Nr. 136. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret tn's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags: Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. In der Post- Zeitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Insertions Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochens tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonna und Festtagen bis 9 Uhr Vor mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508, Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin, Berliner Bolksblatt. Bentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Freitag, den 15. Juni 1894. Expedition: SW. 19, 33euth- Straße 3. Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier! Eine neue Bankerofferklärung. folche Bereinsfreiheit zu fördern, wie sie in England beſteht, der, wie unser Neſtor Friedrich Engels, gerade aus dem Brentano, der für die englischen Gewerkvereine schwärmt,| scheinlich besitzen wir schon in diesen Kreisen des jungen ohne zu wagen, für Deutschland auch nur annähernd eine großkaufmännischen Nachwuchses manchen stillen Freund, sind König Stumm ein Dorn im Auge. Dann erkühnen Gesichtsfelde dieser Klasse sich zur Klarheit empor arbeitet. Wohlthuend ist und bleibt es doch, wenn Einem von sich aber auch noch Leute, wie jüngst der Marburger Professor Herr von Stumm ist nur der unfreiwillige Ausdruck der feinen ärgften Gegnern immer wieder bescheinigt wird, wie Natorp, die akademische Jugend zum Studium der Angst vor dieser Thatsache. reißende Fortschritte der Sozialismus macht. Zu den un sozialistischen Quellenschriften aufzufordern. Wenn das auf Ueber die Errichtung einer Handelsakademie ließe sich freiwilligen Eideshelfern dieser Art gehört seit jeher Herr der geplanten Handelsakademie passiren könnte! Und wer ja sonst viel sagen, das heute nicht weiter ausgesponnen wervon Stumm, richtig König Stumm. Gesegnet sei sein garantirt dafür, daß sich nicht auch an eine solche ein den kann. Wie Herr v. Stumm Gegner einer solchen KaufWirken! Er hat uns schon manchen Freund und Anhänger akademischer Lehrer verirrt, der es zufällig ernst nimmt mannsuniversität, so sind die beschränkten Klein- Kaufzugetrieben. Er hat aber offenbar noch nicht genug daran, mit der wissenschaftlichen Forschung? Vor solchen Unglück leute Gegner unserer kaufmännischen Fortbildungsvon der Tribüne des Reichstags aus oder im Bannkreis muß der junge kaufmännische Nachwuchs behütet werden. schulen für die unglücklichen Laden- Lehrlinge und Gehilfen, seiner großen Eisenhütte durch die Forsche seiner Ge- Und so erleben wir das herrliche Schauspiel, daß Herr die durch eine bessere Bildung nicht zum Bewußtsein ihrer finnung für uns zu wirken. Auch die Herren v. Stumm als Großkaufmann gegen eine Einrichtung auf Lage kommen sollen. Hier wie dort versagt auch die vom Romptoirschemel, die Kaufleute, sollen noch tritt, die eigentlich bestimmt ist, lediglich die Interessen Thätigkeit des heutigen Klassenstaates fast vollständig; für mehr Proselyten für uns liefern. Und deshalb hat seiner Klassengenossen zu fördern. Lieber soll der junge die Hebung der Proletarier des Handelsgewerbes hat er es Herr v. Stumm glücklich fertig gebracht, auf dem soeben Fabrikanten- und Kaufmannssohn ungebildet und dumm wenig oder kein Geld übrig. Das Handelsschulwesen in Düsseldorf tagenden rheinischen Provinzial- Landtag die bleiben, als daß ihm solches Gift nahe gebracht ist infolge dessen bei uns in Deutschland in einer ganz Angelegenheit der Errichtung einer Handels- Akademie mit wird. Die Erklärung des Herrn v. Stumm auf dem erbärmlichen Verfassung. Klassenvorurtheile hemmen seine dem Sozialismus in Verbindung zu sehen und die Kaufleute rheinischen Provinziallandtag ist die vollkommen fte Entwickelung unten und oben. Giebt es einen deutlicheren auf uns aufmerksam zu machen. Banterotterklärung der bürgerlichen Bil- Beweis dafür, daß der heutige Klassenstaat nicht blos Auf dieser Handelsakademie für das Rheinland sollten dung, die man sich nur denken kann. Sie bedeutet, daß der Volksbildung, sondern jeder Bildung überhaupt gleichnur die Söhnchen der höchsten Bourgeoisie die höhere Weihe die alte Bourgeoisie sich ohnmächtig fühlt gegenüber den giltig gegenübersteht? Früher beklagten wir uns über für den Kaufmannsstand erlangen. Das Institut sollte so Ideen der neuen Zeit. In dem Augenblick, in welchem sie die Vernachlässigung der Volksschule, der Proletariereine Art faufmännischer Universität werden. Wer nun zu dem Mittel greift, ihren Nachwuchs hermetisch gegen die schule. Jetzt unterläßt die Bourgeoisie sogar den Ausbau einigermaßen weiß, daß die Mehrzahl der Lehrlinge und Bildungselemente einer neuen Epoche abzuschließen, nur das der Bildungsveranstaltungen für ihre eigenen Söhne aus Gehilfen im Handelsgewerbe sich heute aus den unbemittelten mit er nicht von ihr nicht angenehmen Ideen angesteckt Furcht, diese möchten von modernen Ideen angesteckt und wenig bemittelten Ständen rekrutirt, der ist sich ohne wird, in diesem Augenblick unterschreibt sie ihr Todes werden. Möge sie so weiter gehen! Mit Waffen, welche Weiteres flar darüber, daß zum Besuch einer Handels- urtheil. Dann ist der Krautjunker auch ihr Jdeal auf sich selbst von der aufstrebenden Erkenntniß und Bildung universität in der Hauptsache nur die Söhne reicher industriellem Gebiet, der Unternehmer, der in den eng ihres Jahrhunderts abschneiden, ist die Weltgeschichte noch Fabrikanten und Großkaufleute kommen können. Es dreht herzigsten Vorurtheilen, mit beschränktem Gesichtskreis immer sehr rasch fertig geworden! fich also fast ausschließlich um Einrichtung einer neuen und beschränktem Wissen aufgezogen ist und Gelegenheit für die besitzenden Klassen, das Ausbeuten mit sich gegen die Entwickelung stemmt, wie der amerikanische noch mehr Raffinement für ihre Fabriken und großen Büffelochse, der sich zwischen die Eisenbahnschienen pflanzt Handelsgeschäfte zu lernen, und man müßte meinen, ein und mit seinen Hörnern den heranbrausenden Zug aufhalten Ausbeuter par excellence, wie es Herr von Stumm ist, zu fönnen glaubt. Wir, die wir im Zuge sitzen, haben nur Berlin, den 14. Juni. hätte seine helle Freude an solchem Plane. Ja, wenn das ein mitleidiges Lächeln für diese Beschränktheit. Wen die Die Nachwahl in Pinneberg- Elmshorn hat gestern Gespenst des Sozialismus nicht wäre! Dieses rothe Ge- Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit. noch nicht die Entscheidung gebracht. Da die das Wahlpenst stört auch hier die Träume des stolzen Eisentönigs. Herr von Stumm hat wieder einmal das Verdienst, die resultat meldende Depesche erst um 2 Uhr nach Mitter Er hält nicht einmal die Söhnchen seiner eigenen Klaffe, unhaltbare Stellung des bornirten Unternehmerthums der nacht bei uns eintraf, so fonnte es blos in einem Theile die Abkömmlinge der Fabrikanten und Großkaufleute, für Macht des siegreichen Sozialismus gegenüber auch auf der Auflage zum Abdruck gebracht werden. Wir wiedergefeit gegen das verrätherische Gift. Er hat gesehen, wie taufmännischem Gebiete dargethan zu haben, und es steht holen deshalb die Abstimmungsresultate. Es erhielten: so mancher Beamte auf der Universität doch einen anderen sicher zu hoffen, daß die daß die intelligenten Elemente Mohr( nationall.) 6091 Stimmen, Kopsch( freis. Volksp.) Begriff von den„ Irrlehren" des Sozialismus bekommen ini Kaufmannsstande nunmehr erst recht zur Be- 5052 Stimmen, Raab( Antisemit) 2401 Stimmen und hat, als ihm der in alten Philisterbegriffen aufgewachsene schäftigung mit den Ideen gereizt werden, die der v. Elm( Sozialdemokrat) 12 267 Stimmen. Bater daheim beibrachte. So zahme Sozialpolitiker, wie Eisenkönig als so gefährlich für sie bezeichnet hat. Wahr hat also Stichwahl zwischen Mohr und v. Elm Feuilleton. Der Inde. Deutsches Sittengem'älde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Von C. Spindler. 64 Politische Weberlicht. E3 es meines Eheherrn fromme Güte verdient, und dennoch lichen Rede errieth, antwortete durch das Roth auf ihren - meinem Willen zuwider tommt mir wie Heuchelei Wangen und duldete es, daß der Schultheiß betonender vor, was ich thue und rede. Ach! hätte doch mindestens fortfuhr:„ Wir haben Euch so lange nicht in unserer Mitte der Himmel meinen Johann erhalten... ich könnte als gesehen, chrsame Frau. Die weitberühmte und herrliche dann in Diether den Vater meines Kindes lieben! Aber Gesellschaft auf Limpurg*) hat ihren Reiz und Glanz vers das Unglück war nicht abzuwenden,... nur zu verloren, seitdem sie Euch nicht mehr zu ihren Gästen zählt. doppeln durch eine verrätherische Lüge," setzte sie Wahrlich, ich werde am Ende von meinem Stubenmeisterleise und unmuthig hinzu. recht Gebrauch machen müssen, um den säumigen Gesellen Rasch warf sie den Deckel des Kästchens zu, und wollte Diether Frosch zur Ordnung und zur Pflicht anzuhalten. 8 weites Rapitel. daffelbe in ihr Spinde schieben, aber mit Staunen be- Nicht umsonst heißt Limpurg's Banner- und Wahlspruch: Reichthum heißt nicht Gold und Silber merkte sie nun, daß sie nicht allein gewesen. Der Schult- Bucht und Ehren soll man mehren, und Freud' nicht wehren. besitzen, sondern was man liebt. heiß, ein schöngewachsener, in den fünfziger Jahren noch Aber Euer Eheherr wehrt unserer Freude, indem er uns Serbisches Lied. stattlich aussehender Mann, dessen Gestalt ein geschmack Eure Holdseligkeit versagt." Margarethe erwiderte hierFrau Margarethe stand umwölkten Blicks vor dem Käft voller Anzug noch erhob, war, ohne von Margarethe ge- auf besonnen und milde, daß der Schultheiß zu strenge chen, in welchem auf schwarzem Sammetgrunde die goldene Rette hört worden zu sein, in das Kabinet getreten. Diether's ihrem Herrn zur Laft lege, was am Ende sie nur allein lag, womit ihr Gemahl sie zur Feier ihres heutigen Geburts- Gattin verneigte sich bestürzt, suchte in den Augen des verschuldet; daß die Einsamkeit des Hauses ihr besser zu tages bedacht hatte. Sie hätte mit sich selber grollen mögen, edlen Herrn zu lesen, ob er etwa vernommen, was beinahe fage, als die Festlichkeiten Limpurgs; daß sie deshalb freis die Beschenkte. Herr Diether hatte so herzliche Worte der Liebe unwillkürlich ihren Lippen entwischte, ersah jedoch zu ihrem willig in demselben verbleibe, besonders seit ihr Söhnlein zu ihr gesprochen, und troß ihrem aufrichtigen Bemühen, Vergnügen nichts anderes darin, als nur den freundlichen wiederum gesundet nach der Stadt gekehrt. Der Schults solcher Liebe würdig zu sein, konnte sie fein ähnlich Gruß eines soeben über die Schwelle Schreitenden. Der heiß schüttelte am Schlusse dieser Entschuldigung leicht, Gefühl in ihrer Brust hervorzaubern. Ehrfurcht und Schultheiß, ein Mann von Sitte( und Geschmeidigkeit, aber dennoch bedeutend mit dem Haupte. Es mag sein", Sorgfalt, den greisen Mann zu pflegen, fand sie ihre zögerte nicht, der sichtbaren Verlegenheit Margarethens sprach er, daß die Liebe zu dem Kinde eines geliebten Seele bereit, aber jene Empfindung, die so zart bewegt, hilfreich entgegenzukommen, und fragte bescheiden und au- Mannes in einer Frauenseele alles Uebrige verdrängt. so sanft erwärmt, so selig beglückt, war und blieb ihr gelegentlich nach dem Schöffen. Margarethe berichtete ihm, Jch, der Hagestolz, habe nie Gelegenheit gehabt, mich das fremd. In der prachtvollen Kette, diesem Zeichen von ihr Gatte sei nach dem Garten gewandelt, um über die von genau zu unterrichten. Aber all' Eure geschickten Diethers liebevollem Wohlgefallen, sah sie nicht den Anpflanzung desselben Befehle zu ertheilen. Der Schult Ausflüchte reichen nicht hin, um mich von deren WahrSchmuck, sondern nur die neue Fessel. Eine befriedigende heiß lächelte fein. Freund Diether", sprach er, scheint haftigkeit zu überzeugen. Wo Eifersucht ist, ehrsame Frau, Selbsttäuschung hatte sie bis jetzt verblendet, und erröthend, Blümlein und Früchte zu lieben; er ist eifersüchtig auf da ist auch Zwang; und eifersüchtig ist Diether im höchsten widerstrebend mußte sie sich gestehen, daß sie sich betrogen, sein Eigenthum, und entzieht aller Welt dessen Genuß. Grade, so sehr Ihr Euch bemüht, ihn zu entschuldigen. daß sie für Diether nur ein Herz habe, talt wie das Die schönste Blume seiner Gärten läßt er in Einsamkeit Wer weiß, ob ich's nicht auch an seiner Stelle wäre. Je Metall, aus welchem das vorliegende Festgeschmeide gefertigt. vertrauern, statt dann und wann die Zahl anderer Ver Versammlungshaus und Trinkstube der edelsten Ge1 Wie bin ich doch so unglücklich!" sprach sie düster vor sich ehrer durch ihren Anblick zu erfreuen." Margarethe, hin:" Ich möchte gerne redlich meine Pflicht erfüllen, wie deren Scharfsinn gar leicht die Bedeutung der sinnbild schlechter von Frankfurt. # " stattzufinden, weil unserem Kandidaten 6391 auf jeden anständigen und vernünftigen Menschen machen und des Gesetzes, betreffend den Schutz von Gebrauchss Stimmen zur absoluten Majorität fehlen. Dies verdanken muß, nur abschwächen können. mustern, den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für die Gegner ausschließlich der Benutzung der alten Wähler- Der Reichsbote" bringt es fertig, den Hans Blum'schen Justizwesen überwiesen. Die Resolution des Reichstags, listen, da aus den in Altona eingemeindeten Theilen des pp. ,, Leipziger Neuesten Nachrichten" nachzudrucken, daß aus betreffend das Verbot der Abgabe von Waaren von seiten Wahlkreises allein 800 im vorigen Jahre Wahlberechtigte bem in unserem Artikel Reminiszenzen" erbrachten Nach der Konsumvereine an Nichtmitglieder, wurde dem aus dem Kreise verzogen waren. Eine Wahl mit alten weise, daß die Kostgänger des Krüger Geld von Boulanger Reichskanzler überwiesen. Liften bedeutet stets einen großen Vorsprung für die Be- bekommen haben, sich ergebe, daß an der Sache, die Hans Im Bunde der Landwirthe ist es, wie offiziös gesitzenden und deshalb seßhaften Klassen der Bevölkerung Blum veröffentlichte ,,, etwas Wahres" ist". schrieben wird, jetzt mit der Einigkeit schwach bestellt. Die vor der besiglosen und deshalb mehr fluktuirenden prole- Es fehlt in der deutschen Sprache an einem Worte, Berhandlungen des Ausschusses, welche in diesen Tagen in tarischen Bevölkerung. Sehr voreilig sind die bürgerlichen diese Weisheit des Pastorenblattes gebührend zu kenn- Berlin stattfanden über eine Reihe von Fragen, wie die Blätter, welche über das Ergebniß der sicherlich nicht bei zeichnen. das Programmänderung, die Landwirthschaftskammern, gleicher Vertheilung von Sonne und Wind stattgefundenen Nachwahl triumphiren. Sie thäten besser, daß Ergebniß der Muster. Der Pindter soll ins Altentheil gehen und da der Unfallversicherung, haben nach den kurzen Berichten, bie Obrigkeitliche Sozialpolitik nach chinesischem Versicherungswesen, das Genossenschaftswesen und die Reform Stichwahl abzuwarten. hat er denn gestern sein Schwanenlied oder, wie man bei anscheinend aus betheiligten Kreisen kommen, ein merfDie freifinnige Volkspartei im Wahlkampfe. Aus folchen ehrwürdigen Reptilen richtiger sagen muß: sein würdiges Ergebniß gehabt: alle diese Materien sind KomHamburg schreibt man uns am 13. Juni. Das Er Blesiosauruslied gesungen. Es ist auch danach; würdig des missionen zur weiteren Prüfung überwiesen worden, weil gebniß der Wahl im Pinneberger Kreis ist Ihnen telegraphisch Mannes, würdig seines lebenslangen Berufs. Zur Nieder- fich, wie wiederholt konstatirt wird, innerhalb des Ausbekannt, ehe dieser Brief sein Ziel erreicht hat; ich stelle baltung der Streiks, Boykotts und sonstiger Ungehörigkeiten schusses die Unmöglichkeit einer Verständigung also keinerlei Betrachtungen und Vermuthungen an. Nur der arbeitenden Klassen malt er der hohen Obrigkeit das herausstellte. Das Merkwürdigste aber ist, daß auch der auf eine charakteristische Thatsache will ich hinweisen, die Verfahren der chinesischen Regierung zur gefälligen Nach- Antrag Ranih wegen Verstaatlichung der in diesem Wahlkampf recht auffällig zu Tage getreten ist. achtung aus. In der Einleitung erlaubt sich der würdige Pindter Getreide- Einfuhr daffelbe Schicksal gehabt hat; auch Nämlich die vollständige Ohnmacht der deutsch zunächst, der Sozialdemokratie die Unterstellung zu machen, er soll in einer Kommission verbessert werden. freifinnigen Partei. Der Kandidat derselben, ein es gehöre zu den Lieblingsphrasen der sozialdemokratischen Die blinde Justitia. Die Dresdener Gerichte sind Herr Rektor Kopsch aus Berlin- eine unbekannte Größe Presse,... dem europäischen Kapitalismus ein um so eifrig in der Verfolgung unserer Sächsischen Arbeiterist von seiner Partei schmählich im Stich gelassen rascheres Ende zu weißagen, je schneller und stärker sich auf Beitung", insbesondere wenn es sich um Boykottangelegenworden. Herr Eugen Richter hielt eine Rede in dessen Herrschaftsgebiet die angeblich unkapitalistischen heiten handelt. Unlängst veröffentlichte sie einen VersammElmshorn( die eine Richter'sche Rede, vom Spar- chinesischen Einflüsse würden geltend machen." Uns ist es lungsbericht, in dem auch erwähnt wurde, daß den Anevangelium und dem sozialdemokratischen Buchthaus); nicht bekannt, daß auch nur ein einziges Organ unserer wesenden in der Versammlung der Besuch einer bestimmten und das war alle Unterstüßung seitens der Partei denn Presse je solchen blühenden Unsinn vorgebracht hat. Wir mit Namen bezeichneten Gastwirthschaft verboten sei. In die Vorträge des bekannten freisinnigen Geschäftsreisenden wollen es dahin gestellt fein laffen, ob Bindter da seiner dieser Berichterstattung erblickte das zuständige sächsische Fränkel konnten doch unmöglich als Unterstützung auf- verdächtigunggeübten Phantasie freien Spielraum gelaffen Schöffengericht die Verübung groben Unfugs und gefaßt werden. Und das in einem Wahlkreis, der den hat oder ob ſeine krasse Unwissenheit schuld an irgend verurtheilte den Redakteur zu sechs Tagen Haft. Die Deutschfreisinnigen schon einmal gehört hat! Aber es ist einem Mißverständnisse ist. Nunmehr erzählte er mit Be genannte Berufungs- Straffammer bestätigte feine Kraft, fein Leben mehr in dieser Partei, die dem Tode hagen, wie Streits auch in China üblich seien, aber durch dieses Urtheil. In der Gerichtsverhandlung wies der beverfallen ist, auch wenn sie sich noch in letzter Stunde den die Applizirung von Bambus streichen beigelegt flagte Redakteur darauf hin, daß auch von bürgerlichen Lurns eines Parteiprogramms" genehmigen sollte eine würden. Ja, neuerdings sei es noch ganz anders gekommen. Da Blättern und selbst von der königlichen Leipziger That", mit der andere Parteien ihr Dasein nicht zu hätten die Bauarbeiter um höhere Löhne gestreift, die zur Beitung" Artikel und Berichte veröffentlicht seien, in beendigen, sondern zu beginnen pflegen. Errichtung einiger höfischer Festbauten in der Hauptstadt benen die Thatsache erwähnt worden, daß gewisse, auch mit zusammengezogen waren. Mit charakteristischer Namen bezeichnete Geschäfte bontottirt seien. Das Gericht Nicht nur aller Scham, sondern auch des letzten Entschossenheit habe aber der Kaiser Kuanghsü sprach jedoch die Ueberzeugung aus, daß in dem Abdruck Restes der Vernunft begeben unsere Gegner fich oft, wenn dem Streit ein Ende gemacht. Der Gendarmerie habe er von Bontottertiärungen, lediglich um sie Die Sucht fie packt, die Sozialdemokratie zu verleumden. befohlen, alle schuldigen Personen zu ergreifen und ohne zu besprechen, und namentlich wenn der Wir haben fürzlich unseren Lesern berichtet über das im Gnade zu bestrafen. Wie verlautet, sollen die Rädels, Boytott schon allgemein bekannt sei, no ch Wahlkreise Plauen verübte Bubenstück, welches in der Lüge führer bei diesen Arbeitseinstellungen wegen ohtein„ grober Unfug" enthalten sei. bestand: es sei enthüllt" worden, daß deutsche Sozial- verraths in Untersuchung gezogen werden. Die Strafe, demokraten bercit feien, ihr Vaterland an Frankreich zu welche ihnen zugedacht ist, wird auf Erdrosellung verkaufen"; Boulanger habe seiner Zeit einzelne ihrer bezw. Berbannung lauten. Führer beftochen. Selbstverständlich hat unsere Presse die Urheber dieser Schandlüge gebührend an den Pranger gestellt und gestäupt. Nun haben nationalliberale Blätter den Muth, folgendes zu schreiben: " Die sozialdemokratische Presse, an ihrer Spizze das Zentralorgan„ Vorwärts", giebt sich die größte Mühe, die Partei gegen den Vorwurf zu vertheidigen, einzelne ihrer Führer feien seinerzeit von dem berüchtigten französischen Revanchegeneral Boulanger bestochen worden, in einem Kriege Deutschlands mit Frankreich dem deutschen Heere in den Rücken zu fallen und in Deutschland die rothe Revolution zu entzänden. Diefe angelegentliche und eifrige Bertheidigung läft darauf schließen, daß die Führerschaft der Sozialdemokratie fürchtet, es werde ihren Bestrebungen große Nachtheile bringen, wenn sie den Vorwurf des Vaterlandesverraths auf der Partei siten lassen. Damit stellt fio, menn auch nicht gerade fid) felter, fo doch wenigstens den deutschen Arbeitern cin günftiges Zeugniß cus; denn die Parteileitung ließe es sich schwerlich in solchem Maße angelegen sein, den Vorwurf der vaterlandslosen und landesverrätherischen Gesinnung von der Partei abzuwälzen, wenn sie nicht überzeugt wäre, daß ein solcher Vorwurf ihr die Gemüther der Deutschen Arbeiter entfremhen müsse. Darit aber liegt ein vollgiltiger Beweis für die Richtigkeit der Behauptung, daß die Mehrzahl der deutschen Arbeiter für die Sozialdemokratie nicht mehr zu haben sein werde, wenn deren vaterlands feindliche Bestrebungen erst jedermann deutlich erkennbar geworden sind." Jedes Wort der Kritik, auch das schärfste, würde den unserer Sache günstigen Eindruck, den diese elende Faselei tönnten." " # gekündigte Gefeßentwurf, die bisher geduldete Berkäuflichkeit und Vererblichkeit der Apotheken- Konzessionen aufzuheben und sie in Apothekenbesitzern begreiflicherweise einen Sturm der Entrüftung reine Personal- Konzessionen umzuwandeln, hat unter ben hervorgerufen. Zur Apothekenfrage. Der vom Kultusministerium anWie schmerzlich für den Pindter, daß der Bismarck nicht mehr das Regiment in Deutschland führt! So begnügt er sich die Nutzanwendung aus dieser chinesischen Für forge für den armen Mann mit den Worten zu ziehen: Da die sozialistische Presse ebenfalls als Urheberin dieses Wir haben dieses charakteristische Beispiel deswegen her- Angriffes auf den Befihstand der Apotheker angeklagt wird und vorgehoben und näher beleuchtet, weil es mit besonderer lettere mit einer gewiffen Genugthuung darauf hinweisen, daß Deutlichkeit zeigt, daß die außerordentlichen sozialen" zwei Drittel der nicht befizenden Apotheker sich für Beibehaltung Schwierigkeiten, mit welchen die europäischen Staaten zu der Real- Konzession ausgesprochen haben, eine soziale Frage in fämpfen haben, nicht ausschließlich und wohl weniger, als diesem Gewerbe mithin nicht eristire, so möge das verehrliche gewöhnlich angenommen wird, in rein wirthschaft- Organ der Apothekenbesitzer darauf aufmerksam gemacht sein, lichen Veränderungen begründet sind, als vielmehr in der daß wir das Einführen der reinen Personal- Konzession allerdings viel tiefer gehenden Veränderung, die sich in Europa feit etwa als eine Besserung gegenüber dem bisherigen Zustande betrachten. einem Jahrhundert in der Auffassung der Begriffe Autorität, In den abgehaltenen Versammlungen ist nirgends der Beweis Herrschaftsrecht, Befehlen und Gehorchen vollzogen hat. Die Grundlagen der chinesischen Volkswirthsschaft sind genau ebenso tapitalistisch", wie die der europäischen, aber die feit Jahrtaufenden fortbestehende patriarchalische Auffassung des Herrscherrechts bildet einen mächtigen Riegel gegen das Eindringen jener Lehren, wonach in der Organisation des Klassentampfes das Allheilmittel gegeben sein soll, um die Erde von Noth, Krankheit und Elend jeder Art zu befreien, Wirthschaftliches und politisches Leben steht in China in Wechselwirkung. Und in Europa auch. Bravo! Das ist ein Reptilienbeitrag, der sich wirklich nicht mehr übertreffen läßt. Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sitzung die Vorlage, betreffend den Entwurf einer Berordnung zur Ausführung des Gesetzes zum Schuße der Waarenbezeichnungen 11 " erbracht, mit welchem Recht ein Apothekentonzessionar verlangen tann, eine solche im Geschäftsleben und in der Beamtenwelt ganz unerhörte und daher allfeitig angefeindete privilegirte Stellung, also ziemlich hohe Einkünfte ohne eine besondere Gegenleistung, nicht nur lebenslänglich zu genießen, sondern auch noch ohne weiteres das Verkaufsrecht einer solchen Sinekure zu beanspruchen und nochmals ungezählte Taufende in seinen Taschen verschwinden zu lassen, wodurch der ganzen Verwandtschaftsfippe in alle Ewigkeit hinein Gewinnantheile gesichert werden in Form von Zinsen oder kapitalisirten 3infen. Eine Vertiefung in die soziale Frage foll der„ ApothekerBeitung" nicht zugemuthet werden, aber ehe sie nicht beffere Be weise für den Nutzen des verkäuflichen und vererblichen Privats besiges bringt, werden wir uns für die Schaffung fäuflicher Apotheken- Monopole nicht begeistern tönnen, welche sofort, schon durch Vererbung allein, die Verschuldung und damit die Profits strahlender der Edelstein, je näher der Dieb. Dem sei nun Der Schultheiß verbarg seinen Unmuth über die zur mit einem Worte, ein schlecht Judendirnlein tam heut' aber, wie es wolle", fügte er mit zierlicher Verbeugung Unzeit eingetretene Störung hinter der Maste wehmuts- weinend und schreiend hergerannt, und flehte mich im hinzu:„ Der Glücklichste auf Erden würde ich sein, wolltet voller Freundlichkeit. Er verbeugte sich mit einem viel Namen des Himmels und der Erde an, durch irgend einen Ihr mir vergönnen, Euch in Eurer Einsamkeit die fagenden Blick, und streichelte, der Mutter zu gefallen, des guten Freund zu bewirken, daß ihr Vater, und wenn Huldigung darzubringen, die Ihr von der Menge ver- Knaben blühende Wange. Du liebst wohl Deine Mutter ich recht hörte, auch ihr Großvater losgelassen würden, die schmäht; wolltet Ihr diese goldene Rofe gütig empfangen, fehr?" fragte er den Kleinen. schon seit einiger Zeit im Kerter schmachten. Die Ursache Die ich Euch an dem Tage überreiche, der Euch gebar. Sie Ueber alles lieb' ich sie!" versicherte der letztere mit ihrer Haft schwört die Dirne nicht zu wissen; aber ich bilde sollte von Juwelen gebildet sein, wäre ich ein Fürst; strahlendem Auge. Du Glücklicher!" feufzte der Ritter, mir wohl selbst ein, daß der Handel von wenig Belang ein einfach Maienröslein, wär ich noch ein Jüngling, verftohlen Margarethen's Antlik hütend:" Du darfst es sein wird. Dergleichen Plackereien sind so häufig, daß deffen Rosenwangen seiner schlichten Gabe das Wort reden Dir gewährt sie alles. Wie ist's aber mit Deinem Vater? Hebräer, um kleinen Vorwands willen in den Thurm Liebst Du ihn gleich Deiner Mutter?" wandern müssen, um dann an ihrer Habe gebüßt zu werden. Er hielt der staunenden Altbürgerin die kostbar ge= Margarethe warf einen der unbescheidenen Frage Es ist auch ein schlecht Bolt, das solchen Zwang verdient, arbeitete Goldblume mit süßem Lächeln und hofmännischer zürnenden Blick auf den Schultheiß, und wollte dem weil es den Heiland freuzigte. Ich dächte dennoch, daß bei Geberde hin, und stutte über die Maßen, als Margarethe Knaben den Mund verschließen, aber schon war die Antwort Esthers Vater eine Ausnahme gar wohl zu machen wäre. das Geschenk mit zierlichen, aber klaren und bestimmten heraus: Er ist ein eifriger Mann; keiner der unredlichsten, und ich Worten zurückverwies.- Seid nicht ob meinem Thun be-" Ich habe keinen Bater!" rief der kleine Hans, von fenne ihn aus manchem Raufgewerbe, das ihn in mein leidigt, Herr Ritter;" endigte sie: Wie dürfte ich von Eurer alten Erinnerungen erregt, und in dem Uebermuth seiner Haus geführt. Ich möchte gerne dem Armen loshelfen, Hand ein Geschenk empfangen, das ich nimmer erwidern Anhänglichkeit für Margarethen. Abscheulicher Bube!" wenn es möglich wäre, und da der Zufall... oder nicht tönnte? Die Sitte und meine Pflicht gegen Diether ver- sürnte diese: Noch einmal diese Antwort, und..." der Zufall, es gewollt, daß Ihr, gestrenger Herr, mir binden mich, diese Rose auszuschlagen, welche auch ihre Laßt ihn doch," meinte der Schultheiß lächelnd: der Eurer Einkehr Ehre schenktet, so richte ich an Euch die Deutung sei, und welche, ohne Zweifel untadelhafte Absicht Knabe sagte zu viel; das ist aber die Art seines Alters. Bitte, beim Oberstrichter ein gewichtig Wort zu reden, daß Ihr bei ihrer Ueberreichung haben mögt." Deshalb weiß man doch, woran mau zu glauben hat." der Jude bald wieder den Weg aus dem Gefängnisse finde, " Das ist eine harte Weigerung;" antwortete der Schult" Herr Schultheiß!" unterbrach ihn Margarethe heftig. und nicht zu hart an seinem Gelde gebrandschatt werde." heiß mit dem Ausdruck gekränkter Eitelkeit: es kann Euch Er ließ sie indessen nicht ausreden, faltete des Knaben Man fönnte das Gezicht beneiden um die Theilnahme, ja schon längst fein Geheimniß mehr sein, schöne Frau, Hände, und sagte ihm die Worte vor: Bitte Deine Mutter, die Eure Purpurlippen für dasselbe aussprechen," welche Gefühle ich für Euch hege. Schon längst sehute ich Senabe, sie möge mir um Deinetwillen vergeben, und mir wortete der Schultheiß nicht ohne widrige Anregung:„ Ich mich nach einem Anlaß, ihnen Worte zu leihen. Heute, nicht ferner zürnen." Der kleine Hans ließ sich gern mische mich sonst nie in des Richters Verfahren; indessen, an dem schönsten Feiertage, der für mich vorhanden, finde zur Fürbitte gebrauchen, und seine findliche Unbefangenheit wo Euch, edle Frau, ein Dienst geleistet werden kann, ich diese Gelegenheit, und Grausamkeit wird der Lohn und Drolligkeit zauberte sogar auf Margarethens Lippen mach' ich gerne eine Ausnahme. Wie nennt sich der meiner redlichen Empfindung? Bedenkt, holdeste der Frauen, ein leichtes Lächeln. hebräische Hund?"- Ben David ist's," erwiderte Mardaß Ihr durch Eure Weigerung die Rose nicht allein Man soll am Feste der Geburt nicht böse sein, will garethe: der reichste zum mindesten der angesehenste verwerft." ein alter Sittenspruch;" sagte sie, dem Schultheiß schnell aus der Judengasse". Aber schon war des Schultheißen Bedenkt, edler Herr," erwiderte Margarethe, gereizt versöhnt die Hand reichend, die er zärtlich drückte: Man Stirne streng gerunzelt, schon hatten sich seine Augenbrauen durch den drohenden Ernst, der in des Schultheißen lezten hat sonst Galle das ganze Jahr hindurch. Ihr müßt mir dicht zusammengezogen, und finster schüttelte er das Haupt. Worten zu liegen schien,- ,, bedenkt, daß ich ein verehlicht dafür geloben, nicht wieder so freventlich zu reden, wie es it's ber?" fragte er mit Härte: Dann laßt mich Weib bin, das solcher Zweifelsprache füglich entbehren kann; sich zu Eurem Amt und Alter gewißlich nicht ziemt." aus dem Spiele, edle Frau. Ich rette den Burschen nicht." tann und muß." Der Schultheiß nickte gehorsam, obgleich verdüstert durch Nicht?" entgegnete Margarethe staunend:" Hat denn der Aus Eurer Frage die Erwähnung seines Alters. Und als endliche Be Mann so Gräßliches begangen?" bingung meiner völligen Vergebung," setzte Margarethe vernimmt man, daß Euch sein Verbrechen wirklich noch uns erheiterter hinzu: verlange ich von Euch die Gewährung bekannt," verseßte der Schultheiß heftig, welche Mutter " Sprecht, Frau Minne!" ant- tönnte gleichgiltig dabei bleiben?" einer geringen Bitte." Derzählt," verwortete ihr der Schultheiß neugierig und lächelnd.langte Margarethe, mit böser Ahnung fämpfend:„ Erzählt... eine Mutter sagt Ihr Es wäre mir beinahe entfallen," fuhr Diether's Gattin zählt Nu ja doch," immer unbefangener fort, daß mir heute das Heil wider erläuterte der Schultheiß, tönnt Ihr Euch Abscheulicheres fahren, zur Fürbitterin in einer Sache aufgefordert zu denken? Die Hunde haben ein Christenkind, einen werden, die gewiß so geringfügig ist, daß sie kaum der Rede Knaben, seiner Mutter gestohlen, oder um schnöden Sold lohnt, mit der ich Euer Ohr belästige. Ein arm Geschöpf vielleicht ( Fortsetzung folgt.) " Ihr verbergt Euch hinter dem Bollwerke der Pflicht," redete der Schultheiß bitter:„ eine bessere Burg giebt es nicht für spröde Frauen. Wären aber vielleicht nur meine Jahre der Feind, dessen Sturm Ihr so muthvoll abschlagt? Ihr müßt mir schon vergeben, ehrsame Frau, wenn ich in Eurem Hause umsonst nach dem Talisman forsche, der Euch unverlegbar macht." " Seht ihn hier;" rief Margarethe, da gerade der kleine Hans in die Stube sprang, und in ihre Arme eilte: seht ihn hier, und zürnt meiner nicht, gestrenger Herr!" " -O ?" ant (»et, den Lohnwucher und die ganze Kapitalmißwitthschaft im Gefolge hat, wovon die homöopathischen Aerzte, das Personal und die Konsumenten ein Lied zu singen wissen. Daß die Apotheken zu Grunde gehen werden, daß die Kon- zessiouen wenig eintrSglich sind, daß infolge der Realkonzession die Apotheken außerordentlich hoch entwickelt dastehen, eine Re« gierungskontrolle daher eigentlich überflüssig wäre und daß das Publikum ganz besonders zufrieden sei, glaubt wohl die„Apotheker- Zeitung" selbst nicht, und wir können daher den Gesetzentwurf Uimpnlhisch betrachten, wenn er zwar die von uns gewünschte Lösung nicht bringt, aber doch ein Unrecht mindert. Ein Un- recht war unzweifelhaft die unverhältnißmäßig hohe Bevor- zugung eines Einzelnen auf Kosten der Arbeiter und der Kon- fninenten.— Neber die Petition der famosen 42 durfte bekanntlich bei ihrem Bekanntwerden nicht und darf auch heute noch nicht gesprochen werden. Genosse Gradnauer, der ebenfalls in einer Versammlung durch den Polizeibeamten verhindert wurde, über die Petition zu sprechen, hatte dagegen den Beschwerdeweg beschritten. Er war mit seiner Beschwerde von der Kreishauptmannschaft abgewiesen worden und ist jetzt auch, wie ja zu erwarten war, vom Ministerium ab- gewiesen worden. Die Begründung der Maßregel und ihrer Billigung durch das Ministerium ist aberdings sehr einfach. Polizei- Direktion und Kreishauptmannschaft erklärten, es hätte die Befürchtung vorgelegen, daß Verhandlungen über das frag- liche Thema leicht zu einer Störung der öffent- liehen Ruhe und Ordnung führen könnten. Da das natürlich eine bloße Annahme ist, die man ganz nach Belieben bei jeder Gelegenheit machen kann, so verlangte Genosse Gradnauer die Angabe von Gründen, auf die die Be- Hörden ihre Befürchtungen stützen und gründete darauf seine Nichtigkeitsbeschwerde. Das Ministerium aber erklärte, die crforderliche und geforderte Begründung der polizeilichen Maßregel sei gegeben in der Erklärung, daß eine Störung der öffentlichen Ruhe befürchtet worden sei. Die Polizei sei berechtigt, die Erörterung eines solchen Themas zu ver- bindern, wenn sie eine Störung der öffentlichen Ruhe be- fürchtet, und wenn sie sagt, sie befürchtet, so hat sie ihre Maßregel auch begründet, daher ist die Nichtigkeitsbeschwerde abzuweisen. Das heißt also einfach, die Polizei hat ihre Maßregeln ausreichend begründet, wenn sie erklärt, sie habe recht. Etwas einfacheres kann es allerdings nicht geben.— Das schweizer Asylrecht wird bald nur noch als Märchen erscheinen. Ein Wolff'sches Telegramm meldet wieder eine politische Ausweisung aus der Schweiz. Das Telegramm lautet: Der Bundesrath hat den Schuhmacher Franz Kühnel aus Settenz bei Teplitz(Böhmen), der sich in Zürich als Vorstands- Mitglied des Vereins der unabhängigen Sozialisten in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise bemerkbar gemacht hatte, ausgewiesen.— Wahsniederkage der Londoner Progressisten. Unser englischer Korrespondent schreibt: Vorigen Sonnabend hat in dem Vorort Rotherhithe, südlich der Themse, eine Nachwahl zum Grafschastsrath stattgefunden. Es kandidirte ein von den Progressisten akzeptirter Arbeiter, der Docker-Organisator Frank Foster, und ein sich„Gemäßigter" nennender Konservativer. Letzterer wurde gewählt und damit den Progressisten, trotz Zusammengehens mit den Sozialisten, ein Sitz entrissen. Zwar sind die Stimmen, die Foster erhielt, gegen die des bisherigen progressistischen Vertreters etwas gestiegen, aber die„Gemäßigten" trieben ihrerseits von Geschäftsleuten re., die sich über die arbeiterfreundliche Politik des Grasschaftsraths erbosten, so viel neue Stimmen auf, daß sie mit über soo Stimme» Sieger blieben. Und dies in einem Distrikt, der einer der ärmsten Londons ist. Das ist auch ein ziemlich schlechtes Anzeichen für die nächsten Wahlen, wenn--- das Stimmrecht nicht bedeutend erweitert wird.— TaS Kabinet Crispi wird sich erst morgen der Kammer vorstellen.— Crispi als Tozialpolitiker oder der Wolf als Friedens- stiftcr, so könnte man die Fabel bezeichnen, wenn es leider nicht traurige Wahrheit wäre, daß die italienische Regie- rung den Bclagerungsznstandgeneral Morra als außer- ordentlichen Kommissär in die Schwefelgruben-Bezirke ent- sendet hat, damit er die Ursachen desNothstandes der sizilianischen Schwefelgruben-Arbeiter kennen lernen und ermitteln sollte, wie der Roth abzuhelfen sei. Die„Vossische �Zeitung" berichtet hierüber:„Der General bereist gegenwärtig die Provinz Caltanisetta. Tort sind etwa 3000 Arbeiter aus- ständig und nun beginnen sich auch in der Provinz Girgenti die Arbeitseinstellungen auszudehnen. Ein großer Theil der Besitzer und Pächter von Schweselgruben erklärt, daß sie in Folge des großen Preisfalles des Schwefels in ihren Gruben mehrere Monate lang nicht arbeiten lassen werden, die Arbeiter aber wollen zn dem jetzigen niedrigen Lohn überhaupt nicht arbeiten. Die Roth nimmt in den Schwefel- gruben-Gegenden in bedenklicher Weise zu." Die Agenzia Stefani, eine von der italienischen Rc- gierung ganz abhängige Depeschenagentur will natürlich die Vorgänge in Sizilien als ganz harmlos erscheinen lassen. Sie meldet: Die in den Blättern verbreiteten beunruhigenden Nach- richten über die Verhältnisse in Sizilien entbehren der Bs- gründung. Die Ausstünde in den Schwefeldistrikten, welche niemals den Charakter eines Generalstreiks hatten, hängen mit dem Sinken des Schwefelpreises zusammen und sind im Abnehmen begriffen. In Racalumto nahmen die Streikenden die Arbeit wieder auf; i» Grotte bewilligten die Grubenbesitzer die Forderung der Ausständigen; in Palma di Montechinro sperrten die Grubenpächter die Gruben wegen der zu hohen Pachtzinse angesichts des Sinkens der Schwefelpreise. Die Grnbeneigenthümer seien geneigt, in dieser Beziehung Kon- Zessionen zu machen. Von den anderen Gruben ist nichts Neues zu berichten. Ueberall herrscht vollständige Ruhe. Ein Privattelegramm des„Berliner Tageblatts" steht dieser von Crispi bezahlten Tarstellung schnurstracks ent- gegen; es weiß von einer großen revolutionären Demon- stration in Ragusa, einer Stadt der sizilianischen Provinz Syrakus, zu melden. Das Blatt schreibt weiter:„DaS Militär mußte ein- schreiten und die drohende Menge zerstreuen, wobei eine Anzahl Verhaftungen vorgenommen wurde. Die sozialistische Propaganda mache trotz des verhängten Belagerungszustandes ans der Insel Fortschritte".— Die Ruffenfreundlichkeit der neuen bulgarischen Negicrnng zeigt sich in der den früher ausgewiesenen russischen Zeitungsberichterstattern gestatteten Rückkehr nach Bulgarien.— Reaktionäre Presipolizek in Ohio(Vereinigte Staaten). Auch in Amerika wird nun die Freiheit der Presse eingeschränkt. Die gesetzgebenden Körperschaften von Ohio haben, wie wir der„Franks. Ztg." entnehmen, zu dem Gesetze gegen die Verbreitung oder den Besitz obsköner Schriften einen Zusatz gemacht, welcher den Zeitungen die Berichterstattung über sensationelle Kriminalfälle, Polizeifälle, Sittlichkeits- verbrechen rc. verbietet. Gelangt eine Zeitung, welche der- artige Neuigkeiten enthält, in die Hände von Minderjährigen, so wird der Herausgeber strafbar. Auf der Uebertretung des Gesetzes steht für jeden einzelnen Punkt eine Maximal- strafe von fünf Jahren Zuchthaus oder 200 bis zu 8000 M. Geldstrafe, oder beides.— Eine geglückte Revolution in Ostasien. Der König von Korea mußte vor den seine Hauptstadt besetzenden Re- bellen nach Japan flüchten.— Afrikanische Verbrechen. Der Boden des dunkele» Erdtheils ist der Nährboden dunkeler Thaten. Engländer, Franzosen, Deutsche, Italiener, Belgier— alle„Kultur- Völker" wetteisern dort mit einander, der Nachwelt den Beweis zu liefern, wie weit die zivilisirte Menschheit es in der Kultur— der Rohheit, Habsucht und Niederträchtig- keit jeder Art gebracht hat. In Brüssel spielt sich seit vorgestern vor den Schranken des Gerichts ein interessanter Prozeß ab, der unsere„Zivilisation" an der Arbeit in Afrika zeigt. Ueber den Sachverhalt schreibt der„Hamburger Korrespondent": Am 22. Januar d. Js. brachte die„Libre Parole" des Herrn Drumont einen Artikel„I-s Congo beige aux Juifs, ein neues kleines Panama", der die heftigsten Angriffe und Anschuldigungen gegen die e belgischen Kongo-Handelsgesell- schaften, deren Verivaltungsräthe, gegen die Kongo-Eisenbahn und ihren Generaldirektor und Adjutanten des Königs Major Thys enthielt. U. a. wurde Nachstehendes behauptet: Major Thys bezieht ein Jahrgehalt von 43 200 Franks von den Gesellschaften, 25 000 Franks von der Kongobahn und macht sich insgesammt jährlich 100 000 Franks. Major Thys und Kapitän Laurent kaufen jährlich ohne Kontrolle für 7 Millionen Franks Maaren, Laurent auch für 25 000 Franks Arzneien ein, während andere Berwaltungsräthe andere Lieferungen ohne jede Prüfung ausführen. Der Entwurf der Kongo-Eisenbahn hat 300 000 Franks gekostet und wurde für 2 Millionen Franks verkauft. Alle diese Gesellschaften betreiben Negerhandel und sind Feinde der Antisklaverei-Bewegung. Die Kongo-Eisenbahn betreibt ausgedehnten Negerhandel besonders in Dahomeh. Die Handelsgesellschaften betreiben nicht nur mit den arabischen Sklavenhändlern einen ausgedehnten Handel in Luxuswaaren, sondern kaufen auch von den Arabern Sklaven, die sie als solche behalten, sie bezahlen ihre farbigen Arbeiter mit Schnaps: überdies werden die Gelder am 5kongo ver- schleudert. Major Thys läßt, um noch mehr Gewinn zu er- zielen, sogar den Koran durch seine Agenten verkaufen. Dieser Artikel wurde bisher in Brüssel nicht verbreitet, weil seitens der Congo- Handelsgesellschaften angekündigt wurde, es sei so- fort die gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Major Thys entdeckte, daß der in Brüssel wohnhafte frühere Beamte der Handelsgesellschaften van Sulper den Artikel verfaßt hat; er allein verklagte ihn aus Verleumdung und auf Zahlung von 20 000 Fr. Schadenersatz. Van Sulper bekannte sich als Ver- faffer und erklärte vor dem Gerichtshofe, daß er alle Anschul- digungen aufrecht erhalten und wie es sein Recht ist, den vollen Wahrheilsbeweis antreten werde. Erstaunlicher Weise trat der Vertreter des Majors Thys, Advokat Janson, gegen die Zulassung des Wahrheitsbeweises ein, da es sich nur um eine Verleumdung des Majors handele und alle Anschuldi- gunaen nur die Aktionäre angingen. Major Thys habe reine Hände. Das Gericht wird selbstredend den Wahrheitsbeweis zulassen, und so wird man ja sehen, was an der Sache ist. Nun,„erstaunlich" ist es nicht, daß der Vertreter des Klägers und Beschuldigten gegen den Antritt des Wahrheits- beweises sich sträubt. Stimmen die dem Herrn Major zur Last gelegten Thatsachen doch mit bekannten und nicht ab- geleugneten Thatsachen und Praktiken so genau überein, daß es wunderbar zugehen müßte, wenn sie nicht wahr wären.