flr. f5%45. 34. Zahrg. Bezugspreis» «I-rkellihrl. 3,«UMl. monatl.»Lv MI» wöchenllich SO Cffl frei ins Haick oorausiiotiibai Einzelne Wochentagsnummern 6 StA Tonnlngsnummer mit iQuftnetter Seilage.Tie Neue Weif>0 Via SoUbczua: Monatlich 1,30 MI Untei«treuzbanb fftr Tcultchlanb und Oesierreich> Ungarn 2£0 MI., fttr bas fibriae Ausland 4 Ml aionadjich l>oflbcfteDunaen nehmen in Tänemarl. yollanb. Lureniburg, Schweden u die Schweiz. Eingetragen in die Soft-.�eitungs'PreiSUIte. Erfchctut täglich. Telegramm■ Adrette: .Sosialvemokrat Berlin". Verlinvv Volksblclkk. S Pfennig) Ter Anzeigenpreis deirägl I die slebengetbaltene«olanet« teile 60 Pfg„Kleine 11»zeigen", das tcttgcbrutfte Wort 20 Plg(zulässig 2 fcttgcbtitötc Worte). ledes weitere Dort lO Pfg. Stellengeluche und Schlatttellenanzeigen das etile Wort 10 Sfg., lebe« weitere Wort S Psg. Worte über lö Suchsiaben zählen für zwei Worte Teverungszuichlag 20% Mamillen-'Anzeigen SU Big., bolitüche u. gewerllchattllche Senilis- Anzeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer matten bis 5 Uhr nachrr.itt. im Haubtgelchäfl, Berlin TW. 63. Lwdenstrage 8, abgegeben werden. Geösinet von 8 Uhr lrüh bis 1 Uhr abends. Zentratorgan der rozialdcrnokratifchcn partei Dcutfcblanda. Ncüaktion: SV). 6$, Linüenstraße 3. Fernivrecker- Am, MortNvla«. Rr. ISl SU— lSl S7. ' Expeüitioa: SV). SS. Linüeastraße 3. ihernivrecber: Am» Morivplatz, Nr. läl SV— IST S7. �roMi enthttlN die Latenlevertrsge. Petersburg, 23. November.(Meldung der PeterS- durgcr Telegruphen-Agcntur.) Der Kommissär für auswar- tige Augelegenheiten T r o tz k i hat eine Reihe vou Telegram- mcn und Geheimdokumenten veröffentlicht, die sich so- Wohl auf die Zeit deS zaristischen Regimes im Jahre 1915 als auch auf die Zeit der Koalitionsmiustcrien beziehen. Die Sol- daten- und Arbeiterrcgierung hat, sagt Trotzki, die G e- hcimdiplomatie mit ihren Ränken, Chiffern und Lügen abgeschafft. Unser Programm ist der Ausdruck des Willens von Millionen Arbeitern, Soldaten und Bauern. Wir wollen unverzüglich einen auf der Grundlage der freien Entwickclung der Völker beruhenden Frieden erlangen.— Die Dokumente beziehen sich auf K o u st a n t o p c l und die M e e r e n g e n. Der frühere Minister des Aeusteren S a- s o n o w macht die Ansprüche Ruhlands auf Konstantiuopel die Westküste- des Bosporus, des Marmarameers und der Dar- dancllcn, aus Südthrazien bis zur Linie Enos-Midia, die asiatische Küste und die Inseln der Marmarameercs sowie die Inseln Jmbros, Tencdos geltend. Die Verbündeten haben eine Reihe von Forderungen ausgestellt, denen die russische Regierung zugestimmt hat. Nach ihren Ansprüchen soll Kon- stantinopcl ein Freihafen für Waren werden, die nicht nach Russland gehen und nicht von dort kommen. Die Verbündeten verlangen, dass ihr Recht auf die asiatische Türkei ebenso anerkannt werde wie das der Belassung der heiligen Stätten Arabiens unter muselmanischer Oberhoheit und der Einbeziehung der neutralen persischen Zone in die englische Einflusssphäre. Russland war bereit, alle Ansprüche anzuerkennen. Sei- ncrscits hat es den Wunsch geäussert, das Kalifat von der Türkei zu trennen. In Persic« feilschte Russland für sich um Rayons in den Städten Jspahan und Jezd. Was die Festsetzung der Grenzen mit Deutschland anbe- langt, bewahrten sich die beiden Teile volle Handlungsfreiheit. Frankreich gab seine Ansprüche bekannt, denen unser Mi- nisterium zustimmte. Elsass-Lothringcn wird Frankreich zu- rückgegebe« einschliesslich der Eisen- und Kohlengrubengebiete. Die am linken Ufer des Rheins gelegenen Gebiete sollen von Deutschland abge- trennt werden und von jeder politischen und Wirtschaft- lichcn Abhängigkeit seitens Deutschlands frei sein. Aus diesen Gebieten wird ein freier neutraler Staat zu bilden sein.— Das Merkwürdigste sind die Telegramme T e» r e st s ch c u k o S. ES ist darin die Rede davon, dass die Bot- schafter Englands, Italiens und Frankreichs bei KcrenSki er- schienen seien und ihm erklärt hätten, dass eS dringend not- wendig sei, Massnahmen zu ergreifen, um die Armee schlagfertig zu machen. Dieser Versuch, sich in die An- gelegcnhciten Russlands einzumengen- war der Regie- rnng peinlich. Terestschcnko bat den russischen Botschafter in Washington, dem amerikanischen Kriegsminister mitzu- teilen, vass de russische Regierung die Reserve des amcrikani- schcn Botschafters in dieser Angelegenheit hoch anschlage.— Ebenso interessant sind die Jnsormationstclegramme. Tr- rcstschenko sprach von Zugeständnissen, die das Bür- gertum den rechtsstehenden Sozialisten gemacht hat. Er der- sichert, dass die Zugeständnisse ihren Wert verlieren, da die Führer �er gemässigten Sozialisten in weitgehendem Masse ihren Einkluss ans die von der äusscrsten Linken mitgerissenen Massen verloren haben. Terestschcnko erklärt, dass die Rolle deS Vorparlaments eine grosse sein werde, und dass es bis zum gegelenen Augenblick die verfassunggebende Versammlung ersetzen werde. Obwohl in der Zusammensetzung des Vor- Parlaments die Sozialisten die Mehrheit haben, werden die aemössigten Parteien der äusscrsten Linken Widerstand zu leisten vermögen, weil die gemässigten Sozalisten im Einver- nehmen mit de» lberalen Parteien vrogehen werden. �rotzb» Veröffentychungen bestätig«» durdsiroS dt« tSntHüHun» jini über Sie?.»berung»plSne der Entente, mit denen die deutsche üei'erung im Sommer dieses Jahres die Well überrascht hat. s .»der»ährend sich damals die französische Regiernn» mit allerhand .luSilüchten herauszureden suchte, ist jetzt jegliche? Ableugnen un- mög.ieb geworden. Es steht jetzt felsenjest. daß Russland die euro- bäische Türkei, die übrige Entente die asiatlsche als Beute für sich brar>sprucht haben. Und teststeht, daß Frankreich ausser der Rück. nähme Elsah-Lothringens mit dem Plane umgegangen ist, das ge- samt« linke Rheinufer ocn Teutschland abzutrennen und dies deutsche Land zu einem französtschen Vasallenstaat zu machen. 1 die Entente sucht einzuschüchtern Tie Bolschewikiregiernng bleibt fest. Wien, 26. November.(Meldung des Wiener k. k. Tele- graphcn- Korresp.- Bureaus.) General Duchoni« hat an die rnssischen Armee« eine Nachricht gelaugen lassen, wonach die Berteter der Euteutestaateu beim russischen Ober- kommando gegen je' e Verletzung des Vertrages Protestieren, der zwischen der Regierung des Zaren und den Regierungen der Verbündeten am 5. September 1914 ge- schlössen worden ist. Anknüpfend hieran drohen die Vertreter der Ententestaatc«, daß jede Vertragsverletzung durch Russland, insbesondere ei» Sonderwaffrnstillstaud schwere Folgen nach sich ziehen werde. In einer weiteren Mitteilung eröffnet das russische Oberkommando den ihm unterstehenden Kommandcn, die amerikanische Regierung habe erklärt, sie könne keine weitereu Transporte nach Russland zulassen, solange die Lage dieses Landes nicht geklärt sei. Sollten die Bolschcwiki an der Macht bleiben und ihr Programm, mit Deutschland Frieden zu schließen, ausführen, dann werde die amerikanische Regierung das erlassene Ausfuhrverbot auf- rechterhalten. In cinein Telegramm an alle militärischen Komitees und Arbeiter-, Soldaten- und Baucrnräte reagiert der Kommissar für die Auswärtigen Angclegeuheitc», Trotzki, auf diese Mitteilnugen des abgesetzte» Höchstkommandiercudeu Duchonin. Er verweist darauf, daß die Vertreter der Verbündeten sich einer unzulässigen Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes mit der Absicht schuldig machen, einen Bürgerkrieg hervorzurufen, wenn sie sich mit diplomatischen Roten an einen General wenden, der wegen Ungehorsams gegen die Re- gierungsmaßuahmen abesetzt wurde. Der V e r- such der verbündeten Vertreter, durch Drohungen die russische Armee uckd das russische Volk zu zwingen, den Krieg fort- zusetzen, werde die russische Regierung nicht davon abbringen, den Weg zu einem ehr- liche» und demokratischen Frieden zu suchen. Die Soldaten, Arbeiter nnd Bauern Rußlands seien nicht willens, unter der Knute der verbündeten Imperialisten zu bleiben. Der Aufruf fordert zur Fortsetzung des Kampfes für einen sofortigen Waffenstillstand auf und schließt mit den Worten: Rieder mit den Gcheimverträgen und diplomatischen Ränken! Sur und wiöer eine Koalitionsregierung in Rußland. Amsterdam, 26. November. Einem hiesigen Blatte wird ans Petersburg vom 23. November gemeldet, daß die Ar- m e e k o m i t e e s an der Front dem maximalistischen Kabi- nett die Bildung eines homogenen sozialistischen Ka- binetts vorschlagen, um dem Bürgerkrieg ein Ende zu machen und mit den Alliierten über die Friedensbedingungcn zu der- handeln.— Die Vertreter der alliierten Ländex haben beschlossen, in Petersburg zu bleiben.�— Dem„Allge- meen Handelsblad" zufolge veröffentlicht die K a d e t t e n- Partei eine Erklärung, daß die Friedensvorschläge der Bol- schewiki nicht als ein Ausdruck des Willens des russischen Volkes betrachtet werden können. Demselben Blatt zufolge meldet„Daily Ehronicle" aus Petersburg, daß die Bolschewik! den Obersten Murawjew zum Kriegsmini st er ernannt haben. Ein Versuch Tschernows. eine Koalitions- regierungzu bilden, mißglückte wegen mangelnder Unter- stütznng von leiten des Armeekomitees. T s ch e r n o w ist der radikale Führer der„Partei der Sozialisten-Revolutionäre", der im vorletzten Koalitionsmini- sterinm Kerenskis Landwirtlchaftsministcr war. Er hat sich den größten Anfeindungen der bürgerlichen Parteien ausge- tetzt weil er konsequent auf die Auslieferung des gesamten Landbesitzes hinarbeitete. Es ist sehr bezeichnend, daß er jetzt für eine Koalitionsregierung eintritt. � Washington, 25. Rotember.(„Central NewS�-Mefdung.) Der russisch? Botschafter Bachmetjew ist zurückgetreten, bleibt aber von- läufig in Washington._ Abreise des englischen botschosters. Kopenhagen, 26. November.„Nationaltibende" meldet au« Haparanda:..Hiitvudftobsbladet" mrlbet: Die englische B o t f eh a ft ist am 23. November von Petersburg a b- gereist und soll auch durch W i b o r g gekommen sein j seitdem bat man aber nichts mehr von ihr gebort. Es wird angenommen, daß der Zug in Finnland zurückgehalten wird.— Das Blatt„Djen" teilt mit. daß die Maximalisten die Goldreserven der Staatsbank beschlagnahmt haben. die /Aufnahme öer Wahlrechts- vorläge. Die Aufnahme der Wahlrechtsvorlage in der Presse muß der Regierung zeigen, daß auf dem Wege des Kom° p r o m i s s e s nichts zu erreichen ist. Die Regierung glaubte .offenbar, die Vorlage den bisherigen Wahlrechtsgegnern schmackhafter machen zu können, indem sie die Allgemeinheit der Wahlberechtigung kräftig beschnitt, die Stellung des Herren- Hauses zu erhöhen suchte und die budgetrechtlichen Befugniffc der neuzubildcnden Volkskammer einschränkte. Dadurch sollte eine größere Anzahl von Abgeordneten für die Erklärung ge- wonnen werden, so, wie sich das gleiche Wahlrecht im Eni- wurf der Regierung präsentiere, sei es auch für sie annchm- bar. und die Neubekehrten sollten dann helfen, die Mehrheit für die Verwirklichung des Reformplans zustande zu bringen. Nach dem Bilde, das man aus dem Spiegel der Presse erhält, scheinen solche Erwartungen hinfällig. Scharf scheiden sich die Gegensätze, und eine Stimme der Vermittlung wird nirgends laut. Während man sich aber von rechts her in Verurteilungen überbietet, herrscht links keineswegs eine Stimmung der reinen Genugtuung und Befriedigung. Da ist kein Blatt, das den Mut hätte, zu erklären: So wie sie ist, ist die Vorlage gut, und so muß sie angenommen werden. Von links wird an den Wahlrechtsbeschränkungen scharfe' Kritik geübt. Von rechts aber wird» erklärt, daß diese Be- schränkungen gar keine Bedeutung hätten und»ücht imstande seien, die gcfürchtete Demokratisierung Preußens aufzuhatten. In diesem Urteil von beiden Seiten ist zweifellos viel richtiges Später, wenn wir mit einer längeren Dauer der Friedenszeit wieder zu stabilen Verhältnissen gelangt sein werden, wird die Klausel des einjährigen Wohnsitzes nur einen geringen Teil der Staatsbürger von der Urne fern- halten und an den Wahlergebnissen wenig ändern. Bei den ersten und vielleicht noch den zweiten Wahlen nach dem Kriege wird aber eine gewaltige Verschiebung der Bevölkerung im Gange sein: Industrien werden stocken, andere aufblühen, Orte ohne unbebautes Hinterland werden stagnieren, andere durch Anlage neuer Wohnviertel emporwachsen, der einzelne Staatsbürger wird aber seinen Sitz dort aufschlagen müssen, wo ihm für die verloren ge- gangenc neue Erwerbs- und Wohngelegcnheit winkt. Die ohnehin anfechtbare Auffaffung. daß der politische Vollwert eines Staatsbürgers von dem Grade seiner Seßhaftigkeit ab- hänge, verliert den letzten Rest von Berechtigung. Man muß nur— und diesen Gedankengang führt auch Dr. Michaelis im„Verl. Tagebl." aus— an die Kriegs- t e i l n e h m e r denken, um die UnHaltbarkeit der geplanten Wahlrechtscinschränkungen einzusehen. Gerade die Kriegs- tcilnehmer werden durch die Wohnsitzklausel am schwersten getroffen, da für sie die Aussicht, ihren alten Wohnsitz bei- behalten zu können, die allerschlechteste ist. Und unter den Kriegsteilnehmern sind wiederum die Kriegs beschädigten am allerschlechtesten gestellt. Ihre Beschädigung zwingt sie zumeist zu einem Wechsel der EnvcrbStätigkeit, der ohne einen Wohnsitzwcchsel schwer durchführbar ist. Der Verlust eineS Beins, eines Arms kann und wird in sehr zahlreichen Fällen auch den Verlust deS Wahlrechts bedeuten I Der Sinn der Reform wird dadurch in sein gerades Gegenteil verkehrt. Hoffentlich wird die Regierung einsehen, daß sie da einen Mißgriff getan hat und wird sie der notwendigen Vcrbessc- rung der Vorlage wenigstens keinen Widerstand entgegensetzen. Tic Aussichten der Reform werden dadurch nicht verschlechtert, sondern nur verbessert werden. Denn den Abgeordneten möchten wir sehen, der die Borlage in ihrer jetzigen Form für annehmbar hält, dem sie aber unannehmbar wird durch die Gewährung des Wahlrechts an diejenigen, die als Opfer des Krieges von der Scholle weggerissen worden sind I Während sich ein Teil der konservativen Presse auf Klagen und Zetern und Ankündigung des schärfsten Wider- slandes beschränkt, verrät ein anderer, voran die„Deutsche Tageszeitung", einen verdächtigen„positiven" Arbeitseifer. Ein solcher Eiser, der mit einer fanatischen Gegnerschaft gegen das gleiche Wahlrecht gepaart ist, kann