c <7 t« Zlr. 285. 34. Jahrg. Bezugspreis: SS-aeltöSrl. S,90 2Xt. monatL 1,3p w». wöchentlich 30 Bfg. frei ins Heus, öornuszahibar. Einzelne Wochentags- nuniinern 5 iSta eonniagänummet mit illu!trie«er Beilage.Die Neue Welt'>0 Bich Poftbezug: Monatlich 130 Ml Unter Ureuzband ftir Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2.60 Ml, für das übrige Ausland 4 Ml pronatlich Poftbestellungen ncbmen an Dänemarl Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweig. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm. Adresse: .Eltztgldemokrat Berlin". Berliner VolKsblntk. ( Z Pfennig � Der AnzeigeupreiS beträgt s, die siebengespaltene Kolonel- »eile 60 Pfg„Kleine Anteigcu", da« fettgedruckte Woa 20 Psg. lz» lässig 2 fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere WortöPtg. Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°/» Faruilic»- Anzeige» sa Pfg., politische u. gewerlschaslliche Vereins» Anzeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen vis !> Uhr nachmitl. im Hauvtgcschäti verlin SW.6S, Lindcnstrasze 3, ab- gegeben werden. Geöffnet von ö Uhr früh biZ 1 Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdcrnohrati f dien parte» Deutfcblands. Redaktion: EL). 68. Liuüsnstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzpla«. Str. 151 SA— 151 97. Expedition: SM. 68» Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 151 90—151»7. Flandern ohne größere Jnfanteriekämpfe — Ver ebliche französische Angriffe bei Vauclarc— Der Hauptteil von Oesel besetzt— Russischer Widerstand auf Sworbe— Besetzung der Inseln Runö und Abro. Amtlich. Großes Hauptquartier, 18. Oltober 1317.(W. T.».) Westlicher Zlriegsschanplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die gestrige Kampftätigkcit der Artillerien in Flandern glich der an den Bortagc». Größere Jnfanteriekämpfe fanden nicht statt; ErkundungZ- Vorstöße der Engländer wurden an mehreren Stellen, auch im ArtoiS abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Wieder war der Artilleriekawpf nordöstlich von SoissonS tagsüber lebhaft; auch westlich von Eraonue steigerte er sich bei' 2 neue« vergeblichen Angriffen der Franzose» gegen dir von»nS nördlich der Mühle von Sauclerc kürzlich gewonnenen Gräben. Mehrere ErkundungSgefechte verliefen für uns günstig; West- lich der SuippeS holten fächfifche Grenadiere, westlich der Maas bayrische Sturmtrupps eine größere Anzahl von Gefangene« uud mehrere Maschinengewehre auS de« ftanzöfifchen Stellungen. Die Feucrtätigkeit an der Rordfront von Berdun war leb- haster als in letzter Zeit. westlicher Kriegsschauplatz. Die unter dem Befehl deS Generals der Infanterie von Kathen auf Oesel kämpfenden Truppen fetzten fich gestern völlig in Lefitz de? HauptteUS der Insel. Auf der uach Süden auslaufenden Halbinsel Sworbe leistete» die dort abgeschnittene« russische» Truppen noch hartnäckige» Widerstand. Die schweren Küstenbatterie» sind durch das Feuer unserer Schiffe zu« Schweigen gebracht worden. Gegen die Ostküstc wurde der Feind so scharf gedrängt, daß nur Teile fich über de» nach Moou führcnds» Damm zu retten vermochten. Bei den Kämpfen um de« Bruckenkopf von Orrissar am Ostrand von Oesel wirkten von Norde» her unsere Sccstrrit- kräfte durch Feuer erfolgreich mit. Bisher sind mehr als 2400 Gefangeue gezählt worden, Bcr- sprengte werden die Zahl»och erhöhen. 30 Geschütze, 21 Maschinengewehre, einige Flugzeuge und viele Fahrzeuge siele« bis jetzt- in die Hand unserer Landungstruppen, die unter vortreff- licher Mitwirkung der unter Befehl des Vizeadmirals Schmidt stehendcu Flotteuteile den wesrnttichsten Teil ihrer Aufgabe in 4 Tagen erfüllte«. Im Rigaische» Meerbusen sind die Inseln Runö und Abro von uns besetzt worden. An der Landftont im Osten leine Ereignisse von Bedeutung. Mazedonische»?ront. I» der Ttruma-Ebene überließen die Bulgare» de» Eng- ländrrn einige Ortschaften. Der Erste Generalqunrtiermrister. Ludendorsf. Abendbericht. Berlin. Amtlich. 16. Oktober 1317, abends. In Flandern starke Artillerietätig. kcit, bisher ohne �nsantcriekämpsc. Auf der Halbinsel Sworbe Fortschritte: weitere 1133 Gesängen' sind eingebracht. Sonst im Osten nichts von Bedeutung. Der österreichische Bericht. ö. T. B.) Amtlich wird Wien, den 16. Oktober 1917. vcrlautbart: westlicher Zlriegsschanplatz und Albanien. Unsererseits nichts zu berichten. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Hochfläche von Bainsizza-Heiligengeist scheiterten italienische Einzelvvrstößc. Auf dem Monte Sa» Gabriele wurde da« Vorarbeiten frindlichcr Abteilungen im Handgranatenkampf vereitelt. Der Chef des General st abes. wer trägt öie Schulü an solchen Gerüchten? Berlin, 16. Oktober. Das Bureau Reuter verbreitet in der Schweiz die Mitteilung, daß sich bei den deutschen Ma- trosen einsteigender Widerwille zeige, an Bord derU-BooteDienstzu tun. Nach Nachrichten, deren Echtheit unzweifelhaft wäre, wären schon mehrere deutsche Matrosen erschossen worden, itwnl sie sich weigerten, an Bord der U-Boote zu gehen. Eine Tatsache. die verdiene festgehalten zu werden, sei Öfcc. daß diese Hinrichtungen vor der„Meuterei" in Wilhelmshaven stattge- sunden hätten, von der kurzlich im Reichstag die Rede gewesen wäre, und die mit dieser„Meuterei" absolut nichts zu tun hätte. Wolsfs Bureau bemerkt dazu; Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist diese neueste Blüte Reuterscher Phantasie wiederum weiter nichts als eine der gröbsten bewußten Lügen, welche sich dieses Korrcspondcnzbureau während des Krieges je geleistet hat. Aber nicht nur das. sondern es ist Totsache, daß der Andrang von Offizieren und Mannschaften der Flotte zum U-Boot-Dienst so außerordentlich und daß die freiwilligen Meldungen für den Dienst bei dieser Waffe nach wie vor so zahlreich sind, daß immer nur ein Bruchteil davon Berück- sichtigung finden kann. Die Vorkonferenz in Stockholm beendet. Stockholm, 16. Oktober. sEig. Drahtbericht des „Vorwärts".) Die Herausgabe des M a n i f c st s des Anternationalen Komitees war im Hinblick auf das Eintreffen der serbischen Delegierten verschoben worden. Räch Abschluß der Verhandlungen mit diesen Delegierten legte R a k o w s k y« den rumänischen Standpunkt dar. Damit waren die vorbereitenden Konferenzarbcitcu be- endet. Troestra reiste heute heim. Die Gärung in Rußlanö. Ter Helsingforscr Bertretcrtag.— Trotzkys Wahl. Stockholm, 16. Oktober. iEig. Drahtbcrich: des„Vorwärts Die Presse in Petrograd schildert lebhaft, wie es in der Armee gärt. «n der Spitze der Agitation steht die O st se e sl o tte, welche auf d»m Helsingforser Bertreterdag gemeinsam«it dem finnischen Anneekomttee die beabsichtigte Ersetzung der revolutionären Regimenter Finnlands durch Truppen mit unbekannter Gesinnung als Anschlag gegen die Revolution erklärte. Eine neue Äorni l o iv i a d e in demokratischer Maöke werde vorbereitet. In der Resolution des Vertretertages wird weiter gesagt: Wir wolle» nicht gesondert austreten; aber die Situation ist so ernst, daß ein elementarer Mafienausbruch zur Tatsache weiden kann, wenn Kerenski nicht aufhört, unsere Truppen zu provozieren. Wir lehnen die Berantworlung ab, wenn die Truppen ohne unser Ein- Verständnis nach Finnland gesandt werden. Ein Aufruf schließt: Hoch die Macht der Räte, hoch daZ revolutionäre Petrograd, hoch der Sozialismus! Die zweite Sitzung deS Vertretertages beschloß die Begrüßung der Flotte im Schwarzen Meer, im Weißen Meer, sowie in den kaspischen und sibirischen Häfen; ebenso die Begrüßung der revolutionären Armee und der Demokratie, die aufgefordert wurde sich zu widersetzen und die rasche Einberufung der Rätevertreter zu verlangen. „Retsch" schreibt über Trotzkys Wahl zum Sowjet-Bor- sitzenden: Der neue Präsident war flinker als die Regierung; seine programmatische Erklärung übertrifft das Programm der Regierung auch an Bestimmtheit. Die Revolution ist tatsächlich in eine neue Phase eingetreten. Der Sowjetbeschluß ist als ein schweres Staatsverbrechen zu rubrizieren, sagt der.Retsch"; es be- reite sich ein Aufstand vor. Wenn die Regierung nicht einschreitet, überläßt sie dem Sowjet, den Augenblick für den Bürgerkrieg zu wählen. „Rußkaja Wolja' schreibt unter der Ueberschrist„Bürgerkrieg" über Trotzkys Wahl Nachstehendes: Die Resolution des Sowjet ist kein- Mißtrauensvotum, sondern die Kriegserklärung. Der Rat erklärt als seine Aufgabe den Sturz der neuen Regierung und ihre Ersetzung durch eine rein revolutionäre, die auf der allrussischen Rätekonferenz am 2. No- vcmber einzusetzen ist. Der Artikel fordert energische Matzregeln. Die Kabinettskrise in Schweden. Amtliche Sonderblätter haben bestätigt, daß die Kabinetts- bildung durch W i d e n gescheitert ist. Wie verlautet, war das die Wirkimg der unnachgiebigen Haltung der Arbeiterpartei gegen den SammIungSgcdauken. Man erwartet unler Eden ein rein liberal- sozialistisches Ministerium. Nach einem Londoner Exchange-Tele- gramm aus Kopenhagen wird Branting in daS neue Kabinett als Minister ohne Portefeuille eintreten. Dies sei der sinzige Posten, den er einnehmen wolle. die Hanö liegt offen. Wenn irgend etivas den letzten Zweifel darüber beheben kann, ob die alte sozialdenwkratische Partei noch im Besitze des sozialistischen Geistes und des proletarischen Empfinidens ist, so die Art und Weise, in der die E i n i g u n g s f r a g e auf'dem Würzburger Parteitag behandelt wurde. Mit ele- mentarer Macht drängte sich in den Debatten immer Iviedcr die Erkenntnis in den Vordergrund: die Einheit ist not, nur eine e i n h ei t l i ch e Arbeiterbewegung kann siegen, nur in Geschlossenheit kann sich die Arbeiterklasse ihre Zu- kunft erkämpfen. Diese Ueberzcugung ist mit so überwältigender Mehrheit ausgesprochen worden, daß einzelne abweichende Stimmen da- gegen gar nichts zu bedeuten höben. Es war das alte soll- darische Klassengefühl, das hier immer wieder beredten Aus- druck fand, jenes Gefühl, das die beste und festeste Errungen- schcrst eines 30jährigen Kämpfeus und Sicgens ist. Und doch lassen die Debatten einen herben Nachklang. Es war ja nur die eine Seite, die sprach, und sofort er- hebt sich die besorgte Frage: was wird die andere ant- Worten? _ Unsere Hoffnungen auf ein Entgegenkoinmen der P a r- teileitungder Unabhängigen sind nicht sehr groß. Wenn ein Redner auf dem Parteitag sagte:„Glaubt Ihr, sie haben erst vorsätzlich und geflissentlich die Spaltung der Partei her- beigeführt, uin nun ohne weiteres wieder zur Partei zurück- zukehren?", so kann nion sich des bitteren Gefühls nicht er- wehren, daß hieran etivas Richtiges ist. Das hat auch der Parteitag wohl gewußt. Mer unsere Perständigungsbercit- schaft, unser Streben nach Einheit der Partei, kann niemals davon abhängig sein, was die Gegenseite etwa antworten wird, sondern nur davon, was wir alsrichtigerkannt haben. � Immer wieder drängt sich der Vergleich mit der F r i c- dens bereit schaft der Sozialdemokratie in diesem Weltkrieg auf. Man hat es uns von anderer Seite zum Vorwurf gemacht, daß wir den Sozialisten Frankreichs und Englands die Friedenshand hinhielten, während diese anstatt einzu- schlagen, hineinspuckten. Und doch haben wir nichts zu bereuen. Wir wissen, daß diese Haltung die einzige Möglichkeit bedeutet, den Frieden herbeizuführen. Und die Herbeiführung des Friedens ist ein so über alle Maßen wichtiges und hohes Ziel, daß uns keine Kränkung von der einen Seite, kein Hohn und Spott von der andern in eine friedensfeindliche Haltung hineintreiben wird. Wir lassen uns tausendmal lieber sagen,'daß man in unsere dar- gebotene Friedenshand hineingespuckt habe, als daß wir uns dem Vorwurf aussetzten, auch nur irgend etwas versäumt zu haben, was die Herbeiführung des Friedens um einen einzigen Tag hätte beschleunigen können. Und das deutsche Volk, dif deutsche Arbeiterschaft, werden es uns danken. Genau so steht es aber auch mit der Einigung der Arbeiterbewegung. Auch sie ist ein Ziel von so ungeheurer Wichtigkeit, daß keine Empfindlichkeit die fachlich als richtig erkannte Haltung beeinträchtigen darf. Bedenken wir doch, daß gleich in dem ersten Jahre noch'dem Kriege die wirtschaftliche Zukunftsgestaltung Deutschlands und'damit die Zukunft der deutscheu Arbeiterklasse auf Jahrzehnte entschic- den werden wird. Wirtschaftliche Entscheidungsschlachten weiden geschlagen werden, und das Herz jedes ernsthaften Sozialisten krampst sich zusammen bei dem Gedanken, daß diese ausschlaggebenden Kämpfe die Organisationen der Ar- beitcr durch innere Kämpfe geschwächt porfinden sollten! Ein Redner'des Parteitages hat bereits die Schrecken eines kommenden Reichs tags Wahl kämpf es ausgemalt, in dem sich die beiden sozialistischen Parteien gegenseitig zerfleischen. In ebenso düsteren Farben ließe sich das Bild des künftigen Wirtschaftskampfes malen, wenn dem' zu gewaltigster Konzentration entwickelten Kapital zerspaltene, uneinige Gewerkschaften gegenüberstehen. Da stockt das Blut und jeder echte Sozialist spricht: das darf nicht fein, das wird nicht sein. Und deshalb bat der Würzburger Parteitag recht getan, wenn er sich mit beiden Füßen auf den Boden der Eimgungs- beveitschaft gestellt hat, unbekümmert um die Antwort, die ihm von der Gegenseite zuteil werden wird. Allen Arbeitern Deutschlands ruft er zu: Die Friedenshand liegt offen, achtet darauf, daß die Sache der deutschen Arbeiterbewegung nicht unwiederbringlichen, unabsehbaren Schaden erleide! An die Arbo i t erklasse richtet sich der Appell des Würzburger Parteitages, an sie, die im innersten Herzen nie das Gefühl dafür verloren hat, daß nur Geschlossenheit den Tieg verheißt. Wohl zehnmal und darüber wurde in Würz- bürg die Gewißheit ausgesprochen, daß die Macht der Wirt-. schaftlichen Entwicklung doch auf alle Fälle die Arbeiterbewe- gung wieder zusa mmen schweißen würde. Aber soll da? wirb- lieft erst geschehen, nachdem die Arbeiierschost die bittersten Fslgen der Spaltung am eigenen Leibe hat aus- kosten müssen? Kann nicht bis dahin auch univieder bringlicher Schaden entstanden sein? Noch ist Zeit, noch stehen wir bor den großen politischen und wirtschaitlichen Kämpfen der Nachkriegszeit, noch kann die Arbeiterklasse vor dem ärgsten Schaden, nicht erst durch den Schaden klug werden Der Würzburger Parteitag sagt: Einigt Euch, Ihr v c r> gebt Euch nichts, die Partei gewährt volle Mei- n u n g s s r« i h e i t, sie duldet alle Richtungen(was gerade der Verlauf des Würzburger Parteitags deutlich zeigt), sie verlangt nichts als Befolgung der selbstverständlichen de- rn akratischen Pflicht, die bei allen Handlungen Unter werfung der Minderheit unter Beschlüsse der Mehrheit er heischt. Vielleicht wird die Gegenseite die angenommenen Ent schließitng-cii als Sireuenklängc verdächtigen, als Zeichen der Schwäche auszudeuten suchen. Das läßt nnS genau so kalt, wie wenn die Kriegshetzer des Auslands die deutschen Friedensangebote als Symptome des nahen militärischen Zu- sammenbruchs Teutschlands ausposaunen. Wir fühlen uns hier wie dort stark genug, um solche böswillige Miß- d e ii tu n g ehrlichen W o l l e n s zu ertragen. Mit erfrischender Dfsenheit hat einer der Aeltesten der Äewegiuig. Richard Fischer, gestanden, daß die häßlichen Por- gänge der Parte rpaltnng manche unvergängliche Bitternis in seiner.