— PavfetnatfivtdFrfen. Polizeiliches, Gerichtliches tc. — Weitere Auswei su u g e n. Die„Sächsische Arbeiter- Zeitung" schreibt: Schon wieder können wir von zwei Aus- Weisungen österreichischer Staatsangehöriger melden. Ein Schneider und ein Blättermaler, die nichts gethan haben, als daß sie ihren Gewerkschaftsorganisationen angehören; dem einen wird auch zur Last gelegt, sich an der Maifeier betheiligt zu haben. Das sächsische Gastrecht scheint nur noch für Lohndrücker vorhanden zu sein, dagegen wird jeder Arbeiter, der nach einem menschen- würdigen Dasein strebt, rücksichtslos abgeschoben. — Das Schwurgericht zu Feldkirch(Vorarlberg) verurtheilte nach zweitägiger Verhandlung den Genossen Zoufal, Redakteur der„Volkszeitung" in Dornbirn, wegen versuchter Ruhestörung und Aufreizung, begangen durch einen Artikel der„Volkszeitung", zu drei Monaten schweren Kerkers. Soztsle Dlebevftrlzk. Zlchtung, Branerei-Arbeiter! Sollten die Herren Brauerei- besitzet resp. Leiter die am 15. Juni beabsichtig« Aussperrung von weiteren 25 pCt. Brauerei- Arbeitern zur Durchführung bringen, so werden die davon Betroffenen ersucht, sich sofort nach dem Bureau der Kommission zu bemühen. Ausgesperrte Brauerei-Arbeiter, welche dieser Aufforderung nicht nachkommen, verlieren den Anspruch aus Unterstützung. Die Kommission. Der Streik der Stettiner Steinsetzer offenbart sich von Tag zu Tag immer mehr als ein Kampf, in dem es sich nicht mehr um die Abwehr einer zwanzigprozentigen Lohnherabsetzung allein, sondern um einen Kamps des JnnungSverbandes gegen die Organisation der Arbeiter handelt. Verschiedentlich haben es die Herren schon verrathen, dab es auf einen Borstoß gegen den Verband abgesehen ist: unsere Organisation wird ihnen immer unangenehmer. Der Vorsitzende des JnnungSverbandes,„Ober- meister" Kuhlbrodt, hat an die Mitglieder desselben wiederholt die Aufforderung ergehen lassen, alle„entbehrlichen" Gesellen nach Stettin zu schicken; auch Geldsammlungen für die Stettiner Meister werden in Szene gesetzt. Die Stettiner Meister ihrerseits annonciren Tag für Tag in bürgerlichen Zeitungen um Gesellen „bei hohem Lohn und dauernder Beschäftigung". Außerdem schreiben dieselben täglich an diejenigen auswärtigen Unter- nehmer, welche von den abgereisten Stettiner Steinsetzern welche beschästigen, daß sie die letzteren entlassen sollen. Daß dies bis jetzt schon geschehen ist. haben wir nicht in Erfahrung bringen können; ebensowenig haben den Herren bis jetzt ihre Annoncen genützt, denn die 12—14 Mann, welche bis- her denselben Folge geleistet haben, sind allesammt wieder abge- schobm worden.— Wir appelliren nunmehr wiederholt a» das Solidaritätsgesühl der Arbeiterschaft, uns in diesem hartnäckigen Kampfe, der jetzt nahezu ein Vierteljahr währt, wenn möglich materiell zu unterstützen. Vor allen Dingen ersuchen wir jedoch die Vorsitzenden der Gewerkschaftskartelle oder die Bevollmächtigten der Gewerk- schaften in solchen Orten, wo keine Organisation der Steinsetzer besteht, ihr Augenmerk auf die bürgerlichen Blätter zu richten und wenn in denselben Gesellen nach Stettin verlangt werden, sofort geeignete Gegenmaßregeln zu treffen, damit der Zuzug fern gehalten wird. Die Unkosten werden durch den unterzeich- neten Zentralvorstand ersetzt. Sendungen sind zu adresstren an C. Ortmann, Stettin, Deutsche Straße 36, oder an den Ver- bandsvorsitzenden A. Knoll, Berlin dl IV., Emdenerstraße 42. KB. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden un» Abdruck gebeten. Zum Braunschweiger Branereivohkott schreibt der „Braunschweiger Volksfreund": Tiefes Bedauern empfinden hiesige Blätter über die Mindener Brauerei Feldschlößchen, welche sich trotz aller Vorstellungen nicht hat bewegen lasten, die hiesigen Brauereien in ihrem brutalen Vor» gehen durch Einstellung der Bierlieferung nach hier zu unter- stützen. Selbst die Intervention der Mindener Handelskammer ist resultatlos geblieben. Das Jammern und die Entrüstung der Kapitalistenblätter erscheint uns recht unangebracht. Wir haben noch nie bemerkt, daß diese in Entrüstung gerathen wären, wenn indifferente Arbeiter ihren im Kampfe mit den Unternehmern liegenden ArbeUsbrüdern in den Rücken fielen. Im Gegentheil, solche Streikbrecher wurden stets als gute brave und einsichtige Arbeiter belobigt und erfreuten sich ebenso des Wohlwollens der Kapitalisten wie der Behörde». Warum nun auf einmal diese veränderte Anschauung über die Streikbrecher? Amüsant ist übrigens der Tadel der„Landes-Zeitung" gegen die Mindener Brauerei Feldschlößchen. Das Blatl schreibt u. A.:„Natur- gemäß steht die öffentliche Meinung ganz überwiegend hinter den hiesigen Brauereibesitzern, weil diese eine g e- rechte Sache vertreten. Wer diese letztrre zu Fall zu bringen versucht, lediglich aus Trachten nach Geldgewinn. also um seines eigenen Geldbeutels willen, der wird sich gefallen lassen müssen, daß man höhere Gesichtspunkte bei ihm vermißt und ihn danach beurtheilt. An den Nürnberger Magistrat wurde eine das Ar- beitersekretariat betreffende Eingabe eingereicht In derselben wird unter ausführlicher Motivirung die Roth- wendigkeit der Errichtung eines Arbeitersekretariats nachgewiesen und von der Stadt eine jährliche Subvention verlangt. Man darf gespannt sein, ob die Arbeiterfreundlichkeit des„freisinnigen" Magistrats, wie sie bei Wahlgelegenheiten in den schönsten Tönen gesungen wird, mehr als„graue Theorie" ist und auch in die Praxis übersetzt wird. DaS Gesuch eines Lehrers in Ostpreuße«, sein Stellen. einkommen von 540 auf 650 M. zu erhöhen, hat der geistliche Kreis- und Orts-Schulinspektor, nach der„Preuß. Lehrer-Ztg." ungefähr folgendermaßen„warm befürwortet":„Obgleich ich der festen Meinung bin, daß ein junger Lehrer mit 540 M. jährlich „gut" auskommen kann, so bitte ich doch für diesen Fall, weil der Bittsteller eine sehr hohe Pension von 1 M. pro Tag be- zahlen muß, sich gut gefiihrt und treu und fleißig im Amte ge- wesen ist, das Unterstützungsgesuch berücksichtigen zu wollen." Wie human! Bourgeoishochzeit und Arbeiterentkassnng. Bor wenigen Tagen heirathete die Tochter des Färbereibesitzers H. in Reichen- dach. Die Fabrikbeamten hatten dabei nichts Eiligeres zu thun, als die Arbeiter abzuklopfen: 50 Pf. ä Person. Einige gaben mit Rücksicht auf ihre Lage nicht, und die Auseinandersetzungen führten zur Entlassung eines Arbeiters. Nun wird der eheliche Segen wohl auf dem Paare ruhen, wenn solche große Opfer ge- fordert werden. Der entlaffene Arbeiter hat wohl das Meiste dazu hergegeben, denn bei der letzigen Zeit bringt ein Arbeits- Wechsel selten Nutzen. KartellirnngSvestrebungen in der deutschen Zucker- industrie. Aus Halberstadt schreibt man der„Frankfurter Zeitung": Da die neue Zuckergesetzgebung die Zuckerfabriken dazu zwingt, sparsamer zu arbeiten, vollzieht sich in der Zucker. fabrikation eine bemerkenswerthe Kapitalassoziation. Innerhalb eines Jahres stellten bezw. stellen im Bezirk der hiesigen Handels- kammer neun Zuckerfabriken ihren Betrieb ein. Bei den meisten dieser Fabriken liegt aber nicht eine Preisgabe der Produktion vor, sondern eS wird eine Verbilligung derselben Mit der Zu» sammenlegung mehrerer Fabriken angestrebt. In einer Leipziger Schneiderversammlung wurde auch ein Vortrag in czechischer Sprache gehalten. Hierüber wundern sich bürgerliche Blätter, während dies doch bei uns als selbstverständlich gilt, daß man sich denjenigen gegenüber, die man zu belehren sucht, der Sprache bedient, die sie verstehen. Ziegelarbeiter- Streik in Belgien. Eine Antwerpener Depesche meldet: In Rokelmonde und Stenort dauert der Ziegelarbeiter-Streik noch fort. Die Ausständigen durchzogen gestern die Straßen in beiden Ortschaften, rothe Fahnen voraus- tragend. Die Arbeitgeber haben erklärt, eher den Betrieb ganz einstellen zu wollen, als daß sie den Arbeitern Konzessionen machten. Der schweizerische Branereiboykott hat schon nach wenigen Tagen mit einem vollständigen Siege der Arbeiter geendet. Schweizerischen Blättern entnehmen wir die folgende Nachricht: Das Bnndeskomitee d'es schweizerischen Gewerkschaftsbundes hat den Boykott über die Brauereien Halden- gut in Winterthur, Bavaria in St. Gallen und Tivoli in Genf aufgehoben, nachdem die Leitung derselben das Vereinsrecht ihrer Arbeiter ausdrücklich anerkannt hat. Der Londoner Droschkenrutscher-Streik ist am 12. ds. zu Ende gegangen, und mit einem für die Kutscher höchst befriedigendem Resultate. Unser Londoner Korrespondent schreibt hierüber: Die Kutscher haben ihre Forderungen nicht bis auf den Punkt bewilligt erhalten, aber soviel davon, daß sie zufrieden sein können, und auch zufrieden sind. Ich war heute im Hyde- Park, wo auf einem von über 5000 Kutschern besuchten Meeting der von deren Vertretern besiegelter Kompromiß unter riesigem Jubel gutgeheißen wurde. Der von ein paar Leuten gemachte Versuch, die Führer zu desavouiren, weil dieselben beim Abschluß des Kompromisses sich nachgiebiger gezeigt, als sie nach ihrem Mandat durften, wurde mit tausendstimmigem Zurus zurück- gewiesen, und es kostete alle Mühe, ihnen überhaupt Gehör zu verschaffen. Der Kompromiß wurde durch Minister Asquith zustande gebracht, der das Vermittleramt übernommen. Aber wenn die Leute nicht vier Wochen stramm ausgehalten und den festen Ent- schluß gezeigt, auch serner zu ihrer Sache zu stehen, wären die Fuhrherren nie auf den ihnen keineswegs günstigen Schieds- spruch des Ministers eingegangen. Der Gewinn der Kutscher wird im Durchschnitt auf mehr als 8 Shilling die Woche be- rechnet. was die Opfer des Streiks wohl lohnte, und die Be- gcisterung über dessen Ausgang genügend erklärt. Unter Anderen hatte sich auch John Burns, und zwar mit der ihm eigenen Energie, der Streikenden angenommen, und diese haben ihm heut im Hyde-Parl eine Ovation bereitet, wie man sie nicht alle Tage hört. Es bleibt»un abzuwarten, ob die Kutscher im stände sein werden, die Früchte des Sieges festzuhalten. Für den Inhalt der Inserate über DönhoffsReichshallen DPlatz. Unserm Freunde und Genossen Waldemar Röber nimmt die Nedaktion dem Publikum Jm prachtvollen Garten, bei ungünstiger donnerndes Hoch. Na, Dicker, Sonn gegenüber keinerlei Verantwortrag Theater. Freitag, den 15. Juni, Opernhaus. Geschlossen. Schauspielhaus. Geschlossen. Deutsches Theater. Götz von Berlichingen. Witterung im Saal. Täglich Humoristische Soirée der deutschen Nord- Sänger. Zum Schluß: zu seinem heutigen Wiegenfeste ein tag ziehen wir uns ganz links rüber. F. L. 1199 marquardt zu seinem heutigen Biegen Unserm Pfropfenbruder August feste ein dreimal donnerndes Hoch. Immer schneidig zu Pferd! 1201b Der Pfropfenverein Wedding. Unserm Freunde Jean Sippel zu feinem heutigen Wiegenfeste, wünschen donnerndes Hoch, daß alles roocht. Berliner Theater. Krieg in Frieden. Italien in Berlin. Ensemble- wir das Auerbefte und ein dreimal Was fragen wir danach! Madame SansLeffing- Theater. Gêne. Residenz Theater. Jugend. Bellealliance- Theater. Marie, die Tochter des Regiments. Adolph Ernst- Theater. Charley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Alexanderplah Theater. Der neueste Standal. National Theater. Italien in Berlin. Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. Apollo Theater. Die verkehrte Welt. Kaufmann's Varióté. SpezialitätenVorstellung. Parodie Theater. Borstellung. Spezialitätenfzene. Anf. Wochentags 8 Uhr. Entree 30 Pf., refervirt 50 Pf. Sonntags Anf. 7 Uhr. Entree durchweg 50 Pf., nach 9 Uhr 30 Pf. Passage- Panopticum. Ein 1204b Seine Freunde aus der III. B Ich nehme hiermit die Auslassungen gegen die Bierboykott Kommission zu Steglitz zurück. Frit Schellhase. Achtung! Achtung! DahomeyDorf mit 51 wilden Weibern. Vereinsversammlung Brettschneider Berlins u. Umg. Arbeiter- Sängerbund Berlins u. Umgeg. Achtung! Achtung! Die Probe für die Vereine, welche sich programmbetheiligen, findet Sonntag, den 17. Juni, Vormittags mäßig am Volksfest in Friedrichshagen 11 Uhr, in Friedrichshagen, bei M. Lerche, FriedrichDer Vorstand. straße 109, statt. NB. Die Bekanntmachung der Eintheilung der Vereine in Wahlkreise, sowie Angabe der Lokale, in welchen die Billets zum Sängerfest verausgabt werden, erfolgt in den nächsten Tagen durch Annonce im„ Vorwärts". D. D. Achtung! Steinsetzer Achtung! Berlins und Umgegend. Sonntag, den 17. Juni 1894, Vormittags 10 Uhr, bei Müller, Johannisstraße Nr. 20: Grosse öffentl. Versammlung. Lages Ordnung: 293119 1. Vortrag über das Submissionswesen. Referent: Genosse Redakteur Sonntag, den 17. Juni, 10 Uhr Kessler. 2. Berichterstattung über die Streits in unserer Gewerkschaft. 3. VerVormittags, findet im Restaurant von schiedenes. Neumann( tleine Tonhalle), Base- In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung, werden die Kollegen ers walterstraße 3, eine 1185b sucht, recht pünktlich zu erscheinen. Der Vertrauensmann: J. Buchmann, Willibald- Alexisstr. 39. Tägl. 8 Vorführungen. statt. Tagesordnung wird in der VerUm 11, 12, 4, 5, sammlung vom Vorsitzenden bekannt gemacht. 6, 7, 8, 9 hr. Neue freie Volksbühne. Noack's Jm Wallner- Theater, 21/2 Uhr, Sonntag, d. 17. Juni, II. Abtheilung: Die Journalisten 80/6 von Gust. Freytag. Wegen der großen Kosten der Darstellung ist der Beitrag für diesen Monat auf 60 Pf. erhöht worden. Die Nachzahlung ist im Theater zu leisten. Um recht pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Sommer- Theater. Drts- Krankenkasse der Brunnenstrasse 16. Täglich: Großes Konzert, Theater- und SpezialitätenVorstellung. National- Theater. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der VorGroße Frankfurterstraße 132. Sensat. Novität. Senfat. Novität. Italien in Berlin. Große Ausstattungs- Posse mit Gesang und Tanz in 4 Aften von Carl Peters. Musik von A. Wiedecke. Deforationen aus dem Atelier von Müller und Schäfer. Maschinerien vom Theatermeister Otto Weiße. Elektrische Lichteffekte von Lakowsky. Kostüme vom Obergarderobier Paul Hildebrandt. Regie: Mar Samst. Mit der neuen Einlage, 1 Bild: stellung 7 Uhr. Die Kaffeeküche ist geöffnet. Tischler- Verein. Sonnabend, den 16. Juni 1894, Abends 9 Uhr, Melchiorstraße Nr. 15: Versammlung. Tages- Ordnung: Vereinsangelegenheiten. Ausgabe der Billets zur Dampferpartie. des Statuts aufmerksam gemacht. Die Mitglieder werden auf§ 3 u. 4 Der Vorstand. 334/3 Achtung! Stellmacher. Her Sonntag, den 24. Juni, Vormittags 11 Uhr, bei Meißner, Linienstraße Nr. 142: Ausserordentliche Zentralverband der Glaser. Sonnabend, den 16. Juni, in Schmiedel's Festsälen, Alte Jakobftr. 32: Feier des 4. Stiftungsfestes bestehend in Festrede, Theater und Tanz. Billets( Herren 0,50, Damen 0,30 M.) find bei Herrn Stramm, Ritters straße 123 zu haben. a65/ 16 Bier aus der Brauerei Reichenkron, Charlottenburg. Anfang 9 Uhr. Es ladet ergebenst ein Das Vergnügungskomitee. Generalversammlung. Oeffentl. Maler- Versammlung Tagesordnung: Wahl des Vorstandes. Der Magistrats- Kommissarius. Dr. Koch. 12076 Drts- Krankenkasse der am Montag, den 18. Juni, Abends 8 Uhr. Näheres fiche Sonntag an dieser Stelle. 235/20 Der Vertrauensmann. G. Link. Strumpfwirker. Ausstellung Italien in Berlin. Gonntag, b. 24. Juni, Vorm. 9½ Uhr, in Feind's Salon, Weinstr. 11: Ausserordentliche ( Stadtbahn- Station: Zoologischer Garten.) Täglich geöffnet von Morgens 10 Uhr bis Abends 12 Uhr. General- Versammlung. Massen- Konzerte sämmtl. italien. Musikkorps, 1206b Tages- Ordnung: M darunter des 1. Stellungnahme zur Zentralisation großen italienischen Opern Orchesters des Maöstro Cav. Gialdino Gialdini, Achtung! fämmtlicher Orts- Krankenkassen Berlins der Bersagliere- Kapelle des Maestro Giacomo Gatti, des Venetianischen SereVersammlung bekannt gemacht.) 2. DisDer Geist Caligula's Sängerinnen! Bororte.( Referent wird in der naden- Orchesters, des Nobile de Malipiero, bes Mandolinen- Korps von oder: Visionen von Eugen Prudens. Kaffenöffnung 51/2 Uhr. Anfang 71/2 Uhr. Im Garten: Großes Konzert. Auf der Sommerbühne Aufführung von Lustspielen, Possen sowie SpezialitätenBorstellung ersten Ranges. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Lette Aufführung! Charley's Tante. Schwant in 3 Att. v. Brandon Thomas. Vorher: Die Bajazzi. Berliner Damenchor, jeden Frei- fussion. 3. Fortlassung des Zusages zu tag Abend 81/ 2-101/ 2 Uhr im Rosen-§ 29 des Statuts. 4. Verschiedenes. thaler Klubhaus, Rosenthalerstr. 11/12; Die Kaffenmitglieder u. Arbeitgeber Einübung von Duetten u. Terzetten. werden nach§ 49 des Statuts hierzu Mitglieder erwünscht. Monatlich 50 Pf. eingeladen. Der Vorstand. Achtung! Achtung! Putzer( Maurer). Deffentliche Versammlung der Puzer Berlins und Umgegend am Montag, den 18. Juni, Nachmittags 5 Uhr, in den Arminhauen, Rommandantenstr. 20. Zages Ordnung: 1. Der Bierboykott und welche Lehren haben die Arbeiter daraus zu Es wird kein Boykottbier geschänkt. Professor Frouth. Ferner: Mailänder Marionetten- Theater und Venezianisches Variété etc. Entree 50 Pf. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Auftreten des Cav. Prof. Eugenio Pini, Fechtmeister der tönigl. italienischen Marine. In der großen Arena um 8½½ Uhr: Floret, Degen- und Säbel- Mensuren, an welchen sich Fechter gegen vorherige Meldung im Bureau der Ausstellung betheiligen können. Sonnabend, den 16. Juni: Achtung! Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117. Achtung! Grosser Sommernachts- Ball sämmtlicher in der Schirm- und Stock- Branche beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins ,, Apollo"( M. d. A.-S.-B.) unter Leitung feines Dirigenten Herrn Gartmann, Parodistische Posse mit Gesang in 1 Aft ziehen. Referent Genosse B. Stabernack. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. des Kraft Turnvereins, Hoffnung", Auftreten verschiedener Spezialitäten von Ed. Jacobson u. Benno Jacobson. Musik von Franz Roth. Anfang 71/2 ihr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Schluss der Saisen: Freitag, den 15. Juni. Victoria- Brauerei, Lüzowstraße 111-112. Garten tsp. Saal. Täglich( außer Sonnabends); Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. Allgemeiner Verein der Töpfer # 446/4 sowie Großes Garten Konzert, ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Zivil- Berufsmusiker, Dirigent Herr Gartmann. Großartige Garten- Illumination und Fackel- Polonaise. Anfang S Uhr. Entree: Damen 25 Pf., Herren 50 Pf. Das Comité. Billets sind zu haben bei den Herren R. Krämer, Adalbertstr. 72, Hof lints 2 Tr.; B. Mitsching, Rleine Markusstraße 5, Hof 8 Tr.; E. Mechsner, Gartenstr. 32, 1 Tr.; A. Piesker, Chorinerstr. 33, Hof 1 Tr.; G. Schwartz, Bärwaldstr. 48, of 2 Tr.; 0. Ebeling, Roßstr. 5, of 3 Tr. Die Kommission hat für Bier aus der Müggelschlößchen Branerei gesorgt. und Berufsgen. Deutschlands.( Filiale Berlin.) Sonntag, 17. Juni, Vorm. 10 Uhr, in Bühler's Taal, Rosenthalerstr. 38: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 386/16 1. Wie wird der Lohntarif in Berlin innegehalten? 2. Bericht der Stettiner Delegirten von der Kommission über Berathungen von Ausnahmebeſtimmungen in der Sonntagsruhe in der keramischen Industrie. 3. Vereinsangelegenheiten. Sänger Herren: Meysel, Häckel, Pietro, Britton, Eberius, Steidl, Bliemchen und Blank. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Billets im Ververkauf à 40 Pf. und Familien- Billets( à 1 M.) für 3 Personen giltig.( Siehe Platate.) Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. ( Bahlstelle Berlin.) Vertrauensmänner- Versammlungen am Montag, den 18. Inni 1894, Abends 8½ Uhr: Norden: Reller's Salon, Bergstraße 68. Südosten: lubhaus Süd- On, Waldemarstraße 75. Tagesordnung in beiden Versammlungen: او Besprechung über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Ortsverwaltung. 45/3 Jeden Abend wechselndes Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der hochamüsantes Programm!| Metallarbeiter( Filiale Berlin 3). Castan's Panoptikum. Der 13 jährige Riese. Die 20 jährige Puppenfee. Ohne Extra- Entree! Mitglieder- Versammlung am Sonnabend, den 16. Inni 1894, Abends 8½ Uhr, bei H. Liewald, Manteuffelstraße Nr. 46. Tages Ordnung: Mitglieder. 8. Wahl der gesammten Ortsverwaltung und des VertrauensArztes. 4. Berschiedenes. 1. Raffenbericht. 2. Regelung der Extra Unterstüßung ausgesteuerter 3. 1203b 000000-0-000000 Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Am Königsthor. Täglich: Theater- u. Spezialitäten- Vorstellung. Im neu Volksbelustigungen aller Art. 1 parquettirten Saale: Täglich: Gr. Ball. Bon 5-7 Uhr: Freier Damentanz. Die Kaffeeküche ist geöffnet. Entree 30 Pf., Billets vorher 25 Pf. 00000-0-000000 Jägerhaus, 1033b Juhaber: Wilhelm Schmidt. Jeden Sonntag und Mittwoch: Frei- Konzert und Ball. Großer schattiger Schönhauser Allee Ur. 103. Garten. 