Nr. 316. 34. Jahrg. BezugspreiK; viertel! ährl. L,g0Ml. monatl. IL0 M, wüchsntlich L0 tilg, frei WS Haut, dorautzahibar. Einzelne Wochentags- Nummern b®ij. SonntagSnummer mit illustrierter Beilage.Die Neue Well' l0 Pfg. Postbezug: Monatlich i£0 SKI Unter Kreuzband für Schweden a die Schweiz. Eingetragen in die Polt-Zeitungs-Preöltsl«. Erscheint täglich, Zeiegramm- Adresse: .Sozialdemokrat verlin"» Vevlinev Volksblerkk. ( 5 Pfennig') Der Anzeigenpreis beträgt s. die ltebenqeldalteneKoloiie!. »eile so Pfg..Klein» Auzeigcli-, daS jetigedruckte Wort SS Psg.»zu. lässig 2 settgednnkte Worte). ledeS weitere Wort>0 Pig. Etellengemche und Schichstellenarrzeigen das erst« Wort tv Pfg.. sedeS weitere Wort ö Psg. Worte über lo Buchstaben zahlen für zwei Worte. SeuerangSzuschiag 20°). ssawilien- Sluzelgen Sil Pfg.. Volitische u. gewerischaftliche Vereins- Anzeigen SS Psg die Zeil«, tlnjcigi-n für die nächste Nummer müssen er- 5 Uhr nnchmitt. im Haudtgeichäst. Berlm SW.SS, Lindenstrage?, od» gegeben werden. Geöffnet van 8 libr ftüh bis 7 Uhr abend-. ZentraXovqm der rozialdemokratifd�en Partei Deutfchlanda. Neöaktion: SV). 6$. Liaüenstraße 3. Feruivrecher:(bat Moritzvlai». Sir. 151 90—151 97. Sonnabend, de« 17. November 1917. Expedition: SM. HS» LinSenftraße 3. Fernsprecher: Amt Msritzplatz, Nr. 15190— IM. S7. ■■ L'■ � Finnland Im Hufftand. Paris unö London. Clemeneea» Ministcrpräfideut.— Der Kampf«m Lloyd George. DaZ Kabinett Clenienccau ist gebildet. Es setzt sich fol- gendermaßen zusammen: Ministerpräsident und Kriegsminister Clemenceau. Justizminister N e t l l, Auswärtiges P i ch o n, Inneres P a m S, Finanzen Klotz, Marine Georges L e y g u e s, Handel Clementel, Oeffentliche Arbeiten Clavcille, Rüstungen L o u ch c u r, Unterricht L a f f e r s, Kolonien Henry Simon. Die Ministerien für Verpflegung, für Land- Wirtschaft und für Arbciterangelegenheiten werden später bc- setzt werden. Jeanneney Nnterstaatssekrctär im Kriegs- ininisterium. In dem Augenblick also, in dem in England der Stern Lloyd Georges zu verblassen beginnt, wird in Frankreich ein Ministerium gebildet, an besten Charakter in doppelter Bc- ziehung kein Zweifel bestehen kann. Das Kabinett Clemenceau ist englandfreundlich und bis zum Aeutzersten k r i e g s- entschlossen. Clemenceau, der schon zur Zeit englisch- französischer Verstimmungen der entschiedene Vorkämpfer der jetzigen Bündnispolitik war und der in seinem»Freien" und nach dem Zensurverbot„Gefesteltcn Mann" die Kriegsmast- nahmen der Regierung als unzureichend aufs äusterste be- kämpfte, kommt mit der festen Absicht, den Krieg im Bunde mit England weiterzuführen. Er wird versuchen, die Kriegs- organisation Frankreichs zu verbessern und er wird gegen den Pazifismus einen schonungslosen Kampf führen. Die sozialistische Kammcrfraktion hat am 9. November eine Sitzung gehalten, aus der die„Humanitö" berichtet: »Die Fraktion forderte ihre Mitglieder auf. keinen Anteil zu nehmen an den in den Wandelgängen der Kammer geführten Unierhandlungen, die nur den Zweck haben, ein Ministerium zu« sammenzubringen, das als eine Herausforderung der Arbeitcrklqsse und als eine Gefahr für die Nationalverteidigung erscheint. In derselben Sitzung wurde die Regierung durch Beschlust aufgefordert, sofort an die allgemeine Beschlagnahme der Nahrungsmittel heran« zugehen sowie aller anderen Lebensmittel, soweit sie dies für nötig hält, ebenso die Organisation der zwangsweisen Getreideerzeugung mit Hilfe und unter Aufsicht deS Staates in die Hand zu nehmen." Es ist denn auch kein Sozialist in das Kabinett ein- getreten, und dieses selbst ist so zusammengesetzt, dast auf eine Erfüllung der sozialistischen Wünsche nicht zu rechnen ist. Trotz umgekehrt lautender Privatmeldungen dürfte also die oppositionelle Stellung der Sozialdemokraten gegenüber dem neuen Kabinett feststehen, wie das ja gegenüber einer Re- gierung des fanatischen AntiPazifismus und Manchestertums trotz aller Burgfriedenswünsche kaum anders möglich ist. Der Friedensfreund kann die Regierung Clemenceau nur in dem Sinne der Katastrophentheorie begrüsten, dast es erst noch ärger werden must, bevor eS besser wird. Das Kabinett Clemenceau ist bestenfalls nur der Vorgänger und im Wege des dialektischen Umschlags der Vorberciter jener französischen Regierung, die mit Deutschland Frieden schliesten wird. » In England tobt inzkvischen der Prestesturm gegen Lloyd George weiter. Nach einer Meldung des„Alge- meen Handelsblad" sind in der englischen Presse zwei scharf geschiedene Strömungen zu bemerken.„Daily NewS", „Star" und die radikale Wochenschrift»Nation" be- nutzen die günstige Gelegenheit, um ihrem Groll gegen Lloyd George Luft zu machen, und tun es unter dem Vorwand, dast sie die militärischen Anführer vor Einmischung von bürgerlicher Seite schützen wollen. Und die konservative» M o r n i n g P o st" stimmt in diesen Ton ein. nur mit dem Unterschied, dast sie es mit dem Schutz der militärischen Führer ernst meint. Tie „Times-« ninimt eine gemäßigte Haltung ein und betont die Notwendigkeit der Einheit. Auch„Daily Chronicle" ist für Mäßigung und schlägt vor, die Debatte am Montag in geheimer Sitzung zu erledigen.„Manchester Guar- d i a n" ergreift die Partei Lloyd Georges, obwohl er sonst im Lager des LinkSliberalismus steht. Ter Berichterstatter des„Algemeen Handelsblad" glaubt, dast der Konflitt schließlich im Sand verlaufen werde, da Lloyd George daS Kabinett hinter sich habe, und da Asquith wahrscheinlich nichts unternehmen werde, was die Einigkeit der Zlation schwächen könnte. Dem Optimismus dieses holländischen Stimmungsbildes widerspricht eine wichtige Tatsache. Der englische Zeitungs- tönig Lord N o r t h c l i f f e hat die Uebernahme des neu- begründeten Ministeriums für die Luftwaffe mit einer Be- gründung abgelehnt, die für den redegewalttgen Leiter des Kabinetts nicht eben schmeichelhaft ist. Als Grund seiner Feuerkämpfe im Westen— Luftkämpse— Cismon im Brenta-Tal genommen— 1999 Gefangene im Piave-Delta. Amtlich. Große? Hauptquartier, 1V. Rovcmber 1917.(W. T. B.) Westlicher 5kriegsscha«platz. Der Feuerkampf war am frühen Morgen im flandri- scheu Kampfgebiet, längs der Ailrtte und auf dem Sstlichrn MaaSufrr gesteigert. FranzSfische Abteilungen, die im Morgennebcl über die A i l e t t e in unsere Postenlinie eindrangen, wurden im Gegenstoß zurückgeworsen. TagSüber war die GefechtStütigkeit bei allen Armeen ge- ring; am Abend lebte sie bei D i x m u d e und südlich von St. O u r n t i n ans._ Seit dem 9. November verloren unsere Gegner im Luft- kämpf und durch Abwehrfeuer 24 Flugzeuge. Lize« feldwcbcl Buckler errang seine« 2S., Leutnant Bongartz seinen 23. Lnftsirg. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Besonderes. Mazedonische Front. Westlich vom Ohriba-S.e haben wir Teile der von den Franzosen geräumte» Stellungen besetzt. Italienische Front. Im Vordringen nördlich von G a l l i o und zu beiden Seite» deS Brenta-Tales nahmen unsere Truppen mehrere Höhen- pclluugeu der Italiener. C i S m o u ist in unsere« Besitz. An der unteren Piave hat sich das Artillcriefeuer ver« .stärkt. Rahe de« Meere auf daS westliche llfer verstoßende ungarische Honnedabtrilnugeu»ahme« 1090 Jtakiener gefangen. Ter Erste Gencralquartiermristrr. j Ludradorf f. Abendbericht. Berlin, 16. November 1317, obendS. Amtlich. Stärkerer Feuerkampf bei D i x m u d e. Im Osten nichts Besonderes. Reue Angriffserfolge im Gebirge zwischen Brentn und Piave.« Der österreichische Bericht. Wien, IS. November 1917.(W.T.B.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Im Piave-Delta, vor den Lagune» von Venedig, haben Honvrdabteiluuge» in zäher SäuderungSarbeit dem Feiudr Gelände abgewonnen, wobei über 1090 Gefangene riugebrncht wurden. Im Brenta-Tal bemächtigten sich österrcichisch-ungansche Truppen des Ortes CiSmon und der beiderseits davon auf- ragenden Höhen. Auch nordöstlich von Asiago verloren die Italiener wieder einige hartnäckig verteidigte Gebügs- stcllungen. Oestlicher Kriegsschauplatz Nichts zu melden.;_____ Albanien. Die westlich des O h r r d a- S r r S von den Franzosen ge- räumten Linien wurden durch unsere Trappen besetzt. Der Chef deS GcueralstabeS. Ablehnung gibt Lord Northcliffe seine Unzufriedenheit über den Mangel an Tatkraft an, mit dem England die Kriegführung und die Ausrottung des Aufruhrs betreibe int Vergleich zu dem Eifer und der Begeisterung, die in den Vereinigten Staaten und Kanada gefunden Ivürden. Er schreibt weiter:„Ich glaube, unter den jetzigen Verhältnissen größere Dienste leisten zu können, Ivenn ich meine Unabhängigkeit bewahre und nicht durch Loyalität, die ich für die Gesamtheit Ihrer Verwaltung nicht empfinde, geknebelt werde." Nack der Gnsicht des Lord Northcliffe hängt der enten- ttstische Siegfrieden eben zu hoch, alL daß er ihn selbst als engliscr Luftmininister erreichen könnte. In solchen Situattonen ist es viel bequemer, die Regierung zum Sündenbock zu machen, als selbst die Verantwortung für das Kommende mitzutragen. Wie man sieht, sind die Verlegenheiten der Entente nicht gering. Sie sind aber nicht bloß Folgen der deutschen Waffenerfolge,, sondern in mindestens dem gleichen Maße Folgen der deutschen Politik, wie sie mit dem 19. Juli eingeleitet wurde und hoffentlich in Zukunft nur noch tat- kräfttger betrieben werden wird. Gegen ein Deutschland. daS dem politischen Fortschritt die Bahn öffnet und den Völkern die nahe Möglichkeit eines ehrenvollen, für alle nützlichen Friedens zeigt, ist schwerer zu kämpfen als gegen eine Auto- kratic, die zuschlägt, um zu rauben, und feindliche Länder besetzt, unl ihre Einwohner zu knechten. Die Politik deS 19. Juli ist die beste moralische Waffe zur Verteidigung gegen eine ungeheure zahlenmäßige Uebermacht. und daß die anderen Waffen deswegen nicht rosten, hat die Kriegsgeschichte dieses Vierteljahrs deutlich gezeigt. Der Geist des Aufruhrs, gegen den nach Lord Northcliffes Meinung von Lloyd George nicht scharf genug vorgegangen wird und dem man in dem Frankreich ClemenceauS mit allen Mitteln des Polizeistaats zu Leibe gehen ivird, ist eben der Geist, der nicht begreift, warum der unsinnige Krieg gegen ein Volk, das sich im Innern freiheitlich entwickeln will und das nach außen keine Eroberungspläne hegt, bis zum Weißbluten aller Völker fortgesetzt werden soll. Er ist Geist vem dem Geiste, der sich in Berlin friedlich, in Petersburg ge- ivaltfam durchgesetzt hat und gegen den man von London und Paris aus einen nicht weniger schweren Kampf führt alS gegen die deutsche Strategie. Dr. Schwanders Rücktritt feftftehenö? Die Nachrichten von dem bevorstehenden Rücktritt des Leiters des Reichswirtschaftsaiitts nehmen immer bestimmtere Formen an. Ein Berliner Lokalblatt bezeichnet bereits den Unterstaatssekretär im Reichsomt des Innern Freiherrn v. Stein zu Alten st ein als den voraussichtlichen Nmh- solger Schwand ers. Die Offiziösen verficheru mit unHehn- licher Geschäftigkeit, daß e? sich diesmal wirklich und gewiß nur um Gesundheitsrücksichten handele. Um es kurz herauszilsagen: an die berühmten Gesund- heitsriicksichten glauben wir ganz und gar nicht und haben für diese Beschwichtigungsausrede nur das gebührende Achselzucken. Schwanders Rücktritt ist, wenn er Tatjache ivird, ein Vorgang von äußerst prinzipieller B e- d e u t ii n g. Unter allen neuen Männern, welche die Aera Michaelis brachte, ist Dr. Schivauder der Arbeiterschaft einer der weitaus sympathischsten gewesen. Man kannte ihn aus seiner Straßburger Tätigkeit als überzeugten und ehrlichen Sozialpolitiker, der auch denß Gedankengängen des Sozialis- mus Verständnis entgegenbrachte. Sein Weggang und feine Ersetzung durch einen farblosen Ressortbeamten würde eine bittere Enttäuschung der Hoffnungen bedeuten, welche die Arbeiterschaft für die Neugestaltung unseres Wirtschaftslebens gehegt hat. Der Nmue Dr. Schwanders bedeutete ein Programm, er wies auf die Absicht des Staates, ernsthafte Sozialpolitik zu treiben, und dem Privatmonopol das Staats Monopol ent- gegenzusetzen. Der Name Stein zu Altenstein bedeutet— nichts oder das Gegenteil. Wenn Dr. Schwander, noch ehe er sein Amt recht ange- treten hat, plötzlich von der Ministcrkrankhcit befallen wird, so kann man nur annehmen, daß er bereits ans Widerstände gestoßen ist, die ihm ein Wirken»ach seinen Anschauungen als von vornherein unmöglich und äussichtlos erscheinen lassen. Ist dem aber so, dann verlangt das Volk und die Oefsentlichkeit volle Klarheit darüber, wo diese Wider- stände liegen. Im Kampf gegen derartige Widerstände würde Herr Dr. Schwander stets die gesamte Arbeiterklasse g c- schlössen hinter sich Haben. Er sollte deswegen nicht die Flinte ins Korn werfen. Fühlt er sich aber für diesen � Kampf nicht stark genug, so möge er durch scincii Abgang wenigstens eine klare Situation schaffen, und nicht durch die Duldung des Geredes von seiner Krankheit das Volk im Unklaren über die Widerstände lassen, denen heute die Sozialreform begegnet. Revolution in Zinnlanö. Allgemeiner Aufstand— Ter Landtag aufgelöst. Kopenhagen, 13. November.