Nr.3Ä7. 34. Jahrg. Bezugspreis: kierteliShrl. S.L0MÜ. momUI. IL» Ml, wöcheniiich so Psg. frei WS Hau». vorauszahlbar. Einzelne Wochentag»« Nummern ö Pfg. Sonntagsnummer mit illuslrlerter Beilage.Die Neu« Welt' lll Big. Ooslbezug: Monatlich l.80 Ml. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2.80 Ml, sllr da» übrige Ausland 4 Ml monatlich Postbeslellungen nehme» an Dänemarl. Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Posl-Zeitungs-Prct-lisl«. Erscheint täglich. Delegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin", Verlinev Volksblslt. ( 5 Pfennig) Der RnzetgenpreiS beträgt s. die stedrngefvalten«»olonel. -eUe«> Pjg.„Kleine Anzeigeu", da»!ettgel.lrnlte Wort 20 Plg. izu- lässig S icttgedruchte Worte!, lebe» weitere Wort l0 Psg. SleUeageiuche und Echlafslcllenanzelgen Sa» ersle Wort tOiSsg.. lebe» wcitereWortSPsg. Worte über iö vuchsloden'zählen sür zwei Worte. Te»erung»illichlog 20»/» Familien» Anzeigen»0 Pfg., Volltischc u. gewcrlschaflsiche Berein»» klnzeigen 40 Big die Zeile. Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmitt. im Haudtgcschäst. Berlin SW.SS. Lindenslrage 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr irüh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan cUr rozialdcrnokratifd�cn Partei Deutfchlandd. Neüaktion: EW. HS, Linüenstraße 3. Fernsprecher- Amt Morippla», St«. IM 90— 151 97. Donnerstag, de« 5i9. November 1917. ExpeSttion: EW. öS» 5inüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Msrittplatz, Nr. 181 90—151 97. •;• Der Dörferkampf vor Cambrai. Artilleriefeuer in Flandern— Bonrlon und Fontaine in neuen Angriffen der- loren und wiedererstürmt— Kampf bei Nomeny. Amtlich. Großes Hauptquartier. 88. November 1917.(W. T.«.» Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern war daS Artillericfcucr zwischen dem Hoitthoalster Walde»nd Zandvoorde von Mittag an lebhaft; bei PaSschrndaele schwoll eS am Abend zu größter Heftigkeit a». Zu beiden Seiten der S c a r p e erhöhte GcfechtZtätigleit. Auf dem Schlachtfclde bei Cambrai leitet« scharfer Feuer- kämpf mit Tagesanbruch die Angriffe ein, die der Engländer mit frisch eingesetzten Divisionen gegen Bourlon, Fontaine und unsere anschließenden Stellungen richtete. W/stlich von Bourlon und Fontaine brachen seine Angriffswellen und die ihnen voranfahrcndc» Panzerwagen in unserem Feuer zusammen. Zwischen Bourlon und Fontaine drang der Feind nach mehr- maligem vergebliche» Ansturm in uuscre Abwehrzonc ein. Bour- lo» und Fontaine ginge» vorübergehend Verlorr». Dir durch den erbitterten Häuserkampf stark gelichteten eng- lischen Verbände traf der Gegenstoß unserer Infanterie. Ilm- fassend angesetzt und schneidig geführt, nah« sie die Dörfer in glänzendem Ansturm wieder und warf den Feind in den Wald von Bourlon zurück. Mehr als 200 Gefangene und zahlreiche Maschinengewehre blieben in unserer»Hand. DaS starke Feuer ließ bei Eintritt der Dunkelheit nach; örtliche Jnfanterickiimpfc dauerten bis in die Nacht hinein fort. HeertSgruppr Deutscher Kronprinz. Nordwestlich von Tah ure ließ der Franzose bei einer miß- lungene» Unternehmung Gefangene in unseren Gräben. Auf dem östliche» Maasufer war die Artillcrietätig- keit am Bormittag gesteigert; sie flaute von Mittag an zu mäßigem StöruugSfruer ab. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Nordöstlich von Nomeny stießen starke französische Abteilungen gegen unsere Linien vor; sie wurden im Nahkamps ab- gewiesen. Oestlicher Kriegsschauplatz und Mazedonische Front keine größere» Kampfhandlungen. Italienische Front. Nicht? NeueS. � Der Erste Gencralquartiermrister. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 28. Rovemb»? 1917, abeuds. Amtlich. Don keiner Front find bisher besondere Ereignisse ge- meldet worden._____ Der österreichische Bericht. Wien, 28. November 1917.- vrivileg festhaltenden Zusatz HaberlandS mit großer Mehr- heil an. 57einc Erhöhung der Kartoffelration? Eine Korrespondenz teilt mit: Aus eine Anfrage, od eS sich nicht ermöglichen laste, die wöchentliche Kartoffelmenge aus 10 Pfund zu erhöhen, bar der Staatssekretär deS KricgternährungSamtS folgende Antwort erteilt: .Eine Erhöhung des gegenwärtigen Kartoffel-Dochenkopfsatze» von sieben Pfund is, nickt möglich. Nach dem vorläufigen Ergebnis der gegenwärtig einer Nachprüfung unterliegenden Ernleermittelung ericheint eS zweisclhaft. ob die in bezug auf den Ausfall der die«- jährigen Kartoffelernte gehegten Erwartungen fich tatsächlich in vollen, Umfange erfüllen werden. Iedenfoll« stellt aber der bereits sestgeietzl« Kartoffelbedarf der Volksernährung und der Kartoffel- Industrie schon bei Zugrundelegung de» GatzeS von 7 Pfund unter Berücksichligung«ine» weiteren Pfunde» al« Ausgleich für die ent« stehenden Schwundverluste an die Karioffelvorräte so stärke Anforderungen, datz die durch eine Erhöhung de« Verbrauchssatze« bedingte neue LieserungSauslage von den Lieferbezirken tatsächlich nicht mehr aufgebracht werden könnte. Di« Durchführung einer Heraufsetzung der Wochenkopstnenge würde aber auch au den be- stehenden Verkehrs- und Betriebsschwierigkeiten, vor allem an dem Mangel versügbarer Eisenbahnwagen und an der Unmöglichkeit, während der Frostperiode die Beförderung von Speisekartoffeln vor- zunehme», scheitern. Da im übrigen mir der Möglichkeit gerechnet werden inutz, datz im Laufe des WirtichafisjahreS die Knappheit des Brotgetreides zu einer Erhöhung deS derzeitigen Prozentsatzes des Streckungsmalerials zwingt, und datz an anderen Lebensrnitteln Ausfälle eintreten, so mutz auS den»och vorhandenen Kartoffel- Überschüssen eine Reserve gebildet werden, um mit deren Hilfe kommende Bedarfsfälle decken zu können." Soweit die Bicldung. Wir halten sie zunächst noch für unwahr- scheinlich, weil wir der Auffassung sind, daß bei der reichen Kartoffel- ernte unbedingt eine Erhöhung der Ration durchgeführt werden kann. Daß die vorläufigen Ernteergebnisse nicht besonders gut nusfnllen, war vorauszusehen, da die Landwirte Kartoffeln zur Jichfütterung zurückbehalten wollen. Solange noch Kartoffeln i» dc» Groß- betrieben markenfrei zentnerweise abgegeben und zum Preise von 13 bi« 20 M. pro Zentner in Berlin und den Bororten im Schleich- Handel vertrieben werden, wird man der Bevölkerung nicht zumuten können, mit 7 Pfund pr» Kopf und Woche auskommen zu sollen. Schon jetzt gehen un« von Krregcrsrauen bewegliche Klagen zu, daß sie mit ihrem Kartoffelquantum nicht auskommen und sie sich infolge- dessen gezwungen sehen, um die Kinder nicht hungern zu lassen, ihre eiserne Portion für die Wintcrvcrsorgnng in erheblichem Maße anzu- greifen. WaS soll dann später erst werden? Schokoladenverteilung an Kinder. Die Stadt Berlin gewährt den Kindern, die in der Zeit vom 1. August 1S03 bi« 31. I»l' 1907 geboren sind, einmalig je etwa 100 Gramm Schokolade in Tafeln, und zwar auf Grund von Be- zugfchcinen, die von dtn Brolkommissionen bis zum 3. Dezember abzuholen find. Ferner erhalten Kinder, die in der Zeit von, 1. Januar 1912 bis 31. Dezember 1913 geboren sind, einmalig je etwa 125 Gramm Schololadenpulver, ebenfalls auf Grund von Bezugscheinen, die i» derselben Zeit von den Brotkommissionen i» Empfang genommen werden können. Es erhalten: die in der Zeit vom 1. 8. OS bis 31. 7. 07 geborenen Kinder grüne Bezugscheine auf Schokoladen- raseln, die vom 1. 8. 03—31. 7. OS geborenen lila, die vom 1. 8.0� bis 31. 7. 03 geborenen rosa und die vom 1. 3. 03—31. 7. 0t ge- borenen blaue Bezugscheine. Weiterhin erhalten: die in der Zeit vom 1. 1. 13— 31. 12. 13 geborenen Kinder gelbe Bezugscheine auf Schokoladenpulver, dievom 1.1. 12—31. 12.12 geborenen braune Scheine. Die Ausgabe der Bezugscheine durch die Brot- kommisfionen siir alle fünf Jahrgänge erfolgt gleichzeitig. Die Anmeldung sämtlicher Bezugscheine hat in den durch braune BerkaufSschilder gekennzeichneten Geschäften in der Zeit vom 3. Dezember bis 8. Dezember z n geschehen. Die Geschäfte sind bei den Brotkommissionen bekannt, auch an den Anschlagsäulen veröffentlicht. Die Ausgabe der Schokoladentafeln .auf: grüne Bezugscheine erfolgt vom 11.— 13. Dezember, lila vom 14.— IS., rosa vom 18.-20., blaue von, 21.-24. Dezember. Die Ausgabe des SchokoladeiipulverS auf gelbe Bezugscheine vom 18. bi» 20. Dezember und auf braune vom 21.-24. Dezember. Kleine Anfragen. 