Zlr. 295. 34. Jahrg. Bezugspreis: fitetlclifilicl. aSO'.'OiL. manalL 1�0 2R!, Döcgemüdi SO Pig. kci in-S ßoui, Socsu�atjibct einzelne Cjtbcnlag«« tiummcrn ö LIz£otmto5»ruBtmn mit illlljtnerlci Beilage.Tie Neue Well' 10 Bfg. Bostde�ug: Monatlich I.SO Ml Unle,»itcujbanb für SDeutfcWanb uni Ccficrreich• Ungern 2,60 Ml., rür dob übrig» Ausland 4 WiZ. DionollrÄi Poltbeslellungen nelimcn on Täiiemarl. Holland. Luxemburg. Schweden v. die Schweiz. Eingetragen ui die'i.'0lt>ZeliungsrciSlijtQ Erlchclnt täglich. Telegrauim- Sldreile: »Enzialvcmvkrat iLcriin', Vevlinev VolKsblstt. ( 5 Pfennig) Der AnzcigcllprciS ieltSgl f. die liebengessaliene Kalonel- teile 00 Pfg.Kleine äinzeigeir", SaS feilzedruch- Wogt V Pig.(zu- lälsig 2 fettgedruckte Worte), ledcS weitere Wort lO Pfg. Etellengemche und Schiafslellenaiizeigen daS erste Wort tO Psg., led-S weitercWortöPsg. Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Worte. Teueeuiigszuschlag 20°/» Kamillen- Sln, eigen litt Pfg., politische u. gewcrlschafMche Per. in'- einzeigen 40 Psg die Zeile. Slnzelarn für die nächste Numnier Nlüsscn viS ei Uhr nachmill. iin Hauptgeschnil. Berlin SD. OS, Lindensirahc S, ab» gegeben werden. Aeöfsnet von S Uhc früh biS 7 Uhr abends. Zentralorgan der foztaldemoferati feben Parte» Deutfcblands. Neüsktion: SV. 68, Liaöeastrahe 3. Keruinrecher: Jlwt Morivvla«. Str. 151 90— IS1 97. Sonnabend, den 27. Oktober 1917. Cxpeöition: EW. 68» Linücnstraße 3. Kerniprecher- Amt«torttzplatz, Nr.»51 90—15» 97. leoer eme Schnelles Vordringen an der italienischen Front. Kämpfe am Houthoulfter Walde.— französischer Vorstoß in den Ailette- Grund.— Abwehr am Oise- Aisne- Ltanal.— Der italienische Nordflügel ge- worfen.— Ncbergang auf italienischen Boden.— Neber 30 000 Gesangeue, über 300 Geschütze erbeutet. Amtlich. Großes Hauptquartier, 26. Ottvlcr 1917.(W. T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Längs der ganzen Front in Flandern war gestern und während der Nacht der Artiverickampf lebhaft. Besonders heftig war das Feuer vom Houtholfter Walde bis Hollcbcle; dort fteigerte es sich morgens zum Trommrlseucr. Nächtliche Teil-. angriffe der Franzose» und Engländer scheiterte» überall vor unseren Linie». Nach den bisher eingegangene« Meldungen sind nach Hell- werden an mehreren Stellen der Front Angriffe deS Feindes erfolgt. Heeresgruppe Deutsche, Kronprinz. Nach starker Feuervorbcrcitung stießen die Franzosen gestern von den Nordhiiilgeu deS Ehemiii-deS-TameS in den Ailette- Grund vor. Ihr Angriff traf gegen die in der vorhergehenden Nacht an den Südrand des Waldes von Piito» herangezogenen Bortruppco» die nach kurzem Kampf auf das Nordufcr des Oise- Aisne- Kanals zurüligenommcn wurden. ES gelang dabei nicht» das vor den lehten Kampftagen in dem zerschossenen Walde von Piuon eingebaute Gcschüpwaterial völlig zu bergen. Au den übrigen Stellen deS Kampffcldes wurden«ach er« folgreichcr Abwehr des feindlichen Stoßes unsere Linien plan- gemäß hinter den Kanal bei und südöstlich von Chavignon zurückverlcgt. Mehrfach versuchte de? Gegner späte?» die Äanal-Niederung zu überschreiten; er wurde von unserrn Kampftruppen überall zurückgeworfen.___ Auf dem Ostufer der Maas stürmten tapfere nicdersächsifche Bataillone mit Flammenwerfer» in mehr als 1200 Meter Breite die französischen Stellungen im Ehaume-Waldc» überwältigten die Lesapung und brachten Gefaugeue zurück. Mehrere zur Wieder« gewinnung seiner Gräben vom Feinde geführte Gegenangriffe brachen ergebnislos blutig zusammen. Bei den übrigen Armeen kam es bei Sturm uud Regen zu zahlreichen Gefechten von Erkundungsabtrilungen. Lo« Oestlichen Kriegsschauplatz und von der Mazedonischen j?ront sind keine wichtige» Erriguiffe gemeldet. Italienische Front. In AuSuichung des Durchbruch Sersolges bei Flitsch uud Tol- mein sind unsere Tivisioncu über Karfrcit uud Rouzina hinaus im Bordringcn. Die Truppen des Nordstügels der zweiten italienischen Armee find, soweit sie nicht in Gefangenschaft gerieten» geworfen und im Weichen. In unwiderstehliche« Borwärtödraug überschritten die drut- scheu und öfierrlich-ungarischen Regimenter» an Leistung Welt- eifernd, dir ihnen gesteckten Ziele und warfen den Feind auS den starten rückwärtigen Höhenstellungen, die er zu halten versuchte. Unter unserem Druck begannen die Italiener, auch die Hoch- fläche von Bainsizza-HeUigcngeift zu räumen. Wir kämpfen»irl- fach bereits aus italienischem Boden. Die Grfangruenzahl ist auf über 3fl 000 Mann, dabei 700 Offiziere, die Beute auf mehr als 300 Geschütze» darunter viele schwere, gestiegen Klares Hrrbstwrtter begünstigte gestern die Kampfhandlungen. Der Erste Gencralquarticrmristcr. _ Ludendorff. Abend bericht. Berlin, 26. Lktober 1017, cdeudS. Amtlich. Tic heutigen Kämpfe iu Flandern eutwickelteu sich zu einer großen Schlacht. Starke Augriffe der Frau- zofeu und Engländer von Bixschoote bi» zur Lahn RonlerS— Iperu«ud zu beide» Seite» der Straße Mentn— Ipern sind trotz mehrmaligen Anstr-rmS i» unserer Abwchrzoue blutig zusammengebrochen. Am Cise— Aisne-Kaual geringe Gefechts- tätigkert. Im Lstcu nichts von Bedeutung. Au der i t a l i e u i s ch e u Front sind unsere KorPS kämpfend in schnellem Lordringen. Gefangenen- und Beotczahlcu wachse» vo» Stunde z» Stunde._ Ter österreichische Bericht» Wien, den 26. Oktober 1917.cn politisch Eingeweihten konnte seit langer Zeit kein Zweifel darüber bestehen, daß die Reaktionäre in Preußen hinter den Kulissen fieberhaft au der Arbeit sind, um der verheißenen Wghlreform doch noch auf irgendeine Weise ein Bein zu stellen. Auf welche Mittel man dabei verfällt, beweist ein Brief, den ein Mitglied der konservativen Landtagsfraktion an deren Führer. Herrn v. Heydebrand, gerichtet hat. Da der� Brief sich selber als einen„offenen" bezeichnet, so glauben wir der Ab- jicht seines Verfassers nicht zmvidcr zu handeln, wenn wir ihn hier abdrucken. Er lautet: Sehr geehrter Herr von Heydebrand! Bei unserer letzten Aussprache in der Fraktion konnte ich das, was ich Ihnen sagen wollte, nicht vorbringen, Sie werden mir bitte die Gründe, warum es nicht geschah, zu erläutern er« lassen.. Ich bitte aber um die ErlaubuiS, in einem offenen Brief ' an unseren verehrten Herrn Vorsitzenden, den ich den Herren FraktionSmitglicdern zugänglich machen werde, meiner Meinung offenen Ausdruck geben zu dürfen. Eine Allerhöchste Botschaft hat die allgemeine, gleiche und geheime Wahl versprochen, wir werden mit dieser Tatsache zu rechnen haben, und wir werden einen Weg finden müssen, welcher daS Halten deS nun einmal gegebenen königlichen Wortes ermöglicht. Es wird möglich sein, für die Wahlen zum Abgeordneten« hauS eine Basis zu finden, welche auch die geheime, gleiche und allgemeine Wahl weniger gefährlich macht. M. Q. kann die? geschehen, wenn in Preußen die Bcrufsstände unter sich ihre Vertretung zu wählen haben. ES werden dann alle Beruf?» arten gerecht im Parlament vertreten sein und nieniand wird sagen können, daß diese Art nicht volkstümlich sei.(!) ES wird auch nichts ausmachen, wenn die Landwirte, Lehrer, Geistlichen, Arbeiter usw. geheim und direkt einen ihrer Berufsgenossen zu wählen haben. Wir kommen aber wieder zu einer Art fr ändi scheu Vertretung deS Volkes, die ohne Zweifel gerechter ist als alle bis jetzt in Gebrauch befind- lichen Wahlgrundlagen. Dabei wird das gegebene V er sprach cn voll eingelöst.(!!!) Die großen Schwierigkeiten, die in der Ausarbeitung für eine Berufswahl vorhanden sind, verkenne ich nicht, aber m. E. ist dies der einzige Weg, der uns aus dem Kampf herausführen kann. Die Schwierigkeiten werden sich überwinden lassen, weil sie überlvundcn werden müssen. Herr vpn Osten deutete in seiner Rede, wenn ich nicht irre, auf einen ähnlichen Gedanken hin. er unterläßt es aber, näher darauf einzugchen, wohl in der Erwägung, daß die Fraktion so ganz unvorbereitet nicht geeignet sei, sich gleich darüber auszusprechen. DaS war auch einer der Gründe, welche mich veranlaßten, fürS erste stillzuschweigen. Die politische Situation ist so ernst und das ganze Volk verlangt jetzt so dringend, von einer Partei Taten zu schon, daß die Partei, die jetzt mit positiven Vorschlägen kommt, die Zu- kunft für sich hat. Eine glatte Ablehnung der i» Aussicht gestellten Regierungsvorlage für die geheime Wahl würde gar nichts nützen. Wir müssen das alte Preußen retten. Da richten sich unsere Augen in erster Linie auf Sie. verehrter Herr Heydebrand, da Sie die Fähigkeiten haben, das schwierige Werk zu vollbringen, und all die Lahre unser treuer Führer waren. Sie werden eS verstehen, erst mal mit dem Zentrum und den Nativnallibcralc» Fühlung zu nehmen, um ein gemeinsames Arbeiten zu ermöglichen. Eine unverbindlich freundschaftlidfre Einigung mit den Führern der anderen Fraktionen halte ich für absolut notlvcndig. sobald Ihnen der Weg, auf dem Sie gelicn wollen, klar ist, um zu vermeiden, daß die anderen Parteien uns im Stichle(sen. wie siccSimRcichStagc getan haben. Dann vor allen Dingen im Einveruchmc» mit dem neuen Ministerpräsidenten zu' bleiben, da? dem bisherigen unfreundlichen Standpunkt uiit seinem Vor- gänger ein Ende macht. Alles unter der Voraussetzung, daß Sic auf dem hier angegebenen Wege gehen wollen, oder vielleicht einen besseren Ausweg gefunden haben. In diesem Falle vcr- zeihen Sie meine Auseinandersetzung, dann gehe ich gerne mit Ihnen. Aber lvir müssen nun heraus aus der Verteidigung, in loelcher wie uns notgedrungen bisher befanden, und zum An- griff schreiten. Zum neuen Kanzler habe ich das Vertrauen, daß er als Christ und Preuße mit uns gehen wird, wen« er richtig von uns angefaßt wird. Endlich bemerke ich ncc5, dah ich eine Neform tiel Zerren- BaufeS in der tirn mir angegebenen Weise für durchaus nötig Balte. Selbjtberftänp.'ich unter Beibehaltung des königlichen Be- rufungSrechics. Nun kontme i-n zum Schlug noch mit einer Bitte. Wollen S:e nicht in ganz Deutschland eine Protestkundgebung gegen diesen Reichstag in die Wege leiten, der in keiner Weise den Willen des Volkes zum Äusdruck bringt? Ein kleiner Ansang ist ja geschehen, wie ich gestern las, aber cö wäre gut, tvenn er von uns ausginge. An dieseni Schreiben ist vielerlei interessant. Daß go- Wiste Konservative immer noch mit dem Gedanken eines de- rilfsstandischcn Wahlrechts spielen, ist an sich nichts Neues. Im„Reichsboten" hat ein Herr v. Romstätten noch in letzter Zeit wiederholt dafür Propaganda gemocht. Äber eine boden- lose Dreistigkeit ist es, ein solches b-ernssstöndi'ches Wahlrecht für eine Einlösung d e S königlichen Per» s p r e ch c n S zu erklären,.igsta sieht man. was diesen „Hütern der Monarchie" i» Wirklichkeit ein K ö n i g S w a r L wert ist. Während inan in jedem Schullescbuch den Satz findet:„An eines KönigS Wort soll man nicht d r e h n noch d e n t e l n", wird hier ganz nnverfroren der Püngstbotschast eine Auslegung gegeben, die ihren Sinn, wie er von iedernmnn im Volke anfgesaßt worden ist, in das glatte Gegenteil verkehrt. Denn das berufsständiiche Wahlrecht wäre natürlich ein Hohn ans alle Gleichheit, auch wenn innerhalb der einzelnen BerufSstäude mit gtcichein Stimmgewicht ge- wählt wirin Oder will man etwa, wie das deni ungefähren Zahlenverbältnis entsprechen würde, auf drei Vertreter des Unternehlnertilms den industriellen Arbeitern hundert Ver- trerer oder auf drei Vertreter des Großgrundbennes den Laild» arbeltern hundert Vertreter geben?! Alle Projekte eines ständischen Wahlrechts, die wir bisher zu Gesicht bekommen haben, sahen ganz anders aus. Da paar dem Unternehmertum zusanmien mit den ihm versippten Berufen der Aerzte, Rechtsanwälte, Professoren und höheren Beamten immer eine iimidcstens doppelt und dreifach höhere Zahl von Sitzen ein- geräumt als den Arbeitein. Die Aussicht, mit einem solchen bermsständischen Wahlrecht die arbeitenden Klassen d a»- e r n d ü b c r st i ni m e n zu können, ist es ja auch, die die Konservativen zu so begeisterten Anhänaem des berufs�äii. di scheu Wahlrechts macht. Krasseste Ungleichheit ist die erste Boranssetzling des konservativen berufsständischen Wahlrechts. Es ist ein gefährliches und verzweifeltes Spiel, das dicie „königstrenen" Männer mit der, Person des Monarchen spielen, indem sie ihm unter sophistischen Ausflüchten eincil glatten Bruch des feierlich gegebenen Ver- spreche iis ansinnen. Doch schließlich wußten wir auch längst, von welcher Art die Königstreue der Konservativen ist. DaS lveitmiS Inteleisantcste des Schriftstücks ist das f e l- s l' n i e st e V e r t r n u e n des Verfassers zu Herrn D r. Michaelis, daß dieser„als Christ und Preuße" mit den Koniervatioen gehen werde, wenn es gilt, das königliche Wahlrechtsversprechen zu meucheln. Daß Herr Dr. Michaelis nch gerade in seiner Eigenschaft als„Christ" an der In- s z e n i e r n n g eines freventlichen W o r t b r u ch tz beteiligen soll, sei nur nebenbei als Gradmesser tür das ChristentlMl gewisser Leute hervorgehoben. Aber das gewal- tige Zutrauen, das man in konservativen.Kreisen zu Herrn Dr. Michaelis begt, er werde sich zu solchen Dingen wie kein anderer gebranchsn lassen, ist die beste Rechtfertigung u n- sereS M i ß t r a u e n s. Wir schrieben gestern, daß wir Herrn Dr. Michaelis nicht für den Mann hielten, die Wahl- resorm loyal diirchzusühren. und dos Vertrauensvotum, das hier ein konservativer Wahlrechtsintrigant Herrn Dr. Michaelis erteilt, rechtfertigt unsere Aiiffassimg. Krieöensörückeberger. Tonniuo über Paßverweigerung und Papstnote. Wie die«Agenzia Steiani" meldet, begründete Soninno in der Italienischen Kammer die Verweigerung der Pässe für Stockholm, den Kongreß der G e>v e r k s ch a s l e n in Bern und den Studienkongreß in Bern, indem et erklärte, tS handle sich bei diesem«m Verhandlungen pazifistischer Parteien. die in'Italien und in den anderen verbündete» Ländern, wenn auch dort in viel geringerem Maße, ihre Sonderparteipolitik im Gegensatz zu den Negierungen durchzusetze» suchieir. Jede Einzel» Handlung der Parteien müsse aber unterbleiben, damit die hohen Ziele, für die Italien den Krieg begann, nicht gesährdel werden. Zur Nore des Papstes erklärte Somiino, er sei mit ihrer allgemeinen Absicht einverstanden: ihre ein» zelnen Bodingnugen aber böten ebensotvenig eine Grnndlage für eine» MeinungSimstausch zwischen den Knegsührende», wie die Reden deS NeichSlnnzlerS, deS Staatssekretärs von Mühl- mann oder des Grasen llz ernin. Verhandlungen Hütten eben nur Zweck, weim die ihnen zugrunde liegenden Vorschläge die erwünschten Merkmale der Ernsthaftigkeit bc- säßen. Wenn