Nr 138. Erscheint täglich außer Montag«. PreiS pränumerando: Viertel, jährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Ml., wöchentlich 38 Psg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" lOPsg. Post Abonnement: MoSU. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 3 Ml., für da» übrige Ausland Z Ml.pr.Monat. Eingetr. tn der Post-Zeitung»-Preislist« für ls»t unter Nr.«3t». 11. Jahrg. JnserttonS-SebÜhr beträgt für dio funfgespaltene Petitzetle oder deren Raum 10 Psg., für Berein»- UN» versammlnngs- Anzeigen 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags tn der Erpeditton abgegeben werden. Die Erpeditton ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- «nd Kesttagen bis s Uhr Vor» mittag» geösfnet. Fernsprecher: Amt 1, Mr. 1608. «elegraimn- Adresse: «Foiialdemokrat Krrttni' VolKsSlalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW.19, Aeuth-Straße 2. Sonntag, den 1�. Inni 1894. KLpedition: 8V. 19, Aeuth-Straße S. Arbeiter! Narteigenossen! Trinkt kein boykottlrtes Äier! Verlinev Viev-Voizlrokl giebt der kapitalistischen Presse wieder einmal Gelegenheit, die ganze Feigheit, Frechheit und Verlogenheit des Protzen- thums vor aller Welt auszustellen. In einem Athem wer- den uns die widersprechendsten Vorwürfe gemacht. Die albernsten Renommistereien wechseln ab mit kläglichem An- rufen der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Bald heißt es, die Ritter vom„Brauerring" merkten gar nichts vom Boykott, bald: er schädige das Geschäftsleben so sehr, daß es die Pflicht der Behörden sei, einzuschreiten und dem verderblichen Unfug ein Aiel zu setzen. Die heftigsten An- klagen wechseln ab mit rührseligen Appellen an die Menschlichkeit. Dieses Treiben erfüllt wirklich mit Ekel. Hundertmal thleuderte man uns den Handschuh ins Gesicht, und nun, a wir ihn aufgehoben und dem Gegner ins Antlitz geschlagen haben, diese erbärmliche Heulmeierei! „Gehässig" soll der Boykott sein— eine„Kriegs- Maßregel". Gewiß ist er das. Wer hat aber den Haß gesäet? Wer den gesellschaftlichen Krieg verkündet und geführt— seit Jahrzehnten, ja, wenn wir zurückgreifen, seit Jahr- Hunderten, seit Jahrtausenden? Oder sind es nicht die„Großen", die wirthschaftlich Stärkeren gewesen, die allezeit die Armen und Schwachen unterdrückt und ge- ächtet haben? Doch bleiben wir in der Gegenwart: sind nicht alle Arbeiter, die das Klasseninteresse ihrer Kameraden vertreten, von jeher und überall verfolgt, chikanirt, gehetzt, geächtet worden? Sind nicht alle, die, selber der herrschen- den Klasse angehörig, der Sache der Arbeiter sich annehmen, allezeit und überall verfolgt, chikanirt, gehetzt, geächtet worden— politisch geächtet, wirthschaftlich geächtet, gc- geächtet? Und nicht blas s i e allein, auch die Kinder, Kindeskinder und Verwandten? Wir könnten mit Tausenden von Beispielen aufwarten. Zehntansende unserer Genossen sind durch diese schmachvollen Verfolgungen und Boykottirungen langsam um ihre Existenz gebracht, planmäßig aus- gehungert und zu Grunde gerichtet, gar mancher in den Tod getrieben worden. Ereifert sich das sentimentale Bürgerthum über die Verfolgungen der Christen unter den heidnischen Kaisern! Die Verfolgungen der Christen sind nicht schlimmer gewesen als die der Sozialisten— etwas blutiger, nach dem Stande der Kultur, dafür lange nicht so rafsinirt, methodisch und massenhaft. Und auch über das blutig ließe sich streiten. Eine Christenmetzelei wie die Sozialistenmetzelei der„blutigen Maiwoche" von 1871 weist 66 Feuillekon. Der Inde. Deutsches Sittenge niälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Von C. S p i n d l e r. Einen Knß der Pflicht fühlte Diether ans seiner Wange «inen Augenblick hielt ihn die Tochter umschlungen, und ichon war die Thür hinter ihr ins Schloß gefallen. Lange tarrte aber noch der grane gebeugte Vater vor sich hin, wie ein von jähem Tode Erblaßter, und als dann nun wieder Regsamkeit in seine Glieder trat, wandte er den Blick, gezwungen fast, zu dem Bilde des Heiligen, das auf ihn herniedersah wie eines Todfeindes verhaßtes Antlitz, trug es gleich die Züge des einstens zärtlich geliebten Dagoberts. Aber also ist das unglückselige Wesen des Argwohns und der Eifersucht, daß durch ein Wort, durch einen aufgerüttelten Gedanken das Theucrstc ein Gegen- stand bitterer Verfolgung werden, Liebe sich in Wuth ver- kehren kann. Und dieser leise Grimm, ein fressend Uugethüm in der Brust des Leichtgläubigen, baut sich fester und fester ein, je angelegentlicher man ihn vertilgen möchte. In ge- sährlicher Stille wächst der Funke an zur verderblichen Gluth, und so kann es geschehen, daß selbst unter dem Eise des Alters ein gährendes Flammenmeer wogt, denn im Mittel- punkte des Lebens stürmt und braust es heiß und kräftig, lvcim auch seine.Grenzen allgemach im Frost erstarren. die ganze christliche Märtyrergeschichte nicht ans. Und der Hauptschlächter in dieser blutigen Maiwoche, der Mordi Louis Gallifct, ist ein Abgott der Bourgeoisie. Wir haben den„gesellschaftlichen Krieg"— keinZweifel Der„gesellschaftliche Krieg" ist nur ein anderer Ausdruck für Klassenkampf— und der Klassenkampf ist nicht unser Werk— er ist das Werk der herrschenden Klasse, die mit allen Mitteln sich an der Herrschast zu behaupten, den Beherrschten die politische und ökonomische Gleichstellung und Gleichberechtigung vorzuenthalten bemüht ist. Daß das Proletariat sich diese Gleichstellung erkämpfen will, daß es in diesem Kampfe von den Waffen, welche es hat, Gebrauch macht, und dem Unterdrücker mit gleicher Münze heimzahlt, das ist sein gutes Recht, das ist sein M recht und seine Menschen pflicht. Der Unterdrückte ist stets der angegriffene Theil, denn Unter- drücknng ist ein f o r t d a u e r n d e r A n g r i f f. Die A b- wehr eines Angriffs ist, sogar nach den Gcfctzesbüchern des Klassenstaats, ein berechtigtes Handeln. Und Abwehr, ja mehr noch: Nothwehr ist dieser Boykott, wie die ungeheuere Mehrzahl aller Boykotts von unten und aller Streiks. Und wenn alle juristischen und unjuristi- fchen Handlanger des Kapitalismus sich zusammenthun, um das Gesetz zu beugen oder zu brechen, hieran können sie nichts ändern. Nichts lächerlicher als das Gewinsel von den Geschäfts- störuugen und Existenz-Schädigungcn durch den Boykott— ein Gewinsel, das sich gar komisch ausnimmt neben der stereotypen Prahlhauserei: der Berliner Bierboykott sei ein Schlag ins Wasser. Nein, Ihr Herren, das ist er nicht. Und noch Jahre, nachdem Ihr den Frieden gesucht habt, werdet Ihr den Schlag fühlen. Wir haben den Streit nicht gewollt— Ihr habt ihn uns aufgedrungen, doch wenn wir schlagen, dann schlagen wir hart. Mit einer, ihren Mangel an Wahrhaftigkeit grell beleuchtenden Hartnäckigkeit fahren die Herren Rösicke und Kompagnie fort zu betheucrn, die Sozialdemokrotie hätte den Boykott vom Zaune gebrochen, und zwar deshalb, weil sie den Vorstoß der Brauer zu gunsten der Arbeitsruhc am e r st e n M a i habe unterstützen wollen. Das ist eine Lüge. Eine Lüge ist eine Unwahrheit, ausge- sprachen wider besseres Wissen. Und die Rösicke und Kompagnie haben wider besseres Wissen diese grobe Unwahrheit in die Welt geschickt. Ja, wider besseres Wissen. Denn Herr Rösicke, der die Arbeiter- bewegung aufmerksam überwacht und die Berliner„Führer" aufs Genaueste kennt, kann unmöglich im Dunkel darüber gewesen sein, daß die sozialdemokratifche Partei— auch auf ihrem letzten Kongreß— eine„Kraftprobe" für den Mit der festesten Willensgewalt nur vermochte Diether den bösen Geist zu bändigen; nicht jedoch um die Augen mit Vertrauen zu öffnen und ihn dadurch völlig zu überwinden, sondern um ihn zu pflegen und größer zu ziehen in Schwei- gen und Heimlichkeit. Darum überließ er sich selbst dem Fehler, dem er auf die Spur zu kommen trachtete, der Heuchelei. Mit freier Stirn überließ er sich der Umarmung Margarethens, die ihm ihre Dankbarkeit bezeugte, daß er Wallraden nicht länger in ihrer Nähe aufgehalten; ohne mit einer Miene seinen tiefen Verdacht, seinen heimlichen Groll zu offenbaren, tändelte er mit dem Knaben, den ihm die Ehefrau schmeichelnd in die Arm- legte. Stunden lang scherzte er mit dem Buben, verwendete kein Auge von ihm; aber nicht väterliches Wohlgefallen, wie wohl ehedem, be- wog ihn dazu, sondern die Begierde, Johanns Züge sich fest einzuprägen; und so oft sein Blick vergleichend von des Knaben Antlitz zu dem Bilde des heiligen Rittersmannes schweifte, bohrte sich ein neuer Dolch in des Argwöhnischen Gemüth, und je gewisser ihm die Aehnlichkeit wurde, je wüster tobte es in seinem Innern, so freundlich er auch seine Runzeln glättete, so peinlich er auch den Mund zum Lächeln zwang. Die Nacht, die auf diesen Tag quälender llnruhe folgte, war für den von Jahren, Gebreste und Verdacht geschwächten Mann keine erfreuliche, und dem Geizhalse zu vergleichen, der auf seiner Geldtruhe nur von Raub und Mord zu träumen pflegt, sah Diether Dagobert's und des Schult- heißen hämisch lächelnde Häupter um sein Lager kreisen. Liebesgirrcn und Mjiinegetose folterte sein Ohr, so tief er den Kopf in die Kissen wühlte, und hundertmal verließ er sein Bette, um an Margarethens Kammerthnr zu lauschen, 1. Mai zurückgewiesen hat; und insbesondere kann er nicht darüber im Dunkeln gewesen sein, daß die Berlins» „Führer"— die Parteileitung inbegriffen— mit dem Aus- stand der Brauereigehilfen nichts zu thun Halen, ja, daß sie den Boykott der Rixdorfer Brauerei mißbilligten. Wie scharf wir ihn mißbilligten, das wissen am Besten die Genossen, die jenen Beschluß faßten. Aber auch Herr Rösicke und Genossen haben es gewußt. Und im Vertrauen darauf, daß die Partei in ihrer Mißbilligung verharren und unter keinen Umständen aus der Neutralität heraustreten werde, entschlossen die Rösicke und Konsorten sich zu jener frechen Herausforderung, die ihnen si> übel bekommen ist— wir meinen dieDoppel-Dezimirung der beschäftigten Vrauerei-Arbeiter. Wer sich des Krieges von 1870/71 erinnert, dem ist es im Gedächtniß, wie tief die deutsche Kriegführung sich mo- ralisch schädigte durch die Anwendung einer den barbarisch- sten Zeitaltern entlehnten Maßregel: durch das Geiseln- nehme n. Unschuldige Menschen schweren Leiden und Gefahren aussetzen, bloß um auf die Freunde und Genossen dieser Unschuldigen und am Kampf Unbetheiligten einen S e e l e n d r u ck, eine Seelenfolter auszuüben, und die Gefolterten zum Frieden oder zur— Kapitulation zu zwingen— das erschien der öffentlichen Meinung aller Länder als eine Barbarei, als eine Unmenschlichkeit, und jedes fühlende Herz war empört. Ebenso verwerflich wie das G e i s e l n e h m e n ist das D e z i m i r e n— auch eine Sitte der rohesten Barbarei. Nur daß es bei den Römern und Griechen meist eine Strafe war für begangene Verbrechen oder Vergehen, die an jede m Schuldigen zu sühnen ein zn großes Gemetzel erheischt hätte. Wenn z. B. ein paar Legionen gemeutert hatten, so tödtete man nicht alle, sondern nur den zehnten Mann. Das war barbarisch, allein immerhin noch human gegenüber den geschonten neun Zehnteln— und es lag eine nach dem Gesetz todeswürdige Handlung vor. Die Männer, an denen Herr Rösicke und Genossen ihr Müthchen kühlten, und aus deren Mitte sie nicht den zehnten,— das war ihnen, den„Arbeiter- freunden", zu wenig— nein den fünften Mann herausholten, um ihn auf die Straße zu jagen und dem Hunger zu überliefern— sie waren an dem Boykott der Rixdorfer Brauerei unschuldig wie neugeborene Kinder. Es war eine brutale, grausame Barbarei, für die jede Be- Zeichnung und jede Entschuldigung fehlt, ein roher Despotenakt, eingegeben vom Geldsacks- Wahnsinn und zeugend von abstoßendster Herzlosigkeit. Und eine Herausforderung. Die Herren Rösicke und Kompagnie hatten gedacht—- die streikenden Brauer würden aus Mitleid mit den be- ihre Athemzüge zu zählen, und sich zu überzeugen, daß kein kecker Buhle ihre Einsamkeit thcile. Den Ermüdeten hatte kaum ein mitleidiger Morgenschlummer überrascht, und schon weckte ihn eine Botschaft, die ihm vor wenig Tagen noch eine freudige gewesen wäre; dies Kundej von der An- kunst Dagoberts. Der Sohn, nicht ahnend, daß er im Vaterhause fremd geworden, stürzte mit dem Jubel unge- heuchelter Liebe an des überraschten Vaters Brust. Ach! die herzlich gemeinte Freude des Wiedersehens konnte nur auf dürftige Augenblicke den unseligen Wahn von Diethers Bette scheuchen. Ohne Säumen kehrte er wieder zurück. Dem unbefangenen Jüngling sogar konnte die Veränderung nicht entgehen, die sich mit seinem Vater zugetragen, allein er schrieb auf Rechnung des Siechthums, was auf Rechnung eines verblendeten Gemüths kam. Aufrichtig und stürmisch, wie er war, konnte er seine Gedanken nicht lange bei sich behalten.„Sagt mir doch, herzlieber Vater," sprach er mit jener Zutraulichkeit im Ange, welcher man so selten widersteht,„sagt mir doch, ob es nur eine Einbildung ist, oder Wahrheit, daß ich Kälte und eine gewisse Fremdheit in Eurem Empfang wahrnehme; und wenn es wahr sein sollte, ob das noch von Eurer Krankheit stammt, ob nicht. Sprecht aufrichtig vom Herzen weg, damit es alsdann wieder zwischen uns werde, wie vormals."— Diether blickte prüfend in des Jünglings redlich Gesicht, aber die Aufrichtigkeit war bei ihm hinter die Wege gc- zogen. Den Scheingrund schob er ohne langes Ueberlegen vor.„Wie kommt es,"— fragte er beinahe hart,— daß mir jetzo erst Dich zu sehen erlaubt ist, während D» bereits seit einigen Tagen hier verweilst?"„Ich, Vcchex? drohten Genossen und aus Angst vor den fürchterlichen Braupfannen-Cäsaren ins Mausloch kriechen, und die Sozialdemokratie würde sich nicht zu mucksen getrauen. Die Rechnung war falsch. Der überspannte Bogen ist geplatzt. Der Spieß ist umgedreht worden und die großmäuligen schlechten Rechner schreien, als ob sie am Spieß stäken. Geschieht ihnen recht! Wir haben kein Mitleid mit ihnen. Ein bischen Schreien ist gesundheitsförderlich und Fett haben sie ja zuzusetzen. Mögen sie schreien, so viel sie wollen, denunzireu so viel sie ivollen— wir lassen ihnen das Vergnügen. Nur eines dulden wir nicht: d a ß s i e lügen. Wir dulden nicht, daß sie sagen, der Boykott sei von uns vorbereitet und organisirt worden. Das ist g e l og e n. Der Boykott hat weder mit deni ersten Mai noch mit der Rixdorfer Versanimlnng etwas zu thun. Er ist hervorgerufen worden einzig durch die frivole, unmenschliche Entlassung der LOpCt. Brauerei-Arbeiter. Aus dieser Thatsache ergiebt sich alle? Weitere. So lange jene durch nichts zu rechtfertigende provokatorische Maßregel nicht widerrufen ist, bedingungslos widerrufen, dauert der Boykott fort. Die Arbeiterklasse hat ihre ökonomische Macht kennen gelernt. Sie ist durch die Herren K a p i t a l i st e n dazu gebracht worden, sie zu begreifen und zu benutzen. Den ersten deutschen sozialistischen Boykott hatten wir 1880 in Sachsen— unter dem Sozialistengesetz, das den Herren Bourgeois nicht genügte und dem sie noch die völlige Vernichtung des Versammlungsrechts durch Abtreiben der Säle hinzufügten. Jener erste Boykott, oder richtiger G e g e n boykott, war erfolg- reich— in den Ring der Saalabtrciber wurde der erste Riß gebrochen. Und ein heiteres Vorzeichen des Sieges ist es uns in dem gegenwärtigen Kanipf, daß die Cäsaren der Braupfanne in ihrer Verzweiflung kein anderes Rettungs- mittel haben entdecken können, als den alten, rissigen Saal- abtreiber-Ring nochmals zusammenzuflicken. In der That, sie haben„ihr Sach auf nichts gestellt." Den Ring haben wir gesprengt, und wir werden ihn sprengen. Von wem leben dann die Wirthe in Ärbeiterstädtcn und Arbeitergegendcn? Und von wem leben dort über- Haupt die Geschäftsleute? Boykott gegen Boykott. Gegen den Boykott von oben der Boykott von unten. Militär-Boykott, gesellschaftlicher Boykott, ökotwmischer Boykott, schwarze Listen,— kurz auf allen Gebieten gegen uns der Boykott bis zur Vernichtung. Und da sollen wir wie Hümmel uns ruhig abwürge» lassen? O nein, Ihr Herren. Was dem Einen recht ist, ist dem andern brllig. Habt Ihr das Recht,„Euere" Arbeiter zu entlassen, wenn sie nicht Eure Sklaven sein wollen, so haben wir das Recht, denen, die von uns leben, unsere Kundschaft zu entziehen. Ja, das ist es, was Euch erschreckt, Ihr Herren Protzen: „denen die von uns leben." Die Arbeiter haben entdeckt, daß die Kapitalisten und Unternehmer von ihnen leben. Und die Sozialdemokraten haben entdeckt, daß sie, entsprechend der Stimmenzahl bei den Reichstags- wählen, ein gutes Viertheil des Deutschen Volks darstellen, das heißt einen„Staat im Staat" von über 12 Millionen Menschen. Welche ökono- mische Kraft in diesen zwölf Millionen! Welcher Markt! Man führt Kriege, stürzt sich toll in eine Millionen verschlingende Kolonialpolitik, um Märkte zu erobern, die winzig sind verglichen mit diesem sozial- demokratischen Zwöls-Millionen-Markt. Wir kennen unsere Macht. Wir wissen, was wir können und was wir nicht können. Zu diesem Boykott hat man uns g e n ö t h i g t— er ist eine Maßregel der Abwehr gegen schnödes Unrecht und nichtswürdige Vergewaltigung. Wir haben den Kampf nicht begonnen, aber— komme, was komme— wir führen ihn durch bis zu erreichten, Zweck. VoNNsrhe AeberN-ckl». Berlin, den 16. Juni. Die Reaktionäre an der Arbeit. Der Justiz- auSschuß des Bundesraths hat den Gesetzentwurf, betreffend Aenderungen und Ergänzungen des Gerichts-Verfassungs- gesetzes und der Strafprozeß-Ordnung, durchberathen und beantragt beim Plenum die Annahme der Vorlage mit unwesentlichen Abänderungen. Zugleich beantragt der Ausschuß, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, die Ausarbeitung fragte Dagobert betreten, und hätte gern verneint, un- befangen lverneint. Dieser ging aber ohne Zögern auf den Grund, und drängte mit neuer strengerer Frage, so daß am Ende der Jüngling den besten Theil erwählte.„So mögt Jhr's denn wissen;" sprach er:„ich verstehe mich schlecht aufs Lügen, besonders wenn Ihr mir ins Auge seht, denn vor den, Manne, den ich am meisten ehre und liebe, habe ich kein Falsch. Es sei also darum. Wahr ist's; seit vor- gestern Mittag bin ich hier, und habe mich sorgfältig von Euer», Hause fern gehalten, weil— Ihr mögt mir darob nicht zürnen— weil Schwester Wallrade darinnen ein- und ausging. Heute sah ich sie jedoch mit Roß und bepacktem Wagen von bannen ziehen, und säumte länger nicht, hier einzusprechen. Gott segne Euch die Ostertage. Die Fladen mit Euch zn verzehren bin ich hier, und will sie m,r schmecken lassen, so der Himmel will, und Ihr mich gerne an Eurem Tische seht."—„Tu bringst nicht die Eintracht zu dem Feste," antwortete Diether mürrisch: „der Bruder flieht den Ort, wo seine Schwester haust?" —„Ihr wißt ja, Vater, daß wir's von jeher also hielten," entgegnete Dagobert mit leichtem Scherz:„Was Häuschen jung gewohnt, das thut es auch im Alter. Doch, weil ich eben seinen Namen nenne,— was macht mein Brüderlein? Ihr sollt sehen, ob wir nicht besser zusammenhalten, als ich mit Wallraden."—„Wirklich?" spöttelte Diether. „Man sollte es kaum glauben. Ein Stiefbruder ist ge- wöhnlich nicht der Geliebtere."—„Hm!" lachte Dagobert, „es hat mit dem Kleinen eine besondere Bewandtniß."— Dem Vater stieg eine dunkle Flamme der Beschämung bis unter die Haare.—„Der arme Junge war stets krank," fuhr Dagobert fröhlich fort,„nun ist er aber gesund, wie ich höre. Sehl, schon dieses freut mich ungemein. Doppelt lieb muß ich aber den Burschen haben, weil..." —„Weil...?" unterbrach ihn Diether gespannt und heftig.—„Weil ich komme, um mit dem armen Schelm sein Erbe zu theilen. Seht mich nur verwundert an. So wie Ihr mich vor Euch erblickt, habe ich mich mit der eines Gesetzentwurfs in Betreff der Bestrafung unwahrer (nichteidlicher) Zengenaussagen in Erwägung zu nehmen. Bekanntlich birgt die Strafgesetznovelle unter der falschen Etikette„Berufungseinführung" eine Unmenge Vorschläge für einen Apparat, der mit wenig Geräusch Unschuldige zu Schuldigen stempeln. Lästige in Untersuchungshaft bringen kann zc. Inwieweit der Ausschuß diesem Machwerk zu- gestimmt hat, erhellt nicht. Sicher wird zu Beginn der nächsten Reichstagssession die Strafgesetznovelle demReichstag vorgelegt werden. Sie wird Gelegenheit geben, die ungeheuren Schäden der heutigen Rechtspflege im Reichstage eingehend darzulegen und mit unseren dem Progranim entsprechenden Vorschlägen hervorzutreten, die wenigstens in etwas Garantien für eine gerechte Rechtspflege bieten. Wir werden nach Veröffentlichung der Strafgesetz-Novelle deren reaktionäre Schlingen eingehend besprechen.— Gegen die Plancner Wahl wollen die„Ordnungs- Männer" Protest erheben. Das Vergnügen ist den Herren zu gönnen, müssen wir doch sonst immer die Proteste erheben. Angesichts der großen Majorität, die wir erzielt haben, ist es freilich vergebliche Mühe, die sich die Herren geben, selbst wenn ihre Gründe stichhaltig wären. Als Protestpunkte werden uns mitgetheilt: Da soll ein Nachbar das Wahlrecht für den andern mit ausgeübt haben. Das wäre also schon einer; sollte dieser etwa zu- fällig für Uebel gestimmt haben, so würde diese eine Stimme bei den Kartellbrüdern noch ab- und uns zugezählt. Sodann heißt es, daß am Tage der Stichwahl eine große Anzahl von Land- wehrleuten zu einer Uebung eingezogen worden sei; da diese längere Zeit bis zum Abgange des Zuges auf dem Bahnhose verweilen mußten, habe» sich verschiedene von ihnen auf kurze Zeit beurlauben lasse», die sie zum Wählen benutzten. Nun bestimme aber§ 2 des Wahlgesetzes: Für Personen des Soldatenstandes, des Herres und der Marine ruht die Be- rechtigung zum Wählen so lange, als dieselben sich bei der Fahne befinden. Gerisch werden sie doch nicht ans dem Reichstage hinausbringen.