Ar. 279. 34. Jahrg. Bezugspreis: SiertelZ ihrl. S.g0MI.. wonatl. ,AZ Ml, wöchentlich 80 Pfg. srei inS Hnus, vorauszahlbar. Eutzeine Wochentags- riunnnern v Psz. Sonntagsnmnmer mit illustrierter Beilage.Die Neue Weit* 10 Pia. Postbezug: Monatlich 1,80 Mb Unter Kreuzband stir Deutschland und Oesterretch. Unoarn 2,50 SM., für das übrige Ausland« Bit. ouinatlich. Postbesleliungen nehmen an Däuemart, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm.Adresse: »Sozialdemokrat Berlin", Vevlinev Volksblstk. ( S Pfennla) Der Anzeigenpreis detrögt i. die fiebenacsvaltcneKolonel- »eile 60 Pfg.„Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfo.(zu. lftsfig 2 fettgedruckte SBortc), fedeS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Mg., jedes weitere Wort 8?fg. kSorte über 1b Buchjlaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°,» ksamilien- Anzeige» SI» Mg., holitische u. gewerkichaslliche Vereins' Anzeigen 40 Psg. die Zeile. Anzeige- für die nächste Nummer müssen «» Uhr nachmitt, im Hauptgci Berlm SW.Os, Lindenstratze 8, gegeben werden. Geöffnet von 8 ftüh biS 7 Uhr abend». Tentralorgan äer fozSaldemokratlfchen parte» Deutfchlands. Reöaktio«: EW. 68, Liaüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morittpla», Str. 1S1 Sv— 1S1»7. I Donnerstag, den 41. Oktober 1917. expeüitioa: Ew. 68, Linöenstraße 2. Fernsprecher: Am: Marttzplatz, Str. IM 90—151 97. Die neue Schlacht In flandern. Sorge vor IrieSen auf Kosten Rußlands. Die„Jsvestija" gegen de»„Vorwärts". Stockholm, 10. Oktober.(Gigensr Drahtbericht des„Vorwärts".) Das Organ des Sowjet, die„Jsvestija", greift die deutsche Partei» Mehrheit an, weil sie anscheinend den wahren Sinn der päpstlichen Aktion und der Antwort der Zentralmächte nicht verstanden Hab«. Das Schweigen der Antwortnoten über territoriale Fragen sei ver- dächtig. Ohne glätten Verzicht aus Annexionen hätte die Tis- kussion über Abrüstung und Schiedsgerichte keinen Zweck. Die„Js- vestija" behauptet weiter, der„Vorwärts" habe tn seinein Artikel„Stockholm und Rom" geschrieben:„Es ist gleichgültig, ob der Frieden demokratisch und durch Sozialisten herbeigeführt, oder ein von Bourgeoisrcgierungen geschlossener imperialisttscher Frieden ist."— Der Hinbergedanke aller dieser Stoten sei Annexion-- mus auf Kosten Ruhlands. Ruhland finde im deutschen Proletariat keine genügende Unterstützung gegen einen imperia- listischen Frieden. Angesichts dieses drohenden Friedens hätten die Bolschewiki neulich ihren Widerstand gegen die Erhöhtlng der Heere straft aufgcgechcn. 4 Aus dem Bulletin des Sowjets Igcht hervor, dah die Er- rcgung der russischen Deinokratie über die Gerüchte von einem Frieden auf Kosten Ruhlands, nicht gering ist.„Robot- schaja Gazeta" schreibt, daß russische Proletariat müsse sich mit dem Weltproletariat zum Kampf für den Frieden und gegen reaktioiiäve Intrigen beider Koalitionen vereinigen. * 1......!.. Die Polemik der„Jsvestija" gegen den„Vorwärts" ist ein Musterbeispiel dafür, wie durch eine verlogene Bericht- er stattung jedes Verständnis zwischen den sozial- demokratisch cn Parteien der verschiede 11 en Län- der verhindert wird. Weder in dem Artikel„Stockholm und Rom" vom 17. August noch in einer anderen Nummer des„Vor- wärts" hat em Satz gestanden, der dem von der„Jsvestija" zitierten in Sinn und Worlcmt auch nur ähnlich wäre. In jenem Artikel war weiter nichts gesagt, als dah die Völker den Frieden begrühen würden, komme er ihnen aus Rom oder aus Stockholm. Dah die deutsche Sozialdemokratie nicht daran schuld ist, wenn der Frieden bisher aus Stockholm nicht kommen konnte, weih man auch in Ruhland ganz genau. Man sollte in Ruhland aber auch wissen, daß die deutsche Sozialdemokratie jedes Programm de? Annexionismits auf das allerschärfst« bekämpft und dah der„Vor- ivärts" unzählige Male geschrieben hat, die Entscheidung über daS Schicksal der Bevölkerung der kriegsbesetzten Gebiete müsse in Ver- st ä n d i g u n g mit R u h I a n d nach ihren eigenen Wünschen cnt» schieden werden. Da man das drüben nicht tveih, sagen wir es iwch einmal. Die deutsche Regierung aber sollte mit der größten Schärfe und Entschiedenheit aussprechen, dah sie an einen„Frieden auf Kosten Rußlands" nicht denkt. Das neue ruPfche Ministerium. Petersburg, 9. Oktober. Petersburger Telegraphen-Agcutur. Nach der Parteizugehörigkeit ist das neue Kabinett folgendermaßen zusammengesetzt: Drei Sozialrevolutionäre(Präsidium, Wege, Landwirtschaft), vier Sozialdemokraten(Inneres samt Post und Telegraphie, Justiz, Arbeit, Berpfleguug), drei u u- abhängige Sozialiste«(Krieg, Marine, öffentlicher Unter- richt), ei» Radikaldemokrat(Finanzen), vier Kadetten (Handel und Industrie, öffentliches UnterstützungSwesen, Kultus, Staatskontrolle), zwei Parteilose(Arußerr'S und Präsidium deS WirtschaftSrates). Der Minister für Handel und Industrie, Konowalow, ist zum Vizepräsidenten des Ministerrates ernannt worden. Die Umbildung der russischen Regierung in ein neueS KoalitionS- Ministerium wird von der russischen Presse eifrig kommentiert. „Rjelsch" sieht die jetzige Koalition als letzte Hoffnung an; falls sie fehlschlage, würde das Land unweigerlich Schauplatz der Umtriebe eines Lenin und seiner Freunde werden.„Jsvestia", da» Organ des Arbeiter- und Soldatenrats, stellt mit Befriedigung fest, dah die bürgerlichen Elemente endlich einen ernsten Versuch unter- nommen hätten, mit der Demokratie zur Verständigung zu ge- langen. Das Programm des neuen Kabinetts komme den zahl- reichen Forderungen der Temotratio entgegen, welche das Vor- Parlament verwirklichen werde.„Dnelo Naroda", das Blatt der Sozialrevolutionäre, erkennt die Gnund lagen des politischen Ab- kommenS als vollkommen annehmbar für die revolutionäre Dem». kratie an und stellt fest, daß die russische Bourgeoisie nach der Be- wegung Kornilows entgegenkommender und geneigter zu einem Kompromiß geworden sei. Andere Blätter begrühen zwar das Ende der KrifiS, geben indessen der Besorgnis Ausdruck, daß das neue Kabinett nur eine Beruhigung und ein Aufschub von pur kurzer Dauer sei bis zu dem neuen allgemeinen Zkongreh der A.» und S.»Räte, der in drei Wochen zusammentreten werde,»m jden Endkampf um die Macht fyginn�n.% Die neue Schlacht zwischen Bixschote und Ghelnvelt— Geringer feindlicher nur nördlich Poelkapelle— Südlich Poelkapelle alle Kampfliuien gehalten. Amtlich. Großes Hauptquartier, 10. Oktober 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Auf dem Schlachtfeld in Flandern traten gestern neben elf britischen Divisionen wieder französische Truppen in den Kampf. Die gewaltige straftanspannung der beiden verbündeten West- mächte erschöpfte sich in tagsüber währendem Ringe» vor der Staiidhasligkeit unserer Flandern-Äämpfer. Die morgens nach stärkstem Trommelfeuer vorbrcchcndcn An- griffe bildeten die Einleitung zur Schlacht, die sich bei uuunter- brochea heftigster Artillericwirkung bis tief in die Stacht in fast 20 Kilometer Breite auf den Trichterfelder» zwischen Bixschote und Gheluvrlt abspielte. Die Gegner warfen iiuuier neue Kräfte in de» Kampf, die mehrmals, an einzelnen Stellen bis zu sechs Mal, gegen unsere Linien anstürmten. Südlich des Hvuthoulsier Waldes gewann der Feind bei Draaibank, Mangelacre, Brldhock und am Bahnhof von Porl- kapclle etwa 1500 Meter an Boden, bis ihn der Gegenstoß unserer Reserven traf«ud seinen Anfangserfolg beschränkte. Bon Poelkapelle bis südlich von Gheluvrlt haben u» sere tapferen Truppen ihre Kampf- linirn fest in der Haudz dic wiederholten feindlichen An- griffe gegen diese 13 Kilometer brestc Front find sämtlich unter den schwersten Bcrlusten zusammengedrochrn.— Bei de» andere» Armeen war die GefcchtStätigkeit gering: nur an der AiSnr verstärkte sich der Fruerkampf. Südlich der Straße Laon— Soiffons vorstoßende französische Kompagnien wurden abgewiesen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentliche» Ereignisse. Mazedonische stront. Südwestllich des Dojran-Sees warfen die Bulgaren mehrere englische Abteilungen, dir nach längerer Artillerievorbereitung angriffen, zurück. Der Erste Gcneralquartiermrister. Ludrndorfs. Adeudbericht. Berlin, Ist. Oktober 1317. Abends. Amtlich. In Flandern wechselnd starke Feuertätigkeit, am C li a v m e- W al d e östlich der Maas für»ns erfolgreiche örtliche Jnfanteriekämpfr. Im Osten nichts von Bedeutung. Ter österreichische Bericht. Wien, den 10. Oktober 1917. �W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Nirgends desondere Ereignisse. Der Chef deS G t« e r a l st a b e S. Petersburg, S. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der Arbeiter- und Soldatenrat nahm nach der bereits gemeldeten Reuwahl seines Bureaus eine m a x i m a- listische Entschliehung on, die sich gegen die Kva- lition der bürgerlichen Elemente wendet und der Versicherung Ausdruck gibt, dah der einzuberufende allgemeine Kongreh der Arbeiter« und Soldatcnräte eine wirkliche revolutionäre Gewalt schaffen werde., » Petersburg, S. Oktober.(PsierSburger Telegraphen- Agentur.) Politische und diplomatische Kreise in Petersburg scheinen durch einen Brief, den der ehemalige russische Botschafter in Tokio und Washington, Baron Rosen, in dem Maximalisten-Blatte„No- waja Shrsn" veröffentlicht und dessen Ausnahme die anderen Blälter ablehnten, unangenehm berührt zu sein. Baron Rosen wirft der russischen Diplomatie vor, dah sie auf die ver- bündeten Wächte nicht genügenden Druck ausgeübt und die Frage der Verwirklichung des von der russischen revolulio- nären Demokratie aufgestellten Grundsatzes Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen sehr verzögert habe. Der Verfasser erklärt, diese zweideutige Haltung der russischen Regierung füge den Interessen de» Lande» einen nicht wieder gutzumachenden Schaden zu. Denn die Stimme der russischen Diplomatie werde mit jedem Monat deS Krieges und der stet» zu- nehmenden Zerrüttung schwächer. Diese Doppcl- züngigkcit der russischen Politik in der Frage: Frieden oder Krieg, ichreibt Baron Rosen, enthüllt vor der Nation zwei Lager: das eine. bedeutsamere, erstrebt sehnlichst den Frieden, während daS andere, au» einer unbedeutenden Minderheit bestehende, sich hartnäckig auf de» Krieg bis zu« Leuherfte» versteift. der schlecht beratene Kaiser. Icach dem Sturze Bethmanns wurden dem Kaiser aus seiner Umgebung Tirpitz oder Biilow als Nachfolger vorgeschlagen, beide lehnte er in dem richtigen Empfinden, dah sie politisch ganz unmöglich seien, ab. Die anonymen Ratgeber sahen nun ein. daß markante Persönlichkeiten nach ihrem Geschmack keine Aussicht hatten und schoben statt der beiden allzu beschriebenen Blätter ein ganz unbeschriebenes vor. Der Kaiser akzeptierte den ihm sehr tvenig bekannten Dr. Michaelis, weil er— man darf es Wohl aussprechen — in seinem engeren Bekanntenkreis keinen geeigneteren Mann fand. Herr Michaelis nahm das ihm übertragene Amt in demselben Geiste an, in dem jener legendäre Leutnant, der keine Noten kannte, die Leitung einer Symphonie über- nahm, weil sein König es ihm befohlen hatte. In dem Augenblick, in dem Herr Michaelis nicht mehr Reichskanzler sein wird, wird er keinen Feind haben. Er hat sich darüber getäuscht, inwieweit sehlende Eignung und Er- sahrnng durch Pflichtbewußtsein ersetzt werden können. Wenn auch die Peinlichkeiten, die dem Deutschen Reich aus diesem Mißverständnis erwuchsen, nicht gering sind: Irren ist menschlich, und man wird picht vergessen, daß sich Herr Michaelis in einem engeren Pflichtenkreis als tüchtiger Mann erwiesen hat. Daß er als Reichskanzler endgültig und vollständig n n- möglich geworden ist. das braucht man nach den Schreckensszenen des. 3. Oktober wohl istemandein mehr beweisen, wohl auch ihm selber nicht. Es darf nicht noch einmal vorkommen, daß der telegrapbische AiiSlandsdienst gesperrt werden muß, weil der Kanzler des. Deutschen Reichs in ösfent- sicher Reichstagssitzung eine Rede gehalten hat, von deren wörtlicher Verbreitung man Schaden fürchtet.(Nachdem ein Schuß mit großem Mut abgefeuert ist, läuft man der Kugel nach, um sie wieder einzusaugen!) Herr Michaelis muß sich durch schleunigen Rücktritt die Achtung, die ihm das Land für frühere Verdienste schuldet, wiedergewinnen; er muß durch einen geeigneten Nachfolger ersetzt loerden. Das Mißlingen des Experiments zeigt die Unbrauchbar- kcit der Methode. Wir zloeifd» nicht daran, daß der Kaiser nach reislicher Ueberlegung den besten Mann ausgesucht hat, dessen er nach dem bisherigen Verfahren habhaft werden konnte, und bleibt es bei diesem Verfahren, so muß nach Herrn Michaelis eben— nun ja, dann muß eben der Zweitbeste an die Reihe kommen. Dieses System der Auslese hat weder mit der natürlichen noch nüt der künstlichen Auslese nach Darwins Theorie irgend etwas gemein, denn es ist klar, daß dabei kein Hinauszüchten zu höheren Stufen der Vollkommenheit stattfindet, viel eher wären da andere Vergleiche am Platze, die zn ziehen wir aus Gründen des Respekts unterlassen. Der Fall Michaelis h a t gezeigt, daß es nach dem bisherigen Verfahren der Kanzler- er nennung nicht geht. In dem Bekanntenkreis des Kaisers befinden sich keine geeigneten Kandidaten, und die Herren der Hofgesellschaft wissen auch keinen brauchbaren Mann heranzubringen. Was bleibt da anderes übrig, als den großen Sprung zu; nagen und den dilettantischen Rat der Hosgesellschaft durch den erfahrenen kundiger Politiker zn ersetzen? In diesen Zeiten, wo die Entscheidungen der Politik uns allen an die Stieren gehen, muß Kritik auch an kaiserlichen Handlungen gestattet sein. Es ist im Volke nicht verstanden worden, daß der Kaiser bei der letzten Kanzlerernennung nicht den Rat der Volksvertretung einholte, und man meint allgemein, er hätte seiner Würde nicht das Ge- ringste vergeben, wenn er in diesem Falle gebandelt hätte, wie alle konstitutionellen Staatsoberhäuvter der Welt, wie zuletzt z. B. der König von Schweden. Schweden ist dasjenige Land, dessen politische Verhältnisse unseren preußisch-dentschen noch am nächsten kommen, und doch bat der König es für selbstverständlich gehalten, über den Re- Verfahrens bediene wie alle seine gekrönten und ungekrönten Kollegen in der ganzen Welt, so gebe er damit wer lveiß im köstliche Vorrechte preis und werde zum„Schattenkaiser". Uns scheinen andere Gefahren dringender zusein! Der Kaiser befindet sich aber auch insofern im Irrtum, als er glaubt, daß d e r R e i ch s t a g mit der bisherigen Art der Kanzlerernennung einverstanden sei. An diesem ver- hängnisvollen Irrtum trägt der Reichstag ein großes Stück Mitschuld. Seine Verantworfilngsschev. seine Bedenken- trägerei und Zaghaftigkeit konnten sehr leicht den Eindruck erwecken, als sei er froh, mit diesen brenzlichen Dmgen inchts zu tu» zu haben, und, wem» es schief gehe, über andere räsonieren zu können.