I Zlr. 281. 34. Jahrs. Bezugspreis: Lierteliibrl. AgoM.. monatl. lLV M!. wochenllich 30 Pfg. frei tnZ Haus. vorauszahibar. Einzelne Qochemags« nummern 5 Hfz Sonntagsnumm».i mit illustrierter Beilage.Tie Neue Kelt* 10 Big. Postbezug: Monatlich l.30 Ml. Unter ttreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2.50 Mk.. für das übrige Ausland 4 Mk monatlich Postbestellungen nehmen an Dänemark. Holland. Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragm m die Post-Zeitungs-Prelsliste. Erfchciut täglich. Telegramm. Adresse: .Sozialdemokrat Perliu". Vevlinev Volksblatt. Der Anzeigenpreis bstrSpi f. r>ie fic6eiu)cf»al(encßoloncl. i-'iie 60 Hiig.„älemt iinieiflcu", da? fctlnobruiälc Sott 20»Biß.(in. laisig 2 fett(icbn:cftc Sorte), sebeS tueiicce fflon 10 Psg, SlcUengciiubc Hub«cklasjlellenanzeigen ba;- etile ttorl jedes weirere Wort ä Psg, Worte über lö Buchitaben ziihle» isir tnoei Worte. 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Eine neue Rettungsaktion in dieser Richtung unter- nimmt jetzt die„Kölnische Zeitung", die sich aus Berlin schreiben läßt: AlS der Staatssekretär von Capelle am Dienstag seine Mit- teilung über die glücklickerweise vereitelten Vorfälle in der Flotte inacble, mutzte angenoinmen werden, datz er dabei in v o l l st e r Ile b e r e i n st i in»n u n g mit den Anschauungen und der Auf« fasfung des Kanzlers gebandelt babe. Im Verlauf der Be- spreibungen dieses Zwischenfalles find Andeutungen laut geworden, datz dies nickt der Fall war. Wie wir eriahren, bestätigt sich das. Den Staaissekreiär hat nach unseren Jnsoimotionen die be- greiflichc Empörung über diese Voriälle sowie die Aus« lassung deS Abg. Titunann über die Grenzen dessen fortgerissen, was der Auffassung deö KauztcrS entsprach und waS dieser in seinen AuSführun- gen über die Agitation drrUnabhängigenund den Zusammenhang einzelner Abgeordneten mit Angehörigen der Flotte hatte sagen wollen. Unter solchen Umständen ist es w o h l b ere ch ti g t, hon einer „C a p e l l e- A r i s i S" zu sprechen. Nach dieser Darstellung hätte sich also Herr v. Capelle von momentaner Erregung fortreißen lassen und dafiir soll er jetzt zunl Heile des Kanzlers geopfert werden. Aber diese Darstellung ist absolut unwahr.- Zahlreiche Augen« und Dhrcnzeugcn können bestätigen, daß Herr v. Capelle keineswegs in der Erregung improvisierte, sondern daß er eine wohlvorbercttete Erklärung vom Manuskript abgelesen hat. Es würde zu den größten Unbcgreiflichkeiten der an Unbcgreiflichkeiten so reichen letzten Tage gehören, wenn der Reichskanzler von dieser wohlvorbereiteten Erklärung keine Kenntnis gehabt haben sollte. Ein voreiliges Zrieöensgerücht. München, 12. Oktober. In der gestrigen Abendsitzung des Finanzausschusses erklärte Ministerpräsident Graf Hcrt« I i n g. das Gerücht, Deutschland habe mit seinen Gegnern bereits Friedensverhandlungen eingelei« tet, für vollständig unzutreffend. Die Gerüchte schienen auf feindliche Machenschaften zstrückzu« führen zu sein._ Eine Kampfansage öer vaterlanüspartei gegen Sie Reichstagsmehrheit. Die„Harmlosigkeit" der Vaterlandspartei enthüllt sich immer deutlicher. Sie erläßt jetzt einen neuen?lufruf, der unterzeichnet ist von dem Vorstand der Deutschen Vaterlands- Partei: Herzog Johann Albrecht zu Mecklen- bürg, Großadmiral v. T i r p i tz und Generallandschafts- direktor Kapp. Dieser Aufruf ist eine offene Kampf- ansage gegen die Parteien der Reichstagsmehrheit und da- neben auch noch gegen die auswärtige Politik der Regierung mit einer deutlichen spitze gegen Herrn v. K ü h l m a n n. Nach einer Einleitung von ruhmredigen Phrasen über die Entwicklung der neuen Partei heißt es: Die Furcht, datz sich diese Volksbewegung mit elementarer Kraft weiter entwickeln und politischen Parteien zum Schaden gereichen könne, hat diese zu den äutzerften Anstren- gungen angespornt. Sie fühlen sich in ihrer erträumten Ueber- macht gefährdet. Daher der Versuch, an der Hand mühsam zu- sammcngesuchtcr Einzelfälle die jetzt unser Volk ergreifende Be- wegung als eine von oben eingeleitete und geförderte hinzu- stellen. Auf diese saftigen Angriffe folgen die üblichen öligen Be. teuerungen. doßjne Vaterlandspartei keinerlei innerpolitische Ziele verfolge. Sie wolle auch nicht die Zeiten des Klassen- kampfes wieder aufleben lassen und hierfür das Wort„Vater- ländisch" mißbrauchen. Darauf paßt dann wunderbar die folgende Kampfansage: Sckion spricht man von der Zersetzungspartei, die die Mehr- Heit des Reichstages zersetzen will. Ja. wir wollen auf- decken, datz die Mehrheit vom IS. Juli innerlich zerfallen ist, datz die Urheber des erneuten Friedensangebotes die irre- geführte Gefolgschaft immer mehr verlieren. Wir wollen zeigen, wo die wahre Mehrheit des deutschen Volkes steht. Wir wollen beweisen, datz nach drei Krieasjahren im deutschen Volk die Entschlossenheit unge- brachen nt, sich den Frieden zu erkämpfen, den Teutschland braucht. Die Deutsche Vaterlandspartei wird jede Reichsleitung freudig unterstützen, die einen zu Teutschlands Niedergang führenden Berzichtfrieden ablehnt und die Fahne des Sieges hochhält. In Flandern nnr Artilleriekampf— Leb- haftere Gefechtstätigkeit bei Riga— Kämpfe im Cerna-Bogen. Amtlich. Großet Hauptquartier, 12. Oktober 1917.rbgeschlossens Tatsache. Elsatz-Lothringen ist keine Kulisse, um hinter ihr die belgische Frage, die eine LebeuSfrage für Teutschland ist, verschwinden zu lassen. Nach diesen Absätzen kann es keinem Zweifel unterliegen — wenn ein solcher je bestanden haben sollte—, daß die neue Partei eine ausgesprochene Kam pfpartci ist gegen die Parteien der Reichstagsmehrhcit, eine Partei, die, weit entfernt einigen zu wollen, sich selbst mit Stolz als Z e r- setzungspart ei bezeichnet. Der letzte, gegen die jüngste Kühlmannsche Rede gerichtete Absatz belveist überdies, daß die Vaterlandspartei ebenso leidenschaftlich die aus- wärtige Politik der Regierung bekämpft. Eine Re- gierung, die es zuläßt, daß diese Partei von amtlichen Stellen gefördert wird, macht sich damit selbst zum Gespött. Wir selber antworten aus diese Kampfansage nur kurz: Wo die„wahre Mehrheit des deutschen Volkes" steht, das läßt sich nicht beweisen, indem man sich aus Kriegsgewinnler- Geldern eine große Presse zusamme n k a u f t und mit ihr einen Riesenspektakel vollführt, das läßt sich auch nicht beweisen, indem man von 4�5 Millionen Groß-Berlincrn 3000 Mann in einem Saal demonstrieren läßt, sondern das werden die nächsten Reickstagswahlen ergeben, der wir trotz allen Spektakels der Vaterlands-Zersetzungspartci mit großer Ruhe entgegensehen. Demobilisierung in Rußland. Der Militärbezirk Petersburg ist auf Befehl des Kriegsministers zur Entlassung der Soldaten der Jahrgänge 1893 und 96 geschritten. Es wird abzuwarten sein, ob es sich nicht um einen Irrtum bei der drahtlichen Uebennitiluna handelt, da es doch trotz des bekannten Willens, die Effektivbesiände zu verringern, verwunderlich wäre, wenn gerade die kräftigsten Soldaten im AlteD von 22 und 2t Jahren nach Hauie geschickt würden. Das UntertichtSininisierium hat— wahrscheinlich aus Kohlenmangel die Schlich ung der Hochschulen in Petersburg für den Rest des Schuljahres angeordnet; ihre wtsienschastliche Tätigkeit wird fortgesetzt. versagen des Reichstags. Aus den Verhandlungen des Reichstags, die am Ton- nerstag zum Abschluß kamen, muß jeder Leser die Hebe» zcugung gewinnen, daß es in Teutschland nur eine Partei gibt, die weiß, was sie will, und das ist die Sozialdemokratie. Wir könnten also, wenn wir von rein parteipolitischen wägungen ausgehen, das Ergebnis der letzten Reichstagsver- Handlungen gar nicht hoch genug einschätzen. Indes stich die Zeiten viel zu ernst, als daß man den W e r t o d c r II n- wert parlamentarischer Vorgänge nach solchen Friede n s- m a ß st ä b e n einschätzen könnte. Die sozialdemokratische Fraktion hat durch ihr ganzes Verhalten während des Krieges gezeigt, daß sie sich nicht ans ein Vorgehen einrichtet, das man vulgär als„Eindruck schinden" zu bezeichnen pflegt. Sie be- darf keiner taktischen Kunststücke, um sich den Zulauf der Wähler nach dem Kriege zu sichern; er wird ohnehin so groß sein, daß es auf Hunderttausend niehr oder weniger gar nicht ankommen kann. Würden Ivir also sagen, die Reichstagssitzungen der letzten Tage hätten der Sozialdemokratie mindestens hunderttausend neue Wähler gesichert, so wäre das gewiß keine Ueber- treibung, es wäre uns aber auch kein Anlaß, uns bei Betrach- tung des Gesehenen angenehmen Gefühlen hinzugeben. Auch wir können uns nicht der allgemeinen Stimmung ent- ziehen, der einmal bei geringerem Anlaß der Abgeordnete van Ealker Ausdruck gegeben hat mit den Worten:„Es ist zum Heulen!" Es ist zum Heulen, daß wir einen Reichskanzler haben, der Michaelis heißt, und einen Kanzlerstallvertreter.namens Helfserich, einen Kriegs minister v. Stein mw einen Marine- sekretär v. Capelle. Es ist zum Heulen, daß diese Herren, nach allem, was passiert ist, sitzen bleiben, als ob nichts geschehen wäre. Es ist zum Heulen, daß wir in der kritischsten Zeit des Reiches eine Regierung haben, die nirgends im Inland und Ausland Respekt finden und beanspruchen kann, eine Re- gierung, über deren vollendete Unfähigkeit es gar leine Mei- mmgsverschiedenbeit gibt, von Heydebrand bis Lcheidemann und von Reventlow bis Ledebour, und daß wir heute nicht wissen, ob und wann diese Regierung durch eine fähigere er- setzt werden wird. Daß wir das aber nicht wissen, ist die Schuld des Reichstags oder, um ganz deutlich zu sein, vor allem die Schuld des Zentrums und der Fortschrittlichen Volkspartei. Wir suchen mit diesen Parteien keinen Streit, hegen vielmehr den leb- haften Wunsch, mit ihnen in einer Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdauer zusammenwirken zu töniien, um die Leiden des Volkes zu erleichtern und abzukürzen und schivere Gefahren, die dem Reich aus innerer Verwirrung drohen, zu bannen. Das Zentrum und die Fortschrittliche Volkspartei haben sich aber in den letzten ReichStagssitzimgen ihrer Aufgabe nicht gewachsen gezeigt. Das muß ohne Rücksicht auf fremde Emp- sindlichkeit um der Sache willen mit aller Offenheit ans- gesprochen werden. Am Sonnabend glich die Regierung— wir haben leider kein anderes Bild dafür— einem Kind, � das in den Dreck gefallen war. Durch maßlose Ungeschicklichkeit der Herren Helfserich und v. Stein loar ganz überslüssigerweise eine Krise entstanden. Die bürgerlichen Parteien hoben das Kind ans, reinigten es und setzten es auf einen Stubl. Mit welchem Erfolg? Am Dienstag wiederholte sich das Malheur in noch viel größerem Umfange. Hätten die bürgerlichen Mehrheits- Parteien sich aus keinen Handel mit dieser unsagbaren Regie- rung eingelassen, bätten sie Herrn Michaelis nicht die Er- klärung aufgeschrieben, durch die er den angerichteten Schaden ivieder gutmachen sollte, sondern hätten sie. wie es die Sozial- demokratie tat. am Montag im Hanviansschuß den Nach- t r a g s e t a t abgelehnt, so hätte Herr' Michaelis noch am selben Tage verschwinden müssen, und der Skandal vom Dienstag mit seinen ganzen unabsehbaren Folgen wäre dem Reich erspart geblieben. Es ist ohne-weiteres zuzugeben, daß sich Zentrum und Volkspartei in den Verhandlungen von Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in ihren Reden ganz tapfer aufgeführt haben. Sie haben sich kein Blatt vor den Mund genommen und stellenweise sogar einen Radikalismus der Ausdrucksweise entwickelt, der überrascht. Man kann sich kaum des Gedankens entschlagen, daß durch diese tönenden Reden der peinliche Eindruck der ihnen folgenden Abstimmungen vermischt werden sollte. Aber das ist nicht gelungen, der Gegensatz zwischen Reden und Handeln tritt um so schärfer in Erscheinung. Wie man so sprechen kann, wie die Abgeordneten jener Parteien, und so schreiben rann, wie ihre.Zeitungen, und dann hinterdrein ein Tadelsvotum für dieie Regierung ablehn m und einen Nachtragsetat mit dem Gebalt für den neuen Vize- kanzlerposten annehmen kann— das verstehe, wer will! Man spricht jetzt davon, daß Herr Michaelis Herrn v. Capelle Wer Bord gehen lassen will, um sein eigene? Re- »n'erunasschiff au' entlasten. Daß dieses Manöver aelingen oird, ist nicht anzunehmen. Wir bleiben dabei, daß jedermann im Reich Von der Unmöglichkeit des Herrn Michaelis als Reichskanzler überzeugt sein muß, Herrn Michaelis selbst niit eingeschlossen. Die Krise ist also da, sie ist durch das Verhalten der bürgerlichen Mehrheitspartcien nur verdunkelt und der- 'chleppt worden. Im Volke ist das Vertraueil zu allen Stellen im Reich, auch zunc Reichstag, erschüttert, und man befürchtet, daß Herr Michaelis durch einen nicht geeigneteren Mann er- letzt werden könnte. Damit kämen wir aber in einen Zustand, den das Reich einfach»rillst ertragen kann. Nachdem der Reichstag bis zum 5. Dezember seine Pforten geschlossen hat, bleibt nur die Hoffnung auf die -iraktionssührer. Bei ihnen liegt die Verantivortung dafür, daß die Herbstkrise in besserer Weise gelöst wird als die Sommerkrise. Wenn sie keinen Zweifel daran lassen, daß ein Kanzler, der ohne ihren Rat ernannt worden ist, im Reichstag aus uiiüberloiiidliche Widerstände stoßen würde, dann werden ans solcher entschlossenen Haltung auch die notwendigen t?ol° gerungen gezogen werden. Man muß rücksichtslos sein können, wenn es ßiir das Volk um alles gehtl Vre Kanzlerkeise. Der Fürsprecher für Herrn Dr. Michaelis sind sehr, sehr wenig geworden. So wird es ihm geringen Trost gewähren, wenn ein alldeutsches Blatt nach Muster des versuchsweise in die Tertia versetzten Gymnasiasten bittet, dem Hgnzler noch linmal„eine weitere kurze Frist zu gewähren, um sich das Vertrauen des Volkes zu verdienen." Selbst der«Lokal-An- . eiger" kann nicht leugnen, daß wir vor einer neuen Kanzler- krise stehen, von der er allerdings zu Unrecht behauptet, das V o r l a m c n t habe sie herbeigeführt. Die Kanzlerkrisis hat niemand anders herbeigeführt als der Kanzler selber. Aber auch das Berliner parteilos�, jetzt den Alldeutschen sehr nahe- 'tobende Blatt läßt Herrn Dr. Michaelis fallen, indem es schreibt: So suchen denn die Augen aller Deutschen, die ihr Vaterland lieben, voll Sehnsucht nach einem Mann im wirklichen Sinne deö Wortes, einem Mann, der auf dem Gebtete der Politik ovcnso sicher und fest und unbeirrt und überlegen seinen Weg geht wie unser Hindenburg au der Spitze unserer Millionenheere. Ebenso erbebt die„Germama" sehr schwere Anklagen gegen Dr. Michaelis: Da muß nun mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, daß die politische F iih r u ng sei t en« der Reichs- l e i t u n g ganz und gar nicht den Anforderungen entspricht, die wir erheben müssen, die vor allem in so entscheidungöschwercn Zeiten, wie daZ deutsche Volk sie durchmacht, auf keinen Fall entbehrt werden können.... Daran? folgt aber ohne weiteres, daß wir die politische Reichsleitung in die erfahrensten politischen Hände legen müssen, die um» zur Verfügung stehen. Das aber ist bei »ng hente nickst der Fall. Wir halten uns für verpflichtet, diese unsere tiefste lieber zeugung offen und ehrlich hier auszusprechen, in der Erwartung, daß niemand, wer es auch sei, für sich oder andere daraus perfönlicke Angriffe herauslesen darf. Die letzten acht Tage haben im.s diese Erkenntnis mit unaus- weichlicher Deutlichkeit aufgezwungen. Sehr scharf nimmt das„Berliner Tageblatt" Stellung (legen die Versuche, Herr,» v. Capelle als Sündenbock für den Reichskanzler zu opfern. Gleichzeitig fordert es das parla- mentarische System.: Ob Herr v. Capelle oder ein anderer Admival im Reichs- marineamt residiert— das, worauf es heute ankommt, wird da. diuck nickst berührt. Was not tut. ist eine wirkliche Regierung - eine Regierung, die nach allen Seiten hin die einmal von ihr gewählte Politik ourchzusetzen vermag, sich nicht durch offene Umtriebe und geheime Machenschaften einschüchtern zu lassen braucht. Was not tut, ist ein Reichskanzler, der unter Mitwirkung und Zustimmung des Reich«. lagsernanntistunddeshalbvomerstenTagean genügend Kraft besitzt, genügend Rückhalt und ae sicherte Unterstützung hat, um unbeirrt seinen Weg gehen, stetig und fest eine bestimmte Politik verfolgen zu können. Schließlich ist noch eine Frage z» erwähnen, die ein aus- gesprochenes alldeubsches Blatts die„Berliner Neuesten Nach. richte»", an den auseinandergegangenen Reichstag richtet: Die Mehrheit ist unzufrieden mit dem Staatssekretär Dr. Helfserich, b e!v i l l i g t ihm aber Posten und Gehalt des Bize- kanzlerS; sie ist unzusrieden mit dem Kanzler und dem Marine- staatssekretär v. Capelle und will beide in die Wüste schicken. Gleichwohl läuft das hohe Hans auseinander, ob- wohl doch nach seiner Auffassung das Wohl des Landes gefährdet ist. Was soll da? alle« eigentlich? Wir sind rn der seltenen Lage, einmal einem alldeutschen Trgan zustimmen zn müssen, und verweisen auf die Aus- siihrungen unseres heutigen Leitartikels. Vas ruMche Koalitionsminifterium. Ans Stockholm wird uns unterm 11. Oktober ge- drahtet: Die russische Koalition ruft allgemeines Befremden her- vor, da die bürgerlichen Elemente im Ministerium nicht nur z ah l r e r ch s r, sondern auch energischer sind. K o n ow a l o w verließ das Ministerium der ersten Koalition, nieil der Arbcitsminister Skobcleff int Sowjet erklärte, nötigenfalls den gesamten Kapitalprofit zu konfiszieren. Tretjakow und K i s ch k i n sind typische Vertreter der Schtveriirdustrie, Kischkin, der vor der Revolution in der Mos- kauer Stadtverwaltung sogar gegen die Schiedsgerichte mit Arbeitcrvertretern auftrat, wirtschaftete hernach als Regie- rungskoinmissionär derart, daß der Sowjet seine Abberufung »orderte. Bon einer solchen Regierung ist auch kein entschei- dender Schritt in der Friedensfrage zn erwarten, welche alle Gedanken des Volks konzentriert. Terestschenko ist ein der- "chlagcner Intrigant, weicher mit der Hilfe der antrdemokra- tischen Diplomaten Stockholm sabotierte. Daß der neue Kurs länger andauern wird, erscheint unglaubhaft angesichts der Abstimmung der demokratischen Konferenz, in der jeglich? Koa- : stiem von der großen Mehrheit des Sowjets und der Gc- merkschaftsvertreter verworfen wurde und nur bei den Bauern- Vertretern eine Mehrheit fand. Später wurde dieses Ergeb- nis auf noch unaufgeklärte Weise beseitigt: aber die fort- schreitende Radikalisierung der Arbciterrätc schließt die Le- densfähigkeit der Koalition aus. Die Zentrale der Sowjets wandelte neulich die Dele- mtioi! nach den Westländern unter Hinzuziehung Axelrods und Panins in eine ständige Auslandsdelegation um.- Das Schicksal öer?arenfamilie. 5L«i früher« chir und seine Familie find von Tobols! nach dem Kloster Abolak, Iv Werst von der Stadt entfernt, übergeführt worden. Die lkbttlühruog«folgte auf Erfuchen der früheren gar in. die es damit begründete, daß sie in Ermangelung eines Gartens in der Nähe des von ihr bewohnten Hauses bei der Zudringlichkeit der Einwohnerschaft keine Spaziergänge machen könne. /isquich antwortet Kühlmann. London, 11. Ottober.(Reuter.) Auf einer Perfaminlung in Liverpool sprach Asquith über die Kricgsziole unb führte u. a. auS: Bei dem Begirm der Regierung des neuen Kanzlers einigte sich der Reichstag auf eine Flickwerkformel. Ich sagte da- malS, daß ich meine Zweifel hätte, ob der deutsche Kanzler oder irgend jemand sonst sich darüber klär sei, was die Resolution in Wirklichkeit bedeuten solle. Diese skeptische Auffassung ist durch die Ereignisse gerechtfertigt worden. Denn die deutschen Parteien streiten.seither darüber, was ihre genaue Auslegun« fei. Ich zweifle nicht, daß in Teutschland ein weitgehender und echter Wunsch für den Frieden besteht, irnd ich bin dessen gewiß, soweit Oesterveich m Frage kommt. Der maßgebende Faktor, mit dem wir zu vcchiien Huben, ist nicht die deutsche öffentliche Meinung oder das deutsche Parlament, sondern die d e u t s ch e R e g i e- r u n g. Meint sie es ernst, und ist sie aufrichtig i« ihrem Wunsch für den Frieden? Auf klare Fragen»st bisher nur geantwortet worden, daß es sich um ein zusammenhängendes Ganze handelt, und daß keine verfrühten oder Teileröffnungen gemacht werden können. Niemand behauptet, daß es für eine der beiden Seiten richtig oder zweckmäßig wäre, ein Ultimatum mit erschöpfenden und genauen Klauseln und Unterklauseln aufzustellen, das wörtlich und buch- stabenmäßig. kapitel- und satzweise als Bor- bedingung für den Frieden anzunehmen wäre. Gi gibt viele Dinge, die notwendigerweise zur Besprechung und Behand- lung für einen späteren Zeitpunkt zurückgestellt werden müssen. Aber wir werden unseren beiden leitenden Zielen, der Erreichung eines wirklichen Friedens unid der wirksamen Verhütung künftiger Kriege, nicht näher kommen, wenn wir nicht entschlossen die Mittel und Wege zur Geltung bringen, durch die sie zu er- reichen find. Asgimth ging sodann auf die Regelung der Gebiet?- fragen in West und Ost ein und stellt« die Frage, welch« von ihnen Annexionen im imperialiftischen Sinne bedeuteten. Sicher- lich könne man hiervon nicht sprechen, wenn es sicki um die Räumnng der besetzten Gebiet« Frankreichs, Rußlands, Belgiens, Serbiens und Rumäniens handle, noch wenn es die Rückgabe der Provinzen au Frankreich betreffe, die diesem Lande 1871 durch Gewalt abgenommen worden seien. Hier muß ich, sagte Asquith, auf die Rede des Staats- sekretärs v. Kühlmann im Reichstage eingehen. Er sagt uns, daß Deutschland niemals ein Zugeständnis in der Frage Elsaß-Lothringens machen kann und daß diese Frage nie- mals verhandelt werden soll. Elsaß-Lothringen, da« viele Jahre ein Teil Frankreichs gewesen ist und, zum miadesten soweit Lothringen in Frage kommt, auch französisch fühlt, blieb nicht nur als deutscher Siegespreis, sondern auch als Symbol der De- mütigung Frankreichs in deutscher Hand. Darin hat die Wurzel und die Ouelleder Unruhe, des gefährdeten Glfich- gewichtS und des Wettrüstens gelegen, das zu diesem schreck- lichsten aller Kriege geführt hat. Selbst in der Geschichte dieses Krieges ist schwer ein plumperes oder durchsichtige- res Manöver zu finden, als der ungeschickte Versuch, z w i- scheu uns und unseren französische» Verbündeten Uneinigkeit zn säen, indem v. Kühlmanu uns sagt, daß die große Frage nicht die-belgisch« sei und daß, von Elsaß- Lothringen abgesehen, kein absolutes Hindernis für den Frieden besteh«. Die Alliierten verlangen im Falle Belgiens nicht nur Räumung, sondern volle und dauernde Wiederherstellung de» Lande» in seiner politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Was würde dem belgischen Volke ein Belgien nützen, dab in zwei Teile geteilt lder das durch fiskalische oder andere Bande mit dauernder Unterwerfung unter die deutsche Politik bedroht ist? Ich habe mehr als einmal die Frage gestellt, ob Deutschland bereit sei, der Wiederherstellung Belgiens in ihrem einzigen wirklichen Sinne als der wesentlichsten Fviedensbedingung zuzustimmen. Ich habe keine Antwort erhalten, v. Kühlmann beobachiet« bezüg- lich der Zukunft Belgiens unverändertes und bezeichnendes Stillschweigen. Serbien und seinen südslavischen Nachbarn und Staminverwandten sowie den Rumänen ihre natürlichen Grenze» zu geben, ist kein aggressiver Akt, sondern es wird damit nur«ine Schuld bezahlt, deren Begleichung die Gerechtigkeit längst gefordert hat. Denn es gibt keine häßlichere Brutstätte des Krieges und seiner Ursachen, als das Vorhandensein abgetrennter und unzufriedener Nationalitäten, die dadurch«ruf künstliche Weise von ihren Stammverwandten und ihrer rechtmäßigen Heimat abgeschnitten find. Ich habe wiederholt gesagt, und jeder verantwortliche Staatsmann hat es ausgesprochen, daß eS niemals ein Teil unserer Politik war, Deutschland zu vernichten »der zu zerstückeln. Wir führen unseren Krieg gegen den p r e u- tzi scheu Militarismus, gegen die sogenannte Machtpolitik, unter der die Schwachen kein Recht haben. Das Schlimmste, das der Welt widerfahren könnte, würde ein Frieden fein, der nur«in Flick werk ist, der aus Abmachungen besteht, die in sich selbst die Ursciche künftiger Schwierigkeiten tragen und den Nationen nur Zeit zum Aufatmen geben würde, um dann noch einmal die Waffen zu ergreifen und dieses Mal zum entscheidenden Kampfe. Asquith beschrieb sodann seine Eindrücke auf dem Schlacht» feld von Upern und sagte, selbst nachdem ich diese e r b a r- mungSlosen Verwüstungen geschaut habe, sage ich ent- schloffen: Ich ziehe vor, daß der Krieg bis zur endgültigen Entschei- düng weiter geht, als daß er dnrch ein unvollständiges Kompromiß zu Ende gebracht werben sollte. Man wird in ASquithS Ausführungen ein« Bestätigung der von Kühlmann geäußerten Ansicht evblicken müssen, daß Elsaß- Lothringen zurzeit das wirkliche FriedenShindernis bildet. Denn daß die Entente die völlig« Wiederherstellung Belgiens als un- erläßliche Friedensbcdingung fordert, war Herrn v. Kühlmann auch vor der Rede Aöqniths bekannt, und da er hierin kein Friedens- Hindernis sieht, so ist aus diesem Grund« sowie anderen zu schließen, daß die deutsche Regierung auch ihrerseits in die volle Wiederherstellung Belgiens«inwilligt. Asquith legt die Fest- stellung KühlmannS über die elsaß-lothringische Frage als einen Versuch aus, Uneinigkeit zwischen England und Frankreich zu säen und benutzt die Gelegenheit, die englische Bündnistreue gegenüber Frankreich demonstrativ hervorzuheben. Dabei verfährt er allerdings reichlich ungeschickt, einmal, indem er zugesteht, daß selbst nach seiner Ansicht höchstens ein Teil von Elsaß-Lothringen fron- zösisch fühle, sodann, indem er indirelt die französischen Re- v auch«gelüste für das dauernde Wettrüsten und den endlichen Kriegsausbruch moralisch verantwortlich macht. Aber vielleicht sind 'diese Spitzen gegen den Bundesgenossen auch leise Absicht. Der ÄnsHiig der Asqinthschen Rede aber ergibt, daß die Friedcnsrcsolution des Reichstags im Ausland durchaus günstig gewirkt Hot, und daß diese Wirkung nur beeinträchtigl worden ist durch den von.Herrn Michaelis provozierten Streit ü-bor ihre Auslegung, Llopö George über öen U-Soot-Krieg. London. 11. Oktober. Wie Reuter meldet, appellierte Lloyd George in«ner Ansprache an eine Abordnung verschiedener landwirtschaftlicher Körperschaften an die Landwirte, alle Kraft einzusetzen, um die Vorräte an Lebensmitteln in England zu der- mehren. Der Premierminister sagte u. a.: Ich kann endgültig er- klären, daß die U-Boot»Gcfahr sich schnell verringert. Die Nettovcrluste in den letzten Monaten find geringer als in einem beliebigen gleich langen Zeitraum der jüngsten zwölf Nlonate. Unsere Ncttoverluste sind geringer gewesen als jemals seit dem September 1916. Ich fürchte daher in keiner Weise, daß eS den Feinden gelingen»vird, diese Inseln durch die Tätigkeit ihrer U-Boote auszuhungern. Unsere Besorgnis kommt mehr da- der, daß der verfügbare Lebensmittelvorrat der Welt geringer ist als seit vielen Jahren. Auch aus Australien kann der Ersatz wegen der großen Entfernung kaum geholt werden; wir müssen unsere Schiffe für kürzere Fahrten verwenden. Wir müssen also sehen, daß wir uns nach Möglichkeit selbst versorgen. die englisch-amerikanisthe Gewaltkur an öen Neutralen. Das holländische Ministerium de? Auswärtigen teilt mit: Vom holländischen Gesandten in Washington wird berichtet, daß die amerikanische Regierung amtlich bekanntgegeben hat, daß Schiffen, die nach einem an Deutschland grenzenden neutralen Lande fahren, keine Bunkerkohle geliefert werden kann. Infolgedessen werden niederländische Schiffe, die aus Indien und Südamerika kommen, in keinem Hafen der Vereinigten Staaten bunkern können, außer wenn die amerikanische AuSfuhr- behörde die Bewilligung erteilt, daß die Ladung dieser Schiffe nach Holland verfrcchtet werde. Da auch in Südamerika keine Bunker. kohlen zu haben find, so ist augenblicklich die Schiffahrt zwischen den Kolonien und dem Mutterlande unmöglich. Der holländische Go- sandte und die holländische Kommission in Amerika unterhandeln mit der Regierung der Vereinigten Staaten über ein Abkommen für die Schiffahrt und die Ausfuhr von Waren nach Holland. Es ist ihnen aber bisher nicht gelungen, zu einer Einigung mit der amerikanischen Regiernng zu gelangen. Jeder kommerzielle T ele gra p h cnv e r! eh r mit Holland ist auf Befehl der englischen Regierung eingestellt worden, solange die niederländische Regierung nicht dem Durchgangs- verkehr von Sand, KieS und Altmetallen durch Holland von Deutsch- land nach Belgien ein Ende macht. Es sind Schritte unternommen worden, um die Wicderauftiahme des Verkehrs herbeizuführen. Zranzöjischer Einspruch gegen öie paß, Verweigerung. Die..Bataille" veröffentlicht einen Protest bei Ausschusses der Confederation Generale da Travail gegen die Paßverweigerung für die Konferenz in Bern. Die Maßnahme der französischen Re- gierung sei unzulässig und bilde«inen Eingriff in die Würde und Freiheit der Arbeiterklasse. Hoffentlich werde die Regierung in besserer Erkenntnis der wahren Sachlage künftig die Pässe für inter- nationale syndikalistische Konserenzen ausstellen.