Ar. 288. 34. Jahrg. Bezugspreis: !8ierteliSHrI.S.g0Mt. monalL 1,80 Mk. wöchenllich 80 Lsg. frei WZ Hau-, vorauZzahlbar. Einzelne Wochentags» Nummern ö Lsg. SonntagSnuvimer mit illustrierter Beilage.Die Neue Welt» 10 Lsg, Loschezug i Monatlich ILO Ml. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn S.oO Ml., für das übrige Ausland 4 Ml. nionailich PostbestelZungen nehnien an Dänemarl. Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Losl-ZeitungS-Prcisliste. Erscheint täglich. Telegramm» Adresse: »Sozialdemokrat Berlin», Berliner Vullrslrlntl. ( 5 Pfennig) Der Anzeigenpreis tcträgi f. die sicbengespaltcneKolonel- -eile 60 Pfg„Kleine Anzeigen", das scitgedruilte Wort 20 Psg.(zu- lästig 2 fettgcdrnrltc"Worte), icbeZ weitete Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigcn da» eriie W ort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buchsladen zählen fiir uoei Worte. TeuerungSzuichtag 20°/» sZamilicu» Anzeigen 5» Pfg., voliiitche u. gewei kschafiliche LereinS- fltizeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen siir die nächsie Numnrer niflsfcn bi» » Uhr nachuiitt. im Hauptgeschösi, Berlin SW.SS, Lindenstrage 8, ab- gegeben werden. Geöffne! don L Uhr stüh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der fozi aldemokrati f eben Partei Deutfchlands. Reüaktion: SW. 6$, Linöenstraße 3. fherttilirecber: Amt Moriitpla«, Str. 151 90—151 97. Sonnabend, den 20. Oktober 1917. Expedition: SM. öS, Lindenstraße 3. Kernsprecher: Amt Morihpla«, Str. 151 90—151 97. Die Millen Fukunstsarbeit. Würzburg, den 19. Oktober 1917. Ucber Finanzlvirtschaft und Sozialpolitik nach dem Kriege läßt sich bequem auch länger sprechen, als einen Par- teitagsvormittag. Unzählige Protokolle werden sich noch sammeln, ehe in diesen Fragen völlige Klarheit geschaffen sein wird. Aber noch etwas anderes muß hinzukommen. Klärung der tatsächlichen Verhältnisse, unter denen wir aus dem Krieg in den Frieden hinübergehen werden. Jetzt sind wir auf der Reise ins unbekannte Zukunftslond und eigentlich müßte jeder Redner zu seinen Vorschlägen und Erwägungen den Vorbehalt machen:„Wenn es nicht noch anders kommt!" Es läßt sich nicht verhindern, daß die Debatte in Einzel- heiten verflattert! aber zwei feste Punkte lassen sich aus ihr doch herausgreifen: Das ist zunächst der besondere Einschlag, der ihr durch das Eingreifen der Frauen gegeben wird. Die Genossinnen Reitze-Hamburg und Juchacz ergreifen das Wort. Sie sprechen von den unendlichen Leiden der Fronen im Kriege und von ihrer Sorge uin die Zukunft. Wie wird unser Wirtschaftskörper die Umgruppierung ertragen, die mit einem Schlags ein Mllionenheer arbeitender Frauen über- flüssig macht. Auch hier tappen wir im Dunkeln und können nur sagen:„Wir wissen es nicht". Das zweite, was der Debatte stärkeres Licht gibt, ist das Auftauchen einer Streitfrage. Genosse W i n n i g polemisiert gegen den Referenten über Sozialpolitik Genossen Wissell, weil er die sofortige Entlassung der Mannschaften beim Friedensschluß• verlangt. Er, sieht darin eine Gefahr für den Arbeitsmarkt. Ihm tritt Jäckel entgegen, der damit ebenso Zustimmung findet, wie nachher Wissell selbst, wenn er ausführt, daß schon aus rein mensch- lichen Gründen kein Soldat auch nur einen Tag länger unter den Fahnen bleiben darf, als es zur Verteidigung des Landes notwendig ist. Den heimkehrenden Krieger vor Not zu schützen, dafür muß die Arbeitslosenfürsorge, die öffentliche Arbeitsbeschaffung sorgen. Winnig hatte sich auf Cunows Referat berufen. Wie sich später aus dem Schlußwort Cu- nows ergibt, nicht ganz mit Recht. Käme es zu einer Ab- slimmung so würde Wissell wohl als unbestrittener Sieger aus ihr hervorgehen, Winnig aber ziemlich allein bleiben. Eine Abstimmung aber ist nicht möglich. Wissells Ai'Easiung ist auch die der Fraktion und kein Soldat braucht zu fürchten, er werde einen Tag später nach Hause kommen, weil ein so kluger Mann wie Winnig einmal eine weniger gute Idee gehabt hat. Ein heller Ton konmit noch einmal in die Debatte mit Scheidemanns Schlußwort. Wie in seinem Referat, verliert sich Scheidemann auch jetzt nicht in Einzelfragen. Aber er spricht von den Hindernissen, die zu beseitigen sind, ehe man oll die gesteckten Ziele erreicht. Und stürmisch stimmt ihm der Parteitag zu, als er erklärt:„Das Hindernis, das am schnellsten beseitigt werden muß, scheint mir der Reichskanzler Dr. Michaelis zu sein." Am Nachmittag kehrt man von den Zukunstsfragen zu den Fragen der Gegenwart zurück. Robert Schmidt spricht über die Volksernährung. Aus der folgenden Debatte, die Klagen über Klagen aus allen Gegenden des Reiches bringt, leuchtet eine ganz vortreffliche Rede der Genossin Wagner- Chemnitz hervor, die den Frauen rät, keine Fensterscheiben einzuschlagen, sondern lieber zu Tausenden in die sozialdemo- kratische Partei einzutreten. Das wird, so führt sie mit ein- leuchtenden Gründen aus, für die Behörden eine wirksame Warnung sein. Genosse Groger schildert aus seinen Neuköllner Erfahrungen die Groß-Berliner Ernährungsniisere. Sie ist. wovon man sich hier in Würzburg überzeugen kann, viel größer als sonst im Reiche und wenn auch die bayerischen Genossen er- widern, daß auch in ihrem Lande nicht Milch und Honig fließen, so möchten doch wir Berliner gern mit den Bayern tauschen. Erschütternd aber sind die E l e n d s b i l d e r, die Genossin Schilling aus Sachsen schildert. Die Wahl des Parteivorstandes bringt keine Ucber- raschungen. Die Wahl Slbeidemanns zum Vorsitzenden neben Ebert war zu erwarten. Nicht obne Interesse ist daaeaen die Wahl der Kontrollkommission. Hengsbach, der zur Minder- heit zählt, wird als neuntes Mitglied, mit 133 von 326 Stimmen gewählt, während Kolb-Karlsruhe nur 92 Stimmen erhalt. Kolb erfreut sich persönlich der größten Belieötbeit. TaS Ergebnis ist aber in politischem Sinne zu werten, und zwar so, daß der Parteitag die Minderheit von der über- wadbenden Kontrollinstanz nicht ausschließen, und sich mit Kolb. der nun einmal als Vertreter der äußersten Rechten gilt, politisch nicht identifizieren will. chlscht sn der Französische Erknndungs- Vorstöße bei Vauxaillon und bis Braye.— Die Einnahme von Moon.— Russisches Linien schiff Slava gesunken— Beträchtliche Beute. Amtlich. Großes Hauptquartier, 19. Oktober 1917. iW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die artilleristische Kampftütigkcit in Flandern erreichte gestern wieder an der Küste sowie zwischen Dser und LyS große Stärke. Besonders heftig war daS Feuer am Houthoulstcr Walde, bei PaSschcndarle und zwischen Ghcluvclt und Zandvoorde. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nach regnerischem Morgen schwoll von gestern mittag ab die Artillericschlacht nordöstlich von Soissons wieder zu voller Höhe an und tobt seitdem bei gewaltigem Munitionseinsatz fast un- unterbrochen. Morgens drangen bei Bauxaillon, abends an der ganzen Front bis Braye nach Trommelfeuer starke französische Abteilungen zu Erkiindungsstößcn vor; in örtlichen Kämpfen wurde 'der Feind überall zurückgeworse». Die Nachbarabschnitte und daS Rückengcländc der Kampf- front lagen unter sehr starkem Störungsfeuer, das von unS kräftig erwidert wurde. Im Ofttc'.l deS Chcmin-dcS-DameS griffen die Franzosen erneut dreimal unsere Stellunge» nördlich der Mühle von Bauclcrc a»; sie wurden blutig abgewiesen. Bei den anderen Armee» schränkte Regen und Nebel die GescchtStätigkeit ein. Unsere Gegner verloren gestern 12 Flugzeuge, davon sechs auS einem Geschwader, dos auf Roulcrs und Juxelmünstcr mit beträchtlichem Häusrrschaden Bomben abgeworfen hatte. Oestlicher Kriegsschauplatz. Unter Befehl deS Generalleiitnants von Estorff erkämpften unsere Truppen, in Booten und aus dem Steindamm durch den kleinen Sund übergehend, daS Wcstufer der Insel Moon. In schnellem Bordringen wurden die Ruffcn, wo sie Wider- stand leisteten, übcrrannt; bis zum Mittag war die ganze Insel in unserem Besitz. Bon Norden und Süden eingrrifende Landungsabtcilungen der Marine und die Geschütze unserer Schiffe trugen zu dem schnellen Erfolge wesentlich bei. Zwei russische Jnsanterie- Regimenter in Stärke von 5900 Mann wurde» gefangen; die Beute ist beträchtlich. Auf Oesel und Moon sind ein DivisionS- und drei Brigadrstäde in nnscre Hand gefallen. Unsere Seestreitkräfte hatten in den Gewässer» um Moon «ehrfach Gefecht« mit feindlichen Kriegsschiffen. Das russische Linienschiff Slava(13599 Tonnen) wurde in Brand geschossen und ist dann zwischen Moon und der Nachbarinsel Schildau gesunken. Land- und Marineflieger hielten die Führung über den Ber- bleib der feindliche» Kräfte gut unterrichtet; mit Bombenabwurf und Maschinengewehrfeuer griffen sie auf Land und See den Feind oftmals mit erkannter Wirkung an. An der rusfisch-rumänischen Landfront und auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz keine besonderen Ereignisse. Der Erste Generalquartiermeistrr. Ludendorff. Zlbendbcvicht. Berlin, 19. Oktober 1917, adeudS. Amtlich. Im südlichen Teil der flandris che« Front und nordöstlich von S o i s s o n s trotz schlechten Wetters starker Feuerkampf. Vom Osten bisher nichts Neues. Der österreichische Bericht. Wien, den 19. Oktober 1917.(W. T. A.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz und Albanien. Bei den österrrichisch-ungarischen Streitkräften nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler uud an der K ä r u t n c r F r v n t kam eS vorgestern und gcstcru au zahlreichen Stelle» zu örtliche» Kämpfcu. Unsere Truppen brachten 399 Gefangene und Kriegs- gerät ein. Am Jsonzo gewöhnliche Artillerietätigkeit. Der Chef des General st abrS. flisne-Front. Der Kanzler des Mißtrauens. Ein parteiloses Berliner Blatt brachte dieser Tage die Nachricht, daß die Mehrheitsfraktionen des Reichstags in Ge- meinschaft mit den Nationalliberalen den Beschluß gefaßt hätten, ihre Fraktionsvorsitzenden zum Reichskanzler zu schicken, um ihm nach den bekannten Vorgängen im Reichstag ihr Mißtrauen auszudrücken. Infolge der plötzlichen Abreise deS Kanzlers nach Kurland sei es aber zu dem beabsichtigten Schritt nicht mehr gekommen. An diese Mitteilung hat sich eine längere Auseinander- sctzung angeknüpft. Zentrum und Nationaltiberalc haben bestritten, daß sie in dieser Form zutreffe. Dagegen stellt die„Vossischc Zeitung" fest, daß Herr v. P a y e r, der Führer der Fortschrittlichen Volkspartei, tatsächlich in einer Unterredung mit dem Kanzler diesem seine Stellung zu den Vorkommnissen der letzten Zeit unzwcideutigklarge- macht habe. Zur Haltung der Nationalliberalen bringt die „Nationallibcralc Korrespondenz" an der Spitze ihrer Freitag- nummer folgende Erklärung: „Ein rcichssiauptstäütisches Blatt verbreitet die Nachricht. daß die Vorsitzenden der Mehrheitsparteien sowie der Vorsitzende der nationalliberalen Reichstagssrattion von ihren Fraktionen beauftragt worden seien, dem Kanzler das Mißtrauen auszu- sprechen. Soloeit die nationalliberale Fraktion in Betracht kommt, ist die Mitteilung in dieser Forin unzutreffend.. Tat- fache ist, daß in der interfraktionellen Besprechung ein gemein- sanier Schritt der Parteien in der Kanzlersrage angeregt worpcn ist. Er kam iedoch nicht zur Ausführung, da da» Zentrum und die nationalliberale Fraktion sich ihre eigene Stellungnahme vorbehieltri). Did nationalliberale Fraktion nnh.iii, Hann ihrer- seits zu der Kanzlcrfrage Stellung und stellte eine volle Eip- mütigkeit ihrer Auffassung fest. Da die Verhandlungen vertrau- lich waren, kann über ihren Inhalt eine Mitteilung nicht ge- macht werden. Eine Auftragserteiliing an den Vorsitzenden der Fraktion im Sinne der erwähnten Rotrz ist jedoch nicht erfolgt."� Welches der sachliche Inhalt her„vollen Einmütig- keit" der nationalliberalen Fraktion ist, teilt die„National- liberale Korrespondenz" nicht mit. Aber die sachliche Stellung- nähme der Nationalliberalen kann kaum zweifelhaft sein, da die„National-Zeitung" schon gestern erklärte, daß man sich bei den Nationalliberalen einig sei, daß das Verbleiben des gegenwärtigen Reichskanzlers im Amte sich als u n in ö g- I i ch erweist. Wesentlich anders als das parteiamtliche Organ der Nationalliberalen stellt die linksnationalliberale„Berliner Börsen-Zeitung" die Stellung der Nationalliberalen dar, die behauptet, „daß in sämtlichen vier Fraktionen der bereits erwähnte übereinstimmende Beschluß gefaßl worden ist und daß es sich in den Verhandlungen mit den Parteien lediglich um die formale Frage gehandelt hat, ob die Mitteilung an den Kanzler durch die vier Parteiführer durch einen gemeinsamen Schritt der Herren erfolgen sollte oder ob es nicht ans naheliegenden Grün- den tunlicher wäre, wenn jeder der Parteiführer einzeln mit dem Reichskanzler die entsprechende Rücksprache nähme." Nach der„Berliner Börsen-Zeitung" hat man sich für den letzteren Weg entschieden, und nur die plötzliche Abreise des Kanzlers habe'die Ausführung des Planes verhindert. Was schließlich das Zentru in anbelangt, so begnügt sich die„Germania" mit der Feststellung, daß der Zentrums- abgeordnete Tri mborn nicht von seiner Fraktion den Auftrag erhalten habe, dem Reichskanzler das Mißtrauen der Fraktion zum Ausdruck zu bringen... Weder das nationalliberale Dementi noch das des Zen- truins lassen in irgendeiner Weise darauf schließen, daß durch die Ableugnung der eingangs genannten Nachricht dem Reichskanzler etwa ein Vertrauensvotum der be- treffenden Parteien ansgesleUt werden soll. Im Gegenteil wird man anzunehmen haben, daß das sachliche Mißtrauen dieser Parteien gegen Herrn Dr. Michaelis fortbesteht. ES hat sich nur einmal wieder keine Einigkeit darüber erzielen lassen, wie man in positiver Weise dm Reichskanzler die Meinung der Mehrheit des Reichstages zum Ausdruck bringen sollte. Unseres Erachtens wäre es allerdings der ein- fachste und nächstliegenste Weg gewesen, wenn die genannten Parteien seinerzeit im Plenum den Mißtrauensantrag, der gegen Herrn Dr. Michaelis vorlag, angenommen hätten. Ter Reichstag bietet in der jetzigen Situation dem deut- scheu Volke kein erfreuliches Schauspiel. Es ist offenes Geheimnis, daß eine Dreiviertelmajorität das Verbleiben des Reichskanzlers im Amte für unmöglich hält. Dennoch findet diese überwältigende Mehrheit keinen Weg zum genieinschaft- lichen Handeln. Bei den bürgerlichen Mehrheitsparteien waltet eine gewisse Konfliktsscheu ob, deren durchaus ehren- hafte, mit dem Eindruck auf das Ausland rechnenden Motive wir anerkennen wollen, die ober durch Hinauszögerung und Verschleppung der Krise ini sachlichen Enderfolg viel schädlicher wirkt, als wenn man sich zu schnellem und energischem Hau- dein entschlösse. Es handelt sich dabei nicht nm um die Person des Herrn Dr. ÜßidjiwIiS, sondern auch uni die Frage, ob der Reichstag imstande ist. dem parlamentarischen System praktisch näher ;,!t kommen. Das parlamentarische System wird letzten Endes in keiner Lerfassungskonimission ausgebrütet, sondern nur durch die Praxis de? Parlaments selber überzeugt. Sein Sein oder Nichtsein hängt davon ob, ob eine Mehrheit vor banden ist, die imstande ist. ihrem Willen positiven Ausdruä! u geben. Da ist es freilich kein erfreulicher Anfang, wenn die Mehrheit in einer Frage, in der sie sachlich einig ist, sich über die Taktik des Vorgehens nicht einigen kann. Aber was auch von seiten der bürgerlichen Mehrheits Parteien versäumt sein mag. all das rettet Herrn Dr. Michaelis nicht. Er bat de» Fonds von Vertrauen, das ibm bei seinem Amtsantritt entgegengebracht wurde, bis auf den letzten Rest verwirtschaftet. So nnerfreulick, das ganze Presigezänk der letzten Tage darüber toar, wie sich die einzelnen Parteien auf der iiiterfraktioncUcn Besprechung gestellt haben, was dort be- schlössen worden sei und wie man es ausgeführt habe, eins bat sich doch mit Deutlichkeit herausgestellt: daß keine der be teiligten Parteien irgendeinen Schritt aus besonderer S y m- p a t h i e für D r. Michaelis unterlassen hat. In seinem gestrigen Schlußwort ans dem Parteitag bat Scheideinann nochmals hervorgehoben, daß Herr Dr. Michaelis obne die geninpste Fühlungnahme mit der Volksvertretung einen Posten iibernommen hat, dem er in keiner Weise ge- wachsen war. Ter Reichstag hat Herrn Michaelis sicher nicht in persönlich gehässiger Weise nachgetragen, daß er bei seiner Berufung ins Anit nicht gefragt worden ist, aber es hat sich 'ächlich gezeigt, daß es ein gefährlickxs Experiment ist, auf die Möglichkeit einer Zusammenarbeit stvischen Parlament und Regierung zu rechnen, hwn das Parlament auf die Bilduna der Regierung keinen Einfluß hat. Im Falle Michaelis ist das Experiment völlig mißlungen, und niemand zweifelt, daß die Reg i erging, nicht das Parlament, die Konse- guenzen tragen muß. ' Der Fall Michaelis l>at die llninöglichkeit des heutigen Zysteins klar bewiesen. Aber dos entbindet den Reichstag nicht von der Pflicht, scinerfeits die volle Möglichkeit des »arlamentarischen Systems klar zu beweisen. Das sollten die bürgerlichen Mehrheitsparteicn in allen ihren Handlungen wobl bedenken.___ die Lösung üer scbweöischen Kabinettskrije. Ein tiberal-sozialistisches Ministerium. Stockholm, 10. Oktober. Der König hat das Eut- lassuuasgefuch des Mmisteriums Smart, angenommen. Das ncbc Mi n i st e r i n m Eden dat den Eid geleistet. Minister- oräsident ii»d Minister ohne Portefeuille ist Eden sliberal), Minister des Aeußern Hclluer(nicht im Reichstage), Justiz t'oefgren stiengemähller Reichstagsabgeordneter, liberal). Krieg Rilson(liberal), Marine Palmstierua(Sozialist), Inneres Schotte(liberal), Finanz Brautiog(Sozialist), Unterricht Rqdeu l Sozialist), Landwirtschaft Pcterson in Paboda liberal), ohne Portefeuille Pctrcn(liberal) und U n d e n, Professor der Rechte in Upsala(Sozialist), beide nicht im Reichstage. Das neue Ministerium, in dem neben sieben Liberalen vier Sozialisten sitzen, bedeutet, daß der Widerstand der Kon- '-ervativen gegen sofortige Wahlreforni nidjt durchdrang. Sie . mußten das Feld räumen.__ Tumult in üer italienischen Kammer. Tic neue Kammcrgruppe. In der letzten Kammersitzung ereigneten sich, nach Meldung der Tel.'Unio», unglaubliche«kandalszenen. Bei der Budgetdebatte griff der Abg.<5 a m p a n a die Regierung heftig an, er verspottete Bissolati. der erlt Cadorna sturgen wollte, sich aber schließlich mi: ihm versöhnte. Bissolati ruft dem Abgeordneten zu:„Sie sind«in alter Narr 1' Campana schreit zurück:„Und Ihr Narren � molltet 600 000 Italiener vor der östcrreichis-ben Offensive nach Frankreich senden!" Die ganze Kammer gerät hierüber in Aufruhr und e« erfolgt das übliche Trommelfeuer gegw ieitiger Beschimpfungen: Schurken! Verräter! Verbrecher »i«' Ein neuer Skandal bricht aus, al« die Ab- geordneten C a s a! i n i und Modigliani die Borfälle in ?urin zur Sprach« bringen und die Minister der Erschießung un> ichuldiger Temonstrante» anklagen. V o s e l l i schreit zu den Zozialisteii hiniiber:.Ich würde gegen Euch auck mii Maschinengewehren vorgehen lassen!"(Unbeichreib Mcher Tumult) Schließlich erklärt Boselli, daß er olle Verantwortung für die Handlungen der Minister übernehme. Eine Tagesordnung Musatti, in der jede Politik verurteilt wird, dicaufFlaumacherci abzielt, ist eingebracht worden. Hinter den Kulissen des HauscS setzt sich die fieberhafte Kon sereuzlaligteii der einzelnen Parteien fort und liefert so den Be weis deS Fortbestehen« der Regierungskrise. Die neue Parle, ist auf 10 7 Mitglieder angewachsen und hat den Namen einer . P a r l a»i e n r a r i s ch e n Union" angenommen. .Ava»»" erklärt, die Opposition der italienischen Sozialisten in der Kannner gelte nicht dem M i n i> u e r i n in B o I« l l i. sondern dem Kriege. Die parlamcn> laril'che Lage werde selbst durch eine Kabinettskrise nicht gcilärt werden. J Ein römischer Bericht der„Stampa" erklärt, daß unvorher /eschene Ereignisse eintreten könnten, durch die die angeseylen /Debatten im Parlamente ausfallen würden. Auf dem Monte Citorio werde selbst von angesehenen Abgeordnelen davon gesprochen, daß die den Rcsormsozialisten angehörigen Miniitcr B i s s o l a l r und B o n o nr i sowie der Republikaner Commondini angesichlS der Haliung Mrer parlamentarischen Gruppen großen Widerwillen an den ?og legen,>v e i t e r h i n im Ministerium zu verbleiben. Tatsächlich hallen die Republikaner gegen die Regierung gestimmt, und die R e f o r m s o z i a l i st e n hätten die Absicht, zur Opposition überzugehen. Der Korrespondent meldet schließlich, daß der ehemalige Minister Facta der neuen Gruppe beigetreten sei, waS nicht ohne Bedeutung sei. Bereits gestern abend habe eine ivichrige Besprechung zwischen Boselli und Facta statt« gesunden. Mailänder Blättern zufolge verlangt die neue Kommergruppe die Beschränkung der kraft der außerordentlichen Vollmachten er« lassenen KriegSlredile auf die KriegSnolwendigkeiten. Sie rritt sür die Rechte des Parlaments ein und verkündet den Beschluß, für dir Dauer des Krieges nur kurze budgerlose Provisorien zu ge- wahren. Schließlich will die Kammergruppe eine parlamentarische Kontrollkommiision für die Lebensmittelversorgung fordern und wird der im Parlamente vorgeschlagenen Untersuchung der Finanzierung der Aeilungcn beipstichlen. Die neue Gruppe, die aus dem Kreise der Anhänger(Bio- I i rt i S hervorgegangen ist, nimmt also hiernach keine kriegS- gegnerische Stellung ein. Sie wird aber von den Kriegstreibern mißvergnügt und scheel betrachtet.