die Zentral mächte Hossren, in Verband- liingcn eintreten zu iönuen, ohne sich iw:hct durch BekanntzaSe von grundlegenden Bedingungen zu binden oder festzulegen, so tülen sie daS nur in der Zoffnung, aus die Wirkungen der S ch w ii ch n n g n n d d e r Müdigkeit, die bei d e n B e» Völker un gen der Alliierten durch die Nachricht vom Beginn der Friedensverhandlungen hervor- gcru'cn würde». Dadurch würden sich die alliierten demokraiischen Regierungen in der Zwangklage befinden, selbst die härtesten Be- dmgiingen auzüiiehmen. da ei ihr.cit nicht möglich wäre, die östenl- lich? Meinung in ihren Ländern in die nötige Srimmung zu versetzen, die Feindseligkeiten iviedet energisch auszirnehme». Sonnino fuhr fort: ES scheint mir klar, daß die Frage der Kriegsentschädigungen und deZ Schadenersatzes ßcttcunt werden muß von der der Wiedergutmachung von Schäden, d-'e absichtlich und gegen alle Regeln und Bestimmungen de? Völker- rechiS der Haager Konveniion von einem Kriegfnhr enden begangen worden sind. Belgien uiüsse im Frieden? vertrage gesondert behandelt werden. Einsach die belgische Frage durck> Zurückgabe oder Austausch gegen andere besetzte Gebiete zu lösen, sei eine Entstellung der Lach- lag?»nd eine Verwechselung verschiedener Tinge. Sonnino ichloß: Wir wollen alle den Frieden und einen Frieden, der nicht nur ein Wassenslillstand»st. Wir sind bereit, in vollem Einvernehmen mit unseren Verbündeten jeden ernst- hasien Friedenkvorichlag zu prüfen ohne jeden Gedanken an Rache oder Eroberung. Aber ei gibt wesenilichc Punkte, über die wir nicht verhandeln kinnen. Tie hoben Ziele, für die wir in den Krieg eingetreten sind, und für die wir berkii» so viel Opfer von der Ztalion gefordert haben, sind: die Befreiung unserer Bruder und die Sicherheit unserer Unabhängigkeit. Unsere KriegSziele schließen nicht die Zerstückelung der feindlichen Staaten noch eine Aenderung deS RegierungSivstemS int Innern anderer Siaalen ein. Italien kämpfe für die Erlangung seiner natürlichen Grenzen, fiir die Befreiung seiner von Fremden unterdrückten Brüder. und um sich in der Adria die notwendigen Bedingungen seiner Existenz und seiner Sicherheit zu verschaffen. Die Ädriasrage bilde für Italien eines der wesentlichsten ÄriegSziele und sie stehe sür Italien und seine Verbündeten außerhalb jeder Erörternug. Sonnino setzte auseinander, welche Interessen Italien im nahen LrieNt habe. Es strebe dort nur nach Gleichgewicht und Stabilität. Die Aufgaben JiolienZ im Mittelmeer seien zu einer kostbaren Gewähr sür den künftigen Frieden Europas geworden. Ein Friede müsie aber so sein, daß er ei wert ist. behütet zu weiden. Er muß den allgemeinen Grundlagen der Gerechtigkeit und der Freiheit und der Ehrfurcht vor der menich- kicken Würde entsprechen. Wir finden in der Note des Papste? nicht gcniiaendc Anzeichen sür grundlegende Bedingnilgeu eines gerechten und richtigen Friedens. Der Appell an den versöhnlichen Geist der Kriegfühienden gibt durchaus keine Gtuiidlage für Friedens- Verhandlungen ab. Die Note schlägt nicht einmal die Leitsätze für eine mögliche Besprechung vor. Wetter hoffen die Zeittralmächte, zwischen den Alliierten Streitig- leiten hervorzuruien durch größere Zugeständniffe an einen Ver- bündete» auf Kosten eines anderen. Jeder öffentliche Schiilt zu einer FriedenSvermiulnng kauii, wenn er im ungünstigen Augenblick unternommen wird, eher die Annäherung zwischen den Kriegführen- den sowle den Abschluß jeden Abkommens zwischen ihnen erschweren als erleichtern. Auf die einzelnen Vorschläge der Papstnote eingehend, erklärte Sonnino. daß sowohl für die Abrüstung wie für das Schiedsgericht die theoretische Zustimmung oller Kriegführenden vorliege, doch sei die praktische Durchführung schwierig. Sicher iei jedenfalls, daß diese sich nur auf die genaue Beobachtung des internationalen gulen GlanbenS und deS verpfändeten Wortes gründen lönne. Die Freiheit der Meere sei in KriegSzeiten schwierig durchzuführen. Die Mitiel»� mächte erklärten theoretisch, sie cnne&mett zu wollen, ihre praktische Antwort habe man in der vom Grasen Luxburg empfohlenen Methode gesehen. tage lind eine Verwechselung verschiedener Dinge. Die Pavstnoie macke keinerlei Votbehalt für die Rückgabe derjenigen Gebiete, die Gegenstand besonderer Streitigkeiten zwischen ver- schiedenen Mächten seien und mit Bezug aus die der Papst de n Wunsch ausdrücke, daß man sie in versöhnlichem Geiste unter gerechter Berücksichtigung der Bestrebungen der Volker, soweit dies möglich sei, löse. Die so sormutierle Aufforderung, sagte Soiinino, bildet zweifellos den bedeutiiiig-kvollsten und originalsten Teil, den Lichtpunkt der Papstnote, obwohl sie keine mögliche und praltische Grundlage für den Beginn irgend einer Verhandliing bildet. Hierauf haben dre Mittelmächte durch die Reden des Grase» E z e r n i n und von Kühl in a ii n s sowohl mit Bezug auf die von Italien wie die von Frankreich gesolderien Gevicle mit einem„Nein, nie- malS" geantwortet. Tie Rede bemühte sich also, allen Möglichkeiten der Berständi- gung aus dem Wege zu gehen und schloß mit dem bekannten Appell zum Aushalten und Durchhalten in der Fron: und im Innern. Von unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Aus der Rede Sonninos gebt hervor, daß die Entente nicht nur für die Stockholmer und für die internationale Gewcrk- schast»sonserenz in Bern die Pässe verweigert bat. sondern auch sür die vor� p a z i f i st i s m e r Seite geplante I n t e r- nationale S t u d i e n ko n f e r c n z. Auch liier stehen die Taten der Entente wieder in krassem Widerspruch zu ihren pazifistischen Worten. Dagegen hat die deutsche Regierung auch bezüglich der pazifistischen Ztudieniomerenz sich prinzipiell bereit erklärt. Pässe a u s z n st e l l e n und auch den Angehörigen neutraler Länder die Durchreise durch Teutschland zur Konferenz zu gestatten. Sturz öes Klinifteriums Sofelli. Lugano, 25. Oktober. Tie gestrige Sitzung der italienischen Kammer irug den Charakter einer patrlottschen Kundgebung. In- folge einer großen und zündenden Rode de-Z KriegSministerS nahm die Kammer die Budgeiforderungen des KriegSministerS ohne weiteres an. Nachdem sich der ininutenlange Beifall der Rede gelegt hatte, traf die Nachricht CadornaS von einer angeblich großen nnö wuchtigen d e u n ch- ö st e r r e i ch i s ch e n Offensive ein. Diese Nachricht löste große llnruhe und ernste Besorg- nisse auS. Die verichiedeilen, sich gegensellig bekämpfenden Parteien vereinigten sich liisolgedeffen zu ciiicm E i n h e i t S» block, der anicheiiiend itiir vorübergehend der LondeS- verteidigimg gilt. Außerhalb der Kammer war steilich weniger Enthusiasmus zu bemerken. Rom, Lb. Oktober.(Meldung der Bgenzia Stefaui.) Kammer. B o s e l l i erklärte, die TageSordirung Callaini annehunn zu wolle», die besagt:„Die Kammer billigt die Er, klärung der Regierung und geht zur Abstimmung über die provisorischen Zwölftel über." Äoselli verlangte Teiladstin�mung und stellt« bezüglich deS ersten Teils der Tagesordnung die B e r- trauenSsrage. Ticscr wurde in namentlicher Adslimmung mit ll 1 t gegen 9 ti Stimmen bei fünf Ttimmeuthaltungeu abgelehnt. Tie Rede SonninoS zur auswärtigen Lage und zur Friedens- 'rage, ein letzter Versuch, das Ministerium Boselli zu retten, konnte das Mißtrauensvotum nicht hindern. Die Regierung hat alsbald ihr Rücktrittsgesuch eingereicht. Der„Eorriere della Sera" sagt, das Ministerium sei gefallen wie ein wclkeS Blatt, eS sei an Altersschwäche zugrunde gegangen. Außerdem habe BoselliS llnsähigkeit. ans den einander widerstrebenden Elementen des großen Nativnaliilinisieiiums einen rinheiilichen. lebendigen, kompakten Köiper zu machen, mit zu dem Sturz der Regierung beigetragen. Der „Sceolo" fragt, worum daS Ministerium überhaupt gestürzt worden sei, nachdem die Reden aller Minister in der Kammer von der über- wiegenden Mehrheit mit lebhaficm Beifall aufgenommen wurden. Die Verwirrung herrsche gerade in dem Augenblick, wo die deutschen Heere die iialiemiche Front angreife». Ein staiker Mann sei jetzt not- wendig. Das Blatt deutet ans den ÄriegZminister hin. dem alle Parttien, abgesehen von den Neutral- Sozialisten, zugejubelt hätten. DaS.Giornale d'Jiaiia' erklärt, daß das Mißtrauensvotum eine schwere Schädigung für das Land sei. Die Abstimmung über da« Ministerium Boselli zeigt, daß die bisherige starke Mehrheit vollständig aufgelöst ist und alle vorher- g»ga»grneii Boten gekünstelt waren. Keine bedeutende Gruppe stimmte für Boselli. Zieht man 25 Stimmen der Minister und Staatssekretäre ab. so sind 71 Abgeordnete dem Kabinett treu geblieben. Tie Katholiken und Gioliliianer belürworten ein Kabinett Nitti-Orlando. Gegen Orlando« Präsidenischast erklärt sich der.Avanti". Die Amiahme, daß die Sozialisten möglicherweise die Krise mit der Umbildung der von den Imperialisten geforderten Tiktalurz» Ende führen würden, giltnaliulichalS sehr unwahrscheinlich. Kein ßrieöen auf Kosten Rußlands. Tic..Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: „Daily Telegraph" läßt sich aus Mailand allerhand Einzelheiten über das in der feindlichen Presse schon mehr- fach besprochene angebliche deutiebe Friedens- angebot an Frankreich melden. Danach ioll Deutsch- land durch Vermittlung eines belgischen Diplomaten die Wiederherstellung Belgiens und die Abtretung Elsatz-Loth- ringens gegen Entschädigungen ans Kosten Rußlands ange- boten haben. Das Anerbieten sei von England und Zta'xen für unannehmbar erklärt worden. Alle diese Meldungen sind frei erfunden. Ein Moskauer Kongreß gegen Demokratie. Moskau, 26. Oktober(Meldung der Petersburger Telegraphen- agentur.) In Gegenwart von inehr als 1000 Vertretern wurde hier gleichlaufend mit dem Petersburger Vorparlament ein Ksn- groß von Polititern, bejond ers von Vertretern riichr- demokratischer Seite eröffnet. Also ein Kongreß der KriegSwilligen! Und sein Berus wird etwa darin bestehen, den Verhandlungen des Vorparlaments, wenn sie allzu sehr nach links gestimmt ausfallen, prompt mit einem Echo von rechts zu antworten. Denn im Borparlament wird sicher- lich tüchtig Vorarbeit für die Dahlbcwegung zur Konstituierenden Versammlung geleistet werden. Umbildung der Arbeiter- unü Solöatenräte? Petersburg, 25. Oktober. Eine Meldung der Petersburger Tele- graphenagentur gibt einen auffallenden Leltaufiatz der„Jsvestija", des Blattes des Petersburger Arbeiter- und Soldatenrats, wieder, der das allmähliche Absterben der Arbeiter- und Saldatenräte be- spricht. Von 800 BczirkSrätcn zu Anfang der Neoolution seien viele verschwunden, andere beständen nur noch aus dem Papier, noch andere seien fast untätig. Ans de- Provinz kommende Vertreter bestätigten das Sinken ihres Einflusses und ihrer wirk- samen Macht..Jsvestija" gibt als Gründe an. daß»ich: die ge- s a m t e Demokratie in den Arbeiter- und Soldatenräten ver- einigt sei, sondern der zahlreichste Bevölkern ngSteil. die Bauernschaft, außerhalb stehe, daß in den großen Srädien die Intellektuellen und ein Teil der Arbeiterschaft ihnen nicht angeschlossen wären, welchen die Gewerkschaften genügten, daß füll das Gemeindeleben, das wirtschaftliche und soziale Leben all- mählich besondere Körperschaften erwachsen seien, während den Ar- beiter- und Soldatenräten Spezialisten und Sachkenntnisse für Miliz, Rechtspflege und Verpflegnngssragen fehlten. Diese ehemals brai-ck'- baren Kampforganisationen könnten nichts zum Wiederaufbau deS Staates beitragen und verlören damit ihre Daseinsberechtigung. Man müsse diese vorläufigen Bildungen durch eine dauernde Organisation für das politische Leben im Staate und den Gemeinden ersetzen. Derselbe Ar- tikcl ist in der„Soldatensiimme", der Zeitung der militärischen Ab- teilung deS Petersburger Arbeiter- und Soldatenrats, erschienen. ßrankreich besteht auf Elfaß-Lothringen. Barthous„Nein, niemals!" Paris, 26. Dfiobcr. sHavaZ-Meldung.) In der Kammer fragte Augagneur in einer Interpellation nach den Gründen, die Ribot und Mouiet zum Austritt aus dem Kabinett bewogen hätten. Hierauf bestieg Painlevs die Tribüne, kündigte an, daß er die Debatte über die auswärtige Polinl nicht wieder eröffnen werde. und fuhr kort: Woroui es augenblicklich üi unserer Politik ankommt, ist die Riicklchr Elsaß-Lothringens zu Frankreich, und hierfür müssen wir uns ichlagen und siegen. In der Debatte ergriff der neue Minister des Auswärtigen B a r r b o u das Wort. Er stellte mit Freuden fest, daß niemand davon iprecke, Rußland im Stich zu lassen, und fuhr fort: Wir sind einmütig darin, unser Vertrauen auf Rußland festzu- halten., kZwischenruk TbomaS: ES braucht wirksame Hitie!) Barihou fuhr fort: Frankreich hat niemals mehr Grund zu vollem Bertraucu auf den Sieg gehabt. Der Augenblick, wo die Ver- einigteil Staaken in den Kampf eintreten, und mittels einer be- wundarnswerlen Anstrengung un» Kriegsgerät und Soldaten schicken. die ihren Platz in unserer Front einnehmen werden, ist ein Ereignis, dessen Folgen unberechenbar sind. Barihou eignete sich dann die Tagesordnung der Kammer vom 5. Juni an, welch« die Notwendig- keil der Rückkehr Etsaß-LothringenS zu seinem wahren Bateilande, der Wiedergutmachung der angerichteten Schäden und von Bürg- schasten betont. Eksaß-Lottrinzen, da» sind vom Feinde besetzte Departements, die wir beireien und in ihr wahre« Vaterland zurückführen müssen. So stelle ich die Erklälung des Rechtes Frankreichs der Erklärung Kühl« manns im Reichstag entgegen. Frankreich kau» Deulschlaud lein Zugeständnis wegen Elsiiß-Lottiringen machen, nein, niemals Solange eine fianzvsische Faust ein« Flinre Halle» kann, werden wir die Unantastbarkeit des Gebietes, da! wir von unseren Vätern über- nemmen haben, vericidigkn. Elsaß-Lothringen ist Frankreichs Sckild und daS Sinnbild leiner Einheit. iBcifall.) Die Deutschen werden serner die ohne militärische Notwendigkeit angerichteten Schaden in den besetzten Gebieten gutmachen müssen, und man wird Bürgschaften gegen die Wieder- holmig solcher Kriege fordern müssen. Albert Thomas crllarte, Bartbons Selißerungen über Frankreichs Forderungen zuzustimmen; es sei der Ruhm Frank- reich?, die Politik deS SicchtcS. unabhängig vom Loi« der Schlachten. verltindigt zu haben. Wenn c? siearcick sei. solle Frankreich einen Frieden, gemäß dem Grundsatz des Rechles und entsprechend seinen alten Grundiayen diktieren. B a r l h o u sprach sein Erstaunen darüber auS, daß Thomas etwas Bestimm'.et über die Lürgichaften wiffen wolle, die man sordern müsse, um den preußischen Militarismus zu zerbrechen; eine Besprechung dieier Frage würde verfrüht und gefährlich sein. Daraus nahm die Kammer mit 288 gegen 137 Stimmen fol« geude Tagesordnung an: In dem Vertrauen zu der Regie- rung, das sie durch imincr siärlere militäriiche und diplomatische Tätigkeit und durch immer engere Verbindung zwnchen den Alliierten den endgültigen Sieg deS Rechtes sichern werde, geht die Rammer zur Tagesordnung über. tzeer gegen Regierung m Spanien. Rorterdaur, 25. Llrober..Daily News" erfährt au» Madrid: Tie Offiziere der Junta haben die Einladung des Komitees der Inf anrerietr-Uppen, eine Adresse an den König zu richten, angenommen. Dieses ist eine ungeictzliche Hand- lnng. In der Adresse wird der Rücktritt der jetzigen Re- gierung verlangt und auf die Notwendigkeit gründ- licher Veränderungen in den Regier nngSlreisen Kr. 295 ♦ 54. Jahrgang iwaro— Heilage öes Vorwärts Sonnabenö, 27. Oktober 7 � m»a x l übertroffen durch«die politische Wirkung, die dieser Partei- tag auslöst. Tic deutsche Sozialdemokratie war auch in den Zeiten £5«»»* j ihrei p�jtischcn Isolierung stets ein Machtfaktor, mit dem die Rc° Die..M ü n ch e n e r P o si" verweist auf die Umwertung gierungen uird bürgerlichen Parteien..rechnen mußten. Aber ihr oller hergebrachten Begriffe in der Partcrpolitik durch den Krieg: .Der Weltkrieg, der so vieles zersprengte, hat offenbar auch an der sozialdemolrotischen Partei setne große Explosivkraft bekundet und trenneirde Scheidewände hinweggeräumt. In der Tat urutzte der R e o i s i o n i st in diesem Weltkrieg erkennen, daß seine Grund- anschauung von der sich aus dem Wege der allmählichen Wirtschaft- ticken und politischen Machicroberulig vollziehenden Entwicklung durch die Kernschüsse dieses WeltkricacS zertrümmert wurde. lind der Radikale durste nun ruhig seine marxistische Formel von der Herspvengung der kapitalistischtn Produktionsweise durch die sich gigantisch ausreckenden Produktivkräfte als Leiche zu den vielen Leichen dieseZ Weltkrieges werfen; denn der werdende Sozialis- mus ersteht aus der Massenzerstörung der schaffenden wirischaf!