Nr.3S4. 34. Jahrg. BezugSpreiSt vierttllihrl.»S0Ml.«omiL. USV UV. wöchentlich so«ig. frei in» San». dorauZzahlbar. Einzelne Wochentag»- nunimern S«ig. Eonntagönumme» mit illullrterter Beilage.Die Reue Well»>0«ia.«ailbezug! Monatlich UM SKI. Unter ltreußdanö für DcuXchland tmi Oesterreich- Ungarn 2,50 Mt,(üt da» übrige«usland 4 MI. vlonatlich«oflbcftcHunBen nehmen an Dänemark. S-lland, Luxemburg. Schweden u die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitung»-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm- ildress er .Cozialdemolrat Berlin�, Verlinev VolKsblÄkk. ( s pkennig) Der Anzeigenpreis beträgti. die llebengsibalteneNolonel. »eile K«ig.„Kleine Slnzeigeu'. da» feltgedruckte Wort 20 Psg.(zu. lässig 2 settgedcuSie Worie>. lede» weitere Wort lv Pjg. Clellengeiuche und Schlafslellenai, zeigen das erile Buchitaben zählen sür " AI,— Wort 10«fg., jede» weitere Wort S«ig. Worte über lS Buchitaben zählen silt zwei Worte. 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Anstatt sich lediglich auf die Reform des Wahlrechts zum Abgeordnetenhause zu be- schränken, hat die Regierung es für gut befunden, gleichzeitig auch eine andere Zusammensetzung des Herrenhauses und eine Erweiterung der Befugnisse dieser Kammer vorzuschlagen. Gleiches Wahlrecht! Erfteulich ist es. daß die Regierung sich zu der Erkenntnis durchgerungen hat. daß eine„organische Fortentwicklung des Dreiklassenwahlsystems unter gerechterer und harmonischerer Abstufung des Stimmrechts"� wie sie ihr vor dem Kriege vor Augen schwebte, den Forderungen der Zeit nicht entspricht, sondern daß es notwendig ist. das Maß der staatsbürger- lichen Beteiligung des Volkes an den staatlichen Geschäften vom Standpunkt gesteigerten Vertrauens nachzuprüfen und neu zu gestalten. Das Ergebnis dieser Nachprüfung ist das gleiche Wahlrecht. Mängel der Wahlrechtsvorlage. Bedauerlicherweise aber soll das gleiche Wahlrecht erkauft werden auf Kosten einer Einschränkung des all- g e m e i n e n W a h l r e ch t s. Tie Altersgrenze für die Aus- Übung des Wahlrechts ist vom 24. auf das 26. Lebensjahr hinaufgerückt� es wird die dreijährige Zugehörig- keitzumpreußischenStoat und eine einjährige Aufenthaltsdauer in der Gemeinde verlangt. Da- durch geht ein großer Teil der preußischen Staatsbürger seines Wahlrechts verlustig, und wenn es auch übertrieben wäre, zu behaupten, daß die Vorteile des gleichen, direkten und gehei- mcn Wahlrechts durch diese Einschränkungen weit gemacht werden, so liegt doch irgendein stichhaltiger Grund für diese Verschlechterungen nicht vor. Den Einwand, daß nur der- jenige Staatsbürger, der mindestens drei Jahre Preuße ist, in dem Maße mit den Problemen des preußischen Staats- lebens vertraut ist. wie dies für eine verständnisvolle politische Mitarbeit unerläßlich erscheint, können wir nicht gelten lassen. Die verständnisvolle politische Mitarbeit dürfte in den lvenig- sten Fällen von einer mehr oder minder langen Staatszuhörig- keit'abhängen. Noch weit mehk fordert die Ausdehnung der Seßhaftigkeit in der Gemeinde von 6 Monaten auf 1 Jahr zur jtritik heraus. Wenn in den Motiven gesagt wird,„es liegt auf der Hand, daß die fluktuierenden Elemente der Be- völkerung dem Staat nicht- das gleiche Interesse oder Ver- ständnis entgegenzubringen vermögen wie der seßhafte Teil, den in viel festerer Weise soziale und wirtschaftliche Bande an den Staat fesseln und an der Wohlfahrt der Allgemeinheit be- teiligen", so ist das ein Einwand, der stets gegen die sozial- demokratische Forderung auf Beseitigung der Bestimmungen über die Aufenthaltsdauer für das Gemeindewahlrecht vor- gebracht wird, der aber schon hier nicht zutrifft, geschweige denn bei den Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschaften. Warum soll ein Staatsbürger, der bisher in Königsberg gewohnt hat und nun infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse nach Köln überzusiedeln gezwungen ist, plötzlich weniger stark an der Wohlfahrt der Allgemeinheit beteiligt sein, als wenn er in Königsberg geblieben wäre? Oder warum soll in einem aus mehreren Gemeinden zusammengesetzten Wahlkreis, z. B. Neu- kölln-Schöneberg, der Neuköllner, der 6 Monate vor der Wahl nach Schöneberg zieht, infolge seines Verzuges nickst so starr an den Staat gefestelt sein als vorher? Ganz abgesehen hier- von muß diese einschränkende Bestimmung aber auch schon mit Rücksicht auf die Kriegsteilnehmer fallen, die sonst in großer Zahl ihnes Wahlrechts verlustig gehen würden. In noch höherem Maße trifft das zu. wenn die Bestim- mung Gesetz wird, wonach in Gemeinden, die in m e h- rereWahlbezirk«. geteilt sind, erst durch einen einjähri- gen Wohnsitz oder Aufenthalt in dem Wahlbezirk das Wahl- recht erworben wird. Das bedeutet, daß ein Kriegsteilnehmer, der zeitlebens in Berlin-Moabit gewohnt hat, ober nach seiner Entlassung gezwungen ist, sich im Osten von Berlin eine Woh- nung zu mieten, sein Wahlrecht verliert. Heute ist es gleich- gültig, in welchem Berliner Wahlkreise ich wohne, es genügt der sechsmonatige Aufenthalt oder Wohnsitz in der Gemeinde: in Zukunft soll es anders sein. Das ist eine Verschlechterung. gegen die sich zu wehren besondersdieArbeiter allen Anlaß haben, die durch die wirtschaftlichen Verhältnisse, nicht zuletzt durch die Zustände auf dem Wohnungsmarkt, weit mehr als andere Klassen der Bevölkerung ihre Wohnungen zu wech- seln genötigt sind, Wahlkreiseintciluug. Ist das Wahlderfahreu auf dem Papier auch gleich, so bleibt eZ doch in Wirklichkeit immer noch sehr ungleich, weil die Regierung von einer Neueinteilung der Wahlbezirke abgesehen hat. Es ist lediglich be- stimmt, daß, wenn die Zahl der auf eine Abgeordnetenstclle eines Wahlbezirks entfallenden Einwohner nach der letzten allgemeinen Volkszählung mehr als 259 OVO beträgt, bei der nächsten allgemeinen Wahl für jede iveiteren angefangenen 259 999 Einwohner je ein neuer Abgeordneter hinzutritt. Hierdurch erhalten zunächst 12 Wahlkreise je einen Abgeord- neten mehr, und zwar Beeskow-Storkoiv-Teltow, Charlotten- bürg, Schöneberg-Neukölln, Tarnowitz-Beuthen, Kattowitz- Hindenburg, Kiel-Neumünster, Bochum-Herne, Gelsenkirchen, Cöln(Stadt), Duisburg-Oberhausen, Essen(Stadt), Mül- heim a. d. Ruhr. Armenunterstützung. Die Bestimmungen darüber, wem das Wghlrecht nicht husteht, decken sich iin wesentlichen mit den heute geltenden. Neu ist die Vorschrift, daß als Armenunterstützung im Sinne des Wahlgesetzes nicht gelten dem Wähler oder einem seiner An- gehörigen gewährte Pflege oder Unterstützung in Krankheits- fällen sowie einem Angehörigen wegen körperlicher oder gei- stiger Gebrechen gewährte Anstaltspflege. Damit ist ein Zu- stand geschaffen, wie er im Reich schon seit 1999 besteht und wie ihn das Abgeordnetenhaus auch für Preußen wiederholt, zuletzt einstimmig, verlangt hat, ohne daß die Regierung bis- her dem Verlangen Folge geleistet hätte. Wahlverfahren. Die Wahl selbst vollzieht sich in Zukunft direkt und geheim, das indirekte Wahlsystem und die öffentliche Stimmabgabe sollen also entsprechend der Verheißung der Osterbotschaft fallen. Das Geheimnis der Wahl ist gesichert durch ähnliche Vorschriften, wie sie für die Wahlen zum Reichs- tag erlassen sind. In dieser Beziehung bedarf die Vorlage noch einer weiteren und gründlichen Durcharbeitung, es fehlt darin noch manche Bestimmung, auf die der Reichstag seiner- zeit mit Recht Gewicht gelegt hat. Reform des Herrenhauses. Kann man dem Grundgedanken der ersten Vorlage, ob wohl sie uns nicht weit genug geht, zustimmen, ohne sich damit auf alle Einzelheiten festzulegen, so gilt das nicht auch von den beiden anderen Gesetzentwürfen. Als Gegner des Zwei kammersystems fordern wir selbstverständlich die B e s e i t i- gung des Herrenhauses. Soll es aber beibehalten und lediglich reformiert werden, so muß die Reform wesentlich anders aussehen. Nach wie vor sollen nach dem Entwurf die großjährigen PrinzendcsköniglichenHauses auf Lebenszeit dem Herrenhause angehören, nach wie vyr soll das System der Berufung auf Lebenszeit bestehen bleiben. Daneben sind Berufungen vorgesehen für die Dauer der Amtszeit bzw. für die Dauer des Bestehenbleibens der sonstigen Voraussetzungen. Trotz unserer Gegnersckiast pegen das System der Berufungen auf Präsentation an sich, erlau- ben wir uns doch die Frage aufzuwerfen, warum zwar den Selbstverwaltungsorganen, der Landwirtschaft, der Industrie und dem Handel, dem Handwerk, den Hochschulen, der evange- Irschen und katholischen Kirche eine V�tretung im Herren- hause gesichert sein soll, nicht aber den Arbeitern. Man wende nicht ein, daß es eine anerkannte Vertretung der Ar- beiter heute noch nicht gibt. Gewiß, ein Arbeitskammer- oder Arbeiterkammergesetz besteht noch nicht, aber sein Zustandekommen ist nur eine Frage der Zeit, und bis dahin könnten sehr wohl die Arbeitnehmerbeisitzer in den Versicherungsäm- tcrn den Wahlkörper bilden. Die Möglichkeit der Hinzu- ziehung von Arbeitern wäre also gegeben, aber es fehlt an dem guten Willen, die Regierung will die Erste Kainmer zu einem reinen I u n k c r- u n d B o u r g e o i s p a r l-a m e n t ausgestalten, das es übrigens doch auch nach der.Hinzuziehung einiger Konzessionsprolctarier bleiben würde. Die Stellung des Herrenhaufcs gegenüber der Volkskammer wird aber desto schwächer sein, je schmaler die Grundlage ist, auf die sich das Herrenhaus stützt. Im einzelnen sei bemerkt, daß der Stadt Berlin, die heute nur einen Vertreter hat. deren drei gegeben werden und daß das heute uneingeschränkte Berufungsrecht des Königs beschränkt werden soll. Der König darf fortan aus Vertrauens ni ganzen nurnoch 159 Mitglieder berufen. Macht er von diesem Recht in vollem Umfange Gebrauch, so zählt das Herrenhaus, abgesehen«m den königlichen Prinzen. 