Nr. 809. 34. Jahrg. DezugspreiSi Kierteh�brl. L.Ä» Mü. wonat!. tX Sil. «vöchenUich 30 frei ms HiuS. dorauszablbar Einzeln. SocheniagS- Nummern b Viz Tonntagsinunmer mi! illusirierier Beilaze.Tie Neue Welt' 10 Säffl. Hoilbezuz: Monatlich 1.80 MI Unter Kreuzband für Demichland und Oeslerrcrch» Ungarn L.S0 Ml., sür das übrige Ausland 4 MI. monatlich Poltdestellungen nehmen an Tänemart. Holland. Luxemburg. Schweden u die Schweiz. Eingetragen in die Polt-zeiMnAs-Prerslilte. lZrlchtin« täglich. Telegramm. Adreüe: »eozialdemotra« Perl irr", Verlinev Volksblctkk. S Pfennig) Der Anzeigenpreis beträgt t die stebengespaltene Kolone!- zeile SO Pfg„Kleine Anzeigen-» Las setigedruckte Wort 20 Olgi i r n r a t c s ist gesichert. Es Icbc die Revolution der Soldaten, Arbeiter und Bauern." Ein zweiter Erlaß&?S Ausschusses besagt: Die Macht über Petersburg ist in den Händen deS revolutionSren niilitärischrn Ausschusses des Petersburger Arbeiter- und Soldaten. rnteS, der Soldaten und Arbeiter, die sich einmütig erhoben haben Tic Rcgicriliig Kereiisti ist ohne Blutvergießen gestürmt. Der AuS schuh fordert die Front auf, de» Petersburger Soldaten und Arbciterrat, die»cue revolutionäre Macht, z unterstütze», der sofort einen gerechten Friede und Rückgabe des Lande? an die Lauer» vorschlage« uiid die Berfas sunggcbcndc Lcrsam«lung einberufen wird. Die ganze örtliche Gewalt geht auf die Lczirts-Arbeitcr- uui Soldatenräte über. Der Kongreß öer Räte. Petersburg, 0. November. sPeterSbuiger Telegraphen-Agenlur.� An dem Houpikongreg der Arbeiter- und Soldaicnrüte aus ganz Rußland nehmen oCO Abgeiondle teil. Der vorläufige Vorsitzende schlug vor, ein Bureau zu wählen, i» das vierzehn Maxi »i a l i st e n, darunter Lenin, Z i n o tv i e w und T r o tz k h, und sieben revolutionäre Sozialisten gewählt wurden Der KongreB billigte darauf folgende Tagesordnung: 1. Orzanisgtion der Macht. 2, ftrithcn und Krieg. 3. Verfassunggcbcude Dcrsammlnng. Darauf wählte er eine Abordnung, die mit anderen demokra tischen Verbänden in Verhandlungen über Maßnahmen zur Ver Hinderung des Bluivergießen« eintreten soll, daS schon begonnen hat Der Kongreß richtete einen Aufruf an alle russischen Armeen� in dem er sie ousfordert, vorläufige revolutionäre Lus» f ch ü s s e zu schaffen und diese verantwortlich fiir die Ausrechlerhal- tung der revolutionären Ordnung und der Festigkeit an der Front zu machen. Die Befehlshaber müssen den Be- fehlen deS Ausschusses Folge leisten. Die Kommissare der Regierung - werden abgesetzt und solche deS Kongresses der Arbeiter« und Sol datenräle reisen an die Front. Ein Mitglied des rcvolulionären Ausschusses berichtet, daß K e r e n S k i am 7. November in G a t f ch i n a, 3S Werst von Petersburg, an eine Abteilung von S Mann, die von der Front nach der Hauptstadt geichickl worden sei, eine Ansprache gehalten habe. Nach Unterhandlungen habe die Abteilung erklärt, daß sie für den Augenblick von den« Marsche nach Petersburg abstehe. In derselben Sitzung erklärte der Borsitzende des Petersburger Arbeiter' und Soldalenrais Trotz kh, daß die Verhaftung drr ehemaligen Minister kein Akt der Rache oder der politischen Ver- geltung sei. Alle sozialistischen Minister sowie die ganze Rc gicrung würden wegen Teilnahme an der Verschwörung KornilowS vor Gericht gestellt. Der revolutionäre milt tärifche AnSschnß hätte indessen mit Rücksicht auf die politischen Parteien, denen die sozialistüchen Minister angehörten, beschlossen, über sie die HanShast zu verhängen. Gestern schon teilten wir die d'rei Proklamationen mit. die der Kongreß an, Donnerstag über die Eewaltübcrnahme, die Aushebung der Todesstrafe an der Front und die Ministerverhaftungen und die KerenSki-Verfolgnng erließ. Ihre VedenUing liegt darin, daß durch sie die revolutionäre Aktion d?S Petersburger Arbeiter« und Soldaieiiratö von der höchsten, nämlich allrussi- scheu In stanz der Räte gebilligt und sanltioniert wird. Die Petersburger fiufrufe an tzeer und Sfenbahner. Wien, 8. November. AuS dem KricgZpreffequarticr wird mitgeteilt: Tie durch die letzten Ereignisse in Rußland geschaffene Lage wird deutlich durch folgenden Aufruf des PeterS- burger Arbeiter- und SoldatenrateS gekennzeichnet: 1. An alle Armeekomitees der operierendeu Armee und au alle Räte der Soldatendeputierteu! Die Petersburger Garnison und daS Proletariat habe» die Negierung KerenSki«, die sich gegen die Revolution und gegen daS Volk aufgelehnt hat. gestürzt. Der Umsturz geschah ohne Blutvergießen. Ter Arbeiter« und Soldatenrat hat den Umsturz feierlich begrüßt und bis, zur Einsetzung einer Regierung der Räte die Macht deS jiriegö-RevolulionSkomiteeS anerkannt. Di« Soldaten werden auf« gefordert, das Benehmen der Kommandobehörden zu überwachen; Offiziere, welch« sich nicht offen und direkt der Revolution ange» schloffen haben, müssen als Feinde verhaftet werden. Programm: s) Sofortiger Vorschlag eines demokratische« Friedens. d) Uebergabe des BodenS der Grundbesitzer au die Bauern. c) Uebergabe der Macht a» die Nöte und sofortige Ein» berusmig der konstituierenden Versammlung. Tie Sbsendung unzuverlässiger Truppenteile aus der Front ist unzulässig. Die Absendung ist eventuell mit schonungsloser Gewalt z u verhindern. Eine Verheimlichung dieses Befehls vor den Soldaten würde dem schwersten Verbrechen gegen die Revolution gleichen und mit aller Strenge der revolutionären Gesetze geahndet werden. Soldatenl Für den Frieden! Für Brot! Für Land! Für die Volksmacht! 2. An akle Kompagnie- und Gcrichtökomitee»! Der Allruisische Kongreß hat beschlossen: Die von KerenSki wieder eingeführte T o d e S st r a f e an der Front tst aufzuheben. Alle revolutionären Soldaten und Offiziere, die sich wegen p o l i t i sich e r Vergehen in Haft befinden. sind sofort zu befreien. Die früheren Mini st er Konovalow(Minister für Handel und Industrie), Kischkin(Minister für öffentliche Fürsorge). Terestichenko(Minister de« Aeußern), Maljantowilsch(Justizminister), Nikttin(Minister des Innern, de» Post- und TelcgraphenwesenS) usw. find vom revolutionären Komitee verhaftet wordeir. KerenSki ist geflohen. ES ergeht an alle Armeeorgan!« iationen der Befehl, Maßnahmen für die sofortig« ver- Haftung Kerenskis zu treffen und ihn nach St. Petersburg ein- zuliefsrn. Jede KerenSki zuteil gewordene Hilfe wird als schweres Siaatsverbiechen bestraft. 3. A» alle Eisenbahuangestellten! In St. Petersburg hat die Arbeiier- und Soldatenrevolution gesiegt. Der V e r t e h r ö m i n i st e r ist unter der Zahl der anderen v e r h a s t e t e n M i n i st e r. Der allrussische Kongreß der Arbeiter- und Soldalendeputierten drückt die Ueberzeugung au», daß die Eisenbahnarbeiter und-Beamten Viaßnahmen zur Ausrechterhaltung der vollen Ordnung ans den Eisenbahnen treffen werdxn. Ter Verkehr darf nicht für eine Minute eingestellt werden. Erhöhte Aufmerksamkeit-inuß auf die ungehinderte Zufuhr von Proviant Die Civcnza in ganzer Front überlchrttten. Vormarsch z«r Piade— Artilleriekampf in Flandern— Französische Vorstöße im Sundgau znrslckgcwiescn— Gefechte im Struma-Gebiet. Amtlich. Großes Hauptquartier, 9. November 1917.(W. T. B.l Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Drr Artilleriekampf in Flandern wuchs am Nachmittage im Afcr-Gebiet, bei Poclkapcllc und bei Passchcndacle zu erheblicher Stärke an. Im ArtoiS lebte da? Feuer an mehreren Stelle« auf. Englisch« Crkundungsvorsiößc südlich von Bchrvillc und nördlich von der Scarpe wurden abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Keine wesentlichen Ereignisse. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Im Sundgau wurden nach heftigen Feuerwellen vorbrechcnde Sturmtrupps der Franzosen zurückgeworfen. Im Luftkampf und durch Abwehrfeuer vcrlorrn dir Gegner 13 Flugzeuge. Leutnant Müller errang seinen 32., Leutnant v. Bülow seinen 25., Leutnant Löhme seinen 22., Leutnant Bongartz seinen 21. Luftsirg. festlicher Kriegsschauplatz. -Keine größere» Kampfhandlungen.. Mazedonische �ront. Im Eerna-Logcu brachten deutsche und bulgarische Abtei- langen aus den feindlichen Gröben Gefangene und 1 Maschinen- gewchr zurück. I» der Struma-Ebrne stießen englische Kompagnien gegen Ljüpri und Prosruik vor. Kraftvoller Gegcusloß bulgarischer Truppe» warf sie zurück. Italienische Frout. Die Livenza ist überschritten. Rastlos streben die verbündeten Armeen auf den GcbirgS- praßcn und in der Ebenc, den Widerstand italicnifchcr Nachhuten drcchcud, im Schnectrcibcn und strömenden Rege« der Pinse zu. Der Erste Gencralquarticrmcistcr. Ludendvrff. Zlbendbericht. Berlin, 9. November 1917, abends. Amtlich. In Flandern scharfer Artilleriekampf bei P a S s ch e«- d a e l e. In der Verfolgung gegen die Piave geht eS vorwärts. Ter österreichische Bericht. Wien, L. November 1917.(W. T. B.) A m t l i ch wird »erlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Der Widcrfiaud der Italiener an der Livenza ist gc- brachen. Tic Vcrliündctcn habe» den Fluß an der ganzen Front überschritten und dringen gegen Weste» vor. Auch in den Tiroler Grrnzgrbirgru machten unsere Trupven Fortschritte. Im Osten und in Albanien nicht? Neues. Drr Chef de? GrneralstabeS. an die Städte und an die Front gelenlt werden. Die revolutionäre Macht der Räte nimmt die Sorge zur Vetbesserung der materiellen Lage der Eisenbahner auf sich. In das VerkehrSmini- st e r i u m werden Vertreter der Eisenbahner berufen werden. Der Allrussische Kvngrefi der Räte. Du alle ArmeedivisionSkomitecS! Heute wird der Kongreß der Räte eröffnet. Die Armeekomitees lehnten eS ab, Vertreter zwecks Aeußerung deS Willens der Armee zu entsenden. Wir schlagen Euch vor, Delegierte auS Eurer Mitte unverzüglich zu rntscndcn. Die Teilnahme an der Lösung der Frage über da» Lo« der Revolution abzulehnen, ist eine Sünde, die die Geschichte nicht ver- zeihen wird. Wählt je einen Delegierten auf 25 009 Mann und endet ihn zum Kongreß. Der St. Petersburger Arbeiter-«nd Soldatenrat. Die bolschewistische Taktik in üer Zrieöens- frage. Stockholm, 9. November.(Gig. Drahtbericht des„Borw."