13. Einige nn OstkrankenhauS Tri fiter Tlratze liegende Patienten äntzerlsn neulich die Absicht, aus den.Vorwärts" zu abonnieren. Als einer der beiden dort amtierenden Aerzte die» Hörle, entgegnete er, dieses Blatt dürfe nicht in das Krankenhaus hinein! Es würde uns lebhaft interessieren, von dem betreffenden Herrn zu erfahren. auS welchen zwingenden Gründen er sich dem„VorwärtS"-Loykoll der Iliiabhängigen angeschlossen hat. 11. A. w. g. Ter Mord an der Kartoffelmietc in SchSnefeld ist jetzt vollständig aufgeklärt. Ter Schloper Max Zwilling, der nach der Verhärtung in seiner Wohnung gleich nach dem Neuköllner Polizei- Präsidium gebracht wurde, legte dort nach anfänglichem Leugnen im Lause des Verhörs gegen S Uhr abends unter allen Zeichen der Reue endlich daS Geständnis ab, datz er seine Frau um das Leben gebracht' habe, um feine Braut heiraten zu können. Zwilling fuhr schon am Montag voriger Woche mit seiner Frau nach Schöne- selb, um sie dort zu ermorden. Wie er sagt, fand er aber dainals nicht den Mut zur Tat und kehrte mit der Frau nach Berlin zurück. TonnerStag machte er die Fahrt mit ihr zum zweitenmal, jetzt so. datz er rn der Dunkelheit draußen war. Während nun die Frau vor der Karwffelmietc»icderkniete, schlug er sie mit eiuein einen Meter langen, vier Zentimeter dicken Knüppel viermal über den Kopf. Als er sah, datz sie tot war, warf er sie in einen Graben neben der Miete und deckte die Leiche mit Kar- tosselkraut zu. Zwilling macht den Eindruck einet kranken Menschen. Er sagt, datz er oft nicht klar denken könne. Der Ver- haftete war im Felde mehrmals verwundet worden und wurde dann aus der Werst beschästigt. Seine Braut wutzie, datz er vcr- beiratet war. Al» er sie jetzt nach Berlin mitbrachte, erklärte er ihr, datz st« ihm die Wirtschast führen könne, weil seine Frau nicht wiederkomme. Eine sechitöpsige Bande 12— 14 jähriger Diebe, die in Neukölln mit großer Dreistigkeit und gutem Erfolge.arbeiteten", ist von der dortigen Kriminalpolizei unschädlich gemacht worden. In Neukölln wurden seit einiger Zeil fortgesetzt am hellen Tage Diebstähle verübt, namentlich wurden KleidunaSstllcke, Lebensmittel uilv. ge- stöhlen. Jetzt ist eS gelungen, die Spipbubeu zu ermitteln. Die Bürschchen hatten sich zu gemeinsamen Raubzügen zusammengetan. Sie haben auch zahlreiche Diebstähle auf dem Neuköllner Güter- bahnhof verübt und dabei erhebliche Mengen an Lebensmitteln er- beutet. Eine Spezialität der Jungen waren Taschendiebstäble. die sie bot.anstehenden" Frauen verübten. Die erbeuteten Gegenstände verkauften die jungen Diebe und jührten auS dem Erlös ein flotte« Leben. Seit längerer Zeil waren sie den elterlichen Wohnungen ferngeblieben und nächltglen meist auf Hausböden. ?t«tt»e«. Eine Milderuni, und Ichlietzliche Auibebung der H t ii ck. g u t t p er r e soll, wie amtlich mitgeteilt wird, in wetterem Umfange statt- finden, sobald die Anforderungen merklich nachlassen, die die Lebensmittel- betördening an die deutschen Bahnen stellt.— Der Minister de« Innern hat sich damit einverstanden erklärt, datz die B o Ii z e i st u n d c für K t N o» da. ,wo fich örtliche Bedenken nicht ergeb-n", allgemein von 1t> a u f tOff, Uhr abend« ausgedehnt«eeden kann.— Eine von der Vereinigung der Glühstrumpssabrikanten und dem Verband unab- bängtgcr Glühtörpersabrikanten elnberusene Versammlung beschlotz. den GlühstrumpspreiS pro Stück um weitere 10 Ps. zu e r h ö h e». Neukölln. Gegen den Wucher. In geheimer Sitzung beickaitigte sich die Stadtverordnetenversammlung am Dienstag mit vorbereitenden Matznahmen, um bei der Regierung eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln durchzuführen. Von allen Seiten wurde betont, datz der Schleichhandel jetzt einen derartigen Umfang angenommen hat, daß«s vor allem den Arbeitergemeinden nicht mehr möglich ist, die nötigen Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen heranzuichaffen. Ein« Kommission, bestehend au» drer MagistratSmitgliedern und drei Stadtverordneten, roll nochmals mit de» Regierung» deHörden verhandeln. In der Stadtverordnetenversammlung vom 6. Dezember soll dann über diese Verhandlungen Bcrichr erstattet werden. — Bolkstümliche Borträge. Zum Liederabend am 30. November in der Aula der Realschule. Boddinstr. 34/41, wird der jngendltche Tenor der königlichen Hofoper Peter Unkel neben Lieder» von Schubert, Schumann, Krieg, BrahmS. Strauß uud Kaun, die Arie des Max aus der Oper»Der Freischütz", sowie da« LiebeSlied aus, „Die Walküre" vortragen. Außerdem wird Herr Professor Mäher« Mahr, welcher die Begleitung übernommen hat, noch die H-inoIl- Rhapsodie von Brahms zu Gehör bringen. Tempelhof. Für den Bürgermeister— gegen die Sozialdemokratie. Eine außerordentliche Äemeindeveriretersitzung, einberufen aus Antrag der sämtlichen bürgerlichen Gemeinde- Vertreter, beschäftigte sich am Montag mit dem einzigen VerhandlungSgegenjtano:„Erklärung der Gemeindeverordnelen Richter und Genossen betreffend Erwerb der Englischen Gasanstalt". Rad) der Erklärung deS B ürgermeisters in der vorigen»Sitzung— cc werde eine Debatte über seine Stellung als Kreistagsabgeordneier oder aber�eine Abstimmung über Billigung oder Nichtbilligung seiner Stellungnahme zur GaSanstaltifrage als solcher nicht zulassen— durfte man erwarten. datz es zu einer Auseinandersetzung zwischen Mehrheit und Bürgermeister kommen würde. Das war aber nicht der Fall. Vielmehr handelt eS sich darum, dem Bürgermeister ein Ver- rrauenSvotum für seine Hattung in de: GaSanstaltSfrage auSzu? stellen, llnd so dürft» denn der Gcmeindevertrcter Dr. R i ch t c r dem Bürgermeister unbehelligt versichern, datz die bürgerlichen Gemeindedertretcr feine Stellungnahme billigen. In der Ein- wohnerschaft habe auf Grund der Zeitungsberichte über die letzte Sitzung der Gemeindevertretung eine gewisse Erregung Platz ge- griffen, weil au« diesen Berichten entnommen werden konnte, die bürgerlichen Gcmeindevertreter hätten den Ausführungen de» sozialdemokratischen Redner? zugestimmt und wollten ebenfalls den Bürgermeister als Kreistagsabgeordneten nicht wiederwählen. Als Ausdruck der Meinung der bürgerlichen Gemeindevertreter schlug Redner eine im Sinne seiner Ausführungen gehaltene Resolution vor. Gen. Ewald beleuchtete zunächst das Verhalten des Bürger- meisterS, der erst, als die Stellung eines Teiles der bürgerlichen Eemeindevertreter noch ungewiß war. eine Debatte oder Beschlutz- fassung über seine Stellungnahme im Kreistag nicht zultetz; aber jetzt, nachdem ersichtlich, datz sich die Beschlutzfassung zu seinen Gunsten gestalte, nichts dagegen einzuwenden habe. Eine Erregung in der Bürgerschaff sei in ganz anderer Beziehung vorhanden, näm- lich darüber, datz die GaSabnehmer. damit die Verzinsung des Kauf- objekt» gedeckt werden könne. daS Gas teurer bezahlen müßten. AuS der Fassung der vorgeschlagenen Resolution gehe hervor, datz damit das in der vorigen«itzung durch die Erklärung des Bürger- meisters verhinderte Vertrauensvotum nun noch nachträglich zu- stände kommt.— Die vorgeschlagene Resolution wurde sodann mit allen gegen die Stimmen der fünf Sozialdemokraten angenommen. FriedrichShagen. Marmeladeuverkauf Heute gelangt aus Ab- schnitr 39 der grünen Lebensmittelkarte je ein Pfund zum Preije von 90 Pf. zum Verkauf.__ Grvß-Herlmer Partemachrichten. Tie Versammlung der Sozialdemokratischen Vcr» eine Grost-Berlins findet Sonntag, den 9. Dezember, mittags 12 Uhr, im Zirkus Schumaun, Äarlstr. 39, statt. Die Reichstagsabgeordneten Rob. Schmidt, Richard Fischer, W i l h. P f a n n! n ch. P h. S ch- i d e m a n n sprechen über:„Unsere Ernährung, Deutschlands Demokratisierung, Die Baterlandsparter, Der LerstäudiguugSfriede n". Eintritt nur gegen Karten! Karteupreis 29 Pf. Tie Ausgabestellen für die Karten werden am Sonnabend bekannt gemacht werden.__ Gerichtszeitung. Uebcrfall auf eine bejahrte, Frau. Vor dem Schwurgericht de? Landgericht? III. das gestern unter Vorsitz deS Landgerichtsrats Budde nberg tagte, standen vier junge Burschen, von denen zwei erst 13 Jahre sind und kaum über die Schranke hinübersehen können, während die beiden alteren 20 und 22 Jahre alt sind. Die Anklage klingt wie ein Kapitel aus einem blutigen Hintertreppenroman: sie richtete sich gegen den Schlosser Karl N o t h d u r f t. den Mechaniker Wilhelm K n o tz 1 ch und die beiden ArbeitSburschen Z a d e m a ch. Letztere beiden sind rhren Eltern entlaufene Taugenichtse, die sich in Berlin herum- trieben und hier die beiden älteren kcnncnflelernt und nch mit ihnen zu dem unter Anklage stehenden tollen Raubzuge verbunden haben. Die 36 Jahre alte Witwe Klara Günther rn ög- gerSdors-tzohen fließ bewohnt daselbst ein auS Brettern errichtetes Sourplerhäuvchen und ein daran anschließendes Laubci� land. Sic war früher Händlerin in Berlin und ernährte l'ch durch den Verkauf der Erträgnisse ihres Lande», durch den Ver» kauf bon Milch. Eiern und dergleichen. Am 10. März früh er- schien sie. den Kops mit blutigen Wunden bedeckt, in dem Gasthor „Zum hungrigen Wolf" und bat den Gastwirt, an den Gendarmen zu telcphonieren. Nach ihrer Angabe sei sie in der Nacht von vier zungen Burschen, die durch AuShelren der Tür, während sie schlin, sich Einlaß verschafften, überfallen, beraubt und schwer verwunde! und mißbandelt worden. Der herbeizitierte Gendarm hat die wer Angeklagten auf dem Bahnhof Strausberg festgenommen; sie trugen verschieden« der Frau Günther geraubte Sachen bei sich: einen GummisÄlauch und die Lausdeckc eines ZweiradeS, Stosff eine Gardinenschnur, eine Handtasche, Schnürschuhschäste. eine Wecker« uhr, ein Portemonnaie, einen Spiegel, ein Kreuz mit K.'ffe, 143 Gramm Wurst, 100 Gramm Muschclsleischsülze u. a.