(?)„Humanite", die den Aufruf des Komitees gleichfalls veröffentlicht, protestiert encr- gisch gegen die Paßvertveigerung und erklärt, dem Katholikenkongreß in Grmiada hätten auch Deuffche beigewohnt. Es sei die Friedens. frage erörtert worden, und man habe an den Papst eine Huldigungs- qdresse anläßlich seiner Friedensbemühungen abgeschickt. Damals habe die ffanzöfifche Regierung nichts dagegen einzuwenden gehabt, daß Monstgnore Baudrillert al« Vertreter Frankreichs mit de« Deut- sche« Pofchman» v«d Sothke zufammenzekommen fei, um bis Bc- dingungen des Papstes und des Arbeiter- und SeldatenrateS zu bc» sprechen. Anscheinend scheue sich die ftanzösische Regierung, die Katholiken zu verärgern, während sie sich über die Sozialisten rück- sichtsloS hinwegsetze, die sich solche Behandlung seit drei Jahren ge- fallen ließen. Diese Selbsterkenntnis der„Humanste" kommt spät, aber sie kommt schließlich. In der Tai sollten die französischen Sozialisten „Würde und Freiheit der Arbesterklasse" gegenüber der Regierung so kräftig vertreten, daß eine so„rücksichtslose" Bevormundung der französischen Arbeiter unterbliebe. In Deutschland wäre jede Re- gierung unmöglich, die sich ähnliche llebergriffe herausnähme. der zu Toöe kurierte Zrieöeu. Nochmals die Vorgänge vom Juli 1914. Die„Nordd. Allgem. Ztg." wendet sich in einem langen Artikel gegen die englisch-französische Behauptung, die deutsche Regierung habe in den kritischen Julitagen 1914 ein Tele- gramm aus Wien unterschlagen, dessen rechtzeitige Mit- teilung nach London den Ausbruch des Weltkrieges, verhindert haben würde. Es handelt sich um die Antwort der österreichischen Rc- gierung auf einen deutschen Vermittlungsvorschlag. Dieser war am 23. Juli ergangen, und wurde von Wien am 29. vorläufig, am 3t). endgültig beantwortet. In dieser Antwort erklärt Oesterreich dem deutschen(von England unterstützten Vorschlag) entsprechend: Daß der Monarchie Territorialcrwerbungen in Serbien durchaus fern lägen, und daß sie lediglich eine vorübergehende Besetzung serbischen Gebiete? bezwecke, um die serbische Regierunz zur völligen Erfüllung ihrer Forderungen und zur Schaffung von Garantien für künftiges Wohlverhalten zu zwingen. Die Räumung de» serbischen Gebiete« durch die Monarchie werde in demselben Grade erfolgen, in dem Serbien die Frieden»- bedingungen erfülle." Wie die.Nordd. Allg. Ztg." im Gegensatz zur französi- schen und englischen Presse versichert, ist diese Antwort sofort nach London und Petersburg weitergegeben ivorden. Da» beweise auch daS englische Blaubuch, das eine freilich un- genaue und unvollständige Wiedergabe der Wiener Note enthält. Das offiziöse Blatt führt nochmals auS, daß Deutsch- land alles getan habe, um den Ausbruch des Krieges zu verhindern und daß nur die Gegner an der Katastrophe schuld trügen. Der deutsche Vermittlungsvorschlag an Oesterreich vom 28. Juli hatte folgenden Wortlaut: „Die nuvmchr vorliegende Antwort der serbischen Regierung auf das österreichische Ultimatum läßt erkennen, daß Serbien den öfter- reichischen Forderungen entgegengekommen ist. Die k. u. k. Regie- rung wird daher unseren VermsttelnngSvorschlägen und denen der anderen Kabinette gegenüber nicht mehr ihre bisherige Zurückhaltung beobachten können. Andererseits hat Herr Ssasanow in der letzten Unterredung mit dem Grasen Portutal�S bereits zugegeben, daß Serbien die„verdiente Lektion" erhalten müsse. Der Minister stand überhaupt dem österreichischen Standpunkt nicht mehr so bedingungslos ablehnend gegenüber wie früher. ES liegt hiernach die Schluß- Nr.2Sl ♦ 54. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Sonnabenö, 1A. Gktober 1 H l 7 GroßSerlw Herstellung nun Lebensmitteln in der Heimindustrie. SSvr sttzen al-S bekannt voran«, dah die in der Heimindustrie ber- yenellten Gegenstände mitunter in ganz ungenügenden, mit»rank- bcilskcimen überfüllten Räumen hergestellt werden. Nicht allgemein bekannt dürfte eS sein, daß auch Lebensmittel in der Heimindustrie hergestellt und somit direkt mit Krankheit s leimen be» haftet werden. Die im fetzigen Kriege so unrühmlich bekannt gewordenen sogenannten.Bouillonwürfel* werden mitunter in Zwergbetrieben hergestellt, dann aber zur weitereu Ber- arbeitung, Einetiketlierung usw. als Heimarbeit weitergegeben. Wie sich diese Heimarbeit vollzieht, dürste nur denjenigen bekannt sein, die sich einmal mit einer Wohnungsenqucte von Krankenkassen be faßt haben. Durch einen Krankenkasscnkontrollcur einer größeren Kranken- lasse wurde uns kürzlich folgendes berichtet: Beim Besuch eines Erlrankten fand er in einem ganz ärmlich eingerichteten Keinen Raum den hochtuberkulösen Kranken. Vor sich am Fußboden batte derselbe ein Becken stehen, jedoch ohne Wasser, worin er seinen Auswurf spuckte. Daneben am Tische saßen die Kinder und wickelten fleißig Bouillonwürfel iu Etiketts, ieucheten die Etiketts auch mit den Fingern und Lippen an. ES ist kaum denkbar, daß die Gewerbeaufsicht von derartigen Vorkommnissen keine Ahnung haben sollte. Vielleicht genügt dieser öffentliche Hinweis, um die Fertigmachung solcher Nahrungsmittel in der Heimarbeit im öffentlichen GesundheitSinleresse zu verbieten. Der Bürgerausschust(Srost-Berlin hielt Donnerstag abend im Schöneberger Rathaus eine Sitzung ab, zu der sich Vertreter oller für die Groß-Berliner Bewegung in Frage kommenden Ortschaften zusammen gefunden hatten. Von allen Seilen wurde gewünscht daß der Bürgerausschuß seine Aufmerksam- keil in erster Linie darauf lenken solle, das Interesse der breiten Kreise der Bevölkerung sür diese Bewegung zu organisieren. Die Widerstände wurden klar gelegt, die der BürgerauSschutz zu er- warten habe. Ueber die Natur dieser Widerstände war man sich völlig klar, aber eS wurde betont, daß die Stärke der Widerstände gegenüber dem einmütigen Willen der Bevölkerung nicht bedeutungs- voll in» Gewicht fallen würde. Schöneberg. Lebensmittel. In der kommenden Woche werden Vn Pfund Kunsthonig auf Abschnitt Rr. 70 der Nährmiltelkarte und L'Pmnd Gemüselonierven aus Abschnitt Nr. 21 der Nährmittelkarte für Jugendliche verteilt. Für die Kmder vom zweiten bis zum vierten Lebensjahr werden bei der nächsten Karteiivcrteilung am 17., 18. und 19. Okiober besondere Nährmiltelkorten ausgegeben. die als Ersatz für die getürztc Milchmenge zum Bezüge von Grieß und Keks berechtigen. Ersatz sür nicht belieferte 5?leischkartcn. Der Berliner Mogistrat hatte seinerzeit bekanntgegeben, daß die nicht eingelösten Fleischlartenabschnitte der Woche vom 17. bis 23. September mit den Mittelstücken aufbewahrt werden sollten, weil Ersatz darauf gelieiert werden würde. Dieser Ersatz soll, wie der Magistrat jetzt mitteilt, voraussichtlich Ende dieses Monats und zwar in Form von Fleisch in der vollen Menge, auf die die Karten- abschnitte lauten, geliefert werden. Beschränkung im Handel mit Dörrobst. Tie zuständige KriegSgeselltchafl für Obstlonierven und Marme- laden gibt bekannt, daß aller Absatz von Dörrobst, auch im Handel, bis auf weiteres nur mit Genehmigung der Gesellschaft erlaubt ist. Lohnverlräge über das Dörren von Obst bedürfen in jedem ein- zelnen Falle der Genehmigung dieser Gesellschaft. Besonders her- vorgehoben wird, daß diese Absatzbei'chränkung nicht nur sür alle gewerbsmäßigen, sondern auch für diejemgen nicht gewerbsmäßigen Hersteller von Dörrobst gilt, die mehr als 20 Doppelzentner Dörr- objt im Jahre herstellen. Die Ausgabe von„Freibank- Fleisch karten" findet nur aus Grund von schriftlichen Anträgen statt. Beizufügen find: „Mietsvertrag. Unter ftüyungsbogen, AlterSnachweiS der Kinder*. ES haben Aussicht auf eine Karte nur Rrregerfrauen mit zwei, andere Haushaltungen mit drei eigenen Kindern unter 16 Jahren. Anträge sind bis zum 20. d. M. einzureichen. Schließung von Gaßwirtschafte». Das ÄriegSwucberamt bat die Gastwrrtfchafleii von Richard S t a a ck e. Berlin, Mobrenstr. S3, und Stanz D e f a, Berlin. Zelterstr. 2, geschloffen. Beide Witte hatten Fleisch im Wege des Schleichhandels bezogen. Einstellung von drei Omniduslinien. Die Allgemeine Berliner Omnibusgesell icbast stellt ain 18. Oktober abends den Betrieb fol- gendcr Pierdelinicn bis auf weiteres ern: 18 Ballenplatz— Pols- damer Ringbahnhof, 23 Brunnensiraße— Marheinickeplatz und 27 Schönhauser Allee(Ecke Bornholmer Straße)— Alexanderplatz. WohnungSreformkundgebung. Eine große Kundgebung zugunsten der WohnungSreiorm wird der Ternsche Wohnungsausschuß am 30. Oktober in Berlin veranstalten. In der Kundgebung soll ins- besondere für eine Reihe wichtiger positiver WohnungSreformmaß- regeln eingelreren werden. Auch nicht vorschriftswäßige Schreibhefte können gebraucht «erden. Dies wird mit Rücksicht auf die gegenwärtige Papier- knappheit durch einen Erlaß des Unlerrichlsministers zugelassen, weit größere Mengen Schreibhefte, die nichr die jetzt üblrwe Lmialur, aber ein gutes festgeleimteS Papier haben, noch bei den Herstellern und Händlern lagern. Solche Hesle sollen soweil als irgend möglich vorübergehend zum Gebrauch rn den Sckmlen zuge- lasien werden. Ebenio hal der Minister daS vor einer Reibe von Jahren erlassene Verbal der Trahrhefrung von Büchern und Schreib- besten ausgehoben, da ougenblicklicti eine große Knappheit sowohl an Baumwolle w:e an Lemennähsäden herrscht. Der Sportpark Treptow veranstaltet am nächsien Sonntag ei» großes Tauerrennen über 10 deulsche Meilen(75 Kilometer). Dieses Rennen wird noch einmal die besten Dauerfahrer dieser Saison zu- sammenführerr.__ Neukölln. Rährmittrlnbgobe für Kinder. Zum Ausgleich für die Kürzung der Milcbmengc crhalieir die Kinder bis zum 4. Lebens- jähre Ersatz durch Ausgabe von Nährnririeln. Für hcn Monar Lk- rooer wird gewährt: den Kindern»» r. und 2. Lebeiiojabre. die im Besitz einer Vollmilchkarte über 1 Liter sind. 1 Pfund Hafermehl, de» Kindern im 3. und 4. LebenSjabre, die im Besitz einer Voll- milchkarte über% Liter find, 2 Piund Hafermehl oder Weizengrieß. Die Nährmittel können in den Geschäfte» der Kaufleute Heinrich und Wrcnecke gegen Vorlage der Milchkarte für Oliodcr zu», aus- gehängten Preise entnommen werden. Die Enrnabine kann erfolgen folgen für Kartenriihader mir den AnsangSbuchstabeir A— F am 16.— 18. Okroöcr. G— K am 19.— 21., L— R am 22.— 21. und S— Z am 25.-27. Ostoder. Volkstümliche'Vorträge. Diensrag, den 16. Ostober, abends 8 Uhr, veranstaltet die Sladrgemeinde einen Vortragsabend mit Lichtbildern»r der Realschule Boddinslraße 34/41. Prrvatdozenr Dr. HanS Sperhmann spricht über:.Der Kanal und die Ostküste Englands— London und die Londoner*. ErntritlSkarren zum Preiie von 20 Pf. find von 9—2 Uhr ini Rathause, Zimmer 210 sowie an der Abendkosie von 7l/z Uhr ab erhälrlich. — Stadtra: Zischer f. Nacv ichwcreir Leiden ist im Buckower Krankenhaus der Kommerzicural Adolf Fiiwcr, Mitinhaber der Firipa Fischer in Kolberg, gestorben. Der städnschen BerwaUung gehöoe er feit dem Jahre 1892 an und har dieser besonders rn Finanz? beraumgkn werlvolle Dienst« geleistet. fordert ein großes Geschlecht! Es gilt die Zukunft unfrer Kinder, unfres Volkes, unfres Vaterlandes! Zeder einzelne, der die?. Kriegsanleihe zeichnet, stärkt das Heer, stärkt das Ztoch und stärkt die Sicherheit der jetzigen und aller vorangegangenen Kriegsanleihen. Allgemeine Wehrpflicht draußen, - allgemeine Zeichnungspflicht drinnen! Tu' Deine Pflicht! Wilmersdorf. Zusah-Nährmittel für Kinder. Zum Ausgleich für die Kürzung der Muchporrioiien erballei, die Kmder vom 2. bis zum 4. Lebensjahre Ersatz durch Ausgabe von Nährmrrlel». Für Oktober wurden gewähr!: den Kindern»nr 2. Lebensjahre, außer dem ihnen bereits zugeteilten 1 Pkund Haferflocken, ein weiteres Pfund Haierflocken; den Kindern im 3. oder 4. Lebensjahre 1 Pfund Haferflocken und I Pfund Weizengrieß. Die Ausgabe der Räbr- mittel erfolgt auf Grund von Bezngsscheiricn vom 15. Oktober bis 18. Oktober an die HaushaliungSvorstände oder deren Vertreter durch die Brolkominissionen._ Oberschiueweidc. Gemeiuuevertretcrsitzung. Zur Bestreitung der Kosten sür die Kriegswoblsahrrspflege muß eine Anleihe von 300 000 M.(5. Rate) und für die LebenSmillelversorgung eine An- leibe von 1 Million aufgenommen werden.— Wie im Vorjahre soll auch in diesem eine Sonderunterstützung an die Familien der Kriegs- reiluehmer zur Auszahlung tommen. Es erhalle» nach dein Be- ichluß der Geineiiideverlrelung die Frau 15 M. und jedes Kind 0 M. Ein wcilerpehcnder Antrag von unserer Seile wurde abge- lehnt. Anch die Hinterbliebenen von Kriegsterlnebmerii erhalten dieselbe Unterstützung. Hierzu werden annähernd 60 000 M. be- anspruckt. Bedingung zum Erhalt der Beihüse ist: 1. Der Kriegs- teilnehmet muß vor dem 1. Juni 1017 eingezogen sein und am 1. November 1917 ein Jahr am Orte ivohncii. 2. Die Beihilfe wird nur auf schriftlichen Antrag an den Geureindevorstand gezahlt. Diese Bedingungen aelren auch für die Hinterbliebenen von Kriegs- teilnehmern. Eine Prüfung der Bedürfligkeil behält sich der Gc- meindevorslond in eiirzelnen Fällen vor. Bei besonderem Notstand sollen auch die Familien derücksichtigr werden, wo der Kriegsteil- nehmet nach dem I.Juni 1917 eingezogen ist. Anträge können schon jetzt eingereicht werden.— Für die Veteranen der Kriege 1864, 66, 70 und 71 wird eine einmalige Exlrounlerstützung von je 30 M. zur Auszahlung gelangen.— Zu Mitgliedern der Krregökomnnssion ivurdon von unserer Seite Frau Ackermann und Gemeindeverlrerer Schwarzburger gewählr.___ Tempclhof. Eierverleilung. Somioberid. den 13.. und Montag, den 15. d. Mts., wird an SO Proz. der Bevölkerung auf Abschnitt 10 der Eiertarle je ein Ei verteilt. Auch die 20 Pro,, der Bevöllerung, welche bis jetzt auf Abichnitt 9 der Ererkarle noch kein Ei erhalten habe», werden dieieö Mal mitversorgl. Der Preis beträgt pro Stück 39 Pf. Schlechte Eier muffen innerhalb von zwer Tagen umgetauscht werde»._ Friedrichshage». Konimunalcr Gänseverkauf. Im neuen Lade» der LebenSnirltelverkaussstelle, Friedrichstraße, findet heute Ver- laus von ganzen und ausgeschlachtete» Gänsen statt.— Dort ist auch ständiger Verkauf von Gemüse und Obst. Nowawes. Lebensmittel. Heute findet aus Kartenabschnitt 12 der Lebeirsmiltellartc der Verkauf von Räucherwaren in den Berkaufsstellen der Gemeinde sialt. Ferner wird bei iäinllicven Fleiichverläu'ern heule Fleisch verkauft. In der Turnhalle Scharrihorststraße jiirdel täglich der Ver- kauf von Obst stall.