Ar. 307. 34. Jahrg. Bezugspreis: Sierlellihrl. S.ÄliM. nuntafl. l£0 BS, wöchenllich 80 Psg. frei WS HauS. vorauSzahtbar Einzelne Wochentag»- nummern 6'Ctg sonnlagSnummer mit illustrierter Beilage.Tie Neue Well' l0 Big. Bailbezug: Monatlich ILO Mt Unter Kreuzband wr Deutschland und Oefrerrerch» Ungarn Ld0 Mt., für das übrige Ausland< Ml. monatlich Bostbeslellungen nebmen an TSnemart. volland. Luxemburg, Schweden u die SSweij. Eingetragen in die Bo!t-Zeitung»-ivreislilte> Erichcrur täglich. Telegramm- Ad reife: .Edzialdewokra» Berlin�« Verlinev Vol�sblakk. s s Pfennig) Der Anzeigenpreis telrägt f. diestebengefvalteneNolonel. «eile 00 Big.»lein« iUnretgeu". baS fettgedruckte Wort 20 Pfg lz». fig 2 fettgedruckte Worte», ledcö weitere Wort>0 Pfg. Etellciiaeiuchs und Schlafstellenanz eigen das crlie Wort l0Pig.,iedes weitere WortöBig. Worte über lö Buchstaben zählen jur zwei Worte. 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Es handelt sich um nichts mehr und nichts weniger als um den Plan, die Politik des Derstäildigungsfriedens zu ver- lassen und zu einer Annerionspolitik der schärf- st e n F o r m überzugehen. Diese schärfste Form besteht darin, daß man annexionistische Kriegsziele nicht bloß aufstellt, son- dern sie sofort, noch während des Krieges, zu verwirk- lichen sucht. Es handelr sich, kurz gesagt, wn den Plan, die kricgsbesehten Gebiete des russischen Reiches zwischen Hobs� bürg und Hohenzollern auszuteilen und sie dem politischen .Herrschaftsbereich der Mittelmächte mit der Absicht auf ewige Tauer einzuverleiben. Karll-sollKönigvonPolen, Wilhelm II. Großfürst von Litauen und Her. zog von Kurland werdenl Daß und warum die Sozialdemokratie eine grundsätzliche Gegnerin der Eroberungspolitik ist, ist schon so oft gesagt worden, daß über ihre Stellung zu solchen Plänen gar kein Zweifel bestehen kann. Darüber hinaus sollen aber einige Fragen, die mit diesem Plan zusammenhängen, erörtert werden. Beabsichtigt ist die Bildung einer„trialistischen", drei« teiligen, statt der bisher bestehenden„dualistischen", zwei- teiligcn, Habsburger Monarchie. Oesterreich, Ungarn und Polen sollen als drei sich selbst verwaltende Staaten unter dem Zepter Karls I. vereinigt werden. Das Habsburgerreich wird dann aus zwei Staaten bestehen, in denen die Deutschen eine gan geringfügige Rolle, sviclen werden, während ihr Einfluß im dritten hart unulämpft ist. Wer vermag zu sagen, wie sich die auswärtige Politik dieses Dreistaates in zwanzig oder in dreißig Jahren gestalten wird? Man bc- trachte auf der Landkarte Schlesien unter dem Gesichtspunkt der„strategischen Sicherung"! Dagegen>mrd man einwenden, auch nach der Einver- leibung Polens werde zwischen Teutschland und Oesterreich- Ungarn stets ein gutnachbarliches Verhältnis herrschen, und darum bedürfe es keiner„slrategisckfen Sicherung". Ausgc- zeichnet, und wir wollen hoffen, daß das für alle Zeiten so bleiben wird. Das Ziel der Sozialdemokratie ist ja bekannt- lich, nach allen Seiten hin so gutnachbarliche Beziehungen zu schaffen, daß überall gelten kann, was man für Oesterreich auf alle Zeit als feststehend annimmt. Aber die geplante ..Lösung" führt zu diesem Ziele nicht hin, sondern sie führt weit von ihm weg. Daß die Beziehungen zu Rußland durch ein« seitige Bcsitzerklärungen der Mittelmächte während des Krie- ges für jetzt und später nicht verbessert werden können, liegt auf der Hand. Ob ein habsburgisches Polen Deutschlands Freund sein würde, darüber kann man verschiedener Mei- nung sein. Optimismus in dieser Beziehung ist nur dann berechtigt, wenn die nationalen Ansprüche der Polen im Königreich Preußen restlos befriedigt werden. Andernfalls kann Habsburgisch-Polen für Preußen ein wenig bequemer Nachbar sein. In enger Verbindung mit dem polnischen Plan steht die Absicht, Deutschland und Ocsterreich-Ungarn-Polcn zu einer fast vollkommenen Wirtschaft sgemeinschaft u verschmelzen. Ob das den österreichisch-ungarisch-polnischen industriellen und den deutschen Agrariern angenehm sein würde, kann uns zunächst gleichgültig sein. Auf keinen Fall aber darf die deutsche Sozialpolitik, die lverdcndc deutsche Sozialwirtschaft, auf den Entwicklungspegel von Ga- lizien und Ungarn herabgesenkt werden. Der ganze Plan der Wirtschaftsgemeinschaft ist noch so unübersehbar, daß man fürchten muß, auch aus ibm könnten sich neue Reibungen und Spannungen ergeben. Auf alle Fälle ist er als Teil eines annerionistischen Programms für die Sozialdemokratie un- annebmbar. Litauen und Kurland sollen gleichfalls in den mittelmächtlichen Wirtswaftsverband init einbezogen werden. In alldeutschen Blättern wird bereits von baltischen Edlen der Plan erörtert, rbre bis auf einen geringen Prozentsatz fremdsprachige Bevölkerung„einzudeutschen". Sollten die Er- fahrungen, die man mit dieser„Eindeutschungs"-, auf deutsch Germanisierungspolitik gemacht hat, nickt schrecken? Und wie will man diese Politik durchführen, wenn man, wie gezeigt wurde, den preußischen Polen gegenüber eine direkt entgegen- gesetzte Politik treiben niuß? Können die nationalen Kämpfe, die in Litauen und Kurland zu erwarten sind, sich nicht zu einer schweren inneren und äußeren Gefahr für das Deutsche Reick auswachfen? Di« Wirkung der geplanten Annexionen auf Rußland 8 wird zurzeit niedrig eingeschätzt. Man meint, Rußland sei groß genug, um den Verlust eines verhältnismäßig kleinen Teils seines Gebietes verschmerzen zu können, einen Ver- lust. mit dem es sich innerlich schon abgefunden habe. Wir fürchten, daß diese Annahme nicht zutrifft. Auf alle Fälle scheint uns eingutesLerhältniszuRutzland nach dem Kriege für die Völker so werwoll zu sein, daß dieses Verhältnis nicht gefährdet werden darf, um eine polnische Königskrone und einen kurländischen Herzogshut zu gewinnen. Die Geschichte kennt verschiedene Formen von Annexionen. Länder können am Schluß eines Krieges vom Besiegten dem Sieger abgetreten werden. Der Sieger kann aber auch schon vor dem Friedensschluß zu politischen Einverleibungen schreiten, die dann durch den Frieden, je nachdem, bestätigt oder auch nicht bestätigt werden. Im ersten Fall macht der Sieger seine Eroberungen vom endgültigen Glück der Waffen abhängig, er kann aus sie vernichten, wenn sein Erfolg nicht ausreicht, sie zu begründen. Ein solcher Verzicht ist aber nicht mehr möglich, wenn die Einverleibungen schon während des Krieges vollzogen worden sind: er käme, würde er dennoch ausgesprochen, einer Niederlage gleich. So stehen also die Dinge! Wenn die Fragen des Ostens bis zum Kriegsschluß in Sckiwebc bleiben, so brauchen wir nux zu kämpfen, bis die Möglichkeit eines Verständigungs- friedens gegeben ist. Wird aber Polen noch während des Krieges habsburgisch, Kur» länd und Litauen hohcnzollersch, dann müssen wir so lange kämpfen, bis sich der ganze gewaltige Weltbund, der gegen uns steht, mit der Tatsache dieser Einverleibung abgefunden hat. Das läuft zweifellos auf eine Ver- längcrimg des Krieges zum Zwecke von Eroberungen hinaus. Zugleich entsteht die Gefahr, daß die Mittelmächte, nachdem sie sich im Osten festgerannt, in ihrer ganzen auswärtigen Politik auf eine zwangsläufige Bahn geraten, von der heute noch niemand weiß, wohin sie führt. Daß damit der Krieg seinen Charakter vollständig ändern würde, braucht ebensowenig näher ausgeführt zu werden, wie daß die Verwirklichung jener Pläne einen vollständigen Bruch mit der bisher betriebenen Politik der Mittelmächte bedeutet. Da man ober dein Reichstag, der sich am 19. Juli für eine Politik ohne„Eroberungslust" aussprach, von diesen Plänen noch nichts gesagt hat. so muß man, allen gegenteiligen Gerüchten zum Trotz, armchmen. daß sie noch recht weit in der Luft schweben. Von dort möge man sie bald- möglichst berabholen und in den OrkuS befördern, wohin sie gehören. Der Presse aber fällt in diesem Augenblick die Auf- gäbe zu, vor abenteuerlichen Schritten zu warnen, deren Kon- sequenzen in bezug auf die Sozialdemokratie klar, im übrigen aber unabsehbar sind?, Die Gerüchte, von denen wir in den vorstehenden Aus- führungen handeln, werden von der„Tägl. Rundschau" in folgender Form wiedergegeben: Wie unö von zuverlässiger Seile mitgeteilt wird, ist am Montag ein K r o n r a t auf Grund voraufgegangener Vereinbarungen zwischen dem Staatssekretär des Aeußern v. Kühlmann und dem österreichisch-ungarischen Minister des Zleustern Grafen v. C z e r n i n die endgültige Lösung der pvliiischen flragr und im Zusammenhang damit die Entscheidung über die Zukunft Kurlands und Litauens beschlossen worden. Russisch-Polen wird mit Galizien zum selbständigen Königreich Polen vereinigt, dessen Krone auf den Kaiser von Oesterreich über- geht, und bildet dann, nur durch Personalunion mit Oesterreich und Ungarn verbunden, den dritten Teil deö Habö° burgcrreiches. Das Gebiet des neuen Königreichs wird durch Teile von Litauen und das geschichtlich zu Polen gehörende E u w a l k i und G r» d n o abgerundet. Ferner erhält Polen das Recht der uneingeschränkten Schiffahrt auch auf der deutschen Weichsel, somit also seinen alten geschichtlichen Zugang zum Meere. lieber die Zukunft Litauens und Kurlands ist folgende Ver- einbarung getroffen: Kurland wird zum Herzogtum, Liiaucn zum Großfürsten tum erklärt. Bride Länder werden durch Personalunion dem preußischen Staate angegliedert, indem der König von Preußen Großfürst von Litaurn und Herzog von Kur- laud wird, und erhalten jedes einen eigenen Landtag. Selb- ständige Bundesstaaten des Deutschen Reiches werden sie also hierdurch nicht. Auch die..Kreuzzeitung" nimmt,-aus anderen Gründen als wir, gegen das Projekt in scharfer Weise Stellung. Sie spricht von einer verhängnisvollen Wendung unserer östlich»« Politik und erinnert an den früheren Vorbehalt, daß alles Endgültige und Abschließende dem Friedensvertrag vorbehalten bleibe. Wenn jetzt der öfter- reichische Kaiser die polnische Krone aufs Haupt setze, könne er diesen Schritt nicht wieder zurücktun, außer nach einem Zusammenbruch seinerMacht. Die Liqui- dation des Krieges solle auf Rußlands Kosten erfolgen. In London werde man flaggen, und Polen werde der Keil sein. der die Mittelmächte auseinandertreiben werde.... Zur Krise.. fortgesetzte Verhandlungen. Mit dem Grafen Hertling ist gestern vormittags. mit dem Freiherr» v. Kühl mann und Grafen Rheder n gestern abends von den Führern der Mehrheitsparteien verhandelt worden. Die Verhandlungen werden heute fortge- setzt. Auch eine interfraktionelle Konferenz hat am Mittwoch stattgefunden, über die daS Wolffsche Bureau berichtet. „In der heutigen Besprechung der vier Reichstags- fraktionen hat sich eine vollständige Einmütigkeit in der Beurteilung der gegcuwärtigen Lage und der Vorschläge zur Ueberwindung der Schwierigkeiten ergeben. Die Verhandlungen init dem Reichskanzler dauern fort." Im„Berliner Tageblatt" rät Theodor Wölfs den Fort- schrittlern dringend, sich„von dem Geschäft zurückzuziehen". Die„National-Zeituug" führt im Gegensatz zur„National- liberalen Korrespondenz" FriedbergS Verzicht nicht auf„zu weitgehende Wünsche" der Linken zurück, sondern darauf, daß diese Wünsche, die Friedbrrg mitvertr�ten habe, keine Erfüllung fanden. O Die„Norddeutsche Allg. Zeitung" bringt an ihrer Spitze folgende Erklärung: Wiederholt ist, so zum Beispiel in der heutigen Morgen» numiner der.Deutschen Tageszeitung", die Behauptung auf- gestellt worden, der Staatssekretär von Kllhlmann habe Mitgliedern des Reichstags die Zusicherung erteilt, Gras von Hertling werde Herrn Dr. Helffrich entlassen und Herrn von Payer an seine Stelle setzen- Diese Behauptuugcil beruhen auf freier Erfindung. Trotz seiner anscheinend bestimmten Form ist dieses De- menti äußerst vieldeutig. ES bezieht sich nämlich nur auf die Vermittlertätigkeit des Staatssekretärs v. K ü h l m a n n und läßt völlig offen, was Graf Hertling selber gesagt oder zugesichert hat. Wir stellen gegenüber der„Nordd. Allg. Ztg." an dieser Stelle nochmals fest, daß Sozialdemokraten und Fortschrittler aus den mit der Regierung gepflogenen Verhandlungen den Eindruck gewinnen mußten, als sei die Regierung zu den jetzt in Abrede gestellten Zusicherungen bereit.'_ Sntscheiöung in Petersburg. Die Militärgewalt gegen Sie Dolschewikis. Petersburg. 