-rele zurückgelassen hätten. Aber er hat gleich hinzu- gefügt, daß, falls solche Verbitterung der Führer die Einigung hindern sollte, die Avbeiterniasfen die Einigung ohne die I ü h r c r machen müßten. Und der Parteitag hat diesem Wort zugejubelt. Ein eden'o ehrliches Bekenntnis von den. Unabhängigen— und die Einigung kann nichl mehr auszu- halten sein. Der Eimgungsbeschlnß des Parteitags appelliert an die Ardeitermassen. Mögen sie es sich überlegen: Ist es wirklich vuoch dasseibe erhebende und befreiende Gefühl, das uns früher nach getaner politischer Arbeit beseelte, wenn man sich setzt am Abend eines ereignisreichen Tages sagen kann: Heute haben wir wieder mal eine F r i e d e n s k n md g e b n n g der Schcidemänner gestört(zur Freude der Alldeutschen!), heute ist es uns gelungen, den GeWerk- schaftsverein zu sprengen(zur Freude der Unter- wehmer!), heute habe ich das Parteiblatt abbestellt (zur Freude der bürgerlich-kapitalistischen Verleger)?! Wer empfindet Freude an der Zerstörung? Bei wem kann sie länger danern als einen Augenblick unbesonnener Erregung? Immer wieder ist auf dein Würzburger Partei tag ausgesprochen worden: d i e A r b e i t e r m a s s e n e m p finden gegeneinander keinen Haß. Aus diesem sicheren Gesiihl berai'.s hat der Parteitag den ersten mutigen und klaren Schritt zur Wiederherstellung der Einigkeit der Arbeiterbewegung unternommen. Die Friedenshand liegt offen. Besatzung als gefangen meldet, ist es nicht gesunken und dürsle, wenn es überhaupt bejchädigl ist. wiederhergestellt werden können. Gesunken ist dagegen nach russischem Bericht mit Mann und Maus der russische Torpedobootszerstörer Ochotnik, ein Fohrzeug, von 62ö Tonnen Wasserverdrängung aus dem Jahre lllOS stammend. Seine FriedenSbeiatzung belief sich auf 101 Mann, und das Fahrzeug war mit zwei 10-Zelilimeler»SchnelIadekaiiolien. einem leichten 8,7 Zentimeter- Geschütz, vier Maschinengewehren und drei Torpedorohren bewaffnet. Die Läng« des Bootes betrug 76 Meter und seine Sä-nelligkeit 23 Seemeilen in der Stunde. Insgesamt hat die ruisische Ostsecflotte bis jetzt verloren 1 Panzerkreuzer(Fallado), 2 Kanonenboote und 5 Zerstörer bezw. Torpedoboote. die Seekämpfe bei Oese!. Berlin, Is. Oktober. Amtlich. Wir erfahren von zuständi ger Stelle: 1. Ter amtliche russische Bericht vom 14. Oktober meldet den Berlnst von einem deutschen kleine« Kreuzer und vier Torxedobooten. Wie aus dem deutschen Bericht hervorgeht, ist bis zum 16. Oktober ausier 2 zum Minensuchen bestimmten Fischdampsern kein an der Unternehmung gegen Oesel be teilegtes Krirgssahrzeug verloren gegangen. Tagcgen ist ein kleiner T r a n S p o r t d a m p s r r auf eine Mine ge. raten. MonnfchastSverluste find hierbei nicht ringrtreten 2. Ebensowenig zutreffend ist der im amtlichen rnssischen Bericht vom 16 t>. M. gemeldete Brrlnst zweier deutscher Torpedo boote im Kaffar-Wiek. Ter von vnS genommene Zerstörer Grom ist bei unseren Einbringungsverfuchrn gekentert und gesunken. Petersburg, 16. Oktober. Der tzldmitcilsiab teilt mit: Am 14. Oktober, nachmittags»m 4 llhr. wurde unsere ouS vier Tor- pcdobooien und zwei Kanonenbooten zusammengesetzte Streif abteilung, welche in der Durchfahrt des Soelo-SundeS kreuzte, von einem der au der Küste westlich der Meerenge befind- lichen deutschen Grohkampsschifie beschonen. Unser Torpedoboot G r o ni erlitt starke Beschädigungen. Unmittelbar danach drangen 12 deritsch« Torpedoboote neuer Art, von anderen begleitet und ge deckr durch das Feuer des erwähnten GrotzkampsschiffeS, in den Soelo-Sund ein. liniere Ttreifabteilung»ahm den Kampf auf, in dessen Verlaus das Panzerkanonenboot C h r a b r y daS Torpedoboot unter heslige», feindlichen Feuer zweimal inS Schlepptau nahm; die anderen Torpedoboote schützten es, indem sie einen erbitterten Kamps mir dem Feinde unterhielten, welcher besonders auf Thrabrn. G r o m und das Kanonenboot A e o r de trotz allen guten Willens in die Parteispaltung hineingezogen. Obwohl wir der Opposition nie ein Haarte- krümmt habe», gingen Aschafsenburg und Hof zu de» U»nb- hängigen über. Beide Kreise erklärten dabei, dag sie gegen das Verhalten des Landes- und Bezirksvorstandes nichts einzuwenden hätten, aber aus grundsätzlichen Erwägungen sich trennen müßten. Ter Ucbertritt zu den Unabhängige» wurde e i n st i m m i g bc- schlössen, aber über die Hölfte der Wahloereine ist schon zurück- nekchrt und unsere Organisation ist so stark wie vorher.(Lebhafter Beifall.) � Mcngc-Vegesackt Bestand wirklich schon vor dem Kriege ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen Hasse und Bernstein aus der einen und dem Parteivorstand auf der andern Seite? Erst die Politik des 4. August hat sie geschaffen. Eine ganze Reihe von Partchgenosscn ist mit der K r e d i t b e w i! l i g n n g nicht einverstanden. Nachdem die AnnerionSgelüste der Regierung zum Vorschein kamen, hätte man die Kredite ablehnen müssen. (Lachen und Widerspruch.) Ob freitich nach der Antwort an den Papst und der R e d e Kühl m a n ns noch von d e u t- jchen Annexionsabsichten gesprochen werden kann, lasse ich dahingestellt. Richard Fischer. Berlin: Niemand wird sich dem Gefühl des Schmerzes über die Tatsache eniziehe», daß die große stolze Sozial- dcmokratie. die nach Bebel nur noch Siege erwartete, jetzt ein Bild der Zerklüftung und Zerrissenheit biete:. Da müssen wir zeigen, daß wir nicht das Hindernis der Einigung sind. Man- eben: würde ich allerdings die Hand nicht geben, und mancher wird sie mir nicht geben. Aber mir der Partei- und Arbeiterbewegung dürfen solche persönlichen Gesichtspunkte nicht vermischt werden, da muß das Wort bestehen bleiven: Mit den Führern, wenn sie wollen, ohne und gegen sie. wenn sie nicht wollen! (Sehr gut!) Denn die Einigung ist eine Notwendigkeit für die Ar- beitcrbcwegung. Aber ist die Einigung auch möglich? Man kann die Einigung nicht machen, sie muß werden. Solange die KrisiZ nicht überwunden ist, ist die Heilung nicht möglich. Aber wir wollen alles tun. den H e i l u n g S p r o z e tz zu b e s ch l e u- »igen. Einer besonderen Kommission bedarf es nicht, dafür sind Parteileitung und Parteiausschuß da. lieber die praktischen Aus- sichten denke ich s e h r p e s s e m i st i s ch. Vor der Rückkehr der Feldgrauen ist eine Einigung ganz aussichtslos, aber wahr- scheinlich werdest wir erst einen langen Leidensweg gehen müssen. Erst müssen schwere Niederlagen als Folgen deS unseligen Bruderkrieges über die Arbeiter kommen, che sie zur Vernunft zurückkehren. Heute halten sie sich vielfach von der Partei ganz fern. Selbst die Arbeiter der M u n i t i o n s i n d u st r i c mit ihren teilweise guten und hohen Löhnen sparen sich alle Bei- träge und lesen bürgerliche Blätter. Ter Schaden der Zerklüftung sitzt viel tiefer, als ivir heute schon scbeu. Auch ich erwarte die Spaltung der Gewerkschaften und viele schlimmen Rück- schlage. Dadurch werden dann die Ardeiter erkennen, daß der ganze Glaubensstreit, der Streit um die Rechtgläubigkeii. unsinnig ist. Deshalb bin ich bereit, alles für dir Einigung und das Ar- beiteriutmise zu tun.(Lebhafter Beifall.) Ein Schlußantrag wird mit großer Mehrheit auge- nommcn. Das Schluhloort erhält Ebrrt: Ich stelle zunächst richtig, daß der Wahlvcrein W e i m a r nicht aus der Partei ausgeschieden ist. Gegenüber H ü 1 1 m a n n stell« ich fest, daß der Parteivorstand olles getan bat, um den Bruch zu vermeiden und eine Verschärfung der Streitigkeiten zu verhindern, Hüttmaun kann nicht alo Vertreter der Ob- iektivität und Persönlichkeit gelien. Er hat als Vorsitzender des Bezirks Frankfurt a, M. ein Flugblatt für den Boykott des PartciblattcS unterzeichnet.(Hört, bört!) Mit dem Eingreifen in den Fällen„Nene Zeit" und„Gleichheit" haben wir lange Zeit gezögert. Den Vorwurf, daß>vir zu rigoros verfahren seien, hatte ich nicht erlpartet.(Sehr währ!) Erst als KautZky zur anderen Partei übertrat, haben wir die Konseguenzen gezogen. tLebhafte Zurufe: Ihr habt auch dann noch ein Jahr g e war- t e t! Klara Zetkin bat schon jahrelang keine Beiträge gezahlt!) Die„Neue Zeit" war nicht persönliches Eigentum von Karl KautSly. sondern Parteiorgan wie jedes andere; nur daß für kein Pgrtciorgan relativ io große Opfernder Gesamtpartei gebracht wurden wie für die„Nene Zeit".(Sehr wahr!) KautSky soll sich nur durchlesen, was er selbst lSllö zum „V o r w ä r t S" k o n f l i k i geschrieben hat.(Sehr gut!) Nicht gehässig, sondern kameradschaftlich haben wir ihn: das Trennungs- schreiben gesandt und ihm dabei noch für seine vieljährige Tätigkeit gedankt. Aber über alle persönliche Rücksichtnahme geht da? I n t e r- esse der Gesamtvartei Die Meinungsfreiheit tn der „Neuen Zeit" wird in Zukunft durchaus gewahrt werden. Adolf Brauns Beschwerde erscheint uns gänzlich unbegründet, llninöglich konnte Cunow alle zurückgelegten Manuskripte nachträglich ab- drucken. Es ist ncick unserer Aufsassung durchaus korrekt verfahren. ES ist wiederholt gesagt worden, warum wir nicht auch gegen die Genossen einschveiien, die in der„Glocke" und in den„Monats- besten" schreiben. Wir waren über manchen Artikel außer- ordentlich ungehalten, z. B. über HcilmannS Aufsatz über die Demokratisierung; aber woher soll der Parteivorstand daS Recht nehmen, irgendwie gegen diese Genossen einzuschreiten. (Sehr wahr!) Unsere Rechte sind im Statut festgelegt, wir können nur im Rahmen unserer Kompetenzen handeln. Da siebt nichts darin, daß wir jemand wegen seiner freien Meinung?- Äußerung zur Rechensckzaft ziehen können. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß jeder Genosse Taktlosigkeiten ans Taktlosigkeiten häufen kann. Privatim haben wir den Genossen cht genug Beschcid�gesagt, aber unternehmen können wir gegen sie nichts. Uebcr den Charak- ter der Politik des Paricivorstandes kann trotzdem kein Zweifel bestehen. Wir stehen geschlossen auf dem Satze, daß der Kiasscnkampfcharakter der Partei gewahrt bleiben muß, daß er die Grundlage unserer Partei sein und bleiben muß.(Lebhafter. Beifall.) Wie sollten wir nicht alle die Bedeutung der Einigkeit erkennen? Haben nicht Pfann- kuch und Molkenduhr schon an der Wiege der Partei gestanden, hat der Parteivorstand nicht immer wieder bis zum letzten Augenblick gewarnt und gemahnt und gebeten, die Einigkeit zu erhalten. In der Fraktion haben wir es als selbstverständlich erklärt, daß, wenn die Minderheit zur Mehrheit werden sollte, wir uns natürlich unterwerfen werden. Aber Spott und Hohn war die Antwort auf all unsere von warmer Liebe zur Partei ein- gegebenen Bemühungen,(Sehr richtig!) Zur Wiedervereinigung gehören aber gewisse Voraussetzungen. Wo ist der gute Wille aus der anderen Seite? Ziehen uns die Unab- hängigen im Reichstag nickt immer wieder herab, selbst die De- batten, bei denen eine geschlossene Front selbstverständlich sein müßte, wie bei der Interpellation über die Ilmtriebe im Heere? Selbst die Stadtverordnetenfraktionen werden zerrissen, überall nur Lust an der Zerstörung und Sprengung. Nicht nur politisch- Anschauungen trennen un?, die Taktik der Unabhängigen würde die Arbeiterklasse zu'.u P>: t f ch i? in u S führen. Wie sollen wir uns da wieder vereinigen?(Sehr richtig!) Vor allem aber muß man in jeder demokratischen Partei, zumal in unserer Kampspartei, demokratische Unterordnung unter den Mehr- b e i t s w i l l e n verlangen; eine Bereitwilligkeit der Unabhängigen dazu konnte aber kein Redner mitteilen,(Zustimmung.) Adolf Braun,-dessen besten Willen ich natürlich vollauf anerkenne,'st im Juli 1916 in den Sünden pfuhl geworfen worden, nur weil er Verständigung und Einigung wollte. Tie von ihm beantragte Koinmission hätte gar keine Kompetenzen, gar keinen Auftrag der Partei, Sollen bei etwaigen Verhandlungen drüben die P a r t e i l e it u n g e n der Unabhängigen und der Partei der Spartakusse stehen, aus unserer Seite aber eine Kommission, die über die vertraulichen Dinge der letzten drei Jahre gar nicht informiert sein kann? Die Stunde der Einigungsverbandlungen wird kommen, diese aber wird Sache der Parteileitung, de? Partei- ausschuffes und des Parteitages sein. Deshalb bitte ich dringend, den Antrag Brau» abzulehnen, dagegen die Anträge Nürnberg- Würzburg(Ansirag an alle Parteigenossen, die Parteipresse und den Parteiborstand, bei günstiger Gelegenheit im Sinne der Wiedervereinigung zu wirken) und S e V e r i n g(Voraussetzung der notwendigen Wiedervereinigung ist die Anerkenn- nung der Mehrheitsbeschlüsse) anzunehmen. Damit bringen wir den Willen zur Einheit und Geschlossenheit der Partei zum Ausdruck. Mehr können wir zurzeit nicht tun. (Zustimmung.) Im übrigen gilt es aber, die ganze Kraft einzusetzen für die Stärkung und den Ausbau unserer Organ i- sa t io n. Wenn der Krieg vorbei ist, wen« die Aufgaben des Frie- dens an uns herantreten, dann werden die Arbeiter mit aller Eigen- brodele! und aller Sonderorganisation sehr schnell ausräumen. Ich bin fest überzeugt, die Arbeiter Deutschlands werden noch vordem nächsten W a h l k a m p f reine Bahn machen. Das bereiten wir am besten vor, wenn wir uns frei machen von allem Parteigezänk und die ganze Kraft den positiven Aufgaben der Partei zuwenden, Tun wir alles in den Parlamenten und in der Partei für die Ar- beiterklasse, dann können wir frohen Mutes der Zukunft entaegen- schauen, dann wird der Sieg unser sein, trotzdem und alledem! (Lebhafter anhaltender Beifall.) Braun und Brühne verzichten auf ihre Schlußworte, da gegen ihre Berichte Emwenirnngeii nicht erhoben worden sind. Es folgen persönliche Bemerknirgen. Dr. Lcnsch: Ich kann in der Partei stehen, wo ick will, ich kriege immer Prügel,(Große Heiterkeit.) Darüber freue ich mich, schade um jeden Schlag, der vorbeigeht; in dieser Debatte sind, aber viele vorbeigegangen. Damit sich die Genossen, die meine Schriften iadeln, auch über sie unterrichten können(Heiterkeit), habe ich ein Studienexemplar hier binkerlegt. j Heiterkeit.) In einer Reihe, persönlicher Bemerkungen zwischen Braun (Parteivorstand) und Hüttmann-Frankfurt a M. wird der Frank- furter Pressewnslikt behandelt.— Dr, Adolf Braun- Nürnberg erklärt, daß er sich durch die gegen ihn gerichteten persönlichen An- griffe nickt getroffen fühle, Ter Antrag aus Entlastung des Vorstandes ivird gegen eine Stimme angenommm Ebenso der Antrag N ü r n- -berg-Altdorf, Würzburg, 6. pfälzischer Wahl-, kreis: Im Bewußtsein der unbedingten Notwendigkeit einer un- gebrochenen Front— eine Notwendigkeit, die für die komineitden schweren Kämpfe der Arbeiterschaft aus politischem, Wirtschaft- lichem und kulturellem Boden Voraussetzung jeder ersolgrcicheii Wirksamkeit ist—, fordert der Parteitag alle Genossen auf, den Willen zur Parteieinheit zu stärken und diesem Willen alle anderen Gegensätze zu unterwerfen. Nur so kann dem sinn- widrigen Zustande ein Ende bereitet werden, daß unsere Bewe- gung, die immer Ausdruck eines auf die Zukunft gerichteten Friedens war, sich um etwa verscherzte Gelegenheiten der Per- gangenheii zankt und um diesen Zank aus dem Sprunge steht, wichtige GegenwarlS- und Zukunftsniöglichkeiten der Arbeiterschaft zu verspielen. Eine Partei, die für die Verständigung der Völker wirkt und. für den Frieden der Nationen eintritt, darf nicht um Mittel und Wege verlegen sein, in die eigenen Reihen einheitlichen Sinn und Willen, unbeschadet der abioeichenden Auftass ungcn im Einzelfall, zu bringe». Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Zeit, dein Parteistreit beizulegen, inoetn das große Ziel unserer Bewegung lvieder ins Gesichtsfeld der Massen gerückt wird— die einheitliche Aktion der Proletarier aller Länder? In diesem Sinne beauftragt der Parteitag alle?artei- Organisationen und vor allem die Parteipresse und den Partei- vorstand, bcj günstiger Gelegenheit zu handeln, Mit allen gegen sieben Stimmen wird die Resolution Severing angenommen, deren Wortlaut wir bereits gestern wiedergaben. Dadurch stich die Anträge 3— 11 und der Antrag Adolf Braun erledigt, die gleichfalls die Einigungsfrage behandeln. Der Antrag Teltow-Beeskow auf planmäßige Förderung des Ab- satzes der Partcilitcratur wird dem Partcioor stand überwiesen. Daraus tritt die Mittagspause ein. Der DerichL üer Reichstagsfraktion. Schmidt-Meitzen beantragt, einem Korreferenten der Min- derheit unbeschränkte Redezeit zu geben. Vorsitzender Ebert: Der Antrag ist bei sachlicher Berichterstattung über die Fraktionsarbeit ungewöhnlich. Für die Frage der Kriegs- k r c d i t e wollen wir einem von der Minderheit gestellten Redner verlängerte Redezeit gewähren.