519 Mitglieder. Von den 399./ die ihm auf Präsecktation angehören, stellen 19 die eheiyals Reichs- unmittelbaren, 24 die Fürsten, Grafen und Herren, 26 die sonstigen bisher erblich berechtigten Mitglieder und die bevorrechteten Geschlechter. 36 der alte Großgrundbesitz. 36 die Landivirtschaft. Das sind zusammen bereits 132 Mitglieder. Hierzu kommen 36 Großindustrielle. 36 Bürgermeister, 76 Vertreter der Selbstverwaltung. 48 Vertreter von Handel, Industrie und Handwerk und endlich 16 Vertreter der Wissen- schaft und 16 der Kirche. So sieht in den Augen der Regie- rung eine„modernisierte" Erste Kammer aus. Tas Budgetrecht der beiden Kammern. Dem so umgestalteten Herrenhause sollen dann Noch durch das dritte Gesetz erweiterte Befugnisse in budgetrechtlicher Bezie hu n g eingeräumt werden. Das heißt nicht nur seine Bedeutung heben, sondern zugleich die des aus gleichen Wahlen hervorgegangenen Abgeordnetenhauses schwächen. Daß die Freunde eines freien Wahlrechts und einer Demokratisierung unserer staatlichen Einrichtungen sich damit nicht einverstanden erklären können, versteht sich von selbst. Bisher konnte das.Herrenhaus den Staatshaushaltsplan nur im ganzen annehmen oder ablehnen. In Zukunft soll das Herrenhaus über Streichung und Herabsetzung einzelner Posten, die im Widerspruch zur Regierung erfolgen, mitent- scheiden. Tritt das Herrenhaus dem Beschluß des Abge«rd- netenhauses nicht bei, so ist zwischen beiden Kammern ein Ver- ständigungsausschnß zu bilden, nach dessen Beratung das Ab- geordnetenhaus endgültig beschließt. Neue Posten in den Etat einsetzen oder vorhandene er- höhen soll den beiden Kammern nur mit Zustimmung der Re- gierung erlaubt sein. Zweck dieser Bestimmungen ist, die Stellung mehr der Regkernng als des Herrenhauses gegenüber der Volkskammer zu stärken. Da aber auch in Preußen die Parlamenta- r i s i e r u n g der Regierung nur eine Frage der Zeit ist, wird es zu ernsten Konflikten zwischen Regierung und Volkskammer nicht so leicht kommen. So ergiebt sich denn akKs in«llem eine Reform des Wahlrechts zum Abgeordnetenbouse. deren Bedeutung für unser zukünftiges politisches Leben wir bei all ihren Mängeln und Fehlern keineswegs unterschätzen, verbunden aber mit einer Ausdehnung der Vorrechte privilegierter Schichten. Ueber die Aussichten der Reform etwas' zu sagen, wäre heute genau so verfrüht, wie die Sozialdemokratie nach irgendeiner Richtung hin festzulegen. Unser Leitgedanke wird sein: wirklichen Fortschritten den Weg ebnen. Rückschritte mit aller Kraft bekämpfen, soviel Verbesserungen als möglich heraus- holen und alles einsetzen, um den größten deutschen Bundesstaat zu demokratisieren. Das dreiklassenwahlrecht gerichtet. Aus der Begründung der Wahsrechtsvorl«ge. Wer die Begründung zu dein Entwurf eineZ Gesetzes betreffend die Wahlen zum Hause der Wgeordneten liest, der muß mit uns zu dem Schluß kommen, daß die Regierung das Klassenwahlsystem, ja überhaupt jede? plutokratische Wahlrecht so schonungslos wie nur irgend möglich preisgegeben hat. Sie räumt zunächst unumwunden ein, was bisher nicht nur von konservativer Seite, sondern, oft genug auch von Regierungsvertretern bestritten wurde, daß das Dreiklasteirwahlrecht die Mitwirkung der minder- bemittelten breiten Volksmasscn an den Staats- geschäften in engen Grenzen gehalten habe zugunsten eines starken politischen Einflusses der zahlenmüßig schwächeren bemittelten Volksschichten. Den Grundsatz, daß die politischen Rechte im Staat nach den �Leistungen für den Staat bemessen werden sollen, einen Grundsatz' der oftmals sür die Aufrechterhaltung des Drci- klasscnlvahlrechts geltend gemacht worden ist, hält die Regierung zwar an sich nicht für'unberechtigt, sie erklärt aber, daß im gegen- wärtigen Zeitpunkt gerade die Anerkennung dieses Grundsatzes mit Notwendigkeit zur Einführung des gleichen Wahlrechts führe. Die Jahre dieses Krieges hätten von jedem Staatsbürger Leistungen gefordert, denen gegenüber guautitativ wie qualitativ jeder Versuch der Abstufung, der unterschiedlichen Bewertung, ver- sagen müßte. Die Härten des Wirtschaftskrieges hätten die ge- samte Bevölkerung ohne Ausnahme getroffen, der Lebenshaltung eines jeden so fühlbare Opfer und Entbehrungen auserlegt, daß die Steuerzahlungen sowohl an objektivem Wert für den Staat- wie auch an subjektivem Weit für die individuelle Leistung gegen- über den Lasten und Leistungen gerade auf wirtschaftlichem Gebiet zurücktreten. „Staat und Reich haben zur Kriegszeit restlos die Kraft und den Willen jedes einzelnen für die öffentlichen, die vat«rlä»dischen Zwecke ohne Unterschied und ohne jede Rücksicht auf physische und wirtschaftliche Beeinträchtigungen in Anspruch nehmen»Nissen. Der öffentliche Wert dieser allgemeinen Arbeitsleistungen und Opfer gestattet überhaupt keinerlei urteilende Bemessun». Hoch darüber stehen, jedem Maße entrückt, di» Verluste kostb«rcii Menschenlebens, die unterschiedslos unbeilbares Leid auf arm und reich gelegt haben.'Das dem Laterlande geflossene Blut, diese letzte und höchste Leistung, die der Staat vorn Bürger fordert, ist größten unmeßbaren Wertes. Die preußischen Männer, die es auf dem Felde der Ehre vergossen, haben Zeugnis abgelegt dafür, daß die dem Staate gebrachten Opfer aller Bürger eines gleichen Wertes sind, daß der Staat auf den Unterschied öffentlicher Kcldleifiungeq künftig Abstufungen der politischen Englischer Vorstoß an der Menin-Npern- Straße abgewiesen.— Vergebliche eng- tische Angriffe gegen Jnchy, Bourlon und Bantenx.— Italienische Angriffe im Brentatal gescheitert. Amtlich. Großes Hauptquartier, 25. November 1917.(W. T. S.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zn Flandern steigerte sich der Artillcriekamps am Nach- mittagc zwischen dem Houthoulstcr-Walde und Zandvoorde zu großer Stärke. Ein englischer Borstoß an der Straße Kpern— M c n i n scheiterte. Auf dein Schlachtfcldc südwestlich von Cambrai spiel- �tcn sich heftige, aber nur örtlich begrenzte Kämpfe ab. Gegen I n ch p setzte der Engländer starke Kräfte zu neuen Angriffen ein. Viermal stürmten dichte Jnfayteriewellen vergeblich vor. Ihre Verluste waren besonders schwer. Ju� Gegenstoß gewannen unsere Truppen mehrere hundert Meter nach vorwärts Raum. Nach heftiger Feuerwirkung griff der Feind»am Abend Torf unv Wald V o u r l o n an. Unter dem Schutze von Nebel- Wolken drang er bis zum Torfe vor. Tie zum Gegenstoß ein- gesetzten Gardcfüsilierc warfen in erbittertem nächtlichen Kamps mit blanker Waffe den Feind in seine Ausgangs- stellungen zurück, während pommersche Grenadiere am Rande des Wäldes jeden feindlichen Ansturm zum Scheitern brachten. Nach dem Mißlingen eines Frühangriffs auf B a n t c u x erfolgten dort am Nachmittage nur schwächere Teilvorstößc. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Tic Tätigkeit der Franzosen blieb fast auf der ganzen Frons rege. Stärkere Erkundungsabteilungcn fühlten gegen unsere Linien vor; der Artillerie- und Minenwerferkampf war im besonderen nordöstlich von Craonnc, in mehreren Ab- schnitte« der C h a m p a g« e und auf dem ö st l i ch e n Maas- u f e r gesteigert. Eigene Sturmtrupps brachten von gelun- i östlich der Klaas. gcner Unternehmung westlich von Beaumont zahlreiche Gefangene ein. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Oestlich von St. Mihicl und namentlich im Sund- g a u verstärktes Artillerie- und Minenfeuer. Im Walde von A p r e m o n t und bei Ammcrzwciler wurde« stärkere französische Vorstöße abgewiesen. Oestlicher Kriegsschauplatz und Mazedonische Front nichts Besonderes. Italienische Front. Italienische Angriffe zu beiden Seiten des B r e n t a- Tales und gegen den Monte Pcrtica brache» vor unse- rcn Linien zusammen.» Der Erste Geueralquartiermeifier. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 25. November 1917, abends. Amtlich. In. Flandern und südwestlich van Cambrai lebhafte �euertätiffkeit in einzelnen Kampfabschnitten. Auf dem Lstufer der Maas sind französische Angrisse zwischen Samogncux und Beaumont im Ganife. f Crfolgreichc Kämpfe im Gebirge zwischen Brenta und P i a v e. Ter österreichische Bericht. Wien, 25. November 1917.eitsfr«udigkeit des Volkes gewaltigste und völlig neue Anforderungen stellen werden. „Ist das Volk durch den Weltkrieg, der seine Kräfte aus? 'e höchste' angespannt'und unterschiedslos von jedem. einzelnen Staatsbürger die gleichen' Leistungen, die gleichen schweren Opfer für Bestand und Zukunft des Vaterlandes gefordert hat, über das bestehende Klassenwahlreckt. hinausgewachsen, so wird diesem reif- gewordenen Volke die Mitwirkung an der Fülle jener Staats- ausgaben auf dem Boden staatsbürgerlicher Rechtsgleichheit ohne Bedenken anvertraut werden können." Tas find Worte, die wie ein Schlag ins Gesicht der H ey d e- b r a ii d miö Genossen wirken werden, die noch vor nicht allzulangcr Zctt die Regierung der Unverantwortlichkeit geziehen haben, falls sie es wagen, sollte, an den Grundlagen des Dreiklasscnwahlshstems stüch nur zu rütteln. Und jetzt begnügt sich die Regierung nicht mit einem Rütteln an diesen Grundlagen,, sondern sie versetzt selbst dem ..Trciklassenwahlshstem den Todesstoß. Denn „auch wenn es gelungen wäre, vor kürzerer oder längerer . Zeit im Zusammenwirken der Regierung mit beiden Häusern .des Landtags eine organische Fortentwicklung des bestehenden Wahlrechts unter gerechterer und harmonischerer Abstufung des Stimmrechts zu erreichen, würde als ein Ergebnis des Krieges die Einführung des gleichen Wahlrechts doch notwendig geworden ' fein." . Nach diesem wiederholten Bekenntnis zum gleichen Wahlrecht gibt es f ü r d i e R e g t e r u n g kein Zurück mehr. Lehnt der Landtag die Einführung des gleichen Wahlrechts ab, dann darf sie sichuftcht tutt dem, was dann noch übrig bleibt, begnügen, sondern dann muß sie den Konflikt, den sie nicht verschuldet bat, der'ihr aufgezwungen ist, miskämpfem—Dann darf sie vor keinem Mittel, auch nicht vor dein ihr vielleicht nicht genehmen Umweg über den .Reichstag, zurückschrecken, um dem Volke das zu geben, dessen Not- wendigkeit sie selbst in so ausgezeick)neter Weise begründet hat. Oer feste Wille zum Zrieöen. Anweisung an öie russischen ßrontheere. Kopevhägeu, 24. Z�ovember. Ter ausländische Presse- .Vertreter der Bolschewiki au der schwedischen Grenze erhielt ein amtliches Telegramm aus Petersburg, nach welchem der Obcrstkominairdierende, General D n ch o n i n, deshalb v e r- b a f t e t worden ist, weil er sich geweigert hatte, den Vorschlag des Waffenstillstandes der ganzen Front zu übermitteln. Tic ReKicrung wies die verschicdenen Front heerc an; s e lb st auf der ganzen Front die F r i c d c n S N c r- hetudlungen einzuleiten. Ursachen öer italienischen Niederlage. Von nnscrm K r.i e g s b er i ch tc r st a t t e r Hugo Schulz. K r i c g s p r c s f e q n a r t i e r, 17. November. Die 12. Jsonzoscblacht, die nicht bloß mit einer Niederlage,' sondern geradezu mit dem völligen Zusammenbruch der italienischen Armee endete, gehört zu den paradoxesten Ereignissen des an jähen Schicksalswendungen, wahrhaftig nicht armen Weltkrieges. Daß die Verbündeten irni dem festen Willen.zum Siege den Feind an- griffen, ist'ja selbstverständlich. Merkwürdig ist nur, dqsi der Sieg das Maß dieses' Willens überschritt und größer geraten' ist. als die angreifenden Armeen voraussetzten. Wie konnte eS nur geschehen, daß die Serie der Isoiizoschlachien' einen Abschluß fand, der c.lleS Bisherige in einer solchen, nicht bloß den Feind, sondern auch die eigenen Ziele überrennenden Weise umwälzte? Es ist bei uns die Meinung verbreitet, daß die Italiener, durch täuschende Betoegungen der Verbündeten veranläßt,', den Ofsensiv- stoß aus Tirol erwarteten, und an ihrer Annahme bis zum Schlüsse festhielten. Wäre dies richtig, so müßte das Hervorbrechen unserer Offensive«us unvermuteter Richtung fast wie ein Uebersall gewirkt haben, und die ungeahnte Größe des Sieges fände ihre zu-. reichend? Erklärung im Beweggrund der Uebcrraschung. Es ist aber nicht richtig, und die italienische Führung, die ja zweifellos lange zwischen Tirol und deni Fsonzo schwankte, hat sicherlich in den letzten Tagen vor Bebiiui der Schlacht schon genau gewußt, woher der Wino weht. � Wie ist es nun zu erklären, daß dieser Schlachtangriff einen derartigen Zusammenbruch des Feindes bewirken und damit einen Erfolg zeitigen konnte, der abseits lieht von allen Erfahrungen jener Offensiven, die auf den Verhältnissen des Stellungskrieges basieren mußten? � ES ist nicht leicht, diese Frage zu beantworten, obne die psychologische Verfassung des italienischen Soldaten, über die wir doch nichts Zuverlässiges wissen, mit in Erwägung zu ziehen. Wir kennen da nur eine Tatsache mit Sicherheit, nämlich .die, daß sich unsere Ssldat'en trotz aller bitteren Leiden in den Fsonzpschlachien und trvtz aller harten Prüfungen, die gerade diese Kampffront auferlegte, dem Italiener immer überlegen fühlten. Ich muß aufrichtig gestehen, daß ich die Aeußerungen, die. diesem Ge- fühl Ausdruck gaben, immer mit Mißtrauen betrachtete und immer glaubte, daß sie von traditionellen Wertschätzungen, die aus der Custozza-Zeit stammen, stark beeinflußt sind. Dennach muß ich jetzt erlauben, daß dia immer wiederkehrende Behauptung unserer Isonzokäwpfer, daß sie, wenn es einmal zum Spicßumdrchen käme, mit dem Italiener leicht fertig würden, auf objÄtiben Be- die Macht öer öolsthewiki. Die Wahlen zur Konstituante im Gange.— Neue Versuche einer sozialistischen Koalition. Kopenhagen, 21. November. Ter ausländische Presscvcr- tretcr der Bolschewiki an der schwedischen Grenze erhielt ein a m t- liches Telegramm aus Petersburg vom 23. November, wonach jetzt auf der Seite der Bolschewiki stehen: Die gesamte Armee und Flotte sowie der ganze nördliche, westliche und südwestliche Teil des Reiches mit den Städten Petersburg, Moskau, Charkow, Kiew und Odessa sowie das ganze Ural- gebiet und Sibirien. Bon den Fronten kommen Hunderte von Abgeordneten, die die Mitteilung vollständiger Solidarität mit der neuen Regierung überbringen. Die Lebensmittelfragc ist ernst,, jedoch ist es bisher mit großen Anstrengungen gelungen, die Schwierigkeiten zu überwinden, es ist nur noch schwierig, Brot zu beschassen. Die niederen Eis rn- bah nb r a mtrn stehen aus der Seite �r Bolschewiki, die Sabo- tage der höheren Beamten ist daher"vöii geinngercr Wirkung. Tie Wahlen zur Berfa ssunggebendcu National- Versammlung haben bei der Flotte stattgefunden und beim Heere begonneni In den Städten finden die Wahlen am 25. No- vembcr statt. Die bürgerlichen Parteien wollen sich nicht unter- werfen, sondern verübe» überall Sabotage, wo dies möglich ist, und setzen ihre Hoffnung aus Kaledin. Das Ausbleibe» tele- graphischer Nachrichten aus Petersburg im Auslände ist auf Sabo- tage der Tclegraphenbeamtcn zurückzuführen; diese hofft man jedoch noch zu überwinden. Nach den Angaben dieses Telegramms, das ausdrücklich als amtlich �bezeichnet wird, wäre das ganze europäische Kriegsfrontgebiet für die Bolschewikis gewonnen und darüber hinaus fünf wichtigste Städte des Inneren, sowie der uralische Osten, und' Sibirien. Nur der Süden und Südosten, also das Gebiet, auf das sich Kaledin stützt, und die Kaukasussront kön- neu noch nicht als bolschewchisch bezeichnet werden. Treffen die Angaben in gezeichnetem Umfange zu, so wäre die Macht der vbachtunpest �beruhte. Es.ist kaum zu bezweifeln, daß sich der italienische Soldat immer in einer psychologischen Verfassung be- sunden hat, die ihn gegen den Ausgang der Kämpfe gleichgültiger machte und daher seine Fähigkeit, den stärksten moralischen Ein- drücken der Schlacht standzuhalten, herabsetzte. Immer wieder hat sich das gezeigt in der besonderen Enipfindlichkeit der Italicner gegen das Sperrfeuer unserer Artillerie und im Zurücktaumeln vor den Gegenangriffen unserer Infanterie, die gewöhnlich selbst dann Erfolg hatten, wenn sie in dichte, mehrfach überlegene Haufen hineinstießen.» So sicher es nun ist, daß der italienische Soldat, der auch ge- legentlich sehr tapfer und„schneidig" sein kann, unter der Ein- Wirkung verdrossener Stimmungen leicht versagt, so ist doch die Hauptschuld än der