wird verbreitet, es beständen weitgehende Differen- zen zwischen ihn, und Ludendorff(Unruhe links. Zu- rufe: Das ist keine Antwort auf die Interpellation.— Glocke des Präsidenten.). Auch diese Lüge hat kurze Beine. ES gibt im Deutschen Reiche nicht zwei Leute, die so in ibren Ueberzeugnngen eins sind lvie Hindenburg und Ludendorff.(Erneute Unruhe und Zurufe: Antworten Sie ans die Interpellation!). Vor lvcnigen Tagen kam mir ein Blatt ,.An die deutschen Frauen" zu Händen, worin unsere alten toten' Helden aus dem deutsch-französischen Kriege mit Schmutz beworfen werden.(Pfui! rechts). Die Führer des jetzigen Krieges werden darin verdächtigt, als ob sie persönliche Interessen ai, der Fortführung des Krieges hätten(Unruhe links. Zurufe: Wir wollen das Flugblatt sehen, wer hat eS herausgegeben?). Das feindliche Ausland sucht Zwiespalt in unserm Volk hervorzurufen, wie seit Jahrhamderten, wenn wir m-it Waffen- gelvalt nicht bezlvungen werden konnten.(Erregte Zurufe links. Abg. Schöpflin wird zur Ordnung gerufen.) Die Aufklärung im Heer« draußen ist nonvendig. ebenso aber auch in der Heimat, denn das Heimatheer steht in viel innigerer Berü-brung mit dem Volke. Wo Mrßgriffe vorgekommen sind, ist dagegen eingeschritten worden. Es wurde die Broschüre mit meinem Vorwort erwähnt. Ich möchte doch bitten, lesen Sie die Broschüre mal genau durch. Die Kriegsziele zu behandeln schließt der Verfasser aus-drücklich aus.(Hört, hört! reckts.) Unsere Feinde baben auch eine derartige aufklärende Tätigkeit in ihren Heeren besorgt. Der Redner verweist auf eine Verfügung des Generals Petain vom Juni d. I. Ich kann es den Franzosen auch nicht der- denken,»veim sie den SiegcSwillen in ihrer Armee aufrechterhalten »vollen. Bei unk wird dasselbc- Ziel erstrebt. Ich gebe ohne wci- teres zu, daß dies« Aufklärungstätigkeit von vielen unteren Stellen nicht richtig gehandhabt worden ist. Ihr Zioeck ist allein, in unserer Armee den Geist zu erhalten, mit dem sie in den Feld- zug eingetreten ist.(Bravo! rechts.) Eine Armee, der der SicgeS- willen und die Siegeszuversicht seblt, ist ein unbrauckvareS Justru- rnent.(Sehr richtig! rechts.) Man kann sie beiseite legen und dem Feind das Uebrigv überlassen.(Lachen links.) Da wir das aber nicht wollen und Sie alle es auch nicht wollen, so werden wir eben diese Aufklärung in dem Sirnie in unserer Armee fortsetzen. (Bravo! rechts.) Staatssekretär Tr. Hclffrrich: Ich habe den Ausführungen des KriegsministerS nur wenig hinzuzusetzen.(Hört, hört! links.) Es steht nur die Interpellation über die Agitation im Heere auf der Tagesordnung und diese Frage bat„ach meiner Ansicht der Kriegsminister beantwortet.(Rufe links: Nein! Nein!) Dann gehen unsere Ansichten ausein- ander.(Lebhafte Zustimmung links.) Bitte, warten Sic ab, was ich zu sagen habe,«he Sie mir mit so lauter Kritik ins Wort fallen. Der Reichskanzler ist sich mit dem Kriegsmin-.ster und allen mili- tärischen Stellen darüber einig, daß die Politik nicht in die Armee hineingetragen werden darf. DaS will niemand,»veder von rechts, noch von links, das nnterstreicke ich. Damit ist der Rahmen für die Aufklärungstätigkeit, von der der Kriegsminister sprach, gegeben. Ich gebe zu, daß die Grenze flüssig ist, die Gegenstände berühret» sich, eS wird von dem Urteil und dem Takr der- icnigen, die die Aufklärung ausüben, abhängen, die Grenze inne zu halten, und eS wird von den vorgesetzten Stellen abhängen, dafür zu sorgen, daß gegen Mißbrauche vorgegangen»vird. Daß daS ge- schiebt und geschehen soll, hat der Ariegsininister«»»gesagt. Dann ein Wort zu einem Punkt, der das Gebiet unserer z i- vilen Berwalt»lng berührt. Ich habe den Begründer der Interpellation nicht dahin verstanden, daß er den Beamten die freie politische Gesinnung und Betätigung bestreiten will, das würde auch durchaus im Widerspruch zu den Traditionen seiner Partei liegen. Eine Grenze ist gezogen— und auch hier spreche»ch im Namen des Reichskanzlers—; ein Beamter darf jeine amtliche Stellung nicht dahin mißbrauchen, daß er auf Personen, die ihm unterstellt sind oder sich von ihm abhängig fühlen, einen Druck in politischer Beziehung ausübt.(Bravo!) Ick gebe zu, daß hier und da ein solcher Verstoß vorkomincn»nag.(Zuruf links: Hier und da?!) Lassen Sie mich doch aussprechen. Wir haben vorhin mit großer Ruhe und Geduld die Ausführungen des Abg. Landsberg angehört.(Unruhe links.) Wenn jeder hier selbst das Wort er- greift, wenn ihm etwas nicht gefällt, kann ich nicht sprechen. In dem Umfange,»vie Herr Landsberg anführte, sind Mißbräucke zweifellos nicht vorgekommen. An der Behauptung, daß im Pots- damer RegierunAsgebäude ein Bureau der deutschen BaterlandSpartei errichtet sei, ist z. B.. wie ich mich tclephonisch erkundigt habe, tein wahres Wort.(Hört, hört! rechts.) Ter Abg. Lands- berg hat an den Reichskanzler einen starken Appell gerichtet, auszusprechen, wie er zur Vaterlandspartei stehe. Nach dem Wortlaut der Interpellation lag für den Reichskanzler, der gewiß mit wichtigen Geschäften Überladen ist, lein Anlaß vor, die Interpellation selbst zu beantworten.(Lebhafter Widerspruch links.) Wenn Sie aus der Interpellation ein« große politische Debatte machen»vollen, ist da? ein anderer Fall, aber die große Debatte stand nicht auf der Tagesordnung. Ilm ans das. was auf der TavesovdMNg stand, die ÄKtwort zu erteilen, dm ich Manns genug.(Heiterkeit.) Die Stellung des Reichskbi»zIerS zu den Kriegszielen ist ein Teck der großen Debatte»in Laufe der»»ächsiei» Woche. Also warten Sie ab, bis die Debatte kommt, der Reichs- kanzler»vird dann seine Sache vertreten. Aus den Worten des Herrn Landsberg klang aber noch die Forderung, der Reichskanzler möge gegen die Vaterlandspartei einen Bannstrahl erlassen. lKuse links: Stein! Stein!) Dann brauche ich darüber kein Wort mehr zu sagen und stelle fest, daß ein solcher Wunsch nicht ausgesprochen worden»st. Ich glaube, das. was:ch gesagt habe, kann Sie be- ruhigen.(Lebhafter Widerspruch links.) Wenn Sie zu den Männern, die an der Spitze der Heeresverwaltung und der Reichs- leitung stehen, allerdings nicht Bertrauen haben(Lebhafte Zurufe links: Stein! Nein! das haben wir nicht!), so hat es keinen Zweck, vaß ich hier noch ein Wort sage. Auf Antrag des'Abg. E b e r t wird die Besprechung der Jnter- pellation beschlossen. Abg. Trimborn(Z.): Der Herr Kriegsminister meinte, es wäre nicht allzuviel Ma- tcrial für die Interpellation vorgebracht. Ich finde, daß eine Fülle solchen Materials vorgelegt worden ist.(Sehr wahr!) Daß Mißbrauche vorgekommen sind, hat. er zugegeben. Auch an uns sind zahlreiche Nachrichten über Begünstigung alldeutscher Pro- paganda durch militärisch« Instanzen gelangt.(Hört! hört!) Nach unserer Auffassung hat im Heere jede amtliche Agitation für irgendeine Partei zu unterbleiben. Das wird zur Po litis ie- rung der Armee führen und das wäre das größte Un- glück für die Armee, für das Vaterland und die Man- archie. Das beweist das Beispiel Rußland! Zkur gegen eine Agi- lation, die die Untergrabung der Disziplin zum Ziele hat. mutzte von der Heeresleitung aufs energischste vorgegangen werden. Eine politische Agitation darf aber auch nicht aus der Armee heraus ins Volk getragen werden,»oie das vielfach durch gewisse Telegramme geschehen ist.(Sehr»vahr!) Hindenburg gehört dem ganzen Volke, keiner einzelnei» Partei.(Lebhafter Beifall im Zentrum und links.) In den Richtlinien für Ausklärung mutz klar und deutlich die Politik ausgeschlossen iverden. Es wäre erwünscht, »venu diese Richtlinien veröffentlicht würden. Die..impul- siven Naturen", von denen der Kriegsminister sprach, scheinen sehr zahlreich in der Armee zu sein.(Sehr gut!) Bezug- lich der zivilen Behörden liegt so viel Material vor, daß dem- gegenüber kräftigere, entschiedenere Worte nötig wären, als»vir sie von Herrn Hclfferich gehört haben.(Lebhafte Zustimmung.) Schon der Skame..Vaterlandspartei" muß verletzend auf unsere Parteien wirken.(Sehr richtig!) Der Herzog Albrccht von Mecklenburg hat in der neulichen Ver- sammlung der BaterlandSpartei in Berlin von Parteien gesprochen. die wissentlich oder unwissentlich die vaterländischen Interessen hinter ihren internationalen Zielen zurückstellen. Ich will nicht annehmen, daß er ddmit direkt aus die Sozialdemokratie und das Zentrum hat hinweisen wollen, das wäre eine zugroßeDumm- b ei t gewesen.(Heiterkeit und Sehr gut!) Aber die Wirkung ist die, daß jetzt da» Gerede von der roten und schwarzen Internationale wieder ertönt. Daß eine solche Agitation von der Regierung unterstützt wird, müssen wir uns verbitten. (Bravo! im Zentrum und links.) Die Vaierlandspartei»st aus- drücklich zur Bekämpfung der Reichstagsmehrheit vom 19. Juli gegründet worden, die für Verständigung und dauernde Versöhnung der Völker eintritt, so wie das Graf Czernin jetzt so meister- hast geschildert hat Die BaterlandSpartei ist einfach eine O p p o- sitionspartei gegen die Regierung, und ihre amt- liche Unterstützung muß die Regierung als zwiespältig er- scheinen lassen(Sehr wahrt), was wahrhaftig ihre Autorität nicht stützen kann(Sehr richtig!) weder im Inland noch im Aus- land. Ich bin von meinen Freunden einstimmig be- auftragt, zu erklären, daß sämtliche Mitglie- der der Zentrumsfraktion des Reichstags es ab- lehnen, der VaterlondSpartei beizutreten. Das Gebot der Stunde ist nicht Spaltung, sondern Einigung.(Bravo!) Die Grundlage»st gegeben in der deutschen Antwort ans die FriedenSnote des Heiligen VaterS und wir stellen uns einmütig auf diesem Boden, weil wir hoffen, so einen Frieden zu erreichen. wie ihn unser Volk erwartet.(Lebhafter Beifall im Zentrum und links.) Abg. Tr. Thoma(natl.): Wir stehen der VaterlandSpa�te» ruhig, objektiv und neutral gegenüber. Wir find sachlich und historisch mindestens so sehr Vater- landsparte» wie irgend eine andere Partei. In den rein vater- ländischen Zielen wissen wir uns einig m»t dem, was die Väter- landSpartci erstrebt. Jeder gute Deufiche muß diese Ziele selbstverständlich unterstreichen. Das ist mit der einzige Grund, weshalb so viele Nafionalliberal« der deutschen BaterlandSpartei(Zurufe: tereingesallen sind! Heiterkeit.) beigetreten sind. ie ist eine Organisation des Protestes dagegen nicht daß, sondern »vie der Friede bisher angestrebt worden ist.(Unruhe bei den So- zialdemoiraten.) Aber nur zur Erreichung rein vaterländischer Ziele sind wir dieser Partei beigetreten. Sobald sie andere Ziele vertritt, würden wir sie verlassen. Ich gebe zu, daß schon die Be- Zeichnung als Partei ein Mißgriff gewesen ist. Im übrigen mißbilligen wir jede amtliche Begünstigung irgend einer Partei und sind uns einig mit den Interpellationen und dem Borredner, daß Abhilfe hier dringend not tut und energischer hätte zugesagt werden müssen.(Bravo!) Das Recht der Kommandobehörden allerdings, den Siegeswillen der Truppen durch aufklärende Vorträge usw. zu erhalten, muß gewahrt bleiben. Das muß aber taktvoll und mir Vorsicht geschehen. Die Politik wird dabei nicht immer ganz aus dem Spiele bleiben können, auf jeden Fall aber muß jede Partei- Politik dabei vermieden werden.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. v. Graes«(k.): Es-ist bisher nicht nachgewiesen, daß die Aufklärung der Re- gierung irgendwie parteipolitisch einseitig geivesen»st. Welche Partei ist denn durch diese Aufklärung bevorzugt worden?(Zuruf: die Zllldeutschen!) Ja, was sind denn die Alldeutschen? Jeder. »velcher Partei er auch angehört, wird von Ihnen als„alldeutsch" verfolgt, sobald er ein starkes nationales Deutschtum vertritt. (Lachen linke.) Das Wort„Partei" gebe ich gern preis, es mag un- geschickt gewählt sein, aber die Hauptsache ist doch bas Programm oieier Gründung und das geht hin, solange Hanmbal vor den Toren steht, für Aufrechterhaltung eines siegesfrohen Willens im Volke zu wirken. Das Hai mit Parleipolitik nichts zu tum Es mögen formale Ungeschicklichkeiten von Beamten begangen lein, aber darin die Hauptsache zu sehen, beweist kleinlichen For- maliSmus. Auch der„Sorwärts" mit dem Artikel Dr. Davids, der die fchloersten Angriffe gegen die Baterlaridspartei enthält, gebt ungehindert an die Front.(Zuruf: Wird der a m t l i ch verbreitet?) Ich verstehe Ihre Mißstiminurig gegen die BaterlandSpartei. Sie fürchten und auch mit Recht, daß ui dieser Bewegung eine Reak- tion einsetzt(Lebhaftes Sehr richtig! links)— eine Volksbewegung einsetzt gegen den Volksbetrug, der durch eine nichtdeutsche Presse hervorgerufen wird. Die Vaterlondspartei ist aus dem Volke hervorgewachien und diese Bewegung will man unterdrücken. Aber nach depi erfreulichen Austreten des KriegsminfsterS»vird die Regierung das Volk hinter sich haben und die sieghafte Stim- mung vom 4� August wird wieder lebendig werden und das deutsche Volk wird einen glücklichen siegreichen Frieden erringen.(Beifall rechts.) Abg. Haas(Vp.): Gegenüber der Iüllevon Material, daS der Abg. Lands-. berg vorgebracht hat, sagt der Kriegsminister einfach: Ach was, das find ein paar zusammengesuchte Fälle, ohne jedes Wort der Ableh- nung dieser Agitation. Da mutz sich im Hause Mißtrauen zeigen. Freilich, der Knegsminister»st ei» unpolitischer Man«, er schrerbt eine Einleitung zu einem Buch gegen den VerständigungS- frieden in demselben Augenblick, in dem der Reichskanzler hier eine Erklärung für einen solchen Frieden abgibt. IHört, hört! links.) Wir protestieren gegen das Zulassen der alldeutschen Slgitation im Heere und v erlangen.Klarheit vom Reichskanzler, wie er dazu steht. Die alldetUschc Agitation jaßt die vergiftenden Methoden ouS der Zeit vor dem Kriege wieder aufleben, wo man von den Sozialdemokraten als von vaterlondslosen Gesellen sprach. Die Zukunft wird demokratisch sein, und die Regierung sollte auf den Weg dazu führen und nicht sich drängen lassen. Unsere Soldaten müssen wissen, dag sie nicht für uferlose Ziele kämpfen, sondern dag wir bereit sind zum Frieden ohne Eroberungen. Sind die Feinde nicht zum Frieden bereit, so werden unsere Leute noch iahre- lang im Kampfe ausharren, nicht aber für überspannte Erobe- rungsziele.' Die Aufstellung der Vertrauensleute bei jeder Kom- pagnic, die jedes Wort der Leute dem Hauptmann hinterbringen sollen, mutz jede Kameradschaftlichkeit untergra- den.(Lebhaste Zustimmung links.) Tie frivole Kriegshetze der Alldeutschen verbreitet von dem deutschen Volke im Ausland ein vollständig falsches Bild. Die matzlose Agitation der Alldeutschen schädigt auch den Frieden im Innern, den wir brauchen, wo der Feind vor den Toren steht.(Lohafter Beifall links.) Es läuft ein Antrag Haase und Genossen(Unabh. Soz.) ein: Der Reichstag wolle beschließen, die Behandlung der Interpellation durch die Regierung entspricht nicht der Auffassung des Reichs- tages. Abg. Wcrner-Gietzen(D. Fr.): Ter Alldeutsche Verband wird durch die heutige Debatte Tausende von Mitgliedern gewinnen. lLachen links.) Die Vaterlandspartei will keine Partei sein, son- dern alle Nationalgesinnten in Teutschland um ihre Fahne scharen. Mit Hindenburg im Felde, mit Tirpitz in der inneren Politik werden wir den Frieden erringen, den das deutsche Volk braucht.