Ar. 306. 34. Jahrg. BezugSpreiSt IterteliSdr! VJ0 Mk. monall. 130 SH, wöchenUick, SO trei ms Haus, botau«jal).bot Einzeln» SvchkntagS- muninctn 6 Ptz ioniuagsnummei nü lüufiricact Keilas».Die Neue titii' 10•Kto. Koilbezuz: Monatlich 1.30 SRI untei Kreuzband für Dciillchland und Oelierreich- Ungarn Q.Cß Mk., für das übris» Ausland 4 Mb monatlich Poslbellellunsen nehmen an Dönemarl. Holland. Luxembure. Schweden u die Schweiz. Eingelragcn M die Voil-ZeuunaS-Vrelslist«. Erlchcin» täglich, Telegramm- Adreffe: .Eozialdemokrat Bcrltu». Derlinev Volklsbletkt. ( S Pfennig) Der Anzeigenpreis SetrSgl>. die ftedenaewaltene Kolonel- »eile.so Pfg.Kleine Slnzelg-n". dag fetlgcdruive»ort 20 Plg.(zu« liiffifl 2 fettgedrullle Worte).>ei>es weiter» Wort lO Pig. Stellengeiuaie Und SchlafsteUenanzeigen das erti» Wort IOPfg..Ied«S wertere WortöPig. Worte über IS Buchstaben zählen soc zwei Worte. TeuerungSzuschlug 20°,'» flamilieu» Slnzeige» St» Pig.. bolitilche u. gewertschaftliche Bereius- buizeigcn 40 Big die Zeile. Anzeigen r dle nächste Nummer mllsscn di! Uhr nachmitt. im Hauptgeschätl. lverlm SW.SS, Lindenstratze 3. ad- gegeben werden. Geöffnet don 6 Uhr früh bi} 7 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdetnokratifchen partei Deutfchlands, Reüaktton: EW. 68» Linöenslraße 3. flernidrecher: Amt Moritivlat«, 9ix. 15190— 15197. Mittwoch, den 7. November 1917. «Expedition: Ew. 68, Änöenstraße 3. Uernsprecber: Amt Moritzplatz. Str. 151 90—151 97. I>ie Eelffcrlcb-Krife. 1) elf f er ich foll bleiben!— payer abgelehnt?— friedberg verzichtet. Wir sind noch nicht über den Berg! Traf Hertling hat mit den Parteien verhandelt, und als er seine Berufung an- nahm, glaubte man, daß die Verhandlungen zu einem be- friedigenden Abschluß gebracht seien. Dies ist jedoch nicht der s�all, oder richtiger, es ist n i ch t mehr der Fall. Ueber Nach! sind Schwierigkeiten aufgetaucht, die in diesem Augenblick unüberwindbar erscheinen. Graf Hertling hat infolge- dessen seine geplante Reise nach München verschoben, und morgen gibt es neue Lerhandlungen, deren Erfolg aber bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge recht unwahrschein- tich ist. Die Linke hat den Grafen Hertling keinen Augenblick darüber im Zweifel gelassen, daß der Rücktritt Helffe- r i ch s, seine Ersetzung durch einen Fortschrittler, womöglich Herrn v. Payer, und die Ernennung eines Fortschrittlcrs zum preußischen Minister Bedingungen seien, ohne deren Erfüllung ein gutes Zusammenarbeiten zwischen der neuen Regierung und ihr nicht denkbar sei. Die ganze Mehr- b e i t hat diesen Standpunkt der Linken zum ibrigen ge- maM und in' seinem Sinne mit dem Grafen Hertling unter- handelt. Jetzt aber stellt sich heraus, daß Graf Hertling diese Bedingungen nicht zu erfüllen beabsichtigt. Warum? Weil er nicht will? Nein, weil er nicht kann I Ueber Nacht ist dem Deutschen Reick ein neuer starker Mann erstanden. Er heißt Dr. Helfferich, und er Keadsich- tigt, lieber alles drüber und drunter gehen zu lassen, als daß er von seinem Posten weicht. Daß sein bloßes Wiedererscheincn im Reichstag von der ganzen Mehrheit als eine Herausforde- rung empfunden werden muß. rührt ihn nicht. Daß die mühsam beigelegte Krise dadurch wieder aufs neue aufgerollt wird, bewegt ihn nicht. Er hält sich für wichtig genug, um seinetwillen das Reich in neue Verwirrung zu stürzen. Wahr- lich, ein beneidenswertes Selbstgefühl! Bleibt Helfferich. so kann Patter nicht kommen. Gegen hie Ernennung dieses Fortschrittlers zum Vizekanzler ist also die' Rechte nickt vergebens. Sturm gelausen. Sie hat dem ..Süddeutschen" Patter die Türe zugehalten, damit er nicht herein und Helfserich drinnen bleiben kann. Dieser ist zwar mich ein„Süddeutscher", aber die Rechte hat entscbicden bessere Aussichten mit ihm zu einem festen Arrangement zu ge- langen als mit Herrn v. Payer. Auf wen soll sich denn der Vizekanzler des Konflikts anders stützen als auf die Partei des Konflikts, auf die Rechte? Herr Friedberg, der Führer der nationalliberalen Landtagsfraktion, hat unter diesen Uniständen seine B e- rufung zum Vizepräsidenten des preußi* scheu Ministerrates abgelehnt. Die„National- liberale Korrespondenz" gibt dieser Ablehnung eine sehr eigen- artige Begründung. Sie richtet sich nicht gegen diejenigen, die das Zustandekommen der ganzen verabredeten Kombi- nation verhindert haben, sondern gegen die Linke, die sie beschuldigt, durch„zu weitgehende Wünsche" den Plan zum Scheitern gebracht zu haben. Friedbergs Ablehnung ist nach ihrer Darstellung dadurch veranlaßt,„daß von einzelnen Parteien Iveitere Wünsche in bezug auf die Berufung in üie höchsten Staatsämter gehegt wurden, die keine Er- füllung finden konnten". Da aber von der Be- friedigung dieser Wünsche die Swaffung einer arbeitsfähigen und zuverlässigen Mehrheit abhängig gemacht worden sei, glaube Friedberg durch seinen Eintriit in das Ministerium keinen Nutzen mehr stiften zu können. Tann beißt es weiter: Die Geneigtheit, die bei ihm anfänglich dazu vorhanden war, beruhte ganz wie beim Grafen Hertling aus vaterländischem Pflichtgefühl, seinerseits dazu beizutragen, daß die Krisen und Krisen st immungen endgültig beseitigt werden. Der Tagliameuto auf ganzer Front über- schritten— Aufgeben der Gebirgsfront— Artilleriekampf und englische Angriffe in Flandern— Anschwellende Feuer- tätigkeit bei St. Cmentin, an Ailette und Maas, im Sundgau. Amtlich. Großes Hauptquartier, 6. November 1S17. tW. T. B.l Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Krouprinz Rupprecht. In Flandern setzte nach tagsüber lebhafte« StörungSfeurr gestrru abend harter SIrtilleriekampf ein, der zwischen dem närb- lichen Teil der Dser-Riebenmg und dem Kanal von Comines nach Aper» während der Rächt unvermindert anhielt und heute morgen vom Houthoulster Walde bis Zandvoordr sich zum Tr»m»cl< seucr gegen unsere Kampfzone steigerte. Starke englische Infanterie hat dann beiderseits von PaSfcheu- daele und an der Straße Mrniu— Dpern angegriffen. vei de« anderen Armeen, insbesondere bei St Quentin, längs der Ailctte, aus beiden Ufern der Maas und im Sundgau schwoll obrndS die Feuerlätigteit zu brirächtlichrr Stärke an. Gewaltsame Erkundungen der Gegner schlugen an mehreren Stclleu verlustreich fehl. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz und an der mazedonischen Front ist die Lage uuverouderr. Italienische Front. Die Tagliamento-Linie ist von uns gewonnen! Tie Italiener sind zwischen Gebirge und Meer erneut im Rückzüge; Brände kennzeichne» ihren Weg durch die ober- italienische Ebene. Tie Erkämpfung dcS UfcrwechsrlS am GcbirgSrande durch angriffsfrrudige deutsche und österrrichisch-ungarische Divisionen trieb einen Keil in die von Ratur starleo Verteidigungsstellungen des FcindeS am Westufer des Abschnitts; die schnelle Erweite- rung des so geschaffenen Bruckenkopics durch erfolgreiche Kämpfe zwang de» Gegner zur Räumung der ganzen Flußliuie bis zur Adrialifchcn Küste. Flußaufwärts bis zum Fclla Tal hielten gestern italienische Brigaden noch Stand. Der Druck uuscreS Vordringens hat die Italiener auch zur Aufgabe ihrer GcbirgSfrout veranlaßt: vom Fella-Tal bis zum Colbricon, nördlich des Sugana-Talc?, in einer Breite von mehr als 150 Kilometern, habe« die Italiener ihre seit Jahren aus- gebaute» Stellungszoncn aufgeben oiüffeu und sind im Zurück- gehen! Die weitere» Lperanone» der verbündeten Armeen find ein- geleitet. Der Erste Generalquartiermeistcr. Ludeudvrsf. Aheudhevicht. I Berlin, 6. November 1917, abends. Amtlich. Die Frühangriffe der Eugländer führten tagsüber z« Aäoipfen um P a S s ch e u d a e l e; bei G h e l u v e l t brach der feindliche Ansturm ergebnislos und verlustreich zusammen. Vom Osten nichts NeucS. Der Tagliameuto ist auf der ganze» Front überschritten; die Verfolgung ist im B v r s ch r c i t c n._ Ter österreichische Bericht. Wie», 6. November lS17.(W. T. B.) Amtlich wird Verla utbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Der ans dem Räume von Osoppo-Pinzanv geführte Stoß der Vrrbimdeten hat de» nalicnischcu Widerstaub �a» der ganzen Tagliameuto- ssront gebrochen. Dir österreichisch-ungarischen und deutschen Streitlräsie des Feld- «arschalls Erzherzog Engen gewannen überall— bei Eodroipo unter den Augen Seiner Majestät des Kaisers und Königs— das rechte Flußufer und sind im Bordringen gegen Westen. Im Bereiche deS obersten Tagliamento warfen Truppe» de? Freiherr» v. Krobariu den Feind aus seinen Feld- und GebirgS- stcllungrn östlich deS Gabore. Unsere neuen Erfolg« konnte» auf die Dolomite«- front nicht ohne cntfchcibciidcu Einfluß bleiben; vom Kreuz- berg bis über den Rollrpaß hinaus ist der Feind zum Rückzüge gezwungen. Fcldmarschall Freiherr v. Conrad hat die Verfolgung anfgenommen. Bus dem Gipfel deS Co l öi Sana, dtffen durch Svrengung erreichte Einnahme seinerzeit ganz Italien in einen SicgcStoumrl stürzte, und auf dem Monte Piano wehen unsere Fahnen. In Cortina d'Ampezzo find unsere Truppen iinler dem Jubel der Bevölkerung gestern abend eingerückt. Auch San Martiu» di Caftrozz» im Primacr-Tale ist zurückgewonnen. Seit Mai 1915 streckt der Italiener seine begehrliche Hand nach drm Puftcr-Tal inis und nach Bozen, dem Herzen Tirols. Dank der unerschütterlichen Standhafligkeit unserer Tapferen konnte deö Feindes Hoffen aie und nimmer zur Tot werden. Die Borteile, die er in diesem Räume in zweieinhalb Jahren deö Kampfes und der Arbeit errang, lassen sich nach Schritten zähle». Nun ist auch dieses Werk iu wruigeu Tagen völlig zusammengebrochen. westlicher Kriegsschauplatz und Albanien. Nichts NeucS. Der Chef de» Generalstabe». ein Reif in der Novembernacht vom Montag auf den Dienstag! Tid Wünsche der Parteien, die damals als durchaus be- rcchtigt anerkannt wurden, heute aber schon als„zu weit- gehend" gelten, bezogen sich auf die Herstellung einer Art politischen Gleichgewichts innerhalb der Regierung. Wir haben keine Beamtcnregierung mehr, die, sei es auch nur zum Wenn das durch jene weitgehenden Wünsche verhindert i Scanne, über den Parteien steht, sondern- eine mit P a r t ei. worden ist, so ist es Sache derjenigen, sich damit abzufinden, die p° l l t i k e_r n durchsetzte Regierung im Reich wie ln diese Wünsche zur Bedingung ihrer Mitarbeit ge- macht ha�en. Vielleicht wird aber auch nach dem Scheitern der BeruHigungSaktion nunmehr die Reichskanzler- schaft deS Grafen.Hertling manchem seiner politischen Gegner aus den bürgerlichen Parteien tragbar erscheinen, da er durch seinen Vorschlag bezüglich dcS Herrn Dr. Friedberg be- wiesen hat. daß er aus keinen Fall eine einseitige Politik treiben will. � Es ist richtig, daß Graf Hertling nicht mit der Absicht gekommen ist. eine einseitige Politik zu treiben, aber es scheint schon wieder, als ob die Politik, die im N a m e n deS Reicks- kanzlers getrieben werden soll, eben nicht die Politik des Reichskanzlers werden sollte, und dann könnte sie allerdings höchst einseitig werden. Die ursprüngliche Absicht des Grafen Hertling geht daraus hervor, daß er bei den Verhandlungen mit der Mehrheit vor Uebernahme des Amtes den Wünschen der Mehrheit durchaus geneigt zu sein schien. Indes: es fiel Preußen. Nachdem man mit der Ernennung von Zentrums führern und Nationalliberalen einmal den Anfang gemacht hat. kann man vor den Fortschrittlern nicht stehenbleiben. Für sie bestehen nicht, wie für die Sozialdemokratie, Er- wägungen grundsätzlicher Natur, lieber außerhalb der Rc- gierung zu bleiben, für beide aber, Sozialdemokratie und Fortschritt, muß die Gleichberechtigung mit den anderen Mehrhcitspartcicn anerkannt werden. Man kann nicht zwei Kategorien von Parteien schaffen, von denen die erste Minister zu stellen hat, während es für die zweite, die Periöken oder Landsassen, Pflicht ist. ohne eigene Regicrungs- fähigkeit die Regierung zu unterstützen. Die Vereinigung des Zentrums und der Nationallibe- ralen in der Regierung unter Aiksschaltung der gesamten Linken muß auch auf die Parteiverhältnisse im Reichstag und im preußischen Abgeordnetenhaus zurückwirken. Zentrum und Nationalliberale bilden aber keine Mehrheit, sie können höchstens eine solche mit knapper Mühe und Not nur werden durch H i n z u z i e h u n g d e r K o n s e r v a t i v e n, und dies ist auck offenbar das Ziel, auf das von einigen„weitsichtigen." Politikern hingearbeitet wird. Dieses Ziel bedeutet das Scheitern der Wahlreform, das Aufgeben der Friedenspolitik. die Vereitelung des ganzen Programms, mit dem der neue Reichskanzler vor die Oeffcntlichkcit zu treten gedenkt. Die Sozialdemokratie würde sich auch gegenüber einer Re- gierung, an der Forti'chrittlcr teilnehmen, der grundsätzlichen Unterschiede bewußt bleiben, die sie von ihr trennen, könnte alier einer solckwn Regierung zur Erfüllung ihres Programms ihre Unterstützung gewähren. Daß sie sich aber einer Re- gierung Hertling-Helfferich gegenüber mit dem äußer- sten Mißtrauen panzern müßte, ist gewiß. Denn diese Regierung gewährt die notwendigen persönlichen Garantien für die Einhaltung ihres Programms in keiner Weise. In den heutigen Verhandlungen wird noch einmal der- sucht werden, einen A?weg aus dieser verfahrenen Lage zu gewinnen. Es muß aber gleich gesagt werden, daß�er in dem Bleiben Helfferichs und in der Schaffung eines Staatssckrc- tariats für die besetzten Gebiete, das einem Fortschrittlcr an- vertraut werden soll, nicht zu finden ist, denn man kann es ernstlich den Fortschrittsetn nickt zumuten, den Prügelknaben für die Militärgouverneure abzugeben. Führen die Verhandlungen zu keinem befriedigenden Ergebnis, dann kann Graf Hertling sein Amt, wenn er es für richtig hält, behalten. Aber seine Mission wird trotzdem ge« scheitert sein. Um den Vizekanzler. $ici; streit um die Nachfolgerschaft Hclffcrichs findet in der Presse lebhaftes Echo. Tie liberalen Blätter führen eine au fallend entschiedene Spracke und beben hervor, da« es sich nicht um eine Prin�ipienfrage handle. Zu der Weigerung des Grafen Hertling, einen» Fortfchrittker in das Amt des Vizekanzlers zu berufen, schreibt die.Vossische Zeitung": ..Wenn Graf Hertling auf diesem Standpunkt weiter bc- darrt, so kann von einer völligen Lösung der Kanzlerkrise gar keine Rede sein. Es handelt sich bei der ganzen Angelegenheit keineswegs um einen Personen- oder Parteifrage. ... Denn darüber muh sich der neue Kanzler ganz klar »ein: er kann sich eine sickere und dauernde Mehrheit im Par- tainent nur dann schaffen, wenn er in der Lage ist. sich auf samt- l?che Mchrheitsparteien einschließlich der Nationalliberalen zu stutzen. Wir halten es unter den jetzigen Verhältnissen aber für ?ehc unwahrscheinlich, daß er seine eigene ZcntrumZpartei dauernd geschloffen wird hinter sich halten können." Tie„B. Z. am Mittag" stellt fest, daß durch die Weigerung des Grafen Heniling seine parlamentarische Lage„mit einem schlage wieder unhaltbar" geworden ist. Mit größter