-� liehen Kräfte und erwächst nicht aus einem.Zuviel", sondern aus einem Zuwenig an Produktivkräften. Er ist ein tatsächliches Er- zcugitis der Rot. Jftch: weil die bürgerliche Gesellschaft, wie es im Kommunistischen Manifest beißt,.zu viel Zivilisation", zu viel Lebensmittel und zu viel Industrie besitzt, geht.sie zugrunde, sondern weil sie nach der ungeheuren Vernicktung Wirt- schaftlicher Werte und nach der ricscnhaflcn Umwandlung von reichtumschasfender Güterberstcllung in wohlstandvernichtende Mordwaffenproduktion zu arm geworden ist, um die europäische Menschheit bei der alten kapitalistischen Organisation noch weiter menschlich erhalten zu können. Der Bruderkrieg zwi- schen Radikalismus und Revisionismus ist durch den Weltkrieg überwunden. Und eine gan�a Lftcratur revisionistischer und radikaler Streitschriften harrt jetzt des rück- sichtslosen EmstampferS. Dünn nur noch Lang das Sierbclied dtzs Revisionismus auf dem Würzburger Parteitage aus dem Munde «ineS K o I b, und fast unbeachtci baute ein L eil f ch seine marxistischen Konstruktionen in die leere Luft hinein..Heute stimmt Eunow mit David und Schcidemann mit Legicu zusammen. Die höchst e-geitwillige. noch von dunklen Jnstinktgcwalten beherrschte Ge- schichte hat stch nicht nach unseren revisionistischen oder radikalen Schreibtischerzeugnissen gekehrt und uns olle vor eine Situation gestellt, in der wir nicht theoretisch spintisieren, son- dern praktisch handeln müssen. Dieser Zwang praktischen Schaffens überbrückte bisherige Klüfte in der Partei. Das erklärt zum Teil die Geschlossenheit des Parteitags bei allen wesentlichen Abstimmungen." Auch die„Frankfurter B o l k s st i m m e" spricht über die Voraussetzungen der Uebernahme politischer Berant wortlichkeit: „Reu ist die viel stärkere Betonung des Glaubens und Willens zur Erfüllung des vorhandenen SiaatSorganiSmus mit jenem sozialen Geist, der der Sozialdemokratie erlaubt, am Staat und für den Staat Verantwortung zu übernehmen. Aller' ding» unter einer Voraussetzung: der Verantwortung mutz ein gleich großes Teil b e st i m m'a nde Gewalt entsprechen. Wie- weit unter kovitaliinschen Zuständen, unter denen die formale Demokratie sich umbiegt, Verantwortung und bestimmende Ge »alt sich reinlich decken können, das braucht jetzt und hier nicht erörtert zu werden: in jedem Falle werden die Erfahrungen dazu den Kommentar schreiben. Aber wenn auch die Tatsachen das letzte Wort sprechen werden, so ist doch einstiocilea die Berant- wortlichkeitsbereitschaft eine Tatsache, die schwer wiegt. In jedem Falle ist sie zu würdigen in Verbindung mit der Voraussetzung. Keine Verantwortlichkeit, vor ollem keine Teilhaberschaft an der Regierung, solange nicht die Verfassung demokratisch reformiert ist und der Äoltswille durch das Parlament wirken und Zusammen. setzung und Weise der Regierung bestimmen kann! Wieder stehen wir bor der Frage: wie soll das Zill erreicht werden? Der Parteitag hat sie nicht beantwortet: wie die Zukunft sie beant- Worten wird, dos wird zugleich das Schicksal der Partei entscheiden. Keine Partei gibt ungestraft ein..Ultimatum" wie da» von Würz Kräfte wurden durch den Widerstand aller abseits Stehenden paraly- siert. Mit der Aufgabe der grundsätzlichen Nega- tion tritt die Sozi aide mokrat.ie an die Spitze der polttrsch wirksamen Kräfte im Reich und vermag eine dcmok.ratische-und soziale Politik durchzu- setzen, welche die künftige:: ÄermpfeSbedingungelt wesentlich günstiger gestaltet." lO Gebote für Feldpost- Abonnenten! Gebot: Auch als Ssldai uniersiütze den„Vor- wäris". Gr istdasBtaii, welches Deine früheren Lniefeffen verirai, und erver- iriii auch jetzi sowohl Deine, wie die Zniereffen Deiner Angehörigen in der Heimai. bürg kund, wenn sie nicht alle und jede Kraft für die Erlangung des Zieles einsetzt." Auch die Gcaenfüßler in der Partei, die„Fränkische Dagespost" und der„Karlsruher Volksfreund" sind vom Verlauf des Parteitags befriedigt. Tie„T a g c S p o fr" schreibt: „Daß in der Mehrheit sehr verschiedene An- schauungen herrschen, lehrt jede genaue Betrachtung, so vor allem der Vergleich der Referate von Ebert und von David. Aber auch Genosse Lobe, der der GeneralstabSchef der Mehrheit weir, und mit den zahlreichen Unterschriften unter seiner Resolution entscheidend die Verhandlungen bestimmte, kennzeichnete deutlich dt« Mannigfaltigkeit der Anschauungen in der Mehrheit, indem er sich mit einer gar nicht zu überbietenden Schärfe der Ausdrucks- form gegen den Standpunkt der Genossen Lenich und Hcilmann wandt«. Genosse Cunow betonte ganz ausdrücklich, daß es heut« gar nicht möglich sei. ein dauerndes Programm an Stelle de» Erfurter zu setzen, weil alles im Flusse iei. Das ist ein Standpunkt, den die.Fränkische Tagespost" während de» ganzen Krieges vertreten hat.... Mag die andere Rich. tung in der Arbeiterbewegung noch so viel über diesen Parteitag grollen und höhnen, so kann doch der Würzburger Parteitag auch auf die Massen auf der anderen Seite wirken. Sichtbare Ar- deit im Interesse der Arbeiterklasse an Stelle gehässigen Streites muß die Arbeitersehast, welcher Rich- tung sie auch angehört, beeinflussen. So könnte aus dieser eifrigen Arbeit für die praktischen Aufgaben der Arbeiterbewegung, zu denen der heutige Teig drängt, auch eine innerlich beruhigende Kraft ausstrahlen." Und der„L olksfreund" bemerkt: „Mit beiden Füße» hat sich die Sozialdemokratie auf den Soden des Staates gestellt, den im Sinne der demokratischen und sozialistischen Prinzipien umzugestalten ihre geschichtliche Auf- gäbe ist. Die auf dem Würzburger Parteitag erfolgte Sanktio- nierung der Politik de» 4. August bedeutet mehr als die bloße Zustimmung zu der KriegSpolitik der Sozialdemokratie. Tic Politik de? 4. August war der Bruch mit einer historiseb schon lange überwundenen theoretlsckicn Auffassung, deren politische und tat' tiscbe Konsequenzen unhaltbar geworden waren. Die Sozialdemo- -ikratie hat den Mut gefunden, das scheinen zu wollen, was sie schon lange war, eine Partei der sozialwirtschaftlichen und politischen Reformen mit dem Ziele der völligen Umgestaltung der bestehenden Gesell- schaftSordnung. Sie hat dadurch ihren Charakter als r e V o- l u t i o n ä r e Partei nicht im mindesten eingebüßt. Revo- lutionär in den Zielen, reformistisch in den Mitteln zur Verwirk- lickung derselben wird sie ihrer gcichichtliehen Ausgabe in ungleich höherem Maße gerecht werden können, ells mit der politischen Methode, die in Würgburg endgültig als veraltet preisgegeben wurde und als d.ren Verfechter nur noch die„Unabhängigen" übrigbleiben." Das„Correfpondenzblatt" der GJeneralkommission der Gewerkschaften Deutschlands bemerkt endlich: „Angesichts dieser Entwicklung der Dinge und de? lang- andauernden Krieges ließ stch ein Parteitag, der der Partei den festen Boden legaler Beschlüsse wiedergab, nicht mebr hinaus- schieben, und der Verlauf d-S Würzburger Parteitags bat diese Erwartungen vollauf befriedigt. Schon an sich in ihre» Referaten und Debatten war diese Tagung«ine der glänzendstes in der Pa-t-igeschichtc; dieser Eindruck wird jcdpch Bestellschein für Abonnenten! Hiermit bestellen wir den„Vorwärts", Berliner Volksblatt, als Feldpostsendung. Das Bestellgeld von Mt. 1,30 pro Exem- plar und Monat---------------- folgt per Postanweisung. Truppenteil bezw. Adresse: roten„Tag" schreiben nacheinander ein National- liberaler und Freikonfervativer über die Würzburger Tagung — Beweis, wie nachhaltig und kräftig ihr Eindruck gewesen ist. Dr. Hugo Böttcher läßt sich folgendermaßen aus: ..... Ueberhaupt kann man dem Würzburger Parteitage die Anerkennung nicht versagen, daß alles mit höchster taktischer Geschicklichkeit aufgezogen wovden ist. daß die Führer klare Weg r i ch t u n g gezeigt haben und somit das Ganze nach außen einen starken Eindruck hervorgebracht hat. ES lag ein ge- wisser st a a t S m ä n n i s ch e r Z u g in den Reden und Beschlüssen: es gibt wohl keine andere Partei, die in der heurigen Zeit acht Tage beieinander bleibe» kann, ohne in Zank oder Flachheit zu verfallen, und die in diesem Piatzc die volkstümliche Behandlung der politischen Dinge mit der sachlichen Zweckmäßigkeit zu verbinden versteht." T-araus zieht nun Böttcher den Schluß, daß sich dos Bürgertum politisieren muß, um sich nicht von der Sozial- demokratic über den Haufen reimen zu lassen. Auch Freiherr v. Zedlitz und Neukirch lobt den Parteitag, um seinen Leuten graulich zu macheu: „Auf dem Würzburger sozialdemokratischen Parteitage war die Regie geradezu meisterhaft. Das muß unumwunden anerkannt werden. Manchem anderen könnte sie zum Muster dienen, ins besondere aber der R e i ch s l e i t u n g. Es wäre aber verkehrt. wollte man den unbestreitbar großen Erfolg de» Parteitages der iadellessen Regie ollein e-de.r auch in der Hauptsache zuschreiben. Die politische Führung der Partei st cht offen sichtlich auf derselben Höhe wie jene. Sie zeichnet sich durch Zielbewußtsein, E n t» schlossenheit und taktisches Geschick aus und hat dem- zufolge auch die Partei als willige und gsschlossene Gefolgschaft hinter sich. Man wird daher von dem Würzburger Parteitag noch mehr alS bisher mit der sozial- d em o kra t i j ch en Partei als einem starken politi- schen Machtfaktor rechnen müssen." Das ist aber für den erprobten Berfchwörergeist aller Rückschrittler nur ein erwünschter Anloß, alle Besitzenden gegen eine peinliche„Bcrmögenskonftskation" ins Bockshorn zu jagen. � m * Nach einigem nicht ganz entschiedenem Zaudern und Zagen geht nun die„L e i p z i g e r V o l k s z e i t u n g" gegen die Einigungsbestrebungen des Parteitags los: „Wir halten eine Eini-gung in gegenwärtiger Zeit wegen der tiefgehenden grundsätzlichen Gegensätze, die die Entwicklung zwischen uns und den Regierungssozialiiteu ausgerissen hat, für gänzlich aussichtslos. So boch das Gut der Einigung an- zuschlage» ist, mit der Aufgabe der sozialistischen Grundsätze würde sie die deutsche Arbeiterbewegung zu teuer erkaufen." Wenn sich die„Grundsätze" der Unabhängigen in niedrigen Löbncn und längerer Arbeitszeit ausdrücken wer- den. so werden sie wissen, daß diese Misere von jenen der- schuldet sind, die, um einen Irrtum nicht eingestehen zu müssen, die Arbeiterbewegung für ihre Sonderbestrebungen mißbrauchen. Wohin die Ve.rhlendung und der liebe Eigensinn fuhren, ergibt sich sehr deutlich aus folgender Beschimpfung der Sozialdemokratie durch den„Gothaer Generalanzeiger", einer Beschimpfung, die den Anzegrifsencn incht berührt, sondern nur ihren onnseligen Schreiber an den Pranger bringt: „Wir werden auch noch erleben, daß dir ehemalige sozialdmo- kratische Partei gegen die wirkliche Sozialdemokratie Ausnahme- gesetze und brutale Gewaltpolitik genehmigt und verlangt." Und das, nachdem die alte Sozialdemokratie für die braven IlnabHängigen die Pässe nach Stockholm erkämpft und im Verein mit bürgerlichen Parteien die Haase, Dittmann, Vogthcrr vor dem großen Bann bewahrt haben. Wir sind weit entfernt, jeden einzelnen Unabhängigen für diese Erbärmlichkeit hastbar zu machen, aber man sieht, wohin die Reise geht, wenn die Geister der Verleumdung einmal los- gegangen sind. Einschränkung des Militärurlaubs. DaS Kriegsministerium teilt mit, daß die neuen Maßnahmen der Eiienbahnverwalmnq. die auf eine Einschränkung dcS Personenverkehrs hinzielen, die Notwendigkeil ergeben haben, den Urlauber- vetkehr sowohl für daS Feldheer als auch besonders für das Besatz ungsheer bedeutend einzuichränken. Beim Feldheer wird die Urlaubsmöglichkeit etwa um die Hälfte vermindert werden. Beim BesatzungSheer wird HeereZangehörigen nur noch zu kriegS- und landwirtschaftlichen Zwecken, in dringenden persönlichen und Familienangelegenheiten, sowie zur Wiederherstellung der Gesundheu nach Verwundung oder Krankbeil Urlaub erteilt werden. Außerdem dürfen Mannschaften beurlaubt werden, die verwundet oder krank aus dem Felde in die Heimat zurückkehren, bevor sie wieder an die Front geschickt weiden, und ferner solche Leute, die daS erstemal in das Feld rücken, um ihnen noch einmal ein Wiedersehen mit ihren Angehörige» zu er- möglichen, vorausgesetzt, daß sie länger als drei Monate vom Eriatz- truppentcil aus keine» Urlaub erhalten haben. Auch für die Sonn- tage und für das Weihnachtssest kann von diesem Urlaubsverbot nicht abgesehen werden. Schließlich wird auch da-Z Publikum von der Heeresverwaltung aufgefordert, von einem Beiuch seiner in den Garnisonen stehenden