Nr.S77. 34. Jahrg. Bezugspreis: ki-U-IMil. aflOSRL, monafl. 1�0 JW, wZchenUich 80 Psg. frei tn« Haus. tatauSjaSlSat. Einzelne ZSochentagS- Nummern 5 Pfz. Conniagsnummer mit illustrierter Beilage.Tie Neue Weif 10 Psg. Postbezug! Monatlich ILO Mb Unter Kreuzband siir Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 SKI., für das übrige Ausland 4 Mb tnonatlich Postbestellungen nehmen an Dänetnart, Holland, Luxemburg, Schweben u. die Schweiz, Eingetragen in die Vost-ZeitungS-Preisliste. Erscheint täglich, Telegramm- Adresse: .Eozialdetnokrat iScrlw", Verlinev Volksblerkk. 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Die Welt, die mit Spannung der Lösung unseres inneren Konfliktes harrt, wird mit Staunen vernehmen, daß in der gestrigen Sitzung des Hauptausschusscs sämtliche Parteien mit A u s n a h ni e d c r Sozialdemokratie für die Bewilligung des Nachtragetats gestimmt haben, die damit auch für die dritte Lesung in der Vollvsrsamnllimg gesichert sein dürfte. Tem Herrn Helffcrich, der am Sonnabend dem Reichstag seine Rockschöße zeigte, ist am Montag sein Vize- kanzlergehalt bewilligt worden. Wie war das möglich? Es war möglich, weil die bürgerlichen Parteien, Zentrum und Fortschrittliche Voltspartei, Scheu vor e i n e m K o n- s l i k t hatten und sich deshalb mit einem Erfolg begnügten, den man nur höflicherweise noch einen halben nennen kann. Herr Michaelis gab zu Beginn der Sitzung eine Erklärung ab, die etwas klarer ist als die Regierungserklärimgeu vom Sonnabend, aber jedes Bedauern über das Verhalten der Re- pierungsvertreteer in der letzten Reichstagssitzung ltnd jede selbständige politische Stellungnahme vermissen ließ. Man kann aus seinem Verhalten schließeil, daß die bebordlichc �und militärische Agitation gegen die Politik des Rcickstogs in'der nächsten Zeit stark eingedämmt werden wird. Dieses sachliche Ergebnis hat den bürgerlichen Parteien der Mehrheit genügt, das erhobene Schlvert wieder einzustecken und die Tinge auf sich beruhen zu lassen. Michaelis bleibt Reichskanzler, Hclffc- rich sein Stellvertreter, und Herr v. Stein bleibt Kriegs- minister! Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion kann das nicht mitmachen. Sie hat gegen den Nachtragctat ge- stimmt, und damit ihrer grundsätzlichen Stellung zum System Michaelis-Helsserich Ausdruck gegebeil. Sie ist fest davon überzeugt, daß ihr Verhalten in den weitesten Kreisen des Volkes gebilligt werden wird: nicht nur von ihren eigenen Anhängern, sondern auch von vielen Anhängern der Volks- Partei und des Zentrums. Wenn sie den Nachtragetat ablehnt, so tut sie es nach dem Grundsatz:„Stimme so. wie nach deiner Ueberzeugmlg die M e h r h e i i stinimen müßte." Nach ihrer Ueberzeugung hätte sich die Mehrheit nicht mit Koinpromisjen abspeisen lassen, sondern reinen Tisch machen sollen. Das Volk wäre der Mehrheit für eine solche Haltung, die doch an e i n e r Stelle im Reich einen bestimmten Willen hätte erkennen lassen, dankbar gewesen. Und dieser bestimmte Wille hätte sich, wir zweifeln nicht daran, auch durchgesetzt. Da er aber nicht vorhanden ist, kann er sich auch nicht durchsetzen. Ter Wunsch, innere Konflikte während des Krieges zu vermeiden, ist durchaus verständlich. Aber es ist immer noch hundertmal besser, einen unvermeidlich gewordenen Konflikt auszutragen und ihn damit zu beseitigen, als ihn zu ver- schleppen und ihn zur Quelle immer neuer Konflikte werden zu lassen. Die bürgerlichen Parteien der Mehrheit haben den Konflikt nicht beseitigt, indem sie ihm auswichen, sie haben die Krise nicht beigelegt, sondern sie haben sie verewigt. Die Zukunft wird das, zum Schaden des deutschen Volkes, lehren! -Herr Michaelis hat gestern die Parteien beschworen, einig zu sein. Das ist derselbe fromme Wunsch, den der Freiherr von Attinghauscn in Schillers„Tell" äußert, bevor er stirbt. Aber in der Schweiz zu Wilhelm Tells Zeiten gab es so wenig wie in der heutigen eine Vaterlandspartei, und die Schwyzcr, die sich gegen die ungeheure Ueberinacht Oesterreichs verteidigten, brauchten keine Debatten darüber zu führen, ob man Böhmen annektieren solle oder' nicht. Sonst wäre auch die Mahnung des sterbenden Attinghausen gänzlich fruchtlos geblieben. Die Uneinigkeit ist aber noch lange nicht das schlimmste politische Uebcl, an dem wir zu leiden haben. Das schlimmste ist, daß wir nicht recht wissen, wohin man uns führt! Die Mehrheit hat keine Sicherheit dafür, daß ihre Politik getrieben wird, und die Minderheit trägt sich mit der Hoffnung, daß man demnächst ihre Politik treiben wird, sie ineint, man müsse die Regierung nur vom Druck der Mehrheit befreien, dann komme alles übrige von selbst. In dieser Hoffnung wird sie durch den Verlauf der neuesten„Krise" wesentlich bestärkt werden. Ihre robuste Rücksichtslosigkeit tritt desto herausfordernder auf den Plan, je sicherer sie weiß, daß auf der anderen Seite zartbesaitete Gemüter walten, bei denen das Rücksichtnehmen und Bedenkcntragcn kein Ende nimmt. Nur ein fester Wille kann sie so bescheiden inachen, wie sie es sein müssen, wenn aus ihrem Treiben dem Reiche nicht schwerer Schaden entstellen soll. Beruhigen werden sich diese Herren doch erst dann, wenn sie erkennen werden, daß ihre Versuche, sich des Steuerruders zu bemächtigen und den Kurs des Staatsschiffs zu wenden, völlig aussichtslos sind. Diese Erkenntnis konnten sie sich aber weder aus der Rede des Reichskanzlers holen, noch aus dem Verhalten der bürgerlichen Mehrheitsvarteien. Sie werden übermütiger werden denn je, und die Bewilliger des Nach- tragsetats werden vielleicht zu spät bedauern, daß ihnen im entscheidenden Augenblick die frische Farbe der Ent- schließung gefehlt hat. Selbstverständlich wird sich die Rechte bemühen, in den Spalt, der sich in der Mehrheit aufgetan bot. einen recht' nicht zugezogen waren. Wir sind dafür dankbar, denn wir können breiten Keil hineinzutreiben. Das lockende Ziel, die Sozial- die Beraulworlung für diese Politik nicht übernehmen. Die Verhand- dcmokratie zu isolieren und in einer sozialisteureinen Mehr- �»»en vom Sonnabend müssen nach außen den Eindruck von Kon- 6,1, in- Mwm«»i-d-r an Ii« bring.» wird Iba-» mehr als unerreichbar erscheinen. In, Volk aber werden die Hoffnungen, die man aus den Reichstag gesetzt hat. einen schweren Sturz erfahren. Das ist gewiß tief bedauerlich. Aber noch bedauerlicher wäre es gewesen, wenn die Sozialdemo- kratcil, bloß um die einheitliche Front der Mehrheit zu toahren, eine Politik der Schwäche mitgemacht hätten. Sie haben, indem sie sich in dieser wichtigen Frage von der Mehrheit trennten, von zwei Uebeln das kleinere gewählt. Wirklich froh werden kann an dieser Lösung des Kon- fliktes nieinand, eben weil diese Lösung keine ist. Auch in den Freudenbecher der Konjervativ-Alldeutsckwn fällt der Wer- mutstropfen, daß die Regierung uin des lieben Friedens willen von der Mehrheit doch wieder ein ganzes Stück zurück- gehuft ist. Auf beiden Seiten der bürgerlichen Parteien wird inan das Ereignis als seinen eigenen„Sieg" zu kommentieren versuchen, und auf beiden Seiten wird man damit recht und unrecht zugleich haben, da e i n c r k l a r e n E n t s ch e i d u n g wieder cinnial ans dem Wege gegangen>vor- den ist. Die Sozialdemokratie will eine klare Entscheidung in dem Sinne, daß die Regierung die Meinungsfreiheit nach allen Seiten hin unparteilich schützt, selber aber sich offen und entschieden für den Reichstagsbeschluß vom 19. Sjulx ausspricht, und in seinem Sinne konsequente Politik treibt. Die Regierung Mick)aclis- Helfferich ist eine solche Regierung nicht, und sie kann es auch nicht werden, mag sie noch soviel Erklärungen, die man ihr vorschreibt, nach- sagen. Sie ist im besten Fall auf den Boden des Reichstags- beschlusses aufgeleimt, sie ist nicht aus ihm entstanden, nicht mit ihrer Ueberzeugung mit ihm verwachsen. Ihre Autorität hat an den Vorgängen der letzten Tage wahrhaftig nicht ge- Wonnen, die des Reichstags aber— es ist bitter, es zu sogen, leider auch nicht! ch- Der ganze Verlauf der nicht allzu erhebenden Angelegen- beit ist aus den folgenden Berichten zu ersehen. Der Reichs-, tag trat um �2 Uhr mittags zusammen. Die Jnterpellations- debatte wurde planmäßig auf Dienstag vertagt, der Nachtrag- etat in den Haushaltsausschuß zurückgewiesen und, um diesem Gelegeilheit zur Beratung zu geben, die Vollsitzung ab' gebrochen. Die Sitzung des Hauptausschusses begann um drei Uhr nachmittags und schloß nach langen Erklärungen und Gegenerklärungen— wobei die Enthüllungen des Genossen Ebert aus der Generalskonferenz im Kriegs- m i n i st e r i u m besonders bemerkenswert sind— spät abends mit dem schon gemeldeten Ergebnis. ** * Die Sitzung. 123. Sitzung. Montag, den 8. Oktober 1S17, mittags 12 Uhr. A m Bundesratstisch: Dr. Helfferich.(!> Aus der Tagesordnung steht zunächst eine Ergänzung des Ge setzes über die privaten Versicherungsunter nehmen, durch welche Bankunternehmungen zur Stärkung des Grundkredits nicht mehr dem Lussichtsamt für Privatversicherung unterstehen sollen, indem sie nicht als Versicherungsuiiternekmungen anzu sehen sind. Abg. Dr. Mayer- Kaufkeuren(Z.): Fm Einvernehmen mit sämtlichen Fraktionen des Hauses habe ich zu erklären, daß wir bereit sind, dem Entwurf in allen drei Lesungen ohne Ausschuß- beratung zuzustimmen. Der Entwurf wird in allen drei Lesungen debattekoS ange» nommen, desgleichen ein Gesetzentwurf zur Aenderung deS Reichs- stempelgesetzeS. durch welchen der Bundesrat ermächligt wird, Be- sreiungen und Ermäßiguugen für einzelne Gattimgeu von Waren tuzulassen. Geschtistsordnungsdebatte. Abg. v. Paper sVp.): Ich beantrage unter Uebergehung der folgenden TageSordnungS- punkte jetzt sofort die beiden letzten Punkte vorzunehmen sdritte Lesung des Nachtragsgesetzes und der Ergänzung zum Besoldungsgesetz) und zwar deshalb, damit diese beiden Nachtrags- etat» an den HauShaltSauSschttj; zurückverwiesen werden köillieu. Die überwiegende Mehrzahl der Parteien halten das für angezeigt und zugleich halten sie es für zwexkmäßig, daß die abgebrochene Beratung vom Sonnabend über die Interpellation Antrick erst sortgesetzt wird, wenn der Ausschuß gesprochen hat. Wir werden daher auch beantragen, daß der Reichstag sich für heute vertagt, so daß heute Nachmittag der HauptauSschuß Zeit hat, sich mit allen Fragen zu befassen, die er noch zu beraten bat. Dann soll morgen Vormittag die Fortsetzung der Jnterpellations- beratung sofort beginnen. Abg. Graf Westarp(f.): Meine Freunde widersprechen diesem Antrag. Er ist das Resultat iulerfraktwuell« Besprechunge«, zu denen meine Freunde jetzt aus das äußerste zu bedauern sind.(Sehr richtig! auf allen Seiten des Hause».) Die Zurückverweisung de§ NachlragSetatS in den Ausschuß ivll diese Etais mit den Verhandlungen über die Jnter- pcllation in Zusammenhang bringen. Em solcher Zusammenhang besteht unserer Auffassung nach nicht, die Bcrhältnisic sind vielmehr vollkotnmcn klar. Abg. Haasc(II. Soz.j: Mit der Voranstellung der Beratung des NochtragScta!» sind lvir einverstanden. Aber darin hat Graf Westarp recht: die B e r- Haltens je sind völlig klar. Wer nach der Verhandlung vom Sonnabend noch nicht lveiß, woran wir sind mit der Regie- rung. dein ist überhaupt nicht mehr zu helfen,(Sehr richtig', bei den U. Soz.) Die politischen Verhältnisse sind so klar, daß s o- l o rt ein Urteil gefällt werden kann. Kommt die Sache aber noch einmal in den Aitßschuß, so liegt die Gefahr nahe, daß die durchaus klaren Verhältnisse wieder verdunkelt weiden, und dazu haben wir leinen Anlaß.(Beifall bei den U. Soz.) Abg. Eberl(Soz.): Wenn Graf Westarp die Vertagung mit Rücksicht aus die durch die Verhandlungen vom Sonnabend geschaffene K o n f l i l l S« st i m m ii n g bedauert, so ist zu bemerken, daß gerade er und feine Freunde diese Stfinmung bervorgerusen haben und die Veraiitwortmig für die dadurch geschaffene Schädigung der Juier« essen deS Vaterlandes tragen.(Lebbafie Zustimmung links, Wider- spruch rechts.) Der HaukhaltLauSschuß hat dem NachtragSelar eine Bestimmling hinzugesügt. die»den Reichskanzler zur Ausgabe von 3000 Millionen Marl S ch a tz a n w e i s u n g e n zur vorübergehenden Verstärkung der B e t r i e b S m i t t e! der NeickShauptkasien ermächtigt. Nach de» Brrhaudliiirgen vom Sonn- abend haben wir ei» Jntereffc daran festzusteUc», inwieweit Mittel des Reiches für die Agitation im Heer und zugunsten der VaterlandS- partei verwendet werden. Diese Prüfung können wir nicht im Plenum vornehmen. Wir habe» nicht die Absicht, Herr» Dr. Helfferich und andern Vertretern drr Regierung im Ausschuß Liedenswürdiglriten zu sagen, sondern lvir lvollcn Klarheit darüber schaffen, wie weit Rcichsmittel für diese Zwecke verwendet werden, und da wird es möglich sein, daß Konsequenzen über den Nachtragsetat im ganzen gezogen werden. Entscheidend für meine Freunde ist, daß die sachliche Behandlung der Interpellation in keiner Weise gehindert wird und 'daß ihre Beratung morgen vormittag in der Reihenfolge der bereit; gemeldeten Redner weilergeht.