(Liolim selbst«ahm alsbald nach Zusammentritt der Gruppe Gelegenheit, ein Telegramm kriegS- begeisterten. siegeSenrichlosseuen Inhalts, abzusenden. Angenommen wurde, daß er sich damit gegen die auf ihn niedergehenden Angriffe decken und andeuten wollte, nicht er sei der Vater der neuen Gruppe._ Unterhausanfragen zur Papftnote. Im englischen Unterhaus hat Lond Cecik auf Anfragen, die die Stellung der Alliierten zur Antwort Wilsons auf die Papstnote betrafen, geantwortet, die Antwort sei nicht das Ergebnis einer Verständigung mit den Alliierten gewesen und Eng- land habe sie nicht als eigene Antwort übernommen. Auf die Frage, ob die Regierung überhaupt zu antworten gedenke: erklärte Cecil, die Antwort verschieben zu wollen. Auch eine Paßfrage gab es zu erörtern. Sie hing mit einer katholischen Konferenz zusammen, die in Granada zur Jahrhundertfeier des heiligen Suarez tagte und auf der auch die Friedensnote des Pap st es zur Be sprechung ge- langte. Die englische Regierung wcigerte den englischen Delegier- ten in diesem Falle die Pässe nicht i.die Gelegenheit, mit deutschen Delegierten zusammenzutreffen, war diesmal kein Grund, die Paß- erteilung an besondere Bedingungen zu knüpfen. Die englische Regierung will auch nicht gewußt haben, daß die Papstnote zur Be- sprechung gelangte. Macdonald, der bekanntlich zu denen ge- hört hat, die sich für die Reise nach Stockholm einen Maulkorb ge- fallen lassen sollten, brachte die Angelegenheit in einer Anfrage zur Sprache, und Lord Cecil deckte sich in bezug auf den brenzlichen worden, wo nadb den inzwischen eingetroffenen Berichten die Ruhe wiederhergestellt ist. Die Petersburger Blätter melden, daß der Ausstand in den Papierfabriken, dessen Andauern den regelmäßigen Fortgang der Wahlkampagne für die Gesetzgebende Versammlung bedroht hatte, gestern beendet wurde. „TempS" meldet: In Odessa wurde eine Gruppe von Ossi« zieren, an deren Spitze Leutnant Gussaroff stand, verhaftet, die sich des Generalstabes des MilitärdistrikiS und des Telegraphen be- mächtigen wollten. Aus Kulais lKaukaiuS) meldet die Petersburger Telegraphen« Agentur: Schwere Unruhen ereigneten sich hier, in deren Verlauf der Pöbel die Viertel in der Mitte der Stadt plünderte. ES wurde der Kriegszustand verhängt. Punkt mit folgender Antwort: unS nur bekannt, daß alle Bevor die Pässe erteilt waren, war auf diesem Kongreß zur Besprechung kommenden Fragen ausschließlich auf die Suarez-Feier Bezug haben sollten; aber jetzt erfahre ich, daß auch die Pap st- note zur Besprechung kam. Di» englischen Abgeordneten haben sich indessen nicht an der Besprechung beteiligt." l! ein ßrieüensverhanülungsgeruchte. Bern,!3. Ottober. Wie der„Bund" von amtlicher österreichischer Seite erfährt, ist die Meldung der„Sentinelle" über Friedensverhandlungen in Bern frei erfunden. Leider!_ Schlecht Wetter für painleve. Bern, 13. Oktober. Tie vorgestrige französische Kammer- u n g wird von den Blättern sehr abfällig besprochen. Es sei schlechter Tag für Regierung und Parlament gewesen. Im ollgemeinen herrscht die Ansicht, daß die Regierung durch die V 1 Sonder- Jugcnd- i■' Vorstellung. Wer mit Gold zahlt, erhält 1 gleiche Karte umsonst! I EfS. Hai ÄAW! Anf. d. Abendvorstellung n beiden VorstoUnngon Das neue Programm und Die 3 Plcrrots. Sonntag. 2t. Oktober: 2 gr. Vorateliancen Nachm. 37, u. ab. 77, Uhr. In beiden Vorstellungen ungekürzt die große ■ Original- Pantomime Mexiko. Casino-Theater LciHringtr Strnfjc 37. Taglich 7.H Uhr: Wirklicher Humor! Kr. Erfolg! Die Schiagerpoije Heiraten mnMe! Vorher der neue bunte Teil. Jctml.-I Nhr: Gusto, die Perlo. APOLLO FriodrichstraOe an der Kochstr. Dir. Jamoa Klein. Allabendlich 7»/« Uhr; öleMMAMzMM Theaterk. ununterbr. geöftn. Sonntags: 2 Vorstellungen, 3'', und 7'/, Uhr� Tägl.77,. Sonnt. 37, u. 77, Nur noch bis 22. Oktober. r Kerkau-Palast Behren Straße 48 Im 1. Stock Punkt 5 U. nm.: Marionetten Unt. ander, werd. vorgef.: Francllla Kaufmann Lucia Kieselhausen Klassische Tänze Sert M'ahesa Orientalische Tänze Robert b» t c i d 1 Gebrüder Wille Hand- u. Kopf- Akrobaten Salemo der berühmte Jongleur Blondal am Schwungseil Toto der unverwüsti. Clown Hochinteress, f. Erwachs. und Kinder, jung und alt. Keine erhönten Preise für Getränke erster Güte. Eintritt u. Garderobe frei. Knn-inwf d. allbekannten nUDuCFl Gottschalk-Kap. m mse«Mi mit VF. Hartatcln. Dazu 1 große Oä-Ppogr. Schluß des Havtwteln- Ca»tsplela a. 31. Okt. Trianon-Theater Gcorgenstr., Bhf. Frledrichstr, 7,8 U. Allabendlich",ß U. Der Lebeosschüler. Schauspiel von Ludwig Fulda. Kaiser-Titz, Ida Wüst. v.MöllendorS, Kettner, Plank. Sonntag 37,: Johannisfeuer. Admirals-Palast. Die Xovltüt Abrakadabra Großes phantastisches Ballett auf dem Elsa. 77« U. Vorzügl. Küche. Spezeal-J�rzt Dr. med. Haedieke Harn-. Haut-, Geschleohteld, SyphiL(Behandlungad.12 X.). Blutunters. Ehrlich- Hata- (Salvarsan-)K.Mod.,schmerz- losoBehnndl.o.Berufstörung. - Mäßige Preise.Teiizahlung- FriEdrichsüOI-lBOYuÄb.) Ii— 1. 3— 7. Sonntags 11— 1. JU jOSS Berliner Konzertlraus Mauers tr. 82. Zimmerstr. 90/91. Rente: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters Leiter: Komponist Franz von Glon. Anfang 77, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 77, Uhr. Montag, den n. Knnvsrt''er vorl. Vereinigung d. Märk. Sängerb. 22. d. Mls; Uli hUlltoll Leitg.: Bundes-Chona. Kantor Pohl, ',',8 Die. lägt. auSottf. Häuser beluciftn den vollen Erfeig! DS8 ist die Ueds. Operettenposse in 3 Alten von Päblin. Musik von Waller Brommo. Vorverknus ab 10 Uhr ununterbr.(auch Tietz u. Jnvalidenbank). Sonntag, 21. Ott.. 37, Uhr: Auf allgemeines Verlangen! «oUtpofse in 3 Akten von Max Herbert. rrvigt-sksAler. Badstr. 58. Badstr. 58 Täglich 77, Uhr: Uoge No. 7. Sonntag, 21. Ott, nachm 3 Uhr: Dvc.Mana»claoi- Kran. AbenbZ 7 Uhr: Vogt)>«. 7. Rose-Theater. 3 Uhr: lOOl Tfacht, 77, u�: Der Weiberfeind. Walhalla-Theater. Uhr: Die Vekanntmachung des Oberkommandos in den Marken, beirepend»Beschlagnahme, Behandlung, Becwendunz und Melde- pslicht von rohen Oropmekhäuten und Rvzhäuten" und»Höchst. vreiie von(Ärogviebhänten und Rvghäuien- treten mit dem 20. Ottober 1917 in 5k,asi. Die vellnändige anitiialc Bekanntmachung erioigt an den Ausdiiaglätilen und in der»Norddeulschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 29. Ottober 1917. 843, I. Mit. 17.______ Ter Polizeipriisident. Die Bekannlmachimg des ObcrtvmmaiidoS in den Marken beireftend Beschlagnahme und Beftandäeaheoung von eisernen Heiziöivcrn und Zentraiheizungskesseln tritt mit Beginn des 29. Oktober 1917 in klrast. Die vollständige amtliche Bekanntmachung ersolgt nii den Anschlagsäulen und in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, de» 20. Ottober 1917. 641�1. Mil. 17.__ Ter Potizetpräiideut. Die Bclanntmachung des Oberkommandos in den Marken belrclscnd Höchstpreise lind Beschlagnahme von Leder tritt mit dem 29. Oktober 1917 in Krost. Die vollständige amtliche Bekanntmachung ersolgt an den Anschlagsäulen und in der»Norddeuischcn Allgcmrincii Zeitung". Berlin, den 20. Oktober 1917. 642. 1. TO«. 17. II. Ang. Ter Polizeipräsident. Kompl. Wohnungs- ;i i:» Hl c Ii t n»i gf I> Speziul.; 1 u. 2 Zimni'rr und Einzelmöbel zu nie- . drigen Preisen. IJoliusGlogau®«; Kottbusor Str. 2h, Ecke Keichonbergcr Straße, dir. an der Hoch bahnst. Ksttbuser Tor. Gagriind et 1880. Wbkl jfkt Art sowie ganze Nachlasse laust hrchstzahlend lt:>»»rl!, Nenfölln. Steinmetzslr. 4.' Elegante Kostriine, Damen» Mäntel, Damenulster, Damen» rocke, Blusen, Herrenanzüge, Burschcnanzüge, Winlervalewts, lUsier, Pclzsachcn. Löwenthal, Neukölln, Berlinerstr. 41. 1LK- Psandleihhaus Hermann» platz 6. Riesenanswahl! Pelz» kragen, Pelzmussen! Neue Her» renanzüge, HerrenpalelolS, Her» renhosen, Bettenverkaus! Tep» pichverfans, Gardinenverkaus, Uhrenverkauf! Schmucksachen. 'KHK« Pelzzarnitureo, Skunksstolas, Skunksinufsen.Fuchsgarnituren, Blaufüchse, Rvisüchsc, Massen» auswahl. Silbertaschen. Leih» haus, Aotthnserdamm 2, nchcn Iandors. tl79* Alaska» Füchse 60 Mark, Blaufüchse, Skunks, Murmel, .ltanin-Garnituren, Müsse und Kragen zusammen 52 Mark. Alle anderen Pelzwaren sehr billig, da kein Laden. Krieger- frauen 5 Proz. Rabatt. Pelz- vertrieb, Charlotlcnburg, Wik» niersdorscrstraße 113/114, Hochparterre.__ 118K* Teppich-Thomas, Oranien- slraßc 44, spottbillig, farbseh.'er- hafte Teppiche, Gardinen. s25VK» Vornehm« Herrenanzüge, Ulster, Paletots sowie Hosen aus haltbarsten Stoffen. Emp- fehle meine Reparatur- und Rcinigungswcrkftatt für lämt- liche Garderobe bei billigster Berechnung. BersandbanS Ger- mania, Unter den Linden 21. 190K* Leihhaus Rosenthaler Tor, Lintenstraße 203/4, Ecke Rosen- thalerstraße, verlaust neue Her- rengarderoben, Belzstolas, Mus- fett. Goldene, silberne Herren- uhren, Damenuhren, Ketten. Schmucksachen, Brillanten, Sil- bertaschett. Ans Uhren drei- sährtgen Garantieschein. Eigene Werkstatt.____ Herbstkostüme, nett, Ulster, Kleidermäntel, Plüschmäntcl, Astrachanmäntel, imprägnierte Setdenmäntel, Glockenröcke di- rekt aus Arbeitsstuben. Meyer, Blücherstraße 13, 1. Kein Laden, Sonntags geöffnet._ ISIS' Bekanntmachung! Riefen- auswahl hocheleganter Pelz- aarniwren! SkunkSkraae», Skunksmusfen, Alaskasüchse! Blaufüchse, Rotfüchse, Iltis- oarnituren! Brillanten. Sil- vertaschcn. Rur Leihbaus, Potsdamerstraße 86b. Nicht irren! 1I0K' Musikinstrumente Piauiuos, besondere Gelegenheiten, 5iy),00 auswärts, Tuy- senpianos, Jbachpianos, Fcu- richpianos, Schwechtcnpianos, Biesepianos, Quandtpianos, Tchiedmoverslügel, Hagspicl slügel. Krüger, Rene König- stroße 31 sÄlexanderplatzl. 237/17* Sünnbewamboltst 20,—, Italienische, Portugiesislbe 45,—, Konzcriloute, Wandergitarre 39,—, Baßlaute, Baßgitarre, Unterricht 6,— Monatshonorar, alteingesvielte Geigen 45,—. Ernst, Lranienstraßc 166, III. 113»' Rene Pelzgarnitnren! Riesen- auswahl! Allcrbilligste Preise! Stunkskragen, SknnkSmussen, i Alaskafüchse, Rotfüchse, Iltis- 1 garnituren, Kaningarnituren,. Reue Herrengarderobe! Uhren- s verkauf, Schmucksachen, Silber-' taschen! Leihhaus! Warschauer- straßc 7._ 1691?* Pelzgarnitorea kaust man am allerbesten im weltberühmten Pclzleibhcms nur Gnmewald- straße 72, Eisevacherecke. I6K* Pclzwaren. Wollen Sie Pelzwaren noch billig kaufen, wüsten Sie in den Blauen Bozar lausen. Kaiser-Wilhelm- Straße 16, beim Alexander- platz._ 25fl* Lieferwagen. Ktappsporl- wagen, Honräder, alle Repara- turen an Kinderwagen, Korb- wacher Weidlich, Brunnen- straße 96._________ 280J?» Pelzgarnitnren 65 Mark, Pelzkragen 35 Mark, Pelzmussen 23 Mark. Psandleihhaus, Petcrsburgerstraße 37. 28 K» W � ruitureu, Alaskafüchse, Zobelsuchse, Blaufüchse, Kanin usw., auch einzelne Kragen sebr preiswert, sowie ein Posten Alaskahunde von 42 Mk. an. Sonntags geöffnet. Glück, Plünzftraßc 22, I, Ecke Kaiser- Wilhelm-Straße. 16K' Schönhauferallre 115 /Ring-, Hochbahnhof) Psandleihhaus! Spottbilligste Einlaussguelle! Pclzganiwren, Alaskasüchse, solange Borrat, 55,— 1 Taschen- rchren, Wanduhren, Garderoben- lager, Silbertaschen! Staunen- erregend« Goldwarenpreise! _(8K» Skunks-Kragen, echte, prima Qualität, 125,—, 175,—, 225,—, echt« Skunksmusfen 156,—, echte Blaufüchse, Kreuzsüchse, Alaskasüchse,. Steimnorder, Jlttskragcn 160,—. Kürsch- nerei, Boxhagenerstraße 4, zwischen Warschauerstraße nnd Frankfurterallee. Fernsprecher: Alexander 2241. 427K' Beleuchtung. Kronen, Zua- «npeln, Ampeln, Pendel, clel- trisch und Gas. Solide Preis«. Auf Wunsch beqilem« Zahlung. Spezialbclcuchtungsgeschäst F«ls u. Eo., Potsdamcrstr. 56, I. IHvchbahit Bülowstraße.) 12K* Forel, Pros. A., Die sexuelle Frage. BolksauLgabe 2,86 M. Buchhandlung vorwärts, Lin- denstraße 3. Leihhau» TOoritzplatz 53» bietet Riesenauswahl in Pelz- fachen, Skunks, Marder, Nerz, Alaskafüchsen, Pelerinen mo- dernster Ausführung, 46— 200 Mark. Angebot in Herren-Gehpelzen, Wagen-, Reisepclzen.— Große Auswahl in Rockanzügen, Iakettanzügen, Paletots, 111- ttern, teils auf Seide, prima Berarbeitnng. Ferner Domen- kvstüme, Ulster. Mäntel in ein- fachster bis elegantester Aus- führung.— Extraangebot in Lombard gewesener Uhren, Ringe, Brillanten, silberner Taschen, Schtmicksachen sebr billig.______ r, 188g* Kleiderschränke, Bernko, Schreibtisch, Waschwilcttc, Bettstellen, Küchencinriditung, Schlafzimmer, ganze Einrieb. hingen kauft Hofer, Prinzen� straße 71. lllAs Pelzleihhaus Wegner, Pots- daiiierstrc.ße 47, bietet die größ- ten Borteile, lieber 1666 Stück neue echte Pelzwaren in allen erdenllichen Pelzarten. Große Auswahl. Besondere Gelegen- beiten. S omni erpresse. Borteil- bafteste BezugSqttelle für jeden Geschmack. Engros- und Detail- verkauf. Echte Felle zum Aussuchen von 3 Mk. an. Sonntags geöffnet. SÄ* Ersatz für Maß! Rur hier gibt es große Auswahl in neuen Anzügen, Hosen, Westen, Kinder- und Btirschenonzüaen sowie Paletots, Arbeits- anzügin, Joppen. Erstes Per- leihinstiwt in Smoking-, Frack- und Gehrockanzügen. Kicser- daum, Wasicrtorstraßc 12.13, 1. 31112* Posten Milchziegen, Lämmer nnd Ziegenfleisch verkäuflich. Berlin-Lichtenderg-Wartenberg. Warienbergstraße 63, Richard Fuge.__+68 Nähmaschine», Stehleiter verkauft Bogel, Schcrcrstr. 2. 148 Samlhut, Mäntel, Kostüme, hochmodern, elegante Pelz- garnitur 65,—. Güntzelstr. 25, Hochparterre, Kulp. IlSK* aBsmsmc Obst- und Gemüsegefchäft. gut gehendes, nnt Rolle und Fuhrwerk sofort zu verkaufen. Bolszuweit, Pankow, Sdiön- holzcrstraßc 8,. 35K' 6V Herreuzimmrr, selten schöne, gediegen« Arbeit mit schwerer Schnitzeret, außer- gewöhnlich billig. Berliner Möbelhaus, M. Hirfchowitz. Skalitzerstroße 25, Hochbahn Kottbusertor. 136K' Gitarrezither mit Unter- legnotcn 15,—(Ladenpreis ca. 25.—), Mandolinenjithcr, große srchsakkorbige 25,—, Lauten, Gitarren, Wandcrm andolinen 26,—, 45,—. Engroslager Oranienstraße 166, III. 11211* Rußbanwpiano, elegantes, schwarzes, 875,—, Piano- Harmonium, Klavier und Dar- monium, gleichzeitig spiclbar, verkauft Ernst, Oranienstraße 166, III. 11 ZK* !f?kk!�KUfW Platioabiälle! Gramm bis 7,76! Zahugebisse! Ketten! Ringe! wlilitärtressen! Glüh- strumpsasche! Filmavsälle! höchst- zahlend, Schmelzerci, Metall- Einkaussburcau, Weberstr. 31. Telephon Alexander 424S. 261* Elektrische JnstallationS-Ma- terialicn aller Art kaust Reu- mann, Berlin, Prinzenstr. 64. Fernsprecher: Moritzplatz 3363. 17K' Leinölfirnis, Standöl bis 21,66, alle LeUacke, für ganz belle Ware bis 15,60 kaufen Gebrüder Borowski, Gneisenau- straße 5. Nollendors 2379. 83/16* Leinölsirnis. Tcrpentinersatz, Jußbodcnlock, Emaillelack, Ko- Pal, Kölaphonium, Borax, Ba- rassin, Bienenwachs, Eeresin. Ringpinsel,.stluppenpinsel und ähnliches kaust zu guten Pret- sen, Wolter, Thaerstraße 6. 191K* Tpiralbohrer, Film- nnd »Zelluloidabsälle, Bindfeden, Korken usw. kauft Metall- einkaus Herrmann, Kottbuser- dämm 66.___ 13,1* Tischlerleim kaust Möbel- beus. Andreasstr. 36. 1681* Platinankaus, Gramm bis 7,66(ebenfalls Ankauf alter Zahngebtsse, Bestecken, Ringe, Ketten, Glühstruinpfasche zu ge- setzlichen Preisen. Metall- konlor Jobn, gegründet 1963, nnr Alte Jakobstraße 138 ntid Kottbuserstraße 1, Kottbnser- tor. Moritzpiatz 12858. Firma genau beachten.* Leinölfirnis, Standöl, Cd- locke, Terpentin(Ersatz). Blei- weiß, Leim, Sckellack. Firnis- Ersatz kaust Malerei Zöls, Nruenburgerstr. 16, Moritz- »llotz 5861.__ JiOÄt* Gasmotor, Iii P. S., kaust Müller. Offerten an die„Bor- wärts'- Ausgabestelle, Wil- helmshavenerstraße 48.__ t87 Tischlermaschinen kanft Hirsch, Pankstraße 39._+4e* Piano, Flügel oder Har- monium kauft nur von Privat- leuten Henriette Grakke, Lands- bergerallee S6, III. Preis- angabe. 1131* nrmii Maudalinenspiel, Gitarren-, Lautenspiel, Dreimonatskurse zur perfekten Ausbildung 6,— Monotshonorar, aus' Wunsch Ausbildung in kürzerer Zeit, Lehrinstrumente billigst, Klavier- Biolin- Sdmellkurie. Ernst, Orauienstr. 166. ULK* Klavier- und Gesangeinzel- Unterricht erteilt gewissenhast i beste Empfehlungen und Re- ferenzen erstklassiger Antori- täten) Wally Krotzenberg, SW. 61, Blücherplatz 8. 768b* Verschiedenes Kreditbank gcwäbrt Geldkredite(auch Damen). Lamm, Grunewoidstr.<2. 3—7. 251' Brillanten, Perle», Färb- steine, Ketten, Ringe, Zahn- gebisie, Silber, Plaüua 7.60, Uhren kaust Juwelier Fuß, Srhdelstraße 32, Ecke Spiiiel- markt. 32K* Spiralbohrer! Feilen! Werk- zenge! kaust jeden Pesten 211 e- talleuikaus, Beusselstraß« 3. (Moabit 8640.)_ 1!7A' Platinabsäll« per Gramm bis 7.86 Mark. Ketten, Ringe, Bestecke, Uhren, Tafelaufsätze, Tresien, Film- und Zelluloid- abfülle, photographische Rück- stände, Papiere, Alühsirumpsi Platin- und Silderschmelzerer Broh, Berlin, Cöpcnickerstr. 29. Telephon Moritzplatz Z476. Eigene Schmelze, direkte Ber- Wertung. Vertreterbesuch. 171* Sekttorken, Weinkorken, de- s chlagnahmcsrei, sowie alle andere und neue, irden Posten, Schall- platten, Walzen, auch zer- brochene, kauft Matthäus, Alte Leipzigerstraß« 21, 123K* Knnf« Hunde, Geflügel, Ka- ninchen. Schasfland, Pali- sadenstraße 26. 311* 100 Mark Belohnung dem Wiederbringer meines am Montag ohne Halsband und Maulkorb entlaufenen, nicht ganz rosiereinen Aircdale- ? crriers Istichclhaarig. braun, schwarze Abzeichen). Hohe Be- lohnung auch für den Räch- loeis, wo der Hund geblieben ist. von Zander, Berlin- Marienfelde, Adolfstraßc 77. Fernsprecher: Tcmpelhos 857. ___________ 93/15 Kurzhaariger, grauschwarzer Spitz, Bastard, enllanscn, aus Namen Hülel hörcird. Belob» nung. Bitte schriftlich?lach- richt. Dimcker, Braunöbcrger- straße 5. 4147* Arbeitsmarkt Tischler, geübter, sofort gc- sucht. Meldungen in unserer Personal-Benvaltung im 3. Stock, laushaus des Westens G. m. b. H.. Berlin W. 56. Tauentzienstraßc 21/24. 16.11' Hausreinigunz zum 1. Ro- vcmder zu vergeben. Greifen- hagencrstroße 26, Verwalter. ____+133' Lehrmädchiii. Junge.Mädchen aus achtbaren Familien, welche mindestens die erste Klasie einer Gemeindeschule bcsudit beben, im Alter von 11— 15 Jahren, zur Erlernung des Verkaufs sofort gesucht. Meldungen in unserer Verse- ncd-Bcrwaltung im 3. Steck. Kaufhaus des Westens G. m. b. H., Berlin W. 50, Tauentzienstraßc 21 24. 102.K* Lehrfränlein sucht Reschlr,' Tamcnsriscur, Frankfuricr Allee 25. ZU» lassiercrinne», Paletkoutrollcn sowie Berläuscriniteu, tüchtig, für alle Abteilungen sofort gr- sucht. Meldungen um 11 Thr vormittags. Kaufhaus des Westens G. m. b. H., Berlin W. 50, Tauentzienstr. 21 24.* Auswörteriu verlangt Schn- berl, Müllerstraßc 15?._+169 Stickerinnen in und außer dem Hause, flott und saubcr arbeitend, verlangt Bütow, Roscntbalcrstraßc 46/41, Am- gong T>. 2«2 10 Stepperinnen, Handuäbcrin- nen, gute Zivilboscn. Dzie» cichowic;, Andreasstr. 39. 35K» Frauen zum Zeititugsous- tragen sucht„Vorwärls'-Aits- gabcstellc Alt-Boxhagen 56, Laden.» Bolenfrau wird eingestellt. .Vorwärts", Eharlvttcnburg, Scsenheimerstraße 1.'* Zeit nngsauslräze rinnen irer- den sofort eingestellt„Bor- .märts"-Spcditio>i, i Markus- stroße 36.• Solcr.froucn verlang! feiert Ausgabestelle Berlin-Westen, Bluiiienlhatstraße 8, Hus,.iar- terra bei Stolpman».__.* Zeitnugssrou verlangt„Bor» wärts"- Spedition Neukölln, Sicgsriedstraße 26129.» Zeitungslrägerin sofort der- langt Spedition Lichtenberg. Warienbergstraße 1, Laden.- Zeiinngsauslrägerin verlangt Bernsee, Steglitz, Mommscn- str. 59. BEinmisssa Bohne«, tüchtig der im- stand« ist, selbständige?!