Angehörigen an Sonn- und Festtagen ab« zusehen. DaS KriegSmittisierium schreibt, daß eS sich der Härte dieser UrlaubSbei'chränkungen voll bewußt sei, und es ist immerhin mit Genugtuung zu konstatieren, daß man sich in dieser Hinsicht keiner Täuichung hingibt. Bei der Aufforderung an die Zivilbevölkerung, während de» kommenden WinterS auf jeden Besuch ihrer feldgrauen Angehörigen in den Garnisonen zu verzichten, handelt cS sich naiür« lich nicht um einen Befehl, sondern nur um eine Bitte. Umtausch von Fleischkarten. Für die am 29. Oktober beginnende Fleischkarlenveriode können die Flcischkarten i» Berlin in der Zeit vom 2S. bis LI. Oktober bei den zuständigen Brotkommissione» gegen Bezugscheine auf andere Nahrungsmittel umgetauscht werden. ÄlS Ersatz für Fteiklb werden in der Hauptsache Teigwaren, soweit vorhanden, auch Graupen. Gerstengrüve oder Haferfabrikatc ausgegeben, und zwar auf die Vollkarte 2Z0 Gramm, auf die Kinderkarle i2S Gramm wöchentlich. Der Warenbezug ersolgt wie bisher aus den bekaimten, besonders kenntlich gemachten Geschäften. Zum Umtausch berechtigt find diejenigen, die sich bei ihrer Lrollommission zur Eintragung in die Liste gemeldet haben oder nachträglich von der Abteilung siir Fleischversorgung zum Umtausch zugelassen worden sind. Wer di« Anmeldung seinerzeit ohne sein Verschulden(z. B. infolge Ärankheik oder Abwesenheit) versäumt hat, kann den Umtausch ebenfalls in der Zeit vom 29. bis 31. Oktober während der Dienststundeii von 8— 3 Uhr im Bureau für Fleischversorgung, Stralauer Sir. 3—6. bewirken._ Ncuaumcldung zur Speiscfcttliste in Groß-Bcrli«. Mit Rücksicht aus den Okloberumzug und zahlreiche Wünsch« sinder vom Montag, den 29. Oktober bis Sonntag, den 4. N o- V e in b e r eine Neuanmeldung zur Speisefeltkundenliste in den sechs Groß-Berlinee �tadtgemeindeli und an 25 Gemeinden(Äutsbezirken) des Landkreises Teltow statt, die zur Fettstelle Groß-Berlin gehören. Auch wer bereits in eine Kundenliste eingetragen ist. hat sich von neuem anzumelden. Frisiversäumnis hat Ausschluß vom Speiseiett- bezug für mehrere Monate zur Folge. Die neue» ÄundenUsten gelten jedoch erst vom IL. November ao. Die Konsumgcnofscuschaft im 3. Kriegsjahr. Die Koniumgeuosjenjchajr Berlin und Umgegend haue i» ihrem Geschäftsjahr 1916/17(1. Juli 1916 bis 30. Juni 1917), das sich ungefähr mit dem 3. Kriegsjahr deckt, eine Minderung der Mitglieder. DaS Geschäftsjahr begann mit 110 467 Mit« gliedern, hatte einen Zugang von 4980 neueinlrelenden, einen Abgang von 732S ausscheidenden(darunter 5141, die ausgeschlossen wurden, weil sie seit 3 Jahren keiue Marlenblülter abgeliefert halten) und endete mit 108 122 Mitgliedern. Während die Mitgliederzahl im ersten Kriegsjahr noch um 7781, im zweiten sogar um 16 172 stieg, ging sie im dritten um 2345 zurück. Zur Erklärung des Rückganges hebt der Geschäftsbericht unter anderem hervor, daß eine Agitation sü? die Genossenschaft aus bekannten Gründen nicht entfaltet werden konnte. Trotz Mitgliederniindernng ist der Betrag d e S Um« f otzeS der 134 Verkaufsstellen noch weiter gestiegen: er stellte sich für daS vorletzte GeschäftSjabr aui aunädernd"24V4 Millionen Mark, für das letzte aus über 26st„ Millionen Mark. Aber diese» Mebr von wieder noch reichlich 2� Millionen ist nicht ans einer Mehrimg der umgesetzten Warenmenge zu erklären, sonder» leider auS der fortschreitenden Verteuerung der Lebens- mittel, gegen die in der KriegSzeit begreiflicherweise auch die Konsumgenossenschaft machtlos ist. Den Milgltedern soll auf den rabattbcrechtigten Umsatzbetrag wieder, wie seit einer Reihe von Jahre», em Rabatt von 4 Proz. gewährt werden. Von den Produktivbetrieben der Genossenschasr sei hier nur die Bäckerei erwähnt, deren Umtay mit diesmal über 8 Millionen Mark noch um ziemlich Ifl� Millionen Mark höher als im voi hergehenden Jahr war und ollein volle drei Zehntel des Gesaniluin'atzeS ausmachte. Gerade in der KriegSzeit hat die Eigenproduktion der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend sich als ein Segen für die Mitglieder erwiesen. 25 Jahre Stadtverordneter. Heute, am 27. Oktober, sind cS 15 Fahre, daß unser Genosse Bruns in die Stadtverordneten- Versammlung von Berlin eintrat. Er wurde im Herbst 189Z als Dreißigjähriger von dem damaligen 26. Wahlbezirk der dritten Klasse in einer Ersatzwahl zum Stadlverordneten gewählt. Nach der jetzt geltenden Wahlbezirkseinteilung vertritt er den 19. Wahl- bezirk der dritten Klasse, der die»n Osten der Stadl liegenden Stadtbezirke 181-1, und O bis IL umfaßt. Genosse Bruns beteiligte sich au den Arbeiten der Stadtverordnetenversammlung von Ansang an sebr rege. Im besonderen widmete er sich sogleich der Föidc- rung deS Bousbibliothekswesens, das damals sehr im argen lag. Seine Bemühungen um da? Zustandekommen von Lesehallen sind in der zum sünszigjährigen Jubiläum der Berliner LoUSbiblwihele» im Ja�re 1000 cifdbicntnen Festitbrift dcs Magistrats ancrkcimend bclvorgckobcn lvordc». Im Laufe der Jahre hat Bruns in vcr- schiedencn lvichtigen Zweigen der Gemeindeverwaltung sich betätigt. Jetzt ist er Mitglied im Kuratorium der Stadtbibliothek, der Volks« bibliolhekcit und der Lesehallen, in der Waisendeputation, in der Vcrkchrsdcpulatio!,. in der Nunstdepuiation und in der Sckul. dcputalio». in die er als erster und bisher einziger Sozialdemokrat hineingelangte. Seit einer Reibe von Jahren bat er in der sozial- demolralisSen Stadtveroldnetensraklion das Amt des zweiten Vor- sitzenden. Dem Vorstand der Stadtverordnelenversautmlurig gehört er als Beisitzer an. Städtische Badeanstalten. Von den Stadtverordneten Bar- kawsti und Genossen(Soz.) ist der Sladtvcrordnetcn-Bersammlung Berlin folgender Antrag linierbreitet worden:.Die Stadt- Verordiieten-Versamnilung wolle beschließen, den Magistrat zu er- suchen, die slädiiichcn Badeanstalten mir größter Beschleunigung wieder zu öffnen.' Gcwcrkschaftöhaus. Wir werden� darauf aufmerksam gemacht, batz es sich bei dem im Jitseratcr�eil de� gestrigen Nummer an- gezeigten K ü n st I e r a b e n d de?..Berliner dritten Wahl- kreis es' nicht um eine Veransiallung unserer Parteiorganisation, sondern der Unabhängigen handelt. Ter Sportpark Treptow bringt an seinem 30. Renntage ein neues Programm. Am Start erscheinen die Schrittmacher Krüger, Bajorath und Kä'cr, ihnen sind die Wahrer Bauer, Krupkat und Pawke beigegeben. Es finden drei Läufe über je 80 Kilometer statt. Außerdem lverdcii Riitt und Lorenz gegen Abraham in drei Läufen antreten. Tie Rennen beginnen wieder um 2l/j Uhr. Heimliche Schtachtunzei» und Schleichhandel. Bei verbotenen Schlachtungen wurden in dem Laubengelände am Hohenzollerndamm von Beamten de? ÄriegSwucheranUeS folgende Personen fest« genommen und. in das Umersuchungk-gelängniS eingeliefert: der Schlächter Griep. Pfabchurger Str. 5; Molkercibesitzer Grucza, WilincrSdors, Berliner Str. öl; Viehhändler Lehmann, Wilmers- darf, Maxirr. 42; sxuhrhalter JendeczcrkowSIi, Halensee, Schweidnitzer Str. S, und der Portier Ganzer, Charlollenburg, Kneiebeckstr. 43. Als Abnehmer des FikiicheS wurden einige Schank- Wirte des Berliner Westen? ermittelt, als Schleichhändler der Kutscher R u ß p i ck e r. Kursürsiendamni 43. und der Maler Wieg- mann, Ebarlottenburg, Goelheslr. 41. Wieginann verschob auch zn hohen Preisen große Mengen von Kartoffel», welche wahr- scheinlich au? Diebstählen herrühren und die er von dem Kutscher Kollok, Ehartoltenburg, Knobelsdorffstr. 43, erhielt. Wegen Lieferung der Schweine zn Wucherpreisen'uerdcn sich vcr Gericht zu veranlloortcu haben: der pensionierte Obcrposischaffner Li er- mann, Wilmersdorf, Sigmaringerstr. 18, der Schankwirt Walter, HubertuSbader Str. 3, der Händler Krieg, Groß-Kienitz bei Dahleivitz, der Viehhändler Hake low, Teltolv. Es konnten noch 188 Schweine und ein Zentner Seife beschlagnahmt werden. Eine Bluttat bei Werneuchen belchäftigt jetzt auch die hiesige Kriminalpolizei. In der Nacht zum ftreilag voriger Woche erwachte der Siiesvaler des Gutsbesitzers Köppe-Brink zn Wengendork bei Werneuchen durch ein Gcräuich au der Scheunenlür. Der alte Mann stand auf und gmg bis an die Tür deö WohiihauseS, die irach dem Hofe führt. Hier blieb er, ohne zu öffne», stehen, um weiter zu| höre», was es gäbe. Es waren Einbrecher auf dem Hofe. Diese! waren durch das eutzündeie Licht anrmerlfani geworden, muteten jemand hinler der Tür und eröffneten auf diese ein startes s�eucr auS ihren Schußwoffeir. Eine Kugel drang durch die Füllung dem alten Mann>n den Unterleib. Ter Getroffene brach zusammen und starb nach wenigen Tagen an den Folgen der Verletzung. Nach allen Feststellungen hat man es ohne Zweifel mit Berliner Ein- brecherir zu tu», die es aus LebenSiniltet abgesehen haben. Aus ihre Ergreifung ist jetzt eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt worden. Alle Mitteiluiigen, die zu ihrer Ermittlung führen köiuiru, nimmt Klimlnatkomnrissar Gennat entgegen. Ausgegeben werden in der nächsten Woche: 1lt Pfund Marmelade auf Abschnitt 7t der Nädrmiltetknrie und 1it Pfund Buchweizenmehl auf Abschnitt 22 der Nähr, nittelkarte für Jugend liche. Am 27. Oktober läuft die Frist iür die Neueintraqung zur Karloffetkundentiste ab, die zur Butterkundenliste ist vom 20. Oktober bis 4. November zu bewirken. — Tringlichkeitsaiitrag zur Müllbcscitigung. Der Hau? baltSauSschuß der Stadiverordnetenveriaininlung hat in'einer letzten Sitzung außerhalb der Tagesordnung sehr eingebend die Frage der mangelhaften Müllbe'eitigung erörtert. Bon verschiedenen Seiten wurde auf die großen Gefahren für die VolkSgetundheit bin gewiesen, die durch die Ablagerung dcs HauSmülls auf den Höfen entstehen können. Die vom Magistrat in dieser Angelegenheit bisher getroffenen Maßnahmen wurden als nicht ausreichend erachtet. Der Ausschuß beschloß daher einstimmig, der Ciadlverordlicle»- Versammlung die Annahme kolgenden DringlichkeitSantrageS zu emvkehleri: Die bisherigen Wege zur Erreichung einer geregelten Müllabfuhr versagen. Die Gefahr aber, die der Gesundheit der Bevölkerung droür, ersordeit dringeiid und schleunigst Abhilfe. Diese Hilse kann nach Lage der Sache nur von feiten des Oberkommando? kommen, indem dieieS Autos. Benzol und im Notfall Arbeitskräfte zur Verfügung stellt. Der Magistrat wird ersucht, bei dem Ober- lonimando beichlerniigt vorstellig zu weiden.— Inzwischen hat der Magistrat auch seinerieits besästosse», CO 000 M. zur schnelleren Ab- rühr des HausmüllZ und für die Anschaffung von zwei Benzinkrail- wagen zu bewilligen.__ Wilmersdorf. Lebensmittel. Für jede? Kind iin Alter vom vollendeten 10. bis zum vollendeten 11. Lebensjahre gelangt dein- nächst kondensielte Magermilch zur Ausgabe. Die Entnabnre darr nur nach vorangegangener Anmeldung mirlelS besonderen Vordrucks er folgen, die den HauShaltungsvorständcn heute und Montag ein- schließlich von der zuständige» Brottominission ausgehändigt werden. Die Anmeldung ist vom 80. Oktober bis einschließlich 2. November in einem der' ans den Vordrucken bezeichneten Milchgeschäften zu bewirken. Die Entnahme der Ware hat in der Zeit voin Sonn- abend, den 10., bis einschließlich Sonnabend, den 17. November, zu geschehen._ Kreis Niederbirrnim. Aerztemangel in de» östlichen Bororte». Die Ottschaften Mahlsdorf, Kaulsdors. Hoppegarten, Dahlwitz und Neuenhagen mit zusammen 13 000 Einwohnern sind ohne ärztliche Hilfe. Die beide» für Mahlsdorf, Kanlsdorf und Hoppegarten zu- ständig gewesenen Äerzte befinden sich seit Kriegsausbruch im Felde, der einzige Arzt in Ncuenhagen ist jetzt auch einberufen worden._ Niederschönewripe. Kommunaler Acpfelwuchcr? Von einem dortigen Leser wird uns geschricbelt:„Bor einigen Wochen hat die Gemeinde Aepfel gekauft für 3ö Pf. pro Pfund, bmi denen wohl nur wenige Einwohner welche erhalten haben. Der Aepfelverkans lvurde plötzlich eingestellt und behauptet, die Aepfel wären alle. Von einem Bekannten erfuhr ich. daß noch genügend Aepfel in der Turnhalle lagerten. Als meine Frau sich nun nackt dort aufmachte, wurde ihr mitgeteilt, die Acpfet würden jetzt noch nicht verkauft, alter wenn sie 1,20 M. für das Pfund geiben wollte, könnte j sie welche haben." Wir wollen es zunächst der betr. Gemeinde überlassen, sich dazu zu äußern. Diedrichshagen. LebenSviittel. In der LsbenSmittekvcrkailfS- vcr- j Uklle der Gemeinde kommen honte zum Verkauf: Mohrrüben, Rote Charlottenburg. Fleischkartemmtiiusch. Mit Beginn der neuen Fleischkartenperiode am 29. Okiober wird erneut der Umtausch der Fleischkarien statifinden. Auf eine Vollsleischkane für 250 Gramm Fleisch werden 250 Gramm mehlhalrige NohrungSniiltel, für eine Kinderflcischkarte die Hälfte der genannten Nahrungsmittel gewährt. ES werden nur die vollen Reichsfleisch- karten»ingetauscht. Der Umtausch der Flen'chkarten findet vom 20. Oktober bis 3. November Buchstaben- und tage- weise geordnet nur von 8'/, Uhr vormittags biZ 3 Ubr riackrilittagS in den Ausgabestellen I lLützow II. Laden) und II (Tun, balle der Elisabethschnle) gegen Vorlage der FamilienauSweiS- karte stall. Um eure glatte Abwickelung des UmtauschgeschäslS vor- nehmen zu iönirelt,>vud besonders batnuf hingewiesen, daß die für die einzelne» Bulvftaben bestimmten Tage für den Umtausch auch genau iiinegchallen werde» müssen. Die mehlhaltigen NahrungS- mittel können in den durch Aushang leuntlich geinachten städtischen Verkaufsstellen entnommen werden. Echöneberg. Lebensmittel. Von Sonnabend, den 27., bis Dienstag, den 80. Oktober, findet die V o r ci n in e l d u« g statt für: 1/1 Pfund Grieß auf Abschnitt 72 der Nährmiitelkarl« und'/z Pfund Kunsthonig oder Vj Pfund AuSIaiidsmarmelade auf Abschnitt 73, serncr eine Dose kondensierte Magermilch oder 100 Gramm Voll- inilchpnlver auf Abschnitt 28 der Rährmittelkarte für Jugendliche. Rüben. Gänse und Ente».— Bon Fremden werden oft Lebeusl mittel in unserer Gemeinde ausgekauft. Es sind deshalb bei jedem Einkauf die Lebensmittel- und Kohleiikarten vorzulegen, und zwar beide znsamnien. Groß-Serliner Partemachrichten. Lberschöuewcide. Sonntag, den 28. Oktober, abends 7 Uhr. findet im Restaurant Ladeivig, Laufener Str. 5, eine Zusammenkunft der Mitglieder und geladenen Gäste statt, in welcher Genosse Wissell über den Würzburger Parteitag sprechen wird. Es können Aufnahmen dorlsclbst gemacht werden, auch werden Beiträge entgegen genommen. NowaweS. Sonniag, den 23. Oktober, nachmittags pünktlich 2 Uhr, im Lokal von Max Singer, kleiner Saal, Mitglieder- Versammlung des sozaildemokratischeir Vereins mit folgender Tagckordirung: 1. Bericht vom Parteilag in Würzburg, Referent: Genosse Krüger- Eöpcnick, 2. Geschäftliches, 3. Verschiedenes. Gäste haben Zntrilt.