— Nach der Darstellung der Frau Günther bat sie sich am 8. und� 9. März zum Zwecke von Besorgungen in Berlin aufgehalten: st« sei abends nach Strausberg zurückgefahren und von dort nach Hause gelaufen. Gegen Ii? Uhr nacht» sei sie zu Bett gegangen. In der Dämme- rung am Morgen sei st« plötzlich von den vier Angeklagten, die ihr gänzlich unbekannt� seien, üdcrsallen ivorden. Der erste habe ihr mehrere wuchtige. Schlage auf die Stirn und die rechte Kops- seite versetzt, der ganz junge LläSke habe mit einem Kaichenbeil aus sie eingeschlagen und dabei geschrien:„Laßt das Aa« nicht hoch, macht sie kalt, schlagt sie tot; sie darf nicht rau», sie mutz erst sagen, wo sie Geld und Hühner hat." Darauf habe Nothdurft mit ihrer Axt ebenfalls gegen ihren Kopf geschlagen. AuS dem Nebenzimmer erscholl dann der Ruf:„Jetzt ist sie tot, jetzt packen wir zusammen und machen, datz wir fortkommen!" Die Ange» klagten seien dann in die Stube zurückgekehrt und als sie sich noch bewegte, habe der kleine Bläskc geschrien:„Da» Aas lebt ja noch! wir müssen sie kalt inschen, stoßt sie in die Kaldaune!" Der Angeklagte Nothdurft schwang eine» Dolch und drohte, sie totzustecheu, sobald sie sich ragen würde; auch BlaSke habe ein Messer in der Hand gehabt. Einige Angeklagte hätten unter weiteren Trohun- gen Geld und Hühner verlangt und ihr immer wieber in Aussicht gestellt, sie„kaltzumachen". Dann haben die Burschen die Wob- uung durchsucht und die Sachen gestohlen. Blä»te und Nothdurft banden ihr mrt einer Wäscheleine die Hände zusammen und dann den Oberkörper an Las Bett fest; daS letzte Ende de« Stricke« schlangen sie um den Riegel de? KleiderspindeS; dann entfernten sie sich. Der Frau Günther gelang eS bald, sich zu befreien. Sie ist in da« Krankenhau» Ält-Landsberg gebracht und dort vom Sanitätrat Dr. Eh u p i u« behandelt worden. Sie hatte sech« schwere Wunden bei dem Uebcrfall davongetragen.— Die Verhandlung ergab nur unauflösbare Widersprüche. Tie Angeklagten gaben zu, aus die Frau Günther eingeschlagen zu haben, bestritt« aber, zum Zwecke eines Raubüberfalls der Frais ü ach EyftSKorr aefolftf zu fein, wie diese fvßoupTcK Sie feien ■mit der Frwu Günther in einer VolkSspeiseanstait in der Cdaussce- ftrosze bekannt, geworden und diese hnvo sie aufgefordert, mit iBr nach Eggersdorf zu fahren und dort Kartoffeln und Hühner zu stehlen, wozu tcichfidi gute Gelegenheit gegeben fei. In Strausberg schon habe Frau Günther ihnen verschiedene Stellen gezeigt, wo zu stehlen fei und in Eggersdorf habe sie Frau Günther mit in ihre Wohnung genommen und wieder zum SartoffelsteHlen auf gefordert. Sie hätten aber keine Luit gehabt und d�r Frau vorgeredet. daß sie durch eigen Tritten gestört worden. Tann habe Frau Günther ihnen ein Nachtlager bereitet. Als sie später ihnen Vorwürfe gemacht, dag sie unbrauchbare Jungen seien, sei es zu Streitigkeiten getammen und da habe sich Nothdurft gleich auf die Frau gestürzt und auf sie losgeschlagen. Bezüglich des weiteren Verlaufs der Vorgänge und der Beteiligung der einzelnen An- geklagten belasteten sich diese gegenseitig. Ihre Erzählungen wurden von her Zeugin sehr lebhaft bestritten. Sie deutete an. daß die vier Angekläfften nach ihrer Festnahme eine, Zeitlang gemeinsam in einem Zimmer belassen worden seien und sich ihre Darstellung genfeinsam ausgesonnen haben könnten. Sie bestritt diese Do®» stellung nach wie vor und blich dabei, daß sie borber die Ange- tlagten nicht gekannt und diese auch nichi in ihre Wohnung ge- lasten habe. Demgegenüber traten zwei Zeugen aus. die bc- fuiuTtcu, die Zeugin im Zusammensein mit den Angeklagten Biet in Berlin gesehen zu haben.— Tie Beweisausnähme dehnte sich bis zum späten Abend aus. Tie Anklage vertrat Staatsanwalt Zehn, die Angeklagten wurden durch Justizrat Kempncr und die Rechtsanwälte. Dr. Tavidsohn und Tr. Löwen thal verteidigt. Lehrerer beantragte, die Zeugin aus ihren Geiste»- zustand unterfiichen zu lassen. Ter Antrag wurde abgelehnt. Tie.Hiljsdicnftvslicht bor Gericht. Vor einiger Zeit erhielten 19 Berliner Arbeiter den Befehl, sich.Viru Hilfsdienst zu melden. Sie wandten ein. daß sie bereits im Hilfsdienst tätig seien, da sie in Fabriten arbeiteten, rn welchen Zünder hergestellt werden. Die zuständige militärische stelle war damit einverstanden. Aach einigen Wochen erhielten die Arbeiter veutichet iflctallarbcifcr- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Noch- richt, dos; unser Kollege, der Mechaniker frsni Mecke MahlSdors am 20. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freilag. den 30. d. Mts., nachmittags Ist, Uhr. von der Leichenhalle des zweiten städtischen Friedhofes in Tchöneberg, Blanke Holle, auS stalt. Rege Beleiligung wird erwartet. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maichtnenarbeiter üb. SebooemaDD Deddingstr. S am 26. d. M. gestorben ist. Tie Einäscherung findet ani Freitag, den 30. No- vember, nachlniltagS 3 Ubr, im Krematorium, Gericht- strage, stall. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Ten Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Schlosser Vfübelm Kettner Veißeisiee, Gr. Seesir. 1 am 24. d. M. gestorben ist! Ehre ihrem Andenken! ■r20;ö Die Ortsverwaltung. Pirektion Mas Roinhaidt. Heutsohcs Theater. 7 Uhr: Itou Carlo».• Kammer spiele. 7'/, Chr: ÜV'ora. Vo!ksl»iihnc. Theater am Bülowplatz Untergrundb. Sohönh. Tor. 71. Chr: Hedda Kahler. Theater für Donnerstag, 29. Nov. Metropol-Theater Die Rose vöü Stamtnil iien Befehl, sich in Läüia zum Hilfsdienst einzufinden'. Dort er» fuhren sie. daß sie auf einem Neubau beschäftigt werden sollten und daß pro Stunde ein Lohn van Sä Pf. gezahlt werde. Sie wei» gcrtcn sich, die Arbeit anzunehmen, da sie' mit diesem Lobn nicht auskommen könnten, zumal sie sich dort selbst beköstigen' mußten und eine Schlafgelegenheit auch nicht vorhanden sei;'sie begaben sich nach Berlin zurück und erhielten deshalb einen Strasoeschl üvrr je 30 M. Mehrere Arbeiter sollen diese 30 M. bezahlt haben. Ter zum Transportacbeiterverband gehörende Arbeiter Heinrich Lee- tram erhob jedoch gegen den �trafbcsehl Widerspruch und hatte sich deshalb vor dem'Schöffengericht Berliu-Wedding zu verantworten. Der bFntSanivalt beantragte, den Strasbesehl zu bestätigen: Ter Angekläffte hätte in Lauta bleiben müssen, bis die von ihm ein- gelegte Beschwerde entschieden war: zum mindeste» hätte er vom dortigen Arbeitgeber einen Abkehrschein verlangen müssen. Ter Verteidiger plädierte für Freifprechnng; mindestens rechtfertwte ÜÄ die geringste zulässige Strafe. Der Gerichtshof trat letzterer Auffassung bei und erkannte aus 3 M. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil wird jedoch Berufung eingelegt werden. Coatral-Theator Kommaudantenstraße 57. I>ie Csardasfilrstia Oeutsehes Opernhaas 7 ubr Bie Jüdin. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Theater l Königgrätzerstr. 7ä/4 Ubr: Erdgeist. Komödienhaus st.S Ubr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 7st,U.:Dle tolle Komteß. National-Theater. 3; H. Größter Facherflilg! Jas w öle Sonntag 31 Was junge Mädchen' träumen. Frisdricb-Wilhelmst. Theater 7stsUhr; M RMMIllM. Kleines Theater 7'/, ubr: Celdzauber. Komische©oer 7% v.-. SchwarzwäliliiildeL Sbd.:;:/,: Klein Dorch. u. d Zinns. Enstsplelhaas 73/4 Uhr: Die hlonilen Mäilelsv.Linneniio! Neues Operetteniiaus Schifibd. 4a. Kassent. d'd.2Sl u/.uhr: Der MatöEf Marie. Uhr; Fesideiir-Theater üfa uff":; Bsfliafa Steil. Schiller-Theater O 7i/.uhx: Onkel Bräsjg. Schiller Th. Charl. 7st,Uhr: RfoseM Resllkak'lji. Thalia-Theater u& Egon unil seioe Fraiieo. Theater am Nollendorfplatz 3'/. Uhr: Oer Meineidbauer. ■ uhrjrei alte SeMeln Theater de» Westea»! tv: uhr: Der verliebte Herzog mit Guido Thielseher' Folgende Filme des M-vndMm-Mies raramiimminimiflHiimnimaimiHiiimniiiuiimiritrniiifliiiimnmiMimimiiirammiiiiiraiuniiiiiiiiimmimnffliifflr'iiri laufen in nachstehenden Kinotheatem Groß-Äerlins bis einschl. Donnerstag, den 29. November 19i7 ' Admi'ralspalast, Berlin, Sie 12. Zs-n,»Wacht......... Kukuk-(Zxcelsiör, Sln.Oicuföfln. MeraMluna.............£"rÄ",H":St""" Admirals-Pakasi, Serlin, 2. Ten: vochvsen............ FrledrichstraSe für Feuer-.Ä de."# stattung. Sitz Berlin. Gegr. I90S. Nachruf. .Am 19. November verstarb iiifdgr BctricbSum'alls unser Mllglicd, der Brunne» Sauer Herr kerdinnnd kekier Charlottenburg. Ehre seinem Andenken! Tie Bestattung hat be- reits stattgefunden. 