> Die Triebkräfte der neuesten Wendung in Rußland find verschieden. I» der letzten Rummer des hiesigen„Boten der russischen Revolu- tian" schrieb Lenin nachstehendes:„Die Lösung der Krise«abt. Ein Bauernaufstand wächst heran, weil tatsächlich nebe« der Sowjet- rcgierung eine Regierung von Kapitalisten und Junkern besteht. Ebenso treiben uagelöfte Nationalfragen der Krise entgegen. DeS- gleichen verschärft sich der Konflikt der Eisenbahner und Postbeam- tcn mit der Regierung." LeninS Darstellung steht die Tatsache gegenüber, daß die entscheidende revolutionäre Tat von dem Petersburger Proletariat vollführt wurde, wobei allerdings ein bäuerlicher Einschlag der Garnison beachtet wer- den«nnß. Man kann nach der Borgeschichte und dem bisherigen Bellauf annehmen, daß der Friedens drang die Haupt- rolle in dem Ereignis spielte, woncben ähnlich wie in Pat'.S 1871 patriotische Erregung mitwirkte. Die heute erschienene Prawda-Korrespondenz schreibt: Die Arbeiterschaft ist er« b i t t e r t, weil sie überzeugt ist, daß die Rcgierung auS Petersburg Nichten und die Stadt dem Hunger und den Deutschen ausliefern wrll. ES wächst derWillezur Bertridigung der Revo- lntion gegen die Regierung wie gegen die beut- schrn Truppen. Tie politische Vorgeschichte zeigt dir völlige Diskreditierung der Regierung rechtsseitig wie linksseitig. Innerhalb der Regierung bekämpvfcn wider- strebende Einflüsse einander. Tie Agrarpolitik Madlows wurde verschleppt. Tie Moskauer Kadcttenkonfcrenz gab Miljukow, wel- cher KerenSki als Phrafcnmacher abtat, eine große Mehrheit. Gleichzeitig fand in MoSkau der Kongreß unter Borsttz RodziankoS statt, auf dem auch Kadetten»nd Generäle gegen die Koalition auf- traten. Brusislow und Rußki forderten die Durchführung bvi Programms KornilowS, den sie verherrlichten. Rodzianko forderte die Antldemokraten auf, auf die Straße zu gehen. Er führte in Obstichej» Djclo", von der bürgerlichen Presse«ntetstützt, eine Provaganda zugunsten KornilowS, der ein Opfer KerenSkischer Pro- vokation«nd Bcrrälcrei fei. Die Petrograder„Ruft" und die illegale ReaktionSprcsse forderten die Diktatur KornilowS. Di« Kosaken setzten einen Bcrtreter in der Nntersuchungskommission durch. Die Menschewiki waren desorientiert, sie bekämpfte« einer. seit? TcrestschrnkoS Preisgabe revolutionärer FriedcnSparole, an- derrrsritS die BoltSbewegung. R j a f a» o« erklärte gegen Mahnungen zur Ruhe im Zcn- tralfovjet namcnS der Bolstsiewiki. baß die Redensarten von Landes- Verteidigung erst Wert bekämen, wenn die Sowjets dir Macht über nähmen. Nicht die Bolschewiki, sondern die NegierungSpolitit bereite den Aufstand vor, aber die Bolschewiki würden in den ersten Reihen dcö AufstanbcS stehen. Rjasanow legte eine Resolution vor, welche erklärt, daß die Regierung daS Schicksall der Revolution auf« Spiel fetze, wenn sie nicht Friedensverhandlungen vorschlage. Die Regierung mache de« Sowjet« Platz, welche über den Frieden verhandeln und einstweilen das Land verteidigen würden. Gegen Rjasanow» Resolution stimmten auch LinkSsozialrevolutio- näre«nd Martowlstr«, welche indeS anscheinend im Vorparlament für den Wohlfahrtsausschuß und de« FricdenSvooschlag stimmten. Bemerkenswert ist, daß im Zentralsowjet Frontdelegierte erklärte«, daß üch unter den Soldaten eine Friedenssehnsucht kundgebe» die bis zur Forderung eines Sondrrfrie- den« gehe. Bei Frosteintrikt drohe ein Teil der Soldaten heim» zugehen. Inwieweit bke Bolschewik? außerhalb Petrograds bei de« n o r b- russischen«nd sinnische« Garnisonen und der O st- seeflotte Unterstützung erfahren werden, ist schwer zu braut» warten. Aber immerhin stimmten von 17 000 Moskauer Soldaten 14 000 bolschewistisch; die Stimmcnzahl der Sozialrevolutionäre sank im siauk kleinbürgerlichen Moskau von 70 Proz. im Juli auf 1» im Oktober, die der Kadetten stieg von 17 Proz. auf 30, verlor aber absolut, da sie von 07 000 aus 02 000 fiel, während die Stim- men der Bolschewiki? von 34 000 auf 82 000 und 48 Proz. stiegen. Bei dieser von Lenin zitierten Statistik ist jedoch bemcrkklich, daß die Gesamtstimme« von 4M 000 auf 2MOOO sielen«nd die überall hervortretende politische Pissivität mahnt, Lenins Behau p- tung, daß die B o l s ch c w i k S zusammen mit den linken S o- zialrroolutionären die Mehrheit in den Sowjets, in der Armee und auf dem Lande haben, mit Vorbehalt hinzunehmen. Weiter drahtet unser Stockholmer Mitarbeiter: Im Gespräch mit einem leitenden Komiteemrtglied erfuhr ich, daß die öfter- reichische und die ungarisch« Partei sowie die deutsche sozialistische Minderheit zu einer internationalen Konferenz nach Stockholm eingeladen werden sollen; dagegen halte sich daS Komitee angesichts der Würzburger Resolution nicht für befugt, auch die deutsche sozialistische Mehrheit einzu- laden, solange diese nicht eine wirkliche Friedensaktion führe; indes gab der Gewährsmann den Widerspruch zu, der darin liegt, daß einerseits Verhandlungen der bolschewistischen russischen Regierung mit den bürgerlichen Regierungen stattfinden sollen und andererseits die deutsche sozialistische Mehrheit von den Ver- Handlungen in Stockholm ausgeschlossen werden soll. Ebenso be- steht ein Widerspruch zwischen der Forderung der Verhand- lung:n mit den fremden Regierungen und der bisherigen bolsche- wistischen Taktik, welche in der Aufforderung auSklingt, auf die Straß« zu gehen und in den Massenstreik einzutreten. Man gab mir auch zu, daß die russische Lage schleunigstes Verhandeln zwischen den Regie- rungen fordere und nicht erst verschleppend« Diskussionen der Parteien, wie bei der HuySmanschen Konferenz, stattfinden dürfen. Man meint iirdeS, daß jedenfalls einige Zeit notwendig sein wird, bis die russische Lage soweit konsolidiert sei, daß die bolschewistische Rcgierung mit internationaler Autorität handeln kann. Daß diese Regierung lebensfähig sein wird, glauben die hiesigen BolschewikS angesichts deS allgemeinen Frie- denvdrangeS und der Erregung der Bauernschaft wegen der ver- zögerten Lösung der Agrarfrage; wenngleich die ungeheuren Schwierigkeiten, in welchen sich das desorganisierte Land befindet, und die starken konterrevolutionären Interessen nicht verkannt werden. Die BolschewikS halten die Konstiwierung einer Gegenregierung zwar nicht in Moskau, sondern eher im Süden nicht für ausgeschlossen, meinen aber, daß diese in der Armee keinen Halt finden wird. Ueber die wahrscheinlich« Taktik der bolschewistischen Regie- rung in der FrisdenSfrage sagt man mir, daß die Regierung allen Regierungen die sofortigen Unterhand. l u n g e a anbieten wird auf der Basis des Verzichts auf Ann?xionen, auch auf verschleierte. Man verspricht sich davon eine sckxwer widersrehlichc moralische Wirkung auf die Völker. Wenn die russische Demokratie den Krieg nicht bis zur völligen Selbstbe- stimmung aller Völker, welche erst, durch siegreiche allgemeine Rc- volution möglich wäre, fortsetzen wolle, so könne sie doch nicht die Böller verschachern. Andererseits sei sie außerstande, wegen fremder imperialistischer Interessen, beispielsweise wegen der lothringischen Erzlager, den Krieg fortzusetzen, und sie müßte bei der Weigerung der Entente an eine separate Waffenruhe denken. Da» hiesige Sowjetburcau ist angesichts der allgemeinen Lage skeptischer. Es beftirchtet einen zaristischen Rückschlag oder die Dik- tatur und mißtraut LeninS Begabung zu positiver Politik. A x e l r o d gibt zu, daß der Sieg der BolschewikS die Folge davon gewesen ist, daß die bisher mitrcgirrendr sozialistische Partei die FrirdenSfragr und dir Berufung der Konstituante vernachlässigt hat. Der Anschluß öer baltischen§lotte. Reval und Kasan. Petersburg, 9. November.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Räch Meldungen aus HrlsingforS haben die Abgeordneten der baltischen Flotte«nd die Soldatenausschiisse beschlossen, sich dem Arbeiter- und Soldatenrat von Petersburg und dem Revolutionsausschuß anzuschließen und sie zu unter- stützen. Der Revolutkonäre Ausschuß in Reval hat alle militärisch wichtigen Punkte bort besetzt. Nach Meldungen aus Kasan ist der dortige Trupvenbefehls- Haber, General Archipow, festgenommen worden; die Osfizierschülcr und dir Offiziere der Panzerkraftwagen haben sich erßtbe». Hr. 30� ❖ 34. Jahrgang Beilage öes Vorwärts Sonnabenö, 10. November? Hl 7 Parteinachrickten. Sozialdemokratische Stadträte. Die Siadtverordneten der Stadt Dresden nabmen am Don- nerStagabend in ihrer Sitzung die Ersatzwahlen für die ausscheidenden Stadträte vor. Dabei wurden aucb auf Grund vorheriger Bereinbarungen für zwei ausscheidende konservative Ratsmitglieder zwei Sozialdemokraten, und zwar die Genossen Reichstagsab�eord- neter B u ck und Stadtverordneter Krüger einstimmig mit gewählt. Damit erhöht sich die Zabl der sozialdemokratischen Ver- treter im Stadtrat der sächsischen Landeshauptstadt auf drei; seil- der war die Sozialdemokratie nur durch den Genossen Braune im Dresdener Stadtrat vertreten. Seit 10 Jahren�baben die Dresdener Parteigenossen vergeblich um einen Sitz im Stadtrat gekämpft; de: Krieg hat auch hier niit dazu beigetragen, in die ablehnend'e bürgerliche Phalanx eine Bresche zu schlagen. Ein viertes Ratsmitglied ist den fozialdemo- kratischen Stadtverordneten bereits bei der nächsten Vakanz be- stimmt zugesichert worden. Dann würde die Vertreterzahl im Stadtrat der Stärke der sozialdemokratischen Stadtverordneten- sraktion entsprechen. Bericht vom Parteitage. In der am 28. v. M. in Stettin abgehaltenen Parteiver sammlung erstattete der Delegierte Genosse Kuntze Bericht über den Würzburger-Parteitag. Er stellte sich rückhaltlos auf den Boden der Parteitagsbeschlüsse, die seinem bisherigen Standpunkt ent- sprechen. In der Diskussion begrüßten drei Redner das Ergebnis des Würzburger Parteitages und erwarteten, daß die dort gefaßten Beschlüsse der Parteibewegung zum Segen sein wenden. Für Frieden und Freiheit.* In einer sehr gut besuchten Versammlung, die am Donnerstag in Saalfeld tagte, sprach Abg. Genosse Schöpflin für den Verständi- gungsfrieden und für die smheitlichc Umgestaltung Deutschlands. Gegen eine Stünme erklärten sich die Versammelten mit dem Referenten einverstanden; einstimmige Annahme fand eine Reso- lution, die für das Herzogtum Meiningen das gleiche Wahlrecht forderte. GroßSerlln Ter Mieter ein Kuli des Hausbesitzers? DurS einen Teil der Berlmer Presse geht die Ikachrickt von einer demnächst bevorstehenden neuen Verordnung über das Schnee- schippen im kommenden Winter. Nach ihr werden die Hausbesitzer verpflichtet, den Schnee vom Fahrdamm vor ihrem Hause fort- zuschaffen und an der Bordschwelle aufzuhäufen. Fällt der Schiice bei Tage, io ist sofort mit der Arbeit zu beginnen, fällt er nachts, so beginnt die Arbeil ti Uhr früh. Natürlich— heißt es weiter— kann die Arhei: auch durch Beauftragte ausgeführt werden. Für den Fall, daß Schwierigkeiten infolge Personalmangels uiw. ent- slehen, gilt folgendes: Der Hausbesitzer legt ein Verzeichnis seiner Mieter, Männer wie Frauen, im Atter von 14 bis(30 Jahren an. soweit sie zu lörperlicher Arbeit befähigt sind, und forderr zur frei- willigen Htlfeleistung auf. Versagt diese, so ist der Hausbesitzer be- rechtigt, die Mieter zu bestimmen, die bei der Arbeit zu helien haben. Die Widerstrebenden werden der Polizei gemeldet. Zuwiderband- Inngen gegen die Verordnung werden sehr streng, mit Gefängnis bis zu einem Jahr und ISOO M. Geldstrafe geahndet.........--- Die Folgen dieser angeblich bevolsteheiiden Verordnung haben sich die Zeitungen, die die Tatarennachricht obnc Kommentar ver- breiten, wobl nicht recht überlegt. Sie bestehen dorm, daß den Hausbesitzern ein souveränes Versügungsrecht über die Arbeitskraft ihrer Mieter eingeräumt werden würde. Die Mieter wären der Willkür ihrer Hauswirte auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Wer sich mit seinem Wirt„schlecht steht", wer etwa seine Wohnung gekündigt oder sonstwie daö Wohl- wollen des Allgewaltigen eingebüßt hat, kann sich unier Umständen darauf gefaßt machen, jeden Morgen um 0 Ubr zum Schippen kommandiert zu werden und im Weigerungsfalle strenge Bestrafung zu gewärtigen! Sollte auch nur etwas dieser angeblichen Ver- Ordnung annähernd Aelmliches geplant werden, so erheben wir schon jetzt den aller schärf st e»Protest dagegen! Ocffentlichc Geuiüscbewirtschastung. Die Potsdamer Bezirksstelle für Gemüse und Obst in Berlin bat angeordnet, daß in den Kreisen West- und Osthavclland Weiß-, Rot- und Wirsinglohl, in den Kreisen Osthavelland, West- und Ost- priegnitz Kohlrüben und�Runlelrüben nur mit ibrer Genehmigung abgeietzl werden dürfen. Die Verreilung des hierdurch erfaßten Gemütes auf die verarbeitenden Betriebe und den Frischvsrbranch erfolgt durch die Reichsstclle für Gemüse und Obst. Diele bestimmt insbeiondere, welche Nämgen iür den Frischverbrauch für den Re- gierungsbezirl Potsdam zurückgehalten werden dürfen und wohin der Ueberschuß abzuliefern ist._ Berliner Lebensmittel. In der kommenden Woche werden in Berlin wiederum die Kartoffeln für die daraus folgende Woche ausgegeben. Wem es nicht möglich war. bis zum Ablaut dieier Woche seine Karloffctn aus die isonderkarioffelkane zu entnehmen, kann diese Kartoffeln auch noch im Laufe der nächsten Woche beziehen. Kleine Anfragen. 