(Was öeim auf allen Seiten reich- lich geschieht!) Würde sich der Reichstag auch bei dein nach- srsn Kanzlerivechfel passiv Verhalten, so wäre das eine Drücke- bergerei, die er vor dem Lande nicht verantworten könnte. Es ist darum notwendig, das; der Reichstag eine Form findet, um mit möglichster Einstimmigkeit dem Irrtum ent- gegerrzutreten, als ob seine Lusschaltungin den e n t- scheidungsvollsten Augenblicken des Reichs nach seinem eigenen Sinn wäre. Er darf keinen Zweifel an seinem Wunsche bestehen lassen, daß die klaffende Lücke 1 1»- S y st e in der Verantwortlichkeit geschlossen wird. Nach der Verfassung bedient sich der Kaiser bei ollen � feinen politischen Handlungen eines verantlvortlichen Rat- geberS— nur bei der allerwichtigsten nicht, nämlich wenn er einen neuen Ratgeber ernennt. Diese Lücke der Verantwort- lickikeit muß durch Rechtsgewohnheit geschlossen werden in der Art. wie das in allen Ländern der Welt geschehen ist, also durch Zurateziehnng der Parlamentsvertreter und durch die Anerkennung des Grundsahes. daß die Stellung der Regie- rung auf das Vertrauen des Parlaments gegründet ist. Tie Zeiten sind nicht danach, dos; wir Experiment auf Experimeilt IKufen und von Krise zu Krise taumeln könnten. . Hit das bisherige Verfahren versagt— und es hat so griind- lich versagt, wie es nur konnte—, dann muß es durch ein anderes, in der ganzen Welt anerkanntes und erprobtes ersetzt werden. Das muß von der Presse und auch vom Reichstag mit jenem Nachdruck ausgesprochen werden, der dem u n- geheuren Ernst der Stunde entspricht. der Kampf um üen„Toten Mann". Des Reichskanzlers Zusammenbruch. Das Zeitungsstudium am Mittwoch dürfte Herrn Dr. Michaelis darüber belehrt haben, daß es nunmehr für ihn Zeit ist. mit dem Kunststudiuni zu beginnen. Der Pscil. den er in der Dienstagsitzimg zusammen mit dem Marinesekrctär v. Capelle abschoß, prallt cmf den Schützen selbst zurück. So- aar ein großer Teil der rechtsstehenden Pre'se macht ans ihrer Unzufriedenheit mit dem inißglückten Theaterkoup kein Hehl mehr. So schreiben die„Berliner Neuesten Nachrichten", ein extrem-alldeutsches Organ: Selbst was vielleicht in einem anderen Augenblick gut und Lug gewesen wäre, mußte gestern unzweckmäßig unwun- geschickt erscheinen. Wenn es dem Kanzler gelungen war, zu einem Verständignngssrieden mit der Reichstagsmebrheit zu kcmuren, wenn man im Ausschuß die Möglichkeit gefunden hatte. den Konflikt zwischen Reichstag und Reichsregierung für den Augenblick zu beseitigen, war es da nicht mehr als ungeschickt, die schwere Anklage gegen Mitglieder der unabhängigen Sozial- demokratie in die Verhandlungen zu schleudern? Nichts, aber auch gor nichts zwang dazu, und die mißverständliche Ausdrucks- weise des Kanzlers hatte nur zur Folge, die Lage zu verwirren. Ein Teil der alldeutschen Presse, wie„Deutsche Tages- zeitniig",„Tagl. Rundschau" und„Kreuzzeitunc," suchen noch ',it retten, was zu retten ist. Aber in dein Bewußtsein, daß der Reichsanwalt wohl seine Gründe gehabt hat, kein Ver- -ahren gegen die drei Abgeordneten der Unabhängigen ein- ',iileiten, sind sie mit ihren Anklagen sehr zurückhaltend und suchen mir niit fadenscheinigen Argumenten einen„morali- ichen Zusammenhang" zwischen den Ereignissen aus der FlottTiind der Agitation der Unabhängigen Sozialdemokratie zu konstruieren. Aber die erdrückende Mehrheit der Presse bot ein durchaus richtiges Gefühl dafür, daß eS ein Ding bei- Unniögstchkeit ist, eine Anklage zu erheben auf Grund �er unkontrollierbaren Aussoge von Zeugen, die man er- i ch a s s e n bat, ehe man mit der Anklage an die O e f f e n t l i ch k e i t trat. Eine schonungslose Berurtei- lung der Regierung bringt die nationalliberale„National- Zeitung", die in ihrer Mittwoch-Abendansgabe sagt: „Man wird ihr lber RcgierungZ nicht einmal den schwachen Mildoriinat-zruiid zubilligen können, stc'habc in übereilter Iln- Vorsichtigkeit gehandelt, denn die Regierung hat sich mit den Vorgängen, die gestern zur Sprache kamen, bereits ver einiger cleit befaßt und sie hat sich schon damals Rot geholt, Ivclchen Weg sie cinschlagcü solle. Ter Rciierung ist damals ven verschiedenen Seiten dringriidst naheaelegt worden, den Weg, den sie gestern . wäblte, zu vermeiden. Sie hat des Rates nicht geachtet. Sie hat gewicht, daß das Material, über das sie verfügt, zur Erbebung einer Antlage nicht«»Sreiche, sie hat gewußt, daß der Reich«, anwalt nicht den Antrag stellen kannte, die Immunität der drei Abgeordnrtcn aufznyrden, und fie hat dennoch so gehandelt, wie man es gestern erlebte." Diese Anklagen eines offenbar Eingeweihten sind lehr beachtlich. Sie wie die Ausführungen der„Neuesten Nach- richten" widerlegen auch das dumme tsseschwätz der„Post" und einiger anderer Blätter, daß die Erklärungen Capelles durch die Rede Tittmonns, der die hohen Strafen zur Sprache brachte,„provoziert" worden seien. Selbst für die Alldeutschen hätte Wohl die Antwort genügt, daß es sich noch Ansicht der Regierung auch um sehr schwere Vergehen gehandelt Hobe. Aber die Regierung des Herrn Michaelis wollte ditrchaus einen pRitischm Trumpf ausspielen, um die Aufmerksanikeit von dcni eigentlichen Gegenstand der Verhandlungen abzu- lenken. Die völlig unmögliche Methode ihres Vorgehens ver- urteilt auch die„ßsermanra", das Organ des Zentrums, die schreibt: Ter Gegenstand erfordert unseres Eracktcns dringend eine gerlchtlichc Klärung, und wir stehen auch nicht an, zu sagen, daß wir es taktisch richtiger gefunden haben Unirden, wenn die Politiker dem Strasrichter mit dem Urteil nicht vorgegrifsen hätten. Von fortschrittlichen Blättern beeilt sich die mehr rechts- stehende..Vossische Zeitung", ein Lob, das sie am Dienstag Herrn Michaelis auf Grund des ersten Teils der Verhand- lungen gespendet hatte, schleunigst wieder zurückzunehinen. Sie bezeichnet das Vorgehen von Michaelis und Capelle als „den denkbar bedauerlichsten und sch'oersten Mißgriff". Im „Berliner Tageblatt" brandmarkt Theodor Wolfs das Vor- gehen der Regierung mit folgenden Worten: Und was ist da? für ein eigeniümlicheS Justizverfahrcn, das der oberste Beamte des Reiches, der Reichskanzler, und nach ihm der Staatssekretär des Reichsmarineamts, auf der Rednertribüne gegen diese Abgeordneten eröffnet hat? Wie— zwei Matrosen werseu verhaftet, sagen aus, daß sie von den Abgeordneten Material erhalten hätten,>"id sie werde» nicht mit diesen Rö- ««ordneten konfrontiert? Ter Reichsanwalt stellt nicht den An- trag, die Ammunität dieser Abgeordneten aufzuheben und die dvci Beschuldigten den Matrosen gegenüberzustellen? Die Ma- trosen werden erßhossen, und nachdem sie aus dem Leben au?. gelöscht sind, nicht mehr Zeugnis ablegen können, wird— nicht etwa in einem GerichtSzimmer, sondern, in einem gerade qc- eignet scheinciivc»»lugrnblick, im Reichstage— ihre Aussäge p lößlich hervorgeholt? Das ist das Echo des Inlandes. Und das des AuS- ! a n d e s. das wir in wenigen Tagen erwarten dürfen? Graut Liebchen auch vor Toten..______ Peru gegen deutschlanü. Berlin, 10. Oktober. Der Peruanische Gesandte hat dem Auswärtigen Amt eine Note übergeben, worm der Abbruch der diplomatischen Bezieh ungett Perus zum Deutschen Reiche mitgeteilt wird. Gleichzeitig hat der Gesandte um Zustellung seiner Pässe gebeten. Abbruch der Beziehungen zu Eeuador? Haag, 10. Oktober. Reuter meldet aus Washington: Ter Gesandte von Ecuador teilt mit, daß Eeuador beschlösset! habe, den deutschen Gesandten in Peru offiziell nicht zu empfangen, wenn er sich nach Ecuador begebe. In dortigen diplomatischen Kreisen erblickt man in diesem Vorgehen Ecuadors den Abbruch der Beziehungen zu Deutschland. Die deutschen Dampfer iu den Häfen Uruguays. New Aork, st. Oktober. Reute rmeldung. Tie Regierung von Uruguay hat das Parlament um seine(Genehmigung zur Verwendung der in uruguayischen Häsen internierten deut- scheu Dampfer ersucht. Sie Entftheiöung öes französischen Sozialisienkongresies. Bardeanx, 10. Oktober. Meldung der Ageure HavaS.) Der Sozialistenkongreß nahm de« Antrag der Mehr- heit mit 15 5 2 Stimmen an. Der Antrag der Minderheit erhielt 831 Stimmen, derselbe Antrag mit ciuem Zusah gegen die KriegSkredite 118 Stimme« bei 85 Stimm- enthaltnnz«. Neber die Bedeutung dieser Tntscheidung wird sich erst urteilen lasten, wenn der Inhalt des Antrages bekannt fein wird. Irre- führend dürfte die Angabe fein, daß es sich um einen Antrag der Mehrheit schlechtweg handelt; denn der dem Kongreß vorgelegte Antrag wurde in einem Ausschuß formuliert, dem 22 Mehrheit«- und 17 MiuderheitSverlreter angehörten. AuS diesem Ausschuß wird ein Kompromißantrag hervorgegangen sein, der auf die AbstimmungS- ziffern Einfluß übte. ch Die russische« Grüße nach Bordeaux. Stockholm, g. Okiober. sEigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Sowjet-Zen trale sandte dem französischen Sozialisten- kongrcß in Bordeaux telegraphisch Grüße. Gleichzeitig hebt die Sowjet-Zentrale in der Depesche die Notwendigkeit des Wiederaufbaues der Internationale hervor. Die Arbeiterklasse stoße hierbei aus den Widerstand der herrschen- den Klassen, welche den demokratischen Frieden und da» Macht- Wachstum der Internationale fürchten. ES ist nicht ausgeschlossen, so heißt es in der Depesche weiter, daß die Imperialisten deS ganzen TrdkrdseS hinter dem Rücken de? Proletariats ein Komplott gegen die Demokratie schmieden. Jüngst gingen Gerüchte über ein deutsches Friedensangebot an Rußlands Ver- bündete auf Kosten der Russen umher. Ein solcher Kriegsausgang wäre nicht nur die Niederlage der rusfischen Revolution, sondern der internationalen Demokratie. Die ganze russische Demokratie weist entrüstet solche Liquidierung des Krieges zurück und erhofft Unter- stütziing der Demokratie der ganzen Welt. Zur Vereitelung eines imperialistischen Frieden« ist der energische Kampf deS gesamten internationalen Proletariats unumgänglich notwendig. Mit Korniloto ist die Gefahr der Gegenrevolution nicht beseitigt: sie nährt sich von der au» der KriegSverlängerung resultierenden inner- politischen Lage. Ohne d�u baldigen demokratischen Frieden ist die russisch« Revolution äußerst bedroht. Wir erwarten daher von dem französischen Proletariat die Unterstützung unserer Revolution, und zweifeln nicht, daß Bordeaux den französischen Beschluß, an den Verhandlungen in Stockholm teil- zunehmen, bestätigt und die notwendigen Kampfmittel zu seiner Durchfetzung findet. Bestimmter als vorstehende, von Axelrod und Goldenberg über- mitteile Depesche lautet der von Axelrod namens des Menschewikischen Zentralkomitees übermittelte telegraphische Gruß. AuS dieser Depesche geben wir Nachstehendes wieder: DaS sianzösische Proletariat ist auf dem Kongreß zu einem entscheidenden Wort über die Fortdauer der Welt- metzelet berufen. Die russische Revolution ist in Todesgefahr. Die Fortdauer des Krieges vergrößert die Anarchie, stärkt die Gegen- revolution. Nur schleunigster allgemeiner demokratischer Friede ohne Kontribution und ohne Annexionen auf der Basis derLZölkeraulonomie kann den Sieg der Revolution verbürgen. Die europäische Reaktion und das internationale Kapital sind in gleicher Weise an dem Bankrott der russischen Revolution interessiert. DaS int er- nationale Proletariat aber muß die russische Revolution alS ihre eigene Sache betrachten, da ihr Schiffbruch die kapitalistische Weltreaktion bedeuten würde. Zur Vernichtung der Revolution würde die europäische Reaktion nicht einmal vor dem Sonderfrieden auf Kosten der Rufien zurück- schrecken. Wir drücken darum die Ueberzeugung auS, daß Bor- deaux unverzüglich die Einberufung der Stock« Holm er Konferenz selbst gegen denWillen der imperialistischen Regierung beschließt._ Cm Gefangenenpogrom in Nusilanü. Versin, 10. Oktober. Laut„Rjetsch" vom 2./ 15. September ist ein großer Teil der Stadt L a i sch e w, 506 Werst von Kasan, ab- gebrannt. Das Feuer ging von einem Hause aus. in dem etwa lOv österreichische Kriegsgefangene untergebracht waren. Den Flammen tonnte kein Einhalt geboten werden und«in beginnender Sturm warf die Funken auf den anderen Teil der Stadt. Irgend jemand bringt das Gerücht auf, die gefangenen Oestcrreicher hätten die Stadt angezündet und vir vor Schreck stnn- lose Menge wirft sich auf die Wehrlosen. Auf den brennende» S trösten geht die Jagd los» auf den Wicken, i» allen denkbaren Ver- stecke» wird getiicht im# verfolgt. Wen man ergreift, wird mit Kolben, Bajonetlen, Säbeln, Holifcheiten, Steinen tierisch niedergemacht, ein großer Teil, Worunter auch deutsche Ge- faugene buchstäblich iu Stücke zerrissen. Miliz und Militär helfen, Frauen schänden die verstümmelten Körper. In der Nacht bort der Brand auf. aber am anderen Tage wird die wahnsinnige Verfofgiing fortgesetzt und der Rest der Gefangenen ermordet. Das Ergebnis der finnisihen �anötagswahlen. HelsiugforS, 9. Oktober.(Petersburger Telegraphen. Agentur.) Nach dem vorläufigen Wahlergebnis wird sich der Landtag aus 95Sozialdetnokratev, 85 Mitgliedern deS bürgerlichen Blocks, 22 Mitgliedern der agrarische» und 18 der schwedischen Partei zusammensetzen. Die Sozialisten erhielten insgesamt 316922, die Bürgerlichen 213592 Stimme«, Die neue Schlecht in Zlanöern. Englischer Heeresbericht. Vom 9. Oktober abends. Heftiger Regen ist gestern nachmittags und abends gefallen, wodurch der Boden sehr durchweicht und füir den Vormarsch der Truppen sehr schwierig wurde. Trotz des stürmischen Wetters und der sumpfi- gen Bodenverhältnisse gelang es unseren Truppen, heute morgen um 5 Uhr 20 Minuten in Verbindung mit den Franzosen zu unserer Linken einen Angriff mit sehr erfolgreichen Ergebnissen vorzutragen. Die Angriflsfront erstreckte sich von einem Punkie südöstlich von Broodseindc bis' St. JanSbeek eine Meile nordöstlich Lixschote. Auf der äutzcrilen Rechten rückten mistralifche Truppen auf dem Kamin des Hügelrückeeis östlich und nordöstlich von Brood- feinde vor und sicherten alle ihte Ziele. Zur Rechten des Zentrums rückte als dritte Linie eine Terrt- lorialdivision, die Manchester-, Ostlancaslnre- und Lancashirefüsi- lier-Regimenter umfaßte, eine Meile nordwärts längs de« Hügelrückens in Richtung Passchendvele vor und nahm alle ihre Ziele unter den mißlichsten und schwocrigsteu Umständen mit großer Eni- ichloffenbeit und Tapferkeit. Im Zentrum zwischen dem.Haupt- bügelrückcn und Poelkapelle wurde ein beträchtlicher Fortschritt gewacht, wobei viele beseitigte Gehöfte und betonierte Unter- stände erobert wurden. Zur Linken des Zentrums vollendeten wir die Eroberung von Poelkapelle. Auf dem äußersten linken Flügel der britischen Angriffsfron! nahmen englische, Waliser und irische Truppen sowie die Garden alle ihre Ziele und gewannen den Rand des Houthoulster Waldes fast 2 Meilen nordnordwestlich von Poelkapelle. Auf unserem linken Fkügek überschritten französische Truppen den Broombeek- Bach, welcher mit Hochwasser ging, und gewannen gleichfalls den Rand des Houthoulster Waldes, ivobci sie alle ihre Ziele nahmen. darunter mehrere Weiler und befestigte Ortschaften, lieber 1000 Gefangene sind bereits durch die Samwellager gekommen. Der Krieg auf den Meeren. Berlin, 9. Oktober. F m Bermclkanal wurden durch eines unserer Unterseeboote ncuerdinzs vier ticfdeladeite Dampfer versenkt, die alle bewaffnet waren. Ter Chef dcS Admiralstabeö der Marine. 