Mr. 283/ 34. Jahrg. Bezugspreis: k-terleliührl. Z.S0 Sil., monatl. IL» IM, wöchentlich 30 Vfg. frei WS Hmi», v erau' zahlbar. Sinzeine Wochentag»- nnmmern b P!g. EonntagSnurnmer mit Muflrierter Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Postbezug: Monatlich 1,30 Mb Unter Kreuzband für D-utichland und Oesterreich» Ungarn £.50 ML, für das übrige Au-iand 4 ML monatlich, Postbefiellunge» nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden u, die Schweiz, Eingetragen w die Post-Zeilungs-Preislifte. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin», Vevlinev VolksblAkk. ( 5 Pfennig) Der Anzeigenpreis defrögl f, die fiebenqesvalteiickkoloiiel- zcile 30 Pfg.„Kleine Anzeigen», da« fettgedirickic Wort 20 Pfg,(zu- lässig 2 fcttgcdruikle Worte), fedeg weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche »ud SchlasstcUenanzcigen da- erste Wort lc>Psg,,icdeS weitere Wort ö Pfg, Worte über 1Z Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerrulg-szuschiag'20«,» ssamilien» Slnzeigen Stt Pfg., foiitische u, getocrlschafllichc SScrciii?- Anzeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen siir die nächste Nummer niüsscn di? 5 Uhr nachmitt. im Hauvtgeschäst, Berlm SW.KS, Lindenstrasis 3, ab- gegeben werden, Gevlfnct von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abend-, Zcntralorgan der rozialdcmokrati fchen Partei Deutfcblands. Rcüaktion: SW. 68, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzvlan, Sir. ISi«0— 15X97. Montag, den 15. Oktober 1917. expeüttion: SW. öS, Linüenstraße 3. Feruiprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 SV— 151 S7. Sie eröffnung des Slürzburger Parteitages. Keine Angriffe in Flandern.— Artillerie- fener am Chemin-des-Tames.— Die glückliche Landung auf der Insel Oesel.— Gebrochener russischer Widerstand. Amtlich. Großes Hauptquartier, 14. Lkiober 1917.(W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht. Auf dem Kampffelde in Flandern sind dem Trommelfeuer zwischen Lps und Teulc am gestrigen Morgen Angriffe nicht ae folgt. Tagsüber blieb die Feuertätigkeit an der Küste und vom .Hontstoulster Walde bis Gheluvrlt lebhaft und war vornehm- lich am Abend grsteigert. Starke französische und englische ErkundungSabteilunge» stießen an einigen Stellen gegen unsere Linien vor; sie wnrde« abgewiesen.— ?m Artois und nördlich von St. Quentin lebte daS beidcr- feitigc Feuer in Verbindung mit NufklärungSgefrchtcn vor- übergehend auf. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Im westlichen Teil deS Chemin-dcS-TamcS zeitweilig starker Artillerickampf a« der Straße Laon— Soiflons. Gegen die non uns nördlich der Mühle von Kaueler« ge- nommrnc» Gräben führten die Franzosen gestern 5 starke Gegenangriffe, die sämtlich ergebnislos und verlustreich scheiterten. restlicher Kriegsschauplatz. Nach wohldurchdachter Vorbereitung hat in vorzüglichem Zusammenwirken von Armee und Marine ein gemeinsames Unternehmen gegen die dem Rigaischen Meerbusen vorgelagerte als Stützpunkt stark ausgebaute russische Insel Oesel begonnen. Nach umfangreichen Minenräumarbeiten in den Küste«. gewässcrn wurden am 12. 10. morgens die Befestigungen auf der Halbinsel Sworbr, bei Kiclkond, an der Tagga-Bucht und am Soclo-Sund unter Feuer genommen; nach Riederkämpfung der russischen Batterien wurden Truppen gelandet. »Hierbei wie bei dem Geleit der Transportflotte durch die russischen Minensperren haben die beteiligten Serstreitkräfte de« frischen Unternehmungsgeist und das Können der Flotte tröstlich bewährt; ohne jeden Schiffsvrrlust ist dieser erste Teil der Operation voll gelungen. Die in der Tagga-Bucht an der Nordostküstc der Insel ausgeschifften Truppen haben in frischem Draufgchcn Wider- stand der Russen schnell gebrochen und sind im weiteren Bor- dringen nach Südosten. Zerel, an der Südspitze der Halbinsel Sworbe, und Arcnsburg, die Hauptstadt der Insel Oesel, brennen. Zwischen Ostsee und Schwarzem Meer ist dir Lage unver- ändert. Mazedonische??ront. Bei heftigen Regengüssen nur bei Monastir und im CTerna- Bogen lebhafte Artillerie tätigkeit. Der Erste Generalqnartiermcistcr. Ludendorff. Abendbericht. VerH«, Ji. Oktober 1917, abends. Amtlich. Im Westen wechselnd rlorker Fcuerkampf in Flandern und nordöstlich von Soissons. Die Operationen auf der Insel Oesel verlaufen plan- gemäß.__ Der österreichische Bericht. Wien, den 14. Ostober 1917.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: Im Bereiche unserer Streitkräfte nichts von Belang zu melden. Der Chef de» Generalstabes. SoMlöemokratie,verstänöigungssrieöe, vaterlanöspartei. Wüi�burg. 14. Oktober 1917. S£tn heutigen Sonntag vormntag sprach Scheidemann im ParbeitagSlokale, dem Saale des Huttenschcn Gartens, vor einer ungeheuer stark besuchten, mindestens 2009 Köpfe starken Volksversammlung über„Sozialdemokratie. Verständigungsfriede, Vater- landspartei". Er begann mit einer Darstellung der Haltung der deutschen Sozialdemokratie im Kriege, wies auf die im Frühjahr 1914 bereits weit gediehene deutsch-französrsche Llnnäherungsarbeit hin und darauf, daß im Kriege alle Staaten sich d-ie alte sozial- demokratische Forderung der Wehrhaftmachung des ganzen Volkes notgedrungen zu eigen gemacht haben. Wir haben u»S zur Landes- Verteidigung bekannt» aber waS darüber hinausgeht, lehnen wir ab. Der V e r st ä u d i g u n g S g e d a u k e, wegen dessen wir beschimpft und verleumdet wurden, ist zum Mehrheitsbeschluß des deutschen Reichstags erhoben worden. der größte parlamentarische Erfolg, den die deutsche Sozialdemokratie bisher errungen hat. An dieses Programm ist die Regierung gebunden und sie darf von ihm nicht abweichen.(Beifall.) Für mich war es einc große Er- leichterung, als der„ Scher demann-Hungerfriede'" zu einem„Erz- l'erger-Schmachfriodcn" wurde.