«- parawren an Pakcttsußböden vorzunehmen, sofort gesucht. Mcldmigen zwischen 16— 12 Uhr vormittags in unserer HauSinspektion. laushaus des Westens G. m. h. H. Berlin 33. 30, Tanentzienstraße 21/24. 1621* Bnreandiener, jüngere, welche bereits einige Zeit in großen BurronS tatig waren, sofort gesucht. Persönliche Borstel- ltntg in der Zeit von 9— 1 Ubr vormittags oder 5— 7 Uhr nachmittags. 31. Jandorj u. Co., Bcllc-Alliance-Straße l/2, Per- sonal-Berwaltung, 4. Stock. 166«» ZcituugSträgerin sofort verlangt.Borwörts"-Atisgabcftclle, Prinzcnstraße 31, Hof rech:.., parterre.» �» ZeltuugSanetrLgcria t erlangt „Borwärls'-Spedition Schöne- berg, Mciningerstraße�* Zeitungsausträgerin sofort gesucht. P. Gursch, Reinickcn- dors-Ost, Kamckcstraße 1211. Zeitungsauoträgeriii zum 1. November stellt ein Unruh, lliiedcr- Schönewcidc, Britcker- straße 19.» Zcitungsailsträgcrinneu kön» tien sich incldcti.„Vorwärts"- Ausgabcs!clle�ausitzervlatzl4ll5. Boteusrau, Tour Tegel, Hermsdors und Reinickendorf- West, stellt ein Kienast. Borsigwalde, Räuschstraße 16." Zeitangsausträgerin stellt zum 1. November ein Feyerstein, Adlershof, Bismarckstr. 82.* Botenfrauen verlangt„Bor- wLrts"-Spcdi!ioit, Watts: r. 9, Laden. Bon Ii— Ith und bis 7 Uhr.* Zeitungsanstiägerin sofort einzustellen. Vorwärisspedition Moabit, Wilhelmshavenerstraße 48, von 11—1/4 und s-i— 7 Uhr.* Tüchtiger Beizer für Möbel�sofort verlangt. �i«hlewlni»k.v de Co., 681£i* Dirttscnitr.«11. Rahmenschneider, durchaus vcrselt, verlangt ». Stielsrn. 684L* Grünauer Str. 21. Lehrling ti-r Technisches Bureau und Rodrlegcrgewcrbe gesucht. Degr-n dk Coebcl, 7166 Möckern str. 68. M> Goldleisten- Grundirrer veriangt 713b LAerknieistcr. Schmidstr. 8». Iliciiiige Ankerwickler für Kleichstromanler als BMeljiei sofort in Dauerstellung gesucht. Fix de Co., tltegensburg. Mehrere tuchtlgrc Sciiwarzblecirklempner 268L* suchen sofort Khrlch<& 6vi'aetz, Berlin SO, dscnatraBc OO— 94. 691 L Buchbinder, tüchtige Kräste, oerl. Muster Schmidt, Zoffener Sir. 55. Arbeiterinnen Reparatur-Schloffer über 17 Jahre sucht für Ventilatoren sofart gc,ucht. über 17 Jahre sucht -�usrxvsellsckaLt, .Varleratr. 17/18. tl42 Auergesellschaft, Nofleratr. 17/18. fUS Tüchtige TIachlcp auf einfache Suchcrfchrcitfc verlangt+10321' Möbelfabrik„Fortuna» G in. b. H. Berlin LG 36, Heidelberger Straße 76. Kartcmnaxen- arbeiterinae.n, geübt auf Zigorettenkarlons. enden loi. Belchäftigimg in nnd außer dem Hause. K81L Karton nagcasabrii Marstliusitraste 23. �uie&llm Miideiia!] ans guter Familie finden 2lus- vildung und Beschäfligung in Gobelin-Handarbett bei Zicsch. Bethanienuser 3. 93,4. Nr. 255 ❖ 34. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Sonnabend, 2S. GttoberlHI? Die Verhandlungen des Würzburger Parteitags. bewältigen. Unter aber die Zahl der groBert zu werden, Ll l b r n G e r i s ch Fünfter Verhandlungstag. Würzburg, den 19. Oktober 1917. Den Vorsitz führt Auer. Eine grotze Anzahl weiterer Be- grüsiungS schreiben von allen Fronten sind ein. getroffen. Die Vorschlagslisten zur Dahl de§ ParteivorstandeS werden eingefordert. Hermann Müller(Parteivorstand): Aus dem Vorstand sind mehrere Mitglieder ausgeschieden. Der Vorstand hält gleichwohl eine Vermehrung seiner besoldeten Mitglieder nicht für erforderlich. Die Arbeitslast ist nicht gering, namentlich die Agi- lation und der Verkehr mit den Behörden stellen hohe An- forderungen. Aber mit Hilfskräften hoffen wir die Arbeit zu den Schriftführern mutz eine Genossin sein, Schriftführer braucht gleichwohl nicht ver- weil leider in diesem Jahre unser alter aus dem Vorstand ausscheidet.— Sein Gesundheitszustand erlaubt ihm trotz seines zähen Willens ein regcl- mätzigcs Arbeiten im Vorstand nicht mehr. Dabei wollen wir der hohen B e r d i e n st e gedenken, die er sich in Ü7jähriger Tätigkeit im Vorstand erworben hat. Mir Bebel und Singer zu- sammen hat er die Partei so ausgebaut, wie sie vor dem Kriege dastand. Datz wir rm Kriege nicht finanziell zusammengebrochen find, ist in erster Reihe sein B e r d i e n st. lLebhafter Beifall.) Uns war er stets ein treuer, lieber Kamerad, gleich hervorragend an Wissen, Gemüt und Charakter. Möge er noch viele Jahre einer wieder geeinten stolzen Partei erleben, die stctS sein Ideal war. (Lebhafter allgemeiner Beifall.!- Vorsitzender Auer: Ich stelle die einmütige und herzliche Zu« sümmung des Parteitags zu dieser Ehrung für Gerisch fest.(Er- neuler Beifall.) Heilmann-Berlin gibt eine Erklärung zu Protokoll, in der er die Angriffe Brückners und DonalhS-Bremen gegen sich zurückweist. Die ParteitagSverbandlungen werden bei der Debatte über die nächsten Aufgaben der Sozialdemokratie(Kapitel F i n a n z f r a g e n) sortgeietzst Abg. Dr. Oucsscl-Darmstadt: Nach den, Kriege ist seine finan- zielle Liquidierung eine der. wichtigsten und ichwicrigsten Ausgaben. In etwa einem halben Jahre werden wir 120 Milliarden Kriegs- schulden haben. Alsbald nach dem Kriege beginnt der Klasienkampf um die Verteilung der Lasten. Ohne tiefe Eingriffe in das kapitalistische Eigen- i u m ist das Problem überhaupt unlösbar. Kapitalistische Finanz- lheoretiker baben das auch anerkannt und bereits zwei Vorschläge ausgearbeitet: eine Vermögensabgabe von durchschnittlich 29 Proz., die 49 Milliarden bringen würde, und eine Erweitc- rung des Erbrechts, die 19 Miluarden verzinsen und amorti- sieren könnte. Es blieben dann noch 61/., Milliarden mehr aufzubringen, das ist nicht leicht, aber auch nicht unlösbar, wie die All- deutschen behaupten. Man mutz mit den st euer scheuen Ka- pitä listen und Agrariern Deutschlands nur englisch reden.(Sehr gut I) Während unser ObrigkeitSstaat die Zinsen aller Anleihen durch neue Anleihen deckt, baben die Engländer mit ihrem v a r I a m e n t a r i s ch e n S h st e m während drs Krieges durch Vermögenszuwachsstenern die Zinsen von 120 Milliar- de» 5triegöschulden aufgebracht. So könnten auch wir vier Milliarden aufbringen, und 1>/, Milliarden hat der Reichstag schon bewilligt. Bliebe noch eine Milliarde, die aus Monopolen berauSzuwirtschaften wäre. In dieser Weise sollten wir«inen Finanzplau ausarbeiten und recht lies in daS Volk hineintragen, damit er seine Wirkung aus die nächsten Reichstags- Wahlen ausüben kann, die von der allergrotzten Bedeutung für unsere Zukunft sein werden.(Beifall.) Englcr-Freiburg i. Br.: Keil hätte den Monopolen in seinem schriftlichen Gutachten mehr Beachtung schenken sollen. Produltionsmonopole werde» nicht ohne grotzen Aufwand eingeführt werden können, aber den Handelsmonopolen als Uebergang zu Vollmonopolen sollten wir Aufmerksamkeit schenken, z. B. dem Kohlenhandelsmonopol. Auch die indirekten Steuern werden wir nicht mehr einfach ablehnen, sondern auf ihre Erträglichkeit zu prüfen haben. Nun weist leider unsere Parteiliteratur grotze Lücken ans diesem Gebiet auf. Man bat z. B. auf Schippcls Handelspolitik sehr geschimpft, aber nichts Besseres geschrieben. So sollten wir denn in der.Neuen Zeit' und in den anderen wiffenschaftlichen Partcischriften diese Frage gründ lich erörtern. Aber aushören mutz das systematische Hcrunterreitzen aller derer, die etwa? sagen, was gegen die Kirchenväter verstötzt.(Sehr gut!) Wir kommen mit den alten Schablonen sowieso nicht mehr aus. Deshalb hat mir auch die Kritik des ZcntralorganZ an Lensch's Schriften nicht gefallen. Die Buchkritik mutz ausführlich, sachlich und zuverlässig sein. (Beifall.) Löde-Breslau: Scheidemanns ungemein glücklicher Vortrag hat uns die richtigen Wege gewiesen. Schon arbeilen die Gegner mit den Slblagwörtern Hungerfricde und Verelendungsfriede, um später die Verantwortung für die ungeheueren Kriegslasten uns aufzubürden. Da müssen wir rechtzeitig unser Finanz- Programm in die breiten Volksmassen tragen. Hat doch z. B. Breslau in drei Kriegsjahren um 169 Millionäre zugenommen (Hört! hört!). Da tonute zur Ergänzung der Kriegsanleihen am Ende schon während des Krieges eine starke Vermögens- abgab« in Frage kommen, das würde vielleicht auch die Kriegslust der Kriegsgewinnler d ämpfen.(Sehr gut!) Aber nicht diese Einzelheiten wollte ich betonen, sondern den grotzen Grundzug unserer Propaganda heraus- orbeilen. Nehmen wir aus Landsbergs Referat den satz heraus: Nicht einer soll inehr über Krieg und Frieden entsckeiden, sondern das Voll, so haben wir einen packenden Anknüpfungspunkt für unsere demokratischen Forderungen. Zeigen wir aus Cunos Referat, wie. eine weitere ungeregelte Versorgung mit Rohstoffen zu einer neuen Ausplünderung des Volkes führen mutzte, und wir haben die Basis der sozialistischen Propaganda. Und unterstreichen wir mit Wissell. datz Schutz und Pflege menschlicher Arbeitskraft höher steht als aller Glllerfchutz— so haben wir das Rüstzeug, um im Tournier mit dem gewandtesten Gegner siegreich zu bestehen. Handeln wir nach Liebknechts Wort, datz wir uns niemals dürfen in die Defensive drängen lasten, sondern immer in der Offensive bleiben mützten.(Lebbasler Beifall.) Das Schlutzwort hol Keil: Wenn wir während des Krieges die demotraiifche Neuordnung durchsetzen, wie ich für gewih halte, so ivird nach dem Kriege das Sreuerproblem die beHerr- schende Frage unseres ganzen inneren politischen Lebens ioerden. VerfassuugS- und Steuerfragcn find eng mileiiiander verknüpft. Der Krieg kostet gegenwärtig monatlich schon Sll2 Milliarden, da iätzt sich eine genaue Aufstellung des Finanzpropramms heute noch nicht durchführen, weil die Kriegskosten und das Kriegsende sich noch nicht abseben lassen. Aber wir muffen uns heute schon klar machen, datz alle grotzen Fragen Versassungs- fragen find und die Fianzfragen und ihre Lösung das gesamte Wirtschafts- und Kulturleben des deutschen Volkes und alle Wirtichastsbedingimgen der Arbeiterklasse entscheidend beeinflussen ioerden.(Sehr wahr!) Wir niüffen uns ,n der Sieiiersrage vor Ueberraichungen und Ueberrumpelungen schützen. Durch den Krieg ist eine beispiellose BermögenSverschiebung einge- treten. Reich und Volk find arm geworden und eine kleine Schichl ist ungeheuer reich geworden. Dabeiist die Arbeitskraft des Volke? auhcrordentlich geschwächt. Wir haben Hunderttausende arbeilskräftiger Männer verloren, haben mit Hunderttausenden nur sehr beschränkt Arbeitsfähiger zurechnen, haben eine allgemeine Schwächung durch schlechte Ernährung hinzunehmen. De muh auch für die Finanzpolitik oberstes Gesetz die Schonung der menschlichen Arbeitskraft sein, dieser Ilrkraft unseres Volkes. (Sehr gut!) Eine verständige Finanzpolitik mutz zunächst mit der alten Systemlosigkcit auftäumen. Auch die einzelstaatlichen Finanz- minister werden lernen müssen, datz das Reich als oberstes Organ einheitliche Grundsätze für die Besteuerung deS Vermögens. des Einkommens und Erbes aufstellt. Das Reich hat den ersten Anspruch auf alle Steuerquellcn. Daneben werden wir frei- lich auch mit allem Nachdruck dafür eintreten müssen, datz die Bundes- staaten für ihre hohen kulturpolitischen Aufgaben genügende Zu- schlüge erbeben können. Bei dem neuen Steuersystem haben wir darauf hinzuarbeiten, datz in erster Linie der Luxuskons um und der Ueberverbrauch getroffen werden, nicht aber die Kapitalbildung eingeschränkt wird, da sie für die Fortführung der kapitalistischen Wirlschast unentbehrlich ist. Bei der grotzen allgemeinen Vermögensabgabe werden schon aus moralischen Gründen die V e r m ö g e n s g e w i n n e während der KriegSzeil eine starke Vorausbelastung tragen müssen. Ein groher Teil der schon in der Friedeirszeil ausgebildeten Privatmonopole mutz Reichs Monopol werden, das Reich in jeder Form am Unternehmertum teilnehmen. DaS Kohlenmonopol ist durch die Kohlerrsteuer keineswegs erledigt, sondern mutz weiter im Mittelpunlt der Aufmerlsamleit bleiben. Noch mehr als früher haben wir uns von dogmatischen Formeln freizuhalten. Formale Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Steuern war nie für uns entscheidend und wird es in Zulunfr noch weniger sein. Die kapitalistische Press« hat über die Steuervorschläge meines Gutachtens ein grotzes Geschrei angestimmt, als ob sie Deutschland zugrunde richten mühten. Deshalb müssen wir be- tonen, datz wir hier gar keine spezifisch sozialdemo- k r a ti s ch e n Borschläge v o r g e b r a ch l haben. Gothein, Prof. Joffe und andere bürgerliche Finanzpokiliker haben die Vermögens- abgäbe, erweitertes ReichS-Erbrecht und Staatsmonopole in grotzem Umfange schon vor uns gefordert. Wie sollten ouch sonst die uu- erhörten Kriegskosien gedeckt werden? Die Hoffnung auf eine K r i e g'ö e n t s ch ä d i g u n g wird doch immer illusorischer und der Krieg selbst immer teurer und verlustreicher. Vor einem Hungerfricdcn und Verelendung sfrieden können wir uns deshalb blas schützen, wen» wir den Kriegshetzeru daS Handwerk legen, che sie das deutsche Volk völlig zugrunde richten. Ein b a l d i g c r F r i e d e n ist die einzige Möglich- keit des Schutzes dagegen, datz die Lasten so schwer werden, datz das deutsche Volk unter thneu zusammenbrechen mühte. (Lebhafter Beifall.) Damit ist dieser Gegenstand erledigt. Der Parteitag geht über zum Kapitel: Sozm!- unü Wirtschaftspolitik. Gentner-Pegnitz: Der Frage der Lebensmittel- e r z c u g u n g ist in den Referaten leine genügende Auf- merksamkeit geschenkt. Wenn wir die Landwirtschaft gehen lassen, wie sie geht, wird die Frage der Lebensmittelversorgung nach dem Kriege sehr schwierig; die Produltjon wird dann lang- sam steigen und die Lebensmittelpreise bleiben noch lange hoch. Deshalb müssen die in der Kriegswirtschaft gebildereu Aniätze zur g e m e i n w r r l f ch a s l l i ch e n Erzeugung, Bearbeitung und Verteilung weiterer Lebensmittel weüer ausgebaut werden. Gegen hohe Lebensmittelpreise haben wir immer protestiert, aber die Preise sind dabei hustig weiter gestiegen. Das be- weist, datz unsere bisherige'Politik unzulänglich war, datz wir eine sozialistische Produktionspolitik in der Landwirtschaft treiben müssen. Dazu mutz zunächst die Spekulatron rn Grund und Boden und seinen Erzeugnissen eingedämmt und eine rationelle Arbeitsmethode über die ganze Landloirtschafl verbreitet werden. Die Errungenschaften der Agrartechnik und der Agrarchemi«müssen dazu ebenso beitragen wie die praktischen Erfahrungen der Landwirte. Ohne starke Eingriffe in das Grundrecht kommen wir da nicht vorwärts. Vielleicht empfiehlt sich ein Vorkaufsrecht des Staates zum Ertragswert des Grundstücks. Auch das G c- Ireidemonopol mutz erhalten werden, aber sozial g e- richtet seilt. Langfristige Lieferungsverträge der Gemeinden müssen eine direkte Verbindung der Erzeuger und Verbraucher herstellen. Die Verteilung und Bearbeitung der Lebensmittel mutz Sache der Gemeinden fein, die auch ihre eigene Produktion bedeutend ausdehnen müssen. Ein gesunder Agrar- sozialismuS ist auch vom politischen Standpunkt aus von großer Wichtigkeit. Er kann Bresche legen in die Macht der Reaktion, insbesondere des preutzischen Junkertums. Die Rechtlosigkeit der Landarbeiter ist während des Krieges vergrötzert worden, sie sind ihrer Freizügigkeit vollkommen beraubt. Die volle rechtliche Gleichstellung der Landarbeiter mit den Industriearbeitern wird auch im Jnlereffe der Allgemeinheit die Landflucht wirksam bekämpfen.(Lebhafter Beifall.) Adolf Braun-Nürnberg: Infolge des Partei st reiteS wird einer so wichtigen Frage wie der der Demobilisierung nicht genügende Aufmerlsamleit geschenkt. Die ungeheure Ausdehnung der Frauenarbeit und die Vermehrung der Säuglings« st e r b l i ch k e i t zeigen uns die ganze Gefahr der gegen- wältigen Kriegswirtschaft. Valulafrage und Rohstoff- Versorgung werden in der Uebergangswirischait die grötzten Scdwie- rigkeiten bieten, zumal wenn eine falsche Politik unsere an Macht- Mitteln reichen Gegner reizt. Haben wir einigermatzen vernünftige Friedensunterhändler, dann müssen diese Fragen im Friedensvertrag geregelt werden. Aber selbst dann wird es uns nach dem Kriege gehen, wie Goethe sagt:„Wir wollen alle Tage sparen und brauchen alle Tage mehr." Eine der wichtigsten Aufgaben iit die Hilfe des Staates für die arbeitslos Werdenden. Die Gewerk- schaften werden, auch wenn der Staat diese Aufgaben über- nimm», eine geradezu erdrückende Fülle von Auf- gaben haben und im Kampf gegen die Macht des konzentrierten Kapitals lösen müssen. Deshalb ist«S ein Verbrechen und eine anßerordcntliche Frivolität jetzt die Gewerkschaften sprengen zu wollen, wie man die politische Partei gesprengt hat.(Lebhafte all- gemeine Zustimmung.) Die politische Bewegung Iätzt sich viel leichter zusammenschlietzcn als eiyp einmal zersprengte GeWerk- schaft. Jede Spaltung der Gewerkschaftsbewegung würde den Unternehmern die grötzte Freude bereiten. (Sehr wahr!) Leider erscheint heute manchem der Kampf gegen den Genossen Legten viel wichtiger als der Kamps gegen Kirdorf. (Sehr wahr!) Demgegenübor haben wir zu sagen, datz, wer an die Geschlossenheit der Arbeiterbewegung auf Wirt- schaftlichem Gebiet rührt, daS ungehcnerlichste aller drnkbarrn Verbrechen an der Arbeiterklasse begeht und da? schlimmste Unglück über sie heraufbeschwört. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Aber auch eine einheitliche Gewerkschaftsbewegung wird nach dem Kriege oft an ihre Grenzen stoßen und für die Durchsetzung emsr ganzen Reihe sozialpolitischer Forderniigen auf die Hilfe der Partei angewiesen sein. Denn die Hauptwirlungen des Krieges werden nach dem Kriege Arb eiter- klaffe und Kleinbürgertum fühlen. Erst dann werden sie die Wahrheit des Voltaireschen Wortes erkennen, datz„alle ver« einigten Laster aller Zeiten und Länder nicht soviel Unheil hedeuten wie ein Krieg". Aber wir wollen auch mit Schiller sagen:„Die Welt wird all und wieder jung" und wir wollen sie jung machen. (Lebhafter Beifall.) Krüger(Teltow-BeeSkow) begründet einen Antrag auf Ein- berufung einer Handels- und wirlschaftspolituchen Kommission. Der Verständigungsftieden sollte dock auch die wirtschaftliche L e r st ä n d i g u n g bringen; aber Cunows Gutachten nimmt als selbstverständlich an, datz Englands H a n d e ls kr i e g gegen uns weilergeht und empfiehlt zur Abwehr ein erweitertes Mitteleuropa. Das ist einer der vielen Widersprüche und Unklarheiten auf diesem Gebiet. Wir sollten deshalb möglichst gemeinsam mit den Gewerkjchaitcn eiir Bureau für daS Studium der Wirt« schaft s- und Handelspolitik bilden I Zu wenig Beachtung schenkt Wissells Referat der Privatbeamtenfrage. Die Privatangestellten sind durch die vom Hilfsdiensigesetz geschaffenen Ausschüffe autzerordenllich radikalisiert worden. Es bielet sich uns unter ihnen ein außerordentlich dankbares Täligkeitsfeld.(Sehr wahr I) Frau Rcitze-Hamburg: Sechs Millionen Arbeiterfrauen sind während des Krieges in die Industrie eingetreten und haben sich mit außerordentlicher Schnelligkeit ihren Aufgaben angepatzt, aber darin liegt eine grotze soziale Gefahr. Die Frauen sind durch Arbeit und Haushalt doppelt belastet, deshalb müssen wir so nachdrücklich wie möglich für sozialpolitische Fraurnschutzforderungeu einlreien und vor allem die Frauen selbst dafür zu gewinnen suchen. Die Rednerin lenkt dann die Aufmerksamkeit des Parteitages be- sonders aus die Notlage der Kriegerwitwen.(Lebhafter Beifall.) Kaul-Offenbach: Monopole können sich auch auS sozialpolitischen Gründen empfehlen. Bielleicht könnte ein Staatsmonopol die weit- berühmte Offenbachcr Lederindustrie wieder in Schwung bringen. Die Offenbacher Arbeiter haben während deS Krieges eine glänzende Aiipassungsprobe gezeigt und selbst die Unternehmer erkennen an, datz dies eine Frucht der gewerkschaftlichen Erziehung ist. Für die Frauen ist in der Bewegung noch viel zu tun; wir brauchen nach dem Kriege Sozialpolitik nach allen Seiten, vor allem aber für d i e F r a u c n und d u r ch die Frauen.(Lebhafter Beifall.) Frau Juchacz-Berliu: Erst wenn wir uns zu dem Grundsatz bekennen, praktisch überall mitzuarbeiten, erkennen wir die ganze Fülle der Ausgaben, die unserer harren. Die praktische Mitarbeit der Frauen wird ganz besonders beansprucht werden ans dem Gc- biet des gesetzlich zu sichernden Mutter- und Sänglingsschuycs. Heule sitzen in der Verwaltung der Wohlfahrlseinrich« t u n g c n sür die M u n i t i o n s a r b e i t e r i n n e n und für ihre Kinder Frauen der bürgerlichen Kreise, die uns fern stehen. Die„sozialen Frauenschulen" schießen wie Pilze aus der Erde, aber ihre Schülerinnen ermangeln vielfach der sozialen Erfahrung. Unsere Frauen müßten bei der Verpflegung, Ernährung und Erziehung der Kinder starken Einfluß üben. Sie dazu hcraiizubilden, ist die Zukunstsausgabe miserer Partei. Unser Erwerbsleben kann es ertragen, datz ein großer Prozentsatz unserer Frauen in der Zeit, wo sie dem Säugling unentbehrlich sind, nicht arbeitet, wohl aber entsprechend unterstützt wird. Die Frauen zur prciktischen Arbeit heranzuziehen, das ist unsere schwierige, aber höchst lohnende Arbeit.