296,'t Ter Borstand. Die letzten Tage des reichhaltigen IffiffifierSpIplis 12 litrakiioneii 12 Deutscher Buchbinder-Verband. «Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur?!ach- richl, daß unser Mitglied SM WM verstorben ist. Wir werden sein Andenken in Ehren halten I Die Beerdigung findet pm Freitag, den 30. November. nachmillagS 3 Uhr, auf deni Neuen Lakobi» Kirchhof in Neukölln, Hcrniannstraße, statt. Uni zahlreiche Beteiligung ersucht Die Drlsverwaliung. Zirkus A, Schumann, i Bhf Friedrichsti aBe,! Ankaii.sr 7'/, Uhr. Letzte Saison in Berlin. Gastspiel d. berühmten JA Dompteurs Jft Iii Richard Sawade iU lü �Tlser�- Iii Maud Wulff."flieg Hunde. u. das übrige hervorrag. Zirkos-Sport-PrograniDi MEXIKO Orig.- Ausstall.-Pantomime. Berliner Konzertbaus Mauerstraße S2. Zimmerstraße 90/91. Ifcueu: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters. Leitung: Komponist Franz von Blon. Anfang 71,'. Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7'/. Uhr. Morgen, den 30. ,\ov: Kouv.cft der Kameradschaftlichen Verclniganj- Berliner Krieger vereine. URA N I A........... Donnerstag, 29. Ko vember, 8 Ulir: Tier und Mensch in der Wildnis. Voigt-Theater Badstr. 58. Täglich Badstr. 58. !»| u. APOLLO Friedrichstraßc an der Kochstr. Dir. James Klein. Allabendlich 7';. Uhr; Die Hochzeit Maharadsslia Xheaterk. ununterbr. geöffn. Sonntags: Si Vorstellungen, S'i, und 7s/4 Um. ; Kafi'encröfin. Ö1/.. Ansang 7 '■ 8 Admirais-Palast. Ballett auf dem Eise 7*1, Uhr jlbrakadaka. Rose-Theater. 7'/, Uhr: Andreas.Hofcr. Cüma Wck, lieh Vf. Uhr: Mondfahrt. Phantastische Panlomime in 4 Akten v. Paula Busch. Vorher: Trilby und die übrigen vorzüglichen Nummern. MM Ott BraHttel-B.®ilenotOfi(tt. Zahlstelle Berlin. Zonutag. den B. Tezember ISl«, nachmittags 1 Uhr: Mitglieder Versaonnllnttg aller in den Lager- u. Malzbierbraucrcien Grop- Berlins beschäftigten organisierten Arbeitnehmer im Gewcrkschnttshau«, Engelitser lä, großer Saal. Tagesordnung: Stellungnahme zum Ztblouf des Tnritvertragcs in de» Lager- und Malzbierdrauereie» Gross-Berlins. Die wichtige Tagesordnung macht eS jedem organifierten Kollegen zur strengen Pflicht, in dieser Versammlung zu et- s cheinen. Mitgliedsbuch oder-karte der Gewerkschaft berechtigt zum Gtntritt. Kollegen! Erscheint zahlreich und pünktlich, da der Saal nm i Uhr geräumt werden muß. Tie Ortsverwaltuiig Berlin des Berbandcs de« Brauerei- und Miihlcnarbeitcr. I. A.: L. x- o b a v v. 17, U* jjiumnnnliunninimiininMiisniiniainiuiiiRiniunnunniiiiiniiimniiiiimninmiiuiiiintiiiiiiiiiiiiu r Walhalla-Theater. 7'/, Uhr: Zigeuner. Zentral-Ucrband der Zimmerer Deutidsiands. Zahlstelle Berlin und Umgegend, Bezirk 1. Den BcrusSgcnofi'cn zur Nachricht, daß unser Mit- glied Höinsiolt KlopMcIc am Sonntag, den 25. No- vember, verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 29. Nooember, nachmittags.': Uhr. von der Leichenhalle des AnierstehilNgS.KWchhoseS in Weißensee, aus statt, Um rege Beteiligung bittet 256/6 Der Borstand. Spezialarzt Ur. med. fiaaba beb. schnell, griindl., mSgl. ichmerzloS u. ohne Berussslör. Gescstlechtslirankhest. geheime haut-, ttarn-, Frauenleiden. Lchwilche. 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Ber Vorgitzicadc. Bauer. 293 14 Bellt unseren Verwunfieten! Ziebung 6. bis l l.vor.lSi? i'--";' I Oeld- Rßle-l�ioiiBrie 17851 Geldgewinne bar ohne Abzug M. sooeeo 190 OOS -i 50 000 30000 3* Lose* V0{pT*a �\ versend, gerr. Einsond.dos Betrag, mitt. Postanw. od. Kacbn.— nach d.Feld sind Kacbnahm. nicht zulässig Williaisi Lemcke Hamburg; LVie Worte kn ihrer eigenen Seele angeschlagen und tlängeu zaghaft, ernnierungssern darin ans. Was sie hier geichehen sab, war ihr kein fremdes Ereignis mehr. Alles da- hatte sie selbst in jungen Jahren voll Schinerzleb.endigkeit und Wirklichleitsrauheit erlebt. Dieses hier war nur eine von de- Schickials Wiederholungen. Fast dieselben Worte, ivie die'er junge Mann, hatte damals er gesprochen, mit demetben Antworten balle .sie gezagt und gehofft, das Trostlose aüfzühMem Jenes' und dreses, es waren dieselben Wirklichkeiten. E- waren dieselben Schmerzen und Sorgen, die hier gelitten, dieselben Tränen, die hier geweint wurden. Und Johanna Klinkerbom ivusite nun. dag es auch dasselbe Ende nehmen werde, und sie fühlte ein liefe-, mütterliches Mitleid mit dem fremden Mädchen, das ihre eigene einstige Onal durchlitr. Unterdesstn trieben die beiden Fremden sich mit Bor- würfen und Beschuldigungen noch manche Scharte in- wunde Herz, und es war doch ein mitzlofer Kampf, in dem sie nur ihre groffe stille Liebe zueinander zu Überwinden suchten. Endlich schüttelte der Mann da- an seinem Arm klammernde Mädchen heftig von sich ab: ober noch in dieser unsanften Gewati lag alle Liebe, und es verriet sich in dieser Gebärde nur die Verzweiflung seiner Seele. Endlich war der junge Mann nach einem gepeinigten qualvollen Zurückblicken davongeeilt. Ivährend das Mädchen mit der Note seine- Herzens zurückblieb und sich an einen Baum gelehnt, seinem Jammrr überließ. Behutsam schliäi sich Jobanna Klinkerbom an die Weinende heran. Sie sühlte es wie eine Pflicht in sich, die Wunden ihrer jungen Schicksalsgenossin mit der zeitlos großen Güte ihrer wllen Hände samariterhaft zu pflegen�und zu heilen. Die Fremde wider- sirebte nicht, als die Alle ihre Schultern berührte und den Arm um ihren Rücken legte. War doch alles, was ibr Leben ausmachte, von ihr geflohen, als ob da- Blut au- den geöffneten Adern einströmt fei. So ließ sie sich von der Greisin den Weg in ein leeres Da- fein, in eine fremde, unfreundliche Stadt zurückführen, � ohne dessen Zunächst gewahr zu werden. Erst als sie bei den ersten Häusern vorüberkomen und aus einem Fenster ein breite- Lichtbaud über die Straße fiel, da loard die Fremde der Führung der alten lln- bekannten inne und ein großes Verwundern verdrängle für Augen- blicke dem Schmerz aus ihrem Bewußtsein. Sie schaute mit großen verivirrien Augen aus ihre Begleiterin. deren Arm sie entglitten war, dann warf sie einen verstörten Äick um sich, und wieder ichlug der dunkle, wallende Mantel der HerzenSnot um sie zusainmeu. Johanna Klinkerbom schlang ihren Arm um die Weinende und sprach gütig aus sie ein. Sie fand ferne, seltene Worte der Liebe. � Und dann standen die beiden Frauen vor dem kleinen Hause, in der Schirminachergaff'e, die Alle schloß die Haustür ans und willenlos ließ sich die Junge in den finstern Flur ziehen. In ihrer Kammer breitete die Alle dem unbekannten Gast das eigne Bett..Widerspruchslos solgle die Fremde allen freundlichen Worten mit schmerzgelähimetn Willen. Mir der Liebe ihrer allen Hände bettete Johanna Klinkerbom da- liebliche Wunder von Schönheit und Jugend in ihre eigenen Kissen, trug die Lainpe sacht hinaus und ließ Dunkel sein. Dann lauschte sie noch ein Weilchei, auf den Atem der Fremden, der die Stille der Nacht und des Raumes sonderbar belebte. Sie fühlte die Spur von etwas Geheimnisvollem, Schicksalhaften, das hoch übör den Horizont ihrer Gedankenwelt hinausragt?, und sie meinte, daß sie selbst immer mehr zu'ammenschrumpfe vor der Größe dieses wirklichkeitsfernen Erlebnisses. Im Nebenzimmer nickte Johanna Klinkerbom-? Kopf auf den Tisch binab, de- Scheitels Silber blinkte im Lichisiurz der Lampe und die Müde schlnminette, von Erinnerung erfüllt, ein. Bald aber erwachte sie von einem leisen Geräusch anS ihrem freundlichen Traume. Bo'.i einer plötzlichen Angst brfallen, stand die Erwachte auf und schlich in die Kammer hinüber. Da eihlickte sie das leere Bett, die in der Dunkelheit bell schnnmernden Kissen, die zerwühlten Decken. Wie. in einer Lähmung starrte Johanna vor sich hin und suchte einen Gedanken zu fassen; dann raffte sie sich ent- schloffen ans, warf ein großes Tnch um die Schultern und tastete sich die finstere Stiege hinab aus die Süaße, die in Stille und Nächtlichkeit lag. Bon der Fremden war keine Spur zu sehen. Mit kurzen angestrengten Schritten trippelte die Alte die Gaste hinauf zum Markte. Als sie um einen HauSvorsprung bog, sah sie am Ende eines StraßenlaufS die helle Gestalt der Fremden bor sich. Sie hastete nicht; sie ging wie einer, der unsicher unbekannte Wege entlang sucht und des Zieles noch ungewiß ist. Langsam kam die alte Johanna der Flüchtigen näher, so daß sie beinah auf den Schatten treten konnte, den die Fremde ivie einen dunklen Sack voll Unglück im Mondlicht hinter sich her schleppte. So kamen sie an den Fluß. Da sprang plötzlich das Mädchen o» den Userbord hin, huschte eine kleine Treppe hinab und ehe die erschrockene Greisin die Flüchtige erreichen konnte, stand diese schon bis zu den Knien im Flnßwasser. Wie weißer Schaum umichwamm sie der Saum ihres Kleides. Das Wasser, das