I Nr. 303. Bezugspreis i KIsrtelZSHrl. Z.ÄVZM.. monatl. IL0 MI, wöchenllich 30$fg. frei ins Haus. vorauszablbai. Einzelne Wochentags- numnisrn 5 Ptz Sonntagsnummer mit illustrierter Seilage.Tie Neue Welt'>0 Plg. Postbezug! Monatlich IM Ml Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2,60 Ml.,sllr das übrige Ausland 4 MI. an Dänemari. Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeimngs-PrelSliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemolrat Berlin", Vevlinev Volksblnkk. «4. Zah. Der AnzeigeupreiS beträgt>. die stebengesvaltenc Kolonel- -eile so Pfg„Kleine Anteigeu", das settgednulte Wort 20 Pfg. szu- lässig 2 setigedruckte Worte), icdes weitere Wort lv Psg. Stellengesuche und Schlafstellen anzeigen das erste Wort 10 Psg., ied«s weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchsiabc» zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20«/» Familien- Anzeigen SU Pfg.. politische u. gewerljchastliche Bcreins- Anzeigen 40 Pfg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmilt. im Hauptgcschäst, Sellin SW.S8, Lindenstrahe 8, abgegeben werden. Geössnet von ö Uhr srüh bis 7 Uhr abends. Tentralorgan der fozSaldemokratifchcn Partei Dcutfchlands. Neöaktion: 6tD. 68, Linöenstraße Z. Fernsprecher! Ami Morinvla«. Str. ISl KV— 15197. Sonntag, den 4 November 1317. expeüition: SV). 68» �inüenstraße Z. Fernsprecher: Am» Morttsvlatz. Nr. 151 SV— 151 S7. Die Beute in Italien. Starkes 5?euer auf Dixmude— Die Front- Verlegung am Tamenweg— Ter Flieger- angriff auf London und Dünkirchen— Luftsiege— Starker Artilleriekampf östlich des Vardar— Ueber 800 ODO Gefangene und mehr als 1800 Geschütze in Italien erbeutet. Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. November 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Regen und Nebel schränkten die Gefechtstätigkeit bei alleu Armeen ein. In Flandern unterhieit der Feind starkes Feuer auf die Stadt Dixmude und ihre Anschlußlinicn. Ju der Nacht vom 1. zum 2. November haben wir die schon längere Zeit beabsichtigte Verlegung unserer Linien vom Chemin- des-Dames ohne Störung zu Ende geführt. Alle Be- wegungcn dlieben dem Feinde verborgen, der bis gestern Mittag noch lebhaftes Feuer auf die von uns aufgegebenen Stellungen unterhieit. Am Rhein-Marne-Kanal wurde» bei einem Er- kunduugsvorstoß nordamerikanische Soldaten g e- fangen eingebracht.__ Unsere Flieger haben in der Nacht vom 1. zum J.November London, Chataw, Gravcsend, Ramsgate, Mar- g a t e und Dünkirchen mit Bomben angegriffen. Starke Brände ließen auf gute Wirkung schließen. In den letzten Tagen vcrmehrtcu von unseren Kampfflieger» die Zahl ihrer Lustsiege: Leutnant Müller auf 32, Bizcseldwebel Bucklcr auf 2Z, Leutnant Böhme auf 21, Leutnant Bongartz auf 20. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei Dünavurg, Smorgon, Baranowitschi und am unteren Zbrucz lebt die Fcuertätiglrit auf. An der mazedonischen s?roni schwoll der Artillcriekampf östlich des Bardar zu erheblicher Stärke an. Italienische Front. Keine größeren Kampfhandlungen. Bis jetzt sind über 200009 Gefangene und mehr als 1800 Geschütze gezählt worden! Die Beute an Maschinengewehren, Minen Werfern Kraftwage», Bagagen und sonstigem HeereSgerät hat sich noch nicht annähernd feststelle» lassen. Der Erste Generalquartiermeister. Ludeudorf f. Abendbericht., Berlin, 3. November 1917, abends. Amtlich. Von keiner der Fronten sind bisher besondere Er- eiguiffe gemeldet. " s Der österreichische Bericht. Wien, 3. November 1917. sW. T. B.f Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage am Tagliamcnto blieb»nvcröndert. Die Zahl der Gcsangeaen hat das zweite Hunderttausend überschritten, die Geschützbrente ist auf mehr als.1800 gestiegen. Verläßliche Angaben müssen einer eingehenden Zählung vorbehalten bleiben. Oestlicher Kriegsschauplatz und Albanien. Unverändert. Der Chef beS GeueralstabrS. vre Ambilöung öer Regierung. Das Berliner Zentrumsblatt, die„Germania", also das Blatt, das dem neuen Reichskanzler am nächsten steht, schreibt zum Regierungswechsel, die Zeiten seien endgültig vorbei, in denen die Politik allein von oben bestimmt werde. Sic lobt es, daß Graf Herlling eine Anzahl Parlamentarier in leitende Reichs- und Staatsstellen berufen hat, und fährt dann fort: Die Wahl dieser Männer, soweit sie jetzt schon bekannt sind, beweist vor allem dos eine, daß Grnf Hcrtling nichts sehnlicher anstrebt, als eine Teilnahme und Miwcrantwortung der ver- schiedensten Parteien an der Regierung, als eine größtmögliche Einheit und Geschlossenheit zwischen Kaiser, Regierung und Volk, Und das ist zweifellos das, worauf es ankommt, und ganz be- sonders jetzt im Weltkrieg. So ist die„Demokratie", mir der die Alliierten uns beglücken wollten, aber eine viel bessere, über Nacht zur Tal fache geworden. Daraus ist wohl zu schließen, daß eine Ergänzung der neuen Regierung durch Mitglieder der fortschrittlichen Volkspartei nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Die durchschlagenden Gründe, die für eine solche Er- gänzung sprechen, haben wir schon gestern angeführt. Von konservativer Seite werden starke Anstrengungen gemacht, eine weitere„Parlamentarisierung" in der Richtung nach links zu vereiteln: die Konservativen hoffen damit die Grundlage der neuen Regierung von vornherein verengern und dadurch ihren Sturz vorbereiten zu können. Insbesondere ist ihnen der Gedanke, daß ein überzeugter Anhänger des gleichen Wahlrechts ins preußische Ministerium kommen könnte, sehr unangenehm.—. Die Berufung eines Fortschrittlers in das Amt des Vize- kanzlers und eines weiteren in das preußische Ministerium ist die erste Frage von entscheidender Bedeutung, vor die sich die neue Regierung gestellt sieht.— Hauses werden voraussichtlich erst nach dem Bußtage(21. No- vember) zur ersten Beratung gestellt werden." Den Hartnäckigeu Gegnern der Wahlrechtsreform wird also noch Gelegenheit gegeben werden, in sich zu gehen. Wahlreform nach üem Bußtag. Offiziös wird gemeldet:„Die nächste Sitzung des Abge- ordnetenhauses ist nunmehr bestimmt aus Donnerstag, den 15. No- vember. mittags 12 Uhr anberaumt worden. Aus der TageS- ordnung stehen die Gesetzentwürfe über das Gründkapital Ver See- Handlung, die Schätzungsämier, die Stadtschaste» sowie die Anträge über den Religionsunlerricht der Dissidentenkinder und die Teuerungszulagen der Beamten. Die Vorlagen, betr. das� Wahlrecht zum Abgeordnetenhause und die Neugestaltung des Herren» I-, Die Lage in Italien. Seit einigen Tagen ist die Grenzsperre zwischen Italien und der Schweiz so vollkommen, wie sie seit Kriegsbeginn noch nie war. Auch ist sie diesmal unbefristet. Die einzigen Blätter- stimmen, die über die Grenze dringen, sind die von der offiziösen Stefani-Agentur übermittelten. Danach sollen alle Parteien des Landes, einschließlich der Sozialisten, wie jeweils betont wird, voller Begeisterung bereit sein, angesichts der drohenden Gefahr jede Parteipolitik zurückzustellen und jede kriegsfeindliche Kund- gebung zu unterlassen. Auch ein in Zürich eingetroffener Mitarbeiter der„N. Z. Z.", der die einzige PersöiAichkeit ist, die letzte Woche ermächtigt war, die italienische Grenze zu überschreiten, berichtete, daß ein voll- kommener. freiwilliger Burgfriede geschlossen sei und die Arbeiterschaft sich in patriotischen Manifestationen überbiete. Auch die italienische Parteileitung habe ein Manifest in diesem Sinne veröffentlicht Es ist denkbar, daß der Gewährsmann der„N. Z. Z." damit nur die am letzten Sonntag veröffentlichte Erklärung des italienischen Parteivorstandes meint, aus der auch das herausgelesen werden kann. Sie kann aber auch das Gegen- teil heißen wollen; denn sie hält sich in den üblichen vagen, nichts- sagenden Redewendungen. Sie betont, daß die Ergebnisse der letzten Kammerverhandlungen nur miß- deutet werden könnten, wenn man sie nicht als Zeichen des Willens zur Klärung der Lage betrachtet und als Verzicht ans fernere reaktionäre Maßnahmen, die nur von Leuten befürwortet würden, die für den prophezeiten Bürgerkrieg ihre politische Ver- antwortlichkeit verschleiern möchten. Sie verlangt daher, daß die Beziehungen zwischen Regierung und Parlament sich wieder ge- stalten, wie sie die Rechte des Parlaments erforderlich machen. Im übrigen protestiert sie gegen die Verunglimpfung der Stockholmer Konferenz. Sonst findet sich im„Avanti" außer Cadornas Telegramm kein Hinweis auf die schwierige militärische und innere Lage. Auch das inzwischen erfolgte Verbot des Parteitags, das vor- auszusehen war, ist nicht besprochen. Die italienische Zensur ist offenbar ängstlich bemüht, alles zu unterdrücken, was einen Rückschluß auf die Vorkommnisse und die wirkliche innere Stim- mnng in Italien erlauben würde. Erhöhung öer Löhnungs- unö Unterstützungssätze. Die Löhnung der Soldaten und die ihren Angehörigen zustehende Unterstützung haben durch die ungeheuerliche Preis- steigcrung ans allen Gebieten eine rapide Entwertung erlitten. Jhre Kaufkraft sinkt von Tag zu Tag. Darum hat die sozial» demokratische Reichstagsfraktion wiederholt und teilweise mit Erfolg ans ihre Erhöhung gedrungen, und auch in seiner letzten Tagung hat der Reichstag auf diesem Gebiet eine Reihe neuer Anforderungen gestellt. Eine davon ist soeben vom Bundesrat erledigt worden, und zwar leider in ziemlich un- zureichender Form. Die Unter st ützungssätze für Kriegerfamilien werden ab 1. November erhöht, aber nicht in dem Maße, wie es der Reichstag gewünscht hat. Die neue Bnndesratsverordnung vom 2. November besagt: „Die LieserungSverbände sind verpflichtet, miS ihren Mitteln eine Erhöhung der bis zum 1. Oktober 1917 gezahlten Familien- Unterstützungen eintreten zu lassen, die spätestens vom 1. November 1917 an zu gewähren und deren Betrag je»ach den örtlichen Verhältnis scn zu bemessen ist. Bis zum Betrage von fünf Mark für jeden llnterstütztrn werden die seit dem 1. November 1917 gewährten Erhöhungen der Unterstützungen vom Reich erstattet, und zwar zur Hälfte allmonatlich, zur Hälfte zu- samwcn mit der Erstattung der gesetzlichen Mindeftbeträge." Ter Reichstag hatte eine Erhöhung der Sätze für Ehe- fronen von 20 ans 30 M. und für sonstige Angehörige von 10 aus 15 M. verlangt. Tie sozialdemokratische Fraktion forderte außerdem einen Gemeindezuschuß von mindestens 30 Proz., welche Forderung jedoch leider abgelehnt wurde. Der Bundesrat hat nun die Forderung einer allgemeinen Erhöhung abgelehnt und die Aufbesserungen in das Belieben der Gemeinden(Lieferungsverbände) gestellt. Erleichtert werden soll den Gemeinden der Entschluß da- durch, daß ihnen die Mehraufwendungen bis zur Höhe von 5 M. für jeden Unterstützten vom Reich rückvergütet werden. Es ist daher von jeder Gemeinde zu verlangen, daß sie ihren Zuschuß für jeden unterstützungsberechtigten Angehörigen min- destens um 5 M. erhöht. Dies wird aber in vielen Fällen noch nicht genügen: die Gemeinden müssen auch ans eigenen Mitteln etwas dazu tun. daß den Frauen und Kindern unserer Fclvgrauen das Notwendige zum Lebensunterhalt gesichert wird. Das Wolffsche Bureau versendet zu dem unzureichenden Beschluß des Bundesrats einen lahmen Entschuldigungszettel. in dem des langen und breiten ausgeführt wird, daß„nicht schematisch" verfahren werden dürfe. Das ist insofern richtig, als in manchen und vielen Fällen die Unterstützungssätze, wie sie der Reichstag beschlossen hat, eben auch weder her noch hin reichen. Das gilt ganz besonders für d i e Fälle. in denen der im Felde stehende Mann Witwer ist und seine Kinder fremder Pflege anvertrauen muß. Von solchen Vätern sind uns aus dem Felde Briefe zugegangen, die er- s ch ü t t c r n d sind. Hier geschieht im Rahmen strengsten Rechts entsetzliches Unrecht, Unrecht an dem Mann, der seine Kinder nicht ernähren kann und sie ohne ausreichende Ver- sorgung daheim lassen muß, Unrecht auch an den armen Kindern selbst. Daß solche Fälle nicht nach Schema? be- handelt»verden dürfen, ist selbstverständlich. Der ReichstagSbeschluß»vollte auch gar kein Schema auf- stellen, sondern eine Mindestleistung für die Krieger- familien sichern. Immerhin ist der Zweck, den er verfolgte, durch die Bundesratsverordnung»venigstens t e i l»o e i s e er- reicht, und der Reichstag wird darauf drücken muffen, daß eS nicht dabei bleibt. Die übrigen Beschlüsse des Reichstags harren noch der Erledigung durch den Bundesrat. Die Militär reuten sind nach dem MannschaftS- vcrsorgungsgesctz, dem Offizierpensionsgesetz und dem Militär- hintcrbliebencngeseh so bemessen/ daß sie für die gegenwärtigen Verhältnisse nicht mehr di;n bescheidensten Anforderungen ent- sprechen. Die sozialdemokratische Fraktion ist wiederholt im Reichstag für die Erhöhung dieser Renten eingetreten. Sie erhielt die Zusage, daß unmittelbar nach den» Kriege diese Gesetze einer Revision unterzogen»verden sollen, um eine andere Bemessung der Renten herbeizuführen. Später sind dann die Renten erhöht und die hierfür notivendigen Mittel aus einein besonderen Fonds zur Verfügung gestellt worden. Diese Regelung ist jcdöch nicht befriedigend, und so bat der Reichstag das Verlangen gestellt, daß nunnichr in Rücksicht auf die lange Dauer des Krieges jetzt schon, spätestens bis zu Beginn des Jahres 1918, die Revision dieser Gefetze vorzulegen ist. In einer gewissen Verbindung damit steht die Anforderung, eine Aenderung des Mannschastsversorgungs- S e f e fc« 8 herbeizusuhren. wonach für Unierokfi�iere, die eine Kriegsdiensizeit von mindestens 18 Monaten geleistet haben, eine Erhöhung der Löhnung um mindestens 20 P r o z. ihrer bisherigen Löhnung eintreten soll. Desgleichen sollen Gefreite und Gemeine nach einer Kriegsdienst�eit von einem Jahr 20 Proz., nach zwei Jahren 40 Pro z.. nach drei Jahren 50 Proz. Erhöhung der Löhnung erhalten. Dieser Anregung ist der Reichstag gefolgt. Hin dem Mibstand, daß bei der K a n t i n e n w i r t s ch a f t erhebliche Ueberschüsse erzielt werden, zu steuern, verlangt der