(Zustimmung.) Winliig-Hamburg: Bei der Rückkehr in die Friedenswirtschaft ioerden wir eine gewaltige Ueberfülluiig des Ar- beits Marktes bekominen und dann werden die Kricgslöhne zusammentlappeu; demgegenüber Ungewisse Beschäftigung: eine Katastrophe des Arbeitslohnis — aber hoch bleiben die Warenpreise. Gewaltige Erschütterungen werden unausbleiblich folgen. Der Bildung des realen Arbeitslohnes haben wir darum grötzte Auf- merksamleit zu schenken. Wissell forderte die unverzügliche Entlassung der scldgraucn Arbeiter ohne Rücksicht auf den ArbeitSmarkt, das iniitzte die Katastrophe verstärken. C u n o w aber spricht sich im entgegengesetzten Sinne aus. Dieser Widerspruch ist nicht sehr imponierend. Gewiß ist es eine sehr harte Zumutung(Zuruf: Eine zu harte!) nicht sofort entlassen zu werden, aber die Juler- essen der Arbeiter stehen hier ihren W ü n s ch en entgegen, liiid loir habeu ihre Interessen weitblickend zu vertreten. Gelöst wird die reale Loh»frage übrigen» auch durch Regelung der Entlassung nicht. Gewerkschaften und Partei müssen eine staatliche Stützung und Reglementierung der Arbeitslöhne herbeiführeu. Frau Ryneck-Berlin: Das Mitbestimmungsrecht der Frauen in der Uebergangswirlschaft usw. können wir nur durch Unterstützung der Genossen in den Gemeinden und Stadtparlamenten erlangen. Daran fehlt c§ an manchen Orten noch. Von der Notwendigkeit der Mitarbeit der Frauen sind wir doch alle überzeugt. Dr. Lcnsch: Wir müssen bei dieser Debatte immer bedenken, datz auch hier alles vom KriegSauZgang abhängt, so die soziale Frage. Schon in der Stockholmer Denkschrift ist die Rückgabe der deutschen Kolonien gefordert worden auS dem Grundsatz heraus: Keine Vergewaltigung I Cunows Referat geht weiter und fordert ganz allgemein für kapitalislisch-wirtschaft- liche Staaten Kolonien als wirtschaftliche Notwendigkeit und sür Deutschland als Bedingung seiner EntwicklungSfteiheir. Der Frei- Handel ist durch diesen Krieg höchstwahrscheinlich in Scherben geschlagen. Von englischer Seite wird man versuchen, Deutsch- lands Ent wicklungssreiheit nach Möglichleitzu ver- kümmern. Würde Deutschland unterliegen und etwa seine Kolonien verlieren, so wäre da eine sehr wesentliche Gefahr für seine Entwicklungsfreiheit gegeben. Ganze Kontinente sind fast in englische Kolonien verwandelt. Der Niederbruch Rußlands und die militärischen Erfolge Englands in Vorderasien unterstreichen diese Gefahr, die nicht nur Deutschland wirtschaftlich und kulturell bedroht. Die Anglisierung der Welt wäre dann näbergerückt. Deutsch- land ist durch den Krieg in eine revolutionäre Befreier- rolle hineingezwungen worden, und zwar nicht gegen Rußland. sondern gegen England. DaS müßte schärfer herausgearbeitet werden im Interesse der Partei sowie des Reiches. Jaeckel-Berlin: Was sollen uns die Kolonien in der Ueber- gangswirlschaft nützen? Ob und inwieweit wir sie später brauchen, darüber können wir uns später unterhalten. Wir müssen uns nicht Cunow, sondern Wissell in der Entlassungsfrage anschließen. Bei nicht sofortiger Entlassung der Arbeiter müßten gerade die Arbeiter am meisten leiden, die schon bisher die grötzte» Opfer infolge der Stillegung der Industrie getragen haben, wie die der Textilarbeiter. Wir können nicht immer nur volkswirtschaftliche Gründe sprechen lassen. Der Staat, der so viele Milliarden für den Krieg hat, mutz auch die Arbeitslosen über Wasser halten.(Sehr� richtig!> Wie sollen die überschuldeten Ge- meinden Notstandsarb eilen ausführen lassen? Dagegen spricht die ganze Kriegserfahrung. Deshalb dürfen die Arbeiter nicht länger bei der Fahne gehalten werden.— Wenn wirklich nach Cunow die Rohstoffverieilung nach der Leistungsfähigkeit nach dem Kriege erfolgen soll, so würde das bedeuten, datz die Be- triebe, die heute schon auf Kosten der stillgelegten Betrieb« Riesengeschäfte machen, auch nach dem Kriege bevorzugt und zu Alleinherrscher« gemacht werden. Die Zehntausende anderer?etneve Wörden ctltffterr. Dir baden kein Intereise, den Kleinbetrieb künstlich aufrecht zu erbalten, aber auch leine Ur« lach«, die Mittel« und Kleinbetriede durch den Staat v ö I l i g beseitigen zu lassen. Gleichinästig mühten alle Betriebe berücksichtigt werden, ja gcrechterweise die kleinen und mittleren mehr. Prull-Hannober: Sehr gefährlich wäre die Monopolisierung aller Betriebe die Gegenstände de« täglichen Bedarfs herstellen. Denn diese Monopole können leicht zu Finanz Monopolen werden und wirken dann wie indirekte Steuern progressiv nach unten. Besonders gefährlich erschiene mir ein GetreidrhandelS- Monopol ohne Berstaatlichung des Grund und V o d e n S. Der NobrungSmittelhandel sollte unter k e i ire n Umständen monopolisiert werden. Leichter zu ertragen wären Kohlenmonopol, ElekirizitätSmonopol, Verstaatlichung der Eilen- und RüstungSintustric. welche letztere als F i n a n z m o n o- pol freilich nur noch wenig verspricht. Sehr bedeutsam wäre d'e U b l ö s» n g S f r a g e. Nach einer Kapitalisierung der letzt- jährigen Gewinne bliebe kein Gewinn siir das Reick, denkbar. Die Rüstungsindustrie mutz ober aus rein politischen Gründen verstaatlicht werden, um den Kriegshetzern das Wasser abzugraben. lSehr wahr!) Schwierig ist die Ver- staallichung von Betriebszweigen, deren Erzeugung zum grotzen Teil inö Ausland geht. Handelsmonopole sind einfacher, aber dann steht der Privatunternehmer alS PreiStreiber dahinter. Trotz dieser Schwierigkeiten bleibt die Monopolisierung als Weg zur Sozialisierung wichtig. Ein Schlutzantrag wird angenommen. Wissell fSchlutzwort): Im allgemeinen sind meine Forderungen, insbesondere auch der Kinder- und Frauenschutz, gulgeheitzen worden. Die Vernichtung und Schwächung der Volkskraft stellen alle Völker vor neue Probleme, denen nur neu« Methoden gerecht werden können. Der Krieg hat auch im Innern direkt und indirekt viele Opfer gefordert, namentlich auch uuter den Frauen. lSehr richtig l) Die schweren Geburtenverluste werden sich noch nach Jahrzehnten fühlbar machen. Deshalb eingreifender Schutz der Eolkskrasierhaltung und Entfaltung alle? Lebens und Schutz der Arbeitskraft! Freilich werden wir beim Kampf um diese Ziele hart« Widerstände su überwinden haben. Wir können die Frauenarbeit nicht entbehren, aber wir müssen da« volkswirtschastliche Problem in Einklang bringen mit dem sozialen Schutz des künftigen Leben«, dessen Trägerin die Fron ist. Was die Kommission für Bevölkerung«- Politik uns bietet, ist nur eine mätzige Abschlagszahlung, die wir annehmen, um mehr zu fordern. Aber wir münen unsere weitergehenden Gedanken gerade jetzt, wo die Vorschläge dieser Kommilfion an das Plenum gelangen, in die breitesten BolkSmassen tragen. lBravo!> Meine von Winniq ange- socbiete Forderung auf sofortige Entlassung der Kriegsteilnehmer«nt- spricht der Forderung der Sorstäiidekonserenz und einem ein- stimmigen Beschlutz der Handel«- und Gewerbe- kommt ssion deS Reichstage«. Die Rücksicht aus ArbeitSmangel darf kein Grund fein, die Kriegsteilnehmer länger al» militärisch notwendig bei der Fahne zu halten. Der HeereS« dienst ist keine sozialpolitische S ch u y m a tz n a h ni e. lSehr wahr I) Wir begehen diese Barbarei gegen die Soldaten nickt. sie ist auch wirtschaftlich nickt möglich. Monatelang wird die Entlassung der Millionenhecr« ohnedies dauern, aber jeder soll vom Waffendienst frei werden, sobald dieS militärtechnisch erreichbar ist. Wer beim Privatunternehmer nickt Unterkoinme» findet, tür den sollen öffentliche Arbeiten bereitgestellt werden. Wir dürfen keine Arbeitskraft brachlregen lassen, auch nickt für Wochen. Wir könne» sogar zwingende Borschristcn über Mindest- löhne erlösten, die kein Masienandrang aus die Arbeitsstellen senken darf. Vor alle», aber ist rascheste Entlassung aller Kriegsteilnehmer, mag es ivirtichafllick liegen, irne immer. «ine ideale seelische Notwendigkeit. für unsere KriegSteilnehiner und unser Volk.(Beifall.) Für die KriegSrentner fordern wir «in geordnete« Sprnchvcrfahren. In diesem Sinne wird die Fraktion arbeinen. lBeifall.) Cuno« �Schlußwort): Alle Grundlagen del kapiialntischen W>rt- schaftsiqsternS sind in Umbildung begriffen: Kaprtalanhäufung, Ka- pitalbildung, die ganze Klassenschichtung. Die kapitalistische Will- schast ist nicht zusammengebrochen, sondern steht noch ziemlich fest. Aber sie hat A n I e t h cn beim s o z i a l i st i s ch e n Organisationsgedanken machen müssen, um sich zu halten. Die weitere EntWickelung läßt sich sebr schwer beurteilen. Sehr viel hängt dabei von den FriedenSbedingungcn ab, von Entschädigungen. Valutaregulierung und günstigen Wirtschaft«- beziehungcn. Der englische Wirtschaftskrieg wird wahrscheinlich unter der Decke weitergeben. TaS beweisen die Beschlüsse der Special Föderation Cominissron unter Bonar Law; der geplante ReichSzollverhand vernichtet den englischen Freihandel und gewährt den englischen Kalo- nie» VorzugSbehandlung. Aehnlick» haben die maßgebenden Reedervereinigungcn beschlossen, den Verkehr mit Deutsch- kand nach dem Kriege möglichst eingeschränkt zu lassen und den Verkehr mit den Kolonien zu begünstigen. Derartigen Angriffen wird unser Handel nach dem Kriege vielfach ausgesetzt, sein. Das ganze Gebiet der künftiaen Zoll- und Wirtschaftspolitik ist außer- ordentlich strittig. Wir sind heute nock ganz auf Hypothesen ange- wiesen und deshalb können unsere Forderungen nur ganz allgemein sein. Wir können uns beute nicht binden, mein Referat ist nicht einmal für mich durchaus bindend, denn e« beruht ganz auf W a b r. f ch« i n l i ch k e i t S b e r e ch n u n g. DaS geiamte Material sollte am besten einer Kommission überwiesen werden, die den Entwurf «ine« wirtschaitS- und sozialpolitischen Aktionsprogramm« ailsarbeiten könnte. Auch die K o l o n i a l f r a g e bedarf neuer Behandlung. England sucht alle R o h st o f s c kür sich zu sickern, damit wir davon ausgeschlossen bleiben.(Hört! hört!) Bei der Verteilung der Rohstoffe im Inland müssen die leistungsunsähige» Betriebe auSge- schlössen bleiben. Wir dürfen nicht GcschäftSpolitik treiben, sondern volkswirtschastliche Politik, sonst halten wir die Kon- kurrenz mit England nickt auS. das fieberhaft auch Wirt- fchaftlich für die Zukunft rüstet.(Hört! hört!) In direktem Wider- spruch zu Wissell« Referat stehe» meine Forderungen nicht. Ich fordere die weitgehendste Entlassung der Kriegs- teilnehme r. Wissell will doch auch Rücksicht auf die Wieder- ausnähme der normalen Wirtschaftstätigkeit nehmen, nur nicht auf den ArbeitZmarki. Der Arbeitsmarkt ist doch aber ein Teil der Wirtschaft Wir meinen wobl beide, man soll die Soldaien nicht wer weiss wie lange bei der Fabne halten, weil man noch keine Arbeit für sie bereitoestcllt hat. Staat und Gemeinde müssen eben für genügende Arbeitögelegenbcit sorgen und können ei auch. Die Soldaten, die bei der Fahite gehalten werden, brau- che» ja auch nicht schweren Dienst zu tun, sondern können beurlaubt werden. Aber wir dürfen nicht auf einmal Millionen Menschen auf de« ungeschützten ArbeitSmarkt werfen. Auch wird«S viel schwerer sein, eine ausreichende Unterstützung der ganz Arbeit»- losen durchzusetzen, als wirklich gemeinnützige Arbeiten «inzurichlen. Manche Industrien entbehren aller Rohstoffe und fast aller Maschinen. Wer kann denn daran denken, die Gcsamtarbeitcr- schast jahrelang zu uiuerstützen! So einfach liegen die Dinge nicht. Die Umschaltung zur Kriegswirtschaft erfolgte unter den günstig- st e n Umständen bei sehr starkem Rohstoffvorrat. Nach dem Kriege werden ganze Industrien bei aller Bemühung keine Rohstoffe bekommen können. So zersplittert sich die Frage in viele Einzelheiten, sie bedarf der gründliche» Arbeit in einer K o m- missio«. Diese Kommission kann auch die Programmrevision vorbereiten, denn das neue Programm mutz doch wirtschaftswissen- schaftlich fu'udiert werden. Daö Erfurter Programm war durch die Tatsachen teilweise überholt, als es beschlossen wurde. (Sehr wahr!) Da» neue Programm soll den Tatsachen und dem wirLichcn Stand der Wissenschaft gerecht werden. Allerdings leben wir nicht nur in einer Zeit der Umwälzung, sondern auch in einer, Umwälzung unserer Lehre. Wir haben festen theoretischen Bode» unter den Füßen noch nicht wieder gewonnen, darum ijl c» zur Ab- fassung eines neuen Programms wohl noch zu früh. Die einzige Gewißheit, die wir haben, ist die. daß die Entwickelung immer tlarer in der Richtung zum Sozialismus führt. Wir kommen tatsächlich vorwärts, die Entwickelung arbeitet für un«. lLebhaster Beifall.) Das Schlusswort über die gcsmnten Zukunftsaufgaben der Partei erhält Schcidemann: Die Anträge werden wir am besten teils der Fraktion, teils dem Parteioorstand überweisen. Der Parteioorjtand wird eine Kommission einberufen, welche die ihr zugewiesenen Ar- beiten dann erledigen kann. Im übrigen habe ich keine Veranlassung. sachlich auf Einzclfragen zurückzukommen. In der Forderung einer durchgreifenden Sozialpolitik hat sich vollkommene Uebereilistimmung«rgeben. lieber die grotzen Aufgaben beim Wieder- aulbau der Volkswirtschaft ist Klarheit geschaffen worden. In der Stcuerfrage haben die einzelnen Redner verschiedene Forderungen in den Vordergrund gerückt, aber einig waren wir unS im allgemeinen Grundzug: Schutz der Schwachen, scharfe» Zugreifen beim Besitz. Die Uebereinstimmung in der Frage der Demokratisierung war selbstverständlich. Besonders erfreulich und erhebend war die Entschlossenheit, die Demokratisierung auch durchzusetzen. Wir haben in voller Klarheit ausgesprochen: Fort mit allen Hindernissen der Demokratisierung und Parlamentarisierung im Reich.(Bravo!) DaS Hindernis aber, da? am schnellsten beseitigt werden muß, scheint mir der Reichskanzler Dr. Michaeli» zu sein. (Stürmische Zustimmung.) Dr. Michaelis hat in schwerer Zeit ohne die geringste Fühlungnahme mit der Volk?» Vertretung einen Posten übernommen, dem er in keiner Weise gewachsen ist.(Sehr wahr!) Auf ihn trifft da« Wort des früheren Kanzlers Bethmann Hollweg zu:.Wehe dem Staatsmann, der die Zeichen der Zeit nicht versteht!"(Lebhafter Beifall.) Mit der Ver- schleppung der längst geforderten und längst versprochenen Wahlreform bi» heilte und mit ihrer Verwässerung treibt man ein gefährliches Spiel. Da sagen wir: Finger weg! Ihr spielt mit dem Feuer!(Allgemeines Sehr richtig!) Wir feilsche«) nickt nm dieses Wahlrecht und wir dulden keinen Auffchub.(Stur» mischer Beifall), wir fordern eS sofort und fordern es ganz.(Erneuter Beifall.) Ungeheures bat das deutsche Volk geleistet und er- duldet. Im Namen der deutschen Sozialdemokratie grüße ich herzlich unsere Brüder an allen Fronten, die doS deutsche Volk verteidigt und gerettet haben.(Lcbhaffe allgemeine Zustimmung.) Wer wagt ihnen noch länger Rechte vorzuenthalten, die für jeden selbstvcr ständlich sind, der aus der Not der Zeit Gewinn gezogen hat. DaS dulden wir nicht und ein Narr, der sich«in» bildet, wir könnten das dulden.(Vielfaches Sehr gut!) Die Vaterlandspartei treibt unter dem Vorgeben, die Interessen des Reiches zu vertreten, mit ihrem reaktionären Widerstand gegen de» notwendigen Fortschritt ein gefährliches Vabanque- Sviel. Auch hier istjedeö weitere Wort überflüssig. wir wissen, was wir wollen und werden eS schaffen.(Stürmischer Beifall.) Im Kampfe um ihr Recht wird die deutsche Arbeiterklasse gemeinsam und geschloffen marschieren. Davon bin ich überzeugt. Den Gegnern aber rufe ich zu: Hört unS, Ihr seid gewarnt!(Stür- Mischer, wiederholter Beifall und langanhaltendeS Händeklatschen.) Die weiteren Verhandlungen werden auf die Rachmittagssitzung vertagt. Nachmittagtzsitzung. Vorsitzender Auer: DaS Bureau hat an den Genossen Gcrisch folgendes Telegramm abgesandt:»Dem alten sturmerprobten Kämp- fer sendet der Parteitag berzliche Grüße."(Beifall.) In einem Schreiben der Ortsgruppe Leipzig des Metallarbeiterverbandcs wird den Ansführungen des Delegierlen M N l a u. daß der Austritt der Ortsgruppe aus dem Leipziger GswerkschaftSkartell mit 47 Stimmen bei 20 000 Mitgliedern beschlossen worden sei. wider- sprachen und behauptet, daß der Austritt in einer gutbesuchten ordent- lichen Generalversammlung beschlossen worden sei. M»lan»Keio,ig g-llt d-nmeoemi�ck: feft daß seine Angabe aui Mitteilung einwandfreier Genossen beruhe, die sie auf ausdrückliche» mehrfache» Befragen aufrechterhalten haben, und daß diese Angaben mich schon vor Wocken veröffentlicht worden sind, obn« daß dagegen Widerspruch erhoben wurde,(Hört! hört!) Porgesiern haben die Leipziger Holzarbeiter mit 208 gegen 140 Stimmen erfreu- licherweise das Verbleiben im Kartell beschlossen. Zu einer Erklärung erhält das Wort: Abg. Tavidsobn: Durch den Schluß der Debatte am heutigen Vormittag wurde ich verhindert, über das Kapitel der Allmacht der Stellvertretenden Generalkommandos zu sprechen. Unser Präsidium gestattet mir jedoch, mitzuteilen, daß kürzlich in Berlin ein: Besprechung stattgefunden hat, an der ausser ReichStagSabgeordneten aller Fraktionen und Vertretern der Reichs- regierung Beauftragte des Generalgouvernements Warschau und von Oberost teilgenommen haben. ES handelte sich um die Regelung von Angelegenheiten der zurzeit in Deutschland befindlichen pol- nischcn und jüdischen Arbeiter russischer Staats- angehörigkeit. Das Kriegsmintsterium stellte im Laufe der Verhandlungen fest, daß gemäß kaiserlicher Verordnung die stellver- tretenden Generalkommando« in den in Betracht kommenden Ar- besterangelegcnheiten den Anordnungen des KricgSministerium» bezw. des KriegSamteS sich zu fügen hätten. Gilt dies für auSlän- difch? Arbeiter,'o sollte angenommen werden dürfen, dass auch der deutschen Arbeiterschaft endlich da« Joch der Selbstherrlichkeit und Allmacht der stellvertretenden Generalkommandos abgenommen wird.(Beifall.) Es wird nun über die Anträge abgestimmt. Der Antrag Bremen(Unterstellung der Für sorg« für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene unter die Reichsversicherungsordnung und ihr Reckt». verfahren) wird der Fraktion überwiesen. Der Antrag Stutt- gart auf Einsetzung einer Kommission zur Ausarbeitung eine» Aktionsprogramms für die nächsten Aufgaben wird dem Parteivorstand überwiesen, ebenso der Antrag 3 auf Herausgabe ge« eigneten Studienmaterials über die Kolonial- und Wehr- inachtirage. Desgleichen der Antrag Teltow-Beetko« auf Einsetzung einer handelspolitischen Kommission. Der Antrag Hannover aus Schaffung von Rentämtern für Kriegsbeschädigte wird der Fraktion überwiesen. Der An- trag Johanna Reitze und Genossen, der die Frage de» Mit- bettimmungSrecht« der Frauen in allen sozialen und politischen Köroerschaften behandelt, wird einstimmig ange- nommcn. Er lautet: „Die praktische sozial: und politische Tätig- kcit der Frau ist durch den Krieg noch umfangreicher geworden im Erwerb, in der Sorge für die Ernährung, bei der Erziehung der Kinder und in der Gemeinde. Die vermehrte Anspannung wird auck nach dem Kriege weiter zu leisten sein. Weitere Zweige der Fürsorgetätigkeit wer- den nötig werden. Wir erinnern nur an die dielen Witwen und Waisen und an die Frauen der KriegSinvaliden, denen die Last der Ernährung der Familien aufgeladen wird, desgleichen an die zahl- reichen verheirateten Frauen, die durch das ungenügende Ein- kommen des Manne» auch weiterhin zur verstärkten Erwerbsarbeit gezwungen werden. Die daraus erwachsenden Aufgaben können nur erfüllt werden unter Mitwirkung der Gemeinden und d:S Staates, wobei die Frau ein Mitbestimmungsrecht haben muß. Da sie bi» heute aus diesem Gebiete noch rechtlos ist. ist es ihre erste und vornehmste Ausgabe, dahin zu wirken, daß sie in ihren wirtschaftlichen und po'itischcn Rechten dem Manne gleichgestellt wird. Gleiches Reckt für alle, für Mann und Frau. Wollen sie diele» gleiche Recht erreichen, io müssen alle Frauen sich den sozialdemokrati- schen Organisationen anschließen. Ter Parteitag sor- dert die Genossen und Genossinnen in Stadt und Land auf, ihre. ganze Kraft für die Erringunz de» FrauenwahlrechtZ für alle sozialen und politischen Körperschaften einzusetzen und nach Möglichkeit für die Gewinnung und Schulung der Frau?» zu wirken. Ebenso verlangt er, dass die Frau weit mehr al« bisher zur praktischen sozialen und politischen Arbeit herangezogen wird." Ebenso wird cinstimig folgender Antrag Krüger-Teltow- Beeskow und Genossen angenommen: „Die in» Ungemessene gestiegenen Preise der Lebensmittel und aller übrigen Bedarfsartikel haben die öffentlichen Körperschaften und einsichtige Privatunternehmer veranlasst, den Angestellten und Arbeitern mehr oder weniger entsprechende Teuerung?