allerhand. Unrat ans den Straßenqoff'en aufschluckte, umwiegte sie und betastete ihre feinen Glieder, so daß sie schanihast schaudernd siillsiand, ehe sie tiefer biueinschriit. Da aber erfaßten sie Johanna Klinkekboms besorgte Hände und zogen sie. sanft aber stark zurück. Widerlich rochen die am Ufer schwimmenden Abfallinieln; der Schmutz, der ihre Neinheit und Schönheit beflecken wollte, machte ihr Ekel und sie ließ sich wilktg zurnckitihren in ihrer Ratlösigkeit. An verschlafenen Hätlserfluchteu gingen sie nebeneinander dahin. Ein lauer Frllhwind kam aus der Ebene daher gestoßen und raunte im hohen Grase de- Flußdgmmes. Er ließ das Blondhaar de? jungen Weibe- nin den bloßen Hals rieseln und ein paar große reine Augen öffneten sich seinem gelinden Anhauch mit verwunderten Blicken. Die greise Begleiterin hotte einen Arm um des Mädchen? Hüfte geschlungen und hielt seine schlaff herabhängende Hand in der ihren."Sie fühlte- das--junge- Bim in den Adern fließen und pochen und ihr Herz erstarkte am Wiedererwachen dieses sremden Leben-. Wortlos ichritten sie tveiler und überholten die letzten Häuser am Fluß. Auf einer Bank ließen sie sich nieder. Dankbar schaute die Greisili dem blassen Hellwerden der Fernen entgegen und ihre Finger spannten sich glücklich um die junge zarte Hand deS -Mädchens, das den Kaps auf die Brust gesenkt in da? rauschende Vorüberlreiben de- Stromes starrte, als liege in seiner starken bin- reißenden Gewalt da- Geheimnis ihres Leben-. Endlich aber seufzte es lies und ließ die Augen auf dem silberblinkenden Scheitel der Alten ruhen, es drängte den heftig atmenden Körper an ihre Schulter, und dann löste sein tiefer einsamer Schmerz sich in einem beißen Träneiffturz. So schmolz die Herzensnot im endlichen Schicksalsbegreiken lautlos dahin und überrann wärmend die Hönde der greisen Helferin. Und während das Weinen den jungen schönen Körper in Lebenswellen erzittern ließ, blickte die Alte stumm und gütig in das aufquellende Sommerlicht de- Morgens. Der Jarbensinn öer Tiere. Da- Verhältnis des Menschen zur Natur ist im Laufe der Jabr- hunderte einer deststnmten gesetzmäßigen Entwicklung unterworfen. Auf einer gewissen stufe betrachtet der„Gipfel der Schöpfung" die ganze übrige Nalur nur von seinem egoistischen Standpunkt des Nutzens aus. In der Bibel kommt das sehr gesteigert und selbst- bewußt zum Ausdruck; alle- ist für den Menschen geschaffen. Die Blumen duften zu seiner Freude, die Früchte reisen für ihn, die Tiere sollen ihm dienen. Auf einer höhere» Stufe erfährt der Mem'ch. daß die Natur ihre eigenen Gesetze und„Zwicke" l?.at. Aber er sieht diese»och mit seiner uienschlichen Suffässunz in sie hinein. Die schönen und auffälligen Blütenfarbeii, die Schmuck- färben der Tiere müssen natürlich Sinn und Bedeutung haben tiud Nutzen stiften: sie sollen die Insekten zur Befruchtung, da? andere Geschlecht zur Paarung anlocken. Aus der dritten Stuf«, der wir uns jetzt nähern, lernt- der Mensch begreifen, daß wir unsere Gesetzlich ketten und Zweckideen nicht in die Natur hineinlegen dürfen. Daß wir sie sozusagen mit ihren eigenen Augen betrachten lernen müssen. Unter den Foischeru, die hierbei durch ihre Fragest- klungen fruchtbare Vorarbeiten geleistet haben, steht Prof. v. Heß ans München obenan. Er hat durch klug erdachte, aber im Grunde einfache Experimente auf dem Gebiete des Farbensinnes der Tiere zunächst einmal festgestellt, wie sieht das Tier das, was wir als Farbe empfinden. lieber diese Forschungen ist hier des öfteren berichtet worden. Aber nun hatten wir am Dienstag in einem vom Wissenschaftlichen Verein in der Urania veraiistakleten Bortrag Gelegenheit, an der- Hand der ganz vortrefflichen Licht- und BewegungSb'ilder des'Prof. Heß seine Methoden genau kennen zu lernen und leinen eigenen Worten zu folgen. Wie sehe« die Tiere die Farben k Naiverweise hat man ongenoinmen: wie wir. Aber nach den Untersuchungen von Prof. Heß, der als Augenarzt hierzn besonders berufen scheint, iebeil nur die höheren luttlebenden Wirbeitiere Farben wie wir. was am Affen z. B. experimentell nachgeprüft ist. Von den Vögeln abwärts sind die niederen luftlebenden Wirbeltiere blaublind. Rot- gelbe OeUügelchei! in ihrer Netzhaut lassen die blauen Töne nicht durch. Alle Fische und Wirbellosen(aWo besonder- die selbst so farbig ouSzestatteten und die farbigen Blumen besuchen den Jnseilen) sind total farbenblind und unterscheiden nur HelligkeilstiNle rfck-i e d. Ali zahllosen Beispielen wurde uns im Bilde vorgeführt, wie Fische, Bienen, Raupen nur von Hell und Dunkel beeinflußt werden. Operiert man mit dem Spektrum au ihnen, so iuchen sie ausschließlich die hellste Stelle, die iür Farbenblinde im Grün liegt, ans. Bei den Fischen hätte über- Haupt da- Farben iehen keinen Zweck, da in 5 Meter Tiefe bereit- das Waffer fast alle Farben laußer blau-gxün) p-rschluckt. Es ist eistaunkich. wie schnell und' sicher die Versuchstiere aus Hell und Dunkel reagierten. Allvertraute Vorstellungen sind durch diese Versuche zunächst zerstört. Die Rolle der Farben bei den Schinuckfarben, Hochzeitskleidern und farbigen Blumenreize ist ans- gespielt. Aber andererseits empfinden auch niedere Tiere Helligkeit-- unterschiede sehr fein; sie sind keine chemischen Maschinen, sondern beseelte Wesen wie wir. Sie empsinden sogar Licht, wenn wir keine spezialisierten Lichtsinne-organe bei ihnen nachweisen können. Ob und welche andere Bedeutung da? schöne Farbenipid in der Natur hat, die Frage bleibt vor der Hand unbeantwortet. TharwMnb. SchUkrtheater: Sernharöi". Der Sturm im Glase Wasser einer Wiener Brofossorer.-, Hosrats- und Parlamentarierwelt in dieser vielgefpielleti Komödie S ch u i tz l e r- wirkt heute, in den darin geschilderten verlogenen Trick- lind Kiuffeu ivie ein zwerghaste? Spiegelbildchen des hench- lerüchen Hetz- und Ränkespiel«, das die furchtbare Tragödie des Weltkrieges von Anbeginn begleitet hat. Eigensüchtigste Jnteresien und klemlich verbohrteste Gehässigkeit vermummen sich in die ! Phrasen-Maskerade augeblicher politischer Pflichten und Notwendig- j keiten, um den veldienten und ebenso, verhaßten iiiiiichea..Lcsttzc ! einer Klinik vom seinem"Platz zu drangen. Bernhard:- Verbrechen ist. daß er. um einer armen Patientin ihre letzten Hoffumigs- träume nicht zu zerstören, dem herbeigerufenen katholftchen-PriesDr den Zutritt zu der Sterbenden verweigert hat. Ein Verhallen, da- Uebelwollen und Verleumdung sofort in ein« demonstrative Ber- höhnting der Kirche zu verdrehen beslisien sind. Von den liebeil Kollegen geschürt, setzt ein gesellschaftlicher vohkolt wider den llebel- läter ein.- Antisemiten und Klerikale interpellieren im Reichsrat unter höchst möglichem Aufwände mmol, scher Eittriistnng. und der j Herr Unterrichtsminister, der seine kläglichen Umfülle seil jeher mit ' den tönendsten Sentenzen auszustaffieren wußte, jagt die Eröffnung des AntlageverfahrenS zu. Was in der Komödie unterhält, sind die satirischen, in Wiener Lokalfarbe getauchten Züge. Weniger die Person Bernhardts, der w-it davon entfernt ist. sich selber irgend- wie als eineil Vertreter von Prinzipien aufznfaisen, und, gänzlich unpolitisch, die ikmr angebotene oppositionelle Fühtenofle ablehnt. DaS geistig Uederlegette wie die mit gsänzender Weltgewandthert verbunden« innere Solidität des Manne- kam in der Darstellung durch Georg Paeschke zu äußerst sympathischem Ausdruck. In dem Kollegenlreii'e traten die Herren Näwack, Menzel, Wiriü. A ß m a n n inü scharf nntrissenen Eharokterflizzen hervor. Alfred Brau n gab dem katholischen Geistlichen individuelle Tönung. Den Unterrichtsrninister spielte Herr Kitsch, den ironisch anarchislelnden Hofrat de? letzten Akts Herr Direktor P a l e g g. ckt.' tl0tljeu. — CD i 11 F o r s ch u n g s i n si i l u i für Text! l i n d tt st r i e soll in Dresden unter Teilnahme der sächsischen Regierung gegründet werden. -iij-iiini Die welsche Nachtigall. Der Roman eines st erbenden Jahrhunderts. ckftj �flon R. Franc c. „Jungfer Regina", begann er, auf den Spitzeneinsatz deutend, den sie in der Hand hielt,—„sie putzt sich Wohl schon für morgen zur Einlueihungsscior des Franziszischlössis. S-ie geht Wohl hin, geladen von der Baronin, he?" Und er lächelte gutmütig tlitd spitzbübisch. Regina ver- stand nicht. „Ich geladen? Ins Franziszischlössl? i.. Ich weiß von gar nichts." „Oh, ich Hab' schon gehört, daß bald etile Verlobung sein soll... Gratuliere, der Herr von Solms war mir immer ein guter Hhes, schad', daß er nicht mehr bei uns ist... na, was war. kann wiederkommen... Hab' abeb nur denkt, daß er für die Hungfer zukünftige Braut auch eine Einladung erwirkt hat bei der Baronin von Dury. Sie ist doch so gut bekannt mit ihm, sagt man..." Regina sühlte einen Stich, ohne zu wissen warum. Sie hatte schon gehört von der schönen Französin... Reinhard kannte sie also, warum hatte er ihr das verschwiegen? Besl wollte abermals gehen. „Bleib' er doch, Herr Geheimschreiber, ein Glas Wein darf man ihm wohl anbieten?... Franz, bring' er dem Herrn Geheimschreiber ein Glas Portwein... Ja, Herr v. Solms hat mir schon erzählt von Frau v. Dury"-- begann sie verwirrt. Best spitzte die Ohren. „Ich hap' nicht gewußt,, daß sie Baronin ist— von der Baronin Dury..." „Sie ist's erst seit kurzem, das heißt, jetzt ist's erst raus- kommen, daß sic's ist. Der Herr Statthalter selber hat gc- sagt, daß sie's ist...