Reichstag von der Militärverwaltung, daß die Verkaufs» v r e i s e so in den Kantinen festgesetzt werden, daß diese Ueberschußwirtschaft vermieden wird. In die Verwaltung soll einer Kommission, bestehend aus Offizieren. und Mann- schaften. Einblick gewährt werden. Bei einigen Truppen- teilen sind diese Einiichrungen bereits durchgeführt, eine all- gemeine Anordnung würde manche Beschwerde beseitigen. Ein weiteres Kapitel der sozialen Fürsorge bildete ein Antrag, der schon wiederholt von den sozialdemokratischen Vertretern gestellt wurde, nämlich die Erhöhung der Invalidenrenten, die auf Grund der R e i ch s v e r- s i ch e r u n g S o r d n u n g gewährt werden. Hier wurde ein Zuschlag von 50 Proz. zu den bisherigen Renten gefordert und für die Unfallrentenempfänger ein Zuschlag von 2 0 Proz. für Renten, die eine Erwerbsein- büße von 50—75 Proz. entschädigen. Für die in ihrer Erwerbsfähigkcit über diesen Satz Beeinträchtigten, sowie für die Hinterbliebenen- und Aszcndentenrcntenempfänger wurde ein Zuschlag von 3 3'/, Proz. verlangt. Beide An- träge hat diesmal der HaupianSschuß einstimmig angenommen und der Reichstag ist dem Verlangen beigetreten. Durck) einen Antrag des Zentrums wird verlangt, daß die hierfür notwendigen Mite! ans Staatskosten gedeckt werden. Des- gleichen wurde die Erhöhung der K n a P p s ch a f t s- renken für die Bergarbeiter um 3 3 Proz. befür- vwrtet. Eine weitere Forderung, die verlangt, daß ans Staats- Mitteln die besonderen Zuwendungen hergegeben werden, die bisher für das schnelle Einbringen deS Brotgetreides gezahlt werden, ferner die besonderen Vergütungeu. die für das Herbeischaffen der Kartoffeln, wofür 30 Pf. pro Zentner bis zum 15. Dezember in Betracht kommen, fand ebenso Zustimmung wie die Anforderung, daß allgemein die hohen Lebensmittel- preise durch Subvention des Reichs, der Gemeinden und der Einzelsiaaten herabgedrnckt werden sollen. Soweit diese Ansprüche für Brotgetreide und Kartoffeln geltend ge- macht wurden, ist damit zu rechnen, daß ihnen statt- gegeben wird. Für Kartoffeln ist bereits die Ablösung im Gange. Im Plenum ist erklärt worden, daß diese Ansprüche insgesanit eine j ä h r l i 61 e Belastung von rund zwei Milliarden Mark zur Folge haben. Wenn auch die Summe, die hier in Betracht koinmt, sehr erheblich ist, so kann sie bei den RiesenauSgaben, die heule das Reich zu leisten har. nicht mit dem Hinweis auf die hohe finanzielle Belastung abgelehnt werden. Die Rentensätze selbst, die hier in Frage kommen, bleiben immer noch in sehr bescheidenen Grenzen und ermöglichen ohne eine Zubuße von anderer Seite k.ei» Auskommen. Tagliamento. Die kauzösisÄe und englische Presse kündigte dieser Tage in Italien eine neue Marneschlacht an. die noch weittragendere Folgen tili die erste haben ircrde. Dazu sogt Kopenhagener„Politiken�: Tie Geschichte wiederholt sich aber kaum, auf jeden Fall nicht so schnell. Cadorua»st nicht so günstig gestellt wie seinerzeit Joffre. Cr bat weder seine Soldaten»och sein Material in so guten» Zu- stände und nicht annähernd so viel Reserven. Allerdings verfügt er über die besseren Verbindungslinien. Die breiten sumpfigen Täler des Tagliamento bilden sicher eine gute Scheidelinie und dahinter laust eine Dahn vom Norden nach Süden. Die Tagliamento- slellung kann jedoch in den Bergen umgangen werden, und es scheint wirklich, als ob die Mittelmächte«ine neue überflügelnde Bewegung auszuführen im Begriff sind. Gelingt eS ihnen, über den oberen '/auf de« Tagliainento und damit ii» den Rücken der südlicheren iralieniiche» Stellung zu koinmen, so mutz Cadocna hinter den Provcflutz zurück. Soll dieser Flutz der italienischen Marneschlacht den Namen geben? * Ülus dem österreichischen KLicgsprcffcquartier wird vom 2. No- ifintKr gemeldet: Immer vernichte irder gestaltet sich die Niederlage der Italiener. Durch die Einnahme von Gemona, in dessen Forisgüctel bereits am S8. Oktober unsere k. k. Schützen mit srürmerrdcr Hand eindrangen, sowie durch den Fall des oft- seitigei» Brückenkopfes von Pinzcmo ist nunmehr das ganze östlichcUferdeSTagliaincirtoinderHandderBer- bündeten. In letzteren Kämpfer» erlitten die iioch Wiserftand leistenden Italiener eine neuerliche schwere Schlappe. 50 Offiziere, darunter ein Brigadekommandant, und über 3000 Mann fielen als Gefangene in die Hände der deutschen Truppen. Einzelne noch in den Ortschaften im Räume von La t i s a n a sich zur Wehr setzende italienische Bataillon« wurden zum größten Teil aufgerieben. Das eingetretene schöne Wetter wirkt fördernd auf die Operationen. Tic Serflugzeusic dabei» gleich»nie jene der Armee als Aufklärer fteitzig a» der Bor- dereituug der Operationen mitgewirkt, an ihnen selbst aber gleich- falls in ruhmvoller Weife teilgenommen. Nach wiederholten Bom- beuangriffen auf Ronchi und Villa Vicentina sowie zahlreichen Er- lundungsflügen nahmen unsere Marineflugzeuge direkt durch Ma- ichinengewehrseuer unterstützend an den Jnfanterieangrisfe» im Räume von Nova VaS teil. Von» 2g. an führten weite ErkundungS- sliig« auch die tapferen Marineflieger in Feindesland. Die Bahn- böse von Lalisana. Muzzano, T'uppenkolonnen bei letztere»» Orten, Portrogruaro und andere Orte wurden mit Bomben belegt, der Eisenbahnverkehr wiederholt empfindlick» gestört.?lmlner wieder »rügen die Flieger Berivirrung in die flüchtenden feindlichen Scharen. Als durch die Eroberung von Monfalcone die mächtigen Sdobba-Batterirn in den Wirkungsbereich uiiferer siegreich vorstürmenden Truppen gekommen waren, setzten sie sich durch kräftige» Feuer zur Wehr; ji« brachte eni�F«uerüberfall unserer Torpedofahrzeuge zum ochwcigeli. Dadurch wurden die Italiener auch daran verhindert, ihre Absicht, alle Geschütz« zu sprengen, zu verwirtlichen. Die zahlreichen Wasseradern und Sumpfstrecken deö Lagunengebicts hinderten unsere Truppen am raschen Vorgehen gegen Grado, von wo aus der Feind möglichst viel Material durch die Kanäle zu bergen suchte. Wisder griff die Marin« ein und vom «tteuzer Admiral Spaun gelandete Abteilungen bemächtigten sich Grados, auf diese Weise der weiteren Wegschaffung und Bernich- :i:ng von Material ein Ziel setzend. Di« Mikwirküng der Tdestmfkräfie bei der Verfolgung des Feindes hat besonder» auf die Erhöhung der Beuteziffern einen gewichtigen Einfluß genommen. Die riesige Einbuße der Italiener an Material wird sie um so schwerer treffen, als die Tätigkeit der Unterseeboote eine Wiederauffüllung der Bestände in verhälknis- mäßig kurzer Zeit unmöglich macht. Ktalienischer Heeresbericht vom 2. November. GefchützfeuerauStaufch über den Tagliamento. Feindliche Pa- trouillen. die sich auf das andere Flußufer vorgewagt hatte»», wurden durch Maschinengewehrschnellfeuer vertrieben. Bon der übrigen Front lein wichtige» Ereignis. �anfing unü Kerensti. Mt jäher Eile schnappt die amerikanische Regierung aus die Aeußerungen ein, in denen der Leiter der dorläusigen Re° gierung der russischen Republik soeben den Stand der Kriegs- fähigkcit Rußlands gekennzeichnet haben soll. Ueber diese Aeußerungen berichtet eine New Aorkcr Reutermeldung gestern in folgender Weise Genaueres: Der Petersburger Bericht- erltatter der Associated Preß hatte eine Unterredung mit K e r c n s k i und lenkte dessen Aufmerksamkeit auf die widerspruchsvollen Berichte aus Rußland, die in Amerika der- öffentlicht würden: ferner fragte der Berichterstatter, ob Ruß- land jetzt eigentlich außerhalb des Krieges stehe? Kerenski antwortete lächelnd: „Da» ist eine lächerliche Frage. Rußland nimmt sehr grsßen Anteil am Kriege. Es kämpfte bereits, als England sich noch vor- bereitete und Amerika noch zusah. Im Anfang hatte Rußland den Löwenanteil am Kampf und rettete dadurch England und Frankreich. Die Menschen, die behaupten, daß Rußland ausgc- schaltet sei, haben ein kurzes Gedächtnis. Wir haben von Anfang an getämpft, wir sind jetzt erschöpft und haben das Recht z u verlangen, daß die Verbündeten den schlorrsten Teil der La st auf ihre Schultern n e h in e n." Diese Worte Kerenskis könnten durchaus Datsache sein, denn ihr Inhalt entspricht der Lajze Rußlands, und des wei- teren wären sie eine durchaus logische Fortsetzung von Aus- sprächen, die Kerenski früher über die Zersetzung Rußlands getan hat. Aber sie wären gefährliche Worte für die Miier- ten. Das wird durch folgendes Reutertelegramm zuge- standen: Washington, 3. November.(Reuter.) Bezugnehmend auf die Besprechung eineö Vertreters der Associated Preß mit Kc- renski ermächtigte Staatssekretär L a n s i n g zu eiucr Erklärung, daß weder aiif Grund nintlichcr Meldungen der Regierung noch Kercnökis durch Kabel übermittelter Feststellung br- hanptet werben könne, Rußland beabsichtige, den Krieg aufzugeben. Tie Regierung bedauere solche Auslegung. Uebcrdies könnie darauf hingewiesen »verbc«, daß daS Vertrauen der Regierung zu Rußland durch die Ermächtigung zu einer Anleihe von 31,7 Millionen Dollar aus Krediten, die Rußland früher eingeräumt worden seien, neuen Ausdruck gefunden habe. Diese Summe werde der russischen Regierung sofort zur Verfügung stehen. Staatssekretär Lansing sagte noch einer weiteren Reuter- Meldung noch folgendes:„Unsere eigenen Informationen zeigen, daß die vorläufige Regierung in Petersburg mit Energie an das Problem, dem sie sich gegenübersteht, heran- getreten ist. Kerenski und seine Regierung sind weit davon entfernt, sich der Mutlosiakeit zu überlassen, sie sind noch immer fest entschlossen, alle Hilf Sauellen Ruß- landszu entschlossenem Wider st and zu organisier c n und den Kriegeine in siegrei�henEnde zuzuführen. Die amerikanische Regierung und die Regierun- gen ihrer Verbündeten gewähren Rußland zu diesem Zwecke alle mögliche Hilfe." Die auffallende Art beschleunigten Eingehens auf die Mitteilung de? Associated Preß läßt daraus schließen, daß Staatssekretär Lansing sich von den Aeußerungen Kerenskis schlimme Wirkungen in Amerika versprach. Aber sein Vor- gehen muß noch unter einem anderen Gesichtswinkel betrachtet werden: unter dem der Nähe der Pariser Allnertenkonferenz. Wie von London mit Hochdruck gearbeitet wird, um die russische Regierung fest zu inachen gegen jeden Druck, der von der Friedensseite komint, so wirft nun Ainerika mit großer Posaunenbegleitung seine Dollarmillionen in die Wagschale. Hat Kerenski auf diese klingende Wirkung spekuliert? Gab es etwa amerikanische Widerstände zu überwinden? Beides kann hinter dem merkwürdigen Tclegrammspiel stecken. Der Eifer, mit dem die amerikanische Regierung ont- wartete, inacht aber jedenfalls ganz den Eindruck, daß Kerenski in der Tat die Worte gesprochen hat, die der Vertreter der Associated Preß veröffentlichte, und daß der amerikanischen Regierung die Aussicht verteufelt wenig willkommen n»äre, wenn die Last des Krieges in Zukunft den Alliierten ohne Rußlands militärische Beteiligung aufgehalst würde. Kritische Tage in Rußlanö. A»n st e r d a m, 3. November.„Times" erfährt aus Petersburg: Die Miliz kann die Ordnung in der Stadt »licht aufrecht erhalte». Am Sountag kam eS infolgedessen zu T u m u l t e n, bei denrii mehrere Personen von der Volksmenge gelyncht wurden. Dir Anarchie im Lande nimmt fortwährend zu und in vielen Städten und ländlichen Distrikten wurde der Belagerungszustand verhängt. Prtersburg, 3. November.(Petersburger Telegr.-Agentur.) Der militärische Hauptausschutz beim Grotzen Haupt- quartier hat nn Namen aller Armeen einen Aufruf an das Hinter- land gerichtet, in dem er auf die Krise hinweist, die das Land durchmacht, und foiwert, datz sofort alle AuSschrei- Inn gen aufhören sollen. Ferner verlangt er, dag au» allen Fahnenflüchtigen, Landstreichern und sonstigen schmarotzenden Elc- menten Arbelterabteilungen gebildet werden, die eiitiveder an die Front geschickt werden sollen oder im Hmtcrlanö arbeiten müssen. Ter Ausschuß hat alle Garnisonen, die Miliz und die republika- nische Garde mit dieser Aufgabe betraut. Der Verteidigung S- auSschütz beim Vorparlament hat entschiodcn. dag die örtliche» Wohlfahrtsausschüsse da» Recht hoben sollen, überall da, wo sie eS für notwendig crachtcn, den Kriegszustand zu erklären. Petersburg, 3. November.(Petersburger Telegr.-Agentur.) Nach Blättermelduiigen hat das VerkchrSlmnijterium angefichtö der Hcizkrisr verfügt, datz vom 23. November ab auf allen Bahnlinien die Beförderung der Reifenden«in- geschränkt werden soll, indem für jode Linie nur noch zwei Züge am Tage abgelassen werden.— Die Regierung hat die Heimkehr aller politischen Flüchtlinge noch Rußland gestattet.