Bezugspreis: PtetteliöürL;',90?)L0 Ml Unier Kreuzband für Dcullchland uns Ocslrrrcich-Ungarn 2.60 Ml., für das übrige Ausland 4 MI. monallich. Poslbeflellungen nehmen on Dänsniari. Holland. Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Posl-Zettungs-Brechllstc. Erscheint täglich, Telegraumi- Ad reife: .�nzlaldcmrirat Berlin". Vevlinev Volksblskt. ( 5 pkonnig) Der Anzeigenpreis beträgt f. die siebengespaltene Kolonel- »eile 60 Psg.„!t leine Anzeigen". dag fettgedruclte Wort 20 Psg. szu» lässig g fettgedruckte Worte), fedeS weitere Wort lO Psg. Stellengesuche nnd Schlafslellenanzeigen das erste Wort lO Psg., jedes weitere WortbPsg Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teucrungszufchlag 20% ilfamilie»» Anzeigen 50 Psg.. politische u. gewerkschastliche Bcrcins» Anzeigen«0 Pfg. die geile. Anzeigen rbie nächste Nummer müssen bis Uhr nachmiü. im Hauptgeschäft. Berlin EW.W. Liudenstrahe 8. ab. gegeben werden. Geässnet von L Uhr stüh bi» 7 Uhr abend!. Zentralorgan der fozialdemokrattfdKn Partei Deuthhlands. Kcöoftton; SW. 6$, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Ami Morivpla«. Rr. lSl gv—!5l 97. Freitag, de« 12, Oktober 1N17. Expedition: SW. öS» Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Str. 151 SV— 151 97. Ks ungelöste Kanzterhrife. Das Programm öer neuen rujpjchen Regierung. Die ncugebildete russische Regierung wendet sich mit einer langen programmatischen Erklärung an die Bevölkerung. In ihrer Einleitung nimmt die Erklärung Bezug aus die neuen, im Lande ausgebrochenen Unruhen, die als eine Folge- erschcinung der Bewegung Kornilows hingestellt werden, und die den Bestand der Republik durch die Umsturz- bewegung bedrohen.„Der Wind der Anarchie" weht durch daS Land, der Druck des äußeren Feindes wächst." Es folgen die üblichen Schreckschüsse über bevor- stehende Gegenrevolution und Ermordung der Freiheit. Die Regierung betrachtet es als ihre Aufgabe, das Land„ohne neuen Umsturz" bis zur verfassunggebenden Versammlung zu leiten, die die absolute Gewalt in: russischen Lande hat und der die Lösung aller großen Fragen überlassen werden soll. Der zweite Abschnitt der Erklärung, der die Kriegs- und Friedenspolitik der Regierung umgrenzt, soll hier wörtlich wiedergegeben werden: Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß allein der allge- meine Friede e- unserem großen Baterlande ermöglichen wird, olle ssine schöpferisclien Kräfte zu entfallen, wird die Regierung unermüdlich eine tätige äußere Politik verfolgen im G e i st e der demokratischen Grundsätze, wie sie von der ruifiswen Revolulion verkündet und zu nationalen gemacht worden sind, und sie wirp den Abschluß eines allgemeinen Friedens erstreben unter Ausschluß jeder Sergewaltlgung. In vollkommenem Einvernehmen mit de» Berbünoeten wird die Regierung in allernächster Zeit an einer V e r s a n» m- lung der allierren Mächle teilnehmen, auf der sie außer ihren gewöhnlichen Abgesandten durch eine Per- sönlichkeit verireren sein wird, die das besondere Vertrauen der demokratischen Organisationen genießt. Auf dieser ZusammenkunN werden zugleich mit der Lösung der Fragen de« gemeinsamen Krieges der Verbündeten unsere Vertreter sich mit den Verbündeten auf der Grundlage der von der russischen Revolution verkündeten Grundsätze zu verständigen suchen. Die Regierung wird alle ihre Kräfte anwenden, um die gemeinsame Sache der Ver- bündelen zu unrerstützen, da« Land zu verteidigen und energisch jeder Unternehmung zur Eroberung des BodcnS anderer Nationen und jedem Versuch, Rußland den Willen eines anderen aufzuzwingen, entgegenzurreten, und sie wird sich bemühen, die feindlichen Truppen ans Rußland zu verjagen. Der dritte Teil der Regierungserklärung handelt von der Wiederherstellung der Kampffähigkeit der Armee, die„auf dem Wege der demokratischen Grundsätze" gemäß dem vom Kriegsminister veröffentlichten Tagesbefehl des Obcrkommandicrenden erfolgen soll. Die Wiederherstellung der notwendigen militärischen Disziplin wird betont, die Eni- lassung der älteren Soldaten und die Bertellung der Lebens- msttel durch die Genossenschaften verheißen. Der letzte Teil der Regierungserklärung umfaßt ihr wirtschaftliches, soziale? und finanzielles Programm. Zu diesem gehören Einrichtung von Arbeits- börsen und gewerblichen Schiedsgerichten, Erbschaftssteuer, progressive Kriegsgewinnsteucr, Steuer für Luxuswaren, be- sondere Steuer für Immobilien, Vermehrung aller indirekten Steuern und Errichtung mehrerer Monopole. Was die Agrarfrage anbelangt, so ist die Regierung der Ansicht, „daß die Beziehungen der Grundeigentümer und der Bauern hinsichtlich des Besitzes der Ländereien von landwirtschaft- lichen Ausschüssen geregelt werden können, die, ohne die gegen iv artigen Besitzverhältnisse anzu- tasten, sich mit der Ausbeutung der Ländereien befassen können, um sie zum Anbau tauglicher zu machen. Also die gegenwärtigen Besitzverhältnisse sollen nicht angetastet werden. Die Erklärung schließt mit einem Allfruf an die ganze Nation, sich eng um die Regierung zu scharen, um mit ihr an der Verwirklichung der gegenwärtigen Grund- Probleme mitzuwirken, näinlich Verteidigung des Landes, Wiederherstellung der Ordnung und Einberufung der Ver- fassunggebcnden Versammlung. Das Programm der neuen russischen Regierung atmet den Geist des Kompromisses zwischen Bürgertum und Sozialismus. Es zeigt im allgemeinen wenig Entschiedenheit weder nach der einen noch nach der andern Seite hin. Am erfreulichsten ist es, daß die Regierung an dem Ziele festhält. einen„allgemeinen Frieden unter Ausschluß jeder Vergewaltigung" sein Ausdruck, der Annexionen ebenso ausschließt wie Konteibutionens zu er- streben. Die russische Regierung erachtet eine solche Fest- lcgung offenbar nicht als undiplomatisch. Ob es ihr freilich gelingen wird, ihre Verbündeten zur Annahme dieses Pro- gramms zu bewegen, bleibt einigermaßen zweifelhaft. Vergeblicher Angriff der Franzosen bei Draaibank— Luftschlacht über Zonne- beke— Zandvoorde— Vorstoß auf dem Ostnfer der Maas— Tie Luftbeute des September. Amtlich. Großes Hnvptqvartirr, 11. Oktober 1917,(W. T. 8.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Im flandrische» Küstcnabschnitte und zwischen Blankart-Sce und Poelkapelle steigerte sich der Artilleriekampf nachmittags zu großer Stärke. Bei Draaibank griffen dir Franzosen ernrnt an, ohne einen Erfolg zu erzielen. Auf dem Kawpffeldc östlich von Apern war da? Fever wechselnd stark; dir Engländer griffen nicht on. Bei einer abends sich über Zouurbekc— Zandvoorbe rnt- wickelnden Luftschlacht, an der rund 80 Flugzeuge beteiligt waren, wurden 3 feindliche Flieger abzeschoffe». Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Auf dem Oftufer der Maas eutrisseu niedcrrhcinischc und westfälische Bataillone nach wirkungsvoller Fcucrvorbrrcitnng den Franzose» durch kraftvollen Ansturm wichtige« Gelände im Chaume- Walde. Der Feind sühri- vier fi'flige Gegtuaugriffe, die sämtlich verlustreich schmertini Mehr«tS löO Gefangene und einige Maschinengewehre fielen in nnsere Hand. Auch südwestlich von Brouwout und bei Bezonvaux hatten rigene Vorstöße in die französischen Linien vollen Erfolg. Oestlichcr Kriegsschauplatz. Da? an mehrrren Stellen der Front lebhafte StörungSfeucr oerflärtte sich zeitweilig in der rumänischen Ebene und bei Braila, daS von den Russen beschossen wurde. Zur Vergeltung nahmen unsere Lattcriro Galatz unter Feuer, wo Brände anSbrachru. Mazedonische??isont. Lebhaste Artillerietätigkeit in der Enge zwischen Ohrida- und Prcspa-See, im Ecrua-Bogen und zwischen Bardar und Dojran- See. Mehrfach vorstoßende Erkuudungsabteilungr» der Gegner wurden oertrieben._ I« September beträgt der Verlust der feindlichen Luftstrrit- krästc an de» deutschen Fronte» 22 Fesselballone und 374 Flug- zeuge, von denen lk? hinter unseren Linien, die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen erkennbar abgestürzt sind. Wir haben im Kampf 83 Flugzeuge und 5 Fesselballone Oer- lorcu. Der Erste Gencralquarticrmeister. Ludcndorff. Abendbericht. Berlin, 11. Oktober 1917, abends. Amtlich. Keine größeren Kampfhandlungen. Der österreichische Bericht. Wir«, den 11. Oktober 1917. Sitze im Borparlament, die den nichtsozialistischen Gruppen zustehen, folgendermaßen: lkadellen 04, Partei für Handel und In- dustrie 34, Ausschuß Moskauer Politiker IS, Grundbesitzer 7. Das Vorparlament wird ieine Sitzungen erst aufnehmen, nachdem diese 120 Mitglieder gewählt sind. Uruguaps grundlose Zeindsthast. Berlin, 11. Oktober. Der Geschäftsträger der Republik Uruguay hat dem Auswärtigen Amte auftragsgemäß ein Dekret seiner Regierung mitgeteilt, in welchem die B c- Ziehungen zum Deutschen Reiche ohne An- gäbe von Gründen als abgebrochen erklärt werden. Zugleich hat»r um Aushändigung seiner Pässe gebeten. öegreist öoch! Begreift doch um alles in d?r Welt, daß dieser Herr Michaelis und dieser Herr v. Capelle ihren Abschied nehmen müssen! Nicht morgen erst, wie man uns tröstend zu verstehen gibt, sondern heute, und womöglich nicht erst um sechs Uhr abends, sondern schon um zwölf Uhr mittags I lieber das, was diese beiden Männer angerichtet haben, heult das ganze feindliche Ausland vor Freude. Alle Friedensaussichtcn sind durch ihre unverantwortliche Tat verschüttet, denn die feindlichen Kriegshetzer berufen sich heute auf den d e u t s ch e« Reichskanzler und auf den deutschen Staats- sekretärder Marine, wenn sie behaupten, Deutschland stehe anf Vorabend russischer Ereignisse, und binnen kurzem lverde der Triumph der Verbündeten vollkommen sein. Wir wissen, daß das nicht wahr ist. Mehr als drei Jahre hat sich das deutsche Volk gegen eine Uebermacht ver- teidigt in heldenhafter Geschlossenheit wie nie ein Volk zuvor. Im Kampfe nicht nur gegen das Ausland, sondern auch gegen die wahnwitzige Ueberheblichkeit einer kleinen Schicht ge- borener Herrengeistcr gelang es, einen Zustand herbe!- zuführen, aus dem sich die erste ernste Hoffnung aus einen nicht mehr fernen ehreiwollen Frieden schöpfen ließ. Und da kommen zwei unfähige Minister, erzählen dem lauernden Ausland Schauergeschichten von einer großen revo- lutionären Verschwörung, in der Marine urrd peitschen damit Kriegslust und Siegeszuversicht der Gegner misS neue aus! Alles, was die deutsche Sozialdemokratie, toas die deutsche Arbeiterklasse getan hat, um dem Ausland den Glauben an den nahenden inneren Zusammenbruch Deutschlands auszureden, ist durch diese beiden Helden verpfuscht und vertan! Eine neue schlimme Botschaft ist gestern im Reichstag ge- meldet worden. Frau Luise Zietz ist verhaftet! Wie wird diese Nachricht im Inland, wie im Ausland wirken? Wiewohl uns das Schicksal dieser kranken Frau Nicht gleich- gültig ist, fragen wir nur danach, was die politischen Folgen dieser Verhaftung, die Folgen für die Allgemeinheit sein werden. Das Ausland wird sagen:„Die Affäre nimmt immer größeren Umfang an. Der Brand greift um sich." Im Inland wird man in leidenschaftlich st er Weise für und gegen die Verhaftete Partei ergreifen und— täuscht Euch doch nicht darüber!— sebr viele werden nicht glauben wollen, daß dieses Verfahren ein reines Rcchtsverfahren und von politischen Gründen unbeeln- flußt sei. Dafür haben wieder die Herren Michaelis und v. Capelle gesorgt. Sie haben das Vertrauen in die Rechtsprechung erschüttert. Sie haben im Reichstag einen Angriff auf drei Abgeordnete unternonunen, der mißglückt ist und der ihnen die eigene Reputation gekostet hat. Wie muß es da wirken, ivenn am Tage darauf in derselben Angelegenheit eine Frau ver- haftet wird, die eben nicht Mitglied des Reichstags ist. die nicht gegen sie erhobene Beschuldigungen von öffentlickwr Tribüne zurücktveisen kann, die man verhaften und ver- urteilen kann, ohne daß ein I m m u n i t ä t s a u s s ch u ß die gegen sie erhobene Anklage auf ihre Tragfähigkeit prüft? Wird es nicht heißen:„Es rast der See und will sein Opfer haben!"? Aller Wahrscheinlichkeit nach war'die Verhaftung der Frau Zietz schon vor dem 9. Oktober beschlossen. Um so un- begreiflick�r wäre dann aber die Ummünzung dieser Rechts- angelegenheit zu einer politischen Streitfrage. Allerdings, der Name der Frau Zietz ist in der Debatte nicht genannt worden. Aber die Verhaftete steht zu den drei Abgeordneten im all- gemeinen und besonders in dieser Sache in so enger Be- ziehung, daß mau mit einem hohen Grade von Wahrschein- lichkeit sagen kann: Ist sie schuldig, dann sind es die drei Ab- geordneten auch, uud sind die drei Abgeordneten nicht schul- dig, dann ist sie es auch nicht. Niemand kann daran zweifeln, daß ihre Verurteilung ein Triumph für die noch immer gegenwärtige Regierung wäre, sowie für die Rechte, die sicki mit fanatischem Parteieifer schon auf die Schuld ihrer drei Mitbeschuldigten verbissen hat, und daß ihre Freisprechung für sie die schwerste politische Niederlage bedeuten müßte. UnddieserProzeßsollhinter verschlossenen Türen geführt werden! Was soll daraus werden? Wir stellen fest, daß die unheilvollen Wirkungen, die sich für das Reich aus der Tat der beiden Minister ergeben, un- absehbar sind. Sie werden auch nicht damit mtSgelöscht, daß diese Herren schleunigst aus ihren Aeintern verschwinden. Aber daß sie nach alledem, was sie angerichtet haben, noch, sei es auch nur für kurze Zeit, in ihren Aemtern bleiben sollen— das ist das Unvorstellbare. Was soll die Welt von»ms denken, wenn das möglich ist! Der Nachfolger des Herrn Michaelis lvud vor einer unendlich schweren Aufgabe stehen. Er soll das er- regte Land beruhigen, den Glauben an ein unparteiisches ReÄSVerfahren wisderherstellen. i&en Ruf der deutschen Trnigkeit im Verteidigungskriege vor dem Ausland aufs neue befestigen und mit iknn den Glauben, daß die Gegner mit einem ungebrochenen Teutschland frieden schließen müssen. Tos ist eine Aufgabe für einen Riesen. Aber sie wird mit jedem Tage, um den ibre Lösung Kinausgesck>oben wirb, ichiverer, und das Uebel wird mit jedem Tage, den man es noch gewähren läßt, schlimmer. Begreift also, daß;u superklugen Erwägungen des Für nud Wider jetzt keine Zeit ist. E» gehen inr bürgerlichen Lager gescheite Leute herum, die sagen:„Es ist nock nicht soweit, aber lange kann es nicht mebr dauern." Solche Gescheitheit ist weiter nichts als schwächliches Ausweichen vor einer drän- genden Entscheidung, ewiger Fluch der Halbheit! Und wenn aus tornralen Grürtbcn— wegen der augenblicklichen Ab» Wesenheit des Kaisers— die notwendige Lösung auch um ein paar Tage verschoben werden müßte, so soll dach keinen Augenblick ein Zweifel daran bestehen können, daß sie so rasch und so reinlich wie möglich vollzogen werden wird. Sonst wird, was an Glanben an die Zukunft im Volke, was an Ruf und Anwtien Teutschlands in der Welt noch besteht, rettungs- los ruiniert! das Msianösecho üer Neben Michaelis- Capelle wird vom WolfffchSn Telegraphenbureau verftlüviegen, obwohl dieses in der Lage ist, sehr ausführlick�e Kommentare der Aus- landspresse zu der später gehaltenen Rede K ü h l m a n n s zu bringen. Aus Privatmeldungen ist zu ersehen, daß die Capelleschen..Enthüllungen" in der Presse des feindlichen Auelandes einen fast noch schlinuneren«türm des Jubels betvorgerufeu haben, als man ohnehin erwarten mußte. Eng- lische. französische und italienische Llättcr versichern ihren Lesern um die Wette, daß die Wilhelmshavener Vorgänge nur m Vorspiel der dicht bevorstehenden deutschen Revolution seien, und daß der innere Grund der deutschen F r i e- d e n s b e r e i t j ch a t kein anderer sei, als daß die deutsche Regierung die Empörung des Heeres fürchte. Reuter veröffentlicht eine Unterredung mit einem engli» üben Adniiral, der die Meuterei von Wilhelmhaven für eine der..erstaunlichsten Tatsachen des ganzen Krieges" erklärt und hinzufügt:„Wenn sie nicht amtlich im Ateichstag eingestanden worden wäre, würde man ihr keinen Glau- ben haben beimessen können. Tie Wirkung eines solchen Zu- qeständnisseS aus die öffentliche Meinung wäre noch nicht vor- auszusehen. Man dürfe jetzt i» Deutschland alles erwarte n." Wenn der Adinival von der Unzuvcrlässigkeit des deut- schen Heeres und der deutschen Flotte alles erwartet, so wird er sich täuschen. Sollte er aber seine Erlvartnngen auf die Unfähigkeit der deutschen Mjnister setzen, so hätte er dir bisherige Erfahrung für sich. Rücktritt Capelles' Tie„Vossifche Zeitung" will wissen, daß der Rücktritt Capelles unmittelbar bevorstehe. Und zwar deshalb, weil Michaelis k!s mit ihm nicht einverstanden sei. Capelle sei mit seinen Anschuldigungen weiterge- gangen, als Michaelis wünschte. Dazu ist zu bemerken, daß Michaelis in seiner Schilderung der Zustände in der Marine viel weiter gegangen i st. als Cavelle wünschte. Wofür schlüssige Beweise vorhanden sind. Uns scheint, die beiden Herren hätten einander nichts vor- zuwerfen. Wenn sie aber einande'- etwas vorzuwerfen haben, so sollen sie es als Pr i v a t l e u t e unter sich ausmachen. Sollte der Reichskanzler glauben, er könnte fein treibendes Wrack schwimmfähig machen, indem er den Marinesekretär über Bord würfe, so wäre das nur ein neuer Beweis für seinen „politischen Weitblick"._ Bertling auch noch! Der b-yrrischa Ministerpräsident, ÄrafHertlmg, hat gestern im HauptauSschutz der Milnckiener SbAecrdnelenkammer eine Rede ge- dalten. in der er sagte, es sei.ein schwer gut zu machender Fehler gewesen, jetz! den Gedanlcn eines autonomen Reichslandes in die Oesfentlichleit zn iverfen". lLieh« dazu auch die Rede des Genossen Dr. David im heutigen Reich»tagSberick>r.> Ueber Belgien sagte Hertling:»Bezüglich unserer wirtschasilichen und politischen Sicherung in Belgien werde man maßvoll und in Berück» sichiigung der belgischen Wünsche vorzugehen haben."— Wir sind auch für Berücksichtigung»er belgischen Wünsche, die gehen aber da» hin. daß Belgiens Selbständigkeit kein Laar gekrümmt werden soll. Und über Lloyd George:»Er hat schon lange mehr keine hoch- tlrnendejRede gehastcn".— Zu einer solchen wird aber Lloyd George durch die Leküire der neuesten Berliner und München«: Miniftei- reden gewiß begeistert werden. die Straftfkpeöition gegen Taschkent. Petersburg, ll. Okiober.(Meldung der PeteirSbarger Tele» graphen-Agcntur.) Äachdejn lange keine Aachrichien mehr aus Taschkent eii, gstrosfen waren, sind setzt einige Mitteilungen emgezangen. au« denen hervorgeht, daß die Lage dort immer noch beunruhigend ist. Der Ausstand der Arbeiter dauert kort. Die Tirasabteilung de« General« Korvwnitschcnko ist noch nicht in der Stadt angekommen. iMcyning der Petersburger Telegraphei-.Agentur.) Die Straf- adteilnng de« General« Ksiawnitkchenko ist in Taschkent ange- kämmen, hat da»„FreiheitSbauS", den Hanptüh der Aufständischen, desehl, die Räume des Arbeiter- und Soldatenrats durchsucht und de« van diesem ernannten Gouverneur aebft den Mitgliedern des Revolutionsauschusses verhaftet; die Ruhr ist schnell wicderherge- steltt werdrn. BrtrcShur», ll. Oktober. lMeldung der Petersburger Tele- grapben-Agentur.) Auf der W l a d: k a w k a S- B a h n hat enie Verbrewr rbande� von siebzig Mann die Schienen auf- gerissen und einen Schnellzug zur Entgleisung ge- bracht, ran welchem vch» Wagen den Damm hinunterstürzten. Die Verbrecher haben darauf alle Fahrgäste, von denen acht gc» twiet und fünfzig verletzt worden waren, ausgeplündert. Streiks unü wirtschafisaöte. Baku, ll. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der allgemeine Ausstand her Arbeiter und Angestellte» in der Erdölindustrie in der ganzen hiesigen Gegend hat unter Leitung eines HauptauöschusseS und von Bezirksausschüssen der AusftSndigen begonnen; die Stadt ist ruhig. Petersburg, ll. Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Ageniur.) Der Verband der Zeitungsverleger und Chefredakteure von Petersburg veröffentlicht eine Mitteilung an die Leser, daß die Presse demnächst infolge der außergewöhnlichen Preis st eigerung für Zei» tungsbcdarf und Truckerlöhnc, unhctlbarcr Ab- Nutzung der Maschinen und des jüngst ousgebrochenvn AuLstandeS in den Papierfabriken in eine sehr schwierige Lage kommen könnte. i CnöLrgebNis öer finnischen LartüSaKSwahl. Helstiigsors, 11 Oktober.(Meldung der Petersburger Tele- grapben-Agentur.) Nach voiläustgen Angaben werden die End- ergebnists der Landtagswahl folgende sein: Sozialdemokraten 92 Sitze, Bürgerlicher Block 6t. Agrarparici L6. Schwedische Partei 17 Sitze und 1 Lappe. Petersburg, lv. Oktober.(Meldung der Pelersburger Tele- grapben-Agenlur.) In der Sitzung der juristischen Konimission bei der Vorläufigen Regierung, der der Geueralgouverneur für Fmn- land Nekrassow beiwohnte, wurden die durch die suristischc Kommission des finnischen Senats ausgearbeiteten Gesetz- entwürfe über die Form der republikanischen Re- gierung Finnlands und der wechselseitige» Beziehungen zwischen Rußland und Finnland besprochen. Die Negicrung soll die Vlbficht haben, die genannten Kommissionen zu vereinigen, um die Einzelheiten der Vorschläge ausznarbeilen. Ankunft üer Serben in Stockholm. Storkholm, 10. Oktober.(Eigener Drahtbericht deS.Vorwärts".) Die serbischen Genossen Äazlerowic und P o p o v i c kamen heute hier an. In, russischen Koalitionsmiuisierium, iiesien bürgerliche Mehrheit im Hinblick ,anf den Verlauf der dcmotratischcn Kon- ferenz auställl, wird besonders Konowalow bsnierll, welcher demissioniert batte. weil ihm die Äabinettspolitik zu radikal war. Der Llrbeitsministcr Gwozdow war bisher Mmistergehilfe desselben Ministeriums und ist gemäßigter Menschewik. Er ist aus der Arbeiterschaft hervorgegangen und war tätiger Gewerkschafter: auch war er Vorsitzender der Arbeitsrgruppe des Ausschusses in der Kriegsindustrie. Die Verwdgerirng öer päfie an üie franzö'fifchen Gewerkschaften. Die„Humanito- vom 3. Oktober erwähnt kurz den Znsammen- trilt der Berne: Internationalen GewerlschastSkonscrenz, deren Le. dcuiuug sie hauplsächtich in der Frage der Verlegung d e ö Internationalen Sekretariats erblick,. Der französische GewerlschaflSbund habe beschlossen, zehn Delegierte nach Bern zu entsenden, um dort jür die Verlegung zu wirken. Aber die Regierung verweigerte die Pässe. Das sei bedauerlich,.denn eö war nötig. Legten den Lpparor deS Internationalen Gewerkschasiö- bundes zu entziehen und zwar im Interesse der Geiverkschafts- bcwegung. Seit Kriegsausbruch Hot der französische G-werkschailSbund die Verlegung deS Sekretariats verlangt. Aber Legien, sich auf die Staluten stützend, antivortete. daß uur eine imertmtionale Konferenz berechtigt ist. darüber zu entscheideu. Man durfte Holsen, daß eine solche Konferenz zustande kommt, da der Schweizer Gewcrkschastö- bund die Ausgabe übernahm, eine derartige iulernationale Zusammen- kirnst z» organisieren." Die Verweigerung der Päst'e an die französischen Delegierten lasse befürchten, daß die Bestrebungen des französischen GewerkschaftS- bundcS scheitern würden. Die.Humamts" fährt dann fort: »Man muß cS aussprechen, daß unsere Regierung einen um so größeren Teil de? Verantwortlichkeit tragen wird, als die Ver- legung des Sekretariats aus Berlin eine nicht unwesentlich� mo- raliiche Bedeutung für die Sache der Alliierten haben dürfte, t�ubrend umgekehrt die Paßverweigerung sicherlich vom deutschen �inpcria- litnius sowohl in Deutschland wie in den neutralen Ländern aus- gebeutet werden wird." ES ist lehrreich zu sehen, wie einseitig die Mehrheit deS französischen Sozialismus die Vorgänge in der rnternationalen Arbeiterbewegung betrachtet. Die ganz« Berncr Konserenz bar sü: sie nur die Bedeutung einer Demütigung der deutschen Gewcrk- schastsführer. Der Umstand, daß in Bern die lllrbeiterinterNationale wieder aufleben konnte und daß sie proletarische Forderungen dn den Friedenskongreß stellen wollte, zählt für die.Humanite' nicht. Ein Brief von Henderfon. Der.Nienwe Rotterdomsche Courant" erfährt auS London: Aus dem französischen Sozialistenkongreß in Bordeaux wurde am Sonn« tag ein Brief von Henderion verlesen. Darin steht ge- schrieben: Der Gewerkschaftskongreß in Blackpool hat die Bestim- mung getroffen, daß nationale Eintracht betreffs der KriegSziele erreicht werde» müsse, ehe die inler- nationale Konferenz abgehalten werden könne. Wenn die Franzosen sich über die Politik betreffs der LriegSzicle einige» könnten, indem sie vor allem den Wunsch der Aröeiler, ebenfalls mit einen Einfluß' auf den Völkerfcieden ausüben zu können, berücksichtigen, würde«S den Franzosen und Engländern bald möglich sein, ihre Bemühungen fortzusetzen, bis dann eine Ucbereinsiimmnng erreicht ist. Dann wird ein zweiter Schritt ge« rechtfertigt er!cheinen, der sich zum Zwcck macht, eine internationale Konferenz zustande zu bringen. Verhaftung eines sozialistischen Peovinzia!- re-ts in Turin. Bern, ll. Oktober.