(Beifall rechts.) Ein Bertagungsantrag wird hierauf gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Abg. Landsbrrg(Soz.) stellt in persönlicher Bemerkung Herrn Helfferich gegenüber fest, datz nach einer ihm gewordenen J)n- iormation im Regierungsgebäude in Potsdam in der Tat sich eine Geschäftsstelle der Vaterlandspartei befindet.(Hört! hört! links.) Präsident Dr. Kampf schlägt vor, die nächste Sitzung abzu- balten am Montag, 12 Uhr. mit der Tagesordnung: Kleinere Vor- lagen, Fortsetzung der eben abgebrochenen Debatte, Interpellation über das Vereins- und Versammlungsrecht in Verbindung mit den Fragen der Schutzhaft, des Belagerungszustandes und der Zensur. Abg. Graf Westarp(k.): ES entspricht nicht dem Brauch deS Hauses, wenn eine Jntervellationsdebatte abgebrochen ist, die Ford- ietzung auf die nächste Tagesordnung zu setzen. Ich sehe keinen Grund, diesmal anders zu verfahren. Abg. Ledebour(Unabh. Soz.): D:e Behauptung entspricht nicht den Tetsachen. Wie vereinigt übrigens Graf Westarp seine jetzige Ausfassung mit seinem vorherigen Widerspruch gegen die Ber- tagung? Abg. Paasche(natl.) lehnt ebenfalls die Auffassung des Abg. Graf Westarp ab. Abg. Graf Westarp(k.): Ich würde es begrützen, wenn im Fnter- esse der Stimmung im Lande diese Sache nickt noch einmal der- handelt wird. Daher widerspricht mein« jetzige Stellungnahme nicht meinem Widerspruch gegen die Vertagung. Ter Antrag des Grafen Westarp, die Fortsetzung der heutigen Besprechung von der Tagesordnung am Montag abzusetzen, wird gegen die Stimmen der Konservativen abgelehnt. Schlutz: bV-i Uhr.__ Ein nationalliberales Urteil. Neue Regierungskrise i Zur gestrigen Rcichstagssitzung schreibt die nationalliberale „Nationalzeitung": Das rednerische Geschick, das die Regierung bei ihren Vor- tretern autzcrordentlich fehlen Uetz, wie? der Sprecher der Jnter- vellanten der Sozialdemokraten, Abgeordneter Dr. Landsbcrg, in desto grösserem Ausmatz auf.... Lebten wir in einem parlamen- tarisch regierten Staat, so bedeutete dieses Verfahren(Helffcrichs) co ip50 die Stellung der Vertrauensfrage, also mit anderen Worten eine neue Regicrungskrisc. Es wird kaum zu einer Krise kommen, es ist auch nicht anzunehmen, datz auf Grund der veurigen Dinge das Schicksal des Nachtragsetats mit der Po- lition des Herrn Dr. Helfferich gefährdet werden wird, aber der Reichstag sollte es sich doch einmal überlegen, ob die beutigen Er- 'ignisse Herrn Helfferich besonders für Friedensverhandlungen prä- destiniert erscheinen lassen. Es bedurfte des Aufgebots aller nur rucglichen Ungeschicklichkeit der RegierungSvertrcter, um trotz der Erkenntnis dieser beiden Hauptpunkte einen für die Regierung so unglticllichen Eindruck hervoxzurufcn, wie ihn der.heutige Tag gc- zeitigt hat._. die Wiüerftänöe gegen öie demokratische Konferenz. Koalitionskabinett und Vorparlament.— Ter Ausstand der Eisenbahner. Petersburg, S. Oktober.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die Blätter melden unter Borbehalt: Die Bemühungen zur Bildung eines KoalirionSkabineltS wurden gestern den ganzen Tag über fortgesetzt, stietzen sich aber an unvorher- gesehenen Schwierigkeiten. Die Moskauer Industriellen erklärten nämlich, datz die Bildung eines Vorparlaments durch die Demokratische Konferenz eine neue Tatsache darstelle, die die politische Lage ändere. Sie sind der Ansicht, datz ein Vorparlament eine ernste Behinderung für die Bildung einer iiarken Regierungsgewalt bedeute. Es wurden daher am Abend Verhandlungen mir anderen bürgerlichen Gruppen eingeleitet, >o vor allem mit den Petersburger Kadetten. Heute wird, um ein Kompromitz zu schaffen, eine Versammlung von Mitgliedern der Regierung mit Moskauer Industriellen und Petersburger Kadetten sowie fünf Mitgliedern der Demokratischen Konferenz stattfinden. Die Blätter geben der Vermutung Ausdruck, datz die Hauptforderung der bürgerlichen Elemente für einen Eintritt in dis Koalition die sei, datz die Beranlworllichkeit der Regierung vor dem Vorparlament nur eine moralische und keine juristische sein solle.— Die Demokratische Konferenz hat mit 531 gegen 241 Stimmen beschlossen, 30S Mitglieder zum Vorparlament zu wählen. In der Vollsitzung des Arbeiter- und Soldaten- r a t s wurde die Wiederwahl deS Vollzugsausschusses beschlossen. Darauf wurde eine Entschlietzung angenommen, in der es beitzt: TaS Land wird von einer neuen Gegenrevolution bedroht, oenn die Organiiarion der kapitalistischen Gegenrevolutionäre besteht weiter, beispielsweise in Moskau, wo gegenwärtig eine Konserenz von Politikern stattfindet, auf die sich die Bewegung Kornilows stützte. Die künsflich gebildete Demokratische Konferenz ist unfähig, die Frage der Regierungsgewalt zu lösen. Das Vorparlament, in dem die konservativen Elemente überwiegen werden, wird nur ein Borwand für neue Vergleiche mit der Bourgeoisie sein. Die Gegenrevolution wird nur durch die organisierten Mittelpunkte der revolutionäre» Demokratie und ahn- tiche Organe besiegt werden können, die daher alsbald ihre ganze Kraft aufbieten müssen, um zu versuchen, sich der ganzen Gelvoll im Lande zu bemächtigen. ES soll s o s o r t ein allgemeiner Kongreß aller Arbeiter- und Soldaienrätc statt- finden, um über ein gemeinsames Vorgehe» zu beraten. Ter Vorsitzende des A u s st a n d s a u s s ch u s s e s der Eisenbahner sandte gestern an alle Bahnlinien ein Tele- gramm, wonach mit Rücksicht auf die Langsamkeit, mit der die Re- gierung die Frage der Lohnerhöhungen behandelt, in der Nacht zum 7. O tt o b e r um Mnternncht der gesamte Zugverkehr mit Ausnahme der Militär- und MunitionSzüge einge- stellt werden soll," Gestern abend veröffentlichte Kerenski Artilleriekampf in Flandern— Franzöfi- scher Vorstoß östlich Reims— Sturm- truppaktionen beiderseits der Maas. Amtlich. Großes Hauptquartier, 6. Oktober 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht. Im Kampfzeländc der flandrischen Front verstärkte sich das tagsüber kräftige S törungSfeucr am Abend zu cmzelnen Trommel- seuerwellen zwischen Poelkapclle und Ghcluvelt. Englische Angriffe crfolgien nicht; vorstoßendc Erkundungs- abtcilunge» wurden zurückgeworfen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nordöstlich von Soiffons nahm abends die Artillrrictöttgkcit a» Stärke und Planmäßigkeit zu. Nordöstlich von Reims scheiterte ein französischer Borstoß. Auf beiden Maas-Ufern brachen unsere Sturmtrupps bei Malancourt, Bcthincourt, ForgcS, Sainogneux und Bezonvaux in die feindlichen Stellungen ein und kehrten überall mit Gefangenen Zurück. Stürmisch« Witterung schränkte die Fliegertätigkeit ein; 7, feindliche Flugzeuge wurden abgeschossen. Leutnant Müller errang den 39. Luftficg. festlicher Kriegsschauplatz. Keine größeren Kampfhandlungen. Mazedonische s�ront. Mehrfach bekämpfte» sich die Artillerien lebhafter als sonst. Lestlich des Dojran-Sees wurde der Angriff eiueS englischen Bataillons durch die bulgarischen Sicherungen abgewiesen. Der Erste Gencralquartiermrister. Ludeudorf f. Abendbericht. Berlin, 6. Oktober 1917, abends. Amtlich. Im Westen bei regnerischem Wetter nichts Bc- sondcreS. Im Osten örtliche Kämpfe bei L e r e t h in der Bukowina. Ter österreichische Bericht. Wien, den tz. Ottobcr 1917.(W. T. B.) Amtlich wird ocrlautbart: Im G a b r i e l e- A b s ch n it t brach ein in de« Abend- stunden angesetzter italienischer Angriff zusammen. Sonst von keinem Kriegsschanplatz Besonderes zu melden. Der Chef deS General st abeS. einen Mahnruf an alle Eisenbahner. baS Unglück des Vaterlandes nicht durch unbesonnene Handlungsweise zu vergrötzern, sondern einige Tage zu warten, da die Frage unverzüglich entschieden werden solle. » Petersburg, 3. Oktober.(Petersburger Tclcgraphcn-Agentur.) Gestern nachmittag berieten die Mitglieder der Regierung unter Vorsitz K e r e n§ k i s mit Abgeordneten twr demokratischen Kon- ferenz, Vertretern der Moskauer Industriellen und der Kadetten- partes über die Neubildung der Regierung. Die Sitzung währte tief in der Nacht noch fort. Sie begann mit. einer Rede Kerenskis, der die Vertreter der verschiedenen politis�en und sozialen Gruppen zur Bildung eines Koalitionskabinetts aufforderte. Schtietzlich fapd die Versammlung eine Einigung über beinahe alste zur Beratung stehenden Kragen, mit Ausnahme derjenigen, welche die Organisation und den Cha- rakter des Vorparlaments und die Verantwortlichkeit der Regierung vor diesem betreffen. Um 1 Uhr nachts begannen die end- gültigen gesonderten Beratungen der verschiedenen Gruppen. » Die demokratische Konferenz über Krieg und frieden Petersburg, 6. Oktober.(Petersburger Telegr.-Agentur.) Auf der letzten«utzung der demokratischen Konserenz erklärte der Ab- geordnete Dan, datz die Konferenz nicht schlictzcn könne, ohne sich über den Krieg auszusprechen. Deswegen schlug er im Rainen der minimatistischcn Sozialistenparici und der Demokraten vor, einen Appell an die Demokratie» der ganzen Welt zu richten. Dieser Appell fängt mit der Feststellung an, datz Rußland gezwungen sei, Krieg gegen zwei Fronten zu führen, nämlich gegen den äusseren Feind und den inneren Feind. Das heisst, gegen die Gegenrevolution, die das Unglück des Vaterlandes auszubeuten suche... Bor sechs Monaten habe die russische Demokratie eine Kund- gebung erlassen, worin die Notwendigkeit deS Friedens ohne Annexionen und Entschädig üngcn auf der Grundlage deS Rechts der Völker, ihr Los selbst zu bestimmen, Än diesem Zeitpunkt, heisst es weiter, war die militärische Lage Russlands verhältnismässig günstig und die gegnerischen Mächte suchten mit ihm einen ehrenvollen Frieden zu schliesscn. Aber Russ- land wies den Gedanken eines Sonderfriedens mit dem deutschen Imperialismus ab und hoffte, dass die Völker der beiden Koalitionen sich erheben und ihre Regierungen zu einem allgemeinen demokratischen Frieden zwingen würden; indessen kam dieser Frie- den nicht zustand«, und seitdem hat sich die militärische Lage Russ- lands beträchtlich verschlechtert. Die Deutschen benutzten Russ- laads Desorganisation und drangen in das Innere des Landes ein. Sic ermutigten dadurch die militaristische Gegen- r c V o l u t i o n. Der Appell geht dann über zu den beunruhigenden Gerückten, die das russische Voll bewegen. Die Gerüchte behaupten, es bestehe die Absicht internationalistischer Elemente, einen Frieden auf Kosten von Russland zu verwirklichen. Tie russische Demokratie erklärt in dem Appell, dass sie mitallcn Kräften den, Eindringen fremder Armeen in das Vater. 1 a ii d Widerstand l c i st e n werde. Sie werde nicht dulden, datz man seine Gebiete an sich reitze,� oder.'Hand an seine Unabhängigkeit lege. Aber die Sache der Verteidigung des revolutionären Rutzlands sei auch die einer jeden Demokratie der Welt. Die Unterdrückung der russischen'Revolution würde den Frieden bedeuten auf Kosten der Beraubung eines der kriegführenden Länder und würde die Welt vor eine neue Rackcdrohung und vor neue Rüstungen stellen. Deshalb richtet die demokratische Konferenz, indem sie den Gedanken einer internationalen sozia. listischcn Konferenz begrützt, einen Appell an die Demokratie der ganzen Welt, zu den Friedens- a n st r c n g u n g e n der russischen Revolution b e i z u- tragen. Das Bureau der Konferenz beratschlagte über den Appell Dan, nachher gab der Präsident folgende Erklärung ab:„Die deniokratiscvc Konferenz bestätigt den festen Willen der ganzen russi- schen Demokratie, für die Verwirklichung eiues Friedens nhnc Annexionen und Entschädigungen zu kämpfen, und drückt den Wunsch aus, datz dieser Wille in einem Manifest ausgedrückt wird, dessen Wortlaut vom Präsidium der Konferenz festzustellen ist, das zu diesem Zwecke durch Vertreter gllex an der Konferenz beteiligten Parteien ergänzt wenden soll.— Die Konferenz nahm mit allen Stimmen gegen ein« den Borschlag an unter dem Ruf:„Es lebe der internationale Friede". Di« erste Sitzung des Vorparlaments wird am 6. Ottobcr im Rathaussaalc stattfinden. 5mnlanö— Republik? Helsingfors, 5. Ottobcr.(Petersburger Telegraphen- Agentur.)„Naakansa", das Blatt der Agrarpartci, veröffentlicht einen Artikel, der die finnische Bevölkerung auf eine neue politische Ordnung vorzubereiten scheint, deren Entwurf schon im Senat ausgearbeitet worden ist. Er wird demnächst einer Konferenz der politischen Parteien zur Prüfung vorgelegt werden. Das Blatt hält es für sehr natürlich, daß der neue Landtag sich als B e r- fassunggcbende Versammlung und Finnland zur Republik erkläre. Die Lage in ßlanöern. Berlin, 3. Okioder. Die ungeheuren blutigen Verluste der Engländer bei ihrem ergebnislosen Entscheidungskampf am 4. Ok- tobcr bestätigen sich. In die dichten Massen der ticfgegliederten englischen Sturmtruppen— allein beim Frühangriff wurden rund 100 000 Mann auf einer Breite von 15 Kilometern eingesetzt— schlug unser vernichtendes Sperr- und Abwehrfeuer, von dem auch die dichtauf folgenden feindlichen Reserven gefatzt wurden. Im späteren Verlauf des Kampfes räumte unser von vielen Stellen aus einsetzendes Maschinengewehrfeuer furchtbar unter den englischen Sturmkolonnen auf. Dasselbe Schicksal erlitten bei dem zweimaligen abendlichen vergeblichen Ansturm westlich P a s s ch e n- d a e l e und beiderseits der Chaussee D p e r n— M« n i n die erneut in den Kampf geworfenen frischen Kräfte des Feindes. Die englischen Berichte versuchen dem eigenen Volk die Verluste als „unglaublich gering"- darzustellen, wie die„Daily Mail" sich aus- drückt. Di« Berichte über die englischen Verluste sind allerdings unglaublich. Den stereotypen Behauptungen-dieser Berichte steht eine öffentliche Zusammenstellung der englischen Verlust« gegenüber, nach der die Verluste der grotzen Kämpfe im August und September über die Matzen hoch gewesen sein müssen. So betrug die Zahl gefallener, verwundeter und vermißter Offiziere an einem Tage 2ll, am anderen Tage über 400. Diese Zahlen bedeuten die größten Offiziersverluste, die während des ganzen Krieges an einzelnen Tagen gemeldet wurden. Am 5. Oktober steigerte sich an der Flandernfront nach vor- übergehend wechselnd starkem Störungsfcuer von Mittag ab die Artillerictätigkeit auf dem Kampffclde von Poelkapelle Bis zum Kanal bei Hollcbcke zu heftigen Feuerüberfällen und ging gegen Abend mehrfach zum Trommelfeuer über, das besonders zwischen Zonnebeke und Gheluvelt von besonderer Stärke iv-ar. Feindliche Jnfaniericangrisfe erfolgten nicht. Schwächere Pa- trouillen, die westlich Poelkapclle und nordwestlich Becclaerc vor- gingen, wurden abgewiesen. Während der Nacht hielt zwischen Langemarck und Hollebeke das feindliche Zerstörungsfeuer in grosser Stärke an. Belgische Ortschaften und Städte weit hinter der Front er- hielten wiederum ohne ersichtlichen Grund planmäßigen Beschuß. Englischer Heeresbericht vom 5. Oktober. Jnfan- teriekämpfc von Bedeutung fanden heute an der Kampffront nicht statt. Unsere Truppen befestigten ihre Stellungen. Von der iib-ri- gen englischen Front ist nichts zu melden. Die Zahl der fest gestern morgen gemachten Gefangenen beträgt 4446, darunter 114 Offiziere. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 5. Oktober. Amtlich. Durch die Tätigkeit zmscrer U-Boote wurden im Sperrgebiet um England neuerdings 17000 Sr.-Reg.-To. versenkt. Unter den vernichteten Schiffen dcfande» sich drei bewaffnete Dampfer, von denen zwei englischer Nationalität waren, ferner der englische Fischkutter„P. M. 300 Ronald". Ter Chef des Admiralstaics der Marine. » Berlin, 6. Oktober. Neue U-Boot-Erfolgc auf dem nördlichen Kriegsschauplatz: 17 000 Br.-Reg.-T. Unter den versenkten Schiffen befanden sich der bewaffnete englische Dampfer Santo ren mit 4600 Tonen Gaskoks für Archangelesk und der englische Dampfer St. Margareth. Von dem bewaffneten englischen Dampfer San- taren wurde der Kapitän und der 1. Offizier gefangen genommen. Ter Chef des Admiralftabes der Marine. Das Schicksal ües Hilfskreuzers Seeadler. Washington, 5. Oktober.(Rrutermcldung.) Nach einem Telegramm aus Tutuila(Samoa-Jnseln) an das Marincdcpartemeni, ist dort ein offenes Boot mit dem Kapitän deS amerikanischen Schooners C. Stade angekommen. Dieser teilte mit, daß der deutsche Hilfskreuzer Seeadler am 3. August bei M o p e l i(Lord Howe- Inseln) gestrandet und von der Bcmannmig verlaffen war. Einige Zeit später erbeutete die Bcmannnng eine Motorschaluppe und den französischen Schooner Lutäcc, die sie be- waffnete und mit denen sie am 31. August brzw. 5. September i n S e e stach. Bevor der Seeadler strandete, hatte er die ameri konischen Schooncr C. Stade, A. P. Johnson und Manila in den Grund gebohrt. Im englischen Unterhaus wurde vor kurzem geäussert, das Schicksal der auf den Weltmeeren tätigen deutschen Hilfslreuzer sei nicht unbekannt; es schien, dass verschleiert der Untergang der lapseren demschen Schiffe angedeutet werden sollte. In der Tat ist der Seeadler— einst eine amerikanische Bark, die noch Kuxbafen auf- gebracht war— aus der Reihe der kämpfenden Schiffe ausgeschieden, aber offenbar nicht als ein Opfer feindlicher Unternehmungen. Die Mannschaft hat das Schiff freiwillig aufgegeben und fetzt mit einem anderen Fahrzeug, das dem Feinde abgenommen und für feine neue besondere Aufgabe hergerichtet wurde. Fahrt und Arbeit fort. Die Lord Howc-Jnsel liegr in der Südsee östlich von Reu- Guinea und gehört zur Gruppe der SalomonS-Jnselir. Die erste Kunde von dem Seeadler kam im März dieses Jahres, als eine französische Bark die Mannschaft von elf versenkten Schiffen m Rio de Janeiro landete. Lekte Nachrichten. Ilm die Staaksgcwast in Rußland. Petersburg, 6. Oktober.(Petersburger Tel.-Ag.) Nach Wieder- aufnahm« der Besprechung zwischen den Mitgliedern der Regie- rung und den Vertretern der demokratischen Konfe- r e n z gab N a b o k o w im Namen der Gruppe dcrvürgcrtichen Bcrireier deren Bedingungen bekannt. Z e r e t e Ii i erklärte sich namens der Vertreter der dcmokratisi'en Konferenz zu einer Verständigung bereit unter Bedingungen, die der Demo- kratie annehmbar"seien und die endgültige Genehmigung seiner Auftraggeber haben müsstcn. Am 7. Oktober wird die Besprechung fortgesetzt, um die genauen Bedingungen für eine Veriiändigunz; festzusetzen.> Der ungeheure Bedarf an Menschen, den dieser Krieg erfordert, hat im Jahre 1916 einen weiteren Rückgang der Zahl der mann- l i ch e n Mitglieder der Gewerkschaften Ucnirsacht. Der Ersatz, der > für die zum Heeresdienst eingezogenen Berufsarbeiter in die Betriebe eimritt, ist vielfach nicht sofort für die gewerkschaftlichen Organi- sationen zu gewinnen. Der tiefste Stand der Bewegung scheint jedoch am Ende des Jahres 1916 erreicht worden zu sein. Von da ab setzt eine Zunahme der männlichen Mitglieder und damit eine Vermehrung deZ GesamtmitglicderbestandeS der Gewerkschaften ein. Die der Generalkommission angeschlossenen 46 Zentralvcrbäude lohne die Verbände der Hausangestellten und Landarbeiter) hatten 191S im JahreSdurchschnict 744 992 männliche, 189895 weibliche, zusammen 955887 Mitglieder. Gegen das Vorjahr ist ei» Verlust von 199 166 männlichen Mitgliedern eingetreten, während sich die weiblichen Mit" glieder um 3694 vermehrten, so daß ein G e sa m r v e r lu st von 199 472 Mitgliedern zu verzeichnen ist. Das 4. Quartal 1916 weist mit 984 784 Mitgliedern die niedrigste Bestandszisfer auf. Mit dem Jahre 1917 geht es loieder aufwärts. ES betrug die Mit- gliedcrzahl in diesem Jahre am Schlich des ersten Quartals 996 962 und am Schlus; des zweiten Quartals 1 976 493. DaS ist ein Mehr von 141 799 Mitgliedern gegenüber der Schlubzabl des Jahres 1916. Beachtenswert ist, daß an dieser Zunahme auch die männlichen Mitglieder eiuen erheblichen Anteil haben. Es stieg ihre Zahl während des ersten Halbjahres 1917 um 82 521, trotz des in dieser Zeit erfolgten Abgangs durch Einberufung zum Kriegsdienst. Der nach Kriegsausbruch eingetretene Rückgang an w e i b- 1 i ch e n Mitgliedern erreichte bereits am Schlutz des Jahres 1915 mit 169 997 den tiefsten Stand. Im Laufe des Jahres 1916 stieg dann die Mitgliederzahl auf 197 993 und am Schlich des zweiten Quartals 1917 hatten die Zentralverbände 256 196 weibliche Mit- glieder, 42 179 mehr als vor Kriegsausbruch. Die seit 1916 ein- getretene erfreuliche Vermehrung de§ Mitgliederbestandes der Ge- werkschakten übersteigt die Erwartungen und berechtigt zu der Hoff- nung, daß es trotz aller Schwierigkeiten weiter aufwärts mit der Gewerkschaftsbewegung gehen wird. Die Hindernisse sind nicht gering. Schwer empfinden die GeWerk- schasten den Verlust der Vertrauensleute, die in kleineren Orten die Zweigvereine in mühevoller Arbeit, ohne Entschädigung aufrechterhielten. Diesem Verlust ist wohl die Verminderung der Zahl der Z w e i g v c r e i n e der Verbände zu- zuschreiben, die von 1914 bis Jahresschluß 1916 von 11 197 auf 9868 sank, sich also um 2439 verminderte. Auch die Zahl der b e- soldeten Gewerkschaftsbeamten ist in den drei Kriegs- jähren erheblich geringer geworden. Sie ging von Mitte 1914 bis Ende 1916 von 2867 auf 1269, um reichlich die Hälfte, zurück-, 1593 Angestellte wurden bis 1916 zum Heeres- dien st eingezogen. Beim Entzug so vieler.Kräfte ist es schwierig, den Organisationsapparat aufrechtzuerhalten. Dabei mutz immer toicder betont werden, daß die Arbeits- last der Funktionäre während des Krieges erheblich gemachten ist. Zu der Fürsorge für die Familien der Kriegsbeschädigten, den Arbeile» bei der Regelung der Nahrungsmittelverteilung sind die durch das H i l f s- d ie n st g ersetz bedingten hinzugetreten. Die Lösung des Konflikts zwischen Unternehmern und Arbeitern erfordert heute bei der Art des Verhandlungsweges oft mehr Zeit und Arbeit als in "Friedenszetten. Die Einnahme» der Verbände sind, wie erklärlich, während des Kriege? stark zurückgegangen. Sie betrugen: 1913: 82 995 589 M.. 1914: 79 871 954 M.. 1915: 41 593 227 M.. 1916: 34 927 248 M. Aber auch die Ausgaben GewerkschafisbewEung Tie Berliner Zimmerer und die Lohnfrage. Bei den Darifverbandlungen im Frühjahr dieses Jahres wurde festgestellt, datz der Verband der Baugeschöfte von Grotz-Berlin sowohl alS auch der Zsntralverband der Zimmerer im Prinzip bereit waren, einen neuen Lohntarif abzuschließen. Dieser An- regung wurde kürzlich Folge gegeben, worauf eine gemeinsame Verhandlung stattfand. Die Arbeitgeber erklärten, V-ß sie bereit seien, den Zimmerern dieselben Lohnsätze zu gewähren, welch« sie im August dieses Jahres mit den Maurern vereinbart hätten; nämlich ab 1. September 1917 1,59 M., ab 17. November 1917 1,69 M. und ab 2. Februar 1918 1,65 M. pro Stunde. Darüber ** j.*.» haben sich stark vermindert. 1914 betrugen sie noch 79 547 272 M., sie waren noch um 4 Millionen höher als 1913, da mit Kriegs- ausbruch die Gewerkschaften erhebliche Kosten an Uuterstützuitgen zu tragen hatten. Wurden doch in diesem Jahr allein an Arbeitslosen-. Unterstützung 23 718 992 M. verausgabt. Das Jahr 1915 verzeichnet eine Ausgabe von 34 938 864 M. und im Jahre 1916 betrug sie nur 39 974 948 M. Bedeutend zurück ging die Arbeitslosen- unter st ützung, und zwar von 3 485 423 M. im Vorjahr auf 1 449 133 M. im Berichtsjahr. Dagegen stieg die Ausgabe für K r a n k e n u n t e r st ü tz u n g von 2 425 933 M. auf 3 664 592 M. Für Lohnbewegungen, Streiks und Allssperrungen wurden 175 529 M., für Unterstützung in Notfällen 393 966 M., für Unter- st ützung an Fatnilten von Kriegsteilnehmern 5 992 964 M.<1915: 8974 985 M.). für Beihilfe in Sterbe. fällen 1266799 M. verausgabt. Obschon die Verbands- o r g a n e 1916 noch unter grötzeren Einschränkungen als im Vor- jabre erichienen, stieg die Ausgabe dakür von 1 225 165 M. auf 1 246 291 M., was den erhöhten Druck- uild Papierpreiien zuzu- schreiben ist. Der Kassenbcstaiid der Verbände betrug am Schluß 1916: 67 329 137 M., darnnler fehlt jedoch das Vermögen des Metall- arbeiterverbandeS. Gleich den Jentralverbänden haben auch die Hrrfch-Dunckerfchen Gewerkvereme im Jahre 1916 einen weiteren Mitgliederverlust erlitten. Ihre Zahl ging von 61968 im Jahre?915 auf 57 766 im Jabre 1916 zurück. Die Gesamteinnahme betrug 1753 387 M., 146 483 M. weniger als 1915 und die Gesamtausgabe belief sich auf 1672 232 M.; sie ist um 186 436 M. höher als im Vorjahr. Der Grsamwerband der christlichcit Gewerkschaften berichtet, daß die Jahrcsdurchschnittsziffer des Mitglieder- bestandcs einen Rückgang von 1837 Mligliedern aufweist. Am Jabrcsschluß wäre jedoch eine Mitgliederzunahme von 16 482, von 162 525 ans 178 997 zu verzeichnen. Diese Zahlen werden jedoch beeinflußt durch den im Jahre 1916 erfolgten Zutritt von zwei weiteren Organisotionen, den Verband der Angestellten mit 357 und den Bayerischen Postverband mit 19 874 Mitgliedern. Die Gesomteiilnahmen der christlichen Gewerkschaften beliesen sich 1916 auf 3 231 432 M. gegen 3 317 847 M. im Vorjahr. Die Ausgaben verringerten sich von 3 506 897 M. 1915 aus 2 901 213 M. 1916. *• » In der finanziellen Leistungsfähigkeit sind die Zentral- verbände den beiden andern OrgamsationSrichtungcn weit über- legen. Diese Tatsache drückt sich nicht nur in den numerisch größer« Einnahme- und AuSgabcsummen aus. sondern tritt auch hervor bei dem Anteil, der auf jedes Mitglied von den Ausgaben für Unter- siützung entfällt. ES verausgabten für alle Unterstützungszweige einschließlich der Ausgabe für Rechtsschutz die Zentralverbände 13 457 319 M., oder pro Mitglied 14,98 M., die Gewerkvereine 88 959 M. oder pro Mitglied 1,54 M., die christlichen Gewerkschaften 1 949 716 M. oder pro Mitglied 6,92 M. Die Gewerkschaften baben auch im dritten KriegSjahr die Politik verfolgt, die sie bei Kriegsbeginn einschlugen. Sie läßt sich in die alle Formel kleiden:„Sicherung der Jnteresien der Arbeiter- Ilaffc". Allerdings, Voraussetzungen und Bedingungen für die Er- reichung dieses Zweckes find andere als in Friedcnzeilen. Ohne Uebertreibung kann man sagen, daß der Einfluß der Gewerkschaften im Laufe des Krieges gewachsen ist. Sie haben sich damit als eine wirtschaftliche Kraft erwiesen. Daß ihr Mitgliederbestand und ihre Einnahmen um die Hälfte verringert sind, als im Jahre vor dem Krieg, ist eine so selbstverständliche Erschemung� die nicht erst erklärt zu werden braucht. Die Prüfung der Ergebnisse der Statistik zeigt, daß die Gewerkschaften nach dreijähriger Kricgsdauer ihre Aufgaben genau so zu erfüllen vermögen, wie zu Kriegsbeginn. binaus vicintcn die Arbeitgeber nicht gehen zu können, dagegen würden sie bereit sein, hinsichtlich der Termine, zu welchen die Zulagen bei den Maurern in Kraft treten, den Zimmerertl cnt- gegenzukommen. Von den Vertretern der Zimmerer wurde unter Darlegung der Berufs- und Wirtschaftsverhältnisie erwidert, daß es ganz ausgeschloffen sei, daß ein Angebot, welches nicht höhere Lohnsätze enthalte, von den Zimmerern angenommen würde. Daraufhin wurden die Verhandlungen abgebrochen, nachdem die Vertreter der Parteien sich bcrciterklärt hatten, über das Ergebnis der Verhandlungen in ihren Organisationen Bericht zu erstatten und Beschlnh zu fasten. Das ist inzwischen geschehen. Der Ver- band der Bangeschäste hat bcschloffen, daß er es ablehnen mutz, den Zimmerern Anerbietungen wegen der tariflichen Festsetzung eines Kriegslohncs zu machen, die über die mit dem Bau- aröeiterverband getroffenen Abmachungen binauSgeben, und er nur damit ciuvcrstondcn sein kann, daß eine mäßige Ver- schiebung der Termine, an denen die Kriegsteuermtgszulageu bei den Maurern eintreten, den Zimmerern zugebilligt werden, llvd die Zohlstellenversammlung der Zimmerer hat den einmütigen Beschluß gefaßt, daß sie es ablehnen muß, eine Lobnvereinbarnng zu treffen, die Löhne Vorsicht, wie sie von den Vertretern des Per- bandcs der Bangeschäste in der vorerwähnten Verhandlung in Vorschlag gebracht wurden. Mithin bleibt bei den Zimmerern der bisherige Zustand bestehen, das heißt, jede sich bietende Gelegenheit zur Erringung angemessener Lohnsätze auszunützen. parteinachrichten. Die Spaltung des Leipziger Gcwcrkschaftskartells. Aus dem Leipziger Gewerkichaflskartell sind aui Betreiben der Unabhängigen Sozialdemokratie in den letzten Wölben eine Reihe von örtlichen Gewerkschaftsverwaliungen ausges-bieden, um dadurch ihrem Prolest gegen die politische Hallung' der Anaestelllen des Kartells und gegen die Politik der Generalkommiiston Ausdruck zu geben. Die ausgeschiedenen Gewerkschaften fordern liunmehr zur Gründung eines unabhängigen GewerkichastSkarlells auf. das ein unadbängiges Arbeiierielretanar gründen und einen unabhängigen Gewerkichastsselretär zur Auskunftserteilung anstellen soll. Das ist der erste offene Schrill zur Spaltung der Gewerkschaften, der von den Unabhängigen unternommen wird. Er hängt zusammen mit dem Beschluß der Leipziger Unabhängigen, daß in gemeinsamen Kommissionen der Partei und der Gewerkichaiten nur solcbe Vertreter sitzen dürsten, die bei den Unabhängigen politisch organisiert seien. Der Leipziger Kartellausschuß hat auf diese Zumutung den Beschluß gefaßt, daß die in die gemeinsamen Ausschüffe entsandten Kartellvertreter ans- schließlich Gewerkschaftsvertreter, niemals aber Vertreter einer be- stimmten varteipottlischen Richtung seien; darüber, wen das Kartell als Vertreter in die gemeinsamen Ausschüsse entsenden wollte, habe es selbständig, unbeeinflußt von außerhalb des Kartells stehenden Organisationen und nach rein gewerlschaftlichen Grundsätzen zu entscheiden— das Kartell lehne daher das Ver- langen ab. nur Vertreter zu entsenden, die einer bestimmten Partei- richtung angehörten. Die Antwort aus diesen Beschluß, der für jeden Eewerkichasller ja nur Selbstverständliches sagt, ist nunmehr die Gründung eitles eigenen Leipziger Kartells der Unabhängigen. Solange diese luidische Rechthaberei, die jede Rücksicht der Arbeiter- bewegung mit Füßen tritt, sich noch ansschließlich auf die örtlichen