7. lieber die Fahrgelegenheiten von Spandau nach Berlin wird von Arbeitern, die von der Nachtschicht kommen, andauernd Klage gerührt. Die Früh,üge nach dem Lehrter Bahn-' hos treffen meistens mit erheblichen Verspätungen ein oder hallen unterwegs io lange, daß die Anschlüsse nicht erreicht werden könne». Außerdem sind die Züge derartig übcrinllr, daß zahlreiche Fahr- gaste keinen Platz finden und sich oft mehr alS 30 Personen in einen Abteil-Wangen müssen.— Ist die Eisenbabiiverwaltung viel- leicht der Meirnma, daß Arbeiter, die eine elfstündige Nachiichichl glücklich hinler sich haben, im frohen Bewußtiern erfüllter Pflicht solche kleinen Exiraftrapazen auch noch mit in den Kauf nehmen können'i U. A. lv. g. Antwort zu ö. lNr. 307.) Die Firma Eduard Sacks teilt uns mit, daß die Weigerung ihres Angestellten. Bekleidwigs- stücke ön Mannschaften zu verkaufen, durch eine zum Zweck der Tuch- und StofferfparniS getroffene kriegsminifterielle Anordnung veranlaßt worden ist. Seinen F r ö b l> ch iT>. Geburtstag feiert heute uuser Genosse Fritz MuSkauer Str. 1. Er gebört der Parier seil dem Jabre 1892 an und bat ihr gegenüber seine Pflicht allezeit in jeder Weile ersüllt. Von Berns Maurer, wirkte er ebenfalls stets Vorbild- sich in«'einer Gewerlschasi. Nach dem ,Vor>värts"-Boykott uno der Parteiwatt, mg blieb er unserer allen Fahne treu. Wir wünschen, daß dem Jubilar seine heutige Frische und Rüstigkeit noch lange erhalten bleiben und ihm ein sorgenfreier Lebensabend beschleden sein möge! Ter Wintergarten gibt in seinem neuen Spielplan wieder eine Fülle des Sehens- und Hörenswerlen. Das siäilste Ausieben mag der Deckenläufer erregen, der m schwindelnder Höhe seinen»köpf- hängeriichen' Spaziergang macht. Unterhaltender finden wir aber die sonstigen Darbietungen des abwechslungsreichen Spielplans. Die Tänzerin Irene Marebn erntet beionderS mit ihrem tollen Hexentanz stürmischen Beifall Dnrch Anmut wirken und seffeln die drei Tänzerinnen des Regius-Puella-Trios. Die Vorträge des ■ Gesangshumoristen Oliv Röhr verletzen den Zuhörer in heiterste \ Stimmung. Erstaunlich sind die Krasileistungen der Akrobaten- ' iruppe Urbants. die Geichicklichkeit der komischen Radfahrer Dolep j und Partner, die Fingerfertigkeit des Tklicheiispielers Rott Hansen. Der Cloivu Peppo leistet Hervorraaendes in der Hundedrcssur. Der Tpsrtpark Treptow veranstaltet am Sonntag ein Zwei- stuiidcn-MgnnichaitSrennen hinler Schrittmachern. Das Rennen ist das längste Rennen dieser Saison. Es beginnt pünktlich um 2� Uhr. Die königliche Zllitdenanstalt in Steglitz warnt dringend vor einem Betrüger, der wieder in Berlin und den Bororten sein Unwesen treibt, indem er unter Berufung auf die Anstatt angebliche Blindenarbeiten zum Verkauf anbietet und Arbeirsausiräge erbitter. auch auszubesiernde Sachen mitnimmt, die er natürlich nicht zurück- bringt. Die Anstalt bar selbstverständlich niemals einen derartigen Bolen auSgeiandt und kann daher nur bitten, den Schwindler durch die zuständige Polizei festnehmen zu lasten. Neukölln. Stadtverordnetenversammlung. Ueber die von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachte Interpellation wegen der Lebensmittel- und Kohlenveriorgung wurde bereits gestern berichtet. Zu dem Magistrats antrag aus Erhöbung der GaS- und Elek trizträtspreiie erklärte die sozialdemokratische Fraktion durch Genossen G r o g e r, daß sie nicht zustimmen werde. Wenn sie auch die jetzige Finanzlage der Stadt nickt ver- kenne, so müsse sie doch die Preiserhöhung als durchaus ungerechiferligr ablehnen. Die Gasverteuerung würde die Volksschichlen bediücken, die bisher schon große Lasten zu tragen hatten. Die Erhöhung von 10 Pf. für 1 Kubikmeter aus 20 Pf. bedeutet 2ö Proz. mehr, aber da die Gasverschlechterung zum Mehrverbrauch zwingt, so kann man die Mehrausgabe auf 00 Proz. schätzen. Für die kleinen Abnehmer mit weniger als 300 Kubikmeter im Jahr, die vier Fünftel aller Abnehmer sind, ist keine Vergünstigung gewährt. Der Magistrat begründet die Preiserhöhung mit der Unkostensteigerung, gibt aber die Nebenprodukte trotz außerordentlicher Wert- steigerung immer noch billig an die Militär- Verwaltung zu alten Preisen. Die aus der Teuerung der Kriegszeit entstehenden Mehrausgaben der Gas- und Elektrizi- tätswerle sind als Kriegskosten anzusehen und als solche zu über- nehmen, nickt aber den Verbrauchern aufzulegen. Stadtverordneter D e t e r glaubte sagen zu dürfen, klerne GaSabnchmer hätten manchmal weit mehr Einkommen als die großen. Genosse Conrad kennzeichnete die Gaspreiserhöhung als Ausbeutung einer Notlage, weil bei dem Mangel an Kohlen und Petroleum die Möglichkeit des Ersatzes für Gas fehlt. Dabei haben die Werke bisher noch Ucberschüsse gebrocht, wenn auch geringere als sonst. Für den Magistrat erwiderte Stadtrat Arlo rt, die Preiserhöhung sei unvermeidlich, weil man Mehreinnahmen brauche. Neukölln lönnc sich von dem Vorgeben der Gemeinden Grvß-BerlinS nicht ausschließen. Rücksicht auf kleine Abnehmer sei nichts mög- lich. Die Abstimmung ergab gegen die Stimmen der Sozial- demokraten die Annahme der Preiserhöhungen.— Das neue Orlsstatut über die Sonntagsruhe im Handel setzt für die meisten Geschäfte volle Sonntagsruhe fest, läßt aber den Lebens- mittel-, Gtnußmiitel- und Blumengeschäften immer noch eine Laden- zeit von 8—!0 und 12—2. In der Begründung bezieht sich der Magistrat auch auf eine Eingabe des Zentralverbandes der Hand- lungsgehilfen, die den Sonniagsschlüß für die NichtledsuSmtttel- geichäfte forderten. Genosse Tburow wiederholte die schon in der Gewerbedeputation von der Sozialdemokratie aufgestellte Forderung. die Ladenzcir von 12—2 in allen Geschäften zu beseitigen. Der Magiftrat ist aus den von der Deputation einstimmig unterstützten Vorschlag noch nicht eingegangen, erklärle aber in der Stadtver- ordnetenveriammlung, er werde nach Anhörung der Beteiligten eine Vorlage machen. Die Stadtverordnelen genehmigten das Statut.— Zugestimmt wurde dem MagistratSantrag. in Neuköllns höheren Schulen vom April 1018 ab keinen Schulgels- Zuschlag von B r i tz e r K i n d e r n zu nehmen, wie auch Britz gegen- über Neukölln das nicht mehr tun will.— Den Zustand der G e- meinde schule in der Mahlower Straße, die nach längerer Benutzung als Kaserne nicht wieder ordnungsgemäß her« gerichtet ist. brachte Genosse Schuck zur Sprache. Der Magistrat schwieg. Für den Provinziallandtag wurden gewählt Oberbürgermeister Kaiser, die Stadträte Markgraf und Weigand, die Stadtverordneten Sander, Grogcr>Soz.) und mit einer einzigen Stimme Mehrheit Abraham(gegen Emmeluth, für den die Sozial- demokraten stimmten). Neukölln. Städtischer Fischverkaus. Auf den für die Fisch- Verteilung zur Verfügung gcitellteu Abschnitt 08 der Lebensmittel- karte haben bis jetzt nur rund 80000 Einwohner Fischwaren oder Fische entnommen. Der Verkauf auf Abschnitt 08 wird deswegen noch bis zum 10. November fortgesetzt werden. Nach Ablauf dieser Frist Ivird ein neuer Abschnitt der Lebensmittelkarte für den Fischvcrkauf freigegeben werden. Lichtenberg. Stadtverorbnetenversanunlung. In der Sitzung vom Donnerstag bildeten wiederum die Ä r i e g s t e u c r u n g s- z u l a g e n den Mittelpunkt der Verhandlungen. Die in der letzten Versammlung gewählte Kommission hatte nicht umvcsent- liehe Aenderungrn der Magistralsvorlage vorgeiwmmcn. Ins- besondere waren die vier Gehaltsgruppen in drei zusammengezogen worden und die Zulagen für diese aus 000, 720 und 800 M. bemessen worden. Tie obere Gehaltsgrenze für die Gewährung be- trägt 10 000 M., während die Viagistratsvorlage 10 000 M. vorgesehen hatte. Die Mehrheit in der Kommission war der Auf- sassung, daß bei Beamten mit niedrigen Gehältern eine höhere Aufbesserung am Platze sei. Oberbürgermeister Ziethen er- suchte, an der Gehaltögrcnzc von 10 000 M. festzuhalten. Die Herabsetzung wäre eine Ungerechtigkeit gegenüber den städtischen Beamten, die dann schlechter wie die Staatsbeamten und die Lehrerschaft der höheren Schulen gestellt würden, bei denen bc- lanntlich 15 000 M. die Höchstgrenze bilden. Er verwies auch daraus, daß die Groß-Berlrner Gemeinden sämtlich bei diesem Gehaltssatz geblieben sind. Zu der abgeänderten Vorlage wurden verschiedene Wünsche laut, die sich zu einer ganzen Anzahl von Anträgen verdichteten. Ge- nosse John verteidigte in längeren Ausführungen in eindring-- lichstcr Weise die Äomnüssionsvorlage. Ihm schloß sich Genosse M i r u s an, der betonte, daß man dem Staat nicht immer un- bedingt zu folgen brauche. Er erinnerte die bürgerliche Fraktion an ihre frühere, wenig einsichtsvolle Stellungnahme zu den Er- böhungen der Mietbeihilfcn, den Zulagen der Kriegcrsraucn usw. Da die von den Mittclständlcrn und der bürgerlichen Fraktton ge- stellten Anträge nickt zurückgenommen wurden, sab sich unsere Fraktion veranlaßt, durch Genossen John gleichfalls einen An- trag zu stell n, sämtlichen Beamten eine gleichmäßige Zulage in Höhe von 800 M. zu gewähren. Dieser Antrag fand auch die Zu- stimmung der Unabhängigen. Gleichzeitig wurde namentliche Ab- stimmung beantragt, die die Ablehnung des Antrages mit 23 gegen 18 Stimmen ergab. Bei der weiteren Abstimmung wurde schließ- sich die Kommissionsvorlage angenommen. Auch die Vorlage be- züglich der Zulagen für die Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen wurde in der Kommissionsfajsung angenommen, die wesentliche Verbesje- rungen vorsieht. Ohne Widerspruch gelangten auch die übrigen Teuerungsvorlageu zur Annahme, mit der Maßgabe, daß die je- weiligen Kinderzulagen bis zu 18 Jahren gewährt werden. 1 Der Magistrat hat den Fraktionsleitungen umfassende Be- richte über die bisherige Nahrungsmittelversorgung zugehen lassen. Genosse John nahm diese Berichte zum Anlaß, sich gegen die von den Staatsbehörden beliebte Zuteilung von Nahrungs- Mitteln an die Kriegsbetriebe zu wenden. An diese Betriebe werden Nahrungsmittel nicht selten in solchen Mengen abgegeben, daß diese gar nicht vertrieben werden können. Dieser Zustand sei gerade- zu skandalös, der Tatsache gegenüber, daß Frauen aus den unteren Bevölkerungskreisen viele Stunden anstehen müssen, um nur m?t größter Mühe geringe Mengen von Lebensmttteln zu erlangen. Stadtverordneter Brühl(llnabh.) brachte eine Anzahl Be- schwerden zur Sprache, die zum Teil auch die städtischen Verkaufs- stellen betreffen. Stadtsyndikus Dr. Maretzky beantwortete die gestellten Anfragen und gab auch über die Beschwerden ent» sprechende Aufklärung.