„Eorriere della Sera' zufolge war in Turin gegen den Provinzialrat FranceSco LarberiS, einen der rührigsten Propagandisten der revolutionären Sozialisten ein Haftbefehl erlaffen worden. Der Bs- troffen« konnte sich bis gestern im Zentralgebäude des Konsumvereins, Ivo er Inspektor war, verstecken. Das Anwesen wurde gestern von 70 Carabinieri umstellt, worauf nach der Darstellung de«.Eorriere della Sera' Barberis sich ohne Wider st and verhaften ließ. Wie das Blatt hinzu- fügt, wurde jedoch bei der Verhaftung ein Polizist getötet. Cinverstänönis mit üer deutschen Demokratie Tie Forderung Namsay MncdoraldS. Ter sozialistische Abgeordnete R a m siu Y M a c d o n a l d schreibt im.Pioneer" vom ls. September: Die große Frage ist: Wie kommen wir zu einem Einverständnis mit der deutschen Demokratie? Auf diese Frage kann nur die Unabhängige Arbeiierpartei g k c i t e n einzurichten. Die Ariillerietängteit hielt beiderseits an. Die Zahl der von u»S gestern gemachten bisher gemeldeten Gefangenen be- trägt 2938, � darunter 29 Offiziere. Diese Zahl schließt die 499 von den Franzosen gemachten Gefangenen ein. Wir erbeuteten auch einige Feldgeschütz: und eine Anzahl Maschinengewehre und Graben« mörjer._ Kämpfe in Gftafrika. Englischer Heeresbericht ans Ostafrtka vom 19. Oktober. Nord- sich vom Ejassisee hat sich eine deutsche Abteilung von 6 Europäern und dZ Askariö ergeben. Mit Ausnahme weniger Personen ist diese Abteilung der ganze Rest der Streitmacht, welcke in den vergangenen Monaten in den nördlichen Bezirken einen Kleinkrieg führte. Im westlichen Gebiet wurde Mahenge von belgischen Trup« Pen nach einem Vormarsch durch schwieriges Gelände angesichts harten Widerstands besetzt. Die britischen Kolonnen bleiben in enger Fühlung mit den feindlichen Abteilungen südlich und südtvwestlich von Mahenge. Auf dem HauptkrregSschauplatz dringen starke Ab- teilungcn unserer Truppen durch schwieriges, Wasser- loses Land auf drei Straßen vor. Di« Nachhut der feindlichen Hauptstveitkraft zieht sich aus dem Mbemkurutäl zurück und wird vuf der Hauptstrasic bedrängt. Portugiesische Abteilungen halten das Südufcr des Rovuma. � Le Haare, 11. Oktober.(Havasmeldung.) Bericht aus Ost- asrika: Tie belgischen Truppen, Gruppe des WajorS Bataille, setzten ihre Angrif?sunternehmung südlich deS KilimbaroflusseS tätig fort.?lm 7. Oktober aurchbrachen sie die auf ausgedehnter Fron, eingerichteten feiudlidien Stellungen. Diese Front wird durch die nordöstlich und westlich von Mahenge gelegene Hügellinie bezeichnet. Die deutschen Streitkräfte wurden aus de? ersten Ver- teidigungSlinie zurückgeworfen und zogen sich kämpfend auf die zweite Linie der Höhenkämme vorwärts Mahenge zurück, auf welcher RückzugSstellungen vorbereitet waren. Am 9. Oktober rückte Major Müller, der Führer der reihten Kolonne, ,n Mahenge ein, das die Truppen heietzten. Tie VerfolgungSumernehmungen dauern in der Gebirgsgegend südlich Mabenge an. wohin der Feind sich zurück- gezogen hat Jenseits dieser Gegend geben die britischen Kolonnen von Songeo und Lupemb? vor. Mabenge war der letzt« Hauptort heS Bezirks, der sich noch in deutschen Händen befand. Kr. 2SH ♦ 34. �ahrgattg 1. Seilage öes Vorwärts 5rettag, 12. Oktober 1477 Ein fthwarzer Tag öes Selagerungszustanöes. i26. Sitzung. Donnerstag, den 11. Oktober 1917, vormittags 1 0 Va Uhr. Am LundeSratStisch: Dr. H e I f f e r i ch. Graf R o e d e r n. Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung der Vorlage über die Wiederherstellung der Handelsflotte. Abg. Dr. Ncll(g) begründet einen Antrag auf eine andere Abgrenzung der Prozentsätze und Skalen für die Zuschläge zu den vom Sieich zu gewährenden Beihilfen. Abg. Dr. Hcrzseld(IL Soz.l Wir lehnen die Vorlage ab. Wir wollen nicht, dofj dem Kapitalismus im Reedereigewerbe ein derartiges Milliardeiigeschcnk in den Schoh geworfen wird. Das Gesetz zeigt, wie stark die i m p e r i a l i st i s ch e n Tendenzen auch auf wirtschaftlichem Gebiet sind. Weshalb müssen da jetzt über Milliarden aus den Taschen der Steuerzahler bewilligt werden? Die Folge des Milliardcngeschenks wird ein« zunehmende Trustbildung in der Schiffahrt und im Schiff- bau sein. Die Kurse der Weiften sind gewallig gestiegen, als die Annahme de? Gesetzes feststand. Die Mitteilung von dem Steigen dieser Kurse in der Presse wurde aber von der Zensur verboten.(Hört I hört! bei den Unabhängigen Soz.) Die Zensur im Dienste dcS BörsenkapitalS! Wir lehnen die Vorlage ab. (Beifall bei den Unabh. Soz.) Abg. Emmel(Soz.):'Jetzt, wo über die Entschädigung aller durch den Krieg Geschädigten noch nicht entschieden ist, erscheint uns dieses Gesetz nicht gerechtfertigt; wenn zumal unser Antrag, nur Darlehen zu gewähren, heute wieder abgelehnt wird, sind wir zur Ablehnung des Gesetze? gezwungen. Wir könnten sonst die Verantwortung für da? Gesetz nicht übernehmen. Abg. Henke(U. Soz.): Als unbedingte Gegner des Gesetze? lehnen wir auch den sozialdemokratischen Antrag ab. Für den sozialdemokratischen Antrag stimmen nur die Sozial- bemokraten, wonach daö Gesetz mit dem Antrag Bell gegen beide sozialistischen Fraktionen angenommen wird. Vizekanzler Dr. Hclfferich dankt namens der Verbündeten Regierungen für die Annahme dieses Gesetzes. Ihr Beschlust zeigt den Lebens- und ZnkunftSwillen des deutschen Volles, seinen Glauben und seine Zuversicht.(Beifall.) Nachtragsetat. Abg. Ledcbonr(U. Soz.): Gegen die Einrichtung eines VizekanzlerpostenS hat gerade ein Fachmann wie Graf P o s a d o w S l y so schwere Bedenken erhoben, dast die Zustimmung der Mehrheit nur daraus zu begreifen ist, dast sie auS Verlegenheit über den unzulänglichen Dr. Michaelis sich mit Dr. Helfferich behelfen will. S i e alle haben sich dem Eindruck nicht entziehen können, daß dieser Dr. Michaelis so absolut unbrauchbar ist für sein Amt, sowohl der Fähigkeit wie dem Charakter nach,(Unruhe, Ordnungsruf) dast er bald auf einen anderen Posten versetzt werden mu st. Ein wirklich qualifizierter Reichskanzler wird keinen Vizekanzler neben sich dulden. Dr. Michaelis und v. Capelle haben hier so gesprochen, dast der Eindruck erweckt werden niustte, meine Freunde hätten zur Meuterei in der Flotte aufgereizt. Diese? Verfahren ist auch von Dr. Streiemaun scharf verurteilt worden, noch schärfer von der„Nalional-Zeitung". die auch mitteilte, dast der Regierung schon vor einiger Zeil dringendst geraten worden war, den jetzt von ihr gegangenen Weg nicht zu beschreiten; sie habe gewutzt, dast das Maienal zur Anklagerhebung nicht ausreicht,(Hört! hört! b. d. II. Soz.) dast die ReichSanwaltschaft daraufhin die Auf- Hebung der Immunität nicht stellen konnte.(Pfuirufe b. d. U. Soz.) — Präsident Dr. K a c m p f will in diesci«Debatte eine Besprechung allgemeiner politischer Dinge nicht znlasten.— Ledebour widerspricht und begründet sachlich den Zusammenhang: Ich will nur nachweisen, dast der Vizekanzler nicht mehr notwendig ist. Der Reichsanwalt hat schon vor einiger Zeit erklärt...(Prä- sident Dr. K a e m p f will diese Erörterung untersagen.— Stürm. Widerspruch bei d. II. Soz.) Der R e i ch§ a n w a l t hat gesagt: Es liegt nichts vor, was mich berechtigen könnte, eine An- klag« zu eihebe», und dann kommt der Reichskanzler hierher und sucht den Anschein zu erwecken, als ob nicht nur eine Anklage vorliege, sondern auch eine Riesenschuld.(Pfuirufe bei d. U. Soz.) Als in den Jahren I8t9/Sy ein« ähnliche Hochverratsanilage gegen den fortschrittlichen Führer W a l d e ck erhoben werden sollte, lehnte der Staatsanwalt die Erhebung �der Anklage ab, weil die Be- schuldigung ei» Bubenstück sei, ersonnen» um einen ehrlichen Mann zn verderben.(Präsident Dr. Kaempf: Ich kann nicht einsehen sSehr richtig! b. d. ll. Soz.), wie das zum NachlragSetat gehört) Das werden Sie gleich hören. (Der Präsident versucht abermals die Fortsetzung zu verhindern.) Diese Worte deö Staatsanwalts von damals treffen zu-auf den Reichskanzler Michaelis.(Die mit erhobener Slinime in den Saal gerufenen letzten Worte de« Redners entfesseln lärmende Entrüstungsrufe auf der Rechten, der Präsident ruft den Ab(j. Ledebour zum zweiten- mal zlir Ordnung und droht im die Wortentziehung an.(Stürmische Pfuirufe auf der äustersten Linken.) Der Redner begründet daraus die im Ausschuß' bereits abgelehnte, aber wieder eingebrachte Entschliestung aus Aufhebung des»Auf« klärungsun terrichis' im Heer«. Wir legen Ihnen noch- malS nahe,, dielen Zustand abzuschaffen, der unser Heerwesen und Volk schädigen und notwendigerweise dazu führen muß, dast Sol- baten, die anderer politischer lleberzeugung sind, und das ist die ganz überwlegende Mehrzahl, sich in ihrer Ehre und lleberzeugung bedroht fühlen.(Zllstiimnung bei den Soz.) Nbg. Dr. David(Soz.): Wir haben den Nachtragsetat im Jntereffe der Einheitlichkeit de! Volkes und der Regierung abgelehnt. Dast Einheitlichkeit heute nicht besteht, ist freilich Tatsache; dast sie aber durch Berufung eines Vizekanzlers und insbesondere Dr. Helfserichs erhöhl würde, bezweifeln wir.(Sehr richtig l links.) Das Nichtbestehen der Einheitlichkeit und der ganze Jammer unserer politischen Zu- stände geht wieder aus den Acusterungen hervor, die Minister- Präsident Graf Hertling über die elsaß-lothringische Frage im HauptauSschust der bayrischen Abgeordnetenkammer getan hat. (Hörl l hört!) ViAgrstern hat Herr v. Kühlmann auf die Bedeutung dieser Frage für die Friedenspolitik hingewiesen. Auf Grund der Erörterungen im Reichstage und seinem Ausschust waren wir der Meinung, dast die Rcichsregierung aus eine Regelung hinsteuern würde, die de» Wünschen des e l s a st« l o t h r i n g i s ch e n Volkes entspricht, nämlich auf die Umwandlung der Rcichslande in einen frlbpändigen BuudrSstaat mit einer freiheitlichen Ordnung der Dinge im Innern. Run hat Graf Hertling seine Ansicht dahin geäustert, dast die Angliederung des Elsatz an Süd» deutschland den gegebenen Verhältnissen entspreche, ebenso ein« Angliederung Lothringens an P r e u st e n.(Hör! hört!) Da» ist ein vollkommenes Durcheinander und Gegeneinander und es erweist die Notwendigkeit einer ein- Zeitlichen zentralen Führung. Und diese Frage kann nur gelöst werden, wie eS die große Mehrheit de? ellast-lothringikchen Volkes haben will, durch Schaffung eines selbständigen Bundes- staats mit möglich st demokratischen Einrichtungen. (Zustimmung bei der Mehrheit.) Wir fürchten, dast die Schaffung clneS Vizekanzlerpostenö für Dr. Helfferich dl« Zerfahrenheit und die inneren Reibungen innerhalb der Reickisleitung nur noch vermehrt werden. Die staats- rechtliche Stellung dieses Vizekanzlers ist ganz unklar. Er wird als Vorgesetzter den Staatssekretären in ihr Amt hineinreden können. Wir hoffen, dast die Staatssekretäre das zurückweisen werden und hoffen das insbesondere auch von dem Mann an der Spitze des Reich swirtschaftsamteS, dem wir ein gewiffeS Ver- trauen entgegenbringen nach der fruchtbaren Tätigkeit, die er in keinem früheren Wirkungskreise entfaltet hat, namentlich auch in sozialpolitischen Fragen. Dem übrigen Inhalt deS NachlragSetat? stimmen wir zu. Unser Antrag auf Schaffung eines selb- ständigen ReichSarbeitSamteS ist abgelehnt worden. Wenn wir ihn auch setzt wegen seiner augenblicklichen AuSsichtSlosig- feit nicht noch mal einbringen, so geben wir diese Forderung doch keineswegs auf und werden sie sofort wieder erheben, sobald die Gelegenheit gegeben ist. Unsere Debatte der letzten Tage bat er« geben, dast in der Tat auf Grund oder trotz der Richtlinien im Heere»nd in der Heimai von militärischen Instanzen die alldeutsche Propaganda gefördert wird. Stimmen Sie daher dem Antrag der Unabhängigen Sozinldemokraten zu, damit der Zusammenhang unseres Volke? gestärkt wird.(Beifall bei den Sozial- bemokraten.) Abg. Stadthagen(11. Soz.): Im Zusammenhang mit dem Vor- gehen gegen meine Freunde ist jetzt auch Fra» Zietz verhaftet worden. Man richtet stcb jetzt nickt mehr nach Schuld oder Unschuld, um eine Anklage zu erheben, sondern lediglick nach der Person. Ob- wohl man weist, dast die Frau unscknldig ist. geht man gegen sie vor. Eine solche Nichlnng der Justiz sollte man mit Knüppeln tot ichlagen, nicht aber ihr Hilfe leisten, indem man einer solchen Vor- läge zustimmt. Gegen eine solche Justiz gibt e? nur eine unbe- dingte Verurteilung.(Lebhaster Beifall bei den U. Soz.) Die Dcbatle schliestt. Der Nacktrngsetat wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraien un d Unabhängi- gen Sozialdemokraten angenommen. Eine hierzu gestellte Resolution Albrebt u. Genoffen(U. Soz): .Die Aufklärung beim Militär hat sick auf Angelegenheiten deS militärischen D i e n st e S zn beschränken. Jedwede p o l i« tische Unterweisung der Soldaten, insbesondere über Kr iegSziele und Friedens fragen, durch Vorgesetzte wird untersagt. Der zurzeit eingericktete Aufklärungsdienst (nunmehr genannt vaterländischer Unterricht) ist sofort aufzuheben", ivird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Unabhängigen Sozialdemokraten abgelehnt, für den zweiten Satz stimmen auch ein Teil der Volks- 'Partei und der Nationalliberalen. Hierauf wird die Besprechung über die Interpellation wegen der Einschränkung des Vereins- und Versammlungsrechts im Zusammenhang mit dem Bericht des AusschusieS betreffend Schutzhast, Belagerungszustand usw. und den dazu gestellten Resolutionen fortgesetzt. Ein« Reiolulion des Ausschusses besagt, dast nach der Auffassung des Reichstags die in Elsast« Lothringen erfolgten Ausweisungen und Ver« jagnngen der Rückkehr gegen deutsche Staatsangehörige, deren Gründe in der Person des Betroffenen liegen, unter die Aufenthalts- beschränkungen fallen, für lvclche der im Reichsgesetz vom t. De- zember 1916 geregelte Rechtsschutz gilt. Eine weitere Resolution verlangt baldige Beseitigung der politischen Zensur, bei der Handhabung der Zensur gegenüber der Presse nur Beschränkung von Milteilungen, durch die m i l i- tärische Untern eh nrungcn beeinträchtigt werden könnten, dagegen Freigabe der Erörterung der Kriegs- und Friedens ziele, von Verfassungsfragen und An- gclegenheiten der inneren Politik: Zeitungen und Zeit- sckriften sollen nur au? Gründen der Gefährdung mili- tärischer Unternehmungen verboten werden dürfen, tägliche Zeitungen nicht auf mehr als drei Tage, andere Druck- schriften nicht für mehr als drei Nummern. In einer weiteren Resolution wird die Aushebung der Ver- ordnung über die Veranstaltung von Lichtspielen verlangt. Die Abgg. A l b r e ch t und Genossen(U. Soz.) beantragen in einer Resolution sofortige Aufhebung deS Belagerungszustandes. Abg. Dr. Müller-Melningen(Vp.): Wir haben heute die 2b. Zensnrdebatte. Mona! für Monat werden hier dieselben Reden gehalten, aber ohne jeden Erfolg. Die Praxis mnst eine andere werden. Ein Redakteur z B. wird be- straft, weil er mitteilt, das und da§ Regiment ist durch Posemuckel gefahren, hier aber erleben wir es, daß einer der höchsten Reichs- beamtcn Dinge mitteilt, die bisher mit dem Mantel tiefsten Geheim- nifses umhüllt waren und deren Mitteilung gerade in bezug auf militärische Dinge die allerschlimmftcn Wirkungen hervorrufen muh. (Lebhafte Zustimmung links.) Wie die P a z i f i st e n rechtlos ge- macht werden, ist geradezu ein Skandal. Recht töricht sind auch die B n ch a u s f u h r v e r b o te, so ist ein Buch von Hedwig Hehl, .DaS Einmachen der Früchte ohne Zucker", von dieieni Verbot betroffen.(Heiterkeit.) Das Krieg spr esse am't entfaltet eine Tätigkeit, die allmählich zu einer großen Gefahr für daS Reich zu werden droht. Hier scheint daS Zentrum einer Reptilienmache allerschlimmster Art zu sein. Der Burgsrieden wird durch die ein- fettig schrifstellcrische Tätigkeit des Kriegs- rcssortaintS aufs schlimmste gebrocken. Wie stellt sich der Reichskanzler und der KriegSministcr zu dieser Tätigkeit des Krieg»- Presseamts, llnerbört ist es. daß der Reichstag beschuldigt wird, für die Armee nicht daS Nöiwendige bewilligt zu haben, so daß die Schlacht an der Marne verloren gegangen sei. (Hört I hört!) Sie ging verloren durch Mangel an Ans- r n st u n g, ob der K r i e g s m i n i st e r daran schuld war, weist ich nicht, oder etwa ein Mann, dessen RefforlSeifcrsucht geradezu sprich- wörtlich im Reichstag war. Diese Verleumdungen deS Reichstages müssen auch von der Regierung hier im Plenum zurückgewiesen werden. ES sieht ja fast so aus, als wenn eS Elemente gibt, die auf einen Konflikt zwischen Heer und Parlament hinarbeiten. DaS wäre der Anfang vom Ende. Heer und Parka- ment gehören zusammen und wir verlangen vom Kriegsminister und vom Reichskanzler ein deutliches Abrücken von diesen Treibereien. Die.Deutsche Tageszeitung" und andere konservative Blätter dürfen täglich behaupten, die Oberste Heeresleitung sei mit der Politik der ReichSleitung nicht einverstanden; liberalen Blättern aber wird die gegenteilige Behauptung verboten. Läßt der Reichskanzler sich diese Per- leumdurig auf die Daner gefallen, dast er eine doppelte Politik macht? Wenn er das lut, stehl für ihn alles auf dem Spiel, auch sein guter Name.(Zustimickung link».) Wir brauchen. wieder die Stimmung der Befreiungskriege; aber auf dem Sumpf-! boden einer widerspruchsvollen Zensur-, Denunziation?- und Intrigen-> Politik kann sie nicht gedeihen, sondern nur auf dem Boden der Freiheit.(Lebhaster Beifall bei der Volkspartci.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Die Regierung hat keinen Zweifel darüber gelaffen, daß sie jede amtliche Begünstigung irgendeiner Agi- tation nicht billigt, sondern mißbilligt und verwirft und gegen Verstöße gegen diesen Grundsatz einschreiten wird. Die Herren dürfen sich darauf verlassen, daß der Reichskanzler und der Kriegs mini st er ihr Wort wahr machen werden. Damit wird, wie ich glaube, ein ganz großer Teil de», Materials, das vorgebracht worden ist, seine Erledigung findep. Herr Müller-Meiningen hat erwähnt, daß von bestimmten Stellen die Beschuldigungen gegen den Reichstag erhoben worden seien. Er habe vor Ausbruch des Krieges seine Schuldigkeit nicht getan und damit beigetragen zur ungenügenden Ausrüstung unsere? r Heere?. Ich stehe nicht an, hier zu erklären, daß dieser Vorwurf jeder Berechtigung entbehrt. Ich bestätige ausdrücklich, daß der Reichstag den ihm vorgelegten Militärvorlagen voll zuge- st i m m t hat, daß also dem Reichstag nach dieser Richtung keiner- lei Vorwurf gemacht werden kann.(Bravo!) Staatssekretär des Innern Dr. Wallraf: Die politischen Rechte, die durch das BelagerungSzustandSgesetz■ zeitweise außer Kraft geseht sind, bilden zweifellos den Grund- und Kernstock der staatsbürgerlichen Freiheit. Es ist klar, daß nur eine ungewöhnliche Not der Zeit ihre vorübergehende Aus- Hebung rechtfertigen kann. In einer solchen Zeit steben wir seit drei Jahren. Was die Resolutionen Ihres Ausschusses anlangt, so müßt« sich nach Annahme de» ersten Antrages die Zensur lcdig- lich beschränken auf das Gebiet der Mitteilung von Tatsachen der Kriegführung, soweit dadurch militärische Unternehmungen ge- fährdet werden könen. Damit wäre dann freigegeben das ganze Gebiet der auswärtigen Politik, das schrankenlos be- handelt werden könnte, unser Verhältnis zu den B u n- desstaaten, zu den Neutralen, zu den feindlichen Staaten, wenn einmal die Zeit kommen sollte, daß Fäden von hüben nach drüben sich ziehen. Freigegeben wäre jede Au frei- zung zum Streik, eS wäre sogar möglich eine Kritik der Obersten Heeresleitung, soweit eS sich nicht um Tai- fachen handelt, also z. B. des Geistes, der sie beseelt. Glauben Sie wirklich, daß angesichts der gegenwärtigen Lage eine solche Frei- gäbe der Erörterungen den vaterländischen Interessen dienen werde, glauben Sie, daß auch angesichts der durch den Krieg g e- steigerten Sensationslust, angesichts der Seuche von Indiskretion, die durch unser Land geht. Ich kann diesen OptimiS- mus nicht teilen und well ich die Verantwortung dafür trage, kann ich nur warnen, diesen Weg zu beschreiten. Was die Zeitung?- Verbote anlangt, so sind von Juli bis Oktober 1917 in ganz Deutschland, abgesehen von Bayern, insgesamt 18 Zeitungen verboten. Der Wunsch deS ÄnSschusseS, daß bei einem Zeitungsverbot der Reichskanzler jedesmal gefragt werden soll, ist prak-. tisch unausführbar, denn solch ein Verbot muß sofort einsetzen, wenn eS seinen Zweck wirklich erreichen soll. Der Wunsch des Antrag? Heine, daß Zeitungsverbote sich nie länger als auf zwei Nummern erstrecken dürfen, entspricht allerdings einem Begehren, daS von einem großen Teil der Presse sehr leb hast vertreten wird. Aber'der Antrag Heine geht doch noch darüber hinaus, denn er will gewissermaßen, daß verbotene Zei iungen nach drei Tagen da» Recht haben, wieder zu erscheinen. (Abg. Heine(Soz.): Ich will alle d a u« r n d e n V e r b ot e ver- hindern!) Was die Handhabung der Zensur betrifft, wird Sie eine kleine Statistik interessieren. Nach Mitteilungen aus militärischen Kreisen sind von IM Beschwerden ein Drittel abge-. lehnt, ein Teil ist unerledigt, mehr als die Hälfte ist, aber im Sinne der Beschwerdeführer erledigt worden. Herr Müller hat angeregt, daß wissenschaftliche Zeit- s 6? r i f t e n von der Zensur befreit bleiben sollten. Soweit es sich um wirkliche Wissenschaft handelt, halte ich das für erwägungs-• wert. Die Zensur ist berufen, wichtige vaterländisch« Interessen zu vertreten und damit eine Zeit auch ibrerseitS vorzubereiten, in der, wie die Zensur so je de anbere Beschränkung der bürgerlichen Freiheiten durch den Frieden ihr Ende findet.(Bravo l>" Oberst Wriesberg: Wie der Kriegsminister in der Kommission. muß ich auch hier erklären, daß von feiten deS Kriegs- Presseamts viele Fehler gemacht worden sind und daß- daS ganze Streben de? Kriegspresseamts sein muß nnd sein wird, diese Fehler für die Zukunft zu vermeiden. Es ist abergiciiiker erklärt, daß der günstige Stand der Ebolera und des Typhus in unserem Heere nicht ausschließlich auf die Impfung zurück- zuführen ist. Die Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift wird verboten. Ein Berliner Professor führt die Oedeme teilweise auf die einseitige und unzureichende Ernährung auch bei Schwerarbeitern zurück. Die Vcröfsent- lichuug wird verboten. Ein Generalarzt weist auf einen Kunstfehler hin, den er zuweilen im Felde beobachtet hat, und macht Vorschläge zu seiner Vermeidung. Ter Chef des Sanitäts- weseus hat den Artikel genehmigt. Aber der Zensor verbietet die Veröffentlichung— direkt zum Schaden unserer Verwundeten. Ganz besonders wurde die„Freie Presse" in Straßburg drangsaliert. Eine sachliche, historische Erinnerung an die Kapitulation von 1870 wurde verboten; eine Artikelserie über ftühere Skraßburger Bürgermeister durfte nur gedruckt werden, wenn der französische Vorname eines Bürgermeisters ver-- deutscht wurde.(Große Heiterkeit.) Nicht nur über Nahrungs- Niittelnot, auch über Lebens mittelfälschung darf diese Zeitung nicht schreiben. Einen Artikel über die.Erhöhung des Brotpreiscs aus dem„Vorwärts" darf sie nicht abdrucken. Gegen die Alldeutschen darf sie gar nichts schreiben; die Wiedergab- des Artikels über Max Bewers Besuch im Haupt- ouartier aus dem„Berliner Lokalanzeiger" wird gestrichen. In Stettin hetzt die alldeutsche„Pommersche Tageszeitung" in der wüstesten Weise gegen die Reichstagsmehrheit. Tas hindert die Zensur nicht. Als aber der„Stettiner Volksbote" ant- wartet:„toclimähticheii Verrat nennt der Heimkrieger der pommerschcn„Tageszeitung", der sich sicher hinter der Front fühlt, den Beschluß des Reichstags", wird nicht nur dieser Artikel ge- strichen, sondern die Zeitung selbst auf unbestimmte Zeit verboten. Tas ist die Besserung, die uns hier immer versprochen wird, und das hat sich erst vor einigen Tagen abgespielt, als die Verhandlungen hier bereits im Gange waren. Die Herren scheuen sich nicht, mit diesem Trumpf zu zeigen, daß die militärischen Gewalthaber sich den Teufel um unsere Verhandlungen kümmern. (Abg.Nehbel(k.): Gott sei Dank!— Abg. Müller- Meiningen (Vp.): Ein netter Volksvertreter!) Erst vor einigen Tagen ist den Mannschaften in Nuhleben das Abonnement des„Berliner Tageblatts" verboten worden, wobei der Major beschimpfende Aeuß.erungen über das Blatt tat und dann die„Tägliche Rundschau" empfahl. Das Machwerk „HiimneldlMNLrwcttec"� egtMt wedsr dis A nggHg des Druckers noch Verleger-, aber hier beruft man sich nicht auf das Prchgesetz, sondern draußen an der Front ist es in allen Tienstgcbäuden angeschlagc», obwwohl es von Anfang bis zu Ende nichts anderes ist als rinc wüste Schimpferei gegen die Reichstags- Mehrheit. Trucker und Verleger fehlen auch bei dem Schaudmach- werk„Den Herren Abgeordneten, die deutschen Grenzschutz ab- lehnen", ebenso auf der uns heute zugegangenen Druckschrift„Zur Aufklärung", die in dieselbe Kerbe haut. Aus die Frage, wer die Kosten für diese Machwerke, die gratis verteilt werden, trägt, ist bisher keine Antivort gegeben. Weiter frage ich: Wie sind denn die im Besitz der Militärverwaltung befindlichen Klischees in dir Hände dieser Verleumder gekommen? Ein Brief aus dem Felde, den der Abg. Hoch vor kurzem bekam und in dem der Briefschrciber unter anderem betonte, daß er zur Verteidigung des Vaterlandes, aber nicht für phantastische Erobe- rungsgelüste in den Krieg gezogen sei, wurde zur Veröffentlichung von d.er Zensur nicht zugelassen. Dagegen bringen alldeutsche Blätter ständig angebliche Briese aus dem Felde, in denen dieReichstags Mehrheit beschimpft wird.