Wr. 32Ä. 34. Iichrg. Bezugspreis: tiierleyShrl. Z.g0Ml» monatl. ILO Wtt, wöchentlich SO Bfz. frei inj Hall», botcuJsC&lbcr Einzelne VocheniagS- mintmem S Sfj. löormlagJnunima mit UUiitrieitci Beilage.Die Leu« Welt' 10 Pia. Pallbezug: Monatlich tl» Mt. ilnler ShcujBanb für Dculichland unv Oellerreich- Ungarn LF0 Ml., illr das übrige«uSland 4 Mi. oionailich Poftdestellungen nehmen an Dänemarl. Holland. Luxemburg, Schweden It. die Schweiz. Singetrage» in die Boil-ZeuungS-Breisliile. Encheint täglich. Telegramm- Sidreffe: »Sojialdcmokral Berlin». Berliner Volllsblnkk. ( S Pfennig) Der Anzeigenpreis beträgt f. die Kebengesdaltene Kolonek- »eile«0 Pfg„Kleine Anzeigen». das fettgedruckte Wort 20 Pig.(zu« lässig 2 fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort lO Psg. Stellengesuche tuid Echlasstellenanzeigen das erst« Wort lOPsg.. jedes weitere WortZPsg. Worte über>ö Buchstaben zählen für . zwei Worte..Teuerungszuschlag 20°/» Kamiltcu» Auzetge» üv Pf«., volitische u. gewerfichastliche«erlins- klnzeigen 40 P,g die Zeile,«ltizeige» r dle nächste Nummer müssen bis Uhr nachinilt. ün Hauptgeschäft, verlw SB. OS, Lindenslrage 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh diS 7 Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdcmohratifchai Partei Deutfchlands. Reöaktiou: EW. 68, iindcnßroßc Z. Zifernivrecher: Ami Morivplatz, Sir. ISIS«— 15197. Sonnabend, de» 24. November 1917* Cxpeüittoa: Ew. 68» Linöenstraße 2. Wernfprecher: Amt Meriqvlatz, Nr. 151 SV— 15197. Oucbonin für Maffenftillktand. Eine Tat für öen Zrieöen! Der Oberbefehlshaber der russischen Armee, General D u ch o» i u, bat, wie die Wieoer„Neue Freie Presie" mel- det, auf wiederholte dringende Aufforderung der Petersburger Regierung an die Befehlshaber der feindlichen wie der alliierten Heere ei» formuliertes Angebot eines Waffcostiü- staodcs gerichtet. Damit ist die gestern von W. T. B. verbreitete Meldung, Duchonin baüe den Petersburger Austrag a.b gelehnt. überholt. Der russische Oberbefehlshaber hatte sich ansäng- lich allerdings geweigert, dem Besebl des„Rates der Volks» kommissäre" nachzukommen, er hat sich aber dann ihrem energischen Friedenswillen gebeugt. Es entspricht dem ihm erteilten Austrag, wenn er sich mit seinem Entwurf eines Wassenstillstandes nicht nur an die Gegner, sondern auch an die Alliierten gewendet hat. Das Ziel des„Rats der Volkskommissäre" ist Waffenstillstand auf allen Fronten und sofortige Einleitung von VerHand» hingen zum Abschluß eines allgemeinen demokratischen Friedens. Die Absicht ist klar, und die Machthaber der Entente, die sich eben erst für den Krieg bis zu Ende aus- gesprochen, haben allen Grund, vor der russischen Friedens» revolutipn.die größte Beunruhigung zu empfinden. Sie werden daher bemüht sein, die Wiener Meldung solange wie möglich zu unterdrücken. Aber schon meldet der„Tag" aus Lyon große V o lksku n d g eb u n g en für den Frieden ohne Eroberungen und Entschädi» gungen. Eine Regierung, deren Gewissen rein ist, hat von dem russischen Vorgehen nichts zu fürchten. Es scheint uns Pflicht, in diesem Augenblick das Zeugnis für die deutsche Regierung abzulegen, daß sie ernstlich und ehrlich den Frieden im Sinne des R e i ch s t a g s b e s ch l u s s e s v o m 19. J u l i will, auf einer Grundlage also, die sich mit der russischen nahezu vollständig deckt. Möge sie auch nun diesen Willen kräftig in Erscheinung treten lassen, dann wird sie, wie immer es kommen mag, auf die Unter stutzung des ganzen Volkes rechnen können. Zu kleinlichen Be- denken ist diese Stunde nicht geeignet, sie fordert feste Ent» schlüsse und klares Handeln von jedermann. Noch immer ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß auch diesmal wieder alles ins Wasser fällt und daß die russische Friedensregierung zum Unglück für ganz Europa von der Gegenrevolution gestürzt wird. Noch spricht auch die weitaus größere Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Äriegsfackel im Westen weiter brennen wird, weiw sie auch im Osten erlischt» Man hüte sich vor übereilten Hoffnungen, denen dann eine desto tiefere Enttäuschung folgen würdet Das deutsche Volk aber hat heute ein Recht, zu verlangen. daß von der Regierung alles geschieht, was geeignet ist,' den Krieg, wäre es auch nur vorläufig an e i n e r Front, zum Abschluß zu bringen. Wenn die deutsche Regierung ihre Schuldigkeit tut. wie es das Volk nach den drei Jahren der schwersten Prüfung verlangt und erwartet, dann mag kommen, was will, für die Zukunft des deutschen Volkes wird nichts zu fürchten sein! Die Auffassung Lenins. Hoffnung ans die Völker. Stockholm, 23. November.(Eig. Drahtbericht de?„Vorw.") Auf dem Sowjetkongreß am 8. November sagte Lenin, den Text der Friedenskundgebung erläuternd:„Wir werden uns ebenso an die Regierungen wie an die kriegführenden Völker wenden. Beschränkung auf die Regierungen könnte nur die KriegSdauer verlängern. Während der Waffenruhe be- sprochene Bedingungen sollen der Konstituante vorgelegt werden. Wir verhehlen unS nicht den Widerstand der imperialistischen Regierungen, Hoffe« aber auf ihre Arbeiter» Lassen." Auf Einwendung eines Delegierten, daß ein Wider- spruch darin liege, daß die Kundgebung bestimmte Bedingungen Proklamiere und gleichzeitig die Bereitschaft ausspreche, auch andere Vorschläge zu diskutieren, erwiderte Lenin:„Es ist möglich, daß die Regierungen uns nicht antworten, aber alle sollen wissen, daß wir kein Ultimatum stellen, welches die Abweisung deS Borschlags erleichtern würde; wir sind bereit, jeden Gegenvorschlag zu erwägen, aber das heißt nicht, ihn annehmen; es gibt Borschläge, welche de» Kamps bis ans Ende notwendig machen würden, aber auch solche, derentwegen wir vielleicht nicht weiterkämpfen werden. Der Punkt des Vorschlags, der die Geheimverträge betrifft, nimmt Bezug nur auf Verträge. welche Annexionen und Kontributionen bezwecken. Handels- vertrage bleiben in Kraft. Die Waffenruhe wird allen Völkern vorgeschlagen; ihre Dauer will allen Ländern ermöglichen. Bedingungen auszuarbeiten, aber auch der Gegenvorschlag kürzerer Waffenruhe müßte angenommen werden." Die Dänen für einen internationalen Sozialistenkoagreß. Stockholm, 23. November.(Eig. Drahtbericht des „Vorwärts".) Die dänische Sozialdemokratie forderte das Internationale Sekretariat auf, unverzüglich eine allgemeine Sozialistevkonferenz einzuberufen, auch wenu sie uovollstäudig fem würde. Ter Vorschlag weist auf die realen Möglichkeiten eines Sonderfriedens hiu. Ter internationale Sekretär Hnhömans telegraphierte nach London und Paris und ersuchte um eine Gegcnäußerung der englischen und französische» Sozialisten._ Zrieöensöebatten in Wien unö öuöapest. Erklärung des österreichische» Miuisterpräfidenteu. (Die Debatte hat vor de» Jekanntwerde« der Meldung der„Neuen Freien Presse" stattgefunden. Red. d.„Vorwärts".) Wie», SZ. November. Abgeordnetenhaus. Der Nünsterpräfi- dent Dr. Ritter von Seidler beantwortete die Anfrage der Sozialdemokraten und anderer Abgeordneten bezüglich des russischen Waffenstill- standes folgendermaßen: Auf Grund von Mitteilungen des Ministers dcS Aeußern ist bis zur Stunde kein Waffen st fll st andsangebot an der Ostfront erfolgt. Sollte ein solches ergehen, so wird die k. und k. Regierung dasselbe sofort gemeinsam mit den Bundes- genossen einer wohlwollenden Prüfung unterziehe» und annehm- bare Porschläge würden angenommen werden.(Zwischenrufe.) Der Minister des Aeußern, fügte jedoch bei. daß die in Gärung befindlichen ungeklärten Verhältnisse im russischen Reiche noch nicht klar erkennen lassen, ob die Friedenspartei tatsächlich wird ihren Willen durchsetzen tonnen. Ich bitte das Hohe Haus, diese Mit- teilung znr Kenntnis zu nehmen.(Zustimmung.) Der Ministerpräsident erklärte ferner auf Anfragen, er sei nicht nur berechtigt, sondern auch moralisch verpflichtet gewesen. dem ungarischen Ministerpräsidenten gegenüber deu Standpunkt zu kennzeichnen, den die österreichische Regierung in den von ihm aufgeworfenen staatsrechtlichen Fragen einnehme. Er sei hierzu um so mehr verpflichtet gewesen, als einzeln« öfter- reichische Parteien einen Standpunkt verträte», der tatsächlich niit der Integrität deS staatsrechtlichen Aufbaues Ungarns und insbesondere mit den dualistischen Verhältnissen zwischen den beiden Staate» der Monarchie sich in Widerspruch setze. Was die V e r- fassungsfrage anbelangt, so werden unbedingt festzuhalten sein: 1. Die Wahrung der Einheit des österreichischen Staates. 2. Die Aufrechterhaltun g der bestehen- den Grenzen eines jeden Kronlandes. Etwas ande- res habe er auch dem ungarischen Ministerpräsidenten nicht mit- geteilt. Was endlich die von feiten der ungarischen Regierung aufgeworfene Frage des staatlichen Schutzes der Integrität Ungarns anblangr, so stellt der Ministerpräfibem fest, daß die von dem österreichischen an den ungarischen Justizminis»cr gerichtete Note nichts andere? enthalte als die Mitteilung, daß bezüglich der Frage, ob dieser staatliche Schutz nach dem geltenden Rechte ge- geben ist, zunächst der oberste Gerichts- und Kassationshof um Gut» achte» ersucht wurde.(Beifall und Händeklatschen.) Erklärung ües ungaristhen Nimfter- Präsidenten. Pudapest, 23. Nbvember. In einer Sitzung des Finanzausschusses erklärte Ministe rpräsideut Dr. Wekerle auf eine Anfrage be- treffend das russische Friedensangebot folgendes: Wir haben keine unmittelbare Verbindung mit Rußland, sondern erhalten die Nachrichten teils über Stockholm, teils über andere skandinavische Länder. Die in den heutigen Blättern enthaltene Nachricht hat bisher keine amtliche Be- stätigung erfahren. Jedenfalls urüssen wir uns Sicherheit der- schaffen in der Richwng, ob derjenige, mit welchem wir verhandeln, eine Macht von dauerndem Charakter vertritt, Abge- sehen davon wird natürlich FriedenSbsreitschaft uns« Borgehe» leiten. waffenftillstanö uvöReichsleitung Eine Krage der Kompetenzen. „Die Verstimmung gegen mich, welche die höhern mili- lärischen Kreise aus dem österreichischen Kriege mitgebrocht , hatten, dauerte während des französischen fort, gepflegt nicht von Moltke und Roon, aber vpn den„Halbgötter n", wie man damals die höhern Generalstqböossiziere nannte. Sie machte sich im Feldzugc für mich und meine Beamten bis in das Gebiet der Naturalverpslegung und Einguartierung fühl- bar. Sie würde noch weiter gegangen sein, wenn sie nicht in der sich immer gleichbleibenden, weltmännischen Höflichkeit des Grafen Moltke ein Korrektiv glffvndcn hätte. Roon war im Felde nicht in der Lage, mir als Freund und Kollege Bei- nand zu leisten; er bedurfte im Gegenteil schließlich in Vor- sailles meines Beistandes, um im Kreise des Königs feine milr- tätlichen Ueberzeugungen geltend zu machen." „Schon bei der Abreise nach Köln erfuhr ich durch einen Zufall, daß beim Ausbruch des Krieges der Plan festgestellt war. mich von den in ilitäri schon Beratungen auszuschließen. Ich konnte das aus einem Gespräch des Generals v. Podbielski mit Roon entnehmen, dessen un- freiwilliger Ohrenzeuge ich dadurch wurde, daß es in einem Nebencoups stattfand, dessen Scheidewand von einer breiten Oeffnnng über mit durchbrochen war. Der Erstcre äußerte laut seine Befriedigung, etwa in dem Sinne:„Diesmal ist also dafür gesorgt, daß u-nS dergleichen nicht wieder passiert." Bevor der Zug sich in Be- wegung setzte, hörte ich genug, um zu verstehen, welches „damals" im Gegensatz gegen diesmal der General im Sinne hatte, nämlich meine Beteiligung an militärischen Beratungen in dem böhmischen Feldzuge und besonders die Aenderung der Marschrichtung aus Preßburg anstatt auf Wien." „Die durch diese Reden gekennzeichnete Verabredung wurde mir praktisch wahrnehmbar; ich wurde nicht nur zu den militärischen Beratungen nicht zugezogen, wie 1868 geschehen war, sondern es galt mir gegenüber strenge Geheimhaltung aller militärischen Maßregeln und Absichten als Regel. Dieses Ergebnis der untern amtlichen Kreisen innewohnenden Ri- valität der Ressorts war ein so augenfälliger Schaden für die Geschäftsführung, daß der in Angelegenheiten des Roten Kreuzes im Hauptguartier anwesende Graf Eberhard Stolbcrg bei der freundschaftlichen Intimität, in der ich mit diesem, leider zu früh verstorbenen Patrioten stand, den König aus die Unzuträglichkeitcn der Ausschließung seines veranttvortlichen politischen Ratgebers aufmerksam machte. Nach dem Zeugnisse des Graten hatte Sc. Majestät daraus erwidert:„Ich sei in dem böhmischen Kriege in der Regel zu dem Kriegsrate zugezogen worden, und es sei dabei vorgekommen, daß ich im Widerspruche mit der Majorität den Nagel auf den Kops getroffen hätte; daß das den andern Generalen ärgerlich sei und sie ihr Rsssort allein beraten lvollten. sei nicht zu verwundern"— ipsisisiraa verba regis(eigene Worte de? Königs), nach dem Zeugniffe des Grafen Stolberg nicht nur mir, sondern auch andern gegenüber. Das Maß von Einfluß, welches der König mir 1866 verstattet hatte, stand allerdings im Widerspruche mit nülitärischön Traditionen, sobald der Ministerpräsident allein nach den Abzeichen der Uniform klassifiziert wurde, die er im Felde trug, als Stabsoffizier eines Kavallerieregiments; lmo es blieb 187V mir gegenüber bei dem militärischen Boykott, wie man heut« sagen würde." „Wie man die Theorie, welche der G e n e r a l st o b mir gegenüber zur Anwendung bracht« und die auch kriegSwissen» schaftlich gelehrt werden soll, so ausdrücken kann: der Minister der Answärtigeil Angelegenheiten kommt erst wieder zum Wort, weil» die Heeresleitung die Zeit gekoninien findet, de» Jamrstempel zu schließen, so liegt schon in dem doppelten Gesicht des Janus die Mahnung, daß die Regierung eines kriegführenden Staates auch nach andern Richtungen zu sehen hat, als nach de in Kriegsschauplahe. Aufgabe der Heeresleitung ist die Nermchtnng der feindlichen Streitkräfte; Zweck des Krieges die Erkämpfung des Friedens unter Bedin- gungen. die der vom Staate verfolgten P o l! t i k e n t s p r e che ii. Die Feststellung und Begreif- zung der Ziele, die durch den Knecs erreicht werden sollen, die Beratung des Monarchen in betreff derselben ist und bleibt während des Krieges wie vor demselben eine politische Aufgabe, und die Art ihrer Lösung kann nicht ohne Ei«- sluß auf die Art der Kriegführung sein. Die Wege und Mittel der letztern werden immer davon abhängig sein, ob man das schließlich gewonnene Resultat oder mehr oder weniger hat erreichen wollen, ob man Landabtretungen for- dern oder auf solche verzichten, ob man Pfandbesitz und auf wie lange gewinnen will." „Noch schwerer wirkt in gleicher Richtung die Frage, ob und aus welchen Motiven andere Mächte geneigt sein könnten, dem Gegner zunächst diplomatisch, eventuell militärisch bei- zustehen, toeltßc LdVflkhk 5te SSerfvetcü ctncf solchen Gut' iHijdurng frirfterr, arr fmnhen Höfen ihren Zweck zu erreichen. wie die Parteien sich grnppieren würden, wenn es zu Kon- screnz.nt oder zu einem Kongresse käute, ob Gefahr varhcmdeu, dak anö der ErniniMmg der Neutralen sich weitere Kriegs entwickeln. Nainentiich aber zit berwtcilen� wann der r i ch t i it e M o»k o