____ Schöneberg. Lebensmittel. Von beute bis Dienstag findet Voranmeldung statt für Pfund gemischte Marinelade auf Ab- schnitt 70 der Nährmittelkarte und 2 Suppenwürfel auf Ab- schnitt 20 der Nährmittelkarte für Jugendliche. Ausgegeben werden in der nächsten Woche 200 Gramm Teigwaren auf Ab- schnitt 74 der Nährmittelkarte und Vi Pfund Kartoffelwalzmehl auf Abschnitt 24 der Nährmittelkarte für Jugendliche. Tempelhof. Für die Vorortgemeinschiift. Die Gemeindevertretung hat Doinierslag nach einem Bericht des Bürgermeisters Wleiener über die Groß-Berliner Frage beschlossen, der Vororlgemeinichaft im Kreise Teliow mit einem Jahresbeitrags von 1000 M. beizu- treten. Die Gemeindevertretung entsandte in den Berwaltungsral der Gemeinschaft den Gemeindeverordneten Ingenieur Matz, als Vertreter in die Mitgliederversammlung die Gemeindeverordnelen Direkior Grökel, Bureauvorsteher Bargemeister(Soz.), Direktor Hensel und Sanitälsral Dr. Richter. Die erste Ortsgruppe der Bsrliner Vorortgemeinschast wurde Donnerstag abend in emer Versammlung gegründet, die im Bürger» i'aale des Friedenauer Rathauses unter zahlreicher Beteiligung stattfand.,_ FriebrichShage». Lebensmittel. In der LebenSmittelperkaufs- stelle der Gemeinde kommen zum Verkauf: junge Gänse und Enten. Ferner frischgeschnittener Spinat und Gemüse. Zu Futter- zwecken ist ein größerer Posten Sioppelrüben abzugeben. Beim Einkauf sind die Lebensmittel- und Kohlenkarten mitzubringen. Groß-9erliner Parteinachrichten. Berlin II. Morgen, vormittags 10 Uhr, finden in folgenden Lokalen Extra-Abieilungsversammlungen statt. Für die L und Ii- Abteilung Westen bei Adolf Rickert, Steinmetzstr. 36»; HI. und IV- Abteilung Südwesten, Lindensir. 3; V. Abteilung bei Mann, Horn- straße 2; VI. Abteilung Südwesten bei Schuster, Chamissoplatz 4; VII. Abteilung Süden bei Reim, Urbanstr. 28; VHI. Abteilung Süden bei Welle, Hasenheide 04. Potsdam. Ter sozialdemokratische Wahlverein hält morgen im Friedrichsgarten, Alte Luisenftr. 37, eine Mttgliederversamm- lung ab. Genosse Stahl- Spandau gibt den Bericht vom Würz- bürge: Parteitag. Tie Geiwssen, die aus irgendwelchen Gründen ihre Beiträge noch nicht entrichtet haben, sind besonders einge» laden. Soziales. Vergessener Schutz. Die Vorfchrifien der Reichsveisicherungsordnung find im all- gemeinen ganz auf den Friedenszusiand zugeschnitten. Daraus ci>> gaben sich bei de» durch den Krieg bewirkten Verhältnissen in vielen Fällen für die Versicherten oder ihre Angehörige Härten und Miß- stände, die durch besondere bundesrätliche Verordnungen haben behoben werden müssen. Durch Verordnung vom 11. Mai 1816 ist für verschiedene Fälle der nicht rechtzeitigen Geltendmachung des Anspruches auf Erstattung von Beiträgen nach ß 388 Satz 3 des Versicherungsgeietzes für Angestellte vorgebeugt und eine Verlängerung der Antragssristen ausgesprochen worden. Aber auch diese Verordnung genügte in keiner Weife, allen Härten entgegenzutreten. Es ist deshalb durch eine neue Buiidesratsverordnung vom 19. Oktober 1817. auf die wir schon in Nr. 281 deS„Vorwärts" hinwiesen, grundsätzlich bestimmt worden. daß nunmehr iilr olle Kriegsteilnehmer und solche Versicherte, die obna zur bewaffiieterr Macht zu gehören, sich bei ihr aufgehallen haben oder ihr gefolgt sind, oder die in die Gewalt des Feindes geraten waren, der den Hinterbliebenen zustehende Anspruch auf Beitragserstatlung innerhalb einer Frist gel- tend gemacht werden kann, die mit dem Schlüsse de? Kalender« jahreS beginnt, in welchem der Krieg beendet ist. Eine gleiche Frist, wie sie ß 383 deS Versicherungsgesetzes für Angestellte für die BeitragSexstattung vorsieht, sieht auch§ 1300 der Reichs- versicherung�ordnung vor. Nach dieser Vorschrift muß der Anspruch auf das Wt'twengeld, die einmalige Zahlung, die beim Tode eines Versicherten gewährt wird, wenn die himerbliebene Witwe selbst die Anwartschaft aus Invalidenrente erworben hat, innerhaib eines Jahres nach dein Tode des Ehemannes geltend gemacht werden. Genau so. wie durch die BundeSrattverordnuiig vom 11. Mai 1816 war durch eine weitere vom 12. Mai 1816 auch diese Frist in bestimmten Fällen verlängert worden. Die gleichen Gründe jedoch. die für die neue BrnrdeSratsverordnung vom 19. Oktober 1817 sprechen, treffen auch für die Ergänzung und Erlveiierung der Ber- ordnung vom 12. Mai 1916 zu. Ilm allgemein bei Todesfällen von KriegSteilnebmerit zu verhüten, daß durch eine FristversäuinniS die Hinterbliebenen geickädigt werden, bedarf es neuer Vorschriften, wre sie der vom 18. Oktober 1817 entsprechen. Wir haben auf die Skot- wendigkeit der Schaffung einer solcken neuen Verordnung bei der Mitteilung der Verordnung vom 18. Oktober 1817 nicht hingewieien, weil wir bei dem enge» Zusammenhang der zwischen Invaliden- und Angestelllenverstcherung bestehenden Verhältnisse ohne weiteres angenommen haben, daß tiir das Gebiet der Invalidenversicherung enie solche neue Verordnung auch erscheinen werde. Wir mußten um so mehr dieser Annahme sein, als ja auch im Mai 1816 hinler- einander zwei die Angestellten- und die Invalidenversicherung betreffende Verordnungen erschieneir sind, lieber vierzehn Tage sind nunmehr jedoch seit der letzten Verordnung ins Land ge- gangen und eS hat den Anschein, als ob man die Interessen der Witwen der durch die Kriegsfolgen ver- storbenen Jnvalidenversicherten vergessen habe. Es bedarf wahrickeinlich nur dieses Hinweises, um die Reichsregieruug zu veranlaffen, die gleiche Vorschrift, wie sie jetzt für das Gebier der AligestcVienversichenmg erlassen ist, auch für das Gebiet der Jiivattdenversicheruiig zu erlasien. Was dem einen Kreise der Velsicherle» reckt ist, ist noturgeinäß dem anderen nur billig. Alis wir darren der elwähnlen neuen Verordnung. Wann wird sie erscheinen?"_ Märkische Spielvereinigung 0>lrb-Turner-Bund). Am Sonntag nnden folgende Fnrk>all>picle Iiatt: i2. LehriingSabtcilmig gegen Fichte- Nord II in Remickeiidorf. Thunerstraße: 6. Leliriingsabteilmig gegen Bellen und Fichte-Oit gegen AdlerShos in Baumschulenweg, Eovenicker Landstraße; B. f. B. gegen Weißenice in Friedrichibagcn, Gememdeipiel- platz; Luckenwalde I gegen Wilmcrsdort und LuckeMvalde II gegen Reu- kölln in Luckenwalde. Spielbeginn 2'/, Uhr. Sriefkasten öer Reüaktion. fR. 5t. S(i. 1.;>fl. Wenden Sie sich, falls erfolglvI, an den Kriegs- «usschujz, LüUensw. aäiSö. 2. Starke Herabsetzung der Sebschärie. Auch für Landsturm d.— Lmikron. wenn Hilssbcdürstigkeit por. liegt- 2. An den Mcisausschu», ereilt, spölcr an den RegierungSpräftdeiitcn. — Neuer Zibviinciit Ä»0. Das lädt sich im Briefkasten nicht aus. einandcrsetzen. Wenden Sie sich an die.Aor>vArtS''-BuchhandIung, Linden- stratze 3. wegen einschlägiger Literatur.— St. gl. S. Jeden Donneistag im Bootshaus Oberschünewcidc, WilhelmSstrcmd.—.BorwürtS": 31 S. 3843 in Dannstadt.— S. 4. 11. 1. Se-Iifche Krankheit. 2. Ein solcher Paragraph ist uns nicht bekannt. Wir ciiuchcn um nähere'Angaben. — Tchea 800. 1. 1200 M. 2. Ja. 3. Ja. Wird, aber erst nach der Heirat ge�ahU.— Hage-i-Steglt«. Erbeben Sie unverzüglich Klage.uis .Verausgabe.— I. 550. Wenn Sie nichts als Ihre Löhnung haben, können Sie nicht zahlen. Verpjlichtrt sind Sic dazu.— F. A. 10,481. Nur die behördlich sür Zivitpersonen ictlgcsetzte Menae.— Jicldarancr 18,74. Ja. Stellen Sie einen dementfprechendei: Antrag.— A. W. 0.1. Ja.— B. S. 87. Die Beratungsstelle sür GeschiechlStranke der Landes- Versicherungsanstalt Berlin, Am KSllnischen Park 3. Sprechstunde sür MLnner Sonnabend abends 7—9 Uhr, sür Fiaucn Mittwoch 7—9 Uhr. — Drg. 3!1. 1. Nein, geschieht aber in der Regel. 2. und 3. Nach neuerlichen Berhandlungen im Reichstag soll dies nicht mehr geschehen.— Gustarworoz. 3. Ist durch Bundesraisverordnung vom 3. November 1017 genehmigt. 2. Noch nicht genehmigt.— C. W. 1014. Nein. H. 66. 1.. Ja. 2. Nein. 3. Im Kriege nicht, wenn die ÄeiSrderung aus besonderem Anlast geschieht.— P. P. 100. Wenden Sie sich sogleich an das Mielstinigungamt.— A. B. 73. Ob Sie noch eingezogen weiden, läßt sich nicht voraussagen. Ihre Stellung können Sie trotzdem wechseln. O". B. Ihre Schwiegertochter hak zurzeit kelnen Anspruch auf Unter-' stgtzung. da sich tu den Veryällnissci! nichts geändert bal.—-,.45.50 SyezialhM für Damen- und Mdchm-Vekleibmg ss». 37 Srnnnenfftaße ss n. 37 kleidsame Formen ZivsMIUkvonM.98.50an CiföflU* lose Glockenformen �|||IIkI von M. 59,— an Wsch- 11. Steil- schwanz-Mniel eleg.AusführungenvonMl20.— an 2m Interesse meiner Kundschaft werden der Teurung wegen von jetzt ab auch MdcrMervngen und Aenderun«en jeder«rf in meiner Werlstatt vorgenommen. SonulaaS g«Sfs»et». 12—8 Uhr. Zur eigene Aabri' kailon! Bzardor. Xorz, Alnskn. IS Sau- u. VFelfSfilchse, Pelerinen, 40-ao« Mb. Porner Ilrrrcn- Cloiipeliec, Wasen-, Relflepolxc.— Damen- Komtiime, Ulster, Rllintal. Herren- Garderobe eowie in Lombard gewogene Uhren, Binse. 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Im Lazarett roch eZ wieder einmal nach Schaffellen und Stiefeln— das bedeutete, dag neue Verwundete angekommen waren. Anna Pawlowna, die Hauptpatroneffe(aufzer ihr gab c>Z noch fiebenunddreißig Pationesfen in verschiedenen Ranystufens. sah aus einem Schemel im OpcraliouSzimmer und rief ins Telephon hinein: .Maria Pelcowna, kommen Sts schnell, schnell. Und Seife für die Verwundelen; außerdem muh ich mich mit Ihnen beraten. Es ist elwaS sehr Angenehmes und etwas sehr Unangenehmes vor- gefallen. Kommen Sie rasch." Anna Paivlowna war aufgeregt. Die emporgezogenen Brauen verliehen ihrem Gesicht einen tragischen Ausdruck, unter ihren schweren Seufzern krachte daZ Korsett. Sic rief den Sekretär: .Hören Sie. Pawel Illitsch, was soll denn das heißen! Wissen Sie, lvas geschehen ist? Wir haben einen Juden hier!.. .Was?" .Was! Einen Juden! Unter den neuen Verwundeten be- findet sich ein Jude! Man hat unZ da einen schönen Dienst er- wiesen!" .Ich versiehe nicht, worüber Sie sich eigentlich so aufregen." »Wie? Worüber ich mich aufrege I Erlauben Sie mir, ich ver- stehe S i e nicht 1" Der Sekretär blickte auf ihre geröteten Wangen, ihre tragischen Brauen, und in seinen Augen leuchtete daS BersiändatS auf, er schlug einen anderen Ton an: .Selbstverständlich begreife ich... eö ist sehr peinlich, besonders für uiuer Lazarett, wo doch alles im allgemeinen.. .Anna Augustowna hat sich für morgen angesagt,— und jetzt raij einem Male— tiefe Ueberraschung!' »Nun mit Gottes Hilse wird schon alles gut gehen, dafür soll man uns ja auch einen.Georgsrilter" geschickt haben?" Anna Pawlowna begann iveich zu werden: .Ja, mein Teurer! Stellen Sie sich nur vor! Ich möchte am liebsten selbst gehen, mich beim Oberst bedanken. DaS ist eine Vergünstigung, die nur unserem Lazarett zuteil wird. Man muh diesen Georgsritter so unterbringen, daß icder, der unS besuchen kommt, ihn tofort sieht." .Im ersten Saal, in der Nähe der Tür." „Man muß darauf sehe», daß eine Lampe dort hängt." .Sofort, ich werde e« sosort in Ordnung bringen." Maria Petrowna erschien, ihr erstauntes Giiaffengcsicht drückte daS ganze Entsetzen über die Nachricht auZ, daß sich' ein Jude im Lazarett befinde. .Das ist irgendeine Intrige." Als sie aber vom Georgsritter hörte, zeigte sie freudig die langen, gelben Zähne. .Wir werden un« alle mit ihm zusammen photographicren lassen." Anna PawlownaS Korsett krachte leise und still vergnügt. Die Veiwundeten wurden hereingebracht. .Welches ist der GeorgSritler?" „Der kleine Schwarze dort,"— antwortete die barmherzige Schwester. Der Georgsritter war ein kleine? Männchen mit bärtigem, er- erschöpftem Gesicht, er konnte nicht gehen, ein stämmiger Krankenwärter trug ihn auf den» Rücken herein. „WaS fehlt ihm?', .Man Hai ihin den Fuß amputiert." .O. der Aermste!" Anna Pawlowna lief geschäftig hin und her, drehte sich ein paar Mal um sich selbst und eilte dann mit Maria Petrowna her» bei, um deu GeorgSritler unterzubringen. .Ist es Dir so bequem, mein Täubchen?" .Danke"— erwiderte schüchtern der Befragte. .Siehst Du. Du hast alles, eine Lampe, eine» Tisch, alles. Willst du rauchen? Maria Petrowna. Liebe, bringen Sie ihm Zigaretten. Man»intz ihm eine breitere Matratze geben, damit er besser liegt — der Arme, man bat ihm den Fuß amputiert." Sie begannen ihn zu befragen, wofür er das Georgkkreuz erhallen habe. Der Gcorgsritter berichtete, trocken und einfach; seine ganze Erzäbliing klang schlicht und gewöhnlich. Der Kommandant war verwundet worden. Er hatte ihn aus seinen Rücken geladen. und weggetragen— durchs Feuer hindurch— an einen sicheren Ort. Unlerivegs war er selbst am Fuß verwundet Da? GeorgSkreuz ist eine der höchsten russischen KriegSauS- zeichnungen. die dem Inhaber den Titel.Ritter" verleiht. worden, aber eS hatte nicht sehr weh getan, und er war weiter ge» gangen. Er brachte den Kommandanten in Sicherheit Und brach dann selbst zusammen. Es hatte nicht sehr geschmerzt, hatte ihn nur geschwächt. .Das ist wahrer Heldenmut!"