Entschieden- heit schreibt auch das„Berliner Tageblatt": .Graf Hertling hat die Wahl. Für die Mehrheit, und ganz besonders für die Linke, gibt es eine Wabl nicht mehr. Will Graf Hertling ein Kanzler gegen den Reichstag fern, dann gut! Er mache den Versuch! Nicht eine Minute länger kann iind darf ihm Vertrauen gcrvährt werden, wenn er seine ge- sprochrnen oder stillschweigend gegebenen Zusicherungen nicht hält. Er muß wissen, ob er die ihm aufrichtig, loyal, im In- tercsse der allgemeinen Beruhigung dargebotene Unterstützung der Volksvertretung haben will— der Vertretung des Volkes, das in diesem Krieg bSvunderSwcrt Opfer bringt und alle Lasten trägt. Die ReichstagSmehrheit wird nicht bis zum 22. Novemher warten, um dem Grafen Hertling noch einmal ihre Wünsche und Bedingungen zu sagen, sie wird das schon heute tun und hat«S wohl sckon getan. Wird ihr kein Gehör gegeben, so wird sie am 22. November vor dem ganzen Lande die Situation darlegen, aut die reaktionären Treibereien hin- weisen müssen, und selbstverständlich wird sie dann durch eine entsprechend« Tagesordnung die Konsequen- z e n au? dem Verhalten des neuen Reichskanzlers' ziehen." Während Herr Helfferich noch immer der Krone seine Un- entbehrlichkeit zu suggerieren sucht, wendet sich auch ein Teil der alldeutschen Presse offen von ihm ab. Die.Tägliche Rundschau" schreibt: .Derselbe Name, der schon die Regierung Bethmanns zam stärksten mit belastete, derselbe, der den, Lkanzlcr Michaelis zum Verhängnis wurde, wird jetzt auch für den Grafen Hertling bei seinen ersten Schritten auf dem neuen Wege zum Stein des gefährlichen Anstoßes: Helfferich. Gttviß, Herr Helfferich, der ämterfreudigc Neüstadter, hatte es doch endlich selbst für gut be- mndcn, sein Amt schämig dem Kaiser zur Verfügung zu stellen: aber seine lieber�ugung von seiner Unentbehrlichkeit scheint aachgerade suggestiv gewirkt zu haben. Wie man jetzt hört, kann man sich noch nicht entschließen, Herrn Helfferich nun auch loirklich gehen zu lassen. Und die Welt weiß, wie gern er bleibt. Es soll aber in oberen Sphären immer noch Leute geben, denen es Herrn Helfferichö Umgang mit Menschen, insbesondere mit Parlamentariern, nun einmal angetan hat. Trotzdem halten wir Herrn Helfferich persönlich für auS- und abgetan." Auffällig optimistisch urteilt die„Germania". Sie schreibt: „Auch die Verhandlungen über den Eintritt fortschrittlicher Abgeordneter in die Regierung bieten Aussicht auf eine günstige Lösung. Sie find allerdings noch nicht abge- schloffen, es darf aber angenommen werden, daß sich die Schwierigkeiten, die noch im Wege stehen, beseitigen lassen. Insbesondere handelt es sich dabei um den Rücktr'tt des Vizekanzlers Dr. Helfferich, von dem die„Bossische Zeitung" sagt, daß gewisse Persönlichkeiten in der Umgebung deö Monarcken all ihren Einfluß geltend machen, um rhu zu halten. Soviel wir hören, sind sich die MehrheitSparteicn über die Notwendigkeit seines Rücktritt« einig und man sieht diesen als sicher an. Mit gutem Recht muß man von der Vaterlands- liebe Dr. Helfferichs erwarten, daß er nicht den erwähnten Persönlichkeiten zu Willen ist, sondern daß er keine Schwierig- leiten macht und das tut, was das Gebot der Stunde von ihm .-rheischt." Die konservative Presse ergeht sich in den üblichen Klagen über die Machtbcgierdc der Mehrheitsparteien, die Antastung der Rechte der Krone usf. die Mirkung aufs Ausland. W. T. B. gibt in den letzten Tagen mit dankenswerter AuS- führlichkeit die ausländischen Stimmen wieder, die den großen und g ü n st i g e n Eindruck der politischen Neuordnung in Deutschland auf daS Ausland widerspiegeln. So meldet es jetzt wieder aus Stockholm vom K. November:, „DagenS N h h e t e r" schreiben in einem Artikel, der Durchbruch des Parlamentarismus in Teutschland und der llcbergang vom Obrigkeilsstaat zu dem parlamentarischen Re- gierungSsystem sei endgültig und unwiderruflich vollzogen. Auch„SvenS ka D a g b la d et" nennt den Grafen Hertling in einer Ueberschrift.Deutschland» ersten parla- mentarischen Kanzler". ES ist schmerzlich, angesichts der neuesten Ereignisse hinter dieses Urteil des Auslands schon wieder ein'Fragezeichen setzen zu müssen. Diejenigen, die den Durchbruch dcS Parlamentarismus noch in letzter Stunde abzuriegeln versuchen und damit den Propheten der deutschen inneren Konflikte wieder Oberwasser geben, erweifen dem Reiche offenbar einen schlechten Dienst. Nußlanös vergessene IneSensformel. Lkobelew gegen Terestschenko im Vorparlament. Petersburg, S. November.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Das Vorparlament setzte die Aussprache über die äußere Politik fort. Der Führer der Partei der populären Sozialisten P r i e s ch e- konow erklärte u. a.: ES ist zweckmäßig, die Alliierten aufzusor- dern, ihre wirklichen Kriegsziele genau zu bezeichnen und der Welt zu sagen, daß sie nur einen Verteidigungskrieg führen. Wenn die Feinde die» anerkennen und ihr« Zustimmung geben, die Grund- bedingungcn der Alliierten anzunehmen, dann könnte man ihnen vorschlagen, in Friedensverhandlungen einzutreten. Darauf sprach der zukünftige Vertreter der russischen Demo- kratie auf der Pariser Konferenz Skobelew. Gr knüpfte an da» historische Datum de» 12. März an und zog den Trennungsstrich zwischen der auswärtigen Politik des neuen und dcS alte« Ruß- lands. Die Fahne de» ersteren hätte die Inschrift: Er« ob erungen. die de» zweiten: Verteidigung. Die alte Regierung erstrebte die Verlängerung des Krieges, die neue ent» faltete Eifer für sofortigen Friedensschluß. Das Programm der revolutionären Demokratie vom S7. Rärz fei von der Regierung angenommen worden Und lege ihr gebiete- r i fch die Notwendigkeit, eine neue Politik einzuleiten, auf. Unglücklicherweise, so sagte Skobelew, mache der Minister des Aeußern. der Miljukow ersetzt hat. keine genügend kräftigen Anstrengungen» die russisch« Politik in diesem Sinne zu ändern. Der Redner er» klärte es für sehr gefährlich, daß dar erste und wichtigste Teil der demokratischen Friedenöformcl, namcnt- lich ihre sofortige Berwirklichung, in Vergessenheit ge- raten sei. Skobelew erklärte, die russische Demokratie erachte den Krieg niemals als Quelle der Zivilisation, sondern suchte immer die durch den Krieg aufgeworfenen Fragen im Geiste der Zivili- sation zu lösen. Wir müßten, fuhr der Redner fort, sofort nach Kriegsende allen unterdrückten Ländern die Versicherung geben, daß das alte Rußland, dessen Regimenter die pol- nischen Aufstände und die ungarische Revolution 1848 unterdrückten, nicht mehr vorhanden sei. Alle im KriegSverläuf entstandenen Fragen, so erklärte ferner Skobelew, müßten im Sinne der russischen Demokratie und infolgedessen in dem aller Demokratien der Welt gelöst werden. Das M i tz v e r- ständnis über die belgische Frage sei durch die Anweisung des Arbeiter- und Soldatenrats entstanden; es sei aber aufgeklärt und die darüber vom Arbeiter- und Soldatenrat gegebenen Erklärungen gäben dem belgischen Gesandten volle Genugtuung. Ueber Elsast-Lothringen bestehe zwischen der russischen und französischen Demokratie keine Meinungsverschiedenheit. Was Polen anbetrifft, so hat die russische Demokratie ihr Möglichstes getan und wird eS auch in Zukunft tun, damit daS polnische Volk auf dem Schauplatz der Welt so einig als möglich und als unabhängiger Staat auftreten kann. Da» arme- nische Volk wird ebenfalls die Gewähr seiner künftigen politi- schen Freiheit haben, wenn eö nur genug Kraft für ein unabhän- giges Dasein besitzen wird. Serbien wird von neuem agif- recht stehen müssen. Schließlich ist noch eine Reihe anderer nationaler Fragen, welche mittelbar oder unmittelbar in Zusam- mcnhang mit dem Kriege stehen, auf dem künftigen Friedens- kongreß in demokratischem Geiste zu entscheiden. Zu diesem Zweck 'pannt die russische Demokratie alle Kräfte an, um im Lande den demokratischen Geist au stecht zu erhalten, der unerläßlich ist, um es bis zu dem Friedenskongreß zu führen. Der Redner ging dann zu den Anweisungen des Arbeiter» und Soldateurat» über und betonte vor allem anderen den hervorragenden Dienst, welche sie besonders dadurch geleistet hätten, daß sie die Kriegs- und Friedensfragen auf die Tageso rd- n u n g und zur öffentlichen Erörterung gestellt hätten. Die Mit- glicdcr der Abordnung. der russischen Republik zur Zariser Konferenz werden eng zusammenhalten müssen; denn sie werden den Willen des revolutionären und geeinigten Lan- des zum Ausdruck zu bringen haben. Um jedes Mißverständnis aus dem Wege zu räumen, erinnerte Skobel«v daran,-daß die R e- gierungkürzlicherklärt habe, sie werde unter den andcreu Vertretern auch durch einen Beauftragten der rufst- chen Demokratie vertreten sein. Zum Schlüsse sagte er: E�ie» ist unbestreitbar, nämlich, daß der Wille der russischen Demokratie auf dem Gebiete der politischen Fragen die schnellste Lenvirklichung des Friedens erstrebt. Zu Diesem Zweck müßte die Negierung unverzüglich den Bundesgenossen vorschlagen, die Ziele, für die man den Krieg weiterführt, miteinander in Einklang zu bringen und von einer Politik de» Hinter-dem- Berge-HaltenS z u offenen Schritten überzu- gehen, indem die gegnerische Seite im Namen aller Alliierten zur Besprechung der Friedensbcdingungen aufgefordert wird. Txirauf hielt der Minister des Aeußern Terestschenko eine Rede, in der er sagte: . Ich muß einige, im übrigen ganz kurze Einwendungen machen. Man hat der russischen auswärtigen Politik vorgeworfen, daß sie nicht tätig genug sei und häufig ungleich vorgeh«. Aber ich habe hier schon erklärt, daß unsere auswärtige Politik eng von unseren inneren Angelegenheiten abhängt. Diese haben infolge einer langen Anarchie, die sich immerzu ver- schärfte, das allgemeine Leben des Staates zu diesem peinlichen ZickzacklurS gezwungen. Ich erkläre, daß daS Mini- sterium des Aeußern entschieden gegen diese» Uebel angekämpft bat, indem esdieimMonatMuieingcnommeneStel- lung zu behaupten suchte. Es hat diese auch nicht aufge- geben, wie die» gewisse Vereinigungen getan haben, wenn man ihre im März abgegebenen Erklärungen mit den heutigen vergleicht. Wir haben diese Stellung verteidigt und ich erkläre offen, daß der Friede vor dem 1k. und 18. Juli und vor unserer Niederlage nahe war. Aber eS kamen dann peinliche Ereignisse und danach der Herbst, der uns mit allerlei Ungemach bedrohte. Ich konnte nicht die LebenSintcressen Rußlands opfern. » Wenn da» alles Wesentliche ist. waS Terestschenko auf den Angriff SkobelewS erwidert hat, so darf man sagen, der russische Außenminister sei bemüht gewesen, eine durchaus klare und gerade Antwort zu umgehen. Der Schlußsatz zeigt, daß es ihm daraus ankam, den von Skobelew abgeschossenen Pfeil, der die Kadetten im allgemeinen- und ihn im besonderen trifft, auf die Sowjetgruppe zurückzusenden. Denn die Tage vom 18. zum 18. Juli brachten den Aufstand in Petersburg zum Ausbruch, der dem kadettischen Ministerium den GarauS machte. Terestschenko will also, daß auS seinen Worten herausgelesen werde, der Sturz der Kadetien- regierung habe den Frieden, der schon nah« gewesen sei, in eine endlose Ferne weggcscheucht. Natürlich ist dabei nicht ein Friede gemeint, der au» Abscheu gegen den Krieg durch Verständigung von Feind zu Feind gewonnen wäre, sondern jener von der Entente erstrebte Friede auf Grund der Niederlage der Mittelmächte auf dem Schlachtfelde. Terestschenko will sagen, diese Niederlage sei im Sommer so gut wie erreicht gewesen und nur durch die revo- lutionäre Zerwühlung der russischen Heere sei die Aussicht auf die Verwirklichung des nahen Friedens zertrümmert worden. Ein echt kadettisches Taschenspielerstück l Aber eS entspricht auf» Haar dem Schema der gegen den Friedenswillen der Revolutipn von unten gerichteten kadetiischen Politik. Tereftschenko»Krise! Rücktritt de? rvsstscheu Kriegsministers WerchowSki. E» kriselt schon wieder in der russischen Regierung. Der Außenminister Terestschenko hat mit seinen Erklärungen im Vor. Parlament schlecht abgeschnitten. Kaum ein« Partei zeigt sich mit ihm zufxieden, und so taucht die Ansicht auf, er wevde sich nicht mehr halten können. Sogar«in Nachfolger wird schon angedeutet; von den Kadetten unterstützt wird der Name Nabokow genannt. Terestschenko wurde sowohl von den Kadetten al» auch von den Sozialisten al» unzulänglich angesehen; daß er dennoch im Amte bleiben konnte, erklärt sich durch die Unentschlossenheit der auswar» tigen Politik der Provisorischen Regierung aller Zusammensetzun- gen, mit Ausnahme der ersten. Die Ernennung Nabokows zum Minister de» Auswärtigen— wahrscheinlich ist Wladimir Nabokow gemeint— wäre allerdings sehr merkwürdig und würde eine entschiedene Schwenkung zum EnlcntiSmuS bedeuten. Nabokow ist einer der markantesten Kfiöctten gehört ihrem Zentralvorstande an. Er ist ausgesprochener Anglomane, ist mit Leib und Seele auf de: Seite der Entenic-Kriegsziele. Im Kriege besuchte er mit einer Journalistenabordnung England und Frankreich und bat dann ein Buch„Im kriegführenden England" herausgegeben. Er gehört zum alten Adel, ist Großgrundbesitzer und hat als Rechtsgelehrter anerkannten Ruf. Vor der ersten Revolution wurde er von der Zarenregierung gcmaßregelt, mußte sein Pro- fessorenamt niederlegen und verlor seinen Hofrang als„Kammer- junker". Er ist Herausgeber der ausgezeichneten Zeiischrift „Prawo"(daS'Recktj. Als Politiker trat er auf als Abgeordneter der ersten Duma(im Jahre 1906). Bei der Provisorischen Regie- rung der ersten Zusammensetzung war er Chef ihrer Geschäfts- führung. Ein Bruder Wladimir Nabokows, der frühere russische Bot- schaftsrat in London, ist seit dem Tode Bcnckendorffs der Geschäfts- führer der russischen Botschaft in London. Er ist ganz Diplomai der alten Schule und war der Hauptbcteiligte an den Machenschaften, mit deren Hilfe anläßlich der Stockholmer Konferenz die Aus- schisfung von H e n de r s o n aus dem Ministerium gelang. Der Nachricht, daß Terestschenkos Stellung schwanke, folgt die Meldung der Petersburger Telgeraphen-Agentur, daß der Kriegs- minister WcrchowSki zurückgetreten ist. Ein Erlaß der Regierung beurlaubt den KriegSminister aus Gesundheitsrücksichten auf un- bestimmte Zeit und entbindet ihn gleichzeitig von seinem Amte. General Manikowski, der Gehilfe des Ministers, wurde zum vorläufigen Stellvertreter des Ministers ernannt unter der allgemeinen Leitung des Ministerpräsidenten Kerenski. Wie die Petersburger Abendblätter meldeten, m i ß b i l I i g t e n die Mitglieder der Vorläufigen Regierung die Tätig- keit des Kriegsministers, insbesondere seine Ansichten auf dem Ge- biete der auswärtigen Politik, die öfters seinen internationalistischen Charakter enthüllt hätten. Es erhob sich daher eine Meinungsver- schiedenheit zwischen dem Kabinett und dem Kriegsminister General WcrchowSki, der schließlich aus Gesundheitsrücksichten einen vier» zehntägigen Urlaub verlangt habe. Nach Meldung englischer Korrespondenten bezogen sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen Terestschenko und WerchowSki unter anderem auf die Demobilisation. WerchowSki war gegen die Meinung vieler seiner Kollegen, daß aus ökonomischen Gründen mehr Männer aus der Arme« entlassen werden müßten. Er hat also die Säuberung des Heeres von den allzu revolutionären Elementen nicht mitmachen wollen. � WerchowSki ist also gezwungen worden, auS dem Amte zu scheiden und nach dem Kommentar der Petersburger Blätter hat ein Konflikt mit Terestschenko den Rücktritt verursacht. Die Ansicht, der Außenminister stehe vor dem Sturz, wird dadurch freilich nicht unterstützt. Die Vorgänge in Petersburg. Petersburg, 5. November.