__ Gerichtszeitung. Ter Frauenarzt auf der Anklagebank. In dem Disziplinarverfahren gegen Prof. Dr. Mar Henkel, den Direktor der Feauenliinil der Universität Jena, wurde die Ver- nehniung der Zeugen und Saibverständtgen sortgesetzt.— Prof. E n g e I 5 o r n, der während der Zeil der Amtsenthebung des Prof. Henkel die Jenaer Frauen tlmik leitet, bekundet, daß er bei seinem AmiSantrill die SäugltngSsration in großer Unord- nutig vorgefulide» habe. Die einsachslcn Tinge, die jeder Haushalt mit Säuglingen besitze, hätten in der Klinik des Prof. Henkel ge- fehlt, vor allem eine ausreichende Anzahl BaHen. Außerdem fci daS Personal den Anforderungen in keiner Weise gewachsen ge- wewn. Der Zustand der Säuglinge war deSbalb ichlewt und die Sätiglingssterblichkeir in der Jenaer Klinik weit böber als die durchschnittliche SäuglingSsterbtichkeit im Reick. Professor Henkel habe unverhälinismäßig viel operiert, nnd zwar auck in Fällen, wo nack der allgemeinen Ansicht der GynLlologre eine Operation nickt nötig gewesen wäre.— Professor Henkel entschuldigt sick mit dem Hinweis auf die weitgehenden baulichen Veränderungen, die er auf eigene Kosten in der Säuglings- ''talion und der Franenklinik habe vornehmen lassen nnd bestreitet die einzelnen Behanpiungen.— Geheimrat Professor B i n§- w a n g e r weist als Mitglied des VerwalliingsdirelroriiimS der Universität Jena die Behauptung Henkels zurück, als ob das Ver- ivaltungSdirektorium nickt die notwendigen L�irtel für die Säualtngs- station zur Verfügung gestellt habe. Professor Henkel habe auS eigener Taicke nur Untersckleife gedeckt, die infolge inangelbafier Bitchführung der Vorsteberin einer Abteilung hätten entstehen können. Darüber hinan? habe Professor Heitkel niemals ans eigenen Mitteln Tankend« zur Verfügung zu stellen brauchen.— Professor Henkel erwidert, er wolle nicht bestreiten, daß die weimarische Regierung nach besten Kräften alle notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt habe.— Geheimer Medizinalrat Gumprecht, der als Vertreter der weimartichen Regierung den Verhandlungen beiwohnt, erklärt daß alles Noi- wendige stets angefchafil sei. Prpfessar Henkel habe nur für die Tinge Geld onZ eigener Talche gegeben, die ihn persönlich be- sonders intereisieri' haben, die ober nickt unbedingt notwendig Waren. Für die SäuglingSstalion seien besonders reichliche Mittel gewährt worden.— Bei der Vernehmung de? Prof. Busse, der unter Professor Henkel als Assistent tätig war. kommt zur Sprache, daß ein- mal die Operation einer Frau, die rirspriinglich für einen späteren Tag onge'etzt war, früher vorgenommen worden ist, um eine nr Laien das Zuschauen zu ermöglichen. Es Habesich um einen lippischen Prinzen gebändelt, der sich gerade in Jena aufhielt. Da iin Augenblick kein anderes Material für eine Operation vorhanden war, sei einer Frau, die eben er st gefrühstückt hatte, der Magen ausgepumpt worden, nur nrn auf der Stelle die Operation an ibr vornehmen zn können. Die Frau fei etwa eine batbe Stund? nach der Operation g e- st o r b e n, wie man annimmt, an der Narkose. Ausführliche Erölterungen entstehe» über die Frage, ob Professor Henkel bezw. die Assistenten in seiner Abwesenheit nicht nur auS medizinischen, sondern auch anS sozialen Gründen Schwanger- schaftSuttterbrechlliigen vorgeiromnie.r haben. Der Ver- trcter der Anklage trägt hierzu vor, daß Professor Henkel vor mehreren Jahren in einer Veröffentlichung im Archiv für Gynäko- logie sich dahin ausgesprochen hat, er müsse derjenigen Behandluirg den Vorzug geben, die s e i n e meist den ärmeren Klassen angehörenden Patientinnen in kürzester und stchersler Weise wieder arbeitsfähig mache. In einem anderen Fall habe Professor Henkel eine Frau operiert, die eine Verwandtenehe ein« gegangen lvar und bereit? zwei idiotische Kinder zur Welt ge- bracht hatte, um eine weitere Kindererzeugung dieser Frau zu vir- hindern. Von besonderem Interesse ist die Aussage deS Professors D ii r ck. der vor mebreren Jahren als Anatom an der Jenaer Univerfiiät tätig war und der in dieser Eigenschaft die Leichen der in der Henkelschen Klinik verstorbenen Frauen zu sezieren hatte. Er bekundet, eine Häusnng von Bau chsellenizün düngen beobachtet zu haben, die ausschließlich die Folge der opera« live» Eingriffe der Frauenklinik waren. Arn schliininsteit liege ein Fall aus dem Jahre 101 l, bei dem die Obduktion als Todes- Ursache eine ttiprsche Bauchsellentzündiing nach einer Operation er- gab. Die Diagnose lautete bei diesem Fall auf Lungentuberkulose, die Sektion aber ergab, daß am ganzen Körper kein einziger Tuberkel- Herd vorhanden war. Die Frau sei also all der Banchsellent.züiidimq gestorben, die die Folge de» operativen Eingriffs war.— Prof. Henkel führt hierzu anS. daß er aus Grund des ihm über dielen Fall vorliegenden Materials an einen Fall schwerer Lungenblulung habe glauben müssen._ �ugenüveranftaltungen. Tcköiielierg. Slrbeiter-Jugend. Sonntag, den 28. Oktober: F-rei- Tag.— Aültinoch, den Nt.: Slußerordentliche Abonnenten« B c r j a u, oi I u ii g. Gäste sind bei allen Veranstallungeii willkommen. ÖriefPofien der Redaktion. F. W. 28. 1. Die Miillärbehorde veranlaßt die Anfertigung. 2. fssf nicht von öffentlichem Interesse.— Ezenftochau 3. t. Nein. 2. Leider ja. wenn ausreichende Gründe vorhanden sind. TieS dürste bei der Tochter zulrefscn. 3. Zum Kündigungstermin laut Pertrag ja.— Wisse» 15. 1. Kau» jederzeit niederlegen. 2. Odem le), das Durch- lränklsein von Biiidegrivebe»ist wässeriger, aus den Llutgeiäßeu ausgc- trclcncr{jlöifigfcit. Odcm ist olto glelchbedenlelid mit Wassersucht der ffic webe.— 2tn,Htfor 2fr. 51. Ihre Mutter hat Aniprilch ans Witwenrente. I. B>. Jbre Mutter soll Antrag bei dem Eriatztruppenleil stellen, welchem Ihr Binder angebölte. Dieie hat zu eniicheiden.— E. P. 70. 1. Kein. 2. Ein Jahr. 8. Ja, aber durch Ihr Kommando.— St. Z. 78. Das kommt ganz aus die Lazarettnebtvaltuiig an. Eine Nachliesernng haben Sie nicht zu verlangen.— Ss.&• Str. 37. 1. 4 vom Hunderl. 2. Ja.— DVceierauSftchre» Orr das»ittttere»torddenetttitand vi« Ton» tag»liteag. Ziemlich kübl, zeinveise heiter, jedoch vorwiegend bewölkt, mit»reist geringen, nur iin Nordwesten stärkeren biegensällen. , verdsnS der Galt- und f Schanhwirte Dcutfctzlands.| Zahlstelle Berlin., Den Mttgltedern zur Nnch- I richt, daß her Kollege Frsnz; Moiie I Gboriucr«lr. 61, Bezirk II, I verstorben ist. 150/16 ! Ehre seinem vludenten! | TicBecrdigulig findet beute ! Sonnabend, den 27. Oktober, | nachmittags 4'/. Ubr. von bev I Halle deö Zion« Kirchhojeö | ui Nordend aus slott. Tie Lrtsverwaltung. Als Opjcr dcö Welttricgcs fiel am U. Oktober 1917 nach 3 Jahren 2 Monate» schweren Kämpfen durch Gianattibiiß nieiii inuig- geliebter Mann, unser lieber Sohn.Echwiegersobii, Bruder Tchwaacr und Onlel. der Erjad-slcieroitt>17» bsensck Ritter de« Eisernen Kreuzes im 35. Lebtntjahre. Dies zeigen w ticsstem Schmerze an Frau Eugenia Baensch. geb. R a s c n a ck, uebst Eltern.Tchwirgclclierii, Schwager und Jamilir. gotel, Pros. Die sexuelle Frage. Volksausgabe 2.80 M. Auchhandkling Vorwärts, Lin- dcnstraße 3. Mittwoch früh 8'/, Ikhr verstarb plötzlich meine liebe I Fiau, unicrc gute Mutter I und tttroßmuttec Astosis SWl im Alter von 61 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Ok- tobcr, nachmittags 3 Uhr. von der Leichelihalle des Freireligiösen Fricdboses, Pappeiallee 16/17, auS statt. Nculölli:, Rcutersir. II. Die trauernden Hinter- blieben« tt. Otto Engel nebst Tochter, Schwiegersohn nnd Entelin. llva� sSSarU-nlnndparzi-llVti in Kultur am Bahnhof lichter- leise■ Süd verlaust gnufita Varz, Llarlvttcnslraße 55 I.' l'abi-ik und l-ag/vi' Iferlig. Pelzwaren | jeder Art, von den ein- 1 fachsten bis zu den 1 elegantesten. Taueonde Sachen auf Lager. Auch Finzolvcrkanf zu billigen Preison. Garantiert streng reelle Ware Sonntag». geüUaot. Ferdinand Kalmana| Kürschnermeister 8 InurKommandantenstr.lS, IE H 1 Kein Laden. Gegenftbori I Beuthstr. Tel.: Zentr.287, 1 Gegr. 1894. J Neueste Formen! mit breiten PelxbesHtzen 1500.— 3200.--. la Setdeuplüsch, Astrachan-. Mühaiq>lüscb 600.— iäO.- üoa- U.'ö.- ISO.-. Fessle Felzoiäntel beste Pelle Seal Electiic, rereiauei K«ue Eidkreui deruuler Pr.chtilficlte. Feizgelüttai te iliüitcl, la Aus.'ilhning. Bszugsquellea-i/erzelctinis Beriln-SOden j Flelaoh-u. Wuratwar. j IjPaui Miller, Ffeepstr.�S tt idl g. ,'k oTeml a'l«r «KMcdMMIS?! BÜläiEEäHi Bezugsquelien-Uerzsictinis ||| i Saelin. 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Heute bekommt man ein Fünftonnen-Un» getüm mit Elsenbereisung in die Hand gedrückt— und nun fahr' loS sürs Vaterland. Dazu stelle man sich recht angenehme Wegeverhält- nisie vor. mehr Löcher als Wege, und fahre eine solche'.übliche Nachriahrl*. Schon nach drei Eiunden bat man das Gefühl, als ob dos Gehirn einem in die Gegend des Magens gerutscht sei, und nach sechs SUmden ist man mehr Fragezeichen als Mensch. Man tut dem Kiaslsohrer bitter unrecht, wenn man sich ihn im Felde, wie eö meist geschieht, mit einem eleganten Tcurenwagen mit höchster Pierdestärke dahinrasend vorstellt. Das Leben und Treiben hinter der Front ist gewissermaßen das Barometer für kommende Ereignisse a» der Front. In unserer Gegend ver'prach cS wieder einmal rn absehbarer Zeit.Sturm". recht viel.Sturm" zu geben. Der Frontbarometer stand direkt auf kritisch: neue Formationen aller Waffengattungen waren in stän« digem Zuzug. Eines Nachmittags vor der Ausfahrt setzte unS der Führer vom ungefähren Siand der Dinge vorn an der Front in Kenntnis: Schwer würde auch unsere Aufgabe sei»; wenn wir auch kaum Gelegenheit finden würden, mit der Waffe in der Hand dem Feinde gegenüber zu treten, so sollten wir doch die Wichtigkeit unserer Formation stets vor Augen behalten; die Artillerie sei auf Munilionsiiachschtlb durch uns angewiesen, durch jede Gefahr ginge unser Weg noch vor», und damit Gott befohlen. Seine kurzen Worte waren von dem dumpfen, fernen Nollcr: des Geschützieucrs begleitet gewesen, unsere Wagen waren in der Zwischenzeit mir Munition beladen worden, dann ging eS loS ins graue Ungewisse. Wie da die Nerven angespannt waren I Wir baben keine Eisenbereiiung gespürt, auch keine Löcher im Wege, sie schienen an diesem Abend gar nicht vorhanden zu sein. Nur ei» Gedanke beherrschte unS: möglichst schnell mit der gefährlichen Ladung nach vor»! Nicht nach rechts oder links sehen, einzig daS graue Band der Chansiee. das in der Mondhelle deutlich genug her» vortrat, hatte Interesse für unS. I», deutlicher, inimer aufdringlicher, bald näher, bald ent- fernter machte sich das jähe Auszucken und nervenzerreißende Rollen der seindlichen Einschläge bemerkbar. Lag da« Hauptseucr vor oder binter der Batterie, der wir Munition zuführen mußten? Zur Orientierung und vor allem zur Sammlung aller vorhandenen Äräsle machten wir tür kurze Augenblicke halt, mochte komnien, was da wollte. Die Orientierung war zum Glück schnell gefunden. Wir balte» zufällig in der Nähe eines Seitenwege«, der luiler Hand zu einem Jnfanterielager führte, angehalten. Bon hier waren eö noch ungefähr drei Kilometer bis zur Batterie, die meisten.Ein» schlage aber lagen dedentend näher. Die Batterie befand sich also hinter dem Feuergürtel. und wir mußten diese Höllenzonc mit unseren graiialenbeladeneti Wagen durchqueren. Also eingekuppelt— LollgaS— kurz nochmals an daheim gc» dacht— und los ging es. Nur die Ruhe bewabren. Warum zitterten bloß die Hände, die sich fest um das Steuerrad geklanunert hatten, war man denn nicht niehr Herr über feine Nerven'? O ja— nur Ruhe, es ging schon wieder. Bald mußten wir an unserem Ziele sein. Plötzlich in weiter Ferne auf der Höhe wieder MündungS- feucr. Krachende Einschläge rechts und links, Splitter surren in der Luft, die Hölle scheint für kurze Augenblicke auf uns losgelassen zu seirr. Das Herz klopft einem in der Kehle. Hat man es denn ausgerechnet aus uns abgesehen? Eben wieder— Aufblitzen— Heulen— Einschläge vor uns. Ein Treffer— und von Wagen und Menschen---, aber fort mit dem Gedanken! Und da« feindliche Feuer hört ebenso plötzlich auf wie es eingesetzt halte. Bald darauf sind wir am Ziele. Da« Abladen ist daS Werk weniger Minuten und nach einer schleunigen Rückfahrt gelangen wir wohl» behalten in unserem Quartier wieder an. Die folgenden Nächte Verliesen in ähnlicher Weise. Mit wenigen Verlusten haben wir damals die Offensive überstanden, aber auch mit dem Bewußtsein, daß wir Krahsabrer unS der Infanterie an Mut und Ausdauer im Dienst als ebenbürtig gezeigt haben,(z) Eine unbekannte Erzählung Gskar Wilöes. In einer neuen, in Paris erscheinenden Zeilschrift.LeS SolsticeS" gib: ein Freund Wildes aus seinen Pariser Tagen eine unbekannte Geschichte de« englischen Dichter« wieder, die die ganze tiefsinnige Anmut des Wildeichen Stils offenbart. In einer Bar erzählte Wilde 18SS den. Freunde, als sie beide schon in sehr angeregter Stimmung waren, dies kleine Meisterstück: .Ein berühmter Gelehrter hatte die selbsitSiige Bewegung entdeckt. ES war«ine außerordentliche wissenschaftliche Tat. Um sie bekannt zu machen, rief er die Akademiker, daS Parlament und den König zu einer feierlichen Sitzung zusammen. Die Ankündigung lautete: Auf einer großen Fläche wird sich eine große Kugel ohne treibende Krast in Bewegung setzen nnd rollen. Am Morgen der Sitzung befand sich der Gelehrte in großer Ausregung. Wenn er sich nun doch in seinen Berechnungen geirrt bäite, dann hätte es ein Ende mit seiner Berühmtheit, alle seine fleißigen Arbciien wären vergeblich. Als der Gelehrte das alles gerode überlegte, kam ein kleiner Junge vorüber. Er rief ihn heran:.Du bast gewiß Murmeln, Zuckerplätzchen und Kreisel sehr gern, nicht wahr, und vielleicht auch anderes Spielzeug und andere Süßigkeiten? Um Dir all das zu verdienen, gehst Du kurz vor SUhr in den Stadlpark, wo Du eine große Kuael sehen wirst. Sie ist hohl. Du wirst durch da« Loch, daS sich oben befindet, in die Kugel steigen und wirst regungslos darin bleiben, bis ich mit anderen Männern hinkomme. Dann werde ich ganz leise, aber deutlich sagen:.Kugel, rolle", und da mußt Du Dich bewegen, um die Kugel zum Rollen zu bringen. Hast Du verstanden?".Ja, Herr". Zur sestgesctztcn Stunde hatten sich die Akademiker, da« Parka» ment und der König eingefunden, denn die Nation des Forschers freute sich an seinem Ruhm. Und— die Kugel rollte. Man klatschte Beisall, man stieß Schreie der Verlounderung au«. Doch der Ge- lehrte weinte. Schluchzend brachte er hervor:.Verzeiht mir. Aber mein wiffenschastlicheS Gewissen ist stärker als meine Gelehrteneitel- keit. Ich habe Euch getäuscht. Ich weiß in der Tat nicht, ob ich die selbsttättge Vcivcgung gesunden babe... Ja, die Kugel rollte, aber es war ein Kind darin." Ein Durcheinander von Vor- würfen, Beleidigungen, Flüchen erhob sich..Du hast die Wissen» schast des Landes lächerlich gemacht, Betrüger," rief der König voller Wut.»Du wirst den Rest Deiner Tage im Gefängnis verbringen. Wache, nehmt diesen Mann fest." Alb der Gelehrte unter den Beschimpfungen der Menge tief traurig zum Kerker geführt wurde, kam der Zug durch eine Straße. wo Kinder beim Murmelspiel waren. Ein K»nd löste sich aus einer der Gruppen und lief aus den Gelehrten zu:.Herr, ich bin der kleine Junge von heute früb, Sie wissen schon. Vergeben Sie mir. Herr, aber ich wurde von Freunden bei einer so unterhaltenden Murmel- Partie zurückgehalten. Und so bin ich nicht in den Park gegangen und habe mich nicht in die Kugel gestellt. Seien Sie mir nicht böse. Wenn Sie wüßten, wie lustig die Murmelpartte war. Ich hoffe, daß Sie mir trotzdem Murmel», Kreisel und Süßigkeiten geben werden." Da lachte der Gelehrte unaushörlich. Er streichelte die Wange dc§ Kindes und gab'bin ein schönes Goldstück für sein Spielzeug und seine Bonbons. Und wortlos, ausrechten Schrittes ging er dem Gefängnis zu."