5ahrt unö Cnüe öes Seeaöler. London, 10. Oktober. Reutcrmoldung. Der„Dailv Mail" wird aus Sydney berichtet: Der Hilfskreuzer Seeadler hatte ungefähr 4000 Tonnen. Er verließ als norwegisches Holzschiff vermummt Deutschland. Die Bretter waren an Deck so aufge- stapelt, daß innerhalb der Bretterwand Raum fi die Mannschaft übrig blieb. Ein Torpcdojäger hielt den Seeadler an, ließ ihn aber, da die Schiffspapiere in Ordnung waren, passieren. Als der HilsS- kreuzer den südlichen Teil des Atlantischen Ozeans erreichte, wurde das Holz über Bord geworfen und mit den Opera- tionon begonnen. Die Besatzung erklärte, daß sie in kurzer Zeit Schiffe im Werte von 8 Millionen Pfund Sterling zum Sinken ge- bracht habe. Der Seeadler kam bis in die Nähe von Austra- l i e n und fing dort ein Schiff ab. da« mit Steinkohlen nach Hono- lulu unterwegs war. Nachdem der Hilfskreuzer acht Monate auf See gewesen war, war der Schiffskörper so reinigungsbedürftig geworden, daß der Kapitän das Schiff in der Bucht der Mopehainseln auflaufen ließ. Die Reinigungsarbeiten machten gute Fortschritte, als eine Springflut den Hilfskreuzer ergriff und tief in den Korallensand schleuderte. kleine kriegsnachrichten. Der Sultan von Aegypten ist am Dienstag nachmittag ge st o r b e n. Der„Times" zufolge wuid« der Bruder des Sultans Ahmed Fuaed, zu feinem Nachfolger bestimmt. ES handelt sich um den Sultan, den England zu Beginn de« Weltkriegs gegen den in der Türkei weilenden rechtmäßigen Khedive eingesetzt hat. Reichstag. 125. Sitzung. Mittwoch, den 10. Oktober 1917, vormittags 1V Uhr. Ein Antrag zur Strafverfolgung desjsbg. Kopp(Bp.) wegen Vergehens gegen die Verordnung über S P e i se f e lt e wird ent- sprechend dem Antrag der GejchäftSordnungskommission abgelehnt. Die Debatte über die auswärtige Politik wird sortgesetzt. Abg. Haujimamt(33p.): Von einseitigen Eroberungszielen muß sich jede« Glied unsere« Bundes fernhalten. Die Alldeutschen haben niemalt die Macht in der Regierung gehabt, aber sie hoben das Minenspiel und die Gebärden der Regierung zum Teil mitbestimmt, und dadurch konnte den Völkern eine deutsch« Gefahr an die Wand gemalt worden. ES mutz eine Revortenttrrnng unserer Diplomatie eintreten.— Die überwiegende Mehrheit Deutschlands stimmt dem U-Boot-Krieg alS einer notwendigen Abwehrmatznohme zu. Der Hauptschuldige an der Verlängerung de« Krieges ist Wilson mit seiner Duldung der. englischen Sushungerungsblockade, der zweite Hauptschuldige Lloyd George, der das eigene Mmisierium stürzte, als FriedenSneigimgcn in ihm bemerkbar wurden. B e t h- mann Hollweg hat stets die richtigen Ansichten vertreten, die neue Regierung hat zunächst leine Klarheit auflommen lassen, ob sie den Standpunkt der Reichstagzmehrheit teilt; aber bei der Bewertung der P a p st n o t e hat sich der Reichskanzler völlig auf diesen Standpunv gestellt. Wenn die Gegner jetzt Elsatz-Lothringen a l§ KriegSziel hinstellen, so haben fie den Kampf auf Tod und Leben angesagt.(Beifall.) Die provozierenden Reden der Churchill usw. sollen nur ver- bindern, datz im eigenen Lande untere AriedenSangebote ein Echo finden. Da ist es srdglich, ob eS richtig ist, daß wir nur durch die Blume sprechen, wie gestern der Staatssekretär v. Kühl- mann, der nur den Diplomaten und nicht den Böller« gesagt bat, daß wir Belgien nicht behalten wollen. Die Alldeutschen sind die Vogelscheuche der Friedenstaube und dir Schrittmacher der Kriegsverlängerer der Entente. (Sehr gut! links.) Wir dürsen im Osten leine andere Politik machen wie im Westen.(Beifall b. d. Vp.) Abg. Dr. Strefemann(natl.): Der U-Bo otkrieg Hai mehr geleistet, als von ihm erwartet wurde, die Erneuerung der englischen Flotte hält gegenüber dem zerstörten Schiffsraum nicht stand. Das erkennt man jetzt auch ziemlich allgemein in der ernsthaften englischen Presse an. Gewiß tst die weltpolitische Lage seit iem 1. Februar für uns komplizierter geworden, aber keineswegs allein als Folge des U-Bootlriegeö, sondern sicherlich auch durch die vngeschicklichkeUru unserer diplomatischen Vertretet im Ausland.(Zustimmung links und bei den Nationalliberalen.) Einen Mann wie T i r P i tz hätte Naumann nicht mit dem Verräter Wallen st ein vergleichen dürfen.— Die Rede de» StaatSsekreiörS Kühlman» war nach dem, was wir sonst in letzter Zeit vom RegiernngStisch gehört baben. ein« wahre Er- q u i ck u n g, wenn meine Freunde auch nicht überall den Gedanken- gängen Kühlmarms zustimmen können.— Am IS. Juli haben wir der Friedenskundgebung nicht zugestimmt, weil wir fürchtete», sie lönoe mißverstanden werde». Heilage des vorwärts donnecstag, N. Oktober 1 Hl 7 Nr.27H � 54. Fahrgang Ungeheuerliche Gewaltmaßregeln im Eisenbahnverkehr. Die preußische Eiienbahnverwaltung weiß gegen die Ver- kchrsnot kein anderes Mittel als die gewaltsame Einschränkung des Verkehrs! Was sie zu diesem Zweck beschlossen hat und schon in allernächster Zeit ausführen wird, erfuhren wir gestern in einer Pressekonferenz vom Ministerialdirektor Zranke. Weil der gesteigerte Güterverkehr trotz inzwischen erfolgter Mehrung der Güterwagen und Lokomotiven schwer zu dewältigen ist. wird eine Einschränkung der Schnell- und Eilzüge für nötig gehalten. Ermahnungen zur Unterlassung von Reisen haben nichts genutzt— erklärte der .Herr Ministerialdirektor— Entlastung sei aber nötig, um Kohle zu sparen. Maschinen und Personal zu schonen, die Pünktlichkeit des Zugverkehrs zu bessern und die den Güter- Zugverkehr störenden Verspätungen der Eil- und Schnellzüge zu mildern: also muß. was das Publikum nicht freiwillig zugestehet, will, mit Gewalt erzwungen werden. Reise- crlaubnisscheine seien untunlich, weil die Prüfung der Gesuche das Personal zu sehr belasten würde und die Entscheidungen nicht ohne Willkür getroffen werden könnten. Da bleibt nach Meinung der Eisenbahnvcrwaltung nichts weiter übrig, als eine Erhöhung der Fahrpreise für Schnell- und Eilzüge und die Sperrung des. Fahr- k a r t c n v e r k a u f s bei Ueberfüllung von ständig stark be- setzten Personenzügen sowie die Beschränkung' des Gepäck- Verkehrs durch Festsetzung des Höchstgewichts von 100 Pstind. Daneben dürste eine Verminderung der Z u g z a h l an Sonntagen � und die Einführung höherer Sonntagsfahrprcise— natürlich unter tunlicher„Be- rücksichtigung des Erholungsbedürfnisses der Großstädter"— von wohltätiger Wirkung sein. Wenn aber die Erhöhung der Fahrpreise für die Schnell- und Eilzüge das gewünschte Resultat haben solle, so müffe sie möglichst kräftig ausfallen und im Durchschnitt ungefähr 100 Proz. betragen. Und so wird man denn aufschlagen auf Fahrgeld bis 5 M.: 3 M.. über 5 bis 10 M.: 8 M.. über 10 bis 15 M.: 13 M., über 15 bis 25 SR.: 20 M.. über 25 bis 35 M.: 30 M., über 35 bis 45 M.: 40 M. usw. Daß diese bureaukratischen Gewaltniaßregcln eine wesent- licke Umgestaltung des Personenverkehrs auf unseren Eisen- bahnen zur Folge haben werden, ist zweifellos. Daß sie aber eine Verminderung des Verkehrs bewirken könnte, dürste außerhalb der Eisenbahnverwaltung kein Mensch für wahr- scheinlich halten. Denn zum Vergnügen reist heutzutage nie- mand, zumal jetzt seit Beginn der kalten Jahreszeit, und schlechterdings notwendige Reisen müssen eben gemacht werden, auch wenn sie mit noch so hohen Kosten und Schikanen verbunden sind. Der Effekt der Maßregeln wird einfach darin bestehen, daß die Leute, die sich den Luxus der um 100 Prozent verteuerten Fahrkarten leisten dürfen. von jetzt ab in weniger stark besetzten Schnell- und Eilzügen bequem reisen können, während die minderbemittelte Bevölke- rung sich in noch schlimmer überfüllte Personenzüge drängen muß>-- falls- sie sich nicht- durch- die vorgesehene Sperrung des Fahrkartenverkaufs von der Fahrgelegen- heit überhaupt ausgeschlossen sieht! Was schließlich die beabsichtigte Erschwerung des Sonntagsverkehrs anbetrifft, so bleibt es ein Geheimnis der Eisenbahnbchörde, in welcher Weise sie dabei das Erholungsbedürfnis dcS Großstädters berücksichtigen will. Soviel wir wissen, pflegen Sonntags- ausflöge auf der Eisenbahn von den Bewohnern kleiner Land- städte kaum unternommen zu werden, jede Beschränkung und Verteuerung dieses Verkehrs könnte also immer nur die erholungsbedürftigen Großstädter treffen! So stellt sich dieser neue Ukas des Eisenbahnministcrs als eine der sinnlosesten und schädlichsten Maßnahmen dar, die eine lebensfremde Bureaukratie jemals ersonnen hat. Er wird nicht nur seinen praktischen Zweck vollständig verfehlen, sondern auch in weitesten Schichten der Bevölkerung eine ebenso starke wie berechtigte Verärgerung hervorrufen. SroßSerlln Zur Tiphtheriebekämpfung. Fn der„Berliner Aerztekorrespondenz' werft Prof. Dr. Braun auf die große Sterblichkeit der verschleppten Diphtherieerkrankungen und auf die verbölwismäßige Gutartigkeit früh behandelter Diph- theric hin. AIS Beleg werden die Zahlen aus dem Krankenhause Friedrichshain angeführt. Dort betrug die Zahl der in den Jahren 1012/16 später als zwei Tage zur Serumbehandlung gelangten Dipbtherieerkranklen 86 Proz. der Gesamtaufnahme mit 63 Proz. aller DiphlherietodeS« fälle. Wie groß der Unterschied im Verlauf bei den früh und spät Behandellen ist, zeigt die weit höhere TodeSzahl der verschleppten Erkraukuiigen. Es st a tben von den verschleppten Fällen jeder fünfte, von den früh mit Serum behandelten starb jedoch nur jeder 4 0. Fall. Es ist unbedingt notwendig, daß sich die Eltern sofort bei An- zeidjßp einer Halserkrankung an den Arzt wende», um sich zu ver- gewlssern. oh eine guiartige Krankheit oder Diphtherie vorliegt. In letzterem Falle müßte sofort die unbedingt notwendige Diphtherie serumbehandlung einsetzen. Außer der Behandlung des erkrankten KindeS erscheint eS von größter Wichtigkeit, daß der Arzt den Schutz der Umgebung, be- stehend hauptsächlich in der Schutzimpfung der® c• scrwistcr, und dies vornehmlich mit Hilfe der städtischen Für- sorgeichwcstern, iorgsältig durchführt. Wie groß der Wert der Schutzimpsung ist, zeigen folgend» Daten von Profeffor Braun. Die Zahl der Familien, die inS Krankenhaus Friedrichshain mehrere Kinder zur Aufnahme bringen mußten, war m den letzten ü'/a Jahren fast auf die Hälfte, die Todesfälle in ihnen aber auf weit über die Hälfte hermitergegangen. Bei einer Jabtesziffer von 5000—6000 Tiphlheriecrkrankungc» ließen sich bei lücceiiloscr all- gemeiner Durchiüh.ang der Schutzimpsung wie in der Stadt Berlin jährlich etwa 800 bis 1000 weitere Erltankungssälle und�die ent- sprechende Zahl Todesfälle verhüten. Da, wo die Schutz- impfung abgelehnt wurde, erscheint die Gefahr weiterer Erkrankungen in der Familie mindestens zehnmal so gro-ß. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß der Geldpunkr, der früher ost in der Praxis die Durchführung der not« wendigen Maßnahmeu bei der Diphtherie vereitelte, keinen Hinde« rungSgrund mehr bildet, ieit die städtischen Behörden die Kosten für' die unentgeltliche Ausführung der Schutzimpfung und unentgelt- liche Kranlenhauöbehandltmg bei der weniger bemittelte» Bevölkerung übernommen haben. I Kraukcuvcrsorgung. i Jn Ergänzung der allgemeinen Bestimmungen de» Kriegs- ernährungSamts über Krankenversorgung sind kürzlich die Bundes- regierungen ersucht worden, in Zukunft die von den Trägern der sozialen Versicherung sowie von den Gemeinden und Gcmeindevcr« bänden betriebenen„Genesungsheime" hinsichtlich der Vorzugsiveisen Versorgung mit Lebensmitteln den Lungenheilanstalten gleichzustellen, da bei den in ihnen untergebrachten Pfleglingen die alsbaldige Wiederherstellung der Arbeitssähigkeit wesentlich davon abhängt, daß ihnen eine kräftige Ernährung zuteil wird. Es hat sich ferner als zweckmäßig erwiesen, den Vorschriften über die Versorgung der In- wird in dieser Gegenwart erobert. Um Großes geht's, um alles! Und wenn •Ou den letzten Groschen dem Vater- lande leihst, armselig und klein bleibt's immer noch gegenüber dem, was draußen im Feld jeder einzelne leistet. Also fort mit törichter Aengstlichkeit, fort mit„Wenn" und„Aber", fort mit Klagen und Zaudern! Vede nicht! Frage nicht! Zeichne! fassen bon Krankenhäusern, Heilanstalten usw. zum Teil eine andere Fassung zu geben. Die betreffende Bestimmung lautet daher in ihrer neuen Fassung in Zukunft wie folgt: .Krankenhäuser, Heilanstalten, Genesungsheime und ähnliche ausschließlich der Krankenversorgung dienende Anstalten sind hin- sichtlich der Lebensmiltelverforgung ihrer Insassen als ein Haushalt zw betrachten. Den RnstältSleilungen sind von den Kommunal- verbänden Lebensmiitelkarten in solcher Anzahl auszuhändigen, daß auf jeden Insassen die vorgeschriebenen Kopfmengen enifalle». Nach Maßgabe der Zahl der an die Anstalten ausgehändigten Lebens« milietkarten erhöht sich die Zahl der versorgungSbcrechtigten Be- völkerung des Kommunalverbandes. Bei der Aufnahme in die Anstalt sind d»ll Kranken, soweit eS sich um Personen aus dem Kommunalverband handelt, in dem die Anstalt liegt, die kommunalen Lebensmittelkarten, soweit eS sich um Kranke aus einem anderen Kommunalverbande handelt, die Lebensmittelkarten-Abmeldescheine und die auf diesen vermerkte An- zahl von Reisebrvtmarkcn, RcichSfleischmarken usw. abzunehmen. Abmeldescheine. Lebensmittelkarten, Reisebrotmarken usw. sind an den Kommunalverband de» Anstaltsitzes abzuliefern. Die der Anstalt zugeteilten Lebensmittelkarten haben im Ge« wahrsam der Anstaltsleitung zu verbleiben; sie dürfen nicht den Anstaltsinsasien überlassen werden. Die Kommunalverbände haben dafür Sorge zu tragen, daß während des Aufenthalts des Kranken in der Anstalt der Haushalt, dem der Kranke bisher angehörte, im Bezüge von Lebensmittelkarten entsprechend gekürzt wird. Nach der Entlasiung aus der Anstalt ist den in Behandlung gewesenen Personen, falls sie Lebensmittelkarken über den Zeitraum ihres Aufenthalts in der Anstalt hinaus abgeliefert haben, vom Kom- munalverbande des AnstaltsitzeS die entsprechende Zahl solcher Karten. Reisebrotmarken usw. wieder auszuhändigen." Warum kommt die Schrippe noch immer nicht? Die Brotkartengemeinschast Groß-Berlin hat sich in den letzten Tagen in mehreren Sitzungen init den Fragen der Mehl- und Brot- pretserhöhung und der Brotstreckung durch Kartoffeln beschäftigt. Die Hoffnungen der Groß-Berlincr Bürger und Hausfrauen aber, daß sie sich den allgemeinen Wünschen entsprechend auch mit der Wiedereinführung des 50-Gramm-GebäckS. der beliebten Schrippe, befasien würde, ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Und doch besteht hiernach geradezu ein öffentliches Bedürfnis. Es wird immer klarer, daß der Fettmangel in, nächste» Winter sehr groß, viel größer als je bisher sein wird. Um so unabweisbarer wird die Forderung, der Bevölkerung ein Gebäck wieder zuzusührei», das auch ohne Ferr und ohne jeden Aufstrich genossen werden kann— die knusprige Schrippe, selbst wenn sie mit grauem Mehl hergestellr werden muß. Der augenblickliche Zustand, daß überall vor den Toren der Brotkartengemeinschast Schrippen hergestellt und ver- zehrt werden, nur im städtischen Groß-Berlin nicht, sollte schon aus kommunalpolitischen Gründen so schnell wie möglich beseitigt werden. ES müßte doch auch in Groß-Berlin möglich sein, wie es bis zum Frühjahr d. I. der Fall war. die Bevölkerung mit Brot ou-reichend zu versorgen, selbst wenn man die Schrippe wieder eingeführt. Man kann und muß verlangen, daß die Brotkartcngemeinschaft Groß- Berlin sich demnächst der Erörterung der Schrippenfrage zuwendet. Nur ein Fleischgericht! Nach der Bundesratsverordnung vom 81. Mai 1916 darf in Restaurationen jedem Gaste zu einer Mahlzeil nur em Fleischgericht verabfolgt werden. Bon zahlreichen Gastwirten wird diese Be- ilimrnung dahin ausgelegt, daß sie sich lediglich auf solche Fleisch- 'peiieil bezieht, die dem Fleischkartenzwang unlerlicgeii. Diese An- nähme ist unrichtig. Räch einer Mineilung des Kriegswucheramts gehört unter diejenigen Fleischgerichte, von denen nicht mehr als zwei auf der Speiienkarte auigesührt und nicht mehr als eine an jeden Gast abgegeben werden dürfen, auch das Fleisch von kartenfreiem Geflügel, wie Enten und Gänse, www das gegenwärtig markenfrei verkaufte Fleisch von Spanferkeln. Zur Durchführung des Hausarbeitsgesetzes. Amtlich wird gemeldet: Durch kaiserliche Verordnung sind nach erfolgter Zustimmung des Bundesrats die Paragraphen 3 und 4 des HansarbeitsgesetzeS, die eine unbillige Lohndrücker«; verhindern solle», jetzt mit dem 1. Januar ISIS iu Kraft gesetzt worden. 