Orgallisationeil beschränkt, ist sie verhältnismäbig ungefährlich. Zu einem schweren Schlag gegen die gesamte deutsche Arbeiterschait würde dieser KersplitterungsfanatiSmus erst werden, wenn er auch die Zentralverbände ergriffe. Urabstimmnng im Verein„Arbeiterpresse". '.lcber die vom Vorstand borgeschlagene Beitragserhöhung aus 8 M. monatlich ab 1. Januar 1918 findet eine Urabstimmung statt. Dieselbe wird am 15. Oktober geschlossen. Llsten zur Abstimmung liegen ouS: Expedition des„Vorwärts", Lindenstraße 3. Laden; Btneau der Berttner Gewcrkschaftskommisfion, Engelufer 15 I. 23 Jahre Redakteur. Die„Franlfurter Volksstimme" widmet ihrem verdienstvollen ausscheidenden Chesredaklelir Dr. Quarck einige Zeilen wohlerworbenen Dankes. Dreiundzwanzig Jahre, seil November 1894, hat Quarck als Redakteur unseres BlarteS auf dem Posten gestanden; und es waren dreiundzwanzig Kampsjahre! Kein Kämpfer, der nichr Narben öavon trägt; und kein soziatdemolranscher Redakteur, dem nicht die herrschende Gewalt„Orden und Ehrenzeichen" anhängt, für die das Gericht das Verzeichnis führt. Auch Quarck faß fünf Monate in dem großen grauen Haufe zu Preungesheim! Wie er als junger Mann die Maßregeinitg aus dem Justizdienst hinnahm, weil er zu sehr für Gerechtigkeit stritt, so hat den gereisten Mann die gerichtliche Be- sirafung nicht irre gemacht. Er wußte sich um so mehr geachtet und angesehen bei der Arbeiterklasse, deren soziale Befreiung sein Wille« und Schaffen galt. Dr. Quarck hat durch lange Jahre un- crmüdkich Kopf und Herz darangesetzt, um dem Protelarial Rat- schläge und Hinweise zu geben für Verbesserung der Organi- sationen und überlegtes, geordnetes Vordringen zur Besetzung immer neuer Positionen. Tic„VolkSstimme" dienle ihm dabei als ein Werkzeug, das er immer neu schärfte und wirkungsvoller machte. Die Geschichte dez:„Volksstimme" ist zu, einem guten Teil ein Stück Lebensgeschichte unseres Kollegen Quarck. Bei seinem Scheiden sei ihm von Redaktion und Verlag gedantt für langjährige Hingabe an das gemeinsame Werk. Quarcks Scheiden aus unterer Redaktion bedeutet keine Einschränkung feines öffentlichen Wirkens. Seine Milarbeit bleibt der„Volksstimme" erhalten. Unter seinem Namen Ivird Dr. Quarck auch künflig Beiträge in der„Bollsstimme" ver- öffentlichen und so wird das alte Verhältnis zwischen ihm und den Lesern den Wandel überdauern. Verantwortlich fiir Politik: Erich Sutturr, Perlin: tür den übrigen Teil deS PiatleS: Alfred Scholz, Neukölln: für Jnferatc: Tl>. vilocke, Verlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Leriagsanstatl Paul Singer& Co., Verlin sw. Hierzu 3 Veilagen. A.WERTH E1M Seidenstoffe Blusenseide»chottisch kariert....... Mtl. 5.75 Einfarbige Seidenstoffe in viel Farben, etwa 45 cm br. Japonseide einfarbig and bedruckt, etwa 60 cm breit. 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Staatssekretär Wallraf: Mtzn darf dem Offizierkorps keine Angstmeierei vorwerfen. Beim Obersten Militärbcfehlshecher sind nur etwa> 100 Beschwerden eingegangen, die sämtlich rasch erledigt wurden. Tie matzgebendcn Instanzen sind der Meinung, datz der Antrag Erzbergrr den Bedürfnissen genüge. Die.yercin- ziebung des Reichskanzlers in die Entscheidung über die Verbore von Zeitungen, ist eine Unmöglichkeit. D i c Bef r i stu n g eines Verbots ist zu begrützcn. der Antrag Heine aber zieht diese Frist zu eng und ist deshalb nicht annehmbar. Abg. Erzbergrr weiß nicht, wie sein Name unter den Antrag komme. Am besten ist es, wenn man den vmn Ausschutz bereits beschlossenen Zensurantrag Rr. 566 einfach erneuert. Der Antrag Heine hat einen sachlich berechtigten Kern, vielleicht könne man das Verbot auf drei Tage befristen. Ans dem Gebiet der Zensur ist es nicht besser, sondern schlechter geworden. Tic Zensur verbietet heute schon die Bcrkündung der Lehren des Christentums. Ein Buch dieser Art hat das XIX. Armeekorps verboten, wegen seines pazifistischen Inhalts. Es ist ein Skandal, datz irgend«in Major solche Werke verbieten kann. Das ist Angstmeicrei von Leuten, die noch keinen Schutz Pulver gerochen haben. Staatssekretär Wallraf: Abg. Erzbevger müsse den Antrag, der seinen Namen trägt, doch mindestens gelesen haben. Im letzten Vierteljahr sind nur 20 Zeitungen aller Parteirichtungen verboten worden. Der Vorsitzende stellt fest, datz dem Antrag Erzberger nach den gehörten Erklärungen eigentlich der Boden entzogen sei. Abg. Gothein iVp.) teilt mit. datz der ganze Buchhandel der Deutschen Friede nsgesellschast seit zwei Jahren unterbunden ist. Abg. Erzberger beantragt, im Antrag Heine zu sagen:„drei Erscheinungstage". Der Antrag Erzberger und Genossen gilt als erledigt, der Antrag Heine wird mit der vom Abg. Erzberger beantragten Ab- Lndcrung einstimmig angenommen. Nächste Sitzung: Montag.(Besetzte Gebiete.) Wik Es gibt nur einen Erfolg: »«.End erfolg! iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiOiiiiii D le siebente Kriegsanleihe soll ihn besiegeln. Nur nicht nach- lassen, nicht mürbe werben in letzterStunde!- Keinem deutschen Krieger wird es einfallen, plötzlich im entscheidenden Sturmangriff zurückzubleiben. Ebenso wenig darf jetzt zu Haufe auch nur ein einziger mit seinem Gelde fehlen. Mit der siebenten Kriegsanleihe muß der Sieg im Wirtfchastskampf erfochten werden! Dann ist der Krieg gewonnen! Darum zeichne! �inöenburg-Keiern gegen den Reichstag. Der fortschrittliche Abg. W a l ll st c i n hat nach der„Lid. Corr." am 5. Oktober folgendes schreiben an den Kriegs- minister gerichtet: „Aus Veranlassung des stellvertretenden General kam- mandos des 9. Armeekorps ist in Altona ein AufklärungS- ausschuh gebildet worden. In einer von diesem am 3. laufenden Monats veranstalteten öffentlichen Hindenburgscier, bei der auch der Unterzeichnete auf besondere Einladung anwesend war, hat der von dem Generalkommando mit der Festrede betraute Hauptmann Otte vom Kriegsamt in Altona den Deutschen Reichstag für den Verlaus der Marneschlacht und die lange Dauer des Kriege? verantwortlich gemacht. Er erwähnte die vor der Marneschlacht er- folgte Wegnahme von Truppen vom Westen nach dem Osten und sagte in diesem Zusanrmenhand etwa folgende Worte: „Mit der Verlängerung des Krieges haben wir bezahlen müssen, was kurzsichtige Sparsamkeit und kleinliche Parteisucht des Reichstages der Heeresverwaltung im Frieden voren!- halten hat." Diese schwere, in beleidigender Form ausgesprochene Bcschuldi- gung des Reichstags widerspricht der offenkundigen Tatsache, datz seit zwanzig Jahren sämtliche Militärvorlagen schließlich restlos vom Reichstag bewilligt worden.sind. Sie reizt das Volk gegen den Reichstag auf und bedeutet eine schwere Gefährdung des öfsent- lichen Friedens, insbesondere auch des Burgfriedens, zu welchem der Feldmarschall v. Hindenburg, dem die Feier galt, in eindring- lichen und erhebenden Worten gemahnt hat. Wie die Aeutzernng vom Standpunkt des Taktgefühls zu bewerten ist, überlasse ich dem Ermessen Eurer Exzellenz. Ich bitte Eure Exzellenz ganz.er- gebenst, in eine Prüfung dieser Angelegenheit eintreten zu wollen." Dazu wäre vom sozialdemokratischen Sttrndpimkt mis zu bemerken, daß-die sozmlbemoiwatische Rcichstagsfraktion die vom Reichstag angenommenen Militärvorlagen abge- lehnt hat: aus guten Gründen, über die sie ihren Wählern jederzeit Rede zu stehen bereit ist. In Köpenick bei Berlin, hat auf der Hindenburgfeier ein Rektor Runge folgendermaßen gegen die Reichstagsmehrhett getobt: t! ich doch will bange Sorge unser Herz beschleichen. wenn wir unser'Auge prüfend auf die Dahcimgcbli ebenen, richten.. Zer- setzende Kräfte sind an der Arbeit! Wichtigtuer, Gernegroße, moderne Weltverbesserer bläbcn sich auf, führen das große Wort nn Munde, möchten unscrm HindenburgVprschrtsten machen, ihm wohl gar in den Arm falle«, damit nur nicht zu viel gesiegt werde! Soweit zu sehen ist. haben die Mdeutschen und Vater- landsparteiler überall Hindenburg zu ihren eigenen Partei- zwecken gefeiert. Das heißt: die innere Gmhett fördern! Ein Gottesmann zum„(Quietschend TeS Pastors Herzenswunsch. Im Dortmunder„Kirchlichen Anzeiger" versteigt sich ein Herr Pastor Bartels in der politischen Wocheckiidersicht zu folgendem frommen Spruch: „Die Mlgehcnre Mehrheit der Deutschen will nicht ihre GeschÄe von Agitatoren wie Erzberger und Scheidemann geleitet wissen, sondern von klarblickenden kühnen Staatsmännern wie Tirpitz. und Millionen und aber Millionen würden der Regierung zujauchzen, wenn sie die sogenannte ReichstagSmchrheit an die Wand drückte, daß sie quietschte." Nun wollen wir den Herrn Pastor nicht fragen, woher er das weitz. Auch die Tatsache, daß man ein evangelischer GotteSmann und unentwegter Heimkrieger zugleich sein kann, braucht nicht erst durch Herrn Bartels bewiesen werden. Nur eins möchten wir ihm in Hinblick auf seine Amtswürde empfehlen: In der nächsten SonntagSpredigt nicht etwa auf das Thema. Christliche Demut" oder gar auf das Jesuwort von der rechten und der linken Wange zu verfallen, es könnten sich sonst stets Leute zum„Quietschen" versucht fühlen, die ganz und gar nickt zur vermaledeiten ReichstagSmehrheit gehören... Die welche Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhunderts. oj Von R. France. „Ein relegierter Sttidcnt wagt mit Bettelbriefen Ew Exzellenz zu stören", schrillte Besl im höchsten Diskant und der Graf wollte schon dem vermeintlichen Bittsteller den Rücken kehren, da hob dieser den Brief hoch. Kaum erblickte Mora- witzkt) die ihm wohlbckamtten Schriftzkge, so nahm er sofort den jungen Menschen beini Arm. stieß ihn vor sich her in das Zimmer hinein und schlug die Tür dem sprachlos erstarrenden Schreiber vor der Nase zu. „Warum sagt er nicht gleich, wer ihn schickt?" herrschte er den Studenten an, wartete aber dessen Beteuerungen und Klagen nicht ab, trat rasch ans Fenster und überflog voll Seligkeit die zierlichen Zeilen: „Graf! Ich war nicht aiinable(liebenswürdig) zu Ahnen und Morpheus scheuchte mir den Schlaf dieser Nacht, �sollte das Strafe sein? Armida bereut eine Kälte, die Hannibal nicht verdiente. Ich sehne mich nach Ihrer Gesellschaft und erwarte Sie nach dem Angelus. Tres affectueuse Lison." Am liebsten hätte er den Ucberbringcr dieser überraschen- den Botschaft umarmt.... Was war da geschehen? Welche Wandlung in dieser Nacht, gerade nach allem, was ihm die verräterische Zofe erzählt hatte. Eitel lächelnd blickte er immer wieder auf die wenigen Zeilen und verlor so sehr alle Kontenance, daß er des Fremden vergaß, vor einen Spiegel trat und sich nach diesem Sieg voll Genugtuung musterte. Michalansky hätte jeder Menschenerfahrung bar sein müssen, hätte er nicht aus dem Benehmen des Grafen den Inhalt der durch ihn vermittelten Botschaft erraten. In so- fortiger Anpassung an die Besonderheit seiner Mission trat in sein Gesicht ein frecher Leporelloausdruck. „Wünschen Ew. Exzellenz eine Antwort k discretion bestellt zu haben?" unterbrach er mit unterwürfigster Miene die Selbstbetrachtungen des Grafen. Diejer blickte nun erst aufmerksamer auf den Burschen. „Warum würdigt Madame de Dury ihn solcher Mission? Wer ist er? Was treibt er?" Der Angeredete verschwand förmlich unter den Kratz- süßen, die er anstellte und kein Minister, der den schwierigsten StaatSauftrag von feinem Herrscher entgegengenommen, hätte selbstbewußter, von mehr innerer Würde getragen, sein Audienzzimmcr verlassen können, als Michalansky, der für den Augenblick sogar seinen Feind Besl übersah vor innerer Hast, die bejahende Antwort des Grafen der Sängerin zu überbringen. An"diesem Abend barg der Ouartlbräu nur Glückliche. Da war vor allem der Graf. Was schierte ihn heute die Fülle der Bittsteller in seinem Autichambrc, was Amt und Polizei? Er hatte nur einen Gedanken, die schöne Frau, die ihm so glückverheißende Botschaft gesandt I Vergessen tvar in diesem Glücksrausch das Mißtrauen, das, sonst seine zweite Natur, gestern durch Lainettens Bericht in ihm so mächtig auf- gestiegen war. Erstickt jeder Gedanke an einen glücklicheren Nebenbuhler in dcni Dust der Sinnlichkeit, der ihn so heiß aus den wenigen Zeilen anwehte, die er gleich einem Schul- jungen immer wieder las. Stand es da nicht schwarz auf weiß:„Ich sehne mich nach Ihrer Gesellschaft." Ein Schwindel der Begierde über- kam ihn, wenn er sich den Sinn solcher Worte im Munde einer geliebten Frau ausmalte. Gaukelnd stiegen üppige Bilder vor ihm auf. Lisons Atem strich um ihn, verlangend öffnete sich'ihr Mund, er sah die kleinen Zähne, schon fühlte er den weichen Druck ihres bebenden Körpers... „Lison, süße Lison!" seufzte er voll Verlaugcn und vergaß in dieser Phantasmagorie der Sinne den Lakaien, der vor ihm stand mit dem neuen betreßten blauen Rock mit dem rot- gleißenden Seidenfutter, den er für den Abend anlegen wollte. Aber auch über Lison flackerte der Vorschein einer glück- lichen Stimmung schon den ganzen Nachmittag. Sic lachte förmlich aus, als Lainettc mit der Botschaft kam. der junge Mann äs condulte, der sie schon neulich so gut beraten hatte, habe nun auch den delikaten Brief auf das sicherste zu bc- sorgen gewußt, wie er denn überhangt Madame so ergeben sei, wie nur einer. Immer wieder kehrte die Kleine auf diesen Punkt zurück, während sie ihre Herrin auf eine reiche und seltsame, ihr aber wohlvertraute Weise putzte/ Auch in ihrem Kopse malte Phantasie lockende Bilder, von einem Stelldichein, das sie für diesen Abend dem Studenten gewährt nach seinen glühenden Beteuerungen und mehr als handgreiflichen Schmeicheleien, die sie in einen Zustand dumpfer und erregter Erwartung versetzten. Mit vertraulich geheimnisvollem Lächeln öffnete sie dem Grafen, der auf die Minute pünktlich war, das Pförtchcn, verschwiegen legte sie auf seine hastige Frage den Finger auf den Mund, jäh trat er aus dem absichtlich verdunkelten Vor- gemach in das Boudoir.. Dort bestrahlte vieler Kerzen Licht ein Ruhebett— auf dem LVftm lag, auf den üppig schönen enthüllten Arm gestützt. Das offene Haar wallte lang und dunkel an ihr herab. Fast mit nichts war sie angetan, denn das phantastische lila Seiden- gcwand enthüllte mehr von ihren Formen als es sie ver- deckte. Von der Säsulter war es>vie nachlässig herab- geglitten und vor seinem irrenden Blick flimmerte das matte weiche Weiß dieses Frauenleibes.... Seltsam irisierend blickte das verheißende Auge, verheißend war auch das Lächeln, mit deni sie ihn empfing... Ein süßer Dust nach Rosen ging durch den Raum, berückend, erschlaffend, schwül und schwer. Lison hob die Hand zum Kuffe. „Ich dachte, eS erfreut Sie, wenn ich Sie in meinem Kostüm als Armida empfange," sagte sie einfach. „Erinnert sich Hannibal noch meiner als Armida? Ich glaube, ich habe Ihnen damals gefallen!" Ihn verließ alle Sicherheit. Diese Frau war noch berauschender, als seine erregten Sinne es sich ausgemalt hatten; er verschlang ihren duftenden, ivie in einem wollüstigen Schauer bebenden Leib mit dreisten Blicken, die sie scheinbar nickst bemerkte. Ja, sie duldete sogar, daß er mit seinen begehrlichen Küssen viel höher hinaufgriff als nur bis zur Hand; keineu Damm setzte sie seinen deutlichen Versicherungen ent- gegen— und als er allzuvertraulich seinen Arm um den noch immer schlanken Leib legte, entwand sie sich ihm, freilich mit dem schelmischsten Gesicht. Auch sie schien zu brennen vor Begierde. „Graf, ich dachte. Sie sind ein Kavalier, der die Sym- pathien einer Dame nicht mißbrauttst," flüsterte sie,„da darf ich dann Ihre Blumen nicht mehr tragen, wenn Sie es nicht verdienen." Und lachend nahm sie eine purpurne Rose aus dem Gürtel und warf sie ihm ins Gesicht.