Nr. 304. 34. Jahrg. Bezugspreis: SiertellShrl. ii.iivMl.. monatt. ILV VU, wöchenllich 80«fg. frei inS Haus. vorauszabldar Einzelne WochenlagS- nummern b«fg sonnlagsnummcr mU tDuftriencr'Beilage.Die Neue Seil* 10 Big Bofibezug; Monatlich IM Mk Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich»Ungarn 2.S0 Ml., für das übrige Ausland 4 Ml. monatlich Postbestellungen nedmen an Dänemarl. Holland. Luxemburg. Schweden u die Schweiz. Eingetragen in die Poil-Zeitungs-'Lrelslilte. Erscheint täglich. Telegramm» Adresse: .E»ziald«mokrat Berlin». «gmiii- Verlinev Volksblnkk. d ) Der Anzeigenpreis Beträgt f. die siebengefvaltone Kolonel- -cile so Pfg„Kleine Zlnieigeu", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zu- lässig 2 fettgedruckte Worte), fcdes weitere Won 10 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort lOPsg.. fcdes weitere WortSPsg. Worte über>b Buchstaben zählen für zwei Worte. Teucrungszuschlag 20'/.. 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Trotzdem würde eine Regierung, die aus Zentrumsführern und Nationalliberalen obendrein noch mit' einem freikonservativen Einschlag besteht, sich auf das Vcr-! trauen breiterer Volkskreise nicht stützen können. Es ist selbstverständlich, daß sich die Sozialdemokratie ihre endgültige Stellung zur neuen Regierung so lange vor. behalten muß. bis ihr Gesicht klar erkennbar ist. Offiziös wird gemeldet.' Wie wir hören, wird der Reichskanzler und Minister- Präsident Graf'Hertling nicht erst am 5. Dezember, sondern� schon etwas zeitiger, am 2 2 November Gelegenheit nehmen, sich im Reichstage einzuführen. Es ist anzunehmen, daß die Dispositionen des Abgeordneten- bauses hinsichtlich der Wahlrechtsvorlage von diesem Termin abhängig gemacht werden. Am 19. und 29. November wird das Abgeordnetenhaus keine Sitzungen abhalten, um den Fraktionen zur Beratung der Wahlrechtsvorlage Gelegenheit zu geben. Rufsische Stimme zum Würzburger Parteitag. Demokratie und Imperialismus. Stackholm, 2. November.(Eig. Drahtbericht des„Bor Wirts".) Der Stockholmer Korrespondent der„N o w a j a S ch i s a' schreibt vom Würzburger Parteitag: Man mag die frühere»Haltung der deutsche» Parteimehrhrit kritisiere», jedenfalls steht fest, daß sie in de» letzten Monaten einen systematischen und energische» Kampf für die Demokratisierung Deutschlands führt. Wer daL nicht anerkennt, kennt die Wirklichkeit nicht. Weniger freundlich hat unlängst„Spektator* in derselben Zeitung den Parteitag und besonders das Referat des Genossen Cunow kritisiert. Er schrieb: ...„Cunow empfiehlt den Abschluß günstiger Handelsverträge mit Rußland und Rumänien, die diese Länder mit dem„Mittel- europa" verbinden würden. Es ist kaum anzunehmen, daß Cunow glaubt, Rußland und Rumänien werden freiwillig in den Bund dieser Staaten eintreten. Indem die Partei Cunow zum offiziellen Referenten zu dieser Frage bestimmte und ihm die Re- daktion der„Neuen Zeit" übertrug, erklärte sie sich offenbar mit den Hauptpunkten seines Vortrages eüwerstanden. Denn der Standpunkt dieses„Theoretikers des Sozial-Jmperia- lismus" ist ihr gut bekannt. Daraus folgt, daß Scheidemanns Partei die gleiche doppelte Politik führt, wie die deutsche Regierung. Einerseits, offen kämpft sie angeblich gegen die Imperialisten, andererseits aber unterstützt sie die Imperialisten in ihrer eigenen Mitte." Den Wunsch, nach dem Kriege mit Rußland gute politische und wirtschaftliche Nachbarbeziehungen anzuknüpfen, hat allerdings nicht nur Cunow, sondern die ganze deutsche Partei und das ganze deutsche Volk. Daß aber dabei Rußland die Freiheit der eigenen Entschließung gewahrt bleiben muß, daß ein Handelsvertrag nur dann nützlich ist, wenn er beide Teile auf ihre Rechnung kommen läßt, das ist so selbstverständlich, dah wir es nicht erst besonders betonen zu müssen glaubten. Ein Rußland aufgezwungener Handelsvertrag würde in die Kategorie der„wirtschaftlichen Vergewaltigungen" fallen, die wir program- matisch ablehnen. Man muß den Begriff„Imperialismus" schon wie Kautschuk spannen, wenn man unfern Wunsch, nach dem Kriege mit Rußland in politischer und wirtschaftlicher Freund- schaff zu leben, als.sozialimperialistisch" zu kennzeichnen sucht. Zort mit öem§ 153! Der häßlichste Fleck in der deutschen Gesetzgebung soll ge- tilgt, der�löZder Reichsgewerbeordnungend. lich beseitigt werden. Die Reichsrcgierung hat ihre Bereitwilligkeit hierzu erklärt. Jedenfalls lassen die Worte des neuen Staatssekretärs des Reichswirtschaftsamts, Dr. Schwander, in seiner von feinem sozialpolitischem Vcr- ständnis getragenen Rede auf dem christlich-nationalen Ar- beiterkongreß, daß das Arbeitsrecht frei von unnötigen Fesseln und Hemmungen auszugestalten sei, keine andere Deutung zu. Denn eine unnötigere Fessel, als sie der Z 133 darstellt, läßt sich wohl nicht denken. Unnötig selbst vom Standpunkt des lediglich seine eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgenden Unternehmertums. Denn das Anwendungsgebiet des§ 153 im Wirtschaft- lichen Tageskampf ist heute kein allzu großes mehr, nachdem das Reichsgericht entgegen seiner früheren Rechtsauffassung aus der Entstehungsgeschichte des 8 133 neuerdings gefolgert hat, daß diese Vorschrift lediglich dazu bestimmt war, eine etwaige Lücke des allgemeinen S t r a f r e ch t s auszufüllen, also nur aushilfsweise zu gelten hat, wenn nicht ein eine härtere Bestrafung ermöglichendes Strafgesetz Platz greift. Soldfe Lücke aber wird sich gewiß nicht oft finden. Mag mau noch soviel, cm. uns«rem Reichsstrafgesetzbuch aus- zusetzen haben, eines kann man ihm jedenfalls mit Grund nicht vorwerfen, daß es dem Staate die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung notlvendigen Machtmittel versagt. Vielmehr wird umgekehrt über das Ueberniaß von Straf» gesetzen geklagt und dem Gesetzgeber der kluge Rat erteilt, niemals zu vergessen, daß ein täglich zum Holzhacken ge- brauchtes Schwert im Ernstfälle, am Tage der Schlacht, seinen Dienst versagen muß. Also eine übermäßig praktische und sinnfällige Bedeu- tung hat die Beseitigung des 8 1Ä nicht. Jede wirklich straf- würdige Handlung, mag es sich um eine wörtliche oder tätliche Beleidigung handeln, bleibt nach anderen Gesetzen strafbar, auch wenn das Ausnahmerecht des 8 153 nur noch als ge- schichtliches Kuriofum in wissenschaftlichen Werken fortlebt. Andere Vorschriften, wie die nur durch unerträgliche juristische Auslegungskünste möglich gewordene Ausdehnung des E r p r e s s u n g s p a r a g r a p h e n auf den normalen Lohnkanrvf, sind viel einschneidender und bereiten den Vor- kämpfen für den wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg der Arbeiterklasse persönlich und sachlich weit ernstere Schwierig- ketten. Dennoch stellen wir die Aufhebung des 8 153 an die Spitze unserer Forderungen und sehen darin das erste starke Zeichen für die N e u o r i e n t i e r n n g auf dem G e. biete des Arbeiterrechts. Ties einmal ans dem äußerlichen Grunde, weil die gesetzliche Unigestaltung hier nicht die geringsten sachlichen Schwierigkeiten macht, nicht die kleinste Vorarbeit erforderlich ist, daher jeder Vorivand einer Verschleppung fehlt, vielmehr mit einem Federstrich alles erledigt ist. Die Zustimmung der überwältigenden Mehrheit des Reichstages ist gewiß, nachdem soeben auch der Vorstand der nationalliberalen Reichstagsfraktion„für die Beseitigung bon Vorscktriften. die die Arbeiterbewegung hemmen", ein- getreten ist. Vor allem aber tritt der sachliche Grund hinzu, daß hier viel mehr auf dem Spiele steht, als das Verlangen. nach ungehinderter Geltendmachung eines Mehrlohnes von einigen Pfennigen. Ideale Momente kommen hier in Frage. Die A r- beiterehrc selbst ist der Kanipfpreis. Die Arbeiterschaft wird in ihren heiligsten Empfindungen angetastet, wenn der � Staat in der feierlichen Form des Gesetzes den Grundsatz pro- klamiert: ich bin gezwungen, zum Ausnahmegesetz zu greifen, einseitig