1 Diese Paragraphen bestimmen, daß in Räumen, in denen Arbeit für Hausarbeit ausgegeben, oder Arbeit solcher Pclsonen abgenommen Ivird, den HauSarbeitern durch offene Auslage bon Lohn- Verzeichnissen oder Aushängen von L o h n t a f e l n die Möglichkeit gegeben werden muß, sich über die für die einzelnen in diesen Räumen zur Ausgabe ftelaiigendeii Arbeiten jeweils ge- zahlten Löhne zu unterrichten. Ferner sind seitens des Auftraggebers und auf seine Kosten Lohnbücher oder Arbeits- z eitel auszuhändigen, welche Art und Umfang der Arbeit, sowie die dafür fcstgesetztel! Löhne oder Preise zu enthalten haben. Der Bundesrat ist durch das Gesetz ermächtigt, von diesen Be- slimmungen auf Antrag Ausnahmen zu gewähren. Die Beteiligten haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und so mußte erst durch umfangreiche Erhebung der Reichsleitung Vic B-rechtigung der AuSnahmeanträge nachgeprüft werden, bevor die§§ 3 und 4 deS Gesetzes in Kraft gesetzt werden konnten. Durch die infolge des Krieges geschaffenen besonderen Berhältniffe wurden diese Arbeiten außerordentlich erschwert, so daß der Bundesrat erst jetzt endgültig über die gestellten Anträge auf Bewilligung von Ausnahmen eni- scheiden konnte. Die Zahl der gewährten Ausnahmen könnte gering sein. Der Jiikrafisetznng dieser Paragraphen stand jetzt erfreulicher- weise nichts mehr im Wege, so daß nunmehr das HauSarbeitSgesctz in allen seinen Teilen in Kraft treten lonnre. Um den. Verpflichteten eine angemessene Frist zur Vornahme der erforderlichen Vorarbeiten, insbesondere zur Anfertigung von AuS- zügen auS den Geschäftsbüchern behufs Aufstellung der Lohnverzeich- nisse oder Lohntaieln zu lassen, ist der 1. Januar 1918 als Tag des Inkrafttretens bestimmt worden. Dic Heizung der Eisenbahnwagen wird in diesem Winter noch miserabler als im vorigen sein. Die Wagen iollen statt auf 12 bis 16 Grad nur auf 10— 12 Grad erwärmt werden, um an Kohlen zu sparen. Beabsichtigt ist, auf kurzen Fahrten die Heizung gänzlich einzustellen. Ungeheizt würden dann die Stadt- und Ring zöge bleiben und wahricheinlich auch die Vorori- züge. Tröstet sich die Eisenbahnverwaltung damit, daß in den maßlos überfüllten Zügen die zusammengepferchten Fahrgäste ein- ander wärmen! Freiwillige Schnceschipper vor! Um einen Ueberblick über die verfügbaren Kräfte zu gewinnen, werden im Landespolizeibezirk Berlin in den nächsten Tagen Erhebungen durch Listen in jedem Hause staltfinden, in die sich alle diejenigen einzutragen haben, die bereit sind, sich freiwillig bei der Schneebefeitigung im kommenden Winter zu beteiligen. Mitteilungen über Vermißte und unbekannt Bestattete. Auf dem Militär-Friedhof Powonsli sind die in den Warickiauer Lazaretten in Kriegsgefangenschaft verstorbenen Deutschen bestattet. Da aber auf den Kreuzen und in den Listen der Truppenteil selten angegeben und die Namen teilweise sehr verstümmelt sind, ist eine Feststellung derselben nicht möglich.— Falls Verwundete, über deren Verbleib später nichts bekanntgeworden ist, aus den Warschauer Lazaretten den Angehörigen Nachricht gaben, bittet das Warschauer Gouverne- ment um Mitteilung, da hierdurch das Schicksal manches Vermißten aufgeklärt und mancher der hier unbekannt Bestatteten aufgeklärt werden kann. Lichtspiele Taucntzien-Pnlast. Ein neuer Film von Rudolf Meinerl,„Das Geheimnis der Pagode", bildet das Rückgrat des Spielplans der am Freitag beginnenden Spielwoche. Ein lustiges Traumipiel von Hein» Brennert,„Der papierne Peter", und aktuelle Aufnahmen au» Riga und dem Großen Hauplauartier vervoll- ständigen da? Repertoire.____ Eharlottcudurg. Kartoffclbclicferunq. Die für die nächste Woche-. bestimmten 7 Pfund Kartoffeln pro Kopf können bereits in dieser Woche entnommen werden, zunächst haben die Händler jedoch die für diese Woche benötigten Mengen abzugeben. Wilmersdorf. Lebensmittelkarte» für Kommandierte. Mit Rück- ficht auf die dringend gebotene Ersparnis an Heizungs- und Be- lellchtungsinitteln erfolgt die Ausgabe der Lebensmittelkarten an Kommaiidierto durch das Wilniersdorier Lebensniittelamt(Wilhelms- aue 114/116, 2 Treppen, Zimmer 16) in Zukunft nur noch werk- täglich in der Zeit von 8—3 Uhr.— Die neuen Zuckerrarten, die wegen der bevorstehenden Neueintragimg in die Zuckerkundenliste bereits früher ausgegeben werden, können für Kommandierte von Montag, den 15. Oktober, an abgeholt werden, sofern die für die Ausgabe benötigten Unterlagen bis Sonnabend, den 13. Oktober, früh 3 Uhr, beim Lebensmittelamt eingegangen sind. Spandau. Lebensmittel. Die Ausgabe von Kartoffel« bezugscheinen an die Haushaltungen der Straßen mit den Anfangsbuchstaben A und B bis Buchenallee-Neustadt, die ihre be- stellten Kartoffeln vom Bahnwagen selbst abholen wollen, findet Donnerstag und Freitag, 8Vg bis 2 Uhr, auf dem Flur des zweiten Obergeschosses des Rathauses statt. Am Nordhafen können Futter- niöhren zu», Preise von 4 M. für den Zentner bezogen werden. Die Bekamitmachung, betreffend Gewährung einer Futterznlage für Milcherzeuger, ist aufgehoben. Friedrichshageu. Lebrnsmitlcl. Heute gelangt auf Abschnitt m der Eierkarte je ein Ei zum Preise von 39 Pf. zur Ausgabe.— Ferner wird der Berkauf von Heringen in der Durchfahrt des Rat« Hauses in der Zeit von 8— 6 Uhr fortgesetzt. ES folgen die Nummern der Lebensmittelkarte von 7001 bis Schluß. Ein Hering kostet 60 Pf. GeWiutKmszttg der 10. Prentzisch- Süddeutsche» (836. KouigUch Nreutzi scheu) Klafleu lotterte _ 4. Klasse 2. Jiehungstag 10. Oktoöer 1917_ Auf jede eezogene Nummer sind zwei aleich bolie ISetviiinc aefnlleu, und zwar je einer aus die Läse gleicher Stiiwmcr iu de« beiden Abietluugcn l und II (Ohne Eewahr iL. St.-A. f. Z)(Nachdruck verboten) In der BormittagS-Ziehung wurden Gewinne über 192 Mk. gezogen: 4 Gewinne zu 6000 Mk. 66642 73060 4 Gewinne zu 3000 Mk. 16326 146230 13 Geiiuie zu 1000 Mk. 2US1 10S60 61991 70033 104347 134493 170303 171303 2231 62 24 Gelvinne zu 600 Mk. 9761 26914 29633 40693 62664 70079 70610 99366 111391 133034 2,7464 220629 70 Gewinne zu 400 Mk. 9619 16037 22243 22976 23671 29266' 33203 42470 61044 S477S 71499 72268 76693 73916 86712 96607 120993 12,797 123270 141464 142216 163323 164366 156363 166463 160944 164704 171174 130969 136316 190033 202681 204363 206310 209372 In der NochulittagS-Ziehung wurden G.'Winne über 192 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 100 000 Mk. 165852 2 Gewüme zu 3000 Mk. 74587 10 Gewiitiie zu 1000 Mk. 64817 125409 161616 173437 182159 28 Gewinne zu 500 Mk. 27353 32600 43774 62404 101283 112704 124634 131797 141751 163172 182136 187989 203680 217440 64 Gewinne zu 400 Mk. 2122 15445 19191 32644 37940 49003 51647 64247 55877 65944 69106 70396 73833 74423 76338 90202 115888 1,6)87 121191 140183 144559 144831 146532 150311 158236 176906 177120 191402 201568 211207 219758 221476 r» Zletuag det 5.«läge tat 10J3U.»lagnuL-tteri« beginnt im 8. Slracmber»17, Genchtszeitung. 6te besaß nur unmoderne Kleider. Als Warnung für fene Tomen, die trotz reichlichen KleidervorrarZ„nichts anzuziehen" haben, kann ein Fall dienen, mit dem sich die Straflammer in Braunschweig zu beschäftigen halte. Die Tochter eines Rentiers hatte, trotzdem sie schon reichlich mit Bezugsscheinen bedacht worden war, auf ihr An- suchen hin auch noch einen Bezugsschein für ein Kleid imd für einen Mantel erhalten, und zwar auf Grund ihrer Angabe, daß sie derartige Kleidungsstücke nicht besitze. Eine in der Behausung vorgenommene Kleiderrevision förderte indessen eine große Menge von Mänteln und Kleidern zutage. Das daraufhin gegen die Haustochter eingeleiteteStraf« verfahren versuchte diese mit der Einrede zu entkräften, sie habe geglaubt,.unmoderne Kleider brauche sie nicht mitzurechnen. DaS Schöffengericht hielt ihr auch den gutnn Glauben zugute und sprach sie frei. Der Staatsanwalt legte jedoch Berufung ein. und in der erneuten Berhandlung wurde" die angebliche Gutgläubigkeit der Kleiderhamsterin widerlegt und die Angeklagte zu einer Geldstrafe von SV M. verurteilt._ Ms aller Welt. Riesenüberschtvcmmungcu i« China. LuS Schanghai wird gemeldet: Infolge einer gewaltigen lieber- schwemmung in Nordchina find die Verbindungen mit Peking so unsicher geworden, daß eS vielleicht notwendig sein wird, die Haupt- stadt zu verlassen. Es besteht kein Zweifel, daß die gewaltigen Ueberschwemmungen furchtbare wirtschaftliche und politische Folgen haben werden. Die Flüsse sind in Ströme von zwei Meilen Breite und SV Fuß Tiefe verwandelt. Sie haben die Eisenbahn von Peking nach Hankau weggespült und am 22. September die euro- päischen Niederlassungen in Ticntfin überschwemmt und den Ufer- dämm de» gelben FluffeS durchbrochen. Ein dicht bevölkertes Gebiet von beinahe 2V000(englischen) Meilen ist zu einein See von 8—10 Fuß Tiefe geworden. Wenn der gelbe Fluß definitiv in das Becken, von Tientsin mündet, wird Tientsin unbewohnbar werden und jedes Jahr einer Ueberschwemmunz ausgesetzt sein. Wahlbeteiligung von Schweizer Frauen. Nach dem.Kirchen- freund" fand unlängst in Bernier im Kanton Gens eine Neuwahl des protestantiichen Piarreis statt. Die Gemeinde zählt 343 stimm- berechtigte Männer und 113 stimmberechtigte Frauen. An der Wahl nahmen SS Männer, das heißt ein Sechstel der Stimmberechtigten teil, und 63 Frauen, d. h. etwas mehr als die Hälfte der weiblichen Stimmberechtigten. Eingegangene Druckschristen. Lieder vom Wege. Bon Oskar Philipp.— Der Preistreib er- Prozeß gegen Dr. Josef Kranz. Bon Carl Eolbcrt. l,W M.— Auzcngrubcr-Berlag, Wicn-l!eipzig. Untrüglicher Ratgeber für Pilzsuchcr. Bdn Walter Zch. Prhm. 1,60 M Skizzen aus meinem KricgSkindergartcu. Von Lilli Lern. 1,20 M.— Otto Ncmmich, Leipzig. Winkelquartctt. Von Anna Croiffant.Rust. IM.— Kroneii-Tev lag, Berlin. Praktischer Führer durch die österreichische Wriebgebung. X, XI. Ter neue Arbeitsvertrag. 80 Heller.— Jg. Brand u. Co., Wien. Kauts Auücptcn über Krieg uud Frieden. Von Dr. W. Moog— Fichte über den Krieg. Bon Dr. S. Moog.— FalkcmBerlag, Darmstadl._ Sriefkasten der Redaktion. Nach dem Auslände werden Sie jetzt leinen Paß de- 2. ö« komm» auf die Z. 500. 1. kommen. Cm solcher Vermerk wird nicht gemacht. L>öbe uud Art der Strafe an. Eventuell ja.— B. P. J18. An den be» trcfsengen Truvoenteil direkt. Sie müssen aber die iSencijtaigung ftbrtä jetzigen Truppenteils Hoden,— 75. M. 101. 1. Rur wenn Sie durch die Verlobung besondere Aufwendungen gemacht haben. Im Kiageweze. 2. Nein.— C. B. fi. Wenden Sie sich an die Lohleuitelle Berlin, Link- ftraße.— E. H. 26. BerusSginossenschaslen haben Umlag eversabren auf Gegenseitigkeit. Es dürfte sich um einen sogenannten Nachschnß baubem. BiS zur Abmeldung baben Sie die Beiträge zu zahlen.— L. M. 107. 1. u. 2. Ja.— A. B. 24. Ist ganz verschieden. Fragen Sie dort direkt an. um sicher zu gehen.— A. IVO. Ja. An Ihren Arbeitgeber.—<>. E. 16. 1. Ist nbtich uud meist im Vertrage vermerkt. 2. Ja. weuu die Beschäftigung als Lausmädchcn so erheblich ist, daß die AuSbildun., a!S kausmännriche Angestellte dadurch gefährdet ist. Klage wegen AuslSsung iit beim KausmannSgericht einzureichen.— P. W.®. 1. Zurzeit etwa 0,64 Wi. Caffen Sic bevor Sie fich die Gewißheit derschasst Hab», daß ts wirklich gut seh» kann. An manchem schlecht« Zeugnis find mir die schlechte» Augen schuld. Die meine Arbeit in der Schule wird mit Hilf« der Aug» verrichtet. Ein Kind, das nicht so gut sehen kann wie andere, ist im Rächtest und nmß sich mehr anstrengen, um folg» zu zu können. Trotzdem tritt rascher die Ermüdung et», oft so» gar mit Kopsschmerz» verbünd», die Aufmerksamkeit läßt nach, und daß Kind bleibt zurück. Kommen Sie mit Ihrem Kinde zu uns. Wir prüfen tost»loS seine Seekrast und verordnen mit Sorgfalt Me passenden Gläser, falls solche nötig und nützlich für Ihr Kind sind. Ihr Aind nicht zur Schule gehe«, Gut» Brillen mit gut» Gläser» für Kinder kost» von M.- SO an SSollm Sie lieber ein Paar vkark spar», oder«voll» Sie lieber ihrem Kinde unnötige Mfirengung« und Zmcücksevung» erspar»? Sie können mit Vertrau» zu uns kommen. Auch Sie werd» lieb« dort kauf», wo Sie große Auswahl und billige Preise finden.— Aber selbst wenn wir nicht die billigst» wären, so dürfm Sie nie vergeffcn. Sie«halt» unsere groß« Garantie, und diese ist«obl wichtig beim Sinkauf von Brillen für Kinder, well diese öfters etwa» zerbrechen. r der Garantiezeit erhalt» Sie anßer für Gläsernste. alle Reparatur» umsonst. Di« Garantie währt für Faffungc« von M. 4.LV cm ew Jahr, für bessere zwei und drei Jahre. Sincf-s die Aagen, Geh' za Rrümkei 5eiMUa*> MB 12—3 N«» fiC&ffBC« Oi>ftftc.er Rut�nke Sc«: FrieHuich-St«. JOS Eck, sitteustt. C. W. SO, Ick» m. ■tii-K te »St» EhqttoSeuvurz, m Sthcucbccfl: Wilmersdorf: Tönet Str. 153-5 a. d. UHUsb-e («81 rw», Direktion: Msx Reinhardt OeutBoheM'XOcstcr. 7 Uhr: Der lebende Leichnam. Freitag: Der leb. Leichnam. Kaminerapiele. 8: Dino zrlfickllche Ehe. Freitag: Eine glttcküche Ehe. Volkubähne. Theater am BitlowplaU. Dntergfrundb. Schönh. Tor. 7'/, ühr: He»Ida Gabler. Freitag: Kathan der Worse. Dir. v Meinhard— KBernauer. Theater i.Königgrttzerstr. 7i/4U.: Der KatBeaBteg. Komödienhaus T'ftUbr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 7!/,U.: Die tolle KoniteB. Warseiiauer Ballett Anna Gaeuewaka i Prima-Ballerina ron der 1 1 Groll. Oper in Warschau I und Jan Trojanowskl [ Hofballettm. von d. Kgl. Oper in Dresden Dazu 1 Neuer Varietö-Spielplan j II Letzte Saison in Berlin. Anfang 8 Dbr. Das unübertroffene neue Miis-Sport-Pfogrim 10 erstklassige Nummern 10 £ ßailchura mit ihren Elefanten, Kamelen und Pferden. 8 Franconis 8 und die übrigen Spezialitäten. Zum Schlull; Schnitzeljasd. APOLLO FriedrJchstraBe an derKochstr. Dir. James IGein. Allabendlich 7"/4 Uhr: Die Hoelizeit lies MaiiaraikSia Thcaterk. ununterbr. geöffn. Sonntags; Ä Vorstellungen, 31/, und VU Uhr. HiTTQNiL-THEiTER °/,8 Uhr. Cöpenicker Str. K8. Däglich bei auSverfauitcm Hause: Das ist die Liebe! Operette in 2 Alten von DöbU». Mußt von Walter Bronnnc. Vorut. ab 10—2 u. 5 Uhr(a. Tietz). Tkester iür Donnerstag, 11. Oktober. Metropol-Theater Central-Theater, Kommandantenstraße 57. 