„Berliugske Tidcnde" meldet aus Haparanda: Die finnischen Sozialisten der- langten von den bürgerlichen Parteien die Auer- k e n n u n g der am 18. Juli von den Sozialisteu angeuommencit Staatsordnung für Finnland. Da diese Forderung abgelehnt loitrde. erklärten sie gestern im ganzen Lande den alt- gcmeiucu Ausstand. Dicjcr hat bereits gestern abend in Helsingsfors begonnen und wird sich, wie erwartet wird, heute über das ganze Land ausdehnen. Auch die Eisen- b ahner nehmen daran teil, so daß jetzt nur noch Mlitär- züge verkehren. Nack, einer anderen Meldung� erklärte der A r d e i t e r- nnd Matrosenrat von H e lsi ngf ors.ckn einein Schreiben an den Senat� den Generalgoaverneur Nekrassow sür abgesetzt. Stockholm, 16. Novenkber. Wie Stockholms..Tidningen" über Haparauda erfährt, ist der G e ir e r n l st r e i k in Finnland als<>iewaltnlaf,nahine der Sozialisten gegen die Einsetzung eines Direktoriurns durch die bürgerlichen Parteien zu betrachten. Tie Sozialisten bemächtigten sich mit Hilfe russischer Soldaten des Telegraphen und der öffentliche n G e b ä u d.e, erklärte» hierauf Teuai und Landtag für aufgelöst und besh-mmten, dag der alte sozialistische Landtag schleunigst einberufe» und ein neuer Senat unter dem Vorsitz Tolois eingesetzt tverden solle. Der ganze Ge� ivaltnreich gelang ohne Unruhe», doch ist die Stimmung in Finnland sehr erregt. Auch daS E i s e n b a h n p e r s o n a l imirde gezlvungcn, an dem allgcaieincn Streik teilzunehmen, so das; nur mehr Militär- und Lebensmittelzüge verkehren können. * Ter ncugewählte Lmidtag Finnlands, der aiii 1. Zlo- vember zu einer Tagung zusammentrat, hat im Gegensatz zum aufgelösten eine bürgerliche Medrheit. Von den Lt)t)?lb> geordneten gehören der Sozialdemokratie rund 90 an, während früher die Stimmenzahl der soziatdemotratischen Vertreter nn- gefähr 110 betrug. Die Sozialdemokratie bat jedoch schon vor den Wahlen die Auflösung öeS Parlaments durch die russische Provisorische Regierung sür nii gesetzlich erklärt. Sie begnügte sich nicht mit diesem Protest, sondern berief eines Tages den Landtag zu einer Vollsitzung ein. nnd als die er- schienencn Abgeordneten die �ür des Parlamentsgebäudes ge- schlössen und versiegelt fanden, ließ der sozialdemokratische Präsi- beut die Siegel entfernen und die Tür öffnen. In der Versamm- lung waren rund 75 Abgeordnete— alles Sozialdemokraten— anwesend. In einer eine halbe Shinde währenden Sitzung wurden zwei Vorlagen über den Achtstundentag und die Aen- derung des Kommunalwahlgesetzes gegen eine bedeutende Minderheit angenommen. Diese Vorgänge beweisen, dag die finnische Sozialdemokratie gleich nach der Auslösung sich auf den Standpunkt gestellt hat. das', nur der alte Land- t a g die rechtmäßige Vertretung des sin n I ä n- d i s ch e n Volkes i st. Aber nicht nur der Konflikt mit der Regierung Ruß- lands beschäftigte die Gemüter. Tie Vourgeoisic Finnlands war auss höchste- erbittert gegen die Sozialdemokratie, gegen die Arbeiterbewegung und ihre Machtentfaltung. Sie schritt in den Wahlkampf größtenteils geschlossen, und es ist ihr gelungen, die Sozialdemokratie in die Minderheit zu drängen. Gleichzeitig greift die Vonrgeoisie zu einem anderen Mittel, indem sie überall, wo sie in den Äommnncn die Macht besitzt, eine Miliz organisiert, von der die Sozialdemokraten annehmen, daß sie für den offenenKamPf gegen dteArbeiter geschaffen wurde. Tie Arbeiter begannen mit der Organisation der revolutionären ..Roten Garde". Tie ohnehin scharfen Klassengegensätze ipitzteu sich immer mehr und mehr zu. Ter Erfolg der Petersburger Bolschewik hat nun die finnländischrn Sozialisten zu ihrem revolutionären Auftritt ermutigt. SozisZistische Koalition in RWanö- verhanöiungen mit to SoWetviki. S t o ck l, o l in, 16. November. fEig. TraHibrhcht des „Vorwärts".) Von entscheidender Vcdcntung für das Schicksal der Petersburger Ei Hebung scheint die Frage der sozia- l isti scheu Koalition zu sein. Diese stellten sich die B o l s ch e w i st e» nicht z« in c r st e n ni«J: In den I u l i t a g e n waren sie bereit» für den Fall» das: die MenschcwikS die Macht nbcrnahincn, sie zn untcrstnheu, in der Absicht, sie nach links zu treiben; Voraussetzung war die Turchsährung des demokratische» FriedensprogramniS und die Vodcmibcrgabe an die Bauer». Vor der Scmokrati- scheu K o n f e r e n z im Oktober wurde diese Frage neuerlich akut. Mau forderte von den Menschewiki den Bruch sowohl mit der einheimischen als mit der Entente-Bonrgeoisie, die Pnbiizicrung der Verträge, freie Hand in der auswärtigen Politik» Laudreform usw. Damals schrieb Lenin im„Ra- botnij Pntj" einen Artikel, worin er die Möglichkeit einer Einigung ans Grund eines konkreten Programms aussprach. CS besteht Aussicht auf e i ßi st w e i l i g c Z u s a m m c u- sassuug aller revolutionären Kräfte. Daß die Frage der sozialistischen Koalition in Peters- bürg jetzt eine Rolle spielt, wird von den Nachrichten Londoner Blätter' bestätigt. Laut Reuters Bureau melden sie: Die f o z i a l i st i s ch c n Führer verhandeln mit den Llolschewiki über die Bildung einer sozialistischen Regierung, deren Programm ein schneller Friedensschluß, die Uebergabe alles Landes an die Lmidesausschülse nnd die Ein- beniflnig der Verfassunggebenden Versammlung sein' soll. Tie Boischewiki jedoch bestehen auf Vertretung in der nciicil Rcgicnnig unter anderen Bedingungen und lehnen den Waffenstillstand ab, wenn diese nicht angenommen werden. Weiter erfährt das Stockholmer„Aftonbladet" ans zu- verlässiger Quelle,, das; sich die Lolscheimki mit den anderen Sozia lislenvarleien vereinigt haben, um die Revolution vor Acreus'i, Kaledin nnd Kornilow zu retten. Die neue Regie- rnng, die die Petersburger Garnison mit der Ostsceflotte auf ihrer Seite habe, soll, demnächst ein neues Programm mit c i n c in a u S f ü h r l i ch e n F r i e d e n s v o r s ch l a g vorlegen. Es gehört zur Sache, wenn dieser Meldung von sozialistischen Konzentrationsverhaiidliingen hinzugefügt wird; Immer mehr scheint sich die Nachricht zu bestätigen, daß das ttiiternchme» KerenSkis mißglückt ist. Die Verhandlungen sind schon seit Tagen im Gange. Denn im Petersburger Telegramm der Londoner Blätter, das davon spricht, während der Verhandlungen über die Bildung einer sozialistischen Regierung sei der EisenbahnerftKik ans- gehoben, ist schon vom Dienstag datiert. Est icheint danach, daß die Verhandlungen unmittelbar dem Kampfe gefolgt sind, in dem die Petersburger Bolschewisten in der Nackt zum 16. November den Plan, der Kereuski treffen, vereiteln konnten, wie die Meldung Trotzkys besagte. Tie von den Sozialisten den Bolschewik angebotenen Bc- dingungen sind nach einem Reuter- Telegramm: 1. Entwaffnung tu r Roten Garde. 2. Tie Petersburger Garnison wird unter die Kontrolle der Gemeindeverwaltung gestellt. 3. Die milk- tärischen Operationen werden eingeschränkt, wenn diese Bedingungen angenommen weiden. 4. ES werden vollständige Bürgschaften gegeben, daß KerenSkis Truppen beim Einrücken in Petersburg keineti Schuß lösen werden. 5. ES sollen keine Haussuchungen und Verhaftungen vorgenommen werden. -Zu diesen Bedingungen, die uns allenfalls kadettischen. nicht aber sozialistischen Ursprungs zu sein scheinen und die wir zunächst für eine ckntentistische Erfindung halten, wird gesagt: Wenn unter diesen Bedingungen ein Waffenstillstand zw Stande kommt, würden die Verhandlungen über die Bildung einer Regierung, die aus allen sozia- listischen Parteien, aber ohne Zuziehung der Bol- s ch c w i k i bestehen soll, begonnen werden. Diese Zumutung paßt allerdings zu den Bedingungen. Für wahrscheinlich wird man aber die Mitteilung halten dürfen; Die Bolschewik! verlangen außer der T e i l- nähme an der neuen Regierung auch die Vor- antwortlich keit der Regierung gegenüber dj? in n c ii c it Ausführenden Hauptausschuß der Sowjetabgeordneten. Aus einem weiteren Petersburger Telegramm Londoner Blätter läßt sich schließen, daß die genannten und den Sozia- listen zugeschriebenen Bedingungen enge Beziehungen zu Kerenski'haben. Das vom Mittwoch datierte Telegramm sagt: Tie Truppen Kerenskis sind nahe bei Petersburg zu- sammengezogen. KerenSki sprach die Absicht aus, die Bolschewiki zu entfernen und die Macht den demokratischen Organisationen einschließlich des Vorparlaments und de-Z Ausschusses zur Sickernng des Landes nnd der Revolution zu übertragen. Im Falle, daß ein lieber- cinkommen mit den sozialistischen Parteien zustande käme, würde er keine Vergcltnngsinaßregeln anwenden. Wir meinen, so könnte nur ein Sieger reden und be- stimmen. Aber Kerenski ist nicht Sieger, und der Kanivf ist nock nicht�zu. Ende. Er entbrennt vielleicht jetzt erst in wachsender Mächtigkeit im weiteren Rußland. die Schlacht vor Petersburg. Stvckholm, 13. November. Die letzten Nachrichten au? Rußland sprechen wieder mehr für den Sieg der Bolschewiki in PeterS- bürg. Nach einem Telegramm ans Haparanda hat Oberstleutnant M u r a lv i e w, der Chef des Berieidigungsgcbietes von Petersburg, eine Kundgebung ausgefertigt, in der er das Gerücht vom II ebergang der Petersburger Truppen zu Kc- rensli als eine Lüge dieses letzteren bezeichnet und erklärt, die Truppen des freien russischen Polles hätten Gatschina ii u r g e r ä u m t, um u n n L tz e s B l u t v e r g i e ß e n z u v e r- meiden und eine gecigneie Slellung außerhalb Petersburgs ein» zunehmen. In der gleichen Kundgebung heißt es. in Petersburg herrsche Ruhe. Außer den Kreuzern Aurora. Sarja, Svoboda nnd dem Schulschiff Afrika seien sechs Torpedoboote der Ostfeeflotle in Petersburg angekommen und hätten sich bei der Aikolaibrücks veranlert, wo sie ini Notfall ganz Petersburg beschießen könnten. Nach filmischen Zeitungen hat Kerenski in der Schlacht von Petersburg den Kürzeren gezogen. »Stockholm, la. November, lieber die Kämpfe, die sich am vorigen Ticnstag zwischen den Truppen der Aorlänfigen Re- giernng und den Revolutionären abgespielt haben sollen, berichtet die„Prawda", daß der Brennpunkt der Kämpfe Pultowa gewesen sei, wo ein Vorstoß der Kcrenskischcn Kosaken durch Maschinen- gewehre aufgehalten worden fei. Kerenski habe 150», die Revo- lutionäre hätten nur 20(1 Tote gehabt. Die Nachricht von der Er- oberni'g von Gatschina durch einen Flankenangriff Revalcr und lettischer Hilfe» kommt von Lölichcwistischer Seite. Bern. 13. November-. Ter Petersburger Korrespondent der „Daiüi Mail" berichte: unter dem L. November: Die Revolution vom«. November habe sich unrcr völliger Apathie der Bevölkerung vollzogen, die erst fpäd nachmittags gewahr wurde, daß die Extreinisten im Begriffe standen, Kerensli und die Negierung abzusetzen. Der Korrespondeni erwähnt, daß die Truppen- kette um den Winlerpalait, wohin die KabincttSmitglicdcr sich ge- flüchter hatten, das PrcobrasSenskii-Garderegimcnt einschloß und die zur Verhinderung der Revolte von Kerensli»ach Petersburg befohlene» zwei RadiahrregiNenier sich der Ma�imaliftenregiernng auichlossc», während die in Peter-sburg anwesenden drei Kosaken- reginieuter verspiochen hatien, in den Kasernen zu bleiben, falls die Ordnung aufrecht crbalten bliebe und tatsächlich nicht eingriffen. Der Bericht schließt: Anscheinend werden die Provinzen sowie alle Truppen an der Front und in der Garnison sich Petersburg auschließen. Die längst in Abnahme begriffene Autorität Kerensli» ist schließlich wie Schnee an einem Sommcrtage geschmolzen. Stockholm, 13. November. tSveliska Telegrambyran.) Die telegraphische Verbindung mit Petersburg ist seit 4 Uhr nachmittags wiederhergestellt. Stockholm, IS. November. lsvenZla Telegrambyran.) Trotz der Wicdcrciöffnung der Telegraphenlinicii nach PcierSburg ist die Zahl der ankommenden T e l-e g r a m m c, die alle vom !2. nnd lü. November sind, ganz unbedeutend. Die Petersburger Telegraphenagentur scheint noch nicht zu arbeiten. Die Möglichkeit, russische Meldungcii durch Reisende zu bekommen, ist wegen des aUgcinciiicii Streiks in Finnland auch ausgeschlossen. Schwere Kämpfe in öen Provinzen. London, 13. November.