im Lohnkampf Partei zu Ungunsten der Arbeiter- chaft zu nehmen, ihr das Kampfterrain zu verschlechtern, weil ie stets des Mißbrauchs der allgemeinen Freiheit verdächtig ist, für sie daher die allen anderen Staatsbürgern gezogenen Schranken nicht ausreichend erscheinen. Es gab für den alten Römer nichts Beschämenderes, als. wenn ihm der- öffentliche Sittenrichter, der Censor. den Vollbesitz der bürgerlichen Ehre absvrach. Ein« solche capitis diminutio stellt für den deut- chen Arbeiter der 8 153 der Gewerbeordnung dar. Er muß daher fallen, mid zwar sofort. Es gäbe, auch vom rein ästhetischen Standpunkt, für den neuen Reichskanzler keine bessere Einführung, als wenn sein erstes Hintreten vor den Reichstag die Tilgung dieses häßlichen Flecks bringen, wenn er die Folgerung aus den Worten ziehen würde, die der Vertreter der Reichsregierung bereits vor mehr als zwei Jahren in der Reichstagskonimission für die Reform des Vcr- einsgesetzes gesprochen hat. daß die Gewerkschaften sich vom Beginn des Krieges an in uneigennütziger und aufopfernder Weise in den Dienst der Aufgaben gestellt haben, die das Wohl des Vaterlandes, seine äußere und innere Wehrhaftmachung ciheisDn. Tie KeiiMIeitung sei deHakb in eine Prüfung der Frage eingetreten, welche gesetzgeberischen Maßnahmen zu ergreifen seien, um den Gewerkschaften die nötige Freiheit zur Betätigung ihrer berechtigten wirtschaftlichen und Wohlfahrts bestrebungen zu sichern. Tie Erfüllung dieser Funktionen, die der WürZl b u r g e r Parteitag durch die scharfe Betonung der Stet lung der Arbeiterschaft als Träger und Förderer im nationalen Produktionsprozeß besonders unterstrichen hat, aber ist völlig unmöglich, solange es dem Arbeiter verwehrt ist. im Wege der Selbsthilfe sich der sonst überall im ökonomischen Leben als loyal angesehenen Mittel zu bedienen, solange es ihm ver boten ist, durch Anrufung der besten Eigenschaften der mensch lichen Natur, des Solidaritätsgefühks, der Emp findung für E h r e u n d K a n? e r a d s ch a f t, der Erkenntnis für die Bedeutung der organisierten gesammelten Kraft dem natürlichen Gegner im wn-tschaftlick)cn Alltagskampf entgegen- zutreten. Und ferner, wie sollen die Gewerkschaften ihren eigenen.Klassengenossen gegeidiber ihre pädagogische Pflicht erfüllen können, wenn das Strafgesetz ihnen dabei auf Schritt und Tritt Fallstricke legt? Wie sinnlos von diesen! Standpunkt aus der K toll ist, dafür liefern die Erfahrungen der Kriegssahre durchschlagen den Beweis. So oft Arbeiter verblendet genug waren, sich über die Köpfe ihrer berufenen Lertretungsorgane hinweg durch anonyme Flugblätter oder andere verwerfliche Mittel zu einer die Widerstandskraft unserer Söhne und Brüder an den Fronten schwächenden Arbeitseinstellung verleiten zu tasten, hljhnte die vom Unternehmertum gekaufte Presse über den Beweis des Fehlens gewerkschaftlicher Zucht und Auto- rität in der Arbeiterschaft. Jetzt auf einmal war vergessen, daß das Unternehmertum es selb st war, das aus vermeintlich gefährdeten Klasseninteressen heraus mit allen Mitteln dafür eingetreten war, daß die Willens- und Hand lungsfreiheit des einzelnen gegen den in Verbänden, Organi sationen, Korporationen sich verkörpernden Gesamtwilleu gc* schützt werden müsse. Und die konservative Presse, die, wenn auch in ernsteren! Ton, in den Chorus der Unternehmerpresse eingestimmt war, übersah, daß sie stets dieselbe Forderung erhoben hatte, zwar nicht aus materiellen Gründen, aber doch weil sie in dem Auswirkenlassen aller freien, selbsttätigen, neben dein Staat sich enüvickelnden Kräfte eine Art von Auf- lehnung gegen die von Gott eingesetzte �Obrigkeit, ja gegen ein Naturgesetz erblickt hatte. Plan sieht, von keine»! Standpunkt aus läßt sich die Bei- beHaltung des H löll rechtfertigen. Geboren aus der ein- fettigen'Berücksichtigung lediglich der wirtschaftlichen Kampf» natnr der Gewerkschaften, behielt man den tz 153 während der drei langen Kriegsjahre bei, obwohl man von dem zweiten Gesicht der Arbeiterorganisationen, ihrer Wirtschaft. l i ch- r e f v r in a t o r i s ch e n Bedeutung, sich zu über- zeugen hinreichend Gelegenlieit hatte. Nun aber ziehe man auch aus dieser Erkenntnis die gesetzgeberischen Folgen. Der Staat darf nicht länger das koaliert wirtschaftliche Handeln der Arbeiter auf der einen Seite zwar zulassen, ja sogar, wie in den Motiven zur Vereinsgesetznovelle und in dem Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst ausgesprochen ist, es im Interesse der staatlichen?kotwendsgkeiten und der größtmög- lichen Stärkung der vaterländischen Produktion für geboten erklären, auf der anderen Seite aber diese selbe organisierte Selbsthilfe zu einen, rechtlichen Nichts herabdrücken und ihr die kraftvolle Entfaltung in Fällen verbieten, in denen sie allen anderen Klassen gestattet ist. Man darf mit Recht erwarten, daß die geplante gesetzliche Reform starke psychologische Wirkungen auslösen und der Ar- deiterschaft die Richtigkeit der von den Gewerkschaften be- folgten gradlinigen Politik erweisen wird. Will man ober dieses Ziel erreichen, so vermeide man die Fehler, die vor der Einbringung des GesetzenllvnrfS betreffend das preußische Wahlrecht gemacht worden sind. Man gebe schnell freudig und auf einmal, nicht zögernd und bruchstückweise. Der ij 153 muß in allen seinen Teilen fallen, es dürfen nicht Reste zurückbleiben und Hintertüren offengelassen werden.. Bei der Vereinsgesetznovelle ist die Regierung den richtigen Weg gc- gangen. Ihn jetzt zu verlassen, wäre verhängnisvoll. Sind die vom§ 153 aufgerichteten, durch die Wirtschaft- liche Entwicklung längst überbolten Schranken gefallen, ist die Voraussetzung für jede Gewerkschaftsarbeit, das Organisationsrecht, von allen Fesseln befreit, dann erst ist die Babn frei für den Ausbau eines positiven Arbeitsrechts. Aufgab? des neuen Staatssekretärs wird es sein, dieses Problein, das die Grundlagen für die rechtliche und soziale Stellung des Arbeiters in der heutigen Gesellschaft zu regeln hat. unter Zuziehung der Organisationsvertreter und gw eignetcr Sachverständigen zu lösen. Klar weist das Referat Mssells ans dem Würzburger Parteitag den Weg, der zu gehen ist. Der Staat greife nur zu. Die Organe der Selbsthilfe, die man bisher sehr zu Unrecht von der staatlicben Betätigung systematisch abgeschlossen hatte, sind zur Mitarbeit bereit. Kann dies deutlicher ausgedrückt werden, als es Scheideinann in Wür�burg mit den Worten getan hat:„Wir dürfen nach dem Kriege nicht mehr Theoretiker und Agitatoren bleiben, wir müssen Praktiker des Sozialismus werden. Und wir dürfen dabei nicht vergessen, daß der Sozialisinns nicht Zweck, sondern nur Mittel zum Zweck ist, um den materiellen und geistigen Wohlstand des Volkes zu heben. Deshalb müssen wir uns vor Prinzipienreiterei hüten und jede Maßregel . darauf ansehen, nicht nur, ob sie sozialistisch, s o n- dern auch ob sie praktisch i st." Ministerreisen im Ententelager. Im Anschluß an die italienische Niederlage hat im Lager der Entente ein höchst detriebssames Ministerrcisen eingesetzt, das durch folgendes Telegrammbündel die Ausmerlsamkeit aus sich zieht: London, 4. Noveniber. Amtlich. Painleve und Petain sind nach einem kurzen Besuche in England nach Frank- reich zurückgekehrt. Paris, 4. November.(Havas.) P a i n l e b ö setzte am Sonnabend den Ministerrai von den Besprechungen in Kennt- nis, die soeben in London stattgesunden haben. Sodann prüfte der Ministerrat die militärische Lage. Dem Ministerrat war eine Sitzung des Kriegsausschusscs vorausgegangen. Paris, 4. November.(Havas.) Painleve und Lloyd George sind heule früh nach Italien abgereist. Rom, 4. November.