(Forts, folgt.) »Die Hauptkriegsinteresienten/ Der KriegSminifter hat gestern im Reichstag ein nicht zur Sache gehörendes F r a u e n f l u g b l a t t erwähnt, das von feindlicher Seite ausgehen und den Zweck verfolgen soll, die Frauen gegen die deutsche Landesverteidigung aufzureizen. Wir kenneu dieses Flugblatt nicht, nach den Angaben der„Nordd. Allgein. Ztg." scheint eS sich aber um ein ungewöhnlich dummes Machwerl zu handeln, denn eS soll darin it. a. Heifeen, ipinben» bürg und Lud cndorff seien jetzt.die HauptkriegSinter� esseuten". Die HauptlriegSinteressenten sind in Wirklichkeit ganz andere Leute. Hindenburg und Ludendorsf beziehen ihre Gehälter, die sicherlich ganz auskömmlich sind, aber sich mit den LZerdiensten glücklicher KriegSspekulanten nicht im entferntesten vergleichen lassen. Ein günstiger Abschluß in Hosenknöpfen ist ein viel besseres Geschäft als«ine Schlacht von Tannenberg. Und an einigen Waggons Stiefelschmiere läßt sich entschieden mehr verdienen als an einem Durckbruch von Gorlice. Nie tritt der Unterschied zwischen den Leuten, die sich am Baterland verdient machen und den Leuten, die am Vaterland verdienen, krasser zutage als im Kriege. /!llöeutsche Geheimtagung. . In Cassel ist gestern ein Alldeutscher Vcrbcmdstag eröffnet worden. Ein Privartelegramm berichtet uns darüber: An dem Verbandstag nebmen etwa 3 Mitglieder teil. D i e O e f fe n t l ich ke i t ist vollständig ausgeschlossen. Alle Presse- Vertreter, selbst der eines führenden alldeutschen Blattes, wie der „Leipz. Neuesten Nachrichten"'sind ausgeschlossen. Es soll ein offizieller Bericht herausgegeben wevdcn. Offenbar wird ein Rat der weisesten Männer eingesetzt, der die ärgsten Dummheiten aus dem Bericht herauszustreichen hat. Man darf gespannt sein, toicbiel da noch übrig bleiben wird. Eine Besprechung über Elsaß-Lothringen. Offiziös wird gemeldet: Die RcichStagSabgcordneien B o e h l e lZoz.), D i i t ma n n fUnabh. Gez.), Haufe(Elf.), Fahre n ba ch lZ.), P e i r o t e S(Soz.), W a l d st c i n(Vp.), und Wendel(Soz.) hatten mit Oberst von Wriesbcrg und einem anderen Bertre- ter des KriegSministcriums eine ausführliche Besprechung über elsafe-lothringischc Angelegenheiten(Schutzhaft, Praxis des Rcichsmilitärgcrichts, französische Sprache, Ur- laudssachen). Der gebilüete Herr v. Graefe. In der gestrigen Reichstagssitzung nahm Herr v. Graefe den Philosophen David Friedrich Strauß, gleichgültig ob mit Recht oder Unrecht, für die Alldeutschen in Anspruch und zitierte zum Bc- weis seiner Behauptung einen Brief des Forschers„an den Fran- zosen Remm"(von ihm ausgesprochen: Ren«), Auf einen sozial- demokratischen Zwischenruf:„Sie meinen wohl Renan(den be- rühmten Verfasser des berühmten„Leben Jesu"), erwiderte Herr v. Graefe, aus sein Manuskript hinweisend, treuherzig:„Hier steht Reno!" Herr v. Graefes Vater war ein bekannter Gelehrter. Er selbst ist ein bekannter Hauptredner der konservativen Reichstags- fraktion. Groß?bcrün Aus dem dunkelfteu Berlin. In dem gegenwärtigen Streit um die Gas- und ElektrizilätS- deschränkungen ist es, wie es scheint, ganz in Vergessenheit geraten. dafe eS in Berlin auch noch eine Anzahl Wobnungen gibt, die weder Gas noch Eleklrizität haben. Ihre Inhaber sind auf Petroleum angewiesen, wenn sie abends nicht im Dunkeln sitzen wollen. Wie es ober damit bestellt ist, lehrt uns der Notschrei eines Lesers, der mit seiner Mutter(heimarbeitende Schneiderin) eine auS drei Räumen bestehende Wohnung inne bat, die weder Gasanschluß noch elektrische Leitung besitzt. Die Mutter ist gegenwärtig verreist und der junge Mann, der sich auf ein Examen vorbereitet, pflegt abends gegen>/z7 Uhr nach Hause zu kommen. Er ineinte unter diesen Umständen Anspruch auf eine Petroleumkarte für Heimarbeiter zu haben, richtete ein Gesuch an den Magistrat und— erhielt einen ablehnenden Bescheid. In der betreffenden gedruckten Mitteilung verwies ihn der Magistrat auf den freien Handel, der über be- deutend größere Mengen Petroleum verfüge, als er, der bochwohl» löbliche, felber. Also begab sich der Jüngling an die Stätten des freien Handels. Aber in den einen war nur Marken-Petroleum, in den anderen überhaupt keinS vorhanden. Daraufhin richtete er ein neues dringendes Gesuch an den Magistrat, der ihn indessen bis heute— es sind seitdem 1'/. Wochen vergangen— keiner Antwort gewürdigt hat. Seil vierzehn Tagen sitzt der Äermste all- abendlich in der stockfinsteren Wohnung und soll sich dabei auf sein Examen vorbereiten. Leider sind wir nicht in der Lage, dem jungen Mann eine Petroleumkarie zu verschaffen, aber seine Sehnsucht nach einer solchen können wir immerhin ein wenig lindern durch die Mitteilung, dafe ihn diese auch nur zum Bezüge von— sage und schreibe— einem Viertelliter Petroleum pro Woche berechtigen wiirM Denn mehr bewilligt der Magistrat für einen Berliner Heimarbeiter» Haushalt nicht. Durch dieses Quantum Beleuchtungsstoff dürften die Examensarbeiten kaum wesentlich gefördert werden. Daß dieser Zustand skandalös ist, wird außerhalb des Roten Haui'eS jedermann zugeben. Wie ihm— wenigstens bis zu einem gewissen Grade— abzuhelfen wäre, wird ebenfalls außerhalb des Roten HauseS jedermann einsehen. Man beschlagnahme daS nach Ansicht des Magistrats in genügenden Mengen vorhandene Petroleum und verteile es unter die gas- und clekirizitätslosen HauS» Haltungen, indem man, ohne Unterichted ob Heimarbeiter oder nicht, jeder dieser Haushaltungen ein Minimum zubilligt, das in der Brenndauer dem Minimum der Gasbezieher gleichlommt. DaS übrig- bleibende Petroleuni konnte dann dem„freien Handel" überlassen bleiben. Anträge zur Kohlenversorgung. Der Magistrat Berlin teilt mit: Im Jnleresse eines ordnungS- gemäßen Geschäftsganges sehen ivir unS für die Zukunft zu iolgender Regelung veranlaßt: Mündliche Anlräge der Berliner Bevölkerung bei der Deputation für die Kohlenversorgung zu Berlin Zönnen nur wie folgt vorgebracht werden: Für die Angehörigen der Brolkommissionen 1— 50 an jedem Montag, für öl— 100 ani DienS- lag, für 101— 150 am Mittwoch, für 151—200 am Donnerstag, für 201—250 am Freilag, für 251 und folgende am Sonnabend, und zwar in der Zeil von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nach- mittags. ES ist unbedingt erforderlich, daß jeder Gesuchsteller die Nummer seiner Brotkommission genau wctfe. Wenn irgend möglich, eiupfehlen wir jedoch, die Anträge j ch r i f l l i cb zu stellen. Auch in diesem Falle ist die Nummer der Brolkommission und gegebenenfalls daS Aktenzeichen anzugeben.._ Erhöhung der Mehl- und Brotpreise. Die Brotkartengemeinschafr Grofe-Berlin hat für den 15. Oktober eine Erhöhung der Broipreise um 8 Ps. beschlossen, so dafe also von diesem Tage oaS 1950 Gramrn-Schwarzbrot 83 Pf., das 1930 Gramm- Weißbrot 90 Pf. kosten wird. Ebenso wird mit dem 15. Oktober eine Erhöhung der MehkklembandelSpreise eintreten; der Preis für das Pfund Weizenmehl stellt sich von diesem Tage ab auf 28 Pf.. für daS Pfund Rogoenmebl auf 24 Pf. und für das Pfund Kranken mehl auf 30 Pf. Die Erhöbung dcS BrotpreiseS entspricht der durch die ReichSgetreidestelle festgesetzten Erhöhung deS Mehlpreiies. Wegen der durch eine etwaige Streckung des Brotes mit Kartoffeln sich ergebenden Veränderungen sind bisher bindende Beschlüsse noch nicht gefaßt worden, da zunächst auch über den 15. Oktober hinaus die bisherige Mehlportion durch die ReichSgetreidestelle beibehalten werden soll. Sicherung der Meischversorgung. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist auch in der am 1. Noventber beginnenden neuen ViehumlegungSperiode die Fleische Versorgung der bezugsberechtigten Bevölkerung auf der Grundlage einer Wochenmenge von 2 50 Gramm gesichert. Die jüngst von der ReichSfleischst-lle und dem Beirat der Reichsfleischstelle ge führten Verhandlungen ergaben die Uebereinstimmung aller Sach verständigen darüber, daß unser Vieh'tapel die weitere Fleisch Versorgung im bisherigen Umfange zuläßt. Berliner Lebensmittel. Die für die Woche vom 15. bis 2 1. O k t o b e r auf Ab- schnitte 77a— g der Kartoffelkarte abzugebenden 7 Pfd. Kar- t o f f e I n sind schon in der W o ch e v o m 8. b i S l 4. O k t o b e r beim Kleinhändler abzunehmen und für den Verbrauch in der folgen- den Woche oufzubewabren. Wer dieser Anordnung nicht nachkommt. bat in der Woche vom 15. bis 21. Oktober aus Belieferung mit Kartoffeln nicht zu rechnen. Groß- und Kleinhändler haben für rechtzeitige Bereitstellung des für die Borausbelieferung erforderlichen Vorrats zu sorgen, insbesondere haben die Klein h'Sndler den zur Aufnahme eines Vorrats für mindestens eine Woche ausreichenden Logerraum vorzu- halten. Beim Magistrat sind vielfach Beschwerden darüber eingegangen, daß der Kleinhandel den Kun st Honig nicht in genügender Menge der Bevölkerimg zur Versügung stellt. Hierzu bemerkt der Magistrat. daß Kunsthonig von der Bereinigung der Kunstbonigfabriken nur in geringer Menge geliefert wird. Auch in der Verordnung über die VerouSgabung von Kunsthonig ist schon darauf hingeiviesen worden, daß die Bevölkerung nur insoweit Anspruch auf Kunsthonig bat, als solcher vorhanden ist. ES wird jedoch möglich sein, im Laufe dieses Monats noch Kunsthonig zur Verfügung zu stellen. Auch der Kleinhändler hat keinen Anspruch darauf, für alle seine Kunden von dem Großhändler Kunsthonig zu beziehen. Die GiiltigkeilSdaner des Abschnitts 31 der Eierkarte wird bis zum 14. Oktober verlängert. Bis auf weiteres gelangt S ü fe st o f f für Haushaltungen und gewerbliche Betriebe nicht zur Ausgabe, weil zurzeit Süßstoff nicht zur Verfügung steht._ Käseverteilung. In der Woche vom Montag, den 8., bis Sonntag, den 14. Ok- tober, wird in den Bezirken der Brolkommissionen Nr. 00 bis 70 an die dort in die Butlcrkundenlistcn eingetragenen Kunden je 125 Gramm Streichkäse(Auslandsware) zum Preise von 0,05 M. der- teilt. Der Käse ist erbältlich in den durch besondere Aushänge schilder„Verkauf von Käse der Fettstelle Grofe-Berlin" gekennzeifo neten Geschähen gegen Vorzeigung der Speiseseltkarten. ES ist also nicht die Wohnung maßgebend, sondern ob inan in einem Geschäft des Bezirks der 00. bis 70. Brolkommission eingetragen ist. Wegen der bei den Verkaufswagen der Firmen: Bolle, Jnteressengemein fchaft Märkischer Milchproduzenten G. m. b. H., HellerSdorf, Viktoria park und Schweizerhof eingetragenen Kunden ergeht besondere Be- timmung._ Tie Frau im Handwerk. Eine Erste Ausstellung von Lehrlingsarbeiten und Gesellenstücken weiblicher Personen ist in Berlin durch den„Bund der Handwerkskammern von Grofe-Berlin' veranstaltet worden. Sie wurde gestern im Bürgersoal des Rat- Hauses mit einer Feier eröffnet, bei der mehrere Rednerinnen die Zunahme der Betätigung von Frauen im Handwerk schilderten. Freilich hat auch hier der Krieg hemmend eingegriffen, indem er den weiblichen Nachwuchs dem Handwerk entzog und in die Munitionsfabriken führte. Andererseits hat aber aerade der Krieg infolge der Notwendigkeit des Ersatzes von Männern manchen Frauen den Zutritt auch zu Handwerken ermöglicht, die ihnen sonst noch verschlossen geblieben wären. Die keine Ausstellung bringt außer Arbeiten aus den iogenannt-weiblichen Berufen der Schneiderei, der Putzmacherei und der Wäsche- näherei»ur noch Arbetten aus den sogenannt-mäniiltchen Be- ruien der Buchbinderei und des Buchdrucks. Sie soll zeigen, was bei planmäfeigcr Lehrlingsausbildung die Frau zu leisten vermag, und soll aus dem weiblichen Geschlecht dem Hand- werk neuen Nachwuchs gewinnen. Bei der Eröffnungsfeier betonten daS in ihren Reden die als Schneidermeisterin geprüfte Frau Babette Stengcr und die als Putzmachermeisterin geprüfte Frau Rosa KermaS, die beiden Vorfitzenden des.Bundes der Handwerke- rinnen". Frl. Marie Lischncwita pries den Vorzug der„gelernten" Be- rufe, entwarf einen Plan zur Ausbildung der Frauen in Handwerken, empfahl BerusSberalungsstellen und Lehrstellenvermittlung, forderte für die Lehrzeit bare Erziehungsbeihilfen von Staat und Gemeinden und riet zur Einrichtung einer regelrechten BilduugSverficherung. Auch Obermeister Eckert, zweiter Vorsitzender der Berliner Hand- Werkskammer, begrüßte die Betätigung der Frauen im Handwerk als erfreulich. Die Ausstellung bleibt nur noch heute geöffnet und kann von 11—4 Uhr unentgeltlich besichtigt werden. Wucher mit Stiefelsohlen. DaS KriegSwucheramt hat dem Kaufmann Leopold Dulelsky, Berlin, Warschauer Str. Sl, den Handel mit Gegenständen deS tägtichen Bedarfs und des Kriegsbedarfs untersagt, weil er ummigliche Stiefelsohlen mit übermäßigem Gewinn verlauft halte. Vor Gericht erhielt DukclSlp sechs Monate Gefängnis und 5000 M. Geldstrafe. In der Berufungsinstanz be- stätigte das Kammergericht das Urteil. Der Wintergarten hat seine Wintersaison mit einem sehr mannigfachen Programm eröffnet, da? allen Ansprüchen gerecht loird.— Die Künste deS wohlausgebildeten Körpers und der Ge- schicklichkeit kommen nicht minder zur Geltung als die Ulkereien deS Grotesken. Ein reizendes Persönchen ist Elvira Kremo, wenn sie sich— tolsicher— aus dem Seile ergeht. Erstaunliches leistet das Bernhardt-Trio in Kraftgymnastik, wobei besonders der weibliche Teilhaber alle Borurteile über das schwache Geschlecht gründlich Lügen straft. DaS ArraS-Trio ist hervorragend im Seilschwung und«wurf. Der Strick wird unter ihren Händen förmlich lebendig. Die musikalischen ExzcntrikZ bringen immer noch neue Instrumente zuwege: diesmal eine musikmachende Treppe. Die über- raschenden Tricks des Zauberkünstlers Steffin bleiben dem Zuschauer ein unerforschlicheS Rätsel. Anmutige Rollschuhspiele der Kaufmann- Tritppe und doppelstiinmige Vettori, die männliche wie weibliche Rollen zeigt, vervollständigen das Programm.