entrveder nur ein Vorwand für Obstruktionsbestrebungen sein, oder er geht darauf aus, dem Volk für daS vorgeschlagene gleiche Wahl- recht irgendeinen wertlosen Ersatz anzuhängen. DaS trockene „Nein!" wirkt dann lange nicht so empörend wie das heuch- lerische„Ja", und schärfer als der Versuch, sie gänzlich zu- schanven zu machen, muß das Bestreben bekämpft werden, die Reform zu einem falschen, ihr innerlich fremden Ziel zu führen. Besonderes Jntereffe erregt natürlich daS Verhalten der Mittelparteien, von deren Stellung das Schicksal des Entwurfs abhängen wird. Abgesehen von der schwer- liberalen Presse, die ganz im Stil ihrer konservativen Ge- sinnungSgenossen rast und tobt, bcwabren die mittelparteistchen Blätter eine Zurückhaltung, die der ungeklärten Lage in ihren Parteien entspricht. Tie linkslibcrale„National-Zeitung" meint, ihre Landtagsfraktion werde vornehmlich an dem fehlen des Proportionalwahlrechts für die Groh- ftädte Anstotz nehmen. Nun ist nicht einzusehen, warum das Proportionalwahlrecht gerade in den Großstädten notwendiger sein soll als anderswo, aber über diese Frage würde sich reden lassen, und gäbe es für die Vorlage keine anderen Hindernisse alS nationalliberale Proporzwünsche, so käme sie bald über den Berg. Ein Blick in die Presse zeigt aber, daß die Schwierig- keiten noch nicht überwunden und durch die Taktik der Regie- rung auch nickt einmal gemildert sind. Fallen jedoch die ein- schränkenden Bestimmungen und setzt sich dann der ohnehin unentbehrliche gemeinsame Druck des Regierungswillens und der allgemeinen Vollsslimnuing für die Vorlage ein, dann »vird es geben! » Im„Verl. T a g e b l.' bezeichnet es Dr. Michaeli- als den Prüfstein der WahlrechtZvorlage, welche Rechte sie den Kriegstcil- nehmcrn verleiht: .Sieht man sich die Vorlage von diesem Gesichtspunkt aus an, so wird man leider zu dem Ergebnis kommen müssen, daß gerade diejenigen preußischen Männer, die ihr Blut aus dem Felde der Ehre geopfert haben, durch die vorliegende Regierungsvorlage zurückgesetzt «erden. Zunächst darf man nicht vergessen, daß die unverheirateten Soldaten nur in den seltensten Fällen von früher her einen Wohn- sitz in einer preußischen Gemeinde haben werden. Sie werden dann in die Reihe der fluktuierenden Bevölkerung gewiesen, die nicht wahlberechtigt ist, da zur RuSübung des Wahlrechts der ein- jährige Wohnsitz oder Aufenthalt in einer preußischen Gemeinde ge- hört. Nicht viel besser dürfte eS zahlreichen verheirateten Mannschaften geben. Ihre Frauen werden kaum in der Lage gewesen sein, die frühere Wohnung während der langen KriegSzcit beizu- behalten. Sind sie aber von einem Ort in einen anderen verzogen, oder haben sie in Berlin auch nur eine Wohnung in einem anderen Wahlkreis« gewählt, dann ist auch der Mann auZ dem Felde seines Wahlrechts verlustig gegangen." In der„V o s s. Z t g." schreibt Georg Bernhard: „Wenn man sich stfon mit der dreijährigen StaatSzugehörigkeit absinden tonnte, so erscheint die Verknüpfung deS Wahlrechts mit der einjährigen GemeindezngehSrigkcit eine um so größere Härte,«lS in solchen Gemeinden, die in mehrere Wahlbezirke ge- teilt sind, der Wahlbezirk an die Stelle der Gemeinde treten soll. Alles waS— recht wortreich— die Begründung für diese Beschrän- kung ins Feld führt, scheint uns hinfällig. Es will uns. nicht in den Kopf, daß— besonders in Jahren, in denen die Zusammenlegungen und örtlichen Verschiebungen in Kriegs-, UebergangS- und Z u k u n f t S w i r t s ch a f t als etwas Selbstverständliches scheinen— jemand am preußischen Staat um deswillen«in gerin- gcres Interesse haben soll, weil er im Laufe eines Jahres von Köln «ach Stettin oder gar von Wilmersdorf nach Charlottenturg vor» zogen ist. Solche Besckränkllngcn erscheinen uns wirklich als klein- liche Willkürlichkeit. Sie müssen unbedingt aus dem Entwurf hin- «uS." Sehr paalsmännisch äußert sich das Zentrumsblatt, die„Ger- m a n i a". Auch sie hebt die Einschränkung der Allgemeinheit deS Wahlrechts hervor, sieht aber darin keinen Widerspruch zu den ge- machten Versprechungen und meint dann:„ES liegt aus der Hand, daß man nicht jeder Vorlage, die grundsätzliche Forderungen erfüllt, darum ohne weiteres zustimmt: im Gegenteil ist sogar der Fall denk- Ixir. daß Nebenumstände und Einzelbestimmungen ein im ganzen willkommenes Gesetz unannehmbar zu machen der- mögen." Tie nationalliberale„Nationalzeitung" hätte eine„or- grrnische Fortentwicklung" lieber gesehen, will sich aber mit den Tat- fachen abfinden. Sie fügt binzu:„??och ist die endgültige Stellung- nähme der einzelnen Parteien nicht festgelegt. Nur von den Ex- tremen zur Rechten und zur Linken läßt sich Bestimmtes sagen. Rechts die Ablehnung und links Bedenken gegen die zeitlichen Ein- icbränkungen de? Wahlrechte?, wie sie§ 1 des Entwurfes vorsieht. Die nationalliberale Lanbtagsfraktion hat zu dem Entwurf n»ch nicht Stellung genommen. Die gepenwärtiae Fassung dürfte aber einen großen Teil dieser Fraktion zu seinen Gegnern machen. Der Wunsch nach Einführung der Verhältniswahl in großstädtischen Wahlkreisen wird hier zur Mindestforderung werden, um den bürgerlichen Minderheiten dieser Wahlkreise die Vertretung im Parlament nicht zu entziehen." Ganz anders aber klingt eS aus dem sich gleichfalls national- liberal neiinenden.Deutschen Kurier":„Daß unser Volk in diesem Kriege über Nacht politisch„reif geworden" sei, kann man leider mit Fug und Recht nicht sagen— ein Blick auf die politischen Leistungen des Reichstages lehrt das schmerzliche Gegenteil.... Der Versuch, die frühere Stellungnahme der Regierung und der Parteien als durch die Kriegserfahrungen überhol! und abgetan hin- zustellen, muß daher von vornherein mißlingen. Wenn die„Begrün- dung" selbst betont, daß da? Preußen des DreiklassenwcihlrechtS sich in seinem onnzen Stacitsgemge„gegenüber dem Ansturm einer Welt von Feinden bewährt" hat, so sollte sie nach solcher Erfahrung eigentlich mit dem völligen Umsturz aller Urherlirferungen weniger schnell bei der Hand sein." Die„Berl. Neuesten Nachrichten" rufen aus:„Der Kamps beginnt!" Und sie wetteifern mit dem„Verl. Lokal» anzeiger", der sich von.allen Blättern vielleicht am wikdesten ge- bärdet gegen den königlich preußischen„Umsturz", Ueberlegender zeigt sich die„Post" deS freikonservativen Herrn v. Zedlitz. Sie weint dem Pluralwahlrech! eine stille Träne nach und fährt fort: „Doch Versäumtes ist nicht wieder einzubringen. Die Ge- iftzeniwürfe. deren Verwirklichung ein preusiifches Abgeordneten- haus von demokratischem Eharotter schaffen würden, liegen da. Vom Abgeordnetenhaus kann allein eine Bewegung au?- gehen, die den Absichten der Regierung in Pen A r in zu fallen vermöchte. Auch dann noch wäre freilich die Kunst der Regierung nickt am Ende? es ist kein Zweifel, daß sie, an die Botschaft vom Juli gebunden, mit einem neugewnhlten Ab- geordnetenhause ihr Ziel zu erreichen trachten würde.— Aber vor- erst bleibt abzuwarten, ob überhaupt im preußischen Abgeordneten- Haus jene Bewegung sich stark genug entfalten w i r d, um ausschlaggebend ins Gewicht zu fallen," Die„K r e u z z e i t u n g" hört gemeinsam mit der„Tag- iichen Rundschau" am Totensonntag dem«alte» Preußen das TodeSglöcklein läuten" und weist auf die Vorbedeutung des preußischen Vorgehen? für die anderen Bundesstaaten hin, die nun gleichfalls— vorap die Hansastädte— der Sozialdemokratie ausgeliefert werden würden. Trübe blickt sie in die Zukunft:„Wir fürchten, die Sozialdemokratie hat die letzten Folgen der Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen weit klarer er- kännt, als sie(die Regierung), wenn sie immer wieder erklärt, daß sie damit ihr Spiel gewonnen habe." Tie bündlerische„Deutsche Tageszeitung" gibt im Gegensatz zu der übrigen konservativen Presse, die über Umsturz des„Bewährten" jammert, überaschendevweise zu:„Auch unsere politischen Freunde erkenn en an, daß der bestebende Bestand unhaltvar geworden ist." Von feiten dieser Freunde stellt sie dann folgendes in Aussicht: „Sie werden die Vorschläge der Königlichen Staatsregierung sorgsam und gewissenhaft prüfen und nach Kräften bemüht sein. von dem Boden ihrer Ueberz ugung aus einen Weg zji einer Neugestaltung de? parlamentarischen Lebens in Preußen zu finden, der den berechtigt en Bestreb u n gen der breiten Bevölterungs' kreise genügen kann, ohne den festen Untergrund der geschickt- lichen Entwicklung und der besonderen Aufgaben de? preußischen Staates preiszugeben. Wir wünschen und hoffen, daß es gelingen werde, das große und notwendige Werk zu einem guten Ende zu führen l" In Flandern gesteigerte Fenertäiigkeit— Hartnäckige Angriffe ans Jnchy abge- schlagen— Bei Bourlon 300 Engländer gesangen— Vergebliche sranzösische Offensive bei Verdun— Erfolgreiche Gebirgskämpse in JtaZien. Amtlich. Großes Hauptquartier, 26, November 1917.(W. T. B.» Westlicher Krieizsschnnplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern nur zeitweilig zwischen Poelkapelle nnd Gheln- velt gesteigerte Fruertöiigkeit. Vorfeldlämpfe verliefen tSr uns erfolgreich und brachten Gefailgeue ein Nordöstlich von Passchen- daele scheiterte der Vorstost eines englische» Bataillons. Auf dem Schlachtfelde südwestlich von Cambrai wirderholtr der Feind hartnäckig seine Angriffe auf Jnchy. Tie dort in den vorhergehenden Tagen in Abwehr und Angriff bewährten Truppen wiese» auch gestern den Feind restlos ab. Unser Veruichtuiigeicuer schlug in seiiidliche Truppenansamm- langen nnd in die Bereitstellung zahlreicher Panzrrkraftwagen südlich von Graineourt. Schwächere Infanterie stich gegen Lourlou vor; sie wurde zurückgeworfen. Aus den letzten Kämpien bei Bourlon Hinte? unseren Linien verbliebene Englliiideriiester wurden im blutige» Rnhkampf ge- säubert. 8 O, siliere, mehr als 300 Mann wurden gefangen, 20 Maschinengewehre erbeutet. Am Südwestraiide des WaldeS von Bourlon und westlich von Fontaine brachten uns nächtliche sehr heftige Handgranaten- kämpfe de» erwünschten Geländegewinn. Nördlich von Bauteux griff der Feind nach heftigem Trommel- feuer an. Er wurde abgewiesen. Ein englischer Borstoß östlich von Grieourt brach vor unseren Hindernissen zusammen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nach stärkster Feuersteigerung griff der Franzose in vier Kiloiueter Breite zwischen Samogneux und öeaumont an. Seine ersten Angriffswellen, durch unser Infanterie- und Artillerieseurr zersprengt, flutete» in ihre Auegangsstellungen zurück. Mehr- tacher Ansturm ueu angesetzter Kräfte brach in unserer Abwehr- zone zusammen. Zahlreiche Turtus, Zuaveu und andere Fron« zosen wurden gefangen. Das starke Feuer griff von dem Kampsfelde auch auf die be- »achbarte» Abschnitte über und hielt namentlich zu beiden Seiden von Ornes tagsüber in großer Stärke an. Infanterie-, Schlacht- und Jagdflieger griffen trotz heftigen SturmeS und Regens erfolgreich in den Kampf ein und unter- stützten aus dem Gefechtsfelde bei Cambrai und an der Maas * unermüdlich Führung und Truppe. Testlicher Kriegsschauplatz und Mazedonische s�ront keine größeren Kampsbandlungen. Italienische ftfront. In örtlichen GebirgStämpsen rrzirttrn unsere Truppe» Erfolge und behaupteten sie gegen italienische Gegenangriffe. Der Erste Grneralquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 26. November 1917, abends. Amtlich. Bon den Fronten sind bisher keine besonderen Ereig- uisse gemeldet worden.____ Ter österreichische Bericht. Wie», 26. November 1917.ertlina. In ihrer Nummer vom 3. November beschäftigt sich die links- liberale Londoner„Nation" mit der deutschen Ministerkrise, die damals noch nicht gelöst war. Sie steht die Krise darin, daß eS während einiger Tage schwierig pzar, der. Grasen Hertling zur An- nähme der Ansichten der Mehrheit zu veranlassen. Sie schreibt so- dann: „Ob die papierne Verfassung geändert wird oder nicht, ist von untergeordneter Bedeutung. Die Hauptsache ist, daß kein Kanzler ernannt werden kann, der nicht die Bedingung erfüllt, daß er die Politik der parlamentarischen Mehrheit ausführen wird. Wenn die Mehrheit zusammenhält, wie sie eS jetzt tut, so ist die Hauptschlacht gewonnen und das Wesentliche der Selbstregierung kann gesichert werden." Die üeutschen patente in Amerika. Berlin, 26. November. DaS Reuterbureau hat die Nachricht bec- breitet, daß seitens der amerikanischen Regierung eine Beschlagnahme des feindlichen Eigentums erfolgt und daß weiterhin die Freigabe der in feindlichem Besitz befindlichen Patente ver- fügt sei. Dem widerspricht, wie der Deutsch-Amerikanische Wirt- fchaftsverband mitteilt, ein Telegramm der„Associated Preß" dahin- lautend, daß keine Beschlagnahme des Eigentums bzw� der Patente der Feinde im Auslände seitens der amerikanischen Regie- rung verfiigt worden sei. Kriegsgefangenenfürsorge-Konferenz in Genf. Wie jetzt erst bekanntgegeben wird, hat vom 11.-14. Sep- tember 1917 in Genf eine Konferenz von Vertretern der neu- traten europäiicken Organisationen deS Roten Kreuze« stattgesunden, um beim Eintritt in den vierten KriegSwinter die Frage zu prü'en, welche Verbesserungen in den Lebensbedingungen der Gefangenen geschaffen werden könrnen, und zwar sowohl für Kriegsgefangene, Zivilinternierte wie Bewohner der besetzicn Länder. Dieie Konferenz wurde beschickt von dem Jntcrnaiionalen Komitee und Vertretern der Roie- Kreuz- Orgauisalionei! von Dänemark, Spanien, Holland, Norwegen, Schweden und der Schweiz. Von den VerhandlungSgegenständen sei hier namentlich hervor- gehoben die Versorgung der Kriegsgefangenen mit Liebesgaben. Auf der Konferenz wurde der Antrag gestellt. das iniernationale Komitee vom Roten Kreuz solle sich mii dem amerikanischen Roten Kieuz zwecks Beschaffung von Lebensmitteln für die in der Hand der Mittelmächte befindlichen Gefangenen in Verbindung setzen. Warum hier nur einseitig die in deulscher Hand befindlichen Gefangenen der Ententemächte berücksichiigt werden sollen, erscheint nicht recht klar.