__' Hroß-öerliner parteinachrichten. V. Wahlkreis. Die Genossen werden aufgefordert, Sonntag früh 8 Uhr zur Flugblartverbrcitung zu erscheinen bei Rößner, Im m a n u c l ki r ch st r. 25. und Schwan herz, N a u g a r d e r Str. 3. ivcticvausriaueu für das mittlere tttorddeuHttland dt» Sonntag mittag. Kübl. vorwiegend trübe, mit weit oerbreiteten Regen- jälleri, dazwischen zeiuverfe aufklarend.. i Gerichtszeitung. Diebstähle in der KirrtenverteilungSstclle im Spandauer Rathaufc bildeten den Gegenstand eines Prozesses vor dem dortigen Schöffen- gerichr, vor dem sich eine Anzahl junger Mädchen, die ans der Ver- teilungsstelle aushilfsweise beschäftigt waren, zu verantworten hatten. Die Anklage lautete aus Diebstahl bezw. Unterschlagung, Anstiflung und Hehlerei. Die Mädchen hatten Lebcnsmiltelkarte», besonders Brot- und Fettkarten, in großen Mengen entwendet. Bei der Mutter der einen wurden 46 Lebensmittelkarten verschiedenster Art ge- funden. Die Hauptschuldige ist die Frau eines Re- g ie ru n g S b a u mei st er S©., die mehrere der Angeklagten zur Entwendung der Karten angestiftet hat. Bei ihr wurden allein 93 Znckerkarten vorgesimden; viele andere Lebensmittelkarten batte sie verkauft. Frau S. bat auch einen An- gestellten eines Cpandauer Warenhauses veranlaßt, ihr BckleidnngS- gegenstände ohne Bezugschein zu verabfolgen, die sie mit Lebens- Mitteln bezahlte. DaS Urleil gegen Frau S. lautete auf einen Monat Gefängnis. Die angeklagten Mädchen kamen mit Geld- strafen von 10—20 M. davon. Der Schlofferlrhrlrng in der Kesselschmiede. Bei der Firma Schwartzkopff besteht die Einrichtung, daß die Lehrlinge drei Monate in den sür das zu erlernende Gewerbe in Frage kommen- den Abteilungen des Betriebes beschäftigt werden, um so alle Teil- arbeiten des berreffeuden Berufs kenne» zu lernen. Ein Schloffer- Ichrling, der vor dem Gewerbegericht auf Lösung des Lehr- verbällnisses wegen Mißhandlung klagte, ist seit acht Monaten in der Kesselschmiede beschäftigt worden. Wie ein fachlundiger Beisitzer bemerkte, rft die Arbeit iu der Keffelsäuniede keine Schlosserarbeit und deshalb zur Ausbildung eines SchlosierlehrlingS nicht not- wendig. Die übermäßig lange Tätigkeit des Lehrlings in der Kesselschmiede ist. wie sich aus der Verhandlung ergab, daraus zurückzuführen, daß eS dort an ausreichenden Arbeitskräften fehlte, so daß also der Kläger nebst eine», anderen Lehrling. der irr der gleichen Lage war, nicht zum Zwecke der Ausbildung, sondern um Arbeit zu leisten, in der Kesselschmiede solange be- schäftigt worden ist.— Dies Verhalten der Firma gegenüber dem Lehrling bezeichnete da§ Gericht al? unzulässig, denn eS sei nicht die Hauptsache, daß der Lehrling dem Lehrherrn etwas verdiene, sondern daß er Kenntnisse erwerbe. Um das zu erreidben, müsse er, wie e» bei der beklagten Firma üblich fei, die verschiedenen Ab- teilungen des Betriebes durchlaufen. Davon dürfe auch wegen des gegenwärtigen Arbeitermangels nicht abgesehen werden.— Den Antrag auf Lösung des Lehrverhältnifles wies das Gericht ob, weil die vom Kläger behaupteten Mißbandlungen nicht erwiesen waren. DaS Gerichr enipiahl ober den, Vertreter der Firma dringend, sür eine vrdnungSinäßige Ausbildung des Klägers zu sorgen. Mus aller Welt. Die Milchverweigcrer von Hvhcnseeden. Nicht weniger als 59 Landwirte und Besitzer in dein Dorfe Hobenseeden sind dieser Tage mit gerichrlichen Strafbefeblen in Höhe von 5 bis 100 M. bedacht ivorben, weil sie sich geweigert hatten, das vorgeschriebene Ouantum Milch an die Molkerei in Pärchen adzuliefern. Eine nicht alltägliche Hochzeit fand dieser Tage in West erholt statt. Dort wohnte gegenüber einer Kriegerwitwe mit zwei beiratS- fähigen Töchtern ein rüstiger Witwer mit zwei erwachsenen Söhnen. von denen einer zurzeit aus dem Felde beurlaubt war. Wie es in der Well nun manchmal io geht, die sechs Personen gefielen sich gegenseitig und das Ende vom Liede ivar, daß dieser Tage die drei- fache Hociizeit stattiand. Die gcgensciligen Kinder haben also Slies- ellern, die zugleich ihre Schwiegereltern sind, und die beiden jüngeren Ehepaare sind durch diese dreifache Heirat zugleich Stief- geschwister geworden.__ Jugenüveranftaltungen. Schoneberg. Arberter-Jugend. Morgen Sonntag, den 14., findet keine Fahr! statt, sondern ein geselliges Beisammensein, abend» S Uhr. im Lokal Meiningcr Straße 8.— Miiwoch, den 17. Ottober, abends 8 Uhr, im Lokal Mcininger Straße 8: Versammlung,(»äste wllllomme». Ehartottenburg. Diensiag. de» 16. Okiober, abends 8 Uhr. Rosinen- strafe 4 1: Vortrag von Herrn Dr. G o t d b c r g über: Jugend- schuh derArbeiter-Jiigend. DaS Jugendheim ist Dienstags und Freitags von 8— O1/, Uhr, Sonntags von 6—9'/. Uhr regelmäßig geöffnet. Tourifteuverci»„Tic Nalnrfrrundc«. Ortsgruppe Berlin. Fahrten am Sonntag, den 14. Oktober: 158. K i n d c i w a n d e r u n g: Bernau. Mechcsee, Hcllsee. Liepnitzscc, Wandlitz. Fahrgeld 1,40 M. Tren- puiikt 8 Uhr Slclliner Ferubahnhvs.— 1ö7. Strausberg, BImnenlbal, Ganiensee. Zikscnscc. Fahrgeld 1,50 M. Absahrt Sonnabend 7.45 Uhr Schlesifcher Bahnbos.— 15g. Hennigsdorl. Krämer, Velten. Fahrgeld 75 Ps. Tresspunlt'/.7 llhr Stettincr Vororlbahnhof.— 160. Tiesenscc. Röthsee, Stern ebeck Fahrgeld 1,80 M. tzlbsahrt 6.20 Uhr Wriezener Bahn- steig Schiesilcher Bahnhof.— 161. Kanigswusterbausen, Glisiow(lieber» nachten). Wolziger See. KrunmerSdorf. Fahrgeld 1.50 M. Absahrt Sonn- abend 7.40 Uhr Mörlitzer Äahnhoi.— 162. Kablow. Wolziger See, KununcrSdors. Fahrgeld 1,60 M. Absahrt 7.40 Uhr Görlitzer Bahnhof. Turnverein„Fichte" Berlin.(Arb.-Turnerb.) Herbstwaldlaus am Sonnlag, den 14. Okiober, in der Jnngsernheide, nahe Forslhau» Königs- danrni. Dre Lausstreckc beirügt sür Männer und Lehrlinge je 2000 Meter, für Frauen und Schüler je 500 Rieter. Lcgifm des Laustü 3 Uhr nach- mittag.__ Eingegangene Druckschristen. Stadt und Land, von Julius Kaltsli. 20 Ps.— Karl Siegis» Mund. Berlin. Tie Priesterin. Drama in drei Alien von F. Hager. 1 M.— Verlag ft. Beck, München Bulgirrie». Reiseführer von Arthur Dix. 3 M.— Richters Verlag Hamburg-Leipzig. öriefkasten üer Neöaktion. F. 23. 1. Wenn Sie 50 Jahre alt find, können Sie adoptieren, andern- falls brauchen Sie Dir-peno. Antrag an das zuständige Amtsgericht. 2. Ist zweckmäßig. 3. Ist erbberechtigi wie e»i lclbiiches Kind.— Ä. B. 8i». Die Mutter kann einen Antrag aus AricaSeUerngeld bei der zuständige» Polizei- behörde stellen. Die LandeSvcrsicherungSan statt zahlt nichts zurück.— I. N. Sie haben Anipruch aus 0,00 M. pro Monat, was darüber hinaus gezahlt wird, sind besondere Zulagen.— D. 11. 21. Können wir von hier aus leider nicht beanlworlen.— 63 fr. Gl., Rgt. 38. Ja, Ihre Frau muß Steuern zahlen von dem Einlommen, das sie als Teilgehalt von dem früheren Arbeilgebcr bezieht, aber nur Gemein drei» komme» steiler. Die Slaatseinlouiineiisleucr fällt sorl, da Ihr Eintommeu vor der Einzicbuilg weniger wie 5000 M. betrug.—<5. 190. Außer der Pfiichltrankcnkassc können Sie noch einer oder mehrerer Erratziraulentasien-bezw. Zusch-:ß- krffjei. angehören. Jeder Bei ns hat m der Regel noch eine wiche Kasse.— Ö. 12. 1. Nein. 2. Ja. Zum Abiaus des Vertrages. Wenden Sie sich aber dann sofort a» das MietScinigungsamt auf(örund der Bundesrats- Verordnung vom 26. 7. 17 lvegcu Entscheidung.— A. Z. 150. Nein. Nur bei den jährlich auszusüllenden Hausballungslrsten,—>11!.(g. t. 1. Ja. 2. Bei dem sür den Wohnort de« Bellagtcn zuüälidlgeir SlmtSgcricht. — Unfall. Die Krankenkasse ist im Recht.— K. 1008. Nur wen» mehrere gefallen sind, sonst nicht.— H.-2. 2148. I. KnegStindersPende deutscher Frauen. Privattanzlei der Frau Kronvrinzcsiin. Potsdam, Neuer Garten 2. 2. Ja.— Tipp-Topp 05. DaS Neniigungsinstltnt muß de» Schaden er- setzen, dem heutigen Wert entsprechend.— Gr. 29. Die Behörde hat recht Bedürsligleil ist die Boraussetzung der Gewährung der Unterstützung. § 1 des Gesetzes. KriegSgetraule Ehefrauen haben keinen Anspruch aus KriegSunterswtzung, solange eine Aenderung in des häuslichen Ver- hättmjj« nicht euUrrU.— Marlin. 1�-3. Ja. 4. und 5. Aieiu. Spezial-Ärzt Dr. med. Hasche, Frlsdriclistr.gOs�L0�, Vcbandl.«on Thphikis. Haut-, Harr-. Frauenleiden, spez. cheon. Fälle. Ehrlich-Hata-Ku- utt. schmerzlose, lurjeite Bc. Kandlung obne Berufs Ilörunß. Blutuntermchung. Mätz. Vreiie. Teilzahlung. Sprechlmnden 10 biz I und S— 8. Sounl. II— 1. W. VlMWk versendet lausend nur an Ver- braucher zu Höchstpreisen gegen Vorausbezahlung jranko Eilgut vo» 3 Stück an 51öL' Franz Scherff, Laucuburg i. Pom. Handü-ErlaubniS 2i. 8. 16. Osanen, Cipetten, Rastaliale Engros F* Emst Borch, Elsasserstr. 21. Getr36nke"V Franz Abraham Hamb. MeBsina-u.Römertrank-Kell. C.2S Hantlilr. 8». Fernsp..13708 R. Banks, Stralauer Str. 66. E. Kraut», Komaitduuiarlr. ii. A. E. Lange, Brunnenstr. 166 4 BS 2 mal wSchentllch. dritter, feie,-,-iii.« i �TlhiWdi¥¥r �25 vj�SQS FDiaien. 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Lehrfräuleiu für seine Dameuschneiberw. Wvller, Wersistr. 18. 31«* Junge Mädchen für leichte Klebearbett werden verlangt, Allgemeine Waren- Vertriebs- Gesellschaft, Charlottenburg, Werner-Sicmcns-Straße 20/21. _[15K* Lehrmädchen verlangt Strick- warensabrik Albert Schulz. Nürnbergcrstraße 65.__ 30«> Zeitungsausträgerin sofort gesucht. P. Gursch, Reinicken- dorf-Ost, Kamekeslraße l2 II. Bolensrau, Tour Tegel'und Reinickenbors-West, stellt ein Kienast, Borligwalde, Rausch- straße 10,„Borwärts"-Spedi- tion.* Zeltuugsausträgerinncn kön- ncn sich melden.„Vorwärts". Ausgab« stelleLaiistitzerplatzl4/l5. Boteusrauen verlangt„Vor- wärts"-Speditton, Wattstr. 9, Laden. Von 11— lib und 4H bis 7 Uhr.» Zeitungsausträgerin sofort einzustellen.� Vorwärtsspedition Moabit, WilhelmShavenerstraße 48. von 11— Iii und i'.i—l Uhr. ♦ grauen«um Zeitutigsau?- tragen sucht„BorwärtS�-Aus- aabestelle All-Boxhagen 56, Laden.* vetensrau wird eingestellt. JSorwäriS", Charlottenburg. Sesenhcimcrstraße l.* Zeiltmgsauslrägerinncn wer- den sofon eingestellt„Vor- märts"-Ipeditioli, Markus- straße 36.___» Botenfrauen verlangt�sostort Ausgabestelle Berlin-Weslen. Blumen chalstraße 8, Hos, lo'- lerre bei Slolpmann.* Zeilungssrau verlangt„Vor- wärt!"- Spedition Neukölln, Stegfriedstraße 28/29.* Zeilungsträgerin sofort rer- langt Spediiton Lidnenbeig, Wartenbergstioße U jiade».• Botensrau verlangt Heßbeig, KaulSborf, Ferbinaudstr. 17.* ZeitungSauSlrägeri» verlangt Bernsee, Steglitz, Mommsen- str. 59.* Zeilungsträgerin sofort ver- langt„Borwärls"-Ausgabestclle, Vrinzeustraße 31, Hos rechts, Parterre.* ZeituitgSausträgerin verlangt „Vorwärts"-Spebition Schöne- derg, Meiningcrstraße 9.* wird sofort verlangt. sS12L Engclhardt-BrouerklA.-G. Bcrlin-Pankow Kaiser- Friedrich- Straße 21/29. "Säkkoe, Paletot« und Tagschneider werde« verlangt. Croldan, Svandauer Brücke 16.[594L* Bronzlerer im Goldleiiten verlangt s649b' Rcichcnberftcr Ztr.«8. Dlthtt Sdlofffr Elektriker für Kricgs- arbeit für Zentralheizung stellen sofort ein Iliil» i» Derlin-Wittenau. LtoLtrSxel' stellen sofort em Holerbe«« u. Schmidt, Steindruckerei. Reinickeudorser Str. 98.[91/18 stellen iosort ein Hollerbaum u. Schmidt, Reinickendorfer Straße 98._ 01/20 und ein 6051! Lehrmädchen sucht Buchbind. Schwitz, Kochst. 5. Sir suchen für unsere Buch binderet eine 91/19 pavierschneiüerin. Nemington- Schreibmasch.«> ~*•" Müllerstt. 161, 1 Mehrere Hilfsarbeiter sofort verlangt 92/1 Maschinenfabrik«ruft Roelö. Charlottenburg, HabSvurg.User?. zzs«ga!S»zsziigxx und 6102* VsMiM. Hofarbeiter sofort gesucht. StaiM Bothe, Weißensee» am Industrie- Bahnhof. 'Zm.izjmx.taa.iSXXJLZ. Laufburschen und Laufmädchen sofort verlangt. Bette, Bnd u. Lachmann. Leipziger Str. 31/32, Hos links 2. Stock. 659b 4372* Schleifer, heiler»nd Zusammensetzer «.LLK«/"' Siockmbrik Nitterst.75. Ges. m. b. 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Sattler ans Tornister und Tasche» sucht 91/07* Coban, Dresdener Str. 82/83. Geübte Löterinnen für TaseheniampenbaUerien verlangt sofort LMfjgfzlM„COflleSia", Jtlttenrtraße 11. Eine sozialdemokratische Zeitung NorddeutichlandS sucht für den poliiischen sowie für den lokalen Teil Ihrer Zeitung je einen militärfreien Redakteur. Beide Personen müssen Iän> gere Erfahrung besitzeli, absolut selbständig arbeilen und aus allen Gebieten bewandert sein. Ferner einen milltärfrcicn Buch- balrer für dapp. ital. Buchführung. Ihm liegt das Jnieratenweien, Kalkulation m Akzidenzarbeiten, Korrespondenz, Kasse, sicher im Bilanzabschluß und die Bei- trctung des EeschüstSjührerS ob. Ferner 294/16 einen militärfreien Ex pedientcn für Zeitnsg und Buchhaudcl. Dieser muß mit dem Abon- nenten- und Kasscnwescn. im Buchhandel bewandert und mit der Führung der Bücher ver- traut sein. Sämtliche Bewerber wollen mit Angäbe der bisherigen Tätigkeit ihre Bewerbung unter Ii. V. an die Expedition des .Lübecker Volksboten* in Lübeck einreichen. Gesucht für eine norddeutsche Buchdruckerei: 2 Maschinensetter(Linoiap) mit genauer Kenntnis des Maschwemnechanisrnus, 2 Haudsrücr für Zeitung und Akzidenzen, 1 Korrektor, der auch beiin ZeitungSsatz Aushilfe leisten muß. Bewerber müssen völlig mili- tärsrci sein. Angebote sind zu richten on die Expedition des.Lübecker Lolksboten* in Lübeck. Bucbblndei' verlangt ÄefchästSbüchcr- sadrik, Holzmarttftr.«7.