— Da» Kriegsministerium hat eine Reihe von Maßnahmen zur unverzüglichen Reorganisation aller im Hinterland befindliche» Truppen getroffen. Nach ciner Stockholmer Meldung der.Kölnischen Zeitung" hol der Bevollmächtigte für die Räumung Peter»- b u r g S auf sämtlichen Eisenbahnen Finnlands bekannt machen lassen, datz vom 27. Oktober an da» Reisen nach Petersburg und Moskau für jede» Zipilverkehr berboteü sei. Zivilisten, die ohne Erlaubnis der Behörden reisten, würden»nit sich» Monaten Gefängnis oder 10 000 Rubel bestraft. Sollen Petersburg und Moskau, die Zentren der Revolution, isoliert werden? Auch das wegen der—„Heizkrise"? ßneöensmrerpellation in Schweden. Stockholm, 2. November. Im Reichstag hat Lind- Hägen(Linkssozialist) eine Interpellation eingebracht, in der er ü. a. fragt, ob die schwedische Regierung bereit sei, energisch, zum wenigsten im Namen des schwedischen Volkes, wenn nicht zusaminen mit anderen Neutralen, gegen das Unglück des Krieges zu protestieren, den heißen Wunsch der Völker nach Frieden zum Ausdruck bringen und sich gegen einen so- genannten Diplomaten frieden, der nur neue Streitigkeiten mit sich führen würde, und für einen Frieden voll Gerechtigkeit und Menschlich- k c i t auszusprechen._ Der Entwurf öee verfajlung Polens. Warschau, 2. November. Professor Zybichowski, Vor- sitzender der Kommisston des Staatsrats zur Ausarbeitung der polnischen Verfassung, machte einem Mitarbeiter des „Kurier Warzawski" Mitteilungen über den Entwurf, welcher nack» fünfmonatiger Arbeit nunmehr fertiggestellt wurde. Hier- aus sei folgendes hervorgehoben: Die S t a a t sre li g i o n ist die katholische. Die Vcr- fassung ist die. e r b l i ch e Monarchie. Den ersten König wählt der Landtag. Zur Ehe des Königs ist die Genehmigupg des Landtags notwendig. Der König muß im Lande wohnen und darf ohne Zustimmung der Landtags nicht Oberhaupt eines fremden Staates sein. Das Parlament besteht aus Landtag und Senat. Der Landtag wird auf Grund des allgemeinen, gleichen, direiteu und geheimen Proportionalwahlrcchtcs gewählt. Der Senat wird zur Hälfte gewählt, zur Hälfte ernannt. Beim Landtag liegt das Schwergewicht der Entscheidung über die Richtung der staat- lichen Politik. Der Senat hat die Bedeutung einer hemmenden Instanz. Abgelehnte Wahlreform in Norwegen. Die von der sozialdemokratischen Fraktion des nor- wegischen Storthings beantragte Abschaffung der Stichwahlen und Herabsetzung des Wahl- alters auf 21 oder 23 Jahre wurde mit 67 gegen 5-l Stimmen abgelehnt. Die Awangseinziehungen Neutralee in Amerika. Stockholm, 2. November. Ein heute im schwedischen Au»- ivörtigen Amt eingetroffener Kabelvericht der schwedlichen Gesandt« ichait in Washington bestäligl, daß die zwangsweise Einziehung von Angehörigen neutraler Länder in Ainerika weitergeht und datz schwedische Untertanen in große»» Umfange eingezogen werden. Aus die Vorstellungen der schwedischen G e i a>» d r s ch a s t. datz gemäß der Uebereinkuiift vom 23. Mai 1860 die Annahme der sogenannten ersten Papiere von Dellaranten. die beabsicbtigtei». amerikanische Bürger zu werde», noch keine Verüiiderung der EiaatS- angehörigkcit mit sich bringe, antwortete das amerilanische Staatsdepartement. der Präsident als Oberbefehlshaber der Armee sei bereit, in besonderen Fällen von der schwedischen Regie- rung unterstützte Anträge auf Entlassung scvwedischer Dekla- ranten. die in die Armee eingereiht wurden, in Erwägung zu ziehen. Die schwedische Gesandtschaft in Washington wird die Ent- laffnnq derjenigen schwedischen Untertanen beantragen, die zu diesem Zwecken die Gesandtschaft oder die Konsillaie um Beistand ersuchen. Wo ein fester Rechtsanspruch Schwedens vorliegt, wird also „erlvogen" werden, ob man Ausnahmen und Bergünstigungen gc« »oähre» soll. Der Vorgang ist eine Illustration zu den grotzen Worten von Verteidigung des Rechts und der Gerechtigkeit, die von den Alliierten mit blendenden Lettern auf die Kriegsfahne gc- ichrieben worden sind. Vor der Wirklichkeit sind sie nicht» als eine Phrase, hinter der sich die Bereitschaft versteckt, jedes Unrecht zu begehen, wenn's nur profitabel scheint. Die feinölichen /luslänöer in Amerika. Terror gegen Pazifisten. Aus New?)ork meldet das Bureau Reuter: Einige h u n- dert Schiffswerften, Trockendocks und Maschinen- fabrikcn an der Ostküste wurden amtlich aufgefordert, alle dort beschäftigten feindlichen Untertanen vor dem 1. November zu entlassen, da diese Ausländer sonst interniert werden Ivürdcn. Man griff wegen der zahl- reichen Brände, die seit Ausbruch des Krieges namentlich im Gebiet von Brooklyn vorgekommen find, zu dieser Maßregel. Ferner meldet Reuter aus SiouxfallS: August Fried- r i ch. der als Führer der„S o z i a l i st e n v e r s ch w ö r ung" zur Behinderung der Rekrutierung gilt, ist zu fünf Jahren Gcfäogniö und einer Geldstrafe von 1 000 Dollar. 26 Mitschuldige, sämtlich Deutsche, sind zu e i n bis zwei Jahre» Gefängnis und Bußen von ein- bis dreitausend Dollar verurteilt worden. der Krieg auf den Meeren. Berlin, 2. November. Im Sperrgebiet u« Eng- lau d wurden durch unsere U-Boote wiederum vier Dampferund zwei Segler versenk», darunter ein Dampfer, der au» einem großen gesicherten Gcleitzng herausgeschossen wurde, sowie die beide» engli- scheu Segler Cupica mit 1250 Tonne» Kalk und Kreide, von Eng- land nach Savannah und Tom Rover. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. Berlin, 3. November. Amtlich. Durch die Tätigkeit unserer Unterseeboote wurden a u s dein nördlichen Kriegöschau- platz neuerdings 17000 Dr.-Neg.-To. vernichtet.— Unter den versenkten Schiffen befanden sich 5 Dampfer, die sämtlich Kohle» geladen hatten. Zwei dieser Dampfer wäre» bewaffnet und englischer Nationalität. Der Chef des AdmiralfiabeS der Marine. Seetreffen im Kattegat. Kopeilhage«, 3. November.(Meldung des Ritzauschen Bureau-.) Gestern vormittag fand ein großes Seelreffen zwischen englischen Torpedojägern und einigen deutschen be- waffneten Fahrzeugen, unter denen sich ein größerer ttt.303 ❖ 34. Jahrgang Heilage öes vorwärts Sonntag, 4. November 141 7 GrofcSerün Tie Klagen über die Berliner Volksspeisung scheinen sich wieder mehren zu wollen. Gegenüber der Erhöhung des Portionspreises wird mit um so gröherem Verdruß darauf hingewiesen, daß die Güte der Speisen sehr viel zu wünschen übrig läßt. Bestritten wird, daß die Volks- spsisung den Teilnehmern soviel an Fleisch und Wurst liefert, wie sie nach Maßgabe der cinae'orr-erten Fleischkartenabschnitte liefern müßte. Die Klage, daß die Speisen auch au sonstigen Zutaten nicht reich sind, daß die Gerichte aus Krhl» Mohrrüben, Granpen, Nudeli? usw. wegen ihrer S u p p i g k e i t geringen Nährwert haben, kehrt immer wieder. Eine Abonnentin unseres Blattes hebt hervor, daß mit dem Volksküchenessen viele Arleitcr und Arbeiterinnen einer Munit:cnsfabr:k, in der auch sie gecnbcitet hat, sich zu Mittag be- köstigen müssen. Sic will„keine Pasteten verlangen", wie sie uns schreibt, aber das Essen müsse sie als oft f a st ungenießbar bezeichnen, wobei iie unter e:en'hr den der Ausgebestelle Reinickcn- dorfer Straße gelieferten Speisen besonders- ein aus Kartoffeln, F:sch und Sagoßusaminenaekochtes Gericht erwähnt. Ein Abonnent, der über die in der letzten Zeit mit der Volksspctsnng gemachten Er- fahrungcn sich gleichfalls sehr bitter äußert und besonders die g c- ringe Bemessung der Fleisch zutaten rügt, hat mit seinen Angehörigen notgedrungen die Volksspeisung vom ersten Tage an bis heute, also über VA Jahr, benutzt. Wer selber die Gc- nüsse der Volksspeisung lange genug am eigenen Gaumen und Magen kennen gelernt hat, wird uns darin bcistiinmcn, daß eine der- artige Ausdauer eine ganz hervorragende und bewunderungswür- dige Leistung ist.„Wir gehören", schreibt uns dieser Speisuiigstcil- nehmer.„nicht zu ocn Lernen die selbst in den jetzigen harten Zei- ten noch mäkeln/ sondern essen jedes Gericht— aber auch dem Geduldig st en reißt einmal der Faden." Vielleicht versucht man's mal damit, daß der Chef des Volks- speisungswesens und seine Kollegen im Magistrat sich ihr Urteil über die Speisen nicht mehr durch Entnahme kleiner Kostproben bilden, sondern längere Zeit hindurch Tag für Tag bei ihren MittagSmahlzeiten sich mit dem Volksküchcnesscn begnügen. Sie werden oann gewiß sehr bald erklären, daß sie von den Genüssen der Volksspeisung— genug haben. Berliner Lebensmittel. Die Kartoffeln für die folgende Woche sind wieder in dieser Woche beim Kleinhändler abzunehmen. Außerdem weist der Magistrat darauf hin, daß diejenigen, die auf die Abschnitte la. bis lg der Sonderkartoffelkarte ihre Kartoffeln zur Ansammlung einer eisernen Ration noch nickt entnommen haben, dieS bis zum 11. November tun müssen, da sie sonst nicht auf Belieferung rechnen können. Das Nähere ergeben die Anschläge an den.Säulen. Der Kleinhandelspreis iür 1 Liter Karten- P e tr o I e u m be- trägt vom Montag ab 34 Pf.__ Ueber den Handel mit Gemüsetrockenprodukten. In letzter Zeit mehren sich die Klagen darüber, daß für Ge- müsemehl und Gemüsepulver, das sind die Erzeugnisse, die durch Weiterverarbeitung, insbesondere Vermahlung oder Verschrotung von Dörrgemüse hergestellt werden, ungewöhnlich hohe Preise ge- fordert werden, die in keinem Verhältnis zu den für das Dorr» gcmüse selbst festgesetzten Richtpreisen stehen. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst hat daher bewirkt, daß der Absatz nur noch mit Genehmigung der zuständigen Kriegsgesellschaft für Dörrgenrllse zu« lässig ist. Diese Kriegsgesellschaft wird einen angemessenen Absatz- preis festsetzen. Da Im allgemeinen ein Bedürfnis zur Herstellung solcher Gemüsemehle in größerem Umfang nicht anerkannt werden kann, wird die Kriegsgesellschaft derartigen Betrieben, die nicht schon früher sich mit der-Herstellung von Gcmüsemehl nnd Gemüse- Pulver befaßt haben, grundsätzlich keine Genehmigung zum Absatz erteilen._ Ernährungsfürsorge für Tuberkulöse. Die Zunahme der Sterblichkekt an Tuberkulose hat dem Staats- sekretär des KriegSernährungSamts Veranlassung gegeben/ die zu- ständigen Stellen von neuem auf die zur besseren Ernährung der Schwindsüchtigen erlassenen Bestimmungen hinzuweisen. Diese Be- stimmungen gewähren den Tuberkulösen Kost zu lagen, die den Gesamtnährwert det zurzeit iür die übrige Bevölkerung verfüg- baren Normalportionen erheblich übersteigen nnd mit einer Tages- kopfration von rund 3000 Kalorien im allgemeinen auch den ärzt- lichen Ansprüchen genügen dürften. , Piepaustern-Wnrst. DaS KriegSernährungSamt teilt mit, daß demnächst Seemuscheln auf dem Berliner Markt erscheinen werden. Preis des Pfundes 20 Pf. Wer sie essen will, soll sie rechtzeitig bei seinem Händler bestellen, damit dieser sich wegen der Zuteilung bei der Fisch- Verteilung Groß-Berlin melden kann.— Außerdem kündet das K.E.A. das demnächstige Erscheinen eines neuen Nahrungsmittels an: Leberwurst aus Strand- oder Piepausiern I Wie läuft der Hase? Seit Jahr und Tag hören wir, daß das Wild in Deutschland sich mächtig vermehre und der schöne irchkene Sommer dürfte die berühmte Fruchtbarkeit Meister Lampes schwerlich um ihre Erfolge gebracht haben. Aber wo sonst— selbst noch im Kriege— lange Gestelle dichrbehängt mit Hasen zu sehen waren, da starren nnS jetzt die Ersatzmitielpakete und Atrappen entgegen und in den leeren Finsterhöhlen wohnt das Grauen. Indessen laufen durch die Paket- Postämter Hasen über Hasen, tot natürlich, mit Schrotkörnern im Leibe und dem Adreßzettel am Lauf. Da aber zur Zubereitung solch' eines Hasen erwiesenermaßen Speck und Butter gebören, so liegt es nahe, daß da, Ivo der Hase hinadressicrt ist, auch das nötige Fett zu finden sein dürfte— und zwar mehr als die Wochen- ration von oll Gramm Bukter und 30 Gramm kcrzenstofflicher Margarine. Item— wir wollen weiter nichts gesagt haben als: Wer suchet, der wird finden. Die Verstaatlichung der Hamsterei schlägt ein ideenreicher Leier des„Vorwärts� vor. Ja das wäre was! Wenn nwn die Fähigkeilen und Beziehungen der Hamster der Allgemeinheit dienstbar machen könnte, die von der amtlichen Eriiährungssüriorge dock uuzweiselhaft knapper gebalten wird, als die Hamster sich zu verpflegen wissen. Da alle Maßnahmen gegen das Hamstern bisher den Schleichhandel nur gefördert haben,«uß man wirklich daS Aufkaufen der Hamsterei ernstlich erwägen. So könnte» aus verhaßten, aber noch viel mcbr beneideten Individuen allverehrte Reichsehrenbeamte in Eid und Pflicht werden, mit einem Oberreichshamster an der Spitze. Klagen über unangemeffeue Behandlung in den Bczngscheinstcllen werden, wie der Berliner Magistrat uns mitteilt, oft in so all- gemeiner Form vorgebracht, daß eine Nachprüfung unmöglich ist, zumal nicht ersichtlich gemacht zu werden pflegt, in welcher der ver- ichiedencn Gemeinden Groß-Berlius der zur Beschwerde führende Fall sich zugetragen hat. Soweit die Stellen der Aufficht de-Z Berliner Magistrats untersteben, ist den Ehrenbenmtcn sowohl wie dem besoldeten Personal das höflichste Verhalten gegen die Antragsteller zur strengsten Pflicht gemacht. Alle Beschwerden, welche die nötigen Angaben enthalien, werden eingebend geprüft; wenn sie sich als be- gründet herausstellen, wird Abhilfe geschafft. ES darf jedoch nicht verkannt werden,.daß die Prüfer an die einschneidenden reichsrecht- lichen Bestimmungen gebunden sind und ihre schwierige Aufgabe zumeist mit Verständnis und Geduld erfüllen. An die Bevölkerung wird aber auch di� Bitte gerichtet, die Tätigkeit der Ehrenbeamten nicht zu erschweren, sondern durch entgegenkommendes Verhalten nach Möglichkeit zu erleichtern. Schuhreform. Ein Münchener Schuhmächerfachblatt kündigt an, daß nunmehr die Beschuhung des deutschen Volkes geregelt werden soll. Nur noch drei Arten Stiefel soll es geben,'alle auS Ersatzstoffen und mit Holzsohlen. Nur über die Ppcise wird uns nichts verraten, aber es gibt iinrnerhin noch eiife Anzahl- Leute im Deutschen Reich. denen der Preis nicht gleichgültig ist. Heute kann wahrhaftig nicht jeder die Kosten für neue Stiefel erschwingen, zumal daS Besohlen schon beinahe soviel lostet wie noch vor drei Jahren ein Paar neue Schuhe. Und wie man weiß, ist es ein nur durch List— öder Tauschhandel abzu- kürzendes Geduldspiel, überhaupt Sohlen und Absätze zu bekommen. Wir erinnern uns noch an das große Tamtam, mir dem uns einst die 10- Mark-KriegSsiicfel der Dresdener Werkstätten verheißen wurden— gesehen haben wir sie nie und statt ihrer kam der Be- zugschein. Unsere> Erfahrungen lassen uns aber fürchten,' daß wenn es nun wirklich Kriegssticfel geben sollte, sie vermutlich teuerer sein werden als selbst noch in der ersten KriegSzeit richtige Ledersticfel lparen,__ Zur Groft-Berliner Siedlnngspolittk. Stadtbaurat a. D. Beuster schickt uns zu unserem Bericht über- seinen im Architcktenvprein gehaltenen Vortrag„Berlin nach dem Kriege, Städtebau und Verwaltungs- o r g a n i s a t i o n"(„Vorwärts", Nr. 299) eine Zuschrift, in der er sich gegen unsere Schlußbemcrkung:„Seine Sicdlungspolitik rechnet nur mit dem Unternehmertum usw." wendet. Er habe gc- sagt, in den ersten Friedensjahren sei für die Kleinwohnungs- erstellung von dem privaten Baugewerbe wenig oder gar nichts zu erwarten, so daß sie mit öffentlichen Mitteln wieder in. Gang gesetzt werden müsse. Für diese öfsciitliche Aktion habe er schon in einer 1913 erschienenen Broschüre(Beuster, Die Finanzie- rung neuer Vororte, Verlag der Bauwelt) die Gründung einer Siedlungsban! unter Hergabe öffentlichen Bodens und ferner einer KleinhauShypothekenbank vorgeschlagen, doch sei zu seinem Bedauern die Angelegenheit trotz vieler Verhandlungen nach VA Jahren noch nicht zum Abschluß gekommen. Beuster irrt, wenn er annimmt, daß jene Schlußbemcrkung unseres Berichts ihm nachsagen wollte, er rechne mit überhaupt kein?r Mitwirkung der Gemeinden. Wir wünschten hervorzuheben, daß die Gemeinden nicht nur durch Her- gab« von Mitteln an der Besserung des Siedlungs- und Wohnungs- Wesens mitzuarbeiten haben, sondern als- Grund- unid Hausbesitzer, indem sie. selber bauen und vermieten. Darum fügten wir hinzu: „Davon, daß die Gemeinden selber durch Wo h n u n g s- erstellung und Wohnungsvermietung zvr Lösung des Siedlungsproblems beitragen könnte» und soll- ten, war in dem reichlich zweistündigen Vortrag nicht die Rede." Und das sagt Bcuestcr auch in seiner Broschüre nicht. Kleine Anfragen. 