— In der weiteren Besprechung wurde empfohlen, den Austausch der am längsten in Gefangen- schaff befindlichen Leute in möglichst großem Umfange durchzufübren. Wie wir hierzu eriahren, wurde in dieser Richiung von der deuticken Regierung sckon vor längerer Zeit der sroniösfichen ein sehr weit- gehender Vorschlag gemacht; die iranzösiiche Regierung hat fich jedoch hierauf bis jetzt noch nichr geäußecl. Ebenso trat die Konferenz für einen baldigen Auslausch der Zivilgesangenen ein. Auch hier find weilgehende Vorschläge der deutschen Regierung von der franzö- fischen Regierung nur in beschräirlrem Umfang angenommen worden. Di« Konferenz stellte ferner die Forderung auf, daß, soweit ein Austausch nicht möglich sei, das Los der internierten Nr. 325» 34. Jahrgang Heilage öes vorwärts Dienstag, 27. November 1417- Clektrizitäts-Zukunstsmufik. In der diesjährigen Hauptversammlung der„Vereinigung der Elettrizitätswerke", die am Montag in Berlin statt- fand, sprach u. a. der Erlanger Universitätsprofessor v. Eheberg über„Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Elektrizitätsversorgung". Die deutsche Elektroindustrie hat in dem kurzen Zeitraum tfon nur 40 Jahren eine so gewaltig erwartet werden müssen, inwieweit diese Unterkunft in leerstehenden HouSbaltexl finden werden oder aus andere Unterkünfte rechnen müfirn. Der Minister betont, dag aus eine Bereitstellung von Baracken, Gefangenenlagern usw. durch die Militärverwaltung nickt gerechnet werden könne weil sie voraussichtlich noch einige Zeil kür militärische Zweck? gebraucht würden. Er macht auch einige Vorschläge ,ur Verniinderung der Wobnungsnot, teilt aber nicht mit, ob der Fiskus geneigt ist. selbst mitzuwirken, sei es durch Hergabe von fiskalischem Gelände für Bauzwecke, sei es durch Kredit Entwicklung gehabt, dah ihr Arbeiter- und Angestelltenheer für das �ewähiung. Erleichterung bei der Aufschliefiung von Gelände zu Jahr 1914�auf SSO 000 geschätzt� wurde. Der Vortragende hält die Neubauten, sei es durch Verkehrs- und Steuererle-chterungen, durch bisherige Zersplitterung in zahllose kleine Werke, die neben wem gen großtn bestehen, für technisch und wirtschaftlich fehlerhaft. Sie verhindere die volle Ausnutzung der Werke entsprechend ihrer Ma- schinenleistung. steigere die Betriebskosten und verteuere dadurch die Strompreise. Wünschenswert sei sowohl für die Technik wie auch für das Kavital eine Förderung der KonzentrationS- bewegung. Professor v. Eheberg erörterte dann im zweiten Teil seines Vortrages die Verwertung der Elektrizität durch die Abnehmer. Er wies hin auf die Bedeutung der Versorgung mit elektrischem Licht und elektrischer Kraft, auf die bessere Beleuchtung von Straßen und Wohnungen, auf die Steigerung und Beschleuni- gung deS Straßenbahnvsrkehrs, die den Arbeitern �industriereicher Großstädte in gesunden Vororten zu wohnen gestattet, vor allem auf die Umwälzungen, die sich in der Industrie unter dem Einfluß der Elektrizität vollzogen haben. Durch die Versorgung der Großindustrie mit elektrischer Kraft und elektrischem Licht seien die Arbeiter von schwerere» Arbeiten entlastet und in den Betriebs- stätten die hygienischen Zustände verbessert worden. Dem Klein- gewerbe habe erst die Elektrizität eine technisch brauchbare und wirtschaftlich vorteilhafte Kleinmaschine geschaffen. In manchen Bezirken habe neben dem Handwerk auch die Hausindustrie den Segen der Elektrizität sich nutzbar zu machen gewußt. In der Landwirtschaft werde durch die Elektrizitäisverwendung die Intensivierung des Betriebes ermöglicht, v. Eheberg hält für nicht ausgeschlossen, daß in der Landwirtschaft, ähnlich wie in dem Klein- gewerbe, durch daS Eindringen des Elektromotors das ganze wirtschaftliche Denken vieler Kleinbetriebsbe- s i tz c r„umgeschaltet" werden wird, daß der im Motor ver- kör irrte technische Geist auch sie überkommen und fie zur Ratio- nalisierung ihrer Betriebe anleiten wird. Er warf zum Schluß noch einen Blick auf die Aufgaben, die der Elektrizitätsversorgung nach dem Kriege harren. Der Krieg habe die Botwcndigkeit gezeigt, die Erzeugung des einheimischen Bodens so ergiebig wie mög- lich zu gestalten. Voraussetzung hierfür sei aber die Bereitstellung einer billigen und handlichen Betriebskraft für die landwirtfchaft- lichen Maschinen, wie die Elektrizität sie bietet. Die Elektrisierung der Landwirtschaft werde ihren Ertrag bedeutend steigern. Auch die Gewinnung des StickstofteS auf elektrotechnischem Wege werde der Landwirtschaft große Dienst« leisten. Für die Industrie bc- deute eine weitausschauende Elektropolitik die Verbilligung und Steigerung der Produktion und die Beschaffung neuer Arbeits- gelegenheit. Versorgung aus Großkraftwerken mit Grotznetzen werde die Kohlenausnützung erhöhen. Gewinnung von Nebenprodukten in Großkrastanlagen werde der Volkswirtschaft neue Werte zuführen. Auch lasse die Konzentration der Kraft- crzeugung eine Erleichterung des Verkehrs der Eisenbahnen er- warten. Endlich werde eine wohlorganisicrte Elektrizitätsversor- gung auch allgemeine Ausgaben der WirtschaftS- und Sozialpolitik fördern, die Dezentralisation der Industrie und die Anlegung von Landhaussiedlungen erleichtern. Das alles werde sich um so rascher und erfolgreicher verwirklichen lassen, wenn baldmöglichst die Wasserkräfte für die Elektrizitätserzeugung ausgenutzt werden. Zur Frage der Schaffung staatlicher Ele k i r iz i t ä t s° werke in Preußen wurde der Hauptversammlung� eine Erklärung vorgelegt, die beifällige Aufnahme fand. Gegen staatliche Elcktri- zitätSwerke sei grundsätzlich nichts einzuwenden, doch müsse man wünschen, daß„Gegensätze" zwischen staatlichen und privaten Werken vermieden werden. GroßGerlln Ist es viel?• Alle? ist durch den Krieg teurer geworden. Die Gegenstände deS täglichen Bedarfs um durchsckinittlich das Zwei- bis Dreifache. Bei den Nahrungsmitteln haben Höcbstpreise noch ellvaS zügelnd ge- wirkt, daiür sind die im freien Handel verbliebenen meist auf das Fünf« bis Zebnfache emporgeschnellt.� Möbel kauft heute niemand mehr unter dem doppelien deS Friedenspreises, für Kleider muß man mindestens das Drei- bis Fünffache geben. Ebenso für Echuhe, dazu bei bedeutend verschlechterter Qualität. JedeS Etück de» HauSratS kostet heute ei» Mehrfaches des Friedenspreises,»b Seife, Licht, Topf, Glas— es ist akleS um ein Vielfaches im Preis gestiegen. Auch Staat und Gemeinde haben mächtig aufgeschlagen: das Porto der Post ist auf das Anderthalbsache erhöht worden, der SchnellzugSpreiS um das Toppelte, für Gas und Elektrizität werden gewaltige Zuschläge von einem Viertel und darüber erhoben. Demgegenüber beträgt die Preiserhöhung, die der„Vorwärts" zum 1. Dezember vornimmt, noch nicht ein Sechstel des bisherigen Preises. Dabei leidet der Zeilungsbetneb unter Materialverteuerung. Erhöhung der Un- kosten und sonstigen KriegSumständen mindestens ebenso sehr wie jedes andere Gewerbe. Vergleicht man die Steigerung des„Vorwärts"- Preises um 20 Ps. monatlich etwa mit der Verteuerung der Möbel, des Hausrats, der Kleidung usf., so muß jeder zugeben, daß fie so bescheiden als nur rrgend möglich gehalten»st. Sie gleicht in Wahrheit bei weitem noch nicht die Kostenerhö bung durch den Krieg auS. Kein einziger Leser sollte wegen dieser leider notwendigen Preissteigerung dem„Vorwärts" untreu werden. Zur Kleinwohnungsnot. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Ver- bandSversammlung Groß-Berlin haben bei der Ver- bar.dsveri'ammluna folgenden Antrag eingebracht: „Die Berbandsvel'ammlung wolle beschließen, den Verbands- aus!chuß im Hinblick auf die drohende Klemwohnungsnol zu größlen Beschleunigung der Verbandiungen mit dem Fiskus wegen der baulichen Erschließung fiskalischer Ländercien zu Kleinbaus. siedclungen und zur baldigen Berichterstallung über den Sland dieser Verhandlungen autzu'ordern." Zu' derselben Frage gehl uns noch folgende Mitteilung zu: Der Mmister». Breitenbach hat an die Regierungspräsidenten und den Oi'erpröstdente»». Loebell-PotSdam ein Aund'chreiben gerichtet, das sich mit der Klei»Wohnungsfrage beickäsiigi. Will- käme'.'Ivbilfe gegen eine bestehende Wohnungsnot lönne nack» Ansichl des Munsters nur durch Miiarbeit der Gemeindebehörde»»rzieli Aenderung von Bauordnungen und dergleichen mehr. Tie Zuckerration für kleinere Kinder. Vom I.Dezember ab erhallen alle diejenigen in Berlin wohnen- den Kinder, welche am l. Dezember 19lS und später ge- boren sind, nickt mehr wie bisher einen Zuschuß von Vz Pfund Zucker, sondern einen Zusatz von 1 Pfund Zucker monailich. Die Zusatzzuckerkarien, welche zu einem westeren'/z Pfund Zucker Bc- lechiigen, können vom 1. Dezember ab bei den zuständigen Brot- kommiisionen unter Vorlegung eines.Nachweises über das Alter des betreffenden Kindes in Empfang genommen werden. Kinder, die in der Zeit vom 1. April 1911 bis 30 November 1915 geboren sind, haben wie bisher nur Anspruch auf Zusatz von Vz Pfund Zucker monatlich._ Verwertung der Küchenabfälle. Die Aufsicht über die Abholung der Küchenabfälle und Speise- reste durch den Verein Berliner Molkereibesiyer aus den Berliner Häuiern wird von der Fettstelle Groß-Berlin Milch), Poststr. 6, ausgeübt. Dort baben auch die HaushaltungSvorstände und die Inhaber und Leiter gewerblicher und gemeinnütziger Betriebe, die ihre Speiseabsälls bereits vor dem 20. November anderweitig ver- geben hatten, zu beantragen, es hierbei zu belassen. Jede Ver- unreinigung der Abiälle durch Müll oder dergleichen und jede Ab- holung durch Perionen, welche nicht mit einer vom Magrstrat Berlin abgestempelten AusweiSkarle deS Vereins Berliner Molkereibesitzer versehen sind, ist verboten. Kartoffelvers orgung. In der lausenden Woche werden wiederum 7 für die folgende Woche zur Ausgabe gelangen. die Belieserung aus die Abschnitte 2 a— g der kartoffelkarle ihren Fortgang. Pfund Kartoffeln Daneben nimmt grünen Sonder- Aufkauf der Dörrobstvorräte. Um den starke» Bedarf des Heeres und der Marine an Dörr- ohst, der bisher nicht gedeckt werden konnte, zu befriedigen, hat die Reichsstelle für Gemüse und Obst den sofortigen Ankauf aller nur irgendwie erreichbaren Mengen von Dörrobst durch die Landes- und Bezirlsobststellen'angeordnet. der auf diese Weise aufgekauften Mengen soll zur Versorgung der Zivillazarette und Krankenhäuser verwendet werden. Falls zu befürchten ist. daß durch den Schleich- Handel die geplanten Ankäufe durchkreuzt werden, sind die Landes- obststellen befugt, VersorgungSbeschrankmrgen usw. für Dörr- obst zu erlassen, wie dies durch die Bayerische Lebens- mrttelstclle bereits am 31. August für Bayern geschehen ist. Für P r e ri ß e n kommen derartige Versorgungsbeschränkungen zunächst nickt in Betracht. Sollte sich aber ihre Notwendigkeit her- ausstellen, so sind dahingehende Anträge an das Preußische Landesamt für Gemüse und Obst zu richten.— Infolge dieser Anordnung hat die Geschäftsabteilung der ReichSobststelle bereits den Aufkauf von Dörrobst aus Zwetschen. Pflaumen, Aepfeln und Birne» in die Wege geleitel. Ferner ist da» von der Kriegsgesellschast für Obst- konierven und Marmeladen am ö. Oktober d. I. erlassene Absätze verbot für Dörrobst dadurch erweitert worden, daß aller Absatz von Dörrobst verboten ist. DaS Verbot gilt für olle gewerbsmäßigen und nicht gewerbsmäßigen Hersteller von Dörrobst. Kleine Anfragen. 11. Vor einig«. Tagen teilte der Berliner Magistrat mit, daß die städtischen Schuhbesohl- und AusbesserungS- Werkstätten nunmehr errichtet seien und dem Publikum zur Verfügung ständen. Eine Leserin deS„Vorwärts" begab sich darauf- hin am vorigen Sonnabend in die Werkstätte in der Komm an- dantenstraße, um zwei Paar Frauenstiesel reparieren zu lassen. An dem einen Paar waren die Sohlen schadhaft, an dem anderen hatte sich das Oberloder in einer Länge von eiwa 2 Zenti- inelsrn von der Sohle getrennt. Also die typischen Fälle repäratur- bedürftigen Schuhwerks. Zu ihrem Erstaunen erhielt sie jedoch den Bescheid, das abgeplatzte Oberleder könne überhaupt nickt auSge« bessert werde« und das Auffetzen von Riestern auf die schadhaften Sohlen müffe man ebenfalls ablehnen; allenfalls wolle man die Stiefel neu versohlen, d. h. an Stelle der noch sehr gut brauchbaren Ledersohlen sogenannte Ersatz- oder Holzsohlen anbringen. Die Frau verzichtete dankend auf weitere Inanspruchnahme dieses kam- munalen Gewerbebetriebes. Wir aber möchten uns die Frage ge- statten: Welchem Zweck sollen„Ausbesserungswerkstätten" dienen, die keine Ausbesserungen vornehmen?, U. A. w. g. Antwort zu 10 flkr. 31S). Eine Arbeiterin der A. E.- G., Abt. Brunnen st raße schreibt uns:„Den uns gütigst offe- rierlen Bienenhonig, das Pfund zu 10,50 M., und den Taieliens zu 7,20 M. können wir uns bei einem wöchentlichen Akkordlohn von 35—40 M. freilich nicht kaufen. Und auch andere Lebensmittel, deren Preis für uns erschwinglich wäre, werden den Arbeitern leider nicht angeboten. Aber man soll deshalb nicht glauben, daß wir schlechter Beioldeien ganz leer ausgehen. Auch sür unS sorgt die vielseitig tätige Firma, indem fie unS Bezugscheine auf Streichhölzer und Stiefelwichse offeriert, die die Auf- >ichtSbeamten offenbar nicht verdauen können." Ein Totschlag auf freiem Felde beschäftigt die Kriminalbehörden, auch in Groß-Berlin. Am Freitag trütz fand in der Feldmark von Dicpen bei Schönefeld i. Marl in der Gegend von Rudow ein Vorarbeiter die Leiche einer Frau auf. der der Schädrl zertrümmert ist. Sie lag in der Nähe von Kartoffelmieten die dorr aufgestellt sind Wablschemtich bat sie sich an einer Miete zu schaffe« gemacht, ist dabei von jemandem überrascht und erschlagen worden. Die Persöiilichleir der Toten konnte noch nicht festgestellt werden. Die Frau ist elwa 35 Jahre alt, 1.50 Meter gioß und unieiietzt und hat dunkles Haar, ein volles Gesicht und aufgeworfene Lippen. Sie trug einen blauen Sommermantel, eine blaiigestreme Achfelichürze, eine roie Bluie, einen graugeslreifte» Ueberrock, einen blaligestreiften Ummock. rote Beinkleider, schwarze Sirüinpie und Schnürschuhe und alö Schmuck eine tächelförmige Perlmutterbrosche. Die Nach- forichungen nach dem Täler halte» bisver noch leinen Erfolg. Mit- leilungcn, die zur Aliiktäiung deS Leicheniunde» dienen lönnen, nimmt die Neuköllner Kriminalpolizei im Zimmer 50a entgegen. Notizen. Auf Anregung des Berliner Goe be-BundeS bat eine im Berliner RatliauS tagende Versammlung von Verlielern der künstlerischen Verbände. Sühnrnangc hörigen. Künstlern und illrtikie» beschlossen, der un- bemittelten Beoölkerung Berlins die Gelegen eit zu geistiger Zerstreuung und Srdeitcrung in Geualt von F r o b e n Abenden" i» vcrlchassen. — illui Pickchensendungen on G e> a n g c n e im Ausiaud dm sc» die ilufichriite» ebenso wie aui Pakete amgekleb! werden, bei andern Brief- bteiben jeroch aufgetiebw Aüfichriste»»ach werden. Der Mmifier eriutdl um Feststellungen, wie viele � Wobnunpen etzi leei sieben, wie viele HaudbaKunpsvolstälide im. �ndui ,en an die Gesanzenen Feld, sieben, wie viel KriegStrauungen staiwesunden und wie vken. Bis einichließlich Sonntag wird auf Abschnitt 33 für Jugendliche 125 Gramm Weizengrieß ausgegeben. Reukölln. Brikettverteilung. Einwohner, die auf ihre Bezug- icheine am Oberhascn rn der Lahustraße keine Kohlen erhallen konnten, werde» ausgefordert, die Kohlen vom Lagerplatz der Firma Schumann, Lahnstr. 