4 Regelbahnen. am Die Zahlstelle in der Eisenbahnstr. 35 bleibt an diesem Sonnabend ge- Gr. und fchloffen, te werden nur Beiträge im Versammlungslokale entgegengenommen. Mitgliedsbuch Um zahlreichen Besuch ersucht Die Ortsverwaltung. Nordbahn. Raffeeküche von 1 Uhr ab geöffnet. 175L Paradies- Garten Nordbahn Untermühlen- See in Birkenwerder. Bestens geeignet für große und kleine Gesellschaften, Vereine und Fabriken. Herrlich schön und schattig am Wald und Waffer gelegen. Großer Saal und Garten für 3000 Personen. Ausspannung. Kaffeeküche. Turngeräthe. Bootfahren u. Angelgelegenheit. Bestgeeignet für Ausflüge aller Art. Adolf Burgemeister, Paradieswirth. 3220* Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Drud und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Bierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 136. Bonkoffivt Hind: Freitag, den 15. Juni 1894. 11. Jahrg. der Magistrat einen gleichen Antrag des Polizeipräsidiums| wärts" erhält sie,*) und wenn er sie nicht abdruckt, so ist das abgelehnt, nachdem eine versuchsweise am Hafenplah errichtete von einem Blatte mit 43 000 Abonnenten, von einem so gut Anstalt nur drei- oder viermal täglich und schließlich gar nicht fituirten Blatte, das diese Inserate unentgeltlich auf 1. Schultheiss- Brauerei, Aktien- Gesellschaft, Becher berigt worden ſet, obwohl bort ca. 350 Schiffer und Ar- nehmen kann, kein Beweis von besonders großem Interesse für Berlin( und Tivoli). 2. Brauerei F. Happoldt. 3. Böhmisches Brauhaus, Kommandit- Gesellschaft auf Aktien, A. Knoblauch. Befriedigung ihrer Bedürfnisse ihren eigenen Weg.( Große Heiterfeit.) Jedenfalls wird die Stadt nicht früher an die Sache herantreten, bis die Kostenfrage geregelt ist. Die Errichtung solcher Anstalten ist durchaus Sache des Staates. Stadtv. 2a de wig beantragt und befürwortet den Ueber gang zur Tagesordnung. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wird der Uebers gang zur Tagesordnung beschlossen. Die Straße An der Stadtbahn" hat zwischen Schickler- und Grunerstraße bis jetzt nicht freigelegt werden tönnen, weil über den Ankauf, der dem Militärfiskus gehörigen ehemaligen Garnisons bäckerei eine Einigung noch nicht erfolgt ist. Um aber wenigstens einen Durchgang für Fußgänger zu schaffen, soll ein Streifen in ungefährer Breite eines Bürgersteiges angelegt werden. Der überlassen, wenn sie die Kosten der vorläufigen Regulirung mit 1550 M. übernimmt und ihm die Kosten der nothwendigen baulichen Veränderungen mit 1050 M. erstattet. 4. Brauerei Karl Gregory, Berlin( Adler- lig. Beit Jahren habe ich auf die eminente Gefahr aufmert Fistus will diesen Streifen schon jetzt der Stadt zur Benutzung Brauerei). 5. Vereins- Brauerei Rixdorf. 6. Spandauer Berg- Brauerei, vorm. C. Bech- der Cholera und des Typhus müssen solche Mißstände durchaus mann, Westend bei Charlottenburg. 7. Aktien- Gesellschaft Schloss- Brauerei Schöneberg. Kommunales. Stadtverordneten- Versammlung. Deffentliche Sigung vom Donnerstag, 14. Juni, Nachmittags 5 Uhr. Das Andeuken des am vorigen Freitag verstorbenen Stadtverordneten Selle ehrt die Versammlung durch Erheben von den Sizen. Mit dem Ankauf der zur Freilegung der Beusselstraße von dem Grundstücke der Asphaltfirma Damcke u. Co. Nr. 3/4 erforderlichen Barzelle von 463 Quadratmeter erklärt sich die Versammlung einverstanden. Stadtv. Dr. 3 adet( gegen die Tagesordnung): Ueber die Bedürfnißfrage mich weiter auszulassen ist thatsächlich über fam gemacht, die hier vorliegt. Die Kompetenzfrage tann doch für den Zweck, den wir verfolgen, die Flüsse rein zu halten, nicht in Betracht kommen. Haben Sie nicht die Kanalisation eingeführt, ohne an den Staat zu appelliren? In den Zeiten beseitigt werden. Es liegen Schiffe auf der Unterspree Wochen und Monate lang, und es fehlt dort an jeder Anstalt dieser Art. Sätten wir Gesundheitsauffeher, so würde auch die nothwendige Kontrolle vorhanden sein, um die Schiffer zu einem Fortschritt auf diesem Gebiete zu erziehen. Einer so wichtigen Angelegen heit, wie sie Herr Hentig angeregt hat, dürfen wir nicht durch Uebergang zur Tagesordnung aus dem Wege gehen. Ich beantrage, die Angelegenheit einem Ausschuß zu überweisen. Der Uebergang zur Tagesordnung wird mit großer Mehrheit angenommen. Von den sozialdemokratischen Stadtvv. Borgmann und Genossen liegt der Antrag vor: Die Versammlung stimmt dem Magistratsantrage au. Zur Regulirung und Freilegung der Schönhauser Allee von der Buchholzerstraße bis zur Ringbahn sind noch eine Reihe von Vorgärten durch die Stadt zu erwerben. Der Erwerb foll freihandig gegen Zahlung einer Baarentschädigung von 5 M. pro Quadratmeter und Uebernahme der Verpflichtung zur Regulirung der Bürgersteige erfolgen. Es wird demgemäß beschlossen. Mit dem Neubau der Fennstraßenbrücke nach dem vorgelegten Entwurf und mit dem Kostenanschlag von 318 000 m. erklärt sich die Versammlung einverstanden und stellt als zweite Rate den Betrag von 121 750 M. zur Verfügung. Anläßlich der Ueberführung der Pferdebahn über den Opernplatz in die Friedrichstraße zwischen Linden- und Weiden Die Versammlung ersucht den Magiftrat, die amt- dammer Brücke soll die letztere durch einen massiven Neubau lichen Bekanntmachungen auch durch die hier ersetzt werden. Unterhalb der gegenwärtigen Brücke soll eine erscheinende Zeitung Vorwärts Berliner Volksblatt" Nothbrücke errichtet werden. Die Gesammtkosten sind auf zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. 1 077 000. berechnet, wovon 65 000 m. auf die Nothbrücke, 740 000 M. auf den Brückenneubau entfallen. " " Stadtv. Vogtherr: In wenigen Monaten sollen Er: gänzungswahlen zu den Gewerbegerichten stattfinden. Die bezüg- Der Bau der Nothbrücke wird auf Antrag Dinse fofort lichen Veröffentlichungen erfolgen bisher nur durch drei der genehmigt; im Uebrigen wird die Vorlage einem Ausschusse von hiesigen Zeitungen und durch die Litfaßsäulen. Gerade innerhalb 15 Personen überwiesen. der Kreise, welche hier interessirt sind, Arbeitgeber wie Arbeit- Ein dringlicher Antrag Jacobi bezweckt, den Infolge Beschlusses der Versammlung vom 15. Februar betr. nehmer, ist in dieser Angelegenheit bereits die Erfahrung gemacht, Magistrat zu ersuchen, die Mitglieder der Versammlung als die Herabsehung der Gaspreise hat der Magistrat daß die Bekanntmachungen nicht die Verbreitung erfahren, die Buhörer zu den Verhandlungen der gemischten Deputation über die Betriebsverhältnisse von 28 deutschen städtischen sie verdienen, wenn sie auf diese Publikationswege beschränkt zur Vorberathung der Neuordnung der GemeindeGazanstalten und von derjenigen der Städte Kopenhagen und bleiben. Der Magiftrat geht von einer falschen Auffassung aus, steuern zuzulassen. Nach der Begründung des AntragStockholm eine Zusammenstellung anfertigen lassen. Aus wenn er die bisherige Einrichtung für hinreichend hält. Estellers haben die Mitglieder zu den jüngsten Sizungen derselben ergiebt sich nach der Ansicht des Magistrats, daß die kommen aber ferner die Bekanntmachungen hinsichtlich der dieser Deputation feine Einladung erhalten und sind auch zu der Gasproduktion auf den Kopf der Bevölkerung von Berlin Alters und Invaliditäts- Bersicherung, die Bekanntmachungen Sigung nicht zugelassen worden, angeblich wegen konstitutioneller ( 82,9 Rubikmeter) nur von Köln( 88,9), Karlsruhe( 87) und Char- über Wahlen zum Reichstage und zu anderen Körperschaften hinzu. Bedenken des Bürgermeisters. lottenburg( 85,8) übertroffen wird und daß der gesammte Privat- Natürlich müssen die zu wählenden Organe für Publikationen Ter Antrag wird einstimmig angenommen. verbrauch mit 69,2 Rubikmeter pro Kopf in Berlin der höchste auch sich der Aufmerkſamleit weitester Kreise der Bevölkerung Schluß 8 Uhr. ist, daß dagegen der Gasverbrauch für andere als Beleuchtungs- erfreuen; die Litfaßsäulen reichen nicht entfernt aus, daneben zwecke( wofür Preisermäßigung playgreift) in Berlin nur sind aber nur das Intelligenzblatt", die Vossische Zeitung" und Vorgestern Abend hatte die aus 20 Stadtverordneten und 6,4 Rubikmeter auf den Kopf beträgt, während elf Städte die National Zeitung" Publikationsorgane, die indeß, nament 10 Magifiratsmitgliedern bestehende Deputation zur Vorberathung einen höheren Verbrauch, bis zu 26,9 Rubifmeter aufweisen. lich die beiden letzteren, von den hier in Betracht kommenden der durch das Kommunalsteuer- Gesetz am 1. April nothwendig Nach einer vom Verwaltungsdirektor Cuno aufgestellten Wahr- Theilen der Bevölkerung, insbesondere von den Arbeitern, werdenden Neuregelung der städtischen Steuern ihre 1. Sigung. scheinlichkeitsberechnung ergiebt sich, daß die völlige Durchführung nicht gelesen werden. A13 1885 ein ähnlicher Vor Die Deputation, deren Vorsitz der Oberbürgermeister Belle führt, des Antrages Deter( Herabsehung des Gaspreises von 16 auf schlag wie der heutige gemacht wurde, fonnte man nahm, nach einer allgemeinen Aussprache, Kenntniß von den Vor12, für gewerbliche Zwecke von 12,8 auf 10 Pf.) keineswegs den uns noch einwenden, daß eine größere Publizität nicht arbeiten, welche eine kleinere Magistratskommission in der Steuereintretenden Einnahme- Ausfall durch die Steigerung der Pro- erforderlich sei; das kann man gelten lassen. Damals hatte auch frage geleistet und ging dann zur Einzelberathung der in Betracht duktion auch nur einigermaßen wieder einbringen kann. der Vorwärts" nur 6000 Abonnenten, heute hat er in Berlin kommenden Steuern über. Ohne Debatte wird diese Vorlage auf Antrag des Vorstehers allein 43 000. Ich bitte die Versammlung, den Antrag an Durch das Kommunalsteuer- Gesetz find der Stadtgemeinde dem f. 3. für den Antrag Deter niedergesetzten Ausschuß über zunehmen, und den Magistrat, ihn zur Ausführung zu bringen. Die Grund- und Gebäudesteuer mit 9300 000 m. und die Gewiesen, desgl. die zu den Gegenstand neuerdings eingegangenen Gördi eine ähnliche Anregung gegeben, sich aber mit der ab- 3 100 000 m. Dotation aus den landwirthschaftlichen Zöllen in Stadtv. Leo: Im Dezember 1884 hat der damalige Stadtv. werbesteuer mit 3 900 000 M. zur Erhebung überlassen, während Petitionen. Zum VIII. Allgemeinen Deutschen Turnfest in Breslau lehnenden Antwort des Wagistrats schließlich zufrieden erklärt. Fortfall kommen. ( 21.- 23. Juli) sollen 3 Turnlehrer und 3 Gemeindeschullehrer Wir würden heute, folgten wir der gegebenen Anregung, auf dem Die gemischte Deputation beschloß einstimmig, daß die staats von Stadtwegen entfandt und ihnen eine Reiseunterstützung von friedlichsten Wege dazu gebracht werden, die Zeitung Vorwärts" liche Grund- und Gebäudesteuer mit der städtischen Haussteuer à 60 Mart gewährt werden. Die Versammlung beschließt als ein Organ anzuerkennen, welches die städtischen Interessen verbunden und vom 1. April nächsten Jahres an als Ges demgemäß. vertrete. Die heutige Publizirung genügt allen Ansprüchen; wir meindegrundsteuer erhoben werden soll. Der Steuersah soll wie bei Der Vorlage betr. die theilweise Anrechnung der brauchen also dem Magistrat keine Pflicht aufzuerlegen, die ihm der Haussteuer nach dem jährlichen Miethsertrage berechnet werden Diätarienzeit bei der Anstellung ehemaliger Magistrats- eine Last wäre. Gewiß fann niemand dem„ Borwärts" ver- und 6 pet. betragen. Ferner wurde eine Bauplatz- Steuer in fupernumerare als Bureau- Assistenten ertheilt die Versammlung bieten, die Annoncen umsonst aufzunehmen; aber Annoncen Höhe von 0,50 M. vom Hundert des Bauplay- Werthes beschlossen. ihre Zustimmung. aufzugeben, heißt in gewissem Sinne die Berechtigung Außerdem soll den städtischen Körperschaften vorgeschlagen Die Vorlage betr. die Bewilligung von Mehrkosten für die des Blattes anerkennen( Lachen bei den Sozialdemokraten) werden, als Kanalisationsabgabe fünftig die Selbstkosten voll Herstellung des Eisenbahnanschlusses der Irren und uns in gewissem Sinne mit ihm solidarisch machen, mit von den Hausbesitzern einzuziehen, während bisher nur 1 pet. anstalt Herzberge bei Lichtenberg wird nach kurzer Debatte einem Blatt, wo in jeder Nummer die Worte stehen: Arbeiter, Kanalisationsabgabe erhoben ist und der bedeutende Mehrbetrag einem Ausschuß überwiesen. Parteigenossen, trinkt fein boykottirtes Bier!( Stürmische an im laufenden Jahre z. B. 3/2 Millionen Mart- aus den Der Beschluß der Versammlung in Sachen der Gewerbe- dauernde Heiterkeit.) Es ist nicht angemessen, glaube ich, für die städtischen Steuern gedeckt worden ist. Ausstellung 1896( Ueberlassung des Treptower Parts und Würde der städtischen Behörde, in einem solchen Blatte Anzeigen Ueber die Gestaltung der sonstigen städtischen Steuern Gewährung einer Subvention von 300 000 M.) soll auch dem zu machen. Ich beantrage deshalb den einfachen Uebergang zur namentlich über das Schicksal der Miethssteuer wirddie Depu neu organisirten Unternehmen gegenüber in Kraft bleiben. Tagesordnung. tation sich in weiteren Sizungen schlüssig machen. Stadtv. Rosenow hält für angezeigt, namens der Aus- Stadtv. Singer( gegen die Tagesordnung): Daß wir Diesen Beschlüssen ging eine lebhafte Diskussion voran, in stellerkreise der diesmal so prompt eingetretenen Stellungnahme heute eine Bierboykott Debatte bekommen würden, habe welcher von einigen Seiten im Interesse des Grundbesitzes die bes Magistrats, die gegen sein früheres diktatorisches Verhalten ich auf dem Wege hierher prophezeit, und meine Er Bauplay- Steuer sowie die Erhöhung der Kanalisationsabgabe befo erfreulich abstehe, öffentlich volle Anerkennung und lebhaften wartung hat mich nicht getäuscht. Herr Leo hat seinen Gram kämpft wurden. Dant auszusprechen. Der Terrainstreit, der jetzt glücklich ge- darüber, daß die Bierarktien gefallen sind( Heiterkeit und große Diese Ansichten fanden energische Widerlegung. Der Bes schlichtet sei, habe den Ausstellungsgedanken so gekräftigt, daß Unruhe), bei dieser ganz heterogenen Gelegenheit Ausdruck geben schluß wegen der Erhöhung der Kanalisationsabgabe wurde mit die früher vom Stadtv. Singer geäußerte abfällige Meinung, es müssen( erneute Unruhe). Ich muß es in der That als der 19 gegen 7 Stimmen, derjenige bezüglich der Bauplatz- Steuer mit werde höchstens ein Jahrmarktsfest zu Plundersweilern heraus- Würde der Versammlung nicht angemessen bezeichnen, wenn man 16 gegen 11 Stimmen gefaßt, nachdem vorher ein von sozialtommen, teinen Halt mehr habe. in einer solchen, noch nie dagewesenen Weise politische Tendenzen demokratischer Seite gestellter Antrag, die Gemeinde- Grundsteuer hier hineinzieht( Lärm). Man dürfe unsern Antrag nicht an- auf 7 pct. des Miethsertrages und die Bauplah- Steuer auf eins nehmen, meint der Vorredner, weil es sich um ein Blatt handle, vom Hundert des Playwerthes festzusetzen, abgelehnt worden war. mit welchem er in politischen Widerspruch stände. Es ist das das erste Mal, daß in diesem Saale in so nackter Weise der Klassen= gegensatz, der Klaffenkampf( große Unuhe) von jenen Herren zum Ausdruck gebracht worden ist, die uns stets diesen Vorwurf machen. Aber auch fachlich treffen seine Ausführungen durchaus gelegt, weil uns noch nicht bekannt ist, welche Saalinhaber sich Die Lokalliste haben wir der heutigen Nummer nicht beinicht zu. 1885 hat es sich um etwas wesentlich anderes ge1. die behördliche Genehmigung zur Anlage der Pferde- handelt: auch hat Herr Görcki damals vom Magistrat eine Ant- dem Verlangen des Brauerringes anschließen. Wir gedenken bahn über den Opernplay zur Berbindung der wort erhalten, die wir bis jetzt vom Magistrat vermissen. Uns aber anfangs nächster Woche eine vollständige Liste der gesperrten Geleise in der Französischen Straße mit denen in der allen muß doch der Wunsch gemeinsam sein, daß diejenigen amt- Lokale geben zu können. Friedrichstraße an der Weidendammer- Brücke einerseits lichen Bekanntmachungen, die erlassen werden müssen, so ers Ein Fest der Berliner Arbeiterschaft wird wohl mit und mit denen auf dem Hacke'schen Markte andererseits, folgen, daß sie allen Betheiligten zur Kenntniß kommen. Der Fug und Recht das sozialdemokratische Boltsfest genannt werden bereits ertheilt ist; Vorwärts" nimmt ja tostenlos die Annoncen auf, das geschieht tönnen, das von den Vertrauenspersonen zum nächsten Sonntag 2. ob, wenn dies geschehen, der Vertrag hierüber mit selbstverständlich; hier aber handelt es sich darum, daß die im Müggelschlößchen zu Friedrichshagen veranstaltet ist. An der Großen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft bereits ab- Behörden die Verpflichtung haben, die Bekanntmachungen diesem Tage find alle Vereinigungen, welche das sozialdemo geschlossen ist; auch zur Kenntniß aller Betheiligten zu bringen. Wer liest tratische Berlin sonst im Einzelnen durch ihr Können bei fest3. wieweit dann die Beschlüsse der Versammlung vom denn das Intelligenzblatt", die Vossische" und" National- lichen Gelegenheiten unterhalten haben, gemeinsam versammelt 10. März 1893 hierbei zur Geltung gekommen find. Zeitung" unter den Arbeitern, wer kann diese Blätter lesen? um im regen Wetteifer das Beste von dem zu leisten, was durch Der Antrag wird vom Antragsteller zurückgezogen, da ihm Die bisherige Bekanntmachungsweise ist also vollständig un- fleißiges Ueben im kleinen Kreis festgelegt ist. bekannt geworden sei, daß der Magistrat schon in die Berathung genügend. Ob Herr Leo dem Blatte Vorwärts" irgend welche An dem Volksfest wirken mit der Arbeiter- Sängerbund, die der Angelegenheit eingetreten fei. Stadtfynditus Meubrint Berechtigung zuspricht oder nicht, ist uns und dem Blatte sehr Arbeiter- Bildungsschule und Mitglieder der Freien Boltsbühne; bemerkt, daß der Magistrat die Berathung bereits ab- gleichgiltig, das wird ihm schon das heitere Gelächter von unseren in Massengesängen und theatralischen Aufführungen werden neue geschlossen hat. Bänken bewiesen haben. Ja, das Blatt möchte vielleicht seine Auf- und originelle Programmnummern aufgeführt werden. Der Der Stadtv. Hentig hat mit Unterstützung der sozial- gabe nicht richtig erfüllen, wenn er ihm Berechtigung zusprechenhwürde. instrumentale Theil der Aufführungen liegt in den Händen der demokratischen Stadtvv. Singer, Vogtherr, Gleinert, Herzfeldt Sehr bezeichnend ist es, daß Herr Leo hier dasselbe predigt, was Freien Bereinigung der Zivil- Berufsmusiker. Den Freunden des und Borgmann den Antrag gestellt: die Freisinnigen immer den Landräthen und den Konservativen Sports bietet sich in dem Wettrudern des Ruderklubs Vorwärts, Den Magistrat um eine Vorlage zu ersuchen, betreffs zum Vorwurf machen, daß sie zu ihren Bekanntmachungen nur sowie in dem Schauturnen des Turnvereins Fichte interder Errichtung von für Schiffer bestimmten die Kreisblätter und nicht die freisinnigen Zeitungen benutzen. essante Augenweide; ebenfalls wird die Jugend durch Bedürfnißanstalten, welche geeignet sind, die Ge- Herr Leo degradirt damit den Magistrat zu einer politischen Unterhaltungs- Spiele jeglicher Art zu ihrem Rechte fahr der Verseuchung der Flußläufe Berlins bei Epidemien Parteibehörde. Ich danke Herrn Leo für seine Ausführungen, sie tommen. Da durch ausreichende Fahrverbindung, sowie durch zu verhindern oder zu verringern. werden ihm und seinen Gesinnungsgenossen nicht vergessen sein! ein überaus billiges Entree die Theilnahme wesentlich erleichtert Antragsteller Hentig führt in seiner Begründung an, daß( Bustimmung bei den Sozialdemokraten.) ist, so wird nicht daran zu zweifeln sein, daß das Fest der die bestehenden Zustände die höchste Gefahr in Ansehung der Stadtv. Ralisch( für die Tagesordnung): Die amtlichen Verbreitung von Epidemien, wie der Cholera in sich bergen. Es Anzeigen des Magistrats, welche allgemeines Interesse haben,*) Der Stadtv. Kalisch ist hier entschieden im Irrthum. handle sich um einen Nothstand, der beseitigt werden müsse, da gehen allen Berliner Blättern zu( Widerspruch der Sozial- Amtliche Bekanntmachungen sind dem„ Vorwärts" von städtischen die polizeilichen Kontrollstationen nicht genügten. demokraten, Ruf: Ganz falsch!) und werden von ihnen mit ganz Behörden nur in ganz außerordentlich seltenen Fällen zugesandt vereinzelten Ausnahmen auch aufgenommen. Auch der Vor- worden. Die Redaktion. Stadtv. Singer: Meine damaligen Ausführungen über das, was eine Berliner Ausstellung nach meiner Auffassung sein wird, sind durch diese Bemerkungen des Herrn Rosenow in feiner Weise widerlegt oder alterirt worden. Die Vorlage wird angenommen. Die Stadtvo. Dinse u. Gen. haben folgenden Antrag eingebracht: Bom Magiftrat Auskunft darüber zu erbitten, ob Stadtrath Straßmann: Schon im September 1892 hat = " Lokales. Straße. : Berliner Arbeiterschaft im Müggelschlößchen einen imponirenden| 8 Tage mit Gefängniß bestrafen." Ja, ja, sie war doch besser, schon von selber aus, daß der einzelne Miether über die Vor, und würdigen Verlauf nehmen wird. die gute, alte Beit! gänge im Hause unterrichtet ist. In den meisten Fällen kennt Zu dem Volksfest in Friedrichshagen' giebt die dortige Lokalfommission bezüglich der Lokalfrage sowie des Bierboykotts lang. Die Polizeiverordnungen von Berlin und Potsdam zu leicht die nächste Nachbarschaft Das Strafregifter des Herrn Bolle ist schier endlos die einzelne Miethspartei weder die Namen noch die Persönlich feiten der übrigen Miethsparteien, ausgenommen vielnoch folgendes bekannt: oder zufällige Bekanntsammengenommen sind kaum von solcher Vielseitigkeit, wie die straße in den Lokalen Waldhaus, Gesellschaftshaus, Gisteller, Betriebe die wundervolle christliche Ordnung aufrecht zu eransteckenber Krankheiten zu verzeichnen sind? In herrschaftlichen Boykottirtes Bier wird verzapft in der Friedrich- Sagungen, die Herr Volle für nothwendig hält, um in seinem schaften im Hause. Wie soll der Einzelne sich darüber informiren, ob in irgend einer Familie im Hause Fälle oben angeführter Begnick, Conrad; in der Seestraße bei Grosch, im halten. Wilhelmsbad, im Seeschlößchen( Schulze) und bei Kuhlmann, in In neuer Serie sei angeführt, daß die ziemlich furz bemessene Anzahl von Miethsparteien wohnen, wäre dies wohl durchund hochherrschaftlichen Häusern, in denen nur eine sehr kleine der Scharenweberstraße bei Höhnow. Fahrzeit von den Kutschern mit peinlichster Pünktlichkeit inneUeberhaupt gesperrt find in der Friedrichstraße der gehalten werden muß. Kommt der Kutscher über zwei Minuten führbar; aber für diese Herrschaften“ sind ja die„ VerhaltungsRaiserhof, Sanssouci, Fr. Lerche; in der Seestraße der Haide zu spät auf der Haltestelle an, so seht es 20 Pfg. Strafe, versäumt schwerlich ihre Sprößlinge zu den allgemeinen Impfterminen vorschriften" nicht berechnet. Die Besitzenden werden wohl part, das Lokal von Brandt, die Kantine der Wasserwerke, er über zehn Minuten, so muß er 30 Pfg. blechen. Desgleichen behufs unentgeltlicher Impfung schicken, dieselben vielmehr vom fowie das Lokal von Weber; ferner find gesperrt Hohmann, wird die zu große Pünktlichkeit, wenn sie über 2 Minuten be Sausarzte oder doch von einem Privatarzte impfen lassen, und Rahnsdorferstraße, und Hohmann, Stöpenick erträgt mit 20 Bf. und über 5 Minuten gar mit 50 Pf. geahndet. fich lediglich darauf beschränken, den Nachweis der erfolgten Es kommt häufig vor, daß der Kunde nicht sogleich nach dem fest ins Gedächtniß ein; denkt daran, daß die Arbeiterschaft von vor der Ankunft eines solchen Kunden weitergefahren, so seht es geltliche Impfung angewiesen sind. Diese sind aber nicht Arbeiter Berlins! Prägt Euch diese Lokale zum Sonntag bekannten Glockenzeichen am Wagen erscheint. Ist der Kutscher Impfung zu führen. Die„ Verhaltungsvorschriften" sind also nur für die Proletarier bestimmt, die auf die unents Friedrichshagen in der Boykott und Lokalfrage einen wichtigen für den Fall, daß der Kunde sich beschwert, 50 Pf. Strafe. Des- in der Lage, wegen Mangels jeglicher Kontrolle, konstatiren Rampf auszufechten hat! gleichen kommt es vor, daß die Burschen von den Kunden beim zu können, ob in der Miethetaserne, in welcher sie jeweilig ihren Anfragen zc. wolle man richten an with. Seyfelder, Abliefern der Milch noch den Auftrag erhalten, Wein, Spargel Wohnsitz haben, eine der in den Verhaltungsvorschriften" ans Kurzestr. 