_ ,t>ic Schneiüer von Schönau.� Erstaufführung im Deutschen Opernhaus. Seit einiger Zeit.macht' man auffällig in Biedenneierei. Was— seien eS Möbel. Kleider, GefühlSergüsse, Riecheffcnzen usw.— so ein wenig jener längst abgetanen Epoche deS Vormärz äbntlt, hat Kurswert. Hiervon hatten die Librettisten dieser neuesten Oper Warden-WellcminSky eine untrügliche Ahnung, indem sie den ab- geblaßten Stoff ausgruben und daraus eine dreiaktige Bühnenhand- lung in mittelmäßigen Knittelversen zurechtmachten. Jbr Streben »ach volkstümlicher Art ist lobesam. Doch ist zu bezwerfeln, ob die Menschheit von heute— zumal moderne ernüchterte Großstädter sich an einer Schnurre aus spießbürgerlichen Vorväter» tagen, als die liebe Gemeindeobrigkeit vor lauter Fürsorge um daS leibliche und geistige Wohl ihrer steuerzahlcnden Mitbürger sogar Pärchen unter Haube und Pantoffel brachte, noch übermäßig zu erwärmen vermag. Der magere Inhalt der alten Geschichte ist kurz so: Drei Meister Zwirne aus Schwaben bewerben sich brieflich und sodann durch große Pfefferkuchen in Herzform um die Hand einer gleichfalls schwäbischen Wittib in Liebenzell. Ein HandwerkSburiche ficht sie, faßt sogleich Liebe für sie und beschließt, sie den Schneidern ab- zujagen. Jung, keck, wie er ist. gelingt ihm das um so leichter, als der OrtSschulz den Plan unterstützt: Jeder soll für Florian einen Anzug machen. Dem, der mn frühesten damit fertig wird, soll Veronika als Frau zufallen. Alle drei werden zu gleicher Zeit fertig. Ihr Lamento ist herzbrechend. Um sie Veronika vom Halse zu schaffen, müssen sie nun Blindekuh spielen. Wer mit ver« bnndenen Augen die Begehrte erwischt, soll sie haben. Keinem aber gelingt daS— weil eben Florian und Veronika vom Platze ver- schwinden und hernach als Pärchen wiederkommen. Vom Voll verspoltet ziehen die Betrogenen ab. Gewißlich steckt außer viel Naivität mancherlei Komik in dem Ganzen. Sie musikalisch auszubauen ist dem Komponisten Jan BrondtS-Buys gut gelungen. Er gibt— unbeschadet der Anlehnung an die Lehrbuben- und Volksszenen in Wagn?rS.Meister» singern"— doch herzerfrischende« Eigenes. Die' Schneiderlsin werden in allen Situationen komisch genug abkonterfeit; und das Stadtvölkchen, das sie zu verulken kommt, nicht minder. Außerdem begibt sich zwischen Florian, Veronika und dem Ubrmacher mancher» lei Anmutendes in Gesängen. Sentimentaler Gefühlton und Harm» loser Volköhumor find abwechselnd gemischt und in modern flüssige JnstrumentationSgewandung gehüllt. Dabei wird mit Mäßigung und Geschmack verfahren. Die Spielleitung hat für hübsche Dekoration gesorgt— bis auf die blätterlosen Blütenbäume. Ergötzlich in Maske und groteSlem Gehaben war das Schneidertrio der Herren Werner-Steier-Kandl mit Lehrjungen. Mizzi Fink, stimmlich ausgezeichnet, schien als mehr sentimental denn drollig gezeichnete Veronika nicht so recht in ihrem Element zu sein. Bernhard Bötel verhalf dem Florian, auch gerade in der Prügelszene und sonst zum Uebergewiöbt. DaS Publikum nahm die Neuheit mit wenigcr'BegeistcrungS- äußerungen auf, als man hier sonst zu hören bekommt. vl-. Eharlottenb.Schillertheater:„kächchenv. hettbrorm". Kleist nennt sein.Käthchen' ein.großes historisches Ritter- schauspiel". Eine Bezeichnung, die heute, wo der Zauber, den einst die Phantasie der deutschen Romantik umS Mittelalter wob, längst verflogen, beinahe parodistisch wirkt. In der Tat, all jene üblen Requisiten, an die man bei dem Worte Ritterschauspiel denkt, sind hier in reichem Ausmaße vertreten. Aber hinter all den Naivitäten dramatischer Formung und des mittelalterlicher Enge sich anpassenden Geistcö steht in dem Werk die wirkliche, die menschlich liefe, mit wunderbarer Kraft der Anschauung erfaßte Naivität des jungfräu» lichen Käthchens, daS in voller HerzenSreinheit mit somnambuler Sicherheit dem Sterne ihrer Liebe folgt. Der Glanz, der von ihr ausgeht, hat dem gebrechlichen Gehäuse, in daS der Dichter die Figur stellt. Unsterblichkeit verliehen. Die Aufführung deö Schiller-ThcaterS— ich konnte leider nur einen Teil sehen— bot Gutes. Gusti Becker fand sich mit der Hauptrolle über Erwarten glücklich ab. Die typischen Backfische de« FamilienlustspielS sind ihre Spezialität. So mußte man natürlich für ihr Käthchen fürchten. Um so angerichmer überraschte der Spür» sinn und der Ernst, mit dem sie sich in das durch eine ganze Welt davon geschiedene Fühlen deS Kleistschen Mädchens eingelebt. Bor- trefflich wirkte P a e s ch k e in der Figur des ritterlichen Helden und Richard W i r t h in der von Käthchens Vater. Markant charakteristisch pellte Hedwig Pauly die bitterböse Kunigunde dar. dt. Notizen. — Neue Dramen. Von Georg Kaiser, dem Verfasser deS.Bürger von Calais" wurde im Frankfurter Schauspiel- hause eine Groteske(»der Zentaur")— die Eriverbung einer Erbschaft auf dem Umwege über ein junges Mädchen und den Nachweis der Ehctüchtigkeit— mit starkem Erfolg aufgeführt. — Zeit i christenschau. Eine eindringende Würdigung OSkar Kokoschkas, der aus dem Chaos der jüngsten Malerei sich schon zu bestimmbaren Konturen entwickelt hat. gibt Paul West- heim im Oktoberheft des ,5kunstblatteS"(Verlag Gustav Kicpenheuer in Weimar). — Bernhard Baumeister, einer der Berühmten unter den Schauspielern de» Wiener BurgtiheaterS, ist in Baden bei Wien im Alter von SC Jahren gestorben. Die welsche Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhunderts. L2J Von R. France. Bcsl hätte nicht seine lange AintScrfahrung gebraucht. um sofort herauszufinden, waS dort im Pnschab'schcn Hause vor sich ging. Dort plante man eine geheime Versammlung. Offenbar einen jener aufrührerischen Konventikel, von denen man schon seit Monden in der Regierung wußte, daß sie die Studentenschaft durchseuchten, ohne daß ihnen mit Sicherheit auf die Spur zu kommen war. Keinen Zweifel konnte er mehr haben, er war so einer Versammlung auf die Spur ge- kommen. Ulid zwar einer von größter Wichtigkeit. Sonst hätte nian nicht von der Statthalterei auS außer dem neuen Vigilanten auch noch den Herrn Sekretär hingeschickt. Der machte natürlich seine Sache als Neuling herzlich ungeschickt und ging so ausfällig ohne alle Vorsicht und Verkleidung hin. Um so mehr mußte ein erfahrener Mann ihm zur Seite stehen. Ueberhaupt durfte man diese Sache nicht ver- säumen. Also ging auch BeSl auf seine Weise hin und sah nach dem Rechten. Er kehrte geraden WcgcS um, eilte in die Statt- Halteroi bis zum Tor, lvo eine rote Laterne brannte, auf der mit tvcißen Buchstaben stand: Polizei). In der Wachtstube saß nur ein alter Sergeant, der noch den letzten Türkenkrieg mitgemacht hatte, qualmte mächtig auS einer großen Pfeife und las in einer Postille. Er empsing den Störenfried seiner Idylle sehr ungnädig und brummte ununterbrochen, als sich dieser die Registratur aufsperren ließ und Bündel itm Bündel voll Hast heraushob. Hoheschulgasfe, HieronymuSgaffe... er blätterte rasch vor. Bei der Härder Cascmatte— Aardergasse— da war cS... er Pfiff höchst vergnügt: gerade im Ponschadschcn Hause hatte die tvohllöblichc Regierung einen Eonstdenten und zwar den ihni wohlbekannlcn Entenmelber. Zwar schon seit Jahren nicht beschäftigt, doch früher offenbar gut brauch- bar— denn eine stattliche Reihe von KarolinS lvar an ihn hinausgegeben worden. Zu diesem Mann stürmte Herr MathiaS Besl, der in solch hochwichtigen StaatSaffärcn kein Nuhebcdürfnis kannte. Der Laden deS EntenmelbcrS vnlgo„Anton Kagermaicr, Melberei zur goldenen Ente" war natürlich um diese Zeit schon geschlossen. Als man aber ans Fenster pochte, ward doch aufgetan. Das erste, was Bcsl empfing, war eine unatcmbare Stickluft und ein Ausruf: »Maricmd Joseph, die Polizei I' Nachdem fich hierdurch gewarnt, Herr Anton Kagermaier längere Zeit nicht zeigte, schwankte er offenbar aus irgendwelchen inneren Gründen, ob er Gastfreundschaft üben oder sich vielleicht lieber voll ent- rüstcter Vorsicht entfernen sollte. Aber einmal über den Zweck des Besuches aufgeklärt, erhellte sich sein Gesicht. Er hörte im Geiste den Klang von KarolinS und die konnte er brauchen, denn die Entenmelberei schien keine Goldgrube zu sein. Mit dem Bartlkrämcr im Haus lebte er im llnfrieden, denn auch der verkaufte gleich ihm Mehl und Bandnndeln. Also ließ er seiner Zunge freien Lauf. Geheime Versammlung? DaS konnte schon stimmen. Der Laden der Konkurrenz hatte einen Ausgang in den Hof. Nnd in diesem Hof stand ein Kasten, einst als Getreidespeicher bc' nützt, dann als Betsaal für die Jlluminatenloge, bis diese aus gehoben und ihr Urheber schimpflicherweise auS dem Lande gejagt wurde. In jener gesegneten Zeit ging ja der Goldregen über den Entenmelber nieder.— BeSl schlug sich an den Kopf. Man merkte, daß er alt tvurde. Wie konnnte er nur das vergessen. Im Jlluminatenfaal saßen also die Verschwörer wieder beisammen. Aber dieser Saal ivar auch den Wächtern der Staatsordnung zugänglich. Der ehrenfeste Mehlhändlcr ge- leitete selbst daS Auge des Gesetzes hinauf. Nicht in den tcwal, aus dessen verhängtem Fenster kein Lichtstrahl drang, sondern auf einer knarrenden Treppe über die Decke deS- selben, nämlich in sein Mehlniagazin, richtiger gesagt in einen Dachraum, in dein Herr Kagermaier einst, als es ihm noch gut ging. Mehldorrätc liegen hatte. Jetzt ivar es wüst und öd darin und ein unangenehmes Trippeln verriet den vor- sichtig Eiutreteiideii, daß die letzte Maus ans dem leeren Speicher noch nicht �weggestorbeli lvar. Aber BeSl scheute im Dienste des Staates keine Gefahren. Ein Lichtkringelchen tanzte an der Decke deS pcchfinsteren Gemachs.- Es fiel von unten durch— denn wie der Enten- mclber flüsternd erläuterte— war die Decke deS Jlluminaten- saalcS mit schönen Stukkaturen geziert— Herr Kagermaier sagte zwar:„so Stuckbildcr oder wia ma sagt" aber der intelligente Polizcigewaltige verstand ihn dennoch, sie stellten im Sinne der nlaurischen Ideale des Professors Weishanpt dw Gerechtigkeit der Welt dar, darüber im goldenen Strahlenkranz der Logos in Gestalt des Auges Gottes schwebt. Und dieses Auge hatte im höchsten Realismus eine dunkle Pupille. nämlich ein Loch, durch das nian vom Speicher beninterspähcn und noch besser alles hören konnte, was unten gesprochen wurde. Der Stifter des Jllumintenordens hatte das selbst heimlich so angeordnet und hatte dann als unsichtbarer und auf geheimnisvolle Weise alleswissendcr höherer Geist gar oft über seiner Gemcindc geschwebt. Jetzt aber lag die Obrigkeit im finstern Schrägen auf dem Bauch und spähte als Auge Gottes hinab auf die Rotte, die sich vermaß, an den Grundlagen dieses von Gottes Gnaden errichteten StaatsgebäudeS zu rütteln. Lättgere Zeit konnte das Auge GotteS nicht viel wahr- nehmen, denn das Loch war klein und am Ende einer langen Röhre, gestattete also nur einen sehr beschränkten Horizont. Gerade auf einen Biertisch sah man hinab mit vielen, oft er- hobenen Holzkrügen und beißender Tabakdampf drang zu dem Lauscher hinauf. Es wurde also kommersiert. Und im ersten Augenblick kam sich Besl recht albern vor: einen harm- losen Studcntenkommers hatte er für eine große Staats- attion gehalten. Da schlugen Worte an sein Ohr, die seinen Atem zurückdrängten. Eine ihm unbekannte Stimme sprach: „Werte Assessores arnieifciarum. Brüder und Genossen! Ihr habt den Landauer gehört und das Blut ist Euch so wie mir im Halse emporgestiegen, daß die Schau: und der Ekel uns würgt tind man an den Himmel hinaufschreien möchte zur ewigen Gerechtigkeit(BeSl sah für den Augenblick den Redner, der nach oben deutete und erkannte den Studiosus. mit dem Solms nnd MichalanSky gegangen waren), nach einem gnädigen Blitzstrahl, der die Schuldigen an diesem Elend zerschmettern möge.... Ertragen denn die Jngol- städtcr alles? Ist keine Niedertracht, keine geile tyrannische Laune. keine empörendste Anniaßung der Herren dieses Landes durchsichtig und aufpeitschend genug, um nicht endlich das Blut auch dieses Volkes zum Kochen zu bringen, daß es erkennt, wer ihm die Kette seines Unglücks nnd die Skavenkettc seiner Martern schmiedet und endlich-- endlich selbst sich erhebt, tvie ein gepeinigter Löwe in seiner Qual und mit der Pranke die zu Boden schlägt, die in grauenhafter Lästerung Gottes sich als seine Sklavcnbaronc aufspielen.... Seht über den Rhein; ein herrlicher Tag der Freiheit leuchtet über ein freies und glückliches Volk. Am ersten Tag, da eS wollte frei sein, fielen seine Bande ab und lichtscheu verkroch sich nnd flüchtete in alle Winkel daS Aristokratengesindel.... Zu uns sind sie geschlüpft, daS Ge- schmeiß, denn bei uns ist'S noch dunkel und wohlig warm iiir solches Gezücht, das hier mit den Herren im Land'Rachcpläne ausbrüten kann, wie man die Sonne»vieder verdunkeln könne, vor der sie ans Frankreich flüchteten.(Forts, folgt.) NUüM fiMüt«!!- 090 SMMi ölt Mtiea wchsler(WUW. 2 o»» t a g. de» 2«. Oktober, vormiitagS 10'/, Uhr- Mitgliederversammlsmgen. Vezirk A. Kcwcrkschastsva»s> Engelufer 15, Saal 9. , K. Ziestamant t?hlert, JfottBu'cc Str. 19. . t, Schult, MarienBorscr Str. 5, . 1>-. Hummel, Sophicnftr. S. (Tajelbst für Bezirk I> jetzt einzige Zahlstelle.) 