(.Heiterkeit.) Die Presse, die solche Hetzereien bringt, vermehrt sich von Tag zu Tag, weil die Kriegs- grwinnter Millionen über Millionen in die deutsche Presse hinein- stecken, um sie nach ganz amerikanischem Muster zu benutzen. Wir verzichten durch den Brrständigungsfrieden aus nickts, was uns gehört, auf keine Quadratmeter deutschen Bodens(Beifall); wir verzichten nur auf das, was uns nicht gehört»nd was de» anderen ebenso heilig ist wie uns das Unselige.(Sehr wahr!) B e t h ma n n H 6 1 l w e g hatte die Zeichen der Zeit er- k a n n t, aber er hatte nicht den Mut, daraus die nötigen Kon- sequenzenzu ziehen. Daß er die Wahlrechtsproklama- t i o n durchgesetzt hat, das wollen wir ihm danken.(Beifall.) Die Umstände sein»° Abganges führten klar unsere veralteten politischen Zustände vor Augen. Sein Nachfolger'— beißt Michaelis (Heiicrkeit). Er war eine Ueberraschung. Niemand war nach ihm gefragt worden— vielleicht doch jemanid, man weiß nur nicht wer. Heute ist wohl aller Welt klar, Herr Michaelis ist eine Unmöglichkeit. Gewiß ein achtbarer Mann, aber auf einem falschen Posten. Wo es sich jedoch um das Schicksal eines Siebzig- Mil- lionen-Volkes handelt, darf niemand auf einen falschen Posten gestellt werden. Sieht er ein, daß es der Fall ist, so mutz er selber gehen» wenn nicht, dann muß«s ihm gesagt werde«. Es fehlt der Steuermann, der sich die Führung nicht au§ der Hand nehmen lassen will. Herr v. Capelle soll jetzt in die Wüste geschickt werden. Ein in seinem Fache tüchtiger Mann, dem aber jedes politische Gefühl fehlt, wie er dadurch ge- zeigt hat, daß er gegen ReichStagsabgeordnete einen Vorwurf er- hob, der bereits von den Reichstagsparteien als hinfällig ab- gelehnt war. Capelle wird gehen, aber wann geht Michaelis? Di« Bat er landspartei spielt v» banque. Ihre Politik würde zu einer Katastrophe führen. Die deutsche Sozial- demokratie wird ihre Pflicht und Schuldigkeit tun, um dem dcut- scheu Volke den gebührenden Einfluß zu verschastcn. Fort mit jedem Klassenregiment, Beseitigung aller Borrechte! Darum sollte» alle zu uns kommen, die für die Parole stimmen:' Brot und gleiches Recht für alle, Friede und Freiheit! (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Unaufhaltsames vorüringen auf(defel. Berlin, 14. Oktober. Trotz der fortgesetzten gewaltigen eng- lisch-französischen Angriffe an der Flandernfront, in der fast die ge- samte englische Armee unter Aufbietung aller Kräfte um die Ent- fcheidung ringt, bat die deutsche Führung von neuem— sich völlige Handlungsfreiheit bewahrend— im Osten die Initiative ergriffen. Im Berein mit der Marine wurden auf der als Stützpunkt stark ausgebauten russischen Insel Oesel Truppen gelandet. De Borbereituug zu diesem Nnternehmen war mustergültig. In schwieriger harter Arbeit gelang die Räumung deS Minenfeldes, und sofort nachdem diese Arbeit beendet war, setzte am 12. Oktober «nser konzentriertes Feuer gegen die Befestigungen ans der Halb- insel Sworbe, bei Kiel-Kond, an der Tagga-Bucht nnd am Sölesnnd ein. Dir Wucht unseres Feuers kämpfte in kurzer Zeit die feind- lichcn Batterien der Befestigungsanlagen nieder. Nach vollendeter Ausbootung warfen sich unsere Landungstruppen im frischen An- stürm den feindlichen Besatzungstruppen entgegen, brach deren Widerstand nnd sind in nnaufhaltfamem Bordringen in südöstlicher Richtung. tzollänüische Kritik englischer Prahlerei. „Algemeen Haudelsblob" bemerkt zu einer Meldung des Reuterscheu Berichterstatters cui der britischen Front, der wieder einmal von Munitionsuiaugel und der immer schlechter werdenden Moral der deutschen Truppen spricht, wenn der Reukersche Bericht- erstatter so etwas sage, sei daS immer ein Zeichen dafür, d a ß e s den Engländern nicht nach Wunsch gehe. Aus den ge- ringen Ergebnissen des gewaltigen Kampfes bei Dpcrn sei anzu- nebmen, daß die Widerstandskraft der deutschen Armeen nicht ab- genommen habe. Die neue deutsche BerteidigungSmethodc setz« im Gegenteil eine sehr hohe Moral der Truppen voraus, diktatur oder parlamentarisches Spftem I Der Reichskanzler Dr. Michaelis steht allein aus weiter Flur. Rechts und links ist man sich darüber klar, daß es so wie jetzt nicht weitergeht. Nur die Kons«- quenzen, die man zieht, sind verschieden. Während die So- zialdemokratie und»rit ihr ein großer Teil der bürgerlichen Linken verlangt, daß nun endlich in sicherm Einklang mit der Parlamentsmehrheit regiert werde, erhebt sich aus dem all- deutschen Lager der V c r z w e i f l n n g s s ch r e i nach d c r D i k t a t u r. Schon am Sonnabend fanden wir einen Teil der alldeutschen Presse in verdächtiger Uebereinftimmung damit be- schäftigt, die Regierung gegen die Reichstagsmehrheit aus- zuPutschen. Die„Deutsche Tageszeitung" schrieb: Die Beruhigung wird von selber toinmen, wenn die R e- g i c r u n g kaltblütig bleibt und innere Sicher- heit und Festigkeit zeigt. Diese Sick-erheit und Festig- keit freilich mutz vorhanden sein, und nicht nur das, sie muß auch in einer Haltung der Regierung äußerlich zum Ausdruck komme», dir dem ganzen Lande zeigt, daß die Regierung wirNich die Füh- rung in der Hand hat. Aehnlich drückte die frei konservative„Post" auf die Re- giernng: Sie Demokratie geh i aufs ganze. Die Par- l a m c n t s b e r r s ch a f t s o' l i c tz i l c st b c g r ü n d e t wer- den. Diese Gefahr wird von Kaiser und Reich immer ein Kanzler albwenden können, der die Fähigkeit und Kraft besitzt, das Steuer fest und sicher zu führen, wo es gilt, auch gegen den Willen der Demokratie. Das war immerhin noch diplomatisch behutsam ausge- drückt. Am Sonntag aber läßt ein alldeutsches in Berlin er- scheinendes Organ, dasselbe, das seinerzeit von schwerindu- striellen KriegSgewinnler-Geldern aufgekanst wurde, jede Maske fallen und schreibt den lapidaren Satz: Das Chaos, das Herr Michaelis infolge maiigelndeu Willens zur Führung verschuldet hat, kann nur durch diktatorische Gewalt