7'/,: Die CsardaBfüratln Deutsches Opernhaus uLJrplieös in äer Unterwelt Friedrich-Wllhelmst. Theater iv.uhx: Bas BreiäileiTlüuis. Kleines Theater Ti. vhr: Bürger MA Komische Oper TL ü.: SävarznüBiileL Lustspielhaus _ Die blonden Mädel* 7 /( Uhr: VB|n tindenhof. Heiiss ßpereftenhaus Schiflbd. 4a, KassenfcNd. 981 Tv.uhr Jer Soldat äerMarie. URANIA 8 Uhr: Das Oberengadin und der Splügen. Tägl. 7%Stg.3'l,n.T/,V. Medi, d-Hätsel am Magnet. Die lustigen Scherenschleifer. 3 Borkums. De Wyne und ierome auf der schwankenden Tischpyramide. Puppchen. Operettenpterd, usw. usw. Zum Schluß: Vis 3 fietrols Ein lustiges Spiel. Admirais-Palast. l»lo MevlGU Abrakadabra Grolles phantastisches Ballett auf dem Eise. 73lt U. Vorzllgl. KUche. uhr: Die Böse von Stamiml. Kesiden»-Theater" Dyckerpotts Erben. ISehlller-Theatar O Th Uhr: JOhaDDCS. Kctailler-Tb. Chart. t/, uhr: Die Distel. Thalia-Theater TU Uhr: Egen lind seine Franea. Theater am Nollenüorfplatz 3'U Uhr: Tlisrla Stuart. 7 Uhr: Theater de» VL'eatens 7v.Dhr: Der verliebte Herzog mit Guido Thieltoher. Voigt-Theater. Badstr. SC. Badstr. 58. Täglich: Der Mann seiner Fran. Kassen erössn. 6'lv Ansang 71/, U. Trianon-Theater Georuenstr., Bhf. Frledrichstr. '/,8U. AUabendlich ,/�U. Der LebenssehDler. Schauspiel von Ludwig Fulda. Kaisep-Tit», Ida Wüst, v.Möllendorfl, Kettner, Phnk. Sonntag B'/t; Johannisfeuer. TägL 71/.. Sonnt. 3'/, u-TI, 3« lofsioe Büro« Schwank mit Wilhelm HartMteln. Ferner: 10 Deutscb-Pol- nisohe Tanzsteme, Hansi Immens weiße Dackel, 8 Olaeres, 2 Burghair's JDomokrito�j��Lanson?. J? Berliner Konzerthaus Mauerstr. 82. Zimmers tr. 90/91. Heute: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang 71/, Uhr. Eintritt 30 PI Anfang 71/, Uhr. An allen Wochnntigen Sacbmlttaga-KonxeiT bei freiem Eintritt und volter Orehesterbesetzung. Rose-Theater. 7'/, Uhr: Der Weiherfemd. Walhalla-Theater. 7',. Uhr: ZSgeMnep. ReielisliallEa-TiiestEr Stettinep Sänger. Anfang 7ll, Uhr. lad. Sonntag naohmittag 3 Uhr Vorstellung Z. erniftBiglen Preisen! Logen 1 M., Parkett 75 Pf. Eintritt 39 Pt Billette schon heute! Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich-/.« Uhr: Wirtlicher Humerl Ar. Erfolg I Die Schlagerposse Heiraten mußte! «orbcr der neu« bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Ousta, die Perle. Kerkaa-Palast Behrcnstraßs 43 Im 1. Stock Punkt 5 U. nm.: Marionetten ünt. ander, werd. vorget: Francilla Kaufmann Lucia Kleselhausen Klassische Tänze Sent M'ahesa Orientalische Tänze Robert fäteldl Gebrüder Wille Hand- u. Kopf- Akrobaten Salerno der berühmte Jongleur Blonde! am Schwungeeil Toto der unverwüstl. Clown Hochinteress. f. Erwacns. und Kinder, jung unc�alt. Keine erhöhten Preise für Getränke erster Oute. Eintritt u. Garderobe frei. fnnTOPt ä. allbekannten nUlinCl l Gottsohalk-Kap. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied der OrtSverwaltung, der Kollege psul ttAnssI Bezlrkslslter, plötzlich verstorben ist. 183/2 Kollege Häusel war ein eisria tätiae» Nitgüed unserer Verwaltung und erfreute sich allgemeiner Belieblbe:L Um io schmerz! ich er empfinden wir den Verlust, den wir durch seinen plötzlichen Tod erleiden. Wir werden sein Andenken in Ehr» hallen. Die Beerdigung smdet statt am Sonnabend, den 13. Ottober, nachmittags 3 Uhr. nvn der Leichenhalle des Jakobi. Kirchhofes in Neukölln, Hermannstraß«. Wir erwarten, daß die Kollegen sich zahlreich beteilig». Tic Ortsverwaliuug heb Deutschen Metallarbeiter BerbanheS. i Ihren Freunden u. Kenossen i | Paul Hennig und Fran» S Str elitzer Str. 36 d bring« zur heutig«» 3 Sllberhoehselt j J die herzlichsten Glückwünsche» S dar.m C u DI« VorataRdsrnstglieder des» tUr � j J UMkl letnlKnßeKer-BettiaBö. Verwaltungsstelle Berlin. X 54. Sinieustrahe 83—85. GeschästSzett van S— 1 Uhr und non 4— 7 Uhr. Telephon: Amt Norden 18S. 123g. 1S37,»714. Donnerstag, den II. Ottober 1»17, abends 8 Uhr: vllsWMg M i«»er tejis-« LklSetzMerdWllie deWstiM SleWn in Heinrichs Festsäle«» Große Frankfnrter Str. 30. Tagesordnung: 1. Bericht über die Berhandlnnge« mit den Arbeitgebern. 2. Diskussion. 18311 ifttF Die Wichtigkeit der DageSordunng erfordert. daß jeder Kollege in dieser Versammlung erscheint. Die OrtWvcrrsuItuujr. 8peii»l-trit Dr.«ed. Hasche, Frledrichstr. 90 stwÄ. BehondL von Syphilis, Haut-, Harn-, Frauenleiden, spez. chrvn. Fälle. Ehrlich-Hata-Kn- rcn. schmerzlose, kürzeste Kc< Handlung ebne BerusSslörnng. Binluntersuchnng. Maß. Preise. Teilzahlung. Sprechliundcn 1v bis 1 und 5—8, Sonnt. 11— 1. Zelluloid-,Film- Hartgummi- Wachswalzen- Schallplatten-Abfälle kaust 88-7« �rdoiver G. m. b. H.» NcorgenNrchftr. St), beim«lexanderpla?. 9—12, 3—6 Uhr. Spezialarzt Dr. med. X-aabs beh. schnell, gründl.. mögl schmerzlos u. ohne BerufSstör. GeeehlechtzkrankhoIL, geheime ilaut-, starn., Frauenleiden. Schwache Erprobteste Methoden Ehrlich-Hata-Kuren. starn- u. Blutuntersuchung.* löoisstr. m*S&l '&px. IO— 1 u. 5— 8# Eomit. 10—1 Spezialarzt Dr. med. Colomann I! f.Geachleohtskranlch., staut-, Harn-, Frauenleiden, nsrvds. Sebwäoba, Beinkranke,* Ehrlich- Data- Kuren (Dauer 12Tage). Behandi schnell, sicher u.schmerz- los ohne Berufsstörung in Dr. Homeyer dt Co. konz.Labor. f.Blutunters., Fäden im Harn usw. FrieiHcbstp.filp�l; Köiiigslr.58§]Änibser Spr. 10-1 u. 5-8, Sonnt. 10-1. Honorar mällig, a. Teilzahl. Separates Damenzimmer. Spezial-Arzt Dr. med. Haedicke Harn-, Haut-, Geschlcchtsld., Syphil.(Behandlungsd.l'i T.), Blntnntero. Ehrlich- Hata- (Salvard an-) K. Mod. rschm©i*»- los e B ehan dl. o. Beruf Störung. - MäLiig© Preise.Teilzahliing- 11—1, 3— 7, Sonntags 11—1. DeuUdKr fflctallarbcitcr• Verband. Verwaltungsstelle Berlin. D« Milgsiedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Schleifer Paul Bäosel am 2. b. SS. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Oktober. nachmittags 3 Uhr, von der Üeichenballe des Jaladi. KiichhojcS m Neukölln. Her» mannftraße, ans statt. Rege Beteiligmig wird er- wartet. De» Ritaliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher SSsx lieudsve!' Blusienstr. 27 am 7. d. R. gestorben ist Die Beerdigung findet am Frettaa, d« 12. Ottober. nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des«nstalls- Friedhojes in Dalldorf aus Patt. Rege Beteittguug wird er- wartet. XacUrut, D« MUgliedem setnev zur Nachricht, daß unser Kollege, der Ziseleur Iml Bade« FriedrichShag« am 17. Sept. gestorben ist. fahre ihrem Andenken: 182/20 Die Ortsverwaltung Zigaretten, Ziitau-i-cn, Kignrillo« Uestct nur an Verbraucher Ernst Schrlmpc, 237/12 Osnabrück. IrVJ" Hin. dmc J*? Seht* Aethr______ — berilhmt doroh IhreWlrtar*. Zahlr. Bifoinbeilohte. Qr. FL 3,.V) Ott« Reiekel. Beeile U.Ettnbthirtr� . eUHuvtto. I ennilM u. ■terkn Verech'.elm. findet wirk il ma Hilfe dnicb Bockel« Seht« Aethmctiop(«», HeSdSrfer, Mar. Praktische» Tasche» buch für Gartensreimpe. Ein Ratgeber für die Pflege und sachgemäße Vewirtschas- tuna de» bau-cichen Zier-, Be- müse- und Obstgarten».(St- bund« 4 Mark. Buchhandlun? SorwÖTt», Lindenstraße 3. 4 Nr. 27�— 1«7 Unterhaltungsblatt ües vorwärts dovnerstog, 11. Gktobrr Die Korailow-Tage. dem.Boten der russischen Revolution", dem Auslands- organ der Bolschewik, gibt Antonow folgende Schilderung au» den bewegten Tagen der Konterrevolution in Petersburg: Sonntag, den S. September. Der VollzugSauSschuh der Sowjets organisiert Meetings und Gammlungen zur Hawiahr. feier der Revolution. Aber schon vom Morgen an fallen aus die Stadt Schatten, die nichts Gute» verkünden. E» schleichen dunkle Gerüchte und erfüllen die Arbeitervorstädte mit Angst, die reichen Viertel mit Erwartung. Auf den Meetings ballen sich unruhige Raffe» zusammen. Die Redner de» BollzugsauZschufle» machen Andeutungen scher Generäle, die der Regierung irgendein Ulti- matum gestellt haben; fie sagen, gegen Petrograd eile eine„wilde" Division, die Regierung greife zu entschiedenen Ritteln, um die Konterrevolution zu besiegen. Abends werde der Kriegszustand in Petrograd eingeführt. Aber die Arbeiter und Soldaten sollen sich nicht beunruhigen— erklären die Redner—, sie werden durch dies« Maßregel nickt berührt. Die Arbeiter fragen erstaunt: wer leitet dies« Borbereitungen, weswegen wurden erst vor«in paar Tagen aus Petrograd drei revolurionäre Regimenter nach der Rigaer Front ohne Waffen abgeführt zum Ausheben der Schützen- graben? Auf alle diese Fragen haben die offiziellen Sowjctredner keine Antioort. Sie fordern nur rücksichtslose? Vertrauen zu den .Führern der revolutionären Demokratie", sie fordern zur Eini- gung aller revolutionären Kräfte im Augenblick der Gefahr auf. Dann... erkläre» fie die Meeting» für geschlossen. Es fallen leine Diskussionen stattfinden. Aber die Arbeiter find empört. folgen nicht. Unter anderem Vorsitz werben die Meetings neu er- öffnet. Es ergießen sich bitte«, leidenschaftlich« Reden gegen die Politik, die die Revolutmn an den Abgrund gebracht hat. Heute haben die Bolschewik da» Wort. Rontag, den Iv. Septenrber. Die Zeitungen find erschienen al» Esstrabuitt-r. In den Arbeitervierteln warten vor den Ver. kaufsstcllen lange.Schwänze". Alles ist anfgewühlt, empört: .-Tod. Tod— kwrnilow!"— hört man. In den Fabriken Per» sammlungen!.Waffen! Wasfenl"— tönt«» von allen Seiten. E« werde» Rahonlampforganisationen organisiert, in den Rayon» beständige Wache« aufgestellt. Die Rayonvertreier eilen in den Sowjet, ins Sumlny-Justitut. Dort ist das Rervenzentruin. Unruhe erivsckend« Rochrichten. Alle Fronikomuiandierenden sind auf die Seite Kornilows getreten. Seine Truppen haben schon Luga eingenommen, fie nähern sich Gatschina. ein Zusammenstoß mit den revolutionären Truppe« ist schon erfolgt, die.wilde" Di- Vision bat die Front durchbrochen>.. Die Deutschen haben ein höllinbes Feuer auf DwinSk eröffnet... Dir schu-arzen Kräfte erheben ihr Haupt. Die Kadetten sind nu» der Regierung ausgetreten und fordern Versöhnung mit Kornilow. Dir Militär-Liga hat eine Zeitung erscheinen laffen: „Auf der Wacht", die zur Unterstützung KornikowS auffordert. Die FähnrichSschulen stehen auf Seiten Kornilow». Der Generalstab markier? nur den Kampf. Da» alles wird im Sowjet erzählt. E« versammeln sich die Vertreter der FabriWomitee», die bolschewikischen Sawjetmitglieder: überall ungebrochener Kampfes- geist. In ihre Adern ergießt sich der Kampfeswille der Arbeiter- Vorstädte. In der Sitzung des Zentralkmrntee» der Sowjet» ertönt laut und bestimmt der Wille der Arbeiterdemokratie: es ertont der Ruf nach der revolutionären Geivalt. die die Nester der- Konter» revolution ausfegt, de» Bauern den Grund und Boden gibt, die Industrie unter die Kontrolle der Arbeiterorganisationen stellt, die Armee demokratisiert. Eine Regierung ist nötig, die die Konter- revolution entwaffnet, die Arbeiter bewaffnet. Aber der Geist de? Kompromiffef lebt noch im Smolnv-Jnftitut. Die Mehrheit der Zentralkomitees der Sowjet? ichwanlt und nimmt die ausweichende Resolution Dan» an: K«en»ki soll eine Regierung bilden, die vor dem Zentralkomitee der Sowjet» und einer ständigen Beratung aller.lebendigen Kräfte"— mit Ausnahme der Mitglieder der vier Duma»— verantwortlich sein wird. KetenSki lehnt diese Vorschläge ab. er will die Regierung dem Zentralkomitee über« lassen, er will aber dann jede Verantwortung ablehnen. Das Zentralkomitee verliert angesichts der Drohung KerenSki« den Kopf. Aber es wagt auch nicht der Bildung de? Direktorium» durch KerenSki zuzustimmen. Es nimmt keinen Beschluß an. Ierc- teli sagt im Pru'atgcspröch zu den Bolschewik»:„Eure Stund« kommt. ES war Euch bestimmt, zur Regierung zu gelangen. Nun, wir werden Euch weder helfen noch stören." Ein Konnte« zu« Kampf gegen die Konterrevolution wurde gebildet. Die Militärabteikuug des Zentralkomitees spricht sich für die Bewaffnung der Arbeiter au». Aber da» Zentralkomitee spricht sich gegen die Enthaftuno der Bolschewik» aus: in ihrer Mehrheit find es Soldaten und Offiziere! Im Smolny-Jnftitut wachsen die Gerüchte wie Pilze nach dem Regen, sie verbreiten sich in der ganzen Stadt. Die Vorstädte fiebern.„Waffen! Waffen"-» so tönt es immer leiden schast- licher. Na, sie rühren sich. Nachts eriolgien Verhaftungen von Konterrevolutionäre», es werden einige ihrer Zeitungen ge» schloffen. Die Vertreter des Zentralkomitees der Sowjets sind in den Generalstab eingetreten, der schläfrig ivcnß was gegen Kornilow unternimmt.„Sie sind ztvecks gemeinsamer Arbeit einge- treten, nicht zwecks Reinigung de» SiäbeS von den konterrevoluiio« nären Elementen"— wie sich Martern ausgedrückt hat. Da? Zentralkomitee handelt auf eigene Faust. Die Regierung folgt ihm langsam. legt ihren Stempel auf sein« Beschlüsse, Da» Zentralkomitee hat 300 Telegramme aus der Provinz erhalten: alle find bereit zum Kampfe. Aber das Zentralkomitee wankt und schwankt. KerenSki wiederholt dieselben Bewegungen— die Regierung bleibt ohne Kopf. E» kommen beruhigende Nachrichten ans der Provinz. Die ArmeekomitceS haben sich auf'der Höhe gezeigt, sie verhaften die Generäle, die a»f feiten Kornilows sieben, sie umzingeln das Hauptquartier. Die Heere Kornilows sind abgeschnitten vom Hauptquartier, aber sie bewegen sich nech auf Petrograd. Tie Arbeiter heben die Schützengräben um die Stadt au», bauen Stacheldrahtverhaue und warten mit Ungeduld auf die versprochenen Waffen. Im Wiborgrayon hak man schon angefangen, die Waffen auszugeben. Langsam, sich mißtrauisch umschauend. Sonst wartet die Regierun« zögert... Au» Kronstadt kamen 3000 Matrosen. Abend» werden sie die Fahnenjunker entwaffiren. Gegen Kornilow marschieren Truppen. Fn der Newa erschienen die Kronstadter Torpedoboote, Unsere. Im Smolny-Fnstilut fieberhafte Bewegung. Jetzt läßt e»">*. hier atmen... In den Arbeitervierteln wartet man auf Waffen... Tiere a!» Erben. In dem Lustspiel.Dhckerpoti» Erben", da» dieser Tage in Dresden und in Berlin mit großem Erfolg in Szene ging, spielt ein Hund, der von einem Sonderling zun, Erben eine? großen Ber- mögen» eingesetzt worden ist. die.Hoichtrolle", Man begegnet nun hier und da dem Einwand, daß die BsranSietzuttgen für d,e Fabel de» Stöcke» nickt sehr wahrscheinlich seien, da es niemand einfallen werde, einen Hnnd zum Universalerben von Acld und Gut zu wachen. Dieser Einwurf ist aber durckous nicht stichhaltig, da«S gar nicht fetten vorkommt, daß in seltsamen Testamenten Tiere zu Erben großer vermögen bestimmt werden, wodnrch den natürlichen Erben wenn nicht Schwierigkeiten, so doch mindesten» Verlegenheiren ganz eiDentümlicher Art boreilet werden. Ein« iolche„Trembschafi" erregt» vor iär.geror Zeit in der Stadt Danzig und weit darüber hinan« nicht geringe« Anisehen.