(Hör!! hört!) Heute ist in Berlin überall össentlick angeschlagen ein Hinden- burgplakat mit einer angeblicken Aeußcrung, die Hindenburg an seinem Geburtstag getan haben soll. Tie Aeußerung ruft auf zum Kamps gegen die Wenigen, die Schwacken, die Flauen— das sollen nämlich wir sein, die Reichstagsmehrheit vom 19. Juli. Es .rührt mich gar nicht, daß es ein großer Mann ist, der in diesen Ton einstimmt. Wir haben unsere Pftickt zu tun, er mag seine .Pflicht da draußen tun. Bisher haben die alten Generäle ge- kämpft; das bat er auch getan und hat einen unvergeßlichen Lor- beerkranz sich damit erworben. Ich möchte dringend raten, daß er nicht wie mancher General nachher durch Reden sich die Blätter aussein Kranz selb st her- ausreißt. Zu fechten ist seine Sache, aber nicht sich hinein- zumischen in die Politik.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann die Dauerverbote von Zeitschriften. Das„Forum", herausgegeben von Wilhelm Hqrzog, einem unserer feinsten Publi- zisten, ist seit dem Sommer 1915 vollständig unterdrückt. Di? Zeitz- schrift hat keinen Satz gebracht, der nicht von der Vor- z e u s u r genehmigt worden wäre. Trotzdem ist sie nachher ver- boten, tveil ihr ganzer Geist diesem Menschen der Gcistlossgkeit zuwider war. Eine sehr scharfe Kritik der englischen Re- g i e r u n g, die in England gedruckt werden durfte, wurde in dieser Zeitschrift veröffentlicht und das war mit ein Grund ihres Ver- bots.(Hört! hört!) Ebenso schlimm ist der Gewaltstreich gegen die „Zukunft". Dann die Bücherverbote! Tas Buch„Die deutsche Jugend und der Weltkrieg" von Friedrich Wilhelm Förster, i n dem Bethmann Hollweg gegen die Alldeutschen in Schutz genommen und färmlick verherrlicht wird, ist lediglich auf Grund dieses S�chlußar- tikels verboten worden. lHört! hört!) Gänzlich ver- boten sind die Bücher des Dr. Rudolf G o l d i ch e i d t, die die Frage der künftigen Organisation zum Zwecke der V e r h i n�d e- r u n g von Kriegen und zur Abrüstung behandeln.(Höri? hört!) Dabei darf eine ungeheure Flut von Kriegshetzerischen, Völker vergiftenden oder verflackcrcden, seelenverwüstenden Erzeug- nissen dauernd unbeanstandet hinausgehen. Ich will nicht etwa, daß diese Sachen verboten werden, aber ich beklage mich darüber, daß vor dem Auslande und der ganzen zivilisierten Welt und vor denen im deutschen Volke, die bisher geglaubt haben an die Ehr- lichkeit derFriedens liebe unserer Regierung, des Kaisers. des Kanzlers, Deutschland in ein Licht gestellt wird, als wolle es jeden Gedanken an Frieden gewaltsam ausreißen und unterdrücken. (Sebr wahr! bei den Sozialdemokraten.) � Tas ist ein schmählicher, uns lies beschämender Zustand. Durch Verbote, Vorschriften, Zensurstriche und Unterdrückungen will man Gesinnung erzeugen. Aber auf die Art bringt man in den Leuten keine Gesinnung hervor, nock nickt einmal Gesinnungs- e r f a tz. Sie bringen lediglich Ekel und Rbsche» hervor. Am meisten bei denen, die das Vaterland am tiefsten lieben. Wir wollen nicht, daß in der Welt der Eindruck erweckt wird. Deutich- land unterdrückt jede Stimme der Vernunft, der Religron. der Menschenliebe. Oberst Wrisberg hat Fehler des Jlriegspresse- amts zugegeben, aber gesagt, es sei besser geworden. I ch g l a üb c das nicht, denn die Unbelebrbarkcit liegt im Wesen der Zen,nr. deshalb bitte ich dem Antrag auf völlige Aufhebung der Belagerungszustandes zuzustimmen. Das einzige Mittel ist reinen Tisch zu macheu. Ich bedaure, daß ich Sie in dieser späten Stunde am letzten Tage solange aufhalten muß. aber alle geistig Gebildeten rech- neu darauf, daß wir diese Tinge hier zur Sprache bringen, und diejenigen, die das Vaterland am ernstkaftesten lieben, verlangen es crm stärksten. Die Regierung hat durch die Anträge Gelegenheit. Remedur zu schassen. Daß sie es bis zum Wiederzusalpmentritt des Reichstages tut, erwarte ich im Interesse des deutschen Vo.kes und seiner Ehre.(Lebhafter Beifall links.). �_ Präsident Tr. Kacinpf: Sie haben gesagt, der Feldmarschall von Hindenburg solle sich nich in die Politik hineinmischen und schwatzen.(Lebhafte Pfuirufe rechts.) Wir verehren Hindenburg im ganzen deutschen Volk, und aus den großen Mann das Wort „schwatzen" anzuwenden, iit eine Herabwürdigung. Ich rufe Sie 'dafür zur Ordnung.(Beifall rechts.— Abg. Heine: Ich gebe zu, daß ich hätte sagen sollen„sprechen".) Staatssekretär Wallraf: Der Zensur sind eine große Zahl von Gegnern ertvachs-eu.' Aber vom User der freien Kritik sieht sich manches anders an als von der Stelle, bei der die Vorantwwortung ist.(Abg. Heine: Lauter Gemeinplätze!) Dem Rechtsanwalt Heine bemerke ich, daß ich olle einzelnen Fälle nicht vertreten kann, aber das endgültige Urteil über die Zensur ist mit solchen Fällen nicht gesproäwu; dazu muß man doch auch wissen, was die Zensur verhindert hat. Ich verstehe unter Wissenschaft dasselbe wie der Abg. Heine, nur habe ich den Eindruck, daß er sich selbst für den einzig richtigen Zensor hält.(Sehr gut! rechts.) Abg. Riesser(natl.): Wir haben das Schutzhaftgesetz geschaffen, um jede Willkür der Militärbehörde aus diesem Gebiete unmöglich zu machen. Viele Fälle, die vorgetragen wurden, haben betoiesen, daß der Zweck noch nicht erreicht worden ist. Es wird daher notwendig sein, daß eine Novelle zum Schutzhaft- gesetz kommt/ die diese Klagen beseitigt. Bringt die Regierung nicht eine solche Novelle, so wird das Haus zum zweiten Male den Weg des Initiativantrags beschreiten müssen. lBavo!) Abg. Fchrenbach(Z.): Auch ein Manu von so ungeheuren Verdiensten wie der Generalfeldmarschall Hindenburg müßte es sich gefallen lassen, eine Kritik des Reichstags entgegenzunehmen, wenn der Reichstag in einer seiner Aeußerungen eine unverdiente Kritik sieht. Tas ist der Reichstag seiner Ehre schuldig.(Sehr richtig!) Ich bin aber nicht in der Lage, in dem von dem Abg. Heine verlesenen Satz eine notwendige Beziehung zu dem Reichstag zu erblicken.— In der Frage der Schutzhaft hat das Reichs Militärgericht mit seinem reinen Formalismus persagt, das liegt vor allem an der Stellung des Kriegsministers. Was fragen die kommandierenden Generäle»nach dem Kriegs- minister!(Sehr wahr!) Aber gerade in diesen Fällen ist der Kriegsminister zum Obermilitärbefehlshaber ernannt. Hier hätte er die Macht, auch den kommandierenden Generälen etwas zu diktieren, und er sollte sie gebrauchen.(Hehr wahr!)— Die Torheiten auf dem Gebiete der Zensur sind wirklich nicht mehr zu ertragen. Wir machen uns l ä ch e r l i ch damit. Man schämt, sich, das, so etwas in Teutschland passieren konnte.(Lebhafte Zu- stimmmung.) Oberst v. Wrisberg: Ter Fall mit den. Mann, der sich nach- her als Spion herausgestellt hat, war allerdings ein glatter Rein- fall. Wir haben alle Fäll?, die-dieser Mann vorher zur Anzeige gebracht hatte, nochmals genau durchgeprüft und eine große Menge dieser Leute sich) aus der Schutzhaft: e n t j a f s e n.( Abg. Gothkin(Vp.): Auch meine Frcun-de sind der Ansicht, daß die Aeußerujrg Hindenvurgs sich unmöglich auf den Reichstag beziehen kann, derur Hindenburg hat sich nach wiederholten Erklärungen des Reichs- kanzlers ausdrücklich mit der Friedenskundgebung des Reichstags einverstanden erklärt.(Sehr wahr!)— T:e Vorgänge in Elsaß-Lothringen erschüttern uns aufs tiefste. Dieses Mißverstehen der Psyche des Volkes kennzeichnet de» Militarismus, den wir bis aufs letzte bekämpfen, der unser Ansehen in der Kulturwclt schädigt, zum Schaden des Vaterlandes.(Zustimmung links.) Das Gesetz wird angeiiomiiicii. Abg. Gras Westarp(f.); Die verletzende Art, in der der Aoz. Heine Mißgriffe zur Spracke bringt, sind nicht geeignet, bei den be- treffeiiden Beamten eine Stimmung zu erzeugen, die für«ine Besserung der Dinge günstig ist. Ter Höhepunkt dieser Redeweise wurde mit der Kritik an Hindenburg erreicht. Diese Kritik reicht au den Feldmarschall nicht heran, al>er verletzend ist sie für uns und das deutsche Volk. lBeisall rechts.) Abg. Heine(Soz.): Der Abg. Fchrenbach hat die Sache vollkommen richtig auf- gefaßt. Es ist wahr, ich hätte den Ausdruck, den ich gebraucht habe, nicht gebrauchen sollen. Ich habe die Gefühle des Hauses selbstver- ständlich nicht verletzen wollen. In her Sache aber muß ich sagen, ein solcher?(usdruck wäre mir nicht unterlaufen, wenn ich nicht ge- sprachen hätte in der Entrüstung über das Plakat uird die im Plakat liegende Beleidigung gegen alle, dir sich zur Friedens- Politik der Reichstazsmehrycit bekennen. Denn daß das Plakat sich gegen uns und alle die richtet, daran ist gar keni Zweifel; es ist ein Aufruf zum inneren Kamps, ein Aufruf zur Zwie- tracht ein- alldeutsches Manöver, und ich bedauere, daß Hinden» bürg seine Worte dazu hergibt. Ein Mann, den ich semer militäri- scheu Leistungen wegen hoch verehre, wie ich eS vorhin ausge- sprochen habe, nicht vorsichtshalber, sondern aus warmem Herzen, ein solcher Mann bleibt deswegen doch der große Mann, der er ist. Die Debatte schließt. In der Abstimmung wird zunächst der Antrag der Unabhängigen Sozialdemokraten aus Aushebung deS Belagerungszustandes gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und II»abhängigen Sozialdemo- kratcn abgelehnt. Darauf werden die Anträge der Kommission angenommen, mit Ausnahme des ersten Antrages auf Aufhebung der politischen Zensur. Es folgt die Interpellation des Zentrums betr.' den ge- werblichen Mittelstand. Staatssekretär Dr. Helfferich erklärt, daß die Regierung be» reit sei, die Interpellation zu beantworten und sich über den Tag der Beanttvortung mit dem Präsidenten in Verbindung setzen. werde. Aus dem Gesetz zur Vereinfachung der Rechts- pflege werden hierauf in zweiter und dritter Lesung einige .wenige Bestimmungen zur Entlastung der Strafkammern, über die sich alle Parteien geeinigt haben, dcbattelos angenommen. Es folgt die zweite Beratung de? Gesetzes über die Ergänzung der Beisitzer der Gewerbegerichte, Kaufmannsgerichtc und Jnirungs- schiedsgerichte während des Krieges. Tie Kommission hat in das Gesetz neu eingefügt, daß für die Wahlen die Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer Vorschläge einreichen können. Abg. Stadthagen(Unabh. Soz.i befürwortet einen Antrag, wo- nach die Versammlungen zur Vorbereitung und Vornahme der Vorschläge nicht den aus Grund des Belagerungszustands- gesetzes erlassenen Bestimmungen unterliegen sollen. Der Antrag wird gegen die �stimmen der Unabh. Sozial- demolraten und der Sozialdemokraten abgelehnt. Eine Reihe Rechnnngssache» werden debattelos erledigt. Es folgt die Forlsetzung der Beratung des Berichts des AuS- schusses über Soziales. Ministerialdirektor Schröder legt dar. daß die Kosten der vom Ausschuß vorgeschlagenen Resolutionen aus Erhöhung der Mann- schastSlöhnuna, Familiemititerstützuiig, des Putzgeldes usw. pro Jahr etwa 2 Milliarden ausmachen würden. Tie Resolutionen werden angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Das Haus vertagt sich bis zum 5. Dezember; der Präsident er- hält die Ermächtigung, unter Umständen die nächste Sitzung auch früher einzuberufen und die Tagesordnung der ersten Sitzung selbständig festzusetzen. Schluß 8 Uhr.___ Serichtszsitung. Ter Zugzusammcnstost auf der Nntergrundbahu, bei dem am 8. Mai zahlreiche Personen verletzt worden sind, unter- lag bczllglick der Schuldsrage der Prüfung der 7. Slraskammer des LandgericdtS 1 unter Vorsitz dcS Landgerichtsdireliors W e st e r in a n n. Wegen fahrlässiger Transportgefährdung und Körperverletzung Ivaren der Zugführer WladiSlaus I a r e ck i aus Charlottenburg und die Zugbcgleiterin Hedwig B ü s ck e l auS Cbarlottenburg angellagt. Jarccli ist seit 13 Jahren im Dienste der llutergrundbahii und icit 10 Jahren Zugführer, die Angekl. Büichcl versiebt seit einem Jabr das Amt einer Zugbegleiteriii. Am 8. Mai blieb auf der Slrccke vor dem Einfahrlsignal de? BahMoses Alexandcrplatz ein Zug wegen sckadhaftcr Lustdruckbremse liegen und es entstand eine Betriebs« störung. Zwei nachfolgende Züge konnten daher die Strecke nicht passieren und fuhren vorsichtig bis unmittelbar an den anhaltenden Zug heran. Das Aussuhrsignal am Bahnhof Schönhauser Tor staud infolge dieser Betriebsstörung auf Hall. In solchen Fällen darf vorschriftsmäßig das Signal erst übersabren werden, ivenu der Zug eine Minute gehalten hat und seitens des Stationsbeamten eine besondere Erlaubnis zur Weiterfahrt gegeben wird. Wie weiter vorgeichriebeir ist, hat sich dann die Zugbegleiterin sofort in den Fahrerstand hinein zu begeben und darauf zu achten, daß der Fahrer die weiter vorgeschriebenen Ticherheitsmaßregcln nicht überschreitet. Nach der Fahrdicnstvorschrift durfte der Zug an übersichttichen Stellen mit höchstens 15 Kilometer Skunden- geschwindigkeit und an unühezsichtlicheu Stellen mit höchstens 5 Kilometer Geschwindigkeit so lange weiterfahren, bis zwei aus- einander folgende Hauptsignale aus sreie Fahrt stehen. Der Angeklagte Jarecki, dem von seinen Vorgesetzten-das Zeug- nis eines sehr zuverlässigen, vorsichtigen Mannes gegeben wird, bei dem in seiner langen Dienstzeil noch keinerlei Unzuträglichkeiten vorgekommen sind, hat nun am 8. Mai diese Bor- schriflcn außer acht getanen und ist mit einer Geschwindigkeit von über 15 Kilometer angefahren und ist auch in die Kurve mit dieser hohen Geschwindigkeit von 15 Kilometer eingefahren. Da sah er plötzlich den letzten hallenden Zug stehen, er konnte bei der großen Geschwindigkeit seinen Zug nicht mehr zum Halten bringen und es kam zu einem Zusammenstoß, bei dem 2 Personen schwer und 35 leichter verletzt worden sind. Außerdem ist eirr erheblicher Materialschaden enlstauden. Der Angeklagten Büschel wurde zur Last gelegt, daß sie zwar den Fahrerstand betreten, den Fahrer aber nicht von dem Einschlagen dieser zu großen Geschwindigkeit abgehalten habe.— Staatsanwalt G e n tz beantragte gegen Jarecki 2 Monate, gegen die Büschel 1 Monat Gefängnis. Justizrat Sonnenfeld hatte Beweis dafür angeboten, daß Jarecti an jenem Tage kränklich war und einen benommenen Kops hatte. Er hatte auch davon Anzeige gemacht, habe sich aber doch zugetraut, mit Rücksicht auf den Personalmangel seine Pflicht zu erfüllen und in dem kritischen Moment nicht die genügende Willenskraft gehabt, den Zu- sammenstotz zu vermeiden. Eine Fahrlässigkeit falle ihm nicht zur Last.— Für die Angeklagte Büschel machte Justizrar W r o n k e r geltend, daß diese eine Gefängnisstrafe unmöglich ver- dient habe, sondern durch eine kleine Geldstrafe genügend gelrossen würde, da sie begreiflicherweise geglaubt habe, sich auf den lange Zeit dienenden und als zuverläisiz bestens beleumdeten Zugführer verlassen zu können.— Das Gericht verurteilte Jarecki zu einem Monat Gefängnis, die Angeklagte Büschel zu SO Marl G e l d st r a f e, !Te. 2SS ❖ 34. Fahrgang 2. Äellage des Vorwärts Ireltog, 12. Gktober 1H17 Um gleiches Recht in öer Gemeinöe. Berliner Stadtverordnetenversammlung. Vorsteher Michelct eröffnet die Sitzung nach Uhr. Die Einführung unö Verpflichtung der neugewcihltcn Mit- glieder Präsident der ReichsentfchädigungskoMmission Geh. Justiz- rat Dr. H i e k m a n n, Direktor der Rütgcrswerke Karl Müller. Kaufmann und Handelsrichter Hugo H e i l m a n n wird vollzogen. Die Fristen für die Bebauung des Schcunenviertels werden gemäß dem Magistrats antrage um 4 Jahre bis zum 1. April 1321 bzw. 1924 verlängert. Sozialdemokratischer Wahlrechts-Antrag. ?lm 11. September hat die sozialdemokratische Frak- t i o n(Stadtv. Hoimcmn und Genossen) folgenden Antrag cinge- bracht: Die Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu er- suchen, an den preußischen Landtag namens der Stadt- gemeinde eine Petition zu richten, in der die Ein- rührung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Gemeindewahlrechts nach dem System der Verhältniswahlen für alle über 2 0 Jahre alten Einwohner der Gemeinde ohne Unterschied des Ge- schlechts und unter Aushebung aller Aorrechte des Besitzes gefordert wird. Stodtv. Hermann(Soz.): Schon einmal hat ein ähnlicher An- trag Singer die Versammlung beschäftigt, sie hat ihn aber nicht angekommen, da �er angesichts der Stimmung des Landtages aus- fichlslos schien._ Seitdem sind 17 Jahre vergangen, und zumal die letzten drei Kricgsjahre haben die Auffassungen in den weitesten Volksschichten auch über die Nottvcndigkeit der Wahlreform, der Umgestaltung der politischen Verhältnisse Preußens ün Sinne der Demokratisierung ganz erheblich reformiert und revolutionieret. Da haben wir es für erforderlich gehalten, auch die Berliner Stadt- Vertretung vor die Entscheidung über eine Reform des Gemeinde- Wahlrechts zu stellen. Die geheime Wahl war die Regierung schon vor 49 Jahren zu konzedieren bereit. Den Liberalen ging aber 1876 die betr. Vorlage lange nicht weit genug; insbesondere sprach sich Eugen Richter damals durchaus im Sinne des o llge- meinen Wahlrechts aus. Tie Konservativen, die 1848 noch gegen jeden Zensus waren, standen 1876 aus dem Standpunkt des„Mit- ratcns und Mittaten»", auf den sich 1999 hier in diesem Saale auch die Freisinnigen stellten, wie sie denn auch später, z. B. 1996, im� Landtage diese rückständige Auffassung verfochten, tlllan ersteht daraus: alle Wahlrochtssragen sind Machtsragen. Es wäre hochersreulich, wenn der Krieg, der große Umstürzer, auch hier einen Wandel herbeigeführt hätte. Die Hinübcrrettung des „Sckützcngrabengeistes" in den Frieden wird ohne eine solche Re- form in unserem Sinne eine Unmöglichkeit sein. Auch Pastor D. Naumann fycbt für Zenfuswahlrcchte nach diesem Kriege absolut keinen Rauin mehr. Unhaltbar wie das Dreiklassenwahlrecht würde auch jedes ZcnsuSwahlrccht sein, denn diese? ist mindestens ein Zweiklassenwahlrccht. ES gibt keinen Grund, einen Unterschied zwisckcn hoch entlohnter und kärglich entlohnter Arbeit zum Zweck der Zumesjung politischer Rechte zu konstruieren. Wir fordern weiter die Verhältnisvxchl und das Fraucnwahlrecht. In diesem Kriege wäre unser Wirtschaftsleben ohne die bewundernswerte Leistung der Frauen zugrunde gegangen; da mutz der Dank an sie endlich auch durch Taten zum Ausdruck kommen. Schon vor dem Kriege besaßen in vielen Staaten die Frauen das Wahlrecht, zum Teil oncki zu den gesetzgebenden Körperschaften, so in Australien, in der Union, in Rußland. Dänemark, Norwegen, Weite Kreise der bürgerlichen Frauenwelt stehen ebenfalls zu unserem Antrag. Die Wahlmündigkcit vom zwanzigsten Jahre ab ist schon als Konsequenz' der Dienstpflicht geboten. Die Aufhebung aller Vorrechte des Bc- sitzes zielt auf das Hausbesitzerprivileg, der Hinweis schien uns nouvendig, weil man in den HausbesttzeJ?ereinen jetzt mehr denn je zuvor aus der Erhaltung dieses Privilegs besteht. Lassen Sie unserem Antrag eine gründliche Beratung zincil werden! Stadtv. v asscl(Linke): Die Reform, um die es sich hier handelt, wird erst nach dem Kriege zur Verwirklichung gelangen. Namens der beiden bürgerlichen Fraktionen lege ich folgenden Antrag vor: Mit Rücksicht darauf, daß die Stadtverordnetenversammlung von Berlin schon seit Ringer Zeit eine der modernen Sntwick- lang und gerechten Anforderungen gemäße grundlegende Ten- derung des Gemcindcwaljlrcchts für erforderlich erklärt hat. daß die innere Entwicklung Preußens auch diese Aenderung im Wege der Gesetzgebung wird herbeiführen müssen, daß es zu diesem Zweck wünschenswert erscheint, daß Magistrat und Stadtvcr- ordnetenversainmlung von Berlin eine begründete Vorstellung über die bei dieser Aenderung zu beachtenden Grundsätze an die königliche Staatsregierung und den Landtag richten, ersucht die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, mit ihr in gemischter Deputation hierüber zu beraten und übcrtveist dieser Deputation den Antrag Heiniann und Genossen zur weiteren Beratung. Redner führt weiter aus, daß er persönlich den früheren Stand- Punkt hinsichtlich der Bindung des Wahlrechts an eine Steu»rs leistung nicht mehr unbedingt festhalten könne; er müsse anerkennen, daß auch ein„Mittaten" ohne Steuorleistung denkbar sei. Es müsse aber auch bei der Gestaltung des Wahlrechts das besondere Verhältnis der Städte berücksichtigt werden.'(Hört! hört! bei den Soz.) Für die Slusdehmmg der Altersgrenze bis zu 29 Jahren herunter sei er und seien seine Freunde nicht zu haben, wie sie sich überhaupt noch nicht eine ganz bestimmt umschrieben« Vor- stellung von der Gestaltung dcS neuen Wahlrechts machen könnten. Das gelte auch vom Frauenwahlrecht. Um kommunal vorwärts zu kommen, sei aber nicht nur die Wahlreform, sondern vor allein eine Erweiterung der stadtischen Befugnisse auf dem Gebiet« der Volizei und der� sonstigen Verwaltung, sowie eine weitere Ein» .chränkung der Staatsaufficht nötig. Oberbürgermeister Mermuth: Zum Antrage Cassel kann ich heut« nur erklären, daß ich ihn im Magistrat wärmstens befür- Worten werde. Der Umgestaltung der Gemcindcderfassung muß die Reform des Landtags, der allgemeinen Verwaltung und Staats» mifsicht und die Reform der Verfassung von Groß-Berlin voran- gehen. Die Atoeichung von dieser Reihenfolge wäre für uns eine Gefahr. Die Landesverfassung und Landesverwaltung ermöglichen bis jetzt die Eindämmung und Einengung der Selbstverwaltung. Wir vertrauen fest auf eine freiheitliche Entwicklung, diesem Ver» trauen und diesem Wunsche Ausdruck zu geben, hielt der Magistrat auch bei diesem Anlaß für geboten.(Beifall.) Stadtv. Rosenow(Fr. Fr.) stellt sich zu dem Antrag Heimann überwiegend sympathisch und hält eine Verständigung darüber, zumal nach den Ausführungen des Oberbürgermeisters, für ge- wiß. Man möge sich auch mit der Sache nicht zu viel Zeit lassen. Stadtv. Adolf H-ffmann(Unabh. Soz.): Die LiberÄcn haben durch den Antrag auf gemischte Deputation doch gezeigt, daß sie nur mit halbem Herzen bei der Sache sind. Der Antrag Heimann hätte von der größten Kommunalvertretung Preußens sofort an- genommen werden müssen. Der Antrag Cassel dient lediglich der Verschleppung. Auch um das Hausbesitzerprivileg ist man heute überbehutsam herumgegangen. DoS Frauenwahi recht wird auch gegen den Willen der Freisinnigen kommen. Den Antrag Cassel können mein« Freunde nicht annehmen. Damit schließt die Beratung. Persönlich stellt Stadw. Sonncufeld(Linke) fest; daß er sich mit Cassel in voller Uebereinstimmung befindet. Stadtv. Hetma»»: Meine Freunde sind nach dem Gange der Beratung nicht in der Loge, gegen den Antrag Cassel zn fti-mmen. Wir behalten uns unsere Stellungnahme zu dem Ergebnis der Dcputationsberatungen vor, die hoffentlich auch nicht"verschleppt werden. Der Antrag Cassel wird darauf gegen eine kleine Minderheit angenommen. Ein Antrag der Stadtvv. Barthclmann und Genossen (Unabh. Soz.) gAst dahin, den Magistrat zu ersuchen, die bisherigen Preise für die Por- tionen der M a s sc n s pe i su n g nicht zu erhöhen. Räch einer GeschäftsordnungsdÄattc, an der sich Stadtvv. Dr. Wehl(Unabh. Soz.), Hcimann, Cassel, Stadtrat D p f- Den die Mark, i dm Groschen, den Pfennig heraus aus den Taschen! Wie viele Schneeflocken Lawinen ergeben, wie viele kleine Ameisen die Teile zu einem großen Bau zu- sammenschleppen, so müssen bei der ?. Kriegsanleihe aus ungezählten kleinen Zeichnungen die Milliarden erwachsen, die dasVaterland braucht, um den Trotz der Feinde endgültig zu brechen. Darum zeichne! lein und der Oberbürgermeister beteiligen, wird be- schlössen, den Gegenstand für heute abzusetzen, da vom Magistrat eine Vorlage, diesen Gegenstand betreffend, alsbald der Versammlung zugehen soll. Dem Wunsche Schönebergs enffprechend Jucht der Magistrat das Einverständnis der Versammlung nach, Schulkinder aus Schöneberg in die Berliner Begabte»schulen auf- zunehmen. Die Zahl 19 soll dabei nicht überschritten werden und die Zusage vom 1. April 1918 ab auf 3 Jahre gelten. Die Zustimmung wird erteilt. GrofrBeriin Um das Gememüewtchlrecht. Gestern kam die Berliner Stadtverordneten- Versammlung endlich dazu, den Antrag auf Ab- ändcrung des Gemeindewahlrechts zu beraten, der schon vor Wochen von der damals noch ungeteilten s o- zialdemokratischen Fraktion eingebracht wunde. Genosse Hcimann, der ihn begründete, kennzeichnete in einer vortrefflichen Rede die Ungerechtigkeit und Sinnlos gkeit des Klassen Wahlsystems, das aus Unterschieden des Einkommens die angebliche Berechti- gung einer W a>h l r e ch t s s ch m ä l e r u ng der Minderbemittelten herleitet. Unter Hinweis auf die durch den Krieg geförderten Bestrebungen zur„Demokratisierung" zeigte er die Berechtigung unseres Antrages, der das allge- meine, gleiche, direkte, geheime Gemeindewahlrecht für Männer und Frauen vom 20. Lebensjahr ab fordert. Stadtver- ordneter Cassel, den unser Redner an das Schicksal eines früheren Wohlrechtsantrvges der Berliner sozialdemokratischen Stadtverordneten erinnerte, bemühte sich, sein da- maliges Wort vom„Mitraten und Mittaten" jetzt umzudeuten. Er unterließ aber ebenso wie nach ihm der Stadwerordnete R o se n o w, sich darüber zu äußern, für welches Gem eiird ewahlrecht denn heute die Freisinnigen ein- treten wollen. Bezüglich des Wahlrechts der Frauen sagte Herr Cassel nur, daß man es ernstlich in Erwägung ziehen werde. Das Wahlrecht vom 20. Lebensjahre ab zu