— � Höflichkeit verstehen gewisse Leute ebensowenig wie das Flunkern. Die Leistung eines hiesigen anti- semitischen Lokalblatts, das eine sozialdemokratische Vor- stands- und Vertrauensmänuer-Versammlung erfand, zu- sammenberufen, um über die Bedrohung unserer Partei durch den Antisemitismus zu berathen, wurde von uns gestern in höflicher, wenn auch nicht ernster Form, als schlechter Scherz bezeichnet. Die Höflichkeit war übel- angebracht und heute berichtigen wir uns dahin: das be- treffende Lokalblatt hat nicht harmlos geflunkert, sondern einfach gelogen. Und zivar ist seine Notiz von A bis Z erlogen. Das ist wohl deutlich! Die unglücklichen Blätter, die auf dies plumpe Lügengeflunker hineingefallen sind und in dem Aberwitz glauben konnten, der Vorstand und die Vertrauensmänner der Sozialdemokratie vertrödelten die Zeit mit Debatten über derlei Allotria, zollen wir unser aufrichtiges Mitleid. Auf Wunsch einiger Genossen theilen wir das Lügen- gewebe des Antisemitenblattes unseren Lesern auch noch mit: Die„Staalsbürger-Zeituna" berichtet über eine geheime Sitzung der in Berlin anwesenden sozialdemokratischen Ab- geordneten, zu der auch Vertrauensmänner aus der Stadt mittels eingeschriebener Briefe eingeladen waren. Diese Sitzung fand am Mittwoch Abend 9 Uhr im Bureau des Parteivorstandes in der Katzbachstraße unter dem Vorsitz des Abg. Auer statt und hatte nach dem der„Staatsb.-Ztg." zu- gegangenen Bericht folgenden Verlauf: Der Abgeordnete Bebel führte als erster Redner folgendes aus: Die Agitation der Antisemiten in, ganzen Reiche und besonders in Berlin habe einen Umfang angenommen, der eine direkte Ge- fahr für die Weilerentwickelung der sozialdemokratischen Partei bedeute. Aus diesem Grund sei es nothwendig ge- worden, sich endlich einmal darüber klar zu werden, welche Schritte zu thun seien, um dieser Gefahr erfolgreich entgegen- treten zu können. Die bisherige Kampsesweife gegen die anti- semitischen Bewegung habe das gerade Gegentheil von dem be- wirkt, was sie bezwecken sollte. Die ungeheuren Fort- schritte der Antisemiten, besonders in Sachsen, bewiesen dies. Am IS. Juni v. I. habe man in den weitesten Parteikreisen erwartet, daß die Zahl der Abgeordneten zum Reichstage auf mindestens 80—90 steigen würde; man habe sich aber getäuscht. Für ihn(Bebel) unterliege es keinem Zweifel, daß der Grund dieser geringe» Erfolge größtentheils darin zu suchen sei, daß ein großer Theil der soziaIdemokraiische»!Wähler zu den Antisemiten übergegangen sei. Und welches.istsder Grund dieser Massenflucht, meine Herren? Ich will es Ihnen sagen. Tie Wähler werden mißtrauisch; die fortwährenden Hinweise der antisemitischen Presse auf den jüdischen Einfluß in unserer Partei bestimmen die weniger prinzipienfesten Genossen, sich Kirche abgefunden, oder sie vielmehr mit mir. Sie' kann mich nicht brauchen, und hat der Mutter Gelübde gelöst, als ob es aufs beste erfüllt worden wäre."—„Wie?" fragte Diether:„Das ist nicht möglich. Wie solltest Du...?" —„Wenn Ihr Latein verstündet," fiel hinwiederum Dago- bert ein:„so würde Euch dies Pergament gemig sagen, um zu glauben, was ich sage. Ich habe aber der Ursachen mehr, zu staunen ob Eucrm seltsamen Betragen, Vater. Brachte ich Euch die frohe Mär ein Jährlein früher, so lagt Ihr voll Entzücken an meinem Halse. Heute geberdet Ihr Euch just, als war' es Euch zuwider, was ich bringe, und doch habt Ihr selbst mehr denn hundert Mal mein Geschick beklagt, da es noch unabivendbar schien."—„Wie soll ich mich freuen," brach Diether los,„wenn ich aus allem entnehmen muß, daß Dein wüster Lebenswandel allein hier den Ausschlag gegeben. Nicht würdig hat man Dich befunden, das Meßgewand zu tragen, und zu binden und zu lösen. Ich weiß, was Costnitz und des Konziliums Väter von Dir denken, wie unzählige Mal Du Deinen Ohm gekränkt, mißhandelt, daß er am Ende seine Vaterhand von Dir abgezogen."—„Ho!" versetzte Dagobert, sich mit dem Zeigefinger auf die Stirue tippend:„Jetzt weiß ich mit einem Male, woher es blitzt. Wallradchen hat mein Bettlein ausgerüttelt, und mir's fein bequem gemacht im Vaterhause. Recht so, wo sich der Teufel anlehnte, macht sich auch der weißeste Bermel voll Ruß. WaS lieb Schwesterlein indessen gesagt haben mag,... glaubt mir, lieber Vater, es ist erlogen. Was den würdigen Ohm betrifft, so muß ich lächen, und behalte mir vor. Euch kund zu thun, wie ich meine Hand von ihm abgezogen habe. Des Papstes Breve aber, aus dem man vielleicht ein Zeugniß meiner lüderlichen Sitten machen möchte, soll Euch Pater Johannes verdeutschen. Bis dahin habt mich jedoch lieb, und laßt mich das Brüderlein küssen."—„Deinem Wunsche kann alsobald Genüge geschehen;" erwiderte Diether:„hier kommt soeben die Mutier sammt dem Sohne." (Fortsetzung folgt.) ein wenig umzuschauen, und was stehen Sie da, datz die in der Gesammtpartei prozentual doch sehr gering vertretenen jüdischen Genossen, gleichwohl unter den Führern und sonstigen im Vordergrunde der Bewegung stehenden Genossen in unverhältnißmäßig starker Zahl vertreten sind. (Widerspruch.) Jawohl, es ist doch so, täuschen wir uns doch nicht darüber hinweg! Um also diese wankelmüthigen Elemente, und ihrer sind sehr viele, in der Partei festzuhalten, ist es nothwendig, daß sich die jüdischen Genossen möglichst von allen offiziellen Aemtern in der Partei fern halten, um auf diese Weise das Mißtrauen zu beseitigen, als ob die Sozialdemokratie sich in den Händen der Alliance Jsraelite befände, und zwar so lange(!) sich fern halten, bis es uns gelungen ist, wie eine eiserne Disziplin in die Massen zu bringen. Diese Erwägung hat uns auch geleitet, als wir in der Fraktion beschlossen, daß ein Theil der jüdi- schen Genossen ihre Mandate nach und nach niederzulegen haben unter glaubhaften Gründen. Nur einige der unentbehrlichsten Parteigenossen werden bleiben. So schwer uns dieser Schritt geworden ist, er war nöthig, wenn die Partei nicht ihren Unter- gang entgegengehen sollte.— Nach Bebel nahm Packuscher (Jude, Vertrauensmann im 5. Kreise) das Wort: Der Rücktritt der jüdischen Genossen von den Parteigeschäften werde, so meinte er, verhängnißvoller sein, als alle Antisemiten der Welt. Die jüdischen Genossen seien die tüchtigsten Männer der Partei.— Abgeordneter Singer: Er könne sich den Worten des Vorredners nur voll und ganz anschließen. Es müssen andere Mittel und Wege gefunden werden, die Partei vor dem Geist m schützen, der in die Massen eingerissen sei. Uebrigens sei Bebel's Schilderung von dem Einfluß der Antisemiten zu schwarz.— Nachdem noch mehrere Redner gesprochen, darunter Auer und Liebknecht im Bebel'schen Sinne, dagegen Voigtherr, Tutzauer, Wurm im Sinne Singer's. nahm der ebenfalls anwesende sächsische Landtags- Abgeordnete Kaden das Wort, um zu konstatiren, daß seit den letzten Reichstagswahlen sich die sächsischen Polizeibehörden früher nicht gekannte„unerhörte Uebergriffe"(?) erlaubten. Er erinnerte an die Verhaftung des Redakteurs Gradnauer und Genossen und führte das darauf zurück, daß die sächsische Polizei aufgehört habe, die Sozialdemokratie zu fürchten, seitdem sie die hoch- gekommene antisemitische Bewegung als Gegengewicht gegen die- selbe zu betrachten beginne. Im übrigen stellt sich Kaden auf den Standpunkt Singer's. Nachdem man beschlossen hatte, diese Angelegenheit kurz nach Schluß des nächsten Parteitages mit sämmtlichenDelegirten nochmals in einer geheimen Versammlung zu berathen, wurde die Sitzung geschlossen.— Vom Todtenbette des Freisinns. In Sack und Asche sollten die Freisinnigen über ihren Niedergang trauern. All ihr Gebelfer über den Bierboykott täuscht niemanden darüber, daß der Frosch trotz allen Gequackes nur ein Frosch bleibt, daß Eugen Nichter, so voll er den Mund gegen die Arbeiter auch nimmt, ein Offizier ist, den die Reste einer in Auflösung begriffenen Armee sich anschicken zu verlassen. Das„Berliner Tageblatt" selbst weist auf den eben nicht mehr zu läugnendcn Rückgang der freisinnigen Partei hin. Das Blatt schreibt: Betrachten wir nur die Wahlen in Meseritz-Bomst, Plauen und Pinneberg. 1893 1894 Mssereitz-Bomst 1381 33 freisinnige Stimmen Plauen 3961 1999 do. Pinneberg 6223 5052 do. Das ergiebt also für die freisinnige Volkspartei— denn diese stellte in allen drei Fällen den Kandidaten— einen�V er- l u st von 4431 Stimmen. Das bedeutet einen Rückgang von mehr als einem Drittel der Stimmen und mit anderen Worten ein voll- ständiges Verschwinden der freisinnigen Volkspartei vom politischen Schauplatze bei den nächsten Wahlen. Wenn eute fast alle Abgeordneten der freisinnigen Volkspartei los von der Sozialdemokratie Gnade im Reichstage sitzen, so werden sich die Gelehrten von der„Freisinnigen Zeitung" wohl selbst sagen, daß auf die Hilfe unserer Partei bei Stichwahlen nicht mehr zu rechnen sein dürfte. Dann fehlt noch in den sich noch zu dieser im Abbröckeln begriffenen Partei rechnenden Kreisen das, was den Niedergang noch aufhalten könnte, die Einigkeit, der Opfermuth und die stramme Disziplin. Gerade ein Jahr nach der Spaltung der deutschfreisinnigen Partei, steht die freisinnige Volks- partei vor der Eventualität einer Spaltung in eine reine Manchesterpartei und eine die in ganz verdünnter Wassersuppen-Sozialpolitik machen will. Aber selbst den behutsam nach vorwärts strebenden Theilen der Partei fehlt die Zuversicht. Das„Berliner Tageblatt" bescheinigt das den Reformerlnstigen in ganz richtiger Weise mit folgenden Ausführungen: Die Funktionen der äußerstenLinken sind auf die Sozialdemokratie übergegangen. Ihren Vormarsch hält man durch«in paar Tropfen sozialen oder sozialistischen Oelei nicht mehr auf. Man muß sozialpolitisch seine Schuldigkeit thun, natürlich, aber man darf nicht darauf rechnen, damit große Geschäfce für die Partei zu machen. Es ist zu spät. In den sechziger und>>ebziger Jahren war es Zeit, da konnte man. unser liberales Parteiwesen noch in englische Bahnen lenken. Jetzt ist die Sozialdemokratie schon zu mächtig, der Klasseninstinkt des Arbeiters zu lebendig geworden, als daß die bürgerlichen Parteien in den Zentren der Industrie das verlorene Terrain leichter Hand wieder» gewinnen könnten. Zu einer reinen Bourgeoispartei muß der Freisinn werden, sagt das Tageblatt, als ob die um Richter, wie die um Äickert nicht genau ebenso wie die um Bennigsen und Hammacher Vertreter reiner Bourgeois- interessen waren und sind. Was das Tageblatt sagen will, ist nichts anderes, als daß die beiden freisinnigen Gruppen sich mit der nationalliberalen Partei vereinigen müssen, um ihr Scheinleben noch etwas länger fristen zu können. Auch das wird nicht helfen, denn der deutsche Liberalismus ist in allen seine» Schattirungen dem baldigen Untergange geweiht.— Eugen Richter freut sich auch über Boykotts, aber sie muffen vo» den Besitzenden ausgehen. In seiner„Frei- sinnigen Zeitung" findet sich in seiner wohlgepflcgten Boykottrubrik die folgende Notiz: Die Mindener Brauerei, die Feldschlößchen-Branerei, die sich der Sozialdemokratie für den Bicrkrieg gegen die Braun- schiveiger Brauereien zur Verfügung stellle, Hai infolge dessen für das Osfizierkasino, die Kantinen, die verschiedenen Lokale, in welchen Beamte und Offiziere Vorzugs- weise verkehren, die Bierlieferung verloren. Dasselbe ist in bezug auf eine Anzahl Wirthschasten der Fall, in ivelchen bürgerliches Publikum verkehrt. Das hervorragendste Wirlh» schafls- Etablissement, bis„Tonhalle"(zugleich Sladttheater). gehört der Brauerei, und da sich auch ans dieser das Publikum theilweise zurückgezogen hat, so hat der Wirlh der Brauerei gekündigt. Herr Richter kann sich beruhigen, die Leiter»der Diindener Brauerei haben sicherlich als gewiegte Geschäfts- leute genau den Nutzen einer Bierlieferung für die Sozial- demokratcn und die von der organisirten Bourgeoisie zu yrwartigenden Repressalien gegen einander abgewogen, bevor sie das Geschäft gemacht haben.— Nach der Prügelstrafe lechzt die„Kreuz- Zeitung'. Angesichts einiger Lustmorde und ähnlicher Attentate auf Frauen, die in letzter Zeit zu verzeichnen waren, schreibt das konservative Blatt: Die Einführung der Prügelstrafe ist ein Gebot der Aothwendigkeit, und es ist unseres Er- achtens keine Zeit mehr zu verlieren, dieses wirksame und bei Rohheiten und Mordthaten sehr angebrachte Zuchtmittel wieder zu einem tntegrirendcn Bestandtyeile der Straf« zu machen. Unsere Gefängnisse und Zuchthäuser weisen ununterbrochen eine erschreckende Fülle auf, eine große Anzahl von rohen Gesellen fristet hinter Kerkermauern ein sorgen- loses Dasein und verursacht dem Staate jährlich Tausende und Abertausende von Mark an Unkosten. Zuchthaus- und Ge- säugnißstrafe hat, wie die Erfahrung lehrt, für jene Elemente nichts Abschreckendes, und deshalb ist es an der Zeit, diese Strafen durch ein weiteres Zuchtmittel in Gestalt regelmäßiger körperlicher Züchtigung zu unterstützen. Daß die Abschreckunastheorie, die von der Wissenschaft wie von der Erfahrung längst überwunden wurde, in dem Organ für allgemeine Rückständigkeit noch ihr Dasein fristet, ist nicht weiter wunderbar. Aber sollten die Prügel- Verehrer nicht endlich zu der Einsicht kommen, daß Prügel nicht nur auf den Geprügelten verrohend einwirken, sondern auch aus den, der prügelt und prügeln läßt?— Ffrüchtc der Kolonialpolitik. Welche Verwüstungen der Kolonial-Bazillus in menschlichen Schädeln anrichten kann, wird recht anschaulich vorgeführt durch die Thatsache, daß in deutschen Kolonialfexen-Zeitungen angesichts des belgisch-englischen Kongo-Vertrages allen Ernstes der Vorschlag gemacht und begründet wird. Deutsch- land solle sich mit Frankreich(dessen Regierung ebenfalls mit jenem Vertrag unzufrieden ist) zu erner Kolonial- sperre gegen England verbinden. Die deutsche Regierung könne hjer Gewaltiges leisten. Aber— seufzen die besagten Kolonialfieber-Kranken, die auch sämmtlich an Bismarckitis leiden— Caprivi hat nicht die Genialität seines großen Vorgängers. Damit man nicht glaube, wir machten nur einen schlechten Scherz, geben wir das„Deutsche Wochenblatt" als Quelle an. Der betreffende Artikel wird von fast allen sogenannten„nationalen" Zeitungen nachgedruckt.— Tüchtige Ngitatoren— lesen wir im Leipziger„Wähler" — bereisen jetzt Stadt und Land, ohne irgendwie behelligt zu werden. Bei den einzelnen Bürgern werden sie vorstellig und überreichen Zettel voll aufrührerischen Inhalt?. Die Geschäfts- leute kommen vor die Thüren, um die Flugschrift mit derjenigen vom vorigen Jahre zu vergleichen: wahrhaftig, verd... sie ist noch viel aufreizender als dazumal. Da gwbt es längliche Ge- sichter in allen Formationen, nachdenkliche Mienen und trüb- selige Nasen. Selbst sie, die sonst jede Berührung mit bösen Genossen meiden wie die Pest, leihen einen Augenblick der düsteren Rede ihr Ohr. welche ihnen die Agitatoren predigen. Sie reden eindringlich von der Militärvorlage, deren Kosten nun, bis neue Steuern gefunden sind, aus die Einzelstaaten ab- gewälzt werden, und von der 1 M. l Pf., welche nach der Ver- sicherung militärfrommer Reichstags-Abgeordneten die Vorlage auf den Kopf der Bevölkerung kosten würde. Auch singen sie ein stürmisches, fast revolutionäres Lied von den tragfähigen Schultern! Ja, in diesen trockenen, nüchternen Zahlen liegt ein wirksamer Agitationsstoff angehäuft, und es ist, als wollen sie sich bewegen und zu Noten zu einer wilden, ausrührerischei, Melodie zusammensetzen.— Wo ist Polizei und Staatsanwalt, um dem lecken Treiben dieser ruchlosen Gesellen ein„Halt!" zuzurufen? Ach Gott! das geht ja nicht, die Agitatoren sind— der Steuer-und Mahnzettel!! Ein Retter aus der Roth. Aus Rom wirb tele' graphirt: Rom, IS. Juni. Ein unbekannter junger Mann gab heute auf den Wagen des Ministerpräsidenten C r i s p i, als derselbe nach der Deputirtenkammer fuhr, Revolver- schüsse ab. Crispi blieb völlig unverletzt und ver- haftete selb st den Attentäter. Darauf setzte der Ministerpräsident die Fahrt zur Deputirtenkammer fort, wo ihm eine lebhafte Ovation dargebracht wurde. An dem Orte des Attentats hat sich eine zahlreiche Menschenmenge an- gesammelt. Wenn daS nicht hilft! Ein wie guter Arrangeur und Komödiant Herr CriSvi ist, ersieht man aus der folgenden Depesche: Rom, 16. Juni. Nachdem der Urheber des Attentats gegen Crispi fesiaenommeu war, wollte die angesammelte Menge demselben Gewalt anthun. Crispi, welcher vollkommen ruhig geblieben war, befahl dem Kutscher nach der Kammer zu fahren. Das Attentat fand um 2 Uhr 20 Min. statt, als Crispi von Hause kommend, in einem bedeckten Wagen um die Ecke der Via Gregoriana in die Via Capo le Cafe einbog. Der Abgeordnete Pugliese ergriff auf der Stelle den Revolver und übergab ihn Crispi. Die Volksmenge brach in begeisterte Hochrufe aus. Als Crispi in die Kammer eintrat, begab er sich zum Präsidenten, um diesem den Vorfall zu er- zählen. Die Deputirten umringten Crispi und beglück- wünschten ihn: dieser zog sich sodann aus dem Saale in die Wandelgänge der Kammer zurück. Der Präsident eröffnete die Sitzung, indem er im Namen der Kammer der Entrüstung über das Attentat, sowie dem Wunsche Aus druck gab, daß Crispi noch lange dem Aaterlande erhalten bleiben möge.(Stürmischer Beifall im ganzen Hause und auf den Tribünen.) Mordin» stellte an den Präsidenten das Er- suchen, Crispi die Gefühle des Hauses zum Ausdruck zu brin- gen. Währenddessen betrat Crispi wieder den Saal und wurde mit gewaltigen Ovationen empfangen. Er dankte be- wegt für die Kundgebung, die unauslöschlich in seinem Herze» bleiben werde(Lebhafter Beifall), und fügte hinzu, daß weder Drohungen noch Angriffe ihn jemals dahin bringen werden, von der Erfüllung seiner Pflicht abzuweichen.(An- haltender Beifall). Wie eine alte Thcatervettel, die am Ende ihrer Lauf- bahn angelangt, unfähig ist, noch etwas zu leisten, mit einem letzten Theaterkoup noch das öffentliche Mitleid herauszufordern sucht, so erscheint Crispi mit der hoffent- lich nicht mehr geladenen Reiterpistole, dieser im Zeitaller des Dynamits vorsintfluthlichen Attentatswaffe in der italienischen Kammer, um ein Rührdrama aufführen zu lassen. Die italienische Kammer, die sich zu einem solchen Spiele hergab, ist nicht besser wie ihr Repräsentant, der verkommene Crispi. Mit ihm muß das ganze System vom politischen Schauplatze verschwinden, bevor dem halb- geknechteten und ausgehungerten italienischen Volke endlich Zufriedenheit und Gerechtigkeit zu Theil wird.— Ein neues schwedisches Partei- Organ„Folk- bladct"(Volksblatt) geht uns aus Stockholm zu. Wir wünschen dem neuen Mitkämpfer bestes Gedeihen und großen Erfolg in der Gewinnung sozialistischer Gesinnungsgenossen unter der schwedischen Bevölkerung.— Eine Rettung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Nummer lS4 Ihrer Zeitung beschäftigt sich mit meiner Person, und bringt einige unrichtige Bemerkungen, die ich au Grund des bekannten Paragraphen zu berichtigen ersuche. 1. Es ist unrichtig, daß ich die„Zukunft" in„aufdringlicher Weise in Westeuropa vertheidigte, und in Osteuropa lobte". Ich habe die„Zukunft" und deren Herausgeber weder in Deutsch- land noch in Rußland jemals besprochen, sei's im lobenden, sei's im tadelnden Sinne. Ich habe lediglich einige von dieser Zeit- schrist veröffentlichte Artikel— die mir für russische Lesers inter- essant erschienen sind— in getreuer Uebersetzung und ohne jea- lichen politischen Kommentar der„Nowoje Wremja" mitgetheilt. Daffelbe pflege ich, pflichtgemäß, für jedes literarische Werk, das sich mit Rußland beschäfiigt, zu thun, vorausgesetzt natürlich, daß eS nicht in so verletzender Form geschrieben ist, daß deren Wiedergabe einer Beleidigung de? Vaterlandes gleichkäme. Dies für„Osteuropa." In„Westeuropa" habe ich die„Zukunft" niemals„ver- theidigt", sondern lediglich die Insinuation abgewiesen, als stünde ich in irgend welchen Beziehungen zu dieser Wochenschrift. Der Artikel der„Nowoje Wremja". den der Autor— oder die Autoren— dieser Jusinuationen ins Treffen führen und in dem ich angeblich die Tendenzen der„Zukunft" im voraus gewußt und erzählt hätte, war erstens nicht von mir geschrieben, zweitens ist er 10 Tage nach dem Erscheinen des gedruckten Programms der„Zukunft" veröffentlicht worden und drittens sagte er nur, daß man(auf grund seines Programms)„vielleicht hoffen könnte, daß ein Schriftsteller, der für russische Dichter so tiefes Ver- ftändniß gezeigt hat, auch politische Zustände Rußlands gerecht und unparteilich beurtheilen würde." Ich weiß sehr wohl, daß die perfiden Insinuationen, mir welchen man mich seit einiger Zeit beehrt, nicht in der Redaktion deS„Vorwärts" entstanden sind, und auch eigentlich nicht mir gelten, und ich rechne so fest auf die Gerechtigkeit Ihrer Redaktion, sehr geehrter Herr, daß ich Sie bitte, mir zu gestatten, hier noch einmal diese Insinuationen auf das Entschieden st e abzuweisen, und erkläre hiermit, und zwar an Eides statt, daß ich(bei aller Hochachtung für die„Zukunft" und deren Heraus- geber) nicht das gering st e mit der Re- daktion dieser Zeitschrift zu thun habe, seisdirekt, noch indirekt; daß ich niemals ein Wort für die„Zukunft" geschrieben habe und erst mit allen anderen Abonnenten zugleich den Inhalt jedes neuen Heftes erfahre. Diese Erklärung wird vielleicht genügen, um mich von der wenig an- genehmen Rolle deS bekannten Mehlsackes zu befreien. 