n t einrietreten s e i. d c it U c b c r- N a im o in Kriege z u in Fried e n einzuleiten, dazu find Kenntnisse d e r c u r o p ä i s ch e n a a e e. r f o r d e r l i ch, d i c d e ni M i l i t ä r n i ck» t fi e l ä u f l g zu fein k> r a n che n, Jn'orniationen. die ibm nicht zugäng- lich fein können. Tie Verlwndlnngen in NifofSburg 1866 be- NfäciT, daß die Frage oon Krieg und Frieden auch im K r i e g e ft e t§ z n r K o'in p e t e n z des» e r a n t w o r t- l i ch e n p o l i t i f ch e n M i n i st e r s gehört n n d nicht t> o n d e r t e ck! n i s ck» e n A r m e e l e i t u n g c n t s ch i e d e n werden kann; der kompetente Minister aber kann dem .Könige nur dann sachkundigen Rat erteilen, wenn er Kennt- ins von der jeweiligen Lage inid den Intentionen der Krieg- sührnng hat." ES ist? i S m a r ck. der so spricht. Er spricht gegen jene alldeutschen Blätter, welche die Richtigkeit unserer Feststellung bestreiten, doy die Frage des Waffenstillstandes > Me Angelegenheit der politischen Reichsleitung ist. Aus dieser nun wohl nicht mehr bestreitbaren Feststellung folgt aber auch, dost die Beratung oder Beeinflussung der Presse in dieser Frage, soweit eine solche überhaupt statthaben darf, eine Aufgabe der politischen ReickÄcitNHg und nicht der £ bersten Heeresleitung ist. Man stelle sich einmal vor. dag die Presse in den Jahren 1SS6 und 1870 ein Instrument in der Hand jener Herren gewesen märe, die Bismarck mit der Nesvektlosigkeit. die er sich erlauben durfte, die„Halb- göttcr" nennt! Man stelle sich vor, diese„Halbgötter" hätten m entscheiden gehabt, welche Nachrichten in dir Presse gelangen durften und welche nicht!! ES ist sehr merkwürdig, daß gerade jene Politiker, deren Idol der eiserne Kanzler ist, in der Jetztzeit für einen wächsernen schwärmen, der ins Schaufanster gestellt wird, um mit dem Kopf zu nicken. ES sind das dieselben Herren. die den„Vorwärts" des gefährlichsten Umsturzes bczich- tigten, als er unter den Aufgaben der neuen Regierung auch eine genauere Absteckimg der politischen und der militärischen Konipetenzgrenzeu nannte. Wir glauben, daß die in der letzten Zeit zutage getretene» Irrtümer diese Aufgabe als ebenso dringend erscheinen lassen wie eine andere, mit ihr unmittelbar in Verbindung stehende: die Aufhebnit g der p 0 l i t i s ch e n Z e n s u r! Deutsthwnö unö öas ek!g!We Aaren- märchen. W. T. Ä. meldct aus Köln: Ter„Kölmschm Zeitung" wird aus V-rliii telegraphiert: Ter ..Vorwärts" hatte mit Bezug auf daö Wass-nstillstandsaugebot der Bolscheivilircgicruug eine Meldung der«Tally News" aus PelerS- vurg angezogen, worin es heißt, in Petersburg würden Nachrichten oerbreilet, daß Deutschland auf das Telegramm des Sowjets, in dem dieser den Frieden forderte, mit der Erklärung geantwortet habe. Teutschland könne lediglich nach Wiederherstellung der Man- kckihie odet nach dem Zustandekommen der gesetzgebenden Versammlung mit Nußland verhandeln. Eine Erltciruug der deutschen Negierung. wie sie die„Daily News" macht, ist selbstverständlich nicht erfolgt. Es ist ein un- verrnckbar scstgehaliencr Grundsatz der deutschen Regierung, sich in die inneren Verhältnisse der feindlichen Staaten nicht einzu- mischen. Tas ist auch offen von maßgebender Stelle deutlich aus- gesprochen worden. (Diese offiziöse Erklärung entsprich! den gestern von uns aus- gesprochenen Erwartungen.) Sicherungen öer Revolution. Die Orönung in Petersburg. Stockholm, 23. Nov. i Eig. Drahtber. d.„Vorwärts".) 3» Petrograd ist die v o l l k o m ui e u e Ordnung durch das Militär gesichert. In den Straße» sind»berol! Plakate angeschlagen, auf welche» für de» Fall, daß Unord- nitngen eintrete», die Telephonunmmern der zustäudigeu Kom- -nissariale augrgcbeu sind. Gegcu diejenigen, welche aufsässig werden, sind strenge Strafen angedroht. Die Zeitungen pnb.i- zieren Dekrete, welche große Fürsorge der Regie- rung für Sab Wirtschaftsleben aufweisen. Ein zunächst dreimonatiges Moratorium lfür Mieter sechs- mouaiig) wurde angeordnet. Zur llntcrstühuug der Behörden in der Ernähr ilnßsfrnge nnd zur Ausforschung der Hamster wurden M i e t e r o r g a n i s a t i o n e n gc- ichasien. Die Regicrimg publiziert auch alltäglich in den Zeitungen eine osfcnc nnd klare Darstellung der Er- n ä h r n ii g s l a g c, der vorhandenen Borräte und der vcr- sügbareu Waggons. Beispielsweise waren am 13. November 146 6W Pud an Nahrungsmittel» vorhanden, die für 4�/., Tage hinreichten. Ein Dekret über de» Achtstundentag vcr- langt Vorsicht für die Erhöhung der Produktion. Bei Urb er- st n n den, welche von den Fabrikkomitccs mit den Unter- lichmcr« vereinbart werden, rulschcidctin Streitfällen ein Schieds- gcricht. lieber die in den ersten Kampftagen gegen Kadetten- schiiler verübte Gewalttaten wurde eine unabhängige Enquete von sechs ameritauifchc» Ionrualisteu veranstaltet. Die Unter- suchmig ergab, daß die Gewalttaten von den Ka- dettenschiilern begonnen waren. Die politische Lage ist noch ungeklärt. Tie Zutcruationale setzt die Bemühungen für das Zustaudckomme» eines Homo- g e u c n sozialistischen M c u i st e r i u m s fort. Auch das Menschewikische Zentralkomitee zeigt in der„Rabotschaja Gazeta" an, daß ll n t e r h a n d l u n g c» in d i c s e r R i ch- t u i! g f o r t g e s c tz t werden. Dieselbe Nummer dieses BlatteS ist aber voll von Aiigriffc» ans die Bvlschewiks. Das Blatt publiziert auch eine Tcpesche des Ehestommisiärs des Hauptquartiers, Äerekrcstow, über die Schlacht zwischen einer von der Front zur Unterstützung der Exregicrung abmarschierten Armee und dieser entgegengeschickten Bolschewiken. Das Tressen sand in W i» i tz a bei Moskau statt. Die B o l s ch e w i k s wurden geschlagen; 1500 von ihnen sielen. Die Lenin-Regierung lehnte den Borschlag der Jnter- nationale ans dreitägige Waffenruhe ab, weil sie die Heran- zichung von Berstärkungcn für die Bedrvher Petersburgs begünstige. Unser Stockholmer Mitarbeiter weist zur Frage der sozia listischen Koalition auf folgendes hin; Vierter englilcher vurchbruchsversuch bei Gambrai. Der dritte Tag der Cambraischlacht— Dorf Fontaine von deutscher Seite er- stürmt— Neue Kämpfe bei Moeuvres— Fortschritte im Gebirge zwischen Brenta und Piave. Zl m tri ch. Großes Hauptquartier, 23. November 4917.(W. T. äö.) Westlicher. Kriegsschauplatz. Heeresgruppe ätronprenz Rupprccht. Fu Flandern erreichte der Fcuerkampf nur in den Nach- «ittagftnndea größere Stärk«'. Auf dem Schlachtfclde südwestlich von E a m b r a i waren Moenvpe» nnd Fontaine die Brrnvpuakte des gestrige» KampseS. Gegen MocuvreS und dia westlich anschließenden Stellungen ranuic der Gegner mehrsach vergeblich au. Kleinere Anfangs- erfolge wurden durch unsere Gegenstöße wettgemacht. /rras\ D0e3Jja?eh _. a i /t/f/erc 0oye//3. yye/fe o tfL-Cfi/rjf ?Srf'eoi/rf 4&r/6f Ist /iaai/ro/f Marco/rtt) o o o— e' 1'/aCs/ete* otaffo-fse/te [jf rt /temeSr Ccsnfff jffrty-T TC/rSri .Fgronne /ft/se/ ■ 0e///cei/rf -£r£LW- Jro/rrp/er� e/'no/?? . o 0 Pas/e/Tf-■ T-JW/r/e/rv of/Z/ers AZZr/'e� o C/ifu/neV) O/e fätry/e bei Csmbrsj —J 75 ■nra ~7} fr*. Abendbericht. Berlin, 23. November 1917, abends. Amtlich. An der Schlachtfrout südwestlich von C am brat ist ein erneuter englischer Durchbruchsversuch unter schwersten Bcrlusten für de» Feind gescheitert. Im Osten keine größeren Kampfhaudlungeu. Aus Italien nichts Neues. Zu beiden. Seite» von Fontaine nnd au? Fontaine heran? führte der Engländer starke Kräfte gegen unsere Linien vor. ES kam zu erbitterten Nahkämpfen, in denen der Feind unterlag. In angriffsfrohem Droufgeten warf ihn unsere Infanterie zurück und erstürmte das Dorf Fontaine. Ter Wald von La Folie wurde vom Feinde gesäubert. Gegen Rnmilly, Banteux und B c n d h n i l l e ge- richtete englische Angriffe brachen verlustreich zusammen. Niedcrschlesqche und poscnschc Truppen haben an dem erfolg- reichen Ausgang der gestrigen Kämpfe besonderen Anteil. Während der Nacht blieb der Artillcrickampf nur in ein- zclncn Abschnitten dcS Schlachtsrldrs stark. Seit dem frühen Morgen sind am Südrandc von MoeuvreS neue Kämpfe im Gange. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Bei guter Sicht lebte das Fener zwischen B a u x a i l l o» und E r a o ii n c, in der Champagne und auf beiden Maasufern auf. westlicher Kriegsschauplatz und Mazedonische Front keine größeren Kampfhandlungen. Italienische Front. Im Gebirge zwischen B r r n t a u u d P i a v r für uns günstig sortschrcitendc Kämpfe. An der uiitcrcu. Piaoe nichts Neues. Der»Erste Generalquartiermeistrr. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 23. November 1917.(W.T.B.» Amtlich wirb verlautbart: An der unteren P i a v e blieb die Lage unverändert. Zwischen der Piavc und der Brcnta verliefen die Kämpfe günstig. Auf der Hochfläche der Sieben G e- u« c i n d c u löste» erfolgreiche Vorstöße unserer Truppen ans FeindcSscite zahlreiche mit größter Heftigkeit gcjührle Gegen- angriffe auS, die zum Teil durch Feuer, zum Teil im Nahlampf abgewehrt wurden. Tie Italiener verloren mehrere tausend Gr- fangcne. Vom östlichen Kriegsschauplatz nichts zu melden. Der Chef des General st abeS. -i°» ifi Berlin, 23. November.«W. T. B.) Ter englische Durch- bruchsvcrsuch in Richtung C a m b r a i ist nach dem üblichen ersten zur Regel gewordenen Anfangserfolg troo Einsotzes ungezähUer frischer englischer Divisionen und trotz grupprnwerscr Verwendung von mehreren hundert Tanks blutig gescheitert. Der dritte Tag dieser Schlacht war ei» voller Erfolg der deutschen Truppen. Ter Feind versuchte am 22. No- vember sowobl im Norden wie im Süden die Einbruchsstelle durch erbitterte Angriffe neuer Reserven zu erweitern und gleichzeitig in Richtung Eambrai Raum zu gewinnen. Gegen den Ort M o e n v r e e und die westlich anschließenden Stellungen führte der Feind von 1 llbr nachmittags ab wiederholte erbitterte starke An- griffe, die meist fchon in unserem Feuer verlustreich zusammen- brachen, an einzelnen Stellen im Gegenstoß abgeschlagen wurden. Tas�Dvrf selbst blieb in unserer Hand. Den Hauptangriff führte der Feind südöstlich des Waldes von B o u r l o n beiderseits des Ortes Fontaine. Unter außerordentlich hohen Verlusten brachen hier die feindlichen Maflenongriffe zusammen. Nach erbitterten Kämpfen stürmten die deutschen Truppen den Ort Fontaine selbst, den die �Engländer am Vortage unter schweren Opfern hatten bc- setzen können. Auch weiter südlich gewann unsere tapfere In» santerie Gelände und vertrieb den Feind völlig aus dem Walde von La Folie, der voll von Haufen englischer Gefallener ist. Im Süden deS Hauptkampffcldes griff der Feind mit starken Kräften gegen R u m i l l>, und Banteux au. Hier scheiterten restlos die englischen Angriffe, wie ebenfalls ein weiter südlich bei B e n d h u i l l e geführter Tcisgngriff. Tic Verluste dcö Feindes an allen drei Kampftagen sind außer-, gewöhnlich schwer. Die neue Offensive der Engländer auf Cambrai ist ein Beweis dafür, daß der englische» Obersten Heeres- leitnng allmählich die Erlenntnis aufgegangen ist von der Stärke und Nnüberwindlichkeit der deutschen Flandernfront und der Un- möglichkeit, dort ihr cntschcidcndes operatives Ziel, die deutsche Il-Boot-Basis, zu erreichen. Sie ist zugleich das Eingeständnis der schweren dauernden Niederlagen, die das an Zahl und Material vielfach überlegene britische Heer in vier monatlichen, an- dauernden Groß kämpfen trotz Einsatzes von weit mehr als Millionen Mann unter ungeheuren Maffcn- -pfern im Kampfe um die deutsche U-Boot-Basis im flandrischen Sumpfgebict erlitten bat. Um de» Eindruck dieser fortgesetzten Niederlagen abzuschwächen, macht die englische Presse mit dem lokalen Geländegewinn in Richtung Eambrai eine alles Maß übersteigende Reklame, die zugleich die wirklich großen Erfolge der Mittelmächtc in Italien in den Schatten stellen soll. Englischer Heeresbericht vom 22. November morgens. Gestern abend bewegten sich unsere Truppen nördlich Eantaing(?) vorwärts. Sie griffen da? Dorf Fontaine-Notre-Dame an und er- oberten es, wobei sie eine Anzahl Gefangene machten.— Abends. Auf dem südlichen Schlachlteide verbrachten wir den Tag mit verstärkuiig der Befestigungen deS großen Gebiete«. über welches unsere Truppen während der letzten zwei Tage vorgegangen find. Dies wurde erfolgreich durchgeführt, außer bei Fontaine-Noire-Dame. welches der Feind durch Gegenangriff w i e d e r e r o b e rt e. Sehr verdient habe» sich die Transporleinrichiungen gemacht durch die Schnelligkeit, mir welcher die Znsammenziehungen für die Unternehmungen der letzten Tage ausgeführi wurden. Siraßen und die Eisenbahnen, sowohl Schmal- wie auch Weitspurbahnen, find ausgebaut worden und seit dem Vormarsch in einer Werse ausgedehnt, die viel zu dem Erfolg unserer Vorbereitungen und der daraus folgenden Unternehmungen beitrug. dek- SowjetkongresfeS illustriert die Wichtigkeit der sozialistischen Koalition für die Sicherung gegen die Reakiion. Bei Er- Öffnung waren 560 Delegierte anwesend, gegenüber 917 auf dem letzten Sowjetkvngreß; davon waren 250 BolichewikS, 60 Rechtsmenschewiks, 14 Internationale, 90 Rechts-. 