gewähren, lehnte er rundweg ab. Oberbürgermeister Mermuth griff in die Debatte ein mit der Erklärung, er werde beim Magi- strat den Antrag aufs wärmste befürworten. Er fand jedoch, daß der Zeitpunkt nicht gut gewählt sei. In einem Schlußwort wurde von Ad. Hoffmann, dem Redner der Unabhängigen, die Zweideutigkeit der Haltung des Freisinns beleuchtet. Änge- nommen wurde ein von den Freisinnigen gestellter Antrag auf Beratung in einer gemischten Deputation. Für ihn stimmte auch die sozialdemokratische Fraktion, weil ja ihr Wahlrechtsantrag aus die Zweckmäßigkeit eines gemeinsamen Vorgehens von Stadtverordnetenversammlung und Magistrat hindeutet._ Umtausch von Zusatzbrotkarte« in Reisebrotmarke«. Die zum Bezüge einer Zusatzbrolkarte berechtigten Arbeiter, insbesondere Monteure, die von ihrem Arbeitgeber vorübergehend außerholb des Bezirks, in dem die Groß-Bcrliner Zuiatzbrolkarte Gültigkeit hat. beschäftigt werden, können knnstig ihre Zusatzbrot- karten in Reisebrotmarke» umgetauscht erhalten. I Schwciuezählung. Am 15. Oktober findet im Deutschen Reiche eine Schweine» zählung statt. Die Ausführung der Zählung liegt in Berlin dem Magistrat und dem königl. Polizeipräsidium ob. Die Zählung selbst wird durch vom Magistrat beauftragle Zähler vorgenommen. Die Ergebnisse der Schweinezählung dürfen nur zu amtlichen, statistischen Arbeilen, jedoch nicht zu Steuerzwecken benutzt werden, sie dienen lediglich den Zwecken der Staats- und Gemeindeverwaltung und der Förderung wissenschaftlicher und gemeinnütziger Aufgaben. Ueber die den Viehbcsitz des cittzelucn belreffenden Nachnchlen wird das Amtsgeheimnis gewahrt. Wer vorsätzlich eine Anzeige nicht erstattet oder wissentlich unrichtige oder unv ollständige Angaben macht, wird bestraft. Schleichhandel mit Schuhwaren. Nicht nur mit den begebriesten Lebensmitteln findet ein umfang- reicher Schleichhandel statt, sondern auch— wie die jüngst erfolgte Beschlagnabme von Sloffen bei einigen Berliner Firmen bewies— mit Webwaren und neuerdings auch mil Schuhe n. In Stultgart hat daS württembergischc KriegSwucheramt zwei Schuhwarenhändlcr festgenommen, die Schuhe zu Wucherpreisen im Wege deS unerlaubten EmkauiS an sich zogen und zu noch höhere» Preisen verkauften. Im Zusammenhang mit ihren Machenschaften hat sich eine Reihe von Schuhfabriken in Tuttlingen grober Verstöße gegen die Vorschriften über den Ver- kehr mit Schuhwaren schuldig gemacht. In Berlin hatten dem.Schuhmarkt" zufolge zwei ehemalige Möbelfabrikanten eine„Kriegsschuhfabrik" eröffnet, deren Betrieb jedoch zur Still- lcgung verpflichtet wurde. Trotzdem fabrizierten sie Kriegssnefel weiter, und als ihnen dies untersagt wurde, verlegten die Fa ii- kanten ihren Betrieb in das nächste Stockwerk. Es blieb i UeberivachungsauSschuß für die Schuhindustrie nicht? übrig, als die beiden Inhaber zu verhaften und den Betrieb zu schließen. Der« artige geheime Fabriken nähren den Schleichhandel. In Pirmasens scheinen demselben Fachblatt zufolge noch mehrere„Auch-Schuh- fabrikanten' trotz der Verbole weiter zu fabrizieren. Vom Borstande der sozialdemokratischen Fraktion des Berliner Rathauses erhalten wir die Nachricht, daß Genosse Ewald durch Schreiben vom 5. Oktober die Erklärung abgegeben hat, er scheide aus der sozialdemokratischen Fraktion nicht aus. Vor cinigeu Tagen wurde durch eine Lokalkorrespondenz gemeldet. Gen. Ewald sei der Fraktion der Unabhängigen als Hospitant beigetreten. Diese Nachricht ist also unrichtig. Musterung der Oesterrricher und Ungarn. Alle in den Jahren 1897 bis 1899 geborenen österreichischen und ungarischen Staats- angehörigen bezw. bosnisch-herzegowinischen Landcsangehörigen werden in der Zeit vom 29. bis 27. Oktober einer neuerlichen Musterung unterzogen werden. Zu erscheinen haben ohne Ausnahme olle in den Jahren 1897, 1893 und 1899 Geborenen, die thren ständigen Ausenthalt in Groß-Berlin, in der Provinz Branden- bürg, in der Provinz Sachsen bezw. im Herzogtum Braun- schweig haben, und zwar in der Landwehr« Inspektion, Berlin- Schöneberg. General- Pape- Straße, um 8 Uhr, und zwar Jahrgang 1897 A bis K 29., L bis Z 22. Oktober, Jahrgang 1898 A bis K 23., L bis Z 24. Oktober; Jahrgang 1899 A bis H 25., J bis O 26., P bis Z 27. Oktober. Sämtliche Ausweispapiere und zwei behördlich bestätigte, unaufgezogene Photographien sind mitzubringen. Auch die den früheren Jahrgängen bis einschließlich 1865 angehörenden noch nicht Gemusterten haben sich zu dieicr Musterung zu melden. Der Jahrgang 1999 ist erst ab 1. Januar 1918 landsturmpflichtig. „Warum ein Privatmonopol?" Zu unserer Notiz in Nr. 274 teilt uns der Berliner Magistrat mit, Laß die sraglichen Formulare schon seit einiger Zeit nicht nur bei einer, sondern bei mehreren Druckereien vorrätig sind. Ein Zwang der Abnahme gerade bei diesen Firmen bestehe nicht, auch stehe cS jeder anderen Druckerei frei, die Formulare herzustellen mrd zu verkaufen. Wegen Herabsetzung der Preise schweben zurzeit Verhandlungen. Der Magistrat, Ableilung für Brotversorgung, sei weder am Druck noch am Verkauf irgendwie finanziell beteiligt. „Im deutschen Sudan" heißt der Titel eines LrchtbildvortrageS, den der Asrikareisende Hans Schomburgk am Sonntag, den 21. Oktober, mittags 12 Uhr, im Ilnion-Palast, Kurfürstendamm 26, halten wird. Die den Vortrag begleitenden FilmS sind auf einer zehn« monatigen Forschungsreise im Hinterlande von Togo durch den Vortragenden aufgenommen worden.— Der Gesamtertrag der Veranslaltmig ohne jeden Abzug fließt der im Kommaudo der Schutztruppen verwalteten„Deutschen Kolonial-Kriegerspende" zu. Eintrittskarten zum Preise von 19 M. sind bei der Geschäftsstelle der Deutschen Kolonial-Äriegerspende, Berlin W 8, Mauerstr. 45)43 (Kommando der Schutztruppcn) erhältlich. 1500 Dutzend Strümpfe. In ein großes Wollwaren« und Trikotagcnlager ist augenblicklich daS Zimmer 82a des Polizei- Präsidiums umgewandelt. Ein schwunghafter Handel, besonders mit Strümpfen, die doch auch nur auf Bezugscheine ausgegeben werden sollen, erregte die Aufmerkiamkert von Beamten. Sie gingen den Spuren nach und fanden in der Wohnung einer Händlerin in der Kleinen Andreasstraße nicht weniger als 1599 Dutzend Strümpfe, dazu noch viele wollene Handschuhe, die zum Teil noch die Aus- zeichnungcn tragen. Alles wurde beschlagnahmt und nach dem Polizeipräsidium gebracht. Die Händlerin, die mit Bündeln von Kneipe zu Kneipe zog. behauptet, daß sie die Sachen iin Jahre 1914 als Particwaren erworben habe. Sie verkaufte sie jetzt erst, zu sehr hoben Preisen. Wahrscheinlich stammt alles aus noch nicht auf« gedeckten Hausdienerdiebstählen in Warenhäusern und Trikotagen- geschästeir. Die Eigentümer können sich im Zimmer 82a melden. Charlotteuburg. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte am Mittwoch die vom Magistrat beantragte Erhöhung der Preise für Wasser, Gas und Elektrizität, nachdem der mit der Vorberatung der Borlagen betraute Ausschuß nach ein- gehender Prüfung die Notwendigksit der Erhöhung anerkannt hatte. Außerdem beschäftigte sich die Versammlung mir mit unbedeutenden Borlagen, darunter der betr. Vermietung des Ratskellers, die einem Ausschuß überwiesen wurde. Den Schluß der Sitzung bildete die Besprechung einer, Anfrage über die Einschränkungen, die bei Wohnungen mit Zentralheizung getroffen sind. Wie aus der Debatte hervorging, herrscht über die Verordnungen deS Kohlenverbandcs Groß-Berlin die denkbar größte Unklarheit. Oberbürgermeistir Dr. Scholz versprach denn auch, auf die amtlichen Stellen einzuwirken, damit sie eine neue Heiz- Verordnung erlassen. Ob dies Bemühen Erfolg hat, bleibt abzu- warten. Jedenfalls sind von den bisherigen Maßnahmen weder Mieter noch Vermieter beftiedigt, und es ist dringend notwendig. daß die etwaige neue Verordnung nicht wieder über den Kopf der Groß-Berliner Gemeinden erlassen wird. — Lebensmittel. Zum Ausgleich für die Kürzung der Milch- Portion erhalten die Kinder vom 2. bis zum 4. Lebensjahre Ersatz durch Ausgabe von Nährmitteln, und zwar wird für den Monat Oktober gewährt: a> den Kindern im 2. Lebensjahre, außer dem ihnen bereits zugeteilten 1 Pfund Nährmittel ein weiteres Pfund Nährmittel(Haserfabrikate oder Weizengrieß), d> den Kindern im 3. und 4. Lebensjahre 2 Pfund Nährmittel(Haferfabrikale oder Weizengrieß). Tie Abgabe der Bezugscheine erfolgt durch die zuständigen Brot- kommissionen. Diese sind werktäglich von 19—4 Uhr geöffnet. Die Bezugscheine können daselbst vom 16. Oktober ab abgeholt werden. Das Alter des für den Bezug von Nährmitteln in Betracht kommenden Kindes ist durch amtliche Urkunden iTaunchein, TeLuris« schein und dergl.) nachzuweisen. Tie Nähiiiniicl selbst können sosort gegen Vorlegung de» Bezugscheine« in den S6 dafür zugelassenen Geschäften bezogen werden.___ Reuköllu. Städtischer Verkauf von lebenden Hühner» und Enten. Wie im Vorjahre ist e» auch in diesem Jahre dem Magistrat gelungen, erbebliche Mengen von lebenden Enten und Hühnern ein- zusühren. Die Abgabe der Enten und Hühner findet an jedermann auf dem Grundstück Richardstr. 20, täglich von 11 bis 1 Uhr, statt. Wilmersdorf. Zusqh-Nährmittel für Kinder. Zum Ausgleich für die Kürzung der Milchporlionen erhalten Kinder im 2. Lebens« jähre außer dem ihnen bereit» zugeteilten Pfund Haferflocken ein weiteres Pfund Haferflocken, Kinder im 8. oder 4. Lebensjahre 1 Pfund Haferflocken und 1 Pfund Weizengrieß- Die Ausgabe dieser Zuiatz-Näbrmittel erfolgt auf Grund von Bezugscheinen. Diese Bezugscheine werden in der Zeit vom IS. bis 18. Oktober an die Hauöhaltiingkvorstände oder deren Vertreter lnicht Kinder) zugleich mit den für den Monat Nobembor bestimmten Vollmilchkartcn der dafür vorgeschriebenen AuSgabeordnung gemäß durch die Brot« kommissioneir verteilt. Die Entnahme der Waren darf von Man« tag, den 22. Oktober, ab in einenr der für den betreffenden Brot- kommissionSbezirk in ffrage kommenden, auf der Rückseite der Bezug- scheine ausgedruckten Geschäfte erfolgen. Die Kunsthalle Wilmersdorf sPariscr Straße 4S) befaßt flch in ihrer Thealerkane während der Stunden von 10 bis K Uhr fsonn- l tags 12 bis 2 Uhr) mit dem Vorverkauf von Theaterkarten. Für/ SauntagnachmittagS-Borstellungen sind Karten zu ermäßigten Preisen zu haben. Spandau. LrienZmittrk. Heute beginnt der Verkauf der städti- schen Butter auf Butterobschnitt III der Lebensmittelkarte. Auf jeden Abschnitt werden 80 Gramm zum Preise von 48 Pf. voraus- gabt. Mit Ablauf von Donnerstag, den 18. Oktober, verliert Feld IH feine Gültigkeit. In einer großen Anzahl von Geschäften sind noch Suppen gegen Abtrennung von Feld 3 der Lebens- mittslkarte zu haben. Feld 3 verliert mit Ablauf von Freimg, den 12. d. M., feine Gültigkeit. Verbleibende Reste dürfen vom Freitag ab ohne Abtrennung eine» Felde» der Lebensmittelkarte verkauft werden. Kondensierte Milch auf ärztliche Bescheinigung wird in den Apotheken nicht mehr abgegeben. Die Aerzte sind gebeten Warden, kondensierte Milch bis auf weiteres nicht mehr zu der- ordnen. Ueber den späteren Bezug wird noch Bekanntmachung er- folgen._ FriedrichShagen. LelenSmittel. Heule gelangen auf Abschnitt SS der Lebensmittelkarte entweder 1S0 Gramm Makkarani zum Preise von 22 Pf. oder 1S0 Gramm Graupennudeln zum Preise von IS Pf. zur Verteilung.— Ferner kommen in der Lebensmittel-Verkoufsstelle der Gemeinde Weißkohl, Sellerie und Obst zum Verkauf.— Die durch die Gemeinde hergestellle Wurst kostet 2,20 M. das Pfund. Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 22 der Eierkarte wird ein Ei(30 Pf.) abgegeben.— Die Anmeldung zur Kar- taffelkundenliste erfolgt auf Lebensmittelkarte Abschnitt 117 (nicht III).__ NowaweS. AuSlandSmarmelabe. Auf den Kartenabschnitt 13 der Lebensmittelkarte findet die Ausgabe von AuSlondSmarmelade statt. Die Karteninhaber haben am Freitag, den 12. und Sonn- abend, den 13. d. Mls., den LebenSmillelkartenabschnitt 13 bei den Klemhändlern abzugeben, bei dem sie die Ware zu beziehen wünschen. Sie erhalten hierauf eine Bescheinigung. Das Pfund Auslands- marwelade kostet 1,80 M. Die Warenmenge die auf den Karten- abschnitt 13 entfällt, wird noch bekannt gegeben. Die Abgabe der LebenSmiltelkartenabschnitte verpflichtet zum Bezüge der Ware. An- Meldungen, die nach dem 13. d. Mts. beim Kleinhändler eingehen. bleiben ohne weitere» unberücksichtigt. Groß-Serliner Partemachrichten. Sozialdemokratischer Verein für Berlin Vl. Montag, den 15. Oktober, abends 8 Uhr, findet im Restaurant von Sachse, Lindower Straße Nr. 26(direkt am Bahnhof Weddingl, eine Frauen« Versammlung für die Mitglieder de» S. Berliner Wahlkreises statt. Vortrag der Genossin Martha Hoppe über:„Die Pflichten der Frau im Kriege". Aussprache über Sgitation. Direktion: dien Uoinvnrät. OeutRcKe» Tfteater. 7 Uhr: Der lebende Leichnam. Sonnabend: f'aast. Sonntag aobra.(halbe Preise):]Minna von Barnhelm. Kammerapleie. 8: Eine gUicklichc Ehe. Sonnabend: Faschino. Sonntag naebm. 2'/, U.(halbe Preise): Gespenster. VolKubtiluic. Theater am Bdlowplatz. üntergrundb. SchSnh. Tor. 7'/,: Äatlian der Welse. Sonnabd.: Das Wintermärchen Dir C. MeinhirtT-�Rs Bernäüer. Theater a.Königgrätzerstr. 7*1, Uhr: Erdgeist. Komödienhaus 7,,'4Ubr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater T'/jU.: Die tolle Komteß. Theater für Freitag, den' 12. Oktober. Metropol-Theater vhi: Die Rose von MsI. Sonntag 3 ühr: Die Kalaefin. ( C'ontral-Theator, Kommandantonstraße 57. 7'/,: I>le Csardaaf Urstin Sonnt. 3'/t U.: D Glflck imWinkel Beataches Öpernhans 1�... Da» goldene Kreuz. • Die plfiekliohe Insel. Friedrlch-Wilhelmst. Theater �.uhr: Das DreiiÄrte. Kleines Theater 7v, uhr: Bürger Schippel. MMN» Letzte Saison in Berlin. Freitag, 12. Okt. abds 8 Uhr:| Nationaltag. RmMj d. Varietes n. Zlrkne| Oes unübertroffene neue Mus-Sport-PropiiBiL Einmaliges Gastspiel des Herzoglich Sächsischen „.".S., Dario Palnl. Nadctara, SSl'Ä so»'. cl. iibrlfiSpezialitgten. I Der neue ußifangreiclie -Spielplan NATIONÄL-THEÄTER 'iß Uhr. Cöpenicker Str. 68. Täglich bei ausocr.'austem Hause: Das ist die Liebe! Operette in 3 Alten von Döblin. Mulit von Walter Bromme. Borok.ab l0-S u.« I1br(a. Tlcp>. FrtchtriehslraDe an der Kochstr. Dir. Jaraes Klein. Allabendlich 7-,'. Uhr: Theaterk. unnnterbr. geöffn. Sonntags; Ä Vorstellungen, S'/j und 7'/, Uhr. � Kerkau-Palasl Behrenstrase 4» Im 1. Stock Punkts U. nm.; Marionetten Unt. ander, werd. s orget.: Francilla Kaufmann Lucia Kieselhausen Klassische Tänze Sent U'ahesa Orientalisohe Tänze Robert»teldl Gebrüder Wille Hand- u. Kopf-Akrobaten Saleme der berühmte Jongleur Blende! am Schwungseil Toto der unverwüatl. Olowu Hochinteress. f. Erwachs. und Kinder, jung und alt Keine erhöuten Preise für Getränke erster Güte. Eintritt u. Garderobe frei. Knneont d. allbekannten uüllicrl Gottschalk-Kan. ■»-Ii i Rose-Theater, 7'/, Uhr; Der Weiberfemd. KomlHche Oper 71/, Uhr: SchwarzwaldmUel. Sonntag 3»/, Uhr: Die Dcso 8r, MajosiSt. Lustspieihaus . Dia blonden Mädels i ,4Lnr. ¥em LjBijeB|,0(. Neues Operettenhaus Schifrbd. da. Kasäent..Nd.281 ,,,... Slalil und Oold. T'/.ühr. Der gojda,|#r Marie Realdenn-Tbeatcr TVDhr: Dyekerpotts Erteo. Hchlller-Vheater O 7«/, uhr: Der RbyIsop. ScblUer-Tta. Chart. uz. uhr: ÄuläerSoiiiecsEitE Thaltn-Thentcr v&.. Egon iinil seine Fraoen. Theater des Westoas 7v.uhr: Der verlieiite Herzog mit Guido Thielsoher. URANIA 8 Uhr: I»r. Preyer; Deutsche Acsiandsarbeit. Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich: Der Mann seiner Frau. Sonntag nachm. 3 Uhr: Wenn der Flieder blüht... Abb». 7 11: Der Mann seiner Frau. Äaffenerönn. 61/,, Ansang 7'/, U. Trianon-Theater Gacrgenstr., Bhf. Friedriehstr. 1 ,8 L. Allabendlich V.S U. Der LebensseiiQler. Schauspiel von Ludwig Fulda. Kaiser-Tit», Ida Wüst. v.MöllendoriT, Kettner, Flink. Sonntag 3'/,: iohannisfauer. Tägl. 7V,. Sonnt 31/, a.71/, stet lim fünn Schwank mit Wilhelm HartMteln. Ferner: 10 Deutsch-Polnische Tanzsteme, Kansi Immans weiße Dackel, 3 Ciaeros, 2 Br.rgheir's Demokritos, 2 Lansons. Freitag, 12, Okt 1917, T'/.Uhr: Nat3onaltag »um Besten de« „Heimatdank" des VarletS and Zirkus Paritätisch. Krlegswohllahrts- Fonds. Oia gesamte Einnehme ohne Kürzung wird dem obigen Fonds zugeführt. Das gr. Zirkus- Programm und zum Schluß: „Die S Pierrots" Ein lustiges Spiel. AuBerdem Einläse: Zum Kampfe enlschioseen— Zum Frieden bereit! Vielseitigen Wünschen entsprechend Sonnabend, den IS. Oktober, naehmillags abermals: GroBel Ii," Sonder Jugend- 1 rrh- Vorstellung.■ I SK IM stSfrei! Walhalla-Theater. TV. Uhr: Zigeuner. Casino-Theater Lothringer Straße 37. idäglich'iß Uhr: Wirklicher Humor!®v. Erfolg! Die Schlagerp osje Heiraten mnstte! Vorher der neue bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Gusle. die Perle. RelehsMIüi-Tlieater Stetifoer Sänger. Anfang 71/. Ihr. ied. Sonntag nachmittag 3 Uhr Verstollung z. ermBSigien Preisen! Logen 1 M., Parkett 73 Pf. Eintritt SO Pf. Billetts schon heute! Berliner Konzertes Mauorstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang 7V, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7'/, Uhr. An allen Wochentagen Xachmlttap-a-Konssert bei freiem Elntriii und»oller Orchcstti beseleu.ig LemMchaMham. Sonntag, den 11. Oktober 1917: ,tm großen Saal veranstaltet die z. Männer- u. 1.Lehrli«gS-Abt.deSTnrnverei«s„Fichte" einen Liebesgaben- Abend. Konzert, turnerische Aufführungen. Berliner Ulf- Trio, Dheater-Ausführungen. Gffen. 3,00 Z.OO In den anderen Sälen: Konzert und Gänsebraten. a Portion 4.00 M. mit Zubehör. Sonntag mittag: KürbiSsuppe..... 0,30 1 Entenbraten.... Teltow er Rüben m.Beilagc 2,00 Roastbeef..... Lchellfifch mit Senstunf« 2,00 1 Kompott, Salat. DM- Heute und morgen:'W Ein großer Posten frische, fette Hühner a Pfd. 5,25 M. Ei» großer Posten Eotcupökelfleisch. a Psb. 6,00 M. Ein groster Posten fette Ente»... a Pfd. L.vv M. Ein grosser Posten Spickbrüstc... a Psb. 12,00 M. Hühnerbrühe a Liter 00 Pf. und darin gekochte Hühner ei» Halbes 5,00 M. Am Sonnabend, den 13. Oktober 1V17: SevnlschMsiiznl(Wililrn«»>»» veranstaltet von den Künstler» Herrn Felix Gutdeutsch, Herrn Pros. Heinrich Grünfald, Opernsa ngerin Frl. Käte Jaeus, Herrn Bauer, Herrn Seldler-Wlnkler, Herrn Fritz Becker und Herrn Friedrieh Knllcke. Zum Bortrag gelangen u. a. Arie au» der Oper.Margarethe'... teibecöileht........... räumerei(Oeijenfolo). Ung Rhapsodie(Cellosolo). Eröffnung 7 Uhr.— Ansang 8 Uhr. von Sounod. von Schubert. von Schumann. VI« Xovltfit Abrakadabra Großes phantastisches Ballett auf dem Elte. 75/4 U. Vorzügl. Küche. 1000 bieten sich täglich dem, der es versteht, sein Wissen den Anforderungen der Gegenwart anzupassen; denn Wiesen ist Macht und Geld. 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Es ist dringende Pflicht aller Kollegen, auch derjeniz««. die zurzeit nicht als Bauanschläger arbeiten, pünktlich und zahlreich zu erscheinen.____ 183/3 Achtung! Gürtler! Achtung! Sonntag, den 44. Oktober 1917, vor«. 19 Uhr Große Versammlung der Berliner Gürtler u. Kronenschloffer im Saal X de» GewerftchaftShauses, Gngclufec 15. Tagesordnung: 1. Unsere Braucheuverhäleuisse. 2. Ergänzungswahl zur Zlzilationskoninnsfion. Mitgliebsduch legitimiert. Ewaelnd-n sind die Kollegen aller Lpezialgrupsien, gleichviel. wo sie z.g. beschäftigt sind u. wird zahlreiches Erschemen erwartet. Die Zahlstelle sür die Giirtler-Jnvalibenfasse zu Nerlin befindet sich vom t.OItobee ab bei Fr. WSblisch, Skalißer Str. 22 Buchtiallilluox Vorwärts Kerl In 8W. 6» Elsafi-Lethringen und die Sozialdemokratie Von Hermann Wendel. ♦ I n h a 1 1: EläaC-Lothrineen als Kriegsziel.— Geschichtliches. — Die deutsche Sozialdemc- I krstle und EIsai-Loihrinjen. — Nachvlerundvienlejahren.' — Die winschaftlicne Ver- knüplung.— ElsaS-Loth- ' ringen und Frankreich. Preis 75 Pfennig 1 »M.'M'VWstW VW'W'WMW I Moderne_ Kostüme, Mäntel, ciex. Kleider, Rocke aus la Stoffen, neuoeta Farmen! 218L* [ Ulster, Plüsch- u.Tuchmdntel Kostüme Kleider -Hüntel Jacketts Blusen I Regenmäntel! |(5r. Auswahl- alle Größen Fabrlklagor— Verkauf an Private. Michaelis auerstr. 80, i Trappt neben Konzcritzaus. 1 Senntag von 12- 2 geOHnet. Kranken-, Sterbe- und Znscbußkasse für ailnnl. Personen aller Berufe GroQ-Berlin. f'f a cb r u f, Am 80. September 1917 verstarb unser Mitglied Franz Koza Hutmacher. Ehre seine« Andenfen! 294/15 Der«orftauv. AdemilM«! 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BezirfSverwalL Groß-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richt. daß unser« Kollegin, dl« Lagerarbeiterin Frida Herrfsi von der Firma Berliner Konsumgenossensckast. Sich« tenberg, am 8. Oktober im Alter von 30 Jahren ver, starben ii'L Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Ok. tober, nachmittag» 4V, Ubr, von der Leichenhalle de» Städtischen Zentral. Fried- hoseS in FriedrichSsrtde au» stall. Nachruf. Den Milgliebern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rollkutscher Lrast Köhler von der Firma llSestphal. Keibelslr. 38, am S. Ltlobcr D lm Alter von SS Jahren ver- starben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschfensllhrcr Vütielm Kocbler am 7. Oktober Im Alter von 73 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Sludevfenk Die Bezirksverwallung Ju schmerzlicher Erinnerung zum 35. Geburtstage meine» lieben Manne», de» Ersatzreservisten Aogust Fioiitz Füsilier-Regt. 33, 6. Komp- I« meiner Nähe tut mir fehlen ein gute» Herz, so treu irnb rein; in«einem Herzen wirst Du leben, wirst mir ewig unvergessen sein. Ach, e» ist ja kaum zu soffen. daß Du nie mehr lehrst zurück, so jung mußtest Du Dein Leben lassen, zerstört ist nun mein ganze» Glück. Ein jeder, der Dich hat gc. fannt, der drückt mir nur noch stumm dle Hand. AIS Held liegst Tu nun ge» bettet. fühlst nicht» von schwerer Zell. Du bleibst mir unvergeffen in alle Swigleit. 4891 In treuem Gedenken Deine Dich liebende Gattin /tana Fielitz. Zum Sterbetage meine» einzigen lieben Sohnes und Bruders, de» Ersaß-Reservisten Willi Friede gefallen am 12. Ottbr. 1916. Zum fernen Grab schwelst tränenschwer der Blick in strtein Schmerz, wir können es nicht fassen, daß wir uns nicht mehr wiederleh'n. In Gram verleb ich, die Mutter, meine Tage, öd ist'S um un» her, denn mein einzig geliebter Sohn und Bruder lommt nicht mehr. Du Haft gehofft ans ein« frohe Steder. kehr, doch ach. Dein Bläh in unsere« Heim bleibt leer. E» gibt ein Weh, da» kein« Warte lindert, und einen Schmerz, den auch die Zelt nicht heilt. Ruhe saust. Du gute« Her, I Delue tiefbetrübt« Mutter 146« und Schwester»rida sowie verwandte. Rüdersdorf«. Str. 33. Uviversel.Vriefsteüer SJf) Mark, Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 8(Laden)._ Nr.2SH— 1�17 Unterhaltungsblatt des vorwärts Zreitag, 12. Oktober Das gesetzwidrige Wetter. Wiediel Altgewohntes. UeberlieferteS. nach früherer Anficht un« erichütterlich Feststehendes der Krieg auch eniwurzelt und umgestohen haben mag— der Begriff des Gesetzes hat in den letzten Jahren geradezu überwältigende Triumphe gefeiert. Mag die Zeit unS übrigens auch noch so sehr aus den Fugen geraten fein, mögen Moden und Sitten zerstiebt fein wie die leichteste Spreu im Wind, der Gesetzesbegriff Hot im Gegenteil Gesetze aller Art in den Vordergrund gerückt und ihre Zahl wachsen lasten, als sei die Kriegslust dem Gesetze im allgemeinen ebenso.