(Widerspruchslos wird so beschlossen.) Referent Dr. David: Die Frage, ob wir Recht daran taten, uns am 4. August 1914 auf die Seite unserer Nation zu stellen, ist unendlich viel diskutiert worden. Der Parteitag wird unsere K r i eg» k r e d i t b e w i 1 1 l- gung mit großer Mehrheit gutheißen und am 4, August hätten Parteitag und Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit dasselbe getan. Damit ist die �ragc eigentlich sachlich ent- schieden. Die Abstimmung am 4. August war ein w e 1 1 g e s ch i ch i- lichcr Akt. Die deutsche Arbeiterilasse stand am Schcideloege und schlug einen der. beiden möglichen Wege ein. Ein Zurück gibt es nicht mehr, aber die Arbeiterklasse will bewußt ihren Anteil an der Geschichte erledigen. Daruui noch einmal kurz die Gründe und Folgen unserer Enisckwidung: Die Abstimmung am 4. August!var keine über Krieg oder Frieden. Der Krieg war eine unabänderliche Tatsache und die Gefahr war groß. Was tun? Eine Nieder- läge- hätte, so schrieb Eduard Bernstein am 25. August, Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung auf Jahrzehnte, vielleicht aus ein Menschen alter unterbunden. Das wußten auch wir und die einzige Rettung Deutschlands war die voll- kommenc Einigkett aller feiner Bewohner. Danach cni- schieden wir. Nun gibt es prinzipielle Gegner der LandeSvcrlcidi- gung, die das Vaterland für eine kapital! st ische P e r w i r- ruugsphrasc erklären. Der Hauptvcrtrcter dieses Verieidt- gungS-Nihilismus war H e r v e, jetzt einer der wildesten Kriegshetzer gegen Deutschland. Aber sein Standpunkt war nie der der Internationale oder der deutschen Partei. Ter Gedanke an eine Internationale, die nicht auf der Grundlag« des Selbst- bcstilnmungsrechts der Völker ruht, und ihr Recht zur Selbst- Verteidigung nicht anerkennen will, ist undenkbar und die Vorstellung vollkommen utopisch, den Krieg durch eine inter- nationale proletarische Weltrevolution zu beenden, nachdem wir«och nicht einmal eine Zusammenkunst mit Franzosen und Engländern zustande bringen. Der ganze VerteidigungS-Rihi- lismus beruht auf der unwirklichen Vorstellung, daß die Menschheit einem nationslosen Weltstaat entgegengehe. Tatsächlich lehren Biologie und Geschichte die immer stärkere Ausprägung be- sonderer Eigenart. Wie flammt« im August 1914 daS deutsch« Gemeinschafts- und StaatSgefühl trotz aller Vcrschüttung durch unsere unglückliche Entwicklung clemenior aus. Wir hätten uns gegen das elementarste Massrngesühl der Arbeiter rir nicht auflehnen können, so tief war die richtige E m p s i n- u n g, daß wir unmöglich auf unsere Selbstbehauptung als Volk verzichten können. Die Unterschiede der Völker und ihre gegensätz- lichen Interessen lassen sich nicht einfach aus der Welt dekretieren, nur dafür können wir arbeiten, daß sie f r i e d- lich ohne Waffen ausgetragen werden. Darum ist der Bcr- teidigungs-RihiliSmus eine blutleere Utopie. Aber er ist wenigstens konsequent hergeleitet aus der Lehre, daß der Arbeiter kein Vater- land habe. Dann aber gibt cS noch eine Gruppe, die prinzipiell die Landesverteidigung anerkennt, p r a t t i f ch aber denen, die hinausgehen, die Mittel rundweg verweigert. Das ist ein unmögliches Darumhernm-" und Zwischendurchgehen. Im Frieden lehnten wir das Militärshitem wegen seiner antidemo- trat rs-ch e n Tendenz ab. Im Kriege war dazu keine Z e i t. Wenn es brennt, kann mau nicht am S P r: tze n s yst e m mäkeln. Wir suchten den Brand zu löschen. Um das LebcnZ- intcrcsse der Nation bandelte es sich, nicht um ein Vertrauensvotum für die Regierung.(Sehr wahr!) Wir konnten unserm Land nickt in den Rücken fallen. Tic Kriegskreditverweigerung wäre eine Parteinahme gegen das eigene Volk zugunsten der feindlichen Kriegs- trciber gelvesen. Die russischen Sozialisten haben die Mittel frei- lich verweigert. Sehr konsequent, aber warum? Sie wollten die Niederlage ihres Landes, sie wollten den Sturz des Zarismus. Sobald das erreicht war. haben sie natürlich die Mittel zur Kriegführung bewilligt.(Hört, hört!) Warum also macht man uns Vorwürfe? Man sagt, und das ist ein neuer Lor- wand gegen unsere Stellung, der Krieg sei für Deutschland gor kein Verteidigungskrieg, sondern ein w c l t h i st o r i- s ch c s Verbrechen, ein Ucberfall auf friedliche Nachbarn. Deutschen haben die Frage der Kriegsschuld- wenig behandelt, weil wir ihre Entscheidung erst von der Kenntnis aller Akten und von der Wissenschaft der Zukunft erwarien. Aber die E n k e n k e s o z i a l i st e n machten sie zu einem aktuell poli- tischen Programm ersten Ranges. Sie verlangten, daß der Frieden ein Frieden der Sühne sein müsse. Deshalb durften wir nicht ausweichen und mußten in Stockholm über die Frage der Kriegsschuld sprechen. Bedurfte, was ich dort ausgeführt habe, noch einer Bestätigung, so war sie in den Enthüllungen des ä ii ch o in l i Ii o w- P r o ze s s e s und in den jüngsten Vcröffent- lichungen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gegeberi. Warum hat man nur dieses Material nicht längst vcr- ö f f e n l l i ch t? Auch der jüngste französische Parteitag in Bordeaux bat sich wieder zu einer energischen Krieg- führung bekannt, von der deutschen Sozialdemokratie aber Na chahmung des russischen Beispiels verlangt, dann sollten wir begnadigt und milde bebandelt werden. Bürgen dafür s eien die Worte Wilsons, Lloyd Georges und R i b o: S lschallende Heiterkeit). Ich erwarte, daß die Unabhängigen den Franzosen daraus die nötige Antwort geben.(Sehr gut!) Die französische» Genossen würden uns nach einer Niederlage gewiß nicht schützen können, selbst wenn sie wollten; sie haben ja nicht einmal ihre Pässe durchsetzen können.(Sehr wahr!) Der Per- nichhrngswille der Feind« ist ja n o ch st ä r k c r geworden als zu Kriegsbeginn und die Gefahr für Teutschland heute größer als jc. In keiner Stunde des Krieges konnte Deutschland über die reine Verteidigung hinausgehen. Bethmann war kein reiner A n n e x i a- nist, er wäre sonst nicht so von den Alldeutschen �ge- haßt worden. Bedrängt durch starke Kräfte hat er sich immer weiter nach links entwickelt. So errangen wir die großen Erfolge unserer Friedenspolitik, das Friedensangebot vom 12. Dezember 1916 und die Friedcnsresolution vom 19. Juli 1917. Der Friedensblock des Reichstags hat sich als fest erwiesen und keine?lbweichung der Regierung von dieser Reickstagsenlschlietzung geduldet. Die deutsche Antwort auf die Papstnotr ist ein weltgeschichtliches Dokument innerpolitisch und außenpolitisch. Zum erstenmal ist ein internationales Dokument von solcher Tragweite unter Mitwirkung des Paria- m e n t s abgefaßt worden.?luch der Versuch der Vaterlands- Partei, die bürgerlichen Anhänger der Friedensresolution wan- kend zu machen, ist zurückgeschlagen worden. Diese Bater- landspartei ist keine Volksbewegung, sondern eine Inszenierung von Großadmiralen, Herzöge», Landesdirektoren, Großindustriellen, Professoren»sw. Sic richtet sich im Gegenteil gegen das Volk selbst und gegen seine Rechte. Unsere Abwchrbcwegung muß auf der ganze» Linie mit voller Energie den VaterlandSparteilern entgegengestellt werden. Im vierten Kricgsjahre warnen sie vor englischen Friedensfühlern. Zum nicht geringen Teil rührt das Kapital dieser Partei aus den ungeheuren Gewinnen her, die jene Leute in der KriegSzeit gemacht haben. Wir müssen in der Presse alle Kräfte darauf konzentrieren: Nieder mit den Alldeutschen! (Lebhafter Beifall.) Mit ReichStagSauflösung und -Staats st reich spielt man in diesen Reihen, man schreit nach dem Diktator gegen das eigene Bolk. Wollen es die Herren versuchen— wir sehen ihren Taten ruhig entgegen! ES ist eine Illusion, den Krieg rein militärisch beenden zu tönmo. Tie U-Boote haben uns nicht vor dem 4. Kriegswinter bewahrt. Sie werden nicht in Monaten und selbst nicht in ein oder zwei Jahren den Engländern den Frie- den auszwingen wie die Alldeutschen es ankündigen. Wir haben vor dem schrankenlosen U-Boot-Krieg gewarnt. Jetzt sind seine.Folgen eingetreten und jetzt muß er natürlich mit aller Kraft seinen Lauf nehmen. Aber die militärischen Druckmittel allein führen nicht zum Frieden. Auch die Feinde täuschen sich in der Hoffnung aus eine Niederzwingung Deutschlands. Auch sie werden damit beschämende Enttäuschung erleben. Zugleich aber müssen wir in die Massen der feindlichen Brüder die Gewißheit tragen, daß Deutschland nicht Raubstaat, nicht der Wehrwolf ist, der die anderen friedlichen Völker überfallen hat. Die Staatsmänner der Entente handeln wie unglückliche Spieler: sie haben alles verspielt und setzen immer noch mehr ein. Sie müßten verzichten — nicht wir— und sie wollen noch nicht auf ihre Erobe- r u>l g s p l än e.jerzichtc>i.(Lebhafter Beifall.) Dazu müssen wir vor allem den Schein zerstören, als ob die deutsche Re- gieruny nicht voll auf dem Boden der Friedens, r e s o l u t i o n stände. Belgien muß besonders durch klare deutsche Erklärungen eine Waffe für die cngliche Friedensbewegung wer- den.(Sehr gut!) Die Friedcnsresolution hat gut gewirkt. Stimmen aus Rußland, auch aus dem Lager der Verbündeten, beweisen es deutlich; aber wenn sie nicht noch besser gewirkt hat, so ist das eben Schuld der Alldeutschen und der— Unabhängigen. (Lebhafte Zustimmung.) Sie haben den Friedensfeinden der Entente das Rüstzeug geliefert, indem sie die Friedensresolution zu zerfetzen suchten.(Sehr wahr!) Täuschen wir uns nicht. drüben besteht noch keine Friedcnögencigtbeit. Die Staatsmänner der Entente sind entschlossen, uns auch in den vierten KriegSwintcr hineinzutreiben. Die deutsche FriedcnSbcrcitschaft ge- nügt leider zum Friedensschluß nicht. Damit fällt der letzte Trugschluß der Unabhängigen und unserer Partei- Minderheit.(Sehr wahr!) Selbst dre französischen So- z i a l i st c n und englischen Arbeiterparteiler sind in ihrer großen Mehrheit zum Frieden ohne Annexionen noch nicht bereit. V a n d e r v e l d e hat ja in seinem Stockholmer Memo- randum ausdrücklich erklärt, die größte Gefahr sei gegen- wärtig ciu brüchiger Friede der Ermüdung.(Lebhaftes Hört! hörll) Zum Frieden kann es aber erst kommen, wenn die anderen sich auf denselben Boden stellen wie wir. Die Resolution vom 19. Juli ist kein einseitiger Verzicht, sondern zu- gleich ei» Schuh für den deutschen Besitzstand.(Sehr gutl) mit erledigen sich auch die Bemerkungen zweier Rodner aus der vorigen Debatte über Elsaß-Lothringen. Demgegenüber müssen wir sagen: Sollte unglücklicherweise der Krieg weitergehen, so werden wir Sozialdemokraten ein gutes Ge- w i f s e n haben und Deutschland wird frei sein von jeder Schuld der Eroberungssucht. Sollen wir no-� einmal an die französischen und englischen Sozialisten appelliere-' Ihre Hofftlung auf unseren Zusammenbruch, auf den Z? sammebruch unserer inneren Einheit ist eitel. Im Bmeidi- gungkwillcn und in der Verteidigungskraft wird daS deutsche Boll unüberwindlich sein.(Lebhafter Beifall.) In der inneren Politik kommt ebenfalls alles auf die Stärkung unserer V». teidigungSkraft an. Die englische Zufuhrsperre hätte u«- nickt die NahrungSmittelnot gebracht, wenn nicht agrarische Interessen und profitsüchtige Händler daS deutsche Volt auöge- wuchert hätten.(Sehr wahr!) Wo wären wir sozialpolitisch in diesem Krieg hingekommen ohne die starke gewerk sch oft- liche Organisation, die Erhöhung� der Unterstützung und der Rente, den neuen Schutz für die Soldaten gegen Will» kür und Schikonen, den wir erst in der letzten Tagung wieder durchgesetzt haben. Schutz der Menschenrechte, Menschenökonomie, Erhaltung und Wiederaufbau des physischen Äörpers unseres Volkes ist unsere Zukunstsaufgabe� uno überall begegnen wir der VatcrlandSpartei als Hemmschuh.(Sehr wahr!) In allen praktischen Fragen sind wir auch im Gegensatz zu den Unabyängi- gen. Sie haben gestimmt gegen die Aufhebung der politische» Zensur, gegen das 5rapitalabfindungSzeseb, gegen die Befreiung der Gewerkfchaftc« von den Fesseln der Bercinsrcchts(Hört! hört!), gegen die Kriegsgcwinnsteucr lHört! hört! Zurufi Unerhört!), gegen die Aufhebung des Artikels 9 der Neichsverfassung. Sie treiben die Politik der Katastrophe, Wik schreiten Schritt für Schritt vorwärts und nehmen alle Abschlagszahlungen an, um sofort auf volle Zahlung weiter zu dringen. Ihre Un- fruchtbarkeit hat in der früheren einigen Fraktion Arbeits- kraft und Arbeitsfreude getötet. Wir können die großen Aufgaben der Zukunft gar nicht lösen, wenn wir weiter diesen inneren Wider stand zu ertragen haben. Wir müssen jetzt aus verschiedenen Wegen marschieren, und nach den Ersolgcn wird das deutsche Volk urteilen. Auch über die K red übe- willigung und die Stellung zum Kriege wird es bei den nächsten Wahlen sein Votum abgeben. Es mag unangenehm sein, bei den nächsten Wahlen gegen einen unabhängigen Kan- didaten zu stehen, aber ganz unmöglich wäre es, für einen Kreditverwcigcrer austreten zu müssen.(Sehr wahr!) Die große Frage der Demokratisierung bal jetzt die innere Krise hervorgerufen. Das gegenwärtige System ist im Kriege gewogen und zu leicht befunden worden.(Sehr wahr!) Es ist nicht geeignet, die Einheit unseres Volkes aufrechtzuerhalten. Starkes StaatSgefühl wächst aus dem Boden der Deniokratie, deshalb ist es in England und Frankreich viel st ä r k e r als bei uns. Wir müssen diese Kraft- quelle auch für Deutschland erschließen. Dazu ist der Krieg die beste Zeit. Wir brauchen dos parlamentarische System, die orga- nische Verbindung von Parlament und Regierung, dann wählt das Volk bei der Parlamentswahl seine Regierung selbst und die Krone ist nur der Vollstrecker des Mehrheitswillcns. Zwischen Volt und oberster Spitze ist dann fein Kons Iii I möglich. Augenblicklich haben wir wiederum einen Kanzler und Staatssekretär, die nicht das Vertrauen des Volkes baben. Die Kanzlerschaft Michaelis hat die Beamten- regicrung in ihrer vollen Nnzulönglichkeit offenbart. Für alle Un- geschicklichkeiten der Regierung fällt heute die Verantwortung auf den Träger der Krone. Er müßte sich s e l b st sagen, ob das ein beneidenswertes Vorrecht ist.(Sehr wahr!) Die mittlere Linie ist jetzt unmöglich geworden. Befriedigen kann uns nur die volle Durchführung' des parlamentarische» Systems auf der ganzen Linie. Die Regierung muß Front machen gegen die Reaktionäre und Kriegstreiber und sich mit voller Ucbcrzcugung auf die Seite des Volkes stelle».(Leb- bafter Beifall.)" In der äutzeren Politik wollen wir den Frieden drr Verständigung, in der inneren Politik die Bolksregiming. Wir verlangen einen festen Regierungskurs, der uns möglichst rasch aus dem Kricgsclcnd herausführt. Wir wollen in Deutsch- laud Zustände schaffen, aus die wir stolz sein können, unter denen jeder freudig für die Gesamtinteressen mitschaffen kann. Demut und Bedlcntenhaftigkeit gehören für uns nicht zum Ideal des deutschen Mannes und zur deutschen ManneSehre. Unser Ideal ist das des ManneS, der sein eigenes Schicksal formt. Unser Ideal eines durch internationale Rechtsordnung gesicherten Friedens haben in ihren letzten Kundgebungen der Papst, Staatssekretär v. Küblmann und Graf Tzcrnin anerkannt. Mit den Thesen des Parteiausschusses vom August 1915 und der Erklärung vom 4. August 1914 sind wir dafür Bahnbrecher gewesen.und haben das sozialdemokratische KriegSzicl ausgepflanzt.(Sehr wahr!) Der Krieg als großer Revo- l u t i o n ä r macht die Bahn frei für Neues. Gewiß stehen uns noch große Kämpie bevor, aber auch unsere Macht i st g c- waltig gewachsen und wir fühlen in uns die Kraft, unge- beure Aufgaben zu bewältigen. Wir haben einen tatkräftigen, tatfreudigen Optimismus, ein freies deutsches Volk mit höchster volitischer und sozialer Kultur, im Innern geachtet, im Kreise der anderen freien Völker ein reiche Frucht tragender Zweig am Baum der Menschheit. Das ist unser deutsches, unser sozial. demokratisches Ideal, das iit die hob« geschichtliche Mission der deutschen Arbeiterbewegung. Werden wir ihr gerecht!