®» lebt« in der Umgegend der Stadt in einem villenartigen Gebäude«in ntte» Krau- lein, da« allgemein unier dein Namen.Katzensräulrin' bekannt war. Die Dame hinmli-ß. ai» sie im Jahr« 1867 do-S Zeitlich, segnet», ein Vermögen, da» fast«in« Million Mark betrug. Diel« ganz« Summe vermachte fie ihren Kotzen, und di« Nutznießung de» vern'Lgen? sollte ihr bisherige« Dieirsimädchen. da? mir den Katzen lehr gut umzugehen verstand, Hadem Die Erben fochlt» da» Testament an mit der Begründung, die Berstorbenr fei bei Ab- fassung ihres letzten Willens nicht znrechilungSiähig gewesen: da» beweise schon ihre unnatürliche, krankhast» Porlrebe für Katzen. Sie wiesen ferner darauf hin. daß die Pflegerin, da« ehematig« Dienstmädchen, ickon mehrere Katzen, die zu retten gewesen wären. hatte sterben lassen: ii« Hab« also nicht tu, Sinne der Erb» lasierin sür die Tiere gesorgt, was darauf schließen lasse, daß da» Mädchen nach und nach sämtliche Katzen sterben lassen wolle, um sich selbst in den Besitz de» großen vermöge»? zu setzen. Da» Mädchen hatte inzwischen seinen Liebhaber, eiuen Kutscher, ge* heiratet, und e« lau, schließlich, nachdem man zu der Eiusichr gelangt war. daß«in Prozeß nur den Rechtsanwälte» und den Gerichten vergnügen machen würde, zwischen dem jungen Ehepaar und de» Verwandte» der schrullenhaften allen Dame zu einer Einigung, wonach sie da» Vermögen«eilten. Nagt beim Volke. In Rußland ist dos Alte jetzt vernichtet; bi» sich aber Neue» an dessen Stelle sestwurzelt. wird geraum« Zeit vergehe». Derweil« herrscht ein Uebecgangszustand. von dem die nachfolgende Gerich!»- Verhandlung eine kleine Vorstellung gibt. Vor der Zivikabteilung de» Bezirksgericht» in Tiamara(da» dem deutschen Landgericht entsprichti klagt« eine Frau Wege» Ali- mente. Räch Abschluß der Verhandlung beschloß da» Gericht, da? Urteil erst am nächsten Tage zu verkünden. „WaS für Einfälle! Weshalb denn morgen?" entgegnete der Angeklagt» Romanow, ein Arbeiter von dem Rohrenwalzwol. Da» Gericht gibt nach und erklärt, daß das Urteil in einer Stunde ausgesprochen wird. Es zieht sich zur Beratung zurück. In einer Stunde wird da» Urteil verkündet und es lautet auf Zahlung eines Monatsbetrages von SS Rubeln. D« Angeklagte gerät in Aufregung, stürzt zum Genchi-tisch. schlägt mit dem Stock auf den Tisch. „WaS ist dos jür ein Gericht? Das ist die Willkür selbst. Ich erkenne das Gericht nicht an". „Sie können an das Kommergericht appellieren". „Ich mache mir nichts aus dem Kammergericht. Ich wende mich an die BalkSbehörde. Wo ist die Aktenmappe?" Der Borfitzende zeigt:»Die Atienmappe in Ihrer Gerichts- anaeloaenheit liegt hier." »Ist da» alle»?" .Ja. alle»." „Schön, ich nehme die Alten an mich." Und ruhig nimmt Romanow vor aller Augen„seine" Akten und entkernt sich mit ihnen. Im Komitee der Volksbehörde gab man dem Ranulzu verstehen, daß er unrecht dabo, und man verwies ihn auf den für di« Aukcchlung deS Gerichtsbejchlusics vorgeschriebenen Weg. Ronianviv gab fick aber auch kr.enuil nicht zufrieden, sondern erklärte empört, daß er sich beim Volk beklagen wolle. Damit ver- schwand er. Was mit den Akten geworden ist. ist nicht bekannt. Da« Gericht wandte sich an die SladtmUiz mit der Aufforderung. die Akren ausfindig zu machen. Das nationale Schuhwerk in parw. Räch langen Beratungen und Volbereiilmgen hat endlich das atigesichtS der«ach in Frankreich henfchenden Lederknsppheit ge- schaffen« französische.Ikarionatschubwerl" seinen Ernzug in Parte gehalten. Der erste Vertaussiaz machte, wie einer Schilderung des „Excelfior" zu entnehmen ist. Äufiehen. Schon lange warteten Käufer und Verkäufer auf das Eintreffen der ersten nationalen Schuhe, und jetzt endlich konnte eine Airzahl Pariser Läden bekanntgeben. daß der Verkauf des neuen Schuhwerks«röffvet sei. Die Kaustcute mutzten sich zu diesem Zweck ein- schreiben, und jetzt prangen in ihren Schoufensteui ungeheure Plakate mit der weithin sichtbaren Auffchrifl:„National- schuhwerk". Scko» der Anblick dieser Plakate hat genügt, um eine Unzahl Renzteriger herbeizulocken. Di« Stiesel find in zwei Schnssrmodellen hergestellt, di« Damenitiesel haben eine längliche Form, die Herrensürsel sehen„amerikanisch" aus. Auw die Preise sind einheitlich, nämlich SS Fr. iür ein Paar Herrensttejcl. W Fr. für Frauen- und llte/z Fr. für Kmderslusel. Da die Inten- danrur iSemhar Fäkichungru besürch'ete. wurde in jeden Stiefel ein „N atipnatichnkwertstempel" eingedrückt. Der Criolg Ivar am ersten Tag? nalürlich sehr groß, so daß viele Leute nach langem Warle» unverrichteter Dinge wieder heimle hren mußten. Die ganz« Au- gsiegenhett es handelte sich am eisten Tage in Paus nur nur uisgeianu Wb Paar Stiefel— wickelte sich höchst feierlich und mir ewerRenge Formalitäten ab. Sowie man dieNationalstiesel glücklich an- gezogen hatte und v«r der Kasse stand, wurde m«n durch die Au'- sorderung verblüfft, seine» Name» und seine Adresse in«ine bereit- liegende Liste einzutrage». Diese Listen müsse» in alle» mir Ncuumalichuhwerk handelnden Läden»«führt werden, da jede!. Franzose nur da». Anrecht ans ein einziges Paar Ration alsiiefel ha». Im übrigen wurde die Zissriedenheir des ersten Tage« bereits gegen Abend getrübt, da sich aözeniem da? Urteil verbreirsie, die Intendantur hätte ungerechtieriivlerweiie für die Piälinerjiiesel viel mehr Geschmack rnttvickelr als für die Frauenstiefel." Notszen. ? Eine Besichtigung der Nikolai-Kirche findet am Donnerslag, den U. d. Wts.. abends 8 Uhr. statt. — Vom russischen Büchermarkt. Infolge deS hohe» Papterpreise» und der hohen Löhne für die Drucker«nd Binder sind die ruiflschen Bücher so teuer geworden, daß ihr Erscheinen zu einer wirklichen Seltenheit geworden ist. Rene Bücher erscheinen fast nicht: Zeitschriiten nur in ganz deschränktem und bedeutend vor- minderlein Umjauge. — Pa piergel»*1« Werbemittel. Tie Bank von Frankreich hat soeben neue Nwanzistsrankicheme in den Verkehr ge- bracht die dem Zweck dienen sollen, durch ihren Bildschmuck die Er- imierung an die große Vergaugonheit srändig wach zu erhalten. Man hat deshalb als lvildschmmk da» Medaillenbild Bayarbs mit der de» Ritter kennzeichnenden �nichris»„Ohne Furcht und ohne Tadel" ausgedruckt. UebrigenS will man aus dem hier beschriebenen Atege nicht stehen bleiben, sondern es wird in der Pariser Presse der Wunsch ausgedrückt, die neue Himdermanknote. ennprechend ihrem höheren Werthetrage. durch das BiU der sianzüsischon Rationalheldin, der Jmigsiau v»n OrkesnS, zu schmücke». Die welsthe Nachtigall. Der Raman eine» sterbenden Jahrhundert». Fj Ban R. F r a n e e. „Niemand mein' ich", beruhigte ihn der anders„nur par«xempl« für Deine fränkischen Ideen habe ich geredet. Aber im Ernst. Preiher. Du darfst nicht glauben, daß tch den Ordensideen abgeschworen habe, dieweil tch zum herzoglichen Sekretär geworden, es ist nur der Weg anders, nicht da» Atel, aus dem ich mir da« Heil unserer Skation denke. Es find auch in der Regierung Männer mit großem Herzen und reichlich idealem Sinn. Da hast Du meinen eigenen Maitre, den Grafen Morawrtzky. ein echter Kavalier, der nicht einen Schatten von Unrecht sehen kann, noch weniger tun. Garnicht zu reden vom Tux selber. .Ich mag den Kerl. Deinen Grafen, nicht anschauen mit seinem knopfmacherischen Tun." knurrte Peißcr..Hab' ihn erst heut' abend gesehen wie einen verschammerierten Hasen dahin- schleichen— der Kerl steht aus wie ein rammelnder Kater." Und durch kein Argument ließ er sich von seinem Wider- willen abbringen. Ja. die Achtung vor der Obrigkeit seine? nun in Amt und Würden emporgestiegenen ehemaligen Stuben- genossen und Mtbruders im Ainazistenorden chrysopolischec Observanz, die wahre Verehrung, die jener namentlich sür den Grafen hegte, erfüllte ihn sogar mit einer Art Lefürch- tung. Wie um ihrer Herr zu werden, schlang er seinen Arm um den geliebten Freund. ..Bruder, warst doch immer ein honoriger Bursch. daß ich jeden als infamen Hundsfott maulschellieren will, der an Dir auch nil. zweifeln wollte." sagte er mit fast fanatischem Ernst. ..Das hat Dich nur so betört, daß Du den furchtbaren Volksbetrug nicht myrkst. mit dem sie den armen Bauern hier im Land da? Fell über? Ohr ziehen? Von der Wiege bis zum Grabe.'?»st alles da? gleiche Lied: zahl' Akzise, fron' und robot'. sei ein Hund ohne Menschenrecht und Menschen- stolz, bloß weil sie eS vor 1800 Jahren irgendwo erfunden baben, daß daS eine.gottgewollte" Ordnung ist"— und bitter lachte er in das Dunkel hmauS. daß sich Golm», dem bei solchen Rede« höchst unbehaglich zumute war. scheu um- sah, ob nicht hinter einem Fenster am Wall sich ein Sanscher- gestcht berge. Cr wollte protestieren, doch der andere schnitt ihm das Wort ab: »Red' mir nicht, daß sie in unserer Regierung alle? besser machen wollen, wovon sie erfahren, daß vielleicht gar Dein Tugendspiegel Morawitzky in der Nacht noch aus ist von Sorge um un?— gar nichts kveißt Du. tch aber weiß, als ich von Gießen hergewandcrt bin, wa» ich gesehen im Kassel- schen. Da liefen einem die halbnackten Kinder nach und schrien und winselte», daß der Landesherr ihre Väter und großen Brüder nach Amerika an die Engländer verhandelt hätte und daß ihre armen und verlassenen Mütter und ihre alten ah. gelebtcn Großväter das Land bauen müßten. In den Schlössern und Zirkeln, wo unsere Fürsten und Minister sitzen, da tvissen sie freilich nichts, welch' himmelfchreiendes Unrecht sie tansend- fältig und stündlich am armen Boll boaehen, dem sie die letzte Kuh als Steuer wegnehmen, die ehrbare Tochter zur Hure mache», dann mag sie der gräfliche Diener heuern, der so keine Ehr' mehr im Leibe hat. dem sie den Sohn nach Amerika verkaufen und alle» beileibe nicht aus abgefeimter Bosheit und schlechtem Herze»« und Hundsfötterei, nein inimer hübsch legal, mit Gesetzen und den nächtlichen Sorgen Deine? Grafen. in de? Volkes Namen und Fürsora'.... Und ich kenn' keinen unter unseren Pfassen. der da» nicht gottgefällige Ordnung und Abhängigkeit nennt. Ich weiß schon. waS Du sagen willst, nicht Deine Laut' sind die Pest, nicht der Dux und der ComeS und Baron und Minister, sondern da? System ist'S. daS sie un? um den Hals gehängt wie ein Joch ihrem Ochsen, der für sie pflügt...." Peißer hatte sich in eine solche Erregung bineingesteigert. daß ihm die Stimme überschlug und erstickte in den Tränen. die nun über sein blasses, ehrliches Gesicht liefen. Auch Soln»? ivar gegen seinen Willen ergrissen. Mit beiden Armen umschlang er den Freund, zog ihn a» seine Brust— dann fuhr er unbeholfen über den Scheitel de? kleinen Burschen und streichelte ihn wie ein Kind. „JakobuS." sagte er betroffen,»da? ist ja Äistsaat. die Du au? den Flugschriften aufgelesen, mit denen sie von Mainz und Landau her unser gutes Bayerland überschwemmen." „Von keinen! Hab' ich da» aufgelesen." fuhr Peifser hoch. doch der junge Sekretär brückte ihn sachte nieder. „Und trotzdem, ein Kern von Wahrheit steckt darin, was sie sagen. Da? ist ja da? Unglück! Ich fühl'? selber und packen finde nur keine Worte, um e? zu und ansznreißen. Ich möchte einmal disputieren drüber, nicht jetzt, aber wenn ich meine Gedanken verbereitet und mich gesammelt habe.— Ich kann ei aar nicht auf mir sitzen lassen" und es durch- riefelte ihn wie ei» Etekschsuer—.wenn ich'S nicht widerlegen könnte, wiir' ich ja Mitschuldiger"... Und bei diesem Mitzklang zwischen den Freunden blieb eS—— Mitternacht schlug twm alten Turm der Kreuzkirche und«ahnte zum Aufbruch, denn v»» da«h hatte die Stadt- gusrdfa das Recht, jeden knrzerhen» aus die Wache zu führen. der ohne Grund noch durch die Kassen ging. Mft schrillem Pfeifen respendierten die dachen auf den Wällen und den Vorwerken und gaben einander das Ablösungszeichen. daß es wie ein mißtönender Geist tyrannischer Fürsorge durch das Dunkel der Weltrnnacht lief, die zeitlos, jenseits von Menschen- leid, tröstende Ewigkeit darüber hinaus erfühlen ließ.... Die Freunde wandten sich heimwärts nnd schon nach wenigen Schritten schied Reinhard von Peißer, der, am Donautor wohnend, noch die ganze Stadt zu durchqueren hatte. Peißer ärgerte sich über sich selbst. Wieder einmal war er zu maßl»? gewesen: wieder war ihm der Gaul durch- gegangen, wie er es bei solchen Porwürfen zu nennen pflegte. Er fürchtete ernstlich, den»«liebten Jnzendfreund. den er nach der langen Trennung, die dessen erste Praktikantenzeit in München mit sich gebracht, kaum erst gesehen, sich ent- fremdct z» haben.... In Gedanke» ging er dahin.... So männlich, so überlegen, so reif und abgeklärt kam ihm der nur um zivei Jahre Aeltere vor, er selbst dagegen sah sich so unreif.— Ein lächerlicher Prahlhans war er mit seinen Freiheits- Phrasen und dann mit dem Kuschen bor allem, wa? da Macht hatte auf Erden— ebenso lachhaft war er wie seine ganze BurschrnHerrlichkeit, die Solms mich so unbekümmert und selbst' verständlich von sich abgetan, wie ein verschlissenes Kleid, und ans die er doch so stolz gewesen mit ihre»! Kaminent und ihrem unsauberen Flausch und ihrer widerlichen Aotologic und den«meinen Bataillon mit HandwerfSburschrn und Nymphen. die nicht wert waren, daß ein ehrlicher Kerl sich nach ihnen umdrehe.■• Wie ein Hauch voniehmcn Menschentums Hatto es ihn gestreift und er maß in seinem Gefühl eine Distanz. die ihn erröten ließ. Auch er wallte das beztuingende Gefühl von Hochachtung um sich verbreiten, das ihm sein Freiin? einflößte und wenn er auch im Augenblick dessen Gebaren al? p«titmätrisch verlachte, so merkte er doch im nächsten, daß diese? Lachen eine MaSke für— Neid war. lForts. folgt.) KOnslI. Zähne Cioldkronen, Bracken, Plomben, Zahne ohne Platte. Zahnzieh. mit Betäubg., ümarbeilg.. Reparat, sofort Bill. Preise, auchTellz. Zabn-Pram M. loser ssl firannenstraße 18§, nahelnvalidenstr. Pers8nl.zu$proch.10-7.Sonnf,l0-l2.Tel.Nil,11503 Kesonders fette und fleischige, gr.Kauincheu, Aettenten Psd. S.SSM.an prima frisches Ziegenfleisch. A. Schmidt vorm. Tasche, Plan-Nser 21, am Halleschen Tor. Jfiöbel-> in allen Preislagen 1-, 2- u. S-Zimm.-Wohnungen erapf. in mod. Ansführg. Jul. Apelt, Tischlermstr. Berlin SO, Adalfaertstr. 6, Hochbahnst Kottb. Tor. Zemsseae Ztröulpfe werd.ganigemacht(nichlf!ot>?cn) Kunde mutz alt. Strumpsmaterial liefern. Palcntamtlich aeschützt. I Paar 75 Pf. 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Der Gedanke der all- gemeinen Abrüstung und des allgemeinen Schiedsverfahrens bat etwas Ideales an sich, aber der Traum vom ewigen Frieden ist eben doch nur ein Traum. Wirlsame internationale Abkommen über Nu st ungSbe schränkungen können als Resultat die'eS Krieges aus den Friedensverhandlungen nicht b e r a lt S l o m m e n, das beweisen jahrhundertelange Erfahrt, nge». (Beifall recklS.) Der ganze Haß und der BernichtungSwille, mit dem die Welt und besonder? gegen unS ankämpft, wird nicht so bald wieder vergessen werden. Daher sind die AbrüstungS- und Schiedsgerichts- gedanken gerade für Deutschland besonder» gefährlich.(Sehr richtig! recht».) Der AbrtistungSgedanke kann daher bei den Fried-uSverhandlungcn nicht zur Debatte gestellt werden. l Zehr richtig rechiS.) Was der Staatssekretär gestern über Elsaß-Lothringen sagte, war ausgezeichnet und hat die Zustimmung des ganzen deutschen Volke«. Lber e« ist eine V er- 'wiebung der richtigen Sachlage, wenn man es so hinstellt. als wenn Elsaß-Lothringen allein ein Hinderung»- .rund des Friedens wäre.«Sehr richtig! recht«.) Der europäische kontinent muß befreit werden von der Tyrannei England« und de? mit ihm vertrujte'.en amerikanischen Großkapitals. (sehr richtig! recht«.) Daß e« nach diesem Kriege noch ein un- oohäugigeS Belgien geben könne, ist eine Utopie.(Sehr richtig! rechiS.) Aög Warmuth(D. Fr.): Aus keinen Fall darf in Zukunft Belgien Äuftnarschgebiet unserer Feinde sein. ES gibt ein morallsches Recht auf Eroberungen, und daS�haben wir. in deren Gebiet der Feind eingefallen ist. auf unierer Seite.