69 Links- Sozialrevolutionäre und 6 Nationalsozialisten, 3 Anarchisten, 20 Parteilose; der Rest ist unregistnert nnd wahrscheinlich parteilos. Die Meuschewiks, Nationalsozialisten, Rechts- Sozialrevolutionäre und der große Teil der Internationalen verlieffen den Kongreß. Die„Prawda-Korrespondenz" schätzt, daß 400 Delegierte an der Kongreßarbeit teilnahmen. Der Beschluß, die Staatsgewalt zu übernehmen, wurde gegen 12 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen angenommen. Auch diese vermutlich optimistische Schätzung läßt den Einwand zu. daß die Beschlüsse nicht die Mehrheit der Arbeiter- und Bauern- demokratie repräsentieren, wobei anzumerken ist. daß die Gül- tigkeit der bolschewistischen Mandate bestritten wird. Die ruPschen Wirtschastsbetriebe unter Mbeiterkontrolle. Basel, 23. November. Der Erlaß über die Arbeiter- kontrolle, die die neue russische Regierung einführen loird und die eine der wichtigsten sozialen Neuerungen darstellt, be- stimmt, wie die„Neue Korrespondenz" auS Petersburg meldet, folgendes; Tic Kontrolle wird in allen industriellen, k o ui m e r z i e l l e n nnd landwirtschaftlichen Be- trieben sowie auch in den Banken eingerichtet und erstreckt sich auf die Produktion, die Anfbewahrung, den Au- kauf und Berkanf der Produkte uud Rohstoffe. Ohne die Einwilligung der Delegierten nnd Arbeiter kann ein Unter- nehmen die Produktion weder einschränken noch ändern. Die Delegierten haben das Recht, die Rechnungsbüchcr, Dokumente, Depots uud Rohmateriallager zu revidieren. Die Beschlüsse der Delegierten sind bindend für die Be- s i tz e r aller Betriebe, sie können»nr durch Re- gierongsakt geändert werden. Die Delegierten sind dem Staate gegenüber für die Ordnung, die Disziplin und die Erhaltuug de» Eigentums verantwortlich. Personen, die Die Teilnehmerzahl j Rohmaterialien verstecken»od sich iu bezog aus das Eigentom betrügerischer Handlougeu schuldig mache», werden mit Kon- fiSkation ihrer Güter nnd mit Gefängnis bedroht. Unter- «ehmer, die bei der Vernachlässigung und Verletzung ihrer Ob- liegeuhciten ertappt werden, werden mit Hausarrest bestraft. Kontrollorgane der Arbeiter sind die Fabrik- kommt ssioncu, die durch Delegierte der An. gestellten uud des technischen Personals vcr- st ä r k t werde». Der Erlaß ist von größter Bedeutung. Er greift in die Rechte, die das Privateigentum bisher an Erzeugung und Verlrieb der Güter besaß, mit energisch ändernden Maßregeln ein, die den Willen bezeugen, die Sozialisierung der Wirt- schaftsbetriebe vorzubereiten. Der Erlaß knüpft unmittelbar an die gegenwärtige Notlage an. Solange das private Unternehmertum in den Betrieben autokratisch schalten kann, besteht die Gefahr, daß es feine Macht ausnutzt, die Schwierigkeiten der Staatsgewalt, die jetzt das Steuer er- griffen hat. durch Steigerung der wirtschaftlichen Dcsorgani- sation bedrohlich zu verschlimmern. Diesem Treiben soll jetzt ein Riegel vorgeschoben werden. Die Aufgabe, die der Arbeiter- kontrolle zugetmesen wird, ist ungeheuer. Demi in Rußland hat das Unternehmertum, wie in allen andern Ländern der Erde, während der Kriegszeit erschreckend, aber nicht über- raschend bewiesen, daß sein Gefühl. Träger gescllschast- licher Pflichten zu sein, nur eine verzimmerte Existenz führt. die Konftituante-Vahlen. Amsterdam, 23. November. Reuter meldet aus Peters- bürg; Ter Gcmcinderat hat Wählerlisten für die Vcr- f a s s u n g g e b e n d e Versammlung ausgegeben. Es sind 19 Parteien vorhanden. Lenin erließ eine Prokla- niatiem. worin er erklärt, daß die gesamte Staatsgewalt in die Hände des Sowjets übergegangen sei, und die Bauern- räte auffordert, in ihrenDi strikten die Macht an sich zu reißen. Zeitungsanzeigen wurden für Staats- Monopol erklärt. Das amerikanische Konsulat i» Moskau stellte dem revolutionären Militärausschuß die Notwendigkeit vor, daß sofort Maßregeln zum Schutz des Lebens und dcS Eigentums der Ausländer ge- troffen würden. Nr. Z22 ❖ 34. Jahrgang Seilage ües vorwärts Sonnabend, 24. November 1477 Parteinachrichten. Organisationen und Parteitag. Im 7. s ch l e s w i g- h o l si e i n i s ch e n Wahlkreise haben die Organisationsversammlmigsn in Kiel, Neumünster, Rendsburg und Heikendorf zu den Verhandlungen des Würzburger Parteilags Siellung genommen und sich mit seinen Beschlünen in vollem Umfange einverstanden erklärt.— In Kiel werden am_ 28. November die Stadtverordnetenwahlen stattfinden. Zwischen dein Sozialdemokratischen Verein, dein Bürgerausschutz und dem Mieterverein ist es zu einem Abkommen gekommen, durch das der bisherige Besitzstand gewahrt wird. Jeder der beiden bürgerlichen Vereine stellt in je einem Wahlbezirk, der Sozialdemokratische Verein in den beiden anderen Bezirken seine Kandidaten auf. Von den eis zu wählenden Stadlverordneten entfallen aus die sozialdemokratische Partei sechs, auf die bürgerlichen Vereine fünf. Die unabhängigen Sozialdemokraten haben be- schlössen, sich an der Wahl zu beieiligen und in allen Bezirken Kandidaten auszustellen. Dieser Beschlutz ist nicht der Absicht ent- sprungen, fruchtbare kommunale Tätigkeit zu betreiben, sondern dem Hätz gegen die Sozialdemokratie, der in Kiel besonders stark ge- schürt worden ist. Biel Erfolg werden die Unabhängigen aber mit ihrer Wahlbeteiligung nicht haben. Die Kimigsberger Parteigenossen nahmen in einer gut besuchten Versammlung des Sdzialdemokratischen Vereins Königsberg i. Pr. zu den Beschlüssen des Würzburger Parteitages Siellung. Genosse Lübbring stellte sich in seinem Bericht völlig auf den Standpunkt der gefatzten Beschlüsse. Den Einigungsvorschlag Nürnberg- Altdors, der neben� der Resolution Severing angenommen wurde, habe er als gefühlsmätzige Ucberflüssigkeit abgelehnt. Der Delegierte «eemann hielt diesen Beschlutz doch für praktisch und nützlich. Gc« nosie Barthel stimmte Lübbrings Ansicht zu. Einstimmig nahm die Versammlung die Resolution Lübbring an, die den Parteitags- beschlüsien und der demokratischen Friedenspolitik der Sozialdemo- kralie zustimmte. Eine outzerordentliche Generalversammlung des Sozialdemo- kratischen Vereins Schneidemühl nahm den Bericht vom Würz- burger Parteitag entgegen, den Genosse W. Schulz-Brom- berg erstattete. Angesichts der jung aufgebauten Parteibewegung ~ die Mitgliederzohl. die bei Jahresbeginn nur drei zählte, ist durch rührige Arbeit auf 270 gestiegen— legte Genosse Schulz mehr Gewicht auf agitatorische als nur berichtende Ausführungen. Vielmalige Zustimmungen zu den Ausführungen über den Vorstands- und Fraktionsberichte und über die nächsten Aufgaben der Partei hetzen erkennen, daß die Partei- genossen den Arbeiten ihrer Parteiinstanzen die erforderliche Auf- merkiamkeil widmen. Zum lschlutz erklärte die Versammlung sich mit den Beschlüssen des Parteitags einverstanden; die Anwesenden gelobten, weiter für die Förderung der Partei zu arbeiten. Leider konnte den Ausführungen des Genossen Schulz eine Diskussion nicht folgen. Das stellvertretende Generalkommando des 2. Armeekorps hat wohl die Abhaltung der Mitgliederversammlung gestattet, ober gleichzeitig eine Diskussion verboten. Es schadet aber nichts. Die Arbeiterorganisaiioilen in Schneidemühl sind aus dem besten Wege. Tie Gelverkschaflcn zählen bereits über 2500 Mitglieder, darunter 1200 im Deutschen Eiscnbahnervcrdand. Auch konnten in ganz kurzer Zeil über 200 Leser für die„BreSlaucr Lolkswacht' gewonnen werden._ Vorwärts in der oberen Rheinprovinz. Im Kölner Gebiet fanden 5 öffentlich« Frauenversamm- lungen statt. Es sprachen Frau Reitze aus Hamburg und die Kölner Stadlverordneten Haas und Sollmann über die Frauen- sorderungen. 220 Fra uen lro t en der Partei bei.— In Andernach, wo die politische Organisation bisher nur wenige Mitglieder zählt, sprach Genosse Sollmann vor 450 Personen über Frieden und Freiheit. Auch hier war die Beteiligung der Frauen besonders stark. Die politische Organisation, noch mehr aber die gewerkschaftliche macht Fortschritte, wie sie bis vor kurzem in dieser Gegend niemand zu erhoffen gewagt hat. GroßSerün Trügerische Hoffnungen haben wir leider durch unsere gestrige Mitteilung über eine Matz- regel des Kohlenverbandes erweckt. Tie Mitteilung war uns nur ihrem Inhalt nach durch eine Korrespondenz zugegangen; jetzt, wo wir ihren Inhalt kennen, siebt die tsache wesentlich anders aus und wir müssen zu nnierer Beschämung gestehen, datz wir den Kohlenverband überschätzt haben, wenn wir annahmen, datz er der von uns wiederholt ausgesprochenen Forderung, die den Wünschen aller Interessenten, der KoHlenverbraucher wie der Kohlenhändler entspricht, endlich nachgekommen sei. Das an die Verbände des Berliner Kohlenhandels gerichtete Schreiben des Kohlenverbandes lautet folgendermatzen: .Im Jnreresse kranker, tagsüber beschäftigter usw. Verbraucher ist es notwendig, datz der Kohlenhandel die Inhaber schon früher zur Belieferung freigegebener Abschnitte der Kohlenkarte, sowie die Inhaber des Mutelstückes der Reichsfleischkarte von, S. Juli 1917 iowie de§ EmpfangsabichmtteSö derKaffee-Ersatz-Karte vorzugsweise bor gleichzeitig im Geschärt erscheinenden Kunden beliefert, die Kohlen auf die zuletzt freigegebenen Abschnitte der Koblenkarte entnehmen wollen.— Der Kohlenverband Grotz-Berlin hat die Verbände des Berliner Kohlenhandels angewiesen, ihren Mit- gliedern die Beobachtung des geschilderten Verfahrens zur Pflicht zu machen.— Gleichzeitig sind die Kohlenhändler veranlatzt worden, ihre Geichärte täglich an mindestens drei Stunden offen zu halten und die betreffenden Zeiten dem Publikum durch von der Stratze aus sichtbaren Aushang bekannt zu gebend Die ganze Bevorzugung der Inhaber älterer Abschnitte besieht also darin, datz sie, lvenn sie gleichzeitig mit Inhabern neuerer Ab- schnitte in daS Geschäft deS Kohlenhändlers eintreten, einige Minuten früher abgefertigt werden als die übrigen Kunden des Händlers. Dieie paar Minuten, nachdem sie nionatelang gewartet haben I Die entscheidende Bestimmung: Vorbestellungen dürren aui Grund der Kohlenkarte nicht angenommen werden, bleibt weiter bestehen, und damit bleibt bestehen, datz nur diejentgeu Verbraucher Koblen erhalten, die zu der Zeit anwesend sind, wenn der Kohlenhändler Kohlen erhält. Er darf auch nach dieser Anordnung noch keine Kohlen für Kranke oder tagsüber Beschäftigte zurückstellen. Was das tägliche dreistündige Offenhalten auch derjenigen Koblenhandlungeii, die keine Kohlen erhalten haben, bezwecken soll, bleibt das Geheimnis des Kohlenverbandes. Durch die neue Matz- regel werden die Scherereien und die Verärgerung des Publikums nicht verringert, die der Kohlenhändler aber vermehrt. Die Erhöhung der Zuschläge zur 5kriegsunterstützu«g. Unter dem Vorsitz des Stadlverordneten Liebmann tagt« der Stadlverordnetenausichutz zur Vorberalung der Magistraisvorlage über die Erdöhung der städl>s»en Zuschläge zur Kriegsunterstützung um 10 M. für jeden Unterstützten vom 1. November d. I. ab. Gleichzeitig wurde der sozialdemokratliche Antrag:.Die Stadt- verordnetenveriammlung ersucht den Magistrat, die Unter- stützungsiätze für Kriegerfaniilien nach der Bundesrats- vestünmung vom 7. November 1917 mit Wirkung vom 1. Qt», t o b e r d. I. ab derart heraufzusetzen, datz die Unterstützung sowohl für jede Ehefrau wie für jede? Kind um mindestens 10 M. erhöht werden, sowie eine Neuregelung und Unterstützung solcher Kinder eintreten zu lasien, deren Väter im Heeresdienst stehende Witwer sind", beraten und mit 7 gegen 6 Stimmen ab- gelehnt. Der Ausschutz beschlotz, der Stadtverordnetenversamm- lung die unveränderte Annahme der Magisiratsvorlage, die die Zahlung der Zuschläge erst vom 1. November ab vorsieht, zu empfehlen. Zum Berichterstatter wurde der Stadtv. Loeser gewählt. Lebensmittelverband Groff-Berlin. Die zur Brotkartengemeiuschaft gehörenden Grotz-Berliner Städte und Landgemeinden sowie die Kreise Teltow und Nieder- barnim und eine Reihe weiterer Gemeinden aus den beiden Kreisen waren zu einer gemeinschaftlichen Besprechung im Berliner Rathaus unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Wermuth zusammen- getreten, um über die Schaffung des neuen Lebens-- mittelverbandes Grotz- Berlins Beschlutz zu faffen. Der Grundgedanke, eine Vereinheitlichung der Nabrungsmittelausteilung herbeizuführen, fand allgemeine Zustimmung. Der von dem Siebener- Ausschutz der Brotkartengemeiuschaft vorgelegte Entwurf einer Satzung für den Lebensmittelverband Grotz-Berlin wurde durch- beraten und dem baldigen Inkrafttreten des Verbandes zugestimmt. Der Kreis Niederbalisim behielt sich jedoch seine Stellungnahme wegen seines Beitritts zum Verbands vor. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 122 der Lebensmntelkarte entfallen 100 Gramm G r a u v e u, aus Abschnitt 123 10 0 Gramm Teigwaren. Die Abschnitte sind von heute bis einschließlich Mon- tag in den durch besondere Verkaufsschilder gekeimzeichneten Klein- bandelsgeschäften abzugeben. Die Ware wird dann nach Ablauf der üblichen Frist zur Verfügung stehen. Umtausch von Jfleischkarten. Für die am 26. November d. I. beginnende Fleischkarienveriode können die Fleischkarten in Berlin in der Zeit vom 26. bis 28. No- vember bei den zuständigen Brotkommiffionen uingelanschl werden. Als Ersatz werden diesmal Teigwaren und Grietz ausgegeben und zwar aus die Bollkarte 256 Gramm, auf- die. Kinderkarte 125 Gramm wöchentlich. Der Warenbezug erfolgt wie bisher aus den be- kannten, besonders kenntlich gemachten Geschäften. Zum Umtausch berechtigt sind.diejenigen, die sich bei ihrer Brotkommission zur Eintragung in die Liste gemeldet haben oder nachträglich zum Umtausch zugelassen worden sind. Wer die An- Meldung seinerzeit ohne sein Verschulden1 Uhr im Bureau für Fleischversorgung. Stralaucr Str. 3—6, bewirken. Höchstpreise für Röstzwieback. Da für Röstzwieback zum Teil ungerechtfertigt hohe Preise ge- fordert werden, hat der Ausschntz der Brorkartengemeinschaft in seiner letzten Sitzung den Grundsatz aufgestellt, datz ein Preis von 80 Pf. für das Pfund bei der Abgabe an den Verbraucher dem Bäcker einen vollkommen ausreichenden Nutzen beläßt und deshalb nicht überschritten werden darf, wenn anders nicht ein Straf- verfahren wegen Preiswuchers eingeleitet werden darf. Sollten daher auch weiterhin höhere Preise geiordert werden, so würden gegen die Schuldigen die erforderlichen Schritte unternommen werden.■•-' v-/ s-- Die Arieiter-Samariter-Kolonue Groß-Berlin stellt sich auch in diesem Jahr am Totensonntag dem Berliner Publikum auf den Friedhöfen bei etwa vorkommenden Unfällen zur Verfügung. Die Ausstellung empfehlenswerter Jugendschrifteu im Gewerk- schastshause ist heute von 3—7 Uhr geöffnet. Eintritt ftei. Kinder haben nur in Begleitung von Erwachsenen Zutritt. OberverwaltungsgerichtSrat Dr. Lindenau teilt uns mit, datz er ein Bewerbungsgesuch um die Stelle des Verbandsdirektorpostens nicht eingereicht hat. Die Hauptversammlung der Gesellschaft für Bollsbildung findet am 2. Dezember, vormittags 11 Uhr, im Festiaale des Abgeordnetenhauses. Prinz-Albrecht-Stratze, statt. Den Hauptgegenstand bilden Borträge über die Bolksbildungsarbeit während des Krieges und die Lorbereitung auf die Zeit nach dem Kriege von Herrn I. Tews. Geschäftsführer der Gesellschaft für Volksbildung, und Herrn Pfarrer Dr. Lnther-Charloltenburg. Die Teilnahme ist allen Freunden des freiwilligen Vollsbildungswesenö gestattet. Telephonische Postanweisungen im Verkehr zwischen Deutschland und dem Gebiet des Generalgouvernements Warschau sind vom 1. Dezember ab zugelassen. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten. Ein gefährlicher Verbrecher ist in der Nacht zum Freitag aus dem Krankenhaus in Buckolo entwichen. Bei dem Hofjuwelier Schäfer in der Präger Straße zu Dresden erbeuteten Geld'chronkeinbrechcr vor einiger Zeit für 5000 M. bares Geld und für 30 000 M. Gold-, Silber- und Lederwaren. Die Neuköllner Kriminalpolizei nahm die drei Täter, darunter einen Kellner Adolf L o m a t s ch aus der Weisestratze 57, fest. Lomatsch sprang nach einem schweren Kampf mit den Kriminalbeamten aus dem Fenster des Berliner Zimmers im dritten Stock auf den Hof hinab und blieb mit einem Bruch des dritten Brustwirbels'liegen. Die Kriminalpolizei brachte ihn nach dem Ärankenhause in Buckow. Hier hat er eS verstanden, sich mit Helfershelfern in Verbindung zu setzen. In der Nacht schlich er sich im Hemde aus dem Krankensaal auf den Flur. Hier srietz er aus eine wachthabende Schwester, die ihn am Hemde faßte und fest zuhalten versuchte. Der Verbrecher ritz sich aber los. Die Schwester bedielt das Ärankenhemd in ihren Händen, und der Flüchtige trug jetzt nur noch einen Sweater, den ihm Helfershelfer heimlich zu gesteckt hatten. Auf einem anderen Flur begegnete er einer zweiten Schwester. Auch diese versuchte ihn zu stellen. Er gab ihr jedoch einen Stoß vor die Brust und wandte sich nun nach dem Flügel der Aerzlezimmer. Aus diesem entwich er durch eine Hinter- lür ins Freie. Hier erwarteten ihn seine Helferöhelter mit einem Fuhrwerk. Der Verbrecher schwang sich eiligst hinauf, und der Wagen jagte mit ihm davon. Die Helfershelfer haben ohne Zweifel Kleidungsstücke mitgebracht, die der Verbrecher angezogen hat. Neukölln. BolkStüwliche Borträge. Freitag, den 30. November, abends 8 Uhr. veranstaltet die Stadtgemeinde in der Aula der Realschule, Boddinstr. 