(Stür- mischcr, lang anhaltender Beifall.) DieIveiteren Verhandlungen werden auf Mittwoch, vormittag 9 Uhr, vertagt. Schluß ö Uhr. GroMerlln Zur Reorganisation des Zweckverbandes. Vom Magistrat Berlin wird uns geschrieben: In der Presse wird jetzt wiederholt von denjenigen, welche den sonst allseitig als unhaltbar anerkannten Ausbau des AweckvcrbandeS noch zu verteidigen bestrebt find, behauptet, der Oberbürgermeister von Berlin habe den Selbstverwaltungskörperschaslen, darunter auch der Ber- sammlung des Zweckvetbandes, das Zeugnis ausgestellt, daß sie die besten Sachverständigen in sich vereinigte. Diese Keußerung ist in den erwähnten Berichten ouS ihrem Zusammen hang gerissen und in völlig unrichtiger Anwendung wiedergegeben. Selbstverständlich ist in der Verbandsversammlung, i» der die Bürgermeister und Stadt- verordneten einer großen Zabl Groß-Berliner Gemeinden vertreten sind, eine Fülle von Sachverständnis vorhanden, und cS war der Sinn der bcregten Acußerung zu beweisen, daß sie eben wegen dieser Vereinigung eine gtößete Bedeutung besitze als der Verbands« ausschuß. Aber dabei handelt eS sich bei der jetzt ganz Groß-Berlin be- ichästigcnden Frage überhaupt nicht. Gerade der Umstand, daß die VcrbandSversammlung aus indirekten Wahlen hervorgeht, und Mit- glieder der Verwaltungsorgane und der Stadtparlamente unter pattikularislischen Gesichlspuiitten zusammenfaßt, nimmt ihr das An- sehen und die Lebenskraft einer parlamentarischen Vertretung. Was uns bei der Aenderung der Verfassung Groß-Berlins vor allem un- bedingt noitui, ist eine au» unmittelbaren Wahlen der Bürgerschaft hervorgegangene Vertretung, welche über die Schranke der Gemeindegrenzen hinausgreist und Groß-Berliner Geist atmet. Wenn man sich nicht entschließen will, aus diesem Grundstein das neue Gebäude zu errichten, ist das ganze RevtsionSwerk von vornherein verfehlt. Beirat für Städtebau. Unter dem Vorsitz des Unterstaatssekretärs Frhr. v. CoelS v. d. Brügghen tagte gestern erstmalig der vom preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten gebildete Beirat für Städtebau und iiädtisches Wohn, und SiedlungSwcsen. Neben den beteiligten Regierungsstellen und den Stadt- und Gemeindebehörden waren die aus der Städtebauwissenschaft, der Siedlungspraxis, der Bau- genosscnschaftcn und Wohnungsvereine, der Gewerkschaften usw. berufene Vertreter nahezu vollständig erschienen. Nach den ein- leitenden Errkärungen des Vorsitzenden soll die Tätigkeit des Bei- rats zunächst die in das Zustäiidigkeitsgebiet des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten entfallenden Aufgaben auf bau- und sied- lungStechnischem Gebiete umfassen, wobei aber die Erörterung der hiermit zusammenhängenden wirtschaftlichen Fragen nicht grund- sätzlich ausgeschlossen ist. Zu dem ersten Punkt der Tagesordnung(allgemeine Maßnahmen zur Besserung des praktischen Städtebaus) wurde nach einem Referat des Ministcrialrese- renten und reger Erörterung der Versammlung beschlossen, zwei Ausschüsse, einen solchen für Bebauungspläne und Bauordnungen. einen anderen für Kleinwohnungsbau, zu bilden. Dem Ausschuß soll eS obliegen, neben der Aufstellung allgemeiner Richtlinien für eine den neuzeitlichen BedürsnW» angepaßte Eest�iung bor Vi- bauungsptänen und Bauordnungen die Gemeint, n auf ihre.. Wunsch praktisch zu beraten okw ihnen durch Benennung geeigneter Sachverständiger zu Hilfe zu kommen. Einen besonders hreiren Raum der Verhandlungen nahm die Frage der N o t m a ß- nahmen ein. die zur Begegnung eines beim Ilcbergangc vom Kriege zum Frieden ciwr- auftretenden Mangels an Unter- I:> n f t s g e! e g e n h c i t e n zu trcsfen sind. Nach dem erstatteten Referate hat die Staatsregierung den Gemciirden bereits die An- ordnung von Mahnahmen üähegelegt, die geeignet sein können, etwa auftretenden Schwierigkeiten bei der wohnlichen Unterbrin- gung der Zurückkehrenden oder Zuziehenden, zu beheben(Woh- nungSnachweis, Teilung großer Wohnungen, Einrichtung öffent- lichcr Gebäude, Säle' usw. für Unterkunftsgelegenheiten, Auf- Am-IS. Okiober um 1 Lthr mittags wird die Zeichnung der?. Kriegs- anleihe geschloffen. Nun ist keine Zeii mehr zu verlieren, wenn Ou die Er- fültung Deiner pstichi noch hinaus- geschoben hast oder wenn Du in tehier Giunde Deine Zeichnung noch erhöhen willst. Wer jetzi dem Vaierland die nöttgen Mittet versagt, verlängert den Krieg, unterstützt die Feinde und macht sich so unsühnbar schuldig an seinen Brüdern im Felde. Darum mußt Du zeichnen! stellung von Baracken u. dergl.). Im Anschluß daran wurde von verschiedenen Seiten verlangt, daß regierungsseitig alsbald weiter- gehende Schritte getan Iverden, welche die tiefgehende», aller Vor- auSsicht nach aus Jahre hinaus andauernden Schwicrigkeiteu in der Wohnungsbcschaffung mildern können. Der regierungsseitig vorgelegte Entwurf einer Provinzial- bauordnung für.Kleinhäuser sowie ein eingegangener Antrag wegen der beschleunigten Auftnessnng der Stadtgebiete zur Schassung ge- cigneter Unterlagen für die Ausstellung von Bebauungsplänen wurden den gebildeten Ausschüssen zur Vorberatung überwiesen. Wo bleiben die Nährmittel? Man schreibt unS: Seit Wochen schon sehe ich im„Vorwärts" tagtäglich die Lebensmittelnachrichten durch, um zu erkunden, wann der Berliner Magistrat geruhen wird, der Berliner Bevölkerung wieder einmal Teigwaren, Grieß. Graupen u. dgl. freizugeben. Seit ebensoviel Wochen aber ijl mein Suchen vergeblich. Wiederholt zwar konnte ich feststellen, daß in den Groß-Berliner Vorort- gemeinden Teigwaren verteilt werden— so erst am Dienstag wieder in Lichtenberg, Niederschönhausen und Britz— nur in Berlin rührt sich in der Beziehung nichts. Woran licgl das? Ob die in Betracht kommenden amtlichen Stellen vielleicht glauben, daß die in Kähnen eingelagerten Aepfel den Berlinern iur die eiilgangeneii Lebensmittel ein ausreichender Ersatz sind? Oder will man uns als Versuchskaninchen gebrauchen, um festzustellen, ob wir nicht mit noch weniger Nahrungsmitteln auskommen können? Milchkartenauögabe in Grost-Bcrlin. Die Vollmilchkartcn für November kommen in de» zur Fett- stelle Groß-Berlin/4-Liter-Sonderkarten durch die Zentralstelle für Krankenernährimg zugeschickt. Stillende Mütter, die die SäuglingSsürsorgestellen in Anspruch nehmen, erhalten dort die auf'/«Liter gültige Sonderkarte auSge- händigt. Im übrigen ist der Nachweis, daß die Kinder gestillt werden, der Zentralstelle für Krankeneriiährung durch Bescheinigung eines Arztes zu erbringen. Von den Broltominissionen Iverden von diesem Monat ab Sonderkarten für stillende Mütter nicht mehr der« ausgabt. Zunr Ausgleich für die Kürzung der Milchportion erhalten die Kinder vom zweiten bis vierten Lebensjahr Ersatz durch Ausgabe von Nährmitteln. Für den Monat November wird gewährt: den Kindern ini zweiten Lebensjahre ein weiteres Pfund Haferflocken. den Kindern im dritten und vierten Lebensjahre 2 Pfd. Haferflocken oder 2 Pfd. Weizengrieß. Die Austeilung der Bezugscheine erfolgt zusammen mit der Ansgabe der Milchkarten. Kohlen- und Lichtersparnis in den Groft-Berliner Schulen. Da? Königliche Provinzial-Schulkolleginm hat es den Gemeinden überlassen, im einzelnen Maßnahmen zur Erzielung einer größeren Kohlen- und Lichtersparnis im nächsten Winterhalbjahr in den Schulen zu treffen. Bis jetzt haben die Gemeinden Eharlottcnburg. Wilmersdorf und Lichterselde dahingehende Anträge gestellt, die den Ncunuhrschulanfang. die Verminderung der Gesamtheit des Vor- mittagSrmterrichtS durch Kürzung der Pausen auf ö Minuten und den gänzlichen Wegfall des NachniillagsunterrichtS betreffen. Sämtliche Anträge sind bereits genehmigt worden. Bedingte Erhöhung der Gasmenge für Haushaltungen Der Kohlenverband Groß-Berlin hat beschloffen, daß Haus- Haltungen in Häusern, die mit Zentralheizung und Warmtoasscr- Versorgung versehen sind, oder denen eine Einrichtung zum Kochen mit 5whlen fehlt, au f Antrag monatlich 13 Kubikmeter Gas über die auf 99 vom Hundert beschränkte Gas menge gewährt Iverden dürfen. An Stelle der Einzelanträgc der Haushaltungen haben die Hausbesitzer oder deren' Vertreter die Haushaltungen derjenigen Gasanstalt anzuzeigen, welche das Gas für das Haus liefert. Diese Meldung ersetzt die Einzelanträge der Haushaltungen, welche somit unnötig sind und die, falls sie bereits bei der Wohnsihgcmeinde ge- stellt, nicht mehr besonders beschieden werden. Die oben genannten Haushaltungen dürfen demnach nach erfolgter?lnzcigc durch'den Hausbesitzer oder dessen Vertreter 1ö Kubikmeter Gas über die auf 99 vom Hundert des entsprechenden Vierteljahrs 1919 beschränkte Gasmengc Gas verbrauchen. Da? Treiben einzelner Stücke Rindvieh, Schafe. Ziegen und Schweine und die Befördcrnng solcher Tiere in Wagen ist, wie das Oberkommando bekannt macht, in der Zeit von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens ohne Mitführung eines von der OrtSpolizei- oder Gemeindebehörde ausgestellten Ausweises verboten. Zuwiderhand- lungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre, bei Vorliegen mildernder Umstände mit Haft oder mit Geldstrafe bis zu 1399 M. bestraft. Diese Bekanntmachung tritt mit dem heutigen Tage in Kraft. Ein schwerer Strasieubahnznsammenstoß ereignete sich gestern vormittag in der Blücherstraße in Pankow. Ein Wagen der Berliner elektrischen Straßenbahn-Rktien-Gesellschoft, der von der Siraßen- bahnlührerin Grün ans Berlin-Buchholz gelenkt wurde, stieß mit einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnwagen zusammen, wobei die Fahrerin Grün getötet und zwei andere Fahr- gäste durch Glassplitter verletzt wurden. Der Mvrdanschlag auf den Wächter Kraiise in Cöpenick hat seine Aufklärung gefunden. Der Täter, der LLjährige Bäckergeselle ?ranz anS Berlin, ist verhaftet und zunächst nach Cöpenick ge- rächt worden, um einem Verhör unterzogen zu werden. Er leugnet zwar, der Tärer zu sein, wird jedoch von mehreren Zeugen aus'das bestimmteste wiedererkannt. Bei ihm wurde auch ein sünflänsiger Revolver vorgefunden, aus dem er wahrscheinlich die Schüsse ans den Wächter abgegeben hat. F. war bis vor kurzem bei dem Bäcker- meister Noack in Friedrichöhagen beschäftigt und hatte dort in der vorletzten Nacht»inen Einbruch verübt. Der Wächter Krause, auf den F. fünf Schüsse abgegeben hat, befindet sich auf dem Wege der Besse- rung, so daß mit Bestimmtheit auf seine Wiederherstellung gerechnet werden kann. Neukölln. Kartoffclvcrsorgung. Der Preis für die zur Winter- Versorgung in den Haushaltungen zentnerweise abgegebenen Kar- toffeln wird vom 15. d. MlS. ab bei Abnahme von der VerteilungS- stelle auf 8,50 M. je Zentner»nd bei Zulieferung frei Keller oder Erdgeschoß auf 9 M. je Zentner herabgesetzt. Bis auf weiteres werden Kartoffeln zur Wimervorversorgung von den Verteilung«- stellen nicht abgegeben werden. Die Wiedereröffnung des Verlaufs tvird brkanntgemacht. Die Bezugscheine behalten ihre Gültigkeit. Kartofselkleinhä ndler, welche nicht in der Lage sind, das gemäß der Kundenliste festgestellte Wochenquantilm auf einmal ab- zunehmen nnd zu lagern, tollen, wie der Magistrat heute amtlich bekanntgibt, in der Kartoffelkmidenliste beschränlt oder ganz vom Kartoffelhandel ausgeschlossen werden. Für diese Woche gelangen ans die Kartoffelkarten 7 Pfund Kartoffeln zur Verteilung. Bei der Abgabe sind diejenigen Personen, welche die ihnen zustehenden Mengen auf Grund der Slbichnitte 76 a bis 76 g und die auf den LebenSmittelkartenabschnitt Nr. 62 für den Kops der Bevölkerung zur Verausgabung gelangenden 14 Pfund Kartoffeln bisher nicht ent- nommen habe», zu bevorzugen. — Lebensmittel. In den städtischen Verkaussstellcn gelangen unter anderem folgende Waren zum Verlaus: Sterilificrte Milch, Flasche 1,89 M., Nährhefe 1,39 M. je Pfund, Suppe Agnes 13 Pf. je«tllck, Brühwürfel 10 Pf. je drei Stück. Steckrüben 89 Pf. je Dose, Wildentenfleisch mit Büchse 5,39 M. je Büchse, Kaninchen- fleisch 3 M. je Büchse, Kaninchenklein 3 M. je Büchse. Der Ver- kauf findet an Neuköllner Einwohner ohne Beschränkung statt. R rinickendorf. Bcrknuf von Fcrkclflcisch. In unseren amtlichen Verkaufsstellen findet heute der Verkauf von frischem Ferkelfleisch gegen Vorzeigung der blauen AuSwciSkartr statt. Friebrichshagcn. Lebensmittel. In der Verkaufsstelle der Ge- meinde kommen heute ausgeschlachtete Gänse zum Ver- kauf.— Ferner sind Aepfel frisch eingetroffen.— Die Feltmenge beträgt für diese Woche 39 Gramm Butter und 39 Gramm Marga- rme.— Kartoffeln kostet das Pfund 9 Pf.— Auf Abschnitt 33 der Lebensmittelkarte gelangen 39 Gramm Sago zum Preise von 39 Pf. zur Verteilung. Nowcttvc?. Lebensmittel. Von heute bis Sonnabend findet auf Kartenabschnitt 13 der LebenSinittelkarte die Ausgabe von lli Pfund AnSlandSmarmelade statt. Die Ware ist gegen Abgabe der vom Kleinhändler ausgestellte» Bescheinigung in der festgesetzten Zeil in Empfang zu nehinrn. — Eiervcrteilung. Auf den Abschnitt 4 der Eicrkarte(gelb) findet die Ausgabe von Eiern statt. Die Karteninhaber haben den Kartenabichnitl 3 heute bei den Kleinhändlern abzugeben, bei dein sie die Ware zu beziehen wünschen. Anmeldungen, die nach dem 17. bei dem Kleinhändler eingehen, bleiben ohne iveitercS unberücksichtigt. Die Eimenge, die aus den Kartenabschniit 4 cntfällt, wird noch bekanntgegeben.___ Gerichtszeitung. Die Außcnbcleuchtnng der Läden. Der Berliner Kaufmann Tohn hat in der Müllerstraße«inen EieschästSladen, dessen EingangStür sich � nicht unmittelbar an der Straße befindet. ES führt vielmehr zwischen den beiden Schaufenstern des Ladens erst ein zwei Meier langer Gang zu der EingangStür. In diesem Gange Heß Cohn eine elektrische Lampe brennen. Es lvurde ihm zum Vorwurf gemacht, daß er hierdurch den Absatz 2 des§ 4 der BnndesratSverordnung vom 11. Dezember 1916 übertreten habe, wonach die Außenbeleuchtung der Schaufenster und von Gebäuden verboten ist. Da? Land- Stricht III verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe. SS läge Ijier eine äußere BelSUchiun� dsr und sie diene ssSwerdliKen Zwecken�, da sie den Zugang erhellen solle. Der Angeklagte legte Revision ein und bestritt, datz im vorliegenden Falle von einer Ausieirbeleuchtung der Schaufenster oder des Gebäudes die Rede sein könne.— Das K a m m e r g e r i ch t hob das Urteil des Landgerichts auf und verwies die Sache gu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Land- gericht siiriirf. Begründend wurde ausgeführt: Das Landgericht ineine, es handle sich deshalb um eine äußere Beleuchtung im Sinne der Verordnung, iveil sich die Lampe außerhalb des mit den Schau- fenstern und der Ladentür abschließenden Ladens befinde. Durch diese Feststellung könne aber das Urteil nicht getragen werden. Nur wenn festgestellt werden könnte, daß die Lampe auch nach außen und nicht bloß in dem Gange wirken sollte, würde eine Zuwiderhandlung gegen die Verordnung vorliegen. Mus aller Welt. Schweres Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof Schön- Hausen a. d. Elbe. 25 Fcrienkiudcr»ud ein Schaffner tot. Am gestrigen Tage hat sich auf dem Bahnhofe Schön- Hausen an der Strecke Berlin— Stendal ein schwerer Eisen- ' bahmnifall ereignet. Der Kinder-Sonde�ug 2240 bon Tuchel nach Essen, der Stadtkinder aus der Provinz Westpreusien nach der Heimat zurückbrachte, isr gegen 5 Uhr morgens anscheinend infolge Nichtbeachtens eines Haltesignals aus einen im Bahnhof haltenden Güterzug aufgefahren. Mehrere Per- sonenwagen sind zertrümmert. 25 Kinder und ein Schaffner sind tot. 15 Kinder und eine Begleiterin sind teils schwer, teils leichter verletzt und im Stendalcr Johanniter-Kranken- Hause untergebracht._ Jugenöveranftaltungen. Arbeiter-Jugend Gesundbrunuen. Morgen Donnerstag, aZends 8 Uhr, bei 3SU5. Schulstr 74, Vortrag: Zweck und Ziele der Jugend- bewegunz. Gäste, besonders Schulentlassene, sind willkommen l WetterauSstctiten(nr das mittlere Norddeiittcbland bis Donnerstag mittag. Zunächst trocken und vielfach heiter und zeitweise neblig, um Mittag ziemlich mild, in der Rächt zu Donnerstag stellenweise leichter Frost, später im Westen Zunahme der Bewölkung, 6??'sfkafken öe? ReZaktwn. L. M. Das Gesuch müßte an das stellvertretelrde GcneralköttWlaWv gerichtet werden. Der Ersolg läßt lich nicht vorhersagen, da ein Bruder bereits reklamiert ist.— L. M. K. 7'4ö. Wenn Hilfsbedürftigkeit vorliegt, muß Ihre Frau Kriegsunierstühung erhalten, Hiljsbedürftigkeit liegt vor. wenn nach der letzten SIcuervcranIagung das Einkommen für Lrle der Scrvisklasse kl 1000 M. und weniger. Tarijklasse C und D 1200 M. und weniger, Tarifklane A und B 1500 M. und weniger beträgt. Wenn da- durch, daß der Ehemann eingezogen wird, eine Einbuße an Einkomnien nicht eintritt, wird die Untcrstüizung versagt.— G. N."4. 1. Die Z usamm-nziehung findet vs�rteljährlich statt. Hiervon 90 Proz,, aber für ocn Uebereangsmonat �cptember-Oktober 50 Kubikmeter, 2, Ja. — E. G. 47. INllitärhinterbliebcncnrente muß ohne Rücksicht auf das gegenwärtige oder zukünstige Einkommen der Witwe gczahit werden.— BS.£. 30. Sie können nur klagen auf eine, den heutigen Köhlen- verbölwisien angemessene Ersüllmig des Vertrages, Die halbe Woche dürste angemessen sein.— E. S. tiZÄ. 1. bis 4. Rein, 5, bis 3. Erledigt, 10, Rein, da ja die Löhnung als Unteroffizier höher ist,— P. B. M. 100 4. t,und2. Es ist sraglich, ob Anspruch ans Militärrente besieht, da der Unfall anscheinend nicht bei Zlnsübung einer dienstlichen Obliegenheit passiert ist, Stellen Sie aber trotzdem Antrag, 3. Ja. 1. Ist die Versicherung zugunsten der Frau abgeschlosien, mich dieselbe auch den Betrag erhalten.— Schindhelm 89. Wenden Sie sich an den Zentrgl- verband der Handlungsgehilfen, Berlin C, Akünzstraßc 20.— M. S. 33. Auskunst erhalten Sie beim Verband der Schneider, Sebastian- straße 87/38,— L. H. 3. Gibt nur ein Amt. Adresse: Mohrenstr. 11112. Direktion: Max.Reinhardt. Oeutmchcs Theater. 7 zum 1. Male: Winferballade. Morgen: Der lebende Leichnam. Kammerspiele. 8; Kinc gtüekliche Utac. Donnerstag; I'aschäng. Volksbühne. Theater am Blüowplatz. tlntergrundl), Schönh. Tor. V'/j Uhr: Hedria Gabler. Donnerstag: Was ihr wollt. Dir. C. Meinhard— R. Bernauar. Theater i-Königgratzerstr. 