Ar. 286. 34. Jahrg. Bezugspreis: owoeljährl. 3. HO-IRL monaü. ILO ML wüchentlich SO Vtg. frei mS HauS. dsrauSzahtbar einzelne Wochentag»- inunmern S Ptz sonnlagSnummel mit illustrierter Beilage.Die Neue Welt->0 Lsg. Postbezug: Monatlich >.80 Ml Unter»reuzbanb sllr TcOlicklanb und Leiierreich- Ungarn 2.50 Ml., für das übrige Ausland» Ml. monatlich. Postbestellnngen nehmen an Danemark. Holland. Luxemburg, Schweben>. die Schweiz. Emgetrageu m die Post-Jeitungs-Prei-liste, Erscheint täglich. relegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlia-, Vevlinev VolKsblerkk. ( S Pfennig) Der AuzeigeuprciS betrügt s. die stebengespaltene Nolonei- »eile«0 Psg»Kleine Anzeigen-, das setlgedruikte Wort 20 Psg.(zu- lässig 2 settgedruckie Worte); ledeS wertere Won lO.. und Schiasstellenanzcigcn das erste Wort>0 Plg., ledes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Deuerungszuschiag 20%, ftnmilicn■ Anzeigen 5» Pfg., politische u. gewertichastliche Vereins- »inzeigcn 40 Psg hie Zeile. Anzeigen skr die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmitl. im Hauptgeschätt, Berlin EW. OS, Lindenswage Z, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr srüh bis 7 Uhr abcndt, Zenti*alorgaii der rbzialdcmokratifcben Partei Deutfcblands. Neöaktion: EW. 6$, LinSenstraße 3. Nernivrecher: Amt Moridpla«. Str. 15190— 15197 Expevitioa: EW. vS» Linüenstraße Z. üfernipreche«: Am« Atorivv!a«, Nr. 15190—15197. Parteitag uncl Kriegskredite. die kreöl'tbewilligung. Würzburg, den 17. Oktober 1917. Man spricht heute den ganzen Tag über den Fraktions- bericht, das heißt natürlich in der Hauptsache über die K r e° ditbewilligung. Man kommt nicht darum herum, es ist unvermeidlich. Tie Debatte würde sich vielleicht etwas bewegter gestalten, wenn Logtherr oder Hans Block, die beide in einer Ecke sitzen, um sür die Presse der Unabhängigen zu berichten, das Wort ergreifen könnten. Den Weg zur Rodner» trrbüne, der ihnen durch einen magischen Strich gesperrt ist, beschreitet als erster Hoch- Hanau, der Minderheitsredner mit unbeschränkter Redezeit. Aber wer von diesem Genossen eine slanimende Anklagerede gegen die Fraktion erwartete, ist enttäuscht. Hoch entwickelt sachlich und maßvoll in der Form seinen Standpunkt und erregt sich heftiger eigentlich nur gegen den„Vorwärts" infolge eines Mißverständnisses, das Stampfer später klarlegt. Wohin Hoch und die anderen Minderheitsredner Emmel, Brandes, Schmidt- Meißen u. a. hinauswollen, wird bald klar. Sie wollen die Fraktion dazu veranlassen, die nächste Krvditvorlage abzu- lehnen, und, mag ihre Resolution angenommen werden öder nicht, sie geben sich der Hoffnung hin, ihr Ziel erreichen zu können. Bleibt Michaelis im Amt oder folgt kein Besserer nach, dann wird ja die Frage der weiteren Kreditbewilligungen brennend. Zur Klärung für die breitere Oefsenttichkeft ist es wesentlich, daß sich auch der Minderheitsrodner unumwunden zum Grundsatz der Landesverteidigung bekennt und daß ein anderer, Emmel- Mülhausen, ganz entschieden dafür eintritt, daß Elsaß- Lothringen deutsch bleibt. Hoch versichert, daß auch die Unabhängigen für die Landesverteidigung eintreten, was man freilich noch lieber aus ihrem eigenen Munde hören würde. Man verlangt von der Regierung eine klare Polftik und tut dies von feiten der Unabhängigen am leidenschaft- lichsten, ohne zu bedenken, daß man das, was man von an- deren fordert, auch selber tun muß. Von den zahlreichen Rednern der Mehrheit vertraten nur einzelne den Standpunkt, daß die Kredite unter allen Um st än den bewilligt werden müssen. Die andern wollen es der Fraktion überlassen, in ge» gebenem Augenblick das Richtige zu tun. Es stellt sich bald heraus, daß der Parteitag keine Lust hat, der Fraktion eine gebundene Marschroute zu geben und schon heute das Ja oder Nein auszusprechen, das von der Pactei zu erwarten ist. In der gegenwärtigen Unsicherheit der Situation ist es auch jedenfalls das Klügste, sich alle Wege offen zu halten. Das Interesse der Debatte erschöpft sich, da naturgemäß mchi viel Neues gesagt werden kann und man begrüßt es dankbar, als S t ü ck l e n, einer der Militärrefercnten der Fraktion, aufdieAngelegenheitenderSoldaten, der Kriegerfa milien und Kriegsbeschädigten mit größtem Eifer eingeht. Er gibt praktische Beispiele der positiven Arbeit, über die man hier geredet hat, und zeigt, wieviel hier trotz aller Erfolge doch noch zu tun ist. Er ent- wickelt den Plan des BcratungSburcaus, mit dessen Leitung ihnbie Fraktion beauftragt hat. Ter stürmische Beifall, unter dem Stücklen schließt, gilt nicht nur seiner Rede sondern auch seiner Arbeft und denen, für die sie bestimmt ist. CoheN'Reuß bringt in später Stunde die Frage der westlichen und der östlichen Orientierung zur Erörterung. Und setzt sich für ein gutes Verhältnis zum demokratischen Rußland ein. Nachdem Landsberg noch einmal vor einer Festlegung der Fraktion gewarnt hat. erfolgt Debattenschluß. David fordert in seinem Schlußwort ein völlig klares Wort über Belgien, verwahrt die Fraktion gegen den Vorwurf, sie betrachte die Kreditvorlage als ein Handelsobjekt. Aber auch ihm ist die Bewilligung bis zum Kriegsende kein unbedingtes Gebot. Herr Michaelis macht am Ende auch aus dem Geuosien David einen Kreditverweigerer. denn der Mann kann manches. . Schließlich wird die Bindungsrcsolutiou der Minderheit mit 258 gegen 26 Stimmen abgelehnt. _ Nach dem ganzen Verlauf der Debatte wird man aber'in dieser Ablehnung keineswegs einen Beweis dafür erblicken dürfen, daß Partei und Fraktion es nun gar nicht mehr er- warten können, einer Regierung Michaelis oder einer ähnlich gearteten neue Kredite bewilligen zu dürfen. Sie werden es sich dreimal überleaen! Angenommen wird mit 262 gegen 11 Stimmen die Re- solution Löbe- Breslau, die sich zum Grundsat» der Landesverteidigung bekennt, das Verhalten der F r a k- tion billigt, für Belgien Wiederherstellung als selb- ständiger Staat und für Elsaß-Lothringens Auto- nomie entschieden eintritt. Sie sagt den Alldeutschen schärfsten Kampf an, fordert Befreiung der Regierung von ihrem Starker Nrtilleriekampf in Flandern, nord- östlich Soiffons, in der Westchampagne, den Argonnen und östlich der Maas— Flie erangriff auf Dünkirchen— Ver- geltungsbomben auf Nancy— Oesel völlig genommen, Seegefechte bei Oesel, Luft- angriff auf Pernau. Amtlich. Große? Hauptquartier, 17. Oktober 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe aroupriuz Rupprecht. Ju Flandern schwoll der Artillrriekampf vom Heber- schwcnimungSlzcbict der User bis zur Lffs gestern wieder zu er- heblichrr Stärk« an. In einzelnen Abschnitten war die. Feuer- kraft am Abend, auf der ganzen Front heute Morgen gesteigert. Außer ErluudungSgefechten, die auch zwischen dem Kanal von La Baffee und der Scarpe zahlreich waren, kam es nicht zu Jnfanterietötigkeit. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Der Feuerkampf nordöstlich von Soissons dehnte sich gestern seitlich aus und war zeitweilig sehr heftig; er hielt auch nachts an. In der westlichen Champagne, in den Argonnen und auf dem östlichen Maasufer erreichte die Artillerictätigkeit gleichfalls größere Heftigkeit als in den letzten Tagen. «» r l i«. 17. Oktober. Amtlich. Räch NiedertSmpfong der schwere» Latterle« auf der Sid- spitzt der Insel Oesel, find unsere Seeprrittröste in de» Rigaischen Meerbusen eingedrungen. Sie haben ihren Bor- marsch nach Osten am 17. 19. fortgesetzt nnd beherrschen das Seegebiet bis zum Moonsnnd. Der Chef des BdmiralstabeS der Marine. I 10 feindliche Flugzeuge und 1 Fesselballon sind gestern ab- geschossen worden. Leutnant von Bülow brachte seinen 23., Leutnant Böhme den 20. Gegner im Lusttamps zum Absturz.— Dünkircheu wurde von unseren Fliegern erneut und mit er« kannter Brandwirkung durch Bomben angegriffen. Zur Vergeltung für Bombenwürfe feindlicher Flieger«ms offene deutsche Städte wurde die im französischen Operations- gebiet liegende Stadt Nancy von uns mit Bombe» beworfen. Größere Brände waren die Folge. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die auf der Halbinsel Sworbe»och Widerstand leistenden feindlichen Kräfte worden gestern durch unsere Truppe« über- wältigt. Die Insel Oesel ist damit völlig in unserem Besitz. Dir Beute mehrt sich; gestern wurden mehr als 1100 Ge- fangcue eingebracht. Unsere Seestreitkräfte hatten nördlich von Oesel»nb im Rigaischcn Meerbusen mit russischen Zerstörer« und Kanonen« booten Gefechte, die für uns günstig ausginge«. Ohne eigenen Verlust wurden die feindlichen Schiffe zur Umkehr gezwungen. Marinc-Lnftschiffe bewarfen Pernau mit Bombe»; große Brände brachen dort auS. Auf der festländischen Front lebte die Gefechtstätigkeit an mehrere» Stellen beträchtlich ans; vordringende Streifabtrilnogen der Russen wurden vertrieben. Mlazedonische �srout. Keine größeren Kampfhandlungen. Der Erste Generalquartiermeistrr. Ludendorff. Abendbericht. Berli«, 17. Oktober 1917, abends. Amtlich. I« Flandern» nordöstlich von SoissonS, nnd ans dem O st u f e r der Maas lebhafter Artilleriekampf. Vom Osten bisher nichts Nenes. Der österreichische Bericht. Wien, de» l7. Oktober 1917.(W. T. B.) Amtlich wird »erlautbart: Au unserer Ostfront und in Albanien lebte stellen- weise �hie Gefechts tätigkeit auf.— I« Gabriele-Abschnitt wnrden abermals italienisch« Borstöße abgewiesen. Der Chef de» Giuerassto»«», uuheilvollen Einfluß unb unverzügliche Durchführung der demokratischen Reformen. Und dann folgt ein Satz, der jenen, die es noch können, zu denken gibt: „Die Verantwortung für alle Folgen, die sich aus der Ver- zögerung der demokratischen Neugestalwng ergeben könne», lehnt der Parteitag ab. Sie fällt auf diejenigen, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen." Die Partei geht nicht wehrlos und nicht mit gebundenen Händen in die vielleicht schweren Kämpfe, die ihr in der nächsten Zeft bevorstehen. Troelftra zur Zrage Clfaß-Lothringens. Stockholm, 16. Oktober.(Eig. Drahtber. des„Vorwärts".) „Socialdemokraten" publiziert ein Interview mit Troelstra, welcher sagte, daß das einstimmig beschlossene Manifest des Internationalen holländisch- skandinavischen Komitees der deutschen Partei zeigen werde, daß die Weigerung, in der Frage Elsaß-Lothringens zu verhandeln, als im Gegensatz zu dem Gedanken eines VerständigungIfriedens stehend angesehen werde. Die Mehrheit der deutschen Partei habe die Bedeutung der Frage bisber nicht er- kannt; er hoffe, daß sie ihren Standpunkt revidiere. Troelstra glaubt, daß die Vorschläge des Komitees keine kriegführende Partei befriedigen werden; aber eben darin sieht das Komitee den Beweis seiner Objektivität. Ter Komiteevorschlag werde der. Parteien Gelegenheit bieten, bis zum Zusammentreten der Konferenz praktische Friedens- arbeit zu leisten, was allerdings von den Eiitentemimstcrn abhänge. Wir verweisen hiermit auf den gestrigen und heutigen Partei- tagSbericht. ßuf öer Suche nach öem Verräter. Die drückende Verantwortlichkeit für den Krieg, für die zum Kriege führende, ihn verlängernde Politik, die blaffe Furcht vor der Abrechnung der Bolksmaffen mit ihrem Feind im eigenen Lande läßt die Kriegstreiber allerorts nach jedem Mittel greifen, den Krieg zum lohnenden Geschäft zu machen und für den Fall der Pleite anderen die Schuld zuzuschieben. Die französischen Imperialisten glauben nun einen Blitzableiter für den Volksgroll glücklich gefunden zu haben. Ihre Frende ist um so größer, als sie damit nicht nur ihre eigene Verant- ivortlichkeit am Kriege in den Hintergrund rücken können, sondern auch die S u p p e ihres„K ö n i g s" auf das lodernde Feuer des Volkszorns zu setzen hoffen dürfen. Die Skandal- kampagne, die sie enifesselt haben, zielt nicht bloß gegen Malvy und gegen dessen Hintermann Caillaux, nicht nur gegen die radikal-sozialistische Partei, eine Kerntruppe des republikanischen Frankreichs, sondern gegen die Re- publik selbst. Löon Daudet, der vor dem Kriege das Zuchthaus mit dem Aermel streifte, weil er seine Frau, eine Enkelin des berühmten französischen Romanziers Victor Hugo sozusagen verkuppelte, ist von den Royalislen zum xrooureur ein roi(Staatsanwalt des Königs) ernannt worden mit der Aufgabe, nicht nur einem repnbli- konischen Staatsminister hochnotpeinlichen Prozeß wegen Landesverrats zu machen, sondern auch den stritten Nach- weis zu führen, daß die Korruption des Parlaments Frankreich an den Rand deS Abgrunds führe und daß nur die starke Hand des Herzogs von Orleans Heil und Rettung bringen könne. In Wahrheit ist es aber nicht L6on Daudet, sondern— der famose amerikanische Gehet in dien st, welcher die neueste französische Skandalblase aufgestochen hat. Die Affären Almereyda und Turmel sind in den Hintergrund fetteten und das öffentliche Jntereffe klammert sich an B o l o > a s ch a. den früheren Friseurgehilfen aus Marseille. Lansing hat einen radiotelegraphiscken Depeschenwechsel zwischen dem ehemaligen deutschen Botschafter in Washington, Grasen Bernstorff, und dem deutschen Staatssekretär des Auswärtigen veröffentlicht, aus welchem der Nachweis geführt wird, daß Bolo Pascha neun Millionen Mark vom Auswärtigen Amt durch Vermittlung der Deutschen Bank überwiesen erhalte» hat. Am 26. Februar 1916 drahtet Bernstorff: Habe direkte Informationen auZ durchaus glaubwürdiger Ouelle über eine politische Aktion erhalten, die die Organisation eines Vorgehens zur Herbeiführung des Friedens in den feindlichen Ländern zum Zweck hat. Eine der hervorragendsten politischen Persönlichkeiten des in Frage stehenden Landes suchr eine Anleihe von 1700 000 Dollar in New gork aufzunehmen, für welch« Sicherheit gegeben werden wird. E« ist mir nicht er- laubt, de»«amen dieser Persönlichkeit schriftlich mitzuteilen. Jfogoto fKmntf« M. öF?r«ftr unter der?cdmqung. daß die FncdenZaktion ein ernsthaftes Projekt ist und fiiat die charakteristischen Worte hin�u:„Wenn feindliches Land Ruß l a n d ist. befassen Sie sich nicht mit dieser Angelegenheit denn genannte Summe wäre zu gering, um auf dieses Land irgendeine ernsthafte Wirkung ausüben zu können. (tbenio ini Falle Italiens, wo es sich nicht lohnen würde, seviel Geld auszugeben." Diese ilnterscheidung ist immerhin ein ganz'interessanter Beitrag zur Völkerpsychologie, wie sie von den Diplomaten getrieben wird. Am Niärz weiß Iagow bereits, daß es sich um Frank- reich handelst Mit Bezug aus eine Ankündigung Bernstorffs. daß eine Person mit einem Paß auf den Namen Staint-Regis zur Anknüpfung von Beziehungen mit dem deutschen Aus- »artigen Amt aus der deutschen Gesandtschaft in Bern er- scheinen werde, drahtet Jagow: „Die in Fhtein� kelegramm vom SO.!März angekündigt« Person hat aus unserer Verlier Aeiandtschast noch nicht vorge- iproch?». Haben Zic etwas NcueZ über Bolo?"' Ergänzt wird dieser Depeschenwechscl durch die Aussage des Tircklois des New Yorker Bankhauses Amsink u. Co. von H a v e:t st e d t, der den Mittelsmann zwischen Bern- storff und Bol» gespielt und angeblich als deutscher Finanzagent in Amerika aufgetreten ist. Bavenstedt wurde von dein amerikanischen Anstizminister ciiivernonimen und iagtc aus die Frage nach seinen Beziehungen zum deutschen Botschafter aus: Ä o l» wünschte d r i n a« n d. diese? Geld zu rrbolien. und sagte mir:„Ich nniß dieses Geld haben, sonst bin ich verloren.! Ich«tklärie ihm darauf:„ES gibt nur einen Menschen, der sich für Ihre Tuche imerejncren lönnie, da« ist der deutsch« Botichaftcr Gras Beriistorfs. Haben Sie etloa? dagegen, daß ich niit ibin darüber spreche?" Bodo antwortete mir:„Tun Sic, was Sie für gm holleir. Tcnn Sie nur da« Geld erhalte»." Aach einigen, Stachdenkeri setzte ich mich mir Vcrnstorsf in ZZer� birdung. der mich nach ZSasbington beschied, vernsiorff sagte mir daß die« sehr interessant sei. Zum Schluß erklärte mir Bcrnstorff „ES wäre»ine große Sache für uns Deutsche, wenn wir den Ton der osieiitlicheu Meinung in Frankreich ändern und sie in naher Zukunst zu einer friedlichen Lösung bestimmen können." Bernstorst sagte mir sodann: „Ich werde in einigen Tage» im Nitz'Hotel in Aew-Dork sein und Ihnen mciue Antlvort mitteilen. Suchen Sie mich dorr' aus." Ich kehrte nach New gor! zurück und teilte Bolo de» Inhalt meine Ilnierrediing mit dem Botschafler mit. Dolo zeigte sich inter c' ii c r: und sagte mir, ohne in eine Diskussion einzutreten „Teiler: Sie r»ir seine Antwort mit, wenn er nach New Dork kommt." Ich wartete einige Tage: daraus erhielr ich eines Abends einen telcphonischeir Anruf de« Botschafter«, der mich aus nächsten Morgen Kit/., Ubr in« Ritz-Hotel bestellte. Ich begab ruick dorthin, und der Batichlitter erklärte mir. daß er sich entschlossen habe, da« Geld vor- z n st r e ck e n. denn er finde, daß die Sache zu wichtig sei, um sie zu vcr- cchiärnnen und dag, trotzdem vedenken vorliegen, die Sache wert wäre daß man das G-ld hergäbe. Ich schickte Bolo einen kurzen Brres, um ihm mitzuteilen, daß ich da« Geld hätte. Bolo übergab nur erneu Brief, dessen Sinn war, daß Dolo rnir den Betrag zwei Jahre nach dem tkrieg« zurückersiatlcn werde, daß er keine Zinien zahlen und als Siaronti» alle seine Akrien de«„Journal" bei einer Bnuk hinterlegei' werde. Soweit die Aussage von Hevew stedi?. Der General-StaalSanwalt de« Staate« New York, Morton L'wis. fügt shinzu, daß Graf Bernstorsi während des Kriege« im ganzen lllV» Millionen Frank bekommen habe und wirft die Frage nach der Verwendung diese« Gelde« aus. Sehr schmerzlich ist durch diese Enthüllungen Senator H u n: b c r t getroffen, der in seinem Journal eine äußerst rege Propaganda für die Äusrüstung der französischen Armee, bc'onders für die bessere Ausbildung der schweren Artillerie geführt hat und durch einen Alarmartikcl über den Zustand der französischen Festungen, der Fesiungsartillerie und der für den Kriegsfall ausgestavcltcn Vorräte in den lrtzien FriedenSwochen großes Aufsehen erregt hast Er ist Eigentümer des Journals und gericl mit den Mitbesitzeru in.?onsiikrc. was ihn auf die Geldsiiche trieb. Dabei stieß er auf Bolo Pascha, über den ist: der Präsident deS französischen Appellationsgerichte Hofes Monier eine überaus gute Auskunft erteilte. Monier ist seines Allstes enthoben worden, weil sich ergab, daß er der juristische Ratgeber Bolo Paschas gewesen ist. Auf die>eni bewegten Hintergrunde spielen sickz die jetzigen Borgänge in Frankreich ab. Ohne Uebertreibung kann gesagt werden, daß das politische Leben Frankreichs aufs tiefste erschüttert ist. Tie chauvinistischen Ankläger beschuldigen den früheren Minister des Inneren M n l v n, den Vertreter der radikal-sozialistischcn Partei und rm besonderen der Gruppe Caillaur in allen Ministerien seit durch seinen Umgang mit Älmereyda und durch Be zk Hungen zu Bolo Pascha, die zwar noch nicht bewiesen scheinen, aber doch behauptet werden, baß er Verrat an seine ni Lande getrieben habe. Clcmenceau begnügt sich zwar mit dem feineren, aber darum nicht weniger scharfen Vorwurf des..unbewußten Verrates"; Leon Dandet klagt den Minister de?, belvußter: und schuldhasten Landesverrates an. Nach dem Rücktritt Malvys beschäftigte sich die Kammer mit diesen Anklagen, und Painlevs erregte mit der Verlesung eines Briefes Leon Daudets an Poincarö, in welchem diese Vorlvürfe in bestimmtester Form erhoben wurden. upgeheureS Aufsehen. Er verpflichtete sich, die Sache in wenigen Tagen zu klären. Aber auS den Tagen sind Wochen geworden, die Verhöre Leon Dandets wegen verleumderischer Behauptungen dabei: noch kein klares Ergebnis geliefert und die Nationalisten trage» ihr Haupt kühner denn je. Am DienStag wusch die französische Kammer wiederum diese schmutzige Wäsche. ES fanden zwei Debatten und zwei Abstimmungen statt. Die eine Debaite bezog sich auf Elsaß-Lothringen und fand bintcr geschlossenen Türen in einer Geheim- sitzimg statt. Nach Wiederaufnahme der öffentlichen Sitzung teilte R e ii a n d c l mit, daß sich die Sozialisten nach den Erklärungen RibotS über Elsaß-Lothringen der Ab- stir.iinnng enthalten werden. Tie Sozialisten verhalten sich damit wie bisher gegenüber dem Kabi- nett PainlevoS neutral und spielen in der Auseinander- setznng Zwischen ihm und den chauvinistischen Anklägern die Rollc'der unbeteiligten Zuschauer. Inder zweiten öffentlichen Debatte war' der Nationalist Delahaye Painlev» vor. daß er DaudctS Brief verlesen habe, obwohl er drei Tage vorher mit Daudet nach Mittel und Wege suchte, um die Bekannt- Werbung dieser Anklageschrist zu verhüten. Der Minister- p-äsident rechtfertigte sein eigenmächtiges Vorgehen damit, daß die Regierung unter außergewöhnlichen Umständen. so gut wie sie konnte, gehandelt habe, und erklärte, alle Ver- antwortung zu übernehmen. Er verlangte Vertagung der Debatte und stellte die Vertrauensfrage. Die Vertagung der Interpellation Delahaye biS nach Abschluß deS gerichtlichen Ver- fahrens wurde mit 2-16 gegen 169 Stimmen angenommen, aber 115 Depiitiertc, darunter insbesondere die Sozialisten, enthielten sich der Stimme, so daß Painlevs sich nicht rühmen kann.dieMehr- heit der Kammer hinter sich zu haben. Die„National-Ztg." läßt sich auS Genf die charakteristische Einzelheit drahten, daß die bisher zu Painlevs wegen der Art der Ministerbildnng in Opposition stehende Gruppe Caillaux und Renauls für das Ministerium gestimmt habe. Die französische Regierung hat kein Mißtrauensvotum erhalten, das sie zwingen würde, von heute auf morgen ihren Abschied zu nehmen; aber noch viel weniger hat' sie ein Vertrauensvotum erhalten. Moralisch ist s i unterlegen. Die Krise, in der sich heute Frankreich windet, ist im wesentlichen nichts anderes als die Krise, die Deutschland bewegt: hier wie dort verzweifelte Versuche der Kriegs treibcr, das Land für ihre utopistischen Ziele fortzureißen, hier wie dort ein Kampf der Vernunft gegen die Uiivcrnuiiit. Der wesentliche Unterschied aber ist, daß sich diese große Ausein andersetzung m Frankreich in der Behandlung schmutzigster Skandalgeschichten abspielt, während in Teutschland die dem Fortschritt und dem Frieden zustrebenden Parteien in der glücklichen Lage sind, ihren Kampf um Frieden und Freiheit zugleich mit dem Ziele zu führen, Volk und Staat durch die Fortbildung der Verfassung in eine höhere Einheit zu verschmelzen.'