2. Es ist nicht richtig, daß die„Nowoje � Wremja" ein„russisch- offiziöses" Blatt ist. Rußland hat. gottlob, noch gar keine„offiziösen", nur offizielle Blätter, und„Nowoje Wremja" ist eine durchaus unabhängige, aus privaten Mitteln gegründete Zeitung. die immer ihre persönliche Meinung sagt, was ihr übrigens bereits zwei„Verivarnungen" eingebracht hat und somit die Gefahr, jeden Augenblick beseitigt werden zu können. 3. Die ethnographischen Verdienste der„russischen Revo- lutionäre", die Ihr Mitarbeiter anführt, waren mir allerdings völlig unbekannt, da ich mich mehr mit Literatur und Kunst als mit Wissenschaft und Politik beschäftige. Auch ist mir unklar, warum ich durch die einfache Thatsache, den Aufsatz eines berühmten deutschen Gelehrten nach Rußland übersetzt zu haben, die Pflicht übernehmen müßte, Deutschland über alle für mich unkontrollirbaren Ver- dienste russischer Revolutionäre„zu belehren". Ich freue mich jedenfalls, daß diese„Verbannten" für ihre„Ideale" denn doch nicht gar„so schwer leiden" müssen, da sie sogar von der„Kaiser- lichen ethnographischen Gesellschaft" und dem„General-Gouverneur von Sibirien" mit wissenschaftlichen Aufträgen betraut werden. Ich hoffe, daß die Loyalität und der Gerechtigkeitssinn der Partei, die sich aller Verfolgten annimmt—(und man kann auch doch von einem Mitglied der Sozial-Demokrati« aus irgend welchen besonderen Gründen verfolgr sein)— diese meine Er- widerung ohne Sinn entstellende Striche bringen wird, und bin gern bereit— im Falle deren Umfang die gesetzlich fest- gestellte Grenzen übersteigen � sollte— die Jnserttonskosten zu tragen. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Else von Schabeliky. Zwar sind wir nach dem Preßgesctz keineswegs ver- pflichtet, vorstehende„Berichtigung" aufzunehmen. Indessen kommen wir um so lieber dem Wunsch der Einsenderin nach, als unsere Leser aus der Einsendung ersehen, wie sehr unsere„berichtigte" Notiz in Nr. 135 ins Schwarze getroffen hat. Möge die kaiserlich- russische Regierung sich noch lange der freiwilligen Dienste dieser russischen Patriotin erfreuen!— Das Gruben-Uuglück in Karmin. Ueber das fürchterliche Grubenunglück in Karwin ist uns bis zur Stunde noch kein direkter Bericht zugegangen. Dem Wolff'schen Bureau telegraphirt man aus Karwin: Nach den bisherigen Erhebungen waren in die von der Explosion betroffenen Schächte 7ö0 Bergleute eingefahren. Im Johann-, Franziska- und Tiefbauschachl wurden 168 getödtet: bis jetzt sind in allen drei Schächten 19 geborgen. Der Grubenbrand dauert fort, RettungSarbeiten sind vorläufig un- möglich. Der„Vossischen Zeitung" wird aus Karwin telegraphirt: „Die Grubenexplosion erfolgte gleichzeitig in beiden Be- trieben, nachdem zwei Rettungszüge verunglückt waren. Es fuhren noch zwei weitere Rettungszttge ein, denen eS gelang, eine Anzahl Schwerverwundeter sowie Todter zu bergen. Die Rauch- wölken aus dem Franziskaschacht zeigten den Ausbruch eineS GrubenbrandeS an, welchem alsbald eine Reihe neuer Explosionen folgte. Hierauf erfolgte die Schließung sämmtlicher Schächte und Ventilationen, um den Brand zu ersticken. Bis dahin ist weder eine Bergung der Leichen noch«ine Hilfeleistung möglich. Die im Schacht Gebliebenen sind selbstverständlich alle todt. Die meisten der Verunglückten waren verheirathet undjj hinterlassen zahlreiche Kinder. Die Zahl der Verunglückten ist nicht genau festgestellt, da ein Theil der Geretteten sich sofort nach Hause begab, dürfte aber 200 übersteigen. Von der Rettungsmannschaft sind zwei Beamte, zwei Steiger, drei Häuer todt, elf Berg- leute schwer verletzt. Von diesen dürften nur wenige aufkommen. Bisher sind nur 18 Leichen geborgen. Die Ver- mundeten und Todten erlitten zumeist Arm- und Beinbrüche, da sie vom Schlagwetter an die Grubenwände geschleudert werden. Vielen fehlen auch einige Gliedmaßen. Die Familienangehörigen der Verunglückten verhalten sich zumeist merkivüdig ruhig, doch kommen auch furchtbare Szenen vor. Die Gattin des verun- glückten Schichtmeisters Kurz' wollte sich auS Verzweiflung in den Schacht stürzen. Durch das Unglück sind 4000 Berg- arbeiter in den Gruben des Grafen Larisch brodlos. Die Wiedereröffnung des Verschlusses steht in 14 Tagen bevor. Bis dahin erwartet man die Löschung des Brandes. Dann, verden die verkohlten Leichen ge- borgen, die Gruben venlilirt und wieder brauchbar gemacht, was drei Monate erfordert. Bis dahin ruht die Arbeit. Die Ursache der Explosion dürfte nie genau ermittelt werden, doch glaubt man allgemein, daß sie durch einen Sprengschuß erfolgte. und durch den Kohlenstaub sich durch alle anderen Gruben fortpflanzte." Dem„Berliner Tageblatt" wird aus Karwin telegraphirt: „Die ersten Nachrichten über die entsetzliche Gruben- katastrophe erweisen sich leider nicht als übertrieben. Mindesten? zweihundert Menschenleben sind zu beklagen. Die genaue Anzahl der Opfer ist momentan allerdings unmöglich festzustellen, weil von den Ge- retteten viele ohne vorherige Anmeldung bei der Behörde sofort zu den Ihrigen eilten. Erst in einigen Tagen dürfte eine be- stimmte Abzählung erfolgen. Auch über die eigentliche Ursache der Katastrophe herrscht Ungewißheit. Nur gerüchtweise ver« lautet, daß die Unvorsichtigkeit eines Arbeiters das Unglück ver- schuldet habe. Zuverlässiges darüber wird vielleicht nie- malS konstatirt werden, da alle unmittelbaren Zeugen todt sind. So viel ist indeß bekannt, daß die Explosion in dem Franziska- und Johannesschacht am Tonnerstag Abend um 9'/« Uhr gleichzeitig erfolgte, um Vzll Uhr fand die zweite, Freitag um 4V2 Uhr morgens die dritte, gegen 7 Uhr die vierie und vor 10 Uhr die fünfte Explosion statt, eine immer fürchterlicher als die andere. Nach der ersten Explosion fuhren der Betriebsleiter Kohut, der Schichtmeister Kurz und der Steiger Lodnik sofort in den Johannesschacht. Kohut wurde sofort beiseite geschleudert, blieb in tiefer Betäubung liegen, ward später von einer neuen Rettungs- cxpedition aufgefunden und zu Tage gefördert, wo er sich wieder erholte. Kurz und Lodnik blieben todt auf dem Platze. Gleich- zeitig eilten der Assistent Razek, der Steiger Flamme und der Oberhäuer Opiol in den Franziskaschachl. wo alle drei durch die zweite Explosion umkamen. Trotzdem unternahmen Berg- rath Grey, Assistent Binder, Steiger Elias und Oberhäuer Habella mit einigen Arbeitern immer wieder Rettungsversuche, wobei sie ihr eigenes Leben in die Schanze schlugen. Sie fanden aber nur Todte, bargen unter steter Todesgefahr 18 Leichen, und mußten sich schließlich selber zurückziehen. Von ihnen wurden mehrere schwer verletzt. Aus dem Franziskafchacht sind bisher 13 Todte und 13 Ver- mundete geborgen, von oen eingefahrenen 360 Mann fehlen ISO. Nach der fünften Explosion wurde die Schließung sämmtlicher Schächte und Ventilationen angeordnet, um den Brand durch Luftabschluß zu ersticken, was noch eine längere Zeit erfordern wird: bis dahin ist weder an Bergung der Leichen noch an eine sonstige Rettungsaktion zu denken. Die im Schacht Gebliebenen sind selbstredend alle todt. Erschütternde Szenen spielen sich oben ab. Hunderte von Angehörigen und Freunden umstehen in düsterer Verzweiflung die Opfer der Katastrophe, welche einen graueuhaften Anblick bieten. Die meisten Verunglückten sind verheirathet und hinter- lassen zahlreiche Kinder. DaS Revier enthält fünf Schächte, davon ist blos der Heinrichsschacht intakt geblieben, während die übrigen vier monatelang außer Betrieb bleiben müssen, da vorerst der Gruben- brand gelöscht und nach vollständiger Abdämpfung längere Zeit ventilirt werden muß, um überhaupt den Zutritt zu den Gruben zu ermöglichen und die Todten bergen zu können. Erst dann kann wieder an der Herstellung der vollkommen verbrochenenund verbrannten Gruben gedacht werden. Bis dahin sind ungefähr 4000 Arbeiter brotlos." Ein Augenzeuge schreibt ferner dem„Berl. Tageblatt":- „Am 14. Juni fuhren die Arbeiter wie gewöhnlich zur Nachtschicht in den Johann-, Franzens- und Tiesbauschacht ein, welche Bergbaue durch Gänge mit einander verbunden sind. Plötzlich vernahmen die im Tiefbau Arbeitenden eine furchtbare Detonation aus der Richtung des Franzensschachtes kommend, als sie auch sofort von dem Jngenieur-Assistenten Kazek mit dem Rufe:„Kinder rettet Euch!" zur Auffahrt kommandirt wurden. Nur der Jngenieur-Assistent, der Schichtmeister Kurz, der Steiger Flamme und der Steiger Zednik verschmähten hochherzig den Rückzug und gingen mit Todesverachtung gegen die Unglücks- stätte zu und suchten mit aller Kraft zu rufen, um die Unglück- lichen, die sich vielleicht in die Nähe geflüchtet hatten, auf- merksam zu machen und mit sich an das Tageslicht zu befördern. Die Geretteten befanden sich schon eine Stunde oben, und noch immer waren die Wackeren nicht zurück, woraus sich eine weitere Abtheilung muthiger Männer entschloß, den allseits ver- ehrten Vorgesetzten mit seinen Getreuen aufzusuchen. Einige Männer dieser Rettungsaktion blieben wieder unten verschüttet. während es anderen gelang, den Ingenieur Assistenten Razek, in furchtbar verstümmeltem Zustande bereits todt und den Steiger E lamme halbtodt herauf zu befördern. Letzterer hatte noch die rast, nach Wasser zu rufen und einige Schritte vorwärts zu machen, brach dann aber zusammen und starb. Schichtmeister Kurz, Steiger Zednik»md noch mehrere Oberarbeiter konnten wegen einer unterdessen auch im Tiefbauschachte stattgefundenen Explosion nicht mehr herausbesördert werden und sind leider ge- wlß dem sicheren Verderben anHeim gefallen. Ein Arbeiter. welcher mit knapper Roth der größten Gefahr entrann, schildert immerwährend schluchzend die furchtbare Katastrophe im Franzens- schachte: Kurz vor der Explosion verspürte der Arbeiter, welcher im Bergbau ergraut ist, einen prickelnden Geruch, worauf er sofort seinen im selben Schachte arbeitenden Sohn und einige Käme- raden auf die schreckliche Gefahr aufmerksam machte, die Roth- glock« des Aufzugs anzog und mit ihnen die Fahrt ans Tages- licht unternahm. Kaum auf der Hälfte des Weges angelangt, vernahmen sie auch schon unter sich die furchtbare Explosion und das Wehegeschrei der Unglücklichen. Blitzschnell verbreitete sich da? Gerücht der entsetzlichen Katastrophe, und mit anerkennenswerthem Muthe und großer Energie gingen nun die Beamten an die Rettungsarbeit, bei welcher sich besonders Ingenieur Kohut hervorthat, welcher mit eigener Lebensgefahr das Terrain rekognoszirte und nur durch die Geistes- gegemvart des Steigers Elias vor einem Sturze in die Tiefe bewahrt wurde. Die Gesammtzahl der am Franzensschacht vermißten Arbeiter beträgt über 200. Gleichzeitig mit der Explosion im Franzensschachte erfolgten die schlagenden Wetter im Johannisschachte; während es aber den meisten der Arbeiter rechtzeitig gelang, herauszufahren, blieben über 60 zurück, die leider nicht mehr heraufgeschafft werden konnten. So stand die Situation um 11 Uhr Nachts. Seit diesem Zeitpunkte ist es unmöglich, auch nur daS Geringste für die Rettung der Unglücklichen zu thun und nur durch die Verrammelung der Kommunikation der Schachte wird die Vergrößerung des materiellen Verlustes verhindert, die armen verbrannten, erstickten, erschlagenen und verschütteten Arbeiter müssen ihrem traurigen Schicksale überlassen werden, da ihr Tod als sicher gilt. Bis zur Stunde wurden zwölf Todte und vier Lebende aus dem Tiefbau heraufbefördert. Die todten Bergleute wurden in dem Zechhause des noch nicht eröffneten„Heinrich-Schachtes" unter- gebracht, welches jetzt von Hunderten Menschen, meistens Frauen, belagert wird. Herzerschütternde Szenen spielen sich dort ab. Es befinden sich bis zur Stunde vier Kranke in einem Neben- zimmer des Zechsaales, wovon nur einer schwer verletzt ist, während die anderen drei mit Arm- und Beinbrüchen oavon kamen. Die Leiche des allseits sehr beliebten Steigers Flamme, der im blühendsten Alter stand und ein Mann von seltener Körperschönheit, wie Mannesmuth war, befindet sich in dem Hause seines trostlosen Vaters, Herrn Flamme sen., welcher selbst, über 80 Jahre alt, noch Schachtmeister im Johannschacht ist, sich aber glücklicherweise unter den Lebenden dieser Grube befindet. Die ganze Größe und eventuelle Tragweite des Un- glückes läßt sich momentan nicht konstatiren, da ganz Karwin von unbeschreiblichem Jammer erfüllt ist,— das eine aber ist gewiß, daß über 100 Frauen mit ca. 400—500 Kindern ihren Ernührer verloren haben. In stillem Schmerze durchziehen die Arbeiter die Straßen und auf dem Gesichte eines jeden ist herber Schmerz für die unglücklichen Kameraden ausgeprägt. Auf den anderen Schachten Karmins und der Umgebung ist keine Störung deS Betriebes erfolgt.(Siehe weiteres unter Depeschen.) Für den Inhalt der Inserat- über nimmt die Redaktion dem Vubliknm gegenübe? keinerlei Verantwortang Theater. Sonntag, den 17. Juni. Freie UolKsbühne(National- Theater). 3. Abtheilung. Beginn Nachmittags 2�/2 Uhr: Das Fest auf der Bastille. Gprrnhaus. Die verkaufte Braut. Montag: Angla.— Bastien und Bastienne. KchankpieUians. Ein Sommernachts- träum. Montag: Der Tugendwächter. Deutsches Theater. Ter Herr Senator. Montag: Der Pfarrer von Kirchfeld. Berliner Theater. Das Glas Wasser. Montag: Julius Cäsar. Lesstng-Theater. �laäamo Laus- Gene. Montag: Dieselbe Vorstellung. Z» rüden?- Theater. Jugend. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kelleallianre- Theater. Zar und Zimmermann. Adolph ErnK-Theater. Charley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Aleranderplatz» Theater. Die Räuber. Montag: Maria Stuart. Dational- Theater. Italien in Berlin. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. Montag: Dieselbe Borstellung. Kautnrann's Uarists. Spezialitäten- Vorstellung. Parodie- Theater, Spezialitäten» Vorstellung._ National-Theater. �.Große Frankfurterstraße 132. Novität. Novität. Wien in Berlin. Große Ausstattungs-Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Carl Peters. Musik von A. W i e d e ck e. Dekorationen aus dem Atelier von Müller und Schäfer. Maschinerien vom Theatermeister Otto Weiße. Elektrische Lichteffekte von Lakowsky. Kostüme vom Obergarderobier Paul Hildebrandt. ' Regie: Max S a m st. Kassenöffnung 3 Uhr. Anfang 7Vs Uhr. Im Garten: Große» Konzert. Auf der Sommcrbühne Aufführung von Lustspielen, Possen sowie Spezialitäten� Vorstellung ersten Ranges. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Reichshallen Tr Im prachtvollen Garten, bei ungünstiger Witterung im Saal. TUglivk Humoristische Soiräe der deutschen «Oril- Sänger. Zum Schluß: Italien in Berlin. Ans. Wochentags 8 Uhr. Entree 30 Pf., reservirt 50 Pf. Sonntags Ans. 7 Uhr. Entree durchweg 50Pf., nachS Uhr30 Pf. Casftan's Panoptikum. Der 13jährige Riese. Die 20 jiihrige PnMnsee. Ohne Extra-Entree I üoack's Sommer-Theater. Brunnenstrasse 16. Täglich: Großes Konzert, Theater- Spezialitiiteil- Vorstellung. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 7 Uhr. Die Kaffeeknche ist geöffnet. Fortuna-Säle 3. 3. Adolph Ernst-Theater. mr Letzte Aufführung vor den Theater-Ferien. Zum letzten Male: Charley's Tante. Schwank in 3 Akt. v. Brandon Thomas. Vorher: ... Die Kniazst. Pärodistische Posse mit Gesang in 1 Akt von Ed. Jacobson u. Benno Jacobson. '_ Ansang 71/2 Uhr. «Mf- Jeder Besncher der heute stattfindenden letzten Aufführung er- Mlt ein Souvenir-Exemplar gratis. Miedereroffnnng: 18. August. Victoria-Brauerei, Lützowstraße 111—112. Garten resp. Saal. Täglich(außer Sonnabends): Stettiner Sänger erren: eysel, Häckel, Pietro, Brittoni EberiuS| Steidl, Bliemchen und Blank. Ans. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. Jeden Abend wechselndes hochamüsantes Programm! Nach der Soiree: 'ssn�IepZinFivKvn. Stxanßberger-Straße Jeden Sonntag: Lrossvn Ball« Im kleinen Saal: 8pemIität.-V orstellung. Jeden Donnerstag: Grosse Gesellschaftsstunde. Empfehle meine Säle zu Privat- Festlichkeiten u. Versammlungen; auch sind einige schöne Vereinszimmer zu haben. ö73lL* Ouhlmann's H Sommer-Theater. Schönhauser Allee 148. Kastanien- Allee 97/99. Direktion; Angust Reiff. Er.Wn-KmjnhWitn- und ÄS Bendix. Neu einstudirt: Unsere Ulanen. Liederspiel von Robert Linderer. Musik von R. Thiele. Auftreten der Gymnastiker Allfiery, des Schattensilhouettisten Alberty, des Liedersängers Walter Sröning und des gesummten neucngagirten Sänger- u. Schauspiel-Personals. V»ll5!S0'kS»»I>til!M. " Ein � Dahomey- Dorf 'mit 51 lütlörn Meibrm. Tägl. 8 Vorführungen. Dm 11, IS. 4. 5, 0, 7, 8. 9 Uhr. Concordia-Festsäle C. Saeger, 64. Andreasstraste 64. Beute, Sonntag, den 17. Juni: im großen Saale: Großer Ball tzri stark besetzten Orchestern. Anfang S'/s vhr. 74/9 C. Saeger. Neue Welt. Hasenhaide.— Sonntag: Sit«£|(jiilität(it. Concert. Brill. Feuerwerk. BW Großer Kall.'MU Entree 30 Pf., Kinder 5 Pf., res. 50 Pf. Morgen: Sommerfest des Berliner Raucherbundes. 493/613 Unserem Freunde und Genossen Albert Schlcy zu seinem heuligen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes toch, daß Zubeil's Lokal in allen ugen zittert. V. 0. P. Unserem Freunde und Genossen, dem Tischler Ernst Winert zum heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch!! Die Keuossen des 602. Unserem Freund und Genossen Fritz Kasper zum Montag die besten Glückwünsche und ein dreimal donnerndes Hoch! F. A. R. S. F. H. Na. Du? 3390 Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter l'kvi'BSS Jahn, nach langem, schwerem Leiden sanft! entschlafen ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, Nachm. 3 Uhr, von der' Leichenhalle der sreirel. Gemeinde aus statt. Um stilles Beileid bitten l262b W. Jahn nebst Kindern. Für die vielen Theilnahme, sowie ung. eweise herzlicher für die zahlreichen Kranzspenden bei derBeerdigung meiner Frau Marie Exner sage ich allen meinen tiefgefühlten Dank. Carl Exner, Schankwirth, _ Urbanstr. 68._ I. Nachtrag W dm Statut der Otts-- KrMkillM der TabaliMMarbelter vom zu Berlin 13. November 1892 23. Januar Artikel I. 1393. 3. Märkischer Hof, Admiral» Strasse Nr. 18 o. Jeden Sonntag: Gposscp Ball. Entree frei. Tanz frei. Ende 2 Uhr. Die beiden Säle sind noch Sonn- abende und Sonntage zu allen Festlich- leiten und Versammlungen zu vergeben. Für Genossen VereiuSzimmer auch für kleinere Versammlungen zu ver- geben. I. Engel, Zimmerstr. 89. Der§29 wird wie folgt abgeändert: Die 4wöchentl. Kassenbeiträge betragen: ' für männl. Kassenmitglieder über 16 Jahren ausschließt. der Lehrlinge 1,60 M für männl. Kassenmitglieder unter 16 Jahren und für Lehrlinge 0,93„ für Wittwen verstorbener Mitglieder zur Wahrung des Anspruchs aus Sterbe- geld(§ 20) 0,30„ Artikel II. Dieser Nachtrag tritt 8 Tage nach statutenmäßig erfolgter Bekanntmachung in Kraft. Berlin, den 17. April 1894. Der Vorstand der Orts- Kranke» kasse der Tabakfabrikarbeiter. (gez.) Emil Ury, Vorsitzender. Vorstehender Nachtrag wird hierdurch Berlin, den 23. Mai 1894. Der Vezirksansschuß. (gez.) Kayser. 827391 SiMtmfMhlt kt Mechaniker, Optiker «nd verwandten Gewerbe. Außerordentliche Generalversammlung sämmtlicher Herren Vertreter am Montag, 25. Juni, Abends 3 Uhr, im Restaurant„A r m i n- H a l l e n", Kommandantenstr. 20. Taaes- Ordnuna: 1. Wie stellen sich die Vertreter der Krankenkasse zur freien Arztwahl. 2. Abänderung des§ 13 des Statuts durch Einfügung eines Absatzes mit solgendem Wortlaut: „4. für Familien- Angehörige der Kassenmitgliedcr wird in Krank- heitsfällen eine Unterstützung nach§ 13, Abs. 1 gewährt." 3. Verschiedenes. Berlin, den 16. Juni 1694. Der Bor st and. Bier auS der Brauerei Reichen- krön, Charlottenbnrg, dem Rina nicht angehörend. 1947b ! Mitgliederversammlung der zevtral-Krtlitkeil-v.Stttbcksse der Seiiislhei! Wagetlbtliter (Bezirk 1) am Sonntag, 17. d. M., Vorm. 10 Uhr, bei S e e g er, Grüner Weg Nr. 29. Tages-Ordnung: Delegirtenwahl zur General- Ver- sammlung._ 387/11 Zur Aufnahme von Feuer-, Glas- unv Kinderverfichernng und Sterkaffe empfiehlt sich 1243b IL Miesch, Weihenburgerftr. 49. Für den Nachweis von Versicherungen zahle ich Provision._ Räder, alle Sorten, billigst, Palli- sadenstr. 101. 1263b Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Herl. Ueichstags-W ahlkreis. Mittwoch, den 20. Inn! 1894, Abends 8 Uhr, in der Berliner Refsoure, Kommandantenstraße Nr. 57: Außerordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Wie entfalten wir am besten die Kräfte der Mitglieder im Sinne des§ 1 des Statuts.-- am 467/16 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den�4. Kerl. Reichstags- Mahlkrei Versammlung g, den 19. Jnni 1894, Abends 8'/z Elysinm", Landsberger Allee 49. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Karl Hoffmann über: Bassermann'sche Gestalten. 2. Diskussion. 3. Äereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Gäste willkommen. 492/16* Der Dorstnud. am Dienst« im„ 8'/- Uhr, Sozialdemokratischer Wahlverein siir den 6. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. Vensammlungen am Dienstag, den 19. Jnni 1894, Abends 8 Uhr: küi» die Schönhausep Vorstadt s in S ch n e i d e r's Salon, Belforterstraße Nr. IS, tun den Gesundbrunnens „Swinemünder Gesellschafthaus", früher Qneitsch, Swinemünderstrahe. Tagesordnung in beiden Versammlungen: t; Vortrag. 2. Diskussion. Vereinsangelegenheiten. Fragekasten. 490/16 Der Vorstand. Arbeiter KUduugsschnte Wir ersuchen alle unsre Mitglieder, sich heute, Sonntag, rrcht»ahl- reich am Arbeiterfest in Friedrichshagen zu betheiligen. 436/9 Der Vorstand. freireligiöse Ceinckde zu Berit«. Sonnabend, den 23. Jnni 1894, in Pnhlmanns Sommer-Theater, Schönhauser Allee 148; (Brosses*3mnmc?fcll. Reichhaltiges Programm. Auftreten des gesammten Künstler-Personals unter Mitwirkung des Gefang-Chors der Gemeinde. 12663 Anfang des Konzerts 4>/2 Uhr. Eröffnung der Kaffeeküche 3 Uhr. Im Saale: Crosser Sommernachts-Ball. Einlasskarten ä 30 Pf. excl. Tanz sind zu haben bei Heber, Alexandrinen« traße 14. 2 Tr.; Eichelhardt, Kaiser Wilhclmstr. 33, 3 Tr.; Göpel, Zionskirch- Platz 5; Pütt er, Gerichtsstraße 23, 3 Tr.; Peege, Rüdersdorferstraße 48, 2Tr.; Kottlew, Rykestr. 7; Ltttzler, Fehrbellinerstr. 52a, 4 Tr.; außerdem bei sämmt- lichen Vorstandsmitgliedern und in den mit Plakaten belegten Handlungen. Kinder in Begleitung Erwachsener frei. Das Comitd, Ausschank von nicht boykottlrtem Bier, sowie Veissbier und echtem Bier. Freie Volksbühne. Am Sonntas, den 17. Juni, findet für die III. Abttzeihmg eine Vorstellung im„National- Ttzrnter" statt. Zur Aufführung gelangt: Das Fest auf der KastiUe. Schauspiel in 3 Akten von Franz Held. Keginn der Vorstellung S'/s Uhr. Den Vorstand der Freien Volksbühne. 85/13 I. 31.: Julius Türk. O., Blumensir. 21. Ausstellung Italien in Berlin. (Stadtbahn-Station: Zoologischer Garten.) Täglich geöffnet von Morgens 10 Uhr bis Abends 12 Uhr. Massen-Konzerte sämmtl. Italien. Musikborps, darunter des großen italienischen Opern- Orchesters des Maestro Cav. Gialdino Qialdinl, der Bersagliere-Kaxelle des Maestro Giacomo Gattl, des Tenetlanischen Serenaden-Orchesters, des Nobile de Malipiero, beS Mandolinen• Korps oou Professor Fronth. Ferner: Mailänder Marionetten-Theater und Venezianisches Varidtö etc. jM- Entrce 50|lf. im Freitag, Sonnabend und Sonntag: Austreten des Cav, Prof. Eugenia PInl, Fechtmeister der fönigt. italienischen Marine. J« der großen Arena um 8V2 Uhr: Floret-, Degen- unv Säbel-Mensnren, an welchen sich Fechter gegen vorherig? Meldung im Bureau der 3Iusstellung betheiligen können. Kchweizer Garten. Am Friedrichshain. Am KSnigsthor. Täglich: Theater- u. Spezialitäten-Vorstellung. DM- Volksbelustigungen aller Art.-Mg parquetTtmSaale: j Täglich.* Gr. Ball- Von 5— 7V2Uhr: Freier Damentanz. Die Kaffceküche ist geöffnet. Kntree 36 Df., Killet» vorher%5 Df. OIOIOIOIOIOIOZOZOIOIOIOIOIOIO MMoiv. Gasthaüs„zuniTli3riiichen;' Jlmtim Sch 60028* eden Konntag: ner Garten. Promenaden- Konzert. BALL. Grober Saal mit neuer Theaterbühne. A, Krüger, Kaiser Friedrichstr. 1Ä. Verantwortlicher Redgkteur: WisbÄm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badiua in Berlin siv.. Beutöftsing 3, etemi zwei Beilaacu. / 1. Beilage zum„Vomärts" Berliner Volksblatt. Ar. 138. Somitag, den 17. I«ni 1894. 11. Jalirg. Boykottirt sind: 1. Tchultheift-Branerei, Aktien- Gesellschaft, Berlin (und Tivoli). 2. Brauerei F. HaPPoldt. ' 3. Böhmisches Brauhaus, Kommandit- Gesellschaft auf Aktien, A. Knoblauch. 4. Brauerei Karl Gregory, Berlin(Adler-Brauerei). 5. Vereins-Brauerei Rixdorf. 6. Spandauer Berg-Brauerei, vorm. C. Bechmann, Westend bei Charlottenburg. 7. Aktien-Gesellschaft Schloß- Brauerei Schöne- berg. «• * Aus dem Braucrring während des Boykotts sind aus- getreten und die Arbeiter-Forderungen haben anerkannt: Brauerei Carlsberg, Friedrich Reichenkron, C h a r- lottenburg. Brauerei Wilhrlmshöhe, E. Lehmann, Berlin * Dem Brauerring gehörten n i ch t an und die Arbeiter- sorderungcn sind durchgeführt bei: Miincheuer Brauhaus, Aktien-Gesellschaft, Berlin. Süddeutsche Brauerei, Karl Kintz u. Ko., Berlin. ** * Dem Brauerring gehören nicht an, Aenßerungen über die Durchführung der Arbeiterforderungen liegen aber nicht vor von F. W. Hoffmann, Werder a. H. Brauerei Müggelschlößchen, Friedrichshagen. Kaiser-Brauerei, Dummer und Kahl, C h a r- lottenburg. Brauerei Phönix, Lichterfelde. »-I- » Durch Vermittelung der B i e r k o m m i s s i o n oder ans deren Anregung führen nachstehend verzeichnete Brauereien von auswärts Bier nach hier ein: Brauerei in Wusterhausen. Cxportbrauerei Rathenotv. Bürgerliches Brauhaus, Dresden. Schlostbrauerei, F ü r st e u w a l d e. Bürgerliches Brauhans(in Firma Müller), Frankfurt a. O. Bürgerliches Brauhaus(in Firma Ouintern), Luckenwalde. Brauerei Maß, Kottbus. Der Stand des Kier-Koykotts. Dürfte man den Angaben der Bourgeois-Organe zweiter und dritter Garnitur glauben, dann hat die Berliner Sozialdemokratie in dem Kampfe, welcher von dem Brauerring muthwillig provozirt und durch die brutale Maßregelung von zirka 500 unschuldigen Brauerei-Arbeitern eingeleitet worden ist, eine gründliche Nieder- läge bereits erlitten oder sie steht ihr doch in sicherer Aussicht. Besonders seitdem es den Herren vom Brauerring gelungen ist, eine Anzahl der bei ihnen meist tief in der Kreide stechenden Lokalbentzer oder Pächter gegen die Arbeiter mobil zu machen, soll der Boykott eine verlorene Sache sein. Diese Herren Lokalbesitzer oder Pächter haben beschlossen, ihreSäle„zu keiner sozialistischen und anarchistischen Versammlung, oder an Gewerkschaften. Vereine:c., die sozialistischen respektive anarchistischen Bestrebungen huldigen, herzugeben, falls der Boykott gegen die Brauereien und G a st w i r t h e bis zum IS. Juni er. nicht aufgehoben ist oder sich wiederholt." Zugleich haben die Lokalwirthe sich flehentlich an die „Berlnier Industriellen und an die gesammte wohlgesinnte Ein- wohnerschaft Berlins" gewandt, sie d. h. die Wirthe in dem Kampfe gegen den„gegen alles bestehende Recht und Eigenthum verstoßenden Boykott" zu unterstützen. Was die Anwinselung der Industriellen für eine Bedeutung hat, kenne» unsere Leser zur Genüge aus den famosen Briefen der Großbrauereien Happoldt und Union, sowie aus den Ver- gewaltigungsversuchen gegen die Arbeiter bei Siemens u. Halske und in der Offizin der„National-Zeitung". Die Industriellen sollen ihre wirlhschaftliche Machtstellung dazu mißbrauchen, ihre Arbeiter zu zwingen, für ihr gutes Geld Biere zu trinken, welche sie freiwillig nicht trinken wollen. Dieses Verlangen schamlosester Vergewaltigung der Arbeiter, haben bis jetzt nur die Antisemiten und Herr Eugen Richter zu vertheidigen gewagt; als dritter im Bunde gesellt sich jetzt der„Verein Berliner Gastwirlhe" dazu. Angesichts der Schuldknechtschaft, in der sich die meisten Lokalinhaber gegenüber den Brauern befinden, findet das Ver- halten der ersteren ja seine Erklärung, wenn auch keine Recht- scrligung. Mir der Thatsache der Lokalsperre, die am letzten Freitag ausgesprochen wurde, haben wir aber von jetzt ab zu rechnen. Was die Herren vom Ring erst durch Sprengung der Arbeiter-Organisationen zu erringen hofften, aber nicht erreichten, das soll jetzt durch Geltendmachung des Kapitaldrucks und der Lockung erreicht werden. Sechsmalhundert- tausend Mark soll der Ring zur Entschädigung für die Lokal- Inhaber zur Verfügung gestellt haben. Gewiß ein« ganz respektable Summe, die aber zugleich eine treffende Illustration zu der Behauptung liefert, der Bierboykotl sei wirkungslos und ohne jeden merkbaren Einfluß auf den Bierabsatz der Brauereien geblieben. Ob es sich diese wohl über eine halbe Million würden kosten lassen, wenn sie ihre braune Brühe nach wie vor abgesetzt hätten? Uebrigens möchten wir den Herren vom Ring den Rath geben, zur ersten halben Million gleich noch-die andere Hälfte in Reserve zu halten. Die Herren Lokalinhaber haben das unbe- strittene Recht, ihre Lokale vor den Arbeitern zuzuschließen, wenn ihnen nur nicht die Zeit lange wird, bis dahin, w o d i e Ar- beiter die Schwellen der ihnenheute gesperrten Lokale wieder überschreiten werden. Es kommt in dieser Frage vor allem darauf an, w e r a m längsten warten kann. Stehen den Arbeitern heute auch manche Säle nicht mehr zur Verfügung, deren Inhaber bisher die Arbeilergroschen mit Vergnügen einsackten, obdachlos ist deswegen die Berliner Arbeiterbewegung noch lange nicht. Noch stehen uns. wenn auch nicht mehr alle, so doch genügend Säle zur Verfügung, in denen unsere Vereine und Versamm- lungen tagen können; ob aber die Herren Wirthe für die frech ausgewiesene Arbeiterkundschast ebenso rasch Ersatz finden werden — das wollen wir abwarten. Wir drohen nicht und prahlen nicht, aber wir sind uns über die Tragweite des Kampfes, der jetzt ausgekämpft wird, voll- ständig klar. Unsere Gegner— und das kennzeichnet die Schlechtigkeit der von ihnen vertretenen Sache— haben von der ersten Stunde an, wo sie den Streit vom Zaune brachen, mit Lügen und Ver- drehungen operirt. Sie haben es nie gewagt, ihrem Anhang klaren Wein einzuschenken etwa durch Abdruck der offenen rück- haltlosen Erklärung des Ausschuffes der Berliner Gewerkschafts- kommission; sie lügen auch jetzt wieder, indem in der Lokalsperre- Resolution der Wirthe von einem Boykott gegen die Brauereien und G a st iv i r t h e die Rede ist. Wir fragen: wo ist von Ar- beitern seit dem 15. Mai ein Gastwirlh boykottirt worden? Aber die Herren lügen nicht nur, sie, die über den „Terrorismus" der Arbeiter nicht genug zu zetern wissen, sie erlauben sich gegen diejenigen, welche nicht nlit ihnen gemeinsame Sache machen, auch die s ch a m l o s e st e n und frechsten Drohungen. Oder was ist es anders, wenn der Vorsitzende des Wirthevereius in der Versammlung am Freitag erklärte: „Wer nicht mit den vereinigten Saalbesitzern ser, sei gegen sie, die Folgen dürsten nicht ausbleiben. Wer heute glaube, mit den Sozialdemokraten Geschäfte machen zu können, dürfe sich nicht wundern, wenn es mit i h nr i n k u r z e r Zeit v o r b e i s e i." Und dieser Vorsitzende, der mit den Mitteln eines italieni- scheu Bravos arbeitet, kann sich dann hinstellen und erklären, daß auf seiner Seite die Brauereien, Industriellen, Gastwirthe und— Behörden stehen. Der Ehrenmann war undankbar insofern, als er unter seine» Schutztruppen die von Eugen Richter beeinflußte„freisinnige" Presse und die Radau-Antisemiten aufzuführen vergessen hat. Mit welchen Mitteln überhaupt seit der durch die schäm- lose Arbeiteraussperrung provozirten Boykottproklamirung seitens der Gegner gearbeitet wird, dafür noch ein paar recht drastische Beispiele. Wer hat in den letzten Tagen nicht von den„sozial- demokratischen Bierschnüfflern" gelesen? Mit stumpfem Witz und hohlen Palhos wurde gegen die„unerhörte Frechheit" der Arbeiter losgezogen, welche sich erlaubten, bei den Wirthen, wo sie verkehrte», nach der Herkunft des Bieres zu fragen. Be- sonders zwei Fälle mußten zur Jllustrirung des„schamlosen Terrorismus", den die Arbeiter bei der Äierkontrolle üben, dienen. Herr Kuckenburg erzählte im Verein der Berliner Weißbier- wirthe, daß„zwei Mitglieder der B o y k o t t k o m m i s s i o n. welche auch in seinem Lokal zur Revision waren, rund heraus erklärt hätten, daß es ihnen ganz egal sei, wenn die Gastwirthe zu Grunde gingen, ihre„Genossen" niüßten ja auch zu Grunde gehen". Lebhafte Bewegung! verzeichnet der Versammlungsbericht nach diesen Worten des Herrn Kuckenburg. Der andere Fall betrifft Herrn Säger, den Pächter der„Konkordia", der Morgens um 5 Uhr aus dem Bette geholt und nach dem Keller geführt sein soll, damit dort die„Bierschnuffler" sich von der Aufschrift der Fässer überzeugen konnten. Diese beiden„Thatsachen" haben mit Randglossen die Runde durch die ganze deutsche Presse gemacht und was ist daran wahr? Die fünf Mitglieder der Boykoltkommission haben uns auf Ehren- wort versichert, daß keiner von ihnen bei Herrn Kuckenburg im Lokale war, gar nicht zu reden von der Aeußerung, die dieser Herr ihnen in den Mund legt. Herr Kuckenburg hat also ent- weder eine sreie Erfindung vorgetragen, oder er hat xbeliebige Personen mit Mitgliedern der Boykottkommission verwechselt. Die eine wie die andere Möglichkeit charakterisirt die Glaub- Würdigkeit dieses Wortführers der Weißbierwirthe. Und der Fall Säger, der besonders viel Staub aufwirbelte? Hier lassen wir den Betheiligten selbst reden. Vor uns liegt folgende Erklärung: „Hiermit erkläre ich das von verschiedenen Zeitungen gebrachte Gerücht, daß seitens der Boykottkommission resp. deren Vertreter(Kontrolleure) in den frühesten Morgen- stunden eine Kellerrevision bei mir stattgefunden haben soll, für unwahr. Ich empfing nur einen Besuch von Vertretern der Boykottkommission, und zwar des Nachmittags, von diesen wurde aber keine Aufforderung zu einer Revision meiner Kellereien an mich gerichtet. Berlin, 14. Juni 1SS4. p. C. Säger. I. V.: Palm. So also sieht der angeblich geübte Terrorismus in Wirklich- keit aus.— Wir erwarten vo» den Preßorganen, welche die Lügenmärchen brachten, keine Richtigstellung. Wir führen die Beispiele nur an, um unseren Lesern aufs neue zu zeigen, von welcher Qualität unsere Gegner und ihre Waffen sind. Nun aber zwei Worte über die Bierkontrolle selbst. Es ist richtig, daß unsere Genossen in den Lokalen, wo sie verkehren, sich erkundigen, welche Biere ihnen verkauft werden, und daß sie den Genuß der boykottirten und theilweise auch der Ring-Biere verweigern und event. die betr. Lokale meiden. Wir stehen keinen Augenblick an zu erklären, daß es Pflicht jedes klassenbewußten Arbeiters ist, nachdem uns der Boykott einmal aufgezwungen ist, s o z u h a n d e l n. Nicht der Wirth wird boykottirt, sondern das Bier, das er eventuell ausschänkl. Es ist Sache des Waarenverkäufers, seine Kunden mit solcher Waare zu bedienen, welche diese ver- langen. Reflektiren die Wirthe auf die Arbeiterkundschast, so ist es auch ihre Pflicht, denselben Bier vorzusetzen, das diese trinken wollen. Wollen die Wirthe dem Wunsche und Geschmack ihrer Gäste nicht entgegenkommen, so ist das ihre Sache; aber mit welchem Rechte kann man denn von Terrorismus reden, wenn in solchem Falle die Arbeiter die betreffende Wirthschaft meiden? Haben die Arbeiter nicht mehr das Recht, sich für ihr Geld die Waare zu kaufen, welche ihnen als die preiswürdigste er- scheint? Es ist nur ein neuer Beweis sür die Anmaßung und Bevormundungssucht unserer Bourgeois und ihres gekauften An- Hangs, daß man es den Arbeitern geradezu als ein Verbrechen anrechnet, daß sie sich das Recht herausnehmen, sür ihr gutes Geld sich die Waare zu kaufen, die ihnen gefällt. Nun, glücklicherweise sind die Zeiten der Leibeigenschaft, wo die„Herren" ihren Knechten das Futter vorschrieben, vorüber. Es ist wenug genug, was die Arbeiter von heule in Gestalt von Lohn als Ersatz für ihre Arbeitsleistungen erhalten, aber das diese paar Blulgroschen auch noch nach der Vorschrift der Herren Rösicke, Happoldt und wtti guanti ausgegeben werden müssen. das zu erzwingen liegt glücklicherweise in keines Menschen Macht. Es bleibt also dabei:„Die Berliner Arbeiterschaft trinkt kein boykottirtes Bie r". Die Herren vom Ring niögen es sich Millionen kosten laffen, siegen werden sie dieses Mal nicht. Nur leider allzu oft müssen die Arbeiter in ihren Kämpfen gegen das Kapital zu Kreuze kriechen und der Grund dafür liegt in dem Umstände, daß den Herren in diesen Kämpfen mejst ein Bundesgenosse zur Seite steht, der für die Arbeiter unüber- windlich ist. Dieser furchtbare Bundesgenosse des Kapitals gegen die Arbeiter heißt: Der Hunger! Der Hunger ist es, der die streikenden Arbeiter in 99 Fällen von Hunderten ins alte Slavenjoch zurücktreibt. Die Stock» prügel aus den Magen sind es, mit denen die Herren vom Geld- sack ihre brutale Gewaltherrschaft aufrecht zu erhalten ver- mögen. Nun, dieser Bundesgenosse steht in unserem Falle nicht auf Seiten unserer Gegner. Keine hungernden Kinder, kein vor Ent- behrung krankes Weib treiben den Proletarier an die Arbeits- stätte zurück und von seinen Kampfgenossen fort. Alles was in diesem Kampfe von uns verlangt wird, ist, daß wir unser gutesGeld in derTaschebehalten und es nicht für Biere sehr zweifelhafter Qualität ausgeben. Sollte es denkbar sein, daß die zielbewußte Berliner Arbeiter- schaft, jene Garde, die das Sozialistengesetz zu schänden machte und im letzten großen Wahlkampfs fünf Wahlkreise im Sturme nahm, jetzt vor dem Protzen-Hochmuth der Brauer die Segel streicht? Nie wird das geschehen! Mögen die Herren es sich ein für alle Male gesagt sein lassen: ehe den Opfern des 15. Mai nicht Sühne gewährt und jene Schandthat gut gemacht ist. eher wird der Boykott nicht aufgehoben. Man hat uns den„Kamps bis aus's Messer" angesagt, Gut, wir haben uns zu demselben gestellt. Ein Kampf bei dem wir nichts zu thun brauchen, als uns mit verschränkten Armen an der ohnmächtigen Wuth unserer Gegner zu weiden, den können wir uns lange gefallen lassen. Die Arbeiter sehen zu. Das ist der Stand des Boykotts. pavfetnaäieidifen. Ans Serbien wird gemeldet: Ter als sozialistisch bekannte Archimandrit Wassa Pelagie ist von der Polizei dem hiesigen Konsistorialgericht zur Aburtheilung/ übergeben. Was er„verbrochen" hat, wird nicht mitgetheilt. In Serbien braucht man wohl auch kein Gesetz zu übertreten um eingesperrt zu werden. »» Polizeiliches, Gerichtliche» ,c. — Dresden. Genosse Emil Eichhorn wurde wegen eines Artikels, überschrieben: Bankkrach, unter Annahme der Verletzung des§ 21 des Preßgesetzes zu 109 Mark Strafe verurtheilt. — Magdeburg. Drei Jahre unter Anklage! Folgender Beschluß ist nachfolgenden Personen zugestellt worden: Magde- bürg, 5. Juni 1894. Auf Antrag der königlichen Staatsanwalt- schaft werden 1. der Schlosser August Hampe, 2. der Tischler Wilhelni Urbach. 3. der Tischler Karl Pelka, 4. der Tischler August Reuter, 5. der Zigarrenmacher Johann Kräber, 6. der Buchdrucker Franz Bethge, 7. der Zimmerer Wilh. Lauben, 3. der Schuhmacher Andreas Zierau, 9. der MaurerKarl Schröder, 19. der Zimmerer August Bringmann. 11. der Arbeiter Heinrich Leh- mann, 12. der Schloffer Gustav Thiemcke, 13. der Zigarren- Händler Heinrich Weber, 14. der Arbeiter Karl Ritza», 15. der Former Friedr. Dümling, 16. der Schlosser Herm. Wagner, 17. der Arbeiter August Lüders. hinsichtlich der Beschuldigung, im April. und Mai 1891 Hierselbst als Vorsteher von politischen Vereinen. nämlich n) zu 1—3 des Stadtselder allgemeinen Arbeitervereins. K) zu 4—6 des sozialdemokratischen Arbeitervereins Magdeburg- Altstadt, o) zu 7-9 des sozialdemokratischen Arbeitervereins Neu- stadt, ä) zu 19—12 des allgemeinen Arbeitervereins für Magdeburg »nd Umgegend, e) zu 13 und 14 des allgemeinen Arbeitervereins zu Buckau, 1) zu 15—17 des Vereins aller in der Eisen und Metall. industriebeschäftigtenArbeiter MagdeburgsundUmgegendunter ein- anderzu dem gemeinsamen Zwecke der Maiseier am3�Mai 1891 in Ver- bindung getreten zu sein(tzZ 8b 16 des Vereinsgesetzes§ 47 Strafgesetzbuchs) außer Verfolgung gesetzt, da die Voruntersuchung hinreichendes Belastungsmaterial für die Beschuldigung nicht er- bracht hat. Die Kosten des Verfahrens werden der Staatskasse zur Last gelegt. Die vorläufige Schließung der zu&—{ bezeichneten Vereine und die polizeiliche Beschlagnahme der Seite 19 und 19a bezeichneten Gegenstände werden aufgehoben. König- liches Landgericht IV. Strafkammer, gez. Polte. Grabau. Hentrich. Lokrsles. Der heutigen Nummer liegt das Flugblatt bei, daS zu Beginn des Boykotts von der Arbeiterschaft Berlins verbreitet worden ist. Möge jeder Parteigenosse dafür sorgen, daß dasselbe in bis jetzt noch indifferenten Kreisen Verbreitung und Beachtung findet. Es gilt, den Kampf gegen das Brauereiprotzenthum und sein- Schleppenträger mit verdoppelter Anstrengung weiter zu führen. Das Bureau der�ansgesp?rrten Braüereiarbeiter befindet sich Vlumenstr. 33. Zur Empfangnahme und Abrechnung von Sammellisten und Unterstützungsgeldern ist jeden Tag(auch Sonntags) in der Zeit zwischen 9 Uhr Vormittag bis 9 Uhr Abends mindestens ein Kommissionsmitglied anwesend. Die Unter- stützung für' die Ausgesperrten wird nur in den Stunden von Vormittags 9 bis 12 Uhr und Nachm. von 2-5 Uhr ausbezahlt. DieKommissron. Eine Episode an» dem Bierboykott. Dürfte man den Angaben der Ringorgane glauben, dann stehen sür Wirthe und Lokalbesitzer, welche sich als treue Schildknappen des Herrn Rösicke erweisen, divers- Hunder tausende zur Versügung. Wie es mit dieser Generosität in Wirklichkeit steht erg.ebt sich ,n köstlicher Weise aus nachsteheiidem uns zur Versugung gestellten Herr Härtung, Gubenerstr. 19, betreibt seit Jahcen eine kleine Wirthschaft, die ihren Mann recht und schlecht nährt. Er verzapfte bis zum Beginn des Bierboykott Bier aus dem „Böhmischen Brauhaus" und er wollte dieser Firma auch treu bleiben. Aber in der Gubenerstraße wohnen viele Arbeiter und diese trinken nun einmal kein boykottirtes.Bier. Das Geschäft bei Herrn Härtung ging also schlecht. Ver- pflichtungen konnten drückend werden und in dieser Situation erinnerte er sich des gewaltigen Garantiefonds, den der Ring und andere Großindustrielle zur Verfugung gestellt haben sollen, zum„Schutze der kleinen Exlstenzen gegen den Terrorismus der Sozialdemokratie."