7. November. Die Petersburger Tele- graphen-Ageutnr meldet: Gester» abend ha» sich der X o a f l i k t zwischen dem Gcncralpab des Militärbezirks Petersburgs und dem militari- scheu revolntionaren Ausschuß deS Arbeiter- und Soldateurateö beträchtlich zugespitzt. Die von beiden Seiten eingeleiteten Besprechungen zur Beilegung des Konflikts wurden am Nachmittag abgebrochen. da der Ausschuß die Mitteilung erhielt, daß der Militär- gouveroeur von Petersburg im Laufe der Nacht die Truppen in der Umgebung der Haupt st adt. besonders in Peterhoß Pawtvwsk»nd Zarskoje Tel» herbeirief. Angesicht» dieser Tatsache gab der AnSschuß seinen Truppen Befehl, der Regierung nicht zu ge- horchen. Eine weitere Zuspitzuug erfuhr die Lage dadurch, daß KerenSki drei maximalistischc and zwei Blätter»er Rechten verbot. Gegen ö Uhr abends gaben die Sehördeu de» Befehl, die Brucken zwischen den Arbeitervierteln und dem Zentrum der Hauptstadt zuzerstöre« und brachten so den Straßenbahnverkrhr der ganzen Stadt zum Stehen. Die Stadt wird von den der Regierung treuen Truppen militärisch bewacht. Petersburg, 6. November. sPeteriburger Telegraphen-Agentur.) Nach ergänzenden Meldungen hat sich der Streitfall zwischen dem revolutionären militärischen Aus- schütz, der jüngst vom Petersburger Arbeiter- und Soldatenrar a«schassen war, und dem GeneralstaV SeZ Militär« dezirtS der Hauptstadt folgendermaßen abgespielt: �n der Nacht vom 4. November erschienen die Mitglieder des Ll u S s ch u s 1 e-Z beim Gen erat st ab und verlangten das Rechst alle seine Befehle zu kontrollieren und an seineu militärischen Beralungeir teilzunchme,!. Der Oberbefehlshaber der Petersburger Truppen. Oberst P o l k o w n i k o iv, lehnte dieses Ansuchen ab. Der Arbeiter» rind Soldatenrat berief daraufhin alkbald eine Per» tammlung von Abgeordneten der Garnison ein. die an alle Regimenter durch Fernsprecher ein Telegramm versandte, das den Soldaten mitteilte, daß der Arbeiter» und Soldatenra! infolge der widersetzlichen Haliung d e S General st abeS, der den revolutionären militärischen Ausschuß nicht anerkounen wolle, mit dein Geucralstab breche, der von jetzt au als eine der Demokratie feindliche Organ i- 'ntion betrachtet werde. Das Telegramm besagt, die Truppen hätten einzig solchen Befehlen zu gehorchen, die vom mili» tärischen revolutionären Ausschuß uutcrzeichuet seien. Zugleich veröffentlichte der r e v o l u t i o n ä r e A>: s s ch u ß nuen Aufruf an d i e S o l d r>: e n. die Arbeiter und die Ve» volkerung der Hauptstadt, in welchem angekündigt wird, daß der Ausschuß zur militärischen Leitung der wichtigsten Punlt» PeterS» burgS und seiner Umgebung S e s v» d e r e Bcauftr agte ernannt habe, die der Ausschuß hiermit fjir unverletzlich er kl Ar». Nachdem dl« Vorläufige Regierung von diesen Ver- handhingen des Ausschusses Kenntnis genommen hatte, forderte sie ihn auf, den Inhalt deS Telegramms als null und nichtig zu erklären. Der Ausschuß lehnte die Erfüllung dieser Auffordening jedoch ab und beschloß, ihr Wider st and zu leisten. Zu diesem Zweck ließ der Arbeiter- und S o l d a t s n» r a t Trupp«» mit Maschinengewehren zu seinem Versammlungsorte kommen. Die Vorläufige Regierung faßte den Beschluß, vorläufig nicht zu den Waffen ibre Zuflucht zu nehmen, da sie hoffe, den Streitfall friedlich beilegen zu können. Am ö. November abends entschied sich eine Vollsitzung der Vorläufige n Regierung dahin, den Ausschuß als eine un- gesetzliche Einrichtung zu betrachte», forderte den Justizininistcr nur, leine Mitglieder gerichtlich zu verfolgen uud stellte den Militärbehörden anHeini, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, falls eine Revolte gegen die Re- gierung erfolge» sollte. » Petersburg, 0. November. �Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agcntur.) Wie die Zeitungen melden, hat die Regierung den bisherigen Kriegsminister autgefordert, Petersburg zu ver- lassen. General Wcrchowöky ist am Abend nach dem Ladogasee ab- gereist, wo sich ein bernhiitieS Kloster befindet. Die Blätter glauben, daß der Rücktritt Werchowskys wichtige Veränderungen im Oberkommando nach sich ziehen wird. » Petersburg. 6. November. Reutermcldung. Die„Börsen- zejtung" teilt mit, daß das Komitee der baltischen Flotte in Heksing- forL vom Marineininister die Auslieferung der früheren kaiserlichen Facht Standort verlangte, um darauf die Bureaus des Komitees unterzubringen. Als der Minister dieser Forderung nicht entsprach, begab sich eine Gruppe von bewaffneten Matrosen nach Kronstadt, bemächtigte sich der Jacht und brachte sie»ach HelsingforS. Kerenski reöet Fraktur. Petersburg, lt. November.(Petersburger Tclegraphen-Agentur.) Einstweiliger Rat der Republik. Auf eine Frage, was die Regierung zu tun gedenke, um den Versuch der Maximalisien, sich der Staatsgewalt zu bemächtigen, zu ver- «iteln, hielt Ministerpräsident Ä c r« n S k i folgende Rede: Man spllte meinen, je näher der Tag des Zusammentrittes der Verfassunggebenden Versammlung kommt, um so nachdrücklicher werden die Versuche, ihre Zusannncnbernfnng zu Verbinder», welche diesem Ziele durch Lähmung der Landesverteidigung und durch Vater- landsverrat zustreben. Sie gehen von zwei Seiten aus, von der äußersten Linken und von der äußersten Rechte», und kommen in den Artikeln des Staatsverbrechers Lenin zu Wort, der der Justiz spottet. Nun nutzen dies« An- st r e»! g u n g e n, gleichviel, ob mit Bewußtsein oder ohne, nicht dem deutschen Proletariat, sondern den Schichten, die Deutschland beherrschen, de»» sie t r a g e ir dazu bei, unsere Front den Truppe» des Kaisers und seiner Freunde zu öffnen. Mit Beziehung auf den Streit zwischen dem Stabe des Militär- gouverneurS von Petersburg und dem Revolutionären Militär- «uSschnß des Arbeiter- und SoldatenrateS fuhr K e r e n S l i fort: Die Militärgewall konnte die Forderungen deS Ausschusses nie als gesetzlich anertennen und forderte von ihm Zurücknahme seiner Befehle. Der Ausschuß eröffnete zum Schein Verhandlungen und zeigte sogar Neigung zur Verständigung, aber gleichzeitig begann er heimlich Waffen und Patronen an die Arbeiter zu verteilen. Dies ist der Grund, warum ich einen Teil der Bevölkerung von Pcr-rSburg als aufständisch ansehe. Ich habe sofort die ErÄinung einer Untersuchung und Vornahme der not» wendigen Verhckjtungen befohlen. Die Linke unterbrach KerenSli mit ironischen Rufen, dieser aber wandte sich gegen sie und rief: Die Regierung wird lieber den Tod erleiden, als auf die Per« teidigung von Ebre, Sicherheit und Unabhängigkeit des Staates verzichten. Tarauf kam er auf die Haltung der Front gegenüber de« Borgehen der Maximalisien und verlas Telegramme. in denen die Armee nachdrückliche Maßregeln gegen die Aus- 'chreitungen in Petersburg fordert und der Regierung kraftige Unter- stützung verspricht. KerenSkl schloß mit der Erklärung, daß alle Teile des Landes, alle Parteien und BevölkerungSschichtcn zu dem Kampfe gegen die herantiahende Gefahr beitragen müßten. Er erklärte unter dem Beifall der Rechten, der Mittelpartei und der Linken: „Die Parteien, welche es wagen, in diesem Augenblick die Hand gegen den Will«'» des freien r u s s i- scheu Volkes zu erheben, drohen gleichzeitig, den Dentschen die Front zn öffnen. Alle Hand- lungc» dieser Art find sogleich zu«»terdrücke«:" KerenSkl ersuchte das Bor Parlament um löfor- t ige Antwort, ob die Regierung bei Erfüllung ihrer Pflicht auf die U n t e r stii tz n n g des Ein st weiligen Rate S der Republik rechnen könne. DaS Vorparlament schritt zur Erörterung über die Frag« des Ministerpräsidenten. Sowjetangeiffe gegen Tereftschenko. Stockholm, 6. November.(Eig. Drahtbericht des„Vor- iviirts".). � m Aus Petrograd meldet das Sowjetburcau: Im Vor- p a r l a m e n t beantworteten die Delegierten Tau und Teschernow die Rede Tero st schonkos. Dan kritisierte die gesamte Außenpolitik der Regierung und die reaktionäre Zusammensetzung deL Auswärtigen Amts, Er sagte:„Die Regierung tat nichts zur Durchführung ihres Programms der Erbitterte Käutpfe Zu Flandern— Eng- lischer Einbruch in Pasfchendaele auf- gehalten— Scheiternde feindliche An- stürme bei Vecelaere uud Gheluvelt— Die Italiener in vollem Rückzüge zur Piave: Die LWenza-Lime erreicht. Amtlich. Großes Hauptguartier, 7, November 1Sl7.(W. T.».) westlicher KriegSschanplai). In Flandern wurde gestern erbittert gekämpft! Nach dein gewaltige» Trommelfeuer am frühen Morgen traten englische Divisionen von PoeliaPdle biS zur Bahn Dpcrn— Noulcrs und gegen die Höhen von Bccelaere und Gheluvelt zum Sinrni an. Nördlich von Passchendnele brach der Angriff in unserem Abwehrfeuer zusammen. In PaSschcndaelc drang der Gegner ein. I« zähem Ringen wurde ihm der Ostteil des Dorfes wieder entrissen. Gegen Mittag führte der Feind frisch« Kräfte in den Kampf. Sic konnten die Einbrnchsstelle bei PaS- schcudnele nur örtlich erweitern. Unsere Stellung läuft am öst' lichen Dorfrande. Der gegen die Höhen von Becelnere und Gheluvelt mit starke» Kräfte» gerichtete Ansturm zerschellte weist schon vor uilsercn Linien. Eingedrungener Feind wurde im Nahkampf überwältigt. Tie Wirkung unseres BernichtnugSfeuers hielt später sich vorbereitende Angriffe nieder. Auf dein Schlachtfelde danerte der starke Artillerickampf bis in die Nacht hinein an. Bei den anderen Armee» der Westfront lebte die Artillerie- tätigkcit an vielen Stellen auf und steigerte sich besonders auf dem östlichen Maaoufer und zeitweilig im Sundgau zu großcr Heftigkeit. ......................... I IQ»»».1—»»»— revolutionären demokratischen Friedenspolitik. Wir wünschen fllcich Tereftschenko, daß die Pariser Delegation eine Einheit darstellt, welche jedoch revolutionär und demokratisch sein soll. Der Delegierte der Demokratie wird kein Bureau- krat an?, der Diploniatsukanzlei fein; er geht nach Paris entweder als Vertreter einer von unserer gesamten R e g i c r u»k g angenommenen r c v o- luttonär- demokratischen Plattform oder als 'elb ständiger Vertreter der revolutionären Demokratie. Tereftschenko verschwieg geflissentlich die Hauptforderung der Instrnktiou, daß alle Allianc- mächte sich zu Friedens erklär ungen bereit erklären, sobald alle Mächte auf einen Gewaltfrtedcn prinzipiell verzichten. Wenn unsere Diplomatie die ganze moralische Autorität unserer Revolution auszunutzen ver- 'leljt, wird sie auch die Kräfte finden, das Fricdenswcrk zu fördern. T s ch e r>» o w besprach auLsührlich die Tätigkeit in Stock- Holm. Er widerspra ch Tereftschenko, daßStockholm eine bloße Parteisache sei. Sofern die russische Regierung die demokratische Fricdensformet annimmt, ist die Stockholmer Friede nStätigkeit von der ä-nßeren Politik Rußlands untrennbar. Weiter führte er aus:„Wir bestehen auf DiSkutieruug der Friedens- bedinguuge» auf der Pariser Konferenz,>v c l ch e öffentlich sein muß. Die Demokratie hat auch ein Recht, zu fordern, daß die Staaten, welche sich demokratisch nennen, die Bahn zu einem sozialistischen Friedenskongreß 'roimachen. Die russische Demokratie ivird niemals auf das Recht verzichten, die Sozialisten aller Länder z u einer Konferenz einzuberufen. Wir vertrauen nur jenem Teil der europäischen Demokratie, welcher für unsere Parolen arbeitet." Die vorstehenden Abfertigungen Terestschenkos sind um so bemorkensiverter. als Dan eigentlich der leitende Kopf der koalitionSfrcundlichen Menschewiks ist. Ein Antrag auf Zrieöens- verhanöiungen im Unterhaus. Balfoiir über Elfaft-Lothringen, linkeS Rhcinufcr «nd Demokratisierung. London, 7. November.(Reuter.) Unterhaus. Im Laufs der Erörterung des Anleihc-Gesetzes brachte LeeS Smith(Radikal) folssnk Entschließung ein: „Das Haus ist der Ansicht, daß die vorgesehenen Genug- tuungcn uuv Sicherheiten hinsichtlich der Unabhängigkeit und der Airderherstellun g Belgiens und drr Räumung des anderen besetzten Gebiets erlangt werden können. Kein Hindernis sollte den Ber- Handlungen für einen Frieden in den Weg ge- legt werden, um ein Uebercinlommcn zu schaffen, das eine gerechte Löfung der e lf a ß- l o t h r i n- gischen Frage rinschlicsicn sollte und die AuSfindigmachung einer wirksamen internationalen Einrichtung zur Bcrmcidung künftiger Kriege." LeeS Smith führte aus. daß die G e h e i m d i p l o m a t i e die KriegSzielc der Verbündeten entstellt habe uud daß E l s a ß- 2 o t h r i n g c n jetzt zur vorherrschenden Bedingung geworden sei. ohne daß weder Italien noch Ruß» land darüber befragt worden seien. Nach einem weiteren Berichte Reuters ist an der Entschließung LecS Smiths auch Ramsav Macdonald beteiligt. Fm Laufe der Debatte sagte V a I f o u r, nach seiner Ansicht trügen Er- örterungeu dieser Art wenig zur Erreichung eius» chro:wolleii und möglichst baldigen Friedens bei. Der Hauptinhalt der Aus- führungcn der vorangegangeneu Redner sei gewesen, daß das Land am Kriege festgehalten würde zu dem Zweck. Elsasi-Lothringen an Frankreich zurückzubringen. Da» bedeute eine vollständige Berken nung der allge» Meinen Ansichten der g c g e u w ä r t i g e n und der vorhergehenden Regierung und des Landes in seiner Gesamtheit hinsichtlich der Kriegsziele. Anscheinend wünschten die Friedensfreunde den Krieg so lange fortzusetzen, bis jedes Land demokratisiert sei.(Zustimmung und Ge- lächter.) Ramsav Macdouald habe die deutschen Sozia- listen als Beweis dafür angeführt, daß nichts Deutschland gegen 'eine gegenwärtigsn Feinde mehr einigen könne, als der Gedanke, daß die letzteren beabsichtigten, ihm gegen seinen Willen eine Re- gierungsform aufzuzwingen, welche feine Feind-, aber nicht Deutschland zufällig bewunderten. Balfouc sagt« weiter, er sei einer von denjenigen gewesen, die leidenschaftlich gewünscht hätten, daß die' freiheitlichen Ernrich- tungcn über ganz Europa ausgedehnt würden, aber er habe Nuf dem östlichen Kriegsschauplatz und an der Mazedonischen Front keine größeren Kampfhandlungen. Italienische Front. )m Gebirge uud in der AenetianifchcnEbeae wirb die Verfolgung fortgesetzt; einige tausend Gcfaugene sind eingebracht worden. Der Erste Generalquartiernrnster. Ludendorsf. Abendbericht. Berlin, 7. November 1917, abends. Amtlich. In einzelnen Abschnitten der flandrischen Front ge- steigerte Feuertätigkeit. Im S u n d g a u örtliche Kämpfe bei A m m e r z- Weiler und H e i d w e i l c r. In de? venctiaoischen Ebene ist in der Verfolgung die Livcuzaliuie erreicht. Mehrere tausend Ge» fangeue._ Ter österreichische Bericht. Wie», 7. November 1917.(W. T. B.> Amtlich wird verlautbart: Die Italiener sind in vollem Rückzüge gegen die Piave. Unsere Berfolgunzsoperationc» verlaufe» planmäßig. UmfasscudeS Zusammenarbeiten öftcrrcichisch-ungarischcr Gcbirgs- teuppen zwang südwestlich von Tolmezzo einige Tausend Italiener sich zu ergeben. Im Osten und iu Albanien nichts von Belang. Der Chef deS General ftabrs. niemals geglaubt, daß es klug oder möglich für ein Land wäre, einem anderen Lande vorzu- schreiben, unter welcher Regierungsform dies Land leben solle.(Zustimmung.) Lees SmithS habe die Regierung angegriffen, weil sie ihr« ÄricgSziele so weit gespannt habe, daß diese jede Art von Zielen in sich einschlössen, an welchen wir ein sehr geringes, unmittelbares Interesse hätten, und er habe dem Hause zu verstehen gegeben, er besitze glaubwürdige Mit- teiluugen darüber, daß die Alliierten durch einen geheimen Ver- trag gebunden wären. Frankreich oder einem unav- bängigen Staat den tatsächlich deutschen Teil Deutschlands auf dem linken Rheiuufcr auszuhändi- gen. Das sei vollständiger Unsinn. Ein anerkannt deutsches Ge- biet wegzunehmen und es vom Deutschen Reiche los- zureißen, sei niemals daS Ziel ber Alliierten gewesen. Man könnte aus den gehaltenen Reden schließen, daß die Regie- rung plötzlich zu dem Schluß gekommen sei, daß von allen er- klärten KricgSzielen Elsaß-Lothringen eine besondere Einzel- stellung einnehme und nicht im Zusammenhang stände mit irgend- welchen anderen Koiegszielen. Balfour fuhr fort: Natürlich Wünschen wir die Rückerstattung Elsasi-LothringenS (Zustimmung), dafür kämpfen wir zweifellos, aber nicht dafür allein, noch nimmt es unter den Kriegs- ziele» eine besondere Stellung ein. Wir kämpften in etster Linie dafür, daß Europa von der beständigen Drohung der Militächerrschaft in Deutschland befreit würde.