�giinstig, wie die Tropenatmosphäre den Pflanzen. Man mag sich über allerhand Einschränkungen beklagen: aber niemand soll behaupten, daß die WelttriegSmenschheit an Gesetzes« mangel leidet. Es begann— am ersten Tage der Mobilisierung— mit der Erklärung deS Kriegszustandes. Dieser im Gesetzbuch sehr ausführlich vorgesehene und reichlich mit Einzelheiten bedachte Zu- stand schließt schon allein eine Menge von Paragraphen in sich, die dem Bürger mit genügender Deutlichkeit klar machen, daß der Krieg nichts weniger als eine außerhalb der Gesetze stehende An- gclegenheit sei. Jeder hat damals staunend eine lange Liste höchst ernsthafter Bestimmungen gelesen. Er hat mit einem leisen Schauer zur Kenntnis genommen, daß kein einziger Mensch sich zusammenrotten dürfe, er hat mit Verblüffung erfahren, daß .Kunstbauten' nicht etwa Museen und Denkmäler find, sondern Kasernen. Depots, Fabriken und Brücken, und daß man deren intime Umgebung nicht zum Schauplatz ausdauernder Spaziergänge wählen solle. Aber all dies war nur ein bescheidener Anfang, das charakteristische Vorspiel. In buntem Durcheinander, aber in ununterbrochener, mit aner- kennenSwerter Energie fortgeführter Reihe kamen die Gesetze. Ver- ordnungen und Erlaste, die erst nach und nach erfunden wurden, und die ErnShrungSfrage vollends ist gewistermaßen zu einem rauschenden, unversieglichen Geietzesquell geworden. Dies galt nicht etwa allein für dies fanatisch ordnungsliebende und verordnungSsüchtige Deutschland, sondern für alle krtegführen- den Länder. England, daS srüher über derlei spotten zu können glaubte, hat sich nach und nach eine funkelnagelneue Riesengesetzes- bibliothek angeschafft, die noch innner durch Nachlieferungen und Ergänzungsbände verstaut wird. Und Frankreich, die.freie* Republik, kennt heute Geietze wie Sand am Meere, gar nicht zu sprechen von den Verordnungen, die es erlassen hat, ohne daß seine beglückten Bürger sie kennen oder kennen lernen wollen. Dabei gibt es kaum em Gebiet, vor dem die GesetzeSflut respektvoll halt gemacht hätte. Selbst die einzelnen Organe deS Körpers, ganz besonders der Magen, mußten sich den Gesetzen beugen. Ein besonderer Triumph der Gesetzgeberei aber bestand darin, daß sogar der als rmtaftbar verherrlichte Begriff der Zeit siegreich von seinem unnahbaren Sockel herabgezerrt wurde. Die Idee und mehr noch die praktische Durchführung der.Sommerzeit' in einem großen Teil der Welt stellte einen Gipfelpunkt in der Kunst der Gesetzgebung vor, und so ist eZ gekommen, daß da» Gesetz sich schließlich für allmächtig hielt. So vollkommen war es von seiner auZnahmSlo» wirksamen Durchschlagskraft überzeugt, daß e«— nach glorreicher Ueber- Windung der Zeitbestimmung— zu einem letzten, äußersten» kühn« sten Schlag ausholte, um auch da« Wetter unter feine Paragraphens starrende Gewalt zu bringen. Mit Rücksicht auf den chronisch ge- wordenen Koblenmangel, der ja«in allgemeine» Leiden darstellt, er- klärte das Gesetz: vor dem Ib. Oktober darf nicht geheizt werden. So lautete kurz und bündig die neueste Bestimmung; Sache des Wetters mochte c» bleiben, sich danach einzurichten. Da aber riß den Göttern im Himmel, in der Lust und auf Erden der ohnedies schon langgezerrie Faden der Geduld. Ganz be- sonderS denen im Himmel und in der Lust. Den Angriff auf die Zeit hatten sie sich noch gefallen lasten, denn dabei handelt eS sich ja schließlich nur um eine billige SclbsttäMschung de? Menschen« xeschlechts; die Zeit at� sich blieb ja doch nicht stehen, mochte man auch auSnabmloö alle Uhren mit wichtiger Amtsmiene zurückstellen. Aber das Wetter? Nein, meine Herrschaften, das war ihnen zu viel de» Guten. Sie öffneten also die unangenehmste Abteilung ihrer Regenmaschine, speisten ihren Windapparot mit einem kräftigen Kälte- ström und harrten im übrigen der Dinge, die kommen würden. Und die Dinge kamen. Näste und Kälte sind in Gemeinschaft eine schwer zu ertragende Pein, und vor dieser Angriffstaktik gab es keinen platonischen Schutz. So mußten die weilen Berater im KriegsheizungSamt am eigenen frierenden Leibe erkennem daß die Verordnungen, Erlaste usw. doch noch von einer Macht übertroffen werden, nämlich der des WeltengoiteS. ES war ja gewiß unerhört und im tiefsten Sinne beklagenswert, daß das Wetter sich der Para- graphen gegenüber so gänzlich respektlos zeigte; aber es tat die» nun einmal und ein Philosophieren konnte auch nichts nützen. Der Kampf währte kurz, schon im ersten Anprall war er ent- schieden. Das Wetter kämpft mit Waffen, denen gegenüber nur .feurige' Abwehr im wahrsten Sinne des Wortes wirksam ist. Die Beheizungsstrategen aber machten ihren Fehler noch gut, indem sie aus der Entscheidung dieser SSslachr die logischen Folgen zogen: mitten im Kampf räumten sie plötzlich daS Feld, um telegraphisch und telephonisch mitzuteilen, daß geheizt werden dürfe.\ Der einfache Weltkriegsbürger aber, der sich dem Wortlaut so vieler Bestimmungen stumm und ergeben gebeugt Hot, kann sich nicht ganz einer sehr menschlichen Schadenfreude enthalten. Hinterm Ofen sitzend, stellt er mit einem schüchternen Privatlächeln fest, daß die Verordnungsgottheit einen kleinen Nasenstüber gekriegt hat. A. B. Ein dichter ües 30 jährigen Krieges. Martin Opitz, der.Vater der dentfchen Dichtung', ist für unS keine lebendig« Gestalt mehr. Die Literaturgeschichte verbucht seine Verdienste um die Reinheit der Sprache und seine Tätigkeit als erster Gesetzgeber der Poesie. Aber damit ist sein Ruhmesblatt auch vollgeschrieben. Sein Begriff vom Dichterischen als solchem war der des Gelehrten, und seine Dichtungen sind langweilige rethorische Schulübungen; Musterbeispiele jener schrecklichen Bildungs- poesie, die nach ihm und von ihm aus bis zur Klassikerzeit hinauf. die Entwicklung der deutschen Dichtung hemmte. Interessant sind immerhin seine Gedichte ans der Zeit. In den.Trostgedichten in Widerwärtigkeiten de« Krieges' ist sogar stärkeres Leben. Man spürt eine wirkliche Ergriffenheit, und bor der großen Not der Zeit ver- schwindet auch die gelehrte Eitelkeit, die mir Mythologie und historischem Bisten Prahlt, und das.Lob de» KriegSgotte«' ist trotz der gelehrten Lerbrämung nicht obne satirische Kraft. Diese Per« spottung des MarS ist, wenn man sich einigermaßen einstellt, recht lustig zu lesen. Opitz erlebte den Ausbruch de« Dreißigjährigen Kriege» in Heidel- berg. Er entfloh den Wirren, erst nach Holland, dann nach Dänemark. wo er.an der kalten Cimbersee' die.Trostgedichte' schrieb, die er aber erst IS Jahre später ohne Namensnennung veröffentlichte. Später finden wir ihn, den Protestanten, der in jenen Gedichten so kräftig für seinen Glauben zeugt, in Diensten des kaiserlichen Kammerpräsidenten von Schlefien, des katholischen Burggrafen von Dohna. Dies« Stellung ist etwas zweideutig. Aber es scheint, daß Opitz aus eine falsche Hoffnung in sie hineingeraten, und er war nicht der Mensch, der den Verhältnissen gegenüber genug Widerstandskraft hatte. Im Dienste Dohnas mußte Opitz auf einmal einem Gefecht beiwohnen. Aber er benahm sich wenig heldenhaft und floh, nach dem Beispiel de« Horaz bei gegebener Zeit. Ganz lustig ist eS, wie er diese Affäre im»Lob de».KriegSgotteS* ironisiert und daran eine seine Verspottung der Poeten knüpft, die, weit vom Schuß, den Krieg singen: .Poetenvolt ist heiß, ist leicht wie sein Feuer, Gebt durch, reißt aus ihm selbst, ist wie«in edles Pferd, da« nie kann stille stehn und allzeit fort begehrt. Sollt' ich, o MarSpiter, ins GraS gebissen haben, Wer würde doch ein Lied von dir und deinen Gaben Gedenken als wie ich? ES ist ja recht und wahr. daß ohnedies sich jetzt der Teutfchen Tichter Schar Sehr stark zu Felde schreibt; doch Reime von der Erden. die taugen nich für dich. Du willst gepriesen werden von Geistern, deren Kraft sich in die Wolken schwingt, Wie manche Nachtigall am Elbestrome singt, Dringt Tal und Werder durch, ernährt gelehrte Herzen Mit ihrer Stimme Frucht und nützt der Sorgen Schmerzen durch ein« süßen Ton; wie du auch, Vater Rhein, Gemüter um dich hast, die Liedern ihren Schein, der einen Kopf erheischt, und Glanz zu geben wisten. So lange Zeit die Elb' in Sachsen durch wird fließen, der Rhein auf Holland zu, wirst du, o kluge Schar, Der Musen Trost und Zier, entgehen der Gefahr de« Grabe«, daS dich fleucht, wirst uicht aus Lethe trinken, So für den Pöbel ist. Wir können nie versinken Und werden durch den Tod diel minder weggerafft, AIS der, so mit der Faust ihm steten Namen schafft.' Schiller-Theater: öer Sonneasette�. DaS dürftig bescheideitH unter weitgehendster Bermeidunq aller geistigen Unkosten zusammengeflickte Stückchen von OSkar Blumenthal und Gustav Kadelburg fand ein höchst dankbares Publikum. Ueber den Baronen, Millionären und Heirats- lustigen Goldfischen, deren kostspielige Müßiggängerexistenz noch immer eine der populärsten Bühnenattraftionen der bürgerlichen Theater zu bilden scheint, kommt auch die gleichfalls im Theater so beliebte Gegenseite: die Moral, daß Arbeit doch nicht schände und jeder seine Gelder eigentlich verdienen sollte, nicht zu kurz. Der Millionär ist ein biderber ehemaliger Töpfefabrikant, der, wenn er auf Kommando seiner Ehehälfte auch alle Narrheiten des Parvenü- tums mitmacht, sich heimlich doch in da§ Kontor zurücksehnt. Und die beiden blaublütigen Herren, die. nachdem sie ihre Qualifikation als Lebenskünstler durch die Verjubelung eines Vermögens glänzend erwiesen haben, nun die HonneurS in seinem Hause machen sollen, bekommen allerhand zu hören. Der eine, der die Tochter heimführt, erbringt am Schluß die Probe seiner Tüchtig- keit, durch einen Hundertmarkschein, den er in dem Geschäft deS künftigen Schwiegervaters für eine Ofenzeichnung selbst erworben hat. Den zweiten arg verlumpten, der als regulärer Mitgistjäger auf die Hand der jungen Dame ipeknlierte, und nach Zurückweisung für«in adliges Fräulein, da« ihm den Kopf wäscht, glüht, kommt auf noch billigere Weise vermöge eines LustipielonkelZ. der ihm ein Gut kauft, zur wünschenswerten Respektabilität. Heinz Seng er spielte diese verhältnismäßig noch am annehmbarsten anSgestalteie Theaterrolle mit liebenSwürdig-unvcrschämter. drollig wirkungsvoller Gutmütigkeit. Geschickt sekundierten Herr E l z e r iu der Figur des hochgekommenen, vor seinem eigenen hochherrschaftlichen Diener sich genierenden Töpfermeister und Fräulein Mahr in der deS typischen Töchterlcin«._ dt. Vie �Mannaflechte'. Der Pariser Professor LouiS Muller beschäftigt sich in einer besonderen Schrift mit dem Mannaregen, der die Juden in der Wüste vom Hungertode errettete. Dai Brot, da? Gott auf das Gebe: MoseS vom Himmel sandte, stellte sich nach der Bibel in Gestalt der kugeligen Früchte deS Korianders dar, war weiß und hatte den Geschmack reinsten Weizenmehls, dem Honig beigemischt ist. Di- Beschreibung ist nach der Erklärung Professor MullerS in der Bibel so ausführlich und genau, daß man sich über die Natur des NahrungS- miitels, an dem sich die hungrigen Juden erquickten, keinem Irrtum hingeben kann. Es war eine Flechte, wahrscheinlich eine au« der Gattung I-scauor», die noch heute in Gegenden, wo alle Nahrungsmittel fehlen, unter dem Namen Himmelsbrot gemahlen und unter Zusatz von Gerstenmehl verbacken wird. Diese eßbare Flechte findet sich reichlich in den russischen Steppen und in den trockenen Gebieten Asiens und Afrikas, wo die Stürme, die sie von dem Bergfelsen gerissen haben, ans dem sie wuchert, sie als Regen zu Boden fallen lassen. Nach dem Bericht, den Prof. Hanneguy gibt, bedeckten solche Flechtenregen im Jahre 1823 ganze Gebiete PersicnS mit einer Schicht, die 20—30 Zentimeter im Durchmesser maß. Die Einwohner aßen sie und benützten sie auch als Mehfutter. Aehnliche Beobachtungen wurden in der Folge in der Mongolei und in Algerien gemacht. Die hier ge- nannte Flechte enthält 4 Proz. Zucker, 23 Proz. Mehl: ihren Nährwert vermindert allerdings der starke, bis zu 66 Prozeni steigende Gehalt an Kalk. Diese Flechte findet sich oft in dicken Schichten, sie ist äußerlich rot oder rostfarben und weiß im Innern und bildet kugelförmige Stücke, die hart und so groß wie eine Nuß sind. Neuerdings hat man, wie schwedischen Presse- notizen zu entnehmen ist, dort Versuche gemacht, eine gewisse Flechte zu verbacken. Vielleicht handelt es sich dabei ebenfalls um eine der .Mannaflechte' verwandte Art. Notizen. — Die 24 stündige Tageseinteilung in der Schweiz. Die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft, die dieser Tage in Zürich ihre Jahresversammlung abhielt, hat dem Bundesrat jolgeiidcu Wunsch übermittelt: Für alle öffentlichen Diensie des Bundes werden die Stunden in Zulunft und sybald als möglich nicht mehr nach der jetzigen Tageseinteilung von zweimal zwölf Stunden berechnet, sondern nach der rationellen Einteilung i» 24 aufeinanderfolgende Stunden von Mitternacht bis Mitternacht.' Der Generalstab der schweizerischen Armee, die Gcneraldirektion der Bundesbahnen, der Post, der Telegraphen- und Zollverwaltungen haben sich bereits sür diese Umgestaltung zLnstig geäußert. — Eine antike Statue des LiebegoiteS wurde bei den italienischen AuSglabungen in Kyrene(Nordasrilaj, die schon so wichtige Neste altgriechischer Kunst geliefert haben, gesunden. Die Marnwrfigur, der die linke Hand sehfo stellt den Gott� dar, wie er den Bogen spannt und dabei die Augen bereits aus ein fernes Ziel richtet. DaS Bildwerk dürfte eine griechische Kopie einer Bronze sein. Die welsche Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhundert», 9) Von R. Franc«. In dieser unbefriedigten Stimmung bog er um die Ecke des SalvatorgäßchenS und stieß fast mit einem sorglos dahin- schreitenden Mann zusammen, der ihn im nächsten Augenblick uberlaut begrüßte. Es war der Exstudiosus Michalansky, der nach seinem Abend deS EliickS heimwärts strebte. Zu hell hatte auf ihn die Sonne geschienen, als daß er diese Nacht ungefeiert vorübergehen lassen konnte. Der che- malige Kollegbruder kam dazu Ilm so gelegener in seine Arme gelaufen, als eS geradezu seine Leidenschaft war, mit Studenten wie mit seinesgleichen zu Verkehren, seitdem er sein Erbe vcrstudiert hatte und die•Alm» rnater verlassen mußte. „Salve, daß dich dieser und jener hole, PeißeriuS, wollte grab' noch ein paar Maß genehmigen, alter, lieber Bursche, mich soll gleich der Teufel holen und in den Lüften zerreißen. wenn ich Dir nicht gut bin.— Komm mit auf SchmolliS," biederte er den Verdutzten an. „Was hat er nur?' dachte dieser, Itefy sich aber in feiner verärgerten Laune nicht ungern mitziehen, als auf seinen Ein- wand, daß die Rumorstunde längst vorbei und alle Schänkcn geschlossen seien, Michalansky vorschlug, in den Beindlkeller zu gehen, einem Verschwiegenen Winkel, dessen Besitzer das beste Bier gebe, wo auch sonst lustige honette Gesellschaft sei und wo vor allem keine Rumorstunde gelte. Der Beinldkcller lag nicht weit im Rosengäßchen, in dem es aber'..icht nach Rosen roch. Und er war nichts anderes als ein Schnapsladen gemeinster?lrt.' Die„hontztte' Gesell- schaft bestand aus ein paar Dirnen, die gleich um Schokolade, Wein und Kuchen bettelten, fürchterlich ausgeräumt taten, sich aber bald verzogen, als der Exstudent sie anfuhr, nachdem er sie zuerst auf die derbste Art betappt hatte. Dann warf er einen Karolin von dem von Morawitzky am Nachmittage er- haltenen Geld« protzig auf den Tisch und forderte für sich und seinen Freund und Kollegbruder— wie er recht laut herausschrie— Wein. Bald waren die beiden untergetaucht in ihrer Ecke, da neue Gäste zum verschwiegenen Hinterpförtchen hereinkamen s Prediger. und ein Qualmen, Gläserklirren, Kirren und brünstiges Ge lächter anhub.> MichalanSky merkte bald, daß Peißer den Kopf hängen ließ. Dieser wieder hatte nie viel übrig gehabt für die schäbige und übelbeleunumdete dunkle Existenz an seiner Seite, die er gar nicht näher kannte, von der er nur ab und zu ein nicht imnier rühmliches Histörchen gehört, als von einer Art Winkeladvokaten, der auch Schmuser war draußen auf den Dörfern bei herabgekommenen Bauern. Jetzt aber tat der ungewohnte süße Wein seine Schuldigkeit; auch die überaus angeregte Atmospäre ringsum versagte nicht und plötzlich fand er sich wieder mitten drin in Aufrichtigkeiten, die er gar nicht beabsichtigt hatte. Er empfand auf einmal in seiner beginnenden Trunken- heit Groll gegen den junkerlich tuenden Solms. War doch auch kein anderer Kerl als er selbst, der auch als guter Mutter Kind galt. Und tat nun spantscher als der spanische König selber.... Mit einent Fluch schlug er auf den Tisch. „Mir ist heut' eine Spinne über die Leber'krochen— der kann's einem verleiden, der Monsieur, möchte nicht länger ein honoriger Bursch heißen, wüßt' man. wie der angezogen hat. Natürlich! Der Sekretär von Solms, daS klingt freilich aristokratischer als der Jakob Peißer, der aber auch nicht auf der Brennsupp'n dahergeschwommen ist. Gott stras' mich. Hab' ich recht oder nicht?' Michalansky spitzte beide Ohren. Sollte daS Glück mit Steinen nach ihm werfen? Er hatte längst erfaßt, daß zwischen dem Grafen Morawitzky und der Säugerin jener Sekretär von Solms stand, über den er täglich an Lainctten Wahres und Unwahres zu berichksn wußte. Und nun sollte er etwas wirklich JntimeS über jenen erfahren können? Er hätte kein Künstler im Aushorchen zu sein brauchen, um den verärgerten Peißer zum Reden zu bringen. Eine Viertelstunde später wußte er allcS. Er notierte es in seinem Hirn, daß im Orden der Amizistcn die neu- fränkischen Ideen Fuß gefaßt hatten, daß ihnen Peißer mit Leib und Seele anhing, daß aber,'als et beim ersten Wiedersehen den alten Kolleggenossen Rein- hard auf Herz und Nieren geprüft, dieser Stand gehalten habe" wie ein Erzaristokrat, sogar den Amizisten Rede stehen wolle, um sie zu bekehren von ihrer Schivarmgeistcrei, alL fei er auch schon so ein heimlicher Jesuit und Kontrovers- Danlit war freilich noch nicht viel anzufangen. Immer- ' hin fchlJii ntaii sich die Neuigkeiten um die Ohren, spann dann sachte den Faden des Gespräches und wickelte ihn auf eine neue und doch so alte Rolle: auf die Zotologie. In der war keiner so Meister, wie Michalansky. von dem es im Schwange ging, daß er als Student einmal sogar ein Kolleg daraus gelesen, das brav und viel eifriger nachgeschrieben Wurde, denn das Compenclium juris rimani. Die feine Witterung der Dirnen hatte gleich die Wendung des Gespräches heraus- gefunden; flugs saßen sie auch schon zu Tische, naschten von dem Wein— bald bemächtigten sie sich ganz der trunkenen, ihren feilen Zärtlichkeiten zujubelnden Köpfe, für die alleL vernebelte in einem unbestimmten Taumel von Wein, Müdig- keit und Lüsten... Als der Exsttldent wieder erwachte, lag er in seiner elenden Behausung und die Maicnsonne wart hellen Wider- schein an die Wand. Denn der Verschlag, inPdem der neue Vertrauensmann des Grafen Morawitzky ivohntc. hatte kein Fenster ins Freie, sondern nur eines hoch unter der Decke, das in ein Futtermagazin ging, so daß man von seinem Salon- und Studierzimmer aus schön und schlecht Wetter nur daran erkennen konnte, ob das ferne Fenster hellen Wider- schein warf oder ob er fehlte. Mit wüstem, leeren Hirn lag er im unsauberen Pfühl und nur langsam kehrte die Erinnerung wieder. An die Audienz, an Lainettens ivohlgepflegte Heimlichkeiten.. an den Beindlkeller, an Peißer, mit dem er Dutzende von Bruderschaften getrunken, an die Nymphen--- plötzlich fuhr ihm der Schreck in die Glieder— hätte nicht der Graf gesagt: Komm' er morgen um zehn D» der Frau am Donau- tor— Schockschwerenot, da hatte ihn der verdammte Kater vielleicht die gebotene Stunde verschlafen lassen... ganz heiß ftihr er mit beiden Beinen auf vom Strohsack, Eine'llhr konnte sich Herr Michalansky noch nicht leisten. Er hatte sonst bei Beginn seines oft sehr wenig in Anspruch genommenen Tagewerkes einfach nach dem Erwachen darauf gewartet, daß die Glocke der benachbarten Pfarrkirche ihm die Stunde ins Kämmerlein sage— heute genügte ein Blick auf den hohen Sonnenstand, erkennbar an der Helligkeit des Fleckens an der Wand, um ihnl höhnisch zuzurufen: du hast dein Glück ver- schlafen.— In rasender Eile kleidete er sich an— die Wahl tat nicht Weh, denn er hatte wohl zwei Hüte, aber nur einen Anzug, den er zurechtbürstete, so gut'es ging. �(Forts, folgt.) it is Niederbarnim. Sonntag, den 14. Qktobcr 1917, nachm. Z UHr: Frauenkonferenz im Saal 3 des Gewertschaftshanses. Tagesordnung: l. Die Frau als Staarsbürgerin und die Sozial- demokratie. 2. Kunst und Lektüre im Haufe. Nach jedem der beiden Punkte findet Aus'prache statt. Tie Konferenz ist mit einer Ausstellung von Partei-- und Jugendliteramr sowie künstlerischem Wand- schmnet verbunden. Zutritt bat jede im Sozialdemokratischen Bcrein für Siiederbarnim organifierte Genossin. Tas tviitglieds- buch legitimiert. 246,16» lt«i- Varsttrutl. MM ier SchMer. SSüieitoiiw M SSlSMMer JeMlMs. Filiale kekün. Ledsstiznitk. Z7/Z8. kliüIÄ->i. Lieferungsschneiiler! Sonnabend, den 13. Oktober 1917, abends S1/: llhr: Versammlung! im Gcwerkschaftshaus. Engclnfer 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Die Lobu- und Arbeitsverhältnisse der Schneider während des Krieges. Referent: Kollege Tabath. 2. TiSkussion. 6. Eriatzn-ahl der Kommisfion. 4. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Kommisfion. XL. Die Kollegen der Firmen Finke. Gduard SachS, Mohr u. Speyer und Neumann sind besonders zu dieser Versammlung eingeladen. 166/4 cisgeiimsef 187». Möbelfabrik Rob. Seelisch BERLIN O 112, Rigaer Str. 71— 73a empfiehlt gute preiswerte lliibcl 15%!ßttsterräume Lageräne: 8696 □- Meier groß. Versand nach allen Plätzen Deutschlands. Besichtigung ohne Kaufzwang gestattet. KQnstl. 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Als Ziel der sozialpolitischen Arbeit nach dem Kriege schweGt dem Berichterstatter vor: Erhaltung nnd Entfaltung alles menschlichen Lebens, Beseitigung und Fcrnhaltung alles dessen, was die Entstehung und größtmöglichste Entwicklung neuen Lebens hindert, Schub der menschlichen Arbeitskrast, der höchsten Trägerin allen Kultlirfortschritts, Förderung alles dessen, was der Hebung des Kultnrnivcisus dient und damit Schub icdes einzelnen vor dem Herabsinken in eine tiefere soziale Schicht. Bon diesen Geslchtsvunkten ausgehend, behandelt Wissell die f ragen des Arbeiterschutzes, der Arbcii erVersicherung, des öffent- lichen Gesundheitsschutzes, der Sicherung des Koalitionsrechts, der Neugestaltung des Arbeiterrechts, des gewerblichen Einigungs- Wesens, der Arbeitsvermittlung, Arbsitlosenunterstützung und Arbeitslosenversicherung, der Armenpflege, Jugendfürsorge, Woh- nungssürsorge und— besonders ausführlich— die Maßnahmen zugunsten der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten. Hierüber fübrt er u. a. aus: „Die Entladenen bedürfen alle einer angemessenen Erholung und der Zeit zur Lrdmmg ihrer häuslichen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Zumindest für die Tauer eines Monats sind dem Entlassenen die bisherigen Bezüge und entsprechen- deö Berpslegungs- und Bckleidungsgeld und seiner Z'amilie die Kriegsunterstützung zu gewähren; die letztere zweck- mäßig bis zur ersten Lohnzahlung des Zurückgekehrten�Dic Zurück- kommenden dürfen nicht gleich wieder in eine neue wchuldenwirt- schaft hineingerrieben werden. Fehlt nach Abiaus eines Monats dem Kriegsteilnehmer die Möglichkeit, Arbeit oder Anstellung zu erhalten, ist ihm eine entsprechende Arbcitslosenunter- !t ü tz u n g zu gewähren. Daß für möglichst ausreichende Arbeits- gelegenbeit von Staats wegen zu sargen � ist, begegnet kaum irgendwelchem Widerspruch. Man wird dem entlassenen Kriegs- leilnehmer die borgen und schweren Nöte der Arbeitslosigkeit mit ibren schweren psychischen Depressionen nicht zumuten können." . Zeben dieser gesetzlichen Regelung der allgemeinen Kriegs- be!äiad:gten- und Hinterbliebenenfürsorgc steht für die Kriegs- bcschaoigtcn und Kriegshinterbliebenen naturgemäß die Regelung der Lcriorgungsansp rüch e im Vordergrund des Interesses." Die Reutengewährung muß von sozialen Gesichtspunkten getragen sein. .ias bedingt auch den Fortfall des heutigen Unterschieds zwischen Dienst- und Kriegsdicnstbcschödigung. Weshalb eine zu gewährende Rente im ziffernmäßigen Betrage verschieden sein soll, je nachdem die eine oder andere Bezc ichnung der Beschädigung in Anwendung zu tommen Hai, ist nicht verständlich. Auch das System der Gewährung von Zulagen in besonders schweren Fällen einer Dienftbcschädigung ist einer Umgestaltung zu umerziehen. Der Ausschluß jedes Rechtsweges über die Frage, ob eine Ge- sundheitsstörung als eine Dienstbeschädigung anzusehen ist, und oo eine Dicnsthcschädigung als durch öen Krieg erlitten anzusehen ist- widerstreitet unseren heutigen Rcchtsbegriffen. Hierüber dürfte auch kaum irgendeine Meinungsverschiedenheit bestehen. Die Zahl d.-r ohne Rente Entlassenen ist so überaus groß, daß das Bedürfnis nach einem unabhängigen Gericht, das die zwischen dem Heeres- toilnehmer und der Heeresverwaltung strittigen Fragen nachzu- v> i tu haben wird, ganz unabweiSdar geworden ist. Di« vom !>- eüR nusschutz für Kiregsbeschädigtenfürsorge gemachten Vorschläge dürsten insofern durchaus das Richtige treffen, als sie ein Ver- wbren vorsehen, das dem aus dem Gebipt der Sozialversicherung nachgebildet ist. Es wird jedoch darüber hinausgehend zu fordern lwn, daß gegen die Ennchtiduligeii der ersten Instanz der Rekurs un die beim Rcichsvetsichnrungsamt zu bildende Lberspruchbchörde zulässig ist. Es wird eine dauernde Sorge unserer zukünftigen Sozial- Politik sein müssen, den noch teilweise erwerbsfähigen Kriegsbeschädigten möglichst ständige Beschäftigung zu . iebern. Man wird sich nicht daraus verlassen dürfen, daß das bei einer auf rein geschäftliche Rücksichten abgestellten Betriebsführung regelmäßig der Fall sein werde. Das Gegenteil dürfte zutreffe!!. Es macheu sich schon Stimmen bemerkbar, die daraus hinweisen, daß die industriellen Betriebe nicht n»t minderwertigen Kräften überschwemmt und damit in ihrer Leistungsfähigkeit gehemmt werden dürfen. Das Unternehmertum will eben aus dem Vollen wirtschaften, ohne Rücksicht aus die Gesomtinteressen. Es recht- fertigt sich deshalb eine Vorschrift, wonach der Unternehmer im Verhältnis zur Zahl der überhaupt beschäftigten Arbeiter einen b e st i m m t e n H u n. d c r t l e i l von K r i e g s b c s ch ä d i g- t e n einstellen muß. Dieses Gebot ist mit einer im Falle der Nichtbeschäftigung zugunsten der Kricgsbeschädigtensürsorge oder der tllrbcitslosenunterstützung zu zablendcn Abgabe so wirksam zu machen, daß dem Unternehmer die Beschäftigung als doS weniger Belastende erscheint'. Neben der Einstellungspflicht für den Arbeit- geber ist ein Schutz der Kriegsbeschädigten in bezug auf Lohnhöhe und Arbeitsbedingungen zu schaffen. Wissell kommt nach ausführlicher und gedankenreicher Be- gründung zu folgender Zusammenfassung der Forderungen auf sozialpolitischem Gebiete. A. Rrbeiterschuh. 