(Lebh. Inj inmtung.) Abg. Mertiu(D. Fr): Wir stimmen der Rückverweisung nicht zu, denn em sachlicher Zusammenhang zwischen dem NachtragSetal und der Debatte der Interpellation besteht unserer Ansicht nach nicht. Aus schärsste zmückiveisen muß ich die Behauptung, daß die Valerlandspartei KonfllktSstoff ins Land getragen hat. ES ist ihr vielmehr Ernst mit ihrer Absicht und ihrem Bestreben, Einigkeit her- vorzurufen. Abg. Graf Westarp(k.): Nicht die Vaterlandspartei hat die KoiiflikiSstimmung hervorgerufen, denn wer hat die Interpellation eingebracht?(Lachen links.) Das Austreten des SlaatSiekrelärS Dr. Helfferich am Sonnabend entsprach durchaus der durch Ihre (nach links) Zwischenrufe geschaffenen Situation. Bei dein?kach- tragSetat handelt e» sich uin ein Schatzanweisimgödelret, wobei doch nicht alle möglichen Positionen des Etats besprochen werden können. Der Antrag auf Voranstellung der Beratung des NachlragSetatS wird angenommen und hierauf der Antrag aus Zurückverwcisung der Nachtragsetat» an den HauptauSschuß gegen die Stimmen der Rechten und der U. Soz. angenommen. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung DienSIag 10 Uhr. (Anfragen. Fortsetzung der Jnterpellatiausberatung. Bericht deS HauptauSschusieS über auswärtige Politik. Interpellation über dos Vereins- und Versammlungsrecht iin Zusammenhang mit dem Bericht deS Ausschusses betreffend Schutzhaft, Belagerung?« zustand usw., Interpellation des Zentrums über die Verhältnisse de» Mittelstandes, dritte Beratung des NachtragsetatS.) Schluß 1 Uhr. Erktärungen ües Reichskanzlers im Hauptausschuß. Der Ausschuß trat am Montagnachmittag 3 Uhr zusammen. Der Andrang war derart, daß der geräumige Saal dicht gefüllt loar. Die Staatssekretäre waren mit einem großen Schwärm von Geheimräten erschienen. Kurz vor Beginn der Sitzung erschiene» der Reichskanzler Dr. Michaelis, der K r i e g s- nt i n i st e r von S t e i n und Staatssekretär Dr. Helfferich. Formell stand u-icder der Nachtragsetat zur Be- ratung, in Wirtlichkeit handelte es sich um eine recht ernste und deutliche Auseinandersetzung über die ganze Art, wie die Regierung glaubt, den Reichstag behandeln zu können. Der Reichskanzler ergriif sofort das Wort: Meine Herren, es ist Klage darüber erhoben worden, daß von seilen von Beamten in unzulässiger Weise Propaganda zugunsten der Vaterlandspartei betrieben sei. Ich möchte über die Stellung der mir untergeor?. neteu Rcichsbeamt«« folgerchc- grundsätzlich bemerken» wobei ich 5in zufügt, ßnß fflf die preußischen iBeamf-tn dieselben Grundsäpe gelten: Für alle Beanrten gilt politische Gesin- n n n g S f r e i h« i t. Jedrv Beamte kann jeder Partei an- e hören, sofern sie niiti den Bestand des Reichs oder >es Staates gefährdend« Ziele verfolgt. Was nach außy, hin in die Erscheinung tretende politische Betäti. - gung betrifft, hirben sich alle Beamten selbstverständlich Zurück. Haltung aufzuerlegen, damit nicht beim Publikum das Per. ! rauen in ihre Unparteilichkeit erschüttert wird. Ein Mißbrauch der dienstlichen Stellung nach der Richtung, daß ein Porgesetzter die ihm nachgeordneten Stellen zwingt oder veranlaßt, zugunsten einer bestimmten Partei Stellung zu nehmen, ist selbstverstLndlich durchaus unzuläsfig, und ich wünsche nicht, daß von seiten der Bor- gesetzten ein politischer Druck nach irgend einer Richtung hin gegen die nachgeordneten Stellen ausgeübt wird. Diese Grundsätze, mein« Herren, gelten für alle politischen Parteien und Richtungen in gleicher Weise, ste gelten auch gegenüber der Vaterlandspartei, und sollte von diesen Grundsätzen abgewichen werden, so kann ich nur anheimstellen, daß der Fall zur Kenntnis der zuständigen vorgesetzten Zentralbe- Hörde gebracht wird, die den Sachverhalt prüfen und gegebenen- falls entsprechend eingreifen wird, und ich bin willens, die Innchaliung dieser Grundsätze zu überwachen. Auch im Heere wird jede politische Agitation ausgeschlossen. In den mir durch den Herrn Kriegsminister jur Verfügung gestellten Leitsätzen über den vaterländischen ilntcrricht, über die wohl des näheren noch gesprochen werden wird, ist die Politik ausgeschlossen. Meine Herren, ich bin mit den bundesstaatlichen Regierungen bestrebt, sämtlichen politischen Meinungen und Strömungen i n voller Objektivität gegenüberzustehen und jeder politischen Meinung volle Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen, Ich tue das, ... seil ich überzeugt bin, daß jede Richtung ehrlich das Beste zum Wohl des Ganzen will. Dieses gegenseitige Zutrauen zum besten Willen ist in dem.Kampf der Meinungen nanwntlick auch in den letzten Wochen in bedauerlicher Weise in den Hinter. g r u n d getreten»md das hat �ine Form der gegenseitigen Agitation gezeitigt, die ich aufs tiefst« bedaure. Jeder im deutschen Volk bat beveittvillig und freudig die Opfer an Gut und an warmem Leben gebracht, die von ihm verlangt wevden, und ich glaube, dost auch hier in diesem Kreise kaum einer ist, der nicht in dem Gedanken an das, was er dran gegeben hat, den hervorquellenden Schmerz herunterschlucken mutz mit einem mistigen„Dennoch!" Aus solchen opferbereiten Männern setzen sich auch die Gegner zusammen, und ivenn das im Auge be- halten wird, dann ist eine Agitation, wie sie jetzt in die Er- scheinung getreten ist, im Grunde ausgeschlossen. Möchten doch die Vertreter der auseinanderftrebenden Meinungen sich das vor Augen halten, daß in der Tat nickt die Betonung der Gegensätze in den Wege» und in den Mitteln das Entscheidende ist, sondern das Einheitliche und Gemeinsame in den Zielen. Wenn wir das vor Augen haben, wenn uns klar vor Augen steht, daß »vir alle an dem gleichen Strange ziehen müssen und wollen, dann wird es dahin kommen, daß in der Tat derartige Zusammenstöße, wie sie letzthin gewesen sind, aus unserem politischen Leben ausscheiden. Das ist jetzt, wie eS immer gewesen ist und jetzt am brennendsten im Hinblick aus die schtver« Zeit, tu der wir stehen,' unsere Pflicht. Abg. Ledebour gibt seinem Erstaunen Ausdruck über die eben gehörte Rede des Kanzlers, der über Allgemeinheiten nicht hinausgekommen fei. Mit moralischen' Ansprachen i-n tne Vertreter der Parteien erreicht man in dies« Situation inchls. Parteikämpse sind unvermeidlich. Was sagt der Reichs. tirnzl« zu den Beweisen dafür, daß Beamte und Offiziere politische Beeinflussung ausgkiil't haben'? Wie stellt er sich zum Verhalten Helsferich«? Ter Reichstag muß eine klare Antwort vev- langen. Graf Westarp bestreitet, daß hier eine solche Debatte entfesselt werden dürfe. Die Abgeordneten Erzberger und V. Paner erklären, daß die jüngsten Vorgänge hier besprochen werden müssen. Abg. E b e r t bedauert, daß der Kanzler den Streitpunkten aus dem Wege gegangen fei. Er habe dem Kanzler bereits vor zwei Wochen Material unterbreitrt. Redner verlieft den Erlaß eines Armee- Oberkommandos über die Aufklärungsarbeit im Heere. AuS dirsem Erlaß ergibt stch, daß die Agitation im.Heer sich gegen einen Beeständigungsfrieden richtet. Der Reichskanzler hat dir Pflicht, die Richtlinien für diese BufklSrungs- arbeit mitzuteilen. Am 13. August fand im Kriegsministerium eine Konferenz der GenerSlr statt. Tort wurde erklärt, daß man untrr Umständen das B e r. eins- und Berfammlungsrccht beseitigen müsse. General H S p k e bezeichnete die Aebeiterfekretäre als eine % e st. Die Einziehung mißliebiger Arbeiter wurde emvfohlcn. Die Bilder in einer Schmähschrift gegen den Reichstag») sind anch in einem Werk enthalten, das vom Auswärtigen Amt herausgegeben worden ist. Etwa 1W MO Mannschaften und Offiziere sind mit dieser„Aufklärungsarbeit" beschäftig!. Wo kommt das Geld her? Zur Berteidigung des Baterlandcs haben wir die Mittel bewilligt, nickst aber zur Berbetzung der Soldaten. Abg. Gothein schließt sich dieser scharfen Kritik an. Die jetzt betriebene Agitation der Beamte» und im Heere richtet sich anch gegen die Politik des Reichskanzlers. Abg. Ztrcscmailir gibt der Empfindung Ausdruck, daß die Re- Armee darf nicht politisiert werden. Es scheint, als od der Abgeordnete Ebert die Richtlinien für die Aufklärungsarbeit doch nicht richtig gedeutet hat. Das Heer aber zum Richter über den Reichstag aufrufen, müsse entschieden zurück- gewiesen werde». Verschiedene Generalkommandos achten streng darauf, daß bei den Vorträgen die Politik ausgeschaltet wird. Die mit Bildern versehene Schvift gegen den Reichstag war zweifellos eine Gemeinheit. Staatssekretär v. Kühlmann: Das Auswärtige Amt bat mit der Schmähschrift nichts zu tun. Sollte ein Beamter des Auswärtigen Amts daran beteiligt fein, dann wird er entfernt. Kriegsministcr». Stein: Die Versammlung der Generäle hat sich mit WirtschaftSfragen befaßt und hat zum Ausdruck gebracht, daß frivole Streiks verhindert werden müßten. Ern Biaior verliest die Richtlinien der Obersten H e e r e s l e i t u n g. die am 21. Juli 1917 ausgefertigt sind. Darin rnird hingewiesen aus die Notlvendigkeit des AuSharrens. Die Vorgesetzten werden aufgefordert, aufklärend zu wirken. Diese Arbeit ist für jede Division einheitlick geregelt. Ferngehalten muß alles werden, was die Truppen einseitig beeinflussen kann. Die Aufklärung muh zuverlässig sein. DaS Kricgsprefseamt besorgt das zu der Aufklärung notwendige Material. Diesem Zweck dienen Vorträge. Kinos, Zeitungen, Bücher, Theater usw. Bei den Vorträgen ist keine Dis- t u s s i o n zugelassen, aber es ist ein Fragekasten eingerichtet. Außerdem sind Austunftsstellen bei den Divisionen eingerichtet. ») Diese Schrift, die mit Bildern von den Russengreueln in Ostpreußen gegen den Reichstag hetzt, ist seinerzeit im„Vor- wärts" sest genagelt worden. Red. d.„V." Gebiets der Aufklärung sind: die Ursachen des Kriegs, die Wirt- schaftliche Entwicklung, die Folgen einer Niederlage Teutschlands, die gesicherte militärische Lage, die Treue zum Kaiser und zn den Landes fürsten, wirtschaftliche Fragen, Einfluß der Friedensduselei usw. Am 15. September 1917 ist eine weitere Verfügung ergangen, in der die Aufllärungsorbeit in„vatcrländ-isch-n Unterricht" um- getauft wurde. Dieser Unterricht ist auch bei den Ersatz- truppenteilen einzuführeu. Erörterungen über Kriegsziele sind keine UnterrichtSgegenstände. wenn aber ein So'dai danach fragt, dann soll ihm Auskunft gegeben werden. Kriegsminister v. Stein(fortfahrend): Die Erfahrungen mit diesem Aufklärungsdienst werden fortgesetzt ausgetauscht. Es können Auswüchse vorkommen; diese werden aber beseitigt. Es besteht nicht die Absicht. Politik in die Armee zu bringen. Er würde dagegen mit aller Strenge auftneten. Oberst Weiß erklärt, daß die Kosten aus den Kriegs- kosten gedeckt werden. Private Mittel kommen wicht in Frage. Abg. Dr. David: Mit dieser„vuftlärungsarbrit" hat mau die Politik in das Heer hineingetragen. DaS bestätigen Tausende von Soldatenbriefen. Die Heeresverwaltung scheint selbst daS Bedenkliche ihres BorgchenS einzusehen; deshalb auch ihr zweiter Erlaß. Wenn in den Leitsätzen gesagt wird, wir müssen UNS gegen FriedenSduselei wenden, so sind das Dinge, die mitten hinein in die Erörterung der KriegSziele führen. Und alles daS einige Tage nach der Friedens! un d�ebung des Reichstags! In unse- rem Heere stehen ungezählte ältere Leute, die von Poli- tik mehr verstehen, als die zur Aufklärung be- rufen« n Offiziere. Der„Aufftärer" ist außerdem Bor- gesetzter, der keinen Widerspruch kennt. Mindestens mühte man L'reie Diskussion gewähren, sonst mutz Mißstimmung unter en Mannschaften entstehen. Wenn der Kriegsminister von Flugschriften redet, dann soll er daS nicht vermischen mit der Kundgebung des Reichstages. Wenn man die Einheit des Volkes ivill, dann darf man in dieser Weise nicht Verfahren. Redner verliest R icht- linien eines Armeekorps, die Angaben enthalten, die sich in leiner Weise als zutreffend erwiesen haben. Die ganze Tätigkeit der Vakerlanospartei muß kriegs- verlängerud wirken. Tatsache ist, daß in amtlichen Bureaus Beiträge für die Baterlandspartei entgegengenommen werden. Bei B e r- teilung der