entwirrt werden. Und zur Unterstützung dieser Forderung erscheint noch ein besonderer Artikel unter der Ueberschrift„Diktatur", der diese mit dem faulen Gerede zu beschönigen sucht, daß Deutsch- laich jetzt unter der„Neichstagsdiktatnr" stände, wobei der Reichstagsmehrheit noch der geschmackvolle Vorwurf angehängt wird, sie sei von den„Dickwänsten" gewählt worden(die vier Millionen sozialdemokratischer Wähler gegenüber Großagrariern und Schwerindustriellen als Dickwänste!). Man mag zunächst über die ungeheure Dreistigkeit des alldeutschen Verlangens staunen, eine gewisse Konsequenz ist ihm gleichwohl nicht abzusprechen. Ter Zustand,-daß eine ohne jeden'Zusammenhang mit der Volksvertretung stehende Re- gierung alle vier Wochen Krisenhochipannung und Gewitter- entlad im gen herbeiführt, hat unter der Regie des Herrn Dr. Michaelis der ganzen Welt seine völlige UnHaltbarkeit eni- hüllt. Ausweg? gibt es rein äußerlich betrachtet nur zwei: entweder nmn schafft die Garantie eines harmonischen Zu- sammenarbeitens von Parlament und Regierung— p a r I a- m e n t a r i s ch e s S h st c m, oder aber man schafft das Parlament ab— Diktatur. Gewiß, auch die Diktatur ist ein Ausweg. Wenn es kein Parlament mehr gibt, so ist auch ein Zusammenstoß der Re- giernng mit ihm ausgeschlossen. Die Regierung, welche nach alldeutschem Ratschlag die Volksvertretung auseinander-' sprengte, könnte sich auf das biblische Wort berufen: Wenn dich dein rechtes Auge ärgert, so reiß es ans, nnd wenn deine rechte Hand dich ärgert, so hacke sie ab. Ob freilich ein Volk ohne Auge und.Hand nun besser in der Lage wäre, sich gegen sechsfache Feindesübermacht zu verteidigen, bliebe eine be- sondere Frage. In der Tat, wer heute die Auftichtnng der Diktatur sor- dort, der muß sich über die Konsequenz im klaren sein. � Die Selbstbehoirptnng des deutschen Volkes gegen das Auf- gebot der gesamten Welt ist letzten Endes eine seelische Leistung. Wer die Diktatur einführt, der zerbricht die psychologischen Voraussetzungen unseres Widerstandes, de? i i e s e r t De n t s ch l a n d an den Feind ans. Tie All- deutschen, die in der Einführung der Diktatur eine Boraus- ietziing für den Sieg Teutschlands sehen, beweisen nur, daß ihnen, die Seele des eigenen Volkes genau so fremd ist, wir sie vordem die Psychologie der fremden Völker gründlichst verkannt haben. Diese Herren, deren aus Mcn- j schenunkenntnis und Gewaltüberschätzung gemischte Politik dem deutschen Volk nnverdicntermaßen den Haß der ganzen zivilisierten Welt auf den Hals gezogen hak, lassen sich nicht belehren. Sie träumen im Ernst von einem„starken Mann", der gleichzeitig nach außen gegen seckis Großmächte nebst Gefolgschaft Krieg führen und nach innen gegen die große Masse des deutschen Volkes rc- gieren soll. Mttl Nr'mtW Nefen Ja? mir auSzufprePm, irm Sort .:>znzen Wahnsinn dc-> alldeuitschcn Spiels mit dem Feuer in crfennen. Die Verantwortungslosigkeit dieser Rsaktio- näre ist— das zeigt da? obenstehende Zitat— so groß geworden, daß sie sür eine» Eintagssieg des Absolutismus das Deutsche Reich in die Lust zu svrengen raten. Wehe dem 'steichskanzler, der diesen Einflüsterimgeu Gehör schenken wollte! Wir glauben auch nicht, daß sich in Deutschland eine Re- gierung sinden würde, die sich aus dieses Vu-Kangue-Spiel politischer Bankrotteure einläßt. Aber was bleibt dann übrig? — Führt von zwei theoretisch möglichen Wegen, dem setzigen unhaltbaren Zustand ein Ende zu machen, der eine zum sicheren Untergang des Ganzen,— nun, dann muß inan sich wen entschließen,-den anderen zu betreten. Da der Gedanke der Aufrichtung der Diktatur Wahnsinn ist, so bleibt nur die Einführung des parlamentarischen Systems. Sic ist der einzige Ausweg aus der jetzigen Krise. Kerettskts Appell an ü!e Oftseeflotte. KerenSk, hat an den Oberbefehlshaber der Rordfront-Arnicen s eigen deb Telegramm gerichtet: Sagen Sie der Ostsceflotte, 'aß die furchtbare Stunde der Prüfung gekommen ist. Ruhland erwartet zu seiner Rettung eine tapfere Tat der Marine, ugd ich als oberster Aefchlsbaber fordere von den Mannschaften und von der Führung, daß sie sich opfern. ES naht die Stunde,>00 die gstseeflottc die Ehre des Baterlandes, seine großen Ucbcrliefc- rungen und die Freiheit der Revolution verteidigen kann; es ist .-seit, ernstlich zu bedenken, wie man sich dem Feinde stelle. Tie Besatzung von Kronstadt hat es durch ihre Haltung schon erreicht, daß die Berteidigungsmittel dieser Festung nicht vollständig sind! Mögen alle daran denken, daß das Vaterland, das nicht nur einen tag leben wird, verbrecherischen Leichtsinn oder übelwollende Aus- Setzung nicht verzeihen wird! TaS abscheuliche Verbrechen des Panzerschiffes„P e t r o p a«o l o w s l" muh gutgemacht werden. Möge die Flotte unter Führung ihrer Offiziere, deren Vaterlands- liebe ganz Rußland bekannt ist, den Feind zurückwerfen. Die rujfische Anarchie. Stach einem Petersburger Telegramm fand im Winterpalast ein Ministerrat statt, der sich ausschließlich mit der Anarchie im Reiche beschäftigte. Sämtliche Regierungsmitglieder waren darrn einig, dah die Bauern, rnruhen mit den schärfsten Mit- 'ein bekämpft werden mühten. Militär und RegieningSbchörden sollen angewiesen werden, gegen die Anarchie aufs strengste oorzu- gehen und selbst nicht vor Anwendung der Militär- ge w a l t zurückzuschrecken. Die Regierung hat den Zugang nach Moskau allen Per- ionen, die nicht durch dauernde Beschäftigung an die Stadt gebunden sind, untersagt., Schon wieüer eine Neorganisation öes russischen Heeres. Die im.Hauptquartier unter dem Vorsitz AerenSkiS und in Gegenwart der Minister des Auswärtigen, des Krieges und der Marine, ferner des Generalstabschefs, des Oberbefehlshabers und des neuen russischen Botschafters in Frankreich, Maklakoiv, abgc- daltene Beratung erörterte im Hinblick ans die interalliierte Kan- -ereuz