1. Auf der V orortbahnBerlin-Mariensclde zählte ein Fahrgast seit Wochen täglich fünf bis sechs Wagen, denen reils auf einer, teils auf beiden Seiten mehrere Fenster- bezw. Seiten- scheiben fehlten und wiederholt mußte er in einem Abteil ssohren, in den der Regen durch die beiderseits fehlenden Fensterscheiben hineingepeitscht wurde.— Wohrscheinlich beabsichtigt die Eisfiibahn- Verwaltung durch diese strenge Maßregel das Publikum für die Strapazen des kommenden Winters abzuhärten, wo die Fahrten in den ungeheizten Abteilen die stärksten Anforderungen an die körperliche Widerstandssühigkeit der Fahrgäste stellen werden. Oder bezweckt sie etwas anderes? 2. In der 227. Gemeindcschule(Seuejelder- st r a ß e) müssen die Mädchen der 4. Klasse ein Gedicht lernen, das den Titel führt:„So, Michel, kannst Du heut' Frieden haben", und in dein sich folgende Verse finden: Tu das Schwert in die Scheide, den Beutel heraus, Sei ruhig und leide, der Krieg ist dann aus. Schön' Dank sag' den Russen, es täte dir leid, Du wärst zur Entschuldigung gerne bereit; Sie sollten nur sagen, wieviel und wie hoch, Du ftopsst ihnen gerne im Beutel das Loch. Ilud küsse dem Franzmann die Hand und den Fuß: Echt deutsch sei die Art; echt deutsch sei der Gruß. All' was deine Väter geschafft und erstritten, Dein heiliges Erbe, das bringe den Britten; Wie-werden sie jubeln, Viktoria schrei'n lind dir in dein elendes Angesicht spei'ul So, Michel, kannst du heut Frieden Kaben Und dann häng dich auf zum Fraß für die Raben. Hoffen die Pädagogen der 227. Gemeindeschule durch eine der- artige„Poesie" das Verständnis für deutsche Dichtkunst zu fördern, oder sind sie sich der Geschmacklosigkeit dieser elenden Reimereien bewußt ckmd wollen sie— der Zweck heiligt daS Mittel— nur den todesverachtenden Kampfesmut der kleinen Mädchen anfeuern und durch chauvinistische Verhetzung die 4. Klasse zum„Durchhalten� im Sinne der Vaterlcmdspartci scharf machen! U. A. w. g. Die Volksbadcnnstalt Wallstraße wird am Moniag wieder- eröffnet.» Verteilung von Strümpfen an Kleinhändler. Der Berliner Magistrat hat dem Verein der Tcxtildetaillisten Groß-Berlins die Veneilung der ihm von der ReichsbekleidungZstelle zugewiesenen Frauen- und K i n d e r st r ii m p f e sowie M ä n n e r s o cke n übertragen. Berücksichtigt werden nur in Berlin gelegene Detailgeschnste, die bereits vor dem 1. August 1914 Strümpfe geführt haben. Die Verteilung erfolgt nach den vom Magistrat genehmigten Bedingungen. Meldungen sind bis zum 12. N o- v e m b e r nur auf Postkarte an den Verein der Textil- detaillisten Groß-Berlins bl. 24, Oranienburger Str. 22, zu richten. Acrztliche Behandlung von flüchtigen Ausländsdeutschen. Im Einvernehmen mit dem Berliner MagislratSkommissar hat der Wer- walmngsausschuß der Berliner Standesärztlichen Vereine be- Die welsche Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhunderts. 291> Von R. F r a n c ö. Seyboldsdors blieb der Mund offen. Er brachte vor Erstaunen nur einen unartikulierten Laut hervor. Dann platzte er los: „Nicht mehr Beamter? Und er will meine Tochter freien? Ja ist er von Sinnen? Gelernt hat er nix, um ein wohl- sortiertes Geschäft führen zu können und�nicht einmal Beamter ist er! Ja, ist er toll? Er hat seine Stellung nieder-- ge-- legt! Er will sich wohl drücken, jetzt, wo er das Mädel verrückt gemacht hat— ah darum rcd't er nix...." Solms bäumte sich auf.. „Herr... SeyboldSdorf, ich liebe seine Tochter und werde handeln wie ein Kavalier, so er mir seine Tochter gibt... „Ich, einen Hungerleider, einem entlassenen Beamten, meine Regina" zischte der andere. Solms, von Sinnen durch die Wut der Enttäuschung dieses Plebejers, hob den Arm.— Da retirierte der dicke Pfeffeilsändler mit unglaublicher Geschwindigkeit, schoß aus dem Zimmer, rannte an dem verdutzt aus seinem Hinbrüten auffahrenden Best vorbei und verschnaufte seine Wut erst, als er tief atmend auf der Treppe stand. „Herzogliches Bagaschi!" grollte er und drohte mit der Faust auf die Tür zurück, auf der die Kanzleistunden prangten, „hochnäsige, kan' Respekt vor an redlichen Bürger hab'ns, dös Pack..., aber a Madl verführen und dann sitzen lassen, und i komm' no selber daher, na wart', dir tränk' is ei.. Und mit Racheplänen, heftig gestikulierend polterte er die Treppe hinab.... Erst unter dem Tor fand er die einem Magistratsrat geziemende Würde wieder, und zwar so gründ- lich, daß die Leute hinter ihm sich spottend sagten: Na, der Seyboldsdors hat heut' wieder an Ladestock g'schluckt.... Solms aber sank oben währenddem in einen Stuhl und starrte mit schmerzendem Auge vor sich hin. Die Ereignisse brausten seit gestern über seinen Kopf da- hin. Fast verhaftet, wie ein gemeiner Verbrecher flüchtend, sich verbergend— diese unwürdige Angst von heute morgen— die Beschimpfung durch seinen Vorgesetzten... Peißer, der gute, arme Kerl, durch seine Schuld im Gefängnis, denn sein Ehrgeiz war es ja, zu desfln Befriedigung der treue Kamerad die Versammlung einberufen hatte. Und nun durch seine um geschickte Verteidigung war Morawitzky gerade auf Peißer so scharf--- dazu jetzt dieser Zusammenstoß mit dem Vater seines Mädchens--— wie gewöhnlich, wie ordinär war dieser Bürger! Und eigentlich hatten sie doch recht... von was sollte er nun heiraten?— er ohne Vermögen und nun auch ohne Brot? Denn nach diesem Verdacht, nach dieser Beschimpfung konnte er keine Stunde länger der Untergebene des Grafen bleiben, nur das eine war in seiner Zukunft sicher und unabweisbar.... So irrten die Gedanken in seinem Kopf umher. Er seufzte tief, zog dann- einen Bogen Aktenpapier hervor und setzte sein Entlassungsgesuch auf... Als er mit dem seine Zukunft freiwillig versperrenden Brief zu Besl hinaustrat, damit dieser ihn dem Grafen übergebe, kraf er den alten Mann höchst verdrießlich in Akten wühlend, auf der Suche nach allem, was, wie er sagte, amtlicherseits von dem fffPeißer bekannt sei. „Herr Sekretär." knurrte er bekümmert,„der Teufel kennt alle Fremdwörter/ Was ist ein So?" „Ein So, das ist gar nichts." Dem. Alten traten Tränen in die Augen. „Das Hab' ich net verdient," Wurmelte er.„ein garnix." „Wie kommt er auf so sonderbare Redens" „Der Graf hat mich einen So g'schimpft." � Trotz seinem Kummer mußte Reinhard hellauf lachen. Der trcsue alte Polizist ballte die Faust. „Und trotzdem, ich Hab' Recht g'habt," sagte er mit unter- drücktem Grimm,„der Michalansky, der Böhm ist eine Kanaille; der Schuft will richtig aufwiegeln und hat die andern vielleicht nur ins Unglück gezogen." Da schellte wieder die Glocke im Zimmer des Grafen und mit den endlich zusammengesuchten Akten, mit denen er das Entlassungsgesuch des Sekretärs mitnahm, eilte er in das Gemach, während Solms mit schweren, müden Schritten in sein Zimmer ging, um den Bescheid zu erwarten, ob er sofort aus dem Amt gehen könne. „Hat er es endlich gefunden?" schnauzte Morawitzky sein Faktotum an. Auch ihm war erheblich übler zumute denn am Morgen, auch er sah in der verwickelten Situation nur Unangenehmes. Michalansky würde sicher nicht xuhig seine Verhaftung hinnehmen und hatte vielleicht schon bösartig aus- geplaudert, in welchem Auftrag er gehandelt. Ihn Knall und Fall freizulassen, dazu Ivar er nicht befugt; dazu hatte er nicht die Handhabe, das konnte nur der Statthalter, den er. doch nicht in seine Intrige gegen den Nebenbuhler ein- weihen konnte. l?ÄrbIöu, wer sich mit Weibern in Politik einläßt, dem schießen die Ungelegenheiten üppig ins Kraut. Der Rat Lisons hatte üble Früchte getragen. Eigentlich sollte nun sie weiter helfen-- aber wie? Und seufzend wandte er sich den ihm vorgelegten Akten zu. Wenn diesem Pcißcr wirklich was nachzuweisen war, dann konnte das provo- zierende Reden des Michalansky besser gerechtfertigt werden, einfach als nötig gewesene Falle, um aus den Verdächtigen alle ihre Plsine herauszuholen. „Les' er mir die Berichte vor— ist ja seine unleserliche Schrift", befahl er unwirsch. Und Besl begann: „Vom Polizeiinspektor des grünen Stadtviertels(Ig dato 1. Juny 1790. Peißer, Jakob, Student der Medizin, un- bescholten, ehrlicher Leute Kind, Sohn der Wittsrau Amalia Peißer, mit ihrer Tochter Magdalena wohnhaft am Donau- tor, Haus Nr. 167.—* Ein zweiter Akt sagte äo dato 2. Hornung 1791: „Jakob Peißer, Student, wegen Wetzen und verbotenen Kommersierens auf dem Schlittclmarkt zur Anzeige gebracht, vom Rektorat drei Tage Karzer mit Seraph Kolland, Josef Niberl und den Brüdern Pauli, sämtlich studiosi, letztere Benefiziatcn am dasigen Georgiauium." „Josef Niberl ist ein übelbeleumdetes Individuum," Erläuterte der Kanzlist.„War auch gestern bei den Konspi- rierern." Dann griff er nach einem weiteren Bogen. „Bescheinigung des kleinen Rates villae Ingolstattensis, daß die Wittfrau Amalia Peißer in Vermögcnsverfall durch den Brand ihres Hauses in der Kumpfengasse, unbescholtenen Leumundes, die Erlaubnis erhalten, Sludentenyuartier zu halten und wird solcher als im Rufe großer Rechtlichkeit und Biederfrau stehend, gestattet, ihr Leitgebrecht durch den Stadt- soldaten und Türmer jährlich in vigiiia Marias und St. Josepbi austrommeln zu lassen." Gerts, solgt.) frijlofTcir, die Behandlung von flüchtigen AuZlandsdeuischen durch die Kricgsfiirsorgeärzte statlfindcu /ui lassen. Die Zuweisung der Hilfesuchenden an die Aerzte erfolgt durcki öejondere Uebcrweisung-'- scheine. Tic Nerordnnngcn geschehen auf den Rezepturvordrucken der Kriegsfürsorge. Das Abkommen tritt am I.November in Kraft. Papierverbrauchcr, die ihre Bestands- und VerbrauchSanzeigen noch niwr erstattet hohen/ mögen da? Veriäumte schleunigst nach- holen. Meldestelle: ArregSwirlschastsstelle für das deutsche Zeitungs- gewerbe, Breite Slraxe 8/9. Um 17 Pfennige! Aus Laubensiedlerkreisen wird uns ge- schrieben: Die Elieiibahnvetwaltung gibt, wie bekannt, erniZBigte Zahrkaiten für die La'nbensiedler heraus und zwar auf Grund von Bescheinigungen, die von der Polizeibehörde des Wohnsitzes als auch von dein Gemeindcvoistand derjenigen Gemeinde, in der das Lauben- aruudslück liegt, gezeichnet sein müsieu.(Sine Gemeinde an der Tstbahn hat nun'kürzlich die Ausstellung einer solchen Bescheinigung abgelchnt mit solgendcm Schrismück:„Mit der Bitte zurück, dock erst die rücksländtgen Steuern zuzahlen: sodann wird dasFornrular nusgeiüllt. Der Gerneindevorsteber/tz»— Das Schriftstück wirkt auch ohne Kommentar; um aber den Standpunkt des Gemeindevorstchers in seiner ganzen Großzügigkeit würdigen zu können, teilen wir mit, daß es sich hier um rückständige Rentensteuer irn Betrage voir— jage und schreibe— 17 Pfennigen in, Jahre handelt! Die Geschäftsfreunde der Dame Kupfer müssen ihre Gewinne herausrücken» Frau Wille, die Tochter des millionenschweren Ge- Heimen Kornrnerzienrats Körting, ist' gestern vom Landgericht l be- reilS zur Rückzahlung ihres Anteils in Höhe von 169 000 M. verurteilt worden. Gegen andere Mitglieder der Familie Körting schweben die Prozesse noch. Schmerzlich! Ter Königl. Botanische Garten in Dahlen, ist am Sonntag, den 4. November, von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags dem allgemeinen Besuch gevsfnel. Kinder unter 10 Jahren haben auch tu Begleitung Erwachsener keinen Zutritt. Das Botanische Museum ist von 11—2 Uhr geöffnet. Zirkus Busch.„ M o n d s ch e i n s a h r t" betitelt sich die von Paula B u s ch verfaßte neue Pantomime, die am Donnerstag abend ihre erste Aufführung erlebie. Der Held der Handlung, der Pro- scssor der Astronoinie Wurm, niacht im Aeroplan eine Rette nach dem geliebten Monde, ans dein er durch Absturz aus dein Flugzeug auch glücklich ankommt. Er verliebt sich, von dein Moudkönig gast freundlich' aufgenommen, in dessen Tochter und entführt die sich Srrnubeiidc in seiner Luflkraftdroschke zur Erde. Aus seinem Studierziinmcr flüchtet dann die Geliebte als Mondstrahl in ihre Mondheiinal zurück. Diese Reise in das Land der Phantasie gibt auch der Phanlasie des Ballettmeister! iveiten Spielraum. Katzen-, Tauben-, Mondkälber- und Eiern Balletts in prächtiger Ausstattung sind in die Handlung ein gestreut. Besonders der Schlußakt mit seiner Massenwirkung zwar reich aber nicht reichlich bekleideter Balletteusen fand stürmischen Beifall, für den Paula Busch dankend quittieren konnte. Die etwas siörendcn langeii Pansen zivtschen den einzelnen Bildern werden sich hofieullich u och kürzen lassen.— Unter den neuen Kräften des artistischen Progranims verblüffte die Gedankenleserin T r i l b h durch die erstaunliche Sicherheit in der Beantwortung all«r an sie g! stellte» Fragen. Grsß-Serlmer Partemachrichten. Tciupelhof. Mittwoch, den 7. November 1317, abends 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Müller, Berliner Str. 97. Vortrag des Genossen Fr. Bartels iParteivorstand) über: Der Parteitag in Wurzburg. Bohnsdorf. Am Mittwoch, abends 8l/g Uhr, Mitglieder- Versammlung bei Grabow, am Bahnhof. Berichterstattung vom Parteitag. Ref. Genosse Grogcr. Gäste willkommen. Die Neukölln. Kartoffelversorgung. Die für die nächste Woche fest- gesetzte Kortoffelmcnge beträgt 7 Pfund. Perionen, welche ihre Kartoffeln in der vorigen Woche nicht entnommen haben, sind in dieser Woche zur Abnahme berechtigt. Die neue Kartoffelkundenliste Hab noch keine Gültigkeit.