— voll Mitgefühl neigte Maria Petrowna den Giraffenkopf zur Seite.„Er versteht sein eigene« Verdienst nicht." „Ja".— seufzte Anna Pawlowna.— da? ist da« evangelisch«: laß deine Reckte nickt wissen, was da? deine Linke tut. Erstaunlich ist die Größe der russischen Seele. Du wirst bei un? bald genesen, mein Täubchen. Wir werden Dich für neue Schlachten auffüttern." „Für neue Schlachten?" fragte traurig und gedehnt der GeorgSritter.. „Ja. ja. wenn eö Dir bester geht.— Er scheint nicht recht zu verstehen, er muß au? dem Süden sein." .Bestimmt, er spricht mit kleinruisisckcm Akzent. Du, Soldat- lein, aus welchem Gouvernement bis Du?" „Aus dem Mogilewsktschen." „Und wie heißt Du?" „Jossel Schnipper." „Wie?" .Wie?" „Er spricht das schlecht ans.— Nm Gaiteöwillen. zeigen Sie schnell seine Pgpiere." Unna Pawlowna nahm da? Papier und laS flüsternd: .Josiel Scknipper... Josicl!... Jüdischer Konfession l... „Mein Gott, was ist denn daS l Was ist das für eine Gemein- hcit! Wie können Sie es wagen, diesen Schnipper hierher zu betten?"— fuhr sie den Wärter an.—«Wer hat eS Ihnen befohlen?* .Wer? Sie selbst doch!" .Ich? Sind Sie verrückt geworden? Ich sagte den GcorgS- rltier, und Sie.. „Aber er ist doch der GeorgSritter."— stotterte der Mann er» schrockeu. „Er! Schnippet?" Anna Pawlowna rang hilflos die Hände und wischte sich den Schweiß von der Stirne. „Nun gut. wir werden unS nachher entscheiden. Wir können keine Simulanten hier brauchen." Sie ging würdevoll aus dein Saal und schlug die TLc hinter sich zu. Aber ihre Seele fand keine Ruhe, wie sie sich nachher entscheiden würde, davon hatte sie keine Ahnung. .Dolior"— schrie sie dem vorübergehenden Arzte zu,.Doktor, sagen Sie mir ausrichtig, dieser Jude simuliert doch nur. nicht wahr?" .WeShalb sollte er denn simulieren?" fragte erstaunt der Dokior,»man ha: ihm dock de» Fuß ampntiert." .Nun ja, ober vielleicht fft dieser ganze Fuß irgendwie simuliert". Anna Pawlowna faltete wie betend die Hraide mid iah den Arzt so bittend und jammervoll an, daß dieser ganz vsrwirrt wurde. „Erlauben Sie, Anna Pawlowna, aber ich kenne mich da über« Haupt nicht mehr änS, Sie haben sich doch so gefreut, rtnen George- ritter zu bekommen..." .Wie schrecklich ist dock dies alles, lieber Doktor, wie schrecklich. Sie begreifen ja Dieser Soldat vereinigt sozusagen zwei Wesen in sich. Sie verstehen dock, Iva? ick mein«? Wir haben dem Georgs- riiter Zigaretten gegeben, geraucht ha: er sie der Jude. Wir haben da» beste Bett für den GeorgSritter ausgesucht, und jetzt liegt darin— der Jude. Da? ist dock... rst doch wirklich, ioa? man Pech nennt!... Das Schicksal bestraft mich für meine Güte 1" Sie sank ans einen Stuhl, vergrub ihr Gesicht in beide Hände, und daö Korsctl ächzte jämmerlich. Der Arzt ivollte noch eiwas sagen, besann sich aber dann eineS Besseren, seufzte auf. und enifernte sich schweigend. Wa- gibis da zu sagen, wenn daS Schicksal so ungerecht gegen die Menschen ist?!— (AuS dem Nutfiichen von H. v. zur Mühlen,) Kleines Theater:„Gelüzauber' von Otto So�ka. Das in New Aork spielende Stück de? Wiener Autors erweckt in seinen beiden ersten Akren durch die laltbillttg-drollige Verwegen- beit, mit der die Satire die Dinge auf den Kopf stellt, allerhand Erwartungen. Die Art, wie der Held, ein junger Millisnär. daZ Thema von deS Dollar? Majestät m seinem Denken weiter spinnt und seine Thesen in die Praxis umsetzt, bat etwas von der Schlag- kraft der grotesken, speziell nmertkanischen verblüffungSkomit, die Mark TwainS oeirücklesten Unsinn mit ernstestem Gesicht vor» bringt. Der hoffuunzSvoll« junge Mann verschafft stch zu- nächst durch Milionenstiftungeu für kulturelle Zwecke da? Sewußtsein, einet der nützlichsten Mitglieder der Gesell- schast zu sein. Dann läßt er seine Dollarregimenter nach anderer Richtung spielen. Er engagiert für so und so viel kansende im Monat sich einen Herrn, der bi« zur Kündigung al» Busrnsrrund stmgieren s»>. Uad auch an Liebe, meint er, kannS ihm kraft seines SkammonS niemals fehlen. Herr B i l d t war ganz vortrefflich in der Rolle: Ein liebenswürdiger, vergnügt und freundlich blickender Monsmann, der, unerschütterlich in seinem Wahn, doch talerant genug ist, andere Leute ruhig lächelnd an- zuhören. Indessen, d«S satirische Salz de? hübschen Einfalls reichte nicht für das Ganze. Di« Tallheit durchzuhalten, hätte es einer farbig reichen Phontasie bedurft, die dem Verfasser nicht zu Gebote stand. So hilft er sich im zweiten Teil mit mühselig ersonnen»» Konstrul- tionen fart, die deS Zuschauers gute Laune zu langweiliger Be» drießlichkeit gesrieren lassen. Die Angebetete, die'Tochter eines eitlen, einst berühmten Musikers, will dem Verehrer beweisen, daß sie au? eigener Kraft für sich und ihren Vater reichlich sorgen kann. Der junge Mann beschließt, ihr diesen schönen Traum kraft seines Geld«? zu gewähren. Die Verhandlungen, die er dazu mit dem mächtigen Agenten sührt, sind eine witzige Persiflage aus die Allmacht der Reklame. Die Dame soll, ohne daß sie selber etwas davon»nerkt, gegründet werden. Sie hat ein bißchen gemalt. Man wird also ihre Bilder»IS künstlerische Großtat t* der Presse ausposaunen und vorgeschobene Strohmänner horrende Preise dafür zahlen lassen. Aehnlich soll der vergilbte Ruhm des eitlen Alten zu neuem Glänze aufgebügelt werden. Was dann nock folgt: da? vom Aaenten arrangierte Festmahl für die Gefeierte, ihre Entdeckung der Intrige, ihr Eintritt in eine Agentur, die für reklamesüchtige reiche Wohliäier die erforderlichen Armen austreibt, und die s« lang hinausgezögerte Verlobung bringt kaum noch eine einzige Ueberraschung, dient, wie man heute sagen würde, als bloßes Slreckiingömittel. Die Ausführung, in welcher neben Vildt die Herren Lupn Pick, Forsch, Reissig und Frin. Zimmermann wirkten, war glücklich und geschickt auf den burlesken Ton gestimmt. ät. ' Notizen. — Die Theaterzen für in Köln. Nachdem vor einigen Wochen das Etadttheater von Würzburg Rosen ows Drama »Die im Schatten leben" aufgestihrt hatte, glaubten Kölner Verehrer deS Dichters, daß nun endlich auch in seiner Heimaistadt da« Berg- arbeiterdrama über die Bretter gehen dürfe. Die Zensur hat jedoch dem Deutschen Tbeater in Köln die Allfsührung nicht erlaubt. Die- selb« Zensur läßt freilich zu. daß allabendlich die plattesten Possen in breit-kölnischeni Lokalkolorit geboten werden. Dafür werden aber serienweise Werke verboten, die schon feit Jahren und Jahrzehnten Über die Bühnen gingen. So: Halbe:»Jugend'; Strindberg:.Fräulein Julie"; W e d e k i n d:.Der Kammer- iänger" und.Frühlstigö-Erwachrn". Vor dem Kriege sind diese Stücke selbst i» Köln schon aufgeführt worden. Wa der Zensor nicht bis zum Verbot gehl, sucht er bedenkliche Stellen sittlich zu reinigen. Etwa so:»In der kleinen Satire von Hartlebens.Lore" bean- standet« man diesen Satz: „Des Schwei»«« Ende ist der Wurst Anfang,— auf die himmlische folgt die irdische Liebe"..Aber ich bitte Sie, diese An- spielung! Entweder muß der erste oder der zweite Satzteil ge- strichen werden." meinte der Zensor. In der Aufführung hörte man nur de« Satz vom Schwein. Die Theaterzensur wird in der zweitgrößten Stadt der Man» archie von einem subalternen Potizetsekretiir ausgeübt! — Ein Brief marken-KtlaS, der den Briefmarken- sammler schnell über die geographischen Verhältnisse jeden Landes orientiert, erscheint bei F. C. Lücke in Leipzig. Der.AtlaS der Briefmarken-Geographie" ivtrd vielen ein brauchbares Hilfsmittel sein, zumal wenn eS sich um Poststaatengebilde handelt, die nicht mehr existieren, wie etwa Turn und Taxi« oder die früheren italienischen Staaten. Auch für die indischen Tributarstaaten Eng» land« zum Beispiel ist da« Albuin«ine vortreffliche Veranschaulichung. Di« Karlen sind klein(je jech« aus einer Seite), aber sauber und schatf.«Preis S.ßO M.) — Da« freie, große Amerika! Wie der Pariser .New Aork Herald" aus New Dork meldet, wird in der kommenden Spielzeit an der New A orker Metropolitan« Oper keine Oper in deutscher Sprache zur Aufführung gelangen. Die seit Jahren am Opernhaus tätigen deutschen Kräfte wurden gekündigt. Außerdem soll die Auslösung de» berühmten Bostoner Shmphonie-Orchesters bevorstehen, angeblich weil sein Letter Dr. Muck sich geweigert hat, die amerikanische Naltonalhymn« zu spielen. Die weljÄhe Nachtigall. Der Roman eine« sterbenden Jahrhunderts. Von R. F r a n c ä. IV. Den Ingolstädtern hatte eine milde und weise Regierung schon längst von den wichtigeren Menschenrechten das Rauchen freigegeben. Ucbcrall durften sie frei mit der Pfeife oder mit dem damals soeben aufgekommenen Zigarillo im Munde ninv hergehen, nur an einem Orte nicht. Dort wo am Paradeplatz vor der Residenz deS Statlhaltere die zwei Schildwachen Tag und Nacht die Entfernung der Wachhüuschen maßen. Dort mußte jeder Bürger„die'Pfeife aus dem Maul" nehmen, so er vorüberging, wie es in der jedes Jahr einmal mit Trommelschlag verkündeten Verordnung des Statthalters deutlich, wenn auch nicht eben höflich hieß. Die zwei Soldaten bewachten den Eingang zu großer Pracht. Wenn auch der alre Professorcnstock seinen Lewoh- ncrn über dem Kopf eingefallen war, hier war gleiches tvcht zu befürchten. Ein prachtig rcichvergoldctes Treppenhaus führte empor zum großen Thronsaal, in dem der Herzog von Hegnenberg Audienzen gab und mancher schlichte Bürger hatte dort schon Anliegen und Zeit vergessen vor Staunen und Gaffen über den spiegelglatten Parkettboden, die kristallenen Lüster, die mit schwerer roter Seide bespannten Wände und die prächtigen Gemälde, auf denen die Herzöge der Jngol- städtischen Linie, aus späterer Zeit aber, als das Herzogtum an Bayern fiel, die Kurfürsten abgebildet waren mit Allonge- Perücke, mit goldenem Degen und funkelnden, goldbesetzten Kleidern. Auch gegenwärtig drängte sich eine solche gaffende Menge im nicht minder reichen Äntichambre dieses Saales, auf den jeder echte Jngolstädter stolz tvar als sichtbares Zeichen, daß er int Glänze einer Residenz lebte. Von all den vielen schenkte nur einer der Pracht an den Wänden keine Aufmerksamkeit, sondern saß in schlichtem schwarzen Rock be- scheiden in einem Lehnstuhl am Fenster und las andächtig mit niedergeschlagenen Augen in seinem Brevier. Nur einmal blickte er auf. als sich seine Magnifizenz, der Rektor der Jngolstädter Hochschule, ihm freundlich näherte. „Eure Hochwürdcn da? Petitioniert sie vielleicht wegen deS Professorcnstockes— dazu bin ich da"— sagte voll- gewichtig Seine Herrlichkeit. „Eure Magnifizenz zu danken für die Frage." erwiderte demütig der Priester,„ich komme nur akv simpler Bittsteller wegen zwei armen Soldatenweibern. die in Not verzagen als Witibs, ob sich nicht ein Plätzchen für sie fände etwa zur Be- dienung in den Kasematten." Der Rektor nickte dem Menschenfreund, dessen edle christ- liche Sprache von den Umstehenden tvohl vernommen wurde, gnädig zu und ging weiter. Die meisten der Bittsteller waren schon in der großen Flügeltür verschwunden, die vor daS Antlitz de? Höchst- gewaltigen im Ländchcn führte, da rief endlich der Hnissicr von seiner Liste: „Der Professor Crollalanza, Zootor utriusguv juris— Der Statthalter empfing den geschätzten Gelehrten, dem alles Platz machte, wie einen alten Bekannten. Er war ein vor- nehmer. schöner Mann von höchst gepflegtem Aeutzeren, dem die buschigen und künstlich schwarz gefärbten Augenbrauen einen besonders markanten und wohl auch angestrebten imponierenden Zug verliehen, der dann freilich mit dem nichtssagenden Ausdruck der blauen kurzsichtigen Augen seltsam kontrastierte. „Professor, Er kann auf mich zählen bei seinem Anliegen," sagte er artig.