34/41, einen Liederabend mit dem königlich prcutziscbcn Hofopernsänger ÄrauS, sowie Herrn Professor Mayer- Mahr(Klavier). Eintrillskarlen zum Preise von 75 und 50 Ps. sind in den ZeitungSexpedilionen des.Vorwärts", Reckarstr. 3, und Siegftiedstr. 27/28 erhältlich.__ Spandau. Die städtischen Berkaufsstelleu im Rathause sind von jetzt ab von 9—1 Uhr und von 5—7 Uhr geöffnet; an den Sonn- abenden wie bisher nur von 9—2 Uhr. Kreis Teltow. Eine neue Hundefperrr. Aus Anlatz eines neuen TollwulfalleS in Lichterfelde hat der Landrat des Kreises Teltow für die Ortschaften Lichterselde, Lankwitz, Steglitz, Südende, Dahlem, Zehlendors, Schönow. Seehoff Teltow, Osdorf und Marienfelde die Hundesperre bis zum 13. Februar 1918 einschl. angeordnet. Während dieser Zeit find in den genannten Ortschaften. alle Hunde festzulegen(anzuketten oder einzusperren) oder mit sicherem Maulkorb dersehen an der Leine zu führen. Friede»»«. Bcsierung der PostpaketauSgabe. Den Bemühungen der Gemeindeverwaltung ist es gelungen, die bisher von der Friedenauer Einwohnerschaft lebhast beklagte mißliche Postpaket- ausgäbe in Schöneberg zu beseitigen. Vom Montag ab wird in dem noch nicht gänzlich sertiggestellren Postneubau an der Ecke der Handjery- und Schmargendorfer Stratze eine PostpaketauSgabe er- öffnet. Die Friedenauer brauchen sich dann nicht mehr nach dem entfernten Schöneberger Postamt zu bemühen, um dort die Pakete abzuholen._ Johannisthal. Wiederwahl des Gemeindevorstehers. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde der gegenwärtige Gemeindevorsteher Busch für die am 1. Ottober 1913 beginnende zwölfjährige Amlsdauer einstimmig wiedergewählt. Weißensee. Keine Pakctbcstclluug mehr. Vom 29. November ab werden die Empfänger von Paketen nur von dem Eingange der Sendung durch die Postbcrwaliuirg benachrichtigt und hoben dann für die schleunige Abholung der Pakete unter Vorzeigung der Be- nachrichtigung zu sorgen._ Schönow. Die letzte Gemeiildevertretersttzung befaßte sich mit dem vom Genossen D u ck w i tz gestellten Antrag auf Bewilligung einer Weihnachtsgabe für die Kriegsteilnehmer und deren An- gehörige, der auch von dem Antragsteller eingehend begründet wurde. Der Gemeindevertreter Grund sowie Genosse Dam mann unterstützten lebhaft diesen Antrag. Dammann beantragte noch, datz � der vierte Teil von der bisherigen monatlichen llnlerstützung zur einmaligen Auszahlimg gelangen soll. Diesem Antrage wurde von der Bertreiung einstimmig zugestimmt. Als Weihnachtsunterstützung soll jeder Kriegsteilnehmer 10 M., jede Kriegerfrau 6 M., und jedes Kind 2 M. erhalten. Auch dieser Antrag wurde einstimmig an- genommen. Rowawcs. Lctcnsmittcl. Bei sämtlichen Fleischern findet heute Fleischverkaus stall. In den vjer Verkaufsstellen der Ge- meinde werden heute Scesiiche und frische. Fische auf Abschnitt 23 und 35 nummetnweise abgegeben. Groß-Serlmer Parteinachrichten. Wilmersdorf. In einer Mitgliederversammlung am 19. d. M. gab Genoffln Ryneck den Berich! über den Parteilag in Würzburg. der im großen ganzen beifällig aufgenommen wurde. Anschlietzend an die Diskussion crktärle sich die Versammlung ei« stimmt g für die beantragte Beitragserhöhung von 60 Pf. und 30 Pf. Eine leb» haste Aussprache bot die offensichtliche Verschleppung der Wahl von Frauen in. die städtischen Verwallungsdeputationcn, über die Genosse Stadtv. L ü d c m a n n aus eine Anfrage einige Ausführungen machte. Nachfolgende. Resolution fand Annahme:„Die Versammlung spricht ihre lebbafte Verwunderung aus über die offensichtliche Verschleppung der Wahl von Frauen- in die siädtischen Verwallungsdepulationen und fordert die Stadtverordnetenversammlung dringend auf. die Heranziehung der Frauen zur Mitarbeit in der Gemeindeverwaltung nicht länger kiiiauSzuschieben. Angesichts der bekannten unerträg- lichen Benachteiligung der Arbeiterschaft durch das geltende Gemeinde- Wahlrecht ttzwarlen die Versammelten, datz die Stadtverordneten- Versammlung die Gelegenheir der Zuwahl von weiblichen Depu-, totionsmitgliedern benutzen wird,- um m erster Linie Vertreterinnen der Arbe iler ich a ftin. hie- betreffen den Deput alioiten yr wählen." v \ ?nöustrie und Kandel. Unerhörte Preisfordcrungen der Motörcnindnstrie. Die Motorenindustrie scheint den starken und dringenden Be- darf zur kräftigen Schröpfung deS Reiches ausnützen zu wollen. Obwohl die Aktien aller Molorenfabrilen im ganzen Kriege— und ganz besonders wieder in den letzten zwei Wochen— gestiegen sind. verlangen die Unternehmer einen Preisanfschlag von 25 Proz. Sie denken: Nur Lumpe sind bescheiden. Aber der Vorfall zeigt doch, was in der durch die besonderen Kriegsumstände bedingten Heim- lichkeit der Kriegswirtschaft verlangt werden kann und wie schwach und nachgiebig die Beamtenschast in den Unternehmerlreisen gelten mutz.___ Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Weitzbier-Aktien-Brauerei vormals H. A. Bolle verteilt für 1916/17 nach sechs dividendenloien Jahren 5 Proz. und die Berliner Weitzbierbrauerei A.-G. vorm Carl Landru 6 Proz. gegen 4 Proz., 3 Proz. und 2 Proz. in den drei Vorjahren. Dieie Er- gebnisse sind aus den gesteigerten Weitzbierverbrauch und auf die durchgeführten Preiserhöhungen zurückzuführen. Jugenöveranftaltungen. Schöneberg. Arbeiterjugend. Morgen Teilnahme an der Eröffnung des Jugendheims in Berlin. Treffpmilt t- Uhr am Kaiser- Wllliclms-Platz. Mittwoch, den 28. November: Spielabend. Ansang 8 Uhr. Vom 1. Dezeniber ab wird daS örtliche Bminsiolal nach Sedanstr. 53 bei Lebmann verlegt. Die Eröffnungsfeier findet Sonntag, den 2. Dezember, nachmittags 6 Uhr, statt. Käste rcillfommen Die Veranstaltungen finden jeden Mittwoch und Sonntag von 8—16 Uhr statt.' Freireligiöse tstcmeinde. Morgen voriniltagS 9 Uhr, Papficl- allee 15/17; Neukölln, Jdcalkaiino, Äcichselin.- 8;■ Oberschöneweid« Wilkclmiiicnhosstrage 43 bei Otto Pamp: Freireligiöse Vorlesung.— Vor- miitags 10'/., Uhr, Kleine Frankfurier Str. 6, Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille: Wie verewigt sich der Mensch? Nachmittags 4 Uhr: Pappel-Allee 15/17, Halle: Totenfeier. Vortragender Herr Wolbeck M a n a s s e.— Gäste willkommen. Der Verein der Freidenker für Fenerbcstattung veranstaltet morgen abends 61/, Uhr, im großen Saale der Sophicnsäie eine Totcngedenlscicr. Den Festvortrag hält Dr. Paul Krische über ,DaS Gedächtnis der Toten— ihr Vermächtnis an die Lebenden." Arbeiter-Durnerbund. Am kommenden Sonnlag, Uhr, sillden solaende Fußballspiele statt: Nculöllu gegen Velten in Neukölln, Grcnzallec; Fichte- Osten geacn Weißensee und Fichte- 6. Lchrlingsablcilung gegen 12. LebrlingSabteilimg in Treptow, Cöpenickcr Landitroße; V. s. B. gegen Fichte-Osten in Friedrichshagen, Gemeinde pielpiatz; Ficht c-Nord gegen Luckenwalde I in Reinickendorf, Thuner Straße. öriefkaften der Neüaktion. H. N. Fuchs. Wenn mcbr wie techZ Jahre aktive Dienstzeit ge- leistet find, für jedes weitere Jahr 246 M. Aufwandsentschädigung. Antrag ist an die Polizeibehörde zu stellen.—-c>. K. 3S. Der Wirl ist berechtigt, seine Zusage zurückzuziehen. Wenden Sie sich bei Kündigung sofort an das Mieteinigungsamt zwecks Entscheidung aui Grund der BundcSralsverordnung vom 25. Juli 1917.— F. B. 1. Ja. 1, Berlin NW 7, Reichstag. —®. A., Stolberg i. Harz. 1. 466 M. und 5X168— 1240 M. 2. Antrag ist an die Lrtspolizcibehörde zu richten. 3. Nein.— Arm. 42. Geringe körperliche Fehler, welche die.iähigkeit zum Dienst in der Eriad? reserve gcstaticn.— Baugau. Nur wenn mehrere söhne gefallen sind.. kann Zurückziehung aus der Front beantragt werden, sonst nicht.— 882. Jedes Mal 7,50 M.— Jakob.'Nein.— F. I. Feldpost 165. Nein. — A. IVO. Antrag ist nur durch die untere Kommandostelle einzureichen. Ausftcht aus Erfolg besteht nicht.— Laudsturmmann Jaftnke. Kowno. 1. Wenn Verteilung stattfindet, ja. 2. Im vorgeschriebenen Instanzenweg«. — W.'Z. 109. MitteiümgZblatk des VerLandes bei Dahlvereine, Berlin, schicklerstr. Z.— M. 99. 91« den Magistrat Ihres Dahn- orteS.— D?. Z. 53. Das Fajz dürfte kcmm zu benutzen sein. Moritz 8. Der Bußtag ist kirchlich. religiöse» Ursprungs,.�n Preuhen wurde er in seiner heutigen Form durch Gesetz vom Jahre 1892 eingesuhrt. «.»reeerauSsichte» für das mittler« Siorddentiitiland vis Sonntag mittag. Ziemlich mild, vorwiegend trübe mit weiloerbrciteten, im Tüdweiten meist geringen, in den anderen Gegenden etwas stärkeren Regensällen, dazwischen zeilweise aufklarend. Geivhma»«;«? der 10. Pve»tzisch- Süddeutsche» (336. Königlich xre«tzisch,n) Klassenlotterie 5. Klasse 13. ZiehungStag 23. November 1917 0 Knf jede gezogene Siiimoier sind t«ei gleich hohe Gewinn« gefallen, uvd jwai- ie einer auf die Lose gleicher Wim« Abteilungen 1 und II 'timaicr in den beiden (Ohne Gewähr A. Si.M. f. Z.)(Siachdruck verboten) In der BormittagS-Ziehung wurde» Bewiim« über 240 Mb gezogeil: 10 Gewinne zu bovo Mk. SSSIS 1075C6 110316 110994 139018 73 Gewinne zu 3000 Ml. 13843 12175 13268 14295 15886 18133 25956 42826 47784 48609 56109 64666 74439 80307 91465 100396 106068 115035 120057 125028 132115 133216 136461 148088 149494 151416 171673 178664 180062 180597 182705 185419 187900 192989 211695 212801 216932 224636 232336 ISO Gewttins zu 1000 Mk. 274 3210 6257 8786 12174 14940 15242 18196 19412 20868 22059 34917 38954 41464 43265 55143 57755 65709 66738 68136 70096 74273 77990 78810 79801 84416 85379 87092 87837 88560 89071 93165 96351 98776 99322 106362 108220 108897 111420 112113 117560 122002 124601 127822 139345 156705 162231 162533 164633 165 87 6 169598 171003 171288 173015 178686 182668 182696 183523 185187 185680 191961 193362 194427 197298 202713 204484 208962 216255 217223 221166 223381 223928 227520 230656 231411 206 Gewinne zu 600 Mk. 6920 8956 9212 19036 25456 25598 26731 31121 35062 42047 51253 51744 62587 52948 54050 56045 57661 62214 62695 65526 66344 66470 66994 71236 79828 80461 83082 83805 83991 85888 88089 88891 89555 92769 97097 100714 104099 107023 107444 111765 114576 118665 120120 120389 122554 125066 125366 126248 126408 129374 137457 142858 143407 144754 147399 148055 149980 150453 150855 153039 153156 153674 156011 156610 158696 159511 159967 165010 167281 171111 173489 176339 177434 185396 185701 186011 190487 193189 193757 196798 197102 201967 202265 202909 205667 206676 209564 212390 212996 213568 217283 217299 217996 219609 219767 220278 221301 222001 230418 230959 231328 231341 233002 In der Na ch m itt ag H.Ziehung wurden Gewinne über 2t0 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 30 000 Mk. 153444 2 Gewinne zu 15 000 Mk. 188362 6 Gewinne zu 10 000 Mk. 4466 196121 224219 10 Gewinne zu 5000 Mk. 37098 49880 134392 199560 219300 90 Gewinne zu 3000 MI. 7615 14270 18924 23491 29144 38837 40732 42591 47220 48979 49321 66225 68620 71613 83254 85459 94033 94993 97238 99871 102862 104167 112723 126706 154976 155359 157877 159493 163822 167004 168225 169668 181703 188859 190539 193026 193575 196730 198694 209316 211927 212044 217807 229170 233699 168 Gewinne zu 1000 Mk. 2430 2926 4979 7003 7114 11832 12735 15280 15830 19559 19612 26396 37183 38748 40375 43769 52461 54843 65142 61660 64060 67479 67628 72535 76308 79800 80284 80937 85131 87970 88769 89678 94070 94175 94453 95389 95511 97687 99933 101394 105139 105240 306342 197191 108935 113124 117953 122799 123344 127308 127845 128349 134529 135031 136377 136627 138136 138281 140981 142962 146304 148258 148987 149123 150498 156099 157368 158677 161092 162907 165672 167429 172302 181079 184360 185130 189213 1939X4 195511 206478 208803 210386 210461 212777 200 Gewinne zu 500 Mk. 2210 5762 6755 10809 13955 14773 18264 19461 24090 24669 25794 32628 37350 46974 47121 43797 52369 54742 54942 57696 57904 61651 65580 67183 72199 73193 74811 76896 79306 80950 83139 87165 88036 88750 93887 98227 103690 104281 107214 107719 114238 114656 118707 119026 119239 119750 120378 121683 122576 122938 126596 129381 134930 135222 140194 140526 141300 141432 142271 143506 146551 151885 153315 160338 160733 165578 168624 169071 172566 173104 174493 175623 176476 178262 179534 185096 191656 193085 193186 194089 195840 195985 196341 198653 198928 201226 206520 207068 208125 210649 212546 213779 216543 216594 218888 224521 224386 226344 226866 232636 Direktion Max Keinhurdt, Deutsches Theater. 7 Vbr: Der lebende Leichnam. (»animerspieie. 7';, Uhx; Kinder der Freude. Volksbühne. Theater am Biilowpiatz. Untergrundb. Schönh. Tor. 7'f, Uhr: Edelwild.__ Dir. C Meinhard— R. Bemauer. Theater ä Königgrätzerstr, 7 Chr: Die Wildente. Komödienhaus '/.SUhr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 7'I,U.: Die tolle KomteB. Rose-Theater. S'/jUHr; Häusel und Gretes. '•i, uhr- Andreas Käfer. Friedrichstraße an derKochstr. Dir. James Klein. Allabendlich 73/. Uhr: Die Hochzeit des Maharaiiselia 'Jheaterk. ununterbr. geöSn. Sonntags: 8 Vorstellungen, S'l, und Tj, Uhr. Otto Rdhr Humorist am Flügel Rolf Hansen der mod. Taschenspieler Der Deckenläufer sowie der reichhaltige Zirkus A. Schumann.| Bilk. Friedrichstraßc. Letzte Saison in Berlin Heute Sonnabend: j L Vorstellnneen 8 I 3'/, u,»'/. Uhr. Nehm. Kinder halbe Preise I unt. 12 J. auf all. Sitzpl.[ In beiden Vorstellungen ungekürzt: MoTiirn 8' Ausstait.| RlCAmll Pantomime. I 1 A Tiger H A I -"-v Rieh. Sawade v Maud Wulff, flieg. Hunde, u. d. übr. Spezialitäten. I Totensonntag geschloeeen. 1 Heute 7>/,: deh'n Sie blop nicht nach Berlin! Morgen(Totensonntag) 7'/,: Einmalige Aufführung u 3 Yoigt-Theater. Badstr. 58, Badstr. 5B. Täglich VI, Uhr: Der Smemg. Sonnlag, 2b. 11.(Totensonnlag) gefchlosse«. 'SetaM Haler« Friedrichstr. 165. Ecke Behrenstraße. Ciaire Valdoff Jean Moreao Dario Paini u das hervorragende Movembor-Programm. Hauskap.: Fenyvesl. Theater Ifir Sonnabend, 24. Nov. Oentral-Theater KommandantenstraCe 57. VI,: Die Csardaefürstln Sonntag VI, Uhr: Liebe. Deutsches Opernhaus 7 uhr: La Traviata. Friedrlcta-Wlitaelnlst. Theater •'/.uhr: Das UmMMilü. Kleines Theater 77. uhr: Cellizauber. Houilsehe Oper 3'/,:KIein Dorchenu.d. Zinnsold. 1% u.: SehwarzwaldiDädel. Morgen 7V. Uhr: Jugend. Metropol-Theater uhr; Die Rose von Starabul. Sonntag 7 Uhr: Hedda Gabler. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kassont.Nd.281 tv. uhr:Dep Soldat derMarie. liUstsplelhans 7'/, Uhr: Die blonden Mädels v. Lindenhof. Mg.7'/4:Tochf. d. Hrn. Fabricius, Kcsldens-Thcater 77.ühr: Raskolnikoff. Schiller-Theater O MSi: Im Halen. Schlller-Th. Charl. Vj, Uhr: Maria Stuart. 77, uhr: Gespenster. Thalia-Theater Egon und seine Frauen. Theater am Nollcndortplatz 37. Uhr; Hänsel und Gretel. 7 Uhr: Theater des W osten» 4 Uhr: Hänsel und Gretel. 7v,uhr: Der verliebte Berzog mit Guido Thielschcr Mg. 37,: Joseph u. seine Brßder. atioml-theater iCöpenicker Straße 68. Täglich 7,8 Uhr; Größter Lacherfolg! ] Das ist die Liebe. 'Musik v, Waller Bramme. Vorverkauf ab 10 Uhr Sonntag. 