- zulagen zu gewähren. Ebenso hat der Reichstag sozialdemo- fratifckjen Anregungen folgend wiederholt Erhöhung der Familien- Unterstützung für die Familien der Kriegsteilnehmer beschlossen. Tie Bezüge der Kricgerwitwen und-Waisen sind aber u n b e- rührt davon geblieben, so daß die zahlreichen Familien, deren Ernährer ihr Leben für das Vaterland hingaben, in dauern- der Not sind. Dasselbe gilt für die große Schar der KmgSver- leyton, deren Renten ebenfalls die gleichen geblieben sind wie vor der ungeheuren Teuerung. Die Pflicht gebietet der sozial- demokratischen Partei, dafür zu sorgen, daß die Renten für die Kricgerwitwen,-Waisen und Invaliden so schnell wie nur moglift so erhöht werden, daß diese Unglücklichen, die dem vatcrlandc dalf Beste gegeben haben, vor Not geschützt sind. Der Parteitag be- auftragt die sozialdemokraiischen Vertreter in den gesetzgebenden Körperschaften in diesem Sinne zu wirken." Einstimmige Annahme findet ferner ein Protest gegen die Er- höhung der Eisenbahnfahrpreise. Der Antrag Thielc-Bloss(631 wird zum Beschluß erhoben. Der Antrag Thiele. Bloß lautet: Riesengroß und gräßlich sind die Opfer an Blut, Leben«. glück und Gesundheit, die durch den Krieg der Mehrheit der deut- schon Familien auferlegt worden sind. Derselbe Krieg hat jedock einem kleineren Personenkreis« unsinnige Reichtümer durch KriegSgewinn gebracht.— Der Gedanke ist unerträglich, daß für die Mehrheit der Krieg die Quelle dauernden Elends und Schmerzes, für eine Minderheit die Quelle dauernd cn Wirt- schastlichen Ueberfluffes fein soll. Ter Parteitag fordert deshalb, dass da« Reich zur Linde- rung des Kriegselends, für die es auszukommen da!. in erster Linie die im Kriege erworbenen Reichtümer heranzicbl. DaS soll unter Anerkennung des Grundsatzes geschehen, daß nie- mand beanspruchen darf, nach dem Kriege wohlhabender zu sein, als er vorher gewesen ist. Darauf beginnt die Verhandlung der Lebensmittelfragen. Abg. Robert Schmidt-Berlin: Man spricht viel von der u n- g ü n st i g.c n Stimmung der Bevölkerung. Sie ist verschuldet durch die unbefriedigende Lösung der Nahrung».- m i t t e l v e r s o r g u n g. Wir haben nicht nur Mangel und Knappheit infolge der Absperrung vom Auslandsmarkt, sondern wir leiden auch unter den ungeeigneten und unzweckmäßigen Maß- nahmen der Regierung. Unsere frühzeitigen Vorschläge wurden nicht beachtet und die später«griffenen Massnahmen kamen immer zu spät. Unter dem Einsluss interessierter Gruppen hat man, statt die Preistreiberei zu bekämpfen, immer höhere Höchstpreise festgesc�t. Eine planmäßig geordnete Verteilung unserer Lebens- mittel ist lange unterblieben. Wieder hat man bei der diesjährigen Ernte besondere Prämien für Ablieferung, Frühdrusch und Beförderung an die Eisenbahnen bewilligt. Tic Kartoffeln sind teurer al» jemals im Kriege; ein Preis von 9 und 10 Mark für 1 Zentner Kartoffeln im Klcinverkauf ist geradezu unerhört. (Lebhaftes Sehr richtig!) Wir fordern deshalb, daß Staatsmittel zur Senkung deS Preise? für Minderbemittelte in Anspruch genommen werde». Es muß. eind Erleichterung eintreten, denn sonst ist die ArbeitervevöÜerung nicht einmal in der Lage, da» zu kaufen, was ihr durch die Verteilung überwiesen wird. In der Zeit de» Krieges muß eine Kon- kurrenz auf dem WirtfchaitSmarkt aufgehoben werden und an ihre Stelle mutz die Einführung der Beicklagnahme und die Verteilung der Produtte in gleichmäßiger Art und die Festsetzung von Höchstpreisen treten, um der Preistreiberei ein Ziel zu setzen.(Lebhafter Beifall.) Wenn in wirtschaftlicher Beziehung die Bedingungen eine« gesunden Aufstieg« geschaffen sind, dann wird das deutsche Volk zu neuem Leben erwachen und dann wird seine Zukunft auf festem Boden gebaut sein.(Lebhafter Beifall.) Giermann-Nürnberg vermißt in der Resolution Schmidt die Forderung, SleichSmittel zum Erwerb von Lebensmitteln für die minderbemittelte Bevölkerung bereitzustellen. Die Höchstpreise werden viel zu schemaiisch vom grünen Tisch in Berlin au? fest- gesetzt. Abbau der Lebensmittelpreise tut not, aber der Gewalt- streich der Biehpreissenkung, de« Viehpreissturzes lag auch nickt im Interesse der Verbraucher. Man sollte immer offen der Bevölke- rung sagen, wie es liegt. Das neue Schweincmorden ist Heller Wahnsinn. Noch nie waren die Bedingungen in Süd- deutschland für die Schweinemast so günstig wie in diesem Jahre. Trotzdem sehen wir übrigens kein Schwei; denn die zu tief gedrückten Preise erzeugen nur die Schwarzschlächtcreien und den Schleichhandel. Helene Wayner-Themnitz: Die Frauen sind durch die LebenSmittelschwierigkeitm furchtbar verbittert und schieben in ihrer Verärgerung auch uns die Schuld zu; denn die bürgerlichen Zeitungen schimpzen ganz gewissenlos darauf lo?. Man muß den Frauen endlich einmal klar machen, daß nichts mehr zum Verteilen da ist. Unsere Vertreter haben überall getan, was mögljch war, und außerordentlich viel gebessert. Freilich, Leute mit viel Ein- kommen verschaffen sich hintenherum noch alles Gute. Di« Sparsamkeit in der Ernährung, die man uns aufzwingt, ist da? falscheste, was man treiben kann. Die Preisfestsetzung für Obst und Kartoffeln ist geradezu eine Aufmunterung für jeden Wucher. Gesetze und Verordnungen haben wir genug, an der Durchführung fehlt es. Darum sollten sich die Verbraucher mehr als bisher um den LebenSmittelmarkt kümmern. Der beste Protest gegen alle Fehler der LcbenSmittelpolilik ist der Auf» nähme schein in die sozialdemokratische Organi. j a t i o n. Fischer-München: Glaubt denn jemand, daß hier in Bayern Milch und Honig fließt.(Heiterkeit und Sehr Walch!) Mancher ist wohl in der Ueberzeugung bierber gekommen, daß ihm hier die große Butterdose winkt.'Erneute Heiterkeit.) Aver in unseren Industriegebieten und in Mitrcl- und Oberfronken herrickt die gleiche LebenSmittelnot wie in Mistel- und Norddeutschland. Die Festsetzung der Höchstpreis«, gleichmäßig für da» ganze Reich ist völlig verfehlt. Ein Preis von 8 M. für den Zentner Winterkartoffeln ist für den armen Weber in Oberfrankcn geradezu «»erhört und unverschämt.(Lebhafte Zustimmung.) Groger, Neukölln: Parteioorstand und Generaltommission haben ihre Schuldigkeit getan, aber man muß doch bedenken, daß auch die LebenSmitielfragen politisch« Machtfragen sind. (Sehr richtig!) Bei einer gerechten Verteilung wäre e« zu diesem ganzen Jammer nicht gekommen. Die Höchstpreise werden auch oft genug von den Behörden umgangen. Frau Schilling-Döbeln: Die Ernährungsfrage ist das Schmer- zenSkind. Wir verlangen ganze Maßnahmen, die Halb- beiten der Regierung begünstigen nur den Schleichhandel. Darunter leiden die Arbeiter am stärksten. Obne den Schleich- bände! würden wir uns alle sattessen können.(Sehr richtig!) Bei unS besteht die Vorschrift, daß das beim Aehrenlcsen gc- sammelte Getreide bei der Gemeinde abgeliefert werden muß. und iogar ohne Entschädigung. Frau EverS- Hannover besprickt die K o h l e n n o t. Nun soll auch noch da» Gas gespart werden. Womit sollen die Familien kochen?(Schluß im Hauptblatt.) GroßSerlln Bessere Wildversorgung Berlins in Aussicht. Der Magistrat sckreibt: Die durch BundcsratLverordnung ge- troffene Regelung, daß das auf Treibjagden erlegte Wild zur Hälite bezw. zu einem Drittel an die Kommuualvel bände abzuliefern ist, lätzt für den kommenden Winter eine bessere Versorgung Berlins mit Wild, als es in den vorhergegangenen drei Kriegstvinlern der syall mar, erwarten. Zur Belieferung Groß-Berlins mit Wild sind b? Kreise bestimmt worden. Das eintreffende Wild wird, wie bei der Vrebverteilung. schlüsselinästig aus die Grosi-Berliuer Geineinden, zu denen nocb Spandau hinzulrili, und die beiden Kreise Nieder- barnim und Teltow verteilt, flur Berlin ist die Verteilung des Wildes so organisiert, datz die städtischen Krankenanstalten und die Massenspeifung sowie die Gastwirtsckasten vom Magistrat belielert werden, während zum Berkaus des Wildes unmitlelbar an die Ler- braucker die Wildbändler herangezogen werden. Soweit der Magistrat. Wir mochten biera» gleich den Wunsch knüpfen, bei der Verteilung nicht etwa wieder zu verfahren, wie kürzlich beim Spanscrkelverkans. Ivo man absichtlich die Minder- bemittelten vom Bezüge ausgeschlossen hat. Erstens durch die Höhe des Preises und dann auch noch durch die grosje Quantität, die entnommen werden muffte. Wir erwarten daher, daff man das heran- kommende Wild— dessen Zuzug übligenZ sür unS noch nicht so fest steht, wie für den Magistrat— im Kleinverkauf und auf Lebensmittelkarten ab schnitt abgibt, damit nicht nur die bisherige Kundschaft der Wildhändler behefert wird. Gegen die Salzhamsterci. Infolge der Belastung der Eisenbahn mit anderen Waren, so vor allem Kartoffeln, ist die Salzbeförderung zeitweise eingestellt worden. Das hat natürlich zu emer gröberen Salzinappbeit in den Kleinhandelsgeschästen geführt, die jetzt schon einige Wochen anhält. Das KriegserttähriingSoml hat nun eine be- vorzugle Salzbeförderung angeordnet,>o daff in nächster Zeit wieder orötzere Vorräte vorhanden fein dürften. Die inzwischen etwas reich- licher gewordene Zufuhr wird nun von ängstlichen Frauen dazu be- nutzt, wieder gröfferc Vorräte aufzu'peichcrii. Gegen diese Salzhamsierci ist der Gemeindevorsteher von Ober- schöneweide eingeichritien. indem er bestimmt hat. daff wöchent- lich nur noch ein halbes Pfund gegen Abtrennung eines Abschnittes der Nummernkarte an die eingelragenen Kunden verabfolgt werden darf. Neue Höchstpreise für Griest und Graupen. Der Staatssekretär des KriegsernährungSamteS hat neue Höchst- preise für Grieff und Graupen sowohl im Groffhandel als auch für den Kleinhandel festgesetzt. Der GroffhandelSpreiS pro Doppel- zenlner beträgt bei Grieff 54 M., bei Gerstengraupen und-grütze vi M. Im Kleinhandel kostet Gricff 32 Pf. und Gerstengraupe und -grütze 3v Pf. pro Pfund. Enteignung und Ablieferung der Gebrauchsgegenstände aus Aluminium. Durch Bekanntmachung des MagistratskommisfarS für Militärangelegenheiten vom heutigen Tage werden sämtliche aus Nluminium bestehenden Gcbrallchsgegenstände, die bisher nicht abgeliefert sind, sowie die sämtlichen im GärungSgeweibe üblichen aus Aluminium bestehende» Kellereioeräle, die durch Bekanntmackung des Ober- tommandos in den Marken vom 10. Mai 1917 beschlagnahmt sind, enteignet und müsien. ohne daff die einzelnen Besitzer solcher Gegenstände besonders aufgefordert werden— bis zum 31. DJ- > o b e c 1917 bei den in den städtischen Markthallen lnicht Zentral- Markthalle) und im Sladlhans, Eingang Stralauer Straffe, errich- telen Sammelstellen abgeliefert werden. Diejenigen, bei denen nach dem 31. Oktober 1917 derartige Gegenstände vorgefunden werden, werden unnachsichtlich zur Bestrafung angezeigt werden. Wichtige Aenderung bei der Augestclltenverficherung. Die Bersicherungskaric, die jeder Versicherte als Ausweis erhält, weist in ihrer uriprünglich durch den Bundesrat iestgeietzlen Fassung einen ziemlich erheblichen Mangel auf. ES ist ihr wobl die Bestimmung aufgedrnckr, daff sie nach 5 Jahren zu erneuern ist, sie enthält aber keinen Hinweis darauf, daff der Anspruch dcS Inhabers versäht, wenn infolge von Stellenlosigkeit, durch Berufswechsel usw. nicht mindestens jährlich 8 Beiträge(nach Verlaus von 10 Jahren 4 Beiträge) entrichtet*sind. Die Folge davon ist, daff zahl- reiche Ansprüche verfallen, insbesondere in der RriegSzeit, in der häufig Angestellte vorübergehend in nicht versicherultgspflichrige Tätigleit übergehen. Der Berliner Ortsausschuff der B e r t r a u e n s in ä u n e r, W 35. Flottwell st r. 4(Sprechstunden Dienstags, DonnciStags, Sonnabends von 1—3 Uhr), hat auf diese in selner Praxis häufig Vorgekommenelt Mängel verschiedentlich hingewiesen und Abstellung beantragt. Es ist daher im Interesse der versichernngspflicktigeii Ängestelllen sehr zu begrüffen, daff der Bundesrai nunmehr den Anregungen cittfprocheu und unter dem 2. Oktober 1917 eine Neufassung der Versichern ngs- karreu angeordnet hat, nach der die den Verfall der Ansprüche bestimmenden Paragraphen des Versicherungsgesetzes für Angestellte mit aufgenommen sind. „Wie wird nmu P�teimitzlied?" Unser Artikel in Nr. 286 hat uns eine groffe Anzahl von Eympathiecrkiäruugen aus akade- mischen Kreisen eingebracht. In einer dieser Zuschristen— der Absender ist oanä. xbil. und VerblndungSstudeiit— heifft eS:„Ihr Artikel hat lebhaftes Jnlercsse in mir erweckt, da das Milieu und die Anschauungen, in denen ich aufwuchs, die gleichen waren wie die jenes Einsenders. Auch mir hat erst der Krieg und eine harie Soldaien�cu— die übrigens in seder Beziehung iilr mich ehrenvoll war— die Bugen geöffnet über die... Verhältnisse, welch« äugen- blicklich in Deutschland herrschen. Da die groffe Frage, welche ich i» den nächsten Tagen an Sie halt« richten wollen, nun schon be- antwortet isr, kann ich nur noch»'.einer und vieler Kommilitonen Sympathie für den Gedanken einer unbedingten Demokratie Ausdruck geben, weicht illtS allein aus dem ganzen Elend herausführen kann." Rauchverbot für Jugendliche. Auf Anordnung des Berliner Polizeipräsidenten dürfen an Personen unter 16 Jahren Tabakpseifen, Zigarren, Zigaretten und Zigaretleupapier nicht verkauft werden. Auch ist den Jngendliche» uiner 16 Jahren daS Rauchen auf öffeut« lichen Wegen. Plätzen usid Anlagen sowie in öffentlichen Verkehrs- Mitteln und Räumen verboten. Betricbseinschrnnkungen auf der Großen Berliner Straßenbahn werden mit dem 21. d. M. an Sonn- und F e i e r t a g e n auf den nachbezeichneten Linien im aufferfahr plan mäßigen Frühbetriebe vorgenommen: Linie 1:(Stadtring). Der 7>/g-Mtnulen-Belrieb ab Rosenthaler Platz und ab Brandenvurgstraffe beginnt nicht wie bisher bereits 9.5, sondern erst 10.56 Uhr, bis dabin IS-Minuten-Beirieb. L i n i e 3:(Groffer Ring). Die Fahrten 5.27, 5.47, 6.7 ab Rosenthaler Platz in Richtung Gedding fallen fort. Linie 23:(Niederschönbausen, FriedeitSploy— Schöneberg, Goten- straffe). Die Wagen, verkehren ab Niederschönhauien bis 11.48 und ab Schöneberg ins 1.4 Uhr in Abständen von 26 Minuten(bisher 15- Minuteii-Betrieb). Linie 24(Groffgörschenstraffe— Reinicken- dorf-West, Berliner Straffe): Ab Groffgörschenstraffe von 7.1 bis 12.21 und ab Scharnweberstraffe 8.7 bis 11.47 Uhr 20-(statt 15-) Minuten-Betrieb. Linie 31(Tegel— Schlefifchec Bahnhof): Der Betrieb beginnt ab Tegel 6.10(bisher 5.10), ab Schlesifcher Bahnhof 7.28(bisher 6.28) Uhr. Linie 49(Niederschönhausen, Blankenburger Straffe— Hasenhcide): Die Fahrten ab Nordend bis Jnselstraffe von 5.17 bis 7.17, von Jnselstraffe bis Nordend von 6.4 bis 8.4 Uhr fallen fort; Betriebsbeginn ab Niederschönhausen, Friedensplatz, 7.18, ab Hafenheidc 8.17 Uhr. Zum Kapitel: Ucbcrlastung der Post. Bon der stellvertretenden Jniendantur des 17. Armeekorps(Danzig) erhalten wir ein dringendes Telegramm mit der Mitteilung, daff bei den militSrischen Dienststellen des Korps einige Millionen Marl Kriegs- anlcihe gezeichnet loordcn sind.— Wir nehmen von der Tatsache mit Befriedigung Notiz bedauern aber die gegenwärtig schwer über- lasteten Postbeamten, die zu allem übrigen auch noch mit der- artigen„Dringlichkeiten", die doch ivahrschcinlich nicht allein dem „Vorwärts" zugegangen sind, behelligt werden. Die Mitteilung hätte bei allen, für die sie bestimmt ist, zweifellos dieselben freudigen Gefühle ausgelöst, wenn sie einen Tag später brieflich eingetroffen wäre. Botanischer Garten. In der Zeit von Mitte Oktober bis Ende März ist der Botaniiche Garten in Dahlem nebst den Gewäcks- Häusern am ersten Sonntag eines jeden Monats von 11— 4 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.— An den Werltagen der Wintcrmonate ist der Garten von 8 Uhr früh bis zur Dämmerung, die Gewächs« Häuser, mit Ausnahme des Sonnabends, von 10—4 Uhr für die Inhaber von Erlaubnisscheinen, welche den bei den Pförtnern käuf- lichen Führern beiliegen, zugänglich.— Das Botanische Museum ist jeden Mittwoch von 10—3 Uhr und jeden ersten Sonntag im Monat von 11—2 bei freiem Eintritt geöffnet. Der Sportpark Treptow veranstaltet am Sonntag sein vorletztes Nennen. Noch einmal starten die drei erfolgreichsten Fahrer dieses KriegsjohreS: Bauer, Pawke und Änipkat. Das Rennen wird in ztvei Läusen über 20 und 50 Kilometer ausgefahren. Anfferdem findet ein groffeS Prämienrennen über eine Stunde mit hohe» Preisen für Flieger statt. Die Nennen beginnen um 2'/z Uhr. Bon einem Unhold angefallen wurde Donnerstag in den ersten Nachniiliagsslunden eine Dame im Tiergarten. Die Frau ging in der Groffe» Ouer-ALee am Groffen Stern allein spazieren. Etwa in der Nähe der Schutzhütte merlle sie. daff jemand eiligen Schrilles hinter ihr berlam. Gleich darauf fühlte sie eine schlagartige Be- rührung. Erschrocken blickte sie hinter sich und sah einen jungen Menschen, der an ihr vorbeieilte und einige Schritte von ihr ent- fernt schamlos entblöfft stehen blieb. Dann lief er nach der Ronffeau- infel zu und entkam. Die Dame erkannte nachträglich, daff sie mit einem spitzen nicht sehr breiten Messer einen Stich erhalten hatie. der eine ziemlich tiefe Fleijchwunde hervorrief. Ein Schutzmann brachte sie nach Hause. Dort befindet sie sick in ärzlicher Behandlung. Der Unhold ist bartlos und vielleicht in den zwanziger Jahren, mittclgroff und schlank. Er trug dunkle Kleidung mit Ueberzieher und Schlapphut, dessen Krempe an einer Seite heruntergelegt war. Eine geiiauere Beschreibung kann vielleicht ein Herr geben, der den Vorgang sah und mit der Dame sprach. Er wird gebeten, sich im Polzciprä- »sidium bei Kriminalkoinmisiar Dr. Kopp zu melden. Es ist möglich, daff er aus der Bildersammlung der Männer mit üblen Neigungen dieser Art den Täter herausfindet. Auf die Ermittlung des Unholds ist eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt loorden. Der Sicherheitsdienst im Tiergarten ist durch Streismaituschafteu der Kriminalpolizei sofort erhöht worden. Unbekannte Tote. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 10. Ok- tober wurde aus der Spree vor dem Hause Holsleiuer User 27 die Leiche einer anscheinend dem Arbeitcrslando angehörigcn Frau ge- landet. Die Leiche, die»mr kurze Zeit im Wasser gelegen haben konnte, wies schwere Verletzungen an der linken Kopfseite, unter dem linken Auge und an der linken Wade auf, die jedoch von einer Dampferschraube herrühren dürften.' Die Tote ist etwa 13 bis 23 Jahre alt, 1,57 Meter groff. hat blondes, besonders lange? und starkes Haar, volles Gesicht, geneigte Stirn, bogensörmige Augen- brauen, dicke gradlinige Nase.»littelgrohe durchlochte Ohren, aufgeworfene Lippen und vollständige Zähne. Bekleidet war die Un- bekannie mit weiffcr Bluse mit blauwciff gestreiftem Matrosenkragen, Ripsrock, weiffem Hemd, Unterrock und Beinkleider», gez. X. B.. schwarzen Strümpfen und einem halben schwarzen Schuh. An der Brust trug die Verstorbene eine runde Amethystbrosche und am linken Handgelenk eine schmale goldene Kette. Sachdienliche Mit- tcilungen über die Persönlichkeit der Toten nimmt jedes Polizei- revier und der VI Kr.-Bezirk Berlin z» 3025 IV 57. 