(Stefani.) Venizelos(dessen Plötz- liche Ankunft in Rom vor zwei Tagen bekannt gegeben wurde) . ist Sonnabend nach Paris abgereist. Das Bild, das dieses Gewimmel von Reisen nach London, Paris und irgend einer italienischen Stadt gibt, erinnert ein wenig an die Wirkung eines Stockschlags in einen Ameisenhaufen, der zunächst ein überraschies, rastloses Hin Und Her auslöst. Wahr- scheinlich indes soll der Reiseeifcr der italienischen OeffenUichkeit etwas ganz anderes verkünden: die entschlossene Bereitschaft der Entente. Da sich Heere nicht im Handumdrehen über die Alpen werfen lassen, müssen einstweilen die Minister als Teil fürs Ganze demonstrieren. * Italienischer Heeresbericht vom 3. November. Während des gestrigen Tages verstärkte der Feind seinen Druck gegen den linken Flügel unserer Linie am Tagliamento. Einbruch-Zversuche aus dem rechten Flügel wurden von uns auf- gehalten. Das Zentralfowjet gegen Tereftschenko. Der Ä. November ohne Unruhen. S t I ck h o t!», 2. November.«Zig. Drahtbcricht de?„Bor- wärts".> Die Rede Terestschenkos, welche die tatsächliche Leitung der Regierungspolitik durch den kadetkischen Jmperilismus bekundet, rief lebhafte Proteste bei den Politikern und Zei- tungen der gemäßigten Linken hervor. Es bereitet sich unverkennbar ein neuer Konflikt vor, wobei diesmal dir von T s ch e i d s e geführte Mehrheit des Zentral-Sowjets der Regierung entgegentreten wird. „Nowaja Schisn" protestiert gegen dieZensurdeSschwe- d i s ch e n Auswärtigen Amte s, welche jetzt neben der Mi- litärzrnsur tätig sei. Diese Zensur verhinderte die Publizicrnng einer Meldung Uber die in Frankreich gegen russische Soldaten gc- übten Repressalien, sowie über die Ernennung Maklakows. Das Blatt veröffentlicht weiter Geheim papiere über die Kooperation Nabokows mit der englischen Regierung zur E r k n u- dung der politischen Gesinnung von über Archangelsk heimkehrenden Emigranten. • Petersburg, 3. November.(Meldung der Petersburger clegrophen-Agentur.) Trotz der andauernden Gerüchte, die den 2. November als den Tag bezeichneten, an dem eine be- waffnete Erhebung der Maximalisten stattfinden werde, ist der gestrige Tag in Petersburg und Umgebung ohne Zwischenfall verlaufen. Tie öffentliche Ordnung wurde nir- gends gestört. Die Vorläufige Regierung hat einen Gesetzentwurf ge- nehmigt� der den 12. März, den ersten Tag der Revolution, zum russischen Nationalfesttag erklärt. In der gestrigen Sitzung beschloß da? Vorparlament, an die Regierung eine dringende Interpellation zu richten, über die Lage im Tonezb ecken, wo die Kohlenerzeu- g u n g so rasch sinkt, daß aus sämtlichen Eisenbahn- strecken die Einstellung des Verkehrs droht. Die Lösung üer spanischen Kabinettskrise. Neuorientierung nach links. Ter zweite Versuch Garcia Prietos, ein Ministe- rium zu bilden, ist geglückt. Das neue Kabinett setzt sich cnd- gültig wie folgt zusammen: Präsident und Minister des Aeußern Garcia Prieto. Alvaredo, der nach einer Nachricht vom Sonnabend das Äußenininisterium übernommen hatte, hat„aus privaten Gründen" verzichtet. Das Innere über- nimmt Babamondc, die Finanzen Veiitosa, das Kriegsministerium De la Cierva, das Marineinimsterium Guneno, den Unterricht Rodes. die Oeffentlicheu Arbeiten Alcala Zamora, die Justiz Fcrandes Prida. Tie Regierung bat gestern den Eid geleistet und erklärt, eine strenge Neutralität bewahren zu wollen. Die Mitglieder der Versammlung der Linken be- schlössen, sich bis zur Erklärung der neuen Regierung aller weiteren Schritte zu enthalten. Lerroux lenkte namens der Versammlung die öffentliche Aufmerksamkeit auf diejenige Person, die für de» Eintritt des Kriegs minister? de la Cierva in das Kabinett verantwortlich sei, dessen Ernennung ein Mißtrauen gegen die liberale A n s ch a u u n g bedeute. Garcia Prieto erklärte, die i n n e r e P o l i t i k der neuen Regierung werde sich nach den Anweisungen des Königs auf einer umfangreichen Zusammenfassung der Kräfte gründen. Sic werde ihren Schwerpunkt nach links verlege,'« uni die großen Kräfte der Parteien der Linken der Monarchie zunutze zu machen. Wie die Tinge in Spanien lieaen. war ohne diese demo- kratische Neuorientierung eine Lösung der Regierungskrise völlig ausgeschlossen. Das Scheitern der von den Konwrva- tiveii Toca und Maura unternommenen Versuche, ein Kabi- nett zu bilden, beweist, wie stark der Druck der Linken war. Ihr Sieg bedeutet, daß das Ende der Tage des bisherigen panischen Staatsbetriebs gekommen ist. Englische Stimmen zum üeutschen Kurswechsel. Die„Tin, es" schreibt: Tie Wahl HertliugS ist nur ein neuer Sckacbzug im deutschen Friedensfeldzug. «M o r n i n g Post"(kons.) setzt über den Bericht von der Er- ncnnung Hertlings die Aufschrift: Triumph fürdieReichS- tags mchrheit. Zugeständnisse an die Demokraten. ,.D a i l y News"(lib.) sagt, daß durch Hertlings Ernennung auf bemerkenswerte Weise mit der Vergangenheit ge- brachen worden sei, da Herkling Politiker und nicht Bureaukrat und außerdem ein nicht preußischer Katholik sei. Im italienischen Feldzug sei da? letzte Wort noch nicht gesprochen. Bon seinem Aus- gange werde viel abhängen und vielleicht werde er so sein, daß Hcrt- ling endgültig eine gemäßigte Politik fuhren wird. Die Stimme der„Times" zeigt deutlich, daß die englischen Kriegsverlängerer ibre Felle davonschwimmen sehen und daß das um so sidferer der Fall sein wird, je deutlicher der vollzogene Kurs- Wechsel als wirklicher Syst cm Wechsel in Erscheinung tritt. Völkerrechts-Deratungen. Ain Dienstag tagte in Bern der geschäftsführende AuS- chuß der Internationalen Studienkonferenz, !ne aui 12. November in Bern zusammentreten wird. Das Ziel der Konferenz ist nicht ein politisches, sondern ein wisienschaftlichcs und besteht darin, die Fragen der künftigen internationalen Rechtsordnung. zu denen die leitenden Staatsmänner der Entente und der Mittelmächte in gleichem Sinne- Stellung genonimen haben. der Klärung näher zu bringen. Daraufhin wird erhofft, daß alle kriegführenden Länder die nötigen Päffe und Durchreise- bewilligungeu erteilen werden. Am 17. November beginnen im Börner Parlamentsgebäude die Plenarvcrhandlungcn über den künstigen Ausbau des Haager Werkes und die Schaffung eines st ä n d i g e n G e r i ch t s h o f e S und eines U n t e r s u ch u n g s- und V e r m i t t l u n g s r a t e s ge- maß den Anträgen der Soiiderkommissionen. Auch die übrigen Punkte des Haager Programms vom April 1915 sollen besprochen werden. Die Waliser Sergarbeiter unü öie Dienstflicht. Rotterdam, 3. November. Nach„Nieuwc Rotterdamschen Cou- rani" wurden bei der Abstimmung unter den Bergarbeitern von Wales über die Frage, ob sie wegen der Ausbreitung des Militärdienstes der Bergarbeiter die Arbeit nieder- legen sollen, 273S für und 17 080 Stimmen gegen den Streik abgegeben. In keinem einzigen Distrikt und bei keiner einzigen Gruppe fand sich eine Mehrheit für den Streik. Die meisten Schächte liegen wegen des Ausstände? der Schachtkontrolleure und Heizer, die die Anerkennung ihrer Gewerkschaft verlangen, noch still. Lanötagsbeginn in§innlanü. Helsingfors, 3. November.(Petersburger Telcgraphen-Ageu- tur.) Der neue Landtag hat unter dem Vorsitz des Alters- Präsidenten Baron Vreden feine erste Sitzung gehalten und den Abgeordneten von Wiborg L u n d f o n(I u n g f i n n e) mit 67 gegen 37 Stimmen zum P r ä f i t-.e n t e n gewählt. Lundfon hielt eine Rede, in der er darauf hinwies, daß der Krieg die politische Verfassung Finnlands ernstlich erschüttert und das Land zu dem chlusse gebracht habe, daß es sich selbst regieren müsse. Der Krieg auf öen Meeren. Das Treffen im Kattegat. Berlin, 4. November. Ein kleiner deutscher Hilfs- k r e u z c r, Kommandant Kapitänleutnant d. R. Lautrrbach, ist am 2. November im Kattegat nach tapferer Gegenwehr von einer Uebrr. macht von sechs-feindlichen Kreuzer» und neun großen Torpedo- bootszerstörern versenkt worden. Ter englische Bericht meldet die Vernichtung von zehn Patrouillensahrzeugcu. Ties eutspri6,t nicht den Tatsachen, deutsche Äricgsfahrzeuge werden außer dem genannten Hilfskreuzer nicht vermißt. Ter Chef des Admiralstabes der Marine. London, 3. November. Amtlicher britischer Bericht. Wir zerstörten im Kattegat einen mit 6-Zoll-Kanonen bewaffneten deutschen Hilfskreuzer und ein bewaffnetes Patrouillenfahrzeug.' 