(Reuter.) Tie Blätter melden aus Petersburg In Kiew nehmen die schweren Kämpfe einen größeren Umfang an, auf beiden Seiten werden Flugzeuge verwendet. Heute endet der Waffenstillstand in Moskau. Storkholm, 16. November, lieber die Revolution in den Pro- vinzen nicldct das Petersburger Organ der Sozialrevolutionäre. daß auch in Kiew schwere S t r a ß c n k ä m p f e ausgebrochen sind. Stockholm, 13. November. Laut„Djelo Naroda" beherrschen Kiew die Kosaken. Nach einem Telegramm au /.Svenska Dag- bladet" aus Haparanda ist der Kosakengeneral Kaledin schon in der Näye von Charkow angelangt; er hat über das Gruben- gebiet im Donbecke» den Kriegszustand verhängt. Aus den ver- schiedeiisten Teilen des Landes tverden heftige Kämpfe gemeldet. In M o S k a u sollen letzten Dienstag allein 2000 Tote gezählt worden sein, doch fall man sich in dieser Stadt schließlich dahin ge- einigt haben, ein Koalitionsministerium aus allen sozialistischen Parteien zusammenzusetzen. Verbürgte Nachrichten treffen noch immer nicht ein, da der Telegrammverkehr von und nach Petersburg'wie bisher völlig eingestellt ist. - Die bolschewiki unö öer Jrieöen. Henderfon fordert Klarstellung der Kriegszielc der Alliierten. Bern, 16. November. Artur Henderson sagte einem Mitarbeiter des.Daily Chroniclc" über die Lage in Rüßland: Als ich in Rußland weilte, wünschten die arbeitenden K l a i s e n zweifellos den Frieden, aber keinen Sonderfrieden. Andererseits beargwöhnten sie stark. daß der Krieg durch die Weigerung der Alliierten, eine offene Erklärung über die Kriegsziele abzugeben, verlängert werde. Sie schloffen, daß diejenigen Regierungen, die der allen russischen Regierung Koustanlinopel znerkannt hatten, Bürgschaften für Annexionen in der Türkei, Perfieu und Südafrika erlangt haben müßten, und betonten, daß ihr Arg wohn durch die Ab- geneigtheit der Ententeregierungen, eine Kriegs- zielkonferenz abzuhalten, gerechtfertigt werde. Meines Er- achtens hat diese AbgeneigrHeit den Einfluß der Vorläufigen Regierung geschwächt und die Stellung der Extremisten gestärkt. Alles soll getan werden, um Rußland nicht in die Hände DeuischlandS fallen zu lassen. Ich kenne keinen besseren Weg. als die Klarstellung der SriegSziele der Alliierte». Ferner sollten die Entente- regierungen die Entsendung einer größeren Abordnung von Ar- beilern zur Rücksprache mit den Sowjets über deren fernere Stellung zum Krieg vorschlagen. Die besten Elemente unter ihnen wünschen wie wir selbst lediglich eine befriedigende Beendigung des Krieges, aber sie haben keine Erfahrung, bedürfen der Führung und ins- besondere einer Stärkung des BertraucnS betreffs der Eründc, u nr derentwillen die Alliierten den Krieg fortsetzen. Der unlängst aus Petersburg zurückgekehrte Korrespon- dent der„Daily News", Artur R a n s o m e, der als gc- nauer Kenner der derzeitigen Verhältnisse Rußlands gilt, schreibt am 10. 11.: Was die Stellungnahme der Extremisten zum Kriege und zu den Alliierten anlange, so lehnten sie einen Frieden ab, der Rußland zum stillen Verbündeten Deutschlands mache, es widerstrebe ihiien aber gleichfalls, sür das, was sie als imperialistische Kriegsziele der Alliierten ansähen, weiter zu kämpfen, ver- mutlich würden sie die neue Macht benutzen, energisch auf die Feststellung der Kriegsziele der Alliierten zu drängen. Ransome warnt schließlich die englische Presse vor einer un- mäßigen Sprache, welche die Extremisten in eine feindlichere Stellungnahme gegenüber der Entente und möglicher lv eise zum Sonderfrieden drängen könnte.- Der wirtjchaftskrieg gegen öie Deutschen in Brasilien. Rio dc Jauciro, 13. Ikovember.(HavaS.) Die Kammer nahm am 14. November ein Gesetz über Bcrgcliungsmaßnahmen gegen die Deuifchen an. Das vom Senat abgeänderte Gesetz ermächtigt insbci andere die Regierung, den Belagerungszustand in den Teilen des Landes zu erklären, wo es nolwendig ist, Verträge mit feind- lichen Slaaisangehörigcii über öffentliche Arbeiten und andere Kon- lrakte, die für die nalionalc Lerlcidigung schädlich sind, für ungüliig zu erklären, jeden inlcrnationalen Handel mit den Deutschen zu ver- hindern, die verdächtigen Feinde zu inrernieren und gegebenenfalls die Konzessionen für Ländercien der Ansiedler nachzuprüfen. Wahlrechtsreform in Kroatien. Azraui, 16. November. Tie kroaiische Landesre giernng unterbreitete dem Landtage einen Gesetzentwurf über Einführung des allgemeinen Stimmrechts. Oer vormarsih in Gberitalien. Wien, 16. November. Aus dem Kriegspresicauartirr wird am 16. abends gemeldet: Weitere Fortschritte östlich der Brcnta. Bei trübem, stellenweise stürmischem Wetter haben die Zäh sich vorarbeitenden Truppen des FcldmarschallS Frrihrrrn van Conrad nunmehr auch drn Monte MclettadiGallio westlich des gestern gcnommrncn Werks Castcll Gomberto erstürmt und hier den sich auf den Höhen nordwestlich Gallio noch haltende» Feind unter der Einbuße von zirka 1666 Gefangene geworfen. Im Brentstal wurde neiierdinzS bei CiSmon Raum gewonnen. Ter westlich dieses Ortes 1132 Meter hohe Eol Tonder-ist seil zwei Tagen in»iisercm Besih. Tic als rechte Flügelgruppc der Armee Below vordringenden österreichisch-ungarischen GcbirgStruvVen. des Generals der Infanterie Kraust haben sich auch bereits östlich des Brcntatalcs den gegen Süden verlaufenden Höhenrücken des MonteCismon erkämpft. In der Ebene herrscht klares Wetter. Jtalieniickier Heeresbericht vom 14. November. fBerspätet ei-n- Piroffen.) Gestern früh versuchte der Feind nach kurzer, aber lebhafter Ariillerievorbereilung einen heftigen Handstreich gegen unsere Stellungen am Ledrosee. Der Angriff scheitert« an dem tapfer«! Widerstand unserer Soldaten, die den Feind zuui Rückzug nötigten.. Aus der Hochfläche von Asiogo zogen sich in der Nackt zum 1-!. November die Truppen, die die vorgeschobeiie» Stellungen aus dein Monte Longara besetzt hielten, nachdem sie vier gewaltige feindliche Angriffe abgeschlagen hatten, aus die nächstfolgend den Linien zurück. Gestern nachmittag richiele der Feind von den Höhen südlich Galtio aus cinen Angriff gegen den Monte Sisemol. wurde jedoch zurückgeschlagen. In der Gegend von A s i a g o b i s zum vsuganatal bestanden unsere vorge- 'chobenen Posten f ch r lebhafte Kämpfe mit dem von der Front llllcrrchesina— Monte Lisser kommenden Feind.' Zwischen Brcnta und Piave besetzte der Feind die Linie Tezze— Lamon— F elfte. In Teiltämpsen leisteten mehrere Gruppen Mise- rer Teckmigsiruppen dem Feinde bei Tezze und Cinna di Lario Widerstand. Längs der Piave erhöbt? sich die Äampstätigkeff und beide gegnerische Artillerien entfaUcien eine sehr lebhafte Feuertätigkeit. Mehrere feindliche Versuche, den Fluß zlvischen O u e r o und F e r r e r San Bong zu überschreiten, wurden mit sehr schweren Verlusten für den Gegner zum Stillstand gebracht. Der Artilleeiekamipf dauerte sehr lebhaft bei Zcnson an, wo unsere Gegenoffensive andauerte. Es gelang uns jedoch nicht, den Feind volllommen zu vertreiben. Wir machten- während des Tages 121 Gefangene und erbeuteten einige Mafchchen- gewehre. Unsere Flugzeuge erneuerten mit guter Wirkung ihre BefchietzurigZunternehinnngen. Italienischer Bericht vom 13� November. Der Feind ver- stärkte seine T ä t i g ke i t auf unserer Gebirgssront von der Zone von Asiago bis zum Piavetnl. In der Nacht aus den 11. No- vember griff er den Abschnitt Monte Sisemol— Meletta d'Avanti an, der erfolgreich Widerstand leistete. Wir setzten im Laufe des gestrigen Tages mit Erfolg unsere Tätigkeit fort, durch Teilprgen- angriffe die feindlichen Abteilungen, die nach Besetzung vorgefchobe- ner Teile unserer Stellungen sich dort zu halten suchten, zurückzu» werfen. Gestern früh trug der Feind seinen Angriff mehr nördlich gegen den Abschnitt Melctia d'Avanti— Monte Fior— Monte C a st e l G o m be r r o vor. Zurückgeschlagen, wiederholte er seinen Versuch abends mit stärkeren Kräften und größerer Heftigkeit, wurde jedoel' abermals zurückgeworfen. Kolonnen, die vom L i s sc r aus fächerförmig gegen die Front Frisoni— Zusammenfluß von Breiita und Cismon vorgingen, wurden unter-das Feuer unserer Arnllerie genommen und zum Stehen gebracht. Namhafte Kräfte griffen unsere vorgeschobenen Stellungen zwischen drin Eis- man und der Piave an. Am Monte Romrone wurde der Gegner zurückgeworfen. Am Monte Tomatico zogen sich nach tapferem Widerstand unsere Vorposten aus vorher vorbereitete Stelluii- gen zurück. In Richtung des Engpasses von Qucro wurde ein feindlicher Angriff zum Stehen gebracht. Iii der Ebene dauerie der Kampf an. htcue Versuche des Feindes, die Piave zu überschreiten, wurden vereitelt. Die Ab- teilnngen. die den Fluh in den vorhergehenden Tagen überschritten haften, wurden immer mehr im Bogen von Zcnson zurückdrängt und in dem überschwemmten Abschnitt zwischen Piave und Altpiavc zusammengedrängt, wo. sie Gegenangriffen ausgesetzt und unter das Feuer unserer Artillerie und Marineartillerie ge- nowwen wurden Im Lause des gest eigen Tages beschaffen unsere Flugzeuge wirksam die Brücken über die L i v c n z a und M o n t i- cano und beschoffen, indem sie sich aus einige. Kundert Meter niederließen, mir Maschinengewehren Truppen und Fuhrparks auf dem Marsche durch die Ebene, Heilage öes vorwärts Nr.ZIH 54. Jahrgang F Die berliner Parteiorganisationen zum Würzburger Parteitag. Erster 33afjlfrciä. Ten SScridjf erstattete Lucht, der hervor. hrch, daß in den Hauptfragen, die den diesjährigen Parteitag be- schäftigten, eine fast vollkommene Einmütigkeit erreicht wurde. Die Änwesendcn erklärten ihr Einverständnis mit den Beschlüssen. Der Antrag auf Beitragserhöhung auf 60 Pf. resp. 30 Pf. fand ein- stimmige Annahme. Zweiter Wahlkreis. Genosse H. Schröder gab eingehenden Bericht, wobei er besonders auf die grosse Sachlichkeit der Dis- lussion hinwies. Daß in der nächsten Zeit eine Wiedervereinigung mit den Unabhängigen möglich sein wird, bezweifelt« Redner. In der Diskussion'wurde auf die überaus hohe Bedeutung der Partei- tagsbeschlüsss für die Zukunft der Partei hingewiesen.— Den Borschlag der Bezirksleilung, den Beitrag auf 60 Pf. und 30 Pf. zu erhöhen, nahm die Versammlung mit großer Mehrheit an. Tritter Wahlkreis. Genosse Pohl erörterte in eingehender Werse die einzelnen Punkte der Tagesordnung und betonte, daß die vom Parteitag angenommenen Richtlinien für den zukünftigen flampf von grosser Bedeutung sein werden. In der Diskussion ivrachen die Genossen Schmal, Ritter, Heilmann und N e u m a n n, die ihr volles Einverständnis mit den Arbeiten des Parteitag? bekundeten. Vierter Wahlkreis. In der Versammlung für de» Osten be- richtete Genosse Hugo Poetzsch und behandelte insbesondere in seinem Bericht die �künftigen Aufgaben der Partei. Die Kritik, die bisher die Hauptstärke der sozialdemokratischen Partei war, ist ge- miß notwendig, aber künftig müsse noch mehr als bisher positiv mitgearbeitet werden. Tie sozialdemokratische Fraktion kann sich rühmen, mit Erfolg für die Besserung des Loses der Kriegsteil- nehmer und deren Familien gewirkt zu haben, eine Tätigkeit, der die Unabhängigen nichts Gleichwertiges an die Seite stellen können. Ter nächsten ReichStagSwahl ist eine gan� besondere Bedeutung beizumessen, dann wird es um die Macht im Staate gehen. Die Verantwortung unserer parlamentarischen Vertretung wird un- geheuer wachsen. Bei unserer Agitation dürfen wir uns nicht auf die Arbeiter allein beschränken. In dem grossen Heere der Angestellten, bei den mittleren und unteren Beamten hat der Krieg c-.nci,_ günstige n Boden für unsere Agitation geschaffen, den wir ausnützen müssen. Die nächste Aufgabe ist die Parlamcntarisic- ruug und Demokratisieriing Deutschlands. Der Reichstag kann viel erreichen, wenn der Mehrheitsblock zusammenhält. Wenn er uns nur den Frieden bringt, dann hat er schon viel geleistet. Iii der anregenden Aussprache, an der sich die Genossen Schräder, Sassen Schlienz. Köbbel und Buch mann beteiligten, wurde der Tätigkeit des Parteitags allseitig Anerken- nung gezollt. Die Diskussion beschäftigte sich zu einem grossen Teil mit der Partei'paltung und die meister Rodner erklärten ihr volles Einverständnis mit der angenommenen Resolution Scve- ring. Zum Tchlutz wurde eine Resolution aiigenoinmen, in welcher die Versammlung ihr Einverständnis mit der Tätigkeit und den Beschlüssen des Parteitags bekundet und dem Parteivorstand und der ReichStagSfraktion ihr Vertrauen ausspricht. In der Versammlung für den Südosten behandelte Genosse K l i n g l e r die Ergebnisse des Parteitags. Er zeigte, daß von allen Vorwürfen und Schmähungen gegen die Partei nichts übrig goblieben ist. Tie Spaltung der Partei fei bedauerlich, aber gerade die ungeheuer schwierigen Aufgaben und die schweren Kämpfe, die der Partei nach dein Kriege bevorstehen, werden die Einigkeit und Geschlossenheit wieder herbeiführen. Eine Diskussion fand nicht statt. Der Antrag, die Parteibeiträge auf 60 und 30 Pf. zu er- höhen, wurde mit der Begründung abgelehnt, daß Groh-Berlin erst einmal die Beiträge einführen sollte, die der vierte Kreis seit August dieses Jahres erbebt(50 Pf. resp. 30 Pf.). Dem Antrag des Bezirksvorstandes, 20 Proz. an die Bezirkskasse abzuführen, wurde zugestimmt. Fünfter Wahlkreis. Genosse Hermann Lesser behandelte besonder» eingehend die auf Herbeiführung einer Verftäildigung mir den Unabhängigen basierenden Debatten deS Parteitages. Als einer der-Uiiabbangigen" von 1891 hob er den mächtigen Drang nach Einheitlichkeit der Bewegung in der Arbeiterschaft hervor, der auch die damalige Unabhänglgenbewegung sich beugen mutzte und die immer stärker anwachsend unter den L obren der wirtschaftlichen Kämpfe den Separatismus der gewerkschaftlichen Lokalorgan!