in Paris die Frage der Erneuerung der Kampffähigkeit der russischen Armee und nahm folgenden Entwurf dafür an: die Manneszucht ist zu verbessern und zu diesem Zweck ist die svftema- -ische- Belehrung der Soldaten und die Verwertung der aus dem gegenwärtigen Kriege sowohl an der russischen wie an der West- iront sicb ergebenden militär-technischen Fortschritte ins Auge zu jassen. ferner die strenge Regelung des inneren Dienstes der Soldaten und ihre Ausbildung, welche möglichst nachdrücklich be- trieben werden mutz. Cinftellung öer hollänüijch-englijchen Schiffahrt. „MaaSbode" erfährt aus zuverlässiger Quelle, dah die Fahrt holläudischer Schiffe von Holland nach England eingestellt ist. Diese Maßregel steht im Zusammenhang mit der schwebenden Frage zwischen Holland und England. Die tvirkung ües Tauchbootkrieges. „Rem Uork Tribuns vom 12. September bringt folgende Sondernn'idnng ihres Londoner Mitarbeiters Artur Dröper: Die 'tage des Tauchbootkricges kann nickt schwarz genug gemalt werden. Es ist unmöglich, ihren Ernst zu übertreiben. Ein britischer Re- geriernngSbeamter schilderte mir beute die wirtschaftliche Lage der Eatentelönder und betonte die vitale Notwendigkeit eines vollen Verständnisses für die den Alliierten und den Vereinigten Staaten durch das bisher nicht gemeisterte Tauchbootproblem drohende Ge- iahe in Amerika. Mein Gewährsmann sagte: Frankreich wird dlese» Winter furchtbar durch Kahlemnangel leiden. Italien braucht nicht nur Kohle, sondern auch Getreide, an dem eine ernst- i.che Knappbeit besteht, die mehr innere Ursachen verursacht, als aitgemei» bekannt ist. Selbst hier in England stehen einige Be- triebe aus Mangel an Erzen still. Um dieses Problem zu lösen und die Situation zu retten, müssen die Vereinigten Staaten die Austrenaunaeu, die versenkten Schisse zu ersetzen, verdoppeln. Im ersten Kricgsjahr loar es daS Problem des Mannschaftsersatzes bei dni Alliierten, im zweiten und dritten Kricgsjahr war eö das der Munition, im vierten das der«chiffc. Trotz der nculichen opti- mistischen Rede Lloyds Georges über die Tonnageoerlustc ist es absolut sicher, dah dieses Problem weit vitaler ist als irgendein anderes bisher aufgekommenes. Dröper gibt an. von unterrichteter Seite erfahren zu haben, dah die Tauchboote jetzt nicht lediglich die gewöhnlichen HandelSstrahen bedrohen, sondern überall auf dem Ozean anzutreffen sind n»d schließt: Wenn es möglich wäre, die Tauchboote an dem Auslaufe» von ihrer Basis zu hindern, so würde die Tauchbootgefahr nicht mehr bestehen, selbst das Zu- Ammenlvirken mit der amerikanischen Flotte wird nicht genügen, um die Gefahr zu beseitigen. Die einzige Lösung des Problems besteht in dem Bau von mehr Schiffen. Die Vereinigten Staaten wühlen sofort zu der Erkenntnis dieser Tatsache aufwachen. Dir Engländer belieben zloei Methoden die Wirkungen des unbeschränkten Tauchboottrieges zu schildern. Für den Sausge- t- tauch bevorzugen sie rosenroten Optimismus, den Amerikanern schildern sie seine Folgen schwarz in schtvarz. um sie zu höchsten Hilfeleistuitflen anzuspornen._ Die§olgen englischen Schiffsmangels. Der. Schiffsraum, der der Regierung zur Vertilgung' steht, wurde vermehrt durch eine neuerlich getroffene Entscheidung, nach der die Regierung solche Schiffe in britischen Häfen in Gebrauch nehmen kann, die ganz oder vortoiegend britisches Eigentum sind, jedoch bisher unter neutraler Flagge fuhren. Nachdem die deutsche Regierung in Prisengerichtsurieilen dahin entschieden hat, dah un- geachtet der neutralen Flagge diese Fahrzeuge als britische behandelt werden können, ist es zum Schutz des britischen KchütalS. das in diesen Schiffen arbeitet, nottvendig. daß sie die englische Flagge führen. Auf Grund dieser Entscheidung hat die Regierung folgende s ch w e- d i sche Schiffe öeschlagyazoitL.Sphinx. Aellgrove, Phhllis und Tremona. Die Eigentümer werben für die Nenü�üng ihver Schiffe entschädigt werden. Die Meldung des Reuterschcn.Bureaus ist eine Muiterkcistung englischer Heuchelei und Bechrehuiig. Durch eine Verordnung vom 2l1. Oktober 1915 halte die britische Regierung den Artikel ö? der Londoner Deklaration aufgehoben, wonach über die feindliche oder neutrale Nationalität eines Handelsschiffes die Flagge entscheidet, die es zu führen lxirechtigt ist. An Stelle dieses Artikels war die frühere Praris der englischen Priscngerichte wieder eingeführt war- den, die auch neutrale Schiffe als feindliche behandelte, wenn feind- liches Kapital in ihnen angelegt war. Durch diese Maßregel wur- den neutrale Reedereien veranlaßt, deutsche Beteiligungen abzu- stoßen, während das englische Bestreben, sich neutrale Reedereien durch Kapitalbeteiligung dienstbar zu machen, keinem Hindernis be- gcgncte. Als notwendige Vergeltungsmahregel wurde deshalb von deutscher Seite eine neue Bestimmung(Ziffer IIa) in die Prisen- ordnung ausgenommen, wonach neutrale Schisse als feindliche zu be- handeln sind, wenn überwiegend feindliches Kapital an ihnen be- tciligt ist. Die Reuter-Meldung dreht in bekannter Weise den Spieß um und bezeichnet die Vergewaltigungen neutralen Schiffsraumes durch England als Bergeltungsniahrcgel gegen die neue deutsche Bestim- mung. Das Manöver ist ober diesmal so plump, daß die deutliche Absicht, den gerechten Zorn der betroffenen Neutralen auf Deutsch- land abzulenken, schiverlich Ersoig haben wird. öegmn öer Lanötagsarbeiten. Zu einem neuen, vielleicht seinem bedeutungsvollsten Tagungsabschnitt tritt der preußische Land'tag am Dienstag zusammen. Die Erkorenen des Dreiklassenwahlrechts im Verein mit den geborenen Gesetzgebern des Herren- Hauses, denen 70 Jahre lang Gesetzgebung und Verwaltung in Preußen ausgeliefert war, und die eS vorzüglich verstanden haben, die Geschäfte ihrer Klassen zu besorgen, sollen die Probe ans das Excmpel ablegen, sie sollen zeigen, ob sie des Geistes