64 Sseleuie wurden von den unsrigeu geret!. sd gefangen ge- nommsn. Britische Verluste werden nicht gemeidet. Kopenhagen, 3. November. Gestern trafen in Falkcnbcrg 12 Mann eines deutschen FischdampfcrS ein, der während des Kampfes im ktattegat gesunken war. Er wird angenommen, daß vier englische Kreuzer und vier Torpedojäger am Kampfe beteiligt waren. Mehrere schwedische Fischer waren während eines Teiles de? Kampfes zugegen, sie mußten jedoch in- folge des Kugelregens sich schnell entfernen. Kopenhagen, 4. November. Es ist nun entschieden worden, daß die in Kopenhagen befindlichen Seeleute des versenkten deui- scheu Hilfskreuzers Marie nicht interniert, sondern als Schiffbrüchige behandelt werden sollen, da sie von dem dänischen Dampfer DalgaS in den internationalen Gewässern auf- genommen worden find. Die unverletzten Seele nie treten bereits heute die Reise nach Deutschland an. Tie im städtischen Kranken- haus befindlichen Verwundeten können die Rückreise in die Heimat antreten, sobald sie aus dem Krankenbaus entlassen werden.> Norwegische Protestnote an Deutfchlaaö. Ter versenkte Geleitzug. Nonvegische Blätter veröffentlichen den Wortlaut der norwegischen Protesterklärung gegen die Versenkung norme- gischer von Engländern geleiteter Schifte am 17. Oktober. üDic Note behauptet, daß den norwegischen Mannschaften keine Frist zur Rettung gegeben worden sei, daß die Deutschen keinen Versuch zu ihrer Rettung gemackt und sich mn ihr Schicksal nicht gekümmert hätten. Zahlreiche Seeleute seien durch Ge- schiitzseuer getötet worden oder ertrunken. Um die notwen digen Zufuhren für'Norwegen zu schassen, müßten sich die Norweger von Kriegsschissen geleiten lassen, die zu den Gegnern Teutschland? gehörten. Der ganze Fall wird als „Verletzung der Gesetze der Menschlichkeit" bezeichnet. Großen Eindruck habe es gemacht, daß setzt auch die Kriegsschiffe die- selbe Taktik übten wie die U-Boote. Für die Zukunft heißt es:„Tic norwegische Regierung darf daher nochmals die deutsche Regierung ersuchen, daraus zu sehen, daß die deut- scheu U-Bovtkonimandanien das Leben norwegischer Seeleute keinen Gefahren aussetzen, seien sie durch Unachtsamkeit oder durch falsche Beurteilung der Umstände verursacht." Ter Standvunkt der norwegischen Regierung ist auch für den deutschen Beurteiler vollauf verständlich. Wir können nur den Wunsch aussprechen, daß ein baldiger Frieden diesen Divergenzen ein Ende bereiten möge. Stark übertriebene Heutezahlen. Französischer Heeresbericht vom 3. November nachmittag?. Während der Nacht rückten unsere Truppen zwischen dem Oisc- .Kanal und der Gegend von Corbeny weiter vor und erreichten aift der ganzen Front das Südufer der A i l e t t c. Der Feind zog sich auf das Nordufcr des Flusses, dessen Brücke» und Siege abge- brachen worden waren, zurück. Der Artilleriekampf dauert im Abschnitt von Chavignon und an einzelnen Stellen in der Gegend der Hochfläche lebhaft an. Unier dem s e i t d e m 2 3. O k- t o b e r erbeuteten Gerät zählten wir bis jetzt 200 schwere uick> Feldgeschütze, 222 Grabengefchütze. 720 Maschinengewehre. Auf dem rechten User der Maas heftige Ärtillcrietäligkeit auf der Front deS Chonme-Waldes. Ein feindlicher Handstreich nördlich vpn St. Mihiel erzielte kein Ergebnis. Im übrigen verlief die Nacht überall ruhig. In dem Zeitraum vom 21. bis 31. Okwber wurden 23 deutsche Flugzeuge abgeschossen, 21 davon durch unsere Flieger in Luftkämpfen und zwei durch unsere Abwehrgeschütze. Außerdem wurden 28 feindliche Flugzeuge schwer beschädigt und zum Nieder- gehen innerhalb der feindlichen Linien gezwungen. Notiz des W. T. B.: Die gemeldeten Beutezahlen sind stark übertrieben und entsprechen nicht den Tatsachen. Ein großer Teil der Geschütze, zu denen die in vorderster Linie einge- bauten Minenwcrfer und Kaliber ältester Art gerechnet sind, wur- den, soweit nicht durch feindliches Feuer zerstört, von ihrer tapferen Bedienung gesprengt und unbrauchbar gemacht, ehe sie in die Hand der Feinde kamen. Die polnische Ministerprästöentschaft Graf Tarnowski nicht genehm. Warschau, 3. November. Nach Warschauer Blättern erhielt de? RegentschaftSrat die amtliche Mitteilung von den deutschen Besatz ungSbehörden, daß sie mit der Kandidatur des Grafen Tarnowski für die polnische Minislcrprästdcntschafl nichts einverstanden sind. Llopü George und öie deutschen Zliegee. Die Reise»ach Turrey. Eine merKvürdiFS Verlenmdnngsklage bildete am 16. Oktober den Gegenstand einer Verhandlung vor dem Londoner Zentral- gericht. Ter Kläger war Ministerpräsident Lloyd George. Beklagte waren acht liberale Zeitungen. Diese hatten folgende kurze Nachricht gebracht: «Luftangriff auf London.— Mister Lloyd Georges Abreise nach seinem Landsitz. Der Ministerpräsident verbrachte die Nacht in seiner Re- sidenz in Walton Heath, Surrey, nachdem er Downing Street verlassen hatte, als es bekannt geworden, daß die deutschen An- gveifer sich London näherten." Diese Nachricht läßt an Deutlichkeit ihrer Schlußfolgerungen auf den persönlichen Mut Lloyd Georges nichts zu wünschen übrig. Der Ministerpräsident strengte die Verleumdungsklage an. Die liberalen Redakteure, darunter die der ,,W e st m i n st e r G a- zette" und«Daily Mail" gaben jedoch vor Gericht Erklä- rangen ab, die zu einem Vergleich führten. Der persönliche Mut des englischen Premiers war niemals ganz unbestritten. Früher krebsten konservative Blätter mit der Behauptung, Lloyd George Hobe in stürmischen Wählcrver- sainmlungen zweimal den Weg durchs Fenster gesucht. Jetzt sind es liberale Zeitungen, die die Vorstellung reizt. England- größter Heimkrieger habe vor deutschen Fliegerbomben das Hasen- panier ergriffen. Sie gehen dabei von der ganz richtigen allge- meinen Voraussetzung aus. daß ein wcitaufgerissener Mund im Hinterland noch kein Beweis heldenhafter Paterlandsliebe ist. Da- bei darf man doch zugeben, daß die Anwendung eines internatio- nalen Erfahrungssatzes auf den englischen Ministerpräsidenten für diesen sehr kränkend und nicht ohne weiteres stichhaltig ist. Meine Kriegsnachrichten. Italienische Schlapvc in Tripolis. Konstantinopel, ?. November. Ter Sonderberichterstatter der Agentur Milli meldet aus Tripolis: Am 12. September gingen die Italiener mit überlegenen Kräften aus Tripolis vor; am 21. September versuchten sie die Ortschaft Ben G a s ch i r i zu de- setzen. Unsere Truppen, durch die Mudjahibs verstärkt, griffen den Feind in der Flanke und rm Rücken an, wodurch sie ihn zwangen, anzuhalten und den Kampf aufzunehmen. Nach 1 8 st ü n- digem Kampf war mehr als die Hälfte der feindlichen Streit- kräfte außer Gefecht gesetzt. Am folgenden Morgen zog sich der Feind in Unordnung aus Tripolis zurück unter Räu- m ii ng. aller von ihm am 12.