- Also die Jungfer war schon dort— ein sehr vornehmes Haus, nir wahr?" „Ich war noch nie dort. Und ich lveiß auch nicht. lvarum ich hingehen sollt'," sagte sie plötzlich trotzig,'weil sie aus- einmal Widerwillen empfand. „Ist Herr v. Solms denn oft dort?" Der Portwein kam. Bcsl trank— inid dachte währenddem über die Antwort nach. „Herr von Solms ist doch, lvie mau so sagt, der Protoschec von der Madame, kennt sie ja lvohl schon von München her. Das ivird die Jungfer ja besser wissen als ich. Aber der Herr Vater wartet-ans mich. Also schönsten Dank und Grüß Gott." Regina mußte sich setzen als sie allein war. lind legte ans einmal die Hände vor die Augen— jetzt weinte sie bitterlich. Natürlich, Reinhard hatie ihr alles das ver- schwiegen, also betrog er sie, denn er liebte sicher jene sinn betörende Frau, die so schöil sang und so kokett war... Ihr Herz tvar zum Brechen voll. Oh. ihre Ahnung. Jetzt blickte sie klar. Darum hatte sie solchen Widerwillen gegeil die ge- heinmisvolle Hand, die ihn beschützte.... Psm, die Maitresse des Statthalters! Fast schamrot wurde sie bei dem Gedanken, mit einer solchen Person zu rivalisieren. In jeder Sekunde schössen nun neue Einsichten auf. Jetzt begriff sie mich, warum Reinhard schlecht von: Pater Guardian sprach. Der lvar ja vom Statt- Halter aus der Pfründe getan tvordeu— dem mußte natürlich auch diese welsche Person gram sein.... .Ihre glückliche, unschuldsvoll reitie Welt de- Vertrauens brach in ihr zusammen. Man konnte wirklich keinem Mann vertrauen. Und sie tvankte mehr denn sie ging zu- rück tu den Garten. Dort herrschte unfreundliche, graue Dämmerung und der Himmel sah verschlossen, hart und leer herunter. Diese Dämmerung aber verhüllte ihre Mienen, und so merkte die gute Tante nicht? von ihrem Schmerz und sagte eifrig: „Guck, Regerle, grad hör' i von der Marie, der Pater Guardian hat vom Statthalter ein Benefiz bekommen, die Pfründ' für den Religion? unterrichte bei den adeligen Ising- lingen in der Osfiziersschul', denk' Dir, das iS doch schön von der Regierung, daß doch wieder auf den rechten Glauben schaut bei dene adeligen Jüngling' gelt?"... VIII. Der Fronleichnamsmorgen ging auf. strahlend in dem weißlichen Dust, mit dem die schönen Frnhsomuiertage au- heben, daraus dann bald die' Sonne brütend heiß niederbrannte. Etil klapperndes Ans und Ab drang gedämpft hinauf' zum Fenster, an dem Lisou saß und las. Nicht einen Blick schenkte sie mehr, wie sie ursprünglich wollte, de» vielen geputzten Menschen, die unten zur Kirche»orbeiströmten, von der sie soeben zurückgekommen war. Früh nach der Messe hatte sie gebeichtet und im Beichtstuhl hatte ihr Cratlalanza endlich das so lang ersehnte Paket in die Hand gedrückt. „Hier ist daS Versprochene, daS Sie gewünscht, meine Tochter. Mache Sie einen guten nud würdigen Gebrauch davon zum Besten des irregeleiteten Eigentümers inid ihres eigenen Seelenheils. Dann kann Sie auch sagen, von wem Sie es empfing und Monsieur de Solms wird ihr dank- bar sein." Bmmetid vor Ungeduld hatte sie zu Hause sofort den llm- schlag heruutergerissen und als Erstes voll Bangen den Namen gelesen, der auf dem Heft stand: ..Ex libris Reinh. Zoliusii." Wie männlich, kraftvoll er schrieb! Was konnte da? wohl für ein Inhalt sein, um den sich so viel drehte. Ganz sicher waren Liebesbriefe darin. Was konnte ein Mann sonst so ängstlich verbergen? Sie schüttelte die einzelnen Heftchen. durchschlug sie rasch, aber nichts fiel heran?. Enttäuscht drehte sie die Schriften um, dann schlug sie das erste der Heftchen auf:„Anreden an den Richter des D. Bardt, von einem deutschen Mann, H. v. L. 1789," das stand darauf nlS Titel und der Inhalt war die Klage eines Schriftstellers, Ver wegen eines Lustspieles, in dem die Gerichte zu Magdeburg eine Majestätsbeleidigung erblickten, eingekerkert war. (Forts, folgt.) Mus aller Welt. Em halbe Million auf der Post gestohlen. >Aaarl>ruckclt�27> Rodember. Auf kein Wege iwm Postamt 2 fiter Postamt 3 zum Postamt 1 ist in der vcrgcmgcusn Nacht ein Geldbeutel abhanden'gekommen, der u. a. ein Wertpaket mit 500(MH> Mark in Tausendmarkschcinen enthält. Auf die Herbei- schaffung des Geldes ist eine Belohnung von 3000 Mark aus- gcstd'_ Humaniftiiche Gemeinde Berlin<cmber. nachniItlagS 5 Ubr, sindet in der Aula der Friedrich-Werdei- sehe» Lbeircaljchulc, Niederwallltr 12, ein Bertrag des Herrn Dr, Rudels Pcnzig über i.UniereToten" statt. Vor und nach dem Bortrugc Harmeniumspiel. O'äsle, Damen und Herren, willkommen. Jugenüveranftaltungen. Brstciterjuaendbetm Berlin. Lindrnstr. Z. Morgen Are! tag abend fi Uhr: Diskutierobend über ein interessantes Thema. DaS Helm selbst wird schon um 7 Uhr geissnet. Hrcefkastsn öe? NeSakSion. Zt. Ol. Sadte. stür bei lorer gegangene Kohleukarten ist ein Erlast nicht zu beanspruchen, kann aber gegeben werden.— Ttreit 100.»c« weibliche Angestellte ja, Bureauanzestellte nein.— H. C. Gchönberg. 1. Nein. 2. Beim Amtsgericht Hhres Wohnortes. 8. Unseres Erachten« zurzeit ja.— EtreitkSpfc im Aelde. In den Pah nicht, aber in das Zlatiotiale.— H.?7!. ÜS. To lange das HauS sür den öffentlichen Skr- fetiv geöffnet ist, müssen HanSflnr und Treppen gehörig beleuchtet iein. Wen» loie die Wohnung neu bezogen und die Wanzen bereits eingenistet »orgefmiden bade», können Sie auf Beseitigung des Ungeziescrs dringen eoenlucll gegen den Hauswirt klagen.—(st.«st. I. Herzkrank, tür den Dienst znin Landslurin brauchbar.— jj. lt. L. ZtO. ,(a.— C. Nein. Gewwnansms der 1l). Prenstisch- Süddeutsche»» (S3V. Königlich Nreuyifchc») Klassenlotterie 5. Klasse 17.?.iehunstZtog 23. November 1817 (tLhne«iewöhr?[. Et.-A. f. 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Sie betont, daß diese Maßregelung namentlich im Interesse der Lebens- miltelversorguug des deutschen Volkes notwendig gewesen sei, beispielsweise seien für Winterkartoffelu bis zu 8666 Wagen ge- stellt worden, während der Bedarf noch größer war. Eine völlige Aufhebung der Sperre würde die Wagengcstellung für Lebens- mittel gefährden. Jedoch habe die Eisenbahnverwattung die Liste der freigelassenen notwendigsten Güter schon erheblich erweitert. Die Bewilligung von weiteren Aus- nahmen werde in Erwägung gezogen, namentlich kamen in Be- iracht Gegenstände des täglichen Bedarfs, Textilwaren. Kurz- waren, Steingut, Porzellan und dergleichen, sowie auch Weih- n a ch t s w a r en.' Schiffers Nachfolger. Magdeburg» 28. November. In der gestrigen ReichSlogseriaywabl deS WahIlreiseS Nenhaldensleben— Wolmirstedi wurde an Stelle deS bisherigen Abgeordneten, Ministerialdirektors Schiffer, Giimitasialdstellor Drittel- Nenhaldensleben gewählt.__ Lettte Nachrichten. Holland und der Völkerbund. Haag, 28. November. In der heutigen Sitzung der Zwesten Kammer sagte Ministerpräsident Eart van der Linden: Was die schwer vorauszusehende Zukunft betreffe, so tonne nur ein Völkerbund Aussicht aus eine internationale. Abrüstung ge- währen. Der Erfüllung dieses Ideals stünden aber gewaltige Schwierigkeiten im Wege, durch die man sich allerdings nicht ob- schrecken lassen dürfe; denn der Weg zum Völkerbund sei d c r e i n- z t g e Weg z u einem dauerhasten Frieden und zur Erhaltung der Zivilisation. Weiter sagte der Minister: Der schweizerische Gesaudie habe mitgeteilt, daß dem schwedischen Gesandten zufolge die schwodisä'e Regierung beabsichtige, die neutralen Staaten zu einer P r ä! t m i n a r k o n sc r c n z ü be r die wirtschaftlichen Fragen nach dem Kriege cinzubewusen. Wenn Holland ange- grissem würde, würde es sich, ohne nach den Machtverhältnissen zu fragen, verteidigen� Aber abgesehen von Selbstverteidigung gehe es nicht in den Krieg. Ein Aufruf Duchenins. Wien, 27. November.(K. K. Telegr. Korresp.-Bureau.) Die Nachricht von der Verhaftung des von der Bolschewikiregierung ao- ac setzten O berbescblshabc es Duchcnin hat sich vorläufig nicht de- wohrheitet. Es liegt ein von Tuche mit miierzeichncter Ausruf vor. der am 27. November ialtcu oder neuen Stils k Rrd. d.