____ Das russische Vorparlament. Petersburg, 17. Oktober. tPeterSburger Telegr.-Agenhrr.) Die Vorläufige Regierung bat die Eröffnung de« Varparloment« auf den 20. Oktober verschoben. Das Vorparlament wird seine Arbeiten acht Tage vor Eröffnung der Verfassunggebenden Versammlung ein- stellen. Der Präsident de« Preffcverbande« und eine Anzahl Chef redakteure sind zu Mitgliedern des Vorparlament« gewählt worden. GeietzeSonträg« im Vorparlament werden der Unterschrift von Sv Mitgliedern bedürfen. Die Wahlen für üie russische Konstituante. Rotterdam, 17. Oktober. Dem„Nieuwen Rotterdamichen Cou rank" zufolge meldet„Daily Telegraph" miS Petersburg, daß die Wahlen für die Gesetzgebende Versammlung am 25. November staw finden werden. Die Bolschewiki beabsichtigen, für den 15. November eine allgemeine Versammlung der Sowjet« einzuberufen. In Cha r low und T a m b o w haben Pogrom« stattgefunden. Kammereröffnung in Italien. Boselli gegen den frieden.— Ter Turiner Aufstand Die italienische Kammer hat ihre Arbeilen am DienStag wieder aufgenommen. Die Tagung wurde von dem Kammer präfidenterr Marco ra mit einer Ansprache eröffnet, in der er anssührte, daß die militärischerr Anstrengungen Italien« nickt zu einem deuticken oder unentschiedenen Frieden, sondern zu einem fiegreicken Frieden führen müßten, der die völlige Einigung Italien« verwirkliche. Ministerpräsident Bo seilt gab eine Erklärung über die Politik der Regierung binsickllich de« Kriege« ab. Er betonte, daß die trügerischen Vorstellungen über die Annäherung des Friedens nur dazu dienten, ihn hinauszuschieben. Italien werde sich nicht hinters Licht führen lassen. Die Regierung brachte darauf die Gesetzvorlage über vier vorläufige HauShaltSzwölstel ein. Die Soziali st en forderten Besprechung der Regie rungZerklärimgen. Boselli erwiderte, die Besprechung werde bei der Prüfung der vorläufigen HauShaltSzwölstel stattfinden. Er lehnte die sozialistische Forderung ab und stellte die Vertrauen«- frage. Ter sozialistische Vorschlag wurde darauf mit 22? gegen 51 Stimmen bei 15 Stinrmenibaltungen abgelehnt. Der Vorgang ist als ein Vorspiel der Debatten zu betrachten, die der Kriegspolitik der italienischen Regierung von link« her drohen. Boselli half sich für diesmal mit der im italienischen Par lament beliebten Methode, unbequemen Erörterungen durch Ver schieben der Debatte aus dem Wege zu gehen. Der Kniff wird ibm nickt mehr als eine Galgensrist verschaffen, denn die sozialistische Interpellation, die in die geschäftlich anrüchigen Machenschaften der kriegshetzerischen Preff« bineil, leuchten soll, steht in Sicht und wird die Regierung a»S ibrem Sckußfelde ganz gewiß nickt ausschließen. Wie die Regierung srck gegen den Ansturm zu decken versuchen wird, dürste au« Boselli« jetziger Erklärung zu schließen sein. Die in Italien um sich greifende Friedensbewegung sengt ihr die Nägel und sie sucht nun durch ein schon nicht mehr neues Taschenspieler- tückchrir die Finger vor de», Braude zu sichern. Tie Frieden«- orderung soll eben um ihre Aulorilät gebrocht werden durch die Behauptung, sie gehe auf den Betrug Italien« au«. Das Alliierten gerede von der„deulschen Intrige", da« gegen die Stockholmer Gefahr in Kurs gesetzt wurde, zeigt also auch hier wieder scinen Pfertefuß. Taß BoselliS Wort von den„trügerischen Vorstellungen über die Annäherung de« Frieden«", die nur dem Kriege dienen würden, in der N a ch b a r sch a st deS V a t i k a n S. der die Friedens- bewegung so talkräflig mitgefördcrt hat, gesprochen wurde, gibt dieser ministeriellen Redeleistung noch einen besonderen politischen Beigeschmack. Boselli hat übrigens zu den Ministsrn gehört, die jüngst am Werke gewesen find, in den größeren Provinzstädten im Lande neue KriegSbegerfterung hervorzurufen. Vor allem wurde Turin mit einer Rede BoselliS und seiner Trabanten beglückt. Als ob auch die schönsten Reden in dieser Stadl die Tage des Schreckens vergessen lasse» könnten, die nachlrägkich von einem sozia- listischcir Augenzeugen in Schweizer Blättern als richtige Rc- volution bezeichnet worden sind. Wenn die Schilderungeir auf Wahrheit beruhen, so hoben fünf Tage lang er- itterte blutige Kämpfe zwischen dem Turiner Proletariat und der durch das Militär vcrstäriten Polizeigewolt stattgeinnoen sind zahlreiche Offiziere ermordet, massenweise Demonstrierende niedergeschossen worden, haben zweimal Maschinengewehrabteilungen und Bersoglien gemeinerl und standen die sozialistischen Führer Morgari, Buczzi, Rondani und Barberin in erster Linie der Kämpfer. Die italienischen Blätter mußten über olle diese Borgänge tiefe« Stillschweigen wahren. Erst in der vorletzten hier eingetroffenen Nummer dursie„Avanti" den langen Bericht auS bürgerlichen Blättern hier abdrucke», den er vorher nicht bringen durste, der die fünftägige Karabinierijagd nach dem sozialistischen Abgeordneten Barben« schildert und seine endgültige Festnahme rn den Lager- räumen der Konsumgenosienschast, wo er sich versteckt gehalten Halle. Dreißig Karabmieri waren daran beteiligt. Die Turiner Vorgänge waren wohl die heftigsten Zu- ämmenstöße, sind aber nicht die einzigen geblreben. Daß es unter diesen Umständen und angesrchl« eines dritten KriegSwinter« jckwer hallen wird, im frierenden und hungernden Volk die KnegZ- begeisternng hochzuhalten, leuchtet ein. Die Kehrseite des Vectra ucuSvstums. Da« Vertrauensvotum, daS die Regierung sich«rreilen ließ, kann die mißliche Lage, in der sie steckt, weder beseitigen noch über- Haupt nur verhüllen. DaS zeigen Aeußerungen, die der frühere Minister Nitti in der Kammer tat. Er erhob schwere Vorwürfe gegen die Regierung: Tie Kammer ielbst hat eine Geduld und Nachsicht anden Tag gelegt, die beweisen, daß sie den Krieg durchaus nicht lahmlegen will. Man muß aber zugeben, daß zwei Wocke» iiicki zur Erörterung so vieler Probleme geniigen, daß also der ge'omte Stoff, dem die Kammer ihre Aufmerksamkeit schenken muß. nicht erledigt werden kann. Andererseits hätte man s ü g l i ch erwarten dürfen, daß nach alle» Ereignissen der letzten Zeit Re- gierungserklärungen abgegeben würden, die da« Ver- trauen der Kammer zur Regierung gestärkt hätten. In keinem anderen Lande gebt man io vor. Man kann von allem, sogar von Heer und Marine sprechen.'Dir italienische Regierung cnt- zieht sich jedoch der Prüfung durch das Parlamenr, das wifien möchte, od die Mitglieder an ihrein Platz sind. Währenb die italienische Kammer ein zuversichtliche« Wort von der Regierung bören will, ficht man ihr mit eisigem Sckiweigen gegenüber. Die italieniicke Kammer tut nicht« anderes, at« die Blidgetzwölstel zu geiiehmigen. Da« Vorgehen des Papstes kam im deuricben. öster- reichischen, sranzöfischen und englischen Parlamenr zur Sprache. In der italienischen Kammer hörte in an nicht« davon. Das alle« ist außerordentlich er- niedrigend. Die Regierung läßt also ibre Gelreuen im Parlament vor dem Lande im Stich. Sie schlägt dem Parlamentarismus in« Gesicht und stellt ibre Helfer vor dem demokratischen Urteil bloß. Da« wird im gegenwärtigen Augenblick offenbar als ganz besonder« gefährlich empsilndcli. Aber es rst denn doch sehr die Frage, ob die mißliche parlamentarische Lage, wie Ntlti meinte, durch ein regere« Eingrc'fcii mit potiti'cheu Erklärungen, woran die Regierung e« jetzt baba seblen lasien, zu verhindern gewesen sei. Ihre Ursachen find Krieg'wirkiingen, die da« Volk bis zu wilden Ausbrüchen der Em- pörung getrieben haben. Wie wenig da« Derbalten der Regierung in der Eröffnung«- ätzuug die Loge— auch die der Regierung— bat bessern können, wird aus der Kritik des„Corriere della Sera" deutlich. Das Blatt schreibt: Boselli hielt eS nicht für notwendig, der Kammer und dem Lande zu ver st ehe» zugeben, wie die Regierung die politische und militärische Lage ansieht, welch« Haltung sie gegenüber den wichtigsten Problemen einnehmen, nach welchen Leitgedanken und Zielen sie ihre Aktion einrichten will in einer Zeit, wo die Lage sich immer ändert und die Ereig- nisse in dauerndem Fluß find. Die Worte BoselliS, die sich auf die Bestätigung des Willens und Vertrauen« beschränkten, waren 'fit die jetzige Lage viel zu wenig. Wir wollen da« offen iageu und hoffen, daß die Regierung die ganze Ungcschicklich- keit ihre« Stillschweigens einsieht. Das war ein Fehler, der i e h r erhebliche Rückwirkung auf den Verlauf der Kammersitzung und selbst auf die parlamentarische Lage Halle. Nach den neuesten Meldungen kam auch die Aufstands- bewegung in der Kammer zur Sprache. Laut„Corriere della Sera" fragte der Sozialist Modigliani, warum die Pro« vinzerr Alefsandria, Genua und Turin in die Kriegszone einbezogen wurden. Der Redner sah in dieser Maßnahme einen Versuch zur Vergewaltigung der Arbeiterklasse. Er stellte fest, daß e» sich dem Wesen nach um eine regelrechte Verhängung de« Belagerungszustandes handelt, wobei er auf die vom Oberkommando veriügten werteren Einschränkungen verwies, durch die diele Provinzen unter ein ganz außerordentliches Regime gestellt werden. Der Redner verlangte schließlich, daß da« Oberkommando sich von allem, waS die innere Politik betreffe, vollständig fernhalte. Der„Avanti" erklärt, daß die Kammer gegen da« Ministerium demonstrierte durch lebhafte Zustimmung zur Rede de« Giolittianers Nitli. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 1k. Oktober. lAmtlich.) Neue U-B»otSerfolgr: U 39, unter seine« in drei Kriegsjahren hervorragend bewährte» Komma» dantc», Kapitänleutnont Forstmann, hat»uter anderen Erfolgen vor der Straffe von Gibraltar fünf wertvoll« Dampfer mit über 20000 L>r.-Reg.»To. versenkt, und zwar die bewaffneten englischen Dampfer Normaatvn i3862 To.), Mcrsariv(3847 To.),«linora(4385 To.), Nucrria 4702 To.) und den japanische« Dawpscr Hikosan Mar»(3555 To.). Die innerhalb von drei Tagen vernichteten Schiffen hatten zusammen 1500 Tonnen kohle als Ladung; davon waren mehr als Lü 000 Tonnen für den Winterbedarf Italiens bestimmt. Ter Chef des AdmiralftadeS der Marine. Abgeordnetenhaus. In semer zweiten und zugleich schon wieder letzten Sitzung vor einer abermaligen Pause von mehreren Wochen beschäftigte sich das Plenum des Abgeordnetenhauses am Miittvoch zunächst mit einer Regierungsvorlage über Der- infachnngen in der Staatsverwaltung. Es handelt sich dabei nicht um jene„große" preußische Ver- waltungSreform, die schon seit Jahren vorbereitet idird, 'ondern nur um eine Art Notgesetz, dessen Geltungs- dauer auf die Zeit des Krieges beschränkt fein soll. Die Vorlage wurde nach gründlicher Aussprache einer bcson- deren vierzehngliedrigen Kommission überiviesen. Dann wandte sich daS Hans der Beratung von P e t i- ti o n e n zu. Eine Petition des Vereins der Wettermänner in Neunkirchen(Saar) um Gleichstellung und Erhöhung der Bezahlung der Wettermänner im ganzen Saarrevicr und um Versetzung in eine höhere Pensionskaffe gab dem Genossen H u c Zeranlasiung, sich in sehr wirksamer Weise der b e r g m ä n n i- ch e n Interessen anzunehmen. Bei der Zusammen- etzung des Dreiklaffenhauses ist es kein Wunder, daß trotzdem die von ihm gestellten Anträge mit großer Mehrheit a b- e l e h n t ivurden. Bezeichnenderweise stimmte auch d a S Zentrum mit der Mehrheit, dessen.Arbeitervertreter" Brust und Vogelsang schon in der Debatte dem Genossen Hue in den Rücken gefallen waren. Zu einer längeren Aussprache führte dann noch die An- gelegcnhcit des wegen.mißliebiger" schriftstellerischer Betätigung aus den Listen der Berliner Universität gestrichenen Studenten Joel. Genosse H a e n i s ch vertrat bei dieser Gelegenheit energisch die Interessen der akademischen Freiheit und verlangte, daß mit dem alten Polizeigeist der Engherzigkeit und Gesinnungsschnüffelei im neuen Preußen endgültig aufgeräumt werde. Zu Beginn der Sitzung war an Stelle des in die Re- gierutig berufenen bisherigen 2. Vizepräsidenten von Krause der gleichfalls nationallibcrale Herr Dr. Loh- mann widerspruchslos für diesen Posten gewählt worden. Nr. 2S6— 1�17 Unterhaltungsb!att öes vorwärts Vonnerstag,18. Oktober Ein Märchen von heute. Bon Maxim G orki. Maxim Gorli veröffentlicht in seiner Zeitung.Neues Leven"' eine kleine Erzählung, worin der ganze Jammer des befreiten Siuglands schluchzt. ES lebte einmal ein Weib mit Namen— sagen wir— Motrjona, die für einen fremden Onkel, der— nehmen wir an— Nikita hieß, und für all seine Verwandten samt ihrem zahlreichen Gesinde arbeitete. Schlecht erging es dem Weibe. Der Onkel Nikita beachtete Matrjona gar nicht, wenngleich er vor den Nachbarn prahlte: .Meine Matrjona hat mich lieb,— ich mache mit ihr. was ich Willi Ein mustergültiges Tier, willig wie ein Pferd....* Und das betrunkene, freche Gesinde Nikitas malträtiert Matrjona stündlich, bald wird sie bestohlen, bald— verprügelt, bald— so einfach aus Langeweile— geschmäht, aber untereinander sprach man: .Was ist es doch für ein Frauchen, unsere Matrjona I Manch- mal tut sie einem sogar leid!' Indessen fuhr man fort, sie in Worten zu bemitleiden, aber in Wirklichkeit, sie zu mißhandeln und zu berauben. Abgesehen von diesen Schädlingen, umgaben Matrjona viele Nutzlose, die für MatrjonaS Langmut Mitgefühl hatten. Sie blickten sie von der Seite an und— wurden gerührt:.Du, unsere Biel- leidende! Du, Arme!' Einige aber riefen ganz entzückt: .Dich kann man mit keinem Metersiock messen, so groß bist Tu I Und was den Verstand anbetrifft,— so sagten sie,— so reicht niemand an Dich heran, zu Dir— so lauteten ihre Reden— kann inan nur Vertrauen haben!' Währenddem bewältigt Matrjoua wie eine Bärin tagaus tagein jedwede Arbeit, und immer— ohne Zweck: wieviel sie auch immer eraibeitet, alles nimmt ihr das Gefinde des Onkels weg. Trunken- heit, Sittenverderbnis und jeder Unrat umringen die Frau. ES ist zum Ersticken! So lebte sie, arbeitend und schlafend, und in den freien Minuten grämte sie sich still ab:.Ach Gott! Alle haben sie mich lieb, alle bedauern sie mich, aber einen wahren Mann gibt es nicht. Wäre irgendein richtiger Mann gekommen, hätte mich in seine starken Arme genommen, hätte mich, das Weib, mit voller Kraft lieb- gehabt— da hätte ich ihm solche Kinder geboren, ach Gott!' Und sie weint und kann nicht weiter. Da fing ein Schmied an, sich ihr zu nähern, aber er gefiel ihr nicht, der Mensch war nicht von Vertrauen erweckendem Aussehen, war verqualmt, hatte einen frechen Charakter und sprach unver- ständlich, auf eine Art sogar prahlerisch: .Nur in ideeller Bereinigung mit mir werden Sie, Matrjona, imstande sein, das folgende Stadium der Kultur zu erreichen..." Sie erwiderte: .Was denn, Väterchen, wohin zielst Du? Ich verstehe nicht mal Deine Worte, und dann— ich bin groß und habe reiche Aus- sichten. Dich aber kann man kaum ansehen I' So lebte sie weiter. Alle Welt bedauerte sie, und sie hat mit sich selbst Mitleid gehabt, aber Zweck hatte da? alles nicht. Und plötzlich— ist der Held erschienen I Er kam, jagte den Onkel Nikita und sein Gesinde davon und erklärte Matrjona: .Bon nun an bist Du vollkommen frei, und ich bin Dein Erretter, wie der heilige Georg der Sieger auf der alten Kopeken- münze.' Matrjona schaut, und fürwahr— frei ist sie I Selbstverständlich wurde sie froh. Indessen erklärt auch der Schmied: .Auch ich bin der Retter!' .DaS sagt er aus Eifersucht,' ging eS Matrjona durch den Sinn, laut aber sagte sie: .Selbstverständlich auch Du, Väterchen!' Und alle drei begannen ein neues Leben voll fröhlicher Ber- gnügungen; jeden Tag gab eS bald eine Hochzeit, bald eine Be- erdigung, einen jeden Tag wurde Hurra geschrien. DeS Onkels Knecht Molej fühlte sich plötzlich als Republikaner— Hurra! Die Städtchen Jalotorowsk und Rarym erklärten sich als Ver- einigte Staaten— wieder Hurra I Etwa zwei Monate lebten sie wie ein Herz und eine Seele, erstickten einfach in Freude, wie zwei Fliegen in einem Becher Ouaß, aber plötzlich— im heiligen Rußland geschieht alle? plötzlich I— plötzlich wurde eS dem Helden langweilig. Er sitzt Matrjona gegenüber und fragt: .Habe ich Dich befreit?' „Na ja doch, mein Lieberl' „Merke Dir das!' „Und ich?' fragt der Schmied. „Auch Du...' Kurze Zeit darauf quält der Held von neuem: «Habe ich Dich, die Närrin, gerettet oder nicht?' „Ach Gott.' sagt Matrjona,„gewiß doch, Du selbst!' „So, dann behalte e§ in Erinnerung!' „Und ich?' fragt der Schmied. „Auch Du... Ihr beide...' .Beide?'— sagt der Held, indem er seinen Schnurrbart glättet.— ,Hm!... Ich weiß nicht...' Und er fing an. Matrjona stündlich zu verhören:.Habe ich Dich, die Närrin, ge- rettet oder nicht?' Und immer strenger:„Bin i ch Dein Erretter oder wer sonst?' Matrjona sah, wie der Schmied finster wurde. Er ging fort und machte sich an seine Arbeit. Die Diebe— stahlen, die Kaufleute— handelten, alles ging seinen alten Gang, wie in OnkelS Zeiten, und der Held plagte sie weiter und fragte sie tagtäglich: .Wer bin ich für Dich?' Und er gibt ihr eine Ohrfeige und zerrt sie an den Zöpfen! Matrjona küßt ihn, sucht ihn mild zu stimmen, sagt ihm lieb- freundliche Worte: .Du, mein lieber Garibaldi, mein italienischer, Du mein eng- lischer Cromwell, Bonaparte von Frankreich l' Und nachts, wenn sie allein ist, weint sie still: „Gott, o, Gott! Ich dachte, daß es wirklich etwa« wird, und nun ist es so gekommen I' Aber, daS ist nur ein— Märchen. In den Välöern von St. Ouentin. Aus der Gegend von St. Ouentin wird uns geschrieben: Wir hatten Gelegenheit, des Rachmittags öfter Ritte in den kühlenden Schatten der leider hier nur noch so seltenen Laubwälder zu unternehmen. Schlecht gepflegt sind diese Wälder. Jeder sieht es aus den ersten Blick, hier fehlt der kundige Forstmann nicht erst seit Beginn des Krieges. Das war niemals ein preußischer Wald. wo die Bäume in Reih und Glied stehen. Aber gerade dieses verwilderte gibt ihm den eigenen Reiz. Unregel- mäßig stehen große und kleine Bäume durcheinander. darunter findet sich ein wildes Gestrüpp von Unterholz; auch die Schlingpflanzen sehlen nicht. Dieser Wald hat also— wie der Botaniker sagen würde— nicht nur eine Etage, wie z. B. unser lieber Grunewald bei Berlin, wo das gesamte Grün der Bäume in gleicher Höhe liegt. Hier erkämpft sich die jüngere Generation, ungestört durch menschliche Eingriffe, was noch unterhalb der höchsten Kronen an Raum zu Gebote steht. Viele Etagen kann man hier zählen, die je nach den verschiedenen Ansprüchen den verschiedensten Arten an- gehören. Nur ist eS hier im großen und ganzen umgekehrt als bei den Mietskasernen unserer großen Städte. Die Mächtigsten wohnen hier am höchsten, da. wo Lust und Licht, die beiden HauptlebenS« notwendigkeilen der Pflanze, am meisten vorhanden sind. Unser deutscher Wald ist also einem vornehmen Hause zu vergleichen. Hier wird nur den Auserlesenen gern eine Wohnstätte geboten. Wie aber mancher Romanschriststeller lieber ein HauS aufsucht, in dem, vielleicht zum Aerger des Wirtes, das Leben ein recht buntes ist, so wird der Botaniker gern in den Wäldern Frankreichs verweilen. Die Stieleiche und die Hängebirke sind die hervorragendsten Bildner, die Bewohner der obersten Etage dieser Wälder. Auch in dem dicht wuchernden Unterholz sind diese beiden Arten begreii- licherweise stark vertreten. Dazu treten hier noch unter anderem Eipen oder Zitterpappeln sowie Hasel- und Schneeballsträucher. DaS wäre das mittlere Hauptstockwerk. Am anregendsten ist daS unterste Geschoß. Vielerlei Orchideen sind hier so recht zu Hause. Kurzum, hier ist ein Dorado für den Pflanzensammler. Und durch all diese Etagen ziehen sich jenq Ge- schickten, die sich andere zunutze zu machen verstehen, die Schling- gewächse. So sehen wir vor allem den Efeu und das so außer- ordentlich wohlriechende Geisblatt mit seinen kleinen gelben Blüten, hier und da auch.Je länger je lieber' genannt. Es ist dies eine Pflanze, die mit Borliebe von gewissen