7'/. Uhr; Iphigenie aufTauris. Komödienhaus 75,t Uhv; Die, beiden Seehunde. Berliner Theater T'/jUnDIc tolle Komteß. Der neue umfangreiche Variete-Spielplan i hl eure abend 7'/. Uhr: iMaw: Mexiko«! Große Original- Ausstattungs• Pantomime m. Gesang n, Tanz i.4Akt.. inszen. v. Dir. A. Schumann. 1. Akt: Auf der l'arm 2. Akt: Inder l'estans :!. Akt: InderOplum- hbhle dss Chmesen- viertels v. St. Francisko I.Akt: Das geheime unterirdische Tcnipcllcst im Chinesanv. v.St. Francisko. Vorh.: Das gr Zirkus-Progr APOLLO Friedrichstraße an dar Kochstr. Dir. James Klein. Allabendlich 7';4 Uhr: DieBocteeitflcsMaharatti Theaterk. ununterbr. geölln. Konntags: 2 Vorstellungen, ö'/j und 7°,� Chr. Tägl. I'i,. Sonnt. 3-/. XL"1!, Nur noch bis 22. Oktober. üet Infüie Bilm mit W. Hnrtwtelu. Dazötl. große Ökt.-PpoiF. Schluß des Hartstein- Ijawtwptels a. 31. Okt. Rose=Theater. 7'/; Uhr: Oer Weiberfeintl. Kerkau-Falast Behrenstraße 48 Iml. Stock Punkc ö U. nm.: Marionetten Cnt. ander, ward, vockjef.: Francilla Kaufmann Lucio Kieseihausen Klassische Tänze 8ent M'ahesa Oriontalische Tänze Robert S t e I d 1 Gebrüder Wille Hand- u. Kopf-Aln'obaten Salome der berühmt».Tengleur Blonde) am Schwungseil Toto der unverwüsfl. Clown Hochintoress. f. Erwachs. nnd Kinder, jung und alt. Keine erhöhten Preise für Getränke erster Güte. Eintritt u. Garderobe frei. l/nnTCPt d. allbekannten iiuliZiCri Gottschalk-Kap. Theater lürMittwoch, den 17. Oktober. Metropol-Theater Ols Rose von Stambül. Central-Tbeater, KomraandantenstraJjo 57. 7'/,: Die Ctsardasfürstin Rcatschpfs Opernhaus 7 uhr: Carmen. Friedrich-Wilhtlmst. Theater f/jUhr; fias DreiÄrlliaüs. Kleines Theater ti, uhr: Biiifp Sehippel. Komische Oper T'k. u.: SeöwarzwalßraMel. linstsplelhaus ■73i m,. lhe blonden Mädels '« vcm Lindenhof. Neues Operettenliaus Sohiöbd. 4a. Kassent.Nd.2Sl 'V« uhr � Oer Saliiat der Marie. URANIA S U.: Auf den Spuren deutscher Auslandsarbeit. 6 ü.: Prof. Dr. B. Donath: � Einführung indieWeohselstrom- "technik. 8 U.; Dr. W. Berndt: Die Ahnenreihe der Menschheit. 7',. Uhr; Kesldena-Thcater 7'/. Uhr: ßyekerpöüs Erter. fSchiller-'lL'heater O t/, uhr: Johannes. kSchlller-Th. Charl. 71/. dir: Siahl undGold. Anf der Sonnenseite. Thalia-Theater 7 Uhr: Stab! nnd Gold. lipon«.»eine Prärien. Theater am N'oIIendorfplatz 3lL U.: Der Freischütz. 7 Uhr: Theater des\Vestens Jer verliebte Herzog T'/jChr mit Guido Thielscher. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich'/.K Uhr- Wirklicher.Bnmor! Gr. Erfolg! Die Schlagerposse Heiraten mutzte! Vorher der ueue bunte Teil. Sonnt. 4 Uhr: Gusie, die Perle. Trianon-Theater Georgenstr., Bhf. Friedrichsir. '1,8 TJ. Allabendlich'/.SU. Der Lebensscbülsr. Schauspiel von Ludwig Fulda. Kaiser-Titz, Ida Wüst, v.Möllendorff, Kettner, Flink. Sonntag 3'/,: lchannisteuer. KiilfDKlIiC 7DDNDD '/.8 Uhr. Cöpcnicker Str. 68. Täglich"/.S'Ubt: Grötttcr Krfolg;! Das ist die Liebe! Musik von Walter Bromme. Sonntag ö1/. Uhr: Was junge Mädchen träumen! REielishaüen-Tlieater Stettiser Sänger. Anfang T1/, Uhr. ied. Sonnlag nachmittag 3 Uhr Vorstellung z. ermäßigten Preisen! Logen 1 M,. Parkett 75 Pf. Eintritt 39 Pf. Billetts schon heute! Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich: Loge No, 7. Aasfeneröffn. 61/,, Ansang 7'/, U. Täglich u. Sonntag 3'/, Das große Neu! Zirkns- Progr. Neu! Alex u. Hermann! Kopf auf Kopt. Neu! Neu! Die weiße Dame und die Schmetterlinge neuart. 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SMtle Mitte u. alle anderen Sorten uene u. gebr. Korke. 6*92/ Frankfurter Korkwerk K. m. b. H. Annahme b. Drdo«er, Gcorgenkirchitr. 50 b. Alerander. platz, s— 12. 3—6. Walkails-Ikealer. 3'f, Uhr: lOOl Xncht. Zigeuner. 7% Ubr: J? Berliner Konzertliaus Mauerstr. 82. Hcnte: Zimmerstr. 90/91. Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang 71/j Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7't, Uhr. An allen Wochentagen AachmlttasM-Konzcrt bei freiem Eintritt und voller Orchesterbesefzimg. fit ein Med beseitigt[18082* DrStraWs KallSsllliltl jed.SautauSschlag.FIechten, I Hantjucken, bes. Bein- 1 schädcn. Krampfadern\ der Frauen u. dcrgl. Zusendg. cisolgt per Aach- nähme in Tosen a 2,20. 1 3,85, 6,60. Elefanten-Apotheke, Berlin, 1 Leipziger Slr. 74 (am Dönhoffplatz). Mäntel Kragen Muffen Seal Bisam+ Seal Electric Persianer+ Breitschwanz Astrachan+ Fohlen Pelzgefütterte Mäntel Elegante Modelle i R. M. Maaßen 1 Oranienstr. 165 G. m.- b. H. 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Oliober, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichen Halle deS Thomas- Kirchhofes in Neukölln, Hcrmannstraße, aus statt. Die Bezirksverwaiiung Deuücftep Cextilarbeiicf'ÜG'band. • Unser Vori'Iandsmiiglied, der Posameniier, Kollege M SMefslflü ist am 14. Ottober verstorben. Für seine rege Tätigkeit und sein eifriges Wirken sür die Jnicrejscn der Textst. arbeiter werden die Kollegen ihm ein ehrendes Andenien bewahren. Die Beerdigung sindet am Donnerstag, 18. Lkiober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Zentral- Friedhojs in FriedrichSseldc aus statt. 199/16 Ter Zentratvorstaud. granMxds Ieksncklung von Herven-, Nieren-, Frauenleiden(ünterleibsleiden), Lungenleiden, Tuberkulose, Magen- und Darmieiden, Epilepsie, Schlatlosigkeit, Schwächezuständen. Ischias, Rheumatismus. Gicht,' Flechten. Hautleiden usw. Ilip Hopmanklt kkll»Q««or Sitr. direkt a. d. Friedrichsir Uli. Uk!I llltlittiö, Sprechst tägl. 10— 1 u. 5— 8>/� Sonnt. 10— l Uhr Die Einäscherung itnsereS verstorbenen Mitgliedes, Herrn Wilii Luscimat Berlin, Stockholmer Str. 30, smdet morgen, Donnerstag, den 18. Ottober, mittags 12 Nhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstraße 37, statt. Ehre seinem Andenke« 1 Hiermit die traurige Nach- richt, daß unser guter, lieber söhn Erich im Alter von 12 Jahren 8 Monaten an Typhus sanft entschlafen ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Robert W eise und Frau nebst Geschwistern. Die Einäicherung findet am Freitag, den 19. Ottober, nachmittags 2 Uhr, im Kre- matorium Kerichtstraße statt. Speziaiarzt Dr. med. I-aabs beh. schnell, gründl., mögl. schmerzlos u. ohne BerusSstör. GesohlechtskrankheiL, geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. SrpioBtefte Methoden Ehrlich-Hala-Kuren. Harn- u. Blutuntersuohung.* WM M, agÄ- Spr. 10— I u. 5— 8, Sonnt. 10— 1 Hr. 285— 1917 Unterhaltungsblatt öes vorwärts Mittwoch, 17. Gktober Silöer von öer?nsel Gesel. Weltenliegen und doch landnah liegt die Insel Oesel, der Riegel deZ Rigaischen Meerbusens, in den Fluten der Ostsee, deren gröstte Insel sie ist. Don ihrer Südkiiste, und ganz besonders von der stngerartig vorgesckiobenen Halbinsel Sworbe, die jetzt bereits in deulscher Hand ist, blickt man hinüber auf den kurländischen Strand und sieh! das Kap Domesnäs; im Norden aber schiebt sich die Nachbarinsel Dago dicht an Oesel heran, während im Osten die Heinere Insel Moon überhaupt nur ein altes, von der Flut los- gerissenes Stück Oeseler Landes ist, das jetzt bei Orissar durch eine Brücke wieder mit der Stamminsel verbunden ist. Der Blick auf, oder richtiger gesagt: an Dagö vorbei, den man von der Nordost- küste Ossels aus genießt, ist wobl das Schönste, was die Insel an N a t u r b i l d c r n zu bieten hat. Dort fällt der Strand in einer zackigen Kallsteinwand, die den Namen Mustelpank führt, überbängend zum Meere ab, und von der Höhe schweift der Blick im Dagö vorüber auf die grenzenlose Fläche des Finnischen Meerbusens, während am Fuße der Felswand besonders bei Nord- wind die Brandungswellen gleich Reiben schaumumsprühter Meer- frauen anrennen. Die Steilküsten des Nordens und des Westens bilden landschaftlich Ossels schönsten Teil, während der Südstrand flach und sandig ist und seine Entstehung durch Seesandansplllungen deutlich verrät. Was das landschaftliche Gepräge der Insel im all- gemeinen �angeht, so trägt sie— wir folgen den Schilderungen eine? Sohnes Oesels, des Dr. Masing, und de? bekannten baltischen Historikers Dr. Ernst Seravhim— einen ausgesprochen nordischen, ernsten Charakter, in dem sich die bekannten Haupteigentümlichkeiten der balkischen Natur im wesentlichen wiederholen. Im Innern des Landes bieten besonders kleine Waldseen dem Wanderer oft Bilder von hohem Stimmungsreize; Interesse erregen auch die hier und da noch aufzufindenden Bauernburgberge aus Heid- nischer Zeit. Nordisch nannten wir das Gepräge der Insel, dennoch ist ihr K I i m a für diese Breiten sehr vorteilhaft und milde zu nennen. Bei dem geringen Umfange Oeseis— es ist nur etwas mehr als W Kilometer lang und bis reichlich 40 Kilometer breit— steht es durchaus im Zeichen des Seeklimas, daher die Sommer nicht beiß und die Winter nicht kalt sind. Am besten zeugt der Pflanzenwuchs für die Milde des Klimas. Auf Oesel wächst sehr schönes und edles Obst, in den offenen Gärten von Arensburg sind die Weintrauben reif geworden, und in den Wäldern wächst eine Zedernart. Zumeist aber sind Oesels Wälder Tannenwälder und ihr kräftiger Hauch be- lebt und würzt die Luft. Man schreibt diesen Wäldern einen An- leil an den günstigen GesundbeitSverhältnissen der Insel zu, die sich z, B. darin bekundet haben, daß die großen Cholerajahre des 19. Jahrhunderts an Oesel vorübergegangen find, ohne Opfer verlangt zu haben. Ein gesundes, charaktervolle?, friedliches Stück Welt ist es, dieS Oesel, und friedlich schäm— oder schaute wenigstens bisher— die Hauptstadt und einzige Stadt der Insel über den Sund im Süden, DaS ist A r e n s b u r g, ein Städtchen von nicht mehr als 4509 Einwohnern, dem es doch an Regsamkeit und Leben nicht fehlte. Denn so lange die Schiffahrt im Betriebe war, legten die Dampfer, die nach Riga, Reval und Petersburg fuhren, hier an und überdies hatte die Stadt im Sommer zahlreiche Bade- gaste, die sich des vortrefflichen Sandstrandeö erfreuten. Hier in Arensburg wird der Blick auf die Geschichte OeselS gelenkt, an die das massige, von niedrigen, schweren Turm- bauten überhöhte Bischofsschloß noch jetzt erinnert. Das war im Mittelalter der Sitz des Bischofs von Oesel. dessen Sprengel sich auch aufs estnische Festland hinüber erstreckte. Leicht ist cS dem Christen« mme nicht geworden, die Insel sich zu unterwerfen. Die Oeselaner, die Seraphim noch heut einen besonders kräftigen und intelligenten Menschenschlag nennt, waren in grauer Vorzeit gefürchtete See- räubcr und kühne Seefahrer, die sich nur widerwillig dem Joche von Schwert und Kreuz beugten. 1227 wurde Oesel unter der persönlichen Führung des Bischofs Albert von den Deutschen erobert, die aber freilich den zähesten Widerstand der Insulaner zu brechen hatten. Von da ab teilte die Insel in ihrer Weise die Geschicke LivlandS, und ihre Geschichte ver« lief in den bekannten Formen der Kämpfe zwischen den verschiedenen geistlichen und weltlichen Machtfaktoren. Ein anderes aber kam zeilweise noch dazu: das war der Widerstand der besiegten Ur- bevölkerung. Er führte 1343 zu jenem blutigen Jahre, das in OeselS Geschichte unvergcffen ist. Damals erhoben sich nach stillen, sorgfältigen Vorbereitungen die Esten der Insel, veranstalteten einen Massenmord der Deutschen, zerstörten die Kirchen und Klöster und eigneten sich die unumschränkte Herrschaft an, die fie dreiviertel Jahre lang innehatten. Erst im Februar 1844 gelang eS den deutschen Rittern unter den, Ordensmeister Burchard von Dreilöwen, die starke Holzburg der Esten bei Kerris zu erstürmen, nnd nun nahmen die Sieger ihrerseits ihre Rache— 9000 Esten sollen außer denen, die im Kampfe gefallen waren, damals getötet worden sein, Solche Wendungen sind in Oesels Geschichte seither nicht mehr vorgekommen. Sie ward dänisch und dann schwedisch, und nenoß besonders unter dänischer Herrschaft gute, stille Zeiten, bis.Peters des Großen Feldherr Scheremetjew mit seinen Russen 1710 über den gefrorenen Sund rückte und nach echt russischer Weife alles verbrannte und vernichtete. Auch Arensburg ging damals in Flammen aus nnd seine alte Domkirche mit; verschont blieben nur Schloß und Festung und das sind noch beute die stimmungsvollsten und geschichtlichsten Stätten dieser friedlichen Landstadt, besonders an den alten Festungswällen finden sich viele poetische und malerische Winkel. Oesels Schicksal aber war seit jenen Tagen des Russen- schreckens entschieden; es fiel dem MoSkowiterreiche zu und ist seit- dem 200 Jahre russisch geblieben. ?tus Horch ßocks Tagebücksrn/) Die meisten Menschen sind nur Matrosen an Bord ihres Lebens- schisses— und sollten doch Reeder und Steuermann sein. Gebot der Weisheit: die Menschen zu nehmen, wie sie sind; Gebot der Klugheit: sie zu nehmen, wie sie genommen sein wollen, Mache dich nicht klein vor den Leuten, sie gucken einfach über dich hinweg. Von den Singvögeln müssen wir lernen, die auf dürren Aesten am lautesten singen. Wir singen auf dürren vor Angst und auf grünen vor Sattheit nicht mehr. Der einzelne diene dem Stamm, der Stamm dem Volke, das Volk der Welt und den Zielen der Welt. Aber der einzelne soll nicht losgelöst von seinem Stamm etwas leisten wollen. Er ist nur eine Sprosse und kann nur in der Leiter wirken. Die Begeisterung für die Schneiderei ist immer bei den Schustern größer als bei den Schneidern. Ja, die Welt, die wnnderkluge Welt: Helden, die verlieren, nennt sie Narren, Narren, die gewinnen, heißt sie Helden. DaS sind die gewöhnlichsten Menschen, die alle Blumen der Freude mit Bierkrügen umstellen müssen. Aus der großen Menschen Wollen Quillt der kleinen Menschen Sollen. Leidenschaft ist wie Dampf: wenn fie bekämpft, gepreßt, unter- drückt werden soll, hat sie Riesenkräfte. Wir sterben alle am Wege: wer von erreichten Zielen spricht, ist ein Narr. NörgelgederS, goht mi ut den Weg! Von den, de mi niks to geben hett, lot ik mi ok niks nehmen. Den ersten Dienst, uns auf die Welt zu bringen, leisten uns andere, ebenso den letzten, uns in den Sarg zu legen: dazwischen liegt unser Dienst. Du kannst dein Leben nicht verlängern noch verbreitern: nur vertiefen, Freund. Beim Werdenden suchen wir nach Vorzügen, beim Meister nach Fehlern. Das Ziel des Lebens ist mehr als der Sarg. Nicht, was einer werden will, was einer werden kann, das wird er I Was ich verachten will, das muß ich— kennen! Wie viele Freude schläft in uns— und wir wecken sie nicht! Nichts ist unerträglicher als ein häßliches Weib mit den An- sprächen und Launen eines schönen. Alle Freiheitslieder kommen aus dem Kerker, Alles belächeln kann und mag der Meusch: seine LiebeSjähre, seine Lehrzeit, sein Dichten und Handeln l Aber eins wird er nicht belächeln: seine Kindheit. Die kann er nur segnen oder beweinen oder verfluchen: belächeln nicht. Wer mir Freude geben kann, gibt mir daS Beste, gibt mir mehr als Geld— denn mehr als Freude könnte ich mir auch für Geld nicht verschaffen, Hab deinen Kampf mit der Welt und deinen Frieden mit dir: das ist bester als umgekehrt. Wer auszieht, Gott zu suchen, kehrt mit sich selbst heim. Dem Nachlaßband entnommen, der soeben mit einer Lebens- beschreibung des Dichters unter dem Titel»Sterne überm Meere' bei M. Glogau jr. Verlag in Hamburg erschienen ist. Wenn wir hier in die Seele des Dichters Einblick tun, so greift uns wieder bittere Wehmut an, daß das Meer, seine Nordsee, uns diesen Dichter voll schöpferischer Kraft in der Seeschlacht am Skagerrak ge« raubt hat. Der Kampf ums Dasein ist kein Heldengefecht, sondern eine erbärmliche Rauferei um den Groschen. Die Vorkämpfer werden zu Krüppeln geschaffen, die Nachkämpfer zu Rittern geschlagen. Die Menschen mit der Wahrheit gewinnen wollen, heißt eine' Festung an ihrer stärksten Seite berennen, Das aber sage nie zu einem Menschen: Bleib, wie du bist! Es heiße: Werde, was du werden kannst! Gesieh e§ dir geruhig ein, daß du jetzt glücklich bist, damit du nachher weißt, daß du einmal glücklich gewesen bist. Bezähmte Leidenschaften: aus mich macht ihr denselben trüb- seligen Eindrrck, wie ihn Wüstenkönige machen, die hinter Eisen- stangen sitzen. Die Kinder sind mehr als die Eltern! Wir sehen es schon daran, daß sie kein Gottcsgebot zu ihrem Schutze brauchten, während Vater und Mutter dieses Halts bedurften. Neues vom Naöium unü seiner Verwertung. Leuchintassen, die ihre Leuchtkraft dem Radium verdanken, spielten schon in den letzlcn Jahren vor dem Krieg eine bedeutende Rolle, die der Krieg aber noch ganz