der neuen Zeit einen Hauch verspürt haben, oder ob sie auch jetzt noch gewaltsam der modernen Entwicklung Ein- halt gebieten zu können glauben. Noch wissen wir nicht, wie die Wahlrechts- vorläge aussieht. Daß die Regierung ihr so feierlich gegebenes Wort einlösen und das gleiche, geheime Wahlrecht mit direkter Stimmabgabc beantragen wird, halten wir für selbstverständlich. Aber von da bis zu einem wirk- lich demokratischen und alle Vorrechte beseitigenden Wahlrecht ist noch ein weiter Schritt. Geht nicht Hand in .Hand mit der Reform des Wahlrechts eine Neueintcilung der Wahlkreise auf Grundlage der Bevölkerungszahl, so kann das auf dem Papier gleiche Wahlrecht in Wirklichkeit ein h ö ch st ungleiches sein, und knüpft man die Voraus- sctznngen der Wahlberechtigung an Bedingungen, wie sie jetzt schon auf konservativer Seite angeregt werden, etwa an ein hohes Lebensalter oder eine lange Aufenthalts- dauer in der Gemeinde, so kann auch vom allgemeinen Wahlrecht keine Rede mehr sein. Eine weitere Beetnträchti- gung der Rechte der preußischen Wähler ist in der Uniae- staltung des Herrenhauses zu erblicken, das, so weit bekannt geworden ist, so zusammengesetzt und mit solchen Machtbefug- nissen versehen werden soll, daß der Einfluß des Abgeordnetenhaus� dadurch völlig weit gemacht wird. Für uns Sozialdemokraten kann cS nichts anderes geben als das F c st h a l t c n an unserer p r o g r a m ni a t i- 'chcn Forderung. Wir verlangen neben der B e- e i t i g u n g des Herrenhauses, das sich mehr und mehr als ein reaktionärer und die Gesetzgebungsmaschine hemmender Faktor erwiesen hat, daS allgemeine, gleiche. direkte und geheime Wahlrecht, und zwar nicht nur für Männer, fondern auch für Frauen, und wir fordern serner die Neucinteilung der Wahlkreise nach jeder Bevölkerungs- zählung. Daß die übergroße Mehrheit des heutigen Land- tagS dies Programm bekämpft, wissen wir. aber daS darf uns nicht abhalten, das zu vertreten, was nach unserer innerster Ueberzcugung daS unveräußerliche Recht des Volkes ist.' Aber nicht nur die Programmatischen Forderungen der Sozialdemokratie, sondern auch die Vorlagen der R e g i e r u n g, sofern sie von freiheitlichem Geiste beseelt sind, werden im Landtage auf eine h c f t i g c G c g n c r s ch a f t stoßen. Die Anhänger des Dreiklassenwahlsystems können es der Regierung nickt verzeihen, daß sie mitten im Kriege an die Reform des Wahlrechts geht, noch dazu, ohne sich vorher mit ihnen ins Einvernehmen gesetzt zu haben. Ihre Hoffnung auf eine Verewigung des Dreiklassenivahlsystems, auf eine dauernde Entrechtung der Massen, ist dahin. So ohne weiteres jedoch werden sie das Schlachtfeld nicht räumen, es wird zu Kämpfen kommen, im Vergleich zu denen alle bis- hcrigen parlanicntarischen jlämpfe in Preußen nichts sind. Für die wenigen Vertreter der Arbeiterklasse im Dreiklassenhause gilt es ein gewaltiges Stück Arbeit zu leisten, aber sie werden dazu uni so eher imstande sein, je mehr sie wissen, daß hinter ihnen ein einheitlicher Wille des Proletariats steht, des Pro- lctariats, das entschlossen ist, seine Fesseln zu sprengen und sich seine Gleichberechtigung zu erkämpsen. Die Arbeiterklasse wird den Vorgängen im preußischen Landtage ein größeres Interesse als irgendwelchen Pariamen- tarischen Ereignissen dieses Hauses in früheren Jahren entgegen- bringen. Aber sie darf sich damit nicht begnügeil, sondern sie muß auch laut und vernehmlich ihre Stimme erheben, sie muß den herrschenden Klassen zu verstehen geben, daß sie sich eins lveiß mit den Vorkämpfern für ein freies Wahlrecht und daß sie es satt hat, noch länger die Rolle des vierten Standes zu spielen. Das Proletariat wird auf der Hut sein, es wird darüber wachen, daß nicht wieder durch" Schachergeschäfte zwischen einzelnen Parteien seine höchsten Rechte preisgegeben lverdcn. Tut jeder Angehörige der Arbeiterklasse und jeder, der sonst noch auf dem Boden eines freien Wahlrechts steht, seine Pflicht, dann hat die Todesglocke des Drei- klassenwahlrcchtS geschlagen, dann ist es zu Ende init einem Parlament, das sich in Selbstüberhebung eine Volksvertretung nennt, obivohl eS in Wirklichkeit nur die Vertretung bestimmter Klassen und bestimmter Interessenten- gruppen ist.__ Was wird aus Herrn v. Capelle t Die Nachricht, daß der Staatssekretär des Raichsmarine- amts iein Abschiedsgesuch eingereicht bade, ist bis zur Silin de amtlich weder bestätigt noch geleugnet worden, ob- wohl sie am Sonntag früh die Runde durch die gesamte Presse gemacht hat. Dieses amtliche Schweigen berührt einigermaßen merkwürdig. Offenbar ist man sich nicht einig, ob man das Gesuch annehmen oder ablehnen soll. Der Reichskanzler ist, wie gemeldet wird, nach Kurland abgereist. * Gegen die kanzlerosfiziöse Darstellung deS Auftretens Herrn v, Capelle» im Reichstag nimmt jetzt mich die freikorffev- ssallsse„P o st" Stellung, die stssreiK:. ltnd zudem sprach Herr v. Capelle keineswegs in irgendeiner..Erregung des Augenblick-": er las klar und ruhig vor, was sein Manuskripl ihm wies: und dies Manuskript sollte nicht vor her Gegenstand eingehender Verabredung sein?" Eine Verteiöigung öer Zortsihrittlichen Volkspartei. Im„Berliner Tageblatt" verteidigt Conrad Hau-?