Nachtsaltern, Schwärmern aufgesucht wird. Daher strahlt sie denn auch vor allem des Abends ihren starken Blütenduft aus. Auf den kleinen Blüten läßt sich der Schwärmer mit seinem dicken Leib zur Honigentnahme nicht nieder. Er steht vor ihr im Fluge, wie der Habicht, ehe er sich auf seine Beute stürzt, und führt so schwebend seinen langen Rüssel ein. Auf den feuchten Waldwegen aber huscht am Tag der große Schillerfalter aus und ab und läßt sich aus dem Erdboden nieder, um aus dem Boden Flüssigkeit zu saugen. Recht häufig ist hier dieser bei uns so seltene blauseid-ne Schmetterling. Ja, der Naturfreund kommt in diesen Wäldern auf seine Kosten. versuche ober die Unsterblichkeit der Einzeller. Di« Behauptung vieler Tierforscher, daß einzellige Tiere, die sich durch Teilung allein erhalten und fortpflanzen, unsterblich seien— August Weismann hat beispielsweise über die Unsterblichkeit der Einzelligen eine schöne Arbeit veröffentlicht—, hat andere Gelehrte, die dies theoretisch zugaben, abch für die Wirklichkeit nicht anerkennen wollten, zu Versuchen veranlaßt, durch die diese Be- hauptung widerlegt werden sollte. Sie suchten nachzuweisen, daß die einzelligen Tiere im Laufe einiger Jahre, während derer sie sich nur�durch Teilung erhalten konnten, entarten, so daß schließ- lich ihr Stamm zugrunde gehen muß. So hat in'den letzten Jahren — bei Kriegsbeginn waren diese Versuche noch nicht abgeschlossen— der Amerikaner Woodrus sieben Jahre hindurch eine Infusorien- kultur beobachtet und im ganzen 4S(X> aufeinanderfolgende Generationen gezählt, die nur durch Teilung entstanden waren. In noch größerem Maße hat der russisch« Forscher Metalnikoff diese Versuche über Unsterblichkeit der Einzelligen ausgeführt; zuerst schien es, als träte im Laufe der Jahve wirklich eine Eni- artung ein, dann aber ergab die Beobachtung, daß dies nur schein- bar gewesen sei. Metalnikoff hatte als Bersuchstter Oaramaecium cauäalum gewählt; was die langjährige Beobachtung dieses ein- zelligen Geschöpfes ergeben hat, veröffentlicht er soeben in den „Berichten" der Societee de Biologie. Es hat sich herausgestellt, daß die Nährlösung, in der die Versuchstiere leben, von erheb- lichem Einflüsse auf die Versuche ist. Metalnikosf verwandte LiebigS Fleischertrakt in einer Verdünnung von 0,025 auf 100. Den Ausgang seiner Bersuchstierreih« bildete ein einziges?sramaecium esuäatum. Durch Deiluirg wurden hieraus zwanzig, und jedes dieser zwanzig Geschöpfe wurde für sich auf ein Uhrglas mit der Nährlösung zur weiteren Beobachtung gebracht. Der russisch« Ge- lehrte untersuchte seine Versuchstiere täglich und erneuerte auch jeden Tag die Nährlösung; die Vereinigung von je zwei Tieren verhinderte er, und so setzte er die Versuche— sie find noch nicht beendet— bislang durch acht Jahre fort. Er hat etwas mehr Generationen erhalten als Woodruf bei seinen Versuchen, was am Klima oder auch an Stammeseigemtümlichkeiten seiner Versuchs- tierc liegen mag. Wie schnell die Vermehrung durch Teilung erfolgt ist, hat er zahlenmäßig festgehalten: 1912 zählte er 413 Generationen, 1913: 397, im folgenden Jahre 393, 1915 nur 258. Der Schluß, daß dies ein Schwächerwerden der Lebenskraft der Paramaeeien bedeute, er- wies sich jedoch als verfrüht, denn im Jghre 1916 erfolgte die Tei- lung wieder ganz bedeutend schneller, ja am Schlüsse des Jahres stellte sich heraus, daß sie sogar erheblich größer als im ersten Beobachtungsjahre geworden war: im Jahre 1916 haben Metalni- koffs Einzeller nicht weniger als 490 Generationen erreicht. Nach den bisherigen Ergebnissen dieser Versuche scheint es also, daß die Paramaecieii in fast 2000 Generationen noch genau so lebenskraftig sind wie vorher._ Notizen. — Der Säng«rstreit i« Marseill«. Der Säuger- streit auf der Wartburg wird ein würdiges Gegenstück finden. Die Marseille! Zeitungen bringen als Anzeige«ine Herausforderung an alle Tenöve: Herr Fernand Leinaire. erster Tenor an der Mar- seiller Oper, fordert alle Sänger zum Wettstreit heraus. Er ver- pflichtet sich, eine Stunde lang alle gewünschten Opernarien um einen Ton höher zu singen als sonst irgend ein anderer Tenor. Die Wette wird auf 10 000 Franken abgeschlossen. — Der Heizregler. Ein schwedisch�: Ingenieur hat ein« Erfindung gemacht, die sine automatische Regelung der� Wärme- zufuhr und des Brennstoffverbrauchs bei Warmwasserheizung er- möglicht. Bei einer gewissen Temperaturhöhe wird die Wasser- zufuhr der Wärmelestung abgestellt. Es wird mit 25 bis 30 Proz. Koksersparung gerechnet. Die welsihe Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhundert?. Ii] Von R. France. Aber es blieb nicht mehr viel Zeit zum Wünschen und Hoffen.... Man äußerte Ungeduld und Zweifel im kleinen Kreis, ob der für den Abend versprochene Akteur denn auch wirklich Wort halten werde— da sprach auf einmal eine fremde, unangenehm hohe Stimme: „Man braucht nur zu befehlen.—" Alles fuhr erschreckt zusammen und erst jetzt wurde man gewahr, wie dunkel es inzwischen im Gemach geworden. Der Schrecken steigerte sich aber zum wahren Entsetzen, daß Peißer sein Haar sich sträuben fühlte— als man einen hageren, schwarzgekleideten fremden Mann einen unbestimmten Schatten. ein wirtliches schwarzes Gespenst bemerkte, das sich auf einmal bewegte... Jäh fiel ein Tuch zu Boden und nun stand dort ein üppiges, etwa zwanzigjähriges Mädchen mit einem rassigen feingeschnittenen Gesicht, in dem die blauen Augen, die tiefschwarzen, einen pikanten Bogen bildenden Augenbrauen und das reiche dunkle Haar einen das Auge bannenden Kontrast bildeten. Später sah auch Peißer ein, daß alles mit natürlichen Dingen zugegangen war. Die Tür war offen geblieben, der Magnctiseur konnte also leicht unbemerkt eintreten und das schwarze Tuch mußte er wohl über das Mädchen an seiner Seite schlagen, sonst hätte dessen reiche morgenländische Ge- Wandung auf der Straße unliebsames Aufsehen erregt. Trotz- dem wirkte das Zusammentreffen dieser Umstände auf jeden der Anwesenden erschreckend und eine dem nächtlichen Tun günstige Stimmung war vorbereitet. Der Magnetiseur stellte sich als Chevalier Cavallo vor, seine Begleiterin nannte er nur kurz Fatmö. Und ohne sich auf vieles Reden einzulassen, bega»n er einige Vor- bercitungen. Das war gut von Chevalier Cavallo, denn so oft er den Mund auftat, ja wenn man ihn nur näher anblickte, lief die Enttäuschung jedem über den Rücken. Der Italiener hatte die unangenehmste Fistelstimme und wenn sein Tonfall etwas sehr unwälsch hartes, fast höhnisches besaß, so stand damit sein Kopf im Einklang, denn er war von einer so impertinent emporgereckten Nase geziert, daß man sich ihrer nur an den Ufern der Moldau nicht schämt. Dr. Widmont hatte seinen Gästen gesagt, daß der Chevalier mit Empfehlungsbriefen auf der Durchreise von Nürnberg nach Rom zu ihm gekommen sei, um ihm als dem alten Lehrer MeSmers seine Reverenz zu bezeugen. Es lag aber ein Gran Unwahrheit darin, das seinem lauteren Charakter auch nicht wenig zuwiderlief. Er hatte nämlich einiges aus wohlweislicher Klugheit verschwiegen, im besonderen, daß die gewichtigen Empfehlungsbriefe des Cavallo von niemandem als dem seiner Freigeisterei halber seiner Stelle ent- setzten Professor Weishaupt stammten, mit dem ihn politische und menschliche Freundschaft verband. Noch viel mehr verschwieg er, was in Weishaupts Empfehlungsbrief darin stand. Daß dieser Italiener durch sein Medium das erstaunliche Kunststück des Mesmer wiederhole und zu Gotha, wo Weishaupt mit ihm experimentiert habe, die wunderbarsten Weltereignisse auf die Stunde genau vorausgesagt, ja dabei verborgene und nur den Kennern zugängliche Dinge von ihm selbst geoffenbart hätte.... Weshalb ihm gerade dieser Mann überaus ge- eignet scheine, für seine Sache die feurigsten Anhänger zu werben, wenn man ihn lauen, schwankenden, sonst aber ehr- lichen Gemütern vorführe und sie sich von semer Prophezeiungs- kunst überzeugen lassen. Nichts anderes als diesen Wink des Jlluminatengenerals hatte er nun heute ausgeführt mit der Einladung an wenige verttautere Männer, denen er den jungen Feuerkopf von Studenten mit dem sicheren Blick des alten Mannes unbedenk- lich hinzugesellt, als er dessen zweiflerische und schwärmende Gemütsart erkannt hatte. Schweigend saß die kleine Gesellschaft im Halbkreise, als auf die Aufforderung des Magnetiseurs Peißer die Fenster sorgfältig verhüllte und vor das einzige Licht, das angezündet werden durste. Schirm und lichtabwehrende Hüllen in so reicher Zahl anbrachte, daß kaum einige Dämmerung im engen, mit Büchern und seltsamen Flaschen vollgepfropften Gemach herrschte. Im hellen Licht sei es unmöglich, das auserwählte Mäd- chen, von dem die seltsamsten Dinge zu erwarten seien, zum Traumschlas zu bringen, der nichts anderes denn der Tempel- schlaf der Aegypter oder der Mystagogen im hellenischen Altertum, die wahre Quelle aller Wahrsagung sei, sagte dazu 1 erläuternd Widmont, der seinen Gästen völlig vertraut mit diesen ungläubig aufgenommenen Dingen schien. Seine ernsten Worte blieben nicht ohne Wirkung. Sogar der dicke Hundt vergaß auf seinen Spott und seine Scherze, als nun, sein greiser Freund mii einer Stimme, der man die Äusregung und den ungewohnten Ernst der Stunde anmerkte, die Anwesenden bat, unter keinen Umständen, was auch immer sich ereignen möge, was auch alles hörbar oder sichtbar werden würde, die Besonnenheit zu verlieren, oder gar sich so weit zu vergessen, plötzlich Licht zu machen oder die Somnambule zu packen. Ihr plötzlicher Tod und Wahn- anfalle des allzu lebhaften Zweiflers sowie dauernde Geistes- Zerrüttung seien schon des öfteren in Paris und an anderen Orten die Folge solch' unbedachten Tuns gewesen. Während er dies alles auseinandersetzte, hatte Cavallo das Mädchen in einen Lehnstuhl gesetzt und strich ihr mit dem Daumen bestän- big von der Stirne über die Schläfen bis zum Halse herab. sah sie starr an und wiederholte scharf und bestimmt in seinem fremden Tonfall das Wort: „Schlaffen." Fatme saß zusammengesunken da, auf einmal fielen ihre Hände kraftlos nieder, ihr Kopf sank rückwärts und sie fing unheimlich zu schluckzen an. Wenn Peißer später von den Ereignissen jenes Abends sprach, betonte er stets das unheimliche Gefühl, daS ihn befiel, als er damals zum ersten Mal gewahrt hatte, daß die Augen der Somnambulen nicht nur nicht geschloffen, sondern un- natürlich weit geöffnet und so erschrecklich verdreht waren. daß man nur das Weiße in ihnen, aber keinen Aug- apfel sah. Unwillkürlich rückten alle näher um das Mädchen und der leichte Hauch skeptischer Scherze, der den Abend ein- leitete, war längst verflogen. Auf einmal begann Fatme zu weinen, laut, bitterlich, mit quäkender Stimme, wie ein verzogenes, kleines Kind. „Sie bildet sich ein, sie ist Bambino," erläuterte Cavallo. r„Sprechen Sic mit ihr, Monsignori, als wenn sie Kind wäre." Die vier alten Herren stellten sich aber sehr ungeschickt bei diesem improvisierten, längst entwöhnten Umgang an. Und Peißer wagte überhaupt kaum zu atmen, geschweige denn zu reden.(Forts, folgt.) M(n MW zur Satzung der Allgemeinen Ortskrnnkenkajse für Lerllii'eiMM iu Berliu-Lichterfelde. Hwter Z 24 wird eingefügt: § 24a. Kafsenmitgliedern, die nach h 11 sreiwMg in der Kasse der- bleiben, wird, wenn sie sich nicht im Bezirk der Kasicnälzte aushalten, statt der Kranken- vflege das halbe Krankengeld gewährt, sojcrn eine Heber- Weisung an die Kasse des Wohn- orts nicht ersolgt ist. 877 erhält solgende Fassung: Di« Mitglieder dcS Vorstandes haben bei Wahrnehmung von durch daS Interesse der Kasse gebotenen Geschästen(Amis reisen. Sitzungen. Kassenrevi iionen usw.) Anspruch auf Ent- ichädigung für den ihnen er. wachsenen Zeiwcrlust und auf Erstattung der baren Aus lagen. Als Entschädigung für den Zeitverlust erhalten die Vor- standSmitglieder für die Teil- nähme an solchen Geschäften M. 3,—, sofern diese an dem betreffenden Tage einen Zeit- verlust von weniger alS 3 Stunden verursacht hat. M. 6,— bei einem Zeitv« von 3 bis 6 Stunden und M. Ist,— bei einem Zeitverlust von über S Stunden. Die Zeit der Hw- und Rückfahrt bleibt bei der Berechnung der Ent- ichädigung au her Betracht. Der Vorsitzende erhält außerdem M. I.bst für jede» Tag seiner Amtsdauer. Für diejenigen Tage, an denen er vertreten wird, hat an seiner Stelle der Vertreter Anspruch aus die Ent- schädigung. Die Erstattung der baren Auslagen fetzt deren Nachweis voraus. Ohne den Nachweis der tat- sächlich verairSlagten Kosten lönne» die Vorstandsmitglieder bei Geschälten, die außerhalb deS VorortSverkehrS von Ber- ltn zu erledigen waren, ver- langen: ») ZehrungSkosten im Betrage von 8 M.. falls die Ge- schäfte nicht mehr alS fünf Stunden in Anspruch ge- nommen haben und im Be- trage von Z M., falls sie längere Zeit erfordert haben. b) llebernachtungSkosten im Betrage von 5 M., für jede notwendige Uebernachtung. Bei Reisen innerhalb deS Vorortverkehrs von verlin werden ZchrungS- und llebernachtungSkosten nicht gewährt. DieBorstandSmitglieder haben Anspruch aus die Benutzung der ortsüblichen Fahrgelegenheiten, der 2. Klasse der Eisenbahn und der entsprechenden Klasse der Dampsschiffe, Rückfahrkarten sind, sallS erhältlich, zu denutzen. S 104 erster Absatz erhält solgende Fassung: Vorrätige Gelder sind, soweit sie nicht zur Deckung der lausen- den Ausgaben benotigt werden, bis zur veschlußfaflung deS Vorstandes über deren Anlegung bei der Dresdner Bank, Depo- litenkasse Berltn-Lichterselde, oder der Bant für Handel und In- duftrie, Deposuenkass« Berlin- Ltchterselde, anzulegen. Verkäufe Belcuchtmig. Kronen, Zug- anipeln, Ampeln, Pendel, clek- irisch und GaS. Solide Preise. Auf Wunsch bequeme Zahlung. Spezialbeleuchtungsgcschäft Fels u. Co., Poisdamerstr. 5ö, I. (Hochbahn Bulowstraße.) 12K* Pelzgaruituren, Alaskafüchse, Zobeliuchsc, Blaufüchse, Kanin usw., auch einzelne Kragen sehr preiswert, sowie cm Posten Aiaskahunde von 42 Ml. an. Sonntags geöffnet. Glück, Münzstraße 22, I, Ecke Kaiser- Mlhelm-Straße. IKK* Teppich-Thomas, Oranien- straße 44, spottbillig, farbsehler- hafte Teppiche, Gardinen. __ s2öSK» 9 105 ist in der ersten Zeile zwischen .Vorstand' und.monatlich einzusögen: .oder durch eine Abteilung desselben(9 33)' Dieser Nachtrag tritt mit dem Tage der Bekanntmachung ge- jnäß§ 109 der Satzung in Kraft. Betnin-Lichlerselde, den 25. Mai 1217. Der vorstand. !i s ch e r, Vorsitzender. ahn. Schriftführer. Genehmigt. Eharlottenburg, den Ist. Oktober 1917. Ktalljllcba» Oherversicherungs- »mt GroS-Berlin. (L. 8.) v. GostkowSki. B. K. 833. 17. Druckexemplare von diesem Nachtrag sind im Kassenlokal er- bältlich. 272,17 Spezialarzt Dr. med. Volemann" f.Geschlachtskrankb, Haut-, Harn., Frauenleiden, nervtzs. Schwache, Beinkranka,* Ehrlich. Ha tu- Kuren (Dauer 12Tage). Behandl aohnell, sicher n.schmeni- los ohne Berafastärung in Dr. Homeyer A Co. kcmz. Lahor. f.Blufcunters., Fäden im Harn usw. anoptik. egenüher i Bathaus. Spr. Ist-l u. 5V, Sonnt. 10-1. Honorar mäBig, a. 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Er wäre mich als Eroberungskrieg durchgeführt worden, wenn alleS nach �ein Willen der herrschenden Klassen eines Landes gegangen wäre,(«ehr wahr!) Als Sozialdemokraten hatten wir gegen jede Unterdrückung eines Lölkes durch ein anderes zu kämpfen. Dazu mußten wir zunächst unser eigenes Land verteidigen, denn gegen Unterdrückung muß sich jedes Bolk selber wehren. Daneben aber mußten wir auch darauf acbten, daß nicht ein anderes Volk vergewaltigt werde. Wer die Pflicht der Landesverteidigung überhaupt verneint, ist nach meiner Ueberzeugung kein Sozialdemokrat(Sehr wahr I), aber da? tut aucb niemand, wenigstens die unabhängige Sozialdemokratie nicht. Auf der andern Seite mußte aber auch in jedem Augen- blick neu geprüft werden, ob uns wirklich noch eine Ver- grwaltigung drohte oder ob nicht andere Momente die Verlängerung des Krieges bestimmten. Die Extreme von der andern Seile wollten während der ganzen Kriegsdauer die Kredite bewilligen und die Regierung unterstützen, weil noch immer das Land in Gefahr sei. Aber so war die Erklärung vom 4. August nicht gemeint. Wir wollten uns keineswegs mit g e- bun denen Händen der deutschen Regierung ausliefern, sondern behielten unsere freie Entscheidung bei jeder Kredit« forderung. l Landsberg: Sehr richtig!) So lange zu fürchten war, daß unser Bolk unterdrückt werde, so lange mußten und müssen wir alleS tun, um das Schicksal ron uns abzuwehren. Aber sobald das Ziel der Sickerung erreicht und die Feinde zum Frieden bereit waren, mußten wir unsere politische Stellung ändern. Wie steht es nun damit? Nach meiner festen Ueberzeugung ist jede Bergcwaltiguug längst unmöglich geworden. lHört! hört!) Das hängt mit den unericköpslichen Hilfsmitteln der modernen Technik und Wirlschafr zusammen, und auch mit dem starken Staatsgefühl der Volksmassen in allen Ländern, die wissen, daß sie in ihrem Staat ihre Interessen wahr- nehmen und ibre Reckte erweitern können. Und in dieser Unübcr- windlichkeit aller Völker liegt die große geschichtliche Bedeutung dieieS Krieges— dadurch wird er ein Wendepunkt in der Geschichte.(Sehr wahr!) Damit ergibt sich sür uns auch eine ganz neue Stellung zum Frieden und zun, Friedensziel. Keine Well- Wirtschaft kann in Zukunft mehr a u f g e.b a u t werden durch Krieg und auch nich� durck ihn zerstört werden. Kein Wider- einander der Völler ist mehr möglich, sondern nur noch ein Nebeneinander nach Rechlsgrundsöyen mit einer für alle gleich- mäßig freien Entwicklung. Damit werden auch Art und Gegenständ der Friedensverhandlungen ganz anders. Gewiß werden nicht alle Grenzsteine auf dem alte» Fleck stehen bleiben, aber keinen Grenzstein kann mehr die Gewalt verrücken. Die Angst vor Eroberungen ist unbegründet geworden Eroberungen und Vcrzcwaltigungcn sind überhaupt nicht mehr möglich. (Lebhasles Hört! hört!) Nicht Eroberungen find mehr die Gefahr, fondern daß der Krieg verlängert wird.(Zurufe: Von wem?) Das ist für Sie ckaraltenstisch gefragt— die wahre Antwort sollen Sie gleich bören. Endet der Krieg so, daß keine Eroberungen mehr möglich sind, dann ist der bisherige Militarismus unmöglich, min- bestens fällt sein Uebergewicht hinweg. Die wirtschaftliche Ausbeutung wird letzten Endes nur erhalten durch den mili- täriichen Druck. Die Kanonen sind die ultima ratio auch gegen den inneren Feind. Nun ist die KapitalSgewalt durch den Krieg in einer Weile gesteigert worden, wie das vorher unvorstellbar gewesen wäre. Der Mittelstand ist zerrieben und wird durch die UebergangSwirtschast vollständig vernichtet werden. Der Weg- fall des GcwallSprinzipS stellt die volle Freiheit auch auf dem Weltmarkt auiomalisch her. Daher hat in Zukunft aus dem Wellmarkt nur noch das Voll Aussicht, sich zu behaupten, das die größte wirtschaftliche Mackt entfallet. Das kann nur durch den rationellsten Großbetrieb ge- fchehen. Andererseits hat der Krieg die weitesien Kreise der Bevölkerung mit dem Bewußtsein ihrer ungeheuren Opfer, aber auch ihrer Macht erfüllt. Nun werden die ungeheuerlichen Lebensmittelpreise noch lange Zeit bleiben und eS drohl dem Volle eine geradezu ungeheuerliche Ausbeutung. Dagegen wird es, so hoffe ich bestimmt, selbstbewußt sich wehren. Damit aber hat auch durch den Krieg der Kapitalismus eine Erschütterung er- litten, die er nicht mehr überwinden kann. Alle Welt hat erkannt, daß die Wirlschast und der Großbetrieb, notwendig wie sie sind, nickt mehr der Willkür des Kapitals überantwortet werden dürfen, sondern daß die Gesamlhelt sich einmischen muß.(«ehr wahr.!) Die bisherige Staalsw irisch ast bat keinerlei Aehn- lichkeit mir dem Sozialismus, aber dieie Wirtichast wird immer mehr unter die Kontrolle der Gesamtheit kommen. Nach dem Frieden ohne Eroberungen und Entschädigungen wird eine Ausbeutungswirtschaft unmöglich. Das ist die Gefahr, vor der die kapitalistischen Kreise zittern. Sie sehen eine andere Zeit vor sick, als die, in der sie leben und die sie verstehen. Deshalb sind es nicht die alldeutschen Proscsioren-Jdeologicn. die den Krieg verlängern, sondern die Klasseninter essen der Bourgeoisie sind eS, die den Kampf gegen den Frieden entfesselt haben. Sie müssen den Krieg verlängern, wenn und weil sie sich nickt selbst aufgeben wollen. So wie wir darauf vertrauen, daß in dieser furchtbaren Vernichtung das deutsche Volk nicht zugrunde gebt, daß es unbesiegbar ist. daß trotz allem das arbeilende Volt in seinem Freiheitskampf vor- w ä r t s gehen wird, so fest glauben jene an die Gewalt- ideale ihrer Kreise. Darum ist der Kampf um den Frieden der schwerste und ernsteste Klassenkampf. Gibt es dock jetzt»och Genoffen, die, wie im Frieden, den Feind nicht überwind..,. sondern, wie Kolb, ihm entgegenkommen, ihm Zugesländniffe machen und sich vor den Wagen der bürger- lichen Partei fpannen wollen(Lachen und Widerspruch), Genossen. die bürgerliche Politik unter dem Namen der sozialistischen Politik treiben wollen.