17. oder Fruchtsaft nachzuliefern. Die hierdurch offenbar entstandene geführten Krankheiten herrscht oder nicht. Man sollte meinen, Freibier! Freibier! Gine Tugend haben sich die Brauerei- Beitversäumniß hat nun vielfach Mindereinnahmen im Gefolge baß, da doch die ärztliche Anzeigepflicht für ansteckende Krankbefizer in dem Streit, den fie frivoler Weise vom Baune ge: Herrn Bolle, gehabt und dies war wiederum Grund genug für heiten besteht, die königl. Sanitäts- Kommission viel besser in der brochen haben, angeeignet, nämlich die Freigebigkeit! Die Herrn Bolle, feinen Kutschern im Romptoir damit zu Lage sei, festzustellen, ob in einem Hause, und in welchem, ans Herrschaften, die sich sonst hüteten, auch nur eine Mark zu nicht drohen, daß daß eventuell ihre Entlassung erfolge, wenn steckende Krankheiten herrschen und auf grund dieser Feststellungen ersichtlich profittragendem Zwecke zu opfern, die sind jetzt in der sie keine besseren Geschäfte machten. Ist der Kutscher nun so entsprechende Maßnahmen bezüglich des allgemeinen Impftermins Noth, wo die Getreuen immer mehr schwinden, weichherzig und einfältig, feinen Kunden davon Kenntniß zu geben, daß er Zeit hinsichtlich des Ausschlusses von Kindern aus infigirten Häusern wohlthätig geworden, daß es faft zu Thränen rührsam ist. versäumnisse mit Strafgeldern zu büßen habe, so muß er diese zu treffen. Die§§ 2-7 handeln sodann von der Pflege des ge= Bei der erst vor kurzem von uns nach Gebühr gekennzeichneten Indiskretion mit 50 Pf. fühnen. Frühstückt der Kutscher länger impften Kindes. Auch diese Vorschriften sind gewiß recht schön Musterfirma Siemens u. Halske ist bekanntlich laut Ukas der in einem Lokal zu, so zahlt er 20 Pf.; hat er während bes Früb in der angenehmen Lage sich befindet, sich eine Spreewälder Amme als 10 Minuten, so zahlt er 50 Pi. Bringt er die 10 Minuten und lassen sich auch ganz vorschriftsmäßig durchführen, wenn man Direktion wieder das Bier der Pfefferbergbrauerei eingeführt stückens keinen Burschen am Wagen stehen, so muß er 50 Pf oder ein Kindermädchen halten zu können. In Proletarierworden, nachdem den widerspenstigen Arbeitern das bekannte friß Vogel oder stirb" zu Gemüthe geführt worden ist. Der berappen. Läßt der Kutscher die Burschen in ein Lokal gehen familien, wo auch die Frau und selbst die Kinder werkthätig Erfolg dieser von Eugen Richter als ccht freifinnig volks- oder verleitet er sie zum Biertrinken, so wird er sofort entlassen. schaffen müssen, nimmt sich die Wartung und Pflege der Säuglinge parteiliche That gefegneten Maßregel ist nun auch danach, denn die Angestellten dürfen ebenfalls auf der Straße keine geistigen benn doch etwas anders aus und die Kinder müssen häufig veravährend früher pro Tag etwa 10-11 Tonnen abgesetzt wurden, geschriebenen Haltestellen seinen Wagen stehen läßt, zahlt 50 Pfwurf machen kann. Sieran tragen eben die Schuld die heutigen Getränke zu sich nehmen. Wer nicht genau an den vor nachlässigt werden, ohne daß man den Müttern hieraus einen Vors beträgt der Konsum zur Beit etwa eine Tonne täglich. Die Störrigteit der Arbeiterschaft hat sich die Pfefferberg- Wagen warten läßt und dem Burschen zuerst die Milch einmißt seinem Schlußpaffus latonisch Bei jeder erheblichen, nach der 3wanzig Pfennig foſtet es, wenn der Kutscher die Kunden am lieblichen wirthschaftlichen Verhältnisse. Der§ 9 fagt sodann in Brauerei aber nicht verdrießen lassen. Sie denkt offenbar in chriftlicher Ergebenheit, daß sich vielleicht mit Liebe und Güte Der Kutscher ist verpflichtet, pünktlich sein Kundenbuch auf der Impfung entstehenden Erkrankung ist ein Arzt zuzuziehen". Ja, christlicher Ergebenheit, daß sich vielleicht mit Liebe und Güte Straße zu führen. Unterläßt er dies, etwa weil ihm am Sonn- das ist bald gesagt, aber schwer gethan, immer unter Berück das erreichen läßt, was im formell- geschäftlichen Verkehr bisher tag die Beit zu kurz erscheint, oder weil ihn regnerisches Wetter sichtigung der heutigen proletarischen Verhältnisse. In Pros nicht gelingen wollte. Die Brauerei Direktion hat daher am Mittwoch unter den am Deffnen des Buches hindert, so toftet es 20 Pfennig. Jit ein fetarierfamilien ist heute der Arzt ein feltener Gaft, nicht, 1800-1900 Arbeitern der Siemens u. Halste'schen Fabrik ein neuangestellter Kutscher noch nicht mit seiner Kundschaft vertraut weil jene eines Arztes nicht bedürften, sondern weil sie Zirkular herumgehen lassen, in vem männiglich freundlichst wegen Buchbeschmierens" wiederum 20 Pfennig. Der Kutscher Borschrift", einen Arzt zuzuziehen natürlich auf eigene Roften, und macht er sich infolge dessen Notizen im Buch, so zahlt er feine" Kunst" nicht bezahlen könen. Muthet daher diese eingeladen wird, am Sonntag bei Freibier gütigst ihre Räumlich ist aber für die Richtigkeit seiner Eintragungen verantwortlich; benn von dem Gegentheile ist nichts gefagt, etwas sonderbar teiten zu beaugenscheinigen. Natürlich hat das herumgereichte Angstprodukt bei den Ar- er hat nicht allein etwaige Differenz- Beträge zu decken, sondern an, so muß dies noch mehr der Fall sein, wenn dies Verlangen beitern der Musterfirma ungetheilte Heiterkeit erweckt. Gagte bei Aufdeckung derselben obendrein noch 20 Pfennig gestellt wird in Fällen, wo die erhebliche Erkrankung" durch die man sich auch, daß das Ansinnen her Herren von der Pfefferberg- Strafe git zahlen. Glaubt ein Kunde, daß die Impfung verursacht wird. Man sollte meinen, daß, wenn der brauerei sich nur durch die totale Unkenntniß des Denkens und boch ist, so hat der Kutscher ebenfalls die Differenz aus seiner lich besorgt, er auch die weiteren Konsequenzen ziehen und die durch ihm am Schluß der Woche überreichte Rechnung 3 Staat den Impfzwang ausübt, wenn er die Impfung unentgeltEmpfindens der Arbeiterschaft entschuldigen leffe, so war man Tasche zu zahlen. Glaubt er den Kunden gegenüber in solchem die vollzogene Impfung erkrankten Kinder auch unentgeltlich ärztlich doch humorvoll genug, den Herren ihren faux- pas nicht besonders Fall sein Recht behaupten zu dürfen, so hat er wegen Kunden behandeln lassen müßte. Es ist dies eine Forderung, die sich der übel zu nehmen. belästigung" 8 M. zu berappen. Für das Fehlen des Kundensehen, wenn sie wirklich glaubt, daß die Arbeiter sich an dem Maßkasten des Wagens übergelaufene Milch, so jetzt es 1 M. Krankheiten ebenbürtig zur Seite stellt. Der§ 11 nimmt sodann Getäuscht wird sich die Direktion der Braucrei allerdings zettels im Wagen zahlt der Kutscher 20 Pf. Befindet sich im Forderung nach kostenloser Verabfolgung der Lehrmittel in ben ansteckenden Freifuff betheiligen werden. Auch das Bier, das die Pfefferberg- Brauerei am Sonntag foftet es 20 Pf. Steht ein Maß auf dem Burschenfitz oder ist es Krankheiten und wir können nur auf das diesbezüglich oben Strafe. Nimmt er eine verbeulte Ranne mit auf die Tour, so wiederum bezug auf die im Hause herrschenden ansteckenden gratis spendet, wird seinen Beruf verfehlen. in der Nacht gereftet: 20 Pf. Ist das Buttermilchmaß nicht am Gesagte verweisen. Es ist vielleicht nicht uninteressant, bei dieser Die Stellung des Magistrate zur Kirchenbanerei ist Hafen oder hängt es verkehrt oder ist es nicht gezeichnet, so find Gelegenheit daran zu erinnern, daß die Angelegenheit der auf neuerdings eine gegen früher etwas andere geworden. Nachdem gleichfalls 20 Pf. zu zahlen. Braucht der Kutscher einige Blätter Anordnung der Königlichen Sanitätskommission zu Berlin geer lange genug die Kirchenbauerci auch du, wo er nicht dazu Butterpapier zu viel: 20 Pf.; reicht das Papier nicht: ebenfalls druckten Verhaltungsvorschriften für die Angehörigen der verpflichtet war, und mehr als ausgicbig unterstützt hatte, ift er 20 Bf. 3wei Sorten Milch dürfen, selbst wenn der Kunde es Impflinge an dieser Stelle schon einmal es war zur Zeit des chließlich dahinter gekommen, daß auch bei der Kirche der wünscht, bei 1 M. Strafe nicht in einen Topf gegossen werden. ruhmvollen Sozialistengefehes besprochen worden ist. Jahre Appetit mit dem Essen wächst. Nun will er nicht ganz so schnell Vermißt sich der Kutscher, oder geht die Milch in den Topf des find darüber hingegangen, die Zeiten haben sich gewaltig geändert, mit Unterstügungen bei der Hand sein, wenn sich nicht aus dem Kunden nicht hinein und läßt er die Milch einen Augenblick im eine andere Weltanschauung bricht sich immer mehr Bahnen städtischen Patronat eine Verpflichtung dazu ergiebt. Die Maß oder gießt er fie in eine Kundenkanne, und stellt diese in die Verhaltungsvorschriften der königlichen Sanitätskommission Johannes- Evangelift- Gemeinde hat schon vor längerer Zeit den Wagen, so ist der Kontrolleur verpflichtet, die Milch auszu- find unverändert geblieben! prozeffiren müffen, um den verlangten städtischen Beitrag zu den gießen. Obendrein zahlt der Kutscher 1 M. Strafe. Reicht der von ihr für nöthig gehaltenen Bauten zu erzwingen." Sie Bursche aus Versehen eine Magermilchtanne zur Vollmilch hin Laßt Euch nicht überrumpeln. Die Bourgeoisie zieht die meinte, die Stadtgemeinde sei nach märkischem Provinzialrecht, ins- und der Kutscher übersieht dies, so zahlt er 50 Bf. fich aus der heutigen Gesellschaftsordnung ergebenden Ron. besondere nach der Visitations- und Konsistorial- Ordnung von Jeder Kutscher muß reichlich Milch mit auf die Tour nehmen, sequenzen rücksichtslos. Sie hat an dem Körper des gesunden 1573 verpflichtet zur Uebernahme der Baukosten kirchlicher Ge- da die Milch niemals vollständig ausverkauft werden darf. Ift Proletariers, welcher alle seine Kräfte in ihren Dienst stellen bäude unvermögender Kirchen, auch wenn diese nicht unter ein solches Malheur trotz des Verbots passirt, so zahlt der muß, nicht genug, fie will auch aus dem Körper des kranken städtischem Patronat stehen. Thatsächlich ist der Magiftrat nach Rutscher 50 Pf. Strafe. Es fommt häufig vor, daß die Kutscher Proletariers noch ihren Nugen ziehen. Tangwierigem Streit vor dem Kammergericht, wie auch vor dem soviel Milch, wie sie gebrauchen, gar nicht laden können, nament In einer der imposanten Versammlungen, welche gelegentlich Reichsgericht unterlegen. Des hat ihn nun ganz besonders arg lich Magermilch, trotzdem müssen die Strafen gedes Chariteeboykotts abgehalten wurden, sagte Dr. Zadek: Der verschnupft. In feinem neuesten Haupt- Verwaltungsbericht nennt zahlt werden. Wird ein Hahn abgefahren oder beschädigt, junge Mediziner lernt am Körper des franken Proletariers, wie er das Reichsgerichts Grkenntniß eine„ bei der jetzigen Bufo ift er mit 8 M. zu ersehen. Ist der Hahn beschmutzt, fo find er gegebenen Falles den tranten Bourgeois zu behandeln habe. ſammenſegung und Stimmung der evangelischen Kirchen- 50 Pf. zu zahlen. Verliert der Kutscher einen Schlüffel: 50 Bf. Wie sehr Dr. Badek Recht hatte, ergiebt sich aus einem Antrag, behörden für die Stadtgemeinde verhängnißvolle Entscheidung" Strafe, führt er das Pferd am Kopf: 20 Pf., fällt ein welcher nach Mittheilung einer Lokalkorrespondenz in einem und droht darn:" Daß die städtischen Behörden gegenüber den Pferd, sodaß der Scheerbaum zerbricht: 2 M. Strafe. Treibt hiesigen ärztlichen Verein eingebracht worden ist. von kirchlicher Scite auf grund der Entscheidung des Reichs- der Kutscher das Pferd etwas scharf mit der Peitsche an, um Der Antrag lautet: gerichtes bereits anbringendrn maßlosen Forderungen der versäumte Beit nachzuholen, so zahlt er wegen Mißhandlung„ Der Aerztetag spricht den Wunsch aus, daß an den staateinzelnen Kirchengemeinden auch die Anerkennung der aus dem 1 M., ist gar ein Striemen zu sehen, so sind 3 M. oder Ent- lichen und sonstigen großen Krankenhäusern den dirigirenden Städtischen Patronat sich ergebenden Verpflichtungen und bezüg- laffung gewiß. Jeder Kutscher muß Bormittags Puntt 9 Uhr Aerzten bei ihrer Anstellung der Auftrag ertheilt wird, angehende lich freiwilliger Unterstübungen kirchlicher Bauten zut äußersten sein Pferd tränken, sonst blecht er 50 Pf. Strafe. Stellt der Mediziner so weit wie möglich praktisch auszubilden durch Burückhaltung- gezwungen werden, bedarf keiner weiteren Aus- Kutscher seinen Kontrolleur wegen einer Meldung zur Rede, so unterweisung derselben bei der Untersuchung der Krankheitsfälle führungen." Das sieht beinahe so aus, als wolle Magistratus foftet es wegen Frechwerdens" 3 M. Strafe. und durch Besprechung der Diagnose der Behandlung, und daß von den Kirch baufreunden zu den Kirchbau sein den übergehen. Die Strafen halten im Ganzen sich immer noch auf der alten, ebenso den Assistenzärzten bei ihrer Anstellung der Auftrag erAber dem ist leider nicht so. Grundsäglich hat er gegen die foft- segenbringenden Höhe. Nur ist seit Kurzem der Gewerbe- theilt wird, bei dieser Ausbildung mitzuwirken. spielige Liebhaberei des Kirchenbaues nicht das Geringste ein- Dronung insoweit Rechnung getragen worden, als die Arbeiter Der Antrag steht auf den ersten Blick ganz harmlos aus für zuwenden, und er ist auch nach wie vor gesonnen, fie nach unter 16 Jahren aus den ersten, vor fünf Uhr abgehenden Bügen jeden, dem die Folgen des in demselben ausgesprochenen Wun Kräften zu unterstützen. Er meint nur, daß der Umfang, herausgenommen und späteren Zügen zugeschlagen worden sind. fches" nicht sogleich erkennbar sind, umfomehr ist es aber Pflicht, den diese Liebhaberei in den letzten Jahren erreicht Für heute sei noch erwähnt, daß Herr Bolle neuerdings feinen auf diese Folgen hinzuweisen und den auf die Freiheit des hat, augenblicklich seine Sträfte übersteigt. Es ist ihm Kutschern mehrfach herbe Vorwürfe über den Rückgang des franten Proletariers gerichteten Angriff in seinen ersten Aneben schließlich zu viel geworden. Daß es so gekommen ist, Milchverkaufs gemacht hat. Aber so fragen wir, wie soll ein fängen zu bekämpfen. $ " barauf hat freilich gerade er am eifrigsten hingewirkt, indem er Angestellter einem Geschäft, das die Ordnung" nur durch Die Folgen der Genehmigung des Antrages würden nämlich lange genug Baupläge hergab und sehr anständige Beiträge eine Fülle horrender Strafbestimmungen schüßen zu sein, daß sich eine große Anzahl angehender Medis Leiftete. Die Kirche hat einen großen Magen, nicht blos die tönnen glaubt, irgend ein inneres Interesse entgegenbringen? ziner" einfinden würde, besonders wenn ein interessanter katholische, sondern auch die evangelische, und wer den ausfüllen Seine Angestellten sind denn doch auch schließlich Menschen mit Fall" zur Behandlung steht; nehmen wir aber ihre Zahl auf will, der muß etwas mehr Geld im Säckcl haben, als augen- menschlichem Fühlen und Denken und mit menschlichem Hang vielleicht zehn an. Diesen zehn Personen demonstrirt nun der blicklich der Berliner Magistrat hat. Zwanzig Millionen sollen zur- Gerechtigkeit! Arzt den Fall, und nachdem dies geschehen, stellt jeder einzelne die Forderungen erreichen, welche( nach der Angabe eines eine Blattes) alle Kirchengemeinden Berlins zusammen zur Steuerung Einladungskarten zur Grundsteinlegung des Dom 3 zugegangen. an dem Patienten herunt, je nachdem, und der Patient kommt Der Stadtverordneten Versammlung sind eine Anzahl von ihnen seine Untersuchung an; er horcht, flopft, laryngoscopirt ihrer Noth an die Stadt zu richten gedenken. Nun, er wird Auf Anordnung des Vorstehers sind diese Karten unter die Mit- günstigsten Falles um seine Ruhe, die zur Besserung seines Leidens sich vielleicht doch noch erweichen lassen, der liebe Magiftrat. Eine Weile wird er sich noch dagegen sträuben, fratischen Mitglieder sechs Treffer gefallen. Selbstverständlich Schädigungen an seiner Gesundheit durch die Unachtsamkeit und glieder verlooft worden und sind dabei auf die sozialdemo- unbedingt nothwendig ist, erleidet im ungünstigen Falle aber auch aber wenn sich die Finanzen erst wieder gebessert haben Kommunalsteuer auf allerlei nothwendige Bedarfsartikel, wie perzichteten die glücklichen Gewinner darauf, die goldene Amts- unerfahrenheit der jungen Beute, vor welcher die Patienten zu man sie bereits ernstlich zu planen scheint, wird schon dafür dieser Gelegenheit anzulegen. Dieser Berzicht bereitete sechs nicht nicht immer im Stande ist. tette zur Vertretung der Stadtverordneten- Versammlung bei schützen oft auch die sorgsamste Aufsicht des dirigirenden Arztes forgen dann wird er ganz im Geiste der Visitations und Nun wissen wir ja wohl, daß eine hinreichende Konsistorialordnung von 1678 handeln. Der Kuriosität halber aus gelooften Mitgliedern die Freude, fich an Stelle der renitenten Ausbildung durch Demonstration am franken Körper stattwollen wir diejenigen Stellen dieser famofen Reliquie, auf die Sozialdemokraten mit der goldenen Kette schmücken zu können. finden muß, aber dies geschieht ja bereits in den fich die Gerichte in ihrer Entscheidung geftüßt haben, hier wieders Auf Anordnung der königl. Sanitäts- Kommiffion zu Universitätskliniken und auch hier vorzugsweise am Körper geben. Es heißt da:" Die Kirchen sollen zu Gottes Ehren wohl Berlin werden den polizeilichen Aufforderungen zur Impfung", des Proletariers; erachtet man diese Ausbildung nicht für ges gezieret und dergestalt in bawlichen Würden gehalten und zu welche den Eltern oder Vormündern impfpflichtiger Kinder nügend, so mögen die Herren Universitätsprofessoren, denen ja gerichtet werden, daß man Gottes Wort füglich darinne predigen amtlich zugestellt werden und die gleichzeitig als Ginlaßtarten eine bedentende Privatpraxis zur Seite steht, doch je einen„ ans könne, und nicht dermaaßen dach- und bawlos liegen, daß beide, sur unentgeltlichen Impfung dienen, gebruckte Verhaltungs- gehenden Mediziner" an das Krantenbett ihres vornehmen und Kirchendiener und Zuhörer, darein zu gehen, Schew tragen. Und vorschriften für die Angehörigen der Impflinge" beigefügt, offen- gut zahlenden Patienten nehmen und dort demonstriren! Das wo im Gotteshaus oder Kasten, soviel davon es geschehen bar zu dem Zwecke, daß dieselben seitens der Angehörigen der würde sich ja tein Privatpatient gefallen laffen, aber was dem töndte, an Borrathe nicht vorhanden, soll der Rath und Obrig- Impflinge Nachachtung finden. Die Berhaltungsvorschriften" zahlungsfähigen Bourgeois recht ist, das muß dem Proletarier teit fampt der Gemeinde, in Städten und Dörfern darzu Hülfe nehmen sich nun zwar auf dem Papiere recht schön aus, find billig sein. Oder der Staat mag sonst in anderer Weise für zu thun und die Kirche bawen zu lassen schuldig sein. Nach aber zum Theile in die Praxis sehr schwer umzufegen, wenigstens Gelegenheit zu genügender Ausbildung sorgen; wie er das dem auch zum öfteren fürfellet, daß die Pfarrer mit den Patronen für die große Masse der Befihlosen. Schon der§ 1 dieser Ver- thut, darüber Vorschläge zu machen, ist nicht unsere Sache. und Pfarrkindern uneinig, wer die Barrhäuser bessern und bawen haltungsvorschriften für die Angehörigen der Jmpflinge" giebt Der oben erwähnte Versuch, sich das tranke Proletariat folle, so werden die Patronen, Dorfherren und Gemeinen, weil au Bedenken Beranlassung. Dieser Paragraph lautet: dienstbar zu machen, steht nicht vereinzelt da; schon als die fie ihre Schmiede und Hirten mit Wohnungen versehen, sich Aus einem Hause, in welchem ansteckende Krankheiten, wie Frage der neuanzustellenden Oberärzte an den hiesigen städtischen folches vielmehr gegen ihren Seelsorger nicht beschweren." Auch Scharlach, Mafern, Diphtheritis, Kroup, Keuchhusten, Flecktyphus, Krankenhäusern erörtert wurde, brachte die Boss. 3tg." aus der die Flecken, Dorf- und Acker Ordnung von 1702 ist von den rosenartige Entzündungen oder die natürlichen Bocken herrschen, Feder eines Arztes den Vorschlag, diese Stellen mit„ medis Gerichten angezogen worden. Danach war jeder Einwohner dürfen die Impflinge zum allgemeinen Termine nicht gebracht zinischen Forschern" zu befeßen, deren es in Berlin eine ganze und Unterthan jedes Orts, er sei was Religion er wolle", ver- werden." Anzahl gabe und die keine Gelegenheit hätten, ihren Forscherpflichtet, zum Bau und Besserung von Kirchen und Kirchhöfen Dies ist schon eine Bestimmung, welche sich praktisch sehr trieb" au bethätigen. Die Herren, so meinte der Einsender, beizutragen. Und, hieß es dort, was sich darin nicht gebühr schwer durchführen läßt. Unsere moderne Wohnart in Mieths würden ihre Thätigkeit gern und unentgeltlich den Anstalten lich, gehorsamlich und als ein Chrifte erzeigen wird, den soll man fasernen mit ihren Hof, Seiten- und Quergebäuden fchließt es widmen. Ja, das glauben wir auch, daß diese Herren die " # Gelrgeicheit mit Freuden ergriffen ffStten. Damals wurde auZ der Sache nichts, heule nun kommt dieser Antrag in veränderter Form wieder; daß dieser Antrag, wenn er zur Erörterung kommt, glänzend durchfällt, dazu hat die Presse und das Pro letariat bei Zeiten Stellung zu nehmen. Zum Schluß interessirr hier noch die Fassung des Antrages Wer hat den dirigirenden Assistenzärzten bei ihrer An stellung den„Auftrag" zu errheilen,„die angehenden Mediziner zu unterweisen", und was ist unter den„ st a a t l i ch e n und sonstigen großen Krankenhäusern zu verstehen? Meint der Antragsteller mit„staatlichen An stalten" etwa die Militärlazarette? Damit dürften die Herren Antragsteller denn doch kein Glück haben!