25. Nov., 77, Uhr(Totensonntag): Die Grille. Ländliches Charakterbild in 7 Bildern. ununterbr., auch Tietz. URANIA 8 Uhr: Tier und Mensch In der Wildnis. Professor Dr. B. Donath: 8 Uhr: Die Spektrglanaljfs« des Himmels. Trlanon-Theater Georgenstr, Bhf. Friedrichstr. 7,8 U. Allabendlich 7,8 U. Der LebenssehQler. Schauspiel von Ludwig Fulda. Kaiser-Titz. Ida Wüst, v.Möllendorff, Kettner, Flink. Sonntag 37,: Johannisfeuer. Caslno-Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 7,8 U. Trotz de» großen Erfolge» Nur noch kurze Zeit .Heiraten mutzte! und das neue Noocmberbrogr. fiastapiel Vettori; Herrod. Dame. Totensonntag geschlossen. Kerkau-Palast Behrenstraße 48 Im 1. Stock Punkt5 ü. nm.: Marionetten Unt. ander, werd. vorgef.: Francllla Kaufmann Luoie Kieselhausen Klassische Tänze Sent M'ahesa Orientalische Tänze Bobert S t e 1 d 1 GebrUder Wille Hand- u. Kopf-Akrobaten Salerno der berühmt« Jongleur Blondel am Schwungseil Toto der unverwüstl. Clown Hochintcress. f. Erwachs. und Kinder, jung und«lt. Keine erhöhten Preise für Getränke erster Güte. Eintritt u. Garderobe frei Kanvaaf d. allbekannten mim Gottsohalk-Kap. Sonnab. 8 Vorstellungen OieGPierrotsla1;, Nachmittags• lhS&IK$.W! Li HoiaUrl 115 In beiden Vorstellungen Trllby und die übrig. Nummern. Morgen(Totensonntag) _ geschlossen._ Walhalla-Theater. 77, Uhr: Zigeuner. Admifals-Palast. Ballett auf dem Elsa 77. Uhr Abrakadabra. Vorztigliche Küche. ReiehsballeD-Theater Stettiner Sänger Anfang 77, Uhr. Sonntag, 25. (Totoniest) Einmaligo* Konzert der Berliner ___ Liedertafel mit großem Orchester unter Mitwirk. d. Konzerts. Frau Hertha Geipelt. An/. 8 Uhr. AI. Landwirtschaft zu verkaufen. Famiiienhau», cd. 2—3 Wohnungen. 11 Morgen Land und lebende» Inventar. Schmachtenhagen b. Oranien- bürg. Näberes bei Wilh. Müller, Ncutölln, Allerstr. 11, __ vorn III, 9121* ��erieTKonzertliaüs Mauerstraße 82. Zimmers traßo 90/91. »»» Heut«: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters. Leiter: Komponist Franz reu Blon. Anfang 77, Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 77, Uhr. Morgen(Totensonntag): Gr. Wehltitlgkeits-Kenzert zum Besten oL Hinterbliebenen Gefall, des 2. Garde-Kegts. z. F. Verein der Freidenker für Feuerbestattung. Sitz Berlin. - Geschäftsstelle: Hermann Müller, Berlin NW 23, Cuxhavener Str. 15. Gegründet 1905. Kassierer: Louis Oontler, Neukölln, Berliner Str. 85 III, Port. II. Am Totensonntag, abends KV- Uhr, im großen Saale derSgphiensdle,Sophienstr.; TotengedeukMor. Vortrag des Herrn Dr. Paul Krlsche: 295/20 Das Gedächtnis der Toten- ihr Vermächtnis an die Lebeoden. Eintritt frei. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorntand. S«o-ANSchK Unserem Genosse»"jjj Fritz Müller S und Ehefrau der Eenolsiu Johanna Müller zur Silberhochzeit die herzk. Glückwüniche. DicGcn. d. 1ß.u.19. Abt. VI Kr. S. P. D. eeaagisr* Unserem langjährigen, BW ngjährigen,% © treuen Mitgliede | sra» Johanna Mälter| nebst Gatten m m die herzlichsten Glück- W F wünsche zur Zilber- P <9 Hochzeit. 52/10® w Verein für Frauen und G Mädchen der Arbeiter- j» <8. blasse.& Allgemeine OrtsKranKenKasfe SM-MWee 'Am Montag, den 3, Te- zember 1917, abend» 8 Uhr, findet zu Berlin-Weihenfee, Berliner Allee 257, ini Rcstau» rant»Zum Pralatrn"(kleiner saal) eine 298/12 SkOentiiüit SIMßesHasfMks mil solgender Tagesordnung stall: 1. Bericht über den Eland der Kastc durch den Borsitzendcn de» Vorstände». 2. Wahl der Rechnungsprüfer (1 Arbeitgeber, 2 Arbeit« nchmer). 3. Beichluhiaisung über die Acnderung der 20 Zisscr 1 und 48 der Äasseniatzungen. 4. Rochmaligc Beichiutziaiiung über die Aendcrung der KZ 75 und 89 der Kaflensatzungen. 5. Beratung und Feslietzmiz de» BoranschlogeZ sür da» üahr 1913. 6. Kaisenangelegenheiten. Zum Eintritt berechtigt sind nur die mit dieser Einladung versehenen Ausschußmitglieder. Drr Torstand. Sendet, Vorsitzender. Will, frisch Aettente«.. Psd. 5,50 au Masthühner.„ 4,75.. Kaninchen, 3,00. Fran Gruichke, Ellasser Ttr. 85. Eadrllt und l.agrr lerlig. feiimrev 7 große Versammlungen ler Wllelm üllei S. SkmiWftsliimWii Berlins n. Bing. gggefiMm@eioe( Wien am Montag, den SS. November IS 17, adcndS 8 Uhr, in folgenden Lokalen: GcwcrkschaftshauK,(Sugelufer 15 Andrcos-Fcstsftle, AndreaSstr.'ZI KAnlesbanb, Gr. Frankfurter Str. 117 DOtzoss- Brauerei. Prenzlauer Allee 246 tüermanla-Säle, Chausicestr. 110 ifohenzoIlern-SAIe, Moabit, Bandelnr. 35 Augastc-Tiktorla-Sfile, W, Lntherstr. 31/32. Tagesordnung: Die Dolhsernnhrung n. die mangelnde Derteilung der Nahrungsmittel. Tiskufsi°n. Reserentcn: RcichSIagsabgeordnctc Krätzig, H. Molfenbuhr, Giebel, WclS.— Sladwerordn. Gugcn Brückner. LandtagSabgeordnetc Otto Braun, Paul Hirsch. Der Zutritt zu den Versammlungen ist nur gegen Ausweis der Zugehörigkeit zur Ecwerkschast gestattet. Der Auöschuh der Gewerkschaftskommissiou Berlins und Umgegend. _ F.?1.: Alwin Kör st e n. 295/19- Deutscher IHetallarbcIter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt. dal: unser Kollege, der Rohrleger Wilhelm Liisoh Charlottenburg, Leonbard- stratze 10. am 19. d. M. ge- jwrben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. d. MlS., nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des Gemeinde- friedbofeS in Stahnsdorf aus statt._ Ten Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Schlosser Fiiedsich Buchholz am 20. d. M. gestorben ist. Die Linäjcherung findet am Montag, den 26. Nu- vcmber, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium, Gericht- ftrasze, statt. Ehre ihrem Andenken! Ziege Beteiligung erwartet 220/ t Die Drtsverwaltung. 1 VMM Oer M«i. MeiDMinen M MMMM Ailiake Berlin. Sebastianftr. 37/38. mm»MM-Ü.WMM! wW! Am Tonntag. den 25. November 1017, mittag« 12 Ubr, findet in den tterii»aula-.Pra«:l,tnliJeii, Chausiccstr.,lt0,' eine Mitglieder-Ver fammluncj statt.. Tagesordnung: Bericht über die weiteren Berhandlungcu wegen der Teuerungszulage. Referent: Kollege Iiuu«e. Um 10 Uhr vormittags findet eine Sitzung der Vertrauensleute ebenfalls in den Ciermania-PraehtsiUeii statt. Wir bitte» die Bertrauenslente, vollzählig z» er- scheinen. Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dassewe oder mit mehr als acht rcsticrenden Wochciibei trägen kein Zutritt. 166/9'__ Tic CrtdDcrtoattung. Am Nioniag, den 19. d. M, nachmittags, entschlief saust nach zwölftägigcm ichwcrem Äran'cnwger mein innig- geliebier guter Mann, unser unvergetzlichcr.treuiorgendcr Daler, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, der Schriftsetzer 11131 Lorenz Schinzler im Atter von fast 62 Jahren, Im tiefsten Schmerz Klara Schinzler geb. Lobelz, Elisabeth Schinzler, Richard Laenger und Frau Marie geb. Schinzler, Artur Schinzler und Frau B Kätc geb. Schüßler. Petcrskazcn bei Fredersdorf(OstvaHn). � Die Beerdigung findet am Sonntag von der Leichen- balle de« PelerSbagencr FriedhoseS um 7,3 Uhr fiatl. Spsiiaiaril De. med. I-aaba bch. schnell, gründl., mögl. schmerzlos u. ohne Bcrnssilör. Geschlechtskrankheit., geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Ehrlich Hata-Kuren, Harn- u. Blutuntersuchung.* IMjslr. Uli ÄÄ. 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Die Festigkeit der so erhaltenen Fäden war sehr gering und bedingte «ine äußerst sorgsame Behairdlung der Lampen, da der Faden schon bei geringen Erschütterungen zertrümmerte. Auch die danach auf- kommenden gezogenen Wolframdrähte wareil nicht viel dauerhafter. Anfangs zeigen sie zwar eine größer« Festigkeit, die jedoch beim Brennen, jedenfalls infolge der starken Erhitzung, bald verloren geht, so daß die Lebensdauer auch dieser Glühfäden zumeist nur eine kurze ist. Abhilfe schafft da ein neues Herstellungsverfahren.' Die nach diesem erhaltenen Wolframfäden bestehen, im Gegensatz gu den gewöhnlichen Glühfäden, die aus einer großen Anzahl kleiner durch Pressen, Hämmern oder dgl. zusammengefügter Äri- stalle oder unkristallisicrter Körpcrchen zusammengesetzt sind, aus einem einzigen langgezogenen Kristall. Sie bilden also einen voll- ständig einheitlichen, von keinen Begrenzung»- und Scheideflächen durchsetzten Körper, dessen innerer Zusammenhalt infolgedessen er- heblich größer ist. Bei dem Herstellungsverfahren wird feinkörniges, mit einem Bindemittel vermengtes Wolframpuloer in Fadenform aus_ einer Düse gepreßt. Besondere Zuschläge veranlassen das Wolfram bei starker Erhitzung zur Kristallbildung, wobei nur ein einziger den ganzen Fadenquerschnitt ausfüllender Kristall entsteht. Wird der Faden jetzt mit einer der Kristallbildung angemessenen gleichmäßigen Geschwindigkeit durch die Erhitzungssl-nnme bewegt, so wächst der Kristall im gleichen Maße in seiner Längsrichtung. Man erhält also dabei einen aus einem einzigen Wolframkristall bestehenden Draht. Seiner großen Bruchfestigkeit und Wtder- standsfcchlgkeit gegen rasch wechselnde Kälte uiid Wärme ivegen eignet sich dieser Wolframkristalldraht besonders als Glühfaden für elektrische Lampen. Er ist sehr dauerhafte perbrancht bei guter Lichtausbeute verhältnismäßig wanig Strom und trägt so wesentlich zur Berbilligung und damit auch zur weiteren Ausbreitung der elektrischen Beleuchtung bei. Bei den elektrischen Kochgeschirren wird die elektrische Kraft durch einen den Durchgang des Stromes erschwerenden Widerstand in Wärme umgesetzt und diese durch den dabei erhitzten Wider- stcmdskörper auf den Kochtopf und die in diesem befinSlicheil Speisen übertragen. Der Widerstand besteht gewöhnlich aus einer Drahtspirale oder einem Mctallband, die in einer besonderen Koch- Platte oder in den Wandungen des Kochgeschirres angeordnet sind, bei Waffererhitzern auch wohl in da»'Wasser selbst eingehängt werden. Jetzt wird ein neuer Kocher hergestellt, der ohne Heiz- körper arbeitet. Diesen vertritt das zum Garkochen der Speisen dienende Wasser. Dadurch wird die Perwendungsfähigkeit insoweit eingeschränkt, als Wasser beim Kochen benutzt wird. Der Kocher besteht aus einem flachen Porzellangcfäß, das den eigentlichen Kochtopf bildet, in einem doscnartigen Gehäuse steht und durch einen halbkugelförmigen Deckel, der in einer tiefen Rille im Rande des Topfes ruht, geschlossen wird. Auf einem ringartigen Rück- sprung der Topfwand ruht im Innern des Topfes eine ausWechsel- bare gelochte Platte zur Aufnabine der zu kochenden Speisen, wäh- rend in den Raum unter der Platte Wasser gefüllt wird. Durch den Boden des Kochgefäßes treten zwei einander gegenüberstehende als Elektroden dienende Kohlenstifte. Beim Einschalten des clet- irischen Stromes geht dieser durch das � Wasser, erhitzt und ver- dampft es. Der gebildete Dampf tritt durch die gelochte Platte zu den Speisen und gibt an diese seine Wärme ab, wobei er sich ver- dichtet und als Wasser in den unteren Topfterl zurückkehrt, um hier von neuem verdampft zu werden und den Kreislauf wiederum zu beginnen, bis die Speisen gar gekocht sind. Haben die Speisen Siedehitze erreicht, so steigt der Dampf bis an den Deckel, an dem er sich als Wasser absetzt, das aber nicht in den Kocher zurückfließt, sondern sich in der Teckelrinne sammelt. Ist auf diese Weise alle? Wasser aus dem Kocher in die Tcckelrinne übergegangen, so fehlt der Stromleiter zwischen den beiden Koblenstiften und der Strom ist damit selbsttäri'g ausgeschaltet. Durch paffende Abmessung der Wasserzugabe kann somit die Kochzeit von vornherein genau be- grenzt und einem unnützen Stromverbrauch auch ohne späteres Nachiehen und Abstellen vorgebeugt werden. In einer geschlossenen Leitung kreist der elektrische Strom bc- kcmntlich nur so lange, als die Kraft wirkt. Wird diese abgestellt, so Hort die Belvegnng auf. Nun ist aber, wie alle anderen Bc- wegungskräfte, auch der elektrische Strom dem BeharrungSgesctz unterstellt. Er hat also daS Bestreben, auch nach Ausschaltung der' Antrleböspannung weiter bestehen zu bleiben und würde dies auch fertig bringen, wenn ihm nicht der Leitungswiderstand entgegen- arbeitete. Tatsächlich behält jeder elektrische Strom bei plötzlicher Die welsthe Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhunderts. 43j Von R. France. „Herr von Solms hätte verhaftet werden sollen? Und warum? Davon sagte er mir ja gar nichts!" fuhr der Graf den die Hände auf dem Rucken ballenden Aktuar an. „Ich war ja mit meinem Bericht nicht zu Ende," sagte dieser mit frecher Geistesgegenwart. Doch Morawitzky war ihm gewachsen. „Zeig' er mir sein Elaborat." Darin war der Name Solms nicht zu finden. Der Graf strahlte. „Warum sollte der Sekretär Solms verhaftet werden?" wandte er sich an den unbeholfen mit den Fingern knackenden Zutzel. „Weil er mit dem Professor Widmont konspiriert und eine heimliche Botschaft auf der Gass'n kriegt hat, hat er g'sagt, der Herr Aktuar." Morawitzky ließ den Soldaten abtreten und stellte fich dicht vor Michalansky. Er maß ihn blitzenden Auges von oben bis unten. Aber auch der Aktuar richtete sich empor und begegnete mit aufgeworfener Oberlippe dem verächt- lichen Blicke. „Burfch," kam es pfeifend von den Lippen des Grafen. „Ich bin ernannter herzoglicher Polizeiaktuar, genau so wie Ew. Exzellenz Statthaltereirat und nicht mehr," sagte Michalansky mit schneidender Kälte. Morawitzky bezwang sich. Diese Unverschämtheit wies ihm den einzig richtigen Weg. „Polizeiaktuar Michalansky, er hat seine Pflicht verletzt und seinem Vorgesetzten überaus wichtige Fakta verschwiegen." „Ich hätte sie vorgebracht bei meinem Bericht über die Vorgänge im Hause des Dr. Widmont, wo ich auftraggemäß vigilieren ließ." Der Kerl war unangreifbar. Moramitzkys Hand zitterte, als er sich das in der Auf- regung zu eng gewordene Jabot zurccht rückte. „Man erstatte mir diesen Bericht," sagte er heiser. „Laut Aussage der Vigilanten Leupold und Schmidt- huber gehen bei dem Professor Widmont auch zu nächtlicher Leitungsuntevbrechung seine Bewegung noch für eine allerding- nur ganz geringe Bruchteile einer Sekunde dauernde Zeit bei, was sich durch das Ueberspringen von Funken bemerkbar macht. Wäre es möglich, einen Stromleiter vollständig widerstandsfrei zu machen, so müßte ein hindurchgeiandter elektrischer Strom auch nach Aufhören der Spannung bestehen bleiben. Nun wird aber der Leitungswiderstand der Meralle mit deren Wärmeabnahme stets gleichmäßig geringer und hört bei—273 Grad, dem sog. absoluten Nullpunkt, ganz auf. Daß die» wirklich zutrifft, bewies ein Ver- such des Physikers H. Kammerlingh Onnc». Er leitet« durch eine kleine Spul« mit 1000 Bleidrahtwindungen den Strom eine» Elek- tromagneten und tauchte den Leitungsdraht dann in flüssiges Helium von— 271 Grad Kälte. Nach Ausschaltung de» Magneten konnte er nun beobachten, daß der von diesem vorher erzeugte Strom noch über eine Stunde in der Spule fortwirkte, da eine Kompaßnadel so lange durch ihn abgelenkt wurde. Der Leitung»- widerstand war also hier bereit» vor Erreichung von—273 Grat tatsächlich aufgehoben. Ließe sich dieser Umstand nutzbar verwerte», wozu allerdings bisher nur wenig Aussicht besteht, so könnte viel, jetzt von den Stromwiderständen aufgezehrte, elektrische Kraft gc- spart werden. Bewegungsvorgängen, die sich mit sehr grosser Geschwindigkeit abtvickeln, vermögen unsere Augen nicht