(Erneuter Widerspruch.) Wir sind und bleiben, wie Eberl gesagt hat. eme Partei des Slaffenkampfcs, wir sind nie- malS davon abgewichen, auch nicht am 4. August(«ehr gut!) Wir lasten unS auch in leiner Welse davon abbringen. Un!gr altes politische« Exerzierreglement bleibt bestehen. Wenn Stampfer im.Vorwärts' geichrieben hat, eS hätte barm bestanden. daß wir die Vorlagen ablehnten und Protestresolutionen annahmen, so ist das ein fast unverständlicher Uufii». Nur arbetter- feindliche Vorlagen haben wir abgelehnt. Daran wollen Sic doch wohlU nichts ändern. Unsere Grundsätze und die alten geblieben, niemand hat unser Programm geändert. Nur wer aus dem Boden dieser Grundsätze steht, hat das Neckt, zur Partei zu gehören. Unsere alte Klassenkampftaktik bleibt unverändert bestehen. Die einzige Gefahr, die uns gegenwärtig wirklich bedroht, ist die einer weiteren Verlängerung des Krieges, durch welche die Völler noch mehr veratmen und verbluten. Alle Kraft müssen wir gegen die Kriegsverlängerer anspannen, darüber kann kein Streit bestehen.(Zu- rufe: Selbstverständlich!) Wir müssen den Kampf gegen diejenigen Parteien und Regierungen führen, die im Dienste des Widerstandes gegen den Frieden stehen. Heute überwiegt in allen Staaten der Militarismus. Die KriegSinteressentcn sind nur eine ganz kleine Minderheit, aber sie haben den Staat in der Hand. Selbstverständlich können wir mit den bürgerlichen Parteien in der Friedensfrage zusammengehen, aber wir müssen die Bewegung in der Hand beHallen und ihr die Richtung weisen. Wir wären ja Idioten, wenn wir die Hilfe verschmähten, aber wir müssen jedes Abweickcn verhindern.(Zurufe: Selbstverständlich- leiten!) Daber befürchte ich nicht, daß wir in der Friedensfrage über das Ohr gehauen werden. Forlschrittler und Zentruin müssen und werden nebe» uns aushalten, nicht etwa wegen unserer Drohung der Kredilverweigernng, sondern weil auch der Mittelstaiid, die Kleinbauern und Äleinhandwerker immer dringender nach Frieden verlangen. Wir stehen mitten in einer Rcoolution auch auf parlamentarischem Gebiet. Soll die große Masse der Bevölkerung die Regierung in der Hand buben, oder soll es eine kleine Scharfmacker-Clique? Die Kriegs- Partei erstrebt ein Gewaltregiment von Militär und Geldsack, den«laalS- streich von oben. Nach der Verfassung entscheidet der Kaiser allein über Krieg und Frieden und Mlnistereriiennungen, deshalb ist auch unsere Forderung revolutionär, dem Volke die Entscheidung zu über« tragen. Die Vcrsassungsfrage ist bis auf alle Einzelheiten auis engste verlnüpft mit der Friedensirage. Ohne Friedensirage hätten wir keine Lersasiungsfrage. In dicfem Kamps ist noch alleS zu leisten.(Widerspruch.) Tie Friedensresotution vom 19. Juli kann natürlich ein großer ausschlaggebender Erfolg werden, wenn dahinter auch der Kampfwille steht. Aber in diesem Kampfe hat der Reichstag bisher vollständig versagt, wahr- lich nicht durch unsere Schuld.(Hört! hört!> Gewiß hängt der Frieden nickt von uns allein ab. aber wir müssen alles tun, um die Friedeiishindcrnissr in Deutschland zu beseitigen.(Zurufe: Das haben wir dock hundertmal gesagt!) Es freut mich ja, daß wir Lbereinstlmmen.(Zurufe: Lauter Selbstverständlichkeiten!) Gc- wiß, Selbstveiständlickkeiten, aber man muß daraus auch die richtigen Schlüsse ziehen. Erit wenn in Deutschland alles Nötige getan ist. können wir den anderen Völkern Vorwürfe machen. liniere Minister reden uicht mehr so schlimm wie die des AuS- landes, aber noch imnier Unklarheiten, Zweideutig- leiten und Hrnrerhälttgleiten. Sie wollen noch immer horausschlagen, was für Deutschland berailsznschlagen ist, aber mkt solcken Ueberbleibseln gewalipoluischer Vorstellungen läßt sich der Frieden nickt machen. Natürlich sind die englischen und amerikanischen Regierungen nicht besser— gleiche Brüder, gleiche Kappen—. ober wenn sie der deulschen Politik Unehrlickkell vorWersen, ist da« ganz begreiflich. Selbstverständlich düqen wir Elsaß-Lothringen nicht herausgebe«, aber warum sagt man nicht, daß es gleichberechtigter Bundesstaat wird? Warum schafft man keine Klarheit über Belgien? Heule darf man nickt andeuten, heule muß man aussprechen. Die Uuaufrichligkeit der Regierung zeigt sich auch in der L e b e n S m i t t e l frage, bei der Zensur, beim Be- lagerungszustand, in den jüngsten Auslassungen des Kriegs Ministers und de§ Staatssekretärs der Ma» r i n e. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Völker noch ein neues KriegSjabr durchleben sollen. Die Völker können eS nicht mehr er- tragen. Geduld und Kraft der Völker sind in allen Ländern am Ende. Wenn der Frieden in den nächsten Wochen nicht von oben geschlossen wird, kommt er von unten. Schon sehen wir revolutionäre Zuckungen in allen Ländern. Die Regierungen sind zur gewalltätigen Abwehr gerüstet. Als der fromme Reichskanzler die Unabhängigen mit einem einfachen Wort aus der menschlichen Gesellschaft ausstieß, er- lebten wir ein Vorspiel. Genau so wird es gehen, wenn erst die revolutionäre Situation sich verschärft; alle Gewaltmittel werden dann erst gegen unS sein. Vor diesem Unglück wollen wir dos deutsche Voll bewahren. Die Geschlossenheit des Volles ist längst abgelöst durch den erbitterten Kampf. Im Volke herrscht ungeheure Erbitterung auch gegen den Reichstag, der sich das Treiben der Regierung gefallen läßt. Ich weiß ja, daß der Reichstag zur Abwehr entschlossen ist; erfolgt sie aber nicht gründlich, dann müssen wir der Regierung erklären, daß wir nichts mehr mit ihr zu tun haben und ihr die Kredite verweigern.(Vereinzeltes Vravo!) Wir können dieser Regierung die Kredite nicht be willigen, aber Namensänderungen allein tun es nicht— auf die Sache kommt es an. Die Regierung muß klipp und klar erklären, daß sie unsere Friedens« und Verfassungsforde- rungen annimmt, sonst müssen wir endgültig mit ihr brechen; der Parteitag muß aller Welt sagen: wir haben seit dem 4. August unermüdlich daran gearbeitet, den Frieden w rasch wie möglich her brizusühreu, und jetzt ist die Frucht reif. Wir sind bereit, den Kampf aufzunchme». Das Volk duldet in unvorstellbarer Weise, immer von neuem wird es vertröstet. Wir müssen den Leuten, die draußen leiden, die Sicherheit geben, daß wir den Kampf gegeu den innere« Feind mit voll st er Rücksichtslosigkeit und Schonungslosigkeit führen. Den unerbittlichen Kampf für den Frieden zu proklamieren, ist die Aufgabe dieieS Parteitags, nur dadurch wird er vor der Partei und der Menschheit bestehen�(Lebh. teilwciser Beifall,) Der Parteitag tritt in die Diskussion ein. Mit zur Beratung gestellt werden die Anträge, insbesondere ein Antrag Hoch und Genossen, der folgenden Wortlaut hat: .Die wichtigste Aufgabe der Sozialdemokratie ist eS, mit allen Kräften dafür einzulreten, daß endlich der Krieg beendet wird durch den Frieden, der das einzige Mittel dazu ist. näm- lich durch den Frieden ohne politische, wirtschaftliche und finanzielle Vergewaltigung irgend eine? Lölkes, ohne Annexionen und Kriegs- entschädiguugen und auf der Grundlage der Selbstbestimmung der Völker. Zu dem Frieden können wir erst dann gelangen, wenn tn allen Ländern das arbeitende Bolk den Widerstand der g r o ß k a p i t a l i st i s ch e n und m i l i t a r i st i s ch e n K r e i s e überwunden hat, die nicht auf Eroberungen verzichten, sondern den Krieg weiter und weiter Verl ä n gern wollen in der Hoffn ung daß sich ihnen doch eine günstige Gelegenheit zu E r o b e> rungen bieten werde. So ist mit dem Kampf für den Frieden. unlösbar verbunden der Kampf gegen die politische Bevormundung des Volkes im eigenen Lande, der Kampf um das allgemeine, gleiche und gebeime Wahlrecht für alle Wahlen, um den ent- ickeidenden Einfluß des Volkes auf die vlegierungen, um die Be- seiltgung aller volksfeindlichen Beschränkungen. In diesem Kampfe hat die Sozialdemokratie die Führuug zu übernehmen im Sinne der Grundsätze unseres Parteiprogramms und der Beschlüsse unserer Parteitage und internationaler Kongresse, die die Eroberung der politischen Macht durch Ueberwindung unserer Gegner fordern und eine Politik des Entgegenkommens an ErobernngZpläne und scharfmacherische Bestrebungen ablehnen. Daher hat die Sozialdemokralie auch dieRegierungen zu bekämpfen, die offen oder hinter- hält ig die Bestrebungen gegen den von uns geforderten Frieden fördern. Unsere ReichstagSfraklion kann der jetzigen Reichsleitung keine KriegSsordernngeir bewillige» und ebensowenig einer anderen Reichsleitung, die sich nicht ausdrücklich und unzweideutig im allgemeinen und in dcn wichligeren Einzelfragen zu unseren FriedcnSforderungen und dcn uotwcndigc» Lerfassuiigsändcrungcu bekennt oder deren Handlungen ihren Zusichcriliigen widersprechen.' NoSke: Keine feindliche Regierung bat bisher Friedensgeneigt- heit gezeigt. Die FriedcnSresolulion deS Deulicheu ReichSiags ist aber auch nach Hock ehrlich gemeint. Wenn er die Aniworl auf die P a p st n o t e herabsetzt, so dient er damit Deutschland nicht. An der Ehrlichkeit der deutschen FriedenSbereiischast ist nicht zu zweifeln. Krcdile haben wir iliemals der Regierung bewilligt aus Liebe für die Junker und Kapitalisten. Die deulschen Arbeiter haben sich geschlagen, um die feindliche Invasion f e r n z u h a k t e n. Dank unserer Arbeit hat der deutsche Ardeiter etwas zu verlieren und darum die Zunimmung des ganzen Volkes zu unserer Haltung. Natürlich ist die Stimmung abgeflaut, aber Halbheit war eS, daß eine Anzahl Reichstagsnbgeordnele dem nachkamen und sich dadurch zwischen zwei Stühle setzten. Wir haben nicht Sckaukelpolnik zu treiben, sondern das zu tun, was den Arbeitern frommt. Die Landesverteidigung steht in unscrm Programm und auch nach dem Kriege werden die LandesverteidigungS- fragen von größter Bedeutung sein. War es ein deutscher Er- oberungskrieg, als England unS den Krieg erklärte?(Sehr gut!) Jedes Mittel zur Kriegsbeendiaung ist mir recht, aber tncker national sein heißt, daß das Proletariat in allen Ländern zu gleicher Zeit und mit gleichen Mitteln auf das Kriegsende hin- arbeitet. Das ist in Stockholm nicht gelungen. Unsere Kredit- Verweigerung würde den Krieg nicht beendigen. Sollen wir. während unsere Leute draußen im Feuer zehntausender Geschütze liegen, während draußen die Höllenschlachr tobt, die Mittel zur Landesverteidigung verweigern? Das würde die Kampffähigkeit unserer Truppe» erschünern, würde die Gefahr der Invasion bedeuicn.(Zustimmung.) Lrückncr-Berlin: Die Politik der Fraktion bat sich erfreulich von der Phrase entfernt. Sie muß aber dem Volle noch besser be- kannt werden dadurch, daß eine Zentral st elle wöchentlich, ja sogar täglich kurze Tätigkeitsberichte in da? Gedächtnis der Arbeiter hämmert. Dcn Vorgängen in Preußen muß der Partcivorstand mebr Aufmerksamkeit zuwenden. Die Friedensaklion bat die Preußenfrage zurückgedrängt. Wie konnte Hcilmann, siatt den BolkSruf nach demokratischem Wahlreckt in Preußen zu stärken, sagen, daß damit Zeit ist bis nach dem Kriege.(Zustimmung.) Nein, man muß daS Eilen schmieden, solange es warm ist. Die Abstimmung der 1l n- abhängigen im Reichstag hat gezeigt, daß sie lieber mit Heydebrand und Westarp gehen als mit den eigenen Klassen« genossen. Redner begründet den Berliner Antrag, der den parla- mentarischcn Vertretungen entschlossenes Auftreten in dcn Parla- menten zur Pflicht machen will, damit, daß Parteidisziplin im Parlament durch Partcitagsbeschluß vorgeschrieben wird. Emmcl-Mülhausen i. Eis.: Wohl war bei Kriegsausbruch die Volksstiinmung überall für die Krcdilbewilligung; aber das. weS- wegen 1870 Bebel und Liebknecht die Fenster eingescklogen wurden, haben wir später als ihre größte Tal anerkannt. Will man energisch gegen den Krieg Front machen, so muß man irgendwo beginnen, und wir verlangen, daß das von u ii S i n D c u t s ch l a n d ge- ichehe, weil uns das am nächsten liegt.(Zuruf: Welches am ge- fährdetsten ist!?) Genug Genossen im Felde fordern die Kredit- Verweigerung. Man bewilligt Kredite jedoch der Regierung, die das Geld ausgibt. Eberl hat im Reichstag der Regierung den schärfsten Kampf angesagt. Wie kann man da der Paiter noch zumuten, ihr die Mittel zu bewilligen? Für einheitliches Vorgehen im Parlament sind auch wir, aber es muß jedem un- benommen bleiben, sich der A b st i m m u n g zu enthalten. In der elsaß-lothringischen Frage kann nur von einem Srlbstbcstimmungsrccht im Rahmen deS Deutschen Reiche« die Rede sein. Würde Elsatz-Lothringen über seine staatliche Zu- gehörigleit entscheiden können, warum nickt auch Hessen, Mecklen- bürg, Thüringen? Wirtschaftlich ist Elsaß-Lothringen durchaus in das deutsche Wirtschaftsgebiet eingegliedert und seine LoSreißung würde zu den schwer st en Schädi- g u n g e n führen. Weigand° Bremen: Durch Kreditverweigerung einseitig in Deutschland wird der Frieden nicht gefördert: erst müßte eine intcr- nationale Berstäudigung der Sozialisten vorangehen, anderniall» machen wir unsere Situation in Deutschland unmöglich. Durch Kredrtverweigerung wäre auch der Belagerungszustand nicht be- seitigt. sondern nur verschärft worden. Erreicht hat die Opposilion nur die Zerreißung der Partei, sür den Frieden aber hat sie nichiS durckgesetzt. Unsere Fraktion aber hat eine bürger- li che Mehrheit gezwungen, in der Friedensfrage mit uns zu gehen. Hätte das bei der K r e d i t a b l e h n u n g erreicht werden können? Auch die O st e r« und Julibotschast sind Erfolge der praltische» Arbeil der Fraktion, wir müssen also auch für die Zukunft durchaus freie Hand sür sie lassen. Redner begründet dann einen Antrag Bremen, die Kricgsbcschädigtcnsürsorge und Hiuterbliebeuenversorgung den Rechlsregeln der Reichs- Versicherungsordnung zu unterstellen. Leosch: Die Entscheidung des 4. August war in der Tat�ein weltgeschichtlicher Wendepunkt, aber wie konnte man dann sagen:.Wir machen wahr, was wir immer gesagt haben.' Die überwiegende Mehrheit des In« und Auslande« halte eine andere Entscheidung erwartet. Die Zitate aus den heiligen Schriften von Marx und Engels beweisen dagegen gar nichts. Man kann dreimal so viel entgegengesetzte Zitate anführen, aber entscheidend sind nickt die Altvordern, sondern entscheidend lvar die weltgeschichtliche Sitnation des Augen- blicks. Und darum fehlte»nir an Davids Referat die w e l t- geschichtliche Basis, ohne die wir nicht zum geschichtlichen Verständnis kommen. Tatsäcklich ist doch am 4. August die alte Internationale zusammengebrochen. Die Ursache war die brutale Talsacke der englischen Weltherrschaft, an deren Aufrecht- erhalwng auch die englische Arbeiterklasse interessiert war. Deshalb war die internationale Soltdariiät der Arbeiter aller Länder bisher nur eine Idee, aber keine Wirklichkeit, Wie wird eS in Zukunft werden? Aber einstweilen müssen wir mit den gegebenen Tatsachen rechnen. Eine glatte Lösung der Kriegsfrage ohne Knolen gab es überhaupt nicht. Den Widerspruch zwischen Kreditbewilligung und Ablehnung der Militärsorderungen in der Friedenszeit hat auch David nicht auS der' Welt geschafft. War das nicht— rückblickend gesehen— auch früher schon eine Gefährdung der natio- nalen Interessen? Könnten wir doch so ehrlich wie einst Engels sagen, daß die geschichlliche Entwicklung ihm Unrecht ge- geben habe. Aber leider sind wir noch zu stark von ogita- tortschen Bedürfnissen abhängig, um so ehrlich gegen uns selbst zu sein.'Wir dürfen den Krieg nicht vom Standpunkt der Krankenschwester aus betrachten, sondern als r e v o l u t i o« n ä r e Tatsache. Weisen wir also die Neuorientierung im eigene» Lebe» nicht so vo« un«.(Teilwetjer Beifall.) Meerfcld-Köln: Emmel bat fich auf die Volk§< und Massen« stimmung berufen, das ist berechligl, aber nicht immer tapfer. lSehr� wahr!) Mancher.ssiihrer" schafft sich erst die nötige M a>' s e n st i m m u n g. um sich dann hinter ihr zu verkriechen. Wie die ftilhrer reden und schreiben, so denken auch in der Regel die Massen. Das kann man in benachbarten Kreisen mit osr ganz gleicher Struktur beobachten, wo die Führer sich im seichten Wasser der Stimmung nach wohl suhlen und aus das ge- wisse platte AgitationSmuterial nicht verzichten wollen. Da treten dann Verwirrungen auf. Wir haben aus stärksten SerantwortlichkeitSgesühl und auS Liebe zum deutschen Volt am 4. August lS14 Wie am IS. Juli 1Sl7 gehandelt. Die Resolution vom IS. Juli kann nicht erst ein Erfolg werden, sondern ist es bereits.(Sehr wahr!) Auf diesem Wege werden wir weitergehen. Wir dürfen darum nicht festgelegt sein, auch nicht auf daö Zusammengehen mit da n bürgerlichen Parteien, wie es Winnig möchte. Tic Resolution des 19. Juli war eine Großtat der Partei, deshalb trifft der Haß der Alldeutschen auch uns und nicht die Unabhängigen, die sich ja fortwährend mit Westarp und Heydebrand gerührt in die Arme sinken. Darum genießen sie in gleicher Weise die Zuneigung der All- deutschen wie der Feinde im Ausland.(Sehr wahr!) Wir sagen der Regierung Michaelis, die fast- kraft- und hilflos umhertreibt, den schärfsten Kampf an. wir überlegen, ob wir dieser Regierung die notwendigen Mittel zur Ber- teidigung des Landes weiter in die Hand legen können.(Hort! hört!) Wir fordern eine starke Regierung mit scharf umriffcnen FriedenSzielen. Wir brauchen Klarheit vor allem auch über Belgien, den Liebling der Welt und den Angelpunkt des Krieges für England. Wir sprechen Deutschland nicht von aller Slbuid frei, wir geben Professor Haller recht, daß Schuld an dem Kriege die englische Sinkreis ungS- Politik sei, aber die Schuld an der Einkreisungspolitik trägt die Weltpolitik des Fürsten Bül ow. Wir find aber ein- mal in den Mahlstrom des Kriege» geraten und müssen jetzt das Volk, so gut eS geht, vor dem ärgsten Schoden bewab- ren. Die Zukunft wird unsere Haltung glänzend recht» fertigen. Vom Kriege geht eine neue Zeit auS und wir wollen und müssen dabei sein. iLebhafter Beifall.)• Stampfer-Berlin: Erfreulicherweise haben wir keinen Katho- liientag, sondern tragen unsere inneren Gegensätze offen wie stets aus. Auch am.Vorwärts" soll und mutz Kritik geübt werden und es ist geschehen. Aber deshalb ist noch nicht jede Kritik be- rcchtigt, und besonders die von Hug war eS nicht. Wir haben unter dem Sozialistengesetz die sozialpolitische» Bettelsuppcn des Königtums schroff abgewiesen und die Befreiung der Arbeiter- klage aus eigener Kraft gefordert. Das lvar damals not- wendig, geradezu selbstverständlich, aber heute würden wir doch wohl die VcrsichcrungSgcsetzc ganz anders beurteilen. (Sehr wahr!) Wenn sich die Verhältnisse ändem, ändert sich auch unser Verhalten. Wir müssen jetzt übergehen zu einer Politik des gegenseitigen Forderns und des unmittelbar wirksamen Kampfes. Wir sind zu groß geworden, um nichts zu er- reichen. Wir dürfen nicht blindlings alles annehmen, aber wir müssen uns auch frei halten vom AblehnungSkoller der Nn- abhangigc», von dem Sie die Beispiele mit Heiterkeit und Eni- rüstung aufgenommen haben. Wir kommen mit dem starren System nicht weiter. Wir brauchen eine geschmeidige Taktik, volle gradlinige Verfolgung unserer Ziele, volle Freiheit in der Wahl der Mittel— so werden wir zum Siege gelangen.(Beifall.) Löbe-Breslau: WaS richtet die Aufmerksamkeit unserer Ge- rossen in der Heimat und im Felde, des ganzen Lande» und der Welt auf unseren KriegSpartcitag? Man erwartet von un» eine klarc Stellungnahme zum Stand der Friedensfrage, zur Regierung M i ch.a e l is und zur Tätigkeit der ReichStagSfraktion. Man wartet gespannt darauf, ob vom Parteitag ein neuer An- trieb zur schärfsten Zurückweisung der Kriegstreiber ausgehen wird. Die Resolution, die wir mit 118 Unterschriften versehen vorlegen, will der Partei in diesem Sinne eine klarc -Marschroute geben. Tie G e s a m> t ä t i g? c i t und Ge- s a m t a u f f a s s n n g der Fraktion wird darin gebilligt.(Bravo!) Dabei kann natürlich jeder einzelne Einwendungen und 'Ausstellungen haben. So hätte z. B. vielleicht am 4. August gegen die Verletzung der belgischen Neutralität protestiert werden sollen. Aber leider bat da» Haast für unmöglich erklärt.