__ Lichtenberg. Gleichmäßige Gemiisevcrtcilung. Der Nahrnngs- mittelausschuß hat beschlossen, im Interesse einer gleicwnäßigcn Perteilung deS zur Verfügung stehenden Gemüses so lange eine akatiruuzrWig vorzunehmen/>vie� die derzeitige Knappheit der An- ' lieferung anhält. Es sollen erstmalig auf den Kopf 5 Pfund ß fffß emfi(0 gegen LebeiiSmittelkartc mit der Maßgabe abgegeben »"» Verde», daß von ciiicnr einzelnen Käufer nicht mehr als 20 Pfund auf einmal eingekauft werden dürfen. Um den Verlauf des in- . läydischen Gemüses zu den sür das ausländische Gemüse festgesetzten höheren Preisen z» verhiiidern, soll das ausländische Gemüse nur von cinzelneii bestimmten, einer besonderen ständigen Kontrolle uttterworfenen Händlern abgegeben werden. Im übrigen wird be- schloffen, die zur Verfügung stehenden Gemüsemengen angemessen zioischcu den Markt- und Ladenhändlern z» verteilen, und �war in •der Äeisc, daß auch bei knappen Zufuhren außer den Markthändlern einzelne Ladengeschäfte in den verschiedenen Stadtbezirken Gemüse zum Verkauf zugewiesen erhallen. Wcißcnscc. Lebensmittel. In der Verkalifsstellc Caselerstr. 2 werden aiist jede Knrtoffelkartc 3 Psnnd Weißkohl a 12 Pf. abge- geben. Ans Abschnitt 16 der Eicrkorte wird in der' Verkaufsstelle Pistoriusstr. 24 ein Er abgegeben. Ebendaselbst wird der Verkauf von Sauergurken fortgesetzt. In beliebigen Mengen wird abgegeben: Klippfisch, Stockfisch, Kraftblutkonserven, Heringe in Brühe, Muschel- fleisch in Gallerl und gesalzenes Krabbenfleisch. Friedrichsfclde. Die Lebeiisinittclschirbungen beschäftigten Frei- tag in lebhafter Erörterung die Gemeindevertretung. Bürgermeister Unge willer erklärte, daß die vom KriegSIviichcranil verhafteten Gemeindeangesteütcu Grüner und B a r t h e l nicht zum Nachteil der Gemeinde selbst gehandelt hätten. Das KrtcgSwnchcramt habe die Lagerbestände der Gemeinde geprüft und darin keine Waren gefunden, die nicht ordnungsmäßig in den Besitz der Ge- meinde gelaiigl seien. Auch eine Prüfung der Lebensmittel- Versorgung durch den Ausschuß für Lebens- und Futtcrmittelver- sorguiig habe keine Unrcgelmäßigkettcir zum Schade» der Gemeinde ergeben. Dem gegenüber wurde von mehreren Gemeindeverlreteru betont, daß keine gesamte Ueberprüsung der Frtedrichsfeldec Nahru"g«»rittelversorguug stattgefunden habe, sondern nur hie Lager durchgeschcii worden seien. Insbesondere ivieS der Gemeindeverorduetc Rechtsanwall Binde mann daraus hin, daß die vom Ge'.neindevorstcher an die Berliner Presse versandte Er- kläruug, wonach es den Anschein haben tonne, als ob Grüner lind Barthcl völlig gereinigt ans der gegen sie eingeleiteten Untersuchnng ickon hervorgegangen feien, durchaus nicht den Tatsachen entspreche. Er bat um Aenoeruhg dieser Erklärung, da sonst die Gefahr vor- liege, daß Grüner sich ans der Erklärung bei dem zu erwartenden gerichtlichen Verfahren eine Waffe schmieden könne. Auf Antrag deS Schöffen Günther, der früher die Lebensmittelversorgung der Gemeinde geleitet hat, wurde das Protokoll des Ausschusses ver- lesen, aus dem sich ergab, daß von einer gesamten Ueberprüfung der Lebeusmitlelversorguiig und von einer völligen Rechtfertigung Griincrs nichi die Rede sein könne. Dem Gemeindeborstand wurde anheimgegeben, weitere Schritte zu tun. Briti. Lebensmittel. In der koimneitden Wocke gelangen in der Veriaufsflelle der Gemeinde zur Abgabe auf Abschnitt 86 Dörr- gemüse<100 Gramm je Pers.), Abichnitt 87 Bouillonwürfel(2 Stück je Pen'.), Abschnitt 88 Bienenhonig(1 bis 4 Personen 1 Pfund, über 4 Personen 2 Pfund), Abschnitt 83 Brotaufstrich. » Produzentenhöchsiprcis und Händler. Produzentenhöchstpreise für Kartoffeln werden in der Bundesratsverordnung vom 15. Februar 1915 festgesetzt.§ 5 enthält dann aber noch folgende Bestimmung: „Dem Produzenten steht gleich jeder, der inländische Speisekartoffeln verkauft, ohne sich vor dem 1. August 1314 mit dem gewerbsmäßigen Ankauf und Verkauf von Kartoffeln besaßt zu haben." In einem Strafverfahren gegen den Kaufmann Runge, der sich in dieser Lage befand und die Erzeugerpreise sür Kartoffeln überschritten hatte, war vom Kammergericht die Bedeutung dieser Vor- schritt nachzuprüfen. Das Kammergericht hob die vom Landgericht in Berlin ausgesprochene Verurteilung des Ange- klagten auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück: Ein Kaufmann, der vor dem 1. August 1314 noch nicht mit Kartoffeln gehandelt habe, solle an die Erzengerhöchstpreise nicht in jedem ein- zelnen Falle gebunden sein, sondern nur dann, wenn das fragliche Geschäft zur Verschleierung eines Prdduzentenverkaufs getätigt werde. Das gehe unter anderem aus dew Ausführungsanweisung bervor.— Im Falle des Augeklagten fehlten noch nähere Fest- stellungen, weil das Landgericht die Bestimmung unrichtig auf- gefaßt habe.__ Sriefkasten der Redaktion. Di! luristisch! SvrcSstund! findet für Abonnenten Lindenstr. 8, 1. Hof linIS, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Eonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den igrtefkaften bestimmten Anfrag« ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Ant- wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnementSauitlung bei- gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprech- stunde bor. Beiträge, Echriftstuckc und dergleichen dringe man in die Sprech- stunde mit. M. Glienicke. Sic müssen zahlen.— M. 95. Nein.— C. Ja. — Ck 91. 28. Erfolgte' die DeSinjcktion im öffentlichen Interesse, so hat. auch der Staat bezw. die Gemeinde die Kosten zu tragen.— lt Gefr. A. L. 62: Verlust, Steifheit von Gliedmaßen. B. 42: Kehlkopskrankheiten. Beides schließt jedoch den Dienst in der Ersatzrescrve nicht aus.— C. 43. 127. Ist noch nicht veröffentlicht.— M. G. 9V. Nach den Bestimmungen des Magistrats muß der Oauscigciitümcr bezw. Verwalter die Lebensmittel- karten dem Mieter in die Wohnung bringen.'Falls derselbe nicht an- getroffen wird, muß der Mieter sich dieselben vom HauSivirt bezw. Ver- Walter alsdann abholen. Hauswirte sind deswegen" bereits bestraft.— 1882. 1. Reklamierte verlieren vom Tage der Entlassung vom Truppen- teil jeden Anspruch ans Löhnung und Verpflegung. 2. Hängt von den näheren Bestimmmige» der Kommandostelle ab.—(f.. G. 40. Sic sind zur Zahlung verpflichtet.— A. Z. 53. Wenden Sie sich unter Darlegung des Sachverhalts und der An- gaöx der. Militärverhältniffc an den Herrn Jnflizminifler.— — H. W. 194. Ja.— G.». I. Solange sie den jetzigen Verdienst haben, besteht Hllssbcdürftigkcjf nicht. Der Unterhalt der Eltern'läme jetzt wohl hmzu: Sic müßten einen neuen Antrag in Lcrlln einreichen.— Neuer Abon- ne»t 199. Sie müssen einen Erlaubnisschein von der Polizei nachsuchen. Erlösung von nlltm hkutigen Erdenkleud durch ein ueues Staats inftein. Bon z. OL Bin. NMii-Me»eni. Inhalt: Der Weltkrieg.— Fürsorge sich die heimlehrenden Krieger.— FricdcnSvorschlag und Fricdcnsbedingungen— Grundzüge einer neuen StaatSeinrichtung.— Armut, Nahrnngs- und GpschäftSforgen kommen im neuen Staate nicht mehr vor.— Ter Staat zahlt jedem Menschen einen ausreichenden Gehalt auf Lebenszeit.— Nur täglich dreistündige Arbeitszeit für alle.— Das Weltparlamenl.— Mehr Lebensfreude für jung und alt.— Die. sozialistische Partei.— Verstaatlichung von Grund und Boden, sowie jämilichcr Betriebe.— Das Naturgesetz verlangt eine intcrnatioiialc Wclteinrichtung.— Der Mensch ist das Produkt seiner Verhältnisse.— Die schlimmen heutigen Ver- bälluiffe schufen wir uns selber.— Ehe oder freie Liebe und Naturehe.— Das Heiraten der Mädchen wird immer schwieriger.— Mit Einführung der freien Liebe und Naturehe wird es besser.— Irrtümer der Religion führen zum AtheiS- rnuS.— Vorschläge für Strenggläubige.'— Naturgemäße Kindererziehung.— Vermeidung von Krankheit und Siechtum aller Art und vieles andere mehr.— Jeder Mann und jede Frau sollte dieses Buch lesen und verbreiten Helsen, um sich und der ganzen Menschheit eine glücklichere Zukunft vorzubereiten, wonach sich heute alle Völker lehnen. Herr Fabrikant S. in E. bestellte erst ein Exemplar. Nachdem er cS gelesen, bestellte er sogleich noch 100 Eremplarc nach und schrieb:„Der Jnbalt deS Buches ist ein edler«amc ant das Feld der Menjchenerzichung. Auch ich will die zum Wohle der Menschheit dienende Schrift verbreiten Helsen." Preis 2 M. SO Pf. Porto 20 Pf. Zu bez. d. alle Buch- Handlungen und Silz' Sanatorium, Trcden-Radebcul und Bilz' Verlag. L einzig._ Biiiige ZigarellLen Qualitäts-Marken. — Bf n r direkt an Terbraneber— oder ffir L-iebesgaben besonders geeignet. Preise gültig bis 10. November 19)7: b 3 Pfg.-Zigarettenf... o. G. per Mills M. 30,—' c 4,2,, m. G. u. O.G.,,, 40.— d 6,2„„ m. G. u. o. G.„„„ 58,— B-Zigaretten allein werden nicht abgegeben, sondern nur in Verbindung mit der 3 fachen Menge von c und d Zigaretten. Zur Probe versenden wir inklusive aller Spesen im Inland S27L ' 400 Stück b xr v x. 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Montss: Faust I. Kammersplele. ?>/, Uhr: Kinder der Freude. Kaohm. 2'/» U.(halbe Preise); Gespenster. klont. 8 Eine glückliche Ehe. Volksbühne. Theater am Bülowp.atr. Untergrundb. Schönh. Tor. Vlt Uhr: Othello. JCachm. 21/, Uhr(ermäßigte Preise): Weltericuohten. Montag: Nathan der Weise. Wanfl flerFrJolksliilliiies Sonntag, dcn 4. Novemder, nachmittags 21/, Uhr: Volksbühne: Wetterleuchten. Deutsches Opernhans: Die Fledermaus. Nachmittags 3 UZH r: Schillcr-Th. Charlottenburg: Nooella d'Andrea. Schiller-Th O: Hinter Mauern. Lessing-Tb.: Das Kind. Kiinsilereihof. Fnedrich-Viibelmstr. 14. E-chwere» lltiicke» ninrlle-dc» mit Lähmung berVeine vovftäubig geheilt.—20. Frait Papp. Bln.-Lichtenberg,«örNieiftr. 10. Pbn chron. Frauenlribev.Hrrzichwäche um» vrrstopfnng«echciit. — il. Herr f\. Schladitz, Sertin, UMiriviftr. 24. Po« «frsichtdtuplitz geheilt; norber mit Radium estolplas bebanvett— 22. Hen- A. Hekwig. ivln. Borsiewatde. Ernststr. 2.7. Bon Maacngeschwufst. 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Trotz; des tlreeg»» ensrntes Lagerl [Pehsfiren. vom einfaoliston k!s eleg. Genre. S Desrßhtlgunsohnejed.KAufeivany| ....... gera gasiallet.— KepÄr.tture« werden aorsrhiliiget ftusg-�fübrt. J, Seifer, Kürschner, BarBin C. Kttnigstraaze Ecke Spandauer Strassa Eokladsn nad 1. Etage, geganUber dem naihau.a. Fernsprecher Amt Zentrum 0236. Sonntags goBffaet. ätM KWWMP» W[ « NÄMMMWenmUM Ortsvertvaltung Berlin. Dem Andenkc» unserer im Felde gefallenen und verstorbenen Kollegen gewidmet. kranke, Karl, Maschinenarbeiter, geb. 6. 8. 95, Berlin. Götfel, Wilhelm, Schmied, geb. 3. 1. 78, Berlin. Hirschmann, Friedrich, Dreher, geb. 12. 5. 96, Mcscritz. Hoffmann, Paul, Schleifer, geb. 4. 5. 86, Berlin. Kopsch, Max, Schlosser, geb. 2S. 3. 98, Pölsttitz. Kortlepel, Paul, Schlosser. geb. 28. 11. 84, Berlin. Liebelt, Reinhold, Schlosser,• geb. 15. 1. 85, Ouaritz/Glogau. Rost, Richard, Gürtler, geb. 20. 9. 77, Berlin. Schwan, Karl, Arbeiter, geb. 23. 1. 89, Olvenstedt. Sutor, Friedrich, Former, geb. 23. 1. 83, Rallen. Ghre ihrem Andenken: Die OrtZvcrwaltung. MlS MMWMli.SleMiMl ono wiMtlni Benfe. Berlin. V (S. P. D.) Bezirk Tegel. Nachruf. Den Mitgliedern jui- Kenntnis, dag nnser®e° nasse, der Schlosser Hermann RZtze aus dem Felde der Ehre kurz vor seineni 32. Gcbnrts- tag gejallen ist. 246/17 Ehre seinem Andenken! Die Bezirßölettnng. Unseren Mitgliedern geben wir hierdurch bekannt, daß folgende Kollegen gcsallen sind: Paul Meißner, Chemigraph, gefallen am 23. Aitgust 1917. jRudolf Landt, Chemigraph, gefallen am 16. Juli 1917. (ZeorK Lubitz, Chemigraph, vera'torben am 21. August 1917 an den Folgen eines schweren Luugcnschusses. �.dvik Iden, Chemigraph, verstorben am 15, Oltebcr 1917 an schwerer iluiigeuentzündimg im Lazarett. Lri.'ASt säubert, Steindrucker, gefallen am 5. Oktober 1917. Os wald Dreske, Steindrucker, gefallen am 5. Oltobcr 1917. Ein ehrendes NnSciitcn ist ihneu gesichert. 1Z6/11 Die Ortsiverwaltnng. ■fffiiasaw ■ SeuMer Crciisponllröeiterverbanl Lczirke'Ncrwalt. Grog-Berlin Den Mitgliedern zur Räch- rickt, dag unser Kollege, der Rollkutscher l>Vö8l!iW8lii ani 31. Oktober im Aller von 38 Jahren ver- ilorben ist. Die Beerdigung findet on' Moniag, den 5. No- ncn'.ber, nachmittags 3 Uhr, ooir der Leichenhalle des iliich.'lel.- Kirchhofes, Marien- dori. Rih'dorser Ttrahe, aus statt._ Nachruf. Den Mitgliedern ferner zur Naairichl, dasj unser Kollege! der Troschkensührer W\Mm Jaserick am 28. Oktober im Alter von 65 Jahren verstorben ist. Ehre ih'rcln Andenken: vis Ilsrirltsvorvealtung. ssrbeiter- lllltllshkel'- llunä .Soliilsritst'. Mirgliedschaft Neukölln. Als elftes Opfer dieses Deltkrieges fiel ani 8. Ot- tobcr 1917 unser treues s Mitglied Pau! Äust. I Ehre seinem Andenken! ' 10/1 Die Ortsverwaltung. Deutfdjer Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Bezirk Südost. Am 31. Oktober starb miser Mitglied, der-Maurer Prielirieh kulsed. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, iiachjilillags 3 Uhr, von ver Halle des EnimauS- ikirchhoses in der Hermann- slratze aus statt.' 147/11 Uni rege Beteiligung er- sucht Der Borstand. Als Opfer dieses Welt- iriegeS starb an den Folgen seiner schweren Verwundung durch Granatsplitter unser herzciisguler, hoffnungs- voller ällcstcr Sohn, mein mniggeliebter Bruder, unser guter Enkel frvLt Kasten (Inhaber des E. Kr. II.) im blühenden Aller von 20 Jahren. 