6. in Empfang zu nehmen. Der verkaiit findet, sofern keine Verkehrsstörungen eintreten, täglich in der Zeil von 8—12 und von 2—4 Uhr statt. Um das Anstehen zu vermeiden, werden heute nur Inhaber der Bezugscheine bis zu Nr. 2900, morgen bis zu Nr. 3600. Donnerstag bis zu Nr. 4300, Freitag bis zu Nr. 4500 und am Sonnabend nur Inhaber bis zu Nr. 4763 beliefert, Nachzügler lönnen erst nach dem 2. Dezember berücksichtigt werden. Lichtenberg. Lebensmittel. Auf Abschnitt 146 werden se 125 Gramm Teigwaren lAuszugsware) zum Preise von 0.90 M. für ein Pfund abgegeben, in den städtischen Fischhallen und bei den hiesigen FiichhZndlern auf Abschnitt 147 ll! Räucherwaren und auf Abschnitt 1481) frische Fluß- und Seefische. Hohenschönhausen. Mangelhafte LebenSmrttelfllrsorge. Uns wird geschrieben: Für die LebenSmittelzutellung des Kreises Nieder- barnim an die kleineren Land'orte find nachstehende Mitteilungen bezeichnend: In der Gemeinde Hohenschönhausen gelangte in den letzten sechs Wochen ein Ei und etwas deutscher Tee, den die Ge- nreiudeverwaltung selbst beschafft hatte, zur Verteilung. Somit gibt es nun außer dem von der Gemeinde unter großen Opfern be- schafften Frischgemüie und den üblichen sieben Pfund Kartoffeln überhaupt Weiler nichts. Mühlentabrikate und Teigwaren fehlen seit Monaten, und Aufsirichmittel ebenfalls. Auch von der Marme- lade, die in Berlin und den anderen größeren Orten schon ieit Woche« verteilt wird, ist hier nichts zu spüren. Auf Vorstellung in der betreffenden Fabrik kam die Antwort, erst würden die größeren Orte beliefert, und auf nochmalige Vorstellnirg die Mitteilung, man würde liefern, wenn die Bahnverwaltung Waggon? zur Verfügung stellt. Vorläufig sei darauf aber nicht zu rechnen. Bei einer der- artigen überaus unzureichenden Verteilung muß man sich doch die Frage vorlegen, wovon soll die Bevölkerung überhaupt leben? Etwa von den 30 Gr«mm Butter oder den 50 Gramm Maraarine? Es wird daher höchste Zeit, daß die Kreisverwaltung schleunigst eine bessere Versorgung der kleineren Vororte in Angriff nimmt. Tegel. Lebensmittel. Die Gemeinde hat für das Weihnacht?- fest Honigkuchen herstellen lasten, der jetzt in Stücken von etwa �/.i Pfund zum Preise von 80 Pf. in der Gemeindeverkaufsstelle verkauft lvird. Auf Sonderabschnitt VII der Zuckerkarte kann in den Geschäften, wo die Einwohner mit Zucker eingetragen sind, ein Pfund Salz entnommen werden.— Das Gemeindebauamt nimmt Bestellungen auf Holzkisten entgegen, die zur Einrichtung als Koch- kisten geeignet sind. Die Holzkiste, sauber gearbeitet und mit Be- schlägen versehen, ohne innere Einrichtung, kostet einteilig 23 M., zweiteilig 35 M. Probekisten können im Gemeindebauamt besichtigt werden und Besteller wollen stdj in eine dort ausgelegte Bestell- liste baldigst eintragen.— Die Pachtverträge für die Ge- meindeländereien find bis zum 30. November zu erneuern, anderen- falls wird anderweitig darüber verfügt werden. Friedenau. Schlechte Kartoffeln dürfen nicht mitvcrkauft werden. Eine Reihe von Maßnahmen gegen die Mitlreferung schlechter Kar- toffesn hat der Gemeindevorsiand beschlossen. Um den wiederholten Klagen vorzubeugen, hat der Gemeindcvorstand folgende Einrich- tung getroffen: Die Kartoffeln werden bei allen Kartoffelhündlerir wöchentlich einmal durch einen Beauftragten der Gemeinde auf ihre Güte hin nachgesehen. Die Kärtoffelhändler haben dann die schlechten Kartoffeln an die Haushalte nicht mitzuverkaufen, sondern sie auszulesen. Jedem Händler wird dann bei der nächsten Kar- toffelausgabe die Menge schlechter Kartoffeln gutgerechnet. Schmutz, der sich nicht unmittelbar an den Kartoffeln befindet, wird nickt mit-, gewogen, und zwar deshalb nicht, weil die Gemeinde keine Möglich- keit hat, nachzuprüfen, ob der Schmutz nicht etwa zu den Kartoffeln besonders hinzugetan ist. Die Erfahrung bat den Gemeindevorstand gelehrt, daß er mit allen Möglichkeiten rechnen muß. Eichwalde. Immer noch unzureichende NahrungSmittelvertcilung. UnS wird geschrieben. Zu den Orlen im Kreise Teltow, bei denen die Versorgung mit Lebensmitteln nicht nur vieles, sondern fast alles zu wünschen übrig läßt, gehört auch Eichwalde. Sind schon die rationierten Waren nicht in voller Menge und rechtzeitig zu bc- kommen, so steht es mit den Extralebensmitlellieferungen ganz und gar schlecht. Wohl besteht im Ort eine Lebenßlmllelkommifsion. von deren Tätigkeit jedoch kaum die nächsten Beteiligten etwas erfahren. Marmelade. Teigwaren. Käse usw. sind schon seil Monaten für viele unbekannte Dinge. Kommt wirklich mal etwas nach dem Ort, dann ist es so unzulänglich, daß nur ein geringer Bruchteil der Einwohner etwas erhält, die zufällig von deren Ankunft etwas er« iahren. Es hckpert aver überall. Fleisch gibt eS in dieser Woche, wie schon öfter, nur 200 Gramm pro Kopf Anstalt Bulter und etwa» Margarme gibt es mehrere Wochen hindurch nur Mar- garine. Auch Salz ist seit Wochen schon nicht mehr zu haben. Der zur Ausgabe vom 16. November ab fällige Zucker ist bis deute auch noch nicht eingetroffen. Kaffee-Ersatz. Eier sind, obgleich an- gemeldet, von den Kaufleuten nickt zu bekommen. Die Leidlragen- den dieser Füriorge sind, wie immer, die ärmere Bevölkerungs- schickt und besonders die Frauen, die entweder immer unterwegs sind oder anstehen müssen. Beschwerden beim Landralsamt sind, wie der Artikel des Genossen Gerisch vor einiger Zeit im„Vorwärts" treffend schllderte. völlig zwecklos. Hoffentlich bemühe» sich die übergeordneten Stellen, etwas mehr Ordnung in dieses Cbaos zu bringen._ Fricdrichshagcn. Nährmittclverteilung. Heute gelangen auf Abschnitt 68 der grüne» Lebensmiltelkarle 125 Gramm Graupen- nudeln zum Preise von 13 Pt. zum Verkauf. Hroß-SerZiner parteinachrichten. Spandau. Die Milgliedei Versammlung findet Donnerstag, abends 8 Uhr, bei Sieinmatz, Birmarckslr. 8. stall. Tagesordnung: Ter Würzburger Paiteitag. Referent Genosse Stahl. ErnälirungS« fragen.«BorwärlS"-Leser und Freunde der S. P. D. sind ein« geladen. Kaulsdirs fLstbahn). Morgen abend �8 Uhr präzise im Lokal „Hamanns Geiell'chafiSbauS". Frankfurrsr Slr 50, öffentliche V o l k S v e r I a»i m l» n g. Ta esorduun«: Der Ei iolg des Pro« lciies der Kanlsdorser Einivotmer belr unzenii ense Belieterunq Mtt Siabrungsuiitteln und wruerc Zicllungnalinie. Nefeunt: Genosse Fr. H l in p e t._ lUrbetter-Tamariterbund. Kolonne Gro'rBerlt» Ivit-itleder- oerfammlurg am Mittwoch, den 2« November, ab nds«y. Ukr bei'schulz, Am Kouigsgraben 2. Tagetoi-dnung: 1. Bclichl der Obleute vom Toten- sonnlag. 2. WeihnachtSjest. 3. Berjchledcnes.— Um regen Besuch wird dringend gebeten. muaidsmokratlsciw IX, 1 L Oeutßchlands • r?.«rt,iw#l.sta Tim aller Welt. Verbrannte Kunstwerte. Madrid. 26. November. tHavaS.) In dem Palast des Herzogs von Modicalone, welcher geschichtliche Kunstgeaenstände von hohem Wert enthält, brach eine FeuerS» brunst aus._ öriefkasten der Redaktion. v. 72. 1 Wenden Sie sich an ein Spezialaeschäft. 2. Läßt sich sich ohne Kenntnis der wahren Verhältnisse nicht beantworten. G. H. 83. Kommen Sie zur Svrcchstunde.— Horchposte». Falls sie verurteilt weiden, lönncn Sie beim Obcrlriegsgertcht Beruumg einlegen. — H. C. 6. Sie haben leinen Anspruch aus Erholungsurlaub unter Fortzchlung des Lohnes.—©.4SI. 1. Die Erhöbung der Familien« unterstühung ist ad t. 1l. 17 gcnebmiqt. 2. Die Löhnungserbebung ist noch nicht genehmigt.— K. 9t. 127. Sie lönncn wieder eingezogen werden, wenn durch eine Nachmusterung der KelundheitZzustand sich ge- ändert bat.— A D. 335. l. und 2. Nein. Nur vorherige Anmeldung eveni. durch die Braut. 3. Ist nicht nötig. 4. Nein.— P. Las 10. 1. stn der Nummer vom 22. 11. deantwortet. 2. Lla, sofern die Operation nicht mit Lebensgefahr direkt verbunden ist.— L 44. Jährlich 230 M. —©. H. SOI. 1. Rellamiercn Sie bei der Steuerlasse. 2. Unmittelbar � beim Amtsgericht. Muß aber noch in diesem Monat angemeldet werden. — 81. ffi. 68. Diese Gemeinheit muß beslrast werden.—©rabowlee. 1. Lungenleiden, dienstuntauglich. 2. Wahrscheinlich nicht. 3. Ja. 4. Nur � Beschwerde.— f?. T. 1X1. 1. BundeZratsoerordnnng vom 26. Juli 1917. 2. Ist unsere? Er achtens unangemessen. 3. Beim MielSeinigungSamt. — AI. 6)1. 30. Nur wenn Sie 5'/, Jahre als Unteroifizier gedient haben. Die Dienstzeit als Gemeiner und Geircitcr rechnet nicht mit.— 8t. H. 53. Wenn Sic das Licht gar nicht bezahlen wollen, haben Sie natürlich auch leinen Anspruch daraus. Einigen Sie sich.— W. I. 54. Sie haben daraus leinen Anspruch.__ BsrtterauSstetiten für das mittlere?tordde»tsebland bis Mittwoch mittag. Vielfach heiter, aber noch veränderlich, ohne erheb- liche Niederschläge; mittags ziemlich mild, in der Nacht zum Mittwoch wieder kalt. Gewlnnansmg der 10. Prettßkfch- DSdde«7fche» (L3L. Königlich zlreutzischen) Kiassenlotteri» ». Klasse 15. ZiehungStag 2S. November 1917 tOhne Gewähr A. St.-«. f. Z.)(Nachdruck verboten) In der Bormittags«Ziehung wurden Gewinne über 240 Ml- gezogen: 2 Gewinne zu 200 000 Mk 110449 6 Gewinne zu 30 000 Mk. 4785 79792 94237 10 Gewinne zu 5000 Mk. 66529 95477 101870 164150 179082 74 Gewinne zu 3000 Mk. 404 15775 24895 25861 27060 28383 32592 37859 38991 42220 43899 46543 48877 57086 59469 63824 94025 99496 100548 101653 112500 115302 122328 139186 136541 138722 142320 144765 144776 149871 163037 180549 194432 196050 200902 202507 227215 116 Gewinne zu 1000 Mk. 2324 2351 6723 21114 22131 27266 29212 34278 35412 36112 45808 46147 46608 50356 55960 57096 59792 63714 69413 70643 82772 88558 90179 100861 110043 110457 116177 118363 125922 129975 130764 131581 332176 134434 137461 142658 142747 162431 165791 166516 168860 179236 182348 182456 183493 186916 189968 196640 201478 202088 202921 208026 209947 212702 220828 222637 223434 223891 164 Gewinne zu 500 Mk. 2055 3385 7832 13505 15941 17222 22090 23428 24227 27193 27394 30074 31915 37781 45704 45976 49597 53258 54571 64787 57274 63551 63954 65758 67141 70797 83648 88508 91795 92171 97730 98997 101685 102055 106173 109230 116171 116335 116454 119271 119528 120608 122939 122458 122908 137090 139198 140819 141174 143801 144410 148951 150150 153506 157757 161793 162466 169105 171969 176358 176685 184680 188662 189148 190354 190802 191187 191694 194429 199635 207776 209272 209854 212312 212314 212422 213475 215995 220430 227838 230628 230941 In derNachmlttagS-Ziehung wurden Gewinne über 240 Mk. gezogen! 2 Gewinne zu 30 000 lvtk. 137494 2 Gewinne zu 10 000 Mk. 227756 6 Gewinne zu 5000 Mk. 62726 79856 122563 92 Gewinne zu 3000 Mk. 11910 26078 25472 33548 36216 37512 40817 42584 42532 48843 54943 58819 70700 81600 99987 103527 105306 106706 110969 I140I4 126636 127932 131686 146890 162676 164852 165911 168246 178173 183688 183713 184686 188291 191099 191198 193344 194339 195568 198050 199348 202511 216087 216898 230X92 230695 231029 176 Gewinne zu 1000 MI. 72 884 3337 4571 7493 19704 19838 20749 21196 26606 27259 32818 42227 47599 49634 51688 52237 53547 54031 56833 57269 59047 60554 62910 64039 64598 65497 66151 69444 71809 72116 72243 72435 77301 78537 91072 93041 96212 96718 98675 101277 101564 104333 106438 114445 118505 120365 120951 124762 125509 125738 128067 130867 131739 135588 135637 140562 151480 157356 161460 J 62571 174173 176585 177563 178173 181792 181837 183345 183872 184223 185356 198225 198838 201929 203796 204663 210234 210438 211477 213086 216854 218765 222231 222761 226447 231905 232180 233632 240 Gewinne zu 500 Mk. 1533 10923 20149 20403 22345 22547 22700 26654 27020 29605 31771 33301 33939 34455 39561 43935 45147 47808 50060 51482 62633 54073 54341 67234 68619 61U6 61399 65531 68847 69146 66341 70355 71073 76813 77921 80434 82187 84702 85346 87003 88843 93201 95329 96260 99608 99984 100869 104475 105155 108348 109810 115295 116505 117982 118942 124203 124882 126309 128309 128336 132160 132250 134264 137727 140012 140967 142823 142891 142914 149989 161108 153345 154021 157404 158749 162514 162603 163543 165249 168294 168795 169677 171009 171359 176182 177930 179166 179327 180740 181171 182996 184062 186819 187359 189554 191575 193635 193905 198108 201294 201840 202538 203153 210043 211745 213192 215980 218218 218259 219203 2' 9481 221994 223962 225583 226474 226752 232377 232387 233213 233744 xq mw find in tausend Fällen von Kopsschmerzen, Müdigkeit, Abspannung usw. nicht die Nerven, sondern die Augen. 