(Bravo!) Und teils aus diesem Grunde, teils an sich wünschten wir die Land- karte Europas so umgestaltet zu sehen, daß die per- schiedencn Völker unter der Regierungsform leben würden, die sie wünschten und die ihrer geschichtlichen Entwicklung und ihren kulturellen Bedürfnissen angemessen sei. In der Entschließung war die Rede von Belgien und natürlich wird jedermann in diesem Lande ebenso Wie nicht jedermann.in Teutschland damit einverstanden sei», daß Belgien vollkommen wiederhergestellt werden muß. Balfour fragte Weiter, ob die Einbringung der Entschließung und ihre Partei sich nicht um die Mißregierung in Armenien und Arabien kümmerten.(Bravo!) Sicherlich könnte man die Türkei nicht demokratisieren.(Heiterkeit und Bravo!) Die Antragsteller scheinen zu glauben, alle diese Dinge könnten befriedigend erledigt werden, wenn es gelinge, die europäischen Mächte dazu zu bringen, sich zu U n t e r h a n d- lungon um einen Tisch zu setzen. Ist das gesunder Menschenverstand? Die» wäre es, Wenn Deutschland seine Zu- stimmung dazu geben würde, Wie schon öffentlich angeregt ist, das alte Königreich Polen in den Grenzen herzustellen, wie sie nach Charakter und nach Bevölkerung polnisch sind. Daö wird c»- nicht wollen. Hat e» da einen Zweck, daraus zu warten. bis man sich um einen Tisch setzt und derartige Fragen erörtert? Zllle Redner haben heute abend davon gesprochen, als hätten wir unsere KriegSzielc geändert und als wären Wir von allen Völkern dasjenige. das nicht seine KricgSziele bekanntgegeben hat. Das Volk, das seine KriegSzielc nicht bekanntgegeben hat, sind nicht die Alliierten. Es sind die Mittelmächte. Ihre Antwort auf die Papst« note beweist, daß sie nicht bestimmen können oder wollen, welches ihre Kriegszicle sind. In der Papstnote waren besonders zwei Punkte erwähnt, der eine Belgien, und der andere Polen. Heber leinen von ihnen haben die Mittelmächte ein Wort gesagt. ZLeShalb tadelt man dann uns? S«r eine der Redner hat unsere KriegSzielc als imperia- liftisch hingestellt. Sie sind aber nicht imperialistisch. Ist es imperialistisch. Armenien von der Tyrannei der Türkei befreit zu sehen, ist es imperialistisch, Elsah-Lothrinaen an Frankreich zurückgegeben zu sehen, daß Italien alle Mitglieder der eigenen Rasse, Zivilisation und Sprache in sich aufnimmt und die Rumänen unter rumänischer Herrschaft und die s erbische Gesamtheit unter einer großen blühenden einheitlichen Macht zu sehen? In keinem dieser Dinge sei etwas Imperialistisches. Biel sei über einen Kougress geivroche« worden, aber vessen Zusammentreten würde in keiner Weise zweckmäßig sein. solange das Volk nicht wenigsten» zum größten Teil vorher seine Zustimmung gegeben hätte. Soviel er wisse, sei in allen Fällen, in denen«in Kongreß zusamwengetreten und zu einer Ent- scheidung gelaugt sei, diese am Ende und nicht inmitten der Feind» seligkeitcn erreicht worden. Plan müsse den Geisteszustand des deutschen Volkes in Betracht ziehen: die Deutschen hätten Ansichten von internationaler Moral und von t«n Rechten und Pflichten eines mächtigen Staates, die durchaus verschieden seien von den Ansichten jeder anderen Gemeinschaft aus Erden. Niemals hätten dick Deutschen eine einzige Verpflichtung übernommen, die ihre Frei» heit.«inen Nebenbuhler, den sie zu berauben wünschten, zu treffen. beschränkt hätte; es gebe nicht einen ei wz igen Vertrag irgendwelcher Art, wenn auch nach so feierlich geschlossen, Pen Deutschland nicht ohne Zögern gebrochen hätte, so- ball» e» ihm so gefiel. ttt.307* 34. Fahrgang Heilage öes vorwärts Vonnerstag, S. November 7417 Parteinachrichten. Sozialdemokratischer Parteitag für de» Bezirk Schleswig- Holstein. _©&it Kriegst» eginn hat am Sonntag und Montag im Gewerk- schaftshaus in Äiel wieder zum erstenmal ein ordnungsmäßig auf Grund des Parteistatuts gewählter Parteitag für den Bezir! «chleswig-Holstein getagt. Anwesend waren 72 Vertreter, als Ver- treter des Parteivorstandes der Genosse Bartels. Wie aus dem vom Parteisekretär Genossen Kürbis erstatteten Bericht hervorgeht, sind auch in der schleswig-holsteinischen Parteibewegung die Folgen des Krieges fühlbar zu merken. Die Zahl der Mitglieder ist von öö(137 auf 30 465 gesunken, wobei allerdings zu bemerken ist, daß 20 367 Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen worden sind. Die Zahl der weiblichen Mitglieder ist um rund 4000 auf 727g zurück- gegangen, doch hat die Agitation im Monat Lktober gute Erfolge gehabt. Auch die Presse hat den Krieg gespürt. Die Wonnenten- zahl der„Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung", die vor dem Krieg 23 783 betrug, ging bis zum Schluß des Geschästsjahrcs 1916/17 aus 19 104 zurück, die des„.Hamhurger Echo", soweit dieses im Bereich deS Bezirks verbreitet wird, von 15 725 aus 8223. Die unentgclllich alle Monate einmal auf dem Lande verbreitete..Schleswig-Hol- steinische Landpost" mußte leider wegen der hohen Kosten zu Be- ginn des Krieges eingestellt werden.— Das Vereins- und Ver« sammlungSleben hat naturgemäß unter dem Kriegszustand sehr gelitten. Versammlungen für die Friedeusagitation wurden mit Ausnahm� einer Versammlung in Kiel im ganzen Bezirk ver- boten. Tie Jriedenspetitionslisten wurden in vielen Orten be- fchlagnähmt, trotzdem kainen 70 343 Unterschriften zusammen. Genosse Kürbis hob zum Schluß seines Berichts hervor, daß kein Grund zur Mutlosigkeit vorliege, die Organisation in Schleswig- Solstein sei trotz aller unabhängigen Treibereien völlig intakt ge- blieben und wevde bald wieder das werden, was sie war und dar- über hinaus wachsen.— Eine längere Aussprache erfolgte über die Presse. Die Haltung der..Schlsswig-Holsteinischen Volkszeitung'' fcmi}, abgesehen von Ausstellungen an Einzelheiten, allgemeine Zu stiinmung. Eingehend wurde der gesckäftliche Srand der Partei presse besprochen und beschlossen, mit Rücksicht auf die ständig stei- gcndcn Ausgaben den Bezugspreis von monatlich 1 M. auf 1,20 M. und für Kriegerfrauen von 60 auf 90 Pf. zu erhöhen. Weiter wuvde beschlossen, eine Neuregelung der örtlichen Kolportage vorzunehmen. die besonders daraus abzielt, eine engere Verbindung de? Zeitungs Vertriebes mit der Parteiorganisation herbeizuführen. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete das Referat des Genossen Adler-Kiel über„Die Aufgaben der Partei m der nächsten Zeit". Adler ging in seinem Referat von den Verhandlungen des Würz- burger Parteitags aus, zog die Nutzanwendung daraus für die be- sonderen Verhältnisse in unserem Bezirk und verbreitete sich he- sonders eingehend über die Aufgaben, die uns auf dem Gebiet der Kommunalpolitik bevorsiehen. Der Parteitag stimmte einmütig den Ausführungen des Genossen Adler zu und beauftragte den Be- zirksvorstand, aus dem programmatischen Teil des Vortrag» die Folgerungen zu ziehen, die ihm von Fall zu Fall augemessen er- scheinen. Damit fand der vorzüglich verlaufene Parteitag seinen Abschluß._ Organisationen und Parteitag. Eine stark besuchte Mitgliederversammlung im Kreise M ö r s- ReeS(Bezirk Niederrhein) nahm den' Bericht vom Parteitag in Würzburg entgegen. Die Aussprache geschah in züstimmendem Sinne und die Versammlung erklärte sich mit den Beschlüssen des Parteitages in Würzburg vollinhaltlich einverstanden. Prcsierfolg. Unser Stuttgarter Parteiblatt, die„Schwäbische Tagwacht", hat in den letzten Wochen mehr als 2000 neue Abonnenten ge- wonnen. Der größte Teil dieser neuen Besteller entfällt auf die Front. Stadthagcn für Reventlow. Die„Deutsche Tageszeitung" gibt einen Artikel Arkur Siadthagens wieder, in dem dieser»dem Grafen Reventlow gegen die Angriffe des„Vorwärts" zu Hilfe etil. Jeder kann sich feine Schützlinge nach eigenem Geschmack aussuchen, Stadthagen aber verbindet seine Aktion für Reventlow mit einer Flut persönlicher Angriffe gegen Scheidcmann und mich, wobei er erzählt: Scheidcmann machte im Jahre 1915 Anstrengungen, ihn zu reklamieren: Stampfer widersprach diesen Bestrebungen«und ge- nügte seiner Militärpflicht in Oesterreich. Nachdem er einige Monate Pulver gerochen hatte, wurde ihm wieder nahegelegt. einem Reklamationsgesuch zuzustimmen. Stampfer ließ z i ch e r w e i ch e n. Er ist seit langer Zeit reklamiert. Da Stadthagen meine Angelegenheiten so gut kennt, so wird er jedenfalls auch wissen, daß ich mich erst„erweichen ließ, nach- dem ich drei'Monate krank im Lazarett gelegen hatte, ohne daß meine Felddienstfähigkeit wiederhergestellt worden wäre. Warum verschweigt er das? Stadthagcn sagt auch die Unwahrheit, wenn er behauptet, ich hätte„die Geißel über die Drückeberger geschwungen". Ich habe in der Notiz gegen Reventlow nur die Leute bekämpft,„die ohne das Kriegselend am eigenen Leibe kennen gelernt zu haben, kriegs- verlängernde Ziel« propagieren". Um diesen Leuten beizustehen, beschimpft mich Strrdthagen. Was er sonst an Klatsch zus�ormenträgt, ist so albern, daß es eine Widerlegung nicht lohnt. Friedrich Stampfer. ?nöustrie unö ßanöel. Kapitalserhöhungcn und Reichsbank. In einer ausführlichen Rechtfertigung begründet die„Nordd. Allg. Ztg." die Notwendigkeit der Beschränkung von Kapitals- erhöhungen. Sic verweist mit vollem Recht auf die Notwendigkeit einer sorglichen Schonung des Geldmarktes und erwähnt, daß im ersten Halbjahr 1917 302 Millionen Mark neue Aktien gegen nur 124 Millionen Mark in der gleichen Zeit des Vorjahres ausgelegt wurden, während die industrielle Geldaufnahme in England von 38 Millionen Mark im ersten Habbjabr 1916 auf nur 14 Millionen Mark im ersten Halbjahr 1917 zurückgegangen ist! Zu diesen vortrefflichen Ausführungen will es aber nicht recht passen, daß die Reichsbank dem chemischen Konzern dir Genehmigung zu Kapiialserhöhungen um etwa 150 Millionen Mark gegeben hat. Es mag sein, daß durch diese Kapitolserhöhung Reichszuschüsse abgelöst werben, so daß das Reich auf Umwegen zu � neuen Mitteln oder vielmehr zu einer teilweisen Einziehung seiner» Außenstände kommt. Aber es muß einen schlechten Eindruck machen, daß die neu ausgegebenen Aktien bereits. für das ganze Jahr 19 1 7 dividenden berecht igt sein sollen. Das ist ein reines Geschenk an die glücklichen Aktionäre und deutet auf große Liquidität bei den in Rede siehenden Gesellschaften. Allerdings wird versichert, daß die Dividenden etwas kleiner als im Vorjahre ausfallen sollem Aber das dürfte nicht mehr als eine unverbindliche Redensart sein, die die Entschlußfreiheft der Ver- waltunaen be» der endgültigen Dividendenfestsetzung im nächsten Frühjahr nicht beengt. Kurssturz an der Wiener Börse. An der Wiener Börse hat eine außerordentliche Ueberwertung aller Aktien stattgefunden, so daß die Rentabilität der meisten Papiere zwischen ein und drei Prozent schwankte. Nun zeigt auch die Berliner Börse Neigungen zu sehr bedenklichen Kurstroibereien, und kein vorsichtiger Beurteiler wird behaupten wollen, daß das hier erreichte KurSniveau dem Kriegsrisiko irgendwie angemessen sei. Aber gemessen an den Wiener Verhältnissen sind die Kurie hier doch bei einer durchschnittlichen Rentabilität von sechs bis acht Prozent noch fabelhaft niedrig, was allerlei heißen will. Nun ist in Oesterre-ich der Rückschlag gekommen. Nach den großen Erfolgen in Italien begann die Wiener und Budapester Börse zu realisieren, und da zeigte es sich, daß dem allgemeinen Verkaufsdrang keine entsprechende Rachftage gegenüberstand. Tie Kurse sanken ganz enorm, aber was noch schlimmer ist. viele Papiere blieben einfach unverkäuflich. Gefördert wurde der Kurssturz durch staatliche Maß- >«8 /in unsere Leser! Die unerhörte Preissteigerung aller Rohmaterialien sowie die Steigerung der Arbeitslöhne, die infolge der hohen Lebens- mittelpreise notwendig geworden ist, zwinge» uns leider, ab 7. Dezember üen /ibonnementspreis ües»vorwärts" auf 1,50 M. pro Mooat zu erböhen. Die Preise für daS ZeitungSpapier find während deS Krieges M Juli 1916 gegenüber dem Friedenspreise um 80 Proz., vom Juli 1917 um 100 Praz. und vom November 1917 um SSV Proz. gestiegen, die Preise für Farbe, Fett, Metalle usw. bis zu SSV Proz. Unsere Abonnenten werden daher unsere Zwangslage ver- stehen und uns trotz der Preiserhöhung, die wir auss niedrigste gehalten haben, treu bleiben. Wir stützen unS bei dieser Hoffnung auf die erfreuliche Talsache, daß allein in den letzten S Monaten unsere tägliche /tuflage um 30 000 Exemplare gestiegen ist, der sicherste Beweis, daß der.Vorwärts" in seiner politischen Haltung und in semer redaktionellen AuSgesiallung den An- schauungcn seiner Arbeiterleser entspricht und die ihm gestellten Ausgaben in der Vertretung der Arbeiterintereffen erfüllt. Dieser seiner Pflicht wird der„Vorwärts" allen Anfeindungen zum Trotz uncrschüttcrt treu bleiben; unsere Leier bitten wir, uns dabei mit allen Kräfien zu unterstützen durch unauS- gesetztes Werben für ihre Zeitung, durch unermüdliche Zu- sührung neuer Leser. Dann werden wir alle Hemmnisse— oben und unten— überwinden. Verlag ües»vorwärts". cd nahmen, wie durch Erlaß einer neuen Börfenovdnung in Budapest und durch die Erklärung des österreichischen Finanzministers, daß Gewinne aus Aktienverkäufen, die in Kriegsanleihe angelegt wer- den, von der Einkommensteuer befreit sein sollen. Wegen deS Er- loffeS der neuen Börsenordnung(st es an der Budapester Börse zu wüsten Szenen gekommen, wobei jede Ocdmmg und damit auch jedes Gefchäft aufhörte. Die Budapester Börse ist deshalb vor- läufig geschlossen._ GroßSerün Noch immer Salzmangel. Infolge der starken Waggonanforderungen für die Versendung der Kartoffeln sah sich das Krtegsernährungsamt vor einigen Monaten genötigt, den Bahnversand für Salz stark ein- zuschränken. Diese Einschränkung brachte notwendigerweife eine starke Salzknappheit in den Kleinhandctsgeschäften mit sich, die auch heute noch nicht beseitigt ist, trotzdem das KricgSernährungs- amt bereits vor einigen Wochen diese verkesirseinschränkende Be- stiinmung aufgehoben hat. Die noch bestehende Knappheit ist teils auf den gesteigerten Salzverbrauch der größeren Haushaltungen, die jetzt viel Salz zum Einschneiden von Kohl benötigen, teils aber auch auf Massenkäufe des Publikums zurückzuführen. Man fürchtet, jetzt könnte auch noch das Salz knapp werden, und eilt von Ge- schäft