(Petersburger Telegraphen« Agentur.» Der Arbeiter- und Soldatcnrat von Petersburg wählte kürzlich rinen rrvolutionären militirischrn Ausschuß zur Herbeiführung einer engen Fühlung mit den Truppen der Haupt- stadt. Heute richtete der Borfttzcnde des Arbeiter- und Soldateurat» Tr o tz k q einen Aufruf an die Garnison von PeterS» bürg, worin er sie aufsordert, nur dir von dem genannten Ausschuß gebilligten und grzcichiirten militärischen Befehle auszuführen. Gleichzeitig ernannte der Ausschuß Spezial- kommissare und entsandte sie an alle wichtigeren Punlle der Haupt- stadt und ihrer Umgebung. Die Abendblätter scheu diese Handlungen des Arbeiter» und Soldalenrais al? den ersten Versuch der Maximaliften an, s i ch der Herrschaft zu bemäch« tigen. Man glaubt zu wissen, daß die Regierung entschloffen»ei, diesem Versuch kräftig Einhalt zu tu» und ih« ein für allemal ein Ende zu«achcn. Petersburg, 4. November.»Central News": Der gestrige Tag ist hier ruhig verlaufen:«s fanden nur ein paar kleine Zwischenfälle statt, wobei viele Soldaten und Arbeiter in dir Lust schössen. Dir Negierung ergriff umfassende Maßregeln, um dem Austreten der Bolichewtki vorzubeugen. Em Versuch, das Haus de» KadeliensührerS Miljukow zu plündern, wurde durch die Truppen verhindert. * Am 11./24. Oktober wurde in Petersburg der von 100 Vertretern beschickte Kongreß der A- und S.-Räle für die nördlichen Provinzen eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde der bekannte Bol- ichewik Fäbnrich Krylenlo gewählt. Der Vertreter der balli- schen Flotte gab die Erklärung ab, die Flotte führe die operativen Befeble �nur dann auS, wenn sie von den Armee« lommisiaren gekennzeichnet wäre». Sollte die Regierung keine aktiven Schrille zur Herbeifübrung des Friedens unternehmen, so würde die bollische Flol'.e selbst iolche tun. Der Vertreter de« Regiment» Wolhnste. desselben Regiment«, da» sich nIS erste« der Revolution angeschloffen baue. gab die Erllärung ab. das von ibm vertretene Regiment würde nickt einfach aus Befehl der gegenrevolutionären Regierung PeierS- bürg verlassen. Krylenlo konstanerle am Eckluß der Sitzung völlige Einmüiigkeit in der Forderung nach Ueberlragung der ganzen Re- gierungsinacht auf die A.« und S.-Räie. Da» Zentralkomitee der A.« und S.-Räte wendet sich in einer l ä n g e re n Erklärung gegen diesen Kongreß und erklärt ihn iür eine bloße private Zusammenkunft einzelner A.« und S.-Räle. E« slützl sich dabei darans, daß bei Emberu'ung diese» Kongresses eine Reihe formeller Verstöße gegen die Satzungen vorgeloinmen seien. Bern, 8. November. Der russische Mitarbeiter des.Bund" schreib:: Gorti» Blatt.Nowaja Tckissr" berichtet, die militärisch« Abieilung der Srbeiler- und Soldatenräie habe beschlossen, daß alle in Fraiikreich stehenden rufst i chen R«gl- menter ioforl nach Rußland zu r ü ck b e f ö r d e r t werden sollen.__ Ein Mngebot deutschlanös an Frankreich! London, 5. November.(Central News.) Im Unterhanse wurde an Balfour die Frage gestellt, ob die Regierung Mitteilung über das Angebot machen-wolle, das Deutschland durch Vermittlung von Briand an Frankreich gerichtet babe. Balfour erwiderte, er erachte es nicht für er- wünscht, eine Frage zu beantworten, die eine An- gelegenheit beträfe, die. wie man sagt, in einer geheimen Sitzung des Parlaments eines Bundesgenossen behandelt sei. Vollarvorschuß für Rumänien. Washington, ö. November. lReuter.) Im Zusammenhang mit der Vieldung, daß in London eine Konsercnz stattgesunden hat, um Nr. 306 ♦ 34. Jahrgang Heilage des vorwärts Mittwoch, 7. November 1417 Parteinachrichten. Frih Geyers Pbantasie. K, einer Leipziger Versammlung bat Fritz Geher die Block- Parteien, besonders aber bte sozialdcinokraliscke Fraktion beschuldigt. von dem geplanten Vorstoß Michaelis gewußt und ihn durch stillschweigende Duldung gefördert zu haben. Wir haben diese schmutzige Äampiweise niedriger gehängt, aber dre Möglichkeit eines Irrtums des Berichterstatters ossen gelösten, weniger weil wir an einen Irrtum glaubte», als um einem ehemaligen Kamps- genosten, der suh vor den harten Vorwurf der Lüge gestellt sah, die Straße für einen zwar nicht ehrenvollen, aber auch nicht schimpflichen Rückzug offen zu lasten. Die„Leipziger Volkszcnung" Hai aber das Stichwort Fritz Geyers aufgegriffen und sich mit einer ellenlangen Umschreibung vergnügt, während die Kcmzlerkrise bescheiden auf die zweite Seite wanderte und aus ein Sammelsurium von Zeitungsstimmen hinauslief, wobei der..Vorwärts" die wichtigsten Informationen hergeben mutzte, ä ernst wurde in diesen schicksalsschweren Tagen überall im Reich für oder gegen Hertltng, für parlamentarisches System oder für Autokratie gekämpft. Das Leipziger Blatt bandelte mit ttefem Ernst die Frage ab, ob Fritz Geyer wahr gesprochen hat oder nicht. Dabei suchten dies« glorreichen.Kämpen für Deutschlands Frieden und Freiheit eine Bemerkung der„Kreuzzeitung" auszu- schlachten, die aus den Verhandlungen der Siebenerkommisston zu erzählen weiß: „Wir müssen heute hinzufügen, daß damals alle Partei- führer, mit Ausnah.ne allein der Deutschen Reichspartei, auf eine Frage des Kanzlers es als ettvünscht erklärten, der Oefsent- Uchieit�cin? autheutische Mitteilung ü�er die Vorgänge in der Marine im gegebenen Augenblick zu- gänglich zu machen." Dazu schreiben Sche idemann und E b e r t: „Wie verhält es sich mrt den erwähnten Mitteilungen für die Oefsentlichkest? Als die Besprechung der bekannten Vorgänge vollkommen erledigt war, ist die Frage erwogen worden, wie der Gefahr begegnet werden könne, daß die Vorkommnisse in Wilhelmshaven durch unkontrollierbare Gerüchte aufgebauscht und dadurch Schäden nach mancherlei Hinsicht hervorgerufen' werden. Gerade von uns ist verlangt worden, daß sofort allen Nebertreibungcn durch eine Mitteilung in der Presse entgegen- gewirkt werden möge. Unser Vorschlag ist diskutiert worden. bat aber leider nicht die allscitrge Zustimmung gefunden. Tie von uns verlangte Miircilung durch die Presse ist le i d«.r unter- blieben. Wenn auck Meinungsverschiedenheiten über die Zweck- Mäßigkeit unseres Borschlags bestanden haben, so bestand doch zweifellos vollkommene Uebcreinstimmung darüber, daß in einer solchen Notiz irgendwelche Bezugnahme auf die unabhängige sozialdemokratische Par- tei ausgeschlossen sei." Gvert und Schcidemann haben also verlangt, daß alle Ueber- trcibungen fener bedauerlichen Vorfälle durch eine autbcn tische Mit- teilung erstickt werden. Sie wollten also das strikte Gegenteil von dem, was Michaelis mit seinem alle Welt überraschenden Vorstoß erzielt hat. Sie haben ober nicht das mindeste von dem getan. was Geyer und die„L. B." ihnen andichteir. Zweck der ganzen Ausstreuung war nur. womöglich den' vortrefflichen Eindruck zn vernichten, den das tatkräftige Auftreten der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gegen Michaelis auf alle Arbeiterkreise gc- macht hat. � Zehnjähriges Bestehen des Essener ParteiblottrS. Tie„Essener Arbeiter-Zeitung" feierte am i. November ihr zehnjähriges Bestehen. Sie bringt aus diesem Anlaß einen Gc- denkariikel. der wehmütig der Parteisvaltung und des Todes ihrer besten Vorkämpfer, der Genossen Wilhelm Ostkamp und Otto Niebuhr, gedenkt. Sie spricht aber gleOhzeitig ihre Ueberzeugung aus, daß die Reihen des Proletariats sich wieder schließen werden. Ungeduld, den Frieden zu erzwingen, zu einer Zeit, in der er noch «cht erzwungen werden konnte, haben unsere Reihen zerrissen, aber gerade die kapitalistische Entwicklung während' des Krieges werde sehr bald die Arbeiter zum Zusammenschluß im leidenschaftlichsten .Kampfe für ihre Interessen zwing»». In dieser Ueberzeugung bofst auch die„Essener Arbciter-Zcitung" auf weitere lohnende Aufgaben der Arbeit. Organisationen und Parteitag. Am Sonntag nahmen die Kreisorganisationcn pon Mittweida- Limbach und Zschopan-Maricnberg Stellung zu den Verhandlungen des Würzburger Parteitages. Im 1ö. Wahlkreis berichtete Gc- wisse Stadtrat E n d l e r- Mittwcida. Die Ärcisversammlung er- ksärtc sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden und billigte im besonderen die Haltung deS Delegierten, der auf dem Standpunkt der Resolution Löve steht.— Im 20. Wahlkreis bc- richtete Genosse U h l i g- Ehrenfricdcrsdorf, der zur erweitcrten Mlnderheit gehört und rm ganzen genommen mit dem Parteitag nicht zufrieden ist. Er steht zu der Auffassung, daß die Bewilli- gung der KriegSkredite ein Vertrauensvotum für die Regierung sei, das sie nicht verdiene; denn im Volk fei man der Ucber- zeugung, daß die Regierungen aller Länder auf Eroberungen aus- gehen. Auch die Schuld am Kriegsausbruch laste auf allen Staaten. Im übrigen betonte der Redner, daß er zwar auf dem Standpunkt der Minderheit stehe, aber die Einheit der Partei hoch- h al t e. Die Spaltung sei tief bedauerlich und werde in ihren Wirkungen für die Arbeiter um so verhängnisvoller sein, als der Zwist leider auch in die Gewerkschaften getragen würde. Es setzte eine lebhaste Diskussion ein. nach welcher der Vorsitzende des Kreises feststellte, daß der 20. Wahlkreis fest zur Gesamt- parte» stehe. - Die KreiSgeneralverfammlung für den Wahlkreis Saarbrücken wurde am Sonntag in Saarbrücken abgehalten. Aus dem Vor- standS- und Kassenbericht ist zu entnehmen, daß die Bewegung im Saargcbiet erfreuliche Fortschritte macht. Fast ist d i e b e i Kriegsausbruch vorhandene Mitgliederzahl wieder erreicht, wobei die im Felde stehenden Genossen nicht mit eingerechnet sind. Auch die Presse hat im letzten Quartal gute Fortschritt« zu verzeichnen; über 200 neue Abonnenten wur- den. gewonnen.— Den Bericht vom Parteitag in Würzburg er- stattete Genosse Schäfer Tie Beschlüsse des Parteitags wurden gujgebeißen.— Alsdann nahm die Versammlung Stellung zu der am 23. November stattfindenden Reichstagswahl für den verstorbc- »cn Abgeordneten Basscrmann/— Eine Sitzung der Kreisver- traucnsmänner hatte der Versammlung Wablenthaltung emp- fohlen. Ein großer Teil der Tlskusstonsredner sprach für die Beteiligung an der Wahl durch Aufstellung eines eigenen Kandidaten. Mit Mehrheit wurde jedoch beschlossen, unter Berück- stchtigung der obwaltenden Verhältnisse Wahlenthaltung zu üben.— Sodann erörterte Parteisekretär Zörgiebel aus Köln die BsitragSfrage. Fast alle Redner sprachen sich in der Dislussio» für eine Beitragserhöhung auS, um die Finanzen für die kommenden Kämpfe zu stärken. Einstimmig wurde beschlossen, den wöchentlichen'Beitrag ab 1. Januar von 10 auf 15 Pf. zu erhöhen. Die Danziger Parteiorganisation nahm am 4. November den Bericht vom Würzburger Parteitag von ihrem Vertreter, Genossen IulinS Gehl, entgegen. Einstimmig faßten die Versammelten einen Entschluß, in welchem sich die Versammlung mit den Be- schlüssen de» Parteitags mid den Abstimmungen des Delegierten einverstanden erklärt. Insbesondere begrüßt sie die Beschlüsse, die eine praktische Mitarbeit an der Demokratisierung Deutsch- lanbs und der Sozialisierung unserer Gesellschaft ermöglichen. Auch wünscht sie eine baldige Einigung der Arbeiterbewegung. Groß-�Mn Bequeme Grundsätze. Zu der unter obiger Spitzmarke in Nr. 301 deZ„Vorwärts" e.ebraibien Mitteilung, nach welcher eine auf Bereinfackung der Karioffelveriorgung hinzielende amtliche Aufforderung durch die Bequemlichkeit eines preilßi'chcn LandrateS souverän annulliert wurde, f-breibt uns Genosse Gerisch:„Der geschilderte Vorgang ist charakteristisch für die Methode, nach der unmiitelbar vor den Toren Berlins im Kreise Teltow regiert wird. Als Insasse dieses KreiseS kann man die unglaublichsten Dinge erleben. So hat in einer anderen LebenSmilielsache der Kreisausschuß deS Kreises Teltow in diesem Frühjahr Anordnungen an Gemeindeorgane ergehen lassen, die mit einer von böbcrer Stelle erlassenen Generalversügung schlechterdings nicht in Einklang zu bringen waren, ihr vielmehr direkt widersprachen. Gegen diese Anordnungen habe ich bei dem Vorssyendcn des KreiSauSschuffes, dem Herrn Landrat, Beschwerde geführt. Ans die leyiere erhielt ich den Bescheid, daß weiter nichts veranlaßt werden könne, es vielmehr bei den nach Maßgabe er- lassener Bestimmungen getroffenen Anordnungen bleiben muffe. Durch diese Antwort nicht wenig überrascht, sing ich submiffest an, l. wer in aller Welt denn Bestimmungen erlassen habe, durch welche eine ganz allgemein geltende Generalversügung kurzweg außer Kraft gesetzt worden sei, und 2. wann und wo diese Be- stinimungen veröffenilicht worden seien. In der Rückantwort wurde auf drei Bekonniniachungen im KreiSblatt verwiesen. Selbstver- ständlich verichaffte ich mir sofori die betreffenden Bekanntmachungen, studierte sie eitrig und fand, unglaublich aber wahr!— daß in ihnen mit keinein Worte, mit keiner Silbe von dem die Rede war. was den Gegenstand meiner Beschwerde bildele. Das setzte ich auch sofort dem KrciSausschnß, bezw. seinem Vorsitzenden, dem Herrn Landrat in febr deutlicher Weise auseinander, zum Schlüsse beantragend,„die auf keinerlei geltende Verordnungen sich stützenden und daher jeder Rechtsgrundlage entbehrenden Anweisungen an Gemeindeorgane sofort zuiück;unehmeii." Run war nur Zweierlei möglich: Eirtweder mußte der Kreis« auSfchuß sich von dem Vorwurf, den ich gegen ihn erhob, daß er Anweisungen an Gemeindeorgäne gab. die jeder Rechtsgrundlage entbehrten, reinigen und mir nachweisen, daß ich im Unrecht war, oder, wenn er das nicht konnte, mußte er die Anordnungen zurück- nehmeti. Ich wartete vier Wochen. eS geschah weder da§ eine noch das andere. Daraus beschwerte ich mich unter nochmaliger ausführlicher Darlegung dc§ ganzen Sachverhalts bei dem Vorsitzenden des KreisaasschuffeS, dem Herrn Landrat, über den Kreisausschutz und verlangte,„daß der KreiSauSschutz rektifistert und streng angewiesen wird, seine rechtswidrigen Anweisungen an Gemeindeorgäne unverzüglich zurückzunehmen". Der Herr Landrat geruhte darauf zu antworten, daß er sich nicht veranlaßt sehe, eine anderweitige Emscheidung herbeizufübren, da alles nach Maß- gäbe erlassener gesetzlicher Bestimmungen erfolgt sei. Also nachdem ich haarklein und haarscharf nachgewiesen hatte. haß von diesen angeblichen Beslimnilingen in den angezogenen Be- lanntmachnngen mir keiner Silbe die Rede war, also überhaupt keine gellenden Bestimmungen existierten, gar nicht exfftleren konnten, weil sie der geltenden Generalverfügung widersprochen bälien, mithin die Beruiung auf diese Bestimmungen von mir so gründlich wie �nur möglich uä �dsurckum geführt worden war und der KreiSouSschuß auf meine Darlegungen und Beweisführungen nicht mit einem Wort zu erwidern vermocht hotte, marschierten im Entscheide des Herrn LandraiS diese wunderbaren..Bestimmungen" ganz ungeniert wieder auf, just so, wie wenn gar nichts vorauf- gegangen fei! Mein Urteil über da- ganze Verfahren faßte ich in meiner Ant- wort an den Herrn Londral in die Worte zusammen:„Welchen prächtigen Stoff gebe dieses geistvolle Drehen im Kreiie einem Possendichter, und welch' gefundenes Fressen wäre eS für Witzblätter vom Schlage des„Simplizisfimus". Kein Zweifel: würde der vor- stehend skizzierte Schristwechsel unter Fortlassung von Ort, Zeit, Absender und Empfänger veröffentlicht, jeder Leier würde darauf schwören, daß diele Geschichte sich nur im. zaristischen, aulokratisch- bureaukratischen Rußland alten Stiles abgespielt haben könne. denn in eriiem modernen Staate, der sich obendrein im Stadium der„Neuorientierung" befindet, sei derartiges— Gott Lob und Tank!