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Teilzahl. | Separates Oamenzimmer. Nr.Z25—1917 Unterhaltungsblatt öes vorwärts diekstag, 27. November Die tgl. Kapelle in öer Volksbühne. Am Toiensonntag hat sich das Wunder begeben, dah die Königliche Kapelle unter Richard Strauh ,um ersten Male vor den Mitgliedern des Verbandes der freien VolkSMHnen in deren Theater ein Jnilrumentalkonzert veranstaltete. Obgleich es nur ein Ereignis für Berlin war, stehen wir doch nicht an, es als bedeutungsvoll dankbaren Herzens zu begrüßen. Einfach und plausibel war es nun gewig. diese Bedeiltung in der Tatsache zu erblicken, daß endlich eine solche Veranstaltung vor einem baupi- sächlich aus' Arbeitern bestehenden Auditorium möglich ist: so als läge die Verdienstlichkeit auf einer Seite und als wäre der andere Teil nur ausnahmsweise irgendwelcher gönnerhaften Laune teilhastig geworden. So ist es nun keineswegs. Ein Blick auf die königliche Kapelle: wie sie wurde, was sie bislang gewesen ist. zeigt uns den Weg der Entwicklung, den die Musik wie ihre Meisler und ausübenden Künstler gegangen. Einst nichts mehr und nichts weniger als unterworfene Dienerichast großer Herren, ist die Kapelle allmählich der Tradition konservativer Erstarrung entwachsen, obne doch gänzlich frei zu werden. Der Einbruch eines revolutio« nären Kunstzeitalters, vornehmlich verkörpert durch Beelhoven und Wagner, versuchte, wenn auch vorerst mir langsam, einen Umschwung zum Besieren zu bewirken. Der sozial- ökonomischen Entwicklung wird es zuzu'chreiben sein, daß die Kunst von ihrer einst hartnäckig behaupteten Exklusivität und absolutistischen Unnahbarkeit herabgestiegen ist und"sich zum Volke bekannt bat. Beide Faktoren— sowohl die königliche Kapelle alS die Arbeilerschnst der freien Volksbühnen— sind sich auf dem Wege logischer und konsequenter sozial-künstlerischer Entwicklung entgegengekomnien. Die Generation von heute ist einfach sähig und berechtigt, höchste Kunst auS geweihten Händen zu empfangen. Daher schließt die seitens der Arbeiter zum Ausdruck gebrachte Dankbarkeit doch zugleich die Forderung an die Zeit ein: daß es gelingen möge, auch die Königliche Kapelle, als zuhöchst ragende instrumentale Körperschait. aus' echtem sozialkünstlerischem Geiste als ständige Spenderin hehrster Musik an das Volk zu gewinnen. Die Anwesenheit des Kultusministers und des Generalintendanten, Herrn v. Hülsen, der bereitwillig die Konzertidee verwirklichen half, dürfte auch in diesem Sinne zu deuten sein. Ueber Mozart und Beelhoven, deren schönste für sie und ihr Jahr hundert charakteristische symphonische Schöpfungen den Arbeitern ziemlich vertraut geworden sind— diesmal speziell die seltener ge- Hörle.Maurerische Trauermusik" und die„Eroika"— lenkte aus „Tod und Verklärung" zu Richard Strauß, dem bedeutendsten Symphoniker und Musikdramatiker unserer Gegenwart hin. Eine überragende Heldengestalt auch hier, so zwar, daß nach Aeußerungen des Komponisten der Zwiespalt einer Natur, deren innere Kraft größer ist als die äußere, mit sich selbst dargestellt wird. Unschwer erkannte man gewisse bei der Konzeption tätige Vorstellungen: Erinnerungsbilder vom Glück der Kindheit und idealer JünglingSzeit, von äußerlich und innerlich froher Entfaltung frischer Lebenskraft, dann von Todesahnungen und furchtbarem Kampf mit übermächtigen zerstörenden Gewallen. Das Leitmotiv im getragenen Charakter, dessen beide letzte Akkorde gleich zu Anfang leise in Moll erklingen. deutet später in leuchtendem zarten Dur die Verklärung an. Es ist ganz Nervenmusik modernsten Menschentums, was da wundersam tief und stark erklingt I Welch eine gewaltige Eni- Wicklung, zumal in orchestraler Hinsicht, seit Beethoven I Und dennoch, welch republikanischer Geist bei ihm. Beethoven, dessen Lebenswerk gleich einem GebirgSmassiv mit vesuvischen Feuerkratern zu unS herüberglänzt! An Strauß, dem Kapellmeister, kann man aber sogleich ermessen. in welchem Verhältnis er zu Mozart und Beelhoven steht. Dort klassische Ruhe, hier beim eigenen Werk Sturm und lodernde Flamme. Persönliches Erleben:— hier wird's Ereignis. Der schöpferische Mensch indes offenbart sich bei Strauß überall da, wo es gilt, den molivistischen Gehalt in seiner ganzen Fülle und Großheit organisch emporzuheben. Daß aber dies Orchester, völlig getaucht in Kunstkultur, Wunder- bares vollbringt, wem wäre es nicht bewußt geworden— schon an diesem ersten Tage! ek. Die Gefangenen öes Südens. Von der italienischen Front wird geschrieben: Nie haben Ge- fangenensammelstellen solch' schwere Arbeit zu verrichten gehabt, wie die an der italienischen Schlachtfront. Seit Wochen find nun die Leute kaum aus den Stiefeln gekommen. Tag und Nacht langten die Heerscharen ohne Waffen an, e« mußte Ordnung in die zügel- losen Herden gebracht werden, und dann... die armen Kerle waren halbverhungert! Sie fie.en über alle? her, was nur halb- wegs zu essen war. Küchenabfälle wurden verschlungen, und ein Wagen mit Rüben, der vor einer Küche stand, war seines Inhalts ledig, bevor die Wache zum Einschreilen kam. Ja, die Kräuter auf den Ki iegsfeldern wurden aufgezehrt, und ein Italiener kletterte über einen Zaun, um die Sonnenrose zu holen, die an einem Stabs- gebäude geblüht hatte. Gespräche mit einzelnen Italienern, die gut deutsch verstehen, ergaben Tatsachen, die den Hunger der Leute begreiflich machen. Ganze Abteilungen wurden gefangen. die keine Ahnung von dem Vorgesallenen hatten. Sie lagen zum Einsetzen in die geplante zwölfte Cadorna-Offensive bereit und hatten noch keinen Schuß abgegeben. Plötzlich wurde die Verpflegung mangelhaft, und eines Tages blieb sie aus. Die Offiziere wußte» sich nicht mehr zu helfen. Irgend etwas mußte geschehen sein. Aber was...? Immer quälender wurde der Hunger, und schon verschwanden viele Leute, die zu dem Feinde überliefen und sich dort das Essen holten, da es die eigene Heeres- Verwaltung nicht mehr lieferte. Mit einem Male kam der Befehl: Setzt die Gewehre zusammen I Es wurde getan, und schon tauchten deutsche und österreichische Soldaten auf. die Gewehre wurden ver- laden, und die Mannschaslen erhielten die Weisung, sich in Marsch zu setzen So wurden sie gesangen. Anscheinend machen die Gefangenen einen Sport daraus, bei Vernehmungen die Erklärung abzugeben, sie seien des Kriegs müde geworden, und wenn die große Gefangennahme nicht erfolgt wäre, so würden sie von selbst gekommen sein. Die Mehrzahl der Italiener besteht aus blutjungen Bürschchen mit teilweise funkelnagelneuen Uni- formen und gutem Lederzeug, das den Engländern schweres Geld ge« kostet hat. Mäntel haben sie selten. Meist tragen sie die kurze Pelerine. Nach Gefangenenaussagen sollten die Mäntel erst am lö. November ausgegeben werden, und das Vorstürmen der Ver- bündcten vereitelte diese Absicht. So wurden sie übernommen, in den nächsten Lausoleen gereinigt und dann in langen Zügen„ver- laden", um über Oesterreich nach Deutschland gebracht zu werden. Merkwürdigerweise hatten die meistjm Gefangenen reichliche Barmittel. Viele bezahlten auch kleine Sachen, die sie kauften, in der Regel Zigarren und Zigaretten, mit österreichischem Gelde. Der lange Ausenthalt in dem Grenzgebiete unserer Verbündeten hatte dies bewirkt. Daneben verfügten die Gefongenen über außerordent- lich große Mengen Kupfcrgeld. Ganze Taschen hatten sie voll kleiner Münzen in Kupfer, und wenn einer fünf Zigaretten erstand, mußte er dem Verkäufer schon eine Handvoll Münzen einhändigen. Das heiße Blut der Italiener ist auch in den langen Gebirgskäntpsen, in der Zone von Schnee und Eis, nicht abgekflhlt worden. Das bewiesen die Szenen, die sich beim Verkauf von Rauchwaren, namentlich beim Antreten zum Menageempsang abspielten. Kameradschaft gab eS dann nicht. Rücksichtslos wurden die schwächeren Leute beiseite ge- drückt oder über den Haufen gerannt, und mehr als einer, der»n- vcrsehrt aus der Schlacht gekommen war, holte sich hierbei einen blutigen Kopf.... Einen liefen Einblick erhielt man durch Aussagen der Ge- fangenen auch in die wirtschaftlichen Verhälinisse Italiens. Es sieht in dem Lande der Zitronen keineswegs rosig aus und die Soldaten klagen über einen empfindlichen Mangel an den notwendigsten Ge- brauchsartikcln, die oft nur noch zu sehr teuren Preisen zu haben sind. Die Mehrzahl der Gefangenen nahm kein Blatt vor den Mund, wenn nach den inneren Zuständen Italiens gefragt wurde. ES gab nur eine Stimme: Wir sind froh, endlich herauszukommen und wollen gern arbeiten! Daß die Worte ernst sind, sieht man ihnen deutlich an. Tatsächlich bat auch keiner einen Fluchtversuch gemacht. Alle freuten sich der Fahrt nach Norden. vke Staöt öes Eigenbetriebes. Die Stadt Stavanger in Norwegen hat ein Cafö und ein Wirtsbaus eröffnet, wie der Kopenhagener„Socialdemokrat" berichtet. Der Betrieb ist bereits über das erste Stadium des Ver- suchs hinaus. Auf den Gemeindewiesen grasen die Milchkühe der Gemeinde. In einem neuerrichteten Betongebäude werden die Gemeindeferkcl gemästet in einer Anzahl von 100 Stück. Die Mutterschweine, die sozusagen gratis leben von den Abfällen der verschiedenen Gemeinde- betriebe, Hospitäler, Stiftungen, Arbeitsanstalten und ähnliche, werden geschlachtet zum Verbrauch des städtischen Fleischverkaufs und zur Bereitung von Wurst und Aufschnitt. Die städtische Konservenfabrik stellt viele tausend Liter Sast her, zur Verwendung teils in den kommunalen Dampfküchen, teils zum Einzelverkauf. Die kommunnle Bäckerei versorgt beide Dampf- küchen und die Gemeindehospitäler mit dem notwendigen Brot. Die kommunale Wirtschaft umfaßt 4 Abteilungen: 1. ein Cafä, wo Kaffee, Butterbrot und ähnliches verabreicht wird. 2. ein Speise- saal für besseres Essen mit zwei Gängen. 3. ein Speisesaal für billigere« Essen mit nur einem Gericht, und endlich 4. einen Ver- kauf von billigem Essen über die Straße, für die minderbemittelte Bevölkerung. Die Gemeinde Stavanger hat mit dem Angeführten versucht, etwas Gutes und Billiges zu schaffen, unter Anwendung aller tech- nischen Fortschritte. AlleS wird mit Eleltrizität betrieben, daZ Brotbacken, das Kochen und Braten des Fleisches, die Sastpresserei, die Fleischbackmaschinen, das Kartoffelschälen, 20 Säcke jeden Tag,� die Aufwaschmaschinen, die in einer Stunde tausende von Teller reinigen, die Mcsserputzmaschinen, die mit fabelhafter Schnelligkeit alle Messer blank putzen, alles wird mit elektrischer Kraft gemacht. Einige Zahlen können die dadurch bewirkte Ersparnis illustrieren. Früher brauchte man zur Bereitung der Mahlzeiten täglich für IIS Kr. Brennmaterial. Jetzt kocht man mit Elektrizität und daS kostet nur 6 Kr. täglich. 3000 Portionen Essen werden für 1 Oer pro Tag zubereitet. Zum Kaffeekochen für 2000 Gäste wird täglich für S Kr. elektrische Kraft gebraucht. Für daS Gebiet der Essenbereitung ist die Gemeinde Stavanger — Dank der von ihrem Wasserfall gelieferten elektrischen Kraft— eine der am besten dastehenden Gemeinden in ganz Norwegen. Mit Hilfe dieser neuen Beköstigungsart wird die Gemeinde Sta- vanger in den Stand besetzt, der Not zum Teil abzuhelfen, die in- folge der Arbeitslosigkeit besteht. Die Srotkarten öer pariser Revolution. Da die Pariser unausgesetzt über daS Versagen des Brotkarten« sysiems jammern, sucht das„Journal des DöbatS" sie zu trösten, indem es daran erinnert, daß man zur Zeit der französischen Revo« lution noch unter viel größeren Brotkartenichmerzen zu leiden hatte. In der Sitzung vom IS. März 17gS veröffentlichte der National« konvent ein Dekret des Inhalts: ,1. Der Verkauf des BroteS durch die Bäcker wird gegen Brotkarten stattfinden, die den Bürgern durch die Gemeindeämter ausgeliefert werden. 2. Jeder Bürger, der von der Arbeit seiner Hände lebt, wird anderthalb Pfund Brot erhalten; alle anderen Leute jederlei Alters und beiderlei Geschlechts erhalten ein Pfund," Trotz dieser Bestimmungen haben sich aber damals auch nach dem IL. März 17SS die Brot- Verhältnisse nicht gebessert. Viele Karten wurden gefälscht, andere Leute wiederum suchten sich zu Helsen, indem sie sich gleich« zeitig bei zwei Bäckern eintragen ließen. Einwohner der Vororte mieteten in der Hauptstadt ein Zimmer, lediglich zu dem Zweck, daraufhin auch eine Pariser Brotkarte zu erhalten. Dabei wurde das Brot immer schlechter und die Zahl der Erkrankungen mehrte sich. Auch gab es eine Unmenge Brotschiebimgen, während die Bäcker weniger lieferten, als man nach den Karten beanspruchen konnte. Sie erklärten, daß sie zu wenig Mehl erhielten, trotzdem fand man in ihren Kellern große Mengen zurückgehaltenen, ver- schimmelten Brotes. Bis zum letzten Tage de« Systems gelang es nicht, eine wirklich befriedigende Verteilnng praktisch durchzuführen. Notizen. — Eine Besichtigung der Klosterkirche findet am Mittwoch, den 28. November, abends 8 Uhr, bei freiem Ein- tritt statt. — Die Sammlung von Kaufmann, deren Besuch wir unseren kunstinteressierten Lesern aufs dringendste empfehlen, ist am 26., 28., 80. November und 2. Dezember frei zu besichtigen, am 27., 20. November und 1. Dezember zum Eintrittspreise von 2 M. Sie befindet sich Kurfürstendamm 208/200 und ist an Wochentagen von 10—4 Uhr und an Sonntagen von 10—2 Uhr geöffnet. — Die„Raubtiere" Clemenceau und Lloyd George. Einen recht bezeichnenden Passus hat sich gelegentlich der Begrüßung ClemenceauS als Ministerpräsident die deutschfresserische „Gazette de Lausanne' geleistet.„Man braucht einen Mann," schreibt sie,„und Clemenceau ist ein Mann. Ja, er ist noch mehr und bessere? als ein Mann, denn er ist der Tißer. Mit ihm und Lloyd George, den die Deutschen die Hyäne nennen, besitzt jetzt die Entente zwei Raubtiere, die für die große Aufgabe dressiert sind." DaS französische Blatt„La Feuille" kommentiert diese Worte mit der ironischen Seitenbemerkung:„Wir können nichts Bessere« tun, al« dem Bei- spiel dieser beiden großen Bestien, so da„für die große Aufgabe dressiert" sind, zu folgen. Es der Blutgier deS Tiger« und der Tücke der Hyäne gleichzutun, scheint ja das erhabene Ideal unserer sich dem Zustande des Kannibalismus nähernden Zeit." Die welfthe Nachtigall. Der Roman eine» sterbenden Jahrhunderts. 47] Von R. Francä. „Das muß ma aber fag'n, Leben bringt er schon ins Stadtl. der neue Herr Statthalter", nahm nach einer Pause der Schneider Zapletal das Wort,„und wenn auch kleine Re- sidenz, so gibt sie doch zu verdienen für strebsamen Geschäfts- mann. Und schöne Titel„Hoflieferant" nehmen die Bürger auch gern." „I wouß net", begann der Seilerbartl wieder die Oppo- sition,„i merk' nix von dera Residiererei, als daß allweil teu- riger wird und allweil no a andere Accis und Steuer. Jetzt Ijab'ns wieder neue Polizieten ogschafft, da kannst'as dann wieder zahl'n, das dr in'd Hos'n neischnüffeln." „S'is scho warr," stimmte der Metzger bei,„a Rumg'frag is in alle dene Häuser, b'sonders wo Studenten wohnen, s'ist schon nimmer schön. Sie soll'n extra Leut' ang'stellt hab'n, die wo auf verbotene Schrifte aufpasse und nur rumrennen und die ozeig'n, wannst a ehrlich Wort sagst am Biertisch. Und überhaupt die neue Militärverord- nung..." „Pst" winkte Schneider Zapletal dem unvorsichtigen Redner zu,„kommt gerade pane Besl." Sofort verstummte die Opposition und das sie begleitende beifällige Murmeln und die Bürger kuckten harmlos in den Bierkrug. Nur als BcSl weit genug von dem Tisch entfernt war, setzte der Metzger rasch hinzu: „Alsdann i Hab' nix gesagt gegen die Regierung— denn i zahl' mei Steuer wia jeder andere." Besl schritt schlendernd zwischen den Reihen umher. Sein scharfes Auge suchte nach einem bestimmten Tisch. Jetzt hatte er ihn erblickt, ging auf ihn zu, grüßte ernst und würdig und frug, ob er noch Platz haben könne. Er setzte sich gerade neben den Herrn Rat Seyboldsdors auf die Bank, auf der sonst Herr Schnurbein gesessen war... Seit seiner Kündi- gung ließ sich der nicht mehr im Huglbräu sehen, sondern tränk, beglaubigten Nachrichten zufolge, jetzt sein Bier im Eselsbräu, worin der Rat allein schon eine vorwurfsvolle An- spielung erblickte. SeyboldSdorf machte zu der ungebetenen Nachbarschaft ein Gesicht, als ob ihm ein Maikäfer ins Bier gefallen wäre, sagte aber nichts alS ein zustimmendes hm, hm. Dagegen litt es sein Gegenüber, den Devotionalienhändler Schwäger! nicht, so stumm dazusitzen. In Fortsetzung des durch Besl's Ankunft unterbrochenen Gesprächs meinte er lebhaft: „Gut, daß er kommt, Herr GeheimratSschrcibcr, grab streiten wir uns, ob wirklich schon Spießruten auf einfache Desertion gesetzt sind. Er hat ihn ja selber erwischt den Ausreißer von voriger Woch'— eigentlich ein rechter Schab' um den jungen Menschen, daß er auf solche Abweg' kommen is. Ja, ja, das machen aber die modischen Zeitungen. Wenn man die nicht verbietet, wird noch viel Unglück g'schehn im Land. Sag' er, was hat denn der Peißer eigentlich ang'stellt?