zu Geschäft, um noch einige Vorräte zusammenzubringen. Daß dabei der Höchstpreis vielfach in erheblichem Maße über-- schritten wird, braucht kaum noch erwähnt zu werden, denn es ist eine typische Erscheinung bei derartigen Angstkäufen. Bei einer Umfrage in einem großen Arbeiterbezirk wurde festgestellt, daß alle größeren Kolouiallvarcnhandlungen ohne Salz waren. Die Konsumgenossenschaft hat sich wegen der bestehenden Kalamität schon feit einiger Zeit zu einer bestimmten Sperr- maßregel veranlaßt gesehen, indem zede Haushaltung nur alle zwei Wochen ein bestimmtes Quantum Salz erhält. Aber die Lebensmittelstrategen der Groß-Berliner Gemeinden halten solche regelnden Maßnahmen für überflüssig und haben sie abgelcbnt. Sie sind der Auffassung, das werde sich schon von selbst wieder einrenken. Und während die Gemeinden untätig zusehen— handelt daS Publikum und kaust weiter, soweü es kaufen kann. Der Kommunalpolitiker aber wundert sich über die Unwissenheit der Leute, die keine Kenntnis davon haben, daß wir in einem Lande leben, wo das Salz nicht alle werden kann. Er vergißt, daß die eintaufenden Ha'issrauen auf derartige Einwände nichts mehr geben. Denn leben wir nicht im Lande der Kohlen und müssen sich nicht Frauen und Kinder noch ftnmer, trotz Reichs- kommissar und Kohlenverband Groß-Berlin. stundenlang anstellen, um von diesem enormen Kohlenvorrat nur soviel zu bekomme», um im bevorstehenden Winter ihre Wohnung unzureichend heizen zu können? Und haben nicht in der letzten Erntcperiode Tausendc von Haushaltungen im strammen Winter und später im Hoch- sgmmer aus Kartoffeln verzichten müssen, trotzdem wir im Kartoffellande leben und nur ein Viertel oder ein Drittel unserer Kartoffelernte zur menschlichen Ernährung gebraucht wird? Man schimpfe daher nicht auf die unwissenden Frauen, die beim besten Wissen nicht übersehen können, wieviel Vorräte im Reich vorhanden sind und wieviel täglich hinzukommen. Ausgabe der Reichsstellen und der Gemeinden ist es, wenn solche Verkehrs- schwierigkeiten entstehen, festzustellen: Wie lange kann diese Ver- kehrsnot bestehen und welche Vorräte sind noch vorhanden? Reichen diese zur Versorgung aus oder müssen irgendwelche regelnde Be- stimmung'n zur Einschränkung des Verbrauchs getroffen werden? Mit Naserümpfen über das unwissende Publikum und mit Gehen- und Geschehenlasscn, bis sich die Dinge wieder von selbst regeln, kann man den heutigen Ernährungsschwierigkeiten nicht Herr werden.__ Sogenannte Höchstpreise. Die Preisabteilung der Reickisstelle für Gemüse und Obst macht mit Rücksicht auf zahlreiche Anfragen darauf aufmerkiam. daß für Dauerkobl erst vom 1. D e z e m b« r ab die angegebenen höheren Erzeugerhöchstprelt« gefordert werden können. Diese betragen für Dauerweißkohl 5 M., für Dauerrotkobl 9 M. und für Dauer- Wirsingkohl 8,60 M., bei Lieferung auf Grund eines von der Reicks- stelle abgeschlossenen oder genehmigten Lieferungsvertrages ii,26 M. bezw. 9,45 M. bezw. 8,90 M. Bis dahin gelten auch für die Dauer- kohlsorten die jetzigen allgemeinen Erzeugerhöchstpreise, für Weiß- kohl 4 M., bei Lieferungsverträgen 4,20 M., für Rotkohl 7,50 und 7,85 und für Wirsingkohl 7 und 7,35. Zu diesen Preisen tritt, falls die Ware eingemietet war. der Zuschlag für Einmieten von 1 M. bis zum 30. November. Dieser Zuschlag darf aber nur dann gefordert und bezahlt werden, wenn die Ware tatsächlich einge- iniete? war. Vielleicht ist die Reichsstelle auch so freundlich, Kohl zu den obenerwähnten Preisen den Vertretern der Verbraucher zu beschaffen. Bei den.jetzt üblichen Handelsusancen ist es keiner Gemeinde mehr möglich,' Gemüse zum Erzeugerhöchstpreis zu erbalten. Alle Lebensmitteldezernenten gehen bei ihren Gemüseeinläusen weit über die Erzeugerhöchstpreise, ja ziemlich bis an die Kleinhandelspreise heran. Am skandalösesten ist der Handel mit Zwiebeln, die im Kleinverkauf 24 Pf. kosten sollen, aber jetzt im Großhandel mit 65 Pf. angeboten werden._ Tie neue Lebensuiittelverteilungsstelle Groh-Berlia. Im Berliner Rathaus fand am Menstag abend unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Reicke eine Sitzung von Vertretern Groß-Berliner Gemeinden statt, um zu der Frage der Schaffung eines einheitlich geleiteten„Lebensmittelverbandes Groß-Berlin" Stellung zu nehmen. Es wurde ein Einverständnis erzielt. Dem Verbände soll es obliegen, die Nahrungsmittelverteilung, einschl. Mehl usw., einheitlich für Groß-Berlin(Brotkartengemeinschaft) zu regeln, um der jetzigen Buntscheckigkeit mit allen ihren Unzu- iräglichkeiten zu begegnen. Ein Ausschuß von 13 Mitgliedern soll die Geschäfte führen; davon entfallen vier auf Berlin und je einer auf die übrige» großen Städte und Landkreise bzw. Land- gemeinden, Pankow und Steglitz. Die Abgrenzung des zu ver- sorgenden Gebiets und der einzelnen Aufgaben, die Ausgabe von Sonderkarten für die beschafften Vorräte in kleineren Gemeinden und ähnliche Fragen von untergeordneter Bedeutung sollen in einer späteren e-itzung geregelt werden. Konfitüren ans Zuckerkarte«. Nach einem Beschluß der Preisprüfungsstelle Groß-Berlin dürfen die Konfiiürenhöndler nunmehr das Mittelstück der Zucker- karte zur Abstempelung für den Einkauf von Konfitüren verwenden. Die sozialdemokrgtische Fraktion hat folgende Anfrage bei der Stadtverordneten-Ver« s a m m l u n g eingereicht:.Ist dem Magistrat bekannt, daß neuer- dingS wieder Bestrebungen im Gange sind, um zur Herbeiführung größerer Kohlen- und Stromersparnis den Straßen« und Schnell- bahnverkehr noch weiter einzuschränken und welche Schritte gedenkt er zu tun, um die jetzt schon bestehende große Verkehrsnot nicht zu einer völlig unerträglichen werden zu lassen?" und den Antrag gestellt:„Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, die Unterstützungssätze für Kriegerfamilien nach der Bundesrats- Verordnung vom 2. November 19l7 mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. heraufzusetzen; und zwar die Unterstützung für Ehefrauen um min- bestens 10 M.. für jedes Kind um mindestens 5 M. zu erhöhen, sowie eine Neuregelung der Unterstützung solcher Kinder eintreten zu lassen, deren Väter im Heeresdienste stehend, Witwer sind." Die diesjährige Generalversammlung der Freien Volksbühne fand am 25. Oktober statt. Vaake leitete sie. Der Geschäftsbericht des ersten Vorsitzenden Conrad Schmidt schilderte die günstige Entwicklung, die der Bolksbühnenverband nach dem ersten Kriegsjahr genommen. Seit der Verpachtung des Volks- theaters an Reinhardt im Sommer 1915 habe ein fortlaufender Mitgliederzuzug eingesetzt, der die entstandenen Lücken zum großen Teil ausfüllte. Wenn wir vor Kriegsausbruch gerechnet hatten, im Volkstheater mit 70 000 Mitgliedern zu beginnen, so konnten wir das Berichtsjahr 16/17 immerhin mit 61 000 eröffnen und haben in der laufenden Saison Bereits einen Bestand ' von über 60 000 erreicht. Diese Vergrößerung und die im Jahre 15/16 beschlossene Erhöhung der Preise für die Abendvorstellungen auf 1,30 M. hat auch die finanziellen Verhältnisse entsprechend befestigt. Neben den Aufführungen ging unter Mitwirkung erster künstlerischer Kräfte die Veranstaltung von Konzerten im großen Saal des Volkstheaters wie die von Vortragszyklen und Kunstabenden einher. Dann berührte der Vortragende das Ver- hältnis der Volksbühnen zu dem in Hildesheim gegründeten „Verband für deutsche Theaterkultur" und die eventuelle Möglich- kcit einer Angliederung. Er schloß mit dem Ausdruck der Hoff- nung, daß nach Ablauf des Pachtvertrages im Herbst 1918 das dann in die eigene Regie der Ilcuen freien Volksbühne zurückkehrende Volkstheater sich unter Kayßlers Leitung immer glänzender entfalten und dem Verein ständiges Wachstum sichern möge.— Den Kassenbericht gab der Geschäftsführer W i n k l c r. Tie Vercinsfinanzcn haben sich in erfreulicher Weise gebessert. Die Einnahmen des Verbandes der Freien Volksbühnen betrugen im Berichtsjahr(inkl. des Saldos von 39 048,07 M.) 1 039 406,34 M.— eine Million neununddreißig- tausendvierhundertsechs Mark 34 Pf.—, die Ausgaben 1024 763,14 M.. der Kasscnbestand am 31. August 1917 14 703,20 Mark, das Vermögen des Verbandes 12 737,40 M. Die vom Revisor Königs' beantragte Decharge wurde einstimmig erteilt.— Bei den Wahlen für die Vereinsämter wurden die früheren Vertreter wiedergewählt. Zum Vorstande: Dr. Conrad»Schmidt (erster Vorsitzender), Kurt Vaake(zweiter Vorsitzender), Julius Kaliski(erster Schriftführer), Robert»Schmidt(zweiter Schrift- führer), Gustav Winkler(Geschäftsführer); zum Ausschuß: Dr. Joseph Bloch, Dr. Otw Landsberg, Dr. John Schikowski, Friedrich Stampfer. Dr. Franz Diederich, Frau Julie Zadeck; zu Revisoren H. Königs, G. Jonas und G. Stübinger. Verwaltungsobleute die Herren W. Wagner, G. Stübinger. Fr. Schnaase, G. Bohne, Fr. Wolff. Ebenso wurde die letztjährige Liste der Ordner und Obleute en dlac durch Wiederwahl bestätigt.— Eine angeregte Diskussion, besonders über die Stellungixchmc zum„Berbmide für Theaterkultur" beschloß den Abend. Kleine Anfragen. 6.„Gelegentlich einer diensilichen Reise— schreibt unS ein Leser — knm ich am 3t. Oktober von der Front nach Berlin und benutzte diesen Aufenlhati, mu verschiedene AusrüstungSgegenstände zuzulegen, die durch die Strapazen sehr mitgenommen waren. Unter anderen wandte ich mich auch an die durch ihre Reklame mir bekannt gewordene Firma Eduard Sachs, Militär- Etsekte ii- Geschäft, Taube usrraße. Beim Eintritt iit die Geschäftsräume Meier Firma empfing mich ein ca. 16— 18jäbriger Verläuier, dem ich mein Anliegen vortrug. Hieraus erhielt ich zur Antwort:„Es tut mir leid, wir dürfen an Manuschastei, nickiS verkaufen, nur a n Offizierei..." Die Be- trochtunaen, die der Einsender an Meies Erlebnis knüpft, wollen wir aus Höflichkeit verschweigen. Dagegen können wir die Frage nicht unterdrücken: Wer verhindert den jungen Mann, seine Waren au Mannichaiten zu verkaufen? Hat deren Geld für die Firma Eduard Sachs einen geringeren Wert als das der Offiziere? 6. Ein Berliner Kantmann, der im Juli dieses Jahres, als die Kohlenbedarssaufnabme stattfand, verreist war, sandte gleich nach feiner Rückkebr im August alle zur Ausstellung einer Koblenkarle vorgeschriebenen genauen Angaben unter eidesstattlicher Versicherung an bic KohlenberteilungZ stelle ein. Er erhielt keinen Bescheid, schrieb am lg. Oktober noch einmal, wiederholte teine Angaben, und bat dringend, um Ausstellung der blohlenkarte. Nach clf� Tagen erhielt er als Antwort eine Karte, auf der er dieselben Angaben, die er bereits dreimal gemacht hatte, zum drittenmal wiederholen muht«, Er tat es und sandle noch am selben Abend die Karte zurück. Inzwischen ist mehr als eine Woche vergangen, aber seine Kohlenkarte hatte er am fl, November noch immer nicht.— Ist eS auch eine Folge der de- rühmten Transportichwierigkeilen. dah die KohUnverteilungSstelle ungefähr ein Vierteljahr braucht, um eine simple Karle auszustellen! U. A. w. g. Vämtkichc Badeanstalten Berlins und der Bororte find vom l. November ab nur an vier Tagen in der Woche geöffnet, und zwar: Montags, Mittwochs und Freitags von vormittags IC�llhr big abends 1V> Uhr, Sonnabends von 1k> bis SVi Uhr. An den anderen Wochentagen und sämtlichen Feiertagen bleiben die An- stalten geschlossen. Badelväsche wirb an daS Privat-Publikum vom 1. November ab nicht mehr verabreicht. Eine erschütternde Fomilicntragödic. Iii der Beusselstr. 17 hatte im dritten Stock des Seitenflügels der 22 Jahre alte Arbeiter Maz Müller mit seiner 20 Jahre alten Frau eine aus Stube und Küche bestebendc Wohnung inne, die er noch mit der elfjährigen Schwester der Frau teilte. Tas Ehepaar lebte schon immer in dürftigen Berhältnisscn. Durch die Krankheit des Mannes ging es immer noch schlechter, so dah nach und nach selbst die wenigen Möbel zum Äcrkaus und Versatz gebracht werden muhten. Zuletzt bestand der Rest der Wohmingscinrichtung aus einigen wertlosen Stücken und einem großen Bündel Lumpen, auf dem alle drei Personen zu nächtigen pflegten. In dieser traurigen Lage beschloh da» Ehepaar, seinem Leben freiwillig ein Ende zu bereiten und die kleine Schwester der Frau mit in den Tod zu nehmen.— Gegen 4 Uhr nachmittags wurde im Hause ein starker Gasgeruch wahrgenommen, der, wie bald festgestellt wurde, aus der Müllerschen Wohnung kam. Der Verwalter des Hauses rief einen Schutzmann herbei, der die Wohnung daraufhin öffnen lieh. Tie beiden Schwestern lagen regungslos auf dem Lumpenbündel, der Mann auf dem Fußboden der Küche. Von der Gasleitung war der Schlauch gelöst, der Haupthahn geöffnet. Alle drei waren bereits tot.