schnell genug zu folgen, um ein klares Bild davon aufzunehmen und an da» Gehirn weiter- zugeben. So sind wir nicht imstande, eine Geloehrtugel in ihrcu� Fluge zu verfolgen oder die Bcinbewcgungen eines Rennpferdes bzw. die Flügelbeweguugen eine schnell fliegenden Vogels zu unter- scheiden. Hier soll eine neue Vorrichtung Abhilfe schassen, die von ihrem Erfinder als Zeitlupe bezeichnet wird, und schnelle Be- Wegungsvorgänge derart wiedergibt, daß sie unserem Gesichtssinne genügend deutlich werden. Die Einrichtung besteht in der Haupt- fache aus einer Lichtbilderaufnahmevorrichtung, die in der Sekunde etwa 250 Bilder auf einem Lichtbilherstreisen herstellt. Bringt man den so erhaltenen Bilderstreifen in ein Vorsührungsgerät und läßt ihn so langsam abrollen, oaß in der Sekunde etwa 15 Bilder sichtbar werden, so bat das Auge genügend Zeit, die Vorgänge genau zu verfolgen. Es nimmt sie infolgedessen auf und leitet sie durch die Sehnerven zu dem Sitze des Sehvermögens im Gehirn. Schon lange wurde es als ein Ilebelstand empfunden, daß staat- lich anerkannte Bildungsanstalten für Optiker in Deutschland voll- ständig fehlen, obgleich� gerade dieser Zweig der technischen Wissenschaft bei seiner Wichtigkeit für die Augenheflkunde, die Himmels- und Naturkunde und dergleichen besondere Berücksichtigung ver- dient. Diesem Mangel ist jetzt abgeholfen, indem in Jena eine grossherzoglich-säclstische Optikerschule gegründet wurde, die unter staatlicher Verwaltung stebt und ans der Karl Zciß-Stiftung unterstützt wird. Sie soll angehenden jungen Optikern die beson- der» für ihr Fach in Betracht kommenden wissenschaftlichen Kennt- nisse vermitteln. Ter Unterrichtsstoff lvird voraussichtlich auf zwei Halbjahre verteilt und soll mit einer Prüfung abschließen, die von einem Ausschuß abgehalten lvird, dem je ein Professor der Augenheilkunde und der Physik von der Universität zu Jena sowie zwei Optiker angehören sollen. Der Journalismus im Reformationszeitalter. Daß die NeformationSzeit einen Merkstein in der Entwicklung dcS Zeitschristen« und ZeitungswesenS darstellt, erläutern die Bc- trackitungen über den Journalismus im Refonnationszeitalter, die Paul Kalkoff in den„Deutschen Stimmen' veröffentlicht. Eigentlich wurde die regelmäßige Verbreitung von TageSereignisien durch Schritt und Druck erst im Zeitalter des Treißigjäbrigen Krieges praktisch ausgebildet, aber in der dazu fübrendcn Entwicklung hat daS Auftreten Luthers eine Rolle von grundlegender Bedeutung ge- svielt. Durch den Humanismus war die Kluft zwischen Klerus und Volk noch erweitert worden, überbrückt ivurde sie in Deutschland erst durch die Wirkmig, die Luther gleichzeitig auf die Gebildeten wie auch auf die breiten Massen des Volkes aus- übte. Bereits Erasmus von Rotterdam hatte viele Druckpressen in Bewegung gesetzt, doch muß er mehr als der Vater des für die höheren Stände in Betracht kommenden Zeitichriftendienstes hingestellt werden. In Luthers ungehener Volks- tllmlicher Beredsamkeit, in seiner unermüdlichen Arbeits- und Streit« tust sind Eigenschaften zu erblicken, die man ohne weiteres als die Vorläufer des Zeitungsmannes im modernen Sinne bezeichnen kann. Drucker und Verleger rissen sich um jede von ihm geschriebene Zeile, ohne daß Lutber jemals hierfür einen Pfennig erhielt oder ver- langte. Bereits Erasmus war ein Meister der für die Journalisten aller Zeiten als Waffe so wichtigen und mit Vorliebe gebrauchten Satire. Luther fügte dieser Begabung noch die Wucht deS überzeugten und überzeugenden Ernstes hinzu. Stunde Studenten aus und ein, davon einer, der am gleichen Tag in der Wunderlkasematte, wo der mehrfach erwähnte Peißer gefangen saß, den Oberleutnant Harnisch anfstichte. Einige Stunden danach war Pcißer entsprungen." Michalansky hatte dies mit kühler Stimme vorgelesen. Dann setzte er fort: „Im Hause des Doktor Widmont war gestern abend hinter verhängten Fenstern auch der gewesene Sekretär Solms, der wenige Minuten vor dem Ergreifen des Pcißcr heimkehrte." Morawitzky bemerkte wohl, daß dieS nur dem Akt in freier Rede hinzugefügt tvar und ballte die Faust. Aber er hielt sich zurück. Möglichst kühl gab er zur Antwort: „Er hat also über diesen Widmont, auf dessen Umtriebe Sr. Durchlaucht unser gnädigster Statthalter"— er verbeugte sich ehrerbietig vor dessen im Zimmer hängenden Bild— „höchstselbst mich schärfstes Augenmerk zu haben befahlen, eigentlich nicht das geringste Tatsächliche erfahren. Ich»verde diese Untersuchung selber in die Hand nehmen— er ist für solche Recherchen völlig unbrauchbar. DaS soll höheren Orts berichtet werden. „Ganz sicher hat der Widmont die Flucht des Peißer mit dem Solms besprochen, vielleicht selber tätlich bewirkt. Aber er»veiß natürlich nichts, er hat seine Sache schlecht gemacht und vor allem hat er den Gefährlichsten..." „Der Urheber in intelleeto einer Sache i st der Gcfähr- lichste", fuhr er auf, als hier Michalansky den Kopf schüttelte. „Er hat also dem gefährlichsten Konspirateur, von dem jedermann ein Attentat crlvartct, durch seine verwirrten Maß- nahmen Gelegenheit zur Flucht gelassen, die er inzlvischen vielleicht schon ausgeführt hat. Ich muß natürlich hierüber sofort an Sr. Durchlaucht berichten. „Im übrigen»väre der Solms, gegen den schon Positives überführt ist, sofort in Haft zu nehmen, was er auch verabsäumt hat.. Er sagte das alles im hochfahrendsten Amtston. Doch Michalansch knickte jetzt nicht mehr davor zusammen. Mit dreister Miene lächelte er fast bei seiner Anttvort: „Den Sekretär de Solms kann ich nicht verhaften." „Insubordination!" schrie der Rat außer sich.»Wie wagt er meinen Befehlen zu widersprechen! Er ist augenblicklich kassiert. Ich werde sofort Sr. Durchlaucht von der unerhörten Sache Avertissemcnt geben." '&■ T Sotmabenö, 24. Slmmfccc Totsächlich hat ja auch mit Luthers Vorgehen da- den Tages- interessen dienende Schrifttum einen geradezu verblüffende» Ausschwung genommen. Alle die Nation helvegenden Fragen wurden in einer Unmenge von Blättern und Schriuen behandelt, und die Schriftsteller standen an Eilfertigkeit, Leidenschaftlichkeit und Stil« tünsten hinter den Leistungen ihrer modernen Kollegen keinc-iveg» zurück. Technisch konnte damals allerdings noch nicht viel voll- bracht werden, darum herrschte die Flugschrift vor, die schnellst« Verbreitung der politischen Neuigkeiten aber wurde durch Hand- schriftlich hergestellte Zettel oder durch Einhlaitdrucke durchgeführt, die mau an den öffemlichen VerkehrSmittelpunlten anheftete. Lutber hat auch mit scharfein Blick erkannt,»velche Bedeutung dir Möglichkeit in sich birgt, sich in einer schwierigen oder gar gefährlichen Streitsrage in die breiteste Oeffemlichkeit zu flüchten. De» besten Beweis hierfür erbringt ein Dokument, das erst� vor zehn Jahren in einem einzigen Exemplar deS undatierten deutschen Urdruckes von dem Zwickauer Forscher Eleniens in einem allen Sammelband ent- deckt wurde. Als Luthers Persdn und dir Ausrechterhalmng seiner Lehre sich in größter Gefahr befanden, al» von Rom- au» die Ver- schickung des rebellischen Reformators nach Italien in immer dring- sicherer Weise gefordert wurde, ergriff Luther das letzte und»viit- so niste Netlungsmittcl, indem er in einem kurzen Schristiatz, der nncki rein journalistisch ein Meisterstück darstellte, an die breitete Oeffentlichkeit knappe Worte richtete. Der souriisiistische Akt der„Flucht. in die Oeffentlichkeit" ist also von Luther zum erste» Male ausgeführt worden. Das Jubiläum emes Suches. Vor fünizig Jahren, im November de» Jahres 1337, hat Wilhelm Raabe in Sinltgart sein Vorwort zu der» damals eben vollendeten Roman„Abu Telfan", einem seiner schönsten Bücher, geschrieben. Zivci Generationen von Dichtern sind leilher versunken, eine Menge von Berühmtheiten hat den Glanz verloren»nd ist vergessen worden, einig« loenige zu ilt.r Zeit Verkannte sind seither zu Ehren gekommen. Ilm Wil- Helm Raabe ist, mit Ausnahme seines Todesjahres, nie ein che- schrei gewesen. Verloren gehen kann er nicht, er lvird bleiben; atiec bis heute sind es nicht seine besten, reifsten, überlege», im Bücher, die. am meisten gelesen»Verden.„Abu Telsan' hat e» in diesen fünfzig Jahren auf wenige Ainlagen gebracht. Aber sie werden langsam iveiler wachsen, die Auslagen, und das wtmderiime Buch toird auch noch eine ganze Menge hcutigex Berühmtheiten in aller EliUe und mir altem Humor überdauern. Die Gellich.'e de» Herrn Leonhard Hagebucher, der zwölf Jahre im Tumurkielande im Mondgebirge gefangen lag und es erleben mußte, daß»ie erichme Rückkehr ins liebe dcnlsche Philisiertunr ihn härter angriff als al:r Oualen afrikanischer Leibeigenschaft, diese erbauliche Geschichte ist eins der deutschesten Bücher, die wir habe», bon einer Höhe de» Humors und einer Zariheit der Liebe ohnegleichen, altmodisch der Technik wie etwa DickenS, aber in dieser Technik genial und überlegen wie jener. Wir haben nicht viele Bücher au» jener Zur vor der Gründung de» Reiches, die»vir noch gerne lesen. Tie- ist eines davoir, eins der besten. Notizen. — Theater chronik. Im Zentraltheater findet Sonntag 7>/z Uhr ein Gastspiel dcS Lessing- Theaters mit WildganS' „Liebe" statt. —„P r e z i o s a' in neuem Gewände, daS wird die Dezember-Nenheit des. Deutschen Opernhauses sein. In' vier Bildern ohne Pausen soll die neue„Preziosa" vorgesührt werden. — D e s N 0 6 el Preisträgers.P o n t o p p i d a n Haupt- werk, dem er nickt weniger al» zwanzig Jahre sieh-„Hans»n Glück", ist im Jiijcl-Verlag erschienet». Andere Werke von ihm gab der Verlag Diederichs heraus, ebenso»vie Gjellerup» Werke). — Die ersten polnischen Briefmarken. Für das neue polnische Reich sollen eigene Briefmarken geschaffen»verde». An einem Preisausschreiben beleiligten sich 32 Künstler. Die Er-. gebnisse de» Ausschreiben» find jetzt in Warschau ausgestellt. Die entscheidende Wahl nimmt der lliegentschaftsrat vor. Aus der Briefmarke sind der weiße polmsche Adler, polnische Landschaften. bistorische Persönlichkeiten(Sobieski, ZioSciuSzko, PoniatowSki), Type» aus der polnischen Armee, aber auch ein pflügender Schlachgi;i dargestellt. — Luftpo st verkehr auch i n Dänemark. In, n- »chluß an die geplanien schwedischen Luflpostronten soll auch ir» Dänemark jetzt ein Postverlehr durch Flugzeuge errichtet werden, dessen Stationen Kopenhagen, Odense, Aarhus und Aalborg sei«» sollen. Man hofft, die Luftstrecke bereits lommende» Frühjahr in Betrieb nehmen zu tonnen.* Michalansky zuckte die Achseln. „Sr. Durchlaucht»veiß schon davon. Ich komme von Sr. herzoglichen Gnaden— Sie hoben allergnüdigst auf dem Morgenritt mit Ihrer Baronesse von Dury"— Morowitzky zuckte zusammen—„mich anzusprechen geruht und ineine Maßnahme gutgeheißen." „Tie Baronesse haben»nich selbst belobt»pegen meiner richtigen Schonung des Kavalier-? De. Solms, der»vicdcr in herzoglichen Diensten ist, nachdem sich Sr. Durchlaucht höchstselbst von seiner Schuldlosigkeit überzeugt haben." Sein Gesicht hatte dabei einen so frech höhnenden Ans- druck, daß Moralvitzky sich auf ihn stürzen»vollte. Er rang nach Atem. Sein Spiel war verlöre'.». Mit der Dirne,»var auch ihr Spion deni Statthalter feil gelvorden. Das steifte ihm den Rücken. Er zitterte a»n ganzen Leibe. Aber er hatte sich doch so in der Gewalt, daß er, allerdings fast tonlos, er- »viderte: „Warum hat er das nicht früher gesagt? Natürlich ist Sr. Durchlaucht stets ain besten beraten über alles. Es ist genug." Michalansky ging hinaus»vie ein Cäsar, der den Siege»-. »vagen besteigt. Als er an BeslS Pult vorbeischritt, lachte er verächtlich: „Hier müssen»vir auch noch gehörig ausmiste»». Werden'» schon machen." - Knacks, zerbrach der Alte in sekncr Wut seinen Gänsekiel. Bei dem Krach dachte der Herr Aktuar, man habe etwas nach ihm gelvorsen und schoß niit einem ängstlichen Sprung zur Tür hinaus.— Unmittelbar nach ihm erschien auch schon in der anderen das Gesicht des Statthalteroirates. Es»var blaß und verzerrt. „Besl, komm er herein I" Besl trat ein, er hatte fast Tränen in den Augen, ging sofort auf seinen Herrn zu und sagte: „Exzellenz, befreien Sic»ms von diesem Menschen. Sonst muß ich noch, mit grauein Kopf»nein'Amt niederlegen. Ich halt's nicht aus. Der ist ein.. aus Respekt verschwieg er,»vas Michalansky für ihn»var. Nur leise murmelte er, wie nachgrolleuder Donner:„drccketer Bazi, dreckcter.. (Forts, folgt.) Bm'ssqogflsn-usfisicbüis UarMn-Saden > Reiscfi-ii. TTuratiMcr.< JPaii MiÜlef,Ffieseii8ir.22| | If�Tg.. XoTorniTl wTl ysii]fiiiz,Mafiaor. 15114, PiehaUdorterstr.H. Haas- und Kilcbsa�attta Hermann Fmck Eisenwar., Sch5nwaMor9t.87 7uYA a r�gYafjT-riidörst.ll Eck. Jägerdt.LaiEp..Gi«.,Fofiatt.«8t�cg. Sil Tapnniii Gö-Id j-Umiedou:»:, W. lyfgUWMarktlO.�gr.im Möbel jeder Art sowie gange Nachlässe lauit höchstzahlend Nenlölln, Steinmetzstr. 4.* Bekamrtmachuttg. Sk«M«O MlvM. Gemäg§ 5 der Verordnung über LebenSuiittekkarten vom IS. Oktober 1916 wird für den Genieindebezirk der Stadt Berlin jvigendes bestimmt.- 1. Aus Abschnilt Nr. 122 der Lebensmittelkarte entfallen 100 Gramm Graupe». II. Auf Abschnitt Nr. 123 der Levensmittelkarte entfallen 100 Gramm Teigwaren. III. Die Abschnitte Nr. 122 imd 128 sind in den durch ein Aushängeschild »Verkauf von Graupe» aus Lebensmittelkarte» »er Stadt Berli»-- gekennzeichneten Wcfchäftcn gegen Cmdsanglbekchein-- gu»gen, und zwar in der Zeit vom Sonnavend, de» 3 t., vis einschltehlich Moutag, den 30. November 1017, abzugeben. Nachträgliche Annahme findet nicht statt. IV'. Die Kleiuhaiidclsgeschäste habe« die von ihnen an« genommenen Kartenabschnitte in der bisher»arge. schriebeuen Weise an ihre» Großhändler abzulicsern, und zwar am Dienstag, de» 37. November 1017. Y. Die Ware wird dann in der üblichen Frist bei den Kieinbandeisgcjchäste» gegen Rückgabe der Empjangs- beschcinigungcn zur Lcrsügung stehen, sie mutz spätestens bis zum fc. Dezember 1017 abgenommen werden, da sonst der Anspruch auf Lieferung verfällt. VI. ES ist unzulaisig, die Kartenabschnitte in Geschäfte» abzu- geben, in denen nicht das vom Magistrat ausgegebene Aiishangchchüd(stehe zu III) angebracht ist. Geschäften, die nicht im Beptze des Aushängeschildes find, ist die Annahme der Kartenabschnitte untersazt. Vcrlin, den 23. November 1917. Magißrat kt König!. Kenpt- und Ltödenißadt. J..Nr.So7Vr.s. Abteilunft für Brotvcrsorgnug._ Monatsgarderobenhaus 31. Tärfelscher, Prinxenstr. 70, nahe KorStzpl. „.«riab für Mast--MS Smpiehte nur aus Friedensftoffen geierligte elegante neue Herren-Qaräerobe, INste», PaletotS, Jackett-, Rock-, Tport-Anzuge. Große AuStvahl auch für starke Figuren. 6872' Letzte Neuheit. Universal-Wsscti- und Reinigungsmittel. Kein Ton! 