— Früher schon könnte dies bei den„sonstigen" Krankenhäusern, sofern damit die städtischen Krankenhäuser verblümt angedeutet werden sollen, der Fall sein. Daß dies nicht geschieht und seitens des Magistrats kein solcher„Auftrag" ertheilt wird, dafür Sorge zu tragen ist Aufgabe unserer Presse, welche diese Angelegenheit stetig im Auge behalten wird. In dem Arbeiter-VerkelirS-Alinauach für Berlin und Umgebung, der vor einigen Tagen im Verlag von Hans Vaake, Berlin L., City-Passage, erschienen ist, wird der Arbeiterschaft Berlins eine Gabe dargeboten, die, wie wir wünschen wollen gar bald von allen, die am öffentlichen Leben interessirt sind. auf seinen ausgezeichneten Werth hin gewürdigt werden wird. Das inhaltreiche Nachschlagebuch zerfällt in drei Theile, von denen der erste die Fahrpläne der Stadtbahn-, Vorort- und Fern Züge, sowie der Pferdebahnen, Omnibusse und Dampsschiffe zc enthält. Der zweite, am Wesentlichsten in Betracht kommende Theil enthält eine nach unserer Beurtheilung gewissenhafte und übersichtliche Zusammenstellung aller Adressen, die für die Arbeiter Berlins bei irgendwelchen Gelegenheiten von Werth sein können. Wir finden hier die Adressen der Vorsitzenden der sozialdemokratischen Partei, der Neichstagsmitglieder, der Partei-Organe, der Berliner Stadtverordneten, Vertrauensleute, Wahlvereine; ferner stno in über- sichtlicher Darstellung angegeben die Gewerkschaftskoinmission, die Zentralsitze und hiesigen Filialen der zentralisirten Gewerk schaftcn, die Lokalorganisationen, Krankenkassen, der Arbeiter Sängerbund, die Arbeiter-Bildungsschule, die Lokal-Koinmisstons� Mitglieder, die Lokal- und Boykottliste für Berlin und Um gebung und die Agitationskommission für die Provinz Branden� bnrg. In einem dritten Theil endlich,„Vermischtes", finden wir eine Reihe Angaben mannigfacher Art, die ebenfalls für den Arbeiter ein mehr oder weniger großes Interesse haben. Wir nennen die Wahlkreiseintheilung der Provinz Brandenburg, eine Tabelle über die Vertretung der Provinz im Reichs tage seit 1S71, die Verordnung über die Sonntags ruhe im Handelsgewerbe, einige Notizen über die Gewerbe gerichte mit Geschäfrsplan für das Gewerbegcricht zu Berlin, ein Verzeichniß der Gerichte, Aemter, Markthallen Krankenhäuser, Fachschulen u. s. w. Mit dem Herausgeber theilen auch wir die Ansicht, daß der Verkehrsalmanach sich zahl- reiche Freunde erwerben und ein unentbehrlicher Berather jedes aufgeklärten Arbeiters ini Leben sein wird. Es läßt sich um dies so eher erwarten, als der billige Preis von 15 Pf. jedermann die Anschaffung des vortrefflichen Büchleins möglich macht. Der Bankier Georg Sejeune, der von Wien aus wegen Bankerotls verfolgt und hier festgenommen wurde, gegen den aber, ehe die Auslieferung nach Oesterreich erfolgte, ein straf rechtliches Verfahren bei dem hiesigen Landgericht eingeleitet wurde, weil er das von ihm verwaltete Vermögen einer Vev wandten bei Seite gebracht haben sollte, ist von einem Gerichts arzt für geisteskrank— Kleptomanie?— erklärt worden. Des' halb hat das Strafverfahren gegen ihn eingestellt werden müssen Lejeune, der belgischer Staatsbürger ist, wird bis auf weiteres der Irrenanstalt Herzberge überwiesen. Nebcr das Befinden der bei dem Vanungliick auf dem Postgebäude verunglückten fünf Arbeiter, die nach der Charitee gebracht wurden, meldet ein Berichterstatter, daß drei von ihnen bereits an demselben Nachmittage um 6 Uhr aus dem Krankenhauke nach ihren Wohnungen entlassen werden konnten Dies sind Hermann Kempf, Lühbenerstr. 29; Eduard Guhl, Oder' bergerstr. 28, und Hermann Rahmfeld, Neue Roßstr. 7. In der Charitee verblieben sind August Traxel, Gräfestr. 77, und Theodor Wrobel, Ekalitzerstr. 54. Der letztere hat einen Bruch des rechten Oberschenkels und einen Bluterguß im iiniegelenk davongetragen, während der erstere eine Wunde an der rechten Wade und eine Quetschung des rechten Oberarmes erlitten hat. Aber auch für diese beiden besteht keine Lebensgefahr. Der Polier Bentin hat überhaupt kein Krankenhaus auszusuchen nöthig gehabt. Die Leiche des Zimmermanns Johann Krüger aus der Schleiermacher praße 7 kommt zur gerichtsärztlichen Oeffnung. Erschossen hat sich, wie der„Volks-Zeitung" auS Charlottem bürg gemeldet wird, der Stadtrath a. D. Kark Gnevkow. Der Verstorbene hat ein Alter von 77 Jahren erreicht. Auf Autrag deS Amtsgerichts in Dirscha» ist heute ein Rechtsanwalt T. von hier verhastet und nach Dirschau gebracht worden. Den Osten und Nordosten Berlin» macht in jüngster Zeit ein feiner Spitzbube mit vornehmen Manieren unsicher. Er tritt als Wohnungssuchender auf, um dabei Gelegenheitsdiebstähle auszuführen. In einem Sonderfalle erschien er bei einer Frau Schumann in der Friedenstr. 32. Nachdem er die Wohnung be- fichtigt hatte und über den Preis verhandelte, begab er sich noch mals in das Schlafzimmer zurück, um den Raum für die Unter- bringunq seiner Sachen auszumessen. Wie die Vermietherin später feststellte, hat er dort eine goldene Uhr mit Kette im Werth von 400 M. entwendet. Von einem Hofhunde ersteischt wurde vorgestern Abend um 7 Uhr auf dem Grundstück Goll'tdwstr. 19 das 18jährige Dienst- mädchen Anna Haller, welches bei einem Bewohner dieses Hauses in Stellung ist. Der Besitzer des Grundstücks ist der Möbel- tischler Groschkus, welcher aus dem Hose ein Fabrikgebäude hat; zur Bewachung des Terrains ist ein Privatwächter angestellt, zu deffen Unterstützung ein großer bissiger Hofhund gehalten wird Ani gestrigen Abend zu obenerwähnter Zeit begab sich das Dienstmädchen Anna H. nach dem Hofe hinaus, auf welchem der Wächter das Thier an einer Kette umherführte. Als der Hund das junge Mädchen erblickte, riß er sich von der Kette loS, stürzte sich auf die vor Schreck Gelähmte und zerfleischte der Unglück- lichen in des Wortes wahrster Bedeutung den rechten Arm und Schulter, ihr außerdem entsetzliche Wunden in der Brust zu fügend. Erst nach vieler Mühe gelang es dem Wächter, die Bestie von dem blutenden Körper des Mädchens loszureißen Die Bedauernswerthe, welche schwer verletzt ist, erhielt sofort ärztliche Hilfe; sie befindet sich m Privatpflege und dürste längere Zeit arbeitsunfähig sein. Weiberklatfch hat den Tod eines Menschen zur Folge ge- habt. Dem Rohrleger Schröder war hinterbracht worden, daß der in demselben Hause Demminerstraße 4 mit ihm wohnende Schuhmacher Swoboda sich dahin geäußert habe, er habe mit Schröder's Frau aus einem Kessel gegessen. Dadurch wurde Schröder so erregt, daß er am II. d. M. Abends an die Thür der Swoboda'schen Wohnung klopfte, und, als Swoboda wieder aufstand und öffnete, ihn zur Rede stellte und zugleich an- K Heinend mit einem Schlagring ihm inehrere Schläge auf den opf versetzte und auch noch in den Finger biß. Swoboda ist an den Verletzungen in der vergangenen Nacht gestorben. Die Sammelliste 265 für die ausgesperrten Brauerei- Arbeiter, auf welche bereits 5,50 M. gezeichnet sind, ist verloren gegangen. Es wird gebeten, dieselbe bei Hoffmann, Alte Jakob- straße 39, Hos S Tr., abzugeben. Polizeibericht. Am 13. d. M. Vormittags wurde vordem Hause Landsbergerstr. 79 ein Mann durch einen Schlächterwagen überfahren und am Unterschenkel bedeutend verletzt.— Auf dem Klosel einer Schankwirthschaft in der Wollinerstraße versuchte Nach mittags ein Töpfer sich zu erhängen. Er wurde noch lebend ab geschnitten und nach der Charitee gebracht.— Nachmittags gegen 2>/s Uhr waren auf dem Erweiterungsbau des Reichspostamts. Leipzigerstr. 16/17, 7 Arbeiter unter der Leitung eines Maurer- poliers auf einem zwischen dem ersten und zweiten Stocke an gebrachten Gerüst damit beschäftigt, schwere eiserne Träger in den zweiten Stock hinauszuschaffen. Hierbei brach das Gerüst zu- sammen, und die sämmtlichen darauf befindlichen Personen stürzten herab. Ein Arbeiter wurde sofort getödtet, zwei erlitten schwere Verletzungen, der Polier sowie drei Arbeiter wurden leichter verletzt, ein Arbeiter blieb unverletzt.— An der Ecke der Kaiser Wilhelm- und Neuen Friedrichstraße gerieth ein Tapezirer- lehrling unter die Räder eines Postwagens und wurde am Bein erheblich verletzt.— In einer Fabrik chirurgischer Instrumente, in der Müllerstraße, warfen drei Lehrlinge aus Uebermuth einen Strick über eine im Gange befindliche Transmissionswelle, an den sich einer von ihnen hing. Er wurde infolge dessen wiederholt um die Welle geschleudert und erlitt mehrere Knochenbrüche.— Abends wurde ein dreijähriger Knabe vor dem Hause Pallisadew straße 61 durch einen Postwagen überfahren und am Kopfe be- deutend verletzt.— Auf gleiche Weise verunglückte vor dem Hanse Prenzlauer Allee 6 ein dreijähriger Knabe, indem er unter die Räder eines Omnibus gerieth und schwere Verletzungen an den Unterschenkeln erlitt.— Im Lause des Tages fanden zwei kleine Brände statt. WitternngSiiberstcht vom 14. Jnni. Witterung in Deutschland am 14. Juni, 8 Uhr Morgens Obwohl der Luftdruck feit gestern allgemein etwas zu- genommen hat, ist das Wetter doch in ganz Deutschland noch trübe. Gestern Nachmittag batte Keitum auf Sylt Gewitter, heute Morgen finden bei ziemlich lebhaften westlichen Winden in Nordwest- und Süddeutschland leichte Regenfälle statt. Die Temperaturen haben sich bis jetzt erst sehr unbedeutend gehoben im Südosten überschreiten dieselben noch nirgends 10 o Celsius. Wetter-Prognose für Freitag, den 13. Juni 18S4. Ein wenig wärmeres Wetter mit mäßigen westlichen Winden und veränderlicher Bewölkung, ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Die Blntthat in Lichterfelde, wodurch zwei Menschen- leben vernichtet wurden, beschäftigte heute das Schwurgericht des Landgerichts II. Der Tbäterschast war der aus der Unter- snchungshaft vorgeführte Gärtner Rudolf Helbig beschuldigt. In der Frühe des 1. März d. I. wurden»n Groß-Lichterselde in Der Slegiitzerstraße zwei Leichen gefunden. In den Tobten wurden der Gärtner August Kurz und der Buchhalter Ad. Dethloff, zwei in Lichterfelde wohnhafte Personen er- kannt. Beide hatten viel Blut verloren und beide waren in gleicher Weise, nämlich am linken Oberschenkel, in der Nähe des Unterleibes verletzt. Kurz hatte dort eine sechs Zentimeter lange und 2 Zentimeter tiefe Wunde, Delhloff's Leiche wies einen furchtbare» Schnitt von 21 Zentimeter Länge auf. Die Leichen lagen etwa hundert Schritt von einander entfernt. Der Verdacht der Thäterschast lenkte sich deshalb auf den Angeklagten, weil dieser zuletzt mit den beiden Verstorbenen gesehen worden war. Anfangs leugnete Helbig, als man ihm aber Blutspuren an seinen Kleidungsstücken nachwies, räumte er ein. die That begangen zu haben. Er habe als Waffe ein Gärtnermeffer benutzt, welches er gleich nach der That in dem Garten seines Prinzipals, des Maurermeisters Schmidt, verscharrt habe. Das Messer wurde an der bezeichneten Stelle gefunden. Die Veranlassung zu dem traurigen Er- eigniß soll ein unbedeutender Wirthshausstreit gewesen sein. Es ist darüber folgendes festgestellt worden: Am Abend des 28. Februar befanden sich die Verstorbenen und der Angeklagte im Kube'schen Echanklokal gegenüber der Schützen- kaserne. Die beiden Erfteren sptelten mit dem Wirth und einem dritten Gast Skat. Als sie hiermit gegen 10 Uhr aufhörten, forderte Hclbig sie zu einer Partie Villard auf. Es wurde darauf eingegangen. Während Des Spiels kam es zu leichten Neckereien, die sich aber im Nahmen der Harmlosigkeit be> wegten und auf das Spiel Bezug hatten. Erst nach Be- endigung des Spiels, als die Gäste im Begriff standen. auszubrcchcn, kam es zwischen Kurz und Dethloff einerseits und dem Angeklagten andererseits zu Aeußerungen, die sich auf das persönliche Gebiet bewegten. Dethloff und Kurz gingen gleich nach 2 Uhr, etwa 3 Minuten später verließ auch Helbig das Kube'sche Lokal. Der Wirth trat dann mit dem letzten Gast, den Hausdiener Schelzien, vor die Thür und führte mit ihm noch eine kurze Unterhaltung. Beide und auch die im Gastzimmer befindliche Ehefrau Kube hörten nach wenigen Minuten«Hilfe! Wächter!" rufen. Der Ruf schien vom Viktoriaplatz her zu kommen. Kube und seine Ehefrau wollen Hclbia's Stimme erkannt haben. Keiner der Ohrenzeugen hat Veranlassung genommen, der Ursache des Hilferufs nachzuforschen. Der Angeklagte giebt folgende Schilderung von dem Auf- tritt, der sich auf der Straße abgespielt hat: Als er den Kreuzungspunkt der Dahlemcr- und der Steglitzerftraße erreicht hatte, habe er dort zwei Personen stehen sehen. Erst beim Nähertreten habe er Kurz und Dethloff erkannt. Kurz sei ihm entgegengetreten und habe ihm ohne Weiteres mit einem Stocke über den Kopf geschlagen. Nun habe er sein Taschenmesser her- vorgezogen, eS geöffnet und damit von unten nach oben einen Stoß gegen den Körper seines Angreifers ge- Ohrt. Dann Hab« er sich jzur Flucht gewandt. Nach wenigen Minuten habe er Schritte hinter sich gehört, er habe gefühlt, wie sein Verfolger ihn hinten am Rock- kragen zu fassen suchte. Er habe sich schnell umgedreht und mit de», Messer, welches er noch offen in der Hand gehalten, seinem Verfolger einen Stoß versetzt, der von unten nach oben gerichtet war. Dethloff, der sein Verfolger gewesen sei. sei sofort zu- ämmengesunken. Er habe dann die Flucht ergriffen. Für die Richtigkeit dieser Darstellung sprechen mancherlei Umstände. Auf dem Kopfe des Angeklagten wurden bei seiner Verhaftung mehrere Beulen entdeckt, welche wohl von Stockschlägen herrühren können. Helbig will sich in beiden Fällen im Zustande der Roth- wehr befunden haben, da die Verstorbenen die Angreifer gewesen und größer und stärker gewesen seien als er. Sein Vertheidiger, Rechtsanwalt Coßmann, tritt nach dieser Richtung hm den Eni- lastungsbeweiS an. Der Angeklagte ändert fein früheres Geständniß dahin ab, daß er die gegen ihn gerichteten Angriffe hlindlings mit dem Messer abgewehrt habe, ohne zu wissen, wohin er gestoßen habe. Er habe nicht nur eine Beule, sondern auch eine offene Wunde auf dem Kopfe gehabt. Hiervon hätten auch die Blutspuren in seinen Kleidern hergerührt.— Die Beweisaufnahme mußte sich aus Feststellung der Vorgänge vor der Blutthat beschränken. Im wesent- lichen deckten sich die Aussagen Der Zeugen mit den Angaben des Angeklagten. Abgesehen von Reibereien geringfügiger Natur, sei im Kube'schen Lokal nichts vorgekommen, welches einen Racheakt von der einen oder der anderen Seite vermuthen lassen konnte. Die beiden Verstorbenen wurdeni als ruhige, solide Menschen geschildert, aber auch dem Angeklagten konnte in dieser Beziehung-nichts nachgesagt werden. Unaufgeklärt bleibt ein Umstand. Der Angeklagte behauptete. daß das Kube'sche Lokal aus Vergeßlichkeit ohne er gelassenen Hut geklagte, daß lassen habe. wäre, wenn betreten habe. habe. Kopfe daß Lokal Nun meinte der An- seine Wohnung ver- es ihm aufgefallen ohne Kopfbedeckung Röder ent- ---- Jubel" nicht gefallen Röder zu und zweitens Kopfbedeckung verlassen habe. Der Hut müsse im Lokal zurück- geblieben sein. Der Zeuge Kube erklärte,� daß er einen zurück- "" nicht gefunden er mit bloßem Kube meinte, Helbig sein An dem Thatorte ist der Hut nicht gefunden morden und hielt der Staatsanwatt es für möglich, daß der Angeklagte den Hut beseitigt hatte, wie er es mit dem Messer gethan.— Der Vertheidiger legte dem Gerichtshof eine Depesche vor, worin das Kommando eines Feld-Artillerie-Regiments auf eine Anfrage bestätigte, daß Helbig wegen Geisteskrankheit vom Militär entlassen sei. Die medizinischen Sachverständigen begutachteten. daß der Tod der Verwundeten innerhalb weniger Minuten infolge Verblutung eingetreten sei. Der Staatsanwalt. Assessor Jürgens, führte aus, daß von einer Nothwehr gar keine Rede sein könne, selbst wenn Kurz den Angeklagten angegriffen haben sollte. Den Dethloff, der sich in seinem guten Rechte befunden hatte, als er den An- geklagten greifen wollte, durfte der Letztere nimmer- mehr über den Haufen stechen. Der Staatsanwalt empfahl den Geschworenen, die Fragen in Betreff der schweren Körperverletzung mit tödtlichem Ausgange zu bejahen und dem Angeklagten mildernde Umstände zu versagen, damit die strenge Bestrafung als Abschreckungsmittel für andere Messerstecher dienen könne. Der Vertheidiger behauptete dagegen, daß der Angeklagte in Furcht, Schrecken und Bestürzung über das Maß der erlaubten Roth- wehr hinausgegangen sei und deshalb straflos ausgehen müsse. Der Spruch der Geschworenen lautete auf N i ch t s ch u l d i g im ersten, auf Schuldig unter Zubilligung mildernder Um- stände im zweiten Falle(Dethloff). Der Staatsanwalt be- antragt« drei Jahre Gefängniß. Das Urtheil lautete auf zwei Jahre Gefängniß, wovon drei Monate durch die Untersuchungshaft abgerechnet worden. Eine antisemitische Heldenthat. Das merkwürdige Abenteuer, welches der Schriftsteller Arnold P e r l s in der Belle-Alliancestraße hatte, war durch ein schöffengerichtliches Urtheil noch merkwürdiger geworden. Als Herr Perls in der fraglichen Nacht durch die Belle-Alliancestraße kam, begegnete ihm der ihm bekannte Zahnarzt Karras in Begleitung eines Fremden und rief ihm einen harmlosen Gruß zu. Da erwiderte ihm der Fremde, der sich als der Kaufmann E puppte, mit lauter Stimme:„Halte die Schn. Herr Perls glaubte, sich eine solche Beleidigung lassen zu brauchen, er trat also auf Herrn und sagte zu ihm: Erstens bin ich kein Jude verbitte ich mir, daß Sie mich in dieser Weise duzen!'Nehmen Sie das gefälligst zurück!" Die Antwort waren verschiedene Stockschläge, die Herr Röder Herrn Perls über den Kopf ver- setzte, so daß P. stark blutend zu Boden stürzte. Herr Karras, der vergeblich vorher versucht hatte, einen Zusammenstoß zu ver- hindern, spielte nun den barmherzigen Samariter und brachte den Verletzten mittels Droschke nach der Sanitätswache, während sich Herr Räber entfernte. Am andern Tage suchte Herr Karras bei dem Verletzten zu vermitteln und als Dies mißlang, ging Herr Röder zu einem ihm befreundeten Arzt, zeigte ihm eine angeblich in jener Nacht durch einen Slockschlag des Herrn Perls verursachte Beule am Kopfe u»d ließ sich das Vorhandensein derselben bescheinigen. Auf grund dieses Attestes stellte auch er den Strafantrag, und so ist es denn gekommen, daß der blutig geschlagene Herr Perls, der bei dieser Affäre noch den Verlust der goldenen Brille zu beklagen hatte, auch noch mit aus die Anklagebank mußte. Das Schöffen- gericht folgte sogar der Behauptung des Angeklagten Röder, daß Herr Perls zuerst geschlagen habe, obgleich dieser jedes Schlagen seinerseits entschieden bestritt und der unparteiische Augenzeuge Herr Karras ein solches nicht gesehen hatte. Das Ende vom Licde