„V.") vormittags aus dem russischen Hatiptquart'.cr erlassen wurde. Sein Inhalt ist nicht sonderlich klar. Ducheuin beklagt in stewegten Worten die Verwirrung, die in Volk und Heer herrsche und bedauert. daß über die Armee, die das vierte Jahr alle Entbehrungen des Krieges trage und sich nach den heimatlichen Herden und Familien zurücksehne,„neue harte Pruftingeu gekommen seien." Er schließt mit einem Aufruf nach Einigung und Wiedarerstarkung, aber„ohne Gewali und ohne Blut der Bajonette". Ter Ticb von WilMmöhöhc. Kassel, 28. November. Die. Kriminalvo/izei hat heute einen s i e be n z e h n j äh.r i g e n Obertertianer dingfest- gemacht. der in einer der letzten Nächte, den gemeldeten großen Diebstahl wertvoller Kunstgegenstände auS Schloß Wilhelmshöh« verübt hat. Ter größte Test der gestohlenen Gegenstcrnve ist wieder herbei-- geschafft wei&utk eZrs F�MinTZeGAH werden Sie<« vsssrsn Geschäften Sie Überzeugung gewinne«, daß m Sie zum Einkauf von w Damenkteidun� i�gL SN Ks? richtigen Gtelte find. � MfPf GewerffchoAsbewegung Neuer Streit in Crimmitschau. Kaum dier Monate sind lvrstrichen. seitdem c!n großer Weberstreit in Crimmitschau durch das vermittelnde Ein- greifen der Militärbehörden in letzter Stunde abgewendet wurde, und schon stehen aufs neue 130 Textilarbeiter und-arbeiterinnen einer Tuch, und Deckcnfabrik im Ausstand. Ter Streik droht auch auf dw anderen Betriebe überzuspringen. Das allseitig als beson- ders rigoros bekannte Crimmitschauer Unternehmertum läßt die Arbeiterschaft tatsächlich nicht zur Ruhe kommen. In geradezu provokatorischer Weise wird durch immer aufs neue ersonnene Matz- nahmen die Arbeiterschaft zum Widerstand gereizt. Im Juni wurde mit Wirkung ab 26. März 1917 die Zahlung einer wöchentlichen Teuerungszulage vereinbart, und zwar für verheiratete männliche Arbeiter und Meister 9 W., für ledige Arbeiter und Arbeiterinnen über 17 Jahre 7 M., für Arbeiter und Arbeiterinnen unter 17 Jahren V M. pro Woche. ES wurde damals vercjnbart: Eine Kürzung der Teuerungszulage tritt nur ein, wenn selbstverschuldcteteS Fernbleiben von der Arbeit vorliegt. — In den Besprechungen der Arbeitervertreter mit den Untcrnch- mern war man sich allseitig einig, daß für die gesetzlichen Feiertage ein Abzug von der Teuerungszulage nicht gemacht werden dürfe. Einige Monate hielt das Unernehmertum das gegebene Versprechen; aber schon seit etwa zwei Monaten weigert sich ein Teil der Fabri- kanten, die Teuerungszulage für die gesetzlichen Feiertage zu zah» len. Jetzt ist in einer Anzahl Fabriken eine diesbezügliche Bekannt- machung erlassen worden. Das Kricgsamt Leipzig hat merkwürdigerweise unter Autzcrachtlasiung der früher von den Unternehmern gemachten Versprechungen eine Beschwerde der Arbeiter abgewiesen mit der Begründung: Die Teuerungszulage sei ein Teil des Lohnes, Feiertage würden nicht bezahlt, ergo braucht auch die Teuerungszulage nicht gezahlt werden. Daß etwa die Hälfte der Fabrikanten korrekt verfährt und die Teuerungszulage ohne Abzug auszahlt, hat die Entscheidung des Kriegsamtö nicht zu beeinflussen vermocht. Die Erregung der Arbeiter ist sehr groß. Auch die Gelben fraterni- sicren nnt den freigewerkschaftlich Organisierten. Diese Erregung ist um so begreiflicher, als das Crimmitschauer Unternehmertum zu denjenigen gehört, welches am Kriege am meisten verdient und seinen Arbeitern am wenigsten helfend zur Seite gestanden hat. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Mehrzahl der Unternehmer mutzte erst durch einen im Mai drohenden Weber- streik vom KriegSamt zur Zahlung einer angemessenen Zulage gezwungen werden. Die Löhne der Arbeiter in Crimmitschau sind niedriger als in den großen Konkurrenzplätzen der Lausitz. Trotzdem sind eben gegenwärtig in der N i e d c r I a u s i tz auf dem Wege friedlicher Vereinbarung zwischen Unternehmern und Ar- beitern die Löhne aller Kategorien des ganzen Bezirks nicht un- wesentlich erhöht worden. Die Crimmitschauer Fabrikanten suchen, wie ihr Vorgehen beweist, das Einkommen der Arbeiter herabzu- setzen. Die Arbeiter können der Unterstützung aller rechtlich Denken- den sicher sein. Kriegsiaßuitg des Bundes deutscher Telegraphenarbeiter. In diesen Tagen bat in Berlin eine Delegiertenversammlung de? obengengenannten Bundes stattgefunden, dem aucki die Vor- orbeiter und Handwerker im Dienste der Reichspost angehören. D>e Reichspostverwaltung, so beißt es in einer Enitchlietzung, sei zwar bestrebt gewesen, den genannten Kategorien über die Schwierig- keilen hinweg zu belien, die getroffenen Maßnahmen seien aber ungenügend. ES werden deswegen folgende Forderungen aufgestellt: Durchgreifende Erhöhung der Löhne und der laufenden TsusrunoS�uschüsie; Erhöhung der Zehrgelder tür die auS- wältige Tätigkeit, und zwar sowohl für Tage mit Uebernachten wie für iolche ohne auswärtiges Rachtguartier; tür die Telegraphen- arbeiier eine erhebliche Verstärkung der Bauzulagen; Gewäh- rung emer einmaligen Teuerungszulage zur Beschaffung »oil Wintervorräten. Kleidungsstücken, Wäsche und anderen Gegen- ständen des täglichen Bedarfs, die wegen der ungeheuerlichen Preis- fteigerungen von den laufenden Einnahmen unmöglich erworben werden können. Dieser einmalige Zuschuß mutz, sofern er seinen Zweck auch nur einigermaßen erfüllen soll, die Höhe eines Monats- rinlommenS erreichen. Ferner wurden im Laufe der Verhandlungen noch folgende Forderungen als besonders dringlich bezeichnet: Die Weitergewährung der vollen Bezüge einichlietzlich der Teuerungszulagen an die er- kr a n k t e n Arbeiter und Handwerker; die Lieferung einer zweck- entsprechenden Dienstkleidung, welche die Arbeiterichaft zur- zeit sich auS eigenen Mitteln nicht mebr zu beschaffen vermag; die Milbezahlung der auf einen Wochentag fallenden gesetzlichen Feiertage; die»nverzügliche Duichsübrung der Anrechnung der Arbeiter- und Handwerkerdienstjahre auf das BesoldungS- und RuhegehaltSdien st alter: die Errichtung einer Ruhe- geballSkaiie für die n i ch t zur Anstellung gelangenden Tele- graphenaibeiter und Handwerker. Uuslanü. Landarbeiterbewegung in Italien. Bern, 26. November..Avantr' enthält Nachrichten über eine große Landarbeilerbewegung in der Provinz Rom. mit der wahr- scheinlich die b-reilS eriolgte Auilö'ung zahlreicher Gcmeindeverwal- tunzen im Zusammenhang stehi. Viele Frauen wurden wegen Ge- säbrdung der freien Landarbeit mit Gefängnis bestraft. Parteinachrichten. Für Frieden und Freiheit. Zu einer imposanten Demonstration für einen Frieden der � Verständigung gestaltete sich die für Sonntag, den 25. November gemeinsam von der Sozialdemokratie und den Fortschrtttlern ' Düsseldorfs einberufene Volksversammlung. Saal, Galerien und � Bühne des über 3000 Personen fassenden Versammlungsraumes i der städtischen Tonhalle waren dicht besetzt. Di«„Unabhängigen" hatten in ihrem Organ ihre Anhänger ausgesordert, die Versamm- . lung nicht zu besuchen. Auch das Zentrum, das in Düsseldorf unter dem Einfluß dcS altdeutsch angehauchten Londtagsabgeord- neteu Dr. Brockmann steht, hatte es abgelehnt, an der Kund- gebung für die Politik der Mehrhcitsparteicn des Reichstags teil- zunehmen. Tie Düsseldorfer Bevölkerung hat aber durch den Massenbesuch der Friedenskundgebung gezeigt, daß sie mit ihren Svrnpcrthien aus feiten der Parteien steht, die unablässig für die baldige Herbeiführung eines Verständigungsfriedens eintreten. Ueber das Thema des Tages...Di« Politik der Mehrheitsparieien des Reichsiag- und die Vatcrlandspartci" sprachen der Rcichstags- abgeordnete Genosse Heinrich Schulz für die Sozialdemokratie und der Abgeordnete Ho ff- Kiel für die Fortschrittler/ Häufige Zustiinmungskundgebllngcn und wiederholter stürmischer Beifall bekundeten das Einverständnis der Versammelten mit den Aus- führungen der Redner, die in den Forderungen nach einer möglichst baldigen Verständigung der jetzt Kriegführenden und nach sofortiger Demokratisierung unserer Staatseinrichtungen gipfelten. Außerordentlich stark und häufig waren die Zustimmungskuird- gebungen der Versammelten, als die Redner mit den Alldeutschen, deren Politik ganz allein dem deutschen Volke einen Hungerfriedcn bringe, abrechneten. Einstimmig gelangt« schließlich ein« Resolution zur Annahm«, in der die auswärtige Politik der Mehrheitsparteien des Reichstags gebilligt, die Friedensbemühungen der russischen Rcvolutionsregieruizg begrüßt und erwartet wird, daß das Ver- kalten der Mittelmächte ihnen gegenüber einen weiteren und ent- scheidenden Schritt auf dem Wege zum allgemeinen Völkersricden bedeutet. Weiter Ivcndet sich die Resolution gegen die Bestrebungen der Vaterlandspartci und fordert den schleunigen Ausbau des deutschen Obrigkeitsstaates zum Vvlksstaat. inSbeiondere das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für alle Bundes- staaten.._ Orgauisativueu und Parteitag. Am 2l. November(Bußtag) fand in SchwiebuS eine zahlreich besuchte Parteiversammlung statt, in der der Delegierte deS Kreises, Cohen, in ausführlicher Weise