«eptember besetzten Stellungen. Er lieh zablroiche Tote aus dem Schlachtfeld zurück, eine große Menge Waffen und militärische Ausrüftungsgegenstände. Am 7. Oktober nahm eins unserer Unterseeboote in wirksamer Weise durch sein Feuer an einem Kamps teil, welcher sich westlich von Tripolis Mischen unseren Mudjahids und den Italienern entwickelt batte, ebenso an einem durch unsere Truppen und die Mudjahids ausgeführten Angriff gegen H o m s, wobei eS die Festung und Stadt beschoß. Depeschenwechsei tzertling-Gzernin. Tie„Nordü. Allgem. Ztg." teilt den Wortlaut eines Tepeschenwechjels zwischen dem Reichskanzler, Grafen Herl- ling, und dem Grafen Czernin mit. Graf Hertling macht von seiner Berufung Mitteilung und fährt fort: Wenn ich, getreu der bewährten Politik meines allcrgnädigsten Herrn, in der Pflege engster und freundschaftlichster Beziehungen zu der österreichisch-ungarischen Monarchie und dem Leiter ihrer auswärtigen Politik meine schönste und bedeutsamste Aufgabe er- larcke, so weiß ich mich eins mit allen meinen deutschen Lands- lauten, in deren Herzen die von S. M. dem Kaiser und König Karl an Euere Exzellenz gerichteten eindrucksvollen Worte über die Vcr- dienste Euerer Exzellenz am Ausbau und der Vertiefung der deutsch-östcrreichisch-ungarischcn Bündnisi Politik warmen Widerhall gefunden hoben, und die in diesen Tagen voll stolzer Freude über unseren Bund die herrlichen Waffentaten der in' unlöslicher Waffenbrüderschaft vereinten top- fersn Söhne unserer Länder mit dankbarer Bewunderung ver- folgen. Die Arümort Czernins ist auf denselben herzlichen Ton gestimmt, �rie läßt darauf schließen, daß die Ernennung Hert- lings in Wien angenehm berührt hat. Bon Zielen der aus- wärtigen Politik ist in den Tepeschen sonst nicht weiter die Rede. Scheidemann über die neue Regierung. Äersamuilunge« in Königsberg und(rlbing. Elbing, 4. November-(Gig. Drahtbcr. des„Vorwärts".) einer Versammlung, die 2500 Besucher aus allen Schichten der Bevölkerung vereinte, während weitere Taujende an den Toren umkehren mußten, sprach Gen. Scheideinann heute mittag über das Thema:„Verstöndigungsfriede. Sozialdemokratie, Voter- landspartei." Ter Redner kam dabei auch auf die Ereignisse der allersüngsten Zeit und auf die Stellung der So- zioldemokratic zur neuen Regierung zu sprechen, wobei er ausführte: Ja friedlichen Formen vollzieht sich im Innern des Reiches ein Fortschritt, dessen Erlangung anderswo Ströme von Blut gekostet hat. Wenn wir zum gleichen Wahlrecht im Reiche auch dys gleiche Recht in Preußen bekommen und wvnn für die Zusammensetzung der Regierung und für ihre Politik der Mchrheitswille der Volksvertretung maßgebend wird— alles dies sehen wir vor unfern Augen werden—, dann ist der Beweis dafür erbrocht, daß das deutsche Volk keine Hilfe von außen braucht, um jene Freiheit zu erlangen, die andere Völker besitzen. Tann ist die Behauptung, daß man mit Deutsch- land nicht Frieden schließen kann, weil es autokratifch regiert sei, ein windiger Vorwand. Sie wissen aber, daß wir Sozialisten die Freiheit nicht nur in dem politischen, sondern auch in den wirtschaftlichen Ver- hältnisien begründen wollen. Wir kämpfen für Befreiung aus politischem Druck und wirtschaftlicher Not. Von der wirtschaftlichen Freiheit ober, wie sie uns Sozialisten vorschwebt, sind wir in diesem Augenhlick weiter entfernt denn je. Das müssen wir einsehen, auch wenn wir hoffen, daß die sprunghaste Entwicklung- die uns jetzt in ein Wellental geschleudert hat, uns zuletzt auf den Wellen- berg emporheben wird. Als Soziali st en wären wirtn . einem bürgerlichen Ministerium fremde Vögel geblieben. Sic werden also begreifen, warum wir in diese Regierung nicht hineingegangen sind. Ist die Zeit für uns da, f# werden wir uns der Verantwortung nicht rntziehen, sondern handeln, wie«S uns unsere Grundsätze gebieten. Es gäbe aber noch einen zweiten Grund, in eine Regierung hineinzugehen, nämlich den. daß dadurch Fortschritte zu er- reichen wären, die sonst nicht zu erreichen sind. Wir meinen aber, daß das, was die Regierung jetzt vor hat, ganz gut vollbracht werden kann, wenn wir draußen bleiben und scharf zusehen, wie es gemacht wird, Das gleiche Recht in Preußen muß heran, die politische Zensur und Z 163 der Gewerbeordnung müssen weg, den Arbeitern muß ihre Vertretung in Ar- bcitskammern gesichert werden—, eine sehr wichtige Forderung für den Aufbau der Zukunft—,-darin werden wir nicht locker lassen. Kommt die Regierung ihren Versprechungen nach und treibt sie nach außen eine feste und klare Politik, die alles mit unserer Ehre und Zukunft Vereinbare tut. um bald zu einem ehrlichen> dauernden Frieden, zu einem Frieden ohne Eroberungen und wirtschaftliche Vergewaltigungen, zu gelangen, dann werden wir sie unter st ützen. Andernfalls werden wir sie bekämpfen, wie wir die Regierung Michaelis bekämpft haben. � Eine Entschließung, die sich im Sinne des Redners aus- spricht, wurde mit allen gegen 5 Stimmen angenommen.' Am Sonnabend hatte Scheidemann in Königsberg, der Geburtsstadt der Vaterlandspartet, gesprochen. Die Ver- sammlung, an der mehr als 2000 Personen teilnahmen, wah- rend auch hier Tausende unihehren mußten, gestaltete sich zu einem wahren Volksgericht über das Treiben der Alldeutschen unter alter und neuer Firma. Eine Resolution gegen die Vaterlandspartei wurde von der Versammlung, an der Ange- hörige aller Kreise, auch Gegner, teilnahmen, gegen 10 Stim- men angenommen. die Unabhängigen gegen die Einigung. Nachdem sich schon die Presse der Unabhängigen schroff gegen die Würzburger Einigungsbeschlüsse ausgesprochen hatte, erläßt jetzt der Vorstand dieser obge- spoltenen Parteigruppe einen Aufruf, in dem er diese Ableh- nung ausführlich begründet. Sehr hoffnungsreich klingen freilich die ersten Zeilen: ..Aus dem von der Mehrheit des alten Parteivorstandes der deutschen Sozialdemokratie nach Würzburg einberufenen Partei- tage wurde in einer Resolution ausgesprochen, daß„für die kommenden schweren Kämpfe der Arbeiterschaft" eine ungebrochene Front unbedingt notwendig s c i. Es. sei„eine der wichtigsten Aufgaben der Zeit, den Partei st reit beizulege n". Die Unabhängige Sozialdemokratische Par- tei Deutschlands hat die Notwendigkeit der Einigkeit der Arbeiterbewegung nie verkann t." Leider ist aber der folgende Inhalt der langen Erklärung weiter nichts als eine Ansage, dW Parteistreit weiter fortzu- führen. Es werden die alten Anklagen gegen die Partei wie- derholt zugleich mit der Versicherung, daß die Unabhängigen im Rahmen der Partei für ihre Anschauungen kämpfen woll- ten, daran aber gehindert worden seien. Tann heißt es Wetter: „Jetzt kommt der Würzburger Parteitag und spricht von der Herstellung des Parteifriedens. In gleichem Atemzug aber billigt er alle gegen die Opposition verübten Gewalttaten und verlangt, daß auch nach einer vollzogenen Einigung sich die Oppo- sition selb st grundsatzwidrigcn Beschlüssen unter- werfen soll. Nach der bisherigen Praxis der Mehrheit des Parteivorftandes und der Fraktion bedeutet das unter dem.Kriegs- zustand obendrein völligen Verzicht der Opposition auf Bekundung einer selbständigen Meinung vor der Oeffentlichkeit. Der Würz- burger Parteitag bietet also nicht einen Frieden der Verständigung, sondern einen Frieden der Unterwcrfun g." Darauf ist zu erwidern, daß Vereinigung ohne Verständigung Unsinn ist. Selbstverstätrdlich hätte man sich, wenn die Einigung nicht von den Unabhängigen abgelehnt worden wäre, auch über das verständigen müssen, was die llnab- hängigen„die verübten Gewalttaten" nennen. Selbstver- ständlich könnten die Unabhängigen, wenn sie die Einigung nicht abgelehnt bötten, ihre Ansichten in der Partei ebensogut vertreten, wie dies die Genossen Hoch, Eminel, Schmidt- Meißen und andere Minderheitsredner in Würzburg getan haben. Aber einem ordnungsgemäß gefaßten Parteibeschluß müßten sie sich allerdings fügen, auch wenn sie ihn für«grund- satzwidrig" hatten, sonst könnte jeder Beschluß einer dcmokrati- scheu Organisation aus der subjektiven Ueberzeugung heraus, er sei„grundsatzwidrig" von der Minderheit mißachtet werden. Der Aufruf glaubt weiter, aus einer Stelle von Scheide» manns Restrat folgendes schließen zu können: „Die Sozialdemokratie der Würzburger Richtung vermeint also, das Proletariat zu„wirklicher politischer Macht" zu erheben, wenn sie erreichen, daß einige ihrer Genossen im Verein mit Vertretern des Zentrums und der Fortschrittlcr v ckm deut- schen Kaiser zu seinen obersten Beamten ernannt würden. Dabei ist klar, daß sich die Klassengegensätze nach dem Kriege schroffer zuspitzen werden als je, und daß unter diesen Umständen der bürgerlich-sozialistische Mittelblock nur aufrechtzuerhalten ist unter Ausopfebung aller Grundsätze und der allgemeinen Interessen, die daS sozialdemokratische Proletariat von der bürgerlichen Welt trennen." Tvmit vergleiche nmn die oben zitierte Feststellung des