war, daß Röder unter der Annahme, daß derselbe in Nothwehr gehandelt, zu 100 M.. Perls dagegen zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt wurde. Da von beiden Seiten gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt war, sö hatte sich gestern die 6. Strafkammer des Landgerichts I noch einmal mit dieser häßlichen Straßen- szene zu beschäftigen. Die Strafkammer beurtheilte die ganze Situation doch wesentlich anders, als das Schöffengericht. Durch die Beweisaufnahme gewann der Gerichtshof die Ueberzeugung, daß Herr Räber sich nicht in der Nothwehr befunden, dagegen 'err Perls, wenn er geschlagen haben sollte, einen Akt der othwehr begangen habe. Perls wurde deshalb von Strafe und Kosten gänzlich freigesprochen, die gegen Röder erkannte Strafe dagegen für zu niedrig erachtet und aus 300 Mark ev. 30 Tage Gefängniß erhöht. VermisUzkes: Wer wird begnadigt? Vor kurzem wurde in Plauen t. V. ein Kolonialwaareuhändler, Schaub mit Namen, welcher wegen Verkaufs total verdorbener Schellfische zu 8 Tagen Ge- angniß verurtheilt worden war, vom König begnadigt. Jetzt ist ein ähnlicher Fall zu verzeichnen. Herr Bernhard Sommer, in Firma Sommer u. Haas«, war wegen Betrugs zu 3 Wochen Ge- sängniß und einer Geldstrafe verurtheilt worden, weil er S t i ck e r dadurch betrogen hat, daß er auf die Muster weniger Stiche schrieb, als dieselben ent» hielten,„um die Löhne nicht zu sehr drücken zu müssen". Jetzt ist der Mann ebenfalls durch die Gnade des Königs vor dem Gefängniß bewahrt worden! Die Cholera. Anläßlich 5 Cholera-Erkrankungen und eines Cholera-Todesfalles in dem polnischen Bezirke Borszczow(Galizien) ist seitens des österreichischen Ministeriums des Innern ein den Beschlüssen der Dresdener Konferenz entsprechendes Ausfuhrverbot gewisser Gegenstände aus diesem Bezirk erlassen>worden. Aus Lemberg meldet das Bureau„Herold": Da' die Cholera in Polen immer festeren Boden gewinnt, werden alle aus Rußland kommenden Reisenden in Szakowa ärztlicher Kon- trolle unterzogen. DaS Gepäck wird desinfizirt. Das Amtsblatt in Bukarest publizirt die zur Abwendung der Choleragesahr versiigten UeberwachungSmaßregeln, sowie die Verordnung bezüglich der gegen Oesterreich und Rußland be- 'chlossenen Grenzsperre. Die Pest in Hongkong. Nach«wer Depesche des „Reuter'schen Bureaus" aus Hongkong sind dort am Mittwoch 86 Personen an der Pest gestorben und 9 englische Soldaten von der Krankheit befallen worden. Die chinesische Bevölkerung ver- läßt fortgesetzt den Ort und begiebt sich zum größten Theile nach Canton. Ein chinesisches Kanonenboot ist beordert, um die Ueberführung der Kranken nach der chinesischen Küste zu unter- tützen. Seil dem ersten Auftreten der Pest am 4. Mai sind bis etzt 1700 Chinesen an der Seuche gestorben. Die Epidemie soll im Abnehmen begriffen sein. Bprecisaal. Die Redaktion stellt die Benugung des Sprechjaals, soweit der Raum dafü abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Inhalt desselben identifizirt zu werden. Aufforderung. Zwecks Zeugenschaft in einem von dem Sattlerwaaren- Fabrikanten Moriz Stecher zu Frei berg in Sachsen angestrengten Prozeß werden die jetzt in Berlin anwesenden Sattler, die zu Ostern d. J. in der Fabrik des Genannten in Freiberg arbeiteten, ersucht, ihre Adressen der Intereſſes zur Verfügung; fie wahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Redaktion des Vorwärts" zu übermitteln. Zu dem von uns in der gestrigen Nummer veröffentlichten Bericht schreibt uns Herr Koblenzer: Es ist nicht wahr, daß ich in meinem Referat den Vertrauensbruch des Herrn Furchtbar so wie dort erwähnt, geschildert habe. Vielmehr habe ich in dem Referat weder des Herrn Furchtbar, noch der Hilfsarbeiter Er wähnung gethan. Die fraglichen Aeußerungen machte Herr Conrad in der Diskussion und lauteten dieselben folgendermaßen: Bei einer außerordentlichen Kassenrevision, welche eines Mittags stattfand, wurde Furchtbar dabei betroffen, daß er Listen der bei Innungsmeistern arbeitenden Gesellen aus den Büchern auszog und zwar im Auftrage des zweiten Vorsitzenden, Herrn Rahart. Letzteres gab er selbst zu. Diese Handlung bezeichnete er als groben Vertrauensbruch und gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß wenn die Hilfsarbeiter davon wüßten, auch sie sich eines groben Vertrauensbruches schuldig gemacht hätten. Dieselben wären pflichtet gewesen, den Vorstand davon in Kenntniß zu setzen. In der Diskussion habe ich nur das Verhalten des Meisters Rahart in seiner Eigenschaft als zweiter Vorsigender gekennzeichnet. Ich habe auch nicht gesagt, bedeutende Nachtheile wären der Kasse nicht erwachsen, sondern ich habe bewiesen, daß troh der Maßnahmen die Kasse genau so gut dastehe wie früher. Die Hilfsarbeiter gaben mir wiederholt die Erklärung ab, daß sie von der Handlungsweise Furchtbar's nichts wußten, und schenke ich dieser Erklärung, so lange Gegenbeweise nicht da sind, Glauben. C. Koblenzer, Adalbertstr. 96. etwas ver= Mitglieder- Versammlung der Briefkaffen der Redaktion. Gesammelt auf" Fiebigshöhe" 3,-. Gef. in der Schwerinstr. 12 durch J. H. 1,-. Auf der Geburtstagsfeier von Jul. Haute Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( Zwei Buchstaben oder eine Sahl 3,55. Pianofabrik von Grabom und Kunst 6,55. Verein Ber anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. hiesigen Blättern verbreitete Gerücht, daß dieselbe nachträglich W. N. 30. Das über die Nord stern- Brauerei von dem Brauerring beigetreten sei, ist von der genannten Firma nicht dementirt worden, scheint also richtig zu sein. Grünau. zu entnehmen, daß die Bekanntgabe am Buffet gestanden und Aus Ihrer vermeintlichen Richtigstellung ist nur nicht am Zaun. Das ist doch höchst unwichtig. Sie wollten doch nur bekannt geben, daß im Lokal Wendenschloß boykottirtes Bier verzapft wird, dem wurde doch damit genügt. M. B. 101. Genosse Kaiser war gewählt in Freiberg( in Sachsen) und zuletzt in Breslau. M. S., Köpenick. Der Vertrag gilt auf ein Jahr, wenn er nur mündlich geschlossen ist und der Miethspreis 500 Mart beträgt. . B. 84. Das können Sie beantragen. Syrowy. Ja. O. B. Leider existirt solch' 3wang. E. K. Der Erfolg der Klage hängt von der Beweisaufnahme ab. Jedenfalls müßten Sie alsbald, vor Anstellung der Klage, polizeilichen Sühneversuch bei der Revierpolizei beantragen. 2. B. 100. Ephraim'sche Stiftung. Ja. Abonnent. Bei freihändigem Verkauf( d. i. Verkauf ohne Subhastation) tritt der neue Eigenthümer ohne weiteres in die Nechte des alten ein. F. F. 52. Nein. Briefkaffen der Expedition. Für die Brauerei- Arbeiter gingen ein: straße 52, 2,60. Tischlerei von Reichel 2,-. Ges. in d. Fraiſerei liner Schirmmacher 15,-- Tischlerei von C. Krug, Prenzlauer Zellerf. Der Verf. der Glaser am 12. Juni durch R. St. 8,40. von Wagner und Dünebeil, außer dem ersten Kutscher, 8,50. Die Stuckateure Stettins durch Franz Behm 30,-. Spandauer „ Grüne Jungen" 25,-. Eine zielbewußte Proletarierin 5,-. von zwei sozialistischen Studenten in Harburg 3,-. Tischlerei J. Groschkus, Landsbergerstr. 25/26, 18,40. Gesammelt Britzer" straße 32 bei Paris 1,50. Dampferpartie von Mix u. Genest 7,50. Ertrag einer amerik. Auktion einer„ echten Havanna" 10,04. Brettergeld, Wrangelstr. 33 II 2,70. Gesangverein Deutscher Männerfang" 20,- Gesangverein Glück zu" 10,-. Sozialdemokratischer Verein in Barmen 50,-. Gewerkschaftskartell in Leipzig 100,-. Summa 395,64 M. Bereits quittirt 1112,73 M., in Summa 1408,37 M. 35, Für die Bergarbeiter Oesterreichs gingen ein: Schneider- Werkstätte Markgrafenstr. 1 6,-. M.; in Summa 41 M. Für die Burger Schuhmacher gingen ein: Schneider- Werkstätte Markgrafenstr. 1 6,-. Bereits quittirt Für die Wiener Tischler gingen noch nach Schluß der Sammlung ein: Tischler- Werkstatt Breste, Fürbringerstraße, 3,-. Ferner für die Wiener Steinbildhauer von den Steinarbeitern in Werthau 8,47 M. Franz Röhl. Wir nehmen den Betrag auch in Brief marten an. G. 2. 7. Inserate 33,40 M. Depeschen: ( Wolff's Telegravhen- Bureau.) London, 14. Juni. Der Lordoberrichter von England Lord Coleridge ist heute Abend 8 Uhr 40 Min. gestorben. Bau Pokery, Töpfer Petersburgerstraße d. Gaßmann 6,35. Ritterstr. 86 4,-. Am Stammtisch Zeperneck, Eichendorfstr. 1,-. Fuhrmann 3,40. Tischlerwerkstatt Wilfe, Wrangelstr. 38 4,65. Die alten Genossen aus der Chauffeestr. 11,40. Amert. Auktion einer Bigarrenspite bei Hildebrand 3,70. Möbelfabrik London, 14. Juni. In der Nähe von Westport in der Eckert, Ruppinerstraße, 2. Rate 11,40. Gefangverein irischen Grafschaft Mayo fenterte ein Passagierdampfer; etwa Esmeralda 6,-. Vom Steinarbeiter- Werkplatz Zeidler 10,-. dreißig Personen sollen dabei ertrunken sein. von Holz- u. Bretterträger Berlins u. Umg. am Sonntag, den 17. Juni, Vormittags 10 thr, bei Herrn Mähring, Märkischer Hof, Admiralstr. 18c. Tages- Ordnung: O 1. Berichterstattung des Delegirten der Gewerkschafts Kommission. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen ersucht 186,5 Der Vorstand: P. Rarnal. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Sonnabend, den 16. Juni, Abends 81/2 Uhr, bei Deigmüller, Alte Jakobstraße Nr. 48a: General- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Ersatzwahl des Vorstandes und der Kommissionen. 2. Antrag der Arbeitsvermittelungs- Kommission auf Abänderung des§ 11 im Statut. 2. Verschiedenes. 475 8 Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Mitgliedsbuch legitimirt. Unterricht in allen Fächern des Wissens ertheilt ein Philologe gegen mäßigests Honorar. Achtung, Zimmerer! Näheres Grenzstraße 18, i Treppe Verein der Zimmerer Berlins und Umgeg. geradezu. 1198b 100 Mark zahle ich demjenigen, der mir nachweist, daß ich boykottirtes Bier verkaufe in Flaschen oder vom Apparat. Rummelsburg bei Berlin, den 13. Juni 1893. Hugo Bordt. 3269 Eine alte deutsche Feuer- Vers.- Gesellschaft sucht für Berlin u. die Provinz thätige Haupt- u. Spezial- Agenten. Hohe fortlaufende Bezüge event. auch festes Gehalt werden zugesichert. Expedition entgegen. Offerten unter 0. P. 2 nimmt die P. 2 Evora- Bräu 219L* Das Sommerfest, welches am 18. Juni in der„ Neuen Welt" statt- in vorzügl. Qualität empfiehlt in Gefinden sollte, ist auf Montag, den 13. August, verlegt. Achtung! Rohrer. Ach g! Oeffentl. Derlammlung am Sonntag, den 17. Juni 1894, Vormittags 10% Uhr, in Wilke's Saal, Andreasstraße Nr. 26. Tages Ordnung: 1. Die Lohnreduktion bei der Firma Juliusberg und wie stellen sich die Rohrer Berlins und Umgegend zu derselben? 2. Verschiedenes. 498/18 Der Einberufer. Achtung! Maurer. Achtung! Zentralverband deutscher Maurer, Filiale II. Berlin. Sonntag, den 17. Juni, Vormittags 10/2 Uhr, in den ArminHallen, Kommandantenstrasse 20: Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt. 295/12 Der Bevollmächtigte. Marienfelde. Mariendorf. Am Sonntag, den 17. Inni, Nachmittags 3½ Uhr, bri Teutschbein, Marienfelde: Versammlung des Arbeiter- Bildungsvereins für Mariendorf und Umgegend. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Paul Jahn. 2. Dis. faffion. 3. Fragetaften. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Der Vorstand. 11976 Schöneberg. Tempelhof. Freie Vereinigung der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter Schöneberg's und Umgegend. Mitglieder Versammlung 912 am Sonntag, den 17. Juni, Nachm. 1½½ Uhr, in Jacob's Salon, Grunewaldstraße Nr. 110. Neue Mitglieder werden dort aufgenommen. Spandau. Der Vorstand. Sonntag, 17. d. M., Nachm. 4 Uhr, bei Herrn Bork, Stafenerstr. 11: Große öffentl. Volks- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten F. Zubeil. 2. Diskussion. 3. Der Vierboykott. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 498/19 Der Vertrauensmann. binden v. 20-100 Ltr. 30 FI.= 3 M. Otto Linke, Lagerhof 3. Telephon Amt III Nr. 404. Weißbier! Sonntag, den 17. Juni, Vorm. 10 Uhr, in Cohn's Festsälen, Beuthstraße Nr. 22, 1 Treppe. Versammlung. Tages Ordnung: $ 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Vortrag des Genossen Jahn über: Die Arbeiterbewegung Frankreichs". 3. Diskussion. 428/18 Die Mitglieder werden ersucht, recht pünktlich und zahlreich zu ers scheinen. Zutritt hat jeder Zimmerer. Der Vorstand. Achtung! Charlottenburg. Achtung! Sonntag, den 17. Jnni, Vormittags 10% Uhr: Große öffentliche Versammlung der Maurer und Putzer in ,, Bismarckshöhe", Wilmersdorferstraße 39. Tagesordnung: 1. Vortrag über:" Der Kampf ums Dasein!" 2. Diskussion. 3. Die Mißstände im Baugewerbe und wie sind dieselben zu beseitigen? 4. Wahl eines Vertrauensmanns. 1208b Der Einberufer. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Achtung! Rummelsburg. Achtung! Oeffentliche Versammlung für Rummelsburg und Umgeg. am Sonnabend, den 16. Juni, Abends 82 Uhr, im Saale des Herrn Müller, Neue Prinz- Albertstrasse. Tages- Ordnung: Für Fabriken und Werkstätten sowie für Wiederverkäufer liefere 1. Berichterstattung der Bier- Boykottkommission über das Verhalten ich mein Versand- Weißbier in einzelner Gastwirthe( speziell des Herrn Hugo Bordt). 2. Diskussion. unübertrefflicher Güte zum Preise von 3. Stellungnahme der Arbeiterschaft den Gastwirthen gegenüber. 3 Mt. für 40 halbe oder 45 4/10 oder 25 8/10 oder 20 ganze Flaschen, frei zu erscheinen. in's Haus, in Flaschen mit Patentverschluß, ohne Pfandberechnung. Fernsprecher Amt Schöneberg No. 92. A. Seidler, Schöneberg, 214L* Sedanstraße Nr. 73-75 und 82. Berliner Weissbier- Brauerei. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Genossen, 484/15 Die Herren Gastwirthe sind hierdurch ganz besonders eingeladen. Die Bier- Boykottkommission. J. A.: A. Oehlking. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Achtung! Köpenick. Achtung! Sonnabend, den 16. Juni, im Lokale d. Hrn. Scheer, Wilhelmsgarten: Sommernachts- Ball Roh- Tabak des Vereins der Heizer und Maschinisten A. Goldschmidt, 4435L* am biesigen Plaze wie bekannt grösste Auswahl! Garantie für sicheren Brand. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindl. Rohtavate sind am Lager. A. Goldschmidt, Oranienburgerstr. 2. 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Dirigent ( am Kottbuser Platz). für Arbeiter- Gefangverein für Dienstag in Sonn- u. Regenschirmen. wird fof. gesucht. Zu melden LandsGrößtes Lager. berger Allee 51 b. Schulz. 1205b Berantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Drud und Verlag von Maz Bading in Berlin, SW, Beutbitraße 2. L Beilage zum„Vomärts" Berliner Volksblatt. !lr. 136. Freitag, den IS. Jan» 1894. 11. Jalsrg. ©evitftfs-Bcifmto;. Gewerbegericht.. Kammer?UI. Vorsitzeuder: Assessor F ü r st. Sitzung vom 9. Juni. Den Losin für drei Stunden, welche er zum Besuch der KontrollversaMmlllngen benutzt hatte, verlangt der Schriftsetzer B. von dem Drnckereibesitzer Berg; letzterer hatte ihm das Geld von seinem Wocheiilohn abgezogen. Trotz des Zuredens des Vorsitzenden, welcher in der gewünschten Bezahlung jener drei Stunden eine hier angebrachte Koulanz sieht, weigert sich der Beklagte, dem Kläger entgegen zu kommen. Dieser, nunmehr vom Vorsitzenden belehrt, daß er einen rechtlichen Anspruch auf Bezahlung der drei Stunden nicht habe, zieht seine Klage zurück. In einer Verhandlung gegen Herrn Scherl, den Trucker des„Lokal-Auzeiger", bemerkte der Vorsitzende:„Jeder Arbeit- geber ist verpflichtet, bei der Lösung eines Arbeitsverhältnisses dem betreffenden Arbeiter sofort seine Paviere auszuhändigen. Liegt es in der Natur des Betriebes, dag Entlassungen gewöhn- lich vor Beginn der Bureaustnnden von Chef und Komptoir- personal vor sich gehen, so sind dem Arbeiter die Papiere möglichst schnell(per Post) zuzustellen; etwaige Schädigungen des Arbeiters infolge zu später Uebermittelung der Papiers fallen dem Arbeit- geber zur Last." Kammer VI. Vorsitzender: Assessor Leo. Rücksländigen Lohn und eine Lohuentschädigung wegen küudignngsloser Entlassung verlangt der Kellner N. von dem Schankwirlh Sieinnnd. Eingewandt wird von dem Beklagten, es sei mit N. bei seinem Eintritt in das Geschäft kein Lohn vereinbart worden, derselbe habe demznsolge solchen auch nicht zu verlangen. Die Entlassung sei deshalb eine berechtigte ge- wesen, weil der 5tläger seine, des Beklagten, Gäste in der Neujahrsnacht ungehörig behandelt und ihn selbst grob beleidigt habe. Beireffs der Lohurest Forderung erzielte der Kläger ein obsiegendes Urlheil. Der Gerichlshof hielt hierbei an seiner beständigen Praxis fest, nach der Arbeitern und Kellnern, wenn bezüglich der Entlohnung nichts verabredet wurde, der Anspruch aus den ortsüblichen Lohn der betreffenden Arbeiter- katcgoric zusieht. Erweislich war dem Kläger bei seiner Annahme und auch später nicht gesagt worden, daß er keinen Lohn be- komme und auf die Trinkgeloer angewiesen sei. Die beantragte Lohuentschädigung wurde dem Kläger nicht zugebilligt, weil dieser nach der Aussage eines vereidigten Zeugen zu dem Beklagten am Stzloesier gelegentlich eines Streits geäußert hatte, derselbe habe ihin garuichls zu sagen. An dem Streit war ein Gast schuld, der dem Kläger Geld schuldete und dem dieser deshalb seinen Ueberziehcr abpfäudeu wollte. Die Abweisung begründend, snhrte dcr Vorsitzende aus:„Das Gericht hat zwar den Eindruck gewonnen, daß der Streit zivischen dem Kläger und seinem Arbeit- geber. wie anch die Aeußerung:„Sie haben mir garnichls zu sagen," eine Folge dcr bekannten Sylvesterstimmnng gewesen ist, jedoch wurde jener Ausdruck als eine grobe BeleiMung angesehen, welche die Entlassung rechtfertigt; daher mußte entschieden werden, wie geschehen. Prozefi Stadtsiage«. (Fortsetzung.) I» der Dewcisaufnahme wird zunächst der L a n d g e r i ch t s> Rath Meinhardt vernommen. Für ihn sei die Geiängniß instrünwn und das Jnstizminisierial-Neglement maßgebend gewesen. Keineswegs habe er zu Ungunsten des Pens Ausnahmen gemacht, eher im Gegentheil. Allerdings habe er ihm verschiedene Bücher nicht ausgehändigt; auch habe er zur Verhütung von Kassibernnfug angeordnet, daß Pens immer nur ein Blalt Papier erhalte. Ob Pens in Einzelzelle gesessen, wisse er nicht mehr, desgleichen die übrigen Einzelheiten. Angeklagter:§116 Str.- Pr.-O., nicht das für Gqangene erlassene übrigens nach vielen Richtungen hin wohl kaum giltige Gefängnißrcglement des Justizministers hat der Richter als Richtschnur zu nehmen. Das Gesetz erlaube zweifellos keinerlei Vorenthaltung von Büchern an Unlersuchnngsgefangene, noch weniger diese eigenthümliche Papierverabreichung. Aus den Akten ergebe sich, daß unter anderem von dem Zeugen Brieke zurückgehalten und an Büchern vorenthallen seien: Tie Ctrafprozeß-Ordnung, Tolstoi, Hans Dampf u. s. w. Ter Zeuge giebt dies zu, hielt sich aber für berechtigt, die Lektüre des Untersuchungsgefangenen zu regeln. Angeklagter: Die entgegengesetzte Anschauung folgt aus dem Gesetz. Erst nach seinem Eingreifen sei Pens' Lage etwas gemildert worden. Warum habe Zeuge seinen schleunigen Antrag vom II. Januar 1891 auf Herstellung eines gesetzlichen Znslandes nicht erledigt? Zeuge: Aus den Antrag ist am 14. ooer 15. Januar Herausgabe einiger Bücher und dergleichen ver- fügt. Pens hat sehr viel Schreibmaterial erhalten, vielleicht 10 Mal so viel als andere Unrersuchungsgefangene. Ang ek l.: Zweifellose Pflicht des Richters war es nach§ 116 der Stras- prozeß-Ordnung, dasür Sorge zu tragen. Ich erwähne, nachdem das Kammergericht wiederholt von mir in diesem Bezirk gegen Verschränkunge» der Rechte aus§ 116 der Slrafprozeß-Ordnung angerufen ist, ist in diesen, Bezirk etwas Abhilfe geschaffen. Insbesondere finde ich auch darin eine Gesetzwidrigkeit, daß nicht einmal ein von Pens abgesandtes Telegramm an mich befördert ist. Untersuchungsrichter Meinhardt: Allerdings das Telegrami» ,st nicht sofort abgesendet, aber ich habe sofort nach Vorlegung Absendung verfügt. Pens verzichtete auf Absendung des Telegramms, weil Stadthagen inzwischen ausführlich brieflich unterrichtet war. Stadthagen: Also ist diese Thatsache, über die mich beschwerdet zu haben, u. a. mir zur Last gelegt wird, in vollem Umsange zutreffend. Mir scheint, die Gesängnisse und Gesetze sind der Augeschuldigten Halberda, nicht umgekehrt. Ist das Magdeburger Gesängniß überfüllt, hat es �nicht hin reichende Beamte zur Verhinderung eines„Kassiberunfugs" so sind diese einzustellen. Die Beamten, die wegen Uebev füllnng u. s. w. gesetzwidrig handeln, müssen sich diesen Vorwurf gefallenlassen, wenngleich eine höhere Justizstelle moralisch für solche Schäden verantwortlich sein mag. Daß dieser Zeuge und die späteren behaupten werden, nach bestem Gewissen ge> handelt zu haben, ist doch nichts mich Belastendes. Landgerichlsdirektor Jsenbarl, jetzt in Han> nover: Ich habe Pens sehr zuvorkommend behandelt. Lektüre habe ich ihn, gewährt. Zw«, Broschüren(„Zur Taktik der Sozialdemokratie" und die„Neue Zeit"), die der Augeklagte dem Pens u. a. zusendete, habe ich vorenthalte», weil diese Broschüren anstößig waren. In dcr„Lienen Zeit" sand ich einen Artikel über„Prostitution" anstößig. Ten diese Broschüren eulhallenden Brief des Angeklagte» habe ich geöffnet. Ich hielt mich hierzu befugt. Pens habe ich sehr entgegentommend behandelt. Angeklagter stellt aus Priesen des Pens an ihn fest, daß Bens das entgegen- gesetzte Gefühl gehabt habe. Die Oessnung meines Briefes und die Vorenthaltung der Broschüren war im höchsten Grade un- zulässig. Wie darf der Zeuge sich ein Urtheil über die„Anstößig- keit" von Broschüren als Richter erlauben, wenn er nicht parte,- politisches Gebiet betritt? Was war a» denVroschüren anstößig? Daß die eine der alten Legende nalionalliberaler und ähnlicher Kreise entgegen, die Sozialdemokraten wollten nur rohe, blutige Gewalt, wieder einnial darlegt, daß der historische Entwickelungsgang, die ökonomische und politische Entwickelung, die sozialdemokratischei, Ziele zur Reife bringt. Der für anstößig erachtete Artikel aus der„Neuen Zeit" tritt allerdings nicht, wie die „Magdeburger Zeitung", für Bordelle und Wollustanslalten ein. Ist das so anstößig, daß die Lektüre einem sozial- demokratischen Schriftsteller, der sich in Untersuchungshaft befindet, verwehrt werden darf? Ein Gesetz, das dies gc- stattet, hat auch dieser Zeuge nicht angeführt. Wie kam der Zeuge dazu, gegen Pens auf durchaus ungesetzliche Strafe von Ehrverlust nebst vier anderen gelehrten Richtern zu er- kennen? Mir ist nachträglich zur Kenntniß gelangt, daß einer der Richter Bedenken hatte, aber den § 35 Str.