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Ter Sonderberichterstatter vom Svenska Telcgrawbyran in Haparanda meldet aus Petersburg: Als Teilnehmer au der gegenrcvolutionärc» Verschwörung sei auch Graf T u m o r o- koff-Elston verhafte», und bei dem Führer der Bcr- schwöruug Purischkcwitsch sei ein Brief an Kalcdin gefunden worden, in dem die verzweifelte Lage Petcrburgs geschildert wurde. Tic von Purischkewitsch geleitete Organisation arbeitete un- ablässig an der Bildung von Offizier- und Junkerregimentcrn aus Offizieren und überlebenden Offizierskadcttcn als einzigem Mittel, das Land zu retten. Die Verschwörer erwarteten Kaledin in Peters- bürg und hatten ihn gebeten, mitzuteilen, wann er sich näherte. P u r i s ch k e w i t s ch, einer der Führer der Rechten der letzten Duma, schlug sich vor Ausbruch der Märzrevolution, als die Ge- rüchle von zarischen FriedenSbestrcbungen sich verdichteten, auf die Seile der kriegSlreiberiichen bürgerlichen Parteien, die damals der Revolution Vorschub leisteten. Sei» Name spielte wie der des jetzt verbafteten Fürsten Jussupow eine Rolle, als den Urhebern des RaspiitinmordeS nachgeforscht wurde. Als die Revolution ausbrach, verschwand Purischkewitsch aus dem Vordergrunde der russischen Tageögeschichle. Erst als die Gegenrevolution an die Arbeit ging. tauchte er wieder au». Die ihm jetzt nachgesagte Verbindung mit Kaledin würde zu seinem politischen Charakter durchaus passen. „?towoia Schisn' meldet, dafi der Vollziehende Hauptausschufi beschlossen habe, sämtliche Blätter könnten ungebindert erscheinen, mit Ausnahme von ,R j e t s ch. N o lv o j e W r e m j a" und einigen andern. Wahlrechtsreform in Eaglanü. Rotterdam, 23. November. Der„Nieuwe Rotterdam" meldet aus London: Das Unterhaus hat gestern mit 202 gegen 126 Stimmen das Proportional Wahlrecht abgelehnt._ Die Herner Zusammenkunft für öauernöen Krieüen. Tic Zusammenkunft von Parlamentariern und Gelehrten zum Studium eines dauernden Friedens wurde am Montag, den ZS. November, durch herzliche Willkommenswortc deZ Nationalrats Scherrer-Fucllemann eröffnet. Sodann tvurde die Beratung der verschiedenen Forderungen des Haager Mindestprogramms aufgenommen, ivie Schaffung einer internationalen, vollkommen un- abhängigen Telegrapheuagcnbur, und Abschaffung des KricgsrechtS als eines Teils des Völkerrecht?. Auf der Tagesordnung der Verhandlungen am Dienstag stand das Nationalitätenproble m. Insbesondere tvurde der Entwurf besprochen, welchen die internationale Studicnkomnrission im Juli in Kristiania ausgearbeitet hat. Für den Grundgedanken des Entwurfs, wonach ein internationaler Vertrag die Rechte der nationalen Minderheiten schützen soll, ebenso für die österreichische Anregung, den Nationaliiätcnschutz auf Grund des Personalitätsprinzips des nationalen Katasters zu regeln, fand sich die Uebercinftimmung der Versammlung. Verschiedenerscits tvurde gewünscht, den Schutz der Minderheiten durch Klagerechte vor einem internationalen Gerichtshof zu ergänzen. Gewalt- same Gebietsabtretungen seien zu verurteilen. Bei Vcr- st ä n d i g u n g der bezüglichen Regierungen über Gebiets- Abtretungen je« der W i lle der Bevölkerung des ab- zutratenden Gebiets tunlichst zu berücksichtigen. Am Mittwoch hielt der RüchStagSabgeordneie Gothein ein Referat über die Notwendigkeit einer starken vertragsmäfiigen Be- fchränkung der Rüstungen, die auf einer wechselseitigen allgemeinen Beschränkung der bezüglichen etatsmätzigen Ausgaben aufgebaut und notwendig schon selber ein Bestandteil de? Friedensvertrages werden müsse. Ter Gegenstand wurde einem Ausschüsse zur Aufstellung bestimmter Lestsätze überwiesen. Die Leitsätze sagen: Schon der Friedensvertrag müsse eine weitgehende sofortige Beschränkung der Rüstungen festsetzen. Diese Beschränkung werde sich dann mit der Durchführung der zwischenstaatlichen Organi- sation von selbst bis zur vollständigen Abrüstung steigern. Tie Zu- stinimung zu den aufgestellten Leitsätzen war allgemein. Prof. Schücking- Marburg sprach über den Ausbau des Haager Werkes. Er entwickelte an der Hand der vom hollän- dischen Bureau der Zentralorganisation aufgestellten Thesen die Not- wendigkeit sowohl die organisatorische Einrichtung der Haagcr Fric- dcnSkonferenzen, als auch für die Behandlung völkerrechtlicher Kon- flikte neue internationale Organ« zu begründen. Die Versammlung erklärte sich mit den Grundideen des Redners und der holländischen Thesen, die schon vorher auch die Zustimmung der englischen I-eage of mtions society gesunden hatten, völlig einverstanden. Unmittel- bar an den Vortrog schloß sich ein Referat von Dr. Makai-Budapest über die Notwendigkeit der Anerkennung durch die internationale Exekutive und ein Referat von Dr. Fried- Wien über die Notwendigkeit allgemeiner intcr- nationaler Kooperation. Zum Schluß teilte der Vorsitzende mit, die internationale Stn- dienkonferenz werde später, und zwar wahrscheinlich in drei Abteilungen, zur Durchführung gelangen, von denen die erste in Barn, die zweite in Genf und die dritte in Bern tagen wird. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 22. November. Neue U-Bo»t-Erfolge in der Nordsee: 3 Dampfer und 1 Segler. Bon den drei Dampfer» wurde einer auS gesichertem Gcleitzug herausgeschossen. Der Detonation nach zu urteilen, hatte er Munition geladen. Eines unserer Unterseeboote hatte am 3s>. Ottober in der Nähe der cuglisibc» Ost lüfte ein Gefecht mit einer eng- tischen U-Boot-Falle in Gestalt eines eisernen Zmeimaft- fchunerS mit Motor, in dessen Verlauf dem Segler zwei Treffer bei- gebracht wurden. Der Chef des Admiralstabe» der Marine. Das Treffen in üer Deutschen Hucht. Berlin, 23. November. AuS den nunmehr vorliegenden Ae- richten unserer Seestreilkräfte erhallen wir über ihren Zusammen« stoß mit englischen Schissen vor der Deutschen Lucht am 17. No- vember folgetktzes Bild: Am 17. 11. morgens trafen unsere die Deutsche Bucht sichernden leichten Streitkräfte unier Führung des Konteradmirals v. Reuter etwa SO Seemeilen nordwestlich von Helga- l a n d bei unsichtigem Weiter auf englische Seestreitkräfte itnd erhielten von ihnen Feuer aus fchiveren und mittleren Kalibern. liniere kleinen Kreuzer und Tolpedoboote fließen „ur Sicherung der vor' ihnen befindlichen Mineniuchfahrzeuge und zur genaueren Feststellung deS Gegners nach Nordwesten vor. wäb- lind die schwach annierten Minensllchsahrzeuge sich planmäßig zurück» zogen. Nachdem dieie Ziele völlig erreicht waren, führte» unsere Kreuzer und Torpedoboote mit dem Feind ein Getecht auf südöstlichem Kurs, um den Anschluß an unsere rückwärtiger stehenden kamps-i kräftigen Schiffe herbeizuführen. Die feindlichen Streit- k r ä s t e bestanden, wie durch unsere Schiffe und Flugzeuge fest- gestellt, aus G r o ß k a m p f f ch i ff e n(Linienschiffe oder Schlacht- lreuzer) und einer größeren Zahl modernster lle in c r Kreuzer und TorpedoboorSzerstörer. Im Verlaute des Gefechts erhielten, wie einwandfrei beob- achter, die feindlichen Großlampfichlffe fünf Treffer, die feind- lichen lleinen Kreuzer sechs Treffer und die Zerstörer drei Treffer. Einer der Treffer rief auf einem Schlachtkreuzer eine Detonation mit hoher Stichflamme hervor. Der Schlachtkreuzer drehte daraus hin ab und fiel für das weitere Gesecht aus. Abseits v o in Kampfplatz unserer kleinen Kreuzer geriet ein T e i l u n s e r e r M l n e n s u ch f a h r z e u g e, die ihrer Vcr- Wendung entsprechend nur schwach armiert sind, in ein etwa ein- st ü n d i g c s Gefecht mit sieben ihnen an Geickwindigleil und Bewaffnung weil überlcgeiten englischen Z e r st ö r e r», in dessen Verlaus ein Zerstörer durch T r e s t c r so schwer hava- riert wurde, daß er abdrehen und. wie später durch ein Flug- zeug beobachtet, in Schlepp genommen werden mußte. Weitere Treffer wurden durch abseits ftebeude, am Gesecht nicht beteiligte Minensuchboote beobachtet. Die cngliiche» Zerstörer brachen daraufhin das Gefecht trotz ihrer erheblichen Ueberlegenheit a b, ohne auch nur einen Treffer auf' einem unserer Boote erzielt zu haben. Als u n s c r e schweren S ch i ff e i n S i ch t kamen, brach der Gegner das Gefecht sofort ab und zog sich nirt höchster Geschwindigkeit zurück. Er wurde von unseren Streit- kräslcn verfolgt: doch gelang eS bei dem inzwischen sehr un- sichtig gewordenen Wetter nicht mehr, mit ihm in Gefechtsfühluiig zu kommen. Auch unsere Flugzeuge haben sich neben ihrer wertvollen AusklärnngStäligkeit am Gefecht beteiligt und die englischen Großlampfschiffe erfolgreich mit Bomben belegt, wobei auf einem Großkampjschiff einwandfrei ein Treffer festgestellt iverden konnte. Ein anderes Flugzeug beobachtete einen brennenden feindlichen Schlachtkreuzer. Auf unserer Seite erhielt nur ein Ileiner Kreuzer einen Tresser der außer geringem Personalausfall die Ge- sechtstäligkeit des ischiffeS nicht becinlrächtigie. Ein Fisch- dampf er, der ausgelegt halte, wird vermißt. Abgesehen hiervon sind auf unserer Seite keinerlei Verluste oder Beschädigungen eingetreten. Die Kämpfe an üer Sinaifrent. Konstniitinopcl, 22. November. Amtlicher Tagesbericht. Sinai front: Nach den Gefechten bei Gaza und Bir Scba leisteten unkere Truppen bei den weiteren. Operationen dem Gegner mehrfach Widerstand und brachten ihni mehrfach Verluste bei. Zurzeit stehen unsere Truppen hinter dem Audscha- und Abu Ledscha- Abschnitt anschließend etwa in der Linie Dschenanihe— Bei Lilja—- Karjelcl— Jnab Sasa. Weiler südlich stehen sie mit Patrouillen des Feindes in Berührung. Zu einem ernsten Gefecht kam es erst vor- gestern wieder. In breiter Front und mit der A b i i ch t, beide Flügel zu umfassen, griff der Feind am 20. 11. eine unserer Gruppen an. Mehr als eine Kavalleriedivision und mehrere Jnfanteriebrigaden, unterstützt durch Artillerie und Kavallerie,»setzte der Gegner ein. Der Angriff scheiterte ans der ganzen Linie. An unserem rechten Flügel lourde der abgeschlagene Angreifer durch das geschickte Eingreifen von Reserven in Richtung Bei Kja flanliert und zum Zurückgehen gezwungen. Mehrere Maschinengewehre und Gefangene blieben in unserer Hand. An der Front wurden alle Angriffe abgeschlagen. Die Umgehungsbewegung gegen unseren linken Flügel wurde frühzeitig verhindert. Sonst kerne Ereignisse von Bedeutung. * ließer die Lage in Palästina wird in der„Nordd. Allg. Ztg." gesagt, von einem nennenswerten Erfolg der Engländer könne nicht die Rede sein, aber trotz der Ziffern on Gefangenen und Beute sei „die Lage keineswegs sehr optimistisch zu betrachten. Da indes nach wie vor die.Bedrohung des Flügels durch dch Flotte bestehen bleibt und die Engländer zahlenmäßig ganz bedeutend überlegen sind, so scheint es nicht ausgeschlossen, daß die rückwärtige Bewegung noch immer nicht endgültig zum Stehen gekommen ist. Dag es unseren türkischen Verbündeten in dieser schwierigen Lage dauernd möglich sein wird, vorwärts Jerusalem dem feindlichen An- stürm standzuhalten, bleibt zu hoffen, aber unbedingt ist hiermit nicht zu rechnen. Vielleicht wäre es sogar ein Fehler, diese Stadt rein ethischer Gründe halber länger zu halten, als eS die militärische Lage rechtfertigt, denn taktisch und st r a t e g i s ch hätte die Aufgabe Jerusalem» keinerlei Bedeutung, ob- wohl sie naturgemäß sowohl in moralischer wie politischer Hinsicht außerordentlich bedauerlich sein müßte.... Ein Blick auf die Karte zeigt, daß Truppen, die sich in dem öden Bcrglande vorwärts Jerusaleni hartnäckig halten wollten, nahezu aller rückwärtigen Verbindungen beraubt sein würden, deiii�von dort aus steht ihnen nur die Höhenstraße über Teil Asur auf epichem zur Verfügung, die erst dort Anschluß an die Bahn findet. Die einzige Bahnverbin- dung von Jerusalem, die Stechbahn nach Chalda, ist nicht mehr der Einwirkung des Feindes entzogen. Ob es bei diesen mangelhaften Verkehrswegen möglich sein wird, der trotz aller Augriffe bisher sich standhaft wehrenden türkischen Armee rechtzeitig Reserven auf den langen rückwärtigen Bahnlinien zuzuführen, erscheint zweifelhaft: denn deren Zahl könnte überdies äußerst gering fein, da auch der gesamte Nachschub auf die eine Bahn und die wenigen Straßen an- gewiesen ist. Jedenfalls aber liegt das Aufgeben Jcrusa- lems im Bereich der Möglichkeit". « Amtlicher englischer Heeresbericht. Nördlich von Jaffa ist keine Aenderung der Lage eingeirelen. Am 10. wurde Kuryetelenab lö Meilen westlich von Jerusalem) von Jnfanterielruppen der Territorialarmee mit deni Bajoneir erobert und Beil Likia. das etliche fünf Meilen weiter nordwestlich liegt, von den schottischen Truppen eingenommen. Gestern waren unsere berittenen Truppen vier Meilen westlich von B i r e h an der Straße Jerusalcm-Sichem in Fühlung mit dem Feinde. Ein Zirkular üer Unternehmerverbänüe Zum Hiifsüienftgesetz.! Ein veittrauliche» Rundschreiben eines Unter- nehmerverbandes, welcher der Voreinigung deutscher �Arbeitgeber- Verbände angehört, ist der Generalkommission auf den Schreib- tisch geflogen und wird soeben im„Correspondenzblatt" veröffent» licht. Es enthält einen Bericht über die vielen Klagen, welche auf der Geschästsführerkonfcrenz der 2lrbeitgebcr-Verbä>ide in Nürn- bcrg über das HikfSdienstgesctz vorgebracht worden sind. Tic Wut der Unternehmer richtet sich in erster Reihe gegen ll. Abs. Ill des Gesetzes, der bestimmt, daß der Abtehrschcin zu erteilen ist, wenn der Arbeiter in der neuen Stellung sein Einkommen wesentlich zu verbessern vermag. Durch Eingabe vom 23. März 1217 haben die Unternehmerverbände das Kriegsamt ersucht, diese Bestimmung dahin abzuändern, daß der Abichrschein nur dann zugesprochen werden dürfe, wenn die bisherige Eni- lohnung nach den örtlichen Verhältnissen nicht angemessen war. Das neue Gehchmzirkular teilt über die Aufnahme dieser reaktionären Anregung mit: „TaS Kriegsamt bat den SchlichtungSausschüssen von dem Borschlag betreffend Angemessenheit per ortsüblichen Löhn«/ Aennlms gegebell, diese Äer erviilkell daiffn Slneft EingZlff in ihre Zuständigkeit. Danach bat das Kri.'gSamt es ihnen an- h e i m g c st e I l t, den Vorschlag zu berücksichtigen. Vor- bildlich ist das Verhalten des Stellvertretenden General- kommandos des VII. Armeekorps, das entschieden hat. daß der Abkehrschcin nur dann zu erteilen ist, wenn es sich bei einem Stellenwechsel für den Arbeiter darum handle, aus einem un- angemessen niedrigen Stand der Löhne herauszukommen." Hat daS Stellvertretende Generalkommando dcS VIl. Armee- korps wirklich eine solche Verfügung erlassen? Sic würde mit Sinn und Inhalt des HilfSdienstgesetzeS in keiner Weise zu perein- baren sein.' Das geheime Rundschreiben verlangt weiter die Erhöhung der Wartezeit für den ohne Abkehrschcin ausgetretenen Ar- bester von 14 Tagen aus 4 Wochen, die Geheimhaltung der Perhand- lungen der Schlichtungsauöschiisse und eine Fülle von anderen Vcr- s ch l e ch t e r u n g e n des HilfSdienstgesctzcs. Ein besonders breiter Raum wird den Schmerzen über die Angestelltenorganisationen ge- widmet, die sich immer niehr gewerkschaftlich entwickelten. Im ganzen ist dieses Gehcimziriular eine Warnung für die Arbeiter, welche nicht überhört werden sollte: die Unternehmer sind unermüdlich an der Arbeit, die Rechtslage der Arbeiter zu v e r- s ch l c ch t e r ii und namentlich das Hilfsdienstgesetz zu verbösern, das ihnen in keiner Weise gefällt. Ta müssen die Gewerkschaften ge- schlössen und auf dem Posten sein, soll nicht die Arbeitersache Schaden nehmen. Die Kriegsteilnehmer unü üas Wahlrecht. Unsere gestrige Notiz„Tie Kriegsteilnehmer gefährden den Staat!" eriveckt das