— Zur SchiedSgerichtSfrage ist zu sagen, daß ei» großes Volk seine Lebensfragen nie der Entscheidung eines Schiedsgerichts unterwerfen kann. Abg. Ledcbour(U. Soz.): Ueber seine Stellung zur Friedensresolution de« Reichstages haben wir vom Reichskanzler nun schon die vierte Erklärung gehört; aber Klarheit über seine Stellung zu dieser Resolution und den Friedensfragen überhaupt ist auch dadurch nicht geschaffen worden. Erstaunlicherweise war die Mehrbeil, die hinler jener Resolution stand, damit zufrieden. Auch der Staatssekretär v. Kühlmann hat mit ausdrücklichen Worten nicht einen Verzicht auf Belgien ausgesprochen, wenn seine Wort«, außer Eliaß-Lotbringen bestehe kein ernstes Hindernis für Friede nsv erhandlungen auch eine solche Deutung zulassen. Auch Herr v. Kühlmann hat sich nicdt völlig losgelöst von den bis- hcrigen Methoden der Täuschung?» und Ver- gewaltiyungSpoltik.(Präsident Dr. Kaempf rügt diesen Ausdruck.) Tie Aufforderung des Grafen Luxburg an die deutsche Regierung, sie solle argentinische Schiffe entweder ueitasien oder für spurloses Verschwinden sorgen, olio mitsamt der Mannschaft, ist daS Infamste, was ich je gelesen(Zn- ft'mmung b. d. U. Soz.), und ich hoste, daß dieselbe Empörung uue bei dem Baralongfall auch hierbei sich gellend macht. Auf solche Weise wird Dentschlands Ansehen aus» schwerste qe- 'liädigt. Renen lönnen wir eS nur. indem wir von dieser Tribüne unsere Entrüstung über solche Scheußlichkeiten zeigen.(Sehr richtig l !- d. U. Soz.) Aber das sind Auswuchs« de« Systems, da« nur zu bcieiligen ist, wenn die Diplomatie au« den Händen einer zünftigen Kaste und ihrer monurchischen Auftraggeber m die de« Volke» uvergeht.(Sehr richtig! b. d. U. Soz.) Ihre Unfähigkeit zeigt die deutsche Regierung auch bei der Ordnung der staatlichen Angelegen- beiien in de» von unseren Truppen besetzten Gebieten. In Polen, Kurland, Litauen begrüßte man sie als Befreier vom Z a r e n r e g i m e n t. Aber statt der Freiheit brachte die deutsche Regierung nur ihren eigenen BureautratiSmu« dort hin. E- sind ja auch Bestrebungen Im Gange, die baltischen Provinzen an Deutschtand anzugliedern. Tie Herren, die dafür eintreten, 'meinen sälscblich, eS handelt sich um deutsche Länder. Ueber •V) Broz. der Bevölkerung sind nichr deutsch. In Riga speziell machen dt- Deutschen nur'/» der Bevölkerung au«. Will man etwa einen deutschen Prinzen hinschicken, der die Sache ollein macht k Ich bin zwar sehr für den Export von Prinzen(Heiterkeit), aber sie dürfen doch kein Unheil anrichten.— Wer noch mit einem weiteren ÄriegSjahre rechnet, der stellt'die Stimmung des Proletariat« nicht in Rechnung. Wir stehen gegenüber dein diplomatischen Zusammenbruch des gegenwärtigen Systems. Wir erleben die Götzendämmerung KS stupilalisinus. Die Proletarier aller Länder waren bisher nur Weckzeug und Opfer des Krieges. Jetzt dämmert in den Völkern >-.c. Erkenntnis auf, daß da« Proletariat dem Kriege ein Ende machen kann, sobald e« entschlosten ist, seine Macht zu gebrauchen. Täuschen Sie sich nicht: der Gedanke eines vierten KriegswuiterS»st iür da« Proletariat un- erträglich: wenn nnüt in alleniächster Zeit die Regierungen zum Frieden kommen, so wird unter dem Druck der wachsenden Not in allen Ländern ein Internationaler Massenstreik mit elementarer Gewalt hervorbrechen, um den Frieden zu erzwingen.(Sehr wahr! bei den Unobh. Soz. Unrube rechts.) Wenn das Proletariat to den Frieden herbeigeführt hat, dann wird es auch stark genug sein, dafür zu sorgen, daß niemals mcdr D u m m k ö p s e oder Verbrecher die Welt mit einem wichen Kriege zu überfallen suchen.(Lebhafter Beifall bei den llnabh. Soz.t Abg. Mumm(Dr. Fr.): Di« baltischen Provinzen >aben jahrhundertelang zu Deutschland gehört und verdanken ihre «esamte Kultur dem deutschen Geistesleben. Durch innere Koloni- � ition wird das Land auch eine in der Mehrzahl deutsche Bevölke- tillig erhalten.(Beifall rechtS.) Abg. Dr. Heckscher(Vp.j nimmt die Politik de« Fürsten Bü loio gegen seinen Parteifreiind Haußmann in Schutz. Die Debatte schließt. Es folgt die Interpellation Antrick und Benosten(Soz.) be- tröstend die Handhabung des Vereins-«ud Versammlungsrechts. Die Interpellation begründet � Klbg. Schmidt- Berlin(Soz.): Eine große Auzah! von Beschiverden zeigt, daß für die Ar. beiter das Versammlungsrecht vollständig aufgehoben ist. Es herrscht cnnfach Diktatur und Willkür. Entgegen allen Zusichc- rungen und Versprechungen muffen selbst Zirkular« der Ge- werkschaftcn an ihre Zahlstellen den Generalkommandos por- vlegt Waden.(Hört! bört! b. d. Soz.) Nicht nur bei der sozial- demokratischen Partei, auch den Gewerkschaften cd da» Werben von Mitgliedern verboten, aber die neue Boterlandsparte? kann ungehindert ihre Propaganda treiben. Selbst in Mitgliederversammlungen wird nicht gestattet, daß Redner auftreten, wenn sie den Generalkom- mundo» nicht vorher angegeben sind. In der Verordnung des ersten Generalkommandos heißt eS, daß Versammlungen aufzulösen sind, wenn sie die Einigkeit de» deutschen Volke» stören. Danach müsile jede?crsomm.l"ng der Batcrlaudspartei ver- boten werden.(Sehr wahr! rinks.) Meinen Parieisreundeu ist die Erörterung von Frirdenszielen in Versammlungen nrcht gestattet. So wird jede Aufklärung verhindert.'Naturgemäß ruft dieser Zustand eine fortgesetzt stei- gende Erbitterung in der Bevölkerung hervor,(sehr rich- :igl b. d. Soz.) Das Posenjche Generalkommando verfügt, daß Vereine, deren Zwecke gegen die Interessen der Kriegführung verstoßen, auszulosen find. Wir wissen ja, was heute alles als gegen die Jntsrepen der Kriegführung verstoßend erachtet wird. Und da Gipfel ist, daß es in der Verordnung heiß:: die Auflösungsverfügung ist nicht anfechtbar.(Lebhaftes Hört! hört! b. d. Soz.) Versammlungen, in denen über dos Hilfs- dienstgesetz gesprochen werden soll, werden von diesem und anderen Generalkommandos für genehmigungspflichtig erachtet. Wie die Verfügungen und ihre Handhabung in der Praxis wirken, dafür ein Beispiel. Im Bezirk des Korpskommandos von Areslau brach im Juui ein unbedeutender Berg- orbeiterstreik wegen Ernährungsschwierigkeiten aus. Tie Gewerkschaften wollten unter den Arbeitern ein Flug. b l a t t verbreiten, worin diese aus daS Unzulässige eines solchen wilden Streiks hingewiesen wurden. Das General. kowmando verbot den Druck, da das Flugblatt geeignet sei, in den Kreisen anders denkender Arbeiter Beunruhi- gung zu erregen.(Lebh. Hört! hört! b. d. Soz.) Nun griff der Streik um sich, aus dem einen wurden mehrere. Disziplin war in diese unorganisierten Arbeiter nicht hineinzu- bringen, aber schließlich waren ihren Forderungen doch zu er- kenne», und samtliche Gewerkschaften, der polnische Berufsverein, die Hirfch-Dunckerschen. die christlichen und die freien Gewerkschaften, nahmen sich der Forderungen an und ge- wannen die Arbeiterausschüsse für etwas verminderte Forderungen. E» war aber den Gewerkschaften nicht möglich, zu den Ar» beitern selbst zu sprechen und sie zur Aufnahme der Ar. beit bei Erfüllung der verminderten Forderungen zu bewegen. So kam es, daß zwar am 5. Juli die Vereinbarung zustande kam, der Streik aber er st am Ib. Juli beendet war. In dieser Weise hat das Gcneralkomnianda die Kohlenförderung in Ober. schlesien volle 1» Tage unterbunden.(Lebhaftes Hört! hört!) Bei den Mitgliederversammlungen des Kattowitzer Berg- arbeitervereinS kontrolliert ein Gendarm, ob auch wirklich nur Mitglieder zugegen sind. In Oberschlesien wurden zwei Berg- leute, die dort eine Zahlstelle de? BcrgarbeiterverbandeS gegründet hotten, plötzlich eingezogen. cHört! hört!) Die Bergver- waltung reklamierte sie und es stellt« suh heraus, daß die Militär- beHorde sie aus Aufforderung drr Lrtspolizeibehörde eingezogen hatte.(Hört! hört!) Den polnischen Berufsvercinen in Ober- schlesien wird verboten, in Versammlungen über ihre Lage und daS Hilfsdienstgesetz �u verhandeln. Verbiete man dort lieber den Bergwerken, über die Erhöhung der Koblenpreisc zu ver- handeln.(Sehr gut!) Selbst gemeinsame Besichtig un- gen werden Gewerkschaften verboten.(Hört! hört!) Nach dem Verbot einer Versammlung wurde dem Einberufer verboten, künftig überhaupt noch Versammlungen einzuberufen, zugleich wurde ihm verboten, dies Verbot des Generalkommandos bekanntzugeben. lHört! bört!) In Oberschlesicn ist verboten worden, in einer ge- schlossenen Mitgliederversammlung über V i e Tätigkeit der ReichStagSfraktion zu berichten. In Hessen wurde vorgeschrieben, daß schriftliche Anträge zunächst dem überwachenden Polizeibcamten- einzureichen sind, bevor sie zur Verhandlung kommen.(Hört! bört!) In einein Falle erging das Verbot. Ausdrücke wie Krieg ohrie Ende usw. zu brauch«!.(Heiterkeit.) Vom BezirkSkommando 8 des 6. Armeekorps wird allen Reklamierten verboten, an Bersammlungen teilzuuchmen.(Hört! hört!) Nach einer Bekanntmachung de? 7. Armeekorps wird bestraft, wer Ar- beita in Betrieben der HeereSverwabtung zum Wechsel der Arbeitsstelle auffordert. Taraufhin wurde c? einem Gewerkschaftsbeamten unmöglich gemocht, für die Ausrecht- erhaltung deZ Tariflohnes einzutreten.(Hört! hört!) Und mit wa» für Kleinigkeiten beschäftigen sich die Gencrartommandos. In einem Fall wurde ein Einladezettel, der lautete:.jedermann ist freundlich eingeladen", verändert in:..jeder Partei- freund ist freundsich eingeladen."(Heiterkeit und Hört! hört!) Trotzdem ist diese Versammlung noch verboten tvordcn. DaS O b e r k o m m a» d o in den Marken bat den Berliner Metallarbeiter»die Wohl ihrer Ortsverwaltung unmöglich gemacht. Die Unabh. Sozialiste» verbreiten nun, das geschehe zu unseren Gunsten, und leider wird da? von einem Teil der Arbeiter geglaubt. Wir lehnen solch einen Schuh de« Ober- kommando» aus da» entschiedenste ob.(Sehr gut! b. d. Soz.) Vom KriegSministerrum ist auf die Generalkommandos eingcwixkt worden, von der Befugnis de» Versammlungsverbotes weitesten Gebrauch u machen, auch sollen Arbeiter nicht mehr reklamiert, andern nur beurlaubt werden. iHört! Hort!) Das entspricht nicht den bei der Beratung de» Hilfsdienstgesetzes gemachten Zusicherungen, auf deren Erfüllung wir bestehen müssen. Aber im KriegSmimsterium hat sich manche» geändert, dort ist mancher verschwunden, der soziale Ansichten hatte. Da? BreS- lauer Oberkommando sagt in einer Verfügung: Nahrungsmittel so rg cn können nicht die Ursachen von Streiks sein.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Scharfe, die die Militärvertvaltuiig gegenüber den Arbeitern zeigt, sollte sie gegen dieenigen Unternehmer aufbringen, die prinzipiell jede Verhandlung mit den Arbeitern ablehnen. Lehnen Sie die Vermittlung der Getverkschaften ab, glauben Sie mit der Diktatur zum Ziel zu kommen, so N'erdcm dir Gewerkschaften den Schaden nicht haben, aber jede Verantwortung weisen wir zurück. Im Kriegsministerium ist die sozial. politische Einsicht nicht mehr vorhanden, die er- freulicherweise dort eine Zeitlang zu finden war. Aber Deutsch- land ist kein Kasernenhof und der Zustand der unbeschränkten Ge- walt der GencralkotnmandoS ist eines freien Volke» unwürdig. DaS militärische Regiment, da« sich rm Innern gegen die eigenen Landeskinder richtet, schlägt un» die Stimmung tot, die wir in dieser harten Zeit brauchen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokratm.) Kriegsmiitister v. Stein: Ich stehe sozialen Fragen durchaus nicht fern Sie sind für mich ein völlig neutrales Gebiet. Ich habe, dabei für alle Barieien das gleiche Interesse; meine persönlichen Anschauungen kommen da» bei nicht in Frage. Wenn zu einer gewissen Zeit die Bersamw- lungsverbotc in LbersÄesien usw. scharfer gebanddabt wurden, so hing das mit dem Kohlen st reik zusammen, der uns immerhin einige hunderttausend Tonnen Kohlen gekostet hat, die wir dringend brauchen. Nachdem allmählich wieder Ruhe eintrat, ist auch eine mildere Handhabung eingetreten. Ich wundere mich doch, daß der Vorredner nur Angnsse vorgebracht hat, während mir dmh bekannt ist, daß die meisten Generalkommando« im besten Einvernehme» mit den Gewerkschaften arbeiten. Mißgriffe werden natürlich immer vorkommen, das gebe ich ohne weiteres zu. Wenn geklagt worden ist über ungleiche Behandlung der Versammlungen der verschiedenen Parteien, so habe ich da einen besseren Ileberblick. weil die Beschwerden aller Parteien, soweit sie richt vorher erledigt werden, zu mir kommen. Und d>r kann ich Ihnen sagen, daß rech- kräftige Beschwerden, und zwar nicht wenige auch von alldeutschen Vereinen kommen.— Aus die vorgebrachten Elnzelsälle kann ich natürlich nicht eingehen, sie sind mir ocum größte» Te.ir unbekannt. Ich will Ihnen aber bekannt geben, was von mir den Generalkommando« befohlen worden ist, al» nach den Streiks ein« gewiss« Ruhe eintrat: ..Es kann nicht al» zulässig bezeichnet werde«, wem» tznrch zu scharfe Beschränkungen des Vereins, und Versammlungsrechts Unruhe unter die Arbeiterschaft gebracht wird. Die Möglichkeit, die wirtschaftlichen Interessen der von ihnen vertretenen Berufs- gruppen wahrzunchmcn, muß den Gewerkschaften ebenso wie den anderen Arbeiterorganisationen gewährleistet fein.(Bravo!) Es wird daher ersiubt, die erlassenen Bestimmungen so zu band- haben, daß nicht uniiötigc Schwierigkeiten entstehen. Die A n- Meldefrist für Vorträge und Versammlungen darf nickt zu lange bemessen werden. Diskussionen sind zulässig. aber anmcldepslichng. Der Begriff Arbeitersragen darf nicht zu eng gefaßt werden. Die Besprechung der Kohlen- und Leben?. mittelfragen ist hicrzuzu.ecknen. Bekannte, zuver- lässige Persönlichkeiten brauchen weniger scharten Bestimmungen unterworfen zu werden als Fremd« oder solche Einberuser von Versammlungen, von denen von vornherein anzunehmen ist, daß ihr Anstreten verhetzend oder ruhe- st ö r e n d wirken würde." Ich glaube, auch die Herren Sozialdemokraten werden mir zugeben müssen, daß viele Beschwerden seit geraumer Zeit aus friedlichem Wege schnell gelöst worden find. Natürlich kommen immer wieder Schwierigkeiten vor, aber wenn un» die Hilf« aller Beteiligten sicher ist, so werden wir. glaube ich, wenn in diesem Sinne gearbeitet loird, doch den Frieden, der uns im Innern nötig ist, aufrechterhalten Wenn uns allerdings von irgendeiner Seite Schwierigkeiten gemacksi werden, io würde ich natür- lich wieder in die Lage versetzt rnn müssen, schärfere Maß- nahmen zu ergreifen. Ich würde aber wünschen, daß da» im Interesse aller vermieden werden kann. Auf Antrag des Abg. E b e r t(Soz.) wird die Besprechung der Jntervellation beschlossen. Die Besprechung wird auf Borschlag des Präsidenten verbunden mit da Erörterung der Fragen der Schutzhaft und des Belagerungszustand«?. Abg. Schirm»(Z.): Die schärferen Maßnahmen bei den Generalkommando» da- tiaen seit dem Ausscheiden de» General» Grina.(Hört! hört!) Die beim Hilfsdienstaesetz gegebenen Versvrechungen werden nickt eingehalten.