- m a n n die Bewilligung J)es Nachtragsetats durch die Fort- schrittliche Volkspartei. Cheine Ausführungen stellen oneirBor eine Erwiderung auf den vorgestrigen Leitartikel des„Vor- wärts" dar, obwohl dieser nicht ausdrücklich genannt wird. Hausmann schreibt: Sie ldi« Fortschrittlickc Volkspartei) hat den Nochtragsctat bewilligt, trotzdem inzwischen die Gegner der Reichstagsmehrbeit mit deutlicher und dienstlicher Protektion einen Fcldzug zur Schmähung der Rcichstagsmehrhcit eröffnet hatten. und sie hat sich enthalten, ihre Ansicht in der Form eines Mihtrauensvotums auszusprechen. Dieses Höchstmaß von Zurückhaltung hat sie geübt, Ineil der Weltkrieg die höchste Selbstzucht bon ver antwortlichen Parteien fordert, und weil der Konflikt im Welt krieg eine Schwächung der Staatsgewatk bedeutet. Niemand hat das Recht, zu bezweifeln, daß die Polkspartei die Lage nicht in ihrcr ganzen Bedeutung erfaßt und ihrer Ueberzeugung in der Form, die dem Staatsinteresse und der Loyalität gleichmäßig entspricht. Ausdruck gegeben hat. Ob die Verantwortung des Parlaments nicht Kollektiv- i ch r i t t e der in der Auffassung der Notwendigkeit überein stimmenden Parteien nahegelegt hat, sei unerörtert. Jeden fall:- bat die Polkspartei in oll den kritischen Monaten sich jeder Rücksicht interfraktioneller Gemeinsckastlick kc i t erinnert und den P a r t e i st a n d p u n kt. soweit al? immer möglich, zurücktreten lassen. Das„B. T." selber harte-bereits am Sonnabend z:.' uweren Ausführungen mit folgender Bemerkung Stellung genommen: Der„Vorwärts" übersteht vier vielleicht einige Momente. die für das Verhalten der bürgerticken Linken entscheidend warm. Älter in vielem, was er sagt, hat er recht. Das Zentrum gegen öie vaterlanöspartei. Die„Germania", das führende Berliner ZentrumSblatt, ver- öffentlicht einen längeren Artikel unter der Ueberschrift„Zentrum und Vaterlandspartei, der mit den Worten schließt: Nicht nur sämtliche Zentrumsabgeordnetc der Zieichstagsfraktion lehnen es ab, der Vaterlandspartei als Mii- gliedcr beizutreten. Vielmehr Ivill, wie sich in den nächsten Tagen zeigen wird, die maßgebende Parteiorganisation, -daß diese Ablehnung für alle Parteifreunde maßgebend sei. Danach wird die..Vaterlandspartei" ihre Behauptung von den zahlreichen Zentrumsanhängern, die ihr angeblich angehören, er- tzcMich einschränken müssen. Aber hier geht Reklame vor Wahrheit. Doch noch ein Strafverfahren gegen öie örei Unabhängigen? AnS Berlin erfährt die„Badifche Presse": ?n parlamentarischen Kreisen verlautet, dah sine parla- mentarische Untersuchungskouimission gegen die drei Unabhängigen Sozialdemokraten von der Regierung abgelehnt wurde, pa sich das Material gegen die drei Abgeordneten gegenwärtig schon auf dem Wege on das Reichsgericht in Lvipzü; befindet. Ein Antrag des ReichSanwatts an den Reichstag auf Aut- Hebung der Immunität der drei Abgeordneten liegt bis heute nickt vor. Die Meldung des badiicken Blatte? iit vor. anderer Seite nicht bestätigt und einstweilen mit Vorsicht auf- zunehmen. Normalöeutjche gegen fillüeutjche. Im Eisenachar Ober lande— oben aus der Rhön— fanden in de? verflossenen Woche in den Orten EmpfertShausen. Oberweid, Kaltensundheim und Kaltenwestheim öftentliche Versammlungen statt, die olle sehr stark besucht waren. Fast alle noch in den einzelnen Orten anwesenden Männer waren in den Versammlungen erschienen, auch hatten sich eine ziemliche Anzahl Frauen eingefunden. Genosse Leber sprach in allen Versammlungen über das Thema:„V e rst ä n d i g u n g s- frieden und die Demokratisierung Deutsch- lands". Die aus allen Schichten der Bevölkerung desuchten Per, sammlnngen stellten sich einmütig auf den Sianbpuntt des Referenten, der für einen Berständlgnngssrieden ohne Annexionen und Kontributionen eintrat und in energischer Weise die Demo- kratisierung Deutschlands forderte. Scheiben einsihmeißca � ein allöeutlches Kampfmittel! Die Münchener Alldeutschen haben eine Wut aus die„Münchs- ner Neuesten Nachrichten", weil diese— im übrigen ein nationalliberales Organ— sich gegen die„Vaterlandspartei" erklärt haben. Aus der Versammlung deS nationglliberalen Verein? forderte ein Oberinspektor S t i n d t, dessen Auffassung sich später Rechtsanwalt Goldschmidt anschloß, nach dem Bericht der „M. N. N." auf,-dem Blatt die Fensterscheiben«inzuwerfen! Die Alldeutschen haben in der auswärtigen Poliiik schon viel Scheiben eingeworfen, die das deutsche Volk jetzt mit seinem Blfft hat bezahlen müssen. Naskeraöe. .Jn laufenden Zeitungsnotizen berichtet die Deutsche Vater-,« landSpartei über ihr Wachstum. Aus den ersten Blick machen diese einen ganz imposanten Eindruck, aber wenn man ge-- nouer hinsieht, bemerkt man, daß die weitaus meisten Beitritts- erklärungen den Charakter tragen wie folgende: Die Ortsgiuppe Stendal des Unabhängigen Ausschuffes für einen Deutschen Friede» hol beschlosien, der Deutschen VaterlandSparlei beizutreten.—■ Der Vorstand des Deutschen Wahlvercins lür den Kreis Stuhnr hat einstimmig beschlösse», daß der Deutsche Wahlverein mir seinen säml- lich-n Mitgliedern der Vaterlandspartei als korporatives Mitglied beitritt.— Die Orsgruppe Frankfurt a. 0. des Deutsche» Flottenverems hat einstimmig den körperschaftlichen Beiiiilt zur Deutichen ÄaterlandSpartei beschlossen, usf. uif. ES sind also die alibekannten alldeutschen Organisationen, die sich zum so und so vielrcn Male während deS Krieges ein neues Gewand anziehen. Da die alte Organisation aber nicht aufgegeben wird, sondern daneben auch noch besteben bleibt, so hat man mit einem einzigen Federstrich die Mitgliederzahl verdoppelt und der- dreifacht: wo ursprünglich nur ein alldeutscher Stammtisch von 12 Personen existierte, besteht jetzt außerdem eine Ortsgruppe des „Unabhängigen SuSickusseL" von idenselbelU 12 Mitgliedern und ein Zweigverein der Vaterlandspartei von(ebendenselben) 12 Mit- gliedern.