— denn doch unmöglich." Soweit die Zuichrist des Genossen Gerisch. Wir aber fragen wiederum: Was sagt die vorgesetzte Behörde des Teltower LandratS zu diesen Dingen? Das Stiefkind Berlin. Ter Kohlenverband Grotz-Berlin hat sich mit einer dringlichen Vorstellung an die verschiedenen Reichs-, Staats- und militärischen Stellen, vorab an den preußische» Minister sür Handel und Gewerbe gewendet, weil der Eingang an Kohlen in Groß-Berlin im Monat Ottober um ungefähr 30 Prozent hinter den zuge- wieienen Mengen zurückgeblieben ist. Da die Zuweisungen schon von vornherein sich nur aus den Mindestbedarf richteten, so ist jeder AuSiall von schwerwiegendem Nachteil begleitet und liegt die dringende Notwendigkeit vor, dieZusuhr schleunigst zu verstärken, damit der Winlerbedarf an Hausbrand- und Industrie- lohle einigermaßen gesichert ist. Weitere Einschränkung des Gas- und Elektrizitäts« Verbrauchs. Verordnungen deS ReichskommissarS für Kohlenverteilung bestimmen, daß der Verbrauch sowohl der Eleklrizltär als auch deS Gases auf S0 Prozent deS vorjährigen Verbrauchs eingeschränkt wird. Wer jähllich weniger als 250 Kilowattstlmden verbraucht, also eine Monatsrechnung von nicht mehr als 8 Mark— ungefähr— zu zahlen hat, wird von der Einichtänkung des Elektrizitätsverbrauche« nichl betroffen. Außerdem kömien alle Verbraucher von Elektrizität, die schon vor Inkrafttreten der Verordnung sreiwillig Einschränkungen vorgenommen haben, besondere Berücksichtigung verlangen. Für jede über das zulässige Ouanium verbrauchte Kilowallstunde ist eine Sliaie von 50 Ps. zu zahlen. Neuanschlüsse und Erwerlerungen bedürfen einer besonderen Genehmigung. G-iSverbrauchcrn. die ausschließlich mit GaS beleuchten, wird ein Zuschlag von 10 Proz. bewilligt. Ist seit dem Vorjahre der Heizwert des GaieS nachgewiesenermaßen gesunken oder gestiegen, so erhöht oder veimindert sich die eingeschränkte Gasbezugsmenge im entsprechenden Verhältnis. Al« die Zeilipanne, innerhahh der die 20 Proz. gespart lperden müssen, gilt entweder der Äalendermonat öder der ortsübliche Ab- schnitt sür das Ablesen vom Krastmesi-r beziv. Gaszähler. Die Kommunaivcrwaliuiigen. denen die Ausführung der Ber- ordnungen»m einzelneu überlassen ist, sollen außerdem Matznahin-n treffen, die eine bessere Verteilung des ElektriziiäiSverbrauchS über die Tageszeiten bezwecken. Namentlich für die Stunden der Höchst- belastung— in Berlin zwischen 5 und 7 Uhr abends— sollen Aus- gleiche gesucht werden._ Steigerung der Berliner Verkehrsnot in Sicht? Gestern nachmittag ist der Beirat de» Reichskommissars für Kohleitverieilung zu«wer Sitzung zujammengeiceleu. Wie vel lautet, soll im Zusammenhang mit der jetzt angeordnete» allgemeinen Ein- schränkung des Stromverbrauchs erneut die Frag« geprüft werden, ob«ine größere Kohlen- und Lichtersparnis nicht auch durch eine weitere Beschränkung des städtischen Straßenbahn- und Schnellbahn- Verkehrs zu erreichen sei. Falls derartige Absichten an den maß- gebenden Stellen auch für Grotz-Berlin bestehe» sollten, so könnte demgegenüber nur ,mmer wieder darauf hingewiesen werden. daß eine weitere Einschränkung deS Straßenbahn« und Schnellbahnverkehrs in Grotz-Berlin ein Ding der Unmöglichkeit i st. Von den mit der Wahrung der Grotz-Berlmer Verkehrsinteresien be- trauten Persönlichkeiten darf daher wohl erwartet werden, dotz sie mit allem Nachdruck sich gegen eine weitere Ber- schlechterung des Verkehrs wenden. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 118 der Lebensmittelkarte entfällt ein Pfund Marmelade. Änmeldetage find der 8.. 9. und 10. November. Die Abgabe der LebenSmittelkartenabschnitte hat in den durch ein Aushängeschild:„Verkauf von Marmelade auf Lebensmittelkarten der Stadt Berlin" gekennzeichneten Geschäften zu erfolgen. So- bald die Ware den Kleinhändlern zugestellt ist, wird der Beginn des Verkaufs sofort durch Anschlag in dem Geschäft angezeigt. Von Donnerstag bis Sonntag wird in den im Nordwesten Berlins gelegenen Bezirken der 149. bis 153. Brot- k o m m i s s i o n e n an die dort in die Speisesettkundenlisten ein- getragenen Kunden je 125 Gramm Käse verteilt. Der Käie ,st erhältlich in den durch besondere Aushängeschilder gekenn- zeichneten Geschäiten. Für den Monat November gelangt auch für die Haushaltungen Süßstoff zur Verausgabung. Auf den Abschnitt 2S der Sützstoff- karte R kann ein Briefchen Süßstoff H-Packung in den zum Ber- kam zugelassenen Drogenhandlungen und Apotheken entnommen werden._ Tic Wiedereröffnung der Badeanstalten wird in einem Antrag geiorderr, den in der Berliner Stadtverordnetenver- i a m m l u n g im Oktober die sozialdemokratische Frak- t i o n eingebrochi bat. Leider wurde er in der Sitzung der vorigen Woche von der Tagesordnung abgesetzt, so daß er, da in dieser Woche die Sitzung aussällt, erst in der nächsten Woche herankommen kann. Inzwischen bat er aber schon die gute Wirkung gehabt, dotz der Magistrat sich zur Wiedereröffnung der Badeanstalten ent- schlössen hat. Die Anstalt an der Wallstratze hat am Montag dieser Woche den Betrieb wieder aufgenommen, und sür andere Bade- aiisialten der Stadt stellt der Magistrat gleichfalls die Wieder- eröffnung in Aussicht. Vielleicht beeilt er sich hiermtt so, daß ihm nickt erst»noch das Gefährliche der eineni Attentat auf die Volks- gesundheit gleichkommenden BadeanstaltSschlietzung klargemacht zu werde» braucht. Vorträge über wirtschaftliche Zettfragen veranstaltet der Berliner Magistrat für Beamte, Lehrer. Angestellte und Arbeiter der Stadt. Der erste Bortrog wird am 12, d. M., abends 7>/z Uhr, im Bürger- sapl de« RathauieS von Proiessor Binz gehalten werden und da" Tfiema behandeln:„Vom zukünstigen Wirtschastskampf". Der durch die Teilnahme an den Vorträgen entgangene Lohn, ebenso das etwa entstandene Fahrgeld wird den Arberlern erstattet. Eine Erhöhung der Frachtsätze deS Güterverkehr? beabsichtigen die deutschen StaatLeiienbohnen dennicichst einzuführen. Sie soll in Gestalt von„Kriegsznschlägen" in die Erscheinung tteten. Eiir verhängnisvoller Straßclibahltzusammenftoß, bei dein nicht weniger als sechzehn Personen verletzt wurden, hat sich am Montag in Svandau ereignck."Am Hohenzollernring fuhr ein Stratzenbahnwaaen der Linie 3 entgegen der bestehenden Bor- .schritt in die eingleisige Strecke ein. ohne den Wagen aus entgegengesetzter Richtung. ayzllwarte». Infolgedessen stießen die beiden Wagen cNlf der erngleisigen Strecke, aus der starker Nebel lagerte. mit großer Wuckt gegeneinander. Die Vorderplattformen der beiden Wagen wurde» völlig eingedrückt und sämtliche Fensterscheiden zer- triimmert. Sechzehn Personen, darunter die Stratzenbabnsübrerin. erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Zwei Personen. die schwere Ouetschungen davongetragen hatten, mußten nach dem Spandauer städlischen Krankenhause geschafft werden. Von Pferden totgetreten wurde ein Mann aus dem Etfenbahn- gelände an der Beiisselbrücke. Hier wurden mehrere Eisenbahnwagen, von denen einer Pserde geladen halte, verschoben. Der Rangierer verstand ein Zeichen des LokoinolivsübrerS solsch und so gerieten die Wagen aus ein verkehrtes GleiS und liefen mit grober Wucht auf enien Prellbock auf. Die heilige Erschütterung mochte die Pferde wild, ihr Begleiter, der sie zu beruhigen versuchte, fiel hin, geriet unter die Huie der Pferde und wurde so schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeil st a r b. Schöneberg. Achtung, Stadtverordnetenwahle«! Die StadtverorduetenergänzungS- und-Nachwahlen finden Sonnlag, den 11. November, mittags von 12 bis 5 Uhr statt. Da die Wahlen mit den bürgerlichen Parteien im Zeichen deS Burgfriedens vor sich geben, so finden eigentliche Wahtlämpfe nicht statt. Die Unabhängigen haben Zählkandi- baten aufgestellt. Die Wähler werden infolgedessen aufge- fordert, bis zum Tage der Wahl eine intensive Tätigkeit für die Kandidaten der sozialdemokratischen Partei zu entfalten. Diele sind im dritten Bezirk Genosse Paul Rathmann: im fünften Bezirk Genosse Albin Mohs; im sechsten Bezirk Genosse Paul Magnan: im siebenten Bezirk Genosse IohannRorrländer; im neunten Bezirk Genosse Wilhelm S t enze l. Im elften Bezirk, dem Friedenauer Orlsteil. sind von der sozialdemokratischen Partei keine Kandidaten aufgestellt worden, da.dieser Bezirk bisher von den Libera'en vertreten ward. Die Wahlen werden sich insofern etwas schwieriger gestalten, als nach den Wählerlisten ans dem Jahre 1914 gewählt wrrd. Jeder eingetragene Wähler erhält eine LegiiimalionSkarte vom Magiftrat, iowie von der sozialdemokratischen Partei die erforderlichen Auf- klärungSschriften. Die auf der Karle und dem Umschlag an- gegebene Nummer dient als Hinweis für die Erntragung m die Wählerliste. Wer verzogen und bisher keinS von beiden erhalten hat, wendet sich an die Meldeabieilung des Magistrats, NeneS Rat- bau«, oder an den Wahlvorsiand der Sozialdemokralischen Partei bei Henkel, Meinrnger Stratze 8. Unter diesen schwierigen Umständen ist eS Pflicht eines jeden Parteigenossen, alles für die Wähl zn tun und kräftig mit einzu- greife,».__ Neukölln. Erweiterung der Sonntagsruhe. Auf Anregung au» Angestellten- und Handelslrersen will der Magistrat eine weitere Einschränkung der SonnlagSarbeit im Handelsgewerbe dahingehend vornehmen, daß in allen offenen Verkaufsstellen mit Ausnahme der Nahrung«- und Gcnutzmittel und sür Plumcn Gehilfen, Lehrlinge und, Arbeiter an Sonn« und Festtagen nicht beschäftigt werden dürfen. Der über den Erlaß der Ortsiatzung gehörte Ausschuß deS Koufmaiinsgerichls hat dieser Beschränkung einstimmig zugestimmr und wünscht diese Beschränkung nicht nur sür die Dauer des Krieges, sondern auch darüber hinaus.— Zn wünschen ist, daß eine solche Erweiterung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe für Grotz-Berlin einheitlich angeordnet werden möge. Lichtenberg. Gemüse- und Obstverteilung. Der Berkauf o»S- ländlichen Gemüse« und Obstes ist nur noch in nachfolgenden Ge- schäiren.statthaft: aus den Märkten bei den Händlern Theodor Zerch. Schillerstr. 24 wohnhaft; Witwe Banse, Schlllerstr. 10 wohnhaft; Emil Werdener. Schillerstr. 10 wohnhaft; Frau Döhrmg. Piarr- stratze 71 wohnhaft, und in de« Geschäft von Lohi-uer, Stadthaus« stratze 4/5. Die Händler sind verpflichte� d*»«SlSndisch» Ismüse als solches unter PretSangobe kenntlich zu machen und an den Tagen, wo ausländisches Gemüse seilgehalten wird, inländische» Gemüse� nicht zum Verkauf zu bringen. Allen anderen Geschäfts» Iculen ist der Verkauf ausländischen Gemüses überhaupt verboten. Die Abgabe des Gemüse«, soweit e« sich um Wcisikobl, Rot. kohl, Wirsingkohl oder Mohrrüben handelt, darf nur auf Abschnitt 130 der Lebensmittelkarte erfolgen. Der Verkauf inländischen Gemüses, und zwar von Weih- kobl, Rotkohl, Wirsingkohl und Mohrrüben, darf nur auf Lebens» mittelkarte erfolgen. Zunächst wird auch hierfür der Abschnitt 13g der Lebensmittel- karte bestimmt. Auf de» einzelnen Abschnitt dürfen von einer oder nl-hreren dieser Gemüsearien zusammen nicht mehr als S Pfund abgegeben werden. Da dieser Abschnitt längere Zeil Gültigkeit be» hält, ist eS unnötig und mit Rücksicht auf die leichte verderblickkeit der Ware auch durchaus unerwünscht, daS Gemüse auf sämtliche Karten einer Haushaltung zusammen zu entnehmen. Durch diese Mahnahme soll erreicht werden, dah eS jedermann ermöglicht wird, Gemüse zu erhalten. Einer Voranmeldung bedarf es nicht. Reinickendorf. Eicrvertcilnitg. In sämtlichen Eierverkaufs- stellen werden von beute ab Eier abgegeben, und zwar sollen die- jenigcn Einwohner, welche bei der lehlen Verteilung nickt beulck- sichtigt werden konnten, auf Abschnitt 22 der Eierkarten je ein Ei erhalten. Auf Abschnitt 23 der Eierkarten werden abgegeben: an Haushaltungen mit 1—2 Personen 1 Ei, mit 3—4 Personen 2 Eier, mit 6—6 Personen 3 Eier, und mit 7—8 Personen 4 Eier. Der Preis für ein Ei beiragt 48 Pf. Eier, die innerhalb vier Tagen nach dieker Bekanntmachung ni-vt abgebolt sind, verfallen zugunsten der nächsten Verteilung. Ein Umlausch schlechter Eier findet nur statt, wenn einwandsrei nachgewiesen wird, dah die betreffenden Eier aus dieser Lieferung stammen und innerhalb vier Tagen zum Umtausch vorgezeigt werden._ Tegel. Eierverteilung. der Lebensmittelkarte 1 Ei werden. Von heute ab kann auf Abschnitt 18 zum Preise von 48 Pfennig bezogen Groß-Serline? Partemachrichten. Tenipclhof. Heute abend 8 Uhr im Lokal von Müller, Berliner Strohe 97: Vortrag des Gen. Bartels: Der Würzburger Parteitag. FrirdrichShagen. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für den VerständigungSsrieden gestallele sich eine Milgliedervcricimnilung dcS Wcihlvcreins. Eine Woche vorher hatte eine Versammlung der Vaterlandspartei siatigestinden, zu der alle Parteien eingeladen waren. AIS Genosse W e l S sich das Wort zur GeichäktSordnung erbat, um anzufragen, ob auch die Anbänger des VerständigungS- friedens ihre Ansicht äuhern dürften, geriet er mit dem Vorsitzenden in Konflill und muhte auf seine Aufiorderuna bin das Lokal ver- lassen, wobei sich ihm unsere Geiioffen anschlössen. Z» der Wer- sammlung des Wablvereins hatten sich auf Einladung hin etwa 500 Männer und ftrauen aus allen Kreisen der Bevölkerung ein- gefunden. Genosse W e l S gab einen eingehenden Bericht über die Friedensarbeit der Sozialdemokratie. Einige VeriammlungSteil- nehmet traten sofort der sozialdemolratischen Partei bei. Sriefkasten üer Nsüaktion. — t. Ausnahme kann nicht erfolgen. Manuskript geht nach Köln-Kalk. — Wahrheit. Brief empfangen: besten Dank.