43A Die untröstlichen Eltern Robart Kasten und Frau. Reinbold Kasten als Bruder, Albert Trapp und Frau als Großeltern, Berlin NO. 55, Elbmger Straße 52. Er war unser Stolz, war unser Glück, nun kehrt er niemals mehr ins Elternhaus zurück, ficht nicht das ac- brochene Mutterherz, nicht des Vaters bitteren Schmerz. Schwer war der Abschied, das AuscinandergehM, sein letzter Gruß Aus Wiederseh'u I Tag und Stunde der Be- crdigung wird nach erfolgter| Uebersührung belaim! ge- T � gebe::. R. K. Statt Karren. Für die Beweise hcrzlicher Tcilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters FrnU Retzerau sagen wir allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Personal der Orlskrankenlasse, dem Borstand sowie dem Ver- bände der Bureauangestellien unseren tiesgcsühliesten Dank. Helene Hetzerau 119A nebst Angehörigen. Als Opfer des Weltkrieges fiel am 26.Ortoberl917 durch Unglückslall mein inniggc- iiebler Mann und ttcu- sorgender Vater seines soh- ues, unser lieber Lobn, Bruder, Onkel und Schwager, der Pionier Adolf KJey (Inhaber des Eis. Kreuzes). In tiefstem Schmerz Frau lila Kle/ geb-Neurnann. Georg Kley ais Sohn, Max u. trniße Kley als Eltern ofS Brüder: 12521 Max Kley, z. Zt. in Gesan- genichast, Frltr Kley, z. Zt. im Felde, Schwager, Schwägerinnen, Heften und Nichten. Wir hossten aus ein Wieder- 1 I sch'N, doch leider kann's nun nicht gescheh'n. Dir die Ruhe, f uns der Schmerz! Treues Gedenke» zum 34. Geburts- tage unteres innigst geliebten Sohnes zum 6. November 1917, Als zweites Opfer dieses Weltkrieg?-- fiel am 23. Sep< bcmbcr 1947 mifer innigst- geliebler Kuter Sohn, ntci» guter Bricher. Schwager und Onkel, der Landwehrmann. Bnchdrucker 814b Willi Richter. Die? zeigen in iieser Trauer«!, Gottlob Richter n. Frau »kg Eltern, BIlicherltratze 67. Marth» Müller als Schwester. Paul Müller als Schwager. Helga Müller als Nichte. tSerirnd Richter als Schwägerin. Gerda und Herbert ais Richte und Neffe. Er falate seinem Bruder Ewald Richter in 11 Mo- nateu i« Tagen. lklit der Sehnsucht ini Herzen nach seinen Lieben, Äit»er Sehlstncht im Herzen ist er geblieben. Wie oft schrieb er. aus ein baldiges, sraheS Wiedersehen, doch ach, jetzt kam, es aus nimmer lnehr geschehen. Deine ulitröstlichen Eltern. Slm 2. November, inittagS 12'/. Uhr, entschlief sanft nach langen, schweren Leiden meine inniMeliebte Frau, meine gute Mutter, unsere Schwester. und Schwägerin Frau Auguste Steinke geb. Beibier im 31'. Lebensjahre. 'Dies zeigen tiesbetrübt an Fritx Steinke und Sohn. Tie Beerdigung findet Montag 3 Uhr vom Trauer- hause Glasowstr. 41,??eil- kölln, aus statt. 829b Nach langem, schwerem Leiden entschlief ani Sonnabend, den 3. November, unser lieber, guter Vater, Slbwieger- und Großvater, Bruder, Schwager und Onkel,»er Gastwirt Vilheini Spaet* Welnstr. 28. Um stille Teilnahme bitten D. trauernd. Hinterbliebenen Die Beerdigung findet am Mittwoch, delv.7. Nov., nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichenhalle des Zentratsried- hos es in Frievrichsjelde aus statt. 828b �sekruk. Als Opfer des Weltkneges fiel fern von seinen Lieben, am 21.Okiaber in Erfüllung seiner Pflicht, mein innigst- geliebter guier Mann, unser lieber ältester Sohn, unser guter Bruder, Schwieger- i»hn, Schwager, Onkel und Neffe, der Krankenträger Erich Rose im 29. Lebensjahre. In iieser- Trauer zeigen dies an EmmY Rose geb. Heumann, ais Frau.(Stuft Rose und Frau Luise geb. Kutzer, als Eltern, Willi Rose, als Bruder. Frida Fritz geb. Rose, als Schwe- jier, Richard F-ritz, als Schwager, zurzeit im Felde, Familie Neumann. Du bkeiblt uns unvergeßlich. Spezial-Arzt I)r. med. Haschd, Frieiriclstr, 9§ Bebandl. von Ttzvbtlis, Haut-, Har»-, Frauenleiden, svez. chron. Fälle/ Ehrlich-Hala-Ku- ren. ichmerziose, kürzeste Be- Handlung ohne Bertlssilörung. Blumniersuchung. Mag. Preise. Teilzuhimig. Sprechstunden 10 bis 1 und 5—8, sonnt. 11—1. KAM'GemWW SM WS WgWS. Freitag, den 0. November, abends 8 Uhr, in den(Sermania-Prachtsülen, Chausseestrasse 110: ZMM(er GemMlskiMliW. Tagesordnung: 1. Jahresbericht: a) des Vorstandes, b) des Ausfichtsrats. 2. Bericht über die durch den Verbandsrevisor vorgenommene Revision. 3. Entlastung des Vorstandes. 4. Genehmigung der Bilanz. 2. Verteilung des Reingewinns. 6. a) Wahl von sechs Atissichlst aismitgliedern, b) Wahl von Ersatzpersonen. 106/17 Kousum-Genoflenschaft Periiu und Umgegend eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht. R. Junger. Ber Vorstand. 0. Schulize. W. Lamm. A. Mirus. P. Müller. Der Anfslchtsrat. L.SL: F. Güttier. __ Der Eintritt kann nur den eingetragenen Mitgliedern gegen'Lorzeignna der braunen SegitimationSkarte gestattet werden. ssMeiüMLIelMW belli« l? sSozialdemotratische Partei Teutschlands). Am Mittwoch, den 7. November INI 7, abend? 8 Uhr, ilagt im Lanösberger 40, ew- frawzxi-�rfamtnlung. Referentin: Genossin. Martha Hoppe. Um zahlreiches Erscheinen unserer Mitglieder ersucht '.217/10 Der Vorstand. Gegründet 1864 Met ZWiM-MM. Zahlstelle Kerlin. Dienstag, den 6. November, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus(Saal 1), Cngelufer 15: Kombinierte WeMMelezierteii-Uerhimmluiig Tagesordnung: 1. Die Urabstimmung über die Erböbung der Beitrags--- und Unterstützungssätze. 2. Verbandsangelegenheiten. Zu dieser Versammlung sind auch die Mitglieder der Arbetterausschüsse der Betriebe geladen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Jeder Betrieb muß vertreten seilt. Die Ortsverwaltung. WM SN SAelStt. MeiserlniM mö MWmSM MiM. Filiale Berlin, Sebaltianftr. 37/38. tel.: Amt liloritzpl. 9737. Montag, den 3. November 1917, abends 8 Uhr» im Gewerkschaftshau», Engeiuser 15, Saal 4; Nerfammlnng der Herrenmaß schneider Tagesordnung: Bericht über die Bervandlnugen wegen der Xeuerungs- zutage. Referent:.stollege Kunze. Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dasselbe oder mit mehr als acht restierenden Wochenbeiträgen kein Zutritt! ___ Tie OrtSverwaltnng. Mittwoch, den 7. November 1917. abends K Uhr, Im Lehrervereinshans, Alexanderstraße 41: Versammlung der mit Militärschneiderei sNeuansertigung und Reparatnren) beschäst. Kollegen u. Kolleginnen. Tagesordnung: Sind die gegenwärtigen Löhne, die für die HeereS- lieferuuge» bezahlt werden, noch zeitgemäß Referent: Kollege Kunze. 166/6 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwartet zahl- reichen Besuch Die Kommission. Ds&dfDaiKdMdR.: Oiefe fr> hat 6ciiorfc Sduurd David in einer vor dem holländCrch-rhaticünavirchcii-frieden shomitee' in Stockholm gehaltenen Rede beantwortet und vertritt in geradezu meifterhafter Meise den Standpunkt der deutschen Sozialdemokratie.'Jeder Arbeiter, jeder Parteigenosse muß diese Broschüre gelesen babcnl preis i,— jVIarK ßucbbandlung, Vorwärto, L erlin EM., Linden ffr. 3 (Laden), lowic sämtliche ZcitungsausorabcstcUen. Spezlalarzt Dr. med. Laaks beh. Ichiell, gründl., inögl. schmerzlos u. ohne Berussslör. Lescklccbislleanliheit. geheime flaut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. 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November, lieber das gestrige Seetreffen im Kattegatt veröffentlicht..Politiken" einen Bericht von dem Kommandanten des deutschen bewaffneten Dampfers Marie aus Flensburg. Kapitänleutnants Leuterbach, der gestern abend mit 1ö Kameraden auf dem Dampfer E. M. Dalgas bier eingetroffen ist. Dieser erzählte unter anderem: Wir befan- den uns gestern früh 12 Seemeilen nördlich von Außen in dichtem Nebel und stießen plötzlich auf eine Flottille englischer Torpedo jäger; ich zählte deren neun. Da Flucht unmöglich war, befahl ich zu feuern. Wir schössen zuerst, aber die Uebermacht war zu groß. Der erste englische Treffer zerstörte Kommandobrücke und Maschine, so daß wir weder weiterfahren noch manövrieren konnten. Wo der nächste Treffer saß, weiß ich nicht, denn jetzt brach ein wahres Unwetter von Geschossen über Ulis herein. Meine Leute fielen einer nach dem aicheren. Der zweite Kommandant, Leutnant Christiansen, wurde zwei Schritte vor mir durch eine Granate auf der Stelle getötet. Selbstverständlich erwiderten wir das Feuer, Unsere bier Geschütze schwiegen nicht einen Augenblick, die Wirkung war jedoch wegen des dichten Rauches, der unsere Gegner einhüllte, nicht ju erkennen. Mittschiffs brach ein Brand aus, der schnell um sich grisf. Um nicht zu verbrennen, mutzten wir den Kampf ausgeben. Zu diesem Zeitpunkt waren ungefähr 30 Mann der Besatzung gefallen. Mit dreifachem Hurra verließen wir das brennende. Schiff. Wh ging mit\6 Mann in c.n Boot, das von den Engländern beschossen wurde. Sie trafen aber glücklicherweise nicht. Das Feuer hatte auf unserem Schiffe bald die M u n i t i o n s k a m m e r n er- reicht, die m:t mächtigem Knall explodierten, aber da» Schiff hielt sich noch lange über Wasser. Viele von unseren Kameraden, die ins Wasser gesprungen waren, wurden später von den Engländern aufgefischt. Unsere Besatzung hatte aus 80 Mann bestanden; wenn wir rechnen, daß 30 getötet und 16 in unserem Boot gerettet sind, so sind 34 Mann in englische Gefangenschaft gefallen. Der ganze Kampf dauerte nur 10 Minuten; die Engländer feuerten in dieser Zeit 80 bis 100 Granaten ab. Wir trieben eine Zeitlang und wurden gegen 0 Uhr von dem dänischen Dampfer Dalgas aufgenommen. Wir haben unsere Pflicht gegen unser Vaterland bis zum Aeußersten erfüllt und unsere Flagge in Ehren gehalten. Keine Uebermacht kann uns zwingen, sie zu streichen. Von den hier eingetroffenen deutschen See- leuten sind 10 Mann, darunter Lauterbach, verwundet; sie sind im Städtischen Krankenhaus untergebracht. Die übrigen fünf er- hielten Unterkunft im Hotel, lvo sie bleiben, bis entschiedcn ist. ob sie sestgebalten oder als Schiffbrüchige behandelt und wieder frei- gelassen werden sollen. die Besatzung ües Eber. Bern, 3. November. Wir der hier eingetroffene„Temps" vom Donnerstag berichtet sind die Deutschen, die das Kanonenboot Eber in B a h i a versenkt haben, eingekerkert worden. DaS Schiff soll wieder flott gemacht werde». Lorü Geöües über üen U-Hoot-Krieg. Pläne für eine» langen Krieg. Amsterdam, 1. November. Wie Reuter meldet, führte der Erste Lord der Admiralität Geddes in seiner Rede im Unter- hause u. a. weiter aus: Die ollgemeine Lage des U-Boot-Krieges mag durch folgende Zahlen gekennzeichnet worden: Seil Beginn des Krieges sind 4 0 bis 50 Prozent der deutschen U-Boote, die in der ?t o r d s e e, dem Atlantischen Ozean uich den: Eismeer tätig sind, versenkt worden. Jvl letzten Vierteljahr hat der Feind soviel U-Boote verloren, wie während des ganzen Jahres 1013. WaS die Versenkung britischen Handelsschiffsraumes durch U-Boote betrifft, so lautet vie deutsche amtliche Zahl für August 808 000 Tonnen für alle Rationalitäten. Die Deutschen haben aber wenig mehr als den dritten Teil davon an britischem �» Schiffsraum und wenig mehr als die Hälfte davon an Schiffs- räum oller Nationalitäten versenkt. Für September geben die amtlichen deutschen Zahlen 672 000 Tonnen an, aber sie haben viel weniger als den dritten Teil dieses Betrages an englischem und weniger als dle Hälfte an Schiffsraum aller Nationen per- senkt. Im September, dem schlechtesten Monat für den Feind, was die Versenkung von'Schiffen angeht, war unser Seeverkehr von Schiffen über 1600 Tonnen um 20 Prozent an Schiffsraum stärker als im April. Daher muß der Feind schon eine andere und besondere Erklärung für feinen Mangel an Er- folg finden. Ick kann sie ihm geben: e? ist die, daß der lange Arm der englischen Flotte in die Tiefen binabreicht, und so ist sein Ernteertrag ärmlicher und die Zahl der deutschen Unterseeboote, welche„nicht zurückkehren", im Steigen. Seit April, dem Monat, in welchem die englischen Verluste am höchsten waren, sind sie be- . ständig herobgcgange», und zwar letzthin in bemerkenswertem Maße. Jetzt richtet dieser Unterseebootkrieg in jeder Hinsicht weniger Schaden an, und die Hilfsmittel des Landes sind in weit größerer und in zunehmender Ausdehnung dem Aufbau der Handelsmarine gewidmet. Aber andererseits glaube ich auf Grund bester Information, daß die Deutschen Unterseeboote schneller als bisher bauen können und daß sie noch nicht das Höchstmaß ihrer L e i st u n g s s ä h i g k e kt erreicht haben. E» scheint mir daher, daß es im Unterseebootkriege wie auch sonst zu eurer entscheidenden Prüfung über di« Entschlossenheit und die geistigen Fähigkeiten zwischen den beiden streitenden Mächten kommt. Für die Gegenwart komme ich zu dem Schluß, daß der Untcrsee- bootkriegfürunSgutgeht. Ich kann im Vertrauen dem Hause mitteilen, daß wir heute in der Entwicklung und Hervorbringung von Unterseebootabwehr- einricktung aller Art mehr tun, als vor sechs Monaten, ja sogar mehr als wir glaubten tun zu können. Im September wurden 90 Prozent aller Schiffe auf ollen atlantischen Linien begleitet; und seitdem daS Bealeitsvsteot eingeführt wurde, war der Verlust von begleiteten Schiffen, die durch die Gefahrzone fuhren, 1: 200. Die englische Flotte in ihrem nördlichen Stützpunkt liegt hinter keinem Strandverteidigungsshstem, sondern stützt sich nur auf ihre eigene Stärke. Tag und Nacht wird die Nordsee von Norden nach Süden, von Osten nach Westen von der englischen Flotte durch- eilt. Während deS vergangenen Monats haben die Blockadegeschwader im nördlichen Atlantischen und im Nordmeer die fast unglaubliche Leistung vollbracht, jedes einzelne Handelsschiff, das nach neutralen Ländern fuhr, anznhalten und zu untersuchen. Nicht eins wurde verfehlt. Die Gesamtwasscrverdrängung der königlichen Marine im Jahre 1014 war 2 400 000 Torrn rc.; beute ist st? um 71 Prozent größer. Der Mannschaftsbeftand der Flotte vor dem Kriege betrug 146 000; heute 300 000. Diese Zahl schließt den königlichen Marineluftdienst ein, der allein von 700 auf 41 000 gestiegen ist. Ltftß MMs? ssgie tm VerlcNl? feiner Rede: Wir müssen unsere Pläne für eine» langen Krieg machen. Ich sehe kein Zeichen dafür, daß er kurz sein wird, und alle können durch Sparsamkeit unserer Flotte und den Flotten unserer Alliierten helfen, die Unterseeboote zu schlagen. Aus einer von Wolffs Bureau verbreiteten Kritik der Ausführungen Lord Goddes sei folgendes mitgeteilt: Die von Geddes angegebenen Versenkungsziffern für August und September lassen sich nur so erklären, daß er wie einst Lloyd George den Verlust in N e t t o- Register- Tonnen angibt, während wir die Zahl in Bruiw-Register-Tormen veröffentlichen. Im späteren Verlauf der Rede spricht Geddes von Netwverluften, daß heißt dem Herabgeben der verfügbaren Tonnenzahl infolge Versenkung, unter Anrechnung des in gleicher Zeit durch Neubauten und Beschlagnahme neutraler Schiffe einge- stellten Ersatzes. Vielleicht hat er auch diesen Nctioverlust einfach gleich der Versenkungsziffer gesetzt, um diese in geeigneter Weise herabzudrücken. Seine Behauptung, daß Deutschland 40 bis 50 Prozent seiner U-Boote bisher verloren habe, ist, wie wir an maßgebender Stelle erfahren, beiweitemzuhochgegriffen. Selbst wenn seine Feststellung, daß wir im letzten Vierteljahr soviel U-Boote verloren haben, wie während de» ganzen Jahres 1016, stimmen sollte, WaS wir nicht nachprüfen können, da die Angaben hierüder von amtlicher Seite nicht zur Verfügung gestellt werden, besagt das wenig, denn Deutschland hat im Jahre 1016 U-Boot- Krieg nur in sehr beschränktem Umfange geführt, wird also auch nicht soviel Boote verloren haben wie während der Zeit der uncin- geschränkten Führung des U-Boot-Handelskrieges. Zu den Angaben über die Abnahme der Versenkung s- ziffer sagt W. T. A.: Während sonst, wenn die Zahl der Schiffe groß erscheinen soll, wie in den englischen Angaben über den Wochenverkchr alle Schiffe angegeben werden, berücksichtigt Geddes hier lediglich die Schiffe über 1600 Tonnen, weil es besser in die Rechnung paßt. dee Luftangriff auf Lonöon. London» 1. November. Amtlich.