„Der Termin ist doch noch lange nicht," sehte er etwas unsicher hinzu. „Durchlaucht, wenn ich auch die Ehre hatte,«Lurer herzog- lichen Gnaden die geringfügige Summe aus dem Legat jenes Patrioten zur Verfügung stellen zu können, bitte ich mich doch ganz von jener Affäre zu trennen und bei meinem An- blick nur an meine Ergebenheit und den nie ersterbenden guten Willen zu denken zum Heile der Menschen, also im Dienste unserer Regierung nützlich zu sein.. Der Statthalter lächelte wieder beruhigt und klopfte dem Petenten auf die Schulter. Nun hat Er wieder Negierungssorgen," lachte er jovial. Crollalanza, der bisher gebückt auf der unteren Stufe der Estrade stand, auf der der Herzog die Bittsteller empfing, richtete sich auf und sah dem Regierungsgewaltigen fest und ernst ins Auge. „Durchlaucht. nicht ich habe Sorgen, sondern alle Patrioten und Gutgesinnten im Lande haben sie. EZ weht ein sonderbarer Wind über Ingolstadt, ein Geräune und Lispeln von Westen her. daS die Köpfe erschrecklich ausdorrt und er- hitzt." „Ach, die alte Leier, sein ewiges Schreckgespenst", unter- brach ihn der Statthalter geringschätzig,„noch immer haben die Knechte hinter dem Rücken ihres Herrn die Faust ae- ballt aber noch stets haben sie gehorcht. Und außerdem, ich sehe überall nur zufriedene Gesichter." „Durchlaucht entschuldigen, aber die Zeit ist um. da sich noch einer als Knecht fühlte, da er als Knecht geboren ist. Gott hat aus unbegreiflicher Ursache einen Geist der Auflehnung zugelassen� den ich erschrecklich finden würde, müßte ich mir nicht sagen, daß alles nach GotteS Willen zu unserem Heile dienen muß. Er bereitet eine neue Zuchtrute vor, um uns sittlich zu läutern und zu dem Ernst der Zeit zu erziehen. Wir sind auch zu lau gewesen in der Abwehr deS Bösen und der Verführung."- .Da komme ich unverhofft zu der artigsten Büßpredigt l" lachte der Herzog.„UebrigenS, waS meint er da mit der Lauheit bei der Abwehr der Verführung?" „Eure Durchlaucht wissen es besser als ich, der ich als stiller Gelehrter meine Studicrstube fast nie verlasse, was sich derzeit Überall begibt in geheimen Konventikcln und offenem Aufruhr." „Hier in der Stadt Aufruhr I Ich weiß von nicht?. Er träumt I Red' er deutlicher!" Der Herzog ging im Zimmer auf und ab, dann blieb er stehen. „Mein bester Profeffor'oder Wohl gar Tonfessor! Man hat gehört, daß er einmal den Vätern Jesu nahe- gestanden." Der Jesuit hielt den prüfenden Blick, der ihn traf, aus, ohne die Augen niederzuschlagen. .Mein lieber Professor, ich glaube ja an Eure redlichsten Absichten, aber da» alle« sind nur Gespenster, wenn Ihr er laubt; fromme Phantasien. Ich kenne unser gutes deutsche? Volk. Das wird nie eine Revolution machen— dazu liebt es die Ordnung viel zu sehr. Wohl mag eS einzelne erhitzte Köpfe geben, die Menge aber wird ihnen nicht nachlaufen. DaS redet mir nicht ein. Nun sag' er einmal rückhaltlos, was weiß er denn eigentlich?" „Durchlaucht, ich würde nicht wagen, von selbst von solchen Dingen zu reden, nur wenn eS meine Obrigkeit befiehlt." „Ich steh' doch noch über seiner Obrigkeit. Auch die Kirche hat sich dem Staate einzuordnen— ich befehle ihm also zu reden."'.(Forts, folgt.) tJirelrtion;'fas T.eiriJiarflt, JJfiatHcheB Theater. T Uhr; Der lebentfc Leichnam. Sonntag: I>oa Cnj-!'>s. Kachrn. 2'l, U.(halbe Preise); Das Kontert Kaninn?pspfele. U, Uhr: Kinder der Freude. Sonntag Kinder der Freude. Nachm. S'/jU.(halbe Preise): Gespenster. Voikmbi'ihne. Theater am Biilowplatz T.': cergrundb. Schönh. Tor. 7:,„ T hr; Nathan dar Weise, Sonntag: Was ihr wollt. Theater für Sonnabend, 10. November. Kleines Theater tv, uhr: Oeldzaabep, Contiai-Tfeeatep, Kbnimandantenstraße 57. 7t. Oio Cflaräasfürstin Sonnt. 3", Uhr: Johannisfeuer. X'ir. C. Meinhard— R. Bernauar. ISiester i, Königgrätzerslr. T1/, Uhr: iphägenie. Komödienhans Uhr: Die beiden Seehunde. BerlinerTheater "'o.U.; Oie tolle Romteß. •i1/, Uhr: Lisls Härchenreise. � APOLLO� Friedrlohstraße an der Kochslr. Dir. James Klein. Allabendlich''l4 Uhr: WesteeltdesMaliaraWa Thaaterk. ununterhr. geöfln. Sonntags: L Vorstellungen, 3'j, nnd 7'/« Uhr. Deiitwthes Opern han* ühr:ßfpiifTSi'ailerSoiemlt Friedrich-Wilhelmst. Theater 7v,uhr: Das DfEiiiileFiliaGs. Kesidenü-Theater "Vs Uhr; jjMM EfllBII. Schiller-Tlieater O Tv.utr: Onkel Bräsig. l.n»tsplelhans Uhr: DieliköenKäfielsf.Linäeniioi Sonnt. SV.: D.Schwabenstreich. Rotaiwehe Oper 7� u.: Sefewarzwalilmlilel. Morgen 31/s: Die Dose Sp. Maj. Aletropol-Theater J�r: Bis P.ose ves Stamlisl. Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. Heues ßperettenhaus Schiffbd. 4a. Kassent. Nd. 281 7v.uhr:ßerScltlali!ErMarie. Wchlller-Th. Chnrl. vhr: ßie Braut v. Messina. Thalia-Theater xJbr: Egoo iißfl seine Franefl. Theater am Nolieudorfplatz 7 Uhr: �Sma�gßfji 3'/. Uhr: Drei Junggesellen. Der große Variet�-Spieipian 12 ittraktioaen 12 = Rauchen gestattet!— lATIONAL-�lfiEATER CdpenlcK Sir. KS. Tgl.»/.8. I Lnbcsehrelbilcher Krlo'g: I Oasist die Liebe. Operette in 8 Akten. Musik v. Walter Bronime. Zum 75. Male. Vorverk ab 10 Uhr ununterhr., Sonnt.: Nachm. 3'/,. Auf allgem. Verlangen! las jlüW IUHdclieü träüinen. Posse in 3 Akten. MnsikWalter Brcmme Zum 203. Male! auch Theaterk. Tietz.| Bezüospeüen-Usrzeicniiis Eerün-SSäen B Fleisch- u. Wuratwaj». 1 gfapl liier, FmM. I MehShci'eMKolonialw.| Theater de» Westens 7v>uhr:ller¥eiilieistB Herzog mit Guido Thielscher 3Vj Uhr; Hansel und Grete). Tiigi. 71/.. Sonnt. 31/, u. 71/, Ak'u Sie Bloß Mi r.aoli SerHn! Revue-Posse in 5 Bildern u. Variete-Einlagen von Otto Itentter. Musik von SI. Hirscli. Hauptdarsteller: Georg Kaiser— Erich Schönfelder— A. Müllor-Lmcke — Otto Eeuttcr— Gertr. Jos. Dill— Fritzi Stoinberg. URANIA 4 Uhr(halbe Preise): 1>jis Obei-ensradia und der Spifögen. 8 Uhr; Professor Dr. La.as; Das C-I»oot. der Höhepunkt tertan. Kultur. Professor Dr. B. Donath; 8 Uhr: Die Natur des Lichtes. Walhalla-Theater. 7V. Uhr: _ ZigeBanea1, Rose=Theater. 3V, Uhr: Schncewincheu. 7V. Uhr: lZks �'sidOLfkillll. tirm ßhf. Friedrfchstr. TV.Uhr Letzte Saison in Berlin. Mexiko. Große Original- Ausstattungs-Pantomime. Vorher das phänomen. Zirkus-Sport-Programm Sonntag 31/, u-T'/jUhr, j Nehm. Kinder halbe preise Ü unt. 12 J. auf all. Sitzpl.[ In beiden Vorstellungen ungekürzt: Wexi" Täglich TV, Uhr: S�osidfahri. 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Aktien-Gesellschaft für Banansfülirungen.> Ruhe in Petersburg, v PelerSburg, B. November.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Heute früh erschienen die Zeitungen wie ge- wohnlich, ausgenommen die Mehrzahl der täglich erscheinenden Blätter der sogenannten bürgerlichen Presse, deren Setz- Maschinen durch den Arbeiter» und Soldatenrat weg- genommen worden waren, um den Druck der Zeitungen der Soldaten, Arbeiter und Sozialisten zu sichern. Die Ruhe hält an. Der Stadtrat setzte einen Ausschuh der Oefsentlichen Wohlfahrt ein, der sich zusammensetzt aut Vertretern des Magistrats, des HauptauSschusscS des Arbeiter- und Soldatenrats, des Rats der Bauern und der militärischen und Arbeiterorganl sationcn. Der Ausschuß für die Oeffentlich« Wohlfahrt hält sich zur Verfügung der Bevölkerung für den Fall von Ausschreitungen. Di« anläßlich der Vorgänge vom lö. und 18. Juli verhafteten Maxi mali st en wurden in Freiheit gesetzt. Die Banken sind noch geschlossen, ein« gewisse Anzahl von Kaufläden hat gleich- falls nicht geöffnet. Ter Revolutionäre Militär-AuSschuß teilt allen Offizieren Soldaten und Ausschüssen an der Front und im Lande seinen Be- schlutz mit. K o r n i l o w und sein« Parteigänger in die Peter- PaulS-Fcstung in Petersburg überzuführen und sofort vor ein revolutionäres Kriegsgericht zu stellen. Amerika unü Sie pariser Konferenz. Staatssekretär L a n s i n g gab, wie Reuter gestern aus Washington meldet, eine Erklärung über die bevorstehende Konierenz der Alliierten ab. Nachdem er erwähnt halte, daß eS i m lo e s« n t l i ch e n eine Kriegskonferenz fei, erklärte er, daß die Konteren, durch allgenreine Prüfung der Eesamtlage un- zwciielhafl imstande sein werde, den Forderungen der einzelnen Regierungen ein richtigeres Verhältnis zu geben und ihnen in den allgemeinen Plänen für die Kriegsführung den richtigen Platz zu zuweilen. Die Hilfsquellen de« Lande« seien sehr groß, und obwohl durchaus die Absicht bestehe, wen« nölig alle« der Gewinnung dcö Krieges zu widmen, seien die HilSquellcn doch nicht unbcgr enzt. Aber selbst wenn sie noch größer wären, sollten sie doch alle zur Erreichung de« hoch st en Zweckes, für den die Vereinigten Staaten lämpften, der- wendet werden. Lansing seyle hinzu: Dies kann durch eine volle und offene Be'prechung der Pläne und Bedüifniffe der verschiedenen Krieg- führenden geschehen. ES ist der ernsteste Wunsch der Regierung. ihre Militär- und Flolteumacht, ihre Hilfsquellen und Kraft da zu verwenden, wo sie den größten Vor- teil zur Förderung der gemeinen Sache haben werden. Zur Ver- Meldung von Kraflverschweiidung ist cS von höchstem Werte, U eberein st immung in die Tätigkeit der Nationen zu bringen, welche linvermerdbarerweise bis zu einem gewissen Grade unabhängig von einander bandeln. Die Vereinigten Staaten legen, wie zu erwarten war. das ganze Gewicht ihrer Kriegsmittel in die Wagschale, um der Pariser Alliiertenkonferenz die Förderung der Fortsetzung de« Krieges zu erleichtern. Der.höchste Zweck", für den sie alles einsetzen wollen, ist daS Ziel, die cnroväiichen Mächte vermittelst des Kriege? in ihre Gefolgichafl zu zwingen. Sie waren die wirtichafilichen Gewinner des Krieges, und sie wollen auch volllisch die Gewinner sein. CaAorna vom Oberbefehl enthoben. Von Montag bis Mittwoch haben Lloyd George. Pain- levö und Orlando, begleitet von namhasien militärischen Ver- trauensmäniiern, in Rapallo über die KalasiropKe des italienischen Heeres beraten. Das Ergebnis ist eine Bereinoeitlichung der Leitung der politischen und mrliiänichcn Angelegenheiten Englands, Frankreichs und Italien«. Der Zweck dieser Uebung ist eine Verstärkung de« Einflüsse« aus den iialienischen Bundesgenossen. Man hält die Zeit für gekommen, wo mit neuen Mitteln vorgesorgt werden mutz. um ihn fester in der Hand zu halten. Der neue mililärtsche Ausschuß, der gebildet worden ist. gibt zugleich die Möglichkeit. Cadorna den Oberbefehl abzunehmen, ohne sagen zu müssen, daß diese Einhebung vom Kommando eine Maßregelung bedeutet. Die„Agenria Stefan»' meldet: Nachdem auf der Konferenz in Rapallo die Enschließling