Brotkarten gibt man den Frauen all- deutsche Flugblätter mit. Dagegen macht man sozial- demokratischen Rednern d,e größtem Schwierig- leiten, wenn sie in Versammlungen für die Friedenskundgebung des Reichstages eintreten wollen. Mit den Auskünften, die bisher gegeben worden sind, dürfe der Reichstag nicht zufrieden sein. Abg. Mertin(Dtsch. Fraktion) findet, daß die von der Heeres- Verwaltung aufgestellten Leitsätze völlig einwandfrei sind. Abg. Graf Westarp: Seine Freunde hätten nicht den Wunsch, Parteipolitik in das Heer zu tragen, aber die Soldaten müßten über die auswärtige Politik aufgeklärt werden. Die gehörten Leitsätze seien»ach Form und Inhalt völlig einwandfrei. Di« Bilder-Schmähschrift, die den, Reichstag zugegangen ist, halte auch er für ei„ ekelhaftes ProduN. Wenn sich Generäle darüber unterhalten, wie Streiks vermieden werden könnten, so fei dagegen nichts einzuwenden. Die ganze Situation hätte sich nicht so zugespitzt, wenn nicht die Mehrheit des Reichstages jeden Angriff immer sofort auf sich bezöge. Abg. Erzberger: Der letzte Sonnabend war kein glücklicher Tag. die Schuld trifft aber nicht den Reichstag. Der Kriegsmiwister und Dr. Helfferich hätten sehr ungeschickt operiert, statt sachlich zu antworten, hat man den Reichstag ausgepeitscht. Die Erklärungen, die im Plenum morgen abgegeben werden, dürfte« völlige Klarheit schaffen. Der Reichskanzler müsse einwandfrei im Reichs- tag erkläre», daß er die Agitation der Beamten«icht billige. Die Bilder in der Schmähschrift feien amtliche» Ma- t e r i a l, es müsse festgestellt werden, wer diese» Material znr Verfügung gestellt habe. Die Leitsätze seien im allgemeinen einwandfrei. Jede Ag i- tation gegen die Friedenskundgebung oder gegen die Rote des Papstes müsse\n der Arme« unterbleiben, sonst könne man der Regierung den Vorwurf der Zwei deu tigkeit«icht ersparen. Staatssekretär Dr. Helfferich stellt fest, daß er im Plenum am 3. Oktober seine sachlichen Ausführungen beendet hatte, als er die Rednertribüne verließ, daß also die Auffassung, er habe seine Rede abgebrochen, auf Mißverständnis beruhe. Gegen das, was er sachlich vorgebracht habe, sei auch von den Vorrednern eine Einwendung nicht gemacht worden. Ein verletzendes Wort werde niemand in seiner Red« aufzufinden vermögen. Wenn man seinen ..Ton" bemängele, dann uioge man sich vergegenwärtigen, daß er, noch ehe er überhaupt ein Wort gesprochen, mit nicht gerade freundlichen Zurufen begrüßt und im weiteren Ber- lauf kaum einen Satz ohne Zwischenrufe und Unterbrechungen habe beendigen können. Abg. Dave: An der Front habe er überall den Wunsch gehört, daß der Krieg bald beendet fei» möge. Nur an einer Stelle habe man Kritik an der Friedenskundgebung des Reichstags geübt. Dieser Stelle sei aber entsprechend gedient worden. Die Behauptung des KrieaSministerS, Abg. Landsberg habe mühsam zusammengesuchtes Material gehabt, mußte im Reichstag Empörung auslösen. Abg. Landsberg! Der Lärm tm Reichstag entstand, als der Kriegsminister mit einer unnachahmlichen Gebärde de» Mißachte nS von..mühsam zusammengesuchtem Material" sprach. Das war eine Provokation dcS Reichstags. Graf Westarp hat am letzten Anlaß, empfindlich zu sein, gerade er hat mehrmals Abgeordnete mit Stentorstimme ange- schrien, obwohl er früher höherer Polizeibeamter war. lGroß« Heiterkeit.) Die Anweisungen, die wir heute gehört haben, sind offenbar nicht das einzige gewesen, was hinausgegangen ist. Zlußer Zweifel stehe, daß in der?lrmee alldeutsch ge- färbte B�tzo schüren und Flugblätter verbreitet wurden. Redner zitiert Teile aus den Leitsätzen einer Division, die sich mit den«llgememen Leitsätze» nicht decken, die im Gegenteil direkt eine Anweisung zur Agitation im alldeutschen Sinne aufweisen. In einer von einem Generalkommando einberufenen Konferenz sind laut Protokoll die.Kriegsziele erörtert und die Meinung vertreten worden, auch die Kriegs. ziele zum Gegeustand des vaterländischen Unterrichts zu machen. Dabei wurde besonders empfohlen, bei Mannschaften, die au» industriellen Arbeitern bestehen, recht vorsichtig zu sein, bei Mannschaften, die vom Lande stammen, könne man sich eher gehen lassen. Will man b e st r e i t e n, daß i n d e r Armee Mitglieder für die Vaterlandspartei g e- warben worden sind? Der Reichskanzler muh im Plenum eine Reihe Erklärungen abgeben, insbesondere darf dw Versamm- lungstätigkeit zugunsten der Friedenskundgebung nicht unter- b u n d e u werden, sowie daß jede Agitation im Heere verboten wird. Reichskanzler Dr. Michaeli« teilt zur Ergänzung der Er- klärungen de« Staatssekretärs Helfferich in der Plenarsitzung vom Sonnabend mit, daß seitens der Reichszentralbehörden von den ihnen nachgeordneten Stellen Berichte über eine etwaige Be- einslussung Untergebener durch dienstlich Vorgesetzte im Interesse der Vaterlandspartei eingefordert worden seien. Das Material. das bisher vorlieg«, sei äußerst spärlich: es beschränke sich auf fünf Einzelfälle von untergeordneter Be- d e u t u n g, die durch die Reichspost Verwaltung zur Kennt- nis der Reichsleitung gekommen seien. Selbstverständlich werde in allen diesen Fällen das Erforderliche veranlaßt wer- den. Auch der preußische Minister des Innern habe einen Er- laß an die nachgeordneten Stellen herausgegeben, daß jeder Mißbrauch der dienstlichen Stellung zur Aus- Übung eines politischen Druckes oder einer politischen Beeinflussung auf Untergebene unzulässig sei und wenn er vorkomme, nicht geduldet werden würde. Ter Reichskanzler geht dann auf die Leitsätze der Heeresverwaltung über den vaterländischen Unterricht ein, die ihn. als sie zu seiner Kenntnis gelangt feien, durchaus befriedigt hätten! Man könne nicht leugnen, daß die Heeresleitung sich in diesen Leitsätzen unbedingt bemüht habe, in objektiver Weise einen großzügigen Plan der Aufklärung aufzustellen. Die Ausklärung selbst sei ohne Zweifel nötig; namentlich bei der abstumpfenden Befchäftigungslosigkeit des Stellungskrieges; sie müsse geistig au- regen, die Stimmung heben, die Leute wieder zur Fröhltchkci: und zum Lachen bringen. Nebenbei müsse aber auch die Renntnw des vaterläitdischen Lebens und der vaterländischen Wirtschaft, ihre Bedingungen und Zusammenhänge gefördert und vertieft werden. Daß die Oberste Heeresleitung die Politik und den politi- schen Streit vom Heere fernhalten wolle, sei selbst- verständlich und in den Leitsätzen ausdrücklich hervorgehoben. Natur- gemäß seien bei einem so riesenhaften Apparate und bei der Be- teiligung so zahlreicher Ausführungsorgane die Grenzen schwer zu ziehen und Fehler und Entgleisung eu im einzelnen nicht zu vermeiden: das habe der Kriegs- minister ja auch ohne weiteres zugegeben. Um dieser Fehler und Entgleisungen willen, die bekämpft und ausgemerzt wer- den sollen, könne man aber nickt die ganze Organisation auSeiu- anderfallen lassen und die Aufklärungstätigkeit einstellen, die, wie gesagt, erforderlich sei. Der Reichskanzler erwähnt dann die günstige Wirkung der Frontreisen der Abgeordneten. deren Teilnehmer sämtlich die Ueberzeugung mitgebracht hätten. daß solche Reisen zum Verständnis der besonderen Probleme und der eigenartigen Verhältnisse im Heere und an der Front sehr wesentlich beitragen. Er wolle zwecks Veranstaltung neuer Fron: reisen mit der Heeresleitung in Verbindung treten. Wenn die Zähl von Hunderttausend im militärischen AusNärungsdienste tätigen Personen genannt worden sei, so könne natürlich keine Rede davon sein, daß eine so große oder auch nur annähernd große Zahl von Menschen gewissermaßen hauptsächlich im AufWrungs- dienst« arbeitet; wieviele Personen gelegentlich und nebenbei mit der Aufklärungstätigkeit zu tun hätten, könne der KriegSminister nicht genau angeben. Wenn man allgemein die Politik aus der Aufklärung de« Heeres fernhalte, so verstehe«Z sich von selbst, daß auch eine Kritik unserer Aativortnvte an den Papst innerhalb des AuftlSrnngsnnterrichtS unzulässig sei. Wenn hier- gegen heute vereinzelt noch verstoßen würde, so werde eine ausdrückliche Feststellung in der nächsten Ergänzung der Leitsätze genügen, um dies abzustellen. Der Reichskanzler betont zum Schlüsse nochmals, daß«S sein Wille sei, allen Richtungen und Sirämungeii des politischen Leben- mit unbedingter Objektivität gegenüberzustehen und allen volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Kriegsminister v. Stein: Er sei immer offen gewesen, vielleicki zu offen, verletzen wollte er aber nicht. Daß noch sichere Leit- sähe als die von»hm bekanntgegebclum existieren, treffe nicht zu. Er habe einer Armee abgeraten, Mitglieder für die Vater- landSpartei zu werben, solange man nicht wisse, ob das eine doli- tische aber nichtpolitische Partei ist. Die Referenten über die Auf- klärungSarbeit müßten mitunter zu Konferenzen berufen werden. Eine Agitation für KriegSziele sei in der Armee n i ch t g c st a t t e t. Abg. Ledebour bedauert, daß die Debatte sich in Einzelheiten verloren habe. Die Leitsätze find in der Tat ganz nett, aber dann' habe man doch keine Gewahr, daß nicht trotzdem alldeutsche Politik getrieben werde. Wenn die Soldaten nach geistiger Kost hungern. warum verbiete man dann Arbeiterblätter? Den Offizieven wird es nicht sckwer fallen. Agitation in a.'ldeutschem Sinn zu treiben. Abg. Giesberts betont, daß auch Arbeitersekretärc zu der militärischen Aufklärungsarbeit herangezogen worden sind. 2lbg. Kreth nimmt die Regierung in Schutz, die auch das Reckt haben müsse, sich zu wehren. Landsberg habe die denkbar un- a n g h n e hm sten Dinge in unangenehmer Form vor-- t«tragen, die aber deshalb nicht minder verletzend wirken mutzten. >ie Aufklärung im Heer sei eine dringende Notwendigkeit. Dm Sturz Bethmann Hollwegs seien die Konservativen in keiner Weise beteiligt gewesen. Abg. Dr. David: Die Vorgänge in den Konferenzen der Refe- renten beweisen, was aus den Leitsätzen gemacht wer- den könne. Die Lehman nsch e Broschüre sei in der Armee stark verbreitet' worden, wohingegen sozialdemokra- tische Zeitungen verboten weiden. Daß für die Auf- klärungSarbeit im HeimatSheeve öffentliche Mittel aufgc- wendet werden, sei auf keinen Fall zubilligen. Auch dem Unfug müsse ein Ende gemacht werden, daß in den Schulen Propa ganda für die Baterlandspartei gemacht wird. Nach einigen Ausführungen der Avgg. Walbstein und Kreih bemerkt Abg. Eberi, daß die Erklärungen vom Regierungstisch in keiner Weif« befriedigen können. DaS hätte nur der Fall fein können, wenn der Kanzler erklärt hätte, daß keinerlei volitifche Agitation im Heero stattfinde«, daß die„Aufklärungsarbeit" in der Heimat eingestellt wird, uud dasi jede Beschränkung des Vereins- und Versammlungsrechtes unter bleibt, sowie daß das Verbat der Literatur für de« Berständigungs- frieden aufgehoben wird. Reichskanzler Dr. Michaeli«: Daß im Hcexe keine Pol:- tische Agitation, auck nicht durch diese Auiklä- r u n g. getrieben werden soll, das habe ich im Verein mit dem Herrn Knegsministec ausgesprochen. Daß Versammlungen nicht verboten sollen an« dem Grunde, daß sie sich mit der Begründung und Verfechtung der Reichstag?