(Reuter.) Vergangene Nacht wurden von Gruppen feindlicher Flugzeuge entschlossen wiederholte Angriffe auf London unternommen. Die erste Gruppe der Angreifer flog um ungefähr 10 Uhr 45 Minuten über die Küste von Kent und bewegte sich über Kent in der Richtung auf London weiter. Sie drang nicht weiter in das Innere des Landes vor, sondern wandte sich nach Osten und warf ihre Bomben an verschiedenen Orten in und nahe der K ü st e ab. Indessen steuerten zwei andere Gruppen von den Angreifern längs des südlichen Users der Themse auf London zu. Der Himmel war'A bis% mit niedrigen dünnen Wolken bedeckt, was die Beob- achtung der feindlichen Flugzeuge außerordentlich schwierig machte. Trotzdem wurde ihre Höhe richtig eingeschätzt und sie wurden am Südostrande des Gebietes der Haupt st adt. wo einige Bomben abgeworfen wurden, um ungefähr 11 Uhr 50 Mi- nuten versprengt. Eine vierte Fliege rgruppe, die über die Themsemündung kam, wurde ungefähr auf halbem Wege nach London zur Rückkehr gezwungen. Indessen flog um etwa 12 Uhr 15 Minuten morgens eine fünfte Gruppe über die Küste von Essex und steuerte längs des Nordufers der Themse auf London zu. Einige dieser An- greiser wurden von den äußeren Vcrteidigungswerken zur Umkehr gezwungen. Einer oder mehrere drangen nach Südost-London durch, wo Bomben abgeworfen wurden. Eine sechste Gruppe folgte ungefähr eine Viertelstunde später auf demselben Wege. Einige dieser Flugzeuge drangen nach dem südöstlichen Alande Londons durch, wo Bomben abgeworfen wurden. Inzwischen warfen ein oder mehrere Flugzeuge Bomben am Südwestsaumc Londons ab. Eine siebente Gruppe, die längs des Südufers der Themse herankam, wurde von Geschütz- feuer auseinandergetrieben, ehe sie die äußeren VerteidigungS- werke Londons erreichte. Außerdem griffen vereinzelte feindliche Flieger zwischen Mitternacht und 1 Uhr 30 Minuten früh die Küste von Kent an. Aus den Berichten geht hervor, daß jede Gruppe aus drei oder vier Flugzeugen bestand. Die Gesamtzahl der angreifenden Flugzeuge betrug etwa 30. Nur etwa drei Flugzeugen gelang es tatsächlich, bis in das Herz von London durchzudringen. Die Angreifer wurden während des ganzen Kluges fortwährend durch Geschützfcuer beunruhigt und auck von unseren Flugzeugen an- gegriffen. Da es ihnen leickt fiel, sich hinter den Wolken der Beobachtung zu entziehlin, kam es zu keinem entscheiden- den Gefecht. Erschöpfende Berichte liegen noch nicht vor. Die bisherigen Berichte lassen, wenn man die Anzahl der Flugzeuge und die Hartnäckigkeit des Angriffes in Berücksichtigung ziehl, auf verhältnismäßig geringe Menschenverluste und Schäden schließen. London, 1. November. Amtlich.(Reuiermeldung.) Nach den letzten Polizeiberickten wurden bei dem Luftangriff der letzten Nacht in allen Bezirken zusammen acht Personen getötet und 21 verwundet. Der Sachschaden ist sehr gering. Es wurde keine Einrichtung von militärischer Bedeutung oder Wichtigkeit für die Marine oder die Munitionserzcugung getroffen. Eine große Anzahl unserer eigenen Maschinen ist aufgestiegen. Sie sind alle wohlbehalten zurückgekehrt. Die§rontver!egung am Damenweg. Französischer Heeresbericht vom 2. November abends. Die Folgen unsere» Sieges bei Malmaiion ließen nicht auf sich warten. I Der Feind, bedroht durch den Druck unserer Infanterie auf seinem rechten Flügel, zermalmt durch unsere Artillerie, die von ihren neuen Stellungen aus unausgesetzt seine Befesiigungen südlich der Ailette bombardierie, war gezwungen, den Chemin-deS-DameS, an den er sich seit sechs Monaten klammert, auf einer Front von un- gefähr 20 Kilomeier von der Ferme Froidmont bi« östlich Craonne aus- zugeben. Unsere Truppen haben, indem sie die Abhänge im Norden des Chemin-des-Dames hinabstiegen, die deutschen Stellungen in einer Tiefe von mebr als 1 Kilometer an ein« zelnen Punkten besitzt. Die Dörfer Courtecon. Cerny en LaonnaiS. Hilles und Chevreux sind in unserem Besitz. Unsere Patrouillen, die in Fühlung mit dem Feinde bleiben, haben die Ailetie zwischen Brave en Laonnais und Cerny erreicht. Auf dem Rest der Front war der Tag ruhig._ Verbrüüerungsverfuche an der ruftlschen Suöweftfront. Russischer Heeresbericht vom 2. November. An der süd- tvestlichen Front verließen um 11 Uhr bei dem Dorfe Doube, 10 Werst südlvestlich von Brody. österreichische Abteilungen ihre Gräben und näherten sich unseren Drahtverhauen. Sie wurden aber durch unser Artillerie-, Gewehr- und Maschinengewehrsperr- feuer zurückgeschlagen._ Meine Miegsnachrichten. Isonzo Eck» in Amerika. United-Pretz meldet aus New Dork, daß der Amerikanische Verteidigungsbund eine Eni- schließung annahm, in der der Präsident aufgefordert wird, eine außerordentliche Sitzung des Kongresses zur sofortigen Kr'rgserklä- rung an Lesterreich-Ungarn einzuberufen und amerikanische Truppen nach Italien zu schicken. Französische Luftbombardements. Der französische Heeresbericht vom 30, Oktober meldet: Am 27, und 28, und in der Nacht zum 29. warfen llvfere Flugzeuge 20kD KiloMmin Sprengstoffe auf die Bahnhöfe und Depots von Lichtervelde und Giis in Belgien, außerdem erhielten die Bahnhöfe von Maizieres. Metz-Longevilsi, Metz- Diedenhofen usw. 7000 Kilogramm Geschosse. Ein großer Brand wurde im Bahnhof von Maizieres festgestellt. Kornilow. Die Gerichtsverhandlungen gegen Kor- nilow und Genossen sollen Ende Januar(alten Stils) beginnen. Ausschluß SsawinkowS. Das Zentralkomitee der Partei der Sozialisten-Revolutionäre hat den Beschluß gefaßt, den ehemaligen Leiter des Kriegsministeriums, B. W. Si'awinkow, a u s d e r P a r- t e i auszuschließen. Das Ausschluhverfahren ist eine Folge der Beteiligung SsawinkowS an den Machenschaften Kornilows und die von Ssawinkow verbreiteten verleumderischen Ausstreuungen gegen Tschernow. Sinai-Front. Ter türtische.Heeresbericht vom 2. November meldet: Im Gasaabschnitt hält die Ii e f ti g e A r tili er i« t ät r g- k c i t.an. Die Wirkung des feindlichen Feuers ist gering. DaS Feuer feindlicher Kreuzer, welche die Küste beschossen, wurde von unseren Landbatterien wirkungsvoll erwidert. ParSeiojftz!elle Erklärungen. Nationalliberale und Konservative. Die„Nationalliberale Korrespondenz" schreibt: „Graf Hertling wird also den Posten deS bayerischen Minister« Präsidenten mit dem Reichskanzlersitz vertauschen. WaS zuerst als eine Möglichkeit aufrauchte, die von keiner Seite will- kommen geheißen wurde, ist damit nach berhandlungSreichen Tagen Tatsache geworden. Außer dieser Tatsache ist alles andere noch in der Schwebe. Nur der Name des neuen Reichskanzlers steht fest, nicht aber die Namen der Mitarbeiter, die der Kanzlerschaft des Grafen Hertling erst die breitere Partei- politisch freiere Grundlage geben sollen. Gras Hertling wird freie Hand haben, diese Mitarbeiter nach seinem Ermessen zu berusin. Ehe nicht diese Berufungen erfolgen und die Reichsleitung und die preußische Landespolitik damit klar orien- tiert ist. ist e i n Urteil über den neuen Mann und die politische Neubildung schwer möglich. Wir warten deshalb die weiteren Ereignisse ab, ehe wir zu der Reichskanzlerschaft des Grasen Herl- ling Stellung nehmen. Programmatisch klingt auch folgende Erklärung der konser- vativen„Kreuz-Zeitung": „Wir bedauern, daß ein Konvent Parlaments- rischer Halbgötter, wie wir uns ausdrückten, den Rück- tritt eines Kanzlers erzwingen konnte, der noch daS Vertrauen des Kaisers besaß. Wir bedauern nicht minder, daß dies Vor« geben jenes Konvents von dem neuen Kanzler sozusagen legiti- micrt wurde, indem er vor Annahme seiner Berufung mit ihm das lnnflige Regierungsprogramm vereinbarte. Daß dieses Re- gieriiligsprograuiui nicht dem entspricht» waS wir für die Zukunft des Vaterlandes für heilsam halten» ist bekannt. Wir haben auch Grund genug zu der Annahme, daß die Wege, die der neue Kanzler in der auswärtigen Politik einschlagen wird, nicht die unseren sind. Erste Bedenken haben wir schließlich gegen die Ueberlragung auch deS preußischen Ministerpräsidiums an den Grafen Hertling erheben müssen. Trotz alledem können wir natürlich unsere Aufgabe nicht darin zu sehen, dem neue» Kanzler Schwierigkeilen zu bereiten, sondern halten uns zu loyaler Mitarbeit für verpflichtet, soweit es unserere Ueberzeugung darüber, was mit dem höchsten Interesse deS Vaterlandes vereinbar ist, nur irgend gestattet." Die Alldeutschen zur Kanzlerkrise. Die annexionistische Presse ergeht sich anläßlich deS Kanzlerwechsels weiter in teils elegischen, teils wütenden Betrachtungen. Die„Deutsche Tageszeitung" kann von Michaelis nicht Abschied nehmen, ohne ihm nicht noch einen Tritt zu versetzen: Seine ausgesprochene Ueberzeugung. daß er die Führung sich nicht aus der Hand nehmen lassen würde, wurde bald durch die Talsache widerlegt, daß er sich schon mit Beginn seiner Kanzler- schaft die Führung hat nehmen lassen. UebrigenS spricht der Mensch am meisten von den Eigenschaften, die er nicht besitzt oder nicht durchzuführen vermag. So auch hier. Dann heult sie auf: Der Kanzler hat also offenbar ein Programm festgesetzt, das die Billigung der Mehrheitsparteien hat, und ist getragen von deren Sanktion. In die Reichsämter wird eine Reihe von Ber- treiern der einzelnen Parteien kommen. Was will man also mehr? Ein Vertrauensmann der Mehrheitsparteien wird schon angedeutet. Der parlamentarische Staat ist fertig» obgleich sein Gewand noch nicht ganz der Uniform der parlamentarisch regierten Staaten entspricht. Die„Deutsche Tageszeitung" kommt zu dem Schlüsse „Die konservative Richtung ist also ausgeschaltet. DaS ist offenbar das Programm." Um zugutcrletzt das Schreck- gespenst eines Wft edererscheinen Bet hm a n n Holl- wegs an die Wand zu malen... Die„Deutsche Zeitung" reitet eine verzweifelte Attacke, so köstlich nach der Art des seligen Don Ouichote. daß sie keines Kommentars bedarf. Sie haben eS erreicht, die Geschäftspolitiker der internatio- nasin Richtungen in unserem Volle:-der sechste Reichskanzler ist ihren Machenschoflen zum Opfer gefallen und hat einen Nach- folger gefunden, dem alle im Baterlande, die dem deutschen Volke eine schlechthin deutsche Staatskunst ollein für förderlich halten, mit größtem Mißtrauen gegenüber st ehe« muffen. Die bösen Buben Scheidemann, Erzberger und Payer sind es getvesen, die„Verbündeten Internationalen". Da Graf Hertling sich vor Annahme der Kanzlerschaft mit dem ReichSiagc verständigt hat, so ist er von vornherein unten durch. „Graf Heriling hat e? geliebt» sich stets als konservativ zu bezeichnen, und manche Konservative haben in ihm den Ge- simiuiigsverwandten gesehen— nun, er hat schon mehrfach be- wiesen, daß er auch anders kann. Gott schütze daS Reich' Gott belfe Preußen!" Tis alte Taktik: Kanzler, Kanzler, hüte di! Nur mit einem derberen Schuß. Pessimismus gemischt, als einst im Mai._ Zwei Jahre Zuchthaus für Zlugblatt, Verteilung. Wie die„Bergische Arbeiterstimme" mitteilt, ist Berta Thal- beiiner, die Schwester des früheren ParteiredakieürS in Göppmgen und Braunschweig. Dr. Tbalheimer, vom Reichsgericht in Leipzig nach secksinonatllcher Unlersuchungshaft zu zwei Jahren Zuchthaus verurieitt worden. Der Reichsamvalt hatte vier Jahre Zuchtbaus beantragt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit statt. Gegenstand der Anklage bildete die Verbreitung zweier Spartakusbriefe und einiger gleichgerichteter Flugblätter.& GewerkschaflsbewMng Wieder ein Gewerkschaftsjubilar. In wenigen Tagen, nämlich am 7. November, werden eZ LS Jahre, seitdem der Genosie K a r l H ü b s ch an der Spitze des Textilarbeiter-Verbandes sieht. Die Filiale Berlin des Verbandes war auf der Grüiidnngsveriammlung in Pösneck mit der Wahl des Verbandsvorstondes betraut worden. In der Ver- sammlung vom 7. November entledigte sich diese des ihr gewordenen Auftrages, indem sie den Genossen Karl Hübsch zum Verbands- Vorsitzende» wählte. Wie vielen zu jener Zeit zur Leitung einer Gcwerlschastsorganisalion Berufenen, so ging es auch ihm: der Ausbau mutzte ganz von unten auf begonnen werden. Kein Agitalionsapparat, keine festangestellten Hilfskräfte, er, der Vor sitzende, selbst nur im Nebenamte tätig. Sechstausend Mitglieder waren im ganzen Reiche vor Händen, als Karl Hübsch seine Tätigkeit begann. Zehn Jahre später waren es rund 88 000 und weitere zehn Jahre svätcr. im Jahre 1912, rund l4l> 000 Mitglieder. 