gefaßt worden ist, eineu Internationalen Ober st en Politischen Rat für die gesamte Westfront zu schaffen, dem ein ständiger militärischer Zentralausschuß zur Seite stehen soll, wurden zu Teilnehmern an diesen» militärischen Ausschuß ernannt: General Fach für Frankreich, General Wilson für England und General E a d o r n a für Italien. Um General Cadorna im italieniichen Oberkommando zu ersetzen, ernennt ein kömglicher Erlaß heute zum Chef de« General st abes der Armee den General D» a z und zu Untercheis die Generale Badoglio und Giardino. Der neue Oberbefehlshaber hat bisher daS 23. ArineelorpS geleitet..im Glück und Unglück iminer glänzend und weise', sagt die Depesche de« KriegSministeriums. die den General begrüßt,.»in Namen Italiens, da« hofft und wartet'. Italienischer Heeresbericht vom 8. November. Während des gestrigen Tages wurde der Ruckzug unserer Linie fortgesetzt. Die Bewegung der Hauptmacht unserer Truppen konnte sich obne Störung vollziehen. Die Deckuirgstruppen verzögerten den Vor- marsch des Gegners durch zahlreiche tapfer durchgefochtene Kämpfe zwischen dem Hügel land von Vittorio und i»cm Z u s a m- mensluß des Monticano mit der L i v e n z a. Unsere Flieger bewältigten den erbitterten Widerstand der feindlichen Flieger und bewarfen erneut feindlich« Truppen am Tagliamenw. Fünf feindliche Flugzeuge wurden zuin Absturz gebracht. loren wurd«, und daß Abttilunge« umzingelt wurden. Aber diese Mannschaften uitd die« Material stellen nur einen kleinen Teil dessen vor, was fortgeschafft werden konnte. In einer aestern ausgegebenen halbamtlichen Not« wird über den Rückzug des Heeres gesagt: Die italienische Armee .hat sich auf neue Stellungen zurückgezogen. Ein Teil des Heimat- gcbieieS mutzte dem feindlichen Einrücken überlassen werden! das ist ein schmerzliches Opfer, aber unvermeidlich und notwendig unter den aufleiibluklichen Bedingungen. Da ihr linker Flügel gebrochen war und ihre Verbindungen bedroht waren, mußte die ualicmscke Armee sich bis zum Tagliainento zurückziehen. Diese! erste Zurückbiegen gestattete der riesigen Dkenge von Trans- Portzügen und der Bevölkerung, sich nach Westen zu begeben, aber unter den augenblicklichen Bedingungen konnte der Widerstand des Tagliamento führte kein Wasser und so war diese Linie ohne des Tagliamento rührt kein Wasser und so war diese Linie ohne .Hliidernisse und ihre Länge stand in keinem Verhältnis zu der» Mitteln und Kräitcn, die nötig tvarcn, um sie zu halten. Arn Tagliamento an diesem Zeitpunkt Halt zu machen, hätte bedeutet, den Schlagen d:s Feindes einen leichten Erfolg anzubieten. In Wirklichkeit mußte der Rückzug unter ständigem Eindämmen starker Versuche einer Masse von Feinden vollzogen iverden, welche in der Absicht, aus dieser Lag« Nutzen zu ziehen, in der Gebirgsgegend operierte, indem sie suchte, zwischen unserem linken Flügel und unserem Zentrum eine Bresche zu schlagen, um sich ihrer zu be- dienen und sich hierdurch aus unsere Nachhut und untere Be. wegurgen zu werfe»».... öS war vollständig unvermeid- lich. daß bei dem allmählichen Zurückbiegen, daS wegen der immer ernsteren Bedrohungen durch den Feind beschleunigt werden mußte, Materials dessen Transport unmöglich waij ver- Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 8. November. Auf dem nördlichen Seekriegsschauplatz wurden durch unsere U-Bvote wiederum 15000 Sr.-Reg.-To. versenkt. Nnter den vernichteten Schiffen befanden sich der a m e r i- kanisch» Tranöportdampser„A n t i l l e S"(6878 To.), ein unbekannter Tankdawpfer sowie der französische Segler„Rose". Ter Chef des AdmiralstabcS der Marine. • Berlin, 8. November.(W. T. B.) Die Berichte zweier jetzt von erfolgreichen Fernsohrren zurückgekehrten U-Boote bestätigen über« etnstiminend den immer mehr abnehmenden SchiifS- verkehr in den Geivässern vor den westliiäen Küsten England! und Franlreichs. Dem einen U-Boot war eS lvährend seines»nchrwöchigen Aufenthalts im TätiglcitSgebict über- baupl nicht möglich geweseir, auf Dampfer zu Schuß zu kommen, wäbrend e« Gelegenheit batle u. a. 1 1 S e g l e r zu vernichten, die säintlich beladen den feindlichen Küsten zu- strebten. Unter ihnen befanden sich zwei sranzösiiche Elahlbarken. die mit je 8000 Tonnen Weizen von Australien nach Frankreich be- stimmt waren, ferner eine sranzösiiche eiierne Bark mit einer vollen Ladung Rum von Martinique nach Bordeaux uinerwegö.-DeS weitere»» wurde ein amerikanischer Viermaster versenkt, dessen Ladunq, ebenso wie die eines englischen vernichlelen Seglers, au! Oel bestand. Das zweite U-Boot sichtete in den südwestlichen Anmarschsiraßen zu den englischen und sranzvsiichen Westliäfen trotz klarsten WetlerS tagelarrg weder Dampfer noch Segler, trotzdem das Tätigkeitsgebiet mehrfach verlegt wurde.__ die poinisthe Krage km österreichjsihen?!bgeorönetenhaus. Eine Erklärung der österreichischen Regierung. Wien, 9. November. Abgeordnetenhaus. Vor Eingehen in die Tagesordnung gelangen sieben dringliche Anfragen über die polnische Frage, die die Ukrainer, Südflawen, Tschechen, Deut- schcn, Sozialdemokraten, ruthenischen Sozialdemokraten, Rumänen und Wiener Freiheitlichen eingebracht haben, zur Verlesung. Die Anfrage der Ruthenen protestiert gegen die Angliederung Galt- ziens an Polen, durch die diegalizische Ukraineunter die polnische Herrschaft kommen würde. In der von Dr. Adler namens der deutschen Sozialdemokraten gestellten Anfrage wird auf den Widerstand hingewiesen, welche die geplante Lösung in den Entente st aaten hervorrufen würde. Der Verlust Kurlands bedeutet für Rußland nicht weniger als den V e r I u st seines einzigen brauchbaren eisfreien Hafens in der Ostsee.(Lebhafte Zwischenrufe links. Abgeordneter Wolf: Ist das Aufgabe der deutschen Sozialdemokraten?— Abgeordneter LukS: Und Trieft an Italien, nicht wahr?) In der Anfrage wird weiter erklärt, daß der Plan eine ernste Gcfnbrdung des Friedens sei und ebenso fiir die bisherige Demokratie sti Oesterreich als auch für die Freundschaft Deutschlands mit Oesterreich-Ungarn ge- fähelich sei. Ministerpräsident Dr. Ritter von Seidler ergreift da! Wort und führä auS: Zunächst gestatte ich»nir, mich auf die Er klärung zu beziehen, die ich gestern in gleicher Angelegenheit im BndgetauSschuß abzugeben die Ehre hatte. Wie aus dieser Er- klärung erhellt, kann heute noch nicht davon gesprochen werden daß die polnische Frage gelöst sei. Solange die mit der Kaiserlich Deutschen Regierung eingeleiieien Vorbesprechungen nicht zu einer vollen Klärung geführt haben, ist es naturgemäß auch nicht möglich zu sagen, wie diese Frage gelöst werden soll.(Zwischenrufe.) Falls aber in Zukunft das Königreich Polen eine An Näherung an die Monarchie suchen sollte, so würde natürlich der ganze Komplex jener Fragen, die im legi« lativcn Wege ausgetragen werden müssen, dieser Erledigung vor- behalten bleiben und der österreichischen Volksvertretung rechtzeitig und ohne Präjudizierung Gclegenhctt zur Stellungnahme geboten werden.(Zustimmung.) Ich möchte noch ausdrücklich betonen, daß die polnische Frage— möge ihre Lösung welche immer sein— kein Friedenshindernis darstellen kann, weil sie eine Ver getöaltigung ausschließt.(Zwischenrufe.) Nach freier Wahl soll der polnische Staat sich in Zukunft sein politische Orten tierung suchen.(Lebhafte Zustimmung.) Bei der früher gekenn. zeichneten Sachlage wäre eS verfrüht, wenn sich die Re gierung auf eine Erörterung darüber einlassen wollte, ob und welche Rückwirkungen au f die inneren Verhältnisse Oesterreichs aus dieser und jener Lösung der Frage des König. reichs Polen entstehen würden. Es bedarf jedoch wohl nicht erst besonderer Erwähnung, daß die Regierung alle in Betracht kom- wenden Eventualitäten im Auge behält, und daß den bei Lö- sung dieser Fragen in Betracht kommenden Ratio- nalitäten Gelege nhert geboten werden wird, ihren berechtigten Wünschen Gehör und Gewicht zu verschaffen. Jedenfalls wird die Regierung sorgfällig dar- über wachen, daß— möge was immer sich vollziehen— Oesterreich nicht geschwächt, sondern gestärkt au> dem Wechsel der Dinge hervorgehen und daß seine Völker unter voller Sicherung ihrer Interessen der Segnungen nicht nur des äußeren, sondern auch des inneren Friedens sich dauernd erfreuen können.(Lebhafte Zustimmung.) tzilfsöienstaussckuß. Am Freitag wurde die Beratung der Geschäftsordnung für die Ausschüsse fortgesetzt. Der Entwurf wurde mit einigen Abände- rungen einstimmig angenommen. Die Mitglieder der Ausschüsse erhalten für die Teilnahme an den Sitzungen pro Tag lö M.� Es wird nun vorgeschlagen, nur JJ>0 M. zu gewähren, wenn die Sitzuitg nichtlängeralsvier Stunden einschließlich des Wege«, zur Sitzung in Anspruch nimmt.— Von sozialdemokratischer Seite wurden lebhafte Be- denken gegen diese Neuregelung geltend gemacht und vorgeschlagen, daneben den Entgang an Arbeitsverdienst zu entschädigen.— Die Verordnung wurde schließlich unverändert angenommen. ES folgte die Beratung des Entwurfs einer Verordnung über die Erweiterung der Meldepflicht zum Hilfsdienst- gesetz.§ 7 steht vor, daß der Hilfsdienstpflichtige einer ärzt- Ilchen Untersuchung unterzogen werden kann. Bon sozial- demokratischer Seite wird beantragt, daß diese Untersuchung nur zum Zwecke der Aeststellni.g der körperlichen Eignung de» dienstpflichtigen für eine bestimmte Arbeit erfolgen darf. Bei§ 16, der � Strafvorschriften enthält für den Fall, daß ein Meldepflichtiger die Meldung oder die anderen vorgeschriebenen Mitteilungen unterläßt, beklagt Abg. Bauer die Eigenmäch- ti gleiten verschiedener Borsitzendc» von EinberusungSau»- schüssen. Dem Vorsitzenden dürfe man nicht d'e Einberufung allein überlassen, noch weniger aber ihm allein die Verhängung von Strafen übertragen.— Von anderer Seite wird dem entgegen. gehalten, daß gegen die Festsetzung einer Strafe die Beschwerde mit aufschiebender Wirkung zulässig ist.— Schließlich wurde beschlossen, dre Verhängung von Ordnungsstrafen nrcht dem Vor- sitzenden, sondern dem Ausschuß zu übertragen.— Der Eni- wurf der Meldekarte wird mit einigen Abänderungen angenommen, sodann der ganze Entwnrf... �„ r Di- Petitionen, die sich gegen da« Verbot der Anstel- lung Wehrpflichtiger gegen Gehalt rn militärischen Betrieben richten, wurden dem HaushaltSauSschuß des Reichstags überwiesen.