__ Eharlottenvurg. Vtadtverorbneten-Ersahwahl. Die Ersatz- Wahl für den verstorbenen Genossen Vogel au» der dritten Abteilung ist auf Montag, den 26. November, von 12—2 Uhr angesetzt worden. KmS NicderSarnim. Noch ein kommunaker Ausschuß. Auf Der- anlassung de? Zweckverbandes de» Osten» E. V. fand in Neuenhagen an der Ostbahn eme gemeinsame Sitzung der Gemeindevorstände, Genicindevertretungen und Veremsvoostände der östlichen Vororte statt, in der nach einem Vortroge des Verbandsvorsitzenden über die Sicdlungs- und Verkehrsfragen des Groh-Berliner Ostens Stellung zu der Frage de: Schaffung eines einheitlichen Groh-Berlin ge- nommen wurde. Allgemein war die Ansicht vorherrschend, dah der Verband Groh-Berltn in seiner jetzigen Gestaltung un- fruchlbar sei und bleiben werde; aber auch die Eingemeindung nach Berlin könne nicht in Frage kommen, da aus ihr eine Weiter- entwicklung der äußeren Vororte nicht erwartet werden könne. Die weiteren Vorschläge über die Ausgestaltung einer Gesamtgemeinde Groh-Berlin sollen durch einen„AuSichuh zur Wahrung der östlichen Vorortinteresscn' gsprüfr werden, der sich aus den Gemeindevor- siehern, Gemeindevertretern und Vereinsvorsitzenden zusammensetzt. Zuschriften sind zu dieser Frage an die Geschäftsstelle in Berlin C, Kurze Strohe 18, zu richten. und Teifenabaabe. Auf Abschnitt 51 eni, Ssund WW Pankow. Graupen fallen IVO Gramm Graupen(Pfund 36 Pfennigs. Ter Bezugs. abschnitt ist in den durch Plakats kenntlich gemachten Geschäften jioch heute und morgen abzugeben. Im Dezember soll ein weiterer Posten der von der Gemeinde beschaffnen Fettseife zum Verkauf gelangen. Die zum Vcr- kaur zugelassenen Geschäfte sind durch Aushängeschild gckcnn- zeichnet. Ans den, Dezember-Ab schni tt der Seifentarte entfallen bei gleichzeitiger Abtrennung des QuittungSabschnittes 50 der Lebensmittelkarte zirka 50 Gramm Feinseife. Wiegt ein Stück Seife 95 Gramm, so sind zum Ankauf desselben zwei Abschnitte erforderlich. Der Bezugsabscbnitt 50 kann bis zum 12. November in den durch Ausbängeschild kenntlich gemachten Geschäften abge- liefert werden. Eine spätere Abnahme findet nicht mehr statt. Bestellungen auf Feinseife iLonolin und anderes sind in den Apotheken, auf Feinseife(Toiletlenseifen) in den Drogerien und Seifenspezialgeschäften zu machen. Niebcrschönewcide. Ter Npfclverkauf der Gemeinde. Unter der Ueberschrift:..Kommunaler Apfelwucher?" in der Rummer Vom 27. vorigen Monats hatten wir eine Zuschrift abgedruckt, die an dem Apfelvcrkauf seitens der Gemeinde Kritik übt. Daraus erhalten wir jetzt vom Preußischen Landesamt für Gemüse und Obst die Mitteilung, daß die Gemeinde Niederschöncwerde an einigen Tagen starker Apfelzufuhr die Acpfcl zum Preise von 35 Pf. das Pfund vom Lager in der Gemeindeturnhalle verkauft hat. Auch in den Grünkramhandinngen waren diese Aepfel zu 5aVkn, sä daß fämkliche EinKohner Kelche erhalle« ferrrtlcrt. Von einem plötzlichen Einstellen des Verkaufs kann deshalb keine Rede lein. Als dann die Gemeinde ausländische Aepfel zu teurem Preise erhielt, wurden diese, um Schiebungen bei den Grünkram- Händlern nach Möglichkeit auSzuschliehcn, so lange in der Gr- meindeturnhalle auf Lager genommen, bis dw billigen Aepfel verkauft waren. Es ist daher sehr wohl möglich, daß einer Frau in der Turnhalle der Bescheid gegeben worden ist, daß die dort lagernden Aepfel noch nicht verkauft würden. Eine Förderung von 1,20 M. pro Pfund kann jedoch nicht erhoben sein, denn da? Lsbensmittelbureau von Niederschöneweive hatte sogleich nach Be- kanntgabe des EinkaufsoreiseS den Kleinhandelspreis für diese Tiroler Aepfel auf So Pf. pro Pfund festgesetzt; zu diesem Preise sind die Aepfel nach einigen Tagen, als der Vorrat der billigen Aepfel bei allen Erünkramgefchäften geräumt war, durch die Händler verkauft worden. Die Gemeinde selbst hat vom Lager in der Turnhalle keine Acpfcl mehr verkauft. FriedrichShagen. Eiervcrtrilung. Heute gelangt auf Ab- schnitt n der Eierkartc je ein Ei zum Preise von 48 Pfennig zur Verteilung. Ferner auf dem Güterbahnhof Futterrüben. Groß-Serliner Partemachrichten. Lankwib-Lichterfelde. Der Bericht des Genossen M. Groger in der letzten Mitgliederversammlung über den Parteitag in Würzburg wurde zustimmend cnigegengenommen. Um die Kasse der Organi- saiion in Anbetracht der bevorstehenden schweren Arbeiten zu stärken, erachtete die Versammlung es als zwingende Pflicht, den Monats- beitrag für männliche Mitglieder auf 60 und für weibliche auf 30 Pf. ab 1. Januar zu erhöhen. KönigSwusterhausen- Wildau. Freitag, den 9. November. abends 7 Uhr. im Lokal von Schumann, Wildau: Mitglieder- Versammlung. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Bericht vom Parteirag in Würzburg. Referent Gen. Grog er. Außerdem sind noch andere wichtige VereinSongelegenheiten zu er- ledigen._ Sriefkaften der Redaktion. St. 3., Clipenick. 1. und 2. Es kommt aus die wirtschaftlichen Vcr« bältnisse an. Vielleicht kommen Sie einmal zur Sprechstunde.— H. L. MunNer. Wenden Sie stch a» den Kreisvorsitzenden Jos. Tumbrink, Münster t. W., Lingener«trage 7. IliroHioo: Max Reinhardt. Pcatacheu Theater. 7 Uhr: Ilaxulet. Kammerapiele. T'/j Uhr: Kinder der Freude. Volksbühne. Theater am Blllourplatz üntergrundb. Schönh. Tor. 7'/, Uhr: Nathan der Weise. Dir C. Meinhard— R. Bernauer. Theater Könipatzerstr, 7t/, U.: Der Katsenstcc. Berliner Theater '1,8 Uhr: Pia holden Seehunde. KomGdienhaus 7'/,ü.:Ple tolle K ontteS. APOLLO FriedrichstraBe an der Koohetr. Dir. Jarnes Klein. AllaheDdlioh_7"/4 Uhr: litl Theaterk. unnnterbr, geöftn. Sonntaars: 9 Vorstellungen, ä'l, und Tlt Uhr. Tfceater für Donnerstag, 8. November. Kleines Theater Central-Theatcr, Kommandancenstraße 57, 71/,; Ole Ceardantürstln Deatsches Opernhaus 7 uhr: Carmen. Friedrith-Wilhclmst. Theater T'/jUhr: I-ostsplelhaiia T»/, Uhr: Die blouMiieisy.LlnöEiihB! Komische Oper 7l|2 U.:"" Metropol-Theater uhr; Die Rose m SlaiM Sonntag 3 Uhr; Die Kaiserin. Neues Operettenhaus Schiflbd. 4a. Kaseent.>Td.281 7'/4uhr:ßerSßIö8iWarie. Z�Malo: Hestdcna-Theatcr VI, Uhr - Bjfcfrerpotts Erben. Hchillor-Thenter Ö 7'/,uhr: Onkel Bräsig. Achillcr.Th. Chart. 7v, uhr: Gespenster. Thalia-Theater u&Ep null seiae Frsaen Theater am Nollsndorsplatz 7 Uhr: Ztst Uhr: Drei JunggesBlIen. Theater des iVetütens Tv.uhr: Der verliebte herzog mit Guido Thielschor MDSittllill! Bhf. Friedrichstr. 7-/. Uhr. lelile Saison In Berlin. Mexiko. Grolle Original- Ausstattunes-Pantomime. Vorher das Phänomen. Zirkus-Sport- Programm. Sonntag; 3!/, u. 7'/, Uhr. Nehm. Kinder halbe Preise I unt 12 J. auf all. Sitepi.| In beiden Vorstallungen unfeekürst: Moxikc Trianon-Theater Oaorgenetr., Bhf. Friedriehtlr. V,8 U. AUabendlioh V� ü. Der LebensschQler. Schauspiel von Ludwig Fulda. Kaiser-Titz, Ida Wüst, v.MöUendorff, Kettner, Flink. Sonntag 3'/,: Johamtlefeuer. ATlOMAL-rrHEÄTER. 8|J. Crüßter| Laeberiölg! Ricas ist � die Liebs, j Sonntag. 11. Nov., B1/, U.: Was Junge Mädchen träumen. 8 Uhr: Oer Isera M Oesier- reieOs MratSsls, Täglich 7'/, Uhr: Die neue phantastische gr. Ausstattungs-Pantomime SVScDrüdlalhrt. Verf. n inszen. v. Paula Butob. Einstud. u. Ballett von R. Riegel. Besond. hervorzuheben: Der Auftlug des Aeroplans und Sensetlons-Siurzdug. pis MilchstraBe. Ein Blick In den Himmel. Vorher: Xrliby und die übrig. Nummern. Wer mit Uold zahlt', erhält eine gleiche Karts njnronnt;"ZSu Walhalla-Theater. TV, Uhr: ZigeunoB*. RelEöslialleB-TlieatEr Allabendlich?>/, Uhr und Senntag nachmittag 3 Uhr Sonnt, naohm. ermäB Preiae! bogen 1 M., Parkett 75 Pf. Eintritt 8» Pf. Tauentzien Palast Freitag u. folgende Tage Neuestes Filmdokument Uraufführung Die Uonzoscliiacht Erster Teil: Durclibruch bei Toimel» u. Fiiiseli Zweitor Teil: Die Verfolgung MllitÄrlsch-Amtllcher Film dos Biid u. Film-Amte Vorführung; 430 S'5 818 L.jdnj'u. Kerkau-Palasl BehrenstraBo 48 Iml. Stock Punkts U. nm.: Marionetten Unt. ander, werd. vorget: Franoilla Kaufmann Lude Kleselhcusen Klassische Tänze Sent M'ahesa Oriontaliaohe Tänze Robert Stetdl GobrBder Wille Hand- u. Kopf-Akrobaten Salerno der berühmte Jongleur Blondcl am Schwungseil Toto der unverwüstL Clown Hochinteroes. f. Erwachs. und Kinder, iusg und alt. Keino erhöhten Preise für Getränke erster Güte. Eintritt u. Garderobe frei. frmdorf d. aUbekannten RliUaCl l Gottschalk-Kap. Tägl. 7'/,. Sonnt. 8>l, n.7'/, deh'n Sie bloß nicht nach Berlin! Revue-Posse in 6 Bildern von Otto Stenttcr. Musik von(S. If Irsch. Hauptdarsteller: Georg Kaiser— Erich Schön- f eider— A. MüUer-Linoke — Otto Keutter— Gertr. Gräbner—.Tos. Dill— Pritzi Steinberg. Rose-Theater. TV, Uhr: Der Meikersemd. Lasino-Theater Lothringer Str. 37. TSgl.'/.S U. Lastegiel Vetter!! Herr oder Onme? Dazu die erfolgreiche Posse mutzte! örh. das ncae Navemberprogr. Sonnt. 4 Uhr: Onkel Moritz. Voigt-Mesler. Badttr. 62. Badstr. SB Täglich: Die Tragödie eines Weibes. Kasseneröffn. Kst.. Anfang 7»/, U. Zlblisluie:, Spritzpumpen, Er- saytelle. Köchlin, Alte Jakob- strahe 20/22._ Ädmirals-Palast. l»io Novität~ Abrakadabra Großes phantastisches Ballott auf dem Else. 7V. U. Vorjügl. Küche. Berliner Konzertliaus speziai-irzt Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Ueote: Großes Konzert des Berliner Konscrthaus-Orchestcr«, Ilster: Komponist Franz von Blon, Anfang 7'/, Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang VI, Uhr. dcaOTo;.: Großes Konzeft de« Verein» ehemaliger ISer Orenadicre. Dr. med. Haschd, Friedrichstr. 90 iZmZi,. BedandL von Zyphilis.»aut-, Harn-. Fraueuletde». spez. chron. Fälle. Ehrlich-Hala-Ku- ren, schmerzlose, tnrzefte Be- Handlung ohne Berulsstöruna. Blutuntersuch uug. Mätz. Preiie. bt» 1 vnd �—8,©onm. 11—1. Bekanntmachung. Allgemeine Ortskrankenkaffe sür Adlershof und Umgegend. Zu der am Freitag, den 16. November. abend» 7 Uhr. im Restaurant Lehmgrübuer zu Adlershof, am Aahnhos, statt sindenden ordkutl. Ansschußitlillny lade ich hiermit die Pertreter der Strbettnehmrr nud der Arbeitgeber ein. Tagesordnung: 1. Wahl des RechnungS-Aus- Ichusses sür die Prümng der Rechnung des lausenden Lahres. 2. Betr. Festsetzung des Bor- anschlage» für 1913. 5. Aenderung der ZK 91 und 19 Ab'. 5 der Satzung. 4. Sonstige Kassenangelegen. heiten. 280/ lk AdlerShos, den 6. November 1917. Dr. Auerbach, Vorfitzender. Allgemeine Orts- hrankenbasse Berlin- rtlilmers- dort. Berlin-LilmerSdorf, den 6. November 1917. Kaifer-Mlee 178«. S);e Vertreter der Arbeitgeber und Versicherten im AuStchuß werden hiermit gemäß§ 80 Absatz 1 der Satzung zu einer Sihmu des Ansschnsses am Freitag, den 1«. Novbr.. abends 8 l!hr, im Geschäft». lokal der Allgemeine» Ort»- kranteukasse Berlin« Wik- merSdorf. Kaiser-Allee 173«, «rgebenst ewgeiaden. Tageserdung: 1. Beratung und Beschluß- safsung über Aenderung der ZZ 00 und 80 der Kasiensatzling /Zahlung von Entschädigung sür die AuSschußsitzungen). S. Besprechung de» Geschäfts- berichts für 19tS. 3. Beralung und Beschluß. kassung über die Voranschläge für 1918. 4. Verschiedenes. Beschwerden und Anfragen, welche Akteneinsicht eriordem, müssen drei Tage vorher dem Vorstand schristiich eingereicht werden. 28015 Adolf Krause, 1. Vorsitzender. Speziaterzt ~»r. med. Colomann~ f.Geschlechtskrankh., Haut-, Harn-, Frauanleirian, nervds. Schwäche, Beinkranke.« Ehrlieh• II ata- Kuren (Dauer 12Tage). Behandl schnell, sicker».schmerzlos ohne Berufsstörung in Dr. Homeyer db Co. konz.Labor. f Blutunters., Fäden im Harn usw. Frieirietelr.il, SÄ Spr. 10-1 n. 5-3, Sonnt. 10-1. Honorar mäBig, a. Teilzahl. Separates Damenzimmer. Sonnabend letzter Tag! Sehen l Hausfrauen! Staunen! Dkl lluhalttndtll Uchfrage wegkll uoch 3 öffentl. Waschtage Donnerstag, den 8.» bis Sonnabend, 16. November, täglich Ä Vorführungen ! rünktllch nachm. 5 Uhr und abends 8 Uhr Im gr. Saale! des Restaur.»Hagenbeck-, Zeestr. l-i. 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Schwer bat die Schweiz an den Lasten des Krieges zu tragen — ist sie doch rings von kriegführenden Staalen umschlossen. Au allem Hai sie sich selbst sreiwillig eine weitere Last auferlegt, die gcwls; nicht leicht ist: wenn sie schwerverwundete, fremde Krieger zu Gast geladen hat und aufopfernd Pflegt, so ist dies ein Werk der Nächstenliebe, das um so höher zu bewerten ist. als das kleine Land kür die Kriegsgefangenen, für die Aivilgefangenen usw. schon viele Lpfer gebracht hat. Durch die Schweiz ist im Weltkriege zum ersten Male verwirklicht worden, was die Genfer Uebereinkunft an« geregt hatte, daß ein neutrales Land sich schwer verwundeter Krieger annimmt. Im Januar des vorigen Jahres sind die ersten deutschen Feldgrauen in der Schweiz angelangt. Wie sie dort aufgenommen wurden, und was alleZ die Schweiz für sie getan hat. zeigt an der Hand vieler woblgelungener Lichtbilder ein Büchlein, das lmter dem Titel„Die deutschen Kriegsgästc der Schweiz", hernuSgegebeu von der Abteilung für Kriegsgesangeneiifragen der Deutschen Gesandtschaft in Bern, soeben bei R. Piper u. Co. in München erscheint. Was Nächstenliebe nur immer ersinnen kann, ist für die feld» grauen� Gäste gcicheben. Ihre Unterbringung in den schönsten, klimatisch gün?igstei> Gegenden des herrlichen Schwcizerlandes hat mit der in einer Kaserne oder einem Krankenhause nichts gemein; meistens sind es kleinere Gasthäuser oder Fremdenpensionen, die in sogenannte.Hospitalisierungsheime" umgewandelt sind: die Orte, an denen sich diese Heime befinden, läuschen aber dennoch das Bild kleiner deutscher Garnisonen vor, wenn man Ab« teilungen Über die Straße rücken oder im Freie» üben sieht. Es ist ganz erstaunlich, wie rasch sich die feldgrauen Gäste meistens erholt haben, dank der ausgezeichneten Pflege, der sorgtälligen ärztlichen Behandlung und-- nicht zum weniglten— Gefühls« mäßigen: die verwundeteii Krieger, die sich als KriegSgefangeiic verlasien und ausgestoßen süblten, sehen auf einmal die schönsten Beweise dafür, daß das Batcrland. das Heer sie nicht vergessen haben, sondern dankbar ihre treue Pflichterfüllung anerkennen. Frei« lich erholen sich nicht alle so rasch: viele sind daniiiisr, bei denen eine bestimmte Nachbebandlung nötig ist, und sie finden diese iil wahren ärztlichen Miisteranstalten. Bei einer Anzahl schwer ver« wundeter Krieger ist die Kunst des Chirurgen vergeblich; die Ortho« pädie ist es, die sich der Kriegsverstümmclten annimmt, um sie wieder zu arbeitsfähigen Menschen zu machen. In den HospitalisierungSgebieten sind große orthopädische Werk« statten geschaffen, so die deutsche Jnlernierlen-Schuhmacherci und ortho« pädischc Werlstätie Stansstadt, die zu einer Wcrisiä'.te für orthopädische Apparate, lünstlich» Glieder ui'w. geworden ist und seit langem ihre segensreiche Tätigkeit entfaltet. KriegSverstüinmelte arbeiten hier für ihre verstümmelte Kameraden, die aus ihre» Händen um so lieber die Apparate emviangen, die ihnen den Weg in» tätige Leben ermöglichen sollen. Bei den Feldgrauen, die in der Schweiz Ge« neiung gefunden baben und wieder zu Kräften gekommen sind, regt sich alsbald das Verlangen nach Betätigung. Auch bierfür ist ge- sorgt: eS ist Gelegenheit zu Leibesübungen und Sport, zu Garten- und Landarbeit, und auch die Geisteskräfte können sich bciätigen:. die Feldgrauen, die künstlerisch« Neigungen.in sich verspüren, haben sich zu Orchestern oder MänncrÄören züsammengetan, viele HospitalisierungSorte haben ein eigenes Jntcrnierlenthcaler, und die Feldgrauen, die durch den Krieg in ihrer Ausbildung unterbrochen worden sind, haben reiche Gelegenheit zum Lernen. Gemeinsam mit der Deutschen Ge-andtschaft in Bern hat das Unternehmen„?ro Laxtrvis" sfür die Gefangene») die Ausbildung in die Hand genommen. Kopfarbeiter wie Handarbeiter sind dabei berücksiwtigt i es gibt Fortbildungskurse für alle möglichen Fächer, bei denen geeignete Offiziere, Unleroffiz�ere und Mminstvaflen als Lehrer tätig sind, während die„Bückerzentrole iür deuliche Kriegsgefangene" in Bern die Lehrmittel