(Hört! hört!) Wie müssen solche VersammlungSver- böte— auch die christlichen Gewerkschaften sind davon betroffen— auf die Stimmung da Arbeiter wirken; sie haben den Eindruck, daß die Generalkommandos sich zur Schuhtrnvpe der Unternehmer auswerfen. So lange die Unternehmer frei schalten und walten lönnen und ungeheure KriegSgcwinne machen, dürfen auch die Arbeiter nicht verhindert werden, Lohnforderungen zu stellen. (Sehr richtig!) Tie Weiterberatung wird auf Donnerstag 10% Uhr pünktlich vertagt. Vorha Nachtragsetat, Interpellation des Zentrum» üba den Mittelstand, dritte Lesungen. Schluß 0% Uhr. Vertagung öes Reichstags. Nach einer Vereinbarung im Scniorenkonvent tvird der Reichstag sich bis zum 2. Dezember vertagen. Der Präsident erhält die Ermächtigung, falls es erforderlich sein sollte, den Reichstag schon früher zu berufen. Ausammentritt öes preußischen Lanütags. Ter preußische Landtag wird am Dienstag, den 16. Ok- tober, wieder zusammentreten; doch werden in der ersten Zeit nur wenig Vollsitzungen abgehalten werden. Das Schwergewicht der Verhandlungen des Abgeordnetenhauses wird zunächst in der verstärkten Staatshaushallskommissioil liegen, welcher der von allen Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen Sozialdemokratie unterzeichnete Antrag überwiesen ist. welcher die Regierung um Auskunft über den Stand der Versorgung mit Äohlen und mit Lebensmitteln ersucht. Es besteht die Absicht, diesen Antrag ohne Erörterung der Kommission zu überweisen und im Plenum nur Fragen von untergeordneter Bedeutung zu erledigen. Die Wahlrechtsvorlage wird, entgegen den Meldungen einiger bürgerlicher Blätter erst in den letzten Tagen des Oktober oder in den ersten Novembertagen ein- gebracht werden.___ wann kommt öer Zrieöen! In politischen Kreisen zirkuliert seit einiger Zeit die Scherzfrage:..Wann kommt der Frieden?" Antwort:.Nach Michaeli»." Hoffen wir. daß daS Scherzwort recht behält. Tom» kommt der Frieden sehr bald! Schutz öer Heimarbeiter. Nack einer im.ReichSanzeiga" erschienenen Verordnung treten om 1. Januar!918 die Paragraphen Z und 4 des HauSorbeilS- gesetzt« in Krait. Die bezeichneten Paragraphen verordnen den Aushang der Lohn« und Arbeitsbedingungen in de» Räumen, in denen die Arbeit ausgegeben bezw. abgenommen wird, ferner die Aushändigung von Lohnbüchern und ArbcitSzetteln auf Kosten dcS Auftraggebers._ die Aufklärung" an öer ßront. Un« wird von der Front ein Flugblatt zugeschickt, als dessen Verfasser der Schweizer Pfarrer Polliger bezeichnet wird. Darin wird gegen die Reichstagsmehrhei» in folgenden Tönen polemisiert: Aber nachdem sie Gott aus drei Nöten errettet hat, ist nun für die Deutschen die vierte und schlimmste gekommen: im Juneru ist ein Feind aufgestanden. Deutschland, das bei seiner Einigkeit so herrlich dastand, ist, unier Führung der ReichStaaSmehrheit, bereit, als ein törichter Esau all die im heißen Kampf ge- woimenen Vorteil« für ein Linsengericht oder auch gar für nicht« hinzugeben. Die Soldaten werden so über die wahre Stimmnng in der Schweiz getäuscht. Es wird ihnen nicht gesagt, daß Pfarrer Bolliger unter hunderttausend Schweizern auch nicht einen Gesinnungsgenossen findet. Da» Flugblatt soll, wie un» geschrieben wird, in Massen an der Front verbreitet werden. »Ueber öen Zrieöen ist genug geredet." Mit diesen Worten lehnt« der Oberbürgermeister von Düren(Rheinland) die Hergäbe des städtischen Parksoales zu einer öffentlichen Versammlung ab, die unsere dortigen Genossen veranstalten wollten. Tie Versammlung mußte infolgedessen in dem eine Stunde entfernten Bixkesdorf stattfinden. Trotz deö weiten Weges, trotz strömenden Regens, und obwohl die bürgerliche Presse die Aufnahme einer Anzeige abgelehnt hatte, war die Ver- sammlnng glänzend besucht. Tie Dj: rener Einwohnerschaft ist offenbar anderer Meinung als ihr Oberbürgermeister. Letzte Nachrichten. Der Streik der russischen Eisenbahner. Petersburg, 10. Oktober.(Reittmnesdvng.) Da ein Regierungsdekret erwartet wird, in dem die Hauptforde- rungen der Eisenbahner bewilligt werden, hat der auSfühvendc Ausschuß beschkossen, den Streik heute zu beenden. HeweckschafisbcwMng v erlin und Umgegend. Teuerungszulagen im Glasergewerbe. Als am 5. April d. I. bei den Berhandlimgen zwischen dem »Verband der Glasereien u. verw. Gewerbe von Berlin nnd den Bororten" und dem»Zcntralverband der G loser"(Zahlstelle Berlin), in denen die Teuerungszulage von ö auf 13.80 M. festgesetzt wurde, der Lohnkonrmission der Arbeit- nehmer das Versprechen abgenommen wurde, für dieses Jahr mit derartigen Anträgen nicht mehr zu kommen, zeigte es sich auch in diesem Fall wieder, daß sich die Berhältniffe als stärker erwiesen. Durch das immer weitere Steigen der Preise aller irotwei«digsten Lebensmittel und Bedarfsartikel, griff schon seit langem ein immer höher werdender Unmut unter den Kollegen Platz. Am IS. September wurden die Kollegen»in dem Betriebe der Firma I. Salomonis wegen Erhöhung des Lohnes oder der Tsuc- rungszulage vorstellig. Herr Salomonis lehnte dies unter Hinweis auf die Konkurrenz ab. Nun hat die Firma Verglasung von Militärbauten auszuführen, es sind ihr Reklamierte und Gefangen e von der Heeresverwaltung über- wiesen, somit also als zur Kriegsindustrie gehörig zu betrachten. Einen Abkehrschein seinen Leuten auszustellen, glaubte Herr Salomonis sich nicht für berechtigt, da die Reklamierten nur i h in überwiesen wären. So blieb den Kollegen nichts anderes übrig, als ihre Sache vor dem Kr-iegsausschüß anhängig zu machen. Arn 21. September kam eS dann auch zu Verhandlungon vor dem Kriegs- ausschuß. in denen Herrn Salomonis und dem Vertreter der II n ternehmerorganisation«rnheimgestellt wurde, zu der- suchen, von Organisations wegen mit den Arbeitnehmern eine Einigung herbeizufuhren. Sollte dies nicht möglich sein, so würde der Kriegsausschutz 14 Tage später ein Urteil fällen. Leider schienen aber jene beiden Herren bei dem Vorstand ihrer Organisation mit diesem Vorschlag des Kriegsausschusses keine Gegenliebe gefunden zu haben, denn bis zum 26. September ist der hiesigen Ortsverwal- tung des Glaserverbandes keine Benachrichtigung betr. einer Sitzung der beiderseitigen Lohnkommission zugegangen� Infolgedessen sah sich der Borstand, der Zahlstelle gezwungen, nun seinerseits einen Autrag an die Unternchmerorganisation zu stellen, es möchte eine Sitzung der Lohnkommission angesetzt werden. Dem Antrag wurde stattgegeben und am 1. Oktober fand die beantragte Sitzung statt.. In dieser Sitzung wurde der bisherige Lohn von 1,15 M. inkl. Teuerungszulage auf 1,35 M. und vom 1. Januar 1918 auf 1,40 M. festgesetzt. In der am 5. Oktober abgehaltenen zahlreich besuchten allgemeinen Versammlung der Glaser Grotz-Berlins wurden den Kollegen diese Abmachungen zur Kenntnis gebracbt. Obwohl in der darauffolgenden Diskussion vorschiedentlich zum Ausdruck gebracht( wurde, daß ein einigermaßen auch nur annähernder Ausgleich zwi-, schen dem am 6. Oktober in Kraft tretenden Lohn und der wirklichen Preislage des Lebensmittelmarktes noch lange nicht erzielt ist, er-' hob sich kein Widerspruch gegen die Festlegungen der Lohn- kommisfion. Tie Lohnzulage in der Blusen-, Kleider- und Wäsche- konfektio». In einer vom Sckneiderverband am Montag abgehaltenen öffentlichen Versammlung der in der Blusen-, Kleider- und Wäsche- konfektion beschäftigten Arbeiterinnen führte der Referent Knoop aus, daß die sür das ganze Gewerbe vereinbarte Lobnzulage von den Arbeitgebern in der Blusen-, Kleider- und Wäschekonfeklion nur in wenigen Fällen gezahlt wird. Die Fabrikantenorganisation dieser Branche hat zwar beschlossen, daß ihre Mitglieder die vereinbarte Zulage von 25 Prozent zahlen sollen, ober nur wenige Firmen halten sich on diesen Beschlutz. Wo es geschieht, da werden die Zu- schlage angeblich in die Stücklohnsätze eingerechnet. Das ist eine unzulässige Berechnung. Den Ardeiterinnen mutz vielmehr der Zuschlag bon 25 Prozent zu dem erzselten Wochenverdienst gezahlt werden. Die bei Zwischenmeistern beschäftigten Arbeiterinnen haben antzer den 25 Prozent noch die auf Grund der Bundesratsverordnung zu gewährenden lO Prozent, also im ganzen einen Zuschlag von 35 Prozent aus den verdienten Lohn zu beanspruchen. Meistens er- halten sie aber nur einen Teil des Zuschlages, oder auch gar nichts. Die Zwischenmeister, die von den Fabrikanten den vollen ihnen zukommenden Zuschlag erhalten, machen dabei ein gutes Geschäft, indem sie die Zulage in die Tasche stecken und die Arbeiterinnen leer ausgehen lassen. Diese Benachteiligung ist für die Arbeiterinnen um so empsindlicher, da sie im günstiasien Falle etwa 28 M. in der Woche verdienen, während der Mindestlohn für die Arbeiterinnen in der Damenschneiderei 36 M. beträgt. Der Referent empfahl den Arbeiterinnen der Blusen-, Kleider- und Wäschekontektion, die ihnen zustehende Lohnzulage von 25 bezw. 35 Vroz. von ihren Arbeilgebern zu fordern, sich zu diesem Zweck in Werkstattbesprechungen zusammenzutun und erforderlichenfalls die Hilfe des Schneiderverbandes zur Durchführung der Forderung in Anspruch zu nehmen. Tie Kassenbotcu der Deutsche» Bank nahmen in einer vom Perband der Bureanangestellten einberufenen und sehr gut besuchten Versammlung Stellung zu ihren gegen- wärtiaen Lohnverbältnissen. Es wurde darauf hingewiesen, daß das Gehalt der fest angestellten Boten sowie auch der Lohn der AuShilssboten durchaus imzureichend sind. Die letzteren erhalten nur 45 M. pro Woche ohne irgendwelche Nebeiibezüge. Ein angestellter Kassenbote bezieht nach 40jäbriger Dienstzeil 179 M. pro Monat, wozu im vergangenen Jahre noch 545 M. Gratifikationen und Tantieme kamen. Nach eingehender Aussprache beschloß die Versammlung einstimmig, folgende Forderungen aufzustellen und mit deren Bertretimg den Arbeiterallsschutz zu beauftragen: 1. Für die angestellten Kossenboten Erhöbung des Gehalts um 20 Prozent, 2. für die HilfSkast'enboten Erhöhung des AnfangSIohneS von 45 auf 55 M. pro Woche. Steigerung des Lohnes nach �/»iähriger Beschäftigung aus 60 M., nach 1 jähriger Beschäftigung auf 70 M.. 3. Festlegung c'ner achtstündigen Arbeitszeit für sämlliche Boten und Bezahlung der darüber hinausgehenden Arbeitszeit sowie der Sonntagsarbeit mir 1 M. pro Stunde. Für Erpeditionsarbeilen an, Sonntag soll dieselbe Entschädigung wie für die übrigen Beamten gezahlt werden. I>eut&»es Ncick». Die Lohnbewegung in der Solinger Stahlwaren- induftrie hat mit einem Erfolge der Arbeiter geendet, der als b e f r i e d i- gcnd bezeichnet werden kann. Die Arbeiter waren vertreten vom Deutschen Metallarbciterverband, dem lokalen I n- dustriearbtzitcrvcrband und dem Christlichen Ver- band. Die Verhandlungen wurden kompliziert durch eine Eigen- rümlichke-it der Solinger Industrie. In vielen Arbeitszweigen stellen die Arbeiter manches zu der Arbeit notwendige Material i Schleifsteine, Polierscheiben, Leder. Oel und manches andere). Alle diese Produkte sind ungeheuer im Preise gestiegen, so daß nach dem Matze, in dem in den einzelnen Branchen diese Materialien zu beschaffen sind, auch die Teuerungszulagen bemessen werden mutzten. Man einigte sich dahin, daß in den Branchen, die kein Material zu stellen haben, auf die Friedenstarife eine Zulage von 60 Prozent gewährt wird. Die Branchen, bei denen die eigene Materialbesorgung der Arbeit minimal ist, erhalten eine Tene- rungszulage von 65 Prozent. Bei den Branchen, bei denen die Materialstellung erheblich ist(bei Schleifern, Reidern, Feilern, Ab- zichern usw.) beträgt die Zulage 75 Prozent. Die neuen Lohnvcr- einbarungen treten am 15. Oktober in Kraft. Zwei am Abend deö Verhandkungstages abgehaltene General- Versammlungen de? Deutschen Metallarbeiter- und des Industrie- arbeiterverbandes erklärten zu den erlangten Zugeständnissen- ihre Zustimmung. parteinachrichten. Obstruktion der U. S. P. Die unabhängige Presse lärmt seit Monaten, daS gleiche Wahlrecht in Preußen sei nichts, die Parlamentarisierung alles. Für diese Parlamentariuerung kämpft Ledebour im Hauptausschutz des Reichstages bei jeder nur möglichen Gelegenheit mit leiden- schaftlichem Eifer. Im Perfasiungsausichutz aber stimnit Stadthagen als Vertreter der U. S. P., wenn eS an die vrakliiche Anbahnung der Parlamelitarisierung der Regiernng geht, mit den Heydebrands und W e st a rpS stramm dagegen. So hat er sich jüngst, als der Antrag zur Ver- Handlung stand, Artikel 9 der Reichsveriassung aufzuheben, der die Unvereinbarkeit des ReichstaaSmandats mit der Muglledichafl beim Bundesrat festsetzt, also die ReichStagsabgeordnelen automatisch von den StaatSsekretärstellen im Reich ausschließt, mit Nein gestimmt. Dieser Widersinn, diese Selbstzerstörung der ganzen unabhängigen Propaganda geht selbst der»Bergischen Arbeiierstimme" zu weil, welche schreibt: »Ter wesentliche Teil von SladtbagenS Ausführungen ist zweifellos richtig, doch sind wir der Meinung, daß auch diese „Parlomentorisicrung", dre durch die beantragte Streichung möglich gemacht worden wäre, ein Stückchen Fortschritt ist; deshalb hätte die Fraktion dafür stimmen sollen. ES war von jeher Grund- satz im parlamentarischen Leben der Partei, die Vorlagen abzuwägen, ob sie der Arbeiterklasse nutzen oder schaden. Ueber- wiegt der Nutzen, dann werde» sie angenommen. Ausnahmen machen natürlich Vorlagen, die wie der Tropfen auf einen heißen Stein, also gegenüber der Bedeutung der Sache eine Nichtigkeit sind. Eine solche Nichtigkeit akzeptieren, hieße der Arbeiterklasse wirkich Sand in die Augen streuen. Im vorliegenden Falle scheint uns diese Ablebnungspflicht nicht zu bestehen, trotzdem es sich um eine Nichiigkett handelt, weil die Kleinigkeit immerhin vollständig getan wild." Dieses Seiltailzeli über die Begriffe Nichtigkeit, Kleinigkeit und Tropfen auf den heißen Stein, ist für die Leute charokteristisch. die zu jedem praktischem Fortschritt schon arbeitsunfähig sind. Jeder ein, eine Fortschritt ist nur ein einziges Steinchen, ober aus un- zähligen, derartigen Steinen, baut sich das HauS der Zukunft. Anträge zum österreichische« Parteitag liegen bereits vor. Darunter sind solche auf Erhöhung des Mit« gliederbeitrageS und auf obligatorische Einführung der Parteipresse. Verschiedene Anträge fordern sozialpolitische Aktionen der Fraklirn, einer wünscht bedingungslose Zustimmung der sozialistischen Parteien der Zentralmächle zur Erörlerong der' S ch u I d f r a g e auf der Stockholmer Konferenz._ Jugenüveranftaltungen. Gemudbrunuen. Die Arbeiterjugend kommt von jetzt ob regetmätzig jeden Donnerstag von 8— 10 Uhr und Sonntags von 4— 10 II kr int Lokal von Wils. Schultlr. 74, zusammen— Am kommenden Donners- tag findet eine Besprechung mit Vortrag statt. LSettcrauSstchten iüt das mittlere Rorddeutschland Kit Freitag mittag. Kühl, vorwiegend heiter, aber noch sehr unbeständig, mit wiederholten geringen Rcgcnsällcn. fiir den übrigen t, Berlbr. Verantwortlich für Polilik: Erich Kuttner, Verlin! Teil des Blalleö: Alfrrd Scholz, Neukölln! tür Inserate: To. Gloikc, Druck u. Verlag: Vorwärts Vuchdruckeret u. BerlagsanslaU Bau! Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Unlerhaliuugsbwit. ftdfytQ JCufS sind- besonders unter den heutigenVerhältnissen-das Beste fiir unsere Kleine«. Drum hinan« mit ihnen ins Freie— und ein war- mes Mänieichen schuhe sie gegen Wind und Wetter! C&A 'mm//,,,, KindermSnielchen aus ssaufchattiger, molliger Diagonolwore. Hübsche lose Jorm mit abknöpfbarem Surf und warmen Taschen r\A Groß« 3-7 Jahre..„ O andere Größen entsprechend Gegantee Samtmaniel hübsche anliegende Form mit wö> dernem Kaolnkragen, weit glocki�r Schoß.««hr-ß