Niederlage der Führung zuzuschreiben. .Der schwere Fehler, den die italienische Führung machte, liegt zweifellos darin, daß sie, berauscht von ihrem Erfolg auf dem Bainsizza-Plateau, dieses Fleckchen Erde für den Nabel der Welt hielt und wie hypnotisiert daraus starrte. Der Angriff der Ber- bündeten konnte nach ihrer Auffassung kein anderes Ziel haben als die Wiedergewinnung der Bainsizza-Hochsläche und damit die Abwendupg der Gefahr eines italienischen Durchbruchs ins Idria- Tal, dessen Gelingen den nun von Süden her in der Flanke ge- faßten Tolmeftier Brückenkopf unhaltbar machen würde. Es war insbesondere der Kommandant der 2. italieniischen Armee, General Eapello, der während der ganzen Schlacht an der Auffassung fest- hielt, daß der Hauvtangriff nur aus der Bainsizza-Ecke hervor- brechen könne, und alle seine Reserven zum Gegenstoß ins Idriatal im Räume von Auzza beisammen hielt. Tatsächlich hatte dort sofort nach Beendigung der- bloß 6 Stunden tvährenden. und auf der ganzen Front vom Meere bis nach Flitsch ziemlich gleichartig wirkenden Artillerievorbereitung ein heftiger Angriff der Gruppe Kossak eingesetzt und die ersten italienischen Linien überrannt, lim so fester, glaubte nun Capello, auf dem richtigen Wege zu sein und Brigade um Hdigade tourde eingesetzt, um die Gruppe Kossak, die unter dem wmhtigen Gegenstoß überlegener Massen ihren Raum- gewinn hatte preisgeben müssen, ockch aus ihren Ausgangsstsllungen hinauszudrängen, Brigade um Brigade verblutete in dieser Auf- gäbe, die österreichischen Divisionen hielten unerschütterlich stand. Sie gemeinsam mit den weiter südlich eingkeifenden Kräften der 2. Isonzoarmee vermochten allmählich die Hauptmasse der Streit- kräitc Eapcllos in den Raum von Auzza zu zieben und dort fest- zubinden, während weiter nördlich mit unheioflicher Schnelligkeit daS Unheil über die Italiener hereinbrach. Aus dem Brückenkopf von. Tolmein quoll. es-hervox und aus den.Engtälern der Iulischen Alpen, Nie HLfiey. cZ'dic Italien er für möglich gehalten, daß der Bolschewiki zumindest in dem Matzc gesichert, daß die Jnter- essentcn der Gegenrevolution, wenn sie bei der Wahrheit blei- ben wollen, nicht mehr von einem schnellen Niederwerfen der Erhebung reden dürfen. Tie in der Armee gewonnene Macht wird sich auch im Verlauf der Wahlen zur Konstituante äußern. die in. der Flotte begonnen und offenbar glatt und schnell von. statten gegangen sind. Ueber die Haltung des Generals D u ch o n i n, der die Turchführung des Befehls zur. Waffenruhe verweigerte, be- richtet eine Havasmeldung aus Petersburg: sie zeige das Interesse an der aktiven Politik, deren Hauptplatz das H a u p t g u a r t i e r ist. Man glaube, daß General Duchonin dem Befehl, der ihn seiner Funktion enthebe, nicht stattgeben werde. Im weiteren scheine man in maximalistischen Kreisen zu erwarten, daß eine Abteilung aus Marine, Soldaten und der Roten Garde gebildet werde, um den Obersten K rp- l c n k o gewaltsam an Stelle Duchonins im Hauptquartier zu setzen. Tie nunmehr amtlich gemeldete Verhaftung Tuchonins beweist, daß dre neue. Regierung dem Trotze des- Generals schnell und energisch ein Ende gemocht hat.- Daß die Konferenzen zur Bildung eines sozio- l i st i s ch e n K o a l i t i o n s m i n i st e r i u m s noch nicht aufgegeben sind, wird ebenfalls von der Agencc HavaS ge- meldet. Ausdrücklich wird dazu bemerkt: sie würden im Gegensatz zu der Regierung in Petersburg weitergeführt. Die Baseler„Neue Korrespondenz" will Genaueres wifsen. Sie teilt mit:„Im Hauptquartier von Mohilew ist die Bildung einer neuen Vollzugsgewalt im Gange. Der Aus- schuß der Delegierten der russischen Armee weigerte sich, die Regierung von Petersburg anzuerkennen. Hingegen ist gr entschlossen, die Bildung einer Regierung, in der alle sozio- listischen Fraktionen vertreten sind, zu unterstützen. Das Zentralkomitee der Eisenbahner bat seinen Anschluß erklärt. Tichernow, Awksentiew und Götz kder„Vorwärts" mel- dcte gestern, beide seien verhastet) sind Mitglieder des Gene- ralstabes. Die Ankunft T c x e st s ch e l l i s wird erwdrtet. T s ch e r n o w und A w k s e n t i e w sind als wahrscheinliche Kandidaten der neuen Regierung vorgesehen, die aus Mari- Brückenkopf, ber kaum Entwicklungsraum für zwei Divisionen bietet, einer Armee als Angriffsbasis dienen könne. Sie hielten daher die Kräfte, die die ziemlich steil aufragenden Kolowrathöhen zu decken hatten und hinter denen es ja noch einige Brigaden an Reserven gab, für völlig ausreichend. Die Bataillone der Armee Below und ein österreichisch-ungarisches Korps aber hoben die italienische Höhenstellung im ersten Anprall aus den Angeln und fegten dann ihre Verteidiger, ohne Unterlaß nachdrängend, die jen- fettigen Hänge bis in die Ebene von Cividale binab. Ebensolchen Erfolg hatten die Angriffe der Gruvve Kraus im Flitscher Becken und nordwestlich davon, Ivo eine österreichische Alpendivision den mehr als 2300 Meter aufragenden Rombon erstürmte. Immer aber wäre noch ein« Zurückverlegung des geschlagenen italienischen Flügels möglich gewesen, wenn Capello die. Lage richtig erkannt und danach gehandelt hätte. Er scheint abex die Verbin- dung mit den zurückflutenden Teilen seiner Armee verloren zn haben und nicht mehr rechtzeitig über die Vorgänge nordwärts des Bainsizza-Abschnittes' benachrichtigt worden zu sein. So verbiß er sicb immer mehr in die unerschütterlich standhaltende Gruppe Z�essak und likmtc nickt, daß die Niederlage seines Nordflügels allmählich den Umfang einer Katastrophe gewinne.- Viel zu spät scheint Cavello die volle Größe des Unglücks ge- wahr geworden zu sein. Schon war auch feine Hauptkraft vyn den Truppen Belotvs jenseits des Kolowratrückens in der Flanke bedroht, als er sich entschloß, das Bainsizzaplateau zu räumen. Vorher hatte die oherste Führung noch einen verzweifelten Versuch gemacht, dem Vordringen der Deutschen auf Cividale Einhalt zu tun und mit rasch zusammengerafften Kräften den Prinzen Gonzaga, in die Bresche gesendet. Seine Truppen zerstoben wie Spreu unter dem Anprall der deutschen Bataillone. Als endlich in der Nacht,, die dem zweiten Schlachttage folgte, die Räumung der Hockfläche begann, konnte sie nur noch als überstürzte Flucht bewerkstelligt werden. Rur im südlichen Teil westlich von Podlesie, wo es galt, den Brückenkopf von Plava zu decken, leisteten die Nachhuten— zwei Bersaglieribrigaden— nachhaltigeren Widerstand, im sonstigen vollzog sich der Rückzug von der Hochebene als ein wildes Ge- dränge. In der Hast waren überdies die zablreichen Ijonzobrücken vorzeitig gesprengt oder in Brand gesteckt worden, nur bei Canale und bei Plava konnten noch größere Massen das jenseitige Ufer gewinnen. Es bedurfte nun noch ernstlicher Kämpfe, um azrch noch den Südflügel der italienischen Stellung, die Zcma di Gcrizia und die 3. Armee des Herzogs von Aosta aufzurollen. Er gpriet aus den Angeln. und die Kämpfe um'Görz sowie Uig die Jspnzoübergänge gehören in da« Kapitel der Verfolgung. mallsten belieben wird. Da dre Anwendung von Gewalt von den iozialiitiichen Fraktionen von der Hand gewiesen wird, mutz ein Versuch gemacht werden, mit der Petersburger Re- gierung, die nicht mit sich verbandcln lassen will, zu einem Einverständnis zu gelangen." Das wäre also das Gegenteil von dem, was HavaS andeutet', man will durchaus nicht im Gegensatz zur Petersburger Regierung handeln, sondern satzt den einzig vernünftigen und möglichen Weg gemeinsamer Tat ins Auge. Trotzkis Irieöensglaube. Rotterdam,'24. November. Nack dem„Nieuwen Rotterdam- Üben Courant" wird der„Dcnlh News" aus Petersburg vom Donnerstag gemeldet: Gesrern hat Trotzki eine Rede über die auswärt ige Po Ii kik der Sowjets gehalten. Er sagte, die Alliierten hätten das Manifest'der Sowjets unfreundlich aufgenommen, und die Feinde betrachteten die Umwälzung lediglich von dem Standpunkte, daß sie Rußland schwächen würde. Er glaube trotzdem, daß der Krieg bald aus sein werde. Es wird ein Gelbbuch mit allen Gchcimverträgeu, die die Bol- schewiki finden konnten, vorbereitet. Es ist möglich, daß die Bauer» mit den Armeeausschüffen neben der Regierung der Bolschewiki eine eigene Regierung un- tcr Tschernow errichten werden. Dies scheint uns wenig glaubwürdig. Sicher würde es keine Gegenregierung sein. In der Mitteilung könnte aber die Tatsache angedeutet liegen, daß die Organisation der Bauernschaft in diesen Novemberwochen an innerer Kraft und Geschlossenheit gewonnen Hot, so daß sie sür die weitere Ent- Wicklung der jetzigen Phase der„Revolution der Arbeiter und Bauern" mehr noch als bisher ein eigenes Gewicht in die Wagschale zu werfen hall „humanite" über