17. entgegen. Lichtenberg. Stadtverordnilenversammlung. Der Sitzung am Donnerstag sollte die Wahl der ProvinziallandiagSvertreter voraus- gehen. Oberbürgermeister Ziethen bemerkte aber eingangs seiner Erörterungen, daff Lichtenberg bei der Wahl insofern benachteiligt sei, alS eS nur drei statt der ihm zustehenden vier Vertreter wählen darf. Die Zahl der Abgeordneten soll nämlich nach der Volkszählung vom Jahre 1910 bemessen werden und der Provinzial- ausschuff hat unterlassen, die Einwohner der damals noch nicht zu- gehörigen Gemeinde Boxhageu-Runimelsburg hinzuzuzählen. Der Magistrat hat das im Drange der KriegSgeschäsle ebenfalls nicht be- achtet und es ist dann die gesetzliche Einspruchsfrist verstrichen. Der Magistrat hat sich zwar mit dem ProvinzialanSschuff in Verbindung gesetzt, doch ist eine Aenderung nichi erreicht worden. Der Ober- bürgermeister stellte aber anHeim, nochmals beim Ausschuff vorstellig zu werden. Sladtv. Schachtel bedauerte den Ausfall des der Stadl zustehenden Abgeordneten und ersuchte den Magistrai, noch einen Versuch zu machen zur Beseitigung eines offenbaren Unrechts, zumal niemanden irgendwelcher Schaden hierbei entstehe. Die Berfamm- lung stimmte zu und die Wahl tvurde ausgesetzt. In der darauf folgenden Sitzung fragte Sladtv. Lindner(Bürg. Fraktion) unter geschäftlichen Mitteilungen an, ob die Verfügung des BauamteS, wonach künftig in den Schulen nur eine ganz unzn- reichende Lüftung der Scbulräume erfolgen soll, aufrecht erhalten werden soll. Schwere gesundheitliche Schädigungen der Lehrer und Kinder seien dadurch zu erwarten, die um so eher eintreten dürften, als die Besetzmig der Klaffen infolge der Zusmnmenlegung eine überaus hohe fei. Die Redner sämtlicher Fraktionen wandte» sich mit ungewöhnlicher Schärfe gegen die Verfügung, die aller- diiigS vom Oberkommando herrührt. Diese Schärfe wurde aber in der Hauptsache hervorgerufen durch die Stellungnahme deS BauratS Uhlig. der erklärte, daff die angeordnet« Lüstling völlig ausreichend fei.. Im Uebrigen habe sich eine Versammlung von Heiztechnikerir im selben Sinne ausgeiprochen. Genosse M i r n S bob hervor, daff man vor allen Dingen auffer den Heizungslechnikern auch Schul- männer hätte hören sollen, die ohne Zweifel ein gewichtiges Wort mitsprechen können. Im Uebrigen wünschte die Versaminlung. daff die Verfügung die ihr gebührende Bewertung durch die Lehrer- schaft finden wird. Ohne Debatte stimmte die Versammlung dann einer Verlängerung des Mandats des Genossen Günther zu. Die Vorlage betreffend Zuwendungen von Mitteln jiir Weih- nachlögabeu au Angehörige des 3. Armeekorps und an die im Felde stehenden Angestellten. Beamten und Arbeiter der Stadt Lichteizberg wurde mit einem vom Genoffen M i r u s begründeten ErgänzungS- antrag angenommen, nachdem der Oberbürgermeister eine von unserer Fraktion gestellte Anfrage über die Zuteilung von Weih- nachtsgaven an die Lichtenberger Angestellten befriedigend beaut- wartet halte.___ Schimeierg. Mutterfürsorge. Werdenden Müttern wird dringeiik! empfohlen, sich möglichst frühzeitig, d. h. in den letzten Monaten der Schwangerschaft an die SäuglingSfürsorgestellc. Belziger Str. 13, Erdgeschoff— Sprechstunde werktäglich von 1—2 Uhr— zu wende», wo sie Rat und Hilfe finden. Die Auszahlung der Wochenhilfe erfolgt auf besonderen Antrag, welcher sofort»ach der Entbindung zu stellen ist, entweder bei der zuständigen Krankenlasse oder bei der Kommission sür Unterstützung von Familien mobiler Mannschasten. Ausweispapiere, besonders Geburtsurkunden deö Kindes, find hierzu vorzulegen. FriedrichShagrn. Lebensmittel. In der LebenSmittelverkaussstclle der Gemeinde(Friedrichsiraffe) gelangen zur Verteilung: Gänse, Enten, Kaninchen, Grünkohl, Kohlrüben, Kürbisse und Obst. Drewitz. Mangelud« LebcnSmittelfiirsorge. UnS wird geschrieben: Die Zustände in der Lebensmittelversorgung durch die örtliche Ge» meinde werden immer trostloser. Seit Anfang September bat nur jeder Famil'elibaushalt auf einen Abschnitt Zucker erhalten, in diesem Monat ist noch gar keiner verteilt worden. Bulter hat es in der verflossenen Woche auch nicht gegeben, sie soll angeblich aus der Bahn bis zur Hälfte gestohlen worden sein. Alle Beschwerden der Frauen baben bisher keinen Erfolg gezeitigt, denn der Stell- vertretende Gemeindevorsteher kümmert sich nicht um derartige An- gelegenheilen, sondern schickt immer die Beschwerdeführer zu Herrn Engel, der ihnen dann unklare oder gar keine Antwort gibt. Kar- toffeln, die in diesem Jahre hier reichlich gewonnen wurden, ver- kaufen die biesigen Landwirte mit 10 bis'l3 M. nach aufferhalb. Die Gemeinde kauft dann wiederum die Kartoffeln von aufferhalb auf und gibt sie den Verbrauchern mit 9.50 Mark pro Zentner ab. ES besteht also daS reine Wuchergeschäft. Im allgemeinen iind hier die Verhältnisse in der Lebeusmulelversorgung unbeschreibliche. Gerichtszeitung. Arbeitsordnung und Sommerzeit. Ein Rechtsstreit, der sich um eine gegen den Willen der Arbeiter geänderte Arbeitszeit dreht, wurde vor der Kammer 2 des Gelverbegerichts ausgesochten. Dem Prozeff lag folgender Tatbestand zugrunde: In der Militärledcrwaren- fabrik von Kaufmann ging die tägliche Arbeitszeit von 7 llhr mor- gens bis 5 Uhr nachmittags. Am l. September dieses Jahres ord- nete die Firma an, daff vom Montag, den 3. September, ab von 8 bis 6 Uhr gearbeitet werden solle. Die Arbeiter erhoben durch ihren Vertrauensmann und den Fabrikausschutz Einspruch dagegen, aber die Firma beharrte auf ihrer Anordnung. Am Montag, den 3. September, erschienen die Arbeiter wie vordem um 7 llhr au der Arbeitsstätte. Das Fabriktor war geschlossen, die Arbeiter wurden erst um 8 Uhr eingelassen. Dasselbe wiederholte sich am folgenden Tage. Dann kam eine Verständigung mit der Firma dahin zustande, datz die alte Arbeitszeit bestehen blieb. Die Arbeiter verlangten, daff ihnen die zwei Stunden, die sie an den beiden Tagen vor dem Fa- brikemgang wartend zubrachten, bezahlt werden. Da die Firma die Bezahlung dieser Zeit verweigerte, klagte zunächst einer der Arbeiter auf Zahlung, während die übrigen Arbeiter, etwa 250, ihre Forderung vom Ausgang dieses Prozeffes abhängig machen. Ter Kläger begründete seinen Anspruch damit, datz die Arbeits- zeitfestsetzung einseitig, ohne Zilstimmung des Fabrikausschuffes, er- folgt und deshalb für-die Arbeiter nicht bindend sei.— Dagegen sagte der Vertreter der Firma, die im Jahre 1916 vom FabrikauS- schütz unterzeichnete und von der Gcwerbeinspektion genehmigte Ar- beitsordnung setze eine Arbeitszeit von 8 bis 6 Uhr fest. Diese sei auf Wunsch der Arbeiter im April 1917 dahin geändert, dätz in den Sommermonaten von 7 bis 5 Uhr gearbeitet werden solle. Diese Aenderung fei, allerdings ohne ausdrückliche Zustimmung des Ar- beiterausschuffes, als Nachtrag in die Arbeitsordnung ausgenommen und von der Gewerbeinspektion genehmigt. Hiernack'gelte also in den Wintermonatcn eine Arbeitszeit von 8 bis 6 Uhr und in den Sommermonaten von 7 bis 2 Uhr. Auf Grund der Arbeitsordnung fei also die Firma berechtigt gewesen, am 3. September winterliche Arbeitszeit einzuführen, ohne die Arbeiter zu fragen. Das Gericht entföjed: Dem Kläger find die ztvei Stunden Wartezeit zu bezahlen. Zwar ist die Arbeitsordnung gültig und ihr Inhalt für beide Parteien bindend, aber hier handelt es sich um die Frage, welche Zeit als„Sommermonate" und„Wintermonate" an- zusehen ist. Der Monat September rechnet kalender- und begriffs- mäffig noch zu den Sommermonaten. Wenn die Firma also die für die Wintermonate festgesetzte Arbeitszeit schon am 3. September beginnen lassen wollte, so war das eine einseitige Aenderung der Arbeitsordnung und für die Arbeiter nicht bindend. Der Kläger war deshalb berechtigt, auf Jnuehaltung seiner bisherigen Arbeits- zeit zu bestehen uitd hat Anspruch auf Bezahlung der Zeit, wo er zur Verfügung der Firma stand, ohne beschäftigt zu werden. Bevorzugung von Kunden beim Backwareverkank. Wegen verbotswidriger Verweigerung der Abgabe von Lebensmitteln in der im Kleinverkauf üblichen Menge war Frau Bäckermeister Abel in Berlin vom Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Eines Tages war ihr Laden gedrängt voll von Leuten, die Schrippen kaufen wollten. Die Angeklagte war von großer Liebenswürdigkeit gegen- über ihren alten guten Kunden. Wer nicht dazu gehörte, mutzte warten. Eine Frau, zeigte eine wahre Engelsgeduld, indem sie'20 vi? 2.> Minuten im Laden stand und des Moments harrte, wo sie die von ihr begehrten vier Ickrippen erlangen würde. Schlietzlich waren nur noch vier Schrippen da. Sie fragte Frau Abel, ob sie ihr die nicht wenigstens geben wolle. Die Antwort lautete: Nein, die be- kommt Frau R.— Das Landgericht war aus Grund der Beweis- aufnähme zu der Ileberzeugung gelangt, datz unter den bevorzugten Kunden sich solche befanden, die erst später den Laden betreten hatten, als die wartende Frau und eine Anzahl Kinder. In der Urteils- begründung sagte das Gericht, die Verweigerung der Abgabe von Waren sei schon dann gegeben, wenn die Verkäuferin nicht der Reihe nach, sondern unter Bevorzugung anderer verfahre.— Auch das Kamm erg e r i ch t als Revisioilsinstanz stellte sich auf den Stand- Punkt, daff es eine Verweigerung der Abgabe von Ware sei, wenn die Angeklagte eine Reihe von Kunden geflissentlich bevor- zugte vor den andern schon früher erschienenen Leuten. Die Re- Vision der Angeklagten wurde verivorfcn. Mus aller Welt. Betraf»»«, einer Gemeinde wegen Bntterzurnlkhaltung. Das Wohlauer Kreisblatr enthält folgende amtliche Be- kanntmackung:.Um eine gröffere Butterablleferung zu er- reichen? welche im Interesse unserer städtischen Bevölkerung, ins« besondere der Mu»itio»§arbeiler, dringend iiolweudig ist, mufft« der zwangsweise Anschluff einiger Geineindeil au Molkereien erfolgen. Da sich eine große Anzahl von Besitzern aus Krehlau diesem Anschluff. der, wie getagt, im vaterländiichee Juleresse erforderlich war. widersetzt, werden der Gemeinde Krehlau bis auf weiteres iveder Kohlen noch Spiritus noch Petroleum zugetviesen werden. Für die betreffenden Besitzer wird voin beuligen Tage ab kein Urlaubs- aesuch und keine Reklamation mehr befürwortet. Wenn die Milch- ueferung nach Ankunft der Könne» nicht erfolgt, erhalten die be« treffenden Wirtschaften kein Fleisch mehr, keine Zuckertarten u. dgl Anfferdem werden die Schuldigen sämtlich der Staatsanwaltschaft übergeben." Zu dem Eiseiibiihnunglnck bei Tchöuhuusi:««. d. E. erfahren wir noch, daff sich daS Befinden der 15 im Stendaler Jobanniter« Kranleuhause untergebrachten veruiigliicklen Kinder inzwischen so weit gebessert hat, daff die Aerzte die zuversichtliche Hoffnung hegen. alle Kinder am Leben erhalten zu könne». Zumeist handelt es sich um Arm- und Beinbrüche, schwere Ouetschuugen dieser Gliedmaffen und mehr oder weniger schwere Kopfverletzutigen. Die Schuldfrag« erscheint noch nicht völlig geklärt. Vermutlich trifft den Führer des FeneirzugeS die Schuld, der da« zwischen dem Schönhauser Damm und Schölihauseii befindliche Blvcksignal. da« aus Halt zeigte, überfahren hat. Der vlockwärter. der da« Versehen des Lokomotivführers bemerkt hatte, gab sofort Meldung an de» Bahnhof Schönhause». Jnzwischeri hatie sich der Personen- zug dem Bahnhos genähert, auf dem au« anderer Richtung, kurz vor ibm ein Güterzug eingelauscu war. Da- Einfahrtssignal am dem Bahnhof war nach der Einfahrl des Güterzuge« noch nicht wieder auf Halt gestellt worden, und der Lokomotivführer de« FerienzugcS will deshalb angenommen haben, daff er einfahren tonnte. Unwetter in Messina. In der Nacht zum 16. wütete über der Stadt und der Umgebung ein Orkan, der ziemlichen Schaden an- richtete und eine Unterbrechung der Eisenbahnlinie Messina— Catania zur Folge hatte. Am 17. nachmittag« verursachte«in zweiter Orkan Ueberschwcmmungen. Etwa 100 Baracken wurden zerstört und 11 Personen getötet. Der Straffenbahnverkehr ist unterbrochen. Jugenüveranstaltungen. yugeiidkouferellz. Eine Konsercnz der JugcndauSschüsse und �unttioiiäre der Arbeiterjugend Grog-Berlins nahm nach Nejeralen der 'yenosjen W ei mann und Domnick folgenden, vom DezirlSjugend ausschuk! eingebralhtcn Antrag an die Zentralstelle an: »Nachdem die Ausbeutung der jugendlichen Arbeitskraft während des Krieges und damit die Gefährdung der Gesundheit der arbeitenden Irgend ein so unerträgliches Maß erreicht hat, daß selbst der Reichs� kanzler in seinem Rundschreiben an die Bundesregierungen vom 11. August 1917 sich dagegen wenden und aus das Bedenkliche dieser Zustände hinweisen mußte, möge sich die Zentralstelle durch ihre Mitglieder im Reichstage aus das entschiedenste dafür einsetzen, 1. daß die jür die Dauer des Krieges zum größten Teile außer Kraft gesetzten �ugeudjchntzbeslimmuugen schleunigst wieder in vollem Ilmsangc und ohne jede Ausnahme Geltung erlangen, 2. daß sür die arbeitende Jugend an Stelle der bestehenden unzn- länglichen Bestimmungen ein ausreichender Jugendschntz im Sinne unserer wiederholt erhobencii Forderungen geschaffen wird." In die Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deniichlands wurden gewählt die Genossen Weber, Stengel, Lange und die Genossin Labritzki. ,\n den Brzirksjngcndausjchuß wurden gewählt die Genossin Weber, Bauer, Krole, Rüdiger, Stemel, Bernhard, Labritzki. Weist ensee. Ärtzeitersngend. Sonntag, den 2l. Oktober, findet im Jugendheim, Charlottenburger Str. 3, Ecke Tasiostraße, ein Unterhaltimgs- abend statt. Programm: Lieder zur Laute, Dialekt-Vorlesungcn, Ansprache inid Ehorgesang.___ Freireligiöse Gemeinde. Solintag, den 21. Otkober, vormittags 9 Uhr, Pappelallee 15/17; Neukölln, Jdealkasino, Weichselftr. 8/ Ober- schöneweide, Wilhelminenhosslr. 43 bei Otto Panip: Freireligiöse Vor- leiung.— Vormittags IG/z Ahr, KI. Frankfurter Str. 6, Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille: Das Gebet.--- Gäste willkommen� Hunianiftischx Gemeinde Berlin(G. V.>. Am Sonntag, den 21. Oktober, nachnrillagS i Uhr, sindei in der Aula der Friedrich-Werder- scheu Oberrcalschute, Niederwallslr. 12, ein Vortrag des Herrn Dr. Rudolf Pcuzig über:, ll e b e r Luther hinaus!" statt. Vor und nach dem Bortrage Harmonmmspiel. Gäsle, Damen und Herren, willkommen. Tonristenderein»Die Naturfreunde«, Sist Wien, Ortsgruppe Berlin. Am Sonntag, den 21. Oktober, finden solgende Fahrten statt: 163. Birlenwcrder, Briese, Lehnitzsee. Fahrg. 90 Pf., Abs. 6.45 Ahr Slctt. Uhlenburg, Riewandsce, Gr.-Bchnitz. Fahrg. 2 M.. Abf. 9.24 Uhr Lehrter Bbs.— 167. Gr.-Bchnitz. Riewandsce, Bcetzsee, Gr.-Behnitz. Fahrg. 2 M., ?lbf. 4.50 Ubr Lehrter Bbs.— 168, Freienwalde, Baaste. Tiefcnsee. Fahra. 2 M., Abf. 5.50 Uhr Stell. Fernbhf.— 169. Woltersdorf, Priedel, Trebbin. Fahrg. 1,60 M., Abf. 5.25 Uhr Anh. Bhf.— 170. Vehlesanz, Krämer, Velten. Fahrg. 90 Pf., Abs. 7.22 Uhr Stett. Fernbhj. Allgemeine Kranken- und Stcrbekaste der Metallarbeiter (B. a. G. Hamburg). Mitgliederversammlungen: Filiale Berlin 3. Sonuabeiid, den 20. Lttober, abends S'I, Uhr, bei Kapier, Reichenberger Str. 154.— Filiale Berlin 4. isonnabend. den 20. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei 31. Heinrich, Gr. Frankfurter Str. 30. Tagesordnung: Kassenbericht, Wahl des Kasficrcrs und Verschiedenes.— Filiale Berlin 5. Heute abend 8 Uhr bei Thiel, Rückerstr. 7.— Filiale Berlin 6. Sonntag, den 21. O»ober, vormittags 10 Uhr, bei MeHcr. Ackcrstr. 123. Die Zahlstellen bleiben am Sonnabend, den 20. Oktober, deshalb geschlossen. „In Freien Stunden"«"S.?! »Ein Kampf mit dem Teufelsfisch« mit Abbildungen. Sriefkaften öer Reüaktion. Liesbetti R. 1. Regelt sich nach den Bestimmungen des LeihvcrtrageS. 2. Ja, wenn die Sachen dem früheren Berttage zugeschrieben sind.— 216. Nr. 65186. Ihre Frau muß im jetzigen Wohnort einen Antrag aus Mietszuschuß stellen. Dieser wird genehmigt, falls Hilfsbedürftigkeit vor- liegt. Sollte Ablehnung erfolgen, dann könnte eine Beschwerde an den Minister des Innern eingereicht werden.— Linde. Der Schadenersatzanspruch ist an de» Spediteur zu richten.— Hypothek. 1. Ja. Es kann aber auf Antrag beim ybdothekeneintgungSamt in St. Verlängerung be- antragt werden. 2. Ja. Ihnen steht aber der Schutz als Kriegsteilnehmer zu. desgleichen Ihrem Bruder. 3. Ja. 4. Wird sich durch 1 erledigen.— A. K. 6lt. Wenn Verpflegung gewährt wird, werden Marschgebührnissa nicht gezahlt.— Ullacti. Beantragen Sic Ausstellung einer neuen Kart» sowie beim Arbeltgeber Alisstellung einer eidesstattlichen Versicherung, daß soviel Marken st... Ps. sür die Zeit vom... bis... für Ihren Ehe- mann verwendet worden sind. Alles reichen Sie bei der Landes- Versicherungsanstalt ein mit dem Bemerken, daß zwei Bescheini- gungen abhanden gekommen sind.— W. 778. 1. und 2. Nein. Nr. 7. F. N. Ja.— 11. Th. 106. Wenn der Urlaub einen Monat nicht übersteigt, wird die Famllicnuntcrstützung weiter gezahlt, nicht aber Löhnung und VcrpflcgungSgcld, wenn der Urlaub zur Arbeit im fremden Betrieb gewährt ist. 14t Piehefederferetr. tt-.| Haus- and KicheBgerUt« Hermann Fmck Eieenwar,, P«hanw»ldar«t.87.B AJdarkcnil.Brtdtiat.lt lak.D jagar«TL«B�.,..f— alt Jtahp.| Möbel, Nachlässe, ganze Wirtschaften kaust» S Ii m«, Heukllla, Anzengruberstr. 2. I" �.8 sltilVNDllDLi KlllilslllllSellll!:«.--« tjf* i alkoholfrei KaiserpnsciiLiiirM.22° 1 Teil Punschextrakt. 2 Teile siedendes Wasser ergeben einen köstlichen süßon Punsch. Kein Zucker erforderlich. Die. Extrakte sind unter Verwendung von Wein hergesteilt. Das beste Getränk in jedem Haushalt. Ein Glas Punsch stellt sich auf zirka 5 Pf. Es wird höflichst gebeten, möglichst Flaschen od. Gefälle z. Füllen mitzubringen. H. Krömer, s°« 24 0ranienburge[Str.66 2. Verkaufsstelle: Reinickendorfer Str. 109 3. Verkaufsstelle; Andrensstr. 78 4. Verkaufsstelle; Neukölln, Berliner Str. 76. Verkauf nach außerhalb in Korbflaschen von 5, 10 und 25 Liter (dir Indien nocli| Fie PlSsMntel w moillgs Ulster mit echten Pelzbesätzen, Seal Plüsch, glatt, Mohair- Plüsch, Astrachan, herrliche Stücke, Modelle t mit echten Pelzbesätzen. Fantasie- Formen, auch glatt, mit echtem Pelz gefüttert, llantalkleider, Modelle I Monatsoarderobenhaus lf. TOrklacher, Prinxonstr. 79. nahe florifKpI. B,«F" Ersatt für Mast: 6872 Empfehle nur aus Friedensstoffen gefertigte elegante neue Heeren-lzgräerobe, Ulster, Paletots, Jackett-, Nock-, Sport-Anzüge. Große Auswahl auch sin starke Figuren._ , i/'«« ftfarkenj lieferr s-s-i r I«V S; üean HaiMr.e t«/%M» tJRO, S Z Skunks Slolss, Muffen Marder, stier», Alaska, Klau- u. WelßfUcfaae, Pelerinen, 40— a«0 Mk. Ferner Ilcrrcn- Ciehnelze, Wagen-, Reisepelze.— Damen- Kostüme. Ulster, Mttntel. Herren- Gardcrohe sowie in Lombard gewesene Uhren. Ringe. Brillanten. silberne Taschen sehr billig.» Leihhaus Montzplatz 58 a. Kabaveü Tivoli HuiüPelzitilintel Fesche Rost!» Seal, Elektrik, Persianer, flotta Formen, beste Felle, Eftd Kreuz m ante], halblang, la Ausführung. echtes Pelzwerk. 550,— noch aus besten reinwollenen Stoffen in la Ausführunose", 850.- 800,- 250.— 200,-. Fesche Kostüme ans gmten Famasiestoffen 150,00 100,— usw. Röcke flotte Aufmachung-en in Wolle und Seide. Westmann, I. tieschttft II. Geschäkt W, Möhreustrafle 37a NO, 6r, Frankfurter Str. 115. Bunte Vorträge Spielplan Tom 10. bis Sl. Oktober: Janos u. Olivia— Max Laurence Mietzel Dreher— Sophie Wachner Paul König— Arthur Zahle. Großes Orebester; Julius Meyer Anfang woohent. 7'/,, Sonnt nachm. 41/, TJbr. Kottbuser Damm 95 moÄusm f. Geschlechtskrankhelten. Harn-| w|lwzokilSs AHULtz leiden, Schwäche, Ehrlich-Hata- Kuren, Blut- und Harn-Untersuchungen. Institute: Dntciinmna Ct. 117 � d. Lützowstr� Sprechstunden 1 rOKlidniCr UM. III während d. Sommers'/jft-'/.lO U. abends, jBonntags st, II— 1 Uhr. sohürs 50 Ptt, nach in versohl. Kuvert. Aufkläpende tuferh1fbeiBMosoh"8 60 Pf" Dr. med. Karl Reinhardt. Oskar Wollburg, Neuheiten für Herbst und Winter Brunnen- Strasse 56-57. Kostüme aus Tuch, Kammgarn und kleld-, Sarnau Fantasie- Stoffen, fesche Formen, mit und ohne Pel* von M.»S.— an. Ulster— Mäntel modemo Formen, vorzügliche 8 tolle JL 46.- OS.-»7.- bis«78.— Pilse!)-, Sunt-, Breitsckvaaz- PaletCtS n- Mittel, hochelegante Anslührungen von M. 15«— an. Kinder- Backfisch- Konfektion, Große Auswahl in SSoktn und Blasen. Flottes KostSm mit vers tollbarem Kragen und Pelz Eigenes Tahrtkat. c Große Abteilung für Traner- Bekleidung. Brcltsclivraua-JPalctot 159,-. — Gegründet 1699. llgMü. noarenen. RaslalialB Engros F. Emst Horch, Elsaeeentr. 21. � ÄTkohotfr'. äatyänVä~st Frenz Abr»]h»m KhI. KMtlM-iiJIdamVnak-Ken. I.ilkrldih 1«, f.rer», Kyrt. 18708 * Wammte. ► *. Sir. U. E, Um»», Imiilnianlr. fi. A. B. L«ua> BrsnCTKtr. in 4 WSWotm p FdU«».w.(ter, rWIeiiwiki. l». •lt. W.Iff, Treplev, Krtll.t. Ii ar.-Liciüyik. ,Ch«—m»'" paiieri |«apflehlt QoalltMBre 1« ersten Ranges. 