1. Allgemeines. Ter Arbeiterschutz bat sich auf alle in unselbständiger Stellung besindlieben Personen zu erstrecken. Seine Durchführung ist in höherem Maße als bisher zu überwachen. Die die Durchführung regelnden Vorschriften haben die Betriebe mit mindestens fünf fremdsprachigen Arbeitern besonders zu berück- sichtigen. V 2. Gesundheitsschutz. Das Verbot der Herstellung und Verwertung des weißen Phosphors ist auszudehnen auf die He» stelluug und Verwendung anderer, die Gesundheit der Arbeiter schädigender gewerblicher Giftck und diese Wirkung hervorrufender Betriebsweisen. Soweit nach dem Stande der Technik ein solche? Verbot nicht ausführbar erscheint, sind Betriebe, in denen eine be- sondere Gcfährduug der Arbeiterschaft durch die Betriebsweise oder die Art der zur Arbeit benötigten oder sich durch die Produktion er- gebenden Stufte zu befürchten ist, besonderer Aufsicht und ärzt- licher Ueberwachnng zu unterstellen. Tie HeinkftiHeit— siehe auch Nr. g— ist zu verbieten a) für alle Arbeiten, bei denen schwere Gcsundheitsschäd!- gungen, z. B. Vergiftungen vorkommen können, hf für die Herstellung von Lebens- und Geirußmitteln. 3. T g g l i ck e Arbeitszeit. Die tägliche Arbeitszeit darf für männliche Arbeiter über l8 Jahre acht Stunden nicht über- steigen. Tätigkeiten, in denen die Arbeit mit Zeiten der Arbeits- bereitschaft wechselt, sind besonderen BcstimmuiiFe.n zu unte» stellen. 4. Nachtarbeit. Die Nacbtarbcit ist gesetzlich zu verbictcu, sosern nicht bestimmte, durch Gesetz oder Verordnung zu bc- zeichnende Betriebe ihrer Art nach oder au? technischen Gründen auf sie angewiesen sind. b. Sonntagsruhe. An Sonn- und Festtagen dürfen Ar- beiter nicht gewerblich beschäftigt werden. Die Voraussetzungen der Gewährung erforderlicher Ausnahmen sind im Gesetz sestzu- legen. Di-e zulässige Sonn- und Festtagsarbeit darf das absolut gebotene Maß nicht überschreiten. Den an Sonn- und Festtagen beschäftigten Arbeitern ist die für diese Tage vorgeschriebene Ruhe- zeit an Wochentagen zu gewähren. 6. Arbciterinnenschutz. Die Arbeitszeit für gewerb- lich beschäftigte Arbeiterinnen darf täglich acht Stunden, an den Sonnabenden nnd den Tagen vor Festtagen vier stunden nicht übersteigen. Nach beendeter Arbeitszeit darf den Arbeiterinnen weitere Arbeit nicht nach Hause mitgegeben werden. Tie gewerbliche Beschäftigung von Arbeiterinnen ist grund- sätzlich zu verbieten. al in der Nachtzeit, b) an Sonn- und Festtagen, c) bei gesundheitsschädlicher und der Körperkonstitution der Frauen nicht entsprechender Arbeit, ch 6 Wochen vor der zu erwartenden Entbindung und 26 Wochen nach derselben. Für die ferneren 26 Wochen darf eine gc- werbliche Beschäftigung nur für die Tauer von vier Stunden täglich stattfinden. Ausnahmen von den Borschriften unter a und b— etwa für das Pflegepersonal weiblicher Kranken oder sonstiger Pflegebe- sohlenen— sind durch Gesetz zu bestimmen. Auch die unter c benannten gesundbeitssckädlichen Betriebe und Tätigkeiten sind vom Gesetz zu bestimmen, die der Äörperkonstitution der Frauen nicht entsprechenden Tätigkeiten< Bergbau, Bauten usw.) durch Ver- ordnung. Von den Vorschriften unter ck darf der zuständige Ge- werboauffichtsbeamte Ausnahmen dann zulassen, wenn mindestens 8 Wochen seit der Geburt verstrichen sind und wenn durch standes- amtliche Urkunde der Tod des Kindes oder durch ärztliches Attest die Unfähigkeit der Mutter zum Stillen des Kindes dargetan und durch ebensolches Attest nachgewiesen ist, daß gesundheitliche Be- denken für die Mutter durch die vorzeitige Aufnahme der Arbeit nicht bestehen. Die Zulassung zu einer mehr wie vierstündigen Arbeit ist nur dann zu gewähren, wenn das Kind gestorben ist, oder durch eine behördliche Bescheinigung dargetan ist, daß das Kind einer der ordnungsmäßigen mütterlichen Pflege mindestens gleichwertige genießt. 7. S ck u tz per Kinder Und Jugendlicken. Die gewerbliche Beschäftigung von Kindern unter 15 Jahren ist zu ver- bieten. Für jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren darf die tägliche Arbeitszeit 6 Stunden nickt übersteigen. Jugendliche in diesem Alter dürfen nicht beschäftigt werden: a) in der Nachtzeit, b> an Sonn- und Festtagen. et in gesundheitsschädlichen Betrieben, ck) in Bergwerken unter Tage. Der für Jugendliche zu sckaffende Fortbilduftgssckulunterricht darf nur in die Zeit von 8 Ubr früh bis 6 Uhr abends fallen. 8. Heimarbeiter schütz. Für die in der Heimindustrie tätigen Personen ist«in Sckutz auf der Grundlage zu schaffen, wie sie in den Forderungen des Heimarbeitertages vom 11. Juni 1911— siehe Protokoll dieser Tagung Seite 89—99— gegeben ist. 9. Gewerbeaufsicht. Zur wirksamen Kontrolle des Ar- beiterschutzes ist die Gewerbeaufsicht auf«ine breitere Basis zu stellen. Die Beamten derselben sind unier Berücksichtigung der Arbeiter und Angestellten ans sachverständigen.Kreisen zu ent- nehmen. Für die Auflicht und Durchführung der die Beschäftigung von Frauen betreisevden Vorschriften sind Frauen als Auffichts- beamt« heranzuziehen. Tie Auflichisüeamten sind unabhängig zu stellen und mit dem Vollzugsrecht auszustatten. Di« Gewerflchaftsorganisationen sind zur wirksamen Durch- sühnrng des Arbeiterichutzes heranzuzieheu. L. Arbeitervcrsicherung. Die Vcrsicherungsgesetzgebung ist einer durchgehenden Neuge- staltung zu unterziehen und in allen ihren Zweigen auf die kleinen selbständigen zu erstrecken. Das Ziel des weiteren Ausbaue? der Krankenversicherung muß die Schaffung einer Versiche- rung der minderbemittelten Bevölkerung sein. Aus dem Wege zu solcher Volksversicherung liegt die Einführung der obligatorischen Familicnversicherung. Die Einkommengrenze für die Versicherung?- Pflicht ist, soweit sie bisher 2599 M. betrug, auf mindestens 3699 M. zu erhöhen, das Krankengeld aus den Mindestbetrag von 69 Proz. des bis auf 12 M. zu steigernden Grundlohnes sestzu- setzen. Die gcsundhcitspflegerische Tätigkeit der Krankenkassen ist auszugestalten. Der Krankenversicherung ist unter Ausbau der bisherigen Wöchncrinnenunterstützung die M u t t e r s cha f t S v e r s i che- rung anzugliedern und diese auf die gesamte minderbemittelte Bevölkerung zu erstrecken. Tie Säuglingsfiirsorge ist zu einer Kleinkinderfürsorge auszubauen. Die Unfallversicherung ist auf alle Zweige der Produktion und auf alle Tätigkeiten im öffentlichen Dienst und der WohlfahrtS- pflege zu erstrecken und der Schutz der Versicherung aus gowerb- licha Berufskrankheiten und sonstige berufliche Schädigungen. Tic Verwaltung ist auf paritätischer Grundlage aufzubauen. Tic Ver- bind un g zwischen Rechtsprechung und Aufficht ist zu beseitigen. Tic Invaliden- und Hinierbliebenenversicherung ist auszubauen und ihr die Angestclltenversichernng und Knappschastsversicherung unter reichsgesetzlicher Regelung der letzteren anzugliedern. C. Orffentlicher Gesundheitsschutz. Die össentliche Gesundheitspflege ist zu einer umfassenden Gesundheitsfürsorge auszubauen, deren unterste Stelle das kommunale Gesundheit?- und Wohlfahrt?- oder Fürsorgeamt darstellt. Tiesem Amt liegt ob, die Bekämpfung aller gesundheitlichen Sckä- digungen und die Erforschung ihrer sozialen Ursachen, die Schaf- fung von Einrichtungen, die der Gesundheitsfürsorge und allgemeinen sozialen Aufgaben dienen. Es ist die Zentralstelle der öffentlichen Wohlfahrtspflege. Zur Erfüllung der diesem Amt obliegenden Ausgaben sind die Träger der Sozialversicherung heranzuziehen. D. Sicherung des Koalitionsrechts. TaS Koalitionsrecht ist von allen es umgebenden nnd einengen- den Schranken zu befreien. Es ist uneingeschränkt allen Schichten der Bevölkerung zu gewähren. E. Neugestaltung de? Arbeitsrechts. Die Grundgedanken des geltenden Arbeitsrechts sind ent- sprechend der heutigen Moral und Recktsanschauung, d. h. unter besonderer Wahrung der Persönlichkeitsrechte des einzelnen Arbeitnehmers einheiili�T durch Reichsgesetz zu regeln. Soweit für bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern besondere Bestimmungen erforderlich sind, sind sie als Spezialrechte dieser Schichten dem allgemeinen Arbeitsrecht anzugliedern. Ten in den Tarifverträgen möglichen Abänderungen und Neu- gcstaltnngen des Arbeitsrechts ist durch Schaffung eines besonderen Arbeitstarifgesctze? eine gesetzliche Grundlage zu geben. Die für besondere Arten des Arbeitsrechts schon bestehende SondergerichtStarkeit ist zu allgemeinen Arbeitsgerichten auszu- bauen. E. Interessenvertretung der Arbeiterschaft. In allen Betrieben mit mehr denn 20 beschäftigten Personen sind Arbeiterausschüsse zu bilden. Die Vertreter der gewerblichen Organisationen im Arbeits- amt(sieche kl.) des unteren Verwaltungsbezirks bilden zur Ver- tretung aller die Interessen der Arbeiterschaft dieses Bezirks be- rührenden Fragen ein besonderes Organ. Für den Bezirk einer höheren Verwaltungsbehörde sind Arbeits- kammern zu schaffen. G. Gewerbliche Schlichtungsstcllen. Das gewerbliche Einigungswesen ist auszubauen. Die ört- lichen Einigungsämter sind durch solckc für größere Gebiete und schließlich für das Reich zu ergänz: Wo besondere berufliche Verhältnisse die Bildung besonderer Einigungsämter geboten er-"" scheinen lassen— z. B. im Bergbau—, sind sie vorzusehen. Die Anrufung der EinigungZämter steht jeder Partei zu. Vor ihnen besteht Verhandlungszwang. Die Beschlüsse der Einigungsämter haben im allgemeinen nur moralische Wirkung, doch ist ihnen für die in der darin gesetzlich zu bestimmenden Itebergangszeit nach Friedensschluß zwingende Wirkung beizulegen. El. Arbeitsvermittlung und Arbcitslosensürsorge. Tie Arbeitsvermittlung ist einheitlich für das Reichsgebiet zu regeln. Ihre Grundlage findet die Arbeitsvermittlung in den dteBe- russverhältnisse berücksichtigenden örtlichen Vermittlungsstellen. Tie letzteren sind in dem für den Bezirk eines Stadt- oder Landkreises zu bildenden Arbeitsamt zusammenzufassen. Das Arbeitsamt ist zu gleichen Teilen aus Vertretern der Arbeitnehmer und der Ar- beitgeber unter Leitung eines unparteiischen Vorsitzenden zu bilden. Di« Arbeitsämter eines bestimmten Bezirks sind zu BezirkS-Ar- beitsämtern zusammenzufassen. Diese dienen dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage. Ein Reichsarbeitsamt bildet die Spitze der Bezirks-Arbeiisämter. Bis zur Wirksamkeit einer zu schassenden Reichsarbeitslosen- Versicherung ist eine mit Reichsmitteln zu unterstützende kommu- nale Arbeitslosenunterstützung vorzusehen. Die gewerksibaftlicke Arbeitslosenfürsorge ist als ein organisatorisches Glied in die bc- hördlichc Fürsorge einzureihen. L Armenwesen. Da? Armenwesen ist der heutigen sozialen Anschauung ent- sprechend aus sozial höhere Stufe zu stellen. Die entwürdigenden Wirkungen sind zu beseitigen. Ebenso das Unterstützungs-Wohn- sitz-System. X. Jugendfürsorge. Die zur gesundheitlichen, geistigen und sittlichen Hebung der Jugend notwendigen Maßnahmen sind zu einem Jugendgesetz zu regeln. Bis zur Schaffung sind einzelne besonders dringlicker Abänderung bedürftige Gebiete des Jugendrcchts sofort zu regeln. Z. B. ist die Strasmündigkeit auf vierzehn Jahre, das Schutzalter des§ 182 St. G. B. auf achtzehn Jahre zu erhöhen, das Strasver- iahren gegen Jugendliche unter Berücksichtigung des bedingten Aufschubs der Strafverfolgung und die Fürsorgeerziehung zu regeln usw. L. Wohnungsfürsorge. Die Wohnungsfürsorge ist nach sozialen Gesichtspunkten durch ein RcichSwohnungsgesetz zu regeln. dl. Neichsministerinm für Sozialpolitik. Zur Durchführung.der sozialpolitischen Ausgaben und zur Förderung sozialpolitischer Maßnahmen ist ein Ministerium iür Sozialpolitik, zur Entscheidung der Rechtsfragen sozialpolitischer Art ein unabhängiger Gerichtshof zu schaffen. Dem letzteren sind auch die Streitfragen der sozialen Versicherung zu übertragen. dl. Massnahmen zugunsten der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten. Sofern die Hecresintcrcssen die Entlassung der aus Anlaß de? Krieges zum Waffendienst Eingezogenen rechtfertigen, hat diese unverzüglich zu erfolgen. Dabei ist möglichst Rücksicht zu nehmen auf die Wiederaufnahme des normalen Wirtschaftslebens, nicht aber auf eine etwa befürchtete Uebcrfüllung des Arbeitsmarktes. Den Entlassenen sind zur Erholung und Ordnung ihrer pri- vaten und wirtschaftlichen Verhältnisse auf die Dauer eines Monats die bisherigen Bezüge und entsprechendes Berpflcgungs- und Bc- kleidungsgeld, ihren Familien die Kriegsunterstützung zu gewähren. Für sich dann ergebende Zeiten der Arbeitslosigkeit ist eine ent- sprechende Arbeitslosenunterstützung vorzusehen. Ten Kriegsteilnehmern ist nach Möglichkeit die Wiedcrein- stellung in den alten Betrieb zu sichern. Die Entscheidung über die. Voraussetzungen der Wiedcreiustellung steht paritätischen Schlich- tungsstcllen zu. Den Hecrcsangehörigen vom Arbeitgeber gewährte Unterstützungen begründen keinen Rechtsanspruch aus Wiederein- tritt in die Beschäftigung. Solche Unterstützungen gelten auch nicht als rückzahlbare Darlehen. Soweit Krtegsteilnehmer oder im Hilfsdienst Tätige dieser Eigenschaft oder Tätigkeit wegen aus einer BetriÄs-Pensionskassc ausscheiden mutzten, mutz die Mitgliedschaft durch Zahlung einet: Anerkennungsgebühr erhalten werden können; die im Heere oder im Hilfsdienst verbachte Zeit gilt der Zahlung der Anerkcnnuugs- gebühr gleich. Durch gesetzliche Vorschriften ist das Wiederaufleben der durch die Kriegsverhältnisse verfallenen Versicherungsanträge zu bewirken. Ten Kriegsteilnehmern ist bei der Ordnung ihrer durch den Krieg zerrütteten Verhältnisse die Hilfe des Staates zu gewähren. Die Mieteinigungsämter sind in die Fricdcnszeit zu übernehmen, obligatorisch zu machen und zu allgemeinen Schuldeinigungsämtern auszubauen Tie Kriegsbeschädigtcnfürsorge ist reichsgesetzlich zu regeln. ' Die Rentenversorgung der Kriegsbeschädigten ist einer"von sozialen Gesichtspunkten geleiteten Neuordnung zu unterziehen. Tic durch den Gegensatz zwischen Dienst- oder Kriegsdienstbeschädi- gung begründeten Unterschiede der BersorgungSgebührnissc sind zu beseitigen. Für die Entscheidung zurückgewiesener DersorgungSansprüche ist ein Rechtsweg vorzusehen, der dem auf dem Gebiet der sozialen Versicherung entspricht. Für die Militärhinterbliebenenversorgung haben die gleichen Grundsätze in entsprechender Weise zu gelten. Für die ersten zwei Jabre nach dem Kriege.steht den aus dem Heeresverband entlassenen Soldaten der Anspruch auf freie ärzt- liche Versorgung durch die all-gemeine Orts- und Land-Kranken- kasse ihres Wohnortes zu. Ten Krankenkassen sind für die ihnen aus dieser Verpflichtung und für die aus den Nachwirkungen des Krieges erwachsenden besonderen Lasten aus Reichsmitteln Zuschüsse zu gewähren. Die Höhe und die Grundlagen der Berechnung derselben ist durch Gesetz zu bestimmen. Den wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen ohne Ver- sorgung aus dem Heeresdienst Entlassenen steht bis zur rechts- kräftigen Entscheidung ihrer Renienansprüche, ihrer Erwerbsbe- schränkung entsprechend, der Anspruch auf Versorgung aus Kap. 84a des Allgemeinen Pensionsfonds zu. Entsprechendes gilt für die Hinterbliebenen. Bei der Vergebung öffentlicher Arbesten ist dem Unternehmer die Beschäftigung von Kriegsbeschädigten aufzuerlegen, eventuell ist diese Pflicht auf alle Unternehmer zu erstrecken. Eine solche Pflicht ist durch eine ZwanAsstrafc wirksam zu machen. Mus öem Sericht öer Reichstagsftaktiou. " zt Nericht ter N�ckiStagsfraktion nn ten Würzburger - e i t a g umsaht 60 Druckseiten. t5r ist— abgesehen vom Kapitel, das au§ der Fcdcr des Genossen T a v i d � stammt, 'Jenossen Heinrich Schulz versaht. Tic ganze Schrift gliedert n folgende Abschnitte: L Der 4. August 1914 und die Kreditbctvilligung. 2. Die -ven Kriegskredite. 3. Tic FriedcnSarbeit der Fraktion. Der Kampf für Freiheit und Demokratie, o. Lebensmittelnot > Ernährungsmatznahmen. 6. Sozialpolitisches. 7. Heeres- zelegenbeitcn. 8. Die Steuergesetzgebung. 9. Gegen Belage- agSzustand und Zeniur. 19. Die EtatSbcratungcn. 12. Tie Boot-Frage. 12. Gesetzentwürfe: s) Tic Notgesctze vom August 1314. d) Die Acnderung des VcreinsgesctzcS. c) D-as �»itakibfindungsgesetz. d) Das Gesetz über den vaterländischen ilfÄnenst. e) Herabsetzung von Mindeststrafen dcö Militärstraf- isetzbuchS. k) Die sonstigen Gesetze. 13. Interpellationen. 4. Petitionen. 15. Anfragen. 16. Ausschuhberatungcn und 7. Fraktionsangclcgcnbciten. 18. Schlutzbemertung. Wir müssen rnS auf die teilweise Wiedergabe der beiden letzten, für die Partei» geschichte besonders wichtigen Kapitel beschränken. �raktionsaugelegeuheiten. Veränderungen in der Zraktiou. Die Krakiion hat während des Kriege? erhebliche Berände- -ungen erlebt. Durch freiwilligen AniÄtiih an das feindliche Ausland macht« Weill seinem ReichStagsmandat ein Ende. Durch den Tod sind uns drei Mitglieder, die Genossen Frank, Kühn und Hofrichter, entrissen worden; Genosse Frank war bekannte lich gleich zu Beginn des Krieges als Kriegsfreiwilliger ins Heer eingetreten und fand schon in einer der ersten Schlachten den Hewentod. Durch die Absplittcrung der Sozialdemokratischen Ar- deitSgemeinschaft sind der Fraktion am 24. März 1916 die Geiwjjcn Bernstein, Bock, Büchner,(lohn, Tiitmann, Geher. Haase, Henke. Hcrzfcld, Horn. Kuncrt, Ledebour. Sch wartz, Stadthagen. Stolle. Vogt- berr, Wurm und Zubeil verlorengegangen. Ihnen haben sich später noch die Genossen ssiysscl, Albrccht, Raute und Erdmann angeschlossen. Borber waren schon die Genossen Liebknecht tsiebc nächstes Kapitel» und Rüble ausgeschieden. Für die Genossen Frank. Kühn und Hofrschter traten die Genossen Geck. Müller u�d Mecrscld in die Fraktion ein, Ivährend WeillS Mandat bis jetzt noch nicht wieder besetzt worden ist. An Stelle Liebknechts, dessen Mandat ihm durch Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verloren ging, wurde Genosse S: a b I gewählt. Die Fraktion besteht sonach zurzeit aus 88 Genossen. Sie ist damit von der ersten Stelle im Reichstag, die sie bis zur Spaltung innchatte, auf die zureite gerückt. An Stelle des ausgcschicdcncn Genossen Haase wurde Genosse E h e r t neben Scheide mann und Molkcnbubr zum Bor- sitzenden der Fraktion gewählt. Die Spaltung der Fraktion. Bon Anbeginn des Krieges an war die Fraktion in eine Mehr- heit und ein« Minderheit gelpalten, wenn diese Spaltung äußerlich zunächst auch nur wenig in die Erscheinung trat. Am 4. August ,1914 stimmten innerhalb der Fraktion 14 Genossen gegen die Be- willigung der Kriegökredite, in der öffentlichen Abstimmung im Plenum fügten sie. sich aber widerspruchslos der gewohnten Partei- und Fraktionsdisziplin und stimmten für die Kredite. Bei den späteren Beratungen innerhalb der Fralticm wurde die Opposition der Minderheit allmählich lebhafter, sie sucht« auch o-ujchicdeat- lich die schweren Verfehlungen Liebknechts gegen die Fcrrllions- disziplin zu decken, bis sie am 21. Dezember 1915 125. Sitzung'» bei der damaligen Abstimmung über die Kreditvorlagc zum ersten Male auch selber vor einem össcntlichen Bruch mit der FraktionSdisziplin wicht zurückscheut«. Tie Minderheit stimmt« damals im Gegensatz zu den wiederholien Beschlüssen der Fraktion, die. wie wir schon erwÄhnten, noch im Februar 1915 von der gesamten Fraktion, ein- schließlich der Minderheit mit der alleinigen Ausnahme von vier Stimmen bestätigt worden waren, im Plenum demonstrativ gegen die Kredite und begründete iür Verhalten außerdem durch eine Er. klärung. Die Fraktion nahm in ihrer Sitzung, die noch an diesem Tage stattfand, Stellung zu dieser herausfordernden Haltung: sie veröffentlichte eine scharfe Rüge de! Disziplinbruchs und lehnte obendrein jede Verantwortung für das Vorgehen der Minderheit ab. Die Verhandlungen der Fraktion im Januar und März 1916 schienen nach ihrem sachlichen Verlauf anfangs danach angetan, die aufgesprungen« Kluft wieder zu schließen. In der Lensurfroge herrschte Einigkeit, in der Ernährungs- frage bestanden keine wesentlichen Gegensätze, und in der wichtigsten Frage, die noch zu erledigen war. in her Steuerfrage, war eine für beide Teile der Fraktion befriedigende Form der Vorbereitung gefunden worden. die die Hoffnung auf einmütige Entscheidung und damit zugleich auf die wünschenswerte innere Festigung de» mehrmals in seinen Grundfesten erschüterten Fraktionskörpers eröffnete. Leider kam ei anders. Und daß ein an sich unerheblicher parlanmntaiifchcr Bovgang die schlimmste Schädigung für die Fraktion herbeiführen konnte, ihre Zerreißung, läßt in Verbindung mit einigen beiläufi- gen Erscheinungen die Vermutung gerechtfertigt erscheinen, daß die Spaltung der Fraktion seit längerer Zeit von der Minderheit beabsichtigt war, und daß sie nur eine passende Gelegenheit abwartete, ium ihren Wunsch in die Tat umzusetzen. Da sich die Etatsberatungen über den 1. April 1916 hinaus- zogen, mußte die Regierung, um das Budgetrecht des Reichstags zu wahren, einen sogenannten Notetat einbringen. Seinem Wesen nach bedeutet er nichts anderes, als die Ermächtigung der Regie- wling, die Geschäfte des Reichs auf der Grundlage des alten Etats bis auf weiteres fortzuführen. Nach altem parlamentarischen Her- kommen ist der Notetat nur eine Formalität, so daß an seine Einbringung keine allgemeine politische Debatte geknüpft wird. Ilm so weniger lag dazu in diesem Jahre Veranlassung vor, als die ordentlichen Etatsberatungen, bei denen alles Ziote endige zu sagen toar. unmittelbar vor der Tür standen. Hierfür bgtte die Fraktion ouch schon zum Teil die Redner b stimmt. In den meisten Etats- fragen sowie in der wichtigsten Steuerfroge waren wie üblich. wegen der sachlichen Einigkeit der Fraktion, Vertreter der Mehrheit und der Minderheit bestimmt worden. Zur Erörterung der all- gemeinen politischen Lage dagegen, die durch die inzwischen wichtig gewordenen U-Boot-Dcbatten eine besondere Note erkalten mußte, wurden zwei Vertreter der Mehrheit ernannt. Da» ist der Frak- tionSmehrhcit alz RücksicktSlosigkeii ausgelegt wgrdm. und man bat damit die Nottoendigkeit der Abspliitsrung zu begründen ver- sucht. Nichts unrichtiger als das. Wenn die Mehrheit einer demokratischen Organißation sich nach eingehender Beratung für «ine bestimmte Auffassung entscheidet, kann sie nicht einen Gegner HSpet Auffassung mit ihrer öffentlichen Vertretung beauftragen. Zur parlamentarischen Erledigung des NototatS schlug der FraltionSvorstand in der Sitzung vom 24. März vormittags vor, dem früheren Gebrauche der Fraktion und dc» gesamten Reichstags gemäß den Notctai als reine Formalität olinc weiteres passieren zu lassen. Da der Notetat parlamentarisch die Verlängerung des vorigen Hauptetat? sei. dem wir im vorigen Jahre zugestimmt hätten, müßten wir auch sinngemäß für diese Verlängerung stim- puaL Unserer Abstimmung über den neuen Hauptetat würde da- durch in keiner Weise vorgegriffen. Gegen diesen Vorschlag wandten sich mehrere Vertreter der Minderheit, besonders Genosse .Haase, ohne jedoch auch nur mit einer Silbe anzu- deuten, daß sich die Minderheit vom 21. Dezem- der bereits durch Beschluß fest gelegt hatte, dem FraktionSbc schlug auf alle Fälle zuwiderzu- bandeln, sowohl durch Reden im Plenum als auch durch Ab- lehnung des NotetatS. Die Mehrheit der Fraktion entschied sich für den Vorschlag des FraltionSvorftandcs. Die Fraktionssitzung endete unmittelbar vor Deginn der Ple- narsitzung. in der der Notetat auf der Tagesordnung stand. Als i'ie'i' � e»» i*!": A f fcfvrtM ,, ] München. Schöpflin. Schulz. Schumann. Segitz. Silberschmidt, » Spiegel, Stollen, Südekum, Taubadel, Thiele, Thönc, WelS. Mit Nein stimmten: Albrecht. Antrick. Bernstein. Bock. Büch- ; ncr. Cohn. Dittmann, Emmel, Ewald. Fischer-Sachsen. Fuchs, j Hoch, Hoffmann- KaiserSlautorn. Hosrichter, Horn. Hüttmann. j Jockel, Kuncrt, Ledebour, Lcutcrt. Raule, Rcißhaus, Ryssel, Schmdit-Meißen. Sckwartz. Simon, Sladthagen, Stolle, Stubve, Stücklen. Vogtherr, Wurm, Zubeil. � Der Stimme enthielten sich: Davidsohn(weil ein von chm gestellier Abänderungsantrog auf Streichung der Worte..dadurch wird sein Disziplinbruch zugleich zum Treubruch" von der Mehr- der Präsident des Reichstags sckon ouf seinem Platze saß und die 1 heit der Fraktion abgelehnt»vordeu wart. Haas«, Henke, Herzseld. itzuiig eröffnete, teilte Genosse Haase dem Fraktionsvorstand mit, daß er zum Zkotetat reden und die Ablehnung des Etats durch »eine Freunde begründen werde. Als diese Mitteilung den in den Sitzungssaal hereinströmenden Mitgliedern der Fraltionsmehrheit bekannt wurde, bemächtigte sich ihrer eine ungeheure Erregung und Erbitterung, teil» über den erneuten und erschwerten Disziplin- bruch. der in dem Vorgehen der Minderheit lag, noch mehr aber über die Hinterhältigkeit, die in der Art und Weise des Vorgehen? zum Ausdruck kam. Kaum fünf Minuten zuvor hatte man gemeinsam getagt und beraten, die Minderheit hatte mit allen Rechten an der Fraktionssitzung teilgenommen und ihren Standpunkt vertreten. Aber mit keinem Wort hatte man ver- raten, daß man eine solche folgenschwere Unternehmung gegen die Einheit der Fraktion bis in alle Einzelheiten vorbereitet hatte. Es wurde sofort noch dei Plenarberatung eine neue Frak- tionSsstzung abgehoben, in der Genosse Ebert die Situation durch folgenbe AuSstihrungen klarstellte:„In unseren letzten Sitzungen haben wir uns wiederholt sehr eingehend über die allgemein« poli- tische Debatte unterhalten, di« im Plenum stattfinden sollte. Wir .waren uns über die sachliche und formale Behand- l u n g einig. Danach sollte die politische Debatte getrennt wer- den von der Aussprache über ine Steueevorlagen. Heute morgen waren wir uns dah'n schlüssig geworden, im Seniorenkonvent zu fordern, daß nach Erledigung der U-Doot-Frag» und des Etats de» Auswärtigen Amt? in der Haushaltskommission eine politische Debatte im Plenum stattfinden sollte. Wir haben diesen Vor- schlag dem Seniorenkonvent unterbreitet, der ihm noch vor Beginn der Reickstagssitzung zugestimmt hat. Weder Gever noch Ledebour. die beide Mitglieder de? Seninrenkonvents sind. haben auch nur ein Wort dagegen gesagt. Sie waren also mit dieser Regelung einverstanden. Heute morgen haben wir weiter in der Fraktion über unsere Stellung zum Notetat der- handelt. Die darüber bestellenden Meinungsverschiedenheiten sind durch Abstimmung erledigt worden. Wegen der formalen Erledigung des Etat» Imirde einstimmig beschlossen, .seiner Vcrabschisdung am heutigen SitzungStoge keine Hindernisse zu bereiten. Sollte etwas Unvorhergesehenes sich ereignen, dann .solle der Vorstand unter sich, eventuell mit der Fraktion, beraten. Iva? aeschehen solle. Die Fraktion hat das ohne Widerdruck gut geheißen. Niemand, weder Haas« noch andere Genossen, haben auch nur mit einem Wort angedeutet, daß im Plenum zum Not. etat geredet»verde»' sollte. Erst im SitzuugSsaale hat Haase, und zwar im letzten Augenlick, unmittelbar vor Eröffnung der Ver- Handlungen, als er mit einer wohlvorbereitelcn Rede bereitstand, dem Vorstand mitgeteilt, daß er reden werde." Dieser Tarsteil»»ag fügte Ebert hinzu:„Da? ist nicht nur Abwesend waren: Baudert. Binder. Brandes, T etz. Er'- mann. Feldmann, Geher, Hügel, Peirote?, Ulrich, Bollmar, Wendel. Zur Geschäftsordnung sagte sodann Genosse Led'vour: ..Ich bitte die Kollegen, die mit dem Beschluß nicht einverstanden sind, sich nach Schluß der Sitzung im Zimmer 1 zusammenzufinbor.." Genosse Ebert wies diese Bemerkung scharf zurück las gehöre nicht zur Geschäftsordnung. Wolle die Minderheit Veranstaltungen treffen, die der Fraktion s- disziplin zuwiderlaufen, so möge sie das auf demselben Wege tun, auf dem sie c§ bisher schon getan habe. In einer Rechtfertigungkschrift hat die Sozialdemokratische Arbcirsgemeinschaft später ihre..Bildung" al? einen„histo-risch notwendigen Akt", notwendig im Interesse des SozialiZmuS und der Einheit dar Partei hinzustellen versuch:. Tie hat dafür aber nur in ungefähr 13 Zeilen mit einigen verlegenen Worten einr:e kümmerliche Gründe anzuführen gewußt: sie habe bei der Etat- bcrotung„die grund'ätzliche Srellung der Parle: zur Annexion?. frage, zum Selbstöestimmungsrecht der Nationen, zum Pölrerrecht dargelegt", in der U-Bootfrage habe sie allein den ruclncktSlosen U-Bootkrieg verworfen, und für Liebknechis Redesrechei: sei sie sofort eingetreten. Ob die Arbeiter diese Leistungen als eine ausreichende Be- gründung für die schwerste Schädigung, die der Ar- bciter bewegung überhaupt zugefügt werden konnte, für die Tpalrung deS bisher großen und" einflußreich-'?', während des Krieges dopvelt und zehnfach einflußreichen Rr cko- tagsfraktian, ansehen werden? Eine Spaltung als Mittel zur Einheit! Eine rechthaberische Lottösung von den Kampfgenossen als Mittel zur Entwickelung des Sozialismus!