(Hört! bört?) Auch bei der Prokla- mierung des verschärften U-Boot-Krieges, den wir immer bekämpft haben, bätten wir schärfer von der Re- aicrung abrücken könne». Mebrfach ist wohl bei den letzten Krisen der' Reichstag auch zu früh auSeinandergegan- gen. Aber im ganzen bat die Tätigkeit unserer Fraktion weit über den Rahmen unserer Genossen und Wähler hinaus Beifall im Volke gefunden. Indem sie unserem Laich« diente, hat sie zugleich der Partei eine günstige Situation geschaffen. Es ist schon so, wie mir hier dieser Tage ein älterer Wacht- in ei st er sagt«:.Was sollen wir denn andere» tun, als zu Scheidemann zu halten." Auch das Auftreten der sinab- hängigen hat uns den Resonanzboden des BolkeS keineswegs entzogen. Sie haben nur emmal aus Eigenem die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenken können, als sie sich zum ersten Male offen von der Partei tvennten, seitdem nicht mehr. Nicht weil sie klein oder schwach waren—, das waren wir auch lange Zeit—, londern weil sie den richtige» Weg nicht gehen. Deshalb richtet sich auch die ganze Wut und der infernalische Haß der Alldeutschen nickt gegen sie, sondern gerade gegen die Gesamtpartei. Wir wollen ibn wcilcrverdienen. wir wollen den Willen zum schärfsten Kampf gegen die iinperialistifch-kavitalistisch« Gruppe rückhaltlos erneut zum Aussruck bringen. Mi? wollen uns mit unserer Resolution mit der Formel de? russischen Arbeiter- und S o l d'a t« n r a t S einverstanden erklären, den Reichstagsbeschlnß vom Isi. Juii billigen, unsere Genugtuung über die Antwort an den Papst und über die Tätigkeit der deut- schen Delegierten in Stockholm ausdrücken. Wir wollen von der Regiermra ausdrücklich rückhaltlose Klarheit über ihr« KriegSziele fordern. Wir wollen die Fraktion ermächtigen, Kriegskredite zu bewillige». aber nur dann, wenn es durch die Interessen der Landesverteidigung geboten ist. Wir wollen sie in keiner.Weise festlegen. Wir wollen jede Verantwortung ablehnen, wem, die Regierung weiter die dcmo- kratische Neugestaltung ablehnt oder in den Bundesstaaten verzögert oder verweigert. Wir wollen also auf allen Gebieten soviel sachliche Klarheit mit unserer Resolution schaffen, daß sie mit erdrückender Mehrheit angenommen werden kann. UnS schaudert vor dem vierte» KriegZwinter mit seinem ungeheuren Elend, unS schaudert vor neuen Großkampftagen. Keinen Tag soll da» entsetzliche Gemetzel fortdauern durch die Schuld Teutschlands. Kein Tag soll vergehen, ohne unseren leb- hafteften Widerstand gegen die Kriegstreiber. Kein Kampftag soll nicht Eroberungen, fordern der Verteidigung de? Landes gewidmet sein. Mit dieser Parole werden wir das ganze Volk auf unsere Seite zwingen.(Lebhafter anbaltender Beifall.) Der Antrag Löb- hat folgenden Wortlaut: Der Parteitag erklärt: Mehr als drei Jahre währt der unheilvolle Weltkrieg und noch immer sind die herrschenden Mächte außerstande, den Ausweg zur Erzielung des Frieden? zu finden. Die sozialdemokratische Partei Deutschland? ha! sich in Uebereinstimmung mit ihren Grundsätzen zur Pflicht der Verteidigung ihres Landes bekannt. Das war eine harte Notwendigkeit, um eine Niederlage Deutschlands und eine dauernde wirtschaftliche Verelendung unsere» Volkes und im besonderen der deutschen Arbeiterschaft fernzu- halten. Der Parteitag billigt daher die von der Reichstags- f r a k t i o n während der KrieaSzeit vertretene Politik. Er verpflichtet die Fraktion wie bisher, so auch fernerhin ihre Stellungnahme zu der Bewilligung von Krediten davon abhängig zu mache», ob sie im Interesse der Landesverteidigung geboten sind. Ter Parteitag belräftiat von neuem die Ucberzcugung, daß ein Friede zu erstreben ist. durch den kein Volk politisch oder wirtschaftlich oder finanziell vergewal- t i g t wird. Nur die Ausstellung eines solchen FriedenSzieleZ ist geeignet, bei allen Völkern, die zur Fortsetzung des Krieges treibenden Kräfte zu überwinden und die FriedenslMtre- bungen siegreich zu machen. Nur ein solcher Friede kann die Ge- währ der Da u e r in sich tragen. Der Parteitag heißt die Tätig- keit der Delegierten und der Gewerkschaften m Stockholm gut und billigt die Entschließung des Reichstag? vom 19. Juli und erblickt in den Vorschlägen, die in der Note des Vatikans und in der deutschen Antwortnote gegeben sind, eine geeignete Grundlage für die Einleitung von Frieden?» Verhandlungen. Er fordert die Reichsleitung auf. mit rückhaltloser Offenheit für die Wiederherstellung Belgiens als eines nach allen Seiten neutralen Staates einzutreten. Er p r o t e st i e r t mit größter Eni- fchiedenheit gegen Pläne, die auf ein« Aufteilung von Elfaß-Lothringen unter die deutschen Bundesstaaten ausgehen und hält daran fest, daß ohne Verzögerung die Auto- n o m i e und Gleichberechtigung als Bundesstaat im Rahmen des Deutschen Reiches an Elsaß-Lothringcn ver- liehen wird. Der Parteitag erhebt den schärfsten Einspruch gegen die Fortdauer der Eroberungsbestrebungen ber Alldeutschen, der sogenannten Vaterlandspartei und verwandter Richtungen. Er weist das gewissenlose Treiben derer zurück, die die ihnen zu- strömenden Kriegsgewinne zu einer frivolen Agi- tation gegen die F r i e d e n S b e st r e b u n g e n be- nützen und den Namen des Vaterlandes zu ihren Parteizwecken zu mißbrauchen sich erdreisten. Diese Kreise nehmen die ungeheure Schuld auf sich, den KriegSvcrlängcrern in den gegnerischen Ländern immer von neuem Anlaß und Vor- wand zur �Auspeitschuna der KriegSlcidenschast ihrer Völker zu geben. Zugleich laden sie die schwere Schuld auf sich, die Einig. keit unsere» Volkes im Verteidigungskampf zu schwächen und zu gefährden. ES ist die Pflicht der RcichSleituna, jeder amt- lichen Beeinflussung zugunsten der Annexionspolitik entgegenzutreten und sich von den Vertretern dieser Politik in voller Unzweideutigkeit loszusagen. Der Parteitag verlangt die sofortige Verwirk- lichung der Sehnsucht des deutschen Volkes nach Demokratie. Er ist der Ansicht, daß nübtS so geeignet sein würde, die Wider- standskraft und den Verteidigungswillen de? deutschen Volkes zu stärken, als die Verwirklichung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung. Insbesondere erblickt der Parteitag in der unverzüglichen Turchfühning des gleichen Wahlrechts in Preußen sowie in der entscheidenden Mitwirkung deS Reichstag» bei allen größeren Fragen der Zeit LebenSnot- wendigkeiten des deutschen Volkes. Die Verantwortung für alle Folgen, die sich aus der Verzögerung der demokrati- schen Neugestaltung ergeben können, lehnt der Parteitag ab. Sie fällt auf diejenigen, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Von diesen Anschauungen geleitet, fordert der Parteitag da? deuisc�e Volk auf, unter dem Banner der soz!aldemokrat,s-e>en Partei einig und geschlossen den Kanipf zu fübren für Frieden und Freibeit, für die deutsch« Zukunft und für die höchsten Güter der Menschheit. Reichstagsabgeordneter Davidsvhn: Es ist ein Glück für die Panei, unser Volk und die Internationale, die doch höchstens schein- tot ist, daß wir trotz aller Tagesfragen Zeit finden, uns über die psychologisch« und ätiologische Seite de» KriegSproblemS auseinandersetzen. DaS ist ein Beweis unserer ungeheuren Kraft. Aber warum hat der Sozialpolitiker Hug kein Wort für die wichtigen sozialpolitischen Fragen. Es bestehen in weiten Arbeiter- kreisen gegenwärtig akute N o iz u st ä n d e. gegen die wir un- mittelbar einschreiten müssen. So hat eine glänzend gewinnende Textilindustrie in meinem Wahlkreis bis Mitte August d. I. nur 10 Proz. Lohaufschlag gezahlt, und die Behörden weigerten sich rinzuichreiten. Demgegenüber müssen wir Miiidcstlöhne und Höchstarbeitstage zum Gegenstand direkter sozialpoliti- scher Aktionen machen.(Beifall.) Wmnig-Hamburg: Der Reichstag ist im Laufe de? Krieges sehr populär geworden. Dabei ist seine Haltung in den Re- gierungSkrifen nickt immer ein Ruhmestitel für ihn geivesen. Als er zum erstenmal über die Zusammensetzung der Regierung be- fragt wurde, bat er den einzigen Kanzler gestürzt, von dem man wünschen mußte, daß er bleibe, den Kanzler der Neu, o r i c ii t i e r u n g, des V e r st ä n d i g u n g S f r i e d e n S, der an Durchbildung und Redlichkeit- unter de» Staatsmännern Iveit her- vorragte. Diesen Fehler muß der Reichstag durch Beseitigung des jetzigen Kanzler» wieder gutmachen. Die scharfe Kampfan sage E b e r t« an ihn bei der letzten Sturmsitzung war für viele Ge- nosseil eine wahre Erlösung. Tie wichtigste Aufgabe der deutschen Politik ist gegenwärtig, der Volksvertretung bestimmenden Einfluß auf die Zusaminensrtzung der Regierung zu erringen. Alle anderen Fragen hängen damit zusammen, wie da» Reich regiert wird. Dazu bedarf es nicht sowohl einer Aende- rung der Verfassung, als vielmehr einer zielbewußten und arbeitsfähigen ReichStagSmchrheit. Ohne diese ist keine Varlamentarisierung möglich. Gewiß wird damit eine ge- wisse Bewegungsfreiheit aufgegeben, aber nur so können wir auS der geschichtlichen Situation berauZholen, was überhaupt in ihr steckt. DaS gegebene Kampsseld der Partei für die nächste Zukunft ist das Parlament. Vor dem Kriege hatten wir unglücklicher- weife die Wege einer revolutionären Ideologie beschritten zu einer Zeit, wo nur praktisch, organisatorisch und parlamentarisch ge- arbeitet werden konnte, denn eine Arveiterklasse, deren Fortschritt und Ausstieg durch friedliche Arbeit gesichert ist, wird nie gewillt sein, Revolution zu machen. Für die Zukunft stehen wir vor einem iZhaoS. Wir müssen bereit sein zur parlamentarischen Taktik oder auch dazu, in Sturm und Drang zu stürzen, waS zum Fall« reif ist. Für beute wollen wir aber der Fraktion einen Freibrief da- für ausstcllen, mit gutem Gewissen fortzusetzen, was sie begonnen hat: die Zusammenarbeit mit anderen Parteien zur Bildung einer arbeitsfähigen Mehrheit. Wir werden jeder Resolution zustimmen, die dieser neuen Taktik den Weg frei- macht.(Beifall.) Di« weitcren Verhandlungen werden auf die Nachmittage- sitzung vertagt. NachmittagSsitzung. Die Debatte wird fortgesetzt. Ebert teilt mit. daß über den Antrag Lobe namentliche Abstimmung beantragt ist. In der weiteren Debatte über den Bericht der Reichstags- fraktion erhält zunächst das Wort: Schreck-Bielefeld: In der Frage der Ernährung von Heer und Boll hat die Regierung ihre Pflichten aufs schwerste ver- nach! äss igt. Hier kommen wichtige L e be n S i n t e r- essen des Volkes in Frage, und dabei könnte die B e w i l l i- aung der KxiegSkredite sehr Wohl benutzt werden, um die Regierung zur Pflichterfüllung zu zwingen. In der KriegSzicl- frage muß die Regierung gczloungcn werden, sich nicht nur ein- deutig auf den Boden der Entschließung deS Reichstag» vom 19. Juli zu stellen, sondern auch danach zu handeln. Franz-Waldenburg führt lebhaste Beschwerde über die Hand- habung des Vereins- und Versammlungsrechts im Kreise Waldenburg. Trotz aller Versprechungen, daß eS besser werden wird, sind bis in die letzt« Zeit hinein Eewerkschasts- Versammlungen, ja sogar eine Zusammenkunft des Gewerk- schaftSkartellS und auch die Zusommeukuiift von Per- trauen?männern mit Vertretern von Behörden verboten worden.(Hört! hört!) Wünschenswert wäre eZ, wenn die Fraktion für die Opfer der Striegauer Ausschreitungen ein- tritt. Es bandelt sich hierbei um die Opfer der mangeln» den Ernährungsfürsorge. Die Exzesse, die vorgekommen sind, find zu verurteilen, aber es ist niemand ernsthaft verletzt worden, und die ungeheuer hohen Strafen sind jeden- falls nicht gerechtfertigt. Sollmann-5töln: Die Kölner ersuchen alle Instanzen, sich mehr mit der Lage der Staats- und Gemeindeange st eilten zu beschäftigen. Tatsächlich haben wir viele Wähler aus den Reihen der Privatangestellten gewonnen. Staats- und Gemeinde. bcamtcn hatten bisher keine Möglichkeit, sich der Partei anzu- schließen. Jetzt ist aber Dr. August Müller Unter st aats- s e k r e t ä r geworden. Wenn er auch so weit rechts steht, daß er von links kaum mehr mit bloßem Auge erkannt werden konnte, so ist er doch eingeschriebenes Parteimitglied, und was dem Herrn Unterstaatssekretär recht ist, muß dem Schutzmann Z'küllcr und dem Nachtwächter Meier billig sein. Die Beamten- schakt wird nach dem Kriege stark radikalisiert werden und stark wachsen. Sie- war bisher politisch sehr unzuverlässig und wird eS vielleicht auch bleiben, aber jedenfalls müssen wir unS ihrer Interessen mit vollem Nachdruck anneh- m e n.(Beifall.) Den Genossen Hoch und Emmel danken wir. daß sie in der Partei geblieben sind und ihre MeinunaZ, Verschiedenheit kameradschaftlich mit imS austragen. Aver die An» nähme ihrer Resolution würde zu einer politischen und moralischen Katastrophe für uns werden. Die Gedankengänge Winnigs sind recht logisch, aber sie eilen der Zeit voraus. Die bürgerlichen Parteien sind gar nicht zur Zusammenarbeit bereit. So hat z. B. das K ö l n e r Z e n t r u m eS rundweg a?g e l e h n t, mit uns gemeinsam eine DemonstrationSvrrsammlung für die Re- solution des 19. Juli abzuhalten.(Hört! hört!) Die Zentrums- arbciter und auch die Massen der ZcntrumSanhänger sind freilich nicht etwa mit der„Kölnischen VolkSzeitung" einverstanden. Eni- fesseln wir eine starte Volksbewegung für eine Politik des Friedens und der Partei.(Beifall.) BrandeL-Magdeburg: Eine solche Bewegung ist leider nicht möglich, weil wir keine Redefreiheit haben. Das kenn- zeichnet so recht die Neuorientierung. Da ist eS höchste Zeit, daß wir unsere politische Stellung revidieren. Man hat die Kredit- bewilligung unmittelbar aus der Pflicht der Landesverteidigung hergeleitet. Damit hat man Verleumdungen Vorschub ge- leistet, mit denen in der früheren Zeit die ganze Partei als v a t e r- landölos hingestellt wurde. Heute ist glücklicherweise die Fraktion nicht mehr geneigt, bedingungslos KrieaSkredite zu bewilligen, sondern sie will diese? wichtigste Druckmittel ac- bübrend ausnutzen, um Fortschritte für das Volk zu erzielen. Auf diesem Wege muß sich die Fraktion weiterentwickeln.(Teilweises Bravo!) Wcißmann-Freiburg i. Br.: Wir im bombengescgnete« Frei- bürg danken der Fraktion für die Bewilligungen der M Kriegskredite. Unö bangt vor jeder bellen Nacht und jedem schönen Wetter. Dann kommen die feindlichen Flieger über un» und die deutschen Kanonen sind dann u»ser einziger Schutz. Die reichen Leute find schon alle von Freiburg wegze- zogen.(Hört! hört!) Die Arbeiter können nicht wegwandcrn. .Helfen Sie deshalb weiter den Kriegsgebieten— für sie ist der Krieg gewiß ein reiner Verteidigungskrieg. löeifall.) Haufchilb-Kassel: Hoch hat sehr richtig gesagt, daß wir zur Bewilligung von Kriegskrediten verpflichtet sind, wenn dem Lande die Gefahr droht, vom Feinde erdrückt zu werden. War diese Gefahr jemals größer als jetzt? Da verlangt das Lebens- intcr-sse der deutschen Arbeiter unsere Krcditbcwilligung. ES ist vollkommen falsch, daß wir den Klassenkampf abgeschworen hätten. Die Katastrophenpolitik haben wir endgültig abgc- lehnt und nnS zur organische» Arbeit bekannt. Für sie bedürfen wir rücksichtsloser Durchsedung der preußischen Wahl- r e f o r m und Beherrschung des Staates durch die Volksvertretung. Gerade die Aera Michaelis hat diese letzte Forderung außerordentlich populär gemacht. Wir dürfen auch vor der Teilnahme an der Regierung nicht zurückschrecken. Was Winnig gesagt hat, sind eigentlich nur noch Selbstverständlichkeiten. Unsere praktische Arbeit für die Demokrattfierung findet Anhang und Beiiall selbst bis in die Reihen der Unab- h ä n a i g e n hinein. Ihre Fortsetzung durck die Fraktion ist aus- gezeichnet« Werbearbeit.(Lebhafter Beifall.) Stoltcn-Hamburg: Brandes will, daß wir die Kreditbcwilligung nur noch als PreffionSmittel benutzen, aber die Pressionspolitik muß aufhören, sobald dadurch die Allgemeinheit gefährdet wird. ES scheint mir auch zweifelhast, ob man der deut- schen Regierung Hinterhältigkeit vorwerfen kann. Unter- schätzen Sie doch die Schwierigkeiten der FricdenSarbcit der deut- schen Regierung nicht. So wenig wir am Scheitern von Stockholm schuld sind, so wenig ist Deutschland für die Verlängerung de» Krieg«? verantwortlich. Die En- tcnte will eben noch immer den Frieden nicht. (Sehr wahr!) Im übrigen bewilligen wir die Kredite nicht der Regierung, sondern der Ration. Lensch hat den 4. August einen Bruch mit unserer früheren Haltung genannt. Das ist bis zu einem gewissen Grade richtig. Aber wir standen auch vor einer ganz neuen Situation. Im Frieden waren wir immer die strengen Kritiker gcpen unser Land, unsere polttischcn Ein- richtnngen und unsere eigene Partei. Wenn nach diesem Krieg« die sozialdemokratsschen Parteien der anderen Staaten gegen sich auch nur annähernd so streng sind, wie wir stets gegen un» waren, wird die International« gesünder als früher fein. Hock meint«, daß schon immer die Fraktion da? Mögliche durchgesetzt bäte, dabei übersteht er das Wesentliche. Wenn die bürgerlichen Parteien un» Zugeständnisse machen, dann verlangen sie daiür aiich, daß wir nachher die Mitverantwortung übernehmen. Wir müssen also au? der Selbstisolierung heraus. Komprimißpvlitik oder DcmonstrationSpolittk, eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. und wir müssen uns für die praktifchePolitik entscheiden. Schmidt-Meißen: Daß Deutschland gerade in diesem Lugen- blick stärker bedroht sei, als je, erzählt unS David vor jeder Kredit- bewilligung. Aber wie wollen Sie dann den französischen Genossen Vorwürfe machen, daß sie d-e Kriegskredite annehmen, da ihr Land doch stärker bedroht ist:(Zurufe: Wer macht ihnen denn deshalb Vor- würfe?) Bethmann hat sich zwar nicht den Alldeutschen ergeben, aber eS immer mitkeiner Partei verderben wollen. Ausdrücklich bat er gesagt, daß der Standpunkt der bloßen Verteidigung für ihn nicht mehr de- steht. Auch Michaelis wollte die Politik der Zwei. d e u t i g k e i t fortsetzen. WaS will nun David tun, wenn die Re- gierung noch immer keine Klarheit schafft? Will er dann auch dem ..Volke", das nicht? zu sagen bat, die Kredite bewilligen, will er sie auch bewilligen, wenn die Regierung ein neues Sozialistengesetz schafft?(Gelächter und Widerspruch.) Wir müssen mit der schärfsten Wasfc Klarheit schassen, eben mit der Drohung der K r e d i t v e r- Weigerung.(Teillveiser Beifall.) Scholich-BrcSlau: Unsere Arbeit für die Feldgrauen kann gar nicht intensiv genug sein. Unser besonderes Bureau wird eine Fundgrube von Material für HeereSrcform auch nach dem Kriege sein. In der letzten Session hat die Fraktion eine ganze Reihe von Anträgen zugunsten her Soldaten eingebracht. Aber WaS sagt die Regierung dazu?.Kommr endlich die Erhöhung der Löhnung usw.? Redner bespricht dann den Belagerungszustand in Schlesien. Keine Kreditbewilligung, wenn da» in Schlesien nicht ander» wird. Sonst sind wir mit der Tätigkeit der Fraktion voll einverstanden.(Beifall.) kSchluß im Hauptblait.) GroßSerün Me wirü man Parteimitglieü? Man schreibt uns aus dem Felde:„Von wohlhabenden, auf bürgerliche Reputation großes Gelvicht legenden Eltern erzogen, bin ich in der fast landläufigen Anschauung aufge- wachsen, nach der es als selbstverständlich gilt, in allen poli- tischen Fragen sich auf die Seite der Staatsgewalt zu stellen und jeden ohne Nachprüfung für„vatcrlandslos" zu erklären. der mit dem Tun und Lassen der Obrigkeit nicht bedingungs- los einverstanden ist. Ein nur im entferntesten mit sozialisti- schen Ideen Liebäugelnder wurde ohne weiteres als ver> lorcnes Schäflein in der Herde der Gerechten angesehen und ein überzeugter Sozialdemokrat galt uns von vornherein als eine Art Zuchthauskandidat. „Mit solchen Anschauungen verließ ich die Schule, mit solchen Grundsätzen wurde ich Student, so gerüstet zog ich in den Krieg. Es bedurfte fürwahr einer harten Lehrzeit, um niich allmählich zum selbständigen Urteil heranzubilden, um mich dann aber um so gewisser in die Arme der einst so miß- achteten Partei zu treiben, ssolvahrich vordem aus Unkenntnis der erbittertste Feind aller Sozialdemokraten war, s o wahr bin ich jetzt, da ich ihre wahren Ziele wenigstens in großen Umrissen kenne und die segcns- reichen Erfolge ihres Wirkens oft genüg ani eigenen Leibe erfahren habe, ihr aufrich- t i g st e r Freund, der den„Vorwärts" seit einigen Monaten mit einem wahren Feuereifer liest. Ich weiß, daß zahlreiche andere sich in gleicher Lage befinden und mit mir den Tag herbeisehnen, wo sie den feldgrauen Rock ausziehen und der Partei als organisiertes Mitglied beitreten dürfen. „Nun aber entstehen Fragen, über deren Naivität Sie und alle proletarischen Leser des„Vorwärts" vielleicht lächeln werden, die aber mich und viele meiner speziellen Schicksals- genossen doch ernsthaft beschäftigen. Nämlich die Fragen: Wie werde ich Parteimitglied und welche Pflichten übernehme ich durch den Eintritt in die Organisation? Ich glaube, Sie würden sich viele zu Dank verpflichten, wenn Sie uns dar- über ein Licht aufsteckten--- Soweit die Zuschrift.— Das gewünschte Licht ist leicht aufgesteckt. Mitglied der Partei wird man, indem man sich bei der Organisation seines Wohnortes zum Eintritt anmeldet. Wer nicht weiß, an welche Adresse er sich zu wenden hat, der erkundigt sich bei der Redaktion des lokalen Parteiblattcs. Die Pflichten, die man durch die Mitgliedschaft übernimmt. sind, abgesehen vom monatlichen Parteibeitrag in Höhe von >10 Pf., eigentlich selbstverständlich. Der überzeugte und organisierte Genosse tritt für die Grundsätze der Partei ein, wo immer sich ihm Gelegenheit dazu bietet. An der Pro- pagicrung dieser Grundsätze arbeitet er privatim und im Rahnien der Organisation nach besten Kräften mit. Engere persönliche Fühlung zu den Parteigenossen gewinnt er nament- lich durch den Besuch der Mitgliederversammlungen, in denen dem Neueingetretenen Gelegenheit geboten wird, sich mit i>en jeweilig aktuellen Spczialfragen politischer, sozialer, wirt- schaftlichcr sowie parteitaktischer und-organisatorischer Natur rasch vertraut zu machen. Wir danken dem zukünftigen Genossen für seine offen- herzigen Zeilen und harren mit ihm sehnsüchtig dem hofient- lich nicht mehr fernen Tag entgegen, wo wir ihn und seine gleichgesinntcn Kameraden im Kreise der Partei begrüßen dürfen!