— wenn man's sagen darf, mein' ich natürlich nur. Mein Prinzipalkommis wohnt in der Fischergasse im selben Haus und hat den Rumor ang'hört natürlich nur zum Teil uud von fern, denn ein guter Bürger, der wo was auf sich halten tut, geht da natürlich nicht zu und will nichts zu tun haben mit der löblichen Polizei— außer natürlich am Biertisch, wie wir die Ehre haben, ver- steht sich, mein' ich ich natürlich nur... Also mein Schweiffer wohnt in der Fischcrgasse grab um d'Eckn übern Gang, wo der junge Herr von Solms g'wohnt hat. Dort hab'n s'ihn ja verhaftet. Er soll gradenwegs aus der Käsern' hinglloffen sein und der Solms soll ein Seil zum Fenster rauShängeu g'habt ham, um die Flucht zu begünstigen, sagt die Krämerin im Haus. Und zwei Dolche und eine Pistole hat er bei sich g'habt, der rabiate Mensch und einen genauen Zettel, auf wen allen nun die Attentaten kommen sollen... denn auf unfern gnädigsten Herrn Fürststatthalter soll eine ganze Konspiration ausgegangen sein von Paris her mit denen Freimaurern, überhaupt die Zeitungen, laßt's mi mit denen aus, die wo Zeitungen lesen." „Ich Hab' mit der Geschichte nichts zu tun gehabt," unter- brach nun Besl ernsthaft den Redestrom,„ich Hab' allerdings den Peißer zuerst dingfest gemacht, aber das war wegen De- litte, die Amtsgeheimnis sind." Die Bürger sahen sich betroffm an. „Sag' er Herr Besl" begann nun pointiert der äußere Rat,„ist es vielleicht auch Amtsgeheimnis, daß der von Solms in der Sache mit verwickelt ist und schon g'schaßt wurde?" In Besl's Aeuglein glomm ein zufriedenes Lächeln auf. „Ich darf natürlich aus einer Untersuchung heraus nichts sagen." „Also ich sag ihm, daS ist ein ganz gefährlicher, vs capiti odomot pieces. Und wenn der junge Peißer, so ein ganz ordentlicher Pursch war, die Peißerischen haben jähre- lang bei ilns eing'kauft, durch wen verführt wurde, ist's nicht schwer zu raten— ich weiß da manches. Item, daß solche noch auf freiem Fuß umherlattfen, würde beim Magistrat nicht passieren, so noch der Rat den Blutbann hätte wie ihn zu Recht eigentlich verbrieft ist." . Den Bürgern schauerte wollüstig die Haut bei solch' ge- wichtigen Gesprächen. Der Herr Rat sog ein paar �mächtige Paffer aus seiner Pfeife, warf der Kellnerin einen Gulden hin und griff nach seinem Hut. „Herr herzoglicher— ach entschuldigen, Herr Magistrats- rat— na, der herzogliche Rat wird Wohl schon bald unter- wegS sein," schmeichelte plump BeSl,„wollen noch ein wenig verziehen. Hier scheinen sehr wertvolle Dinge vorzuliegen. Darf ich Euer Gnaden unter vier Augen sprechen?" SeyboldSdorf drehte sich selbstgefällig um, ob auch ge- nügend Zuschauer dieser politisch-historisch bedeutsamen Szene acht hatten, nickte dann gnädig Gewährung und blieb mit dem gesürchteten Geheimschreiber der Polizei ein Viertel- stündchen abseits am Gartcnzann. Keiner der Bürger wäre jetzt weggegangen, selbst wenn es in seinem Hause ge- brannt hätte. Als der Herr Magistratsrat wiederkam, bestellte er, was er sonst nie tat nach dem Zahlen, noch eine Maß, nahm einen tiefen Schluck, strich sich den Schaum vom Barte und sagte dann zu der inzwischen stark vermehrten erwartungsvollen Korona, die sich auf die wie ein Lauffeuer durch den Bier- garten gehenden Gerüchte versammelt hatte: „Man ymß sagen, einer der sein G'hortsich weiß, der Herr Geheimschreiber. Könnte auch in magistratlichen Dingen seinen Mann stellen.' Das war zwar eine große, ja unerhörte Anerkennung aus dem Munde eines äußeren RatcS, befriedigte aber die erwachte Neugier nur wenig. „Wird er verhaftet, Pane SeyboldSdorf?" krähte der herbeigeeilte kleine Schneider auf einmal mutig im Hinter- gründe,„i frag nur, weil er hat Anzug neuen bestellt, will ich keine Stoff' kaufen, ise so teuer.".(Forts, folgt.). SenWl MMMM'MM. BerwaUungSstelle Berlin. AI 51, Linirnstrafie 83—85 kielchästsLeit vsn 9— 1 Uir und von 4—7 Uhr. Telephon! Amt Norden 185, 1Z39, 1987, 9714. TonncrSlag, den S». November lg 17,«bcndS 8 Uhr. Erancbcn-Versammlung Mcktromontcure und Helfer Groß-Berlins im Loknl von Zdlement, Sophienstr. 6. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Hcilmann.— 2. Diskusfion.— 3. Verbands- und Lranchenangelegenheitcn. Zahlreiches und pünktliches Eilcheinen ist unbedingt er- forderlich. 229/4, Die Ortöverwaltung. H.& P.Uder, IngÄ1 Berlin SO 16. � ö, Ti;£>ak- Großhandlung und'Tabakfabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten Bis auf weiteres: ■■— fSc.schäftszeit 8— 11 und 6 6 Uhr.= Fernsprecher; Amt Maritzplatz 3014. DeutTdier ßletallarbelter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß nnler College, der Äcrkzeugmacher Krün« �Iter Neukölln, Aeichselstr. S, am 24. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, d. 27. d. Nts, nachmittags 8'/, Uhr. von der Zcichenballe des Neuen Iakobi-KirchhoseS in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet �20j3 Die Ortsverwaltung. Verband der Galt- und Scbankwifte Deutfdtlands. Zahlstelle Schöneberg und Umgegend. Am 23. b. Mls. verstarb piatzlich unser treue? Mit- glied, der frühere Gast- wirt !(grl �eintisrät in Friedenau. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr, in Stahnsdorf stall Abfahrt mit dem Zuge 1.30 nachm. vom Zoologischen Garten. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 964b Tie OrtSderwaltung **4* IViarReiv lloTer» aeir IS*73 1 «Jean Holze *f wo. I s Verband der Brauerei- und mablenarbeiter und verwandter Beruisgenoffen. Zahlstelle Berlin.• Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß unser Kollege. der Stallmann Seiler Verstorben ist Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung erfolg! heule nachmittag 3 Uhr von der Halle des Bartholomäus- Kirchhofes in Wcißcniee. Falkenberger Chaussee 148. auS. 44!lS Rege Beteiligung erwartet Die Oresverwaltung. v°n Roben Meyer, Snh.: f*. Oolletz Mariannenstr.3. Tel. Mpl. 10303. Iii, f., Atama" ' StTau�sen/edefn- thgerrogene' VJiuHrtjrte „Atama"- StraDsseofeilerö sind die besten. „Atama"- EilelstraBSsfeilerD die allerbesten und bleiben 10 Jahre schön. „Atama"- Straussiedern kostSOcm laiigl2M.,5öcnilang 18 M., 60 cm lang 25 M. „Atama"- Edolstraussfedern kost 40 cm lang 15 U.. 45 cm 25 M., 50 cm 30 M., 55 cm 42 iL. 60 cm 48 M. ♦ Versand nur direkt durch Hesse, Dresden, ScbeSelstraße Enz. 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Vorbedingung ist natürlich, daß unsere Feinde die volle Gegenseitigkerl gewährleisten und militärische Interessen nicht gefährdet werden._ Tenöenzmelöungen aus ßmnlanö. Stockholm, 24. November. Nach den letzten Nachrichten aus Finnland herrscht dort stets zunehmende Anarchie. Das Auftreten der Roten Garden, deren Tätigkeit in Haussuchungen, Verhaftun- gen, Plünderungen und Gewalttaten besteht, erweckt allgemeine Verbitterung. In Helsingfors wurden bisher 44 Menschen ermordet. Der Ausstand ist zwar im Abnehmen begriffen, aber die Revolution will nicht aufhören. Die Sozialisten sind nicht mehr Herren der Lage. Die Hälfte deS Volkes gehorcht keiner Autorität mehr. Eine wirkliche Regierung gibt eS augenblicklich nicht. Die finnische Staatskasse ist g e- leert bis auf 7 Millionen, den Ertrag von verkauften Staars- Wäldern, aber auch diese sind bald verbraucht. Zu alledem kommt der immer bedrohlicher werdende Mangel an Lebensmitteln. Die Teilnahme der schwedischen Oeffentlichkeit an dem unglücklichen Zustande des Nachbarlandes tritt immer deutlicher hervor. Heute erklärt.Svenska Dagbladet", daß sich Schweden von dem außer- ordentlichen Notstande, der Finnland droht, nicht unberührt zeigen könne. Die Lage müsse vielmehr das allgemeine Gefühl erwecken, daß irgend etwa? geschehen müsse. Die Schwierigkeit sei nur. den rechten Weg für die Hilfe zn finden. Sache der schwedischen Regie- rung sei eS, die Initiative zu ergreifen. Das Gefühl, daß Schweden in dieser Hinsicht Verpflichtungen habe, sei allgemein. Kopenhagen, 26. November.„Berltngske Tidende' meldet aus Haparanda: Die Landtagsgruppe der schwedischen Volks- Partei richtet an das rinnisch« Volk die Aufforderung, ohne K l a s s e n u n t e r s ch ie d sich zusammenzuschließen zur energischen Bekämpfung der Anarchie. Die Stadtverwaltungen wur- den aufgefordert, sie hierbei möglichst zu unterstützen. Die übrigen bürgerlichen Parteien veröffentlichen ähnliche Aufrufe. Man euwartet binnen kurzem in Finnland den Ausbruch neuer blutiger Unruhe n. Die außerordentlich« Schwierigkeit der Lage Finnlands besteht darin, daß die L e b e n s m i t t e l v e r s o r g u n g öes auf die Zufuhren angewiesenen Landes durch die Ereignisse in Rußland ins Stocken geraten ist. Das mag auch der Grund der auSgebrochenen Unruhen fein. In der Sprache des gegen die Arbeiterschaft verbitterten Bürgertums heißt das Anarchie. Man sollte daher die aus Finnland an uns gelangenden Nach- richten mit besonderer Vorsicht aufnehmen. Erst vor wenigen Tagen berichtete der Telegraph von der Annahme wichtiger gesetzgebcih'chcr Akte durch den finnischen Landtag, was ans das Zustandekommen einer Neuordnung im Lande schließen läßfc_ Oer Krieg auf den Meeren. Berlin, 25. November. Durch die Tätigkeit unserer Unter- serboote wurden im Sperrgebiet um England wiederum vernichtet. Unter de» versenkten Schiffen befand sich ei» bewaffneter Dampfer vvn 6000 Tonnen. Der Chef des Bdmiralstabes der Marine. dle Kämpfe in Italien. Italienischer Seeresbericht vom 25. November. Auf der Hochfläche von Schlegen schlugen gestern die Helden- hasten Abteilungen der l. Armee, die seit 10 Tagen rastlos kämpfen, ohne in der Verteidigung des Molette-VorspmngeS sMeletta?) nur einen Fußbreit Gelände preisgegeben zu haben, wiederum mehrere wütende Angriffe des Feindes ab und machten erfolgreiche Gegen- angriffe. Zwei Maschinengewehrabteilungen wurden genommen. An der übrigen Fron: nur Artillerietätigkeit. Einer unserer Flieger schoß über dem Monte Grappa zwei feindliche Flugzeuge ab. General Diaz. Die Kämpfe um Jerusalem. Konstantinopcl, 26. November. Amtlicher Bericht vom 24. No- vembcr. S i n a i s r o n t: An der Küste Rube. Gegen die Milte unserer Front erveuerten die Engländer am 23. November ihre Angriffe. Alle Angriffe wurde»«ntcr großen Berlusten für den Feind abgeschlagen. Ein Maschinengewehr und Geiangene von drei ver- schiedenen Divisionen blieben in unserer Hand. In letzter Zeit wurden an der Küste Palästinas drei weitere Dampfer verientt, darunter ein Tran SP ort dampfer und ein mit Munition und Kriegsmaterial beladener. Bei Mersing wurde durch unsere Seeflieger ein feindlicher Dampfer verhindert, in den Hafen einzulaufen, und zur Umkehr gezwungen. Kleine Knegsnachrichten. Enteiite-Splonagc in Schwede». Kopenhagen, 2ö. November. Hiesige Bläter geben eine Metdung des Stockholmer.Aitonblad" über die Entdeckung einer weitverzweigten Entenle-Spionage in Schweden wieder, die die Beriiichlung der deutsch» ichwediichen Hnndelsichiffahrt und milttärische und wirtschaftliche Splonage in Schweden bezweckt. tzjompcrs für den Krieg bis zum endgültigen Triumph. Basel. 26. November. Nach einem Havasbericht aus Buffalo wurde Garn» perS zum Präsidenten deS ainerikanischen Arbeiwrbuirdes gewählt. Anläßlich seiner Wiederwahl erklärt« er. daß die Arbeiter des Westens dazu beitragen sollten, daß der Krieg bis zum endgültigen Triumph geführt werden könnte. Reichstag. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion tritt am Mitt- Wochnachmittag um 3 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Lanörätliches Treiben in„graßer Zeit'". Hetze gegen die Sozialdemokratie. Uns fliegt folgendes Schriftstück auf den Tisch: Der Vorsitzende des KrriSauSschnssev deS Landkreises Düsseldorf. Düffeldorf, den 13. November 1917. Postfach. Vertraulich. In der Anlage gestatte ich mir. einen vom Reichsverband gegen die Sozialdemokratie herausgegebenen nationalen Bolkskalcnder 1916 als Geschenk zu übersenden mit der Bitte, denselben cv. zur Verteilung an Ihre Arbeiter zu bestellen. Der Kalender ist zu haben in der Verlagsanstalt und Druckerei„Teutonia" G. m. b. H., Berlin SW. 11, Tessauer Straße, und kostet 15 Pf. vas Stück. Ich bin gern bereit, die Bestellung gesammelt zu übernehmen und bitte ev. um Mitteilung der gewünschten Anzahl bis zum 30. d. Mts. gez. v. Beckerath beglaubigt:(Name unleserlich). �An die industriellen Werke des Kreises. Der„Volkskalender" stellt sich als eine Reklame für die sogenannten„wirtschaftsfriedlichen" Verbände heraus, die mit den üblichen Angriffen gegen die Sozialdemokratie und dir Getverkschaften gespickt ist. Auch gegen den„Scheidemann- frieden" wird darin tüchtig gewettert. Und für diesen Schund werden amtliche Sammelstellen errichtet! Nicht das erste Zeichen dafür, daß der„neue Geist" in die Verwaltung des Jndustricbezirks seinen Einzug noch nicht ge- halten hat! wie schafft man Unzufrieöenheit! „Straftaten" nntcr regelnder Slufsicht der Behörde. Folgender Tatbestand wird uns berichtet: Dieser Tage er- hielten rund 170 Einwohner, meist Frauen, d«S schleswig-holsteim. scheu Städtchens Eckernförde ein Strafmandat von 30 resp. 50 M. In der Begründung heißt es:„Ans den Antrag der Staatsanwalt- schaft wird gegen Sie wegen der Beschuldigung, am 8. Juni d. I. in Eckernförde auf noch nicht gültige Gutscheine ein Brot ent- n o m m e n zu haben, Bergehen gegen— folgen eine Anzahl Ver- Ordnungen—, eine Geldstrafe von 80 M. usw." In Wahrheit haben die Frauen das Brot nicht auf Grund noch nicht gültiger Gut- scheine, sondern ohne Gutschein gekauft. Und daS ging so zu: Vor dem 8 Juni war es in Eckernförde mit der Lebensmittel- Versorgung während einiger Wochen herzlich schlecht bestellt. EZ gab keine Muhlenfabrükate, und Kartoffeln nur in sehr kleinen Mengen. Einige Frauen wurden auf dem Rcrthause vorstellig und ersuchten um mehr Lebensmittel oder Brot, erhielten aber keine befriedigende Antwort. Ein Bäckermeister gab nun auf Vor- stellung mehrerer Frauen Brot ohne Marken ab. DaS sprach sich herum und immer mehr Frauen kamen und erhielten Brot ohne Marken. Die Frauen mußten schon deshalb glauben, nichts Strafbares begangen zu haben, als zwei Schutzleute bei dem Andrang Ordnung hielten und der eine nach längerem Verkauf zu der Bäckerfrau sagte, sie solle den weiteren Käufern nicht mehr zwei Brote, sondern nur noch eins geben, damit alle bekämen. Und nun die Strafmandate! Aber will der Herr Staatsanwalt durchaus juristisch korrekt sein, so muß er auch gegen die Eckcrnförder Polizeibehörde Straf- antrag wegen Beihilfe bzw. Begünstigung stellen. Und dann hätten wir das herrliche Schauspiel, daß eine hohe Obrigkeit auf die Anklagebank kommt, weil sie die Begehung von Straftaten durch die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung bei der Be- gehung gefördert hat. Damit aber wäre der ganzen Welt be- wiesen, daß Deutschland der geordnetste Staat der Erde ist: polizeilich beaufsichtigte und geregelte Straftaten— das macht uns kein ztoeiteS Land nach! Intereffenvertretung öer Kriegswucherer, aber nicht üer Kriegsbeschädigten. AuS den Kreisen der Kriegsbeschädigten wird unS geschrieben: Die imposante Kundgebung, die der Bund der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer in Berlin über den Verständi- gungsfrieden veranstaltete, veranlaßt das Organ des gelben Esse- n c r Kriegsbeschädigtenverbandes zu einer Gegenerklärung. Nach- dem der Essener Verband monatelang damit hausieren gegangen ist, daß er>m Gegensatz zum Bund parteipolitisch absolut neutral sei. läßt die Verbandsleitung jetzt plötzlich die MaSke fallen und ent- puppt sich als st ramme Parteigängerin der Alldeut- schen und der.Vaterlandsparte i". Ganz nach alldeut- schem Sprachgebrauch wird der Verständigungsfriede in einen„Der- zicht"- und„VerelendungSfrieden" umgelogen. ES fehlt auch nicht das Argument, wenn Deutschland keine Kriegsentschädigung er- hielte, könnten die Renten.nicht um eiuen Heller erhöht werden". Damit macht diese angebliche Interessenvertretung der Kriegsbeschädigten die von allen Kriegsbeschädigten als u n b e- dingt notwendig empfundene Erhöhung der Renten von der Be- dingung einer Kriegsentschädigung abhängig! Sie gibt den Kriegsgewinnlern und Kriegswucherern das Stich- Wort, welche jetzt schon darüber sinnen, wie sie sich nach dem Kriege von ihren sozialen Pflichten gegen die Kriegsbeschädigten drücken können. Hier zeigt sich deutlich der gelbe Charakter des Essener Verbandes. Er will wohl die Kriegsrenten erhöhen aus den Mitteln einer Kriegsentschädigung, d. h. durch die Opferung deS Blutes von vielen tausend Kameraden, aber nicht durch die B e- st e u e r u n g der KriegSgewinne, also auf Kosten des Äa- pitalismuS! Nach gelber Manier hat die Verbandsleitung ihre Mitglieder natürlich nicht um ihre Meinung gefragt, eh« sie ihren alldeutschen Erlaß veröffentlichte. Sie behauptet aber dreist, daß dem Verband „in größerer Zahl auch Sozialdemokraten" angehörten. Wir halten das für plumpen Schwindel. Sollten sich wirklich durch die irre- führende Behauptung des Essener Verbandes, er sei politisch neu- tral, einige Genosse« haben einsangen lassen, so wird eS höchste Zeit für sie, dieser Filiale der VaterlandSpartci den Rücken zu kehren. Unfall etiles bayerischen Laiidtagsavgcordneten. Wie aus München oemeldel wird, ist der Schrüttübrer der bayerischen Abgeordneten- kammer, Zentrumsabgeordneter G> e h r l, von einem durch den Sturmwind bcrabgerissenen GeschäftSschtld auf den Kopf getroffen und schwer verletzt worden._ Die Serliner Arbeiter unö Sie Crnährungssrage. In sieben großen Sälen Berlins fanden gestern abend Massen- Versammlungen statt, die von der Gewerkschaftskommission einbo- rufen und dazu bestimmt waren, aus die Behörden einen energischen Druck auszuüben, um die Lebens mittclration der Ber- liner Arbeiter zu verbessern. In allen diesen Versammlungen war folgende Resolution vorgeschlagen: Die am 26. November 1917 tqgenden Versammlungen der organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen Groß-BerlinS geben ihren Unwillen kund über die Preisgestaltung auf dem Lebens- mittelmarkte und über die mangelhafte Verteilung der vorhan- denen Lebensmittel. Die Versammelten fordern, daß die auf den Produktions- anreiz gerichtete Preispolitik der Regierung, die sich in fortgesetz- ten Preissteigerungen erschöpft, die minderbemittelten Bolkskreise schwer belastet, ohne die Lebensmittelerzeugung zu fördern, auf- gegeben und zu einem schleunigen Abbau der fast unerschwing- liehen Preise geschritten wird. Nur einheitliche, systematische, die Erzeugungskosten berücksichtigende Festsetzung der Preise und Schaffung der technischen und ökonomischen Vorbedingungen für den landwirtschaftlichen Betrieb kann die Lebensmittelerzeugung fördern. Um den immer mehr um sich greifenden wucherischen Schleich- Handel zu unterbinden, der die Lebensmittel der öff.ntlichen Verteilung entzieht und diese dadurch immer stärker gefährdet, halten eS die Versammelten für dringend geboten,'daß alle wicht!- gen Lebensmittel bei den Erzeugern durchgreifend erfaßt und zu angemessenen, Kriegsaewiirn« ausschließenden Preisen allen Teilen der Bevölkerung gleichmäßig zugeführt werden. Der verderbliche Schleich ha ndK muh durch strenge Bestrafung der gewinnsüchtigen Schleichhändler und Einziehung der Wucher- gewinne und ihres gesamten Vermögens unterdrückt und dar un- gerechten Benachteiligung der hartarbeitenden städtischen Bevölke- rung zugunsten zahlungsfähiger Nichtstuer und großer Teile der ländlichen Bevölkerung, die viel besser mit Lebensmitteln versorgt sind, schnellstens ein Ende gemacht werden. Im Hinblick aus die gute Kartoffelernte und der geringeren Zuteilung anderer bochwertiger Nahrungsmittel fordern die Ver- sammelten dringend die sofortige Erhöhung der Kartoffelration auf 10 Pfund pro Kopf und Woche. Um eine einheitliche Versorgung der Bevölkerung des Groß- Berliner Wirtschaftsgebiets herbeizuführen, ist die Schaffung eines einheitlichen VcrsorgungS- und Vertcilungsgebicts für Groß-Berlin unerläßlich. Deshalb richten die Versammelten an die kommunalen Körperschaften von Groß-Bcrlin daS dringende Ersuchen, auf diese Vereinheitlichung der Lebensmittelversorgung hinzuwirken. Da nur die Beendigung des Krieges die Aussicht auf eine befriedigende Lösung der Ernährungsschwierigkeiten eröffnet, protestieren die Versammelten gegen das kriegSverlängernde Trei- ben der in der sogenannten Vaterlandspartei vereinigten Kriegs- gewinnler und Eroberungspolitiker und fordern von der Regie- rung und den parlamentarischen Körperschaften, daß sie alles tun, um schnellstens dem entsetzlichen Völkermorden� ein Ende zu machen und zu einem Frieden der Verständigung zu gelangen. Leider glaubten die„Unabhängigen" die Gelegenhest be- nutzen zu müssen, um gegen die ihnen verhaßte Berliner GeWerk- schastskommission Sturm zu laufen, und statt zu einer einheitlichen Aktion kam es teilweise zu tumultuarischen Auseinandersetzungen, die an manchen Stellen, wie z. B. im„Gewerkschastshause", zu einer Sprengung der Versammlung führten. So ist an einem prakiischen Beispiel gezeigt worden, in wie unsinniger Weise eine im Interesse der ganzen Bevölkerung liegende Aktion durch fanatische Richtungsstreitereien gestört wird. In den Versammlungen dauerten die lebhaften Diskussionen bis in die späte Nachtstunde hinein fort, so daß über ihr Ergebnis noch nicht berichtet werden kann. » Im überfüllten Germaniasaal in der Chausseestraße sprach Gc- nossc Braun vom Parteivorstand. Seine Rede war eine scharfe Kritik der von der Regierung betriebenen Ernährungspolitik. An der Hand eines ausgiebigen Zahlen- und Tatsachenmaterials zeigte der Referent, daß die fortgesetzte Erhöhung der Preise unserer wichtigsten Lebensmittel nicht den angegebenen Erfolg: Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung, gehabt, sondern die Profi t- sucht der Erzeuger gesteigert und das Verlangen nach immer höheren Preisen hervorgerufen hat. Außer den das gerechte Maß ungeheuer weit übersteigenden Höchstpreisen werden den Agrariern noch besondere Liebesgaben, so in Gestalt von Frühdrusch- Prämien, aus den Taschen des Volkes in den Schoß geworfen. Die Kartoffelernte war dieses Jahr so gut, daß die Ration ohne Schwierigkeit auf 10 Pfund pro Kopf und Woche erhöht werden könnte. Daß cS geschieht, dahin muß mit aller Energie gewirkt tverden. Wird nicht bald eine für dies Maß erforderliche Karte f selmenge sichergestellt, dann werden die Kartoffeln in großer Mtnoe verfüttert und der menschlichen Er- nährung wird ein wichtiges Nahrungsmittel entzogen.— Mit Eni- schiodenheit betonte der Referent, daß die Mängel lind Mißstände in der Lebensmittelversorgung zum größten Teile eine Folge der Maßnahmen der Regierung sind, die durch die Höchstprcispolitik den Wünschen der Agrarier entgegenkommt, aber nicht den Interessen des Volkes dient. Die Behörden haben mit dieser Politik Bankerott gemacht. DaS Kriegsernährungsamt läßt die Dinge treiben wie sie wollen. Wird den Wünschen der Erzeuger in bisheriger Weise Rech- nung getragen, dann treiben wir dem wirtschaftlichen Zusammen- bruch entgegen. Notwendig ist die Erfassung und gerechte Verteilung aller wichtigen Lebensmittel, Verstopfung der Quelle des Schleich- Handels und Lebensmittelwuchers. Abkehr von der verkehrten Er- nährungspolitik der Regierung. In dieser Richtung müssen wir unsere ganze Kraft einsetzen. Dem Referat folgte eine lebhafte Diskussion. Gegen die vom Referenten an den Mißständen im Lebens- mittclwesen geübte Kritik konnte natürlich niemand etwas einwenden. Aber«ine Anzahl von Rednern auS den Reihen der U n- abhängigen nahm dnie Gelegenheit wahr, um die Haltung der Sozialdemokratischen Fraktion zu den Kriegsfvagen, die Politik des 4. August, zu kritisieren und der Partei die Schuld an der langen Kriegsdauer und dadurch auch die Schuld an der Lebensmittelmisere zuzuschreiben. Bei Schluß des Berichts dauerte die Versammlung fort. Lette Nachrichten. Durchsichtige englische Schwind clmeldung. Berlin, 26. November. Amtlich. Die„Berlingske" von gestern bringt ein aus London stammendes Gerücht, nach dem General Ludendorff mit zahlreichem Stabe an die russische Front abgereist sei. Dieses Gerücht entbehrt jeder Grund- läge. General Ludendorff befindet sich bei den Truppen an der Westfront. Der Zweck des Schwindels ist klar: man will den Russen den Plan eines deutschen lleberfalls während des Waffenstillstandes ein- rri>en und so den Frieden hintertreiben. Mehr Truppe»— weniger Essen. Amsterdam, 26. November. Dem„Mgmeen HandelSblad" wird aus London gemeldet: Um so rasch wie möglich amerikanische Trup- Pen nach Frankreich bringen zu können, wird die amerikanische Mis- süm bei der französischen Regierung' darauf dringen, eine durch-' greifende Reform der Rationierung durchzuführen, damit die Schiffsfrachten oermindert werden. England hat bereits einer solchen Maßregel zugestimmt. RomanoneS für die Entente. Madrid, 26. November.(Havas.) Ein RomanoneS von der liberalen Partei gegebenes Essen vereinigte mehr als 900 Gäste. RomanoneS hielt yine Rede, in der er betonte, daß für Spanien die Notwendigkeit bestehe, gegenüber den Ländern der Entente«ine neue Politik zu verfolgen, die sich offen nach der Entente neige, GewerffchchsbewEUNg Verlin und Umgegeno. Die Berliner Zimmerer im verflossenen Quartal. Eine erkreuliche Entwicklung dcr Berliner Zablstelle des Zentral- Verbandes der Zimmerer ist ancki für das dritte Onartal m der- zeickmen. Bei Beginn des OuarialS betrug die Mitglieder- a ci h I der Zahlstelle 1281. Sin Scbliisse des Ouartals waren 1323 Mitglieder vorbanden. Mithin eine Zunahme von 02 Mitgliedern. Seit dem 3. Quartal 1813 ist die Miialiederaabl um löö gewachsen: gemessen an der Zahl der ständig zum Heeresdienst Eingezogenen ein sehr beachilicher �ornchritt. Ein ebenso erfreuliches Resultat zeitigt die Finanzlage der Organisation. Während bei Beginn des dritten Ouartals 1917 der L o t a l l a i i e n b e ila n d öS 159 84 M. betrug, flieg derselbe bis zum Schluß des öuartals auf 57 424,78 M. Gegenüber dem gleichen Onartal im Vorjahre ein BermögensznwachZ von 8607.95 M. Der Gang der Beschäftigung ist nach wie vor ein guter, Arbeitslose sind fast gar nicht vorhanden. Um die Löhne mit den verteuerten Verhältnissen einiger- maßen in Einklang zu bringen bat die Berliner Zahlstelle im Laule des Quartals eine Reihe Lohnbewegungen gcsübrt. die zum Teil durch Verhandlungen mit den beteiligten Unternehmern selbst, znm anderen Teil durch die Vermitllungstätigkeit des Kriegsausschusses der Berliner Metallbetriebe für die Zimmerer einen erfolgreichen Ausgang nahmen. Seit Oktober dieies Jahres wurde beispielsweise in elf größeren Betrieben eine Lohnbewegung durchgeführt. Erreicht wurde: Bei 1 Untern, mit 27 Zimmerern eine Lohnerhöhung von 5 Pf. die Std. * ö„„ 1�5 a 0 m.,10»,,» fr o ff ff 97 m ff ff. 15,, v . 1»» 5 i9 m„»17»*# - k.«„ ÖO ff ff ff. 20„„.„ Mithin wurde in diesem Zeitraum für 68g Zimmerer insgesamt eine ivöcheniliche Lohnerhöhung von 5718 M. erreicht. Zweifellos ein handgreiflicher Beweis mehr kür die Notwendigkeit und Ge- schlossenheit der gewerkschaftlichen Organisation. Ferner sei noch be- merkt, daß der Zimmererverband den Familien der Eingezogenen zu Weibnachten wieder eine Unterstützung gewährt. In Berlin erfolgt die Auszahlung derselben am Mittwoch, den 12. Dezember. Weihnachtsunterstiitzung im Textilarbeiterverband. Die in den Vorjahren übliche Weihnachisunterstützung der Filiale Berlin wird auch in diesem Jahre an die Kriegerfrauen unserer Kollegen gezahlt, und wenn der Kollege der Ernährer seiner Eltern oder Geschwister war. auch an denen. Bedingung ist, daß der Kollege sert dem 1. Oktober 1917 eingezogen und mindestens 52 Bei- träge gezahlt hat. Die Auszahlung findet vom 15. Dezember, täglich von 9—12 Ubr im Bureau Andreasstr. 