besonders steigerte. Man denke an die Millionen von Armbanduhren mit leuchtendem Zifferblatt, die im Felde getragen werden, wozu noch vielerlei 'Apparate wie Kompasse usw. kommen. Im allgemeinen be- steht die Radiummasie aus Zinksulfit, daS durch beigemengte Spuren von Radiumsalzen, d, h. von den davon aus- gehenden Strahlungen erregt und zum Leuchten gebracht wird. Bei der Jugendlichkeit des ganzen Gebiets sind noch nicht allzuviel wissenschaftliche Ilntersuchnngen mit praktischem Ziel hier aus- geführt worden, wie sie jetzt durch Mitteilungen in»Licht und Lampe" auf Grund englischer Quellen wesentlich bereichert werden. Zunächst Untersüchungen über Helligkeitsschwankungen. In den ersten Minuten nach der Herstellung ist die Helligkeit nur gering. Nach 10— 1b Tagen erreichen die Leuchtmaffen die Höchstwerte an Helligkeit, die dann abfällt. Da e§ b— 7 Tage dauert, bis das erste Produkt des Radiumzerfalls, die Emanation, seinen stabilen Höchstwert erreicht, so ist dies erste Ansteigen nicht überraschend. Durch das Aufprallen der Strahlen auf das Zinksulfit wird aber eine Zertrümmerung des Sulfits bewirkt, wodurch dann daS spätere Abfallen, das in logarithmischen Kurven erfolgt, bedingt ist. Bei praktischen Versuchen fiel die Leuchtkraft im Lauf von 220 Tagen auf 3/4 bis'/a des Höchstwertes, wobei die Leuchtkraft aber noch immer höher war als in den ersten Stunden nach der Herstellung der Leuchtmasse. Nach 2500, 25 000, 250 000 Togen würde die Leuchtkraft um je 25 Proz. fallen. Da aber die letzte Anzahl Tage schon 885 Jahre ergäbe, so kommen praktisch die Zeiträume nicht mehr in Betracht. Die Abnahme der Helligkeit während des ersten Jahres ist etwa ebenso groß, wie in den folgenden 1000 Jahren. Es kommt daher für die Praxis darauf an, die Mischung so herzustellen, daß das , Radium zwar für mehrere Jahre genügt, daß aber auch genügend Zinksulfit für die Zertrümmerung vorhanden ist. Die photographischen Untersuchungen haben ergeben, daß der Glanz der Leuchtmassen von der Größenordnung von 10 Mikrokerzcn auf das Quadrat zentimeter ist. Eine Wand von einer Million Ouadratzentimctern, die also 10 Meter im Quadrat wäre, würde mit Leuchtmasse be- strichen erst 10 Normalkerze» ergeben. Besondere Berücksichtigung müßten bei den Untersuchungen auch die Glassorten finden, da ja bekanntlich GlaS durch Radium beeinflußt wird. So zeigte sich, daß Bleiglas braun, SedaglaS rot ge- färbt wurde. Flache Glasflaschen mit Leuchtmaffe ver- färbten sich innerhalb 15. Minuten so, daß sie bis zu 18 Proz. des von der Radiummasse ausgestrahlten Lichtes ver- schluckten. Ein Keiner grünlicher Klecks ist eS, auf den man in dunkler Nacht einen flüchtigen Blick wirst, um die Zeit festzustellen, aber wie wunderbar und verwickelt sind die Vorgänge, die von den meisten überhaupt nicht beachtet, sich in ihm abspielen. Notizen. — Da? Deutsche Theater in Warschau wurde am Sonntag mit Goethes„Iphigenie" eröffnet. — Ein bisher unbekannter Rcmbrandt wurde in den Gemäldebeständen der Berliner Kgl. Schlösser von Bode entdeckt, Es ist der Kopf eines hätzlichen Mannes vov ausgesprochen flämischem Typus. Rembrandt dürfte ihn 1601 gemalt haben, als er russische Pilger mehrfach porträtierte. Der Typus kehrt dann vielfach in seinen religiösen Darstellungen wieder und ist dort zu ergreifendem Ausdruck gesteigert. Die welfthe Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhunderts. 13s Von R. France. „Ei, Du magst ja pbilosopsiia naturalis gar zu gerne leiden, wie ich merke; nun bleib' heute hier, kann Dich auch später noch zum Helfen gebrauchen, mein Sohn, und Du sollst sehen, wie tief geheimnisvoll zwei Welten ineinander- spielen in Leben und Tod. Jetzt richte einmal den armen Teufel noch ganz zurecht für die Demonstration morgen— um acht kommen meine Gäste— will Dich gerne unter ihnen sehen." Und freundlich nickend, ging er ernst, fast traurig hinauf in seine Studierstube. Dort trat er ans geöffnete Fenster. genoß der linden Abendluft und sah gedankenvoll hinaus in die friedfertige Welt, die sich allgemach zum Schlafen rüstete. Die Sonne war vor kurzem untergegangen,— helles Schwefelgelb lag am Himmelssaum an ihrer Stelle. Und eine Wolkcnbank darüber glomm soeben an mit roten Rändern. Der Würzduft der Gartenblumcn ging mit dem abendlichen Hauch herein zum Fenster, ferne hallten Kinderrufe— dann blieb mit feierlicher süßer Stille die Zeit stehen. Nur das Licht wanderte über den Himmel in stillen heiligen Farben— Wolken wurden rosa angezündet und brannten aschengrau aus. Und aus einmal glitzerte kühl der erste Stern im kühler gehenden Wind... Der alte Professor Widmont aber lehnte seinen müden Kopf an den Fensterrahmen und dachte, und dachte— über Welt, Leben, Tod und Gott... Peißer, der ihn so gesehen,.als er das Gartentor schloß, sagte später, er sei ihm erschienen wie einer der Patriarchen aus j�ner Zeit, da die Menschen noch glaubten, daß Gott mit einem von ihresgleichen reden könnte— -anders reden, denn bloß im Schweigen eines blitzenden Sterns, im Verglimmen der Abendröte oder in der heiligen Stille eines sinkenden Tages. Ein Geräusch störte den alten Mann aus seinen Betrach- tungen auf. Der erste der Gäste war gekommen. Sein Jugendfreund und Kollege an der Universität war es. wo er neben der Physik auch Chemie zu dozieren hatte. Wunder- bare Histörchen liefen um vom biederen alten Dr. Wigulaeus Hundt, von denen die lustigste war. daß er. der sonst den Studenten auf Uhren, ihre silbernen Schuhschnallen und Pfeifenköpfe gern kleine Darlehen gab, teils aus Gutmütig- keit, teils um mit den Zinsen sein nicht zu reichliches Ein- kommen zu erhöhen, worauf fast jeder der Jngolstädter Pro- fessoren angewiesen war, einmal aus Kurzsichtigkeit zwei Taler auf eine große Retorte geliehen hatte, die die Spitzbuben ihm aus seinem eigenen Laboratorium zuvor entführten. Dieser Mann des trefflichsten Herzens war kein Stimmungsmörder für Widmont, mit dem er die großen Lehnstühle ans Fenster rückte, um in der weichen Dämmerstunde noch einiges zu ver- plaudern. „Bin schon höchst begierig, welchen Gaukler Du da auf- getrieben mit seinen magnetisch magischen Experimenten, an die ich offengestanden niemals geglaubt habe, noch je glauben werde." So begann Dr. Hundt das Gespräch auf den Zweck der Einladung zu bringen. „Warte, Hundtius, mache die Augen auf und rede vor allem nichts, dann wirst Du Dich nicht blamieren." „Blamieren werde ich mich überhaupt nicht", räkelte sich der Physikus,„denn Du magst mir zeigen, was Du willst, ich weiß ein für allemal, daß es dergleichen nicht gibt in unserem aufgeklärten Zeitalter und deshalb werde ich nie das geringste von Deinen Künsten glauben." „Wer ist das?" unterbrach er sich auf das Geräusch des nach getaner Arbeit eintretenden und sich für die Wünsche seines Lehrers bereit haltenden Studenten. „S' ist ein Student meäioürae, ein guter und Vertrauens- würdiger Jimge— der Sohn des alten Akziseneinnehmers Peißer, hast ihn ja gekannt, der nun mit Mutter und Schwester am Donautor haust." DaS übrige flüsterte er nur. „Perträgt nicht alles Reden— mag aber zusehen heute. da er so eifrig ist... und so brav für Freiheit schwärmt." Den letzten Satz hatte er überhaupt nur in den Bart geschmunzelt. Neue Gäste kamen. Ein bartloser kleiner Mann mit eis- kalten Augen, die sonderbar von den warmen Worten seiner gesuchten Höflichkeit abstachen. Professor Crollolanza las über kanonisches Recht, und Widmont hätte ihn ganz gewiß nicht in diesen intimen Kreis geladen, würde ihn der Italiener, der um die bevorstehenden Experimente irgendwie wußte, nicht ausdrücklich darum gebeten haben, ihnen bei- wohnen zu dürfen. Auch den galligen Stadtmedikus hatte er zu sich gebeten, da der überaus belesene und scharf urteilende Mann ihm be- sonders geeignet schien, über den eigentlichen Akteur des Abends zu wachen, dainit alles redlich sei und üblem Arg- wohn entrückt. Dieser Akteur aber ließ auf sich warten, und so verkürzte man sich die Zeit mit Erzählen. Natürlich drehte sich alles dabei uni die geplante Vorstellung im natürlichen Geister- sehen, wie der Stadtmedikus das zu Erwartende nannte. Keiner von den Anwesenden hatte darin Erfahrung, nur der Gastgeber selbst. Der war vor Jahren in Paris gewesen, gerade um die Zeit, da die Königin dort den Wiener Arzt Mesmer, der vor mehr denn 35 Jahren bei ihm Anatomie hörte, so begünstigte, was man ihr später noch schlimmer an- rechnete als die Halsbandgeschichte des Kardinals Rohan. „Bei dem Herzog von Lauzun fanden damals mit seinem Schüler Mesmer Sitzungen statt, in denen das Erstaunlichste geschah, so mir je zugestoßen. Ein artiges Frauenzimmer wurde in eine Art TodeSschlaf gebracht, in dem sie sprach und die merkwürdigsten politischen Prophezeiungen von sich gab, von denen ich verschiedenste auf das Peinlichste seitdem als eingetroffen erkannte." Wiglaeus Hundt lächelte sarkastisch und zwinkerte Crolle- lanza mit den Augen zu. Der aber saß steif mit kaltem Gesicht. Der Stadtmedikus Bittclmayr stopfte sich seine Pfeife, zuckte die Achseln und sagte dann giftig:„werden ja sehen". Nur auf Jakobus Peißer machten diese Erzählungen den tiefsten Eindruck, nicht nur, weil sie von seinem abgöttisch verehrten Lehrer und Meister kamen, sondern weil sie seiner ganzen schwärmerischen Gemütsart so verwandt, ja das lang- ersehnte„innere Gesicht" waren, nach dem es ihn dürstete in seiner unter jedem Druck und Ungerechtigkeit feinfühlig erzitternden Seele. Schon die stundenlange Arbeit mit dem Toten da unter ihnen hatte feinen noch von den gestrigen Auf- regungen und Ausschweifungen her erregten Geist aufgewühlt, dazu kam nun die unerwartete Auszeichnung, einer solchen ge- lehrten Gesellschaft beiwohnen zu dürfen— da hätten auch schon weniger geheimnisvolle Andeutungen genügt, um ihn zur Fieberhitze zu entflammen. Dr. Widmont hatte von peinlichst eingetroffenen politischen Prophezeiungen gesprochen; im Geiste hob er flehentlichst die Hände zum Himmel, es möchte ihm doch vergönnt sein, auch heute selbst zu erleben, vielleicht gar Sicheres über die zukünftige Entwicklung der Dinge im von ihm so geliebten Frankreich zu erfahren. O, wie konnte er dann Solms und dessen duckniäuserische Reden widerlegen!...(Forts, folgt.) Wie tariert man Augengläser? Nicht nach dem was Sie kosten, sondern nach dem was Sie leisten! Wenn Sie«in Augenglas noch so billig kaufen, ja selbst wenn Sie es geschenkt erhalten, und Sie haben keine Freuds daran, weil es Ihnen nicht paßt, oder nicht gut sitzt, so hat es keinen Wert für Sie; kommen dazu noch häufig Ausgaben für Reparaturen, so wird es bald sehr euer, und dabei sind Ihr Aerger, Ihre überan- strengten Nerven, Ihre ve- säumte Zeit, und da«, was Sie weniger leisten konnten, als mit einem guten Glase, noch garnicht in Rechnung gestellt. 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Co., Belle-Allianee- Straße 1/2. 10651* ZeitnugsauSträgerinuen können sich melden.„Vorwärts"- A»SgabeftelleLausitzerplatzl4i 15. Botenfraaen verlaugt„Vor- wärts"-Speditton, Watlslr. 9, Laden. Von 11— Iis urid i'.'i bislvbr.��_____ ZeitungSäusträgerin~ sofort einzustellen. Vorwärtsspedilion Moabit, Wilhelmshavenerstraße 48, von 11— IV» und 41a— 7 Uhr._________• Frauen zum Zeii.mflsauZ- Iragen sucht„Vorwzrts"-Ans- gabestelle Alt-Boxhagen 26. Laden.» Botensrau wird eingestellt. „Vorwärts", Charlotte»bürg. Sesenhelmerstraße l._* ZeitungsauStriigerinnen werden sofort eingestellt„Voi- märls-Spedition, M atfx*- ltraße 36.» Botenfrauen verlangt sofort Ausgabestelle Berlin-Westen, Bli!me'4hass!raße 8, Aas, por- «erre bei Stolpmann.* Zeitungsfrau verlangt„Vor- Werts"- Spedition Neukölln. Siegsriedstraße 28/29.* ZeitungStrageri» sofort der- langt Spedition Lichtenberg, Warlenbergstroße� 1, Laden.» Zeilungsausträgerin verlangt Dernsee, Steglitz, Mommsen- str. 59.* ZeitungSträgeriu sofort der- langt„Borwärts"-Ausgabestellc, Prinzenstraße 31, Hof rechts, parlerre. �* ZeitungSansträgeriu verlangt „Vorwärls"-Spcdition Schöne- berg. Mein ingerstraß e 9.* ZeitungSaoSträqerin sofort gesucht, P. Glirsch, Reinicken- oorf-Ost, Kanickcftraße 12 II. Zeitungsausträgerin zum 1. November stellt ein Unruh, Nieder- Schöneweide, Brücken- straße 10.» Botenfrau, Tour Tegel und Reinickendorf-West, stellt ein Kienast, Borsigwalde, Räusch- straße 10,.Borwärts"-Spedi- tion.-* stellen ein 374L* VtteWei'kelempMlj.ISefti' Berlin-Tempelhof, Germaniastratze Ztr. 145/146. TOciitige Ankerwickler für Gletchstromanker als* MMeW sofort in Dauerstellung Gesuch!. I*lx' A: Co., Regensburg Folleter, 63701 Poliererinncn auf»/. Kasten u. Fronten Verl. Ptanofabrik, Warschauerstr.70. 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Der Parteitag hat auch heute vormittag über die Einigung debstticrt, er hat damit einen ganzen Verhandlungstag dieser s�rsge gewidmet und schon dadurch gezeigt, wie ernst es ihm damit ist. Die Debatte endete mit der Annahme des Nürnberger Antrags und der Resolution Severing, für die beide sich die meisten Redner und auch der Partei- vorstand ausgesprochen haben. Durch die gleichzeitige Annahme des Nünrbergcr Antrags ist jeder mißverständlichen oder böswilligen Auslegung der Resolution Scvering der Boden entzogen. Die Forderung, daß das Mehrheitsprinzip anerkannt werden müßte, bedeutet für den Brudcrstreit kein„kriegsderlangerndes" Moment, denn das Mehrheitsprinzip würde ja in einer wiedervereinigten Partei nach beiden Seiten wirken. Die Unabhängigen hätten die Möglichkeit, für ihre sachliche Auffassung zu wirken rind ihre Ideen in der Partei zu den maßgebenden zu machen. Die Verhandlungen des heutigen Vorniittags haben das Bild des gestrigen Tages ergänzt. Es gibt keinen Sozial- dcmokraten, der nicht einsieht, daß die Einheitlichkeit der politischen und gewerkschaftlichen Organisation für das Pro- letanat eine Notwendigkeit ist. Nur über die Mittel und die Möglichkeit der Einigung gehen die Meinungen auseinander. Dieser Sachverhalt kommt noch einmal im Schlußwort Eberts zu kraftvollem Ausdruck. Uebcr die Austiahme der Parteitagsbeschlüsse bei den Unabhängigen gibt man sich keinen Illusionen hin. Auf einem Parteitag dieser Gruppe könnte über die Einigungsfragc nicht ge- sprachen werden: Jeden, der für die Einigung einträte, würde man dort als Verräter brandmarken. Dort wirkt noch blinder Fanatismus gegen das proletarische Massenstreben zur Eini- gung und er muß sich erst austoben. Am Nachmittag geht man zur Beratung des Fraktions- borichis über. Nachdem einem Redner der Fraktionsminder- deit widerspruchslos unbeschränkte Redezeit bewilligt worden ist. nimmt David das Wort zum Bericht. Er setzt sich noch einmal mit den Gegnern der Kreditbewilligung auseinander und wendet sich dann mit schärfsten Ausführungen gegen das Treiben der Alldeutschen, vor deren Staats- st r e i ch g e l ü st e n er eindringlich warnt. Von der Regierung fordert er, daß sie sich von jedem Verdacht, alldeutsche Ziele zu billigen, freihalte und jede Unklarheit über Belgien beseitige. Er spricht dann nochmals über die Unabhängigen und ist dabei nach dem Gefühl mancher nicht ganz im Ein- klang mit den vormittags gefaßten Beschlüssen. Weit allge- meinere Zustimmung finden seine Betrachtungen über die gegenwärtige Regierungskrise und über die an- erkannte Ilnfähigteit des Herrn Michaelis. Es fft Abend geworden, als David unter starkem Beifall schließt. den er sich durch ein begeistertes Bekenntnis zu den Ziele u des Sozialismus und der Demo- k r a t: e verdient hat. Man vertagt sich. Die prejje der Unabhängigen zum Parteitag. Die Presse der Unabhängigen nimmt noch nicht allgemein zum Würzburger Parteitag Stellung. Zn ihrem Urteil treten olle übrigen politischen Probleme gegenüber ihrem Verhältnis zur alten Partei völlig in den Hintergrund. Ganz intran- sigcnt zeigt sich das Berliner„Mitteilungsblatt": ..Sentimentale und wohlmeinende Lsute möchten gern an einem Ritz herir rn flicken und kleistern, an dem eS nichts mehr zu kleistern und zu flicken gibt. Denn der persönliche Groll hüben und drüben, der Hag wegen erlittenen UnreäriS auf der einen, die verletzte Eitelkeit machtbewutzter und in ihrer Existenz be- drohier Parceibureaukraten auf der anderen Seite sind sa nur be- sonders verbitternde Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen der Parteispaltung. Ausschlaggebend bleibt die Grundauffassung über Wege und Ziele der sozialdemokraj»ifchen Bewegung. Diese Auffassung lägt sich kurz