Mißfallen der alldeutschen Presse. Die „Berliner Neuesten Nachrichten" nennen sie„eine der üblichen Irreführungen de? Vorwärts" und wollen uns dadurch widerlegen. daß selbst Sozialdemokraten eS abgelehnt haben, die Kricgsteil- nehmcr durch ein größeres Wahlrecht siir ihre Teilnahme am Krieg zu belohnen. Diese Verdrehung unseres Gedankens- ist „eine der üblichen Irreführungen der Berliner Neuesten Nach- richten".' Wir hoben mit keinem Wort für die Kriegsteilnehmer ein höheres Wahlrecht im Staate gefordert als für andere Bc- Völker ungsteilc, auch die Kriegsteilnehmer selber lehnen diesen Gedanken ab. Aber wir wie sie betrachten es als eine Himmel- schreiende Ungerechtigkeit und eiiie unverantwortliche Zurücksetzung der Kriegsteilnehmer, wenn andere Leute auf Grund von Einkommen, Vermögen, Geburt usw. ein höheres Wahlrecht besitzen als der einfache Kriegsteilnehmer, der durch seine Aufopferung dem Staat weit mehr gegeben hat. als selbst der höchste Steuerzahler in Preußen. Und wenn ein konscc- vatiocr Verein eine„Gefahr für den Staat" in einem Wahlrecht sieht, das praktisch genommen die Entscheidung in die Hand der großen Masse der Kriegsteilnehmer legt, so erblicken wir darin ungeachtet aller Protestrufe von reaktionärer Seite heute wie gestern eine nichtswürdige Beleidigung der Kriegs- t c i I n c h m c r. Sethmann— üer Teutschenftbreck. Da Herr von Hcriling für den Galgen der„Alldeutschen Blätter" noch nicht ganz reif zu sein scheint, den Herren aber in- zwischen die Zeit zu lang wird, so inachen sie sich das Vergnügen, den toten Bethmann Hollweg auszubuddeln, ihn wieder auf die Beine zu stellen und noch einmal totzuschlagen. Sic wollen etwas läuten gehört haben, daß Herr von Bethmann berufen sei, das Kabinett Hertling abzulösen. «Was wir von dieser Absicht denken, sind wir vorläufig zu böslich auszusprechen— weiche Gefahr unser Vaterland dabei laufen würde, wenn der V er derber des Reichs und der Verschleuderer der Kronrechte wieder zur Macht käme. sei heute nicht erörtert." Die lange Tauer des Krieges erzeugt bei manchen Leuten Zu- stände von Hysterie, die schon in ihrem eigenen Interesse einen baldigen Friedensschluß wünschenswert erscheinen lassen. Sei» Kcfiich, höflich, höflich! Wie wir erfahren, hat-der Kriegsminister an sämtliche ihm unterstellte Dienststellen folgenden Erlaß gerichtet: Jeder einzelne im Volke trägt an der Not des Krieges, niemand soll ihm die Last unnütz vergrößern. DaS geschieht aber, wenn D i c n st st e l l c n im Verkehr mit dem Publikum dem Gcsuchstcller nicht in schneller, höflicher Art helfen, sondern den Verkehr zur Quelle von M i ß h e l l i g- Zeiten und Mißstimmungen machen. Wer so handelt, schädigt das Baterland und zeigt. daß er seiner Aufgabe nicht gewachsen ist. Persönlichkeiten. die auch nach erfolgter Belehrung fortfahren, ihren Mi:- menschen da? in dieser Zeit an sich schwere Dasein durch ihr Be- nehmen noch mehr zu erschweren, dürfen an diesen Stellen nicht geduldet werden. von Stein. Ter Erlaß ist nur zu begrüßen, noch mehr werden wir es begrüßen. wenn sich seine Wirkungen als dauernd erweisen werden. Letzte Nachrichten. Tuchonin oder Crylenko? Wien, 23. November.(Meldung des Wiener k. k. Telegr. Korrespondcnz-Bureaus.) Lenin hat an die Soldaten und Matrosen der russischen Armee die telegraphische Milteilung gerichtet, der Rat der Volkskoinniissare habe dem russischen Ober- kommandierenden Duchonin am 22. November befohlen, allen Kriegführenden einen Wafscastillstand vorzuschlagen. Der Ober- kommandierende Tuchonin. dem diese Depesche am 21. November nachts zugekommen sei, habe darauf bis z-un Abend des genannten Tagcö nicht geantwortet, woraus Lenin im Auftrage des Rates der Aolkskommiffarc von Duchonin Aufklärungen verlangt habe. Da dieser ausweichend antwortete, sei ihm besohl- n worden, die Verhandlungen wegen eincS Waffenstillstandes un- verzüglich aufzunehmen, woraus er sich kategorisch geweigert habe, sich diesem Auftrage zu unterziehen. Der Rat der Volkskommissare erklärte hierauf Tuchonin für seines Postens als Ober- kommandierender enthoben und ernannte Crylcuko zum Obcr- kommandierenden. (Nach der Meldung der.Meuei, Freien Presse", die wir an die Spitze des Blattes stellten, hat sich Duchonin schließlich eines Besseren besonnen und das Angebot selbst gestellt.) Malm, fordert Entlastung. Paris, 22. November.-(Havas.) In der Kammer brachte Mälvy einen?lntrag«in. einen Ausschuß von 33 Mitgliedern zu ernennen, mit dem Auftrage, zu prüfen, ob Grund vorhanden wäre, ihn(Malvy) vor den Staatsgerichtsbof zu stellen. Tic Kammer nahm den Antrag an und beschloß, die Plitglteder dieses Ausschusses Jossort zu ernennen. GewerkschaflsbewEUng Verlin und UmgegenS. Erhöhung der Teuerungszulagen iu den städtischen Wasserwerken. Nnterm 23. September d. I. haben die Arbeiter und Handwerker der städtischen Wasserwerke durch ihre Arbeiterausschiisse und die Organisation, den Verband der Gemeinde- und Staaisarbeiter, an die Stadtverwaltung den Antrag gestellt, die Stundenlöhne um 1o Pf. zu erhöben. Die Erledigung des Antrage« lieg auf sich warten, so dafe eine erneute Mahnung an den Magisirat notwendig wurde. Wie wir erfahren, hat der Magistiar nunmehr beschlossen, eine Erhöhung der Stundenlöhne um 10 Pf. vorzunehme». Die Auszahlung der erhöhten Lohnsätze wird sofort erwlgen. Außerdem findet eine Rachzahlung der Lohnerhöhung ab 1. Oktober statt. Erhöhung der Löhne in den städtischen Werken von Bcrlin-Lichtenberg. Am 17. August stellten die Arbeiter. Arbeiterinnen und Hand- werker an die Stadtverwaltung eine Reihe von Forderungen um angemessene Erhöhung der Lohnsätze. Magistrat und Stadiverord- neie beschäftigten sich in mehreren Sitzungen mit dieser Angelegen- heit. Nunmehr ist, wie uns mitgeteilt wird, die Lohnsrage in einer Weise geregelt worden, die wir als annehmbar und erfreulich be- zeichnen können. Es werden, und zwar mit rückwirkender Kraft ab 1. September, folgende Lohnerhöhungen gewährt: Arbeiter bis zu einjähriger Dienstzeit erhalten 24, mit mehr als einjähriger 25 Pf. pro Stunde Zulage. Handwerker erhalten Unterschieds- los 84 Pf. pro Stunde, Schichtarbeiter 1.S4 M. pro Schicht Lohn- zulage. Wochenlöhner, Vorarbeiter und Untermeisier erhalten 12,09 Mark pro Woche Zulage. Arbeiterinnen erhalten 9 Pf. und jugendliche Arbeiter unter 13 Iahren 10 Pf. pro Stunde Lohnzulage. Bei den Jugendlichen wird die Hälfte der Zulage nicht als Lohnzulage, fondern als.Äriegszulage" bezeichnet!— Vom 13. Jahre an gellen die Jugendlichen als Vollarbeiter und erhalten auch die Löhne derselben. Neben dieser Lohnzulags bleiben die bisher bewilligte Kciegszulage sowohl wie die allgemeine Teuerungszulage nebst Kinderzulagen bestehen. Die allgemeine Teuerungszulage beträgt für Verheiratete 36 M. und für jedes Kind unter 18 Jahren 6 M. pro Monat. Die städtischen Arbeiter Lichtenbergs können diesen Erfolg im wesentlichen auf die Tätigkeit ihrer Organisation und die Unter- stützung der Arbeiterverrreter im Stadtparlament zurückführen. Ein Grund mehr, durch festen Zusammenschluß in der gewerkschaftlichen Organisation für die Sicherung und weitere Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen Sorge zu tragen. veutUies Neich. Konferenz der Tabakarbeiter. Am 16. November kamen in Frankfurt c M. die Funktionäre des freien, des ch r i st l i ch« n und deS H i r s ch- D ii n ck e r- scheu Verbandes zusammen, um Stellung zur Lohnsrage im gesamten Tabakgewerbe zu nehmen und ferner die Frage der Unterstützung der durch die Rohtabakeinschränkung arbeitslos gewordenen Tabakarbeiter zu besprechen. Bezüglich der Lohnfrage muß vorausgeschickt werden, daß bereits im Frühjahr dieses JahreS eine von den drei Verbänden gemeinsam geführte Lohnbewegung stattfand, deren Erfolg war, daß von fast allen Fabrikantenverbänden eine Teuerungszulage einschließlich der bereits gewährten Zulagen von 30 bis 33Proz. zu be- willigen empfohlen wurde. In den meisten Fällen sind die Fabrikanten aller Branchen, auch jene, die nicht in den Unternehmer- verbänden sind, dem Beschluß ihrer Organisationen nachgekommen, obwohl nicht verhehlt werden kann, daß sich immer noch einige sträuben, die Zulagen auf den Satz von 30—33 Proz. anzuerkennen. Trotz der enormen Preissteigerung der Tobakwaren sind in Fällen, wo leider die Organisationen der Tabakarbeiter nichts oder nicht viel zu bedeuten baben, krst Zulagen von 10 bis 20 und 25 Proz. gemacht worden. Infolge der im letzten balben Jahr erfolgten ungeheuren Teuerung machte sich in der Tabakarbeiterschaft ein«rnsteS Unbehagen geltend, da die Löhne mit den Preisen für alle Bedarfsartikel in keinem vernünftigen Verhält- ins niehr zueinander standen. Die Vorstände der drei Orgoni« ialionen wurden von den Mitgliedern bestürmt, einzugreifen, und hier und da kam es schon zu Einzelbewegnngen. so daß der Situation Rechnung getragen werden und die drei Verbandsleitungen Mittel und Wege stnden'mußten zur weiteren Hebung des Ein- kommenS der Tabokarbeiter. Der Borfitzende des christlichen Verbandes, Cammann- Düsseldorf betonte denn auch iü seinem Referat deutlich da§ Mißverhältnis des Einkommens der Tabakarbeiter zu den bestehenden Warenpreisen. Die ausgedehnte Debatte drehte sich besonders um die Höhe der zu wünschenden Zulage und um die Frage. Lohnaufschlag oder T euerungszulage. Die bisher gewährten Zulaaen, ob- wohl ste von der Tabakarbeiierschaft stets auch während des Kriege? als Lobnzulagen gefordert worden find, wurden meistens als Teuerungszulagen gewährt. Die Verhältniste in den einzelnen Branchen und Gegenden wurden eingehend geschildert. Schließlich kamen die versammelten Vertreter mit großer Mehrheit zu der Ent- ichließung, daß zwar nach wie vor die Lohnzulaae am zweckmäßigsten zu wünschen sei, daß man in der Hauptsache aber Gewicht daraus lege, überhaupt eine angemessene Zulage zu erreichen. Die Konfe« renz einigte sich, mit folgenden Wünschen an die Fabrikanten heran- zutreten: 1. Die während deS Krieges gewährten Zulagen find auf minde- stenS 60 Prozent zu erhöhen. 2. Wir erwarten, daß die bewilligten TeueningSzulagen nach dem Kriege allgemein in feste Lohnzulagen umgewandelt werden. Dann referierte D e i ck m a n n- Bremen, Vorsitzender des Freien Verbandes, über:.Die Lage der arbeitslosen Tabokarbeiter und die KriegSwoblsahrtSpfleae". Infolge deS Tabakmangels und der Betriebsbeichränkungen seien die Tabakarbeiter in eine unan- genehme Situation gekommen. Redner erörterte die Arbeiter- entlastungen infolge der Kontingentierung und ihre Wirkung nach verschiedenen Richtungen in Verbindung mit dem Schutz der be- rufsständigen Tabakarbeiter. Hinsichtlich der mangelhaften Unter- stützung eaivfiehlt er, e« mögen vor ollem die Arbeiter in den be« treffenden Orten mehr auf die Gemeindevertretungen einwirken, denn dort liege das Hindernis. Schließlich sei ober auch«ine Bor- siellimg der drei Täbakarbeiteiverbände bei der Regierung zu empfehlen, damit von dieser Seile den eigenen Anordnungen mehr Nachdruck aeaeben werde. Debatte brachte insbesondere die Klagen verschiedener Be- zirksleiter über die Nachlässigkeit der Gemeinden und ihrer vor- gesetzten Körperschaften. Eine Reihe Einzelbeispiele wurden an- geführt. So sei auch die Erledigung biek zu langsam. Mit dem Vorschlag, bei der Regierung vorstellig zu werden, war man all- gemein einverstanden. Weiteres Material zu dieser Frage sollen die Funktionäre der drei Verbände ihren Vorständen mitteilen. Soziaies. Wohunngselcnd im Kreise Waldenburg iu Schlefieu. Schon im Jahre 1912 lag dem preußischen Abgeordnetenhaus« ein Bericht über die Wohnungsnot im Kreise Walvenburg vor, in dem es heißt: .Geradezu grauenhaft ist das Wohnungselend. Die Bergleute wohnen zum größten Teil in wirklichen Mietskasernen. 13. 13 und 20 Familien wobnen nicht selten in einem Hause. Die Mehrzahl der Bergarbeiterwohnungen bestehen nur aus einem einzigen Raum. Die Einzimmerwohnung ist geradezu typisch. Das Wohnungselend mit furchtbare Krankheitserscheinungen, namentlich die Lungen- tuberkulöse, in breitem Unistmge hervor. Der Gesundheitszustand der Schulkinder ist besorgniserregend. Im Jahre 1907 waren nach schulärztlichen Untersuchungen in der Sladt Waldenburg 83 2 Proz. und 1910 sogar 86,1 Proz. erkrankt. Dabei hat Waldenburg im Verhältnis zu den Landgemeinden noch günstige Verhältnisse." Inzwischen haben sich die Wohnungsverhältnisie nicht gebessert, sondern sogar noch verichlechtert. Nach den neuesten, während des Krieges gemachten Ermittelungen besteben in der>sradt Walden« bürg 73 Proz. aller Wohnungen nur aus einem einzigen Zimmer. Dieser Hundertiatz steigt in Dittersbach auf 78 Proz., in Altwasser auf 89 Proz., in Ober-Waldenburg auf 92.3 Proz., in GolteSberg auf 97 Proz. und in HermSdorf sogar auf 97,9 Proz. Man ersiehr daraus, wie notwendig eine gründliche Erneuerung unseres Woh- nungswesenS ist._ Versicherungspflicht der ZZorzeichuer. Ueber die Versicherungspflicht der Borzeichner in der An- grstelltenversicherung gehen uns vom Deutschen Vorzeichner-Verband, Sitz Dortmund, folgende Zeilen zu: Durch grundsätzliches Urteil des OberfchiedSgerichtS für Angestelltenversicherung vom 10. November 1916 Aklz. P. 193/15, ist dahin entschieden worden, daß sämtliche Vorzeichner unter das Angestelltenversichelungsgesetz falle» und infolgedessen versicherungspflichtig find, gleichgültig, ob die- selben aus Skizzen oder Weristattsystem arbeiten.— Der hierzu als Sochversiändiger gehörte Eewerbeinspektor kommt zu dem Resultat. daß die Vorzeichner keine rein mechanische oder niedere Tätigkeit ausüben, sondern dieselbe erfordere bei der ganz überwiegenden Mehrzahl der Angehörigen dieser Berussgrnppe eine soweir gehende geistige Tätigkeit, daß sie unbedenklich den Bureauangestellren in Z 1 Abs. 1 Nr. 2 de? Berstcherungsgesetzes für Angestellte zugezählt werden dürften.— Tiesem Gutachten hat sich das Oberichiedsgericht durch Fällung des obigen Urteils angeschlossen und noch ausgesübrr. daß eine Spezialrsierung deS Personenkreises ernsten Bedenken be- gegne. Mithin sind alle Vorzeichner des MetallgewerbeS verjiche- rungSpflichtig. z-rantwortlich für Poiltil: Erich Sultitfr, Serfm; für den übriaen Teil deS V!-ttes: Älfrcd Schutz,??s!ikölln: für Inserate: Td. ffitaife, Lerlin. Druck a. Derlaa: vorwärts Sucvdruckersi u. Dertagsairfialt Baut Einser& Eo.. Berlin SW, $fma t Beilage und UnterdaltnngZSlaü. allein genügen nicht. Sie können dem Geschäft wohl Interessenten zuführen, thren Zweck er»/ füllen fie aber erst vollkommen, wenn man beim Kauf— wie bei uns— auch die lleber-/ J||& »eugung gewinnt, dah titifcre JSSarc half. perfcrtcfet! r�XKönigstr. 33 Chausseestr. I AM? A Ahn Srtnätf Aier«ndcrp>otz Seim Skttimr Sshnhot Sonntags geschlossen.' Zpeiiill-trit Ol-, med. Friedrichstr.SO Behandl. vonSyphilis, Haut- Harn-, Frauenleide», spez. cyran. Fälle. Ehrlich-Hata-Ku- rcn.'chmcrzlaie, lürzeste Be- Handlung ohne BerusSstörmig. Llulunterjuchunz. Mätz. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bist und ö— 8, Sonnt. 11—1. Hellt unseren Verwundeten! 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