— F. L. 40. V enden Sie sia, an den Melallarbeiierverband, OrtSoerwaltung Groh-Berlln. C 54. Linienür. 88/85.— 31. SB. 100. Beihmann Oollweg fit Generalleutnant, Michaelis Oberstleutnant.— H. P. DaS Ruhegehalt wird wie bei allen Reichs- und Staatsbeamten berechnet nach den Dienstjahren. — Wazedonic» 230. Die Berechkignng zum Oesincn besteht.— 3. K. I. 1. Ja. 2. Auch silr Reklamierte besteht der sonst im Gewerbe übliche Lobn. 8. Fragen Sie beim Polizeipräsidium direkt an.— Ernst Martin. Wiederholen Sie Ihre Frage._ WetrerauSstchten für das mittlere Narddentieliland viS Donnerstag mittag. Zunächst mild, überwiegend bewölkt mit meist ae- ringen, nur im Nordwcitkn stärkeren Regensälle»; später im Westen' he- ginnende langsame Auibeiterung und Abkühlung. Dirolction: �laar Rsinvarckt. Dentuche« Theater. 7 Uhr: Winterballade. Kammersplele. 7'/, Uhr: Kinder der Freude. Volksbühne. Theater am BUlowplatz. Untergrundb. Sohönh. Tor. 8 Uhr: Kttnig Oedipns. Theater � Königgrätzerstr, Zum ersten Male: 7 Uhr: Die Wildente. Berliner Theater •/.S Uhr; Die beiden Seehunde. Komödienhaus 7>/tU.: Die tolle Komteß. Apollo Friedrichstraße an dar'Koohstr. Dir. James Kloin. Allabendlich l'l, Uhr: Die Hoebzeit des Maharadscha Theaterk. ununterbr. geöffn. Sonntags: L Vorstellungen, 8'), und"i'l, ülir. Der große Variele-Spielplan 12 ittraktiooen 12 = Raachen gestattet!— Letzte Saison in Berlin. Anfang 7'/, Uhr. Mexikol Große Original- iiissta(tangs-Pantoinin!e.{ Vorher das einzig dastehende Zirkus-Sport-Progml u. a. Nadohura— 8 Frankonlö. Trianon-Theater Gesrgenstr., Bhf. Friedrichstr. *1,8 U. Allabendlich'1,8 17. Der LebensscbQler. Schauspiel von Ludwig Fulda. Kaiser-Titz, Ida Wüst, v.Möllendorff, Kettnor, Pliak. Sonntag 3'/,: Johaniilsteuer. TSgl. TU Sonnt ßeh'n Sie bloji nicht nach 8erlin! Eevue-Posse in ö Bildern von Otto Keattcr. Musik von II. Hirsch. Hauptdaxsteller: Georg Kaiser— Erich Schönfelder— A. Müllor-Linoke — Otto Reutter— Gertr. Qräbner— Jos. Dill— Fritzi Steinberg. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.'1,8 U. Gastspiel Vettori! Herr oder Dame? Dazu die erfolgreiche Posse Heiraten mußte! Vorb. daS neue Noveinbcrprogr. Sonnt. 4 Uhr: Ontet Moritz. Relehshalieii-Theater Allabendlich 7'/, Uhr und Sonntag nachmittag 3 Uhr | Sonnt, nachm. ermftB. Preise! 1 Logen 1 M-, Parkett T5 Pf. eintritt 30 Pf. Theater für Mittwoch, 7. November. Central-Thentor, I I.nntsplelhnTia 7'/, Uhr: 7'/f mecXdÄMM» l!ie hloniien Häflels?. Lindenhel Doutachea Opornhana 6'/, Uhr: Die Helater- ainger von\firnberK Frlcdrich-Wilhclmsf. Theater -'i.uhr: Das DrefÄrte. Kleines Theater 7'/, Uhr: Komlacho Oper 7lt2 u.-. Schwarzwaldmäde!. Metropol-Theater Die Rose roo Sianibul. 7'/. 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Die Nomen dreier deuischer Männer: Philipp Reis, Heinrich Stephan und Werner Siemen« sind es in erster Linie, die mit der Erfindung, Einführung und technischen Formung jenes unscheinbaren Instrumente« für immer verknüpft find, das sich inzwischen im Staats- und im Gesell- schaftSleben zu einem Machtfaklor entwickelt hat und das im Donner der Schlacht wie'bei friedlicher Arbeit für jede Art menschlicher Tätigkeit gleich unentbehrlich geworden ist. Bei den ersten Versuchen in Deutschland, die man 1877 mit einem brauchbaren Fernsprecher anstellte, ivurden die von Prof. Graham Bell in BoSIan erbauten amerikanischen Fernsprechopparot« benützt. Sie fußten aber in ihrer grundlegenden Idee auf dem I8S0 von RerS erfundenen und auf Grund einer Reihe wifienschasrlicher Arbeiten von Gelehrten verschiedener Nationen ist im Lause der Jahre auch einwandfrei festgestellt worden, daß sowohl Bell als andere aus- ländische Erbauer von Fernsprechern die Reizsche Erfindung gekannt und sich aus sie gestützt haben. Die Reissche Erfindung halte man jedoch seinerzeit in Deutschland nicht in ihrer vollen Tragweite er- lannt; sie geriet in Vergefienheit, und die nach Amerika und Eng- land gewanderte deutsche Erfindung kehrte, verbefiert und für den praktischen Gebrauch hergerichtet, als eine in Amerika patentierte zu uns zurück. Im Gegensatze zu der neuerdings hervorgetretenen Anschauung, daß der vor einigen Jahren verstorbene Generaldirektor Ralbenau e« gewesen sei, der die Verwertung des Fernsprecher» für den Nach- richtendienst in Deutschland zuerst angeregt und bei Stephan für die Tragweite der Idee zunächst kein Verständnis gefunden habe, war es aber der Gencralpostmeister selbst, der mit klarem Blicke die gewaltige Bedeutung des Fernsprecher» als Nachrichtenmittel er- kannte und demgemäß handelte. In der zweiten Hälfte de« Ok- tober 1877 brachte der damalige Chef des Haupttelegrophenamts in London, Mr. Tischer. zwei jener Bell-Telephone, die der englischen Telegtophcnverwaltuna kurz vorher a»S Amerika zugegangen waren, mit. Noch an demselben Tage, dem 24. Oktober, wo Tischer Stephan diese Apparate überreichte, ließ dieser damit im Generalpostamt Versuche anstellen, die durchaus gelangen; selbst Versuche auf längere Strecken, wie von Berlin nach Potsdam. Stephans Entschluß, das neue wunderbare Instrument der allgemeinen Nachrichtenübermittlung dienstbar zu machen, war gefaßt. Am g. November 1877 entwarf er einen Bericht an den Reichskanzler, in dem er das Wesen de« Telephons und die Ergeb- nifie der von dem Generolpostamte angestellten Sprechversuche dar- legte und in großen gLgen andeutete, wie er den. wenn auch.noch in der Kindheit liegenden" neuen Apparat zunächst praktisch zu verwerten beabsichtigte, wie er dem Fernsprecher auch eine große Zukunft im menschlichen Verkehr voraussagte. Schon am 12. November wurde die erste ReichSpostanstalt in FriedrichSbcrg bei Berlin mit gernsprechbetrieb ausgestattet; im Laufe des November wurden weitere Postanstalten mit der neuen Einrichtung versehen. Am 19. November verfügte Stephan, daß im Bereich der Reichspostverwalmng die bisherige Bezeichnung .Telephon" durch das deutsche Wort.Aernsprecher" zu ersetzen sei. Schnell erfolgte die Einrichtung' von FernsprechbetriebSstellcn auf breitester Grundlage; Ende 1879 war ihre Zahl bereits auf 788 angewachsen. Der Schwerpunkt bei der allgemeinen Nutzbarmachung de« Fernsprecher» ober lag in seiner Verwendung für den e i g e n t- ltchen Fernsprechverkehr. Zuerst wurden in Amerika OrtSfern- sprechstellen in größerer Zahl geschaffen. Such in Deutschland ve» suchten Vertreter amerikanischer Fernsprechgesellschaften Stadtsern- sprechanlagen ins Leben zu rufen, ohne aber bei der Teilnahmlosig- keit der Bevölkerung mit ihren Plänen Erfolg zu haben; ein Grund, weshalb Steghan nicht schon diesen Weg beschritten hatte. So blieb der Fernsprecher in Deutschland noch mehrere Jahr« seiner Haupt» aufgäbe entzogen, bis der Generalpostmeister 1880 öffent- lich bekannt gab, daß er den Bau einer Stadtfernsprech- anlag« in Berlin beschlossen habe. Konzessionen von Privatgesellschaften zur Errichtung von Stadtfernsprechanlagen, wie sie u. a. auch Rathenan nachsuchte, lehnte Stephan grundsätzlich ab. Im Gegensatz zu den Telcgraphenverwnltungen anderer Länder. die erst später eine Entscheidung der grundsätzlichen Frage herbei- führten, in welchem llmsonge Bau und Betrieb von Fernsprech- anlagen als Unternehmung des Staates zu gelten habe, machte Stephan auch das Fernsprechwesen zum StaatSmonopol. Welchen Dienst Stephan hiermit dem Vaterlande durch seinen Vorausblick leistete und was de» Steuerzahlern hierdurch erspart blieb, erhellt aus der Tatsawe» daß England bei der Verstaatlichung seines Fern- sprechweienS im Jahre 1911 eine Abfindungssumme von einer Viertel-Milliarde zahlen mußte, um die Fernsprechanlagen aus privatem Besitz aufzukaufen. Da» Publikum verhielt sich der neuen Einrichtung gegenüber sehr kühl, sodaß das Generalpostamt zur Anregung des Interesses zu einer Werbetätigkeit sich veranlaßt sah. Ralhenau wurde vom Generalpostamt ermächtigt,.mit den Teilnehmern aus dem Kreise des Publikums die erforderlichen Verhandlungen zu führen und die entsprechenden Vertröge vorbehaltlich der Genehmigung des General- Postamts abzuschließen." Seine Rolle war mithin eine weit be- schcidenere, als gemeinhin angenommen wird. Trotz der Tätigkeit Rathenaus gingen die Anmeldungen in der ersten Zeit ziemlich spärlich ein. Mit nur 8 Teilnehmern wurde am 12. Januar 1881 d>e erste der beiden für Berlin vorgesehenen Ver- mittlungSstellen eröffnet. DaS erste im März desselben Jahres er- schienen- Fernsprechverzeichnis wies auch nur 43 Teilnehmer auf. Aber bald erkannte man auch in weiten Kreisen die Wichtigkeit der neuen Einrichtung. Der Stadlfernsprechanlage in Berlin folgten solche in anderen deutsckien Großstädten. Im April 1382 betrug die Teilnebmerzahl in 18 deutschen Stödten bereits 2277. Dann ging die Entwickkung schnell vorwärts, und 1898 kam die Zahl von 48 000 Fcrnsprechstellen in Berlin denen von ganz Frankreich gleich. Neben dem Stadtverkehr entstand der Vorort- und Nachbarverkehr, 1889 er- hielten auch die Landbewohner die Möglichkeit, Gespräche nach ans- wärtS bei den mit Fernsprecher ausgestatteten Telcgraphenanstalten führen zu können. Hand in Hand mit der weiteren Entwicklung deS FernfprechwesenS gingen naturgemäß auch die technischen Ver- vollkommnungen und Verbesserungen. So erfolgte 1897 der llcber- gang zum reinen DoppellcitungSbetrieb. wodurch sich die Sprach- Verständigung bedeutend steigerte. Der Umschalter für Vielfachbetrieb fand Eingang und schließlich trat man an den Bau eines großen unterirdischen FernsprechkabelnctzeS heran. So hat im Laufe dieser 40 Jahre der Fernsprecher durch das, was uns mit seiner Hilfe zur Vervollkomimiung der VerkehrZein- richtungen geschaffen worden ist. für Handel und Wandel. Landwirt- schaft und Industrie sowie für alle anderen Gebiete friedlicher A- beit, wie auch für die Kriegführung der Neuzeit weittragende Bcdeu- tung gewonnen. �_ Zum 50. Male: �Nathan üer Weise'. Glücklicherweise ist die? Jubiläum nur ein Teiljnbiläum: eS gilt nur von den Aufführungen, die das hohe Lied der Toleranz an den Reinhardt-Bühnen erlebt hat. Das kgl. Schon- spielhanS hat daneben vor einigen Wochen zum 300. Male die HumanitätSideen LessingS von der Bühne verkündet. Sicherlich könnten diese Kulturziffern noch beträchtlich erhöht werden, wen» man alle Aufführungen deS Nathan an den anderen Berliner Bühnen dazu zählen würde. Aber was wollen selbst 600 Aufführungen für die langen Jahre und die vielen Theater bedeuten? Die höchsten Ideen, die die Menschheit von der Bühne herab beschäftigen sollten, werden von jeder Zugoperette leicht geschlagen. Dieje eine Talsache könnte den ganzen Weltkrieg erklären. Wie Goethes.Iphigenie" ist LessingS Gedicht da« Drama des TageS. Es erhebl in dem schanerlichen Chor»« der Schlachten und der Realpolitik die immer vernehmlicher werdende, nie zum Schweigen gebrachte Stimme der Menschlichkeit. In der Verherrlichung der religiösen Toleranz hören wir heule den Preis der Völkerduldsamkeit, der Menschheitsversöhnung hinein. Herder«, des großen HumaniiSiSapostelö. Worte über den Nathan find beute wahrer denn je:.Die Grundidee dieses Werke» ist das höchste Wort des reinsten Schicksals: ihr Völker, duldet euch, ihr Menschen verschiedener Sitten, Meinungen und Charaktere, helft, vertragt euch, seid Menschen I Die Menschenvernunft und Menschen- güte, die in diesem Drama die Wage halten, bleiben dir höchsten Schutzgöttinnen der Menschheit." Der.Nathan" ist nicht der Nathan. Dieses Drama, doZ der starken Reize der gewohnten Spannungen entbehrte, hat den viel- fältigen Chor differenzierter Menschlichkeiten, unter denen der groß«, edle Jude nur eine, wenn auch die wichtigste ist. Die Aufführung der Volksbühne machte dies recht klar. Nathans war eine jedes Ruhme« würdige Leistimg Ludwig W ü l l n e r S. aber die Polt)- Pbonie war unrein und so war der Gesamteindrnck nicht der höchste. Wüllner ist der geboren« Prophet hoher Ideen, die Gestalt gewordene Verkörperung jedes starken Idealismus. Er er- hebt Nathan in die Höhe der Würde und Weihe— sein Jude ist, obwohl er naturgemäß Spuren der Rasse eigt, weit hinausgehoben über da» Spitzfindige oder auch da« Familienväterlich«, worin manche Nathan-Darsteller verharren. Er verklärt, er ragt au« den Riederungen dieser Allzu- Menschlichkeiten hoch empor. Der Christ und der Mohammedaner haben einen schweren Stand neben ihm: weder Herrn Mendts unbedeutender Saladin noch R i e m a n n S nur temperamentvoller Tempelherr erfüllen die Bedeutung ihrer Rollen. Ein schönes Genrebild beschaulicher Demut bietet B r e g o r i S Klosterbruder. Auch Derwisch und Patriarch haben bei D e c a r l i und I a n n i n g s Farbe und Charakter. Die Frauenrollen lassen lühl: weder Maria FeinS Sittah noch Gertrud W eickers allzu geleckte Recha geben ganz Lessingscke Gestalten sdie beide bei ihm nach dem Leben ge- zeichnet waren). Eher befriedigte Paula E b e r t y(als wortreiche Daja). Di« Inszenierung erstrebte Einfachheit, aber die verdorrten Palmen und im Luftzug schlotternden Wände zeugten nicht eben von Sorgsamkeit._— r. £unf Jahre Deutsche Bücherei. Demnächst vollenden sich fünf Jahre, seit der durch den Börsen- verein Deutscher Buchhändler erfolgten Gründung der Deutschen Bücherei in Leipzig, der ersten Zentrale für deutsches Schrifttum. Während dieser fünf Jahre ist ein bedeutendes Stück Arbeit gc« leistet worden. Die Leipziger Bücherei umfaßt schon jetzt mehr als 200 000 bibliographische Einheiten. Wenn man berücksichtigt, daß eine Einheit vielfach mehrere Bände umfaßt, so kommt man jetzt bc- reit? zu gewaltigen Zahlen. Die Zahl der Bücher stiftenden Verlegsr ist weit über 2800 gestiegen; dazu kommen noch sogenannte Schenker. Die von Dr. Lerche eingerichtete KricgSIiteratursammlung weist zurzeit mehr als 35 000 Gegenstände auf. Die Kataloge um- fassen über 500 000 Karten. Am umfangreichsten ist der Zeitschriften- eingang. Bisher sind über eine Million periodischer Druckschriften eingegangen; täglich verzeichnet man einen ferneren Einlauf von durchschnittlich 800 Stück Zeitschriften. So füllen sich die weiten Räume deS gewaltigen Unternehmens allgemach— wenn es auch noch weithin ist, bis die zehn Millionen Bücher, auf die die Bücherei berechnet ist(darüber lönnen wohl über hundert Jahre vergehen), so sieht man doch schon recht deutlich die Füllung der Räumlichkcile». Die Kriegszustände haben leider auch hier ihre Schalten geworfen. Wegen HeizungS- und Beleuchtungsschwierig« leiten und wegen großer Einziehungen muß die öffentliche Be« nntzimg einstweilen unterbleiben. en. Notizen. — Eine große Feuerkugel wurde am 8. September 1918 im östlichen Deutschland und besonders in Berlin beobachtet. Aus den vielfachen Berichten, die darüber bei der Zeitschrist.Sirius" «inliefen, ergibt sich, daß die Erscheinung von Berlin— Rostock bis an die russische Front und von der Ostsee bis nach Schlesien sichtbar war. Die Bahn ist berechnet worden. DaS Meteor leuchtete etwa in 300 Kilometer Höhe in der Nähe von Kalmar im südlickien Schweden auf, überschritt die Ostsee und erreichte die deutsche Küste bei Leba. Es flog dann nahezu durch die Scheitelpunkte der Orte Stargard und Jablonowo, bis es nördlich von Plozk zerplatzte. Es trat in die Erdaunosphäre mit einer Geschwindigkeit von über 60 Kilometer ein, hatte aber am Ende seiner nahezu 800 Kilometer weit beobachteten Bahn infolge des Luftwiderstandes schon über 20 Kilometer davon eingebüßt. —.Geistesschwaches Bier' in Norwegen. So hat der norwegische vollShumor das 2l/z Proz. Altohol enthaltende Bier genannt, da- als einziges nunmehr noch in Norwegen zugelassen ist. Eine große Erregung herrscht ob dieser Beschränkung im Lande. Hinter dem Verbot steht nicht die Regierung, sondern die Abstinenten- verbände, was neulich der StaatSmtuistcr offenherzig zugab. Die Abstinenten haben die allgemeine Teuerung benützt, ihre Forderung im Storthing durchzudrücken. — Ein« neue Eisenbahn über die Andeu. Nord« amerikanische Geldgeber wollen eine neue Bahn in Nord-Peru bauen, deren Zweck eS ist, eines der reichsten Gebiete Südamerika- cndlicd dem modernen Handelsverkehr zu erschließen. Die ungefähr 400 Kilometer lange Strecke wird in dem Seehafen Payta beginnen, die Anden an. ihrer niedrigsten Stelle überqueren und fich in das dahinter liegende fruchibare Land fortsetzen. Während man bisher zur Reise von Lima nach dem Mittelpunkt der Gummierzeugurg im Amazonenstromgebiet, JguitoS, ungefähr 60 Tage brauchte, soll die Bahn die'Zurücklegimg dieser SIrccke in kaum fünf Tagen möglich machen. Die welsihe Nachtigall. Der Roman eines st erbenden Jahrhunderts. 