„Grundiätzliche" Stellung zur AnnexionZfrage, zum Selbstbestimmung-' recht der Völker und zum Völkerrecht, obwohl„griindiäßlick c" Meinungsverschiedenheiten in der Fraktion darüber nicht bestanden. Gegen den rücksichtslosen U-Boot krieg Und für die Redekrcihcit im Reichstage. obwohl beides von der alten Fraktion besser und Wirkung?- voller vertrete» worden»vor und wird, als von der Sozialdemo- kratiscken Arbeitsgemeinschaft! Di«� Sozialdemokralische ArbeitSgemeiiiichaf: vergißt aber bei ihrem Seibstlob, den deutschen Arbeitern einige andere Tatsachen mitzuteilen, die mit der Spaltung ursächlich zusammenhängen. Es darf zunächst nicht der moroliiche Ei n d r u ck außer acht gelassen jvcrd.'»», den die Spaltuna der bisber uner'chütterlich einigen Sozialdemokratie auf die bürgerliche Welt und auf das Ausland machte DaS feindliche Ausland mußte dadurch in der Auffassung bestärkt werden, die sehnlichst crneble Zwielracki im deutschen Volke sei jetzt auf dem besten Wege. Für die bürgerlichen ein Disziplin bruch, das ist eincganz unerhörte Parteien Dcutsckstands und ihr« Vertretungen im Reichstage aber Treulosigkeit, ein Vorgehen, das so jedes Gefühl der Kameradschaf! vermissen lößl. daß sich ihm in der Ge- 'chiehtc der Parte? nichU Gleiches an tnc Seite stellen läßt. Mir ist kein Vorgang bekannt, daß ein Genosse mit der Kamerad- 'cbaftlichkeit so Sckindluder getrieben Hätte wie .Haase. Hiergegen mutz die Fraktion etwa? unternehmen, wenn sie sich niöbt zum Gespött machen will." Ebert schlug dann im Namen des Verstände? die folgende. seinerzeit durch die TageSpresse verössentlicht? Erklärung der Fraktion vor: „Die Fraktion bedauert lebhaft die Vorgänge, die sich innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft in der heutigen Reichstags- sitzung zugetragen haben. In ihrer Fraktionssitzung am Vormittag wurde der ein- stimmige Beschluß gefaßt, eine allgemeine pol: tische Debatte im Plenum n«i> der Behandlung de§ Etat? de? Auswärtigen Amts in der Budgeikommission zu führen— ein Beschluß, dem noch vor Beginn der Plenarsitzung der Seniorenkonvent wider. spruchSlo? zugesiimint hat. Hinsichtlich dar Behandlung des Not- «tot? hatte die Fraktion in der gleichen Sitzung beschlossen, im Hinblick auf jene in Aussicht stehenben politischen Erörterungen nach altem Herkommen heute von einer politischen Debatte Äb. stand zu nehmen. In dieser FvaktionSsitzung ist Haas« mehrmals«rusführlich zu Wort gekommen, um skine Auffassung zum Notgesetz zu be- gründen. Nachdem die Fraktion in ihrer Mehrheft gegen diese Auftassirng entschieden hätte, hat Haas« auch nicht die leiseste Andeutung gemacht, daß er gegen diese Fraktionsbeichliisse im Plenum vorgehen werde. Dadurch wird sein Disziplin- bruch zugleich zum Treubruch. Nachdem die Fralticn bereits am 12. Januar die damalige Sonderaktion aus? schärfste gerügt hat, sieht sie sich nunmehr gezwungen, zu erklären, daß Haase und viejcnigen Fraktion»Mitglieder, welche di« gemeinsam gefaßten Beschlüsse gröb- lich mißachten und öffentlich durchkreuzen, da. durch die aus der Fraktionszugehörigkeit«nt> springenden Rechte verwirkt haben." Zum Schluß stellt Ebeft fest, daß seinen soeben gegebenen Darstellungen von keiner Seite widersprochen werde. Darauf gab Stolle im Namen der Fraktionsmitglieder, die am LI. Dezember 1315 die Sonderakfton im Plenum gemacht hatten, die folgende Erklärung ab: „Namens meiner engeren Freunde erklär« ich folgende?: Der Kollege Haase. hat mit unser aller Zustimmung seine heutige Rede gehalten.hat auch mit unserer Zu- stirnmung in der FraktionZsitzung die ausdrück. liche Ankündigung reden z u wollen, unter- lassen. Daß Haase unsere von der Meinung der Fraktion»- Mehrheit abweichende Auffassung im Plenum dcö Reickstags zum Ausdruck gebrockt hat, war die nottvenbigc und für alle Frak- lionSkollegen selbstverständliche Folgerung au» unserem Vor- gehen vom 2l. Dezember 1915." Diese Erklärung wurde auch von ihren Urhebern in der Tages- presse veröffentlicht und trug hier die Unterschriften von Bock, Büchner, OSkar Cohn, Dittmann, Getier. Henke, Herzfeld, Horn, Kunert, Ledebour, Schwartz, Stadthagen, Stolle. Vogtherr, Wurm und Zubeil. lieber den Antrag deS Vorstandes wurde namentlich abgestimmt. Bei der Abstimmung kämm 197 Mitglieder der Fraltion in Betracht. Davon fehlten 12. Von den übrigen stimmten 58 für und 33 gegen dm Antrag, 4 enthielten sich der Stimme. Mit I a stim.inten: Bauer. Bender, BloZ, Böhle, Brett, Brühn«, Buck, Cohen, David. Deichmann, Ebert, Feuerstein, Fischer-Berlin. Fischer-Hannover, Frohme, Geck. Giebel, Göbre, Gradnauer, Grenz. Haberland, Hasenzahl, Heine, Hier!. Hildenkrand. Hossmann-Rudol iladt, Käppier, Keil, König, Karsten, Krätzig. Landsvcrg. Legicn. Lersscd, Molkenbuhr, NoSkc. PeuS, Pfannkuck, Pinkau. Quarck, Oucsscl, Rauch,»Sachse, Scheidemann, Schmidt-Berlin, Schmitt- mußte die Sozialdemokratie viel von ihrer bisherigen Bedeutung verlieren, mit der zu rechnen man gewöhnt wax. besonder? wöb- ren der verflossi-nen KriegSzeit. Man brauchte nicht nur rein zahlenmäßig die Sozialdemokratie von nun ab nur nock wft 89 Stimmen einzuketz-n. welche Ziiftr sich durch das Gegen ein- ariderstimmen der bftden Fraktionen wie unter oder be» der einstigen FriedcnSresolution im Juli 1917 t'ogor noch auf 68 vermindert: man durfte auch die moralische Stärke der Partei peringer schätzen,!*»_ eine von inneren Gegensätzen zerrissene Partei r ckt mehr die Schlagkraft besitzt, wie eine innerlich einige Partei. Ge- wih waren die Gtgemätze in der deutschen Sozialdemokratie auck fchon vorher der bürgerlichen Welt nickt unbekannt geblieben. Aber sie waren dock mcbr oder minder auf Mutmaßungen ange-v-e»«» gewesen: außerdem war auck in früheren Jahren die Sozi ar- demokratie trotz innerer Gegensätze in ihrer Sätlagkraft und i n ihrer Kamps front gegenüber den Gegnern? e.- schlössen geblieben. Jetzt aber war vor der größten Oessent. lichkeit und mit ickonungsloser Rücksichtslosigkeit die Zersplitterung der dsuftcken Sozialdemokratie bekanntgegeben worden. Weitere Folgerungon au? der Absplitterung ergab'n sich von selber. Hatte die Minderheit sich einmal„seldständig" gemacht, so mußte sie auch zeigen, daß sie etwa? besondere? zu sagen und zu tun hatte. Das konnte sie nur im Kampfe gegen die Fraktion. Denn im Kampfe gegen di« bürgerlichen Parteien vermochte sie nickt mehr und nickl? Besseres zu leisten als die Fraktion. So besleißiotc stck die. Sozialdemokrattche Arbeilsge- mein'chast nack dem Wiederzusammentritt deS Reichstag? im Mai 1916 eines für sie ebonto wenig ehrenvollen wie eriolgreichcn parlamentarischen Wertlaus? mit der Fraktion. Daß damit nicht dem Besten der deutschen Arbeiter gedient se-n konnte, das leuchtet ohne weiteres ein und das haben auch die Sftr- Handlungen oftmals ergeben. xAlußSemerkung. Ein Fraktion best>W summarischer Rückblick auf die geiamte Taugleu der ergibt, daß sie zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit strebt gewesen ist, die Interessen der deutschen Arbeiterklasse in dem ftirchterlichen Zusammcnprall und Durcheinander dict'eS Welt- trieae» nach besten Kräften wahrzunehmen Als d-c entscheidende Richtlinie fi>r ihre Tätigkeit galt ihr dabei die»nerschütte t von »hr ausrect'terhaltene Erkenntnis, daß die deutsch? Ar- b e i t e r! l a s s c ein wichtiges Stück,»venu nicht das wichtigste Stück des deuts che n Volk«» bildet, und daß ihr innerhalb der imperialistischen Gegen- sätze des Krieges daher zunächst nur zu helfen ist. wenn dem deutschen Volke als Ganzem und seiner staatlichen Form als dem Deutsch?» Reiche gegen- über seinen zahllosen Feinden tatkräftig»md m i t unbeirrbarer Entschlossenheit gehälfen wird. Wer diese Voraussetzung ablednt. wer also die iiiternaiior.olcn Bezithungen und Verpflichtungen des deutschen Sozialismus höher stellt als seine Pflichten gegenüber dem eigenen Volke und seiner wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklung, mag die Tätigkeit der RcichstagSftaktion im ganzen sowie in ihren Einzel- h.ftten für falsch hallen. Mit ihm haben wir unS hier aber euch nicht auSc i n cmderzu ic Ken. Wer diese grundsätzliche Haltung der Fraktion anerkenn!, weil sie allein der rauhen Wirklichkeit und den harten Talsach?» in der von der Not der Zeit geforderten Weise Rechnung trägt: war alio die Weiterentwicklung der deutschen ArbeiterKewcgiing auf abieh- bare Zeit in materieller wie in geistiger Beziehung nur von ihrer wirkungsvollen und verantwortungsbereiten sozialssttschen und Demokratischen Mitarbeit im Rahmen de? Volksganzen erwartet: und wer dadurch auch ein Wiederaufblühen der Internationale durch ein gleichartiges Verhalten der Arbeiter in anderen Ländern erhofft, d-r mag im einzelnen manches an unserem pzrlamev'a- rischen Verhalten bemängeln, im großen und ganzen aber wird er der Fraktion für ihre Haltung im Kriege gern die von ihr vom Parteitag erbetene Entlastung erteilen. Em Sragifthe? Jall vor öem österrekchischen Parlament. Wien, Ii. Oktober. Abgeordnetenbaus. Vor dem Eingehen in d-e Tagesordnung verlas der Landesverteidigungsminister Ezapp den Bericht des Militärantva-is über die in der letzten Sitzung in einer dringlichen Anfrage besprochene Tötung eines Dragoners im Wiener Lstbahnhof. Die� Erhebungen ergaben, daß bereits auf dem Wege zum Bahnhof der Transportzug Disziplin- losigkdt zeigte, weshalb die Begleitoffiziere wiederholt einschreiten mutzten, wobei der Oberleutnant einem Korporal, der sich weigerte, in die Einteilung zu treten, eine Ohrfeige verseht haben soll. Tie Matzregelung des Korporals wurde von den Soldaten eifrig besprockien. am lautesten von dem Dragoner Moritz, welcher erklärte, er lietze sich solches nicht gefallen, bei ihm wäre ein Leutnant so klein. Moritz machte hierbei eine entsprechende Geste, die er in herausfordernder Weise wiederholte, als Leutnant Zertik vorüberkam. Dieser fatzte Moritz vorn bei der Bluse. Moritz rief mehrmals:„Lassen Sie mich los!" und versetzte Zertik einem i Schlag mit der geballten Faust ins Gesicht, so daß des Leutnants Kappe herunterfiel. Taraus zog Zertik das Bassnett und stach dem Dragoner in die Brust. Niemand dachte daran, datz der Stich tödlich fein konnte. Die Kameraden hielten dgs Umfallen.des Moritz für einen Spatz.(?!) Gegen den Rescrveleutnant Zertik uns den Reserveoberleutnant Reckzügel wurde ein gerichtliches ErmittelungSverfahrcn eingeleitet; die grö tzte Beschleunigung des Verfahrens wurde veranlaßt. Der Minister bitter schlietzlich, die Erledigung der Sache durch das Zuständige Gericht abzuwarten. Das Haus erledigte weiter AuZschuhberichte und begann sodann die Verbandlung des Berichts des Presseausschusses betreffend die Aufhebung der politischen Zensur. De? Krieg auf öen Meeren. Berlin, 10. Cltoficr. In alle» Teilen des Mittelmecrcs wurden dem feiudlicheu Schiffsverkehr durch unsere U-Boote wieder schwere Verluste zugesügt. 12 Dampfer und 33 Segler mit zu- sammen über 46000 Sr.-Reg.-To. sind trotz dcS tereits stark verminderten Seeverkehrs versenkt worden. Darunter waren zwei Transportdeupfcr, beide wahrscheinlich mit Truppen au Lord, ferner der englische Dampfer Gibraltar(3803 Tons) mit 5000 Tons Getreide nach Südfrankreich und der grie- ch-schc Dampfer Alkyon s24v4 TouS) mit 3500 Tous Kohlen für Italien. Der Chef des BdmirakfiaSes der Marine. Kleine Kriegsnachrichten. Kriegskerichterstalter Oberst Emerson, der über deutsche Kriegs- leistmiaeu an amerikanische Blätter schrieb und in Amerika Vorträge über Deutschland hielt, erklärt gegenüber Beschuldigungen in der Entenievresse in einer Zuschrift an daS Molffsche Bureau, datz er liur�lOOOV Dollar vom deutschen Botschafter oder irgend jemand anderem erhalten und demgemäß auch nur eine Ouittung für eine solche Summe geschrieben habe. Frau Turmel verhaftet. Reuter meldet: Frau Tunnel ist ebenfalls verhafte: worden. Amerika als Entrntcbankier. Wie die Agentur Radio aus Washington mckdet, gewährten die Bereinigten Staaten Belgien «inen neuen Borschutz von zwei Millionen Dollar. Die Summe der Tarlehen erreichte damit einen Betrag von 255 Millionen Dollar. An die Verbündeten sind bisher insgesamt drei Milliarden 518 100 000 Dollar a n Da.r lehen gewährt worden. Der Schiffsverkehr im Suezkanal betrug nach einer Meldung der englischen Zeitung„Scoisman" in dem mn 30. Juni 1917 abgelaufenen Jahre 4 257 000 Tonnen gegenüber 10 344 676 Tonnen in dem am 30. Juni 1914 abgelaufenen Jahre. Die Internationale Parlamentarische Konferenz erörterie am 9. Oktober in Paris das Programm für die Londoner Konferenz vom Mai 1918. AIS Tagesordnung für diese wur- den fallende Gegenstände angesetzt: 1. Rückversicherungen; 2. Verallgemeinerung des Svstems Tahlor; 3. Zollwesen nach dem Kriege und Organisierung des Kampfes gegen die deutsche Handeisspio- nage: 4. Schaffung eines internationalen Hanbelsfinnen-Verzeich- nisses; 5. Donauschiffahrt: 6. Spezifizierung der Industrien in den verbündeten Ländern zur Vermeidung des Wettbewerbes unter ihnen; 7. Einheitlichkeit der Gesetzgebung in bezug auf industrielles und geistiges Eigentum. Tic Kohlennot in der Schweiz. Zm Erzielung weiterer Kohlen- ersparnis hat der sibweizerische Bundesrat beschlossen, den Sieben« uhrladenschlutz für das ganze 01-biet der Eidgenossenschaft für obligatorisch zu erklären. Sonntags müssen alle Ver- kaufsmagazine geschlossen bleiben. Die Kinematographen dürfen an zioölf Tagen im Monat nicht mehr spielen. NooseveltS KriezSzielr. Wie die Pariser Blätter aus Nelo Jork erfahren, ertlärte Roosevelt in einer Rede, der Friede könne nur nach einem Siege des Verbandes geschlossen werden. Deutschland müsse vollständig geschlagen und Oesterreich sowie die Türkei aus- gelöst werden. Japanischer Vorschuß an Rußland. Amtlichen japanischen Kreisen ist zur Kenntnis gebracht worden, datz Japan der russischen Re- giorung 66 667 000 Den zu 6 Proz. Zinsen vorgeschossen hat. Minifterialöirektor GLesberts! Der„Berliner Lokalanzeiger" will wissen, datz der Zentrums- abgeordnete GiesbertS voraussichtlich das ReichSwirtschaftS- amt übernehmen werde. Zunächst solle für ihn der Posten eines Ministerialdirektors geschaffen werden. Es wäre tief bedauerlich, wenn ein ReichStagsabgeordneter unier den gegenwärtigen Umständen ein Amt von der Regierung annehmen würde. Da heißt eS denn doch:„Man merkt die Absicht und man ist verstimmt." �llZeutschs�gitatioci mit amtlichem Stempel Der„Dresdener Anzeiger", offizielles Amtsblatt der königlichen Amtsbauptmaniischasten Pirna, DreSden-Neusladt und Meißen, deS Ivmgl'chcn Land- und AmlSgericht«. der königlichen Polizeidirektion und de« Raies zu Dresden sowie des GemeindevorstandeS und des Gciiieinderales zu Blaiewitz. welcher täglich eine offizielle Abteilung „Amiliche BekanmmachM.Arn" enthält, bringt innerhalb dieser a ml l i ch e n? e k a n n: m o ch u n g c n den Ausruf zur Mitglied- ichas: d�s Ortsvereins Blaiewitz der Demschen Vaterlandspartei. In Danzig verschickt der„liberale" Oberbürgermeister Scholz e n Rundichreibsn. in dem er zur Gründung einer Ortsgruppe der Vaierlandsvartei auffordert, damit ein„kraftvoller demscher Frieden" geschloffen werde. » In Sommerfeld sR.-2.) fand vor einigen Tagen ebenfalls eine Versammlung der Vateltandspartei statt. Der Verlaus war w c überall: Starke Warle, Rcichskanzlertelegramiu. Kaiicrhoch; die Folgen wie ander-wo. Die Postbeamlen müssen uiiterschrifllich et- Nären, datz sie mit ihren Familien der Vaterlandsparte: beitreten. Wir würden von der Versammlung nicht weiter Notiz nehmen, wenn nicht auch die dortigen Tuchfabrikanten versuchten, auf ihre Arbeiter einen Druck auszuüben. Allen Meisteni ist nahegelegt worden, beizulreten; das Eintrittsgeld bezahlt der Fabrikant. Als bei Ausdringung des Kaiserhochs eine Anzahl VersammIungsSeiixchcr sitzen blieben, wurde ihnen vom Versammlungsleiter eine Anklage wegen Majestätsbeleidi- g u n g angedroht. Norma'öeutsche gegen �lllöeutsche. In einer von ungefähr 1000 Personen besuchten Valksver- sammlung, die in dem kleinen Städtchen MörS am Niederrhein statt falrd, sprach am letzten Sonntag ReichStagsabgeordneter Genosse Haberlünd über den Verständigungssrieden. Seine Ausführungen fanden stürmischen Beifall, die Versammlung nahm einstimmig eine Entschließung an, die sich mit der Friedensarbeit der sozialdemokratischen Reichstagssraktion einverstanden erklärt und gleiches ' Recht für alle Staatsbürger fordert. Eiwa 8—900 Slaats- und Gemeindearbeiter in Breslau versammelten sich aus den Ruf der Sozialdemokratie, um im Gegen- satz zu dem Druck der Behörden aus freier Eiitichlietzung zu den polnischen Fragen der Zeit Siellung zu nehmen. Nach einem Bor- lrage des Genossen Löbe schlössen sich noch am selben Abend 185 Personen als neue Milglied-«r der sozialdemokratischen Partei an und stündlich lauten weitere Beitrittserklärungen beim Vorstand des Sozialdenmkralischen Vereins ein. Eine Riesendemonstration fand am Mittwochabend in Ham- bürg statt. Heber 5000 Personen hatten sich bei Sagebiel, dem größten Saale Deutschlands, zusammengefunden; Tausende fanden keinen Einlaß, weil bereits eine Vierteistundc vor dem angesetzten Bersammlungsbeginn die Saaliüren geschlossen werden mutzten. Referent war Genosse Müller vom Partcivorstand. Seine Aus- führungen fanden stürmischen Beifall. In der Diskussion sprach Dr. Peterson von der Fortschrittlichen Volksparlei im Sinne des Referats. In Lübeck sprach am gleichen Abend Genosse Stückle» über dasselbe Thema; die Versammlung wies ebenfalls den besten Erfolg auf. Die harmlosen. Eine schöne Jlluftrativn zu dem Rundschreiben der Deutschen VaterlandSportei. in dem diese ihre vollendete Harmlosigkeit dar- zulegen sucht, bildet die GrüiidurigSveriamuilung eines KreisvcreinS der Partei in Braust(Westpreutzen). Auf dieser sagte ein hoch- gestellter Beamter, La n d e S h a ü p t m a u n Fr Hr. Senff- von P i l j a ch, nach dem Bericht des konservativen Danziger Organs u. a. folgendes: „Der Reichstag hat mit der Resolution vom 19. Juli Verrat am Vaterland geübt, da wir mit gebundenen Händen unsere» Feinden ansgeliejert werden sollen." Wir können einen Verrat am Vaterlande nur darin erblicken, datz hier ein hoher Beamter vor der Ocffentlichkeit und dem feind- lichen Auslands versucht, auf Grund wahrheitswidriger Behaup- tungen die Mehrheit der deutschen Volksvertreter und mit ibr die Mehrheit des deutschen Volkes als Vaterlandsverräter hinzustellen. UebrigenS eine Frage: Auch die Regierung steht ja auf dem Boden der Reichstagsresplutioii, sie hat in ihrer Papstnote ouSdrück- lich auf sie Bezug genommen. Besteht nun die deutsche Regieiung auch auS Vaterlandsverrätern? Um üen dorpater Dom- In einem Schreiben an die konservative Fraktion des Herren- Hauses begründet Professor Adolf Wagner, Mitglied des Herrenhauses, warum er weiter Mitglied der Fraktion bleiben mochte, obwohl er durch sein körperliches Befinden verhindert ist, an den Sitzungen des HauseZ teilzunehmen. Ausschlaggebend ist ihm— trotz gewisser abweichender Meinungen in Wirtschasts- fragen— die Ueber ei n sti m in u n g mit der Fraktion in Fragen der auswärtigen Politik. Professor Wagner verweist darauf. datz ihm schon in den sechziger Jahren die Wiedergewinnung des Dorpatcr Toms und des Stratzburgcr Münsters als politische Ziele vorgeschwebt hätten. Wie seinerzeit in der elsatz- lothringischen Frage, so stände er jetzt in der baltischen und belgisch- f l a m i s ch e n Frage. Professor Wagner verlaugt im Osten die„natürliche Pcipusseegrenze", die wir bekanntlich noch nicht einmal militärisch erreicht haben, mit Riga und Dorpat samt dem Dorpatcr Dom. 99 Prozent de� Feldgrauen, dir noch nie in ihrem Leben etwas von dem Dorpatcr Dom gehört haben, werden sicher sehr erstaunt sein, zu erfahren, datz wegen dieses altehrwürdigen Bauwerks der Krieg noch fortgesetzt Warden müsse. Ursache unö Wirkung. Ein Mann, der sich über die Rede?es Zentnimsabgeordneien T r i m b o r n gegen die.Vaterlandspartei'„gewundert" hat, fragt über die Gründe der Trimbornschen Stellungnahme bei der Schrift- keitung der„Deutschen Zeitung" an. Er erfährt im Briefkasten des Blattes folgenden Bescheid: „Erstens ist T. doch der Sohn eines iehr weit links stehenden Fortichrittmannes, der aus besonderen Gründen zur Zentrumse parter übertrat; zweitens hat T. die Tochrer eines wallo- nischen Fabrikanten zur Frau und ist Anhänger eineS Verzichtfriedens fWiederberstellung Belgiens); drittens fürchte: T.. datz durch die Deutsche Vaterlandspartei das Zentrum vielePartei- gänger verlieren wird, wie dieS auch tatsächlich der Fall ist." Wir haben schon vre! darüber nachgedacht, warum in der„Vater- landspariei" so viele Fabrikanten sitzen. Sicher nur um ihrer Töchter willens BuiidcSratsarbeit. Berlin, 11. Ottober. In der heutigen Bundesratssitzung gelangten zur Annahme der Entwurf einer Be« kannlmachung über Verjährung der BeilragSrückstände in der An- gestelltenversicheiung, der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend Aenderung der Verordnung über die Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk-, Strick- und Schuhwaren vom 10. Juni 23. Dezember 1916 und der Verordnung zur Ergänzung der Verordnung über die Fest- setzung von Pachtpreisen für Kleingärten vom 4. April 1916. Znöustrie unö Handel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. T-cr zum 10. November 1917 einberufenen Generalversammlung der Panzer A.