- sationen beseitigte. In der Diskussion sprach Wels im Sinne des Referats, worauf die Versammlung sich einstimmig mit den Beschlüssen deS Parteitags einverstanden erklärte. Unter Organi. sationsangelegenheitcn wurde der Antrag die Beiträge auf 60 bzw.. 30 Pf. zu erhöhen abgelehnt und beschlossen, der Erhöhung auf Die welfthe Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhundert!. 40� Von R. France.. Er richtete sich hoch auf. seine schlanke Gestalt glich einem drohend einporgerecktcn Arm. Er hob die Faust zum Himmel: „Schurken!' In dem einen Wort lag der Abschluß eines ganzen Lebens. Widmont verstand die Seelenwandlung, die da vor sich gegangen. Stumm bewegt reichte er dem jungen Freund die Rechte und auf dcu Händedruck der beiden rieselte verstohlen eine Träne... langsam perlte sie über die alte, faltige Wange, blieb an einem der weißen Haare des Bartes hängen — dann siel sie gerade auf die Hand voll Solms. Da sank dieser zusammenbrechend unter all der Last schluchzend an die Brust deS Alten. Unbeholfen zitternd fuhr der Greis über seine reichen Locken und ließ die stürmische Qual sich ausweinen. „Armer Junge," sagte er traurig,„so fest hast Du an Deiner zurcchtgeträumten Welt gehangen!" Da fuhr der junge Mann wieder empor. „Stein, und sie besteht doch zu Recht— daS Recht, das Gute muß siegen auf Erden— und ich— meine Lebens- ausgäbe muß eS sein, diesen Sieg des Rechten vorzubereiten. Peißer hat es einmal gesagt, das sei seine Mission auf Erden. der Freiheit eine Gasse zu brechen. Ihr schließ ich mich an mit jedem Tropfen meines Herzbluts— hier habt ihr mich nun ganz! Und nun auf, ich kann keine Minute mehr ver- lieren!" Er eilte zur Türe. „Was willst Du tun, Feuerkops! Da bleiben! Man kann nicht mit dem Schädel durch die Wand. Jeder, der seine Sendung mißversteht, geht daran zugrunde...* „Ich will Peißcr befreien. Man muß ihm zur Flucht verhelfen.* „DaS kannst Tu dock) jetzt in der Nacht nicht. Ich habe auch an nichts anderes gedacht und habe schon gesorgt." „Wie? Du hast Peißer zur Freiheit verholfen t Er ist frei?" Mit einem Sprung war er bei dem alten Mann. 50 Pf. bzw. 25 Pf. und der Einftihrung deS fakuliativen Jugendbeitrages zuzustimmen. Sechster Wahlkreis. Genosse Frank stellte in seinem ein- gehenden Bericht die Einmütigkeit der gefaßten Beschlüsse fest, die erneut der sozialdemokratischen Partei daS Rüstzeug zu weiteren Kämpfen geben wird. Einstimmig wurde eine Reiolution angenommen. die sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden erklärt, im Hinblick auf die bevorstehenden großen sozialen, Wirt- schaftlichen und politischen Kämpfe eine Einigung der beiden sozial- demokratischen Parteien für dringend geboten hält, die ferner er- wartet, daß die Bestrebungen zur Herbeiführung eines baldigen Friedens auf der Grundlage des russischen Eowjetangebotö zum Ziele führen, daß die Bestrebungen aus Temokraiisicruug Preußen! und Deutschlands energisch fortgesetzt werden und weiter eine Einwirkung auf die Regierung ausgeübt wird, um die völlig unzureichende und unerträgliche Lebensmittelversorgung zu bessern — vor allem durch die Beseitigung des Schleich- und Kettenhandels und rücksichtslose Beschlagnahme aller Vorräte. Einstimmig wurde sodann bcichlossen. den monatlichen Beitrag für männliche Mitglieder von 10 auf 60 Pf., für weibliche von 20 auf 30 Pf. zu er- höhen._ GroßSerün Noch länger hätte sie warten sollen—? Bei der Berliner V o l k s s p e i s u n g werden an die war- tenden Essenholer manchmal geradezu unbegreifliche Zumutungen gestellt. Die Speisenausgabestelle in der Tre S ck o w str a ß e halte dieser Tage wieder mal nicht genug von den zubereiteten Speisen zur Verfügung. E! gab Rotkohl mit Kartoffeln und Wurst, aber die gelieferte Rotlohlmenge reichte nicht für die angemeldeten Teil- nehmer. Den noch wartenden über 100 Personen mußte gesagt werden, daß fie kein Essen mehr erhalten könnten. Da! rief großen Verdruß hervor und führte zu erregtem Wortwechsel, doch die leitende Aussichtsdame wußte zunächst keinen Rat. Der Speisen- Mangel erscheint um so verwunderlicher, da diese Ausgabe« stelle von einer auf demselben Grundstück untergebrachten Küche be- liefert wird. Auch die Versuche, durch telcphomsche Anrufe andere Küchen zur beschleunigten Lieferung etwa noch voihandencr Reste zu veranlaffen, blieben erfolglos. Nach langem Warten erhielten die ungeduldig werdenden Frauen den Bescheid, man werde ihnen Kartoffeln und Wurst zurechtmachen! Für das Roikohlgericht mit Wurst war da! em schlechter Tausch. bei dem die Speisungsteilnehmer wieder mal Geld zusetzten. Aber den meisten blieb nur übrig, darauf einzugehen. Die Karten- abschnitte waren ja im voraus hingegeben, bezahlt war da! Esien auch schon, und Ersatz koimle man sich zu Hause nicht leicht be« schaffen. Eine Frau, die schon lange gestanden hatte und nicht mehr warten wolllr, bat um eine Aniveiiung. sich am folgenden Tage ihr Esien»aldliefern lassen zu dürsen. Sie wurde schroff abgewiesen: „Warten«ie, bis Sie herankommen!" und eine später nochmals vorgetragene Bitte um eine solche Anweisung fand wieder kein Ge- hör. Als schließlich die.Pellkartoffeln gar waren und samt der Wurst verteilt wurden, entstand ein allgemeine» Gedränge, weil jeder zuerst sein bißchen Esien haben wollte und am Ende wieder leer ausgeben zu müssen fürchtete. Die erwähnte Frau flüchtete sich au! dem Wirrwarr in! Freie und ging nun doch ohne Essen heim. Am folgenden Tage bat sie um Nachlieferung ihrer voraus- bezahlte» und nicht gelieferten Portionen, aber da kam sie übel an. Eine Aussichtsdame antwortete:„Sie hätten warten sollen, Essen war genug da. um �<3 Uhr wurde die letzte Frau abgeserttgt.* Es fiel der Dame auch nicht«in, die für die drei Portionen vorausbezahlten 1,50 M. zurückzugeben. Ein starkes Stück ist es wirklich, den Frauen zuzumuten, daß fie stunden- lang in Geduld warten, stall des erhofften wertvolleren Ge- richtes schließlich ein minderwertiges Hitinebinen, sich bei der Aus- teilung drängen und schubbsen lassen und dann vielleicht unter den letzten um 8/43 nach Hause gehen. Jene Frau, die ihren Lebens- unterbalt durch Heimarbeit erwirbt, hat nicht Zeit, umherzustehen. Daß sie den Verlust von 1,50 Marl empfindet, ist begreiflich. Was würde man von einem Privatunternehmer sagen, der so handeln wollte?_ Ausgabe der neue» Milchkarten. Die Dezember-Milchkarlen kommen in den nächsten Tagen im Bezirk der Fetlslelle Groß-Berlin zur Verteilung. Die bisherigen VerteilungSgrundsätze find beibehalten worden. Karleninhaber, die ein Vorzugsrecht bei der Anmeldung haben, muffen ihre Korten bis zum 22. November abends, die übrigen am 23. und 24. beim Milchhändler vorlegen. In Berlin sind die Vollmilchkarten bis zum 20. November abzuholen. Dieser lächelte auf seine feine und stille Art. „Setz' Dich Neinhardus, trinke einen Schluck auf all dieses Fieber Deiner Gefühle. Und horch' mich an. Ich habe schon seit längerer Zeit Verdacht geschöpft, ob in meinem Kreise nicht Angeber lauern— und einen haben wir richtig ge- habt— nun jetzt, seit wir es wissen, ist er ja unschädlich, bevor er noch etwas erfahren hat. Hundt hat mich zuerst aufmerksam gemacht auf ihn. Du erinnerst Dich noch an den Kollegen von der juridischen Fakultät, den Wälschen...* . Professor Crollalanza", fiel Reinhard ein..... Der ist jetzt öfters auf der Statthalterei." „Stimmt", nickte freundlich Widmont.„Dort gehört er auch hin und nicht zu uns. Er war ja nur einmal in unserem Kreise, ich ließ mich durch seine guten Manieren einfädeln, er ist überaus beleseft und gebildet.... Du iveitzt ja damals, als mir Weishaupt den Magnetiseur schickte— war auch so eine verunglückte Sache— gar nichts haben wir aus- gerichtet— jetzt.experimentiert der Italiener mit dem Kerl— heißt übrigens gar nicht Cavallo, sondern Roßtäuscher, was vielleicht mehr zu seinem Gesicht steht.... Also was wollt' ich sagen— dieser Crollalanza ist ein Spitzel— ich hab'S gan z genau: einer der vertriebenen Jesuiten, wie sie jetzt überall unter hundert Masken in einflußreiche Stellungen sich zu drängen suchen und an der Wiederherstellung ihres Ordens arbeiten. Der und der Pater Guardian hier in der Stadt stecken unter einer Decke und sind die gefährlichsten schwarzen Wühler." „Du wolltest mir doch von Deinen Schritten zur Be- freiung des Jakobus erzählen," unterbrach ungeduldig Rem- Harb die Redseligkeit deS alten Mannes. „Ja, richtig, also Jakobus kann, wenn er nur geschickt vorgeht, freikommen. Freilich muß er dann auch aus der Stadt flüchten. Aber schließlich, hier hätte er doch keine Zu- kunst, und nach Altdorf reicht der Arm unserer herrlichen Regierung nicht. Die Universität dort ist reichsstädtisch— ohne unsere Reichsstädte wäre sa das letzte Asyl der Hoff- nungen dahin, aber die Bürger dort die haben noch Nacken.— Also wir haben einen Vertrauten gerade in der Wunderlkase- matte, s' ist ein Offizier, ein wunderlicher Patron.der viel liest— Du weißt, das viele Lesen liebt auch eine hohe Regierung nicht— durch den Hab' ich dem Peißer vorher sagen lassen, er soll nicht verzagen, wir sind um ihn bemüht. Ich habe Sonnabenü, 17. November 1917 für verlorene Kohlriikarte». ES wird darauf hingewiesen. daß Kohlenkarten auf Grund besonderer Borschrift.deS Kohlen- verbände! Groß-Berlin nur dann ersetzt werden können, wenn fie� durch Einbruchdieb stahl- abhanden gekommen find. � Anderweitig begründete Gesuche um Elsatz dürfen nicht berücksichtigt werden. AuS der Stiftung der Berliner GewerbeauSpellung 1879 sollen wie alljährlich auch im Monat März 1918 an die der Industrie und dem Gewerbe sich widmende Jugend bebufs�ihrer weiteren Ausbildung Stipendien verteilt werden. Ein Stipendium kann nur solchen Personen gewährt werden, die in Berlin geboren und ort»- angehörig sind oder mindestens die letzten 4 bis 5 Jahre ununter« brachen Hierselbst gewohnt haben.