4 WH..We|g-Wollw..Trll10dj. IKkSäiiÄnSW�UVMiiMGNl. Bexu�SQueSlen-V erzelctiriis Erschein 2 mal wSchentlicb. iSflÜKim'altel'i otiv.e PHl.len. ieiliwriü ISdjrotcr.R. WJ 48 l»fTli«8stcHcn 4Z W lügust Holtz 4,,ID,f,7.e. -fSTEL nstjttei7~ ■lieuH fsatral-Bad Anc�ÄV".». 8lana-BadÄrB?d„. Passage- Bad Kckonn-Bid, Wien« Str. U. Untenstehende Geschäfte empfehlen sich bei Einkäufen Mlnehnar iriuäaas Berlin und Oranienburg TriiiH! vl'arin.inoeFhM �cissbier, 0. �-«ithaopt, Palißtdenstr.S? Til.Kfat. 2981.8082 Tüiaer-Essig Bb»paH«eblUHoh! 4 Watima.ch.nan~b Bellmann, B„ ÄÄ« i Singer Nähmaschinen Lid.»>».II.» St.dtt.llen. pfel! Ort. Ünnt'.li-'I N» 4a«o0.t7 �B»rr«n-u.Knabe"n: 0t �Ä�8tr* Eck* . JHÄiaer Prinzen-Allee. �Eisen.Stahlw ,Waffcn.Werk2. � Carl Jims, ötromstr. 31. R 5 hl man 1 1., M ü 1 1 e r s t. tob, E. S e e s t 4~?rfite, yiGteea, Pelzwaren � Ve«ter,E.D�thn"r' i IHeftlhanaium 1 18/19. ethke, Georg,}"£"l Neaiälls, Bbestr. 13, Kaiser- Friedr. Sir. 64, Wsssrstr. 189, Frisdelstr. 23 Treptow. Gratz-Sirat> 64. Gaege.Otto'turp FJ.Mtüf EelTe1 Clliery ,tr. <Äu«»st»i>. Machanikep p 8&tifc«H,C*tl.ft2iln.B«rgtir.ie8 Meierei C. Bolle Beriinn.M�r1 Ältester und grSsster Hilchwirtschnftlichei - Grossbetrieb-- J < Pötoioar. Ap u a'rato> MJllireclit auchGelegenheftskf. Koldwstrqin ► Lctaiaann. Alb., Frankf. AlleaiO �WeineTLikSre. Frnrhtsäfte 04 iao,.wiÄurty, r ru vii ifledi." � | j I 60 Filialen in allen Stadteilen.| Herm. mei/er&co, s«; ci550Vcrl[aüls8l{ll.Gr;-BerL fertig. Pelzwaren jeder Art, von den einfachsten bis zu den elegantesten. Tausende Sachen auf Lager. Auch Einzelverkanf zu billigen Preisen. Garantiert streng reelle Ware. Sonntags geUSnet. Ferdinand Kalmann Kürschnermeister nurKommandantenslr.tS, I.E Kein Laden. Gegenüber ßeuthstr. Tel.: Zontr. 287. Gegr. 1894. 7 Spezial-Arzt I>r. med. Hasche, Frisdrichstr.SO Bchandl. von Sttphilis. Haut-, Harn-, Frauenleiden, jvcz. chron. Fälle. Ehrlich-Hata-Ku- ren, schmerzlose, lürzeste Behandlung ohne Berussstörung. Blulnntcrsnchung. Maß. Preiic. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5— 8. Sonnt. 11— 1. BezussQueiisn-uerzeiciinis _ Beplin-Nppden_ P3* Dpooen, Farben �»5 SSMeMS'llÄck.,. fl jfK Fleisch- u. Vtfurstw. 2 ■nnlAAkmAMMA pAnfn WiciOfl- Str. 159. Kolczilaiwaren Strclitzer Str. 57 1 Bezugsquellen-uerzeichnis Berlin-Osten OBlIttOPa tlOPf KASe-™ JJteimJFilialiüit) ■» Mehlhendlung»» s üali.PietS'jiS'�n Photograph. Ateliers _ WarenhCuser Mß>iiibsr;er WirsiUsiKsi Plejunbg tzlit-SirsIsa II.Vorw-U«. erb., Waldparzelle Bbs. Basdors, Q.-R. 10 M. verk. Hülfen, Steglitz, Wionville- straße IL[6662« Fette Enten, Pfund 5.50 an.• Ztzrische Hühner, Pid. 4 50 an. Fette fleischige Kaninchen. Schmidt vorm. Tasche» Plan-Uier LI, Hallesches Tor. Icil dia zulilliilgelceM LpsÄsisrÄ vi-, med. WockenfnS, friedrichst 125(Oranienb.T.), f. Syphilis, Harn- u. Frauenleiden Ehrlich-Hata-Kur(DauerlOT.). Blutuntersuch. Schnelle, sichere schmerz). Heilung ohne Berufs- störung. Teilzahlung. 223/6' Spreonstund. 11— 1 n. 0—8. Spezialarzt Dr. med. lLanhs bch. schnell, gl und!., mögl. schmerzlos u. obne Berussstör. Geschlechtskrankheit., geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methode» Ehrlich-Hata-Kuren, Harn- u. Blutuntersuchung.* Königstr. U MeMnd«pl. Epr. 10—1 u. 5—8, Sonnt. 10—1 gebr.. zahlt bis 600 M.» Schlafzimmer, gebr., ?is»0011., Speisezimmer, gebr. bis 1000 M, Möbel jed. Art taust Ego, Neukölln, Beniner Dtr.29.» Der Würzburger Parteitag. (Schluß aus der Beilage.) Rcmmele.Mannbeim schildert die unaufhaltbare Entwicklung :n der Steigerung aller Lebensmittelpreise, die L o h n e r b ö h u n- g e n zur Folge haben müßte. Die Munitionsarbeiter können vielleicht durch Erhöbung ihres Lohnes einen Ausgleich schaffen, nicht aber die andern 3l r b e i t e r s ch i ch t e n, die A e a m t e n und der M i t t e l st a n d. Angesichts dieser Ent- Wicklung wird es nicht zu umgehen sein, daß diese Klassen der Be- völterung� durch irgendwelche staatliche Maßnahmen in den Stand gesetzt werden, sich die teuren Lebensmittel zu kaufen. Das Reich gewährt den ärmeren Volkskreisen wegen der Erböhung der Kohlenpreise einen zehnprozentigen Nachlatz auf die Kohlensteuer. Vielleicht findet dieses Beispiel Nachahmung, denn was der Kohle rech: ist, ist den Lebensmitteln billig. Leinert-Hannover: Wir müssen objektiv sein und eine Ver- teuerung der Herstellung der Agrarprodukte an- erkennen. Um die ärmeren Schichten nicht zu sehr leiden zu lassen. haben wir daher im Reichstag die Ueber nähme der Mehr- kosten auf das Reich beantragt. Die Höchstpreise für Er- zeuger müssen einheitlich für das ganze Reich festgesetzt werden, sonst werden die Bezirke mit den niedrigen Preisen einfach nicht viel liefern. Wir haben den Wirrwarr beim Gemüse»erlebt. In der Preispolitik muß eine größere Stetigkeit Herrichen.. Ter Handel hat als volkswirtschaftliche Einrichtung vollkommen versagt. Er kümmert sich nur wenig um die Verteilung, ihm kommt es nur auf hohe Gewinne an. Mit aller Schärfe muh die maßlose Bereicherung der Großgrundbesitzer gebrandmarkt werde». (Zustimmung.) Gröger-Stuttgart: Unsere geringen Erfolge in der Ernährungs- bolitit zeigen, daß wir noch nicht die Macht haben, unsere» Willen durchzusetzen. Die Preise sind viel stärker gestiegen als die U n- kosten für die Herstellung. iSehr richtig!) Die Herstellung?- kosten sviclrn für die Preisfestsetzung überhaupt keine Rolle mehr. Das Obst wäre im Bmnenlanie bis zu 7 M. für den Zentwer heruntergegangen, wenn Berlin nicht 40 M. als Mindestpreis vorschreiben würde. Damit schließt die Debatte. Einstimmig wird eine Entschließung Robert Schmidt— Otto Braun angenommen, in der es heißt: „Die ausreichende Versorgung de? deutschen Volkes mit den notwendigsten Nahrungsmitteln ist für die Erhaltung seiner Widerstandskrast unerläßlich. Der Parteitag billigt daher die Forderungen zur Sichersten u n g der Bolksernährung, die der Partei- vorstand gemeinsam mit der Generolkommission der Gewerkschaf- ien und die Reichstagsfraktion sogleich nach Ausbruch des Krieges und später wiederholt an die Regierung gerichtet haben und per- urteilt es auf das schärfste, daß diese Forderungen nicht in dem Umfange und nicht so schnell und durchgreifend zur Durch- Führung gelangten, wie eS die Lage des vom Weltmarkt aogc- sperrten Deutschen Reiches gebot. Die von der Regierung betriebene Politik der Halbheit und Bcrfpötuug, die den kapitalistischen Gewin ninteressen weitgehend Rechnung trägt, hat die Regelung unserer Nahrung»- mittelversorgung unbeilvoll beeinflußt und nickt zum wenigsten dazu beigetragen, daß sich auf dein Lebensmittelmarkt Zustände herausgebildet haben, die es den Erzeugern und Händ- lern ermöglichen, sick in unerhörtem Maße zu bereichern, wäh- rend die mniderbsmittclte Bevölkerung bitterste Not leidet. Gegen die auf fortgesetzte Preissteigerungen gerichtete Preispolitik des K r i e g s e r n ä b r u n g s a m t e S. die auch die neuerdings eingetretene, jeder Berechtigung entbehrende E r- höhung der Kartoffel- und Brotpreise bewirkt und zu einer fast unerträglichen Berteuerung aller Lebensmittel gs- führt hat, erhebt der Parteitag entschiedensten Protest und fordert wirksamen Abb'au derLabenSmtttelpreisc. Gegen die Herabsetzung der Kleinhandelspreise durch Bereitstellung von öffentlichen Mitteln müssen grund- ''ätzlich Bedenken erhoben werden, da dieses Verfahren dahin führt, den Lebensmtttelerzeugsrn hohe Kriegs- gewinne zu sichern und sonach ihrer Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit gleichkommt. Nur um der schlimmsten Notlage der ärmeren Volksschichten zu steuern, kann diesem Ver- fahren als kleineres Uebel von Fall zu Fall zugestimmt werden, Die LebenSmiitelcrzeuguiig kann lediglich durch Bereitstellung hinreichender Arbeitskräfte. Düngemittel. Saat, Geräte und Betriebsmater talien gefördert werden. Hohe Preise erhöhen wohl die R i e s e n g e w i n n e der Er- z e u g e r, nicht aber die Menge der erzeugten Lebens- mittel. Sie ermöglichen den befttzenden Klassen eine aus- reichende Ernährung, wohingegen sie den breiten Volksschichten immer größere Entbehrungen auferlegen. Da auch die Händler durch spekulative Preistreibereien und wucherischen Schleichhandel zur LebenSmittelteuerung nicht unerheblich beitragen, kann dem Verlangen der Hau- delsinizress'enten, den Betrieb der wichtigsten Lebensmittel wie- per dem freienHondelzu überlassen, nicht zugestimmt werden. Im Gegenteil müssen alle für. die Volksernährung wich- «igen Lebensmittel beim Erzeuger durchgreifender als bisher erfaßt und im Wege öffentlicher Bewirtschaftung sachgemäßer atS das bisher durch einzelne Kriegsgesellschasten geschah, zu an, gemessenen erschwinglichen Preisen allen Kreisen der Bevölke- rung gleichmäßig zugeführt werden. Der Parteirag fordert die Parteigenossen in den Parla- menten des Reiches und des Staates sowie in den gemeindlichen Körperschaften auf. wie bisher auch in Zukunft in diesem Sinne tatkräftig zu wirken, damit der schamlosen Bereicherung der LebenSmittclwucherer gesteuert und die Not des Volkes gemildert werde." Gleichfalls einstimmig angenommen wird folgende Ent- s ch I i c ß u n g Eugen Ernst u. Gen.: ..Nach den Erfahrungen dieses Weltkrieges ist für dos Klassen- watzlrccht in Preußen kein Raum mehr. Ein halbes Jahr ist seit jener Osterbotschaft des Königs von Preußen vergangen und noch immer besteht das elendeste aller Aablstzstemc, das Drei- klaflenwahlrecht. Gegen seine Ersetzung durch das a l l g e° meine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht wagen die Reaktionäre nicht mehr offen aufzutreten. Sie ver- lochen vielmehr die dringend notwendige Reform durch unehrliche Bcrschlcppungsmanövcr zu vereiteln. Do? arbeitende Volk kann die ungeheuren Opfer, welche die Verteidigung Teutschlands von ihm mehr als von jeder anderen Klasse der Gesellschaft'"-''-igt, nur bringen, wenn ihm schnellstens die volle politische Gleichberechtigung gewährt wird. Die Erfüllung dieser Forderung verträgt keinen Auf- schub. Jeder Versuch einer weiteren Verschleppung gefährdet die Widerstandskraft Teutschlands und bildet ein Hindernis für einen baldigen Frieden. Die sozialdemokratisch« Part« als Vertreterin des arbeiten- den Volkes Deutschlands erhebt zugleicki im Namen der Tapferen an der Front flammenden Protest gegen deren Erhaltung in Rechtlosigkeit durch ein von allen Parteien preisgegebenes Wahl» recht und'fordert mit Nachdruck ungesäumte Etnsübrung eiucS wirklich freien demokratischen Wahlrechts in Preußen. Sie ist entschlossen, alle Kraft anzuwenden, um ein solches Wahlrecht noch während der Daner des Krieges durchzusetzen." Den Opfern der K o i a st r o p h e im R h c i n i s ch- W e st- fä tischen Revier, b.i dem 17 Bergarbeiter den Tod lebnuden haben, bringt der Parteitag seine Anteilnahme zum Ausdruck, ebenso den Hinterbliebenen der E i s e n b a b n k a t a st r o p h e v o n Schönhausen. Die Delegierten hören die Worte, die der Vor- sitzende Ebert den Opfern dieser tlnglücksfälle widmet, itebend an. DaS Ergebnis der Vorstandswabl ist folgendes: Ubaea'ben sind insgesamt 326 Stimmen. Gewählt werden zu Vorsitzenden der / Partei: Ebert mit 311, Scheidemann mit 312 Stimmen; zu' Schriftführern: Braun mit 308, Bartels mit 313, Molken. bohr mit 313, Hermann Müller mit 31S, Pfannkuch mit 313, Frau I u ch a c z mit 310 Stimmen. Zu Beisitzern: Eugen Ernst mit 313, Wels mit 308 Stimmen. In die Kontrollkommission werden gewählt: Brühue- Frankfurt a. M. mit 288, Brey- Hannover mit 281, Dr. Grad« n a u e r- Dresden mit 272, Timm- München mit 219, Grün- w a ld- Hamburg mit 279, Müller- Niederbarnim mit 219. Fischer- Stuttgart mit 263, L ö b e- Breslau mit 28?, und He n g st b a ck- Cöln mit 133 Stimmen. Außerdem erhalten Stimmen: Kalb- Karlsruhe 92, Deichmann- Bremen 9-1, Hcrtelmann- Jena 97, Hoch- Hanau 58, Schmidt- Meißen 41. IteißhauS- Erfurt 38, B r a n d s s- Magdeburg 39, Lands berg- Magdeburg 20, H u g- Bant 2, Brückner- Berlin 1. An den beute in Wien zusammengetretenen Parteitag der deut sch-ö st erreicht s che» Sozialdemokratie wipd ein Begrüßungstelegramm gesandt, in dem der Parteitag auch dem Wunsche nach schneller Herbeiführung eines baldigen Frie- den» und der Wiederaufrichtung der Internationale Ausdruck gibt. Darauf vertagt sich der Parteitag auf Sonnabend früh. ** Berichtigung. Genosse Paul Hug- Rüstringen bittet uns um Ausnahme folgender Berichtigung zur Wiedergabe seiner Ausführun- gen in der Montagssitzung: „Ich habe nicht gesagt:„Der Parleivorstand konnte im Konflikt ganz anders handeln",— fondern„Der Parteivorstand konnte im Konklikt gar nicht anders handeln, als er gehandelt hat". Ferner habe ich nicht gesagt:„Die deutsche Arbeiterklasse steht auch heute noch viel mehr auf dem Lassalleschen Standpunkt zum Staate. als auf den scholastischen Standwinkt des Marxismus",— sondern „als aus dem Standpunkt der Scholastiker des Marxis- m u s___ Hinter verschlossenen Türen. Am Freitag trat die StaatShauShalts-Kom- Mission des Abgeordnetenhauses zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Tag war ganz der Erörterung der Ernähr ungsfragcn gewidmet. Am Sonnabend und Montag wird nicht getagt werden, am Dienstag aber will man nicht die Debatte über den Stand der Volksernährnng fortsetzen, sondern sich zunächst der K o h l e n f r a g e zu- wenden, deren Besprechung voraussichtlich die ganze nächste Woche in Anspruch nehmest wird. Erst dann will man die am Freitag abend abgebrochene Diskussion über die Ernäh- rungöfragen wieder aufnehme». Den Beginn der Freitagsitzung bildete eine sehr aus- gedehnte und lebhafte Debatte über die Art d e r B e r i ch t- erstattung an die Presse. Von konservativer und freikonservativer Seite wurde beantragt, die gesamten Verhandlungen über die Ernährungs- und Kohlen fragen für vertraulich zu erklären. Gegen diesen Antrug wandte sich in zwei sehr eindrucksvollen Reden der Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion. Genosse H u c. Er wies mit Recht auf die sehr üblen Erfahrungen hin. die der HauptauSschutz des Reichs- t a g e s im letzten Sommer mit seiner allzu weit getriebenen Geheimniskrämerei gemacht habe. Es habe sich dabei schließlich eine ganz unkontrollierbare Gerüchte- t r ä g e r e i herausgebildet, die zu höchst unliebsamen Aon- sequenzen geführt babe. Der Hauptausschutz des Reichstags sei deshalb schlietzlick dahin gelangt, die Bericht- s r st a t t u n g über die wirtschaftlichen Fragen voll ständig freizugeben. Man werde es darum im preußischen und deutschen Volke durchaus nicht ver- stehen, wenn nunmehr im Abgeordnetenhause anders verfahren werden sollte. Das werde eine sehr viel schwerere Beunruhigung im Lande hervor- rufen als es selbst die weitestgehende Berichterstattung je zu tun vermöchte. DaS preußische Volk habe ein unbe- d i n g t e S Recht auf eine freie Berichterstattung. Dem Genossen Huc schloß sich nur der fortschrittliche Ab- geordnete Hoff und— nach allerlei Hin und Her, Wenn und Aber— bedingungsweise auch der Zentrumsmann GiesbcrtS an, während sein agrarischer Fraktionskollege Stull van einer unbeschränkten Berichterstattung durchaus nichts wissen wollte. Schließlich wurde dann auch der Antrag HueS gegen die Stimme des Antragstellers, der Fortschrittler, Polen und des einen ZentrumsmanneS Giesberts abgelehnt. Es wird also über die Kommissionsverhandlungcn ausschließlich ein offizieller Bericht herausgegeben werden. Um so nachdrücklicher werden nunmehr die sozialdemo- kratischon Vertreter bei der in einigen Wochen zu erwartenden Berichterstattung über die KommisfionSverhandlungcn i m Plenum deS Abgeordnetenhauses reden müssen. Denn die Art und Weise der von der Kommission beliebten Einschrän- kung der Preßberichterstattung ist einfach ein grober Un- fug. Man hätte es wirklich dem Takt und dem Vcrant- worilichkeitsgesühl der Abgeordneten selbst überlassen dürfen, ihre Berichte so einzurichten, daß kein Schaden daraus ent- steht._ die Verschleppung öer Wahlreform. Der»Berliner Lokal-Anzeiger" bringt in seiner Freitag- Abendausgabe folgende anscheinend offiziös inspirierte Bc- rrihigungsnotiz: Ein westdentscheS Blatt batte berichtet, daß sich die Fertig- stellung der Wahlrechtsvorlage verzögern und daß sie vielleicht erst im Januar dem Landtage zugehen werde. Diese Nach- richr ist völlig unbegründet. Alle vier auf die Um- gcsialiung des vreußischeii Landtags sich unmittelbar beziebenden Gesetzentwürfe sind bereits soweit fertigestcllt, daß sie dem preußischen S t a a t s m i n ist c r i u m zur Beratung und Beschlußfassung unterbreitet werden konnten. DaS SlaatSministeiium bat ver- schiedene Abänderungen an ihnen vorzunehmen beschlossen und wird, so wie diesen Wünschen Rechnung getragen ist, in der Lage sein, den Vorlagen seine endgültige Zustimmung z u e r t e i l e u. a Durch dicse Notiz werden die Tatsachen und Ver- mutungen, die der„Vorwärts" gestern über die Verschleppung der Wahlrcchtsvorlage vorbrachte, in keiner Weise berührt. die Ireikonservativen und das gleiche Wahlrecht. Zu der Entschließung des sreikonservativen Parteiaus- schusjeS bringt die„Post* von parlamentarischer Seite, ali'o ivabrscheinlich aus der Feder des Freiherrn O k t a v i o v, Zedlitz einen Kommentar, in dem cS heißt: Weiter ist darauf hinzuweisen, daß in dem dritten Absatz lediglich die Uebertragung deS unveränderten Reichs-. tagSwahlrechtS auf Preußen unbedingt abgelehnt wird, daß dagegen die Stellungnahme zu den Vorlagen der Staatsregieeung, die. soweii bekannt, nicht die nuveränderte Uebertragung des RerchStagswahlrechts vorsehen, von der sorgfältigen Prüfung abhängig gemacht wird. Daß bei dieser Prüfung die schweren B e- denken, welche der Einsühmng des gleichen Wahlrechts in Preußen entgegenstehen, nach ihrem vollen G e- wicht zur Geltung kommen werden, liegt in der Natur der Sache. Diese Auslegung gibt allerhand zu denken. Nach der Pftngstbotschaft und den Versicherungen des Reichskanzlers kann nicht zweifelhaft sein, daß die Vorlage der Regierung das gleiche Wahlrecht bringen wird. Die Freikonser- vativen lehnen nun die Uebertragung deS RcichstagSwahl- rechts auf Preußen rundweg ab, äußern gegen das gleiche Wahlrecht schwere Bedenken, wollen damit ober gleichwohl gegen die zu erwartende Regierungsvorlage noch nichts gesagt haben. Herr v. Zedlitz verfügt ja über gute In- formationsquellen. Sollte man ihm etwa gesagt haben, daß die Vorlage wohl das gleiche Wahlrecht bringen wird, ober unter Berklausulierungen, die von ihm so gut wie nichts übrig lassen?_ Kleine Kriegsnachrichten. Ter Zeitpunkt für Friedenöverhandlunse«...Daily NewS" meldet aus Petersburg: Das Blatt Maxim GorkiS hält den gegenwärtigen Augenblick für besonders günstig für FriedenSver- Handlungen, weil alle Mächte mit Ausnahme Englands vollständig erschöpft seien. Russisch-amcrikaniscke Handelsbeziehungen. Die russisch« Re- pierung genehmigte die Ausfuhr aller Waren nach den Vereinigten Staaten, deren Ausfuhr infolge der KriegSverhältnissc bisher verboten war. Die Lage in Spanien. Der spanische Ministerrat hat be- schlössen, die verfassungsmäßigen Bürgschaften wieder in Kraft zu setzen. Ter König hat den Erlaß über Wiederherstellung der Garantien unterzeichnet. Da» RücktriÜLgesuch des Generals Prima Rivers ist ge- nehmigt und General Marina zum K r i e g S m i n i st e r er- nannt worden. Letzte Nachrichten. Erhöhung der Pctroleumpreise! Berlin, 19. Oktober. Der Bundesrat hat eine Erhöhung der Petroleum höchst preise beschlossen. Der Großhandels- preis ist von 39 auf 3b M. für je 100 Kilogramm, der Kleinhandelspreis von 32 auf 36 Pf. für das Liter, beztehungs- weise bei Lieferungen in das Hau? des Käufers auf 40 Pf. ftir dos Liter erhöht. Bei Lieferung aus Stratzentankwagen beträgt der Höchstpreis 32 Pf., an Stelle des bisherigen Preises von 28 Pf. für das Liter. Die an die Zentralstelle für Petroleumverteilung anzc- fchlossenen Petroleumgesellschaften haben sich der Reichs- leitung gegenüber verpflichtet, b e i der Abgabe von Petroleum an Zwischenhändler den Preis von 33 M. für je 100 Kilogramm und bei Lieferung aus Straßen tank wagen an Wiedervcrkäufer bis auf weiteres den Preis von 31 Pf. für das Liter nicht zu überschreiten. Die neuen Preise treten mit dem 2 0. Oktober 1917 in Kraft., R Zusammenstöße iu der französischen Kammer. �■«' Bern, 19. Oktober. Lyon er Blätter melden au» Pari»: Die gestrige Kammersitzung verlief sehr unruhig. D« s ch o n el macht« Mitteilung von der Jnierpellatton RweYreS über die allgemeine Politik der Regierung. Minister CK au m et erklärte namens der Regierung, die Erörterung der Interpellation könne erst Freitag stattfinden, wogegen zahlreiche Deputierte lebhaft Einspruch erhoben. linier allgemeiner Bewegung setzte sodann illibot das heutige Datum für die Erörterung fest. Bei den Ausführungen C haumetS. welcher erklärte, der Krieg dauere an, der Kriegsminlster Hobe die Pflicht... kam es zu Zwischenfällen. Die ganze Kammer lärmte, so daß Chainnet sich nicht verständlich machen konnte. Er erklärte. er beleidige doch den Patriotismus nickt, wenn er feststelle, dag der Krieg andauere. Der Kriegsminlster könne der Kammersitzung nicht beiwohnen.