Würzburger Parteitags, daß gerade die zu erwartende Ver- schärfung der Klassengegensätze eine ungebrochene Arbeiter- front nötig mache und die heute von uns wiedergcgebene Rede Scheidemanns,„tzn einer bürgerlichen Regierung würden wir- als Sozialisten fremde Vögel sein." Man wird kaum dem Ausruf zustimmen können, wenn er weiter erklärt: „Die Würzburger Tagung redet von der Einigung der Prole- tarier. Tie Einigung, an der sie arbeitet, war die mit Gegnern der Proletarier; Für diese Einigung sind wir nicht zu haben." Berechtigt ist dagegen die Klage der Unabhängigen über die Verfolgungen, die sie vielfach zu erleiden haben. Aber wann und wo hätte die alte sozialdemokratische Partei gefehlt, wo es galt, gegen diese Verfolgungen Front zu machen? Der Aufruf schließt: „Im Anschluß an die linabbängige Sszialdeinokratische Partei Deutschlands und unter ihrem Banner vollzieht sich heute p r a k- tisch die Einigung der deutschen Sozialdemokratie." Praktisch bedeutet das Fortbestehen zweier sich gegen- seitig befehdenden Parteien nicht die Einigung der Arbeiter« schaft, sondern ihr Auseinanderlaufen, obwohl, wie beide Richtungen erklären,.für die kommenden schweren Kämpfe der Arbeiterschaft eine ungebrochene Front' notwendig" ist. Die Einsicht in diese Notwendigkeit wird schließlich auch jenen den rechten Weg Weisen, die heute noch nicht die Dinge zu sehen vermögen, wie sie sind! Richtungsstreit im Zentrum. Ein Borstost des Grafen Galen. .Aus der Prodi nzialtagung der we st sali schen Zentrums-partei in Hamm kam es, wie unserem Kölner Parteiblatt berichtet wird, zu den heftigsten Vorstößen gegen die „MehrheitSrichtung", vor allem gegen dst Abgeordneten Erzbcr- g e r, T r i m b o r n und G i e s b.c r t s. Nachdem der Vorsitzende, Abg. Herold, die Froktionspolitik verteidigt hatte, wandte sich Reichstagsabgeordneter Graf Galen gegen die sittersraktionellen Besprechungen, die nichts anderes seien als tatsächliche Parka men- tarisicrung. Gicsvcrts müßte zur Ordnung gerufen werden, weil er den neuen Freiheitsbund in Berlin mitgegründet und in Frank- furt bei einer gemeinsamen Kundgebung der Mchrheitsparteien für das parlamentarische System geredet habe; ebenso der Abg. Becker, der in dex VersassungSkommission für Aufhebung deS§ S der Ver- fassung gestimmt habe. Das preußische Wahlrecht gehe den Reichstag überhaupt nichts an. Wenn früher vom Zentrum das gleiche Wahlrecht gefordert worden sei, dann hätte keine Gefahr bestanden. e s z u e r r e i ch e n. D a s s e i a b c r h e u t c a n d e r s. Einige Redner widersprachen, indem sie auf"die Opfer des Volksganzen hinwiesen. Tann stellte sich Domkapitular Professor Rosenberg (Paderborn) als' eingeschriebenes Mitglied der Vaterlands- Partei vor; ihr Statut habe ihn geradezu begeistert. Das gleiche Wahlrecht lasse ihn kalt. Dann griff er die Friedensentschließung des Reichstags aufs schärfste an. D a s Z e n t r u m m ü s s e s i ch an die Konservativen anl eh n e n. Seinetwegen könnten die Sozialdemokraten die Kricgskreditc verweigern, da ihre Annahme nickt von deren Zustimmung abhängig sei. DaS gleiche Wahlrecht werde kirchenfeindlichcn Zielen Borschub leisten, und das Zentrum habe dann leider dazu mitgeholfen I Mitten im schärfsten MciiiungSkampf der Versammlung ver- suchte Abg. Wildermann, die Annahme einer ausgleichenden Entschließung, durchzusetzen, was jedoch mißglückte; ohne jeden osfi- ziellcn Abschluß ging man erregt auseinander. � Zeit gepuderter Perücken Der mecklenburgische Landtag wird am 26. No- vember d. I. in Sternberg, einen: kleinen Städtchen in Meck- lenburg-Schwerin, zusammentreten. Die Ladung der mecklen- burgisch-strelitzschen Londtagsmitglieder ist durch den Groß- Herzog Adolf Friedrich im Regierungsanzeiger enolgt. Dieses Dokument aus großer Zeit hat folgenden Wortlaut: Adolf Friedrich, von Gottes Gnaden Großherzog utw. Wir fügen Euch hiermit gnädigst zu wissen, daß wir die Haltung eines allgemeinen Landtags beschlossen haben, und daß derselbe am 26. November dieses Jahres in Sternberg eröffnet werden soll. Gleichwie wir nun solchen Landtag hiermit Landessürstlich aus- geschrieben haben wollen: so befehlen wir Euch hiermit gnädigst. Euch des Abends vorher, als am 25. November dieses Jahres, in Sternberg einzufinden und nach gebührender Anmeldung am folgenden Tage die in Unserem Namen Euck zu eröffnenden Präpositionen, deren Inhalt hienieden beigefügt ist, zu erwarten, der gemeinsamen Beratschlagung darüber beizu- wohnen und ohne erhebliche Ursache vor erfolgtem förmlichen Land- tagsschlutz Euch nicht von bannen zu begeben. Ihr tut nun solches o-der nicht: so sollet Ihr dennoch zu allem dem. was von den Anwesenden gehörig wird beschlossen werden. gleich anderen Unseren gehorsamsten Land fassen und Untertanen verbunden und gehalten sein. Hieran g c- s ch i e h t unser g n ä d i g st e r W i I l e. Adolf Friedrick. Zeit gepuderter Perücken, drein Pfalzgrafen Lprbeercn drücken, steig' auf in der alten Pracht! Militärische Ueberwachungsftellen gegen Güterraub. Berlin, 4. November. Amtlich. Um die. Nach- und Ab- fchubgüter des Heeres— hierzu gehören auch die Privat- sendungen an die Front und von der Front— gegen Beraubung. Diebstahl und Unterschlagung zu schützen, sind besondere militärische U e b e r w a ch u n g S st c 1 1 e n in folgenden Städten eingerichtet: Königsberg, Prcuß. Stargard. Posen, Breslau. DreS- den, Frankfurt a. O., Stettin. München. Straßburg. Rastatt, Karlsruhe, Mannheim, Coblenz, Bonn. Cöln, Düsseldorf, Duis- bürg, Osnabrück, Bromberg. Berlin, Magdeburg, Leipzig. Rürn. berg. Würzburg, Stuttgart, Frankfurt a. M., Cassel, Hannover und Altona. Diesen.Kommandos würde ihre scktvierige Ausgabe, er- h e b l i ch erleichtert werden, wenn sie durch die Bevölkerung unterstützt würden. Nicht nur wer Angehörige an der Front hat, sondern jeder von uns hat das größte Interesse daran, daß unsere wackeren Feldgrauen das bekommen, was ihnen gebührt und zu- gedacht ist. Darum scheue sich niemand, die Ueüeltäter, die sich an Sendungen zum und vom Feldheer vergreifen, den Kommandos aiUuzeigen. Nur lvcnn jeder freiwillig mitwirkt, kann dem wei- teren Ilmsickgreisen der strafbaren Eingriffe in fremdes Eigentum, besonders zum Nachteil der Heercsangchörigcn, Einhalt geboten werden. Mittel sind bereit gestellt, den Anzeigenden in geeigneten Fällen' eine Belohnung zuteil werden zu lassen. T-e Anzeigen sind zu adressieren: An das polizeiliche Außenkommando in........ Letzte Nackrichten. Die russische Ernte. Petersburg, 4. November.(Meldung der Peters- burger Telcgruphen-Agcutur.) Nach amtlichen Angaben ist die Ernte 1917 im allgemeinen unter mittel. Kamps- bei Gaza. Konstontinopel, 3. November. Generaljtabsbericht. Der eng- lische Angriff an der Sinaifront begann am 31. Oktober. Unsere bis Bir-es-Seba vorgeschobenen Truppen gingen vor überlegenen weit ausholenden feindlichen Streitkräften in die Hauptstellungen zurück und wiesen hier alle Angriffe ab. Hierbei wurden 7 englische Offiziere, darunter ein Oberstleutnant und hundert Mann gefangen genommen. Am 2. November begann der Kampf vor Gaza. Zwei feindliche Tanks wurden von unserer Artillerie zerschossen. Britischer Heeresbericht aus Aegypten vom 3. November. Donnerstag nacht griffen unsere Truppen nach heftiger Feuervarberei- tung die westlichen und südwestlichen Verteidigungsanlagen von Gaza an,»ahmen die türkische erste Linie auf einer Front von 5660 AardS, machten 206 Gefangene und erbeuteten 5 Maschinen- gewehre. Drei Gegenangriffe wurden abgewiesen. Dem Feind wurden schwere Verluste beigebracht. Paris, 4. November.(Meldung der Agence Havas.)„Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß sich unter den Truppen, die an der Offensive von Gaza teilnahmen, auch ansehnliche fran» zösische Streitkräfte unter dem Befehl eines franzSststhcn .Generals befunden hätten. GroMerlln Getrennt und wieöervereint. Wir wollten heim. Ich fühlte einen Tag Arbeit in den Knochen nntv meine Frau hatte, was schon mehr bedeuten will, einen ge- räucherten Schellfisch„erstanden". Zwei Stunden lang bewunderten wir von einer Omnibus- Haltestelle aus das Berliner Abendtreiben, dann merkten wir, daß unsere Linie wahrscheinlich nicht mehr fahre. Also Straßenbahn! Nachdem wir zwölf Wagen an uns vorbeigelassen hatten, an deren Perrons wahre Mcnschentrauben hingen, entschlossen nklr uns, trotz des hohen Preises für die Hochbahn. Einigen kühnen Vorstößen nach dem Schalterfcnsterchen verdankte ich den Erwerb zweier Billetts, dann warfen wir un§ mit dem Mute der Verzweiflung in den tollen Auf- und Abwärtswirbel das Halleschen Tor-Bahnhofs, der uns denn auch glücklich an die ragende Klippe der Sperre warf. Auf dem Bahnsteig wurden wir uns der bitteren Notwendig- keit der Trennung bewußt. Ein kurzes Abschiedwinken, dann sah ich die schwarze Schleife auf dem Hute meiner Frau im Chaos vcr- schwinden. Ich sollte sie— die Schleife— nie wiodersehen. Ich hatte keine Zeit, über die Tragik modernen Großstadt- lebenS nachzusinnen, denn ich brauchte alle meine Kräfte zur Be- hauptung meiner Existenzberechtigung. Als die Energie des heran- nahenden Zuges erschrocken verbremste, erreichte der Kampf aller gegen alle seinen Höhepunkt, die gegenseitigen' Komplimente er- strebten die äußerste Leistungsfähigkeit Berliner Lokaldialektik. Wie ich in den Wagen kam, weiß ich nicht mehr..Ich hatte es ' lediglich jenen höheren Mächten zu verdanken, deren Wille auch die Gestirne lenkt. Dieser Annahme neigte ich um so mehr zu, als ich mich tatsächlich in gehobener Stellung befand, das heißt, von dem Busen einer korpulenten Dame und dem Rucksacke eines Soldaten gestemmt, frei im Räume schwebte. Ein Herr fand derartige Zu- stände einfach„bodenlos", worin ich ihm beistimmte. Aber das war uoch gar nichts. Denn obwohl der Wagen schon gesteckt voll war, stiegen an der Möckernbrücke noch fünf Personen zu, noch im Fahren sprangen zwei aus und daß es dann noch möglich war, die Türe zu schließen, ist nur ein Beweis für die Elastizität des menschlichen Körpers. Eben im Begriffe, meinen Geist auszuhauchen, nahten wir uns der Erlösung Gleisdreieck. Aechzend, mit beängstigendem Herzschlag, übergab der Zug seinen Inhalt. Die Treppen schlürf- ten wie ein Trichter die strömenden Massen. Drunten aber brandete die Hölle. Ich kann jetzt nur sagen, daß alles, was ich da in zwei Stunden erlebte, wie ein wüster Traum hinter mir liegt, weiß nur, daß ich Menschen getreten, gestoßen und beleidigt habe, und von Menschen getreten, gestoßen und be- leidigt worden bin. Ich bekenne mich als teilhaftig der Kollektiv- schuld, die jedem der unschuldigen Waggons mindestens eine Scheibe eintrieb. Tief erschöpft und innerlich gebrochen, gab ich zuletzt Kampf und Hoffnung auf. Nicht weit von der Sperre lehnte ein Weib mit wirrem Haar, einen irren Ausdruck in den Augen. Es war meine Frau. Auch sie hatte Mühe, mich wiederzuer- kennen. Schluchzend sank sie mir in die Arme. Und wir wankten hinaus in die Nacht.... a z Bildungsarbeit in der Kriegszcit. Die Oeffentliche Bibliothek und Leseballe in Berlin SO, A d a l b e r l st r. 41, die unentgeltlich gute Bücher unterhaltenden und belehrenden Juhalis an jedermann ver- leiht, hat am 24. Oktober ihr 18. Geickmirsjabr abgeschlossen. Da? gemeinnützige Institut hat in der entseslichcn Kricgszeil Tauiendc» und aber Dausenden der Berliner Bevölkerung Ablenkung und Er- Holling gebracht und ist bestrebt gewesen, die geistigen Kultur- bediirrnisse seiner Besucher zu bemedigen und ihre weitere Bildung durch Dai bietung geeigneten Lesestoffs zu fördern. In der A u s l e i h b i b l i o t h e k wurden im Berichtsjahre 43 449 Bände nach Hauie verliehen gegen 46 949 Bände im Vor- jabr. Von der Gesamtzahl der Entleihungen entfallen 3ö 343 Bände auf schöne und 13 196 Bände auf belehrende Literatur. An letzterer Zahl sind die einzelnen Wissenszweige in folgender Weiie beteiligt: Geschichte und Lebensbeschreibungen 2332, Geographie 1469. Natur wissenschaslen 2öSl, Rechts- und Slaatswisscnschasten. Volkswitt'chast 1267. Gewer bekunde. Technik 2347, Philosophie. Religion, Pädagogik, Sport 1434. Kunst Musik, Literaturgeschichte und w weiter 1796 Bände. Insgesamt sind im 18. Jahre 56 9ZS Bände in und außer dem Hause verliehen worden; in den 18 Be- triebssahren zusammen 1 229 942 Bände. Die Lesehalle wurde von 29 416 Personen gegen 32 465 Personen im Vorjahr, und zwar 27 464 Männern und 1952 Frauen, in den 18 Jahren zusammen von 1 949 669 Personen besucht. Die Zahl der hier ausliegenden periodischen Schriften beträgt jetzt 518 Zeitungen und Zeilschriiien jeder Art und Richtung. Die im Lese- saal aufgestellte. 2412 Bände zählende Nachschlagebtbliothek wurde von den Besuchern im um'assender Weise zu Rate gezogen.. Die Gesamtzahl der Besucher, die im IS. Betriebsjahr Bibliothek und Lesehalle benutzten, belief sich auf 77 865 Personen. Seil der Eröffnung vor 18 Jahren haben insgesamt 2 129 243 Per- sonen das Institut aufgesucht. Die Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle, die jedermann zu unentgeltlicher Benutzung offensteht, ist werktäglich von östz bis 19 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3 b.s 6 Uhr geöffnet._ Eine postalische Neuerung. Bei den Berliner Postanstalten ist eine neue Bestimmung in Kraft getreten, die das Schalter- personal in der Arbeit entlasten soll. Wer einen„Einschveibe- brief" ausgab, erbielt bisher eine von dem Annahmebeamtcn aus- gestellte Empfangsbescheinigung.� Bon jetzt ab müssen die Auf- liefcrer von„eingeschriebenen" Sendungen diese Empfangsbestäti- glingcn. die in Blocks an den Schreibpulten aushängen, selbst aus- füllen und bei Abgabe des einzuschreibenden Briefes gleichzeitig mit abgeben. Der Beamte am Annohmeschalter kontrolliert nur die Richtigkeit der Anffchristen und gibt, nachdem er den Poststempel auf den Einlieferungsschein gedrückt hat, diesen an den Absender zurück. Diese praktische Neuerung dürfte auch in anderen Städten begrüßt werden, da sie geeignet ist, am Postschalter so manchen Zettverlust auszuheben. Fernzug-Vcränderuiigcn. Vom Montag, den 5. November d. I., ab kommen die Schnellzüge 7 zwischen sEisenach—) Weitzen- fels sab 8,37) und Halle(an 9,23] und 10 zwischen Halle sab 4,27) und Weißenfels san 5,15) s— Bebra) in Fortfall. Tie städtische Sparkasse Charlottcnburg hat auch im Monat Oktober einen außergewöhnlichen Zugang an Spareinlagen zu verzeichnen gehabt. Die Einzahlungen betrugen rund 5 Millionen Mark, die Rückzahlungen 2 Millionen Mark, so daß an 3 Millionen Mark mehr eingezahlt als ausgezahlt worden sind. Dies stell) wiederum eine.�öchstzahl für einen Monat Oktober dar. Tie Spareinlagensumme ist jetzt auf 88?