— Da zweifle einer an dem lawinenartigen Wachstum der alldeutschen Bewegung I / Eberts Wnrzburg, 14. Oktober 1917. lieber 4 Zohrc noch dem letzten deutschen Parteitag zu Jena bot sich heute in Würzburg die Vertretung der deutschen Sozial- demokrane zu ernsten und wichtigen Beratungen versammelt, ivciter als stmse im Jahre. Der Herbst läht die Wälder auf den Bergen rings um die Stadt in allen Farben leuchten. Der große .Hosgarten bietet ein wunderbare» Bild. Wir sind in der Hauvt- itadr des ftreiseS Unlerfranien und Aichaifenburg. wo einst die Fürftbischöse auch als weltliche Herren regierten. Erst 103 Jahre gehört Würzburg zu Bayern. Süddeutscher Geist umgibt uns. Der große Saal des H u t t e n s ch e n Gartens, ein Ge- bäude unweit de? Stadtzentrum?, in einem Stil, der den Pracht- vollen Rokkotobauten angepaßt ist, die Würzburg neben 26 Kirchen zieren, ist der Si? des Parteitag?. Gestern bat hier in einem der vielen tleineren Säle der Parteiausschuß getagt. Heute vormittag drängten sich hier wohl 2(XX) Mann, wenn nicht mehr, um Scheidemann zu Hörem Rot und weiß ist der Saal geschmückt, da? fränkische Wappen blickt oberhalb der Türen herunter. Bebels Bild vom Rednerpult. Hunderte von Zuhörern sind auf der Galerie, von der die Fahne der Würzburger Parteiorganisation niederbängt. Wilhelm Lieb- lnecht hat das Banner 1896 geweiht. An langen Tischen haben die Delegierten, etwa 350 an der Zahl, Platz genommen und es gibt 'ür viele von ihnen dos erste Wiedersehen seit Jena. Mancher fehlt, den man sonst auf dem Parteitag zu sehen gewohnt war... Vor allem gedenken wir an diesem Abend des unvergeßlichen Ludwig Frank, des unvergeßlichen Vorkämvfers deutsch-fran- zökischer Verständigung, den eine französische Kugel dahinraffte, als er mit feinen Mannheimern eine feindliche Stellung angriff. Die Arbeitcrsäuger von Würzburg und Schweinfurt begrüßten mit Chören die Versammlung. Tie Schlußworte des amen Siede«:„Die Völker wollen Frieden, Frieden jedes Menschen- herz!' machen tiefen Hindruck. Es ist die alte Kampfesfreude und Zuversicht, die uns entgegenklingt und un? neuen Aufschwung der- leiht über alle Not und Widerwärtigkeiten der Zeit. Namens des Parteitagskomitees heißt Maflistratsrat Freu- denbergcr die Delegierten herzlich willkommen. Er erinnert daran, daß schon 1914 die Partei tagsvorbereitungen in vollem Gange waren, als das entsetzliche Unglück des Weltkriegs die Welt in Flammen setzte. Alle Theoretiker lehrten, daß ein solcher Zusammenstoß der entfesselten BerschwörungSkräste nur von kürzester Dauer sein könnte, leider erwies sich diese Lehre als s al s ch und im vierten Jahre des Weltkrieges erst treten die Abgesandten des deutschen Proletariats hier zusammen, um aus dem Weltkriege die Folgerungen für unsere Theorie und Praxis zu ziehen. Würzburg ist nicht alter Boden der Parteigeschichte und Partei- tradition, aber cS ist durchtränkt vom Geiste deutscher Demokratie. Hier predigten Häuflein und Florian Geyer, daß Arbeiter und Bauern sich die Hand reiche» möchten, um materielle Ausbeutung und geistige Versklavung zu überloindeii. Im Geiste dieser deutschen Demokratie haben wir eincji hartnäckigen Kampf gegen die schlei- cheude Gewalt des Zentrums in festgefügter Organisation geführt. Im Jahre 1912 haben wir hier cineS der stärksten Boll- werke des deutschen Zentrums erstürmt, die alte BischofSstadt Würzburg, und haben darauf ein Landtags- mandat und zahlreiche Sitze in der Gemeinde- Vertretung erobert.(Bravo!) Seither hat auch hier die Partei schwer unter dem Weltkrieg gelitten. Den Opfern des Krieges, die in fremder Erde ruhen, widmen wir in unauslösch- biher Dankbarkeit ein stilles Gedenken. Auch denen, die an der Front die Heimat verteidigen, ist unser ewiger Dank gewiß; denn nur. wer die Verheerungen und Verwüstungen de? Krieges aus eigener Anschauung kennt, weiß zu schätzen, w a S die Unversehrtheit von H e i m a r, Herd und Hof bedeutet. sSehr wahr!) Unsere Dankbarkeit gegen täte und lebende Kämpfer Prinzen wir IN unserer eifrigen Friedensarbeit»um Ausdruck. Dabei stoßen wer auch hier auf die lärmende Gegenagitation der EroberungSpolitiker; aber ich darf Ihnen sagen, daß deren Treibereien hier all gerne in mit dem größten Unbe- dagcn aufgenommen werden.«Bravo.) An der Spitze dieler Bewegung steht hier der Direktor de? größten Muni- tionSbetriebcs(Heiterkeit. Zurufe: Natürlich!), Schul- drrcktoren. Lehrer und Beamte, die durch ihr Alter längst über die ÄilfSdicnstpslicht hinaus sind, geben seinen willigen Chor ab. Man unterschätze die Bedentiina von Schwerindustrie. Hochfinanz uns tronkischem Großadel in ihrer Koalition nickt. Sir haben 1907 die Volksstimmung gefälscht und suchen es jetzt wieder zu erreichen. ?*irum sind wir hier in einer Waffenschmiede vereinigt, um zum pünktlichen schweren Kampf gestählt zu sein. Mancher wackerer Parteigenosse, dessen Name sonst mit der Parteigcschichte eng ver- wockien ist, steht heute leider abseits. Trotzdem werden die Per- Handlungen vom Geiste kameradschaftlicher Treue, parte igenössl- ieften Empfinden» und unzerstörbaren Zusammengehörigkeitsgefühls getragen loerdc» Auf Ihnen lastet eine, große Verantwortung nach .nnen und außen. V ivo5 voco, mortuos plango— unsere Arbeit den Lebenden, unsere Gedanken den Toten, Glück auf zur Tagung!(Lebhafter Beifall.) Parte«Vorsitzender Eberl dankt den Würzburger Genossen für ihr: herzliche Begrüßung und die ausgezeichnete Vorarbeit für den Parteitag. Er rülunt die Erfolge der Sozialdemokratie in Würz- ourg und ganz Bayern und fahrt dann fort: Bon dem letzten Parteitag trennen uns vier Jahre des furchtbarsten Völkermordcns. Ein Meerjjon Blut und Tränen, dumpf und schwer, lostet auf un? wie Schatten des Todes. Unsäglich groß ist die Zahl der Freunde, die der.Krieg aus unseren Reihen gerissen bal.(Die De-egierten erheben sich und höre» stehend de» tief empfundenen Nachruf au. den Eberl den im Felde gefallenen Ge- nofjen widmet.) Dann führt Edert weiter au«: Alle Völker beseelt heute tiefster leidenschaftlicher Wille zum Frieden. Ihnen allen brennt die Frage auf der Seele, wie wir am ra sck e. sten zum Frieden kommen.«Lebhafte? Sehr richtig!) An dieser Tatsocke können auch die Treibereien der Erobe- rungspolitiker mchts ändern. Norürlick kann kein« Partei die Waffen niederlegen, solange die andere in ungehemmter Er. roerui�ölust wetterstürmt.«Solange die Gegner nicht zum �Frieden bereit sind, stehen wir weiter zur Verteidigung u�nsere? Lande?.