öie ruPschen Vorgänge. Gegenüber der Wut der ftanzösischen bürgerlichen Presse über die Vorgänge in Rußland äußert sich Pierre Renaudel in'der „Humanite" vom 12. November: ..Zweifellos ist es für uns, Franzosen, wie sür die Alliierten. von ernster Bedeutung, daß inmitten eines so furchtbaren Krieges die' inneren Ercignifse die militärische Anstrengung Rußlands . verzogern. Wir würden jedoch einen Fehler begehen, wenn wir vergessen sollten, daß auch stnsere Revolution unser Land nicht an einem Tage organisiert, daß sie mit einer Bendee, mit Straßenunruhen, mit Rivalitäten der Per- sonen.zu tun gehabt Hertie; daß ein dermaßen großes Land wie Rußland Vertrauen braucht, um aus dem ChaoS herauszukom- nien, wohin es von einem so verabscheuungswürdigen und ver- ... ruchteu Regime wie das'zaristische gebracht wurde. Die Alliierten können Rußland bei diesem Reorganisationswerke helfen. Daran müssen wir denken eher als an eine systematischc Verunglimp- sung..." TaS„Journal des Debets" richtet einen sehr scharfen Artikel gegen Rußland. K e r e n s k i habe Vörden Leninisten kapi- lnliert, die eingegangenen Bedingungen bewiesen den voll- ständigen Mangel polnischen Sinnes und eine derartige Unfähigkeit zu handeln, daß man sich die Frage vorlegen müsse, ob Kerensli mehr lauge als Lenin. Bei Lenin wisse man wenigstens, woran rnan sich zu halten habe. Alle wahren Patrioten müßten sich jetzt wieder an K o r n i l o f s. wenden. Rußland brauche eine Regierung, die wahnwitzige Verräter unschädlich mache! die Regierung müsse deren Köpfe fliegen lassen. Die Arbeiter- und Soldatenräte .müsie. man nyp Axtschlägen, nicht mit Reden auflösen./ Bis dieses notwendige Werk durchgeführt sei, dürften die Alliierten weder Kriegsmaterial noch Geld nach Rußland schicken. Der. M a t i n" findet, daß eine V e r e i n b a r un g z w i sch e n Kerenski und den Maximali st en noch beun- r u h> g e n d c r wäre als der Bürgerkrieg mit allen seinen Schrecken und Folgen.'Durch eine Verständigung gewännen nur die Maxima listen an Einfluß in der Regierung, was die Lage äußerst ernst gestalten würde. Diese bürgerlichen Preßstimmen" sind neuesten Datums. Sie zeigen, daß Renaudels Aufforderung in den Wind gesprochen ist. Die zersplitterte Schlacht bei Cambrai. Berlin, 2ö. November. Auf dem Schlachffeldc von Cambrai ist der von so großen englischen Hoffnungen begleitete» tagelong mit stärksten Kräften fortgcsevtc Durchbruchsversuch des Marschalls Haig am 24. November bereits in örtliche Teilaugrifsc zersplittert. Diese richteten sich vornehmlich mit tiefgcgliederten Maffcnangriffe« gegen die einzclkicn Brennpunkte des weiten Kampf- scldrs, die im Norden der Einbruchsstelle liegen. Gegen das vielfach vergeblich bekannte I n ch y führte der Feind abermals rücksichtslos mehrfach starke frische Kräfte vor. Eine An- griffswellc»ach der anderen brach in unserem BcrnichtungSfeucr zusammen. Nach viermaligem blutigen Anlaufe» wurde der Feind im Gegenstoß geworfen und ihm von unserer verfolgenden Infanterie Gelände entrissen. In den weichenden Feind schlug das Bernich- tuugsfeuer unserer Artillerie und Maschinengewehre und ließ ihn an dieser Stelle besonders schwere Bcrluste erleiden. Bor unseren «-tellungcu türmten sich die Haufen gefallener Engländer. Weiter östlich versuchte der Gegner den ihm am 23. 11. ent- r'ssenen Bourlon-Wald nebst Dorf wieder in feinen Besitz zu. bringen. Bon alle» Kampfmitteln begleitet drangen unter entsetzlichen Bcr- Ijlftr« dir dichten englischen Angriffskolonnen langsam bis zum Dorf vor. Hwr traf sie der in der regnerischen Nacht erfolgte Gegenstoß unserer Gardcfüsiliere und warf den Feind mit Kolben und Bai lonctt m seine Ausgangsstellung zurück, während an den Wald- rändern schon vorher jeder feindliche Angriff blutig zusammen- gebrochen war. Wiederum blieb hier eine neue große Anzahl zrr- schosscner Tanks vor unseren Stellungen liegen. ." � �Ui südlichen Bogen der Einbruchsstelle griff der Feind nach srnier schwere« Schlappe am frühen Morgen wiederholt später Bantcux an. Die Angriffe gelangten nicht einmal bis an un- irre„tnleu heran. 11 uejic Tanks brachen vor unseren Stellungen zusammen. von Mago bis zur piave. Italienischer Heeresbericht vom 24. November nachmittags. Au der Gebirgssront von i>er Hochfläche von Asiagobis zur iMfflja scheiterten mächtige Angrisse des Gegners, welche in umfangreicher Weise durch Artilleriefeuer- vorbereitet und die mit Hartnäckigkeit ausgeführt worden waren, sämtlich. In der Ebene orrsuchteu feindliche Abteilungen, die Piave mittels Booten zu übcr- ichreiten; sie wurden im Flusse zusammengeschossen. Drei feind- I che. Flugzeuge wurden durch unsere Flieger gum Absturz gebracht. In. A lb an i e n griffen starke feindliche Kräfte in der Nacht vom 23. unsere Linie zwischen Vojusa und Osun südlich von� Lestimia an. Sie wurden abgewiesen; einige von ihnen zwischen Bitolia und Preslera errungene Teilvorteile wurden durch unseren Gegenangriff wieder zunichte gemacht. . die Kämpfe in Palästina. Amtlicher britischer Bericht aus Palästina. Am 21. 11.«r- stürmten uüi'ere Truppen den Höhenrücken von Nebt Samwil, die«täten deS alten Mizpab, 3000 Dards westlich der Straße von Jerusalem nach Nablus. Wiederholte Gegenangriffe der Türken wurden abgeschlagen. Der Feind beschoß die Moschee, in der sich das Grab des Propheten«amucl befinden soll, und das unsere Truppen sorgfältig vermieden. Unsere berittenen Truppen, die sich am 21. November Beitunra näherten, wurden durch einen starken Gegenangriff zum Rückzug gezwungen und halten jetzt Bcitur et Fauka(oberhalb Bcth Horon) besetzt. verbot üer öänischen Zleifchausfuhr. Kopenhagen, 24. November.(Meldung des Ritzauschen Bureaus.) Die Regierung hat ein sofort in Kraft tretendes Aus- suhrverbot für lebendes Rindvieh, Schafe, Ziegen erlassen, serner für Fleisch und Schlachtabsällc von Pferden, Rindvieh, Schafen, Ziegen nnd Schweinen, fiir Konserven, Wurst- und aridere Fleisch- waren, Eier, Butter, Rahm, Milch und Käse. Es ist nicht beabsichtigt, die Ausfuhr der genannten Waren zu verhindern, sondern die Regierung will nur eine Regelung der Ausfuhr et- möglichen, damit das Land in weitestem Umfange den Nutzen ans der Ausfuhr ziehen kann, de« die jeweilige Lage erheischt. Militarisierung ües Arbeitsverhältnisies in Oesterreich. In Oesterreich wird jetzt eine eigentümliche Maßnahme eingeführt: Die Arbeiter verschiedener Privatbetriebe, so der westböhmischen Kohlenbergwerke, werden ohne Rücksicht auf ihr Militärverhältnis „einberufen". Sie haben die gleiche Arbeit und an der gleichen Stelle zu verrichten wie bisher, werden aber unter militärischer Gehorsams- Pflicht und unter militärischer Disziplin und Gerichtsbarkeit gestellt. Diese Maßnahme findet im Gesetz keine Stütze; sie kann natürlich dazu führen, daß die Weigerung, zu den vom Vorgesetzten bestimmien Lohn- und Arbeitsbedingungen tätig zu sein, als Ber- brechen der Meuterei usw. aus das schwerste bestrast wird. ES ist bemerkenswert, daß diese Praxis trotz dem versammelten ReichSrat geübt wi.d, und bemerkenswert ist auch der Unterschied zwischen ihr und dem deutschen Hilfsdienst. fiuf üer Jagö nach Kanonenfutter. Wie aus Melbourne gemeldet wird, sagte dieser Tag« in Bendigo der australische Premierminister HugheS, die Politik der australischen Regierung sehe sich wachsenden Forderungen nach Mannschaften sür die Front gegenüber. Das Freiwilligen- ystem reiche für die Gegenwart nicht auS. Für seine nationale Sicherheit müsse Australien seine Divisionen in kampssähiger Stärke, aufrechterhalten. Die Wähler Australiens würden um ihre Zustimmung zu folgenden Vorschlägen ersucht werden: DaS Freiwilligenshstem wird fortbestehen- Der Monatsbedarf an Verstärkungen, der durch das Freiwilligen« system nicht gedeckt wird, wird durch Aushebung aufgebracht. Die Aushebung wird sich nur auf Ledige zwischen 20 und 44 Jahren und Männer, dir kinderlos, Witwer oder geschieden sind, erstrecken. Ferner sind Ausnahmen bei Gewissensbedenken zu- gelassen, die jedoch nur für die kämpfenden Truppen gelten. Weitere Ausnahmen find zulässig sür Richter, Geistliche, Angestellte in notwendigen nationalen Betrieben und diejenigen, deren Ein- beruwng für ihre Angehörigen eine unbillige Härte bedeuten würde. Die Regierung ist überzeugt, daß dieser Plan eine genügende Anzahl von Rekruten aus zwei Jahre beschaffen wird. Kleine Kriegsnachrichten. Der neue englische Luffchef. Nach der„Pall Mall Gazette" hat der Bruder Lord Northclifss, Lord Rothermere, das An- gebot, cm Stelle Ecwdrays das Luftamt zu übernehmen, ange- nommen. Wachsende Unruhe in Süditalien. Dvs Neapolitaner Blatt „Mattino" macht die Regierung aus die stetig wachsende Unruhe unter der Landbevölkerung Süditaliens aufmerksam, die aus geographischer Unkenntnis den Feind schon nahe glaubt, kveil sie annehme, daß der Tagliamento in der Nähe Neapels und nicht 1000 Kilometer weiter nördlich liege.' Der Totensonntag unü üie Hinterbliebenen. Die Presse widmete am�gestrigen Totensonntag den Gefallenen des Weltkrieges ein ehrendes Gedenken. Zugleich veröffentlichten zahlreiche Blätter, unter ihnen auch die„Nordd. Allgem. Ztg.", einen Auftuf der Nationalstiftung sür die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, der zu Sammlungen privater Wohltätig- kcit auffordert. Leider aber enthält die„Nordd. Allgem. Ztg." keine Mitteilung, daß die Regierung auS Anlaß dieses vierten Kriegs- totensonntags den Entschluß gefaßt habe, die kümmerlichen Renten der Hinterbliebenen aufzubessern. Wie könnte es aber eine bessere Ehrung der Toten geben, als dadurch, daß die Gesamtheit sich ihrer Witwen und Waisen annähme? Was helfen die schwungvollsten Leitartikel über die ge- fallciren Helden, wenn man duldet, daß ihre Kinder in Not sind? lieber die Tatsache kommt man doch nicht hinweg, daß d i e Familien. die dem Staat das furchtbarste tapfer, daS Opfer ihres Erziehers und Ernährers gebracht haben, unter diesem Opfer auch materiell dauernd aufs schwerste leiden müssen, während andere, in diesem Kriege Schätze gehäuft haben, die Motten und Rost verzehren. Es geht wirklich nicht ganz gerecht in der Well zu— wer wollte es leugnen— aber ein bißchen mehr Gerechtigkeit könnte doch in sie hineingebracht werden, wenn man nur den Hinterbliebenen der Ge- fallencn die kümmerlichen Renten erhöhte! Jeder neue Totensonntag wird in dieser Richtung für Staat und Gesellschaft eine bittere Mahnung sein! Die Kanzlerkanüiüaten. Ihre Stellung zum Reichstagsbeschluh vom IS. Juli. Am Donnerstag und Freitag fanden in Offenbach und Mainz Massenversammlungen statt, in denen Genosse Schcidcmann sprach Beid? Versammlungen nahmen mit großer Begeisterung eine' Resolution an, die den Friedensbestrebungen der russischen Revolution, die Solidarität ausspricht und ihr energische Unter- stützung gelobt. In Offenbach kam' Genosse Scheidemann auch auf die Vor- gäuge zu sprechen, die sich in der Zeit der Michaelis-Krise ab- spielten. In jener Zeit, sagte er, wäre eine.Reihe von Person- lichkeiteu ausgetaucht, die bei der Besetzung des Reichskanzler- Postens in Frage kamen. Unter ihnen sei aber auch kein einziger gewesen, der nicht seine Bereitwilligkeit erklärt hätte, seine aus- wärtige Politik entsprechend dem Friede nsbeschjuß des Reichstags vom lg. Juli einzurichten. Liebenswürüiger vergleich. Dem unmöglichen Versuch, einen Waffenstillstand, der zum Frieden führen soll, als eine rein militärische Angelegenheit dar- zustellen, ist der„Vorwärts" mit einem Zitat von Bismarck etil- gegengctreten, das neben der staatsrechtlichen auch die historische Berechtigultg seiner Auffassung vollkommen klarlegt. Die„Deutsche Tageszeitung" versucht sich nun in einem Leitartikel aus dieser umklammernden'Beweisführung herauszvwinden, wobei sie schließ- lich zu dem Ergebnis kommt:„Quexi licet Jovi.. Das ganze Zitat lautet:„Quod licet Jovi, non licet bovi." Auf deutsch: „Was dem Jupiter erlaubt ist, ist einem Ochsen nicht erlaubt." Die staatsrechtliche Kompetenz eines deutschen Reichskanzlers hängt danach von der mehr öder weniger liebenswürdigen Beurteilung ab, die ihm Herr Paul Baecker angedeihen läßt. Die Dergarbeiter forüern eine Erhöhung üer Kartoffelration. Aus Essen wird vom 25. November'gemeldet: Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands, der Gewerkverein christlicher Berg- arbeitcr, die polnische Berufsvereinigung und der Gewerkverein für Fabrik- und Handarbeiter haben an das Rcichsernährungsamt eine Eingabe gerichtet, in der dringend um Erhöhung der wöchent- lichcn Kartoffelration auf 10 Pfund ersucht wird, �ic Kartoffelernte sei in diesem Jahre so gut gewesen, daß die zehn Pfund bei gutem Willen wirklich geliefert werden' könnten. Wenigstens müsse diese Menge der Bevölkerung der Großstädte ussd Jndustriebezirke zur Verfügung gestellt werden. Auch gegen die sich bemerkbar machenden Wucherpreise für Kartoffeln müsse cingegrissen werden. Für diese Forderung tritt bekanntlich und mit der gleichen Begründung auch der„Vorwärts" ein. Die Berliner haben, wie in der Eingabe ja anerkannt wird, dasselbe Bedürfnis nach einer Aufbesserung ihrer Lebensmittelration wie die Bergarbeiter. St. Dureaukratismus als Zeinü ües armen Mannes. Tausende armer Leute haben sich, angeregt durch Aufforde» rungen in der Presse, nach der Ernte die auf den abgeernteten Feldern liegen gebliebenen Lehren aufgesammelt. Die so mühsam zusammengesetzte Körnerfrucht sollt� im Winter einen kleinen Zu- schuh zu den so schmal zugemessenen Rationen geben. Dazu, war aber nötig, daß daS Korn gemahlen wurde, und hierzu war wieder eine Mahlkarte erforderlich. Um den armen Aehrensammlern die Möglichkeit der Verwertung ihrer Samtnlungen zu geben, hatte der Äömmunalverband Flensburg bei der Rcichsgetrcidcstelle bc- antragt, daß an die Aehrensammler Mahlkartcn ausgestellt werden dürfen. Dieser Antrag wurde abgelehnt, da auch das durch Aehren- lesen gewonnene Getreide für den Kommunalverband beschlagnahmt sei, in dessen Bezirk es gewachsen ist. Die Erteilung von Mahl- karten könne nach§ 04 dcb ReichSgetreideordnung nur für Selbst- Verfolger in Betracht kommen, wettere Anträge seien deshalb zwecklos. St. BureaukraliuS ist hier von einer Gewissenhaftigkeit, die man ihm wirtlich ganz allgemein bei der Erfassung der Produkte wünschen möchte. Sollte die genaue Durchführung der Bestiw- mungen bei den genannten Selbstversorgern nicht einträglicher sein? Wir lesen da in einem Bericht über einen Vaterländischen Abend in Schönberg i. H., in der getreidereichcn bolsteinischen Propstei: „Auch wollen wir hervorheben, daß der Vaterländische Frauenverein, damit nicht nur die Seele Erquickung finde, groß« Schwaden Kuchen geliefert hatte". Sollten sich die reichen selbswersorgenden Schön- bergcr Bauern das Mebl für den Kuchen von den ihnen als Selbst- versorger zustehenden Quanten abgespart haben?, Unter Borzensur gestellt wurde die„Arbeiterzeitung" in Essen wegen des Berichts über die Friedensdemonstration, die am 10. d. M. in Essen mit dem Genoffen E b e r t als Referenten stattfand. Wann endlich wird die Presse nicht mehr über solche Matzregelungen berichten müssen, die doch nur dazu erfolgen, um wieder aufgehoben zu werden, mittlerweile aber eine ganze Menge unnötigen Schaden stiften! Gerechtigkeit. Wir geben den Tatbestand: Eine Familie int Bezirk Oppeln. Der Mann ieit 21/s Jahren eingezogen, der älteste Sohn seit 2 Jahren, sie«halten je 53 Pf. Löhnung. Die Frau mit drei kleinen Kindein aus 50 M. monatliche Unterstützung an- gewiesen, kann nichts hinzuverdienen, da sie dauernd� ltänklich ist. Sie läßt sich in der Not verleiten, aus dem Staatsforst Brennholz zu entwenden, dessen Wert aus 87 Ps. geschätzt wird, wird ertappt, angeklagt, verurteilt und erhält vom kgl. AmiSgericht Kupp(Reg.- Bez. Oppeln) folgende Kostenrcchnmig zugesandt: Gebühr für daS Verfahren.. 11,50 M. Wertersatz........ 0,87, Geldstrafe........._ 85,—.__ 47,87 M. Der Mann trägt unS aus dem Felde, wie er oder seine Frau da! Geld von Löhnung und Unterstützung bezahlen sollen. Wir wissen es nicht. Aber es fällt uns auf, daß man hier die Slrase aus dos 40fflche deS Betrages ansetzt, den die strasbare Handlung der Täterin Nutzen verschafft hat. Wir erinnern uns zahlreicher Fälle von Kriegswucher, indem die Geldstrase kleiner ausfiel als der wucherische Gewinn, den der Angeklagte aus dem strafbaren Geschäft gezogen hatte. Ein gelber Kricgsbrschädigtcnverband als Sozialisten- bekömpfcr. Aus Dorttnund wird uns geschrieben:„Die Wirtschaft- liche Vereinigung Kriegsbeschädigter(Essen) tritt jetzt als Ä o m- munalwählerpartei gegen die Sozialdemo- kratie auf! In Brackel bei Dortmund fand sür einen im Felde gefallenen sozialdemokratischen Vertreter eine Ersatzwahl zur Ge- incindebertretuna statt. Während unsere Genossen annahmen. daß ihnen die Wicderbesetzung des erledigten Mandats kampflos überlassen werden würde, traten am Wahltage nicht nur die Zeit- trumspartet, sondern auch die Ortsgruppe J) e�r-wirtschaftlichen Vereinigung Kriegsbeschädigter als Mitbewerber auf. Das Zentrum kam auf 30, die Essener auf 10 Stimmen, aber der sozialdemokratische Kandidat Bergmann Möllc blieb mit 4 9 Stimmen Sieger. Die besondere Kan- didatur der Essener Kriegsbeschädigtenorganisation wird jedenfalls allgemein� Aufmerksamkeit