* Nr. 281— 1917 „Honömsteren*, eine neue heilmethoöe. Wunderbare Heilungen eines ungarischen Arzte». In dem Budapester Blatte..Az Est' finden wir aus der Feder Adpad PaSztorS Mitteilungen über eine aufsehenerregende Methode der Heilung, traumatischer Neurosen(Nervenleiden, die durch Ver- letzungen entstehen). Wir lufien hier einen Auszug de» interessanten Berichtes folgen: Den Kopf hin- und herwerfend, das Bein mit ungelenler Kraft nachziehend, taumelnd und schwankend, so bewegt er sich mit kleinen Schritten vorwärts. Eine Konvulsion dnrchbebt plötzlich seinen ganzen Körper; er schleudert seine Gliedmaszen— tlnser Herz krampst sich zusammen, wenn wir einer solchen Jammergestall des Krieges begegnen. .Nervenchok!' sagen wir, von tiefem Schmerz ergriffen. Ueberall begegnen wir ihnen. Wackere, lebenSkräflige. junge Leute waren sie. als sie den häusltchen Herd verließen, und nun sind sie verzweiielsvolle Wracks. Krüppel. „Vielleicht bringt die Aeit Heilung!" flüstert man hinter ihnen, und abertausend dieser Unglücklichen zogen seit Beginn dieses Krieges hoffnungslos durchs Leben. Der italienische Krieg mit seinem Steinregen und seinen furchtbaren Epplosionen vermehrte noch die Zahl der von„traumatischer Neurose" befallenen Kranken, die noch bedauernswürdiger waren als die Epileptiker. Bis endlich der ungarische Arzt Dr. Viktor Gonda kam, der im Rosenberger Militärlazarett die Kranken im Handumdrehen kurierte. Das Heil- verfahren Dr. Gondas stellt eine Vervollkommnung der Kaufmann- schcn Heilmethode dar. Im Trenosin-Tcplitzer Roten-Kreuz-Spital war mir Gelegen- beit geboten, einige dieler wunderbaren Heilungen zu sehen. Ein einfacher Diwan mit einem Leinentuch bedeckt, daneben eine Elel- trisiermaschinc. Die Tür öffnet sich. Herein fällt, stürzt oder wirst sich ein menschliches Wrack. Es hat keinen Namen mehr unter den Menschen, ein Handwerk kann es nicht mehr ausüben, die Pflugschar kaiin es nicht ergreifen, ans Haus gefesselt, bildet er eine Last der Lebenden. Ein abgezehrtes Gesicht, ein von der zermürbenden Ar» beit der Nerven schwindsüchtig gewordener Körper, Haut und Knochen. „Fürchte nichts, mein Sohn,' spricht der Arzt mit väterlicher Güte, aber bestimmt,„gleich wirst du geheilt sein... Ein, zwei Minuten und du bist wieder ein Meirich.' In den Augen deS Bauernsoldaten leuchtet ein Hoffnungsstrahls er sieht den Arzt an, stammelt etwas, und das Vertrauen färbt seine Wangen rot. Und der Kranke legt sich nieder. Rechts und links fassen sie ihn beim Gelenk und drücken ihn fest nieder, damit er nicht aufspringen könne, über den Mund drücken sie ihm ein Tuch, damit er den Kopf nicht in die Höhe wirft, wahrend der Arzt»rit einem Assistenten bei seinen Füßen Ausstellung nimmt. Totenstille in dem kleinen Zimmer. Man hört das schwache Surren der Elektrisier- Maschine. Der Strom wird zu dem Schenkel des Kranken geleitet. Ter heilbringende»Sinus'-Strom. Unter dein Tuch bricht ein gc- dehnter fürchterlichcr Schrei hervor. Ein Ton, den der Mensch nie im Leben vergißt. Die beiden starren Beine werden in die Höhe gehoben. das Röcheln, das sich der Brust cnt- windet, steigert sich noch— dann wird der Strom ab- gestellt. Der Kranke atmet auf. Der Fluch ist von ihm gewichen. Der Fuß, der vorhin den, Willen nicht gehorchte, ist jetzt plötzlich ein diszipliiiicrler Soldatcnsuß.... Der Paticul erhält einen Labetruuk, dann steht er auf. Der Körper hat seine Elastizität wieder erlangt. Er marschierl stramm, macht rechtsum, ImkSum» lehrt auch. Die Gliedmaßen gehorchen seinem Willen. Er kleidet sich an, geht in den Garten hinaus und weidet sich an den Klängen der Musik. Er marschiert gerade, ausrecht und.stolz', wie es ihm der Arzt besohl.—.Nur' stolz, inein Sohn, Du darfst schon stolz sein.. Und nun folgt das Wunder der Heilung des Soldaten Johann Tovay. Auf Krücken lonnnt er in daF Zimmer. Ein leidvoll ab- gehärmtcr Bauemlopf. Sein Gesicht ist cingefallen, die Backen- kliochcn stehen hervor, der struppige, blonde Schnurrbart bangt herab. Er hört nicht, ist stumm und auch krumm. Verständnislos und stumpfsinnig blickt er um sich. Man schreibt ihm mit großen Lettern auf ein Papier.'„Wenn du den elektrischen Strom fühlst, schreie fest, was der Atem hält." Die Maschine setzt sich in Be- tuegung. Man leitet den Slrom rechts und links nahe zum Genick. Ein entsetzlicher Schrei, ein breiter, furchtbarer Schrei. Sein Mund wurde, licht festgehalten. Man hält ihm das Papier vor die Augen; starr sieht er daraus und innerhalb des schauerlichen monotonen Gcblülls, veriichincn wir Laute... den furchtbaren Kamps der Zunge. O und a und immer stärker und deutlicher o und a, dann bald zusammenhängend oa, oa, schon mischt sich v tind t) dazwischen, auch das n schmllzt ilieinander in er- Die welsthe Nachtigall. Der Roman eines st erbe it den Jahrhunderts. Von R. France. Ganz geblendet trat er aus seinem düsteren Verschlag hinaus ins Licht des MaientageS, der mit allem Prangen draußen aufgegangen war. Er sah aber die Lichtwunder nicht am zartblauen Frühlingshimmel; sein Blick ging leer über die holde rosige Anmut der blühenden Aepfelbäuine in den Gärten, er hörte nichts von dem Jubilieren der Vögel, dem übermütigen Schreien der Spatzen, er suchte nur nach der Turmuhr— Gott sei Dank— sie hatte noch nicht ausgeholt zum Schlage— und Pünktlich trat er zu der Höckerin am Donautor ein, von der die Botenfrau täglich init dem Morgen- grauen abging den langen Weg in die Dörfer, die ihren Bedarf an politischen und gesellschaftlichen Neuigkeiten aus der Stadt nur auf diesem verläßlichen Wege beziehen konnten. Um zehn Uhr war sie täglich pünktlich zurück und es tuar wirklich das Unauffälligste an dieser ganzen, sonst so neugierigen Stadt, die alte Christopherin zu erwarten und um diese" Stunde nach ihr zu fragen. Sie war noch nicht da. Während der Wartezeit füllte sich das kleine Gewölbe mit einer Schar, denen die Botin dienlich sein sollte. Endlich humpelte sie mit ewig todmüden Beinen und rot- entzündeten Augen vom Wandern im Straßenstaub herein. teilte da Briefe, dort Pakete aus und es traf sich wie unbeab- sichtigt, daß der Exstudiosus just der letzte war, auf den sie. nun allein im Stübchen. ihre stumpfen alten Augen heftete. Ihm schwellte die Wichtigkeit der Stunde die Brust, als er fast heiser vor Erregung sagte: „Der Herr Graf Morawitzky besichlt ihr, mich zu ihm zu führen." Warum just die Botenchristl das tun solle, das war das Problem gewesen, dessen Ergründung ihm die Wartezeit ver- kürzt hatte. Die Alte bekani auf einmal einen scharfsichtigen Blick und ein Abglanz von AnitSwürde lag ans ihrem verschrumpften Gesicht— schnell wischte sie sich die Hände an der Schürze und dienerte: schütternder Unartikuliertheit:„oanoveh'. dann.joanobay', als ob die Leute aus dem anderen Ende der Welt kamen. Joanovay... Johann Tovay... Wir weinten. Einen dramatischeren Augenblick habe ich noch nicht erlebt. „Hast du Kinder?" schreit man ihm zu.„Hörst du? Nicht wahr, du hörst, hörst schon gut?" Verlegen, sorsckend, suchend schau! er um sich, als ob er die Vergangenheit seine? Lebens, das Innerste keiner Seele hervorwühlen wollte. Hörst du. woher bist du?... Er sckiaut, sucht, denkt nach.... Dieser Mensch hat alles, alles vergessen. Da endlich entringt sich nach einem schrecklichen Kamps seiner Kehle das Wort:„Peri". Welches Komitat? rusl man ihm zu.„Szabeles!" schreit er zurück. Schon ist seine Stimme reiner, er spricht schon delillichsr, er hört, hört bereits alles.„Wie beißi deine Frau?".E(r)zsi!" würgt er nach einigem Nachdenken hervor. Und nun fühlt er' erst, daß er eine Frau, einen Vaier hat, und aus seinen blauen Augen fließen Bäche von Tränen... Ja, Erzsi, die ihn crwarlet, zu der er heimkehrt! Pflegst du zu beten?„Ich tvollle, konnte aber nicht, weinte er... Und die anderen verhöhnten, verspotteten mich und ich dachte nur, ach könnte ick bloß ein einziges Wort sprechen, bloß Peter oder Paul..." Und mit heißen Tränen in den Augen be- gann er zu ftammeln laut und deutlich:„Gelobt sei Maria." Das Herz krampfte sich uns zusammen, während er das Baterunicr murmelte... Und wir daäiten an den Krieg, als er mit glück- strahlenden Augen schloß:„Aber befreie uns vom Bösen,. Johann Tovay hört wieder und spricht. Fünf Minuten vorher war er poch taubstumm. Tags darauf traf ich ihn im Park. Dort saß er und schmauchte behaglich seine Pfeife. „Na. Alter, wie geht'S unS denn?"„Schon gut, gut I Bis Mitternacht konnte ich vor großer Fteudc nicht schlafen, daiin pro- bierte ich immer wieder, ob ich wirklich sprechen kann. Denn ich fürchtete, daß ich eS wieder vergesse.... Aber als ick des Morgens erwachte, schrie ich laut:„Guten Morgen, Leuteln! Also kann ich sprechen, sprechen... Der Herr segne euch dafür!" Und mit forschen, lebhaften Schritten näherten sich inis zwei andere Burschen. Auch sie wurden gestern„gondaisiert". So wurde das Verfahren benannt. Wenn man r.öntgenisiercn kann, weshalb denn nicht auch „aondaisicren"?... Dieses Zeitwort hat aber eine größere Kraft als die vielen bösen großen Kräfte des Krieges, denn es macht wieder zu Menschen jene, die der Krieg zu Krüppeln geschunden. Und das kann keine einzige Waffentat oder Eroberung der Welt nachmachen..._ Eine Mfkläeung öer Eiszeitfrage. Aus Rügen kommt eine für die Geologie sehr wichtige Nachricht. Dort hat Prof. Jaekel nnS Greifswald sein« langjährigen Studien über das Saßnitzer Steilufer zum Abschluß gebracht und in der „Zeilschrisl der Deutschen Geologischen Gesellschaft" lang umstrittene 'Frage nach der Zahl der nordischen Vereisungen an cmwnndfreien Profilen klargestellt. Es kann nun keinem Zweifel mehr unterliegen. daß in Rügen vier Vereisungen z» unterscheiden sind. Alle sind durch typischen Gefchiebe-Mergel, die einstige Grundmoräne der In- landeise, gekennzeichnel und durch Saudablagerungen getrennt, die auf eisfreiem Lande entstanden sind und sogenannte Jntcrglaciolzciten darstellen. Die beiden ersten Eiszeiten fallen vor, die beiden letzten hinter die großen tsktonischcn Verwerfungeit, die „baltischen Brüche Jaekels", die das ganze Land weit über Rügen hinaus und nach Norddeutschland hinein in ein zerbrochenes Schollenland zerlegen. Im südlichen Teil des Rügener Steilufers beträgt die Stärke der ersten Grundmoräne 2—4 Meter, der zweiten 7—10 Meter, der dritten 12— lö Meter, der vierten 6—7 Meter. AuS diesen Maßen ergibt sich daS Verhältnis der Eiszeiten zu einander, vor allem der Grad ihrer Ausdehnung in Norddeutschland. Die erste dürfte nicht weil über Rügen nach Süden gereicht haben, die zweite war ivcsent- lich größer als die erste und etwas größer als die vierte, die dritte die größte von allen. Ihre Grenze muß zugleich die Südgrenze nordischer Geschiebe überhaupt sei». Die deutlich ausgeprägten Moränenlandschaften des nördlichen Norddeutschland gehören der letzten, vierten Vereisung an. Damit ist ein s-stcr Halt für die Beurteilung der Schichten der norddeutschen Tlefebene gewonnen, zugleich aber auch eine volle Uebereinstinimmig mit den vier Phasen der alpinen Ver- gletscherung in der gleichen Zeit erreicht. Auch die Stärke der beide» Vereisungen stimmt nun in beiden Gebieten gut überein und macht es nach Jaekel wahrscheinlich, daß die Vcrgletscherung der Alpen wie auch der mitteldeutschen Gebirge nur eine klimatische Fern- Wirkung der nordischen Vereisung war, die ganz Skandinavien, die Nordsee, einen Teil Englands, Hollands, die ganze norddeutsche „Soll gleich g'schehn Herr von Michalansky." Die von ihr vorgenommene Erhebung in den Adelstand ivar ihre langjährige Praktik, mit der sie schon mancher Beamtenseclc manch' schönen Silberztvanziger abgeschmeichelt hatte. Der also Angeredete aber war starr vor Staunen. Wie war ihm denn? Jemand war zu ihm höflich? Was ging mit ihm vor? Aber zum Verwundern blieb keine Zeit, denn schon hatte die Alte die Türe des Stäbchens von innen ge- schloffen, sorglich ein Tuch vor dessen Glasfenster gehängt— dann öffnete sie ein Pförtchen an der Hinterwand, das in eine Art Rumpelkammer führte. Der Exstudent ging ihr auf ihre Einladung nach und wurde immer verwirrter, als sie nun umständlich eine Laterne anzündete, dann alte Kleider, die in einem Bündel am Boden lagen, wegräumte,»vorauf eine Art Falltür sichtbar lvurde, die sie aufhob. Man sah eine Keller- stiege, an der die Beiden emsig an zwanzig Stufen hinab- kletterten; dann kam ein trockener, schön aus Ziegeln ge- maucrter Gang.... Und während sie den durchschritten, schwatzte die Alte: „S' is der Berteidigungsgang von der alten ersten Be- festigung voni Herzog Heinrich, führt vom Donautor unter d'Reiterkasern, rein in' d'Rcsidenz. Jetzt san ma grab unterm HerzogLkastcn. S' is a große Bequemlichkeit für d'Herrn in der Statthalterci.»vann's grad� ein' empfangen woll'n, der »vo's Haupttor net einrennen soll." Die letztere lieblose Bemerkung bezog sich auf die Schniutziaue, von denen die Adclstaxe der Silbcrzwanziger nicht mehr zu erhoffen»vor. Und- Michalansky empfand die schlichte Mißachtung Ivtedcr als gewohnten Normal- umgangston. Schließlich kam man an eine Wendeltreppe, die mehrfach an den Absätzen Türen hatte; hüstelnd, doch rüstig stieg die Botenchristl hinan, rasselte mit Schlüsseln, auf eininal sperrte sie eine Türe auf und— Michalansky �tand im Vorzimmer deS Grafen, dicht vor dem versteinerten Gesicht des alten Best, der auf das Geräusch hin zu der ihm offenbar»vohlvertrauten Pforte getreten war. Zwischen dem Empfang von gestern und heute lag eine ganze Welt. Befl's Gesicht drückte llcberraschung, Acrger, Angst und Entrüstung gleichzeitig aus— aber der Geist der Subordi- Cl?!® Sonnabend, 1?. Gkiober Tiefebene bis noch Oberichlesien und Mähren und einen großen Teil Rußlands zeitweise mit einein einheitlichen Eismantcl bedeckie. Der Jnsekten-Oildhauer. Ter Jnsekten-Bildhaner, von dessen bisher allzu iver.ig be- achleicr Tätigkeit in der Zeilschrisl„lieber Land und Meer" nähere Mitteilungen gemacht»verde», ist einer der»vichtigsien Miiarbcilcr der Wissenschail, die uns die Kenntnis der sog. niederen Tierklasse vermittelt, Wie falsch es ist, in diesen Tierarten unvolltömmene, primilive Lebelvcsen zu erblicke», kann man erst bei Bekrachtmig der Riesenmodelle von Jnscklcn sesistellen. lvie sie seit»euerer Zeit in den verschiedenen naturhistorischen Museen ausgestellt sind. Tie Herstellung solcher Modelle ist»vegen der damit verbundenen außer- ordentlichen Schlvierigkeit nur besonderen Spezialknnstlern möglich, eben den fraglichen Jirsekien-Bildhanern. Der bekannteste unter ihnen ist der Präparator Jgnaz Matauich, und der Werdegailg eines Ratlenfloh-Riesenmodells mag»»> besten die Eigentümlichteilen dieser Arbeir erlärltern. Das Modell»vird in bundertzlvanzigsacher Lincarvergräßerung hergesiellr. In dem hohlen Modell könnten genau 1 72� 000 wirkliche Flöhe Platz haben. Welch genaue Vorstudien zur Schaffniig eines solchen Modells gehören. läßt sich am besten ans der Tatsache schließe», daß ma» biSoer noch keine genaue Abbildung eines lebenden Flohs bcsitzl. Die Ab« bildungen in Lehrbüchern stellen nur das role Insekt dar und sind als Vorbild zur Herstellung eines vergrößerte» Wachsmodslls nicht geeignet, da sich nach dem Ableben des Flohes und da? Ein- schrumpfen der inneren Organe die einzelne» Abschnitte deS Körpers zusainnienzieben. Vor allem muß also der äußere anatomische Bau studiert tverdcn. Zu diesem Zweck»Verden zahlreiche Flöhe, nrög- lichst lebend, durch das Mikroslop beobachtet, der äußere Bau»vird durch Zeichnuiigen in entsprechendem Maßstabe festgchaUen, dann werden die Jniekle» unter dein Mikroskop von Füßen, Mnndieilcn.