— Polnische Tänzerinnen vom Warschauer Ballett sühreu unter Leitung deS Dresdener Hofballetlmetsters Trojanowski Mazurkas. Walzer und Balladen von Cbopin auf. Nationalpolnische Eigenart prägt sich darin auS. vielleicht weniger feurig, als wir erwarten— aber sicher ganz im Einklang zu der schwetmimgen Musik. Wundervoll ist die Uebersetzung von KarnevalSszenen in bewegte Form, entzückend auch die ganz altitalienische Koftüntienmg. Frl. Anna Gaszewska erweist sich hier unter Trojanowski als vollendete Künstlerin. DaS Apollo-Theatcr hat sein Oktober-Programm in eine neue Form gelleidet: die Varietökräfte geben sich im Rahmen eineS indischen AuSstattuiig�ftückeS, daS sich„Die Hochzeit deS Maharadscha" betitelt. Daß diese vom ZirkuS übernommene Neuerung trog der oneikcnnenSwerl prächtigen Ausstattung eine Verbesserung des BarietöprogrammS bedeutet, möchte» wir bc- zweifeln: ist doch das durch eine recht lose Handlung zusammen- gefaßte Ganze ein ziemliches Kunterbunt von Kino-, Variete- und Mancgenkünslen. Dazu wird eine der Hauptrollen, der Maharadscha. von dem zwar bekannten, aber stimmlich ganz unzulänglichen Kinoschau- spieler Viggo L a r s e n verkörpert. So elegant und sicher er in seinem Auftreten ist, so wenig imponiert er, wenn er sich als Sänger und Tänzer produziert. Wir möchten Herrn Larsen raten: Viggo. bleib bei deinem Flimmerfilm! Von den übrigen neu engagierteii Krästen verdienen lobend erwähnt zu werden die Soubrette Bella France, die Jongleuie Käihi Pohl-Eiltini, die Piftonbläierin Lotte König und die bekannte Tierdresseurin Therese Renz. In der Berliner Soubrette Else R e v a l bat die Leitung ein urwüchsiges Talent gewonnen. Stürmisch applaudiert wurde sie und ihr Partner Fritz S t e i d l in dem Duett„Wenn in Werder blühn die Kirschen". Palast-Theater am Zoo. Das neue Programm bringt eine Reihe erstllassiger Spezialitäten. Aus der Fülle des Gebotenen möchten wir besonders hervorheben den Komiker Wilhelm Hartstein, der in dem von ihm selbst verfaßten Schwank„Der lustige Witwer" auch den Griesgrämigsten zum Lachen bringt. Mit ihren eigen- artigen Nationaltänren, in denen sie manchmal nn wahrsten Sinne des Wortes ans der Bühne herumwirbeln, fanden die zehn deutsch-polnischen Tanz steine lebhaften Beifall. Auf neuartige Weise arbeilet ein sehr befähigter Karikaturenzeichner, der sich unter dem Namen Demokritos verbirgt. Im Handum- drehen entstehen unter seinen fixen Händen die originellsten Zeich- nungen. Auf dem recht abgegrasten Gebiete der Hundedressur ver- steht eS Honst JmmanS durch die vorzüglichen Exerzitien ihrer weißen Dackelmeute die Gunst des Publikums zu erringen. Ver- fchiedene turnerische Darbietungen vervollständigen das in jeder Beziehung gelungene Programm. Ein dunkler Vorgimg. Auf dem Landwehrkonal in der Nähe der Thielenbrücke vor dem Grundstück Koltbuser Ufer 3b liegt der Schiffseigner Batkow mir seinem Dampfer Uecker. Der Mann ist jetzt auf dem Wasserbauamt tätig und ging gestern morgen um 7 Uhr dorthin. Als er um 4 Uhr nachmittags an Bord zurück- kehrte, war seine 42 Jahre alte Frau Amanda verschwunden. Ihr Bett brannte, ohne daß der Bootsmann davon etwas wahrge- nommen halte. Dieser hatte Frau Barkow um 11 Uhr vormittags zuletzt gesehen. Unterdessen war um 3 Uhr nachmittags vor dem Hause Kottbuser Ufer 4b eine Leiche aus dem Kanal gelandet worden. Barkow erkannte in ihr seine Ehefrau. Er erklärte, daß die Frau nicht die geringste Veranlasiuiig zum Selbstmord gehabt habe. Bis jetzt hat sich der Borgang nicht aufklären lassen. Aufgefundene Leiche. Am 5. d. MtS. wurde an der Uferstraße (Strandschloß) aus dem Tegeler See die Leiche einer unbekannten Frauensperson gelandet, die anscheinend nur wenige Stunden im Wasser gelegen hat. Die nach der Leichenhalle in Tegel gebrachte Tote ist etwa 22 bis 25 Jahre alt, 1,70 Meter groß, schlank, bat hellbraune Augen, dunkelbraunes Haar, und ist bekleidet mit grün- lich wollenem Mantel, schwarzem Taftkleid mit geblümtem Kragen, weißer Stickerei-Uniertaille, weißem Hemd mit Stickereieinsatz, weißen Beinkleidern, schwarzen durchbrochenen Strümpfen, hohen schwarz- ledernen, init braunem Ledereinsatz versehenen Schnürstiefeln. Wahrscheinlich liegt Selbstmord vor. Erkenner der Toten wollen sich bei der Tegeler Polizei melden. Charlottenburg. Arbeiterknrse.' Die Freiense Kur und Vorlesungen zur Fortbildung erwachsener Arbeiter und Arbeiterinnen der Stadt Charlotienburg werden auch im Winter 1817/18 abgehalten. Im D e u t s ch l u r s u S ist die Uebung im mündlichen und schriftlichen Gebrauch unserer Muttersprache der Zweck deS Unterrichts. Der Literaturkurs us behandelt zunächst auS der älteren deutschen Literatur das Gudrunlied und danach auS der klassischen Zeit unserer Dichtkunst Werke von Schiller. Goethe und Lessing. Der Deutsch- kursnS beginnt Montag, den 8. Oktober, der LtteraturkursuS Mitt- woch, den 10. Oktober, abends 8—10 Uhr. Unterrichtsraum: Wall- stratze 80, Arbeiterschule, Zimmer L Reukölln. Um die Aufhebung der Vorschulen. Der Magistrat hatte der Stadtverordnetenversammlung eine Borlage unterbreitet, die den allmählichen Abbau der Vorschule der Realschule bezweckt. DaS soll in der Weise geschehen, daß am 1. Oktober 1917 eine neue exta eingerichtet wird und vom 1. April 1918 neue Anmeldungen für die Vorschule der Realschule nicht mebr entgegengenomnien werden. Stadtv. Dr. Silberstein(Soz.) stimmte dieser Vorlage zu und sprach die Hoffnung au!, dafe dies der endliche Beginn de» gänzlichen Abbaues der Vorschulen sein möge, um den befähigten Kemeindeschülern auf den höheren Schulen den notwendigen Platz zu schaffen. Für die nächste Sitzung kündigte er einen dahinzielenden Antrag seiner Frallion an. Diese Aeufeerungen riefe» die Vertreter der bürgerlichen Fraktionen ans den Plan. Stadtvl R o s e n o w (Kommunal-Forlschritt) erklärte ebenfalls die Zustimmung seiner Fraktion zu der Vorlage, wandte sich aber mit Entschtedenheit gegen den Abbau des gesamten Vorschulwesens. Der systematische Abbau der Voschulen könne nur in Gemeinschaft mit den anderen Groß- Berliner- Gemeinden begonnen werden. Dieser Auffassung schloß sich Justizrat Abraham(Alt-Bürgerl.) an und bemerkte noch, dafe die Zahl der Freistellen aus den höheren Lehranstalten so groß sei, dafe für die befähigten Gemeindeschüler in ausreichender Weise Platz vorbanden ist. Auch Stadiv. Z o u f a l l «Alt-Bürgerlich> teilte diese Ausfassung, schränkte seine Ansicht aber insofern doch ein, als er zugeben mußte, dafe die Kinder zahlungS- fädiger Eltern die höheren Schulen füllen und denen die Plätze weg« nehmen, die als befähigte aber zahlungsunfähige in den Gemeinde- chulen verbleiben müssen. Eine temperamentvolle Aussprache schloß sich an den Antrag des Magistrats: zur Verteilung von Lu t h e r j ch r i f t e n bei der 400-Jahr-Feier der Reformation an den Schulen den Betrag von 1000 M. zu bewilligen. Stadtv. Conrad(Soz.) beantragte Ab- lehnung der Vorlage mit der Begründung, dafe diese geplante Feier eine rein kirchlich- konfessionelle Sngelegenhetr sei und die Gemeinde grundsätzlich für solche Zwecke keine Mittel zur Verfügung stellen sollte. Die Veranstaltung solcher Feiern müsse der Kirche überlassen bleiben. Stadtv. Heitmann Soz.) beantragte, den in Aussicht genommenen Betrag von 1000 M. nr die Bekleidung der Kinder der Kriegsteilnehmer zu verwenden. In der Zeit der Papierknappheit sei die von ihm beantragte Ver- loettdung deS geforderten Betrages entschieden vorteilhafter. Gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Fraktioit wurde die Magistratsvorlage angenommen. Die vor kurzem erworbene„Erste Berliner Malzfabrik" soll zum Betriebe eines städtischen Leben«- und Futtermittelwerkes verwendet werden. Zur Ueber- wachung und Verwaltung desselben wurde ein BcrwaltunaS- anSsclrnfe bestehend aus drei MagistratSmilgliedent und sechs Staot- verordneten eingesetzt, dem u. a. auch die Genossen Scholz und T h u r o w angehören. — Beschaffung von Brennholz. Der Magistrat beabsichtigt. zur Linderung der Kohlenknappheit Brennholz— Kloben und Rollen— in 1 Meter langen Stücken unzerkleinert zum Verkauf zu bringen. Der Verkaufspreis ist 40 M. für einen Raummeter. Em Haushalt darf nicht mehr als 1 Raummeter entnehmen. Der Verkauf soll ab Waggon vom Anschlußgleis am Oberhafen hinter dem städtischen Eiswert, Zugang durch die Lahn- straße, erfolgen. Das Holz wird nur an solche Käufer verkauft, welche sich im Rathaus, Zimmer 250, in die Käuferliste eingetragen und den Kaufpreis dort enttichtet haben. Die Eintragung erfolgt nach laufenden Nummern. Beim Eintreffen de« Hölzes werden die Käufer durch Postkarte über Tag und Zeit des Verkaufs benachrichtigt. Für den Abtransport des Holzes haben die Käufer selbst Sorge zu tragen. Zwecks Vereinfachung wird der gemeinschaftlickie Bezug mehrerer Haushaltungen empfohlen. Eintragungen in die Käuferltste können werktäglich in der Zeil von 9— lS Uhr voriniltagS im Zimmer 250 erfolgen. Die ersten RaggonS gelangen voraussichtlich noch in den nächsten Tagen zum Verlaus. 5eMM m 5iRiem SeWlmlis. Zahlstelle Berlin und Umgegend� Den Berufsgenossen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder im Felde gefallen sind: UocKei', Bezirk 1._ Karl Harloff, Bezirk 2S. Wilhelm Quiel, Bezirk ie. Karl Rosien, Bezirk ss. fJFax Schmock, Bezirk 1. Gustav Thiede, Bezirk s. Gustav Sommerfeld, � is. Emil Wünsche, 9�128. (Die beiden Ichlcren find im Felde erkrankt und in einem Lazarett verstorben) Ehre ihrem Andenken! 256/1 Der Torstand. fcrband der Sattler und Porteteuiller. Crtsverwaltung Berlin. Den Sfottegen'chicnmt zur Nachricht, bajj unjerc Mitglieder, der Porlefouillcr Lried VeiK 35 Jahre alt sowie der Militärsattler Otto Sebmidt 46 Jahre alt an den im Felde erhaltenen Verwundungen im Lazarett oerilorbcn sind. Ehre ihrem Andenken k 166/3 vi« 0et«»ee«aItllng. Deutscher Bauardeiter- verband. Zweigverein Berlin. Am 4. Oktober starb unser Mitglied, der Putzer August Schäfer. Ehre fetnetn Andenken! Tie Beerdigung findet am' Montag, nachmittags 4 Uhr, aus dem i£t. PiuS- Ütirchhof in ZSilhclmSberg statt. 147/5 Der Bdrstand. Deutscher cranzportardetterverdand. BezirkSoerwalt. Groß-Bcrlin Nachrufe. Ten Mitgliedern znrNach- richt, daß unser Kollege, der Industriearbeiter t(gr! preiberx von der Firma L. Löwe, Wittenau, am 24. September im Aller von 42 Jahren verstorben ist. Den Mitglieder» ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener pgul Lcküler am 23. September im Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Bezirksverwaltung. Bei den schweren Kämpsen fiel am 27. September mein herzensguter Mann und lieber Vater. Sohn und Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Landsturnnnann 6235 Hugo Arbeitlang im 33. Lebensjahre. I« tiefer Trauer Wwe. Helene Arbeitlang geb. Wüste, Herta u. Lottchen als Kinder. Dir war das Leben kurz bemessen, und lange folgen meine Tränen Dir, o nimmer werd' ich Dein vergessen, denn Du warst alles— alles warst Du mir._ Allen Verwandten und Bekannten die traurige Nach- richt, dag meine liebe Frau, unsere liebe Mutter, Groß- mutier und Schwicger- mutier L7a Heitfistte Manuseie am 3. Oktober sanst entschlafen ist. Im Namen der Hinter- blicbenen Ernst Manuschkc, Bandelstr. 22. Familie Brettschneider. Familie Gustav Manuschke. Familie Prinzke. Die Einäscherung findet Montag, den 8. Oktober, nachmittags 4 Uhr, ini Krematorium, Gcrichtslraße, statt. Kranzspenden verbeten. Zum Sterbetage meine? innigstgeliebten Gatten, Sohnes, Schwieger- sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels, des Webr- manneS 620b IBniLt Teschner sJnf.-Regt. 48, 8. Komp.) gefallen am 7. Oktober 1316. In schmerzlicher Erinnerung deine tiesbetrübte Gattin Brrtrnd Teschner nebst allen Angehörigen. Wenn zwei Herzen müssen scheiden, die sich dereinst so treu geliebt, ach, das ist ein großes Leiden, wie'S ein größeres nimmergibt. Wie ost sitz ich vor deinem Bilde und suche Trost in meinem Leid, doch nirgends kann ich diesen finden, cS ist zu leer die Einsamkeit. ES waren meine schönsten Tage, die ich geweilt an deiner Seit' mir fehlt deS Lebens Freude, seit mich verlassen mußtest, du treues Herz. Es ist mir klar und ohne Frage, daß dir allein mein Leben war geweiht: eS bleiben meine schönsten Tage, die ich geweilt an deiner Seit'. Geliebt, beweint und unvergessen. Siachruf. Am 1. d. M. starb nach längerem Leiden unser lieber Kollege und Mit, arbeiter 24a WM Miel. Ehre seinem Andenken k Das Arbeitspersonal der Firma R. Heimann«. Eo.» Berlin-Pankow. Danksagung. Allen Verwandten, Bekannten, Kollegen und Kolleginnen der Firmen A. E. G., Feuer u. Cd. und Schuchardt sowie den Mietern des Hauses Simon- Dach-Straße 13,' sür die zahl- reiche Beteiligung und die Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes Raul Heinze unseren herzlichsten Dank. Witwe Marie HcHize nebst Eltern und Geschwistern. Oeprandet 1864 waren en grot Einzelverkauf wie allj&brlloh Sf ru billigst Prelseji, � S. Schlesinger, NeueKßnig8lr.21{0rt.r") kein Laden, II. Stock, Bitts genau auf Firma m und Hausnummer ÜS 771 zu achten! 177" I Sannt. v. 12-2 neöHn. I � i Konzertdir.: Robert Sachs, W 50 Philharmonie, Freitag, 12. Oktober, 8 Uhr REICHSTAGSABGEORDNETER WOLFGANG HEINE: Karten:4, 3, 2, 1 M. Bote& Bock n. Wertheim. AllWr MMM-MM. Berlin 0 27, Andrcasstr. 17. Donnerstag, den 11. Oktober 1917, abends 8 Uhr, im Saal 1 des Gewerkschaftshauses, Eugeluscr 15:. Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts« und Kassenbericht vom 3. Quartal 1317. 2. Der paritätische Arbeitsnachweis sür das Groß> Berliner TextUgewerbe unter Verwaltung der Stadt Berlin und Wahl eines Kuratoriums. Die Mitglieder aller Beiriebe und Branchen haben zu erscheinen. Das Mitgliedsbuch legitimiert. 130/15 Der Borstand. ZeMerMi HerMlmWelMW. Zahlstelle Berlin. Bureau: Engeluscr 14/15, part.— Tel.: Amt Moritzplatz Nr. 8430. Geöffnet: Vormittag von 10—12, Nachmittag von 4—7 Uhr, Dicnslagnachmlltag geschlossen. Mittwoch, de» 10. Oktober, abends 8'/« Uhr: ZlMeMlslilWlW»er SMiiMn im Gewerkschastshanse, Engeluser 15. Tagesordnung: 1. Die Antwort des ArbeitgcdcrverbandcS. 2. Dis- kufsion. 3. Verschiedenes. 170/12 Dl« OrtaverwaltnnK. + Tätowierung entfernt C. Welßert, Jnvalidenstr. 5, 1. Etg., Eingang Aderftraße. 10Sa Dienstag, DonnerStag'u.>sonn-. abend 4—8, Sonntag 11—12. j Aersti. gkleitete, modern eingenchtete« Heilanstalt f. ambulator. Sehandlaug�! Modernes, erprobtes Heilverfahren; Naturheilrerfahren, Elektro- und LiAl-Heilmethode, die wissenschaftlich anereannte und glänzend bewährte„Künstliche Höhensonnen" Behandlung Röntgen-Behandlung nrd-Untersuchung, Wasserheilver fahren, Ptlanzen- und Kräuter-Kuren und Bäder, Sauerstoffkuren, homSopathlsche und mechano-therapeutische Behandlung.— Nachweisbar gute und dauernde Heilerfolge bei sämtlichen Krankheiten, inneren und äuSeren, speziell chronischen, z. B. Lungen-, Hals-, Herz-, Magen-. Darm Leberleiden; Nervenschwäche, nervösen Kopfschmerzen, allgemeiner Nervosität, allgemeiner nervöser Abspannung. Ischias, Gicht, Rheumatismus; sämtlichen Ausschlägen. Flechten. Wunden; Lähmungen, sowie Kinderlähmung, Stoffwechselkrankheiten. Zuckerkrankheit usw.— Freiwillige, briefliche«»b mündliche Anerkcnuuuge» früher behandelter und geheilter Patienten, die an- gaben, vor der Behandlung in unserer Anstalt ander- weitig ohne Erfolg behandelt worden zu sein: 1. Fran M. Richter, Berlin-Moabit, Waldltr. 33. Lungen- leiden, Blutarmut, Nervenschwäche geheilt.— 2. Herr Georg Heinrich. Baumschnleuweg, Baum- schulenslr. 23 II. Lnngenleiden geheilt.— 3. Frau (f. Biodorn, Köpenick, Aug.-Viktoriastr. 