- refolution beschäftigen, daS habe ick treffen wollen durch die Worte: Ich werde allen Richtungen und Strömungen mit voller Od- j e t t i v i t ä t gegenüberstehen. Was die heimatliche Zlufkläruna betrifft, auf die nun mit einem Male verzichtet werden soll, so bin ich nickt in der Lage, hierüber heute eine Erklärung abzugeben. Das ist eine Sacke. die derartig in die militärische Gewalt eingreift, daß ich mich selbst verständlich vorher, ehe ich ein« derartige Erklärung abgebe, mit der Obersten Heeresleitung in Verbindung setzen muß. lieber die Zensurfragen wird ja noch an anderer S tel le gesprochen, so daß die Sache im Zusammenhang mit den übrigen Erklärungen, die auf dem Gebiete der Zensur albgegeben werden müssen, erledigt werden kann. Abg. Ledebour: Wir Sozialdemokraten sollten diesmal der Regierung kein Vertrauensvotum ausstellen. Abg. Ebert: Wir haben der Regierung noch nie ein Vertrauensvotum ausgestellt, meine Fraktion wird entscheiden, ohne Rücksicht auf den Abg. Ledebour. Damit war die Debatte erschöpft. Ein Antrag Ledebour: Die Aufklärung im Heere darf sich nur aus dienstlich« Angelegenheit« ir beziehen. Jede politische Beein- flussung ist untersagt. Der AufllärungSdienst in der Heimat ist sofort aufzuheben, wurde gegen die Sirmmen der Sozialdemokraten und Unabhängigen Sozialdemokraten abgelehnt. Ter NachtrogSrtat wurde dann gegen die Stimmen der So- zialdemokraten und Unabhängigen Sozialdemokraten bewilligt. Kr. 277 4 34. Fahrgang » Seilage öes vorwärts Dienstag, 4. Oktober 1 Hl 7 GroMerlüi Aufhebnng des Heizvcrbotcs? Der Kohlenverband Groß-Berlin hatte den Beginn der Heizungen bekanntlich auf den 15. Oltober festgesetzt. Eine Festsetzung deö Beginns der kalten Witterung war von dem Verbände aber leider verabsäumt worden, und so blieb ihm bei dem gegenwärtigen Thermometcrsiande nichts andere? übrig, als in Erwägungen darüber einzutreten, ob er den Ausbruch von Jnflucnza-Epidemien in Grog- Berlin verbieten oder früheres Heizen gestatten solle. Wie wir hören, sind diese Erwägungen noch nicht abgeschlossen. Her mit dem Faustrccht! Die„Morgenpost" veröffentlicht den HerzenZergutz eines Mannes, der folgendermaßen klagt: .Ich bin von Beruf mittlerer Staatsbeamter, seit drei Jabren im� Heeresdienst, 32 Jahre alt. Des önercn ist es mir nun pasfiert, daß ich bei irgendwelchen Anlässen auf der Straßenbahn oder in Eisenbahnzügen mit Personen in Differenzen geriet. Während sich diele nun bei gebildeten Personen durch gegenseitiges korrektes Bc» nehmen sehr schnell von selbst erledigten,' kam e? bei anderen Leuten häufig zu ernsten Zusammenstößen und zwar infolge ihrer aus- fallenden Redensarten. So passierte es mir vor einigen Tagen auf der Straßenbahn, daß sich bei einer Angelegenheit, die sich zwischen mir und der Schaffncrin zutrug, andere Personen einmischten und sich ihrem niedrigen Bildungsgrad entsprechender Ausdrücke bedienten. Als gebildeter Mensch befinde ich mich bei derartigen Auftritten nun stets in innerem Zwiespalt. Meiner Natur nach möchte ich den Betreffenden jedesmal anständig eins auSwi'chen, wie sie es nicht anders verdient hätten. Mit Rücksicht aui meine Beamtenstellung, in der man sich ja leider in dieser Hinsicht großer Zllrückhaliung befleißigen muß. habe ich bisher in allen diesen Fällen Abstand da- von genommen." Der temperamentvolle Herr wirft dann die Frage auf, ob man „sich derartige Anrempelungen stillschweigend gefallen lassen" oder.solch einem Menichen einen Tenkzetrel verabreichen" ioll. Er regt an, im Strafgesetzbuch da» Notwehrrecht dahin zu ergänzen, daß„in Fälle», wo ein gebildeter Mensch obne seine Schuld mit ehrverletzendcn Reden i» grober Weise beleidigt wird, er sich in moralischer Not- wehr befindet und berechtigt wäre, dem Betreffenden in bandgreif- sicher Weise eine'Unterlassnng aufzunötigen". Um einer Ausartung vorzubeugen, könne„durch eine nachträgliche Gerichtsverhandlung die Schuldfrage sestgenellt werden". Rur bei Schuldlosigkeit des Beleidigte» müsse.eine körperliche Züchtigung unbedingt straffrei sein". _ Merkwürdig ist da» Mißgeschick, das diesen„gebildeten Menschen" verfolgt. Dein Bedauernswerten ist es„des öfteren passiert", daß er im Straßenbahn- und Eisenbahnverkehr„mit Personen in Differenzen geriet". Sein Ruf nach dem Nolwehrrecht der Ver- abreichnng eines„Denkzettels" scheint uns freilich auch für ihn 'elber wicht so ganz ungefährlich. Leicht könnle mal einer, der die Schuld an einer„Differenz" ihm beimißt,„seiner Natur nach" sich veriucbt fühlen, auf Straffreiheit rechnend, ihm selber„anständig eins auszuwischen". Und wer seine Hiebe weg hat, dem nimmt keine nachträgliche Gerichtsverhandlung sie wieder ab. Berlins Begabtcnschulen auch für Schöncbcrgcr Kinder. Die Begabtenichulen. die Berlin jetzt erhält, sollen auch Kindern acis Schönebcrg zugängig gemacht werden. Der Schöneberger Magistrat ff: an Berlin kecangetreteu. mit dem Antrag, ihm für befähigte Schulkinder Schönebergs die Mitbenutzung dieser Schulen zu gestatten. In schöneberg habe man— sagt die Begründung seines Antrages— Aehnlichs» bereits angestrebt, doch stehe dem die Schwierigkeit entgegen, daß dort eino genügend große Zahl be- ionders befähigter Schulkinder nichr vorhanden sein dürfte. Ob dieses Bedenken zutrifft, möge dahingestellt bleiben. Der Berliner Magistrat ist zimächst auf drei Jahre von Ostern 1918 ab zur Ge- Währung der Miibenutzung unter der von Schöneberg angebotenen Bedlnoung der Sclbftkostenerstattung bereit, will aber die Zahl der zuzulassenden Schönebcrger Kinder aus nur zehn beschränken. Er ersucht die Siadtverordnetenversammlung um ihr Einverständnis. Anmeldung des Kohlenbedarfs der Kleingewerbe- treibenden. Wer in Groß-Bcrlin Kohlen zu gewerblichen Zwecken braucht, muß seinen Bedarf in der Zeit vom 19. bis 29. Oktober anmelden. Zu dieicm Zwecke sind Meldestellen eingerichtet. Besondere beruf- liche Meloeücllcn gibt es für Bäckereien, Schlächtereien, Gastwirt- schaffen, Gastböse und Badeanstalten. Alle übrigen Kleingewerbe- treibenden müssen ihren Bedarf bei der Kohlenstclle Groß-Berlin. Linkstr. 25, angeben. Es handelt sich bei dieser Meldung lediglich um den gewerblichen Bedarf. Die Beheizung der Werkstälten, Lager- räume, Bureaus und sonstiger Arbeitsräume darf bei der Meldung nicht berücksichrigt werden, hierfür müssen die Gewerbetreibenden mit den allgemein zur Verfügung gestellten Mengen auskommen. Die Groß-Kohlenbezieber. deren Durchichniitinonatsverbrauch 299 Zentrier überftcigl, werden von dieser Meldepflicht nichr be- troffen: Die einzelnen Meldestellen iür Bäcker. Fleischer uffv. werden durch Säulenanschkag bekanntgemacht. Im übrige» verweisen wir auf das Inserat in dieser Nummer. Bahuhofskontrolle. Bei einer unvermuteten Bahnhofsüber- wachung durch Beamte de» Äriegswucheramtes wurden gewerbs- mäßigen Schleichhändlern folgende Waren abgenommen: 2V Zentner frisches Fleisch. 1V2 Zentner Wurst, 1 Zentner Butler, 5 Zentner Mehl, 2 Zentner Grütze und Erbsen und etwa 1999 Eier. ''Iii ik Kein Schwanken und lleberlegen darf es geben! Zetzi gitt nur die Tai!-- Wenn jeder einzelne- ausnahmstos - seine höchsten Kräfte anspannt, dann wird auch diese Kriegsanleihe den großen Erfolg haben, den sie haben muß. Denn nicht mit Granaten allein kann der harte Endkampf ausge- fochten werden; erst das erneute Zeichen unfrer ungebrochenen Wirt- schaftlichen Kraft wird den Ausschlag geben. Nur so zwingen wir unsre Feinde zur Vernunft. Darum zeichne! Ei» Kampf zwischen Eiitbrecher» mid Volizeivramten fand in der Rächt zu Montag am Hauff Königswag 31 in Charlottenburg statt. Dorr wurden Einbrecher durch Polizeibeamte bei der Arbeit überrascht und eröffneten sofort ein lebhaftes Revolver- teuer, das von den Beamten erwidert wurde. Nachdem zirka 49 Schuß abgegeben worden waren, ergaben sich die Verbrecher, da einer von'ihnen am Kops leicht verwundet war. Sie wurden verhaltet und als ein 34jähriger Willi Pceuß aus Charlottcnburg, ein 24jShriger Georg Adermann und ein 22jährigcr Herbert Buhle aus Berlin festgestellt. Wilmersdorf. Grießverteilung. Von Dienstag, den 9., bis einschließlieb Sonntag, den 14. Oktober, gelangen auf Abschnitt sit der„Bezugkart« für Einzelpersonen" 199 Gramm Weizengrieß zum Preiie von 9,99 M. zimi Verkauf. Die Abgabe hat in denjenigen Geschäften zu erfolgen, wo der Inhaber der grünen„Bezugskarte für Einzelpersonen" in die Kundenliste zum Bezüge von Grieß ein- getrogen ist. Lichtenberg. Lebensmittel. Außer der üblichen Menge werden abgegeben auf Abichnitt 119 je 125 Gramm Teigwaren zum Preise von 9,13 M.. auf Abschnitt 117 G. J, K, S je ein halbe» Pfund Kunsthonig zum Preise von 9,55 M. pro Pfund, gegen Vorzeigung der Lcbenviiiittelkarten ioweit vorrätig und noch nicht abgeholt für jede Haushaltung 1 Kostenkuchen. In den städtischen Fischhallen und bei den Fischhändlern und Räucherioarengeschäften werden ab- gegeben: gegen Abtrennung der drei gleichlautenden Abschnitte 113 frische Fluß- und Seefische bis zu je Pfund, gegen Abtrennung der drei gleichlautenden Abschnitte 1141? Räucherwaren. Für den Kauf von Fischen und Fischwaren erfolgt eine Voranmeldung in den Geschäften nicht. Kreis Teltow. Anmeldepflicht für Hausschlachtungen. Die Frist zur Aiinielduiig der Haucschtachtuiigcn ist vom 8. Ollober bis zum 19. Oktober einschließlich verlängcrr worden. Paukow. Aepselvcrkanf. Auf Abschnitt 37 und 33 der Lebens« mittelkarte können bei den mit dem Kleinverkauf des Gemeinde- obstcS bettauten Händlern je 19 Pfund Aspfel enlnommen werden. für deren durchweg gleiche Beschaffenheit eine Garantie nicht über- nommen wird. — Äartosfelvcrsorgung. Nachdem die Zuteilung der Lieferkreise an die Bedarfsgcmeinden erfolgt ist, können zum Zwecke der Vor- Versorgung für den Winter bei der Gemeindeverwaltung Anträge auf Erteilung von Kartoffeleinfuhrschdinen auf diejenigen Landkreiie. die Pankow zu beliefern haben, gcstclli werden. ES sind dieS die Landkreise Goldap, Srargard i. P., Reutoiniichel, Ruppin, Singer» münde und Westhavelland. Die Einsuhrscheine werden in der BrolkarlenauSgabestelle 1. Schönholzer Str. 1. in der Zeit von 3 bis 2si2 Uhr unter Angabe von Namen und Adresse des für die Lieferung in Frage kommenden KartoffelerzeugerS ausgefolgt. — Tie Gcmcindr-KohlcnadteUung befindet sich von jetzt ab nicht mehr im Rathaus tZimmer 83), sondern im Gememdehau'e, Neue Schönholzer Str. 35, vorn HI, Zimmer 6. Tegel. Lcbensmittcl. Pom Mittwoch ab können in den bezüg- lichen Geichäitcn auf Abschnitt 62 der Lebensmittelkarte 126 Gramm Dörrgemüse(9,88 M.). Abschnitt 93 der Lebensmittelkarte 259 Gr. Marmelade(1 M.l entnommen werden. In der Gemeindeverkaufsstelle gelängen Fischkonferven zun: Verkauf._ RowaweS. Lebensmittel. Von beute bis Donnerstag, den 11., findet auf Kartenabichnnt 11 der Lebensmittelkarte die Ausgabe von fünf Bouillonwürfeln statt. Auf Abschnitt 19 gelangen heute in den fünf Verkaufsstellen der Gemeinde Seefische und ans Abschnitt 12 Räucherwaren zur Ausgabe. Groß-Oerlmer Partemachrichten. Wilmersdorf. Die Mitgliederversammlung de« Sozialdemo- krotischen Ortsvercins am 10. fällt au?. Mariendorf. Mittwoch, den 19. Oktober, abends 8V« llhr: Ver- s ammlung bei R. Hoch, Chausicestr. 44. Hierzu sind besonders ein- geladen die Frauen der Mnglreder, tue„Vorwärts"-Leser, ferner diejenigen, weiche gegen ihren Willen einen Vermerk ll. S. P. D. in ihrem Mitgliedsbuch erhalten haben, sowie die aus dem Felde Zurückgekehrten bezw. Reklamierten. Reinickendorf-West. Mittwoch, den 10. Oktober, abends 8 Uhr. Mitgliederversammlung beim Genossen Schiller, Antonienstraße 19. Genossen, die auf dem Boden der Parteieinheit stehen, sowie alle „Vorwärts"-Leser sind eingeladen. Pankow- Schönhauscn- Buchholz. Die Mitglieder-Ver- s a in m l u n g findet umstäudehalber erst in der n ä ch st e n Woche statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. Karlshorst. Die Mitgliederversammlung finde! umständehalber erst am Dienstag, den 16. Oktober, statt. IugenAveranftaltungen. An die Jugendansfchüffe und ttnnftioniirc der„Arbeiter-Jugend" Grofl Berlins! Wir erinnern noch einmal an die»llgemcinc Jngcudkonferenz, In am Sonntag, den 14. Oktober 1917, vorm. S'/z Uhr, in den Räumen des BczirkSictrctariats, Lmdenstr. J, 2. Hos links 3 Tr., stattfindet. Die Tagesordnung lautet: 1. Bortrag bei Gen. W e i m a n n:„Unsere WintcrarbcU". 2. Vortrag des Genossen Domnick:„Die Ergebnisse der Jugendbczirkslcitcrkonfereiiz vom'24. Juni 1917*. 3. Diskussion und Verschiedenes. Zu dieffr Koufcrenz ist das Erscheinen aller Jugend- nusschuj- Mitglieder sowie der Funktionäre und Interessenten der„Arbeiter- Jugend" notwendig. Alle Orte müssen vertreten sein, Der Bezirksjugcndausschns» Grofl-Berliu. SvetterauSsichte« fn« das mittlere Storddeutschtand dtS Mittwoch mittag. Kühl»nd vorwiegend trübe, mit weirercn Regen- sällen, dazwischen zeitweise ausllarcnd.• KobUnverband Groß-Berlin. Berlin, den 4.«Eftober 1917. Kekanntmachung über die Meldepflicht kleingewerdlicher Kohlenverbranchsr zwecks Vorbereitung der Kolslenbezugsregelung. § l- Der zu Zwecken gewerblicher Arbeit in Betriebe», deren DnrchschnittsmonatSderbrauch 209 Zentner nicht übersteigt, Kohlen verbraucht, ist verpflichtet, sich an Wochentagen, in der Zeit vom 1V. bis 29. Oktober 1917 bei der für feinen Gewerbebetrieb zuständigen Stelle zu melden. Die zuständigen Meldestellen werden besonders bekannt gegeben. Der gleichen Meldepflicht sind ohne Rücksicht auf die Höhe des Verbrauchs folgende Betriebe unterworfen: Bäckereien, Schlächtereien, Gastwirtschaften, Gasthöfe, Badeanstalten und ähuliche Betriebe, soweit sie dem täglichen Bedarf der in der Gemeinde wohnenden oder sich vorübergehend auf» haltenden Bevölkerung dienen. Soweit Kohlen nur zur Beheizung von Werkstätten, Lagerräumen, Bureau» oder sonstigen Arbeitsräumen verbraucht werden, ist keine Meldung zu erstatten. Kohlen im Sinne dieser Verordnung sind Steinkohlen jeder Art, Briketts jeder Art sowie KokS jeder Art und Anthrazit. 