und drastisch in die beiden Parolen zusammenfassen: hier n a tt o n a I s o z i a l e Resormpartei? hier internationale rcvolutio- n är e Sozialdemokratie!... Das letzte Wort in der Ein- beitsfrage haben die Avoeitermafsen und nicht die B e s ch w i ch t t- gungs- Hofräte und die Versöhnungsapostel in Würzburg zu sprechen. Glaubt die große Masse der sozialdemo- kratisch gesinnten Arbeiter, daß die KriegSpolitil der Scheidsmänner der Arbeiterschaft zum Segen gereicht hat, und dag ilire Klaffeninte reffen durch eine national orientierte Reformpolitik vertreten werden, dann wird die Unabhängige Partei zu einer bedeuiungS- losen Sekte zusammenschmelzen, deren Mitglieder vielleicht desto fester an ihrer Uebcrzeugung festhalten, der aber ein Einfluß auf die Massen versagt bleibt. Halten diese aber die neuorientierte Politik der Scheidemänner für verfehlt, so wird sie kein noch so gut gemeinter Versöhnungsvorschlag unter die regierungssozia. listischen Fahnen bringen. Die Zeit ist aber zu einer solchen Klä- rung und Entscheidung nicht reif." Gegenüber der grotesken Verbissenheit dieses Organs hebt sich ein Artikel Eduard Bern st eins ab, der, Ursprung- lich für die„Neue Zeit" bestimmt, jetzt vom„Halleschen Volksblatt" und der„Nordhäuser Volkszeitung" übernommen wurde. Bernstein erinnert daran, daß der Streit zwischen Eiscnachern und Lassalleanern knapp vor der Wiedervcreini- gung auf einem Höhepunkte stand und ganz unlösbar schien. Der gegenwärtige Zwist sei aber noch nicht ausgereift. Die Mehrheit mache durch bedingungslose Zustimmung zu den Kriegskrediten jede internationale Friedensaktion uitrnög- lich. wobei Bernstein völlig die doch so nahe liegende Tat- fache ignoriert, daß sich Deutschland, gleichgültig, was feine Regierung int oder getan hat, gegen eine Ueberinacht mit durch keine sozialistische Partei wirksam geziigelten imperia- list. scheu Ranbinstinkten der Westmächte wehrt. Anschließend daran macht er sich Sorgen um— die Stellung der Partei zum Heeres- und Marineetat für den angenommenen Fall« daß nach dein Kriege das Wettrüsten lvcitergehe. Und schließlich wirst er der Partei vor. daß sie Eliaß-Lolhringen gegenüber nicht das Selbstbestimmungsrecht der Völker gelten lassen wolle, wobei er wieder gänzlich übersieht, daß die einseitige Auwendung dieses Prinzips, wie es die Entente will, viel weniger ein demokratisches Recht der Elsässcr. al§ ein Symbol der Niederlage Deutschlands ist. Aber diese Einwände, mögen sie auch fälich fein, werden in diskutabler Forni vorgetragen. Bernstein schließt mit einer deutlichen Aufforderung an seine jetzigen Kampfgenossen, nicht an Zeit und Umständen zu kleben, der persönlichen Klobigkeit zn entsagen und sich ein wenig über das niedrige Niveau ihres bisher geführten haßvollen Kampfes gegen die alte Partei zu erheben: „So schwer es vielen Lcuis wird, den Gedanken zu fassen, daß die gegenwärtige Spaltung nickt unwiderruslick sein soll. stZ falsch wäre es. unser Urleil über Mögllchkeit oder Unmöglichkeil einer Wiedervereinigung durch andere Erwägungen als' die Rückstcht auf die grundsätzlichen Fragen' der sozialistischen P o- litik und die großen Fiel�e der sozialistischen Be- w e g u n g bestimmen zu lassen. Sie ninssen über alle Per- sonenfragen, über alle Empfindlichkeiieii ob wirklichen oder vermeintlichen Unrcchls hinweg der Leitstern unseres Handelns bleiben.� Das Interesse der Bewegung gebietet heute jedem Sozialisten, nach sorgsäktiger Prüfung Stellung zu nehmen in dem ausgebrochenen Parleistreil und derjenigen Fraktion zum Siege zu verhelfen, von der seine Erkenntnis ihm sagt, daß ihre grundsätzliche Haltung die richtige ist. Aber so unvermeidlich der Kampf gcwsrde» ist, so sehr sollte man es vermeiden, ihn über das Gebiet hinaus zu treideu, wo seine sachlichen Streitfragen liegen. Trotz der starken Differenzen, die heute die beiden Fraktionen trennen, gehören beide schließlich doch ein und derselben Bewegung an. Diese Zugehörigkeit kann man der Masse der Mitglieder im gegnerischen Lager nicht bestreite», so sehr nian an einzelnen Personen Anstoß nebmcn mag. Sie ist auch deshalb nickt außer Betracht zu lassen. weil die Arbcitcrschail Kämpfe zu führen hat. die jenseits des Gebietes der politisch eu Streitfragen liegen und jederzeit Vertreter beider Richningen zusammenführen können. Wir haben mit noch anderc» Gegnern zu tun als mit anders gc- ssimtcn Sozialisten." Sonst sei nur noch ein Artikel eines Erfurter Partei- genossen in der„Tribüne" erwähnt, in welchem über„Mangel an Demokratie" geklagt, aber zugegeben wird, daß cS damit selbst bei den Unabhängigen hapert. fibgeorZnetsnhaus. In dem nach einer Pause von fünf Monaten am Diens- tag wieder versammelten Abgeordnetenhanse gab es zunächst eine lebhafte Gcschäftsordnungsde'batte. Alle Parteien, mit Ausnahme der„Unabhängigen", hatten sich auf einen�gemeinsamen Antrag geeinigt, der die Regierung ersucht, der StaatshauShaltskommission eingehenden Ausschluß über den gegenwärtigen Stand der Kohlen- und Er- n ä h r u n g s fr a g e n zu geben. Namens der„Unab- häiigigen" verlangte Adolf Hosfmann. daß die Auskunft statt in der Kommission sofort im Plenum gegeben werde. Ihm trat Genosse H a e n i s ch entgegen, der erklärte, daß selbstverständlich das Volk ein volles und unbedingtes Recht darauf habe, über die in Frage kommenden Dinge unter- richtet zu werden. Es sei aber nach den Erfahrungen der letzten Jahre zweckmäßig, diese Fragen zunächst in der Äommission gründlich vorzubereiten, um dann auf Grund der dort gepflogenen Verhandlungen im Plenum d e st o wirksamer Kritik üben zu können. Schließlickz wurde das Verlangen der„llnab- hängigen" gegen ihre Stimmen abgelehnt. Dann wandte sich das Haus der Beratung einer Reihe von Anträgen zu. die die Schaffung eines einheitlichen Beamten rechts verlangen. Nach eingehender Begrün- dung der Anträge durch die Abgeordneten Bart scher vom Zentrum und D e l i u s von der Fortschrittlichen Volkspartei legte Genosse H a cni sch ausführltch den Standpunkt unserer Partei dar. Er besprach besonders die Fragen der Löschung der Disziplinarstrafen in den Personalakten der Beamten, das Recht der Beamten, in ihre Personalakten Ein- ficht zu nehmen, des Wiederatlfllahmeverfahrens im Disziplinarrecht, des kollektiven Petitionsrcchts der Beamten sowie ihres Rechtes auf freie politische Betätigung und unbedingte Koalitionsfreiheit. Die unzulässige B e- einflussung der Beamten zugunsten der sogenannten Vaterlandspartei und Herrn v. Breitenbachs Ver- halten gegenüber den Eisenbahnern erfuhren dabei die verdiente Beleuchtung. Am besten sei es übrigens, die Rege- lung der ganzen Materie dem neuen, auf Grund eines freien Wahlrechts gewählten Abgeordnetcnhansc zu über- lassen. Die Anträge gingen schließlich an die verstärkte Gemeinde- kommission. Am Donnerstag soll schon wieder eine längere Unter- brechung der Plenarvcrhandlungen eintreten. yelfferich! Nach einer Notiz der„Berliner Börsenzeitung" soll der Reichskanzler zur Festigung seiner Stellung nicht nur Herrn v. C a p e l l e, sondern auch Herrn Dr. H e I f f e r i ch zu opfern und den Vorsitzeirden der Fortschrittlichen Volkspartei, den Abg. v. P a y e r zum Vizekanzler zu machen bereit gewesen sein. Auch die Opferung eines zweiten Mannes, so sehr wir das Verschwinden des Herrn Helfserich an sich begrüßen wür- den, könnte uniere Ansicht über die Unmöglichkeit einer wei- teren Kanzlerschaft des Herrn Dr. Michaelis nicht im min- besten ändern. Im übrigen wartet die gesamte Oeffentlich- keit immer noch auf eine amtliche Nachricht darüber, wie es um das Rücktrittsgesuch des Herrn v. Capelle steht. Die Jreikonservativen für Annexionen— gegen öas gleiche Wahlrecht. Der Gesamtvorstand der Reichs- und Freikonservativen Partei hat in einer Sitzung vom 1-t. und 13. Oktober eine aus drei Teilen bestehende Entschließung gefaßt. Der erste Teil behandelt die Kriegsziele der Partei. In ihm heißt es: Unser KrieySziel kann daber nur ein Frieden fein, der uns volle Sicherung der Landesverteidigung und freier wirtschasilichcr Entwicklung, soweit nötig durch Landcrwcrb, sowie E n t l a st u n g von K r: e g S k o st e n, SicdlungSland im Osten und die Ausgestaltung unseres Kolonial- reiches verbürgt. Solange die Feinde dies nicht zugestehen, wollen die Frei- konservativen den Krieg fortsetzen. Ter zweite Teil der Eni- schließung mißbilligt die Polenpolitik der Regierung und lehnt das parlamentarische System für Deutschland a b. Der dritte Teil behandelt die Wahl- rechtsfrage. er lehyt die Uebertragung des Reichs- tagswablrcchts auf Preußen ab als� unvereinbar mit der„Eigenart dieies Staates". Am Schlüsse dieses Ab- satzes ist dann noch vom Recht des Soldaten an der Front die Rede— nämlich auf Einigkeit in der Heimat. Ein Reckst des Frontsoldaten auf gleiches St a a t s b ü r g c r r c ch t kennen die Freikonservativen nicht. Die Irieöensmijsion Erzbergers. Tic„Süddeutsche Zeitung" veröffentlicht im Anschluß an einen Artikel über die neue Politik der Zentrumsfraktion des Reichstags die Zuschrift eines Vertrauensmannes der Würitcmbcrgischen Zcn- trumspartei, in der es u. a. heißt:„Erzberger hat in der Ver- trauenSmännerversammlung in Ulm auf«ine schriftliche Anfrage auS der Mitte der Versammlung erklärt, daß er seine Aeußorung gegenüber dem Redälieur Baumgarten in Zürich eben deswegen ge- macht habe, um Gelegenheit zu erhalten, sich m i t englischen FriedenSagcnten auszusprechen. Dieser sein Wink sei von England wohl verstanden worden, und sei ihm die ge- wünschte Gelegenheit einer Aussprache auch ge- worden." Darauf folgen Ausführungen ErzbergerS, die aus bc- sonderen Gründen öffentlich nicht wiedergegeben werden können. Hewerkvereine gegen Sie vaterlanöspartei. Der Zentralrat der deutschen Gewerkvereine(H.-D.) hat sich in folgender Resolution gegen die„Deutsche Vaterlandspartei" ge- wandt:„Der Zentralrat sieht in dem Austreten dieser neuen Partei, auch wenn sie angeblich nur für die Kriegszeit ins Leben gerufen wurde, einen neuen Anlaß zur Verschärfimg der inner- politischen Kämpfe. Der Zentralra: richtet an alle Ortsvereine und Ortsveroände der deutschen Gewerkschaften die dringende Auf- forderung. alle Versuche der Vaterlandspartei kraftvoll zurückzu- weisen, die daraus gerichtet sind, die einzelnen Glieder der Or- gamsation als solche vor ihren Wagen zu spannen und sie für ihre die Einigkeit zerstörenden Zwecke zu mißbrauchen." Keinverfahren gegen öie öreiUnabhängigen Wir hatten— unter starkem Zweifel— die Meldung eipes badischen Blaues wiedergegeben, wonach die Regierung die Ein- fetzung einer parlamentarischen Ilniersuchungskommission gegen Haase, Dittmann und Vogtherr abgelehnt habe, da sich das An- klagematerial bereits aus dem Wege an das Reichsgericht in Leip- zig befind«. Demgegenüber erklärt der„Berliner Lokalanzeiger": Nach Erkundigungen an zuständiger Stelle find wir in der Lage. auf das bestimmteste zu erklären, daß diese Nachricht falsch ist. Für ein Versahren gegen die genannten Abgeordneten hat nie- mals ausreichendes Material vorgelegen. Der AeltestenauSschust des Abgeordnetenhauses beschloß in feiner heutigen csitzung, nur am Dienstag und Mittwoch Boll- srtzungen abzuhalten, um den HaushaltsauSschuß Zeit zu seinen Beratungen zu geben. Die nächste Sitzung soll dann erst am 6. November stattfinden, in der vorauSsichtltch die Besprechung der Wahlrcchtsvorlagc beginnen wird. Traub. Ter alldeutsch-fortschriitlichc Abgeordnete Traub hat sein Zandtagsmandat zur Stunde noch nicht niedergeleot, er hat aber die Absicht ausgesprochen, nicht nur dies zu tun, sondern auch aus der Fortschrittlichen Volkspartei auszutreten, sin Dort- mund hat Herr Traub bereits seine VorstandSämtcr niedergelegt. Tod eines ZentrumSabgeordneren. Nach einer Mitteilung der „Germania" ist der Zenirumsabgeordnete Georg Wcllstein am Dienstag gestorben. Der Verstorbene gehörte seit 1893 dem Ab- geordnetcnhaus und dem Reichstag an. In letzterem vertrat er den Wahllreis Koblenz-St. Goar. Das Zentrum verliert in ihm eine wertvolle Arbeitskraft._ Kleine Kriegsnachrichten. Hungernnruhen in Glasgow. DaS Haager„Vaderland" meldet aus guter Quelle, daß es in GlaSgow infolge der Ernährungs- frage zu ernsten Unruhen gekommen sei. Die Arbeiter im Arsenal seien in den Ausstand getreten. Die Sanddurchfuhr durch.Holland. Ein Amsterdamer Blatt meldet aus guter Ouelle aus London, daß die b r i t is che R c- g i e r u n g geneigt sei, die Frage der Durchfuhr von sano, Kies usw. durch Holland nach Belgien einem Schiedsgericht zu unterwerfen, wenn die Durchfuhr während der Dauer der Untersuchungen eingestellt werde. Eine«atlonnle armenische Konferenz, an der mehr als 200 Ab- geordnete aller Herren Länder teilnehmen, ist in TifliS eröffnet worden.__ Lette Nachrichten. Ein Frledensantrag in der italienischen Kammer. Bern. 16. Oktober. Auf der Tagesordnung der italienischen Kammer steht ein Antrag des unabhängigen Sozialisten Fcrry. Der Antrag besagt u. a.. daß angesichts dreier Kriegsjahre, die kein endgültiges militärisches Uedergewicht ergaben, keinerlei Hegemonie zu befürchten fei; daß aber die Verlängerung des Kriegs Europa in einen Zustand der Barbarei zurück- werfe. Di« Regierung wird daher aufgefordert, unter AuS- schluß jeden Sonderfriedens im Einvernehmen mit den Alliierten Friedensverhandlungen möglich zu machen, die die Bestrebungen der Völker, durch gegenseitige Ge- bietsabtretung und angebrachte Entschädi- gung befriedigen. Die Krise iu Italien. Lugano, 16. Oktober. Der Innenminister hat verfügt, baß alle 69 Präsekten ihm jeden Tag über die Stimmung sowie über besondere Ereignisse in ihren Distrikten Bericht erstatten müssen. Der„Secolo" erklärt, daß die Unzufriedenheit unier den Post- beamten bedrohlich geworden sei. Die Frage erlaube keinen weiteren Aufschub. DaS Blatt bedauert, daß seine schon vor langer Zeit auSgestoßenen Alarmrufe angehört verhallten. Die erste in Rom selbst erschienene Nummer des„Avant i" wurde sofort konfisziert._ Ausstand in Buenos Aires. BueuoS Aires, 16. Oktober.