81� Von R. F r a n c t. Sie sprach ihn italienisch an, was er in gleichem reinsten ToLkanisch mit der vollendeten Geschmeidigkeit eines Welt- manneS erwiderte. Hier war er gar nicht so verschlossen und ängstlich scheu wie im Widmvntfchen Kreise, sondern gab sich heiter, unbefangen und von einer angenehmen jovialen Väterlichkeit. „Monsignore", schüttete ihm Lison alsbald ihr Herz aus, „ich bedarf wieder Ihres geistlichen Rates, aber sehrt>iSkrct unter dem Siegel des Beichtgeheimnisses. Ich bin überaus unglücklich." Der Pater fuhr wie nut einer segnenden Gebärde über ihr Haar und sagte mild: „Meine Tochter, die Kirche ist der Zufluchtsort oller Be ladenen und Kummervollen und wenn es in der Macht unseres Ordens steht zu helfen,. „Ich weiß," nickte Lison.„Graf Lerchcnfeld, der Sie mir empfohlen, sagte mir, er habe wunderbare Zeichen von der Macht Ihrer Brüder über die Herzen. gesehen. Aber hier wird eS ganz schwer sein." '„Der Graf Lerchenfeld war in unserem Mutterhaus der Stella matutina erzogen, er lernte dort die erhabensten Geister unserer Gesellschaft kenften. Aber bevor sie sich sammelt meine Tochter zu einem Bekenntnis, worin ich ihr helfen soll, wird dies Gebet zur unbefleckteil Empfängnis ihren Geist er- leuchten." Und er drückte Lison ein aufgeschlagenes Gebetbuch in die Hand, faltete die Hände und schien selbst in andächtiges Beten zu versinken. Währenddein sah er aufmerksam in den Garten hinab, wo der Graf Morawitzky noch immer un- schlüssig hin und her ging. Lison war inzwischen zu ihrem Betschemel mit dem ewigen Licht davor geeilt und versuchte voll Inbrunst die feurig andächtigen Worte ihres BucheS. nachzubeten. Und sie empfand dabei wirklich eine Beruhigung, nämlich die immer sieghaftere Gewißheit, daß Pater Laver, wie sie Crollalanza zu nennen, pflegte, wirklich imstande sei, ihr und Reinhard zu Helsen.' l Dann setzte sie sich zu Füßen deS sie freundlich und vertrauensvoll anblickenden Mannes und begann ihre Beichte. „Hochwürdcn, kennt Er hier in der Stadt den herzog- lichen Sekretär de Solms?" Und auf das bejahende Nicken: „Er ist durch meine Schuld ins Unglück gekommen— er ist zu stolz und feurigen Naturells und hat bei einem Konflikt mit seinem Chef(Crollalanza schielte. in den Garte») resigniert auf ein Amt, Las er braucht. Ich möchte, daß er cS wieder erhält. Was soll ich tun?" Auf Befragen deS Paters erzählte sie ihni den ganzen Hergang, soweit er ihr durch den Grafen bekannt ivar. Um die Lippen deS Jesuiten spielte ein feines und un- merkliches Lächeln. Er wiegte bedächtig den Kopf. „Meine Tochter. eS ehrt ihr Herz und ihre reine Seele, aber sie macht sich Sorgen, wo keine find. Der Kavalier de Solms ist wirklich in übler Gesellschaft und hat eine linbegreif- liche Freundschaft für diesen nun verhafteten Studenten Peißer, der ein ganz arger Feind der menschlichen Gesellschaft ist, wie leider Gottes jetzt fast alle junden Aerzte und Studiosi. Nur diese Freundschaft hat den von Solms ins Unglück gebracht, aber er scheint nicht unlcnkbar zu fein. Er war früher ein guter Sohn der Kirche." „Wie kann man ihn nur wieder zum Guten lenken?" „Am ehesten könnte sie das selbst, meine Tochter. Der Kavalier de Solms, der gut erzogen war, ist jetzt ohne Ver- trauen zur heiligen Kirche. Aber.. „Ich soll ihn sehen?" unterbrach klopfenden Herzens Lison,„Sie kennen ihn! Sie bringen ihn mit?" Vor innerer Erregung war sie aufgesprungen und hatte den Priester bei beiden Händen gefaßt.. Dieser hielt ihren freudig erregten Blick ruhig aus und schüttelte den Kopf. „Ich kenne ihn nur. soweit es meine Pflicht ist. die meiner Seelsorge anvertraute Herde zu kennen. Aber..." „Sprechen Sie. sprechen Sie," rief die Sängerin voll neu aufflammender Hoffnung." „Sie können ihm einen großen und wichtigen Dienst er- weisen und damit ihn retten und auf~ er lächelte etwas zweideutig—.seine Dankbarkeit rechnen." Dann ftlhr er leiser fort: „Man hat mir heute morgen Schriften gebracht, die ihn schwer kompromittieren, wenn eS seine Vorgesetzten wissen. daß er sie besaß und studiert hat. Er ist wirklich in schlechter Gesellschaft gewesen. Wenn er diese Schriften..." „Durch mich zurückerhält!" jubelte Lison, die sofort den Plan durchschaute.—„Pater Lader. Sic sind charmant, Sic sind aimable, nein. Sie sind incroyablc", und sie sprang ihm geradezu an den Hals und wirbelte mit ihm im Zimmer um- her, bis er erschöpft auf dem Ruhebett niedersank. „Woher haben Sie die Schriften? Haben Sie sie hier?" Er wehrte ab. „Ein Beichtkind, dem sein natürliches und reines religiöses Empfinden sagte, daß'solche Schriften im Haus nur Unglück. bringen können, hat sie der Kirche übergeben, um den Fehler gut zu machen, daß man sie vor der Polizei verstecken loolltc..." „Ein Beichtkind! Regina!" Der Priester war trotz aller Beherrschung diesem feinen Empfinden nicht gewachsen. Aus seinen Augen las sie etwas wie Bejahung. „Sie kennen Regina! Dieses Mädchen ist mitvcrwickelt. Oha, sie hat ihn ins Unglück gestürzt! Ah, diese Hexe! Wie ich sie hasse!" Lison sprudelte das hervor mit geballten Händen und blitzenden Augen, nun faßte sie einen Entschluß. „Pater Lavcr, ich kann cS Ihnen nicht verschweigen— jener Reinhard ist mir sehr viel wert und wenn Sie mir bei- stehen, ihn zu erringen, haben Sie meine ewige Dankbarkeit. Jeden Gegendienst, den Sie für die Gesellschaft Jesu wünschen. alles will ick) tun. Aber geben Sie mir die Schriften und lassen Sie Solms wissen, daß ich sie habe und daß alles von mir abhängt." In den: Gesicht des Professors trat ein kalter, berechjlcii- der Zug an die Stelle des bisher beharrlich festgehaltenen wohlwollenden Lächelns— er stand auf, sah prüfend auf die heiße, von ihren Leidenschaften aufgepeitschte Frau und be- gann dann kühl und vorsichtig: „Lison"— er nannte sie plötzlich unverschämt vertraulich bei ihrem Kosenamen—„Sie haben mir wider meinen Willen ein großes und gefährliches Geheimnis entlockt. Den Vätern unserer Gesellschaft steht es ganz fern Politik zu de- treiben, wir haben nur einen Zweck, das Seelenheil und Wohl der sich uns Anvertrauenden zu behüten. Worts, folgt.) f ■ i Deutfcfcr liktallarbeiter• Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Ten Mitgliedern zur Nach- ridit, daß unser Kollege, der Fräser ?su! Horn Pankow, Florastr. 74 am 30. Oktober gestorben ist. Tie Beendigung findet am TonncrSlag, den 8. d. MtS, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle dcS Gemeinde- n icdhoss in Pankow, Ichön- Hölzer Heide, aus statt. Ten Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Schlosser Guzla? May Johannisthal. Sauer» Wilbelm-Str. 46 am 2. d. Mts. gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 7. d. M., nachmittags 8 Uhr, von der Leichenhalle des Rudower Gemeinde> Friedhofes aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klenpncr August Penlzlin Charloltenburg. Goethestr. 58 am 3. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 7. d. M., nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhoscs w Stahnsdorf aus statt. Rege Beteiligung wird er. wartet. �tackrut. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Dreher Niüi. Kiesewetler Michaelkirchstr. 24a am 29. Lkloder gestorben ist. Den Kollegen ferner zur I Nachricht, dah unsere Kollegin I die Metallarbeiterin Johanna Roschnieke Blncherftr. 15 am 2. b. M. gestorben ist. Den Mitgliedern serner >lir Nachricht, dah unser Kollege, der Drücker Ujlv. Rnrtzmann Seeseid am 26. Oktober gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dafi unier Kolleae, der ZLerkzeug- macher Pau! Wolter am 2. b. M. an Lungenleiden gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Schlosser Geors Zadow Posen er etr. 27 Iom 20. Oktober gestorben ist. Gstre ihrem Anbenke«! 2 19/5 l>!e Orteverwaltung. Oerband der Gaft- und Scbanlfwlrte Deutlcftlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag der Kollege Wilhelm Spaet Weinstr. 28. Bezirk 3. am 3. November verstorben ist. 150/18 Ehre feinem Zlndenken: Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 7. No- oember, nachmittags 3'/, Ubr. von der Halle des Städti- schen Friedhofs in Friedrichs» selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Tic OrtSuerwaltung. Am 5. November verschied nach langem, schwerem Leiden mein geliebter Mann, unser guter Vater, Bruder, Onkel und Schwager August Sperling. DieS zeigen schmerzerjüllt an Wll-.elmine Sperling nebst Kindern. Tie Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. d. M., nadGnittags Z'/, Uhr, zu Friedrichsselde statt. 142A verband der Gemeinde- und Ltaattarbeiter. Filiale GroB-Berlin. Ten Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode der Kollegen Lamott und Last von der Kanalisation in Neukölln. Ehre ihrem Andenken: Beerdigung am Mittwoch, den 7.Novembcr. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Friedhofes in der Ru- dowcr Straße aus. Um rege Beteiligung bei der Bestattung der Kollege» ersucht>89/2 Oie Ortsverwaltung. Deuffcfier Cranspsrtarbeiterverband. BezirkSverwalt. Groß-Berlin Xaohrufe. Den Mitgliedern zur Nach richt, daß unser Kollege, der Wagenwäscher August Heumann am 29. Ottober im Altar von 53 Jahren verstorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kolleg«, der Hochllahnan- gestellte August.Jaeckei am 30. Oktober im Alter von 43 Jahren verstorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dar, unser Kollege, der Troschkcnfübrrr Wilhelm Fiedler am 1. November im Alter von 64 Jahren verstorben in. Ehre ihrem Andenke» t Oie Berlrlisverwaltung Tie Bekanntmachung deS Oberkommandos in den Marken beircfiend Erzeugung des Kriegsmaterials durch Eisen» und Stahlwerke ist in Kraft getreten. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den An'chlagsöulen und in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". (007. l. Mit. 17. II. Aug.). Berlin, den 0. November 1917. Ter Volizeipräfident. 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Liesdrth Waldmann als Geschwister. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag. den 8. November, nachmittags 2 Ubr, von der Leichenhalle des Garnsson.Friedhoses in der �ascnbeide aus statt Pelzgarnitureu laust man am allcrbeiien im weltberühmten PcljlcihhauS nur Grunewald- Ilrage 72, Eisenecherccke. sOll» Teppich-Thomae, Oramen firaße 44, spottbillig, farbsehler haste Teppiche, Gakdineu. __[259S* Pelzwaren. Wollen' Sic Pelzwarcn noch dillig kaufien, müssen Sie in den Blauen Bazar lausen. Kaiser-Wilhelm Straße 10, beim Alexander platz._____ 25K« Leihhau» Ro'enlhale» Tor, Linienftraße 203 4, Ecke Rosen ihaserstraße, nur 1 Treppe, kaufen Sic Pelzkragen, Muffen, Stunks, Nerz, Alaska, Bia» .Kreuzfüchse, Iltisse und alle anderen Pclzarten, Wanduhren, Taschenuhrcu, Schmucksachen, Brillanten. Sisbcrtaschen, neue Herrengarderobe. Sonntags gc- offne». 181 Liescrwagen, Klappsport wagen, Holzräder, alle Repara turen an Kinderwagen, Korb- macher Weidlich, Brunnen� firaße 90. 280K* Neue Pelzgarnitaren! 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Ebenso danken wir Herrn Wolbeck Monasse jiir seine troil- reichen Worte 923Z Frau Mrna Wendt geb. Scbinidt nebst Ki n d« r n. Spezial-Ärzt I>p. med. Haaehd, Friedrichstr. 90 Behandl von Syphilis. Hnut-, Harn-, itzraucnleidcn. svez. lyron. Fälle. Ehrlich-Hata-Ku- ren, schmerzlose, türzeste Be- Handlung ohne Berussstbrung. Blut Untersuchung. Mäß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis l und 5—8. Somit. 11— 1. Spezialarzt Or. med. Wockenfnß, Friedriehst 125(Oranienb.T.i, f. Syphilis. Harn- u. Frauenleiden Ehrlich-HaU-Knr(DauerlOT.). BlutnntersueH. Schnelle, sichere schmerz). Heilung ohne Berufs- störung. Teilzahlung. 252/12* Bprecnstrind.: 11— 1 u. 6—8 Statt Karten! Für die uns anläßlich des Hinscheidens unseres j lieben Bruders und.Onkels Sanitätsrat Dr. David Munter 1 in so reichem Maße erwiesene Teilnahme sprechen | wir auf Tliesem Wege unseren herzlichsten Bank ans, Jra Namen der flinterbliebonen ßW/lO| •Oiesrfrled Kanter. Flora Moata geb. Munter. 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Siegfriedstraße 28/2?._* Zeitungsirägerin sofort ver- langt Spedition Lichtenberg, Warienbergstraßc I, Laden.* Botenfrane» verlangt sofort Ausgabestelle Greisenhagener- straße 22._* Frau«» zum Zeitungsaus» tragen stellt sofort ein„Bvr- wärts"-Spedition, Ackersttaße 174, am Koppenplatz._* ZeituugSausträgeriu verlangt Bcrnsce, Steglitz. Mommsen- str. 59.__■ ZeiinugsauSträgeriu verlangt „VorwärtS"-Zpcdition Schöne- berg, Meimngerftraße 9. ZeitungSauSträgeriunea kön- neu sich melden.„Vorwärts"- AuSgabcstelle.Laufitzerplatz 14/15. Zeiiangsausträgerin stellt zum Ib. November ein Feverftein. Adlershof, Bismarckstr. 82.* ZeitungSausträgeria sofort einzustellen. Borwörtsspeditiou Moabit, Wilhelmshavenerstraße 48. von 11— Hb und 44»— 7 Uhr.• Frauen zum Zeitunasaus- tragen sucht„Vorwöns-Aus- aobcstclle Alt-Bozhagen 56, Loden.* Votenfrau „Vorwärts", Eharlottl Sescnheimerstraße 1 wird eingestellt. ttenbura. Schlosser mit Führerschein Nr. 2 und Monteure fHeereSautomobile sucht Tillaek Wethe, isee. Lehderftr. 39, 4l.* Mehrere üJertzconmSft aas v. Schnitt u. Stanzenbau und solche, die schon Zichwert- zeuge angelertigt haben, zu so- sortwcm Eintritt gesucht. s900L Helntse A Blanckerl». Oranienbug. Kremmener Stt. 43. I-ehrlinir 935L* verlangt Wclec, Maschinen- sabrit, Sebasitanslr. 