1 Zentner Briketts gilt 119 Ganzsteine. 1 Zentner Koks gilt 1 Hektoliter Koks. § 2. Die gemäß§ 1 meldepflichtigen Gewerbetreibenden(Betriebsinhaber, Firmeninhaber, zeichunngsberechtigte Geschäftsführer, Bevollmächtigte und dergl.) haben sich bei den an» MWelleii ffit SmM-schlMMlüMll in dtll Stadtkreisen Berlin, Charlottenbnrg, Neukölln, Berlin» Stchteuberg, Berlin-SchSneberg. Berltn-Wilmersdorf. getnSsi der Bekanntmachung dcS Koblenverbandes Groft-Brrliu vom 4. Ct> tober 1917 über die Meldepflicht kleingewerblicher Sohlen- Verbraucher zwecks Vorbereitung der Kohlenbezngsregelnng. Di« Meldnngrn haben sür die einzelnen Gewerbe an den Wochen- tagen in der Zeit vom 19. bis S9. Oktober 1917 an den nachstehenden Miellen zu ersolgen: Gchneidergewerbe. Die Meldungen ersolgen wochentäglich von 8—19 Uhr vormittags. M e l d e ft e l l e Bureau der Schneide einnung Berlin, Silhelmstr. 16 Gustav Harholz, Berlin, Alt« Schönhauser Str. 4. Gustav Haustein, Berlin, Oranicnstr. 123. Richard Sprenger, i. Fa. Marschall u. Sprenger, Berlin, CdarloUenstr. öS. S. Lviendorf, Berlin, Gneiseneustr. 21. B. Weist, Berlin, Alte Schönbauser Str. 31. Adolf Pestnick, Berlin, Katzbachstr. 1. Richard Tcstlaff. Berlin, Friedrichstr. 39. Frist Görke, i. Fa. Polornh u. Görke, Berlin, Friedrichstr. 211. F. Gutteck. Berlin. Ssmarchstr. 7. <£. Hönisch, Berlin, Koppenstr. 65. L Malest«. Slsasserstr. 7. G. ManSte, Berlin. Markgrafenftr.«3. Franz Reinke, Berlin. Dresdener Str. 91. Albert Buchert, Berlin, Annenslr. 1l. M. Ricthmüller, Berlin. Molkcnmartt 16. (£. Griese, Berlin, Potsdamer Str. 36. W. Lukas, Berlin, Mobrenstr. 16. Albert Lachö, Berlin, Kronenstr. 3. Frist Stempel. Berlin, Behrenstr. 27. M. MaminSkt, Berlin, Annenstr. 2. H. Papendorf, Berlin, Neue Königstr. 27. Theodor Fischer, Berlin, Alt-Moabit 124. Paul WiedenhSft, Berlin, Ritterstr. 124. Rcinhold Fordan, Berlin, Charlaltenslr. Ii F. Kastenberacr, Berlin, Slnhallstr. Ii Wilhelm Kisttng. Berlin, Neanderstr. 3. Karl Zimmer, i. Fa. Eugen Meißner, Berlin, pierusalcmer Str. 58. F. Dahlmann, Berlin, Admiralstr. 19». August Heske, Berlin, Bülowstr. 87. B. Schalle. Berlin, Neue Roßstr. 23. Franz Sude, Berlin, Hochstr. 50/51. Jakob Bartes, Berlrn, Markgrasenstr. 7i Albert Heidtke, Berlin, Chausscestr. Si Wäschereigewerbe. Die Meldungen erfolgen wochentäglich an folgenden Stellen: 37 > Deutscher Wäschcreiverband. Berlin, Euvryftr. 1, vorm. 9—1 Uhr. Paul Cutte, Berlin, Kaiserin-Augustaftr.66, tiachm.l— 5 ßAflit« I«»«mV««»» 1. 1 1 A 4 A 30 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 30 Av B C, P E, E G H .T K L M N O P, Q R Frist Keil. Berlin, Straliunder Str.7, vorm. 9—12. Robert Mücke. Berlin. ReueHochstr. 36, nachm. 4—8. Hermann Opitz, Berii», Ziethenftr. 19, nachm. 4—8 Georg Sauer. Berlin, Somenmer Str. 9, nachm.S— 7. Hans Lindemann, Berlin, Jmmanuelkirchstraße 3—4, nachm. 3—7. Gerhard Plum, Berlin, Kottbuser User 32, nachm. 3— 7. Max Rubensohn. Berlin, Blumcnftr. 85. nachm. 2—6. Aldcrt Tomst, Berlin, Maaßcnstr. 34, nachm. 4— 8. gegebenen Meldestellen persönlich zu melden. Bei Krankheit oder Abwesenheit ist der der- zeitige Leiter deS Betriebes meldepflichtig. 8 3- Tie Meldenden haben Belege mitzubringen, auS denen der Umfang der bisherigen Kohlenbezüge soioie der Umfang und die Art des Betriebes ersichtlich sind, wie z. B.: L Gewerbescheine, Gewerbesteuerquittnngen oder sonstige Belege über das Vorhanden» sein eines Gewerbebetriebes, II..Krankenkassenabrechnungen und sonstige Belege über die Anzahl der beschäftigten Personen. III. Geschäftsbücher über den Umsatz, IV. Rechnungen oder Anweisungen über Rohstoffbezügc(z. B. Mehlanweisungcn, Seifen- ausweise und dergl.) V. Alle vorhandenen Kohlenrechnungen über Bezüge a) vom 1. April 1916 bis 31. März 1917, b) vom 1. April 1917 bis zum Meldetagc. VI. Bescheinigungen über behördliche Aufträge und Lieferungen. Die Meldenden haben ferner ihren derzeitigen Kohlenbeltand anzugeben. 8 t. Die Richtigkeit aller Angaben ist an Eidesstatt zu versichern. Mermuth. Bälkereigewerbe. Die Meldungen erfolgen wochentäglich bei den zuständigen Innungen bezw. Obermeistern. Nr. der Meldestelle Berlin. 109 Bureau der Bäckcriunung, Fruchtstr. 31, vorm. 8—1. III''.... Gustav Schulz, Berlin. Kristianiastr. 126, nachm 4-8 A. Piegenhazen, Berlin, Luisenplatz 12, nachm. 4—8. H. Schmidt, Berlin, Boppstr. 7, nachm. 1—4, Alex Bürger, Berlin, Kottbuscr Ufer 39/40, vorm. 9—1. Georg Ditelius(Dampswäscherci Augusta), Berlin, Krcilzbsrgstr. 3. nachm. 2—6. Otto Priefert, Berlin, Brcdowstr. 22, nachm. 3—7. Gasttvirisgewerbe. GS meldet sich jeder Betriebstnliabrr bei setuem zuständige» Obmann(Gastwirts-Kontrollkommission) an den Wochentage» wahrend der bekannten Sprechstunden. Tie Adresse» der Obmänner find folgende: Nr. der Berlin. Meldestelle 57 Ballkorn, Ferdinand. Alexaudrinenstr. 109. 58 Bäron, Albert, Wollerslr. 36. 59 Bock, Jnftin, Elisabcihuser 47. 60 Dams, Wilhelm, Schiegelstr. 9. 61 Eisermann, Wilhelm, Stralauer Allee 33. 62 Gardeite. Gustav, Charlottenstr. 77. 63 Grunwald. Wilhelm, Memcler Str. 67. 64 GnftavnS, Frist, HMenbeide 52. 65 Hagedorn. Ernst. Alt-Moabit 77. Äavcrland, Karl, Neue Friedrichstr. 35. uudt. Adolf, MendelSjohnstr. 16. alkbrenner. Wilhelm. Äerichtstr. 60 69 Klingebiel, Wilhelm, Schönbauser Allee 57. 70 Knapp, Albert. Grünthaler Str. 6. 71 Knittel, Heinrich. Tilfiter Str. 86. 72 Schade, Otto. Andreasstr. 29. 73 Ludwig, Ernst. CorneliuSstr. 1. 74 Maeckcr, Frist, Bergmannstr. S/7. 75 MattheS, Ferdinand, Schivelbeiner Str. 40. 76 Matschcnz. Robert, Förster Str. 9. 77 Mette, Frist, Bandelstr. 35. 78 Obiglo, Oskar, Straliunder Str. II. 79 Pavel, Max, Kaisel-Wilhelm-Str. 31. 80 Petsch, Hermann, Papvel-Allce 80. 81 Rott, Karl, Straßmannstr. 29. 82 Schinkel. Adolf, Ohmstr. 23. 83 Sillat. Emil. Alt-Äoabst 1!)l. 84 Drenert, Georg, Kastanien-Allec 63. 85 Wolsdorf, Frist, Prenzlauer Allee 21. 86 Wils. Friedrich. Schuiftr. 74. 87 Wriuge, Moriv, Brangelstr� 1. 88 Zacher, Paul. Landsberger Str. 30. 89 Zippke, Wilhelm, Große Frankfuilcr Str. 50/51. Charlottenburg. 90 Erstling. August, Am Bahnhof Westend. 91 Fiebig, Richard. Bismarckstr. 110. 92 Kröhn, Paul, Meinicker Str. 18. Wilmersdorf. 93 Kaftau, Andreas. Kaiser-Piatz 19. 94 Mehlist, Frist, Mehlitzstr. 9. 95 Pallas, Ferdinand, Kurfürstendamm 119/120. 96 Rabe, Rudolf, Holstewische Str. 29. Schöneberg. 97 Brock, Eduard, Bahnstr. 19/20. 98 Ebrecht, Emil. Mariin-Lulher-Sir. 69. 99 Grund, Joseph, Goltzstr. 30. 100 Jacobje», Albert, Ccanachstr. 8. 101 Raesch, Karl, Hauptslr. 57. 102 Weltner, Georg. Goihenstr. 5t. Lichtenberg. 103 BarowSki, H., Friedrichstr. 60. 104 Hochmau», Emil. Türuchmidstr. 45. 105 Ritter, Paul. Schillerstr. 20. 106 Roepke. Max, Ho henschönhausencr Str. 3. 107 Rohrbcck, Karl, Gürtelsir. 6. Neukölln. 108 Schüttler, Willi. Berliner Slr. 43. Cliarlotteuburg. 112 Joseph PrrzewowSky, Kepplcrstr. 45, vorm. 9—1. Wilmersdorf. 113 K. Thecr, Prager Straße 25, vorm. 8—1. Schöueberg. 114 Wilhelm König, Bamberger Straße 2l, vorm. 9—1. Lichtenberg. 115 Albert Schulze, Möllendorsstr. 32, vorm. 9— 1. Neukölln. 116 O. Markus, Hohenzollernplatz 18, vorm. 9—1. Fleischergewerbe. Die Meldungen ersolgen wochentäglich bei den zuständigen Innungen bezw. Obermeistern während der bekannten Sprechstunden. Berlin. 117 Fleischerinnungshans. Neue iSrüustr. 28, vorm 9—12. Jl®"..... 44»»»»»»» Charlottenburg. 120 Franz Krause. tlaiscr-Friedrich-Straße 73. nachm. 3—7. Wilmersdorf. 121 Karl Haller, Berliner Straße 142, nachm. 3— 7. Schöneberg. 122 P. Sarre, Kolonnenstr. 28. nachm. 3—7. Lichtenberg. 123 Rudolf Metscher, Wartenbergstr. 56, nachm. 3— 7. Neukölln. 124 Fritz Starke. Bergsir. 52/53, nachm. 3-7. Konditoren melden sich bei 125 Paul Richter, Berlin, Küstrmer Platz 6, vorm. 8—12. Schornsteinfeger melden sich bei 126 Gustav Lindow, Berlin, Schönwalder Str. 25, vorm. 8—11. Schmiede melden sich bei 127 F. Warncke, Berlin, Fischersir. 23, vorm. 8—12. Schloffereigewcrbc. Die Meldungen ersolgen bei der 128 Schlosserinnnng zu Berlin, Vitschiner Straß« 2. vorm. S— 12. 429» Mm m m m m m l�O» mm m»»mm Tischlergcwerbe. Di« Meldungen ersolgen b�i der t 131 Tischlerinnung zu Berlin, Alexanderstr. 31. vorm. 9—12. 432....... 43« m mm»... 134 Nicht besonders genannte Gewerbebetriebe melden fich bei der Kohlenftellc Graft» Berlin, Abi. Kleingewerbe Berlin W 9. Linlstr. 25. wochcnlägiich vormittags 9—42 Uhr, und zwar Meldende mit Ansangsbiichstabcil A— G vom 10.— 12. Oktober 1917. H-Q.. 13.-18.'„ R— 55. 17.-20.. Sozialdemokrat, verein für Berlin vi. (S. B. D.) Am Donnerstag, den 4. Oktober, verstarb unser Genosse Otto öruschke Jagowstr. 44. Ehre feinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 9. Ok» lober, auf dem Friedhof in Stahnsdorf statt. 230/1 Der Borstand. H. Pfau, Bandst scmwDireksenslr. 20 zwifch. Babnh. Alexanderplatz u. Bolizeipräftd.— Amt Kst. 3208. Für Dirnen Frauen-Bedienung. Lieferant für alleKraukeukass. Deutfdfer tfletatlarbeiter• Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Ten Kollegen zur Nach» richi. daß unser Kollege, der Schlosser BSsx Rutiiri Memeler Straße 16 am 3. b. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. d. MtS., nachmittag? 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friednchsfclde aus statt. Rege Beteiligung erwartet Dir OrtSverwaltnng. Junge Hühner Pfd. 4.4.5 an Gänsestückenfleifch. Pfd. 4.30 Fette Spickgans.. 12.50 so lange Borrat reicht.• Schmidt vorm. Tanctif», Plan-Ufer 21, HallefcheS Im, veukichee Cransportarbdtemrband. BeziriSoerwait. Groß»Berlsti Den Mitgliedern zurNach- richt, daß unser Kollege, der Droschkenführer MW!» WW am 5. Oktober im Atter von 71 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 9. Ok» tober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gnaden-Äirchhoses, Barsus- straße, aus statt. Die Bezirksverwaltung. Diese Woche täglich frisch: Gänsellein... p. Stück 4.— tSämestuckenfleisch. p. Pid. 4.30 Gänsekeuien...,„ 6.50 .-Rümpfe, auch geteilt. 6.25 Masthühner u.-Enten. 5.75 Spickgans.... p.„ 12.50 Sax Weatbeimer, Neue Lalobftratzr vi. „Atama" jSrckusjienfecletitr I.i>Wa2s£6#ii1� v O�chwgeac „itama"- StraiissenfeiiEni sind die besten. ,itainaw-Eilelsir8DssleiIerB die allerbesten and bleiben 10 Jahre schön. „Atama1-- Straussiedsrn kost.SOcm langl2M.,65onilang 18 M.. 60 cm lang 25 M. „Atama1'- Edelstraussfedsrn kost. 40 cm lang 15 51., 45 cm 25 M., 50 cm 30 H., 55 cm 42 M., 60 cra 48 M.» Versand nur direkt durch Hesse, Dresden, Scheffelstraße Sinz. 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Sie lebten ruhig und sittsam, verbrauchten ihr Gas und trübten kein Wässerchen. Nun ist das anders. Ellern und LHudcr hoben einen richtigen Gasklaps. Der Vater ist dein Gasdruck zum Opscr gefallen, so dah er demnächst in einer Nervenheilanstalt Aufnahme sindcn wird, die Mutter bekommt jeden Tag ihren GaSkrampf. Und die Kinder? Doch erzählen wir der Reihe nach... Alle Beschränkungen nahmen sie geduldig auf sich, doch als vor Wochen der GoSonlel in Berlin seine Achtzig-Prozent-Pnrole ausgab, ging eS loS bei Müllers. .DaS kann doch nicht unZ treffen." erklärte mittag? die Mutter, »wir babe» schon inimer den Gasverbrauch auf ein Minimum ein- geschiänlt. wie können wir denn da noch inehr sparen?" »Rosa. daS ist ganz gleich", bemerkte ihr Mann,»hier steht eS. dag jeder nur den Gasverbrauch zu Grunde gelegt bekommt, den er im gleichen Monat de-Z vorigen Jahres gehabt bat. Davon darf er jetzt nur 8l) Proz. durch die Gasuhr laufen lasien." .Aber Gottfried. MenschenSkind, voriges Jahr hatten wir doch noch Kohlen, da haben wir doch schon sowieso schon wenig Gas verbrannt und die Kochkiste baben wir auch schon immer gehabt." »DaS glaubt Dir kein Teufel, Rosa, Du darfst nicht, Du darfst nicht, sag ich Dir. Wenn jeder so denken wollte, wo bliebe da der Segen der Rationierung?" »Nu mach mir blas keinen Stüh, Gottfried, sone Verrücktheit läuft doch aus der Welt»ich rum." »Red nicht so laut, sonst kommste noch wegen GoSproffcssoren- beleidigung inS Kittchen." »Und wenn schon, die ganze Verordnung ist eine Kujoniererei, wie soll ich denn wissen, wenns achtzig Prozent sind?" »DaS ist doch höchst einfach. Du mußt Deine Gakuhr zurate ziehen. Rosa. Statt auf die Taschenuhr guckste jetzt auf den GaS- regulator, waZ ist schon dabei." Himmel, wie die Müllern ihrem Mann ein paar Augen zudrehte. Wie Dolche. .Natürlich." sagte sie dann,»ich bind mir den GaSmesier auf den Rücken. Ich find mich da nicht durch. Gottfried, dazu bin ich zu alt. Ich weiß nur, voriges Jahr Hab ich viel weniger gebraucht, weil ich Kohlen hatte. All mein Lebtag schonte ich das Gas wie meinen Augapfel. Ich bin doch früher nicht närrisch gewesen, daß ich mehr verbrannt hätte, wie ich brauchte. Oder hältst Du mich für eine solche Gans, höh?