- Füßen uiw. befreit, der ganze Körper»vird zerlegt, damit die Außenlinien auch anfS genaueste bestimmt»verde» können. Das Sezieren der Borsten und Härchen erfordert eine besondere Geschick- lichkeit, da die Spitze selbst der seinsten Rädel»och immer erheblich dicker ist, als die betreffende» Teile, die init ihr abgetrennt werden sollen. In Einzelsüllc»,»venu wegen der Kleinheit ein Ansmessen überhaupt nicht durchsührbar ist, miissen die Maße durch mühseliges und zeitraubendes Vergleichen festgestellr werden. Die auf diese Weise gewonnenen zahlreichen Delailzeichnnngen. ermöglichen dann die Herstellung der einzelnen Teile in Modellicrton an einem Draht- gesiecht, wobei imme»»vieder mir dem Vorbild nnier dem Mikroslop verglichen»verde» muß. Nach den von diese» Einzelmodellen ge- nommenen Gipsabziigen»verde» die einzelnen Teile mit einer ge- särbtcn Wachsmischung hohl gegossen. In den Hohlrjsinneir endlich führt man die VerbrndungSteile ein, da? übrige»vird mit Wachs auSgcfüllr, zum Schluß»verde» die lctzteir Einzelheiten cinmodellierl und die verschiedenen Haare, die im richiigen Verhällnis aus Ren- silbcrdraht geformt sein müssen, angebracht. Erst dann ist die Arbeit deS JnseklenbildhauerS vollendet und kann in ein Museum wandern. Notizen. — Der fünfmal torpedierte Matrose. Ncber ein allzu eintöniges Dasein kann sich»vohl kaum ein französischer Matrose beklagen, volkdem der„Matin" berichtet.„Dieser Matrose". schreibt das Blatt,„gehörte zur Mannichast der Salute Marie, die am 7. April 1915 torpediert wurde. Er lvurde am 8. April von englischen Seeleuten gerettet und nahm am 20. Ticiisle an Bord der Bernadotle. Dieses Schiff wurde am I.Mai torpediert, erst am 7. konnte der Matrose riach dramatischen Erlebnissen geborgen werden. Hieraus kam. er au Bord da Fratcrnito, die am 3. Omwcr torpediert wurde, und am 5. lvurde er gerettet. Dann kam er zur Mannschait der Alexandre, und auch dieses Schiff ist bald daraus einein ll-Boot-Angriff zum Opfer gcsallen. Diesmal lvurde er nach 18 Stunden aus dein Wasser gezogen." — E i n tausendjähriger Laib Brot. Bei der Unter- suchung schlvedischer Gräber hat man einen mehr nIS 1000 Jahre alten Laib Brot aus Weizen oder Roggen, der ans der jüngeren Eisenzeit oder der Wikingerzrit, also ungefähr ans dem Jahre 900 n. Chr. stammt. — Ein Brief, dcr41 Jahre unlertvegs war. Kürz- lich kam an das Postamt der norivcgischcn Hauptstadt ein Brief zurück, der 41 Jahre lang in der Welt umhergeirrt»vor. Er trug eine Schillingsmarke, die mit dem Datum des 5. August 1876 abgestempelt war. Der Adressat»vor ein� Seemann namens Albork T. Björnson. der der Aufschrift»ach im Seemannsheim zu Liverpool mahnen sollte. nation besiegte alles— er machte kurz kehrt, verschwand im Nebenzimmer und saqtc dort kurz und knurrig: „Der Exstudent Michalansky ist da." Auf dem Ex lag der Toi». Herr von Morawitzky»var aufgeräumt wie noch nie, seit- dem er den Glanz von München verlassen hatte.... Ordent- lich dichterisch war ihn» zumute an diesem herrlichen Maien- »norgcn. Soeben war er auch von einem Ritt in ein Dichter- land süßester Schmerzen zurückgekehrt; noch lag Paul ot Virginia des Saint Pien-e aufgeschlagen am Fenster, an dein der Graf mit den Oualeir der Liebenden zugleich sein»vol- lüstiges eigenes Leid hinauSgcscufzt hatte in die zartiveißcn FrühlingStvölkchen, die nur der Mai sv blendend und hold zu .färben vermag. Für alle Anmut und Süßigkeit der Welt»var er cnipfänglich an dicsein Sonnentag voll Blütendiift und voll schönster Erinnerungen an gestern. Und diese»veiche Stimmung lvurde auch nicht verscheucht durch den Anblick des reptilartig sich»vindenden, vor tliitcr- tänigkeit ersterbenden Subjekts vor ihm, das kurz aber gnädig angeredet»vurde: „Er heißt?" „Sebastian Michalansky, zu diene»» Eiv. Exzellenz." „Er ist?" „Halten zu Gitadcn Elv. Exzellenz vormals Student an hiesiger Universität in jurisprudentiam..." „Nicht waS er»var, sondern»vaS er ist, frage ich." Der Exstudent verbeugte sich— „Skribent,»vcnn es erlaubt ist, so zu sagen"... begann er vorsichtia. Der Graf lächelte und schnitt kurz ab. „Ist er vorbestraft?" MichalanSky schnellte zurück, als schüttle ihn ein gelualtiger Schmerz— dock»»vurde der Ausdruck seiner Augen bei den inquisitorischen Fragen langsam unruhig. „J lvo denken Eiv. gräfliche Gnaden, ich und vorbestraft!" Und edle Entrüstung schwellte seine Brust. Morawitzky trat zu seinen» Schreibtisch, cntttahiil einem bereit liegenden blauen Konvolut einen Akt, las darin und lachte laut... „Johann Sebastian Michalansky, genai»»t Leinisieder, geboren zu Nürschan in Böheim, invoeavit 1765... Studiosus ollr�sopolensis." (Lorts. folgt.) 2 Tassen [mit Untertassen, I [ feinesPorzeiian, I mit Goldlinien i A. Dandorf&G Belle-Alllonce-Strosse Gr. FranKlDrier Strosse Bronnen-Strosse Rotttioser Damm Wiimersdorfer Strasse Bierbecher mit Kante 1.45 6 Pack. 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P.and 1.40 1 Milchtopf mit Rosen- v- i\« Verzierung 1.45 1 Kaffeekanne Sitg0.w; 1.45 1 Zuokordose mit reicher 1 1 MilChtCpt Verzierung.[>,45 3 TaSSen �icbe"Go°dv°rzi'e'�nx 1-45 3 Khendhrctteller�'ldveÄ�r. 1.4S 1 Bretkcrh 1.45 1 Butterdose 1 Keksdose mrt reicher Blumenverziernng 1 4 Milchtöpte 2 Milchtöpfe �/Äng. 1.45 mit reicner üoid- 1 Verzierung Satz OlrtsciinftsartlKel 1 Glanzbürste.............. 1.45 1 Kleiderbürste............ 1.45 1 Schmutzbürste....]z�ammen 1 Auftragbörste.....( 1.45 1 Kuchenform.............. 1.45 1 Köninskuchenlorm....... 1.45 12 Ausstechformen «ortiertj� 1 Gebäckkasten............ 1.45 1 Abstäuben................. I.45 1 Petroleum- kanne I.45 2 Vorratsbüchsen 1 Brotmesser............... I.45 MM 1 Kasserolle mit stmi....... I.45 1 Bratpfanne� mit Stiel.... 1.40 2Sp6iS8tellerl.45 1 Mascbinentopf mit Blumen- 1 ic Verzierung. � � 1 Teekessel................. 1.45 3 Kaffseföpfe mit Verztenmg 1.45 3Tn«C0n mlt Untertassen. 1 I uOdul! verschiedene Formen*,,v' IKartoffelnapf grosa, mit 1 i Griffen..» 4U 5 Abendbrot- feiler.... 1.45 2 Kartoffel- näpfe. 1.45 1.45 mit J Griffen S Rollen t Toilettepapier 1 1.45 IBV Papier- Mundlöcher gezackt 1.45 grosse Form 1 Wasserkanne EiioBteriB 1 Halskette snber soo/iooo 1.45 1 Mädüheuring föo/Tooo... 1.45 1 Rasiergarnitur.......... I.45 1 Perl-Halskette.......... I.45 1 Damen-Übrkette SZu... I.45 1 Bild mit schönen Rahmen... 1.45 Pflrtdfflerle 1 Dose Zannpasta...) �sammen 1 Zahnbürste....... j 1.45 10 Pakete Blitzblank 1 �ammen 2 Pak. Erika-Waschpulveij 1.45 1 Flasche Bay-Rum 1.45 1 Rasierpinsel 1.45 1 Rasier-Apparat.......... 1.45 6 Rasier-Klmgen.......... 1.45 1 Flasche Mundwasser..... 1.45 Briefpapier 1.45 1 Flasche ' Eirkenwas er 1.45 1 Pestkarten 1.45 Deuttdier nietaHarüeiter- Oerband. Verwaltongssielle Barlin. Den MihMdetn zur Nach- nicht, du>; unser Kollege, der Lchieiser krttsf Ehrig KarlsHarft, Krauseftr. 30 am 10. d. SM. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Okrober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhoses in Ikarlshorst ans statt, Rege Beteiligung wird er- warier. Den Mitgliedern fc zur Nachricht, da» uns euer mser Kollege, der Schlosser Franz Lill Schivelbeiner Str. 49 am 9. d, M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13, Oktober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhoses in Friedrlchsseibe aus statt. Rege Beteiligung wird er- wartet. Den Mitgliedern seiner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Metallarbeiter Ksrl Wagner Schöneberg, Afazienslr, 8. am 9. d. M. gestorben ist. Di- Beerdigung findet am Soimadeud» den> 3. Lltvber, nachmittags l1/, Uhr, von der Leichenhalle oes II. Ge- meinde» Friedhojes an der Blanten Hölle aus statt, Rege Beteiligung ivird er- wartet, Den Mitgiteder» serner zur Zlachricht, da» unser Kollege, der Mechaniker. Wilhelm Küster Schöneberg, Goltzstr, 1 am 2. d, M, gestorben ist, Ehre ihrem Andenke»: 183/4 Die Ortsverwaltunij. Deutfcber Budibinder' Oerband. (Zahlstelle Berlin.) Den Kollegen zur Nach- richl, da» unser Mitglied, der Kartonnieter Emil Knrf�ke gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 13. Oktober, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Georgen- Kirchhos in Weigensee.Rölrke- straste, statt, Zahlreiche Beteiligung erwartet 31/3 Die Ortsverwaltung. Spezial-Arzt Dr. med. Haedieke Harn-, Haut-, Geschlechtsld., S.vphii,(Behandlungsd.12 T.). Blutantcrs. Ehrlich- Hata- (Salvarsan-)K.Mod.,schmerz- loseBehandlo-Bernfstörung. - Mäßige Preise.Teilzahlnng- Friedrichst.l8]-188Ähgrrdnb.) 11— 1, 3— 7, Sonntags 11— 1. Spezialarzt Ihr. med. Colemann für Kaut-, Harn-, Frauenleiden nerv. Schwäche, Beinkranke, Jührllch- Hata- Karen, (Dauer 12 Tage), Behandlang schnell, sicher und schmerzlos ohne ßerafsstörang. Königstr. 56-57*Är Spr. 10—1 u. 5-8. Sonnt. 10-1. Erster Nachtrag zur Krankenordnuug der Memlm« SNs-SrM«e W MM«!» tu Berliu* Lichterfelde. § 1 erhält solgenden Zusatz: Die ärztliche Behandlung der Kranken ersolgt, so weit nicht der Zustand des Kranken eine Behandlung in seiner Be- hausung nötig macht, in den Sprechstunden der Kassenärzte, § 2 erhält solgenden Zusatz: Kassenmitglieder, welche während der Erkrankung ohne Genehmigung des Kassenvor- standes den Bezirk der Kassen« ärzte verlassen, verlieren ihren Anspruch aus die satzungSmägige Krankenpflege. Dieser Nachtrag tritt mit dem Tage der Belanntmachung ge- mag§ 109 in Straft. Berlin-Lichterseide, 25. Mai 1917. Der Vorstand. Ztzjscher, Vorfitzender. Hahn- Schrisisühres. Genehmigt. Berlin,' den 6. Oktober 1917. VerficherungSamt des Kreises Teltow. J. A.: (L. S.) Lindner. Druckexemplare von diesem Nachttage sind im Kassenlokal -rhalllich. 279,16 IVlarlten liefert seir 13*73 •Jean Holze Itiflfln gebr., zahlt bis SOO M., IltUilU Schlafzimmer, gebr., bis 8003»., Speisezimmer, gebr., bis 1000 M., Möbel jed. Art laust lkgo- Neufölln, BerlinerGtt.29.- -8l0lA8,NussS0 Mitbürger! Wer mit uns die hohe Säuglingssterblichkeit in Deutschland bekämpfen will, der zahle auf unser postftheckkonto 29079 '„Deutschlands Spende für Säuglings- und Kleinkinderschutz Berlin W 8" Postscheckamt Berlin NW 7 ein. Spenöen, auch Sie kleinsten Gaben weräen bis zum 15. Oktober entgegengenommen. Keslmders fette und ffeifchige, gr. Kaninchen, junge Tscttcnten Psb. 5,50M.an prima frisches Ziegenfleisch. 4. Schmidt vorm. 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Schreiben Sie noch heute an Verlag Germania, Braunschweig Nr. 120. sse- � den Obige Silben ergeben, richtig geordnet, jedes Deutschen Herzens- - wünsch- folgerung nicht fern, daß die russische Regierung sich auch der Er- lenntmK nicht verschließen wird, baß, nachdem einmal die Mobili- sierung der Ksierreichisch-ungarischen Armee begonnen hat, schon die Waffenehre den Einmarsch in Serbien e r- i o r d c r t. Sie wird sich aber mit diesem Gedanken um so mehr abzufinden wissen, wenn die östcrreichisch-ungarischc Regierung in Petersburg die bestimmte Erklärung wiederHoll, daß ihr territoriale Erwerbungen in Serbien durchaus fernliegen und daß ihre militärischen Maßnahmen lediglich eine vorübergehende Besetzung von Belgrad und anderen bestimmten Punkten des ferbiichen Gebietes bezwecken, um die serbische Regierung zu völliger Erfüllung ihrer Forderungen und zur Schaffung von Garantien für künftiges WohlverhaUen zu zwingen, auf die Oesterreich-llngarn nach den mit Serbien geistachlen Erfahrungen unbedingt llnfpruch hat. Tie Besetzung sei gedacht wie die deutsche Okkllpatiou in Frankreich nach dem Franlfurter Frieden zur Sicherstellung der Forderung der Kriegsentschädigung. Sobald die österreichischen Forderungen erfüllt seien, werde die Räumung erfolgen. Euere Exzellenz wollen sich umgehend dem Grafen Berchtold gegenüber in diesem Sinne aussprechen und eine entsprechende Demarche in St. Petersburg anregen. Es handelt sich jetzt darnin, eilten Modus zu finden, der die Berwirklichung des von Oesterreich- Ungarn erstrebten Zieles, der grvßserbifchen Propaganda den Lebens- nerv zu unterbinden, ermöglicht, und zu verhindern, daß ein Welt- krieg entfeflelt werde." Das Interessanteste an dieser deutschen Note ist die �est- stellung, daß die serbische Note vom ä. Juli tatsächlich ein E n t g egenkommen gegenüber den der österreichischen Forderungen bedeutet hat. Das war auch der allgemeine Eindruck. Sofort aber uach Ucbcrreichung dieser ent- gegenkommenden Note brach Oesterreich die diplomati- sehen Beziehungen ab und erklärte Serbien den Krieg, da die serbische Regierung das österreichische Ulti- matuin„nicht in befriedigender Weise deantwortet" habe. Die damalige österreichisch-ungarische Regierung hätte es wahrscheinlich nicht so eilig gehabt, die österreichische„Waffen- ehre zu wahren", wenn sie vorausgesehen hätte, was sich daraus entwickeln würde. Man darf ihr aber glauben, daß ste nicht den Weltkrieg, sondern eben nur den österreichisch- sarbischen Krieg gewollt hat. Was im übrigen Hüben wie drüben durch die ewigen Kriegsschulddebatten cxreicht werden soll, ist nicht ersichtlich, zumal die �ragc regelmäßig ganz falsch gestellt wirb. G e- wollt hat diesen Weltkrieg, der nun mehr als drei Jahre dauert, wahrscheinlich niemand in der ganzen Welt. Später einmal wird zu untersuchen sein, ob es nicht möglich gewesen wäre, diesen von niemanden gewollten Krieg zu v e r- meide n. Die Frage, die nach dem Kriege an verschiedene Regierungen gestellt werden wird, lautet nicht:„Hast Du den Krieg absichtlich herbeigeführt?" sondern„Hast Du stets das Richtige getan, um den Ausbruch der Katastrophe zu verhindern?" Diese Fragestellung wird manchen Regierungen viel unbequemer sein"als das her- lömmliche Gerede über die Kriegsschuld. Die Internationale üer wis)easchast. Kopenhagen, 12. Oktober.