11/5 Tagesordnung: 1. Teichäsüiches. 2. Kassenbericht vom II. und III. Quartal Bits ei JabrcS. L. Neuwahl öeS Vorstandes. 1. Äerschiedencs. «g t Serliser BütMnier ii. Wpeer. /dittwoeta. 31. Oktober, abend« pünktlich H l'hr, im Gervcrkschaftsliaus, Engeluierlö: Yerlrauensmänner-Versafflöiluflg. Tagesordnung: Berichterstattung; von der Tarifausschußsitzünjj. Zu dieser Versammlung sind die Druckareikassierer und die Delegierten �zu den Generalversammlungen cbeniails eingeladen. Ohne Legitimationslcarte kein'Eiulritt. 2S/7 Vollzähliges und pünktliches Erscheinen erwartet Her Caavorstand. Spezialarzt Dr. med. l,aabs beh. schnell, gründl., mögt schmerzlos u. ohne Berussilör. Geschlechtskrankheit, geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Ehrlich-Hata-Kuren, Harn- u. Blutuntersuchung.* Köfliistr. m, ÄÄ. 2pr. 10—1 u. 5—8, Sonnt. 10—1 ilmm,[IgarEttES. MMt Eueroi F. Krost Bordi, ElRass«r>tr. 21. S�raaaAfeiTÄiaam !!air.t.Meß8iac-u.R6mcrtr*nk-ICcIl. t.2ft Bartflstr. S>. F»ri2gp.gyBt. 18708 K. Baa!t«7Str*i*u«' Str. 66. E. Krau:', tianaiiulMili1. 66. A. E. I.astfe, Brnnaenrtr. 166 e� pjsjkaf- n. tlanöllnvgtoii b FrSTiioTiettirrSfkirelb.tHriii. Ü. Cit« Wölfl, Treptow. CrDUst, 16 Zatheu, Gf.-Llehterf.,nu»»mit85« 4 Blcrbraaerel., glerädanfig.b imiiizoiii empfiehlt WMMM � ernten Ranges rz-, Wg! tt-. �.Tr ilr»l�x, � Uermaimlifty«?, ftiSIril�iserfiL IL BezaagsQiiellen- Verzeichnis Erschein 3 mal w8chenlli;li.___ Untenstetier.de Cesclihtte empfehlen»Ich bei Einkäufen. cLte Butter, I fe:-, UTheSnn Gebei » etgeme FHiuIeB. §r mm IS eilten« Dttailtetckärti röter, R. 43 Derhaulasldlrn 43 August Holtz Anzecgrub�rstr. 2S. Koppenetr. 93 •ämilielie Bäder. Passaga- Bad g'lÄ' Reform-Bad, Wiener Str. 66. "MOnchsner Brauhaus Berlin und Oranienburg irmw manninger Bian Weissbkr, C. Kreithaapt, F alisadeastr.«7 Eaeiat« Tel. E|«.>i»w«itchinen ßellmanD, E. Gollnowstr. 3C Nähmaschinen Singer Näbnascbisen Lides Iii allen Stadtteilen. nnfehlcn i Otto Kongele Alte•faoob�trT�g. �Berregi-a.Knabertttayd.� JSf VT«» nbn, Bad&tr. 26, Eck« _ Priazcp-Anee. 4 fciifcn. 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Tisza Triumphator'i Zwischen dem Kabinett Wekerle und den Sozialdemo- kraten ist es zu einem offenen Bruch gekommen. Tie Partei bildete zusammen mit der radikalen Bürgerschaft in der Walzlrechtssrage einen Block. Sie unterstützte bisher die Regierung, da sie sich unter der Ankündigung eines demokrati- sebcn Kurses einführte. Dem Blocke gehören auch der Wahl- rechtsminister Dr. V a z s o n y i und der Wohlfahrtsmin ister Graf Batthyany an. Tie Ursache des Konflikts bildet eine anscheinend tendenziöse Rede Wekcrles über die G e- werksch asten, in der er sich dier Gefolgschaft der Linken zu entledigen s u'ch L, vermutlich, um das Liebkind der Tiszaschen nationalen Arbeitspartei zu werden. Wekerle sagte, kein Arbeiter dürfe gezwungen wer- den. in Gewcrkschafien einzutreten. Er werde auch nicht dulden, daß einzelne Beitrage der Mitglieder für Agitations- zwecke gewinnsüchtiger und antinationaler Natur verwendet werden. Die„Nepszava", das Zentralorgan der sozialdcmo- kratischcn Partei erwiderte in einem geharnischten Artikel, daß das Kabinett Wekerle sich ein Todesurteil unterfertigt bade, wenn es niit derartigem Programm arbeiten wolle. Auf Aufforderung der Vertreter der Gewerkschaften und Fach- verbände hat die Parteileitung der Sozialdemokraten gestern beschlossen, einen Parteitag einzuberufen, der sich mit dem Vorgehen der Regierung befassen wird.'Ferner soll das Er- nährungsproblem. das Vereins- und Versammlungsrecht ver- handelt und die Organisiernngsfreiheit für Arbeiter gefordert werden. Die Vertreter der Sozialdemokraten in den ver- schicdenen Ernäbrungsausschüssen und kricgswirtfckwftlichen Organisationen haben bereits demissioniert. Großes Aufsche)i erregt, daß Ministerpräsident Wekerle heute die Erklärung abgab, der Wahlrechtsniinister Dr.' V a s z o n y i, der dem Block angehört, werde nach Erledigung der Wahlreform zurücktreten. Man sieht auch aus dieser Erklärung einen definitiven Bruch der Linken mit der Regierung. Der Vormarsch am oberen Isonzo. Einnahme des Kolowrat. Wien, Zk>. Oktober. Tic K riegSberickiterstattcr der Blätter melden Lbereinstimmeud: Tie verbündeten Truppen»ahme» den fll'wieriiten Bergstock des Kolowratrücke.»» am rechten Ifonzo-Ufer, womit ein wichtiges A r t i l l e r i e z r u t r u»l in den höchstgelegenen Stellungen der Italiener in diesem Räume Überwunden ist. Sie befinden sich jetzt im Abschnitt gegen die Grenze. Ebenso wurden die in Schncegebicten von ungefähr zweitausend Metern mit allen Mittel» moderner BefestigungSkunst aus- gestattete« Fekbncstcr im Brsi«-grn-Gebirt erstürmt. In- zwischen kamen arderc Kolonnen den Jsonzo aufwärts und fielen aus dem Brsic-Krn-Gelände dein weichenden Feinde in den' Rücke n. Auf der B a i u s i z z a- H o ch f l ä ch r geht der Angriff i der österreichisch ungarisckicn Bcrbäude, unterstützt durch das Bor- dringen der Berbündetcn am rechten Jsonzo-User, weiter. Der über den Jsonzo flüchtz-.tde Feind wird scharf verfolgt. Ein aus dieser i Hochfläche zur Deckung des Rückzuges unternommener italienischer � Gegenstoß mistglückte volllommcn. Das gestrige gute Wetter er- I laubtc zahlreiche Luftkumpfr, bei deuen von östcrreichisch-ungari- ick'e« und deutschen Fliegern dreizehn feindliche Flugzeuge abge- schössen wurde» Italienischer Heeresbericht vom 25. Oktober. Gellern morgen nöffnete der Feind noch einer mehrstündigen Banie an der ganzen Fi out wieder das hestige Arlilleriekeuer. das zwischen den südlichen Hängen vom R o m b o n und der nördlichen Gegend von B a i n- i i z z a den Charakter von ZcrstörungSseuer erreichte. Daraus wurden starte Jnfanieriemasfen zum Angriff auf unsere Siellunzen in diesem Abschnitt dorgeworsen. Der Engpaß von Saga bielt den Stoß deS Feindes aus. aber mehr südlich gelang eS dem Feinde, begünstigt durch dichten Nebel, der unser Sperrfeuer wirkungslos machte, unsere vorge schob c u c n Linien auf dem linken Jsa,nzoilfer einzudrücken und sich der Angriffsstelliingeu des Brückenkopfes von Santa Maria und Santa Lucia zu bemächtigen, wobeier den Kampf auf die Hänge des rechten FlußnferS hinübertrug. Gleichzeitig erfolgten starke Angriffe westlich von Volnik, auf der Hochfläche von B a i n f i z z a und auf den Westhängen des Monte San Gabriele. Sie wurden durch unsere Truppen abge- schlagen, die in starken aufeinanderfolgenden Gegenangriffen dem Feinde einige Hundert Ge'anaene abnahmen. Wir erwiderien wirk- iam eine lebhafte Feuertätigkeit des Feindes auf dem Karst. Die Lage bei Cbavignsn. Der Militärkritiker des Berner..Bund" schreibt zu dem An- griff der Franzosen am Chemin des Dames: Dieser zeige die un- verbrauchte Kraft der französischen Armee und die scharfe Anspan- nung der Deutschen im Stellungskriege, zeigt aber auch, daß daS Z o n e n s h st e m dem Verteidiger gestattet, selbst so stark zu- sammengefatzte und tiesgreifende Stöße, bei denen der Anfangs- erfolg erfahrungsgemäß am wcltestcn führt, aufzufangen. F-ranzösichcr Heeresbericht vom 25. Oktober nachmittags. Nördlich der ÄiSne blieb im Laute der Nacht die Lage im Abschnitt Braye-en-LaonnotS— C h a v i g n o n unverändert. An der Front Cbavignon— Affenberg letzten unler? Truppen ihren Vormarsch kort und erreichten das Gelöst Roiatz. Die Zahl der seit gestern abend in dieser Gegend gemachten Gefallgenen über- steigt 5lK). Lebhane Artillerieunternebmungen in der Gegend von Eeniy-en-Laonnais, besonders im Abschnitt von BauxmaironS. Wir zersprengten eine deutsche Patrouille, die an unsere Linien östlich von Cernh heranzukommen veriuchle. Ein Handstreich gegen den Brückenkopf von Savigneul, den, der Feind eine beilige Beschießung darangeben ließ, scheiterte. Ani dem linlen MaaSuier Tätigkeit der beid.n Artillerien im Abschnitt des ChaumewaldeS. In der Gegend von EpargcS iührten wir eine Einzelunternehmung aus, die uns Gefangene einbrachte. Deutsche Flugzeuge warfen zwei Bomben auf Hnnon, die kein Opscr forderten. Im Lause der Nacht des 24. Oktober wurden 25 deutsche Flugzeuge durch unsere Pilolen abgeschossen oder stürzten steuerlos in ihre Linien ab. Französischer Heeresbericht vom 23. Oktober abends. Unsere Truppen rückten am Morgen allgemein von den Stellungen, die sie gestern abend erreicht hatten, vor. Tie Stellungen grenzen jetzt an den Oise-AiSne- Kanal.> Darf und Wald Pinon sind in unserer Hand, außerdem die Dörfer Pargnh und F i la i n. -südlich von Filain, in das unsere Patrouillen eingedrungen sind, halten wir die Gehöfte St. Martin und Chapclle Tie. Berthe bc- setzt. Der Feind hat unter unserem Druck bedeutendes Material aufgeben müssen, darunter ungefähr 2g Geschütze, wovon mehrere lö-Zentimeter-Haubitzen sind. Tie Gesamtzahl der von vuS seit dem 23. genommenen und bisher gezählten Geschütze beträgt un- gefäbr 120. Dazu kommen noch mehrere hundert Minenwerser und Maschinengewehre. Jui Lauic des Taaes haben wir mehr als 2g0g Gefangene gemacht. Die Zahl der Gefangenen seit Beginn deS"Angriffs übersteigt ll MO, darunicr mehr als 200 Offiziere. Auf dem rechten Ufer der Maas folgte der Beschießung, die wir heute morgen meldeten, ein deutscher Angriff auf unsere Stellung im Chaumewalde, den wir durch Feuer zum Stehen brachten. der Krieg mf den Meeren. Berlin, 25. Oktober. Im Atlantischen Ozean und Aerzuelkanal wurden neuerdings durch eines unserer Uulcrsce- boote, Kommandant Kapitänleutnant Rose, 7 Dampfer mit rund 29 000 Sr.�Res.-To. versenkt; darunter befanden sich ein bewaffneter Dampfer, anscheinend mit Ocl und Gasolin, sowie i unbekannte Dampfer, die au5 Geleit- zügcn herausgeschossen wurden. Ter Chef des'Admiralstabes der Marine. Die vaterlanüspartei ruftet zum Konflikt. Alldeutsche„Volkszählung" zum Ä8. Oktober!. Aus dem Kreise Gifhorn wird der Hannoverschen»Deut' schen BolkSzeitung" geschrieben: Tie Agitation für die sogenannte Vaterlandspartei wird auch in unserem Kreise mit Hochdruck betrieben, um, wie cS heißt, der Rcgicrung bis znm 28. d. Mts. eine geuane Mitteilung über die Stärke der neuen Partei machen zu könne». Auf einer V e r s a»n in- l u n g der G c m e i n d e v o r st e h e r deS Kreises forderte Sand- rat D r. v. Wagenboff zum Beitritt zur Baterlandsparlei auf und ließ eine Liste zum Einzeichnen herumgehen, in die sich die Gemeindevorsteher mehr ihres Amtes, als ihrer Ueberzeugu'.ig wegen einzeichneten.„Ans dem Lande sorgen die Gemeindevorsteher für die Balerlandsparlei". meinte dann auch ein Herr, der in der Stadt eifrig für dieselbe wirbt. Auch in Lehrte soll seitens des Land rat s in ähnlicher Weise vorgegangen sein, wie uns eine Lehrerin berichtet, die auch zu einer solchen GründungSverialninlung eingeladen war. Die Lehrerin war der Ansicht, daß die in e i st e n A n w e s c n d e n. n n t e r- schrieben, ohne sich über ihr Tun recht klar, zu ist ii, nur der behördlichen Empfehlung folgend. Sie bedauerte, daß viele Zeitungen über die Vaterlandspartei nicht aufklärender bcrichteien. Wir haben schon gestern mitgeteilt, daß hinter den Kulissen der Regierungskrise vaterlandsparteiliche Agenten umgehen, die politischen'Kindern das Märchen erzählen, die Mehrheit des Volkes stehe hinter ihnen. Znm Beweis dieser Behauptimg wird setzt eine„Statistik" fabriziert, mit der man an maßgebender Stelle durchschlagenden Erfolg zu erzielen hofft. Als Termin, zu dem die VateilandSpartci allen nicht- konservativen Parteien über sem�iverde, wird der Dezember angegeben. Im Pretzen von Terminen haben die Herren Uebung. �_ Nichtgewährung öe? ßamilienunterftützung aus politischen Gründen. Emc politische Maßregelung, die den ällersckäcfstcii Protest hcrausiordert. wird aus Baden berichtet. Wegen Verbreitung von Flugblättern wurde Mitte �um 1915 in Äurlsruhc der im Betrieb der Eiienbahn-Hauptwerkstätre tätige Schlosser Bernhard Kruse verhaftet, in Untersuchungshaft genommen und unter die AnUage versuchten Landesverrats gestellt. Es handelte sich um eine von den damals noch zur Partei gehörigen Unabhängigen ausgehende Aktion. Während Kruse, der seit 1003 bei der Eisenbahn angestellt war, noch in Untersuchungshaft saß. erhielt er folgendes Schrift- stück zur Unterschrift in seiner Zelle vorgelegt. ArheAerpensionSkass« der bad. Sraatseiscnbahnen und Salinen. Bescheid über Beitragserstattung aus Abteilung 3. K a r l s r u h e, den 3. Juli!91S. Der Schlosser Bernhard Kruse zu Karlsruhe, welcher seit dem E Mai 1907 Mitglied der' Abt. E obiger Pcnsionskassc war, ist mit dem 19. Juni 1915 zur Strafe ohne Aufkündi- gung des Dienstverhältnisses aus der Beschäftigung der Großh. Bad. Staalseisenbahnverwaltung entlassen worden. Einen Anspruch auf Jnvalidenzusatzrcnte hat er nicht er- worden.... Der Vorstand. Dieses Schreiben wurde im badischen Landtag zum Gegen- stand einer Interpellation gemacht und damals erklärte Minister Dr. Rheinbold auf die energische Beschwerde der Sozialdemo- kratie, daß es sich um einen übereilten Schritt einer unter- geordneten Behörde handele. Trotzdem aber blieben alle Be- mühungen Kruses, die Entlassung rückgängig zu machen, erfolglos, obwohl die Verhandlung vor dem Reichsgericht mit seinem Frei- s p r u ch endete. Danach wurde Kruse zum Militär eingezogen, er befindet sich seit Mitte vorigen Jahres im Felde. Auf seine An- frage an die Generaldirekiion der badischen Staatseisenbahnen, ob sie gewillt fei, seiner Familie die den Arbeitern der badischen StaatSeisenbahnen gewährte F a m i l i e n u n t e r st ü tz u n g zu- kommen zu lassen, erhielt er am 2. September folgende Antwort: Gr. Generaldirekiion der Bad. StaatSeisenbahnen. Nr. 4160 E. Auf Schreiben vom 14. August 1017. Karlsruhe, den 1. September 1917. Wir sind nicht in der Lage, Ihrer Familie die den Kriegsteilnehmern gewährte Unter st ützung zukommen zu lassen, weil Sie endgültig aus dem Dienst der großh. Eisenbahnverwaltung ausgeschieden sind. Auch eine spätere Wiederaufnahme kann trotz der Freisprechung nicht in Frage kommen, dn Sie unbestrittenermahen die An- schauung vertreten und auch nach Kriegsausbruch in Bersamm- kungen zum Ausdruck gebracht haben» das« der Regierung im Reichstag keine Mittel für den Krieg hätten bewilligt werden dürfen. An den Gefreiten Bernhard Kruse usw. Diese Antwort ist empörend. Welche Anschauung der Mann vertritt, hat der Generaldirektton schon an sich ganz gleichgültig zu sein, vollends aber wird die bloße Ausrollung dieser Frage ein Skandal, wenn man bedenkt, daß der so Entrechtete zurzeit mit seinem Leben Deutschland