* Er wich zurück, in solchen Momenten hatte sie Hochspannung. Acht Tage später erschien die GaSnhr in der Presic abgebildet und ein Aufruf:.Wie spar ich GaS?". .Ra, siehst Du, im iS Dir geholfen," sagte abcndZ der Bater Müller, triumphierend auf die Anzeige deutend..Hier steht's doch: Wie spare ich GaS?". Wie eine Löwin fiel sie über daS Blatt, gab eS aber enttäuscht zurück..Der das geschrieben hat, hätte schon vor 1ö Jahren bei mir in die Lehre gehen können, so ein Olpel. Früher hat eS ge- beißen: Koche, brate, backe, wasche, bade, bügle mit Ga� jetzt beißt'S wieder: koche, brate, backe, ivasche, bade, bügle nicht mit Gas. Ja waS soll denn gemacht werden?" ES ist gut. daß der RcichSkommissar für die Gasbeschränkung nicht in der Nähe war, denn sie griff mit ihren Armen weit um sich, daß sogar die Kinder einen kleinen Bogen machten. »Nu sei bloß ruhig und rege Dich nicht auf, Röschen." .Hör mir auf mit Deinem Rö-che». Du hast gut ruhig sein, ick. ich. ich Hab die Sauce auSzufreffen, ihr wollt immer einen vollen Rapp hoben..." Bon jetzt an rannte die dicke Müllern, ohne daß sie eS jemand merken ließ, jeden Augenblick an die GaSuhr. Sie mußte dabei auf den Klofettdeckel steigen, verrenkte sich aber trotzdem immer den Hals, die GaSzeiger zu sehen. Sie bekam beinahe einen Kropf vom vielen Gucken. Zweimal war sie schon statt auf den deutschen Boden, mit den Strümpfen in die Kloscttschüsiel getreten. Aber un- verdrossen drehte sich der Zeiger der Uhr. Man brauchte sie gar nicht autzuzichcn, sie ging ganz von selbst und beständig vor. Das reine Berhängnis. Früher koliiite man doch»och sparen, weil man mehr Beweguiigssreiheir halte, aber heute, eS war zum heule». An Einkochen war gar nicht zu denken. Jmnier wieder stieg die kleine dicke Müllern aus das Klosett, aber immer weiter ging die Uhr, als wenn sie Karussell fährt. Am'SatilStog kam die Gasmesserin mit dem dicken Buch..Sie haben diesmal 44 Kubikmeter, für den nächsten Monat dürfen Sie iiur 21 verbrennen, sonst werden sie bestraft." Himinel, die Frau Müller hättet ihr sehen sollen. Solange die Beamtin da tvar, lonnte sich beherrschen, denn sie hatte eine gute Kinderstube gehabt und Takt gelernt, aber alö die Tür hinter der Frau zu war. da war ihre Scelciiruhc zu Ende. .Nu haben wir nicht gebadet, ich habe die Wäsche über den Stiihl gezogen, um nicht zu bügeln, und nun kommt mir die so? Und das will eine gercckste Well sein? Ich schlage alles kaputi, alle? kaputt.. Von Stund an sauck'te sie im Hause umher, wie ein wild ge- wordener Gasmotor. Sie würdigte den GaSmeffcr keinen Blickes mehr, sie traute sich fast nicht mehr ins Klosett, als ob dort ihr Galgen stünde, so mied sie den Ort. Sie schonte in ihre» Gaskampf nicht Mann und Kinder. AIS sie Gottfried eines Morgens erwischte, wie er sich sein Raflennesser wärmen wollte, wäre eS beinahe zu einem regelrechten Gasangriff gckonlmcn. Er ließ sich au- Verztveiflung einen Vollbart wachsen, verfiel longsam in Schwermut, sie immer mehr in Raserei. .Ich drcde den GaShabn noch einmal nachts auf", sagte einmal Gottfried in scineni Aerger. .Ich werde Dir schon, untersteh' Dich", schrie sie ihn an,.wenn Du schon Selbstmörder werden willst, geh' in? Waffer, das kostet nichts." Am schlimmsten wurde ihr Anfall, als sie hörte, daß andere Familien, die immer in Gas geradezu geschwelgt hatten, die Gas- rechnungen von 16—17 M. bezahlt batten, noch dazu ohne Kinder. wie dieie Verschwender dieses Jahr den Vorteil davon hatten. Sie wurde für ihre Sparsamkeit bestrast, die anderen belohnt. Als auch der Kohlenhändler sein Wort nicht hielt, weil er nur Koks halte, den sie nicht brauchen konnte, und der Spiritus nicht zu haben war. verfiel sie in neue Raserei. Run kam das Essen in hundemäßigem Zustand auf den Tisch. Das Fleisch war wie Radier- gunimieriatz, die Kraiitstrünke wie Kartoffelkraut, die Wäsche blieb ungebügelt— ober alles nützt nichts. Seit gestern, den 24., ist der GaSmesier über die 21 Kubikmeter hcruingesprungen... Ter Frau Müller ibr Gesicht wurde, als sie eS sah. zur Gas- maske. Am b. oder 6. Oktober kommt die Frau mit dem dicken Buch wieder, man befürchtet das schlimmste... Bisher hat man über Müllers nie etwas sagen können, für die Zukunft kann kein Mensch garantieren... Ersah für Srotaufftrich. Man muß sich damit abfinden, daß die Knappheit an Butter im kommenden Winter eher zu- als abnehmen wird. Die ReichSstelle für Gemüse niid Obil bat durch ihre Maßnahmen dafür Sorge ge- tragen, daß die Bcdölkerung mit genügend Mn" versehen wird, das nuch hohe Ansprüche an Schmackhastigkeit befriedigen.diirsle". Immerhin wird man auch jede andere Möglichkeit willkommen heißen, durch die Ersatz für die fehlenden Brotausstrickmittel geboten wird. Im„Landwirtschaftlichen Ratgeber", einer Beilage zum„Reichs- boten", wird euic Reihe von Rezepten veröffentlicht, nach denen man einwandfreie, gesunde und wohlschmeckende Aufstrichmittel her« stellen kann. Da ist vor allem die in diesem Jahre erfreulicherweise gut gediehene Kartoffel, die sich zur Bereitung verschiedener Brot« ausstriche eignet. Selbstverständlich ist die'gekochte Kartoffel nicht unbegrenzt hallbar, man iniiß also dafür Sorge tragen, daß dt« aus ihr hergestellten Aufstriitarten täglich oder bei kühler Aus- bewahrung auch zweitägig frisch hergestellt und nach Möglichkeit frisch verzehrt werden. Da die Kartoffeln feden Tag gekocht werden, tonnen sie leicht mit den übrigen Zutaten zusammengerührt werden. Diese Zusätze können ganz nach Gcichmack und Zweck verschieden sein. Gute Mischungen sind z. B. folgende: Vj Pfund frische, rohe, geriebene Acpfel oder Birnen, 1 Pfund gekochte Kartoffeln:/ 1 geriebener Krauterkäse, 2 Pfund Kartoffeln. i/4 Liter Wasser; 1 Eßlöffel voll geriebene Zwiebeln, 1 Teelöffel voll Fett werden braun gebraten und mit 1 Pfund Kartoffeln vermischt; ein Eßlöffel voll feinst zerschnittener Hering. V» Pfund frische Aepfel, drei Eßlöffel voll saure Gurke, zwei Pfund Kar- toffeln; ein Pfund Weichkäse, ein Pfund Kartoffel», etwas Salz, viel- leicht auch Zwiebeln oder Schnittlauch und'/« Liter Wasser oder viele andere Mischungen, die die Hausfrauen selbst ausproben und zusammenstellen werden(zum Beispiel Marmeladen Ihit Kartoffelmus). Besonders gut»nd gleichmäßig werden diese Mischungen, wenn man sie mehrmals durch die Fleischmaschine läßt. Diese Brotaufstriche eignen sich sogar für Brote, die man be- lege» will. Hat man keinen Belag, io kann man sich diesen leicht herstellen, wozu man wiederum die Kartoffeln benützt. Man versuche zum Beispiel einmal einen solchen Belag herzustellen auZ 10 Gramm Gelatine in'/t Liter Wasser gelöst, ein Psiind Kartoffeln, gewürzt mit Salz, Majoran- und Thymianpulver. Pfeffer. Dos EnSe öes �!bcstto0cs. In der.TiineS" berichtct JameS Buchland über die grausigen Abschlachtunaen der Albatrosse, die auf der Insel Laiffan brüten. Im Jahre ISIS haben aus dieser sogenannte„Kaufleutc" etwa 200 000 Albatrosse erschlagen, um ihre Federn zu gewinnen. Da die Albatrosse von dem einzigen Ei, das sie ausbrüten, mir mit Gewalt Ivegzubringen sind, war c« diesen.Kaufleute»' ein leichte?, die prächtigen Vögel umzubringen. Durch diescir Vogelmord wird der Albatroß wahrscheinlich dem Aussterben nahegebracht. Die Insel Lahsan und die übrigen kleinen, in der Näbe HawaiS gelegenen Inseln sind die Hauptbrut- gebiete deS Albatrosses; sie stehen unter amerikanischer Oberhoheit und sind 1909 durch die amerikanisch« Regierung als Vogelschutzgebiet erklärt worden: nach dem Buchstaben deS Gesetze? darf dort ohne Erlaubnis der Regierung kein Vogel getötet werde». Ab und an besucht ein amerikanisches Regierungsschiff die Insel, und so konnte im Jahre 1912 der Befehlshaber des KutterS Thistle japanische Vogelräuber aus frischer Tat crlappen und vcrhasten, die weit über eine Viertelmillion Albatrosse getötet hatten, um ebenso wie die Vogclräuber ungenannter Nationalität deS JahreS 1915 die tedern zu velwerten. Nach den zahlenmäßigen Angaben über die> Ibatrosse auf Laysan können jetzt nur noch sehr wenige Vögel übrig geblieben sein: 1890 waren ungefähr anderthalb Millionen vorhanden! bis 1909 war die Zahl auf ctiva'/«Million zurück- gegangen, dann stieg sie wieder, dank dem Vonelslo- Notizen. — K u n st a b e n d. Im L c s s i n g M u s c n m spricht Donnerstag G. R. Kruse über Meverbm. Gesänge aus den Opern schließen sich daran. — Ein PreiSanSschreibeii de» K n o p f m n s e u m S. Das pou Heinrich Waldes in Prag gegründete„Knopfmuseum" vcr- anstaltet ein zeitgemäßes Preisausschreiben. Ziued des linier- nehmenS ist es, für Armamputietzt« Kleiderverschlüsse zu schaffen, die ihnen daS An- und Ausziehen von Wäsche. Kleidern, Kragen, Stiefeln usw. ohne jederlei fremde Hilfe ermögliche». Der Gesamtbetrag des Preisausschreibens in Höhe von 5000 Kronen ist in 43 Preise von 50- 1000 Kronen eingeteilt. Die Einsendu Ilgen müssen bis zum 31. Januar 1918 anfgeüesert werden. Unter der Adresse Ednent» Merzinger i» Dresden, Kt. Plaueasche Gasse 39/41, ist eine Sammelstelle für die rcichsdentschen Sendungen errichtet worden. Die welfthe Nachtigall. Der Roman eines st erbenden Jahrhunderts. . Und plötzlich hob sie wie ein geschämiges Äind den Arm vor's Gesicht, gleich darauf aber lugte sie durch die Finger und sah ihn groß und mit verlegenem Lächeln an. Der erfahrenste Mann verliert allen Scharfsinn, wenn eine geliebte Frau ihm mit Kinderaugen naht. Morawitzky hätte den erdolcht, der in Lison in diesem Augenblick eine Komödiantin gesehen hätte. Mit dem endlich geduldeten, wenn auch nicht erwiderten ersten Kuß feierte seine Eitelkeit eine Orgie— die viel stärkere und törichtere Eitelkeit der Männer auf ihre Persönlichkeit ja, er merkte nicht das geringste, als Lison den Arm um seinen Hals legte und ihm ins Ohr flüsterte: „Wann? Ich will einen Preis darauf setzen. Einer Ihrer Beamtön hat mich in München beleidigt. Wenn er mich hier in Ingolstadt nicht mehr durch seine frechen Blicke belästigt, dann— will ich an Ihre Liebe glauben"... Und geschämig barg sie den Kopf an seiner Brust. Jäh tvar eS in ihr rot und quälend aufgestiegen, daß sie von dm Geliebten so sprechen konnte.— Und hätte in diesem Augenblicke Moni tvitzky in ihrem Auge lesen können, es wäre nur Wahrheit darin gestanden. Der Gras aber hatte das Lesen verlernt. Nur als ans seine eifrige Beteuerung, daß er sofort alles veranlassen werde, wenn er ivisse wer es sei— sie fast tonlos sagte: „Er heißt Reinhard von SolmS". da stutzte er doch. Der kritische Augenblick, auf den sie seit Stunden lossteuerte, war da. Wie ztvci Raubtiere standen die beiden sich einen Augenblick gegenüber— dann spiegelte ihr Auge wieder gutgemachte Gleichgültigkeit— aber jeder hatte von des andern Seele blitzschnell etwas durchschaut. Lison ahnte, daß Moratvitzky von ihrcin inneren Vcr- hältnis zu Reinhard wisse, es war ihr klar, daß ihr Plan sich nicht so leicht und mühelos werde verwirklichen lassen. Und fast suhlte sie sich müde. Da aber kam der Zufall und lieh ihrem Hoffen Flügel.• Morawitzky überlegte mit seinem scharfen Verstand in einer Sekunde alles Für und Wider. Daß diese Frau vor ihm nicht die Wahrheit sagte, das hatte sie verraten. Und er wußte es besser durch Lainette. Aber was ging das ihn an? Sie bot ihm ihren Körper um einen wahrhaft billigen Kauf- preis. Er fühlte zwar sein Blut und dumpf zitternd schlug ihm� die Ader am Halse wieder vor Eifersucht, wenn er sich in Solms den vielleicht wirklich Geliebten dieser Frau vor- stellte, sofort aber trat dem Gefühl der wägende Verstand ei�Ugen: Sie wollte doch selbst, daß jener junge Mann Ingolstadt verlasse, während sie dablieb— also war jener abgetan. Nichts Besseres konnte er erhoffen, als daß LisonS Wunsch erfüllt werde— hier fiel sein Wollen mit den, ihren zusammen.