24. Herz-, Leber- und Nierenleiden wiederholt grbefferi.— 4. Herr K. Ensle, Nestaur., Charlottenburg. Hutten- strafte 12. Chronischer Mitielohrkatarrh geheilt.— 5. Frau Grünberg. Wcisiensee, Linden-Allee 3. Von schwerem Asthma befreit.— 6. Frau M. Zafkc. Berlin, Nollendorsstr. 40 1. Rheumatismus und steife Schulter geheilt.— 7. Herr E. Ehrhardt. Gr.-Lichier- selbe, Ringstr. 52a. Chronisches>Hnfigelenkleidcn wiederholt erfolgreich behandelt.— 8. Frau E. Ho- dorff, Berlin, Colbergerstr. 28/23. Nerven- n. Knochen- Hautentzündung— vollständig gelähmr— geheilt.— 3. Frau Preust, Pankow, Damerowstr. 54. Lungen- bluten in 4 Tagen vollständig geheilt.— 10. Frau E. Herzmann, Schäneberg. Feurigstr. 61. Eiternde Fistel nach Bliuddarmoperation geheilt.— 11. Herr E. Ritter, Friedenau, Sponholzstr. 56. Bon Knie- gelcnkleidcn geheilt.— 12. Frau A. Rohrmoser, Berlin, BrcSIauerstr. 1. AlteS fünfzehnjähriges Herz leiden geheilt.— 13. Herr M. Anstiirr, Reinicken- dorf-West. Antonienstr. 3. Kiefcrvereiierung gehcilt.f— 14. Frau H. Hagel. Sachsenhansen b. Oranienburg i. M. Niiterl.-BIuinngen und Nervenleiden geheilt. 15. Frau Ww. Fritfchler, Berlin, Marienburgerstr. 48. Tarmgcschwnlft geheilt.— 16. Frau des Herin In- spekiorS O. Heinrich. Berliu-Friedrichsfeldc, Mager- Viehhof. Bon Geb.-Knidnng geheilt.— 17. Herr Erich Bork, Berlin, Havelbergersir. 15. Von Nieren- und Blasenleiden. Böafsersnd.t, allgrm. groster Schwache geheilt.— 18. Frair Refiaur. Hering, Berlin. Schönhauser Allee 87. Von Basedowscher Kraukbelt geheilt.— 13. Herr A. Brose, Bln.-Dcmpelhof. Friedrich-Wilhelmstr. 14. Schweres Mürkenmarkleiden mit Lähmung der Beine vollständig geheilt,— 20. Frau E. Popp, Blu.-Lichtenberg. Därtnerftr. 10. Von chron. Frauenleiden, Herzschwäche und Berstopfung geheilt. — 21. Herr A. Schladitz, Berlin, Caprivistr. 24. Von Gesichtslupus geheilt; vorher mit Radium erfolgkbs behandelt.— 22. Herr A. Hellwig. Bln.-Borftgwalde. Ernststr. 25. Von Magengeschwulst, Berstopfung uud 'Nervcnfchwächesgeheilt.— 23. Herr Milchhändler Eckert, Berlin, Greiscnhagenerstr. 26. Von gichtisch-rheumatische» Schmerzen in Bein und Fußgelenk geheilt.— 24. Herr Gastwut C. Michaelis, Charlottenburg. Wallstr. 87. Von chronischem Leberleiden nnd Gelbsucht geheilt. — 25. Frau M. Knorr, Bin.-Lichtenberg. Scharn- weberstr. 62. Von Herzschwäche, Leberanschweliung uud Magenkrebs geheilt.— 26. Sohn Paul des Weichenstellers Herrn Wilhelm Haffner, Blu.-Wesiend, BeamtcnhauS. Von schwerem Beinleide» geheilt. Bcm sollte abgenommen werden. 243/16' 0V Briefliche Original-Anerkeimuiigeii von uns geheilter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt auf Wunsch zur Einsicht. ♦ Getrennte Behandlungsräume für Damen und Herren I+ Sprech- und Behandlnngszeft: 9—1, 4—7'/,.— Sonntag und Feiertag: 9—1. Die ärztliche AnstaltSleitung: Heilanftaktsbefitzer Professor P. Mistelsky approbiert im Ausland Berlin SO. 16, Brückenstr. IOb am Bahnbof Jannowltabrflcke. As- und MgMM. Zlsthmatiker, Herzlcidende, Blutarme. Bleichsüchtigc I finden kostcnsrei Rat und HU sc durch belehrende Broschüre I über anerkannte, bewährte n, ausprobierte Heilmethode I ohne Berussstörung- Kombiniertes Versahren, viele An» I erkennungen von Aerzten und GeheWen. 26 8L' I Versandhaus„Saneeo« ItsiLer-Vilkelm 8t!'. 10. sm Nguev Nsrkt VII. Kriegs-Anleihe| Ulf T gegen Kriegssparkassenbüchef Anzahlung 10%. Weitere Zahlungen nach Vereinbarung. Derartige Teilzahlungsbücher sind auch beliebte Gelegenheit sgeschenke. 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Tafelgeschirr„.'«ÄS., i 23tlg. für 6 Personen 8® // ,/ 12 n 78�/. ,, 12„ 3850 125°° 158°° Kaffeegeschirr 5 tlg. für 2 Personen 255 3°° »„„«„ 5'° 75° 18„„ 12 105° | Waschgarnituren»'«»>,...... zso j Einmachebutten...... 25m l50 1 [Ar aitHrW mit Osramlamprn 145° 175° 25°° 32°° 48°° 80°° 30°° I25 Beleuchwngs-Artikel Ampeln Zuglampen Herrenzimmer» Kronen Speisezimmer- Kronen sgf Gas«.echtem Olätzinbrenasr 2Zs° 27S0 29°° 35°° 60°° 95°° 135°° Reibemaschinen............ 775 Kinderbadewannen 29° � 335° Wafchtöpfe-««w-. 15°° 16°° 17°° Pfannen Brate ohne Fett.. I25 Heizrohr„Mollig"........ 45° Glühstrümpfe, Stehlicht....... 55 m HLngelicht...... 65 Pf. Obstdarren............. 2°°| % I Bürstenwaren Roßhaarbesen.............-7°° Teppichbürste« Roßhaarhandfeger.......... 455 Möbelbvrsten- Schrubber................... 2 75 Reiserbesen... Abstäuber.....?...... 95 Pf l25 Teppichbesen.. 475 450 J35 575 Zsolierflaschen........... 335 425 Einkochdosen 80 m. 90m Blechversanddosen..30m 35m Glasversandflaschen 22m Glasoersandflaschen'tV'.� 70Pf Eßbestecke...................... Dessertbestecke........ 80Pf. Scheren..............____ 45Pf llillllliillllillllllllllillillHlilllllllHlllllliifftlHil Kreis Riederbarni«. Lebensrnittel. Tie Wochenmenge an Butter beträgt vom 8. Oktober ab 80 Gramm. Der Preis für Butter darf im Kleinhandel nicht übersteigen: für Handelsware I b3 Pf., für Handelsware II öl Pf. für je 80 Gramm. SBcißcuscr. Lebensmittel. In der nächsten Woche findet ein weit»rer Verkauf von Heringen und Aepfeln statt. Auf jede Brot- karte können bis zu 1l> Pfund Aepfel entnommen werden. Britz. Lebensmittel. In der kommenden Woche gelangen in der Verkaufsstelle der Gemeinde zur Abgabe auf Abschnitt 4S Käse (140 Gramm je Person bei den Kleinhändlern für Bulterkunden ab Dienstag), Abschnitt 46 Graupen oder Hafergrütze(>/» Pld. je Pcrs.), Abschnitt 47 Maggisuppen(2 Teller je Pers.), Abschnitt 48 Brotaufstrich(1 Dose für Haushalt, bis 3 Personen, 2 Dosen für Haus- balt. über 3 Personen», Abschnitt 49 reinen Bienenhonig, ausländ., (l Pfd. für Haushalt, bis 3 Pers., 2 Pfd. für Haushalt, über 3 Pers.), Abschnitt öO Äriegsmus(V3 Pso. je Pers.), Abschnitt öl Sultaninen (Vj Pfd. für Haushalt, bis 3 Pers., Vn Pfd. für Haushalt, über 8 Pers.). Abschnitt 52 eine Kerze je Person(Verkaufsstelle). Ab- fchnit 23 Sonderzuteilung und auf Abschnitt 24 Gemüsekonserven, Nährhefe, Viandal-Fleischextrakt, Würztnnke usw. Nowawcs. Die letzte Gemcindevertrctersitzung nahm zunächst den Tätigkeitsbericht des am 1. Juli eingerichteten Arbeitsamtes entgegen, den der Leiter des Amtes, Genosse O s m e r. erstattete. G.-V. Nathan sprach hierbei den Wunsch aus, daß das Arbeilsamt, das bisher vor allem die Fürsorge für Kriegsbeschädigte und die Hinterbliebenen von Kriegern sowie den Arbeitsnachweis umfaszt, überhaupt der Mittelpunkt für die gesamte soziale Tätigkeit der Ge- meinde werden möchte. Als dringend notwendig wird in dem Be- richt noch die Einnchlung einer Rechtsauskunftsstelle bezeichnet, für welche die Vorarbeiten schon beendigt seien, sowie die Zentrali- sierung der gesamten Wohlfahrlsarbeir. Die Erweiterung des Fried- Hots an der Goethestrabe stöstt insofern auf Schwierigkeiten, als der Besitzer des benötigten anstohenden Geländes, der Beamten» Heimstäitenverein, zahlreiche für die Gemeinde ungünstige Be- dingungen stellt. Es wurde schließlich beschlossen, die Verhandlungen mit dem Verein abzubrechen und dafür solche mit deni ForftfiSluS um Abtretung eines geeigneten Waldgeländes für einen neuen Friedhof anzuknüpfen. — Treue zu« alten Partei. Anläßlich der Spaltung der sozial- demokratischen Gemeindevertrcter-Fraktion wurde unfern Vertretern von den Unabhängigen nahegelegt, die im Felde stehenden Genossen Ebel, Thomas und Singer zur Niederlegung ihrer Mandate auf- zufordern, um eine Neuwahl zu ermöglichen. Dies Ansinnen wurde natürlich abgelehnt. Da aber mit der Möglichkeit gerechnet werden mußte, daß die Unabhängigen ihr Glück bei den im Felde stehenden Fraktionsgenossen selbst versuchen könnten, wandle sich der Vorsitzende unseres Wahlvcreins an diese mit der Anfrage, was sie in diesem Falle zu tun gedächten. In ihren Antworten versichern nun die drei Genossen übereinstimmend, daß sie ihre Mandate nur dann niederzulegen gewillt seien, wenn sie dazu von dem der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zugehörigen Wahlverein, von dem sie seinerzeit aufgestellt worden seien, aufgefordert lvürden. — Lebensmittel. Die Kartoffelration für die kommende Woche ist wieder auf 7 Pfd. festgesetzt worden. Dienstag, den 9. Oktober, kommt Hühnerfutter zur Verteilung. Die Geflügelhalter mit den Buchstaben T bis W wollen sich in der KriegSwirlschaftsabteilung, Rathaus, Zimmer 6, zur Einpfanguabme der Bezugscheine melden. Auf das einzelne Huhn entfällt'/« Pfd. Futter. trag, allgemeine Franenogitation. Insbesondere die weiblichen Mit- glieder, ebenso.Borwärls"-Leser und Gesinnungsfreunde sind ein- geladen. Lichtenberg. Mittwoch, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal von Otto Hah, Möllcndorsitr. 107, gegenüber dem Rathaus: Zahlversammlnng.„VorwärtS'-Leser und Gäste sind eingeladen. Lichterfclde. Mitgliederversammlung dcS sozialdemokratischen Bezirksvereins Dienstag, den 9. Oktober, abends 8'/., Uhr, bei Drägert, Hindenburgdamin 4ö. Tagesordnung: Vortrag des Ge- Nossen Julius Kaliski. Aussprache. ErnährungSfragcn. Groß-Serliner parteinachrichten. Grotz- Berlin. Mittwoch, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, finden die «nonatlicheu Parteiveranstaltungen der sozialdemokratischen Bereine statt. Soweit Bersammlongen und Zusammenkünfte an einem anderen Tage stattfinden, bitten wir die Parteigenossen und -geoosfianen, auf die Bekanntmachungen zu achten. _ Der Bezirksvorstand. Sozialdemokratischer Berein Berlin Vl. Für die 12. bis 15. Abteilung(Moabit) findet die Mitgliederversammlung ausnahmsweise Dienstag, den 9. Oktober, in der.Brauerei Patzen- hofer*. Turmstr. 26/27, statt. Tagesordnung: Vortrag über .F r i e d e n s p r 0 b l e m e*. Referent: Genosse Hugo P oe tz s ch. Charlottcnburg. Die Mitgliederversammlung für Oktober kann besonderer Umstände wegen nicht Dienstag, den 16.. sondern muff bereils Mittwoch, den 10. Oktober, abends 8 Uhr. im .BolkshauS*. kleiner Saal, statlfinden. Tagesordnung: Vortrag deS Genossen Ernst Heil mann, Diskussion zum gehörten Vor- Gerichtszeitung. Womit unsere Gerichte sich beschäftigen. Die Arbeiter S db ü I l e r und B 0 b e r t in Dan zig hatten eines Abend» in mehreren Lokalen Bier getrunken und waren gerade auf dem Heimwege, als beide von großem Hunger geplagt wurden. Während sie an einem Bäckerladen vorübergingen, äußerte Schüller, er wolle in den Laden einsteigen und etwas Brot holen. Er vcr- sdbaffte sich dann gewaltsam Einlaß in den Laden und holte ein halbes Brot im Werte von 20 Ps. heraus. Die Hälfte davon gab er dem Bobert und beide verzehrten ihren Anteil sofort. Der Dieb- stahl kam zur Kenntnis der Behörden und daS Landgericht Danzig hatte sich mit der Sache zu befassen. Da sich die Tat des Schüller nur als Mundraub darstellte, so wäre eiu Strafautrag erforderlich gewesen. Der bestobleue Bäcker aber war verständig genug, aus die Stellung eines Slrafantrages zu verzichten. Deshalb muffle das Verfahren gegen Schüller als unzulässig eingestellt werde». Aber der Bobert hatte teilten Mundraub begangen, sondern nur von dem gestohlenen Brote mitgegesscn. Darin sah das Landgericht den Tat- bestand der.Hehlerei*, und es vecurteilte diesen Augellagten zu einem Tag Gefängnis. Der Tatbestand wurde vom Gericht so konstruiert: Sch. bat den B. nicht bloß abbeißen lassen lassen, son- der» ihm ein Stück Brot zur freien Verfügung übergeben, wobei er es ihm überließ, ob er es verzehren oder mit nach Hause nehmen wollte. Aus die von B. eingelegte Revision hob das Reichsgericht daS Urteil auf und verwies die Sache au das Landgericht Elbing. Zur Begründung wurde gesagt: Die Uebertragung der VerfügnugS- gewalt ist vom Landgericht nur damit begründet, daß der Geber dem Angeklagten die Verfügungsgewalt habe übertragen wolle». Das reiche aber keineswegs aus zu der Feststellung, daß der An- geklagte Bobert die Verfügungsgewalt erhalten hat. Wie der Empfänger die Sache aufgefaßt hat, ist nicht festgestellt. Es ist weder festgesiestt, daß Bobert von der WillenSrichtuilg des anderen unterrichtet war, noch daß er selbst die gleiche Willensrichtung ge- habt hätte. Diese erstaunliche Fülle juristischen Scharfsinnö wird aufgewandt wegen eines Ilzmpigeu Stückes Brot, das zwei hungrige Menschen zusammen verzehrt haben I �_ Wegen Vergehens gegen eine Verordnung des Oberkommandos, die auf Grund des Belagerungsgesetzcs erlassen worden ist, halte sich der Dreher Oskar Weiß vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I. zu verantworten. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit statt. Der Angeklagte war Vertraueusmann der Arbeiter- ichast in der Munitionsfabrik von Sudilatis u. Eo. Wie sich aus dem verlundeteu Urteil ergab, hat er im November 1916, zur Zeit, als die Revision des Dr. Karl Liebknecht vor dem Reichs- gericht schwebte, ein Flugblatt verbreitet, welches die Neber- fchrifl trug:„Wofür kämpfte Dr. Liebknecht und wofür ivurde er zu Zuchthaus bestraft?* und am Schlüsse die Worte enthielt:„Nieder mit dem Kiieg l Nieder init der Regierung!* Als Drucker und Verleger ivar ein fingierter Name unter das Flugblatt gesetzt. Nach der Verordnung des Oberkomuraudiereuden in den Marken ist die Verbreitung eines Flugblattes, auf dem der Name des Druckers und Verlegers nicht angegeben ifl. verboten. Infolge der Verbreitung des Flugblattes war in der Fabrik eine Arbeits- einstellung eingetreten. Der Staatsauwalr beantragte gegen den Angeklagten l1'., Jahre Gefängnis, der Verteidiger plädierte für mildernde Umstände. Der Gerichtshof versagte die mildernden Umstände mit Rücksicht daraus, daß der Schaden, der durch das Flugblatt verursacht worden, eiu ganz enormer sei, da infolge der ÄrbeitSeinstelluug der Fabrik ein großer Schaden emstanden sei. Da der Angeklagte acht Monate in Untersuchungshaft gesessen hat, ver- urteilte ,hn das Gericht zu neun Monaten Gefängnis und rechnete sechs Monate als verbüßt au. Jugenöveranftaltungen. Die Arbeiter- Jugend BSiliuersdorf hält ihre Zusammen- künstc im Lolal-von Reuter, Gastciiicr Str. K. jede» Sonntag von 5— 10 I!hr und Donnerstags von 8—10 Uhr abends ab. Das Jugendheim ist geschlossen. Besonders die schulentlassene Jugend ist sreundUch rvillloinmen. Göpcnick. Heule nachmitlag 2 Uhr findet zur Wiedereröffnung des Jugendheims bci SIiPPekodl. Schönerlindcr Straße 5, eine Feier stall, be- ilchcnd in Konzert und Vorträgen. Die Feilrede hält Stadtv. Stühmer, serner Ivirlt der Gesangverein„Männerchor* mit. Lille Jngeudlichen sowie Eitern und Freunde derselben sind eingeladen. Freireligiöse ffienieinde. Heule bormiltag 10'/, Uhr, Kleine Frank- sutter Str. 6: Vortrag von H«vn Ernst Daum ig:„Wanderungen durch die Kirchengcschichtc". IX. Luiher, der Revplulionär*.(Säfte willkommen.— Nächste Kindcrvoricsung am 14. Oktober. Mus sUer Veit. Ein großes italienisches Flugzeug mit drei Propellern wurde Miltwochabeiid am Drauufer bei Obcrtäubting verbrannt au'- gefunden. Ob es brennend niedergestürzt ist oder erst nach dem Ab- stürz in Brand geriet, ist noch unbekannt. Bon den Insassen des Flugzeuges weiß man nichts. vrilüfkasten öer Reöaktion. Streit Schwere Artl. 1. und 2. Ja. 3. Der Zeitpunkt sieht noch nicht fest/ ist aber im HauvtauSschun angenommen und vom Rcgierungs- verlreter zugesagt.