_ „Auslandsware". Man schreibt uns: Sie schmeckt nicht anders, ähnelt den ein- heimischen Fabrikaren wie ein Ei den, andern, nur ist sie entsprechend tr'-er. Denn das eintiac Kennzeichen richtiger AuSlandsware ist dt e gepfefferte Preis. Obst, das aussieht, als ob es in der Mark ge tagen sei. Käs«, der dem einheimischen Ouark wunderbar ähnelt. Süßigkeiten, die genau so viel Mehl und andere Ersatzstoffe ent- halten, wie die derzeitigen deutschen Fabrikate, alles ist Auslands- wäre, wenn es mit entsprechenden Preisen ausgezeichnet ist. Für den, dem es niclu aufS Geld ankommt, rst eben noch alleS da, er braucht ja nur.Auslandsware" zu kaufen. Neuerdings, bei der herrschenden Tabakknappheit, macht sich die AuSlandsware auch in der Kautabak- indusirie bemerkbar. Nordhausen, daS sich bei fast allen Tabakbauern eines guten Rufes erfreut, wird verdrängt durch Kopenhagen. Suck hier verdammte Aehnlichkeit mit Mails in ger- many. Aber cS ist AuSlandsware! In einem speziellen Falle sah die so aus: der Kautabak war fein säuberlich eingewickelt in be- druckte? Papier, auf dem zu lesen war. daß es tlns Tvist sei, hergestellt von der Firma Hauewackcr, Kopenhagen. Nun wird allgemein dem deulickien Kautabak innen ein kleiner Zettel beigefügt, der den Namen deS Fabrikanten trägt. Als ich diesen„AuSIandStwist" aus- wickelte, fand sich der bekannte Zettel, auf den, zu lesen war: G. A. Hanewacker, Rordhaufen. Aber ich bleibe dabei, es war doch AuölandSware, daS sah ich doch am einzigen Kenn- zeichen, dem Preise!__ Tie neuen Speisefettkarten. An den gegenwärtig zur Ausgabe gelangenden Speisefettkarien für die am 29. Okiober beginnende Periode finden sich besondere Anmeldeabschnitte. Die Neuanmeldnng darf jedoch nicht eber stalt- finde», als bis eine sie anordnende Bekanntmachung der Fetistelle Äroß-Berlin erfolgt. Borzeitige Nmanmeldungen sind unwirksam und strafbar und haben wie in früheren Fällen den Ausschluß der betreffenden Händler von der weiteren Fettbelieferung zur Folge. Vereinheitlichung der Lebcnsmittelvcrteilttng. Die Bertreicr der Eroß-Bcrliiicr Genieinden und Kreise be- schäftigtcn sich Dienstag abend mir der Frage der weiteren Ber- einheitlichung der LebenSmiltelnuSgabe in Grog-Bcrli». ES wurde allgemein anerkannt, daß gewisse Berschiedenheiten, die sich noch innerhalb der Gemeinden gezeigt hätten, der Abstellung bedürfen. Man beschloß zunächst, sür die Ausgabe der Nährmiltel(Graupen, Grieß, Teigwaren usw.) eine einheitliche Karte für daS Groß- Berliner Gebiet einzuführen und nach gleichmäßigen Grundsätzen übereinstimmende Portionen auszugeben. Uin darüber hinaus die Lebensmitielversorgung zu deremhcillichen, wurde die Schaffung eines hierfür besonders oiigeseheiien Organs beschlossen, das ver- schiedene jetzt bestehende Organe in sich ausnehmen soll. Als ört- licher Wirlungskreis wurde seitens der Stndtverlreie: und der Ber- lreier der Landgemeinden das Gebiet der Groß-Bcrliner Brot- karteiigcmeinfajbft in Aussicht gciioinmcn, während die Bertreter der Kreise verlangten, daß das Verwaltungögcbiet der Brotkarten- gemeinschast noch durch Einbeziehung des gesamten Gebiets der Kreise Teltow und Niederbarnim erweitert werde. Zur Berteuernng des Eisenbahnverkehrs wird unZ geschrieben: Auch technisch erscheinen die Maßnabmen der Eisenbahnvcrwaltnng böchst stümperhaft. Eine Fahrt von Esten nach Frankfurt z. B. kostet 10,40 M. Bis 10 M. beträgt der Zuschlag 8 M., über 10 M. 13 M. Dus Publikum wird ivieder als Lehr« meiner der Eifenbabnverwallung austreten und ihr zeigen müssen, wie man es auf dieser Fahrt anstellt, um die S M. zu ersparen. An Kniffen wird eS gegenüber dieser unüberlegt schematischen An- ordnung des ZuichlagcS nicht feblen. Ueber einen sehr wichtigen Punkt, daS sogenannte.Handgepäck' der Reisende», geht die Eisenbnhnverwaltung bei ihren Reform- planen gänzlich hinweg. Welche Bedeutung dieses aber bei der Ab- kerriguug des Zuges, dem langsameil Aus« und Einsteigen der Reisenden, Unpassierbarkeit der Gänge. Platzwegnahme für Reisende usw. spielt, davon scheint die Eisenbahnverwaltung nichts zu ahnen, denn ein Einschränkung des H a n d g e p ä ck m i ß b r a u ch e s ist ebenso dringend notwendig, wie die beabsichtigte Einschränkung deS PaffagicrguteS. Es ist durchaus notwendig, daß die Eisenbahn ihre Pläne besonders hinsichtlich der Zuschläge noch einmal gründlich revidiert und statt des sür sie allerdings höchst bequemen schematischen Kilometervcrfahrens sich des gerechten und bester durchdachic», des Z o n e n t a r i f e S bedient. Bei der österreichischen StaatSbahn hat man damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Dort tonnen sich unsere Staatsbahnen Rat holen. Noch hast Du Zeit zu zeichnen»der Beine Zeichnung zu erhöhen. Barum beeile Dich! Gegen die Verdoppelung der Fahrpreise für Eil-»ud Schnellzüge haben die BertrauenSmäuner der christlichen Gewerkschasten in einer Sitzung Stellung genommen. Jeder Bezug von Kohlen für Küchen- und Ofeilbrniid darf gegen- wältig nur aus Kohlenkarte ersolgen. Dabei ist cZ völlig gleichgültig, wann etwa die B e st e l l u n g erfolgt i st. Für die waggonweise Einsührung vot? außerhalb'gilt die Be- stimmung, daß Verbraucher, die für nichtgewerbliche Zwecke Kohlen nach Groß-Berlin einführen, dies vor Eintreffen der Kohlen der Kohlenabteilung der KriegSamtZstelle in de» Marken(Linlstr. 25) unter Angabe der Mengen und Art sowie deS AnkunstS-Bahnhofes oder-Ha''enS anzuzeigen haben. UeberdicS findet auf allen Bahn« Höfen eine ständige Kontrolle durch Beauftragte der Kohlenstelle Groß-Derlin stalt, um alles, was an HanSbrandkohlen eintrifft, auch wirtlich zu erfasien und zu verhindern, daß die Mengen einzelnen zugeführt werden, anstatt der allgemeinen Versorgung nutzbar ge« macht zu werden. Zur Außerkurssetzung der Zweimarkstücke. ES wird daran er- innert, daß die Frist sür die Außerkurssetzung der Zweimarkstücke am 1. Januar 1918 abläuft. Von diesem Zeitpunkt ab verlieren die Zweimarkstücke die Eigenscha't als gesetzliches Zahlungsmittel. Alle Reichs- und LandcSkalsen sind beauslragt, die Zweimarkstücke einzulösen. Die Brandenhnrglschc Proviiizial-Hebamnienlehranstalt in Neu- k L l l n. am Mariendorscr Weg 23/88, die bereits seit dem 2. Juli eröffnet ist. dient neben ihrem Hauptzweck in erster Linie als Ent- bindungSanstalt und Frauenklinik. Sie steht unter der ärztlichen Leitung deL Herrn Prof. Dr. med. Hammerschlag, der sich als Spezialist auf dem Gebiet der Geburtsheilkunde eines ausgezeich- neten Rufe« erfreut. Die Kosten der Kur und Verpflegung betragen in der dritten Klaffe 4 M., in der zweiten Klaffe 8 M. und in der ersten 12 M. täglich. Für die Entbindung wird eine besondere Gebühr von. 10 M. in der dritten, 20 M. in der zweiten und 80 M. in der ersten Klaffe erhoben. Neuköllner Krieger- sraneir sind von der Zahlung diei-I besonberen Ent- bindungskoslenbeitragS befreit. Bei einen, normalen Anstalt?- aufenthalt von 12 Tage» sind sie also in der Lage, die Kurkosten ohne weiteres au§ der ihnen zustehenden KciegSwochcnhilfe zu decken. Auch unentgeltliche Entbindungen werden in der Anstalt vor- genommen, loenn die Wöchnerinnen einig« Wochen vorher in der Anstalt Hausarbeit leisten(sogen. Haukschwangere). Diese Einrich- tung wild hauptsächlich für Frauen in Frage kommen, die das erste Kind erwarten. Eine poliklinische Sprechstunde sür Unbemittelte wird in der Anstalt täglich von S— 11 Uhr vormittags abgehalten. Für Frauen, die ihrer Entbindung entgegensehen, empfiehlt es sich, daß sie filb rechtzeitig vorher an die Anstalt, Kriegerfrauen auch an bai Militärbureau im alten Neuköllner Rathause, 2Tr., Zimmer 541, 'wenden, wo ihnen berestwMgst zweckdienliche AnSkunst erteilt wird. Kriegswohlfahrtspflege. Die Berliner Bezirksvorsteher haben beschloffen, den Magistrat zu ersuchen, die Mittel der Kriegswohl- fahrtspflege nicht mehr wie bisher den A r m e n k o m m i s s i o n s- Vorstehern usw., bei denen alle Anträge eingereicht und geprüft wurden, zur Verfügung zu stellen, soiidern den zuständigen B e- zirksvorstehern.— Hoffentlich entspricht der Magistrat diesem Ersuchen mit Rücksicht auf die Gefühle der Kriegerirauen, denen es mir Recht widerstrebt, ihre>nirige den»rmenräten zu unter- breiten. Zwei Spiel- und Schlemmernefler wurden von der Kriminal- Polizei aufgehoben. Sehr hoch gings in dem einen her. einem Kuppelquartier von BacikowSti in der K o ch st r a ß e. Hier versammelie sich abend« die Lebewelt miS der Fnedrichsiraße. Nach einem Spiel vergnügte man sich mit Tanz imd Seklgelage, wobei die Damen im tiefsten Negligt auftraten. Utinderwertiger Sekt wurde mit 40— 60M. die Flasche bezahlt. AI« die Kriminalbeamten erschienen, entflohen die„Damen" zum Teil in die Bode»- und Kellerräuine, wurden aber entdeckt und nach Verdollständigung ihrer Kleidung mit der übrigen Gesellschaft»ach der Wache gebracht.— In der I ü d e n st r a ß e balle ein gewiffer G e st e r i ch seine Wohnung für Spieler hergerichtet. Hier wurden gegen 20 Personen überrascht. Einige sprangen au» dem Fcnsier de« ersten Stocks und entkamen. Die anderen wurden nach der Wache gebracht. Charlottendnrg. K Uhr Tchulanfaug. Nach dein der von der Charlottenburger Schulverwaltung im Interesse der Kohl-uersparnis vorgeschlagene Späterbeginn der Schulen die Genehmigung des Provinzial-SchulkoklegiumS gefunden hat. soll mit Beginn der Dunkelheit am Morgen— ungefähr Anfang November— in allen Charlottenburger Schulen einheitlich der Unterricht um S Uhr beginnen und mr, 2 llhr sein Ende finden. Der Nachmittagsunterricht fällt ganz fort. Um einigermaßen den Stundenplan sesthalten zu können, sollen die Pansen und die Unterrichtsstunden verkürzt werden. Kohlenferien wird e« diesmal also nicht geben, da sich diese Ein- richtung nicht bewährt hat. Neukölln. Verkauf von Weizengrieß Vom Freitag, den IV. Ok- tober, bis Mittwoch, den 24. Oktober, dürfen in denjenigen Gc- fchäften, in welchen die Anmeldung zum Bezüge von Kolonialwaren erfolgt ist, auf Abschnitt 04 der Neuköllner Lebensmittelkarte 125 Gramm Weizengrieß zun« Preise von 7 Pfennigen entnommen werden. Schöneberg. Stadtverordnetenwahlen. Im November finden mehrere Ergänzung»- und Ersatzwahlen statt. In der dritten Ab- teilung scheiden an? die Stadtverordneten Graveur Peterson, Ge- werlschaftSsekretär MohS, Buchdrucker Magnan, Eigentümer Rott- länder, Kaufmann E. Hoffarann und Turnlehrer Zobel; ferner wird für den verstorbenen Stadtverordneten Lagerhalter Reiche in der dritten Abteilung eine Nachwahl nötig. Insgesamt sind in der dritten Abteilimg 7, in der zweiten Abteilung 1t und in der ersten Abteilung 7 Stadtverordnete zu wählen. Die Wahlen finden statt für die dritte Abteilung am Sonntag, 11. November, von mittag» 12 bis nachmittags» Uhr, für die zweite Abteilung am Dienstag. 13. November, von 1—6 Uhr nachmittags und in der ersten Abteilung am Donnerstag. 15. November von 3 bis 5 Uhr nachmittag».___ Reinickendorf. Extraverteilung von Kaffee-Eisab. In den amtlichen Verkaufsstellen findet vom Montag, den 22. Oktober ab ans Abichnitt 1t8 der Lebensmittelkarte der Berkanf von Vz Pfund Kaffee-Ersatz statt. Der Preis belrägt für 1 Pfund Kaffee- » r f a tz 8,20 M.___ Frirdrichsfelde. 2 Millionen für die Lebensmittelversorgung. Die Gemeindevertretung hat in ihrer letzten geheimen Sitzung de- schloffen, der Gemeindeverwaltung«inen Kredit bis zu 2 Millionen Mark für die Lebensmittelversorgung zur Verfügung zu stellen. In öffentlicher Sitzung wurde die Kricgssürsorge für ganz oder teil- iveise erwerbslose Angestellte und Arbeiter der Textilindustrie nach den Berliner Lohnsätzen beschlossen. Der GaZprei» sür die Straßen- beleuchtung soll vom 1. April d. I. ob auf 18 Pf. für das Kubikmeter erhöht werden.__ Hrsß-Serliner Yarteinachrichten. Vierter Wahlkreis(41. u n d 42. A b t e i l u n g). Sonnabend, den 20. Ottober, abends 8 Uhr, Persammlung im Lokal von W. Vogel, Hufelandstr. 14. Wildau bei Wusterhausen. Sonnabend, den 20. Oktober, abend» 8'/z Uhr, bei Schumann, Schwartzkopffstr. 120, Mitglieder- Versammlung. Gäste haben Zutritt. Serichtszeitung. ErnährmigSschwierizkriten deS Lehrlings. Die Auflösung deS LehrverhällniffeS wurde in einer Klage vor der Kammer d de« Gewerbegerichts au» solgendeu Gründen verlangt: Beim Abschluß de? LehrvertrageS rechnete der Vater de» Lehrlings nicht damit, daß er zum Militär eingezogen werden würde, denn er war als untauglich erklärt. Er konnte deshalb annehmen. eS werde ihm möglich fein, seinen Sohn trotz de» gelingen Kostgeldes, dos er al» Lehrling erhält, während der Dauer der Lehrzeit zu erhalten. Später wurde der Vater aber doch zum Militär ein- berufen. Nun war e» der Mutter nicht möglich, den LebenSunterbalt deS Sohne», der nur auf ein wöchentliches Kostgeld von ö M. An- spruch hatte, zu bestreiten. Eine Erhöhung deS Kostgeldes auf das von de» Ellern de» Lehrling» für notwendig gehaltene Maß be« willigte der Lebrherr nicht.— DaS Gericht verurteilte den Lehrling. da» Lehrverbältnis fortzusetzen, da die während der Vertragsdauer eingetretenen Ernährungsschwierigkeiten kein Grund seien, den Lehr- vertrag aufzulösen.— Der Vater versicherte vor Gericht, er werde trotz diese» Urteils seinen Sohn nicht wieder in die Lehre schicken. Darauf wurde ihm bedeutet, daß das Urteil dem Lebrherrn das Recht gebe, den Lehrling durch die Polizei zur Arbeitsstätte zurück- führen zu lassen._ In der EiitmündizungSaugelegeulieit dcS Prinzen Frieds ich Leopold(Sohn) wurde gestern vom Geh. Jusiizrat des Kammer- gerichtS das Urleil verkündet. Danach wird die Klage, soweit sie gegen den König von Preußen gerichtet ist, abgewiesen. Die gegen die Rechtsgültigkeit der allerhöchsten Order und de» Entnründiguuqs« Verfahrens erhobenen Einwände werden als unbegründet verworfen. Ueber die maieriell« Begründung de? EntmündigungSbeschlusjeS soll Beweis erhoben werden.— In dem schriftlichen Urteil gibt, dein Vernehmen nach, da? Gericht zu, daß in Preußen die Kodifikation des HauSgesetze», wie sie in anderen Bandesstaatcn besteht. nicht siattgefunden hat, daß es nur vereinzelt in letztwilligeic Anordnungen und im übrißen auf uiigeichrteienen Gewobn- SeitSrechlei, beruht. Die Familiingew»It de» Oberhauptes eni- stamm« dem Geraschen Hausvertrag von 1603. Ob daS Familicn- aberhaupt eine Entmündigung anordnen kann, sei in der Literatur nicht erörtert, auch sei ein solcher Fall in Preuße» bisher nicht vor- gekommen. ES wird anerkannt, daß die Entmündigung an sich über die Familiengewalt hinausgeht, aber andererseilZ sei zu berück- sichtigen, daß dabei die ösfenilich-rechiliche Siellimg der landesherrlichen Familie eine Noll- ipielt. Wenn die Mitglieder des löniglichcit Hause« gegenüber anderen Staatsbürgern Vorrechte ge- nießcn, so müssen sie auch Beschränkungen in den Kauf nehmen, die mit ihrer Eigenschaft als königliche Prinzen verbunden sind. Die Entmündigung kann aber selbstverständlich nicht aus Willkür beruhen, sondern nur ausgesprochen werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorbanden find. Es sei nicht angängig, wie die Vertreter des Beklagten es dargestellt haben, in der Allerhöibsten Order ein besonderes Gesetz zu erblicken: hierzu würde lein Recht besteben. Der König tonne nur kraft der bestehenden Haus- Verfassung solche Maßnahmen, wie sie hier in Frage stehen, treffen. sRus aller Welt. Zum Eisenbahnunglück bei Schönhausen. Heber die Ursache des Zusammenstoffes ist nichts Sicheres festgestellt. Ter Führer des Ferienzuges gibt an, daff er im dichten Morgeuncbel da? Haltesignal vor dem Bahnhof nicht habe sehen können. Die getöteten Kinder, die alle in München- lSladbach beheimatet sind, befanden sich im- ersten auf den Packwagen folgenden Personenwagen. Dieser sowie die Loko- motive sind vollständig zertrümmert. Tchlagwetter-Explosion. Aus Dortmund wird gemeldet: Die Verwaltung der Zeche M i n i st c r Achenbach in Brambeuer gibt dewnnt,' daff sich auf Schacht IIb der Zeche Montag nach- mittag gegen 5 Uhr im Flötz 15 eine Explosion schlagender Wetter ereignet habe. Die Ursache sei bisher noch nicht fest- zustellen gcivcsc»: die Wetterführung sei geregelt. Ein Teil der in dem Flötz beschäftigten Arbeiter konnte unverletzt zu Tage fahren. Bisher seien sechs Tote geborgen, doch sei mit fünf bis sechs weiteren Toten zu rechnen.--- Bekanntlich sind im letzten Jahre im Ruhrbezirk eine Reihe schwerer Grubenunglücke eingetreten, ohne daff man die Eni- stchungSursache hätte ergründen können. „Zn Freien Stunden" „Ein Kampf mit dem TeuselssisS' mir Abbildungen. Ein Monitor aus eine Fluhmine geraten. Aus dem vsterrercbischcn Kriegsprcff'cauartier wird gemeldet: Die erste Monilordivision uniernahm am 22. September eine Uebungsfahrt von Eernavoda nach Braila. Auf der Rückfahrt geriet der Monitor Inn auf eine Flußmine, welche explodierte. Es gelang. den Monitor in seichtes Wasser zu bringen, wo er nach kurzer Zeit sank. Der Floltillenstabschef Korvettenkapitän v. Förster konnte trotz aller Bemühungen nicht gerettet werden. Ein Unieroifizier, der mit acht anderen Leuten über Bord geschleudert worden war. versank, ehe das Rettungsboot ihn erreichte. Sonst sind keine Verluste zu beklagen. Drei Manu waren schwer, fünf leicht verwundet. Ein deutsches Postamt in Riga wird am 22. Oktober eröffnet werden. Es vermittelt den privaten Post- und Telegramm- verkehr der Zivilbevölkerung des Gouvernemenlsbezirks Riga mit dem Postgebiet des Oberbefehlshabers Ost mit Deutschland, mit dem Generalgouvernement Warschau und mit Oesterreich-Ungarn (nur Postverkcbr). Tie Sommerzeit im rusirscheik Winter. Nach der SlöckhÄImer „HandelSzcitung" verfügte die provisorische Regierung die Bei- behaliirng der Sommerzeit in Rußland auch für den Winter. Riesenfeuer in Kansas Cit». lieber die Hälfte der Biebhöfe von Kansas City lNordamerika) ist durch Feuer vernichtet. Einige tausend Stück Vieh sind umgekommen. Eingegangene Orucksthristen. Kurierzwong und Kurpfuscherfreiheit. Don Tr. Otto Neustätlcr. 40 Pf. Freie Bah« für die Kurpfuscher? Von Dr. Heinrich Kantor. 1 M. Verlag Julius Springer. Berlin. Tie Tunau- und die Ntccreugenfrage. Von Dr. Wilhelm Knorr. 3,50 M. Gustav Kicpenheucr, Weimar. Sriefkaften üer ReSaktion. — Hedwig K. 2. Sie firjb u. E. im Recht. Beantragen Sie beim Ee- richt Aushebung der Pflegschaft.— Friede 17. Sie müssen eine Handels- erlaubnis unter Ihrem Namen haben. E. K. 65. 1. Ja. 2. Lei Ihrer Kranlenkasse, falls Sie im Lause des letzten Jahres 23 Wochen ver- sichert waren, vro Tag 2.50 M. sur i> Wochen.— F. B. 36- Sie müssen besondere Gründe haben. Wozu denn aber auch so ängülich?— Ber- stondigungcf>-ieden. Wenn das Kriegsqcrichi das Tersahre» eingestellt hat. können Sie nur disziplinarisch bestraft werden. Während der Per» pützung der«strafe haben Sie keinen Anspruch auf Kriegslöhnung.— SUrttrrauSsichten für das mittlere viorddeuticviand dtS Freitag mittag. Ziemlich mild, nordwärts sorischreitende Trübung mit geringen, nur im Südosten stärkeren Rcgensällen. Diroletioo: blax kisinbaräd. JdcutficlieB Tlientcr. 7 Uhr: Qer lebende Leichnam. Freitag: Winlorhallade. Kamm erspiele. 8 Uhr: Fascliing. Freitag: Eine glückliche Ehe, Vunksbühnc. Theater am Bülowplatz. Untergrundb. Schenh. Tor. T'/.ühr: Was ihr wollt. Frört.: Nathan<1. Weise. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Tiieatsr i, Königgralzerstr. 7'/, U.: Der Katicnsteg. Komödienhaus T'/jUhr; Die beiden Seehunde. Berliner Theater 7'/;P.:Die tolle Komteß. Der neue umfangreiclie iVariele-Spielplani a. e. ansytteffl Heute abend 7'/, Uhr: 2. Male: KSCXlSiO» Große original- Ausstattungs• Pantomime m. Gesang u-Tanz i.4 Akt., inszon, v. Dir. A. Schumann. I.Akt: Auf der Farm 2. Alct: In derFestans 3. Akt: In derOpinm- höhlc des Chinesenviertels v. St. Francisko 4. Akt: Das geheime unterirdische Tcmpellest im Chinesenv.v. St. Francisko. Vorh.: Das gr. Zirkus-Progr. APOLLO Friedrichstraüe an der Kochstr. Dir. James Klein. Allabendlich 1*1, Uhr; OieHoeMMaMsetiä Theaterk. unnntorbr. geöSn. Sonntags:& Vorstellungen, 3';, und l'l, Uhr. Tägl. 7'/,. Sonnt. 31/, u. 7 Hur nach bis!2. Ohtaber. Jet Wline lifBet mit W. Martstein. OaziiiipSe ßi(t..-Prosr. Schluß' des Ha>tstein- �Kantn�ieln�JKDlit. r Kerkau-Palast BehrcnstraSs 43 Im 1. Stock Punkts U. nm.: Marionetten Unt. ander, trerä. vorgef.: Francilla Kaufmann Lucia Kieselhausen Klassische Tänze Sont M'ahesa Orientalische Tänze kt o I» o r t S t e i d i Gebrüder Wille Hand- u. Kopf-Akrobaten Salerne der berühmte Jengleor Biondel am Schwungseil Toto der unverwüstl. Clown Hochintoress. f. Erwachs. und Kinder, jung und alt. Keine erhöhten Preise für Getränke erster Güte. Eintritt u. Garderobe frei. [/nimflNf d. allbekannten RUliiCll Gottschalk-Kap. Theater für Donnerstag 18. Oktober. Metropol-Theater Central-Thcater. Kommandantenstraße 57. 