1892 besatz die Organisation ein „Vermögen" von 1460 M., etwa soviel wie heule eine gutgeleitete mittlere Ortsverwallung an Vermögen ausweisen kann. Karl Hübsch mutzte daher auch dieser geringen finanziellen Mittel wegen jähre lang seine Kraft für die Ausbreitung der Organisation nur im Nebenamt einsetzen. Die Arbeit in der Wirkerei mutzte den Unterhalt iür die Familie liefern und die Tätigkeit für die Organi- salion mutzte in der Hauptsache beschränkt werden auf die Abende und die S o n n> und Feiertage. In jenen ersten Tätigkeit? jähren bat Karl Hübsch nicht viel Sonntage jür seine Familie ge habt. Sonntag für Sonnlog galt es hineinzufahren ins Land, um den Samen der Organisation auszustreuen oder Pflegearbeit an der Organisation zu verrichten. Und des Wochentags, wenn die Fabrik arbeit zu Ende war. mutzte die Korrespondenz erledigt und die Expedition der Verwaltungsgegenstände besorgt werden. Erst der Geraer Verbandstag von 1898 ging dazu über, Karl Hübsch als Vorsitzenden fest anzustellen. In diesen 25 Jahren hat der Textilarbcitervcrband unter der Leitung seines Vorsitzenden manchen harten Strautz zu bestehen ge- habt. Es sei nur erinnert an den grotzen Tuchmacher streik in Kottbus 1896, an die Kämpfe in der Lausitzer und in der sächsisch-thüringischen Textilindustrie, an den K r e- felder Seidenweber streik. Ganz besonders aber erweckte der Kampf um den Zehn stunde„tag in Crimmit- schau in der gesamten deutschen Arbeiterschaft das lebhafteste Jnter- esse und die wärmste Sympathie mit den Kämpfern. Der Textilarbeiterverbond hat sich mittlerweile kräftig entwickelt und wir wünschen mit diesem, dotz der Genosse Hübsch noch recht lange an seiner Spitze wirken möge. Aus der Schlichtungskommission für Militärschncider.' In der letzten Sitzung war wieder der merkwürdige Vertreter jenes Unternehmers erschienen, von dem wir kürzlich an dieser Stelle berichteten, datz er seinen Fall immer wieder von neuem i aufrollen möchte, obgleich er längst erledigt ist. Der Vertreter bestritt von neuem die angeführten Sätze und kam, als alle? nichts nützte, zuletzt mit der Behauptung hervor, die betreffende Arbeiterin habe mit dem Beklagten eine Vereinbarung getroffen, auf Grund deren sie nun nicht mehr klagen könne. Auch habe sie für 120 M. Garn entwendet. Eine Beisitzerin erklärte hierzu, dann möge der Beklagte Srras- antrog stellen, mit der vorliegenden Klage hätte dies jedenfalls nichts zu tun. Kunze vom Schneiderverband: Was der Vertreter hier trun mit einemmal vorbringt, scheint mir sehr unwahricheinlich. Em Arbeilgeberbeisitzer: Wenn in einem so kleinen Betriebe nach und nach jür 120 M. Garn gestohlen wurde, so mühte der Beklagte das doch sehr bald gemerkt haben. Die Frau kann sich doch, weil sie Mutzte, datz das Garn im Preise steigt, ein grötzeres Quantum zu- gelegt haben. Mindestens kann man doch nicht ohne weiteres mit der Behauptung kommen, sie habe gestohle>r, blotz weil sie ihren recht- mätzigcn Lohn will. Sie haben bisher kein Wort von diesem an- geblichen Diebstahl gesagt, das Ganze gehl aui eine Verschleppung hinaus. Die neuen Momente lassen wir hier jedenfalls nicht gelten. Vertreter: Der Beklagte hat sich die Diuge eist nachträglich überlegt. Arbeilgcberbeisitzer: Datz er zu wenig zahlt, hat er sich wahr- scheinlich früher überlegt. v. Schulz: Die Garngeschichte gebt uns hier nichts an. Beisitzer E d« r weist auf die UnWahrscheinlichkeit der neue» Behauptungen hin. Der Beklagte soll ja die Summe wieder be- kommen, er braucht ja blotz Regretz zu nehmen, da» will er aber nicht, alio muh er zahlen. v. Schulz: Die 10 Proz. mutz er jedenfalls nachzahlen, da hilft alles nichts. Kunze: Ueber die angebliche Vereinbarung Negt nichts Schriftliches vor, sie geht uns darum auch nichts an. Auch über die Garnangelegenbeit haben wir nicht zu befinden. Nachdem die Kommission sich zur Beratung zurückgezogen hatte. verkündete Magislratsrat v. Schulz folgenden Entscheid: Die Ausrechnung bat das Gericht nicht anerkannt und die 10 Prozent find zu bezahlen. jEs handelt sich um eine Summe von über 300 M.) Ter Vertreter verlangte eine Uiteilsausfertigung mit Angabe der Gründe. v. Schulz: Das sollen Sie haben! veutsches foick». Bcrschmelzungsbestrcbungen im Glaservcrband. Eine Beirats fitzung des Glaicrverbandcs, die in Anwesenheit des Verbandst Vorsitzenden und des Ausichutzvorfitzenden Ende Oktober in Karls ruhe stattfand, beschäftigte sich mit dem Anschlutz deS Glaser Verbandes an eine grähere Organisation. Die Notwendigkeit der Verschmelzung selbst war kaum noch umstritten: die Aussprache drehte sich vielmehr um die Frage, welcher Organisation man bei treten wolle. Die Bank- und Bleiglaser empfahlen den Anschlutz an den Bauarbeiterverband, die Rabmenmacher den Beitritt zum Holzarbeiterverbond. Schließlich wurde der Vorstand einstimmig bcousiragt, mir diesen beiden Organisatmnen Uebertrittsbedingungen zu beraten und festzulegen und dann sofort nach Frredensschlutz eine Urabstimmung darüber herbeizuführen. Der nächstfolgende Ver bandstag soll dann die endgültige« Beschlüsse fasten. sluslanü. Die russischen Gewerkschaften an die Berner internationale Ge wcrkschaftskonfcrenz. Der Zentralrat der russischen Gewerkschaften drahteie an die internationale Gewerkschaftskonferenz in Bern »Enrpfingen Ihre Einladung zur internationalen Gewerkichafts- konkerenz. Entsendung von Delrgierien infolge groher technischer Schwierigkeiten unmöglich. Der Allruisische Zentralrat der Gewerb schaften. der 1 500 000 organisierte Arbeiter verlritt, begrützt die Idee der Wiederherstellung der Einheit des internationalen Prole lariats, die durch den imperialistischen Krieg zerstört wurde. Wir hoffen auf baldige Beendigung des Krieges und Aufblühen des proletarischen Kampfes gegen die Grundlogen der kapitalistischen Ge- sellschast. Es lebe die Arbeiterintcrnationale, es lebe der Sozia- lismus!*— Das Telegramm ist anscheinend von der russischen oder englischen Zensur zurückgehallen worden, denn eS ist nie nach Bern gelangt und dem Internationalen Gewerkschaftsselretariat nur durch die russische Presse bekannt geworden. Parteinachrichten. Aus der sozialdemokratischen Presse. Die»V o l k s sl i in m c" für A I t c n a- I s e r l o h n teilt mit, datz sie nur als tägliches Organ zu erscheinen aufhört. Sie werde in Zukunft einmal wöchentlich herauskommen und alsbald nach Friedensfchlutz bemüht fein, mit neuen Kräften in den Kampf für die Sache der Arbeiterschaft einzutreten. Von der Arbcitcrjugendbewcguug in Skandinavien. Ein in Stockholm abgehaltener Jugendkongretz, zu dem 26 Ver- eine 45 Vertreter entsandt hatten, bezchlotz, den..Sozialdemokratischen Jugend verband Schwedens" zu gründen. Der Verband soll mit der Partei eng zusammenarbeiten, ohne sich jedoch ihr anzu- schlietzcn. Bei Erreichung des zwanzigsten Jabrcs sind die Mit- glioder der Jugendorganisation verpflichtet, der Partei beizutreten. Bekanntlich hatte der alte von Höglund geleitete Jugendverband sich der neuen schwedischen Linksparei angeschlosseu.— Ter Norwegische Sozialdemokratische Jugeudverband hielt in Kristiania einen außer- ordentlichen Kongreß wegen der Streitigkeiten unter den Mitglie- dern des Zentralvorstandes ab, die" mit dem Parteistreit über die Stellung zum Militarismus zusammenhängen. Scharf getadelt wurde die Redaktion des BerbandSorgans..Klastekampen", die eine Spaltung der norwegischen Arbeiterpartei nach dem schwedischen Muster empfohlen hatte. Ter Kongreß nahm eine Resolution an, die ausspricht, daß der Jugendverband die Einheit der Partei zu wahren habe und daß in diesöw Sinne auch seine Zeitung redigiert werden müsse. Soziales. Deutschland gerät ins Hintertreffen. Es hat eine Zeil gegeben, in der Deutichland fraglos an der Spitze der Sozialversicherung marscbieite. In vielen Punkten ist eS aber auf diesem Gebiet sldon vom Auslände überflügelt worden. In neuerer Zeit auf dem Gebiet der Unfallversicherung von Oester- reich. In Oesterreich ist nunmehr auch ein Unfall dem Schutze der Versicherung unierstellt, der sich auf dem Wege von und zu der Arbeit ereignet, sosern dieser Weg keine im Eigen- interesie des Versickeilen begründete oder sonstige mit dem Arbeit?- Verhältnis nickt zniammenbängende Umerbreckung erfahren hat. 'Immer noch harren wir in Deutschland der Ausdehnung des Schutzes der Versickerung auf diese Wege zur und von der Arbeit. In Deutschland wird der Rentenberecknung nur ein Jahres- arbeilsverdienst von 1800 M. zugrunde gelegt, ein etwa über- schießender Beirag nur zu einem Drittel. In Oesterreick ist nun- mebr vorgeffben, datz der Jabresarbeitsverdienst in voller Höbe bis zu 8600 Kronen zur Anrechnung kommt und ein Mehrbetrag außer Berechnung bleibt. Auch das ist gegenüber dem deutschen Recht ein wesentlicher Voriprung. In Oesterreich ist weiter bestimmt, datz bei Lehrlingen usw., die wegen noch nickt beendeter Ausbildung nicht oder nickt voll enl- lohnt werden, als Jahresarbeilsverdienst de: niedrigste Jahresarbeits- verdienst voll entlohnter Arbeiter oder BetriebSbeamier jener Bcjchäjti- aiing. für die die Ausbildung erfolgt, in Anrechnung zu bringen ist. Der Höchstbetrag ist allerdings auf 1200 Kronen begrenzt, zugleich aber auch ein Mindestbelrag von 600 Kronen vorgei'eben Ein wirklich be- zogener, l200 Kronen übersteigender Jahresarbeilsverdicrist wird natürlich angerechnet. Irr Deutschland kann in den Fällen, wo der Jabresarbeitsverdienst das 800 fache des OrtSlohnes nickt erreicht. nur dieser in Anrechnling gebracht weiden und danach ist es mög- lich, daß der aänze Jabresarbeitsverdienst nur 5l0 M. und die Bollrente 340 M. belrägt. In Deutschland kann Verwandten der aufsteigeiideit Linie und Enkeln einer durch Betriebsun'all getöteten Perlon»n Falle der Bedürftigkeit eine Rente gewährt werden, die bei den Enkeln in jedem Falle mit dem fünfzehnten Lebensjahr in Fortfall kommt. Der Fortfall der Rente mit dem fünfzehnten Lebensjahre gilt auch für die Kinder einer gelöteten Person, bei denen die Bedürftig« kcit sonst keine Voraussetzung der Rentengewäbruna ist. Oesterreich geht nunmehr über da? fünfzehnte Lebensjahr in den Fällen hinau?. in denen die Rentenberechtigten zu dieiem Zeitpunkt mit einem körperlichen oder geistigen Gebrechen bebaktet sind, das sie gänzlich erwerbsunfähig macht. In solchen Fällen ist die Rente aus die Dauer der Erwerbsunfähigkeit zu zahlen. Oesterreich sieht auch die Gewähr una einer Rente an die Geschwister deS Verstorbenen vor, wenn der Verstorbene zum Unterbalt derselben wesentlich beigetragen hat. Das deutsche Recht kennt dieses nicht. Wenn man diese Tatsachen gegeneinander hält, mutz man zu dem Ergebnis kommen, datz Deutschland in recht vielen Fällen nun- mebr schon vom Auslande überflügelt worden ist und recht, recht viel VeriäumteS nachzuholen hat. Oesterreich bat die oben erwäbnten Verbesienmgeu der Unfall- Versicherung jetzt wäbrcnd der Kriegszeit vorgenommen. Fraglos iff die deutsche Volkswirtschaft der österreichischen überlegen. Was Oesterreich kann, mutzte Deutschland erst reckt können. Beschämend ist es. sehen zu müssen, datz wir hier von einem wirtschaftlich weniger günstig gestellten Staat überflügelt werden. Durchlöcherung der Zlachtruhc für Bäckereien? Wie wir der„Deutschen Bäcker- und Konditorenzeitung" entnehmen, bringt der.Brotfabrikant" folgende Nachricht: „Wie wir aus guter Quelle erfahren, wird der Bundesrat in Kürze den Z 9 der Bekanntmachung über Bereitung von Back- waren dahin ändern, datz für Verrichtung der Vorarbeiten, ins- besondere der Sauerfübrung. best. mmte Zeiten während der zwölf- stündigen Ruhezeit freigegeben werden. Unmittelbar vnanlatzt ist dieie Aenderurig, die schon am 25. Juli 1916 vom„Verband deutscher Brolfobritanien" beantragt war, durch einen Antrag der sächsi'chen Regierung. Die Reicksregierung bat daraufbin sich an die Bundesregierungen um Aeutzerungen gewandt, und diese haben wiederum mit Sachverständigen sich ins Benehmen gesetzt..." Die Organisationen der Bäcker wissen nichts von solchen Vor« bereitungen zur Durchlöcherung des Nacktbackverbols. Sie sind nicht gulockllich als Sachverständige gehört worden. Es will uns ganz undenkbar erichemen, datz eine io lief in die beruflichen Berhällnisie und das ganze Leben der Bäcker einschneidende Matzregel, wie e-Z eine auch nur teilweise Aushebung oder Dinchlöcherung der Nacht« ruhe sein würde, auch n»r ins Auge gcsatzt wird, ohne datz man die Gehilfen und Backmeister hierzu hört. Jedenfalls ist die Mit» tciliing des„Brotfabrikanlen" nur zu sehr geeignet. Unruhe in die Reiben der Bäckoreiarbeiter zu tragen. Sie harren von Tag zu Tag des dauernden Vetbots der Nachtarbeit für die deutsche Bäckerei und müßten eine auch nur teilweise Aushebung des jetzigen vorläufigen Verbots geradezu als einen Schlag ins Gesicht empsinden. Die Rc- gierung würde deshalb gut tun, sich sofort zu dieser Frage zu äußern._ Eingegangene Druckschriften. Frankreichs Schicksale im Jahre 1870. Von Graf Tobincnu 50 Pi.— Sechs Monate Westfront. Von Aa'tcr Reinhardt— Mirabclla. Von Lotte OSubalte.— Tos Wartbnrgfcft. Vo» H. Ferd. Matzmann.— Ter Weltkrieg>014/17. Von Generalmajor v. Loebell. Je 25 Pj.— Michel. Aon Joh. Scherr. 1 M. Philipp Zlcclam. Leipzig. Gut und Blut fürs Baterland. Aon Dr. A. Jaslrow. 6 M.- Georg Reimer, Berlin. Verantwortlich Mr Politit: Erich»nitocr, Verlin: für den Ldrigen Teil des VlalleS: Alfred Schot», Neukölln: tiir Inserate Ih. Glocke, Verlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. DerlagSaullall Paul Einger& Co., Berlin SW Hierzu s Beilagen. Leipziger Straße (Versand- Abteilung) A.WERTH EIM König-Straße Rosenthaler Str. Moritzplatz Damenkleider Kostüme und Mäntel Damen- T/"!„ j J aus guter Perlseide mit -TV 1C1U. groß?(arbigen Seidenkragen und Taschen garniert T aftetmantelkleid mod. Form, Taille m. großem Kragen, Rockm.Taschen garn. T�1„.'r1 aus Seiden-Krepp, XVIClli)u�endliche Form mit farbiger Seidenstickerei... 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