(Bravo!) Aber auf der anderen ., Altona, Konigstr. 215/217, LouiS�Wols, Hannover, Astern str. 2. Paul Kasper, Braunfchwetg, Karl-Schmidt-Etr. 13, Ad. Löwenbcrg. Mainz, Paiciitverwertunge- Gesellschaft m. b. H.. Crinuni tschau-- Sachsen, Militärionservenfabrik G. in. b. H., Berlin NO 27, Andreasstr. 32, Heine u. Eo., Halberstadt. Tie Teuerungszulage der Kraukcitkasscn-Augestelltcli. In einer stark überfüllten Versammlung nahmen die Beamten, Angestellteu,«iltsorbeiter und Hilssarbencnnnen der Groß, Berliner Kremienkasscn Stellung zur Erhöbuug ihrer Teuerung?- zutage. Ter Referent Krüger vom Verband der Bureauonge stellten verwies aus die ungebcure Steigerung aller Kosten der Lebenshaltung und betonte, daß die bisberigen Teuerungszulagen vollkommen unzureichend seien. Neuerdings habe die Stadt Berlin ihren Beamten und Angestellten wesentlich höhere Zulagen bc- willigt. An den mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion an. Darauf wurde einstimmig beschlossen, die Krautenkassenvorstände zu er- suchen, dic monatlichen Teuerungszulagen auf folgende Sätze zu erhöben: Ledige unter 18 Jahren 50 M., Ledige über 18 Jahre 75 M., Verheiratete 100 M., für jedes Kind unter 16 Ialrren 15 Mt.— Die bereits früher gestellte, bisher nur teilweise b� willigte Forderung nach einer einmaligen Teuerungszulage in Höhe eines Monatsgehalts wurde daneben erneut erhoben. Als„Exporteur der Heerrsschlächtcrei" trat ein 30 Jahre alter Pferdehändler Albert Klüt auf. der auf seinen Fahrten zwischen Berlin und Hamburg Reisegenossen erzählte, daß er auf dem hiesigen Schlachchof tätig und in der Lage sei, ihnen größere Mengen Fleisch zu' verschaffen. Er fand auch Gläubige, die ihm den Kaufpreis im voraus zahlten oder die Anzahlungen leisteten. Ter„Exporteur" fährte sie dann in die Nähe des Vieh- und Schlachthofes, ließ sie erst in einer Schankwirtschaff aus das Fleisch warten und verschwand mii dem Gelbe. Gestern traf ein Betrogener ihn aus der Straße und ließ ihn festnehmen. Die Kriminalpolizei crkamtte in dem Exporteur einen alten Schwindler wieder, der früher Heilgehilfe, Möbelhätrdlcr und wer weiß was sonst noch war. Fälschlich totgesagt wurde der Kutscher Thurow, dessen Frau vor einigen Tagen mit einem Manne in ihrer Wohnung in der An- dreasstraße durcb Gas vergiftet aufgefunden ivurdc. Der Mann war tot, die Frau liegt im Krankenhaus noch schwer danieder. Eine Schwester Thurows, der von seiner Frau schon längst getrennt lebte. glaubte in dem Toten bestimmt ihren Bruder zu erkennen. Die Aehnlichkeit ist so groß, daß �sie ihren Irrtum erst erkannte, als sie den Bruder gestern auf der Straße begegnete. Thurow meldete sich jetzt bei der Polizei als noch lebend. Der wie Mann ist nun immer noch unbekannt. Ter„Off-zicrstellvcrtretcr". Eine Dame aus dem neuen Westen lernte vor eit-ger �cit in einer Wirtschaft einen Lstizierstellvertreter kennen, der das Eiserne Kreuz und die österreichische Tapferkeits- medaille trug. Sie schenkte ihm nach und nach so viel Vertrauen, daß sie ihm sogar die Wohnungsschlüssel überließ. Vor einigen Tagen traf man sich wieder in einer Wirtschaii am Bcllealliancrplatz. Der Offizicrstcllvertreter, der noch einen Freund mitbrachte, wurde plötzlich durch den Fernsprecher zu einem dringenden dienstlichen Gang abgerufen und kam erst nach geraumer Zeit wieder. Beim Aufbruch lehnte er diesmal die Begleitung der Dame ab, weil er noch dienstlich zu tun habe. Als sie nach Hause kam, waren ihr 2000 M. bares Geld und für 8000 M.«chmucksachcn gestohlen. Tie Wohnung war mit dem richtigen Schlüssel geöffnet. Der Dieb war der„Offi- zierstellvertrercrO der als ein mehrfach bestrafter 30 Jahre alter Musiker Heinrich Wenzel das Verbrecheralbum ziert. Wenzel wurde gestern ermittelt und festgenommen. Man fand nichts mehr bei ihm. Tie Schmucksackten hatte er schon zu Geld gemacht und alles durchgebracht. Radrennen in Treptow. Der zahlreiche Besuch der gestrigen Radrennen bezeugte, daß selbst das kühle Herbstwerter der kleinen Bahn bcn Verdienst nicht zu kürzen vermag. Der Extrakt der sportlichen Darbietungen dagegen war aber ein nur recht magerer. Ein Datierrennen hinter Mowrett über zehn Meilen löste sich wieder einmal in einem bloßen Zlvdkamps auf. Diesmal waren Krupkat und Siellbrink die Kantpshähtte. Bauer, der dritte Teil- nehmcr. hatte andauernd unter Rad- und Motorschäden zu leiden, wodurch er von vornherein weit zurückblieb. Kurz vor dem 60. Kilometer ließen dann aber auch Stellbrinks Kräfte züieheitds nach, so daß nun Krupkat unangefochten dem Ziele zvsteuertt konnte. Durch schncidigcö Fahren gelang es Krupkat, den Trep- towcr Rekord über 60 Kilometer zu überbieten. Den Treptaiver Fliegern waren drei Rennen reserviert, die aber ebenfalls wenig sportlichen Reiz boten. Resultate. Vorgabesahren, 1200 Meter: 1. Abraham(10) l Min. 6 Sek., 2. Rädlitz(70), 3. Schulz t70), 4. Krahne r(40 Meter Vorgabe).— Hauptsahren. 900 Meter: 1. Hofftnann 1 M,n. 25 Sek., 2. Schulz, 3. Rädlitz, i. Hiehel, 5. Legcler.— MnnnschaftS-Verfol- gnngsrentten,«ieger: Abraham-Behrend in 21 Min. 29 Sek. gegen Sawall; Krahner, Häußler und Müller schieden im Verlaufe des Rennens aus.— Zehn Meilen: 1. Krupkat 1 Std. 8 Min. 40 Sek., 2. Stellbrink 5190 Meter, 3. Bauer weit zurück. Voraussichtliche Wittrrinig für das mittlere Norddeutschland bi* TienStag mittag. Ziemlich mild, zeitweise heiter, aber noch ver- änderlich mit leichten Regenfällen. zterantlrortlick für Bolltik: Erich«ntturr, Berlin: für den übrigen Teil deS �latteä: Alfred Scholz, Neukölln: für Inseroiei TA. giltnte, Berlin. Truck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. LerlagSanftalt Vaul Singer& eo., Berlin SW. Admirals-Palast, Die Xovltät Abrakadabra GroSes phantastisches Balle» auf dein Eise. 7'lt U. Varzügl. Küche. 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