7'/,: Die Csardasfürstin Dentsehcs Opernhans 7 w>r: ßjg toteo logen. Friedrlch-Wilhelmst Theater -■/.uhr: Das DreiiöäiJerte. Kleines Theater 'i/. �r: Bürger ScMppeL Komisehe Oper 7% v.: Schwarzwal�üdel. Linstspielhaus ■7ii tt,. lli® blonden Mädels '4 vom Lindenhof. Neues Oporettenhaus Schiffbd. 4a. Kasseut.lCd.2Sl 71/, uhr• Der Soldat der Marie. m'r4: Gie Rose vcö Staniöiil. Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. Hcsidenz-Thrater 7 Uhr: Z. I.Male: 7 Uhr: RasJfOlnjfcoff Kchiller- Theater O ?-/. uhr: ÄuIiigrSfliüieBseite Schiiler-Th. Chart. T'/.uhr; Gespenster. Thal ia-Theuter uhr: Egon und seine Frauen. Theater am Nollendorfplatz 3'i, U.: Der Freischiita. 7 Uhr: Theater des Westens Tv.uhr: Her verliebte Herzog mit Guido Thielsoher, URANIA 8 U.: Das Oberengadln und der lüpiUgcn. 6 Uhr: Prof. Dr. P. Schwahn: NÄTIONÄL-THEÄTER st, 8 Ubr. Eöpenicker Str. 68. Täglich st.8 Uhr: Krhliter Ilrkoig:: Das ist die Liebe! Musik von Walter Bromme. Sonntag 3>/. Uhr: Was senge Mädchen träumen! I�ose«Theater. 7'/, Uhr: Der Weiberfeind. Walhalla-Theater. üb': Zigewner. Reiclislialieii-Theater Stettiner Sänger. Anfang 71/, Uhr. Jed. Sonntag nachmittag MU 3 Uhr Vorstellung z. ermäßigten Ik iwi.l, Preisen! Logen 1 M., Parkett 75 Pf. Eintritt SO Pf. Billetts schon heute! Casino-Theater Lothringer Strasse 37. Täglich st.8 Uhr: Wirllicher Humor I Gr. Erfolg I Die Schlagerposse Heiraten mutzte! Vorher der neue bunte TeiL Sonnt. 4 Uhr: Gusle, die Perle. Trianon-Theater Georgenstr., Bhl. Frledrichstr. st ,8 U. Allabendlich st ,8 U. Der Lebeosschüler. Schauspiel von Ludwig Fulda. Kaiser-Titz, Ida Wüst. v.MCllendorff, Kettner, Flink. SonntagS1/,: Johannisfeuer. Admirals-Palast. Die Movttat Abrakadabra Großes phantastisches Ballett auf dem Else. �7st, U. Vorzügl. Kücha. Täglich l'l* Sonnabend u. Sonntag 3st, u. 7st, U. Das große Zirkus-Progr. Xen! äch! Alex u. Hermann! Die weiße Dame und die Schmetterlinge neuart. Kombin.-Eeitakt. Neu iEoiaßilo.� der Mann in der Wasserzello usw. usw. u. zum Schluß: Die§ Pierrots"�eh863 Freitag 7st» und Sonnabend naohmittag SV. Uhr: Mit! e«! a.r'.si ".Mll.'Ch. yusuml[, Die Betannlinadiung des Oberlommandos in den Marten, betreffend Beschlas-nabme von Holzzellstoss und Strohzellstoff tritt am 18. Oktober 1317 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anichlagiäulen und in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 81. Oktober 1917. 633. I. Mil. Ter Polizeipräsident. Donnerstag, den 33. Oktober, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschaftshanse sSaal 4): Tagesordnung: 1. G-fchästS- und Kassenbericht des Lorstandes. 2. Bericht der Revisoren. 155/10» 3. Diskussion. 4. Neuwahlen des Vorstandes, Ausschusses, der Revisoren, der Verwaltung und Ordnerschaft. Die Mitgliedskarte isl an der Kontrolle vorzuzeigen. Ter Lorstaud. I. V.: G. Winkler. I ¥oigt-Thea!er. Badsir. 58. Badstr. 51 Täglich: Loge No. 7. Kassen eröffn. 6'/,, Anfang 7st. U. WMeiU». Skmelssse m KetslMeiltr. V. a. G. Hamburg. Mitglieder-Uersammhivge» der Filialen Filialen: finden flott: Berlin 1: Sonnabend, den 20. Ottober, abends Lst, Uhr, Bärwaldstr. 71, bei Schwachenwald. Berlin 2: Montag, deu 22. Oktober, abends 8 Uhr, Adalbertstr. 4, bei Schulz. Berlin 3: Sonnabend, den SO. Ottober, abends 8'/, Uhr, Reichenberger Str. 154. bei Kayser. Berlin S: Sountag. deu 21. Oktober, vormittags 10 Uhr, Ackerstr. 123, bei Meyer. Die Zahlstelleu bleiben deshalb am Sonn- abend, den 20. Oktober, geschlossen. Berlin 11: Sonnabend, de« 20. Oktober, abends 8'/, Uhr, Tützowstr. 6, bei Meyer. Uehtenherg U: Sonnabend, den 20. Ottober, abends 9 Uhr, Aki-Boxhagen 56, Bei Blume. Nenhöllu: Sonnabend, den 20. Oktober, abends 9 Uhr, Ziethenstr. 69, bei Kramer. Tegel: Sonnabend, de» 20. Ottober, abends 8st, Uhr, �-chöneberger Sir. 61, bei P.(putsch. Wildau: Sonntag, den 21. Oktober, vormittags 10 Uhr, bei Schumann. In allen Versammlungen: Abrechnung vom 3. Quartal 1917« 183/8 Die Ortavenraltnngen. Ich hin zuröckaekehrt Spsäslarst Dr. med. WockcnfuU. Friedrlchst 125(Oranienb.X.l, f. Syphilis, Harn- u. Frauenleiden Ehrllch-Hata-Kur(DauerlOT.). Blutuntersuch. Schnelle, sichere schmerzt. Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. 223/6' Sprecbstund.: 11— I n. 6—8. Mödsl In allen Dreisingen 1-, 2- u. 3-Zimm.-Wohnungen empf. in mod. Ausführg. Jul. Apelt, Tischlermstr. Berlin SO, Adalberlstr. 6, Hochbahnst. Kottb. Tor. J§SLcm&rrfscideji b schwind, schnei! u. scbmernl, � B daicbMjrobalannm.sichei■ fl bew.ausserl. Anw. M.cL5(>, Otto Z B R sieht*. 6orlm43 Eitenbahnstr.4» Waldparzelte Bbf. Basdorf. D.-91. 10 M. vor?.| Hülfe», Sieglitz, Vionville-! strasse 11. sg6S2' i Berliner Konzerthaus Hauerstr. 82. Heute: Zimmerstr. 90/91. Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang 7 st, Uhr. Eintritt 3® Pf. Anfang 7st, Uhr. An allen|>iahniiH«nc fnnsopl bei freiem Eintritt Wochentagen"flvUUUvHljiVRUlliCl l g, voller Orchesterbeeetzung. 8. FEDER Morden: Brunnen-Strasse 1 Süden: Kottbuser Damm 103 Osten: FrankfurterAlleeSSO Westen: Charlottenburg, » empfiehlt_ gegen VS? und auf Kredit zu annehmbaren Bedingungen fertige HasttiES-KSelggiing Jackenkleider, Mantelkleider Ulster mit u. ohne Pelzbasatz Plüsch-, Samt- D.Asfracli.-H3ntE! eidenkleider, RosiBrnröcRß, Blusen Kinder- und Backüsch-Kleidung , PelzKragcii il Pelzniuifen, I In Sknnks, alle Arten FNchet '--- Marder, Uli._ önmenfiüle ❖ Peizhllte —— rjeuesle Farm.... fertigg lierrefilleißung yiirschsn-iiJönglinss- = Awzüse- Sonntag von IÄ— 2 geöffnet! veuttche? Olctallarbeitcr- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, dass unser Kollege, der j Rohrleger Wilhelm Dreger Krä estr. 76 am 12. Oltobor gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Ok- lober, nachmittags 3st, Uhr, von der Leichenhalle des Heilig-Kreuz-KirchhofeS in Mariendois, Eisenacher Strasse 62, aus statt. Rege Beteiligung wird er- waltet. Den Mitgliedern ferner zur l Nachricht, dassuniereKollegin, j die Metallarbeiterin/ kedmg �ehs Simon-Dach-strasse 40 am 14. Oktober gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Ottober, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde. Friedboies in Lichtenberg, Lückstrasse, aus statt. Ziege Beteiligung wird erwartet. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dass unser Kollege, der Dreher Willi Luschatit Stockholmer Str. 30 am 13. Ottober gestorben ist. Die Emäscherung findet an: Donnerstag, den 18. Ok- tober, mittags 12 Uhr, im Krematorium Gerichtstrasse statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dass unser Kollege, der Schlosser Uidvig Ringelsen Stallschreiberstr. 41/42 am 16. Oktober gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Ottober, nachminags 4 Uhr, von der Leichenballe des Luisen- Äirchhoses in Neukölln, Her- mannstrasse, aus statt. Rege Beteiligung wird erwarteL Sachriif. Den Mitgliedern sernei zur Nachricht, dass unser Kollege, der Schmu d Rudolf Kröger am 7. Oktober gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 133/9 Die Ortsverwaltung. iL Gesangverein| M. d. D. A.-S.°B. Ein zweites Opfer des Weltkrieges ist unser Sanges- »rüder 249/5 Emil Seeger geworden. Er fiel am 16. Zlpril durch Minensplitter- Verletzung. Er war ein braver und tüchtiger SangeSbruder. Ehre seinem Andenken! Ter Borstand. Nach unsagbar gualvollen Leiden starb am 15. Oktober mein lieber Nlunn, der Schristsetzerinvalide Franz Herrmann im 65. Lebensjahre. 7006 Klara Herrmann geb. Schwach. Die Beerdigung findet um Freitag, den 19. Okt., nach- mittags Lst, Uhr, von der Halle deS Neuköllneran Anna Ki-übcr nebst Tochter Oertrnd. Die Beerdigung findet am 18. Oktober, nachmittags Z Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn aus statt Zug führt st, 2 Uhr vom Bahnhos FriedrichSselde. Speziaü-Apzt Dr. med. Haedicke Harn-.Haut-, Geschlechtsld., S>phil.(Behandlangsd.12 T.). Blutunters. Ehrlich- Hata- (Salvarsan-)KiIod.Ischmerz- lobeBehandlo. Beruf Störung. - MälJigo Preiso.Teilzahlung- FriedricfistlSI-IBSÄÄ 11— 1, 3— 7, Sonntags 11— 1. Spezialarzt Dr. med. I-aabs bei), schnell, griindL, mögl. schmerzlos u. ohne Berussstör. Geschlechtskrankheit., geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Ehrlich-Hata-Kuren. Harn- u. Blutur.tersuchung.* KönigsiP. Uli ÄÄt. Spr. 10—1 u. 5—§, Sonnt. 10—1 Spezial-Ärzt Dr. med. Hasche, Frledrichstr. 90 Bebandt von Syphilis, Haut-, Harn-, Franenleiden, spez. chron. Fülle. Ehrüch-Hata-Ku- ren, schmerzlase, türzeste Be- Handlung ohne Berujsslöruug. Bwtunteriuchung. Mass. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5—8, Somit. 11— 1. der Würzburger Parteitag. (Schluß auZ der Beilage.) Abg. Stücklcn: In der Arbeit für unsere Feldgrauen sind wir stet? einstimmig gewesen. Wir haben die Pflicht, für unsere Feldgrauen und ihre Familien zu arbeiten, stets als Ehren- Pflicht empfunden, bei ihnen darf nicht gespart werden. Unsere letzten Anträge sollen Milliarden Mark erfordern, auch diese Summe müsite aufgebracht werben. Wir haben vor dem Krieg den Mili- tarismus leidenschaftlich bekämpft. Mit dem Krieg traten zunächst andere Fragen in den Vordergrund. Aber für die Bekämpfung der langen Dienstzeit haben unS die KriegSerfabrun- B 2 n w.t der raschen Ausbildung selbst älterer Leute zur KriegStaug- liwkeit das beste Material gebracht. Wir werden nicht ruhen, bis wir die stehenden Heere in demokratische Velksheere um- gewandelt haben.(Bravo!) Seit Kriegsbeginn haben wir sofort und als einzige Partei Anträge zugunsten der Feld- g r a u gm gestellt. Die andern Parteien sind uns allmäblich ge- 'vztst Und im letzten Dagungsabschniit sind schließlich alle unsere An- träge einstimmig angenommen worden und die Regteruug wird einen großen Deik davon bald verwirklichen müssen. Nun ist gelegentlich getadelt worden, daß wir nicht noch schärfer vorgegangen sind, namentlich im Plenum des Reichstags; inSbewn- dere; sollte da? im Kampf gegen die Misihandlung geschehen sein. Wie liegt daL tatsächlich? Wir hatten in der Kommission eine Erklä- rung des Kriegs Ministers herbeigeführt, die in dieser »sorm und Schärfe unmöglich wiederholt werden konnte, deshalb vir- zichteten wir auf die öffentliche Aussprache und warteten zunächst einmal ab. Und tatsächlich ist die Besserung auf diesem Gebiet da nach eingetreten._ Auch ionft haben wir in der öüenllichen Kritik tiamer darauf Rücksicht nehmen müssen, dem Feinde kein »• 2 aw1' 0'' u � � 6 r n-?in der Kommission aber haben w'r rein Blatt vor den Mund genommen. Wäre eS der Fall gewesen, iaun halten die Unabhängigen uns das gewiß schon längst vor- geworren. lLebbhasteS Sehr wabrll � Was haben wir nun durchgesetzt? Wir haben hingewiesen aus Sie enormen Gehälter in der Kriegsbesol- vungSordnung und die jämmerlichen Löhne der Soldaten. iscbr wahr!) Von diesem Standpunkt aus setzten wir die Er- hohung der Krankenlöhnung durch. Fetzt endlich ist auch v>e allgemeine Erhöhung des Söldes der länger dienenden S o Id a t en durchgesetzt und der Reichsschatzsekretär wird sich da- bamtt beichaftigen müssen. Wir haben ün der Verpflegung der Soldaten unermüdlich Krilik geübt. Am besten wäre eZ natür- ucy. wenn alle draußen-uS einem Topf essen mühten.(Lebhafte Zurufe: Auch drinnen!) Aber einiges in dieser Richtung ist doch erreicht worden. Wir haben daS Recht der Soldaten auf Urlaub erkämpft gegen den Widerstand der Regierung. Wir oaben die f r e: e E i s e n b a h n f a h r t der Soldaten nach der Deimat herbeigeführt und ihnen für die Urlaubszeit erhöhtes Ve rp flegung s gel d erwirkt. Unteroffizieren. Feldwebeln, Offizier- und Beannenstellvertrctern. allen denen, die kolossal viel leisten, aber ungenügend bezahlt werden, sind wir beigesprungen. ?n die Kaittlnenv e r h a lt n l s s e haben wir Ordnung ge- bracht. Die letzien Söhne und die Väter kinderreicher e*.?» I i« n sind nach unseren Wünschen aus der Front zu- rückgezogen worden. Vater und Sohn sollen nicht mehr zusammen an der Front st ehe n. Die Versetzung der �ahrgäiige 1868 bis 1870 in ihre H e i m a t s g a r n i s o n e n ist Zugesagt. Ein besonderes Bureau gibt Auskunft und bearbeitet das ganze Material für die Fraktion. Kommen die Feldgrauen zurück, dann können wir ihnen sagen, dah die Sozialoemokratie un- aülässig für ihre Familien eingetreten ist und dah sie sich uns an- schließen sollen zum Kampfe gegen das gemeinsame Ziel.(Bravo!) Abg. Eohen-Reuß: Wir bewilligen die Kredite natürlich nicht unter allen Umständen. Aber ich kann mir jetzt die Si- tuation kaum vorstellen, in der wir sie ablehnen können. In diesem Kriege hat es noch keine Stunde gegeben, in der Deutschland nicht in der hoch st en Gefahr gewesen wäre. Auch ich habe scharfes Mißtrauen gegen Dr. Michaelis, aber sachlich hat er unseren Ariedensstandpunkt sich ziemlich zu eigen gemacht. Bedingungslos können wir Belgien nicht väumen, 'onst gibt uns England unsere Kolonien nicht zurück. Die Kredit- Verweigerung wäre für die Feldgrauen daS Signal zur Löh- m u n g ihres K a m p f w i l l e n§, was das Symbol für da? Versagen des Heeres wäre. Auch nach dem Kriege bleibt unsere -j'.iuatiov fürchterlich, wenn wir nicht aus der Jsolre- rung q, xia u s ko m iy c n. England und Amerika werden uns nach dem- Kriege nicht lieben. Darum müssen wir mit dem neuen Rußland in ein freundschaftliches Verhältnis kommen. LandSbcrg-Magdeburg: Der ganze Parteitag steht auinahmZ, Tos auf dem Boden der Landesverteidigung. Ob auch die U n a b- h ä n g i g e n darauf stehen, wissen wir nicht geuau. Denn in ihrem Programm haben sie diese Frage als„nicht aktuell" ausge- lasser»(Heiterkeit) und die ihnen verbündeten Linksradikalen er- klären sie für eine„kapitalistische VerwirrungSphrasr". Selbstver- iiändlich bewilligen wir nicht unter allen Umständen Kriegskredite. Wenn wir wie Italien oder Rumänien in den Krieg gegangen wären, hätten wir sie rundweg verweigert. Der Sache nach ist der Krieg für Deutschland ein Vertcidigungö- k r i e g.' Selbst Hoch hat erklärt, daß deutsche Eroberungen un- möglich sind. Sollen drnn unmögliche Ideen unsere Haltung beeinflussen? Die Tätigkeit der deutschen Vaterlandspartei be- tämpfen wir gerade deshalb mit dem größten Eifer, weil sie Zweifel an dem BerteidigungScharakter des Krieges erzeugt und darum die?! i e d o r l a g e herbeiführen kann.(Sehr gut!) Wir haben keine Verpflichtungen, ewig alle K r i e g S k r e o i t e zu bewilligen. Aber wir müssen frei« Hand behalten. Eine Prinzipienoerletzung ist die Kreditbewilli- gung nicht.(Sehr wahr!) Mehr als sechs Monate hat man ge- braucht, um diesen Borwurf überhaupt zu erheben. Welchen Grundsatz sollen wir denn aufgegeben haben? Etwa den Kla s se n- kämpf in einer Zeit, wo die Besitzenden versuchen, sich auf Kosten des Volke? zu bereichern? Etwa den Gedanken der Demokra- l i e, die heute eine Volksnotwendigkeit geworden ist, oder die Jnternationalität, nach der beule selbst die Regierung schreit, oder am Ende den Sozialismus? Nein, die llkonopolisierung wird in vollstem Umfange kommen Unsere Grundsätze sind nicht ersö'ütterf, sondern sogar, v e r t i e s t. Haben Sic das Vertrauen zur Fraktion, daß sie die geeigneten M i t i e.l nnwenden wird, die sich ihr bieten, binden Sie sich weder durch die Resolution Hoch noch dura) die Resolution Winnig die Hände, sondern einigen Sie sich alle im Interesse der FriedenSarbei: und der?!euordnung auf den Antrag Löbe.(Lebhafter anhaltender Beifall.) Ein Schlußantrag wird mit großer Mehrheit an- genommen. Das Schlußwort hat David: Fch werde im Schlußwort noch kürzer sein als im Referat.(Schallende Heiterkeit) Die große Mehrheit des Partei- tagcs billigt die Halrung der Fraktion. Unser Zusammenstoß mit der englischen Weltmacht ist ein Wicktiger Zug des Krleges, aber der Konflikt mit dem zarischen Osten hatte keine p e- r: n g e r e Bedeutung. Wir wollen nach dem Krieg mit allen Völkern in Freundschaft leben, aber die Entwicklung in Rußland ist noch nicht so weit, daß man daraus Pläne stützen könnte.(Sehr wahr!)' Hoch hat in keiner Weise erklärt, warum er die ersten beiden Male die srnegskredite annahm, daS dritte Mal noch S Milliarden bewilligen wollte, aber seitdem nicht. Ccitz wann ist denn Teutschland nicht in Gefahr? Wann waren die Gegner zum Frieden bereit? Seit wann ist der Krieg ein deutscher Eroberungskrieg? Die Regierung ist von Monat zu 5Nonar unserem FriedsnSprogramm näher gerückt, aber Hoch hat plötzlich die.Kriegskredite verweigert. Dabei bäl: er dculwhe Eroberungen für ganz ausgeschlossen. Wie be- gründet er also seine schwankende Haltung? Konnte die Partei eine solche Politik der Haltlosigkeit treiben? Mit der alten Taktik, die überwunden werden muß. habe ich die Katastrophentheorie gemeint. Unser Weg pon der Ohnmacht zur Allmacht wird langsam sein. Nur K a t a- strophentheoretiker tonnten die Kriegskredit« V weigern. Dann würde der Krieg die große Katastrophe für uns sein. Wir aber haben die russische Taktik abgelehnt und ge- sagt:»Dieser Staat verdient, erhalten zu werden, er ist ent- wicklungsfähig.(Sehr wahr!) Der Hinweis auf die Klassengegensätze führt uns in der Fricdcnspolitik irre. Es gibt auch kapitalistische FriedcnSintcressen. Unsere Mehrheitsbildung im Reichstag für den Frieden scheint Hoch zu billigen. Nun sagt auch Schmidt-Meitzen in der VerfassunaS- frage, es ist keine glückliche politische und agitatorische Methoae, daS Erreichte als Nichts hinzu stellen. Nichts wirkt agitatorischer als Erfolge. lSehr wahr!) Sic begeistern und machen Mut. Wir haben im Vcrsassungsausschuß Forts ch r i t t e durchgesetzt, um die wir vorher sahrelang vergeblich ge- kämpft hatten, aber für Schmidt-Meißen ist daS alles nichts, wenn nicht in l4 Tagen der Zukunftsstaat erreicht wird So macht man nicht Politik. lZurufe: So macht man mies, so der- grault man die Arbeiter mit einem Wortradikalismus.— Zurufe: Nichts, nichts, nichts ist!) Hoch hat geglaubt, wir dürfen den fcind- lichen Staatsmännern keinen Vorwurf machen, weil noch nichts erreicht fei. DaS wird Renaudel und Lloyd Georde viel Freude machen, aber es ist weder wahr, noch dient eS dem Frieden._ Ist nnser Friedensangebot nicht?, unsere FricdcnSrcsolution nicht?, die Antwort an den Papst nichts, die Rede Ezernins und Kühl- manns alles nicht?, nicht?? Siein, e? ist viel,»nd wir dürfen erst einmal von der andern Seite ein Worj der Friedensbereitschast fordern.(Stürmischer Beifall.) Hoch? Rede wirkt genau so g e g e n Frieden wie die Zlbstimmung der Unabhängigen gegen die Friedensresolution.(Sehr gut!) Und wie stimmt gar EmmelS Kreditablehnung mit seinem Telegramm an Feldmarschall Hin den bürg:„Durchhalten bis zum ehrenvollen Frieden." lGroße Heiterkeit.) Den?lnrrag zugunsten der Staatsbeamten nehmen wir gern an. Wir sind keine Partei der schwieligen Faust, sondern eine allgemeine Volkspartei. Die geistigen Arbeiter gehören in unsere Bewegung hinein. Unser jetziger Kampf gegen die Alldeutschen muß das ganze Volt erfassen. Alle, die nicht materiell am Kriege interessiert sind. Organisieren wir die Be- wegung mit dem größten Eifer und Geschick, sagen wir dem Volk, daß eine neue gewaltige Bewegung im Gange ist zu den vielen, die wir seit Jahrzehnten aufgepflanzt haben. Das Tempo der We ltentwicklung ist ungleich schneller geworden als vordem, und die Sozialdemokratie marschiert voran. In dieser E.nlwick- lung mit Volldampf voran? und dann: mit un? da? Volk mit uns der Sieg!