— Die Gesuche um ein Stipendiuin >' i il d s ch r i f t l i ck> unter Beifügung eines selbstgeschriebeneir Lebenslaufes, der Schulzeugnisie und ionstigeil Zeugniffe des Arbeit- geberS dem Äuratoriunr der Stiftung der Berliner Gewerbe-Aus- stelluiig im Jahre 1879, Spandauer Straße 32 II, Zlinmer Nr. 2 (Gewerbedepiilation des Magistrats) in der Zeit vom 15. No» vember 1917 bis 15. Januar 1918 einzureichen. Später eingehende Gesuche oder solche, bei denen eins der vorstehend bezeichneten Beweisstücke mangelhaft ist oder ganz fehlt, können nicht berücksichtigt werden. Die Schneeschipp-Berorduung vor dem Charlotten- burger Stadtparlament. Zu der Sitzung am Mittwoch hatte die sozialdemokratische Fraktion«inen dringlichen Autrag eingebracht, der den Magistrat ersucht, gemeinsam mit den Magistraten der anderen Groß-Berliner Gemeinden beim Oberkommando wegen Aufhebung oder doch er- heblicher Milderung der Verordnung betr. die Verpflichtung der Be« völkerung zum Schneeschippen vorstellig zu werden. Der vom Ge- nossen Dr. Borchardt mit dem Hinweis auf die Unmöglichkeit der Durchsübrung der Verordnung und auf die der Bevölkerung daraus erwachsenden Belästigungen eingeheiid begründete Antrag wurde von allen Seiten sreudig begrüßt. Stadtv. E y k(lib.) be- zweifelt die Rechtsgültigkeit der Verordnung, da der Oberstkommair- dierende wohl das"Recht habe, auf Grund des Gesetzes über den Kriegszustand Verbote zu erlassen, nicht aber die Bevölkerung zu bestimmten Dienstleistungen zu verpflichten. Sladiverordnelen- Vorsteher Dr. Frentzel und Oberbürgermeister Dr. Scholz schilderten humoristisch, wie sie beide als die einzigen nickt eingezoge neu Mieter der von ihnen bewohnten Häuser, falls die Verordnung bestehen bleibe, schon jetzt bitten müßten, fie von ihren BerufSge- schäflen zu entbinden, da sie einen großen Teil ihrer Zeit dem Schneeschippen widmen müßten. Das Ergebnis war die ein st immige Annahme des An- t r a g S. Weiter genehmigte die Versammlung die Vorlagen betr. ver« mietung des RatSkellerS und betr. Ankauf von Kleidungsstücken. Hiernach stellt die Stadt zum Ankauf von Bekleidungöstücken, die von der NeichSbckleidungSstelle den Kommunal- verbändeu geliefert werden,>l:n die minderbemiltelle Bevölkerung mit Bekleidung zu versorgen, einen Betrag bis zur Höhe von 20 000 Mark als Betriebskapital zur Verfügung. Bei dieser Gelegenheit machte Genosse K a tz e n st e i n auf den Mangel an Säuglings- wasche und Betten aufmerksam und forderte, daß auch hierfür ge- sorgt werde. Bürgermeister Dr. M a i e r erwiderte, daß besonders für Kriegerfratiell in dieser Hinsicht ausreichend gesorgt sei. In gemeinsamer Sitzung ivählien Magistrat und Stadtverord- nele dann acht Mitglieder zum Provinziallandtag, und zwar Ober« bürgermeister Dr. Scholz, Bürgermeister Dr. M a i e r, die Stadträte Joffe und Scholz und' die Stadtverordneten Frentzel, Otto, Mann und Borchardt. Die sozialdemokratische Fraktion hat zwei An- träge eingebracht. Der eine ersucht den Mogistrat, der Stadt« verordr.etenversammlung unverzüglich eine Vorlage zu unterbreiten, die Maßnahmen vorsieht, um dem heute schon herrschenden und voraussichtlich nach Beendigung deS Krieges noch stärker zutage tretenden Mangel an kleinen und mittleren Woh« nungen vorzubeugen und insbesondere die zurückkehrenden Kriegs- teiliiehmer und ihre Familien vor Wohnungsnot zu bewahren. Der zweite Antrag fordert eine Borlage betr. Einführung einer ErwerbSlofenunterstützung in der UebergangS- zeit. Beide Anträge kommen auf die Tagesordnung der nächste» Sitzung._ Kreistag Niederbarnim. In der Sitzung de» Kreistage« am Dienstag wurde die Vor- läge des Kreisausschusses betreffend Erwerb der englischen Gasanstalt gegen 2 Stimmen angenommen. Der KreiSauSschuß ihm Geld geschickt und werde ihm auch Papiere für Altdorf vorbereiten. Also sei guten MuteS! Geh jetzt heim, leg' Dich aufs Ohr— morgen mußt Du frisch fein, wenn wir dem Jakobus zur Flucht verhelfen— der Offizier kommt vormittags her, sei Du auch hier. Wir müssen rasch handeln, bevor sie ihn wo anders hinbringen, wohin unsere Fäden nicht reichen." Er sah ihm liebreich ins Auge. „Reinhard mein Sohn, Du warst mir als Vermächtnis Deines Vaters teuer— auch so ein Feuergeist wie Du, er ist aber am Widerstand der Welt zerbrochen... als sein Sohn warst mir immer lieb, aber seit heute empfinde, ich Dich wie mein eigenes Kind— Du liebes, nobles, redliches Herz Du!" Und er legte wie segnend seine Rechte auf den Scheitel deS jungen Mannes, der nach seiner Hand griff und sie dank- bar küßte. „Geh nicht dorn heraus— die Aufpasser brauchen nicht zu wissen, daß Du bei mir, dem Anrüchigen, warst, da hast Du den Schlüssel zur Gartentür.— Geh mein Sohn, wir brauchen unseren Kopf morgen." Solms verschmähte es, vorsichtig die Straße entlang zu schleichen. Er war sich keiner Schuld bewußt� und jetzt hatte er auch keine Stellung mehr zu verlieren. So ließ er auch außer Acht, es zu bemerken, wie sich kaum, daß er auf die Straße trat, ein schwarzer Schatten vorsichtig vom Brunnen- rand am gegenüberliegenden Hause löste, an den er die ganze Zeit unbeweglich geschmiegt gewesert war, als sei er eine Brunnenfigur. Bis zu seiner Wohnung folgte ihm der stumme Begleiter; dort, kaum hundert Schritte von ihr entfernt, tauchte er wieder in die Dunkelheit eines mächtigen Torbogens unter, als vor Solms plötzlich ein zweiter Schatten aufstieg und der Verfolgte überrascht stehen blieb. „Herr Sekretär," flüsterte der so unvermutet auf SolmS Zugetretene. Es war Franz der Stift. Er kam zum ersten- mal als]?oktiI1oll d'amour und kvartete mit seinem Briefchen schon seit mehr denn einer Stunde im Unwetter. Alles auS Reue, um jene unglückselige Kellergeschichte gutzumachen, die er bei den fortgesetzten Nachforschungen Reginas nach den verschwundenen Büchern denn doch bald gebeichtet hatte, wor- auf man ihm die Ehre erwieS, ihn soweit inS Vertrauen zu ziehen... (Forts, folgt.) batte dem Liquidator unter dem 30. September d. I. folgende? An- gebot gemacht:»Unter Anerkennung der mit dem �schreiben bei Herrn Liquidators der Imperial Continental Gas Association i.Liqu. vom 2S. August 1917 mitgeteilten Bedingungen für die erneute Aul- fchreibung der Groß-Berliner Anlagen der vorbezeichneten Gesell schaft gibt der Kreilausschuß Nicdcrbarnim hiermit auf die an gegebenen Werke, Anlagen und sonstigen Verinvgenlgegenjtändc dieser Gesellschaft ein Kaufgebot in Hohe von 8S.L Millionen ab. �Leiter wurde der Kreilausschuß ermächtigt, im Falle der Annahme des Tängebots Darlehen Bis zur Höhe von 9V Mill. Mark aufzunehmen. Ferner wurde mit großer Majorität beschlossen, daß das Unternehmen, soweit es im Kreise Aiederbarnim liegt, die Form einer privaiwirtschafllichen Gesellschaft erhält und unter Beteiliguiig der gasabnehmendcn Gemeiiiden an der Verwaltung und am Gewinn betrieben wird. Wenn sich die Stadt Berlin nicht noch nachträglich zur Uebcrnohme des in Berlin liegenden Teils der Gaswerke bereit erklärt, soll dieser Teil gemeinschaftlich von den Kreisen Mederbarnim und Teltow-Beelkow verwaltet werden. Die Frist zu dieser Erklä- ruug beträgt drei Monate. Weiter erfolgte die einstimmige Annahme eines Antrage! des Kreisausichusiel zur Ausnahme eine! erneuten Kredits von lö Millionen Mark zur Unterstützung der Krieger- f a m i Ii c ii. Bei der Beratung dieser Vorlage forderten unlere Ge- nossen eine Erhöhung der bisher gezahlten Unterstützungsbeträge, und zwar für Kriegerfrauen von 20 auf 30 M. und für sonstige Angehörige von 10 auf 15 M. pro Monat. Dazu sollte ein Kreis- zuschlag von mindestens 100 Proz. gezahlt werden. Darüber hin- aus wurde der Kreisausschuß ersucht, in eine Beratung der Frage einzutreten, wie es möglich sei, de» Bewohnern der großstädtischen Gemeinden noch weiter entgegen zu kommen. Dieser Antrag wurde abgelehnt mit der Begründung, daß die finanzielle Tragweite sich noch nicht übersehen lasse, auch sei der Unterschied zwischen den städtischen und rein ländlichen Gemeinden zu groß. Beschlossen wurde, den Kreisausschuß zu ersuchen, umgehend in eine Erörterung zur Aufbcfierung der Unterstützung einzutreten. Als Material wurde auch ein Antrag Überwielen, der verlangt, daß eine Anrechnung des Einkommens der Kriegerfrauen in Zukunft erst bei 00 M.(bisher 40) erfolgt._ V Schöncberg. Lebensmittel. Von heute bis Dienstag Vor- a n in e l d u n g für 250 Gramm Suppen auf Abschnitt 70 der Aährmittelkarte und ein Paket Puddingpulver auf Abschnitt 20 der Aährmiltelkarte für Jugendliche. Ausgegeben werden in der nächsten Woche'/z Pfund gemischte Marmelade auf Abschnitt 75 und zwei Suppenwürfel auf Abschnitt 25. Reinickendorf. Süßstofiverteiluiig. Auf Abschnitt 17 der Süß- stoffkarte L kann vom 21. November ab ein Briefchen Süßstoff ent- nommen werden. Gerichtszeitung. Im Prozeß Thyssen hat jetzt das Reichsgericht die von der Treu- handgeselllchaft und den beiden Nebenintervenienten Thyssen Vater und Thyssen Sohn eingelegte Revision zurückgewiesen. Damit ist auch der zweite. Prozeß zugunsten der Konkursmasse von Thyssen Sohn entschieden. Der Streitwert ist auf 1 Million'Mark festgesetzt worden._ Freireligiöse sSeuieiudc. Sonntag, den 18. Nov., vormittags g Uhr, Pappelallcc 15/17; Nculöllii. Jdcatkasino, Wcichsclstr. 8; Oberschöneweide, Wilbclmüieicholitraßc 4? bei Otlo Pamv: Freireligiöse Vorlesung.'— Vor/ mittags IO'/j Uhr. Kleine Frankfurter Str. 0, Vortrag von Herrn Dr. Her- mann Hasse: Tolstoi und die russische Seele.— Gäste willkommen. Jugenöveranftaltungen. Arbeiter-�zugend Schöncberg. Sonntag Fahrt nach Birken- lverdsr— Summt. Treffpunkt:',.8 Uhr Kaiser-Wi'l helm-Play. Fahrgeld 1 M.— Mittwoch, den 21. November: Abounenteli- Versammlung mit wichtiger Tagesordnung. Gaste sind willkommen. Gewinuauoxns der 10. preußisch- Küddrutschr« (836. Königlich Nrcußischc») Klnssenlotterie 5. Klasse 0. ZiehungStag 10. November 1317 Auf jede genogene Stumuier find ,w-i gleich Hove Bansemcr u. Frau tKliie geb. Neumann u. Kinder. Heinrich Boje« nebst Frau Martha geb. Trutinat. Gwald Trntznat, zurzeit in» Felde. Ida Trutinat. Berta Trutinat als Schwäge- rmnen und alle Verwandten und Bekannten. Fch bab ein schöne! kurzes Glück besessen, nun schluin- inert eS. auf ewig unvergessen. ES gibt ein Weh, dal keine Worte schildern, und einen Schmerz, den auch die Zeit nicht heilt. Deine ticfbctriibte Gattin. Ruhe lanst in Feindesland. Dem Aug- fern, dem Herzen ewig nah. Zchmerzliches Gedenken. Drei Jahre sind nun schon v« flössen, daß dich, geliebter Bruder, die tüble Erde deckt. Wir tönnen'S immer noch nicht sasscn, daß du nie wiederkehrst zurück. So ruhe ianst vereint mit deinem Schwager von diesem schweren Kampfe auS. Ew Widersehn war UNS nicht mehr bcfchicdcn. Gewidmet von deinen Schwester«. Forel, Pros. A., Die sexuelle Frage. Volksausgabe 3,80 M. Buchhandlung Vorwärts, Lin- denstraße 3, Laden.* Aus dem Felde sendet meinen lieben Eltern 909b Fritz'läinmerliiig und Frau zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Euer Sohn Walter-, Mra-. Wim»- « Mtsemii ZeMiUlls Ii. II«. eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haltpflicht Zehlendorf» Wannseebahn. E-i, iladung zur ordentliche» am Sonntag, den La. November, nachmittags 4 Uhr, tu Zehlendorf bei Benno Mickleh, Potsdamer Str.N Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und AujfichtSrates. 2. Lczicht über die gesetzlich vor. geschriebene Revision des VerbandSrev'.sols. 3. Enllastungsoertcilung fürden Borstand. 4. Beschlußsassuiig über die Vcr- leilung des RciiigewiiniS. 5. Wahlen zum Aussichtsratc. 6. Genossenschaftliches.[106/19 Ter Auffichtsrat. 35. Jakob, Vorsitzender. Spezialarzt Dr. med. I.aabn beb. schnell, gründl., mögl. schiiicrzlos u. ohne Bcrussstör. GesehlecktZlirsnlcbsit., gebvlme Haut-, Harn-, Frauenleirien, Schwäche. Erprobteste Methoden Ehrlich-Hata-Kuren, Harn- u. Blutuntersuchung.* Königstr. Uli ÄÄ. Spr. 10—1 ii. 5— 8, Sonnt. 10—1 Prima WürstctieQ u. Wurst a. Kaninchen- n. Roß« fleisch tajrl. frisch. Pfd. 3,50 M. Naohn. Eüp.-Yers. Versand v. 5 Pfd. ab. Koßsohlächterei und Wurstfabrik Arthur hfchindler, Zwickau i. S. 1. ttiflttn gebr.. zahlt bis 600 M., IHUUu Schlafzimmer, gebr., vis 800 M.. Speisezimmer, gebr., bis lOMM., Möbel jed. Art taust <$go, Neukölln. Berliner Str.29.* C. 25, Hankcstr. 4 I. ULI. Abänderung. zu der Satzung der Ortskrankenkasse für daS Maurergewerbe zu Berlin vom 29. April 1913. Beschluß der außerordentlichen Aulschußsitzung vom 2. Juli 1917. Z 19 Absatz 1 erhält als Ziffer 3 folgenden Nachsatz: DaS Krankengeld erhöht sich auf 60 vom Hundert des Grundlohnes für Versicherte, vom Beginn der 3. Woche nach dem Eintritt der Arboilsunsähigkeit ab. falls die Versicherten nicht in Krankenbäiiscin, Heilstätten, Heimstätten und Lazaretten untergebracht oder in Rouierbchandlung sind oder nach Becndi- gung des Arbeitsverhältnisses als Erwerbslose erkranken. tz 53 erhält folgende.Fassung: Rückstände werden wie Gememdeabgaben beigetriebcn. Dem Beilreibungsoersabreii gebt seilen! der Kasse eine schrist- lichc Mahnung voran, für die eine Mahngebühr nach den amt- lichen nützen erhoben wird. Diese beträgt: sür einen Betrag bis 3 M........ 10 Pf. für einen Betrag von über 3 M. bis 15 M. 20, für einen Betrag von über 15 M. bis 150, 40, sür einen Betrag von über 150 19!..... 75, Mahngebühren werden wie Rückstände bcigctricbcn(Z 28 R.-L.-O.) ß 75 Absatz 6 erhall folgende Fassung: Ter AuSichusi ist beschlußfähig, wenn die Vertreter vor- schristSmäßig bcrusen sind. g 75 erhält folgenden Zusatz: Die Mitglieder des Ausschusses haben bei Wahrnehmung von durch daS Interesse der Kasse gebotenen größeren Gc- schästcu(Zlmtsreisen. Sitzungen, Kasseiireuisionen usw.). Anspruch aus Entschädigung sür den ihnen erwachsenden Zeitverluit und aus Erstattung der baren Auslagen nach den für die Vorstands- Mitglieder im g 61 unter Absatz a, Absatz 3, 3a, b und Absatz 4 festgesetzten Beträgen. In g 54 wird dal Dort.Rcndanlen" gestrichen uud dasllr daS Wort.Eeschästssührcr« gesetzt. In den gg 85, 87, 88 wird das Dort„iRcndant* gestrichen und dafür da! Wort„Geschäftsführer* geletzt. In§ 91 wird das„Rendanlen* gestrichen und dafür daS Wort„Geschästssührers* gesetzt. Berlin, dcir 2. Juli 1917. gnb Der B-irstand der Ortskrankenk asse sür das Mnnrergcwerbe zu Berlin. gez. A. D a e h n c, gez. R. Freund, Vorsitzender. Schrijtjührcr. Genehmigt. Eharlottenbuig, den 23. Oktober 1917. Königliches Odcrversichrrungöamt Groh Berli». gez. von Gostkowski. (L. S.). B. K. 351. 17.