72. Größere Nlirtikrsttllc ohne Heizung und Fahrstuhl 1. Dezember zu vergeben. Rentcnempsanger oder Kriegs- beschädigte bevorzugt. ilaencl; Frlcdcnota, 939L Rhemftr. 2— 3. Herrsciiaftlictier Kutscher sofort gesucht. Vorstellung mit tugnissen bei CiaBen 4 Co., choneberg, Barbarossastr. 16. r- Tischler-ws und Maschincnardeiter für Kriegsarbcst sucht G. Hamauu, Neukölln, BlAsendorserftr. 11/12 M für Walzcnbobel und Kreissäge sucht HolzbearbeittingSfahrtk Küftriuer Pla» g.-* Mehrere Transportarbeiter zu sofortigem Eintritt gesucht. Htiuht 8b Slaucktch Oranienburg. 907L Kremmcner Strohe 4». ßWll. älteren, oerlangt 9Z9L* Trppichreillissunqö-Anstalt Schooeberfl, Beffewerftr.12 (Sachsendamm). Zementierer, Rabitzyutzer für dringende Kriegsbauten sofort gesucht.»402* Ei f?»'Betonhan Hellmuth P. Krüger @. tu. d. H., Büro Körnerstr.17. Kurs. 9903 MlS'SAAel'Allllllie f. gr. Rohrlkg. Mun.'Fäbr. S32L und Rohrleger --'-ch«. SedlöSkl OlHMli. loeeetDtg. Eisendreher, Maschinenarbeiter, Fräser, Hobler, Maschinenschlosser, Maschinenarbeiterinnen gesacht. 7993 Wlil'Verle. NM- M WMllMll G. m. b. H.. Berlin-Hohenschönhausen, Wernenchener Strohe. stellen ew 3T4L* HillleWet'ItsIeWelliesi.Resek Berlin- Tempelhof, Germaniastraßc Nr. 145/146. Tüchtig« vbeleielMlmeii ,.»> iRttilMm»« suchen 920L* Mack So Mey, sannr.»?. MelteMaevSW' auß. Hause, Cohn, Prinzenstr. 33. e-uiztlieiietlli Handlung«. Wollbrück n.Eo.. Oranienburger Str. 59.* ülonttüte (ur Heizung. Was u.Äasscr 1>»»IkTertn& Witlmer, BeUm, Maucrslraze 66—88. • die rumänische Lage zu ieratett, wird bekanntgegeben, dah die Ver einiglen Staaten Rumänien durch Bermilllung Rußlands drei Millionen Dollar vorstrecken._ Japanisch-amerikanisches China-Abkommen Prking, 5. November.(Reutermeldung.) Ter japanische Gesandte Hayashi teilte dem Minister des Auswärtigen mit, daß Jshii und Lansing am 2. November ein Abkommen unter- zeichnet haben, in dem die Vereinigten Staaten die b e s o n- deren Interessen Japans in China aner- kennen und in dem die Vereinigten Staaten und Japan nochmals den Grundsatz der offenen Tür für China bestätigen._ Der Krieg auf öen Meeren. Berlin.b. November. Ju der nördlichen Nordsee wurden neucrdingS von einem unserer Unterseeboote fünf Dampfer verienlt, vier davon wurden aus Gclejtzügen, die zwischen Norwegen und Eng- kaud fuhren, herausgeschossen; der fünfte vernichtete Dampfer war bewaffnet und fuhr einzeln unter Sicherung. Der Chcs des Admiralstabrs der Marine. » Kopenhagen, S. November..Naiionaltidende" meldet über Kristiania aus Bergen, daß die deutschen Unterseeboote nun dicht an der englische» Küste operieren. Die gestern aus England in Bergen eingetroffene Besatzung de« torpedierten norwegi'chen Dampers Leander<2LlZ8 Br.-R.»T.) erzählt, daß der Dampfer nur ait Seemeilen von der englischen Küste entfernt versenkt wurde. * Paris, 5. November. Wie ,T cmps� meldet, bat der Präfidenl von Brasilien in einer Botschaft an den Kongreß miigeteil», daß Zwei neue brastlianische Kriegsschiffe,«cary»nd Gnahyba, von deutschen U-Booten in den Gewässern. von Kap St. V i nzen t v e r s e n k t worden sind. Die Schiffe hatten Kaffee, Leder, Fleisch und Getreide geladen und waren unterivegS nach Le Havre. Zwei Malrosen sind umgekommen, vier verletzt worden. Acai q ist daS frühere deutsche Schiff E b e r n b u r g <427« Br.-R.-T.), Gudhyba hieß früher Hohenstaufen {6m Br.-R.-T.). Zum Seetreffen im Kattegatt. Kopenhagen, 6. November. In Falkcnberg(Schweden) ist mit der Beiatzuiig des letzten Freitag im Kattegatt versenkten Geeste- münder Ftichdampfers' JuliuS Wieling gestern ein Verhör abgehalten worden. Alle geretteten deutschen Seeleute erklärten auf das be- ftimmleste. daß der von britischen Schiffen in Grund geschossene Fischdampfer vollkommen unbewaffnet gewesen ist und daß sich weder Waffen noch Mnniiion an Bord befunden haben. Dasselbe gelte auch von den übrigen ver- senkten deutschen Fischdampfern. Die deutschen Seeleute sollen von Schweden, freigegeben werden, wenn sich ihre Aussagen bestätigen. * Ein englisch-holländischer U-Boot-Itrcitfall. London, S. November.«Reuter.) Im Uulerhause fraate Hunt, ob die Mairosen des britischen Unterseebootes El 7. das vor einiger Zeit außerbalb der niederländischen Gewässer gestrandet sei, in Holland interniert worden seien, und ob das deutsche Unterseeboot, das seinerzeit in Holland intcrniers wurde, ebenso wie seine Besatzung wieder sreigelasien worden sei. B a l s o il r erwiderte, die erste Frage lönne er bejahen. Was den zweiten Fall betreffe, so seien die deu'.scheil Matiaien sreigelasien worden, weil die niederländische Regierung nach einer Untersuchung vor dem Internationalen Gerichishor entschieden habe, daß das Unterseebool zu Unrecht interniert worden sei. Die Gründe für die Freilassung des deutschen Unterseebootes seien der britischen Regierung gegenüber nicht genügend aufgeklärt worden und d»e ganz.? Angelegenheit werde im Zusammenhang mit dem Fälle des E 17 weiter erwogen. Die Lage bei Gaza. London, v. November. iNeuter.) Das Kriegsamt teilt mit: Die äDveralionen gegen Gaza werden fortgesetzt und wir stehen in Fühlung mit dem Feinde nördlich Beerseba. Die Gesaml- zahl der von uns seit Beginn dieser Operationen gemachten Ge- fangenen beträgt nunmehr 207 Osfiziere und 2425 Mannschaften anderer Grade. Konstailtinopel, ö. November. Amtlicher Tagesbericht vom 4. November. Sinaisront: Unverändert, an den übrigen Fronten keine besonderen Ereignisse._ Kleine Kriegsnachricbten. Fliegerbomben auf da» Antwerpencr BoltShaus. Wie der ..Sozialiste Belge" vom 3. November in seinem vlämischen Teile be- richtet, haben englische und französische Luftzeuge Antwerpen.angegriffen, wobei das„Sozialistische VolkShauS" zerstört und 18 Parteigenossen getötet wurden. Das Blatt fügt hinzu:„Wij protesteeren uit al onz« Kracht tegen dezcn ongehoerden, niei gcrechtvaardig— den aanSlag op het leoen dezen achtien Antwerpfche partijgenotcr...... BaÄaarfchhcib en niets anders!" Englischer Bericht aus Ostafrika. Im Westgebiet wurden kleinere deutsche Aufklärungsabteilungen durch eine zusammen- gefaßte Unternehmung britischer und belgischer Secreöteile ost- wärts Vertrieben. Im Lukdlcditalc sieben unsere Truppen in Fühlung mit der feindlichen Hauptmacht zwischen H a h i w a. '614 Meilen südwestlich von Nnangao. und Lukclcdi. Eine belgffche Hceresabteilung aus der Richtung Kilwa hat L i w a l e erreicht. was ist mit Polen geplant? Wie der„Lokal Anzeiger" wissen will, ist in der vor- gestrigen Kronratösitzung auch die endgültige Regelung der polnischen Frage behandelt worden. Ein angeblich gut unterrichteter Gewährsmann legt nun in dem Blatt die Gesichtspunkte dar, die hierbei auf Polnischer Seite(?) maß- gebend sein sollen. In dem Artikel heißt es: Würde man der Kombination Raum geben, welche in der allerleyie» Zeit wieder in den Vorder grund gerückt i st. nämlicd einer Anglicderung PolcnS an Oestcrrcich-Ungarn, so würde die verbündete Monarwie einen crkel'licvc» Kräslezuwaws eitahren, dem eine enliprecbendc Ausdehnung der deutschen Macht- sphäre im Ostei» gegeiiüberaesiellt w.zdcn dürste. Hie Gebiete, die hier für e>ne Aniliederung an DeUjchlanv in Frage toinmen, sind Kurland und Litauen. Im weiteren gibt der Gewährsmann des„Lokal-Anzeigers" noch Einzelheiten zu dieses Plänen. Oesterreich-Ungarn soll aus einer dualistischen eine trialistjsche Monarchie werden, wobei Polen mit Einschluß von Galizien als dritter Staat zu Oesterreich und Ungarn unter habsburgifcher Personalunion hinzutreten solle. Tie Bestimmung der polin- schen Verfassung, wonach der König im Lande wohnen muß, soll durch die Verlegung des Hofhalts nach Warschau für einen Teil des Jahres umgangen werden. Kopfzerbrechen macht dem Gewährsmann nur die Frage der Grenzregulierung zwischen Polen und Litauen. Bestehen die Pläne wirklich, so kann nicht frühzeitig und energisch genug gegen sie protestiert werden. Ein Anschluß Polens an Oesterreich-Ungarn unter Real- und Personalunion könnte keinesfalls als die Wiederherstellung der polnischen Unabhängigkeit betrachtet werden. Er käme höchstens in Frage, wenn eine obne jede Beeinflussung vorgenommene Volksabstimmung in Polen sich für einen solchen Anschluß aussprechen sollte. Die„AnSdehnung der deutschen Machtsphäre" auf Kurland und Litauen wäre vollends eine Hand- lung, die mit den amtlichen Erklärungen der deutschen Diplo- matie, namentlich mit der Antwortnote an den Papst sowie mit der Reichstagsresolution vom 19. Juli in schroffstem Widerspruch stehen würde. Hier handelt es sich um nur sehr notdürftig bemäntelte a n n e x i o u i st i s ch c Pläne, von denen das deutsche Volk in seiner großen Mehrheit' nichts wissen will._ Claß an öie Krone. Der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes ist durch die Um- stände, unter denen Hertling Reichskanzler wurde, in höchste Auf- regung versetzt worden und mach! seiner Beklemmung in einem an die Krone gerichteten Artikel Luit. Er wiift der Krone vor, leichtherzig ihre verfasiungsinäßigen Rechte preisgegeben zu haben, wozu sie gar nicht befugt gewesen sei, da diese Rechte gleichzeitig öffentlich- rechtliche Pflichten gegenüber dem Volksganzen darstellten. Claß schimpst und jammert: Es wurde zugeloffen. daß ehrgeizige Streber, die längst aufgehört haben. Vertreter des deutschen Volkes in seiner größten und ichwetsten Zeit zu sein— Leuie, die gewählt wurden. als infolge unerhörter Verhetzung unser öffentliches Leben entartet war— Raub begingen an den Rechien des Kaisers und Königs, die dem Vollsganzen gegenüber, richtig betrachtet, gleichfalls Pflichten sind. Verzweiflungsvoll fragt sich Claß, wie dicS habe geschehen löiincn. Ihm bleibt zur Erklärung dieses Vorgang? nur eine Wahr- icheinlichleit, daß die Krone nur„Leute des Hofe.S' befragt, „wirklich politische Berater" aber nicht gehört hat. Damit stoßen wir ans die alte Klage der KönigStreucsten, daß ihnen der Weg zum Throne dauernd versperrt sei, so daß die Wahrheit dorthin nicht oder nur verzerrt vordringe." Dann wird Herr Claß deutlicher: Diese Beschwerde halten wir für längst erwieien, und es hilft auch da nichts, an den Dingen vorbeizureden; ma» muß sie bei Namen nennen. Und Namen sind in diesen Tagen genannt oder angedeutet worden. Perionen der nächsten Um« gebung dcS Kallers, die ständig um ihn sind, die Vorsteher des Geheimen Zivil- und des MalinekabinellS v. V a l e n t i ir i und v. Müller werden dafür veranlworilich gemacht, daß die Wahrheit und Wirklichkeil denr Nachfahren Friedrich» fern bleibt, der der wahrhaftigste aller Könige war. Dieke Klagen aus alldeutschem Munde sind ja nicht neu, sie haben aber einen eigentümlichen Reiz. Schlimmer können die all- deutschen Reaktionäre daS System, für das sie angeblich kämpfen, gar nicht diskreditieren, als durch diese Beschwerden. Wenn st behaiipien, daß e« der Umgebung des � Monarchen möglich sei, diesem die'Wahrheit vorzuenthalten und zu verhindern, daß gewisse Ansichten zu ihn, gelangten, so ist das alles andere als eine Enipfehlung des heutigen Systems und kann nur dazu führen, der Forderung auf E i n f ü h r u n g d e s P a r l a m c n- lariLmuS doppeltes Gewicht zu verleihen. Gin Militarist für /lbrüstung. Der Kriegshistorikcr i r Berliner Universität, Professor Hans Delbrück, glaubt an die Notwendigkeit der Abrüstung wegen der besonderen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse nach dem Kriege. Er schreibt in den „Preußischen Jahrbüchern": „Ich bin für die Abrüstung, weil erstens, wenck sie nicht kommt. die wirtschasilichen Lasten jetzt- in der Tal sehr groß werden müssen. Die Kosten selbst werden sehr viel größer sein als vor 1914 und die VollSwinschast ist ohnebin mit der Verzinsung der Kriegsschulden schon fast überbürdet. Ich bin zweitens für die Abrüstung, weil ich hoffe und glaube, daß der Krieg am Schluß Verhältnisse schaffen wird, die ans lauge binanS sich friedlich erhallen lassen und er- halienswcrt sind. Ich bin drittens für die Abrüstung, weil Deutsch- land bei gleichmäßiger Einichränkung aller Siaate» zu Lande und zu Wasser weniger bedroht ist als andere und deshalb der Welt die Wohltat nicht versagen darf." Dieses Bekenntnis zur Abrüstung ist deshalb besonders eindrucksvoll, weil der Verfasser gegen die grundsätzlichen Pazifisten lebhaften Widerwillen hegt und den Krieg als eine motorische Kraft der menschlichen Entwicklung feiert. Zur Zrage üer Kriegsentschäüigung. In einem langen FortietzungSamlel dcS roten„Tag" sucht der Wirkt. Geh. Rat Dr. Karl B r n d i n g, der bekannte frühere Leip- ziger UniversitätSprosessor, die Forderung einer Kriegsentschädigung. die Deutschland von seinen Gegnern verlangen müsie, rechtlich und moralisch zu begründen. Geh. Rat Binding tritt im Prinzip durch- auS für eine RnegSenlschädigung ein und sucht die dagegen er- hobene» Einwände zu entkräften. Aber nachdem er dies in mehreren hundert Druckzeilen getan hat, schließt er gleichwohl seinen Ar- tikel mit folgendem BelcnntniS: DaS aber ist richtig: eine Verlängerung des Krieges bewirken, lediglich um Ersatz der Kriegskosten zu er- langen, hieße handeln wie Frankreich, daS trockenen Auges der Verwüstling seiner Herr- lichsten Provinzen zuschaut, gelröstet durch da« Trug- bild der Wiedererlangung der früher ihm so gleichgültigen Lande Ellaß und Lothringen. Ob Professor Binding heim Schreiben dieser Schlußzeilcn nicht selber ein wenig die Empfiiidung gehabt hat. daß seine ganze vorangehende Theorie elwaS Streit um de» Kaisers Bart war?! Die vaterlanöspartei im Postamt. Genoffe Landsberg bittet uns um Abdruck folgender Zu- schritt: In meiner ReichstogSrede voni 6. v M. babe ich erwähnt, daß aus einem in Breslau veröffentlichten Ausruf gegen die ReichSlagS- Mehrheit die linier schritt„Postdirektor Linde nebst 73. Beamten des Postamt« 1" zu lesen sei. und habe diese Art der Unterzeichnung, die ich ans Herrn Linde zui ücktühren mußte, kritisiert. Herr Linde schreibt mir. daß der von mir gerügte Vermerk nicht von ihm herrühre. Er hat, wozu er sich merkwürdigerweise für berechtigt gehalten zu haben scheint, den Auirus, nachdem er ihn milerschrUben halte, in den Räumen des ihm unlerstellien Postamtes unter den dort beschäftigte» Beamten umlaujeu lassen, wvrauf 73 der letztere» ihre Rainen hinter den- jenigcn ihres Vorgesetzten schrieben, und hat dann die Liste den Vcrfaffent deS Auirufs zurückgereicht. Irgendeiner Stelle, die die Vcröffe»tl,ch»ng desselben in der Presje vorbcteitete, elschien 9 die Namhattmachung der unierzelchnenden Nniergtbenen deZ Herrn Linde überflüssig, und sie ersetzte sie durch den von mir mitgeteilten Satz. Herrn Lmde trifft also aus diesem Anlaß lein Vor- wurf, und die kritische Bemerkung, die ich wegen der Form der Unterzeichnung über ihn gemacht habe, war an eine un- richtige Adresse gerichtet.