finden. Die Organisation hat jetzt die Maske völlig fallen lassen und gezeigt, daß sie, die eine Neuauflage der wirtschaftsfriedlichen Wcrkvrrciiie unter Leitung eines Bc- amten von Krupp ist, die gelben Bahnen der Arbeiterzersplitte- rung geht." Letzte Nachrichten. Bahcrischer Landtag. München, 25. Nodeigber. Durch königliche Verfügung vom 22. November wurde die Dauer dcsLandtags bis einschließlich 30. April 1918 v c r l ä n g c rt. 14 Arbeiterinneu bei einem Jabrikbrande verletzt. Mainz, 25. November. In der Metallwarenfabrik Busch brach gestern abend ein Brand aus, der in kurzer Zeit wieder gelöscht wurde. Der Sachschaden ist gcrin g. 14 Arbeiterinnen wurden leicht verletzt. GewcrkschHsbewVUNg Die Teuerungszulage der Berliuer Schneider. Nachdem die Schneider Berlins erklärt hatten, daß sie mit den durch die beiderseitigen Zentralinstanzcn vereinbarten Aufbesserungen der Teuerungszulagen nicht zufrieden sein können und eine wei- tere Erhöhung fordern, haben erneute Verhandlungen stattge- furchen, die sich nur auf Berlin erstreckten, lieber das Ergebnis dieser Verhandlungen berichtete Kunze am. gestrigen Sonntag in einer Mitgliederversammlung des Schneiderverbandes. Die Unter- nehmer haben weitere Aulagen auf bestimmte Tarifpositionen be- willigt. Die Zulagen sind für die oberen Tarifklasien höher als für die niederen. Dadurch ist— wie der Referent ausführte— die Ungerechtigkeit einer für das ganze Reich und für alle Tarifklassen gleichmäßigen Zulage in gewissem Maße beseitigt, aber einen be -ncdigenden Ausgleich zwischen den Löhnen und den in Berlin be sonders drückenden Teuerungsverhältnissen hat auch die jetzt be- willigte Aufbesserung der Zulage nicht gebracht. Die Forderung der Berliner Schneider ist nicht voll erfüllt, sie sind deshalb auch jetzt noch nicht befriedigt, aber die Ortsverwaltung in Uebereinstim- mun�j mit den Vertrauensmännern empfiehlt die Annahme der Vereinbarung, weil unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein besseres Resultat nicht erlangt werden könne. Die Vereinbarung gilt für die Herrenmaßbranche. Die Ar- beitgeber der Uniformbranche waren bei den Behandlungen' nicht vertreten und haben erklärt, keine weitere Zulage bewilligen zu können. In der Uniformbranche wird also der bereits beschrittene Weg: Anrufung des Kriegsausschusses, weiter verfolgt. Die Unzufriedenheit darüber, daß die den Herrenmaßschneidern bewilligten Zulagen nicht genügend sind, kam auch m der Diz- kussion allgemein zum Ausdruck. Aber schließlich stimmte die Ver- sammlung aus den vom Referenten dargelegten Gründen den Ver- einbarungen zu._ Parteinachrichten. Genosse Dr. Artur Schulz ist, noch nicht vierzigjährig, am 22. November in Königsberg i. Pr. einer Lungenentzündung erlegen. Schulz, der sich namentlich als Agrarpolrtiker einen ge- achteten Namen erworben hatte, war der Sohn eines ostpreußischen Gutsbesitzers, wurde schon als Student Sozialdemokrat— und als solcher in Preußen gemaßregelt. Er nahm seine Zuflucht nach München, wo er sich nach Vollendung seiner Studien als Rechts- anwalt niederließ. Von dort veröffentlichte er zumeist in den.So- zialistischen Monatsheften" sein« Arbeiten über agvarpolitifche Fragen, die wegen ihrer kritischen Stellungnahme zu überkommenen Auffassungen, aber auch wegen ihrer außerordentlichen Sach- künde Aufsehen erregten. Während des Krieges hatte Schulz zu- nächst im Felde gestanden und war dann dem KriegSamt in Königsberg zugeteilt worden. Die Partei verliert in ihm eine Kraft, die auch dort, wo sie sachlichen Widerspruch fand, anregend und aufrüttelnd wirkte. Die Probleme aber, die Schulz behau- delte, werden erst nach dem Kriege zur rechten Aktualität gedeihen. und bei ihrer Erörterung wird die Partei an den Arbeiten des Verstorbenen nicht vorübergehen dürfen. GroMerlln Kundgebungen für den frieden. Auf verschiedenen Plätzen Berlins haben am gestrigen Toten- fonntag Volkskundgebungen für den. Frieden statt- gefunden, die namentlich im Norden der Stadt einen bedeutenden Umfang annahmen. Die Menge, die sich nach guter alter Ge- wohnheit von allen Ausschreitungen fernhielt, bewegte sich unter Hochrufen auf den Frieden und auf Karl Liebknecht durch die Straßen. An der Ecke Spandauer und Kaiser-Wilheliti-Straße kam eS zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, der wohl auf überflüssige Absperrungsmaßnahmen zurückzuführen ist und zu einigen Verhaftungen führte. Da das ganze Volk in dem Ziel, der Herbeiführung des Friedens, mft den Demonstranten einig ist und sich diesem Be- streben innerhalb des Zteiches kein« beachtenswerten Wider- stände entgegenstellen, liegt kein Grund vor, solche Kundgebungen als gefährlich" zu behandeln. Sie find nur der Widerhall der großen Zeitereignisse innerhalb einer zur Selbstdisziplin erzöge- nen Bevölkerung. Wir würden uns freuen, bald von ähnlichen Kund- gedungen aus Paris und London berichten und sagen zu können, daß der Friedenswille des Volkes auch dort auf die aus- wältige Politik des Landes einen so starken Einfluß gewonnen hat, wie jetzt schon in Dentschland. Dann wird eS nicht mehr weit zum Frieden sein! Aus der Deputation für den Städtischen Arbeits- Nachweis. Mft dem Uebergange der Arbeitsnachweise des früheren Zeu° tralvereinS für Arbeitsnachweis in die städtische Verwaltung wurde die bis dahin bestehende Abteilung für Arbeitsnachweis aufgehoben und an ihrer Stelle die«Deputation für den Städtischen Arbeits- Nachweis" errichtet. Sie ist zusammengesetzt aus Mitgliedern des ZKagistratS, der Stadtverordnetenversammlung und Bürgerdepu- tierten, letztere je zur Hälfte aus Arbeitnehmer- und Arbeftgeber- kreisen. Die Deputation hielt kürzlich in ihrer neuen Zusammen- fetzung ihre erste Sitzung ab. Der Vorsitzende Stadtrat Fisch- !b e ck gab eine einleitende Uebersicht über die Entwicklung des Ar- beftSnachweiswesens in Berlin und schloß mit dem Wunsche eines dauernden harmonischen Zusammenarbeitens auf diesem Gebiete. Schon seinerzeit, als die tkebernahme in die städtische Ver- waltung beschlossen wurde, war von dem sozialdemokratischen Red- ner auf das unleidliche Verhältnis mft dem Verbände Märkischer Arbeitsnachweise, der- unter der Leitung des Borsitzenden der Landesversicherungsanstalt Berlin Dr. Freund steht, hingewiesen und der Wunsch ausgesprochen worden, zwei Angelegenheiten von besonderer Bedeutung, die Frage der Lehrstellcnvermiftlung in Groß-Berlin und die Uebsrnahmc des von dem Verband Märkrscher Arbeitsnachweise gegründeten Stellennachweises für Kaufte utc, in einem für die Stadt Berlin günstigen Sinne zur Erledigung zu bringen Die Deputation nahm Kenntnis, daß eine Neuregelung des Verhältnisses mft dem Verband Märkischer- Arbeitsnachweise ge- plant und ein neuer Entwurf dieser Vereinigung eingereicht sei. Bei der Erörterung des Verhältnisses der.Statt zum Verband Märkischer Arbeitsnachweise zeigte eS sich, daß in einzelnen bürgerlichen Kreisen noch recht unklare Vorstellungen über die Ausgaben Berlins als selbständige Gemeinde hinsichtlich der zu lösenden Fragen auf dem Gebiete der Arbeitsvermittlung vorhanden sind. So wünschte ein Mitglied der Deputation, der Leiter einer größeren Innung in Berlin, an dem bis jetzt bestehenden Verhältnis zwischen Berlin und dem Verband Märkischer Arbeitsnachweise nichts ver- ändert zu sehen! Ihm wurde von sozialdemokratischer Seite erwidert, daß die Stadt Berlin keine AuSnahmerechte genießen wolle, andererseits aber nicht geneigt sei, die ihr zustehenden Rechte dauernd durch den Verband Märkischer Arbeitsnachweise schmälern zu lassen. Di« Ablehnung des seinerzeitigen Beschlusses der Stadtverordnetenver- sammlung auf Errichtung eines Stellennachweises für Kaufleute sei ein schwerer Fehler gewesen, den sich der Verband Märkischer ArbettSnachweise sofort zunutze gemacht habe. Eine auögiebige Erörterung zeitigte auch die Regelung der Be- soldungsverhältnisse der Angestellten der Arbeitsnachweise, tte bis- her ein recht kunterbuntes Bild zeigte. Daß tte Vereinfachung der Besoldungsgrunttätze verhältnismäßig rasch und zum großen Teil günstig erfolgt, ist lediglich ein Verdienst der sozialdemokraft- schen Stattverordneten fraktion. Von ihr wurde unter Zustimmung der bürgerlichen Mftglieder der Deputation darauf hingewiesen, daß man keine Arbeitsvermittker wünsche, tte diese Tätigtest bureaukratisch erlernen. Auch der Nochwuchs der heutigen Ar- beitsvermittler müsse später aus den gewerblich tätigen Kreisen der Arbeitnehmer' und Arbeitgeber entnockmen werden, die vor allem mft den technischen Eigenheften des betreffenden Gewerbe» vertraut sind. Das Anfanqsgehalt der Vermittler beträgt 2S0Q M., steigt alle zwei