__________ Die beaiilragte Mcbrleisiung g 19 Absatz l Irilt nach Genehmigung des Bersicherungsamis vom 12, /II. 17 aus den nach erfolgter Zustellung de! Beschlusses solgenden Montag in Kraft. Tgb. 932 Vor. A. K. 17. Zugestellt am 16. 11. 17 Bekanntgegeben: 17. 11. 17. _ Zeitpunkt des Inkrafttretens: t9/ll. 17. Einzelne Modelle!!! 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Vach- baabiung Setaizi* Bekanntmachung. 5« Zwischenscheine«.-.r u« 3�« SchuldverschreibttttZen der VI. Kriegsanleihe könn«. v°... 26. November d. Js. ab iu die endgültige» Stücke init Zinsickcincii unigetauscht werden. Der Umtausch findet bei der„Nintauschstclle für die Kriegsaalciheu�. Berlind Z'fbrensiraüe 3Ä, flau. Außerdem übernehmen sämtliche Reichsbankanstaltcn nnt Kassen- einrichiung bis zum 15. Juli 1,918 die kostcnsrcie Vermittlung des Umtausches. Nach bieicm Zeitpun» tüimcn die Zwischenscheine n u r»«ch unmittelbar bei der„llnitauschslelle für die Kriegsanleihen" in Berlin umgeiaujcht werden, Tie Zwiichcnscheinc sind niil Verzeichnissen, in die sie nach den Beträgen und innerhalb dieser nach der Nummern solge geordnet einzutragen sind, während der VormittagSdienslftunden bei den genannlen Stellen einzureichen; Formulare zu den Verzeichnissen sind bei allen Reichs-' bantanstaltcn erhältlich. _ Firmen und.Haffen haben die von ihnen eingereichten Zwischenscheine rechts oberhalb der Stucknummer mit ihrem Fimieustempel zu versehen. Mit dem Umtausch der Zwischenscheine sür die-tss, SchaUanweiinuge» der VI. Kriegsanleihe in die endgültigen Stücke mit Zinsschcincn kann nicht vor dem iv. Dezember begonnen werden; eine besondere Bekanntmachung hierüber folgt Ansang Dezember. Berlin, im November lSt7.. Reichsbank- Direktorium. tisvenststn. v. Lrinnn. �c?r6sn! Ziicisrz: RTttbussvVsmm Osten- aVsafefurterAnce 35 ö AtTesten; s-* Beziigsquellanuerzeictinls BHPlIn-SOden g Fletnch-u. Wurstwar. J �siil Müiier(FiieseBs!r.22.j — �»!>'"*•* wn-w w.-Tit 1o!kbhe!l!BM!4oEoR9aSw. g iJE{!.Fi8{8Stl,l!08iS5G3ggtJ?| iLSsiilegJtenBSDgiMa ix UStfon» Q« ctHzarari z-u BS. Feuske, KoUbua.Dcrna Streng reo'.!, anerkannt Spezialarzti MÖBEL1 Ol*.)3tC*(i.<«»I«!?H5»N II E I ÄSSK I>r- niud. Colrinnnn Q f.Geschlechtskrankh., Haut-,■ Harn-, Frauenleiden, nervös 1 Schwäche, Beinkranke,* I Ehrlich- linta- Kuren (Dauer lüTape). Behsuidl. schnüll, sicher u.schmerz- los ohne Berufsstörung in ffr. Homcyer&. Co. konz.Labor. f.Blutunters� Fäden im Horn usw. FrieWetefr.m.Kjüt KäBijstr.SfSlÄÜF" Spr. 10-1 u. 5-8, Sonnt. 10-1. Honorar mäSig, a. Teilzahl. Seoaratrs Damenzimmor. bar oder Teilscahlnnj; kauft jedermann billig— reell— knlant bei 176L| Metigebauer.Cliarlollenburg Wilmersdorfer Straße 128 1, Ecke Schillerstr, empfiehlt gegan bar u. Zahlungserleichterung Herr»- 1. 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APOLLO FriedrichstraBa an der Koeheir. Dir. James Kloin. AUubendlich Tl, Uhr: 6ie Hochzeit des Maharadscha lliettterk. nnunterbr. geöffn. Sonntags: L Vorstellungen, 3'l, und T/, tJbr. Rose-Theater. .'>'/] U�t: Schneewittchen. 7',.uhr- Audreas ßoftr. I TBgi. TU. Sonnt S'j, u.7>)t Cedit Sis blop niebt nach Lenin! Revue- Posse in 5 Bildom u. Vuriotö-Einlagen von Otto Kentter. Musik von II. Hli-ach. Hauptdarsteller: Georg Kaiser— Erich Bchön- feider— A. MUUer-Lincke — Otto Routtor— Gartr. Gräbner— Jos. Dill— Fritzi Steinborg. Theater für Sonnabendf 17. November. Komische Oper T'k u.: SchwarzwaldntSdeL Sonnt. 3Vt: Die Dose Sr Ma|. Ke.ldenz-Theatcr Ti.uhr: Raskolnikoff. Mchlller-Thcater O Centrsl-Tbcater, KommandantenstraDe 67. 7»/,: Die CHardaafllrntin Sonnt. B'l, Uhr: iohtnnlsfeuer. Dentorhcs Opcrnhwna 7 ühr: Martha. Frledrlcta-Wilbelmst. Theater Ti.uhr-. Das Dreiinäderlhaiis. Kleines Theater T/t Uhr-. Geldzauber. LuMtdpielhanu 7*/, Uhr: Die blonden MSdele*, Lindenhof. Stg.3'l,: Oer Schwabenstreich. Melropol-Theater Ifbr: D« RüSK M AffM Sonntag 3 Uhr: Diö Kaiserin. Neues Operettenhaus ScbiBbd. 4a. Hassent. Kd. 281 7>/.S«hjIl#B40Tfgf. j-'ioi-rch- u. Wurstw. SüetscbmanDsCeDtr.K Kolonlai waren fitreliner Str. 57 ? r oL-.jlm«B«alr.o V UnotO% fd b�si'k'st'r'rt»7 WleKfllü, Turhl.rmri.ter Bozagsquollen-Vorzelchnls Berlin-Osten ÖW BuMor, Eier, Klae n ■H.il�iiyfilialgaB aacat Vehlhandiuna-» w mMü . Phatograph. Ateliers m SSSSSs llt-Stniss II ,t«r»-Ui»tk t•; Zur Aufklärung für Krilleuüehurftige! Sugengläser find notwendige Hilfsmittel für fchlechifehende Augen und müssen daher sachkundig angepaßt werden.— Brillenbedürftigen und Gläsertragenden wird der Hinweis auf allbekannte 1857 begründete Optiker Klotz' Optische Anstalt dienlich sein. Die Firma hat billigste Preise, die auch dem Aermsten er» schwinglich sind. Auch bürgt ihr guter Ruf für sächmäiinische und' zufriedenstellende Bedienung. Optiker Klotz' Kneifer und Brillen sind bestens bekannt. 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Die Beratung der Anträge bezüglich Religionsunterricht der Tissidentcntinder wird sortgcsetzt. Das Zentrum fordert einen Gesetzentwurf zur c i n fj e i t- Iichen Regelung der religiöse» örziebung und B e- seitigung der Vorschriften, wonach KirchcnauStrittSerklärun- gen usw. in bestimmter Form abzugeben sind. Fortschrittler und Sozialdemokraten beantragen Wiederherstellung des Ursprung- lichen Antrags Dr. F r i c d b e r a, wonach Diffidentenkinder gegen den elterlichen Willen nicht zum Religionsunterricht gezwungen werden können. Ter Ausschuß schlägt vor Befreiung vom Kaiechis- mus-Unterricht und, wenn ein zugelassener Ersatzunterricht nach- gewiesen ist. auch vom Religionsunterricht zuzulassen. Ein kon- scrvaliver Antrag will die Dissidentenkinder nur von d/r Unterweisung irn Katechismus ausnehmen. Abg. Ramdohr(ff.); Wir kommen soweit entgegen, auch gegen- über solchen Dissidenten, die es nur aus Verärgerung usw. gewor- den sind, keinen Unterschied zu machen und lehnen alle Ab- ändcruiigöitnträge ab. Abg. Hensel(f.): Für uns ist der Antrag ffriedberg für alle Zeiten unannehmbar, weil wir gegen ciiicn religionslosen Unter- r:cht sind.(Zwischenrufe des Abg. Ad. Hoffmail».) Ich halte die zehn Gebote im Herzen, Sie haben sie in der Westentasche! Abg. Ad. Hoffmann(Unabh. Soz.): Ich habe lange in einem Lazarett gelegen und von den Sol- baten oft gehört, dah sie im Schützengraben ihren G o: t c L g l a u- den verloren haben. Heute aber bombardiert man sie mit Traktätchen. Ihre Anträge gehen aus Verschleppung hinaus, bis Sie sich stark genug fühlen, die Zügel wieder stramm anzuziehen. Darin werden Sie sich irren. Daß dieser Krieg nach 1300 Jahren Christentum kommen konnte, beweist das Versagen des Christentum?. Das muß sich sogar schon den Kindern aufdrängen. Falsch ist die Behauptung des Herrn Hensel, im freireligiösen Unterricht sei von Christus nicht die Rede. Das rein Menschliche m der Lehpe Jesu, so wie sie uus übermittelt ist, das Ideal der Liebe, spielt gerade� die Hauptrolle im frctreligiösen Unterricht.— Meine Broschüre über die Zehn Gebote werve irfi Herrn Hensel zuschicken. Wenn er sie liest, wird er sehen, daß sie keine Kritik der Zehn Gebete enthalten, sondern einfach eine Gegenüberstellung: Das lehrt Ihr und waS haltet Ihr davon ein! Wenn Ihnen die Zehn Gebote ernst wären, dieser entsetzliche Krieg wäre unmöglich gewesen. Gäbe es einen Gott, er würde mit den Zehn Geboten dazwischen fahren und würde Sie zu Paaren treiben für die Schmach, in die Sie die Welt gebracht haben mit Ihrem Lippcnchrijtentum.(Bravo! bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) Abg. Blanlcoburg(natl.): Ter Abg. Hoffmannn sollte diese Fragen, die an das Tiefinnerstc des Menschen rühren, mit mehr Dakr und Ehrfurcht behandeln. Abg. Otto(Vpj: Wir halten die Dissidentenfrage nach wie vor für eine der wichtigsten. Es handelt sich für uns dabei um die Frage: Gibt es in Preußen eine Glaubens- und Gewissensfreiheit? (Sehr wahr? links.) Damit schließt die Debatte. Abg. Harnisch(z?oz.) fpcrsönlichc Bemerkung) betont gegenüber dem Abg. Hensel, daß er auch in der Kommission entschieden für die Trennung von Kirche und Staat eingetreten sei. Lediglich aus taktischen Gründen, um überhaupt etwas zustande zu brin- gen. sei er schließlich für den Kompromißantrag eingetreten. Nach der veränderten politischen Situation habe dazu im Plenum kein Anlaß mehr vorgelegen. Sämtliche Anträge zu der Materie gehen hierauf an die der- stärkte Unterrichts kommission. Die Vorlage betr. weitere S i ch c r st e ll u» g des Wahl- rechts der Kriegsteilnehmer wird in dritter Beratung angenommen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzes vctr. den Bau eines Tampfkraftwerks bei Hannover. Minister' der öffentlichen Arbeiten». Breitenbach: Es werden Ist Millionen für den Bau dieses Berks verlangt, das die Kraft- werke bei Minden und die am Main miteinander verbinden soll. Die Regierung hat besondere Leusäbc auSgoa, beitet, die die Einheitlichkeit und Wirtschaftlichkeit der Vcrior- gung auS staatlichen Kraftwerken tunlichst gewährleisten sollen. Abgg. v, Kries(k.) und Hevcr(Z.) beantragen Verweisung der Vorlage an die verstärkte Haushaltslommission, Tl« Abgg. Frcnzel lVp.), Brün(ff.) und Mathis(natl.) stimmen der Vorlage im allgemeinen zu. Abg. Hur(Soz.j: Meine Freunde stehen der Vorlage wohl am svinpathischstcn von allen Parteien gegenüber. Tie Erklärungen des Ministers ließen erkennen, daß die'Anschauungen, die wir für die Versorgung des Landes mit Elektrizität seit Jahren»er- treten haben, allmählich zum Durchbruch gekommen sind. Seine Ausführungen bedeuteten einen bedeutsamen Bruch mit alten An- lchauungcn. Dieser Bruck, muß weitere Folgen Kaden hinsichtlich dgr Umwälzungen, die der Krieg in Volkswirtschaft- sicher Hinsicht nach sich ziehen muß. Wir wünschen, daß die Vorlage möglichst bald durchgeführt werde, schon im Hin- blick aus die Versorgung der zurückkehrenden Krieger mit Arbeit, denn es mehren sich die Anschauungen, daß wir nach dem Kriege zunächst einmal mit großem Ucberfluß an?lrbeitskräf- t e n zu rechnen haben werden. Die WirischaUlichkeit der Kraftwerke wird um so größer werden, je eber man übergeht zur Durchführung dcS staatlichen Elektrizitätsmonopols obne Rücksicht auf prwate Interessen. Angesichts der ungeheuren rnanzicllcn Anforderungen, die in der llebcrgangszeit noch dem Kriege an da» Reich genelst werden, muß die privatkapitalistische Ausnutzuna, der Bodenschätze beseitigt werden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) ?lbg, v. Wopua(fk.) wendet sich gegen den Gedanken eines staatlichen Elektrizitätomonopols. Tie Vorlage wird an die verstärkte HauShaltkommission ver- wiesen. Ein Gesetzentwurf betr. die Anrechnung deS Kriegsdienstes auf auf das Bcsoldungödienstaltcr der Lcbrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschule» wird nach kurzer, Debatte ebenfalls an die verstärkte HauShaltkommission verwiese». Zur Beratung steh: weiter et» Antrag der verstärkten Staats- baushalikommission betreffend die Förderung der Fische- r e i. insbesondere der Seefischerei und des Verkaufs von frischen Fischen. Abg. Frhr. v.?Ralt>ahn(k.) tritt für die Sckiasfung einer Haupt- amtlichen Stelle für Fischerei im Landwinschastsministcrium ein. Abg. Flathmann inatl.) schließt sich dem Borredner an. Abg. Schmiljcn lVp,): Die amtlichen Stellen haben leider viel zii wenig ZL«rt aus die Organisation der Versorgung der Bevölkerung mit Fischen gelegt. Es gibt noch viele Gewässer im Binnenlande, die zur Erzctgung von Fischnahrung eingerichtet werden könnten. Die weitere Debatte wird vertagt auf Sonnabend Ik? Uhr. (Außerdem weitere Anträge und Petitionen.) Schluß: ö Uhr, wovon sollen wir leben? Ein Vorstoft gegen das staatliche Bewirtschaftungssystem. Tic„Kölnische Volkszcitung" stößt einen Alarmruf aus, der sicher in weitesten Kreisen Aufsehen erregen wird. Iii einein Artikel„Wovon leben wir?" werden unsere Ernäh- rnngsaussichten für den vierten Kriegswinter schwarz in schwarz gemalt, so schwarz, wie man es bei einem Blatte gar nicht für möglich halten sollte, das die Politik des„Krieges bis zum Endsiege" vertritt. Hätte ein Organ des Verständi- gungsfriedens derartiges geschrieben, so würde die alldeutsche Presse, Herr Tr. Eisele von der„K. V." voran, sich matzlos über diese„Flonmacherei" emvört haben. Man verstehe uns nicht falsch: auch wir sehen der Ernäh- ning im vierten Kriegswinter mit schweren Sorgen entgegen. Aber der„Köln. Volksztg." ist es in erster Linie darum zu tun, das jetzige System der staatlichen Bcwirtschas- tung für bankrott zu erklären und seinen Abbau zu besür- Worten. Man lese folgende Absätze: Tic Vorsckätzungcn hoben ein erhebliches Defizit on Getreide vorausgesagt. Die gründlichen Nachprüfungen sind nicht piel besser ausgesallen. Das