— Herr H. wollte also eine Probe machen und wandte sich an die„Böhmische Brauerei. von der er folgende Antwort erhielt: „Berlin NO., 11. Juni 1894. Herrn Hortung. Gubenerstr. 19. Wir bedauern recht sehr. Ihnen die gewünschten M. �99,—. n i ch t vorstrecken zu können, da wir in der j etz ige n Zeit keine Gelder fortgeben. Hochachtungsvoll! Böhmisches Brau« haus. A. Knoblauch." �.,. Man kann sich vorstellen, wie diese Antwort aus Herrn Härtung wirkte. Er setzte sich hin und schrieb: Berlin, 12. 6. 94. Böhmisches Brauhaus. A. Knoblauch. Ihre Antwort von gestern hat mich sehr gefreut, denn ich habe mir nur einen Spaß gemacht; ich habe ebenso wenig nöthig, von Ihnen als anderivärts Geld zu borgen. Erstens wogte ich mich von der Prahlerei überzeugen, daß Rmk. 699 909i_ zur Unter- PfUftna kleiner Geschäftsleute dnliegen. und zweitens Ihre An- I'cht über den Boykott hören. Ich werde vorläufig, bis der Boykott zu Ende ist, von Julius Bötzow Bayerisch Bier nehmen. Hochachtungsvoll Härtung. In letzterem Punkte hatte nun Herr Härtung sich allerdings verrechnet, wie folgender Brief lehrt: Berlin. 12. VI. 94. Herrn I. Härtung, hier. Antwortlich Ihres Geehrten vom Heutigen bedauere ich, Ihnen z. Zt. kein Bier liefern zu können, va sich die Brauereien verpflichtet haben. wahrend der Dauer des Boykotts sich gegenseitig keine Kunden abzunehmen. Nach Beendigung des Boykotts bin ich gerne bereit, Ihnen jedes gewünschte Quantum Bier zu liesern. Ich empfehle mich Ihnen. Hochachtungsvoll Unterschrift. Jetzt war Herr Härtung kunrt. Postwendenv schrieb er: Berlin, den 12. Juni 1694. Herrn Julius Bötzow, Brauerei. Daß Sie mit den Brauereien einen Bertrag abgeschlossen, geht wich nichts an. Ich wohne bei Arbeitern und lebe von Arbeitern. Stach meiner Ansicht können die Brauer einen Ochsen an die Spree zwingen, aber nicht, daß er säuft Z— Hochachtungsvoll! Unterschrift. Wie geinasiregelt worden ist. Um unseren Lesern zu zeigen, mit welcher Brutalität die Herren vom Bierring gemäß- regelt haben, sollen die nachstehenden Tabellen ein klares und zuverlässiges Bild geben. Das Charakteristische dieser Tabelle ist, daß sie zeigt, wie gerade die älteren Arbeiter auf das Pflaster gesetzt wurden. Man wollte sich eben der„ausgepreßten Zitronen" entledigen. Was die angeführten Zahlen anbetrifft, so würden sie noch vernichtender für vi« Herren Brauerprotzen lauten, wenn nicht ein Theil der Ausgesperrten aus nicht ersichtliche» Gründen der Kontrolle fernbliebe. Diese Zahlen beziehen sich nur auf die ausgesperrten Brauer und Hilfsarbeiter. Bon den Böttchern sind 272, davon 73 Unverheirathete und 199 Berheirathete mit insgesammt 363 Kindern von der Maß- regelung betroffen worden. Die Gesammtsumme der Aus- gesperrten beträgt 727 Arbeiter, wovon 249 unverheirathet und 487 verheirathel(735 Kinder) sind. Diese nackten Zahlen sprechen mehr als alle Worte. Neber die Versammlung der Saalbesitzer, welche am Freitag die Saalsperre aussprach, bringen bürgerliche Blätter einen Bericht, dessen Genuß wir unfern Lesern nicht vorenthalten wollen. Die Versammlung fand im Boltz'schen Restaurant statt. Den 275 persönlich ergangenen Einladungen sollen ca 259 Saal- besitzer entsprochen haben. Der stellvertretende zeitige Leiter des „Vereins der Berliner Gastwirthe" und Schriftführer der„Kommission der Brauereien und Saalbesitzer", Gastwirlh Hubertus Jacobi, führte den Vorsitz. Unter den Versammlungstheilnehmern be- fanden sich die in bürgerlicher Beleuchtung maßgebendsten Saal- besitzer von Berlin, Charlottenburg, Spandau, Rirdorf, Tempel- Hof, Schöneberg, Plötzensee, Pichelsbergs, Treptow, Stralau, Rummelsburg, Weißensee, Wilmersdorf. Tegel, Franz-Buchholz. Herr Hubertus Jacobi erinnerte in seiner ein- leitenden Ansprache an den Beschluß, welchen die Saalbesitzer vor 19 Tagen in demselben Lokal gefaßt und bezeichnete es als eine eiserne Nothwendigkeit der Selbsterhaltung, diesen Beschluß nunmehr auch strikte zur Durchführung zu bringen, sonst wäre schließlich kein Saalbesitzer mehr Herr im eigenen Hause. Es seien der Kommission der Saalbesitzer aus allen Kreisen der Industrie die zahlreichsten Zuschriften zugegangen, diesen Angriff der Sozialdemokratie energisch zurückzuweisen und von allen Seiten Unter st ützungen zugesichert. Diejenigen G a stsiv irthe. welche jetzt noch zweifelhaft sind, mögen sich die Folgen selb st zuschreiben. Genug Geld sei vorhanden, um jeden Gastwirth, der durch den Boykott Schaden erleiden sollte, zu unterstützen. (Zuruf des Gastwirths Kliem: Welche Summe?) Herr Jacobi: Groß genug, um Alle zu unterstützen. Das Andere unterliegt der Ehrenhaftigkeit der Kommission.— Gast- wirth Kliem(Hafenhaide-Volksgarten) fordert zu wissen, wie- viel wirkliche Saalbesitzer anwesend sind. Der Vorsitzende Herr Jacobi bemerkt hierauf, daß eine scharfe Kontrolle statt- gefunden und außer den Mitgliedern der Kommission nur Saal- besitzern auf grund der persönlichen Einladung Einlaß erhallen haben. Es seien über 399 Saalbesitzer anwesend. Ueber diesen Ein- spruch des Gastwirths Kliem erhob sich eine längere Debatte. die ihren Abschluß in der Aufforderung an Herrn Kliem fand, ob er für oder gegen den die vereinigten Saalbesitzer sei. Herr Kliem gab hierauf die Erklärung ab, daß, wenn er voll entschädigt würde, er mit denvereinigten Saalbesitzern gehen würde.(Pfuirufe.) Auf die • Darunter ein Arbeiter, der 19 Jahre und einer der 16 Jahre in der Brauerei thätig war. weitere Anfrage deZ Herrn Honsel(Invaliden- und Brunnen- straßen-Ecke), ob auch genügende Gelder vorhanden wären und die Gastwirthe nicht nachträglich Schaden erleiden könnten, gab Herr Jacobi die Erklärung ab. daß die Abmachungen mit den Brauereien so rechtlich bindender Natur seien, daß sie von zu- gezogenen Notaren als unantastbar bezeichnet worden sind. (Ei. ei! Warum sind sie denn nicht notariell beglaubigt worden?) Weitere Miltheilungen darüber als die. daß die Gastwirthe da- durch die Herren der Situation geworden, könne er vor- läusig nicht machen.— Andere Einsprüche fanden nicht statt. Von einigen Rednern sollen noch die Uebergriffe der Sozialdemo- traten gegenüber den Gastwiethen„in oft sarkastischer Weife" hervorgehoben sein. Nachdem fand oie formelle Proklamation der Saalsperre durch einstimmige Annahme folgender Resolution statt:„Die heute hier erklärte Saalsperre über die sozialistische und anarchistische Partei soll so lange dauern, bis dieselbe von der gewählten Kommission der Saalbesitzer für aufgehoben erklärt wird." Der Vorsitzende fügte nach der Annahme der Resolution hinzu: Es gelte jetzt das Sprüchwort zu beherzigen:„Landgraf werde hart!" Wer nicht mit den vereinigten Saab besitzern sei, sei gegen dieselben. Die Folgen dürften nicht ausbleiben. Wer heute glaube, mit den Sozialdema traten Geschäfte machen zu können, dürfe sich nicht wundern, wenn es mit ihm in kurzer Zeit vorbei s e i. Auf der einen Seite ständen die Brauereien, Industriellen, Gastwirthe und Behörden, auf der anderen die Sozial demokrateu und manche Unannehmlichkeiten. Noch sei es Zeit zu wählen. Er glaube, daß in 14 Tagen Herr Kliem und noch einige Gastwirthe sich der Vereinigung werden an- schließen wolle», es frage sich nur, ob man dieselben dann noch haben wolle. Die Versammlung schloß mit einem Hoch aus den Kaiser. Kühl bis an Herz hinan steht die sozialdemokratische Arbeiter schast der Bornirtheit einiger Wirthe gegenüber, die bisher von Arbeitergroschen über Wasser gehalten sind und die jetzt starr und mit offenem Munde zu dem angeblich mit Zwanzigmark- stücken gefüllten Beutel emporblicken, der von den Schlau- bergern im Brauereiring in unnahbarer Chimborassohöhe auf- gepflanzt worden ist. Die guten Kerle wollen sich im Interesse einiger Brauereibesitzer und zum Spaß diverser Wirthe, auf deren Lokale die Arbeiterschaft seil je gepfiffen hat, zu Grunde richten— sei es drum. Die Arbeiterschaft, die an der Lokal- sperre auch keinen Pfennig zu verlieren hat, hat keinen Anlaß, die Herren an ihrem Vorhaben zu hindern. Unsere liebewerthen Freunde von den„Anti's", die in der Katzbachstraße sogar das Gras wachsen hören, legen sich jetzt für die armen Brauermillionäre mächtig ins Zeug und„saufen was daS Zeug hält", um das seinen Beruf verfehleude Bier wenigstens vor dem„in die Spree laufen lassen" zu bewahren. Uns kommt dieses löbliche Vorhaben aller Nationalgesinnten, nebenbei gesagt, so vor, als ob der Esel eine Pfütze ailssaufen wollte. Na, uns kann's recht sein! Trinkt nur iinmer noch Eins! Wie kommt es aber, daß mit einem Male der fürchterlichste Anti so eifrig die Boykottenden bekämpft? Wie kommt es, daß national- gesinnte Männer so brüderlich mit den„krummnasigen" Aktien- inhabern und„Börsenjobbern" Hand in Hand gehen? Wie kommt es,- daß die Arbeiter durch den Boykott den National- Wohlstand jetzt untergraben, während es nach den früheren Be- hauptungen der„Anti's" doch das jüdische Kapital ist? Wie kommt es, daß die„Anti's" so sorgsam die Kurszettel inspiziren? Sie werden doch nicht auch etwa unter dem„Gistbaum", wenn auch in nationalgesinnter Weise, in Brauereipapierchens„machen?" „O Freund! Kennst Du die Menschen schlecht!" Also doch! Die artigen Kinder der Herren Rösicke und Genossen hielten in der verflossenen Woche in Berlin einen „Delegirtentag des Bundes deutscher Brauergesellen" ab. Dieser Delegirtentag vollzog redlich die Aufgabe, leeres Stroh zu dreschen und befaßte sich im übrigen wiederholt mit Ergebenheits- erklärungen an die Herren vom Braubottich und der Kühl- psannc. Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, daß dieser sogenannte„Brauergesellenbund" weiter nichts ist, als eine zum Theil mit den Hilfeleistungen der Brauereidirektoren geschaffene und erhaltene Organisation derjenigen Aucharbeiter, die be rechnend genug sind, ihr Klassenintereffe augenblicklichen, ihnen etwa durch bessere Stellen dargebotenen Vortheilen zum Opfer zu bringen. Wo sich eine Gelegenheit bietet, sind derartige Ver- einigungen bereit, den Unternehmern dadurch Dienste zu leisten, daß sie chen klassenbewußten Arbeitern im Kampf in den Rücken fallen. Wie sollte für solche vortreffliche Hilfe in der Roth auch die Belohnung ausbleiben? Wer noch an dem guten Willen der Brauereibesitzer, solchen Leuten förderlich und dienst- lich zu sein, gezweifelt hat, der hätte sich auf dem Delegirtentag die nöthige Aufklärung holen können. Alldort erklärte der Vor- sitzende, Herr Will, frank und frei, seinem blauen Ver- ein„eine Unterstützung von maßgebender Seite versprechen zu können"! Bekanntlich haben die Brauereidirektoren schon des öfteren mit sittlicher Entrüstnng erklärt, daß Verdächtigungen dieser Art ebenso„aus der Luft gegriffen" seien, wie etwa unsere Mit- theilungen über die Wirkung des Bier-Boykotts. Gerade in diesem Punkt arbeitet das Prcßburean des Herrn Rösicke, das den bürgerlichen Blättern Enirüstungsstürme zubläst, aber nicht gern genannt sein will, mit besonderem Fleiß. Aber trotz alledem dringen derartige Harmonieklänge an die Oeffentlrchkeit und sei es auch nur durch die Plauderlust der Herren Will und Seinesgleichen. Der Boykott durch Arbeiter ist in den Augen der Wirthe ein Verbrechen, sie selber üben ihn aber nach Noten. So bringt das hiesige Organ der Gastwirthsvereine in jeder Nummer an der Spitze eine Liste der Brauereien, welche kein Flaschenbier direkt verkaufen und erklärt es als Ehrensache der Wirthe, kein Bier von den Brauereien zu nehmen, welche Flaschenbierhandel treiben. Also ein Boykott in aller Form. Nun aber wird uns auch aus Lüddeutschland berichtet: In der letzten Numiner des Gastwirth/organs für Süddeutschland macht der Verband elsaß-lolhringischer Gastwirthe bekannt, daß der Boykott über das„Straßburger Tageblatt" aufgehoben sei, dagegen werde der Verband jetzt gegen die„Straßburger Partei" Stellung nehme». Die beiden Blätter hatten den Zorn der Wirthe dadurch erregt, daß sie sich darüber beklagten,.weil die Wirthe sich überall in die Gemeindevertretungen wählen ließen, ohne die nöthige Befähigung zu besitzen. Die Lügenhaftigkeit der„Dentschen Arbeiter-Zeitung", jenes famosen Ablegers der ehrenwerthen„National- Zeitung", über dessen Verwendung in Arbeiterkreisen wir kürzlich berichteten, tritt in der am 16. d. M. ausgegebenen neuesten Nummer wieder einmal recht drastisch zu Tage. In einem Artikel über den Bier- b o y k o t t wird in anschaulicher Meise geschildert, wie sich aus den„Plänkeleien und Scharmützeln ein wirthschaftlicher Kampf auf Lehen und Tod" entwickelt habe, wodurch nun die Gefahr entstehe, daß„in dem wilden Getümmel, welches jetzt herrscht, die Erinnerung an den Anfang des Kampfes verblassen und daß Ursachen und Wirkungen sich in der Beurtheilung der Zuschauer verschieben" könnten. Um einer solchen Begriffsverwirrung vorzubeugen, unternimmt es die im Fabrikanten- und Unternehmerintereffe ge- schriebene„Deutsche Arbeiter- Zeitung", ihre Leser über die Ur- fache des Kampfes nochmals„aufzuklären". Danach hätte ein Theil der Böttchergesellen in sieben Brauereien erklärt, daß er am 1. Mai nicht arbeiten werde, worauf die Direktoren antworteten, daß, wer am 1. Mai ohne krmik zu sein sein fehle, vor dem 7. Mai nicht wieder anzufangen brauche.„Die Böttchergesellen", so sährt das edle Blatt wörtlich fort,„welche am 1. Mai nicht antraten, wurden deinnach während der betreffenden Woche nicht beschäftigt. Ihre Antwort darauf war eine Forderung nicht nur der Zahlung des Lohnes für diese Woche, sondern sie verbanden damit gleich die Forde- rung einer Lohnerhöhung. Beide Forderungen wurden abgelehnt. Darauf erklärten die Böttchergesellen diese sieben Brauereien in Verruf, proklamirten den Boykott derselben und in unsagbarer Verblendung hieß die Parteileitung diesen Schritt gut. statt an den Grundsatz fest- zuhalten, dag vom Zaune gebrochene Streiks und Streitigkeiten nicht unterstützt werden sollten."— Das ist also der Beginn des Boykotts in nationalliberaler Beleuchtung. Mit einer Geschivindig- keit, die keine Hexerei ist, wird die Maßregelung der 29 pCt. hinwegeskamotirl, die Thatsachen verdreht und entstellt, daß selbst dem waschechtesten Nalionalliberalen die Augen übergehen müssen, um dann im Tone des ehrlichen Biedermannes von d'sr „unsagbaren Verblendung" der Parteileitung, die solche„vom Zaune gebrochenen" Streitigkeiten unterstützt, faseln zu können. Das sind die Köche, welche in der natioualliberalen Küche die geistige Speise für den Arbeiter Herrichten sollen! TaS antisemitische Banausenthnm tritt in seiner be- schämendsten Abgeschmacktheit wohl unter den Kommentbrüdern der Universität zu tage. Eine reaktionäre Studentenvereinigung, deren öffentliches Handeln vornehmlich darauf gerichtet ist, in Teutschthum und ähnlicher wohlfeiler Waare zu machen, hat die Art, in welcher sie den Geist der Zeit begreift, kürzlich in einem Antrag folgenden Inhalts dokumentirt:„Zeitungen und Zeit- schristen sozialpolitischen Inhalts, die eine gewisse politische Tendenz verfolgen, werden für die akademische Lesehalle nicht mehr angeschafft." Damit auch der fromme Augen- aufschlag zeitgemäßester Observanz zu seinem widerlichen Rechte komme, haben die Herren ferner den Math gehabt, zu beantragen. daß die Preisermäßigung an den Theatern,„deren Stücke man als unsittlich bezeichnen kann", aufhöre. Bei einem derartigen Treiben darf es nicht Wunder nehmen, wenn auch die Söhne der Bourgeoisie sich zu einem beträchtlichen Theil gegen die Führung, die die Reaktionäre bisher inne hatten, auflehnen, und sich mit Eifer bemühen, die offizielle Vertretung der Studentenschaft etwas passabler einzukleiden. Eine neue Art der Anreißerei, der man das Zeugniß nicht versagen kann, daß sie ebenso originell wie geschmackvoll ist, macht sich, wie uns ein Leser schreibt, seit kurzem in der Wallstraße bemerkbar. Vor der geöffneten Ladenthür eines Fleisch- und Wurstwaaren-Geschäfts in dieser Straße sieht man jetzt in den Abendstunden ein etwa achtzehnjähriges Fräulein stehen, welches das am Laden vorbeigehende Publikuni in liebens- würdigster Weise einladet, doch etwas von den am Eingang links in Mulden liegenden Eis- und Spitzbeinen zu kaufen. Man kann sich den frappirenden Eindruck vorstellen, den ein junger Mann empfangen muß, wenn es ihm aus zartem Munde mit schmelzendem Wohllaut entgegentönt:„Bitte schön. mein Herr, hier diese Schweinsohren, diese große Schnauze jst noch mitzunehmen. Treten Sie ein, wenn ich bitten darf!" In unserer Zeit des Realismus ist es nur zu begreiflich, wenn es fortan Sitte wird, statt der Rose im Knopfloch, ein Eisbein als Beutestück der Galanterie heimzutragen. Womit sich ein Gastwirths-Tag beschäftigt. Auf dem vor einigen Tagen in Hannover abgehaltenen deutschen Gastwirths- Tage ist festgesetzt worden, daß die Kellner in Rcstaurations- räuinlichkeiten fortan einen blauen Jacketanzug und die in Gartenlokalen beschäftigten Kellner dagegen einen solchen in grüner Farbe tragen sollen. Der Kellnerfrack soll abgeschafft werden. Wundern soll uns, ob die Kellner ruhig einen solchen Affenaufputz mit sich vornehmen lassen werden. Volksbildung und Militarismus. Nicht weniger als 19 Gemeindeschullehrer Charlottenburgs sind jetzt zu militärischen Hebungen eingezogen. Da an einer Schule nicht weniger als 4, an einer anderen 3 die Einberufungsordre erhalten haben, so kann man sich.denken, welche Störungen für den Unterricht hier- aus folgen. Macht aber nichts, wenn nur der Militarismus zu seinem Recht kommt. Tie Vorort-Gemeiude Britz will um die Errichtung eines eigenen Amtsgerichts petitioniren. Der bekannte Kiesgruben- besitzer F. W. Körner hat sich bereit erklärt, zu diesem Zwecke ein geeignetes Grundstück zu schenken. Bek der schnellen Ent- wickelung des Ortes, der jetzt schon über 6999 Einwohner zählt, sowie der benachbarten Gemeinden von zusammen fast ebenso großer Einwohnerzahl, erscheint die Errichtung eines Amtsgerichts für Britz und Umgegend allerdings dringend erwünscht, zumal das Rixdorfer Amtsgericht stark überlastet ist. Wege» fortgesetzter roher Mißhandlungen seiner Stief- linder im Alter von 13 und ll Jahren ist der in der Berliner- straße zu Rixdors wohnhafte Maurer R. zur Anzeige gebracht worden. Beide Kinder liegen infolge der Mißhandlungen schwer krank darnieder. Durch ein Bubenstück wurde an einem der letzten Abende die Familie des Hobrechtstraße 3 in Rixdorf wohnhaften Ziseleurs Johannes R. nicht wenig erschreckt. Ein Schuß zer- trümmerte eine Fensterscheibe der Wohnung; die Kugel prallte im Zimmer an der Wand ab, ohne glücklicherweise jemand zu treffen. Es gelang bisher nicht, den Urheber dieses Bubenstückes zu ermitteln. Ei» gefährlicher HauSabbruch findet in der Neuen Friedrichstraße statt. Die zum großen Theil fortgerissene Mauer des Hauses Nr. 98 stieß an eine Fachwerkwand des Nachbar- gebäudes Nr. 99. Bei den, Abbruch sind nun am Freitag einzelne Mauersteine in die Räume der eine und zw« Treppen hoch wohnenden Leute des Grundstücks Neue Friedrichstr. 99 hinein- gestoßen werden. Die Oeffnungen waren zum Theil am Sonn- abend noch nicht wieder geschlossen. Die rechte Giebelwand des letzteren Hauses ist überhaupt in ihrer ganzen Ausdehnung in einem Zustande, der zu wünschen übrig läßt. Polizeibericht. Am 15. d. M. Mittags fiel vor dem Hause Belle- Alliancestr. 191 ein Schlächter beim Abspringen vom Vorderraum eines in der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagens und erlitt einen Bruch des Unterschenkels.— In der Nacht zum 16. d. M. stürzte sich ein Arbeiter ans dem Fenster seiner im fünften Stock eines Hauses der Nüdersdorferstraße belegenen Wohnung hinaus und zog sich schwere innere Verletzungen zu. WitterungSübersicht vom 16. Juni. Stationen. Swinemünde tamburg. erlin.. Wiesbaden. München. Wien.. Haparanda Petersburg Cork... Aberdeen. Paris.. 