(Meldung von RitzauS Büro.) DaS dänische Unterrichtsministerium hat einen Aus- schuß ernannt, bestehend aus dem Universitätsrekwr und einer Anzahl Professoren und bekannten Männern der Wissenschaft, zwecks Unieisuchurig, wie Dänemark am besten für baldige Auf- nehme deS internationalen BerkehrS zwischen den Gelehrten der qonzen Welt wirken könne. Unter anderem ist beabsichtigt, die �openhagener Universität derart zu vervollkommnen, daß sie nach Kriegsschluß geeignet ist, Studenten aller kriegsühren- den Länder ausnehmen zu können. Die heute beginnenden Ar- Veiten des Ausschusses sollen mit großer Kraft gefördert werden. Wie Dänemark als neutrales Land durch seine Rote Kreuz-Tätig- lest sucht, die Wunden, die der Krieg geschlagen hat, zu heilen. in will es auch auf dem neuen Gebiete versuchen, zun: Nutzen der Notionen zu wirken. Heratungsgegenftänüe für eine künstige �onüoner Konferenz. Ter Hauptvorstand der parlamentarischen Handelskonferenz. welcher im fronzöfischen Senat unter dem Vorsitz Marc Revilles tagte, stellte das Programm der Londoner Konferenz auf, die am ersten Dienstag im Mai 1S18 statlfinden soll. Die vorgeschlagene Tagesordnung umfaßt: Rückversicherung, Verallgemeine- rung des Tailor-SystemS und Besprechung der Organisation deS Kampfes gegen die deutsche Handels- wionage, ferner Einsetzung eines internationalen Handelsregisters. Donam'chiffohrt, Spezialisierung der Industriezweige der alliierten Länder, um gegenseitige Konkurrenz zu vermeiden, Gleichheit der Gesetzgebung betreffend das internationale und intellektuelle Eigen- tum. Jede Kommission wird in London einen Bericht vorlegen, wie in jedem Lande der Alliierten die Beschlüsje, welche auf der >tons«renz in Paris im Jahre 1016 getroffen wurden, zur AnS- siihrnng gebracht werden._ Das österreichische öuüget im Ausschuß angenommen. Wien, 12. Oktober. Im Budgetausschuß des Abgeord- netenhauses gab der Pole Dr. Glabinski die Erklärung ab. daß der Polenklub, nachdem er von der Regierung Zu sich e- r u n g e n erhalten habe, daß sie ernstlich bestrebt sein werde, sich ur die Wiederkehr normaler Zustände in Galizien einzusetzen, be- 'blossen habe, für das Bndgctprovisorium zu stimmen. Hierauf wurde das sechsmonatige Budgetprovisorium samt der Ermächtigung zur Aufnahme von Kriegskrediten :um Betrage von nenn Milliarden angenommen mit dem Zusatz- an irag deS Berichterstatters Dr. Steinwender betreffend den Aus- ichluß der Begebung nicht amortisabler Rente sowie dem Antrag des Sozialdemokraten Tomschik, wonach die Regierung er- mäcbtigt wird, für die Aufbesserung der Lage des Eisen- äahnpersonals 10V Millionen Kronen zu verwenden. Wien, 12. Oktober. Wie die„Deutschen Nachrichten" melden, bat der Abgeordnete Dobernig die Obniannstelle des Deutschen Nationalverbandes niedergelegt. Die politischen Verfolgungen in Oesterreich. In einer schrisllichen Ansragebeaniwortung auf die tschechischen und sozialdemokraiischen Jmerpellalionen, betreffend die Be- Handlung der politisch u n z u v e r l ä s s i g e n P e r s o n c n, cctlärk der LandcSverleidiguiigsminifter, daß die besonders vorsichtige Behandlung gewisser Personen wegen der vom Feinde be- mebencn Propaganda begründet sei. Der Minister verweist daraus. daß' leider trotz aller Vorsicht in den ersten vuicgsjehrcn mebrfacl, schwere, mir großen und unnötigen Verlusten an kostbarein Blut verbunden- Schädigungen inili- iänfcher Aktionen als Folge des ShmpalhisierenS mit dem Feinde vorgekommen seien, und daß es nur dem Heldenmut der Truppen z« verdanke» fei, daß diese Zwischenfälle auf rein örtliche Wirkung beschränkt blieben. Dem Minister liege es ferne, in Abrede zu stellen, daß bei der Durchführung dieser Maßnahmen vielfach überflüssiger- weise weit über das Ziel geschossen wurde und sich auch s ch>v e r e Jr rtüm er und Fehlgriffe ereignet haben. ES wurden eingehende Weisungen erlassen, um jede ungerechtfertigte Härte sür den einzelnen hintanzuhalten. ES wurde ausdrücklich alles verboten, was auch nur den Anschein einer Ä e r s o l g ri n g erwecke» könnte. Zeh« vergebliche Durchbruchsschlachten. Berlin, 12. Oktober. In zehn Schlachten von unerhörter Heftigkeit und mit einem M u n i t i o n S a u f w a n d e, wie er bisher nie gesehen wurde, hat England versuch!, die Entscheidung um die U-Boots-Bosis in Flandern zu erkämpfen. Ter Gesamtgewinn sämtlicher 10 Schlachten besteht darin, daß es England gelang, die �rutsche Abivehrfront in einer ungefähren Breite von 30 bis 32 Kilo- meiern und einer Tiefe von 1 bis 6 Kilometern zurückzudrücken. Um diesen Erfolg zu erreichen, hat England die Blüte feines "Heeres eingesetzt«und— die Verluste vom 4. und 0. Oktober nicht eingerechnet— Hunderttausende an blutigen Berlusten erlitten, die Hie Opfer der Nivclleschcn Blutoffcnsive weit hinter sich lassen. Auf dem Höhengelände hat der Engländer nur auf dem südlichen Teil in Richtung Ghclnvclt— Zonnebekc Fuß fassen können. Der gesamte Gewinn der zehn gewaltigen Großangriffe in Flandern beträgt kaum den dritten Teil des Raumgewinnes der Sommcschlacht 1916. Obwohl England an der Flandernsront fast die gesamte britische Landmacht oft unter französischer Beteiligung gegen einen Bruchteil der deutschen Armee eingesetzt hat, hat cS nicht vermacht, die Initiative der deut- scheu Führung auch nur in geringem Maße zu beschränken. Während der Taktik Hoighs großzügige Operationen bisher versagt geblieben sind, ermöglichte es das deutsche Vcrteidigungsverfahren im Westen nicht nur den anglo-fränkische'n Angriffen er- folgreich standzuhalten, sondern zugleich gewaltige Erfolge in Galizien und der Bukowina, bei Riga und Jakob- st a d t zu erringen. Die zehn DurchbrnKsversiube in Flandern sind nichts anderes als eine ununterbrochene Reihe schwerster und blu- tigster englischer Mißerfolge. Englischer Heeresbericht vom 11. Okiober morgens. Gestern sie wieder hestiger Regen. Die feindliche Artillerie zeigte während der Nacht beträchtliche Tätigkeit westlich Passchendaele. Sonst nichts von besonderer Wichtigkeit. Vom 11. Oktober abends. Besseres Wetter und gute Sicht be- günstigen die Arbeit unserer �Artillerie. Die Bekämpfung feindlicher Batterien auf dem Schlachtfeld wurde von uns in großem Maßstab durchgeführt, außer der Beschießung feindlicher Stellungen und Sperrfeuer auf die feindlichen Verbindungswege und das Hintergelände. Die feindliche Artillerie war weniger tätig. Weitere 77 Gefangene wurden von uns während der verflossenen 24 Stunden eingebrabt. Keine Jnfanterietätigkeit. der Krieg auf öen Meeren. U-Host-Erfolge im Mlantisthen Ozean. Berlin, 11. Oktober. Di« Tätigkeit unserer lk- Boote im Atlantische» Ozean hat wiederum zur Sernichtnng einer Reihe von Dampfer» und Seglern mit besonders wertvollen Ladungen geführt. Unter den versenkte» Schiffen befanden sich der bewaffnete französische Dampfer Dinorah mit 6750 Tonnen Kohlen, der auS Gelcitzug heranSgeschosseu wnrde, ferner der ftanzöfischc Dampfer Jtalia mit Lebensmitteln und Wein uach Bordeaux, sowie der ftanzösische Segler Europe mit 4500 Tonnen Wetzen uach Bordeaux und die bewaffnete französische Biermastbark Perseveraa« mit 4000 Tonnen Salpeter nach St. Razaire. Susierde« wurde ein englisches Bewachungs- fahrzrug vernichtet. Ter Ehef deS AdmiralstabcS der Marine. Kliegerunternehmungen an üer Ostseeküste. Amtlich. Berlin, 12. Oktober. Marineluftschiffe und Seeflugzeuggeschwader der kurländischen Küstenstationen haben in den letzten Wochen trotz häufig ungünstiger Wetterlage eine Reihe von Angriffen auf militärische Anlagen der livländi scheu Küste sowie der Inseln deS Riga-BusenS ausgeführt.— Mit großer Umsicht wurden mehrfach die Befestigungen auf Z e r e l sowie Seestreitkräfte deS Gegners an der dortigen Küste trotz starker Gegenwehr mit sichtbarem Erfolge angegriffen.— Auch die Verteidigungsanlagen an der Oftküste des Riga- Busens wurden mit mehreren tausend Kilogramm Bomben erfolgreich belegt.— Die Wirkungen der Angriffe, die unS keinen Lerluft gebracht haben, werden in den Berichten der Gegner zu- gegeben. Der Chef des LdmiralstabeS der Marine. Zur Berufung Giesberts in üas Reichs- wirtschastsamt wird der.Germania" u.a. mitgeteilt:„ES kann festgestellt werden, daß die christliche Arbeiterbewegung mit der Berufung GiesbertS sehr zufrieden sein würde, ja diese direkt ihrem Wunsch entspräche. Daß auch die Zentrumspartei sich dieses Wunsches der christlich- nationalen Arbeiter annimmt, ist selbstverständlich. Ob GiesbertS als UnterstaatSsekretär oder vorerst als Ministerialdirektor eintritt. ist nebensächlich. Die Frage, ob der Abg. GiesbertS seine Mandate beibehält, ist noch vollständig offen. DaS kann aber wohl gesagt werden, daß das Interesse der christlichnationalen Arbeiterbewegung, einen ihrer Führer in die sozialpolitische Abteilung zu entsenden. durch die Beibehaltung der Mandate nicht bedingt sein würde. Abg. GiesbertS hat persönlich zu der Sache noch nicht endgültig Stellung genommen." Wir können dazu nur wiederholen, daß wir sachlich gegen die Berufung des Herrn GiesbertS nichts einzuwenden haben, aber dringend wünschen, daß kein Abgeordneter aus der Hand deS gegenwärtigen Reichskanzlers ein Amt annehmen möge. Zur Verhaftung üer§rau Luise Zieh. Ein Berichterstatter deS„Berk. Lokäl-Anz," will an bestmüer- richteter Stelle erfahren haben, daß die Verhaftung der Frau Zieh durch den beauftragten Untersuchungsrichter des Oberreichs- a n w a l l s ersolgr ist. Frau Zietz verwaltete das Bureau der Unabhängigen sozialistischen Partei in Berlin und hatte nach den Mit- tcilungen des„Lokal-Anz." in dessen Räumen mit Angehörigen der Marine in der vom Reichskanzler Dr. Michaelis und dem Staatssekrewr von Capelle am 9. Oktober erwähnten Angelegenheit längere Äouferenzen. Gegen diese Art Stimmungsmache zuungunsten der Ver- hafteten zu machen, muß entschieden protestiert werden. Wir kennen di? Alten nicht, aus die sich daö Versahren gegen Frau Zietz gründet, finden aber die Beziehungen der„Unabhängigen" zu Angehörigen des Heere« und der Flotte an sich vollständig unverdächtig. Jeder- mann weiß, daß sich die sozialdemokratische Partei gespalten hat und daß beide Gruppen die Entscheidung über ihren Streit von den heimkehrende» Feldgraue« erwarten, Gerade für die neue Parteigründung der Unabhängigen ist dieser Zuzug eine Lebensfrage, bleibt er aus, dann ist die Partei erledigt. Daraus erklärt sich von selbst, daß die„Unabbängigen" auf ihre Beziehungen zu Angehörigen deS Heeres und der Flotte den größten Wert legen. So lange nicht» andere» bewiesen ist, nehinen wir an. daß die „Unabhängigen" in Heer und Flotte gar keine andere Arbeit ver- folgen als die, spätere Mitglieder sür ihre Organisationen zu gc- Winnen, die dann Protestresolutionen gegen.den sozialdemolratischen Parteivorstand annehmen sollen. Wir sind die letzten, denen solche Absichten sympathisch sind. sehen in ihnen aber doch eine recht harmlose Erklärung der angeb« Ilchen revolutionären Verschwörungsabsichten. die die.Unah- hätlgigcn" in Herr und Marine verfolgen sollen. Auf alle Fälle wäre es eine schwere Schädigung deutscher Reichs« Interessen, wenn man die Welt an eine solche Vetschwöruug glauben lassen ivollle, ohne daß zwingende Beweise dasür vorliegen. Die Reform üer sächsischen Ersten Kammer. Die Reform, die in wochenlangen Verhandlungen den Ver« fassungsauSschuß der Zweiten Kammer beschäftigt hatte, gelangte am Donnerstag vor das Plenum der Kammer. Die Beschlüsse deS Ausschusses erstreben, um es kurz nochmals zusammenzufassen: Abschaffung von vier Vertretern der Stifter und der Standes- herrschasten, Herabsetzung der Zahl der vom König zu er- nennenden Mitglieder von 15 ans 10 unter Beseitigung des Anspruch? der Großgrundbesitzer auf zwei Drittel dieser 15 Mitglieder, Erweiterung des Wahlrechts für die 12 ver- bleibenden weiteren Vertreter des Großgrund« b e s i tz c§, das jetzt. nur denen zusteht, die Grundbesitz mit mindestens 3000 Steuereinheiten haben, Einführung einer der landwirtschaftlichen Vertretung gleichwertigen Abordnung deS Handels, der Industrie und des Gewerbes. Einführung von Vertretungen der Arbeiterschaft, der Beamten, An- gestellten und freien Berufe, sowie eines Vertreters der Technischen Hochschnlen, Vermehrung der kommunalen Vertreter von acht auf zehn und schließlich eine sehr tiefgreifende Beschneidung der Gesetzgebung?« und Elatrechte der Ersten Kammer. In der ausgedehnten Debatte erklärte der M i n i st e r de? Innern, die Regierung wolle zwar eine Vorlage zur Reform der Ersten Kaminer unterbreiteit, keinesfalls aber in dem weit« gesteckten Umfange der Ausschußbeschlüsse, wogegen die Sozialdemokraten ihren Antrag auf völlige Ab- fchaffuttg der Ersten Kammer wiederholten. Nachdem dieser gegen die sozialdemokratischen und fortschrittlichen Stimmen abgelehnt worden ivar, stimmten sie sür die An- tröge deS Ausschusses, um, wie unser Redner sagte, der Regie« rung und der Ersten Kammer den V o r w a n d zu nehmen, als ob überhaupt keine Mehrheit für eine Reform zu finden- fein werde. Die Anträge wurden in alle» entscheidenden Punkten mit der nach der Verfassung erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen. Die Konservativen stimmten teils geschlossen, teils mit erheblicher Absplitterung gegen die Anträge. Die drei Vertreter der sogenannten unabhängigen Sozialisten stimmten für den Teil der Anträge, der die Beschneidung der Rechte der Ersten Kaminer betrifft, bei der Abstimmung über die übrigen Teile der Anträge entfernten sie sich aus dem Saale. Der Antrag auf Reform über- Haupt, ohne F e st l e g u n g der in den späteren Abstimmungen angenommenen Einzelheiten, wurde einstimmig angenommen. tzerr wnllraf unü üer �vorwärts". Herr Wallraf hat vorgestern in feiner ReichStagSrede zur Per- tcidigung der Zensur auch den—„Vorwärts" als EideShelser her« angezogen. Er wollte nämlich den Beweis dafür erbringen, daß e§ in anderen Ländern mit der Zensur eher schlimmer denn besser als in Deutschland bestellt sei. und er zitirte zu diesem Zweck einen Artikel deS. Labour Leader" nach einer Wiedergabe des„Vorwärts", worin über die Mahnahmen der englischen Zensur heftige Beschwerde erhoben wurde. ES tut uns leid, sagen zu müssen, daß Herr Wallraf den Zweck unserer Noiiz gründlich mißverstanden hat. Jedem, der aktiv oder passiv mit der Zensur zu tun hat, mußte er jedoch vollkommen klar sein. Daß nämlich. Labour Leader" in der Art, wie er eS tat, Maßnahmen der englischen Zensur darstellen und kritisieren konnte, zeigt, daß in England immer iroch ein respcklabler Rest von Preß- freiheit übrig geblieben ist. In England besteht— das wollten wir durch die Zitierung de» „Labour Leader" zeigen— keine Zensurverfngung, daß über Zensur- versügungen nicht geschrieben werden darf. � Soziales. Arantenversicheruug in Rußland. Das bis jetzt ausschließlich für den Bereich der Fabrik- und Bcrgwerkindustric geltende Krankenversicherungsgesetz ist neuerdings von der Provisorischen Regierung, nach einem Entwurf deS ArbeitS- ministeriumS, außerordentlich erweitert worden. ES gilt nun- mehr für die gesamte Fobrilindustrie. sür Berg- und Hüttenwerke. dann für das gesamte Handwerk, die Eisenbahnen, die Binnen- schiffahrt, die Slraßenbahnen, das Baugewerbe usw., indessen nur sosern. als eine Mmdestzahl von fünf Arbeiten! beschäftigt wird. Gleichzeitig ist der ganze Aufbau der Versicherung iu demokratischer Richtung vervollständigt worden. Die Verwaltung der Kassen übergeht gänzlich in die Hände