(HavaS.) Der Ausstand der Straßenbahnangestelltcn dauert noch an. An einigen Punkten kam es zu heftigen Zwischenfällen. Judenverfolgungen in Tunis. Berlin, 16. Ottober. lW. T. B.) Ueber die Judenverfolgungen in Tunis sickern jetzt trotz der strengen französischen Zensur ein- zclne Rachrichten durch, aus denen der grosse Umfang der Exzesse mit Deutlichkeit zu ersehen ist. Ganz besonders umsangreiche Plünderungen und Verwüstungen werden aus der Stadt Tunis berichtet. Hier sind auch mehrere Morde vorgekommen. Ver- solgungen ernsterer Art werden aber auch aus der tunesischen Pro- vinz gemeldet. So sind in Sfax, Sousse, Biversa und in anderen Städten Juden gemißhandelt worden, Läden geplündert. Waren auf die Straßen geworfen worden. Besonders wird in allen Be- richten hervorgehoben, daß an den Exzessen sich in umfang- reich st er Weise franzöüfche Soldaten beteiligt haben. Tie Er- regung unter der nordasrikanischen jüdischen Bevölkerung ist be- greiflicherweise außerordentlich groß. _ In einer Leriammlung feuiller*—■- HewerWObeMguag Serlin und Umgegend. Vergütung der Zutaten in der Lcderwarcnindustric. _ von Heimarbeitern der Porte- lind Taschenbranche wurde Klage gefübrt über völlig unge- nügende Bezahlung der Zutaten. Die Heimarbeiter dieser Branche baben die erforderlichen Zutaten: Garne, Leim. Kleister, Farbe, Stifte Usw. selbst zu beschaffen und erbalten als Vergütung dafür einen gewissen Prozentsatz des Akkordlohnes, der schon in Friedens- zeiten zur Bestreitung der tatsächlichen Auslagen für Zutaten kaum misretchic. Während der Kriegszeit sind nun die Einkaufspreise dieser Materialien bis auf das ZehujMche der früheren Preise gestiegen. Dazu kommü dast die belreffenden Materialien jetzt so schwer zu haben find, daß die Arbeiter bei jedem Einkauf mehrere Stunden aufwenden müssen, uni die benötigten Zutaten zu bekommen. So werden also die ohnehin hohen Kosten durch den Zeitverlust beim Einkauf noch wesentlich erhöht. Die Zutatenvergütung, welche die Arbeiter von den Unternehmern erhalten, reicht demnach unter den heutigen Per- Hältnissen nicht im mindesten aus, um die tatsächlichen Aufwen- düngen der Heiinarbcher zu ersetze». Es soll deshalb in allen Be- trieben, wo Mififlände der erwähnten Art herrschen, die Forderung auf zeitgemäße Bezahlung der Zutaten gestellt und erforderlichen- falls mit Hilfe der OrtSverwaltmig des Sattler- und Porte- feuiller Verbandes durchgesetzt werden. Ein Schlichtnngsansschnft für Anwaltsangestelltc in Berlin. Die zum größten Teil schlechtbezahlten Angestellten der Rechts- anwälte und Notare haben in großer Zabl während des Krieges ihre Stellung gewechselt und find in befferbezahlte Stellungen bei industriellen Unternehmungen, Kriegsgcsellschasteu usw. eingetreten. Die Schaffung geordneter Angestelllenverhältnisse in den Anwalts- bureaus wird nach Beendigung des Krieges mit erheblichen Schwierig- leiten verknüpft sein. Es kommt hinzu, daß zahlreiche AnwaltSburcauS geschlossen, andere bedeutend verkleinert sind, so daß auch die Wieder- einstellung der zurüffkebrenden Kriegsteilnehmer nicht überall ohne weiteres möglich sein wird. Jedenfalls tragen die Verhältnisse den Keim zu zahlreichen Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Angestellten in sich. Der Verband der Bureouangesreliten Deutschlands, dem sich andere Anwaltsangestelltenvereine angeschlossen hatten, unter- breitete daher dem Berliner Anwaltverein den Vorschlag, einen paritätisch heietzten Schlichtun gsausschuß einzu« setzen, der solche Differenzen schlichten und auch gleichzeitig all- gern eine und grundsätzliche Fragen des Arbeitsverhältnisses beraten soll. Der Anwaltverein uahm diesen Borschlag, an und nach längeren Verhandlungen lam eine Vereinbarung zustande, die inzwischen auch die Zustimmung der beiderseitigen Organisationen gefunden hat. Diesem Ausschuß fällt die Aufgabe zu, allgemeine und grund- sätzliche Fragen deS Arbeitsverhältnisses und der Ansiellungs- und Arbeitsbedingungen der Anstalrsangestellten zu beraten und Streitig- leiten zwischen den beteiligten Organisationen sowie zwischen den einzelnen Anwälten und Angeslelllen zu schlichten. Ist eS dem Aus- fchuß nichr möglich, über die vor ihn gebrachten strittigen Fragen eine Verständigung zwischen den Beteiligten herbeizuführen, so gibt er ein Urteil darüber ab, ob und inwieweit die vorgebrachten Be- schwerden und Anträge berechtigt sind. Jede beteiligte Organisation sowie jeder Anwalt und jeder Angestellte ist berechtigt, Anträge und Beschwerden beim SchlichiungsauSschuß anzubringen. .Hiermit ist eine Eiurichumg geschaffen, die einen wesentlichen Fortichritt bedeutet und erhcbliche�Dienste in der Vertretung der Augefiellieninteresien und in der E-chaffung geregelter Ansiellungs- und Besoldungsverbältnisse der AnwaltSangestellten leisten kann. ES dürfie daS erste Mal in Deutschland sein, daß Arbeitgeber uud Angestellten organisalionen sich freiwillig zur Einsetzung eines solchen SchlichtungsausschufieS enischlofien haben. Hoffen wir, daß dieser erste Versuch»- sich im beiderseitigen Interesse bewährt und recht viel Nach« ohmupg finden möge. Der Nutzen, der den Angestellten daraus erwächst, wird wesentlich von ihnen selbst abhängen. Soll der EchlichtungSauSschuß seinen Zweck erfüllen, so ist dringend not- wendig, daß alle Beschwerden zur Verhandlung kommen. Die An- Meldung von Beschwerden kann im Ortsbureau des Verbandes der Bureauangestellten, 0 27, Dircksenstr. 4 I, erfolgen. Pflicht der Anwaltsangestellten muß es jetzt sein, unablässig in ihren Kreisen neue Mitglieder für den Verband zu werben. Achtung, Buchbinder! Durch einen Druckfehler ist im Sonntags- inferat der Beginn der Werkstattdelegiertenversammlung auf 8 Uhr angegeben. Die Versammlung beginnt aber schon um 6 Uhr. Bom Zcntralverband der Hausangestellten Deutschlands gebt uns folgender Aufruf zu: Hausangestellte, Köchinnen, HauSmädchen, Kindermädchen, Diener, Stützen usw. Wenn sich der Verband wiederum an alle Hausangestellten wendet, so deshalb, daß es ihrer noch zu wenig sind, um nach außen hin erkennen zu lasten, wie ernst es auch den Hausangestellten ist, schon lange gehegte Wünsche erfüllt zu sehen. Jetzt, wo die Haus« angestellten wirklich etwaS erreichen könnten, halten sie es so wenig der Mühe wert, Mitglied ihres Verbandes zu werden; und doch, wie bald wird die Zeit kommen, wo all die Säumigen bitter bereuen werden, nicht dem Rufe zur rechten Zeit ge- folgk zu sein. Jeder Arbeiter, jede Arbeiterin— dazu gehört die HauSangestelln:— muß im Verbände sein. Nur durch Zu- sammgnschluß können die gehegten Wüniche erreicht werden. Habt Ihr keine Wünsche, Kolleginnen, die Ihr unorganisiert seid? Wir sagen ja! Denn ach, wieviele werden uns täglich übermittelt 1 Da wird zu lange gearbeitet, dort läßt die Behandlung zu wünschen übrig, hier fehlt der freie Wochennachmittag, wieder wo anders ist der SonntagSauSgang so spät, und in den meisten Stellen gibt cS Bei all den teuren Preisen zu wenig Lohn, und so vieles mehr. Abgeholfen kann dem allen aber werden, wenn, ja wenn auch die lieben Kolleginnen erkennen würden, was so viele Taufende ihrer Mitschwestern schon erkannt haben, daß auch sie Verbands milglied werden müssen. Der Lerbandsbeirrag ist so gering, daß er trotz der Teuerung jedem erschwinglich sein kann. Ter Verband bietet seinen Mitgliedern so viele Vorteile, die wohl erkennen lassen, lvaS jedes NichtMitglied bisher versäumt hat z. B. Rechtsschutz bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis und aus der Kranken- und Jnvaltdenverstcherung; Auskunfc und Rat- erteilung; Krankenuuterstützung nach einjähriger Mitgliedscbast 8 M. pro Woche aus die Dauer von sechs Wochen, nach zweijähriger Mit- gliedschaft. 8,60 M. pro Woche aus die Dauer von iechs Wochen; kostenlose Lieferung der Verbandszeitung. Keine Kollegin sollte länger säumen; jede beeile sich. Mitglied des Verbandes der Haus- angestellien Deutschlands zu iverden. Mitgliederanmeldungen nimmt der Hauptvorstand entgegen, deffcn Adresse ist: Zentralverband der Hausangestellten Deutschlands, Berlin LO 16, Cngelufor 21 Hl. deutsches Reich. Die Scharfmacher wittern Morgenlnft. Die„Deutsche Arbeitgeberzeitung" hatte sich sin ersten Kriegs- jähr eine für ihre Verhältnisse erstaunilache Zurückbalruirg auferlegt. Längst macht sie nun wieder allwöchentlich ihrem gepreßten Herzen Lufr mit dem Schrei nach Staatsgewalt und Polizei. Die Vor- gange sin Reichstage bei den Offenbarungen von Dr. Michaelis und Capelle haben es ihr besonders angetan. Sie steht in deren „Enthüllungen" nicht etwa Entgleisungen, wie jeder Nor- maldeutschc, sondern sie vermißt nur die nötige Rücksichtslosigkeit der Staatsgewalt. Um gleich ganz ins Reine zu kommen, legt sie in»ihrer Nummer vom 14. Oktober also los: „Wir haben immer betont, daß bei großen Streik», die oft genug in Revolten ausarteten, und bei anderen revolutio- nären Ausschreitungen gewöhnlich die weniger schuldigen Ver- führten von der Vergeltung erreicht wurden, während sich die eigentlich Schuldigen ins Fäustchen lachten.... Vielleicht bringen die schmerzlichen Lehren der ächten� Zeil das Gute mit sich, daß unsere Erkenntnis für den wahren'stand der Dinge wächst. Man tut sich in Doutschland viel zugute auf das sachliche Urteil, das erst vor Tatsachen gestellt sein will, ehe es selbst zur Tat schreitet. So antwortet wohl ein Wächter der öffentlichen Ordnung, wenn man ihm sagt, da oder dort solle ein Einbruch verübt werden, man möchte gefälligst warten, bis die Sache geschehen sei, dann erst könne er pflichtschuldigst den Tatbestand aufnehmen! Wenn irgendwo, so heißt es an dieser Stelle„umlernen". Mit bureau- kratischer Pedanterie, mit ängstlicher, am Buchstaben klebender Vorsicht kommt man hier nicht weiter, nur eine weitausschauendc, rücksichtslose, energische Betätigung der Staats- gewalt, ein von großen Gesichtspunkten geleitete» ftaats- männifche» Wirken kann uns Rettung dringen!" Sollte dieses Programm aber nicht durchgeführt werden, so kommt es wie in der Eddasage, nämlich zum'— Wcltunter- gang? Leider ist die Aussicht vorerst gering, daß die Scharfmacher- weit untergeht, wie dies Beispiel beweist. Zehn Jahre Buchbinder-Werkmeister-Berband. Im Oktober 1907 trat der Verband, der die Werkmeister im Buckbindergewerbe umfaßt, ins Leben. Seine Gründung, so heißt es in der„Zeitschrift des Werkmeister-VerbandeS", habe erfolgen müssen, da der Deutsche Werkmeister. Verband seine Pflicht nicht erfüllt habe. Bis heute habe man sich dort um die überaus gedrückten Gehälter und um die unbeschränkte un- b e z a h l l e lange Arbeitszeit der Werkmeister nicht gekümmert. Die Austlärungsorbeit, die Erziehung der Werkmeister zum Klassenbewußtsein sei nicht geleistet worden. Man babe nur Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen; das StandeSbewußisein habe man wecken wollen, den Standesdünkel Hobe man groß ge- zogen. Der Verband— so beißt es in dem JubiläumSartikcl— stehe auf gewerkschaftlicher Grundlage. Industrie und Handel. Äohlenabbanmonopol in Sachsen. Die Zweite sächsische Kammer hat ein Gesetz angenommen, dessen erster Paragraph das ausschließliche Recht des Staates, Kohlen auf- zusuchen und zu gewinnen, festlegt, da? bisherige Recht des Grund- stückseigentümers an der Kohle beseitigt und Kohlenbergbaurechte, nicht vom da§ 1916 be- Be an die ein selbständiges Recht erlangt hatten, aufhebt, soweit ausdrücklich Abweichungen gestattet sind. Ausgenommen staatlichen Kohlenbergbaurecht ist daS Kohlenunterirdische, zum Grubenfcld eines bereits am 18. Oktober von einem anderen Unternehmer als dem Staat triebenen und beim Inkrafttreten des Gesetzes noch im triebe befindlichen Kohlenbergwerks gehört, doch gilt dies nur unter bestimmten im Gesetz festgelegten Voraussetzungen. Die bestehenden Privatweike dürfen im allgemeinen ihre Arbeit fortsetzen, auch kann der Staat ihnen den Abbau staatlicher Kohleiffeldcr übertragen. Die Grundeigentümer, denen das Förderrecht genommen wird, er- hallen als Entschädigung eine Förderabgabc, die bei Braunkohle Iff, Pf. für die Tonne der innerhalb der ersten zwanzig Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes ab geförderten, vcrkaufsfähigen Kohle be- trägt und die innerhalb jedes folgenden dreißigjährigen Zeitraums um weitere 1% Pf. bis zum Höchstsatz von 6 Pf. für die Tonne steigt. Für Steinkohle beträgt die Förderabgabc während der ersten zwanzig Jahre 15 Pf. für die Tonne und steigt mit jedem loeiteren Jahrzehnt um 1 Pf. bis zum Höchstsatz von 20 Pf. für die Tonne> Die Fertigstellung der Stücke zur 6. Kriegsanleihe. Die Tafsache, daß die Stücke zur 6. Kriegsanleihe teilweile noch nicht in die Hände der Zeicbner gelangt sind, hat Anlaß zu allerhanv törichten Gerüchten gegeben. Selbstberständkich liegt auch für die» jenfgen Zeichner der 6. Kriegsanleihe, die ihre Stücke bisher noch nicht empfangen haben, tin Grund zur Besorgnis nicht vor. Im übrigen sei nachdrücklich darauf hingewiesen, daß die Ausgabe der kleinen Stücke zur 6. Kriegsanleihe von 100 bis 500 M. rai- sächlich bereits erfolgt ist. Die Verteilung der Stücke von 1000 M. siinfprozentiger Reichsanleihe und darüber beginnt noch im Laufe des Oktober. Sie dürste voraussichtlich Anfang Dezember dieses Jahres für sämtliche Stücke der 6. Kriegsanleihe lReichsanleihe und Schatzanweisungen) restlos beendigt sein. Außerdem bleibt zu beachten, daß diejenigen Zeichner auf die 6. Kriegsanleihe, die zurzeit noch nickt im Besitz endgültiger Slücke sind, auch jetzt noch durch Vermittlung ihrer Zeichnungsstellen Zwischenscheine lJnterimSicheine) erhalten können, die sich ebenso wie die endgültigen Siücke jederzeit verkaufen und bei den Reick sdarlehnSkasien beleiben lassen. Die Ausgabe der Stöcke für die 7. Kriegsanleihe wird ebenso. wis dies bei der 6. Kriegsanleihe geschehen ist, nach Möglichkeit be- schleunigl werden. Dabei wird wiederum daraus Bedacht genommen werden, daß die kleinen Zeichner(von 100— 500 M.), die im Gegensatz zu den Zeichnern von 1000 M. und mehr keine Zwiickenicheine bis zum Empfang der endgültigen Stücke erhalten, ihre Slücke zu- erst bskommen. Diele werden mit möglichster Beschleunigung fertig-- gestellt und voraussichtlich im April nächsten Jahres ausgegeben werden. Wünschen Zeichner von Stücken der 5 Proz. Rcichsanleibe unter 1000 Mark ihre bereits bezahlten, aber noch nicht gelieferten kleinen Slücke bei einer Darlehnskasse des Reiches zu beleihen, so können sie die Ausfertigung besonderer Zwifchenicheine zwecks Verpfändung bei der Dailehnskasse beantragen; die Anträge sind an die Stelle zu richten, bei der die Zeichnung erfolg: ist. Diese Zwischenscheine werden nicht an die Zeichner uiid Vermittlungsstellen ausgehändigt, sondern von der Reichsbank unmittelbar an die Dar- lehnskasse iiberaeben. Daß die Fertigstellung nicht schneller vor sich gebt, erklärt sich aus der großen Zahl der zu druckenden Anleihesiücke sbis jetzt mehr als 40 Millionen!) und aus der Sorgfamlsit, mit der im Hinblick auf den Weiivapierckarokter der Stücke bei deren Druck unbedingt Verfahren werden muß. Der Zahlungsverkehr zwischen Deutschland und Oesterreich- Ungarn. Gegen die hier neulich verzeichnete Verfügung der Reichsbank, daß der Erlös aus österreichischen Wertpapierverläusen in Deutich- land entweder zur Bezahlung der Schulden des österreichischen Ver- käusers in Deutschland diene, oder bis 12 Monate nach Friedens- 'chlutz bei einer deutschen Bank deponiert bleibe, laufen die Oester« reicher Sturm. Mit Recht insoweit, als der Zahlungsverkehr zwischen den Verbündeten jede mögliche Erleichterung verdient. Natürlich darf es nicht lvieder vorkommen, daß Oesterreicher oder Ungarn Marknoten kaufen und damit die deutsche Währung im neutralen Ausland ruinieren, weicher grober Unfug allzu lange ge« duldet wurde. Auch muß nalürlich Gegenscitigkeit bestehen und für den deutschen Verkäuser in Oesterreich- Ungarn jede Schwierigkeit bei der Einziehung seines Kasiengulhabens vermieden werden. Ueber diele notwendigen Beschränkungen hinaus icheint un» aber eine Versügungsbeichränkung über den Erlös aus reellen österreichischen Verkäufen mit Rücksicht auf die Bundes- und Kamps- genossenschaft untunlich. Soziales. Dienstbeschädigung uud Verschlimmerung. Der allgemein geltende Grundsatz, daß. wenn ein Leiden als entschädigungspflichtig onerkanut ist, auch Verschlimmerungen des- selben Leidens entschädigt werden müssen, gilt auch bei Dienst- bcschädigungen. Es ist das eigentlich selbstverständlich. Trotzdem entsteht gelegentlich darübeS Streit, wie folgender Fall zeigt. Ein Kriegsteilnehmer mußte in das Lazarett, weil in feine reckte große Fußzehe der„Brand" gekommen war. Das Leiden griff immer mehr um sich, so daß ihm nach und nach das ganze Bein abge- nommen werden mußte. Nack seiner Heilung wurde er mit einem künstlichen Bein und einer Rente entlassen und er erlernte daS Zigarrenmachen. Nach einiger Zeit erkrankte, unter ganz genau denselben Erscheinungen, wieder bei der großen Zehe onfangend, dos andere Bein, das ihn ebenfalls wieder abgenommen werden mußte. Da es sich offenbar um dieselbe Krankheit handelte, die schon daS erste Bein gefordert hat, wurden Ansprüche auf erhöhte Rente gestellt, die aber abge» wiesen wurden. Man hatte nämlich jetzt eine Blutunter« suchung usw. vorgenommen und festgestellt, daß es sich um eine syphilitische Erkrankung handell, die mit dem Militärdienst nichts zu tun hatte. Nun bekam alio der Mann für das eine Bein eine Rente, die ihm auch nicht genommen werden konnte, weil sie„rechtskräftig" geworden war, für das andere Bein aber, das«n unter denselben Ilmständen verlor, erhielt er nichts. Es wtkrde hiergegen Berufung eingelegt mit der Begründung, daß. wenn-eS sich schon um eine syphilitische Erkrankung handle, ein Zusammenhang des Verlustes der Beine mit dem Heeresdienst insofern vorhanden sei. als man ihn von vornherein falsch be- handelt habe. Wäre eine sachgemäße und richtige Kur an- gewendet worden, so hälw wahrscheinlich der Mann seine Beine behalten. ES fond sich ein tüchtiger Arzt, Dr. W., der das in einem längeren Gutachten begründete. Nach längerem Hin und Her wurde jetzt endlich dem Verstümmelten die Rente auch für daS andere Bein mit bewilligt. I Lcraniwertlich für Volitil: Erich Klrtwer, Berlin: für den Lörigen TcU des Blattes: Alfred Scholz, Neulölln: für Jnlcralc: Td. Glocke, Berlin. Druck u. Bcrlag: lllorwärts Buchdruckcrci v. Berlaesanftalt Paul Singer&. Co„ Berlin SW. Hierzu 1 vcilaiie und UntcrlialtungSilatt. Eine Einrichtung, die wir hauptsäch» lich im Interesse unseres Personals emgsführi haben, das- ganz besonders bei dem jetzt alltäglichen starken An- drang in unseren Geschäften- diesen freien Tag unbedingt benötigt. Königsir. 33 Chausseesi?. 113 »« Sohnbot«icianferplaft Speta Stettin«? Sohchot