ganze Epstem der amtlichen Lebensmittelversorgung bat damit versagt, wenn man diese Schätzungen, Nachprüfungen und Statistiken kennt und richtig beurteilt.,.. Wäre die Statistik richtig, dann wäre seit einem Jahr 1 Million Morgen Boden in Teutschland spurlos verschwunden. Kommunale Verbände haben heute schon mehr Kartoffeln geliefert, als sie nach dcr amtlichen Statistik überhaupt besitzen konnten. Das amtliche System mit seinen Sta- tiftitcu und Vvrschävnngcu mußte vcrsazm, de? hat jeder vor- ausgesagt. Und doch ist's nicht über?kacht in die Rumpelkammer zu werfen. Dafür sind die Dinge zu weit gekommen. Aber dar6n ist kein Zweifel, lange läßt sich dieses System der amtlich bureaukratischen Ernährnngspolitik nicht mehr ertragen, es mutz noch vor dcr nächsten Ernte abgebaut werden, sonst folgt dem papiernen auch der wirkliche Zusammenbruch. Aber was soll dein jetzigen System folgen? Was die „Köln. Volksztg." vorschlägt(stärkere Ausnutzung der be- setzten Gebiew usf.), stirb nur Pnlliativmittelchen. Hinter den Wornungsrusen der„K. V. lauert in Wirklichkeit nichts als die Forderung auf Wiedereinsetzung des berückstigten„freien Handels" in seine alten Rechte. Hiergegen kann gar nicht energisch genug protestiert werden. Ein Beispiel aus jüngster Zeit sollte genügen, um jedermann die Folgen einer Wieder- zulassung des„Freien Handels" vor Augen zu führen. Wir iiiemen die schamlose Verteuerung des Kümmels. Ter viel- gepneicue freie Handel(Erzeuger wie Händler sind gleich schuldig hierbei) hat es fertig gebracht, den Preis für einen Zentner Kümmel von 13— 40 Mark im Frieden auf 1300 bis 2000 Mark heraufzutreiben. Berief nian sich früher aus den Wucher mit den freigelassenen Lebensmitteln, wie z. B. den G ä n s e w u ch e r. so erwiderten die Versechter des „freien Handels": das sind die wenigen freigelassenen Nah- rungsinittel, aus die sich das durch die Staatsbewirtschastung ausgehungerte Publikum wirft.— Aber es hat wohl noch niemand aus Hunger— Kümmel gegessen! Das Beispiel des Künmiels ist ein zwingender Beweis dafür, daß der freie Handel im Kriege nichts weiter vermag, als die Gegenstände des Bedarfs in wucherischster Weise zu ver- teueru. Gemüse wirb waggonweise„geschoben'« Eine Verhaftung auf dem Anhalter Bahnhof. Einem Beamten der R c i ch s st c M c für Gemüse und £ b st gelang c-, gestern auf dem Anhalter Güterbahnhof dem'Abschluß eines Handelsgeschäfts beizuwohnen, durch welches mehrere Wagen mit Gemüse zu einem Betrage abgesetzt werden sollten, dcr dem Höchstpreis nahezu um das Doppelte überstieg. Der betreffende Beamte ließ die Händler aus der Stelle verhaften und den» ordentlichen Richter zuführen. Die Ware wurde beschlagnahmt und zum Höchstpreise einer Berliner Gemeinde zu- gcsprcnben. Im Anschluß an dielen Vorfall finden bereits eine Reihe von Haussuchungen statt. Die Reichs stelle läßt jetzt ständig unvermutete'Beobachtungen dcr Güterbahnhöfe und sonstiger Ge- niü'eumsatz stellen vo-r, nehme». Auf diese Weise wird die Reichsstcllc hinter Dinge kommen, die für die Bevölkerung längst kein Geheimnis mehr sind. Schneeschipp-Grlaß unö Neichstag. Eine Blürc des Belagerungszustandes. Tie gesetzliche Basis für den Schnecschipp-Erlaß des Ober- kommandos bildet das Gesetz über den Bclagerungs- z ü st a n d vom 4. Juni lSöl. Der§ 1 dieses Gesetzes enthält die Bestimmung, daß die Zivilverivaltungs- und Gemeindebehörden den Anordnungen und Aufträgen der Miliiärbefehlshaber Folge zu leisten haben. Darüber, wie weit diese Anordnungen und Auf- träge gehen dürfen, herrscht jedoch absolute Unklarheit. Hat dcr Militärbefehlshaber z. B. das Recht, über die Arbeitskraft dcr bürgerlichen Bevölkerung unbeschränkt zu verfügen? Ter Erlaß des'' Oberkommandos geht von der Auffassung aus, daß die Frage zu bejabcn sei. Wenn diese Ausassung richtig ist, so drängt sich die ivcitcre Frage aus: Wozu bedurfte es dann noch eines Hilfs- d i c n st g c s c tz c s, bei dessen Zustandekommen der Reichstag und der Bundesrat mitwirken mutzten? Da der Belagerungszustand für ganz Deutschland erklärt ist. so hätten ja einfache„Anordnungen und Aufträge" der Militärbesehlshabcr genügt, um die deutsche Zivilbevölkerung zu allen Pflichten heranznziehen, die ihr durch das Hilssdirnftgcsctz erst auferlegt werden mußten! Die Militärbe- feblsbaver besäßen dann eben eine Macht, die die Befugnisse des Reichstags und des Bundesrats umfaßt und überragt. Aber nicht nur dic'e prinzipiell politische, sondern auch die rein praktische Seite dcr Frage verlangt die Beachtung dcS Reichstags. Tic Besehlshcrbc rstcll cn und die ihnen bcigegebencn Hilfskräfte setzen sich fast ausschließlich aus Personen zusammen, die auf Grund ihrer einseitigen militärischen Vorbildung schlechterdings nicht imstande sein können, zahlreichen Befugnissen, die eine so weit reichende Macht ihnen zuschreibt, zu genügen.'AIS das Belage- rungszustandsgesctz gemacht wurde, stand die wirtschaftliche und soziale Enttvicklung noch auf einem relativ niedrigen Niveau. Es war damals ungleich leichter, die in Frage kommenden Verhältnisse zu übersthew, zu beurteilen und ihnen gerecht zu werden. Welche Schwierigkeiten sich aber angesichts der heutig.» komplizierten öko- nomischen und sozialen Zustände ergeben, beweisen allein schon die zahlreichen Klippen und Untiescn, die das Hilssdienstgesetz bei seinem Zustandekommen zu umschiffen hatte. Keine Militärbe- sehlshadcrstelle, selbst die genialste nicht, kann solchen Schmierig- leiten auch nur im entferntesten gewachsen sein. Einen ungeivöhn- lich lehrreichen Beweis für die naturgemäße Hilflosigkeit der reinen Miliiärgcwalt gegenüber die>e,n Ausgaben liefert gerade der Erlaß des Oberkommandos, dcr nicht nur die elementarsten Wirt- schaftlichcn Notwendigkeiten des modernen großstädtischen Lebens vollständig unberücksich. t i g t läßt, sondern auch das soziale Bewußtsein der Bürgerschaft aufs schwerste verletzt. Ist ein Gesetz, da» solche Befugnisse einer t dafür absolut ungeeigneten Stelle einräumt, in seiner beute be- siebenden Form noch zeitgemäß? Und steht der materielle und ideelle Schaden, den die Wirksamkeit eines solchen überlebten Gc- sctzes gerade in den schwierigsten Zeiten anrichten kann, noch in irgendeinem vernünftigen Verhältnis zu dem gelegentlichen Nutzen, den es auf rein militärischem Gebiet vielleicht hie und da bringen mag? Diese Erwägungen anzustellen wird eine der nächsten dringen- den Aufgaben des Reichstags sein. Man wird die Frage zu stellen und die Reichsregierung wird sie zu dontworten haben, ob dieses Gesetz noch länger aufrechterhalten werden lann, das in den Zeiten dcr finstersten Reaktion zu dem Zweck erlassen wurde, besiegte„Rc- bellen" unter dem Deckmantel des Rechts bequemer kommandieren zu können, und das heute gegen eine Bevölkerung zur Anivendmrg gebracht wird, die länger als drei Jahre hindurch unerhörte Opfer mit beispielloser Geduld und Hingabe gebracht hat. Gins Berichtigung für Herrn v. Tirpitz. Wir erhalten folgendes Schriftstück zugesandt: An die Schriftleitung des„Vorwärts", Berlin! Sehr geehrte Schriftleitung! Unter Berufung auf 8 ll des Prcßgcsctzes ersuche ich Sie, die iii Ihrer Morgenausgabe vom 13. November 1!H7 enthaltene Mitteilung über Unterredungen des Großadmirals von Tirpitz in München wie folgt zu berichtigeu: Die Meldung, nach welcher Großadmiral von Tirpitz in Unterredungen mit dein Reichskanzler von Herlling, Gras Preist sing und dem Erzbischof von München erklärt haben soll, gerade auf die innere Politik komme es am meisten an, es gelte für die Vaterlandspartei der demokratischen Entwicktung entgegen- zuwirken, ist vollkommen unrichtig, Richtig dagegen ist. daß der Großadmiral bei allen Gelegen- ' heticii in der Oesseniiickkcit wie in den privaten Unterhaltungen . ausdrücklich betont hat, daß die Vaterlaiwspartet sich ihrem Pro- gramm gemäß unter kernen Umständen in die Fragen der innc- rcn Politik einniischen wolle. Mit vorzüglicher Hockiachtulig Deutsche Vatertaudspartei(.Presseabteilirng). Axel N t p k e. An dieser Berichtigung ist das Auffälligste, daß Herr v. Tirpitz nicht etwa selber seine Worte berichtigt, fon- dern daß die Vaterlandspartei Herrn Axel Ripke vor- schickt, der von der Sache gar nichts aus Eigenem weiß und wissen kann. Tic Berichtigung ist sachlich un- richtig. Bei diesem Borgeben kann man ober weder Herrn v. Tirpitz den Vorwurf einer bewußten Unwahr- h e i t machen— denn c r berichtigt ja nicht—, noch kann man � denselben Vorwurf Herrn Axel Ripke machen— denn er kennt den wahren Sachverhalt nicht. Diese Methode der Berichtigung durch einen Tritten kann nur die Auffassung bestärken, daß die Darstelstuig unseres Ge- währsmaunes vollkommen zutreffend war. Äolksbund für Freiheit und Vaterland. Am 13. Nv- vember fand unter Vorsitz des Gcneralsckretär-s dcr beut- scheu Gewcrlvcrcine H ck r t in a n n die erste auS dem ganzen Reich beschickte Versammlung dcr Vertreter wirtschaftlicher Or- ganisalioncn statt, um endgültig für Gründung des VolksbundcS für Freiheit und Vaterland Stellung zu nehmen. Tic Versamm- luug war von etwa Lay Pe»so»cn besucht. Nach Referaten von Rcichstägsabgeordncten Gicsberts, Professor Friedrich M c i- necke und Rcichslagc abgeordneten Bauer über Aufgaben und Ziele des VolksbimdeS, an die sich eine eingehende Aussprache schloß, nahm die Versammlung einmütig gegen eine Stimm: folgende Entschließung an:„Die Versammelten sind der Mckrnung, daß die Gründung des Volksvundes für Freiheit und Vaterland eine dringende Notwendigkeit ist. Sie beaustragen den vorbereitenden Ausschuß, unverzüglich � eine Vertrcterver- s a m m luug einzuberufen, um die Gründung des Volksbund-S vorzunehmen." Ein wiütcrcr studentischer Protest gegen die Nngczog'enheiten. die einige alldeutsche Studenten bei der Antrittsvorlesung Pro-- fcssor Försters in München verübten, geht un? aus München zu. Eine von 130 Studierenden der Mmrchcner Universität besuchte Versammlung beschloß eine Erklärung, in der festgestellt wird, daß die Ruhestörung von einer verschwindenden Minorität ausging letwa llt) von 1000 Studierenden). Die Versammlung sieht es als das Ende akademischer Lehr- und Lernfreiheft an, wenn inißliebige Ueberzcugungen eines Dozenten niedergeschrien werden dürften. Tie Gelben(Bund Deutscher W-rkvereine) haben sich gegen die Aushebung des§ 133 dcr Gewerbeordnung ausgesprochen.— Man lieft es und wendet sich ab. Alldeutsche Agitntionsblvtcn.(Schimpisreiheit gegen den Reichstag.)„Die Schamlssiglcit, mit der die Reichstagsmchrheit die Notlage des im schwersten Kumple um sein Dasein begriffenen deutschen Volkes anslieutct, um ihre kleinlichen selbstsilchtigen Zwecke zu erreichen, ist wirklich erstaunlich."(Der„Rcichsbote", Nr. 518 vom 13. November.) „Die unausweichliche Verpflichtung besteht darin, daß wir uns angesichts solcher hcrrijckrcn Großtaten losreißen von allem Ileiu- g e i st i g c n Getue und von allem erbärmlicheu Gerede. Beides scheint ja jetzt aus dem Beben der innerdeutschen Tages» Politik in bedenklichem Umfang Mode gelvordc�i zu sein. Los von einer innerlich uneinheitlichen sogenannten RcichstagSmehr» heit, in welcher politische Gccncqroste, nach yrrostratischem Ruhme geizend, den Ton angeben!"(„Deutsche Tageszeitung", Nr. 381 vom 13. November.) I Hoch dcr Kricgswuchcrcr— nieder der Feldgraue! Nachdem erst vor etwa 14 Tagen in Elberfeld dcr sozialdemolratischc Antrag- eine Petition an den preußischen Landlag zwecks Einführung des allgemeiner, gleichen und direkten Wahlrechts in den Kommunen criizureichen. von der liberalen Mehrheit einstimmig ab- gelehnt worden war, brachten unsere Genossen am Dienstag den- selben Antrag in der Barm er Siadtvcrocdnetetwersaminiung ein. Auch hier erreichte den Antrag das gleiche Schicksal. Cr wurde einstimmig abgelehnt. Nur die sozialdemokratische Stadtverordnciensraktion stimmte dafür.