� Millionen Mark ange- wachsen, während sie zu Beginn des Krieges 6814 Millionen betrug. Sie ist also seitdem, trotz Abbuchung sämtlicher den Sparern für die Kriegsanleihen zur Verfügung gestellten Beträge um et Iva 29� Millionen ge st legen. Die Anzahl der Sparer hat sich im Oktober um 2634 und seit Beginn des Krieges um 46 513 erhöht. An Schrankfächern zur Aufbewahrung von Sparbüchern, Wert- papieren, Urkunden und Schmucksachen find über 7399 Stück ver- mietet worden. Käseverteilung. In dieser Woche wird in den Bezirken der 131. bis 144. Brot- kommtssionen an die dort in die Speisefetikundenlisten eingctragc- nen Kunden je 125 Gramm bayerischer Rundkäse und in den Be- zirken der 145. bis 148. Brotkommiffionen an die dort eingetragenen je 125 Gramm Faustkäse verteilt. Der Käse ist erhältlich in den durch besondere Aushängeschildes gekennzeichneten Geschäften gegen Vorzeigung und Abstempelung der neuen Speisefettkarten. Der Preis für 125 Gramm bayerischen Rundkäse wird auf 48 Pf. und für 125 Gramm Faustkäse auf 33 Pf. festgesetzt. Wilmersdorf. Zur Kartoffelversorgung. Personen, die die Genehmigung zur Einsuhr von Kartoffeln erhalten haben, sind bekanntlich verpflichtet, sofort nach Eingang der bezogenen Mengen auch die Sonder-Kartosfelkarten an das Lebensmittelamt(Erdgeschoß Zimmer 25) zurückzugeben. Diese Bestimmung möchten wir allen Beteiligten in Erinneruüg bringen, da.sie vorläuffg unbeachtet bleibt. Es wird im Lebens- mittelamt über die erteilten Genehmigungen zur Kartoffeleinfuhr genau Buch geführt, so daß Personen, die ihre Karioffelkarten nicht abliefern, jederzeit damit rechnen können, zur Verantwortung gezogen zu werden. Fricdrichsfelde. Verordnung über Butterhöchstpreise im Klein- Handel. Namens des Kreisausschusses des Kreises Niederbarnim wird bekannt gemacht: Auf Grund der§§ 18, 29, 39, 32, 39 Her Bekanntmachung des Reichskanzlers über Speisefette vom 29. Juli 1916(Reichsgesetzblatt Seite 755) und der Bekanntmachung über Preise für Butter vom 25. August 1917— Rcichsgesetzblatt Seite 731— wird bestimmt: I. Der Preis für Butter darf im Kreise Niederbarnim im Kleinhandel nicht über st eigen: für Handelsware I 33 Pf., für Handelsware II 31 Pf. für je 59 Gramm. Der Preis für M a r g-a r i n e darf im Kleinhandel 12 Pf. für je 39 Gramm nicht übersteigen. II. Die Wochen- menge an Speisefett beträgt vom 5. November d. I. ab für B u t t e r 59 Gramm und für Margarine 39 Gramm. Für � die zum Versorgungsverband Liebenwalde gehörenden Ortschaften l wird die Butterwochenmenge von der Ortsbehörde festgesetzt. Diese Verordnung tritt mit dem 5. November 1917 in Kraft. Spandau. Kohlrübrnvcrkauf. Heute können die Geschäfte des Stadtteils Zieustadt auf dem hiesigen Güterbahnhof Kohlrüben zum Weiterverkauf beziehen. Kehraus in Treptow. Die am Sonntag, den 28. Oktober, ab- gesagten Radrennen kamen gestern zur Entscheidung. Obwohl das Verweilen im Freien des kalten Wetters wegen gerade keine An- nehmlichkeit war, hatte sich, begünstigt durch den Sonnenschein. doch eine reckt zahlreiche Besucherschar eingcninden, um den Saisonfchlußkämpfen auf dem Zement mit beizuwohnen. Wie be- reits in unserer Voranzeige gemeldet, enthielt das Programm die Austragung der Meisterschaft zwischen den �Schrittmachern Ba- jorat, Käser und Krüger, denen sich als Fahrer unsere drei besten Sreher Bauer, Krupkat und Pawke zugesellten; Lorenz, Rütt, Wc- gener und Abraham traten zu einem Fliegerivettkampf in die Pedale und für die Treptower Fliegermannschaft tvarcn drei kleinere Rennen ausgeschrieben. Tic Meisterschaft der Schrittmacher fiel an Bajorat, der sich mich die ganze Rennsaison hindurch als umsichtiger und sicherster Schrittmacher erwies. Ten Fliegcrwettstreit entschied Rütt zu' seinen Gunsten; er gewann alle drei Läufe leicht vor Lorenz und Abraham. Der vierte Teilnehmer, Wegener, versagte völlig. Resultate. Vierer-Wettkampf, drei Läufe über 999 Meter: In allen drei Läufen 1. Rütt 2. Lorenz, 3. Abraham, 4. Wegener; Zeit: I Min. 22 Sek., 1 Min. 27 Sek., 1 Min. 35 Sek.— Vorgabefabrcn, 1290 Meter: 1. Abraham. 1 Min. 33 Sek., 2. Müller, 3. Schütz, 4. Häusler.— Malfahren für Klasse 3, 600 Meter: 1. Naujokot, 1 Min. 48 Sek., 2. Sckulz, 3. Neinars, 4. Schütz.— Schluß- prämienfahren, 3009 Metei: 1. Abraham, 4 Min. 46 Sek., 2. Häusler,.3 Müller, 4. Schulz.— Meisterschaft der Schrittmacher, drei Läufe über je 39 Kilometer, 1. Lauf: 1. Bauer-Krüger, 26 Min. 2 Sek., 2. Krupkat- Bajorat 29, 3. Pawke-Käser, 1660 Meter zurück; 2. Laus: 1. Bauer-Bajorat, 26 Min. 20 Sek., 2. Pawke- Krüger, 30, 3. Krupkat-Käser. 469 Meter zurück; 3. Lauf: 1. Bauer- Käser, 26 Min. 54 Sek., 2. Pmvke-Bajorai 89, 3. Krupkat-Krügcr, 1290 Meter zurück; Schrittmacher- Punktzahl: 1. Bajorat 5, 2. Krüger 6, 3. Käser 7 Punkte. „Äliusikalische Hauskomödien". Für die Dauer des vierten Kriegswinters ist Emil Fischer mit seinem Theaterchen„Musikalische Hauskomödien", offensichtlich in der Erwartung einer gesteigerten Anteilnahme des Publikums, nach dem allerdings solchem Zweck entsprechenden Oberlichtsaal der „Philharmonie"(Bernburger Straße) übergesiedelt. Man möchte wünschen, daß sich dahinzielende Hoffnungen gcravc auch trotz der Bcheizungsichwierigkciten erfüllten; dciui das Unternehmen ist es wert. Wird d»h uns Gegenwartsmenschen eine Musik und ein Theatcrspiel vermitlelt, die zwar der Vergangenheit angehören, aber gleichwohl noch Keime gewisser Lebensfähigkeit besitzen. Zu- dem verdienen es deutsche Kompönisten, die, wie'die einen, mit ihrer Zeit starben, oder die wie wenige ganz große Unsterblichkeit erlmigt haben, daß auch manche ihrer kleinen Gelegenheitswerkc, mit denen sie einem bescheidenen Kunstgeschmack Konzessionen machten, wieder ans Licht gebracht werden. Diesmal kommen drei Alt-Oesterreicher zu Wort: Karl Dittecs von Tittersdorf mit„Eintracht ernährt", einer bis zur Siedehitze des Gezänkes sich versteigenden„Plauderei" zweier Kaffeeschweftern, und Ferdinand Knauer mit„Das Lebens- e l i x i r", einer ländlichen„Bauern komödie". Die Musik in beiden Singspielen, die Emil Fischer einer Anzabl anderer Sachen der genannten Kleinmeister entnommen und frei bearbeitet hat, neigt unverkennbar zu volkstümlicher Melodik und Sangbarkeit hin. Dort wie hier stoßen wir auf koupletmäßige Solostückc und Duette von zum Teil urkomischer Art. Ein regelrechtes Duett ist z. L. der Lobgesang des Photographen in„LebenSelixir" auf die Treffsicherheit und Wahrheitstriue seines„Apparats". Höher steht freilich die Musik in Glucks Rokokoszene „B e r t h o l d und B i n ch e n", zu der Melodien aus verschiede- nen Opern dieses Großmeisters und genialsten Vorkämpfers einer Opernreform im Sinne Wagners herübergenommen sind. So sehr diese Koloraturaricn und Tenorgesänge— wie beispielsweise das Lob Bertholds, des jungen Ehemanns, auf das Glück der Liebe und Häuslichkeit— oder ein Quintett an gleicher Stelle, noch im Banne der modischen Jtalieneropcr stehen, ein deutsch empfinden- der Musiker hat sie dichterisch gestalte:. Ja man kann hier von deutschem Rokoko sprechen. Tändelndes Spiel der Launen und Gefühle konnten wohl nicht anmutiger getroffen werden. Zum Lobe aller gereicht eine köstlich abgewogene Darstellung, bei der sowohl das schauspielerische als das Gesangsvermögen sämtlicher Mitwirlenden— zuoberst Else Miron und Ernst Kohl- Häuer, sodann Kläre Jache und Rosa Sachse-Jriedcl— erfreulich in die Erscheinung treten. ek. Wetteraussichtcn für das mittlere Norddeuffchland bis Diens- tag mittag. Zunächst vielfach neblig, sonst trocken und ziemlich heiler, in der Nacht zu Dienstag an vielen Orten Frost, um Mittag mild, später im Westen Zunahme der Bewölkung. Jupenöveranstaltungen. Arbeiterjugend Charlottenburg. Morgen, Dienstag, abends 8 Uhr, im Jugendheim, Rosinenstr. 4 I. Vortrag über: Kranken- Versicherung. Berlin-Süden. Morgen. Dienstag, in den Räumen Linden- straße 3, 2. Hof l. III Tr.. Besprechung. Gäste willkommen!- Arbcitcr-Jugendheim Berlin, Lindenstr. 3, 2. Hof l. III Tr. Die Eröffnung findet am Sonntag, den 25. November, abends 7 Uhr, statt. Karten für die Eröffnungsfeier a 19 Pf. find auf unseren Veranstaltungen zu haben. Bororte, die sich an der Feier beteiligen wollen, können die Einlaßkarten, soweit ihnen solche nicht zugegangen sind, bei Gen. W e i m a n n, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, 4. Hof l. IV Tr., erhalten. Aer-intwortli» für Politik: Erick, Kuittlkr, Vcriin: für den übrigen Teil des•«Iiirtes: Alfred Tckiol«. Neukölln: für Jnterliic TI, ftilo-ke. Perlin. Truck u. Bering: Vorwärts Suclidruckerei u. Verlagsanitalt Paul Singer& Co., P-rlin SW. Admirals-Palast, f. Die Kovltttt I Abrakadabra Großes phantastisches I Ballett auf dem Eise. AM llllllillkS W zum Ausichciden aller Schöffen aus den Sailen gibt es nichts Vtsjeies alSApotyeker Sauen- peius Renovation--Pilleu ganz bes. bei Ausschlägen, Ge- sichisbtüten, roter Haut. Flechten. Blutandrang und Verstopfung Dose Vi. 4 99 nur von Äpotsi lauenst Ins Versand, Sp remberg 1.4. 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