-G.-B. nur bis zur Hälfte durchlas und dann seine Bedenken fallen ließ. Ich bitte Zeugen hierüber zu be- frage». ZeugeLandgerichts-Direktor Mein Hardt: Es ist ja richtig, daß der Staatsanwalt die ungesetzliche Strafe von 5 Jahren Ehrverlust gegen Pens beantragte und daß wir 5 gelehrte Richter diesen Antrag zum Erkenntniß erhoben. Ich lehne es ab über den Hergang bei der Berathung Zengniß abzulegen. Angeklagter verlangt Gerichts- beschluß über Zulässigkeit seiner Frage. Der Staats- anmalt erachtet eine Aussage über die Be- rathungsvorgänge für»nznlässig, da die Berathung eine geheime ist. Der G e r i ch t e h o f schließt sich dieser An- schauuug an. Zeuge Erster Staatsanwalt M a i z i e r. Keineswegs habe ich Nebler beeiden lassen oder gar beeiden lassen, um eine Anklage gegen ihn zu erheben.— An- geklagter: Landgerichtsrath Meinhardt, ev. die Geschworenen im Prozeß Fritsche miisso» bekunden, daß Herr Meinhardt auf meine Frage, weshalb Neßlcr beeidet sei, erklärt hat: so viel ich mich entsinne, auf Requisition des Staatsanwalls.— Zeuge M e i n h a r d l stellt dies in Abrede, giebt zuletzt die Möglichkeit zu; lhatsächlich habe er ohne Requisition beeidet, um die Sache zum„biegen oder zum brechen" zu bringen.— Angekl.: Dann beantrage ich ausdrucklich, die damaligen Geschworenen zu laden. Vorsitzender: Es ist ja ganz glcichgiltig, was der Landrichter als Zeuge nach dieser Richtung hin ausgesagt hat. Ihnen wird zum Vorwurf gemacht, daß sie den Ersten Staatsanwalt beschuldigt haben, lediglich um eine Anklage wegen Meineids zu erheben, die Vereidigung herbeigeführt zu haben.— Angeklagter(erregt): Das ist ein Vorwurf, der ja jeder Begründung entbehrt. Ich bitte, das zu verlesen, was ich lhatsächlich geschrieben habe.— Es wird festgestellt, daß Angeklagter nur in einem der Schriftsätze ge- schrieben hat: Neßlcr dursle nur dann als Zeuge beeidet werden, wenn von seiner Aussage die Erhebung der Anklage ab- hing. Diese hing durchaus nicht von seiner Aussage ab. Staats- anwalt Maizier muß bekunden können, daß die Staatsanwalt- schaft die Beeidigung herbeigeführt hat, um eventuell eine Anklage wegen Meineides zu erheben.— Angekl.: Das ist doch etwas absolut Richtiges, nur daß nicht die Staatsanwalt- schaft, sondern der Untersuchungsrichter ohne Requisition die Beeidigung vorgenommen hat, aber als Zeuge glaubte er sich zu erinnern, daß er dies ans Requisition hin gethan habe. Neßler hätte nicht beeidet werden dürfen.— Staatsanwalt: Die Beleidigung liegt in der Unterschiebung des niedrigen Motivs.— Angekl.: Solch' Motiv habe nicht ich aus- gesprochen; gegen irrige Interpretationen ist allerdings der An- geklagte leider wehrlos.— Zeuge erster Staatsanwalt M a c z i e r(ans Befragen): In dem Brief des Staats- anwalts Sachse an die hochschwangere Frau Bens hätte ich gewünscht, daß das Aussprechen des B e- dauerns, daß Pens hoch bestraft würde, fortgefallen wäre.— Angeklagter: Ich stelle wiederholt unter Beweis, daß dieser Brief, den gar der Zeuge seiner Milde wegen mißbilligt, auf die Erkrankung der Frau Pens und auf den schnellen Tod derselben nicht ohne Einfluß gewesen ist. Aehnliches ist es mit dem Tode der Frau Fritsche. Weshalb wurde Pens nach dem Tode seiner Frau gegen 5060 Mark Kaution entlassen? Der Gerichtshof lehnt die Anträge als unerheblich ab.— Staatsanwalt Sachse als Zeuge: Verschleppung hat nicht vorgelegen. Die Anklage habe ich am 5. Januar entworfen, am 6. Januar wurde sie vom ersten Staatsanwalt geprüft und dann dem Oberstaats- anwalt, der dies verlangte, übersendet. Etwa nach einer Woche seien die Akten zurückgekomnien. Gegen Pens habe er den aller- Vings durchaus unzulässigen Ehrverlust beantragt, weil er in seinem Strasgesetz-Excmplar(Ausgabe Daude) nicht umgewendet hat. Ter A n g e k l a g t e betont, daß nicht nur junge, sondern gar 5 gelehrte Richter ans die zweifellos ungesetzliche Strafe, die vom Reichsgericht vernichtet wurde, erkannt haben. Wo stehe in der Siraf-Prozeßordnung, daß der Oberstaatsanwalt die Entwürfe durchzusehen habe? Der hierdurch herbeigeführte Zeilverlust ist größer, als die Woche, die die Prozeß Novelle als hinreichenden Zeitraum von Ergreifung bis Verurtheilung fordere. Ferner seien wider das Gesetz die Anklagen wegen Meineides wider Fritsche und Malthies erhoben. Keine Rede dürfe davon sein, daß auf die Aussage der eigentlich Beschul- diglen Gewicht gelegt werde. Was heiße die des absichtlichen Herren als Zeugen über Fehlen anders, als den Angeschuldigten völlig ungesetzlich vorgegangen, UntersuchungsAefangenen vor- Tod der Frau Pens und der Frau Fritsche durch Maßnahuien und Unterlassungen von Behörden mindestens beschleunigt sei, stelle er wiederholt unter Beweis. Er müsse entschieden verlangen, daß der Gerichts- Hof sich in den Gedankengang zu versetzen suche, daß der Ver- theidiger nicht nur bcrechngt, sondern verpflichtet sei, krasse Gesetzesverletzungen zu rügen. Nach wie vor habe er die Ueber- zeugung, daß selbst die Anklagen in Sachen Wissorowski, in Sachen Fritsche, in Sachen Matthies nicht nur unberechtigt, sondern wider bessere Ansicht erhoben seien. Um dies zu be- weisen, stelle er wiederHoll folgendes unter Beweis. In der Anklagesache wider Mertens sei von§*«»«_ Zeugen in Amtsmißbrauchs beschuldigten dieser Absicht zu vernehmen zum Richter zu machen? Das daß geistige Tortur von gelegen habe, daß der Abrede gestellt, daß unter radle Rechtepflege" gefallen inhaltlich des Erkenntnisses belanglos erachtet. Den anderm die Worte"„Mise- seien. Diese Worte seien für die Sache völlig beiden Zeugen sei dann zur Last gelegt, sie leisteten einen wsi s s e n l l i ch e n Meineid, weil sie behauptet hatten,„sie können sich nicht irren". Als Zeuge in dem Prozeß wider st« habe auch Revier erklärt, er könne sich nicht irren. Dann hätten sieben Bergleute dasselbe eidlich erklärt. Auch gegen sie sei nur wegen der Behauptung, wegen des Urtheils,„sie können sich nicht irren", Anklage er- hoben. Dem gegenüber stelle er eine Anzahl Fälle aus nicht nltramonlanem und nicht sozialdemokratischem Lager, in denen eine Anzahl gebildeter Herren das Gegentheil der Wahrheit mit dem Eide bekräftigt, aber dennoch ganz zutreffend nicht unter Anklage gestellt seien. So habe Landgerichts-Direktor Brause- weiter unrichtig behauptet, stets sei unter seinem Vorsitz die Zeit zwischen dem ersten Erkenntniß und nach Aufhebung des Er- kenntnisses durch das Reichsgericht anberaumter zweiter Ver» Handlung auf die Untersuchungshaft angerechnet, das sei nobils officium indicis, er halte jeden Jrrthnm für aus- geschlossen, nie habe er auf einen Vorwurf, diese Zeit nicht an- gerechnet zu haben, erklärt: da könnte ja jeder kommen und Revision einlegen oder vgl. Und doch ist das in Abrede gestellte, wie die Akten wider Telk, ergeben und die Rechtsanwälte M ü s e l e r und S t r a n tz bekunden werden. unrichtig, Unrichtiges habe S t ö ck e r mit dem Eide bekräftigt, als er behauptete, Ewald zum ersten Mal zu sehen. Unrichtiges habe der frühere Landrichter Lieb mann bekundet, als er erkärte, er könne sich nicht irren, nicht eine sondern drei Loko- motiven habe er gesehen oder umgekehrt. Unrichtiges habe der LandgerichlS-Direktor a. D. L e s s i n g und der Redakteur S t e p h a n n nach Ansicht des Gerichts unter Eid behauptet. Staatsanwall R o m e n, ein Hamburger Landrichter und einige Anwälte haben einander widersprechende Angaben gemacht. In keinem aller dieser Fälle sei Anklage erhoben. In Sachen Fritsche besteht das ganz« Verbrechen der Angeschuldigten darin, gesagt zu haben: ich kann mich nicht irre». Sie, die einfachen Bergarbeiter, seien aber wegen wissentlichen Meineides angeklagt. Der leitende Vorsitzende habe nach Verlesung eines Reichsgerichts-Urtheils durch den Verlheidiger. inhaltlich dessen jeder Richter sich selbst sagen müsse, jeder Mensch könne irren, und demgeniäß" die wegen fahrlässigen Meineides Angeklagten freigesprochen habe, den Geschworenen bedeutet: dies Urtheil ginge sie nichts an, sie sollten sich nicht„irre machen" lassen. Es sei in denselben Prozessen, wie er wiederholt unter Beweis stelle, von seilen der Anklagebehörde die politische Stellung der Angeklagten hineingezogen. All' dies rechtfertige seine lieber- zeugung, daß in jenen Sachen das Recht gebeugt sei, dies in nicht beleidigender Form auszusprechen sei nicht nur sein Recht, sondern seine Pflicht als VeNheidiger. Weiter stellt Angeklagter ein Gespräch des Obmanns der Geschworenen in Sachen wider Matthies mit dem Rechtsanwalt Morris unter Beweis. Das Gericht lehnt die Beweisanträge als un- erheblich ab. Aus der weiteren Beweisaufnahme ist folgendes hervorzuheben. Rechtsanwalt U l l m a n n- Magdeburg: Auch ich sungirte als Verlheidiger in jener Sache, die Sache hat mich wenig interessirt, und sind deshalb die Einzelheiten meinem Gedächtniß entschwunden. Nach Schluß der Beweis» aufnabme erhält der Staatsanwalt das Wort. Er hält alle zur Anklage stehenden Beleidigungen für erwiesen. Die- selben seien alle aus demselben Gesichtspunkte zu betrachten. Aus den Eingaben des Angeklagten gehe hervor, daß es demselben weniger darum zu thun war. die Interessen seiner Klienten wahr- zunehmen, als in sozialdemokratischer Weis« Propaganda zu machen. Der Angeklagte habe wissen müssen, daß der von den schwersten Beleidigungen strotzende Brief an seine» im Gesang- nisse befindlichen Klienten und Gesinnungsgenossen der Kontrolle unterlag und dessen Inhalt dadurch zur Kenntniß der Behörde gelangte. Bei der Strafabmessung komme als erschwerend die Zügellosigkeit der Sprache, sowie besonders der Umstand in Be- tracht, daß ger Angeklagte zu damaliger Zeit selbst ein Organ der Rechtspflege war. Er beantrage eine Gesammtstrafe von neun Monaten Gesängniß. Der Angeklagte bestreitet in längerer, mit heftigen Angriffen gegen die Magdeburger Rechtspflege durchsetzten Rede, sich irgend« wie schuldig gemacht zu haben. Er sei auch heute noch der durch diese Verhandlung bestärkten Ueberzeugung, daß die Behandlung. welche Pens im Untersuchungsgefängniß und durch das Land- gericht Magdeburg erfahren, wider Recht und Gesetz sei. Er widerlegt die Aussagen der vernommenen Richter im Einzelnen und geht die einzelnen Phasen der Untersuchung durch, um seine Ansicht zu begründen, daß das Verhalten der Staats- anwaltschaft und des Untersuchungsrichters in Magdeburg weder der Humanität, noch den Vorschriften der Slrasprozeß-Orvnung entsprochen habe. Es sei doch unbegreislich, wenn man einen Untersuchungsgefangenen Papier, Lektüre und sogar die Straf« prozeß-Ordnung, deren er nolhwendigst bedurfte, vorenthielt. Er bleibe bei der Ueberzeugung, daß dieses Verfahren mittelbar den Tod der Frau Pens, die in ihrer schweren Stunde vergeblich die Freilassung ihres Gatten erfleht habe, mit beschleunigt habe. Bis jetzt sei noch von allen Parteien angenommen, daß ein noch un« schuldiger Untersuchungsgefangener alle möglichen Erleichterungen genießen solle, wie sie dce Strafprozeß-Ordnung vorschreibe und wie sie so mancher Gauner genieße, der früher einmal reich ge« wesen. Er habe nichts weiter gethan, als was seine Pflicht als Vertheidiger in diesem geradezu fürchterlichen Fall gewesen sei und wenn man dem Vertheidiger einen Strick daraus drehen wolle, daß er im Wege der Beschwerde Rechtsbeugungen, die nach seiner Meinung zum Schaden seines Klienten begangen werden, hintertreibe, so würde man zu Zuständen gelangen, gegen welche die russischen Zustände noch eine Art Eldorado sein würden. Ihm stehe der Schutz des§ 193 voll und ganz zur Seite. In der Sache Pens sei er daran gewöhnt gewesen. daß Briefe, die er an diesen geschrieben, durchweg mehrere Tage zu spät bestellt wurden, ganz unerhört müsse es ihm aber er- scheinen, daß ein Brief, den er an seinen Klienten Matthies ge- richtet, offenbar unbefugt geöffnet worden sei. Er müsse nach wie vor behaupten, daß hier eine Briefuvtcrschlagung vorliege und daß Matthies diesen Brief überhaupt nicht erhalten habe und beantrage Beweisaufnahme darüber, wie dieser Brief überhaupt zu den Akten gekommen. Wegen unbefugter Oeffnung u. s. w. dieses Brieses hat er unter dem LS. Juli 1833 Strafantrag gestellt. Bis jetzt fehle es an einem Bescheide. Es erscheine ihm undenkbar, daß er wegen des Inhalts dieses Briefes, der nur für Matthies be- stimmt gewesen und wider seinen Willen und sein Vermuthen dritten Personen zur Kenntniß gelangte, wegen Beleidigung be- straft werden könnte. Er beantragt nochmals die Vernehmung des Pens; ferner des Dr. Moos in Dessau, daß ein Bescheid der königl. Staatsanwaltschaft zu Magdeburg an die Ehefrau Pens, wonach ihr Ehemann eine schwere Strafe zu erwarten habe. mittelbar zu dem Tode der Frau mitgewirkt habe; sodann die Geschworenen, die in der Sache Fritsche mitgewirkt te. ic. Zu berücksichtigen sei, daß es für ihn und, wie er glaube für jeden anständigen Mann, kein höher zu achtendes Wesen gäbe, als eine hochschwangere Frau. Wenn er über die schweren, den Frauen Peus, Fritsche -7 = = und Matthies indirekt, wie er gerne zugebe unabfichtlich, zu- scher Männerchor, Schönhauser Allee 28, bei Kuhlmey.-Nord, Berggefügten Leiden erregt geworden sei, sei das begreiflich. Um ftraße 68, bet teller. Vorwärts 1, S.D. Adalbertstr. 21, bet Roll. Summer' scher Gesangverein, Langestraße 65, bei Tempel. 8 Uhr Abends publizirt der Vorsitzende, Landgerichts- Direkt or bin der Männerchor Berlins, Holzmarktstraße 3, bet Deter. Buch Mai Baath, daß alle Beweisanträge als unerheblich oder nicht zur 8 lödchen, Hochftr. 32a, bet Wilte. Gemüthlich feit Puzer, Sache gehörig abgelehnt werden. Nach sehr scharfen Repliken Köpenick, Müggelheimerstr. 3 bei Held. Sendelftr. 30. Palme, in Welten, bei Schröder. morgenroth 4, und Dupliken wird um 9%, Uhr publizirt, daß das Urtheil am Charlottenburg, Bismarckstr. 75.- Typographia, Gefangverein Berliner Gesangrerein Morgenroth 2, 20. b. M., Morgens 9 Uhr, verkündet werden soll. Buchdrucker und Schriftgießer, Alte Jatobftr. 75.-- Gesangv. Nordwacht, Müllerstr. 7, bei Reichert. Gesango. Freie Sänger in Schmargendorf. Wirthshaus Friedrichs. 8utunft 1, Steglig, Ahornstr., im Gambrinus, Gefangverein Goltegia 1, Manteuffelstraße Nr. 9 bei Nowack. Bereinte Sangesbrüder Moabit, Havelbergerstraße Nr. 31, Sängerverein Sorgenfret, Melchiorftr. 15 bet Stehmann.- Nord- West- lub Berolina jeden Dienstag und Freitag Uebungsstunde bei Grüßner, Stern, Altonaerstraße 27 bet Lipte. Vineta, Veteranenstraße 19 Dersammlungen. Acerftr. 67. Zurnverein Fichte( Mitglied des Arbeiter- Turnerbundes Gesang, Turn- und gesellige Vereine. Freitag. Männer- Gesangs verein union, Abends 9 Uhr, Berliner Bockbrauerei. Quartettverein Männerchor Wedding, Abends 8% Uhr, bei Schäfer, Steue Hochstr. 49. Walde srauschen, abends 9 Uhr, bei Weigt, Martgrafeuftr. 87. Privat theaterverein Crescendo, Abends 9 Uhr, bei Schulz, Punbuserstr. 35. Theaterverein Bultanta, 9 Uhr, Jäger's Gesellschaftshaus, Garten= 8% ühr bei Sauermann, Adalbertfir. 8. ftraße 13-14. Theaterverein Freier Wille, jeden Freitag Abend Berliner Zurngenossenschaft. Die erste Männerabtheilung turnt Freitag und Dienstag Abend von 8-10% Uhr in der Turnhalle des Lessing- Gymnasiums Pantsir. 9-10. Turnverein Gesundbrunnen bie 1. Männer- Abtheilung turnt heute Abend von 8%-10% Uhr in der Turnhalle des Leffing- Gymnasiums, Pantstr. 9-10.- Kraft- und Artisten Waldemarstr. 42. Turnverein Germania( Mitglied des deutschen Arbei Schulz. Freie iedertafel, Neue Königstraße 73 bet Hahn. better- Turnerbundes) turnt Dienstags und Freitags Abends von 8x- 10% Uhr Brandenburger Männer- Gesangverein in Brandenburg a. H., Mengert's Boltsgarten. Sängerchor der Töpfer, Neue Friedrichstr. 44 bei Deutschlands.) Die zweite Männer- Abtheilung turnt jeden Dienstag und Röllig.-Brauer- Gefangverein Gerstenäbre, Alte Jatobite. 88 b. Wienecte. Freitag Abends von 8-10 Uhr in der Staligerftr. E5/ 56. Johanni, Am Oftbahnhof 7 bei W. Güblow.- Ginigteit 3, Gr. Lichterfelde Vergnügungsverein Veilchen, Abends 9 Uhr, bet Brauns, bei Gries, Giesensdorf.- Gefellt at eit, Hennigsdorf, Böhmert's Gasthaus Oranienſtr. 183 p. Geselliger Arbeiterverein Graphia, Abends 8 Uhr Maiengruß, Köpenick, Grünstraße 58 bet Gaut. Alte Jatobftr. 128( 2ogenhaus).- Unterhaltungsflub Schiller, Abends Wittenberge, Thurmstraße 23, Sentralhalle. Oberon, Kaiser Franz 8 Uhr im Restaurant Holzbächer, Drenfeftraße 3. Lepidopt. Bereinigung Grenadier Play 7.- Fris, Naunynftr. 86 bei Friz Zubeil. Freya 2 Orion, Abends 9 Uhr Sigung Charlottenstr. 95, Restaurant Effenberg. ( gem. Chor), Nirdorf, Bergstraße 133, Hoffmann's Festfäle( Inhaber Musitverein Hoffnung, Abends von 9-11 Uhr Uebungsstunde Prostauer, Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter( E. H. 29, Runge). Loreley, Grünstraße Nr. 4. Gesangverein der Straße 35-37 bet Schneider. Bergnügungsverein Berolina= Filiale Rirdorf). Sonnabend, den 16. Sunt, Abends 8% Uhr, bei Schaller, lemper und Berufsgenoffen, Siemensstraße Nr. 17 bei Viet. ustige Abends 9 Uhr im Restaurant Bur Gleichheit", Andreasstraße Nr. 26, Berlinerstraße 117: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Kaffenbericht. Sänger, Potsdam, Brandenburger Kommunikation 16 bei Glaser. Sizung. Nach derselben Tanz. Tanzlehrer- Verein Solidarität, 2. Bericht des Delegirten von der Generalversammlung zu Aschaffenburg. Deutsche Liebertafel, Grüner Weg Nr. 29 Restaurant Saeger. Abends 8 Uhr im Lokale von Ehrenberg, Annenstraße Nr. 16, 3. Neuwahl der Ortsverwaltung. - Sängertreis( Weißensee), Königschauffee Nr. 46 bet Dorn. Sigung. Rauchklub Rothe Fahne, Freitag Abends 9 Uhr, Geselliger Verein Anker". Freitag, den 15. Juni, Abends 9 Uhr, in Apollo, Grünstraße Nr. 21 bet Sommer. Rheingold( vorm. Cuvryitr. 48 bei Kricheldorff. Ruderverein Vorwärts, Sigung Reichert's Festfälen, Müllerstr. 7: Sigung. Mohr'sches Doppel- Quartett), Büschingstr. 7 bei Jakob.- Sängertette, Abends 8 Uhr, in der Spreeterrasse, Jannowizbrücke. Gesangverein Arbeiter- Bildungsschule. Freitag, Abends von 8%-10% Uhr: Nord- Kottbuser Damm 74 bei Hilte.-Spandau in Spandau, Neumeisterstr. 5, Freya( gemischter Chor) Nixdorf, Abends 9 Uhr, bei Barta, Bergstr. 120. Schule, Müllerstraße 179a und Südost Schule, Waldemarstr. 14, 9teftaurant Radtte. Lorbeerzweig, Swinemünderstr. 35 bei Queitsch. Bergnügungsverein Jm Brand, Sigung Abends 9 Uhr, bet Fr. Germer, Deutsch( Logit und Rethorit). Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Melodia, Rirdorf, Bergftr. 133, Hoffmann's Festsäle. Orante, Landsbergerstr. 105. Theilnehmer, Damen und Herren, jeder Seit aufgenommen. Weißensee, Königs- Chauffee 19 bet kriedemann. Edelweiß 3, Wolliner firaße 62. Stralauer Stebertafel, Nummelsburg, Berlinerstraße bet Friesecke. Syrene, Linienstr. 19 bei Neumann. Der deutsche Holzarbeiter Verband( Bezirk sten) hielt am 27. Mai eine Versammlung ab, in der Herr Joel einen interessanten Vortrag über das Thema: Die Religion und Sittlichkeit" hielt. An der Diskussion betheiligte sich der Kollege Elein im Sinne des Referats. Unter Vereinsangelegenheiten famen nochmals die Verhältnisse in der Werkstatt von Berndt ( Friedrichsberg) zur Besprechung. Hefe- und Diskutirklubs. Freitag. Karl Marr, Abends 8 Uhr, bei Gruber, Mariendorferstr. 5.1 Westen, bei H. Werner, Bülowstr. 59. Arbeiter Süngerbund Berline und mgegend. Borsitzender Ab. Neumann, Brunnenstraße 130, 2 r. Alle Renderungen im Bereinstalender find zu richten an Fried. Kortum, Manteuffelstr. 49, v. 2 Tr. Freitag. Uebungsstunde Abends 9 Uhr. Aufnahme von Mitgliedern. Raiser: 1 Arion, Sund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegen. Alle Buschriften find zu senden an P. Gent, Adalbertstr. 95. Freitag: Vergnügungsverein Frisch auf, Abends 9 Uhr, Dhingaffe 2 bei Krebs. @taitlub Kairo, Abends 8 Uhr bei Flick, Simeonftr. 23. Spree- HavelDampfschifffahrts- Gesellsch., Stern'. Zu dem am Sonntag, den 17. Juni, im Müggelschloß stattfindenden großen asozialdemokratischen Sommer- Fent fahren unsere Dampfer von früh 6 Uhr bis Mittags 11 Uhr nach Bedarf ab Café Alsen( Sachse's Wellenbad) vor Schlesischen Thor nach Müggelschloß. dem Otto Naether, Uhrmacher, Anklamerstr. 44, an der Brunnenstr. Reparaturen an Uhren jeder Art solid und preiswerth.[ 54172 Bitte lesen Sie! 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