(Ausrufe links und auf der äußersten Linken.) Die Regierung wolle sich ober der Debatte nicht enziehen.� Unter außer- gewöhnlicher Aufregung, besonders bei den radikalen Sozialiste» und den Sozialisten, wurde sodann die A b st i m m u n g vorgenommen. „Progres de Lyon" meldet, daß eS bei der Geheimsitzung der Kammer zu heftigen Zusammenstößen zwischen einzelnen Abge- ordneten, namentlich ober zwischen Ribot und B r i a n d, gekommen sei. Die Mehrzahl der Abgeordneten halte es für un- möglich, daß Ribot Minister des Aeußcren b leihe. Der Minister für Lebensmittelversorgung Long hat in der Kammer einen Gesetzantrag auf Gewährung eines Zusatz- krcdtteS von 545 Millionen Franken cingehrackt, um den Ankauf von Getreide, Mehl und sonstigen notwendigen Lebens- mittel:: zu ermöglichen.___ Ein Wahlresormattentat gegen die Iren. Rotterdom, 19. Oktober.„Nteuwe Rotterdamsche Tourant." meldet aus London: Lonsdalc brachte im Unterhaus eine» An. trag zur Wablreformvorlage ein, daß das neue Wahlgesetz auf Irland keine Anwendung finden solle. Das Saus lehnte den Antrag gli. Staatssekretär Cave teilte mit. daß ein Ausschuß ernannt werden würde, um die Wahlkreise in Irland neu einzuteilen. Der Nation.:- list Dillon erklärte, daß dann viele Sitze den Unionisten zufallen würden und damit der Beweis erbracht sein würde, daß die Methode der revolutionären Partei in Irland gerechtfertigt sai. Ter Nation»- list O'B r i e n bezeichnete das Vorgehen der Regierung als Verrat. Tie Regierung rechtfertige durch ihr« Politik die Sinn- fsin-Bewegung und mache es den Rationalisten immer schwieriger. ihre Sitze im Haus« zu behaupten.—„Daily News" protestiert energisch gegen die Frontverändcrung der Regierung in der Frage der Vertretung Irlands im Parlament. Tie Nationalisten seien äußerst erbittert. Luxburg. Bern, 19. Ottober.„Tempi" meldet au» BuenpS AtreS: Der Rechtsbeistand des Grafen Luxburg hat beim Bundesgericht die Zusicherung der persönlichen Freiheit für den Grafen Lux- bürg beantragt. Tie Verhaftung LuxburgS laufe der a r g e« t i- nischcn Gesetzgebung zuwider.» Gründung einer deutschnationalen Partei in Oesterreich. Wien, 19. Oktober. Die Mitglieder der D e u t s ch v ö l k i- schen Bereinigung haben beschlossen, zur'Vertretung der Interessen des deutschen Volkes auf allen Gebieten des staallichen und völkischen Lebens in Oesterreich eine d e u t s ch- nationale Partei zu gründen. Mit der Porläufigen parlamentarischen Vertretung der Partei wurden die Abge- ordneten D o b e r n i g, Dr. E r l c r und Dr. Sylvester betraut. Mm WMlKS gier eise sese MrmsMe IIS Bsosenerle? Vor einiget Zeit wurde berichtet, daß der deutsche Arbeitgeber- bund für das Baugewerbe es abgelehnt hat, in eine Unterhandlung über eine neue Teurungszulage mit den drei beteiligten Arbeiter- organisationsvorständen im Baugewerbe einzutreten. Daraufhin haben die Vorstände sich zwecks Vermittlung wieder an das Reichs- amt des Innern gewandt, dessen Vertreter bei den letzten VerHand- lungen anerkannt hatte, daß es nicht tarifwidrig sei, wenn sich die Zentralvorstände der Arbeiterorganisationen bei einer weiteren Zu- nähme der Teurung noch vor Ablauf des Tarifvertrags beim Ar- beitgeberbund oder beim ReichLamt deZ Innern um die Erhöhung der Teurungszulage bemühen würden. Nun ist bei dem Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes folgende vom 5. Oktober da- tierte Antwort eingegangen: „Der Vorsitzende des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe, Architekt Behrens, hat mir in einer Unterredung, zu der er sich kürzlich— und zwar schon vor Eingang Ihres Schreibens— mit dem Generalsekretär Dr. Frvebner hier eingefunden hatte, mitgeteilt, in einer Sitzung des geschäftsführen- den Ausschusses des Arbeitgeberbundes, die nach Eingang des Schreibens der Arbeiterverbände vom 6. September d. I. statt- gefunden habe, sei die Bewilligung einer weiteren TeurungS- zulage einstimmig abgelehnt worden. Er habe deshalb den Ar- beiterverbänden mitgeteilt, daß er unmittelbare Verbandlungen des Arbeitgeberbun-des mit ihnen als zwecklos ablehnen müsse. Auch Verhandlungen unter Leitung des Reichsamts des Innern halte er nach der Stimmung unter den Mitgliedern des Ä r b e i t geb e rb u n de s und der Stellungnahme seines ge- schäftS führenden Ausschusses für völlig aussichtslos, und würde dies, falls das Reichsamt des Innern zu solchen Verhandlungen einladen sollte, auch von vornherein erklären müssen. Unter diesen Umständen sehe ich mich zu meinem Bedauern zurzeit nicht in der Lage, zu einer gemeinsamen Verhandlung der Par- teien über eine neue Teurungszulage einzuladen. Den Zentralvorbänden der Zimmerer und der christliehen Bauarbeiter bitte ich, hiervon Kenntnis zu geben. Dr. Caspar, Ministerialdirektor usw." Danach versucht also der Arbeitgeberbund eine weitere Teurungszulage an die Arbeiter des Baugewerbes unter allen Um ständen zu verhindern. Ob er wirklich glaubt, die Arbeiter damit befriedigen zu können, daß er sich der Notwendigkeit kurzerhand verschließt, die Lage der Arbeiter so zu gestalten, wie es die Um stände erfordern? Jedenfalls wird dieser Standpunkt, der auch nicht den geringsten Hauch sozialer Einsicht aufzuweisen bat, die Verbitterung der Arbeiter über die Teuerung nur noch steigern und die Arbeitssreudigkeit lähmen. Die Verantwortung dafür hat der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe zu übernehmen. Wie der„Grundstein" mitteilt, werden die Verbaudsvorstände sich in den nächsten Tagen mit der durch die Weigerung des Arbeit geberbundes geschaffenen Sachlage beschäftigen. GewerkschaflsbewMng Serlin und Umgegend. Warenhaus Hermann Tiest. Vom„Zentralverband der Handlungsgehilfen" wird uns geschrieben: Die kaufmännischen Angestellten der drei Berliner Warenhäuser Hermann Tietz haben vergangenen Monat eine GchaltSbewe- gung mit Hilfe des„Zentralverbandes der Handlungsgehilfen" mit teilweisem Erfolg durchgerührt. Eine volle Verständigung scheiterte an der Hartnäckigkeit der Firma. Es wurde schließlich der Krieg s- aus schütz für das Handels- und Transport- gewerbe angerufen und von diesem verlangt, daß er den bei der Firma Hermann Tietz bestehenden gelben Angestelltenausschuß als ungesetzlich ziistandegekommen beseitige. Begründet wurde dies damit, daß die Wahl des Angestelltenausschusses in aller Stille vor sich gegangen war, ohne daß man das Personal genügend unterrichtet hatte. Weiter wurde beim Kriegsausschuß beantragt, daß er den Angestellten die gewünschte Gehaltszulage von 2l> M. monatlich ab t. September 1917 zuspreche. Ter Kricgsausschnß kam am 28. Sep- tembcr zu folgendem Spruch: Nach dem Vortrage beider Parteien steht fest, daß der Aus schuß nach dem Gesetz ordnungsgemäß zustande gekommen ist und keinerlei Beweise vorliegen, die eine gesetzliche Handbabe bieten, den Ausschuß außer Kraft zu setzen. Andererseits steht Zweifels- frei fest, daß ein Teil des Personals mit dem setzt zustande ge- kommenen Ausschuß nicht zufrieden ist. Diese Tatsache ist mit dem ersten Absatz§ 12 nicht in Einklang zu bringen. Es wird deshalb dem hier anwesenden Mitglied Frl. K. anheimgegeben, aar ki-> an-. deren Ausschußmitglieder und deren Vertreter daraus zu wirken, ihre Aemter niederzulegen und so eine Neuwahl zu bewirken. Nachdem festaestellt wurde, daß inzwischen eine Einigung zwischen dem Ausschuß und dem Arbeitgeber Hermann Tietz stattgefunden hat, so hat die Schlichtungskommission nach§ 13 keinen Grund mehr, materiell in die Verhandlung einzutreten." Wenn auch durch diesen Spruch dem Wunsche dor Angestellten aus Außerkraftsetzung des gelben Angestelltenausschusses nicht Rechnung getragen worden ist, st» geht doch zweifellos daraus hervor, daß dieser Ausschuß ein merkwürdiges Unikum ist. Bisher ist dieser Zlusschuß aber nicht beseitigt worden. Die Firma legt vielmehr großen Wert auf ihn! Herr Oskar Tietz, der Firmeninhaber, hatte im Laufe der Bewegung erklärt, daß er seine Angestellten liebe wie seine Kinder. Nach den bisherigen Erfahrungen bezieht sich das aber nur auf diejenigen Angestellten, die sich nicht gewerkschaftlich organi- siert haben. Herr Tietz hat nämlich verschiedene Angestellte, die bei ihm 19 bis 17 Jahre beschäftigt sind, gekündigt, und zwar bandelt es sich um solche, die sich während der Gehaltsbewegung be- merkbar gemacht haben. Die Firma Hermann Tietz kann sich nicht damit herausreden, daß sie Entlassungen vornehme, weil sie Personal im lleberslutz habe. Denn noch in den Tageszeitungen vom 14. Okto- der befindet sich folgende Anzeige: Tüchtige Verkäuferinnen für sämtliche Abteilungen sowie gewandte Kassiererinnen und Kassen-Kon- trollen sucht Hermann Tietz. Tie Firma entläßt also die mißliebig gewordenen Angestellten, obwohl sie Personal braucht. Es ist für das Verhalten der Firma ferner charakteristisch, daß sie den Versuch gemacht hat, diejenigen ihrer Angestellten, big zur Mitgliederversammlung des Zentralver- bandes der Handlungsgehilfen gehen, zu bespitzeln. Zwei Kon- irolleurinnen ihrer Betriebskrankcnkasse waren unweit deS Ver- sammlungSlokals postiert, um die Versammlungstcilnehmerinncn zu überwachen. Man kann cs ja verstehen, daß es der Firma unan- genehm ist, durch den„Zeutralverband der Handlungsgehilfen" genötigt worden zu sein, eine Aufbesserung der durchschnittlich sehr ge- ringen Gehälter vorzunehmen. Trotz der Organisationsseindlichkeit des Herrn Tietz haben sich die Angestellten in diesem Falle durch- gesetzt und sie werden sich auch für die Zukunft ihr Recht zu ver- schaffen wissen. Wahrscheinlich wird die Firma Tietz gerade durch ihre Maßregelung das Gegenteil von dem erreichen, was sie be- zweckt. Es sind sa zumeist Sinter von Arbeitereltern, die bei Tietz beschäftigt sind und diese werden mit dafür sorgen, daß der„Zentral. verband der Handlungsgehilfen" nun erst recht durch zahlreiche Bei. tritte gestärkt wird. Aus der Tchlichtungskommission für Militärschneider. Verpfuschte Arbeit. Solange die Schlichtungskommission für Militärschneider besteht, hat sie sich auch sait in jeder Sitzung mit Streitfällen zu befassen, die aus wirklicher oder vermeintlicher Pfuscharbeit entstehen, sei es, daß die gelieferte Arbeit sofort vom letzten Austraggeber oder aber von der Abnahmestelle der Militär- behörde beanstandet wird. Gewöhnlich handelt es sich darum, daß der Auftraggeber die Arbeit nicht bezahlen und der Liefernde dar- aufhin die Kleidungsstücke nicht herausgeben will, ehe er nicht seinen Lohn dafür erhalten hat. Das letztere ist jedoch unstatt- hast, und die Schlichtungskommission hat den Betreffenden immer sehr entschieden vor Augen geführt, daß sie zur Erlangung ihres berechtigten oder unberechtigten Lobues sich nicht an den Gegen- ständen schadlos halten dürfen. Die Artikel sind Eigentum des Militärfiskus, und wer sie diesem vorenthält, macht sich strafbar..Hat jemand nach seiner Ansicht Lohn zu beanspruchen, so muß er die dafür geschaffenen Rechtöstellen— in diesem Falle die Schlichtungskommission für Militärschneiderei— in Anspruch nehmen, wo seine Forderungen von einer Kommission von Fachleuten und einem unparteiischen Vorsitzende� geprüft werden. Sosern er im Recht ist, wird ihm dann auch zu seinem Gelde verholfen. Ebenso steht es mit der Frage, wer die Kosten der Aenderungen von verpfuschter Arbeit zu tragen hat. Vielfach kommt eS vor, daß der»Hersteller diese Aenderungen nicht mebr selbst vornehmen will und der Austraggeber diese dann selbst herstellen läßt und die Kosten aus den Lohn anrechnet. Auch hier entscheidet in Streit- fällen die Kommission nach billigem und gerechtem Ermessen, ob der abzuziehende Betrag angemessen erscheint. In der letzten Sitzung klagte nun der Ünternehmer H. gegen den Zwischenmeistcr Z. auf Herausgabe von 11 Mänteln, die der letztere als Pfand be- halten und nicht herausgeben wollte. Kurz vor dem Termin hatte er sich aber eines anderen besonnen und die Mäntel doch geliefert, allerdings im gleichen Zustande wie zuvor. Der Beklagte war nicht erschienen. Die Kommission entschied dahin: Kläger hat die Mäntel von Sachverständigen aus der Schlichtungskommission be- gutachten und die Kosten der vorzunehmenden Aenderungen ab- schätzen zu lassen. Diesen Betrag darf er von dem zu zahleirden Lohn abziehen, den Rest muß er unverzüglich auszahlen. Will der Beklagte sich mit diseem Entscheid nicht zufrieden geben, so mag er seinerseits Klage erheben. Deutsches Neich. Klassenbewußte Techniker. Daß nach und nach in den Reihen der Angestellten, namentlich im Technlkerberuf, gewerkschaftliche Bestrebungen Eingang finden, fordert selbstverständlich die Wut des deutscben Unternehmertums heraus. Vor allem kann sich die„Deutsche Arbeitgeber» Zeitung" schlecht in die Neuordnung dieser Dinge finden, denn die Techniker und ähnliche Angestellte bildeten zum großen Test die Stütze der rückständigen Arbinter. Die„Deutsche Techniker-Zeitung" befaßt sich in der letzten Zeit deS öfteren mit den Forderungen für die Zeit nach dem Kriege und ist der Mei- nung, daß die guten Seiten des Hilfsdienstgesctzes, ins- besondere die S ch l i ch t u n g s i n st a n z e n, in irgend einer Form hinüber gerettet werden müssen. Ferner kann die„D. T.-Z." nicht einsehen, warum die Arbeitgeber mit den Angestellten der Ar» beiterverbände wohl verhandeln, ihre Auftraggeber aber immer ab- gelehnt werten. Tie„D. A.-Z." begründet die Ablehnung dieser selbswerständlichen Forderungen damit, daß in der„D. T.-Z." zu sebr die Luft des Klassenkampfes wehe und daß die Kritik an den Lohnverhältnissen und an dem Verhalten den Gel- ben gegenüber die Arbeitgeber nicht M einer Aenterung ihrer Taktik ermuntere. Aus diesem Urteil ersehen die Techniker, daß sie endlich auf dem richtigen Wege sind und die Arbeilgeber werden sich auch an oas selbständige Denken ihrer Angestellten wohl oder übel gewöhnen müssen. KustanS. Die skandinavischen Seeleute über eine neue Iuternationalr. Eine internationale SeemannSkonserenz hat in ten Tagen vom 12. bis 16. Oktober in K openhagen»tattgesunten, an der Tele- gierte der Heizer, Seeleute und See-Restaurationsgewerbe Schwedens, Norwegens und Dänemarks teilnahmen. Hauptpunkt der Verhandlung bildete ter Vorschlag, der war einiger Zeit in London abgehaltenen internationalen SeemannSkonserenz betreffs Grün- dung einer neuen Seemanns-Jnternationalc. Bekanntlich hat tes jetzige interarionale Transportarbeitersekretariat seinen Sitz in Deulschland. Die englisch sprechenden Seeleute versuchten in der Londoner Konferenz, eine neue Internationale zu gründen, von der die Deutschen ausgeschlossen sein sollten. Dies Programm hat in verschiedenen neutralen Ländern, namentlich in Schweden, auf Widerstand gestoßen. Weder die schwedische Heizerunion noch ein neugegrünteter Stewardverband sind Mitglieder des Intern atio- nalen TransportarbeiterverbanteS, wohl aber gehört ihm der schwe- dische Transportarbeiterverband an. Dieser Verband umfaßt aber zurzeit keine besonders große Zahl von Seeleuten. Die schwedi- fchen Seeleute gehen darin einig, gegen eine unvollständige Jnier- nationale zu stimmen. Die obcn beendigte Kopenhagener Kon- ferenz faßte nach längerer eingehender Debatte ten einstimmigen Beschlutz, ter noch für dieses Jahr vorgesehenen internationalen Seefahrerkonferenz, die ebenfalls in Kopenhagen tagen soll, vor- zuschlagen, fine internationale Vereinigung der Seefahrer unter Beteiligung der Seefahrerorganisationen aller Nationen, zu grünten.� Die Konferenz wählte Guldbrandson-Norwegen und Ja- cobsen-Dänemark zu Delegierten ter skandinavischen Seemanns- Organisationen zur Ausarbeitung der Tagesordnung ter Jntcr- nationalen Seefahrerkonferenz in Kopenhagen. Industrie und Handel. 6 Millionen durch Auswanderung verloren. In einer kurzen, packend geschriebenen Schrift, erschienen im Deutschen Volksverlag„Freie Bahn", schildert Ingenieur Julius Ligocki die großen Verluste, die Deutschland durch Auswande- ruug erlitten hat. Die Schrift ist deshalb so aktuell, weil sie ein- dringlich zeigt, daß die frühere große Auswanderung, die in ten letzten Jabrzehnten in erfreulichem Maße zurückgegangen ist, sofort wieder ausleben würde, wenn es nicht gelänge, den Feind von ten deutschen Grenzen fernzuhalten und durch eine energische Wirt- schaftspolitik die verheerenden Kriegsfolgen zu überwinden. In einer neuen Auflage wird der Verfasser allerdings gut daran tun. manches irrtümliche politische Urteil zu korrigieren und Abschwei- fungen zu vermeiden, die nicht notwendig zur Sache gehören. So will ter Verfasser den Nachweis führen, daß die Auswanderung aus rein politischen Grünten minimal, ja geradezu unbeabsichtigt gewesen sei. Dieser Versuch scheitert von vornherein, weil sehr wenige Auswanderer ein schriftliches Bekenntnis ihrer politischen Gesinnung niedergelegt haben und weitaus die meisten mebr aus politischem und sozialem Gefühl als aus politischer, formulierter Erkenntnis handelten. Professor Eugen Kühnemann, der in ter ersten Kriegszeit die Sache Deutschlands in ten Vereinigten Staa- ten vertreten hat. sagt sehr richtig in seinem jetzt erschienenen Bück»: „Der alte deutsche Staat vermochte nickt, seine Bürger mit einem unzerbrechlichen Bewußtsein deutscher Bürgerschaft in die Fremde zu entlassen, so daß sie auch in ter Fremde sofort die öffentlickcn Dinge selbstbewußt in die eigene Hand nahmen. Der alte deutsche Staat war ein Staat der Beamten und Offiziere. Unsere Könige, unsere Beamten und Ofiziere hatten ihn geschaffen. Das Volk war nur die regierte Piasse. Sie waren daran gewöhnt, das öffentliche Leben des Staates in ter Hand ter Berufenen zu sehen und zu lassen. Sie hatten daran keinen Teil." Dieses Gefühl ter Untertänigkeit hat sicherlich nicht nur viele in die Fremde getrieben, sondern auch ihre rasche Entftemdung von ter Heimat, ihre Ein- bürgerung in dem Lande ihrer Wahl begünstigt. Bankausweise der östcrreichisch uugarlschcu Bank. Tie österreichisch-ungarische Bank bat seit.Kriegsbeginn keine Ausweise mehr erteilen lassen, aus denen das so wichtige Ver- bältniS deS Notenumlaufs zum Goldvorrat ersichtlich gewesen wäre. Die Folge davon war. daß im In- und Ausland die Meinung auf- kam, daß der Notenumlauf so groß sei, daß die Golddeckung sozu- en verschwindet. Dadurch wurde natürlich die Währung empfind- geschädigt. Die öffentliche Meinung und das Abgeordneten- baüs haben aus diesem Grunde die Wiederveröffentlichiing ter Bankausweise gefordert und die Bank wird jetzt diesem berechtigten Wunsche entsprechen._ Eingegangene Druckschriften. Der Terragrapb. Don Hegendors. Theod. Thomas Verlag, Leipzig. Tcr hauSwirtschaftliche Unterricht. Von E. Deutsch. z,kc> M.— Sexuelle Erziedung im Lehrerseminar. Don Dr. P. Brohmcr. so Pf. B. G. Trubner, Leivzig. Tie diplomatischen Berliandlnngeu vor Ausbruch deS Weltkrieges auf Grund der Farbbücher. Bon Dr. Wilhelm Stahl. 1,80 M. T. H. Leck, München. L. N. Tolstoi Tagebuch. 1. Band. SM.— Tie Perser des Aishylos. l M., geb. 2 M.— Friede. Nach AristophaneS. Von L. Feucht- wanger. 2 M. Von Poluischeu Juden. Ein Novellcnbuch polnischer Dichter. Georg Müller, München. Leitfaden über die Anwendung der Berbältniswahl zum Reichstage und zum preukischeu Landtage. Bon Max Schneider. Kommissionsverlag der Kranzjelderschen Buchbandlung, Augsburg. Berantwortlcch sür PolUlt: Erich staitaet, Berlin: vir den osrigen Teil des Blattes: Alfred Schot», Neukölln: für Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdruckcre, w BerlagSanstalt Paul Singer& Ca., Berlin SW. Hierzu 1 Vellage und UuierbalwugSblatt. idfrtiQc 9t treffen zu kennen ist heutzutage von ganz besonderem Werte— „Hier sind zwei!" % SäMfk. �Lr:j3 «ofc» a*m*' W-HZ ZPf-us