der Arbeiter. DaS frühere Verbot der Ausdehnung der Kasten durch Zusammenschluß oder Einbeziehung »euer Betriebe(die russischen Krankenkassen sind Betricbskapen) fällt fort, so daß es den Kassen freisteht, sich zu Berufs- und OrtSkasien zu entwickeln. Den Unternehmern wurden größere Lasten auferlegt, so z. B. fallen die Kosten der ärztlichen Hilfe zu ihren Lasten. Da- durch wird es den Kassen möglich gemacht, größere Unterstützuugeir auszuzahlen sowie im allgemeinen ihre gemeinnütztgen Einrichtungen auszubauen. Die Krankenunterstützungen sollen dabei auf die Höhe der Hälfte bis zu zwei Drittel des regulären Lohnes des erkranltcn Mitgliedes gebracht werden können. Letzte Nachrichten. Tie Krise im Tcutschualionaleu Verbände. Wien, 12. Oktober. Die„Deutschen Nachrichten" bringen fol� gende parteiamtliche Verlautbarung: Heute nachmittag fand eine f r e i e A u s s p r a ch e einer Anzahl Abgeordneter aller bisher dem Deuffchnatioiialen Verbände angehörenden Gruppen über die durch den Austritt der Deutschradikalcu Partei und durch den Rücktritt des Obmannes, Abgeordneten Dobernig. geschaffenen Lage statt. Man beschloß, einen Ausschuß einzusetzen, der unverzüg- lich über die Bildung einer taktischen Zusammenfassung der deutsch, nationalen Abgeordneten zu beraten und den Parteien bzw. Gruppen Vorschläge zu erstatten haben wird. ES kam die Uever- zeugung zum Ausdruck, daß auch in Zukunft ein g c s ch l o j s c n c Z Auftraten der deutschnationalen Angeordneten in allen wich- tigcn Fragen Platz greifen müßte. Der Ausschutz tritt morgen voxmittag zu seinen Berat»«ge» gstsammcNz___________..'; 1 ine eliilmMie MM üer Beinser isenSstzsn. Noch niemals seit Bestehen des Deutschen Eisenbahner» Verbandes strömten so viele Eisenbahner einer öffentlichen Ver- fammlung zu. als am 11. Oktober nach dem Musiker-Ber- e i n s h a u s in der Kaiier-Wilhelm-Straße. Galt es doch Stellung zu nehmen zu der immer brennender werdenden Lohnfrage. BerbandSsekretär Kotznr berichtete über den Stand der Lohn- bewegung. Er führte aus, daß Herr Ministerialdirektor Hoff in einer Aussprache mit Bcrtrelern des Deutschen Eisenbahnerverbaudcs betont habe, die Löhne sollen erneut um 1» Proz. gesteigert werden, und zwar mit rückwirkender Kraft ab 1. August. Die an der AuZ- spräche beteiligten Verbandsvertreter, Berbandssckretär Kotzur und Bezirlsleiter K a u l f u h, hätten sofort Veranlaffung genommen zu erklären, dag diese Lohnerhöhung viel zu gering sei, um die Eisenbahner zu beruhigen. Außer- dem hätten sie sich gegen die prozentuale Lohnerhöhung ge- wendet. Herr Ministerialdirektor Hoff habe die erhobeneu Ein- loendungen als berechtigt anerkannt und künftige Berücksichtigung versprochen. Wenn nun auch die Lohnerhöhung den berechtigten Wünschen der Eisenbahner nicht entspricht, so kann doch festgestellt werden, daß die in der Eingabe des Verbandsvorstandes an den Minister der öffentlichen Arbeiten gemachten Vorschläge Berücksichti- gung gefunden haben, soiveit eS sich um die Erhöhung d e S Grundlohnes und um die Auszahlung der Loherhöhung mit rückwirkender Kraft handelt. ES wird nun die Aufgabe des Wer- bandsvorstandes sein, auch fernerhin in zielbewußter Weise für die Erhöhung des Lohnes einzutreten, bis das gesteckte Ziel erreicht ist. Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Ueber die Aus- spräche im Ministerium berichtete der Bezirksleiter K a u l f u ß. Auch seine Ausführungen fanden starken Beifall. In der Aussprache kamen zahlreiche Eisenbahner zum Wort, die alle die Lohuaufbesse- rung als vollständig ungenügend bezeichneten und zum Beitritt in den Deutschen Eisenbahncrverbaud aufforderten. Mit einem brausenden Hoch auf den Deutschen Eisenbahncrverbaud wurde die Versammlung geschlossen. Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: »Die im Musikcrvereinshaus. Kaiser-Wilhelm-Str. 31, tagende, sehr stark besuchte öffentliche Eisenbahnerversammlung nimmt Kenntnis von der neuesten Lohnzulage von durchschnittlich 10 Proz., die mit rückwirkender Kraft ab 1. August gezahlt werden soll. Soweit es sich dabei um Erhöhung der Grundlöhne und um die Auszahlung mit rückwirkender Kraft handelt, erklärt die'Veriamur- hing ihr Einverständnis mit den getroffenen Maßnahmen. Be- züglich der Höhe der Zulage bedauert die Veriammlung lebhaft, das? es sich wieder nur um eine geringfügige Aufbefferung der Löhne handelt, die einen Ausgleich für die gesteigerten Ausgaben nickt bildet. Ebenso bedauerlich bleibt die prozentuale Lohn- erhöhung. Die Versammlung beauftragt erneut den Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes. im Sinne der Entschließung zu handeln, die am 26. September 1S17 im Lehrervereinshaus ein- stimmig angenonunen wurde und die eine Lohnerhöhung von 25 Pf. pro Stunde für alle Bedienstete verlangt." SewerkschofisbewElMg Zwei die gewerkschaftliche Tätigkeit einschränkende Erlasse. Aus Bergarbeiterkreisen wird uns oeschrieben: In letzter Zeit ergingen vom Generalkommando deS VII. Armeekorps in Münster zwei Erlasse. Durch den ersten Erlaß werden die Gewerkschaften gezwungen, jede Vervielfältigung, gleichviel ob Maschinenschrift oder sonstiges Erzeugnis, der Polizeibehörde vor der Versendung zu unterbreiten. Dadurch wird den Gewerkschaften ein Hemmschuh in ihrer Tätigkeit angelegt und ob gewollt oder nicht, sind sie den größten Schikanen ausgesetzt. Man denke sich nur den Zustand, daß jede Anweisung an den Bezirksleiter. Zahlstellenverwaltungen oder dergl., deren Ausführung eilig ist, erst dann abgesandt werden kann, wenn jeder Buchstabe geprüft und gut gebeißen wurde. Der zweite Erlaß soll nach mündlicher Auskunft nur Werbeagenten treffen, aber er ist so dehnbar und sein Wortlaut erwähnt nichts von Werbe- agenten, daß damit den Denunzianten Tür und Tor geöffnet ist. Er lautet: „Wer es unternimmt, Arbeiter oder Arbeiterinnen, die in nn- mittelbar oder mittelbar für Heeresbedari tätigen Betrieben be- schäfiigt find, im Interesse des eigenen oder eines anderen Be- triebeS zum Aufgeben oder zum Wechsel ihrer Arbeitsstelle zu ver- antasien, wird nach 8 üb des Gesetzes über den Belagerungs- zusiano vom 4. Juni 1851 und deS Gesetzes vom 11. Dezember ISIS mit Gefängnis bis zu einem Jahre, beim Vorliegen mildernder Umstände mit Hast oder bis ,u M. 1500.— Geldstrafe bestraft.— Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft. Gleichzeilia wird die Verordnung vom 22. August 1017, Abt. I b Nr. 47 833, aufgehoben." Diese beiden Erlasse seben nicht nach Neuorientierung aus. Sie werden auch wohl schon in anderen Generalkommandobereichen Nachahmung gefunden hoben. Je eher diese beiden Erlasse zurück- gezogen werden, desto besser wird es sein. Industrie unö hanöel. Verwendung der Kriegsanleihe zu Zahlungen. Bon allgemeiner Bedeutung für Besitzer von Kriegsanleihe ist ein Bescheid, den der Staatssekretär des Rcichsschatzamts aus Aulaß eines Einzrlsalles kürzlich erteilt hat. Bei Friedensschluß wird die Heeresverwaltung voraussichtlich in der Lage sein, auS ihren Be- sländcn Materialien aller Art, Pferde, Fuhrwerke, Geschirre, Geräte usw. käuflich abzugeden. Um den Interessenten die Zahlung zu er- leichtern, ist in Aussicht genommen, auf Wunsch der Käufer die Bezahlung durch Eingabe von Schuldvcr schrei- düngen und Schatzanweisuugen der verschiedenen deutschen Kriegsanleihen zuzulassen. Ob dabei die Kriegs- anleihc zum Nennwert oder zum NusgnbckurS verrechnet werden wird, wird seinerzeit zu entscheiden sein., Die Kohleusteucr als Nebenverdienst. Verschiedentlich wird geklagt, daß Liescrer von Fabrikaten der Rechnung den angeblichen Betrag der Äoblensteucr als Zuschlag zu- fügen. Dies muß alS durchaus unzulässig bezeichnet werden, ß 37 des Kohlensteuergesetzes vom 8. April d. I. gibt, als Uebergangs- Maßregel, den Lieferern, die beim Inkrafttreten des Gesetzes Ver- tröge über Lieferung von Kohle oder aus Kohle hergestellten festen Brennstoffen laufen haben, das Recht, dem Abnehmer die auf die Lieferungen an ihn aus diesen Verträgen entfallende Kohlen- steuer in Rechnung zu stellen und dasselbe gilt, insowen beim Julrast- treten des Gesetzes Verträge über Lieferung von eleklri'cher Arbeit, Gas, Waffer, Heizung oder Dampskraft oder Preisvereindarungcu über derartige Leistlingen bestanden. Weiler gehen die Rechte der Lieierer aber nicht; keineswegs ist jeder Lieserer von Fabrikaten zu solchem Zuschlag zu seiner Rechnung befugt, auch dann nicht, wenn er die Fabrikare mit Köhlen hergestellt hat, bei deren Lieferung der Lic- ferer zu diesem Steuerzuschlage seincrseils berechtigt war. Noch weniger ist natürlich jeder Lieserer etwa ohne weiteres be- rechtigt, den ihm angemessen ericheinenden Zuschlag zu seinen Rechnungen zu machen, weil er ieincrseils die Kohlensteuer zahlen muß. Wir müssen uns überhaupt dagegen aussprechen, daß sich die Sitte oder besser die Unsuie einbürgert, die Steuern sichtbar dem Fakturenbetrag zuzuschlagen, wir kommen damit m ganz ialsche Beziehungen von Staat und Käufer wie von Lieierer und Käufer. Die indirekten Steuern gehen richtigerweise in die Betriebskosten deS Herstellers oder desjenigen sonst, der steuerpflichtig ist, über-, mit diesen Betriebskosten und innerhalb der Geiamlunkosten über- baupt werden sie je nach der Konjunkrur weiter abgewälzt oder aber bleiben an einer Stelle der Produklions- und Berlriebsweise hängen und belasten dann dieses Glied. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Unter Führung der Nationaiban? für Deutschland haben die Verwaltungen der Aklien-Brauereigesellichafl Friedrichsbohe vormals Patze nboter und der Berliner Bock- Brauerei A.-G. vereinbart, daß daS Vermögen der Bock-Braucr'ei als Ganzes unter Ausschluß der Liquidation auf die Patzenhofer- Brauerei übergeht. Auf den Nennbetrag einer Bock-Atlie enliällt der halbe Nennwert in neuen Patzenhoier-Nklien mit Dividenden- berechligung ab 1. Oktober 1017.' Den Aktionären der Bock-Brauerci sollen ferner 20 Proz. in bar und weitere 5 Proz. als Dividende für 1016/17 vergütet werden. Das Kapital der Patzenhofer-Brauerei beträgt 7,2 Millionen Mar! und würde, da die Bock-Braiierei 5,25 Millionen Mark Kapital bat, am eilva 10 Millionen Mark sieigen. Die Dividenden der Patzenhofer-Brauerei beliefen sich rn den letzten fünf Jahren auf 14. 15, 11. 14 und 14 Proz., bei der Bock-Brauerei auf 6, 6, 3, 5 und 3 Proz. Befriedigender Abschluß der Deutschen übersceischeu Lank. Die Deutsche überseeische Bank hat einen Nettogewinn von L 763 281 M. sim Vorjahre 2 657 366 M.) erzielt. Dividende wieder 6 Prozent. Erweiterung der galizischen Oelgewinnuug. In dem südlich von Tustanowice, Ostgalizien, gelegenen Forst« gebiet wird mir aller Beschleunigung an der Inbetriebsetzung von acht neuen st a a l l i ch e i: Petroleumschächlen gearbeitet. Das neu erschlossene Rohölgebiet ist sehr umfangreich. Verantwortlich für Dolitü: Erich Shittr.rr, Berlin! für den übrigen Teil deS BlatteS: Alfred Scholz, Nculölln: für Jnterale: TI>. Glocke, Berlin. Druck ii. Vertag! Vorwärts Buchdrnckerei u. VertagsanstaU Paul Einger Co., Berlin StV. Hierz« 1 Beilage und Uiiterdaltuiinsblatt. Dirsletion: Icksi! lieinbnrcit.. Idviirxiotiv« Tnenr«»'. 7 Uhr: Fangt I. Sonntag: üantons Tod. Sonntag nachm. 21/2 U.(halbe Preise): Minna von Barnhelm. KcmmprHpiele. R Uhr: Faschingr. Sonntag: Eine glückliche Ehe. Sonntag nachm. U.(halbe Preise): Gespenster. Volksbühne. Theater am Büiowplatr TJntergrundb. Schönh. Tor. 7J/j Uhr: Das Winlermärchen, Sonntag: Othello. Dir, C. Meinhard— R. Bernauer. Theater j,. Königgräfzerstr. 7 Uhr: Zum 1. Male: Jphiscnie auf Taaris. Komödienhaus 7s/4Ubr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater �1|,'ü.: Die tolle Komteß. Bahnh. Friedrichstr. Anf.8 U. j Letzte Saison in Berlin. Das einzig dastehende Zirkiis-Spcrt-Propnüii. Besonders hervorzuheben:| Nadchura 1 Elefant, 2 Kamele, ein I Pferd. 8 Franconis 8 in d. übrigen Attraktionen. Sonn� S'/jU-SU- Kacbm, 1 Kind frei und Gratis- 1 Ponny-Reiten. Theater für Sonnabend, 13. Oktober. Metropol-Theater Die Rose von SiaißbiiL Contral-Theater, Kommandantenstraße 57. 71/,: Die Csardasfürstin Sonnt. 3% U.;D. Glück imWinkel Ueatsches Opern hans utr: Lohengrin. Friedrich-Wilhelmst. Theater T'/.ubr: Das wiMHaus. Kleines Theater VI, Uhr: komische Oper VI, Uhr: Schwarzwaldmädel. Bonntag 31/., Uhr: Die Dose Sr, Majestät._ Lustspielhaus ... Die blonden Mädels i /.Uhr: voln Lmdwihof. Neues Operettentiaus SchiJfbd. 4a. Hassent. Nd. 281 Stahl und Cold. ' l,Ohx: Q3r soi-jt der Marie. Uhr Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. Residenz- Theater ''/.vhr: Dyrterputts Erhea, Schiller-Theater Ö 7-,. uhr: Johannes. Schiller-Th. CbarT. 7'/, uhr: Die Distel. Thalia-Theater 7'/. Uhr : Egon unil seine Frauen, Theater am Nollendorfplatz 7. Uhr: v/m Theater des Westens Tv.uhr: Der verliebte fierzog mit Guido Thielscher. URANIA 4 Uhr(halbe Preise): Tirol einst und jetzt. 8 Uhr; Geheimrat Wedding: Gas- und Lichtersparnis. Voigt-Theater. Badstr. öS. Badstr. 58 Täglich: Der Mann semer Frau. Sonntag nachm. 3 Uhr: Wenn der Flieder blüht... Abds.7U.: Der Mann seiner Frau. Kaffencröffn. S-/,. Ansang 7',. U. Der neue umksngreiede jVariet6-§p!elM Walhalla-Theater. VI, Uhr: Zigeuner. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich»sib Übt: Wirklicher Humor! Gr. Erfolg! Die Schlagerposse mutzte! Vorher der neue bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Gusle, die Perle. Tilgt. Tl.. Sonnt, ä'l, u. 71/, Set(Dllige iilmet Schwank mit Wilhelm Hartstein. Ferner: 10 Deutsch-Polnische Tanzsteme. Hansi Tmmaus weiße Dackel, 3 Claeres, 2 Burghuir's Demokritos. 2 Lansons. jÄch, Heute Sonnab., nachm. S'/.U." Vielseitigen Wünschen entsprechend Große Sender-Jugend Vorstellung. | ange- I/jnss auf all. I hörig. MÜH Sitzpl Anf. d. Abendvorsfell. 7'/, U. In beiden Vorstellungen Das gr. Zirkus- Programm und. zum Schluß: „Die 3 Pierrots4, Ein lustiges Spiel. 'ReiEfcstiallen-teter StettiDer Säsger. Anfang 7'/, Lhr. MZ Jod. Sonntag nachmittag ifSSJ 3Uhr \P=vCÄ Vorstellung z- ermäßigten 14. tKIT Preisen! Logen 1 IM., Parkett 75 Pf. Eintritt 30 Pf. Billetts schon heute! J? Berliner Konzerthaus Mauorstr. 82. Zimmers tr. 90/91. Heute: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters Leiter: Komponist Franz von Bion. Anfang 71/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7'/, Uhr. Morp Sonntag: Gr. Könzeri Tllrf NATIONAL-THEATER Tägl.'1,8 Miüwooh. den 17. Oktober er: Tägl.»;,8 z' 5 O. 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