— Und dann? Wonneschauernd strich seine magere Hand über ihren samtweichen, warmen Arm und so- fort warf die begehrliche Phantasie neue rosige Schleier um die Dinge. Trotzdem behielt er den Kopf oben. Vor allem: er tat erstaunt. »Solms, dieser unbedeutende junge Mann hat Sie be- ->-»»-> leidigt? Ja, kann der Sie überhaupt beleidigen? Ich wußte gar nicht, daß Sie ihn kennen." Diese Frage war bei Lison längst vorgesehen. Aber ihre lange und nicht schlecht ersonnene Geschichte täuschte den Grafen nicht. Nun stand es fest bei ihm: da waren Herzens- fäden gewesen, die rissen, lind von diesem Moment an haßte er seinen Sekretär. Bisher hatte er ihn nicht beachtet, nichts von ihm gewußt, jetzt hatte er für alles, was von jenem zu erfahren tvar, Interesse, denn Liebe und Haß ändert alle Per- spektiven. „Eine Versetzung des jungen Subjekts käme dem Ende seiner Karriere gleich", sagte er kühl, bedächtig,„und discr Petit m nitro ist fleißig und ernst, er hat sich nichts zu schulden kommen lassen— er ist sogar ein Streber.„Ich darf meinen Wunsch nicht zum Richter über ihn niachrn." In diesem Augenblick sah er ganz Pharisäisch aus. Und Lison machte, von ihm getäuscht, ein ganz verzagtes Gesicht. Da unterbrach ein klirrender Fall draußen die ein- getretene Stille. Erschreckt üihren sie empor. Tie Nerven- spannung ließ Lison einen Schrei ausstehe», und um sie zu dernhigen, riß Morawitzky die Türe des VorgcniachS auf. um sich nach der Ursache des ungetvohnten Lärms zu erkundigen. Draußen stand— Michalanstt) und neben ihm erschreckt Lainette, beide wie ertappte Sünder. Doch bevor ihn noch der Graf entrüstet zur Rede stellen konnte, hatte sich der Student auch schon gefaßt... Jetzt war Frechheit die einzige Rettimg. „Exzellenz", sagte er mit einem tiefen Bückling,„Euer Gnaden Diener erlaubte sich zu warten, um zu meiden,'daß nia» Euer Exzellenz Hiersein gemerkt in der Stadt, daß pöbelhaste Personen vor der Pforte mit unziemlicher Neugier umherlungern, daß Ew. Exzellenz aber unbemerkt die Garten- tür benützen können."» Dein Grasen blieb vor Ueberraschung das Wort in der Kehle stecken. „Ja der Tausendsassa, tver hat ihn denn geheißen?" brach er los. aber sofort verstummte er, denn auf eine Hand- bewegung des jungen Menschen bemerkte er auf einen Blick durchs Fenster wirklich eine Gruppe von Lauschern auf dem Platz unten. Und eine jähe Eingebung durchzuckte fast gleichzeitig sein und Lisons Gehirn. (Lortj. folgt.) 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Oktober.(Meldung der Agence HavaS.) In der ZonntagSsiyung des S o z i a l i st e n k o n g r e s s es sagt« V a» renne, Mitglied der Mehrheit, die einzige Frage sei die nach dem AZert des Friedens und nicht nach dem Zeitpunkt des Friedens. Er habe für die Teilnahme an der Stockholmer Konferenz gestimmt, aber er werde nicht nach Stockholm gehen, um dort irgend« einen Frieden herzustellen, denn der Sozialismus dürfe seine Unterschrift nicht unter em vorläufiges Abkommen setzen und müsse die Sprache des Freimutes und der Klarheil spreche». M i si r a l, Mitglied der Minderheit, sagte, er wolle weder tür«inen Frieden des Besiegten noch für einen Frieden des Siegers stimme», denn der Sieger werde ohne Mitleid sein. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten gebe eS Platz für den Sieg des Rechtes, den einzigen, den er wolle. Die Mitarbeit der Partei in der Regierung machte Mistral von der Bewilligung der Pisse tür Stockholm abhängig, und wurde darin von B s d o u c e unter- stützt. Compsre-Morel bekämpfte diesen Standpunkt und tagt«, er würde jede Regierung der nationalen Verteidigung unterstützen und nur fordern, daß sie den Krieg eifrig betreibe und dann den Frieden beschleunige. Renaudel erklärte, mit M i st r a l gegen Grimm, den Organisator von Kienthal, einer Meinung zu sein. In der NachmitiagSsitzung der Sozialistenkonferenz unier Vorsitz von Varenne wurden Z u st i ni m u n g S k u n d g e b u n g e n der russischen, italienischen und amerikanischen Sektion verlesen. Ein Telegramm von Henderson wünscht den baldigen Zusammentritt der Konferenz der Sozialisten der alliierten Länder, dofft, bafe die französische Sozialistenpartel zur Einstimmigkeit über den Wiederaufbau der Internationale nach dem Kriege gelange. und bestätigt schließlich den Willen der englischen Arbeiter, den Wrieg bis zu einen, siegreichen Frieden fortzusetzen. Eon- Itantinowitsch(Serbe) sprach über die Opfer seines Bater«' landcs und erklärte, an serner Pflicht gegenüber der Jnter-, nationale festzuhalten. Ein Zwischenfall entstand dadurch, daß der Vertreter von Paris. Cachin, Klage erhob, weil ein Be« « rü ß un g Ste l e g r am m der russischen i o z i a l ist n ck> e n Partei beim Kongreß nicht srngegangcu sei, welches er nur aus der Presse kenn«: Renaudel stimmte ihm bei und brachte einen Beschlußantrag ein. der von der Regierung sofortige LuS- lieserung einer vollständigen Abschrift des T-legrammS fordert. Budreuil. Parreifekretär. bemerkte, da« Telegramm könnte nach Paris, dem Sitze der Partei, gerichtet gewesen sein, anstatt nach Bordeaux. Darauf sprachen verschiedene Redner für die Beschlußanträge der Mehrheit und der Minderheil. Brizon war für einen Frieden ohne .'lnnerionrn und Entschädigung, Varenne antwortet«.' Zum Frieden» schließen gehören zwei. Brizon erwiderte: Deshalb sind wir ja nach Zimmerwald und Kicnthal gegangen, um die deutschen Sozialisten zur Arbeit für den Frieden oufzusordern. B e d o u c e bemerkte dagegen: Die Antwort für Euer Entgegenkommen haben sie Euch bei Riga gegeben. 2 a f f o n t widerlegte den utopischen Grundsatz Brizons: um eines möglichst baldigen Friedens willen habe man einstimmig beschlossen, nach Stockholm zu gehen. Die allgemeine Aussprache soll Montag zu Ende geführt werden. Ein Zrieöensvorfchlag ües internationalen sozioliftisthen Sureaus. Neuer Friedensvorstost von Stockholm. Dem Kopenhagener»Socialdemokraten" wird aus Stockholm gedrahtet: Das Organiiationsbureau der sozialistischen Friedens- konfercnz hak seit Mittwoch Beratungen abgehalten. Anwesend waren: der Russe Goldenberg, der Belgier HuySmanS, die Holländer Troelstra, van Kol und Wibaul, der Norweger BidneS, die Dänen Äergbjerg und Frau Bang und die Schweden Branling und Möller. Das Bursau beauitragre die neutralen Mitglieder, also das hollän- disch-stondinavitche Komitee, aus der Basis der von den verschiedenen iozialistische» Parteien eingereichten Memoranden eine BerhandlungS« grundlage für die kommende Friedenskonferenz auszuarbeiten. Nach viertägigen Verhandlungen ist diese Aufgabe nunmehr erledigt. Das Resultat, das in einem umfassenden Aktenstück zusammengefaßt wurde, wird in einigen Tagen veröffentlicht werden. E« enthält u. a. positive Vorschläge zur Lösung der belgischen, elsaß-lothriugischen, polnischen und der Balkan-Frage und äußert sich auch über alle anderen in den Memoranden berührten Punkte. Im Komitee ist vollständige Einigkeit erzielr worden, und man hat die Unterschrift aller anwesenden Mitglieder erreicht. Man glaubt durch den Bor- ichlag die Aussichten der Konferenz sehr gefördert zu habe», w daß die Einigung aller sozialistischen Parteien um ein gemeinsames Friedensprogramm sich erstreben lassen wird. Die verstänöigung über öie Koalition. Die PererSburger Telegraphen-Agentur bestäligt die Mitteilung de« ReuterdureauS, daß ein Einverständnis über die KoalitionS- regicrung zwischen KerenSki und der Konferenz erzielt worden ist. Sie sagt: 3 Uhr nachmittags fand unter dem Lorsitz KcrenSliS eine Beratung der Regierung mit einer Sbordnnng der demokra- rifchen Konferenz und mit Vertretern der bürgerlichen Kreise statt- Die Beratung führte in allen Fragen zu einer Uebereinsiimmung- KerenSki schloß die Beratung und erklärte, die Regierung sei bereit, unverzüglich»in vollständiges Kabinett zu bilden, damit die Regierung auf den gegebenen Grundlagen an die Arbeit gehen könne. Was zu dem Uebcreinkommen geführt hat, läßt sich auS folgen- der Meldung der P. T.-A. erkennen. In der Gebeimsitzung des Vorparlaments terlle Tseretellr u. a. mit,- daß bei Gelegenheit der Unterhandlungen von Bertretern der Demokratie, der Industriellen Moskau» und der Kadettenparlei mit der Regierung die Bewilligung I der Forderung der demokratischen Abgeordneten bezüglich e n e r- 1 Vergebliche englische Teilangrifse in Flandern— Heftiger Artilleriekampf zwischen Laon und Äoifsons. Amtlich. Großes Hauptquartier, 8. Oktober 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Ruvprecht. Die Kampftätigkeit m Flandern lebte gestern von Mittag bis zum Abend zwischen dem Houthoulstcr Walde und der Straße Menin— Apen, erheblich auf. Starkes Trommelfeuer ging engli- schcn TeUangriffen voran, die sich gegen einzelne Abschnitte der Kampffront entwickelten. Die vom Gegner angesetzten Sturm- truppcn kamen nirgends vorwärts; unsere Abwehrwirknng hielt sie im Trichterfeld nieder. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zu beiden Seiten der Straße Laon— SoiffonS wurde der Artilleriekampf zwischen dem Ailcttc-Grnude und der Hochfläche südlich von Pargup mit großer Heftigkeit geführt. Abends stieße» bei Bauxarllo» mehrere französische Kompagnie» vor; sie wurden durch Feuer zurückgewiesen. Ocstlich der Maas lag starkes Feuer auf unseren Stellungen und deren Hintergeländr zwischen Samogueux»nd Bezonvavx. Ans dem östliche» Kriegsschauplatz und an der mazedouischeu Front keine größeren Kampfhandlungen. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorfs. Abendbmcht. Berlin, 8. Oktober 1917, abends. Amtlich. Im Westen nur an der flandrischen Front Fencrkampf wechselnder Stärke. Im Osten nicht« von Bedeutaug. Ter österreichische Bericht. W i e n, den 8. OktoberlSI?.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Am Jsouzo lebte an zahlreichen Stellen das Artilleriefeuer stärker auf. Besondere Steigerung erfuhr eS auf der Hochfläche von Bainsizza— Heiligen Geist. Zu Jnfanteriekämpfen kam eS nur im Gabriele-Abschnitt, wo um Mitternacht italienische Bor- stöße abgewiesen wurden. Sonst nirgends besondere Ereignisse. Der Chef des General st abeS. gl scher Schritte zur Einberufung einer Konferenz der Alliierter, zwecks Revision der Berwäge unter Teilnahme von Abgeordneten der Demokratie zugesagt worden sei. Die bereits mitgeteilte Formel über den Charakter des Vorparlaments und deffe» Befugnisse wurde mit ll)3 Stimmen gegen 84 bei 23 Stimmenthaltungen angenommen. Als eine zweit« Wirkung der Snticheidungen der Konferenz hat man den einstimmig gefaßten Beschluß des Vollzugsausschusses des Arbeiter- und Soldatenrats anzusehen, zum 2. November einen zweiten Kongreß aller Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndelegierten einzuberufen. Weiter wird mitgeteilt: Der Arbeiter- und Soldatenrat nahm einen Entschluß an, worin gefordert wird, daß der ÄriegZminister sofort die politische Propa- ganda im Heer« wiedereinführe und die Unverletzlichkeit aller Parteien an der Front gewährleiste. ES ist anzunehmen, daß diese Forderung auf dem Kongreß eine Rolle spielen wird. �usftanösbefehl öer russischen Eisenbahner. Petersburg, 7. Oltober.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Am Nachmittag des 0, Oktober gab der Hauptausschuß der ans- ständigen Eisenbahner ein Rundtelegramm auS, durch das befohlen wird, auf allen Strecken am 7. Oktob es mitternachts den allgemeinen Ausstand beginnen zu lassen. Dos Telegramm teilt mit. daß jeglicher Personen- und Güterverkehr außer den Militär- und Proviantzügen eingestellt werden soll. Alle Per- wallungSbeainten sollen auf ihrem Posten bleiben und nur die un- umgänglich notwendige Arbeit verrichten. DaS Streilkomitee der Eisenbahner erklärte, wie die Blätter melden, daß der Ausstand nach und nach durchgeführt werden soll. Zuerst würden die Züge für weitere Entfernungen aufhören. Die Lolalzüge würden bis zum 10. Oktober verkehren. Wenn die Regierung nicht nachgebe, würde der LebenSmittelverkehr eingestellt werden, und später die Verproviantierung der Fronten. Petersburg, 3. Oktober.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Da die Eisenbahner weiter energisch auf einer Lohnerhöhung sowie einer Berücksichtigung ihrer Ansprüche besteben und in gewissen Gegenden mir einem Ausstände drohen, hat die Regierung an- geordnet, die Löhne dringend zu überprüfen und Mittel zu suchen, nm die Berpslegung der Eisenbahner unabhängig von dem für das Land angenommenen System durch- zuführen. Gleichzeitig verfügte die Regierung eine dringliche Revision der Eisenbahntarife, um die Mittel für die ungeheueren Rosten aufzubringen, die eine Lohnerhöhung mit sich bringen würde.__ Sinntand als Republik unö russischer Sunöessiaat. HelsiugforS, 7. Oltober.