17 und im Bezirk Cöpenick bei Kollege Lietsche statt. Als Ausweis gilt der UnterstützungS- bogen, der vorzulegen ist. Es wird höflichst ersucht, die Unter- stützung bis Ende dieses Jahres abzuholen. DreOrtSverwaltung. veut�ches Neick». Tie SchneflzugSzuschläge und die Gewerkschafte«. Die zur Beschränkung des Verkehrs auf den deutschen Eisen- bahnen cingefübrlen Zuschläge für die Benutzung von Schnell- und Eilzügen bat in allen Kreisen lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Handel und Industrie werden von der Verteuerung der Reisekosten betroffen, was gleichbedeutend ist mit einer weiteren Verteuerung der gesamten Kriegswirtschaft. Besonders hart find die Wirkungen für die G e w e r k s ch a f t e n, die beute mit wenig Arbeitskräften die Verbandsläligkeit bewältigen, eine Tätigkeit, die innerhalb der Kriegswirtschaft noch angestrengter ist als zuvor. Die Benutzung der zuschlagfreien Personenzüge bedeutet aber eine erheb- liche Zeilverschwendung, die bei dem Mangel, an Funktio- nären sehr fühlbar wäre und daher nicht in Betracht kommt. Ebenso auf den Schnellzugverkehr angewiesen sind die Beisitzer der Schlicht ungsausschüsse, deren Tätigkeit für die Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft im Rahmen deSHilfS- disiist.iesctzes unerläßlich ist Und nicht minder sind die genannten Zuschläge eine große und ungerechte Härte gegenüber den vielen Tausenden von Arbeitern der Kriegsindustrie, die entweder als von der Heeresverwaltung Beurlaubte oder aus Grund des Hilisdienstgesetzes in Arbeit an Orten stehen, die von ihren Wohnorten weil entfernt sind. Diese Albeiter find daber ihren Familien entzogen und haben nur gelegentlich die Möglichkeit, wenige Tage Urlaub zum Besuche der Familie zu nehmen. Wenn also die Zuschläge überhaupt»'cht besser ganz beseitigt werden, dann sollte zum mindesten eine Erle'chteiung für gewisse Kategorien von Reisenden, deren Reisen im öffentlichen Interesse notwendig sind, geschaffen werden Die Meneralkommission bat unter dem 16. und 17. No-, vember zwei Eingaben an den preußischen Eiienbahnminister, Ex> zcücnz V Breitenbach gerichtet, die eine Regelung in dieiem Sinne befürworten. Es wird darin angeregt, GewerlichaftS- funktionären bei Tiensireiien iür ihre reip Verbände, Mitgliedern von SchlichlunySauSschüssen bei Reisen zur Teilnahme an den Sitzungen der Ausschüsse, und Arbeitern der K r i e g s w i r t s ch a i t bei Urlaubsreiien z»m Besuch ihrer Familie Befreiung von der Zahlung der Zuschläge zu bewilligen. W>r bringen die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Elsenbahiiverwaltiing sich den sehr gewichtigen Gründen, die für eine solche Regelung sprechen, nicht verschließt, wenn sie nicht aus die ganze Elimchtung der Ziischlä e überhaupt glaubt verzichten zu können. helfet der Nutter und dem Kinö! Von Hermann Krätzig. Herr UniversstätSprokessor Dr. med. L a n g st e i n. der Di- rsktor des Kaiserin- Auguste- BiktoriabauseS zur Bekämpfung der GäuglingSfierbtichkeit im Deutschen Reiche, sprach am Tonnerstag, den 22. November, in einer Versammlung des Vaterländischen Frauenvereins, die im Abgeordnetenhanse stattfand und fast nur von Frauen besucht war, über: Das K'ndl Nm eS gle'S am Anfang zu sagen: Der Vortrag Sielt nicht, was man von ihm erwartete. Man erwartete, daß ein Mann von. der Autorität des Referenten aur dem Gebiete des SäuglingSweienS beleuchten würde, die Gesabren. die der Säuglingsernährung drohen. durch die ungenügende Ernäbrungder stillen den Mutter. Heute fingt man in allen Tonarten das hohe Lied von der stillenden Mutter, ohne, wie es icheint, auch nur daran zu denken, daß Voraussetzung ist für das Stillen des Säuglings eine auSretchende Nahrung iür die stillende Mutier. Aber wie sieht es denn damit aus? Ein ganzes Pfund Mühlen- sabrikate für den Monat und täglich einen Liter Milch, d a S i st alleS. was der Staat beute üblig bat iür die stillende Mutter. Natürlich muß sie, je größer das Kind wird, körperlich immer mehr herunter kommen. Kommt dann eine solch unterernäbrte stillende Mutter körperlich bis zur Enikrästung herunter, so wird sie täglich ermahnt, doch das Kind abzuse tzen; was dann häufig genug geschieht; natürlich zum ickweren Nachteil des Säuglings. Denn da andere ErnäbrungSmittel für den Säugling heute sehr zweifelhafter Natur und nickt g e- eignet find, die kleine Menickenpflanze wurzelfest zu machen, daß sie den Kampf gegen die vielen Feinde des Säuglings siegreich besteht. ist es beute mehr denn je notwendig, dakür zu sorgen. daß die Mütter in der Loge sind, ibre Neu- geborenen recht lange zu stillen. Und Pflicht eines Referenten über das Kind im Kriege wäre eS dann doch gewesen, die Forderung aufzustellen, delr stillenden Müttern ge- nügend milchfördernde und kraftspendende Lebensmittel zu geben, damit das Kind auch ausreichend gestillt wird. Leider hat Herr Prof. Dr. Langstein darüber kein Wort ver- loren. Man konnte erwarten, daß die stillende Mutter und der Säugling vom Standpunkt der Ernährung aus als Einheit be- handelt und für sie die dringende Forderung aufgestellt werden würde, eS müsse unbedingt für ausreichende Ernährung der stillenden Mutter gesorgt werden. Anstatt dessen aber vernahmen die Zuhörer ganz andere Töne. Professor Langstein meinte: Das Kindermaterial sei jetzt ebenso lebenSsähig wie früher. Die Entwicklung der Säug- linge fei tadellos. Er könne nur wiederholen, was er schon an anderen Stellen gesagt habe, daß es gegenwärtig im v e utsch en R e ich e kei n en M e n sch e n g e b e, dem e§ so gut gehe wie dem Säugling. Er habe dieselbe Menge Milch, genügend Zucker und könne nicht überernährt werden. Das war alles, was wir über das so unendlich wichtige Gebiet der Existenzverhältnisse des Säuglings hörten. Und doch war es genug. Herr Prof. Dr. Langstein wollte das Thema be- bandeln ohne Sentimentalität und ohne Beschönigung. Von Sentimentalität war nichts zu hören, um so mehr abervon Beschönigung. Durch solche Beschönigung unhaltbarer Zustände wird gerade den stillenden Müttern großes Herzeleid zugefügt, die täglich in der bangen Sorge leben, daß sie bei dem Ernährungsjammer wegen eigener Entiränung gezwungen sein werden,«hren Liebling abzu- setzen. Wie falsch die Ansicht ist, daß eS die Frauenmilch in der- selben Menge gäbe wie bisher, wird jede stillende Arbeiterfrau alle Monate attestieren. Solange sie genügend Mühlensabrikate haben, um reichlich Suppen zu genießen, solange gibt es reichlicher Frauenmilch. Wenn«S aber keine Suppen mehr gibt, was für einen großen Zeitraum des Monats der Fall ist, dann gibt es auch nicht die- selbe Menge Frauenmilch wie bisher. Deshalb muß gesagt werden: In Wahrheit liegen die Dinge so. daß mit Ausnahme' der Säuglinge in den wohlhabenden Familien die Säug- linge noch von keiner größeren Gefahr bedroht gewesen sind wie von dem ErnährungSjammer im vierten Kriegswinter. Das offen auszusprechen ist heitige Pflicht gegenüber den Säuglingen und ihren Müttern. Wer diele Gefahr abwenden will, der beschönige nicht unhaltbare Zustände, sondern verlange, daß den stillenden Müttern wenigstens ausreichende Mengen Mühleniabrikate, Brot und Butter gegeben werde, sonst wird das Stillgeschäft bald einen unheilvollen Rückschlag erleiden. Für die Kinder im schulpflichtigen Alter genügen Herrn Prof. Dr. Langstein die Rationen nickt ganz. Aber er sagte, er habe gefunden, daß das Aussehen dieier Kinder in einem sehr erfreulichen Mißverhältnis stehe zu den ungenügen- den Rationew Die Kinder feien noch in gutem Ernährungszustand, was allerdings oft zmück zu führen sei auf Ernäbrungsopfer der Mütter. 1916 seien in Berlin beim Schuleintritt noch 95 Proz. in gutem Ernährungszustand gewesen, 1917 aber nur noch 91 Proz. Wenn auch eine Abnahme des GewickiS noch keine Krankheit fei. so prädestiniere die Abnahme des Gewichts bei den minder- bemittelten Kindern zur Krankheit. Auf die Tuber- k u l o f e habe in allen kriegführenden Ländern der Rück- gang der Ernährung einen ungünstigen Einfluß gehabt. Die Tuberkulose der Kinder nahm stark zu. Zugenommen hätten auch die Krankheiten, die zurückzuführen seien aus mangelnde Reinigung. Im allgemeinen genommen siebt aber trotzdem Herr Proi. Dr. Längstem als Emfluß des Krieges auf da» Leben des Kindes.nur eine gewisse, keineswegs gefähi liche Einwirkung auf gewisse Kinderkreise'. AlS Aufgaben der Zukunft betrachtet er die Förde- rung ausgedehntesten Kinderschutzes Ein ungleich verschärfter Kampf gegen dieTuberluloie sei da» Erste. ES müsse eine frühzeitige Heilbehandlung tuber» lulöfer Kinder in Heilstätten des Hochgebirges- einsetzen WohnnngSelend und Kmderelend hingen eng zusammen. Ein großzügiges Siedelungswesen iei nötig, um dem Kinde mehr Li»r und Luit zu geben. Das Idealste wäre, alle Kinder unter ärztliche Aussicht zu bekommen und gewisiermaßen über jeveZ Kind Bück zu»übren. Die K i n d e r f ü r s o r g e, die heule 16 bis 15 Proz. der Kinder umfasse, müsse dahin erweitert werden daß ihr 70- 80 Proz. unterstehen. Wir müßten Menschen erziehen zur Erziehung von Menschen. Die Mütter müßten auf allen Gebieten der Kinder- pflege vorgebildet werden. Daher müsse die Kinderfüriorge ickon in die Schule hineinaetroge» werden. Die Ge- sundheitSpslege müsse Gegenstand deS Unter- rickts werden. Die Städte hätten in vorbeugender Weise viel zu wenig für die Kinder'ürsorge getan. Wenn das jetzt im Kriege besser geworden sei, so müsse daiauf geachtet werden, daß dieieS Feuer nicht wieder verlösche. Dieies Zukunilsprogramm des Kinderschutzes wird in der Sozial- demokratie sicher den wärmsten und entschiedensten Ver- fechter haben. Wir wollen aber vor der Zukunft die Gegen- wart nicht vergessen, darum rufen wir: Helft den stillenden Müllern! parteinachrichten. Für Frieden und Freiheit. In Mainz fl>rach am Sonnabend ReichslagSabgeordneter Ge- nosse Scheidemann in einer von mehreren Taufend Perionen besuchten Versammlung über.Verständigungssrieden, Vaierlouds- Partei und Sozialdemokratie". Elilsliinmig'sprachen sich die Versammelten durch eine Resolution nachdrücklichst iür die Demokrati- sierung Deuii'cklandS aus. Sie erklärten auch ihr Einverständnis mit der vom Reichstag am 19. Juli beschlossenen Reiolullon. begrüßten die Errungenickaflen der Arbeiter in der ruisticken Revo- lmion und wünickten ihnen weiteren Erfolg bei ihrer schwierigen Aufgabe zur Vorbereitung eines demokraiiichen Friedens, der sowohl iür Deutschland wie für alle anderen Länder die freie wirtichaflltche Entwicklung sichert. Vor einer mehriausendköpfigen Versammlung in Magdeburg sprach am Sonnabendabend Reichstagsabg. Gcnosie Schoo fli» über die Frage.Gewalt- oder VerständigungSirieden?' Die Zu- Hörer begleiteten die Ausführungen deS NeviierS mit fortgesetzten Beisallsäußerungen, sodaß zum Schluß einstimmig eine Entichließung angenommen wurde�die einleitend das WaffenstillstandSangebol der bolschewistischen Regierung in Rußlans begrüßt und dann den Ab- ichlutz eines Verständigungsftiedens ohne Vergewaltigung eines Volkes fordert, gegen die Länderich luckerei der VaierlandSpartei protestiert, sowie die sofortige Durchführung der politiichen Gleichberechtigung und die Aufbebung deS Belagerungszustandes verlangt. Ein Anhänger der unabhängigen Sozialdemokratie polemisierte als einziger Redner gegen Gen. Schöpflin, ohne indes irgendwelche Gegenliebe in der Versammlung zu finden. Weitere Veriammlunge» zur Demonstration für einen Ver- ständigungsfrieden sowie freiheitliche Reformen im Innern fanden in KottbuS, Forst, Fiirstenwalde und Guben statt. Dieselben nv>ren durchweg stark besucht. In Kottbus und Fürstenwalde referierte Gen S t ü ck l e n, in Forst Gen. M ü l l e r vom Parleivorstand und in Guben Gen. Eberl. In allen Versammlungen gelangten Enl- schließungen zur Annahme, welche das Festhalten an einem Ver- ständigungsfrieden ohne Annexionen und Kticgsenlschädigungen so- wie die sofortige Durchführung freiheitlicher Reformen im Innern sordenl und die Treibereien der Vaterlandspartei und RüitungS- Politiker verurteilen. In Fürstenwalde iuckre em Unabbängiger die Tätigkeit des Paileivorstandes und der ReichSiagssraklion herab- zu'etzen. Er wurde vom Gen. Siücklcn unter Beifall der Versamm- lung gebührend abgeführt. Einer von der alte« Garde. In Zürich starb Waisenrat Karl Manz-Sckäppi, der in der Sturm- und Drangzert der Berliner Arbeiterbewegung eine hervor- ragende Rolle spielte. Als Tisiendorf unseligen Angedenkens die Gerichte für die reaktionäre Staatsräson und seinen eigenen Ebr» geiz mißbrauchte, da wagte er ein Tänzchen mit dem berüchtigten Staatsanwalt. Einer der Redalteure der.Berliner Freien Presse' nach dem andern wanderie ins Gefänarns. Trotzdem Vibernahm der Buchbinder K a r l M a n z die verantwortliche Redaktion, die ihn auch prompt mit den Gerichten in unangenehme Berührung brachte. Nach dem Fall deS Sozialistengesetzes wanderte Manz in die Schweiz aus. wo er in der politischen und Gewerlschaitsbewegung eine ge- achtete Stellung einnahm und in den Züricher Kantons- und Staats- rat gewählt wurde._ Jugenöveranftaltungen. Arbeiten ngend heim Berlin. Lindenftr. 3. Heute Dienstag Spiel- und Unterhaltungsaberid. Beginn 7 Uhr abends. Spiele und Schriften liegen in reicher Auswahl auS. Jeder Jugendliche ist willkommen l Arbeiterjugend Ebarlottonburg. Heute Dienstag abend 8 Ubr. tm Jugendheim. Rosinenslr. 4, Vortrag von Frl. Schmidt-Ladr: Wie Volkslieder rmd Volkstänze entstehen. verannvortlich für Bolitil Erich Surtuer, Berlin: für den übrigen Teil des BtaltcS Alirrd LchiNj. Aeulolln:!ür Jnlcraie Td Wlodt, Berlin. Truck u. Verlag Vorwärts Buwdruilerei u. Verlagsanilall Vau! Einger k Co. Berlin SW Hier»» 1 Vrllage und Unterbai mngSdlaet. seaxMger schwillt die Zahk der. Damen an, die, wenn es sich um Damenkleidung Handelt, unsere Hefchäste aussuchen. Immer intensiver«erden infolgedessen unsere An« sirengungen, vm auch weiterhin allen An« fvrderungen unserer Kundschaft- natürlich im Rahmen des Erlaubten- gerecht zu verde«. Königflr. 55 Chausseesir. 113 2km Lob-chof Statiner Lahrchoi Sonntags geschlossen.'