759 762 762 765 767 761 761 756 768 765 767 NW EW NW Still W WNW NO NO O S SW »-Ä Ii 6 e i| V 5 2 4 6 4 2 1 1 2 2 Wetter W 1»• g=55 c || ""c Ö wolkig heiler wollig bedeckt heiter halb bedeckt bedeckt Dunst heiter halb bedeckt bedeckt 14 14 12 11 13 12 17 19 13 12 14 Wetter-Prognose für Sonntag, den 17. Juni 1864. Zeilweise heiteres, vielfach wolkiges, zunächst etwas war- meres Wetter mit leichten Regensällen und mäßigen westliche» Winden. Berliner Wetterbureau. ©ecirfjle-Bctlimg. In dem Prozeß gegen Brnggemann und Genossen wegen Zusammenbruchs des Siegener Bankvereins wurde am Sonnabend das Urtheil gefällte Brüggemann wurde wegen Benachtheiligung des Bankverems. Differenzhandel. Verschleierung und Betrug zu fünf Jahren Gefängniß, 16000 Mark Geldstrafe und 3Jahren Ehrverlust. Kölsch wegen derselben Strafthaten, ausgenommen Betrug, zu 2 Jahr 6 Monat Gefängniß und 9000 Mark Geldstrafe. Schröder wegen absichtlicher Benachtheiligung zu 1 Jahr Gefängniß und 8000 Mark Geldstrafe und Franz wegen Beihilfe zur Ver- schlererung und Bankerott zu 2 Jahren Gefängniß und 1S00 M. Geldstrafe verurtheilt. Öoilale Xtcbcflttöf; An die Gewerkschaften Berlins! Wir bringen den Gewerkschaften und Arbeitern Berlins nochmals die Thatsache in Erinnerung, daß der Streik der Burger Schuhmacher noch fortdauert, da die Forderungen der Etrelkenden noch nicht bewilligt sind. Auch bringen wir die Ge- schäfte des Herrn Conrad Tack nochmals in entsprechende Empfehlung und ersuchen die Arbeiter Berlins, den seinerzeit in bezug auf diese Geschäfte gefaßten Beschlüffen nachdrücklichst nach- zukomme» und zwar so lange bis die Forderungen der Burger Schuhmacher bewilligt und von der Burger Streikkommission der Streik der dortigen Schuhmacher offiziell für beendet erklärt ist. Die Berliner Gewerkschasts-Ko in Mission. An die Cigarren- nnd Tabakarbeiter! Anschließend an unsere Warnungen in einer früheren Nummer des„Vorwärts". in der die deutschen Tabakarbeiter und Sortirer gewarnt wurden, bei der Firma I. Frossard u. Co. in Payerne (Schweiz) Arbeit anzunehmen, wollen wir hiermit die daselbst herrschenden Zustände etwas näher beleuchten. Momentanen flauen Geschäftsgang benutzend, wurde den Zigarrenarbeitern und Sortirern Sonntag, den 21. Mai, ein neuer Lohntarif unterbreitet, welcher eine Lohnreduzirung von Uv pCt. für die Zigarrenarbeiter und eine solche von 25 pCt. für die Sortirer enthielt, wohl jeden Begriffen spottend. wenn man bedenkt, daß. während ein jeder Arbeiter nach besseren Lebensbedingungen strebt, die Herren I. Frossard u. Cie. Lohuherabsetzungen vornehmen. Begreiflich hat diese Handlungsweise allgemeine Entrüstung unter den Arbeitern hervorgerufen, und die Sortirer, 8 an der Zahl, davon 4 verheirathet, haben am 2. Juni die Arbeit niedergelegt, da sich die Herren I. Frossard und Co. auf keine Unterhandlungen einlassen wollten. Die Zigarrenarbeiter, zu schwach organisirt, waren gegen diese Ueber- griffe ohnmächtig und dennoch wollten die Hern» I. Frossard u. Co. ihren Arbeitern ihre ganze Macht zeigen, indem sie unterm 1. Juni einen Aufruf erließen, durch welchen sie jedem Arbeiter verbaten, Mitglied der Gewerkschaft zu sein. Dieser Anmaßung wurde leider auch von 11 Zigarrenarbeitern Folge geleistet, während 3 verheirathete Männer nnt ihren Frauen wegen Weigerung auf acht Tage gekündigt wurden, eine Thai, welche die ganze Tyrannei dieser Fabrikpaschas zeigt. Nachdem wir die Herrn I. Frossard u. Co. gekennzeichnet, erachten wir es noch für unsere Pflicht, das gleiche mjt dem ersten Aufseher Schachtenbeck aus Bremen und dem Sortimenter Schminke von ebendaselbst zu thun, da sie die Herren I. Frossard u. Cie. zu ihrem Vorgehen veranlaßt haben, Haupt- fächlich letzterer. Herr Schachtenbeck, Ende der 80er Jahre Sortirer in Verden, widmete sich ganz dem Beruf, seine Kollegen zu unterdrücken und provozirte in Kopenhagen als Meister einen Streik, welcher durch seine Entlassung endete, die von den Arbeitern gefordert wurde. Später tauchte er in England für einige Zeit auf, wo er aber bald wieder daS Feld räumte, um in der Schweiz aufzutauchen, woselbst er sich wieder in verwerflicher Weise gegen die Rechte der Arbeiter wendet. Herr Schminke, Sortirmeister, der sich in Süddeutschland durch Heranziehen weiblicher Arbeiter auszeichnete, steht in dieser Beziehung gleichfalls in gutem Andenken bei den Arbeitern. Wir bitten die deutsche Arbeiterschaft, von diesen Herrn Notiz zu nehmen. Briefs und Geldsendungen sind nicht, wie früher an- gegeben, an B. Ruckstuhl, sondern an A. Höhne, Rue de Lausanne Nr. 80, Payerne(Schweiz) zu richten. Achtung! Kartonarbeiter. Die nächste Branchcnver- sammlung der Kartonarbeiter des Verbandes der in der Papier- und Lederwaaren-Jndustrie beschäftigten Arbeiter findet am Sonntag,. den 24. d. M., Vormittags 91/2 Uhr, bei Ehrenberg, Annensir. 16, statt. Alles Nähere wird in der Freitagnummer des„Vorwärts" durch Annonce bekannt gemacht. I. A.: M. Namlau, Fürstenstr. 18. Der protestantische Pfarrer Miiller aus Münster, der öffentlich die päpstliche Nnfehlbarkeitslehre als ein wahnwitziges Dogma bezeichnete, wurde vom Landgericht in Straßbnrg wegen Beschimpfung der katholischen Kirchs zu einem Tag Gefängniß verurtheilt.— Herr Müller kann froh fein, daß er ein Pastor und kein sozialdemokratischer Redakteur ist! Von Glauchan wird berichtet, daß der Streik in der Bäßler'schen Weberei beendet ist und zivar zu gunsten der Ar- beiter. VeiefÄtttittluttgen. Berichtigung. Wie uns mitgetheilt wird, findet die Gesangsprobe des Arbeiter-Sängerbundes nicht im Lokale des Herrn Conrad, sondern im Lokale des Herrn Max Lerche, Friedrichshagcn, Rundtheil, statt. Ner»in d«r K,ur««u-Zlttg»ftellten und verwundern«erufdgenvire». Monlag, den IS. Junl. Abends Uhr, bei Golilch, Lothringerstr.«s, MU- Btuderverlainmlung. Bortrag des«ollegen Kunkel über: Reltgtöse Slreis- Frei» giereinisnng der Vrnvenr» und Ziseleur». Dl» auf Montag, den is. Juni, feftgesetzte MUaNederversainmliing ist aus Mittwoch, den SO. Juni, nach Annenftr. IS, SIestauranl Ehrenberg, verlegt worden. zierri» deutscher Ochuliwacher, sitllale 3. Montag, den IS. Junt, Abend» sjj Nhr, bei Werner, BUIowstr. G», Bersammlnng. Bortrag: Spinoza und seine Werke.(Siehe Inserat in heutiger Nummer.) KchSiieiirrg 1 A> beiter ij>ild,>ng»vcrein. Montag, den I». Juni, Abends s Uhr, bei Jatob, Wrunewaldftr. llv, Versammlung. Vortrag deS Genossen Psanntuch über Werth und Bedeutung der Presse. Frei» pereinigung selbständiger Hnrbier« nnd Friseur». Montag, den tS. Juni. Abends 10 Uhr, bei Röllig, Neue Friedrichstr.<«, Versammlung. Tagesordnung: i. Slellungnahme zum Eewerbe-SchiebSgertchl. 2. Aus- stellung der Kandidaten. privat. TheatergeseUschast„«.rearenda« mittagSpartie nach Wilmersdorf, Möller'S lgvT. Sonntag Nach- . BolkSgarten, Berlinerftr. 40. Tresfpuntt>X Uhr aus Bahnhof Börse, an der Uhr. Mitglieder pünftlich erscheinen. Abzeichen; gelb-blau. Gäste willkommen. N«rgniig»ng»v«r»in„Neitere GeseUschnst". Sonntag, den 17. Juni, Abends o Uhr, bei Pallaz, Viaupachftr. s, Sitzung und FideliiaS. Gäste willkommen. Vermifrkzkes. TyphuS i« der Liegnitzer Garnison. Der„Posener Zei- tung" geht von dem dortigen Generalkommando folgende Mit- theilung zu: In der Kaserne des Grenadier- Regiments in Liegnitz sind in letzter Zeit mehrfache Erkrankungen an fieber- haftem Darmkatarrh vorgekommen, im Ganzen sind zur Zeit sechsundfttnfzig Mann, zum Theil auch in Standquartieren, erlrankt. Bei zehn Soldaten ist bis jetzt Typhus konstatirt. Der kommandirende General hat an Ort und Stelle die sofortige Verlegung eines Bataillons von Liegnitz in das Barackenlager in Glogau angeordnet. Die Untersuchung über die Ursachen der zahlreichen Erkrankungen wird in kürzester Zeit beendet, und die Behörde daher in der Lage sein, einer weiteren Ausdehnung der Erkrankungen vorzubeugen, deren Verlauf ein günstiger zu werden verspricht. Dviekkakken der Devakkion. Wir btlten bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchstaben oder eine Zahl anzugeben, unter der die Antwort erthetll werden soll. G. Marggraf. Es ist uns nicht möglich, alle die Schauer- geschichten, die von bürgerlichen Blättern kolportirt werden, im einzelnen der Ehre einer Widerlegung zu würdigen. Wenn Sie ein besonderes Interesse an der von Ihnen erwähnten Angelegen- heit haben, so erhalten Sie vielleicht im Burau der Brauerei- Arbeiter, Blumenstr. 38, Auskunft. G. Beyer, Charlottenbura. Derartige Berichte können wir aus anderen Zeitungen nicht abdrucken. Wir wollen er, wägen, inwieweit sich Ihr Wunsch in anderer Weise erfüllen läßt. Detteslhen: (Wolff'S Telegravhen-Vnrean.) Wie«, 16. Juni. Nach weiteren Meldungen der Blätter aus Karwin ergab sich heute Vormittag bei der Lohnauszahlung, daß 204 Arbeiter fehlen. Bisher sind 20 Leichen geborgen wor- den. Unter den Verunglückten befinden sich über 100 verheirathete Arbeiter, die insgesammt mehrere hundert Kinder hinterlassen. Nach dem Urtheil von Fachleuten werden die brennenden Schächte erst nach mehreren Wochen wieder befahrbar sein. (Depeschen deS Bureau Herold.) Mährisch-Ostra», 16. Juni. Die Arbeiten zur Nettimg der in den Karwiner Schächten verunglückten Bergleute mußten eingestellt werden, da noch fortwährend Gxplosionen stattfinden. So weil sich bis jetzt übersehen läßt, übersteigt die Zahl der Ver- unglückten 200, von denen der größte Zeil verheiralyet ist. Wie man annimmt, ist die Explosion dadurch entstanden, daß ein Arbeiter beim Sprengen von Gestein nicht die nöthige Vorsicht beobachtet hat. Ich habe mich in RtzlllSr� als Bsde-Ar�t Niedergelasse«, i Dr. Max Stern. Ein Arbeiter, der durch Unglücksfall den rechten Arm verloren und keine Unfallrente bekommt, bittet um Unter- stützung durch Zuweisung von leichter Arbeit, da er mit Familie sich in großer Roth befindet. Es-n»« SUssmann, Manteuffelstr. 11, Hof 3 Tr. 1239b Roh-Tabak empfiehlt zu den billigsten Preisen 1231b i. 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Juni 1894, Abends 8 Uhr,"MB in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20 1 MF* ID e« r« mm lu irg."MD Vortrag des Herrn Dr. Hemstein über:„Das Wesen des Sozialismus." (Fortsetzung des letzten Vortrages.) Nachdem: Gemüthiichr» Keisammensein.— Gäste(Damen und Herren) sehr willkommen. 93/4 8vimsdeuck, den 23. Jnni 1894: Grosses Sommerfest in den„A r m i n h a l l e n", Kommandantenstraße Nr. 20, bestehend in Konsert, Vorträgen ernsten u. heiteren Inhalts, Lebenden Bildern, Kinder-Fackelpolonaise, Ball etc. Billets zum Preise von 25 Pf. sind zu haben: Restauration Deuner, Manteuffelstr. 19; Donatd, Saarbrückerstr. II; Hoppe, Alexandrinenstr. 72, Hof 2 Tr., und in allen mit Plakaten belegten Handlungen. Der Vorstand. Verein dentseher Sehuhmaeher. Filiale Berlin. Sonntag, den I. Jnli 1804: 4. Stiftungs-Fest in Nagel's Sommer-Theater, Schwedterstraste 23. Konzert, Theater nnd Sommernachts-Ball. 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Die kleinen Diebe hängt man, die großen bleiben Gouverneure großer Kolonialreiche und werden als kühne Politiker von dem kapitalistischen John Bull gefeiert. Der Organisator jenes schimpslichen Einfalls einer englischen Heeresmacht in das Mata- bele-Land ist Sir Cecil Rhades, der Leiter der Kapkolonie, ein ehr- geiziger, gewissenloser Freibeuter, der Typus des brutalen Ge- rvaltmeuschen, schamloser Plusmacher und eigentliches Oberhaupt der Chartersd Company of South Africa, der durch königlichen Freibrief bestätigten und mit Vorrechten aller Art ausgestatteten Südafrikanischen Kompagnie. Wie einst die Britisch-ostindische, die Holländisch-indische Kompagnie ist diese neue Gesellschaft eine großkapitalistische Gründung zur Auswucherung des Kolonial- landes. Es versteht sich, daß die schäbigen Privatgelüste der Kompagnie sich hinter der spanischen Wand der Heiden- bekehrungen, der christlichen Zivilisation, der Quäkerdeputationen versteckt, damit, wie die Grenzboten sich ausdrücken,„die Well nichts von dem Koth und Blut sieht, durch die das reinliche, bochst kultivirte England seinen Weg zu Herrschaft und Reich- thum macht". Die englischen Kapitalisten und ihre kapländischen Vertreter können sich dreist mit ihren Kolouialkollegen in Deutsch- laud, Frankreich, den Niederlanden messen. Jener Zug ins Matabeleland galt natürlich der Aushebung der Sklaverei, dem Schutze des schwachen Stammes der Maschona, der Ausbreitung des Christenthums, der Gewinnung von Land für weiße Ansiedler. In Wirklichkeit aber waren die Trieb- federn der kapländischen Glücksritter, die sich der ausgezeichneten Hilfe des Staatsoberhauptes der!kapkolonie, des Gründers Cecil Rhodes erfreuten, hundsgemeiner Goldhunger und Landhunger. Die findigen Herren der Südafrikanischen Kompagnie wollen vor de» Bocrcn des Transvaal oder den Portugiesen das Gebiet, wo sie reiche Weiden und ergiebige Goldlager erwarteten, mit Waffen- geivall gegen Gesetz und Recht besetzen, mocht auch das Blut Tausender fließen, mochte auch der schimpslichfle Frevel verübt werden. Ein ausgezeichneter Kenner der afrikanischen Verhältnisse, aus dessen Schrift die Greuzboten schöpfen, hat den Thatbestand klipp und klar dargestellt. Die Chartered Company eröffnet Werbestellen, die Freiwillige unter folgenden Bedingungen an- nehmen: Löhnung nur bis zum Ueberschreilen der Grenze, für alles weitere eine Anweisung auf SOOO Acres Weideland in dem zu erobernden Gebiet, 5 Aktien von den zu Lründenden Gold- gruben, Antheil an der Beute, die zumeist ans dem geraubten Vieh der Matabele bestehen wird. Ter Abhub der afrikanischen Abenteurer, Hochstapler, Verbrecher, falsche Spieler, das Ge- findcl, das sich in den Diamanten- und Goldfeldern umtreibt, Halsabschneider, zu jeder That für blankes Geld bereit, dunkle Ehrenmänner, zweideutige Gestalten liefern das- Kontingent dieser Werbetruppen. Der Gouverneur Cecil Rhodes, den man den Napoleon von Südafrika nennt, schafft sich für den Raubzug ins Matabeleland eine Dezemberbande wie weiland Louis Bonaparte für seinen achtzehnten Brumaire. Was verschlägt es, daß die friedlichen eingeborenen Ansiedler von ihrer Scholle verjagt, daß sie vogcl- frei werden und dem Untergänge verfallen? Fort also mit den Maschona, den fleißigen Ackerbauern und Viehzüchtern, die das Land zwischen dem südlichen Wendekreis und dem Zambesi be- wirthschaften, im Dienste der Matabele, des kriegerische» Sulustammes, der sie vor zwei Menschenaltern unterworfen hat, fort auch mit den Matabele-, die wahrlich mildere Herren waren als die Todtschläger und Schnapphähne der Rhodesschen Söldnertruppe! Damit die Kriegsführung noch barbarischer werde, stand es jedem Landsknechte frei, seinen Antheil zu verkaufen oder seine Dummsein ist ein Unglück, aber gar zu schlau sein wollen ist noch ein größeres Laster. Was hätten die Ber liner Gastivirtlie, Bierstubeninhaber, Kneipiers, Restauraten« und feinen Budiker bei dem Bierboykott für schöne Bor- thcile, die das Handwerk treiben, herausschlagen, was für Annehmlichkeiten sich zuwenden können, wenn sie etwas mehr mit der Gescheidtheitssalbe geschmiert gewesen wären! Ter Flaschenbicrhandel hätte ihnen zufallen müssen, wie dem Esau das Recht der Erstgeburt j wenn auch schweren Herzens und unter ZäHnegekmrsch, die Branherren hätten sich gefügt, das Spundgcld aufgehoben und, wie andere Geschäftsleute, ihre Kutscher aus der eigenen Tasche bc- zahlt; und vielleicht wäre auch ein etwas besseres„Gefäß" erreicht worden. Aber all diese Hoffnungen, Wünsche und Forderungen sind jetzt so aussichtslos geworden ivie ein freisinniges Programm. Im Anfange da besann sich ja so mancher der Wirthe auf die groben Worte, die er hatte einstecken, auf die Anschuauzereien, die er hatte verwinden müssen, und er beschloß in seinem 5tämmerlein, gegen die Brauer loszugehen wie eine Karthaune; als aber dann die großen Herren kamen, ihnen die Hände drückten, sie für den Fels erklärten, auf welchem das ganze Braugewerbe ruhe, da wurden die Armen weich, wie Mohr'sche Wtargarine. Und der Stolz bäumte sich in ihnen auf und das Jch-Bc- ihußtscin stieg empor und sie schwuren sich zu nach alter Germanen Weise, keinen in ihre Keller steigen zu lassen, keinen in ihre Bücher Decken zu lassen, in ihre Bücher, die gar häufig nur aus einem Anschreibebüchel bestehen, einem mit Runen bekerbtcn„Stock" und einem Hacken, auf welchen die eingelaufenen Rechnungen gespießt werden. Und da waren sie geliefert. Und die Brauherren? Bon denen schon die Vorfahren saugen: „Kleider aus, Kleider an, Essen, trinken, schlafen gan Ist die Arbeit, so die Brauherren han.� Sie werden sterben an ihrer Ueberschlauheit. Erst lächelten sie mitleidig über das kecke Untersaugen der Ber- liner Arbeiter, zuckten die Achseln und geruhten zu sagen: Uns kann keiner! Als es aber in der Fechtschul' bald etwas anders zu riechen begann, da war auf einmal Aktien bei der Gesellschaft zu hypothekisiren. Wie die Geier aus Aas, so stürzten sich die skrupellosen Agenten der Land- und Bergiverks-Spekulanten, die Marodeure und Nachzügler auf de» Kriegsschauplatz, um die Gewinnantheile dieses kapitalistischen Raubzuges aufzukaufen.„Mord, Raub und Handel," sagt unser Gewährsmann treffend,„gingen also einträchtig zusaminen. Die bürgerliche Presse ergänzte die bluttriefenden Kriegsberichte durch die herzerfrischenden Marktberichte, wonach der Kurs der Aktien der Cecil Rhodesschen Kompagnie stieg und stieg. Neben Nachrichten wie:„Früh angekommen, ge- gessen wie Wölfe, dann auf Patrouille, etwa ein Dutzend Matabele getödtet und voll Rinder erbeutet," las man: „Die Freiwilligen verkaufen ihre Laudantheile für vierzig bis sechzig Pfund Sterling(800 bis 1200 M.). Mr. Rhodes erklärt, die Gesellschaft werde kein Land unter drei Schilling den Morgen verkaufen. Die Mutungen auf Goldland nehmen rasch zu." Wo der Kapitalist raubt, darf der Pfaff nicht fehlen. Ein Bischof, der sammt seinen Missionaren von Lobengula, dem „wilden" Häuptling sehr gut behandelt worden war und sich „Bischof der Eroberer und der Eroberten" nannte, nahm— die Kirche hat einen guten Magen— einen Theil des Landraubs, einige Laudantheile in Empfang. Der Segen der Kirche fehlt also nicht den Rhodesschen Lumpereien, und die Aktien stiegen. Herr Cecil Rhades aber ist heute noch der gefeierte Leiter der Kapkolouie. er fährt fort, die Arbeiterverbände in der Kap- stadt zu tribuliren, stiehlt und plündert im großen Stil unter dem Beifall der englischen Grobbürger und pocht auf den von her gracZous majesty(ihrer huldvollen Majestät) seiner Kam pagme ertheiltcn Freibrief. Hinter dem Freibrief steht das eng- lische Minisierium, und Herr Gladstone, der, damals noch Premier, erklärt hat, die Regierung hätte den Wunsch, die Matabele gereckt, menschlich und großmüthig behandelt zu sehen, rührte keinen Finger, um de» Rhodesschen Räubereien Einhalt zu thun. Es waren ja keine sagenhaften„bulgarischen Gräuel". Fast zu gleicher Zeit mit dem Matabele- Skandal spielte zwanzig Grad weiter nördlich in Uganda und seinen westlichen ukachbargebieten die greuelvolle Geschichte des Lauderwerbs der Britisch- Ostafrikanischen Gesellschaft. Kapitän I. D. Lugard, der Anführer jener Räuberbande, die in Uganda wie Bluthunde schaltete, hat in einem eigenen Buche mit der schamlosen Ruhm- redigkeit eines Horribilicribifax, eines selbstgeiälligeu Poltrons, seine Untbaten erzählt. In diesem Werke(Tho Urse of our East African Empire, 2 vols. London 1893) bekundet sich der Zynismus der europäischen Kolonialpolitik so offeusichtig, daß es sich verlohnt, Einiges daraus zur siennzeichnung des Kolonialheldenthums mit- zutheilen. Lngard kam im Jahre 1888 nach Blantyre, einer Mission im Shire-Hochland, eiiva hundert englische Meilen von der Küste. Dort hatte ein englischer Händler Mouteith mit den arabischen Sklavenhändlern auf der Station Karouga Gcschästsbeziehungen angeknüpft, war aber mit einem Agenten des bekannten Tipp» Tib wegen einer Elfenbeinladung in Streit gerathen. Tie Missionäre, die nichts sind als Kommis der Großhändler und 5iolonialspekulanten, ersuchten nun Lugard, die Araber aufs Haupt zu schlagen. Er verbündete sich mit Monteith und führte ihm einen Hausen Leute zu, von denen er selbst ge- steht, baß sie der Ausivurf und die Hefe Natals und der Gold- felder gewesen seien, Männer,„denen Mitleid und Religion unbekannt gewesen wären". Diese Halsabschneider zusammen mit dreihundert Schwarzen zogen aus, um den Ruhm, das„Prestige" Englands, will sagen den Haudclsgeivinn einer Hand voll Kapi- talisten zu befestigen! Die„britische Ehre" wurde dadurch gewahrt, daß Negerdörfer eingeäschert und die Eingeborenen hausen- weise niederkarlätscht wurden. Später hörte Lugard von Elephanten-Jagdgründen westlich von Albert Ednnrd-See und von Salzlagern an seiner Westküste. Er zieht von Uganda ans in jene Gegenden, um sich der Vorräthe zu bemächtigen, den Eingeborenen dank höherer zivilisatorischer Ein- Holland in Roth, und alle Windsäcke der bürgerlichen Presse thaten sich auf, um das drohende Verderben fortzu- blasen. Half aber auch nichts. Ruit wurden die Wirthe eingefangen und, um sie zu halten, alles los und locker ge- macht, was auf tausend Schritte wie eine Hoffnung aussah. Ans München komme eine halbe Million, sie sei schon auf der Achs'; in New-Iork warteten sie nur auf das Schiff, um eine ganze, volle, runde Million einladen zu können; die Unternehmer anderer Branchen könnten cS kaum erwarten, bis sie ihre freiwilligen Beisteuern von 10— CO OOO M. abladen könnten. Kurz, an der Fata Morgana gab's auch rein gar nichts auszusetzen. Aber jetzt kommt die andere Seite des Pumpernickels. Unter den Wirthcn gab's einige glanbeusstarke Männer, denen ging die nächste Micthe im Kopf herum und andere nicht gerade angenehme Dinge, und sie machten sich auf und gingen zu den Brauern und erkundigten sich erst sachter und dann immer lauter nach dem Theil, der von dem vielen, vielen, zusammen- gesteuerten Gelde auf sie entfalle. Und am liebsten hätten sie es gleich mitgenommen. Sie fielen ans allen sieben Himmeln, als ihnen ein Achselzucken und Schütteln des Kopfes zur Ant- wort ward. Und dann sprachen sie etwas weniger leise, und dann gingen sie. Aber am andern Morgen kamen andere, und so geht das nun so fort so manchen geschlagenen Tag. Ja, das ist bitter für die Braupfann-Ritter! Was hat es unter sothanen Umständen zu bedeuten, wenn über die Geängstigtcn Held Eugenius segnend seinen Knüttel hält? Er kann sich ihnen und ihren Schmerzen ja nicht einmal ganz und nngetheilt widmen! Die Jungen seiner Partei wollen aufmuckerisch werden und machen die krampfhaftesten Anstrengungen, in's soziale Wasser zu gelangen. Da muß doch die alte Partei- Gluckhenne draußen hin und herrenncn und ihre Alarm- rufe loslassen:„Entlein, Entlein! Bleibt draußen im Politischen; das Soziale hat keine Balken. Spitz sind die Zähne des sozialistischen Hechtes. Seht Ihr ihn?! O, Entlein!..." Nein, Brauer, Eugenius wird Euch nicht herausreißen, und die Antisemiten auch nicht. Zwar wenn es auf's Versprechen und auf die Weite der Gurgeln und ihr Gefälle ankäme, dann könntet Ihr auf Euere staats- bürgerlichen Hilssvölker getrost eine Hypothek nehmen. Aber was nützt Euch das Versprechen, wenn kein Halten dabintersteht, und was hilft Euch der schönste Durst anderer, wenn er nicht einen wohlgcrathenen Geldbeutel zur ficht Hab und Gut zu rauben. Als er mit seinen Wegelagerern an das Nordostufer des Sees kommt, feuert seine Schaar auf die Eingeborenen, die sich ihnen entgegenstellen; die nackten Wilden in den Dörfern flohen vor der Räuberbande, die ihnen das in Afrika dreifach kostbare Lebensmittel, das Salz, weg- nahm und sie so zu den furchtbarsten Leiden verurtheilte. Kapitän Lugard fand große Salzvorräthe, seine Spießgesellen „gaben hundert Salven ab". Er erbeutete 13 000 Pfund Korn und Bohnen, außerdem,„was die Mannschaften für sich auf die Seite brachten", jagte Elephanten und lobte den„guten Geist" der Truppe, die bereit war,„so fortzuziehen auf Jahre hinaus". Derweil konnten die ausgeplünderten Schwarzen vor Hunger wie die Fliegen fallen, soweit sie nicht durch die Büchse der christlichen Heilsboten erlegt wurden. Auf dem Rückzug„siel unglücklicherweise ein Mißverständnis vor", die heimischen Männer an dem Westufer des Sees rotteten sich zusammen, um die Kulturträger am Slromübergauge zu ver- hindern.