zur Lerfügung stellt. ES gibt ferner deutsche Fachschulen für die deutschen Gäste der Schweiz, io die Techmker- schule in Zürich, die Berglchule in Chur, die Musikerschule in Luzern und viele andere, ja diejenigen, die ihre Ausbildung an einem Ghm- nasium oder an einer Universität fortsetzen wollen, können dank dem hochherzigen Entgegenkommen der Hochschulen und der Schulbehörden der Schweiz am Unterrichte teilnehmen! Die Gäste der Schweiz schließlich, die wieder arbeitsfähig geworden find, finden in 40 eigenen Werkstätten, darunter mehreren Großbetrieben, bezahlte Arbeitsgelegenheit, und was für erfreuliche Leistungen diese Werk- släiten aufzuweisen babeu, das ist auf mehreren Änsstellnngen ge- zeigt worden, so beispielsweise im März dieses JahreS in Frankfurt a. M. hamMersihlägerinnea. Im Glutenschein des mächtigen Schweißoiens huschen die Schalten der Arbeitenden wie Riesengespensier aus und nieder Das Aechzen und Rasseln und Quietschen der Maschinen wird zeitweilig Gewinsel und Geheul, und die hier ihre Arbeit erfüllen, ruhig, ge- wandt und verantwortungsvoll, müssen starke Nerven haben. Es sind Frauen, junge, schlanke, stämmige Frauen und Mädchen f in öligen, arbeitSschmutzigen Blusen, Pluderhosen und Schaftstieseln tun sie ihre Arbeil. ES sind Hammerschlägerinnen, erst nn letzten halben Jahre haben unsere großen Maichinen-und Walzwerke und Stanzereien weibliche Arbeiter an die mächtigen Eisenhammer, an die schweren wuchtigen Schiebeisen und Hebel gestellt. Da sieht man vom glutcnden Ofenfcuer beleuchtet, eine junge Frau den langen schweren Feuerhammer regieren, als wäre er ein Mangel« bolz, ein Spaten oder ein Spinnrocken, so geschickt geht sie mit dem Werkzeug um. Schaut man näher bin. so erkennt man die Schwere der Arbeit an dem tiefen Atemholen und an der lehnigen Faust, deren Aderläufe von gewaltiger Anstrengung geschwollen sind. Die Frau greift inil beiden Fäusten ihre Eisenhammer und läßt sie lallmäßig, rubig und lösend auf da» Elsenstück auf dem Block und im Maschiiienschraubstock tollen. Man etschricki förmlich vor diesem Schlag, vor diesem Ausholen dazu und glaubt, die Arbeiterin wachse ins Riesenhafte bei dieser schweren Arbeit. Wir neigen uns zu ihr in der Viertclminnlenpause zwischen Ausholen und Schlag, um ihr zuzuichLIien, ivic lange sie sich geübt habe, wie sie sich zu dieser Arbeit allmählich vorbereitet und was ihr Verdienst am Tage sei? Langsam dreht sie»nS ihr Gesicht zu, zwei von der heißen Arbeit belebte Augen sehen uns fast stolz an. Sie teilt uns mit. daß sie bei 8— sistüudiger Arbeit täsltch S— ö M. und im Akkord wohl 10 M. und darüber verdiene. Erst Hab« sie an der Eisenbaumaichine gearbeitet, dann am Schmelzofen unter Au'sicht von Männern und nach drei Wochen sei sie hier am Glien- bammer vor den glühenden eiiensreffendcn Schweißofsn gekommen.. Rasselnd ivie ein Schleusentor, hinter dem der Gischt in purzelnden Wasserbächen hervorbricht, geht das Ofentor in die Höhe und über die Eisenlaufhahn rutscht zischend, flaminig und glulrot das gekochte Eilen. Vor der Hitzwelle zuckt da? Gesicht un- williürlich zurück und eine sdr.merzbaste Straffheit huscht über Backen und Stirn. In diesem Augenblick poltert ilirrend hart der Ei'enhammer und dann die Zange aus da« Eiienstück. Ruhig holt die Hammcrschlägcrin aus sicher trifft ihr Schlag und das be- arbeitete Stück läuft wie ein Tauseudsüßier zurück in den feurigen Rachen... Drüben sitzt im gleichen Maschinenraum die Hebel- schieberin. In der Rechten schiebt sie zwischen die uiiaufhörlich auf und nieder wippende Metallbearbeitungsinaschine einen Messiii�- klumpen oder einen Eiscnklnmven, indessen die linke Faust fabelhaft sicher und rasch den schweren Hebel am Werk in Tätigkeit setzt. Sie sertlgt so täglich ihre 8—4000 Deckkapieln an, die ihre weitere Be« arbeifung und besondere Verwendung finden. Einige junge Schlossergesellen leisten die gleiche Arbeit, und da eS hier in Akkord berechnet wird, stellt sich heraus, daß ihr Verdienst geringer ist als der der Arbeiterin... Für die Kauleradschaftlich- keit, die unter diesen Hammerschlägerinuen und den Frailen am Eisenhebel, soivie unier den männlichen Arbeitern sich eiilstellt bei ihrer gemeinsamen Arbeit ist entscheidend, daß der HaminerschlSger Hochachtung vor der Kraft der Arbeiterin, vor ihrer Ausdauer und ihrem Verantwortungsgefühl empsindel. Nack kurzem Besinnen ge- steht er:.Bei anderen Fabrikarbeitern inerkt unsereins bald die Launenbaiiiglei: der Arbeiterin, aber hier im Lärm und zwischen der furchtbar heißen Arbeit hat die Frau nicht mal Zeit, Launen zu haben. Sie schafft ehrlich lvie ein ausgelernter Arbeiter..." E. K. N. »Drei Tage". Ein neues Werk Petzolds. Das Elend der Arbeitslosigkeit, ein Kapitel aus„goldenen" Friedcnstageii, spricht eindringlich und anklagend aus dem neuen Buche de? Wiener Arbciterdichters AlphonS Petzold: Drei Tage. fVer- lag Eduard Slrache, Warnsdorf bei Wien.) Die Not der Gegen- wart macht uns zu leicht geneigt, die fernen Zeiten des Friedens mit einem verklärenden Schimmer zu innweben, den sie wenig- stenS für uns Arbgirer nie besessen haben. Heute ertragen wir wenn auch nicht krassere, so dock durch ihre Endlosig» keil und Hoffnungslosigkeit schwerere Entbehrungen und Zu- stände als die in den, Petzoldschen Buche geschilderten, wenn gleich mit dem Bewußtsein der Unttrordnung unter höhere Notwendigkeiten. In den Zeilen dieses Buche« aber kochen die Empörung und die Verbitterling eines Menschen, der willig zur Arbeit, inmitten Wohllebens und verschwenderischer Fülle hungern, frieren und sich in seine» armseligen Lumpen als einen AuS- gestoßenen der Gesellschaft betrachten muß. Diese Psychologie des Arbeitslosen, der zuletzt über Nackt gar in einem Erdloche hausen muß, versteht der Dichter in einer Weise zu schildern, aus dem da« Uiimiitclbate eigenen Erlebens atmet, und die an Form und geistigen Gehalt an den Meister moderner Seclenschilderung, Dosto- jewski, erinnern mag. � ES ist s»w-r, sich dem Buche zu entziehen, bevor man eS nicht zu Ende gelesen hat. Dem Arbeiter aber sei es besonders geraten, das Buch in die Harid zu nehmen, weniger, weil es einer aus ihrer Mitte geschrieben hat, als vielmehr, um in voller Weile zu erlennen, welche ein- schneidenden Fragenvie jeder andere. biS cs damit begann, daß Jungser Regina am gemeinschaftlichen Tische, an dem das ganze Haus zum Morgen- gebet und nachfolgendem Frühstück versammelt wurde, fehlte. DaS Jüngferchsn habe die Nacht iiber kein Auge zugetan und ruh« nun, hieß e« erläuternd. Dann war der Chef aus- gegangen und hatte besonders darauf gesehen, daß man ihm den neurn Rock gut dürste. Die eigentlich merkwürdigen Er- eigniffe begannen erst, als Tante Peitsch, lvie auch der Lehrling das alte Fräulein ebenso faniiliär wie rcspettlos be- nannte, ihm Plötzlich ganz verstört iiber den Weg rannte und ihn, weil er mit Düten beladen, gar nicht ausweichen konnte, einen Rüpel hieß. Gleich danach fieltn die SchicksalSschläge hageldicht auf sein Haupt. Der Chef war hochrot nach Hause gekommen und schnaubte erst ein paar mal fürchterlich. Dann hörte man feine grobe Stimme. „Er will mich wohl zu Grunde richten mit seiner un- sinnigen Ncttoyage!" schrie er.„Die Regel sei es, sagt er, Reget ist das, der alle Schafe nachlaufen." Da nur Herr Schnurbein im Zimmer gewesen, mußte er wohl das Schaf sein, von dem die Rede war. Und richtig schoß er auch spornstreichs ans der Tür, hatte sofort die Locken des unglücklichen Franz zwischen den Fingern und brüllte ohne allen Anlaß: „WaS möckert er da herum, statt zu arbeiten, Schafs- köpf!" Und als das Objekt seines Zornes sich in die Wag- kammcr verkroch, so geschah es nur. um dem zweiten Ge- Hilfen in die Hand zu fallen, dem von dem Chef auf 24 Stunden gekündigt worden, obzwar er heiraten wollte, dessen Grimm sich daher wie ein tobendes Ungewitter über den unglücklichen Stift ergoß. Da war er denn in seiner Herzensangst hierher gelaufen. wo er schon manchmal das Gleichgewicht seiner oft ge- schüttelten Lehrlingsseele wiedergefunden hatte mit Hilfe deS einen oder anderen Stückchen Kandiszucker, das sich aus den lagernden Ballen knabbern ließ... So saß er denn auch jetzt über dieser angenehmen Beschäftigung und hörte nur von fern den Strom der Ereignisse brausen, von dem namentlich immer wieder die Stimme des Handelsherrn vernehmlich war. Sie klang wie rollender Donner. Der Chef schien sich in- zivischen vom Geschäft der Familie zugewendet zu haben. denn zwischendurch erlauschte deS Knaben scharfes Ohr auch Frauenweinen. Doch was war das? Tritte nähertest sich der Kellertüre. Rasch verzog er sich in den hintersten und dunkelsten Winket, von wo aus er ungesehen durch den Spalt zweier Kisten nach der einigermaßen beleuchteten Tür lugen konnte. (Lortl. folgt.) Deutftfter Cransportarbeitcrverband. Bezirksverwalt. Grog-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richt, dag unser Kollege, der Dekaturaiveiter Mz Swlliei von der FirinaKarlKlehcr, Rilterstr. 51,«n 3. Ro- vember im Alter von 61 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Einäscherung sindcr am Freitag, den 9. No- veinber, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium, Berlin, Gcrichtstr. 37/38, statt. Um rege Beteiligung er sucht vis Bezirksverwaitung Verein der In Sdirlft- dießereien dcschtiMgten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins. Am 3, November verschied nach langem, ichioerem Leiden unser lsttitglied. der Schristgieger 28Z/7 MI 8MlIl«S in! 50, Lebensjahre, Die Beerdignng findet am Fccilag, den 9, R»- vember, nachmittags iN/.tlkr, vgn der LeichcnhaSe' M Dom- Kirchtzoscs, Müller- sttaste 76, aus statt, Um rege Beteiligung er'- sucht Ter Borstau». Deutldter Metallarbeiter- Verband. Verwaltungssteile Berlin. Den Mtgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Schlosser fierBaon Lereli am 4. d, SB. gestorben ist. Triststtaße 68 Ebre seinem Andenke» l Die TiaZschenutg findet am Donnerstag, den S. Av- vember,»»chniittagß 2 Uhr, im Zlrematorium, Gericht- straße, statt, Re,e Beteiligung erwartet itt»?!! Oiv vetsverwaltung. Sue.ftftapserei Große Free?- furterstraße 67. 08K« Am S, November, nach- mittags 2 Uhr 10 Min,, ent- schlief sanit nach langen, schweren Leiden im Birchow- Krankenhnnse mein lieber Freund und langjähriger Kollege, der Lackierer Ksi-S Buys im Alter von vl Jabren, Die? zeigt tteibetrübt an Vakirr Schulzendorser Str. 16. Die Beerdigung sindet am Freitag, nachnnttagS 21/, Uhr, von der Leichenhalle des DankeS-KirchboscS in Ret- nickexdors- Dest, Blanke- sttaße, auS statt, 8ötb lluiversal-Brieisteller 3,50 Mark, Buchhandlung Vorwärts, Lindcnstraße 3(Laden). meu? llnenlbelirned 1 kieu! I viil! �ieg�kiütei'liliebesiL sowie Hie Kapitalabtlnliung der Kriegsbeschädigten und Krieger- wifwen von Dr. jur. W. Stein. Preis M. 1.10 frlro. Nachn.- Bezns: durch Keuzeitliclier Buchverlag. Bln.-Schöieberg 122 Bücherkatalog grav. u.franko. Spezialarzt Dr. med. Wockenkiiß, Friedrichst 125(Oranienfc.T.1, f. Syphilis. Harn- u. Frauenleiden Ehrlich-Hata-Kur(DauerlOX.). Bintuntersuch. Schnelle, sichere schmerzl. Heilung ohne Bcrufs- sidrung. Teilzahlung. 252/12* Sprecnstund.: 11—1 u. C— 8 WM SWiM-MM. Zahlstelle Berlin. Freitag, den 9. Ztovcmber 1917, abends 6 Uhr, im Gewerkschastshaus, Engeluser 15, Saal 4; Branchenv ers ammlung aller in den Berliner Buchbindereien, Geschäfts- buchfabriten und Buchbinderabteilungen der Buchdrnckcreicn beschäftigten Mitglieder. Tagesordnung: 1. Unsere Forderungen und die Berschleppnngstaktik der Unternehmer. Res. Verbandsvorsitzender Emil K l o t h. 2, Verbandsangelegenheiten, Zahlreichen Besuch erwartetj 31/10 Die Ortsberwaltnng und Branchenleitung. Lungen- und Halstranke. Verlangen Sic tostensrci belehrende Broschüre über Heilmethode ohne Berutsstörnug. Santtätsrat Dr. Weise's Ambul, Berlin 117, Potsdamer Str. 123 b II. 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Siecke»V Schutts, 1 Diamenftr. 120/21. JSflnt Tcutjchlattd aufrichtig demokroiisch wird, so köim«n w'.r hoffen, es derselben RiDung folgen zu sehen wie anders Völker, Aber steht dies nahe bevor? Balfour »-einte, es gebe in Deutschland wahrscheinlich weite Kreise mit Verständnis für die Ideale, welche die öffentliche Meinung in Aorv. Amerika, Frcnlreich, Italien und England beherrschten, aber diese Kreise s/wn machtlos. Wie könnte unter diesen Umständen e'ne Konferenz Erfolg haben! Bevor dies möglich werde müßten die Mittelmächte, welche jetzt mit der Türkei zur Unterdrückung der kleinen Völker und zu ihrer dauern- den Unterwerfung bereinigt seien. England klar machen, wie weit sie dem höheren Geist der Politik entgegenlomrmm könnten, der die großen freien Gemeinwesen der Erde beseele. Balfour bat das Haus, den Alliiierten und den Feinden mit überwiegender Mehrheit zu erklären, daß England, so groß auch die für die Sache der Freiheit und der Gercchtrgkcit schon gebrachten Opfer seien, bereit sei, sie ohne E i v i cf. r ä n! u n g fortzusetzen, bis seine großen be- rechtigten und selbstlosen Ziele, denen eS nachstrebe, endgültig gesichert seien.