(Stürmischer, oft wiederholter lang anhaltender Beifall.) Nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen wird zur Ab- stimmung geschritten, die über die Anträge Hoch und Löbe namcnt. lich ist. Der Antrag Hoch wird mit'258 gegen 26(Stimmen abgelehnt. Der Antrag Löbe wird mit 262 gegen 14 Stimmen ange- nommen. Hierauf wird der Parteitag auf morgen vertagt. Die Regierungskrise. Es bleibt nach wie vor alles dunkel. Gebt Herr v. C a- pelle? Geht auch Herr H e l f f e r i ch? Glaubt Herr Dr. Michaelis wirklich, sich durch Ausbootung dieser beiden retten zu können? Oder greift auch er zum Wanderstabe? Das einzig Positive in der ägyptischen Finsternis des amtlichen Schweigens ist eine Erklärung des Herrn v. P a y e r, der in einer Zuschrift an die..Franks. Ztg." das Gerücht de- menticrt, wonach ihm die Stellung des Vizekanzlers angetragen worden sei. Dennoch darf man nicht aus der Stille auf tatsächliche Ruhe schließen. Hinter den Kulissen spielt sich ein heftiger Kampf ab. Herrn v. Capelle hat es offenbar tief verstimmt, daß man ihn zum Sündcnbock hat stempeln wollen, der gegen die Absichten des Reichskanzlers gehandelt habe, während er in Wirklichkeit ganz im Einklang mit dem Reiöbskanzler aufgetreten ist. Sachlich hat Herr v. Capelle in dieser Abwehr,- die jetzt auch alldeutsche Blätter für ihn besorgen, vollkommen recht. Aber für uns folgt nur daraus, was wir von Anfang an betont haben, daß nämlich die Frage nicht heißt: Capelle oder Michaelis, sondern Capelle und Michaelis. Nämlich in dem Sinne, daß nicht der eine oder der andere, sondern daß beide für den Abgang reif sind. Die versassungsreform in Sechsen. Am Dienstag verhandelle die Zweite Kammer über weitere Anträge ihres VerfassungSauSschusics. Der Antrag, der die zwei- jährigen Tagungen des Landtags in jährliche umzuwandeln und auch die zweijährigen Etatsperioden durch einjährige ersetzen will, fand mit 4S gegen 27 Stimmen zwar die einfache Mehrheit, nicht aber die nach der Verfassung erforderliche Zwei» drittel Mehrheit. Ander? dagegen die anderen Anträge, die mit 5l) gegen 2Z Stimmen angenommen wurden. Sie fordern Reform der Verfassung in folgenden Punkten: Aus dem § 152 der Verfassung soll die Bestimmung gestrichen werden, wonach Anträge des Landtags auf BerfaffungSänderung nicht eher an den König gebracht werden dürfen, als bis in zwei unmittelbar auseinandersolgenden ordentlichen Landtagen übereinstiinmcnde Beschlüsse darüber gefaßt worden sind. Z 41 der Verfassung soll dahin abgeändert werden, daß an die Spitze des StaatSmmisteriumS ein Minister gestellt wird, der als Ministerpräsident für die Politik der Regierung v e r a n t- wörtlich ist. Jetzt sind die Minister für ihre Ressort« einzeln verantwortlich. Ter geiaß'.e Beschluß bezweckt die Schaffung einer parlamentarisch verantwortlichen Gesamtregierung iit der Person des Mmisteipräsidenten. Ein Beschluß zu § 84 der Verfassung bezweckt, die Immunität der Abgeordneten gegenüber der zwar ziemlich radikalen, aber nicht klar gefaßten BerfossungSbestimmung und der sie gefährdenden Auslegung in Rechlspreckung und Literatur sicherzustellen. Der Antrag der Depu- tation macht sich den Wortlaut der Bestimmung der Reichsverfassung zu eigen. Ein Antrag auf noch weitere Verbesserung der Immunität wurde gegen die Stimmen der beiden sozialistischen Gruppen abgelehnt. Die übrigen Beschlüsse betreffen da? Recht der Beamten auf ungehinderte Annahme eine« LandtagSmandal« und ihr Reckt, Abgeordneten unmitlelbar Miiteilungen zu machen. Die Abstimmungen ergaben völlige Einheitlichkeit der Parteien der Linken gegenüber den Konierdativen; nur in bezug auf die jährlichen Landtage und die einjährigen Etatsperioden verschuldete das Sbfchlvcilken von vier Nationalliberalen das Nichtzustandekoinmen der Zweidrittelmehrheit. Zwei sozialdemokratische Anträge, die dem Landtage die Mitwirkung bei aller Er. nennung von Ministern sickern und die Reckte der Zweiten Kammer dahin erweitern wollten, daß ihre Beschlüsse nach dreimaliger An- nähme durch sie GesetzeSlroir erlangen sollen, wurden gegen die sozialdemokratischen Stimmen, im ersteren Punkt auch gegen die der Fortschnttler abgelehnt. Die Wahlrechtsreform fertiggestellt. Eine halbosfiziöfe Nachrichtenstelle teilt mit: Die beiden Gesetzentwürfe über die Abänderung d c§ Wahlrechts zum Abgeordnetenhaus e und über die Zusammensetzung des Herrenhauses sind inzwischen von den beteiligten RcssortS fertiggestellt, so daß ihre Vorlage nunmehr im Staatsministerium erfolgen wird. • Die fortschrittlichen Abgeordneten Aronsohn und Ge- ii o s s e n haben folgenden Antrag im preußischen Abgeordneten- Hause eingebracht:»Das HanS der Abgeordneten wolle beschließen, die lönigl. Slaatsregierung zu ersuchen, baldigst einen Gesetz- ernwurs vorzulegen, durch welchen den in den gemeinnötigen Staatsbetrieben beschäftigten Arbeitern ein Mitbestimmungsrecht bei Regelung ihrer Arbeits- Verhältnisse gewährleistet wird." Traub nuÜ Sie Kortschrkttliche Volkspartei. Der Wahlverein der Fortschrittlichen Bollspartei für Teltow-BeeSkow hat sich mit dem alldeutschen Verhalten des »fortschrittlichen" PfarrerS Dr. Traub beschäftigt und mit 44 gegen II Stimmen ein Mißtrauensvotum gegen Traub angenommen. Die Fraktion der Fortschrittlichen Volks- Partei hat den gleichen Standpunkt wie der Zentralausschuß der Partei eingenommen, d. h. die öffentliche Agitation gegen Partei- und FrakiionSbeschlüsse und ihre Bekämpfung im Verein mit politischen Gegnern mit den Pflichten eines Abgeordneten der Partei für unver- cinbar erklärt. Abg. Traub nimmt in einem Aufruf»An meine Wähler!" Stellung gegen das Mißtrauensvotum. Darin sagt Traub, er könne nach gewissenhafter Ueberlegurig sein Wirken für die Vaterlands- Partei und den Unabhängigen?luSschuh aus rein vaterländischen Gründen nicht aufgeben. Darum sehe er sich genötigt, aus der Land- tagSfraktion und zunächst auch aus der Partei auszuscheiden. Wenn er trotz des Mißtrauensvotums fein Mandat beibehalte, treibe ihn hierzu nicht politischer Ehrgeiz, sondern die Erwägung, daß er noch daS Vertrauen. vieler fortschrittlicher Wähler feines Wahlkreises besitze und um dem WahllreiS die parteipolitisch leidenschaftlichen Wahl- kämpfe zu ersparen. Traub hat übrigens jetzt seinen verdienten Lohn— der o r t h o- dox-protcstantischc»RcichSbote" nimmt ihn warm in Schutz. Ein bedenklicher Vorschlag. Unter dieser Ueberschrift nimmt die»Fvankfurter Zeitung" Stellung gegen den Vorftchlag de» 23. T. B., der kürzlich dem Vorstand einer Berufsvereinigung der deutschen Presse zur Meinungsäußerung unterbreitet wurde, ob eS genüge, wenn das Wolffsche Bureau künftig die Reden feindlicher Staatsmänner nur in kurzem Auszug verbreite. In dem?lrtikel der..Frank- furter Zeitung" heißt es: Gewiß ist in den zahlreichen und oft sehr langatmigen Ansprachen, die gegen uns gerichtet werden, viel überflüssiges Gerede enthalten, oft ein Haufen von Phrasen, für den daS Papier der deutschen Press« zu schade ist. Schon die gegen- wärtige Knappheit an Papier zwingt dann die meisten Zeitungen, den Bericht über solche Ansprachen erheblich zusammenzn- streichen. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Jede Kürzung kann zwar den Verdacht absichtlichen Verschwcigens, den Ter- dacht der Entstellung wecken. Aber dieser Verdacht bleibt b e- dcutungSloS, solange die Kürzungen von jeder Redaktion selbständig vorgeiwmmen werden. ES tritt da ein Ausgleich ein; man kann sich darauf verlassen, daß keine wesentliche Stelle einer so gekürzten Rede in sämtlichen Zeitungen zu- gleich weggefallen sein wird. Natürlich würden viele kleinere Redaktionen es als Entlastung empfinden, wenn ihnen der Bericht von Wolfs bereits gekürzt geliefert würde. Aber die Folgen könnten sehr bedenklich werden. Selbst bei ganz objek- tiver Handhabung würde dauernd das Mißtrauen genährt werden, daß etwa« absichtlich verschwiegen worden sei. lleberdie? ist vollkommene Objektivität ein Ideal und niemals Wirklichkeit. Und es mutz festgestellt werden, i»aß die deutsche Presse das Wolffsche Bureau ollgemein benutzen muß. weil ihm eine Art Monopol erwachsen ist, daß aber weder Presse noch Publikum zu dem Wolffschrn Ticnstc unbe- 'grrnzte? Pertraucn besitzt, nicht zu seiner dauernden Objektivi- tär und noch wenige: zu seiner UebcrsetzungSkunst. Soll dein deutschen Volle nur noch ein Wolsfscher Auszug aus jenen Reden feindlicher Staatsmänner vorgesetzt werden, so wird eS mit doppeltem Eifer in der neutralen Presse den vollständigen Bericht aufsuchen. Das Ausland aber wird den Eindruck ge- Winnen, daß die ReichSregierunn nicht mebr ivage, ihrem Volke jene Reden vorzulegen. Man kann sich leicht vorstellen, wie das ausgeschlachtet werden wird. Wir können unS diesen Bedenken nur anschließen. Gerade der„Vorwärts" hat in den letzten Monaten wiederholt die mangcl- hafte Objektivität des W. T. B. in der Wiedergabe feindlicher Prcßstimmen des öfteren rügen müssen. Auch wenn man keine vorbedachte Tendenz bei der Kürzung der Reden feindlicher Staatsmänner voraussetzt, so kann doch schon die Verschieden- artrgkeit der Auffassung den Erfolg ergeben, daß das 23. T. 23. diesen oder jenen Satz in gutem Glauben als unwesent- lich fortläßt, der unS gleichwohl als wichtig und wesentlich erscheint. Kleine Kriegsnachrichten. Die Russen menterei in Frankreich. Petersburg, 16. Oktober. (Meldung der Petersburger Trlcgraphcn-Agentur) Die Blätter der- öffentlichen einen amtlichen Bericht über die Unterdrückung der Meuterei der russischen Soldaten an der französischen Front. die infolge einer maximalistischcn Propaganda auSgebtochcn war. Acht Europäer wurden getötet und 44 verwundet. Leiste Nackrickten. Fabtikbrand in Neukölln. In der Filmverarbeitungöfabrik von Geber zu Neukölln, Harzer Straß« 36, brach heute nachmittag durch Kurzschluß Feuer aus. Von den Arbeitern, deren Zahl sich auf 93 beläuft, wurden 11 verletzt, teils durch Hzrausspringen auS dem Fenster, teils durch Rauchvergiftung. Den Bemühungen der Feuerwehr gelaug es, eine weitere Ausdehnung de« FenerS zu verhüten, so daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt blieb. Die Flammen, vermischt mit Gasen und aternberaubenden Gerüchen, verursachten eine grenzenlose, unbeschreibliche Panik unter den Hausbewohnern. Der an daS Vorderhaus grenzende Seitenflügel stand vom Keller bis zum Dachgeschoß total in Flammen. Durch die enormen Stichflammen waren sämtliche Fenster im Nu verbrannt. Die Treppen im Hanse, sowie eine eisern« RetiuugSleiter am Hause waren unpassierbar geworden. Die Hausbewohner hatten die Ruhe verloren und schrien um Hilfe. Mehrere waren aufs Dach geflüchtet, andere hatten sich in ihren Wohnungen verkrochen und vier, die die Rettung durch die Feuerwehr nicht abgewartet, sich durch die Flammen einen 23eg gebahnt, und waren auS dem Fenster gesprungen. Dies« hatten ichwere Verletzungen erlitten, ein« Person hatte innere Verletzungen davongetragen, einer waren die Beine gebrochen und die beiden anderen klagten über Rückgrat- und Brustichmerzen. Diese fanden, nachdem man ihnen Notbcr- bände angelegt hatte, Aufnahme im Krankenhaus Buckow. Ein Mann und eine Frau wurden vom Dache gerettet,«ine Frau au» dem vierten Geschoß und vier Männer und drei Frauen aus andc- ren Etagen. 13 Personen wurden auf der nächsten Unfall- und den Rettungsstellen verbunden. Lebensgefahr soll bei keiner Person Hewerkschaflsbeweglmg veutfckes Keick. Der Berbaxd der Fabrikarbeiter berukl zmn VI. Dezember d. I. einen außerordentlichen Verbandstag ein nach Hannover. Wie die Verhandlungen der Verbandskonferenz vom 9. und 10. Oktober ergaben, handelt es kich in der Hauptsache um die Neugestaltung der Beiträge und des Unierltützungswefens. Ge- plant ist ein BeitragSstaffelsystem mit 6 Klassen(30 bis 80 Pf. pro Woche> und entsprechender Staffelung der Unterstützungssätze. Ebenso soll Bssctilun gefaßt werden, ob die Anrechnung der Heeresdienst« Pflicht als Beitragszeit möglich ist. Die Berbände der Bäcker sfreie. christliche. Hirlchet haben eine gemeinschaftliche Eingabe an den Bundesrat und das Reichsamt des Innern gerichtet, worin ernem das dauernde Nachlback- verbot auch nach dem Kriege gefordert wird. Muslan». Apoihekersireik iu Petersburg. Petersburg. 17. Oktober. sMeldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die Angestellten sämtlicher Apotheken Petersburgs haben wegen Nichtbewilligung ibrer wirtschaftlichen Forderungen durch die Apoibckenbesitzer be« schlössen, in den Ausstand zu treten. Tcxtilarbeiterstreik in Oldham. Bern, 17. Oktober. Der vor etwa Woche» frist auS unbekannten Gründen in einigen Banm« Wollspinnereien von Oldham ausgekrochene Streik breitet sich dem.Manchester Guardian� zufolge weiter aus. Er erstreckt sich auch auf Middleton Junction. Am 12. Oktober waren über 6000 Arbeiter ausständig: mindestens 70 Spinne- reien mit acht Millionen Spindeln standen still. Parteinachrickten.' Wa» haben die Unabhängigen fvr Frieden und Freiheit getan? Sie haben gestimmt: Gegen den Versländigiingsfriedcn. Gegen die Besteuerung der Kriegsgewinne. Gegen die Befreiung der Gewerkschaften von den Fesseln der politischen Vereine. Gegen die Aufhebung der politischen Zensur. Gegen das Kapitalabfindungsgesetz. Gcgeit die Aushebung des Artikels 9 der Reichsver- sassung, die den praktischen Beginn der Parlamentari- sierung bedeutet._ Für Frieden und Freiheit! In«in«r im vollbesetzten Herkulessaal)u Nürnberg ab- gehaltenen Volksversammlung, m der ReichStagsabgeordneter Dr. Landsberg unter stürmischem Beifall der äußerst zablveich er- schien en en Zuhörer dieses Thema vieisterhaft behandelte, wurde mit ollen gegen zwei Stimmen diese Entschließung gefaßt:.Die Ent- täuschung und Erregung der Bevölkerung über die schwankende Frie- denspöl'tik der Regierung, über die zunehmende llnfreiheit im Innern, über die fortschreitende schamlose Bewucherung des Volkes � ist auf das höchste gestiegen. Die heute am 14. Oktober 1917 im: Herkules-Velodrom in Nürnberg tagende Volksversammlung gibt diesem Empfinden Ausdruck und verurteilt mit aller Entschiedenheit i die unklare Haltung der ReichSregicrung in der Frage der Krieg?- � ziele, sie protestiert gegen die offensichtliche Begünstigung dar söge- j nannten Deutschen Vaterlandsvartei und fordert uneingeschränkte, Gleichberechtigung aller politischen Parteien. Tie Versammelten' fordern mit allem Nachdruck von der Regierung und insbesondere vom deutschen Reichstag, daß diesen Zuständen unter allen Umstän- den ein Ende gemacht, daß der Stimmung und den Forderungen der BolkSmassen an der Front und in der Heimat Rechnung getragen und insbesondere auch den volkstümlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie, vor allem ihren auf den Frieden gerichteten Bemühun- gen, freie Bahn bereitet wird/_ Kurzes Zcitungsverbot. Da§.Volksblatt für Anhalt", das vom Abgeordneten Pens geleitet wird, war verboten, konnte jedoch am nächsten Tage bereits wieder erscheinen. Jnöustrie und Kandel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Deutsche EaSglühlicht-ZÜ-G. Auer Hot wiederum überaus glänzend gearbeitet. Bei einem Aktienkapital von 7 93h 000 Mark und festverzinslichen Vorzugsaktien in Höhe von 8,8 Millionen Mark und den vorläufig nur ö Proz. tragenden, erst nach einer längeren Reibe von Jahren vollberechtigten Aktien C in Höbe von 1 965 000 M. beträgt der GeschäftSgcwinn nach Ab- zug der Kriegs st euer 24,4 Millionen Mark, der Rein- gewinn 14,4 Millionen Mtr! gegen 12,3 Millionen Mark im Vorjahr, also doppelt so viel, als das eigentliche Aktienkapital, da die Vorzugsaktien den Charakter von tilgbaren Schuldverschrei- bungen und die Aktien Liter« C den von einer Sondervergütung tragen. Aber der tatsächliche Reingewinn ist noch viel größer, denn die Verwaltung hat von vornherein 2,3 Millionen Mark nicht als Reingewinn ausgewiesen, die im Frühjahr zur Gewährung der Aktien Litera C an die Aktionäre nebst anderen Reserven nötig waren. Außerdem ist die sicker sehr hohe Kriegs- steuer, wie schon erwähnt, von vornherein abgesetzt und gar nickt ausgewiesen worden und ebenso sind auch ganz gewiß noch stille Reserven geschaffen worden. Die Verwaltung hat aus dem Um- stände, daß die Umsätze auf das Dreifache des besten Friedens- jähre? gestiegen sind, der Gewinn äbor nur von 12,3 Millionen Mark im Borjahr auf 14,4 Millionen Mark in diesem Jahr ge- wachsen ist, den Schluß ziehen wollen, daß die Preise eher zu niedrig seien. Noch der kritischen Analyse der Bilanz, die zeigt, wie mühsam der wirkliche Reingewinn heruntersubtrahicrt worden ist, wird diese geschraubte Argumentation reckt gewürdigt werden können. Die Gesellschaft hat außer 25 Proz. Dividende die Aktiv- näre durch weitere Ausgabe von Mtien Litera C beglückt, die,, vorläufig mit 5 Proz. verzinslich, nach 9 Jahren den alten Aktien gleichberechtigt sein sollen. So sei noch berichtet: Die Gesellschaft hat sich an der Oestcrreichischen Gasglühlicht- und Elektrizitätsgesellschaft in Wien beteiligt. Der Bericht teilt auch mit, daß die Auer. Gesellschaft im neuen Geschäftsjahre die ihr gehörige.Gesellschaft zur Verwertung ci�e m i- scher Produkte m. b. H." auf mn Kapital von 1 Million Marl erweitert und ihr ein Darlehen von 6 Millionen Mark gegen Ver- zinsung und Beteiligung am Gewinn zur Verfügung gestellt hat. beteiligt, welche die stanken Gasquellen in Siebenbürgen ausbeutet. In der ersten Hälrts des Krieges haben die Gesellschaften vor allem durch die glänzende Verwertung ihrer Vorräte gewonnen; heute, nachdem die gröbsten Schäden der rumänischen Petroleumindnstrte beseitigt sind, die Enwagelung der Sonden immer weiter fortschreitet und neue Ouellen erschlossen werden, fließt der Gewinn aus der Erzeugung. Die rumänische Produktion der Steaua Romana über- schreitet bereits die Friedenslcijtung, obwohl die in der rumänischen Moldau befindlichen Anlagen noch im feindlichen Besitze sind. Sinn- fällige Zeichen in der glänzenden Konjunktur sind z. B. die Erhöhung der Dividende der Deutschen Mineral-Erdöl-A.-G. in Wietze von 6 Proz. im Vorjahr auf 25 Proz. oder die Neugründung der Mineral- Oel-Werke Rhenania-A.-G. in Düsseldorf-Monbeim mit 15 Millio- neu Mark Kapital, die zwei bereits bestehende Raffinerien für Schmieröl und Benzin übernimmt und an deren Gründung das Bankhaus Delbrück, Schickler u. Co. in Berlin betefligt ist. SvAiaies. Hochkonjunktur in der Pctroleumindustric. Der große Bedarf cm Heiz- und Schmierölen hat der Petroleum- industric eine Zeit größter Gewinne gebracht. Tie Verluste, die durch den Einmarsch der Russen in Galizicn und den Eingriff Rumäniens in den Krieg entstanden, sind längst wieder ausgeglichen. Bekannt- lich ist die Petroleumgewinnung in Deutschland sehr gering und be- schränkt sich vorzüglich auf die Produktion von Erdöl. Aber die zwei größten mit deutschem Kapital gegründeten Gesellschaften, die Deutsche Erdöl-Gesellschaft und die Sttzaua Ro- mana. haben teils Eigenbesitz in Oesterreich und>n Rumänien, teils lassen sie ihren dortigen Besitz durch Unterzesellschaften aus- beuten. Die Deutsche Petrolomn-Aktien-Gesellschaft, die lediglich Aktien von Petroleumgesellscbaften im Besitze hat. also eine ioge- nannte Trustgesellschast ist, ist auch an der ungarischen Erdgas-A.-G. Schliessung des Hendels mit Branntwein für die Lriegsdaucr, aber Abweisung der Klage auf KonzessionSentziehung. Im Geschäft des Herrn Richter in Neu-Welzow, der die Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein hat und während seiner Teil» »ahme am Kriegsdienst durch seine Frau vertreten wird, waren wiederholt die Kriegsvort'chriften über die Beschränkung dcS Brannt« weinbandels übertreten worden. Nach einer Verwarnung wurde die Schließung des Branntweinhandels erst aus vierzehn Tage, dann auf einen Monat und schließlich für die KriegSdauer angeordnet. Daneben tlagte der Amtsvorfleher gegen Richter auf Entüehung der Erlaubnis zum Kleinhandel mit Brannt- wein und Spiritus. Der Kreisausschuß zu Spremberg erkannte auch nach dem Antrage und beiücksichligte dabei, daß R. selber wieder« bolt in Ilrlaubszeiten im Geschäft anwesend war. Im übrigen ging der KieiSauSschuß davon auS, daß auch der militäri'ch eingezogene Geschäftsmann veipflichlet iei, Vorkehrungen zu treffen, daß auch wählend seiner Abwesenheit die gegebenen Vor'christen beachtet würden. Ter Bezirksausschuß in Frankfurt a. O. hob das Urteil auf und wies die Klage des AmisvorneherS auf KonzeisionS- cntziebung a b, weil nach der Verwarnung nachweisbare Verstöße nicht mehr vorgekommen� seien; von der Konzeiffonsenrziehung könne darum Abstand'genommen werden. Unberührt davon bleibe natürlich die kriegSrechtliche Anordnung der Schließung des Branntweinhandels bis zum Kriegsende. Dadurch>ei Richter schon genug bestraft. ES wäre nicht am Platze, dem Beklagten durch Urteil die Ausübung der Konzession nach dieser Zeit unmöglich zu machen. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte dies Urteil. Der Bezirksausschuß rechne zwar damit, daß die vorgekommenen Verfehlungen einen Anlaß hätten geben können, aui eine Förderung der Völlerei zu schließen. Weil aber nach der Verwarnung durch die Beweiserhebung deS BczirköausichusseS sich wei'ere Verstöße nickt hatten feststellen lassen, so schließe der Vorderrichler auf eine gute Wirkung der Verwarnung und komme zu dem weitereu Schluffe. daß sich deshalb für die Zukunft eine Förderung der Völlerei nicht befürchten lasse. Wenn der Bezirksausschuß so deduziere, so läge darin kein RechtSirrlum.(III. O. 14. 17.) «rbeitcr-Tamariterbund Kolonne Gross- Berlin. Montag, den 22 Oktober, abends 8'/, Uhr. in Gicskes Vercinsbaus. Köpenicker Str. 62: Vortrag, nach dem Bortrag praktische �BerbandSübnngen. Gäste haben einmaligen steten Zutritt.— e-onntag, den 21. Oktober: Familienausslug nach sfriedrichsbagen, Rarenkleiner Mühle über Kiekemal nach Pserdebucht. Trciipunll vormittags 10 Uhr Iriedrichshagcn Kurhaus, links vom Bahnhof. Nachzügler von 2 Ubr ab Pserdebucht. VeranUvortlich für PolUlk: Erich guttnrr, Verlin: sür den übrigen Teil des Blattes:«lfrcb Scholz, Neukölln! lür Infera!« T». Gloile, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret». VcrlagSanilalt Paul Singer& Ca., Berlin SW. Hierzu 1 Beilane und UnicrhalwnqSblait. Die Gnts�eidun wo Sie Ihre Garderobe be- sorgen sollen, dürfte Ihnen nicht schwer falten. Sie werden dort taufen, wo man Ihren Wünschen und Ansichten über Oamenktei- düng das größte Verstand- nis entgegenbringt. Und wo man den Zeitver- hältniffen Rechnung trägt, ohne sie auszunützen. Darauf beruht wohl auch der immer mächtiger an- schwellende Zufluß neuer Kundschaft, dessen wir uns augenblicklich erfreuen. �ausseefirahe llS 4