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) Folgende Gesetzentwürfe sind veröffentlicht worden: erstens, ein Entwurf, der Finnland zur Republik erklärt; zweiten«, ein Entwurf, der die Beziehungen zwischen Rußland und Finn- l o n d regelt. Beide werden einer Prüfung durch den Landtag unter- zogen werden. Der zweite Entwurf wird überdies der Gcnehmi- gung der Verfassunggebenden Versammlung Rußland» unterworfen werden. DaS erste Gesetz besagt: die gesetzgebeudc Gewalt steht dem Landtag und dem Präfidenten der Republik zu, die VollzugSgewal dem Präsidenten unter Mitwirkung de« Staatsrat«. Es wird das allgemeine Wahlrecht eingeführt. Der Präsident tritt sein Amt am 28. April an. Der Präsident führt den Oberbefehl über die ftnnländischen Streitkräfte in Friedenszeiten. Die Fragen bezüglich der Beziehungen zur russischen Regierung werden durch den Präfidenten in Uebereinstimmung mit dem Ministerrat geregelt. Die Minister ernennt der Präsident. Die allgemein« Dienstpflicht wird im ganzen Lande einge- führt Die gegenwärtige Regierungsform ist das Grundgesetz, da« die alte Regierungsgewalt aufhebt. DaS zweite Gesetz betreffend die Beziehungen zu Rußland be- sagt: Finnland bleibt mit Rußland vereinigt, hat aber eigene Ber- fassung, eigene Regierung und unabhängige gesetzgebende und voll- ziehende Gewalten. Die Fragen Krieg und Frieden find gemeinsam und verbindlich für beide Länder, fie werden geregelt gemäß den StaaiSgrundgesetzen Rußlands. Verträge mit fremden Staaten werden von Rußland eingegangen, wenn dieses sein Recht nicht an die Regierung Finnlands abtritt. der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 7. Oktober. In der Nordsee wurde« durch unsere U-Boote neuerdings fünf Dampfer versenkt. Drei von ihnen wurden aus starl gesicherten Gelertzügeu herausgeschossen; von den beiden anderen Dampfer« war einer bewaffnet. Ter Chef des AdmiralftabeZ der Marine. * Di« norwegische Handelsflotte hat laut„BerlingSke Tidende" im September einen Zuwachs von 12 Mb Tonnen und einen Verlust von 34 lXX) Tonnen zu verzeichnen. Sie zählt gegenwärtig 3235 Schiffe von zusammen 2 123 000 Tonnen. die Kriegslage in Mesopotamien. Englische Rückwärtsbewegung. Konstantinopel, 7. Oltober. Amtliches Dementi. In ihrem Be« richt vom 1. Oktober geben die Engländer an. einen Sieg bei Ra- m a d i e h am Euphrat errungen zu haben. Wenn diese Angabe auf Wahrheit beruhte, dürfte der Feind nicht seine Truppen von, Euphrat nach Bagdad zurückziehen, müßte vielmehr vorgehen. In Wirklichkejf ziehen die Engländer ihre Hauptmacht in der Richtung ans Bagdad zurück. Deutsche Kriegsbeute im Westen. An der Westfront.wurden nach Mitteilung der Heeresleitung während der Monate Juli bis September von den Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht, Deutscher Kronprinz und Herzog Albrecht 337 Osfizier« und 13S12 Mann als Gefangene eingebracht. 4l Mrnenwerfer und 483 Maschinengewehre fielen in deutsche Häude. Ferner wurden 4 Geschütze und 11 feindliche Flug- zeuge erbeutet._ Möeutsche Hoffnung auf Kriegs- Verlängerung! Berbandstagung des Alldeutschen Verbandes. Der Alldeutsch« Verband hat am Sonntag in Kassel getagk. AuS den Referaten geht hervor, daß die Ländevgier der Herren Alldeutschen in ständigem Wachstum begriffen ist. Zu dem üb- lichen Anncxionsprogramm, das im Osten Kurland und Litauen, im Westen Belgien und das Erzbecken von Brich verlangt, kam diesmal noch die durch Herrn Bacmeister erhoben« Forderung nach dem Kohlenbecken von Baleneiennes in Nordsrank- reichl Dieser neueste alldeutsche Tip scheint von einem»Stuben- Professor ausgeheckt zu sein, der unter dem heurigen Kohlenmangel und dem»eizv erbot leidet. Offenbar weiß der gute Mann nicht, daß der jetzige Kohlenmangel keineswegs auf dem Mangel an Bodenschätzen beruht. Das Wichtigst« aber war das Referat de-Z Verbands Vorsitzenden C la a ß über die volitiiche Lage. Herr Claatz tobte nicht nur über Bcthmann Holltvcg, auch Herr Dr. Michaelis hat es bei ihm schon verdorben, weil es ihm an der nötigen Entschlossenheit fehle, besonders aber wegen seiner Haltung in der Polenfrage und der Antwortnote an den Papst Benedikt. Die Lorbeeren, die die Alldeutschen dem neuen Mann eilfertig gespendet haben, sind schnell verwelkt. Sehr betrübt sprach Herr Claaß auch über daS»vom Abgeordneter, Erzberger mißleitete Zentrum". Aber die richtige Enthüllung der alldeutschen Grundstimmung brachte erst der Schluß der Claaßschen Rede. Da gab Herr Claaß seiner unverhohlenen Freude darüber Ausdruck, daß durch die ablehnende Haltung der Gegner der Krieg noch um einige» verlängert werde! Herr Claaß, der nationol-alldeutfche Mann, fiel den Llodd George und Poürcare trSnrngerüyrt um den Hals, daß fie ihm durch ihre kriegsfanatische Haltung einträchtiglich den Krieg noch fortzusetzen helfen. Damit Herr Claaß nicht etwa behauptet, wir hätten seine Worte entstellt, geben wir sie nach dem ausführlichen Bericht der alldeutschen Presse. wieder. Herr Claaß sagte: So verzweifelt sich die Lage bei laltblütiger Betrachtung darstellt, so ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen— denn unsere Feinde schlagen in die immer und immer wieder würdelos und unpolitisch dargebotene deutsch« Friedensband nicht ern. Öit Antworten, die mittelbar oder unmittelbar au» Amerika, aus Rußland. England und Frankreich kommen, deuten darauf hin, daß dort die Verblendung der Regierenden und der van ihnen verführten Völker noch nicht gewichen ist; sie alle halten an ihren Kricgszielen fest, die in Wahrheit die Vernichtung des Deutschen Reiches in sich schließen würden. So dürfen wir unsere Hoffnung auf die Verblendung unserer Feinde fetzen —«in trauriger Trost— aber immerhin ein Trost mit real- volitischem Inhalt. Denn er gewährt denen, dle eine« starken deutschen Frieden erstrebe», die Frist, die Aufklärung in immer weitere Kreise de« Baterlandes zu tragen: er erwirkt Zeit für weitere militärische Crfolge und bereitet dem Gedanken freie Bahn, daß das volitische KriegscrgebniS dem militärischen Sieg: entsprechen muß. Räch diesen Warten können die Alldeutschen nicht mehr leugnen. daß die Berlängcrchng des Krieges ihr eigentliches Ziel ist. Daß sie sogar den Gegnern für die Verlängerung de» Kriege« danken, beweist die S k r u p e�l l o s i g k c i t, mit der sie dies Ziel verfolgen._ Eine Anfrage wegen öer Englijchen Gasanstalt. In einer Kleinen Aufrage wünscht der Abg. S üd e kum(Soz.) Auskunft darüber, welche Gründe den Reichskanzler dazu bestimmt haben, den Bewerbern um die im Weichbilde Groß-BerlinS belegene Englische Gasanstalt einen weit höheren Preis, als er durch die objektive Schätzung der Sachverständigen festgestellt war. auferlegen und bei der Zulassung von Bietern da» städtische Interesse Groß-BerlinS dem der Landkreise hintaufirlleu zu lassen?____ Letzte Nachrichten. U-Boot 293 aus Cadix entwichen. W a d r i d, 7. Oktober.(Havas.) Tos deutsche Urrtersce- boot Nr. 293, das iu Cadix am 9. Zeptembcr eiogelawfe« und interniert worden war, ist letzte Nacht entwichen. Ter Minister- Präsident enthob alle hohen verantwortlichen Militär- und Marineoffiziere von ihren Acmtern. „Seeadler". TU. Amsterdam, 3. Oltober. Router meldet auS Syi>n«h: Eine Barkasse, bcrrassnet mit einem Geschütz und Maschinengewehr und bemannt mit 6 Deutschen ist ausgebracht worden. Do« Fahrzeug lag auf der Lauer dicht bei einem unbewaffneten Schiffe bei den Jidschi-Jnselu. Die Deutschen gaben.zri, daß der HslfZkreuzer See- adlvr sich in diesen.Gewässern bcsrndc. 5ine l�larfctivcrrammlutig der Staatsarbdtcr Am Sonntag fand im Zirlus Schumann für die Arbeiter und rbeiterinnen der Königlich-technischen Institute zu Spandau eine emeinsaine Versammlung statt, die überaus stark besucht war. Ob- zohl zu dieser Veranstaltung der ZirkuS genommen wurde, konnte Zoch nur ein Teil der Beschäftigten Plas? finden. Tie Räume waren vollständig gestillt. Das einleitende Referat über die Frage, ob die Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Königlich-technischcn Instituten Verbesserung j-bedürsuzz sind, hielt der Vevollmächtigle des Meialloibeiterverbandes. Siering, der in 1l4stündiger Rode eine Gegenüberstellung der Verhältnisse gab, wie sie zu Friodcnszciten in den Betrieben üblich waren und wie sie jetzt sind. Wie überall in der Industrie, ist auch in den Äöniglich-technischen Instituten zu Spandau eine grundlegende Vcr- ändcrung eingetreten. Während zu FriedcnSzeiten hier nur un- gcfähr 5000 Arbeiter beschäftigt waren, sind es jetzt weit über 00 000. Allerdings ist in der Zeit durch ErVoitcrungsbauien eine wcsrnt- liche Vergrößerung der Betriebe herbeigeführt worden. Es ist un- bestreitbar, daß die Lohnverhältnisse auch in diesen Bc- hieben sich gewaltig geändert haben, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß die jetzt erzielten Verdienste nicht im Einklang mit der gegenwärtigen teuren Lebenshaltung stehen. Gerade in der letzten Zeigst wieder eine nicht unwesentliche Steige- rung der Lebensmittelpreise eingetreten, und dazu kommen die großen Ausgaben für Kleidung und Schuhzeug. Zu FricdenSzeiten durften die Arbeiter der königlichen Betriebe nicht den freien Gewerkschaften augehören, während in der Versammlung festgestellt inerden konnte, daß jetzt den Arbei- lern bezüglich der Organisation keinerlei Vor- ichriften gemacht werden. Wie der Redner unter allgemeinem Beifall feststellen konnte, wäre dies in der gegenwärtigen Zeit aus dem Grunde unmöglich, weil die Direktionen keine Arbeiter bekommen würden, die sich derartig bevormunden lassen. Ein ganz neuer Geist ist in die Arbeiterschaft dieser Betriebe eingezogen, was sich ins- besondere auch bei den Neuwahlen zu den Arbeiteraus- s ch ü s s c n, die in allen Betrieben auf Grund des Hilfsdienst- gesetzes vorgenommen wunden, bemerkbar gemacht, hat. Die neuen Ausschüsse sind von der alten Praxis des PetitionierenS und des Wünscheäußcrns abgekommen und haben, wie sie es als ftcic Ar- beiter gewohnt sind, Forderungen ausgestellt, die den Bedürfnissen der Arbeiter entsprechen. In der Diskussion wurde lebbaft über die Bchand- I u n g, die zum Teil noch in den Betrieben, nicht von den Betriebs- lcitungen, sondern von den iimbgeordneten Instanzen und speziell von den Meistern geübt wird, Klage geführt. Ganz besonders traf dies auf die G c w e h r f a b r i k zu. Auch über die außerordentlich schlechten Verkehr Svcrhältnisse von und nach Spandau wurden zahlreiche Beschwerden laut. Als Vertreter der übrigen Gewerkschaften sprach der Genosse Stahl, der den Wahlkreis Spandau-Ost Havelland im Reichstag vertritt. Er wie? darauf hin, daß die von den Arbeitern aufge- stellten Wünsche nur dann auch im Parlament wirksam vertreten werden können, wenn die Arbeiter entschlossen sind, die Wünsche, die sie äußern, auch durchzusetzen.— Die Genossin M a a ß von der Arbeitcrinnenkommission besprach besonders den Mangel- haften Schutz, den die Arbeiterinnen in der gegenwärtige» Kriegs- zeit auch in den Spandauer Betrieben haben. Zur Aufhebung der Arbeitcrinncnschutzbcsttmmungen zu Beginn des Krieges haben nicht die goringsten Ursachen vorgelegen, und eZ wäre dringend zu wünschen, daß diese so bescheidenen Schutzbcstim- mungen wieder Geltung erhalten. Auch über die Behairdlung der Arbeiterinnen wurde in der Diskussion lebhafte Klage geführt. Die Versammlung beschloß dann in einer Resolution, die Ar- beitcrauSschüsse zu beauftragen, den Direktionen neue Forderungen einzureichen, und zwar sollen die Stücklöhne so festgesetzt wer- I den, daß bei normaler Anstrengung die gelernten Arbeiter 2.50 M., die Maschinenarbeiter 2,10 M. und die ungelernten Arbeiter 1.75 M. für die Stunde erreichen können. Im Zeitlohn fordern d'e Handwerker 2,10, die'MÄchinrnarbeitcr 1,70 und die ungelernte» Arbeiter 1,50 M. für die Siunde. Für die Arbeiterinnen wurde cui Einstellungslohn von 1 M. für die Stunde gefordert, und wenn d.c Arbeiterinnen im Atkord beschäftigt sind, sollen die Stücklöhne so bemessen werden, daß bei normaler Arbeitsleistung 1,20 M. für die Stunde verdient wird. Außerdem wurde noch eine Erhöhung der Zuschläge für U c be r st u n d e n, Nacht- und Sonn- t a g s a r b c i t verlangt. Diese Forderungen wurden von der Versammlung einstimmig angenommen iuid die Arbeiterausschüsse beauftragt, dieselben un- v- züglich den Direktionen einzureichen. Tie Versammlung sprach die Erwartung aus. daß die in Frag Hata- (SalvarsaD-)K.Mod.,sohmerz- loseBdhandLo.Boruistörung. - Mäßige Preise. Teilzahlung- FriettMin-ir�Ä Jt— 1, 8—7, Sonntags 11—1. APOLLO FrisdrichstraBe an der Kochstr. Dir. James Klein. Allabendlich 7J/, ühr: Die Hochzeit UMcha Theaterk. unnnterbr. geöffn, Sonntags: 2 Vorstellungen, S5/, und 7'/, Uhr. Kennen Sie JJ 3 die Wohltat Xä& einer Lcibblnele? 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