verteidigt, inklusive der Ruhe des Herrn Oberbourat C o u r t i n, der in einer behaglichen Beamienstubc dies Schriftstück unterzeichnet hat. Gin neuer volksbunö. W. T, B. meldet: Am 25. Oktober fand im preußischen Abgeordnetenhause unter Borsitz deS Reichstagsabgeordneten G i e s- b e r t S eine Zusammenkunft von führenden Persönlichkeiten aus den wichtigsten und größten Arbeiter-, Angestellten-, Beamten- und Wirtschaftsorganisationen statt, die insgesamt eine Mitgliederzahl von etwa 10 Millionen umfassen. Der Zweck dieser Konferenz war, eine Aussprache herbeizuführen über die Gründung einer Or- ganisation mit dem Ziel, fiir die innere Geschlossenheit und Einigkeit des deutschen Volkes unter dem Grundsatz des sozialen Gedankens einzutreten und damit ein starkes und zugleich freies Reich zu schaffen. Für die neue Organisation ist die Be- zeicknung„Volksbund für Freiheit und Vaterland" in Aussicht genommen. Ter neue Volksbund, der sich auf die oben bezeichneten großen Organisationen aufbauen soll, rechnet auf alle jene von der Rcchien bis zur Linken, die in der Bereinigung staat- lichen Machtsinns und volkstümlich freiheitlicher Staatsordnung die Grundlage eines modernen Großstaats erblicken und zugleich diesen Großstaat eingereiht sehen wollen in eine Gemeinschaft der gegenseitig ihre LebenSnoiwendigkeiten achtenden und anerkennenden Kullurstaaten. Der„Volksbund für Freiheit und Baterland" stellt weder eine Partei noch ein Partei- ähnliches Gobiide dar. Er wird sich mit Polemik möglichst wenig befassen, weil er sich positive Aufgaben stellt, also positiv praktischen Charakter trägt. Tie Konferenz setzte für alle auf die Gründung abzielenden Arbeiten einen vorbereitenden Ausschuß ein. Die Idee der Gründung sowie der gesteckten Ziele wurde von der über- wiegenden Mehrheit der Konkerenzteilnehmer auf das lebhafteste begrüßt und unterstützt. Die Vertreter der Organisationen werden mit den verantwortlich leitenden Stellen ihrer Verbände Rück- spräche nehmen; alsdann wird in kürzester Zeit die Gründung cnd- gültig erfolgen. Direktor Delbrück im Reichsjustizamt ist zum UnierstaatZ- jekreiär ernannt worden. Rcdrverdot für Hardc». Dem Herausgeber der derzeit nicht erscheinenden„Zukunft", Maximilian Haiden, ist das Reden im ganzen Reiche verboten worden. Demzufolge entfällt auch der neue zum 3. November für Berlin angekündigte Vortrag. Leiste Nachrichten. Protest der bulgarischen Vereinigten Sozialisten. Sofia» 26. Oktober. CMeldung der Bulgarischen Tele- graphea-Agriikur.) Die Bcroiuigic Sozialistische Partei richtete fol- genden Protest an d a S Holländisch-Skandinavische Komitee: Die Ausfübrungen des Manifestes deS Holländisch- Skandinavischen Komitees über M a z e d o n i e u haben uns überrascht und mit tiefer Bestürzung erfüllt.' Es verweigert Bulgarien die älteste» und wesentlich bulgarischen Gebiete Mazedoniens, eben- äneselbrn, auf deren Boden sich die Kämpfe für die Wiedergeburt BuigarieuS abgespielt haben und die der Schauplatz so vieler blutiger Erhebungen in der Bcrgangruhert waren. Das neutrale Hollän- disch-Skandinavischr Komitee ermutigt ohne jede» Nutzen und prak- tischen Zweck für Serbien dessen verderbliches Berlangen nach dem bulgarischen Mazedonien, wie es seit 60 Jahren die schlimmsten Feinde der Balkanvölker getan haben. Die Masse des bulgarische» und serbischen Volkes auf dem Balkan bat dies schon um den Preis des grausamen Unglücks in diese», Kriege begriffen und alles, waS demokratisch denkt aus dem Balkan, hofft, daß die soziali- st i s ch c Intet»ationalr, erleuchtet durch die Erfahrungen der Vergangenheit, verstehen wird, wieviel Unheil in einer solchen durch künstliche Mittel unterhaltenen Richtung verborgen ist, und daß ste, anstatt lebendige nationale Organismen zu zerstückeln, die Balkanvölker zu einer per- nünftigrn Annäherung ihrer Politik innerhalb der Grenzen ihrer berechtigte» nationalen Ansprüche zu bringen im- stände sein wird. gez. JankoSakyzoff. Hertling gegen verantwortliche Reichsminister. München, 26. Oktober. In der Kammer der Abgeordneten betonte Ministerpräsident Graf Hertling, daß die Schaffung ver- antwortlicher Reichsmini st er nicht im Interesse der föderativen Grundlage der Reichsveriassung sei, an der man nicht rütteln lassen dürfe. Sie allein entspreche dem deutschen Volks- charaktcr. Wir brauchen eine einheitliche Zusammenfassung, um unsere Macht nach außen hin festzuhalten und zu wahren. W:r sind ein einheitliches Wirtschaftsgebiet und gehören zusammen, aber das deutsche Volk kann eine schablonenmäßige Zentralisation nicht ertragen, denn die vielgestaltige Kultur der Einzelstaaten muß sich auswirken können. Auf diesem Standpunkt stehe ich und iverx ich auch stehen bleiben. Ordern Brunnen-ßtrassel Süden- C-&ttbu3er!)amtn Osten-■jrtobfurtcrÄttsc 35Ö A/Jestsn: cbsrbäevbz�-�K cmpCeblt gegen bar u. Zablungserleichteruno Harren-«. Speisezimmer KM- enS Sclilsfzitnmer Weisslacäierte Sciilatzimmcr Farbige Küchen—' Dielen- Möbel» Einzel- Möbel \Sonnlag von 12-2 Uhr geöffnet. Cosriindal im Jahro 1S33, HAMffchüfiÄkwWW Berlin und Umgegend. Lohnforderungen der Elektromonteurc. Um eine Einhcittickkei!>I>rer|ctzl ickr vorisicdenen, nickit immer den Verdülimn?!, cnlsprcckiendeii Löbne herbeizuführen, be- ichhissen Elekironiomeure und Helfer in ihrer Branckenveriamnr- lung� am Tonnerötag, den Insiallcnionrjirmcn eine Bereinbarung aus folgender Grundlage vcrzilschltmrn: Der Slundenlobn für Monienre, die länger clä drei Jahre in d-r Branche läiig find, belrägi l.öü M. Buiaelernte Monienre er- ballen im ersien Jahre 1.30 M.. im giueitcn Jahre 1,40 M. für die Stunde. Helfer, die länger wie zloei Jabre als solche tätig find. werden mit 3,00 M., Anfänger mit v.5>0 pro Stunde entlohnt. Bei auswärtigen Arbeiten wird ein Zuschlag von 5 M. täglich gezahlt. sowohl für Monienre wie iür Helfer. Die Bcrgülung der Laufzeit und des Fahrgeldes innelhalb Berlins ist nach einheitlichen Grund- sähen zu regeln. Diese Lereinbarungcn find nach ihrem Abschluß Von Jahr zu Jahr einer Rcvifion zu unterziehen. £!us der �chlichtungskommtssion ftir die Tomen- konfektion. Im Anschluß an die im Juni erialgie Lohnerhöhung für die Damenkonsehlion in zur Schlichtung von Sireitigkeiien für diele? Gewerbe eine SchlichtUligslommiision gebildet worden. Dieselbe lagt im Gewerbegericht umec Voifitz bcS MagiftralSraiS v. Schul,. Am Mittwoch wurden drei Fülle verhaudelt, in denen die Arbeitgeber nicht die vereinbarte Lobuerhöbung gewährt baitcu. Nach der Ler« einbarung muß� eine Lohnerhöhung von LS Proz. und außerdem die 10 Proz. auf Grund der Berordnung vom 4. April 1916 bezw. 13. Mai 1917 gewährt werde» und zwar in folgender Weile: Verdiene PeimieSwens eine ÄrRsiienn die Woche 26 M., so sind ihr 23 Proz. gleich ö M, Lohnerhöhung zu gewähren. Zu dem so erzielten Wochenverdienst ist noch der Zi/lchlag von 10 Proz, also 2,50 M mithin insgesamt 27,30 M. zu zahlen. In den vor der SchlichiungSkommisfion verhandelten Fällen hatte» die Aibeitgeber den Lolm etwa? erhöbt und erklärten den Arbeiterinnen, daß in dem erhöhten LoR, der Zuschuß von 25 Proz, enthalten lei. Die Schlichtungskommission stellte fest, daß die Lohn- erhökima weniger als 23 Proz, betrug und veranlagte die A-beitaeber einer Arbeiterin 43 M einer anderen 43 M. nach-.uzablcn. Ein anderer Arbeitgeber balle mit einem B ü g l c r einen Wochenlohn von 43 M. vereinbart und erklärt, daß bierin die Lohnzulage von 23 Proz. und >0 Proz. enthalten ict. Die Schlichiungskommtsfion erkannte dem- gegenüber an, daß in einem io niedrigen Lohnsatz die vereinbarte Lobnerböbung nicht entbaltcn sei. und vcranlaßte den beklagten Ar- beitgeber, dem Bügler 100 M. nachzuzahlen, Da in der Tamenkonsektion kein- Tarife bestehen sowie keine Mindest lohnt ätze vorgesehen find, so muß die SchlichlunaSkommi'fion auch in manchen Fällen nachprüfen, ob die gezahlten Löhne überhaupt angemessen sind. Im voiliegenden Falle ist die? geschehen. Nimmt die Arbeiterschaft die Hille der SchlickiluiigS- kommiistan in Kwetielslällen in Anspruch, so wird c° ihr gelingen, die getroffenen Vereinbarungen durchzuführen und auch gegen schleckte Löhne anzukämpfen. Besonders sei noch erwähnt, daß in den hier verdandelten Fällen auch Jacken für die ReickSbeklcidungsswlls unter dem vorgefchnebenen Preis bezahlt worden sind. Älagen wegen Nichtbezahlung d-r Lobnerböbung könne» heim Verband der 3A»eiber, S e b a jt i a n st r a ß e 37/38, und Bei der SchiickiungSkommisfion für Tamenkonlektion. Zimmerstraße 90/91. angebracht werden. Bei der SchlichiungSkommisfion muß die Klage schristlich in zwei Exemplaren eingereicht werden: dagegen kann die Klage beim Schnriderverband mündlich angebracht werden. veutsdres Tie Griindung eines neuen Leipziger GewerlschaftSkurtellT unabhängiger Richtung ist von den Leipziger Metallarbeitern nun- mehr am 22. Oktober vefchloücn worden, obwohl der Verbands- vorstand einen solchen Beschlutz im voraus a.S sta tuten- widrig beanstandet hatte. Um dem Vorstand zu zeigen, wie wenig man sich um seine„dreiste bureaukratiscke Anmaßung" kümmert, wurde auf Antrag deS RedaktturS der„Leipziger Volks- zeitung" Liebmann weiterhin beschloisen, falls da? neue Kartell nicht zustande komme, ein e i g e n e s S e k r e t a r i a t für die Me- tallarbeiter zu errichten; sobald aber daL neue Kartell gegründet sei, den früher üblichen Äartellbcitrag an dieses abzuführen. Endlich wurde gegen wenige Stimmen noch beschlossen, die Einberufung eines außerordentlichen Berbandsiages der Metallarbeiter zu fordern.— Man ist in Leipzig mit ungs. stümem Eifer dabei, auch die Gewcrksthastsorganisätiönen zu zer-z, reißen. Mnrkiiche Ipielvereinigung ONrlieiter- lduruerbnnd». 7lin kommenden Sonntag slnden solaende Fußballlviele itait: /lichte Nord l— Lnikenwalde l in Reinickenborf, Tbuner Straße. Fichle-Oft— Fickte.Nord II u. 6. LebrlingS-Abteilung— Luckentvakve ll w Treptow, Cöpenicker Landstraße. Arbeiter- Snmoriierbiiiid Kolonneie. tolle Kointcü. übr: Lisis Märchenralse. Der neue umfangroiche Yariete-Spieiptan «IW« &. G. Kur noch, kurze Zeit r Theater für Sonsiabend, 27. Oktober.! CVntral-Thcatcr, Kominandar.tcTistraß© 57. T-!,- Mle Csnrdnsftirstin IlÖTfr. 3'/,; D. Glück im Winkel. Edoutschos Opern haas üJicSeteeiöervönSclim fTiedrich-Wilbelmst. Theater Tv.uhr: ßas Oreißiäilerüiäüs. Komische Oper 7�2 TT,: ÄbMMlliM!. dlorgen VI./. Die Dose Sr. Maj. Kustsploflinas 7'/, Uhr; Die blonden Mädels v. Lindenhof. Morg. II1;,: D. Schwabenstreich. Metropol-Theater Bis to m MM. Morgen 3 tTlir: Die Kaiseriit, Neues ßperettenhaus Schifibd. Zs. Ka�sent. N d. 2S! TVeUhnBsrSßMalilsPiÄ Kleines Theater ?-/- ühr: Böfiiep SsbiieL Kesiden z- Theater 7v, Uhr.- HaskolniM. Schlllep-Theater O VI, Uhr: jl«f ljLfÄMllMtK Schiilur-Tli. Oharl. 2'/< übr Uiirja Stuart. BsiidWü. TSialia-Tlieater tS: Egoa mi seine Fraoea. Theater ara NollendorEpiaU 7 Uhr; Z';, Uhr: Der Prinz von Homburg. Xheaccr des Westens 7vauhr:D2r wMü lisi�g mit Guido Thielschor URANIA l Uhr(halhe Preise;; Tirol einst, und jetrt. 8 Uhr: Ida» Obcrengradln un»! der Spingen. 3 U.: Prof. Dr. ß. Donath: Ml,»»,! Letzte Saison in Berlin. I Bhf. Friedrlchslr. /lnf.ZVU, J |Se«k©! Große Original- ÄDSstatlgisgs-Paatüßilaß.! Vorher das gISnz. Programm; izonntaa 81/, U. u. VI; XJ. I Nehm. t. Kinder halbe Preise{ auf allen Sitzplätzen. In beiden Vorst-Iluiigen uooekiirzt; Jfcxiko. APOLLO Friedr.'chstraüe an der Koohstr. Dir. James Klein. Allabendlich"i'U Uhr: DleBotoMesMaMraiiselia Theaterk. ununterbr. geöfin. Sonntags: L Vorstellungen, o'l, und VI, Uhr._ SonnaD.» v orsteuungen oTn Nachmittags ffi7' Iii I Kind frei! Si-i Weitere Kinder halbe Preise. In beiden Vorstelltrogen Das große Zirkus-Progr. Und „Die 3 Pierrots" Wer mit Gold zahlt, erhält eine gleiche Karte nniHonfct! Walhalla-Theater, ZSgeMwep, 7'/, Uhr: Trianon-Theater Qeorgenstr., Bhl. Friodriclistr. 'fjS ü. AUebencLlich'-iJi IT. Der Leöenssehöler. Schtruspiel von Ludwig Fulda. Kaiser-Etz, Ida Wüst, v.Möliendorä. Kottneiy Funk. Sonnlag SV,: Johaiimtfeaer. Rose»Theater. 2'.'. Mr: Afcheubrödel. vts Ao> t»o: KdrÄkAÄÄÄrA Großes piisntsstlsehcs Ballsv sut dem Else. t't, U. Vorztigl Kbche. Voigt»Theater. Bads:.' 58. Gadstr. 58 TägNch 7"„ N5r: gie lai'lüedeü liei's/aülZlsp. Soimtag,28. Olt.. nackm. 2 Uhr: ' Loge Re. 7. AbcndS 7 Uhr: Die zärtlichen Zterwandte», Jk Berliner Konzerthaus ilauerotr. 82. Heule; Zimmers tr. 90/91. T&gi. i'/j. Sonnt. J'/a u. Schiaß des Hu-tsteln- Gaittspsels a. Sl. Okt. Bis dahin täglich: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters Loitor: Kopipcmist Franz von Blon. Anfang Vj3 ITLr. Eintritt SO Pf.• Anfang' TV, IThr. An allen Vßohmiftüt'C tfinTOPt b01 Eintritt Wochentaocn nutulljlUfiyj'iVUUiiCl i u. voller Orchesterbesotzung ÄTIOHAL-I'HEÄTER. 3i fij Die tagl. ausverk. | jl" Häuser beweis, d. großon tlrfoic t Das isl die Liebe Musik von Walter Größtsr Laoherfolg! sÄg- S1'« Uhr; Auf aiigem. Verlangen: j Wae. j. nädeheu j träninen l Brommo. Zum 202. Mals! Casino»Theater Loibringer Strohe 37. Täglich•/.H Uhr: Wirklicher Humor l Mr. Ersolz! Die'Schlagerpoise Heiraten muhte! Vorber der neue bunt« Teil. Sonnt. 4 Uhr: Lüste, die perle Vorvert. ab 10 Uhr ununtorbr., such Theaterk. Tietz.| Kabarett Tivoli Bunte Vorträge Kplelplan Tom 10. bi» 31. Olrtobor Janos u. Oüvia— Max Laurence Mietzei Dreher— Sophie Wachner Paul Könis:— Arthur Zahle. Großes Orchester:.TnUu» Mej-cr AnTang wochent. VI,, Sonnt, nachm. 4'/, Uhr. Kottbuser Damm 95 MoFÄ«m SSjc? mit W. IIart«tein u. d. gr. Varictö-Programm. Viktoria-Theater (früher Sanssouci) Kotibusor Str. 6, a.d. Hochbahn. Sonntag, den 28. Oktober 2 Tsri-tollunxten 3 Uhr und'iß Uhr. Gastspiel erster Bühnentünitler. Vartm Tuther Schnuipiel in 3 Aukzügew AisteUs 0,ö0— S M.* Wertheim und Kasse Bikloriath. tili Allabendlich VI, Uhr und Sonntag nachmittags 3 Uhr Stettiner Ab 28. Oktober bleiben unsere Verkaufsräume Sonntags geschlossen. Nur die gesetzlichen Sonntage vor hohen Festen bleiben dem Verkehr frei. H.Joseph& Co., Neukölln. Sonntag nachm. ermäS. Preise! Lojcen 1 iL, Parkett 75 Pi., Eintritt 89 Pt_ Ssziipüüüilsn-üerzeictiDiS tlerliu-Horden ßK* Droee». Foi-ban Fleisch- u. Wup�tiv. 2% rt-g .in. us.n "Kolar.Jafwaroci «iL Strolitzar Q Str. 57 MCbeimaBazins inoen ft ffl Kc'aickfjajrfrn. S7! IIEjK S lü. Tiöchlermciflter l pWmsCeBlr. Wicken- 1 Bäzssssüiislisn-uerzoichnis Beplia-Csten : Butfep, Clor, RBse xs na: ciirxer, tiar, Haas aca CP.B.Hdigmijriliaieafl ibcs: f�ohlhanidlluno aerza MpieülÄ»�' i n Efhohaeranh. 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