den Bericht des Würz- burger Parteitages gab. Nach kurzer Diskussion, in der sich die Redner zustimmend zu den Beschlüssen des Parteitages äußerten, nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution an, won�h sie sich mit den Beschlüssen des Parteitages und dem Verhalten des Delegierten des Kreises einverstanden erklärten. Der Vorsitzend« des Kreises teilte dann mit, daß auch im Kreise SchwiebuS- Sommerfeld die Vaterlandspartei sich bemühe, Anhänger zu werben, jedoch könne er feststellen, daß nach seinen Jnformatlonen die werktätige Bevölkerung sich gegenüber der Werbung von Mit- gliedern für die Vaterlandspartoi ablehnend verhalte. Henryk Spiekmann tot. Die geiverkschaftliche und sozialistische Arbeiterbewegung Hollands ini allgemeinen und der Stadt Rotterdam im besonderen hat einen herben Verlust erlitten: Henryk Spiekmann ist por wenigen Tagen auS dem Leben geschieden. Als Gewerkschafts- führer, Parlamentarier und Tagesschriststeller bat er sich durch besonnenes Urteil, unerschütterliche Charakterstärke und bedeu- tendes Organisationstalent ausgezeichnet. Was Anseele für Gent ist, daS war Spiekmann für Rotterdam: die Seele der dortigen Arbeitermassen. Und das Schmerzlichste ist, daß er im besten Mannesalter vom Schauplatz seiner segensreichen Tätigkeit gerissen wurde. Spiekmann war erst 43 Jahre alt. Ehre seinem Andenken! Soziales. N«vcrsorgti»jtrlegsicschädigte. Läßt die Versorgung der Kriegsbeschädigten bei all den Ein- richtungen, die geschaffen wurden, ihr Los zu verbessern, noch recht viel zu wünschen übrig, so sind jene KriegSleitnehmer doppell übel daran, die aus dem Heeresdienst um deswillen ohne Rente ern- lassen wurden, weil das ihre Erwerbsunfähigkeil oder Erwerbs- beichränkung bedingende Leiden nickt auf den mliitärifchen Dienst zurückgesiihrt wird. Die Zahl dieser Kriegsopfer ist nicht gering und sie steigt andauernd. Für sie, die sich meist in einer wirtichattlichen Notlage befinden, ist es wichtig zu wissen, daß sie trotz der Ablehnung ihreS Rentenanspruchs noch eine Uulerstü tzung erlangen können. Wer sich durch den ablehnenden Bescheid benachteiligt fühlt, kann innerhalb drei Monaten nach der Zustellung der Entscheidung Einspruch dagegen erheben. Dieser Einspruch bat die Wirkung daß der Bcircffende bis zum Erlaß einer neuen Entscheidung als Kriegsbeschädigter behandelt wird. Seine Familie ist dann zum Empfang der F a m i l i e n u n t e r st ü tz u n g bis zu, Dauer von drei Monaten nach der Enilassung voll berechtigt. Solche Personen sind auch berechtigt, die Organe der KriegSbeichädigien- fürsorge in Anspruch zu nehmen. Wird wegen AuSsichlSlosigkeit aut die Erbebung des Einspruches gegen den ablebnenden Beicheid verzichtet. dann besteht die Möglichkeit, auf Grund des§ 23 deS MannschaflkveriorgungSgcsctzes eine Unterstützung zu erlangen. Dort wird bestimmt, daß Unterosfisicren und Mannschaften, die wegen körperlicher Gebrechen ohne Anspruch aut Rente entlassen werden, im Falle dringender Bedürftigkeit«ine Renle bis zur halben Höhe der Vollrente ibreS Dienstgrades vorübergehend gewährt werden kann. Die erstmalige Gewährung einer solchen bedinaten Rente ist nur bis zum Ablauf von zwei Jahren nach der Enilassung zulässig. Die Milnärverwaltung ist bei der Zubilligung dieser Rente, die tür den Feldwebel bis zu 430 M., iiir Sergeanten bis zu 300 M.. für Unterotfiziere bis zu 300 M. und für Gemeine bis zu 270 M. be- trägt im allgemeinen nicht engherzig. Die Bewilligung eriolgt in der Regel für ein Jabr, nach dessen Ablauf die Bedürftigleit erneut nachgeprüft wird. Kriegsbeschädigten, die ohne Rente entlassen wurden, kann nur empfohlen werden, von diesen Einrichtungen soweit als möglich Gebrauch zu mache». Mittagökost für erwerbsunfähige Kranke. Eins fcbr dankenswerte soziale Maßnahnie hat die OrtSkranken- lasse sür die Stadt Leipzig getroffen. In Verbindung mit einer Reihe anderer Leipziger Krankenkassett hat sie eine Mittags- k ü ch e für erwerbsunfähige Kranke eröffnet. Tsie erkrankten Mitglieder der beteiligten Krankenkassen erhalten, wenn ihre Krankheit das akute Stadium überichrilten bar und sie sich in Rekonvaleszenz befinden, zur schnelleren Wiederherstellung ihrer Gesundheit Mittagessen,- zu dem die Krankenkasse einen größeren Teil der Kosten beiträgt. Die als Kriegs- maßnohme gedachte Emrichiung kann entsprechend den nur beschränkt vorhandenen Nahrungsmitteln nur aut drei Wochen ge- währt wotdcn: es kommt also bei der sestgesetzten Höchstzahl von täglich 750 Personen vielleicht nur ein Teil der relvnvaleSzenlcn Mi?- gliederin Frage. Darum ist vorgesehen, daß die behandelnden Kassen- Srzte auS ihrem Krankenstände die geeignetsten Fälle herauSiuchem Die Verwaltung der in einem städtischen Gebäude untergebrachten Krankenküche bat die OrtSkrankenkasse selbst übernommen. Die Selbstkosten für die den Kranken zu verabreichende MiltagSkost werden nach den angestellten Berechnungen etwa 1,30 M. für die Poition betragen, davon zahlt der Kranke 40 Pf., der Rest wird von der , Krankenkasse übernommen. Die in Leipzig getroffene KriegSmaßnahme ist in jeder Hinsicht nachahmenswert. Sind doch gerade die erwerbsuntähigeii Kranken bei der ungeheuerlichen Steigerung sämtlicher Lebensmittel in den allermeisten Fällen gar nicht in der Lage, die ibreni geschwächten Körper so dringend nötigen lräfligendcn Nährmittel kaufen zu können. Aber auch im Interesse der Krankenkassen selbst liegt«S. ihren Krauken nach Möglichkeit kräftigende Nahrung zu- kommen zu lassen. Wird dock dadurch eine schnellere Behebung der Rekonvaleszenz herbeigeführt und damit der Kranke, der tonst viel- leicht noch längere Zeit die Kasse belasten würde, in iürzerer Frist wieder arbeitsfähig hergestellt. Industrie und Handel. Schon wieder eine Erhöhung der Eisenpreise. Die.Frankfurter Zeitung" meldet: .Dem Vernehmen nach sollen in den ersten Tagen des Dezember zwischen den Vertretern der Eisenwerke und der amilichen Stellen Verhandlungen über eine Neuregelung der Ver- k a u f S p r e i i�e stattfinden. Der Wunich der Werke nack. Er- höhung der Höchstpreise ist ollgeinem unier Hinweis auf die anhaltende Steigerung der Selbstkosten. Ob und in welchem Um- sänge eine Erhöhung Genehmigung findet, läßt sich noch nicht übersehe»; sehr groß icheint dieNeigung bei den amtlichen Stellen zur Zustintmung zu einer kräftigeren Erhöhung nicht zu sein." Es wäre dringlich zu wünschen, daß die Behörden nackensteif blieben und ihre.nicht sehr große Neigung" nicht größer werden ließen. Die Reingewinne der Eisen- und Stahlwerke sind märchenhaft hoch und dabei weiß jedermann, daß sie künstlich der- abgedrückt sind und daneben wirklich fabelhafte.stille' Ne- serven geschaffen wurden. Gerade in den letzten Tagen wurden Gewinnzahlen der BiSmarckhütle veröffentlicht, die, wären unsere Nerven nickt schon längst gegen solche Eindrücke abgestumpft, Sensation erregen müßten. Nach der.National-Zeitung" bat die Bismarckhütte im letzten Vierteljahr ihr Aktienkapital— 16 Millionen Mark— rein verdient. Auch der Einwand, daß die Preise zur Erzielung der größten LeistuugS- fähigkeit auch den weniger modernen Werken einen angemessenen Nutzen lassen müßten, ist ganz hinfällig. Denn einmal ließen sich sür diese Zwecke besondere Zuschläge einführen, ohne daß die Pren'e der am teuersten. arbeitenden Unternehmen sür die ganze Industrie Richtung gebend sein müßten, und dann lassen die geltenden Preise eben auch den kleinen Werken bereits sebr guten Nutze», wie das Exempel der Tüsieldorser Eisenhültengesellichail beweist, die 20 Pro,. Dividend« gegen 8 Proz. im Vorjahre und 0 Proz. vor zwei Jahren verteilt. Tie neue Bierordnung. Die Bierbrauereien dürfen in der Zeit vom 1. Oktober 1917 ab in jedem Kalenderrnertcljahr nur 10 Prozr, die Bierbrauereien i: Bat�eru rechts deS Rheins 15 Proz. der Malzmcnge zur Her- stellung von Bier verwenden, die sie in dem entsprechenden Kalen- dervierreljahrc der Jahre 1012 und 1öl3 durchschnittlich verwendet haben. Die für daS letzte Vierteljahr eines KontingentsjahrcS festgesetzten Malzmengen dürfen, soweit sie nicht verwendet sind, noch in dem ganzen folgenden Kontingentsjahre verwendet werden. Bc- züglich 5er Ucbertragung von Braustcuerkontingentcn ist bestimmt worden, daß die Ucbertragung von Malzkontingenten mit Genehrpi- gung der Reichsgetreidestelle innerhalb dcS nämlichen Brausteucr- gebietS zur Eigcnverwendung der erwerbenden Brauerei aus einem wichtigen Grund— z. B. Wirtschaftlichkeit der BctriebSfiihrung— erfolgen darf.__■_____ Serannvortli« fCr PolitU' vrich! S?etltn; tür ften üfttiflcn leil bei Vlalt-S' Allr-d Crtiol,, Neuwüin für Snffrote t#.«loif«,-Vcrlin. Druck u. Verlag. Vorwärts Vuckckruckerei Ii. Vertagsanktalt Vaul Singer ör Co.. Verlin S\v Hier»» 1 IPfitonr und UnlttfioltitngSdlott.