(Lauter Beifall.) Nach einer kurzen Rede A S q u i t h L. der Balfour unterstützte, erhob sich ein pazifistischer Abgeordneter, um die Aussprache fort- zusetzen, aber seine Stimme ging in den Rufen: Abstimmen! Ab- stimmen! unter. Bonar Law beantragte daraus unter betäubendem Beifall Schluß der Besprechung, der mit 282 gegen 33 Stimmen der Pazifisten angenommen wurde. Sodann wurde die Ent- s ch l l? ß v n g-n cmsacher Abstimmung abgelehnt. Der Rückzug See Italiener. Wien, 7. November. Der Kriegsberichterstatter der.Neuen Freien Presse" meldet: Hand in Hand mit dem Bormarsch der der- bündeten Truppen gegen die Tagliainentoübergänge ging auch die Tätigkeit unserer Marinestreitkräsle, die die italienischen Küstenschutz- formalionen zurücktrieb. Die Italiener suchten unter allen Um- ständen die Tagliameatomündung zu behaupten und daS verzweigte Lagune ii gebiet durch Minen und durch Versenkung von Schleppern. Boggermaichinen und Motorbooten unpassierbar zu inachen. Die österreichisch-ungarischen Monuedetachemenlö machten sich daran, da» verlegte Gebiet zu säubern. Nachdem G r a d o be- setzt war, wurde Porto B in o genommen und daraufhin die Minensperre beseitigt. Am 3. November gelang eS einer Torpedo- flotlille, sich der Intel San Andrea zu bemächtigen und dadurch den Gegner eine» wichtigen Stützpunktes zu berauben. Daraufbin wurde die energische Tätigkeit gegen die Tagliamentomimdung fortgesetzt. • Italienischer Heeresbericht vom«.November. Der Feind fährt fort, eineir starken Druck gegen den oberen Togliamento in der Richtung auf unseren linken Flügel auszuüben. Er ließ seine Truppen in Richiung des mittleren und unteren Lauts des Flusses vorgehen. Abteilungen der feindlichen Borhut gerieten mit Abteilungen der Grenadierbrigade in Berührung und wurden südöstlich vos St. Dito am Tagliamento zuiückgelrieben. Einige Abschnitte in der Gebirgsgegend mußten von uns aus Operationsrücksichien geräumt werden: fie wurden vom Feinde besetzt, nach Zurück- biegung unterer Truppen. Am Morgen wurde ein feindliches Flug- zeug über Nervesa abgeschossen. Italienischer Bericht vom 7. November. Angesicht? der Schwierigkeiten einer Verteidigung am Taglia- mento, dessen Wasser gegenwärtig niedrig sind, haben wir unsere Linie nach der Livenza zurückverlegt. Unser im Norden wirksam durch unsere Teckungsabteilungen und im Süden durch unsere Nachhuten gedeckter Rückzug konnte sich in guter Ordnung vollziehen. Unsere Flugzeuge und Lentluftschifse bewarfen gestern tagsüber und in der vergangenen Nacht mehrmals mit starker Wirkung feindliche Streitkräfte, die beim Wiederaufbau von Brücken beschäftigt oder dabei waren, den Tagliamento zu über- schreiten. Unsere Flieger schössen vier feindliche Flugzeuge ab. * Ueber Lugano verlautet: Llohd Georg«, Painlev«, Robertson. Koch. G m u ts, Eadorna und Orlando hielten am Montag ihren ersten ÄriegSrat ab. Danach seien die notwendigen Matznahmen wegen der Teilnahme der cnglijch-fran- zösii'chen Truppen getroffen worden. Au» Rom wird gestern mitgeteilt: Mehr alS 350 in Rom anweiende Abgeordnete habe» einen Aufruf zur Einigkeit au das Land erlassen. Besonder» wendet er sich an die Schichten, die ihre HriegSfeindlichkeit zumal in letzter Zeit stark genug zum Aus- druck gebracht haben, an da».Volk aus dem Lande, wie das in den Fabriken". Natürlich find die entsprechenden tönenden Phrasen in dem Ausruf angebracht.„Der gesetzlich- Fortschritt würde in der Niederlage und in der Knechtsckmkt unbeilvolle Fesseln finden." Bon den„Ueberlieferungen unserer Bäler" wird geredet und„König Victor Emanuel und der votkStümllche Held Garibaldi" werden alS Zugkraft berangrfübrt.„Italien kann nicht besiegt werden I ES muß in der Welt seine zivilisatorische Aufgabe weiter erfüllen I" Der Aufruf wäre sicherlich nicht erfolgt, wenn nicht schwere Be- fürchtungen beständen.» Ter„Kölnischen Zeitung" wird gemeldet: Die parlamentarische Gruppe der italienischen offiziellen Soziali st en nahm nach längerer Erörterung eine Tagesordnung an, in der es beißt: Die parlamentarische Eozialisienqruppe gibt im Einvernehmen mit früheren, wiederholten Erklärungen dein Gemeinschaftsgelühl der sozialistisckien Partei mit dem vom Schicksal betroffenen Lande und mit ollen Leiden deS Krieges Ausdruck. Sie bekundet ihren Willen. gemeinsam mit allen Parteiorganisationen die H i lf» a k t i o n zu verstärken und zu erweitern, überzeugt, daß die» da? best« Mittel sei, unler der Bevölkerung in der gegenwärtigen Stunde die notwendige Ruhe zu bewahren. Die Gärung in Jrlanö. Amsterdam, 7. November. Wie das..Algemeen Handelsblad" «aus London meldet, schreibt„Dailti Telegraph": Wir wissen nicht, zu welchem neuen Trauerspiel die Ereignisse in Irland werden. aber es ist nur allzu wahrscheinlich, daß eine Tragödie mi� Blut- vergießen bevorsteht. Irland ist eine kochend« Masse von Anarchie. Die Regierung soll aufpassen, daß der Kessel nicht überläuft Was Irland im Augenblick braucht, ist eine starke Hand._ Rußland und Annlanü. Petersburg, 6. November.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) Tic Regierung stimmte den Gesetz- entwürfen über die politischen Beziehungen zwischen Rußland und Finnland und ihrer Prüfung durch den Landtag z u. Die Gesetze bestimmen, daß Finnland in seinem Gebiete mit Rußland vereinigt bleibt, aber unter eigener gesetzgebender und Regierungs- gemalt. Finnland ist Republik und hat einen eigenen Präsidenten und einen eigenen Ministerrat. Die Minist«,' die sich mit Kriegs- und FriedenSsragen befassen, sind ge- meinsam für Rußland und Finnland. Verträge mit fremden Ländern werden durch die russische Regierung geschlossen. Fwanowo-Woßnessensk. Petersburg, 0. November.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) Im Bezirk Jwanowo-Woßnessensk in der Provinz Moskau, wo sich große Tuchfabriken befinden, find 3 00 000 Arbeiter in den Ausstand getreten. In der GeiSichte der Verfolgungen der russischen Arbeiterschaft während des Wellkriegs steht Jwanowo-WoßnessenSt mit blutigen Lettern verzeichnet. Im Sommer lSIS. als der Zusammenbruch der russiichen Heere die revolutionäre Bewegung gegen den Zarismus gewallig anfachte, traten die Arbeiiermassen auch jenes Bezirks in den Ausstand. Sie wurden von den zaristische» Schergen gewaltsam niedergeworfen. Der Name Jwanowo-WoßneisenSt hallte fortan durch ganz Nußland als ein Signal. daS dem russischen Proletariat sagte, woran es war. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 6. November. Neue U-Boots-Erfolgc im Sperrgebiet um England: 1300S ör.-Reg.-To. Unter den versenkten Schiffen befand sich ein Dampfer, der 5500 Tonnen Mais für England an Bord hatte. Der Chef des AdmiralstabeS der Mariue. ch Amerikanischer 18 000 Tonnen-Tampfer torpediert. Washington, S. November. Der amerikanische TranSportdampfer Finnland<12760 Br.-Reg.-To) wurde auf der Rückreise nach Amerika torpediert, erlitt jedoch nur sehr geringen Schaden. ES gelang dem Dampfer, mit eigener Kraft einen fremden Hafen zu erreichen. Kleine Kriegsnachrichten. Ein nordischer Friedenskongreß wird in Kristiania in den Tagen vom 3. bis 4. Dezember stattfinden. Jedes der skandinavi- schcn Länder schickt dazu 25 Delegierte. Die Tagesordnung des Kongresses behandelt u. a. die Gründung einer nordischen Friedens- organisation und die nordische Arbeit zur Gründung eines Staatenbundes._ Keine Abtretung Elsaß-Lothringens. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht folgende Erklärung: Trotz den mehrfachen Feststellungen ihrer Unrichtigkeit tauchen immer wieder Gerüchte über angebliche Angebote der deutschen Regierung, welche die Abtretung Elsaß-Lothringcns an Frankreich zum Gegenstand gehabt haben sollen. Jetzt läßt sicki der„Manchester Guardian" aus Paris melden, daß die deutsche Regierung Herrn Briand habe auffordern lassen, in die Schweiz zu kommen, um dort mit dem Fürsten Bülow oder dem Reichskanzler zusammenzutreffen. Dies soivie das in dieser Depesche ausS neue behauptete Angebot, Elsaß- Lothringen abzutreten, gehört wie alle früheren derartigen Behauptungen in das Neii� der Fabel. Telegrammwechsel tzertling-Raäoslawow. Anläßlich seiner Ernennung zum Reichskanzler ha: Graf H e r t- ling an den bulgarischen Ministerpräsidenten RadoSlawow ein Telegramm gerichtet, in dem er von seiner Ernennung Mitteilung macht und sich zur treuen Fortführung der deutsch- bulgarischen Bündnispolitik„in unbeirrtem Festhalten an den bestehenden Verträgen und Vereinbarungen" bekennt. Ministerpräsident RadoSlawow hat darauf in einem Telegramm geantwortet, in dem er die unverbrüchliche BundeStreue Bulgariens betont._ Eine alldeutsche provokations-Kanüiöatur! Die alldeutsche BaterlandSpartei will sich offenbar am Reichs- tags-Wablkampf beteiligen. Ihre Hinlermänner im Wahlkreise Bautzen-iiamenz haben an de» Großadmiral v. Tirpitz die An- frage gerichtet, ob er die Kandidatur im ReichstagSwahlkreise an- nehmen will. Die Antwort steht noch aus. Bei den Wahlen 1S12 hatten Sozialdemokratie und Fortschrittler zusammen in dem Wahlkreise eine erbeb- lichc Mehrheit. Nur durch den Umfall eine» Teils der Fort- schrittler konnte in der Stichwohl der Antisemit mit etwa 2400 Stimmen Borsprung durchdringen. Die Aufstellung einer extrem-alldeutschen Kandidatur müßte von den linksstehenden Parteien als Provokation zu einem Wahlkampf aufgefaßt werden. » Die Notionalliberalen im ReichstagSwahlkreise Saarbrücken haben sich jetzt endgültig auf die Kandidatur des Professors Herwig geeinigt, der als Major im Felde steht. Am Sonntag hat er sich in einer größeren Zusammenkunft mit einigen Ein« schränk u ngen zu den annexionistischen Kriegs- zielen bekannt. Das Zentrum beschloß Wahlentbal» t u n g. das gleiche eine Generalversammlung der Sozialdemokratie am Sonnlag. iodaß die Wahl Herwigs gesichert ist; sie findet am 23. November statt. v. Raüowitz Ehef öer Reichskanzlei. Die„Nordd. Allg. Ztg." meldet: Wie wir hören, ist der Geheime Legationsrat v. Radowitz mit der vorläufigen Wahr- nehmung der Geschäfte deS Ehefs der Reichskanzlei beauftragt worden, nachdem der Unterstaatssekretär v. Grävenitz ausge- schieden ist. Herr v. Radowitz war bisher Dirigent der Nachrichten- obteilung des Auswärtigen Amte?. Während der jetzigen Knie war«ine Zeitlang der Plan aufgetaucht, den Posten de» Cbes? der Reichskanzlei mit einen, Parlamentarier zu besetzen. Aber schon vor einigen Tagen verlautbarte, daß dieser Plan fallen- gelassen und ein»npollttscher Beamter zum Nachfolger des Unter- staatSsekrelärZ v. Grävenitz ausersehen sei. Kriegsbeihilfen auch an öieReichspenßonäre Für die Reichsbeamten im Ruhestand und die interbliebenen von Reichsbeamten und uhegehaltSenlpfängern«st durch Runderlaß de? Reichskanzlers die Möglichkeit der Gewährung von laufenden Ariegöbeihilfen in gleichem Umfange und in der gleichen Form geschaffen worden, wie sie in Preußen dem entsprechenden Personenkreis gemäß Bekanntmachung im„Reichsanzeiger" vom 25. September b. I. gewährt werden können. Noch eine ftofklärungs-Grganisation. In der HaushaltSkommrss ion deS Abgeordnetenhauses erklärte StaatSminister v. W a l do w am Mittwoch, für die Kartoffelbewirt- schaftuug könne die Frage der Fveigabe von Kartoffeln zu Futterzwsckcn erst geregelt werden, wenn die gebotene grüud- liche Nachprüfung der gemeldeten Ernteergebnisse durchgeführt sei. Darüber werde noch eine gewisse Zeit vergehen. Der Frühdrusch des Brotgetreides sei geboten gewesen, um für das neue Wirtschaftsjahr Vorräte zu gewinnen. Für die Aufklärung derBevölkerungüberdieErnährungSlagewerde durch eine besondere Organisation Sorge ge- tragen we r de n. Bestreite noch jemand, daß wir in einer aufgeklärten Zeit leben! Ein neuer Reichskommissar für Ein- und Ausfuhrbewilli- gungen. Der„ReichSanzeigcr" veröffentlicht folgende Bekannt- machung: Unter Aufhebung der Bekanntmachung vom 11. Februar 1916, betreffend die Ernennung des Präsidenten deS Kaiserlichen Statistischen Amis Delbrück zum Reichskommissar für Aus- und Einfuhrbewilligung—„Reichsanzeiger" Nr. 87 vom 18. Februar 1916—, wird das Mitglied des Kaiserlichen Statistischen Amts Geheimer Regierungsrat Meisinger zum ReichSkonunlssar für Aus- und Einfuhrbewilligung ernannt. Beratungen der Fortschrittler. Die Reichstag?- und die Land- iagSfraktion der Fortschrittlichen Volkspartei treten am Freitag zu einer gemeinsamen Beratung zusammen. Die Nilitärsthneiöer foröern Lohn- erhöhung. In einer am Mittwoch abgehaltenen Versammlung der mit Hecresarbciren beschäftigten Schneider und Näherinnen führte Kunze au!: In letz:er Zeit sind aus Mitglicdcrkreisen Klagen an die Ver- bandsleitung gelangt des Inhalts, daß die jetzt gezahlten Löhne den gegenwartigen TeuerungSvcrhältnissen in keiner Weise ent- sprechen. Dies« Klagen sind vollkommen berechtigt, denn die von den BekleidungSümtern festgesetzten Löhne sind während des Krie- ges nicht erhöht worden. Zu Anfang deS Krieges bestimmten die BeklcidungSämter nach Verhandlungen mit den zuständigen Or- ganisationen, daß 75 Proz. der Stücklöhne, welche die Bekleidung?- ärnter den Arbeitgebern gewähren, den Arbeitern und Arbeiterinnen zu zahlen sind. Diese Festsetzung bedeutete für einen Teil der Ar- bettnehmer eine Verschlechterung ihres Verdienstes, aber man erklärte sich mit den 75 Proz. einverstanden, weil durch die Festlegung des Satzes geordnete Lohnverhältnisse geschaffen worden sind, die jedoch im allgemeinen keine Verbesserung bedeuten. Bei späteren Festsetzungen der Löhne für neueingeführte Arbeiten erklärten die Bekleidungsämter, sie hätten die inzwischen eingetretenen Teuerungsverhältnisse dabei berücksichtigt. Doch die Arbeiter haben stets betont, daß da? nicht der Fall sei. Bei den von den Bekleidungsämtern gezahlten Lohnsätzen kommen im Durchschnitt Stundenlöhne von 50 bis 60 Pf. auf den Arbeiter. Dazu kommt, daß die den Kalkulationen der Bekleidung!- äniter für die einzelnen Arbeiten zugrundegelegte Stundenzahl meist zu niedrig angesetzt ist, so daß also der wirkliche Verdienst oft hinter 50 bis 60 Pf. zurückbleibt. Allerdings worden in einzelnen günstigen Fällen auch höhere Stundenverdienste erzielt, doch das sind Ausnahmen. Für die große Masse der Arbeiter und Arbeiterinnen sind die gegenwärtigen Löhne unzureichend. Eine entsprechende Ausbesserung ist also durchaus begründe und not- wendig.— Als der Kriegsausschuß im vergangenen Sommer die Lohnfrage bchaliMtc. stellte ex sich auf den Standpunkt, daß in Fällen, wo Männer und Frauen an denselben Stücken zusammen- arbeiten, ein durchschnittlicher Stundenlohn von 85 Pf. angemessen sei. DaS ist unter den heutigen Verhältnissen gewiß kein höher Lohnsatz. Legt doch die Ar-tilleriewerkstatt in Spandau bei Fest- setzung der Löhne für die von ihr vergebenen Arbeiten«inen Stundenlohn von 85 Pf. für Frauenarbeit zugrunde. Wenn wir jetzt eine Lohnausbesserung fordern, so kommt es uns nicht daraus an, ob sie als Erhöhung der Stücklöhne oder des im Sommer geloährten Kriegszuschlages bewilligt wird. Die Hauptsache ist, daß ein« ausreichende Zulage gewährt wird und daß sie bald eintritt. In anderen Branchen der Schneiderei haben wir Zulagen von 25 bis 35 Proz. erhalten und neuerdings wird eine wetten: Zulage von 25 Proz. gefordert. Wir halte» es deshalb für angemessen, daß auch die Bekleidung?