— Die Elberseld-Barmcr Liberalen sind also einmütig dcr AiHcht, daß der KriegeSwuchercr ein höheres Recht in der Gemeinde zu beanspruchen hat als der Kriegsbeschädigte, den dcr Krieg Vermögen und Einkommen gc- kostet hat._ Letzte Nachrichten. Mehr Wasscrstrasicn zwischen Teutschland und Oesterreich. Hamburg, Ist. November.?lm Schluß des ersten Verhond- lungstagcS der deutsch-östcrreichisch-ungorischc» Wirtschaftsver- bände wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der betont wurde, daß nach dem Kriege ungesäuiirt an die Herstellung leistungsfähiger Wasser st raßcnverbindungrn zwischen Deutschland und Ocstcrreich-Uugarn ge- schritten werde» müsse.?lls wirtschaftlich wichtigste und dringendste Verbindungen kommen der Elbr-Oder-Donau- und der R y e i u M a i n- T o n e ii- K a n a l in Betracht. Für den GroftfchisfahrtSwcg von dcr Elbe nach der Donau ist dcr Kanal Pardubitz— Prerau zum Anschluß an den Oder-Dmrau- Kanal als die beste Lösung anzusehen. Die Niederwasserregelung der Elbe ist auf das schleunigste zur Durchführung zu brwgc«. Die Tätigkeit öer Mrbeiter-ErnährungskommWon. In einer Versammlung der Berliner Schraubendreher, die am 7. November staltfand, berichtete Cohen über die Tätigkeit der Arbeiter-Ernährungskommission. Cohen schilderte einleitend die Entstehung der Kommission, wie ou« der VerhandlunpSkommisfion bei der Arbeitsniederlegung der RüstuugSorbeiter im April eine ständig« Kommissron gebildet wurde. die allwöchentlich mit dem Magistrat Berlin und anderen Kommunal- Vertretern Beschwerden und Mißstände in Fragen der Ernährung verhandelt. Es seien die verswiedenartigsten Fragen über Ernährung in den Sitzungen mit den Kommunalvertretern beraten worden, wo- bei eS des öfteren gu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen ist. Auf Veranlassung der Kommission, der von den Arbeitern auster- halb der Rüstungsindustrie der Vorwurf gemacht wurde, dah sie nur die Interessen der Rüstungsarbeiter vertrete, sei die anderweitige Regelung der Zusabbrotkartc vorgenommen, wonach allen gegen Krankheit vcrficherungSpflichtigen Arbettern und Arbeiterinnen eine Zusatzbrotkarte von 4S0 Gramm wöchentlich zustehen. Die Behörden sowie auch die Arbeitgeber der Rüstungsindustrie haben sich gegen diesen Borschlag der Arbeiterkommisfion gewandt, da man große Beunruhigung unter den Arbeitern befürchtete. Die Kommisfion habe jedoch, gestützt auf die Erklärungen der Rüstung� arbeiter und im Vertrauen auf die Solidarität der NüstungSarbeiter gegenüber der Arbeiterschaft darauf bestanden, daß die Neuregelung eingeführt wird. Beginnend mit dem IS. August dieses Jahres sei nun die Neuregelung vorhanden, und eS werde allseitig, auch von den Vertretern der Arbeitgeber der Rüstungsindustrie zugegeben, daß sich die Neuregelung durchaus bewährt habe. Gegen einen Plan der Verkürzung der allgemeine» Brotration, der vor einiger Zeit auftauchte, habe sich die Arbeiterkommission ganz entschieden gewehrt und darauf hingewiesen, daß ein solcher Gedanke geeignet sei, große Unzufriedenheit in die Kreise der Arbeiter zu tragen. Auch gegen die Brot- Verteuerung infolge der Erhöhung der Getreidepreise wandte sich die Arbeiterkommisson, da diese Verteuerung durchaus nicht als ausreichend begründet erscheine. Die der Arbeiterkommisfion gegebene Aufklärung genüge durch- ouS nicht. ES soll nämlich durch Erhöhung der Getreidepreise das Streben nach Berfntterung von Lrotgetreide, das wegen der hohen Fleischpreise den Produzenten vorteilhaft ericheint, unterbunden werden. Die Arbeiterkommisfion wies darauf hin, daß ein der- artiges Verhalten der Getreide- und Fleischproduzenten ein« wenig patriotische Betätigung dieser Kreise beweise. Bedauerlich sei, daß man angesichts eines solchen aNgcmeiaheitSschädlichen Verhaltens gegen diese Kreise nicht entschieden genug vor- gehe. Statt dessen wende man diesen Kreisen nun noch höhere Gewinne als bisher zu, und zwar auf Kosten der Konsumcntea, die ja zum weitaus größten Teil aus Arbeitern bestehen. Den Gedanken, durch Senkung der Fleischprrise den Ver« kauf von Brotgetreide als vorteilhaft erscheinen zu lasien, scheine man an den maßgebenden Stellen nicht gehabt zu haben oder aber man habe sich nicht getraut, den Produzenten mit derartigen Vor- schlägen zu kommen. Das letztere sei wahrscheinlich das Richtige, weil wir schon immer beobachten konnten, in wie unberechtigtem Maße den Produzenten in ländlichen Kreisen Vorteile auf Kosten der Konsumenten zugeschoben werden. Bezüglich der Kartoffel» habe sich die Kommisfion bemüht, den Arbeitern sowie der gesamten konsumierenden Bevölkerung Groß-BerlinS ein genügendes Quantum zu sichern, und zwar zu einem Preise, der in einem gesunden Ver- hältniS zu den Produktionskosten steht. Vollständig ist dicS leider nicht gelungen. Das Quantum von sieben Pfund für die Woche könne nicht als ausreichend betrachtet werden, ebenso wenig recht- fertige sich der gegenwärtige hohe Preis. Besonders schwierig gestalte sich die Frage der Fettverteilung hei dem allgemein in die Erscheinung tretenden Feitmangel. Erst in allerletzter Zeit wieder tauchen neue Schwierigkeiten auf, denn nach einer Bekanntgabe des KriegSernährungSamtS sollen in Zukunft anstatt 50 Gramm Naturbutter nur noch M Gramm ge- geben werden, während man allerdings daS Quantum Margarine von 30 Gramm auf SO Gramm erhöhen wird. DaS sei eine ganz erhebliche Verschlechterung, denn wenn auch daS Gesamtquantum bleibt, so sei doch Margarine nicht im entferntesten ein Ersatz für Noturbutter. Ter Versuch der Arbeiterkommisfion� dicserhalb init dem Preußischen StaatSkommiflar für ErnährungS- fragen in Verhandlungen zu treten und in mündlicher Verhandlung die Bedenken der Arbeiter vorzutragen, sei bis jetzt leider gescheitert, so daß die neue Maßnahme in Kraft tritt, ohne daß unS vorher über die Notwendigkeit dieser neuen Maünahme eine ausreichende Begründung gegeben wurde. Daß auf dem Gebiete der Fett- Verteilung bei weitem nicht alles in Ordnung ist, gehe daraus hervor, daß zu der gleichen Zeit, wo oifiziell das zur Ber- teilung gelangende Quantum Noturbutter herabgesetzt wird, man bei hoher Bezahlung auf dem Schleichwege Butter i» ausreichendem Maße erlangen kann. Dieser Uebelsiand sei ganz unzweifelhaft u. a. auch mit darauf zurückzuführen, daß man sich nicht getraut, an maß- gebender Stelle die Buttcrkonfumenten, das sind ländliche Kreise, genügend entschieden anzufassen. Zu der gleichen Auffassung müsse man auch bei der Zucker frage kommen, bezüglich derer ja vor kurzem erst festgestellt wurde, daß 2 Millionen Zentner Rohzucker im verflossenen Erntejahr nicht ver« braucht seien, während die Bevölkerung unter starkem Zuckermangel schwer zu leiden hatte. Merkwürdig sei auch, daß man im Borjahre eine Anbauprämie für Zuckerrüben gab, während man jetzt erfährt. die geernteren Zuckerrüben würden sich wegen der großen Menge nicht alle zu Zucker vernrbeiteu lasse». ES wird daS alles auf Kohlenmangel zurückgeführt, doch gewinnt das Ganze vielmehr den Anschein, als ob hier wieder agrarische Interesse» den Ausschlag gegeben haben. Sodann ging Cohen auf die Misere bei der Gemüseversorguug ein, die ebenfalls so viel zu wünschen übrig lasse. Lu-b die Be- mühungen der Kommission bezüglich der sogenannten Nährmittel erwähnte Cohen. Zum Schluß ging der Referent auf den jetzt nun bald ins Leben tretenden„L ebenömittclverband Groß- Berlin" ein und schilderte den Wert einer einheitlichen Organisation zur Verteilung aller Leben?- mittel in Groß-Berlin. Es sei ja bedauerlich, daß bis jetzt nach mehr als drei Kriegsjahren dieser Gedanke erst verwirklicht wird, doch wenn der Plan auch spät komme, so komme er doch nicht zu spät. Die Organisation werde fa nicht gleich die Verteilung aller Lebensmittel übernehmen können, aber wenn es auch zunächst nur einige sind und die Broikartengemeinfckaft auf das Gebiet des LebenSmittelverbandcS Groß-Berlin auSgedebnt wird, so sei eS doch immerhin ein Anfang, der die Aussicht biete, daß eS nach und nach für die Verteilung von LebenSmitieln in Groß-Berlin nur eine ein- heitliche Organisation gibt. Auf die Widerstände einzugehen, die besonders vom Kreis Nicderbarnim dem Gedanken der einheitlichen Organisation für Groß-Berlin bereitet sind, würde zu weit führen. Es genüge fest- zustellen, daß nach erbeblichen Bemühungen, bei denen auch die Arbeiterkommission nach Kräften mitgewirkt hat. eS gelungen ist, die Sache soweit vorwärts zu treiben, daß nunmehr an die Grün- dung des LebenSmiitelverbandeS Groß- Berlin herangegangen werden kann. ES sei notwendig, daß in allen Gemeinden Groß- Berlins, soweit sie städtischen Charakter haben, die Arbeiter sowie die Arbeitervertreter an dem Aufbau des LebenSmittelverbandes Groß-Berlin nach Kräften mitwirken. Die Versammlung nahm schließlich zu den bekannten Vorgängen in der Verwaltung betreffend die Neuwahl der Ortsverwaltung Stellung und beschloß noch eingehendem Bericht durch den Branchen- Vertreter Fellenberg, daß sie die Maßnahmen des Borstande« als richtig anerkennt und die Stellung des Branchenleiters, der für den Borschlag de« Vorstandes gestimmt hatte, gutheißt. parteinachrichten. AnS Thüringen. Am Sonntag, den 4. Noveniver, hielt die Sozialdemokratisch« Partei für das Großherzoglum Sachscn-Wcimar im Weimarer Volks- bause eine Landeskonferenz ab, die trotz der ungünstigen Bahnver- brndung gut besucht war. Aus der Tagesordnung stand:»Die Neuorientierung im Großherzogtum'". Als Referent war der Genosse Leber bestimmt worden. Nach dem Vortrage setzte eine lebhafte Diskussion ein. Die vom Genofien Leber vor- gelegte Entschließung wurde einstimmig angenommen. In der- selben wird unter anderem gefordert:.Allgemeines. gleiches, geheimes uns direktes Wahlrecht zum weimarischen Landtag. Beseitigung der ver- alteten Gemein deordnung und Emiührung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in den Landgemeinden und lleinen Slädlen, die Abschaffung der veralteten Gefindeordnung, die Unentgeltlichkeit des Schulunterrichts und der Lehrmittel in allen Schulen, die Einführung der EiitheilSichule, Acnderung der Steuergesetzgebung, unter Berücksichtigung der Steuerfreibeit aller Ein- kommen bis zu 1S00 M." Zun» Schluß wird in der Entschließung noch gefordert:.Beseitigung aller Hindernisie, die einer einheit« lichcn Verwaltung und Gesetzgebung in den Thüringer Kleinstaaten im Wege stehen."— Nachdem noch Genosse Pfeuffer über den be- friedigenden Stand der.Weimarischen Bolkszeiiung" i» längeren AuSiübrungen berichtet Halle, konnte Genosse Förschelmann nach fünfstündiger Dauer die in jeder Beziehung gut verlaufene Landes- konferenz ichlietzen. In einer am Freitag, den 2. November, stattgefundenen Ver- sammlung deS Sozialdemokratischen Vereins E i f e n a ch erstattete Genosse Leber als Delegierter Bericht vom Würzburger Parteilag. Räch der Ausspräche erklärte sich die Versammlung mit den Be- schlössen des Würzburger Parteitages iowie mit der Slellungnobme d«S Delegierten, Genossen Leber, vollkommen einverstanden. Die Versammelten werden entschieden dafür eintreten, daß die klasien- bewußte Arbelterschaft wieder vereinigt, der Bruderlampf beseitigt und die geschlossene Phalanx bei den bevorstehenden großen Kämpfen wieder hergestellt wird. Da der Parteitag klar und deutlich ausgeiprochen hat, daß die deutsche Sozialdemokralie nicht gewillt ist. von ihren grundsätzlichen Forderungen abzugehen, der Klassenkomps der Arbeiterklasse in derselben scharten Weise wie srüber nach Beendigung des Krieges weiter geführt werden wird, stehen dieser Einigung nicht die geringsten Hindernisse im Wege. Die .Unabhängigen", die sich in der Stadl Eiicnach so furchtbar radikal geberden, haben nun Farbe zu bekennen. Inöustrie unö ßanöel. Erfreuliche Entwicklung des Postschcckvcrkchrs. Der Postfcheckverkebr im RcichSpostgebietc hat im Oktober seinen bisher größten Umsatz mit 10,2 Milliarden Mark erreicht und damit den biö dahin höchsten Umsatz vom Juli 1917 um rund 2 Milliarden überflügelt. Bargeldlos wurdin im Oktober 7 Mil- liarden Mark oder 08,6 Proz. des Umsatzes beglichen. Auch daS durchschnittliche Guthaben der Postscheckkundrn hat im Oktober mit 660,3 Millionen Mark seinen bisher höchsten«stand erreicht. An- träge auf Eröffnung eines Postscheckkontos sind bei jeder Post- anstalt erhältlich. Tie baverischen Wasserkräfte. Zur Ausnützung der Wasser- kräfte des oberen Inn und der Isar haben sich unter Führung der Diskontoaesellschaft und unter Beteiligung von Krupp, der chemi- «abrik Griesheim-Elektron und der Metallbank und Metal- zusammen- Bayerns an, verfolgte die Gründung einer ReichS-Aluminiitm-Fabrik am mittleren Inn bei Mübldorf, wobei 80 000 Pferdekräfte gewonnen werden sollen. Auch die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft will sich in Layern an der unteren Isar ansiedeln und rechnet iauf Erzielung von 70 000 Pferdekräften._ «setterausüititeo für das mittlere Norddeoltltitand tu« Sonntag mittag. Ziemlich tübl. zeitweise heiter, jedoch vorwiegend wollig oder nebelig und im Süden nur geringe, im Norden, besonders an der Küste etwas stärkere Regensällc. Verantwortlich für Bolitit: Srich RatNier, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes i Alfred Lchol», Nenlülln: für Inferalei Tq. SNiiltr, Sellin. Druck o. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. VeriagSanfial: Paul Ems er Co.. 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