__ Vreielasienhaus-Ernährungspolitik. Die v e r st ä r k t e HauShaltskommissionde» preußi- scher» Abgeordnetenhauses hat ihre hinter verschlossenen Türen gepflogene ErnährnngSdebatte nunmehr beendet uird ihre Beschlüsse in einer Reihe von Anträgen niedergelegt. Der Geist dieser AiitrSge zeigt, daß sich diese auf Grund des Dreiklassenwahl- rechts gewählte NichtVolksvertretung über die Not der arbeitenden Bevölkerung sehr wenig Kopfzerbrechen macht, unr so mehr aber sich um die Erhöhung der landwirtschaftlichen Pro- fite kümmert. So wird u. a. eine neue Preisfestsetzung der land- wirtschaftlichen Erzeugnisse verlangt, die»den ProduktionSverhält- nissen im vierten KriegSjahr gerecht wird" und»die Erzeugung von Nahrungsmitteln in aussichtsvoller Weise anreg t". Auf deutsch: die Nahrungsmittel sollen wieder einmal verteuert werden. Da« gleiche bezweckt ein Antrag, wonach die Zucker- Versorgung»durch eine den Preisen der sonstigen landwtrt- schaftlichcn Erzeugnisse entsprechende Preisfestsetzung gesichert werden soll. Ebenfalls auf eine NahrungSmittelverteue- rung läuft hinaus die Forderung von Kartoffel m i nd e st preisen. wodurch jeder Möglichkeit einer billigen Kartoffelversorgung die Tür verrammelt wird. Abgelehnt hat die Kommission dagegen einen Antrag, der versorgungsberechtigten Bevölkerung � eine Sonderzulage von Kartoffelmehl zu gewähren. Abgelehnt hat sie es. auch nur eine Prüfung darüber zu ver- anlassen, ob im Frühjahr 1918 die K a r t o f f e l r a t i o n er- höht werden könne. Angenommen dagegen wurde ein Antrag, der sich gegen die Erhöhung der Fleischration wendet. ebenso wurde ein Antrag angenommen, die Zwangsbewirtschaftung von Eiern. Obst und leicht verderblichem Gemüse fallen zu lassen. Bei dieser Erledigung der Ernährungsfrage hat offenbar der Gedanke obgewaltet, dem Volk noch einmal recht deutlich zu dcmon- strieren, wie in einem auf Grund de! Dreiklassentvahlrcchts ge- wählten Parlaments seine Interessen vernachlässigt werde». Noch immer tzelfferich! Unter der Ueberschrist»Zur Klarstellung' veröffcnMcht die »Norddeutsche Allg. Zeitung" ein Schreiben, das Dr. Helffe- rich ain Sanntag, den 28. Okiober, an den Grafen Hertling ge- richtet hat. Dieses Schreiben soll gewissen Acrlßerungen der Presse entgegentreten, die„die Stellung des zurückgetretenen Vizekanzlers in einem schiefen Licht erscheinen lassen". Jir dem Schreiben bietet Helffench dem Grasen Hertling seinen Rücktritt an. Er gesteht zu, daß seine Person ein Hindernis für die Stellung des Kanzlers sein könnte und daß er. Helfferich. sich in Parlament und Presse Gegnerschaften zugezogen habe. Dann sagt das Schreiben: Ich stelle deshalb mein Amt Eurer Exzellenz zur Verfügung und erkläre mich bereit. Seiner Majestät dem Kaiser mein Eni- lassungsgesuch einzureichen, sobald Eure Exzellenz sich überzeugt haben sollten, daß mein Ausscheiden im Interesse der Sache liegt und Eurer Exzellenz die Bewältigung der neuen großen Ausgabe erleichtert. Die„Nordd. Allg. Zig.' bemerkt dazu: Dem Inhalt dieses Schreib ns hat Dr. Helfferich sein Ver- halten auf das loyalste angepaßt. Entgegen anderen Bchaup- tungcn bat er weder bei den politischen Parteien noch bei mche- ren St'llen irgendwelche Schritte unternommen, um der von ihm dem Grafen Hertling anheimgestellten Entschließung vorzu- greifen- oder sie zu beeinflussen. Un! erscheint an der Sache auffällig, daß Herr Helfferich, anstatt einfach seinen Abschied zu nehmen, die Entscheidung hierüber auf den Grafen Hertling geschoben hat. Ueber das Verhalten des gewesenen Vizekanzlers sind sich ziemlich alle Personen. einig, die aktiv an der Lösung der Krise mitgewirkt haben. Wir glauben nicht, daß ihr Urteil durch die nachherigen Erklärungen der„Nordd. Allg. Ztg.' irgendwie geändert wird. Hilft- Letzts Nachrichten. Neuordnung des RcichSamtes des Innern. Berlin, 9. November. Die nach der Abtrennung deS Reichswirt- fchaftsamtS erforderliche Neuordnung des ReichLamtS des Innern ist nunmehr im wesentlichen erfolgt. Das Amt zerfällt in zwei Abteilungen. Di« erste W- teilung umfaßt hauptsächlich folgende Angelegenheiten: VersassungSfragen, die auf den Bundesrat, den Reichstag und die ReichStagSwahlen bezüglichen Geschäfte, die allgemeinen Ange- legenheiten der ReichSbehördcn unid ReichSbeamten, die Angelegenheiten der politischen Polizei, daS Preß-, Vereins- und Versamm- lungSwesen. alle Militärangelegenheiten, besonders Familienunter- stützungcn, Aufwandsentschädigungen, Kriegsschäden, die Angelegen- Herten der Mobilmachung, die besetzten Gebiete, die Reichsentschäldi- gungskommission usf. Diese Abteilung ist dem Ministerialdirektor Dr. L e w a l d unterstellt. Die zweite Abteilung umfaßt u. a.: Tic Angelegenheiten der Medizinal- und Veterinärpolizei, daS GeftindbeitSamt, das MedizinalprüfungSwescn, den Nahrungsmittel- d-rkehr, die Staatsangehörigkeitssachen, die Angelegenheiten der Freizügigkeit und deS UnterstützungswohnsitzcS, das Bundesamt für das Hcimatwescn, die AuS- und Einwanderung, die auSländi- scheu Arbeiter, die inner« Kolonisation, die Verkehrspolizei sowie die Frenitenpolizci und daS Preßwesen. Mit der Leitung der zweiten Abte"iing ist einstweilen der Geheime Oberregierungsrat D a in m a n n beauftragt. Truppen gesen Petersburg. Petersburg, 9. November. Laut Meldung der Peters- burger Telegrap'hen-Agentur richtete der Allgenreine Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte ganz Rußlands einen Auf- r u f an die Arbeiter, Soldaten und Bauern, der wieder die bolschewistische Forderungen mitteilt und zum Schluß sagt: „Die Partergänger Äornilows, Kcrenskis, Äaledins und anderer versuchea Truppennach Petersburg kvvimrn zu lasscu. Einige Abteilungen, die sich durch KcrenSki hatten täuschen lassen, find bereits auf die Seite des in Erhebung beflndlichr» Volkes übergetreten. Soldaten! Setzet tatkräf- tigeu Widerstand KerenSki, diesen Parteigänger Kornilows, entgegen! Eisenbahner! Haltet die Streitkräfte a n, die Krreirsli gegen Petersburg schickt!" Dieser Aufruf wurde mit allen gegen zwei Stimmen bei zwölf Stimmen Enthaltung angenommen, GewerWPsbewWNS Verlin und Umgegend. Erneute Differenzen in den Deutschen Waffen� und Munitionsfabriken. Bereii» vor einiger Zeit mufreu irir mitteilen, dox in den ?, e u t s ch e n W äffen- und Munitionsfabriken eine erbebliSe Beunruhigung der Arbeiter dadurch eingetreten mar, daß die Firma von den best.henden Mlordpreisen zum Teil reckt erheb- tiche Abzüge luackre. Diese Abzüge wurden dann von der Direktion wredor zurückgenommen, nachdem die zuständige Organisation, der Deutsche Metatlarbcitervcrband, cingeorissen und B-sSmcrde bei der KriegSaintZsiells in den Marken erhoben hatte. Nunmehr Hai die Direttion ein anderes Mittel ausfindig ge- macht, um ihr Ziel zu erreichen. Sie läßt die Arbeiten, die bisher von Männern■ gemacht worden sind, soweit irgend angängig durch Arbeiterinnen ausführen und gibt den Arbeiterinnen einen Preis, bei dem sie mit dem besten Willen den im Betrieb üblichen Perdienst nicht er-.ielen können. Während es bisher in dem Betrieb üblich war, daß die Arbeiterinnen zwei Drittel des Preises erhielten, den vorher die Männer bekamen, setzt die Firma jetzt die Preise erheblich herab. Dcirür einige Beispiele: Bei einer Arbeit betrug der MänuerpreiS 7ö M. für 100 Stück. Die Arbeiterinnen sollen die Arbeit für 40 M. machen. Bei einer anderen Arbeit haben die Männer 80 M. erhalten, die Arbeiterinnen sollen nur 40 M er- halten. Bei einer weiteren Arbeit betrug der Männerpreis 54 M.. die Arbeiterinnen sollen mir LZ M. bekommen. Oder der Männer- preis betrug 34.50 M., die Arbeiterinnen sollen nur 10 M. be- kommen. Diese Preise sind alle so festgesetzt, daß die Arbeiterinnen nicht in der Lage sind, auch nur einigermaßen ihr Geld zu der- dienen. Allen diesen Preisminderungen wird aber die Krone aus- � gesetzt biwch ein« Sr Veit fLr fcl« die Männe? 41,50 SR. bekamen, während die Frauen nur 12 M. erhalten sollen. Oder noch in einem anderen Fall, wo die Männer 21.80 M., die Frauen nur 0.60 M erhalten sollen. Diese Art und Weiss bat bereits zu einer allgemeinen Leun- ruhignng samtlicher im Werl Beschästigten geführt, und es ist zu befürchten, daß, wenn die Direktion nickt von ihrem Vorhaben zurücktritt, erneute Störungen in den Werken entstehen. Hinzu kommt noch, daß die Direktion einem Teil der Scharsschleifer, die bisher 17V, Proz. Teuerungszulage erhalten haben, einfach diese Zulage, die sie bereits seit Januar bekamen, auf 1 0 P r o z. L e r- abgesetzt hat. Der ArbertorauSschuß ist beauftragt worden, die Direktion noch einmal auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die in dieser reckt eigenartigen Festsetzung der Akkordpreise liegt. Es wäre doch wirk- lich an der Zeit, daß die in Frage kommende Behörde endlich ein- mal die Direktion dieses Werkes daraus aufmerksam macht, daß dieie sortgeiegte Beunruhigung der Arbeiter weder im Interesse der aegenwärtigen Kriegswirtschafi liegt, noch sich mit den gegen- wärligen Zuständen der Volkswirtschaft irgendwie in Einklang bringen läßt. Lage der Lokomotivführer-Anwärter. Uiiter sämtlichen Beamten gibt es keine Gruppe, die so schwer arbeiten muß. als diejenige der L o k o ni o t i V s ü h r e r- A n. Wärter. Oft sechzehn Stunden und noch mehr täglich kommen diese Männer nickt von der Lokomoiive, auf der ihnen das. die Körpeikräfte anfs höchste in Anspruch nehmende Heizen des Dompskessels obliegt. Es handelt sich dabei um ungefähr sechzig bis neunzig und noch mehr Zentner Koble, die tagaus tagein aus der fahrenden Maschine kleingeschlagen und vom Tender in den Feuer- räum aeichippt werden müfien. Die, eine nicht gering« geistige Tätigkeit erfordernd« Z»» ftandhaltung der Maschine, das rechtzeitige Oeleu der vielen Lager und das Beobachten der Bahnzeichen. sind Arbeiten, die den Lokomotivführer-Anwärtern außerdem obliege«. Wurden diese Männer schon im Frieden im Vergleich zu ihren Leistungen sehr unzureichend enrlohnt, so ist die Bezahlung im Kriege durch die Teurung aller Lebensbedürfnisse noch wesentlich verschlechtert worden, während sich die Arbeilslast durch Ausdehnung des Diensies und durch die Verschlechterung der Kohle und des Oeles wesentlich gesteigert bat. Hierdurch sind diese Beamten in eine ganz außerordentlich schwere Notlage geraten, deren Abbilie im Hinblick ans die Wichtig» keit ihres Dienstes für den Eisenbahnbetrieb und damit für das Vaterland dringend geboren erscheint. Da alle Vorstellungen bei der Behörde nickt den entsprechenden Erfolg gezeitigt haben, kam es am 7. November 1317 zu einer Veriammlung der Berliner A n w ä r l.e r, in der nach langen, sehr erregten AuS- einandersetzungen eine Entschließung zur Annahme ge» langte, in der vom Verband der Lokomotivführer schritte zur Herbeiführung besserer Lohnverbältmfie für die An» Wärter gefordert wird. Insbesondere wird eine schnellere Beiörde» rung verlangt, womit eine Steigerung der Lohnhöhe verknüpft ist. Tie kürzlich eri'olgie Erböhnng der Nebenhezüae>ei ungenügend; diese seien vielmehr geeignei, zu übermäßiger Dienstleistung zu per- leiten, wodurch nicht'elten schwere Eisenbahn Unfälle herbeigeführt werden könnten. Beschlossen wurde, eine Depulaiion an den Eisenbahnmmister abzuordnen, um die Wünsche der An- Wörter an dieser Stelle vorzutragen. Verantwortlich für Volilik- Erich Stiittttrr,«erlin: für den übrigen Teil deS Blattes:?Ilircd Scholz. Neukollm vir Imcroie II) Gloile. Berlin. Druck II. Verlag: Vorwärts Büctidruckerei u. VerlagSan'lalt Paul Singer& Co., Berlin SW Hierzu 1 Beiioac und Untrrdaltunaslilatt. Le!U2Z!illLlIkn-ULi7Q!cfi!Z!i _ Baplln-Worcken_ i Orooan. Farben Flslcoh- Ii. Wurstw. Wietirv 8ii 119.1 Kolonialwaren . kpiiaflii kw!,)"' MScelmagazIne � Rtrt£ e« P'ditirkeBtJCfril. 97 C9G W W« Tischlermeister BezussqüeilBnUsrzejsnals Berlin-Osten 0 Butter, Eier, KSse za a FltotOBrapli. Ateliers itr.'.'S i. Ab jrM.pUti ÖMeml Wa�enhiuser__ irgor WstenktaiMax Fleanlig; Hih-flirtisa 11.V'cnr-Ur srh t0»! acxa niig* y. Spezialarzt I>r. ni« N C'o]i'in»nn| i.Geschlechtskrankh, Haut-, Harn-, Frauenleiden. nervS». Schwäche, Seinkranke.• F.hrlich■ Huta- Kuren (Dauer I'ZTasel. 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Von Dienstag, den 13. bis Donnerstag, den 15. November im Kukuk Lichtspielhaus »_ 1 Scbauzpirl in 5 Akten. In der Hauptrolle: LGDISnSWOylSiH Liane Haid o. Wilhelm Klitsch. Hervorragender Wiener Knnstfilni. Hans Mierendorf in„Das Gehemais der Pagode". Ein eigenartiges Erlebnis des berühmten Harry Higgs. hanöeii, bei uns so vorieichast bedient wer- den, wie Sie es bei den heutigen Verhält» «iffen übschaupt er« tn/irtot» PAnn�ei