__ Normalöeutsche gegen Möeutsche. ReichStagsabg. Genosse M e e r f e l d auS Köln sprach in drei sehr stark besuchten Versammlungen in Eßlingen, Fellbach und Zuffenhausen im Würtlembergsichen über„Verständigungs- friede oder Mackisriede?" Die Versammlungen stimmten den Aus- sührungen gegen das kriegSverlöngernde Treiben der Alldeutschen demonstrativ zu. Am vergangenen Sonnlag sprach Meckfeld im übersülllcn Saal in Bottrop!. Wests. Die 7— 8000 Bergleute bekundeten ihr Einverständnis mit seinen Ausführungen durch starke Zustimniiingskundgebungen._ öunöesrat und tzjlfsöienstgesetz. In der Sitzung deS Bundesrats vom Dienstag gelangten zur Annahme: die Vorlagd, betreffend Grundsähe für die Regelung des Hcbammendienstes, der Entwurf einer Bekanntmach- ung betreffend weitere Bestimmungen zur Ausführung des§ 7 des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst und der Entivurs einer Bekanntmachung, betreffend Ergänzung der Bekanntmachung über Zigarettentab a t vom 20. Oktober 1917. Inöustrie und Kandel. Neue große Ausdehnung der Diskontogesellschaft. In der am Dienstag abgehaltenen Aufsichtsratssitzung der Direktion der DiSkontogessllschaft wurde auf Antrag der Geschäftsinhaber beschlossen, einer auf den 10. Dezember 1917 ein- zuberufenden außerordentlichen Generalversammlung den Vor- schlag zu unterbreiten, das Kommanditkapital um 10 000 000 M. vom 1. Januar 1917 ab dividcndenberechtigter Kommanditanteile zu erhöhen und eine von den Geschäftsinhabern mit dem Magde- burger Bankverein vereinbarte Verschmelzung herbeizuführen. Der Aussichtsrat genehmigte ferner die von den Geschäftsinhabern mit der W e st f ä l i s ch- L i p p i s ch e n V e r e i n s h a n k A.- G. in Bielefeld, mit der We st deutschen Vereinsbank, Kam- manditgesellschaft auf Aktien ter Horst u. Co., Münster i. W,, dem Gronauer Bankverein Ledeboer, ter Hör st u. C o. in Gronau und dem R h e i n e r Bankverein Ledeboer, Drießen u. Co. in Rheine i. W. getroffenen und von den AuffichtS- rätcn derselben genehmigten Vereinbarungen, wonach daS Vermögen auch dieser Gesellschaften, von denen die drei letzt- genannten untereinander in enger Verbindung stehen, als ganzes ohne Liquidation auf die Diskontogesellschaft gegen Gewährung von Kommanditanteilen übergehen soll. Unter Berücksichtigung der Aktienbestände, welche die DiSlontogesellschaft sich gesichert hat, er- mäßigt sich der zur Durchführung diese» Umtausches aller vor- erwähnten Aktien erforderliche Betrag an Kommanditanteilen der- gestalt, daß die Erhöhung des Kommanditkapitals der Diskonto- g'sellschaft auf 10 000 000 M. begrenzt werden konnte. Lette Nackrichten. Das Stadium der Misiverstäudnisse? A m st e r d a m, 6. November. Aus Loudon wird be- richtet, daß Balfour im Unterhanse erklärte, er hoffe, daß die K o n f er e n z d e r A I l i i e r t e n, die sich mit der Fortsehung des KlriegeS beschäftigen werde, M i t t e R o v c m- b e r stattfinden werde. Er könne im Angenblick keine Mitteilungen über die Kriegsziele machen. Er hoffe, daß bei der russischen Regierung kein Mißverständnis bezüglich des Zwecks der Kon- ferenz herrsche._ Westlich des Tagliamento. Wien, k. November. Aus dem Kriegspreffequartier wird am 6. November abends mitgeteilt: Unsere Operationen westlich des Tagliamento und in den Dolo- miten schreiten erfolgreich vorwärts. Die Plünderung von Udine. Berlin, 6. November.m Felde stehenden BlindeSmitglieder rege beteiligten. In Uebereinstimmung mit dem Ergebnis dieier Diskussion und nach eingehenden Beratungen deS BundeSvoistandeS selbst wird jetzt die Stellungnahme der Bundes- leitung veröffentlicht und ausgeführt: .„Das Ergebnis der Diskussion in den„Mitgliederstimmen" hat den BinideSvoistand in keiner Austastung bestärkt, daß weder der Kriea noch das begreifliche Streben nach Vereiiibeitlichimg der Angestelltenbeweaung daru fuhren darf, die bewährten gewcrk- sckaftlichcn Grundlagen unseres Bundes ganz oder teilweise ans- znhebrn und daß deshalb die Zusammenfaffung der technischen Privatangestellten und der technischen Beamten unter Preisgabe deS StreikrechteS nicht in Frage kommen kann. Bei dieser Trag- weite der Bertchmel-uiigSftage kann nur ew nach Friedensschluß abzuhaltender Bundes- oder Jndnstriebeamlentag dazu berufen sein, einen entscheidenden Beschluß berbeizufübren." Der Bundesvorstand will jedoch nach dem weiteren Inhalt seiner Erklärung ungeachtet aller grundsätzlichen TrennungSlinien. jetzt schon dazu übergehen, eine enge Gcmeinschastsarbeit des B. t, i. B. und deS D. T. V. Herbeizuftihren. In der Frage eine, Wiedervereinigung des„Bundes der technischen Dnaesiellien" mit dem alten Bunde hält es der Vvrstapd für seine Pflicht, da-n beizutragen, die im Jnreresie der gewerkschaftlichen Tcchnikcrbewegung bedauerliche Zersplitterung möglichst noch vor Ablauf deS Krieges zu beseitigen. Er will daher sofort Eini- gungSverhandlungen mit der abgesplitterten Gruppe einleiten. Tieft Verhandlungsbereitschaft entspricht dem Willen der Mitgliedschaften in den beiden Bünden, und da grundsätzliche Unierschiede in der Auffaffung de§ GewerkichaflSgedankenS bei beiden Teilen nicht be- sieben, so müßte eS möglich sein, bei gutem Willen aus beiden Seilen die Wiedervereinigung des Bundes der technischen Angestellten mit der Stammorganisation in kürzester Zeit herbeizuführen. Wenn ein solches Ergebnis bald erzielt wird, t'o hätte sich der Kieler EinigungSanSichuß zweifellos ein Verdienst um die Gewcrk'chaftS- organifolion der technischen Privatängestcllten erworben. Anfertigung von Drucksachen ein Aufschlag von mindestens 100 Proz auf die im Buchdruckpreisrarif festgelearen Preise berechtig: und erforderlich ist, und daß überdies die Pop>crpreisc eine zurzeil blS zu 500 Proz. und mehr betragende Steigerung erfahren baden. Ans allen dftien Gründen bat der Tarisausichutz unter voller Zustimmung der Gebilftnmiiglftder einstimmig beichlosien, daß die in der Tansgkmein'chaft vereinigle Prniripaliiät bei Durchführung der vom Tarifausschuß genehmigten Drnckvreiie mit allen derTarft- gemeinichafl zu Gebote stehenden Mitteln nachdrücklichst zu unter- stützen sei._ Tie Jugendlichen und die Ledcnsmittelnot. Am schwersten bedroht sind durch den Rah, ungsmtttelmangel die Jugendlichen der Großstadt und der großstadiähnlichen Landgemeinden. Ucber ihren Zustand' während deS Krieges hat der Chemnitzer Siadtichularzt Proftsior Dr. Thiele ien längerer Zeil genauere Uiileriuchungeii angrsielli, welche die Gefahr der Lage ziemlich deuilick machen. Thiele hat nach seinem Bericht in der „Sozialen Praxis" einerseits die Kinder im ersten Schuljahre, andererseits die BolkSschiUer vor der Entlassung und dann auch in geringerem Umfange jugendliche Lehrlinge und Arbeiter längere Zeit bindiirch gewogen und unieriiicht. Nach denselben Metboden vorgehend und nach denselben Maßstäben meßend hat er folgende Zahlen gefunden:, SS,l 01,3 4,0 8,7 Pr-j. Die Teuerungszulage öer Schnesüer. Mit den Teuerungszulagen, die kürzlich durch Verhandlungen zwischen den Zenlra'vorsländen der Arbeitgeber- und der Arbeiier- organiialionen scslgcictzl wurden, sind die Berliner Herren- Maßschneider nich: zufrieden. Wie Kunze am Montag in einer stark besuchten Versammlung der Herrenmaßichneider ouS- führte, bat die Unzufriedenheit folgende Gründe: Gefoiderr wurde eme erneute TeneruiigSzulage von 2ö Proz. deS LobneS. Im Verhältnis zu den jetzigen Kosten des LebenSunierhaltS ist dieft Zulage zwar nicht ausreichend, die Schneider würden sich aber damit begnügt haben. Nun ist die Zulage in der Weise gewährt worden, daß nicht ein Prozentsatz gezaolt, iondern our die einzelnen Stücklöhne ein bestimmter, nach den verickiedeiien Tarifposilionen abgestufter Geldbetrag gewädrr werden soll. Diese Zuschläge sind flir daS ganze Reich gleichmäßig festgesetzt obne Rücksicht aus die besonderen örtlichen V e r b ä l t n i s s e. In Bcrl'n— ebenso im Rheinland— sind die Lebensmittelpreise wesentlich höher als in ondetcn Gegenden des Reiches. Abgesehen davon, wird in Berlin eine besonders sorgfältige Arbeit verlangt. Ein Berliner Schneider kann also in der Woche nicht so viele Enicke anserligen, wie sein Kollege in der Provinz wo nicht so sehr Anforderungen an die Oualirär der Arbeit gestellt werden. Da» durch wird also die wöchentliche Zulage d-S Berliner Schneiders geringer als die seines Kollegen in der Provinz. Da in Berlin ein der sorgfältigeren Arbeit cnispiechender höherer Siücklohn gezahlt wird als in der Provinz, hier wie dort aber der gleiche Sinckiobn- zuichlag maßgebend sein soll, so bekommen also die Berliner eine prozeniual wesentlich niedrigere Zulage als die in Provinzorten Be- schäftigtcn. Für die Berliner Herrenmabichneider beträgt die jetzt bewilligte TeueruiigSziiloge höchstens 10 Prozent, sie bleibt alio hinter der gestellte« Forderung so erhevlich zurück, daß die Kollegen dmnii nicht zufrieden sein töiinen. DaS bat auch eine vor enrigen Tagen abgehaltene Vertrauensmänner- Versammlung einmütig' ausgesprochen und beschlossen, eine weitere Erhöhung der Teuerungszulage zu for- d e r n. Die Or.lSverwaltung hat demzufolge an den Borstand der Berliner Aibeügeverorgariflation in diesem Sinne geichücben und die Antwort erhallen, die Arbeitgeber lönnten sich erst nach Rück- frage bei ihrem Zeniralvorsiand"� der Angelegenberi äußern.— Wie Kunze bemerkte, wird die endgültige Antwort der Arbeit- geber abgewartet werden. Aber die Arbeitnehmer werden mit aller Macht dabin drängen, daß ihnen eine höhere Teuerungszulage schleunigst bewilligt wird. Außerdem wird für die Verarbeitung von Papierleinwand und für das Trennen ein besonderer Zuschlag verlangt.» Die Versammlung erklärte sich mit den AuSsührnngen des Rc- feremen einverstanden und beschloß, an den Forderungen festzu- hallen. Soziales. Aus dem Buchdruckgewcrbc. Ter Tori f-A usschuß derDeulschen Buchdrucker, der in den Tagen vom 22.— LS. Oktober in Berlin zur Beichluß- fasiung zusammentrat, hat seststellkN niüfien, daß mehrfach noch von Äuilraggebirn, auw von einzelnen Behörden, dem Buchdruckgeweibe diejenigen Preise für Herstellimg von Drucksachen noch nicht be- willigt werden, die das Gewerbe verlangen und erhalten muß. wenn es den Anforderungen enisprcchen soll, die der Krieg an das Buchdiuckgewerbe stellt. Die Erfüllung aller sozialpolittschen Aufgaben und Ziele, die das Buchdruckgewerde zu pflegen seil langen Jnbren sich verpflichtet hält, und aui deren Forl'übrung der gewerb- tiche Frieden mid die Erballung der ArbeiiSkrast des arg zusammen- aeichmolzeneu und durch Arbeitsüberiaitung stark mttgenommenen Personals, zum Teil auch die Existenz einer großen Zodl von Buchdrnckbetrieben beruht, zwingt zu einer durchgreifenden Erhöhung der Druckpreise. Ter TarifauZschuß bat deshalb festgestellt und anerkannt, daß unter Berücksichtigima der enorm gesttegene» Herstellungskosten für Genügender Ernährungszustand 1916. ISi?. Ungenügend-r Ernährungszustand 1916 >. 1017 Bei den Äonsirmanden ergab die gleiche Untersuchung: Genügender Ernährungszustand 1916.. 05,4 Proz. 19,7.. 03.4. Ungenügender Ernährungszustand 1016. 4.6. 1017. 6,6. 'Im Lauft deS letzten JabreS ist also trotz der gewährten Zu» läge für Jugendliche eine wesentliche Verschlechlcrung rhreS Er- nährimgSzustandcS eingetreten. Jnter esiant sind die Beobachtungen TbieleS darüber, welche Klasien von Kindern von dem Lcbemmittelmangel am i'chwersleir betroffen wurden. In der ersten Unteriuchungszeit— Herbst und Winter 1016— waren eS die Kinder der bemittelteren Kreise, die an Körpergewicht am stärksten verloren, weil die Wurst-, Eier- und Fleisch, ulagen znin Frühstück forifielen, an die sie gewohnt waren. Die Kinder der Arbeiier erhielten damals irsi wesentlichen die gleiche fleischarme und kartoffelreiche Kost, auf die sie schon immer angewiesen waren. Im Winter 1016 und Frühsahr 1017 blieben dann am stärksten die Kinder der kleinen Beamten, Lehrer und Fest-- besoldeten zurück. Den Grund dafür erblickt Thiele in dem außer- ordentlichen Steigen der Pieise namentlich der marlenfteien Lebens- mittel, welche den Fcstbeioldeten dadurch unzugänglich wutden. während die Kinder der Sldwerarbeiier und anderer Kreise mir höheren Löhnen oder Einnahmen als die Uiilerbeamienickiaft durch Sonderzuweisimgen und Zuläufe zu den Raiioncn rcchi güm'lig ab- ilbmtten. In neuester Zeit erscheinen am stärksten die Kinder gefährdet, denen zu HauS die Ordnung fehlt, insbesondere alio wohl die. deren Mütter aus Arbeil gehen. Hier ist die Ausnutzung der Rationen ungenügend und der Krailver brauch durch vielen Äuftntbalt aui der Siraße und nicht rechtzeitiges Zubettgehen zu stark. Den ErnäbrungSznstand der ForibilduNgSichülcr fand Thiele im ollgemeinen befriedigend, da sie meist in MunilivnSwerkstätlen bcschäiligl sind. Eine allgemeine Zunahme der Krankheitsfälle bat Thiele bei der Jugend nicht beobacb'.en können. Während bei den Erwachsenen Wassersucht. Herz- und Nierenkianlbeiten und eingeklemmte Bruche infolge deS übermäßigen Fettverluifts und der stark wasierhaltigen Ernährung häufig fein sollen, ba: Thiele bei den Jugendlichen weder darin noch bei den AnsteckungSkrankbeilen eine besondere Zunahme konstatieren können. Schlimm ist nur MeAuSbreilung der wichtigsten Kinderkrankheit, der TuberluUje. und ihrer Vorstufe, der Blutarmut, worüber Thiele folgende Zahlen gibt': 1013 Proz Schulanfänger Blutarmut... 22.48 Tuberkuloft.. 1.07 Konfirmanden Blutarmut... 21.74 Tuberkulose.. 1,51 ES leiden also unter der NahrunaSinittelknappheit in besonders ge'ähtlichem Maße dft kranken und kränklichen Kinder und für sie fordert Thiele in erster Linie Milch und Fett in möglichst weitem Umfange. Im übrigen empfiehlt er allgemein den Verzicht aui Sportwanderungen und Leibesübungen. da sie bei der jetzigen Ernährungsweise dein Gebot der Sparsamkeit mit Kalorien widetiprächen. Sein Rui:.Hilfe für die gesundheitlich ge« sähldeten Jugendlichen I" wird hoffentlich Gehör im ReichSernährungS- amt finden. Eingegangene Druckschriften. Tic Tarifverträge im Tcutschcn Reiche am Gude des JahreS 1915. 15 Sonderheft zum Aeichs-AlbeitSblaU. 1,60 M. Karl HeymannS Verlag, Berlin. FlcmmiugS Svezialkort« des Nordischen tlriegSfchauplatze«. KricgSkartr Nr. 42. 1,25 M. Karl FlemmingS Verlag A.-G., Glogau und Berlin. Kolonial- und Nrichskonfereoze«. Von Dr. Paul Lejeune-Jung. Karl HcymannS Verlag, Verlin. 1916 1017 Proz. Proz. 22.00 2850 2.10 2,35 30,90 31,20 4,17 4,00 2«an!rrortliiS für Politik- Erich gutioer, Scrlin: für den übrigen Teil bei VlaNeS: Aiircd Scholz. JlcukfLn: für Jnieraic U,. ffllocfe, Verlin. Druck u. Teriag. BorwärlS Suchdrückerci u VerlagSaiiilalt Paul Singer& Co., i-erlin sw Hierzu 1 Sfrllaitr und Uiilcrbaliunasdiatt. werden&k tn unteren Geschäften die Überzeugung gewinnen, daK£$& Sie zum Einkauf von„ Königflraße 33 Chauffeeflraße 113 «■ Bchadol Sflaanbtrdtoi Soia, viriiiuer Tg»a»H. Sonniegs geschlossen!