Jahre um 200 SK. bis zum Endgehalt von 4700 M. Zurzeit sind 24 solcher Stellen vorhanden; neu gefordert werden 5 Stellen. Die Deputation stimmte dann der Mietung neuer Räume für die Kriegs beiriebs Werkstätten zu und vollzog noch die Wahlen zur Kriegsbeschädigtenfürsorge. Ihr gehören außer den bürgerlichen Mitgliedern die Genossen Knitter und Ritter an. Unser Jugendheim. Im„Vorwärts- HauS", Lindenstraße 3. ist am gestrigen Sonntag das neue von der Bezirksorganisation Groß- Berlin geschaffene Jugendheim mit einer eindrucksvoll-schlichten Feier eröffnet worden. Der im zweiten Hof links drei Treppen liegende Saal macht, bei aller Beschränkung, die die Kriegszeit der Ausstattung auserlegt, doch einen einladend freundlichen Ein- druck und faßt bcguem 150 Personen. Gestern abend war aber wohl daS Doppelte dieser Besucherzahl anwesend. Die zum größten Teil aus Jugendlichen bestehenden Gäste nahmen mit lebhaftem Beifall die Eröffnungsrede des Genossen D i t t m e r auf, der das Recht der Jugend auf freie Entwicklung betonte, zur Erfüllung der Solidaritätspflichten an der Arbeiterklasse mahnte, auf deren Kämpfe die Selbsterziehung des heranwachsenden Geschlechts. vorbereiten soll. Das neue Heim solle dabei ein Mittelpunkt an- regender Gesellig! eft sein, von deren Programm die musikalischen und deklamatorischen Vorträge, die den Abend umrahmten, gleich eine vortrefflich« Probe boten. Die Arbeiterjugend Weitzensee trug Chorgesänge vor, Genosse Dom n ik fesselte durch ausdrucksvolle Rezitationen, und Frau Käte Senkel- Pirsche! fand für ihre Lieder'zur' Laute ein beifallfrohes Publikum. Das neue Heim soll in Zukunft für alle jungen Arbeiter und Arbeiterinnen im Alter von 14— 18 Jahren ein Ort der Erholung. der Anregung und geistigen Weiterbildung sein. Jeden Sonntag, 7 Uhr, wird ein Vortrag gehalten werden. Dienstag und Freitag, abends 8 Uhr, finden Spiel- und UnterhaltungS- oder Lese- und Diskufterabende statt. Joder Jugendliche ist willkommen. Der Besuch fst unentgeltlich. KriegSgefangenen-Piist. Zwischen Frankreich und der Schweiz besteht zur Zeit aus militärischen Gründen eine Grenzsperre. Infolgedessen verzögert sich tte Ankunft der Briefe der kriegS- gefangenen und zivilinternierten Deutschen in Frankreich an ihre Angehörigen. Ein Grund zur Beunruhigung liegt also in dem Ausbleiben von Nachrichten nicht, �sie Grenzsperre dürste in Kürze wioder aufgehoben werden. Grohfeuer i« den Norddeutscheu Werke«. In den bei Teltow gelegenen Norddeutschen Werken, G. m. b. H., brach am Sonnabend kurz nach 8 Uhr abends ein Jeuer aus, das infolge des heftigen Sturmes große Ausdehnung an- nahm. Genaue Abschätzung des Materialschadens, ebenso die Fest- stellung der Ursache des Brandes ist bisher noch nicht möglich ge- Wesen. Durch die Stürme der letzte» Tage sind viele Fern- sprechleitungen gestört, so daß bis zur in Angriff ge- nommenen Wiederherstellung der Leitungen die Gespräche nach außerhalb Verzögerungen erleiden werden. Charlottenburg. Großfeuer. In dem Eckhaus Kant- straße 117-Krumme Straße 46 zu Charlottenburg kam gestern mittag ein gewaltiger Tachstuhlbrand zum Ausbruch Als man die Gefahr gegen 12)4 Uhr bemerkte, drangen aus sämilieben Dach« luken des 16 Fenstsr Front haltenden Wohnhauses schon dicke Rauchschwaden hervor. Die Charlottenburger Feuerwehr war mit mehreren Fahrzeugen schnell zur Stelle und griff das Feuer sofort mit mehreren Schlauchleitungen an. Um an den Brandherd zu gelangen, mußten an beiden Straßenfronten mechanische Leitern errichtet werden. Außerdem drangen die Rohrführer über drei Treppenhäuser vor. Obgleich unausgesetzt Wasser gegeben wurde, dauerte es doch über eine Stunde, ehe das Feuer gelöscht war. Ein erheblicher Teil des Dachstuhles samt den Bodenräumen wurde vernichtet. � Charlotte uburg. Die Ausgabestelle der allgemeinen Speisung. Spandauer Straße 3, wird vom Montag, den 3. Dezember, ab nach Kaiser-Friedrich-Straße 100 verlegt. Die Anmeldungen für die Woche vom 3. Dezember ab sind am vorhergeherrden Freitag noch Spandauer- Straße 3 zu bewirken. Spandau. Geflügelderkauf. Am Montag, den 26. d. M., von S— 12 Uhr vormittags, und. falls der Vorrat reicht, noch von 2— 6 Uhr nachmittags, findet auf dem städtischen Schlachthof der Verkauf von geschlachtetem Geflügel statt. In den durch Anschlag kenntlich gemachten Geschäften werden von heute ab 175 Gramm Kun st Honig zum Preise von 20 Ps. gegen Abtrennung von Feld 14 der Lebensmittelkarte abgegeben. Hrog-6erliner parteinachrichten. Sozialdemokrattscher Bcreiu für Teltow-Beeskow, Bezirk Treptow-Baumschulenweg. Dienstag, den 27. November, abends 814 Uhr, im Lokal früher«Ringeltaube" in Treptow, Graetzstr. 1: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage der Organisation. Referent: Genosse Stieffenhofer. 2. Be- schlußfassung über die beantragte Beitragserhöhung. Bei der Wichtigkeft der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mitglieder dringend erforderlich._ Die Bezirksleitung. Theater. Schillertheater G.:„?m Hafen", von Georg Engel. Wie in seinem bekannteren Drama«Ueber den Wassern" zeigt Georg Engel, der Romanschriststeller, auch in ttesem vor etwa anderthalb Jahrzehnten entstandenen Stücke in Sudermannscher Art und Weise Theatersinn und ein gewisses unbekümmertes Drauf- gängertum, daS Spannung, freilich eine ziemlich äußerliche, zu er- regen weiß. Der alte handfeste orthodvre Pfarrer des pommerschen Fischerdorfes, gewohnt, wenn ihm im Streife der Gemeinde irgend etwas verdächtig vorkommt, mft einem christlichen Donnerwetter dreinzufahren, ist in seinem Gegensatze zu dem jugendlich eigen- willigen, nach langer Wanderschaft heimkehrenden Lehrersohn, der um seine an einem simplen FischerSmann verheiratete Jugend- freundin wirbt, eine volksftückmäßig lebendige Bühncnfigur. Auch in der Zeichnung des pietistisch versonnenen Ehemannes, der effer- suchtgequält sein Weib beim Leben ihres KindeS schwören läßt, daß sie ihm Treue halten werde, in der der Frau und der der Mutter sind plastisch wirkungsvolle Züge. Die Handlung— der Widerstand Hedwig, die sich gebunden fühlt durch die Güte ihres Mannes und durch tte Angst, der liebe Gott könne den Bruch ihres Schlvures am Ende wirklich durch den Tod ihres KindeS strafen, ihr Unterliegen und das offene Bekenntnis ihrer Schuld— rollt sich in straffer, rasch bewegter Szenenfolge ab. Von einer organisch vertiefenden Aus- gestaltung ist freilich nicht die Rede. Wie sehr das Ganze letzthin auf den Effekt gestellt ist, tritt am deutlichsten in der gekünstelten Schlußwendung hervor. Der Fischer kann eS nicht begreifen, daß Gott zu solchem Frevel stillgeschwiegen und das Kind verschont habe. Er will sich selber bei ihm Auskunft holen und stürzt sich mit der Kleinen- in das Wasser. Die von W. Fabian inszenierte Aufführung bot Gutes. Else W a sä gab der Ehebrecherin eine warmherzige, stille Anmut, die auch im Kampf der Leidenschaften Stich hielt. Karl Elzer war ein ausgezeichnet temperamentvoll-intoleranter Seelenhirt, Heinz S e n g e r S Darstellung des Fischers ließ überzeugend den schwer- blutig sorgenvollen Grübelsinn hervorscheinen. Ein kleines Kabinett- stück der Charakteristik war Mari« G u n d r a k alte Mutter., e k. Ms aller Welt. Schwere Stürme i« Nord-«ud Ostsee. Hamburg, 25. November. Hamburg und das Gebiet der unteren Elbe sowie die N o r d s e e k ü st e und die w e st- lichc Ostsee werden seit Freitag abend von einem schweren Südwest st urm heimgesucht, der in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag am schlimmsten getobt hat. Unaufhörlich dröhnt den Bewohnern der Hamburger Wasserkante da? Donnern der Signal- gefchütze in tte Ohren, die das gefahrdrohende Steigen der Elbe anzeigen und die daräuf hinweisen, daß für die niedrigst gelegenen Stadtteile Sicherungen gegen zu erwartende Sturmfluten zu treffen seien. Der van Wolkenbrüchen und Hagclschlägcn beglci- tete Sturm hat stellenweise viel Unheil angerichtet. Bei Altona ist ein mit Lebensmitteln beladenes Fahrzeug unter- gegangen. An anderen Stellen haben sich Schuten und Leichter von ihren Trossen losgerissen; einige kleine Dampfer find auf den Strand getrieben, was, soweit sich bis jetzt übersehen läßt, ohne Verluste von Menschenleben abgegangen ist. Auch am Sonntag- morgen blieb das Wetter stürmisch mit Regen und Hagelböen. SeranIworIliS für Politik: Sri» e»>t»cr, Berlin.-«ür ven übrizen Teil des Blatte«:«tte»««»le.»enkiilln: litt Inserate: T»«lecke, Berlin. Druck u. Seriaa: Vorwärts Bucljbruckerei u LerlagSaaitalt Paul Eiliger& Co., Berlin 8W. Admirals-Palast. Ballett tut dem Else 7»|4 Uhr Ahrahadahra. 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