- ämter die Löhne um 25 Proz. erhöhen. Eipe wohlwollende Prüfung unsere:«ine Lohnausbesserung bezweckenden Wünsche bat daS BekleidungSamt zugesagt Aber was eine wohlivollende Prüfung schließlich ergeben wird, Wckiß man nicht Es ist deshalb notwendig. daß alle Arbeiter und Arbeiterinnen ihren Arbeitgebern— die ja nicht mehr zahlen dürfen als das BekleidungSamt vorschreibt— sagen, die Lohne sind unzureichend, das BekleidungSamt muß ver- anlaßt werden, mehr zu zahlen. In der Diskussion wurde eine Lohnaufbesserung von 25 Proz. als völlig ungenügend bezeichnet Die Versaminlung beschloß deshalb, eine Zulage von 50 Proz. aus alle von den Be- IleidungSämtcrn ausgegebenen Arbeiten zu fordern. Lette Nachrichten. Der Kampf um Passchendaele. Englischer Heeresbericht vom 6. November abends. Heute morgen wurden von kanadischen Truppen Operationen mit voll» kommenem Erfolg gegen die feindlichen Verteidigungsanlagen in und in der Umgebung von PaSschcndaele und an dem Vor- spruna nördlich und nordwestlich des Dorfes eingeleitet. Die An- sammlung unserer Truppen für den Angriff wurde erfolgreich durchgeführt und um 6 Uhr brach der Angriff wie geplant vor. Der Feind hatte Defehl erhalten, diese wichtige Stellung am Haupt- hügelnicken zu halten, loste es was es wolle. Es fand ein hartes Gefecht statt um eine Anzahl von Punkten, besonders um die Hoch- fläche nördlich des Dorfes und um eine Ansammlung von Ge- bäuden und befestigten Punkten am Goudbergvorsprung. Nichts- dastowernger machten unsere Truppen ständige Fortschritte und in früher Stunde wurde das Dorf P a S s che n d a e l e' eingenommen. zusammen mit de» Weilern Mosselmarkt und Goudberg- Vor Mittag waren alle unsere Ziele gewonnen und eine Anzahl Gefangene gemacht. Während des Tages war das Wetter schlecht, Regen fiel in Zwischenräumen. Bei besserer Sicht machte sich unsere Artillerie und unser Flugdienst ans Werk und im Verein mit wirksamer Beobachtung, die von unseren Fliegern geleistet wurde, waren unsere Geschütze imstande, wirksam feindliche Batterien und Zu- sammenzichungen gegnerischer Infanterie unter Feuer zu nehmen. Leipziger Oberbürgermeisterwahl. Leipzig, 7. November. In der heutigen Sitzung deS Rate» und der Stadtverordneten wurde der Stadtverordnetenvorsteher Ober- justizrat Dr. Roth« mit 64 gegen 17 Stimmen, die auf Bürger- meister Roth fielen, bei«in«r Stimmenenthaltung zum Ober- bürgermcister der Stadt Leipzig gewählt. Amerikanisches Patrouillenboot versenkt. Washington, 7. November. Amtlich. Da? amerikanische Pa- trouillensahrzeug Alccdo wurde am Montag in der KriegSzone von einem N Voot versenkt. Ein Offizier und 20 Mann werden vermißt. OewerkschchsbMWNg VerUn und Umgegend. Die Berliner städtisckien Bureauangestellten und Burcauhilfsarbeiter beschäftigten sich in einer stark besuchten Bersammlnng am S. No vember mit der Tätigkeit des Angestellten-Ausschusses der st ä d t i- sSen Gaswerke und der Neuregelung der Hilfsarbeiterdiälew Es wurde scharf kritisiert, daß die Direktion der Gasioerke nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend mit dem Angestellten- Ausschuß verhandelt. Der als Vertreter der Direktion zun, Verhandlungsleiter bestellte Magistrais-Assessor nimmt in den Sitzungen lediglich die Wünsche entgegen, die dann auf dem üblichen Verwaltungswege erledigt werden. Das sei derselbe Leidensweg. den die Angestellten früher mit ihren Petitionen durchmachen mußten. Die Anträge der ersten Sitzung sind seil fast 21'8 Monaten mit einer Ausnahme noch unerledigt. Durch ein solches Verfahren werde der gesetzliche Zweck des AngestelltenausiSusses vereitelt. Die Direktion solle Vertreter zu den Ausschutzsitzungen entsenden, die auch zu wirklichen Verhandlungen bevollmächtigt sind, und vor allen Dingen für eine schnellere Erledigung der Anträge Sorge tragen. Ferner kam eine starke Unzufriedenheit mit der Bezahlung der Hilfsarbeiter zum Ausdruck. Den Beamten und dauernd Angestellten ist jetzt seitens der Stadt eine neue Teuerungszulage bewilligt worden, deren Betrag für Verheiratete zwischen 50 und 83 M. pro Monat schwankt, während Unverheiratete 3ö M. erhalten. Dem- gegenüber find die Tagegelder der Hilfsarbeiter nur um bv— 80 Pf. pro Tag oder 15— 24 M. pro Monat erhöht, trotzdem die Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen schon bisher im allgemeinen erheblich weniger Lohn erhielten als die Beamten und Angestellten, aber vielfach dieselbe Arbeit machen müsien. Die Versammlung nahm nach lebhafter Austprache eine Ent- schließung einstimmig an, in der für die städtischen Bureau- Hilfsarbeiter und«Hilfsarbeiterinnen eine weitere Erhöhung der Tagegelder um 1,50 Mark pro Tag gefordert wird. Der Verband der Bureau- angestellten Deutschlands wird beauftragt, diesen Antrag dem Magistrat zu unterbreiten. Gleichzeitig wurde eine Kommission ge- wählt, die diese Wünsche und Beschwerden über die Behandlung des AngestelltenauSschusfes der Gaswerke dem Herrn Oberbürgermeister vortragen soll. Notwendig ist vor allen Dingen, daß die städtischen Bureau- angestellten und Bureauhilfsarbeiler sich vollzählig dcr-Organisalion anschließen. Nähere Auskunft erleilt der Verband der Bureau- angestellten Deutschlands, Ortsgruppe Grotz-Berlin, 0 27, Dircksen- straße 4 I(Telephpn Alexander 3170). Beitragserhöhung im Buchbinderverband. Schon vor dem Kriege hatte sich herausgestellt, daß eine Neu- regulierung der Beitragssätze notwendig sei, denn in den beiden unleren, für weibliche Mitglieder geltenden Bettragsklasien über- stiegen die Ausgaben an U n t e r st ü tz u n g e n die Einnahmen, so daß die Ueberichüsse der höheren Beitragsklassen teilweise zur Her- stellung des Gleichgewichts in den niederen Klassen Verwendung fanden. Während des Krieges sind diese Verhältnisse dadurch un- günstiger geworden, daß infolge der zahlreichen Einziehungen zum Militär die Anzahl der zahlenden mannlichen Mitglieder erheblich zurückging. Der Verband bat gegenwärtig doppelt so viel weibliche Mit- glieder als männliche. Unter diesen Umständen erscheint es notwendig, durch eine Erhöhung der Beitragssätze das finanzielle Gleichgewicht in den Bcitragsklasien zu sichern. Auch die Erfüllung der ge werk- schaftlichen Aufgaben, die nach dem Kriege an den Verband herantreten werden, macht eine Siärkung der Finanzkraft des Verbandes erforderlich. Aus diesen Gründen hat die vom letzten Verbandstage eingesetzte Slaiutenkommission eine Vorlage aus- gearbeitet, die eine Neuordnung des Beitrags- und Unterstützungs- iands vorsieht. Die Beiträge, die sich setzt in fünf Klassen von 20 Pf. bis 1 M. bewegen, sollen auf 30 Pf. bis 1,30 M. einichlicß- lich des Lokalzuschlages erhöht werden. Für die Streik- und Maßregelungsunterstützung bringt die Vorlageemeweient- liche Erhöhung der Bezüge. Auch die Arbeitslosenunterslütziing soll eine ongcmcssene Erhöhung erfahren. Die Umzugunterslützung ioll gleichfalls erhöbt werden.— Die Vorlage der Siatuienkonrmissiou wird den Mitgliedern zur Urabstimmung unterbreitet. Im Falle der Annahme würde sie am l. Januar in Kraft treten. Eine Vertrauen Smännerversammlung der Berliner Buchbmder beschäftigte sich am Dienstag mit dieser Angelegenheit. Die Erhöhung der Beiträge wurde allgemein als notwendig anerkannt. Einstinnnig nahm die Veriammluna eine Ent- schließung an, welche die Mitglieder anstordert, sich vollrählig an der Urabstimmung zu beteiligen und sich für die Annahme der Vor- läge zu entscheiden. Deutsches lUich. Unternchmerium und Prl'vatanqestcNte. Jüngst bat in Nürnberg eine Geschähssührerkoirkerenz der Vereinigung deutscher Arbeilgeberverbände ge- tagt. Es wurden die bekannten Wünsche des Schartmachcrtums auf „Verbesiening* des Hilssdienstgeietzes erörtert. In einem vertrau- lichen Rundichreiben des Vereins der Industriellen des Regierungs- bezirkS Köln, das über jene Tagung berichtet, wird der Angestelltcnorganisationeu mir' besonderem Mißtrauen gedacht: Im übrigen wurde festgestellt, daß die Angestellten- verbände sich immer mehr gewerkschaftlich ent- wickeln, und daß in gleicher Weiie, wie die Arbeilerausschüsse, die Angestelltenaiisschüsse sich ihnen nickt zustehende Neckte anmaßen, indem sie sich zu Verbänden zn- saminenschlicßen und als solche AuSlünfle über Gehaltsvcrhälinisse zu erlangen suchen. Beifällig wird daraus hingewiesen, daß der Verein deutscher Eiken- und Stablindusiriellen(Bezirk Düsseldorf) folgende Mitteilung an seine Mitglieder habe ergehen lassen: Ter Arbeitsausschuß für das Hilssdienstgesetz lGcsckästsst�lle im Hauie des Werkmeisterverbandes, Düsieldors). dessen Zweck es ist, die Mitglieder der Angestelllenausichüsse im Sinne eines Jnteressengegeirsatzes zwischen Arbeitgeber und Ange st ellren zusammeiizuinflen und zu beroten, ver- sendet zurzeit an Mitglieder der Angestelllenausichüsse ein Rund- schreiben, in dem uin Auskunft über die Gcbalisvcrbältnisie der Beamten gebeten wird. Das Schreiben ist umcrzeichnet von dem Schriftleiter der Werkmeinerzeilung und einstweiligen Geschäfts- sührer des Werlmeisterverbandes, Eickler. Es wird sich empfehlen, wenn die Werke ihre Angestellten darauf hinweisen, daß eine Beantwortung des Fragebogens auf einen Ver- trauenSbruch hinausläuft. Infolge der ungenügenden Regelung der Gehaltssrage ist die Not der Angestellten bekanntlick besonders groß. Von einer Ein- Wirkung der Iliiternehinerorganisationen auf ihre Mitglieder, die Ge- Halter zu erhöhen, hört man nickts. Dagegen ist man eitrig be- müht, die niedrigen Gehälter zu verheimlichen und die Erörterung der Gehaltssrage zu unterbinden, wie vorstehende Tokumctrle be- weisen._ Soziales. Gelbe Verräter der Kriegsbeschädigten. Man'ckreibl uns: Im Mai d. I. wurde m Essen ein„Verband wiitschastlicher �Zercinigmraen"Kriegsbeschädigter" gegründet. Die Hauptmacher waren ein Kruppscher Angestellter und der Heraus- geber einer Zeitschrift, dir unter dem Deckmantel der Kriegs- beschädigtenfüriorge die Ausgestaltung einer Jnierateirplantage und die Verbreitung von schundmäßiger Unterhaltungsliteratur zugunsten dieses Verlegers betrieb. Die Gewerkschaften und Angestellten- verbände aller Richtungen sind sofort von diesem zweifelhaften lknternebmcn abgerückt. Jetzt zeigt sich sein wahrer Charakter immer deutlicher. Die Essener wollen in der Kriegsbeschädigten- bewegung dieselbe Rolle spielen, wie die Gelben in der Arbeiter- bewegung. Sie fallen den Kriegsbeschädigten in den Rücken, sie wenden sich sogar gegen die Erhöhung der allenthalben als unzureichend erkannten Kriegerrenten. In Nr. 24. des offiziellen Vereinsorgons„Der Kriegsbe'clädigte" tritt der Kruppsche Verbandsvorsitzcude. Herr Adorf, gegen die Erhöhung der Krieger- renken in die Schranken und wendet sich in unglaublicher Weise gegen die Schritte, die vom„Bund der Kriegsbeschädigten und ehe- maligen Kliegstcilnebmer", der ernsthaften'Vertretung der Kriegs- beschädigten, für die Erhöhung der Krieqerrenlen durch Einreichung einer Masienpetition an den ReichZrag eingeleitet worden sind. Herr Adorf schreibt: Die Forderung der„sofortigen erheblichen Heraufsetzung der Renten" ist Nickis weiter als ein Bluff nnd an sich genau so er- bäimlich und verdammungswürdig wie die Streikbewegungen im Lande zu einer Zeit, wo Millionen unserer Brüder in der Front um unser Dasein und um Bestand unseres Vaterlandes tänipflen und Tau'ende lind abermals Taniende zu jeder Stunde des Tages ihr kostbares Leben für uns aiisbauckten. Wir erklären hiermit laut imd feierlich, daß wir. der geiamte Verband wirtschaftlicher Vereinigungen Kriegsbeschädigter für das Deutsche Reich dieier Massenpeiition völlig fern stehen und sie weder gutheißen noch unterstützen. Im weiteren erklärt Herr Adorf die erhebliche sofortige Herauf- setzung der Renten für„vollständig unmöglich". So siebt eure Organisation aus, welche die Interessen der Kriegsbeschädigten zu vertreten behauptet I Sie erklärr die Heraussetzung der Kriegsrenten für unmöglich, zu einer Zeit, in welcher der Haupiaussckuß des Reichstages sie einstimmig beschließt, in welcher es sehr wobl mög- lich gewesen ist. die gesamte Familienunterstützung zu erhöben und sämtlichen Beamten Teuerungszulagen zu gewähren. Dies eine Beispiel wird wobl genügen, um den Kriegsbeschädigten zu zeigen, daß der Essener Verband aus gelber Rücksicklnabme auf die Wünsche des Unlernehmertums und gewisser Behörden ihre Jnterenen schmählich preisgibt. Eine neue Methode der Arbeiterunterdrückung. Noch dem bekannten Taylor-System bat jetzt der rücksichts- loseste Kapitalismus der Welt, der amerikanische, schon wieder eine neue Methode ausoellügelt, die Ausbeutung der Arbeiter zu be- festigen, und die europäischen Kapitalisten stürzen sich mit Erfer dar« auf, sie nachzuahmen. Es bandelt sich um eine Ernricktnng ioge- nannler Jnleressenkontore, deren Wesen in einer Art Vormundschaft über Beamte und Arbeiter des Unternehmens vorsteht. Jeder An- gestellte muß angeben, wie hoch leine Ausgaben für Miete. Stenern, Versicherung und Vereinsabgabe» sind, und drei'e werden dann von der Uniernebmung als fester Lohnbestand eingetragen. Eine Ver» kammlnng dänischer Großindustrieller und Großkarifleure in Kopcn- Hagen fand begreiilichcrwerse dieie Ideen überaus glücklich und er- nannte einen Ausschuß, der prüfen ioll, ob ein solches Interessen- lontor om besten sür jeden einzelnen Betrieb oder als gemernsame Einrichtung der industriellen Kreiie geschaffen werden soll. Z�erreranSiichten für»of mittlere Siorddeiirlchiand bis Freitag mitrag. Zunächst ziemlich mild, vorwiegend trübe, mit meist ge- ringen, nur im Nordwesten stärkeren Negcnsälleii: später im Westen beginnende neue Auidciterung und Abkühlung. Serantwortlich lür Volitiki Ertiti ütuttncr, Berlin: lür den übrigen Teil des Blaltcs� Allrcd Scholz, Neukölln: tür Jnscraie Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Vertage Vorwärts Buchdruckerei>" Berlagsorilrotl Punl Singer&(£o., Berlin SW Hierzu 1 Beilage und NneerdalNingSdlatt. daß unsere GeschSste sür Oamenkleidung die beste Quelle find. Nicht nur weilSie bei uns sichersein dürfen, unter der Külte des Gebotenen, dasLhrem Geschmack am meisten Zusagende.zu finden, sondern weil auch unsere preise bei Würdt- gung der heuttgen Zeit durchaus Ihren Beifall finden werden. l>»i Könkgflr. 33 Shausseeflr. 113 Um Sofrnlpf Aleronbek�tatz Bann Gfettincf Bahichof � Conntog« geschloffea.