„Um das Maxinigeschütz zu erproben", eröffnete Kapitän Lugard das Feuer.„Ich gab", schreibt der würdige Nachfolger der alten Konguistadoren,„nur zwanzig Salven ab, aber mein Zielen und meine Abschätzung der Entfernung waren genau, und die Wirkung war furchtbar." Er untersagte darauf den Ein- geborenen auf ihren eigenen Jagdgründen Elephanten außer zum Vortheil der Ostafrikanischen Handels-Gesellschaft zu jagen und bemächtigte sich einer Ziegenheerde, die einem der Häuptlinge gehörte,„als einer schönen Beute." In Kavalli findet er unter der Führung eines gewissen welim eine» zuchtlosen Hausen von fünfhundert sudanesischen Kriegern, die mit ihren Sklaven und Weibern eine Schaar von 9000 Personen ausmachten, den Rest der Eminschen Streitkräfte. Er führt sie mit sich und legt sie in befestigte Plätze, die er zur Sicherung seiner Beutezüge zwischen dem Albert Eduard- und dem Eduard-See errichtet hat. Natürlich siel diese Horde den armen Eingeborenen zur Last, deren Aecker und Heerde» von den Sudanese» gebrandschatzt wurden. Gefühlvoll sagt Herr Lugard:„Ich bedauerte sehr, dazu gezwungen zu sein, die Sudanesen die Felder plündern zu lassen, und ich machte den Eingeborenen ein Geschenk von Glasperlen und Kleider- stoffen"! Dieser kaltherzige Schuft fügt zugleich hinzu: „In Afrika bedeutet der Durchzug eines Heeres das Kahlfressen des Landes; es gleicht einem Heuschreckenschwarm." Die Sudanesen hausten in den Dörfern wie in Feindesland, sie brachten die Pocken nach Uganda, stahlen wie die Raben, zwangen die Bewohner zur Frohnarbeit beim Bau der Forts und wollten ihnen eine Naturalsteuer in Getreide auflegen. Diese Blüthenlese wird genügen. So wirkt das Christen- thum und die europäische Gesittung bei den„Wilden". Lugard, Iihodes, Leist, Wehlau, das ist gehüpst wie gesprungen, derselbe Faden und dieselbe Numnier. mag der Geldsack schwarz- weiß-roth sein, den goldenen Leoparden im Wappen führen oder die Trikolore. Fort mit dieser Kolonialpolitik, die dem schäbigen Gewinn des Großkapitals ungezählte Opfer bringt daheim und in den Kolonien! Der dentsche Gastwirtljstag in Hannover beschäftigte sich nicht allein mit den ihm in vielgestaltigem Arrangement dargebotenen Vergnügungen, sondern man debattirte zwischendurch auch noch über verschiedene Fachfragen in einer Weise, die auch für unsere Leser ein gewisses Jntereffe haben dürften. Erwähnenswerth ist zunächst eine Diskussion über die Bedeutung der Gewerbegerichte. lieber diesen Punkt referirte der Vorsitzende Müller. Der Referent hegte die selbst- bewußte Meinung, gerade der Gastwirth sei die prak- t i s ch st e P e r s o n für das Gewerbegericht. Es g ä b e fast Deckung hat. Ihr kennt doch alle den Vers: Die Rose riecht, der Dorn, der sticht u. f. w. u. f. w. Na also.— Und dann. Ein kleiner Krakehl mag ja schön sein. Aber bedenkt, selbst ein Bachler trinkt nicht alles so heiß, wie es gebraut wird. Auch in anderer Hinsicht werdet Ihr mit den neuen Bundesbrndern nicht gar besondere Bilder her- ausstecken können. Wenn sie von Eurem sauer gewordenen Boykottbier trinken, was beweist denn das? Doch nur, daß Leute, welchen antisemitische Zeitungskost schmeckt, in Sachen des Geschmacks einfältiger sind denn Nachtigallen. So nützt denn alles nichts. Wohl, Ihr wolltet mit aller Gewalt mit der Sozialdemokratie speisen, seht nun auch zu, wie Ihr die Zeche bereinigt. Einen Lichtblick hat die vergangene Woche für Herrn Richter doch gebracht: Oskar Goldschmidt, Vorsitzender des Hirsch- Duncker'schen Vereins junger Kausiente" wurde in 'Anbetracht seiner Verdienste um den Verein mit dem jkronenorden vierter Klasse bedacht. Himmänäus und Hallelujah! Jetzt noch schnell den Herrn Rickert zum Reichs-Schwätzministcr gemacht, und Ihr werdet sehen, was der Freisinn für eine Harke ist— ohne Zähne. In dem Lokal des besagten Junge- Leuten- Vereins soll schon während einiger Nächte ein gar grausliches Stöhnen vernommen worden sein. Man weiß noch nicht ganz sicher, woher es stammt. Vielleicht rührt es von den vielen noch unbefriedigten Knopslöchcrn her, die nach dem Rezept unserer nothleidendcn Agrarier ihre Schmerzen an die Oeffcntlichkcit bringen wollen. Es ist noch nicht aus- geschlossen, daß sich ein Wohlthäter findet, der dem lauten Sehnen Erfüllung schafft und die Gründuugskosten zuschießt für einen„Hausorden junger Kaufleute". In der Schwartensammlung, welche man„Große Berliner Kunst- Ausstellung' benamsete, befindet sich auch ein Gemälde von einem oder einer W. Spatz. Diese Schöpfung ist nach nnserm Dafürhalten die höchste Spitze preußisch-deutscher Kunst, die feinste Blüthe der« Höheren- Tochter-Knltur. Wie genial und wie dezent! Acht große und kleine Engel und Engelinnen drängen sich auf einen Haufen zusammen und blicken nach einer Richtung. Und alle diese Kinder des Himmels stecken in frischgewaschenen, frischgestärkten weißen Hemdchen, aus welchen weiße Flügelchcn wachsen. Schau herab, selige Frau Adelhaid Möhler und freue Dich, wie herrlich weit wir es schon gebracht!--- keinen befähigteren Messchen für daSGewerbe- gericht, wie gerade der Gastwirth. Ter Handwerker komme aus seiner Bude nicht heraus, während der Gastwirlh mit allen Gewerbetreibenden in Berührung komme. Der Hand- werker stimme einfach ab, während der Gastwirlh ein kompetentes Nrtbeil besiye. Da die Gewerbegerichte in Zukunft noch eine größere Rolle zu spielen hätten als bisher, so müsse mit allen Mitteln dahin gestrebt werden, möglichst viele Gnstwirthe als Beisitzende zu bekommen.— Wiese- Wanns ee goß dein Vorredner einen Kübel kalten Wassers über den Kopf.� Er habe bezüglich der Qualifikation der Gast- »vjrthe so große Bedenken, daß er„eine Gänsehaut bekommen hat." Höchstwahrscheinlich würden die Berliner Wirlhe wegen der Aeußerung Müller's im„Vorwärts" ganz gehörig ab- gekanzelt werden.(Wir wollen edel sein und Herrn Mi ller in seinem frommen Wahn nicht stören. D. R.) Es wäre richtiger gewesen, wenn der Vorsitzende über das Wesen der Gewerbe- gerichte und seine Erfahrungen gesprochen hätte. Aus seiner, des Redners, Erfahrung, müsse er gestehen, daß gerade im Punkte der Qualifikation die sozialdemokra- tischen Arbeiter bedeutend tüchtiger seien.— Dr. M« r k e r- Berlin hebt hervor, daß das Gewerbegenchr kein juristisches, sondern«in Laiengerichl sei, wo der gesunde Menschenverstand richten solle. Tie Beisitzer aus den Kreisen � der Arbeiter seien, soweit er mit ihnen in Berührung gekommen, den Arbeitgebern be- deutend überlegen. Er hat von Seiten der sozial- demokratischen Arbeitnehiner-Beisitzer noch keinen gefunden, der nicht das Gewerbegesetzini Kopfe oder doch in der Tasche gehabt hat. Selbst dem juristischen Vorsitzenden gegenüber würde in zivcifclhaften Fällen davon Gebrauch gemacht und auf den einen oder andern Paragraphen verwiesen. Drollig ist die Art, wie Herr Dr. Merker sich mit dieser ehrenden That- fache abfindet. Das sei die Folge davon, so erklärte er, w e n n man einer gewissen Partei gegenüber aus sozialpolitischen Gründen so viel Zugeständ- nisse nia che.(!!!!) Uebrigeus sei es noch nicht unter- schrieben, daß bei der demnächst in Berlin ftatlfiudenden Neu- wähl die Wirthe wieder so siegreich sein werden, wie das letzte Mal. Auf dem Gastwirthstag fehlte es natürlich auch nicht an einer sachgemäßen Diskussion über den Boykott. Der schwer- reiche dculschsreisinnige Lokalbesitzer A d I o s f» Hamburg lies ei» Wehklagen über den Militärboykott vom Stapel. Die Militärbehörden gäben der Sozialdemokratie Gelegenheit, sich auf den behördlichen Boykott berufen zu können. Wen» ein Lokal- besiher irgend einem, nach oben nicht angenehmen. Perein sein Lokal daraufhin verweigern wolle, so habe der Wirth den Schaden davon. Der Wrrth habe immer Schaden. Herr Adloff schläferte schließlich sich und seine Zuhörer in die Jllllyon hinein, daß das„hochherzige" Geschenk, das die Berliner Brauereien den Gastwirthen gegeben(die in Wolkcnkukuköheim deponirle Million nämlich) die Solidarität beider Berufe fördern und sie gegen jeden Boykott ivehrhaft machen würde. Triebe!- Berlin erörtert ebenfalls die Noihivendigkeit der Einigkeit gegen die Sozialdemokratie. Mit Recht hiellen die Berliner Gastwirthe und Brauereien zusammen. Die Behörden handelten dem Vereins unwesen gegenüber vielfach nicht praktisch. Ließe man den Wirthcn mehr Spielraum, dann würden nicht so viel Vereine gegründet. So bliebe den Leuten, die nun einmal Vergnügen haben wollten, nichts anderes übrig, als Vereine zil gründen. In den Vereinen würde dann das Geld verjubelt, was der Familie gehöre, in den Vereine» würden auch die Unterstützungen gesammelt, die zu all' derartigen Streik- Unterstützungen aufgebracht werden.(Wie Herr Triebe! es nach dieser moralischen Pauke noch mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Gastwirlh zu bleiben, bleibt uns unverständlich. D. Red.) 80 Prozent der deutschen Wirthe seien, wenn sie gezwungen würden, zu liquidircn, nicht mehr fähig, e x i st i r e» zu können. Ter jetzige deutsche Gastwirthstag möge sich den Berliner Wirthen anschließen und. ebenfalls Stellung gegen die Sozialdemokratie nehmen. I u n g e n s von 17 bis IS Jahren würden in Berlin in den Vordergrund geschoben, welche die Wirthe zu über- wachen hätten, um sich dann nachher als Pioniere der Sozialdemokratie aufzuspielen.(Schandervoll, höchst schaudervoll!) Es wird dann folgende Resolution eingebracht: „Der LI. deutsche Gastwirthstag in Hannover, aus welchem über 200 Verbands-Vereine vertrete» sind, erklärt sich voll und ganz mit den Maßnahmen der Berliner Brauereien und Gast. wirlhe gegen jeden Boykott, sowie den ohne jeden Grund von der Sozialdemokratie hervorgerufenen Boykott in Berlin ein- verstanden und richtet an alle„wohlgesinnten" deutschen Bürger die Bitte, dem Vorgehen der Sozialdemokratie entgegentreten zu wollen." Holekamp-Hannover und Engelhardt- Berlin sprechen für Annahme der Resolution. Letzterer macht noch besonders aus das geni ei n gefährliche Treiben der Sozial- demokratie aufmerksam.— Knörke-Berlin bittet darum, doch den Beschluß in möglichst weite Kreise zu verbreiten. Ganz Deutschland müsse den Unfug des Boykotts kennen lernen.— Jux-Berlin betont, daß man nicht so spezielles Juteresse auf die sozialdemokratischen Boykotts legen solle, man möge die Boykotts im allgemeinen, mit einbegriffen die behördlichen Boykotts, verdammen.— Adloff-Hamburg meint, wenn 80 pCt. der deutschen Wirthe, wie Triebe! angedeutet, vor dem Bankrott ständen, dann bilde das einen merkwürdigen Kontrast zu den großartigen Festlichkeiten des Gast- wirthe-Tages. Das sei denn doch wohl übertrieben. (Widerspruch von Herold-Dresdeu.) Triebe! möge das zurück- nehmen im Interesse der O e f f e n t l i ch k e i t.—- Triebe!- Berlin bemerkt, das außerordentlich glänzende Arrangement des G a st w i r h s t a g e s sei nicht maß- gebend für die Signatur. Bei derartigen Festen gebe man häusig ü b er se in e K r ä f t e h i n a n s. In Berlin sähe es faktisch so aus, wie er es geschildert habe.(Ruf von Herold: In Dresden auch!) In den Provinzen und Hamburg möge es ja besser stehen, obwohl er auch von Hamburg Klagen genug ge- hört habe. Im Interesse der Oeffentlichkeit wolle er den Aus- druck 60 pCt. zurücknehmen und dafür sagen:„ein großer Theil!"— Hierauf wurde die obige Resolution einstimmig an- genommen. Die Sozialdemokratie kann für die Herreu. die, auf Arbeitr- kundschaft angewiesen, die Thorheit begehen, sich den Brauerei- direktoren und-Besitzern der Bierpaläste in die Arme zu weisen, bestenfalls ein Gefühl des Bedauerns hegen. Mögen die Sieben- gescheidlen herschwatzen, waS sie wollen; wir nehmen ihre klaren Anschauungen über die Gewerbegerichte z. B. als den wider- willig gezollten Tribut des Gegners hin und lassen sie in der Frage des Boykotts krähen, soviel sie Lust haben. Ueber die Saalverweigerung, welche jawohl der Sozialdemokratie als Stein des Anstoßes in den Weg gewälzt ist, wird die Arbeiterschaft nicht stolpern. Sie hat schon andere Hindernisse ist beseitigt. Gevtckks-�elkuttg. Gewerbegericht. Kammer VII. Vorsitzender: Assessor Korn. Sitzung vom 14. Juni.... �„ Ter Kutscher S. klagt gegen die Speditioussirma Vrasch und Rotheustein auf Herausgabe seiner Kaution im Betrage von 143 M. Seitens der Beklagren werden dem Gerichtshof Schrift- stücke vorgelegt. durch deren Unterschrift sich der Kläger in den Jahren 1683 und 1800 vervsticktete, für angeblich durch sein Verschulden der Firma erwachsenen Schaden aufzukommen. Die angeführten Summen übersteigen die Forderung des Klägers. Derselbe wird abgewiesen. Durch seine Unterschrist und sein stillschweigendes Weiterarbeiten babe er, so wurde in der Begründung gesagt, seine Enischädigungspflicht anerkannt. Bemerkenswerlh aus der Verbandlung sind die Worte des Ver- treiers der Beklagten:„Er(der Kläger) hat es eben vorgezogen, zu unterschreiben(die Anerkenntnisse), statt entlassen zu werden." Krasser kann der„freie Arbeitsvertrag" nicht glosstrt werden. Dem Arbeiter Z, welcher eine Lohnentschädigungs-Forde- rung gegen den Handelsmann Henrizi erhoben hat, wurden 14 M. für eine Woche zugebilligt. Mit der Mehrforderung von weiteren 14 M. für die zweite Hälfte der Kündigungsfrist wurde er deshalb abgewiesen, weil ihm der Beklagte acht Tage nach der Enilassung seine Stellung wieder angeboren hatte. Der Be- klagte sei, führte der Vorsitzende aus, wohl entschädigungspflichtig, da des Klägers Entlasiung ohne genügenden Grund erfolgte, er sei es aber nur für die Tage der Kündigungsfrist, für welche sich ihm keine Verdienstmöglichkeir biete. Eine solche, mindestens für den Rest der Kündigungssrist, habe der Beklagte dem Kläger nach acht Tagen geboten. Wenn derselbe, trotzdem er„wiederzukommen" versprochen, dies nicht that, sei es seine Sache; eigentlich hätte noch der Beklagte an ihn deshalb einen Anspruch wegen NichtantriNs eines Engagements. Nicht geltend gemacht, komme derselbe jedoch hier nicht in Frage. Der Beklagte war zur Zahlung eines Wochenlohns zn verurtheilen. Infolge eines Mißverständnisses wähnte sich der Droschkenkutscher D. entlassen und klagte gegen den Fnhrherrn Lück auf eine Lohnentschädiguiig. Er wurde mit der Begründung abgewiesen. es wäre seine Pflicht gewesen, sich beim Beklagten selbst genau zu erkundigen, ob er entlassen sei oder nicht.___ Mit drei verschiedenen SittlickikeitSverbrechen hatte sich beute das Schwurgericht am Landgericht II zu beschäsligen. Der Arbeiter N o a ck ans Köpenick hat eine blödsinnige Frauens- person verführt und beschwängert. Er wurde mit einem Jahr und sechs Monaten Gefängniß"bestrast, wovon sechs Monate ans die erlittene llnlersuchungsbaft angerechnet wurden.— Der Arbeiter Großkopf aus Rixdorf wurde wegen Nothzuckt zu zwei Jahren Zuchthaus und wegen Beleidigung zu sechs Tagen Zuchthaus verurtheilt. Ein Feldwebel von den Pionieren hatte eines Abends eine Dame ein Stück über das Tempelhofer Feld, den nächsten Weg nach ihrer Behaiisiiiig, begleitet, er mußte aber wegen des Zapfenstreiches umkehren und die Danie allein gehen lasse». Das hatte Großkops beobachtet. Der- selbe drängte sich an die Dame heran und machte ihr unsittliche Anträge. Da er mit Entrüstung abgewiesen wurde, brauchte er Gewalt. In der Stellung der uusilllichen Anträge wurde eine Beleidigung gefunden, für welche auf 14 Tage Gefäiigniß erkannt wurde. Diese Gefängnißsirase wurde in eine sechstägige Zuchthausstrafe nmgewandelt.— Endlich wurde der Arbeiter Weiland aus Werneuchen, der ein junges Mädchen ver- gewalligt hatte, mit zwei Jahre» Zuchthans bestraft. Sozialpolitik im GcrichtSsaake. Eine bemerleiiswcrthe Sentenz sprach der Präsident des Schwurgerichts am Land- gericht il in der Berhandlnng wider den irühcren Landbrief- träger Wilhelm Karl Mehl itz ans, der wegen Verbrechens im Amte angeklagt war. Derselbe war seit mehreren Jahren bei dem Postamte in Wansdorf bei Spandau als Landbriefträger angestellt mit ei nein Gehalt von 48 M. im Monat oder 1.80 M. für den Tag. Im Jabre 1390 war Mehlitz unvorsichtig gsnng, ein armes Mädchen zu heiratheu, dessen ganze Ausstattniig in einein Bett bestand. Die unentbehrlichsten Anschaffungen sür die Einrichtung der bekannten „kleinsten Hülle" mußten zum Theil auf Kredit entnommen werden, aber als sich auch noch Kindersegen einstellte, da wollte der Hungerlohn von 48 M. im Monat absolut nicht ausreichen zur Ersilllung der dringendsten Verpflichtungen. In seiner Noch ließ Mehlitz sich verleiten, 78 M. zu unterschlagen, die ihm von der Postagentnr Pausin zur Uebcrniittlung an das Postamt an- vertraut waren. Um diese eine Unterschlagung zu decken, beging er eine zweite und so machte er 31 Mal ein neues Loch aui, um ein altes zuzustopfen, bis die Sache entdeckt wurde. Natürlich mußte er ebenso oft falsche Eintragungen in das Postannahmebuch machen. Tie Geschworenen votirlen ans Schuldig unter Zu- billigung mildernder Umstände. Das Urtheil lautete auf ein Jahr sechs Monate Gefäiigniß, wovon zwei Monate als verbüßt erachtet wurden. Bei der Molivirung sprach der Vorsitzende folgende Sentenz ans:„D e r A n g e k l a g t e w a r m e h r c r e Jahre Beamter, wenn auch mit geringem G e- halt. Konnte er aber damit n i ch l a u s k o m in e n, so hätte er sich einen anderen Beruf wählen solle n." Leider vergaß der Vorsitzende anzugeben, wie man in der heutigen Zeit der Arbeilslosigkeir und des entsetzlichen Elends es machen muß. um sich auf ehrliche Weise einen bescheiden auS- kömmlichen Arbeitsverdienst zn sichern. veolÄttttttluttgett. Berliner GewerkschaftSkonlinissio!». Oeffentliche Ver- sammlimg der Delegirten vom 15. Juni im Lokal von Ehren- berg, Annenstr. 18. Ins Bureau wurden Möbelpolir Franke, Uhrmacher Närher und Töpfer Hagen gewählt.— Vor Eintritt in die Tagesoidiiung stellte Wäscheznschneider H e r g t den Antrag, den Berichterstatter(Sparr) des„Jntelligenz-Blatt" liegen den liigenhafleii Artikeln in Sachen des Vierboykvtts aus dem Saale zu weisen. Ter Antrag wird nach kurzer Debatte abgelehnt.— Der erste Punkt der Tagesordnung beiraf:„Die Aussperrung der Brauerei-Arbciter." Nachdem der Obmann des geschäflsfiihrcnden Ausschusses Franke die bisherigen Vorfälle und die hierbei seitens des Ausschusses unternommenen Schritte rekapitulirt, ersuchte er Namens desselben um'Decharge.(Zu- sliniinung.) Brauerei-Hilssarbeiier Schneider fährte der Ver- sammlung durch die am 4. Mai gcthane Aeußerung des Direktors der„Brauerei Königstadl" und fernere Be- weise vor Augen, daß der Grund der Aussperrung lediglich in der seit längerer Zeil vom„Ring" vor- bereilelen, beabsichtigten Zerstörung der Organisation der Brauerei- Arbeiter zu suchen ist. Seilens der sieben boykottirten Brauereien sind im Ganzen 280 Brauerei-Arbeiler(darunter 168 Verheirathcte mit 229 Km- der») und von allen Ringbranereien zusammen 443 Arbeiter (darunter 277 Verheirathele mit 422 Kindern) dem Elend preis- gegeben worden;»/» der Ausgesperrten sind also Familienväter. Inklusive der Prozente-Gelver der noch in Arbeit flehenden Kol- legen der Gemaßregelten sind bisher zirka 20 000 M. für Unter- slüyung eingegangen, bcnölhigt werden wöchcullich 8 000 M. Böttcher W i n k e l n> a n n erklärte das Vorgehen seiner Gewerkschasl in Sachen der Maifeier und stellte gleich- salls fest, daß dasselbe den Brauereien sehr erwünscht war. Speziell war es Herr Rösicke. der bereits am Nachmittag des 1. Mai Plakate anheften ließ, welche den Böttcher» andern Tages ihre Aussperrung verkünden sollten. Daß seine Gewerk- schasl hiergegen in Gestalt einer Lohnforderung u. s. w. zu Ne- pressalien griff, dazu sei sie den übrigen Gewerkschaften gegen- über verpflichtet gewesen.(Sehr richtig.) Zn unterstützen sind 230 Böttcher mit 310 mindern.