- G. in Berlin wird die Verteilung einer Dividende von 12 Proz.(i. V. 7 Proz.) in Vorschlag gebracht. Die Berliner Banken und Bankiers haben eine Bedingungs- gemeinschast lslonditionenkartell) für den Wertpapierhandel ge- gründet, die in Kraft treten wird, sobald die KommissionZtätigkeit im Börsenverkehr wieder, eingeführt wird. Anläßlich der Eitiiiihrung der jungen Aktien der Alk- gemeinen Elektrizitäts-Geiellsckiast an der Bertiner Börse werden im Prospekt über den Entwicklungsgang des Unter- nebmens einige interessante Mitteilungen gemacht. Die Gesellschaft. die im Jahre 1883 unter der Firma„Deutsche Edison-Geiellschafl für angewandte Eleitrizilät" gegtündet wurde und seit 188.7 ihre jetzige Firma führt, hat ihr Aktsenkapital allmähiich von 5 aus 200 Mill. Mark gesteigert. In den Geschäftsjahren 1911/12 bis 1915/16 be- trugen die Dividenden 14, Ii, 10, 11, 12 Proz. Die Gesellschaft beschäftigte am 1. Juli 1917 79 293 Personen. Di- A. E.-G. bat Fabriken für olle Gebiete der Startstromiechnik und vielerlei Er- Zeugnisse der Schwachstromindustrie. Gegenwärtig hat eine weit- gehende Umstellung der Fabrikation auf die Erfordernisse der Heeres- Verwaltung stattgefunden. Die Gesellichast gehört Verkaufs- Vereinigungen für Leilungsmateriah Jsolierrohrc, Stark- nnd Schwachstromkabel an. Diese Vereinigungen sind mit kurzen Fristen kündbar. Der gegenwärtige Geichöftsgang ist befiiedigend. AuffichtSrat und Vorstand der G e b r. K r ü g e r u. C o. Aktien- gesellschaft und der Karl Schöning Eisengießerei und Wert- zeugmaschinensabrik Aktiengesellschaft haben beschlossen, ihren Aitio- nären in einer für Freitag, den 2. November, einberufenen außerordentlichen Generalversammlung eine Fusion dergestalt zu emp- fehlen, datz das gesamte Vermögen der Karl Schoening Eisen- gietzerei und Werkzeug!, raschinenfaorik Aktiengesellschaft unter Ausschluß der Liquidation gemäß Sj 306 H. G. B. auf die Gebr. Krüger u. Co. Aktiengesellschaft übergeht. Den Aktionären der Karl Schoening Aktiengesellschaft wird ein Bezugsrecht auf die neuen Kcüger-Aktien dergestalt angeboten, datz je 3000 M. neue Krüger-Aktien in Umtausch gegen 5000 M. Schoening-Attien bezogen werden können. Zur Durchführung dieser Angliederung erhöht die Aktiengesellschaft Krüger das jetzt 2 100 000 M. betragende Aktienkapital um 900 000 M., welche vom 1. Januar 1917 ab gewinnberechtigt sind. Die Verwaltung der Krüger- Aktiengesellschaft hält die Angliederung der Schoeningschen Eisen- gietzerei an ihren Betrieb für nützlich, weil bei der Knappheit und der erheblichen Verteuerung aller Metalle jedenfalls auch längere Zeit nach Friedensschluß die Notwendigkeit bestehen wird, viele der- jenigen Artikel, welche bisher in Metall hergestellt wurden, künftig in Eisenguß herzustellen. Die Fortführung des Eiscngietzereibe- triebe» geschieht durch ein« unter der Firma Karl Schoening G. m. b. H. zu begründende neu« Gesellschaft, deren gesamte Srammanteile von der Aktiengesellschaft Krüger übernommen werden. Ter GcschLftöfülireude Ausschuß deS Reichsbundes Deutscher TeLtildctaiNislenverbande hat beschlossen: Zur Ersparnis von Be- leuchtung und Heizung ist durchgehend eine Geschäftszeit an Wochentagen von nicht länger als 9 bis 5 Uhr, Sonnabends bis' 7 Uhr und in der Weihnachtszeit(12. bis 24. Dezember) von 9 bis 7 Uhr vorzuschlagen. In der seit längerer Zeit zur Erörterung stehenden Frage der Gründung von Kleinhandelskammern kam«in Beschlutz dahin zustande, datz eine Schaffung solcher Kammern für den Kleinhandel nicht empfehlenswert sei. Dagegen müsse auf eine Aenderung des Handelskammergesetzes, besonders der Wahlord- nung für die Handelskammern, energisch hingewirkt werden, damit der Einzelhandel in den Handelskammern einen größeren Einfluß gewinne. Wenigstens aber mutzten die Kleinhandelsausschüsse in größerem Matze als bisher mitbestimmende Faktoren der Handels- kammern werden. Es wird glänzend weiter verdient. Jj>ie Mannesmann-Röhren-Werke haben jetzt ihren aftSbericht erslheinen lassen, der trotz mancherlei Klagen ein wahrhast glänzendes Bild entrollt. Der Rohertrag ist don 13 Mill. Mark im letzten Friedensgeschäfisjahr 1013/14 auf 52,2 Mill. Mark im Jahre 1916/17 gestiegen. Die Handlungsunkosten haben sich nur von 3,4 ans 5,4 Mill. Mark erhöht, was zeigt, datz die Direktion durch organisalorische Matzyahmen die Folgen der KrisgSteuerung abwenden konnte und datz offenbar auch die Löhne weit weniger als die Gewinne gestiegen sind. Die Ab- schreibungen haben sich von 6,8 auf 12.8 Mill. Mark, der Ueber- schütz hat sich von 6,8 auf 26.8 Mill. Mark erhöht. Die Dividende ist von 7l/z auf 18 Vroz. gestiegen. Autzerdem wurden 8,9 Mill. für besondere RückRigen und Zuwendungen bereitgestellt und 4.3 Mill. Mark aus neue Rechnung vorgetragen. Für das letzte Friedensgeschäflsjahr lauten die entsprechenden Zahlen 0,6 Mill. und l.5 Mill. Mark. Brillant haben die Gelsenkirchener Gütz stahl- und Eisenwerke gearbeitet, die im ersten Kriegsjahre 1914/15 einen Reingewinn von 1,98 Millionen Mark, im Jahre 1916/17 von 5 Millionen Mark bei einem Aktienkapital von nur 4,5 Millionen Mark erzielten. Di« Dividende ist von 12 aus 25 Proz. gestiegen. Die Sächsische G u tz sta h l- F a b r: k zu Döhlen bei Dresden hat ibren Reingewinn auf 9.6 Mill. Mark gegen 6,6 Mill. Mark im Vorjahre gesteigert und veiteilt wieder 30 Proz. Dividende Tie Aohlcnnot. Aus dem Ruhrgebiete ertönen bereits Klagen über man- gclnde Wagenge st ellung. Di« Förderung hielt sich im September auf der bisher erreichten Höhe. Man will versuchen, möglichst viele Arbeitskräfte frei zu machen, besonders auch Frauen und ehemalige Bergleute unier 60 Jahren, die in einem nicht zivil- dienstpflichtigen Berufe beschäftigt sind. In unterrichteten Kreisen wird.behauptet, datz die Haushaltungen mit Kohle beliefert werden können. Das ist um so glaublicher, als der Hausbrand einen nur verschwindend kleinen Teil an dem ge- samten Kohlenverbrauch(etwa 10 Proz.) ausmacht. Auch auf der jüngsten Generalversammlung der Münchencr Brauhcms-A.-G. in Berlin ist bemerkt worden, datz die Brauereizusammenlogung nicht mehr so sehr wie bisher durch die Kohlen- frage notwendig erscheine. Ob die Ucberzeugung von einer Entspannung in der Kohlenfrage auch für die Industrie be- gründet ist, ist allerdings noch nicht vollkommen klar. Aber immer- hin scheint es bei Anspannung aller Kräfte, daß der unerschöpfliche Kohlenreichtum Teutschlands in größerem Matze als bisher nutz» bar gemacht werden kann. Angesichts des früh einsetzenden Winter- lichen Wetters ist daS eine Hoffnung, die nicht freudig genug be- grüßt werden kann. Letzte Nackrichten. Sprengung des Deutschen Nationalvcrbandes. Wien, 11. Oktober. Die Deutsche radikale Partei hat in ihrer heutigen Sitzung beschlossen, aus dem Deutschen Ratio- nalverband auszutreten. Einmütig gegen die Zensnrl Wien, 11. Oktober. DaS Abgeordnetenhaus nahm die Anträge des Presseausschusses betreffend Aushebung der politischen Zensur nach kurzer Debatte an, worin sämtliche Redner für die Wiedereinführung der vollständigen Preßfreiheit eintraten. Ein irisches Revolutioushecr. Rotterdam, 11. Oktober. Nach dem„Nieuwc Rotterdamschen Courant" berichtet ein Mitarbeiter der„Daily Mail", der den Führer der revolutionären irischen Armee in Westirkand D e V a- l e r a besuchte, datz De Valera jetzt 15— 20 000 gut ausgebildete Freiwillige unter seinem Befehl habe. Der Mitarbeiter der„Daily Mail" sah ganze Eisenbahnzüge mit Freiwilligen, die sich auf der Heimreise befanden und hört« Rufe wie»ES lebe die Revolution, es leb De Valera". In der Grafschaft Cläre sind 80 Proz. der Bevölkerung Anhänger der Sinnfeinerbewegung und auch die Frauen und Priester arbeiten unermüdlich für die i r i sch e R e p u hli k. Ter Tod des Sinnfeiner Thomas A s h e habe viele Hunderte, die noch schwankten, bekehrt und die Zahl der Mitglieder der Sinnseinerbewegung nimmt beständig zu� Ueberall wo De Valera sich zeigt, wird er begeistert empftmgeu, GelvertschBsbewVlmg Occün und Umgegend. Konferenz der Lagerhalter. Der?, entralverband der Handlungsgehilfen hatte für den 8. und 9 Ollober eine Benretertonferenz der bei ihm organijierlen Lagerhalter der Zl ans um vereine ver- aintaliel. T ie Konferenz halte den Zweck, eine Ausspracke über die durch den Krieg hervorgernfcnen lmiflübafilichen Umwälzungen im Lagerhalterberufe herbeizuführen. Die Verhandlungen wurden ein- geleilet durch ein Referat deS Kollegen Döhnel über die GchallS- und Arbeitsverhältnisse der kouiumgenofsenschaftlichen Lagerhalter. Er wies darauf hur, datz die Gehaltsvcrhältnisfe im allgeineineii schon vor dem Kriege verbefscrungsbedürftig waren. Der Krieg hat aber eine Teuerung geieiiigt, die durch die inzwischen gewährlen Teuerungszulagen nicht im entferntesten wettgemacht worden ist. ES>nust darauf Bedacht genommen werden, die Grundlöhne zu erhöhen.— An das Referat fchlotz sich eine längere Aussprache. Die Redner waren sich darüber einig, dost die Enrlohnuiig der Lagerhalter durchaus nicht dem genüge, was ihnen entsprechend ihrer arbeitsreichen und veramworrungsvollen Tätigkeit zukomme Sicht nur an der ungenügenden Entlohnung leiden die Lagerhalter, es fei auch infolge der ÄZnrsnabzabc durch das Markenstzstem die Menge der zu leistenden Arbeit gröster geworden. Die Arbeits- krähe werden also stärker ausgenutzt als früber. Zur Sprache kam auch, dast einzelne Koniumvereine die Stellvertreterinnen der zum Heeresdienst eingezogenen Kollegen zu gering entlohnen. Die Arbeitszeit des BerkaufSperfonalS der Konsumvereine bedarf dringend der Verkürzung. Es feien daher die Maßnahmen zu begrüßen und zu fördern, durch die eine Herabsetzung der Ladenschluß st unde herbeigeführt wird. Ter Zentralverband der Handlungsgehilfen hat eine Umfrage bei den Genossenschaften veranstaltet. Hierbei haben sich rund 1099 Konsumvereine für den gesetzlichen Siebenuhrladensckluß erklärt. Es wurde beschlossen, daß eine Ei Hebung über die GchaltS- und Teuerungszulagen statt- finden sollte und ferner folgende Entschließung gefaßt: .Die am?. und S. Oktober in Würzburg tagende Konferenz der Sektion der Lagerhaller im Zentralverband der Handlungs- gebilsen stellt nach"eingehender Erörterung der Gehalts- und Ärbeusbedingnngeir der Lagerhalicr fest, daß die vor dem Kriege fchou zu niedrige Bezahlung durch die Teuornng der Lebenshaltung während des Krieges neue bedeutende Verschlechterungen erfahren hat. Die nur teilweise gewährleisteten Teuerungszulagen sind als unzugänglich anzusehen. Es ist deshalb notwendig, die Tarif- Verträge zu kündigen und eine Erhöhung der Grundgehälter zu erstreben. Neben dieser Regelung find cnisprcchend den örtlichen Verhält- nisten Teuerungszulagen zu verlangen. Um dies zu erreichen, sind die Lagerhalter bereit, alle die den Gewerkschaften zur Verfügung stehenden Mittel und Maßnahmen zur Anwendung zu bringen." Am zweiten BerhandlungStage wurden besondere Berufs« fragen und organisatorische Angelegenheiten be- sprachen. Zu einer längeren Erörterung führte ein Rundschrgjben, welches einzelne fächsiiche und thüringische Kollegen an die Bezirke geschickt �baiteii. D!r Hauptvorstand hatte dieses Rundschreiben schriftlich beantworter uno die gegen ihn er- bobcne Kritik als im wesentlichen unberechtigt bezeichnet. In der Diskussion hierüber wurde baupliächtich die Frage erörtert, ob dem Redakteur deS Fachorgans„Filiallener" genügende Bewegungssreiheit gewährt werde. Von einigen VorstandSniitgliedern wurde dies unbe- dingt bejaht. Hierzu wurde ichließlich fölgende Resolution mit 29 gegen 16 Stimmen angenommen: .Jede Beeinflussung deS Redakteurs durch Vor- stand und Ausschuß des ZemralverbandeS der Handlungsgehilfen ist zu unterlassen, der allein nur zu entscheiden hat. welche Artikel aufnahmeberechrigt sind und welche nicht. Dem Borstand oder einzelnen Mitgliedern desselben soll cS unbenommen bleiben, gegen Arükel oder Zuschriften, die ihren Ansichten nicht entsprechen, im. F i l i a l l c i l c r" oder der.Handlungsgehilfen- Zeitung" zu polemisieren, jedoch nur in dem Nahmen, der jedem anderen Miigliede unseres Verbandes auch zusteht." Die erhöhte Teuerungszulage der Maßschuhmacher. Eine gutbesuchte Bronchcnversammlunq der Schuhmacher der Maßbranche tagte am Mittwoch, um den Bescheid des Arbeitgeber- Verbandes auf" den Beschluß der letzten Versammlung entgegen zu nehmen. Die Arbeitgeber hatten die geforderte neue TeuernngS- zulage in zwei Raten bewilligen wollen, wovon die zweite Pest am 1. Januar fällig werden sollte. Die vorige Branchenvsrscmmlmig hatte eS abgelehnt, darauf einzugchen und halte beichlossen, aus als- baldiger Bewilligung der ganzen Forderung zu beharnen. Darauf haben nun, wie Hamacher am Mittwoch berichtete, die orgänisierlen Maßschuhmachcrnr-ister sich bereit gesunden, die ganze Forderung ab 15. Oktober zu bewilligen. Zu den früheren Teuerungszulagen kommt eine neue Zu- läge von 59 Prozent für die Stücklohnmbeiter und von 39 Proz. für die Zeitlohnarbeiter, so daß vom 15. Oktober ab die gesainte Teueniuasziiläge der Siückwhnarbeitcr 100 Proz. und der Zerrlobnarbeiler 75 Proz. betragen wird. Die Versammlung beschloß einstimmig, daS Angebot a n- zunehmen. Es wurde dann darauf hingewiesen, daß der jetzige Tarif- vertrag, ein vierjähriger Vertrag, am 1. April 1913 abläust, falls er 1. Jaiiuar gelündigr wird. Zurzeir fei die Silualum zu unüber- fichuich, um dazu eiwaö Bestitnmtes zu sagen. Aus jeden Fall aber müßie die Kollegenschatt allen Möglichkeiten gewappnet gegenüber- stehen. Daher sei es notwendig, den letzten Mann zur Organisation eranzubolen. Zusammenschluß in der Augestellteubewegung. Die ArbeitSgemeinslbafi für das einheitliche Angestellrenrecht. der die gewerki'chastlich gerichteten Verbände der kautniSmiische», technischen und Bllreauanaestellren angehören, hat im Verlause des Krieges ihr TätigkeNSgebiet wesentlich ausgedehnt. Der Gedanke der Vereinheitlichung und Sozialisicrung des Arbeitsrechtes stand zwar nach wie vor im Vordergrund rbrer Wirksamkeit, doch konnte auch auf den übrigen Gebieten der Sozialvolitik. insbesondere in der Kriegsbeschädigtensüriorge, bei der Durchführung des Hilssdienst geietzes und den Vorarbeiten für die Oraanrsierung' der llebergangs Wirtschaft eine werwolle umfangreiche Gemeinschaftsarbeit geleistet werden. Die erzielten Eriolge und die nach dem Kriege bcvolstchenden schwierigen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Aufgaben der An gestelltcngewerkschaften ließen es geboten erscheinen, ans der bisher losen Arbeitsgemeinschaft ein fesler gefügtes Kartell zu schaffen. Eine kürzlich abgehaltene Vorständekonfercnz aller angeschlossenen Ver- bände bat deshalb einstimmig beschlossen, die bestehende Arbeits- gemeinschaft für das einheitliche Angestelllenrecht zu einer Arbeits- gemeinschast freier Ange st ellten verbände auszubauen. Räch den allgemeinen Satzungen ist die A. f. A. die ge- meiniame Vertretung der ihr angeschlossenen Verbände auf der Grundlage eines'reinen und einheitlichen Arbeitnchmerstandpunkles. Ihr Arbeitsgebiet erftreckt sich auf die Durchsetzung gemeinsamer gewerkichoftlicher Ziele auf wiiischaftlichcm und sozialem Gebiete. Die ArbeitSgcmciilschafl ist im Beirat deS KriegSamtS und im Bei- rat des Reichskommistars für NeberaangSivirtschaft vertreten; ihre Geschäftsstelle befindet sich Berlin hflV. 62, Werftstr. 7. parteinachrichten. Aus den Organlsatiouen. Der Sozialdemokratische Berein für die ReichStagSwahlkreise Köln-Stadt und Köln-Land beschloß in einer Hauptversammlung ein- stimmig und ohne Debatte, den wöchentUchen Beitrag von 10 auf 15 Pf. zu erhöben. Die Vertreterinnen der Frauen ver- langten die Beitragserhöbung auch für die Genossinnen, die bei gleichen Rechten auch gleiche Pflichten haben wollten. Zu einer mehrstündigen lebbastcn Aussprache kam eS über die Friedensiragc und über die Arbeit der.Deutschen Vaterlands- Partei". Tie Versammlung nahm cinstinunig folgende Eni- fch ließung an:„Wir erbeben Einspruch gegen die unklare Hol- tur.g der ReichSregielung in den Fragen bcr KriegSziele, gegen die offensichtliche Begünstigung der Deutschen Vaterlandspartei und gegen die Verschleppung der Neuordnung im Innern. Die Ent- täuschung und die Erregung über die schwankende Friedenspolitik, über die llnfreiheit im Innern, über Mangel und Wucher sind in sehr weiten Boltskrersen groß. Die Versammlung erwartet, daß die Stimmung und die Forderungen der Volksmassen in der Front und in der Heimat auf dem Sozialdemokratischen Partei- lag in entsprechenden Beschlüssen klar und scharf zum Ausdruck kommen. In diesen Beschlüssen muß ferner mit aller Bestimmtheit ausgesprochen werden, daß unsere Reich StagSsraktion gezwungen ist, ihre bisherige Stellung entschieden zu ändern, wenn die Regierung ihre Politik der Zweideutigkeit und des Zögerns noch länger fortsetzt. Die Vcroutwortung für die sich daraus ergebende Lage haben die deutsche Regierung und ihre Hintermänner zu tragen." Die Versammlung beschäftigte sich dann mit einem bemerkens- werten Angebot der beiden bürgerlichen AathauSfraklionen. die be- vorsleheuden Stadtverordnetenwahten burgfriedlich zu regeln. Bisher ist die Sczialdcmolratie, obwohl sie bei den Reichs- tagSwahlen die stärkste Stimmen, abl hat, im Rarhause nicht ver- treten. Sowohl der frühere Oberbürgermeister Wallraf wie sein Stachsolger Adenauer haben sich bemüht, die bürgerlichen Parteien zur Abgabe einiger Sitze an die Sozialdemokratie zu bewegen. Das Zentrum will nun zwcr Mandate abtreten, die Liberalen eins. Die Versammlung erteilte dem Vorstand die Genehmigung, zu verhandeln._ (Sin Stockholm in Oesterreich nötig! Für die Wiedervereinigung der österreichischen Sozialdemo- kratie aus ihren ehemaligen Bestanifteilen, den Parteien der ein- zelncn Nationen, tritt Abg. Dr. Karl Renner im„Kamps" ein. In Stockholm, fern von der heimatlichen Enge und Rückständigkeit, hätten die Abgeordneten der emzelnen österreichischen sozialdemokratischen Parteien sowohl die Verdcrblichkctt der Zerrissenheit wie die Notwendigkeit der Vereinigung zu gemeinsamer Führung des proletarischen Kampfes nach dem Krieg erkannt oder sich doch dieser Erkenntnis genähert. Auch der nationale Zwiespalt in der öster- reichischen Sozialdemokratie wirke, wie der nationale Kampf in Oesterreichs überhaupt, kriegsverlängernd. Die Wiederverewigung der Parteien kömrte cftva auf die Beendigung des Krieges von Einfluß fein, sie fei aber zwingend notwendig für die Zukunft, in der ein durch den Krieg ungeheuer gestärkter Kapitalismus dem Proletariat die Zähne zeigen werde. Bevor di< Oesterrcichcr den Stockholmer Beratungssaal betreten, müßten sie sich hierüber klar fem und darüber, daß die dcmotratischc und sozialistische Entwick- lung die sicherste Fhedensbürgschaft sei. Oesterreichs Sozialisten brauchten nicht nur das Stockholm weit oben im fernen Norden, sie brauchten auch ein Stockholm daheim im eigenen Lande. Soziales. Die Angestclltenversichermigspflicht während deS Krieges. „Die Arbeiterversorgniig" gibt in ihrer Oktobernummer einer Zuschrift Raum, deren Verfaffer es für zweckmäßig hält, sich am .Vorwärts" zu reiben. Scach dem AngestelltcnbersicherungSgesetz sind in fünfjährigen Zeiträumen versichmmgsteclmische Bilanzen auszustellen. Deren erste war für den 31. Dezember 1919 fällig. Der Bundesrat hat nun am 16. August bestimmt, daß die erste dieser Bilanzen für den Schluß des Kalenderjahres auszustellen sei, das als viertes dem Jahre folgt, in welchem der gegenwämge Krieg zu Ende ist. Da- ist geschehen, weil durch die starke Vermehrung der Angestellten weiblichen Geichlechis sowie durch den Ucberlritt vieler früher selb- ständig gewesener Personen in ein versicherungspflichtiges An- gestelltenverHälmiS ewe große Veränderung m der Zusammensetzung des Bersichertenbestandes durch den Krieg ein- getreten ist. Erst nach einer Reihe won Jahren werden wieder geordnete Perhältninc eintreten und dann erst, so sagt eine amtliche Meldung, ließen sich die statistischen Neuaufnahmeit vornehmen. Ter Wiedergabe dieser amtlichen Meldung in Nr. 228 des„Vorwärts" hatten wir die Bemerkung angefügt, daß sie eine Illustration der Forderung auf Vereinheitlichung der VersicherungS- zweige sei. ES könne doch im Grunde kein Mensch behaupten wollen, es sei ein gereckter Zustand, daß all den vielen, die der Krieg vor- übergehend der Angestellrenversicherung unierstellt habe, das Geld jahrelang in Form von reckt vnscbnlichen Beiträgen aus der Taicke genommen werde, ohne daß sie jemals eine Gegenleistung erhielten. Der größte Teil derjenigen, die jetzt in solchen Massen vorhanden seien, daß die Ausstellung der Bilanz unmöglich werde, werde später wieder aus den Reiben der Angestellten verschwinden Sie hätten dann ledigl'ck zugunsten der S onderverstcherung schwere Opfer bringen müflen. .Die Zuschrill der„Arbeit-rbersorgung" meint, es sei rein sachlich nichr zu versieben, was die von den Kriegsumwälznngen beeinflußte Zweckmäßigkeit einer verficherungstechnifchen Bilanz mu der.Verem- beitiichung" zu tun. waS für einen Vorteil insbeioildere biervon die Aiigesiclltenschaft für die Aufstellung der Bilanz haben könnte. Dieser Einwand erscheint geradezu an den Haaren herbeigezogen. Selbstverständlich hat die von dm Kricgsumwälzungen beeinflußte Zweckmäßigkeir einer versicherungstechnischen Bilanz mit der Vereinheitlichung nichts ,u tun. Aber die Motive deS BundeSratS- beichlusies vom 16. Aupiist— völlige Unübersichtlichkeit der verncherungsrcchtlichen Verbällnisie auf dem Gebiete deS V. f. 91.. starke Veränderung in der Zusammensetzung deS VersicherungS- bcstandes zeigen, wie falsch die Abtrennung dieses VersicherungS- zweige» von der gesamren Arbeilerversickerung ist. Die siir diesen Zweig von den ihr vorübergebend Unterstellten gezahlten Beilräga haben für diese gar keinen Nutzen: sie fließen indirekt den ständig Versickerten zu. So falsch es in der Zuschrift an die A.-B. ist, von einer alten Abneigung de»„Vorwärts" gegen irgendwelche geievgebcrischa Rücksichtnahmen auf die besonderen sozialen Bedürftiisie der Privotangeste Ilten zu sprechen, so sehr müssen wir sagen, daß wir von prinzivieller Abneigung gegen irgendwelche gesetzliche Sonderstellmig erfüllt find, die nickr sachlich geboten ist. Sachlich geboten wird eine andere Faffung des Arbeiter- rechts der Privatangestelllen bei der Schaffung eines einbeitlichen Arbeitcrrechtcs sein, aber leineswegs ist die sachliche Sonderstellung bezüglich der Versicherungsverhalmiffe geboren. Gerade jetzt zeigt sich. wie dieselbe eine schwere Schädigung der nur vorübergehend in die Versicherung Hineiligekommeilen mit sich bringt. Mit geradezu edier Dreistigkeit bestreitet die In- schrift an die„Arbcitcrvcrsorgnng" eine solche i-ochädigung. Sie meint, durch eine Verordnung des Bundesrats vom 39. September 1916 seien die durch den Krieg vorübergehend in ein AngestellienverhällmS gelangten Personen„überhaupt nicht Versicherung»» p flichtig zur Angesiclllenversicherung" und es sei ja in ihre eigene Wahl gestellt, ob sie versichert sein wollen oder nicht. Wenn diese Behauptung zutreffend wäre, würde ja für die Bundekratsmtschließung vom 1Q< August gar kern Raum sein. Sie geht ja gerade von der Amiahme eines nur vorübergehend in die Versicherung gelangten großen Perfonenkreises aus. Die Bc- bauptunz ist aber falsch; es wird— wir können nur annehmen bc- wüßt— die Verordnung vom 39. September 1916 falsch wieder- gegeben. Es heißt in dem grundlegenden§ 1 dieser Verordnung: „Personen, die vor dem gegenwärtigen Kriege eine an sich nach dem VersicherungSgesetze für Angestellte Versicherung:- Pflichtige Tätigkeit nicht ausgeübt haben. und auch nach Beendigung des Kriege» voraussichtlich nicht ausüben lverdcn, sind hinsichtlich einer nur sür die Dauer des Kriegs- z u sl'a ii d e S angenommenen/ an sich versicherungspflichtigen Beschäftigung nicht versichcrunaSpflichlig nach dem B. f. A." Die Zahl der Personen, die„nur sür die Dauer deS Kriegszustandes angenommen" sind, ist jetzt überaus gering. Zumeist ist gar nichts über die Dauer der Beschäftigung vereinbart, deshalb ober auch sind sie heute versicherungsvflichiig, müiien Beiträge zahlen und haben in ihrer großen Mehizahl mit der späieren Aufgabe der jetzigen Beschäftigung auch nicht den geringsten Erfolg von dieser Beitragszahlung. Bei einer einbeiilich alle Personen umfassenden Versicherung würde das vermieden icin. Wir müssen gestehen, daß unS selten eine so unglaublich unge- schickte Anrempelung vorgekommen ist. Man scheint in dem Kreise der an der Sonderversicherung der Privaiongesrelllen besonders In- teressierten außerordentlich üervös geworden zu sein. Sonst würden sie nicht mit solch haliloien. srniar die Rechtslage falsch wiedergeben- de» Einwendungen in die Oeftenrlichkert treten. Allgemeine Kranken- und Stervekaste der Metallarbeiter iL. a.(?. Haniburg). Filiale Baumschulenweg.?lm Sonnabend, den 13. Oktober, abends von B/. bis 10 Uhr, wird im Lokal von Borch, Elsenstr. 191, Ecke Kiesholzstraßc, lassiert. 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