— R. G. T Kommen Sie mit dem DercinSstatut in die Sprechstunde.— P Sobald die drei Söhne mehr als sechs Jahre der geschlichen Dienstpslichl genügt haben, pro Jahr der ferneren Dienst- zeit 240 Mark Lluswandsentlchädigung.— A. H. 10. Sie müssen zum Sühnctermin erscheinen.— SÄ- S. 14. Ist Ihr Vater f. ü., so kann er in jedes xbciicbiqc Regiment verseht werden.— Trebvr ggegnal Liv. (and. Sie müssen von dem Verdienst dem NnterstützungSbureau Mil- tcilung machen. Die Steuern kommen bestimmt.— Murie(Set- liard SC. Kommen Sie in die Sprechstunde.— M. W. 144. Melden Sic die Sache der beircssenden Kompagnie.— Z. 87. 1.§ 835 Bürgerl. Gesehbuchs. 2. Bei der örtiiebcn KriegSuiiterstuhungskommission. 3. Nein. — Schäfer. Vereinigung für werltätige Erzichniig. Vorsitzender Lehrer Frenkcl, Cbarloitcnburg, Spandauer Berg 22.— R.®. 77. Nein. — G. K. 27. Wenn Sie die Mictsteigerung noch nicht anerkannt haben, »vciidcn Sie sich so/ort an das MieteinigungSamt.— Mündel. Wenden Sie sich mit einem aussübrlichen Bericht an das Vormnndschastsgericht, dieses wird dann wahrscheinlich die Zustimmung verweigern.— Feldgrau 141. Ihre Frau soll dic Hiise des Gerichts anrufen.— R. K. 74. t. In. Kann koch noch nachgeholt werden. 2. Nein—-t». I. Nr. 100. Unter Umständen iß, da die Fürte überflüssig erscheint und als Schlachtvieh ge- braucht Ivird,-- K. D. 2. Wahrtcheinlich ja.— M. H. 100.(Sehen Sie nach dem Pateniamt, von 10—3 Uhr, dori bekomme,! Sie aussührlichc Broschüren und Belehrung.— R. 03. t. Wenden Sie sich an das AintS- gerecht Ivegen Nachlaßregillierung. 2. Antrag beim Gewerbegricht oder Jrnuingsschiedsgericht wegen Autlostmg des Lcbrvertragcs stellen.— N. A. 45. Wenn Ihre Familie hier polizeilich abgemeldet und in W. polizeilich angemeldet ist, müssen ihr in W. die Lebensmittelkarten aus- gehändigt werden. Delegr. N. Ist nur aus maschinellem Wege möglich.— Rosentbal III. 1. Im Berliner Adreßbuch, 2. Band, 2. Teil, Seite 282 sindeu Sie die Vereine, die Ihnen Austrnist erteilen. 2. Kann an der Grenze be- schiagnahmt loerden. Schicken Sie daher ein kleineres Quantum.— Nr. 31. l. Ja. 2. Rechnungsitelle I der Vollssürsorge, ßO., Engeluser Nr. 18,— 31. L. in B 20 Ps. für Erzeuger, 00 Ps. Großhandels- und 80 Ps. Kleinhandelspreis.— K. D. 14. Privatinstitute können wir nicht empfehlen. Wenden Sie»ich an die Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie, 0., Am Warschauer Ptatz. 'M. H. De- Zivilist soll und muß sich beschweren, wenn er im Recht ist.- N. P. 17. Sie müssen den vergeschriebenen Dienstweg innhalten. — R. K. 83.-Sie sind sogenannter Slaaienloser und haben Inland e einen Wobnsih gehabt. Mithin sind Sie mililärpslichlig.— O. 2. 20. Wenden Tie sich an das stelloectrelende Generalkommando und weisen Sie nach, daß Sie anderweitig in Arbeit treten können.— O. R. 17. t. Nein. Aiiezahinngen dürfe» nur im Interesse der Jugendlichen, ans- nahmSlveise im Interesse näherer Slngehvrigen, wie trauter Eltern, jüngerer Geschwister verwendet werden. Sontt wird grundsätzlich die Genehmigung versagt. Antrag ist an das BoriinuidschaslSamt, Berlin, LaZSberger Straße 4v/4J, zu richten.___ Eingegangene Druckschristen. Soziale Rechtseinrichtungen i» Bielefeld. Von Dr. Alfred Dozi. 1 M. Ferdinand Enke, Stuttgart. Zimiiierwald nnd Kiental. Von Robert Grimm. 80 Rp. Verlag Promachos. Bern-Belp." Auch Einer. Von F. Th. Bischer. Geb. 3 M. Deutsche Verlags» Anstatt, Stuttgart. Slusgeivühlte Grzähkungrn. Von Auzufte Supper. 1 M.— Deutsche Verla gSanllalt, Stuttgart. liniere Finanzen nach dem Kriege. Von Dr. R. Kuczynskt. 1,40 M.— Julius Springer. Berlin. Der jiultnrkampf um dir Einheit der Völker. Von Silvester Brückner. 2' Ai.— Verlag Silvana, Röntgental bei Berlin. Jahrbuch einer Seele. Von W. Nilhack-Siahn.— I. Frickcs Verlag, Halle a..S. Belgien als französische Ostmark. 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Oftober, nachmiltugs 3 Uhr: Volfsbiibne: Lunipcngcsinbcf. Schiüer.TH. Chartottenburg: Govelin d'Zlndrca. Schiller-!!» O: Hinter Mauern. .�iinstler Th.: Der Herr Senator. Lcsjing.Th.: DaS Kind. Nachmittags 2'/, Uhr: Deutsches OpenibauZ: Rixoletto. t�vse-l'keQter. 3 U.: Die Stunde des Vertrauens. ?'/- uhr: Der Weiberfeind. Theater für Sonntag, den 7. Oktober. Central-Theater, Kommandantonstraße 57. 7>/,: iäle Csanlasfilpstln :!>/« Uhr: Das Glück im Winkel, OentMcheM OpernliauN uh'�flrpbEBsinderllütErwelt Friedrich-Wilhelmst. Theater 3U.; Ein Maskenball(Amalia). 71/jTJhr; Das Dreimüderlhaus. Kleines Theater T'/.ü,: Bürcer Schlppel. ö'i, Chr: Paul und Paula. Loltchens Geburtstag. Lustspielhaus ___ Die blonden Müdels 7/,(ihr Stettinsr Sänger. Nachmltt. ermäSigte Preise! Logen 1 dL. Parkett 75 PL, Eintritt 39 Pf. Herrl. Progr. I URANIA Sonntag 8 Uhr; Das Oberengadin und der Splugen. Montag 8 Uhr: Direktor Franz Goerke: Die Befreiung Ostpreußens. Apollo Friedrichs trabe an der Kochstr. 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Bor 24 Jabren wurde er durch das Vertrauen seiner Berufskollegen in die OrtSkrankenkasse für HandkunaSgebilsen berusen, in welcher er bis zu deren Vereinigung mit der Orlkrankcnkasse der .staufleulc tätig war. Beim Zusammenschluß wurde Kehn die Teilung dieser Kasse Übertragen, die sich bald infolge dsS industriellen Ausschwunges zur größten Berliner Krankenkasse entwickelte. Alberl Kohn erkannte sehr bald, daß die KrankheitS- Verhütung ebenso wichtig ist, wie die Heilung, und er arbeitete uberall mir, wo es galt, die soziale Hygiene zu sördcrn. Mir kräsliger Hand nahm er den Kamps gegen die Berliner Wohnungs- rnisere aus, und die ersten Berichte über die Wohnungsunter- suchungen der OrtSkrankenkasse der Äauflenle erregten allgemeines Auf- sehen. Nur schwer ist es gelungen, die Behörden von der Not- wendigkeil zu überzeugen, diese Untersuchungen weiter zu sühren, und, wenn trotz deS Geschreies der Hansbesitzer und des Wider- standeS vorgeietzler Ministerien die Kasse weiter auf dem ein- geschlagenen Wege fortichritl, so ist dies vorwiegend das Verdienst deS Jubilars.— Auw der Kampf gegen die Tuberkulose wurde von ihm tatkräftig nnlgesührt. Aus seine Veranlassung unterstützte die Kasse die Tubeikulose-sjürsorgestellen mit reichlichen Mitteln: unter seiner Leitung war die OrtSkrankenkasse der Kauslente die erste Berliner Kasse, welche eine große, musterhast geleitete Lungenheilstätte in Müllrose errichtete.— Bei dcr Zuiammenleguna der meisten Berliner OrtSkrankeii- kaiien tourde Kobn zum Direktor gewählt. Die Berliner Kasie zählte vor dem Kriege über eine halbe Million Mitglieder und ist die größte in ganz Deutschland. Der Krieg bar verhindert, daß die großen Ausgaben, welche Alberl Kohn noch lösen wollte, schon setzt durchaefühll werden. Ter gute Kasienbestaud und in letzter Zeil gelroffenc Maßnahmen lassen aber hassen, daß auch die Allgemeine OrtSkrankenkasse ein noch kräftigerer Förderer der Bollsgesundheir werden wird. Möge Albert Kohn noch ein langes frohes Schaffes vergönnt sein. Sonntag, 7. Gktober 1417 Sstssaks. Verheimlichke Forderungen zum Friedcnsvertrag. Ter Nedalleur der HaiidluiigSgehilfenzeitung, Paul Lauge, hat tu seiner Schrift„Die Reuoriennerung der Gewcrtschasien" behauptet, die deutschen GetverischaflSführer hätten tin Juli lSlO den von den Vertretern der Entetitegewerkschaslen in LeedS gefaßten Beschluß Über die gcwerl'chaftlichen Arbeiterforderuugeu zum Friedensvertrag bis Ende Mai 1917 verheimlicht, weil sie „Wohl der Mcuunig gewesen seien, daß die naiionale Gesinnung der Arbeiter darunter leiden löimte, weitit sie sich wieder mit ihren internotionaleu Interessen beschäftigen iDiitdeii". ES ist bereits wiederholt darauf hingewiesen worden, daß sich Paul Lange mit dieser Behauptung einer Unwahrheit schuldig gemacht hat. AIS Beweis dafür ist augesührl worden, daß die Lcedscr Beschlüsse schon im November 1916 in der I. K. und etwas später int Bulletin deS Internationalen Arbeitsamts und in der„Metallatbeiter-Nnudichau" veröffentlicht tvordeu find. Der „Leipziger VollSzeitung" ist diese Feststellung begreislicheriveiie höchst unangenehm. Sie sucht nun die Ehre Paul Langes dadurch zu retten, daß sie cS so darzustellen versucht, als od die Veröffentlichung in den gciiaiiuten Blättern eigentlich gar keine Veröffcuttichung wäre. Kein einziges deutsches GeiverkschaftSblatt habe den Antrag der ausländischen Gelverkschasten seinen Lesern mitgeteilt. Demgegenüber weist nun der„ G rund st ein", das Blatt des Deutschen Bauarbeiicrverbandes. darauf hin. daß er schon im Oktober 1916 in einem Leitartikel„Arbeiterschutz und Friedens- Verträge" zu dieser Frage Stellung genommen und den deutschen Gewerkichaften nahe gelegt habe, aucb ihrerseits solche Forderungen zu erheben. Damals tintteii in Deutschland die Forderungen der Leedt'er Konferenz int Wortlaut noch gar nicht vorgelegen! der„Grundstein" habe infolgedessen nur den Inhalt dieser Forderungen skizzieren können, tote sie schon im Juni 1916 vom französischen Banarbeikerverband angeregt itnd von den französischen Gewerkschaften angenoiiimen tuarcn! ader er habe int Anschluß daran eine Meldung des„Vorwärts" wiedergegeben. wonach auch die englitchen Gelverkschasten die gleichen Forderungeit gestellt hätten. In der Tat hat der„Grundstein" in seiner Nr. 44 vorn 28k Oktober 1916 das ivesentlichste der inzwischen in LeedS zum Beschlüsse erhobenen französischen Gewcrlschastssorderuiigen zum Friedensvertrag wiedergegeben. Er hat diese Fordctungen als „durchaus beachteiiStvetl" bezeichnet und settieu Artikel mit folgenden Worten geschlossen: Nach diesem sutchtbaren Krieg werden die besitzenden Klassen aller Länder soviel andere Ausgaben lösen wollen, daß für den Aus- bau der sozialen Gesetzgebung leine Zeit und kein Geld üorig sein wird. Schon jetzt deshalb die besonderen Arbeiter- fordern ngen hervor zu beben, die Wünsche, ans deren Erfüllung oie Arbeiterschaft aller Länder g e r e ch t e r Iv e t s e A n s p r u ch erheben kann, mit allem Nachdruck z n betonen, i st eine?l u f g a b e, der sich auch die deutschen G e w e r k s ch a s t e tt' n t ch t entziehen sollten. Dieie Worte und die Tatsache, daß die Fordermtgeit der Entente» gewerkichaften im„Grundstein" an leitender Stelle mitgeteilt und zustimmend besprochen tmtrden, sind wobl für jeden verständigen Menschen Beweis genug, daß von einer Berheimlichliiig der Leed'er Beschlüsse vor den Geiverkjchaftsinitgliedern absolut keine Rede sein kann._ Portofreiheit der gcmeiudlichcn Arbeitsnachweise in Bayern. Die Pflege der zivischenörUichen Vermittlung gehörte schon vor dem Kriege und während desselben zu den wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Arbeitsnachweise; sie wird nach dem Kriege voraus- sichtlich eine ganz besondere Bedeutung erlangen. AIS rineS der Mittel, die in erster Linie geeignet sind, diesen Zweig der Tätigkeit der Arbeitsnachweise zu fördern, erscheint die Ge'.vährnng der Porto- freiheit, die cS ermöglicht, den mit der zwifchenörtlichett Vermittlung verbundenen umfangreichen iLcbristwechsel ohne kleinliche Spariamkerlsrticksichlen zu führen. Der bay.ischeu Staats- tcgiertmg ist tuuintchr ein erfreultchci. und bedeulsanter Fortschritt in dieser Hinsicht zu danken. Diese hak nämlich aus eine Eingabe des Verbandes bayerischer Arbeitsämter hin verfügt, daß diese in die Liste derjenigen Behörden ausgenommen werden, die zur Ver- Wendung von Dienstwertzeicheu berechtigt sind. Diese Berechtigung erstreckt sich auf den Verkehr der Arbeitsämter unter sich, sowie mit den Hauptarbeitsämtern, der Landesstelle für den öffentlichen Arbeitsnachweis, den bayerischen Landesbehörden usw. Die Ver« Wendung von Dienstwcrtzeichen ist zulässig für alle Brief-, Paket- und Geldsendungen. Industrie und Handel. Schiffe von Zement. Tie Frage des Zementschiffbaues ist aktuell geworden, aus- ländische Zeitungen beschäftigen sich mit ihr, da ihnen die Schtffs- rauinnot aus den Nägeln brennt. Da§ sranzösische Blakt„Journal" schreibt, das erste Zementschiff werde demnächst in Bordeaux vom Stapel lmifen; es verdränge 900 Tottuen Wasser, lieber den Zementschiffbau wird uns nun von fachntännischer Seite folgendes mitgeteilt: Die Idee, Schiffe von Zement zu bauen, ist nicht neu und nicht erst durch den U-Boat-Krieg in die Erscheinung getreten. Schon 1904 lvurdc die Idee in Deutschland in die Praxis umgesetzt! es wurde in Dauzig ein Prahm aus Zement gebaut, der noch heute in Dienst ist. Die Wände dieses Schiffes sind allerdings noch verhältnismäßig dick, und es ist anzunehmen, daß»enerdnigs erhebliche Berbesit- rniigeil an diesen Schiffen vorgenommen werden und durch dünnere Wände eine größere Nntzungssähigkeit erzielt wird. ES wird sich aber inuncr nur um den Bau von Prähmen und Küstenschiffen handeln können. Neuere Meldungen auS den feindlichen Ländern besagen, daß dorr Zenientschiffe mr großen hergestellt werden sollen. ES liegt nahe, daß die Kosten dieler Schiffe erheblich geringer sind als die der Schiffe von Eisen, weil die Zemeirtschiffe nach eurem bestimmten «chema gegossen iverden können, wäbrend bei den Eisen'Äiffen Plaue an Plaue geffigt werden muß. Es ist falsch, die Herstellung von Zementschiffen als Ausfluß und noch mehr als Bedrohung des Il-Bool-Kriegeö anzusehen. Fünfundzwanzig Prozent sind nicht genug! Gegen den Vorschlag des AuffichtSratS» 25 Prozent Dividende zu zahlen, tvendet sich ein Teil der Aktionäre der Munitionsfabrik Heinrichs u. Aufsermann in Beheitburg und Barmen- NitterShausen A.-G. Sie tun dies nun nicht deshalb, weil ihnen ein Kapitalgelvinn von einen: Viertel der Einlage in einein einzigen Jahre als wucherisch erscheint, sondern iveil tbnen sünsundzwanzig Prozent Dividende nicht genügen. Diese Draufgänger aus der Dividendcnjagd, die von dem Bankhause S. u. N. C u l p in Barmen angeführt werden, vertreten den Standpunkt, daß die vom Aussich IS- rate vorgeschlagene Dividende dem dereinstigen Reingewinne nicht entspreche. Dieser Reingewinn, der im vorigen Geschäftsjahre noch rund 2 Millionen Mark betrug, ist jetzt auf 4140 00t) M. gestiegen. Ferner hatte der AussichtSrat eine Erhöhung deS Aktienkapitals um eine Million(von 2 auf!! Millionen) vorgeschlagen. Auch diese Erhöhung genügt dem erwähnten Teil der Aktionäre nicht. Der Reingewinn des letzten Jahres hat also in dieser Munitionsfabrik das Äktienlapital um mehr als das Doppelte überstiegen. Diese interessante Tatsache soll dem ReichSschatzsclretäc als Fingerzeig dienen, wo und wie leicht und schmerzlos Beitrüge zu den Kriegs- kosten zu haben wären. Verkaufs schönhaujeraUcc 11Ö Ölung-, Hochbahnhos) Psandleihhaus! Spottbilligste EinkausSqnelle! Belzganiturcii, Ala-kafüchse, solange Vorrat, 55,—! Taschen- uhren, Wanduhren, Earderoden- lager, Zilberiaschcn! Staunen- erregende Goldwarenpreise! 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