— In der weiteren Diskussion wurde von mehrere» Delegirten der Standpunkt vertreten, daß es unbedingt Pflicht der Gewerkschast sei. in ihren Versamin- lungen über dieses Thema immer wieder zu debatliren beziv. zur Unterstützung der Ausgesperrten und zur Durchführung der Volksversaminlungs-Beschlüsse aufzumuntern. Für einen über- zeugte», organisirien Genossen sei jedes Reden in dieser Sache über- flüssig, doch gelle es. noch weitere Indifferente hierfür an gewinnen. Als selbstverständlich wurde angenommen, daß alle Gewerkschaften und die auf dem Boden der Sozialdemokratie stehenden Vereine ihre Vergnügungen überall da rückgängig machen werden, wo die Lokalinhaber sich weigern, ihre Säle zu gewerkschaitlichen wie volitischen Versammlungen herzugeben. Geschehe dies, dann könne uns die„Lokalfrage" nicht geniren. Die Gesammtstimmung der Delegirten in dieser Angelegenheit zeigte sich durch ein- stimmige Annahme folgende Resolution: „Die Berliner Gewerschaftskommission erklärt sich mit dem Verhallen des Ausschusses in Sachen des Boykotts vollständig einverstanden, und erwartet die Kommission von den Berliner Gewerkschaften, daß sie dafür Sorge tragen, den Boykott mit allen Nachdruck so lange aufrecht zu erhalten, bis die brutalen Maßregelungen der Brauerei- Arbeiter rückgängig gemacht und die Forderungen der Berliner Arbeiterschaft bewilligt sind." An Stelle M a s s i n i' s, der durch seine Geschäfte in der Buchdrncker-Organisation vollständig in Anspruch genominen ist und darum sein Amt niederlegte.sZwurde Korbmacher Jung- nickel gewählt.— Aus der Wahl der Revisoren gingen Färber Vindig, Lithograph Hildebrandt und Knopfmacher Brandt hervor.— Das Verlesen der Präsenzliste ergab die Anwesenheit von 79 Delegirten, entschuldigt fehlten 8, ohne Entschuldigung blieben aus Melallarbeiter T r i t t e I w i tz, Tischler Kühn(permanent). Bilderrahmenmacher G o st und der Delegirte der Porzellan- arbeiler. Eine längere Debatte zeitigte hierauf das Verhalten des Abgeordneten Bock- Gotha zur Aussperrung der Bürger Schuhmacher. Wie Schuhmacher A. Fleischer mittheilte, sind von den zirka 700 Ausgesperrte» noch 250 am Ort geblieben. die eine Kinderzahl von 344 besitzen; alle übrigen sind von Burg abgereist. Tie Geschäfte des Haupt» leilers des Fabrikanten- Ringes, Konrav Tack(in Firma Tack u. Cie.) waren boykottirt und der Sachverhalt durch viele Tausende von Flugblättern in allen größeren Städten Teutschlands bekannt gemacht; die Fabrikanten waren, wie die Unterhandlungen bewiesen, ziemlich uneinig; die Polizei verhielt sich seit einiger Zeit den ausgestellten Posten der Gemaßregelten gegenüber passiv: die Situation war günstig; da auf einmal suchte Bock— zwei Tage nach Verbreitung des Flugblattes— klein bei zu geben. E r(Fleischer) sei mit M a i e r aus Magdeburg am Sonntag in Burg gewesen, wo ihm die Streik- kommisston versichert habe. Bock habe ohne ihren Willen den Streik für beendet erklärt(Unruhe und Zwischenrufe) und zwar unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen; selbst die Wieder- aufnähme der Koinuiissioii seitens ihrer Arbeilgeber unter- blieb. Daß Bock die Feststellung des Wortlautes der bekannten Depesche den Fabrikanten überließ, war sein gröbster Fehlet. Ein Theil der Schuld trage auch die Streikkommission, ivelche unterließ, sofort den Verbandsoorsitzenden S i e v e r t in Nürnberg zu benachrichtigen. Dieser erfuhr den Sachverhalt erst durch ihn(Fleischer) telegraphisch. B o ck' s Erklärung: den Fabri- kanten solle überlaffen bleiben. Leute, die ihnen nicht gefallen, zurückzuweisen, verstoße gegen seine Pflicht. Die Fabrikanten haben sie auch bestens ausgenutzt, denn das Aussuchen der Komiteemilglieder glich nach der„Magdeburger Volksstinime" einem förmlichen Sklavenmarkt. Fleischer verlas weiter ein Telegramm des Fabrikanten Tack, das dieser in seinen Geschäften aushängt und worin er anzeigt, Bock wegen der Be- zichtung, er habe das Telegramm, welches das Ende des Streiks inittheilt, gefälscht, dem Staatsanwalt zu übergeben. Er»> o- breitete nunmehr die Frage, ob eine öffentliche Volksverfam.rnn- lung oder eine Schuhmacherversammlung über Bock zu Gericht sitzen soll; sür ihre Bewegung sei er abgelhan. Schließlich bat er uni fernere Unterstützung seiner Gewerkskollegen, momentan sei noch Geld vorhanden, und der Streik dauere fort. Den Ge- werkschaflen, welche durch ihre Zuwendungen ermöglichten, in kurzer Zeit 1615 M. von Berlin nach Burg zu senden, sprach er den besten Dank für diesen schönen Beweis ihrer Soli- darität aus. Franke nagelte die Aeußerung des Schuhmachers König in der letzten öffenllichen Schuh- macherversanimlung fest, der da sagte: eine Berichterstaltting in der Gewerkschajlskominission sei unnütz, denn diese hänge doch nur von der.Katzbachstraße" ab; hiergegen müsse sich die Kom- Mission ganz entschieden verwahren.(Beifall.) Verschiedene an- wesende Schuhmacher erklärlen, daß auf die Reden eines kon» susen Menschen, wie es der Schuhmacher König ist, ihre Ge- werkschaft und ebenso seine bisherigen politischen Freunde(die Anarchisten) gar keinen Werth lege»; ebenso möge es auch die Gewerkschaftskominission unterlassen. Im übrigen suchten sie die leidige„Organisationsfrage" als die Ursache ihres Grolles aus Bock auszuspielen, was der Vorsitzende jedoch als nicht zur Sache gehörig verhinderte. Goldschmied F a b e r und Bildhauer W i n k l e r sprachen sich gegen die Ein» bcrusung einer Volksversammlung aus und serner in längerer Rede auch Genoffe Auer, der zilnächst darauf verwies, daß der Streit der lokalorganisirten Berliner Schuhmacher mit Bock aus anderem Gebiete als dem des Leistens oder der Stepp- Maschine liege. Ueber Bock zu urtheilen stehe nur dem im Anglist stattfindenden Schnhmacher-Kongreß zu. Seine Stellung war eine sehr verantwortliche und der Fehler, der ihm passirle. liege in der verfehlten Institution eines Schiedsmannes nach dem Muster englischer Gewerkschaften, für ivelche bei uns in Deulschland noch nicht alle Vorbedingungen vorhanden sind. Keiner vernrtheile mehr als er, daß Bock nicht schon lange diesen Posten nieder- gelegt habe. Das von den Schuhmachern in bezng aus die Bei» legnng des Streiks Vorgebrachte treffe nicht ganz zu. Sämmt» liche am Ort befindlichen Ansständigen(darunter das Komitee) auszunehmen, war Hanptbedigung, auch alle anderen Bedingungen waren angesichts der leeren Kassen günstige zu nennen, jedoch habe Bock durch seine Vertrauensseligkeit den Fabrikantengegen- über— und dies habe er ihm bereits persönlich gesagt— seine Unfähigkeit zu solchem Amt bewiesen. Das letzte Telegramm resp. Flugblatt Tack's, worin er mit deni Staatsanwalt drobt beziehungsweise 50 000 M. Belohnung aussetzt, sei Humbug, weil er wohlweislich den mit Bock's Namen getriebenen Betrug darin nicht erwähnt. Unklug sei es, bei allem gleich mir dem Palhos sittlicher Entrüstung vorzugehen; die Gewerlschaslen über- schätzen gewöhnlich bei ihrem Vorgehen ihre Kräfte. Diese zn samineln und besser zu taxiren, müßten sie sich vor allen Tingen angelegen sein lassen.(Beifall.) Auch Massini war der Meinung. dap weder eine Gewerkschafls- noch eine Volksversammlung die Kompetenz zustehe, über Bock zu urtheilen, dies könne nur Sache der Schuhmacher selbst sein. Aehnlich äußerten sich noch N ä t h e r. Töpfer H a b a n tz und Maurer G r o t h in a n n, während Schuh- macher Krause und Weihnacht gegen Auer polemisirlen. Fleischer beklagte sich noch, daß der„Vorwärts" auch nicht einen Aufruf respektive Berichtigung in Sachen des Bürger Streiks von ihm aufgenommen habe.— In einer Resolution erklärte sich schließlich die Gewerkschaftskonnnission mit dem Verhalten der Burger Streikenden einverstanden und betonte, daß sie auch jetzt noch in bezug aus die Geschäfte der Eirma Konrad Tack u. Cie. aus.den seiner Zeit gefaßten eschlüssen steht und desgleichen anch'tn bezng auf_ die Unter- slützung der Streikenden m Burg. Diese sind an W. Voigt. Burg bei Magdeburg, Unterm Hagen 63, einzusenden. Anträge auf Einberusung von Versammlnngen in Sachen Bock's wurden abgelehnt.— Hierauf berichteten Glasschleifer Beutel lind nach ihm Zinkgießer Schulz über die Streiks innerhalb ihrer Gewerkschaften. Die vom Ausschuß vorgenommene Ab- stempeluttg der Listen und somit die Genchniigung der Streiks wurden ohne Debatte von der Versammlung sanktionirl.— Steinsetzer K o p r a ß verlangte das Nämliche für die streikenden Steinsetzer in Stettin; diesen wurde jedoch�anheim gegeben, sich zu diesem Zweck an die Generalkommission zu wenden.— Schluß 1 Uhr. Elegante Paletots* Httttk- u. KnadtMlirderobe, Arbeitssalsjen, Vestekuilgeil nch Mch, Elegante Heppen" _ empfiehlt wie bekannt in reellster Ausführnng'und' allerbilligsten Preisen" �n-üge. J. BAERy Berlin Gesundbrunneny Badstrasse I8y Ecke der Stettmerftraße. Ich hal>r Keine Fitial«»» und grhe mit ähnlich lautend«» Firme» in Keinerlei Krsirhung. Kitte daher genau auf Firma zu achte». 43941. i 24a. Chausseestrasse 24a. II. Brückenstrasse II. 16. 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Referent: Genosse Llatiutat. L.Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiien und Frage kästen. Der Uorktand. Vera« sämmtlicher Arbeiter und Arbeiterinnen - der Wäsche-'und Kravattenbranche Berlins. Dirnstitg, 19. Juni, Abends 8 Uhr, in den Lothringer Kierhallen, Kinienftr. 19, zweiter Eingang Lothringerstr. 10S: Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen' dlattntat über: Fanatismus und Aberglaube im Mittelalter. 2. Diskussion. 3. Revisorenwahl. 4. Unser Ausflug nach Birken werder. 5, Gewerkschaftliches. Die Bibliothek befindet sich jetzt beim Kollegen Ktihler, Mendelssohn strahe 10, Hof 2 Tr. � Zur gefl. Keachtnng! Der Ausflug fiudet um Sonntag, den 24. Juni, nach Birkenwerder(an der Nordbahn) statt._ 885/4 Maler und Anstreicher. Montag, de» 18. Jnni, Abends 8 Uhr, im gr. Saale des Jnduftriegcbändes, Beuthstr. SV, 1 Tr.: Oeffentltlhk Mltmmlilng mit Znutktt. Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Lage im Baugewerbe, die Schwindelbauten unter besonderer Berücksichtigung des Malergewerbes und wie ist dem entgegen zu treten. Referent: glegierungsbaumeister a. D. Kessler. •-> Das Erscheine» sämmtlicher Berussgenossen ist dringend nöthig. 236/1 Der Uertranrnsmann. 0. Link, Koltbuser Damm 34. ! Steinarbeiter Wlilg! Berlins und Umgegend. Sonntag, den 17. Jnni 1894, Vormittags 10 Uhr, bei Müller, Johannisstrahe Nr. SO: Grosse öffentl. Versammiung. Tages-Ordnung: 1, Vortrag über das Submissionsweseu. Referent: Genosse Redakteur Kmtsr. 2. Berichterstattung über die Streiks in unserer Gewerkschaft. 3. Ver- schiedenes. 293�19 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung, werden die Kollegen er- sucht, recht pünktlich zu erscheinen. Oer Vertrauensmann i I. B u ch m a n n, Willibald-Alexisstr. 39. am Deutscher Holzarbeiter-Werba«d. (Zahlstelle Berlin.) Nertranensmäunev-Uersammittttgen Montag, den 18. Jnni 1894, Abcnds 8'� Uhr: Borden« Keller'» Kalo», Bergstraße 63. Siidosten e Klubhaus..Küd-Glt", Waldemarstraße 75. Tagesordnung in beiden Uersammlnngrn: Besprechung über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. 45/3 Um zahlreichen Besuch ersucht Die Grtouerwaltung. I» der Versammlung im„Südost" sind die Kollegen der J. C. Flafi'fchen Fabrik eingeladen. Verband der MSbelpolirer Berlins u. Umgegend. Morgen, Montag, Abends 3 Uhr, im Lokale des Hrn. VilKe, Andreas str. 26: UMT* Versammlung."MD Tages-Ordnung: 1. Welche Lehren ziehen wir aus dem Vier- boykott? Referent: Stadtverordneter Herr F r. W i l k e. 2. Entgegennahme der Statutenänderungs-Anträge. 3. Maßregelungs-Unterstützungssache. 4. Ab- rechnung vom Maskenball und Ausgabe der Villets zur Dampferpartie am 22. Juli nach Schmöckwitz. 5. Fragekasten und Gewerkschaftliches. Die Mitglieder werden ersucht, alle Anträge zur Statutänderung in dieser Versammlung einzureichen. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 452/1 Der Dorstand. I. A.: Robert Weber. jM" Montag, den 25. Juni, Abends 8 Uhr, bei Ehreuberg. Annen- straße 16, öfsentliche Möbelpolirer-Versammlung. Näheres durch Flugblatt. Schneider und Schneiderinnen. Große öffentliche Nersamtttluttg am Montag, de» 18. Inui 1894, Abends 8'/» Uhr, im Lokale des Herr» Deiguiiiller, Alte Jakobstr. 48»- Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Ergänzungswahlen zum Gewerbegericht und deren Bedeutung für das Schneidergewerbe. Referent b. ktötttor. 2. Aufstellung der Kandidaten zum Gewerbegericht. 3. Verschiedenes. Da diese Versammlung von großer Bedeutung für unser Gewerbe ist, so ist es Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, pünktlich zu erscheinen! Die Agitationslrommisston der Kchneider n. Kchnriderinnen Krrlina. NB. Anmelde-Formulare zur Wahl der Gewerbegerichls-Beisitzer sind in der Versammlung zu haben. 299/7 Ne�uer's Xorbwaareii-k'almk, ißovltll 1. Gesch.: Andreisstr. 23, H. pt., gegenüb. Andreaspl -litt tili, 2. Gesch.: Lrunnoustr. 95, gegenüb. Humboldtshain iriill1oi«ur9nDn 0tßite§ Lager Berlins.«Ilster- »V cKgvIl, duodor gratis. Vdoilsahlung gs» stattet. S00 Mark zahle ich Jedem, der mir nachweist, daß .ch nicht das größte Kindermagen-Zager K erlins habe. Sftfiii DeMtt SWHmcher. Filiale 3, Südwesten u.Westen. Montag, den 18. Juni, Ab. 8V2 Uhr, bei Werner, Bülowstr. 59: Versammlung. Tagesordnung: Vortrag. Anträge zur General- Versammlung u. Vereinsangelegeuheiten Zahlreichem Besuch sieht entgegen 465/9 Ter Vorstand. Bäcker l Dienstag, den 19. Juni, Nachmittags 3 Uhr, im großen Saale der Konkordia, AndreaSstr. 64 und Krautstr. 33, Massenversammlnng. Tagesordnung: 1. Zweiter Vortrag des Genossen A. Hossmann über:„Die zehn Gebote und die besitzenden Klassen. 2. Die neueste Heldenthat des Gesellen- Aus- schusses(Germania). 3. Die bevor stehenden Gemcrbegerichts-Wahlen. vis Agltatiollsicommissioii. I. A.: E. P f e i f f er, Brunncnstr. 161. Lkts-Krankeuklise der Zigarreuiilcher, Ziglirreu- sMenlirä Heren Werbliche Warbeiter zn Berlin. Den Herren Fabrikanten machen wir hierdurch bekannt, daß laut Verfügung der Gewerbedeputation vom 26. Mai 1894 fämmtliche Hgusarbeiter(auch Heimarbeiter genannt) einschließlich deren Hilfsarbeiter, auf grnnd der Novelle vom 10. April 1892 zum Krankenversicherungs-Gesetz vcrsiche- rungspflichtig sind. Dieselben sind daher, sofern sie nicht einer dem tz 75 des Krankenversichernngs-Gesetzes ent- sprechenden Krankenkasse angehören, bis spätestens den »9. Juni 1894 1239b bei der unterzeichneten Kasse, Neue Schöuhanserstr. 14 anzumelden.(Kassen- stunde Vormittags 3—10 und Abends 7-3 Uhr.) Das Unterlassen der Anmeldung zieht eine Strafe bis zum 20 M. nach sich. Ueberdies hat der Arbeitgeber im Krankheils- oder Todesfall eines ver- sicherungspflichtigen Mitgliedes sämmt- liche entstandenen Kosten zu erstatten. Berlin, den 9. Juni 1894. Der Vorstand. Bekanntmachung. Am 2. Juli 1894 treten die Vorschriften des Bundes- raths über die Jlioaliditäts- und Altersversicherung von HMsperbelmbeiidtii bec TertU-Indnstrie in Kraft! Die unterzeichnete Behörde nimmt hieraus Veranlassung, nuter aus- drücklichem Hinweis aus die Ve- kanntmachuug des Herrn SHeichö« kanzlers vom 1. März 1894 nachstehend die wesentlichsten Bestimmungen dieser Bekanntmachung noch- mals in Erinnerung zu bringen: 1. Versicherungspflichtig sind die mit Weberei, Wirkerei, Maschinen- strickcrei, Epnleret(Treiberei), Schcererei, Schlichterei u. s. w. so- wie die mit der weiteren Bearbeitung oder Verarbeitung der Gewebe- und Wirkwaaren(Appretirung,Konfektion:c.) beschäftigt. Hanögewerbetreibeuden. 2. Zur Ausstellung der Quitlungs- karte verpflichtet ist dasjenige Polizei- revier, in dessen Bezirk sich die Arbeitsstätte des Versicherten (also in der Regel seine Wohnung) be- findet. 3. Die Hausgewerbelrcibeuden haben die Beiträge für ihre eigene Versichc- rung selbst dadurch zu entrichten, daß sie die entsprechenden Marken in ihre Quittungskarle einkleben. Die Lohn- klaffe, in welcher die Versicherung er- folgt, bestimmt sich nach den Vor- schriften des§ 22 des Gesetzes, betreffend die Jnvaliditäts- und Altersversicherung von» 22. Juni 1339. 4. Die Hausgewerbetreibenden, welche es unlerlaffen, die Beiträge für ihre Ver- sicherung zu entrichte», kunterliegen der Slrafbeuimmung des{3 143 des Gesetzes. 5. Die von den Hausgewerbetreiben- den für sich und ihr Hilfspersonal ver- wendeten Marken sind sofort nach erfolgter Einklebung dadurch zu entwerthen, daß auf denselben Hand- schriftlich oder mittels eines Stempels der Entwerthuugstag in Zahlen an- gegeben wird. 6. Die Fabrikanten u. s. w. sind verpflichtet, den für ihre Rechnung arbeitenden Hausgewerbetreibenden bei der Abrechnung die Hälfte desjenigen Betrages für Beitragsmarken zu er- statten, welcher auf die zur Herstellung der Arbeit durch einen Arbeiter im Durchschnitt annähernd erforderliche Zeitdauer entfällt. S34L Berlin, den 23. Mai 1394. ZllNlihitats- llü Alters- Vttsicherllügs- Auf alt Berlin. Der Uorttand. Dr. F r e u n d. Dr. S t r ä t e r. Katral-Mari deMer Skalier. Dienstag, den 19. Juni 1894, Abends 8 Uhr: Monats-Uersammlung im oberen Saal der volleordia-reLtsäis, AndreaSstr. 64. Tages-Ordnung: 1. Allgemeine Vereinsangelegenheiien. 2. Verschiedenes. Nur VereinSbücher legitimiren zum Einiaß. Der Dorstand. Achtung, Böttcher! Ukontag. den 18. Jnni. Abds. 3 Uhr, bei»eise, Zichtenbergerstr. ZI: Oeffeutliche Nersammlung der Döttcher Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: Die gegenwärtige Lage unseres Kampfes, und Diskussion. Referent: Genosse F a b e r. 113/9 Um vollzähliges Erscheinen ersucht Die Kommission. Deutscher Holzarbeiter-Verbund. Zahlstelle Berlin. Kranchen- Uersammlung der Drechsler am Dienstag, den 19. Juni, Abends S'/s Uhr, in den Konkordia-Fest säten, Andreasstraße 64(unterer kleiner Saal). Tages»Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Moß aus Leipzig. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Nichtmitglieder haben Zutritt. 45/4 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Grtsoerwaltnng. Achtung! Achtung! Große öffeutliche Versammluug allei' im HandelZo�verde bescliäft. Hilfsarbeiter als Hausdiener, Packer, Weinkellerarbeiter, Roll- nnd Geschäfiskntscher, Möbeltransport-, Speditions- nnd Speicherarbeiter Berlins am Dienstag, den 19. Juni, Abends 9 Uhr, im großen Haale der Arminhallen, Kommandantenstraße Ur. SO. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Gewerbegerichts-Beisitzer über ihre Thätigkeit. 2. Die Sonntagsruhe in unserem Berufe und Wahl einer Kommission zur Neber- Ueberwachung derselben. 3. Verschiedenes. Kollegen Das Erscheinen Aller in dieser Versammlung ist nothwendig. Zur Deckung der Uiikosten findet Tellersammlung statt.— Mein Ringdier. 1273b Der Dertraurnomann. Oswald Schumann, Schmidstr. 8. Achtung! Putzer( Achtung! WnWe Bttsaiimlviig der Puder Berlins und llmgegeud am Montag, den 18. Juni, Nachmittags 5 Uhr, in den Arminhallrn, Kommandantenstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Der Bierboykott und welche Lehren haben die Arbeiter daraus zu ziehen. Referent Genosse K. Stabrrnack. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Es wird kein Ho»,kottbier geschankt. 446/4 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Bor Vertrauensmann» illgememer Verein der Töpfer und Berufsgen. Deutschlands.(Filiale Berlin.) Souutag, 17. J»ni, Nor»,. 10 Uhr, in Bühler's Saal, Nosenthalerstr. 83: 336/16 Mitglieder-Bersammluug. Tages-Ordnung: 1. Wie wird der Lohntarif in Berlin innegehalten? 2. Bericht der Delegirten von der Kommission über Berathunge» von Ausnahmebestimmungen in der Sonntagsruhe in der keramischen Industrie. 3. Vereinsangelegenheiien. Ber Vorstand. Minne! Weissensee. Minne! Mittwoch, de» 20. Jnni, Abends 8'- Uhr, in Dewein's Gesellschaftshaus, Königs-Chaussee: Gr. Volksversammlung. Tages-Ordnung: I. Der jetzige Stand des Boykotts. Referent: Genosse Pkannknch. 2. Situationsberichl der Lokalkommission. 3. Diskussion. SfiF" Die Herren vom Gastwirthe-Verein sind speziell eingeladen."VQ Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. 434/16 Bie Veriraucnsperson. Achtung! Schöneberg. Achtung! Fram- inid Mad lhtii-Vildiingsvere'm des ardeiteiideil Volkes für Kerlin nnd Umgegend. Wauder-Nerfummluttg am Dienstag, den 19. Juni, Abends 3 Uhr, im Lokale des Hrn. Jakob, Grunewaldstraße 110. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frl. W a b n i tz über: „Die Thätigkeit des Gehirns und der füns Sinne." 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes und Ausnahme neuer Mitglieder. 461/13 Um zahlreichen Besuch besonders der Frauen bittet Der Dorstand. IST Schoneberg, Freie Vereinigung der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter Scböneberg's und Umgegend. Zonnabrnd, den 23. Juni, Abend» 8 Uhr, in Zühike's Salon (früher Renuesahrt), Berlin W., Tennewitzstr. 13: 4 Stift ungsko ff. Festrede, Prolog, Vorträge."MZ Um IL Uhr: Kakfeepanfe verbunden mit Frstpotonaife. Orcsss Bilder-Verloosung. Die Musik wird von der Freien Vereinigung der Zivil-Berussmusiker ausgeführt. SMF~ Herren ä 50 Pf., Damen 30 Pf."♦Q Hierzu ladet Freunde und Genoffen von Nah und Fern freundlichst ein 91/3 Das Komitee. Verantwortlicher Redakteur: Wilbelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug iu Berlin. LäV, Beurhstraßs 2.